IM. Jahrgang Eichener Anzeiger Nr. 13b Erstes Blatt_____ 18H. Jahrgang Donnerstag, 14-Juni MH MS ä:aLAMAm VikaUa« =*= Heimat im Bild - Die Scholle «8 ■ Aw H T A W ■■ M w «M ▼ ■■ AGrundpreise mm höhe Monats-Bezugspreis: ■ W M 7 ■ ■ M X M W WWW W M W ST W für Anzeigen Mit 4 Beilagen RM. 1.95 lilllf WM W< ■ ■ ■< W / ■ I I ■ Breite 7 Rpf., Text- Ohne Illustrierte „ 1.80 M W^ W W Wk W W W ^W W W tM. W W & W anzeigen von70mm Breite Zustellgebühr.. „ -.25 M W' U W W W W W M W M W 60 Rpf.,Platzvorschrift oder Auch bei Nichterscheinen ■ W ▼ ■ ▼ ■ schwieriger Satz 25°/o mehr fn°"°.g7^h7r°^ G-wÄ fVr V t*U Grundpreise: -M- General-Anzeiger für Sbechessen WM grnnifMrt am Main 11686 Druck uit» Verlag: vruhl'sche UnioerfitStsvuch- und Steinbruderei «.Lange in Stehen, schristleitung und Geschäftsstelle: Schuistrahe 7 Mengenabschlüss^SiaffeM Deutschland streckt die Hand aus. „Polen treibt polnische Politik!" Das war wörtlich und sinngemäß der Inhalt eines Warschauer Zeitungsartikels, der vor einigen Tagen — offenbar unter ausdrücklicher Billigung der Regie- runtz — gewisse Presseangriffe aus Moskau und Paris zurückschlug und der damit allen Versuchen, die polnische Politik in einem bestimmten Sinne zu verdächtigen und zu beeinflussen, von vornherein den Boden entzog. Daß eine solche Zurückweisung überhaupt notwendig wurde, ist für den Nationalsozialisten unbegreiflich. Für uns steht es außer jeder Debatte, daß Polen, nicht eine französische, russische, italienische oder deutsche Politik betreibt, sondern eine ausschließlich polnische. Aber diese Selbstverständlichkeit hat für gewisse Meinungsfabrikanten in Paris und Moskau offenbar keine Gültigkeit. Dr. Goebbels hat als erster nationalsozialistischer Minister vor der polnischen Oeffentlichkeit über den Ideengehalt der deutschen Freiheitsbewegung gesprochen und mit seinem Dortrag großen Beifall geerntet. Er hat nicht etwa hinter dicht verschlossenen Türen mit den polnischen Politikern geheime Pläne geschmiedet. Wäre es denkbar, daß etwa ein französischer Minister vor das polnische Volk hintritt, um die Ideologie der französischen Revolution von 1789 und die Vorzüge der parlamentarisch- liberalistischen Demokratie Pariser Provenienz zu erläutern? Wäre es möglich, daß ein Mitglied der roten Sowjetregieruna in der polnischen Hauptstadt den Klassenkampf und die Vorbreitung der proletarischen Weltrevolution predigte? Die Fragen stellen, heißt, sie verneinen. Aber was auf den ersten Blick grotesk erscheinen mag, ist doch nur ein Zeichen für den tiefen Abgrund, der sich zwischen dem Europa von gestern und dem Europa von morgen auftut. Die Polen selber werden bemerkt haben, welch ein Unterschied, innerlich und äußerlich, zwischen den Besuchen des 70jährigen B a r t h o u und des 37jährigen deutschen Ministers in Warschau besteht. Dort die geheime Bündnisdiplomatie im Vorkriegs st il, hier der unbändige Wille, die Völker selbst an einer europäischen Zusammenarbeit teilnehmen zu lassen. Dr. Goebbels hat seinem Vortrag das Motto vorangesetzt: „Das nationalsozialistische Deutschland als Faktor des europäischen Friedens." Wie ein roter Faden zog sich durch seine Ausführungen der von Adolf Hitler verkündete Grundsatz, daß der Nationalsozialismus keine internationale Sendung in aggressivem Sinne zu erfüllen hat, daß nur durch die gegenseitige Achtung vor der Eigenart jedes Volkes eine dauerhafte europäische Zusammenarbeit gewährleistet werde, und daß nur auf diese Weise der Weltfrieden am besten gesichert werden könne. Da der Nationalsozialismus als typisch deutsche Erscheinung keine geistige Expansionspolitik zu treiben gewillt ist, verfällt er auch nicht in den Denkfehler, die polnischen Geschicke könnten etwa in einem nichtpolnischen Sinne gelenkt werden, und deshalb besteht auch nicht die Gefahr für ihn, daß er sich unangenehme Wahrheiten von den polnischen Journalisten sagen lassen muß. Als die NSDAP, am 30. Januar 1933 die Macht in Deutschland übernahm, da befürchtete alle Welt, eben aus ihrer Unkenntnis dieser Bewegung heraus, daß der deutsch-polnische Krieg nur eine Frage der Zeit sei. Heute ist nirgends auf der Welt ein so verständigungsbereites Einvernehmen zwischen zwei Staaten zu finden wie gerade zwischen Deutschland und Polen. Dies unerwartete Ergebnis unserer Politik ist uns nicht als reife Frucht in den Schoß gefallen. Es hat harte Anstrengungen gekostet, um die auf beiden Seiten vorhandenen Vorurteile und Mißverständnisse aus dem Wege-zu räumen, und das deutsch-polnische Verhältnis wird auch in Zukunft ein Problem bleiben, das den kämpferischen Einsatz führender Männer von beiden Seiten verlangt. Wenn wir noch einmal kurz die Etappen des Weges streifen, der endlich zu den gestrigen Vorgängen in Warschau führen konnte, so nur, um die entscheidende Bedeutung des jetzt Erreichten um so mehr hervortreten zu lassen. Am 15. November 1933 fand in Berlin zwischen dem Führer und dem polnischen Gesandten eine Aussprache statt, bei der als übereinstimmende Absicht der beiden Regierungen festgestellt rmirde die beide Länder berührenden Fragen auf dem Wege unmittelbarer Verhandlungen in Angriff zu nehmen und ferner zur Festigung des Friedens in Europa auf jede Anwendung von Gewalt zu verzichten. Es folgten dann rege Verhandlungen zwischen Warschau und Berlin, die chließlich im Januar zu der als „deutsch-polnischer Verstandigungspakt" bekannten s ch r l f t t J e n Vereinbarung über die künftige Gestaltung der beiderseitigen Beziehungen führten. Um die Auswirkungen dieser Vereinbarung zu fordern, wurde dann Ende Februar das Abkommen: getras- sen. das eine eng- deutsch-polmsche Z u, a m m - n- orbeit in allen Fragen offen ll ch - r Meinungr-bildung gewährleisten sollte um so das gegenseitige Verständnis immer mehr zu wecken und eine 'freundschaftliche Atmosphare von Dauer zu sichern. Nur wenige Tage fpater wurde das deutsch-polnische Wirtschaftsabkommen unterzeichnet, durch das der seit 1925 andauernde deftige Zollkrieg beendet wurde, um nunmehr einer fruchtbaren* wirtschaftlichen Zusammenarbeit dre Wege zu ebnen. Mitte Mai hatten die vorher schon in Warschau aufgenommenen Besprechungen zwischen Vertretern der polnischen la n D ro i r t‘ schaftlichen Organisationen und des deutschen Reichsnährstandes in Berlin ihren Abschluß gefunden. Diese landwirtschaftlichen Besprechungen ergaben eine weitgehende Uebereinstimmung der Ansicht, daß Europa nur auf der Basis der unmittelbaren Verständigung der Vertreter des Bauerntums gesunden könne. Dr. Goebbels hat in Warschau die Frage gestellt, ob nicht die übrige Welt jeden Versuch begrüßen müsse, der mit diesen neuartigen Methoden an die Lösung der großen Zeitprobleme heran- gehe. In der Tat scheint es so, als ob sich auch m anderen Ländern allmählich die Ueberzeugung Bahn bricht, daß nur durch gegenseitiges Kennenlernen und durch den Austausch ihrer geistigen und kulturellen Güter die Völker Kriegs- und Haßgedanken endgültig aus ihrer politischen Vorstellungsw-lt verbannen können. Das deutsch-französische Austauschkonzert im Radio, das dem deutschen Volk französische Komponisten und Künstler nahebrachte, scheint uns in dieser Hinsicht ein guter Anfang gewesen zu sein. Mögen die Politiker folgen und in die offene Hand einschlagen, die Dr. Goebbels in Warschau noch einmal unseren ehemaligen Feinden entgegengestreckt hat. General Weygand fährt nach London. Fühlungnahme mit dem englischen Generalstab. London, 14. Juni. (DNB.-Funkspruch.) „Mor- ning Post" spricht von einem bevorstehenden B e - such des französischen G.e n e r a l st a b s- chefs, Gen eral Weygand, in England. „Daily Herold" will wissen, daß der General am kommenden Montag in London eintreffen werde. Es heiße, der Besuch sei ganz inoffiziell, aber er Heute treffen sich Hitler und Mussolini in Venedig. Deutsch-italienische Aussprache über das Problem der Befriedung Europas. Berlin, 14. 3uni. (DRV.) Nachdem es feil langem der Wunsch des italienischen Regierungschefs und des deutschen Reichskanzlers war, sich persönlich kennenzulernen und über die allgemeine politische Lage zu unter- halten, werden sich die beiden Staatsmänner heute, am 14. Juni, in Venedig treffen. * lieber die Zusammenkunft schreibt Alfred R o - senberg im „Völkischen Beobachter" u. a.: Heute, Donnerstag, trifft der Führer und Reichskanzler auf italienischem Boden ein. Damit ist eine Begegnung zustande gekommen, die auf jeden Fall von geschichtlicher Bedeutung ist. Es treffen sich zwei Männer, welche die Achse des Weltgeschehens herumgedreht haben und ein Europa, das dank demokratischer Unfähigkeit und marxistischen Zerstörungswahns dem Abgrund entgegenraste, vor der Zertrümmerung retteten. Faschismus und Nationalsozialismus, in der Richtung gegen das 19. Jahrhundert gleichgerichtet, haben ihre eigenen, aus der Seele der italienischen und der deutschen Nation entsprungenen Impulse. Sie werden geformt und gefärbt von den verschiedenartigen Traditionen der beiden Völker, und der Ausbau beider Gedankenrichtungen in der jedem Volke entsprechende Weise ist die große Aufgabe einer neuen Gestaltung Europas durch Neugeburt einzelner Nationen. Darüber hinaus aber stehen beide großen Führer vor der Aufgabe, Gesamteuropa mitzubewahren vor der kommunistischen Zersetzungsarbeit und alle jene mit zum Kampf aufzufordern, die guten Willens find, dieser Zersetzung nicht Vorschub zu leisten. Die kommunistsiche Internationale hat gerade in den letzten Wochen geheime Anweisungen an ihre Zentren in Europa erlassen, ihre Politik überall dahin einzurichten, zwischen Faschismus und Nationalsozialismus Kluften aufzreißen und das Ziel zu verfolgen, Italien und Deutschland zu verfeinden und auseinander zu reißen. Nebenher find natürlich auch andere Kräfte am Werke, die Richtung eines neugeborenen, befriedeten Europas zu ändern, der imperialistischen Denkungsart der Welt vor 1914 wieder zum Siege zu verhelfen und mit künstlichen Bündnissen einzelne Nationen durch finanziellen und sonstigen Druck zu zwingen, sich gegen das neuerwachte Deutschland einzustellen. Alle diese Fragen werden in den Gesprächen zwischen den beiden großen Staatsmännern wohl behandelt werden und Wege werden gesucht, um aus dem höchsten Verantwortungsbewußtsein für das Lebensnotwendige der eigenen Nation und für die Lebensnotwendigkeiten des ganzen Europas heraus sich über das Erforderliche zu einigen, lieber die Reife des Führers find die ungewöhnlichsten Kombinationen bereits in .der deutschfeindlichen Hetzpresse erschienen, in einer Presse, die ihre sogenannte Freiheit nicht dazu benutzt, um die Fragen Eruopas einer friedlichen Lösung entgegenzuführen, sondern nur, um ihren Geldaebern zu neuen Geschäften zu verhelfen und das Verhältnis zwischen den Nationen zu vergiften. All diese Verdächtigungen einer wuterfüllten, sterbenden Welt werden an den beiden schon geschichtlichen Persönlichkeiten Hitlers und Mussolinis a b g I e i t e n. Vielmehr richten sich die Blicke aller gutmeinenden europäischen Völker und ihrer verständigungsbereiten Führer voll Hoffnung auf die Unterredung zwischen dem Führer des Faschismus und dem Führer des Nationalsozialismus. Das erwachte Deutschland aber grüßt feinen Führer und Dolkskanzler besonders auch in diese n T a g e n und steht einmütig wieimmer und entschlossener denn je zu jedem seiner Entschlüsse und weiß, daß niemals Deutschlands Schicksal in besseren Händen ruhte, als in den Händen Adolf Hitlers. Der Klug nach Venedig. Der Reichsautzenminister in Begleitung des Führers. München, 14. Iuni. (DNB.-Funkspruch.) Um 8.20 Uhr erfolgte heute bei strahlendem Wetter auf dem Flugplatz München-Oberwiesenfeld der Abflug des Reichskanzlers und feiner Begleitung nach Venedig zur Zusammenkunft mit dem italienischen Ministerpräsidenten Mussolini. In Begleitung des Reichskanzlers befinden sich u. a. Reichs- aufeenminiffeT Freiherr von Neurath, Reichspressechef Dr. Dietrich, Adjutant Brückner, Oberführer Schaub, ferner als Vertreter des deutschen Auswärtigen Amtes Ministerialrat Thomson, der gleichzeitig als Dolmetscher fun- Das Schloß, das jetzt unter dem Namen „V i l l a Stra" durch die Begegnung zwischen dem Führer und Mussolini mit einem Schlag in das helle Licht der Geschichte gerückt wird, lag bisher ziemlich vergessen und vereinsamt abseits der großen Straße, die von den Touristen besucht wird. Im Lexikon findet man nichts darüber, und Baedeker erwähnt die Idylle mit keinem Worte. Villa Stra wurde von dem Neffen eines venetia- nischen Dogen erbaut, der als Diplomat am Hofe Ludwigs XIV. beschäftigt war. Als er wieder in seine Heimat zurückkehrte, unterlag auch er der Mode der Zeit, das Versailler Vorbild nach- zuahmen. So entstand im Tale der Brenta dieses Wunderschlößchen nach französischem Muster, mit Wasserwerken, herrlichen Blumenterrassen, die in allen Farben leuchten, sehr schönen kleinen Kiosken, Pavillons, die im Park verstreut sind, und mit Torbögen, deren schöne Gliederung auffällt. Von den Jnnenräurnen ist besonders der große Mittelsaal zu erwähnen, dessen berühmte Decke, ein Meisterwerk von Tiepolo, in den Kunstgeschichten gerühmt wird. Heute wird das Schloß von einigen Karabinieris und einem Kustos bewacht, einem bärbeißigen Hüter der sich streng an seine Bestimmung hält und das Schloß nicht vor 15 Uhr zur Besichtigung freigibt; so werden die wenigen Fremden, die sich etwa um den Bau kümmern wollen, bisweilen vom Besuch abgeschreckt. Freilich, es ist heute im Innern der Villa Stra längst nicht mehr soviel zu sehen wie vor Mailand, 14. Juni (DNB.-Funkspruch.) Alle italienischen Zeitungen bringen am Donnerstagmorgen auf der Titelseite in großen Lettern die Nachricht von dem Zusammentreffen der beiden Staatsmänner mit Bildern des Führers, Mussolinis und der Villa Pisani in Stra — in der die erste Unterredung des Führers mit Mussolini erfolgt —. Uebereinftimmenb widmen alle Blätter dem Kanzler außerorbentlichherz- licheundwarmeWortederBegrüßung. „Popolo d'Jtalia" schreibt: Hitler ist der Mann, der Deutschland aus der Periode der poli- tiscken Schwäche befreit hat und es jetzt zu einem besseren Schicksal führt. Mussolini und Hiller führen zwei stolze Völker alter und fester Tradition mit glorreicher Vergangenheit, die dem Ereignis voller Hoffnung und voll Vertrauen entgegenschauen. Das italienische Volk, heißt es weiter, grüße in Venedig den erlauchten Gast, den Führer des großen Deutschland. Es erneuere den Aufbruch jener Sympathie, die sich zwischen den Schwarzhemden und Braunhemden an dem Tage schon herausgebildet habe, an dem diese ihren Kampf um die Erneuerung des Reiches begonnen hätten. „Gazetta bei Popolo" spricht von der weltweiten Resonanz, die die Nachricht von der Zusammenkunft hervorgerufen habe, handele es sich doch um das Treffen der beiden Persönlichkeiten, auf die die Aufmerksamkeit Europas und der übrigen Kontinente am meisten gerichtet sei. Man erwarte von den Besprechungen eine Erleuchtung, die eine Neuorientierung ermögliche. Hitler finde in Italien einen freundschaftlichen und warmen Empfang, der sich herleite aus den Gefühlen, die das italienische Volk für das deutsche beseele und aus der Bewunderung für das von Hitler begonnene Werk der Wiedergeburt feines Landes. giert, und Legationsrat von kotze. Zur Verabschiedung hatten sich auf dem Flugplatz Oberwiesenfeld eingefunden: Ministerpräsident Siebert, Staatsminister Esser und der Präsident der Reichspressekammer Amann. Der Flug nach Venedig erfolgte in zwei von den Flugkapitüven Bauet und Schnäbele geführten Flugzeugen. einigen Jahrhunderten, da von der ursprünglichen Ausstattung viel fortgenommen und an andere Stellen gebracht wurde. Stra schien aus seiner Vergessenheit noch einmal aufzuwachen, als Eugen Beauharnais, der Vizekönig von Italien, Stiefsohn des ersten Napoleon, in der Villa feine Residenz nahm. Er war mit einer bayerischen Prinzessin verheiratet, die sich ihre Gemächer recht einfach und bürgerlich einrichten ließ. Diese Zimmer wurden bann roieber von Victor Emanuel I. bewohnt, ber in einer morganatischen Ehe mit einer italienischen Gräfin lebte. Auch späterhin hat bas Schloß noch bisweilen berühmte Gäste beherbergt, und in bem Heckenlabyrinth seines Parks haben Gabriele b'An nun- zio unb Eleonore Düse geweilt. Enblich ist auch biefe Jbylle vom Weltkrieg nicht unberührt geblieben. Bekanntlich waren bie verbün- beten Truppen so weit nach Oberitalien oorgebrun» gen, baß Venebig bereits im Bereich ber schweren Geschütze lag. Damals würbe ein großes Frontlazarett in ber Nähe von Stra errichtet unb in der Villa selbst wohnten ber österreichische Generalstab und viele kranke Offiziere. Ihnen ist es zu banken, baß bie ziemlich verwahrlosten Anlagen wieber instanb gesetzt würben. Abermals versank bann Villa Stra in einen Dornröschenschlaf, bis die historische Stätte burch bie Zusammenkunft ber beiben Führer roieber von aller Welt genannt wirb. Die „Stump a" schreibt, baß Italien in bem helbenhaften Kampf bes Führers um bie Befreiung aus ben Ketten ber Internationale geistig als erstes Laub an seine Seite getreten sei. Diese Priori- t ä t ber moralischen Anerkennung lege ihm bas Recht unb bie Pflicht auf, Deutschland offen in die Augen zu sehen unb alle Fragen mit ber größten Ehrlichkeit unb bem größten Freimut zu behanbeln. Die Beziehungen zwischen Italien unb Deutschlanb seien nicht e i n f a £. Im Gegenteil. Aus ibeologischem Gebiet, auf bem in ber Kampfzeit immer weitgehenbe Uebereinstimmung fesizu- stellen gewesen sei, seien später Polemiken entfacht worben, oftmals sinnlos, immer aber bebauerlich. Auch auf politischem Gebiet seien nach ber Machtergreifung bes Nationalsozialismus oftmals große Reibungen entstanden. Es tue not, bas F e l^) von zwecklosen Reibungen zu bereinigen, auch wenn sie nur von' Unterführern ausgingen. Vor allem aber tue es not, bie Stellung Deutschlanbs gegenüber manchen wichtigen Fragen zu klären, benen gegenüber Italien weitgehende Verantwortungen übernommen habe. Die geschichtliche Ausgabe Deutschlands im Herzen Europas sei eine nicht wegzudenkende Aufgabe, die sich i n Würde unb Freiheit entwickeln müsse. Das sei vom Duce wieberholt zum Ausbrnck gebracht worben. Italien bestehe entschieben barauf, daß Deutschlanb alle bie Rechte zukämen, bie a n b e r e n Staaten zugesichert seien. Mussolini unb Hitler seien Männer, bie mit allen Vollmachten ausgerüstet seien. Für sie bestäuben keine parlamentarischen Unsicherheiten unb Ministerkrisen. Die Völker suhlten, baß es sich in Venebig nicht um eines ber gewöhnlichen Ministertreffen hanbele. Nein, zwei große Führer ber Kriegsgeneration kämen zusammen, bie in ber augenblicklichen Verwirrung b i e Wege bes Friebens zeigen könnten. Ser Schauplatz der Zusammenkunft. Villa Pisani in Stra. Italien in Erwartung des Führers. Herzliche Begrüßungsworte der italienischen preffe. sei beunruhigenb angesichts hartnäckiger Pariser unb Lonboner Gerüchte, wonach private Besprechungen zwischen bem französischen unb bem briii- schen Generalstab im Gange seien, bie auf Ausarbeitung von Plänen für eine militärische Zusammenarbeit im Falle ei ne s europäischen Krieges abzielen. Der Mitarbeiter erinnert baran, baß auch vor 1914 versichert worben sei, es bestehe kein Bünbnis- vertrag. Später habe bann bie Oeffentlichkeit Kenntnis erhalten von ber jahrelangen engen Zusammenarbeit ber beiben Generalstäbe vor Kriegsanfang. Eine eingehenbe unb unzweideutige Erklärung des Ministerpräsidenten Macdonalb fei erforderlich. In ber nächsten Woche werbe bis Regierung wegen biefer Sache im Unterhaus gefragt werben. Oeuischland wartet auf Antwort. Reichsminister Or. Goebbels spricht in Warschau über die deutsche Bereitschaft an der Wiederherstellung einer wahren Kriedensordnung in Europa. Herzlicher Empfang in Warschau. Großes Interesse aller Bevölkerungskreise. Berlin, 13. Juni. (DNB.) Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Dr. Goebbels, ist mit -em Flugzeug „Generalfeldmarschall von Hindenburg", einer Einlaidung der Jntellek- tuellen-Union folgend, nach Warschau geflogen. In seiner Begleitung befanden sich u. a. fein persönlicher Referent Ministerialrat Hanke, Prinz Schaumburg-Lippe, der stellvertretende Pressechef der Reichsregierung, Ministerialrat Dr. Jahncke, der Führer des Reichsverbandes der Deutschen Presse, Gruppenführer Weiß, mehrere deutsche Journalisten und Graf Dembinski von der Polnischen Telegraphenagentur. Zur Verabschiedung hatten sich außer Frau Goebbels der polnische Gesandte in Berlin, L i p s k i, mit anderen Herren der Gesandtschaft sowie Ministerialdirektor Meyer vom Auswärtigen Amt eingefunden. Dr. Goebbels ist nach etwa dreistündigem Flug um 15.20 Uhr auf dem Warschauer Flughafen gelandet. Der deutsche Gesandte von Moltke mit den Mitgliedern der Gesandtschaft, Vertreter der polnischen Regierung und der Warschauer Behörden sowie polnische und deutsche Pressevertreter begrüßten den Minister, der in der Deutschen Gesandtschaft Aufenthalt nahm. Die Straße, in der sich die Deutsche Gesandschaft befindet, ist das Ziel zahlreicher Neugieriger, die von den Balkons und anderen günstigen Plätzen aus den deutschen Minister sehen möchten. Eine infereffierte Zuhörerschaft. Tausende tonnten keinen Einlaß bekommen. Der Vortrag des Ministers im Saale des Warschauer Bürgerclubs begann gegen 18 Uhr. In feiner Begleitung befanden sich Ministerpräsident Kozlowski, Außenminister B e cf, Vizeaußenminister Szembeck, der deutsche Gesandte von Moltke, der Vorsitzende der Jntellektuellen-Union, Professor Zielinski, als Gastgeber. Unter den zahlreichen Gästen sah man Innenminister Pieracki, hervorragende Vertreter des Regierungsblocks vom Sejm und Senat mit Ober Slawek an der Spitze. Außerdem sah man fast sämtliche Botschafter mit Ausnahme des sowjetrussischen, alle Gesandten mit ihren Beamten und Militärattaches. Die deutsche Gesandtschaft war vollzählig erschienen. Dor dem Gebäude des Bürgerclubs hatte sich eine große Men- s ch e nm e n g e angefammelt; die Zufahrtsstraßen zum Gebäude waren mit Automobilen dicht besetzt. Ein besonderes Polizeiaufgebot mußte für Ordnung sorgen. Der Saal selbst war mit der polnischen Nationalflagge und den beiden Fahnen des Reiches geschmückt. An der der Einganastür gegenüberliegenden Seite hatten eine große Anzahl von Photographen Aufstellung genommen. Professor Zielinski richtete an die Anwesenden einige Worte in polnischer Sprache. Er wies auf den Zweck der Reise des Reichspropagandaministers hin, den er als einen der hervorragendsten Vertreter des neuen Deutschland bezeichnete. Sodann richtete Professor Zielinski an Dr. Goebbels persönlich einige Worte in deutscher Sprache und schilderte das allgemeine große Interesse, das der Besuch des Ministers in Warschau ausgelöst habe. Es seien ihm eine ungeheure Anzahl von Briefen und Telegrammen zugegangen, in denen er um Einlaßkarten gebeten wurde. Mit Rücksicht auf den bestehenden Raummangel habe er jedoch Tausende von Bittstellern zurückweisen müssen. Professor Zielinski, dessen Ausführungen mit starkem Beifall begleitet wurden, bat sodann Dr. Goebbels das Wort zu ergreifen. Als der Reichsminister das Rednerpult betrat, steigerte sich der Beifall zu einer wahren Huldigung. Unter allgemeiner Spannung begann Dr. Goebbels sodann seine Rede. Or. Goebbels spricht: Eure Exzellenzen! Meine Damen und Herren! Das Reich ist mit der Idee des Nationalsozialismus eine so enge form- und finngebundene Verflechtung eingegangen, daß beide nur in einem und das eine ohne das andere nicht mehr denkbar erscheinen. Denn der Nationalsozialismus ist eine typisch deutsche Erscheinung, gebunden an deutsche Charakter- und Blutseigenart, an deutsche Geschichte, hervorsteigend aus der Vergangenheit, die Gegenwart gestaltend und in die Zukunft hineinweisend. Nichts wäre irrtümlicher als anzunehmen, der Nationalsozialismus als geistige Erscheinungsform sei von dem Ehrgeiz besessen, das Feld seiner Tätigkeit über die Grenzen des Reiches hinaus zu verlegen und über den von den politischen Gegebenheiten gezogenen Rahmen eine geistige Expansionspolitik zu betreiben. Er begnügt sich bewußt mit der Lösung der Aufgaben, die ihm im Reich nach innen und nach außen gestellt sind. Der Minister setzte sich dann mit dem Wesen der nationalsozialistischen Revolution, ihrer Dynamik, ihren Methoden und ihrem Ergebnis auseinander. Er hob dabei hervor, daß es in Deutschland niemals eine Regierung gegeben habe, die sich so wie die nationalsozialistische auf ihre Ueberein» ftimmung mit den breiten Volks- massen berufen konnte, was durch die 92pro- zentige Mehrheit, die bei den Wahlen am 12. November 1933 erzielt wurde, unterstrichen werde. Der Minister fuhr fort: Das muß betont werden, um eine Verständigungsmöglichkeit zwischen dem neuen autoritären Deutschland und seiner vielfach demokratischen Umwelt zu schaffen. Volk und Regierung in Deutschland sind eins. Der moderne Staatsaufbau in Deutschland ist eine Art veredelter Demokratie, in der kraft Mandates des Volkes autoritär regiert wird, ohne daß die Möglichkeit gegeben ist, durch parlamentarische Zwischenschaltungen den Willen des Volkes nach oben hin zu verfälschen und unfruchtbar zu machen. Der Sinn der Revolution, die wir gemacht haben, ist die Volkwerdung der deutschen Ration. Ihr ausgesprochenster Eha- rakterzug liegt imWillensmahigen. Sie war ein Aufstand der Entschlossenheit gegen die politische Erschlaffung. 