Dienstag, 13.$ebruar 1934 184. Zahrgang Hr.37 Erstes Blatt Eichener Anzeiger des, eine Schule am Südbahnhof, konnte erst genommen werden, nachdem Artillerie drei Volltreffer in das Gebäude gesetzt hatte. Gegen 20 Uhr wurde das Gaswerk der Gemeinde durchsucht. Die Schutzbündler sollen durch den energischen Angriff des Militärs und den Einsatz der Artillerie demoralisiert sein und alle Stellungen räumen. Polizei und Militär durchsuchen die ganze Stadt. Es besteht der Eindruck, daß die Truppen in Linz vollständig Herr der Lage sind und der Widerstand der Roten vollkommen gebrochen ist. Wien, 12. Jebr. (DRB.) Eine vom INinisterrat beschlossene Verordnung der Bundesregierung spricht dasverbotder Betätigung ber Sozialdemokratischen Partei aus; sie gründet sich auf das kriegswirtschaftliche Ermächtigungsgesetz vom Juli 1917. Danach wird der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Oesterreichs jede Betätigung verboten. Die bestehenden Organisationen dieser Partei sind aufgelöst. Die Bildung neuer ist untersagt. Das Tragen von Abzeichen dieser Partei ist verboten. Die Ausübung eines Mandats im Sinne der Sozialdemokratischen Partei gilt als Betätigung für die Partei und unterliegt dem Verbot. Die Verordnung tritt sofort in Kraft. Die Auflösung des Wiener Landtages und Gemeinderates ist ebenfalls beschlossen. Das Wiener Rathaus ist in den Abendstunden von einem größeren Aufgebot von Truppen, Polizei und Gendarmerie beseht worden, ohne daß von sozialdemokratischer Seite ein ernsthafter Widerstand geleistet wurde, hierbei ist eine Reihe von sozialdemokratischen Beamten, die nach einer amtlichen Erklärung offenkundig im Zusammenhang mit den öffentlichen Gewalttätigkeiten standen, verhaftet worden. Der Landeshauptmann und Bürgermeister von Wien Rationalrat Abgeordneter Seih ist soeben in bas Potizeigefangenen ha us gebracht worden. Ebenso ist der Vizebürgermeister der Stadt Geiseln gefangengehalten worden. Nach heft'gem Kampf hat das Militär das Parteihaus im Sturm genommen. Der Wirtschaftshof der Gemeinde, ein großer Gebäudekomplex, in dem sich 180 Schutzbündler, mit Jnfanteriegewehren, viel Munition und drei Maschinengewehren ausgerüstet, verschanzt hatten, wurde von den Linzer Alpenjägern i m Sturm genommen, die Schutzbündler gefangen genommen und mit erhobenen Händen durch die Stadt in die Keller der Schloßkaserne gebracht. Ein zweiter starker Widerstandsherd des Schutzbun- Wien, Emmerling, der Leiter der gesamten städtischen Betriebe, in den Abendstunden verhaftet worden. Zum Regierungskommissar für Wien wurde Minister Schmitz ernannt. Auf dem Wiener Rathaus weht neben den Bundesfahnen die grünweiße Jahne der heimwehr. Von den bekannten sozialdemokratischen Führern sind u. a. in haft: Bundesrat General Körner, der militärische Sachverständige des marxistischen Republikanischen Schutzbundes; die Gewerkschaftsführer und Rationalratsabgeordneten I o r ft n e r und Weigl, letzterer gleichzeitig Präsident der Wiener Arbeiterkammer; ferner der Präsident des Wiener Landtages und Rationalratsabgeordneter Dr. Danneberg, der Bundesrat und Sekretär der sozialdemokratischen Fraktion im Rationalrat Hofrat Schärf. In einer Mitteilung der Amtlichen Rachrichten- stelle heißt es, daß der Führer der Sozialdemokratischen Partei in Kärnten Landeshauptmannstellvertreter Zeiniher feinen Austritt aus der Partei erklärt habe. Diesem Beispiel sei auch der Bürgermeister von Klagenfurt gefolgt In Vorarlberg hätten die sozialdemokratischen Führer dem Landeshauptmann die Erklärung abgegeben, daß sie die vorgekommenen Ausschreitungen verurteilen. Sie versicherten, daß sich kein Sozialdemokrat in Vorarlberg an diesen Anschlägen beteiligen werde. Eine amtliche Mitteilung. Wien, 12.Jebr. (DRB.) Um 13 Uhr melde! 1 die Amtliche Rachrichten st eile: wie schon । vor einigen Tagen verlautbar wurde, haben der . aufgelöste Republikanische Schutzbund bzw. Angehörige der Sozialdemokratischen Partei und dieser nahestehende Organisationen eine g e - ro a 11 f a m e Aktion vorbereitet. 3m Zuge der durchgeführten Untersuchung unternahm die Bundespolizeidirektion Linz heute morgen im Hotel „Schiff, dem sozialdemokratischen Parteiheim, eine Haussuchung. 3m Hause befanden sich größere Kontingente des ehemaligen Republikanischen Schutzbundes, die sofort der Polizei bewaffneten Wider st and entgegensetzten. Unter Heranziehung von heeresableilungen wurde das Gebäude im Kampfe genommen, wobei ein Bundeswachbeamter getötet, mehrere Wachbeamte und Wehrmänner verletzt wurden. Die im Gebäude befindlichen Gewalttäter wurden abgeführt und den Gerichten übergeben. Auch an mehreren anderen Stellen in Linz gingen Schuhbundabteilungen mit bewaffneter Gewalt vor. lieber Linz wurde das Standrecht verhängt. Die Rie- berroerfung biefer Gewalttaten gegen amtliche Organe, so heißt es in ber amtlichen Melbung weiter, lft im Gange. 3n Wien haben Teile ber sozialdemokratisch organisierten Arbeiter der städtischen Elektrizitätswerke die Arbeit niebergetegt. Deshalb wurde auch in Wien das Standrecht verhängt. Die Bundesregierung hat unter Bereitstellung des gesamten Machtapparates alle Maßnahmen getroffen, um diese planmäßigen verbrecherischen Anschläge bolschewistischer Elemente im Keime zu ersticken. Die gesamte Arbeiterschaft wird aufgefordert, so heißt es in der amtlichen Mitteilung weiter, ihre Arbeit unbeeinflußt von verbrecherischen Hetzern fortzusehen. 3eder Wider st and gegen die Staatsgewalt, jede Sabotage oder Gewalt, wird mit den schärfsten standrechtlichen Mitteln geahndet werden. Die Generalstreitparole in Wien. Die Regierung nimmt den Kampf auf. Wien, 12. Febr. (DNB.) In den Wiener Betrieben erschienen kurz vor zwölf Uhr mittags die sozialdemokratischen Betriebsräte und teilten den Arbeitgebern mit, daß die Arbeiterschaft, einer allgemeinen Streikparole folgend, dieArbeitPunkt 12 Uhr mittags nieder le gen werde. Der gesamte Wiener Straßenbahnverkehr ist zum Stillstand gekommen. Die Elektrizitäts- und Gaswerke sind gleichfalls in den Proteststreik eingetreten. Punkt 12 Uhr setzte gleichfalls der elektrische Strom in der ganzen Stadt aus. Aeußerst strenge A b - sperrungsmaßnahmen sind in der ganzen Stadt mit einem riesigen Aufgebot von Polizei und Militär, Maschinengewehren und Drahtverhauen durchgeführt worden. Die Stadt macht einen ausgestorbenen Eindruck. Die auf den Schienen stehenden, von der Mannschaft verlassenen Straßenbahnwagen sind in den Abendstunden von der Polizei mit Kraftwagen abgeschleppt worden. In den Straßen ist die Polizeikontrolle außergewöhnlich scharf. Alle verdächtigen Personen werden durchsucht. In den Hauptstraßen ist der Personenverkehr vollständig gesperrt. Die D o r st e l l u n g e n der Theater und Kinos sind ausnahmslos abgesagt worden. Alle Restaurants müssen bis 20 Uhr geschlossen sein. In der Stadt herrscht vollständige Ruhe. Jedoch ist es in den einzelnen äußeren Arbeiterbezirken zu heftigen Zusammen st äßen und Schießereien zwischen der Polizei und den Arbeitern gekommen. Das Linzer Parteihaus von Alpenjägern im Sturm genommen. Der marxistische Widerstand gebrochen. Dollfuß im Kampf gegen den Aufstand der Marxisten Generalstreikparole mit Proklamierung des Standrechts beantwortet. — Blutige Straßenkampfe zwischen Militär und Polizei und roten Aufständischen. — Oie sozialdemokratischen Führer verhastet und ihre Parteiorganisation verboten. gelöst. Es ergibt sich jetzt das eigentümliche Bild, daß eine politische Bewegung wie der Marxismus, der von einem Rückschlag zum anderen eilt, einen ae- waltsamen Verzweiflungskampf führt und dabei gegen eine Regierung kämpft, die ebenfalls verzweifelt um ihre Existenz ringen muß, da sie auch in den Kreisen, die die natürlichen Geaner des Marxismus sind, keinerlei Vertrauen und Unterstützung genießt. Das Regime Dollfuß muß jetzt erfahren, welche Folgen es naturnotwendigerweise haben muß, wenn die Regierung eines deutschen Landes in der heutigen Zeit allgemeiner revolutionärer Umschichtungen so wenig ihre wirklichen nationalen Pflichten und Aufgaben erkennt, wie es beim Kabinett Dollfuß der Fall ist. Das Ergebnis der Dollfuß-Politik ist ein marxistischer Bürgerkrieg, den Dollfuß zwar nicht gewollt hat, aber für den er moralisch verantwortlich ist. Der Nationalsozialismus Oesterreichs, der von der Regierung immer als das Schreckgespenst an die Wand gemalt und mit allen Mitteln verfolgt wurde, hält mustergültige nationale Disziplin und ist heute die einzige Macht, die einen geschlossenen Ordnungs- faktor in Oesterreich bildet. Die dynamischen Auswirkungen dieser Lage können auf die Dauer nicht ausbleiben, denn niemals ist es möglich, Regierungen ohne allen Rückhalt im Volk an der Macht zu erhalten. Und die an der österreichischen Frage interessierten Mächte werden gut daran tun, einer natürlichen Entwicklung sich nicht zu widersetzen, wenn an der Donau wieder stabile politische Verhältnisse einkehren sollen. * Die Rede, die der Herr Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda soeben vor den deutschen Filmschaffenden in der Berliner Kroll-Oper gehalten hat, ist von programmatischer Geltung für die zukünftige Gestaltung des deutschen Films; sie läßt erkennen, welche außerordentliche Bedeutung die nationalsozialistische Reichsregierung dem Film beimißt. In der Tat gibt es heute, wenn man vom weltumspannenden Funk absieht, keine technisch-kulturelle Errungenschaft von ähnlicher Reichweite und Wirkungskraft innerhalb und außerhalb der Grenzen unseres Landes. Die Rede von Dr. Goebbels war getragen von einem Zukunftswillen und einem gefunden Optimismus, der sich allen ideell und materiell am deutschen Film Beteiligten fruchtbringend, anregend und weg- weisend mitteilen und ihnen Lust und Liebe zu ihrem Werk vervielfachen muß. Dr. Goebbels hat in seiner Ansprache einige der wichtigsten Probleme der gegenwärtigen Filmproduktion aufgegriffen und besprochen. Er hat, an- knüpfend an die Lage des Films vor der Macht- ergreifung und Neuordnung durch die nationalsozialistische Regierung, zunächst die wirtschaftliche Seite des ungeheuer komplizierten Apparates beleuchtet. Es wird von der gesamten deutschen Filmwelt mit größter Befriedigung zur Kenntnis genommen worden sein, daß der Minister die endgültige Abschaffung der Lustbarkeitssteuer im Rahmen einer bevorstehenden Reichssteuerreform in Aussicht gestellt hat. Eine Befreiung von dieser Steuer, unter der die Kinotheaterbesitzer seit langem seufzen, würde in der Tat eine sehr fühlbare Erleichterung bedeuten und der Produktion Wirtschaft- Machtmitteln dem sozialistisch-kommunistischen Umsturzversuch ein radikales Ende bereiten. Nach Verhaftung der maßgebenden Führer seien jetzt Vorbereitungen getroffen, um die übrigen Urheber der verbrecherischen Anschläge zur Rechenschaft zu zwingen. Die Regierung sei des Erfolges gewiß. Trotz der technischen Schwierigkeiten, die sich aus der zeitweisen Abschaltung des elektrischen Stromes für die Druckereien ergaben, ist bereits jetzt der größte Teil der WienerZeitungen erschienen. Sie dürfen natürlich nur die amtlichen Nachrichten über die Vorfälle bringen, nehmen dazu aber in Leitartikeln Stellung, in denen sie zur Einkehr und Besonnenheit mahnen. Auch in Steiermark blutige Zusammenstöße. Wien, 12. Febr. (DNB.) In Kärnten, wo bisher vollkommene Ruhe herrscht, sowie in Steiermark wurde ebenfalls das Stand- recht verhängt. In G r a z wurde am Montagnach- mittaq auf Veranlassung des Sicherheitsdirektors der Straßenbahnverkehr eingestellt. Die Abendvorstellung des Grazer Stadttheaters und eine für Montag angesetzt gewesene Sitzung des Gemeinderates wurden abgesagt. Graz liegt un Dunkeln. In einem Grazer Arbeiterviertel haben Schutzbündler eine Wachstube erstürmt und stch dort verschanzt. Sie werden von Polizei und Militär belagert. In Steyr ist es zu heftigen Zusammenstößen zwischen Schutzbündlern und der Polizei gekommen. Die herangezogene militärische Verstärkung ist im Begriff, die Ruhe wieder herzustellen. Weitere Gewalttätigkeiten sozialdemokratischer Parteigänger werden aus Bruck an der Mur und Eggenburg gemeldet. In Graz und in der Umgebung der Stadt und deren Vororten Eggenburg und Andritz sowie in Bruck an der Mur soll es bei den Zusammenstößen zwischen der durch Militär verstärkten Gendarmerie und den Schutzbündlern 37 Tote, davon elf Mann von Militär und Gendarmerie und 26 Marxisten gegeben haben. In den Abendstunden war die Ruhe noch nicht wiederhergestellt. Wien, 13. Febr. (DNB.) In den Wiener Vororten sind blutige Kämpfe im Gange, die bereits zahlreiche Opfer an Toten und Verwundeten gefordert haben. Ein Mittelpunkt des Kampfes ist der sogenannte Reumann-Hof, wo ein Hauptmann des Bundesheeres den Tod fand. Der Heiligen- st ä ü t e r B a h n h o f ist von den Sozialdemokraten gestürmt worden, ein Wachtmann wurde getötet, sieben schwer verletzt. Im Sturm wird der Bahnhof vom Schutzkorps, das nunmehr eingesetzt wurde, zurückerobert, wobei fünf Sozialdemokraten den Tod fanden. Die zahlreichen Schwerverletzten der Sozialdemokraten wurden von den marxistischen Sanitätskolonnen fortgeschafft. Das Ottakringer Arbeiterheim, das durch Haubitzen- feuer sturmreif gemacht worden war, ist bereits eingenommen worden. An die Spitze der Sturmkolonnen hatte sich, wie verlautet, der Vizekanzler Major Fey persönlich gestellt. Jetzt hört man die dumpfen Einschläge der Granaten t m Karl - Marx - Hof auf der Heiligenstädter Straße. * . , . Bei dem großen Gemeindebau Sandleiten in dem 16. Bezirk waren in einem Turm dieses Gebäudes Maschinengewehre aufgestellt worden. Dieser improvisierte Maschinengewehrstand ist durch einen Artillerietreffer z er ft ö r t worden. Vor dem Hauskomplex steht noch thront gegen Front; jedoch flaut offensichtlich der Widerstand der Sozialdemokraten auch hier ab. Der Kampf konzentrierte sich in den späten Abendstunden auf den O st b a h n h o f, wo von Truppen em Panzerzug und Artillerie gegen die Marxisten eingesetzt wurden. Versuche der Arbeiter, in die innere Stadt einzudringen, wurden von den Truppen abgeschlagen und die Marxisten wieder auf den Ost- bahnhos zurückgedrängt. . , Die lange Dauer der Nachtkämpfe wird vielfach darauf zurückgeführt, daß man auf der Regierungsseite anfangs mit dem Ernst der Lage und der Kampffähigkeit der ausgezeichnet ausgerüsteten vielen tausend sozialistischen Schutzbündler nicht gerechnet hatte und eine gewisse Zersplitterung der Truppen infolge der Unruhen in den Landern emgetre- ten war. Die Regierung übermittelte um Mitternacht der Presse einen Aufruf an das Volk von Oesterreich, in dem die Regierung erklärt, Herr der Lage zu sein. Sie werde mit den angebrachten Verbot der Sozialdemokratischen Partei Führende Sozialdemokraten verhastet. — Das Diener Rathaus widerstandslos beseht. Wien 12. Febr. en gewünschten Erfolg, eine nach rechts tendierende Regierung hat die Macht in der Hand. Die österreichische Regierung war nun von der durch Paul-Boncour ihr auferlegten Verpflichtung der Schonung der Sozialdemokratie befreit, und Minister Fey hat sofort die Möglichkeit erkannt, hier mit