Nr. 62 Erstes Blatt 184. Jahrgang Mittwoch, 14. März M4 Erscheint täglich, anher Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild ■ Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen NM. 1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschliiffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen postschecktonto: Frankfurt am Main 11686 Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Universitäts-Such- und Zteindruckerei R.Lange in Sieben. 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Bundeskanzler Dollfuß gewährte nach seiner Ankunft einem Vertreter der „Agenzia Stefani" eine Unterredung. Er erklärte, Italien handele in der Frage der Gesundung der wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse im Donau raum naturgemäß auch in seinem Interesse, allein die Bedeutung des italienischen Planes liege eben darin, daß er mit den eigenen Interessen Italiens auch die Lebensnotwendigkeiten der anderen Völker und Staaten berücksichtige. Er freue sich, daß in dieser Beziehung zwischen Italien und Oesterreich volle Uebereinstim- Ueber den Inhalt der Unterredung- ist bisher nichts bekannt geworden. Sie dürfte in erster Linie die Besprechung zu Dritt, die vielleicht schon am Mittwochnachmittag stattfindet, vorbereitet haben. Am Dienstagnachmittag erwiderte Mussolini in der ungarischen Gesandtschaft den Besuch Gömbös'. Letzterer macht auch bei dem G r o ß m e i- ster des Maltheser-Ordens und etwas später bei Kardinal Sincero Besuche. Um 19.30 Uhr wurde er vom Pap st in PrivatJapans Vorposten in Afrika. Wachsender Einfluß in Abessinien. Zwischen London, Rom und Paris hat ein reger Gedankenaustausch über Abessinien eingesetzt. Sowohl die Engländer als auch die Italiener fühlen sich nicht wohl bei dem Gedanken, daß I a p a n in Abessinien steigenden politischen und wirtschaftlichen Einfluß gewinnt und daß es jetzt sogar dazu übergegangen ist, die Heeresmacht Abessiniens zu modernisieren und mit neuzeitlichen Waffen, namentlich m i t Kampfflugzeugen auszurüsten. Nicht wirtschaftliche Gründe allein sind es, die Japan veranlaßt haben, sich das abessinische Absatzgebiet zu öffnen. Sie wollen unzweifelhaft Abessinien zu einem Vorposten machen, der ausersehen ist, wenn es einmal nötig sein sollte, namentlich die Engländer zu beunruhigen. Abessinien stößt an den Sudan, der das Baumwollreservoir des britischen Weltreiches werden soll. Aber auch die Italiener sind beunruhigt. Sie können in allernächster Nähe ihres Kolonialbesitzes ein militärisch gutgerüstetes Abessinien nicht gebrauchen. Aber vorläufig ist nicht zu erkennen, wie man den japanischen Einfluß aus Abessinien wieder verdrängen kann, zumal Abessinien offenbar selbst Geschmack daran gefunden pai, die Freundschaft eines Staates zu besitzen, der praktisch ganz Ostasien beherrscht und mit dem auch England sich nicht gern in irgendwelche kriegerischen Auseinandersetzungen einlassen möchte. Fast 60000 Bausparer mit einer Gesamtsumme von 294 Mittronpn. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband stellte eine Bilanz der öffentlichen Bausparkassen für das Jahr 1933 auf, aus der sich eine Steigerung des Bausparerbestandes gegenüber dem Vorjahre um 16,4 v. H. und der Gesamtvertragssumme um 14 o. $). ergibt. Am 31. Dezember 1933 waren bei den 15 öffentlichen Bausparkassen 58 435 Bausparer vorhanden, deren Bausparverträge eine Gei'amt- fumme von 294,1 Millionen Mark ausmachten. Am 31. Dezember 1932 waren 50 211 Bausparer mit einer Gesamtsumme von 257,9 Millionen ermittelt worden. Die Gesamtzuteilung konnten die öffentlichen Bausparkassen im Jahre 1933 vollst ä n d i g aus eigenen Mitteln u m 21,4 Millionen steigern, so daß vom Jahre 1929 bis zum Stichtag des Berichtsjahres insgesamt 66 476 Millionen Mark zugeteilt werden konnten, und zwar an 10 744 Bausparer. Minister als Angehörige der Sozialdemokratischen Partei innerhalb' und außerhalb des Parlaments eine revolutionäre Propaganda entfalten, die ihresgleichen sucht. Der „Revolutionsreisende" Largo Caballero versuchte dabei die Errichtung der revolutionären Arbeiter-Einheitsfront, die bisher nur deshalb nicht zum Abschluß gekommen ist, weil die Anarchosyndikalisten als Vertreter der direkten Aktion dem sozialistischen Bonzentum gegenüber eine offenbar unüberwindliche Abneigung und ein gerütteltes Maß Mißtrauen haben. Was sie aber natürlich nicht hindern würde, im Fall des offenen Kampfes gegen den Staat Seite an Seite mit ihren sozialdemokratischen „Brüdern" vorzugehen. Die augenblickliche Taktik der sozialdemokratischen Leitung läßt diesen Schluß zu. Ohne gewisse Zusicherungen würde man es sich im Madrider Volkshaus wohl überlegt haben, ganz zielbewußt auf den Generalstreik in g an z Spanien hinzuarbeiten. Heute jedenfalls tft bie Lage so, daß von einem Tag auf den anderen mit dem revolutionären Angriff in Spanien gerechnet werden muß. Eine günstigere Gelegenheit zum Losschlagen als unter dieser Regierung wird der Marxismus wohl nicht mehr finden! gen zu bewegen und Deutschland von seinen Rüstungsforderungen abzubringen. Frankreich nehme bei den römischen Besprechungen die einzig logische Haltung ein, in dem es vollkommen abseits bleibe. Der „Populaire" schließlich schreibt u. a., Italien habe nichts anzubieten, was für Oesterreich oder Ungarn denVerlustderVor- teile ersetzen könnte, die Deutschland ihnen biete. Litwinow will einen neuen Gicherheitsptan Vorschlägen. London, 14. März. (DNB. Funkspruch.) Der Korrespondent des „Daily Telegraph" schreibt, die Sowjetregierung wolle wiederum eine a k - tive diplomatische Rolle in Europa spielen. In der Erwartung, daß die Abrüstungsverhandlungen fehlschlagen, bereite Litwinow einen neuen Sicherheitsplan vor. Dieser würde aus einem Pakt gegenseitigen Beistandes und einem Nichtangriffsabkommen bestehen. Alle Mächte sollen zur Teilnahme eingeladen werden. In dem Plan werde die neue Definition besAn- g r e i f e r s enthalten sein, die in den im Sommer dem die Zusammenfassung dieser Kräfte in neuer entsprechender Form zum Zwecke der Wiedergesundung des Wirtschaftslebens und der gemeinsamen Kulturarbeit ermöglicht, ein Ziel, das niemanden von der Mitarbeit ausschließen wird, weil seine Erreichung im Interesse aller liegt. Gömbös bei Mussolini. Rom, 13. März. (DNB.) Ministerpräsident Mussolini empfing heute mittag den ungarischen Ministerpräsidenten Gömbös. Die Unterredung dauerte über IV2 Stunden und trug einen sehr herzlichen Charakter. Bedeutung. Frankreichs New England wird auf die Ablehnung vorbereitet. Spanien zwischen Mrkismns und Zaschismns. Don unserem v. Gss.-Äerichterstaiter. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Madrid, im März 1934. Die innerpolitische Lage in Spanien zeichnet sich heute durch eine Spannung aus, wie sie seit dem Sturz der Monarchie nicht mehr vorhanden war. Hinsichtlich ihrer Verfahrenheit könnte man höchstens noch eine Parallele im Jahre 1923 finden, d. h. in der Zeit kurz vor dem Staatsstreich des Generals Primo de Rivera, der zu dessen Diktatur und siebenjährigen Herrschaft führte. Man ist versucht zu glauben, daß auch heute das bestehende Durcheinander nur dann beseitigt werden kann, wenn ein st a r k e r Mann die schleifenden Zügel des Staates an sich reißt und das unselige Parlament nach Hause schickt. Eine Möglichkeit hierzu gab ohne Zweifel die eben erst überwundene Kabinettskrise, auf deren Ausgang die besten Kräfte Spaniens ihre Hoffnung gesetzt haben. Zur großen Ueberraschung des ganzen Landes aber hielt es der Staatspräsident unbegreiflicherweise für richtig, den eben zurückgetretenen Lerroux mit der Kabinettsneubildung wieder zu beauftragen. Und diesem romantischen Revolutionär des vergangenen Jahrhunderts, der heute, Millionär geworden, immer noch von seiner kämpferischen Jugend träumt, ohne dabei mehr zu sein als ein guter Großpapa, fiel nichts anderes ein, als dem Präsidenten der Republik als „Lösung' sein bisheriges Kabinett vorzuschlagen mit der einzigen Aenderung in drei Portefeuilles. Es sind dies das Finanz-, das Innen- und das Unterrichtsministerium, die nunmehr mit Leuten besetzt worden sind, die um eine Nuance wei - ter rechts stehen als ihre bisherigen Inhaber, die auf Druck der Rechten wegen ihrer ausgesprochenen Linkstendenz in die Wüste geschickt worden sind. Die alten parlamentarischen Methoden, die, m Spanien bereits im Jahre 1923 zum völligen Fiasko des Parlamentarismus geführt haben, verhinderten die einzig mögliche Lösung: das entschiedene Herumreißen des Steuers nach rechts. Wenn man versucht, den Hintergrund dieses Theaterspiels zu erkennen, kommt man zu der Ueberzeugung, daß es sich hier um einen letzten Schachzug der Freimaurerei handelt, der auch Lerroux angehört, und die sich verzweifelt gegen ihre Ablösung in der Leitung der spanischen Politik durch den politischen Katholizismus wehrt. Selbstverständlich hatte auch Frankreich seine Finger in bie- Paris, 14. März. (DNB.-Funkspruch.) Mit bevorstehenden französischen Antwort auf die englischen Abrüstungsvorschläge, die jetzt täglich in der Presse abgehandelt wird, beschäftigt sich Mittwoch Pertinax im „E ch 0 de P a - ris". Auch er erklärt es für ausgeschlossen, daß die französische Regierung diesen Vorschlägen zustimmen wende. Typisch für den Verfasser ist die Begründung, daß eine solche Zustimmung „einer Legalisierung der Vertragsverletzung, die Deutschland durch die Aufrüstung begangen habe", gleich käme. Frankreich könne nicht einmal zugeben, daß es in seiner Freiheit zur Durchführung der notwendigen Perteidigungsmaß- nahmen irgendwie eingeschränkt werde. „Petit Parisien" sagt ebenfalls eine negative Antwort voraus. Die einzigen Schwierigkeiten, die der Abfassung der französischen Antwort noch entgegenständen, lägen in d e r Form, in der man den französischen Standpunkt darlegen wolle. Es genüge jedoch die letzte französische Note an die Reichsregierung und den Brief Barthous an den Vorsitzenden der Abrüstungskonferenz, Henderson, nachzulesen, um überzeugt zu sein, daß sich die französische Regierung auch diesmal mit der nötigen Klarheit und Geschmeidigkeit ihrer Aufgabe entledigen werde. Man habe französischerseits genügend aus die Gefahren aufmerksam gemacht, die die englischen und italienischen Abrüstungsvorschläge für die französische Sicherheit gedeuteten. Es scheine aber, als ob man bisher die Frage ganz außer acht gelassen habe, daß die englischen Vorschläge eine direkte Untergrabung des Versai11 er Dertra- Paris, 14. März. (DNB.-Funkspruch.) Die römischen Besprechungen werden von der Pariser Presse sehr aufmerksam verfolgt und eingehend kommentiert. Ganz allgemein steht man in Frankreich dem Plan Mussolinis nicht ablehnend gegenüber, weil man in ihm die einzige Möglichkeit sieht, Oesterreich dem deutschen Einfluß zu entziehen. „Journöe Industrielle" schreibt, man müsse französischerseits anerkennen, daß Italien der Vorposten für den Siegerstand gegen den „deutschen Drang nach dem Osten" sei. Der „Quotidien" begrüßt es, daß auch Italien eingesehen habe, daß wirtschaftliche Maßnahmen am geeignetsten seien, den Anschluß zu verhindern. Es stehe allerdings fest, daß Italien allein Oesterreich nicht helfen könne. „Ordre" schreibt, Frankreich könne nur wohlwollend allen Bemühungen gegenüberstehen, die darauf gerichtet seien, die Aufsaugung Oesterreichs durch Deutschland zu verhindern und die wirtschaftliche Erneuerung und das gute Einvernehmen im Donaubecken sicher zu stellen. „Journal" schließt sich den zustimmenden Kommentaren der übrigen französischen Presse nur bedingt an und erklärt, daß Mussolini nur dann ein wahres Friedenswerk vollbringe, wenn es ihm gelinge, Ungarn zum Verzicht auf Gegenforderun- fem Spiel. Die Meinung des Landes aber spielte wahrend der letzten Regierungskrise wieder eine ebenso geringe Rolle wie fast stets, wenn es sich um die Interessen internationaler Mächte dreht. Die Oes- fentlichkeit jedenfalls erklärte schon von der ersten Stunde des Bekanntwerdens des neuen Kabinetts — des dritten Kabinetts Lerroux! — ab, „daß es f 0 unter gar keinen Umständen ginge". Tatsächlich ist denn auch kein Mensch mit dieser sogenannten Lösung zufrieden, und die neue Regierung hängt infolgedessen restlos in der Luft. Es ist anzunehmen, daß schon die erste Abstimmung im Landtag zu einem Mißtrauensvotum fuhren wird, wenn nicht irgend eines jener üblen parlamentarischen „Wunder" geschieht, die ja auch bei uns noch in abschreckender Erinnerung sind. Die Linke steht natürlich zu diesem Kabinett noch feindlicher als zu dem bisherigen, und die Rechte wird ihr ihre Unterstützung nicht geben, weil man sie, die die einzige Hilfe für eine derartige Regierung darstellt, nicht einmal konsultiert hat. Nicht außer Acht gelassen werden darf allerdings, daß die katholische Rechte in gewisser Weise jenes Ergebnis der Regierungskrise mit verschuldet hat, weil sie eine Zauberpolitik betreibt, die man kaum mehr verstehen kann. Man scheint auf dieser Seite immer noch Angst vor der eigenen Courage zu haben, denn sonst hätte der Führer der katholischen Volksaktion, Gil Nobles, diese Gelegenheit unbedingt ergreifen müssen, um dem in den Novemberwahlen zum Ausdruck gebrachten Volkswillen zum vollen Erfolge zu verhelfen. Das Volk hat damals sehr deutlich zu verstehen gegeben, daß es d o n faulen Kompromissen nichts mehr wissen will. Es hat den roten und rötlichen Machthabern eine selten gesehene Abfuhr erteilt. Nur die Angst vor Gewaltakten der Linken hat immer wieder verhindert, daß diesem Willen Gerechtigkeit widerfuhr. Es ist völlig klar, daß tn Spanien, ebenso rote im übrigen Europa, der Kampf zwischen Rechts und Links — besser gesagt, zwischen Internationalismus und Nationalismus - über kurz ober lang ausgetragen werden muß. Der spanische - Largo Caballero, Führer der Sozialisten, hat ohne Zweifel recht, wenn er behauptet daß es heute auch in Spanien nichts anderes mehr gäbe, als Marxismus ober Fafchism u s. Die Kraftprobe muß also bestauben werben. Maßgebend bei dieser Auseinandersetzung wird sein, ob der politische Katholizismus, der in der katholischen Volks- ciktion verkörpert ist und sich bemüht, einen besonderen päpstlichen Faschismus aufzuziehen, klug genug fein wird, die Differenzen mit dem eigentlichen Faschismus rechtzeitig zu begraben unb mit ihm gemeinsam vorzugeben. So aber wie bie Lage heute ist, muß bie ganze Hoffnung bes Laubes sich auf bie Gewehre und Maschinengewehre der P 0 - lizei stützen. Allem Anschein nach drängt die augenblickliche Lage zur Entscheidung in kürzester Frist. Die Marxisten sind im ganzen Lande von ihrer Propagandatätigkeit zur Aktion übergegangen. Ohne daß sie jemand daran gehindert hätte, konnten frühere mung bestehe. Italien Oesterreich und Ungarn, fuhr Dr. Dollfuß fort, haben ja ein gleich starkes Interesse baran,, - - - - v - r .* . .. -r *---- an ber Donau einen Zustand Herstellen zu helfen, audienz empfangen. Am Abend gab der un= in dem sich die wertvollen Kräfte in diesem, für das garische Gesandte beim Vatikan ein Essen, an dem ganzen europäische Land so wichtigen Gebiet nicht außer Gömbös auch ber Karbiualstaatssekretär im Kampf miteinanber aufreiben, son-1Pacelli teilnahm. Auch Dollfuß in Rom eingetroffen. Der österreichische Bundeskanzler über den Zweck der Oreierzusammenkunff. Francois-Poncet beim Reichsaußenminister. Berlin, 13. März. (DNB.) Reichsminifter des Auswärtigen Freiherr v. Neurath empfing den französischen Botschafter Francois-Poncet, um ihm bie deutsche Antwort aus das am 14. Februar übergebene französische M e - moranbum in der Abrüstungssrage zu übermitteln; hierbei erläuterte der Reichsaußenminister dem sranzösischen Vertreter in mündlichen Ausführungen den Inhalt der deutschen Mitteilungen, parisweiß noch keineEmzeihetten Paris, 14. März. (DNB.-Funkspruch.) Zu ber Antwort ber Reichsregierung auf bie letzte französische Note weiß bie Morgenpresse über bie amtliche beutsche Verlautbarung hinaus nichts zu berichten. Es hat ben Anschein, als ob ber Wortlaut ber Note in ben späten Abenbstunben bes Dienstag noch nicht am Quai d'Orsey v 0 r l a g. Lebiglich ber Berliner Berichterstatter bes „Malin" glaubt hinzufügen zu können, baß bas Schriftstück acht Maschinenseiten umfasse. Es sei in „verträglicher Form" gehalten, enthalte aber gerabe in bezug auf bie bisherigen beutscb-franzö- sischen Abrüstungsbesprechungen keine Neuigkeit e n. In Berlin selbst gebe man sich feinen Erwartungen mehr hin, sonbern sei ber Ansicht, baß die Zukunft der Abrüstungsfrage von den französisch-englischen Besprechungen abhängen werde. Man sei sich ferner darüber im klaren, daß es nicht leicht sei, Frankreich zur Abrüstung zu bewegen, wenn ihm nicht gleichzeitig in Gewicht fallende Sicherheits- gar a n ti e n gewährt würden. Der Zweck der deutschen Note sei der, den Faden nicht abreißen zu lassen. Man wünsche deutscherseits, so mochte der Berichterstatter es barstellen, „bie Verantwortlichkeit für ben Abbruch ber Besprechungen abzuwälzen". Die in ber amtlichen Verlautbarung erwähnten ergänzenben münblichen Mitteilungen an 'ben französischen Botschafter in Berlin seien allem Anschein nach nicht von erheblicher Garantie. Man bürfe barüber nicht im Zweifel fein, baß bies auherbem ben lob bes Volker» b u n b e s bebeuten würbe. Oie Antwortnote wird Ende der Woche fertiggestellt. Paris, 13. März. (DNB.) Am Dienstag fanb unter bem Vorsitz bes Präsibenten ber Republik ein Ministerrat statt. Außenminister B a r => th 0 u gab über bie französische Note Auskunft, bie in Beantwortung ber letzten englischen Abrüstungsbenkschrift aufgesetzt wirb. Die enb - gültige Fassung wirb bem Ministerrat am Freitag ober Samstag zur Billigung unterbreitet werben. Eine Einberufung bes Obersten Rates ber nationalen Derteibigung zur Erstattung eines Gutachtens soll nicht mehr vorgesehen sein, ba ber Oberfte Militärausschuß bereits bie Abrüstungsfrage vom technischen Stanbpunkt aus eingehenb geprüft habe. g e s unb des Völkerbund spaktes bedeuteten. Hier geht bas Blatt zu einem wenig höflichen Angriff 'auf Englanb über, in bem es fortfährt, man müsse sich fragen, was aus ber Achtung vor ben Verträgen werbe, wenn sich eine Macht das Recht anmaße, grundlegende Aenderungen an diesen Verträgen vorzunehmen, ohne die anderen Mächte vorher zu befragen, und was aus dem ganzen Teil V des Versailler Vertrages werde, der die Militärklauseln enthalte, wenn'„er nicht nur von Deutschland mit Füßen getreten" werde, sondern auch von denjenigen Mächten, die ihn dem Reich aus persönlichen Gründen eigener Sicherheit aufgezwungen hätten. Eine solche Politik könne vielleicht Italien genehm sein, das niemals für den Völkerbund besondere Beachtung gehabt habe. Sie führe aber nur zu einem improvisierten und auf wenige Mächte beschränkten Abkommen ohne ernste Durchführungs- vergangenen Jahres abgeschlossenen Verträgen gegeben wurde. Der Berichterstatter fügt hinzu, diese Definition des Angreifers würde zu einem System kollektiver und automatischer Sanktionen führen und beim britischen Reich sicher kerne günstige Aufnahme finden, da sie zu Garantien fremder Grenzen führen müßte, die über die Locarnogarantien hinausgehen. Stavisky und Regierung unterstützten gleichzeitig die „Volonte Paris, 14. März. (DNB. Funkspruch.) Vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuß für den Stavisky.Skandal mußte der ehemalige Attache im Finanzministerium Guiboud- Ribaud zugeben, daß die linksgerichtete Zeitung „V o l o n t 6", deren Direktor Dubary im Untersuchungsgefängnis sitzt, von Stavisky weitgehende U n ter - stützungen erhalten habe. Aber gleichzeitig zahlte a u ch die französische Regierung monatlich 40 000 Franks, obgleich sie zumindest seit April 1933 die Beziehungen des Blattes zu Sta> visky gekannt haben müsse. Der Name des jetzigen Landwirtscbaftsministers Queuille sei des öfteren in der Umgebung Staviskys gefallen. Auch der frühere Luftfahrtminister C o t habe in direkter Verbindung mit Stavisky gestanden. Es habe sich um den Ankauf von Flugzeugen der Firma Weymann gehandelt, und so viel er wisse, seien auch Ankäufe getätigt worden. Auf die Frage, ob Sta- visky die Gebrüder Barmat gekannt habe, ant. wartete der Zeuge: Nein! Aber ich habe im Jahre 1929 die Bekanntschaft Julius Barmats gemacht und bin sein Berater in Banksachen gewesen. Das kommende Handwerksgesetz Weimar, 13. März. (DNB.) In Weimar fand der 1. Thüringische Obermeistertag statt, bei dem Reichshandwerksführer Schmidt Einzelheiten des kommenden Handwerksgesetzes bekanntgab. Es dürfte keine Hcmdwerkssiolitik an sich geben, sondern nur eine organische Eingliederung in das Gesamtwohl. Aus diesem Grunde werde er sich auch nicht auf kleinliche Tagesfragen einlassen. Der Träger des Binnenmarktes sei neben Handel und Landwirtschaft der deutsche Mittelstand, dessen Kernstück das Handwerk sei. Dem trage auch das in Kürze zu erwar- tcnde Handwerksgesetz Rechnung. Es führe die Pflichtorganisation ein, deren Träger der Meister und der Geselle seien. Die k l e i n st e Z e l l e werde die einem Obermeister unterstellte Innung sein, in deren Beirat auch der Altgeselle sitze. Die Innungen würden zusammengefaßt in Kreis- handwerkschaften, deren Führer der Handwerkskammer unterstellt seien. Zwischen dem Handwerkspräsidenten und dem Reichshandwerksführer stehe der Landeshand Werksführer, von denen es in Deutschland 13 geben werde. Dem Obermeister werde im übrigen das Strafrecht wieder übertragen werden. Beschwerden gegen seine Maßnahmen gingen nur bis zur Handwerkskammer. Die Berechtigung der Beschwerde werde auf einem besonderen Gerichtstag durch den Handwerkskammerpräsidenten nachgeprüft werden. Kleine politische Nachrichten. Der deutsche Gesandte in Bagdad hat sofort nach Bekanntwerden der Ermordung des deutschen R e i ch s a n g e h ö r i g e n Rudolf May, der sich auf einer Faltbootfahrt durch den Irak befand, von der irakischen Regierung schärfste Maßnahmen gegen die Schuldigen gefordert. Die irakische Regierung hat strengste Bestrafung der Täter zugesagt. Reichsminister Dr. Frick bittet um Aufnahme folgender Zeilen: Zu meinem Geburtstag sind mir aus allen Teilen des Reichs von Bekannten und Unbekannten Glückwünsche in übergroßer Zahl zugegangen. Sie alle persönlich zu beantworten, ist mir bei der Fülle der Dienstgeschäfte leider nickt möglich. Ich sage daher allen, die meiner in so freundlicher Weise gedachten, auf diesem Weg herzlichen Dank. * Anläßlich des einjährigen Bestehens des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda empfing Reichsmittister Dr. Goebbels die leitenden Beamten des Ministeriums in seinem Arbeitszimmer, um ihnen seinen Dank für die treue hingebungsvolle Mitarbeit und seine Anerkennung für die großen Leistungen und Erfolge des Ministeriums im verflossenen Jahr zum Ausdruck zu bringen. niedergelegt, vielmehr den Weg freigemacht, um stetig und ruhig das bisherige in das neue über Z'U leiten, wobei durchaus die Möglichkeit besteht, die gemachten Erfahrungen auszuwerten. Ich richte deshalb hiermit die dringende Bitte an die ganze Wirtschaft, nun auch die Ruhe zu bewahren, die nötig ist, um Fehler und Mißerfolge zu vermeiden, vor allen Dingen aber auch um zu verhüten, daß das laufende Getriebe unserer Wirtschaft die geringste Störung erleidet. der Präsident des Reichsstandes der Deutschen Industrie, Krupp von Bohlen und Halbach, t>er gleichzeitig Führer der Hauptgruppe Bergbau, Eisen, Ersen- und Metallgewinnung ist, gab dann eine kurzen Rückblick auf das verflossene Jahr, in dem auch die Wirtschaft selbst versucht habe, an den Aufgaben weiter zu arbeiten, die sie sich selbst gestellt habe, und die darauf hinzielten, die Aufblähung der Organisation zu beseitigen. Die Führer der Wirtschaft versprachen, jeder an seiner Stelle, mit allen Kräften mitzuarbeiten. Die neue Frühjahrsoffensive gegen die Arbeitslosigkeit werde durch die Grundlagen zur Einheit der deutschen Wirtschaft wesentlich erleichtert. Oer Gesamtführer der deutschen Wirtschaft Keßler egonnen. Es sind ihr Rückschläge wider- Der Aufbau der neuen Organisation Dr. Schmitt spricht zu den Mrtschastssührern Gruppe 7: Nahrungsmittelindustrie. Führer: eine starke Führung, die wie von einem Magneten Kunst und Wissenschaft. Zum 80. Geburtslage Emil von Behrings. Gruppe 11: Versicherungen. Führer: Hilgard, Allianz- und Stuttgarter Verein. Organischer Wittschastsausbau. Die deutsche industrielle Wirtschaft ist eine viel- gestalttge Erscheinung. Von