2Uit Vertrauen und fester Zuversicht schaut das deutsche Volk heute in seine Zukunft. An die Stelle einer zermürbenden Schlaffheit, die vor dem Ernst des Lebens kapitulierte, die ihn nicht wahr haben wollte oder vor ihm flüchtete, trat jene heroische Lebensauffassung, die heute ganz Deutschland durchdringt, die den Bauern begleitet, wenn er die Pflugschar durch die Ackerschollen zieht, die dem Arbeiter Sinn und höheren Zweck seines schweren Daseinskampfes zurückgegeben hat, die den Arbeitslosen nicht verzweifeln läßt und die das grandiose Werk des deutschen Wiederaufbaues mit einem männlich anmutenden Rhythmus erfüllt. Das wirkt sich auch, selbst für das Auge des flüchtigen Beobachters sichtbar, auf dem Gebiete der Wirtschaft aus. Die Klassengegensätze, die Deutschland ehedem zerrissen und jede politische Formung seines Lebenswillens unmöglich machten, sind überwunden und haben dem Begriff einer in sich geeinten schaffenden Volksgemeinschaft Platz machen müssen. Die Ration hat sich in nüchterner Entschlossenheit an ihre Arbeit gemacht. Die Illusion, daß, wo die Rot am größten, auch die Hilfe am nächsten sei, ist der lleberzeugung gewichen, daß Deutschlands Schicksal nur in seinem eigenen Lebens- und Geslaltungswillen liegt. Wie tief und ehrlich die Sorge ist, die das neue Deutschland dem Geistigschaffenden entgegenbringt, das beweisen kulturelle Großtaten wie die Gründung der Reichskulturkammer, der Bau des Hauses der Deutschen Kunst, die umfassenden Baupläne für Berlin und München, die großzügige Uebernahme einer Reihe repräsentativer Theater in die Hand des Staates, das neue Schriftleiter- und Theatergesetz, die tatkräftige Fürsorge, die die nationalsozialistische Regierung dem Film angedeihen läßt, um nur einiges zu nennen. Das alles sind Beweise einer Vergeistigung auch unseres politischen Lebens, die in der deutschen Vergangenheit sowohl vor als auch nach dem Kriege ihresgleichen suchen. Das Volk «tber hat ein Recht zu verlangen, daß, wenn der Mann von der Straße in ehernem Zwang an die ewigen Gesetze seines nationalen Daseins gebunden ist, der geistige Mensch aus Pflicht und Verantwortung diese Gesetze auch seinerseits anerkennt und zur Richtschnur seines Lebens und Handelns macht. Das bedeutet nicht, daß der Nationalsozialismus die Absicht hätte, den geistigen Menschen unter seine parteimäßige Bevormundung zu stellen. Wir wissen zu gut, daß wir ihm damit Zwangsgesetze aufzwingen würden, die sehr bald den schöpferischen Genius ersticken und das organische Wachstum künstlerischen Schaffens zum Erliegen bringen müßten. Volkwerdung der Nation kein Vorwurf hat uns fo tief zu treffen vermocht wie der, daß der Rationalsozialismus geistige Barbarei sei und am Ende zur Vernichtung des kulturellen Lebens des deutschen Volkes führen müsse. Wir haben die f ch ö p - ferifchen Kräfte der Ration wieder freigelegt. Sie können sich jetzt ungehindert entfalten und reiche Früchte tragen am Baume eines neuerstandenen Volkstums. In Gegensatz hierzu stellte Dr. Goebbels die anarchischen und chaotischen Kräfte des Marxismus und des Kommunismus. Wenn man, so sagte er, die asozialen Träger dieser Bestrebungen aus der Gemeinschaft des Volkes ausschloß und sie in Konzentrationslagern wieder zu brauchbaren Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft zu erziehen versuchte, so war das ein Akt der Notwehr, der im Hinblick auf die Größe der akuten Gefahr doch noch mit den humansten Mitteln durchgeführt wurde. Der Minister beschäftigte sich anschließend mit der Judenfrage. Man vergegenwärtige sich, so erklärte er, daß vor unserer Machtübernahme die Juden in Deutschland das ganze geistige Leben maßgeblich beeinflußten, daß sie über den Großteil des im Lande investierten mobilen und immobilen Kapitals verfügten, daß sie Presse, Literatur, Bühne und Film absolut und uneingeschränkt in der Hand hatten, daß sie in großen Städten, wie beispielsweise Berlin, manchmal 75 Prozent des gesamten Aerzte- und Juristenstandes stellten, daß sie durch übermäßige Zinsforderungen die Landwirtschaft an den Rand des Ruins brachten, daß sie die öffentliche Meinung machten, die Börse maßgeblich beeinflußten, das Parlament und seine Parteien unter ihrer Obhut hatten, dabei nur 0,9 Prozent der Bevölkerung waren, und man wird verstehen, daß die Gegenwehr dagegen geradezu zwangsläufig war. Auch in Bezug auf das jüdische Problem haben wir bie Wahrheit nicht zu scheuen. Wir möchten aber wünschen und hoffen, -aß -er ehrliche Kampf um -ie Wahrheit nicht von vornherein vergiftet wird -urch Gräuelmärchen und manchmal fast grotesk anmutende Emigrantenlügen, die einer objektiven Prüfung nicht im mindesten Stand zu halten vermögen. Am auf der Grundlage gegenseitigen Ver- stauduisses der Völker gibt es eine europäische Zusammenarbeit. Der Rationalfozialismus hat keine internationale Sendung im aggressiven Sinne zu erfüllen. Wir respektieren die Eigenart jedes Volkes und glauben, daß nur auf der Basis eines solchen Verständnisses eine dauerhafte europäische Zusammenarbeit gewährleistet werden kann. Damit ist auch unserer festen Reberzeugung nach der Weltfrieden am besten gesichert. Wir jungen Deutschen sind von der Erkenntnis durchdrungen, daß es in Europa kein Problem gibt, das einen Krieg erforderlich machen könnte. Wir find kein säbelrasselndes Eroberungsgeschlecht: wir halten es geradezu für verbrecherisch, zu glauben, daß die Schäden des vergangenen Krieges, die durch fünfzehnjährige Friedensarbeit noch nicht beseitigt werden konnten, etwa durch einen neuen Krieg behoben werden mühten. Die Verständigung mit Polen, vor dessen aeschätzten Vertretern zu reden ich heute die Ehre habe, ist ein Beweis dafür, daß es Hitler und feiner Regierung ernst ist mit einer auf weite Sicht betriebenen Versöhnung der Völker und einer Ueberbrücfung der Gegensätze, die Europa nahe an den Rand des Zusammenbruchs getrieben haben. Auch unser Austritt aus -em Völkerbund und das Verlassen der Abrüstungskonferenz stand zu dieser Bereitschaft nicht im Gegensatz. Verhandeln und arbeiten kann eine ehrliebende Nation nur mit Mächten, die ihr ihre Ehre lassen und den Stand gleicher Berechtigung einräumen. Die Ehre ist ein Faktor im internationalen Dölkerleben, der nicht nach Belieben zu- oder abgesprochen werden kann. Und es ist nur ein Beweis für die Aufrichtigkeit, mit der wir die Ehre und den nationalen Lebenswillen anderer Völker achten, wenn wir unsere Ehre und unseren nationalen Lebenswillen von anderen Völkern in gleicher Weise geachtet wissen wollen. Verdient ein Volk, das nach einem verlorenen Kriege und schwersten Erschütterungen moralischer, wirtschaftlicher und politischer Art sich wieder auf seine eigene Kraft besinnt, in einer Riesenanstrenguna den Verfall aufzuhalten versucht, kein Opfer scheut, um seinen eigenen Haushalt in Ordnung zu bringen, und es dabei weder an Mut noch an Fleiß fehlen läßt, die Verachtung und die abweisende Kälte -er übrigen Welt? Muß nicht vielmehr diese übrige Welt jeden Versuch begrüßen, der mit neuartigen Methoden an die Lösung der großen Zeitprobleme herangeht? Die Welt wird die Antwort auf diese Fragen nicht schuldig bleiben dürfen. Deutschland wartet auf diese Antwort; und mit ihm warten alle Völker, die, der Phrase und des Zankes müde, von ihren Staatsmännern mit Recht verlangen, daß dem so maßlos gequälten, aus tausend Wunden blutenden europäischen Erdteil endlich seine innere Ordnung und der von allen so heiß ersehnte Frieden zurückgegeben wird. Was Deutschland betrifft, so ist es bereit, aus f i e f - ster Ueberzeugung an diesem edlen Werke mitzuarbeiten. Immer noch hält es seinen ehemaligen Feinden, von denen es nur wünschen kann, daß sie einmal seine Freunde werden mögen, die offene Hand entgegen. Die Welt fragt voll banger Besorgnis: Wann wird in diese Hand eingeschlagen? Begeisterte Aufnahme des Vorirags. Glückwünsche der Regierungsvertreter. Der Vortrag von Dr. Goebbels wurde von der Zuhörerschaft mit größter Spannung und Aufmerksamkeit verfolgt. Als Dr. Goebbels auf die Judenfrage einzugehen begann, aing eine merkliche Bewegung durch den Saal. Auf den gespannten Gesichtern konnte man den Wunsch ablesen, es möge ihnen ja nur kein Wort Dr. Goebbels' entgehen. Eine ähnliche Bewegung bemerkte man auch an der Stelle des Vortrages, als Dr. Goebbels auf das deutsch-polnische Verhältnis zu sprechen kam. Als Dr. Goebbels seinen Vortrag beendet hatte, erhoben sich die Anwesenden und spendeten dem Minister langandauernden, brausenden Beifall, der nur unterbrochen wurde, als Professor Zielinski dem Reichspropagandaminister mit warmen und herzlichen Worten seinen Dank für den wundervollen und packenden Vortrag aussprach. Er sagte in seiner kurzen Ansprache, er habe sich gefreut, den begeisterten und begeisternden Redner kennenzulernen. Professor Zielinski schloß seine Worte mit dem Goethe- spruch: „Vom Wundermann hat man Euch oft schon erzählt, nur hat die Bestätigung jedem gefehlt; die habt Ihr nun köstlich in Händen!" Während Professor Zielinski sprach, hielt er die Hand Dr. Goebbels in seiner Rechten und schüttelte sie in offensichtlicher Rührung. Sofort nach dieser kurzen Ansprache setzte der Beifall von neuem ein. Als Dr. Goebbels das Podium verließ und sich in den anschließenden Saal begab, wurde er von den dort versammelten Vertretern der Regierung und von Ministerpräsident Kozlowski, Außenminister Beck und anderen Herren herzlich beglückwünscht. Wieder kommunistische Ausschreitungen in Süd-Krankreich. Paris, 14. Juni. (DNB. Funkspruch.) Der Präsident der Vereinigung „F e u e r t r e u z", Oberst d e la Rocque, sprach am Mittwoch in einer von über 1500 Personen besuchten Versammlung in Cannes. Die Marxisten hatten zu einer Gegen- kundgebung aufgerufen, die aber nur von etwa 500 Personen besucht war. Nach Schluß der Versammlung mußte -ie Polizei, die durch Gendarmerie verstärkt worden war, eingreifen. Die Kommunisten roarfen mit Steinen und mit brennenden Petroleumflaschen. Außerdem hatten sie auf der Straße eine Barrikade errichtet, die im Sturm genommen werden mußte. Der Polizeikommissar und mehrere Beamte erlitten Brandwunden. Der Sachschaden ist groß. Diele Fensterscheiben wurden eingeworfen, auch Mauern eingerissen. 30 Personen wurden verhaftet. Um Mitternacht mar die Ruhe wieder hergestellt. Landeskirchentag in Kassel. Keine Zweidrittelmehrheit für Aenderung der Kirchenverfassung. Kassel, 13. Juni. (LPD.) In der im Stadtoerordnetensitzungssaal des Rathauses adgehaltenen Sitzung des Landeskirchentages wurde der Zusammenschluß der Landeskirchen Hessen-Kassel und Waldeck nach längerer Aussprache mit allen gegen eine Stimme unter dem Namen „Landeskirche Kurhessen-Waldeck" de sch los- s e n. Auf die zweite Lesung wurde verzichtet. Die dann nach längerer Debatte erfolgende namentliche Abstimmung über den zunächst zurückgesetzten ersten Punkt der Tagesordnung „Aenderung der Kirchenverfassung" brachte nicht die für eine Aenderung erforderliche Zweidrittelmehrheit. Eine unter Führung von Pfarrer Dr. Ritter (Marburg) stehende Gruppe erklärte, aus personellen Gründen dem Bischofsgesetz nicht zustimmen zu können. Während die einstweilige Kirchenregierung in Uebereinftimmung mit der von Pfarrer Dr. Ritter geführten Gruppe an der Kandidatur des Oberkirchenrats D. Mer- czins für -as Amt -es Landesbischofs festhielt und zu der von den Deutschen Christen aufgestellten Kandidatur von Pfarrer T h e y s (Kassel) erklärte, daß sie geeignet sei, Unruhe in das evangelische Kirchenvolk hineinzutragen, wiesen die Vertreter der Deutschen Christen diese Darlegungen entschieden zurück und blieben bei ihrer Kandidatur, indem sie n a m e n t l i ch e A b st i m m u n g über -as vorliegende Bischofsgesetz verlangten. Bei der Ab» ftimmung über das Gesetz wurden 30 Stimmen da» für und 27 dagegen abgegeben, so daß die verfassungsmäßig notwendige Zweidrittel-Mehrheit nicht erreicht worden war. Daraufhin erklärten die Vertreter der Deutschen Christen, daß sie an weiteren Verhandlungen des Landeskirchentages uninteressiert seien. Sie verließen den Verhandlungssaal und führten dadurch die Beschluß« Unfähigkeit des Kirchentages herbei. Wie das nationalsozialistische Parteiblatt, die „Kurhessische Landeszeitung" erfährt, haben die nationalsozialistischen Mitglieder des Landeskirchentages bei der einstweiligen Kirchenregierung einen neuen A n - trag auf (Einberufung des Landeskirchentages gestellt, der voraussichtlich in der nächsten Woche wieder tagen wird. Plan für eine Thingstätte in der Rhön. Eine „Burg der Thüringer alten Garde". Weimar, 14. Juni. (DNB.) Der thüringische Ministerpräsident Marschler machte der Presse auf einer Besichtigungsreise nach der thüringischen Rhön Mitteilung von einem Plan, auf der Katzen st einhut bei Zella in der Rhön auf staatseigenem Gelände eine Thingstä11e zu errichten, deren Kern die aus Basaltfindlingen zu errichtende „Burg der alten Garde" bilden wird. In einem Gebäude mit etwa 100 Zimmern sollen die ältesten thüringischen Parteigenossen ihren Erholungsurlaub verbringen können. Das Gelände für die Thingftätte soll dieser Gemeinschaft der tausend ältesten thüringischen Parteigenossen i n Erbpacht übergeben werden. Neben diesem Gebäude soll ein Internat erstehen, in dem die Kinder der ältesten Parteigenossen nach nationalsozialistischen Grundsätzen erzogen werden. Um das Burggebäude soll sich ein Kranz von Wirtschaftsanlagen ziehen, die nach Art des Kreuzberghauses dem Wanderer Zuflucht bieten sollen. Die zur Verpflegung benötigten Lebensrnittel sollen am Ort selbst erzeugt werden. So soll u. a. ein Viehbestand von 50 bis 60 Stück ausgesuchter Tiere gehalten werden als Stamm für ein den örtlichen Verhältnissen angepaßtes Rhön-Rind. Eine weitere Neuschöpfung soll die erste thüringische Rhön-Brauerei fein. Die Finanzierung des Planes soll ohne Mithilfe des Staates bereits gesichert fein. „NS.-Kutturgemeinde.-' Berlin, 13. Juni. (DNB.) Der Beauftragte des Führers für -ie Ueberwachung -er weltanschaulichen Schulung -er Partei, Alfred Rosenberg, hat angeordnet, -aß -er Kampf-und für deutsche Kultur mit den ihm korporativ angeschlossenen Verbän-en und der Reichsver- band Deutsche Bühne zu einer Organisation vereinigt werden. Diese Organisation führt künftig den Namen „Nationalsozialistische Kultur- gemeinde". Zum Leiter -er „NS.-Kutturgemeinde" wird Pg. Dr. Walter Stang ernannt. Die „NS.- Kulturgemeinde" tritt korpevschaftlick in die Organisation „Kraft durch Freude^ ein. Kunst und Wissenschaft. Oer Dichter Theodor Däubler f. Der Dichter Theodor Däubler ist in St. Bla» fien im Schwarzwald a e ft o r b e n ; er ift 58 Jahre alt geroorbeh. Däubler, am 17. August 1876 in TriestDgeboren, wurde in Deutschland zur Zeit der Hochblüte des Expressionismus bekannt. Sein erstes und bedeutendstes Werk war das Epos „Das Nordlicht". In diesem, wie in den folgenden Büchern „Der sternhelle Weg", „Das Sternenkind", „Hespe' rien" sowie in seiner „Hymne an Italien" offenbart sich ein tiefes lyrisches Empfinden. 1921 begann ein fünfjähriger Aufenthalt des Dichters in Griechenland und damit eine ganz neue Phase feiner Well' anschaunug und feines dichterischen Schaffens. Die klassisch zu nennenden Schriften „Sparta" und „Der Berg Athos" waren die Früchte dieser griechischen Reise. — Däubler hat, wie man sich erinnern wird, vor längerer Zeit im Gießener Goethe-Bund ge' sprachen. Uraufführung am hessischen Landcsiheater. Am Hessischen Landestheater in Darmstadt wird dieser Tage die komische Oper „Das Wahr* Zeichen" von Bodo Wolf uraufgeführt. Das Textbuch schrieb Eugen R i 11 e l b u s ch. Mit der Inszenierung des „Wahrzeichens" wird sich Gene« ralintenbant Dr. Prasch, der bekanntlich aus der Leitung des Hessischen Landestheaters ausscheidel, als Regisseur verabschieden. itiinij durch jte gefla seine wer! Frei den cher aber franl Deutfc in Au mit dk Hindun dies d fpr ü j Sowel Pakt zum m Bei ' Mittlvl ! zeß erf I bige de len Sü die Fes Leiche barer halb seiner; nehmen tion sei aistu führt hc des Sa sernu Hiera i der Sch I Horst-W . urteilt i Derstä munis! nachdem SDlel^m durch do warts, i Der : Zuchtha rer bei am Mo< Masst harmlos gedacht Miets/'/r »abrjfyi । Wessel Borsitzk horst A Sommun Vottlob Sie uns Der 3 aus dem Hause 0 I Dessel \\ i verlassen, , plötzlich lung mac im Die !hon ossc s Seit de Menf) "N einer °°U uni >°ng bisb ®efen ift. "ußenhar iu regeln, ?ehnier Zollen. Die fcs‘ fo'Sänbe fre Do .„Diese % ®°rben, d J ^Usfül Jftif den Rommt Schluß 5 »itt £ -,ne - □Wer :o?enmäf §.!!! Cm ih? nur i >bilan feiten' hntI»lt 4 a. i,, feier ft leicht bietet die Zolldiktatur Roosevelts die Mög- aae kommen, gehören Rohstoffe lichkeit, daß Deutschland seine Ausfuhr nach der ssse, denn auch die Union ist nicht Union erheblich zu steigern vermag. Deutschland DerzweiieprozeßgegendieMrberHorstWeffels Aus aller Welt "unk- Auch Deutschland will ja zahlen, d. h. Kapital und Zinsen zurückzahlen, wenn es ihm möglich gemacht wird, die dafür notwendigen Summen durch den Verkauf deutscher Waren im Auslande zu beschaffen. Leider haben die Gläubiger Deutschlands, soweit sie in und um Wallstreet sitzen, nicht das gleiche Verständnis für die Zwangslage Deutschlands gezeigt. Aber wenn Präsident Roosevelt die Einfuhr und Ausfuhr der Union so regeln will, daß der Vorteil bei der Union liegt dann muß auch Deutschland das Recht für sich in Anspruch nehmen, seine Kaufkraft und seinen Rohstoffbedarf für die Lösung des Schuldenproblems einzusetzen. Auch Deutschland muß künftig darauf bedacht sein, seine Rohstoffe und andere notwendige Waren da zu kaufen, wo es die unbedingte Sicherheit hat, als Gegenwert feine Fertigerzeugnisse ab setzen zu können. Viel-1 werde und mit zur Förderung der so klangvoll eingeleiteten künstlerischen Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland diene. Drei Schweizer Bergsteiger abgeslürzt. Am Berghang des 3307 Meter hohen, selten bestiegenen Gletschhorns im Kanton Uri stürzten drei Schweizer Bergsteiger ab. Eine Rettungskolonne ist unterwegs, doch besteht wenig Hoffnung, die Verunglückten noch lebend zu bergen. Explosion auf einem USA.-Tankschiffe. — 3 Tote. An Bord des amerikanischen Tankschiffes „Anderson" hat sich einer Meldung aus Philadelphia zufolge aus bisher unbekannter Ursache eine Explosion ereignet. Drei Mitglieder der Besatzung wurden getötet. Das Schiff ist stark beschädigt. Margarete Klose von der Berliner Staatsoper mit. Es ist zu wünschen, daß auch die deutschen Künstler in Paris mit gleich großem Erfolg gastieren wie die Pariser Künstler im Berliner Fi Haus, damit auch dieses Konzert zu einem Ereignis Verl in, 13. 3uni. (DRV.) 13. Iuni Außen- miniffcr Litwinow hat auf seiner Durchreise durch Berlin dem Reichsminister des Auswärtigen Freiherr» von Reurath einen Besuch ab- gestattet. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich, Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: I. V.: H. L. Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. V. 34: 11 000. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.G., sämtlich in Gießen. Außenhandel und Auslandsschulden Roosevelts zollpolitische Generalvollmacht. - Neue Möglichkeiten. Union in der Vorkriegszeit im Jahresdurchschnitt etwa 2,8 Millionen Tonnen Baumwolle erntete, stieg diese Menge in den Konjunkturjahren 1925/29 auf durchschnittlich 3,4 Millionen Tonnen, wobei im einzelnen Jahr bis zu 4 Millionen Tonnen erreicht wurden. In der Regel wurden 50 v. H. der Ernte im Inland verbraucht, so daß für die Ausfuhr in der Nachkriegszeit bis zu 2 Millionen Tonnen zur Verfügung standen. Die Ausfuhr ist indessen in den Jahren der Wirtschaftskrise stark abgesunken; 1930 sogar bis auf 1,5 Millionen Tonnen. Indessen kommt es nicht nur auf die Mengen, sondern auch auf die Preise an, denn diese sind es, die die Ertragsfähigkeit bestimmen. In den Jahren der Hochkonjunktur wurden in Neuyork 20 Cents für 1 1b bezahlt, um bis 1932 einen Abschlag auf 5,27 Cents zu erfahren. Inzwischen haben sich die Preise wieder gehoben, ohne aber auch nur annähernd die Preise der Hochkonjunktur zu erreichen. Für deutsche Verhältnisse sei bemerkt, daß amerikanische Baumwolle 1928 rund 185 Mark für 100 Kilogramm kostete, während ägyptische Baumwolle im gleichen Jahr mit 351 Mark für 100 Kilogramm bezahlt werden mußte. Nächst Baumwolle bildet für die Union das Erdöl und seine Nebenerzeugnisse das Hauptausfuhrgut. Aber das Erdöl hat mcht solch einen Preissturz erfahren wie die Baumwolle, so daß der Verlust für die Union bei der mengenmäßigen Ausfuhr liegt. Aehnlich verhält es sich bei Kupfer und R o h t a b a k, die sich als ebenso konjunkturempfindlich gezeigt haben wie die Baumwolle. Es ist wohl damit zu rechnen, daß es Roosevelt nicht darauf ankommt, die Rohstoffe an sich los zu werden, sondern vor allem darauf, Preise zu erzielen, die die Rohstoffmärkte wieder in Gang bringen. Dagegen wäre an sich nichts einzuwenden, denn nur, wenn die Rohstoffländer kaufkräftig werden, ist sichere Aussicht vorhanden, die internationale Wirtschaft aus der Krise herauszuführen. Auf der anderen Seite will Roosevelt die Einfuhr von Waren zulassen und begünstigen, die entweder in der Union überhaupt nicht oder doch nur unverhältnismäßig teuer hergestellt werden können. Das hört sich gut an, aber es liegt eine gewisse Gefahr darin, weil sich hier international ein Wettbewerb entfalten kann, der, durch Valutadumping begünstigt, mit Schleuderpreisen Der Berliner Vertreter der „Time s" meldet seinem Blatt u. a.: Es kann als sicher angesehen werden, daß Litwinow bei seiner Besprechung mit Freiherrn von Neurath am Mittwoch Zeit gefunden hat, den franzöfisch-rufsischen Si- cherheitspakt zu erwähnen. Anscheinend ist aber noch keine Rede davon, daß Rußland ober granfreid) em Angebot ober eine Einlabung an 2)CUÄJ gerichtet haben. Zu ben Gerüchten, baß tn Aussicht genommen wirb, baß Ost - Locarno mit bem ursprünglich West - Locarno in Ver- binbung zu bringen, bemerkt ber Korrespondent, Dies mürbe nur eine Schwächung bes u r - sprunglichen Locarnovertrages fein Soweit sich beurteilen läßt, muß die ganze P a f 11 b e e nicht nur Deutschland, fonbern auch jum minbeften einigen seiner Nachbarn unsagbar (xngland lehnt auch Gchulden- zahlung in Waren ab. L o n b o n, 13. Juni. (DNB.) Die amerikanische Regierung hat in ihrer Antwort auf bie letzte eng- lische Kriegsschulbennote den Vorschlag gemacht, zur Tilgung ber Kriegsschulben anbere als finanzielle Ausgleichsmethoben heranzuziehen, fo z. B. bie Erstattung bes Betrages in Waren. Wie Reuter hört, kann man jeboch bereits feftftellen, baß ber Gebaute, bie Schulbenfrage burch Uebereig» nung naturgemäß riesiger Bestäube an R o h - gummi ober an Mineralien (gerabe in biefen beiben Wareugattungen herrscht in ben Vereinigten Staaten Bebarf) zu bereinigen ober sie gar baburch aus ber Welt zu schaffen, baß b i e eine ober andere ber im britischen Besitz befinblidjen mittelamerikaui- schen Inseln an Amerika abgetreten wirb, in amtlichen britischen Kreisen nicht e r n ft genommen wirb. Vielmehr wirb erklärt, baß einTransfervou Waren in derartig großen Mengen, wie es die Schuldenziffern erfordern, ebenso große Schwierigkeiten wie ber Transfer großer Gelbsummen bereiten würbe. Amerikanische Beamte legen ben Gebauten ber Warenlieferungen dahin aus, baß nur Waren angenommen werben könnten, bie nicht mit a m e - rikauischeu Erzeugnissen konkurrieren. Der stellvertretende amerikanische Kriegssekretär Woodring soll erklärt haben, daß Amerika auf diese Weise seine für Kriegsmaterial benötigten Metallreserveu aufbauen könnte. sm?