durchgreifenden Maßnahmen noch vielleicht in letzter Minute den ramponierten Ruf des Dollfuß- Regimes retten zu können. Das war der Augew blick, wo die Marxisten, wenn sie überhaupt noch die Lage für sich retten wollten, den Versuch unternehmen mußten, mit Gewalt dieser Entwicklung entgegenzutreten. Aus dieser Lage heraus hat sich natürlicherweise der Widerstand gegen die Entwaffnungsaktionen ergeben, die die österreichische Polizei in Linz zur Durchführung bringen wollte, und dieser Funke hat sofort in ganz Oesterreich gezündet und den Generalstreik und blutige Zusammenstöße in weiten Teilen Oesterreichs aus- Werte Aachikümpfe in den Bororten Mik Artillerie gegen die marxistischen Parteiheime. Erscheint täglich' außer H ftr"di'-'"Mit°agsnumm-r sästä YJlvTivl 1VV 44ll iVlHVl Ssiä» General-Anzeiger für Oberhefsen MM nchten. Anzeiger Hießen Vereins- u. Tageskalender SrrotlnrtÄain'11688 Druck und Verlag: vrühl'sche llniversttätsvuch- uns Sieindruckerei ii. Lange in Sieben. Schriftleilung und SeschäfiLftelle: Schulftrahe r im Textteil 12 Rps. je mm lich und moralisch einen höchst erfreulichen Austrieb geben. Der neue deutsche Film, dem materiell dergestalt die Wege geebnet würden, muß, darüber hat Dr. (Boebbefe keinen Zweifel gelassen, vor jeder Bürokratisierung bewahrt bleiben und muß von künstlerisch empfindenden Menschen aus künstlerischen Impulsen und Gesichtspunkten heraus geschaffen werden. Auch die kulturwilligste Regierung kann kein Genie aus dem Boden stampfen: das gilt für den Film genau so wie es an anderer Stelle für Schrifttum und bildende Kunst betont worden ist; aber das Genie hat sich noch immer selber zum Wort gemeldet. An Förderung wird es ihm gewiß nicht fehlen. Höchst bedeutungsvoll erscheint uns im Zusammenhang mit diesen Bemerkungen der Appell, den der Reichsminister an die schöpferische Phantasie der Filmschaffenden gerichtet hat, also vor allem an die Autoren und an die Drehbuchhersteller. Ebenso beherzigenswerte Worte hörten wir über die Gestaltung des Stoffes. Kein Zweifel, daß hier noch manches bei uns im Argen liegt; kein Zweifel auch, daß man entschlossen ist, aus Fehlern zu lernen und, im Vertrauen auf die Qualität und die Urteilsfähigkeit des Publikums, neue Wege einzuschlagen und neue,- dauerhaftere Werte zu schaffen. Es werden keine Gesinnungskunststücke verlangt, keine „nationalsozialistischen Parademärsche"; sondern der deutsche Film soll seinen Ehrgeiz darein setzen, junge Talente zu entdecken, neue Möglichkeiten einer immer noch oder immer wieder zauberhaften Technik schöpferisch und phantasievoll zu erschließen. Der Film soll endlich als eine eigene künstlerische Form, unter eigenen Gesetzen stehend, Spiegel deutschen Lebens sein; er soll ein unverwechselbar deutsches Gesicht erhalten und in der ganzen Welt für uns werben. Dr. Goebbels hat es unmißverständlich ausgesprochen, wie er diese Mission des deutschen Films aufgefaßt wissen will; er lehnt eine „national- sozialistisch-programmatische Umfälschung" nachdrücklich ab. Mit Optimismus und Mut, aus freier Lebensbejahung, aus dem Volke heraus und für das Volk sollen die Werte geschaffen werden, die Jahre überdauern. In solchem Geiste von künstlerischen Menschen geformt, wird der deutsche Film der Zukunft die Welt erobern. Am 5. Februar waren es anderhalb Jahrzehnte, seit die deutsche Verkehrsfliegerei aus der Taufe gehoben wurde. Die ersten Anfänge liegen an sich noch weiter zurück, wenn man auf die erste Briefpostbeförderung zurückgeht, wie sie in den Kriegsjahren auf den Strecken zu den Fronten in einem regelmäßigen Kurierdienst eingerichtet war. Doch erhielt die im Jahre 1917 gegründete Deutsche Luftreederei erst am 8. Januar 1919 ihre offizielle Zulassung als ziviles Unternehmen für den Luftverkehrsdienst. Und so startete dann am 5. Februar 1919 auf dem Tempelhofer Feld die erste Verkehrsmaschine zu einem Flug nach Weimar, um dringende Post und Zeitungen in die Büros der Nationalversammlung zu befördern. Gewiß war das Jahr 1919 ein schlechter Anfang. Damals wurde mehr von einer für alle Zeiten währenden Zerstörung der deutschen Luftfahrt gesprochen, als daß von ihrem Aufbau und von ihrer Zukunft die Rede gewesen wäre. Die Bestimmungen von Compiögne und Versailles gingen einzig darauf hinaus, der deutschen Fiegerei ein für allelmal den Garaus zu machen. Zweitausend Flugzeuge mußten beim Waffenstillstand sofort abgeliefert werden, mehr als die gleiche Zahl mußten unsere Truppen im Feindesland wegen Brennstoffmangels zurücklassen, 14 000 Maschinen und 27 700 Flugzeugmotoren wurden unter der Aufsicht der Kontrollkommission zertrümmert. Welch ungemeine Entwicklung die deutsche zivile Fliegerei trotz aller Hindernisse in diesen fünfzehn Jahren genommen hat, das mögen d i e Zahlen aus diesen Jahren beweisen. 1919 wurden 2000 Fluggäste befördert und rund 600 000 Kilometer abgeflogen. Heute umfaßt das planmäßige Netz der Deutschen Lufthansa eine Strecke von 50 000 Kilometern. Die Zahl der deutschen Flughäfen liegt über fünfzig, dazu werden täglich 31 ausländische Flughäfen angeflogen. In den vergangenen fünfzehn Jahren sind 80 150 000 Kilometer im deutschen Luftverkehrsdienst zurückgelegl worden, und die Zahl der beförderten Passagiere geht mit großen Schritten auf die erste Million zu. Riesig groß ist die Menge der beförderten Post und der Frachtgüter, oorbilblid) für die ganze Welt der Ausbau der deutschen Flughäfen, und mehr als einmal von der Fachwelt anerkannt. Peinlich genau arbeiten die zahllosen Wetterstationen, die den Piloten auf funkentelegraphischem Wege mit den genauesten Berichten versorgen, jeder Pilot kann mit den modernen Peilgeräten auf den vorzüglich ausgestatteten Maschinen auch im dichtesten Nebel fast ohne jede Gefahr fliegen/ die Nachtstrecken sind gut beleuchtet, und alle Flughäfen haben ausgezeichnete Signaleinrichtungen. Und ein Beweis für das vorzügliche Menschenmaterial, das die deutsche Fliegerei unter ihren Piloten hat, mögen die fünf Flugkapitäne sein, die heute schon mehr als 1 Million Flugkilometer zurückgelegt haben, unter ihnen Kapitän Baur, der Führer des Flugzeugs des Reichskanzlers. Und nicht zuletzt hat die fahrplanmäßige Beflie- flung der Südamerikaroute mit Hilfe des Flugzeugstützpunktes „Westfalen" der deutschen Der- kehrsfliegerei zu gutem Teil zu ihrer Weltgeltung verhalfen. In der Deutschen Lufthansa sind seit dem Jahre 1926 die vielen kleinen und großen Flugverkehrsgesellschaften ^usammengeschmolzen, wie sie nach Kriegsende zunächst — es waren mehr als dreißig — wie wild aus dem Boden schossen. So ist dieses fünfzehnjährige „luftige" Jubiläum der deutschen Verkehrsfliegerei ein Anlaß stolzen Rückblicks und froher Zuversicht auf unseren unbeugsamen deutschen Willen und unsere zähe Arbeitskraft. Sie Vereinheitlichung der Justiz Dresden, 12. Febr. (DNB.) In Dresden fand auf Einladung des Reichsjustizministers Dr. Gärtner eine Zusammenkunft statt, an der außer dem Staatssekretär im Reichsjustizministerium Dr. Schle- gelberger öie Chefs und Vertreter der 16 Landesjustizverwaltungen teilnah- men. Dr. Gürtner erläuterte die Maßnahmen, die aus Anlaß des Ueberganges der Justizhoheit auf das Reich zu treffen feien. Ein erstes Gesetz bestimmt, daß alle Gerichte hinfort „im Namen des deutschen Volkes" Recht sprächen. Ferner übertrage es das Niederschlagungsrecht in Strafsachen auf den Reichspräsidenten und setze die Freizügigkeit der Rechtsanwälte und die Gültigkeit der notariellen Urkunden im ganzen Reichsgebiet fest. Weiterhin führte der Rcichsjustizminister aus, daß er sofort die Vereinheitlichung der Justizverwaltung in Angriff nehmen werde. Voraussetzung für eine solche sei nicht nur eine Vereinheitlichung der Justizeinrichtungen (z. B. des Personalwesens, des Haushalts- wesens) sondern auch der überaus zahlreichen Bestimmungen auf dem Gebiete der Justizverwaltung und der Rechtspflege selbst. Er erinnerte an die freiwillige Gerichtsbarkeit, das Grundbuch und Kostenwesen usw. Slaatund nationalsozialistische Revolution Ein Vortrag des Reichspropagandaministers. Berlin, 12. Febr. (DNB.) In der Deutschen Hochschule für Politik sprach Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Dr. Goebbels über das Thema „Wesen und Gestalt des National- ozialismus". Auch der Nationalsozialismus, so betonte er, beruht wie jede große Weltanschauung auf ganz wenigen Grundbegriffen, die einen inneren Sinn besitzen müssen. Wer einmal die Grundbegriffe klar sieht, erkennt, daß sich daraus fast selbstver- tändlich die politische Praxis entwickelt, daß alles! o fein muß und es andere Möglichkeiten gar nicht gibt. Er sieht dann auch, daß der Prozeß, der sich am 30. Januar 1933 vollzog, nicht abgeschlossen ist, ondern dann erst seinen Abschluß findet, wenn die lationalfozialistische Denkungsart das gesamte os- entliche und private Leben in Deutschland von Grund auf erneuert und mit ihrem Inhalt ausgefüllt hat. Eine Revolution ist ein in sich dynamischer Vorgang mit Gesetzlichkeit, der darauf hinausläuft, diese Dynamik und Gesetzlichkeit, die bisher Vorrecht der Opposition war, auf die des Staates zu übertragen. Mit welchen Mitteln das geschieht, ist vollkommen belanglos^ So ist die deutsche Revolution auf durchaus legalem Wege durchge - e tz t worden, unter peinlichster Beachtung der Ge- etze. Trotzdem hat sie die größten Umwälzungen mit ich gebracht. Hat eine Revolution erst einmal ein bestimmtes Stadium überschritten, gehorcht sie nicht einmal mehr ihren Vätern, sondern vollzieht sich nach ihrer eigenen Dynamik. Deshalb ist auch der Vorwurf, die deutsche Revolution hätte ein zu schar- es Tempo angeschlagen, unberechtigt und absurd. Die nationalsozialistische Revolution ist im Begriff, den Gesetzeszustand, den sie geformt hat, allmählich zu stabilisieren. Die österreichischen Verhältnisse kur; streifend, erklärte der Minister, daß die dortige Lage ein Schulbeispiel dafür sei. daß Menschen nicht einmal aus der nächsten Gegenwart Geschichte zu lernen verstünden. Wer heute österreichische Zeitungen lese, bemerke dort dieselben Vorgänge, die sich nochvor Zweioder drei Jahren hier ereignet hätten. Die nationalsozialistische Bewegung habe ihre eigene Dynamik auch jenseits der Grenzen. Daß Menschen aber unmöglich machen könnten, was im Zuge einer notwendig werdenden Entwicklung gelegen sei, sei — und das wäre das Schlimmste, was man einem Staatsmann vorwerfen könne — unhistorisch. Man könnte sagen, daß die nationalsozialistische Revolution mitdemAusbruchdesKrieges beginnt. An der Spitze des Reiches stand bei Ausbruch des Krieges ein Mann, der ein ebenso schlechter Philosoph wie Staatsmann war. Wir hatten kein festes Kriegsziel, und so konnte es nicht Wunder nehmen, daß der Begriff des Volksstaates vor der Härte der geschichtlichen Entwicklung keinen Bestand hatte und wir nach einem heroisch durchgeführten Kriege in die furchtbarste Katastrophe kamen. Der Nationalsozialismus will nicht die Totalität des Staates, sondern die der Idee. Er will, daß die Anschauung, für die er gekämpft und die er zum Siege geführt hat, im ganzen öffentlichen Leben zur Anwendung kommt. Die Partei muß immer die Hierarchie der nationalsozialistischen Führung bleiben und immer eine Minderheit dar- stellen, die auf dem Vorrecht der Führung des Staates bestehen muß. Der Generalstreik in Irankreich ruhig verlaufen. Nur geringe Beteiligung.-Alle wichtigen Betriebe aufrechterhalten.-Ernstere Zusammenstöße in einigen provinzstädten. Paris, 13. Febr. (DNB.-Funkspruch.) lieber den Verlauf des 24ftünbigen Generalstreiks liegt folgender zusarnmenfaffender Bericht vor: Der General- treik in Paris ist trotz der fünf Tage vorher ergangenen Ankündigung nur z u etwa 60 vorn Hundert durchgeführt worden. Der größte Teil der Fabriken und der anderen Unternehrnun- jen konnte am Montag die Arbeit fortsetzen. Abge- ehen von den rein kommunistischen Stadtvierteln ist auch die sozialistische Kundgebung, die gemeinsam mit den Kommunisten stattfand, oyneZ wische n- älle verlaufen. Der Telephonverkehr wurde mit Ausnahme des Auslandstelephonverkehrs den ganzen Tag über aufrecht erhalten. Der Straßenbahn - und Autoverkehr wurde nachmittags eingestellt, da man Zwischenfälle be- ürchtete und diese vermeiden wollte. Die Untergrundbahn war den ganzen Tag über in Betrieb und stellte diesen erst um 20 Uhr ein. Es gab nur einige wenige unerwartete Zwischen- älle mit der Polizei. Aus den meisten Provinz st ädten wird ein ruhiger Verlauf des Generalstreiks gemeldet. Nur aus wenigen Städten werden ernstere Zusammen- toße gemeldet. In Marseille kam es in den llbendstunden zu heftigen Zusammen st o- 3 e n zwischen der Polizei und Streikenden. Die Polizei wurde aus Dachluken beschossen und auch auf den Straßen wurde sie stark bedrängt. Die Polizei mußte bann jedenfalls von der Schußwaffe Gebrauch machen. Dabei gab es auf beiden Seiten Verletzte. In Mülhausen kam es zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und Streikenden, einige Kommunisten, die Waffen bei sich trugen, wurden verhaftet. Auch hier mußte die Polizei von der Schußwaffe Gebrauch machen, wobei es ebenfalls auf beiden Seiten Verletzte gab. In Lyon gab es bei verschiedenen Zusammenstößen zwischen Polizei und Streikenden auf beiden Seiten Verletzte. Die Polizei ist aber auch in Lyon, wie in allen an» deren Städten Herr der Lage. In Nantes kam es ebenfalls zu einer Schießerei zwischen Demonstranten und Polizei. Drei Polizeibeamte wurden bei weiteren Zusammenstößen durch Messerstiche in den Rücken schwer verletzt. Gendarmerie und Garde mobile wurden angefordert, um die Ruhe wieder herzustellen. In den späten Abendstunden war die Polizei Herr der Lage. In den übrigen Provinzstädten ist am Montag im großen und ganzen alles ruhigabgelaufen. Die Streikbeteiligung betrug teilweise nur 20 v. H. »Tötet den Dieb." Paris, 13. Febr. (DNB. Funkspruch.) Der radi- kalfoziälistische Abgeordnete Bonnaure, dessen Immunität in Zusammenhang mit dem Stavisky- skandal aufgehoben und gegen den vom Bayonner Untersuchungsrichter ein Vorführungsbefehl erlassen worden war, hatte ein ärztliches Zeugnis beigebracht, daß er angeblich nicht reisefähig sei. Ein Gerichtsarzt gab jedoch ein entgegengesetztes Urteil ab und Bonnaure mußte am Montagabend, von zwei Polizeibeamten begleitet, den Zug nach Bayonne besteigen. Als sich die Polizeibeamten in die Wohnung Bonnaures in Paris begaben, sammelten sich vor der Türe mehrere hundert Personen, die Bonnaure mit dem Rufe empfingen: „Tötet den Dieb". Wie sieht es heute morgen in Men aus? Wien, 13. Febr. (DNB. Funkspruch.) In den Morgenstunden bietet die Umgebung der Polizei- dirsktion das Bild strengster Absperrung und Bewachung. Die Straßenbahnen und die Autobusse haben den Verkehr noch nicht wieder aufgenommen. Aus der Ferne hort man weiterhin Kanonendonner. Das Fahrkorps der Vaterländischen Front ist aufgeboten worden, um einen Derbindungsdienst aufrechtzuerhalten. Auf diese Weise sei es, wie die Vaterländische Front mitteilt, gelungen, auch in den Ländern mit den Landesleitungen uni) Bezirksstellen die Verbindung zu halten