Nr. 135 Erster Blatt Mittwoch, IZ.Zuni 1934 184. Jahrgang Erschemt täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monatsvezugspreir: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Universitätr Such- und Stcinönidcrd R.Lange in Gießen. 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Mit jener schönen Offenheit, welche die großen Reden Mussolinis ebenso auszeichnet wie die Sprache seiner Zeitungsmänner, hat das offiziöse „Giornale d'Jtalia" betont, daß die beiden Riesenkriegsschiffe von je 35000 Tonnen, die die Regierung noch in diesem Jahre auf Stapel legen will, auch offensiv verwendbar wären, und daß sie die Wirksamkeit der italienischen Kriegsmarine und ihrer Stellung im Rahmen der Weltrüstungen zum Ausdruck brächten. Aber was zunächst als unnötige Herausforderung und Verschärfung des Rüstungswettlaufes erscheinen mag und was von Frankreich auch bewußt so hingestellt wird, ist in Wirklichkeit doch nur das Zeichen einer logischen und realpolitischen Denkunasweise und dazu ein nicht mehr aufschieboarer Akt der Notwehr. Mussolini, der ebenso wie Adolf Hitler wegen der besonderen geographischen Lage seines Landes an einem ehrlichen Frieden und damit an der Beschränkung der Rüstungen interessiert ist, ist durch die internationale Entwicklung der letzten Zeit in eine Verteidigungsstellung gedrängt worden. Der endgültige Zusammenbruch aller Abrüstungsbemühunaen in Genf ebenso wie die drohende Aussicht, daß der von Italien gewünschte Friede im Mittelmeer ein französischer Friede werden könnte, hat die italienische Regierung zu dieser Aktion veranlaßt. Daß sie notwendig war und daß sie in einer ganz bestimmten Richtung erfolgte, wird schon durch das lebhafte Echo bewiesen, das sie in Paris hervorgerufen hat. Angstvoll ruft das „Journal des Debats" aus, Frankreich könne nicht mehr frei über feine Verbindungen mit Nordafrika verfügen und mit zwei Panzerschiffen von je 35 000 Tonnen würde Italien zum Beherrscher des Mittelmeeres. Nach bewährter Methode beteuert dasselbe Blatt die Unschuld Frankreichs an diesem Wettrüsten im Mittelmeer. Aber in Rom wird man nur ein ungläubiges Lächeln übrig haben für die Behauptung, daß die Schiffe vom Typ der „Dünkirchen" allein den Zweck hätten, in der Nordsee die deutschen Kreuzer vom Deutschlandtyp in Schach zu halten. Auch die Engländer haben ja inzwischen eingesehen, daß es unsinnig ist, die britischen Luftrüstungen mit der „deutschen Gefahr" zu begründen. Das glaubt ja doch niemand mehr. So wird die Nachricht, daß ein englisches Regierungsprogramm die Bildung von nicht weniger als 5 0 neuen Flugzeuggeschwadern anordnet, ausdrücklich mit dem Hinweis versehen, daß Großbritannien dann 1490 Militärflugzeuge besitze, während die französische Luftstreitmacht aus 1650 Flugzeugen bestehe. Auch hier wird also durch die Praxis bewiesen, daß die Bedrohung des europäischen Friedens nicht von dem waffenlosen Deutschland, sondern von Frankreich ausgeht. ' Das Interesse an dem Schutz des eigenen Volkes überwiegt in England und Italien das an sich natürliche Bestreben, ein fteundschaftliches Verhältnis mit Frankreich beizubehalten. Das von den französischen Diplomaten häufig und gern gebrauchte Wort von der „Schwesternschaft der beiden lateinischen Nationen" ist in Rom immer nur mit einer gewissen Zurückhaltung gehört worden. Der französische Freier, der mit solchen Liebes- werbungen die Gunst Italiens zu gewinnen suchte, muhte sich oft genug sagen lassen, daß zu den süßen Worten der hundertfältige harte Takt französischer Kriegsschiffsmotoren eine ebenso schlechte Begleitmusik 'bildete, wie das Rascheln der zahllosen Vertragspapiere in den Kanzleien Osteuropas. In Rom war man von der französisch-türkischen Annäherung, die die Wiederbefesti- oung der Dardanellen nur als vorgeschobenen Grund für den weiteren Ausbau des r u s s i s ch - f r a n - rösischen Paktsystems betrachtete erbaut. !>te1 1 zunehmende griechisch - tu rti [ ch - Freundschaft und die beginnende Annäherung Zwischen Südflawien und Bulgarien wie überhaupt der ganze B a l k a n p at t weitere Einengung der italienischen Machtsphare. Dazu kommt das russisch-französische Bündnis das durch die Anerkennung der Kleinen Entente eine weitere Stärkung erfahren hatt Demgegenüber hat sich der römische Einfluß lm Osten Europas nicht in dem erhofften Maße ent wickeln können. Das Dreierabkommen mit Ungarn und Oesterreich kann immer nur Wirkung h^ben, da der Weg der wntschaMchen Besserung diese beiden Länder mehr nach Deutschland a"s nach Italien weist, und die Auffassung, als L österreichische Bundeskanzler als eine un- TaÄ in die italienische Rechnung " «AL $1Igd)bern9neueDn Ri^esK Nr Welt o7fe7sichtbar, Ls dichte Gewebe, unter dem Europa ersticken sollte. Kulturelle Auswirkung der französischrussischen Annäherung. jssMn. e-tÄSJR |proch/'als Vfi"chtf*a ch "allen Schulen beschlossen, während seit Abschluß h es Rapallo - Vertrages Deutsch Pflichtfach gewesen sei. Frankreich erhöht nochmals seine Militärkredite. Daladier für Beibehaltung der einjährigen Dienstzeit. Paris, 13. Juni. (DNB.-Funkspruch.) In der Kammer ist der Bericht über die von der Regierung für Derteidigungszwecke beantragten Nachtrags- k r e d i t e verteilt worden. Die Kreditanforderungen, die zunächst 2980 Millionen Franken betrugen, find auf Grund gewisser von der Regierung vorgenommener Abänderungen auf 312 0 Millionen Franken gestiegen. Im Einzelnen setzen sich die Nachtragskredite aus folgenden Posten zusammen: Kriegsministerium: 1275 Mill. Franks (früher 1175), und zwar 220 Mill, für die Artillerie und 1055 Mill, für die Pionier truppen. Kriegsmarineministerium: 865 Mill. Franks (früher 825 Mill. Francs). Luftwaffe: unverändert 980 Mill. Franks. Die radikal-sozialistische Kammerfraktion hat sich in einer am Dienstag unter dem Vorsitz des ehemaligen Ministerpräsidenten Chautemps abgehaltenen Sitzung auch mit der Frage der Verlängerung der Militär- dienstzeit beschäftigt. Der ehemalige Ministerpräsident Daladier vertrat die Ansicht, daß d i e Grenzbefestigungen und die Art und Weise ihrer Besetzung die Beibehaltung der einjähriges Dien stz eit erlauben. Eine Reihe anderer Abgeordneter sprach sich im gleichen Sinne aus. Angesichts der weittragenden Bedeutung dieser Frage wurde beschlossen, Donnerstag vor der Kammersitzung noch einmal zusammenzutreten, um einen endgültigen Beschluß zu fassen. Frankreichs VöndnispoM erzeugt italienische Gegenmaßnahmen. England verstärkt seine Luftverteidigung. London, 12. Juni. (DNB.) „Daily Telegraph" meldet, die Regierung werde voraussichtlich in absehbarer Zeit ein Programm für die Vergrößerung der Luft st reit macht ankündigen, das die Bildung von nicht weniger als 50 neuen Flug- zeuggeschwadern vorsehen werde. Diese Verstärkung der Luftmacht würde in jö r e i bis fünf Jahren vollzogen werden. Insgesamt würde Großbritannien dann 1490 Flugzeuge besitzen, während die Luftstreitmacht des benachbarten Frankreich aus 1650 Flugzeugen bestehe. In Kreisen des Foreign Office herrsche die Auffassung, daß die Vertagung der Abrüstungskonferenz auf unbestimmte $eit keine andere Wahl lasse, als das im vorigen Monat von Baldwin gegebene Versprechen zu erfüllen. „Daily Telegraph" schreibt weiter über die Gründe der italienischen Regierung für den Bau der beiden Schlachtschiffe: Litwinows sogenannte Friedenspakte haben die Aussicht auf eine mühelose Regelung der französisch-italienischen Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der Gleichheit zur See bei den im nächsten Jahre fälligen Verhängungen zerstört. Sie haben tatsächlich die Unsicherheit im Mittelmeer wiederhergestellt. Italiens Beschluß, zwei riesige Kriegsschiffe auf Stapel zu legen, ist das direkte Ergebnis der neuen von Litwinow geforderten Koalition zwischen Frankreich, der Türkei, Sowjetrußland und der Kleinen Entente. In den letzten Monaten waren die Beziehungen Italiens zu Frankreich so eng und herzlich geworden, daß in Italien Neigung bestand, Frankreich von der Liste der möglichen Feinde zu streichen. Kein Land, nicht einmal Italien selbst, würde Frankreich gegenwärtig Angriftsabsichten gegen Italien zuschreiben. Wenn aber das vorgeschlagene Bündnis zwilchen Frankreich, Rußland, der Türkei und den Balkanstaaten ratifiziert werde, dann könnte Frankreich leicht in einen Streik zwischen Italien und Italiens Feinden unter den Balkanstaaten hineingezogen werden. Gegen eine Restauration der Habsburger. Südflawien interpelliert in Paris. Paris, 12. Juni. (DNB.) Der südslawische Außenminister Ieftitsch befindet sich in Paris, um mit B a r t h o u über die politische Lage in Südofteuropa zu sprechen. „Oeuvre" will wissen, daß die Frage einer Restauration der Habsburger in Oesterreich in den Verhandlungen eine große Rolle spielt. Von einer Einsetzung Otto von Habsburg könne keine Rede fein. Aber vielleicht denke man an ein Zwischen st adium, bei dem Erzherzog Eugen Präsident Miklas ablösen würde, eine Lösung, die gewisse Kreise mit dem Verbot, das die Botschafterkonferenz 1922 erlassen hat, in Uebereinstimmung bringen wollen. Die Botschafterkonferenz untersagte nur die Uebertragung der leitenden Macht in Oesterreich und Ungarn an einen Habsburger. Südflawien und die Tschechoslowakei würden in einem solchen Fall allerdings die diplomatischen Beziehungen zu Oe st erreich abbrechen. Wenn das nichts nützen sollte, würden sie bis z u r Mobilmachung schreiten. Barthou soll ebenfalls gegen eine Wiedereinsetzung der Habsburger und geneigt sein, die Kleine Entente zu unterstützen. In der Habsburger Frage könnte, so bemerkte das Blatt, Jeftitsch auch mit Berlin verhandeln, wo man ebenso wenig wünsche, die Habsburger auf dem Thron zu wissen wie Frankreich. „Ordre" erblikt in den Verhandlungen des südslawischen Außenministers ein Anzeichen dafür, daß die französische Regierung die Politik des Ausbaues der Bündnisse weiter verfolge. Schwere Ausschreitungen in St.Güenne. Marxisten bauen Barrikaden und greifen die Polizei an. Paris, 13. Juni. (DRV. Funkspruch.) Am Dienstag fanden in Warseille und St. Etienne Kundgebungen der Vereinigung „Feuerkreuzler' statt. In St. Etienne kam es dabei zu schweren marxistischen Ausschreitungen. Die Ankündigung der Kundgebung der „Jeucr- kreuzler" hatte alle links st ehenden Verbandevon St Etienne zu einer Gegenkundgebung bestimmt, an der auch die Anhänger der marxistischen Gewerkschasten teilnahmen. Trotz umfangreicher Absperrungen durch die Polizei, die durch berittene republikanische Garde und Gendarmerie verstärkt worden war, versuchten die Demonstranten, die sich auf dem Rathausplah versammelt hatten, in das Lichtspieltheater einzudringen, in dem die „Feuerkreuzler" ihre Versammlung abhielten. Die Marxisten warfen zwei Straßen- bahnwagenumund errichteten an verschiedenen Stellen in der Stadt Barrikaden, wobei ihnen Bretterzäune, Plakatwände und die Gitter vor dem Handelskammergebäude als Material dienten. Die Polizei, die republikanische Garde und die Gendarmerie wurden fortgesetzt von der Menge mit Steinen und herausgerissenen Bausch u tz g i 11 e r n b e w o r f e n. Auf offener Straße wurde aus zusammengetragenen Brettern e i n grohes Feuer angezündet. In mehreren Kaffeehäusern wurden die Schaufensterscheiben eingeschlagen. Auf feiten der Demonstranten sind 35, auf feiten des Ordnungsdienstes fünf Verwundete zu verzeichnen. Trotz der schweren Ausschreitungen machte die Polizei von der Schuhwaffe nicht Gebrauch. Ls wurden 50 Verhaftungen vorgenommen. Die Versammlung der Feuerkreuzler in Marseille verlief ohne Zwischenfall. Der erste Präsident der Vereinigung Oberst de la Rocque hielt vor 3000 Zuhörern eine Rede, in der er u. a. ausführte: Dir wollen nicht Wähler gewinnen, sondern wir wollen Männer. Wir wollen etwas Neues schaffen, nämlich die Klassenbrüderlichkeit, die allein Frankreich wieder aufbauen kann. Wir wollen den ern st haften Frieden nach außen und im Innern, einen Frieden der Eintracht. wir werden diejenigen ins Nichts zurück- ftohen, deren Programm darin besteht, Zwietracht unter den Franzosen zu säen. Seit 1918 hat die Rechte ebenso wie die Linke das Land verraten. Da wir über dieser Einteilung von rechts und links stehen, sind wir am 6. Februar bei den Kundgebungen in Paris auf hie Straße gegangen. Oer Giaaisjugendtag. Der Reichsjugendführer Plant auch Einbeziehung der Jungarbeiterschaft. Berlin, 12. Iuni. (DNB.) Die NSK. veröffentlicht eine Unterredung mit dem Reichsjugendführer von Schirach über die Entstehung des Staatsjugendtages und die in feinem Rahmen beabsichtigten Maßnahmen. Dabei betonte Baldur von Schirach u. a.» daß die Grundidee des Staats- jugendtages auf den Führer selbst zurückblicke und wies besonders darauf hin, daß nur die Mitglieder der HI. vom Unterricht am Staatsjugendtag befreit fein würden. Er befaßte sich dann noch eingehend mit der Frage der Ausdehnung des Staats- fugenötages auch auf die Jungarbeite rfcha ft. Die HI. bestehe zu 80 v. h. aus Jungarbeitern, die den Staatsjugendtag auch körperlich am nötigsten haben. Die Reichsjugendführung sehe daher ihre Aufgabe darin, auf eine Ausdehnung des Staatsjugenötages auf alle Jugendlichen vom 10 bis zum 18. Cebens- jahr hinzuwirken. Der Staatsjugendtag solle die deutsche Jugend von den Schulbänken und den Fabriken wegführen. Er solle ihnen körperlichen Ausgleich schaffen und so nicht nur zur praktischen Erziehung, sondern auch zur körperlichen Gesunderhaltung der Heranwachsenden Jugend dienen. Der Staatsjugendtag solle so ein Sport- und Wandertag werden. Außer dem Samstag, der voll der Arbeit der HI. zur Verfügung siehe, solle in Zukunft nur noch der Mittwochabend mit HI. - Dien st belegt werden. An diesem Abend würden die Heimabende bet HI. abgehalten werden. Es sei geplant, diese Heimabende durch Rundfunkübertragung der Abteilung Rundfunk der Reichsjugendführung zentral für das ganze Reich auszugestalten. „Gemeinschaft des Opferns." Die Volksdeutsche Forderung für die Sammeltage des BDA. am 16. und 17. Juni 1934. Die Reden, die auf der großen Pfingst- tagung des VDA. in Mainz und Tier gehalten wurden, gipfelten alle in der Forderung, daß die neu erstehende Volksgemeinschaft aller Deutschen dies- und jenseits der Grenzen ihren Sinn nur erfüllen könne, wenn sie auch eine Gemeinschaft des Opferns fei. Man muß den Kampf um deutsches Volkstum auch nach innen verlegen. Man muß die Opfer, die an den Grenzen des Volkstums in ständig hartem Kampf von Millionen Volksgenossen gebracht werden, ergänzen und auswiegen durch Opfer, die das deutsche Volk im Inneren freiwillig auf sich nimmt. Daß solche Opfer oft nur materieller Art sein können, vermindert nicht ihren idellen Wert. Denn es ist ja so, daß die Stärkung der deutschen Außenfront nicht erfolgen kann durch eine lediglich „idelle" Unterstützung — etwa durch „gutes Zu; reden". Eine Bestärkung im Glauben, in der inneren deutschen Haltung haben gerade die Grenz- und Ausländsdeutschen am wenigsten nötig. Nötig haben sie die friedliche „Aufrüstung" mit allen den Waffen, mit denen sie sich einer gewallten Verkümmerung der deutschen Seele erwehren können. Nötig haben sie Bücher, Zeitschriften, geistige Nahrung in jeder Form, vor allem aber Schulen für deutsche Kinder, die sonst fremdsprachige Schulen besuchen müßten, nötig haben sie die geistige Fortbildung der Erwachsenen — bitter nötig haben sie all diese für den Binnendeutschen so selbstverständliche Verbindung mit dem geistigen Leben der Nation, die aus dem Einzelmenschen erst das miterlebende, tätige Glied der Volksgemeinschaft macht. Solches Rüstzeug den Ausländsdeutschen zu vermitteln, ist die unendlich große, geschichtliche Aufgabe des VDA. Wenn er in diesen Tagen deshalb wieder zum Opfern aufruft, appelliert er nicht an die Mildtätigkeit der Volksgenossen im Reich, sondern an eine Pflicht des Opfern, die jeder übernommen hat, der sich der großen Aufgabe des deutschen Volkes, sich und seine Art zu erhalten, bewußt geworden ist. Deutscher Protest in Madrid. Unterbindung der marxistischenPressehetze. Madrid, 12. Juni. (DNB.) Der deutsche Botschafter in Madrid hat am Dienstagmittag dem spanischen Unterftaatssekretär im Außenministerium — der stellvertretende Außenminister befindet sich bei den Flottenmanövern — eine Protestnote überreicht und Genugtuung für den Ueber- fall auf die deutsche Kolonie gefordert. Der Unter- staatssekretär brachte sofort das Bedauern der spanischen Regierung sowie sein eigenes über den Vorfall zum Ausdruck. Wie verlautet, ist in diesem Zusammenhang auch von einer Aktion gegen b i e bürgerliche unb marxistische heh- presse gesprochen worden, die gerade jetzt wieder die Forderung auf Freilassung von Thälmann zum Vorwand nimmt, in geradezu unerhörter Weise Deutschland anzugreifen. Ls ist anzunehmen, daß die von der Regierung verhängte Preffezensur ihr die Gelegenheit geben wird, solche Auswüchse künftig zu unterbinden. Die deutsche Kolonie hat der Madrider Presse eine Erklärung über den Vorfall übergeben, der auch von den seriösen Zeitungen gebracht worden ist. Darin wird festgestellt, daß der Akt des roten Terrors auf die Hetzarbeit der hiesigen Linkspresse zurückzuführen sei; das eigentliche spanische Volk verdamme diesen Terror ebenso, wie die Deutschen selbst das täten. Die größte Madrider Zeitung, das konservative ABC, sagt dazu in seinem Kommentar: „Ganz Spanien schließt sich diesem Protest an und erneuert seine Wertschätzung für diese Kolonie. Der autontä'reKurs in Bulgarien Auflösung der Parteien. Neuregelung des Pressewesens. Sofia, 12.Juni. (DNB.) Die schon seit langem angekündigte und erwartete Auflösung der Parteien ist am Dienstag vom Ministerrat beschlossen worden. Die erste Verfügung ordnet die Auflösung aller Parteien, parteipolitischen Organisationen, Verbände und Bewegungen an und verbietet ihnen jegliche Betätigung. Unter dieses Verbot fallen auch alle parteipolitischen Zeitungen. Die Neugründung oder die Tarnung aufgelöster politischer Organisationen wird mit schwerem Kerker bis zu drei Jahren bestraft. Die zweite Verordnung ordnet an, daß in Zukunft keine Zeitung oder Zeitschrift mehr ohne Bewilligung der zuständigen Behörde erscheinen darf. Die nicht unter das Parteiverbot fallenden Nachrichtenblätter haben innerhalb zehn Tagen die behördliche Genehmigung ihres Weitererscheinens nachzusuchen. Schriftleiter können in Zukunft nur mehr noch unbescholtene bulgarische Staatsbürger sein. Ausländern wird die Ausübung des Schriftleiterberufs nur mit ausdrücklicher Bewilligung erteilt. Diese beiden Beschlüsse bedeuten die endgültige Zertrümmerung der Parteiwirtschaft in Bulgarien. Besonders zu vermerken ist, daß auch die Volkssoziale Zankoff-Bewegung unter das Verbot fällt und daß die Regierung zur Parteienauflösung schritt, ehe eine Verständigung mit Zankoff zustandekam. In Regierungskreisen wird indessen betont, daß zwischen dem jetzigen Regime und der Zankoff-Bewegung keinerlei weltanschauliche Gegensätze bestünden und daß somit die Anhänger Zankoffs den Weg zum neuen Staat noch immer finden könnten. Ein japanisch-chinesischer Zwischenfall. Rätselhaftes Verschwinden eines japanischen Konsuls in Nanking. Nanking, 12. Juni. (DNB.) Der hiesige japanische Vizekonsul Kuramoto ist spurlos verschwunden. Die chinesische Presse behauptet, daß die von einer japanischen Agentur verbreiteten Meldungen, wonach der Vizekonsul ermordet worden sei, nicht den Tatsachen entsprächen. Nach chinesischen Pressemeldungen soll der Vizekonsul m i t dem japanischen Gesandten abgereist sein. Diese Behauptungen der chinesischen Presse werden von dem japanischen Generalkonsul als unzutreffend bezeichnet. Die japanische Regierung hat drei Kriegsschiffe nach Nanking gesandt und ihren Generalkonsul beauftragt, sich das Recht zu eigenen Nachforschungen oorzubehalten. Der Sprecher des japanischen Außenministers erklärte der Presse, die Haltuna der chinesischen Regierung in der Angelegenheit Kuramoto sei voll- kommen ungenügend. Die Tatsache stehe fest, daß trotz des japanisch - chinesischen Wafsenstillstands- abkommens die feindliche Propaganda sehr st a r k zugenommen habe. Das Ergebnis dieser Propaganda sei das rätselhafte Verschwinden des Vizekonsuls Kuramoto, der nach japanischer Auffassung nicht mehr am Leben sei. Mit der Entsendung der japanischen Kriegsschiffe nach Nanking habe die Regierung nur die erste Maßnahme getroffen, um die Sicherheit ihrer Bürger zu gewährleisten. Sie hoffe, daß China alles unternehmen werde, was zur Bestrafung der Personen führe, die unmittelbar an der Tragödie Kuramoto schuld seien. Sammelverbot für HI. Der Reichsjugendführer hat mit sofortiger Wirkung u. a. verfügt: 1. Sammlungen der Hitler-Jugend (HI., JV., BdM.) im Reichsgebiet finden nur mit G e - nehrnigung des Reichsschatzmeisters und des Reichsjugendführers statt. Alle Sammlungen, die ohne diese Genehmigung veranstaltet werden, sind unberechtigt. Ihre Veranstalter werden bestraft. 2. In den Gauen der NSDAP, darf die Hitler- Jugend sich nur an solchen Sammlungen beteiligen, zu denen vom Gauleiter selbst aufgerufen wird. 3. Verbände und Dienststellen, die an Gliederungen der HI. herantreten, um diese zum Sammeln für diesen oder jenen Zweck zu gewinnen, sind a u f diese Verfügung zu verweisen. Die Aufgaben der Hitler-Jugend sind nicht im Geldsammeln zu suchen. Sie können wohl auch hier liegen — siehe Winterhilfswerk! —, doch wird zu diesen für das Volk lebenswichtigen Sammlungen durch die Reichsjugendführung besonders aufgerufen. Dor dem Abschluß des Rechnunqsjahrs 1933 in Hessen. LPD. Darmstadt', 12. Juni. Der Monatsausweis Über die Einnahmen und Ausgaben des Landes Hessen im Monat März 1 9 3 4 des Rechnungsjahres 1933 verzeichnet Ende März i m ordentlichen Haushalt als Gesamteinnahmen 73,584 Millionen Mark und 74,063 Millionen Mark Ausgaben. Im außerordentlichen Haushalt 1933 sind zum gleichen Zeitpunkt 1,572 Millionen Mark Einnahmen und 2,608 Millionen Mark Ausgaben verbucht. Das Staatspresseamt teilt dazu mit: Einnahmen und Ausgaben im laufenden Teil kommen sich in ihrer Summe ziemlich nahe. Es ist dies die Folge der von der Regierung durchgeführten Maßnahmen. Der Bücher- schluß des Ende März abgelaufenen Rechnungs- jahres findet erst Ende Juli statt. Es bleibt zu hoffen, daß das Rechnungsjahr ohne Fehlbetrag zum Abschluß gebracht werden kann. Der amerikanische Sonderbeauftrage Norman Davis wird zur Teilnahme an den englisch, amerikanischen Flotten - Vorbesprech u n g e n am 16. Juni in London erwartet. Er wird von technischen Sachverständigen begleitet sein. Es ist noch nicht bekannt, ob japanische Flottensachverständige nach London zur Unterstützung des japanischen Botschafters entsandt werden. Frankreich und Italien haben auf die Einladung der britischen Regierung noch nicht ge- antwortet. Die Sowjet-Regierung hat beschlossen, an der Konferenz teilzunehmen. Oie Ermordung Horst Wessels erneut vor Gericht. Drei weitere Mittäter unter der Anklage gemeinschaftlichen Mordes. Berlin, 12. Juni. (DNB.) Die Ermordung Horst Wessels wird erneut die Gerichte beschäftigen. Die Ermittlungen wegen dieser furchtbaren Bluttat waren im vergangenen Jahre noch einmal ausgenommen worden. Eine Reihe weiterer, seinerzeit nicht angeklagten Personen wurden belastet. Der seinerzeit zu sechs Jahren und einem Monat Zuchthaus verurteilte Haupttäter Albrecht H ö h l e r ist während der Strafhaft verstorben. Don den im ersten Prozeß Verurteilten haben inzwischen die Brüder Walter, Max und Willi I a m b r o w s k i, Walter I u n e k und die frühere Wirtin Horst Wessels, Frau Salm, ihre Straftaten verbüßt. Rückert und Kandulski sind noch in Strafhaft, die Brüder Jambrowski und Frau Salm in Schutzhaft. Die neue Anklage richtet sich gegen Peter Stoll, Sally Epstein, sowie gegen Hans Ziegler, der bereits 13 mal vorbestraft ist. Die Anklage: lautet auf gemeinschaftlichen Mord. Wie erinnerlich, wohnte Horst Wessel im Januar 1930 bei der Witwe Salm in der Großen Frankfurter Straße 62. Am Abend des 14. Januar alarmierte Frau Salm die Bereitschaft II der Sturmabteilung Mitte, die getarnte Fortsetzung des Roten Frontkämpferbundes, die in dem Lokal von Baer in der Dragoner-Straße 48 tagte und der die drei Angeklagten angehörten. Von dort wurden aus dem Lokal von Galsk in der Mu- lackstraße, dem Verkehrslokal der III. Bereitschaft der Sturmabteilung Mitte, Verstärkungen geholt. Führer dieser Bereitschaft war der inzwischen verurteilte Erwin Rückert und sein Stellvertreter Ali H ö h l e r. Höhler brachte aus seiner Wohnung seine Parabellum-Pistole 08, Kaliber 9 Millimeter, mit. 10 bis 12 Mann begaben sich darauf in kleinen Trupps zur Wohnung Hör st Wessels, unter ihnen die jetzt angeklagten Stoll, Epstein und Ziegler, die sich freiwillig'gemeldet hatten. Höhler, Rückert, Walter Jambrowski und Josef Kandulski gingen zur Wohnung Wessels hinauf. Höhler und Rückert machten ihre Pistolen schußfertig und klopften an Wessels Wohnungstür. Als dieser die Tür einen Spalt weit öffnete, scholl ihm der Ruf: ,Fände hoch!" entgegen. Höhler s.ch o ß sofort. Horst Wessel brach in den Mund getroffen zusammen. Die übrigen Mordgesellen hatten auf der Straße Aufstellung genommen, um beim Herannahen von Nationalsozialisten die Flucht der Täter ermöglich e n zu können. Kandulski steckte auf der Straße Epstein einen Gummiknüppel zu, den dieser auf der Flucht in einen Gulli warf. In dem Lokal von Baer wurde dann die weitere Verwischung der Spuren besprochen. Dabei drohte Max Jambrowski, jedem, der etwas verraten würde, würde es genau so gehen wie Horst Wessel. Die Anklage wirft den jetzt Angeklagten vor, daß ie bewußt und gewollt mit den Haupt- ä t e r n zusammengearbeitet haben. Ep- tein hat unmittelbar am Ausgang des Mordhauses gestanden. Der Einwand von Ziegler, er sei vor dem Schuß fortgelaufen, ist nach Auffassung der Staatsanwaltschaft unglaubwürdig. Alle Beteiligten mußten sich über