der Schmiedewerkstätte bis zur Maschinenbaugesellschaft, vom Kleinhändler bis zum Warenhaus, vom Fuhrunternehmer bis zur Großreederei, vom Einzelkaufmann bis zur Großbank, vom Kohlenhändler bis zum Kohlen- lfyndikat gibt es unendlich viel Spielarten, Gegensätzlichkeiten, gemeinsame Sorgen und gemeinsame Hoffnungen. Die moderne deutsche Wirtschaft hat vor etwa 100 Jahren ihren Weg aus dem Klein- verantworlungsbewuhte, tüchtige, das Reich Adolf Hitlers bejahende Männer müssen die Führung übernehmen und damit in den Stand gesetzt werden, die Entscheidungen zu treffen, die sie im Interesse des Ganzen für richtig Gruppe 8: Handwerk. Führer: Reichshandwerkführer Schmidt, Berlin. und Hausgewerbe zur Fabrik und zur Grohunter nehmung Di werden. Ohne ehrlichen Konkurrenzkampf geht es nicht. Wenn die Form der privaten Wirtschaft ihre Daseinsberechtigung hat, so vor allen Dingen deshalb, weil sie in ihrem immer wieder jungen Ringen um die bessere Leistung alle Kräfte der wirtschaft frisch erhält und zu Höch st lei st ungen ansporn 1. Das entspricht dem nationalsozialistischen Leistungsprinzip und ist Voraussetzung fü rdie Wiedergewinnung unseres Wohlstandes, sei es auf dem Binnenmarkt oder auf dem Weltmarkt, auf den wir als hochindustrialisierte» Land angewiesen sind. Gerade das Ausmaß unseres A u v l a n d a b s a h e s wird immer abhängig sein von der Qualität der Waren, von ihrem Preis, aber auch von der Tüchtigkeit unserer Außen- handelskaufleute. Wir wollen aber mit diesem Grundsatz den anderen hallen, gestützt auf den eben so denkenden Führerrat, Männer, die sich nie von den Sonderinteressen ihres Eigenbetriebes, sondern von den Erfordernissen des Ganzen leiten lassen. Der Führer verwaltet sein Amt ehrenamtlich und soll lebendig mit der Wirtschaft verbunden, d. h. er soll s e l b st Führer eines Unternehmens sein, hat er im Einzelfalle die Macht, allerdings damit auch die Verantwortung für eine Entscheidung, so soll er auf der anderen Seite nicht losgelöst sein von der Auffassung der Unternehmungen, die er zu führen hat. Einmal im Jahre muh er, wie sein Führerrat, sich das Vertrauensvotum derer holen, die er zu führen hat. Auf dieser Linie, meine Herren, so hoffe ich sehn- lichst, wird der deutschen Wirtschaft eine Organisation gegeben, die ihr das Eigenleben ihrer Unternehmungen und ihrer Führer läßt, die sie aber auf der anderen Seite trotz Konkurrenzkampf zu loyaler Kameradschaft zusammenschließt und unter starker Führung für alle großen Aufgaben aktionsfähig macht. Dabei scheint es mir besonders wichtig, daß schon bald die Frage der Heranbildung des zukünftigen Führerkorps angepackt wird. Wir haben heute brave alte Kämpfer mit fester nationalsozialistischer Weltanschauung, wir haben tüchtige Wirtschaftler, aber wir haben leider nicht oft genug beides vereint. Hier liegt eine der wichtigsten Aufgaben der nächsten Jahre. Aus meiner Grundeinstellung heraus halte ich Kartelle, wie überhaupt Preisbindungen, für unerwünscht. Trotzdem werden wir auch in Zukunft nicht ohne Preisbindungen, ja sogar in einzelnen besonders gelegenen Wirtschaftszweigen nicht ohne Quotenbindungen auskommen können. Aber das scheint mir sicher, daß ein tüchtiger Führer viel eher als bisher auch ohne Preisbindung die erwünschte Ordnung wird durchsetzen können. Der Aufbau soll aus dem historisch Gewordenen herauswachsen. Ich habe deshalb nicht die fertige Zukunftsorganisalion als Patentlösung Der neue Führer des Gesamtverbandes der deutschen Wirtschaft. Der zum Führer des Gesamtoerbandes der Deutschen Wirtschaft ernannte Philipp Keßler ist Rheinpfälzer und steht im 46. Lebensjahr. Er hat Maschinenbau und Elektrotechnik studiert und sich im Inlands und Auslande auf dem Gebiete der Elektrotechnik mit großem Erfolge betätigt. Wahrend des Krieges war er als Artillerieoffizier an der Westfront. Nach dem Kriege war er als leitender Ingenieur in den Siemens-Schuckert- Werken tätig und wurde 1931 Vorsitzender des Vorstandes der Bergmann-Elektrizitätswerke AG. Seit 1933 ist er Vorsitzender des Reichsfachverbandes der Elektroindustrie. Keßler hat sich durch sein ungeheures Wissen und seine im In- und Auslande erworbenen praktischen Kenntnisse in Wirtschaftskreisen einen namhaften Ruf erworben und ist bei Arbeitnehmern und Arbeitgebern als ausgezeichneter Kenner der deutschen Wirtschaft gleich beliebt. Gruppe 12: Verkehr. Führer: Ernennung steht noch aus. Die 32 Untergruppenführer werden von den Hauptgruppenführern im Einvernehmen mit dem Reichswirtschaftsminister besttmmt. Des weiteren gilt es, die Fach - und Untergruppen abzugrenzen, die die Einheiten der zukünftigen Organisationen bilden sollen, sowie gewisse 'Bestimmungen der Satzungen, insbesondere über Ehrengerichtsbarkeit, Zwangsmitgliedschaft und Führergrundsatz. Die Industrie- und Handelskammern sollen, wie bisher, das örtliche Zusammenwirken der Handels- und Jndustrieunterneh- mungen fördern, vor allen Dingen im Hinblick Reichswirtschastsminister Dr. Schmitt verkündet das Gesetz zur Vorbereitung des organischen Aufbaues der Wirtschaft. auf ein Ziel gerichtet ist, auf dos Wohl des tu%er tp m i ö t, Berlin Ganzen, auf den Dienst an Volk und Vaterland. ^.s^ppe 9: Handel Führer: Handelskammer- Hieraus ergibt sich die Forderung, daß alle Unter- President L u e r , Frankfurt a. M. 1 « . r . > . , . fUriiMMA 1 I I • »W n m r Art im n urnXil CfT •".L.. fr • erklärte über die Gestaltung seines Arbeitspro- gramms u. a.: Im Spitzenverband der Industrie werde die Riesenzahl von kleinen, mittleren und großen Betrieben über ihre Fachgruppen und die landwirtschaftlichen Verbände zu wirklicher, fachlicher und regionaler Zusammenarbeit gelenkt. Ein jeder Betrieb wisse küniftig, wo er hingehöre, wo er sich Rat und Unterstützung holen könne, aber auch wo er ausnahmslos seine wertvolle Kraft mit denen anderer Betriebe zu edler Gemeinschaftsarbeit im Sinne des Nationalisvzralismus zu vereinen verpflichtet sei. Diese Gemeinschaftsarbeit über die Industrie hinaus auf die übrigen großen Zweige der Wirtschaft auszudehnen und sie in gemeinsamer, ober st er Führung sicherzustellen, sei die wertvollste aus der Praxis geborene Seite der verkündeten Neuordnung. Gütererzeugung, Güterverteilung und handwerkliche Verwendung von Rohstoffen, Halb- und Fertigfabrikation seien so schicksalsverbunden, daß die in der Vergangenheit aufgetretenen Friktionen nicht verstanden werden könnten. Die trennenden Disharmonien der Vergangenheit zwischen den großen Wirtschaftszweigen gelte es zu beseitigen. Im Vordergrund der Aufgaben stünde das Problem der weiteren Verminderung des Arbeitslosenheeres. Bei der Größe unserer Bevölkerunaszisfer, bei der Enge unserer Grenzen und unseres Bodens könnten die Millionen deutscher Menschen auf die Dauer nur Arbeit bekommen, wenn es gelinge, den erheblichsten Teil der leeren Arbeitsplätze in den Betrieben zu besetzen. Mit der Hebung der Beschäftigungsziffer sei zwangsläufig eine Vergrößerung der Einfuhr verbunden. Die Devisenlage verlange eine wesentliche Vermehrung der deutschen Ausfuhr, der durchgreifende finanzielle und handelsvertragliche Erleichterungen verschafft werden müßten. Zum zweiten werde der natürliche Fluß der Arbeitsbeschaffung sofort gehoben, wenn die Betriebe von Steuern und Abgaben ent» lastet würden. Eine Wirtschaft ohne Ertrag könne auf die Dauer nicht den Menschen beschäftigen. Neben der Kaufkraft des einzelnen müsse die der Betriebe gehoben werden. Das zeige die Autoindustrie, die durch die fühlbare Entlastung zu einer wundervollen Belebung gebracht wurde. Drittens aber sei es wichtig, daß die Schaffung dem Ausland überlegener Qualitätserzeugnisse, die Entwicklung neuer Konstruktionen, die technisch-wissenschaftliche Forschung mit erhöhter Kraft betrieben würden. Die Mittel hierfür bereitstellen, heiße, auf lange Sicht der größtmöglichen Zahl von Menschen Arbeit und Brot schaffen. freiwillige war und Beschlüsse nicht immer leicht durchzuführen waren. Lediglich die Kartelle, die Reichswirtschaftsminister Dr. Schmitt als eine zur Zeit stellenweise notwendige Einrichtung ansieht, besitzen größere Vollmachten, ebenso die Innungen. Dagegen sind Handels- und Handwerkskammern zwar öffentlich-rechtliche Körperschaften, aber in ihren Wirkungsmöglichkeiten beschränkt. Während auf gesetzlicher Grundlage der Nährstand sich bildete, während die Kulturberufe in der Kulturkammer zusammengefaßt und die Arbeitsfront geschaffen wurde, gingen die Arbeiten über einen organischen Aufbau der deutschen Wirtschaft weiter. Wie der Reichswirtschaftsminister in seiner klugen und wohlabgewogenen Rede ausführte, ist diese Neugliederung noch nicht der ständische Aufbau s e l b st. Nach dem Willen des Reichskanzlers ist diese Frage der Entwicklung vorbehalten. Wohl aber tritt nun eine einheitliche Gliederung ein, auf Fachgruppen gestützt, die sich auch in Landesgruppen aufteilen können. Jeder Betrieb muß sich als Mitglied anmelden. An die Spitze tritt der Führer des betr. Wirtschaftszweiges, dem ein Führerrat beigegeben wird. Das Führerprinzip schließt nicht aus, daß der Führer der Fachgruppe sich alljährlich dem Votum der Mitgliederversammlung zu stellen hat. Die letzte Entscheidung liegt aber beim Reickswirtschaftsminister. Dieser ernennt auch die oberste Führung der Gesamtorganisation. Die vorhandenen Verbände sollen sich organisch eingliedern, aber der Minister hat auch hier das Recht der Anerkennung, Auflösung oder Zusammenfügung der Vereine. Erst nach der Durchbildung des ganzen Aufbaus die keineswegs überstürzt werden soll, kommt eine gesetzliche Festlegung in Frage. Der Reichswirtschaftsminister schloß seine Ansprache an die Vertretungen der Wirtschaft mit der Mahnung: „Bauen Sie das Haus!" Es soll einer neuen wirtschaftlichen Blüte dienen, soll in die Berufe bei voller Anerkennung des Satzes vom „freien Spiel der Kräfte" einen neuen Geist hineintragen, der einen edlen Wettbewerb kennt, aber unerfreuliche Erscheinungen vermeidet, der auch ein neues Führerkorps schafft, damit der politische Mensch mit dem wirtschaftlich geschulten Kopfe zu einer Einheit sich gestalten kann. nehmungen in Zukunft notwendigerweise i h r e n ! 10: Banken und Kredit. Führer: Fi Fachgruppen angehören müssen, um sich ' ____ den Interessen des Ganzen unterzuordnen und sich daneben den aufzustellenden Grundsätzen loyaler und anständiger Konkurrenz zu unterwerfen. Hierüber werden Ehrengerichte zu entscheiden haben. Ihre Besetzung muß so gestellt sein, daß Fachkenntnisse auf der einen Seite und völlige Unabhängigkeit auf der anderen Seite gewährleistet ist. Es wird unerläßlich sein, daß der mit dem autoritären Staat in den Vordergrund geschobene Führergedanke verwirklicht wird. Was im Interesse des Ganzen notwendig ist, kann nicht an der Kurzsichtigkeit einer Mitgliederversammlung scheitern. fahren, aber sieghaft hob sie sich empor, gestützt auf eine zuverlässige Arbeiterschaft, auf die Erfindungsgabe der Techniker, den Wagemut der Kaufleute und Unternehmer. Damit erhob aber auch die soziale Frage ihr Haupt, wuchsen die Millionenheere der Handarbeiter, bildete sich der neue Mittelstand der Angestellten, alles in allem jedoch war diese Entwicklung mit wachsendem Wohlstand verbunden. Deutschland wurde ein Hauptarbeitsplatz der Welt, seine Waren eroberten sich immer neue Märkte, brachten Arbeit und Gewinn in Stadt und Land. Mit der Wirtschaft entwickelt sich auch eine weitverzweigte Organisation, die teils wirtschaftlichen oder__ sozialpolitischen Zielen dienstbar wurde. Auch dieser Vorgang war regional bedingt oder von einzelnen Fachgruppen bestimmt, also im Ganzen recht verschieden. Neben den Innungen als gesetzliche Einrichtungen bestanden zahlreiche Arbeitgeberverbände, die auch das Handwerk erfaßten, neben den Fachgruppen der Industrie entstanden zentrale Gliederungen wie einst der Zentralverband und dann der Bund der Industriellen. Die Gründung des Reichsverbandes der Industrie schuf wenigstens eine gemeinsame Spitze aller industriellen Interessen, wie auch die Handelsbetriebe, das Handwerk und die verwandten Berufe der gewerblichen Wirtschaft sich fester zusammenschlossen. Die Vielgestaltigkeit blieb aber bestehen, auch nachdem die Beseitigung der Gewerkschaften zur Auflösung der reinen Arbeitgeberverbände führte. Es war ein gewisses Nebeneinander vieler Vereinigungen eingetreten, die sich nicht immer auf einen gemeinsamen Nenner bringen ließen, die aber vor allem ohne entscheidenden Einfluß blieben, da die Mitgliedschaft in den Verbänden eine 80 Jahre sind verflossen seit dem Tage, an dem in Hansdorf (Westpreußen) der 1917 verstorbene Entdecker des Diphtherie-Heilserums, Emil von Behring, geboren wurde. Nach einer entsagungsvollen Kindheit, die er mit zehn Geschwistern verbrachte, trat Behring in das Gymnasium zu Hohenstein ein. Das Studium wurde ihm von mildtätigen Gönnern ermöglicht, denen die große Begabung des Knaben aufgefallen war. Nach mehrjähriger Praxis in verschiedenen Garnisonstädten gab er die militärische Laufbahn ,fU» gunsten der akademischen auf, wurde 1894 Professor der Hygiene und Bakteriologie in Halle und im darauffolgenden Jahr in Marburg, wo ihm ebenfalls die Leitung des hygienischen Instituts übertragen wurde. Mit dieser Tätigkeit verband er bis zu seinem Tode die Führung der von ihm elbst begründeten Forschungsstätten, die unter dem Namen Behring-Werke bald Weltberühmtheit erlangen sollten. Als er am 31. März 1917 verbinden, daß dieses freie Spiel der Kräfte ein ... . gesundes u nd geordnetes fein muh, durch Brauereidirektor Sch ule r, Dortmund. auf die gegebenen besonderen wirtschaftlichen Ver-. starb, trauerte um ihn die gesamte Welt; sie verlor haltmsse ihres Bezirkes dem Jntereisenausgleich m ihm einen ihrer größten Wohltäter, dem Millio- "lenen. neu von Menschen ihr Leben verdanken. Er war Berlin, 13. März. (DNB.) Reichswirtschaftsminister Dr. Schmitt hielt im Reichswirtjchafts- rat vor Vertretern der Industrie, des Handels, des Handwerks, des Reichsnährstandes und aller übrigen an der Wirtschaft beteiligten Kreise einen Vortrag über das Gesetz zur Vorbereitung des organischen Aufbaues der deutschen Wirtschaft. Er führte u. a. aus: Am 27. Februar hat mich die Reichsregierung durch die Annahme des Gesetzes zur Vorbereitung des organischen Aufbaues der deutschen Wirtschaft ermächtigt, soweit erforderlich im Zusammenwirken mit den zuständigen Ressortministern, W irisch a f t s v e r b ä n d e als alleinige Vertretungen ihrer Wirtschaftszweige anzuerkennen, zu errichten, zu vereinigen, aufzulösen, ihnen Satzungen zu geben, Führer zu bestellen und abzuberufen und endlich Unternehmungen an die Verbände anzuschließen. Ich glaube, die ganze Wirtschaft wird es be- arüßen, wenn nunmehr auf ihrem gesamten Gebiet organisatorisch Klarheit geschaf- f e n wird. Ich möchte hier gleich vorweg bemerken, dqß es sich bei den bevorstehenden Maßnahmen nicht um die Frage des ständischen Aufbaues handelt. Sie wissen, daß der Führer die Lösung dieses Problems bewußt zurückgestellt hat, da er mit Recht der Meinung ist, daß der ständische Aufbau sich erst allmählich aus der Entwicklung der Dinge herausgestalten wird. Die uns gestellte Aufgabe beschränkt sich lediglich darauf, das Gebiet der Wirtschaftsführung organisatorisch mit der heutigen Staatsauffassung in lieber» einstimmung zu bringen. Auf keinen Fall wollen wir das tausendfältige Eigenleben unserer wirtschaft zerstören. Wir brauchen auch in Zukunft den selb- st ä n d i g e n Unternehmer, der mit seinem Unternehmen auf Gedeih und Verderb verbunden ist. Wer ein Unternehmen führt, muh die Verantwortung tragen. Die guten Taten sollen sich auch für den auswirken, der sie vollbrachte, und die schlechten sollen nicht auf dem Rücken anderer ausge- tragen werden können. Auch in Zukunft soll wirtschaftlich weiter gekämpft Der Reichswirtschaftsminister gab dann die Gliederung der Organisation der gewerblichen I Wirtschaft bekannt. Zum Führer der Gesamtorganisation ernannte er Philipp Keßler, Führer des Reichsverbandes der Elektroindustrie, zu seinem Stellvertreter Graf von Goltz, Stettin. Es werden folgende 12 Hauptgruppen gebildet: Gruppe 1: Bergbau, Eisen und Metallgewinnung. Führer: Krupp von Bohlen und Halbach, Essen. Gruppe 2: Maschinenbau, Elektrotechnik, Optik und Feinmechanik. Führer: Staatsrat Blohm, Hamburg. Gruppe 3: Eisen, Blech- und Metallwaren. Führer: Erich Hartkopf, Solingen. Gruppe 4: Steine und Erden, Holz, Bau, Glas und keramische Industrie. Führer: Dr. V o e g l e r , Dortmund. , Gruppe 5: Chemie, technische Oele und Fette, Papier und papierverarbeitende Industrie: Führer: ! Handelskammerpräsident Pietzsch, München. Gruppe 6: Leder, Textilien und Bekleidung. Führer: Gottfried Dierig, Langen-Bielau. Oer Staatsstreich in Estland. Das kleine Estland mit seinen wenig über eine Million Einwohnern hat sich nun auch eine große staatspolitische Sensation geleistet, die Regierung hat plötzlich den Kriegszustand gleich auf sechs Monate verkündet, die ganze Exekutive also in die Hände des Militärs gelegt und die Führer der Freiheitsbewegung verhaften lassen. Der Durchschnittseuropäer ist über die innerpolitischen Vorgänge Estlands nicht so weit unterrichtet, daß er sich darunter überhaupt etwas vorstellen kann. Immerhin, von solchen Putschen läßt sich wohl der Anfang, aber nie das Ende bestimmt erkennen, und deshalb ist es notwendig, daß man sich etwas eingehender mit der Vorgeschichte befaßt. Die Freiheitskämpfer waren ursprünglich ein Verein der aktiven Teilnehmer an dem Unabhängigkeitskriege gegen Sowjetrußland, der von 1918 bis 1920 dauerte. Sie haben in den letzten Jahren aus den Kreisen der jüngeren Generation starken Zuzug bekommen, so daß sie heute etwa als eine e st nische jungnationale Bewegung mit starkem faschistischen Einschlag zu bezeichnen sind. Sie haben sich in den politischen Wahlkampf gestürzt und dabei im vergangenen Jahr taktisch und sachlich beachtliche Erfolge erzielt. Ihr Programm geht auf eine erhebliche Machterweiterung der Exekutive. Die alten Parteien wollten ihnen den Wind aus den Segeln nehmen, indem sie von sich aus eine Verfassungsreform durch Verstärkung der Rechte des Präsidenten vorsahen. Die Freiheitsbewegung aber bekämpfte dieses Gesetz und brachte es auch mit Hilfe der Sozialdemokraten zu Fall, um dann unmittelbar darauf ihr eigenes sehr viel weitgehenderes Volksbegehren durchzusetzen. Gleichzeitig hat sie bei den Stadtverordnetenwahlen mit gutem Erfolg gearbeitet und in den drei größeren Städten Reval, Dorpat und Narwa die Mehrheit erobert. Für den kommenden Monat ist die Wahl des Parlaments und die Wahl des Staatspräsidenten in Aussicht genommen. Die Freiheitskämpfer glaubten, daß ihnen auch hier der Erfolg treu bleiben würde. Wenn jetzt die staatlichen Machtmittel gegen sie eingesetzt werden, so liegt zunächst die Vermutung nahe, daß die Parteien, die nach wie vor auf den Parlamentarismus schwören, sich dieses unbequemen Konkurrenten durch eine solche Operation entledigen wollen. Es ist auch nicht recht glaubhaft, daß eine Partei, die mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit auf den Sieg rechnete, sich kurz vorher ihre Aussichten durch einen gewaltsamen Putsch zu- nicht macht. Ausgeschlossen allerdings nicht, denn die Kraftzentren der Freiheitsbewegung lagen hauptsächlich in den Städten. Es wäre immerhin denkbar, daß aus dieser Erkenntnis heraus die Führung mit dem Plan umgegangen ist, durch einen Gewaltstreich auch ohne die Wahlen oder vor den Wahlen sich die Macht zu sichern. Was daran richtig ist, kann sich erst zeigen, wenn die estnische Regierung ihre Beweise vorlegt. Einstweilen ist jedenfalls durch die Verhaftung aller Führer die Freiheitspartei in Verwirrung gebracht. Fragt sich nur, ob sie sich mit diesem Schicksal abfindet oder nachträglich doch den Versuch macht, sich der Staatsautorität zu widersetzen, trotz der an sich nur geringen Aussichten. Der ganze Vorgang ist aber Zeichen dafür, wie stark der Widerstand gegen das überlebte parlamentarische System sich überall geltend macht, und er ist außenpolitisch beachtlich, eben weil Estland unter dem Schatten Rußlands lebt und irgendwo Anschluß suchen muß, wenn es auf die Dauer seine Selbständigkeit retten will. Oer Llebergang zur Oiktatur. Bor der Auflösung des Parlaments. Reval, 13. März. (DNB.) Die Haussuchungen bei i>en estnischen Freiheitskämpfern wurden auch am Dienstag fortgesetzt. Lis jetzt sollen etwa 300 Verhaftungen erfolgt sein. Der Aeltestenrat des Parlaments beschloß, dasPar^amentam Freitag nach Annahme des Staatshaushalts, die in einer Sitzung in drei Lesungen erfolgen soll, a u f z u l ö - s e n. Da kaum anzunehmen ist, daß die für den April angesetzten Präsidenten- und Paria m e n t s w a h l e n bei der gegenwärtigen Lage stattfinden, ist mit einer längeren parlamentslosen Zeit zu rechnen. In dieser Zeit wird der jetzige Staatsälteste P ä t s mit den Vollmachten eines Staatspräsidenten die Regierung führen. Den verhafteten Führern der Freiheitskämpferverbände wird Vorbereitung eines bewaffneten Aufstands vorgeworfen. Man nimmt an, daß sich die Untersuchung sehr in die Länge ziehen wird, so daß mit dem Prozeß gegen die Freiheitskämpfer erst in einigen Monaten zu rechnen ist. Es sind im übrigen nicht nur die Organisationen der Freiheitskämpferbewegung geschlossen worden, sondern auch sämtlichen politischen Parteien ist jede Tätigkeit verboten worden. Insbesondere dürfen keinerlei politische Versammlungen stattfinden. Einstweilen ist es nirgends zu Ruhestörungen gekommen. Die Regierung, die diktatorische Gewalt ausübt, fühlt sich vollkommen als Herrin der Lage. Sie beabsichtigt, das estländische Militär von allen Anhängern der Freiheitskämpferbewegung zu reinigen. Die von der Garnison angeforderten Militärposten sind wieder zurückgezogen worden. es gewesen, der durch sgine Entdeckung des Diphtherie-Heilserums nicht nur zahllose Kinder vor dem sicheren Tode bewahrte, sondern auch durch seine geniale Tat das Fundament für eine ganz neue Heilmethode legte. In der Bergmann- schen Klinik in Berlin wurden Weihnachten 1891 die ersten Kinder vom sicheren Tode gerettet. Im gleichen Jahre fand Behring, zusammen mit dem Japaner K i t a s a t o , das Tetanus- Serum, das im Weltkriege seine Feuerprobe glänzend bestehen sollte, indem es Hunderttausende von verwundeten Soldaten vor dem qualvollen Tode an Wundstarrkrampf bewahrte. Bund deutscher Kunstvereine. Der im Jahre 1909' gegründete Verband deutscher Kunstvereine ist als selbständige Fachschaft unter der Bezeichnung Bund deutscherKun st vereine in die Reichskammer der bildenden Künste einge- gliedert worden. — Zum Bundesvorsitzenden wurde gewählt und bestätigt der Oberbürgermeister von Halle (Saale) Dr. Weide mann, geschäftsführendes Vorstandsmitglied ist Hofrvt Erwin Pixis (München). Außerdem gehören dem Vorstand an: der Syndikus des Deutschen Städtetages Stadtver- ortmeter Dr. Otto Benecke (Berlin), Fabrikant A. W. Fahren holz (Magdeburg) und der Direktor der Städtischen Sammlungen, Stadtrat E. Stahl (Nürnberg). Tagung des fachwissenschaftlichen Ausschusses des Reichsverbandes Deutscher Dentisten in München. Der Reichsführer der deutschen Dentisten Schaeffer, Schwandorf, eröffnete die Tagung des fach- wissenschaftlichen Ausschusses des Reichsverbandes Deutscher Dentisten, der die Ausbildung des Dentisten in den ständischen Aufbau des nationalsozialistischen Staates einzugliedern und dafür zu sorgen hat, daß die Aus- und Fortbildung der Dentisten dem Staate etwas Wertvolles bringt. Neben der Fürsorge für das Ausbildungswesen dient der fach- wissenschaftliche Ausschuß dem Kamps gegen die Zahnverderbnis durch Kariesforschung und prophylaktische Kariesbekämpfung. Dieser festeren wird auch das Ausstellungswesen des Reichsverbandes dienstbar gemacht werden. Aufklärungsfilme und Aufklärungsschriften werden im Kampf gegen die Zahnverderbnis eingesetzt werden und auch den Ernährunasfragen wird der fachwiffenfchaftliche Ausschuß seine Aufmerksamkeit schenken, wie er auch das Rasseproblem in sein Blickfeld rücken wird. Die Fragen Paradentose-Paradentitis und Fokalinfektion werden behandelt werden. Die Heranbildung eines Stabes von Vortragenden, die Erstattung von Gutachten, die Prüfung von Neuerungen, von Erfindungen und Behandlungsmethoden werden dem fachwissenschaftlichen Ausschuß obliegen. Osler-Schachturnier in Bad Ems. Am Gründonnerstag