und darüber hinaus einen Relaisdienst für das gesamte Bundesgebiet vorzufehen. Die Vaterländische Front hat ferner ein Aufgebot A r - beitswi Higer veranlaßt und sich mit der Leitung des staatlichen Arbeitsdienstes ins Einvernehmen gefetzt, um für eine ausreichende technische Nothilfe Vorsorge zu treffen. Mit ihrer Hilfe soll es gelungen sein, in allen staatlichen Betrieben, wie Post-, Telegraph, Bundesbahnen und dergleichen einen beschränkten Betrieb sicherzustellen. Die Heimwehren haben ihre gesamten Kräfte mobil gemacht. Die für Dienstag einberufene Bundesführertagung, an der auch die befreundeten vaterländifchen Organisationen hätten teilnehmen sollen, ist auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Die strengen militärischen Adsperrungs- und Kon- trollmaßnahmen werden in der ganzen Stadt aufrechterhalten. Der Straßenbahnverkehr ruht vollständig. Dagegen ist der Telephonverkehr ebenso wie Wasser- und Gaszufuhr wieder im Gange, zum Teil auch die Elektrizitätsversorgung. Die Läden sind zum größten Teil bis auf die Lebensmittelgeschäfte geschlossen. Die Bevölkerung bewahrt große Ruye. Artillerie- und Maschinengewehrfeuer sind ununterbrochen zu Horen. Die Regierung geht jetzt mit rücksichtsloser Schärfe und mit allen vorhandenen militärischen Mitteln unter besonderem Einsatz von Artillerie- Haubitzen vor. Die Stellen, an denen in Wien noch am Vormittag gekämpft wird, befinden sich im Ottakring, Simmering und Doblin. Im Bezirk Ottakring handelt es sich um die große Wohnbauanlage Sandleiten und um das Arbeiterheim. Hier konnte am Montagabend nur ein Teilerfolg erzielt werden. Der Kampf ging unter fortdauerndem Maschinengewehr» und Minenwerferfeuer und Einsatz von Artillerie die ganze Nacht weiter. Die Wiener Polizeidirektion gibt bekannt, daß die Exekutive in Oesterreich am Montag den Der» lüft von 21 Mann zu verzeichnen hat. Die Verluste der Ausrührer sind noch nicht bekannt. Es ist aber anzunehmen, daß die ZahlderToten und Verletzten ziemlich erheblich ist. Besetzung sozialdemokraüscherGebäude in Innsbruck. Innsbruck, 12. Febr. (DNB.) Polizei und Heimatwehr haben am Montag zwischen 15 und 16 Uhr sämtliche sozialdemokratischen Gebäude in Innsbruck besetzt, u. a. das Parteiheim „Hotel Sonne", das Gewerkschaftshaus, die Arbeiterkammer und das Gebäude der sozialdemokratischen Volkszeitung. Die Besetzung vollzog sich überall in Ruhe. Der Hauptbahnhof und andere öffentliche Gebäude wurden gleichfalls mit starken Heimwehrabteilungen besetzt. Vor dem Parteiheim bildete sich eine Ansammlung von Sozialdemokraten, die die Internationale sangen. Die Polizei räumte den Platz. Sie mußte mit dem Gummiknüppel gegen die Demonstranten vorgehen. Ueberfallkommandos mit Polizei und Heimwehrleuten besetzt durchfahren die Straßen. Oie Landesleitung Oesterreich der NEOAp. zu den Vorgängen in Oesterreich. München, 12. Febr. (DNB.) Die Landes- leitung Oesterreich der NSDAP, veröffentlicht zu den augenblicklichen Vorgängen in Oesterreich folgende parteiamtliche Stellungnahme: Der Versuch des Fürsten Starhemberg und gewisser christlich-sozialer Kreise, mit Hilfe bewaffneter Banden die formell noch bestehende Verfassung Oesterreichs zu beseitigen und an ihrer Stelle die nackte Heimwehrdiktatur zu errichten, hat in Wien, Linz und anderen Orten zum Ausbruch blutiger Kämpfe geführt, die bereits zahlreiche Todesopfer gefordert haben. Zugleich wurde in ganz Oesterreich der Generalstreik proklamiert. In diesem Ergebnis offenbart sich der ganze Wahnsinn einer Regierungspolitik, die — ohne jeden Anhang im Volke und allein gestützt auf die bewaffnete Macht und auf bezahlte Banden — seit Monaten den Nationalsozialismus, die größte und gewaltigste Volksbewegung Oesterreichs, verfolgte und unterdrückte, dabei aber vollkommen übersah oder nicht sehen wollte, daß zu gleicher Zeit der Bolschewismus und feine Organisation hinter ihrem Rücken, ja unter ihrem Schutze, mit aller Macht aufrüsteten. Für die unausbleiblichen Folgen dieser Politik müssen nunmehr brave Polizeibeamte und im weiteren Verlauf voraussichtlich auch Angehörige der Wehrmacht ihr Leben einsetzen und zu Opfer bringen, während die unmittelbaren Urheber der Aktion, die feigen Terrorbanden der Heimwehr, von der Bildfläche verschwunden sind. Der Kampf der natio« nalsozialistischen Bewegung war von Anfang an gegen dieses ebenso wahnsinnige wie verbrecherische System gerichtet und gilt ihm auch weiterhin. Die nationalsozialistische Bewegung lehnt es ab, sich mit der Sozialdemokratie solidarisch zu erklären oder sich mit ihr zu verbünden, aber diese aus ihrer grundsätzlichen Einstellung refultierenbe Haltung hindert sie nicht, so wie bisher auch weiterhin die RegierungDollfuß mit aller M'a ch t zu bekämpfen, um durch den Sturz dieses volks- und staatsverderbenden Systems die Voraussetzungen zu einer dem wahren Volkswillen entsprechenden Neugestaltung Oesterreichs zu schaffen. Frankreich mit Anrufung des Völkerbundes durch Dollfuß einverstanden. Paris, 13. Febr. (DNB. Funkspruch.) Am Montagnachmittag trat ein Kabinettsrat zusammen, in dessen Verlauf Außenminister B a r t h o u feinen Kollegen den Wortlaut der Note vorlas, die er d e r österreichischen Regierung als Antwort auf ihre Ankündigung der bevorstehenden Befas- sung des Völkerbundsrates mit dem deutsch-österreichischen Konflikt zu überreichen beabsichtigt. In der Note erklärt sich die französische Regierung mit der österreichischen Absicht einverstanden. Barthou erklärte der Presse, nach französischer Ansicht habe die österreichische Regierung das Recht, den Völkerbund mit dieser Frage zu betrauen. Frankreich habe sich jedoch nicht mit den von Oesterreich in den Vordergrund geschobenen Fragen zu befassen, denn diese beträfen einzig und allein den Völkerbund. * Barthou hat durch den Kabinettsrat die französische Antwortnote auf die letzte deutsche Abrüstungsnote vom 19.Januar 1934 billigen lassen. Das Außenministerium wird am Dienstag- oormittag die Note dem Präsidenten der Republik unterbreiten, und alsdann wird der Wortlaut der Note unverzüglich der deutschen Regierung übermittelt werden, lieber den Inhalt der Note bewahrt man vollkommenes Stillschweigen. Frankreich kündigt den Handelsvertrag mit England. Paris, 13. Febr. (DNB.-Funkspruch.) Die französische Regierung hat in London erklärt, sie betrachte mit dem Zeitpunkt des Jnkraftretens der englischerseits angedrohten Repressalien, also vom 12. Februar mitternachts, das französisch-englische Handels- und Schifffahrt s a b k o m m e n v o m 2 6. 3 a n u a r 1826 und das englische Handels- und Schiffahrtsabkommen vom 28. Februar 1882 als gekündigt. Diese Kündigung wird sich infolge der Dreimonatigen Kündigungsfrist erst vom 12. Mai ab voll auswirken. Regierungskrisis in Prag. Prag, 12. Febr. (DNB.) Die tschechisch-national- demokratische Partei hat dem Ministerpräsidenten ihre ablehnende Stellungnahme gegenüber den Wirtschaftsplänen der Regierungsmehrheit mitge» teilt. Es bleibt jedoch bei der Durchführung der Pläne, die der Ministerpräsident im Rundfunk verkündete. Der tfchechifch-nationaldemokratische Handelsminister M a t u s ch e k wird daraufhin z u • r ü d t r e t e n. Es ist mit einem (Sefamtrüd- tritt der Regierung zu rechnen. Die Krise wurde dadurch verschärft, daß der Führer der tschechrsch-nationaldemokvatischen Partei, Abgeordneter Dr. Kramarsch, im „Narodni Sifin" einen Aufsatz über die tschechoslowakische Währung veröffentlichte, von dem fünf Stellen der Beschlagnahme verfielen. Ebenso konnte ein Artikel des Vizepräsidenten des tschechischen In» dustriellenverbandes, Dr. Hodac, die Zensur nicht ganz passieren. Durch dieses scharfe Vorgehen gegen eine Regierungspartei, die als Vertreterin des besitzenden tschechischen Bürgertumes gilt, waren bereits die Schwierigkeiten in der Regierungsmehrheit offenkundig geworden. panasiaiische Konferenz unter japanischer CRegte. 2) a i r e n, 13. Febr. (DNB.-Funkspruch.) Die pan- asiatische Konferenz, die hier in der Hauptstadt der mandschurischen Halbinsel Kwantung getagt hat, ist beendet. Die Delegierten aus zehn Ländern haben beschlossen, im nächsten Jahre in Dairen eine große asiatische Konferenz abzuhalten, die, wie erklärt wird, wirtschaftliche und kulturelle Fragen behandeln soll. Unter japanischer Führung ist ein stän - diyer panasiatischer Ausschuß gebildet worden. Der Ausschuß besteht, abgesehen von dem Vertreter der indischen Jnformationsgesellschaft A. M. Nair, ausschließlich aus Japanern. Der ständige Ausschuß hat Weisung erhalten, intensive Propaganda zu treiben und im nächsten Jahre eine „Riesenkundgebung" zu veranstalten. Die Sprecher erklärten, die Bewegung bezwede nur die Bildung einer Wirtschaftsunion, die ein Gegengewicht gegen öie Zollschranken und son- ftigen Wirtschaftshindernisse in Europa und 21 m er i f a bilden solle. Einige Delegierte allerdings erklärten, die Asiaten sollten sich unter dem Schutze der einzigen starken Macht des Ostens von der Zwangsherrschaft des Westens freimachen. Der halbamtliche japanische Einfluß ist offenbar darauf gerichtet, das Interesse revolutionärer asiatischer Vereinigungen vom politischen auf das wirtschaftliche Gebiet abzulenken. Englandfeindliche Revolutionäre aus Indien, die an der Konferenz teilnahmen, schlossen sich der Organisation an. Beschränkung der Mitgliedschaft im NS.-Gtudentenbund. Berlin, 13. Febr. (DNB. Funkspruch.) Um dem NS.-Studentenbund weitgehender als bisher den Charakter einer revolutionären Kampfgruppe innerhalb der Gesamtstudentenschaften zu verleihen, gilt die uneingeschränkte Mitgliedschaft nur für alle die, die bereits vor dem 30. Januar 1933 um die Aufnahme in den NSDStB. nachgesucht haben. Alle später CEingetretenen sind lediglich 21 n ro ä r • ter. Ihre Bewährung im revolutionär-nationalsozialistischen Sinne wird über ihre spätere Aufnahme entscheiden. Durch diese Maßnahmen soll es gelingen, aus der Gesamtstudentenschaft eine geschloßene kämpferische Einheit von etwa 5000 Mann zu bilden, deren Aufgabe es sein wird, die politische Schulung für die Gesamtstudentenschaft der Hoch- und Fachschulen durchzuführen, die ihr durch die neue Verfassung übertragen worden ist. Elternhaus und Jugend. Eingliederung der evangelischen Jugend in die HZ. Oer Reichsinnenminister zur Berlin, 12. Febr. (DNB.) Der Reichsminister des Innern hat den am 19. Dezember 1933 zwischen dem R e i ch s b i s ch o f und dem Jugend führer des Deutschen Reiches zur Eingliederung der evangelischen Jugend in die Hitler-Jugend abgeschlossenen Vertrag begrüßt, da die staatspolitische Erziehung der Jugend des nationalsozialistischen Staates durch diese Eingliederung wesentlich gefordert wird. Die notwendige Erziehung durch Elternhaus, Schule und Kirche wird nach den Zusicherungen des Reichsbischofs und des Jugendfuh- rers durch den Vertrag nicht beeinträchtigt. Die Sorge vieler Eltern, daß durch die im Vertrag vorgesehene Gesamtbeanspruchung der evangelischen Jugend an sämtlichen Sonntagen im Monat und an vier Nachmittagen der Woche die Jugendlichen derFamilieentfrem- det würden,'wird schon durch die Erklärung beider Teile, daß der Vertrag nur zeitliche Höchstanforderungen aufstellt, die in Wirklichkeit niemals beansprucht würden, wesentlich gemildert. 3m übrigen hält der Relchsminister des Innern als der für die Angelegenheiten der Reichsjugendführung zuständige Reichsminister an der Forderung fest, daß die Angehörigen der hitler-Iugend nicht mehr als zwei Nachmittage in der Woche durch den Dien st beansprucht werden dürfen. Ls ist selbstverständlich, daß die evangelische Iugend- führung sich ihrer Verantwortung bewußt sein und dem Elternhaus als der Keimzelle des nationalsozialistischen Staates genügend Raum für die eigene Erziehung der Kinder lassen wird. Ebenso muh die Schule genügend Zeit für ihre wichtigen Aufgaben behalten, damit die Iugend auch hier ihre Pflichten gegenüber Volk und Staat erfüllen kann. Schließlich muß auch dem Jugendlichen s e l b st ein ausreichender Zeitraum verbleiben, in dem er vorhandene Anlagen seinen Neigungen entsprechend entwickeln kann. Der Reichsminister des Innern sieht in der klaren Abgrenzung von Rechten und Pflichten der großen Erziehungsmächte eine sichere Gewähr dafür, daß eine Jugend heranwächst, die ihre Aufgaben im nationalsozialistischen Staate zu erfüllen vermag. Nachdem der Wille zur gemeinsamen Arbeit im neuen Staat sowohl in der evangelischen Jugend wie auch in katholischen Studentenorganisationen überzeugend zum Ausdruck gekommen ist, wird in* Kürze das Ziel erreicht sein, daß aus einer geeinigten Jugend heraus der Nationalsozialismus sich ständig erneuert. Gauamlsleitertagung der AS.Hago. Berlin, 12. Febr. (DNB.) In den Räumen des Industrie- und Handelstages fand die Reichstagung der NS.-Hago statt. Dr. von Renteln gab in kurzen Worten das Programm bekannt. Als Hauptpunkt der Tagesordnung war die Aufteilung des Gesamverbandes deutscher Handwerker, Kaufleute und Gewerbetreibenden (G. H. G.) in der Deutschen Arbeitsfront in die drei Reichsbetriebsgruppen Handel, Handwerk und Gewerbe vorgesehen. Oer Führer der Deutschen Arbeitsfront, pg. Or. Ley führte sodann in längerer Rede u. a. folgendes aus: Zum Aufbau des Volkes gehören zwei Dinge, zwei grundsätzliche Dinge, die wir erkennen müssen: Das ist der Gedanke der Gemeinschaft und der Gedanke der Führung. Das Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit würde ein Verbrechen gewesen sein, wenn wir nicht gleichzeitig die Erziehung und Schulung des Volkes in die Hand genommen hätten. Unser Volk hat Jahrhunderte lang darunter gelitten, daß ihm die politische Führung fehlte. Das Volk war auf jedem Gebiet führend. Es hat die besten Künstler, Dichter und Denker, Wirtschaftler und Ingenieure, Techniker, Architekten und Chemiker, Generäle, Offiziere und Soldaten. Aber dieses Volk hat seit seiner Geschichte, seit dem Beginn seines Werdens niemals eine politische Führung gehabt. Seit 2000 Jahren zum ersten Male hat es nun in dem politischen Leiter der NSDAP, eine politische Führung erhalten. Das ist vielleicht eine der grundlegenden Erkenntnisse, die die Partei uns gibt und die auch Hitler immer wieder betont hat. Der Politiker muß Soldat und Prediger zugleich sein. Der Beamte kann es nicht. Er soll Beamter sein und verwalten, und der Soldat kann es auch nicht sein,denn er muß — das ist das Wesen des Soldaten — gebunden sein an Befehle. Der Politiker aber muß mitschaffen und schöpferisch arbeiten, auch wenn es sein muß, ohne Befehle, und muß dann auch dafür die Verantwortung tragen. Das ist das Wesen der Politik. Die Schaffung der politischen Führung muß uns gelingen, und ich kann heute sagen, daß sie mir gelungen ist. Die Erkenntnis, daß diese politischen Leiter und die Partei nicht für sich da zu sein yaben, sondern daß alle diese Menschen nur deshalb politische Leiter geworden sind und nur deshalb eine Partei gegründet und organisiert wurde, damit dermaleinst diese Partei und diese Menschen das ganze Volk führen sollen, das allein rettete uns und gab uns heute den Sieg. Dieser Durchbruch der politischen Führung war nur möglich in der Erkenntnis, daß diese Organisation des Volkes nicht Sache des Staates, sondern allein Sache der Partei sein kann. Die Führung des Mittelstandes und aller seiner Verbände und Organisationen gehört der NS.