d i e Folgen des lieber« alles klar sein und haben zweifellos auch genutzt, daß die Täter Waffen mit sich gell h r t haben. Daher ist gegen Stoll, Epstein und Ziegler Anklage wegen gemeinschaftlichen Mordes erhoben worden. Auf eigenartige Weife kam die Polizei auf die Spur dieser drei. Eines Tages geriet der Angeklagte Stoll in betrunkenem Zustande in einem Lokal mit seiner Frau in einen rauften Streit, der sich schließlich auf der Straße noch ortsetzte. Plötzlich rief die Frau des Stoll in höch- ter Wut ihrem betrunkenen Mann zu: „Du willst es wohl mit mir genau so machen, wie du es mit Horst Wessel gemacht hast." Diese Worte wurden gehört und Stoll wurde festgenommen. Die Vernehmung der Angeklagten Zunächst wird der Angeklagte Stoll vernommen: Am Tage der Tat nahm ich an einer Versammlung in dem Lokale von Baer teil. Plötzlich kam der Kommunist Junek ins Vereins^immer und sagte zu Jambrowski: „Komm doch mal raus, eine Frau will dich sprechen." Aus Neugierde will der Angeklagte Stoll hinterhergegangen sein und hörte, daß die Frau — es handelt sich um Frau Salm, die Wirtin Horst Wessels — von Jambrowski verlangte, daß ein „Nazimann" aus ihrer Wohnung befördert werden sollte. Der Angeklagte ging zusammen mit Junek in ein anderes Lokal und hörte dort, wie Junek nach „Ali" fragte. Was Junek dann verabredete, habe er nicht hören können. Wir verließen dann das Lokal und ich ging aus Neugierde und Dummheit hinter den anderen her. An einer Straßenecke erhielt ich die Anweisung, stehen zu bleiben. Jambrowski sagte zu mir: Hier paßt du auf, wenn Polizei kommt, mußt du pfeifen. Die anderen gingen dann weiter. Dorf.: Wenn Sie sich unschuldig fühlten, warum haben Sie dann im August des vorigen Jahres einen Selbstmordversuch begangen? Angeklagter Stoll: Es tat mir leid, daß ich in eine solche Sache aus Dummheit hineingekommen bin. Ich habe mich geschämt wegen einer so lumpigen Sache. Vors. (sehr erregt): Das nennen Sie eine lumpige Sache! Sie sind hier als Mörder angeklagt, machen Sie sich das klar. Das ist ja ganz unglaublich. Der Angeklagte Salli Epstein will am Tage ber Mordtat beobachtet haben, daß zwischen Junek und Jambrowski geheimnisvolle Dinge verhandelt wurden. Als mehrere Kommunisten dann das Lokal verließen, will er hinterhergegangen fein, angeblich aber nur, um einen Freund in der Weber- strahe aufzusuchen. Hier hält ihm der Vorsitzende I vor, daß diese Angabe eine Lüge fein muß, weil dieser Freund in der fraglichen Zeit gar nicht in seiner Wohnung anzutreffen war, sondern im Tegeler Gefängnis eine Strafe abmachte. Der Angeklagte blieb aber dabei, daß er von dem Mordplan und der Tat selbst nichts gewußt habe. Dem steht seine Angabe in der Vor- Untersuchung entgegen, wo er zugegeben hat, daß er von Rücker aufgefordert wurde, z u pfeifen, wenn Polizei kommen sollte. Der dritte Angeklagte Ziegler war im Lokal von Baer ang^stellt. Am 14. Januar sei Frau Salm, die Wirtin Horst Wessels, ins Lokal gekommen und habe einen Führer der „Sturmabteilung" sprechen wollen. Ziegler will kein Interesse an der Angelegenheit gehabt haben, ist aber trotzdem, als mehrere Kommunisten, darunter der Mörder Ali Höhler, das Lokal verließen, hinter ihnen hergelaufen, um zu erfahren, was vor sich gehen sollte. Vor dem Hause Horst Wessels seien schon mehrere Kommunisten versammelt gewesen. Ziegler selbst will es mit der Angst zu tun bekommen haben, als er merkte, daß „eine große Sache steigen" sollte. „Nur zum Schein" sei er mit ins Haus gegangen. Später habe er sich heimlich gedrückt und sei ins Lokal von Baer zurückgegangen. Dort ermahnte Jambrowski die Genossen, den Mund über die Sache zu halten, einem Verräter würde es genau so gehen wie Horst Wessel. Ziegler behauptete, in diesem Augenblick den Namen Horst Wessel zum erstenmal gehört zu haben. Vorsitzender: Wollen Sie uns wirklich glauben machen, daß Sie als Mitglied der kommunistischen Sturmabteilung im Januar 1930 nicht gewußt haben, wer Horst Wessel, der bekannteste Sturm- führer der dortigen Gegend, war? Der Angeklagte bleibt bei seiner plumpen Lüge und will erst am anderen Tage in der Zeitung von dem Mord gelesen haben. Die Beweisaufnahme Sodann wurde in die Beweisaufnahme eingetreten. Die Vermieterin, bei der Horst Wessel zuletzt gewohnt hat, die Witwe Salm, ist sehr vorsichtig und zurückhaltend. Nach ihrer Bekundung ist Horst Wessel im Oktober 1929 zu ihr gezogen. Im Januar 1930 kam es zu Mietstreitigkeiten, und sie ist in das Lokal von Baer gegangen, um einen Bekannten ihres Mannes zu ihrer Unterstützung zu holen. Als sie dort von dem Streit erzählte, sagte plötzlich Max Jambrowski: „Das ist ja der langgesuchte Horst Wessel!" — Darauf begleiteten mehrere Kommunisten die Salm in ihre Wohnung. Die Zeugin will aber nicht gewußt haben, was diese ihr z. Teil Unbekannten dort gewollt hätten; sie habe sich nicht besonders um sie bekümmert, sondern — Kaffee gekocht. Vorsitzender: Eine rührende Geschichte, die Sie uns hier erzählen! Denken Sie denn, wir glauben Ihnen, wenn Sie uns vormachen wollen, daß sie Kaffee kochten, während nebenan Ihr Mieter niedergeschossen wurde? Die Zeugin will sich bann, nachdem Horst Wessel niedergeschossen worden war, um ihn gekümmert haben, nachdem die kommunistischen Mörder eiligst die Wohnung verlassen hatten. Horst Wessel verlangte nach Wasser und forderte sie auf, die Polizei zu verständigen und einen Arzt zu rufen. Außerdem bat er um feine Papiere. Wenige Minuten später, als sie gerade einen Arzt hätte rufen wollen, trafen die Kameraden Horst Wessels ein. Der Zeuge Max Jambrowski gibt zu, nach der Mordtat im Lokal von Baer seine Genossen aufgefordert zu haben, den Mund über bas Geschehene zu halten. „Einem Verräter werbe es genau so ergehen, wie Horst Wessel." Im übrigen will er nichts von bem Morbplan gewußt haben. Man sei nur beshalb in bie Wohnung Horst Wessels gegangen, um bie Streitfrage in einer Aus- einanbersetzung zu klären, bie zwischen Frau Salm unb ihrem Mieter Horst Wessel bestehen sollte. Vorsitzenber: Unb barum brangen 15 Kommunisten abenbs um 10 Uhr in bie Wohnung Horst Wessels ein? Bezeichnen!) sinb bie Angaben bes Angeklagten, bie er über seine „I n st r u k t i o n e n" aradjt, bie er von Rechtsanwalt Löwenthal von ber Roten Hilfe im Untersuchungsgefängnis nach feiner Verhaftung erhielt. Er sollte sagen, baß zwischen Ali Höhler unb Horst Wessel ein Streit wegen eines Mäbchens entstauben sei, ber zu ber Tat führte. Der Zeuge befunbet weiter, baß lange Zeit nach ber Tat ber jetzt angeklagte Epstein zu ihm gesagt habe: „Ich bin nur froh, baß man mich bamals nicht mit verhaftet hat." Der Zeuge Willi Jambrowski betunbete, nach ber Tat sei Ali Höhler mit bem Ruf bie Treppe heruntergestürzt: „Erledigt! Türmt!" Die Aufgabe der Miier beim Aufbau eines gesunden Volkes. Heichsinnenminister Nr. Krick über die Frau im nationalsozialistischen Staat. Berlin, 12.Juni. (DNB.) Reichsinnenminister Dr. Frick veröffentlicht im „Völkischen Beobachter" einen Artikel, in bem er auf bie burch Liberalismus unb Marxismus in ber Vergangenheit hervorgerufene finberfeinblidje Einstellung in unserem Volke hinweist. Die Freube am Kinbe, o führt ber Reichsminister u. a. aus, war systematisch im ganzen Volke erbrosselt. Die Folgen waren verberblich. Wenn man berücksichtigt, baß heute jeher Mensch im Durchschnitt etwa 20 Jahre älter wirb als vor etwa 60 Jahren, unb wenn man bie sogenannte Lebensbilanz unseres Volkes zieht, bann erkennt man, baß heute schon 3 0 0000 Kinber z u wenig geboren werden, um die Zahl des Volkes zu erhalten. Wenn wir aber ein Volk von Greisen und Greisinnen werden, dann können weder der Staat noch die Wirtschaft, noch die sozialen Versicherungen auf der heutigen Leistungsfähigkeit erhalten werden. Unter Hinweis auf den bereits erzielten beachtlichen Erfolg nationalsozialistischer Aufklärungsarbeit und Gesetzgebung, der daran zu erkennen sei, daß i m Jahre 1933 in Preußen 24 v. H. Ehen mehr als im Jahre 193 2 geschlossen worden sind, erklärt Dr. Frick: Wenn die nationalsozialistische Bewegung aus Gründen der Erb- und Rassenpflege den Willen des Volkes zur Familiengründung und den Willen zum Kinde mit dem größten Nachdruck heben will, dann übernimmt sie bamit zugleich die Verpflichtung ihres Programms, die deutsche Familie wieder zu bem zu machen, was sie unseren Vorfahren war, ein Quell ber Freube mit ben Kinbern unb an ben Kindern. Das Ziel, das Kind in ber Fa- milie zu einem lebensfrohen, tüchtigen Menschen unb Staatsbürger zu erziehen, kann nicht so sehr burch staatliche ober polizeiliche Maßnahmen geschehen, wie burch bie Hilfe ber Familie, insbe- fonbere ber M u 11 e r. Diese aber muß bie in ihr liegenben natürlichen Anlagen zum Familiensinn unb zur Kinberliebe frei von ben wirtschaftlichen Hemmungen entfalten können. Als erreichbares Ziel muß abgesteckt werben: die Mutter soll sich ganz ihren Kindern und der Familie, die Frau dem Manne widmen können, und das unverheiratete Mädchen soll nur auf solche Berufe angewiesen sein, die der weiblichen Wesensart entsprechen. Die deutsche Frau besinnt sich wieder auf sich selbst unb ihre ureigensten Pflichten. Man fühlt mieber orbent- lich ben Stolz ber Mutter, bie öffentlich ihre ge« funbe Kinberschar zeigen Fann. Tausenbe unb aber Tausende von Frauen haben sich in der nationalsozialistischen Frauenschaft und im Deutschen Frauenwerk zusamengetan, um unseren ärmeren Volksgenossen zu helfen. Die NSV. hat durch ihr Hilfswerk „Mutter und Kind" in allen deutschen Herzen den stärksten Widerhall gefunden. Die Reichsregierung ist bemüht, Wege zu finden, die dem Aufbau der deutschen kinderreichen und erbgesunden Familie die Bahn freimachen und ihre wirtschaftliche Not lindern. Noch hindern die durch die Rücksicht auf die Wirtschaft bedingten niedrigen Löhne die Schaffung eines Ausgleiches b er Familienlasten bei Lohn- unb Gehaltsempfängern, noch bebarf es Öügiger Maßnahmen, um Die für eine gefunbe lkerungspolitik verheerenbe Wirkung ber G r o ß ft a b t burch Sieblung in erforderlichem Maße zu ünbern unb ben Nachteilen ber Jnbu- [trialifierung burch Schaffung von Eigenheimen in ourchgreifenber Form zu begegnen. Aber wir sinb auf bem Wege b a z u, unb zwar baburch, baß wir auf ber einen Seite bie Lasten zu verringern versuchen, bie heute ben gefunben Teil ber Bevölkerung burch bie Vermehrung unb Versorgung ber erbkranken unb asozialen Menschen aufgebürbet werben unb auf ber anberen Seite ben Willen zur Fruchtbarkeit heben unb bie Familien mit erbgefun« bem Nachwuchs in jeber möglichen Weise förbern. Wir bürfen unser Sinnen unb Denken hierbei nicht auf unser Ich unb auf unser beneitiges Wohlbefin- ben einstellen, fonbern wir müssen uns als ein ©lieb in ber Kette ber Geschlechter betrachten, bie berufen sinb, bem beutschen Volke ben notroenbigen Lebensspielraum mieber zu erringen. In biesem Streben steht im Mittelpunkt b i e Mutter unb bas Kinb, b. h. unsere Jugenb. Halten wir fest an bem Gebauten, baß bie Mutter, bie zahlreichen gefunben Kinbern bas Leben schenkt und sie zu nützlichen Gliedern unseres deutschen Volkstums erzieht, unsere besondere Fürsorge und Verehrung verdient. Ebenso wichtig ist es, unsere weibliche Jugend zu tüchtigen deutschen Hausfrauen und Müttern zu erziehen. Die deutsche Freau, die in wahrhaft nationalsozialistischem Sinne zur deutschen Mutter erzogen wird, wird der deutschen männlichen Jugend von selbst die Achtung abzwingen, die ihr gebührt. Nur ein wirklich hochstehendes Frauengeschlecht kann durch die sittliche Erziehung der Jugend die deutsche Zukunft sichern. Mögen darum die Amtswalter und Amtswalterinnen der NSV. und des Deutschen Frauenwerkes sich ihrer Verantwortung gegenüber Volk und Vaterland bewußt sein. Die Regierung wird ihnen die Erfüllung ihrer Pflicht erleichtern, die Not in der deutschen Familie zu lindern und der deutschen Mutter und ihren Kindern nicht nur wirtschaftlich, sondern auch seelisch beizustehen und zu helfen. Wenn Sie alle dabei mitwirken, muß es uns gelingen, das Ziel zu erreichen, unserem Volke im Herzen Europas eine glückliche Zukunft zu sichern. Kleine politische Nachrichten. Der Reichsbischof hat den Hauptpastor am Dorn zu Lübeck, Dr. phil. Johnsen, zum kommissarischen Kirchenführer in Braunschweig ernannt. Dr. Johnsen stammt aus niedersächsischer Familie und steht im 43. Lebensjahr. Am Weltkrieg hat er als Freiwilliger teilgenommen. Dr. Johnsen ist alter Kämpfer der NSDAP. Als Pfarrer versuchte Dr. Johnsen vor allem auf die Männerwelt und die Jugend einzuwirken. Prinzessin Juliana von der Niederlande wird sich am kommenden Donnerstag für mehrere Wochen nach England begeben. Wie verlautet, wird sie das Wochenende a l s G a st des englischen Königspaares auf dem Schloß Windsor Castle verbringen. * Der österreichische Sicherheitsminister Fey ist in Budapest eingetroffen und vom Minister des Innern begrüßt worden. Bundeskanzler Dr. D o 11 - f u ß trifft am Dienstag in Budapest ein, um in ber Eröffnungssitzung des Internationalen Landwirtschaftskongresses eine Rebe zu hatten. Der litauische ©taatspräfibent hat bie neue Regierung ernannt: Ministerpräfibent ist ber bisherige Ministerpräsibent unb Finanzminister Tubelis, ber bisherige Lanbwirtschaftsminister Asiska, Krieg: Generalleutnant Schniukschta, ber bisher Vorsitzenber bes Militärgerichts war, Aeußeres: ber bisherige Chef des politischen Departements im Außenministerium Lozoraitis. Außenminister Dr. Z a u n i u s geht als Gesandter nach Washington. Das jetzige Kabinett bedeutet eine Stärkung ber Richtung bes Staatspräsidenten und stellt außerdem eine Stärkung des nationalsoziali- listischen Kurses dar. SieSeimwehrensetzenDollfußunierDrulk Wachsende Beunruhigung in Oesterreich. Wien, 12. Juni. (DNB.) Die Öberösterreichischen Heiniwehren treten mit einem Aufruf hervor, in dem an die Regierung folgende Forderungen gestellt werden: 1. Die Paragraphenreiterei hat aufzuhören, und an deren Stelle hat das Dolksgericht aller Daterlandstreuen zu tretell. Wir fordern sofortige A m n e st i e r u n g der Angehörigen der Heimatwehren, des Schutzkorps und der staatlichen Exekutive, gegen die ein gerichtliches Verfahren wegen Ehrenbeleidigung, leichter oder schwerer Körperverletzung oder anderer Tatbestände des Strafgesetzes, die durch provozierende Ereignisse herbeigeführt wurden, anhängig ist. 2. Während des gegenwärtigen Ausnahmezustandes und solange sich Anschläge gegen den Staat oder das Leben von vaterländischen Mitgliedern ereignen, ist die Z u st ä n d^ g k e i t der B e - Z i r k s ge richte und des Gerichtshofes erster Instanz hinsichtlich jener Uebertretungen, Verbrechen und Vergehen, die von Angehörigen der Freiwilligen Wehrverbände und der staatlichen Exekutive in Ausübung ihres Dienstes begangen werden, den Sicherheitsbehörden abzutreten, an welche Weisungen zu erlassen sind, denen zufolge sie das freie Prüfungsrecht darüber haben, ob in den konkrekten Fällen überhaupt mit einer Strafe vorzuaehen ist, oder ob die Anzeigen a b - z u w e i s e n sind. 3. Sofortige Auflösung der deutschen Turnvereine, in denen nachweislich Nationalsozialisten ein- und ausgehen. 4. Der bisher im Lande -Oberösterreich entstandene Sachschaden und der durch die Attentate der letzten Zeit zu erwartende Ausfall der Fremd env er kehr seinnah men ist ebenso wie die Kosten des erhöhten Sicherheitsapparates restlos auf prominente, örtlich überall bekannte Persönlichkeiten staatsfeindlicher Gesinnung aufzuteilen. Im Falle der Uneinbringlichkeit des Betrages ist eine Zwangshypothek auf den Besitz zu legen. 5 Das Standgericht hat endlich einmal Taten zu zeraen. Dieser Aufruf ist in mehrfacher Hinsicht äußerst bemerkenswert. Es bleibt abzuwarten, welche Stellungnahme die Regierung zu diesen maßlosen Forderungen einnehmen wird. Der Beschluß der Regie- ryn9' der den Mitgliedern der Ortswehren bei ihren Handlungen weitgehende Straffrei- h e i t zusichert, hat bereits jetzt zu bedenklichen Erscheinungen in Wien und in den Bundesländern geführt. In den Abendstunden des Dienstag erfolgten in Wien auf die Straßenverkäufer der Wiener Neuesten Nachrichten und des nationalen Nachtkuriers an mehr als 18 verschiedenen Stellen der Stadt Angriffe von Mitgliedern der ostmärkischen Sturmscharen und des Heimatschußes. Die Zeitungsverkäufer wurden verprügelt, die Zeitungen zerrissen und besudelt. Aus vielen Orten werden ähnliche Aktionen von der Vaterländischen Front nahestehenden Bevölkerungskreisen gemeldet. Sie überfielen als Nationalsozialisten bekannte Mitbürger und verprügelten sie. Eine eigenartige Aktion hat die Polizei in Wien unternommen. Sie erschien mit starken Mannschaften in bestimmten Straßenzügen, riegelte sie ab und unterzog alle Passanten, auch die Führer von Fahrzeugen, einer genauen Leibesvisitation. Das Ergebnis der Untersuchungen war aber völlig negativ. Die Beunruhigung und Erregung der Bevölkerung ist zur Zeit außerordentlich groß, obwohl von der Regierung ununterbrochen neben der Einführung des erweiterten Standgerichtsverfahrens neue, verschärfte Abwehrmaßnahmen angekündigt werden und die Bevölkerung zur Selbsthilfe aufgerufen wird. In Regierungskreisen befürchtet man vor allem, daß der Fremdenverkehr noch weiter zurückgche. In der Presse wird der Hetzfeldzug gegen die natio- nalsozialistische Bewegung fortgesetzt. Mit allen Mitteln sucht man die Nationalsozialisten allein für die Terrorakte der letzten Tage verantwortlich zu machen. Die Verwendung des Hindenburg-Wahlsonds. Oberst von Hindenburg als Zeuge im Gereke-prozeß. Berlin, 12. Juni. (DNB.) Im Gereke-Prozeß wurde in der Beweisaufnahme über den Anklage- Komplex „Hindenburg-Ausschuß" am Dienstag als erster Zeuge der Sohn des Reichspräsidenten, Oskar v. Hindenburg, gehört. Dr. Gereke behauptet, ihm sei schon vor dem er st en W a h l g a n g von politisch interessierter Seite eine halbe Million für die Gründung einer Hindenburg-Zeitung zur Verfügung gestellt worden. Dieses Geld habe er aber im Laufe des Wahlkampfes im Interesse der Hindenburg-Wahl verausgeben müssen, als plötzlich der Kandidat Düsterberg von Rechtskreisen aufgestellt wurde. Die Verwendung der halben Million zur Schwächung des Gegenkandidaten sei im Einvernehmen mit Oberst v. Hindenburg erfolgt, damit sei er berechtigt gewesen, von den später eingehenden Hindenburgwahlgel- dern eine halbe Million abzuzweigen, um damit die vorher von ihm verausgabte Summe wieder zu decken. Oberst v. Hindenburg erklärt, der Angeklagte Gereke habe nach seiner Erinnerung davon gesprochen, daß er 50 000 Mark dafür zur Verfügung stellen könne. Der ganze Plan sei an Geldmangel gescheitert. Vorsitzender: War zu jener Zeit Dr. Gereke der politische Vertrauensmann des Reichspräsidenten? Zeuge v. Hindenburg: Das kann man nicht sagen. Er war aber der Verbindungsmann zwischen dem Hindenburg-Ausschuß und dem Bureau des Reichspräsidenten. Vorsitzender: Dr. Gereke hat die Andeutung gemacht, daß er durch eine ehrenwörtliche Verpflichtung zum Stillschweigen verpflichtet und in seiner Verteidigung behindert sei. Zeuge v. Hindenburg: Mir ist nichts davon bekannt. Allerdings haben die Beteiligten, die an den Unterredungen über die Zeitungsgründung teilnahmen, sich zur Verschwiegenheit verpflichtet. Die Verpflichtung galt aber als erledigt, als der Plan gescheitert war. Vorsitzender: Die Verteidigung behauptet, es seien mehrere Zettel vorhanden gewesen, die aber später gestohlen worden seien; ein Zettel vom 6. Februar 1932 soll gelautet haben: „Männe will Kurt gewinne n". Darunter seien dann die Namen der D A Z. und der Täglichen Rundschau verzeichnet gewesen. Zeuge v. Hindenburg, lächelnd: „Männe ist mein Spitzname, und mit Kurt ist wohl Herr v. S ch l e i ch e r gemeint." Vorsitzender: Es wird behauptet, daß diese Notiz bedeuten soll, daß Sie, Herr Zeuge, Herrn von Schleicher für das Zeitungsprojekt gewinnen wollten und an den Ankauf der DAZ. oder Täglichen Rundschau dachten. Zeuge v. Hindenburg: Es ist schon richtig, daß ich mit Schleicher über eine Zeitungsgründung gesprochen habe, aber es ist nie daran gedacht worden, die DAZ. oder die Tägliche Rundschau anzukaufen. Ein anderer Zettel soll gelautet haben: „480 000 RM. mit Männe besprochen. Alter Herr darf nicht Kandidat der Linken sein. Zeitungsfrage zurückstellen. 480 000 restlos verbraucht." Zeuge v. Hindenbprg: An alle Einzelheiten während der Gespräche kann ich mich nicht erinnern. Es ist aber ganz ausgeschlossen, daß man mir gesagt hat, es stünden 480 000 RM. für die Zeitungsgrün- dung zur Verfügung. Hierauf wird der Zeuge von der Verteidigung gefragt, ob ihm bekannt sei, daß aus der Wilhelm st raße eine halbe Million zu Dr. Gereke geschickt worden sei. Dr. Gereke habe diese halbe Million sechs Tage lang in einer Matratze eingenäht aufbewahrt. Dann habe er sie in einer Aktentasche mit in den Reichstag genommen, und dort sei das Geld im Interesse der Bekämpfung einer Gegenkandidatur von rechts verteilt worden. Zeuge: Hebet diese Dinge ist mir nichts bekannt. Es ist ausgeschlossen, daß ich Dr. Gereke eine halbe Million übergeben habe. Verteidiger: Am 6. Februar soll Dr. Gereke Ihnen mitgeteilt haben, daß die Deutschnationalen einen Gegenkandidaten aufstellen wollten. Sie sollen darauf erwidert haben: „Wir wollen d i e Seitensprünge des „Silberfuchses" nicht dulden. („Silberfuchs" war ein Spitzname für Hugenberg.) Auf diese Ihre Bemerkung soll Gereke geantwortet haben: „Schade, dann muß jetzt mein Fond heran, der eigentlich für andere Dinge bestimmt war." — Der Zeuge kann sich an ein solches Gespräch nicht erinnern. Am Schluß seiner Vernehmung erwiderte Oberst von Hindenburg auf eine Frage der Verteidigung: Ich traue Dr. Gerke nicht zu, daß er sich persönlich aus Mitteln des Hindenburg-Wahlfonds Vorteile verschaffen wollte. „Kieler Woche." Am 15. Juni wird auf der Kieler Förde das alljährliche große W e t t f e a e l n seinen Anfang nehmen. „Kieler Waches seit 52 Jahren bezeichnet dieser Name eine der glänzendsten Veranstaltungen internationalen Sports. Es war zum er ft en Mal im Jahre 1882, als sich 20 deutsche Segelyachten auf der Reede von Kiel du einer gemeinsamen Wettfahrt zusammenfanden. Man kann dieses Jahr als das Geburtsjahr d e s b e u t - f ch e n Hochsee-Segelsports schlechthin bezeichnen. Damals war noch jede einzelne Yacht ein Versuch für sich. Aber schon das Ergebnis dieser ersten Wettfahrt fiel so glänzend aus, daß bereits im folgenden Jahr ein paar ausländische und auch Berliner Fahrzeuge hinzukamen Und nun vergrößerte sich die Zahl der Sta^tmel- dungen von Jahr zu Jahr. Die .