/Zu Beginn der Mlttwoch-Verhaudlung im neuen Horst-Wessel-Pro- Setz erstattete zunächst der medizinische Sachverstän- drge den Obduktionsbefund der Leiche des ermordeten Sturmführers Horst Wessel. Erschütternd ist die Feststellung des Arztes, ber bekundete, baß bie Leiche des Ermordeten sich in einem furchtbaren Zustande befand. Horst Wessel war halb verhungert, da er lange Zeit wegen feiner Schußverletzung keine Nahrung habe zu sich nehmen können. Trotz der gut verlaufenen Operation fei es nicht möglich gewesen, eine Blutvergiftung zu verhindern, die dann zum Tode geführt habe. Der Schuß muß nach den Feststellungen des Sachverständigen aus ganz naher Entfernung abgegeben worden sein. Hierauf wird der 27jährige Walter Junek aus der Schutzhaft als Zeuge vorgeführt, der im ersten Horst-Wessel-Prozeß zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden war. Er hat an dem Mordabend Verstärkung aus einem anderen kommunistischen Derkehrslokal geholt, nachdem Frau Salm in dem Lokal von Baer ihre Mekong gemacht hatte. Max Jambrowski sei dann durch das Lokal gegangen und habe gerufen: „Vorwärts, wer mitkommen will!" Der 32jährige Erwin Rücker wird aus bem Zuchthaus vorgeführt. Rücker, der Bereitfchaftsfüh- rer bei ber „Sturmabteilung Mitte" war, wurde am Mordtage von Junek geholt und gibt zu, eine Waffe bei j i ch getragen zu haben. Er will harmlos, wie auch' die anderen Angeklagten, daran gedacht haben, daß es sich um die Regelung einer Mietsstreitigkeit handelte, und stellt auch die unwahrscheinliche Behauptung auf, er habe Horft Wessel gar nicht gekannt. Vorsitzender: „Sie als Bereitschaftsführer wollen Horst Wessel nicht gekannt haben, der mit den Kommunisten langsam, aber sicher aufgeräumt hat? Gottlob brauchen wir nicht alles zu glauben, was Sie uns hier vorlügen." Der Zeuae bekundet, daß der Kommunistentrupp aus bem Lokal von Baer zunächst vergeblich im Haufe Große Frankfurter Straße 62 nach Horst Wessel suchte. Man wollte schon das Haus wieder verlassen, als die Kommuni st in Else Kohn plötzlich die Treppe herunterkam und die Mitteilung machte, daß der Gesuchte im Vorderhaus im vierten Stock wohne, die Tür stehe schon offen. „Wir gingen", so schildert ber Zeuge arbeitet. Zu ben Waren, bie für die Einfuhr nach bcr Union in Frage kommen, gehören Rohstoffe unb Fertigerzeugnisse, benn auch bie Unio '' mit allen Rohstoffen ausgestattet. Es fehlt an Kautschuk, es fehlt aber auch eine hochentwickelte chemische Industrie, trotz ber Wegnahme ber beutschen Farbenpatente währenb bes Krieges. Litwinow da Äeichsanßenminister von Aenrath Deutschland und das französisch-russische Paktsystem. weiter, „in bie Wohnung ber Frau Salm, bie in ber Küche staub unb uns mit ben Worten zur Vorsicht ermahnte: „Seht euch vor, sonst schießt er." — Der Zeuge befunbet, baß er ben Vorschlag machte, bis zum anberen Morgen zu warten, wenn Horst Wessel aus ber Küche Wasser holen würbe. Ali Höhler ließ sich aber nicht zurückhalten unb fragte, Frau Salm: „Wo ist bas Zimmer von bem Kerl?" — Frau Salm zeigte ihm die Tür, bie jedoch verschlossen war. Bevor Ali Höhler anklopfte, lief Frau Salm zur Flurtür hinaus unb setzte bie Wohnungsklingel in Bewegung, um ben Anschein bei Horst Wessel zu erwecken, er bekäme Besuch. Als Horst Wessel bie Tür auf bas Klopfen hin etwas Öffnete, rief Ali Hohler: „Hände hoch!" Gleich barauf krachte ber Schuß. Der mitbeteiligte Kanbulfki nahm eine Pistole unb einen Gummiknüppel an sich. Ali Hohler trat noch einmal auf ben am ©oben üegenben Horst Wessel ein, stieß ihn mit bem Fuß an unb sagte: „Du weißt doch, warum bu bas bekommen hast." Hierauf seien alle aus ber Wohnung gelaufen. Hierauf wirb ber Zeuge Kanbulfki aus bem Zuchthaus Branbenburg vorgeführt. Er ist Kurier bei ber KPD. gewesen unb ist bisher ber einzige, ber bas Märchen von ben „Mietsstreitigkeiten" nicht anbringt Er hält es im Gegenteil für unwahrscheinlich, baß man um 22 Uhr solche Streitfälle noch regelt. In.ber Wohnung ber Frau Salm habe Erwin Rücker geftanben unb ihn mit ben Worten empfangen: „Was willst bu benn hier?" Auf ber Straße fei ber Angeklagte Epstein hinter ihm hergelaufen. Er habe E p - stein ben Gummiknüppel übergeben, ber ihn bann in einen Gully hineinwarf. Die brei Haupttäter, Höhler, Rücker unb er selbst, hätten sich später Stillschweigen über ben Vorfall gelobt. Am nächsten Tage habe er bann erfahren, baß Ali Höhler unb Rücker von ber Kommunistischen Partei fortgeschafft worben seien. Ein weiterer Zeuge befunbet, baß am Abenb bes 14. Januar Jambrowski, nachdem er von Frau Salm unterrichtet worben war, in bie Mitglieber- versammlung ber „Sturmabteilung Mitte" gekommen sei unb gerufen habe: „Rotfront — Kämpfer, heraus!" Darauf feien alle Mit- glieber mit lautem Gepolter von ihren Plätzen aufgeftanben unb herausgestürzt; es hätte sich unter ihnen beftimmt auch ber Angeklagte E p - ft e i n befunben. Kürschen "»IKOßtheto Wandel-Pudding- stärkend! 1 Päckchen füt 4 Pers. 8 pfg. Mein färb. 10. Prospekt ,,Pudding mit ZrNchten' zeigt viele reizende Zusammenstellungen. Zusendung kostenlos. Dr. August Oetker, vielefelö p “ "b v e rwtckelt erscheinen. Die Zurück- anbs gegenüber solchen Plänen ist oegretfllch, wenn man bebenft, baß seine geogra- Phlsche Lage es birekt in bie Mitte eines neuen Systemes bringen würben, baß trotz aller gegenteiligen Versicherungen ben Einbruck einer gegen Deutschlanb gerichteten Gruppierung machen muß. Es ist kaum zu erwarten, baß Deutschlanb einen Plan, besten Haupturheber Frankreich unb Sowjetrußlanb sinb ohne ein gewisses Mißtrauen betrachtet. Es kann natürlich erwartet werben, baß Deutschlanb alle Plane sorgfältig prüft, ob sie ben Richt- limen ber von Hitler angebotenen Friebens- Pakte mit Nachdarlänbern entsprechen. Es ist aber zweifelhaft, ob bie beutsche Regierung ein solches Netzwerk von Vereinbarungen im eigenen Interesse notroenbig ober im Interesse bes Friebens klug findet. Soweit Deutschlanbs eigene Sicherheit in Frage kommt, hat es im Westen ben L o - c a r n o p a k t unb mit Polen, bem einzigen Nachbarlanb im Osten, feine eigenen Abmachungen getroffen. Blihstrecken der Deutschen Lufthansa. Am 15. Juni eröffnet bie Deutsche Lufthansa zwischen Berlin, Frankfurt a. M., Köln unb Hamburg als erste Luftverkehrsgesellschaft ber Erbe ihren Blitz flugverkehr, ber richtungweisenb für bie gesamte Entwicklung bes zukünftigen Luftverkehrs zu werben verspricht. Auf biefem Blitz- trecken-Viereck, bas vier der wichtigsten Städte des Reiches miteinander verbindet, werden zum ersten Male Schnellverkehrsflugzeuge vom Muster Hein- kel He 70 für die Personenbeförderung eingesetzt werden. Diese Flugzeuge gestatten eine planmäßige Reisegeschwindigkeit von über 300 Stundenkilometern. Sie sind zurzeit bie schnellsten Verkehrsflugzeuge ber Welt unb würben in planmäßiger Zusammenarbeit ber Deutschen Lufthansa und den Ernst Heinkel-Flugzeugwerken in Warnemünbe ben Verkehrsbebürfnisten entspreche nb entwickelt. Die große Reisegeschwinbigkeit mögen einige Beispiele veranschaulichen. So beträgt bie reine Fahrzeit Berlin—Hamburg 50 Minuten, Hamburg—Köln 1 Stunbe 10 Minuten, Berlin-Frankfurt a. M. 1 Stunbe 25 Minuten, Köln— Frankfurt a. M. 35 Minuten. Ausgedehnter IBalbbranb bei Potsdam. In dem Potsdamer Staatsforst brach bei Kohlhasenbrück ein Brand aus, der infolge des Windes in kürzester Zeit eine große Ausdehnung annahm und ungefähr 4 Hektar Waldschlag vernichtete. Mannschaften des 4. Preuß. Reiterregiments unb ber Nachrichtenabteilung 32 sowie Freiwilliger Arbeitsdienst arbeiteten gemeinsam, bis es gelang, bie Gefahr einer weiteren Ausbreitung zu beseitigen. Mit tausend Schippen wurde gegen den Brand, der sich in der Hauptsache am Baden weiterfraß, durch Zuschaufeln mit Sand vargegangen. Der angrenzende Hochwald wurde dis zu einem Meter Höhe vollkommen vernichtet. Besondere Schwierigkeiten machte die Wasserbeschaffung. Von dem einzigen Hydranten mußten kilometer- lange Schlauchleitungen gelegt werden. In kurzer Zeit wurde dann das Gelände vollkommen mit Wasser überschüttet. Der Schaden ist noch nicht zu übersehen. Noch während des Brandes erschien die Kriminalpolizei, um festzustellen, auf welche Weise das Feuer ausgebrochen sei. Sonderbarer Vlihschlag bei INankua. Wie aus Mailand gemeldet wird, gingen in verschiedenen Teilen Oberitaliens erneut starke G e - jenseitigen Rheinbergen in den Wolken verschwand. * Auch in Koblenz wurde der Adler gesehen. Explosion auf einem chinesischen Dampfer. — 168 Tote. Auf einem chinesischen Dampfer ereignete sich vor jtanton eine Kesselexplosion. Ein Teil des Dampfers versackte und riß zahlreiche Personen mit in bie Tiefe. Bisher konnten 16 8 Leichen geborgen werben. Der Kessel war überheizt worben. Deutscher Dampfer auf ber Schelde in Brand geraten. Auf bem beutschen Dampfer „Sesostris", ber von Mexiko nach Hamburg unterwegs ist, brach auf ber Schelde kurz vor dem Eintreffen in Antwerpen im Laderaum Feuer aus, das mit Schiffsmitteln erfolgreich gelöscht werden konnte. Dampfer „Sesostris" lief fahrplanmäßig, ohne fremde Hilfe zu beanspruchen, in Antwerpen ein und landete dort seine Passagiere. Das zweite beutsch-französifche Austauschkonzert. Die wieberaufgenommenen künstlerischen Beziehungen zwischen Deutschlanb unb Frankreich würben eingeleitet burch bas erfolgreiche Konzert, bas unter Leitung von Henri Busser, bem Dirigenten der Nationaloper Paris, mit den Berliner Philharmonikern im Berliner Funkhaus ftattfanb unb von französischen unb beutschen Senbern übernommen wurde. Für Donnerstag, 14. Juni, 20.45 Uhr, ist bas zweite beutsch-französische Aus- tauschkonzert geplant. Hermann Abenb- r o t h, ber Generalmusikbirektor bes Leipziger Ge- wanbhauses, wirb in Paris Werke von Wagner, Reger unb Strauß birigieren. Als Solistin wirkt witter mit Hagelfchlägen nieber, die große Verheerungen an Der Ernte anrichteten. Ein eigenartiges Spiel trieb ein Blitz auf einem Gehöft in der Nähe von Mantua. Der Blitz schlug in ben Kamin bes Zimmers, in bem 22 Kinber saßen. Vom Kamin sprang ber Blitz ab, fegte kreuz unb quer burch das Zimmer, wobei die Eßgeschirre, Gläser unb Fenster zersprangen und Stühle und Bänke umgeworfen wurden. Alle 22 Kinder wurden zu Boden geschleudert und dicht mit Ruß bedeckt. Dem auf das Schreien der Kinder herbeieilenden Bauern bot sich der Anblick eines Negerstammes. Der Blitz nahm durch das Fenster den Weg ins Freie, ohne weiteren Schaden anzurichten. Kein Kind hat irgend eine Verletzung davongetragen. Immer noch verheerende Unwetter in USA. Die Nachrichten über schwere Unwetterkatastrophen in Mittel - unb Südamerika nehmen in den letzten Tagen in ungewöhnlicher Weise zu. Die schon gemeldeten Stürme und Wolkenbrüche in El Salvador und Honduras sind bie schwersten feit Jahren. In Honduras ist der Sachschaden ungeheuer, lieber 1000 Personen sind umgekommen. Aus Santiago de Chile wird berichtet, daß die Stadt Concepcion von einem neuen heftigen Tornado, bem zweiten innerhalb der letzten 14 Tage, heimgesucht worden ist. 50 Häuser sind zerstört. In Mittelargentinien, wo bereits seit zwei Wochen völlig abnorme Wetterverhältnisse herrschten, wurde ein Gebiet von 47 000 Quadratmeilen von einem heftigen Erdbeben erschüttert. Das Erdbebengebiet reicht von Cordoba bis San Luis und Santafe. In den Anden wüten große Schnee stürme. Buenos Aires litt unter Wolkenbrüchen. Aus dem Golf von Mexiko traf der erwartete Tropensturm in Tampico ein. Er hatte jedoch an Stärke verloren, so daß der Schaden glücklicher Weife nur gering war. Ein Adler über dem Rhein. In Oberlahnstein wurde über dem Rhein zwischen der Lahn- und Moselmündung ein großer Adler gesehen. Das Tier soll schätzungsweise eine Spannweite von zwei Meter gehabt haben. Die Belegschaft einer Oberlahnsteiner Fabrik beobachtete den König der Lüste längere Zeit, bis er über den Seit dem 12. Juni 1934 ist auch der gesamte Außenhandel der Vereinigten Staaten einer einheitlichen Verfügungsgewalt unterstellt worden, wie das in diesem Umfang bisher nur bei Sowjetrußland der Fall gewesen ist. Präsident Roosevelt hat im Rahmen des Zollumbaugesetzes die Vollmacht erhalten, ben Außenhanbel ber Bereinigten Staaten künftig so zu regeln, baß Länber, bie Waren ber Union a b - nehmen, eine bevorzugte Behanblung in zoll- und handelspolitischer Hinsicht erfahren sollen. Diese Bevorzugung kann darin bestehen, daß ber Präsident selbstherrlich und unbeschränkt b i e Zollsätze f ü r bestimmte Waren bis z u 50 d. H. senkt, währenb auf ber anberen Seite für Länber, bie Schwierigkeiten bei ber Abnahme von Waren aus ber Union machen, eine Zoller h ö hung bis zu 50 v. H. möglich ist. Diese Regelung ist allerbings nicht einheitlich für alle Posten bes Zollgesetzes ber Union getroffen worben, denn es liegt Roosevelt offenbar daran, in Ausführung feiner Wirtschafts- und Finanzpolitik ben Jnlanbsmarkt von Rohstoffen und Nahrungsmitteln zu entlasten, um dafür Waren hereinzubekommen, die die Union gut gebrauchen kann. Die Schlußfolgerung liegt nahe, daß Roosevelt durch dies Mittel der unumschränkten Zollpolitik nicht nur eine Belebung ber Wirtschaft ber Union herbeizuführen sucht, fonbern auch bebingt mithelfen will, um bie internationale Wirtschaft aus ber Krise herauszuführen. Eigentlich ist biese Zollpolitik die folgerichtige Fortsetzung ber Zoll- unb Hanbelspolittk, bie burch mengenmäßige Beschränkung bes Warenaustausches sowie durch devisentechnische Maßnahmen einen Ausgleich der Zahlungsbilanz herbei- siihren will. Dabei kommt der Union zustatten, daß nicht nur ber Warenhanbel, sondern auch bie Zahlungsbilanz selbst mit Überschüssen zu dunsten ber Union arbeitet, so baß es ver- höltnismäßig leicht ist, bie eigenen Rohstoffmarkte m entlasten. An erster Stelle steht auf ber Liste iür bie Waren, beren Ausfuhr verstärkt werben ioK Baumwolle unb (Betreibe, aber auch Tupfer, Rohtabak unb Petroleu m. Die Union sitzt auf großen Baumwollvorraten, zumal trotz Beschränkungen bes Anbaus bie Ernte- »rlrige nicht wesentlich zurückgingen. Währenb bie hat von der Union regelmäßig mehr gekauft, als umgekehrt die Union von Deutschland gekauft hat. Wenn dies Verhältnis sich ausgleicht, so wirb I für alle Wirtschaftsprobleme bie beste Lösung Roosevelts Zollbiktatur finbet eine gewisse Er- sein. gänzung burch bie Schulbennote, bie Washington an bie englische Regierung gej'anbt Hot. England will nicht zahlen, aber Washington macht die angelsächsische Schwester darauf aufmerksam, daß sie in den Kriegsjahren in ber Union selbst Krebite ausgenommen hätte, mit dem feierlichen Versprechen, sie unter allen Umständen zurückzuzahlen. Wenn aber England nicht zahlen will, wobei es sich auch des Hinweises auf die Schwierigkeiten des — Transfers! bedient, macht Roosevelt den Gegenvorschlag, statt in Geld mit Waren zu bezahlen. Es ist auch das eine Weisheit, bie einstweilen in ben angelsächsischen Ländern noch nicht durchgedrungen ist, die sich aus den Verhandlungen über den Zinsendienst für die deutsche Auslandsverschuldung entwickelt hat. Genossenschaststagung im Verband Heffen-Mittelrhein. Ausbau der genoffenschastlichen Verbandsrevision. * Bingen, 13. Juni. Am 8. und 9. Juni d. I. hielt der Genossenschaftsverband Hessen-Mittelrhein (Schulze-Delitzsch) e. D., Sitz Wiesbaden, in Bingen am Rhein seine 4. Jahrestagung ab. In seinem Vorbericht behandelte Verbandsdirektor Dr. Frankenbach eine Reihe genossenschaftlicher Zeitfragen. Derbandsreviior Laub- ch e r erstattete Bericht über die bei den ange- chlossenen Genossenschaften vorgenommenen Revi- ionen. Anschließend besprach Verbandssyndikus Schneider Fragen des Genossenschaftsrechts und der Bilanzierung. In seinen Schlußausführungen betonte er die Notwendigkeit des weiteren Ausbaues der Ge n o f fenfchaftsrev i - f i o n. Der Assistent am Genossenschaftsinstitut der Universität Frankfurt, Dr. Henzler, legte in umfassenden Ausführungen den Gedankengehalt des Genossenschaftswesens dar. Er hob hervor, daß gerade die heutige Zeit für die Genossenschaftsidee besonders aufgeschlossen sei. Die Verhandlungen des ersten Tages endigten mit Elalberatungen, bei den die für den weiteren Ausbau der genossenschaftlichen Ver- bandsrevifion erforderlichen Mittel bereitwillig zur Verfügung gestellt wurden. Der zweite Verhandlungstag wurde von Dr. Frankenbach mit dem Bericht über das G e - fchäftsjahv» 19 3 3 eingeleitet. In eindrucksvoller Weise wurde nachgewiesen, daß die nationalsozialistische Wirtschaftsführung die Lebensberechtigung und Lebensnotwendigkeit des Mittelstandes anerkannt habe. Im Nationalsozialismus habe man die Derwirklichunb all der Bestrebungen zu sehen, für welche die einzelne Genossenschaft seit Jahrzehnten gekämpft hätte. Mit der allgemeinen Befriedung sei eine langsame wirtschaftliche Erholung und damit auch neues Leben bei den Kreditgenossenschaften eingekehrt. Die Ankurbelungstätigkeit der Reichsregierung habe auch bei den genossenschaftlichen Kreditinstituten eine stark erhöhte Umsatz- t ä t i g k e i t ausgelöst. Durch Neukrediteinräumungen seien die Bestrebungen des Staate» um die Wiederingangbringung der Wirtschaft tatkräftig unterstützt. Der Anwalt des Deutschen Genossenschaftsverbandes, Dr. Lang, unterstrich ebenfalls die Ueber- einftimmung der Kerngedanken des Genossenschaftswesens und des Nationalsozialismus. Er verbreitete sich über die beabsichtigte Gründung einer Gläubigerschutzeinrichtung, welche den Sparern eine besondere Sicherstellung ihrer Einlagen gewährleisten soll. Starken Widerhall sanden insbesondere die Schlußworte des Redners, in denen er an die Einsicht und den Opferwillen jedes einzelnen appellierte und die Notwendigkeit bejahte, daß die Ueber- windung der schwierigen Verhältnisse eine heroische Haltung erfordere. Im Schlußreferat, erstattet von Direktor Letsch e r t (Kassel), wurde auf die engen Beziehungen zwischen Kreditgenossenschaften und Handwerk hingewiesen. Was die Berufsvertretung des Handwerks für die berufliche und fachliche Zusammenfassung der Handwerker bedeute, sei die Kreditgenossenschaft für die wirtschaftliche Organisation des Handwerks. Der Handwerker dürfe aber die Beziehungen der Kreditgenossenschaft nicht lediglich unter dem Gesichtswinkel der Kredithilfe betrachten, wenn auch dies ihre eigentliche Bestimmung sei. Es wurde herausgestellt, daß die Aufgaben der Kreditgenossenschaft zur Unterstützung des Handwerks einmal auf ideellem und organisatorischem Gebiet, zum andern in den geschäftlichen Leistungen zu sehen seien. Der Redner machte eine Reihe von Vorschlägen für ein engeres Zusammenarbeiten zwischen Kreditgenossenschaft und Handwerkerorganisation mit der Zielweisung, die Kreditfähigkeit des einzelnen Handwerkers zu steigern. Mit der Versicherung, daß die Kreditgenossenschaften bereit seien, alles zu tun, um dem Handwerk zu helfen und mit der Aufforderung an das Handwerk, sich ausnahmslos den örtlichen Kreditgenossenschaften anzugliedern, schloß der Vortragende seine von großer Sachkenntnis getragenen Ausführungen. Büchertisch. — Gustav Schenk: Pagel im Glück. Roman. Buchausstattung Hans Meid, Berlin. 184 Seiten. Carl Schünemann, Verlag, Bremen. — (256) — Das Erstlingswerk eines jungen Dichters. Mit der Unbekümmertheit eines alten Geschichtenerzählers wird von deutschen Landen und Leuten, von Festen in Stadt und Land, von komischen und auch von tragischen Begebenheiten berichtet. Die Gestalt des Pagel, der von seinem Glück gerufen durch die Welt zieht, erinnert an Helden alter deutscher Schelmenromane, an Till Eulenspiegel etwa. In ihm lebt die Bereitschaft, sich ganz ans Leben, an seine Schmerzen und sein Glück hinzugeben. Das Buch erinnert in Thema und Ton ein wenig an Hausmann; die weitere Entwicklung des jungen Autors wird man nach dieser Probe mit Interesse verfolgen. — Kurt Pergande: Der tapfere Ludwig. Roman. Verlag Scherl, Berlin. Preis: geheftet 2.40 RM., Ganzleinen 3.50 RM. — (134.) — Ein schneidiger blonder Bursch ist dieser kleine Ludwig, der das Herz auf dem rechten Fleck hat. Es gibt auch einen großen Ludwig, das ist fein Vater, ein Sänger, der die Stimme verlor; damals riß der kleine Ludwig aus, um dem Großen nicht auf der Tasche zu liegen. Lehrling bei einem Kaufmann? Nein, das erweist sich nicht als das Richtige — Schiffsjunge, das gefällt ihm schon besser. Eine bittere Enttäuschung wirft ihn hier aus der Bahn — aber er wäre nicht der tapfere^ Ludwig, wenn er nicht wieder auf die Beine käme. In einer Hafenstadt in Südamerika findet er Unterschlupf, treue Freunde und auch die Liebe eines reizenden Mädchens, also fast eine Heimat. Wer eben nur „fast" — der Gedanke an Deutschland läßt ihn nicht los. Heimat — das ist kein gewöhnliches Wort, das ist namenloses Glück, auch für den kleinen Ludwig, als er wieder deutschen Boden betritt. Einen angenehmen Einschlag von lebensnaher Romantik hat dieser warmherzig erzählte Erstlings- roman eines jungen und gewiß zukunftsreichen Schriftstellers. — Politische Kulturlehre. Don Gustav Steinbömer. 182 Seiten. Kart. 3,80 Mark, Leinen 5 Mark. Hamburg 1934. Hanseatische Der- lagsanstalt. — (27) — Hier wird erstmalig der Versuch unternommen, den verlorengegangenen Zu- sammenhang von Staat und Kultur wieder herzustellen. Im Liberalismus standen sich beide oft genug feindlich gegenüber. Mit der Ueberwindung des liberalen Denkens und dem Aufbruch einer neuen Staatsauffassung ist es wieder möglich geworden, die echten Beziehungen zwischen Staat, Dichtung, Kunst und Musik zu erkennen und vor allem wieder herzustellen. Steinbömer gibt zunächst einen geschichtlichen Abriß des Verhältnisses von Staat und Kultur, in den drei weiteren Abschnitten untersucht er das Verhältnis von Staat und Dich- tung, Staat und Kunst, Staat und Musik, um sie als verschiedenartige Ausdrucksformen des staatlichen Lebens zu erkennen. Das Werk erscheint berufen zu sein, grundlegende Erkenntnisse über eine volksverbundene Kulturpolitik zu verbreiten und wesentlich zur Schaffung einer Gemeinschaftskultur beizutragen. Daß es in einer allgemeinverständlichen Sprache geschrieben ist, wird der Verbreitung förderlich sein. — Stud.-Rat R. Eichenauer: Die Rasse als Lebensgesetz in Geschichte und G e - s i t t u n g. Mit 76 Abb. und 2 Taf. 141 S. Verlag von B. G. Teubner in Leipzig und Berlin 1934. — (251) — Nach einer Einleitung, die der Klärung der Grundbegriffe gewidmet ist, werden die körperlichen und seelischen Grundlagen der europäischen Rassen geschildert. Es folgt ein Gang in die Geschichte; von grauer Vorzeit an wird der Leser durch die Jahrtausende bis zur Neuzeit und ihre großen Rassenschicksale geführt. Hier ersteht auf verhältnismäßig kleinem Raum, in der Fülle der Bilder meisterhaft dargelegl, die neue rassenkundliche Geschichtsbetrachtung. An dem so überaus mannigfaltigen weltbestimmenden Schicksal der indogermanischen Völker wird zugleich das Wesen der nord- rassisch-geprägten Gesittung, ihr Wandel durch Umwelt, Zeitgeist, seine bestimmende Rassenmischung und Schichtung deutlich. Als Gegenbild werden Entstehung und Geschichte des jüdischen Volkstums aufgezeigt. Die Kunst wird im leib-seelischen Schönheitsbild, in Landschaftsgestaltung und Architektur, in Dichtung und Musik als Rassenspiegel ihres Trägers erwiesen. Der letzte Abschnitt gilt der Gestaltung der Zukunft; hier erhalten Rassenpflege und Bevölkerungspolitik in ihrem großen Wir- kungs- und Aufgabenbereich ihre gebührende Würdigung. — Für die Insel-Bücherei hat Hans Friedrich B l u n ck eine feinsinnige Auswahl von Klaus Groths „Qu i ck b o r n" getroffen und mit einem liebevollen Nachwort versehen, das die Bedeutung des großen holsteinischen Lyrikers für die Weiterentwicklung der niederdeutschen Literatur heraushebt. —, (144) - Vor 50 Jahren starb Ludwig Richter. Der deutsche Maler, Zeichner und Radierer, Adrian Ludwig Richter, dessen Todestag sich am 19. Juni zum 50. Male jährt. Wettervoraussage. Nachdem der Luftdruck bei der gestrigen Erwärmung gefallen war, ist er im Laufe der Nacht wieder kräftig angestiegen und bedingt weiterhin Aufheiterung. Allerdings tritt vorübergehend auch Bewölkung auf und vereinzelt ist mit der Bildung von Gewittern zu rechnen. Die Temperaturen werden dann anschließend nicht mehr so hohe Werte wie seither erreichen. Aussichten für Freitag: Anfangs nebligdunstig, tagsüber heiter bis wolkig und heiß, stellenweise gewittrige Niederschläge. Aussichten für Samstag: Teils wolkig, teils aufheiternd, vereinzelt schauerartige Niederschläge gewitterhafter Natur. Lufttemperaturen am 13. Juni: mittags 24,6 Grad, abends 16,9 Grad; am 14. Juni: morgens 14,9 Grad. Maximum 25,5 Grad, Minimum 8,6 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 13. Juni: abends 23,8 Grad; am 14. Juni: morgens 17,7 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 14,3 Stunden. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die schmerzliche Nachricht, daß heute morgen mein herzensguter Mann, seines Kindes treusorgender Vater, mein lieber Sohn, unser guter Schwiegersohn, Bruder, Schwager und Onkel, der Landwirt Wilhelm Müller nach kurzer, schwerer Krankheit sanft entschlafen ist In tiefer Trauer: Katharine Müller, geb. Wehrum Familie Müller Familie Volk Familie Karl Wehrum Albach, Annerod, den 13. Juni 1934. Die Beerdigung findet Freitag, 15. Juni, nachmittags 3 Uhr In Albach statt 3567 D I Verkäufe | «Wei abzugeb., eventl. Tausch geg.Klein- auto oo. Motor- rad.Schr.Ang.u. 03043 a.d.G.A. Umzugshalb, billigz.verk.: 1 groß, u.1 kleineres els.Bettm.Matratze, 1 weiß. Nachtschr., 1 eint. Kleiderschr., 1 kl. Gas-Helzofen, 1 Bel.-Körper,grUns. Ubergard.f.2Fen8t., 1 Wäschemangel, 1 Zinkbadew,, Kinderspiel. (Dampfm. m. Zubeh.,Puppenstub. usw.)1Schulr.u.a.m. Bleichstr. 