beginnen die alljährlich stattfindenden O st er-Schacht urniere in Bad Ems, während dessen der Landesleiter die über den ganzen Landesverband Mittelrhein sich erstreckende Neuorganisation verkünden wird. Mitglieder des Landesverbandes Mittelrhein und alle deutschen Schachfreunde treffen sich an Ostern in Bad Ems. Aus aller Welt. Tlv. 197 054 gewinnt das große Los. Das große Los ist am Mittwoch früh gezogen worden und traf auf die Nummer 197 054. In der ersten Abteilung entfällt die Glücksnummer als Achtellos nach Berlin, in der zweiten Abteilung als Einachtellos nach Sachsen. Blutiges Llebesdrama in Nierstein. In Nierstein a. Rh. ereignete sich eine blutige Liebestragödie, der zwei Menschenleben zum Opfer fielen. Der 21 Jahre alte Georg Jtzstein, der seit einiger Zeit mit der 19jährigen Schneiderin Lustenberger ein Liebesverhältnis unterhielt, das von den Eltern des Mädchens nicht gebilligt wurde, erschien am Dienstagmorgen in der Wohnung seiner Geliebten, angeblich um eine Aussprache herbeizuführen; als die Mutter des Mädchens von der Frühmesse nach Hause kam, schoß der junge Mann ohne weiteres die 52 Jahre alte Frau nieder. Darauf feuerte er auf das Mädchen und brachte sich schließlich selbst einen Schuß in den Kopf bei. Das Mädchen war sofort tot. Die Mutter und der junge Mann wurden in das Krankenhaus nach Mainz gebracht, wo die Frau im Operationssaal starb. Ob der Täter mit dem Leben davonkommen wird, ist noch ungewiß. — Jtzstein scheint sich schon lange mit der Absicht getragen zu haben, dem Verhältnis Vom Lustwiderstander Kraftwagen. Bemerkungen zur Berliner Krastwagenauöstellung. rZon Max Fischer. Nachdruck verboten! Wie die Eisenbahn so haben auch die Kraftwagenbauer die Erfahrung gemacht, daß bei den heutigen hohen Geschwindigkeiten der Luftwiderstand eine erhebliche Rolle spielt; oder mit anderen Worten, daß man mit derselben Betriebsstoffmenge bei windschnittigen Wagen eine größere Geschwindigkeit erzielen oder bei derselben Geschwindigkeit mit weniger Betriebsstoff auskommen kann. Diese Erkenntnis wird man — wie schon auf der vorigen Ausstellung — in diesem Jahre in erhöhtem Maße in die Tat umgesetzt sehen. Um einen Begriff zu geben, wie sehr die Form eines bewegten Gegenstandes den Luftwiderstand beeinflußt, wollen wir eine runde Platte senkrecht zu ihrer Fläche mit 100 Kilometer Geschwindigkeit durch die Luft bewegen, deren Größe dem Querschnitt eines Kraftwagens entspricht. Nehmen wir an, sie habe den Widerstand 100: Dann hat ein gewöhnlicher Kraftwagen etwa die Hälfte, ein stromlinienförmiger Körper aber nur den Widerstand 6,3, ein dem Luftwiderstand in seiner Form angepaßter Kraftwagen etwa den Widerstand 28. Man sieht also, daß durch die Anpassung der Form allerhand Betriebsstoffersparnisse erzielbar sind. Nun wird zwar immer gesagt, die Stromlinienform werde erst bei einer Geschwindigkeit von 80 Kilometer in der Stunde vorteilhaft, weil ja der Luftwiderstand dreimal schneller wächst als die Geschwindigkeit. Er ist also bei Geschwindigkeiten unter 80 Kilometer noch verhältnismäßig gering. Dabei ist aber zu bedenken, daß ja zur Geschwindigkeit des Wagens bei Gegenwind auch die Windgeschwindigkeit hinzuzuzählen ist. Beträgt diese z. B. 5 Meter in der Sekunde, — das ist durchaus noch kein sehr schlimmer Wind — so kommen fast 20 Kilometer dazu. Ein mit 60 Kilometer Geschwindigkeit fahrender Wagen hat also dann in bezug durch eine Gewalttat ein Ende zu machen. Bereits seit mehreren Tagen fiel es den Nachbarn auf, daß sich Jtzstein morgens in verdächtiger Weise um die Wohnung des Mädchens herumtrieb. Als am Dienstag der Vater des Mädchens nach seiner Arbeitsstätte gegangen war, drang Jtzstein, mit zwei Re- Doloern bewaffnet, in das Anwesen ein. Das Mädchen flüchtete, wurde aber von dem Mörder im Hofe eingeholt, wo er es durch einen Herzschuß sofort tötete. Darauf begab sich Jtzstein in das Haus und suchte die Mutter, die er in der Küche fand. Nachdem er auch die Frau niedergeschossen hatte, brachte er sich einen Schuß in den Kopf bei. Der Arzt Dr. Zimmer und ein Polizeiwachtmeister fanden die Mutter und Jtzstein in hoffnungslosem Zustand auf. Sturm und Hochwasser an der ligurischen Küste. An der gesamten ligurrschen Küste herrschte in den letzten Tagen, wie aus Mailand gemeldet wird, orkanartiger Sturm und Hochwasser. Die Schiffe in den Häfen muhten besondere Sicherheits- vorkebrungen treffen und die Ankerketten verstärken. In Savona riß sich ein Motorschiff los und zerschellte an der Mole. Verschiedenen auf hoher See befindlichen Schiffen mußte vom Hafen aus unter größten Schwierigkeiten Hilfe gebracht werden. Die elektrische Zentrale bei Ventimiglia, die die Eisenbahnlinie Ventimiglia—Genua mit Strom versorgt, fing aus unbekannten Gründen Feuer. Die Eisenbahnzüge auf den elektrisch betriebenen Bahnen haben riesige Verspätungen, weil durch den Sturm die elektrischen Leitungen an vielen Stellen beschädigt worden sind. Man hat bis zur Behebung der Schäden aushilfsweise Dampflokomotiven ein- auf die Luft schon 80 Kilometer Geschwindigkeit. Man wird also zweckmäßig die Stromlinienform auch schon bei geringeren Geschwindigkeiten anwenden. Zuerst setzte man den Luftwiderstand nur dadurch herab, daß man die Windschutzscheibe nach hinten neigte. Wirkungsvoller war natürlich das Tieferlegen des ganzen Wagenkastens, weil sich dadurch der dem Wind entgegenstehende Querschnitt des Wagens erheblich vermindert. Weniger wirksam ist das Schrägstellen des Kühlers und der Schlitze in der Motorhaube, besonders wichtig aber ist ein spitzes Wagenende, damit die Lust hinter dem Wagen wieder ohne Bildung eines Unterdrucks und von störenden Wirbeln zusammengeführt wird. Die Vermeidung aller vorstehenden Teile vermindert den Luftwiderstand beträchtlich. Man wird deshalb zu B. die Winker nicht außen am Wagen anbringen dürfen, sondern sie in eingeklapptem Zustand in Winkertaschen verschwinden lassen; ebenso müssen die Laternen eingebaut werden. Quer zur Fahrtrichtung stehende Nummernschilder erhöhen den Luftwiderstand beträchtlich. Die Bestimmungen hierüber müssen geändert werden. Die tiefe Lage des Wagenaufbaues hat natürlich auch beträchtliche Schattenseiten. Die Wagenkasten liegen zum Teil heutzutage so tief, daß man mit den Wagen auf schlechten Wegen nicht mehr fahren kann, über Gräben überhaupt nicht. Bei Straßenausbesserungen und den damit verbundenen Umleitungen wird dies vielfach unangenehm fühlbar. Es kommt z. B. vor, daß Oel enthaltende Teile beschädigt werden, so daß das Oel ausläuft und man mit dem Wagen feftfitzt. Das ist natürlich sehr unangenehm, ganz abgesehen von den in solchen Fällen gewöhnlich sehr hohen Instandsetzungskosten. Besonders störend ist es, daß man bei Hinterradantrieb die Antriebswelle bei der tiefen Lage des Wagenaufbaues nicht mehr unter dem Wagen entlangführen kann. Das zwingt dann entweder dazu, daß man die Welle in einem Wellentunnel durch den Wagenkasten hindurchführen muß, was für die Insassen sehr unbequem ist, oder daß man die Vorderräder antreiben oder den Motor in das Heck verlegen muß. Der Heckmotor hat den großen Nachteil, daß man ihn beim Fahren nicht so gut mit den Ohren gestellt. An der neuen Küstenftraße Savona—Al- bissola ist eine große Lawine niedergegangen, die den Verkehr völlig stillegte. In Finale wurde ein Mann, der am Ufer stand und die Wellen betrachtete, von der Gewalt des Windes in das Meer geschleudert, wo er ertrank. Auch in Genua ist das Meer stellenweise weit über die Straßen bis an die Eisenbahndämme herangetreten. Stürmische lleberfahrt der „Verengaria". — Rückreise nach USA. mit Gold, Silber und Schnaps. Der Dampfer „Berengaria" traf am Dienstagabend nach einer stürmischen Ueberfahrt mit starker Verspätung aus Neuyork in Southampton ein. Am Sonntag wurde das große Schiff von riesigen Wellen dermaßen hin- und hergeworsen, daß zwei im Kassenraum eingebaute Stahlschränke von drei Meter Höhe und einem Gewicht von je zwei Tonnen losgerissen und umgestürzt wurden. Zahlreiche Möbelstücke und viel Geschirr wurde zerbrochen. Zehn Fahrgäste und ein Mann der Besatzung erlitten leichte Verletzungen. Heute Vormittag mußte das Schiff bereits wieder die Fahrt nach Neuyork antreten. Es nimmt 150 Kisten Gold im Werte von 1,50 Millionen Pfund Sterling, 2000 Barren Silber und 6000 Kisten Likör mit. Ein füdfranzöfifches Dorf von einem Erdrutsch bedroht. Das füdfranzöfifche Dorf Roquebillere i n d e n Seealpen, das erst im Jahre 1926 durch einen Erdrutsch teilweise zerstört worden war, steht e r - neut vor der ernften Gefahr, durch einen Erdrutsch verschüttet zu werden. Im Anschluß an die letzten schweren Regenfälle überwachen kann wie den vorn fitzenden Motor. Aber auch der Vorderradantrieb hat erhebliche Nachteile. Die Uebertragung auf die zum Steuern dienenden Vorderräder erfordern eine ziemlich verwickelte Bauart. Es feht daher nicht an Stimmen, die in dieser Richtung vor lieber» treibungen warnen, und der Ansicht Ausdruck geben, man solle die ganzen durch einen gesteigerten Wettbewerb in den letzten Jahren entstandenen verwickelten Bauweisen über Bord werfen und einmal wieder einen ganz einfachen und dadurch billigen Kraftwagen auf den Markt bringen. Vielleicht haben diese Stimmen gar nicht so unrecht, denn wenn man so manche Bauweisen ansieht, so ist die Anschauung nicht ganz von der Hand zu weisen, daß wir den Kraftwagen vielleicht doch schon in mancher Richtung überzüchtet haben. Medizinisches Weltbild vor 2003 ahren Wie unendlich fern von der heutigen Auffassung der Naturvorgänge vor zwei Jahrhunderten auch die Hochschulgebildeten waren, geht aus vielen Auszeichnungen jener Zeit deutlich hervor. Als bezeichnendes Beispiel dafür führt Dr. Vorwahl in der „Deutschen Medizinischen Wochen- schrift" die Chronik des Marienburger Bürgermeisters Samuel W i l h e l m i an, der von 1660 bis 1730 lebte. Wilhelmi hatte sich mit der ganzen Bildung seiner Epoche vertraut gemacht und zeigt die mannigfachsten Interessen, so auch für die Medizin. Dem modernen Leser fällt besonders auf, wie eifrig er Nachrichten von sonderbaren Himmelserscheinungen registriert. Das hat seinen Grund in dem Glauben an die Astrologie, der man noch immer huldigte. Man nahm die Einwirkung der Himmelskörper auf alle irdischen Vorgänge an und richtete danach nicht nur Ackerbau und Gartenbestellung, sondern auch die Behandlung menschlicher Krankheiten ein. Jedem der zwölf Tierkreisbilder schrieb man einen Einfluß auf bestimmte Glieder zu: der Widder beherrschte das Haupt, der Stier den Hals, die Zwillinge Schultern und Arme, der Krebs die Brust, der Löwe Herz und Lenden, während die Fische mit den Füßen in Zusammenhang gebracht wurden. So hieß es z. B., daß sich im Februar, wenn die Sonne in das Zeichen der Fische tritt, im Menschen der Schleim erneuert. wurden an den Bergen, die das Dorf umgeben, mehrere tiefe Risse festgestellt. Ein erster Erdrutsch richtete noch keinen Schaden an. Die Behörden haben sich aus Sicherheitsgründen genötigt gesehen, d i e Räumung des Dorfes anzuordnen. Kältewelle über Mexiko. Große Teile des mexikanischen Bundesgebiets wurden von einer Kältewelle heimgefucht, die schweren Schaden anrichtete. Allein in den Staaten Queretaro und Guanajuato beträgt der Ernteschaden mehrere Millionen Pesos. 13 Ueberlebende und 17 Tote vom „lomoffuru“ geborgen. Am Mittwochfrüh betrug die Zahl der geretteten Ueberlebenben des gekenterten japanischen Zerstörers „Tomotsuru" 13. 17 Leichen sind geborgen worden. Man hat jetzt mit Schneidbrennern den Schiffsrumpf aufgeschweißt. — Der verunglückte Zerstörer war ein ganz neuer Typ, auf den man große Hoffnungen setzte. Es sollten noch 16 Fahrzeuge gleicher Art demnächst auf Stapel gelegt werden. Drei Retter von „Karsten-Zentrum" zu SS.-Scharführern befördert. Die SS.-Männer Alexander Müller, Jakob R u f f e f und Johann Opielka , sämtlich aus Bebrek-Karf, die dem SS.-Sturm 4/III/23 Beuthen- Land angehören, sind zu SS.-Scharführern ernannt worden. Die drei Ausgezeichneten waren art den Bergungsarbeiten für die bei dem Unglück auf Karsten-Zentrum" eingeschlossenen Bergleute hervorragend beteiligt. Schwierige Rettungsaktion für die „Tfcheljuskin"-Vesahung. Die Regierungskommifsion für die Rettung der „Tscheljuskin"- Besatzung teilt mit, daß die Flugzeugbasis nunmehr von Kap Wellen nach Kap Wankarem verlegt worden ist, wo bessere meteorologische Verhältnisse herrschen. Der Flieger Ljapidewski hat am 10., 11. und 12. März drei Flüge unternommen, um Professor Schmidts Lager zu erreichen. Er mußte jedoch immer wegen Versagen des Motors umkehren. Heute will Ljapidewski von Kap Wankarem aus seine Flüge zum Schmidt- lager wieder aufnehmen. Der Dampfer „Stalingrad" ist in Oltjutorskoje an der Ostküste Kamtschatkas eingetroffen, wo er Flugzeuge und Brennstoffe löschte. Im Lager ist alles wohlbehalten. Die Eisorift hat fast aufgehört. Die geographische Lage war am 12. März 68,24,9 Grad nördlicher Breite und 137,17,3 Grad westlicher Länge. Ein rNuttermörder zum Tode verurteilt. Das Schwurgericht in Stettin verurteilte den 27 Jahre alten Autoschlosser Bernhard Rothenburg aus Stettin wegen Mordes in zwei Fällen und Unterschlagung zweimal zym Tode und zu drei Jahren Gefängnis. — Der Verurteilte hatte am 24. Dezember v. I. seine Mutter und seine Tante ermordet, um sich die Barmittel seiner Mutter anzueignen. Wettervoraussage. Mit dem Herannahen eines neuen kräftigen Tiefs werden die Winde nach Süden zurückdrehen. Dabei kommt es vorübergehend noch zur Aufheiterung, und die Temperaturen werden zum Ansteigen gebracht. Die zufließende milde Luft wird aber dann wieder zum Aufzug von Bewölkung führen und später auch Niederschlagstätigkeit einleiten. Aussichten für Donnerstag: Dunstig und bewölkt mit Aufheiterung, mild, aufkommende Niederschläge. Aussichten für Freitag: Im ganzen mildes und zeitweise regnerisches Wetter. Lufttemperaturen am 13. März: mittags 8,8 Grad Celsius, abends 3,7 Grad; am 14. März: morgens 3,4 Grad. Maximum 9,2 Grad, Minimum 0,6 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 13. März: abends 5 Grad; am 14. März: morgens 2,7 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 1% Stunden. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich sür Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. II. 34: 11 600. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K. G., sämtlich in Gießen. Deshalb soll man in dieser Zeit feuchte Speisen vermeiden. Wer Gänse und Enten ißt, kann leicht Fieber bekommen, und wichtig ist es, in diesem Zeichen durch einen Aderlaß eine Blutreinigung vorzunehmen. Der Chronist schenkt den fabelhaftesten Wundergeschichten vollen Glauben und läßt auch den Satan leibhaftig auftreten. Da das naturwissenschaftliche Denken noch fehlte, so wird allen ungewöhnlichen Erscheinungen eine magische Bedeutung beigelegt, so auch den Monstrositäten. Die Berichte von Mißgeburten finden größtes Interesse. Da yören wir von Kindern mit zwei Köpfen, mit vier Armen und Beinen, von Mädchen, die mit der Stirn zusammengewachsen sind. Die Geburt von Siebenlingen und Achtlingen scheint dem Verfasser ebenso natürlich wie ein Lebensalter von 180 Jahren. Wenn eine Husumerin mit 64 Jahren noch einmal Milchzähne bekommen kann, so steht dem ersten Kindbett einer 86jährigen auch nichts im Wege. Der Kinderreichtum, der damals herrschte, wird öfters erwähnt, fo z. B. bei einem Prediger, der 14 Kinder, 40 Kinderskinder und 80 Kindeskindeskinder fein eigen nannte, oder bei einer 93- jährigen, die 16 eigene Kinder, 114 Enkel und 228 Großenkel befaß. Ein 12jähriger Knabe wird im Bauch eines Walfisches entdeckt, und wir erfahren von zwei Wunderkindern, die mit 2 und 3V2 Jahren in den Wissenschaften schon „erheblich progres- siert" waren. Sonderbare Heilmittel werden empfohlen, so z. B. gegen Pest und Schlafsucht der Branntwein: „Denn er hilft, daß das Hirn und die Leber in Gesundheit verbleibet. Sonderlich sollen ihn diejenigen brauchen, so einen flüssigen und festen Leib haben. Denn also verzehret sich die überflüssige Feuchtigkeit und der Leib wird von der schlafenden Sucht, Lethargus genannt, item vom Schlage und anderer kalter Krankheit preser- vieret." Gegen die Trunkenheit wird das „Magi- sterium" und der Adlerstein empfohlen: „Wenn man dessen ein wenig trinket, so man trunken ist, so schlägt die Vapores, die sonst hinauf in den Kopf steigen, alle unter sich und wehret der Trunkenheit." Das Magisterium war ein „Meisterstück" der Alchemie, das aus zerriebenen Perlen hergestellt wurde; der Adlerstein ist ein Toneisenstein, der von arabischen Meistern verordnet wurde und seinen Namen dem Glauben verdankt, daß er in Adlernestern entstehe. (Rosemarie, (Rosemarie... Roman von Käthe Metzner. 15. Fortsetzung. Nachdruck verboten! Doktor Wangenheim sah den Justizrat erstaunt an. Warum schmunzelte der nur andauernd so? Wie oft schon hatte er mit ihm verhandelt, aber das war ihm noch nicht passiert. Nahm er seinen Auftrag nicht ernst? Aber der kleine Justizrat schien ihm die Gedanken von der Stirn abzulesen; er sagte erklärend: „Sie wundern sich über meine gute Laune, S)err Doktor? Entschuldigen Sie bitte vielmals, aber ich hatte eben einen kleinen angenehmen Zwischenfall." Doktor Wangenheim lachte. Also das war es! „Ich werde Ihnen sofort Nachricht geben, wenn ich eine Spur gefunden habe", sagte der Justizrat zuversichtlich und drückte Wolfgang Wangenheim die Hand. Als Doktor Wangenheim gegangen war, ging Justizrat Hohl noch einmal zu seinen Akten und nahm sich das Bündel „Neuß" heraus. Die Sache machte ihm Spaß. Das arme Ding, die Rosemarie, was muhte das Mädel alles erduldet haben und vielleicht noch erdulden, ehe es einmal in den Besitz seines großen rechtmäßigen Vermögens kam, das ihm laut Testamentsbestimmung gehörte? Freilich, der Kunstmaler Neuß mochte richtig gehandelt haben, als er die Klausel einsetzte, daß dieses riesenhafte Vermögen seinem Kinde nur dann zufiel, wenn es sich verlobte. Und zwar mit einem würdigen Manne verlobte, der Rosemarie um ihrer selbst willen heiratete. Andernfalls verfiel mit dem Ablauf ihres achtundzwanzigsten Lebensjahres der größte Teil einer Stiftung zugunsten notleidender Künstler, und Rosemarie bekäme nur einen geringen Pflichtteil. Süft einen Groll hatte Justizrat Hohl auf den Kunstmaler Ehrenhard Neuß, der schon geistesgestört ein so grausames Testament hinterlassen, das ihm der Wahn eingegeben hatte, seine Frau habe ihn nur um des Geldes willen geheiratet. Doktor Hohl schätzte Wolfgang Wangenheim. Er freute sich von ganzem Herzen, daß die kleine Neuß einen so ausgezeichneten Mann bekommen sollte. Auch an Rosemarie hatte er ja schließlich gesteigertes Interesse, wenn es sich hierbei auch nur um die Vollziehung des letzten Willens des Kunstmalers Niuß handelte. Aber ach, vorläufig lagen ja die Dinge noch im weiten Felde. Erst hieß es, einmal die Spur aufnehmen lassen, die zu Rosemarie Neuß führte. An Geld fehlte es ja nicht. Er könnte die besten Detektive beauftragen. Finden mußte er sie so schnell wie eben möglich, das war er schon Wolfgang Wangenheim schuldig. 7. Kapitel. Spätnovember. Schwere dunkle Wolken zogen über Berlin. Ab und zu trieb der Wind schon Schneeflocken gegen die Scheiben. Rosemarie stand sinnend am Fenster ihres vornehm und behaglich ausgestatteten Wohnzimmers. Jahre waren vergangen, seitdem sie arm und unscheinbar in dieses Haus kam. Doll unendlichen Dankes war ihre Seele gegen Doktor Brunner, der ihr so rasch die Wege ebnete, die sie gehen mußte, um eine erfolgreiche Künstlerin zu werden. Ein Schauer lief ihr über den Rücken. Was wäre wohl ohne ihn aus ihr geworden? Hätte sie immer den Mut aufgebracht, tapfer weiterzukämpfen, sich durchzuhungern, wenn es darauf ankam? Rosemarie dachte an ihre erste Zeit in Berlin. Wie schwer war es gewesen! Wie hätte sie von. den paar Pfennigen, die sie als Statistin verdiente, einen Bühnenunterricht bestreiten sollen? Unwillkürlich faltete' sie ihre Hände zu einem Dankaebet gegen Gott, der ihr Geschick so gütig gelenkt hatte. Unermüdlich wollte sie Weiterarbeiten, wollte sich in zäher Ausdauer den ganz großen Erfolg erringen, der den Namen ihrer Mutter so unsterblich gemacht hatte. Vielleicht, wenn dann ihr Name, ihr Bild durch die Blätter der Illustrierten und Tageszeitungen ging... vielleicht fiele es dann durch Zufall auch einmal Wolfgang Wangenheim in die Hände, und er würde wohl einmal, ach einmal wenigstens zu- rückdenken an die Stunden, die sie zusammen verlebt hatten? In diesem Augenblick, als ihre Gedanken mit dieser Möglichkeit spielten, wurde ihr plötzlich klar, daß ihre Arbeit in all den Jahren fast ausschließlich auf dieses Ziel hin geleistet war. Wie wenig hatte sie innerlich Anteil genommen an all den äußeren Freuden und Vergnügungen, die das neue Leben ihr bot! „Ich kann mich oft selbst nicht verstehen", sagte sie in stillem Selbstgespräch, „daß ich, nachdem alles so gekommen ist, mit Wolfgang noch immer in solcher geistigen Verbundenheit lebe, von mir aus gesehen. Er dagegen hat mich gewiß schon lange vergessen. Nur ich, ich werde nie darüber hinwegkommen. Bei allem, was ich tue und denke, frage ich mich noch immer, was wohl Wolfgang dazu sagen würde. Es ist nicht totzukriegen, so sehr ich mich dagegen wehre, und nun will ich es auch nicht mehr. Nur ruhiger bin ich jetzt geworden. Aber wie mühsam hab ich mir das bissel Ruhe und Sonne, die ich jetzt in mir trage, erkämpft, und wie nötig brauche ich sie, weil ich doch so vielen Menschen davon geben will. Doch keinen Dank — Dank bindet — ich aber will frei fein, um schaffen zu können! Wenn nur nicht solche Tage waren wie dieser, an denen aus Träumerecken die Erinnerung aufsteigt und einen würgt, daß man kaum atmen kann. Dann folgen wieder müde, graue Tage, in denen die Gegenwart nichts ist — gar nichts." Aber dann trat wieder jener Abend ihres ersten Auftretens in ihr Denken. Wie hatte das Publikum gerast, getobt vor Begeisterung! Hatte sie denn wirklich Künftlerblut in den Adern? Hätte sie der Beifall so kalt lassen dürfen? „Beifall der Menge", dachte sie schmerzlich, „wo mein Herz nach dem einen, nur nach dem einen verlangt." Wie lange würde sie noch hierbleiben? Bald mußte sie ein Engagement nach außerhalb annehmen. Dann kam sie wieder unter neue, fremde Menschen. Ewig heimatlos. Die Sehnsucht nach Tante Berta war in ihr. Wenn sie die liebe alte Frau wenigstens hier hätte! Wie schön war es gewesen in den paar Tagen! Sie verstand einen ohne viele Worte. Ach, und wie wohl es tat, ihre treuen, sorgenden Hände um sich zu haben! Es klopfte. Auf Rosemaries „Herein!" betrat der Diener das Zimmer, um sie zu Tische zu bitten. „Schon so weit?" Sie warf einen schnellen Blick auf ihre kleine, feine Armbanduhr. Oh, wie peinlich, Onkel Brunner warten zu lassen! Sie hatte wieder einmal über allem Träumen und Sinnen Zeit und Stunde vergessen. Als sie das große Speisezimmer betrat, saß Doktor Brunner schon bei Tisch. „Na, Kind", sagte er heiter, „hast mich wohl ganz vergessen?" „Ach, Onkel, das graue Wetter! Ich glaube, das bringt einen auf dumme Gedanken!" Rosemarie aß nur spärlich und mit wenig Appetit. Aber Doktor Brunner, der sonst sehr auf all das achtete, nahm heute wenig Notiz davon. Etwas ganz anderes schien ihn sehr stark zu beschäftigen. Ein Weilchen schwieg er noch, aber dann mußte er sich Rosemarie mitteten. „Rosemarie, denke nur, heute morgen beim Reiten im Tiergarten hat die Tinius einen Unfall gehabt." „Ach, wie gräßlich, Onkel! Es ist doch hoffentlich nicht gefährlich", sagte sie mit teilnahmsvollem Gesicht. „Gefährlich? Na, lebensgefährlich nun gerade nicht, aber eine langwierige Sache. Wahrscheinlich Knöchelbruch." Rosemarie erblaßte. „Die Aermste", sagte sie in ehrlichem Mitleid. „So mitten in der Saison... Ja, was soll denn da werden?" Doktor Brunner lächelte. Was für ein wundervoller Mensch Rosemarie mar! Immer dachte sie zuerst an das Schicksal der anderen, niemals an sich. Fühlte sie denn gar nicht, wie günstig durch diesen Unfall der Tinius» die Dinge nun für sie selbst lagen? Aber solche Gedankenverbindungen hatten in Rosemaries reiner, argloser Seele wohl gar feinen Raum. „Ja... was werden soll?" Doktor Brunner überlegte nicht lange. Es war ja alles schon bestimmt. Er hatte heute morgen bereits mit seinen Mitarbeitern alles reiflich de- sprachen. „Du wirst einspringen, Kind, und bis zur Wieder« genefung der Tinius hier spielen!" „Ich — soll für die Tinius einfpringen?" sagte sie zitternd. Ihre Augen waren vor Erregung ganz groß und dunkel. Fieberhaft rasten ihre Gedanken. Sie würde nicht fortgehen müssen. Sie konnte hier bleiben bei ihrem lieben Doktor Brunner, konnte hier spielen auf dieser herrlichen Bühne, deren Verhältnisse sie so genau kannte... Und doch ging plötzlich ein Schatten über ihr schönes Gesicht und machte es ganz ernst. „Auf dem Unglück einer anderen fall ich meinen Erfolg aufbauen? Wird mir das zum Segen fein?" fragte sie leise. Doch in diesem Augenblick wurde Doktor Brun« ner energisch. „Nun mache aber mal einen Punkt, Rosemarie! Wenn du es nicht bist, ist es eine andere, die die Rollen der Tinius übernimmt." Zum ersten Male, solange sie beieinander waren, daß Doktor Brunner Rosemarie gegenüber einen etwas barschen Ton anschlug. Im Theaterleben mußte man diese persönliche Feinfühligkeit manchmal etwas zurückstellen, wenn man hochkommen wollte. Alle Achtung vor Rosemaries vornehmer Denkungsart, aber in diesem Augenblick war sie nicht angebracht. Jede andere hätte einen Luftsprung gemacht über eine solche Nachricht. Rosemarie war bei Doktor Brunners Worten erschreckt zusammengezuckt. Langsam überwand sie ihre Bedenken. Er hatte ja recht, irgend eine mußte ja einspringen. „Kind, wenn du wüßtest, wie sie auf dich warten! Die Tunius hätte sich wohl sowieso nur noch diese Spielzeit hindurch halten können. Hast du ihre letzten Kritiken gelesen? Sie hat gewaltig nachgelassen. Ich glaube, es ist eher ihr Glück als ihr Unglück, daß dieser kleine Unfall heute kam. So hat sie wenigstens noch einen ehrenvollen Abgang." Ueberzeugend klangen Brunners Worte und besiegten Rosemaries letzte Hemmungen. „Es muß wohl alles so kommen, wie es kommt. Wie die Blinden müssen wir die Dinge aus der rätselvollen Hand des Schicksals entgegennehmen und wissen nicht, ob sie Glück ober Leid für uns bergen." „Na, trinken wir in diesem Falle auf Glück, Kindchen." (Fortsetzung folgt.) Im März 1934 kann die Bezirksfparkaffe Gießen 1456 A ftatt. Die Freunde der Anftalt find hierbei willkommen. 