^KielerWoche wurde zu einer der hervorragendsten mternahona en Prüfungen, und im gleichen Schritt entwickelte sich diese Veranstaltung zu einem sportlichen und gesellschaftlichen Ereignis, wie es auf der ganzen Welt seinesgleichen suchte. Der kai.erliche Yacht-Club wurde gegründet und blieb dann Jahrzehnte hindurch Trager dieser Beranstaltung^ Di« schottische Yacht „Thistle , die bei den Kämpfen um den Amerika-Pokal Weltruhm erlangt hatte ging in kaiserlichen Besitz über und nahm unter dem Namen „M e t e o r" an den spateren Rennen Einen ersten Höhepunkt brachte das Jahr der Eröffnung des Kaiser - Wil h e Im - Ra nals, als 1895 eine riesige Flottenschau aller Lan der auf der Kieler Förde vereinigt war. Wilhelm 11. versuchte dann in der Folgezeit, vor allem d e n Yachtbau auch in Deutschland seßhaft zu machen. So wurde von dem deutschen Konstrukteur Max Oertz im Jahre 1908 auf der Germaniawerft in Kiel im Auftrage des Industriellen Krupp von Bohlen und Halbach die erste deutsche Yacht auf Stapel gelegt, die sogleich dem „Meteor erhebliche Konkurrenz machte. Im Jahre 1910 waren es schon fünf große Schuner, die deutscher Herkunft waren, und 1914 ließ Wilhelm II. einen deutschen „Meteor" bauen. Damit hatte Deutschland eine Großklasse, die den Neid der ganzen Welt und vor allem auch Englands erregte. Da aber diese großen Fahrzeuge eine nach jeder Richtung hin außerordentlich kostspielige Angelegenheit waren, wurde bereits im Jahre 1900 die sogenannte „S ander k l a s s e" eingeführt, die sich aus einem deutsch- englischen Länderkampf entwickelt hatte. Krieg und Nachkriegszeit haben die glänzende Entwicklung naturgemäß aufgehalten. Wenn aber heute wieder 13 Nationen vertreten sein werden, wenn 530 Startmeldungen vorliegen, darunter 240 Klassenfahrzeuge und 140 „Ausgleicher" mit Zusammen 60 verschiedenen Klassen, des weiteren 80 Krieqsschiffboote und 40 Motoryachten, und wenn sich an dem großen Länderkampf der „12 qm-sharpie- Einheits-Klasse" Deutschland und England, Frankreich und Norwegen, Polen und Schweden, Holland, die Schweiz und Italien beteiligen werden, so kon- nen wir mit Stolz und Genungtuung feststellen, daß die „Kieler Woche" in der dritten Jumwoche dieses Jahres eine glänzende Auferstehung feiern wird. Kunst und Wissenschaft. (Eine Anordnung des Präsidenten der Reichsmusikkammer. Der Präsident der Reichsmusikkammer hat die Neugründung und Wiedereröffnung von Arbeitsgemeinschaften, Orchesterunternehmen und sämtlicher privater Unternehmungen von Berufsmusikern, deren Zweck in der Ausführung von Musikaufträgen oder eigener Veranstaltungen besteht, bis aus weiteres verboten. Bisher bestehende Unternehmungen sind bis zum 1. Juli 1934 zu schließen. Von der Schließung werden solche Unternehmungen nicht betroffen, welche bereits am 1. Januar 1934 unter ausschließlicher Leitung von Berufsmusikern bestanden haben, die dem Fachoerband „Reichsmusikerschaft" angehören und welche die für die Leitung solcher Unternehmungen erforderliche Zuverlässigkeit und Eignung besitzen. Deutsch-französisches Austauschkonzert im Radio. Aus dem Funkraum des Deutschlandsenders wurde am Dienstagabend das erste deutsch-französische Austauschkonzert gesendet, dem in nächster Zeit eine Sendung von einem französischen Sender folgen wird. Im ersten Konzert spielte das Philharmonische Orchester unter Leitung des Direktors der Pariser Oper, Henri Busser; als Solistin wirkte Scanne Bonavia von der Pariser Oper mit. Staatssekretär Funk vom Propagandaministerium gab vorher feiner Freude darüber Ausdruck, daß dieser Austausch zustande gekommen sei. Sein Zweck sei es, Verständnis für die Kultur des anderen Volkes zu wecken und die kulturellen Beziehungen der Völker zu vertiefen. In der Erwartung, daß dieser wechselseitige Kunstaustausch befruchtend und Verständnis werbend zum Segen der Kunst und der Beziehungen beider Nationen sich auswirken werde, wünschte Staatssekretär Funk den Uebertragungen vollen Erfolg. Alfred Plöh erhält den Pettenkofer-Preis. Auf Vorschlag des Direktors des Hygienischen Instituts der Universität München Geheimrat Dr. Kißkalt hat die Münchener städtische Kommission für ldie Verteilung der Renten aus derDr. Max von Pettenkofer - Stiftung den nun fälligen Preis einstimmig dem in Herrsching am Ammersee wohnenden Alfred Plötz für feine zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten auf rassenhygieni- schem Gebiet zuerkannt. Dr. Plötz hat sich sowohl um die theoretischen Grundlagen der Rassenhygiene als auch um die Propagierung ihrer Ideen weitreichende Verdienste erworben. Ehrung für Leo Frobenius. Die Generalversammlung der Ungarischen orientalischen Gesellschaft hat den deutschen Gelehrten Geheimrat Professor Leo Frobenius in Frankfurt a. M. einstimmig zum Ehrenmitglied gewählt. Der Ernennungsbeschluß nimmt ausdrücklich Stellung zu den auch in der deutschen Presse erschienenen Aeußerungen über einen Streit um die Priorität von Felsbilderentdeckungen zwischen dem italienischen Professor Graf von Cu- p o r t a c c o und dem Ungarn von Almasy. Ganz unberechtigterweise wurde der bekannte deutsche Afrikaforscher in diesen Streit hineingezogen. Die angesehene ungarische Gelehrtenvereinigung nimmt zu einem neuerlich im Pester Lloyd erschienenen Artikel in ihrem einstimmigen Beschluß eine eindeutige Stellung, indem sie befjen Inhalt außerordentlich bedauert und als einen ungerechten Angriff mißbilligt. Die Schillerbund-Jugend in Weimar. Wie alljährlich trafen die ersten Gruppen zu den Fe st spielen des deutschen Schillerbundes in Weimar ein. Der Schillerbund feiert in diesem Jahre das 25jährige Jubiläum seiner * Festspiele. Während die beiden ersten Wochenreihen jede ' über 500 Schüler zählen, wird die dritte über 700 ; Schüler und Schülerinnen nach Weimar bringen. ; Alle deutschen Unterrichtsministerien haben auf die Bestrebungen des Schillerbundes in diesem Jahre empfehlend hingewiesen. Auf dem Begrüßungsabend hieß der langjährige Präsident Prof. Eduard Scheidemantel die ersten Gruppen herzlich willkommen und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Jugend ein warmes Heimatgefuhl zur geistigen Besonderheit Weimars erhalten möge. Mit scharfen Worten wandte sich Prof. Scheidemantel gegen die von gewisser Seite ausgehenden Umtriebe, die die Freundschaft zwischen Schiller und Goethe durch Verdächtigungen herabzusetzen versuchten. In meisterhafter Vortraaskunst sprach Dr. Hermann C h r i st i a n s Gedichte von Goethe, Schiller und Kleist. Die folgenden Festspielabende des Deutschen Nationaltheaters umfassen „Kabale und Liebe", „Prinz von Homburg" und „Wilhelm Tell". Aus aller Well. Aljechin gewinnt die 25. Partie. Im Kampf um die Schachweltmeister- schäft wurde am Dienstag die am Vortage begonnene erste Berliner Partie beendet. Dr. Alje - ch i n verstand es in ganz kurzer Zeit, sein positio- nelles Uebergewicht in Gewinn umzusetzen. Er drang mit feiner Dame ins feindliche Lager ein, und bereits vier Züge nach Wiederaufnahme mußte Bogoljubow die Waffen strecken. Der Wettkampf steht nunmehr 15:10. Dr. Aljechin hat feinen Weltmeistertitel gesichert. Z' m Siege des Wettkampfes jedoch benötigt er noch einen halben Punkt. Die 26. und voraussichtlich letzte Partie des Kampfes wird am Donnerstag beginnen. 125. Geburtstag des „Struwwelpeter"-Hoffmanns. Am 21. Juni 1809 wurde Heinrich Hoffmann- Donner in Frankfurt a. M. geboren, der Jahrzehnte lang als leitender Arzt an der Städtischen Irrenanstalt in Frankfurt wirkte. Unvergänglich lebt sein Andenken in den Kinderstuben fort, wo sein 1847 zum ersten Male erschienener „Struwwelpeter" von Hand zu Hand gereicht wird. Frankfurt gedenkt an feinem 125. Geburtstage dieses verdienten Mannes, an dessen Grabe die Stadtverwaltung einen Kranz niederlegen wird. — Der in fast alle Sprachen Europas übersetzte „Struwwelpeter" hat übrigens 1925 die 539. Auslage erlebt. Die erste deutsche Eisenbahn ersteht aufs neue. Im nächsten Jahr feiert das deutsche Eisenbahnwesen die 100. Wiederkehr des Tages seiner ersten Anfänge. Nürnberg-Fürth wird festliche Tage begehen und eines der hierbei zu erwartenden Ereignisse wird die Wiederinbetriebnahme der er st en deutschen Eisenbahn fein. Die Lokomotive, der „Adler" ist zwar, nachdem sie dienstuntauglich geworden war, verschrottet worden, wird aber, wie die „NSZ. Rheinfront" berichtet, nach vorhandenen Plänen in der Abteilung Lokomotivbau des Reichsbahnausbesserungswerkes Kaiserslautern wieder erstehen. In den Tagen der Feierlichkeiten wird sie wie vor hundert Jahren ihre historischen Wagen, die in einer Nürnberger Werkstätte nachgebaut werden, zwischen den beiden Städten hin und her fahren, wenn man auch auf den Eisenbahnschienen keinen Platz mehr für sie haben wird. Ein Vettlergeschäft, das hunderttausende einbringt. Seit Juli 1933 betreibt in Frankfurt ein gewisser Erich Stegmann aus Nürnberg ein einträgliches Bettlergeschäft. Stegmann, der an den Händen gelähmt ist und mit dem Munde malt, richtet unter Hinweis auf feine Notlage Unterstützungsgesuche an Fernsprechabonnenten, die er in den Fernsprechbüchern findet. Insbesondere weist er auch auf die Notlage seines angeblich arbeitslosen alten Vaters hin. Den Gesuchen legt er in Steindruck, neuerdings auch nur in Buchdruck vervielfältigte Postkarten bei, ferner eine Druckschrift „Maler ohne Hände", in der er seine Notlage schildert. Stegmann erzielte durch seine betrügerischen Gesuche Einnahmen, die in die Hunderttausende gingen, so daß er Hilfskräfte einstellen und sich ein Personenauto leisten konnte. Der ausgegrabene Totenschädel. — Verhaftung einer angeblichen Hellseherin. Die angebliche „Hellseherin" Anna Jnderft, deren Tätigkeit im Zusammenhang mit der sogenannten Aresinger Mordaffäre seinerzeit großes Aufsehen erregte, ist auf Grund des Ergebnisses der Untersuchung des Gerichtlich-Medizinischen Instituts in München in Augsburg verhaftet worden. Der Mord sollte durch die Ausgrabung eines Totenkopfes angeblich aufgeklärt werden. Das Ergebnis der Untersuchung besagt aber, daß der ausgegrabene Kopf einem Menschen angehören muß, der bereits 20 Jahre tot mar. Es liegt deshalb die Vermutung nahe, bzw. es ist fast sicher, daß die Jnderft oder einer ihrer Helfershelfer den Kopf aus einem Beinhaus gestohlen hat und dann eingrub, worauf sie dann vor der Polizei ihre „hellseherischen Kräfte" spielen ließ. Die Verhaftung erfolgte bei der Rückkehr der Inders! von einer angeblichen Schatzgräberei in efnem Dorf bei Ingolstadt, wo sie einem Dauern die Hebung einer Kiste mit Gold im Werte von 300 000 Mark versprochen hatte. Diese Kiste sollte im Hofe des Anwesens während des 30jährigen Krieges vergraben worden sein. Riesiger Waldbrand in Hannover. In der Nähe der Siedlung Rheinmetall, an der von Uelzen dorthin abzweigenden Nebenbahn entstand ein umfangreicher Waldbrand, der zunächst in den Lagerbeständen von Trockenholz reiche Nahrund fand und sich rasch ausbreitete. 1500 bis 1700 Morgen Wald wurden von dem Feuer erfaßt, das bald ein gewaltiges Flammenmeer bildete. Zum kleineren Teil war es 70jähriger Baumbestand, zum größeren Teil wurde etwa zweijähriger Wald vernichtet. Man vermutet, daß Funkenflug die Ursache des Brandes war. Junger Bitterfelder Segelflieger tödlich abgestürzt. Der 23jährige Bitterfelder Segelflieger Dr. Wolfgang Bönninghausen ist bei der Ablegung der L-Prüfung im Segelflug tödlich verunglückt. Das Unglück ereignete sich, als Dr. Bönninghausen in Schkeuditz zum dritten 6-Flug aufstieg. Kurz nach dem Ausklinken des Schleppseiles stürzte das Flugzeug aus etwa 50 Meter Höhe ab. Dr. Bönninghausen erlitt einen doppelten Schädelbruch und starb kurze Zeit nach dem Unfall. Er ist der Sohn des bekannten Bitterfelder Ballonfahrers Bönninghausen. Die Segelfliegergruppe der Ballon- und Fliegerortsgruppe in Bitterfeld verliert in ihm einen ihrer hoffnungsvollsten Segelflieger. Vollstreckung eines Todesurteils. In Koblenz ist der Josef Kreier aus Plaidt h i n g e r i ch t e t worden. Kreier war wegen des in Plaidt an der Ehefrau Johann Frank begangenen Mordes von dem Schwurgericht in Koblenz am 7. Dezember 1933 zum Tode verurteilt worden. Der Preußische Ministerpräsident hat von dem Begnadigungsrecht keinen Gebrauch gemacht, weil die von dem Verurteilten bei dem Morde bewiesene Rohheit und tierische Hemmungslosigkeit sowie feine große Anzahl von Vorstrafen ihn als unverbesserlichen und rücksichtslosen, gemeiilgefährlichen Verbrecher kennzeichnen. Das erste deutsche Vernstein-Vergfest in Palmnicken. Am 16. Juni wird in Palmnicken an der sam- ländischen Küste, dem Bergwerk der Staatlichen Bernstein-Werke, in Anwesenheit des Oberpräsidenten der Provinz Ostpreußen, Gauleiter und Staatsrat Erich Koch, und des Führers der preußi» fchen Berghoheits-Verwaltung, Oberberghauptmann Winnacker, das erste Bernstein-Bergfest gefeiert. Anknüpfend an älteste Bergwerks-Tradition werden in den Straßen und auf dem Festplatz der Ortschaft Palmnicken, dem einzigen Bernsteindorf der Welt, Trachtenzug, Volkstänze und traditionelle ostpreußische Volksspiele altes Bernstein- Brauchtum zum ersten Male zeigen. Wettervoraussage. Hoher Druck über Deutschland beherrscht weiterhin die Wetterlage. Ungehinderte Sonnenstrahlung führt tagsüber zu hohen Temperaturen. Späterhin ist allerdings mit der Bildung lokaler Wärmegewitter zu rechnen. Aussichten für Donnerstag: Heiter, nur vorübergehend gewitterhafte Bewölkung, tagsüber heiß, meist trocken. Aussichten für Freitag: Im wesentlichen noch Fortdauer der Schönwetterlage, doch Bildung lokaler Wärmegewitter. Lufttemperaturen am 12. Juni: mittags 20,1 Grad Celsius, abends 14,4 Grad; am 13. Juni: morgens 13,1 Grad. Maximum 21,4 Grad, Minimum 10,6 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 12. Juni: abends 22 Grad; am 13. Juni: morgens 16,4 Grad. — Sonnenscheindauer 11,4 Stunden. Hauptschriftletter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: I. D.: H. L. Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. V. 34: 11 000. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K^G., sämtlich in Gießen. Oberhessen. Landkreis Gießen. X Wieseck, 12. Juni. Im großen Saal von Gastwirt H. Braun hielt am Samstagabend der Reichsluftschutzbund eine stark besuchte Kundgebung ab. Bürgermeister K. E u l e r eröffnete die Versammlung mit dem Hinweis auf die Hemmnisse, die uns der Versailler Vertrag in jeder Beziehung auferlegt habe. Desto mehr müßten wir die wenigen uns verbliebenen Verteidigungsmaß- nahmen in Angriff nehmen, von denen einer der passive Luftschutz sei. Der Bezirksschulungsleiter des Reichsluftschutzbundes für Oberhessen Pg. Schuch- Hardt (Gießen) ergriff sodann das Wort zu einem längeren Vortrag, in dem er den Zuhörern nochmals das Ziel und die Aufgabe des Reichsluftschutzbundes klarmachte. Erste Aufgabe sei es, mit der Eventualität eines zukünftigen Krieges zu rechnen und sich über die daraus entstehenden Gefahren vor allem für die Zivilbevölkerung klar zu sein. Die gefährlichste Waffe für das innere Land sei die Luftwaffe. Sich hiergegen zu schützen, sei erste Pflicht eines jeden Volksgenossen. Scharf geißelte der Redner die Methode der früheren marxistischen Regierungen, die mit einer riesigen Uebertreibung der Luftkrieggefahr deren Bekämpfung als aussichtslos dahingestellt und damit unterbunden haben. Die Abrüstungskonserenz zeige immer mehr die Lüge einer Waffenoerminderung und schon die Existenz einer groß ausgebauten Luftwaffe zeige den ausgesprochenen Angriffscharakter einer derartigen Waffe. Den besten Schutz hierfür zeigte der Redner sodann in eindrucksvollen Lichtbildern in allen Arten des passiven Schutzes, daneben auch den Stand der heutigen Luftwaffe unserer Nachbarn. Mit dreifachem „Sieg-Heil!" aus den Führer schloß Pg. Schuchhardt seinen interessanten Vortrag. Mit der Mahnung, den Luftfchutzgedanken immer weiter wirksam zu verbreiten, schloß Bürgermeister Euler die Kundgebung. ? Lich, 12. Juni. Die Ortsgruppe Lich der NSDAP, hielt gestern abend in Steins Saalbau den Schulungsabend für den Monat Juni ab. Als Redner des Abends sprach der stellvertretende Kreisleiter Pg. Hopfen müll er (Gießen) über das Thema: „Was ist wahrer Nationalsozialismus?" Der Redner wies zunächst besonders darauf hin, daß eine eingehende Schulung aller Volksgenossen erforderlich fei, damit jeder in die Idee des heutigen Deutschland hineinwachse. Jeder Deutsche müsse von innen heraus Nationalsozialist werden. Nicht das Tragen der braunen Uniform oder der verschiedensten Abzeichen mache den Nationalsozialisten, sondern das Leben an sich, die Tat, die Kleinarbeit an sich und anderen im Sinne und Geiste unseres großen Führers Adolf Hitler. In den weiteren Ausführungen stellte der Redner den Führer und Dolkskanzler Adolf Hitler als leuchtendes Beispiel für alle ins rechte Licht und zeigte, wie sich das ganze Volk im vergangenen Jahr einmütig zu ihm und den nationalsozialistischen Regierungsmaßnahmen bekannt habe. Nun gelte es weiter zu arbeiten im Ringen um die deutsche Seele. Der politische Gegner von früher sei heute unser Volksgenosse, der mit uns kämpft. Die noch abseits Stehenden sollten nicht mit Gewalt, sondern durch das gute Vorbild der Nationalsozialisten überzeugt werden, deren Richtschnur für all ihr Handeln unser Führer sei. In der kurzen Regierungszeit haben die Nationalsozialisten Großtaten vollbracht. Und doch machten sich schon heute reaktionäre Strömungen bemerkbar, die unberechtigte Kritik an den Nationalsozialisten üben wollten, und zwar geschehe dies meist aus sehr durchsichtigen Gründen. Der Redner machte auch keinen Hehl daraus, daß im vorigen Jahr auch Fehler beim Aufbauwerk unterlaufen seien, wies aber darauf hin, daß diejenigen, die keine Fehler machen, aber auch sonst nichts machen würden. Kritik am rechten Ort und an rechter Stelle, dafür feien wir dankbar, aber ehrliche Kritik aus berufenem Munde müsse es sein. Während die Linke heute schweige und den Wahnsinn ihrer dunklen Wünsche eingesehen habe, erhebe der Standesdünkel wieder das Haupt. Dagegen müsse scharf Front gemacht werden, denn es käme nicht darauf an, welcher Herkunft ein Mensch sei, sondern darauf, was er Positives für fein Vaterland leistet. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen ging der Redner scharf mit denjenigen ins Gericht, die sich Parteigenossen nennen und doch keine Nationalsozialisten sind. In recht anschaulicher Weise ging der Redner dann auf die verschiedenen Tagesfragen (Erbhofgesetz usw.) ein, um zum Schluß die Ermahnung an die Versammelten zu richten, dem Führer allzeit treu zu bleiben, ihm zu folgen und nicht zu verzagen. Begeisterter Beifall wurde Pg. Hopfenmüller für seine lehrreichen und fesselnden Worte zuteil. Mit dreifachem „Sieg- Heil" auf den Führer Adolf Hitler und mit dem Gesang der nationalen Hymnen fand die Versammlung ihren Abschluß. Kreis Schotten. rl. Gedern, 11. Juni. An der gestrigen na- t urgeschichtlichen Lehrwanderung des NSLB. Gedern nahmen fast alle Lehrer des Bezirks teil. Prof. Dr. ©pilger (Darmstadt), der sie zu führen zugesagt hatte, war leider erkrankt, so daß sich die Lehrer S ch n i e r l e (Gedern) und Klein (Hartmannshain) dieser Aufgabe unterziehen mußten. Die Wanderung begann hinter Hartmannshain und hatte das Hochmoor im Oberwald zum Ziel. Schon der Weg durch die bunte Welt der Bergwiesen und Wälder mit ihrem reichen Pflanzen- und Jnsektenleben spendete mannigfache Belehrung, Anregung und köstliche Freude. Besonders anziehend war es, festzustellen, wie der auf verhältnismäßig kleinen Flächen rasch wechselnde Wassergehalt des Bodens die Zusammensetzung der Pflanzengesellschaften beeinflußt, wie aber auch noch so manche anderen Einflüsse (z. B. der Höhenlage) das Bild der Vogelsbergwiesen so wesentlich anders gestalten als das derjenigen in der Niederung. Auch manche kleine Seltenheit (z. B. die Mondraute, ein sonderbarer Farn) konnte aufgespürt werden. Das schöne, stille Hochmoor bereitete leider manche Enttäuschung. Sicher ist das auch auf das Konto der Trockenheit unseres heurigen Frühjahrs zu setzen. Wohl erfreute man sich des schönen Siebensterns, der Moosbeere und des Sonnentaus, mußte aber mit Betrübnis feststellen, wie die übrigen hier noch vorkommenden Moorpflanzen (selbst das Torfmoos!), von Waldmoosen (Polytrichum u. a.), Gräsern (besonders Molinia coerulea) und dem austrocknenden Einfluß der nicht hierher gehörenden Bergkiefern zurückgedrängt sind und wohl immer mehr werden. Auch über die Geschichte des Moores sprach Lehrer S ch n i e r l e. — Auf dem Hoherodskopf fand anschließend noch eine Tagung der Arbeitsgemeinschaft Volksschule des Bezirkes statt, bei der Lehrer Eitel (Gedern) über Kriecks Nationalpolitische Erziehung sprach. # Aus dem Vogelsberg, 12. Juni. Die anhaltenden beißen Wochen kommen auch unseren einheimischen Wildarten recht ungelegen. Die Gräben und Tümpel in den Wäldern sind zum größten Teil versiegt und die Tiere beginnen empfindlich den Durst zu fühlen. Das Durstgefühl zwingt die sonst sehr scheuen Tiere zur Außerachtlassung größerer Vorsicht. Am Hellen Tage selbst werden Rehe gesichtet, die weit vom schützenden Wald entfernte Bachläufe zum Stillen ihres Durstes aufsuchen. Die Nähe menschlicher Wohnungen scheint sie hierbei wenig zu stören. Auch Hasen und Federwild halten sich vielfach jetzt in der Nähe der Wasserläufe auf. Verschiedene Bäche sind auf ihrem Oberlauf auf größere Entfernung ausgetrocknet. Hier und da sind nur noch seichte Tümpel vorhanden, in denen sich träge einige Fische bewegen. Unsere Singvögel sind gegenwärtig sehr dankbar, wenn man ihnen im Garten eine kleine Trink- und Badegelegenheit beschafft. Kreis Alsfeld. ff. Grebenau, 11.Juni. Gestern fand in der hiesigen Turnhalle eine öffentliche nationalsozialistische Versammlung gecjen die Kritiker, Nörgler und Miesmacher statt. Viele Volksgenossen aus der ganzen Umgegend sowie sämtliche Gliederungen der NSDAP, nahmen an der Versammlung teil, so daß die Turnhalle sehr gut besetzt war. Örtsgruppenleiter Konrad Haber- mehl- Eulersdorf eröffnete die Versammlung und erteilte dem Redner, Pg. und Kreisbauernführer Geiß- Vadenrod, das Wort. Im ersten Teil seiner Ausführungen behandelte er zunächst den Aufbau und die ganze Organisation des Reichsnährstandes vom Orts- bis zum Reichsbauernführer aufwärts. Ganz besonders erklärte er die einzelnen wichtigsten Bestimmungen des Erbhofgesetzes. Wenn dieses Gesetz auch heute für manchen Bauern Härte bedeute, so wären auch hier Übergangsbestimmungen geschaffen, um allzu große Härten zu vermeiden. Auch sei der spekulative An- und Verkauf von Land durch das Erbhofgesetz untersagt. Das Gesetz werde sich erst nach Jahrzehnten segensreich auswirken. Die vornehmste Aufgabe eines jeden Volksgenossen sei jetzt, mitzuarbeiten am Aufbau des ganzen deutschen Vaterlandes, den Unterführern ihr Amt nicht zu erschweren und jede meist unberechtigte Kritik zu unterlassen. Nach Stellung einiger Fragen, die der Kreisbauernführer ausführlich beantwortete und gemeinsamem Gesang der ersten Strophe des Horst-Wessel-Liedes, sowie mit einem dreifachen „Sieg-Heil" auf den Dolkskanzler und Führer, schloß der Ortsgruppenleiter Habermehl die Versammlung. —.— Homberg, 12. Juni. Am Samstagabend veranstaltete die hiesige Ortsgruppe der NSDAP, in der Stadthalle eine Kundgebung gegen Miesmacher und Kritiker. Es sprach Pg. Bartholomäus aus Gießen. Zunächst zeigte er an interessanten Beispielen die Gründe für das ewige Nörgeln aller Hetzer und falscher Kritiker. Meist seien Merger und reiner Egoismus der Anlaß der Nörgeleien. Nichts sei von jenen ausgenommen von dem herrlichen Grundsatz: „Gemeinnutz geht vor Eigennutz". Frei und offen sage es der Redner: Nationalsozialist sein sei nicht leicht. Dazu gehört der schöne, aber auch so schwere Sieg über sich selbst. Und einzig und allein an den Früchten, an den Werken erkenne man den echten Nationalsozialisten. Das Ziel aber sei und bleibe die echte Volksgemeinschaft. Reicher Beifall belohnte den Redner. Die Feuerwehrkapelle und der Silcherchor verschönten den Abend. # Ober-Ohmen, 9. Juni. Gestern abend fand im Saale der Wirtschaft „Zur Krone" eine Versammlung der NSBO. und der DAF. statt. Zellenwart Kehr gab an Hand einer Verfügung bekannt, daß SS.» und SA.-Kameraden nitch von der Beitragsleistung zur Deutschen Arbeitsfront befreit sind, wie verschiedentlich irrtümlich angenommen wurde, sondern die Hälfte des jeweiligen Beitragssatzes gemäß ihrem Einkommen zu leisten haben. Dasselbe treffe auch für die NSBO. zu, erklärte Kassenwart Stock, der über Beitragsfragen im allgemeinen referierte. Kamerad Z u - »Hl ' Ml ■MIO— lauf gab anschließend die Besetzung der Aemler in der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" bekannt. Zellenwart Kehr wies noch auf einen demnächst abgehenden Sonderzug an den Rhein hin und forderte zur Meldung auf, ferner regte er zum Besuch der Veranstaltung „Kraft durch Freude" in Ruppertenrod am Abend des 9. Juni an. Ab» schließend referierte Pg. Falk über das gegenwärtig aktuelle Thema „Unfall und Scha- densverhütung" unter Hinweis auf die in der Zeit vom 9. bis 16. Juni stattfindende Unfall- verhütungswoche. Pg. Falk zeigte an Hand von statistischem Material, welche ungeheueren Werte an Gut und Blut alljährlich durch Unfälle verloren gehen. Die Anwesenden folgten den Ausführungen mit großem Interesse. ft. Kirtorf, 11. Juni. Dieser Tage fand hier im überfüllten Saale der Gastwirtschaft Becker eine Tonfilmveranstaltung eines der vom Reichskulturamt der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" in alle Teile des Reiches entsandten Tvn- filmwagen statt. Die NS.-Formationen nahmen an der Veranstaltung, in der nach einer Kindervorstellung am Nachmitwg, neben zwei Kulturklangfilmen das großartige Filmwerk „Die letzte Kompanie" zur Aufführung gelangte, geschlossen teil. In einem der Beifilme wurde die schöne deutsche Stadt Weimar gezeigt. Zum Schluß der Veranstaltung hielt der Ortsgruppen-Betriebszellenobmann Schombert eine Ansprache der Dankbarkeit und Anerkennung und schloß mit einem begeistert aufgenommenen Sieg-Heil auf unseren Führer. Das Horst-Wessel- Lied bildete den Abschluß der Veranstaltung. N. Flensungen, 12. Juni. Am Sonntag fand im hiesigen Bibelheim Flensungerhof das elfte Jahressest statt. Von schönem Wetter begünstigt konnten die Weihestunde und mittags die Der- sammlung im Freien gehalten werden. Die Nach, mittagsfeier wurde von einem Posaunenchor eingeleitet. Der Gitarrenchor Flensungen trug drei Lieder vor. Der Hausvater des Bibelheims, Prediger Peters, blickte in seiner Predigt auf die vergangenen elf Jahre zurück, Jahre segensreicher Tätigkeit und gnadenreicher Durchhilfe. Weitere Ansprachen hielten Jugendsekretär Prediger G v m- batz und Prediger Härüle. Mit einem Lob- und Danklied klang die weihevolle Stunde aus. 81. Konferenz der hessifchen Vergwerksbetriedsleiter preutzen. Kreis Wetzlar X Kinzenbach, 12. Juni. Einen gut besuchten Tonfilmabend veranstaltete der Stützpunkt Kinzenbach der NSDAP, am Montag im Saalbau Peusch. Als Hauptfilm lief „S A.- Mann Brand t", der in klarer Weife den Kampf der nationalsozialistischen Bewegung in den Jahren des Niederganges wiedergab. Er bekundete vor allem den unbeugsamen Willen und den Heroismus unserer Jugend aus dieser Zeit und mahnte gleichzeitig für die Arbeit in der Zukunft. Im Beiprogramm sah man einen Film von der deutschen Marine. Der Besuch aus den benachabrten Ortschaften war sehr rege. $ür 5000 ZtM. Schmucksachen gestohlen LPD. Frankfurt a. M., 12. Juni. Im Laufe des Sonntags find einem hier ansässigen Juwelier aus einer in seiner Wohnung aufbewahrten Kassette etwa acht bis zehn Brillanten im Werte von ungefähr 5 0 0 0 Mark entwendet worden. Die Kassette hatte der bisher unbekannte Täter gewaltsam geöffnet. Wie der Täter in die Wohnung gelangen konnte, ist bisher noch nicht geklärt. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei sind im Gange. Was Sie in Stoffen Indien/ linden Sie bei Bernard Das Verzeichnis der Ferien-Sonderzüge ist ab heute erhältlich! Hapag-Reisebüro Seltersweg 89, Telephon 2396 3544 D Donnerstag, den 14. 3uiti 1934, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im Löwen, Neuenweg 28 dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: 1 Schreibmaschine, 2 Nadioanla- gen, 5 Diwans, 2 Schreibtische, 1 Chaiselongue, 1 Klavier,! Büfett,! Kredenz,lBohner,lStaub- fauger, 1 Backofen, 2 Eiskonser- vatore, 2 Grammophone, 3 Glä- serschränke.lBadeofenm.Wanne, 1 Nähmaschine, 1 Sessel, 1 Tru- meauspiegel,! 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Auf Grund des Artikels 26 des Gesetzes über die Umlegung von Bauland in der Fassung der Bekanntmachung vom 10. Oktober 1927 wird hiermit öffentlich bekanntgemacht, daß für die Grundstücke Flur V Nr. 167n/ioo, 168°/,o, 172, 173, 174, 175, 1756/io, 176, 177, 1776/io, 1783/io, 1787m, 1787io, 1787m, 1787m, 178-Vioo, 178'7ioo, 17827ioo, 178=7,°", 179, 180, 181, 182, 1837io, 1837io, 1847,°, 1857m, 1887,o, 1887io, 189, 1907io, 1937m, 233, 236, 237, 238, 239 240, 2417m, 2417m, 2427m, 2427,o, 2427m, 242710, 2427m, 243, 244, 245, 246, 247, 2507m, 251, 2537w, 256, 257, 258, 259, 260, 3557m, 3557m, 356, 3567io, 357, 358. 