-Hago. pg. Or. von Renteln ging dann im einzelnen auf die Neuorganisation der Deutschen Arbeitsfront, soweit sie die Reichs- betriebsgruppen Handel, Handwerk und Gewerbe betrifft, ein. Die NS.-Hago ist der Treuhänder und der Mittler der Bewegung für die von ihr betreuten Schichten, lieber die Frage der Abgrenzung zwischen den 20 Reichsbetriebsgruppen steht eine endgültige Klärung bevor. Eines ist klar: Sämtliche Betriebe, sämtliche Volksgenossen, die in einem Handelsbetrieb sind, gehören natürlich zur Betriebsgruppe. Ebenso ist es in bezug auf das Handwerk. Wir haben diese Regelung ja schon seit altersher, daß diejenigen Betriebe als Handwerksbetriebe anzusprechen sind, die in die Handwerksrolle eingetragen sind, und damit haben wir beim Handwerk ein sehr deutliches und gut feststellbares Kriterium gefunden. Schwieriger liegen die Dinge jedoch beim Gewerbe. Hier wird eine Entscheidung noch getroffen. Das G a st st ä t t enge w e r b e gehört zur Betriebsgruppe Handel und zwar deshalb, weil 80 v. H. der Betriebe Gaststätten sind, d. h. Betriebe, die in ihrer Art einen Handel betreiben. Dr. Renteln ging sodann auf organisatorische Einzelheiten ein. für des bel der Tausende und aber Tausende als Dank ihre selbstlose Arbeit um das Zustandekommen Zuges entgegennehmen. Der Kölner Rosenmontagszug. Reichsstatthalter Sprenger und Staatsmimster Jung als Ehrengäste beim Minzer Karneval. Eine glänzende Prunk- und Fremden-Sihung.-Der große Rosenmontagszug. der vorbeimarschierenden Musikkapellen sangen und schunkelten. Selten auch hatte ein Rosenmontagszug eine derartige Fülle von treffenden Schlagern aufzuweisen, wie der erste Rosenmontagszug des Prinzen Karneval im Dritten Reich. Auf einem Wagen nahte das Seeungeheuer von Loch Neß, gefangen von der Mainzer Strompolizei. Es folgte ein Wagen mit einem kranken Wiener im Bett, dem ein mächtiges Hakenkreuz schweres Alpdrücken verursachte, das „deutsche Radio" und die bekannte Familie Knorzel. Unter den vielen Gruppen, die alle aufzuführen kaum möglich ist, erfreute sich noch besonderen Beifalls das „Trojanische Pferd an der Saar", die Kulturträger „Utschebebbes", die aus der Besatzungszeit noch in „freundlicher Erinnerung" stehen und der „Nikolaß mit seinem braunen Tintenfaß". Schallende Heiterkeit erregte unter der Devise „Kleiner Mann, was nun" der „Cäsar Austriae Dollfuß". Die englischen Kolonialsorgen, Gandhi, der kaltgestellte Völkerbund und die deutsche „Aufrüstung" bildeten ebenfalls dankbare Motive. Der ganze Zug war ein ausgezeichnetes Beispiel urwüchsigen Mainzer Humors, und die Garden, die zusammen mit dem närrischen Ministerium dem Zuge seine höhere Weihe gaben, konnten den Ju- Hatte schon der Sonntag im Kölner Karneval ein lebhaftes Treiben mit sich gebracht, so sollte der Rosenmontagszug den eigentlichen Höhepunkt des diesjährigen Faschingstreibens ergeben. Nicht nur ganz Köln war auf den Beinen, auch der Zustrom aus der Umgebung, so aus Düsseldorf, Duisburg, Solingen-Wald und sogar aus Hamburg- Altona war außerordentlich stark. Schon von den frühen Morgenstunden an begaben sich die Massen zur Innenstadt, um den Rosenmontagszug zu bewundern. Mit viel Witz hatten es die großen Kölner Karnevalsgesellschaften verstanden, Bilder der Zeit auf ihren prunkvoll ausgestatteten Wagen darzustellen. Als der Zug vor dem Rathaus erschien, zeigte sich das Kölner Stadtoberhaupt auf dem Valkon den Narren, die durch Tänze ihre Ehrenbezeugungen abgaben. Der Münchener Metzgersprung. Nach einem bis ins 16. Jahrhundert zurückreichenden Brauch fand in München am FaschingsLPD. Mainz, 12. Febr. Einen Höhepunkt köstlichen Humors und spähenden Witzes brachte die große Prunk- und Fremdensitzung des Mainzer Carneval-Vereins. Die Narr- halla war bis auf den letzten Platz gefüllt. Wieder bewährte das Vorspiel „Rheinzauber" von Robert Wasserburg seine zündende Wirkung. Nach dem feierlichen Einzug des Komitees begrüßte Präsident Bender in seiner humorvollen Weise die auswärtigen und einheimischen Verehrer des Prinzen Karneval. Mit besonderer Freude entbot er seinen Gruß dem Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger und dem hessischen Staatsminister Jung, die es sich nicht hatten nehmen lassen, der repräsentativen Sitzung des Mainzer Carneval- Vereins persönlich beizuwohnen, und überreichte ihnen als Zeichen des Dankes die Ehrenkappe, während die Narrenschar mit begeistertem Beifall ihre Zustimmung zum Ausdruck brachte. Ein Glanzpunkt der Sitzung war wieder das Protokoll des närrischen Kanzlers, Seppl Gluckert, der u. a. die Hoffnung aussprach, daß in Zukunft der Führer und die Minister nicht nur inkognito nach Mainz kommen möchten; er schloß seine trefflichen Ausführungen mit einer Lobpreisung des deutschen Rheins, der nie fremder Habgier anheimfallen möge: Dich sorge nicht, mein Vater Rhem, sofern nach dir sie streben — Wir sind und bleiben ewig dem mit unferm Blut und Leben!" Hohe Politik und Alltagsleben, Mustk und Tanz — es seien nur erwähnt der Vortrag von Martm Mundo, das Gespräch der Familie Knorzel und die Darbietungen der „Ersten konzessionierten Stra- ßensänger-Gilde" — fügten sich zu einem bunten Kranz, den Thron des närrischen Prinzen zu zieren. Die Fastnacht ist, wie sich auch dieses Jahr wieder gezeigt hat, als wirkliches Volksfest in den Herzen der Mainzer unausrottbar verwurzelt. Eine riesige Volksmenge belagerte die Straßen, durch die der große Rofenmontagszug fernen Weg nehmen sollte. Seit vielen Jahren war keine derartige Begeisterung und Spannung in den Zu- schauermassen zu beobachten. Diese Begeisterung entfachte sich zu hellen Flammen, als Fanfarenklange Das Herannahen des Zuges verkündeten. In allen Straßen war alsbalü der engste Kontakt zwischen den Teilnehmern des Zuges und den zu- fchauenden Massen hergestellt, die zu den Klängen montag zum erstenmal wieder nach fünf Jahren der Metzgersprung statt. Nach einem Gedächt- nisgottesoienst in der Peterskirche marschierte die Zug der Meistersöhnchen, der freizusprechenden Lehrjungen, der Metzgergesellen und der Vereine der Metzgermeister mit ihren Bannern zum Odeons- platz und zum Braunen Haus, wo eine Abordnung durch den Leiter der Reichspresfestelle München, D r e s l e r , empfangen wurde. Weiter ging es zum Reicksstatthalter und zum Ministerpräsidenten, wo die Zunftabordnung gleichfalls herzlich begrüßt wurde. Nach einer Ansprache des Altgesellen König er, die mit einem Sieg-Heil auf den Reichspräsidenten und den Reichskanzler schloß, sprangen die mit Kalbfellen bekleideten Lehrjungen in den Brunnen und spritzten reichlich Wasser auf die herandrängende Jugend, die fid> um die ausgeworfenen Aepfel und Nüsse ordentlich balgte. Eingliederung der Reichskutturkamrner in die Deutsche Arbeitsfront. Berlin, 12. Febr. (DNB.) Zwischen dem Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Dr. Goebbels und dem Führer der Deutschen Arbeitsfront Dr. Ley wurden folgende Vereinbarungen getroffen: Die Reichskulturkammer ist korporatives Mitglied der Deutschen Arbeitsfront. Alle in der Reickskulturkammer, ihren einzelnen Kammern und diesen angeschlossenen Organisationen und Fachverbänden zusammengefaßten schaffenden Deutschen dürfen in Zu - kunft nicht mehr Mitglied eines Der Deutschen Arbeitsfront zugehörigen Angestellten- oder ähnlichen Verbandes sein. Sie haben durch die Mitgliedschaft in ihren der Reichskulturkammer zugehörigen Verbänden ihre Pflicht dem ständischen Aufbau des deutschen Volkes gegenüber erfüllt und brauchen deshalb auch nur Mitgliedsbeiträge an diese Organisationen abzuführen. Damit sind die Verbände der Theaterangestellten u. a. aufgelöst. Ihre Mitglieder werden mit allen Rechten und Pflichten an die Fachverbände der Reichskulturkammer überwiesen. Der Reichsverband Deutscher Ojfiziere beim Reichspräsidenten. Berlin, 12. Febr. (DNB.) Nachdem Deutscher Ofsiziersbund (DOB.) und Nativ- naiverband Deutscher Offiziere (NDO.) sich zu einem Verband, dem Reichsverband Deutscher Offiziere (RDO.) zusammenae- schlossen und die übrigen kleineren Offiziersverbände sich in diesen eingegliedert haben, empfing der Herr Reichspräsident Generalfeldmarschall von Hindenburg heute die Führer des neuen Verbandes, Generalmajor a. D. Grafvon der Goltz, dessen beide Stellvertreter General der Infanterie a. D. von Tschischwitz und Oberst a. D. Reinhard, sowie den Stabsführer Major a. D. von Wiese und Kaisers- waldau zur Meldung. Graf von der Goltz gab dem Reichspräsidenten als dem Schirmherrn des neuen Reichsoerbandes Deutscher Offiziere die Erklärung ab, daß der neue Verband unter Ausschluß aller anderen politischen Bestrebungen sich rückhaltlos und vertrauensvoll zum heutigen Staat bekennt und zur bedingungslosen Mitarbeit xur Verfügung stehe. Reichspräsident von Hindenburg nahm mit Befriedigung von dieser Erklärung Kenntnis und gab dem Wunsche Ausdruck, daß sich in dem neuen, nunmehr alleinigen Ossiziers- i verband alle alten Offiziere kameradschaftlich zusam- I menfinden möchten. Aus aller Welt. Papstkrönungsfeier im Berliner Dom. Aus Anlaß des 12. Krönungstages Papst Pius XI. wurde in der St. Hedwigskathedrale in Berlin ein feierliches Pontifikalamt gehalten, das der Apostolische Nuntius Cesare O r f e n i g o zelebrierte. Als Vertreter des Reichspräsidenten wohnte Vizekanzler von Popen der Feier auf einem Ehrenplatz im Presbyterium bei, wo auch für den neuen Bischof von Berlin, Dr. Nikolaus Bares, der Thron errichtet worden war. Neben dem Diplomatischen Korps sah man unter den Ehren- aäften den Reichsminister Eltz von Rübenach, Staatssekretär von Below vom Auswärtigen Amt, sowie Vizeadmiral Freiherrn von Freyberg- Eisenberg-Jllmendingen und Generalleutnant D o l l m a n n als Vertreter des Reichswehrministeriums. Interessante Funde bei den Ausgrabungen unter der Sakkar-Pyramide. Die Ausgrabungen, die unter der Stufen- Pyramide von Sakkar ausgeführt werden, haben, Berichten aus Kairo zufolge, wieder sehr bemerkenswertes Material zutage gefördert. Im Unterbau der Pyramide ist ein etwa 30 Meter langer Gang aufgedeckt woroen, in dem sich tausende von Schüsseln, Kelchen und Schalen befanden. Die meisten sind aus kostbarem Alabaster, andere aus Diorit, Porphyr, ober Quarz hergestellt. Leider sind die Gefäße sämtlich zerbrochen, doch glaubt man, einige yundert von ihnen wieder zusammensetzen zu können. Mehrere Vasen tragen Inschriften in schwarzer Tusche. Einige scheinen zum Erbgut der Familie des Pharaos Soffer gehört zu haben, der im 28. Jahrhundert vor Christi Geburt regierte und die Stufenpyramide erbaut hat. Andere Inschriften bezeichnen die Namen und Titel von Edelleuten und das Fest, auf dem diese Titel ihnen angeboten wurden. Greta Garbo hat geheiratet. Wie die „Leipziger Neuesten Nachrichten" aus Jresno (Kalifornien) melden, hat sich die berühmte Filmschauspielerin Greta Garbo vor kurzem in dem Städtchen Williams (Arizona) mit dem Regisseur Rouben Mamoulian in aller Stille verheiratet. Mamvulian hat in zahlreichen amerikanischen Filmen der Garbo Regie geführt. Versuchte Brandstiftung in Schlangenbad. In einer der letzten Nächte wurden in dem in den Wintermonaten geschlossenen Hotel „Kaiserhof" in Bad Schlangenbad verdächtige Personen bemerkt, Als die Gendarmerie das Haus durchsuchte, fand sie einen raffiniert angelegten Brandherd, der, wenn er nicht entdeckt worden wäre, das ganze Hotel hätte in Flammen aufgehen lassen. Von den Tätern fehlt jede Spur. Es ist möglich, daß ein Racheakt vorliegt. Die eigene Frau im Streit erstochen. Der Arbeiter L a t t e n st e i n in Finow bei Eberswalde bekam in einer der letzten Nächte mit seiner Frau einen Streit, in dessen Verlauf der Mann derart in Wut geriet, daß er mit einem Messer blindlings auffeine Frau ein ft ad). Aus die Hilferufe der Frau eilten Nachbarn herbei, denen jedoch erst nach längerem Klopfen geöffnet wurde. Den Eintretenden bot sich ein furchtbarer Anblick. Frau Lattenstein lag blutüberströmt auf dem Fußboden vor dem Bett und gab nur noch schwache Lebenszeichen von sich. Der Ehemann saß währenddessen am Tisch und rauchte eine Pfeife. Die Frau erlag nach kurzer Zeit ihren schweren Verletzungen. Der Mann wurde verhaftet. Deutsche Rekordleistung im Luftpostverkehr Südamerika—Berlin. Mit der Leistung der Heinkel-Schnelloerkehrsflug- zeuges „He 70" der Deutschen Lufthansa, das am Montag um 18.20 Uhr auf dem Flughafen Tempelhof bei Berlin eintraf, wurde der erste planmäßige Luftpostflug von Südamerika nach Deutschland in Rekordzeit beendet. Von Natal—Pernambuco in Brasilien bis nach Berlin hat die erste südamerikanische Luftpost nur drei Tage, acht Stunden und 40 Minuten gebraucht. Die Post hatte Natal-Pernambuco am Freitag, 9. Februar, um 9.40 Uhr verlassen. Am gleichen Tage erreichte der Dornier-Wal „Taifun" der Deutschen Lufthansa den Flugstützpunkt „Westfalen", um am nächsten Morgen mit dem Heinkel-Großkatapult abgeschossen zu werden und nach Bathurst (Britisch- Gambien) zu fliegen. Am Nachmittag des 10. Februar war damit die zweite Etappe des 3100 Kilometer langen Atlantikweges überwunden. Am Tage darauf wurde Spanien erreicht, wo die „He 70" die Südamerika-Luftpost übernahm und sie in einem über 2640 Kilometer führenden Fluge über Stuttgart nach Berlin brachte. Die planmäßige Postlaufzeit ist also ganz bedeutend unterboten worden. Zurückgelegt wurden insgesamt über 9100 Kilometer. Berücksichtigt man, daß der Hinflug vollkommen planmäßig verlies, d. h. daß die festgesetzte Flugzeit eingehalten wurde, so darf man wohl sagen, daß die beiden ersten Flüge ein hervorragendes Ergebnis zeitigten. Mord an einem Stahlhelmer nach drei Iahren aufgeklärt. Die Staatsanwaltschaft Breslau hat gegen den Arbeiter Paul Hahn und den kaufmännischen Angestellten Wilhelm Heida, beide aus Breslau, die Voruntersuchung wegen gemeinschaftlichen Mordes an dem Stahlhelmmann Müller beim Stahlhelmtag in Breslau am 30. Mai 1931 beantragt. Hahn und Heida befinden sich in Untersuchungshaft. Die Ermittlungen der Staatspolizeistelle unter Mitarbeit des Standortes der SA. haben nun nach bald drei Jahren zu Ergebnissen geführt, die eine baldige restlose Aufklärung dieses kommunistischen Feuerüberfalls auf die Stahlhelmmänner in Aussicht stellen. Sühne für eine kommunistische Bluttat. Der 27jährige Kommunist Fritz Szymanski wurde vom Reichsgericht in Leipzig in der Revisionsverhandlung zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt, wie bereits vom Berliner Schwurgericht im Oktober v. I. erkannt worden. Der Angeklagte hatte gemeinsam mit dem Kommunisten Hartmann und anderen Kommunisten im August 1932 in Berlin einen Trupp von 15 Nationalsozialisten überfallen. Bei dem Ueberfall war der SS.