8 I Der Anstrich von Treppen und Fußböden wird hochglänzend u. haltbar durch meine Spezial-Politur Liters!. 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Hinblick auf die F r e i z e i t g e st a l • werktätigen Menschen ist die Kleingar- Gartensiedlungsbewegung von hoher 'S den Fliegern, Glück der deutschen Sportfliegerei, die diesmal weniger das zu zeigen hat, was der einzelne vermag, sondern was die Gemeinschaft leistet. Denn gruppenweise müssen die Strecken zurückgelegt werden, gruppenweise müssen die Flieger landen. Die fliegerische Disziplin, das Hand-in- Handarbeiten, das Gleichbleiben der Leistung und die Gemeinsamkeit des Willens und Handelns unserer Sportflieger werden sich auf dem Deutschlandflug vom 21. bis zum 24. Juni herauskristallisieren und zum Quell neuer Kraftentwicklung zum Bewußtsein. Doch damit sind die Aufgaben schon net, die der Erfüllung am Eingang Deutschlands harren. Nicht auf materiellen Gewinn soll unserer Arbeit ankommen. Vielmehr platz neben der Arbeitswelt neben der Wohnung im Mietshaus, Tausende und aber Tausende folgen diesem Beispiel. Wenn man diese Bewegung in ihrer Entwicklung zurückverfolgt, so entdeckt man, daß sie in diesem Jahr ein siebzigstes Geburtstagsfest feiern kann. Zwar werden manchmal die Är- mengärten, die schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts in einigen Städten des deutschen Nordens wie Flensburg, Kiel, Königsberg von den Fürsorgebehörden eingerichtet wurden, als Vorläufer genannt. Damit scheint uns aber eine völlig falsche Richtung bei der Suche nach dem Ursprung der Kleingartenbewegung unserer Tage eingeschlagen worden zu fein; denn es handelte sich um behördliche Maßnahmen im Rahmen der von den Städten damals mit viel Widerwillen zwangsmäßig übernommenen Fürsorgeverpflichtungen für die Armen. Der deutsche Kleingarten ist aber aus einem ganz anderen Geiste erwachsen, wobei allerdings die große soziale Bedeutung dieser Bewegung heute mit Recht städtischen und staatlichen Schutz genießt. Die eigentliche deutsche Kleingartenbewegung setzte erst später ein, als zum ersten Male ein Gegengewicht gegen die im Zeitalter der Industrialisierung sich entwickelnde Verstädterung gesucht wurde. Als der Arzt Moritz S ch r e b e r mit Hilfe des psychologischer und sozialer Bedeutung; sie findet deshalb in der sozialen Volksgemeinschaft mit Recht eifrige Förderung. Das neue Geschlecht, vor allem in den ersten Kindheitsjahren, dort in der Familiengemeinschaft und zugleich im engen Zusammenleben in den kleinen Gartengemeinden aufwachsen zu lassen, ist die Zielsetzung der heutigen Kleingartenbewegung. Der Gedanke, der Schreber zur Einrichtung der ersten Gärten für Kinder führte, findet also in einem neuen tieferen Sinne seine Erfüllung. Nicht nur Freude und Gesundheit werden dem kleinen Kindervolk dort zuteil, es wird auch bereichert durch ein inniges Verhältnis zur Natur, zu Bäumen, Blumen und Tieren, die in der Pflege und Obhut der Menschen dort draußen gedeihen. Aus dieser Liebe zur engsten naturhaften Umwelt erwächst dann die Liebe zur weiteren Heimat, die in ihrer einfachsten Gestalt als fruchtbares, von Menschenhand gehegtes Land unter dem Himmel ruU. Diese kleinen Gärten und Häuschen bewährten sich in Zeiten wirtschaftlicher Sorge als Hilfe bei der Lebensmittelversorgung und wurden vor allem in der Kriegszeit zu einem ernfthafen Faktor der Ernährung der breiten Massen der Großstädte. In den nachfolgenden Jahren der Wohnungsnot mußten diese Lauben oft als ständige Wohnungen dienen; erst in den letzten Jahren haben an manchen Orten diese dauern bewohnten Laubenkolonien den planmäßigen Stadtrandsiedlungen Platz gemacht. Auch der große Siedlungsgedanke steht mit der Kleingartenbewegung in engstem Zusammenhang. Es ist, als würde der arbeitende Mensch, der sich vor der Stadt ein kleines Stück Erde -unter dem Himmel für sich und die Seinen von dem Reichtum der Natur zurückgewann, mit geheimnisvollen Kräften von diesem' Fleck angezogen. Aber es ist nicht Stadtflucht, sondern er steht in einem guten geordneten Verhältnis zur Stadt. In ihr vollbringt er sein Tagewerk, seine Freizeit aber gehört dem kleinen Stück Erde, wo sein eigenes Haus Lange liegt das kleine Stück Land tot vor der neuen Häuserreihe, ein Bauplatz, für den noch nicht die Zeit gekommen ist, auf dem sich Abfall und Scherben ansammeln und der zum Schuttabladeplatz der Anwohner geworden ist. Und eines Tages betritt am späten Nachmittag, von der Arbeit kommend, ein Mann mit Frau und Kindern dieses Land. Er zeigt über den Platz und ergreift mit dieser Gebärde von ihm Besitz. Seiner kleinen Gefolgschaft erklärt er, wo der Zaun verlaufen soll und der breite Mittelweg, an dem die Beete liegen werden, und da in der Ecke die Wassertonne und der Misthaufen. Hier soll die Laube stehen, an der sich Geißblatt emporranken wird und dort ein Sandhaufen eingerichtet werden und eine Schaukel. Von Tag zu Tag erfüllt sich dieser Plan. Die kleine Gebärde erweckt den Boden; unter Mühe und Schweiß, ungezähltem Umgraben und Wassertragen entsteht das erste grüne Beet und dann ein zweites. Schließlich ist ein Garten da und mittendrin, Stück für Stück herbeigetragen, das Häuschen, das Herz dieses Kleingartens. An diesen Garten reihen sich andere, ein ganzes Vorland vor der Stadt ist erobert für feierabendliches Ausruhen und langes Genießen an den Sonntagen. Nicht nur ein einzelner schafft sich so einen Lebens- heit wie an Tugenden. Ein Land, wo der Handschlag gilt. In Italien gilt nicht einmal ein Vertrag, wenn er nicht amtlich registriert ist. Und endlich das Schönste am deutschen Sommer: manchmal regnet es. Nein, das könnt ihr natürlich nicht wissen, was das heißt. Jeder Deutsche sollte eigentlich einmal den berühmten „ewigblauen Himmel" des Südens bis zur Lähmung auskosten . . . Deutsches Land — begnadetes Land! Ehrgeiz darin liegen, daß die Leistung zu entscheiden hat, welche der Gesamtheit in irgendeiner Form zum Nutzen gereicht, daß die Gesinnung bewertet wird, aus der heraus eine Tat geschieht! Der alte Kantsche Grundsatz gelangt endlich wieder zu Ehren: „Handle stets so, daß die Prinzipien deiner Handlungsweise Prinzipien einer allgemeinen Gesetzgebung sein könnten." Und so sicher wir ein Recht daraus besitzen, auf unsere Leistung stolz zu sein, der Schlosser am Schraubstock, der Bauer am Pflug, der Arzt am Operationstisch, der Gelehrte auf dem Katheder, so wenig soll andererseits uns doch die Art der Arbeit zur Anmaßung und zur Überheblichkeit verführen. Die freiwillige bescheidene Eingliederung aller in die große gemeinsame Arbeitsfront der Nation ist eine wesentliche Forderung der Erziehung zum neuen Staat. Um dies Ziel aber zu erreichen, muß Disziplin geübt werden! Keine Disziplin, die aus dem Kadavergehorsam erwachsen ist. Sondern eine, die auf der Selbstzucht beruht und auf dem Geist der Kameradschaftlichkeit! Das sind Tugenden und Eigenschaften, deren sich unser Volksheer im Weltkriege rühmen durfte, solange wenigstens, wie volksfremde und volksverderbliche Einflüsse von ihm ferngehalten werden konnten. Im übrigen muß die Sache unseres Vaterlandes uns eine Herzensangelegenheit fein! Wer das nicht begreift, hat noch keinen Hauch der neuen Zeit verspürt! Nutznießer der neuen Zeit, Konjunkturhelden und Postenjäger werden entlarvt werden und mit Schuldirektors H a u s s ch i l d in Leipzig 1864 Kinderspielplätze schuf, auf denen er zur Unterhaltung und zur Erziehung der Kinder zum Verständnis für die Natur zum ersten Mal Blumenbeete einrichten ließ, ahnte er allerdings noch nicht, daß aus diesem pädagogischen Gedanken eine gewaltige Bewegung erwachsen sollte, die später den Millionen der Großstädte die notwendige Erholung vermittelte und ihnen die Freude an der Natur wieder schenkte, die sie in den Mietskasernen eingebüßt hatten. Er gab ihnen eigentlich erst den Sonntag wieder, der in der Großstadt verloren zu gehen drohte. Der große Zuspruch, den diese Kindergärten, in des Wortes buchstäblicher Bedeutung, fanden, ermutigte Schreber, auch kleine Gartenstücke für die Erwachsenen mit diesen Kinderspielplätzen zu verbinden, Gemüse- und Blumengärten, die nut dem Namen Schreber für immer verbunden bleiben sollten. Von Jahr zu Jahr stieg die Zahl dieser Schrebergärten. Wo immer ein Stück Land ungenutzt lag, als Bauplatz oder „Niemandsland", es wurde sofort von fleißigen Händen in einen blühenden Garten verwandelt. Wenn die wachsenden Städte über die klemen sorgsam behüteten Gärten schließlich hiywegschrit- ten, so wurde unverdrossen im weiteren Städtgür- tel ein Vielfaches des verlorenen Bodens für die kleinen Gärten aufgeschlossen. Es war, als befänden sich die Riesenbauten Der kleinen Städte und die blühenden Gartenflächen in einem Wettstreit um das Herz der Stadtbewohner. In den Laubenkolonien entwickelte die Liebe zum Garten neue Formen, nachdem die Gartenlaube der Hausgärten zum Spottbild für eine längst dahingeschwundene Bürgerlichkeit geworden wär. Wenn dort eine kleine Hausgemeinschaft in behäbigem Wohlstand ihre Mußestunden verbrachte, so war es hier eine aus vielen Familien entstandene kleine Gemeinde, die sich zusammengehörig fühlte und gemeinsame Arbeiten bewältigte, ob es sich nun um die Anlage einer Wasserleitung oder um die Herrichtung einer gemeinsamen Zugangsstraße handelte. Wenn sich dann die viele Mühe lohnte und auf diesen kleinen Flächen geerntet wurde, dann zeigte sich die nachbarliche Gemeinschaft in gemeinsamen Festen mit Kinderjubel, Umzug, Musik und Tanz. 'Zeitschriften. — Im Juniheft der „Deutschen Zeit- s ch r i f t", (Verlag Callwey, München) ist es vor allem ein Aussatz Heinrich Weinstocks unter der Ueberschrift „Neue Begegnung mit den Griechen", der dem Hefte aktuelle Wirkung sichert. Unter näherer Betrachtung dreier Selbstzeugnisse griechischen politischen Denkens: ber von Thukybides überlieferten Rede des großen Perikles auf die Gefallenen des Jahres 431 v. Ehr., der „Antigone" des Sophokles und eines politischen Briefes Platons über das Thema „Geist und Macht" untersucht Weinstock, der als überzeugende Belege feiner Darlegungen die Rede des Perikles und den Platonbrief in eigener Ueberfetzung beifügt, inwieweit die griechisch antike Auffassung des Politischen für die Verwirklichung der völkischen politischen Idee im neuen deutschen Volksstaat lebendig und fruchtbar gemacht werden kann. Nicht weniger bedeutsam scheint die ausgezeichnete Akademierede Heinrich Wölfflins aus dem Jahre 1914 über „Die Architektur der deutschen Renaissance", womit der Meister klassischer Kunstbetrachtung es unternimmt, das Verhältnis zwischen deutscher und italienischer Renaissance auf die entscheidenden Begriffe zu bringen. Jrn literarischen Teil des Heftes werden wir mit dem irischen Dichter William Butler Peats durch Aufsätze H. Brauns und B. v. Heiselers sowie Proben seines lyrischen, epischen und dramatischen Werkes näher bekannt gemacht. Film- und Buchberichte machen den Beschluß des wertvollen Heftes, das einige Abbildungen deutscher Renaissancebauten schmücken. Gärten vor der Stadt. 3um 70. Geburtstag der Schrebergartenbewegung Von Or. Jürgen Schäfer. Sochscbulnnrbnc^teri Wie das Personalamt mitteilt, wurde der Privatdozent Dr.-Ina. Karl Lieser zu Darmstadt mit sofortiger Wirkung zum Führer der Dozenten schäft an der Technischen Hochschule ernannt. Der nichtplanmäßige ao. Professor Dr. C. Wagner an der Universität Jena hat einen Ruf als ao. Professor für physikalische Chemie an die Technische Hochschule in Darmstadt angenommen. Aufgaben. Von W. G. Eckewart. „Was nicht im Blute liegt, hält nicht vor!" Fr. Hebbel. Immer wieder muß es unserem Volke tief ins Herz hineingehämmert werden, daß wir nicht am Ende, sondern erst am Anfang der großen deutschen Erhebung stehen. Immer wieder müssen wir uns der Aufgaben bewußt bleiben, die zu lösen sind, damit das gigantische Werk unseres oolklichen Erwachens der Vollendung entgegenzureifen vermag. Und immer selbstverständlicher noch müssen alle Schichten unseres Volkes zu der Einsicht und Erkenntnis gelangen, daß der Umwandlungsvorgang bei jedem Einzelnen nur von innen heraus erfolgen kann. Es wird oft und laut von der Volksgemeinschaft gesprochen, am lautesten meist von Denen, in welchen Der Wille zur Volksgemeinschaft nur schwach entwickelt ist und die vom Wege zu wahrer Volksgemeinschaft noch am weitesten entfernt find. Aber wie unsäglich schwer es ist, Volksgemeinschaft wahrhaft zu verwirklichen, wieviel Kampfeswille und Glaubenskraft, wieviel Begeisterungsfähigkeit und nie erlahmender Opfersinn dq- zu gehören, das kommt vielen vorläufig noch nicht Das alles ist euch selbstverständlich? Na ja, dann dürft ihrs den Ausländsdeutschen nicht verdenken, wenn sie gleich beim Einfahren in die Heimat ein Gefühl der Rührung befällt. Und wir schauen aus dem Fenster: Deutschland — begnadetes Land! Was hast du eigentlich nicht, was fehlt dir? Meer und Berge find dein, Seen und Wälder, Moore und Heiden. Ein Königreich für einen deutschen Froschtümpel! Man dreht den Hahnen auf und Wasser kommt heraus, als ob es eine Selbstverständlichkeit wäre. In Rom sickert es haarfein in Blechbehälter, die auf dem flachen Dach in der (Sonnenglut stehen, und davon zehrt dann das ganze Haus. Selbst im reichen Amerika ist es oft nicht viel anders. Ihr aber würdet verwundert fein, wenn ihr nicht auch an einem kleinen Ort frisches, kühles Trinkwasser nach Belieben hättet. Selbst in den Bergen um Rom herum, wo das Wasser herkommt, muß der Hausbesitzer sich absorgen, ob und wie er in sein Heim hineinbringt. Er muß es nach Zwanzigsteln kaufen, dem zwanzigsten Teil einer Unze, die 20 000 Liter beträgt, und dieses tägliche Minimum von tausend Litern kostet jährlich 60 Mark! Die Unze 1400 Mark. In einem Dörfchen am Bodensee zahlen sie dafür nur 7 Mark, sieben Mark! Und doch haben die Römer allen Grund, zufrieden zu sein, gibt es doch noch manche Gegenden in Italien, wo das Wasser teurer ist als der Wein. Gewiß, man soll nicht zu viel vergleichen, jedes Land hat schließlich seine Vvrzüae, und in Deutschland vermisse ich zum Beispiel den Espresso sehr. Auch kriegt man dort keinen Liter Frascati für 40 Pfennige, und winters ist oft alles wochenlang grau in grau. Aber habt ihr nicht auch einen Wunderfrühling gehabt, wie ihn nun und nimmer der Süden zustande bringt? Wir denken an die Blütenpracht des Odenwalds, an die schneeweißen Dampfer und die blonden singenden Mädel — wie hell das alles ist, wie licht und rein! Deutschland — das schönste Land. Fahrt an der Saale entlang und dann an des Ebros Strand! Konstanz ist eine Kleinstadt, aber sie ist an Anlage nicht minder großzügig als Zürich, die Sauberkeit ihrer Außenquar- tiere findet im Süden nicht ihresgleichen. Schaut die deutschen Dome an und dann die südlichen Barockfassaden mit ihren kahlen, häßlichen Seitenwänden, vom Rücken ganz zu schweigen. In deutschen Kleinstädten gibt es alles, was man in Sevilla mit der Laterne suchen und doch nicht finden würde. Die deutsche Wohnkultur! Diese Kcmfläben! Diese Kurorte! Alles strahlend vor Sauberkeit, blitzblank, geordnet, ansprchend. Ach, wo anfangen, wo aufhören, wie reich ist das deutsche Land, an Schönsteht, vom Gerade im t u n g des ten- und Begnadetes deutsches Land. Von Gustav W. Eberlein. Wenn der Deutsche aus dem sonnigen Süden in die Heimat zurückkehrt und von der ersten Schnake gestochen wird, dann — lächelt er. Schimpft nicht, haut nicht, ärgert sich nicht. Er schaut zu, wie es dem Kerl schmeckt, er lächelt dabei und ist glücklich. Denn mit einem Stich und einem Schlag geht ihm — jedes Jahr wieder — die beseligende Erkenntnis von der Gnade aus, die über dem Land des Nordens liegt und sich schon in einer derart banalen Angelegenheit äußert. Welch ein Unterschied zum gepriesenen Süden, gleichviel, ob einer nun Italien oder Mazedonien ober- Nordafrika meint. Wenn die Schnaken jenseits der Alpen stechen, dann gibt es einen kleinen Schmerz, eine sanfte Beule, und dann ist die Sache erledigt. Im goldenen Süden aber kriegt man die Malaria. Wenn eine Stechmücke nur um einen herumsirrt, dann sieht sie ängstlich aufgerissene Augen, erlebt ein wütendes Herumschlagen und hört den Rus des Sommers: „Chinin! Um Gotteswillen Chinin!" Sie braucht sich gar nicht erst darüber auszuweisen, daß sie ein authentischer Anopheles ist, man glaubt ihrs auf den ersten Blick. Wer am Abend eine Reifenpanne hat, greift zuerst zu den rot verzuckerten Staatspillen, dann erst zum Wagenheber. Niemand zeltet ungestraft unter Palmen, die in Wirklichkeit halbverdorrte Steineichen sind. Der blauen Küste entlang schauen quittengelbe Gesichter aus verrosteten Drahtnetzen heraus; keine Eisenbahnstation, die nicht solchermaßen gesichert wäre. Droben in der Heimat können wir uns abends niederlassen, wo es uns gefällt, an einem Frosch- Tümpel sogar, mitten im Wald können emschlasen ohne Gefahr. Wißt ihr, was das heißt? Stell/ euch Deutschland ohne Wald vor, ohne Wiesengrund, ohne lauschige Spazierwege, legt eine blaue Glasglocke über dieses Land und hangt eine meifcalübenbe Lampe, nein, eine fengenbe Feuer- queUe hinein — bann habt ihr ben sommerlichen Lüben? Walb! Was das ist, das kann nur erfassen, wer ihn entbehren muß. Unb hat schon einmal einer in Italien ein Eichhörnchen gesehen oder ?ar ein Reh? Wäre ein Elchendorff hier denkbar? Schön sind die Zypressen, monumental und feiernd) aber leblos. Wären sie aus Stein, sie sahen gerade so aus. In meiner italienischen Grammatik, das heißt, in der Schulgrammatik, die bet Beut sche hernimmt, wenn er den kühnen Entschluß ge faßt hat, sich in die Sprache Petrarcas zu stürzen, steht der wunderbare Satz: O wenn doch die ganze Welt wie die Toskana wäre! Nun, dann gäbe es vor Langweile schon längst kein Bevölkerungsproblem mehr. Die toskanische Landschaft ist in ihrer Art eine Herrlichkeit ohnegleichen, und im Frühling, wenn man die Sonne noch sucht, kann man sich in sie verlieben. Aber wie könnte sie sich ernstlich mit dem deutschen Sommer messen! Wir haben in den letzten Wochen viel von „beutfdjen Pfingsten" gelesen und dieses Wort ist wahr wie nur je eines. Italienische, spanische Pfingsten in diesem Sinne gibt es nicht, wie es überhaupt keinen Pfingstmontag hier gibt. Zu Dutzenden zogen an diesem Blütenfest faschistische Studenten nach Deutschland und — kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Es gibt große und prachtvoll gebettete Seen auch um Rom herum, auch im tiefen Süden. Aber dort kann man kein Ruderboot mieten, kein Segel belebt sie, es gibt feine Ausflugswirtschaften, es gibt das überhaupt nicht, was wir einen Ausflug nennen. Es ist nicht einmal das Gefühl, das Empfinden, das Verlangen dafür Und danach vorhanden. Seit Jahren bemühen sich Sportfreunde, die Deutschland kennengelernt haben, das Paddeln in Italien einzuführen. Umsonst. Wie wäre es auch denkbar, wo der Sinn für Wandern fehlt, wie die Wege dafür. Radfahren um des Fahrens willen? Wer sollte das verstehen? Sv etwas tut nur, wer muß, ober wer „rennen" will. Wenn in Deutschlanb bie Wolken auseinanber- gehen, bann reißt ber Autofahrer sofort bas Verbeck herunter, er will sehen, Lanbschaft genießen. Im Süben find bie „offenen" Wagen beinahe ausgestorben, niemanb will sie haben. Autos werben als Beförberungsmittel betrachtet, unb bamit basta. Daher bie vorzüglichen Straßen in Spanien, bas boch sonst ein bißchen „zurück" ist, weit mehr noch als Italien, was ben freien Umgang der Geschlechter betrifft. Parken im Grünen, übernachten in einem Wochenenbhaus — zuweilen hört ber Süblänber solche Mär aus fernem Lanb, aber er glaubt nicht daran unb will es keinesfalls selber ausproben. Das erste, was man nach bem Überschreiten ber Grenze im Eisenbahnzug sieht, ist — bie Reinmachefrau. Sie hat einen Putzlappen, ber sauber ist. In ber stillen fahrenben Klause gibt es, sogar 3 Klasse, Seife unb Hanbtücher. Dann, kaum sitzt man mieber in feinem Abteil, kommt ein weißgekleideter Mensch herein unb fragt, was gefällig sei, Kaffee, Kuchen, bitte sehr. Nach einer Stunbe kommt er roieber unb bietet Suppe an. Man kann zu jeder Zeit in ben Speisewagen hinüber unb nach ber Karte essen. große Schleifen finb in vier Tagen von unseren Sportfliegern abzufliegen. Nach allen Richtungen gehen sie, wie ein großes vierblättriges Kleeblatt liegt bie Strecke auf ber beutfchen Lanb- farte. Die eine nach bem Osten abgefteckte Strecke umfaßt Ostpreußen unb Pommern, bie <5üboft = schleife berft fick) mit ben Ränbern Schlesiens, im Norbwesten werben Schleswig, Dlbcnburg, Hannover unb Braunschweig umrunbet, unb im Süben ist ein langgezogenes Oval, bas bis Reichenhall reicht, abzufliegen. Den Blättern des Glücks- ullu ÖUlll wucu klees gleichen bie großenSchleifen. Glück wünschen wir unseres Flugsports werben. Flensburg"V' Königsberg' Srok .Kiel Danzig Stettin Köln Bres/äb\ Görlitz Stuttgart München 1'eichen ha II vom «21 rfe 24.uni. \0lden- bürg Ti in in IK n iti ir« Ä in Frankfurt °/m * Bamberg< \BERLIN \ \\_Guben. Berchtesgaden Ma^: 50 1QO iro 200 \ \ \Schwerin V^HamburgSiX Goslar Kassel Schimpf und Schande zugrunde gehen. Nur wer im unerschütterlichen Glauben an Deutschlands Zukunft pflichttreu kämpfend mitwirkt und schafft an der Umgestaltung unseres Vaterlandes, hat An- jpruct; darauf, ein wertvolles Glied der Volks^e- meinjchaft zu sein und den Schutz und die Segnungen des neuen Staates zu genießen. Was an staatsbürgerlicher Gesinnung der Soldatenkönig einst in unserem Volke erweckt und Friedrich der Große zur Entfaltung und Entwicklung gebracht hat, soll nun im dritten Reich zur Reife gelangen. Aus parteiamtlichen Bekanntmachungen Der RSLV. des Kreises Gießen teilt mit, daß der Schulungsabend der Ortsgruppen- Schulungsobleute am morgigen Freitag, 19 Uhr, im Hotel Hopfelü, Wetzlarer Weg, stattfindet. Die Ortsgruppe Gießen-Mitte der NS. - Frauen fchaft hält ihren Ortsgruppen» abend (mit Lichtbilder-Dortrag) am heutigen Donnerstag, 20.15 Uhr, im Botanischen Institut, Brandplatz ab. NSLB., Kreis Gießen. Geschichtliche Fachschaft. Heute, Donnerstag, nachmittag 5 Uhr, im Semi- narzimmer der Oberrealschule. Dr. K. Glöckner. Elternabend der Hitler-Jugend. Die Hitlerjugend ruft! „Darf ich Ihnen vielleicht ein Programm zu unserem Elternabend verkaufen?", oder „Nehmen Sie doch bitte ein Programm und kommen Sie zu unserem Elternabend!" Mit diesen Worten kommen dieser Tage die Jungens der Hitlerjugend zu Ihnen, um Sie zu bitten, durch den Kauf eines Programms zum Elternabend (Samstag, 16. Juni, im Caf6 Leib) zu kommen. Wir Jungens in der Hitlerjugend, wir fühlen das Bedürfnis, vor unseren lieben Eltern einmal zu zeigen, was bei uns eigentlich alles gemacht wird, was wir außer dem Marschieren und Exerzieren noch alles können. Und, meine lieben Eltern, freut Euch auf diesen Abend! Ihr werdet Eure helle Freude daran haben, wie die Jungens fingen: die altdeutschen Lieder und die neuen Lieder in mehrstimmigen Sätzen. Ihr hört ferner den Musikzug des Unter« bannes einige flotte Märsche spielen. Am Schluß des Abends wird ein kleines Laienspiel zur Aufführung gelangen. Und nun noch eine Ueber- raschung für Euch: „Die große Verlosung!" Kurzum: Ein reichhaltiges Programm haben wir zu- sammengestellt, um Euch die Sorge des Alltags für wenige Stunden abzunehmen. Und nun kommt doch zu uns und seid auch einmal unter uns! Schickt die Jungens, die zu Euch kommen, um Euch ein Programm zu verkaufen, nicht weg, sondern nehmt freudig! Wir freuen uns dann auch. Heil Hitler! Der Führer des Unterbannes 1/116. gez. Clarins, Scharführer. Ausgepaßt Hitlerjungs! Wie ihr wißt, findet am letzten Sonntag im August der große Gebietsaufmarsch des Gebiets 13 in Frankfurt a. M. statt. Dieser Aufmarsch soll nicht nur Tausende und aber Tausende deutscher Jungen im Gleichschritt durch die Straßen marschieren sehen, sondern es soll auch einen Ueberblick über das politisch-kulturelle Wirken der Hitler-Jugend geben. Deshalb ist der Aufmarsch verbunden mit einer großen Ausstellung, auf der alle Arbeitsgebiete der HI., auf der sie tätig ist, gezeigt werden. Ganz besonders soll auf dieser Ausstellung das künstlerische und handwerkliche Schaffen der HI. zum Ausdruck kommen. In einem besonderen Wettbewerb werden die besten Leistungen ausgezeichnet und vom Gebiet 13 mit Preisen versehen werden. Für diesen Wettbewerb kommen in Frage: Zeichnungen, Karikaturen, Plakatentwürfe, Bastelarbeiten, Plastiken, kunstgewerbliche Arbeiten, architektonische Entwürfe, neue Lieder, Photographien usw., die ein Spiegelbild vermitteln aus der Kampfzeit, den Monaten des Durchbruchs. Alle Arbeiten sollen eine lebendige Schau des Schaffens der jungen revolutionären Generation, ein Wegweiser ihrer kommenden Arbeit sein. An euch, deutsche Jungens in der Hitler-Jugend, ergeht nun der Ruf, beteiligt euch an diesem Wettbewerb, zeigt, was in euch steckt, schafft eurem vielleicht noch ungewissen Sehnen nach neuer deutscher Kunst und neuen Begriffen Luft! Die Arbeiten werden direkt an die Abteilung 8 des Gebietes Hessen-Nassau, Wiesbaden, Uhland- strahe, gesandt. Alle eure Arbeiten sollen folgende Angaben tragen: Genaue Anschrift, des Urhebers und was die Arbeit darstellen soll. Wir machen hiermit nochmals ganz besonders darauf aufmerksam, daß sich jeder Hitler-Junge an diesem Wettbewerb beteiligen kann. Unkosten entstehen für ihn nicht, ganz im Gegenteil! Ans Werk! Heil Hitler! Der Führer des Bannes 116: Otto Häuser. Der Bannschulungsleiter: Willi Hanke. NG Gemeinschast,,KraftdurchHreude" Der Groß-Fluglag in Wiesbaden. Freiflüge werden verlost. Am Sonntag, 24. Juni, wartet „Kraft durch Freude" in Wiesbaden mit einer großartigen Leistung auf. Auf dem Flugplatz von Mainz-Wiesbaden in Erbenheim wird ein Groß-Fluglag veranstaltet, der alles, was im Flugwesen sehenswürdig ist, vorn Segelflug bis zum vollendeten Kunstflug, zeigen wird. Bei dieser Gelegenheit wird die Landesstelle des Luftschutzbundes alle Register ihrer noch so unbekannten Kunst aufziehen und dem Publikum alle erdenklichen Luftschutzübungen vorführen. Am Abend wird ein rheinisches Volksfest steigen, das jung und alt fröhlich Zusammenhalten wird. Was „Kraft durch Freude" veranstaltet, ist volkstümlich. Jeder kann und soll hieran teilnehmen, deshalb sind die Preise auf 40 Pf. für Schaffende und 20 Pf. für Erwerbslose festgesetzt. Sonderzüge werden unsere Mitglieder aus allen Kreisen des Gaues nach Wiesbaden führen, wo vormittags zu Ehren unserer Kameraden ein großes Konzert mit Besichtigung des Kurhauses gegeben wird. Alles ist auf Preiswürdigkeit eingestellt. Ein Mittagessen wird sogar für 20 Pf. zu haben sein. Also fährt alles nach Wiesbaden per Flugzeug, per Bahn, per Omnibus! Eintritts- und Fahrkarten sind bei den Kreiswarten und Betriebswarten von „Kraft durch Freude" zu haben. Fahrpreis Gießen—Wiesbaden und zurück nur 3,70 Mark. Anmeldung bis spätestens Samstag. Die nächsten Aufgaben derAS.