1554 D Perwachs jetzt auch farbig zu haben Teppiche Wen 1548 D Heinrich HochsMer Das Haus . Zugel. v. d. 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Die Mitglieder unserer Bank werden zu der am Donnerstag, dem 22. März 1934, abends 81/? Llhr, im Restaurant Hindenburg stattfindenden 75. orbenil Generalversammlung ergebenst eingeladen. Tagesordnung: 1. Erstattung des Geschäftsberichts für 1933. 2. Beschlußfassung über die Genehmigung der Iahresrechnung und Bilanz und die dem Vorstand und Aufsichtsrat zu erteilende (Entlastung. 3. Verteilung des Neingewinns. 4. Ersatzwahl ausscheidender Mitglieder des Aufsichtsrats. 5. Bericht über die Revision der Bank durch den Verbandsrevisor. 6. Verschiedenes. und dazu den vorschriftsmäßigen Fest-Anzug derDeutschen Arbeitsfront vorm. 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Hunderte von Passanten gehen vorbei, aber keiner von ihnen tritt darauf — da kommt ein „Pechvogel", und ihm wird das kleine Hindernis zum Verhängnis: er rutscht aus und bricht sich bei dem Fall ein Bein. Warum gerade er? Ein „Glückspilz" wäre vermutlich nicht auf die Schale getreten oder er hätte sich jedenfalls auch bei einem Sturz keinen Schaden getan. Gibt es vielleicht ein „Gesetz des Unheils", dem nur ein ganz bestimmter Teil der Menschen, eben die „Pechvögel", unterworfen sind, oder handelt es sich um bloßen Zufall? Zwei Fragen — sehen wir zu, ob die Wissenschaft hier weiter helfen kann. In gewissen Grenzen ist sie dazu wohl in der Lage, denn dieses Problem hat sich um „Glückspilze" oder „Pechvögel", deren Schicksal ganz oder teilweise durch aktive eigene Handlungen wesentlich beeinflußt wird. Hätte in unserem Beispiel der Flugzeugführer am Morgen den Führersitz genau abgesucht — wie es in diesem Falle eigentlich notwendig erschien — dann wäre ihm das „Pech" des Abenteuers mit der Schlange niemals zugestoßen. Dieses aktive Verhalten des Menschen den ihn betreffenden Zufällen gegenüber ist sehr eingehend von der Psychologie erforscht worden, und dabei haben sich auch Resultate ergeben, die für die Praxis von größter Bedeutung sind. Ein sehr wichtiges Ergebnis dieser Art besteht z. B. in der Feststellung, daß in sehr vielen Fällen gesetzmäßige Beziehungen zwischen den etwa in einem Verkehrsbetriebe entstehenden Unfällen und ihren Verursachern bestehen. Es zeigte sich nämlich, daß manche „Pechvögel" geradezu regelmäßig an den Unfällen beteiligt sind — so regelmäßig, daß man aus der „Unfallhäufigkeit" etwa eines Chauffeurs in einem bestimmten Zeitabschnitt mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die entsprechende Zahl der Unfälle für einen zukünftigen Zeitabschnitt vorausberechnen kann. Dieses „M a r - besche Regel" benannte Gesetz drückt also einen von äußeren Zufällen unabhängigen Persönlichkeitsfaktor aus, die „Unfallsbereitschaft" sozusagen, und es ist einleuchtend, daß derartige Berechnungen für die Praxis außerordentlich bedeutsam sind. Es gibt ja beispielsweise kaum einen Eisenbahnunfall, bei dem nicht das Verschulden eines Menschen eine wesentliche oder entscheidende Rolle spielte; durch ein raffiniertes System von Prüfungen und Laboratoriumsversuchen ist man nun mit Hilfe der sog. Eignungsprüfungen wenigstens in gewissen Grenzen in der Lage, die „Pechvögel" von den für sie und die Allgemeinheit allzu gefährlichen Berufen auszuschließen. Wir konnten an dieser Stelle nur einige besonders wichtige Einzelheiten aus der außerordentlich umfangreichen Arbeit der modernen Psychologie über die mit unserem Thema zusammenhängenden Probleme geben. Aber ein wesentliches Resultat ergibt sich bereits aus diesem kleinen Ausschnitt: es ist die Feststellung, daß es keineswegs nur vom blinden Zufall abhängt, ob ein Mensch als „Glückspilz" oder „Pechvogel" durchs Leben geht. Die Entscheidung darüber liegt zu einem großen Teil im Wesen jedes einzelnen — er selbst schafft sich das „Gesetz des Unheils", dem er dann unterliegt. Kein Aberglaube an „Glückszahlen" und „Unglückstage", keine mystischen Spekulationen können uns darüber hinwegtäuschen, daß wir selbst mit unseren persönlichen Anlagen und unserem Willen weit mehr auf „Glück" und „Pech" einwirken, als unbeeinflußbare Zufälle. Aus der provinzialhaupistadi. namentlich die Psychologen schon seit langem beschäftigt, und in neuerer Zeit sind auch sehr wesentliche Ergebnisse erzielt worden, die wenigstens einen Teil der zahllosen Fragen auf diesem Gebiet zu erforschen vermochten, während sich andere der wissenschaftlichen Klärung fast völlig entziehen. Fast selbstverständlich ist dies zunächst bei jenen im Alltag außerordentlich zahlreichen Fällen, in denen über „Glück" oder „Pech" wirklich nur der simple Zufall entscheidet. Wenn, wie kürzlich in einer Straße Rewyorks, einem Spaziergänger ein Hammer auf den Kopf fällt — den auf dem Dache eines Wolkenkratzers ein Arbeiter seinem Kollegen zuwerfen wollte — dann kann das nur als „unglücklicher Zufall" bezeichnet werden, den keine Wissenschaft erforschen kann. Anders, seltsamer vielleicht, liegt dagegen schon ein anderer Fall, der wegen seiner sonderbaren Begleitumstände nicht nur das Wirken eines „Zufalls" zu verraten scheint. Wir meinen den tragischen Tod des Schriftstellers Dr. Kühnelt, der im Oktober 1930 bei dem folgenschweren Flugzeugunglück in der Nähe des Dresdner Flughafens getötet wurde. Das Unglück ereignete sich an einem Montag. Dr. Kühnelt hatte aber bereits einen Flugschein für den Dienstag gelöst und tauschte diesen am Montag erst ganz kurz vor dem Start des Flugzeuges um. Analoge Fälle ereignen sich keineswegs selten: fast bei jedem größeren Eisenbahnunglück wird berichtet, daß ein „Glückspilz" im letzten Augenblick die bereits gekaufte Fahrkarte zurückgab, oder ein „Pechvogel" entgegen seinen ursprünglichen Dispositionen im letzten Moment den Unglückszug benutzte. Warum? Hier versagt naturgemäß die Wissenschaft vollkommen. Zufall oder Bestimmung — diese Frage wird in all solchen Fällen wohl für immer offen bleiben. Ein anderes Beispiel. Ein amerikanischer Flugzeugführer kann den Rekord für sich in Anspruch nehmen, ein bisher noch nie dagewesenes „Pech" erlitten zu haben: er wurde nämlich in 15 0 0 Meter Höhe fliegend von einer Klapperschlange gebissen. Dieses unwahrscheinliche Ereignis war dadurch ermöglicht worden, daß der Pilot sein Flugzeug über Nacht auf einem Felde stehen gelassen hatte; dort war die Schlange in den Führersitz gekrochen und kam erst während des Fluges zum Vorschein. Der Fall ging übrigens noch gut aus, denn der Pilot konnte sofort landen und wurde durch ärztliche Hilfe gerettet. Dieser Fall führt uns nun in jenes Teilgebiet unseres Problems, auf dem allein die Wissenschaft bisher wirkliche Erfolge erzielen konnte; es handelt Das häßliche Entlein wird ein Schwan. Winterliche Unbilden und auch die naßkalte Ueber- gangszeit ohne ein wärmendes wollenes Kleidungsstück sind unangenehm — dieser Tatsache verdankt die Familie der Sweater und Pullover, für die es anscheinend keine deutschen Namen — etwa Wolljacke, Leibchen — gibt, ihre große Verbreitung. Nur schade, daß sie fast stets aus australischer Wolle gefertigt sind. Ja, warum eigentlich? Weil wir alle miteinander uns von der allmächtigen Herrscherin Mode einreden ließen, wollene Stoffe, wie sie aus einheimischer Wolle hergestellt werden könnten, seien doch eigentlich nichts „Besonderes", und wir uns von der deutschen Wolle abwandten, genau so wie wir zugunsten der ausländischen Baumwolle dem deutschen Leinen untreu wurden, so daß in Deutschland weder die Haltung der Wollschafe, noch der Anbau von Lein mehr recht lohnen wollte. Wer entsinnt sich heute noch des „guten Schwarzseidenen"? Es gehörte ehemals, vor vielen, vielen Jahren zur Ausstattung jeder deutschen Frau, wie der Bratenrock zum ehrbaren Bürger und die Extrauniform zum Soldaten. Welche Großmutter hat ihrer Enkelin nicht erzählt, daß das erste seidene Kleid für sie ein Ereignis war und daß man zu ihrer Zeit noch kerne seidenen Kinderkleidchen gekannt habe. Man habe hübsch und ehrbar Wolle getragen. Sage nichts gegen den Mehrverbrauch an Seide, liebe, gute Großmama — aus deutscher Kiefer gewinnen wir heute die herrlichste Seide, und viele deutsche Arbeiter finden dabei.ihr Brot. Wenn wir nur dabei wieder nicht so weit gegangen wären, die ehrbaren wollenen Kleider zu verachten. Es sei denn, der Stoff sei aus echt englischer Wolle gewesen, das war denn schon etwas anderes. Aber einfache deutsche Schafwolle. O, wie gewöhnlich, davon konnte man doch nichts Gutes arbeiten — deutsche Wolle — die war beinahe so „unmöglich" wie das grobe deutsche Leinen, und das alles war ja auch f o o o unmodern! So sind wir dahin gekommen, daß von unserem Inlandsbedarf an Wolle nur noch 9 v. H., noch nicht einmal der zehnte Teil, im Inland erzeugt wurde. Da kam das Wunder des Nationalsozialismus: das deutsche Volk fand heim zu seiner eigenen Art — was ehemals als plump, bäuerisch und gewöhnlich verachtet wurde, das ist heute geadelt, weil es aus deutschem Boden kommt, durch deutschen Fleiß seinen Wert bekam. Die Deutschen wollen sich von deutscher Frucht ernähren, mit deutschen Stoffen kleiden. Dies ist nicht zuletzt dadurch möglich geworden, daß die deutsche Bäuerin das Kleid der Heimat, die Tracht der Urahne wieder als Ehrenkleid empfindet. Daß dieses Empfinden kein irgendwie künstlich gewolltes, sondern durchaus organisch gewachsen ist, drückt sich vielleicht am besten darin aus, daß man nicht nur gedankenlos die alten Trachten aus der Lade nimmt und heute so trägt, wie sie die Vorfahren vor 100 und mehr Jahren zur Zeit eines völlig anderen Arbeitstaktes .getragen haben. Man trägt wohl wieder die Heimattracht, aber man wandelt sie nach den Bedürfnissen unserer Zeit. So wollen wir uns freuen, daß von den deutschen Landfrauen der Wille zur Schaffung einer eigen- ständischen Tracht ausgeht, freuen vor allem deshalb, weil diese Bestrebungen sich einreihen in das große Aufbauwerk des Reichsbauernführers. Die eigen- ftändifche Tracht verlangt deutschen Stoff: deutsche Wolle und deutsches Leinen können hier unter keinen Umständen entbehrt werden. Auch das Spinnrad und der Webstuhl können dabei im Bauernhaus wieder ihre Auferstehung feiern, ohne daß unsere Spinnereien und Webereien hier eine gefährliche Gegnerschaft fürchten müssen. Auch die große Mode verlangt ja heute nach deutscher Wolle, zur Befriedigung ihres gewaltigen Appetits aber brauchen wir Maschinen, da wird es der Handweb- stuhl nicht allein schaffen können, sondern beide müssen sich ergänzen, genau wie die vom deutschen Willen bestimmte Mode und der Wille zur deutschen Heimattracht gemeinsam die deutschen Stoffe wieder zu Ehren gebracht haben. E. H. Abschiedsfeier für Oberbürgermeister Dr. Keller. Die Stadtratsfraktion der NSDAP, veranstaltet am nächsten Montag, 18 Uhr beginnend, im Stadthaus Bergstraße (Sitzungssaal) eine Abschiedsfeier für den in den Ruhestand tretenden Oberbürgermeister Dr. Keller. Die Feier wird öffentlich fein, so daß jeder Volksgenosse die Möglichkeit hat, dieser Ehrung für unseren scheidenden Oberbürgermeister beizuwohnen. Gießener Siadiiheater. Hans Müller-Schlösser: „Schneider Wibbel". Dieses rheinische Volksstück, das über zahllose deutsche Bühnen gegangen ist, wurde im vorigen Winter grade zwanzig Jahre alt, hat sich aber erstaunlich frisch gehalten. Müller-Schlösser erzähll im Programmheft „pro domo", wie er auf einem Düsseldorfer Atelierfest im Jahre 1912 zu seinem Stoff gekommen ist, und man erfährt bei dieser Gelegenheit mit Staunen, daß die Fabel, die doch auf der Bühne einen so bodenständigen Eindruck macht, ursprünglich gar nicht am Rhein, sondern in Berlin beheimatet ist. * „Ick wer Ihnen mal wat erzählen", sagte einer von den Malern zum Autor, „wo Sie eenen Schwank oder so wat von machen können." Und stiftete ihm die Geschichte von dem betrunkenen Bäckermeister, der wegen einer Messerstecherei ins Gefängnis soll und an seiner Stelle den Gesellen hinschickt. Die Sache wäre auch nicht aufgekommen, wenn der Geselle in der Zelle nicht gestorben wäre. Uebrigens wurde der Meister begnadigt. * Ein Lustspielstosf, ohne Zweifel. Und Müller- Schlösser hat die in den Grundzügen festgelegte Eplsoide mit Geschick und eigenen Einfällen so in feine angestammte Landschaft und in die rheinische Franzosenzeit verpflanzt, daß der Berliner Ur- Wibbel am Ende nicht mehr zu erkennen war. Er macht aus dem Bäcker einen Schneider. Der haut in der Wirtschaft, nachdem er, wie es in den Lokalnotizen heißt, dem Alkohol reichlich zugesprochen hat, einem ein Bierglas auf den Kopf. Und weil außerdem noch Majestätsbeleidigung dabei war, kostet ihn der Spaß vier Wochen. Da aber die vier Wochen für das Schneidergeschäft sehr teuer werden würden, kommt Wib- bels gewitztes Eheweib auf die großartige Idee, statt ihres Mannes den Gesellen die Strafe absitzen zu lassen, der sich gegen eine entsprechende Gratifikation auch dazu bereit findet. Da Wibbel natürlich für vier Wochen aus der Welt geschafft werden muß, wird er verweile ins „Kabäuschen" gesteckt, eine finstere Rumpelkammer neben der Werkstatt. Noch könnte alles gut gehen, da kommt aus dem Gefängnis die Schreckenskunde, daß der Häftling plötzlich verstorben fei. (Der Geselle hatte es schon lange auf der Brust.) Und Wibbel sieht sich zu seiner Bestürzung der amtlich beglaubigten Tatsache gegenüber, daß er nicht mehr unter den Lebenden weilt. Das hat er nicht gewollt. * Es ist nun sehr luftig mitanzusehen, wie Müller- Schlösser sich das ausgemalt und mit allen möglichen Konsequenzen immer weiter ausgesponnen hat bis zum Schluß. Er ist babei natürlich in die Nähe des Situationsschwankes geraten, wie er seit Boccaccio unzählige Male erfunden und wiederholt worden ist, aber er hat sich nicht festgefahren, ist immer wieder auf die Füße gefallen und Hot noch einen Ausweg gewußt. Selbst im letzten Akt, der ein bißchen unsicher wird und in die Länge gerät, bis der wieberauferftanbene unb zwiefach verwan- belte Wibbel die Fin wieder in die Arme schließt, um feine zweite Ehe mit ihr zu beginnen. Der Höhepunkt ist aber da schon überschritten: im vierten Akt nämlich erfährt ber Schwindel die phantastische und groteske Steigerung, daß Wibbel hinter ber Gardine seinem eigenen Leichenzug zuschaut und Tränen ber Rührung darüber vergießt, wie sehr er geehrt wird, unb daß er das noch erleben durfte. — * Unter der Regie von Anton Neuhaus erlebte das alte Stück gleich seinem Helden eine fröhliche Auferstehung; Neuhaus hat mit dem „krähenden Hahn" von Hinrichs bewiesen, wie ihm derartige Aufgaben liegen, und er hat sich mit breitem Behagen über den rheinischen Spaß hergemacht. Der stürmische Auftakt im „Schwarzen Anker" erfuhr in der verhagelten Schneiderwerkstatt und erst recht in der mit umflortem Pomp in Szene gesetzten Trauerversammlung eine verblüffend drastische Kon- trastierung. Löffler und Keim hatten sich mit liebevoller Ausführlichkeit die Schauplätze ausge- dacht; besonders die Werkstatt mit dem Kabäuschen unter der Treppe war vortrefflich geraten. * Den Wibbel spielte Herr Nieren; da er Rheinländer ist, war er von vornherein der gegebene Mann dafür und von Anfang in seinem Element. Ihm machte die Sache sichtlich selber Spaß; er hat sich mit viel Laune in die verschiedenen Stadien des Abenteuers hineinversetzt und brachte die unterschiedlichen „Bonmötchen" unb Pointen im Dialekt gut gezielt an ben Mann, — befonbers im ersten Akt, wo sich der Wibbel mit dem explosiven Temperament eines wildgewordenen Schwabroneurs bie ganze Suppe einbrockt. Doch war er auch den folgenden Schicksalsschlägen, in stummer Verstörung unb in tränenber Rührung über sein jähes Enbe, vollauf gewachsen. Elisabeth W i e l a n b e r aus Wien hatte es von Haus aus in der rheinischen Umgebung wesentlich schwerer, doch gab sie die Fin als eine rotbäckige, resolute unb mutterwitzige Person, bie sich nicht unterkriegen läßt unb richtig zuletzt obenauf ist unb das Spielchen gewinnt. Recht lustig machten Löser und Schorn die beiden Schneidergesellen; zumal Schorn als Mölses, auch im Dialekt überraschend sicher, bewies ausgesprochene Begabung für derart volkstümliche Figuren. Nom zahlreichen Ensemble seien ferner Kühne als Hausierer Fläsch, V o l ck als Knipperling, dick und kitzlig in geblümter Weste, Frau Schubert-Jüngling als Hopp-Majänn, Intendant König als Heubes, Michel als Pangdich und Geiger als Krönkel genannt. * Es gab viel Beifall und ungetrübte Heiterkeit, hth. Warum werden wir müde? Für den allgemeinen und ganz natürlichen Vorgang der Ermüdung, besonders nach einer uns vielleicht ungewohnten Arbeit, gibt die Wissenschaft mit Hilfe der in chemischen Untersuchungen gefundenen Ergebnisse die Erklärung, daß die Muskeln bzw. das Blut des ermüdeten Menschen mit Milchsäure übersetzt sind, während hiervon nach ausreichendem Schlaf nur kleine Spuren anzutreffen sind. Die immer vorhandenen Ermüdungsstoffe, besonders die Milchsäure, können bei großen Anstrengungen bis zum Zehnfachen des normalen Betrages anwachfen, in das Blut übertreten und sich dann über den ganzen Körper verteilen. Damit geht, wie Dr. H. Schütte in „Reclams Universum" mitteilt, ein Rückgang der alkalischen, der Milchsäurebildung entgegenarbeitenden Substanzen Hand in Hand, der um so langsamer vor sich geht, je geübter und leistungsfähiger der Mensch ist. Es handelt sich hier keineswegs um einen rein körperlichen Vorgang. Daß in diesen chemischen Prozeß seelische Kräfte hineinspielen, beweist die Tatsache, daß eine mit Lust und Eifer ausgeführte Arbeit weniger ermüdet als eine widerwillig ertragene. Nun gibt es Menschen, die sich immer ermüdet fühlen und schnell ermattet sind. Der Neurastheniker Zeitschriften. — Ein aufschlußreiches Bilderdokument über den fortschreitenden Verfall einer erbkranken Familie durch vier Generationen finden wir in dem neuesten Heft der Monatsschrift „Neues V o l k", heraus-- gegeben vom Aufklärungsamt für Bevölkerungspolitik und Raffenpflege. Dieses Dokument müßte jedem klarmachen, daß unserem Volke nur durch staatliche Fürsorge für die noch nicht Geborenen geholfen werden kann. Nicht weniger interessant und bedeutungsvoll ist eine Darstellung der Verstädterung Deutschlands seit 1870, ein reichbebilderter Bericht über die Feierabendorganisation in Italien usw. Weit über 50 hervorragende Bilder begleiten den Textteil, und bester Ünterhaltungsstoff macht das Heft lebendig und volkstümlich. Die Zeitschrift ist durch Buchhandlungen, Postanstalten oder vom Verlag „Neues Volk", Berlin SW 19 Sinden-- ftrafK 42, zu beziehen. Der Vierteljahresbezugspreis Gaupreffechef Woweries spricht in Gießen. Gaupresseamtsleiter Pg. W o w e r i e s wird am heutigen Mittwoch in einer öffentlichen Kundgebung der Partei im Cafe Leib sprechen. Die Kundgebung beginnt pünktlich um 20 Uhr. Zwei Rundfunkvorträge über den GemeinschastSempfang am 21. März. Die Pressestelle des Südwestfunks teilt mit: Am Tage der Eröffnung der Arbeitsschlacht, am 21. März, wird wieder ein Gemeinschaft s e rn p f a n g für alle Arbeiter und Angestellten in ganz Deutschland durchgeführt, ähnlich wie das im letzten Jahr am 10. November von den Siemens-Werken aus geschehen ist. Die Durchführung der Aufgabe, jedem schaffenden Deutschen über den Lautsprecher die Führerrede zu Gehör zu bringen, wird technisch von den Funkwarten der NSDAP, übernommen. In zwei kurzen Vorträgen, am 15. und 16. März, werden die Herren Oberpostrat Dr. W r a tz k e und Dr. Jng. Nestel die technischen Maßnahmen besprechen, die zur Durchführung notwendig find. Die Vorträge werden zu verschiedenen Zeiten von sämtlichen deutschen Sendern wiedergegeben. Für alle an der Durchführung dieses Gemeinschaftsempfangs Beteiligten ist es deshalb wichtig, sich diese Vorträge anzuhören. Außerdem verweisen wir darauf, daß die Richtlinien für die Durchführung als Sonderdruck des Deutschen Funktechnischen Verbandes Berlin zu beziehen sind. Die komm. Jägermeister in Hessen-Nassau. Vom „Hubertus", Verein weidgerecht terJäger, SitzGießen, wird uns mitgeteilt: Der kommissarische Provinzjägermeister für Hessen-Nassau (Regierungsbezirk Wiesbaden) hat folgende kommissarische Jägermeister in den an Oberhessen angrenzenden Kreisen ernannt: KreisBiedenkopf: Hauptmann a. D. Theis (Gladenbach); Kreis Frankfurt a. M.: Kaufmann Haas - Gottschneider (Frankfurt a. M.); Kreis Ufingen: Dr. med. Schmieder (Rod a. d. Weil); Kreis Obertaunus: Dr. Fritz Reinhardt (Frankfurt a. M.); Kreis Wetzlar: Fabrikant Dr. Karl Hensoldt (Wetzlar). Da am 1. April sämtliche noch gültigen preußischen Jagdpässe ungültig werden, muß ihre Erneuerung alsbald bei dem zuständigen Kreisjägermeister (nicht Landrst, wie seither!)