360, 361, 368, 369, 372 der Gemarkung Gießen die Baulandumlegung beschlossen wurde, welche die Bezeichnung „Baulandumlegung zwischen Wilhelmstraße — Aulweg — Wartweg" führt. Weiter wird bekanntHegeben, daß während der Dauer des Umlegungsverfahrens die Errichtung von baulichen Anlagen jeder Art sowie der Uebergang zu einer Bewirtschaftung des Grundstücks, die von der bisherigen oder gewöhnlichen Art der Bewirtschaftung erheblich abweicht und geeignet ist, dos Umlegungsverfahren zu verhindern, zu erschweren und zu verzögern, in dem Umlegungsgebiet untersagt sind. Im Widerspruch mit dem Verbot errichtete Bauten oder wirtschaftliche Umänderungen bleiben im Umlegungsverfahren unberücksichtigt. 3534C Gießen, den 30. Mai 1934. Bürgermeisterei Gießen: Dr. Hamm. Geschmackvoll Dleee 3 Elg.n.ch.ften der gute» vornehm Familien-Drucksache Persönlich bietet Ihnen In zahlreichen neuzeitlichen Aue- führungearten schnell und zu mäBIgen Preisen Brühl'sche Druckerei, Schulstrafie 7, Anruf 2251 Kleines Baus mit etwas Hof,f. Handwerk, pass., i. Zentrum, geg. Kasse zu kauf.ges. Schriftl. Ang. u. 03030 a. d.G.A. Gut erhaltener Dauerbpandofen gesucht. Schriftl. Angeb. m. 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Sein kleines Büchlein vom armen Herrn Kaudel, der jeden Abend von seiner Gattin mit einer Standpauke erwartet wurde, gehörte zur belieb- testen Lektüre unserer Großeltern. Aus dem Bücherschrank habe ich das kleine, rot eingebundene Büchelchen hervorgeholt. „M adame Kaudels Gardinenpredigten" steht in feiner Goldschrift auf dem Deckel. Auf der ersten Sette prangt in verschnörkelter Schrift eine Widmung: „Höchstens alle vier Wochen einen Eßlöffel voll zu nehmen, in größeren Dosen schad- llch!" Und dann die Jahreszahl 1869. Als Vorrede hat der Verfasser Douglas 3er- rold nur melancholisch geschrieben: „Ein Vorwort hat dieses Buch nicht nötig, jeder verheiratete Mann weiß, was Gardinenpredigten sind, ober sollte es wenigstens wissen!" — Allerdings, dem Mundwerk einer Madame Kaudel ist kein Mann gewachsen, es ist hoffnungslos, dagegen anzugehen. Der arme Balthasar Kaudel war verurteilt, nur zuzuhören, denn feine liebe tjrau ließ ihn einfach nicht zu Worte kommen. Aus der kleinsten Angelegenheit machte sie eine Lawine von Worten, die alles restlos unter sich begrub! Da nützte es nichts, daß sich der gequälte Ehemann im Bett herumwarf oder sich die Finger in die Ohren steckte: er mußte zuhören. Tagsüber hatte ja Madame Kaudel nie Gelegenheit, ihren Satten richtig zu sprechen, da konnte er sich immer mit Geschäften ausreden — aber abends im Bett, da gab es kein Entrinnen. Hinter den Bettgardinen wurden die „Gardinenpredigten" geboren. „Haben Sie schon die neueste Gardinenpredigt der Madame Kaudel gelesen?" lachten unsere Großeltern, denn die „Standpauken" erschienen zuerst in Fortsetzungen in einer großen Zeitschrift. Jede Woche bekam man eine serviert und jede Woche amüsierten sich die Leute aufs neue. Don England aus nahmen sie ihren Weg über die ganze Welt. In Deutschland wurden sie von Friedrich Ger st äcker übersetzt und zusammengestellt. „Sei froh, daß ich nicht so ein Mundwerk wie Madame Kaudel habe!" sagte unsere Großmutter zum Großvater, wenn er sich einmal über die Großmutter beklagte. Madame Kaudel war eine Figur, allbekannt und allbeliebt. Eine kleine Kostprobe aus dem kleinen Büchlein unserer Großeltern macht auch heute noch Spaß, allerdings mit dem Unterschied, daß sich heute die jungen Eheleute dabei ansehen und mit Wilhelm Busch meinen: „Jeder denkt und lächelt froh: Gott sei Dank, ich bin nicht so!" Erste Gardinenpredigt der Madame Kaudel: Der Anlaß dazu war, daß Kaudel mit Freunden im Wirtshaus gewesen war. „O ja — o ja wohl — das ist ein vortreffliches Leben für einen verheirateten Mann — eine wahre Musterwirthschaft, und das müssen sich die armen schwachen zarten Wesen gefallen lassen. Wenn sie aber nur die Hälfte von dem wüßten, was ich weiß, sie würden sich vvrsehen, ehe sie sich fürs Leben an einen Mann bänden' Eine Frau muß zu Hause bleiben, muß sich placken und quälen, und der Mann geht indessen hin, wo es ihm beliebt, — ja wohl — das ist seiner Meinung nach ganz in der Ordnung. Ein wahres Aschenbrödel muß die Frau fein, während der Mann in Schenken und Bierstuben herumsitzt, trinkt und singt. Du singst nicht? Woher soll ich das wissen, denn sagen kannst du's wohl, wer dich aber nur hören könnte, dort bist du sicherlich wie gewöhnlich immer der Schlimmste. Jetzt wird es wohl nun jede Nacht ins Wirtshaus gehen, aber wenn du glaubst, daß ich bann aufbleiben werde und warte, bist du zu Hause kommst, Kaudel, dann irrst du dich gewaltig. Ich stehe auch nicht aus dem warmen Bette auf, um dich herein- zulassen! Ich sollte die Türe offen lassen? Ja — weiter fehlt wohl gar nichts mehr. Zu Bette gehen und die Türe offen lassen, daß man vor Tag noch totgefchlagen und geplündert wird! Puh, dieser Tabakrauch — fff — das allein könnte eine anständige Frau, eine ehrbare Frau schon unter die Erde bringen. Du weißt, daß ich den Tabakrauch nicht vertragen kann, daß ich ihn verabscheue, aber nein, das ist dir alles einerlei, du mutzt rauchen. Was? Du rauchst nicht selber? Was ist denn da für ein Unterschied? Wenn du dich selbst zu denen setzt, die rauchen, das ist ebenso schlimm, nein, noch schlimmer. Du könntest ebenso gut rauchen, das wäre mir noch lieber, denn bann kämst du boch nicht zu Hause unb hättest bir bie Haare von f r e m b e n Leuten vollräuchern lassen! Ich mattet von diesem Wortschwall entschlummert. 36 Gardinenpredigten hat Madame Kaudel ihrem Eheliebsten gehalten. Die ganze Welt hat sich darüber amüsiert. Dor 50 Jahren starb der „geistige Dater" der Madame Kaudel, Douglas Jerrold. Zur Erinnerung holen wir uns aus dem Bücherschrank das kleine rote Buch heraus, und lächeln über die Sorgen, die sich die Leute damals machten! Man wundert sich, daß nach diesen Gardinenpredigten Junggesellen überhaupt noch den Mut fanden 3u heiraten. Der Autor aber schrieb als Abschluß feiner Predigten allen Frauen zum Trost: „Wüh- Kaudelsches Blut fließen hätte. Es mag sein. Ich renb diese Predigten veröffentlicht wurden, habe ich von unerfahrenen Menschen — Junggesellen natürlich — hören müssen, daß jede Frau, und sei es die beste, in ihren Adern wenigstens einen Tropfen Kaudelsches Blut fließen hätte. Es mag sein. Ich aber als Autor halte es für meine Pflicht, hier zu erklären, daß ich es nie glauben würde — n i e!" S. N. Aus der Provinzialhauptstadl. Unsere Haus- und Reiseapotheke. Auch ein kleines Heim sollte immer feine Hausapotheke haben, denn es ist von Wert, bewährte Mittel bei der Hand zu haben. Auf Reisen sollte man stets eine kleine, gut zusammengestellte Hausapotheke bei sich führen, denn wie oft hält man sich an einem Ort auf, wo überhaupt keine Apotheke und häufig auch nicht einmal ein Arzt ist. Und doch stößt einem gerade auf Reisen allerlei zu, wobei man froh ist, sich oder andern helfen zu können, und zwar ohne Zeitverlust. Die Hausapotheke soll im Hause in einem verschließbaren Schränkchen untergebracht sein, dessen Schlüssel man an einen bestimmten Platz legt; Unbefugte sollen nicht an das Schränkchen heran können. Für die Reiseapotheke wird man eine wasserdichte Tasche benutzen, so daß der Inhalt der Apotheke nicht beschädigt werden kann und umge- kehrt seinerseits den Inhalt der Koffer nicht beschädigt. Zu den Dingen, die die Apotheke unbedingt enthalten muß, gehören Mullbinden und Watte. Außerdem braucht man Jodspiritus, der unmittelbar auf eine Wunde gepinselt wird und eine Infizierung verhütet. Auch eine Borfäurelösung (2,5- prozentig) soll man in der Apotheke haben, da nichts so gut für angegriffene Augen ist wie eine Waschung mit solcher Borsäurelösung. Wasserstoffsuperoxyd kann man ebenfalls vorrätig haben, da einige Tropfen davon im Gurgelwasser und zum Mundspülen sehr vorteilhaft wirken. Auch ist eine solche Wasserstoffsuperoxydlösung vorzüglich zur Wundbehandlung, ebenso wie essigsaure Tonerde, deren regelmäßige und sofortige Anwendung schon manche schlimme Entzündung verhindert hat. Besonders bei Kindern sollte man jede Wunde immer sofort mit einem dieser Mittel auswaschen, dann mit Jodspiritus bepinseln und mit einer festen Mullbinde abschließen, damit kein Schmutz und keine schädlichen Stoffe in die Wunde bringen. Will man eine heiße Kompresse machen, so tut man in das heiße Wasser, mit dem man das Tuch befeuchtet, immer etwas Bleiwasser, und zwar ein Teil auf vier Teile Wasser. Wenn man außer den schon genannten 23er» bandstoffen wie Mullbinden und Watte noch etwas Wachstaft hat, ist das sehr günstig, da es oft nötig ist, einen Verband ober einen Umschlag luftbicht abzuschließen. Borsalbe unb Vaseline sinb ebenfalls in ber Hausapotheke unentbehrlich. Mentholöl wirb bei Schnupfen in ber Weife angeroanbt, baß man einige Tropfen auf ein Flöckchen Watte tut unb biefes bann in bie Nasenlöcher steckt. Diese Be- hanblung hat sich schon oft als sehr wohltätig unb erleichtern!» erwiesen. Kurellasches Brustpulver ist ein gutes unb unschäbliches Mittel gegen Verstopfung, angenehmer zu nehmen als Rhizinusöl. Man sollte immer etwas bavon vorrätig haben unb auf Reifen mitnehmen, benn gerabe burch bie oer- änberte Kost wirb ber Verbauungsapparat des Menschen oft gestört. Und man ist froh, wenn man ihn auf so einfache Weise wieder in Ordnung bringen kann. Baldriantropfen sind ein hochgeschätztes Beruhigungsmittel, das man ohne Scheu anwenden kann. Man tut einige Tropfen auf ein Stück Zucker. Bei Erfchöpfungs- und Ermüdungszuständen auch sehr zu empfehlen. Im übrigen muß man die Apotheke etwas den eigenen Bedürfnissen anpassen, denn jeder wird im Lause feines Lebens irgendwelche Mittel kennenlernen, die ihm als unentbehrlich erscheinen. Diese soll er sich vorrätig halten und sie, wenn sie aufgebraucht sind, sofort neu beschaffen. Natürlich dürfen auch allerlei Tees nicht fehlen. Vor allem ist Kamillentee anzuraten, denn heiße Kamillenspülungen bei Zahnschmerzen und Zahn- geschwüren sind von wohltuender Wirkung. Auch sonst bei Entzündungen sehr gut zu verwenden. Pfefferminztee, recht heiß getrunken, hat schon manche drohende Erkältung in die Flucht schlagen helfen. Hinzu kommen noch die verschiedenen anderen Tees, die besondere Leiden bekämpfen helfen und die jeder nach seinem persönlichen Gebrauch zusammenstellen muß. Es ist damit schon angedeutet, daß eine Hausapotheke im Grunde etwas ganz Individuelles ist, kümmert man sich aber um ihre zweckmäßige Zusammensetzung, so wird man wirklichen Nutzen von ihr haben. Stark giftige Stoffe sollte man unter keinen Umständen in seiner Hausapotheke dulden. Oie neue nationalsozialistische Geldlotterie. Wieviel Lotterien sinb schon ins Leben gerufen worben! Aber hat je eine daran gedacht, Gewinne für viele zu bringen? Bisher hat noch jede Geldlotterie das Hauptgewicht auf einen großen Hauptgewinn gelegt. Nur einer konnte wirklich durch sie Glück finden ... Da erwachte im deutschen Volke das einzigarttge nattonallsozialistische Empfinden, das nicht erlaubt, daß nur ein einzelner glücklich werbe, sondern das Glück unb Wohlergehen aller Volksgenossen ins Auge saßt. Und aus diesem starken, völkisch-kame- radschajtlichen Empfinden reifte der Gedanke zu einer wahren nationalsozialistischen Lotterie, die vielen Heinrich Sohnrey 75 Lahre alt. Der bekannte Sagenforscher und Schriftsteller Professor Dr. Heinrich Sohnrey kann am 19. Juni seinen 75. Geburtstag feiern. Er sammelte alte Volkssagen und schrieb zahlreiche Bücher darstellenden und erzählenden Inhalts über das ländliche Volkstum Deutschlands. Als einer der besten Erforscher deutscher Volkskunde wurde er von ber Universität Königsberg burch bie Verleihung bes Titels eines Ehrenboktors ausgezeichnet. Das Gießener Stabttheater brachte vor Jahren sein Bauernstück „Düwels". Deutschen etwas bringen soll unb allen Deutschen den großen ideellen Gewinn: Arbeit! Ab 20. Juni sind die braunen Lose mit dem symbolischen Bild der deutschen schaffenden Aufbau- Arbeit und der gewichtigen Inschrift „Dem deutschen Volke" überall zu haben. 1,5 Millionen Mark werden ausgelolt. Vielen Deutschen ebnet damit die neue NSDAP.-Geldlotterie den Weg zum Glück und allen bietet sie eine gute Möglichkeit, im Sinne der nationalsozialistischen Idee das ihre zur deutschen Aufbau-Arbeit beizutragen. Aus parteiamtlichen Bekanntmachungen Die Arbeitsgemeinschaft für Eugenik im NSLB. des Kreises Gießen gibt bekannt, daß am kommenden Samstag, 16. Juni, 17 Uhr, in der Universitäts-Nervenklinik, Am Steg 18, eine Besprechung stattfindet, in ber bie Grünbung einer Ortsgruppe ber beutschen Gesellschaft für Rassen». Hygiene erörtert werben soll. Gäste sinb zu bieser Besprechung herzlich willkommen. Die NS. - Frauen schäft Gießen-Ost hält ihren nächsten Frauenschaftsabenb am morgigen Donnerstag um 20.15 Uhr im Hause ber Deutschen Arbeitsfront ab. „Städtische Verkehrs-Regeln." Ein Lichlbilbervorlrag im Cafe Leib. Aus Anlaß ber Reichsverkehrserziehungswoche finbet am morgigen Donnerstag, 14. Juni, um 20.30 Uhr, im Saale bes Caf6 Leib ein Lichtbilbervortrag über „Stäbtische Verkehrs-Regeln" statt, ber von Polizeiinspektor Krötzner gehalten werben wirb. Es ist Pflicht aller Volksgenossen unb insbesonbere aller Kraft- unb Rabfahrer, sich biesen Vortrag anzuhören. Den Mitgliedern sämtlicher Gießener Ortsgruppen ber NS.-Volkswohlsahrt wirb ber Besuch dieser Veranstaltung ausbrücklich zur Pflicht gemacht. Neue Bestimmungen der Postordnung. Der Reichspostminister hat auf Grunb bes Gesetzes zur Vereinfachung unb Verbilligung ber 23er- waltung vom 27. Februar 1934 eine Reihe von Marburger Festspiele. „Die Piccolomini." — „Wallensteins Tod." Das „Lager" gab, wir haben schon kurz barüber berichtet, ben Auftakt; am zweiten Abenb folgten zusammen „Piccolomini" unb ber mächtige dritte Satz ber Trilogie. Diese Einteilung ist, wenn man den ganzen „Wallenstein" auf zwei Spielabenbe verteilt, minbeftens ungewöhnlich. Uedlicherweise liegt ber Einschnitt hinter dem letzten Akt ber „Piccolomini". Der künstlerische Leiter ber Marburger Festspiele, Dr. Fritz Budbe, gibt am ersten Abenb das „Lager" allein als Prolog unb als bas Stück, das feinem ganzen Charakter nach wirklich für bie Freilichtbühne wie geschaffen scheint, was man ja von den beiden folgenden Teilen nicht sagen kann. Aber der Spielleiter erzwingt in ber Tat das auf ben ersten Blick bebenklich scheinenbe Unternehmen, „Piccolomini" unb „Tob" in breieinhaldstünbiger, fast ununterbrochener Spielzeit ohne nennenswerte Kürzungen zusammengefaßt zu bewältigen. Im Programmheft legt eine Einführung bar, warum man für bieje Spielzeit neben Shakespeare („Sommernachtstraum", „Viel Lärm um Nichts") grabe ben „Wallenstein" gewählt hat: nicht aus äußeren Gründen, weder ber 300. Tobestag bes Frieblänbers im Februar noch ber 175. Geburtstag Schillers im November waren bafür mahgebenb; fonbern man spielt ben „Wallenstein" bewußt für die Gegenwart, weil er der Gegenwart etwas zu in Not. Staat in Not. Reich in Not" — bas ist bie Dominante, bie Generalibee, bie ber Spielleiter seiner Inszenierung bes riesigen Wallenstein-Dramas zugrunbelegt. ♦ Die Marburger Bühne im Schloßpark bietet auch für biefe Aufführung einen großen Vorteil der manche Bebenken ober Einwanbe zurucktreten lassen mag: räumliche Breite, Weite, Gtteberung unb Ak- tionsrabius; auslabenbe Szenerie mit oielerle. Möglichkeiten bes Auftritts, ber Entfaltung von Massen- und Einzelszenen, ber Zugänge unb Ab- $ Zwar wirkt bas Bühnenbild (Franz M e r tz) innerhalb ber brei gotischen Bogen durch allerlei Ein- unb Aufbauten ein wenig unruhig im Ge- samteinbruck; sehr vorteilhaft dagegen, wenn bei völliger Dunkelheit der Scheinwerfer eine kleinere Fläche aus bem Oefamtraum herausschneibet unb abarenzt. Die gestern noch teilweise ftörenben Schwankungen in ber Beleuchtung werben sich in späteren Ausführungen gewiß vermeiben lassen. * Was bie Marburger Bühne szenisch-räumlich hergibt, zeigte sich vielleicht am wirkungsvollsten in ber breit ausgespielten großen Bankettszene ber „Piccolomini", bie sichtlich aus bem Vollen gegeben unb beweglich unb farbig über bie ganze Breite des Spielfelbes verteilt unb entwickelt wurde. Unb auch später in der großen Szenenreihe im dritten Akt des letzten Teiles, wenn eine Hiobsbotschaft nach ber anbern über Wallenstein unb bie Seinen hereinbricht ... Aufs Ganze gesehen:, bie Spielführung hat mit Wagemut unb energischem Zugriff eine schon äußerlich entmutigend sich ausdehnenbe bramatische Masse, bie anspruchsvoll-vielgliebrige Staatsaktion, eine ber größten Historien bes beutschen Theaters mit ihren befonberen Mitteln, bie hier zugleich Entfaltung unb Begrenzung bebeuteten, in theatralisch sesselnber Weise bewältigt. Die Bühnenanlage gestattet ja, was ebenfalls zu berücksichtigen ist, in biefem Falle schnelle unb sließenbe Verwanblungen ohne zeitraubenbe Umbauten, was zweifellos ber Geschlossenheit bes Einbrucks sehr zustatten kommt. Unb bie elementare Dramatik, bie ibeenmäßige, bichterische unb theatralisch-bialektische Kraft Schillers bewährte sich auch hier roieber wie schon so oft mit einer Einbringlichkeit unb Gegenwärtigkeit, welche bie Zuschauermenge breieinhalb Stunben lang vollkommen in ihren Dann schlägt. (Ueber bie Aktualität bes Schillerschen Dramas im allgemeinen wirb sich vielleicht später, zum Gebenktage im Herbst, ein wenig ausführlicher sprechen lassen.) ♦ Den Wallenstein gibt Karl Zistig, ber früher am Neuen Theater in Frankfurt wirkte. Er wirb mit ber rein physisch unb gebächtnismäßig enormen Aufgabe, bie ihm hier zugefallen ist, mit erstaunlicher Ruhe unb Sicherheit fertig. Dabei geht ber wesentliche Eindruck nicht von der dialektischen Seite ber Darstellung aus; Zistig ist nicht grabe ein fließenber, gefälliger ober gar bestechender Sprecher für ben Schillerschen Jambus. Er gibt übrigens seinen Wallenstein ohne Pathos, auch ohne Dämonie; er gibt ihn energisch, kalt, gesammelt unb gefaßt; er bleibt bis zuletzt unburchbringlich: Felbherr, Staatsmann, Diplomat. Die gefühls- betonten, nachbenklichen Momente liegen ihm weniger als die Aktivität, der entschlossene desehls« gewohnte Impuls bes Hanbelnben, ber sich bis zum Enbe männlich unb unerschüttert gegen sein stärkeres Schicksal zur Wehr setzt... ♦ Hannsgeorg Laubenthal (Darmftabt) gibt ben Max mit bem stürmischen ibealistischen Schwung bes jugenblichen Helben unb Liebhabers; aUerbings liegt feine Stärke, ba er stellenweise, besonders anfangs, etwas überstürzt spricht, mehr in ben vergleichsweise stilleren unb gebämpfteren Partien feiner Rolle. Bernharb Goetzke, manchem Besucher vom Film her bekannt, vermeibet als Octavio erfreulich bie Züge bes intriganten Schleichers; er bewahrt jeberzeit Haltung unb Würbe unb erweist sich als klarer, sicherer Sprecher. * Robert Bürkner spielt den Questenberg als einen geschmeibigen unb kalt agierenben Abgesanb- ten bes Wiener Hofes streckenweise stark in ben 23orbergrunb. Josefine Klee als Thekla, zart unb blonb, wirkte am stärksten unb persönlichsten in ihrer lyrisch ver» Hingenben Abschiebsszene. Von ben Offizieren hoben sich Bruno Zien er (Jsolani), Richarb Täufel (Jllo), Georg Czi- m e g (Buttler) unb auf schwebischer Seite Lothar Korner als Wränge! mit gut charakterisierten Leistungen hervor. — Ruth B a l b o r als Gräfin Terzky wirkte für unser Ernpsinben stellenweise etwas theatralisch; immerhin war bie verschiebent- lich vernehmbare Heiterkeit kaum gerechtfertigt. ♦ Das Theater war, zumeist von Stubenten, bis auf bie letzten Reihen besetzt; um Mitternacht, unterm Sternhimmel, war die Aufführung beenbet. hth. Ein neuer Bericht über die Ermordung der Zarenfamilie. Der frühere Vorsitzende bes Sowjets von Jeka- terinenburg, P. N. Bykow, ber die furchtbare Hinrichtung bes letzten Romanow unb ber Seinen veranlaßt hat, veröffentlicht ein ausführliche Dar» stellung bieser furchtbaren Tat in einem jetzt in englischer Übersetzung. erschienen Buch „Die letzten Tage bes Zarentums . Er teilt babei manche neuen Tatsachen mit, u. a. auch bie, baß ber Zar hätte gerettet werben können, wenn nicht unter seinen Anhängern Zwietracht geherrscht hätte. Nach Bykows Ansicht gab es verschiebene Gelegenheiten für bie Flucht ber kaiserlichen Familie aus ihren Gefängnissen, bevor sie im Mai 1918 nach Jekaterinenburg gebracht würbe. Währenb ihrer Gefangenschaft in Zarskoje Selo unb Tobolsk bestauben mehrere Pläne ber Monarchisten, bie Romanows zu befreien. „Wenn biefe Absichten nicht verwirklicht würben", schreibt Bykow, „so erklärt sich bas baraus, baß Äben Organisatoren Zwistigkeiten über bie ng ber Gelber ausbrachen, über bie man völlig bie „geheiligte Person" bes Monarchen ver- gafj.' Auch noch währenb ber letzten Tage in Jeka- । terinenburg hofften bie Romanows auf ihre balbige ! Befreiung. Aber bas Nahen ber Weißen Truppen beschleunigte ihr Enbe. Bei einer Sitzung bes Orts- Sowjets am 12, Juli 1918 würbe berichtet, baß bie Roten Streitkräfte unzureichenb seien unb ber Fall ber Stabt innerhalb von brei Tagen zu erwarten wäre. Jnfolgebessen beschloß ber Orts-Sowjet, bie Romanows zu erschießen, ohne einen Prozeß abzuwarten. Die Hinrichtung unb bie Vernichtung ber Leichen würbe ben Befehlshabern ber Wache unb einigen „vertrauenswürbigen" kommunistischen Arbeitern übertragen. Den Morb schilberte Bykow fol- genbermaßen: „Am Abenb bes 16. Juli versammelten sich bie beauftragten Personen im Zimmer bes Kommanbanten in bem Hause, in bem bie Gefangenen untergebracht waren. Die Räume im oberen Stockwerk, in bem bie Familie lebte, würben für ungeeignet erklärt unb man beschloß, sie nach einem der Räume im Untergeschoß zu bringen unb bas Urteil zu vollstrecken. Die Romanows wußten nichts von dieser Entscheibung. Um Mitternacht besselben Tages würbe ihnen befohlen, sich anzuziehen unb die Treppe hinunter zu gehen. Um bei ihnen keinen Verbacht zu erregen, würbe ihnen gesagt, baß bas notroenbig wäre, weil man einen Angriff ber Weißen in bieser Nacht erwarte. Als sie alle in bem bestimmten Raum bes unteren Stockwerkes versammelt waren, würbe ihnen ber Beschluß bes Ort- Sowjets bes Ural vorgelesen. Dann würben alle elf — Nikolaus Romanow, feine Frau, fein Sohn, feine vier Tochter unb vier Mitglieber bes Hofstaates — erschossen." Ausführlich wirb bann geschilbert, wie bie Leichen auf einem Lastkraftwagen sortge» schafft unb „zerstört" würben. Das geschah „um nicht ben Gegenrevolutionären bie Gelegenheit zu geben, bie Unwissenheit ber Volksmasse burch bie „Reliquien" bes Ex-Zaren zu beunruhigen." Was nach ber Verbrennung übrigblieb, würbe weit weg gebracht unb in einen tiefen Sumpf geworfen, „wo bie Weißen, bie später eifrig banach suchten, keine Grabungen veranstalten konnten". Aenderunaen der Postordnung vorgenommen, die am 1. Juli 1934 in Kraft treten. Es wird u. a. das Höchstmaß für Briefsendunaen in rechteckiger Form (Länge, Breite, Höhe) von 80 auf 90 Zentimeter erhöht. Die Mindestmaße für Briefsendungen sind herabgesetzt worden und decken sich jetzt mit den Mindestmaßen für Postkarten. Die Drucksachenbestimmungen sind dahin erweitert worden, daß Druckträger aus dünnem Holz, Leder, Leinen und dergl. in papierähnlicher Form und Beschaffenheit als Drucksachen zugelassen sind. Ferner unterliegen Drucksachen in Briefform, die den Bestimmungen nicht entsprechen, je nach ihrer Beschaffenheit der Gebühr für Briefe, Geschäftspapiere oder Mischsendungen. In Zukunft fällt auch bei Postwurfsen- dunaen, wenn für eine Postanstalt weniger als 10 Sendungen eingeliefert werden, der Mindestsatz — die Gebühr von 10 Stück — fort. Bei Briefpäckchen ist Wertangabe zugelassen worden. Tagung der Wirtschaftsführer und Kreisbetriebszellenobmänner in Gießen. Am 9. und 10. Juni fand hier im Eaf6 Leib eine Tagung der Wirtschaftsführer und Kreisbetriebszellenobmänner der Gaue Kurhessen und Hessen- Nassau statt. Bei der Eröffnungsversammlung am Samstag begrüßte Beigeordneter Bartholomäus die Gäste im Namen des Oberbürgermei» sters der Stadt Gießen. Der Leiter der Gaurechts- stelle der Deutschen Arbeitsfront, Pg. B i n g e l (Frankfurt), sprach dann über das Thema „Führer und Gefolgschaft". Er richtete einen zündenden Appell an die anwesenden Wirtschaftsführer, immer den Gedanken des Leistungsprinzips vor Augen, die gewaltige Aufbauarbeit zu leisten. Als Vertreter des Gauwirtschaftsberaters Eckhardt umriß Dr. Jokisch in großen Linien den zu-künftigen ständischen Aufbau des deutschen Volkes. Der Gauamtsleiter der NS.-Hago Kurhessen, Bernhardt, zeigte dann die Wege, die in der Zusammenarbeit zwischen NS.-Hago und Deutscher Ar- beitsfront gegangen werden müssen. Zum Schluß hielt der Landesobmann der DAF., Becker (Frankfurt), eine große Rede, in der er auf die grundsätzlichen Aufgaben der Arbeitsfront einging. Am Abend fand ein Kameradschaftsabend statt, dessen Ausgestaltung die Gemeinschaft „Kraft durch Freude" übernommen hatte. Der Sonntag sah die einzelnen Gruppen der Amtswalter (Presse, Kraft durch Freude, Propaganda, Organisation usw.) zu ernster Arbeit in mehreren Arbeitsgemeinschaften. Gegen 11 Uhr fand sich dann alles noch einmal im Caf6 Leib, wo Landesobmann Becker die Schlußansprache hielt. Er gab seiner Freude Ausdruck, daß an der Ta- gung eine große Zahl Wirtschaftsführer teilgenom- men habe. Diese Bereitschaft mitzuarüeiten werde von der Arbeitsfront freudig anerkannt. Die Grundlage der nunmehr monatlich stattfindenden Tagungen bilde die Volksgemeinschaft. Es sei Aufgabe der Arbeitsfront, dafür zu sorgen, daß auch der letzte Volksgenosse von den großen Auf- gaben der Zeit erfaßt werde. Daß die Jugend einmal eine andere Welt vorfinde, als die, in der die augenblickliche Generation zu kämpfen habe, das lei gewiß und sei auch der Dank, der jetzt schon alle Arbeit und allen Kampf beglücke. Die großen Auf- gaben, die noch zu lösen wären, könnten nur durch immerwährenden Einsatz bewältigt werden. Bei der großen Mehrzahl der Arbeitgeber herrsche heute schon ein aufopfernder Wille, der nicht genug aner- kannt werden könne. Heute schon gehe die neue Entwicklung viel schneller voran, als man habe erwarten können. Dem Wachstum von unten her könne sich niemand mehr entgegenfteüen. Der deutsche Arbeiter sei gut, er sei ein Mensch, mit dem man den Teufel aus der Hölle holen könne. Der deutsche Arbeiter gehe mit durch dick und dünn, wenn er wisse, daß er seinem Führer vertrauen könne. Daß heute dieses Vertrauensverhältnis wie- der herrsche, daß das ganze Volk wieder im glei- chen Schritt marschiere, das sei immer wieder nur dem einen zu verdanken: dem Führer Adolf Hitler! Oie Organisation der Zimmervermietung in Gießen. Unter dem Vorsitz des stellvertretenden Kreisleiters der NSDAP., Pg. Hopfenmüller, fand gestern nachmittag im Stadthaus Bergstraße eine Sitzung statt, die sich mit der Organisation der Zimmervermietung (in der eine sozialere Lösung Platz greifen soll), befaßte. An der Sitzung nahmen Vertreter der Stadt Gießen und des Wohlfahrtsamtes, der NS.