-Dolkswohlfchrl. Kinderlandverschickung, Echadenverhütung. Am 15. Juni wird der erste Kinderferien- zug der NSV. aus Hessen-Nassau nach Oberschlesien gehen. Damit beginnt ein großzügiger Ferienaustauschdienst zwischen Ost und West. Im Juli und August werden bann weitere Ferientransporte nach Nordschlesien gehen; Nord- schleswiger Kinder werden dafür auf vier bis sechs Wochen in unserem Gau ihre Ferienerholung finden. Sieben Sonderzüge werden dem Austausch- dienst mit Thüringen und Westfalen dienen. Kreuz und quer werden die Ferienkinder in Deutschland ausgetauscht. Neben der Erholung wird dieser Austauschdienst das gegenseitige Kennenlernen und Verstehen unter den einzelnen deutschen Volksstämmen in wertvoller Weise fördern. 20 000 Kindern aus dem Gau wird durch diese großzügige Aktion der 3XST3. Gelegenheit zu Erholung gegeben. Neben der Kinderlandverschickung läuft das Hilfswerk Mutter und Kind weiter. In Ansehung des zu erwartenden stärkeren Bevölkerungszuwachses während der nächsten Monate wird die NSV. überall Wäschesammlungen durchführen. Außerdem denkt man auch an eine großangelegte Aktion zur Milchverbilligung. Um dem Hilfswerk Mutter und Kind in noch weiteren Kreisen Gehör und Beachtung zu verschaffen hat die Gauamtsleitung Hessen-Nassau der NSV. außerdem einen Lichtbildwettbewerb „Mutter und Kind" ausgeschrieben. Besonderer Wert wird auf Bilder gelegt, die Mutter und Kind in unserem Heimatgau und die Arbeit der NSV. in Einsatz für die Aktion Mutter und Kind zeigen. Die NSV. bittet, sich mit den Bedingungen dieses Wettbewerbs, die bei allen Ortsgruppen einzusehen sind, bekannt zu machen. Mit der einaeleiteten Verkehrserziehungswoche ist außerdem die Durchführung der Aktion zur Schadenoerhütung ausgenommen worden. Schon in der nächsten Zeit wird auch in allen Betrieben für dieses neue Werk der NSV. geworben werden. Ueberall werden Zeitschriften ausgelegt und Aufklärungsvorträge gehalten werden. Das Ziel dieser Aktion ist es, einmal das deutsche Volk durch die Verhütung meist durch Gleichgültigkeit oder Leichtsinn entstehender Unfälle vor materiellen Schäden zu bewahren, die alljährlich in die hunderte Millionen gehen. Darüber hinaus soll aber auch Erziehungsarbeit im Sinne des Nationalsozialismus geleistet werden. Jeder, der gleichgültig oder leichtfertig einen Schaden verursacht, schädigt damit die Dolksaemeinschaft. Jeder, der sich selbst leichtfertig in Gefahr bringt und dadurch Schaden erleidet, fällt der Volksgemeinschaft zur Last. Das Ziel der Aktion Schadenverhütung ist es, durch erzieherische Beeinflussung das Verantwortungsgefühl zu steigern und jede Rentenjägerei, wie sie sich in den letzten Jahren zum Schaden der Allgemeinheit breit gemacht hat, in Zukunft auszuschalten. Der Ruf der NSV. ergeht daher an alle. In jedes einzelnen Interesse muß es liegen, sich in den Dienst der Schadenverhütung zu stellen, bewahrt er doch damit die Allgemeinheit und unmittelbar mindestens auch' sich vor auf die Dauer untragbaren Belastungen. Mutter und Kind im Bild. Ein Photo-Wettbewerb der NS.-Volkswohlfahrk. Photo-Freunde! Stellt eure Lichtbildkunst in den Dienst der großen NSV.-Aktion „Mutter und Kind". Dies vermögt ihr durch Beteiligung an dem Photo- Wettbewerb der NSV., Gauamtsleitung Hessen- Nassau, Frankfurt a. M., Mainzer Landstraße 42/44. Es gilt, den Gedanken der gigantischen Aktion der NSV. „Mutter und Kind" durch Bilder Ausdruck zu verleihen. Besonderer Wert wird auf Bilder gelegt, die „Mutter und Kind" in unserem Heimat- Gau und die Arbeit der NSV. im Einsatz für die Aktion „Mutter und Kind" zeigen. Als Preise werden ausgesetzt: 1. Preis 25 Mark 2. Preis 10 „ 3. Preis 5 „ und 5 Preise zu je 2 „ Im Zusammenhang mit diesem Preisausschreiben wird auf die beiden bebilderten Druckschriften verwiesen, die unter dem Titel „Muter und Kind" (Preis 10 Pf.) und „O, Mutter zart, schütz meine Fahrt" (Preis 40 Pf.) bei allen Ortsgruppen der NSV. zu kaufen sind und über die Ziele der Aktion Mutter und Kind Aufschluß geben. Auf den Ortsgruppen der NSV. sind auch die näheren Bedingungen für die Teilnahme an dem Wettbewerb durch Anschlag bekannt gemacht, denen sich jeder Teilnehmer mit der Einsendung seiner Bilder restlos unterwirft. Lichtbildkünstler, auf an die Arbeit! Gebührenfreie Ausstellungen von Kirchenbuchauszügen. EPH. Nach Mitteilung des Reichsrninisteriurns des Innern an die Kanzlei der deutschen Evangelischen Kirche besteht Gebühren-, Stempel- Abgabe- und Portofreiheit für alle standesamtlichen und kirchlichen Urkunden und Bescheinigungen, die zum Nachweis der arischen Abstammung ausgestellt werden: 1. bei Durchführung des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums, entsprechend auch bei Angehörigen des Heeres und der Marine 2. bei Durchführung des Erbhofgesetzes 3. bei Erlangung des Ehestandsdarlehens 4. bei Dersorgungsanwärtem zur Erlangung einer Beamtenstelle 5. bei Anforderungen von den ministeriellen Sachverständigen für Rafseforschung. Gebühren und Auslagen sind zu entrichten, wenn die Urkunden über die Abstammung benötigt werden: 1. zu Gesuchen um Erlangung einer Anstellung im öffentlichen Dienst 2. von Angehörigen freier Berufe und zu persönlichen Zwecken. Im Zweifelsfalle kann eine amtliche Bescheinigung über den Zweck verlangt werden. In einer Reihe von anderen Fällen, so namentlich, wenn die Urkunden für parteiamtliche Zwecke ausgestellt werden sollen, sind die Verhandlungen über die Fragen der Gebührenpflicht noch nicht abgeschlossen. Oie Neuorganisation im Baugewerbe. Der Führer der gewerblichen Wirtschaft, Keßler, hat unter dem 4. Mai 1934 im Einvernehmen mit dem Führer der Gruppe IV. Dr. Vögler und der Gruppe VIII Reichshandwerksführer Schmidt, sowie mit Zustimmung des Reichswirtschaftsmini- sters die nachstehende Durchführungsbestimmung zur Anordnung über die Regelung der Organifations- oerhältniffe im Baugewerbe vom 11. April 1934 getroffen: 1. Die bauausführenden Unternehmer, die nach Anordnung über die Regelung der Organifations- verhältniffe vom 11. April 1934 zur Hauptgruppe VIII der Deutschen Wirtschaft „Handwerk" (Bauhandwerk) gehören, haben sich innerhalb 4 Wochen beim Reichsbund des deutschen Baugewerbes, Berlin W 35, Margaretenstraße 7, soweit es sich um Unternehmer des Steinsetz-, Pflasterer- Und Straßenbaugewerbes handelt, beim Reichsverband für bas Deutsche Steinsetz-, Pflasterer- und Straßenbaugewerbe e V., Leipzig C 1, Thomasiusstraße 28, zu melden. Die bauausführenden Unternehmer, die nach der Anordnung vom 11. April 1934 zur HauptgruppeIV der Deutschen Wirtschaft „Bauindustrie" gehören, haben sich innerhalb der gleichen Frist beim Reichs- oerband des Ingenieurbaues, Berlin W 35, Lützow- ufer la, zu melden. Die bauausführenden Unternehmer, die mit ihrem Hauptbetrieb zur Hauptgruppe IV gehören, die aber einen handwerklichen zur Hauptgruppe VIII gehörenden Nebenbetrieb unterhalten, melden den Hauptbetrieb beim Reichsverband des Ingenieurbaus e. 93., den handwerklichen Nebenbetrieb beim Reichsbund des deutschen Baugewerbes e. 93., bzw. (wenn der Nebenbetrieb zum Steinsetz-, Pflasterer- und Straßenbaugewerbe gehört) beim Reichsverband für das deutsche Steinsetz-, Pflasterer- und Straßenbaugewerbe e. 93. 2. Ein Verwaltungsverfahren zwecks Streichung in der Handwerksrolle oder Streichung bei der Industrie- und Handelskammer darf frühestens ab 1. September 1934 betrieben werden. Berlin, den 24. Mai 1934. Für Gruppe IV: gez.: E. Sögeler. Für Gruppe VIII: gez.: Dr. Schild. Gez.: Keßler. Vereinfachung im Genossenschaftswesen. Infolge der Rationalisierung im süddeutschen und fudweftdeutschen ländlichen Genossenschaftswesen ergaben sich Verschmelzungen mehrerer Reoisionsoer- bände sowie genossenschaftlicher Geld- und Waren- anstalten, die eine Verminderung des gesamten aenofsenschaftlichen Apparates ermöglichten. Wie wir hören, hat diese Vereinfachung und Zusammenfassung weiter zur Folge, daß die seit geraumer Zeit bestehende Absicht, die Zweigniederlassung Frankfurt a. M. der Deutschen Zentralgenossenschaftskasse einzuziehen, verwirklicht werden kann. Nachdem es gelungen ist, für sämtliche in der Zweigstelle Frankfurt a. M. beschäftigten Kräfte zum allergrößten Teil in Frankfurt a. M. selbst, zu einem geringeren Teil in Berlin Stellungen zu finden, ferner den Verkauf des Grundstückes an eine befreundete Organisation zum Abschluß zu bringen, wird die Zweigstelle Frankfurt a. M. alsbald eingezogen werden können. Voraussetzung ist, daß, wie der Herr Reichsfinanzmini- fter, auch der Herr Treuhänder der Arbeit feine Zustimmung zu dieser Regelung gibt. Diese Maßnahme bedeutet eine weitere Vereinfachung, die den Genossenschaften und damit letzten Endes der Landwirtschaft sowie dem gesamten gewerblichen Mittelstand in der vorbildlichen Zinssen- kungspolitik der Deutschen Zentralgenossenschaftskasse zugute kommt. Oie Frühkartoffelpreise. Auf Grund der Verordnung vom 12. Februar 1934 und weiterer Anordnungen ist für das Gebiet der Landesbauernschaft Hessen-Nassau für die Tage von Donnerstag, den 14., bis Samstag, den 16. Juni, der Großhandelsmindestpreis für Frühkartoffeln auf 7 Mark je Zentner (ohne Sack) festgelegt. Für deutsche Frühkartoffeln gilt dieser Preis ab Verladestation des Anbauers, für ausländische Frühkartoffeln ab deutsche Grenze. Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß dieser Preis nicht unterschritten werden darf und Zuwiderhandlungen mit hohen Geldstrafen belegt werden, lieber jeden Verkauf, von der Bezirks- oertriebs-fteUe für inländische Kartoffeln, in den geschloffenen Anbaugebieten, bzw. vom Anbauer in den offenen Anbaugebieten, bzw. vom Importeur für ausländische Kartoffeln ist ein Schlußschein auszustellen, für den Vordrucke von der Landesbauernschaft Hessen-Nassau, Hauptabteilung II, ausgegeben werden, und von denen eine Durchschrift umgehend nach Abschluß des Geschäfts an diese Stelle eingereicht werden muß. Der Reichsbeauftragte für die Regelung des Absatzes von Frühkartoffeln. — Der Gebietsbeauftragte für Hessen-Nassau Graeber. Neue Erleichterungen für Gesellschaftsfahrten der Neichsbahn. Die Deutsche Reichsbahn hat mit sofortiger Wirkung die Tarifbestimmungen über Gesellschaftsfahrten wesentlich günstiger gestaltet. Wurden bisher bei einer Teilnehmerzahl von 12 bis 50 Erwachsenen 33,33 v. H. und bei mindestens 51 Erwachsenen 40 v. H. Fahrpreisermäßigung gewährt, so beträgt die Ermäßigung jetzt a) bei einer Teilnehmerzahl von 12 bis 24 Erwachsenen 33,33 v. H., b) bei einer Teilnehmerzahl von mindestens 25 Erwachsenen 40 v. H., c) bei einer Teilnehmerzahl von mindestens 100 Erwachsenen 50 o.H. Außerdem ist für kleine Sonderzüge der Mindestbetrag für den Tarifkilometer von 2,50 auf 2,00 herabgesetzt worden. Monatsversammlung des MTV. Gießen. Wahl eines neuen Vereinsführers. —o— Der Männerturnoerein Gießen hielt am Montagabend in feinem Vereinsheim feine gutbe-- suchte ordentliche Mitgliederversammlung ab. Der stellvertretende Bereinsführer Wilh. Georg erstattete unter lebhaftem Dank für feine Mühewaltung den Jahresbericht und gab auf Anfragen erläuternde Zusätze. Stehend und in tiefer Ergriffenheit hörte die Versammlung den Nachruf für ihren verstorbenen Dereinsführer Rektor Georg Kling, zu dessen Geburtstag Mitte Juli der Verein eine Gedenkfeier veranstalten wird. Die Rechnung, mit eingehenden Erläuterungen vorgetragen, weist eine Besserung der wirtschaftlichen Lage aus und brachte ihrem Betreuer Georg für die ” die deutsche Muttersprache am16,u.17, Juni fiousvStrossensümrnlung UuH Dreher auf Antrag der Prüfer dankbare Entlastung. Auf Vorschlag des seitherigen Vorstandes wird nunmehr Reichsbankinspektor Wolfgang Lotze in schriftlichem Wahlgang einstimmig zum Vereinsführer gewählt. Mit ernsten, verantwortungsbewußten Worten erklärt er sich bereit, das Vermächtnis seines vollwertigen Vorgängers Gg. Kling weiter zu verwalten. Kreisoertreter D a u p e r t (Wieseck) verwandelte sein Bestätigungsrecht in einen herzlichen Glückwunsch an den Verein, der mit überlieferter Einmütigkeit zugleich die innere Bedeutung dieser Wahl eines der vertrautesten Freunde aus dem Kreise um Gg. Kling wohltuend herausgestellt habe. Unter lebhaftem Beifall und Heilrufen übernimmt W. Lotze den Vorsitz. Wertvolle Anregungen erhält die weitere Aussprache insbesondere durch die bewährten alten Turner Karl Müller und Hußke. In turnbrüderlicher Opferfreudigkeit bringt die Versammlung einen namhaften Geldbetrag auf für ihre am nächsten Sonntag ausziehenden Feldbergturner. Ein herzliches Grußtelegramm an den Mitbegründer des Vereins, Ehrenmitglied Konrad Stein hä u f e r, zu feinem 85. Geburtstag beschloß den vereinsgeschichtlich bedeutungsvollen und erhebend verlaufenen Abend. Gießener Wochenmarktpreise. * Gießen, 14. Juni. Auf dem fjeutigem Wochenmarkt kosteten: Süßrahmbutter, das Pfund 1,40 Mark, Landbutter 1,30 bis 1,35, Kochbutter 1,20 Mark, Matte 20 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier (inländische) Klasse S 10^, Klasse A 10, Klasse B 9^2, Klasse C 9, Klasse D 8, ungestempelte 1XA, Wirsing, das Pfund 15, Gelbe Rüben, das Bund 10, Spinat, das Pfund 20, Römischkohl 10, Bohnen (grün) 25, Spargel 10 bis 40, Erbsen 25, Tomaten 35 bis 40, Zwiebeln 15, Rhabarber 8, Kartoffeln, alte, das Pfund 3% bis 4 Pf., der Zentner 3,50 bis 4 Mark, neue, das Pfund 12 Pf., Kirschen 20, Heidelbeeren 35, Stachelbeeren 15, Erdbeeren 40 bis 50, Suppenhühner 70 bis 80, Tauben, das Stück 50 bis 60, Blumenkohl 10 bis 40, Salat 5 bis 8, Salatgurken 30, Oberkohlrabi 8, Lauch (Suppengrünes) 5, Rettich 10, Radieschen, das Bund 10 Pfg. Bornonzcn. — Tageskalender' für Donnerstag. NS.-Frauenschaft Gießen-Ost: 20.15 Uhr, Haus der Deutschen Arbeitsfront, Frauenschaftsabend. — NS.- Frauenschaft Ortsgruppe Gießen-Mitte: 20.15 Uhr, Botanisches Institut, Ortsgruppenabend mit Licht- bilderoortrag. — Ortsgruppe Gießen-Nord, Amt für Volkswohlfahrt: 20.30 Uhr, Caf6 Leib, Mitglieder- Dersammlung. — NSLB., Bezirk Gießen, geschichtliche Fachschaft: 17 Uhr, Seminarzimmer der Oberrealschule, Fachschaftsversammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Inge und die Millionen". * * * Straßensperre. Wegen Ausführung von Brückenumbauarbeiten wird die Prooinzialftraße Ober-Bessingen — Horstenburg vom 25. Juni 1934 für jeglichen Verkehr gesperrt. Die Umleitung erfolgt über Nonnenroth und Rieder-Bessingen. ** Aufgehobene Straßensperre. Die Sperrung des Hachborner Wegs in der Gemarkung Staufenberg ist aufgehoben. Die Arbeiten am Hachborner Weg sind beendet. ** D i e Sprechstunde des Beigeordneten Bartholomäus fällt am Samstag, 16. Juni 1934, aus. Die nächste Sprechstunde findet am Mittwoch, 20. Juni 1934, von 10 bis 12 Uhr im Stadthaus Bergstraße 20, Zimmer Nr. 8/9, Erdgeschoß, statt. ** Schutzinsel und neue Sperrtafel a u f dem Marktplatz. Im Laufe des heutigen Vormittags wurde an der Zufahrt zum Marktplatz von der Schulstraße bzw. dem Kirchenplatz her, ein Sperrschild aufgerichtet, das die Sperrung der Zufahrt für den Fährverkehr zum Marktplatz, zur Mäusburg und zur Marktstraße völlig eindeutig anzeigt. Das bisherige Sperrschild das an einem der Häuser auf der rechten Marktseite angebracht war, wurde häufig übersehen. Das Sperrschild befindet sich auf einer Schutzinsel, die dem Fußgängerverkehr dienen soll. Die Schaffung der Schutzinsel und die Aufrichtung des Sperrschildes ist vorläufig nur versuchsweise. ** Drittes M i l i t ä r k o n z e r t in der Bergschenke. Das prächtige Sommerwetter, das gestern herrschte, hat viele Spaziergänger zur Bergschenke hinausgeführt, in der gestern abend das dritte Militärkonzert stattfand. Die Reichswehrkapelle unter der bewährten Leitung von Obermusikmeister E. K r a u ß e konzertierte und bereitete den zahlreichen Zuhörern einige Stunden reiner Freude. Das abwechslungsreiche und sehr fein auf den Sommerabend abgestimmte Programm brachte wieder ausgezeichnete Musik. Man hörte einige schneidige Märsche, verschiedene Charakterstücke, deren eines durch gesangliche Untermalung (Mitglieder der Kapelle) besonders gewann und lebhaften Beifall auslöste. Beschwingte Musik von Johann Strauß (aus dem „Zigeunerbaron"), ein flottes Potpourri Kalmanscher Melodien, Szenen aus der Oper „Freischütz" und verschiedenes anderes mehr gaben dem Konzert Leben und Farbe. Die Wiedergabe der einzelnen Darbietungen geschah untadelig und sand jeweils verdienten Beifall. Ein Marschlieder-Potpourri beschloß den unterhaltsamen Abend. Die Kapelle mußte sich zu verschiedenen Zugaben verstehen. EPH.' Hauptversammlung der evangelischen Männervereinigungen. Der hessische Landesverband evangelischer Männeroer- einigungen hält seine 11. Hauptversammlung am 16. und 17. Juni in Pfungstadt, dessen Männervereinigung gleichzeitia ihr zehnjähriges Bestehen feiert. Am Samstag ist Vertretersitzung. Der Sonntug beginnt mit Festgottesdienst, bei dem Pfarrer Reith (Seeheim) predigt. In der allgemeinen Hauptversammlung am Nachmittag hält Oberkirchenrat Dr. Müller, der Propst von Starkenburg, einen Vortrag über: „Die Gegenwartsaufgaben der Kirche an den evangelischen Männern". ** Wiedersehensfeier ehemaliger 3 6 5er. Die Regimentsoereinigung ehemaliger 365er, Ortsgruppe Frankfurt a. M., veranstaltet am 14. und 15. Juli in Frankfurt a. M. ein Regimentstreffen und eine Wiedersehensfeier. Die Regimentskameraden werden zur Teilnahme aufgefordert und gebeten, sich bei Kamerad Bernhard, Frankfurt a. M., Karolinger Allee 50, zu melden. ** Großes Soldatenfest in Offenbach. Am 4., 5. und 6. August veranstalten der Artillerie- oerein Offenbach a. M., der Verein ehemaliger 1177322er und die Vereinigung der ehemaligen Nachrichtentruppen in Offenbach a. M. die Weihe ihrer Fahnen. Mit dieser Fahnenweihe wird gleichzeitig die Feier des 20jährigen Bestehens des Ar- tillerievereins Offenbach a. M. verbunden fein Der Festausschuß fordert zu zahlreicher Teilnahme auf. Für die Feier selbst sind vorgesehen: Begrüßungsabend mit Fahnenweihe (Samstag, 4. August), k berr9UrP9en an den Denkmälern, 5 Festzug, Volksfest (Sonntag, 6' Augusts Unb eme Lästerer am Montag, ** & r a y e n g r n p p e d e s VDA. Dem aestri- gen Bericht über die Zusammenkunft der Frauen- biP^ufn65 berichtigend nachzutragen, daß ^ch^^^Eunfte nicht jeden zweiten Mittwoch, stattstn"den^" zweiten Dienstag im Monat h„T De i t - Ta g. Der 15. Juni ist der Ge- aachtnistag des Heiligen Veit. Gewöhnlich heißt es von diesem Tag: St. Veit ändert die Zeit, eine Wetterregel, die der Beobachtung Ausdruck gibt, oatz es sich um die Mitte Juni entscheidet, welchen Charakter das Wetter den ganzen Sommer über annimmt, denn häufig bijbet sich um diese Zeit eine charakteristische Luftdruckoerteilung über Europa, die die Witterung maßgebend beeinflußt. Wenn osto, wie es in einer schwäbischen Wetterregel heißt: „St. Veit das • Häfele verschütt', dann bringt er Regen mit." In vielen Gegenden ist St. Veit der Nothelfer der Langschläfer, die ihn mit den Worten anrufen: „Heiliger St. Veit, weck mich zur richt'gen Zeit!" ** D i e Vermietung der Marktlauben für die Zeit vom 1. Juli 1934 bis 30. Juni 1935 betrifft eine Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil. Oberheffen Landkreis Metzen. Kreis Alsfeld. Oer Laubacher Ausschuß 4934. a. Laubach, 13. Juni. Bei schönem Wetter feierten am vergangenen Sonntag bis Dienstag die Laubacher ihr Nationalfest „Den Ausschuß", der sich eines weit stärkeren Besuches erfreute, als in den letzten Jahren. Das Fest begann am Sonntagnachmittag mit Volksbelustigung. Am Montag, dem Haupttage, stellte sich gegen 9 Uhr der traditionelle Festzug auf dem Marktplatz auf, der sich dann nach dem Schloßhof bewegte. Der diesjährige Hauptmann Heinrich Hertel begrüßte den Grafen Georg Friedrich, sowie die gesamte gräfliche Familie und dankte für den gestifteten Hammel und die Hammelsgabe (Kleid). Mit einem „Hoch" auf die Mitglieder des gräflichen Hauses schloß der Hauptmann seine von echt vaterländischem Geiste getragene Rede. Der Graf dankte für die Einladung zum Feste und wies auf die große Bedeutung und den tieferen Sinn des Ausschußfestes für die gesamte Einwohnerschaft hin. Sein „Hoch" galt der Vaterstadt Laubach und dem deutschen Vaterlande. Die Teilnehmer des Festzuges marschierten sodann zum Festplatz, wo das Frühstück eingenommen wurde. Anschließend zogen die einzelnen Sektionen zum Schießen nach den Ständen am Hellenberg. Das Schießen nahm den ganzen Tag in Anspruch. Den Hammel schoß Karl Hartmann und die Hammelsgabe der Hauptmann Heinrich Hertel. Auf dem Gabenstand wurden 24 Preise aus- geschossen, die von folgenden Schützen errungen wurden: 1. Hermann Bohn; 2. Georg S t o f fe l; 3. Heinrich Jäger IV.; 4. Fritz Löwer; 5. Wilhelm Scharf; 6. Hermann Rühl II.; 7. Willy Silß; 8. Heinrich Silß; 9. Heinrich Köhler; 10. Karl Hartmann (Hammelschütze); 11. Heinrich Hertel (Ausschuß-Hauptmann und Schütze der Hammelsgabe); 12. Anton Oßwald; 13. Wilhelm Franz; 14. Otto Schneidt; 15. Otto Braun; 16. Wilhelm I o ft; 17. Ernst Högy, 18. Karl Becker; 19. Friedrich Silz; 20. Ernst Mönnig; 21. Heinrich Löwer; 22. Karl H ö - g e l; 23. Willy Kreicker. Der beste auswärtige Laubacher Schütze war Dr. Karl Rudolf Fischer (Gießen), dem die von den Deutsch-Amerikanern Bager und F i ß l e r gestiftete Ehrengabe zufiel. Abends wurde dem Hammelschützen die von dem Grafen gestiftete Denkmünze (aus dem Jahre 1920) im Schloß überreicht. Am Dienstagvormittag fand ein Schweine-, Nutz- und Zuchtviehmarkt statt. Während der Rindviehmarkt gering beschickt war, konnten 387 Ferkel zum Verkaufe stehen. Der Absatz war bei der großen Anzahl der Kauflustigen gut, so daß nur ein geringer Ueberstand vorlieb. Am Nachmittag marschierte der Vorstand der Ausschuß- Gesellschaft mit den Laubacher Schulkindern unter Vorantritt einer Musikkapelle durch die Straßen der Stadt nach dem Festplatz, wo das schön verlaufene Fest bei Kinderspielen und Volksbelustigung zu Ende ging. * Holzheim, 13. Juni. Der zehnjährige Sohn des Schmiedes Schwab von hier, der dieser Tage beim Spiel vom Scheunenboden auf die Tenne abstürzte und dabei eineu Schädelbruch erlitt, ist den Folgen der schweren Verletzung erlegen. Kreis Schotten. I. Ulrich stein, 13. Juni. Im Rahmen der Verkehrserziehungswoche fanden auch hier verschiedene Deranstaltungen statt. So wurden dieser Tage auf dem Platz vor dem Gasthaus P f a n n st i e l durch praktische Verkehrsvorführungen zahlreiche Zuschauer anschaulich belehrt. Abends unterrichtete dann eine öffentliche Lichtbildervorführung über die Gefahren des Verkehrs. — Eine wichtige Arbeit wird für unser Städtchen demnächst mit der Fortführung der Kanalisation in Angriff genommen werden Dabei wäre nur zu wünschen, daß einige Landwirte auch ihre an der Hauptstraße liegenden Düngerstätten in Ordnung bringen ließen, wie dies in den meisten Fällen schon geschehen ist # Aus dem Vogelsberg, 13. Juni. Die Dürre hat den zweiten Schnitt des Klees nicht nachwachsen lassen, so daß ein empfindlicher Mangel an Grünfutter sich allenthalben bemerkbar macht. Manche Landwirte sind gezwungen, Heugras zu verfüttern, oder gar schon gemachtes Heu heranzuziehen. Auch beginnt man die diesjährigen Sprossen an den Hecken auf Armlänge zu schneiden, um sie als Futtermittel zu verwenden. Die mit Wasser gesetzten Dickwurzpflanzen gehen da, wo man ihnen nicht genügend Wasser zuführen kann, durch die Dürre ein, so daß der Setzvorgang wohl oder übel wiederholt werden muß, sobald Regen- wetter eintritt. Die Hoffnung auf Hafer und Gerste, deren Stroh als Heuersatz in Frage kommt, muß begraben werden. Diese beiden Getreidearten haben ganz empfindlich unter der Trockenheit gelitten. Kaum handlang beginnen sie jetzt ihre Aehren und Rispen zu treiben, so daß der Strohertrag sehr gering sein wird. 90 Jahre Feldbergfest. August Ravenstein, der Begründer des Ieldbergfestes. w. Alsfeld, 13. Juni. Sanitätsrat Dr. Weber, ein alter Kämpfer der völkischen Bewegung, begeht heute seinen 7 0. Geburtstag. Durch seine rege Tätigkeit für Volk und Vaterland, die mit großen und schweren finanziellen Opfern für ihn verbunden waren, hat er schon früh zum Gelingen der völkischen Sache beigetragen. 