* schriftlich beantragt werden. Anzufügen sind Paßbild, Angabe der Nummer und des Löfungsortes des letzten Jahresjagdscheines, Ausweis über genügende Jagdhaftpflichtoersicherung (150 000 bzw. 15 000 Mark) und Nachweis der Mitgliedschaft im Landesverband preußischer Jäger. Da mit starkem Andrang bei den neuen Jagdbehörden in den nächsten Wochen zu rechnen ist, empfiehlt es sich, die Anträge baldigst einzureichen, damit im Paßbesitz keine Unterbrechung eintritt. Vorsicht mit Gistweizen. In verschiedenen Teilen Deutschlands sind in den letzten Wochen erhebliche Verluste an Fasanen und Rebhühnern durch Aufnahme von Giftweizen eingetreten. Gewisse Beobachtungen deuten darauf hin, daß auch in unserer Gegend ähnliche Eingänge zu verzeichnen sind. Die gesetzlichen Vorschriften besagen, daß Giftweizen unter die Erde gebracht werden muß und nicht sichtbar fein darf. Leider wird aus Bequemlichkeit dem vielfach entgegengehandelt. Wer leichtfertig beim Auslegen handelt, läuft Gefahr, schadenersatzpflichtig gemacht zu werden. Der betreffende Bauer handelt aber auch gegen sich selbst. Denn das Rebhuhn vertilgt derartige Mengen von Unkrautsamen und Kerbtieren, daß der Bauer es schützen sollte, wo unb wie er nur kann. Ebenso ist der Fasan ein hervorragender Schneckenvertilger, der dazu noch eine Unmenge von schädlichen Insekten und Larven vernichtet. Im Kropfe eines einzigen bei Wieseck geschossenen Fasanenhahnes befanden sich zwei Wei- bebürfte zur Verarbeitung der Ermüdungsstoffe vor allem eines gefunden Schlafes. Nervöse Menschen verbrauchen ihren Vorrat an Alkali-Reserven sehr rasch, eine Entwicklung, die nicht von der Größö der Arbeit abhängt. — Natürlich können auch bie verschiedenartigsten organischen Erkrankungen bie Ursache von Müdigkeitserscheinungen sein, wie z. B. bie krankhafte Herzschwäche, bie ganz plötzliche Ermattungserscheinungen hervorruft, weil bei ihr schon burch verhältnismäßig geringe Arbeitsleistungen große Mengen Milchsäure entstehen. Auch Nierenschwäche hat häufig Schlafsucht zur Folge, weil sich bie schäblichen Stoffe in Blut unb Geweben anhäufen, anstatt ausgeschieben zu werben. Em nicht genau bestimmbares Müdigkeitsgefühl tritt bes öfteren vor Infektionskrankheiten auf unb äußert fick als eine „bleierne Schwere", bie sich auf alle Glieder erstreckt. Die allgemeine Mattigkeit bei tuberkulösen Erkrankungen ist ebenso bekannt wie das Müdigkeitsgefühl des Krebskranken. Diese Vorgänge bedürfen zwar noch der letzten Aufhellung, man glaubt aber annehmen zu dürfen, daß die ins Blut kommenden Bakteriengifte als Er- mudungsstoffe auftreten, wie bei Krebskranken Zellverfallsprodukte diese Rolle übernehmen. Während die gesunde Müdigkeit immer wieder durch Schlaf und Ruhe ausgeglichen werden kann, wenn man die Grenze der körperlichen Leistungsfähigkeit überschreitet, ist das bei der krankhaften Müdigkeit nicht der Fall, sondern sie ist ein ernstes Warnungssianal, das der Mensch im Interesse seiner Gesundheit beachten sollte. zenkörner, eine Larve eines nützlichen Käfers und 1400 (vierzehnhundert) Larven einer schädlichen Jnsektenart. Wenn die Jäger also bitten, auch ihren Interessen durch Beachtuna der nötigen Vorsichtsmaßregeln gerecht zu werden, so handeln sie damit auch im bäuerlichen Interesse. Unterhaltungen und Werbeabend des Eisenbahnvereins. Brotsammlung -es oberhesfischenZungvolks für das Winterhilfs- werk der Stadt Offenbach. Der EisenbahnvereinGießen hatte seine Mitglieder und deren Angehörigen für den Samstag 511 einem Familien-Unterhaltungs- und Werbeabend im Kath. Vereinshaus eingeladen. Der geschmückte Saal war dicht besetzt. Die Kapelle Grengel leitete den Abend ein. Der Vereinsführer, Reichsbahnobersekretär Althaus, begrüßte die Teilnehmer. Er wies auf die großen Geschehnisse des vergangenen Jahres hin und dankte unserem Führer Adolf H i t l e r für die Rettung unseres Vaterlandes. Wei- ter führte er aus, daß der Eisenbahnverein im verflossenen Jahre außer der Pflege des Kameradschaftsgeistes überwiegend auf dem Gebiete der Der- einsfürsorge tätig gewesen sei. Diese Hilfsbereitschaft Hattet auch im Monat März durch! Opfert für den Kampf gegen Hunger und Kälte! an minderbemittelten Berusskameraden und deren Angehörigen sei schon von jeher das Hauptziel des Eisenbahnvereins gewesen. Aus diesem Grunde müsse erwartet werden, daß kein Eisenbahner dem Verein fernstehe. Die von Berufskameraden und deren Angehörigen gegebenen Duetts, komischen Darbietungen und musikalischer Wettstreit wurden beifällig ausgenommen, ein Singspiel und ein Terzett lösten herzliches Lachen aus. Sehr schön waren die von der Damen» abteilung des Reichsbahn-Turn» und Sportvereins Gießen unter Leitung des Berusskameraden H a - m e l aufgeführten Keulenübungen und der Matrosentanz. Die von der Lokomotivführer-Gesangsabteilung vorgetragenen Chöre, besonders der mit Orchesterbegleitung zu Gehör gebrachte Chor „An der schönen blauen Donau" von Strauß sowie das Konzert für Flöte von Poppe, vorgetragen von dem Solisten Herrn Kehrmann, waren von starker Wirkung auf die Zuhörer. Die Krengelsche Musikkapelle erfreute die Zuhörer durch formvollendete Wiedergabe guter Konzertmusik. Zum Schluß bat der Vereinsführer, auch derer nicht zu vergessen, denen die Teilnahme an solchen Veranstaltungen nicht möglich gewesen sei und dies durch freudige Opferwilligkeit bei der erfolgenden Sammlung für das Winterhilfswerk zu bezeugen. Der Verein habe zwar schon in der Jahreshauptversammlung einen Betrag von 100 Mark für das Winterhilfswerk zur Verfügung gestellt und werde auch den Erlös des Abends dem Winterhilfswerk zuführen, aber die Rot sei immer noch groß und man könne nicht besser zum guten Gelingen des großen Aufbauwerkes beitragen als durch ein neues Opfer. Rach einem dreifachen Sieg-Heil auf den Reichspräsidenten v. Hindenburg und unseren großen Volkskanzler Adolf Hitler wurde die erste Strophe des Deutschland- und Horst-Wessel-Liedes gesungen und der Abend damit beschlossen. ^ornoti^cn — Tageskalender für Mittwoch. Stadttheater: 19.30 bis 21.45 Uhr, „Schneider Wibbel." — NSDAP., Ortsgruppe Gießen-Süd: 20 Uhr, Caf6 Leib, öffentliche Kundgebung. — Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brand: 16 bis 17 Uhr, Ausstellung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Mutter und Kind". — Hotel Schütz: 10 bis 19 Uhr, Kunstausstellung. — Cafe Amend: 20 Uhr, Villard-Turnier: Lütgehetmann — Sommer. — AV., Hotel Köhler, Zusammenkunft der Damen. — Der Stahlhelm, BdF.: 20.15 Uhr, Versammlung der Stahlhelmanwärter; 21.30 Uhr, Appell der verpflichteten Kameraden. — Wiederholung des Wünschelrutenvortrages. Wie aus der gestrigen Anzeige zu ersehen ist, findet der Vortrag von Major a. D. Söding über das Thema „Die negativ-elektrische Erdstrahlen und ihre Einwirkungen auf den menschlichen, tierischen und pflanzlichen Organismus" am morgigen Donnerstag im Hotel Hindenburg eine Wiederholung. ♦ ** Mieterjubiläum. Am morgigen Donnerstag, 15. März, wohnt Herr Philipp Wild feit 40 Jahren im Hause Bahnhofstraße 33. Das Jubiläum ist ein Zeichen des besten Einvernehmens zwischen Vermieter und Mieter. ** E i n Zweiundsiebzigjähriger. Herr Adolf Baum, Am Nahrungsberg 18, kann am morgigen Donnerstag, 15. März, feinen 72. Geburtstag feiern. Herr Baum ist feit Jahrzehnten treuer Leser des Gießener Anzeigers. ** Hundert Jahre Bezirkssparkasse Gießen. In diesem Monat kann die Bezirkssparkasse Gießen auf ihr lOOjähriges Bestehen zurückblicken. Aus diesem Anlaß findet am nächsten Samstagvormittag ein Festakt in der Aula der Universität statt. Die Freunde des Instituts sind zu dieser Feier willkommen. Von Samstag vormittag 10 Uhr ab sind die Kassenräume geschlossen. ** D i e Handels- und Gewerbebank Gießen lädt in unserem heutigen Anzeigenteil zu ihrer 75. ordentlichen Generalversammlung auf Donnerstag, 22. März, ein. Näheres in der Anzeige. ** 5 0. Mitgliederversammlung des Sanitätsvereins Gießen. Im Haus der Deutschen Arbeitsfront fanden sich am Sonntag die Mitglieder des Sanitätsvereins Gießen zusammen, um die 50. ordentliche Mitgliederversammlung abzuhalten. Der Saal, fast bis zum letzten Platz besetzt, war prächtig geschmückt. Der Dereinsführer gab in feiner Ansprache einen Bericht über die Entwicklung des Vereins. Gegenwärtig zähle der Verein 497 Versicherte. Der Vereinsführer machte die erfreuliche Mitteilung, daß der Verein vom 1. April ab neben der freien Arzthilfe, Zuschuß zu der Behandlung in den Krankenhäusern, Operationen, Behandlung in den Kurbadeanstalten und Begräbnisbeihilfen, auch 50 Prozent der Apothekenkosten und Lieferung der Sehhilfsmittel ohne Beitragserhöhung den Mitgliedern und deren Familienangehörigen gewähren könne. Der seitherige Führer, Herr Simon, wurde neu bestätigt, und dieser berief die seitherigen Vorstandsmitglieder wieder in ihre Aemter. An Stelle des freiwillig ausscheidenden Herrn Ad. M e i st e r wurde Herr H. Hofmann verpflichtet. Die Kassenverhältnisse sind in bester Ordnung. Dem Vorstand wurde der Dank der Mitglieder ausgefpro- Die Dache vom 12. bis 18. 211 är3 sieht Oberhessen ganz unter dem Zeichen der Brotf amm- lung des oberhessischen Jungvolkes. Zlakale mahnen zum INithelfen, Flugblätter erinnern auch den Letzten an seine Pflicht. 3n den Straßen künden Landsknechtstrommeln und Jan- aren, Sprechchöre und Singgruppen die Bereif- chaft des gesamten oberhessischen Jungvolkes. Groß ist die Aufgabe, aber noch stär- ter ist die Freude, sie bezwingen zu dürfen. Wieviel Brote werden wir bekommen? keiner weiß es, aber alle fühlen, daß sie sich bis zum letzten einsehen müssen, wenn es gelingen soll. Sie werden sich tapfer schlagen, so wie es immer ihre Art gewesen ist, für eine Sache ganz einzustehen, Zum zweiten Blate ruft die deutsche Jugend zum Kampfe gegen hunger und Kälte auf. Diesmal sind es die jüngsten und kleinsten Kämpfer Adolf Hitlers, die sich mit ihrer ganzen Kraft bereit erklärt haben, die Bot derjenigen, denen das Schicksal Arbeitslosigkeit, Krankheit und Gebrechen auferlegt hat, durch eine Brotsammtuug zu lindern. Das Jungvolk wird in den nächsten Tagen mit Listen von Tür zu Tür gehen, um die deut- chen Volksgenossen aufzufordern, sich in dieselben inzutragen. An die Bevölkerung ergeht daher die Bitte, diese Hitler-Jungen, die sich mit Einsatz ihrer ganzen Person in den Dienst der guten Sache ge- tellt haben, nicht abzuweisen und ihnen, die doch )ie Träger des neuen Staates werden sollen, mit dem guten Beispiel der Gebefreudigkeit voranzugehen. Das Jungvolk leistet diese aufopfernde Arbeit nicht für sich, sondern für seine bedürftigen Das deutsche Jungvolk hat sich dem Winterhilfswerk zur Verfügung gestellt, um den Kampf gegen hunger und Kälte siegreich zu bestehen. Aus diesem Grunde führen unsere Jüngsten am Freitag, 16., und Samstag, 17. Blärz, eine Brot- sammlung im ganzen Kreis Gießen durch. Uns aber fehlt die Möglichkeit, die gesammelten Brote, wie vorsehen, am Sonntag, 18. Blärz 19 3 4, nach Offenbach zu schaffen. Ich richte deshalb an alle Lastwagenbesiher die Bitte: Stellt uns eure Wagen zur Verfügung, damit wir unseren hilfsbedürftigen Volksgenossen in chen. Für die Vorarbeiten des 50. Stiftungsfestes wurde ein Ausschuß bestimmt. Ein weiterer Ausschuß soll die Satzungen zeitgemäß ausarbeiten. Eine Sammlung zugunsten des Winterhilfswerkes brachte den Betrag von 20 Mark. Mit einem Sieg-Heil auf den Reichspräsidenten und den Volkskanzler wurde die Versammlung geschlossen. Amtsgericht Gießen. Ein Einwohner aus Wieseck erhielt einen Strafbefehl über 20 Mark, weil er am 30. November v. I., ohne daß die amtliche Schweine- und Trichinenschau ausgeführt wurde, bei einem Gastwirt ein Schwein schlachtete. Der Angeklagte legte gegen den Strafbefehl Einspruch ein. In der gestrigen Hauptoerhandlung wurde er zu einer Geldstrafe von 5 Mark verurteilt. Ein Mann aus Gießen erwarb im März 1933 von einem Unbekannten einen Revolver mit Munition, ohne im Besitz eines behördlich ausgestellten Waffenscheins zu sein. Außerdem hatte er am 17. April die Schußwaffe außerhalb seiner Wohnung mit sich geführt. In einem Strafbefehl wurde eine Geldstrafe von zweimal 20 Mark ausgesprochen. Den dagegen eingelegten Einspruch nahm der Angeklagte vor Eintritt in die Hauptverhandlung zurück. Ein Mann aus Biedenkopf fuhr mit seinem Auto am 16. September vorigen Jahres durch die Alice- straße, ohne in der Lage zu fein, seine Fahrgeschwindigkeit so einzurichten, daß er auf kürzeste Entfernung seinen Wagen einhalten konnte. In einem Strafbefehl erhielt er 10 Mark Geldstrafe. Der dagegen eingelegte Einspruch war erfolglos. Das Gericht erkannte wegen Verstoß gegen die Kraftfahrzeugverkehrsordnung auf 10 Mark Geldstrafe. Ein Einwohner von Gießen verunreinigte am 6. Januar den Neuenweg zu Gießen, indem er aus dem Garten feines Hauses in der Johannesstraße wenn es das Schicksal ihres Volkes gilt Die Bot stellt sie heute schon mit der Tat in Reih und Glied ihrer Väter, die unter Aufopferung ihres Lebens nur das eine kannten, das sie immer wieder überwinden ließ: ihr Volk. So wie jene mit ihren Leibern einen lebendigen Schuhwall um ihre Heimat legten, so werden heute deutsche 3ung- oottjungen mit ihrem jungen Leben bereitwillig der Bot wehren, als die junge Kraft, die aus der Gegenwart die Zukunft baut. Und da darf keiner fehlen, wenn aus dem wenigen, dem einzelnen, das Opferwerk des gesamten Oberhefsen werden soll, ein Bekenntnis zur großen Botgemeinfdjaff der 0 berhesst f ch e n 3 ugend und der gesamten Bevölkerung. Zu dir wird der einzelne 3unge kommen, du wirft ihn nicht wegfchicken, ohne feine Bitte erfüllt zu haben. Du wirst nicht oergeffen, daß die Bot der anderen Volksgenossen auch deine eigene ist und du nur durch Opfer dich zu deinem Volke bekennen kannst! Am Donnerstag, 15. und Freitag, 16. d. Bl. wird das Jungvolk in den einzelnen Häusern die Anzahl der einzusammelnden Laib Brote feststellen und als äußeres Zeichen der Zugehörigkeit zu der großen Opfergemeinschaft an jede Tür die Plakette mit der weißen Si grüne auf blauem Grunde, das Zeichen des Oberjungbannes IV Oberhessen, heften. Im Laufe des Samstags werden die Brote von den Sammlern abgeholt. Wir bitten dabei zu beachten, das Brot so abzugeben, wie wir es selber zu empfangen wünschen, also möglichst frisch, damit nach dem langen Transport das Brot immer noch genießbar ist. Das gesamte Ergebnis wird dem Winterhilfswerk der Stadt Offenbach zugestellt. Alle müßt ihr dabei fein! helft dem Jungvolk, daß es dem Winterhilfswerk helfen kann! Gebt für das tägliche Brot, ihr lindert die Bot. heil Hitler! Oberjungbann IV Oberhessen Gez. h. Philippi. Volksgenossen zum Wohle der Gesamtheit des deutschen Volkes. Die Einsammlung der gezeichneten Brote wird am Freitag, 16. Blärz, und Samstag, 17. Bl ä r z vorgenommen. Ich bitte, dafür zu sorgen, daß die Brote in einigermaßen frischem Zusiande (nicht zu trocken) sind. Damit diese Sammlung sich schnell und reibungslos vollzieht, bitte ich an den genannten Tagen die Spenden bereitzuhalten. Zeige jeder deutsche Volksgenosse an diesem Tage seine Verbundenheit mit dem Führer und dem Volke dadurch, daß der Bationalsozia- lismus für ihn nicht nur ein Lippenbekenntnis, sondern eine Tat der Opferbereitschaft und Gebefreudigkeit ist. heil Hitler! gez. Kloß, Kreisführer des WHW. Offenbach helfen und Freude bereiten können. Bielbungen find bis spätestens Bliffrood), 1 4. Bl ä r z d. I., an die Kreisführung des Winterhilfswerkes, Gießen, Amtsgericht, Zimmer 202, Telephon 2297, zu richten. Ich hoffe von jedem Lasi- kraftwagenbefiher, daß er das Jungvolk im Kampfe gegen hunger und Kälte unterstützt und somit fein Teil an der großen Hilfsaktion des deutschen Volkes beiträgt. heil Hiller! gez. Kloß, Kreisführer des WHW. Papier auf die Straße warf. Er erhielt einen Strafbefehl über 5 Mark Geldstrafe. Auf den Einspruch des Angeklagten erkannte das Gericht auf die im Strafbefehl festgesetzte Strafe. Große Strafkammer Gießen. Ein Autobesitzer aus Nieder-Wöllstadt fuhr vor einiger Zeit in angetrunkenem Zustand mit unver- antwo.rtlicher Geschwindigkeit zwei Personen derart an, daß die eine, ein Reichswehrsoldat, 14 Meter weit flog und sofort tot war. Die Strafkammer erkannte gegen den Angeklagten auf 9 Monate Gefängnis Auf die Revision des Angeklagten wies das Reichsgericht die Sache an die Strafkammer zurück zwecks Prüfung der Frage, ob der Angeklagte in Ausübung seines Berufes die strafbare Handlung begangen hat Diese Frage wurde in der gestrigen Hauptverhandlung verneint. Das Gericht erkannte auf eine Gefängnisstrafe von 5 Monaten. Wegen Betrugs und Unterschlagung stand ein in Kirchbracht wohnender, bisher 18mal vorbestrafter Mann vor Gericht. Es handelte sich bei dem Angeklagten um einen Darlehensschwindler, der nichtsahnenden Leuten gegen eine Vergütung von 15 Mk. versprach, Geld zu beschaffen. Sein Versprechen hielt er jedoch nicht ein. Daneben verbrauchte er für eine Versicherung vereinnahmtes Geld für seine persönliche Zwecke. Der Vertreter der Anklage hatte 1% Jahre Zuchthaus beantragt. Das Gericht verurteilte den Angeklagten unter nochmaliger Annahme mildernder Umstände zu 1% Jahren Gefäng- n i s. (tircbfitbe Tlothritbfen Evangelische Gemeinden. Mittwoch, den 14. März. Iohanneskirche. 18 Uhr: 5. Pafsionscmdacht; Pfr. Bechtolsheimer, OasFungvolk sammelt Brot! Die Lastwagenbesiher helfen -em Jungvolk. Bundfunkprogramm. Donnerstag, 15. Blärz. 7.10 Uhr: Frühkonzert. 10.45: Praktische Rat- chläge für Küche und Haus. 11.50: Sozialdienst. 12 Mittagskonzert. 14.40: Kinderstunde. 16: Nach- mi'ttagskonzert. 17.30: „Die Sendung des Mythos , Vortrag. 17.45: „Boote zu vermieten". Ein Sketsch. 18: Neuzeitliche Anschauungen in der Medizin. Vortrag. 18.15: „Familie und Rasse". 18.25: Spani- cher Sprachunterricht. 18.50: Sozialdienst. 19: Stunde der Nation: „Die Flöte des Dionysos 20.10: „Es blökt das Rind — es schreit das Kind. Lebenskampf im vergessenen Waldgebirge des Spes- arts. 21: Unterhaltungskonzert. 22.15: Du mußt wissen. 22.40: Eine Viertelstunde aus der Pfalz. 23: Nachtkonzert. Erstaufführung alter Musik. 23.45: Vom 30.-Berliner Sechstagerennen. 24 bis 1: Nachtmusik. Briefkasten der fieöaffion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) F. in S. 1. Sie können das Motorrad jederzeit wieder anmelden, ohne eine Abnahmegebühr bezahlen zu müssen. Die früheren Bestimmungen in dieser Hinsicht sind aufgehoben. 2. Die Antwartschaft in der Invalidenversicherung lebt wieder auf, wenn der Versicherte wieder eine versicherungspflichtige Beschäftigung aufnimmt oder durch freiwillige Beitragsleistung das Versicherungsverhältnis erneuert und danach eine Wartezeit von 200 Beitragswochen zurücklegt. Hat der Versicherte bei Wiederaufnahme der versicherungspflichtigen Beschäftigung ober bei der Erneuerung des Versicherungsverhältnisses durch freiwillige Beitragsleistung das 60. Lebensjahr vollendet, so lebt die Anwartschaft nur auf, wenn er vor dem Erlöschen der Anwartschaft mindestens 1000 Beitragsmarken verwendet hatte. Hat der Versicherte das 40. Lebensjahr vollendet, so lebt die Anwartschaft durch freiwillige Beitragsleistung nur auf, wenn er vor dem Erlöschen der Anwartschaft mindestens 500 Beitragsmarken verwendet hatte und danach eine Wartezeit von 500 Beitragswochen zurücklegte. h. in G. Beim Vorliegen der fachlichen und persönlichen Voraussetzungen des Gesetzes wird auch dieses Bauerngut Erbhof, trotz des Testaments. Der Anerbe wird der Sohn unter der Voraussetzung, daß er fähig ist, den Hof zu bewirtschaften. Auch ein Kaufmann kann dazu fähig fein, wenn er auf dem Hof aufgewachsen ist. Andernfalls muß er bis zum Tode der Mutter die Fähigkeit erlernen, wenn er Anerbe werden will. Tut er dies nicht, so wird die älteste Tochter Anerbe, wenn sie dazu fähig ist. Hat sie schon einen Erbhof, so scheidet sie als Anerbe aus, und der Nächstberufene (z. B. Neffe usw.) kommt dran, wenn sie nicht innerhalb sechs Wochen nach dem Erbfall dem Anerbgericht gegenüber erklärt, daß sie den jetzt anfallenden Hof übernehmen und dem Nächstberufenen ihren seitherigen Hof überlassen will. Gewinnauszug 5. Klasse 42. Preußisch-Süddeutsche (268. Preuß.) Staats-Lotterie Ohne Gewähr Nachdruck verboten 28. Ziehungstag 12. März 1934 In der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 10 Gewinne zu 6000 M. 166696 269423 291604 293277 341217 106868 8 Gewinne,u 3000 W. 88107 92422 399875 12 Gewinne,u 2000 M. 8903 9380.41585 289240 333796 123735 10 Gewinns Zu 1000 M. 2844 74046 245163 337191 227105 64 Gewinne zu 500 M. 29767 37914 40677 42083 65331 66893 80691 91354 96169 101689 116012 120214 134612 140322 168222 169114 264771 266001 289417 304008 307614 317393 339382 341388 360917 362496 310760 372 Gewinn« zu 300 Ai. 2320 2402 3720 8082 9076 9139 9574 22344 26580 27742 33195 42993 43658 44564 46267 48566 56723 65811 58766 60871 60991 62479 69790 75631 77423 81865 82587 83433 87800 88530 89623 90455 95707 100603 101586 103725 112498 115174 117201 119333 123000 124640 128941 130939 131774 133381 134484 135591 135630 137466 140811 142657 143292 144268 147471 149701 152917 156016 161674 168443 168901 171106 171300 171717 172026 173519 174585 174675 177247 177687 179487 180949 182356 182406 184936 189434 191409 191889 192945 193983 197098 203674 206321 206915 206954 208398 209681 210769 214341 221454 221545 221780 221920 223145 224517 227769 229962 230228 230547 236842 238644 240784 241419 244707 244863 247526 249016 252361 262901 260284 260606 263659 264046 265491 266590 267442 268712 269512 270198 272313 273045 276080 276338 278599 281602 283237 283300 284322 286164 287354 287549 291382 292464 301368 304339 305359 305705 309473 311873 313711 314366 317363 317366 318161 319249 320946 321409 321702 325788 329769 331276 331665 334193 335000 335190 335456 336370 337589 340587 343285 345088 345279 357009 366624 370043 370567 374393 374454 375240 376156 379105 380355 381239 383857 384342 388027 388259 388280 388564 389607 389896 392750 393530 397401 399920 392061 Ln der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2 Gewinne zv 1OOOO M. 297427 4 Gewinne zu 5000 M. 90865 258391 12 Gewinne zu 3000 AI. 121276 128458 286953 338826 382"? 12 389963 16 Gewinne zu 2000 Al. 1462 61584 110497 162408 208612 267198 294550 360016 16 Gew nne zu 1000 M. 11 3465 136100 260975 264919 305309 323094 352141 366778 44 Gewmne?a 500 911. 23363 32757 106453 110974 112035 153903 155566 159106 180552 187297 195439 222942 228551 231225 246812 252190 281507 333977 352235 360764 375344 381501 262 Gewinne zu 300 M. 7993 9124 11892 14294 20872 24638 27128 27701 28792 29183 29639 31780 37499 44206 50499 51583 51912 52910 54056 54301 64538 55405 56281 56392 58592 64103 76072 77178 83128 87351 88920 90962 91060 93065 95284 95914 102731 103593 104379 106720 108198 109762 124512 128210 138218 140136 149391 164505 163385 163921 164646 165450 166068 167659 168637 173071 173829 176767 178394 180769 186916 188101 188582 188749 194295 195433 197699 198290 206851 209971 214684 219597 223795 225014 225420 232036 234685 235157 241937 244542 247912 262998 263234 265123 256523 256820 267386 258928 262851 278670 281882 284226 287699 288047 288266 290977 293019 293303 294816 295279 296197 301167 302165 305376 308944 310856 318825 320098 322388 324620 325707 326912 334554 336397 337015 339902 342180 349470 361302 362190 364640 367634 371103 375502 382982 384692 385617 386015 390726 394092 398744 20 Tagesprämien. Auf jede gezogene Nummer sind zwei Prämien zu fe 1000 RM gefallen, und zwar je eine auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II: 90353 106314 122766 149688 321727 371664 380311 399668 179428 184863 Im Gewinnrade verblieben: 2 Gewinne zu k 1000000, 2 zu je 5000, 6 zu je 3000, 6 zu je 2000, 80 zu je 1000, 86 zu je 500, 458 zu je 300 rmh 40 Tagesprämien zu je 1000 MarL Zeiifragen des Mittelstandes. Oie Einkommensteuer- Veranlagung für das Wiri- schastsjahr 1933. Die allgemeine Frist zur Abgabe der Einkommen- steuerertlärung war am 15. Februar 1934 ab gelaufen. Diese Erklärungen werden nunmehr in Verbindung mit etwaigen Ergänzungen und sonstigen Unterlagen den Ausgangspunkt für die Veranlagung Des Einkommens für das Jahr 1933 bilden. Die gesetzliche Grundlage für die Veranlagung findet sich im Einkommensteuergesetz von 192v m Verbindung mit dem Gesetz über die Einkommensbesteuerung für 1933 vom 21. Dezember 1933. Im Rahmen der bevorstehenden großen Steuerreform wird, wie aus den vom Reichsfinanzministerium herausgegebenen Richtlinien zur Veranlagung der Einkommen- und Körperschaftsteuer für 1933 zu entnehmen ist, eine grundlegende Umgestaltung der gesetzlichen Vorschriften auf dem Gebiete der Einkommensbesteuerung erfolgen. Dieses bevorstehende neue Einkommensteuergesetz wird jedoch noch nicht auf Steuerabschnitte, die im Kalenderjahr 1933 enden, Anwendung finden. Staatssekretär Reinhardt weist in feinem Artikel „Volksgemeinschaft und Steuerpslicht^ darauf hin, daß im ersten Hitler-Jahr im Gegensatz zu den unmittelbar voran- gegenen Jahren keinerlei Steuererhöhungen erfolgt find, wohl aber verschiedene erhebliche Steuererleichterungen für diejenigen Volksgenossen, die sich aktiv in den Kampf um Die Verminderung der Arbeitslosigkeit eingeschaltet haben. Die Steuerpolitik ist im Jahre 1933 in erster Linie auf eine Verminderung der Arbeitslosigkeit abgestellt gewesen. Demgemäß sind folgende steuerliche Vergünstigungen eingeführt worden: 1. Befreiung aller nach dem 31. März 1933 erstmalig zugelassenen Personenkraftfahrzeuge von der Kraftfahrzeugsteuer durch das Gesetz über Aende- rung des Kraftfahrzeugsteuergesetzes vom 10. April 1933 2. Steuerfreiheit für Ersatzbeschaffungen durch Abschnitt II des Gesetzes zur Verminderung der Arbeitslosigkeit vom 1. Juni 1933. 3. Steuerfreiheit für die Beträge der freiwilligen Spende zur Förderung der nationalen Arbeit durch Abschnitt III des Gesetzes zur Verminderung der Arbeitslosigkeit vom 1. Juni 1933. 4. Steuerermäßigung für Hausgehilfinnen und Befreiung der Hausgehilfinnen von der Abgabe zur Arbeitslosenhilfe durch Abschnitt IV des Gesetzes zur Verminderung der Arbeitslosigkeit vom 1. Juni 1933. 