-Volkswohlfahrt, der NS.-Beamtenschaft, die Führerinnen der NS.-Frauenschaften in Gießen, ferner Vertreter des Mietervereins, des Hausbesitzervereins, der Studentenschaft, der Stu- dentenhilfe, des Verkehrsoereins und der Selbsthilfeorganisation der Zimmervermieterinnen teil. Der Versammlungsleiter führte eingangs aus, daß es leider noch immer viele Leute gebe, die Zimmer vermieteten, ohne diese daraus entstehende Einnahme unbedingt nötig zu haben, während anderen bedürftigen Volksgenossen, die aus diesen Verdienst angewiesen seien, die ExistenHbasis geschmä- lert werde. Bisher sei in allen Bestrebungen, diese Lage zu ändern, fast nichts erreicht worden, so daß sich nunmehr auch die Partei (nachdem die NS.» Volkswohlfahrt für die bedürftigen Dolksaenossen aufkommen müsse), darum bekümmern müsse. Dem Hausbesitzerverein, wie auch dem Mieterverein werde empfohlen, auf ihre Mitglieder einzuwirken, die übrigen Organisationen müßten durch ihre Un» terstützung dazu beitragen, daß ten bisherigen Verhältnissen gesteuert werde. Der Leiter der Selbsthilfeorganisation der Zim- mervermieterinnen, Herr Römer, kennzeichnete in einem kurzen Referat die Lage eines großen Teiles der in der Selbsthilfeorganisation vereinigten Zimmervermieterinnen, er wies auf ein besonderes zwischen der Studentenschaft sowie dem Verkehrsverein einerseits und der Selbsthilfeorganisation anderseits bestehendes Uebereinkommen hin, das sich bisher recht günstig ausgewirkt habe. Durch mancherlei Umstände (Unterbringung von Studenten in Kameradschaftshäusern Kürzung von Mietbeihilfen usw.) habe sich aber die Lage der Zimmervermieterinnen erneut verschlechtert. Don den 680 Mitgliedern der Organi- sation, die insaesamt etwa 1000 Zimmer au vermieten hätten, seien gegenwärtig etwa 250 Zimmer leer. Es müsse versucht werden, diesen bedürftigen Frauen zu helfen, und dies werde möglich sein, wenn erreicht werde, daß Personen, die nach ihrem Einkommen es nicht nötig haben, Zimmer zu vermieten, diese Derdienstmöglichkeit abgeben. Es bedürfe für diese Arbeit insbesondere der moralischen Unterstützung der Vereinigungen und der berufenen Organisationen in unserer Stadt, sowie auch der Stadtverwaltung, soweit in stadteigenen Häusern von den Mietern Untermieter gehalten werden. Der Redner gab in kurzen Umrissen einige Vorschläge bekannt für die Durchführung einer sozialeren Regelung der Zimmervermietung. Im übrigen sei eine Die Arbeit der Irauengruppe im DDA. Gießen Im Hotel Prinz Earl wurde gestern nachmittag die erste der von nun ab wieder regelmäßigen Zusammenkünfte der Frauengruppe des DDA. Gießen abgehallen. Der Nachmittag nahm einen sehr anregenden Verlauf. Frau Eger, die Führerin der Frauengruppe, hieß die Teilnehmerinnen herzlich willkommen, wies kurz auf den Sinn der Zusammenkünfte hin und betonte, daß der DDA.-Gedanke mehr als setther gepflegt werden solle. Die Pfingsttagung der Frauen des DDA. habe allen, die daran teilnehmen tonnten, wieder neuen Geist und neue Spannkraft ver- mittelt, die aus den großen Erlebnissen geschöpft worden seien, die mit derartigen Tagungen immer wieder verbunden seien. Es sollten immer mehr Frauen an diesen Tagungen teilnehmen, denn gerade in diesem gemeinsamen Erlebnis werde der wahre VDA.- Geisl wach. In der Gruppe Gießen sei Aufschwung nötig. Herzlich willkommen feien alle jene, die am DDÄ. Interesse zeigten und zur Mitarbeit oder Unter» ftützung der guten Sache bereit wären. Die Zusammenkünfte sollten nunmehr jeden zweiten Mittwoch im Monat stattfinden und immer wieder neuen Einblick in die Bestrebungen des DDA. vermitteln. Die große Aufgabe sei, den Gedanken an die Aus- landsdeutschen zu fördern, denn die Arbeit des DDA. fei schwerer geworden, als fie bisher je gewesen sei. Der Ausländsdeutsche bedürfe gerade jetzt einer weit größeren Unterstützung als bisher. Im Anschluß an diese grundsätzlichen Ausführungen gab Frau Eger bekannt, daß es den Mitgliedern frei gestellt sei, sich auch durch Handarbeiten, die durch eine spätere Verlosung umgesetzt werden sollten, nützlich zu machen. Die Abteilung Handarbeit würde von ben Damen Fräulein Steinbach, Frau S ch l i e p h a k e, Frl. Keller und Frau Brill übernommen, die jederzeit mit Rat und Tat zur Verfügung stehen würden. Oberschlefischer . . . Die Leiterin der Versammlung gab ferner bekannt, daß voraussichtlich vom 10. bis 15. Juli junge Ober- schlesier, sechs Jungens und sechs Mädchen mit einer Führerin nach Gießen kämen und für diesen Zeitraum unteraebracht werden sollten. Es sei eine der wichtigsten Aufgaben des VDA. mitzuhelfen, daß möglichst vielen grenz- und auslandsdeutschen Jugendlichen einmal der Aufenthalt im Reiche mög» lieh gemacht werde, damit die Verbindung mit der deutschen Jugend insbesondere erhalten bleibe und die auslandsdeutsche Jugend daraus immer neue Kraft schöpfen könne. Den jungen Leuten soll Gelegenheit gegeben werden, möglichst am Unterricht in Geschichte und Literatur an hiesigen Schulen teilzunehmen, während die Nachmittage durch Ausflüge ausgefüllt werden sollen. Ferner wies die Rednerin auf eine Straßen- und Haus- f am m lu n g hin, die demnächst wieder für den DDA. stattfinden solle und forderte insbesondere die jüngeren Mitglieder auf, sich zahlreich zur Verfügung zu stellen. Frau Hamm machte sodann davon Mitteilung, daß am 20. Juni auf dem Schiffenberg eine Kundgebung der NS. - Frauenschaft stattfinden werde, zu der auch die Frauengruppe des DDA. eingeladen sei. Als Sprecher sei Dr. Alex Röder gewonnen, die Friedberger Spielschar von Studien- rat Philipps, der Musikzug der SAR. und der DdM. würden mitwirken. Ueberwachungsstelle eingerichtet, die in Zukunft straffer zu arbeiten haben werde. Im Verlaufe einer kurzen Aussprache wurde darauf hingewiesen, daß für ein Vorgehen gegen unsoziale Zimmervermieter wohl die gesetzliche Handhabe fehle, der stellvertretende Kreisleiter Dg. Hopfenmüller betonte aber, daß es eine selbstverständliche Pflicht der Moral fei, daß bei Zimmervermietungen bedürftige Volksgenossen im Vordergrund stehen, auch wenn für die erforderlichen Maßnahmen nicht die gesetzliche Grundlage gegeben sei. Hier müsse das Grundsätzliche im Vordergrund stehen und niemand dürfe sich den bestehenden Notwendigkeiten verschließen. Die Versammlung wurde in dem einmütigen Geiste beschlossen, daß alle berufenen Vereinigungen ihre Mitwirkung zusagten, die bisherigen Verhältnisse auf dem Gebiete der Zimmervermietung bereinigen zu helfen. Oie Maul- und Klauenseuche in Hessen. Am 1. Juni waren In Hessen mit Ausnahme des Kreises Worms, wo ein Gehöft verseucht ist, alle Kreise frei von der Maul- und Klauenseuche. Daten für Mittwoch, 13. Juni. 1525: Vermählung Martin Luthers mit Katha- rina von Bora: — 1831: der Physiker James Clerk Maxwell in Edinburg geboren (gestorben 1879); — 1838: der Maler Eduard von Gebhardt in St. Johannes in Estland geboren (gestorben 1925); — 1878 (bis 13. Juli): Berliner Kongreß; — 1864: die oberschlesische Dichterin Elisabeth Grabowski in Ratibor gestorben. BornoNzen. — Tageskalender für Mittwoch: Lichtsvielhaus, Bahnhofstraße „Ihre Durchlaucht, die Verkäuferin". — Ortsgruppe Gießen-Nord, Zellen 2, 3 und 4, 20.30 Uhr, Wirtschaft Hofmann, Zellenabend mit Vortrag von SS. - Sturmbannführer Hainbach. — Bergschenke, 20.15 Uhr, 3. Abonne» ment-Konzert der Reichswehrkapelle. — Universität, Hörsaal 39, öffentlicher Vortrag über „Sind Germanentum und Christentum echte oder künstliche Gegensätze?". — BO. Gießen, 20.30 Uhr, ,finden» bürg", BO.-Abend. — Drittes Militärkonzert in der Bergsckenke. Heute, Mittwoch abend, findet in der Bergschenke das dritte Abonnementskonzert der Reichswehrkapelle statt. Zur Fahrt nach der Bergschenke stehen Postautobusse bereit. (Siehe gestrige Anzeige.) — Die Oberhesfische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde (Naturwissenschaftliche Abteilung) hält am morgigen Donnerstag einen Vortragsabend ab. Professor Stüdel spricht über die „Ureinwohner der Insel Heinan". (Siehe die heutige Anzeige.) — NSBO. — Studentenschaft. Am kom- wenden Freitag, 15. Juni, findet in der Liebigshöhe eine große Kundgebung statt, die die Mitglieder der NSBO. und der Gießener Studentenschaft vereinigen wird. Gaubetriebszellenleiter Pg. Demmer (Frankfurt a. M.) und Hochschulgruppensuhrer Pg. von Graeve werden sprechen. Die Musik wird ausgefübrt vorn Musikzug der SA.-R./116. (Siehe heutige Anzeige.) In sehr lebendigen Ausführungen und in feiner Sprache schilderte dann im weiteren Verlauf des Nachmittags Frau Roloff ihre Eindrücke von der Frauentagung des VDA. lu Mainz. Auch sie stellte das Gemeinschaftserlebnis einer solchen Tagung in den Vordergrund und wies darauf hin, wie gerade die Anwesenheit und die Reden auslandsdeutscher Schwestern den bestimmenden Einfluß ausübten. Seit der Nationalen Revolution sei, so führte sie u. a. weiter aus, der Kampf um das Dasein und die Erhaltung des Deutschtums der Ausländsdeutschen auf allen Fronten heftiger entbrannt denn je. Immer wieder müßten wir Nachrichten lesen aus der Tschechoslowakei, aus Polen, aus Italien usw., die erkennen ließen, wie schwer dieser Kampf sei. Eine wirtschaftliche Höher-Assimilation der Deutschen im Ausland sei fast nur mit dem Opfer des eigenen Volkstums zu erreichen. Der Weg sei erst dann für eine wirtschaftliche Besserstellung der Deut» schen im Ausland offen, wenn sie sich bereit fänden, sich anzugleichen an die fremde Nation. Das führe zu schweren Gewissenskonflikten. Auf solchen Tagungen, wie jene wieder in Mainz, sähen uns dann die Menschen mit ihren leidgeprüften Augen an, und ihrem Einfluß könne sich wohl kaum jemand entziehen. Die auslandsdeutsche Jugend sei von der Entwicklung in unserem Vaterlands rückhaltlos begeistert. Das sei verständlich, denn dem Auslandsdeutschtum fei z. B. der Gedanke der Erbbiologie längst vertraut, da es ja anders gar nicht möglich gewesen wäre, das Deutschtum inmitten eines fremden Volkes rein zu erhalten. Der Ausländsdeutsche müsse auch auf das innigste mit dem Boben verbunden fein, wenn er nicht den letzten halt verlieren wolle. Das Deutschtum in den Städten sei weitaus gefährdeter als in den ländlichen Siedlungen. Die schwierige Laae des Auslandsdeutschtums sei auch von der Reicksführung längst erkannt worden; das gehe ja insbesondere aus jenem Briete hervor, den Der Stellvertreter des Kanzlers, Reichsminifter Rudolf Heß aus Anlaß der Passauer Tagung an den Führer des VDA., Dr. Steinacher getrieben habe. Die Erkenntnis von der Bedeutung des VDA. fei überall durchgedrungen, man wisse aber auch, daß er sich von Einflüssen des offiziellen Deutschlands freizuhalten versuchen müsse, wenn die Lage d.er Ausländsdeutschen und die Unterstützunas- arbeit des VDA. nicht noch schwieriger werden solle. Die Reichsregierung stehe rückhaltlos hinter dem VDA., dürfe ihn aber nicht offiziell fordern. In ihren weiteren Ausführungen beschäftigte sich die Rednerin mit der Reihe der Vorträge, die aus berufenstem Munde, von auslandsdeutschen Frauen und Männern gehalten wurden und in denen in erschütternder Weise die einzelnen und immer wieder anders gelagerten Nöte der Ausländsdeutschen in den verschiedenen Ländern Europas und der Welt zum Ausdruck kamen. Die eindrucksvollen Schilderungen der Rednerin wurden mit lebhaftem dankbaren Beifall ausgenommen. Mit dem Dank an die Rednerin und mit der Aufforderung zu zahlreicher Beteiligung am näch- ften Arbeitsnachmittaq schloß die Führerin der Frauengruppe des VDA., Frau Eger, die Veranstaltung. LU. Von der Landesuniversität. Don der Pressestelle der Universität Gießen wird mitgeteilt: Der ordentliche Professor für Botanik an unserer Universität Dr. Küster wurde von der Royal Microscopical Society London in Anerkennung seiner Leistungen auf Dem Gebiet der wissen» schaftlichen Mikroskopie zum Ehrenmitglied ernannt. ** Eine Zweiundachtzigjährige. Frau Katharina Noll, wohnhaft Frankfurter Straße 84, konnte am gestrigen Dienstag, 12. Juni, ihren 82. Geburtstag feiern. Frau Noll ist heute noch eifrige Leserin des Gießener Anzeigers, den sie bereits feit dem Jahre 1873 hält. ** Die Bauland-Umlegung zwischen Wilhelmstraße, Aulweg und Wartweg betrifft eine Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil. ** Achtet auf Infekten st ich e. Die Gefährlichkeit der Insektenstiche, denen man in der wärmeren Jahreszeit wieder ausgesetzt ist, scheint noch immer nicht genügend bekannt zu fein. Die Insekten, die sich auf unsere Haut setzen, nähren sich nicht nur von den Säften lebender, sondern auch toter Tiere, saugen also gelegentlich sog. Leichengift; durch die Insektenstiche kann derartiges Gift auf die Menschen übertragen werden, was auch schon den Tod der Betroffenen zur Folge Hatte. Zunächst Hilft als bestes Mittel Salmiakgeist, den man sofort in die Wunde reibt. Es empfieylt sich daher, auf Spaziergängen und Wanderungen stets ein Fläschchen Salmiakgeist bei sich zu tragen. Treten nach Insektenstichen starke Schwellungen auf, so ziehe man sofort den Arzt zu Rate. ** „D o rn Sinn und Geist deutscher Sprichwörter." Zu dem Artikel „Dom Sinn und Geist deutscher Sprichwörter", den mir am Montag, 11. Juni, veröffentlichten, sei ergänzend bemerkt, daß der Verfasser des Auftatzes Herr P. Scholz, Gießen, ist, der als eifriger Sammler im Laufe mehrerer Jahre nahezu 1000 Sprichwörter sammeln konnte. Amtsgericht Gießen. Ein Landwirt aus Muschenheim fuhr am 25. Oktober v. I. mit seinem mit Zuckerrübenblättern be« lodenen Fuhrwerk nach eingetretener Dunkelheit auf der Landstraße zwischen Lich und (Eberficht, ohne sein Fahrzeug beleuchtet zu haben. In gleicher Rich- hing fuhr ein Motorradfahrer mit Beifahrer, der den vor ihm herfahrenden Wagen nicht sah. Beide Fahrzeuge prallten aufeinander, wodurch der Motorradfahrer erheblich verletzt wurde. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu einem Monat Gefängnis. In Höhe von drei Wochen wurde ihm bedingter Strafaufschub gewährt. Der Ange- klagte trägt außerdem die Kosten des Verfahrens. Große Strafkammer Gießen. Wegen Vergehens gegen den § 3 der Verordnung des Reichspräsidenten vom 21. März 1933 gegen heimtückische Angriffe gegen die Reichsregierung wurde der Wilhelm Ortmüller aus Gießen vom hiesigen Schöffengericht zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Die gegen dieses Urteil von dem Angeklagten eingelegte Berufung wurde kostenpflichtig verworfen. Der Angeklagte beleidigte anläßlich der Verhaftung feines Sohnes in der schwersten Weise die Reichsregierung. I Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit befaßte sich das Gericht mit einem Verbrechen im Sinne des § 176, Ziffer 3, RStGB. zum Vorwurf machte. Das Gericht erkannte auf 6 Monate Gefängnis. Wegen desselben Verbrechens wurde der Wilhelm Hohmann aus Vilbel zu zwei Jahren und drei Monaten Zuchthaus verurteilt. Der Angeklagte verging sich fortgesetzt an Mädchen unter 14 Jahren. Reichstagung des RGLA. 1934 in Frankfurt a. M. LPD. Frankfurt a. M., 12. Juni. Wie bereits gemeldet, hält der Nationalsozialistische Lehrerbund seine große R e i ch s t a g u n g am 3. bis 5. August 1934 in Frankfurt a. M. ab. Man rechnet damit, daß in diesen Tagen gegen 50 000 Lehrer in Fran kfurt versammelt fein werden. U. a. ist eine große Saarkundgebung in der Festhalle vorgesehen, des weiteren ein Fest» zug aller Uniformträger innerhalb des NSLB., und als Höhepunkt eine Kundgebung im Stadion, bei der der Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger, Reichsminister Pg. R u st, der Reichsführer des NSLB. Minister S ch e m m, Reichsjugendführer Baldur von Schirach und Vertreter der Reichsregierung sprechen werden. Die Organisationsleitung der Tagung hat der Obmann des Gaues Hessen-Nassau des NSLB. Pg. Ministerialrat Ringshausen dem Pg. Fr. Staufenberg übertragen. Die Geschäftsstelle der Reichs- tagung des NSLB. befindet sich im Haus Offen- bad) in Frankfurt a. M. Kinder-Landverschickung nach Oberschlesien: LPD. Frankfurt a. M., 12. Juni. Die Gauamtsteilung der NS.-Dolkswohlsahrt gibt folgendes bekannt: Am 15. Juni 1934 beginnt die Aktion Kinder-Landverschickung der NSV. 1934 mit einem Transport von 900 Kindern aus Frankfurt a. M., Offenbach, Hanau, Darmstadt,- Worms, Mainz und Wiesbaden nach Ober- schlesien. Der Stellvertreter des Gauleiters, die Behörden der Stadt Frankfurt a. M. sowie die Eltern werden sich um 10.15 Uhr von den nach Oberschlesien fahrenden Kindern verabschieden. Die ge- amte Bevölkerung ist eingeladen, bei der Abfahrt der Kinder zugegen zu fein. 150031t Geldstrafe für Verstoß gegen die Reichsversicherungsordnung. LPD. Mainz, 12. Juni. Gestern wurde vor der Großen Strafkammer gegen den ehemaligen Bürgermeister eines rheinhessischen Dorfes verhandelt, weil er nicht nur versäumte, Jnvalidenmarken rechtzeitig einzukleben, wie er dazu verpflichtet gewesen wäre, sondern auch alte, bereits benutzte Marken wieder verwandte, indem er ein neues Datum darauf setzte. Das Gericht verurteilte den Mann zu insgesamt 1 5 0 0 Mark Geldstrafe, wobei ausdrücklich erwähnt wurde, daß die Strafminderung bei Verstößen gegen die Reichs- versicherungsordnung nicht in Frage komme, da hierbei die Rente der in Arbeit alt gewordenen Menschen auf dem Spiele stehe. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Ein Dort an eifrige Radiohörer! Dor einiger Zeit ging durch das Radio eine sehr beherzigenswerte eindringliche Mahnung, die aber leider ziemlich unbeobachtet geblieben zu sein scheint. Es war die Ermahnung, abends spät bei angestelltem Radio mehr Rücksicht auf die Nebenmenschen zu nehmen. Es ist erstaunlich, wie sehr gegen diese doch eigentlich selbstverständliche Pflicht gesündigt wird. Diele Radivbesitzer lassen das Radio im Betrieb, solange es überhaupt des Abends möglich ist, gleichgültig, ob die Mitbewohner und die Nachbarsleute in ihrer Nachtruhe gestört werden ober nicht. Viele Menschen, die tagsüber schwer arbeiten müssen, Kranke, besonders Nervenkranke, die sich oft so unendlich nach Schlaf sehnen, wälzen sich dann ruhelos auf ihrem Lager. Besonders schlimm ergeht es solchen Familien, die Wand an Wand mit einem solchen rücksichtslosen Radiobesitzer wohnen. An Schlaf ist unter solchen Umständen gar nicht zu denken. Immer wieder werden sie aufgeschreckt. Es gibt auch viele Eltern, die in ihrem Schlafzimmer das Radio angestellt lassen und die Kinder, die häufig in dem gleichen Zimmer schlafen, finden nicht die volle Ruhe. Es wäre erfreulich, wenn sich in dieser Hinsicht etwas mehr Nächstenliebe durchsetzen würde. Eine Steigerung erfährt das erwähnte liebel noch dadurch, daß man jetzt in der warmen Jahreszeit gezwungen ist, die Fenster offen zu lassen und dadurch die Störung doppelt hart empfindet. Sehr häufig hört man sagen, daß die Polizei für die Beendigung des Radiospiels keine frühe Stunde festgesetzt habe und infolgedessen niemand gezwungen sei, abzustellen, bevor das Programm zu Ende ist. Darum handelt es sich aber gar nicht, sondern man sollte erwarten dürfen, daß sich der denkende Mensch seinen Volksgenpssen insofern verpflichtet fühlt, daß er ihm, soweit es in feinen Kräften steht, die Nachtruhe nicht stört. Sehr ähnlich wie das Radio wirkt sich auch das Verhalten mancher Passanten auf der Straße aus, die durch ihr Singen, Pfeifen oder durch laute Zurufe zu später Nachtstunde die Nachtruhe stören. G. N. Rundfunkprogramm. Donnerstag, 14. 3unl: 5.50 Uhr: Gymnastik I. 6.15: Gymnastik II. 6.40: Frühmeldungen. 6.55: Frühkonzert. 8.20 bis 8.30: Gymnastik. 10: Nachrichten. 10.45: Praktische Rat» chläge für Küche und Haus. 11: Werbekonzert. 11.50: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert I. 13: Nachrichten, Saardienst. 13.10: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.20: Mittagskonzert II. 13.50: Nachrichten. 14: Mittagskonzert III. 14.30: Nachrichten. 14.40: Kinderstunde: „Zwerg Nase". 15.50: Wirt- chaftsbericht. 16: Nachmittagskonzert des Rund- unkorchefters. 17.30: Das Erwachen der Natur. 17.45: Aus Zeit und Leben. 18.15: Familie und Rasse. 18.25: Spanischer Sprachunterricht. 18.50: Das Leben spricht! (Soziale Funk-Berichte.) 19: Militärkonzert. 20: Nachrichten und Mitteilungen aus dem kulturellen Leben. 20.15: Reichssendung: Stunde der Nation. Zum 65. Geburtstag Siegfried Wagners: „Dolksliedklana bei Siegfried Wagner". 21: Der Spielhof und fein Knecht. Hörspiel von Hanns Trautner. 21.45: Unterhaltungskonzert. 22.20: Nachrichten. 22.35: Du mußt wissen ... 22.45: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 23: Nachtmusik. 24 bis 1: Nachtmusik. Aus dem Reiche der Krau. Oie gesunde und frohe Mutier. Von Hedwig Zerstreuter. Wie wichtig eine gesunde und heitere Mutter für ihre Kinder ist, wissen wir alle aus eigener Erfahrung. Wir erinnern uns, wie reibungslos und glatt das Leben lief, wenn die Mutter wohlauf und guter Stimmung war, während alles erschwert und gehemmt vor sich ging, wenn Mutter Kopfsckmer- zen hatte oder gar ein paar Tage im Bett liegen mußte. Dann klappte nichts recht, unter der Aufsicht des Mädchens gerieten weder das morgendliche Anziehen noch das Frühstück rechtzeitig und ordent- lich, von den Schularbeiten und dem Rest des Tages gar nicht zu reden. Brauchte man Rat bei einer Schreibaufgabe, wollte man Puppengeschirr zum Spielen haben oder hatte eine dringende Frage auf dem Herzen — die Mutter fehlte überall. Man durfte nicht zu ihr. Oder wenn doch, nur für kurze Minuten, und es war keine Möglichkeit, seine Röte, Sorgen und Fragen loszuwerden. Ein Druck lag über dem ganzen Hause, und wir Kinder, obgleich wir es nicht aussprachen, fühlten in diesen Krank- heitstagen, die uns von der Mutter trennten, vorahnend die Schauer einer größeren und endgültigeren Trennung. Aehnlich, wenn auch nicht ganz so drückend, war es, wenn wir spürten: Mutter trägt an einer Sorge, sie ist betrübt oder müde. Dann wagte sich unser unbefangenes Kinderwesen nicht hervor, wir wurden selbst unfroh und trübe und atmeten erst auf, befreit von einer Last, wenn Mutter wieder ein frohes Wort und ein Lachen fand. Ein unvergeßlicher Eindruck meiner Kinderzeit ist em Sonntagmorgen mit zwei Freundinnen und ihrer Mutter. Wir spielten an einem Wiesenhang und die Mutter der Freundinnen setzte sich zu uns. Ja, sie setzte sich wirklich und wahrhaftig zu uns auf die Wiese, ihr blaues Kleid bauschte sich beim Niedersetzen lustig um sie herum, ihr rosiges Ge- sicht leuchtete über einem weißen Kragen. Ich sah sie in maßlosem Staunen an, denn ich hatte eine vielbeschäftigte und rastlos fleißige Mutter, die ein großes Haus und eine vielköpfige Familie zu versorgen hatte. Ich kannte meine Mutter am Eßtisch, die Suppe austeilend, und am Herd, Eierkuchen backend. Hinter dem Stopfkorb, wo sie Berge von zerrissener Wäsche bewältigte, am Zuschneidetisch, wie sie mit der Näherin über die kleidsamste Form eines Kinderkittels beriet. — In allen diesen Bil- dern und Stellungen kannte ich meine Mutter — auf einer Dlumenwiese mitten unter ihren Kindern hatte ich sie nie aesehen. In ihrer fast übergroßen Pflichttreue und Arbeitsamkeit hätte sie es sündhaft leichtsinnig und vielleicht auch unter ihrer Würde gefunden, so losgelöst und unbeschädigt einen Sonntagmorgen zuzubringen. Unsere Sehnsucht nach einer auf diese Weise heiteren Mutter würde sie gar nicht verstanden haben. Heutzutage denken die Mütter natürlicher und freier, sie wissen, daß sie durchaus nichts an Autorität einbüßen, wenn sie mit ihren Kindern spielen, als seien die Altersgrenzen aufgehoben. Sie sind heiter mit ihnen und schenken iynen das beste, was eine Mutetr geben kann: ihre Zeit und ihr uneingeschränktes Interesse. Lieber lassen sie einmal im Haushalt fünfe grade sein als bei den Kindern. Und das ist richtig fo! Versäumnisse an toten Dingen lasten sich wieder nachholen; was an Kinderseelen versäumt wurde, niemals. Ob die Wohnung einmal weniger in der Woche staubgesaugt wird, ob die Hähne in Bade- stube und Küche, das Silber im Kasten und die Fensterscheiben einmal nicht „überholt" wurden und nicht ganz so blinken wie sie sollten, das ist nicht wesentlich. Aber daß zwischen Eltern und Kindern ein niemals unterbrochenes Vertrauensverhältnis besteht, daß die Kinder wissen: zu den Eltern kann ich mit allen meinen Klagen und Fragen kommen, sie meinen es am allerbesten mit mir, sie wollen mir Helsen, und bei ihnen bin ich geborgen, dies allein ist wichtig und nötig. Dann wird die Kindheit wirklich eine Helle Landschaft, in der das Kind Luft und Licht und Wachstum für Leib und Seele hat. Und die Trübungen der Entwicklungs- zeit, die seelischen Nöte, die jede heranreifende Seele Helmsuchen, sie gehen dann vorüber wie Wolken, welche die Landschaft wohl zeitweise beschatten, aber niemals ganz verdüstern können. Die Eltern pflanzen in die jungen Seelen ftüh neben aller Begeisterung für das Schöne auch den Willen zur Selbsterziehung. Sie stellen vor ihnen das Idealbild des deutschen Menschen auf, wie wir alle ihn wünschen: vaterlandsliebend und stark, pflichtgetreu und hilfsbereit. Sie zeigen ihnen, daß nicht nur Handlung, daß auch Gedanken lebenweckende Kräfte besitzen, daß gute Gedanken und ein Leben nach reinen Grundsätzen einen Menschen formen. Und sie suchen selbst, ihrer Verantwortung bewußt, ihr Dasein so zu leben, daß es vor der schärfsten und unbestechlichsten Kritik, vor Kinderaugen bestehen kann. Zur Psychologie des Frühstücks. Die erste Mahlzeit am Morgen ist bestimmend für die Laune des ganzen Tages. Darum wird der Frühstückstisch zum Inbegriff der verschiedensten Möglichkeiten. Frauen, die sich auf Psychologie verstehen, werden ihn zu einer heiteren und beglückenden Angelegenheit machen. Bedenkt man, daß der Ehemann das Andenken an ihn als letzten Eindruck mit hinausnimmt, wird man verstehen, welche Bedeutung ihm zukommt. Wie anders ist sein Gefühl, wenn er an einen netten, mit einem Blumen- Abgesehen von dem allgemein bekannten Kirschkuchen usw. werden nachstehend einige vorzüglich mundende Kirschenspeisen angegeben, die sowohl als Nachtisch, als auch, mit einem Salat gereicht, als Abwechslung dienendes Vollgericht dienen können. Die hier gemachten Anga'ben sind gedacht für fünf bis sechs Personen. Böhmische Kirschknödel. Etwa IVt Pfund gekochte, erkaltete Kartoffeln werden gerieben und mit 150 Gramm Mehl, 2 Eiern, Salz und Muskatnuß gut vermischt. Dann rollt man den Teig etwa Vt Zentimeter dick aus, schneidet Vierecke, etwa 5 mal 5 Zentimeter, legt in die Mitte 3 bis 4 entsteinte süße Kirschen und formt mit Hilfe von Mehl runde, gut geschlossene Knödel, die in Salzwasser gut durchgekocht werden. Die Knödel werden mit brauner Butter übergossen, mit Zimtzucker und in Butter gerösteten, geriebenen Semmeln bestreut, aufgetragen. Kirschklöße mit Danilletunke. Vt Pfund halb süße, halb saure Kirschen werden entsteint und in Vs Liter Apfelwein mit 150 Gramm Zucker, etwas Zimt und abgeriebene Zitronenschale überdämpft. Nach Erkalten rührt man 3 Eßlöffel zerlassene Butter und 3 Eier darunter und fügt so viel geriebene Semmel bei, daß eine mehr feste Masse entsteht. Hiervon formt man mit Hilfe von Mehl kleinere Klöße, die in Salzwasser gekocht werden, bis sie oben schwimmen (Probekloß kochen, falls die Masse abkocht, noch etwas geriebene Semmel zusetzen). Mit kaltem Wasser abschrecken und mit Danilletunke übergießen, über die man noch etwas Kirsch- oder Himbeersaft gießt. Kirscheierkuchen mit Tunke und Salat. 