1923 und 1924 trat er, nur durch einen kleinen Kreis von Anhängern gestützt, in zahlreichen Versammlungen der marxistischen Parteien als erfolgreicher Diskussionsredner aus. Durch Wort und Tat, durch bestes Vorbild, hat er die völkische Bewegung allenthalben gefördert. Als praktischer Arzt und Leiter des hiesigen Kreiskrankenhauses ist sein Ruf weit über die Grenzen feines Bezirkes hinausgedrungen, auch durch viel fachwissenschaftliche Arbeiten hat sich Dr. Weder einen Namen gemacht. Allseits geschätzt, nicht bloß durch sein großes Wissen, sondern vornehmlich durch die Lauterkeit und Geradheit seines Charakters, sowie durch den ungeheueren Tatwillen, der dem echt deutschen Mann zu eigen ist, hat er sich allenthalben Vertrauen und Achtung erworben. 44- Ober-Ohmen, 13. Juni. Die hier abgehaltene Heugrasversteigerung von den Gemeindewiesen stand, wie angesichts Des Grasbestandes nicht anders zu erwarten war, im Zeichen anziehender Preise. Die Preise für die einzelnen Stücke waren unterschiedlich. Wenngleich einzelne Parzellen außergewöhnlich hohe Preise aufwiesen (Privatwiesen, welche mitverkauft wurden), so dürfte die Preissteigerung gegenüber dem Vorjahre bei den Gemeindwiesen etwa 25 bis 30 v. H. betragen, abgesehen von dem Wenigerertrag, der überall in unserer Gegend zu verzeichnen ist. Kreis Lauterbach. LPD. Lauterbach, 13. Juni. Im Kreisort Hochwaldhausen ist der 17jährige Hitlerjunge Krähler beim Baden ums Leben gekommen. Der Junge, der bei einem Landwirt in Ilbeshausen bedienstet war, ging trotz Abratens von Kameraden in e r h i tz t e m Zu st a n d in das Schwimmbad und versank plötzlich im Wasser. Die Leiche wurde nach kurzer Zeit geborgen. Als Todesursache wurde Herzschlag festgestellt. Das Feldbergsest, das älteste und volkstümlichste Bergfest der Deutschen Turnerschaft kann in diesem Jahre auf ein 90jähriges Bestehen zurückblicken. Wenn wir am 16. und 17. Juni 1934 nicht das 90., sondern erst das 81. Turnfest auf der sagenumwobenen Taunushöhe begehen, so hat das seinen Grund darin, daß es mit seinen zwei „Gegnern", der politischen Reaktion des 19. Jahrhunderts und der Unbill der Witterung, nicht immer fertig werden konnte und deshalb der Taunusgipfel in manchen Jahren vergeblich auf feine Freunde aus den rhein- mainifchen Landen warten mußte. Der Begründer des Feldbergfestes ist der Frankfurter Turnvater August Ravenstein. Er rief, nachdem vorher schon öfter vaterländische Kundgebungen der Turner und Sänger stattgefunden hatten, 1844 zum ersten Feldbergfest auf. 6000 Menschen, darunter auch der deutsche Freiheitsdichter Ferdinand F r e i l i g r a t h, versammelten sich am 23. Juni 1844 auf der Bergeshöhe zu einem echten deutschen V o l k s s e st, der ersten großen Kundgebung für Volkstum und Heimat in unserer rhein-mainischen Landschaft. Für die Turner und Sänger und sonstigen Volks- freunde, die damals mit mancherlei Mühen die Höhen erstiegen, gab es keine Staatengrenzen. In ihren Köpfen und Herzen lebte nur der eine Gedanke: Deutschland! Einheit und Freiheit; Heimat, Volk und Vaterland! Das war das Sehnen, war die Hoffnung, die alle mit glühender Begeisterung erfüllte. Ravenstein verlieh d e m in feiner zündenden Festansprache beredt Ausdruck: „Die Saat, die wir in reinster Absicht und edler Begeisterung säen, wird einst ihre guten Früchte tragen; die Strahlen, die der von den Fesseln eines siechen, kränkelnden Leibes befreite Geist entsendet, werden ein neues Leben in deutschen Landen ent» > zünden; der Sänger klangreiche Lieder werden dazwischen tönen, und so wie wir jetzt im wohl geschlossenen Kreise vereint stehen, so wird dereinst unser Volk stehen in Licht und Liebe und versöhnt, ein starkes großes Volk —, daß wir dies alle freudig und zuversichtlich hoffen, darauf laßt uns die Hüte schwingen, darauf ertöne weithin über die deutschen Lande ein donnerndes Hoch!" Es waren erhebende, begeisternde Festspiele, die dem ersten Feldbergfest sein Gepräge gaben. Steine grenzten die herrliche Naturbühne auf dem Feldberg ab, auf der der Hanauer Turnwart Schär11 - n e r, der Führer der Hanauer Turnerscharen im Sturmjahre 1848, die turnerischen Hebungen leitete und der bekannte Liederkomponist Heinrich N e e b (geboren in L i ch in Oberhessen) die Massenchöre der Sänger dirigierte. Bis zum Jahr 1869 war A. Raven st ein der Obmann des Ausschusses, der das Feldbergfest vorbereitete und durchführte. Die Nachfolger Ravensteins in der Leitung erhielten dem Bergfeste bis auf den heutigen Tag die ihm vom Gründer gegebenen volkstümlichen Wesenszüge und wahrten auch beim Ausbau des Festes treu die alte Heberlieferung, mit ernster Arbeit im Dienst von Volk und Vaterland edle Freude und Fröhlichkeit verbindend. Daß A. Ravenstein den Turnern eines der ältesten und schönsten Feste deutschen Volkstums und deutscher Polksgemeinschaft geschenkt hat, verpflichtet, bei der 90. Wiederkehr des Gründungstages des Feldbergfestes zu ganz besonderem Dank. Wir erinnern uns in diesem Jubiläumsjahre aber auch gerne wieder der vielen anderen Derienste, die sich Frankfurts Turnvater als Mensch und Vorkämpfer deutschen Turnertums erworben hat. Am 4. Dezember 1809 in Frankfurt a. M. geboren, erlernte A. Ravenstein den Buchhandel und widmete sich besonders dem Studium der Kartographie. Er wurde General-Post-Direktions-Sekretär Ein hervorragender Kriminalfilm mit: Brigitte Helm Paul Wegener LissyArna, PaulWestermeier Achtung! Ilm Beiprogramm: Ein herrlicher Farbentonfilm Hänsel n. Bretel im Zanberwald II. „Harnni“ soo-iC Ein inter. Japanfilm u. Ufa-Ton-Wo ehe in dem großen UFA-Erfolg Lichtspielhaus Gießen Heute Donnerstag Premiere! Spannung ensation und chönheit und die Millionen .... und zum Bauen Abermann. iiiniiiiiiiHiiinniimiHiiiHniiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiuuiiimniiHH Köhlers Maß-Abteilung bietet dem Anspruchsvollen jene diskret feine Kleidung, die sich ein kultivierter Mensch wünscht Tariflich entlohnte Maßarbeit, aber figurverbessernd. Das letztere ist für wirklich geschulte Fachleute so wichtig wie das erstere Maß-Anzüge, ca. 400 verschiedene Stoffe am Stück lagernd. ,RM. 112.-, 124.-, 135.- KÖHLER Oberhessens größte Auswahl in He wen- und Knaben-Kleidung o" zuverWig und schonend geimatiereMuDtMiflenherf Sonntag, den 17. I. M. nacbm. von Z lllir an Heimatta« auf dem Gchiffenberg Gvoßes -Komeei der gesamten SA.-Reserve-Kavelle (Leitung: Musikzugführer B. Herrmann.) VolkStänze/Aetgen/JNännerchöre/Gr.Zapfenstreich anschließend Tanz im Freien (Kapelle Bender, Watzenborn-Steinberg). Bei eintretender Dunkelheit: Illumination des Klosterhofes und des Gartens. Abbrennen einesSonnenwendreuers (Feuerwruch und Ansprache). Eintritt 20 Pf., Kinder frei. Halbstündlicher Autobus-Verkehr ab 2 Uhr nachmittags vom Ludwigsvlatz. Privatautos und Kraftfahrräder halten an dem angewiesenen Parkplatz vor dem Schiffenberg. 356»d !!!!!!!!>!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!>!!!!!!!!!!! Achtung: Wirklich gute Achtung! Dauerexistenz (weit über dem Durchschnitt steh.) richten wir allerorts Herren ein. die üb. RM. 1-3000.- in bar verfügen (je nach Größe d. Platzes), k£in Verkauf. keine Versicherung, keine Akquisition. Anfragen erb. an W. Linas, Frankfurt a.M., Felln er str. 9.3552V. Hotel Schütz Am Samstag, dem 16. Juni, abends 8 Uhr Große Eröffnungs-Feier im 3557 d neuhergerichteten Saale Konzert erster Künstler I Amtliche Bekanntmachungen des Krersamts Gießen. Betr.: Durchführung der Fleischverkaufsordnung; hier: den Verkauf von Hackfleisch. Nach § 5 der Polizeiverordnung über den Verkehr mit Fleisch und allen übrigen von Tieren herstammenden Fleischwaren vom 18. Oktober 1924 darf Hackfleisch während der warmen Jahreszeit nicht vorrätig gehalten werden, sondern ist bei Bedarf stets frisch herzustellen. 3561C Das Kreisamt weist auf diese Vorschrift erneut hin und empfiehlt, ihre Durchführung zu überwachen. Betr.: Bekämpfung der Tuberkulose. Die Sprechstunden der Fürsorgestelle für Lungenkranke in der Medizinischen Poliklinik finden für die Besucher aus den Landgemeinden des Kreises Gießen jeden TNonlagnachmittag von 4 bis 5 Uhr statt. Lungenkranke und Krankheitsgefährdete, die in ärztlicher Behandlung find, bedürfen einer Heber- weifung des Arztes in die Lungenfürsorgestelle. Unbemittelte werden unentgeltlich beraten. Bekanntmachung. Betr.: Vermietung der Marktlauben. Die Marktlauben werden für die Zeit vom 1. Juli 1934 bis 30. Juni 1935 neu vermietet. Die Bedingungen für die Vermietung find bei der Standzeichenstelle auf dem Wochenmarkt und im Stadt- Haus, Bergstraße 20, Zimmer Nr. 12, erhältlich. Schriftliche Angebote sind unter Verwendung eines Angebotsschejns in verschlossenem Umschlag mit der Anschrift: „Angebot zur TNarktlaubenvermietung" versehen, bis spätestens zum 21. Juni 1934 im Stadt- Haus, Bergstraße, abzugeben. 3555C Gießen, den 14. Juni 1934. Bürgermeisterei Gießen: Bartholomäus. Bekanntmachung. In unser Handelsregister, Abteilung A, wurde eingetragen: 3566D Am 25. 2Hai 1934 bei der Firma Leopold Rofen- zweig, Gießen: Die Firma ist erloschen. Am 27. 2Uai 1934 bei der Firma Schuhhaus Meyer, Gießen: Die Firma ist erloschen. Am 7. Juni 1934 bei der Firma Jean Dem & Co., Gießen: Die Firma ist mit Aktiven und Passiven und mit der Firma auf die errichtete Gesellschaft mit beschränkter Haftung Jean Dern & Co. in Gießen übergegangen. Am 8. Juni 1934: Die Firma Schuhhaus Dora Derzbach, Gießen. Inhaberin ist Wilhelm Derzbach Ehefrau, Dora, geb. Kaupp, Gießen. Dem Wilhelm Derzbach in Gießen ist Prokura erteilt. 3n unser Handelsregister, Abteilung B, wurde eingetragen: Äm 7. Juni 1934: a) bei der Firma Berliner Textil- und Manufaktur-Waren-Versand, G.m.b.h., Zweigstelle Gießen: Die Firma ist erloschen, b) Die Firma Jean Dern & Co., Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Gießen. Gegenstand des Unternehmens ist die Fortführung der seitherigen, unter der Firma Zean Dern & Co. in Gießen betriebenen Spezialgeschäfte in Baumaterialien und des angegliederten Betonwerks mit Baustoffgroßhandlung und Zementwarenfabrik. Das Stammkapital beträgt 71 000,— Reichsmark. Geschäftsführer find Kaufmann Oskar Gutmann aus Gießen und Diplom-Ingenieur Wilhelm Stratmann aus Berlin-Steglitz. Der Gesell- schaftsvertrag ist am 16. April 1934 festgestellt. Die Gesellschaft wird durch mindestens zwei Geschäftsführer ober durch einen Geschäftsführer und einen Prokuristen vertreten. Am 9. Juni 1934 bei der Firma Herren-Beklel- dungshaus Gesellschaft mit beschränkter Haftung, vormals Gebrüder Stamm in Gießen: Die Firma ist in „Herren-Bekleidungshaus, Gesellschaft mit be- schränkter Haftung" geändert. Gießen, den 13. Juni 1934. _______________Hessisches Amtsgericht. Geschäfts-Drucksachen Rechnungen Briefblätter Briefumschläge bei Brühl. Schulstraße 7 KSSSL*. Oer neue Führer des Bannes 116 der Hitlerjugend. T'^F' J 3 fc : «-! 3*3 Der neue Führer des Bannes 116 der HI., Gefolgschaftsführer Otto Häuser (im Bilde links) wird durch den Gebietsführer Walter Kramer eingeführt. Wir berichteten bereits darüber. bei der Thurn- und Taxisfchen Generalpostdirektion in Frankfurt a. M., schied aber wieder aus diesem Amte, um seine ganze Zeit und Kraft der Topographie und der Turnkunst zuzuwenden. Im Jahre 1833 gründete er den ersten Frankfurter (Privat-) Turnverein, aus dem 1838 eine allgemeine Turnanstalt für die gesamte Frankfurter Jugend hervorging. 1845 bildete sich auf seine Beranlassung hin der „Verein für körperliche Ausbildung der Jugend", in dessen Dienst Ravenstein selbst als Direktor und Turnlehrer trat. In zahlreichen Schriften hat er der Turnkunst neue Wege gewiesen. Insbesondere hat er durch sein mehrfach aufgelegtes „Volksturnbuch" weithin gewirkt. In der Schrift „Die Turnkunst in ihrer sittlichen Richtung als veförderin edler Gesinnungen und vaterländischer Tugenden" führt er überzeugend aus, wie aus der Beobachtung der „Turn-Gefetze und Turn-Ordnung" Ehrfurcht vor dem Gesetz und Sinn für Gemeinwirken hervorgeht. Den Vorstehern der Turngemeinden schärft er das Gewissen mit der Mahnung: „Erkennet wohl, ihr Warte und Wächter der Turngemeinden, die Wichtigkeit eures Berufes; seid ein Beispiel einfacher Sitten und streng gegen euch selbst, so werden auch die für das Gute empfänglichen Herzen der Jugend euch freudig entgegenschlagen und eurer Bahn folgen." A. Ravenstein, der sich auch als Gründer des Frankfurter Taunusklubs, eines der ältesten deutschen Wandervereine, Verdienste erworben hat, schenkte ganz besondere Aufmerksamkeit den Turn- führten. Bei den „Entbehrungsmärschen", die er mit seinen jungen Freunden unternahm, leitete er seine Begleiter gern zur Beobachtung und Beurteilung der Geländeverhältnisse an. Die Gepäckmärsche beim diesjährigen Feldbergfest, bei denen Mitglieder des Taunusklubs in dankenswerter Weise die Führung übernehmen werden, liegen somit ganz im Sinne des Begründers des Feldbergfestes, der seinen Turnern wieder und wieder den Wert des Wanderns pries: „Rur in Feld und Wald, im Tal und auf den Bergen ist des Turners Heimat; dahin eilt er, wenn nur immer seine Berufsgeschäfte es gestatten. Dort blühen ihm, fern von Stubenwacht und Ofenpacht, bei Turnersang und Wandergang Freuden jener einfachen und edelen Art, die fern von erkünstelten Genüssen das unverdorbene Gemüt dauernd erquicken und bis in das späte Alter frisch erhalten." Als A. Ravenstein am 31. Juli 1881 von einem schmerzvollen Leiden durch den Tod erlöst wurde, trauerte die Deutsche Turnerschaft um einen ihrer Besten. Er hak als ein Sinner und Schöpfer bahnbrechend für die Förderung der Turnsache im rhein-mainischen Gebiet gewirkt. Sein Geist und seine Begeisterung leben und schaffen weiter; in welchen Formen auch immer turnerischer Sinn sich heute und fernerhin betätigen mag. Schöffengericht Gießen. Zwei Einwohner von Bobenhausen, A. S. und H. K., hatten sich wegen Erpressung zu verantworten. S. tätigte mit einem Juden einen Dieh- kauf und gab später an, bestimmte Eigenschaften zugesichert bekommen zu haben, was jedoch nach der Bekundung eines Zeugen nicht den Tatsachen entsprach. Als die Kuh dieser Eigenschaften entbehrte, begaben sich die beiden Angeklagten zu dem Juden und versuchten durch Drohung einen höheren Geldbetrag von ihm zu bekommen. Während der Anklagevertreter für S. drei Monate und für K. sechs Wochen Gefängnis beantragte, erkannte das Gericht gegen S. auf drei Monate, gegen K. auf einen Monat Gefängnis, Beiden Angeklagten wurde bedingter Strafaufschub gewährt. Wegen Unterschlagung wurde der O. K. aus Friedberg, der als Vertreter Seife verteilte und den Erlös nicht ablieferte, zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wurde gegen den O. L., z. Z. im Zuchthaus Marienschloß, die Sicherungsoerwah rung ausgesprochen. Der Verbrecher ist nicht weniger als 22mal vorwiegend wegen Diebstahls vorbestraft. Preußen. Festspiele in Bunkel. LPD. Runkel (Lahn), 12. Juni. Die Stadt Runkel an der Lahn veranstaltet zu ihrem 775jäh- rlgen Bestehen und im Gedenken an die Zerstörung der Stadt durch die Kroaten Jsolanis im Jahre 1634 Freilichtspiele auf dem historischen Schloßplatz am 22. und 29. Juli und am 5. und 12. August 1934. Der nassauische Dichter Max Orth (Frankfurt) schrieb hierfür das Spiel „1634", das in diesen schwersten Zeiten der Stadt spielt. Leitung und Regie wurden dem Spielleiter Otto Schadenberg übertragen. Kreis Wetzlar * Rodheim (Bieber), 13. Juni. Nach 48jähri- aer treuer Tätigkeit in Diensten der Firma Gg. Phil. Gail, Zigarrenfabriken, Filiale Rodheim a. d. B., trat der Werkführer A. Dönges in den wohlverdienten Ruhestand. Herr Dönges ist seit 30 Jahren Leser des Gießener Anzeigers. * Lützellinden, 13. Juni. Der 27jährige Dreher Ernst Schmidt erlitt bei der Arbeit eine schwere Handverletzung, die seine lieber® führung in die Chirurgische Klinik nach Gießen erforderlich machte. Kreis Biedenkopf. LPD. Gladenbach, 13.Juni. Beim Baden ertrank der 24jährige Oskar Schneider aus Bot- tenhorn, der im Arbeitsdienstlager Schotten als Truppführer stand. Kreis Marburg. W. Marburg, 13. Juni. Aus verschiedenen Gegenden liefen in den letzten Tagen starke Klagen gegen die unverschämten Raubzüge M e i st e r Reineckes ein. So wurden erst kürzlich von efn paar Füchsen in kurzer Zeit 50 Hühner von der Hühnerfarm im benachbarten Gisselberg geraubt. In Oberweimar brachen in der Nacht von Sonntag auf Montag in verschiedenen Gehöften mehrere Füchse ein und nahmen 29 (!) Hühner mit. Rundfunkprogramm. Freitag, 15. Juni. 5.50 Uhr: Gymnastik 1.6.15: Gymnastik II. 6.40: Frühmeldungen. 6.55: Frühkonzert. 8.20—8.40: Gymnastik. 10: Nachrichten. 11.50: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert I. 13: Nachrichten, Saardienst. 13.10: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.20: Mittagskonzert II. 13.50: Spenden für die NSV. werden eingezahlt auf Konto Jlr.4513 bei der Bezirkssparkaffe Gießen. Nachrichten. 14: Mittagskonzert III. 14.30: Nachrichten. 14.40: Stunde der Frau: Die Frau im Sport. 15.50: Wirtschaftsbericht. 16: Von Breslau: Nachmittagskonzert des Funkorchesters. 17.30: „Weltwende". Ein Buch von Hermann Stegemann. 17.45: Von Freiburg: Kleine Violinmusik. 18: Stunde der Jugend: Friedrich Ludwig Jahn. 18.25: Jagd nach dem Neuen — Freude am Alten. Vortrag von Wilhelm Michel, Darmstadt. 18.50: Griff ins Heute. 19: Öffentliches Volksliedsingen des Reichsverbandes für Volkstum und Heimat. 20: Von Berlin: Reichssendung: Politischer Kurzbericht. 20.15: Von Stuttgart: Reichssendung: Stunde der Nation: Deutsches Lied in aller Welt. Eine bunte Folge auslanddeutscher Lieder (Siebenbürgen, Banat, Rußland, Nord- und Südamerika). 20.45: Dacki weiß sich zu helfen. Lustiges Kurzspiel von Andreas Zoller. 21.10: Konzert. Werke von Claude Debussy. 22.20: Nachrichten. 22.35: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 23: Vom Schicksal des deutschen Geistes: Die Landschaft als Schicksal des Menschen. Hörfolge mit Musik. Von Dr. phil. Hans Rolf Sprengel. 24 bis 1: Nachtmusik. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschloffen. Umtausch- und Zeiehmingsaufforderung 4’/» Anleihe des Deutschen Reichs von 1934 Das Reich begibt eine 4%ige Anleihe, die durch den Umtausch der zum 1. Juli 1934 gekündigten 6 (vormals 7) % Anleihe des Deutschen Reiches von 1929, durch den Umtausch der Anleiheablösungsschuld des Deutschen Reichs ohne Auslosungsrechte (Neubesitz), durch Zeichnung gegen Zahlung des Zeichnungspreises erworben werden kann. Diese Anleihe wird in 10 Jahren ab 1. Juli 1934 getilgt, und zwar jährlich in Höhe von 10 vom Hundert des ursprünglichen Nennbetrages. Am 1. Juli 1944 muß die gesamte Anleihe getilgt sein. Die Tilgung erfolgt a) bei einem Kursstand zu oder über pari durch Auslosung und Einlösung zum Nennwert, b) bei einem Kursstand unter pari durch Rückkauf. Der Zinslauf der Anleihe beginnt am 1. Juli 1934. Die Zinsen werden halbjährlich am 2. Januar und 1. Juli jedes Jahres gezahlt, erstmalig am 2. Januar 1935. Die Anleihe wird mit 4 vom Hundert jährlich verzinst, darüber hinaus ist eine Zusatzverzinsung in folgender Art vorgesehen: Die bei der Tilgung durch Rückkauf unter dem Nennwert erzielte Ersparnis, d. h. die Differenz zwischen dem Ankaufskurs und dem Kurse von 100%, kommt den Inhabern aller noch nicht getilgten Schuldverschreibungen als zusätzliche Zahlung ze der 4% Verzinsung zugute und wird ihnen mit dem jeweils «n 1. Juli jedes Jahres fälligen Zinsschein ausgezahlt. Hierdurch wird der Rückkaufsgewinn den Inhabern der Schuldverschreibungen zugeführt. Der Rückkauf der 4 % Anleihe des Deutschen Reichs von 1934 für Tilgungszwecke erfolgt durch die Reichsbank. Die Bekanntgabe des zusätzlichen Zinsbetrages erfolgt spätestens Mitte Juni jeden Jahres. Die erste Zusatzverzinsung würde mit dem am 1. Juli 1935 fälligen Zinsbetrag ausgeschüttet werden. Die 4% Anleihe von 1934 wird ausgefertigt in Abschnitten zu RM. 100, 200, 500, 1000, 5000, 10000 und 20000. Auf Antrag kann die neue Anleihe auch in das Reichsschuldbuch eingetragen werden. Das unterzeichnete Konsortium fordert hiermit im Auftrage des Reichsfinanzministeriums zum Erwerb der vorbezeichneten Anleihe auf. Anträge auf Erwerb der 4 % Reichsanleihe von 1934 — sei es durch Umtausch der erwähnten Reichsanleihen, sei es durch Zeichnung — werden in der Zeit vom 8. bis 21. Juni d. J. durch die in der Anlage genannten Umtausch- und Zeichnungsstellen und ihre deutschen Zweiganstalten während der üblichen Geschäftsstunden entgegengenommen. Eine Provision hierfür wird den Anmeldenden von den Umtausch- und Zeichnungsstellen nicht berechnet. Umtausch und Zeichnung können auch durch Vermittlung aller übrigen Banken, Bankiers, Sparkassen und Kreditgenossenschaften bei den Umtausch- und Zeichnungsstellen vorgenommen werden. Für die Aushändigung der Schuldverschreibungen der 6 (vorm. 7) % Anleihe des Deutschen Reichs von 1929 zum Zwecke des Umtausches wird It. Mitteilung des Reichsministers der Finanzen eine Börsenumsatzsteuer nicht erhoben werden. Soweit für den Erwerber der 4 % Anleihe des Deutschen Reichs von 1934 durch Umtausch oder Zeichnung Börsenumsatzsteuer fällig wird, haben die Erwerber der 4 % Anleihe des Deutschen Reichs von 1934 gemäß Entscheidung des Reichsministers der Finanzen die Börsenumsatzsteuer nicht zu tragen. 