-Mann Fritz Schulz erschossen und drei weitere SS.» Männer waren verletzt worden. Das Urteil gegen Hartmann wurde zu nochmaliger Verhandlung und zur Entscheidung an die Vorinstanz zurückverwiefen. Sühne für die Ermordung des hitterjungen Vloecker. Das vom Hanseatischen Sondergericht in Hamburg gegen Arthur R e t s l a g wegen Mordes ausgesprochene Todesurteil ist im Hofe des Unter- uchungsgefängniffes durch Handbeil volltreckt worden. Der Reichsstatthalter hat von einem'Gnadenrecht keinen Gebrauch gemacht, da )ie Ermordung des Hitlerjungen Bioecker eigenstes Werk des Kommunisten Retslag war. — Bei den im gleichen Mordfall zum Tode Verurteilten Karl Fischer, Wilhelm Hellwig und Karl Deitmer hat der Reichsstatthalter von seinem Gnadenrecht Gebrauch gemacht und die Todesstrafe in lebenslängliche Zuchthausstrafen umgewandelt, weil diese drei Verurteilten als verführte Opfer der gewissenlosen Hetze der Kommunistischen Partei anzusehen sind. Zuchthaus-Meuterei in USA. — Zehn Tote. Wie Reuter aus Walla-Walla im Staate Washington meldet, hat sich im dortigen Zuchthaus eine schwere Meuterei ereignet. Dabei wurden ein Wärter und neun Gefangene getötet. Drei Wärter haben Stichverletzungen erhalten. Griechischer Dampfer untergegangen. — 23 Mann ertrunken. Der griechische 4000-Tonnen-Dampfer „Meandros" ist im Aermelkanal bei St. Cathörine Point im dichten Nebel mit dem englischen 4000-Tonnen-Dampser „Dartford" zusammengestoßen und g e - funken. Von der Besatzung des griechischen Schiffes, die vermutlich aus 24 Mann bestand, wurde nur einer gerettet. Der Dampfer „Dartford", der den Geretteten an Bord nahm, konnte wegen des dichten Nebels kein Rettungsboot aussetzen. Wettervoraussage. Der Luftdruck ist über Deutschland sehr stark angestie- gen und hat allgemein zu aufklarendem Himmel geführt. Die von Westen vorschreitende Erwärmung an der Vorderseite einer neuen Jslandstörung wird aber durch eine Kaltluftwelle, die vom Norden Skandinaviens bis nach Polen und Ostdeutschland gedrungen ist, aufgehalten und wird beim Mischen mit dieser zu Dunst- und Nebelbildung führen. Durch die ungehinderte Ein- und Ausstrahlung werden sich die Temperaturoerhältnisse zwischen Tag und Nacht verschärfen, örtlich bedingt ist also weiterhin mit Nachtfrost zu rechnen. Aussichten für Mittwoch: Teils neblig- dunstig, teils heiter, tagsüber sehr mild, stellenweise örtlich bedingter Nachtfrost, trocken. Lufttemperaturen am 12. Februar: mittags 10,3 Grad Celsius, abends 5,6 Grad; am 13. Februar: morgens 1,4 Grad. Maximum 11,1 Grad, Minimum 0,9 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 12. Februar: abends —0,1 Grad; am 13. Februar: morgens —0,1 Grad Celsius. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. 11700. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K. G., fämtlid) in Gießen. Das Rätsel einer Krühlingsnacht Zfioman von Gert Gothberg. Urheberrechtsschutz: Fünf Türme-Derlag, Halle, Saale 23 Fortsetzung. Nachdruck verbotenl Die Gastgeberin konnte diesen Gedanken beinah lesen, denn sie sagte: „Ich glaube aber nicht, daß es Graf Härtlingen fein wird, trotzdem man zuerst an ihn denken müßte." Gräfin Uchterberg sah die Tante dankbar an. Gertraude aber hatte die kleinen Hände gefaltet und sah darauf nieder. Die Fürstin beendete das Frühstück und nahm Gertraude mit sich. Sie habe etwas Wichtiges mit ihr zu besprechen. Als sie allein waren, strich die alte Dame zärtlich über den Blondkopf. „Es ist mir nicht recht, daß Miß Maderio hierher kommt. Es kommt mir direkt ungelegen!" sagte sie leise. „Denn sie wird sich unbedingt sofort für Hartlinaen interessieren, und du wirst leiden, mein armes Kind. Trotzdem wird er ihr Gatte nicht werden — auf keinen Fall." „Weshalb nicht, Tante Agnes? Es ist doch gleich, wen er heiratet? Mich haßt er ja, bestimmt tut er das. Es ist gut, daß jetzt gleich einmal darüber gesprochen werden kann. Bitte, lasse mich abreisen. Oder lasse mich einstweilen im Rosenschloß wohnen. Es geht über meine Kräfte, ihn so oft sehen zu müssen!" sagte Gertraude, und ihre Stimme war von Tränen erstickt, so daß sich die Worte nur mühsam über ihre Lippen quälten. Da sagte die Fürstin hart: „Meine liebe Gertraude! Du wirst hier bleiben, wirst mich zu Ende führen lassen, was ich mir vorgenommen. Wenn es sich nicht um Rudolf Härtlingen handelte, dann hätte ich die Geschichte weniger kompliziert arrangieren können: bei ihm aber ist es angebracht. Ich könnte ihm ja die Wahrheit sagen, und ich weiß schon heute ganz genau, was das Resultat sein würde. Rudolf Härtlingen würde dich sofort heiraten. Aber das wollen wir ja nicht. Es handelt sich um dich! Du sollst glücklich sein, und aus diesem Grunde wirst du hier bei mir bleiben." Da legte Gertraude beide Arme um die Fürstin und stöhnte: „Ich liebe ihn zu sehr, als daß ich seine höfliche Verachtung noch länger ertragen könnte." „Ich glaube nicht, daß er dich verachtet. Es ist nur die Abwehr, weil du deiner Schwester so ähnlich bist. Trotzdem liebt er gerade diese Aehnlich- keit. Ich hoffe, daß noch alles gut wird." „Niemals, Tante Agnes! Er kann mich nicht lieben! Es — wäre — ja auch — zu viel — des Glücks." Da wußte die alte Dame, wie sehr das junge Weib litt. Sie küßte Gertraude herzlich. ,^Zmmer Kopf oben, Kind! Und fürchte du ja nicht die hübsche Miß Maderio. Sie ist ganz bestimmt nicht die Frau, die Rudolf Härtlingen jetzt nach all den Enttäuschungen, die hinter ihm liegen, zur Frau haben möchte. Ich habe da so meine eigenen Gedanken, und die trügen mich nie. Trotzdem muß ich wahrheitsgemäß gestehen, daß Dolores Maderio ein entzückendes Persönchen ist. Voll übersprudelnder Laune und entzückendem Witz. Nun, ich fürchte für die anderen jungen Damen viel mehr als für dich, Gertraude, obwohl, wie gesagt, Dolores Interesse natürlich sofort dem Grafen Härtlingen gelten wird. Ich kenne nämlich ihren Geschmack von Baden- Baden her." „Wenn du es willst, dann bleibe ich. Vor allem, wenn du mich brauchst, Tante Agnes! Ich bin dir so unendlichen Dank schuldig, daß ich nie weiß, wie ich ihn abtragen soll!" sagte Gertraude ergeben. „Von Dankbarkeit wollen wir gar nicht reden, da kommt immer etwas Dummes dabei heraus, wenn beide Parteien den gleichen Nutzen haben, mein Kind! Und in diesem Falle weiß ich sowieso nicht, wer der größere Nutznießer ist." „Ich, Tante Agnes! Ich kann es dir nie vergelten, was du an mir tust." „Meinst du? Nun, ich denke anders. Aber wozu- sollen wir uns darüber streiten? Was ich dir sagen wollte, ist folgendes: Die Vormundschaft habe ich und Justizrat Heber übernommen. Es ist ja nur eine vorläufige Formsache, da du entweder in kurzer Zeit heiraten oder meine Adoptivtochter wirst!" „Nein!", wehrte Gertraude erschrocken ab. „Das darf nicht sein — um deiner Verwandten willen." „Oh, sie werden nicht zu kurz kommen! Aber in meine persönlichen Wünsche lasse ich mir von ihnen nicht hineinreden. — Lassen wir das. Morgen abend mußt du singen, Kleine." „Ja, Tante Agnes!" sagte Gertraude. „Die Herren sind alle von der Jagd zurück, und ich will einmal ein bißchen tanzen lassen. Dazwischen Einlagen. Komtesse Bredow deklamiert sehr hübsch, und Herr von Kramer spielt ausgezeichnet Violine. Du singst sehr gut — und da habe ich ein sehr billiges künstlerisches Kleeblatt beisammen. Was singst du denn?" „Deine Lieblingslieder: .Sternblume in der Nacht', dann ,Du bist meine Heimat' und vielleicht noch .Des Wanderers letztes Lied'." „Sehr gut!" nickte die Fürstin befriedigt. „Die Gräfin Uchterberg wird dich begleiten; das hat sie immer sehr gut gebracht." Gertraude rückte die Blumen in der hohen, geschliffenen Vase zurecht, dabei fragte sie: „Wann wird Miß Maderio eintreffen?" „Uebermorgen. Darum gebe ich den Tanzabend schnell noch morgen, damit sie nicht gleich zu Anfang Verwirrung stiftet." Die Fürstin dachte ein Weilchen nach, dann sagte sie: „Härtlingen wird auch mit dir tanzen, Gertraude." Gertraude wurde blaß und zitterte. Daran hatte sie noch nicht gedacht. Aber es war ja so selbstverständlich, dah er, wenn er mit den anderen Damen tanzte, sie nscht übergehen konnte als Kavalier. „Ob es nicht am besten wäre, ich würde allen Herren das Tanzen abschlagen?" fragte sie unsicher. „Nein! Das kommt nicht in Frage. Laß nur alles so, wie es kommt. Zweitens setze ich gerade auf den morgigen Tag große Hoffnungen in verschiedener Beziehung. — Uebrigens: was wirst du anziehen?" „Dank deiner Güte habe ich ja so viele schöne Kleider, daß mir die Wahl schwer werden wird!" sagte Gertraude. Ihr Herz schlug hoch auf bei dem Gedanken, daß Rudolf Härtlingen anderntags eine gute Meinung von ihr haben sollte. Sie wollte singen, wie sie noch nie gesungen, und kleiden wollte sie sich auch sehr sorgfältig. Die Fürstin plauderte noch dies und jenes, und sie entließ dann Gertraude mit der Bemerkung, daß sie noch Verschiedenes zu erledigen habe. Gertraude möge doch ein bißchen in den Park gehen. Die Sonne scheine doch warm, und es sei überhaupt ein wundervoller Tag. Der Park fei ja groß, und wenn sie allein zu sein wünsche, dann gäbe es sicherlich einen Winkel, wo sie ungestört vor sich hinträumen könnte. „Ich muß doch irgend etwas tun, Tante Agnes. Du verwöhnst mich viel zu sehr." „Meine Tochter hat nichts zu tun, als ihrer Gesundheit zu leben. Die scheint mir nämlich sehr angegriffen zu sein!" sagte die Fürstin entschieden. Gertraude küßte die alte Dame voll überströmender Dankbarkeit, dann ging sie schnell hinaus. Fürstin Agnes aber setzte sich an den zierlichen Mahagoni-Schreibtisch und schrieb einen langen Brief an Rudolf Härtlingen. Sie berichtete ihm alles, bis ins kleinste. Dann legte sie ermüdet den Federhalter beiseite. Die linke Hand der alten Dame preßte sich auf die Brust. Wie schmerzhaft das alte Herz wieder schlug! War vielleicht nun doch das Ende schon eher da, wie sie gedacht? Nun, der Herrgott sollte sie gefaßt finden. Er hatte ihr ein langes, segensreiches Leben geschenkt; sie durfte nicht murren, wenn sie in d'.e Ewigkeit abgerufen wurde. Nur — sie hätte doch so gern noch gesehen, wie Graf Härtlingen die schöne kleine Gertraude an sein Herz nahm, sie, die längst und mit vollstem Recht zu ihm gehörte. Fürstin Agnes stand auf. Sie schritt langsam zum Fenster und sah in den Park hinab, wo die Dahlien und die Astern in bunten Farben blühten und leuchteten. Damen und Herren vergnügten sich durch harmlose Spiele, einige Paare hatten sich abgesondert und standen in engstem Gespräch ein Stück weiter entfernt beisammen. Die alte Dame lächelte. Viele ihrer Wünsche erfüllten sich, das sah sie. Ob sich aber auch noch ihr größter, sehnlichster Wunsch erfüllen würde? Und nur um dieses großen, innigen Wunsches willen hatte sie den ganzen Trubel auf sich genommen. Sie hatte immer so zurückgezogen gelebt in diesen letzten Jahren, wenngleich sie früher sehr gern durch solche (Einlabungen Ehen gestiftet hatte. Jetzt hätte sie es sicherlich nicht noch einmal getan, wenn es ihr eben nicht darum zu tun gewesen wäre, daß auch Graf Härtlingen nach Schloß Kleven kam. Denn allein hätte sie ihn doch nicht bitten können. So aber war nun alles getan, was getan werden konnte, um Gertraude noch zu einem schönen und großen Glück zu verhelfen. 13. Kapitel. Gertraude war an der hohen alten Steinmauer dahingegangen. Sie vermied die Wege, auf denen man sie sehen konnte. Sie wollte allein sein, um sich einmal inmitten der gelben und roten Blätter, inmitten all der Vergänglichkeit ausweinen zu können. Ganz hinten, wo dichtes Gestrüpp auch jetzt noch alle Aussicht versperrte, stand eine kleine Bank. Hierher hatte sie sich in den letzten Tagen oft geflüchtet. Geflüchtet! Es war der richtige Ausdruck für ihr Fortgehen, wenn sie es nicht mehr aushielt, dem Grafen Härtlingen bei irgendeiner Geselligkeit noch länger nahe zu sein. Hier saß sie nun auch jetzt, starrte in die hohen alten Nußbäume hinauf, die noch nicht abgeerntet waren, und dachte an Rudolf Härtlingen. Wenn alles Hoffen umsonst war, wenn Tante Agnes doch einer riesengroßen Täuschung sich hingab — was dann? Dann blieb sie hier in Kleven, wohlbehütet und geborgen vor allem Ungemach, und sie mußte Gott alle Tage auf den Knien dafür danken, daß diese gütige Frau sich ihrer mit so warmer und mütterlicher Liebe angenommen. Doch — die Sehnsucht, die unsinnige Sehnsucht nach Härtlingens Liebe, die würde immer, immer in ihr bleiben. Gertraude senkte das Gesicht in die Hände und meinte. Weinte um ein Glück, das ihr verloren war für immer. Der Kies knirschte unter festen Schritten. Gleich darauf bog jemand das Gebüsch auseinander. Gertraude zuckte zusammen, blickte empor, gerade hinein in die großen, spöttischen Augen des Grafen Härtlingen. „Verzeihung! Weshalb meinen Sie, Gertraude?"' (Fortsetzung folgt.) Klasse (A) (N) (N) (N) (N) 2 Stück ---- 0,9g fm (N) (N) (N) Fichten Abschnitte 1 Stück = 1,83 fm 021D 3. D.: Wagner, Beigeordneter. 4a. 4b. 14 8 4 (A) (N) (A) (N) 1 11 63 50 16 6 1 1 2 9 11 8 3 1 8 3 7 8 1 8 6 6 1 1. 2. 5,47 6,64 8,15 2,11 0,25 1,09 6,86 6,76 9,44 4,12 2,21 7,73 5,43 3,68 2b. 3a. 3b. 4a. --- 20,43 = 9,46 Eiche Abschnitte: r 1 Stück = 1,41 fm = 2,58 = 1,46 = 20,52 ----- 31,23 = 15,89 --- 9,17 --- 7,29 --- 10,56 Autzholzversteigerung Freitag, den 16. Februar 1934, vormittags von 9 Uhr an kommen aus den Waldungen der Gemeinde Grotzen-Vuseck, Distrikt Wellersloh, Esp, Schwalbenwald, Eichwald, Kirschbaum und Radenkopf zur Versteigerung: 3a.Klasse 1 Stück = 0,85 fm Klasse 6 Stück = 0,87 fm » 3 „ = 0,87 „ Lärche Langholz: 4b.Klasse 1 Stück = 3,02 fm Lärche Abschnitte: Kiefern Abschnitte: 2b.Klasse 4 Stück = 1,39 fm Fichten Langholz: 3b.Klasse 18 Stück = 33,48 fm 1. 2. 6. 7. 1. 2. 3. 4. 5. 6. 5. 4. 5. 6. 4b.Klasse 2a- „ 2b. „ 3a. „ 3b. „ 4a. „ 4b. „ 5- „ Zusammenkunft: im Distrikt Wellersloh. Grotzen-Bufeck, den 12. Febr. 1934. Bürgermeisterei Grohen-Buseck. 3a. 3b. 4a. lurWintersjritziiiii der Obstbäume! Lauril-Obstbaumkarbolineum, Avenarius-Dendrin, Kupfer-Karbol ineum, Schwefelkalkbrühe gegen überwintertes Ungeziefer und Pilzkrankheiten. Bei größeren Mengen Sonderpreise! Samenbaus Heinrich Hahn Bahnhofstraße Ecke Wolkengasse Telephon 3403 794 a Kiefern Langholz: 2a.Klasse ...... 2,90 „ Buche Abschnitte: Klasse 1 Stück = 1,59 fm 1,41 „ „ Esche Langholz: Klasse 10 Stück = 1,64 fm (N) „ 1 „ = 0,52 „ „ Esche Abschnitte: weicht man Wäsche ein! n rO m -O T. Es muß gary selbstveMadW sein mit Der blaue Festanzug ist für die Arbeitsfront bestimmt Am 1. Mai 1934 soll jeder Angehörige der Arbeitsfront beim Aufmarsch mit dem blauen Festanzug versehen sein. Der nationalsozialistische Führer der Schneider-Pflichtinnung für Stadt und Kreis Gießen erbittet alle Arbeitsfrontier, zum Zwecke der Arbeitsbeschaffung das notleidende Schneiderhandwerk dadurch zu unterstützen, daß sie sich jetzt schon entschließen, den Auftrag ihrem Schneider zu übertragen. Die Reichszeugmeisterei hat die Herstellung nach einheitlichen Richtlinien in Bezug auf Qualität des Stoffes und der Zutaten, sowie der Preise festgelegt 830 A sucht. 0763 Marktplatz 21. 