1 Pfund halb süße, halb saure, ausgefteinte Kirschen in V< Liter Apfelwein. 150 Gramm Zucker, Zimt und Zitronenschale dünsten und ab tropfen lassen. 5 Eigelb mit 2 Eßlöffel zerlassener Butter, ebensoviel Zucker, einer Handvoll geriebener Semmel und V- Liter Milch verquirlen und 5 Eiweißschnee unterrühren. Dann setzt man die Kirschen zu, füllt alles in eine gut gebutterte Pfanne und läßt die Speise in heißer Röhre stocken. Den Saft kocht man noch einmal auf, bindet ihn leicht mit Kartoffelmehl und gießt ihn vor dem Aufträgen über die Speise. Dazu passend grüner Salat. Bayrische K i r 's ch st r u d e l. Man macht auf die übliche Art einen mehr festen, gut durchgearbeiteten Hefenteig von 300 Gramm strauß geschmückten appetitlichen Tisch zurückdenken kann, als wenn er das Bild einer unordentlichen Frau und eines liederlichen Tisches vor sich sieht. Der Mann soll den Unterhalt für die Familie herbeischaffen, darum ist es nicht zuviel verlangt, daß die Frau ihm diese Aufgabe nach ihren Kräften reizvoll macht. Sie muß dafür sorgen, daß das Frühstück niemals in der Hetze eingenommen wird und mit Energie darauf halten, daß „er" zeitig genug aufsteht, um sich diese kleine Kraftquelle zu gönnen. Dazu ein heiteres Gesicht, ein paar liebe Worte, artige Kinder: den Mann möchte ich sehen, der sich dann nicht wohlfühlen würde. Daß der Kaffee heiß, die Butter kalt, die Brötchen knusperig und frisch sein müssen, sollte selbstverständlich sein, aber leider ist das durchaus nicht immer der Fall. Es gibt Männer, die werden verstimmt, wenn statt der goldgelben Brötchen dunkle, halbverbrannte Dinger auf dem Tisch stehen. Es ist Sache der Hausfrau, die Lieferanten dahingehend zu beeinfluffen, daß sie uns nach Wunsch beliefern. Und noch eins: schafft ein bißchen Abwechslung in die täglichen Mahlzeiten. Grade im Sommer gibt es so viele Möglichkeiten. Radieschen, weißer Käse mit Schnittlauch, Tomaten, Obst, manchmal auch ein Rührei schmecken nicht nur am Abend gut ... Mehl, 1 Ei, 50 Gramm Zucker, 1 Eßlöffel Butter, 15 Gramm Hefe, etwas Salz und nötiger warmer Milch. Diesen rollt man bleistiftstark aus, bestreicht die Fläche mit zerlassener Butter, streut geriebenen Zwieback, gemischt mit Zimtzucker darauf und belegt dicht mit ausgesteinten süßen Kirschen. Dann rollt man den Strudel zusammen, legt ihn auf ein gefettetes Blech oder in eine Pfanne, bestreicht mit Butter und bäckt die Speise in nicht zu heißer Röhre gut durch. Noch heiß gut mit Butter streichen und mit Zimtzucker bestreuen. Warm oder auch kalt mit einem Fruchtsaft auftragen. Dampfnudeln mit Kirschen. Man macht von 750 Gramm Mehl, 20 Gramm in warmer Milch aufgelöster Hefe, 30 Gramm Butter, 30 Gramm Zucker, etwas Salz und nötiger warmer Milch einen weichen Teig, den man gut durcharbeitet, bis er Blasen wirst. Nach einer Stunde Aufgehen fticht man mit in Butter getauchtem Eßlöffel Stücke ab, die man auf das gemehlte Nudelbrett legt, etwas breitdrückt und in die Mitte 3 bis 4 entsteinte Kirschen legt. Diese umschließt man gut mit Teig, taucht die Nudeln in zerlassene Butter und setzt sie eng aneinander in eine gefettete Pfanne ober auf ein Randblech. Dann be- streicht man mit Butter, läßt die Nudeln aufgehen und bäckt sie in der heißen Röhre aus. Mit Butter bestrichen und Zimtzucker bestreut, trägt man die Nudeln mit einer Danilletunke auf. Kirschentaschen. Nudelteig rollt man dünn aus, schneidet Stücke etwa 7 mal 5 Zentimeter, legt nebeneinander 4 bis 5 entsteinte Kirschen (süße), streicht die Teigränder mit Milch und drückt sie von allen Seiten fest zusammen. Die Taschen werden in Salzwasser gekocht, in heißer Butter durchgeschwenkt und mit einer Kirscytunke aufgetragen. Dazu passend grüner Salat. Kirschenauflauf. Man läßt 125 Gramm Butter heiß werden, schüttet 150 Gramm mit V« Liter Milch verrührtem Grieß hinein und rührt die Masse so lange, bis sie sich vom Quirl löst. 125 Gramm Zucker werden mit 5 Eigelb schaumig gerührt, etwas abgeriebene Zitronenschale dazugegeben und immer ein Löffel Grieß mit 3 Löffel saurer Sahne zugesetzt. Dann rührt man noch 2 Pfund ausgefteinte Kirschen und die 5 Eiweißschnee darunter und bäckt den Auflauf in einer gebutterten Form etwa eine Stunde. Mit Zimtzucker bestreut und mit Danilletunke auftragen. Strudel, Knödel, Auflaus - alles mit Kirschen. Eine Handvoll erprobter Rezepte. Hausfrau in Ltebersee. Brief einer Deutschen aus Angola. Im Rahmen der Deutschen Kolonialta- g u n g, die vom 14. bis 18. Juni in Kiel stattfindet, werden auch die beiden kolonialen Frauenoerbände — Deutsches Rotes Kreuz Frauenverein für Deutsche über See und Frauenbund der Deutschen Kolonialgesellschaft — zu einer Mitglieder- und gemeinsamen Sitzung zusammentreten; Frau Cornelie H o e tz s ch wird dabei über „Das Schwesternwesen im Deutschen Roten Kreuz" berichten, während Dr. Hedwig F i tz l e r über „Neue Forschungen über die Anfänge deutscher Kolonialarbeit in Afrika und Asien" Aufschluß geben wird. Solche Tagungen dienen naturgemäß der Erörterung der großen Probleme des kolonialen Gedankens. Ader das Leben in Uedersee hat auch seinen Alltag — auch für die Frauen drüben. Wie dieser Alltag der deutschen Kolonistenfrau aussieht, berichtet ein in den (Brünen Blättern, dem Nachrichtenblatt des Frauenvereins für Deutsche über See veröffentlichter „Brief aus Anaola", aus dem wir das wesentliche wieder- geben. Es heißt da:.....Du fragst mich, ob wir trauen in Afrika überhaupt etwas zu tun hatten, weil wir so viele Boys haben? Wir kommen eben- sowenig zum Sitzen wie ihr, denn die Boys wollen doch angeleitet und beaufsichtigt werden. Morgens um 6 Uhr gehts gleich los. Dor dem Frühstück lasse ich mich ungern stören; fangt man an, sich hrauften zu zeigen — so gehts von allen Seiten los. da ist der Koch, der wissen will, was gegeben roerben soll, der Hausboy, der Wäsche haben will, der Gärtner will Saat oder Geräte usiv. Ich gebe dann dem Koch erst mal seinen Küchenzettel und die Sachen die er dazu braucht. Dann gebt es in den Gemüsegarten. Dort bestimme ich das Gemüse und Obst das in die Küche soll, sehe alles nach, gebe Befehle, pflanze selbst und lasse anderes unter n^i- ner Aufsicht machen. Dann zuruck — in bie Küche, dort ist immer allerhand, das man selbst machen muß ober bem Koch zeigen. Auch muh man sthr aufpassen, baß bie Orbnung nichts zu wumchen übrig läßt ... Da sitzt auch bcr schwarze Schnei- ber, Sier sogar ganz nett nähen, aber nicht Zuschnei' ben und einrichten kann; alles muß mani ihm erst mal einrichten und immer ^ber besprechen u nachsehen. Dann ist ba noch bas ®eflii0el. Da man kontrollieren muß, bann ble Z-mmerar usw. — Küche unb Haus liegen etwa 100 Meter von einander entfernt — das ist sehr gut. Man hort bie Geräusche nicht unb ber Küchenbunst be» läftigt nicht. Wenn es aber gerabe zu ber Seit regnet, wenn bas Essen gebracht wirb, ist es lästig. — Mittags macken alle Leute eine Ruhepause — alle Boys unb Arbeiter unb Europäer. Um 15 Uhr geht ber Betrieb mieber los: der Garten, die Küche, die Wäsche — die ewige Wiederkehr. Die Küche ist es besonders, die den Hausfrauen viel zu schaffen macht. Man ist infolge der Hitze und der Ab- wechslungslosigkeit des ganzen Lebens leicht unlustig zum Essen; da heißt es denn, dauernd Neues auf den Tisch bringen. Das ist in Europa einfach; aber bei uns muß man erst bas Rohmaterial schaffen: Gemüse, Obst, Geflügel, Schweine unb Kleinvieh unb bann mieber neue Gerichte unb Zusammensetzungen erfinben . . . Es klingt nun alles so schon unb leicht, als habe man boch eigentlich nichts zu tun. Zwischen diesen Arbeiten laufen aber bie Störungen in Gestalt von Boten von anberen Pflanzungen, bie irgenb etwas holen möchten ober Rat erbitten ober Hilfe, ba muß man mitten in ber anberen Arbeit etwas rausfuchen, Briefe bazu schreiben, unb kaum ist ber eine weg, kommt ein anberer. Ober es kommt gar ein Auto mit Besuch, zum Teil auch nur, um kurz etwas zu fragen ober zu holen, ober Logierbefuch . . . Dann haben die meisten von uns ja auch Kinder! Wenn man auch die schwarzen Boys zur Hilfe hat, fo ist es doch unerläßlich, daß die Mütter die persönliche Pflege der Kinder in der Hand behalten, solange sie klein sind. Und sind sie größer, so müssen sie auch geistig angeregt werden und Unterricht bekommen . . - Nicht zu reden von den ewigen Strümpfen, die zu stopfen sind, denn das nimmt einem auch nicht der schwarze Schneider ab, bas muß man selbst machen, das versteht niemanb. Die Schwarzen nähen ein- fach bie Strümpfe zusammen, solange, bis man nicht mehr hineinkann . . . Aber alles in allem ist es boch, jetzt, wo man bie Pflanzungen nach 13 Jahren endlich sozusagen fertig hat, ein schönes Leben . . ." Kind und Garten. Gedenket bei euren Gartenvlänen eurer Kinder! Nicht alle Gärten sind so groß. Kein „kinderbefitzender" Gartenfreund sollte seinen Jungen und Mädeln den Spielplatz, dies hygienisch und erziehlich fast unersetzliche Jugendparadies vorenthalten: eine allen Unternehmungen ber kleinen Gesellschaft freigegebene, sonnige, mit mtber- standsfähigem Dauerrasen bepflanzte Grünfläche, möglichst mit Turngeräten für die Großen, einem Sandkasten für die Kleinen und einem Planschbecken für alle zusammen. Ist solch eine Separat-Wildnisecke nicht zu ermöglichen, so muß man im Familiengarten schon einige Rücksicht auf die Wünsche und Bedürfnisse ber jungen Generation nehmen: bie Grünflächen nicht als empfinbliche, unbetretbare „Augenweide" gestalten, sonbern mit bestem Dauerrasen versehen zum Lagern unb Umherspielen freigeben — die Wege nicht von ungeschützten Rabatten umsäumt zur Streitquelle zwischen dem erwachsenen Pflanzenfreund und den jugendlichen Wildfängen werden lassen, sondern als „Schutzbedürftige" durch Steineinsassungen usw. isolieren ... ein Garten, in dem Kinder mitleben sollen, darf keine empfindliche Freiluft-„Gute Stube" fein, sondern muß eine behagliche, gebrauchsfeste Wohnstätte bilden. Man sollte aber den kleinen Gartenliebhabern durchaus nicht nur Rechte einräumen. Erst durch ein wohlabgewogenes Maß an Pflichten werden' sie sich im Garten so recht heimisch fühlen und ihn als ihnen mitgehörig lieben lernen. Nichts begeistert Kinder mehr, als beim Umgraben, Pflanzen, Säen und Ernten helfen zu dürfen. Mit ganz anderem Jntersse betrachten sie nachher alles, was ba blüht unb wachst, wenn sie tätig bazu beitragen durften, den Garten zu bestellen. Und mit ganz anderer Bereitwilligkeit und Pflichttreue werden sie ihren Kräften angepaßte, verantwortliche „Aemter" der Pflege, des Gießen, Jätens usw. übernehmen und versehen. Neben dieser Mithilfe aber sollte man jedem Kinde ein kleines Stückchen Land zu ganz freier Verfügung überlassen, auf dem es pflanzen und säen darf, was es will und wie es will — für dessen Bestellung und Pflege der kleine Gärtner ganz allein verantwortlich ist (wenn man ihn auch anfangs unmerklich ein wenig beraten und kontrollieren kann und muß). Solch ein „eigenes Beet" wird jedem ursprünglich empfindenden Kinde sehr bald zur größten Freude, zum Ausgangspunkt intensiver Naturverbundenheit und Pflanzenliebe. Schon die Auswahl der blühenden und grünenden Gewächse — das geheimnisvolle und überraschende Wunder Samentüte — die von Jahr zu Jahr planvoller und geordneter werdende „gartenarchitekto- niscke "Anlage begeistern den kleinen Gärtner. Gibt es bann gar erst etwas zu ernten: finbet er selbst etwas zum Schnabulieren ober kann er mit selbst- gezogenem Gemüse, eiaenerzeugten Blumensträußen aufwarten, Samen ober Stecklinge vom eigenen Schwämme und Kämme. Von Werner Lenz Das Arbeitsfeld ber deutschen Kautschukver- wertung ist außerordentlich weit gesteckt. Die Be- Deutung dieser Industrie für die Warenerzeugung, für Die Arbeitsbeschaffung unb für den Wirtschaftsau stausch ist fast unübersehbar. Die feste Verwurzelung der Deredelungsinbustrie eines ber unentbehrlichsten Einfuhrrohstoffe hat nicht einmal die liberalistisch-planlvse Mißwirtschaft früherer Tage gänzlich „zu Tode kurieren" können. Als der Liberalismus nämlich bem Speerftoße des national« fozialistifchen Deutschland erlag, war ber genannten Industrie dank ihrer Zähigkeit, ihrem Fleiße und ihrer Leistungsfähigkeit immer noch eine Ausfuhr im Werte von runb 100 Mill. Mark jährlich möglich geblieben. Durch bie neuerliche Wirtfchafts- belebung wird sich der Jnlanbverbrauch und die Ausfuhrmöglichkeit von Kautschukwaren weiterhin steigern. Wie verzweigt und bis ins kleinste lebenswichtig bie Gummi Warenerzeugung ist, lehren zwei kleine Beispiele. Sie lehren es um so anschaulicher, weil bekanntlich ber Umsatz kleiner, aber täglich millionenfach neuaefaufter Waren seiner Er- zeugerwirtschaft bie sicherste unb bauernbfte Hilfsstellung zu geben vermag. Es kann sich nicht jeder Volksgenosse ein Automobil mit mehreren Ersatz- bereifungen anschaffen, aber sicher braucht jeder Kulturmensch einen Schwamm, wenn nicht gar mehrere. Auch dieser schlichte Gegenstand kann im Inland von deutschen Herstellern in bester Beschaffenheit bezogen werben. Schwämme liefert uns bie Kautschukindustrie, bie — ohne alle Zursiche» unb Verkaufst»etriebe — unmittelbar 60 000 Arbeitskräfte beschäftigt. Schwämme waren früher eine ausschließliche Einfuhrware. Sie waren wegen ihrer Monopolstellung als ausländisches Naturpro- buft sehr teuer. Außer für bie menschliche Körperpflege benutzt man sie für bie Tierhaltung und für bie oerarbeitenbe Technik. Schwämme sind gereinigte und „entkalkte" Skelette einer niederen Seetiergattung, die besonders im Mittelmeere und an ben Gestoben ber Antillen „abgebaut" werben. Sie siedeln ähnlich wie die Korallenstöcke der Südsee auf bem Meeresboben. Ferner beliefert uns bie Levante mit ben Babeschwämmen verschiedener Güte. Da jedoch die Kautschukindustrie Deutschlands durch Herstellung eines porenreichen Gummiblockes im Vulkanisier kessel gut saugfähige und haltbare Schwämme auf ben Markt bringt, ist es uns ermöglicht, statt ber ausschließlichen Einfuhrware deutsche Erzeugnisse zu kaufen. Auch einen oder mehrere Kämme wird ein Kulturmensch nicht missen mögen. Als Gegenstück zum Schwamm aus Weichgummi bietet uns deutscher Wirtschaftsfleiß den Kamm aus Hartgummi. Früher stellte man biefes für Körperpflege und auch für Tierhaltung und Technik unentbehrliche Gebrauchsstück aus verschiedensten Naturstoffen her. Je nach Bestimmung, Geschmack unb Kaufkraft bestand ber Kamm aus Schildpatt, Horn, Elfenbein, Knochen, Edelholz, Metall. Zumeist also aus wertvollen Stossen, deren Gegenwert ins Ausland abgeführt wurde. Der Kautschuk, aus dem man — in Verbindung mit Schwefel — Hartgummi herstellt, ist zwar auch ein Einfuhrrohstoff. Aber abgesehen davon, baß er „kontingentierbar" ist, also Güterabnahmen durch bas Ausland erzwingen kann, spielt bas Kamm-Material bei ber ohnehin unentbehrlichen Kautschukmenge keine bemerkenswerte Rolle. Hin- aegen beschäftigt bie Kammerzeugung viele deutsche Arbeiter, z. B. in Berlin, Nürnberg-Fürth unb Harburg. Dasselbe gilt von ber Zelluloid in- dustrie, bie mit ihrer vielseitigen Ausfuhrerzeugung runb 65 Millionen Mark jährlich ins deutsche Land bringt. Wer also einen kleinen Struwelpeter zu Schwamm unb Kamm erziehen muß, wähle — wie überall und immerbar — deutsche Ware, deutsche Schwämme und Kämme. Dann erzieht er ihn gleich für Lebenszeit zur Nationalwirtschaft. Beet selbst auspflanzen oder verschenken, so fühlt er sich für seine redliche Mühe und fürsorgliche Pflegearbeit mit Stolz belohnt. Marein. Zehn Gebote für den (Sänqling im (Sommer. 1. Gib dem Säugling nie mehr als fünf Mahlzeiten am Tage. 2. Nähre dein Kind selber, solange es dir möglich ist- Deine Mühe macht sich durch eine kräftigere Gesundheit des Kleinen reichlich bezahlt. 3. Mußt du dein Kind mit Tiermilch ernähren, so gib ihm rohe, das heißt ungekochte Milch, die unter chemischer Kontrolle steht. Auf diese Weise wird der im Sommer so befürchtete Brechdurchfall deinen Säugling verschonen. 4. Laß Luft und Sonne an dein Kind! Bringe es viel ins Freie und belaste das kleine Körperchen nicht mit heißen Federbetten und Decken. Sorge auch dafür, daß es im Haufe immer frische Luft bekommt und niemals im Zugwinde steht. 5. Verschaffe deinem Kinde viel Ruhe. Es muß nicht immerfort bewundert und geküßt und herumgetragen werden, damit macht man es vorzeitig nervös. 6. Hüte dein Kind vor kranken Menschen. Auch wenn du selber krank bist, mußt du bas Opfer bringen und deine Zärtlichkeiten für später aufbewahren. 7. Wenn dein Kind irgendwie nicht in Ordnung ist, so kuriere nicht wild darauf los, sondern frage den Arzt. Er hat durch die Praxis ausreichende Erfahrung und weiß meist sofort, um was es sich handelt. 8. Laß deinem Kind während der Nacht völlige Ruhe. Die letzte Mahlzeit soll gegen Abend gegeben werden. Gewohnt man das Kleine daran, wird man keine Schwierigkeiten mit ihm haben. Es schadet gar nichts, wenn es die ersten Male schreit. 9. Denke nicht, wenn ein Kind schreit, muß es unbedingt krank sein. Schreien ist gesund und kräftigt die kleinen Lungen. Nur wenn es unnatürlich lange schreit, obwohl es satt und trocken ist, liegt Grund zur Besorgnis vor. 10. Wenn der Säugling ein halbes Jahr alt ist, so gewöhne ihn an Zusatznahrung und gib ihm Gemüse, Brei und Obst. Volksmissionarische Vorträge in sich. )( Lich, 11. Juni. Im Austrag des Volksmissionarischen Amts der Landeskirche Nassau-Hessen hielt Pfarrer Gründle r--Königsberg (Wetzlar) in unserer Kirche in dieser Woche drei Vorträge. Der erste dieser Vorträge behandelte die Frage „Völkische Religiosikät oder christlicher Golles- glaube". Einleitend stellte der Redner fest, daß unter völkischer Religiosität nicht die völkische Bewegung zu verstehen sei. Letztere, die unter Führung Adolf Hitlers wieder die ewigen Gottesordnungen eines Volkes (Blut, Boden, Raffe und Volk) zu Ehren gebracht habe, erkennen wir als Christen im Gehorsam gegen Gott und in Dankbarkeit gegen unseren Führer voll an. Im Kampf gegen die dämonischen Gewalten, die der völkischen Bewegung in den Weg treten, mußte zur völkischen Bewegung die religiöse Bewegtheit hinzukommen. Der Materialismus ist überwunden, aber die Menschen, die in seinem glaubenslosen Bannkreis lebten, suchen jetzt nach einer neuen inneren Heimat. Das deutsche Volk ist sich darin eins, daß wir Glauben brauchen, daß Religion keine Privatsache, sondern die Schicksalsfrage des Volkes ist. Es fragt sich: Was soll der neue Glaube sein? Eine neue Belebung des uns von den Vätern ererbten Christenglaubens oder eine neue nur noch völkisch und rassisch bestimmte Religion? Soll der Glaube sich gründen auf Gott und Jein Wort, oder soll es ein Glaube sein, den wir Deutsche uns selbst schaffen aus den Tiefen der deutschen Seele und aus unserem Blut? Wir wollen das tiefe, leidenschaftliche Gottsuchen anerkennen, uns alle eint das Suchen nach Gott und das Bekenntnis zum Dritten Reich. Diskussionen über Glaubensfragen sind wertlos. Glaube kann nur verkündigt und bezeugt und darum nur angenommen oder abgelehnt werden. Der Glaube kommt aus einer anderen Welt. Gott hat sich geoffenbart in seinem Wort und Sohn. Aber gerade diese werden von den Vertretern der völkischen Religion abgelehnt. Offenbarung Gottes ist für sie nur unser Blut, Volk und Rasse. Danach könnte sich jedes Volk den Glauben selbst machen, es gäbe also so vielerlei Glauben und Götter als es Rassen gibt. Dann ist Gott nur eine Idee, ein Erzeugnis menschlichen Denkens. Gewiß ist jede Religion rassisch bestimmt, aber über der Rasse steht der Schöpfer. Wir beugen uns nur vor einem Gott außer uns, der sich uns offenbart. Wenn man sich seinen Gott selbst macht, dann gibt es bei uns auch kein zwingendes Gesetz mehr, dann schwindet alle Sittlichkeit, dann sinken wir zurück in heidnische Trostlosigkeit, an der auch ein heroisches Sichabfinden mit dem Schicksal nichts ändert. Wir können gar nicht dankbar gejiug sein, daß wir einen Gott und Vater haben, an dessen Führung wir glauben. Christ sein, heißt aus Gott leben. Es ist die Schicksalsjrage unseres Volkes, daß Christentum und Deutschtum sich darin zusammenfinden, daß es heißt: deutsch sein heißt Christ sein. Der christliche Glaube, das ist meine völkische Religiosität! Im zweiten Vortrag sprach der Redner über das Thema „Der deutsche Christus". Nach Feststellung des bibilischen Tatbestandes, daß Jesus die eigentliche Gottesoffenbarung und nicht eine Lokaloffenbarung des jüdischen Volkes ist, behandelte der Vortragende die Einwände, die gegen Jesus gemacht werden: das Christentum fei nicht artgemäß, es fei an dem Unglück Deutschlands schuld, ehe es nicht verschwinde, könne es nicht besser werden (Prof. Bergmann). Die einen sagen Jesus sei Jude (Mathilde Ludendorff), die anderen er sei Arier. Man macht aus Jesus einen arischen Helden, man schaltet das Alte Testament aus und entfernt auch aus dem Neuen Testament viele Züge am Jefusbild. Das Wissen um die verschiedenen Stufen der Offenbarung in der Bibel gestattet uns jedoch nicht, an dem Bilde Jesu herumzuschneiden und uns ein Wunschbild zurechtzumachen. Ob es uns Deutschen gefällt oder nicht, es hat Gott aus den verschiedensten Gründen gefallen, seinen Sohn im Volk Israel Mensch werden zu lassen. Aber Jesus ist als Sohn Gottes auferstanden und als Herr über alle Völker von Gott gesetzt und gegen Himmel gefahren. In ihm Ist etwas in die Welt getreten, was seinen Ursprung jenseits aller irdischen und rassischen Zusammenhänge hat. Weil wir als deutsche Menschen Gott brauchen und ohne ihn nicht leben können, darum können wir auch auf Christus nicht verzichten. Jesus ist gottgemäß. Weil Jesus an keine Rasse gebunden ist, deshalb kann er jeder Art nahekommen. Bei ihm ist nicht Artgemäßheit, sondern Artvollendung. Er sagt uns nicht, was wir hören wollen, sondern was wir hören sollen und brauchen/ Was Jesus sagt, greift in unsere innerste Selbstsucht und stört unsere Art positiv. Christus sagt uns, was unserer Art nötig ist. Das Christentum ist die Religion gegen den Strich und fordert von uns die Entscheidung, ob wir es ablehnen mit der Begründung „artfremd", oder ob wir uns darunter beugen. Die Kirche soll gewiß in ihrer Verkündigung artfremde, undeutsche Art meiden, aber zeigen, daß für uns der biblische Christus auch der deutsche Christus ist. Mit Christus wird das dritte Reich unüberwindlich fein. Christus nicht deutsches Idealbild, sondern Gottes Sohn, für uns Mensch geworden, unser Herr, Erlöser und Vollender, Erfüller deutscher Art und Wesens, der deutsche Christus — Gottes Sohn — der Christus für die Deutschen. — lieber den dritten Vortrag werden wir noch berichten. ♦ Alsfeld, 12.Ium. Am vergangenen Montag fand wiederum eine Tagung der Kreisab- teilung Alsfeld des hessischen G e - meindetages unter dem Vorsitz von Bürgermeister Dr. Vö Ising statt, an der sämtliche Bürgermeister des Kreises Alsfeld, soweit sie nicht verhindert waren, teilnahmen. Das Kreisamt war durch Kreisdirektor Dr. Stammler, Assessor Seibert, sowie durch Derwaltungsinspektor D i p p e 11 vertreten. Als Referenten für die Tagung waren erschienen: Major a. D. Lindenau als Leiter der Meldestelle Gießen des freiwilligen Arbeitsdienstes, ferner Lehrer Schnell (Wernges) für das Referat über Naturschutz. Zu Beginn ter Tagung gedachte der Vorsitzende in ehrenden Worten des 3 5jährigen Dienst- Jubiläums des Bürgermeisters M e ß in Liederbach