5. Steuerermäßigung für Instandsetzungen und Ergänzungen an Betriebsgebäuden durch § 1 des Gesetzes über Steuererleichterungen vom 15. Juli 1933. 6. Steuerfreiheit für einmalige Zuwendungen an Arbeitnehmer durch § 2 des Gesetzes über Steuererleichterungen vom 15. Juli 1933 und durch den Runderlaß über Steuerfreiheit für Weihnachtsgeschenke an Arbeitnehmer vom 30. November 1933. 7. Senkung der Umsatzsteuer für die Landwirtschaft durch Abschnitt III des Zweiten Gesetzes zur Verminderung der Arbeitslosigkeit vom 21. September 1933. 8. Steuerfreiheit für Aufwendungen zu Zwecken des zivilen Luftschutzes durch den Runderlah vom 10. Oktober 1933. 9. Erlaß rückständiger Steuern durch die Runderlasse, betreffend Flüssigmachung von Steuerrückständen für Arbeitsbeschaffung, vom 28. November und 9. und 24. Dezember 1933. In den oben erwähnten Richtlinien ist darauf hingewiesen, daß alle diese Maßnahmen auf das Steueraufkommen unmittelbar vermindernd und mittelbar erhöhend wirken. Die unmittelbare Verminderung ergibt sich aus den zunächst erfolgenden Steuervergünstigungen. Die mittelbare Erhöhung ergibt sich aus den erhöhten Umsätzen, den erhöhten Einkommen und dem erhöhten Verbrauch, die in Auswirkung der Steuervergünstigungen zu verzeichnen sind. Für die im Kalenderjahr 1933 endenden Steuerabschnitte werden die veranlagte Einkommensteuer, die Krisensteuer der Veranlagten, der Zuschlag zur Einkommensteuer für die Einkommen von mehr als 8000 Mark und der Zuschlag zur veranlagten Einkommensteuer der Ledigen zu einer Einheit zusammengefaßt. Diese Zusammenfassung entspricht der vorjährigen Regelung und stellt im Vergleich zu der früheren Uebung eine Vereinfachung dar. Durch die getrennte Anforderung dieser verschiedenen Arten von Steuern war in früheren Jahren der Einkommensteuerbescheid ziemlich unübersichtlich, und es bedurfte für manchen Steuerpflichtigen eines längeren Studiums, um sich Gewißheit darüber zu verschaffen, was denn nunmehr auf Grund des Bescheides zu zahlen war. Dem Gesetz über die Einkommensbesteuerung für 1933 ist eine Tabelle für die Einkommensteuer 1933 beigegeben, aus der die Einkommensteuer — abzüglich des Abschlags nach dem Gesetz vom 23. Juli 1928, zuzüglich der oben erwähnten Zuschläge — je nach dem Familienstand ersichtlich ist. Besondere Abzüge an Familienermäßigung vom Einkommen finden somit nicht statt, da diese Ermäßigung sich in einer -entsprechend niedrigeren Steuer ausdrückt. Bei der Steuerberechnung kann deshalb nur insoweit auf Die einzelnen Tarifvorschriften des Einkommensteuergesetzes, des Gesetzes über die Abschläge, der Zuschlagsverordnung und des Krisensteuergesetzes zurückgegriffen werden, als ihre Anwendung besonders vorgeschrieben ist. In dem neuen Steuerbescheid ist der Familienstand eines Steuerpflichtigen .zu Beginn des Steuerabschnitts zu berücksichtigen. Wenn im Laufe des Steuerabschnitts Familienangehörige, für die Ermäßigungen zu gewähren sind, hinzugetreten sind, so sind die Familienermäßigungen bei der Veranlagung für den ganzen Steuerabschnitt zu gewähren, wenn die Voraussetzungen im Laufe des Steuerabschnitts mindestens Dier Monate bestanden haben. Das gleiche gilt für die Befreiung vom Ledigenzuschlag. Hierbei ist zu ^berücksichtigen, daß der Zuschlag zur veranlagten «Einkommensteuer der Ledigen durch § 20 des Gesetzes zur Förderung der Eheschließungen (Gesetz zur Verminderung der Arbeitslosigkeit vom 1. Juni 1933, Abschnitt V) mit Wirkung ab 1. Juli 1933 weggefallen ist. Nach dem zuletzt genannten Gesetz werden ab 1. Juli 1933 zur Aufbringung der vom Reiche unter bestimmten Voraussetzungen gewährten Ehestandsdarlehen alle ledigen Personen, die Einkünfte im Sinne des Einkommensteuergesetzes haben, zu einer Ehestandshilfe herangezogen. Steuerpflichtige, deren Reineinkünfte unter 750 Mark jährlich betragen, bleiben von der Ehestandshilfe frei. Als ledig im Sinne des Gesetzes gelten die Personen, die nicht verheiratet sind, und verwitwete oder geschiedene Personen, aus deren Ehe Kinder nicht hervorgegangen sind. Personen, die zu Beginn des Steuerabschnitts verheiratet waren, auch wenn die Ehe im Laufe des Steuerabschnitts aufgelöst worden ist, sowie Personen, die im Laufe des Steuerabschnitts geheiratet haben, wenn die Ehe im Steuerabschnitt mindestens vier Monate bestanden hat, gelten nach den Bestimmungen über die Ehestandshilfe der Veranlagten nicht als ledig. Don der Ehestandshilfe der Veranlagten find befreit: 1. Unverheiratete Frauen, denen Kinderermäßigungen nach dem Einkommensteuergesetz (§ 52 oder 8 562) zustehen, wenn die Voraussetzungen hierfür bestanden haben: entweder zu Beginn des Steuerabschnitts oder mindestens vier Monate in dem Fall, daß sie erst im Laufe des Steuerabschnitts eingetreten sind. 2. Personen, die mindestens ein Sechstel ihres Einkommens zum Unterhalt ihrer geschiedenen Ehefrau oder eines bedürftigen Elternteils im Steuerabschnitt aufgewendet haben und denen aus diesem Grunde die Einkommensteuer für den Steuerab chnitt nach § 56 des Einkommensteuergesetzes ermäßigt wird. 3. Personen, die das 55. Lebensjahr zu Beginn des Steuerabschnitts oder mindestens vier Monate vor Beendigung des Steuerabschnitts vollendet haben. Bei der Berechnung der Reineinkünfte für die Ehestandshilfe find die Aufwendungen für Ersatzbeschaffungen und die Aufwendungen für Zwecke des zivilen Luftschutzes in der gleichen Weise abzusetzen, wie bei der Veranlagung zur Einkommensteuer. Dagegen dürfen freiwillige Spenden zur Förderung der nationalen Arbeit und auch die Abzüge für Hausgehilfinnen nicht abgesetzt werden. Hausbesitz und Arbeitsbeschaffung. Von Arthur Imarzly-Vofrei. ar= In dem Erlaß des Reichsarbeitsministers vom 4. Dezember 1933 über die Erleichterung der Finanzierung von Jnstandsekungsarbeiten an Gebäuden wird mit Befridigung festgestellt, daß „die von der Reichsregierung in we entlich verstärktem Ausmaß geförderte Jnstandsetzungsaktion sich gut eingespielt hat" und daß „fast überall Anträge in großer Zahl wirken. Was die Reichsregierung im Nahmen des Arbeitsbeschaffungswerkes für die Instandsetzung der Häuser, die einen wesentlichen Teil des deutschen Volksvermögens darstellen, getan hat, läßt sich auf diese Weise wohl faum mehr steigern. Auch die Erleichterung der Finanzierung des Kostenanteils, der von den Besitzern selbst aufzubringen ist, kann nur als eine Ergänzung der bisherigen Maßnahmen betrachtet werden. Nur ein kleiner Teil der Besitzer reparaturbedürftiger Häuser, die mit Aufträgen aus Mangel an eigenen Mitteln zurückhallen mußten, wird die erleichterte Finanzierung ausnutzen können, denn ein vorbehaltloser Verzicht auf jedwede trägen erfolgen kann. Diese Auffassung deckt sich uneingeschränkt mit der aller maßgeblichen amtlichen Stellen. Aus diesem Grunde werden verhältnismäßig mehr Reichszuschüsse für Wohnungs- t e i l u n g e n und Umwandlung von gewerblichen Räumen in Wohnungen angefordert, als für I n st a n d s e tz u n g s a r b e i - t e n. Die höheren Zuschüsse geben bei diesen Ueber- legungen nicht den Ausschlag, vielmehr ist es die Tatsache, daß durch Teilung und Umwandlung in der Regel eine Erhöhung des Hausertrages eintritt, oder mindestens der Wert des Hauses erhalten bleibt/ Bei Jnstandsetzungsarbeiten wird wohl der substanzmäßige Wert erhöht, aber nur in seltenen Fällen sofort der Ertragswert. In den letzten Monaten sind nun zahlreiche Anregungen und Vorschläge gemacht worden, auch solche Gebäudebesitzer in den Genuß der Reichs- zuschMe für Jnstandsetzungsarbeiten zu setzen, die aus Mangel an Kredit und Kreditsicherheiten sich von der Arbeitsbeschaffung bisher fernhalten mußten. Hauptsächlich wollte man für diese Zwecke Teile der Hauszinssteuer heranziehen. Die Regierung konnte aber diesen Plänen ebensowenig zustimmen wie den Anregungen, die Zuschußsätze des Reiches für einige besonders notleidende Gebiete zu erhöhen. Neuerdings ist ein weiterer ausgebauter Plan aufgetaucht, der die für den 1. April 1935 und 1. April 1937 zu erwartende Hauszinssteuersenkung der Restfinanzierung von Jnstandsetzungsarbeiten nutzbar machen will. Es wäre wohl verfrüht, diesen Plan näher zu erörtern, denn er erfordert eine Festgesörderte Jnstandsetzungsaktion sich gut emgespl hat" und daß „fast überall Anträge in großer Zc bei den Bewilligungsstellen eingegangen sind". Dc aus geht hervor, daß das Werk der Reichsregierung zur Wiederherstellung des Hausbesitzes und zur Arbeitsbeschaffung in tatkräftiger Weise unterstützt worden ist. Die Bemühungen des Reichsarbeitsministers zur Erleichterung der Finanzierung der vom Gebäudeinhaber aufzubringenden Kostenanteile lassen jedoch erkennen, daß die Aufbringung der erforderlichen Mittel einem großen Teil des Haus- belitzes Schwierigkeiten bereitet, die selbstverständlich auch auf die Arbeitsbeschaffung hemmend ein- Sicherstellung neuer Kredite kommt bei keiner der neuerlichen Finanzierungsarten in Betracht. Eine sehr große Anzahl von Wohnhaus- und Geschäftshausbesitzern hat aber die ihnen zur Verfügung legung der Mietpreisbildung, die Vorwegnahme einer erst später zu fällenden Entscheidung. Noch weitergehende Erleichterungen, als sie bislang die _ Reichsregierung schon geschaffen hat, werden also stehenden Sicherungsmöglichkeiten seit langem er'- i wohl nicht mehr zu erwarten sein, so daß jeder Geschöpft. Neue Schüldverbindlichkeiten lassen sich bäudebesitzer gut täte, noch einmal zu prüfen, ob volkswirtschaftlich nur dann rechtfertigen, wenn ihre seinen privatwirtschaftlichen Erwägungen sich nicht Verzinsung und Tilgung aus erwirtschafteten Er-1 doch noch etwas weitergesteckte Grenzen setzen lassen. Gedanken über das bisherige Versorgungsrecht. Von Vegierungsrai von Bechtold, Darmstadt. Mit dem in nächster Zeit zu erwartenden Inkrafttreten des neuen Versoraungsgesetzes schließt ein Abschnitt in der Kriegsversorgung. Es erscheint angebracht, aus langjähriger Praxis heraus einen Rückblick auf diesen Abschnitt zu werfen. Der große Krieg, ein Ereignis einzig dastehend in der Weltgeschichte, bedingte eine einzigartige Regelung der Entschädigung für die an diesem furchtbaren Ringen Beteiligten und die Hinterbliebenen. Schon der Anblick all des Grauenhaften an der Front mußte auch bei den mit heiler Haut entrinnenden Kriegsteilnehmern bleibenden Eindruck hinterlassen, um wieviel stärker noch bei den Verwundeten und Erkrankten, die dazu verurteilt sind, die Merkmale des Kampfes zeitlebens mit sich herumzuschleppen, eine Last, die der Mensch mit gesunden Gliedern nur ahnen, aber nicht fühlen kann. Jeder Schaden, und sei er auch nicht sehr erheblich, verlangt Schadenersatz, soweit Dienstbeschädigung vorliegt. Das Reichsversorgungsgesetz, das am 1. April 1920 in Kraft getreten ist, hat den Begriff „Dienstbeschädigung" auf die „Einwirkung" militärischer Dienstverrichtungen, von Unfällen im Militärdienst oder von Verhältnissen, die diesem eigentümlich sind, abgestellt, also subjektiv in Richtung auf den gesundheitsschädigenden Erfolg; das Mannschaftsversor- güngsgesetz vom Jahre 1906 jedoch hatte objektiv diesen Erfolg selbst, nämlich die Gesundheitsstörung, als die Dienstbeschädigung bezeichnet. Es muß zugegeben werden, daß die Begriffsbestimmung des Reichsversorgungsgesetzes mehr als die des Mannschaftsversorgungsgesetzes mit seiner „Gesundheitsstörung" darauf hindeutet, daß es auf deren Ursache in erster Linie ankommt, nämlich den Militärdienst. Dies muß heroorgehoben werden, weil damit die Frage, ob eine Dienstbeschädigung überhaupt vorliegt, in den Vordergrund gestellt wird, eine Frage, die in so viel tausenden von Fällen streitig war und bei unendlich zahlreichen Gesundheitsstörungen den Kriegsteilnehmern Anlaß gab, militärdienstliche Einwirkungen zu behaupten, von der oft, z. B. bei alten oordienftlichen Leiden, gar keine Rede fein konnte. Die im Vergleich zu den begründeten Ansprüchen ganz unverhältnismäßig große Zahl solcher mangels Dienstbeschädigung ungerechtfertigten Anträge und Berufungen war zunächst durch das unverantwortliche Treiben mancher gewissenloser bevollmächtigter Verbandsoertreter des alten Systems veranlaßt, die in einem Heer ihrer Schützlinge Hoffnungen erweckten und nährten, die sich meist nicht erfüllt haben und auch nie erfüllen konnten. Angesichts dieses Vorgehens litten naturgemäß die wirklich Berechtigten, und die dadurch bewirkte Ueberfülle von Rentenbegehren war mit ein Grund, große Teile der übrigen Bevölkerung gegen die Kriegsbeschädigten einzunehmen. Letzteres war ja auch in der Stimmung der herrschenden Kreise begründet — ganz zu geschweigen von der Animosität der sog. besseren Klasse: Hier von nationaler und sozialistischer Gesinnung gegenüber den Kriegsopfern keine Spur. Anderseits wurde das hohe Anschwellen unbegründeter Rentenansprüche durch die Beseitigung der im Mannschaftsversorgungsgesetz vorgesehenen Kriegsdienstbeschädigung beeinflußt, d. h. der „durch den Krieg" herbeigeführten Dienstbeschädigung. Das Reichsversorgungsgesetz kennt (mit einer bedeutungslosen Ausnahme) die Kriegsdienstbeschädigung nicht mehr, es setzte damit die Kriegs- und die allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse in bezug auf Dienstbeschädigung gleich. Der tiefere Grund dieser die wirklichen Kriegsopfer der Front durch Gleichbehandlung mit den Beschädigten der -Etappe und der Heimat benachteiligenden Maßnahme des Gesetzgebers des Reichsversorgungsgesetzes ist bekannt, sie entspricht der ganzen politischen Tendenz der letzten 14 Jahre, in denen die Begriffe Würde und Ehre der Kriegsopfer, der wahren Kriegsopfer, nichts mehr galten und daher ausgemerzt wurden, wie im übrigen auch durch Streichung des Wortes „Militär" im gesamten Militärversorgungswesen verfahren wurde, als ob der deutsche Staat niemals ein Militär besessen hätte. „Militärversorgung" war bezeichnend, „Kriegsversorgung" wäre bezeichnender gewesen, „Versorgung" ist alles, Unterstützung, Hilfe pp. Dienstbeschädigung „durch den Krieg" verlieh nach dem Mannschaftsversorgungsgesetz den ehrenvollen Anspruch auf eine Kriegszulage, und das mit Recht. Mag auch mancher Dienstbeschädigungsfall gewisse Schwierigkeiten in der Beurteilung aufgewiesen haben, ob „durch den Krieg oder nicht — diese Fälle waren nicht derart zahlreich, das deshalb die Aufhebung der Kriegsdienstbefchädigung und der Kriegszulage gerechtfertigt gewesen wäre, aber es war damit für ihre Beseitigung ein Vorwand gegeben. Der Krieg war nicht nur groß, er war auch lang, und vier Jahre machen immerhin einen Zeitraum aus, der es angebracht erscheinen läßt, zu überlegen, ob es tatsächlich am Platze gewesen wäre, bei der Beurteilung des Grades der Erwerbsunfähigkeit den von dem Verletzten vor feiner Einstellung in den Militärdienst ausgeübten Beruf, soweit ein besonderer Beruf ausgeübt wurde, allgemein zu berücksichtigen. Das Mannschaftsversorgungsgesetz, das diese Vorschrift enthielt, rechnete seinerzeit bei seinem Inkrafttreten im Jahr 1906 wohl kaum mit der Dauer eines Krieges von über vier Jahren, nach deren Ablauf oft nach einem früheren Beruf überhaupt nicht mehr gefragt wird, oder mit der Einziehung zahlloser junger Leute zum Kriegsheeresdienst, die noch gar keinen Beruf erlernt oder länger ausgeübt hatten. Das Reichsver- forgungsgefetz hat daher grundsätzlich die Erwerbsbeschränkung im Beruf fallen lassen und, den Vorschriften in der Invaliden- und Unfallversicherung entsprechend, den allgemeinen Arbeitsmarkt und die Erwerbsbeschränkung auf diesem in den Vordergrund gestellt, dem Beruf allerdings durch eine sogenannte Ausgleichszulage zur Rente Rechnung getragen. Es ist aber klar, daß der Beruf, namentlich wenn es sich um einen besonderen Facharbeiter handelt, niemals völlig außer Betracht bleiben kann, und insbesondere dann nicht, wenn die Kenntnisse und Fähigkeiten geprüft werden, auf Grund deren dem Beschädigten erwerbsbringende Arbeit billigerweise zugemutet werden kann. Erwerbsbringende Arbeit — das ist das große Problem, das auch in der Kriegsversorgung eine bedeutende Rolle spielt. Das Reichsversorgungsgesetz bemißt den Grad der Minderung der Erwerbsfähigkeit u. a. nach dem Maß, in dem Tatkraft aufgewendet werden muß, um sich Erwerb zu verschaffen. Was aber hilft selbst die außergewöhnliche Tatkraft gegenüber allgemeiner ArbeitslosigkeU. Lähmt diese doch auch umgekehrt alle Tatkraft des einzelnen. Und doch vertritt die höchstinstanzliche Rechtssprechung den Standpunkt, daß die allgemeine Arbeitslosigkeit ein vorübergehender Zustand sei, der bei der Prüfung der Erwerbsminderungsfrage außer Betracht zu bleiben habe. Gewiß, wir find dank den Maßnahmen der nationalsozialistischen Regierung auf dem besten Wege, der Arbeitslosigkeit zu steuern, aber trotzdem lohnt sich die Erörterung der Frage, ob nicht der Wortlaut des Gesetzes selbst einen Hinweis darüber enthält, daß die allgemeinen Arbeits- und Erwerbs- oerhältnisie tatsächlich bei der Feststellung des Gra- des der Erwerbsminderung nicht völlig ausscheiden bürfen — eine Frage, mit der sich neuerdings das Schrifttum mehrfach beschäftigt hat. Das Mannfchaftsverforgungsgefetz spricht vom Grad der Erwerbsunfähigkeit, was wohl erkennen läßt, daß zur Zeit feines Erlasses wirtschaftlich normale Erwerbsverhältnisse Vorlagen, unter denen jeder Erwerbsfähige Arbeit und Verdienst finden konnte, es sei denn, daß er mehr oder weniger erwerbsunfähig war, d. h. nach ärztlichem Urteil körperlich oder geistig mehr oder minder leistungsfähig. Im Reichsversorgungsgesetz gilt als Maßstab die Minderung der Erwerbsfähigkeit, ein Begriff, der deutlicher auf die Auslegung hin- weist, daß die Beurteilung nicht nur den vom Arzt festzustellenden Grad der Leistungs- bzw. Leistungsunfähigkeit, sondern auch die wirtschaftliche Frage umfassen soll, inwieweit auf Grund der Leistungsfähigkeit die Erwerbsmöglichkeit gemindert ist oder nicht; die Beantwortung dieser letzteren Frage hängt aufs engste mit den allgemeinen wirtschaftlichen Zuständen, also mit der Arbeitslosigkeit zusammen, und wenn schon, dann auch von dieser ab. Dies die Tendenz neuerer Anschauungen, die trotz entgegenstehender Entscheidungen des Reichsversicherungsamts und Reichsversorgungsgerichts viel Berechtigung für sich haben und deshalb Beachtung verdienen. Der Wortlaut des Reichsversorgungsgesetzes ist allerdings nicht aus- sührlich genug, um eine Auslegung im Sinne der gegenwärtigen Bestrebungen unbedingt zuzulassen. Jedes Gesetz ist in seiner Fassung abhängig von den Verhältnissen seiner Zeit. Und dem hat das Reichsversorgungsgesetz Rechnung zu tragen gesucht, wenn auch wohl Denen beigepflichtet werden kann, die der Meinung waren, auch das Mannschafts- versorgungsgefetz habe, hätte man es in der Nachkriegszeit bestehen lassen, seinen Zweck erfüllt. Dies mag namentlich von dem Mindestgrad der Versorgungsberechtigung gelten, der schon vom 1. Januar 1923 ab auf 25 v. H. erhöht wurde, indem man die darunterliegenden Rentensätze beseitigte, obwohl sie in der Unfallgesetzgebung noch bis Ende 1931 bestehen blieben. Jedenfalls ist die Auffassung weit verbreitet, daß bei Beibehaltung der kleinen Renten wenigstens noch bis in die letzten Jahre zahlreiche Renten von 25 bzw. 30 v. H. erspart geblieben wären. Die danach auf- kommende ausgedehnte Bewilligung von Renten von 30 v. H. hatte aber auch die Folge, daß der Unterschied zwischen Schwerbeschädigten zu 50 v. H. und Beschädigten zu 30 v. H. immer mehr verringert wurde, zum Vorteil der leichter Beschädigten, aber zum Nachteil der Schwerbeschädigten. Zur Schwerbeschädigung sollten allerdings noch einzelne Schädigungen gerechnet werden, die bisher nicht als solche bewertet wurden, z. B. manche Fälle von Amputationen, Augenverlust, Entstellung. Das Reichsversorgungsgesetz hat im Volksempfinden keine Wurzeln geschlagen, mag der Fachmann über Einzelheiten urteilen, wie er will. Sinn und Aufbau des Gesetzes waren nicht dazu angetan, es volkstümlich zu machen. Mitschuld daran trugen neben der Heraufsetzung des zur Rentenberecht'igung erforderlichen Mindestgrades von Erwerbseinbuße auf 25 v. H. die Notverordnungen, die teilweise an Kompliziertheit nichts zu wünschen übrig lassen; so stellen z. B. die Kann bezüge der Notverordnung vom 26. Juli 1930 an den Scharfsinn des Praktikers außergewöhnliche Anforderungen, geschweige denn, daß sie der Kriegsbeschädigte versteht. Erinnert sei hierbei auch an die Fülle der Vorschriften über Heilbehandlung und Versorgungskrankengeld, die in Tausenden von Fällen zu ungerechtfertigten Ausgaben — insgesamt von schwindelnder Höhe — und zu unzähligen Streitigkeiten nicht nur unter den Beschädigten selbst, sondern auch unter den verschiedenen dabei beteiligten behördlichen Stellen geführt haben und im neuen Versorgungsgesetz hoffentlich eine klare, einfachere und übersichtliche Regelung finden. Letzteres hat überhaupt von der sozialen Fürsorge des Versorgungsrechts zu gelten, deren Handhabung z. B. der Kapitalabfindung und Siedlung sich nicht zu Nutzen der Kriegsbeschädigten, sondern teilweise zu schwersten Schaden ausgewirkt hat. Schließlich sei noch vermerkt, daß sich die Vorschriften des Reichsversorgungsgesetzes über die Elternrente als verfehlt erwiesen haben. Bleibt noch die Frage, ob und wie sich die Vorschriften des Gesetzes über das Verfahren in Versorgungsfachen bewährt haben. Allgemeine grundsätzliche Klagen über den Rechtszug und die rechtsprechenden Behörden waren nur selten festzustellen und auch wohl kaum veranlaßt. Die Tätigkeit der Versorgungsgerichte und des Reichsversorgungsgerichts hat in den beteiligten Kreisen Anerkennung gefunden. Diese Spruchbeyör- den erwiesen sich jedenfalls insofern als durchaus geeignet, als sie den Spruchbehörden der Reichsoersicherung angegliedert find und diese auf dem Versorgungsrecht naheliegenden Gebiete der Unfallversicherung Recht sprechen. Andere Zeiten, andere Anschauungen und dementsprechend andere gesetzgeberische Maßnahmen. In diesem Sinne wird das neue Versorgungsrecht geregelt werden, dem die Kriegsopfer mit großen Hoffnungen entgegensehen. Mögen sie nicht enttäuscht werden, Denn alle zu befriedigen, wird nie gelingen. Arbeitsbeschaffung wird und muß immer das erste Ziel bleiben, Rente das letzte. Auf Einzelheiten kommt es im neuen Gesetz nicht so sehr an, wie auf fein Wesen. Dieses muß im Volksempfinden gegründet und die Sprache des Gesetzes muß dem Volk verständlich fein. Leicht ist die Aufgabe nicht, aber sie wird gelöst werden im Geiste der Gerechtigkeit und der Menschenliebe. Der leitende Gedanke und oberste Grundsatz muß lauten: Für d i e Kriegsopfer ist das Beste gerade gut genug. Das Gesetz und seine Auslegung müssen dehnbar und menschlich sein, sind doch Gesetzgeber und Kriegsopfer Menschen gleichermaßen. Aber der Kriegsbeschädigte schenkte dem Gesetzgeber der nationalsozialistischen Regierung Vertrauen, denn dieser besitzt den besten Willen zur beglückenden Tat. Dafür bürgt der Führer. Oberheffen. Generalversammlung des Obstund Gartenbauvereins Wiesest. (xd Wieseck, 18. März. Der hiesige Ob stund Gartenbauverein hielt am Sonntag in der Wirtschaft Braun seine ordentliche Generalversammlung ab. Der Vereinsführer Lehrer B e p p- l e r erstattete den Jahresbericht, dem u. a. folgendes zu entnehmen war: „Voll Hoffnung blickt der deutsche Bauernstand und mit ihm der Obst- und Gartenbau in die Zukunft. Ist man doch der lieber« zeugung, daß die nationale Regierung alles daran setzt, die deutsche Landwirtschaft wieder lebensfähig zu machen. Dies könne nicht durch die Einführung von hohen Schutzzöllen geschehen, sondern nur durch die Erziehung des deutschen Menschen dahin, in erster Linie deutsche Erzeugnisse zu kaufen. Besonders auf die Hausfrau müsse in diesem Sinne eingewirkt werden, da durch ihre Hand drei Viertel des deutschen Volkseinkommens ginge. Aber auch die Obst- und Gartenbauern müfsen alles daransetzen, durch Erzeugung von Qualitätsware, durch kaufgefällige Aufmachung, durch richtige Sortierung und in die Augen stechende Verpackung den Wettbewerb der ausländischen Erzeugnisse mit Erfolg aufzunehmen. Leider sei noch viel Arbeit zu leisten. Immer noch werden für Südfrüchte allein jährlich über 200 Millionen Mark ausgegeben und die Einfuhr von Pfirsichen hat sich sogar von 77 000 Doppelzentner auf 336 000 Doppelzentner gesteigert. Auch die Bananeneinsuhr ist von 448 000 Doppelzentner auf über eine