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Kl. 3 und 4a 3 Stück, 3,09 fm, A; Kl 4b 1 Stück, 1,99 fm, A; Kl. 5a 1 Stück, 2,22 fm, A. 5. Derbstangen: Fichte 212 Stück 1. Kl.; 282 Stück 2. Kl.; 332 Stück 3. Kl. Zusammenkunft an der Straße Steinbach—Oppenrod, am Waldeingang. Anschließend nachmillags 4 Uhr werden folgende Holzsortimente auf dem Submissionsweg vergeben: Langholz: Fichte la 129 Stück, 20,01 fm; 1b 114 Stück, 36,77 fm; 2a 81 Stück, 47,59 fm; 2b 47 Stück, 43,98 fm; 3a 18 Stück, 25 60 fm; 3b 10 Stück, 14,52 fm; Kiefer 2a 3 Stück. 1,89 fm; 2b 10 Stück, 7,27 fm; Abschn.: Kiefer 2b 2 Stück, 1,08 fm. Die Angebote sind verschlossen und nach Klassen getrennt bei unterzeichneter Bürgermeisterei einzu- reichen, woselbst die Eröffnung stattfindet und nähere Bedingungen bekanntgegeben werden. Steinbach, am 8. Februar 1934. Hessische Bürgermeisterei. Krämer. Stflöttlefliei Gießen ««d Mittwoch, 14. 2. 19.30—22 Uhr: 19.Mittw.-Abon Gewöhnt. Preise Da« Konzert. Lustspiel in 3 Akten v. Hermann Bahr. Sau- und Nutzholz-Versteigerung Nächsten Mittwoch, als dem 14. d. IN., vormittags 9% Uhr, soll im Steinbacher Gemeindewald Ameise« köpf, Hangheck, Gesäng, Helgenwald nachverzeichnetes Holz versteigert werden: 828D 3m Iohannessaal finden von Mittwoch, den 14. d. M., bis einschl. Sonntag, den 18. Februar, abends 8 Uhr, sowie Sonntag, den 18. Februar, nachmittags 2.30 Uhr Evangelisaflvns-VoMge stau. Heöner: Goangeliit Gehring, Millingen Sei Tanz Heute Dienstag I ab 8.00 Uhr! 915 d |__ 6!30PSSteyer- Chassis fahrbereit, für Lieferwagen geeignet, vreisw. zu verkaufen. Schr. Ang. unt. 905D a. d.G.A. Oberhessischer Geschichtsverein Donnerstag, 15. Febr. 1934, abends 81/* Uhr, im Hörsaal des Kunstwissensch. Instituts (Ludwigstr. 34) Vortrag mit Lichtbildern von Dr. Carl Walbrach: Das rheinfränkische Gebiet als geschichtliche Einheit neu 0. gebraucht, kauft. Schriftl. Angeb. unt.0752 an 0. Gieß. Anz. Tüchtiges, nicht zu junges euD Mädchen das in all. 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An Ort und Stelle,Bekanntgabe im obigen Lokal: 3 Schweine, (Springer), 1 Brutmaschine (Petroleumfeuerung), 1 Schreibmaschine, 2 Schrotmühl., 1 Häckselmaschine, 1 Oekonomie- wagen, 17 Mistbeetfenster. 9ieo . Junker Gerichtsvollzieher in Gießen Wiesecker Weg 16, Telephon 3383 sw ohne Diät durch Magin-Kur Zu haben: 755D Dtog. öinterhoff Kreuzplatz 10. 2500-30001. auf 1. Hypothek (Neubau-gesucht Schriftl. Angeb. unt. 0761 an den Gießen. Anzeig. Verkäufe llllllllllllllllllllllllllllll Modernes Ginfam.-Hans (steuerfrei) 7 Zimmer, Heizung u. Garten für Mk. 20000- bei Mk. 4000 — Anzahl, zu verk. Schr. Ang. unt. 0764 and. G.A. llllllllllllllllllllllllllllll WM» (Fachwerk) 8X3,80 Meter als Stallung geeignet, auf Abbruch sofort zu verkaufen. Schr. Angeb. unt.0759 an d. Gieß. Ans. Kaufgesuche Ur. 57 Zweites Blau Gießener Anzeiger (GenertU-Anzelger für Gverheßen) Dienstag, lä.^cbruarJ934 Fasching aus dem Höhepunkt. t .....~..l. ................ ......"'" M Oben: Eine lustige Gruppe aus dem Mainzer Karnevalstreiben. — Unten: DerStampf gegen die Greuel Propaganda. Eine satirische Darstellung aus dem großen Münchner Wagenumzug. Karneval vor fünfzig Jahren. Ein Gtreifzug durch die rheinischen Einst und jetzt. Wir haben das Glück, in einer Zeit zu leben, in der allmählich wieder der Sinn für die traditionellen deutschen Gemütswerte lebendig wird. Der schrankenlose Vergnügungstaumel in den Jahren der Nachkriegszeit ist durch die aufbauende und erzieherische Tätigkeit des Nationalsozialismus endgültig überwunden worden. Das Volk hat gelernt, auf die zweifelhaften Vergnügungen einer überlebten und entseelten Zeit zu verzichten und den Sinn seines Daseins in höheren Dingen zu suchen. Menschliche Würde und nationales Ehrgefühl sind keine L-chlagworte mehr. Dieser gesunde Geist schafft auch den Boden für eine überzeugende, aus dem innersten Herzen kommende Fröhlichkeit, die nicht der Ausdruck einer hoffnungslosen Verzweiflung ist, nicht ein aus Zerrüttung und Ueberreizung entstandener Galgenhumor, sondern das Zeichen einer lebensbejahenden, kraftvollen Weltanschauung. In den Maskenfesten der vergangenen Zeit ist eine urdeutsche Lebenslust zu verspüren, ein breiter, behaglicher Humor, eine manchmal recht urwüchsige Heiterkeit, die geradewegs aus der Zeit der deutschen Landsknechte herzukommen scheint Wir finden in diesen Veranstaltungen nichts von der müden Sinnlichkeit und nichts von dem krankhaften Nervenprickeln, nichts von der Untergangsstimmung, die den Maskenbällen des Nachkriegsdeutschlands ihren Stempel aufdrückte Ein Streifzug durch die Karneoalsfefte vor fünfzig Jahren enthüllt uns eine wundervolle barocke Lebensfülle, eine sieghafte Freude an allerhand Ulk und Tumult, einen unerschütterlichen Lebenswillen, eine naive Hingabe an die Schönheiten und Genüsse dieser Welt DerLaubsrosch aus derWelttugel Narr, laß' den Narre-n vorbei'", war der Wahlspruch des Kölner Karnevals schon vor fünfzig Jahren Aller Herren Länder, welche Wein produzieren boten ihr „Wachstum" dem Prinzen Kar- neoal zur gefälligen Prüfung bar Dem Wagen Vater Rhein, Mosel und Ahr schlossen sich die Wagen „Italien" und „Ungarn" an, die von reich- geschmückten Magnaten und Fiedel Jpieenben Zigeunern umgeben waren Die Laubfrösche hatten einen eigenen Wagen „W e 11 e r p r o g n oj e um den Streit der Wettergelehrten zu verspotten Ein ungeheurer Laubfrosch saß auf der Weltkugel, und aus allen vier Ecken bliesen ihm die Winde das Wetter zu Hinter ihm zogen die (Sefhrne aus schwankem Schiffe erschien die Gabe der Schweiz mit den Figuren Wilhelm Teils und Geßlers. Auch die Feinde des Weinstocks, die Rebläuse, die in jener Zeit besonders arge Verwüstungen anrichteten, waren vertreten. Ein '„Reblausherd" wurde unter polizeilicher Bedeckung im Zuge geführt, und eine Kommission war damit beschäftigt, die Schädlinge zu vernichten. Den Damen wurden aus zahlreichen Kanonen Bonbons, Blumensträuße und andere Sachen entgegengefeuert Auf dem Neumarkt stand der Thrvn des Prinzen Karneval, und hoch über den Trümmern der alten Kölner Stadtmauer saßen in einem mit Samt ausgeschlagenen Baldachin Der Kölner Bauer und die Kölner Iungfr au. Unübersehbar war der Zug der Wagen. Die aus Dem Neumarkt anfuhren Zahlreiche Reitermasken, Musikchöre, Scharen von Tirolern, Spaniern Faschingsfeste von Anno duzumal. und Mexikanern, schweizerische Edelknaben, jede Gruppe eine Ueberraschung für sich. Ein Wagen „H a n s w u r st l i ch e s H o f t h e a t e r" verhöhnte die Unsitte, den Sängern beim bloßen Erscheinen auf der Bühne Gebirge von Kränzen und Blumengewinden darzubringen. Auch die Verirrungen des weiblichen Modegeschmacks wurden in humorvoller Weise gegeißelt. Den Schluß des Zuges bildete ein „Konservatorium für Schusterjunge n", die sich mit ihren Instrumenten redlich abmühten, das Publikum von ihrer klassischen musikalischen Ausbildung zu überzeugen. Die Dame und ihr Schaf... Bei einem Künstlermaskenfest in Düsseldorf mürben bie Damen, bie als Schäferinnen verkleibet waren, von lebenben Schafen begleitet. Der Abend stand unter der Devise: „E i n arkadisches Schäferfest zur Zeit Watteaus um 1 7 0 0" Unter den sanften Klängen der Musik traten aus den Wandelwegen und den grünen Hecken Schäfer und Schäferinnen und begannen einen Reigen, aus dem sich allmählich ein Blindekuh-Spiel entwickelte. Plötzlich verstummte unter Blitzen und Gewittergrollen die Musik. Gewitter- Imitation war für die damalige Zeit eine Sensation, während heute der Berliner dieses Schauspiel im Haus „Vaterland" täglich zwischen Suppe und Nachtisch genießen kann Unter wiederholtem Donner und Blitz betraten bie Olympier ben freien Platz, allen voran Jupiter. Sie erschienen nicht in ben klassischen G e - roänbern bes Olymps, sonbern tarnen im Zopfkostüm. Juno unb Ceres. Venus unb Diana trugen ben Reifrock unb einen bazu passenben Aufputz ber Frisur Auch bas berühmte Schönheitspflästerchen fehlte nicht. Die Gesellschaft begab sich zu ihrem erhöhten Wolkensitz, unb auf einen Wink Jupiters setzten bie Schäfer unb Schäferinnen ihre Spiele fort, bis Merkur ihre Reihen burcheilte, um eine chinesisch-russische Gesanbtschaft zu empfangen. Im nächsten Moment bröhnten bumpfe Paukenschläge Unter einer nervenerschütternben Marschmeise bewegte sich ein phantastischer Zug daher. Aus der Fülle der Gestalten ragten die prächtige Sänfte mit der holdseligen Frau des Mandarinen und der mächtige Elefant, der einen goldenen Thron trug. Auf einen Wink des Mandarinen traten aus dem Zuge verschiedene Paare hervor, und unter malerischer Gruppierung entwirrte sich aus dem Menschenknäuel ein russischer Bauerntanz in seinem eigenartigen Rhythmus, dem sich ein reizvolles Menuett der Schäfer und Schäferinnen und ein wilder Tanz der chinesischen Krieger und Tänzerinnen anschlossen In Berlin übten die Maskenbälle des königlichen Ballettkorps auf die Bevölkerung einen besonders starken Reiz aus. Hier, in der großen Stadt, war es nicht möglich, einen Karneval mit Tradition, wie er feit Jahrhunderten am Rhein, in Köln, Mainz und anderen Orten, bestand, aus dem Boden zu stampfen Da Berlin viel zu ausgedehnt war, um einen allgemeinen im Volksleben wurzelnden Karneval feiern zu können, begnügte man sich mit einzelnen Kostümbällen, denen allerdings die tiefere kulturelle Bindung fehlte Wenn auch diese Veranstaltungen einen außerordentlichen Zulauf hatten, so konnten sie es doch nicht mit ber ursprünglichen Kraft unb Trabitionsverdunbenheit bes rheinischen Karnevals aufnehmen. F. D. Zum Kampf in Oesterreich. V- 7 M - Links- Der Stephcmsdom, bas alte Wahrzeichen der österreichischen Bundeshauptstadt. — Im Kreis: Dr. Dollfuß, der österreichische Bunbeskanzler. — Oben links: Wiens Oberbürgermeister Seitz, Führer ber österreichischen Sozialdemokratie. — Oben rechts: Eine Abteilung der Heimwehr. Darunter: Fürst Starhemderg.der Führer ber Heimwehren. Die Einzelergebniffe der Deutschen Skimeisterschasten. Links: Die glanzvolle Siegerehrung, die den großartigen Abschluß der Skimeisterschasten in Berchtesgaden bilbete. — Rechts: Alfred Stoll gewann den Kombinationslauf und damit ben stolzen Titel „Deutscher Skimeister 1934". Meisterschafts - Sprunglauf: 1. Kurl Diet-München Note 214,5 (Sprünge 51 m, 52 m); 2. Alfred Stoll-Berchtesgaden 214,3 (56, 59 m); 3. Paul Schneidenbach-Aschberg 214,1 (50, 52 m); 4. H. Ostler-Partenkirchen 208,6 (50, 52 m); 5. Reidar Hoff-Norwegen 208,0 (51, 52 m); 6. H. Lantschner- Innsbruck 206,0 (48, 50 m). Jungmannen: 1. Franz Haselberger-Traunstein 213,0 (52, 51m); 2. Kurt Sattler-Aschberg 204,9 (48, 51 m); 3. A. Hechenberger-Bayrisch Zell 203,5 (52, 46 m) Altersklasse: 1. Max Kröckl-Neuhaus 188,4 (43 46 m); 2. Siegfried Wittmann-Traunstein 179,7 (44 47 m) Kombination (Langlauf/Sprunglauf): Gewinner des „Goldenen Ski": Alfred Stoll-Berchtesgaden, Note 415,3 Weitere Placierung: 2. Herbert Leupold-Breslau Note 411,1; 3. Walter Motz- München 406,5; 4. Anton Eisgruber-Partenkirchen 396,3; 5 Walter Glaß-Klingenthal 386,2. SA.- und SS.-Ski-Meisterfchasten. 12 Kilometer P a t r o u i l l e n l a u f für Flachland-Formationen: 1. Niedersachsen 1:48,13 Std. (5 Treffer, 1 Strafminute), 2. Geländesportschule Aachen 1:58,01 (7 Treffer); 3. Westfalen Sturm lll/Standarte 229 2:07,21 Std. (8 Treffer). 18 Kilometer Patrouillenlauf für Mittelgebirgs-Formationen: 1. Bayerische Ostmark I 228,45 Std. (7 Treffer); 2. Franken I 2:19,21 Std. (13 Treffer); 3. Bayerische Ostmark II 2:32,30 Std. (10 Treffer). 18 Kilometer P a t r o u i l l e n l a u f für Hochgebirgs-Formationen: 1. Hochland II (Iägerstaffel I) 2:02,35 Std. (7 Treffer); 2. Hoch- land I (Brigade 84) 2:03,41 Std. (9 Treffer), 3. Oesterreich II (Salzburg) 2:09,14 Std. (12 Treffer). Oie Akademischen Ski-Weltmeisterschasten. Mit dem Ausgang der Neunten Akademischen Skiwettkämpfe aller Länder in dem schweizerischen Winterkurort Wengen können die deutschen Teilnehmer äußerst zufrieden fein, denn neben einem Gesamtsieg in der Kombination Abfahrt-Slalom durch Kraify-München vor Dr. Detter-Freiburg belegten die deutschen Läufer noch zahlreiche ehrenvolle Plätze. Im abschließenden Sprunglauf am Sonntag holte sich der Münchener Mächler den Sonderpreis für den schönsten gestandenen Sprung, belegte aber im Wettbewerb selbst nur den zweiten Platz hinter dem Norweger Guttersen, der dadurch auch Sieger in der Kombination (Lang- und Sprunglauf) und in ber Vierer-Kombination (Abfahrt, Slalom, Lang- unb Sprunglauf) jebesmal vor dem Münchener Dehmel wurde. Die Japaner beteiligten sich diesmal auch im Springen und zeigten achtbares Können; so belegte Takeuchi den dritten Platz. . Spielvereinigung 1900 Gießen. 1900 I gewinnt in Lollar 3:0 (2:0). Ein auswärtiger Sieg wiegt doppelt. Die Spiel' Vereinigung 1900 hat damit wieder Anschluß nach oben gewonnen und das auch insofern, als zwei der Spitzenreiter Niederlagen erlitten. Lollar ist keinesfalls so spielschwach, wie es im Tabellenstand zum Ausdruck kommt. Jedenfalls war diese Elf ein ganz achtbarer Gegner, kämpferisch gut aufgelegt, jedoch infolge technischer Mängel vor dem gegnerischen Tor wenig erfolgreich. Bei 1900 klappte es diesesmal gut. Schnelleres Abspiel und entschlossener Einsatz im Sturm ließe die Trefferausbeute bestimmt größer werden. Diesmal verhinderten aber auch die Pfosten zwei sichere Erfolge. Der Lollarer Platz hatte unter dem vorhergehenden Spiel der Reserven sehr gelitten. Der Boden stellte an die Spieler außeroroentliche Anforderungen. Die Blauweißen haben aus dem Verlauf der seitherigen Kämpfe die Erfahrung gewonnen, härter zu kämpfen und machten sich dies auch jetzt zunutze, ohne jedoch die Grenzen des Erlaubten zu überschreiten. Die Begegnung in Lollar war durchweg fair. Die Spielleitung lag in Händen von Schiedsrichter Kirsch (Friedberg Fauerbach), der recht gut leitete. Der Spielverlauf sah 1900 sofort in forschen durchdachten Angriffen. Die Läufer spielten die Stürmer tadellos frei. Aber immer wieder konnte Lollars Abwehr retten oder die Bälle blieben im Schlamm stecken. Die Flügel, die noch auf einigermaßen gutem Felde spielten, trieben Angriff auf Angriff nach vorne. Außer zu zwei Eckbällen und einem Pfostenschuß über den gefallenen Hüter hinweg reichte es aber zu nichts. Dann taute Lollar auf und kam zu drei Ecken direkt hintereinander, aber auch zu keinem Treffer. Die Gießener wurden für den Rest der ersten Halbzeit feldüberlegen und erzielten auch in schneller Reihenfolge bei erneuten Vorstößen zwei Treffer durch Grünewald und Jäger. Ein halbes Dutzend Ecken für 1900 beendete die erste Spielhälfte. Nach Wiederbeginn ging Lollar zum Angriff über. Die Gießener Hintermannschaft war aber dem Gegner immer gewachsen. Heinbach war überragend. Dann nahm 1900 das Heft in die Hand und gab das Kommando nicht mehr ab. Schmelz hob über den herauslaufenden Torwart den Ball zum 3:0 ins Netz. Heilmann wechselte jetzt mit Schmelz den Platz und ging in den Sturm. Angriff auf Angriff rollte vor des Gastgebers Tor. Noch einmal traf Heilmanns Scharfschuß den Pfosten, weitere verdiente Treffer blieben aber versagt. Das Eckenverhältnis lautete am Schluß 12:6 für Gießen. 1900 hatte folgende Vertretung: Schlarb; Zeiler, Lippert; Langsdorf, Heilmann, Heinbach; Koch, Grünewald, Schmelz, Jäger, Roth. Lollar II — 1900 II 1:0 (1:0). 