und überreichte tem Jubilar in anerkennenden Worten für fein langjähriges, verdienstvolles Wirken zum Segen der Gemeinde Liederbach im Auftrage des Deutschen Gemeindetages eine geschmackvoll ausgestattete Ehrenurkunde. Kreisdirektor Dr. Stammler gedachte ebenfalls des Jubilars in warm empfundenen Worten der Anerkennung für feine langjährige, vorbildliche Führung der Bürgermeistergeschäfte. Als erster Referent sprach Major a. D. Lindenau über Zweck und Bedeutung des Freiwilligen Arbeitsdienstes. So wie die Schule und früher die allgemeine Wehrpflicht die deutsche Jugend in vaterländischem Geiste erzogen, tritt heute, so führte er u. a. aus, ter freiwillige Arbeitsdienst hinzu. Seine große Aufgabe liege in der erzieherischen Wirkung zur Volksgemeinschaft. Auch der praktische Wert des Arbeitsdienstes fei äußerst wichtig. Er werde überall da ein gesetzt, w o große kulturelle Ziele und Auf« Der dritte Vortrag nahm zu ter Frage Stellung „Die deutsche evangelische Kirche und die dritte Konfession". Die deutsche Glaubensbewegung hat dem Christentum den Kampf angesagt, weil sie glaubt, das deutsche Volk müsse vom Christentum erlöst werden. Dieser Kampf muß jedoch nach Ansicht des Redners mit geistigen Waffen gekämpft werden, weil auf beiden Seiten Glaubensgenoffen und deutsche Volksgenossen stehen, die das Beste wollen, und weil gottsuchende Menschen miteinander ringen. Die DG. strebt nach staatlicher Anerkennung, deshalb ter Namen ,/dritte Konfession". Nach Professor Hauer will die DG. mithelfen, „daß das deutsche Volk, das in ter fremden Glaubenswelt des be- kenntnis- und kirchengebuntenen Christentums nie eine wirkliche Heimat gefunden hat, heimkomme zu feinem Eigenen". In der Forderung nach Glaubensfreiheit ist die Kirche mit ter DG. einig. Aber Anerkennung als öffentliche Religionsgemeinschaft, das bedeutet eigenen Religionsunterricht, Einrichtung von eigenen Universitätslehrstühlen für germanisch-deutsche Glaubenskunde und Bildung von Gemeinden. Dann würde die christliche Kirche zugeben, daß es nicht mehr eine Wahrheit, sondern viele Wahrheiten gebe, über die man diskutieren könnte. Im Wesen des christlichen Glaubens liege es aber, daß es nur eine Wahrheit geben kann. Gott braucht zur Verkündigung feiner Ehre auf Erden die Kirche, darum gilt es in der Kirche zu stehen, darin männlicher zu werden. Gott wird siegen und wir werden mitsiegen, wenn wir uns fest an sein Wort halten... Die drei Vorträge fanden leider keine so große Zuhörerschaft, wie sie es verdient hätten, aber mit steigender Aufmerksamkeit folgten die erschienenen Gemeindeglieter den Ausführungen des Redners. gaben des Staates und der Gemeinden in Frage kommen. Er erläuterte die hauptsächlichsten Aufgabengebiete des freiwilligen Arbeitsdienstes. Der Redner wies mit Deutlichkeit daraus hin, daß der freiwillige Arbeitsdienst keine militärische Vorbereitung sei, allerdings würden die jungen Leute zur Disziplin und Ordnung erzogen. Der Redner erläuterte ferner die Bestimmungen über die Einstellung zum freiwilligen Arbeitsdienst. Die Arbeilsämler werten künftig niemand mehr einstellen, der nicht im Besitze eines Arbeite- pasfes sei über eine mindestens sechsmonatige erfolgreiche Betätigung in einem Arbeitslager. Der Redner gab sodann die einzelnen Meldebestimmungen bekannt. Er schloß mit der Aufforderung an die Bürgermeister, sich tatkräftig für d i e Förderung des freiwilligen Arbeitsdienste's einzusetzen. Hierauf folgte das Referat von Lehrer Schnell- Wernges über „Förderung des Naturschutzes durch die Gemeinden." Der Redner verstand es in feinem äußerst interessanten Vortrag ein lebendiges Bild von den hohen ideellen Werten des Naturschutzes zu geben. Es fei allerdings nicht zu bestreiten, daß ein gewisser Gegensatz zwischen Kultur und Natur bestehe. Der Städter sieht nur die Kultur, der Bauer beurteilt die Natur nur nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Man dürfe aber den Nützlichkeitsstandpunkt bei allen Kulturmaßnahmen nicht ausschließlich betonen, andernfalls fei die Folge eine Verödung und Störung der Harmonie der Natur, wobei er an einzelnen Beispielen nachwies, daß diese Störung sich auch schädlich für die Menschen auswirken müsse. Der Naturschutz wolle in dem Menschen das G e - fühl der Boden st ändigkeit stärken und KommunalpvlUche Tagung in Alsfeld. damit die, für uns heute so wichtige Bearfffe, Dluk und Boden fördern, denen wir unsere raffenförmige Formung verdanken. Der deutsche Boden sei hei. liges Land. Es sei die Aufgabe des Naturschutzes, die sittlichen Kräfte aus der Natur zu wecken, um Gemütswerte zu schaffen. Der Sinn für die Natur sei ein wichtiges Mittel zur Eindämmung der Land, flucht. Der Redner erläuterte sodann auf Grund des Naturschutzgesetzes vom Oktober 1931 die Haupt, sächlichsten Aufgabengebiete des Naturschutzes und die Maßnahmen zu deren Durchführung. Natur, schütz sei Dienst am Vaterland und habe neben dem Nützlichkeitsstandpunkt feine Berechtigung. Der Redner sand mit seinen, von einer hohen Auffassung Zeugnis ablegenden Ausführungen, lebhaften Beifall. Hierauf erstattete der Vorsitzende Bericht über die kürzlich in Mainz ffaffgefunbene Schulungstagung der kreisableilungsvorstände des hessischen Gemeindetages, in der alle wichtigen, gegenwärtigen Verwaltungs. aufgaben der Gemeinden eingehend erörtert wor» den waren. . Anschließend hieran fand eine Aussprache über laufende 23 e r m a 11 u n g s a n g e ■ legenheiten statt, in deren Verlauf von feiten des Kreisamts verschiedene wichtige Ausschreiben des Ministeriums zur Kenntnis gebracht wurden. Am Schluffe der Tagung wandte sich der Dor« fitzende in scharfen Worten gegen die Miesmacher und Nörgler und forderte die Bürgermeister auf, in ihren Gemeinden mit allem Nachdruck derartigen Bestrebungen entgegenzutreten. Mit dem Ge. löbnis zur unwandelbaren Treue und Gefolgschaft für unseren Führer Adolf Hitler und mit einem begeistert aufgenommenen „Sieg-Heil" schloß der Vorsitzende die anregend verlaufene Tagung. Preußen. Kreis Wetzlar. * Rodheirn a. d. Bieber, 12. Juni. Arn Sonntag hielt die Ortsgruppe Rod heim a. d. B. des Kyffhäuserbundes im Benderschen Saale eine Versammlung ab. Kamerad Führer Müssener eröffnete die Tagung. Als 1. Punkt der Tagesordnung wurde die Teilnahme an der Feier des 50jährigen Bestehens des Nachbarvereins Waldgirmes am nächsten Sonntag besprochen. Allen Kameraden, die sich an dem Marsche nach Waldgirmes nicht beteiligen können, wurde zur Pflicht gemacht, an den hier ftattfintenten Sportwettkämpfen der SA. teilzunehmen. Zur Verhandlung kommt alsdann die Teilnahme an der Tagung in Kassel, zu der sich 24 Teilnehmer verpflichteten. In feierlicher Weife erfolgte sodann die Ernennung der Kameraden Ludwig Christ und Jakob Ben- der von Rodheim zu Ehrenmitgliedern für ihre über 40 Jahre hinaus der Kriegervereinsfache er- wiefene Treue. Bestimmt wurde ferner, daß das Uebungsschießen der Schützengruppen künftig vor- mittags stattfinden soll. Neuerlich ist ein bewährter alter Brauch des Bundes, das sog. „Fechtwesen" wieder aufgelebt, einer Sammeltätigkeit für die Krie« gerwaisenhäuser des Kyffhäuserbundes. Als „Fechtmeister" wurde Kam. Hofmann II. bestimmt, ter seine Tätigkeit sofort beginnt. Als nächster Punkt der Tagesordnung folgten Mitteilungen des 23er- einsführers über die Verpflichtungen der Kameraden, die in die SAR. II eingegliedert sind und je einen Beitrag von 50 Pf. für das 2. Quartal und 50 Pf. für den Ausweis erbringen müssen. Austritte aus der SAR. II können nur nach besonderer Antragstellung unter Darlegung der Gründe eingeleitet werden. Der Vereinsführer schloß die Versammlung mit einem dreifachen Sieg-Heil auf den Reichspräsidenten und auf den Reichskanzler. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschloffen. DrltteAei-b' DAS PRACHTALBUM IM GROSSEN BUCHFORMAT der neuen BHdersammlung:„WerführtdasDritte Reich? ist in Halbleinen gebunden und enthält25O Biographien der führenden Männer des Dritten Reiches. Es kostet / nur RM 1.- und stellt ein Standardwerk dar, wie / man es nicht zum zweiten Male wiederfindet. / Die Zigarette, bei der man bleibt. Statt Karten! Ihre Vermählung geben bekannt Dr.jur. Larl Kinzenbach,Rechtsanwalt Lilly Kinzenbach,geb.Steinhetmer 13.3unil934 Gießen Neu-Isenburg (Diezstraße 8) (Hinbenburgstraße 33) Bekanntmachung Der gemäß § 13 Abs. 2 der Verordnung über Finanzstatistik vom 28. Februar 1931 (RGBl. I S. 32) zu veröffentlichende Halbjahresausweis über die Einnahmen und Ausgaben der Stadt Gießen für das U. Halbjahr 1933 wird in der Zeit vom 13. bis 27. Juni 1934 an den für amtliche Bekanntmachungen bestimmten Anschlagtafeln zur allgemeinen Kenntnis gebracht. 3538C Gießen, den 11. Juni 1934. Bürgermeisterei Gießen. Ritter, Oberbürgermeister. | Empfehlungen Ihre Geschäfts- Drucksachen stellen dleVerblndung her zu Ihren Erzeugnissen.Man stellt sich die Beschaffenheit Ihrer Waren so vor, wie man Briefbogen, Brief Umschläge, Postkarten, Rechnungen, Qeschäftekarten Ihres Hauses beurteilt. Legen Sie deshalb Wert auf gepflegte Drucksachen 1 Wir bieten sie Ihnen preiswert I Brühl’sche Druckerei Schulstr. 7, Ruf 2261 llllllllllllllllllllllllllllll Tanncnsiigemehl z. Streuen kann laufend kostenlos abgeholt werden Anmachholz im Sommer bin. Bestell, v Postk. Damvfsägewerk Lollar B. Nuhn, A.-G. in Lollar, llllllllllllllllllllllllllllll IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIMW IIIIIIIIlllI!Illl!«lllillllIIMlllI!!!II!IIlI!IlllIII«!I!IIIllllllllllilllIllll!!lllllll!!!lI!IIIllIIll!illlllI!IIIllllllll NGBO — Studentenschaft Einladung zur gemeinsamen Kundgebung derNSBO. und Siundenienschast am Freitag, dem45.Zuni d. 3., abends 8.15 Uhr, in der Liebigshöhe. (§6 werden sprechen: 35330 pg. Demmer Frankfurt am Main, Gaubeiriebszellenleiier, und pg. von Graeve-Gießen, Hochschulgruppenführer d. NSOStÄ. Oie Musik wird ausgeführt von der SA-Kapelle ZR/116 Anfang pünktlich! Eintritt 20 Pfennig! 111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111 llllllllllllllllllllllllllllll^ Vevstersevtrus Donnerstag, den 14. d. Mts, nachmittags 14 Uhr Pünktlich und bestimmt, versteigere ich in meinem Lager Asterweg 16: 3 Büro - Schreibtische, Sessel, Stühle, ISchreibmaschine (Continental),Schreibmaschinentisch, IPartie Schreibutensilien u.v.a. Empfehle mich für Hausverwalt., Nachlaß - Regulierungen usw. Uebernahme von Taxationen und Versteigerungen leglicher Art L.Ätthoff Walltorstraße 16 Gerichtlich beeidigter Taxator für den Landgerichtsbezirk der Provinz Oberhessen 35360 werden, wenn alles versagte, durch Stlrte B beseitigt VCTULS Preis RM 1 60, 2 75 Gegen Picket Mitesser Stärke A Ärztlich empfohlen. 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Brosch. RM. 3.—, gebunden RM. 4.—. Die deutsche Landschaft. Von E. L. Schellenberg. Br. RM. 2.-, geb. RM.3 -. Zu beziehen durch jede Buchhandlung! Hugo Bermdhler Verlag Berlln-Llchterfelde Ift. 1'5 Drittes Blatt __Gletzener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen)Mittwoch, 13. ZuniM4 S.Jtxfporl r(5ud)e nach dem unbekannten Schwimmer." Die Ausschreibung. Zum Zwecke der „Suche nach dem unbekannten Schwimmer" werden im Rahmen der Reichs- Schwimmwoche 1934 am Mittwoch, 20. Juni 1934, 17.30 Uhr, in der offenen Lahn Langstreckenschwimmen durchgeführt. Folgende Wettkämpfe sind vorgesehen: Herren-Klasse A und B, 1000 Meter- a) Jahrgänge 1920 bis 1918, b) Jahrgänge 1917 bis 1916, c) Jahrgänge 1915 bis 1904, d) Jahr- gange 1903 und älter. Damen - Klasse A und B, 1000 Meter- a) Jahrgänge 1921 bis 1917, b) Jahrgänge 1916 bis 1915, c) Jahrgänge 1914 bis 1903, d) Jahr- gange 1902 und älter. Die Durchführung der Wettkämpfe haben die Vereine des Deutschen Schwimm-Verbandes und der Deutschen Turnerschaft übernommen. Das Schwimmen ist offen für alle deutschen Volksge- nossen und wird durchgeführt nach zwei Klassen: Klasse A für Mitglieder von schwimmsporttreibenden Vereinen, Klasse B für alle übrigen deutschen Volksgenossen. Meldungen zu dieser Veranstaltung sind bis spätestens Montag, 18. Juni, 20 Uhr, in geschlossenem Umschlag (mit der Aufschrift „Meldung" ver- sehen) an die Müllersche Badeanstalt, Lahnstraße, zu Händen des Herrn Pascoe zu senden. Die Meldungen haben zu enthalten: Dor- und Zuname, Geburtsdatum und eventuell Verein oder Formation. Die Meldeeröffnung erfolgt am gleichen Tage, 20 Uhr, in der Müllerfchen Badeanstalt. Jeder Teilnehmer bekommt eine Startnummer zugeteilt. Diese ist sichtbar auf einer Startmütze zu tragen. Als Preise werden für jede Klasse und jeden Jahrgang Diplome der Reichs-Schwimmwoche gegeben. Die Strecke ist etwa 1000 Meter lang, mit leichtem Strom. Der (fliegende) Start ist an der Militär- Badeanstalt mit entsprechenden Abständen für jede Klasse. Ziel: Gießener Ruder-Gesellschaft. Ein Startgeld wird nicht erhoben. Für die Teilnehmer wird Auskleide-Gelegenheit am Zielplatz geboten. Um 17.30 Uhr werden die Schwimmer durch Boote zum Startplatz gebracht. Gießen, den 7. Juni 1934. Technischer Ausschuß der Reichs-Schwimmwoche 1934 in Gießen. Gez.: F. Pascoe. Gez.: Fr. Sauer. Zuverlässigkeitsfahrt nach Wildüngen. Am vergangenen Sonntag führte der DDAC. Gau 3 gemeinsam mit der NSKK.-Gruppenstaffel Hessen als Gaupflichtveranstaltung eine Zuverlässigkeits- und Orientierungsfahrt für Krafträder und Autos nach Bad Wildungen durch. Bei der Zuverlässigkeitsfghrt mußten trotz hoher Durchschnittsgeschwindigkeiten (bis zu 60 Kilometer) die Derkehrsvorschriften eingehalten werden. Die Hälfte der Teilnehmer blieb strafpunktfrei. Wesentlich schwerer war die Orientierungsfahrt. Fünf Kontrollpunkte zu beiden Seiten der Edertalsperre waren in der kürzesten Zeit zu berühren, was nur auf großen Umwegen oder über Straßen dritter Ordnung möglich war. Strafpunktfrei blieben insgesamt fünf Teilnehmer und zwar: Gruppe I: 50 Stdkm. (Krafträder bis 350 ccm Seitenwagen bis 600 ccm, Wagen bis 1200 ccm): E Ragel (Grebenau), E Pillardy (Kassel W.), A. Sack (Heuchelheim). G r u p p e III: 60 Stdkm. (Wagen über 2000 ccm): A. Otterbein (Schlitz), Hauptmann Schmitz (Kassel-Niederzwehren) ErfolgreicherTumierschlußin Warschau Deutschland die beste Jlafion. r far die deutschen Farben erfolgreichen Abschluß nahm am Montag das Internationale Reitturnier in Warschau. Die deutschen Reiter kamen zu ihrem 7. Siege und schnitten damit unter allen Na- honen weitaus am erfolgreichsten ab. Polen und Frankreich folgten erst mit je drei Siegen an zwei- ter Stelle, während die Tschechoslowakei nur einen ersten Preis davontrug. Die vorletzte Prüfung, der Sieger-Preis, brachte wieder einen deutschen Sieg. Für den Wettbewerb waren 18 Hindernisse in einer recht niedrig bemessenen Höchstzeit zu nehmen. Unter 15 Bewer- bern belegte Oberleutnant Brandt auf Baron IV mit 5,25 Fehlern (darunter 1,25 Zeitfehler) den ersten Platz. Auf den nächsten Plätzen endeten Ecu» yere unter Leutnant Gudin de Vallerin mit 7,25 F. und Wilcone unter Leutnant de Bardia mit 9,25 F. also zwei Franzosen. Die beiden weiteren deutschen Teilnehmer fielen unplaciert aus. Axel H o l st auf Sachsenwald scheiterte am Graben und auch Ober- leutnant M o m m unter Benno konnte den Kurs nicht beenden. Den abschließenden Abschieds-Preis, ein Trostspringen, sah von den acht Deutschen nur Raub- ritter unter Oberleutnant E. Hasse, Bianca unter A. H o l st und Chef unter Oberleutnant Brandt auf den 11. bis 13. Platz, während die übrigen deutschen Reiter unplaciert blieben. Sieger dieser Prüfung wurde der Pole Rittmeister Bicinski auf Nie- podzianski. Sportabteilung des Tv. Wieseck Wieseck Jugend — Aßlar Jugend 3:2. Bor dem Spiele der ersten Mannschaften standen sich die Jugendlichen beider Vereine gegenüber. Aßlars körperlich kräftigere Mannschaft, ergänzt durch einige Spieler der 2. Mannschaft, hatte nur zehn Mann der Platzbesitzer gegenüberstehen. Trotzdem zeigte Wieseck das bessere Spiel und führte bei Halbzeit mit 2:0. In der zweiten Spielhälfte schafften dann die Gäste den Ausgleich. Obwohl Wieseck nur noch mit neun Mann spielte, erzielte es doch den Siegestreffer, um so mit 3:2 Toren sicherer Sieger zu bleiben. wieseck II — Aßlar II 3:0. Den Beginn der Spiele machten die zweiten Mannschaften beider Vereine. Aßlar vollständig, Wieseck mit nur zehn Mann, lieferten sich wohl ein flottes, aber zusammenhangloses Spiel. Die Gäste versuchten mit schnellen Durchbrüchen zu Erfolgen zu kommen, scheiterten jedoch an der guten Abwehr der Gastgeber. Wieseck übernahm schließlich die Führung. Mit 1:0 wurden die Seiten gewechselt. Obwohl die Gäste nach dem Wechsel mit einer neuen Kraft auf dem Felde erschienen, reichte es nicht zu Erfolgen. Wieseck dagegen erhöhte auf 3:0. Fieserer stellt die Kunstflüge ein. Der Kunstflugweltmeister Gerhard F i e s e l e r, der am Sonntag in Paris die Weltmeisterschaft errungen hat und Montag abend in Kassel eingetrof- fen ist, gewährte einem Vertreter der „BZ. am Mittag" eine Unterredung. „Als ich," so sagte er u. a., „vor längerer Zeit die französische Ausschreibung in die Hand bekam, erkannte ich sofort, daß 1 die Bedingungen in erster Linie auf die von den Franzosen gemeldeten Maschinen zugeschnitten waren. Ich stellte daher mein Kürprogramm um, indem ich die mit niedriger Punktwertung ausge- statteten schwierigen Figuren wegließ und mich auf die von den Franzosen und Italienern bevorzugten Figuren konzentrierte. Achgelis' und mein Abschneiden in dieser starken Konkurrenz wiegt umso höher, als unsere Gegner zum Teil extra für diesen Wettbewerb hergestellte Maschinen an den Start brachten, während wir beide unsere seit langer Zeit unveränderten Maschinen flogen. Mein vor zwei Jahren in eigener Werkstatt hergestellter „Tiger" hat sich wiederum ausgezeichnet bewährt, o daß eine Abordnung schweizerischer Militärflie- jer mir mitteilte, die Schweiz wolle Maschinen die- es Typs serienweise bei mir bestellen. Das und die anderen Aufgaben, die meinem Kasseler Werk gestellt sind, hat meinen Aktschluß reifen lassen, künftig an keinem Kunstflugwettbewerb teilzunehmen. Meine ganze Arbeitskraft gehört von jetzt ab meinem Kasseler Werk. Zu dem Wettbewerb in Vincennes möchte ich noch sagen, daß ich mich über die Loyalität und Sachlichkeit der internationalen Jury aufrichtia gefreut habe: desgleichen über die Haltung des französischen Publikums, das, obwohl es meinen Kameraden Detroyat gern als Sieger gesehen hätte, nichtsdestoweniger meinem Siege mit stürmischer Begeisterung applaudierte." Vor dem Gnbfampf um die Schach-Weltmeisterschast. Weltmeister Dr. A l j e ch i n (rechts) und sein Herausforderer B o g o l j u • bow während der ersten Partie der Schachwettkämpfe in Berlin, die die Entscheidung bringen sollen. Der Kampf steht zur Zeit 15:10 für den Russen Aljechin. 5 * . # r-, 1 MA Die Siegerehrung bei der Welimeisterschasi. Die drei Siegermannschaften (von links nach rechts) Italiens, der Tschechoslowakei und Deutschlands bei der Ehrung durch Mussolini. Deutschlands Fußballmannschaft wieder daheim. (Empfang in Singen a. fj. Die deutsche Fußballexpedition, die so ehrenvoll bei der Weltmeisterschaft in Italien abgeschnitten hatte, traf am Montag, 17.30 Uhr, in Singen ein, wo ihr ein b e g e i st e r t e r Empfang zuteil wurde. Gauführer Linnenbach überreichte einen Lorbeerkranz. Beim Begrüßungsabend verlas Linnenbach nach einer kurzen Ansprache des Bürgermeisters von Singen ein Schreiben des Reichssportführers von Tschammer und Osten, der der Mannschaft seine Anerkennung und Glückwünsche aussprach. Glückwünsche übermittelte Linnenbach auch im Namen des Svortbeauftragten des Gaues Baden, Ministerialrat Kraft. Die Rede schloß mit einem „Sieg-Heil!" auf das deutsche Vaterland, den deutschen Sport und den Reichssportführer. Zum Schluß dankte Bundesführer Linnemann der deutschen Mannschaft und seinen Mitarbeitern. Er hob weiter hervor, daß sich die deutsche Mann- schäft großes Ansehen in Italien erworben habe. Der Duce habe ihr einen Pokal und eine goldene Medaille überreicht. Hierauf überreichte Linnemann jedem Spieler ein Bild des Reichssportführers und das Goldene Ehrenkreuz des deutschen Sports. Was mein einslwar... Vornan von Klothilde von Stegmann Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag Halle (S.) 3 Fortietzung Nachdruck oerboten! Seit fein Vater zu bibliographischen Forschungen für ein Jahr aus Deutschland hierhergekommen, seit er auf Swaneboe in der Schloßbibliothek arbeitete, kannte Malte Edele von Glyn. Eine Jugendfreund- schaft war zwischen den beiden jungen Menschen ent- standen, die von Maltes Seite aus immer tiefer geworden. Seine Freundschaft würde bleiben, mochte auch Edele im Zorn törichte Worte gesprochen und sich so weit — bis zu einem Schlage — vergessen haben. Einmal würde sie ihm das abbitten, einmal, wenn sie seine Frau geworden war. Noch lange lag Malte Blomberg wachend in der dunklen Winternacht und träumte davon, daß er erwachsen märe, reich und mächtig, und Edele als seine Frau heimführte. Voll Zorn und Wut war Edele nach der Trennung von Malte zum Gasthaus von Holgersen hin- untergelaufen. Von der Kirche schlug es schon sechs Uhr. Kersten mochte in schöner Ängst warten. Und der Vater würde auch schon lange fertig sein mit feinen Geschäften. Das war ein verdorbener Nachmittag. Und wie hatte sie sich nuf ihn gefreut! Wie auf Malte gefreut, den sie seit Tagen nicht gesehen hatte, seitdem die beiden Väter das unverständliche Verbot ausgesprochen! Aber auch sie wollte ihn nun nicht mehr sehen. Sie haßte ihn. Haßte sie ihn wirklich? Aber wie traurig hatte er ausgefehen, wie er- da im Schnee fniete und sich bemühte, das Spielwerk in Ordnung zu bringen, das dieser unangenehme neue Freund des Vaters ihr geschenkt. Ja Malte hatte recht. Eigentlich war dieser Herr von Liewen ein schrecklicher Mensch. Sie mochte ihn nicht mit feinem eigentümlichen Lächeln, von dem man nicht wühle, ob es freundlich oder drohend ge meint war. Vielleicht hatte te w^lich dos Geschenk nicht von ihm annehmen fallen? Malte h° e wieder einmal recht - wi« immer!? Und nun hotte 'e hn gekränkt und war davon gelaufen und hatte ihn allein gelassen! All ihr Zorn verflog, wenn sie an seinen Gesichts- ausdruck dachte. Heiße Reue kam m ihr kleines, trotziges Mädchenherz. Am liebsten wäre sie zurück- gelaufen und hätte Malte getröstet. Aber nun war C9(5d)on hatte Kersten sie gesehen Gerabe wollte er jammernd auf sie zukommen, da hielter erschrocken inne. Aus dem Gasthaus über die Straße kam der Vater, kam Herr von Glyn mit einem finsteren und verzweifelten Gesicht. Wortlos winkte er Edele, sich in den Schlitten zu setzen, und rief dem Kutscher zu: „Losfahren!". Dann setzte er sich in eine Ecke des Schlittens und schloß die Augen Sein Gesicht sah ganz verfallen und verstört aus. Mit einem scheuen Blick auf den Baron und einem mitleidigen auf die kleine Edele, kletterte Kersten auf den Bock, sah sich noch einmal um, ob Edele auch warm eingepackt war; aber sie hatte sich, ganz erschreckt über des Vaters finsteres Gesicht, tief in ihre Bärendecke gekuschelt und saß ganz still und kleinlaut da. Mit einem leisen Aufseufzen ergriff Kersten die Zügel, und bald sauste der Schlitten mit fröhlichem Schellengeläut durch die Straßen der Stadt und hinaus auf die nächtliche stille Chaussee, die im Weiß des reinen Schnees alänzte Edele lag schon lange in ihrem rosafarbenen Himmelbett. Das ganze Haus war still geworden, nur in der Küche hockte die Dienerschaft beieinander und sprach von dem kommenden Weihnachtsfest. „Mager genug wird es diesmal werden", sagte die Wirtschafterin, eine blonde, dralle Person mit flinke Augen. „Es pfeifen ja schon die Spatzen von den Dächern, daß hier nichts mehr zu holen ist. Unseren Lohn haben wir auch noch nicht bekommen. Wenn's nicht vor Weihnachten gewesen wäre, hält' ich schon gekündigt " „Das hätten Sie auch ruhig tun sollen, Mamsell!" klang aus der Ecke die Stimme des alten Kersten. „Sie passen auch nicht hierher; hier auf Schloß Swanboe ist es nicht Sitte, über die Herrschaft zu klatschen." „Du mein je", versetzte die Mamsell schnippisch, „tun Sie doch nicht so vornehm, Kersten! Die Herrschaft?, daß ich nicht lache! Schöne Herrschaft, die ihr Geld im Spiel verdient oder verliert. Na — hab' ich vielleicht nicht recht?" fügte sie schnippisch hinzu, als der alte Kersten auffahren wollte. „Denken Sie, ich habe keine Augen im Kopfe, und die anderen auch nicht? Der feine Herr von Liewen kommt doch nicht umsonst jetzt immer hier herum- schnüffeln: er weiß genau, daß der Baron es nicht lange mehr macht, und daß er selbst bald der Herr auf Swanebloe sein wird. Na — mir kann's egal sein, vielleicht wird dann das Leben hier ein wenig luftiger, Gäste und Trinkgelder und so. Neugierig bin ich nur, was aus der Prinzessin Habenichts wird, aus der kleinen hochnäsigen —" Aber sie konnte nicht weitersprechen. Der alte Kersten stand vor ihr: seine müde, zusammengesunkene Altmän- nergestalt richtete sich plötzlich, wie von ungeahnter Kraft erfüllt, auf. „Schweigen Sie, Mamsell!" grollte seine Stimme. „Sonst, so'wahr ich Kersten heiße, vergreife ich mich an Ihnen, wenn nur ein einziges böses Wort über Fräulein Edele von Ihren Lippen kommt. Haben Sie denn fein Herz im Leibe, daß Sie das Schicksal dieses unschuldigen Kindes nicht dauert?" „Da hat der alte Kersten recht!" tönte es von der Bank, wo die anderen Diener saßen. „Fräulein Edele ist zwar manchmal hochmütig, aber was kann sie dafür? Das ist ja auch keine Erziehung mehr, seit die Gnädige tot ist — und das Kind kann einem wirklich leid tun." Mit trotzigem Gesicht zuckte die junge Mamsell die Achseln „Laßt euch mit eurer Bettelherrschaft einpökeln", schrie sie wütend, „ihr werdet ja sehen, wohin ihr kommt. Mir soll's egal sein, ich finde jeden Tag eine Stelle." Sie schwieg, denn von draußen klang das Hupen eines Wagens. „Aha?" sagte die Mamsell mit häßlichem Lachen. „Das ist der Herr von Liewen. Na — bald wird er ja auch Ihr