1. Erwerb der 4% Anleihe des Denlschen Reiths von 1934 durch Umtausch der 6 (vorm. 7) % Anleihe des Deutschen Reichs von 1929 (durch das Reich zum 1. Juli 1934 zur Rückzahlung zum Nennwert gekündigt). Bei dem Umtausch der 6 (vorm. 7) % Reichsanleihe von 1929 wird die 4 % Reichsanleihe von 1934 zum Kurse von 95% abgegeben, so daß die Umtauschenden eine Barvergütung von 5% erhalten. Diese wird nach Prüfung der eingereichten Schuldverschreibungen der Reichsanleihe von 1929 durch die Kontrolle der Reichspapiere von den Umtauschstellen ausgezahlt. Die Einreichung der Reichsanleihe von 1929 hat zu erfolgen mit Zinsscheinen, fällig am 2. Januar 1935 und folgenden. Der am 1. Juli 1934 fällige Zinsschein verbleibt den Einreichern. D. Erwerb der 4% Anleihe des Deutschen Reichs von 1934 durch Dmlaosch der AnlefheablOsnngsschnld des Denlschen Reichs ohne Austaunüsruhie (Nenbesitz). Es können getauscht werden: je nom. RM. 300,— Anleiheabtösungsschuld des Deutschen Reichs ohne Auslosungsrechte (Neubesitz) mtt einer Barzuzahlung von RM. 23,75 in nom. RM. 100,— 4 % Anleihe des Deutschen Reichs von 1934. Somit wird der Neubesitz zum Kurse von 23,75 % angerechnet. Nennbeträge der Anleiheablösungsschuld unter RM. 300,— können nur börsenmäßig verwertet werden. Die Barzuzahlung hat in der Zeit vom 28. Juni bis 4. Juli 1934 einschließlich zu erfolgen. Auf Barzahlungen vor dem 30. Juni werden 4% Geldzinsen an die Umtauschenden vergütet. Bei Barzuzahlungen nach dem 30. Juni sind 4% Stückzinsen von den Umtauschenden zu erstatten. Weitere Umtauschangebote für die Anleiheablösungsschuld sind ausgeschlossen. Anleihegläubiger, die ihren Besitz ah Anleiheablösungsschuld während der vorgesehenen Zeichnungsfrist nicht zum Umtausch anbieten, können Anspruch aus diesen Schuldverschreibungen nur gemäß § 4 des Gesetzes über die Ablösung öffentlicher Anleihen vom 16. Juli 1925 geltend machen. Die Börsennotiz für die Anleiheablösungsschuld wird mit Ablauf der Umtauschfrist eingestellt werden. III. Zeichnung gegen bar. Die 4 % Anleihe des Deutschen Reichs von 1934 wird hiermit während der oben genannten Frist zur öffentlichen Zeichnung aufgelegt. Der Zeichnungspreis beträgt 95% unter Verrechnung von Stückzinsen. Die Bezahlung der gezeichneten Stücke hat in der Zeit vom 28. Juni bis 4. Juli d. J. einschließlich unter Verrechnung von 4% Stückzinsen bei denjenigen Stellen, welche die Zeichnung entgegengenommen haben, zu erfolgen. Auf Zahlungen vor dem 28. Juni werden Zinsen erst von diesem Tage ab vergütet. Die bei den Umtausch- und Zeichnungsstellen erfolgten Anmeldungen zum Umtausch und zur Zeichnung gelten als voll zugeteilt. Anmeldungen auf bestimmte Stücke können nur insoweit berücksichtigt werden, als dies mit dem Interesse der übrigen Abnehmer verträglich erscheint. Vorzeitiger Schluß des Umtausch- und Zeichnungsgeschäftes bleibt vorbehalten. Die zum Umtausch bestimmten Anleihen sind bei der Anmeldung einzureichen, und zwar mit Verzeichnissen, in denen die Stücke nach Abschnitten und Nummern geordnet sind. Für jede Wertpapiergattung ist ein besonderes Verzeichnis herzustellen. Ueber die zum Umtausch eingereichten Anleihestücke und über die Barzahlungen erhalten die Anmeldenden nicht übertragbare Quittungen, gegen deren Rückgabe die Schuldverschreibungen der 4 % Reichsanleihe von den Stellen, welche die Quittungen ausgestellt haben, nach Erscheinen ausgehändigt werden. Die Lieferung der Schuldverschreibungen der 4 % Reichsanleihe erfolgt baldmöglichst. Die Einführung der 4 % Reichsanleihe von 1934 wird an den deutschen Börsenplätzen alsbald nach Erscheinen der Stücke veranlaßt werden. Die Schuldverschreibungen der 4 % Reichsanleihe sind als verbriefte Schuldverschreibungen des Reiches gemäß § 1807 BGB. mündelsicher. Sie können im Lombardverkehr der Reichsbank belieben werden und sind auch im Lombardverkehr bei der Preußischen Staatsbank (Seehandlung) als Deckung zugelassen. Im Juni 1934. Berlin, Altona, Braunschweig, Bremen, Breslau, Chemnitz, Dresden, Essen, Frankfurt (Main), Halle (Saale), Hamburg, Karlsruhe (Baden), Köln, Leipzig, München, Nürnberg, Schwerin (Meckl.), Weimar. Reichsbank. — Preußische Staatsbank (Seehandlung). — Bank der Deutschen Arbeit A.G. — Berliner Handels-Gesellschaft. — S. Bleichröder. — Commerz- und Privat-Bank, Aktiengesellschaft. — Delbrück Schickler & Co. — Deutsche Bank und Disconto- Gesellschaft. — Deutsche Girozentrale (Deutsche Kommunalbank). — Deutsche Landesbankenzentrale A.G. — Deutsche Zentralgenossenschaftskasse. — Dresdner Bank. — J. Dreyfus & Co. — Hardy & Co., Gesellschaft mit beschränkter Haftung. — Mendelssohn & Co. — Reichs-Kredit-Gesellschaft, Aktiengesellschaft. — Lazard Speyer-Ellissen, Kommanditgesellschaft auf Aktien. — Westholsteinische Bank. — Braunschweigische Staatsbank (Leihhausanstalt). — Norddeutsche Kreditbank, Aktiengesellschaft. — Eichborn & Co. — E. Heimann. — Bayer & Heinze. — Gebr. Arnhold. — Sächsische Staatsbank. — Simon Hirschland. — Gebrüder Bethmann. — Deutsche Effecten- und Wechsel- Bank. — Frankfurter Bank. — B. Metzler seel. Sohn & Co. — Jacob S. H. Stern. — Hallescher Bankverein von Kulisch, Kaempf & Co., Kommanditgesellschaft auf Aktien. — L. Behrens & Söhne. — Vereinsbank in Hamburg. — M. M. Warburg & Co. — Veit L. Homburger. — Straus & Co. — A. Levy. — Sal. Oppenheim jr. & Cie. — J. H. Stein. — Allgemeine Deutsche Credit- Anstalt. — H. Aufhäuser. — Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank. — Bayerische Staatsbank. — Bayerische Vereinsbank. — Merck, Finck & Co. — Anton Kohn. — Mecklenburgische Depositen- und Wechselbank. — Thüringische Staatsbank. ________________________________________________________________3541 i i 6 d d € I' r d b T fe K D ir 9 u a n e fh au lar ge eine Teu Aei fair Ede tun Uri 4 C Err dar Sti Bei mei lebe Bai nid) doch erzil unfe 8'PI Und nichi lerjc den. Um mal) 9a 5ßer Swc Und habe das( beooi und, $ ei Oie Q Mi Oorei fld)c Qb3u aber X Ur much endlr ^fei Lum den °-rhj Nr. 136 Drittes Blatt (Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Donnerstag, 14. Juni 1934 S.Jixfpori Vier Spiele trägt der FC. Madrid auf deutschem Boden aus. Die Spanier, in deren Reihen zahlreiche Internationale, u. a. der Torhüter Za- morra stehen, spielen am 16. Juni gegen Polizei Chemnitz, am 17. Juni gegen den Dresdener SC., am 19. Juni gegen den Homburger SV. und am 1. Juli gegen Fortuna Düsseldorf. Die Ergebnisse des Turnens der Vereinsriegen Sehr gut: Tv. 1846 Gießen, Dv. Sinn. Gut bis sehr gut: Launsbach, Herborn, Wetzlar, Burg-Gemünden, Ballersbach, Krofdorf, Burgsolms, Wiefeck, Waldgirmes, Niederscheld, Dillenburg, Straßebersbach, Großen-Linden. Gut: Merkenbach, Ehringshausen, Werdorf, Homberg, Eichelshausen, Oberndorf, Alsfeld. Genügend bis gut: Leihgestern, Großen-Bufeck, Burg. Fechtriegen. Tv. 1846 Gießen gut; Tv. Wetzlar genügend. Halbschwer: Schultheiß, Deutscher Meister der Jugendklasse — Belloff oajmer: Nelde, Kreismeister — Walter. Kurze Sportnotizen , fre!?5 am Wochenende werden die Vor- lchluhrunden um den Davispokal 1934 ausgetragen, xin Paris treffen sich vom Samstag bis Montag Frankreich und Australien, während Italien und die Tschechoslowakei vom Freitag bis Sonntag in Mailand spielen. Das 1. Kreisturnfest zu Großen-Lnden Der Festverlauf am Sonntag Die Olympia-Werbetage in Königs- ? ?Z0iJlrfl^Plen einen glänzenden Verlauf. Bei den leichtathletischen Wettbewerben, die vor 5000 Zuschauern zum Austrag kamen, kam Schein (Hamburg) zu einem Doppelerfolg. Die 100 Meter ge- wann er in 10,7 Sekunden und legte auch auf die &R& -Derbandsachter-Mannschast in Berlin. Die Verbands-Achter-Mannschaft der Gießener Rudergesellschaft 1877 e. V. fuhr am gestrigen Mittwoch, 13.33, nach Berlin, um sich mit der Rennstrecke auf dem langen See in Grünau vertraut zu machen. Die Vorrennen für die beiden großen Achter finden bereits am Freitag, 11.20 Uhr xum SÜEenffein.adjte,:, 19.30 Ul)r zum V- " bands-Achter statt. Im Vorrennen zum B u x e n st e - n - A ch t e r trifft die GRG. auf den Ruderclub „Germania Königsberg (das 2. Boot >?er ??Ä^-^ost 1933) und auf die Berliner ^Uxer9raer 1^84, im Verbands-Achter auf R^.^'Gefellfchaft Wicking, Berlin, und auf den vorjährigen Deutschen Meister, Würzburger Ruder- verein. Die Mannschaft ist sich ihrer hohen Aufgabe be- ^at stch stit der Heidelberger Regatta wesentlich verbessert und hofft den Namen ihrer Vaterstadt in der Reichshauptstadt würdig zu vertreten. Mitwirkung Auslandsdeutscher an den Deutschen Kampfspielen Nach den Ausschreibungen für die Deutschen Kampfspiele Nürnberg 1934 (23. bis 29. Juli) fön« Aeu stch an diesem gewaltigen Sportereignis des Dritten Reiches auch Auslanddeutsche, gleichgültig wo sie wohnen, beteiligen. In den letzten Tagen Ä xn?n e’n Schreiben aus einer skandinavischen ?Eudt im Rathaus zu Nürnberg eingelaufen, in dem oer Besuch eines Auslanddeutschen als Vertreter des Deutschen Sportclubs jener skandinavischen Stadt angekundigt wird. Dieser ersten Meldung dieser Art werden zweifellos weitere folgen. So fällt den Kampfspielen auch die wichtige Aufgabe zu die in der ganzen Welt zerstreuten Angehörigen des deutschen Volkes wieder in Verbindung mit dem ^Eorlande zu bringen und dadurch ihr National- gefuhl zu stärken. Schwerathletik. 1. Kraftsportklub 1893 Gießen — Sportklub „Eiche- Hanau. Der 1. Kraftsportklub 1893 Gießen, der in die- fem Jahre die Mannschaftsmeisterschaft der A= blasse im Gau XII Nordhessen errang, hat sich die Meistermannschaft des Sportklubs „Eiche" 1901 Hanau zu Gaste geladen, um am kommenden Sonntag im Cafö Leib einen Freundschaftskampf im griechisch-römischen Ringen auszutragen. Hanau steht in Süd- und Westdeutschland im Rmgen an führender Stelle, ist wiederholter Kreis- und Gaumeister und hat sich mit guten Erfolgen an den Endkämpfen um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft beteiligt. Es ist daher für Gießen eine schwere Aufgabe, gegen eine Mannschaft von solch hervorragendem Können in Ehren zu bestehen. Trotzdem werden die Gießener Ringer alles aufbieten, um zu einem achtbaren Erfolg zu gelangen. Die Ringer werden sich in folgender Aufstellung gegenübertreten (Hanau jeweils zuerst genannt): Bantam: Müller, Kreismeister — Götz Feder: Wissel, Gaumeister — Funk Leicht: Dauth, Gaumeister — Klotz Welter: Schlee, Meister von Nordbayern — Tuzel Am frühen Morgen, kurz nach 5 Uhr, erklang der Weckruf und 6.30 Uhr begann die einfache, aber ernste und feierliche Morgenandacht. Pfarrer Schultheiß verstand es, an die Herzen feiner jugendlichen Hörer zu klopfen und ein Echo zu wecken. Und dann begann unter Leitung von Kreis-Ober- turnwart Schüler (Wetzlar) und feinem Stab Don technischen Führern und einer Schar Kampfrichtern und Riegenführern ein munterer, aber harter Wettkampf an allen Geräten und in volkstümlichen Hebungen. Geturnt wurden ein Zwölf- und ein Zehnkampf (Ober- und Unterstufe), sowie ein Fünfkampf für aktive Turner und für Jugendturner in Ober- und Unterstufe. Bei vorbildlicher Disziplin und guter äußerer Ordnung, für öie sich eine größere Zahl SA.-Männer verdient machten, zeigte das Turnen einen flotten und reibungslosen Verlauf und brachte auf allen Stufen sehr beachtenswerte Leistungen, nicht selten sogar Glanzleistungen. Es war ein herrliches Bild von Gesundheit, Schönheit und Kraft, das jedes Turner- Herz höher schlagen ließ, und das sehr eindrucksvoll zeigte, daß die Stärke eines Volkes in der natürlichen Kraft feiner Menschen wurzelt und daß die DT. durch Hebung dieser Kraft größten Anteil hat an der Auswärtsbewegung unseres Volkes. In den ersten Nachmittagsstunden bewegte sich unter Führung der Spitzenreiter und der Festmusik ein schier endloser Iestzuy 200 Meter in 22,2 Sek. Beschlag. Die 1500 Meter entschied der Berliner Göhrt in 4:06,9 zu seinen Gunsten. Den Speer schleuderte S t o e ck (Berlin) 66,55 Meter weit und im Weitsprung schasste Krtschil (Breslau) 6,97 Meter. In einem Fußballtreffen schlug eine Berlin-Dresdner Mannschaft eine Elf aus Königsberg-Danzig überlegen mit 5:1 (4:0). Beim„SportfestdesDeutschenOstens" am kommenden Sonntag in Breslau geht im Kugelstoßen der bekannte tschechische Wurfathlet und Weltrekordmann Douda an den Start. Eine polnische Fußball-Auswahlmannschaft trifft aus Sch le- siens Gaumannschaft. Aufnahme und Bewirtung der Turner und mahnten die Turner, die Turnaroeit weiter zu pflegen zu ihrem eigenen Nutzen und zum Wohle der Gesamtheit. Durck seine turnerische Tätigkeit schafft der Turner Vermehrung des Volkswohls durch Hebung der Volkskraft. Und es ist ein köstliches Gut, wenn in einem gefunden, starken Körper ein strahlender Geist wohnt. Während des Turnens am Vormittag hatte eine Abordnung am Gefallenendenkmal auf dem Friedhof einen Kranz niedergelegt. 3n feiner Schlußansprache gedachte der Kreisführer auch noch einmal der Gefallenen und die Musik spielte bei feierlicher Stille das Lied vom guten Kameraden. Als Schluß der Turnerarbeit erfolgte unter der Führung von Kreis-Oberturnwart Schüler und Männerturnwart Karl Reuter (Gießen) die Siegerehrung. Den Siegern galt ein allgemeines und kräftiges „Gut Heil". Alles in Allem, das erste Kreisturnfest war ein Fest bester Ordnung und nahm schönsten Verlauf. Alle Mitwirkenden gaben ihr Bestes und trugen zum guten Gelingen bei. Besonderer Dank gebührt der Einwohnerschaft von Großen-Linden und dem dortigen Turnverein. Die Deutsche Turnerschaft wird weiterarbeiten in Treue zum Volke, in Treue zur Heimat, in Treue zum Führer von Tschammer-Osten und in Treue zum Reichskanzler Adolf Hitler. durch die Hauptstraßen des Städtchens. Es war ein schönes Bild: die HI. und eine stattliche Zahl SA.- Männer im Braunhemd, die Turnerinnen im weißen Kleid, die Turner in Turnkleidung, dazwischen Banner und Wimpel und die vielen Fahnen, von denen manche 70 und mehr Jahre an Alter zählten (Gießen, Wieseck, Hausen). An turnerischer Arbeit brachte der Nachmittag das Turnen der Vereinsriegen und die allgemeinen Freiübungen. Unterdessen hatte der Berechnungsausschuß still, aber fleißig, ernste Arbeit geleistet, so daß die Siegerehrung noch bei guter Zeit erfolgen konnte. Kreisführer D a u p e r t und Gau-Oberturnwart Paul er» f a A • c «. • 19riffen das Wort, dankten den Bewohnern von Mittel: S11 e f, Kreismeister — Wagenpfeil! Großen-Linden und Leihgestern für die herzliche Um die Vezirksmeisterschast im 100-Kilomeler-Straßenrennen. Lieger Hch.Preitz RB. „Germania" Gießen Nach langer Pause war Friedberg wieder einmal Start und Ziel eines größeren Nadrenens. DerJRabtourenflub Friedberg und der RV. „Frisch Auf" Fauerbach waren mit der Ausrichtung des 100 Km-Rennens des Bezirkes Gießen beauftragt worden. Die Strecke bestand aus zwei Schleifen. Die ersten 50 Kilometer gingen durch den östlichen Teil der schönen Wetterau, mit kaum irgend wel- chen größeren Steigungen und die restlichen 50 Kilometer liefen durch den westlichen Teil der Wet» terau am Fuße des Taunus entlang. Diese restlichen 50 Kilometer zeigten Steigungen allen Formates. Hier entschied sich auch das Rennen. Der CRentwerlauf. Herrlich blauer Himmel strahlte, als sich dem Be» zirkssportwart Deibel aus Gießen um 6.16 Uhr die Rennfahrer zur Verfügung stellten und bald darauf auf die Reise geschickt wurden. Göbel -Wetzlar übernimmt die Führung und im flotten Tempo geht es durch die Stadt Friedberg. Bereits 1 Kilometer vom Start entfernt, muß Faust-Gießen infolge Achsenbruches aufgeben. Der hoffnungsvolle Rennfahrer Steinmetz- Fulda hat nach einem weiteren Kilometer den ersten Rei- fenschaden. Kurz vor Melbach fällt schon der erste zurück, es ist Weber- Gießen. Auch versucht die Spitze einen Vorstoß zu machen, der ihr aber nur 100 Meter Vorsprung einbringt. Bei diesem Vorstoß fallen A b r i e - (Tronsberg und Klappert» Gießen zurück. P r e i ß - Gießen führt durch Mel- bach und wird bald durch Göbel abgelöst. Nachdem einige Fahrer abgefallen waren, besteht die Spitzen- gruppe aus 12 Mann und wird von Preiß geführt. 7.05 Uhr erfolgt in Nidda die erste Abwurs-Kon- trolle. Um 7.57 Uhr wird Friedberg in strammer Fuhrt passiert. Der 17jährige und erstmalig fahrende Schweitzer- Friedberg führt zur Freude seiner einhemischen Sportfreunde die aus 11 Mann bestehende Spitzengruppe. Nun geht es in die restlichen und entscheidenden 50 Kilometer! Mit herrlichem Blick auf den in der Morgensonne liegenden Taunus geht es nach Rosbach zu, M ö b u s - Gießen versucht einen Vorstoß, der aber schnell abgestoppt wird. Bei Holzhausen erfolgt der erste Sturz, es ist Schmidt- Wölfers- heim, aber bald ist der Schaden behoben und Schmidt hat wieder den Anschluß an die Spitzengruppe. Bei Ober-Erlenbach fällt Lecke- Wölfersheim zurück, er kommt jedoch bald wieder auf und fällt wiederum zurück. Jetzt ist es an der Zeit durchzugehen. Möbus und Preiß machen einen Vorstoß, der ihnen gleich 150 Meter einbringt und sich bis auf 600 Meter vergrößert. Aber die Freude ist nicht groß. Von Ober-Erlenbach kommend erreichen die beiden Ausreißer Kloppenheim und fahren geradeaus, anstatt linksum den richtigen Weg. Der Kontrollwagen fährt ihnen nach und holt sie zurück, aber die Verfolger haben bereits Kloppenheim passiert. Es haben sich zwei Gruppen gebildet. Die eine Gruppe, und zwar die erste, fuhrt Becker- (Tronsberg und die zweite Gruppe wird von Möbus und Preiß geführt, die die Verfolgung der Spitzengruppe erneut ausgenommen haben und immer näher kommen. Die Spitze be- steht aus Becker, Horn, Göbel und Schweitzer. Göbel fällt jedoch bald ab. ^Bei Okarben gibt es noch einmal einen Sturz. Kurz vor Friedberg erreicht Preiß die Spitze. Er geht an der Spitze mit mächtigem Tempo vorbei und siegt mit knapp einer Minute Vorsprung. Ein herrliches Rennen war zu Ende. Die ©tra- ßen waren in allen Orten von Schaulustigen besetzt. Was mein einstwm... Vornan von Klothilde von Gtegmann Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag Halle (S.) 4 Fortsetzung Nachdruck verboten! Ein unartikulierter Laut des Schmerzes und der Empörung kam von den Lippen des Borons — dann schrie er: „Lump, Sie Lump! Wußte ich doch, daß irgendeine Infamie dahinterstecken müsse, die sich der Teufel selbst nicht ausdenken kann. Mein Kind, mein Kleinod soll ich Ihnen versprechen? Sind Sie wahnsinnig, Mensch? Schon der Gedanke allein erniedrigt (Ebele. Niemals, hören Sie, niemals werde ich das tun! Lieber gehe ich betteln." „Dann gehen Sie betteln!" kam es mit eisiger Stimme zurück. „Aber dann geht (Ebele mit Ihnen. Bebenken Sie, was Sie ausschlagen! Wenn Sie auf meinen Vorschlag eingehen, werden Sie hier weiterleben, als wäre nichts geschehen — zehn Jahre lang, Baron! Und daß ich später meinen Schwiegervater nicht ins Unglück bringen werde, das versteht sich doch von selbst. Sie können (Ebele in allem Luxus erziehen, in aller Sicherheit, deren sie bedarf — von unserem Plan kommt kein Sterbenswort über meine Lippen. Sie erhalten (Ebele eine glückliche Jugenb. Und wer kennt sein eigenes Schicksal? Ich bin auch nicht mehr der Jüngste. Kriegsjahre, bas heißt Spielerjahre, zählen hoppelt — wer garantiert Ihnen denn, daß ich in zwei Jahren noch da sein werde, um Sie an Ihr Versprechen, (Ebele betreffend, zu mahnen? Ueberlegen Sie es sich, Baron! Wenn Sie Ja sagen, tauschen Sie Sicherheit für Jahre ein. Wenn Sie Nein sagen, müssen Sie morgen von Swanebloe ziehen — ärmer als einer Ihrer Diener. Und da Sie ja, wie Sie selbst sagen, feinen Menschen haben, der Ihnen helfen würde, brauche ich Ihnen das Schicksal nicht auszumalen, das Ihnen und Edele bevorsteht. Ich habe ja nicht das Glück, eine so schöne und reizende Tochter zu besitzen wie Sie. Aber wenn ich eine hätte: um meines Kindes willen würde mir die Entscheidung nicht schwer fallen." Mit starren Augen sah der Baron vor sich hin — er wollte nicht, aber er mußte doch auf die Worte hören, die der andere mit leiser, eindringlicher Stimme ihm in die Seele hineinsprach. Er wollte sich aufraffen, irgend etwas zu erwidern, den Bann abzuschütteln, den das Grauen über ihn warf aber er vermochte es nicht. Unter den klug gewählten Worten Siemens tauchte in ihm plötzlich eine Vision auf: er sah eine endlos lange Straße, einsam, dunkel, kalt. Und aus dieser Straße zogen er und Edele,abgerissen, in Lumpen, müde. (Er hörte das leise, hilflose schluchzen seines Kindes, faj) fein blühendes Gesichtchen verhärmt und abgezehrt, das seidenweiche, gepflegte Haar rauh und vom Winde zerrissen. „Nein, nein!", flüsterte er vor sich hin und sah mit irren Augen zu Liewen auf. Der saß ganz ruhig da und blickte dem bläulichen Rauch noch, der von der Zigarette in bas halbdunkle Zimmer wehte. Der aufflackernde und wieder zufammenfallende Schein ließ sein schönes Gesicht älter und verbrauchter erscheinen. Eine wahnwitzige Hoffnung flammte in dem Baron auf. — Wie hatte doch Liewen gesagt: „Wer garantiert mir, daß ich in zehn Jahren noch da fein werde, um Sie an mein Versprechen zu mahnen?" Krampfhaft preßte der Baron die Hände zusammen — vielleicht würde das Schicksal ein Einsehen haben und ihn wie Edele von diesem Teufel befreien. Für jetzt gab es keine Wahl mehr für ihn. „Ich gehe auf Ihren Vorschlag ein!" sagte er tonlos. Mit Mühe unterdrückte Liewen einen Ausruf der Befriedigung: „Das ist einmal ein vernünftiger Entschluß, Baron!" Seine Stimme war auf einmal herzlich und warm. „Sie werden sehen, daß Sie und Edele es nicht zu bereuen haben. Ich verschwinde morgen von hier und werde mich in den nächsten zwei Jahren nicht mehr hier sehen lassen. Wenn Sie klug sind, werden Sie, da Sie die große Schuld an mich nicht mehr zu zahlen haben, unschwer aus Ihrem Gut genügend herauswirtschaften können, um anständig und standesgemäß zu leben — unter der Voraussetzung, daß Sie nicht mehr spielen." Mit einem unbeschreiblichen Blick sah der Baron zu Liewen auf: „Daß ich nicht mehr spielen werde, das weiß ich — ich wollte, ich hätte Sie nie gesehen, dann wäre ich niemals in diesen Abgrund hineingeraten." „Nun, um so wohler wird Ihnen ja sein, Baron, wenn ich Sie möglichst bald von meinem Anblick befreie. Ich habe den Chauffeur drüben im .Krug' warten lassen, und ich fahre noch heute nacht ab. Nur eine kleine Formalität ist noch zu erledigen. Den Vertrag zwischen uns hätte ich gern noch unterschrieben." lieber den Baron war, feitbem er sich entschlossen hatte, den Vorschlag Siemens anzunehmen, eine apathische Ruh« gekommen — die Ruhe der Verzweiflung. „Also setzen Sie den Vertrag auf!" murmelte er. Siemen zog aus feiner Brieftasche ein Schriftstück: „Ich habe es schon getan", sagte er ruhig, „ich mußte, daß die Vernunft bei Ihnen siegen mürbe — hier, bitte!" Er legte ein Schriftstück vor den Baron hin. In bem ungeroiffen Sicht, das das flackernde Kaminfeuer und die abgedämpfte Lampe gaben, konnte der Baron nicht die einzelnen Satze unterscheiden. Er nahm das Schriftstück und ging an feinen Schreibtisch, roo er die Schreibtischlampe einschaltete. „Was ist denn das?" sagte er befremdet. „Das ist ja ein Brief." Hinter ihm, aus dem halben Dunkel, kam die Stimme Siemens: „Za, mein lieber Baron, mir müssen schon den Vertrag in eine etroas ungemohnliche Form fassen. Ich muß nämlich befürchten, daß, menn mir einen gemohnlichen Vertrag schließen, Edele sich einmal weigern könnte, ihn zu erfüllen, wenn Sie vielleicht nicht mehr da sein könnten. Wir sind ja alle Menschen und den Zufällen des Daseins ausgeliefert. Wenn Sie aber Edele selbst bitten und verpflichten, bas Wort einzulösen, bas Sie als Edelmann mir gegeben hoben, bann zweifle ich nicht, wie Ebele sich verhalten wird." „Sie sind ein sehr, sehr kluger Mensch, Liewen!" bemerkte der Baron bitter. Halblaut las er: „Mein geliebtes Kind! Hierdurch bekenne ich vor Dir, daß ich dem Herrn Baron von Liewen die Summe von fünfhunderttausend Kronen, die ich im Spiel an ihn verlor, schuldig bin. Ich bin nicht imstande, diese Summe zu zahlen, und Herr von Liewen ist berechtigt, mich von dem Schloß Swanebloe zu vertreiben. Du, mein geliebtes Kind, wärest damit auch dem bittersten Elend ausgesetzt. Herr von Liewen hat sich bereit erklärt, auf die Einlösung dieser Schuld zu verzichten, wenn ich ihm Deine Hand verspreche, sowie Du Dein siebzehntes Lebensjahr vollendet hast. So- fern ich nicht mehr lebe, bitte ich Dich, meine Tochter, mein Versprechen an Herrn von Liewen einzulösen, damit nicht Schande über meinen Namen komme. In Siebe Dein Vater." Seife hatte der Baron den Text des Briefes vor ich hingesprochen, dann sah er zu Liewen auf: „Eilig haben Sie es ja mit der Niederschrift dieses Elaborats gehabt, Liewen! Sogar auch einige Schreibmaschinenfehler sind Ihnen unterlaufen." Er deutete auf die eine Zeile, wo eine Lücke vor bem Worte „Spiel" war. „Stört Sie dos?" fragte Liewen mit einem eigentümlichen Tonfall. „Dann kann ich ja ben Brief nochmals abschreiben." Der Baron wehrte mübe ab. „Für bas Machwerk genügt es!" sagte er in stiller Verzweiflung, und, die Feder ergreifend, setzte er einen Namen darunter. „Nun habe ich Edele verkauft!" flüsterte er dumpf vor sich hin und legte sein Gesicht auf ben Schreibtisch Seine Schultern zuckten, ein dumpfer Laut — wie ein Aufschluchzen — kam aus seiner Kehle. Hinter ihm im Dunkel stand Liewen. Es war gut, daß der Baron den dämonischen Ausdruck seines Gesichts nicht sehen konnte. Jetzt griff Siemen in die Westentasche; es knisterte ganz leise, aber der Baron in seiner Versunkenheit hörte es nicht. Dann klirrte es, und Liewen, die Kognakflasche hebend, sagte: I „Kommen Sie, Baron! Was nützt die Trübsal! Ich habe uns noch einmal einen von Ihrem vortrefflichen Kognak eingeschenkt — ja, nun wirklich wieder dem Ihren. Trinken wir ein Gläschen auf Ihre Gesundheit!" Der Baron wandte sich um, reichte Siemen bas Blatt hinüber, auf bem die eben getrocknete Tinte der Unterschrift noch matt glänzte. Seine Hand zitterte. Ein Frostschauer fuhr burch seine ©lieber. „Ja — Kognak, bas ist gut! Geben Sie her, Siemen, ich friere inroenbig!" Er hob fein Glas, sah mit einem haßvollen Blick in bas schöne verlebte Gesicht Siemens: „Ich trinke aber nicht auf Ihre Gesundheit, Siemen, das können Sie nicht von mir verlangen! 2ch trinke darauf, daß ich Sie nie mehr im Leben hier auf Schloß Smanebloe sehen möge!" llnö er hob das Glas mit dem goldgelben Hennessy und trank es in einem Zi^e leer. Dann schüttelte er sich: „Ich verstehe nicht, roiefo Sie den Kognak so gut finden! Mir schmeckt er auf einmal nicht — ordentlich bitter ist er in der Kehle." Siemen lachte leise auf. üogt nur an dem unfreundlichen Trink» spruch, Baron, den Sie mir gemidmet haben! Aber vielleicht geht Ihr Wunsch in Erfüllung, und Sie sehen mich auf Schloß Swanebloe nicht mehr wieder." Damit erhob er sich, steckte den Vertrag sorg- fällig in seine Tasche, verbeugte sich hastig und ging mit sehr lauten Schritten hinaus. Als er die Halle hinunterkam, stand dort Kersten wartend. Er wun- bette sich, daß Liewen, ganz gegen seine sonstige Ge- mohnheit mit einem Scherzwort sich in den Mantel helfen ließ und ihm beim Abschied ein großes Trinkgeld in die Hand drückte. Mit Verwunderung und Abscheu zugleich sah er aus die schimmernde Münze: Und mich wirst du doch nicht kaufen!, dachte er, wenn du auch Herr hier auf dem Gut wirst! Den alten Kersten kannst du nicht täuschen. Seufzend schloß er die Haustür zu, legte den Riegel vor. Dann ging er in sein Zimmer um sich schlafen zu legen. Der Baron hatte ein für allemal befohlen, daß man seinetwegen nicht aufbleiben sollte. Aber der alte Kersten, der nicht sogleich ein- schlafen konnte, wunderte sich doch, daß die Lampe im Arbeitszimmer des Barons, bas er von feiner kleinen Dienerkammer im Seitenflügel sehen konnte in biefer Nacht immer noch nicht erloschen wollte. ' Gewiß rechnet er wieder über seinen Büchern!, dachte der alte Kersten im Einschlafen. Seit die gnädige Baronin gestorben und der Ba- ron immer in der Welt herumfuhr, mar bas Unglück auf Smanebloe eingezogen. Unb mit biesem Ciemen mar es vollends hereingebrochen. (Fortsetzung folgt.) Die Radfahrervereine der Wetterau haben die Straßenbesetzung durchgeführt und die durch Keßler- Friedbe'rg mustergültig geleitete Streckenmarkierung waren dazu angetan, dem Rennen einen glatten Verlauf zu geben. Steinmetz- Fulda und Schweitzer- Friedberg wurden als recht hoffnungsvolle Fahrer erkannt. Oie Siegerliste. 