Million im Jahre 1932 gestiegen. Regierung und berufliche Organisationen haben mit Gegenmaßnahmen bereits eingesetzt, um dieser gewaltigen Einfuhr so schnell wie möglich Einhalt zu gebieten. Obenan steht die Kennzeichnung der deutschen Ware in allen Geschäften. — Die Zahl der Mitglieder des Vereins hat sich im abgelaufenen Berichtsjahr um 21 vermehrt und beträgt nun 183. Die Rechnungsablage erfolgte durch Kaufmann A. Lotz. Sie ergab bei 903,10 Mark Ausgaben und 960,21 Mark Einnahmen einen Ueberfchuß von rund 57 Mark. Rechner Lotz berichtete dann über die durchgeführte Winterspritzung und konnte mitteilen, daß 20 Zentner Obstbaumkarbolineum zur Bekämpfung der Hauptschädlinge des Obstbaues verspritzt wurden. Baumwart Haas gab praktische Winke über die jetzt notwendigen Baumpflegearbeiten, mahnte, eine sorgfältige Wundpflege durchzuführen und dem gefährlichsten Feind des Obstbaues, dem Apfelblatt- floh, gehörig zu Leibe zu rücken. Um der seuchen- haften Verbreitung des Borkenkäfers Einhalt zu gerieten, müsse alles dürre Holz aus den Baumanlagen entfernt und verbrannt werden. Im ob gelaufenen Geschäftsjahr hat der Verein wieder eine Prämiierung der bestgepflegte st e n Baumanlagen durchgeführt. Erste Preise erhielten: Baumwart Ludwig Haas, Karl Erb und Heinrich Weller. Mit zweiten Preisen wurden bedacht: Wilhelm O ß w a l o, Karl S o m - m er lad Ww., Heinrich Werner III., Karl Schäfer, Heinrich Peter Becker, Heinr. Werner IV. und Hermann Weller. Anerkennungen wurden zuteil den Obstzüchtern: Heinrich Rohm, F. P a u s ch, Heinrich Eckhard, A. Lotz, Karl Schneider, Emil Kreiling und Ludwig Volzel. Der Vereinsführer gaib dann noch lehrreiche Auf- schlüsse über neue Sortenzüchtungen und hob die Bedeutung der neuen Polizei Verordnung über die Schädlingsbekämpfung im Obstbau besonders hervor. Den Beschluß der Tagung bildete eine Verlosung von Sämereien, Beerenhochstämmen, Sauerkirschen, Süßmost, sowie Garten- und Baumpflegegerätschaften. In i>er anschließenden Sitzung des Vereinsbeirates wurde die Anschaffung eines Süß- moftapparates beschlossen Im Herbst soll bei einer einigermaßen guten Ernte eine Obstausstellung veranstaltet werden. Landkreis Gießen. cf Großen-Buseck, 13. März. Bei der Straßensammlung für das Winterhilfswerk (Plakettenverkauf) konnten in der Ortsgruppe Großen-Buseck 110,38 Mark gesammelt werden. Dieser Betrag verteilt sich auf die einzelnen Zellen und Blöcke wie folgt: Großen- Buseck 42,81 Mark, Alten-Buseck 29,62, Trohe 6,30, Rödgen 13,85, Oppenrod 4,40, Burkhardsfelden 13,40 Mark. * Steinheim, 14. März. Dieser Tage ereignete sich in unserem Orte ein betrüblicher Vorfall. Eine Frau, die nach Geschäftsschluß bei der Gattin eines hiesigen Kaufmanns an einem Kaffeekränzchen teilnahm, belohnte die ihr erwiesene Gastfreundschaft sehr schlecht; sie begab sich in einem unbeobachteten Augenblick in den Laden und nahm aus der Ladenkasse den Betrag von 100 Mark. Die Ermittlungen sind im Gange. Die Hessen-Urlauber besuchen Chemnitz (Drahtbericht unseres Korrespondenten.) Am Dienstag statteten die 1200 Kurhessen, Mainzer, Wiesbadener, Darmstädter, Offenbacher, Groß- Gerauer, Hanauer, Wormser, Frankfurter usw. auf der Heimreise auch der Industriestadt Chemnitz einen Besuch ab. Auf dem Bahnhof wurden sie unter den Klängen einer Standartenkapelle von den Führern der Deutschen Arbeitsfront Sachsens und einer stattlichen Menschenmenge festlich empfangen. Viele Straßen trugen aus diesem Anlaß reichen Flaggenschmuck. Auf dem Bahnhof herrschte bei der Ankunft ein buntes Leben und Treiben und man fühlte sich förmlich in eine erzgebirgische Stadt versetzt, denn die Urlauber versuchten nicht nur den schönen erzgebirgischen Dialekt nachzuahmen, solidem sie hatten auch die verschiedensten Spielwaren, kleine Gewehre, Sterne, Hampelmänner usw. mitgebracht, die ihnen als Abschiedsgabe von den treuen Erzgebirglern geschenkt worden waren. Ganz originell waren die vielen Osterhasen, die in den verschiedensten Farben von den Urlaubern gezeigt wurden. Sie freuten sich alle über die schönen Tage, die sie im Schwartenberggebiet verleben durften. Wie mir ein Mainzer erzählte, habe er so schöne Ferien noch nie erlebt; es sei das schönste Erlebnis seines Lebens gewesen. Das Essen hätte wie bei Muttern geschmeckt und die Erzgebirgler hätten alles daran gesetzt, ihre lieben Gäste zufrieden zu stellen. Als sich der Sonderzug am Dienstagfrüh in Bewegung setzte, sah man in Heuhausen manch' nasses Auge, denn die Teilnehmer hatten alle Grenzen, die zwischen ihnen und den Sachsen standen, überbrückt und sich so zu einer großen einigen Familie zusammengeschlossen. Von dem Chemnitzer Hauptbahnhof marschierten die Urlauber geschlossen unter Vorantritt einer Kapelle und zahlreicher netter Plakate mit erzgebirgischen Aufschriften und unter großem Jubel der Chemnitzer Bevölkerung nach dem im Fahnenschmuck prangenden Opernhaus, wo ihnen zu Ehren eine Festvorstellung stattfand. Zunächst wurden sie von dem Obmann der Deutschen Arbeitsfront Sachsens herzlich begrüßt und dann gelangte als Festgabe das Lustspiel „Die zärtlichen Verwandten" von Roderich Benedix zur Aufführung, das ben Teilnehmern einige schöne und frohe Stunden schenkte. Es war das idealste Geschenk, daß man den Hessen zum Schlüsse ihrer schönen Erholungsreise machen konnte. Die zahlreichen Mitwirkenden leisteten ihr Bestes und erhielten reichen Beifall. Nachdem die Hessen bei Eintritt der Dunkelheit einen Umzug mit Fackelbegleitung veranstaltet hatten, marschierten sie wieder zum Bahnhof. DRAHT DRAHT DRAHT Franz Soldan. Gießen (Seltersweg 50), den 14. März 1934. 1560 A 1565V karte. 5838D CARL]\| owäC-K 14. März 1934. GIESSEN SEUEKSWEG 81 01392 01386 lieh. 1546A Sinlson-Supra Bekanntmachung Wen werden, wenn alles versagte, durch JNHABER: CARL HEINZ SCHLÜTER Am 13. März verschied plötzlich und unerwartet, nach einem schweren arbeitsreichen Leben, meine liebe Frau Damplsägewerklollar B.Huhn. Conor. <1 Die Beisetzung findet am Freitag, dem 16. März, nachmittags 3 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt R*et Mk. 1.10. Nur bei DrogerieElges Seltersweg 68a, Anmachholz Bestell, erbitten wir direkt an uns, möglichst v.Post- 13/20 PS., Baujahr 1932, steuerfrei, in gutem Zustand, 6 Siher, gut geeignet als Au- todroschke, ca. 39000 km gelaufen, preiswert verkäuflich. Anfragen befördert unter 55 Ala, Haasenstein & Vogler, Kassel. 1558y Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Tode unseres lieben Entschlafenen, sowie für die zahlreichen Kranzspenden sagen wir hiermit unseren besten Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Ernst Rodenhausen und Frau Anni, geb. GengnageL Gießen, Köln, den 14. März 1934. Men Torfmull in Ballen, Düngekalk empfiehlt W. Velte, Samenhandlg. 1485P Lich. „Eldro“ Frühstücks- Kräutertee "bewährtes, diätetisch. Genußmittel gegen Starkwerden! Verhütet läst. Fettbildung und erhält denKörperschlank und elastisch.Voll- kommen unschäd- Für die junge Ehe Ist eine gute Küchen-Ausstattung notwendig. Das Reich der Hausfrau — die Küche — muß vom ersten Tage so hergerichtet sein, daß das Arbeiten darin Freude macht. Wenn Sie für Ihre Aussteuer get beraten sein wollen, dann gehen Sie zu J. B. Häuser Am Oswaldsgarten 1438 a Gießen — Ruf Nr.2145/2146 Minna Soldan geb. Holzinger im 58. Lebensjahre. HÄUSER GIESSEN OSWALDSGARTEN RUF 2145*2146 Danksagung. • Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgang unseres lieben Entschlafenen, sowie für die zahlreichen Kranz- und Blumenspenden sagen wir auf diesem Wege unseren innigsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen: Margarethe Schwarz, Seh. Volk und Kinder. Gießen (Hillebrandstr. 2), Lollar, den 14. März 1934. __________________________________________________________________01389 HOF GARTEN“ HÜHNERFARMEN * MK Nachruf. Am 13. März wurde unser Mitarbeiter Herr Friedrich See unerwartet aus unseren Reihen gerissen. Wir verlieren in dem Dahingeschiedenen einen treuen Arbeitskameraden. Sein Andenken werden wir stets in Ehren halten. Die Cigaretten Frischdienst G. m. b. H. Filiale Gießen. Beschluß. lieber den landwirtschaftlichen Betrieb des Landwirts Otto Kutscher in Lollar wird das Entschuldungsverfahren gemäß dem Gesetz zur Regelung der landwirtschaftlichen Schuldoerhältnifse vom 1. Juni 1933 heute um 12.20 Uhr nachmittags eröffnet. 1563D Die Bezirkssparkasse Gießen wird zur Entschuldungsstelle ernannt. Die Gläubiger werden aufgefordert, ihre Ansprüche bis zum 20. April 1934 bei dem unterzeichneten Amtsgericht anzumelden und die in ihren Händen befindlichen Schuldurkunden dem Gericht einzureichen bei Meldung der in § 11 Abs. 2 des Entschuldungsgesetzes angedrohton Rechtsnachteile. Gießen, den 10. März 1934. Hessisches Amtsgericht. Iorsthaus bei Echzell, Oberhesscn. Gcgr. 1809. IBir nehmen Zhtzen die Sorge für die Erziehung und Bildung Zhrcs Zungen ab. Sei allen Dorzugen eines Lanvheims lchrplanmäßigcr, sorg- sülliger Unterricht, in kleinen Klassen. Erziehung zu selbständiger Arbeit. Frisches, kameradschaftliches Zusammenleben,- viel Körperschule. Sexta - Untersekunda — Oberrealschulc, Ncalgnmnastum. Beste Empfehlungen, prosp. frei durch ©nlurintf. Ig. Mann, Ans. 30er,ev./in selbst, gesich. Position, wünscht zw.bald. Heirat m.Fräul. nicht u. 25 Jahr., perf.i.Haush., a. g.Fam.,i.Briefwechselzutreten. Ausst. z. Gründ, eines kl. Haush. erw. Diskretion. Sehr. A.m. Bild u.näh.Ang.unt. 01387 a.d.G.A. V!!!!!!!!!VWW!!WWWW @iWenSS , < Donnerstag, den 15. März 1934, nachm. 2 Uhr, versteigere ich im „Löwen", Neuenweg 28 dahrer, zwangsweise geg. Barzahlung: 2 Diwans, 2 Schreibtische, zwei Chaiselongues, 2 Warenschränke, 1 Negistraturschrank, 2 Schreibmaschinen, 2 Klaviere, 200 Roll. Butterbrotpapier, 1 Vertiko, 1 Trummeauspieael, 3 Gläser- schränke, 1 Wirtfthafts-Büfett, 1 Badeofen mit Wanne, 2 Büfetts, 1 Kleiderschrank, 1 Wäscheschrank, 1 Vitrine, 1 Waschtisch, 1 Grammophon, 2 Sessel, ein Tischchen. Ferner an Ort und Stelle (Bekanntgabe erfolgt im Versteigerungslokal): 1 Armbanduhr, ein Colllers, 1 Kautsch, 17 Bände Brockhaus, 2 Bilder, 2 Büfetts, 2 Vertikos, 3 Schreibtische, vier Sofas, 2 Sessel, 1 Trummeau- spiegel, 1 Wintermantel, 1 Bücherschrank, 1 Rauchtisch, 1 Klavier, 1 Grammophon, 1 Kommode, 1 Kleiderschrank, 1 Tisch, 1 Chaiselongue, 1 Registraturschrank, 1 Ladentheke. uezD Moll Gerichtsvollzieher in Gießen Telefon 3239, Ludwigstraße 33. In unser Handelsregister, Abteilung B, wurde am 6. März 1934 bei der Firma Glaskontor, Gesellschaft mit beschränkter Haftung, in Gießen folgendes eingetragen: Durch Beschluß der Gesellschafterver.samm- lung vom 20. Januar 1934 sind die Paragraphen 4, 7 und 9 des Gesellschaftsvertrags geändert, § 11a ist neu eingefügt: Solange die derzeitigen Geschäfts- führer als solche bestellt sind, ist jeder von ihnen auch allein zur Vertretung der Gesellschaft be- rechtigt. . _____ ..... 1549D BesilzuagimLandhaasslil in waldreich. 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Soweit die Baumbesitzer die diesjährige Winterspritzung noch nicht selbst vorgenommen haben, beginnt diese unter der Oberleitung des Instituts für Pflanzenschutz an der Universität und unter der Aufsicht der städtischen Feldschutzorgane in der Gemarkung Gießen in den ^a9en- wird darum gebeten, die Gartenschluss el cm den zuständigen Feldschutzbeamten abzugeben. Für die Schonung des Unterwuchses wird Sorge getragen. 1525D roiefen er^€nenen Zeitungsartikel wird hinge- Gießen. den 12. März 1934. Der örtliche Führer für den Obstbau. Bekanntmachung. _ 2?..unser Handelsregister, Abteilung B, wurde am —Jaris 1934 bei der Firma Rinn & Cloos, Aktien- Hochelheim, folgendes eingetragen: 4)em Alvert Rinn in Heuchelheim ist derart Gesamtprokura erteilt, daß er ermächtigt ist, die Firma in Gemeinsct^rft mit einem Vorstandsmitglied oder mit Prokuristen zusammen zu vertreten. Gießen, den 12. März 1934. 1550V _______________Hessisches Amtsgericht._______________ Bekanntmachung. 3n der Zeit vom 19. März bis 14. April 1934 sämtliche städtischen Straßenkanäle gespült. Wahrend dieser Zeit sind die Rückstauverschlüsse an den Grundstücksentwässerungen verschlossen zu halten. 1546D Gießen, den 12. März 1934. I Städtisches Hoch- Md £fefbauan& MM <\\V Itr. 62 Drittes Blaff Gietzeiier Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhesien) Mittwoch, U. März I6S-» SO Jahre Gastwirte-Organisation in Gießen. Am Montagabend und am gestrigen Dienstag beging die Freie Innung der Gastwirte von Gießen und Umgegend, angeschlossen im Reichseinheitsoerband des Deutschen Gaststättengewerbes (REV.), mit schlichten Veranstaltungen die Feier ihres 50jährigen Bestehens. Die Jubiläumsfeier wurde am Montag mit einem Begrüßungsabend im Saale des Katholischen Vereinshauses eingeleitet. Der Abend, der ganz auf frohgestimmte Geselligkeit gerichtet war, wurde durch flotte Unterhaltungsmusik von Mitgliedern des Musikzugs des Sturmbanns I/R 116, von Gesangsvorträgen des bekannten Schauspielers und Bühnensängers Kurt Richter und einem heiteren Theaterstück in abwechslungsreicher Weise ausgefüllt. Die Besucher erkannten durch lebhaften Beifall dankbar die gute Unterhaltung an, die ihnen von der Musik und einigen Kräften der Nationalsozialistischen Volksbühne unter Leitung von Kurt Richter, sowie von diesem selbst in bester Art bereitet wurde. Im Verlaufe des Abends hielt der Vereinsführer Franz S o l d a n (Gießen) eine längere Ansprache, in der er nach herzlichen Begrüßungsworten an die Besucher zunächst mit dankbarer Würdigung der unermüdlichen Mitarbeit der Gastwirtsfrauen im Geschäft ihrer Männer gedachte und dabei für diese schwere Pflichterfüllung der Gastwirtsfrauen treffende Worte der Anerkennung fand. Sodann wies er in großen Zügen auf die mancherlei Ereignisse von Fveud und Lew des Gastwirtegewerbes im Verlaufe der letzten 50 Jahre hin, die er unter dem größeren Gesichtswinkel des Gesamtgeschehens im deutschen Vaterlande beleuchtete. In diesem Zusammenhang gedachte er auch der gefallenen Kameraden, deren Andenken von der Versammlung in üblicher Weise geehrt wurde. Der Redner erinnerte sodann an die schweren Zeiten der Inflation, die besonders dem Gastwirtsgewerbe unermeßlich großen Schaden zufügte, weiter wies er auf die grundfalsche Führung in Staat und Wirtschaft unter dem früheren System hin, durch das dem Gastwirtsgewerbe weitere schlimme Einbußen infolge unerhörter und sinnloser Steuermacherei zugefügt wurden. In dieser schweren Not sei aber auch dem Gastwirtsgewerbe in der großen Idee des Führers Adolf Hitler eine starke Hoffnung erstanden, der allerdings viele zunächst zweifelnd und zögernd, oder ablehnend gegenübergestanden hätten, die sich aber doch auch im Gastwirtsstand die berechtigte und verdiente Anerkennung und Gefolgschaft errungen habe. Mit der nationalsozialistischen Idee des Führers Adolf Hitler gelte es nun, aus dem Trümmerhaufen des überwundenen politischen Systems eine neue und gesunde Wirtschaft aufzubauen, in die der Führer Adolf Hitler das Gast- stättengewerbe als gleichberechtigt neben jeden anderen Stand gestellt habe. Nunmehr werde es auch möglich sein, die früher oft, leider aber immer vergeblich beklagten Mißstände auf dem Gebiete des Konzessionswesens zu beseitigen und den Gastwirtsstand von allen Elementen zu säubern, die nicht in ihn hineingehören. Der Wirtschaftsverband des Gaststättengewerbes habe jetzt in den Konzessionsfragen ein entscheidendes Wort mitzusprechen. Aber neben diesen engeren Zielen müsse immer das große Ziel fest im Auge behalten und unentwegt verfolgt werden: dem Führer Adolf Hitler bei seinem Aufbauwerk treu und hingebend zu helfen und das ganze deutsche, Volk mit dem nationalsozialistischen Geist zu erfüllen! Zu diesem Zwecke müsse sich jeder einzelne ständig im nationalsozialistischen Sinne schulen und sich allezeit mit dem neuen Staat fest verwurzelt fühlen. In dem nationalsozialistischen Geiste „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst", der auch für das großartige Winterhilfswerk maßgebend gewesen sei, müsse gearbeitet werden und dabei die besondere Durchdringung der oberen Zehntausend mit diesem Geist erfolgen. Der Redner wies weiter auf die große Idee der Deutschen Arbeitsfront hin, in die sich auch jeder einzelne Gastwirt bereitwilligst einzuordnen habe, da in ihr der deutsche Sozialismus des Führers klar zur Geltung komme. Jeder einzelne müsse sich immer vor Augen halten, daß sein Wohlergehen immer von dem Blühen und Gedeihen der Volksgesamtheit abhänge. In dieser Ueberzeugung müsse mit starkem Glauben an die deutsche Zukunft weitergearbeitet werden am Auf- und Ausbau des neuen Deutschlands unter der Führung Adolf Hitlers. Der Redner schloß feine mit starkem Beifall aufgenommene Ansprache mit dreimaligen Sieg-Heil-Rufen auf das deutsche Vaterland, den Generalfeldmarschall von Hindenburg und den Führer und Volkskanzler Adolf Hitler. Begeistert stimmte die Versammlung in den Ruf ein. Anschließend sang man gemeinsam den ersten Vers des Deutschland- und des Horst- Wessel-Liedes. Der übrige Teil des Abends war dann der geselligen Unterhaltung gewidmet. Akademische Feier. Im Saale des Cafe Leib vereinigten sich gestern vormittag die Jnnungsmitglieder mit einer Anzahl Gäste zu einer Akademischen Feier. Die festliche Stunde in dem mit Hakenkreuzfahnen schön geschmückten Saale wurde von Mitgliedern der SA.- Reservekapelle mit den feierlichen Klängen des „Einzug der Gäste auf der Wartburg" eingeleitet. Darauf folgte die Ansprache des Vereinsführers Goldan Der Redner begrüßte zunächst die Gäste, insbesondere hie Vertreter der Partei, der SA., der Behörden, Innungen usw., sowie die Mitglieder herzlich. Er wies dann auf die Bedeutung des 50. Jubiläums der Gastwirte-Jnnung hin, erinnerte weiter an die große Not im Gastwirtsgewerbe und betönte hierbei, daß sich heute leider die meisten Gastwirtskollegen selbst zu einer solchen Jubiläumsfeier keinen arbeitsfreien Tag mehr leisten könnten. Mit großer Befriedigung hob er aber hervor, daß jedoch jetzt die Morgenröte einer neuen Zeit angebrochen sei und unser Volk wieder hoffen dürfe. Beseelt von dieser gläubigen Hoffnung arbeite jetzt das deutsche Volk und in diesem auch das Gastwirtegewerbe um so freudiger, weil es wisse, daß es nun einen Aufstieg gebe. Anschließend verlas der Redner die wichtigsten Aufzeichnungen der V e r e i n s g e s ch i ch t e. Dabei wurde auch der aus dem Felde der Ehre gefallenen Kameraden in der üblichen würdigen Weise gedacht, während die Musik das Lied vom guten Kameraden spielte. Am Schlüsse seiner Ansprache gedachte der Ver- emsfuhrer unseres geliebten deutschen Vaterlandes, des greisen Generalfeldmarschalls von Hinden- b u r g und insbesondere unseres Führers und Volkskanzlers Adolf Hitler. Dreimalige begeisterte ^leg-Heil-Rufe auf diese beiden großen deutschen Männer und das Vaterland brachten die treue und dankbare Verbundenheit der Versammlung mit ihnen zum Ausdruck. Der gemeinsame Gesang des ersten Verses des Deutschland- und des Horst-Wessel- Liedes bildeten den Abschluß der Rede Kreisgeschäftsführer Sauer verlas anschließend eine Anzahl schriftlicher und telegraphischer Glückwünsche. Oie Glückwünsche. Die Grüße und Glückwünsche der Stadt Gießen und des Kreisamtes Gießen überbrachte Bürgermeister Dr. Hamm. Er betonte dann weiter, daß die Stadtverwaltung die hohe Bedeutung des Gastwirtsgewerbes für das Wirtschaftsleben der Stadt und für die Gemeinde selbst genau kenne, wies auf die weitreichenden Aufgaben des Gastwirtsgewerbes bei der kommunalen Verkehrswerbung hinsichtlich der Versorgung und Betreuung der Gäste hin, würdigte die große und verantwortungsvolle Arbeitsleistung des Gastwirtsgewerbes im Dienst dieser Aufgaben und gab dabei dem Wunsche Ausdruck, daß diese Leistungen von den Gästen immer gerecht beurteilt und anerkannt werden möchten. Er versicherte zum Schluß, daß die Stadtverwaltung gerne alles tun werde, um dem Gastwirtsgewerbe seine hohen Aufgaben zu erleichtern und ihm zu helfen, zum Nutzen des schwer notleidenden Gewerbes, aber auch zum Besten des ganzen Volkes Fraktionsführer Hahn brachte die Grüße und Glückwünsche des nationalsozialistischen Gießener Stadtrats zum Ausdruck. Der Redner erklärte sodann, der Stadtrat kenne die großen Nöte und Sorgen des Gastwirtsgewerbes genau, er habe diesen Bedrängnissen immer das größte Verständnis entgegengebracht. Der Stadtrat kenne auch den schweren Steuerdruck, der auf dem Gastwirtsgewerbe laste, insbesondere den Druck der Getränkesteuer. Diesen Druck zu beseitigen, liege leider nicht in der Hand des Stadtrates, denn wenn z. B. die Getränkesteuer vom Stadtrat aufgehoben werde, erhalte die Stadt keinerlei Reichszuschuß mehr zu den Wohlfahrtslasten. Es sei aber damit zu rechnen, daß vom Reich aus in der nächsten Zeit in steuerlicher Hinsicht Erleichterungsmaßnahmen getroffen würden. Diese Maßnahmen würden natürlich auch dem Gastwirtsgewerbe zugute kommen Unsere Regierung bekämpfe in erster Linie als entscheidende Grundlage die Arbeitslosigkeit. Wenn erst wieder die jetzt noch erwerbslosen Millionen von Volksgenossen Arbeit und Brot hätten, dann komme das auch dem Gastwirtsgewerbe zugute. Der Redner wünschte zum Schluß, daß dem Gastwirtsgewerbe möglichst bald wieder bessere Zeiten beschieden sein möchten. Der Direktor des Arbeitsamts Gießen, Negie- rungsrat Dr. List, entbot im Namen des Arbeitsamtes und zugleich auch des Gewerbeaufsichtsamtes Grüße und Glückwünsche. Leider sei aus dem Stand der Arbeitslosenziffern festzustellen, daß die bisherige starke Erholung unserer Wirtschaft an das Gaststättengewerbe noch nicht herangekommen sei. Das sei jedoch kein Grund zur Beunruhigung, denn auch dem Gaststättengewerbe werde doch die andauernde Erholung der Wirtschaft zugute kommen. Er sei davon überzeugt, daß die Neuord- nungs unseres gesamten öffentlichen Lebens auch viele Menschen aus dem Ausland anlocken werde. Davon würden in diesem Jahre auch die Kurorte und Städte Vorteile haben. Die Reichsregierung gehe mit Macht daran, mit dem Ausland auch in handelspolitischer Beziehung neue Grundlagen zu schaffen, auf denen unser deutsches Gaststättengewerbe hoffentlich seine frühere führende Stellung im internationalen Verkehr, aber auch nach innen hin, wieder erlangen werde. Kaufmann Heyd als Vertreter der Jndustrie- und Handelskammer Gießen, Alsfeld, Lauterbach und als Sprecher der NS.-Hago-Kreisleitung übermittelte deren Glückwünsche mit der Versicherung, däß beide immer bemüht bleiben würden, dem notleidenden Gastwirtsgewerbe alle Hilfe und Linderung zu verschaffen, soweit die Möglichkeit dazu in der Macht der beiden Dienststellen liegen. Sturmbann-Adjutant Kurz vom SA.-Reserve- Sturmbann Gießen gab aus vollem Herzen dem Gruß und Glückwunsch der SA. an die Gastwirte Ausdruck, von denen viele die Nöte der SA. in früheren Jahren am eigenen Leibe mit verspürt hätten. Viele Gastwirte seien es gewesen, die in der ersten Zeit der jungen Bewegung Schutz und Unterschlupf gewährt hätten: damals fei es ja von vielen nicht als eine Ehre angesehen worden, der SA. Schutz und Unterschlupf im Lokal zu gewähren, für viele Gastwirte sei es sogar riskant gewesen auch für ihr Eigentum, wenn sie sich schützend vor die damals noch kleine SA. stellten. Für diese Taten Hanke er heute namens der SA. den Gastwirten. Für das zweite Jahrhundert der Innung wünsche er allen Mitgliedern alles Gute und vor allem die ausreichenden Existenz- und Lebensoerhältnisse, die sie nötig hätten, um ihr Gewerbe wieder aufzubauen, es zu erhalten und dabei ihren Angestellten Arbeit und Brot zu geben. Der Führer der Gastwirte sei aber nicht nur Vereinsführer, sondern auch ein alter SA.-Mann und Parteigenosse, der die Not und das Elend der ersten schweren Kampfjahre selbst miterlebt und oft erwerbslosen und hungernden SA.-Männern Schutz gewährt habe, der unter dem Druck und Terror der Kommunisten und Marxisten gelitten. „Unser Pg. S o l d a n, der Ihr Führer ist, ist nicht nur ein vorbildlicher Führer Ihres Berufs, sondern auch uns SA.