Herr sein, Kersten, wenn Sie ihm noch genügen! Sie sind schon alt, ich aber", sie sah eitel an sich und ihrer drallen Gestalt hinunter, „ich werde ihm vielleicht genügen." Mit einem Ausdruck unverhüllten Ekels ging der alte Kersten an ihr vorbei und in die Halle, um zu öffnen Baron Glyn fuhr aus tiefem Brüten auf, als es klopfte. Er erschrak, als er die hohe, elegante Gestalt mit den spähenden Augen ins Zimmer hereinschauen sah. Kaum, daß er es fertig brachte, sich zu erheben und seinem späten Gast entgegenzugehen. Der schien aber nichts zu merken ober merken zu wollen von der Abwehr des Barons. „'n Abend, Baron", sagte er unbefangen, „ich bin noch einmal im Gasthof von Swerdrup gewesen, dachte Sie noch anzutreffen. Aber Sie waren schon auf und davon. Und da bin ich Ihnen nachgefahren, damit wir unsere Angelegenheiten ordnen können." Ohne zu fragen, zog er sich einen Sessel näher an das Kaminfeuer, goß sich aus der auf dem niedrigen Tisch stehenden Kristallflasche einen Kognak ein. „Sie auch einen, Baron?" fragte er, als wäre er hier zu Hause. „Ein guter Kognak! Haben Sie noch mehr von dieser Sorte im Keller, wenn ich fragen darf?" „Für ein paar Monate wird's für Sie schon langen!" gab der Baron mit einem höhnischen Ton in der Stimme zur Antwort. „Das meinten Sie doch mit Ihrer Frage?" Der andere blickte kurz auf: „Sie sind verstimmt, mein Bester, und lassen es mich entgelten, obwohl ich wirklich doch nichts dafür kann. Habe i ch immer weiterspielen wollen — oder Sie? Habe ich nicht ehrlich gewonnen?" Lauernd sah er auf das verstörte Gesicht des Barons und fuhr, als der schwieg, fort: „Na ja, schließlich kann ich es Ihnen ja nicht verdenken, daß Sie sich nicht in der besten Stimmung befinden. Keine Kleinigkeit, die Sie mir schuldig sind: ich habe es eben während der Autofahrt ausgerechnet. Wollen Sie die Summe wissen?" Mit rauher Stimme erwiderte der Baron: „Ich will sie gar nicht wissen — was kommt es auf zehntausend Kronen mehr oder weniger an?! — Ich kann weder hunderttausend Kronen noch fünf- hunderttausend Kronen bezahlen. Das wissen Sie so genau wie ich." Er schwieg und sah starr vor sich hin. Liewen schwieg eine Weile. Triumph und Grausamkeit lagen auf seinen Zügen. Aber seine Stimme klang teilnahmsvoll, als er nach einer Weile sagte: „Also haben Sie in der Stadt fein Geld auftreiben können? Auch keine Bürgschaft?" Der andere lachte bitter auf: „Bürgschaft? Geld? Nichts, nichts!" „So hat Sie auch Blomberg, der Jugendfreund Ihrer verstorbenen Gattin, im Stich gelassen? Oder waren Sie gar nicht mehr bei ihm, seitdem er Ihnen oor einer Woche den Korb gegeben hat?" "Meinen Sie, ich versuchte es zum zweiten Male? Ein wenig Ehrgefiihl habe ich mir doch noch er- halten!", gab der Baraon grimmig zur Antwort. „Unb übrigens kann ich es Blomberg nicht verdenken — wer wird denn in ein hohles Faß schöpfen?! Er hat mir schon ein paarmal geholfen — schließlich muß der Mann auch an sich und seinen Sohn denken. Mit mir ist es aus —", und er vergrub fein Gesicht wieder in den zuckenden Händen. Der andere betrachtete ihn eine Weile, dann zündete er sich eine Zigarette an, deren Duft er mit Wohlbehagen einfeig. „Unb wenn es boch noch eine Rettung für Sie gäbe, Baron?" fragte er plötzlich in das Schweigen. hinein. „Wenn sogar i ch eine Rettung für Sie wüßte?" Der verzweifelte Mann fuhr aus seinem Brüten auf: „Sie eine Rettung für mich? Der Sie mich ganz in der Hand haben? Eher würde der Teufel mich retten als Sie, Liewen!" Ein häßliches Lächeln glomm in den Augen Siemens. „Sie haben ja von jeher keine gute Meinung von mir gehabt, Baron! Aber damit Sie sehen, wie unrecht Sie mir tun: Ich bin bereit, mit der Ein- löfung Ihrer Verbindlichkeiten eine Reihe von Jahren zu warten — sagen wir zehn Jahre. Ich bin bereit, Sie, als wären Sie noch immer der Herr auf Swanebloe, hier wohnen zu lassen, unter einer einzigen Bedingung —" Er vollendete nicht. Der Baron war aufgesprungen unb rüttelte ben sprechenben Mann an ben Schultern: „Unter welcher Bebingung, Liewen? Sprechen Sie! Um ber Barmherzigkeit willen —" „Unter ber Bebingung, baß Sie mir Ihre Tochter Edele, wenn sie siebzehn Jahre alt ist, zur Frau versprechen!" (Fortsetzung folgt.) Das 1. Kreislumfest in Großen-Lnden. Begrüßung tonte, daß jeder als guter Kamerad zu achten sei, der treu und ehrlich mit Adolf Hitler für wahre Volksgemeinschaft kämpfe. Er wünschte dem Turnfeste guten Verlauf und besten Erfolg. Dr. Römer übergab darauf das Fest an den Kreis, dem Kreisführer Karl Daupert (Wieseck). Dieser dankte allen Redyern für die freundlichen Begrüßungsworte und zeigte sehr eindrucksvoll den hohen Wert der Turnerarbeit für unser deutsches Oer Zesiverlauf. Das 1. Kreisturnfest im neuen D T. - K r e i s Saarkundgebung, bei der der erste Vertreter des früheren Turnkreises Mittelrhein, Artur Pfeiffer, (Wetzlar) eine tiefempfundene Ansprache hielt. Im Anschluß daran sang die zu tausenden zählende große Versammlung das Lied: „Deutsch ist die Saar!" Gauoberturnwart Paul überbrachte die Grüße des Gaues Nordhessen. In packenden Worten erinnerte der Redner an die aufbauende Arbeit der deutschen Turnerschaft. „Das Turnen in der DT. ist Dienst am Vaterland. Ihre Fahnen wehen auch im Dritten Reich, und wo es gilt, für Deutschland einzustehen, da steht auch die Deutsche Turnerschaft bereit. So will sie schaffen, Männer und Frauen nach dem Herzen des großen Volkskanzlers Adolf Hitler, Nationalsozialisten der Tat. Die sehr eindrucksvolle Ansprache klang aus in einem „Sieg- Heil" auf den Reichspräsidenten, den Reichskanzler und das deutsche Vaterland. Aus mehreren tausend Herzen erklangen darauf: „Deutschland, Deutschland über alles" und „Die Fahne hoch, die Reihen fest geschlossen;" Damit war die Festfolge für den Samstagabend beendet, (lieber den Sonntag werden wir noch berichten.) statt. Sie war ein würdiger Auftakt für die ge- * samte Festfolge. Einleitend spielte die SA.-Kapelle die prächtige Kreuzritterfanfare. Darauf brachten die vereinigten Gesangvereine Großen-Lindens den der ernsten Feier angepaßten Chor: „Nun schweige jeder von seinem Leid" überaus stimmungsvoll zu; (Zehör. Der Führer des Turnvereins Grohen-Linden, Dr. E. Römer, begrüßte darauf alle Turnerinnen! und Turner, den Vertreter der Stadtverwaltung,! Bürgermeister Lang, den Vertreter der politischen Leitung, Sturmführer Becker, den Gauoberturnwart Paul (Gießen), das Ehrenmitglied Schneider (Butzbach) und den Führerstab des Turnerkreises Lahn-Dill. In seiner Begrüßungsansprache wies Dr. Römer in sehr feiner Form darauf hin, daß die Lebenshoffung des Turnvaters Fr. L. I a h n in der Schaffung von Deutschlands Einheit durch, unseren großen Reichskanzler ihre Erfüllung gefun-! den habe. Bürgermeister Lang hieß im Namen der Stadt alle Turnergäste in Großen-Lindens Mauern in freundlicher Weise herzlich willkommen. Sturmführer Becker begrüßte in treffenden Worten die Turnerinnen und Turner als Mitarbeiter bei dem Wiederaufbau unseres Vaterlandes und be- L a h n - D i l l mit seinen Erfolgen, seinen Freuden und allem Schönen, liegt hinter uns. Trotz mancherlei Hemmungen ein volles Gelingen. Es wirkte alles zusammen die Schwierigkeiten zu überwinden, den Erfolg zu sichern. Ortsbehörde, politische Organisation, Ortsvereine, Bürgerschaft, sie alle leisteten das Beste. Und während der drei Festtage strahlte ein Volk' Seine Ansprache gipfelte 'in dem Gedanken: reiner, blauer Himmel. I Jeder echte Turner ist auch ein guter National- trÄnVÄ ! denn man kann mch, Zahn ehren, ahn- Dill und der Lahn, von der Schwalm und der Ohm Hitler zu dienen. in dem Feststädtchen ein, wurden mit schneidiger; Dauperts Ansprache klang aus in dem mit Begeiste- Marschmusik einer flotten SA.-Kapelle in den Fest- sterung aufgenommenen „Gut Heil" auf das -eut- ort zu ihren Quartieren geleitet. Eine Besprechung. sche Vaterland und die großen Führer des Reiches, des Kreisführerringes unter der Leitung des Kreis- j Nach dem Chor: „Dir, mein Vaterland, erfolgte sichrer- Daupert (Wieseck) und die Kampfrichter- unter Führung der SA.-Musik der A n m a r s ch sitzung unter Kreisoberturnwart Schüler (Wetz- ,zum Fe st platz. Hier wechselten prächtige, turne= lar) bildeten die letzten Vorbereitungen für die rische Vorführungen des Turnvereins Großen-Lm- arbeitsreichen Turnertage. I den (Bodenturnen) und der Kreisriege (am Barren, Kurz nach 20 Uhr fand auf dem Sportplätze an Pferd und Reck) sowie Kunstfreiübungen und der neuen Schule, dem stattlichsten Gebäude des . Säbel- und Florettfechten mit Musikstücken verschie- aufftrebenben Städtchens, eine sehr eindrucksvolle1 denr Art gefällig ab. Alle Mitwirkenden boten ihr Bestes. Den Höhepunkt des Abends bildete eine Wirtschaft. Arbeitseinsatz für Angestellte im Mai durchschnittlich günstig. Nach den Beobachtungen der Stellenvermittlung der Deutschen Angestelltenschaft hat sich die Lage des Arbeitseinsatzes für Angestellte — im ganzen gesehen — weiter stabilisiert. Besonders schwierig ist noch immer der Vermittlungsdienst für ältere Angestellte. Die Zahl der Betriebe, die für „nicht unbedingt gehobene Posten dreißigjährige und ältere Angestellte berücksichtigen, war wieder gering. Dabei lieh die Verknappung, zum Teil mitbedingt durch die Einstellungen in den Arbeitsdienst bzw. Abgang weiblicher Kräfte in das Landjahr, eine sachgemäße Auswahl geeigneter Bewerber der verlangten Altersgruppe — meist 20 bis 25 Jahre — kaum noch zu. Trotz der sozial und auch wirt-schaft- lich wohlbegründeten Notwendigkeit, die Arbeitskraft und Berufserfahrung gerade älterer Angestellter zum Leistungseinsatz zu bringen, wurden Neueinstellungen hier und da sogar zurückgestellt ober, wenn Mitarbeiter im Alter bis höchstens 25 Jahre nicht nachgewiesen werden konnten, aller- j ü n g st e Kräfte — soweit weibliche Angestellte in Betracht kommen, selbst Anfängerinnen aus Handelsschulen — eingestellt. Die Lage wurde häufig noch dadurch erschwert, daß der zwischenörtliche und zwischenbezirkliche Ausgleichsoerkehr stärkere Hemmungen durch das Bestreben erfuhr, zunächst örtlich die Arbeitslosenzahl zu senken. Für Kaufmannsgehilsen war die Lage günstig hauptsächlich im Bank- und Versicherungsgewerbe; teilweise — regional allerdings nicht einheitlich — auch in der Schwer- und Maschinenindustrie...^Jm Einzelhandel waren hauptsächlich Drogisten 1inb branche-kundige, in der Dekorationskunst erfahrene Verkäufer für Spezialartikelgeschäfte gesucht. Für einzelne Sparten der Techniker bestanden teilweise erheblich gebesserte Unterkommensmöglichkeiten. Zum Beispiel fehlten Kulturbautechniker. In verstärktem Maße wurden deshalb in dieser Richtung Umschulungsmahnahmen getroffen. Techniker für spezielle Erzeugnisse waren nur schwer zu vermitteln. Der Arbeitseinsatz der Werkmeister war nach wie vor beeindruckt durch den schon seit Monaten beobachteten Versuch, die Mehrarbeit in den Betrieben "durch die altbeschäftigten Werkmeister „mit" erledigen zu lassen, auch Vorarbeiter mit Werkmeisterfunktionen zu betrauen. Das Verhältnis zwischen Kündigungen und Neueinstellungen bei den Behördenangestellten war noch ungünstig. Seemännische Angestellte hatten, wenn auch eine Spur der Besserung unverkennbar, im allgemeinen kaum nennenswerte Aussichten auf Anstellung. Bei den weiblichen Angestellten, hauptsächlich kaufmännischem Personal, war die Lage Ziemlich einheitlich der der Kaufmannsgehilfen; junge und all^rjüngste Kräfte sehr gesucht — ältere schwer oder überhaupt nicht zu vermitteln. Nur für Aushilfen — ein im Einzelhandel regeres Geschäft, auch Urlaubsvertretungen, brachten größere Der- mittlungsaufträge — waren Bewerberinnen im Alter bis 30 Jahren und darüber zugelaffen. Oie hessische Kohlenproduliion im Mai. Im Vvlksstaat Hessen wurden im Mai 1934 87212 Tonnen Rohbraunkohlen gefördert, davon wurden 83796 Tonnen zu Schwelereiprodukten weiterverarbeitet. Aus den verschwelten Kohlen wurden gewonnen 5000 Tonnen Rohteer, 730 Tonnen Leichtöl aus Schwelgasen, 14 500 Tonnen Koks, ohne die Schwelrückstände des Messeler Kohlenschiefers. Frankfurter Börse. Freundlich. Frankfurt a. M., 12. Juni. Die Börse hatte eine überwiegend freundliche Grundstimmung, obgleich keine besondere Anregungen Vorlagen und auch der Ordereingang seitens der Bankenkundschaft minimal war. Daher waren die Umsätze zu den ersten Kursen sehr klein, erst im Verlause machte sich eine leichte Geschäftsbelebung bemerkbar. Der Markt verzeichnete heute einige Sonderbewegungen. So waren Elektr. Lieferungen angeboten und mit ca. 92 um 4 v. H. schwächer, auch Conti Gummi gaben auf etwas stärkeres Angebot hin um 3,25 v. H. nach, während andererseits Süddeutsche Zucker bei kleinem Umsatz um 3 v. H. anzogen. Auf den übrigen Marktgebieten hielten sich die Veränderungen in engen Grenzen. Die nunmehr bekanntgegebene Sa- der 81. Konferenz Ortenberg (Oberhessen), 11. Juni. (LPD.) Dieser Tage fand im Kurhaus Selters bei Ortenberg tine Konferenz der Leiter hessischer Bergwerksbetriebe zur Behandlung dringender und wichtiger Betriebs- und Wirtschaftsfragen statt. Zunächst erörterte Dipl. Schlechter (Wetzlar) die Aufgaben und die Organisation des Luftschutzes bei den bergbaulichen Anlagen. Er gab Erklärung über den verschiedenen Gefährdungsgrad der einzelnen Anlagen, über die Verschiedenartigkeit der Gefahrenquellen und deren Einschätzung nach sachverständiger Meinung, und zeigte die Richtlinien auf, nach denen sich unter Abwägung aller dieser Gesichtspunkte der Luftschutz der Anlagen zu organisieren hat. Die sehr rege Aussprache ergab, daß bei einzelnen Werken die Luftschutzorganisation schon recht entwickelt ist, daß aber bei andern noch viel zu tun ist. Sodann berichtete Bergassessor Kippenberger (Gießen) über die Fortführung der staatlichen Beihilfe zum Eisenerzbergbau. Grundsätzlich Ist diese Beihilfe von feiten des Reiches, Hessens und Preußens gesichert. Ein Teil der Mittel soll für außerordentliche Arbei - ten abgezweigt werden, namentlich für solche nach allgemeinen geologischen Gesichtspunkten zugunsten der Nachhaltigkeit des Erzbergbaues im hier behandelten Gebiet. Im übrigen wird es mit der Verrechnung der Beihilfe bei den Grundsätzen bleiben, die schon im vorigen Jahr gegolten haben. Danach wird die Beihilfe nach der Zahl der verfahrenen Schichten umgelegt, also je Schicht um so niedriger, je größer die Zahl der Schichten wird. Hierauf erörterte Oberbergrat Dr. K ö b r i ch die Hauptfragen des Bergrechts, wie sie sich für den Erlaß eines Reichsberggesetzes ergeben. Der Bergroerfseigenfümer soll sich künftig nicht mehr als Eigentümer, sondern als Lehen- träger, als Treuhänder eines ihm vom Staat anvertrauten Gutes fühlen und führen. Die große Verschiedenartigkeit der deutschen Länderberggesetze drängt zu einer Zusammenfassung. Dabei wird es als erwünscht bezeichnet, daß be« währte, wenn auch weitergehende Vorschriften eines Lundes auch in den Bereich eines andern Landes, soweit dort gleiche sachliche Voraussetzungen gegeben sind, nachträglich ausgedehnt werden. Der Redner erörterte weiter die alte Frage des Betriebszwanges. Das neue Recht wird auch hier einen erhöhten Einfluß der staatlichen Bergaufsicht auf die Bergwirtfchaft nach größeren Gesichtspunkten bringen müssen. Ob die dem Bergbau eigentümliche uralte Beteiligungsform der Gewerkschaft angesichts der neuen Formen des Gesellschaftsrechtes noch beibehalten werden soll, war umstritten. Doch scheint man sich für die Beibehaltung zu entscheiden, da sie namentlich den kleinen Anfängen eines Bergbaubetriebes doch wohl nützlich ist. Die Allgemeinheit wird endlich noch berührt durch die Bergschädenbestimmungen. Vorschläge zur Verteilung der Lasten auf größere bergbauliche Gemeinschaften werden dem Bergbau dienen, ohne den Grundbesitzer zu entrechten. Das Verhältnis des Bergbaues zu den öffentlichen Verkehrsan ft alten bedarf der Anpassung an die neue Entwicklung der öffentlichen Unternehmungen überhaupt. Bergrat Hundt legte noch einige Teile des sog. Eisenerzkatasters für die Provinz Oberhessen vor, dessen Material in vieljähriger Sammelarbeit bei der Bergbehörde unter bereitwilliger Mithilfe der Bergwerksbesitzer zusammengetragen worden ist, und das nunmehr im Rahmen des „Handbuchs der hessischen Bodenschätze" zur Veröffentlichung vorbereitet wird. Zum Schluß erörterte Bergassessor Schumann noch die Aufgaben und die Organisation der bergbaulichen Rechtsberatungsstelle Wetzlar der Deutschen Arbeitsfront. Der Konferenz ging voraus eine Besichtigung der Ausgrabungen auf dem Glauberg und eine Besichtigung des Bades und Benediktus-Sprudels bei Selters sowie eines dort festgestellten Erdfalles, dessen Zusammenhang mit dem Solvorkommen daselbst mehr als wahrscheinlich ist. nierung bei Daimler Motoren im Verhältnis 5:3 entspricht etwa den letzten Verlautbarungen. Die Kulisse nahm indessen einige Realisierungen vor, so daß der Kurs um 1,25 v. H. auf 49,75 v. H. nachgab, um sich aber bald danach auf kleine Rückkäufe auf etwa 50.50 zu erholen. Adlerwerke Kleyer blieben hiervon unberührt und galten im freien Markt um). 42,75 v. H. In beiden Papieren war die Umsatztätigkeit verhältnismäßig lebhaft. Feste Haltung hatten Schiffahrtswerte, Hapag und Nordd. Lloyd gewannen je 1,25 v. H. Montanwerte eröffneten fast überwiegend um 0,25 bis 0,50 v. H., Stahl- verein sogar 1,50 v. H. schwächer; die Abschlüsse der staatlichen Bergwerksgesellschaften hinterließen kaum einen Eindruck. Elektropapiere zogen meist um 0,25 bis 0,50 v. H. an, Zellstoffaktien bröckelten mäßig ab. IG. Farben und die übrigen Chemiewerte lagen gut behauptet. Von Kunstseideaktien zogen Äku 1,25 v. H. an, Reichsbankanteile gewannen 1 v. H., Bau- und Cementwerte blieben unverändert. I Am Rentenmarkt war es sehr still. Altbesitz I eröffneten mit 94,13 v. H. unverändert, wogegen ! Neubesitz zu 22,9250 nur knapp gehalten waren. Stahlverein-Bonds und späte Reichsschuldbuchforderungen zeigten keine Veränderung. Nachdem nach den ersten Notierungen überwiegend Besserungen von 0,25 bis 0,50 o. H. zu verzeichnen waren und die Umsätze auf manchen Martkgebieten etwas lebhafter geworden waren, zeigte die Börse im Verlaufe wieder ein sehr stilles Bild und die erzielten Besserungen gingen in den meisten Fällen wieder verloren. Daimler büßten bei mehrfachen Schwankungen schließlich wieder 1 v. H. ein. Schiffahrtswerte blieben hingegen voll behauptet. Sehr fest kamen Rhein. Braunkohlen mit 241 (nach 234,25 v. H.) zur Notiz. Auch am Rentenmarkt hielt die Geschäftsstille an, die Kurse waren aber behauptet. Nur späte Reichs- | schuldbuchforderungen stellten sich mit 93,25 um । 0,50 v. H. niedriger. In Stadtanleihen und Pfandbriefen lag immer noch etwas Angebot vor, das jedoch zumeist bei etwa behaupteten Kursen ausgenommen wurde. Don fremden Werten befestigten sich 3/^prozentige Ungarn von 1897 auf 1,70 (nach 1,30) v. H. Tagesgeld blieb zu 3% v. H. unverändert. Frankfurter Adendbörse still. Frankfurt a. M., 12. Juni. Die Abendbörse war ruhig, da Aufträge der Kundschaft nahezu fehlten, während die Kulisse angesichts der Einberufung des Zentral-Ausschusses der Reichsbank zum kommenden Donnerstag etwas Zurückhaltung be» kündete. Die Grundstimmung blieb indes freundlich und die Berliner Schlußkurse waren größtenteils gut behauptet. Nur Daimler Motoren und AEG., letztere auf die Ausführungen in der heutigen GV., bröckelten etwas ab. Adlerwerke Kleyer waren nur mit 42,50 Brief zu hören, ein kulanter Geldkurs j fehlte. Montanwerte waren überwiegend etwas befestigt und zwar bis zu 0,50 v. H., auch für Schifffahrtspapiere erhielt sich etwas Nachfrage. Kunstseideaktien zogen ebenfalls leicht an. Im Verlaufe blieb es still. Der Rentenmarkt lag gleichfalls ruhig. Neu- besitzanleihe notierten 5 Pf. niedriger, Altbesitz blieben behauptet, während späte Reichsschuldbuchforderungen nach der Mittagsschwäche um 0,50 v. H. erholt waren. Von Stadtanleihen bröckelten Mainzer von 1928 um 0,25 v. H. auf 79,50 v. H. ab. Fremde Werte lagen ruhig. U. a. notierten: Neubesitzanleihe 22,95, Altbesitzanleihe 93,75, 6 v. H. Reichsanleihe von 1929 99,60, 6 v. H. Stahlverein- Bonds 74,25, Reichsbank 154, Dresdner Bank 64 50, Buderus 76,50, Gelsenkirchen 64, Harpener 101,50, Kali-Chemie 118, Mannesmann 68, Phönir 50, Rheinstahl 98,25, AM. 63,75, Bemberg 7125, AEG. 26,65, Gement Heidelberg 105, Conti Gummi 135, Daimler 49,50, Scherdeanstalt 201,50. Rindermarkt in Gießen. Gießen, 12. Juni. Auftrieb: 637 Stück Großvieh, 130 Fresser, 178 Kälber. Auswärtige Käufer waren vertreten. Es kosteten: Milchkühe oder hochtragende Kühe 1. Qual. 310 bis 430 Mark, 2. Qual. 180 bis 270, 3. Qual. 120 bis 170; Schlachtkühe a) 130 bis 270, b) 60 bis 100; Rinder, einhalb- bis dreivierteljährig, 50 bis 100, dreiviertel- bis zweijährig 80 bis 150, tragend 175 bis 280; Kälber das Pfd. Lebendgewicht 25 bis 32 Pf. Ausgesuchte Tiere über Notiz. Marktverkauf: Sehr schleppend, großer Ueberftant). — Nächster Markt: 26. Juni. 5ra:.:,\:vtcr Pservcmarkt. Frankfurt a. M., 12. Juni. Der Frankfurter Pferdemarkt war infolge der im Gang befindlichen Heuernte nur schwach besucht, ebenso war der Auftrieb gering. Der Handel setzte zunächst zögernd ein, jedoch kam im Laufe des Vormittags noch ein mittlerer Handel zustande, so daß kein allzu großer Ueberftant) verblieb. Die Preise haben gegen den Vormonat keine wesentlichen Veränderungen erfahren. Schlachtpferde waren indes weiter gesucht. Der nächste Pferdemarkt findet am 9. Juli statt. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben Oie Hohe Oer zutetzi vekchlosienen Dividende an — Reichsbankdiskont 4 o H. Lombardztnsfuß 5 o H. iVrontiur u. DI Serhn Schluß» hird Schlußk. Abend» bkrse «Schluß- Schlußk. Miltag» börfr Oatum | 11-6 1 126 11-6- 12-6. 6% Deutsche Reichsanlethe o 1927 97 96,4 97,5 99,7 96,75 6% ehern.7% Ti. ReichSanI. o 1929 99,6 99,6 99,7 5%% Doung-Anleibe von 1930 . Deutsche Aul.-Ablos.-Schulb mH 92,3 94,13 91,65 93,75 91,5 94,25 91 93,75 AuSlos.-Rechten .... ohne AuSloi.-Rechte .... 6% ehern.8% Hess Bolköstaat 1929 22,95 22,95 92,5 23 23 92,5 (rüdjaljlb. 102%) ..... 6% Hess. Landesbank Darmstadt 42,75 93 90,75 90,5 90,25 Gold R. 12 90,5 6%% Hess. Landes-Hypotheken» bank Darmstadt Ltaut 89,5 89 — — Oberwellen Provinz-Anleihe mit 95,5 Auslos.-Rechten Deupche Komm Sammelabl. An- ieilie Serie 1 intt Auelol.-Rechten — 94,4 94,25 94 94,5 6% ebem. 8% Arants Hyp.-Bank 90,25 90,75 90,5 Solbpfe. 15 unkündbar bis 1935 1% ehern. 7% Arants Hyp.-Bank 90,25 90 Goldpfe. 16 unkündbar bis 1936 iy*% ehern 4V*% Arants Hyp.- 10,25 Bank-Liqu.»Psandbriefe . .. 6y,% ehern. V/t% Rheinische 88,8 88,75 90,5 — Hyp -Bank-Liqu.-Goldpfe 6% ehern. 8% Pr LanveSpsand- 90,5 — 94 briesanstalt, Pfandbriefe R 19 8% ehern. 7% Pc. LandeSpsand- briesanstalt, Psandbriese R. 10 94 94 94 94 94 94 Steuergutsch Verrechnungskurs 99,6 99,8 99,6 99,8 4% Oeslerreichtschr Gvldrente. _ 28 _ 27,6 4,20% Oesterreichische Silberrente 1,1 1,1 — 1,1 8,25 4% Ungarische Goldrente..... 8,4 8,25 8,2 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 7,5 7,5 7,5 4*4% desgl. von 1913 7,5 7,5 — 7,6 6% abgest. Goldmexikaner von 99 8,65 8,75 8,7 8.9 4% Türkische Zollanleihe von 1911 4% Türkische Bagdaddohn-Anleth, 7.13 7,25 7,3 7,75 Serie 1 7 7,1 — — ^ranffun a.M Serlin Schluß- kurs Schlußk. Abendbörse Schluß» turs Schlußk. Mittag» börse Datum 11.6- 12-6. 11-6. 12-6. 4% desgl. Serie 11 7,2 4.65 7,2 — 7,75 5% Rumän. vereinst. Rente v. 1903 4,65 — 4,25 4^.%Rumän.vereinh.Rentev.lS13 — 7,05 4% Rumänische vereint». Rente 4 3,85 4 3,9 3 %% Anatolier 36,75 36,25 36,75 35,9 vamvurg-AmeNka-Paket Hainburg-Südam. Dampfschiff 0 0 27.25 29 27,25 28,75 25 Hanja-Dampfschsff ...... 0 Norddeutscher Lloyd 0 33,25 34,9 33,5 35 A G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 65 67 65,25 Berliner Handelsgesellschaft ... 4 86,5 87,5 88 88 Commerz, und Privat-Bank . 0 53 52,75 53 52,75 Deutsche Bonk und Dtsconto- Gesellschaft............ 0 59,75 59,5 59,75 59,5 Dresdner Bant............. 0 64,5 64,5 64,5 64,5 ReichSbank ............... 12 153 154 153,25 154,9 S.Ü.«............... 0 26,75 26,65 27,13 27 Bekula............ 0 137,75 137,5 137,13 137,5 Dektr. LieferungSgesellfchaft ... 6 96 92,5 95,9 93 Lichi und Kraft 6 108,75 109 109 108,5 gelten & Guilleaume 0 62,75 63,13 62,9 62,65 GeseUsch.f.Clektr. Unternehmung 5 101,5 102 101,5 102 Rheinische üleltrlvhu ....... 6 99 100 99 100,5 Schucterl S Co............ 6 91 91,25 92 91,75 Siemens L Halske............ 7 141 141,5 141,25 141,5 Ladmeyer S Co. ............ 10 118,4 118 119,5 118.5 Buder» .................. 0 76 76,5 76,25 76,75 Deutsche Srdöl .............. 4 122,5 123,25 121,25 122.75 Gelsenkirchener.............. 0 63,5 64 63,65 63,5 Harpener ................. 0 101 101,5 101,75 101.4 Hoesch Cisen—SSIn-Neuessea .. 0 —— 74,75 75,25 alle Bergbau .......... e 158 158,5 156,75 alle Bergbau Genüsse........ 6 122 123 120 124,5 Klvcknerwerke ............... C 70 71,25 70,5 71,25 vrannesmann-Rbb« ........ o 67,5 68 67,13 67,65 Frankfurt a. M. Lerlin Schlußkurs Schlußk. Adend- bflrfe Schluß» kurS Schlußk. Minag» börse Datum 11.6 12-6. 11-6- 12-6. Monefelde, Bergbau......... 0 77,5 77,5 77.9 77,9 Kokswerke .......... 0 99,25 99,65 Phonir Bergbau ............ 0 50 50 50 50 Rheiniiche Braunkohlen ..... 10 234,25 241,5 238 240,75 Rbeinstahl ........ 0 97,75 98,25 98 97,65 Bereinigte Stahlwerke........ 0 44 44 43 43,25 Olavi Minen .......... 0 15,5 15,25 14,75 14,75 Kaliwerke Aschersleben........ 5 120 117,5 121.5 118,5 Kaliwerke Westeregeln........ 6 120,5 118,5 121,75 120 Kaliwerke Salzdetfurth.....77, 159 156 159,5 156 I. G. Karden-Jndustrie....... 7 144,5 145 145 145 Scheide anstatt............... 9 201,5 201,5 — — 0 68,5 0 41,4 41.25 41 25 MetuUgelelttchaft............. 0 83.5 83?5 83^5 "'84 0 63,25 62,5 63 63 Zementwerk Heidelberg ...... 0 104 105 Zementwerk Karlstadt......... 0 - 126 - Schultheis Patzenhoser ...... 0 — — 108 108,13 Aku