1. Preiß, Hrch., Germania Gießen, 3:14.45 Std.; 2. Becker, Jos. Wilh., R.-Verg. Cransberg, 3:15.00 Std.: 3. Horn, Karl, RV. Steinbach, 3:16.10 Std.: 4. Schweitzer, Heinrich, Radtourenklub Friedberg, 3:16.15 Std.; 5. Möbus, Albert, RV. 1885 Gießen, 3:17.00 Std.; 6. Schmidt, Georg, Wölfersheim, 3:18.25 Std.: 7. Göbel, Walter, RV. 1930 Rieder- Girmes, 3:19.50 Std.; 8. Sommer, Erich, RV. 1885 Gießen, 3:20.00 Std.: 9. Muhl, Emil, RV. 4885 Gießen, 3:27.40 Std.; 10. Lecke, Karl, RV. Wölfersheim, 3:27.42 Std.: 11. Klappert, Siegfried, RV. 1885 Gießen, 3:29.45 Std.; 12. Weber, Ewald, RV. 1885 Gießen, 3:33.45 Std. OeuischerBergabendaufdemIeldberg. Das Feldbergfest, das nächsten Samstag und Sonntag zum 81. Male auf der Taunushöhe begangen wird, ist immer schon ein Volksfest im wahrsten Sinne des Wortes gewesen. Es soll in diesem Jahre in besonderem Maße im Zeichen von Volkstum und Heimat stehen. Ein neudeut- sch^s Laienspiel: „Dus Wölsungerhorn", verfaßt von Oberstudiendirektor W. Philipps (Friedberg), dem Leiter der Fachschaft Laienspiel in der Landschaft Rheinfranken-Nassau-Hessen des Reichsbundes Volkstum und Heimat, gelangt am Samstag bei Eintritt der Dunkelheit am Brunhildisfelsen zur Uraufführung. Anschließend wird im Feldberghof ein Deutscher Bergabend begangen, der im Dienste von Volkstum und Heimat steht und von Fachschaftsleiter W. Philipps vorbereitet wird. Die enge Verbundenheit der Turnerschaft mit dem Reichsbund Volkstum und Heimat wird bei dem Deutschen Bergabend zum Ausdruck kommen. Führende Männer des Reichsbundes werden erwartet; ihre Anwesenheit wird dem diesjährigen Feldbergfest eine ganz besondere Note geben. Ihr Erscheinen zugesagt haben bereits: Ministerialrat Rings- hausen (D a r m st a d t), der Führer der Landschaft Rheinfrnnken-Nassau-Hessen, ferner Prof. Dr. S p i l g e r (Darmstadt) und Reichsdietwart Kurt Münch (Berlin), der als Vertreter der Turnerschaft, der Reichsleitung des Reichsbundes Volkstum und Heimat angehört. Das Erscheinen dieser Männer wird von der Turnerschaft lebhaft be- grüßt. Iugendentscheidungsspiel um den dritten Tabellenplatz. Die Jugendmannschaften von FC. „Teutonia" Watzenborn-Steinberg und Sportverein 1920 Heuchelheim kämpfen am kommenden Samstagabend um den dritten Tabellenplatz der Jugendgruppe Gießen des Deutschen Fußball-Bundes. Beide Mann- fchaften sind pünktlich und strafpunktfrei aus den Pflichtspielen der Jugend im Spieljahr 1933/34 hervorgegangen. Ihre Führung war mustergültig. Es märe zu wünschen, daß dem Spiel dieser Mannschaften etwas mehr Beachtung geschenkt würde, als es bisher geschah, denn gerade die Jugend ist es, die sportlich gefördert werden sollte. Spielerisch stehen beide Mannschaften auf beachtlicher Stufe. Ueber den Spielausgang kann man nichts voraussagen, man sollte Heuchelheim ein Plus zusprechen, da es der Jugendmannschaft am vergangenen Sonntag gelungen ist, Watzenborn-Steinberg mit 5:0- Toren abzufertigen. Das Spiel leitet der Jugendgruppenführer der Gruppe Gießen. Wirtschaft. OerdeutscheAußenhandekimMail934 42 Millionen Reichsmark Einfuhrüberschuß. Nach den soeben zur Veröffentlichung gelangenden Außenhandelsziffern für den Monat Mai betrug die Einfuhr 379,6 Millionen Mark gegen 398,2 Millionen Mark im April. Der Rückgang um fast 5 v. H. ist ausschließlich mengenmäßig bedingt. Der gewogene Einfuhrdurchschnittswert hat sich auf dem Stand des Vormonats gehalten. An der Verminderung der Gesamteinfuhr, die im ganzen der jahreszeitlichen Tendenz entspricht, sind alle Hauptwarengruppen beteiligt. Ausschlaggebend war jedoch die Entwicklung der Rohstoffeinfuhr, die zum erstenmal seit November v. I. wieder abgenommen hat. Sie ging von 253 Millionen im Vormonat auf 240 Millionen Mark zurück. Es ist vor allem die Einfuhr von Wolle sowie in geringerem Umfang die Einfuhr von Flachs, Hanf, Jute und Oelfrüchten zurückgegangen. Bei den übrigen Rohstoffen, insbesondere auch bei solchen, für die Einkaufsverbote erlassen sind, sind nennenswerte Rückgänge nicht eingetreten. Die Einfuhr von Lebensmitteln und Getränken ermäßigte sich von 79 Millionen Mark im Vormonat auf 75,8 Millionen Mark und die von fertigen Waren von 63,3 auf 61,5 Millionen Mark. An dem Rückgang der Lebensmitteleinfuhr war aus saisonmäßigen Gründen die Einfuhr von Südfrüchten und von Fischen und Fischzubereitungen beteiligt. Die Ausfuhr stieg von 315,8 Millionen Mark im Vormonat auf 337,4 Millionen Mark, also um fast 7 v. H. Die Zunahme beruht im wesentlichen auf einer Steigerung der Ausfuhrmengen. Bei den Fertigwaren waren die Durchschnittswerte weiterhin rückläufig, ein Ausgleich wurde jedoch durch erhöhte Durchschnittswerte bei der Ausfuhr von Rohstoffen und Lebensmitteln herbeigeführt. Die Steigerung der Ausfuhr entfällt lediglich auf fertige Waren, deren Ausfuhr von 239,5 im Vormonat auf 265 Millionen Mark stieg. Wahrscheinlich ist, daß die Steigerung im Mai wenigstens teilweise jahreszeitlicher Natur ist. Darüber hinaus ist die Zunahme vermutlich als eine Rückwirkung auf den starken Rückschlag im April zu betrachten. An der Steigerung der Fertigwarenausfuhr sind in erster Linie Maschinen (+ 6,6 Millionen Mark), chemische und pharmazeutische Erzeugnisse (+ 5,9 Millionen Mark), Textilfertigwaren (+ 3,3 Millionen Mark), Eisenerzeugnisse (+ 3 Millionen Mark), Papier und Papierwaren (+ 1,3 Millionen Mark) beteiligt. Die Rohstoffausfuhr ging von 65,7 auf 61,1 Millionen Mark zurück. Die Verminderung entfällt in der Hauptsache auf schwefelsaures Ammoniak (—1,7 Millionen Mark) und nichtölhaltige Sämereien (—1,1 Millionen Mark). Die Handelsbilanz schließt demnach im Mai mit einem Einfuhrüberschuß von 42 Millionen Mark gegenüber 82 Millionen Mark im April. Im Mai des vergangenen Jahres betrug der Ausfuhrüberschuß noch 89 Millionen Mark. Für die ersten fünf Monate des Jahres 1934 beträgt nunmehr der Einfuhrüberschuß rund 178 Millionen Mark. An Gold und Silber wurden in den ersten fünf Monaten 1934 234 Millionen Mark mehr aus- als eingeführt. Generalversammlungen der Edeka- Zentraigenoffenschaften. Die diesjährigen ordentlichen Generalversammlungen der Edeka-Zentralgenossenschaften fanden im Anschluß an den Rostocker Edeka-Verbandstag am 12. Juni in Warnemünde statt. Die Edekazentrale e. G. m. b. H. konnte nach dem Bericht ihres ge- schäfisführenden Vorstandsmitgliedes, Direktor Otto Jlchmann (Berlin), im Jahre 1933 ihren Gesamtumsatz gegenüber dem Vorjahre um rund 1 Million Reichsmark auf insgesamt 143 511308 RM. st e i g e r n. An diesem Umsatz hatten Anteil: Paket- Artikel aller Art mit 53 433 339 RM., Stapelwaren mit 28106 814 RM., Zucker und Landesprodukte usw. mit 47 202 762 RM., Import-Artikel mit 9 946 136 RM., Edeka-Markenartikel mit 4 822 257 Reichsmark. Der relativ geringe Anteil der Import- Artikel am Gesamtumsatz zeigt das Bestreben der Edekazentrale nach intensiver Absatzförderung der Produkte deutscher Scholle und deutscher Verarbeitung. Der Generalunkostensatz konnte auf 1,32 v. H. gehalten werden. Die Edekabank e. G. m. b. H. hatte nach dem Bericht ihres geschäftsführenden Vorstandsmitglieds, Fritz Godau (Berlin), 1933 eine Umsatzsteigerung von 991,3 Millionen RM. auf 1 093,5 Millionen Reichsmark. Die Gesamtgarantien stellten sich Ende 1933 auf über 6,66 Millionen RM. Das Sparkassengeschäft zeigte Ende 1933 einen Spareinlagenstand von 16,8 Millionen RM. gegenüber 17,5 Millionen Reichsmark im Vorjahre. Die Liquidität der Edekabank ist günstig. Eine bedeutsame Funktion erfüllt die Edekabank in enger Verbindung mit der Sparund Arbeitsgemeinschaft der Jungkaufleute, einer Zweigorganisation innerhalb des Edeka-Verbandes, in der selbständige Kaufleute, Kaufmannslehrlinge und -gehilfen sowie die Beauftragten der Edekabank Zusammenarbeiten, um eine Finanzierung des kaufmännischen Nachwuchses mit dem Ziele seiner Selb- ständigmachung vorzubereiten. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 13. Juni. Die Börse war aus allen Marktgebieten fester und bas Geschäft wies eine deutliche Belebung auf, da von der Kundschaft zahlreiche Kleinaufträge vorlagen und auch die Kulisse sich mit Deckungen und Meinungskäufen anschloß. Das Hauptgeschäft hatte der Aktienmarkt, während Rentenwerte ziemlich vernachlässigt und meist nur knapp gehalten waren. Bei der Neubesitzanleihe vermißte man weiterhin eine Marktregulierung, der erste Kurs wurde hier 22,92 (22,95), während in Berlin ein solcher von 23 v. H. notiert wurde. Altbesitz und Stahlverein-Bonds lagen je 0,13 v. H. niedriger, «späte Reichsschuldbuchfovderun- gen eine Nuance höher. Fest tendierten Reichsbahn- VA. mit plus 0,75 v. H. bei größeren Umsätzen. Angesichts der öffentlichen Konversionsbemühungen, tauchte erneut die schon früher erörterte Frage, wie der Zinsfuß ermäßigt werden kann, auf. Der Rückzahlungskurs errechnet sich eben mit 120 v. H., die heutige Notiz lautete 111 v. H. Für den Aktienmarkt stimulierten einige günstige Jndustrieab- schlüsse. Mit Interesse erwartet man auch die Ausführungen des Zentralausschusses der Reichsbank, der offenbar zu Besprechung der Transfer- und Devisenlage für morgen Vormittag einberufen worden ist. Farbenindustrie waren zu 146 (145) etwas lebhafter. Deutsche Erdöl dagegen 1,25 v. H. schwächer. Elektrowerte überwiegend vo 1 bis 1,50 v. H. fester, nur AEG. um 0,75 o. H. nachgebend. Montanaktien gewannen durchschnittlich 0,25 bis 0,75 v. H. Lebhafter waren Kohlenwerte, wie Har- pener (plus 2,25 v. H.) und Ilse Genuß (plus 2,50 v. H.). Schiffahrtsaktien zogen erneut bis 0,40 v. H. an, Allg. Lokal und Kraft gewannen 2,25 v. H. Gut erholt waren Conti Gummi plus 3,25 v. H. Linoleum-, Zellstoff- und Cementwerte lagen von 0,50 bis 1 v. H. fester, wogegen Autoaktien weiter nachgaben, Daimler minus 0,25, Adlerwerke minus 0,50 v. H. In der zweiten Börsenstunde ließ das Geschäft etwas nach und die Kurse bröckelten überwiegend leicht ab. Farben stellten sich auf 145,50. Daimler Motoren gingen bis auf 48,50 (minus 1 v. H.) zurück. Sehr fest lagen Rheinische Braunkohlen mit 244,50 bis 248 (gestern 241,50). Höher waren nochmals Cement Heidelberg (plus 0,50 v. H.)' und Schiffahrtswerte (plus 0,25 v. H.). — Der Rentenmarkt lag auch später sehr still. Neubesitz waren behauptet, Altbesitz 0,13 v. H. niedriger. Weiter fest lagen Reichsbahn-DA. mit 111,25 bei lebhaftem Geschäft. Pfandbriefe und Stadtanleihen lagen uneinheitlich bei kleinen Abweichungen. Don Auslandaktien und -Renten gaben sämtliche schweizerischen Werte nach, auch Anatolier verloren 0.75 v. H., während Türken Bagdad 0,50 v. H. und Mexikaner bis zu 0,13 v. H. anzogen. — Tagesgeld blieb zu 3,25 o. H. unverändert. Frankfurter Abendbörse fester. Frankfurt a. M., 13. Juni. Die Abendbörse zeigte nach dem leichten Rückgang im Mittagsschluß- verkehr wieder eine festere Tendenz. Die Umsätze nahmen allerdings im Hinblick auf die morgige Sitzung des Zentral-Ausfchufses der Reichsbank kein größeres Ausmaß an, lediglich einige Spezialpapiere waren lebhafter-. Im Vordergrund des Interesses stand der Aktienmarkt, an dem u. a. Farben 1 v. H., Gesfürel 0,75 v. H., Bemberg 1 v. H. gewannen. Auch Montan- und Elektroaktien sowie Schiffahrts- und Zellstoffpapiere und einige Nebenwerte zeigten gegen den Berliner Schluß Befestigungen von 0,50 bis 1 v. H. Schwach waren dagegen Deutsche Erdöl, die auf den enttäuschenden Abschluß von nur wieder 4 v. H. Dividende um 4 v. H. auf 118 zurückgingen; man hatte fast allgemein mindestens. 5 v. H. erwartet. Auch Elektr. Lieferungen setzten ihre Abwärtsbewegung auf Dividendenbefürchtungen gegen den Berliner Schluß um 2 v. Sy, gegen Frankfurt um 6 v. H., fort. Im Verlaufe und bis zum Schluß blieb die Börse fest. Am Rentenmarkt war das Hauptgeschäft in Reichsbahn-VA., die 0,50 o. H. gewannen und im freien Markt bei lebhaftem Geschäft bis auf 111,90 v. H. stiegen. Neubesitz waren ruhiger, Altbesitz nach unverändertem Beginn im Verlaufe um 0,25 v. H. erhöht. Am Auslandsrentenmarkt setzten Schweiz. Bundesbahnen ihre Abschwächung fort: 4 o. H. 160 (163), 3,50 v. H. 150 (152,50), ferner waren neue 7,50 d. Sy Türken im Freiverkehr niedriger: I.Tran- che 100,50 (102), II. 96 (97), III. 97 (98). U. a. notierten: Neubefitz 22,97V-', Altbesitz 93,75 bis 94, 6 v. Sy Stahlverein 74, Reichsbank 154, Gelsenkirchen 63,75, Harpener 103, Klöckner 71,50, Mannesmann 68, Phönix 50,25, Rhein. Braunkohlen 248, Stahlverein 43,25, AKU. 63, Bekula 136,50, Bembera 71,50, Chade 187,50, Deutsche Erdöl 118, Elektr. Lieferungen 83, IG. Farben 145,50 bis 146, Gesfürel 103,50 bis 104,25, Metallgesellschaft 84,75, Schuckert 92,50, Siemens 143, Zellstoff Aschaffenburg 46,75, Reichsbahn-VA. 111,65, Hapag 28,50, Norddeutscher Lloyd 34,90. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 13. Juni. Der Markt zeigte eine weiter feste Haltung, insbesondere Futtermittel aller Sorten zogen weiter im Preise an. Das Angebot blieb sehr knapp, aber auch die Nachfrage ist zu den hohen Preisen zögernder geworden. Immerhin besteht noch guter Bedarf. Von Brotfrucht blieben Roggen knapp und gesucht, Weizen lag ruhiger. Am Mehlmarkt beschränkt sich das Geschäft nur auf die Deckung des notwendigsten Bedarfs. Es notierten: Weizen 207, Roggen 183 bis 185, Hafer 187,50, Weizenmehr Type 563 Festpreisgebiet W X 28,90 plus 50 Pf. Frachtausgleich, do. Festpreisgebiet W VII 28,60 plus 50 Pf. Frachtausgleich, Roggenmehl Type 610 Festpreisgebiet R VIII und R VI je 25,25 plus 50 Pf. Frachtaus- gleich, Weizenmehl IV B 16,25 bis 16,50, Weizennachmehl 15,75, Weizenfuttermehl 11,75, Weizenkleie fein 10,75, mittel —, grob 11,15, Roggennachmehl 16,50, Roggenfuttermehl 12,25, Roggenkleie 11,50, Soyafchrot 16,40, Palmkuchen 15,10, Erdnußkuchen 17,90, Treber 15 bis 15,25, Trockenschnitzel 11,65 bis 11,85, Heu —, Weizen- und Roggenstroh drahtgepreht oder gebündelt 2,30' Mark. Tendenz: fest. Frankfurter SchlachtvieHmarkt. Frankfurt a. M., 14. Juni. Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Vorauftrieb: 123 Rinder (32 Ochsen, 12 Bullen, 31 Kühe, 48 Färsen), 1092 Kälber, 105 Schafe (darunter 56 Hämmel), 636 Schweine. Es kosteten: Kälber 26 bis 50 Mark, Hämmel 32 bis 36, Schafe 24 bis 35, Schweine 35 bis 41 Mark. Marktverlauf bei allen Vichgattungen ruhig. Die erste Verordnung über den Verkehr mit Schlachtvieh. Die erste Verordnung über den Verkehr mit Schlachtvieh vom 9. Juni 1934 beschränkt sich auf die Ordnung der größeren Schlachtviehmärkte, die den Beschränkungen nach dem Gesetz über den Verkehr mit Tieren und tierischen Erzeugnissen vom 23. März 1934 bereits unterliegen oder künftig unterworfen werden. Aehnlich wie bei der Eierregelung werden an den größeren Schlachtviehmärkten die Verkäufer und Verkaufsoermittler von Schlachtviel sowie die Käufer, insbesondere die Schlachter, zu einer Marktvereinigung für Schlachtviehverwertung zufammen- geschlossen, deren Befugnisse der Vorsitzende der Marktvereinigung ausübt. Er kann insbesondere 1. vorschreiben, daß die Mitglieder der Käufergruppe ihren voraussichtlichen Bedarf an Schlachtvieh gemäß feiner näheren Anordnung zu melden und Schlachtvieh im Rahmen des angemeldeten Bedarfs abzunehmen haben, 2. vorschreiben, wieviel Tiere die Mitglieder der Verkäufergruppe zum Schlachtoiehmarkt bringen dürfen, und 3. die Verrechnung und Bezahlung der Schlachtviehlieferungen regeln. Die Marktoereinigungen an den Schlachtviehmärkten, die im Gebiet eines Milchwirtschaftsverbandes liegen, find zu Bezirksvereinigungen für Schlachtviehverwertung zusammengeschlossen. Zur Sicherstellung einer einheitlichen Leitung sind die Bezirksvereinigungen zu einer Hauptvereinigung für Schlachtviehverwertung zusammengeschlof- sen. Bei ihr liegt das Schwergewicht der künftigen Gestaltung der Schlachtoiehmärkte. Ihr Vorsitzender kann deshalb den Bezirks- und Marktvereinigungen bindende Weisungen erteilen. Es war notwendig, neben der Marktvereinigung noch Marktbeauftragte mit entsprechenden Befugnissen vorzusehen. Die Vorsitzenden der Marktvereinigungen sind zugleich Marktbeauftragte. Ebenso sind die Vorsitzenden der Bezirksvereinigungen zugleich Bezirksbeauftragte. Der Vorsitzende der Hauptvereini- gung kann den Bezirks- und Marktbeauftragten Weisungen erteilen. Der Reichskommissar für die Vieh-, Milch- und Fettwirtschaft erhält die Befugnis, mit Zustimmung des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft Preise und Preisspannen für Schlachtvieh und Schlachivieherzeugnisse festzusehen. Soweit keine Preise festgesetzt werden, erfolgt die Feststellung an den Schlachtviehmärkten durch die Marktbeauftragten nach Anhörung eines Preisfest- stellungsausschusses. Zur Beseitigung der ungeregelten Verhältnisse an den Schlachtviehmärkten mußte ferner dafür gesorgt werden, daß künftig nur zuverlässige Verkäufer und V e r k a u f s v e r m i t t l e r von Vieh tätig sein können. Diese bedürfen nunmehr einer Zulassung zum Schlachtviehmarkt. Die an den Schlachtviehmärkten bereits tätigen Verkäufer gelten weiter als zugelassen; ihre Zulassung kann aber widerrufen werden. Die Verordnung tritt erst am 1. 21 uguft in Kraft, um ausreichend Zeit für die Errichtung der neuen Organe zu haben. Da sich die Notwendigkeit zu baldigen Eingriffen ergeben kann, hat der Reichskommissar bis zur Bestellung der Organe der Bezirks- und Marktoereinigungen umfassende Vollmachten erhalten. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Hohe der zuletzt velchlossenen Dtoidende an. — Relchsbankdiskont 4 o. H., Lombardzinsfuß 5 o. Sy Franktur! a. 2)1 Berlin Schlußkurs Schlußk. Abendbörse Schluß fur< Schlußk. Mittog- börse Datum 12-6. | 13.6- 12-6. 13.6. •% Deutsche Retchsanlethe v. 1927 96,4 96,4 96,75 96,9 6% ehem.7°/o Dl. Reichsanl. v. 1929 99,6 99,5 99,7 99,7 5y*% Doung-Anlelhe von 1930 .. 91,65 90,75 91 90,75 Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit 93,75 AuSlos.-Rechten ............. 94 93,75 93,9 DeSgl. ohne Auslos.-Reckite...... 22,95 22,975 23 23 6% cbem.8% Hess. Dolksstaat 1929 92,5 92,5 (rückzahlb. 102%) ........... 92,5 92 6% Hess. Landesbank Darmstadt Gold R. 12................. 90,5 90,75 90,25 90,5 6%% Hess. Landes-Hypothekenbank Darmstadt Ctqul........ 89 89 — — Oberhessen Provinz-Anleihs mit 95,5 95,5 Auslos.-Rechten ............. — —— Deutsche Komm. Sammelabl. An- 94,25 leihe Serie 1 mit AuSlos.-Rechten 94 94 94 6% ehem. 8% Franks. Hyp.-Bank 90,5 Goldpse. 15 unkündbar bis 1935 90,25 90,25 90,25 1% ehem. 7% Franks. Hyp.-Bank Goldpse. 16 unkündbar bis 1936 90 90,25 *— •— 6y*% ehem. iya% Franks. Hyp^ Bank-Ltqu.-Pfandbriese...... 88,75 89 Wi°/0 ehem. 4/t% Rheinische Hyp.-Bank-Ltqu.-Goldpse..... 90,5 90 — 6% ehem. 8% Pr. Landespfand- briefanstalt, Pfandbriefe R. 19 94 94 94 — 6% ehem. 7% Pr. LandeSpfand- briefanstalt, Pfandbriefe R. 10 94 94 94 94 Steuergutsch. Verrechnungskurs. 99,8 99,9 99,8 99,9 4% Oesterrelchlsche Goldrente... 28 _ 27,6 _ 4,20% Oesterreichtsche Silberrente 1,1 1,1 1,1 1,2 4% Ungarische Goldrente ....... 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 8,25 8,13 8,25 8,1 7,5 7,5 7,5 7,45 4y,% desgl. von 1913......... 7,5 7,65 7,6 7,6 6% abgest. Goldmexikaner von 99 8,75 8,75 8,9 8,9 4% Türkische Zollanlethe von 1911 7,25 —— 7,75 —— 4% Türkische Baqdadbahn-Anleihe 7,1 7,6 — 8 Frankfurt a.M. Berlin Schlußkurs Schlußk. Abendbörse Schlußkurs Schlußk. Miltag- börse Datum 12-6- 13.6- 12.6. 13.6. 4% bcftfll. Serie 11 ............. 5% Rumän. veretnh. Rente v. 1903 4y,%Rumän.vereinh.Rentev.l913 4% Rumänische vercinh. Rente .. 8^% Anatolier ............... vamvurg-Ämertka-Pakei ..... O Hamburg-Südam. Dampfschiff. O Hansa-Dampsschifs .......O Norddeutscher Lloyd .......o öl.®, für Verkehrswesen Akt. .. 0 Berliner Handelsgesellschaft ... 4 Commerz- und Privat-Bank .. . O Deutsche Bank und SD ts conto- Gesellschaft................ 0 Dresdner Bank..............o Reichsbank .................. A-C.G....................... Bekula................ Q Elektr. LteferungSgesellschaft... 6 Licht und Kraft g Felten & Guilleaume ......... o GeseUsch.f.Elekkr.Unternehmung. 6 Rheinische Elektrizität ....... 6 Schuckert S Co.............ß Siemens L Halske........... ? Labmeyer L Co............. io Buderus .......... o Deutsche Erdbk ............... Gelsenkirchener..............0 Harpener ..................0 Hoesch Eisen—AVIn-Reuesseo .. O Ilse Bergbau ............... 6 Ilse Bergbau Genüsse........6 Klöcknerwerke .......... O Kann-Swann-Röhren........O 7,2 4,65 3,85 36,25 29 - 34,9 65 87,5 52,75 59,5 64,5 154 26,65 137,5 92,5 109 63,13 102 100 91,25 141,5 118 76,5 123,25 64 101,5 123 71,25 68 7,75 4,5 7 3,95 35,5 28,5 34,9 64,5 87,5 52,25 59,13 64,5 154 25 136,5 83 108,5 63,75 104,25 100,75 92,5 143 120 77 118 63,75 103 — 159 125 71,5 68 7,75 4,25 7,05 3,9 35,9 28,75 25 35 65,25 88 52,75 59,5 64,5 154,9 27 137,5 93 108,5 62,65 102 100,5 91,75 141,5 118.5 76,75 122,75 63,5 101,4 75,25 156,75 124,5 71,25 67,65 8,25 4,25 7 3,85 35,5 28 26,5 34,4 64,25 88 52,25 59,13 64,5 154,5 24,75 136,13 85 108,5 62,9 103,65 100,75 92,75 142,5 119,65 76,65 121 63,25 103,75 75,5 159,5 124,4 71 1 67,65 1 Frankfurt a. M. Berlin Schlußkurs Schluß!. Abendbörse Schluß« lurs Schlußk. Mina^ börse Datum 12.6 13.6. 12-6- 13-6. Mansselder Bergbau .. 0 77,5 77 77,9 77 Kokswerke ........... e e e e e e • 0 — — 99,65 99,9 Phönix Bergbau...... 0 50 50,25 50 49,75 Rheinische Braunkohlen LO 241,5 248 240,75 248,25 Rhetnstahl ....... O 98,25 — 97,65 97,75 Bereinigte Stahlwerke. O 44 43,25 43,25 42,9 Otavi Minen ....... O 15,25 15 14,75 15 Kaliwerke Aschersleben. ....... b 117,5 119,5 118,5 119,25 Kaliwerke Westeregeln. 5 118,5 122 120 121,5 Kaliwerke Salzdetfurth .....1Yi 156 156 156 158,5 I. G. Farben-Jnvustrie 7 145 146 145 145 Scheideanstalt........ 9 201,5 203 — Goldschmidt ......... O 67 68,5 67 67,4 RütgerSwerke ........ O 41,25 40,75 41,25 40,75 Metallgesell schäft...... 0 83,5 84,75 84 85 Phtltpv Holz mann .... O 62,5 61,5 63 61,9 Zementwerk Heidelberg Zementwerk Karlstadt.. •••••• 0 105 126 106,5 126,25 = - Schultheis Patzenhoser 0 — — 108,13 108,13 Aku (öniflcmetne Kunstseide) .. 0 63,75 63 63,13 63,25 Bemberg............ 0 71,25 71,5 71 70,5 Zellstoff Waldhof ..... 0 49,5 49,5 49,25 49,5 Zellstoff Aschaffenburg 0 46 46,75 46,5 46 Dessauer Gas ...... 7 — — 128,75 131,75 Daimler Motoren..... O 49,5 48 49,65 48,5 Deutsche Linoleum .... ....... 0 64 64,65 64,5 64,75 Oren stein & Koppel ... 0 — — 64,4 65 Leonhard Tietz....... 0 21 21 21,4 20,13 Thade ............... 10 193,5 187,5 195,75 188 Lerumulatoren-Fabrü. 0 180 181 179,5 182 Tonlt^Guwwt........ 0 135 138,75 135,25 138,75 Gritzner............. 0 - 23,5 Mainkraftwerke Höchst a.M-.. 4 72 72 ■ Süddeutscher Zucker .. 8 I 179,5 1 180 I 179 181 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. Hl. 12-Juni 13-Juni Amtliche Dotierung c^eld | Brie Amtliche .Notierung Geld | Brie Buenos Aires Brüssel..... Rio de Jan. . Sofia ...... Kopenhagen. Danzig..... London ..... Heljingfors.. Paris ...... Holland .... Italien..... Japan...... Jugoslawien Oslo..... : Wien....... Lissabon.... Stockholm... Schweiz .... Spanien.... Prag....... Budapest ... Neuyork... 0,607 58,57 0,159 3,047 56,54 81,60 12,665 5,604 16,50 169,73 21,64 0,751 5,664 63,66 47,95 11,53 65,33 81,42 34,32 10,44 2,505 0,611 58,69 0,161 3,053 56,66 81,76 12,695 5,616 16,54 170,07 21,68 0,753 5,676 63 78 43,05 11,55 63,47 81,58 34,38 10,46 2,511 0,610 58,55 0,159 3,047 56,34 81,60 12,615 5,594 16,50 169,73 21,61 0,751 5,664 63,44 47,95 11,49 65,08 81,38 34,29 10,44 2,507 0,614 58,67 0,161 3,053 56,46 81,76 12,645 5,606 16,54 170,07 21,65 0,753 5,676 63,56 48,05 11,51 65,22 81,54 34,35 10,46 2,513 Banknoten. Berlin, 13-Juni Geld Brief Amerikanische Roten.............. 2,46 2,48 Belgische Roten.................. 58,39 58,63 Dänische Noten ................. 56,19 56,41 12,57 12,63 Französische Noten............... 16,46 16,52 169 3] 1£