-Männern ein lieber und treuer Freund geworden. Auch deshalb ist es mir eine besondere Freude, Ihnen bei dieser Jubiläumsfeier die Glückwünsche der SA. zu überbringen." Bäcker-Jnnungsführer Loeber sprach für die Bäckerinnung herzliche Glückwünsche aus, zog eine Parallele zwischen der Schwere und den Kämpfen des Gastwirtsberufs einerseits und des Bäckerberufs anderseits, gedachte dabei in herzlichen Worten der wackeren Mithilfe der Frauen im Gastwirts- und im Bäckergewerbe, erinnerte an die schweren Zeiten des Krieges und der Jahre des früheren politischen Systems mit seinen ungeheuerlichen Steuerlasten, und gab dem Wunsche Ausdruck, daß durch die nationalsozialistische Regierung unser Volk einer besseren Zukunft entgegengeführt roerbem und allezeit in Einigkeit und Treue zusammenstehen möchte. Gleiche Wünsche übermittelte Metzger-Jnnungsführer Pirr für die Metzger- । innung. Beide Jnnungsführer überreichten je ein Bild des Generalfeldmarschalls von Hindenburg und des Führers und Volkskanzlers Adolf Hitler zum Schmuck der Geschäftsräume der Gastwirte-Jnnung. Bankdirektor Mattern als Vertreter der Handels- und Gewerbebank Gießen sprach deren herzliche Glückwünsche aus, rühmte dabei mit Freude die engen freundschaftlichen und geschäftlichen Beziehungen zwischen der Gastwirte-Jnnung und deren Mitgliedern einerseits und der Handels- und Gewerbebank anderseits und versicherte, daß seine Bank allezeit bereit sei, wie früher auch in Zukunft alles zu tun, um eine gedeihliche Weiterentwicklung des Gaststättengewerbes zu fördern. Durch die Nutzviehbeschaffung eGmbH. Frankfurt am Main, die entsprechend einer Anregung des Landesbauernführers Dr. Wagner gegründet ; wurde, fand gestern mittag bei regem Besuch aus I den Kreisen der Bauernschaft der näheren und weiteren Umgebung eine Milchviehauktion von ; hochtragenden und frischmelkenden, zum Teil gefahrenen Kühen und Rindern des schwarzweißen Tieflandschlages und der Simmenthaler Fleckviehrasse statt. Wenn auch viele Bauern erschienen waren, um sich über die neue Verkaufsweise (ein Verkauf vom Stall ab kann in Zukunft nicht mehr stattfinden) zu informieren, so bestand doch auch starkes Interesse für die hochwertigen Tiere, die hier zum Verkauf ausgeboten wurden. Insbesondere gefiel die Qualität der Tiere, die sich fast durchweg durch gute (Euteranlagen in Verbindung Für die Reichsfachschaft der Deutschen Spirituosen- sabriken und für die Gießener Weinhändler sprach Kaufmanls I n d e r t h a 1 Glückwünsche aus und verband damit den Wunsch, dem Gastwirtsgewerbe möchten bald wieder bessere Zeiten beschieden sein. Ferner gratulierte noch ein Vertreter der Gastwirte-Jnnung von Darmstadt, der dabei die enge Verbundenheit mit der Gießener Gastwirte-Jnnung hervorhob und als Jubiläumsgeschenk eine Wanduhr für die Geschäftsräume der Gießener Innung überreichte, außerdem sprach noch kurz ein Vertreter des Verbandswerks Selterssprudel. Fest-Kommers. Nachmittags fand gemeinsame Kaffeetafel im Stadt-Kaffee statt. Im Anschluß daran begann gegen 18 Uhr der F e st k o m m e r s im Saale des Cafe Leib. In Vertretung des durch plötzlichen Krankheits- und Trauerfall in feiner Familie abwesenden Vereinsführers S o l d a n eröffnete der stellvertretende Führer, Kaffeehausbesitzer Ludwig Keil, die Veranstaltung mit kurzen Grußworten. Hierauf hielt Gauverwalter Döring (Darmstadt) vom Reichseinheitsverband des deutschen Gaststättengewerbes eine längere Ansprache, die sich grundlegend von den sonst üblichen Reden bei derartigen Feiern unterschied und richtung- und ziel- weisende Marsch- und Blickpunkte für die Stellung des Gaststättengewerbes im Dritten Reich gab. lieber die Rede, die von der Versammlung mit starkem Beifall ausgenommen wurde, werden wir wegen ihrer weitreichenden Bedeutung noch besonders berichten. Der stellvertretende Dereinsführer sprach dem Redner herzlichen Dank aus und versicherte ihm unverbrüchliche Gefolgschaftstreue der Mitglieder. Weiter brachte er auf den Führer und Volkskanzler Adolf Hitler und die gesamte Reichsregierung begeistert aufgenommene dreimalige Sieg-Heil-Rufe aus, denen der gemeinsame Gesang des ersten Verses des Horst-Wessel-Liedes folgte. Gauverwalter Döring überbrachte der Gastwirte-Jnnung als Jubiläumsgabe noch die neue Verbandsnadel des Reichseinheitsverbandes für jedes Jnnungsmitglieb, die er zu tragen bat in dem Bewußtsein der steten Verbundenheit des Gastwirtestandes mit dem Dritten Reich und mit der Erkenntnis der Pflichten gegenüber dem Staat. Im weiteren Verlaufe des Abends folgte eine Reihe von Ehrungen. Gastwirt Albert Rahne- f e l b (Gießen) wurde zum Ehrenmitglied der Innung ernannt. Gastwirt August Lamm wurde für 25jährige Jnnungsmitgliedfchaft' mit einer Ehrenurkunde ausgezeichnet, eine gleiche Ehruna erhielt der Gastwirt H. Eiertänzer (Grünberg) anläßlich feines 25jährigen Geschäftsjubiläums. Als Angestellte des Gaststättengewerbes wurden ausgezeichnet: Liefe! Hahn für 18 Jahre lange Mitarbeit bei Gastwirt Auer (Grünberg), Fritz Waß - m u t h für zwölfjährige, Fritz Staats für zehnjährige, Richard Wagner für achtjährige, Marie Loch und Reinhard Seibel für je sechsjährige Tätigkeit im Hotel Schütz von Ludwig Klingler in Gießen, Olga Simon, Willy Schneider und Theodor Heisen für fünfjährige Mitarbeiterschaft im Bahnhofshotel Hopfeld. Sämtlichen geehrten Personen wurden entsprechende Diplome überreicht. Der gesamte Musikzug des Sturmbanns I/R 116 unter Leitung des Musikzugführers Herrmann machte den Abend durch künstlerisch auf hoher Stufe- stehende Konzertdarbietungen zu einem besonders schönen Erlebnis. Die Darbietungen dieser SA.-Kapelle legten eindrucksvoll Zeugnis dafür ab, wie eifrig und mit ernstem Streben die ganze Musikerschar darauf bedacht ist, ihre instrumentalen Leistungen immer noch mehr zu steigern. Daß die Kapelle einen maßgebenden, aus dem Musikleben unserer Stadt nicht mehr hinwegzudenkenden Faktor darstellt, ist schon früher gesagt worden, diese Tatsache, wurde jedoch bei dem gestrigen glänzenden Konzert erneut und überzeugend unter Beweis gestellt. Die Zuhörer dankten der Kapelle mit Recht durch anhaltenden starken Beifall. Den Abschluß der Veranstaltung bildeten deutsche Tänze. mit gutem Körperbau auszeichneten. Die Preise lagen verhältnismäßig niedrig. 'Fast sämtliche Tiere wechselten den Besitzer. Die Rinder des schwarzweißen Tieflandschlages aus den Jnster- burger Zuchten, für die durchweg der Leistungsnachweiß vorlag, brachten Preise von 345 bis 395 Mark. Für Rinder der Simmenthaler Fleckoiehrasse wurden 245 bis 350 Mark, für Kühe, zum Teil mit Kälbern, 320 bis 390 Mark erzielt. Der Markt nahm bei regen Geboten einen flotten Verlauf. Die Tiervermittlung findet durch die Nutzviehbeschaffung nur kommissionsweise statt, so daß der Bauer bei diesen Auktionen nur vom Bauer direkt, ohne jeden Zwischenhandel, kauft. Erwähnenswert ist, daß die Tiere bis in den Stall und die hochtragenden Tiere bis zu acht Tagen nach dem Abkalben versichert sind. MM - G V Bei der akademischen Feier: Links der Vereinsführer Franz S o l d a n ; in der Mitte Kreis- gefchäftsführer Ad. Sauer; rechts der stellvertretende Vereinsführer L. Keil. (Aufnahme: Photo-Pfaff.) Mchsiehanktion an der Rodheimer Straße. SJlxfport Reichsmimster Heß über feinen ZugWflug Eine Unterhaltung mit dem Sieger. Nach feinem Siege im Zugspitzflug unterhielt sich der Stellvertreter des Führers Rudolf Heß mit einem Mitglied der Schriftleitung der NSK. Auf die naheliegende Frage, ob ein derartiger Flug nicht doch zu viele Gefahrenmöglichkeiten in sich berge, daß es ein Mann in der politischen Stellung des Stellvertreters des Führers sich beteiligen sollte, antwortete Rudolf Heß: Fliegen birgt nur größere Gefahr in sich für denjenigen, der erst das Fliegen lernt, nicht aber für den geübten Flieger. Ich halte eine Autofahrt auf vereister Straße für viel gefährlicher. Frage: Sind Sie heute noch geübter Flieger bzw. haben Sie sich für diesen Flug besonders vorbereiten können? Antwort: Die Fähigkeit, ein Flugzeug zu steuern, verliert man meines Erachtens überhaupt nicht. Zu einem besonderen Training fehlt mir die Zeit. Ich habe auf der mir völlig neuen Maschine mich zweimal eine halbe Stunde einfliegen können. Frage: War diese Maschine auch in der Konstruktion völlig neu? Antwort: Jawohl, es handelt sich um die erst neuerdings von dem Konstrukteur Messerschmidt herausgebrachte und bei den Bayrischen Flugzeugwerken in Augsburg gebaute 35 mit Siemens-8n- 14a-Motor, die mir die Stadt Nürnberg als Besitzerin für diesen Flug zur Verfügung gestellt hat. Nürnbergs Oberbürgermeister Liebel hat sich ja, wie Sie gesehen haben, hier selbst davon überzeugt, wie leistungsfähig die Maschine ist. Frage: Hat der Flug besondere Anforderungen an Flieger und Maschine gestellt? Antwort: An den Flieger nicht mehr als jeder andere Flug, der sportlichem Wettkampfe dient, in größere Höhen führt und somit entsprechenden Lustdruckwechsel mit sich bringt. Die Maschine selbst war lediglich im Gebiet des Gebirges starken Beanspruchungen ausgesetzt, da der verhältnismäßig starke Gegenwind von etwa 60 Kilometerstunden erhebliche Böen erzeugte, die auch die ganze Aufmerksamkeit des Führers erforderten. Im übrigen wäre die mit zwölffacher Sicherheit gebaute Maschine auch wesentlich schwereren Böen ohne weiteres gewachsen gewesen. Frage: Gehörten die Loopings vor der Landung zum Wettbewerb? Antwort: Das eigentlich nicht, um so weniger, als der Wettbewerb mit der Ueberfliegung der Zugspitze fein Ende gefunden hatte. Die Loopings waren lediglich der Ausdruck der Fliegerfreude über die schöne Maschine und den prachtvollen Gebirgsflug, der hinter mir lag. Frage: Haben Sie mit der Nennung zu diesem Flug einen politischen Zweck verbunden? Antwort: Ich habe mich in erster Linie an diesem Flug natürlich aus sportlicher Freude beteiligt. Darüber hinaus glaube ich, kann es nichts schaden, wenn die Jugend sieht, daß einer der Männer, dem das deutsche Volk die politische Führung mitanvertraut hat, in einem sportlichen Wettkampf sich voll einsetzt und seine Erholung und Entspannung auf einem Gebeit sucht, füt das gerade die junge deutsche Generation von jeher Verständnis hat. Frage: Waren Ihnen die sportlichen Gegner und die anderen im Wettbewerb liegenden Maschinen bekannt? Antwort: Die anderen Maschinen waren mir aus der Nennungslifte ebenso bekannt wie die Namen der Führer. Teilweise kenne ich die Führer als Flugkameraden früherer Zeiten. Ich hatte die Freude, unter den Zuschauern meinen alten Jagdstaffelführer aus der Kriegszeit, Stark, und einen weiteren Piloten meiner einstigen Jagdstaffel begrüßen zu können. Frage: Flogen Sie mit Talisman? Antwort: Mein Talisman war einerseits das Zutrauen zu meinem fliegerischen Können, andererseits habe ich selbstverständlich wie jeder richtige Flieger nicht versäumt, mir ein Glückszeichen mitzunehmen. Frage: Was war der Preis dieses Wettbewerbes? Antwort: Neben der Ehre der sogenannte Zugspitzpokal, ein Wanderpreis, der dreimal gewonnen werden muß, um in den Besitz des Fliegers überzugehen. Frage: Werden Sie an weiteren Wettbewerben um den Zugspitzpokal teilnehmen? Antwort: Das kann ich heute noch nicht sagen. In erster Linie wird es davon abhängen, ob ich nächstes Jahr wieder im gegebenen Augenblick zwei Stunden Zeit zur Teilnahme habe. Ich -kann nur wünschen, daß oft fliegerische Wettbewerbe wie der heutige vom Deutschen Luftsport-Verband, dessen Präsident Bruno L o e r z e r selbst anwesend war, so gut durchgeführt werden. Solche Wettbewerbe steigern die Leistungen unserer jungen Flieger für den internationalen Wettbewerb, der der Jugend aller Nationen zugutekommt. Aachklänge znm Frankfurter Reit-Turnier. Nie SA. als Träger eines neuen Leitgedankens. Die Presse st eile der Gruppe Hessen schreibt im Anschluß an das Frankfurter Reitturnier in der Festhalle: „Das Turnier ist in feinem ganzen Verlauf zu einem ungeheuren Erfolg geworden. Es galt nicht allein wie sonst, reiterliche Kunst in ihren Spitzenleistungen zu zeigen, sondern zum erstenmal den Versuch zu wagen, eine ganz neue Basis für den Aufbau des Reitsports in der deutschen Öffentlichkeit zu schaffen. Gruppenführer B e ck e r l e erkannte, daß hierzu im weiten Rahmen die aktive Mitarbeit der SA. herangezogen werden mußte, wodurch der reiterliche Gedanke in ganz anderem Maße im Dolkskörper verankert werden kann. Daß dieser in Deutschland erstmalige Versuch so glänzend gelang, wird ein Ehrenblatt für den Reitsport, für die SA. und nicht zuletzt auch für Frankfurt bleiben. Der Gruppenführer kann mit berechtigtem Stolz gewiß fein, daß mit diesem Turnier der Grundstein zu einer beginnenden Tradition eines neuen deutschen Reit- und Turniersports gelegt ist. Zwei große Hemmnisse waren für diese erste Veranstaltung zu überwinden. Einmal war die Voraussetzung einer großen Halle zu schaffen, um Zehntaufenden von Besuchern die Teilnahme zu ermöglichen. Auf der andern Seite handelte es sich darum, die Veranstaltung zu finanzieren und für die Riefenausgaben, die damit verbunden find, einen Ausgleich zu schaffen. Schwierigkeiten und Hindernisse find für die SA. da, um überwunden zu werden. Gruppenführer B e ck e r l e kann stolz darauf fein, daß es SA.-Männer waren, die das erreichten. Wenn mit einemmal Frankfurt a. M. zur großen Turnierftadt wurde, wenn zum erstenmal das große Wagnis, die Festhalle zum Turnierplatz zu machen, geglückt ist, wenn 30 000 Zuschauer am Samstag und Sonntag erstaunt einen neuen Geist bei den Veranstaltungen sahen, so sollen auch die nicht vergessen werden, durch deren Mithilfe all dies zustande kam. Die Frankfurter Bevölkerung wird den Männern dankbar sein, die den Ruf Frankfurts als Turnierftadt hiermit wieder geschaffen haben. Es war kein leichtes Wagnis, das der Adjutant des Gruppen-Reiterführers. SA.-Mann Albert, auf sich nahm, als er trotz der Bedenken zahlreicher erfahrener Turnierfachleute die Verantwortung für das Geläuf auf dem Parkettboden der Festhalle übernehmen mußte. Es war eine anstrengende, wochenlange Arbeit, die er und mit ihm SA.-Mann Rott, Dr. Wienand und andere auf sich nahmen. Ebenso groß war aber auch die Arbeit des Führers der Brigade 49, Oberführer Gräntz, der die Verantwortung seitens der SA. auf sich nahm und feine Aufgabe mit der bei ihm, dem alten Kämpfer und SA.-Mann von 1922, bekannten Tatkraft und Zuverlässigkeit durchführte. Vor allem aber wollen wir des „unbekannten Teilnehmers", des SA.- und S S.-Reifere gedenken, der still und freudig mittrug und vorbereitete, und der wochenlang vorher abends fein Arbeitspferd nach des Tages 2Nühe aus der Vorstadt herbeiführte, um für feine Teilnahme zu trainieren. Sie alle haben, wie es stets bei der SA. selbstverständlich ist, ihre Pflicht getan. Ihnen fällt das Verdienst an dem Frankfurter Reitturnier zu. Fassen wir es als einen Anfang auf zur Schaffung der Volksgemeinschaft auch auf diesem Gebiete. Es soll auch in Zukunft der alte, erfahrene und verdiente Turnierreiter gemeinsam mit dem SA.- Reiter deutsche Volksgemeinschaft auch im Reitsport zum Ausdruck bringen. Handball im Gau XII der OT. handballaufstiegspiel Holzheim I — Dorlar 17:0 (3:0) Nachdem die Verbandsrunde beendet ist und Holzheim als Tabellenführer an der Spitze dieser Gruppe steht, fand am Sonntag in Holzheim das erste Aufstiegspiel gegen den Tabellenersten seiner Gruppe, Turnverein Dorlar, erste Mannschaft, statt. Holzheim spielte in der ersten Halbzeit gegen den Wind, war jedoch den Gästen bei weitem überlegen. In der 9. Minute fiel das erste Tor durch den Stürmer Buß, der dann auch gleich darauf in der 10. Minute den zweiten Treffer anbringen konnte. Dorlar setzte alles daran, um den Ausgleich zu erzielen. Ohne Erfolg! Bei den Gästen fehlte es am Schußvermögen. In der 15. Minute war es wieder Buß, der für feine Mannschaft erfolgreich war. Bis zur Halbzeit konnte keine Mannschaft mehr zum Erfolg kommen. Nach Wiederanpfiff spielten die Einheimischen mit dem Wind und konnten dann auch das Endresultat auf 7:0 erhöhen. Den Gästen war selbst das Ehrentor versagt. Schiedsrichter Zörb (Großen-Linden) leitete gut. Handball der Soldaten. 056.1 — 2. Komp. JR. 15 I 1:6 (1:4). Das Resultat aus obigem Spiel ist für die Mannschaft des OSC. noch sehr schmeichelhaft. Die Soldaten traten mit einigen Mann Ersatz an, während der OSC. in seinem vorzüglichen Torhüter Ruppert eine starke Stütze hatte. Mancher sichere Ball wurde von ihm meisterhaft gehalten. Schon kurz nach Beginn des Spieles schoß der OSC. sein einziges Tor. Die Soldaten glichen jedoch bald aus und wurden auch für die Folge etwas überlegen. Die OSCer ersetzten fehlende Technik und Taktik durch großen Eifer und hielten das Spiel im Felde wenigstens offen. Aber der Sturm der 2. Kompanie, glänzend eingespielt, schoß noch drei Tore bis zur Halbzeit. In der zweiten Hälfte rechnete man allgemein mit einer deutlichen Überlegenheit der Soldaten Aber es kam anders. Die OSCer griffen energisch an, hatten jedoch mit ihren Schüssen Pech. Dreimal landete der Ball am Pfosten. Das Spiel gestaltete sich vollkommen offen und äußerst schnell. Der Sturm der Gäste kam noch zu drei weiteren verdienten Toren. Es wurde sehr fair gespielt. Schiedsrichter Petri (Tv. Wetzlar) leitete sehr gut. Wirtschaft. Frankfurter Börse. rNittagsbörse: freundlich. Frankfurt a. M., 13. März. Zur heutigen Mittagsbörse bewegte sich das Geschäft wiederum nicht in großem Umfange, da Publikum und Kulisse nach den letzten lebhaften Tagen immer noch eine gewisse Zurückhaltung übten. Das Interesse beschränkte sich weiterhin nur auf einige Spezialpapiere, so war es besonders Neubesitzanleihe, die sich bei lebhaftem Geschäft zu Beginn der Börse um 0,25 v. H. auf 21,95 v.H. befestigen konnte. Von den übrigen Staatsrenten bröckelten Altbesitzanleihe 0,40 v.H. ab. späte Reichsschuldbuchforderungen lagen mit 93,90 v. H. unverändert. Von Industrie-Obligationen - gaben Stahlverein-Bonds 0,25 v. H. nach. Am Aktienmarkt bestand erneut Abgabebedürfnis in Autowerten; hier verstimmte die bekannt gewordene scharfe Sanierung bei NSU. Daimler waren um 2 v. H. und Adlerwerke Kleyer im Freiverkehr um 1 v. H. auf 48,25 gedrückt. Auch Westdeutsche Kaufhof (vorm. L. Tietz) verloren 1,40 v.H. Am Chemiemarkt lagen die Kurse im ganzen gut behauptet, nur Deutsche Erdöl bröckelten 0,50 o. H. ab. IG. Farben waren später lebhaft und 1 v.H. fester. Montanpapiere zeigten durchschnittlich gegenüber den gestrigen Abendbörsenkursen nur geringe Abweichungen, lediglich Harpener waren um 1,75 v. H. abgeschwächt, andererseits konnten sich Kali Aschersleben um 1 v. H. befestigen. Elektroaktien lagen uneinheitlich, wobei leichte Rückgänge überwogen: Elektr. Lieferungen waren mit minus 1,40 v. H. stärker gedrückt, Rhein. Elektro Mannheim lagen 0,50 v. H. fester. Kunstseide- und Zellstoffaktien zeigten nur wenig veränderte Kurse. Weiter etwas fester lagen Schiffahrtswerte, Nordd. Lloyd plus 0,65 v.H., Hapag plus 0,25 v.H. Von Einzelwerten eröffneten Reichsbank unverändert, Deutsche Linoleum 0,40 v. H. niedriger. Im Verlaufe trat unter Schwankungen eine leichte Erholung für Autowerte ein, Daimler gewannen 0,90 v. H., Adlerwerke Kleyer 0,50 v. H. zurück. Daneben waren IG. Farben gleichfalls schwankend und 139 bis 140,75 bis 139,75 bis 140,75 (also insgesamt plus 1,75 v. H.). Gut erholt waren auch Westdeutsche Kaufhof 22,13 bis 23,75 v. H. Auf den übrigen Marktgebieten ergaben sich überwiegend leichte Befestigungen von durchschnittlich 0,25 bis 0,50 v. H., darüber hinaus gewannen Reichsbankanteile 1,75 v. H., Akkumulatoren 1,50 v. H. Später notierte man Lechwerke Augsburg 1,75 v. H. niedriger, dagegen Rheinische Braunkohlen 1 v. H. fester. Am Kassamarkt waren überwiegend Kurssteigerungen zu verzeichnen. Vor allem bei Siemens Glas auf den Gewinnabschluß plus 3 v. H. Salzwerk Heilbronn auf die Dividendenerklärung von wieder 12 v. H. plus 5 v. H., außerdem Gebr. Röder, Darmstadt mit plus 3 v. H., ferner Moenus Maschinen plus 1 v. H., Gebr. Fahr plus 2 v. H. Schwächer lagen andererseits Neckarwerke Eßlingen minus 4 v. H., Verein. Ultramarin minus 2 o. H., Dresdner Bank minus 0,50 v. H. Für die anfangs vernachlässigten Staatsanleihen trat später etwas Interesse auf? Altbesitz und späte Schuldbücher gewannen je 0,40 v. H., Neubesitz waren weiter sehr lebhaft und bis auf 22,40 nach 21,85 v. H. gesteigert. Stadtanleihen lagen meist behauptet, ebenso Goldpfandbriefe und Kommu- nal-Obligationen. Liquidationspfandbriefe zogen meist etwa 0,25 bis 0,50 v. H. an. Von fremden Werten waren Ungarn sehr fest und bis zu 0,75 v. H. fester, außerdem waren 4prozentig Schweiz. Bundesbahn nach ihre« gestrigen Angebot gesucht und 2,50 v. H. höher. — Tagesgeld 3,50 v.H. Abendbörse fest. Die Abendbörse verkehrte im Anschluß an den Mittagsverkehr in weiter fester Tendenz und hatte verhältnismäßig lebhafte Umsätze zu verzeichnen, wenn sie sich auch nicht gleichmäßig auf alle Marktgebiete erstreckten. Die Abführungen von Reichswirtschaftsminister Dr. Schmitt über den organischen Aufbau der Wirtschaft hinterließen Die AS-Volkswohlfahrt ruft Dich! Werde Mitglied! einen guten Eindruck, was insbesondere die Kulisse zu Käufen und Deckungen veranlaßte, zumal auch seitens der Kundschaft erneut Kauforders für einige Spezialwerte eingetroffen waren. Bevorzugt waren am Aktienmarkt IG. Farben, Deutsche Erdöl und Rütgerswerke, die bis 1 v. H. anzogen, außerdem fanden einige Montanpapiere Beachtung. Elektroaktien lagen im allgemeinen gut behauptet, Siemens 1 v. H. und AEG. 0,50 v. H. fester. Im Verlaufe blieb die Tendenz zwar fest, das Geschäft wurde aber gegen Schluß der Börse wesentlich ruhig. Hier und da erfolgten auch seitens der Spekulation einige Tagesglattstellungen, ohne daß aber die Kurse hiervon beeinflußt worden wären. Per Saldo ergaben sich gegen den Berliner Schluß meist Besserungen von 0,50 bis 1 v. H., nur Kunstseide Aku lagen 1 v. H. niedriger. Am Rentenmarkt stand wieder die Neubesitzanleihe im Vordergrund und bei lebhaftem Geschäft erreichte sie einen neuen Höchststand von 22,50 v. H. Die Altbesitzanleihe war im Verlaufe ebenso wie späte Reichsschuldbuchforderungen (94,25) je 0,13 v. H. höher. Am Auslandsrentenmarkt erhielt sich gute Nachfrage nach ungarischen und österreichischen Anleihen. U. a. notierten: Neubesitzanleihe 22,50, Altbesitzanleihe 96,25 bis 96,40, 6 v. H. Stahl- verein-Bonds 76, Schutzgebietsanleihe von 1914 9,50, 4,50 v. H. Österreichische Schatzrente von 1914 26, do. 4,20 v. H. Silberrente 1,45, 4,50 v. H. Ungarische Staatsrente von 1913 7,40, 4 v. H. dü. Goldrente 7,95, Reichsbank 163,50, Buderus 80, Harpener 96,25, Klöcknerwerke 69,75, Mannesmann 72,40, Phönix 55, Rheinstahl'94, Stahlverein 47 bis 47,25, Aku 65,90 bis 66,13 bis 65,50, AEG. 32,75 bis 33, Bemberg 62,65, Daimler Motoren 52,50 bis 52,75 bis 52,50 bis 52,65, Deutsche Erdöl 111,75 bis 112, Deutsche Linoleum 54, Licht & Kraft 106,25, IG. Farben 140,50 bis 141, Felten 63, Holzmann 77,50, Rütgerswerke 59,75, Schuckert 106,50, Siemens 146 bis 147, Zellstoff Waldhof 54,90, AG. für Verkehrswesen 71,75, Reichsbahn-Vorzugsaktien 113,13, Nordd. Lloyd 35,75. Mainzer Schlachtviehmarkt. Mainz, 13. März. Austrieb: 33 Ochsen, 14 Bullen, 556 Kühe oder Färsen, 365 Kälber, 793 Schweine. Notiert wurde pro ein Zentner Lebendgewicht in Mark: Ochsen al) 26 bis 30, b2) 20 bis 25, c) 16 bis 20. Bullen c) 22 bis 26. Kühe a) 23 bis 28, b) 16 bis 22, c) 11 bis-15. Färsen a) 26 bis 33, b) 20 bis 25. Kälber a) 33 bis 40, b) 27 bis 32, c) 18 bis 26. Schweine b) 47 bis 49, c) 44 bis 49, d) 41 bis 48. Marktverlauf: Rinder mäßig belebt, Kälber lebhaft, geräumt, Schweine ruhig, Ueberftanb. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter Den Papieren angeführten Ziffern geben Die Höhe Der zuletzt beschlossenen Dividende an — Relchsbankdlskoni 4 o H Lombardzinsfuß 5 o H. 5ranftun a. M Berlin Schluß- fürs Schlußk. Abendbörse Schluß- furt Schlußk Mittag- börse Datum 12-3- | 13-3- 12-3- 13-3- 6% Deutsche Reichsanleihe v. 1927 96,4 96,5 96,25 97,25 6% ehern.7% Dl. Reichsanl. v. 1929 100 100 100,13 100,13 5Yi% Doung-Anleihe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit 94 94,13 93,75 94,13 Auslos.-Rechten 96,25 96,4 96,25 96,25 Desgl. ohne Auslos.-Rechte .... 6% ehern.8% Hess. BolkSstaat 1929 21,7 22,5 21,8 22,35 (rückzahlb. 108%)..... 6% Hess. Landesbank Darmstadt 95 92,75 95,25 95,13 95,13 Gold R. 12 ..... 6%% Hess. Landes-Hypotheken- bank Darmstadt Liaui..... 92,75 — 92,75 91,5 91,5 —- — Oberhessen Provinz-Anleihe mit AuSios.-Rechten Deutsche Komm. Sammelabl. An- 94,75 94,25 — — leihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten 6% ehern. 8% Franks. Hyp.-Bank 94,75 93 95 94,85 93 Goldpse. 15 unkündbar bis 1935 6% ehern. 7% Franks. Hyp.-Bank — — 93 93 Goldpse. 16 unkündbar bis 1936 — — WA» ehern.