1900s 2. Elf ließ sich von einem Gegner die Punkte nehmen, der im ganzen Spiel fast nichts zu bestellen hatte. Wohl stellte auch hier der schwere Boden an die Spieler große Anforderungen, aber wenn eine Stürmerreihe ein Dutzendmal dem gegnerischen Torwart allein gegenübersteht und selbst aus ein und zwei Meter Entfernung den Ball nicht über die freie Linie bringen kann, dann hat dies andere Ursachen. Zum Unglück ließ der kaum beschäftigte Torwart einen weiten leichten Ball durch die Beine. Da dies noch zu Beginn war, nahm dies niemand tragisch. Alle Anstrengungen und auch das hervorragende Spiel von K. Schneider, Gath und Blum konnten die Lage nicht mehr retten, da sich der Sturm unfähig erwies, Treffer zu erzielen. Lollar war auch hier ein sehr eifriger Gegner. Bieber I — 1900 III. Dieses Spiel wurde auf einen späteren Termin verlegt. VfB.Heichsbabn. Die dritte Mannschaft des VfB-Reichsbahn gegen Lollar III konnte durch einen 3:0-Sieg ihre führende Position in der Tabelle behaupten. Die gleiche des Sportvereins Lollar konnte, mit stärkstem körperlichen Einsatz kämpfend, den Sieg der Grünweißen nie gefährden. War das Spiel in der ersten Halbzeit noch offen, so wurden die Gäste in der zweiten vollkommen einaeschnürt. Die knappe Niederlage verdanken die Lollarer ihrem ganz ausgezeichneten Tormann, der die schwierigsten Bälle meisterte. Die erste Jugend wartete vergeblich auf die Lollarer Jugend. Die Schüler erreichten in Großen- Buseck ein Unentschieden. Gauliga-Pflichtspiele in Südwestdeutschland. Gau Südwest: SV. Wiesbaden — Wormatia Worms 1:1; Phönix Ludwigshafen — Sportfreunde Saarbrücken 3:1; Eintracht Frankfurt — Kickers Offenbach 2:2; FC. Kaiserlautern — Borussia Neunkirchen 4:1; FC. Pirmasens — A. O. Worms 4:0. Gau Bayern: FC. Schweinfurt 05 — 1860 München 0:0; FV. Würzburg 04 — Bayern München 1:4. Handball der Sp.-Dg. 1900. 1900 n — OSL. I 5:4. Auf dem 1900-Sportpjatz kam, da das Gesellschaftsspiel gegen Pohlgöns abgesagt werden mußte, am Sonntag nur das Verbandsspiel von 1900s zweiter Mannschaft gegen den hiesigen Olympischen Sportklub zum Austrag. Der Boden war stark aufgeweicht, worunter die Flüssigkeit des Spieles sehr litt. Im großen und ganzen hielten sich die Gegner die Waage. Allerdings muß dabei berücksichtigt werden, daß die 1900er nur zehn Mann im Feld hatten. Bis zur Halbzeit hatten sich die Spielvereinigungsleute eine 3:2-Führunq gesichert. Kurz nach dem Wechsel konnten sie sogar auf 5:2 erhöhen. Dann strengten sich jedoch die OSCer nochmal mächtig an und holten zwei Tore auf. Kurze Sportnotizen. Bei den dänischen H a l l e n - T e n n i s - Meisterschaften besiegten im Endspiel des Herren-Doppels v. C r a m m / U l r i ch die schwedisch-österreichische Kombination Schröder/Metaxa mit 7:9, 6:1, 6:4. Der Sieg im Damen-Doppel fiel an Hilde Sperling/Marielouise Horn. Auch in den Einzel-Endspielen am Sonntag gab es deutsche Siege, v. (Tramm schlug den Schweden Schröder in vier Sätzen und Hilde Sperling wurde kampflos Siegerin, da Frau Schomburgk wegen einer Fußverletzung nicht mehr antreten konnte. * Einen neuen Weltrekord erzielte die Holländerin Willie den Ouden. Sie durchschwamm am Freitag in Kopenhagen die 150 Parbs Freistil in 1:39,5 Minuten und unterbot damit den von der Amerikanerin Helen Madison mit 1:40,4 Minuten bisher gehaltenen Rekord. Argentinische Fechter gastieren am 18. Februar unter Führung des italienischen Weltineisters Nedo Nadi in Ofsendach, wo sie ein Turnier gegen die Offenbacher Fechterschafs aus tragen. * Oesterreich kam im Fußball-Länderspiel gegen Italien zu einem neuen großen Erfolg, die Wiener siegten in Turin mit 4:2. Mit dem gleichen Resultat gewann Rom das Städtespiel gegen Budapest. * Der Reichssportführer von Tschammer und Osten hat die Führer der 16 deutschen Turngaue zum 17. Februar nach Berlin zusammenberufen. Wirtschaft. * Zur Neuregelung des Eiermarktes. Durch eine im „Reichsanzeiger" erschienene Bekanntmachung ist für jene Gebiete, bei denen die neue Erfassung noch nicht voll durchgeführt ist, hinsichtlich der Üebernahmescheine bestimmt worden, daß im Zollinland erzeugte Eier, die vom 16. Februar bis 31. März 1934 in den Verkehr gebracht werden, als von der Reichsstelle übernommen gelten, wenn bis zum 10. April 1934 die Ausstellung eines Uebernahmescheines beantragt wird. Eines Uebernahmescheines bedarf es bis auf weiteres nicht, soweit die in den Verkehr zu bringende Tagesmenge 10 000 Stück nicht überschreitet. * Regelung von Preisen und Preisspannen für Vaumschulerzeugnisse. Der Reichsnährstand wurde ermächtigt, Preise und Preisspannen für den Absatz von Baumschulerzeugnissen festzusetzen, die dem Reichsernährungsminister oder der von ihm bestimmten Stelle unverzüglich mitzuteilen und bei Beanstandung nichtig sind. Der Reichsnährstand kann Zuwiderhandlungen unter Ordnungsstrafen bis 10 000 Mark stellen; hierbei ist ein Schiedsgericht vorgesehen. Bei der Preisfestsetzung ist auf die Belange der Gesamtwirtschaft und das Gemeinwohl Bedacht zu nehmen. $ranffurfer Börse. Mitlagsbörfe fest. F r a n f f u r t a. M., 12. Febr. Die Börse lag auch zum Wochenbeginn fest. Die Bankkundschaft neigte gegen Tauschoperationen von Renten zu Anlagen am Aktienmarkt. Dabei sind aus der Wirtschaft zahlreiche Anregungen von Einfluß, so verschiedene Dividendeerklärungen und vor allem die Hoffnung auf ein rasches Absinken der Arbeitslosenziffer infolge der milden Witterung. Es führten einige Spezialbewegungen des Chemie-, Elektro- und Montanmarktes. Fardeninduftrie nach unverändertem Beginn 1 v. H. fester, Goldschmidt gewannen 1,38 v. H., Rütgerswerke 1 v. H. und Metallgesellschaft 0,75 v. H. Trotz der kürzlichen Warnung der Verwaltung zogen AEG. bei größeren Umsätzen 1 v. H. an, daneben Siemens um 2,25 d. Sy, Schlickert um 0,75 v. Sy, Elektr. Lieferungen um 0,38 v. H. befestigt. Am Montanmarkte setzten sich die Kursbesserungen um 0,25 bis 0,50 v. Sy bis auf Stahlverein fort. Schiffahrtswerte lagen uneinheitlich. Schwächer lagen u. a. Daimler (minus 1 v. Sy), Reichsbank (minus 0,75 v. Sy), L. Tietz (minus 0,65 v. Sy), dagegen AG. für Verkehr (plus 0,65 v. Sy), Zellstoff Waldhof (plus 0,50 v. Sy). Wesentlich ruhiger waren die Umsätze am Rentenmarkt. Reichsmark-Obligationen lagen 0,25 bis 0,50 v. Sy höher. Von Reichsanleihen war Neubesitz kaum verändert, Altbesitz 0,13 v. Sy leichter. Späte Reichsschuldbuch- forderungen lagen bei 94,25 v. Sy unverändert. Im Verlaufe war die Grundhaltung zwar steundlich, auf Grund der Nachrichten aus Oesterreich herrschte aber starke Zurückhaltung, und die Kursbildung war uneinheitlich. Die Veränderungen nach beiden Seiten gingen jedoch kaum über 1 v. H. hinaus, nur Siemens büßten 1,50 v. Sy ein, anderseits zogen Akkumulatoren 1,38 v. Sy an. Gegen Schluß war die Börse wieder überwiegend etwas fester, besonders AEG. (31,50 d. Sy). Am Rentenmarkt neigte die Tendenz zur Schwäche. Altbesitz lagen voll behauptet, dagegen verloren Neubesitz 2Ö Pfennig, späte Schuldbücher und Stahlverein-Bonds je 0,25 d. Sy Reichsmark-Anleihen weiter freundlich. Staats-, Länder- und Stadtanleihen bei ruhigem Geschäft gehalten. Pfandbriefe bröckelten vielfach weiter ab, Nass. Liquid, nach Minus-Ankündigung etwa 1 v. H. schwächer. Fremde lagen sehr still und größtenteils kaum behauptet. — Tagesgeld unverändert 3,25 d. Sy Abendbörse: knapp gehalten. Nachdem schon die Mittagsbörse infolge der Feiertagsstimmung im Rheinland und Süddeutschland nur kleine Umsätze aufzuweisen hatte, lag der Abendbörsenverkehr nahezu geschäftslos. Die Kulisse hielt sich vollkommen zurück; lebhafte Erörterung löste die Situation in Oesterreich aus. Die Stimmung war zwar nicht unfreundlich, unter dem Druck der herrschenden Geschäftsstille lagen die Berliner Schlußkurse aber meist nur knapp gehalten. Auch im Verlaufe blieb die Geschäftslosigkeit in vollem Umfange bestehen, und Kursveränderungen traten nur selten ein. Die Farbenaktie bröckelte weiter leicht ab, während Phönix um Bruchteile eines Prozentes höher notierten. Am Rentenmarkte gaben Altbesitzanleihe 0,25 v. Sy, Stahlverein-Bonds 0,65 v. H. nach, dagegen blieben Neubesitzanleihe und späte Reichsschuldbuchforderungen behauptet. U. a. notierten: Neubesitzanleihe 19,45, Altbesitzanleihe 97,25, 6proz. Stahlverein-Bonds 70,40, Schutzgebietsanleihe 9,50, Dresdner Bank 67,50, Reichsbank 165,40, Gelsenkirchen 61,75, Mannesmann 63,75, Phönix 48,25 bis 48,50, Stahlverein 41,65, AEG. 31,90, Bekula 124,75, Conti Gummi 153, Daimler 44,75, Licht & Kraft 102, IG. Farben 128,90 bis 128,75, Goldschmidt 55, Metallgesellschaft 74,50, Schuckert 102,25, AG. für Verkehrswesen 66,50, Reichsbahn-Vorzugsaktien 112,13, Nordd. Lloyd 32,50. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 12. Febr. Der Getreidegroßmarkt lag weiter still und preismäßig kaum verändert. Nur Futermittel neigten weiter zur Schwäche. Das Angebot war auf allen Märkten mehr als ausreichend, besonders Weizen und Gerste fanden kaum Absatz. Es notierten in Mark: Weizen 195 bis. 196, Roggen 172,50 bis 173, Braugerste 175 bis 177,50, Hafer 146 bis 148, Weizenmehl Spez. 0 mit Austauschweizen 29,40 bis 29,95, do. ohne 27,90 bis 28,45, Roagenmehl 0 bis 60 Prozent 23,50 bis 24, do. füdd. Spez. 0 24, Weizenkleie 10,35, Roggenkleie 10,50 bis 10,60, Weizenfuttermehl 11,45, Soya- fchrot 14,90 bis 15,15, Palmkuchen 15,15, Erdnußkuchen 16 bis 17,20, Treber 16,50, Trockenfchnitzel 9,80, Heu füdd. 6,50 bis 6,75, Weizen- und Roggenstroh drahtgepreßt und gebündelt 1,90 bis 2. Kartoffeln: Bei anhaltend ruhiger Tendenz und ausreichenden Zufuhren zeigte sich nur wenig Bedarf. Der Preis bröckelte weiter ab, Industrie hiesiger Gegend 2,50 Mark (in der Vorwoche 2,50 bis 2,60 Mark) per 50 Kilogramm bei Waggon- bezug. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 12. Febr. Auftrieb: Rinder insgesamt 1402 (gegen 1348 am letzten Montagsmarkt), darunter befanden sich 410 Ochsen, 116 Bullen, 494 Kühe und 382 Färsen. Kälber 499 (445), Schafe 70 (84), darunter 63 (62) Hämmel, Schweine 3845 (4410). Notiert wurde pro ein Zentner Lebendgewicht in Mark: Ochsen al) 32 bis 33, b) 29 bis 31, c) 26 bis 28, d) 22 bis 25. Bullen a) 29, b) 27 bis 28, c) 25 bis 26, d) 22 bis 24. Kühe a) 28, b) 24 bis 27, c) 18 bis 23, d) 12 bis 17. Färsen a) 32, b) 30 bis 31, c) 27 bis 29, d) 23 bis 26. Kälber Sonderklasse nicht notiert, andere a) 43 bis 45, b) 36 bis 42, c) 30 bis 35, d) 23 bis 29. Lämmer und Hämmel: bl) Stallmaft 33 bis 34, c) mittlere 31 bis 32, d) geringere 28 bis 30. Schafe nicht notiert. Schweine a) 46 bis 50, b) 46 bis 49, c) 45 bis 49, d) 43 bis 48, e) 36 bis 45, g) Sauen 38 bis 44. Im Preisvergleich zum letzten Montagsmarkt blieben Rinder ziemlich unverändert, Kälber, Hämmel und Schweine waren etwa 1 bis 2 Mark teurer. Marktverkauf: Rinder ruhig, lieber» stand. Kälber, Hämmel und Schafe ruhig, ausverkauft. Schweine ruhig, geringer Ueberftanb. Fleifchgroßmarkt. Beschickung: 624 Viertel Rindfleisch, 85 ganze Kälber, 31 ganze Schafe, 238 Schweinehälften. Preis für ein Zentner frisches Fleisch in Mark: Ochsen- und Rindfleisch I 48 bis 52, II 42 bis 50. Bullenfleisch 45 bis 50. Kuh- fleisch II 34 bis 40, III 24 bis 30. Kalbfleisch II 60 bis 68, III 48 bis 60. Hammelfleisch 60 bis 68. Schaffleisch nicht notiert. Schweinefleisch I 60 bis 68. Geschäftsgang des Fleischgroßmarktes: ruhig. Schweinemarkl in Lich. ♦ Lich, 13. Februar. Anläßlich des gestrigen Schweinemarktes in unserer Stadt (Licher Fastnachtsmarkt) waren 153 Ferkel zum Verkauf aufgetrieben. Bei gutem Geschäft wurde der Markt ausverkauft. Es kosteten bis zu 6 Wochen alte Ferkel 15 Mark, bis 8 Wochen alte 20 Mark, bis zu 10 Wochen alte 22 Mark. Mannheimer Getreidebörse Mannheim, 12. Februar. Weizen (inländischer, 76/77 kg, frei Mannheim) 19,85 bis 19,90 RM., per Februar Bezirk 9 19,35, Bezirk 10 19,55, Bezirk 11 19,85; Roggen (süddeutscher, 71/72 kg, frei Mannheim) 16,90 bis 17, per Februar Bezirk 8 16.60, Bezirk 9 16,30 (ruhig); Hafer (inländischer) 15,75 bis 16 (stetig); Gerste (Pfälzer, Ausstichware über Notiz) 18 bis 19 (ruhig); Futtergerste 17; Mais (La Plata, im Sack) 19,50; Erdnußkuchen (prompt) 16,75 bis 17; Sojaschrot (prompt) 15 bis 15,25; Rapskuchen 14,50; Palmkuchen 10,25 bis 10,50, Kokoskuchen 17,25; Sesamkuchen 17; Leinkuchen 17,25 bis 17,50; Biertreber (mit Sack) 16,75 bis 17; Malzkeime 14 bis 14,50; Trockenschnitzel (ab Fabrik) 10; Rohmelasse 8,50; Wiesenheu (loses) 6,40 bis 6,80; Rotkleeheu 6,80 bis 7; Luzernekleeheu 8 bis 8,20; Stroh, Preßftroh, Roggen-Weizen 2,20 bis 2 40, Hafer-Gerste 1,80 bis 2; geb. Stroh, Roggen- Weizen 1,40 bis 1,60, Hafer-Gerste 1,20 bis 1,40; Weizenmehl (Spezial 0, mit Austauschweizen) per Februar 29,70, per März 30; Weizenmehl (Spezial 0 aus Jnlandweizen) per Februar 28,20, per März 28,50; Roggenmehl (70/60 v. H., norddeutsches, (prompt) 22,50 bis 24; Roggenmehl (Pfälzer und füdddeutsches, prompt) 23,25 bis 24,25; Weizenkleie (feine mit Sack) 10,50, (grobe, mit Sack) 11; Roggenkleie 10,50 bis 11,25; Weizenfuttermehl 11,75; Rog- genfuttermehl 11.50 bis 12,50; Weizennachmehl 15,30 bis 15,50; Weizennachmehl IVB 16,50 Mark. Tendenz: ruhig. Der Luchs. Aus Marburg geht uns die nachstehende Zuschrift zu. D. Red. Am 10. Juni 1933, vormittags gegen 9 Uhr, hatte ich mit meinem Bruder auf einer Wanderung über den Kamm des Rothaargebirges auf der Hauptwan- berftretfe 6 des Sauer!. Gebirgsvereins, ungefähr auf halbem Wege zwischen Jagdhaus und Kühhude — Großer Kopf — folgendes Erlebnis: Auf einem breiteren, fchneifenartigen Waldwege tauchte aus leichtem Nebel und Regendunst in — schätzungsweise — 50 Meter Entfernung vor uns einsamen Wanderern ein Tier auf, langsam uns, die wir sofort ftebenbüeben, entgegenkommend. Zuerst schien es ein Hunv zu sein. Dann waren wir — das Tier kam indes langsam und gemächlich näher — im Zweifel, ob es nicht eine besonders große Wildkatze sein könne. Doch dazu schien es uns zu hoch und zu schlank gebaut. Schließlich war es bis auf — schätzungsweise — 20 Meter Abstand non uns nähergekommen. Da erst bemerkte uns das Tier: es hob seinen Kopf, blieb für Sekunden stehen, wandte sich um und machte sich dann in ganz sonderbarer Weise davon: wie gelähmt oder „betrunken" oder wie in bestimmter Weise verwundet, torkelte und taumelte das Tier für 10 bis 15 Meter fort; dann aber, ganz plötzlich, rannte es davon, bis es im Nebel verschwand. Das Tier, das zu beobachten wir ja gute Gelegenheit hatten, sah etwa so aus: Nicht viel kleiner als ein mittelgroßer deutscher Schäferhund, nicht ganz so hoch, aber doch hoher als eine Wildkatze gebaut, recht grazil, mit gelb- grau-braunem, kurzhaarigem Fell. Der Kopf' wie der einer Katze, kurz gedrungen. An den Ohren deutlich erkennbare Haarbüschel. Der Schwanz mäßig lang, dick und knollig. Dieses Tier — das war uns, die wir in jagdlichen Dingen absolute Laien sind, damals ganz klar — war ein Luch s, jedenfalls genau solch ein Tier, wie wir es als Luchs aus Zoologischen Gärten wirklich und aus Tierbilderbüchern und zoologischen Werke im Bilde kannten. E. G. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Hohe der zuletzt belchlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o Sy Lombardzinsfuß 5 v. H. Franttur u. 2)1 Berlin Schluß» kurs Echlußk. Abend» börse Schluß» kurS Schlußk. Mittag» börse Datum 10.2. 1 12.2. 10.2. 12.2» 6% Deutsche RetchSanIethe v. 1927 95,25 95,25 95,5 95,5 6% et)em.7% Tt. Reichsanl. v. 1929 100,1 100,13 100,1 100,13 6Vi% Doung-Anlethe von 1930 .. Deutsche Anl.»Adlöi.»Schuld mit 95,13 94,13 94,75 93,9 AuSlos.-Liechten .......... 97,5 97,25 19,45 97,75 19,65 97,5 19,45 Desgl. ohne üluslos.»Rechte...... 6% ehem.8% Hess. BolkSstaat 1929 19,75 (rückzahlb. 102%) .......... 6% Hess. Landesbank Darmstadt 94,5 95 95 95 (Sold N. 18 ....... 6Vi% Hess. LandeS^ypotheken» bank Darmstadt Liqui...... 92 91,75 — 92,25 91,4 91,4 — Oberhessen Provinz-Anleih« mit Auslos.»Rechten Deutsche Komm. Sammelabl. An» 93,25 93 — — leihe Serie 1 mit AuSlos.»Rechten 6% ehern. 8% Franks. Hyp.-Bank 95,9 95,9 95,65 95,65 Eoldpse. 15 unkündbar bis 1935 6% ehern. 7% Franks. Hyp.-Bank 92 91,75 — — Goldpfe. 16 unkündbar bis 1936 6¥i% ehern. 4ft% Franks. Hyp.» Bank-Liqu.-Bsandbrtese....... 91,75 91,75 — — 90,9 91 — 6Vi% ehern. 4y,% Rheinische Hyp.-Bank-Ltqu.-Goldpse. 6% ehern. 8% Pr. LandeSpsank» briesanstalt, Psandbriese R. 19 91,75 92 — — 94 94 94 94 6% ebcm. 7% Pr. Landespfand. briesanstalt, Psandbrtese R. 10 94 94 94 94 Steuergutich. Verrechnungskurs 97,1 97,13 97,1 97,13 *% Oesterretchlsche Goldrente. . 19,25 19 19,75 19,13 4,20% Oesterretchische Stlberrentr 4% Ungarische Goldrente...... 1 6,5 6 1 6,75 6,6 1,05 6,6 6,1 1,05 6,85 6,6 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 4/t% deSgl. von 1913 ...... 6 6,2 6 6,13 5% abgest. Goldmerikaner von 99 7,75 8 8,1 8,1 4% Türkische Zollanlcihe von 1911 *% Türkische Bagdadbahn-Anlethe 6,13 6,13 6,15 Leikt..................... 6,2 6,2 6,25 6,3 Frankturi a.M. Berlin Schluß- kurs Schlußk. Abend» börse Schluß» kure Scklußk. Mittag, börse Datum 10-2- 12-2» 10.2» 12.2. 4% desgl. Serie 11 ............. 6,25 6,25 — 6,3 6% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 4,8 4,5 4,75 4,65 4^%Rumän.vereinh.Renkev.l913 7 25 7,5 <% Rumänische vereinh. Rente .. 4,05 4,05 4 3,95 2%% Anatolier ............... 27,9 28,4 28 28,25 pamdurg-A mertkoP akel .....O Hamburg-Südam. Dampfschiff. O 29,4 29,25 29,4 24 29 Hanja-Dampffchtff.........o Norddeutscher Lloyd ......... o M.®. für Verkehrswesen Akt. .. 0 Berliner Handelsgesellschaft ... 4 32,65 66,5 94 32,5 66,5 94 32,5 66,5 94 32,25 66,65 94 Sommerj» und Privat-Bank .. o Deutsche Bant und Dis conto» 52,75 52,75 52,75 52,75 Gesellschaft............ n Dresdner Bank............. 0 66,5 67,5 67 67,5 66,5 67,5 67 67,5 167,5 165,4 166 165,5 «-EG................. 0 ........... U 30,25 31,9 30,75 31,9 SÄ1, Liefernngsgesellichaft... 6 Ltcht und Kraft .....6 Helten & Guilleaume......... n Unternehmung. 6 Rheinische Elekttizität ... 8 ß Schurken «Co.......... » Siemens & Halske , 124,9 97,75 103,4 60,75 96,75 93 101,75 124,75 98,13 102 61 96,9 102,25 124,75 97,25 103 61,25 96,9 93 101,4 124,75 97,5 102 60,75 97,4 93,25 101,75 LahmeyerLLo.......... 145,25 114 146 145,75 114 146 116 Buderus ........ o Deutsche «rbfll ............** < Gelsenkirchener .............. 75 106,9 62 74,25 107 61,75 75 106,75 61,5 71,75 107,5 61,75 Harpener.................. n Voesch Eisen—Köln-Reuessen .. o Ilse Bergbau g Ille Bergbau Genüsse......... Klocknerwerke .......... q Viaaorsmaua-Rö txm q 91 z 110,5 61,5 64 91,5 - 111,25 62 63,75 91,65 73.25 145 110,75 61,5 63,75 91,25 74,65 112 61,75 64 Franktun a. M. Berlin Gchluß- kurs Echlußk. Abend» börse Schluß» kurs Schlußk. Minag« bürfe Datum 10-2- '12-2. 10.2. 12-2- Mansfeld«, Bergbau....... .. 0 33,75 35,25 33,75 34,5 Kokswerke .......... .. 0 — — 88,65 89,65 Phönix Bergbau........... .. 0 48,75 48,5 48,25 48,4 Rheinische Braunkohlen .... . 10 —— 200 200,9 200,9 Rheinstahl ............ .. 0 .9,5 89,75 38,65 89,25 Bereinigte Stahlwerke...... .. 0 41,65 41,65 41,25 41,5 Otavt Minen .......... .. 0 14,5 15 14,75 15 Kaliwerke Aschersleben...... .. 5 115 117 115 117,5 Kaliwerke Westeregeln...... .. 5 117 117 116,75 117,5 Kaliwerke Salzdetfurth..... iVt 154 155 154,5 155 I ®. Farden-Jnoustrte..... .. 7 128,5 128,75 128 129 Scheideanstalt............. .. 9 178 178,25 — Goldschmidt .............. .. O 54 55 54,25 55,25 Rütgerswerke ............. .. O 54,5 55,4 54,75 55,75 Metallgesellschaft........... .. 0 74 74,5 74,5 74,9 Philipp Holz mann ......... .. 0 67,5 67,5 68 68 Zementwerk Heidelberg .... .. 0 86,75 86 Zementwerk Karlstadt....... .. 0 98 98 Schultheis Payenhoser ..... .. 0 — — 97,5 97,75 Aku (Allgemeine Kunstseide) .. 0 46,25 44,5 45,75 44,75 Bemberg............ .. 0 45 45,65 45,25 45,65 Zellstoff Waldhos .......... .. 0 46,5 46,75 46,5 47,25 Zellstoff Aschaffenburg ..... .. 0 37 37,75 37,75 38 Dessauer Gas .......... .. 7 — — 117,13 118,5 Daimler Motoren.......... .. 0 46 44,75 45,13 45,13 Deutsche Linoleum......... .. 0 47 47,65 47,5 47,25 Orenstetn & Koppel........ .. 0 — —— 66 66 Leonhard Dietz ............ .. 0 23,65 23 22 22,9 Lbode ................... Aerimulatoren-Fabrü...... ..10 —- 156,5 162,5 156,5 .. 0 178,5 180,4 178 179,65 Louth-Gummi............. .. 0 154 153 154 153,75 Gritzner.................. .. 0 25,5 25,5 25,5 26,5 Mainkraftwerke Höchst a-M.. .. 4 72,75 72,75 - Süddeutscher Sude* - fr 185 184 165 18W Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. 10- Februar 12-Feviuar Amtliche Notierung l^eld | Brie Amtliche Notierung Geld | Brie Helsingfor».. Wien....... 5,664 47,20 12,44 3,047 168,08 64,44 57,24 66,13 12,81 0,655 2,552 58,16 21,98 16,43 80,82 . 33,97 81,32 0,762 0,214 5,664 11,69 5,676 47,30 12,46 3,053 168 42 64 c6 57 36 66 27 12 84 0,659 2,558 58,28 22,02 16,47 80,98 34,03 81,48 0,764 0,216 5,676 11,71 5,624 47,20 12,44 3,047 167,93 64,04 56,99 65,73 12,745 0,653 2,532 58,17 21,93 16,44 80,72 33,87 81,32 0,759 0,214 5,664 11,64 5,636 47,30 12,46 3,053 168,27 64,16 57,11 65,87 12,775 0,657 2,538 58,29 21,97 16,48 80,88 33,93 81,48 0,761 0,216 5,676 11,66 Prag....... Budapest ... Sofia...... Holland .... C6lo....... Kopenhagen. Stockholm... London ..... Buenos Aires Neuvork.... Brüssel..... Italien..... Paris ...... Schwei, .... Spanien.... Danzig..... Japan ...... Rio de Jan. . Jugoslawien. Lissabon .... Banknoten. Berlin, 12-Februar Geld Brief Amerikanische Noten.............. Belgische Noten.................. Dänische Noten ................ Englische Noten ................. 2,485 58,01 56,74 12,70 16,40 167,51 21,81 63,87 65,57 80,54 33,73 2,505 58,25 56,96 12,76 16,46 168,19 21,89 64,13 65,83 80,86 33,87 Hollärndtsche Noten............... Norwegische Noten .............. Deutsch Oesterreich, i 1OO Schwing Rumänische Noten ............... Schwedische Noten............... Schweizer Noten................. Spanische Noten................. Ungarische Kotts »..m.m.Mw. Dienstag, 13. Zebruar 1934 Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Ur. 37 Drittes Blatt Hermann Stehr 70 Jahre alt. daß Hermann Stehr, einer der hervorragendsten Vertreter des deutschen Heimatschrifttums, begeht am 16. Februar seinen 7 0. Geburtstag. Der Dichter, der im vergangenen Jahre mit dem Goethe- Preis der Stadt Frankfurt ausgezeichnet wurde, schildert in seinen Romanen vor allem Landschaft und Menschen seiner schlesischen Heimat. Die neue Plakette für das Winterhilfswerk, die am 18. Februar in ganz Deutschland verkauft wird, hat bekanntlich neben ihrer Werbung für das Winterhilfswerk einer deut- chen Industrie, den Plauener Spitzenklöpplerinnen, in einer grohangelegten Hilfsaktion Brot und Arbeit verschafft. Sie bringt aber auch in dieser Form zum erstenmal ein Abzeichen, das man nicht nach dem Sammeltag von der Mantelklappe fortnehmen und anderen Gedenkzeichen zuqesellend in ’ den Kasten legen wird, sondern sie schenkt dem, der seinen kleinen Beitrag gab, auch ein Schmuckstück, das besonders die Frauen gern dauernd tragen werden. Als einzelne Rosette schmückt sie wie eine Knopflochblume Mantel oder Jackenkleid und ist dabei nicht vergänglich wie eine leichte Stoffoder Papierblume. Die Plauener Spihenrofette ist handwerklich schön und gediegen, aus Leinenfaden gestickt und gespachtelt, also ein Stück deutscher Werkkunst. „Gruß und Kuß-Veronika." Das Lichtspielhaus bringt in seinem Faschingsprogramm einen Lustspiel-Film der Deutschen Universal unter dem Titel „Gruß und Kuß — Veronika". Die Hauptrolle spielt Franziska Gaal, eine junge und temperamentvolle Begabung ungarischer Herkunft, die wir schon im vorigen Jahre hier kennengelernt haben. Sie spielt in einem tollen Hochschulnochricbten. In Heidelberg verstarb der emerit. Ordinarius der romanischen Philologie an der dortigen Universität Geh. Hofrat Professor Dr. Fritz Neumann im fast vollendeten 80. Lebensjahre. Geboren zu Warnemünde, studierte Neumann in Berlin und Heidelberg, promovierte 1876 in Heidelberg und habilitierte sich 1878 für das Fach der romanischen und englischen Philologie. Drei Jahre später wurde Neumann Extraordinarius in Heidelberg, kam später in gleicher Eigenschaft nach Freiburg, wo er zum Ordinarius befördert wurde und siedelte Ostern 1900 nach Heidelberg über. Geheimrat Neumann war langjähriger Mitherausgeber des Literaturblattes für germanische und romanische Philologie. In Breslau verschied der Altmeister der roma* nischen Philologie, Geh. Regierungsrat Professor Dr. Earl Appel im Alter von 77 Jahren. Appel ist besonders durch seine Forschungen auf dem Gebiet der altprovenzalifchen und alt-italienischen Literatur bekanntgeworden. Der Ordinarius für Dermatologie und Direktor der Universitäts-Hautklinik in Jena, Dr. med. Bodo Spiethoff, hat einen Ruf an die Universität Leipzig erhalten. Der Herr Reichsarbeitsminister teilt mit, nach § 58 Absatz 1 des Gesetzes über die Arbeitsvermittlung die Familienverhältnisse und insbesondere auch die Zahl der unter ft ützunas- bedürftigen Angehörigen des Bewerbers zu berücksichtigen find. Der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung hat die Landesarbeitsämter und Arbeitsämter angewiesen, die Volkstrauertag am 25. Februar. Ls wird darauf hingewiefen, daß der 2 5. Fell r u a r zum Volkslrauerlag erklärt wurde. An diesem Tage dürfen in Theatern, Kinos, bei Konzerten und ähnlichen Veranstaltungen nur solche Darbietungen gegeben werden, die der Würde und dem Ernst des Tages entsprechen. Gez.: Trefz, Leiter der Reichspropagandastelle Hessen. Bevorrechtung Kinderreicher bei Arbeitsvermittlung. Toter Punkt im Fasching. Von Hans Riebau Im Saal tobt, wie seit Stunden schon, die Musik. Prinz Karneval ist längst eingezogen; die Masken sind gefallen; aber während der Trubel auf den Tanzflächen seinen Höhepunkt erreicht, sitzen auf dem Ledersofa im Klubzimmer vier ältere Herren, die den Kampf gegen den toten Punkt, wenn auch nur vorübergehend, aufgegeben haben. Vor ihnen stehen gewaltige Biergläser und — während die Herren sich den Schaum vom Mund wischen, ist ihren melancholischen Blicken anzumerken, daß sie inmitten der Karnevalstollheit Appetit auf ein besinnliches Gespräch haben. Vormöller, der Zoologe, hat auch bereits das feinige getan und eine Geschichte erzählt von dem Mann, dem der Tod auf die Minute genau vorhergesagt war, und der dann auch tatsächlich in eben dieser Minute gestorben ist. Dr. med. Calvör aber verzieht seinen Mund. Er liebt solche Schwätzereien nicht. Dann aber überlegt er und fängt — trotzdem oder vielleicht gerade deshalb? — an zu erzählen: „Es ist das merkwürdigste, was ich je erlebt habe. Vor zwei Jahren war ich zur Erholung in Borkum. In den ersten Tagen lernte ich einen Privatgelehrten kennen, Hochtander hieß er, glaube ich Der Mann gefiel mir, trotzdem er, wie sich bald herausstellte, einen für meine Begriffe hochprozentigen Spleen hatte. Er war Okkultist vom reinsten Wasser und dabei, wie es mir schien, ohne jede kritische Hemmung. Eines Tages fragte er mich, und seine Stimme klang merkwürdig aufgeregt: „Was haben Sie da für einen Ring?" Ja" sagte ich und hob meine Hand, „das ist allerdings ein merkwürdiger Ring. Eine Kombination von Achat- und Rubinsplittern, das Ganze m Kupfer gefaßt. Uebrigens ein Erbstück von meinem Großvater." . s „Achat und Rubin", murmelte Hochtander, „eine seltsame Zusammenstellung. Besonders selt^m aber deshalb, weil sowohl Achat als Rubin nach Ihrem Horoskop Unglückssteine sind. Ich schlage Ihnen vor: Werfen Sie den Ring weg, lieber heute als morgen!" Ich lachte. Natürlich behielt ich den Ring. Zwei Wochen vergingen. Wir badeten, gingen spazieren, bauten Burgen, und nichts störte die fröhliche, sonnige Ferienstimmung, als das ängstlich lauernde Gesicht des Privatgelehrten Hochtander. Da erschien eines Donnerstag (Donnerstag war, nach Ansicht meines astrologischen Freundes, mein Unglückstag) in der Badezeitung eine merkwurdlge Anzeige: Verloren ein kupferner Ring mit Achat- und Rubineinsätzen. Finder erhält, falls bis zum 21. Juli abgegeben, Belohnung, am 22. Juli wird Strafanzeige wegen Fundunterschlagung erstattet. Ich runzelte die Stirn. Ein solches Spiel des Zufalls schien mir undenkbar. Einen Ring aus Kupfer, Achat und Rubin, wie mein Großvater ihn — wohl in einer seltsamen Laune — in Auftrag gegeben hatte, gab es doch wohl nur einmal auf der Welt. Und wenn wirklich ein zweites Exemplar irgendwo auf dem Erdball existieren sollte, war 1000 gegen 1 zu wetten, daß sein Besitzer sich nicht ausgerechnet auf der Insel Borkum einfinden würde. Sollte Hochtander seinem fanatischen Glauben an die unglücksbringenden Steine nachgeholfen und, um mich von diesem Ring zu befreien, das Inserat aufgegeben haben? „Nun", Dr. Calvör machte eine Pause, „ich habe es nie herausbekommen. Jedenfalls aber hat mir der Ring — so oder so — die größten Unannehmlichkeiten gebracht. Die Leute um mich herum fingen an, meinen Ring, und dann mein Gesicht, mein Kommen und Gehen, kurz mein ganzes Sommerfrischenleben zu beobachten. Ich, der Kurgast Calvör, war in den Augen der anderen Kurgäste zum Verbrecher geworden. Niemand zweifelte daran, daß ich meinen Kupferring unterschlagen habe, und ein alter Sanitätsrat, der sich als Standesgenosse besonders verpflichtet fühlen mochte, nahm mich eines Tages beim Arm und sagte: „Um Gottes willen, Herr Kollege, warum geben Sie den Ring nicht ab?" — Ich versuchte zu lächeln und merkte, daß ich es nicht mehr konnte. Der Sanitätsrat machte ein skeptisches Gesicht, als er meine Erklärungen hörte. Er glaubte mir nicht. Da habe ich — meine vibrierenden Nerven und die feindlichen Blicke meiner Umgebung sind die einzige Erklärung dafür — das Dümmste getan, was es nur gab: Ich zog meinen alten kupfernen Ring vom Finger und warf ihn mit einer gewaltigen Verwünschung ins Meer." „Hm, hm", nickten die Zuhörer und tranken von ihrem Bier, „und dann?" „Nicht so eilig", lächelte Dr. Calvör. „Ich warf also den Ring ins Meer. Wenn Sie schon einmal an der See waren, werden Sie sich erinnern, daß es dort nicht nur Möwen gibt, sondern daß diese Möwen den ganzen Tag am Strand und an den Buhnen darauf warten, von den Kurgästen gefüttert zu werden. Nun, um es kurz zu machen: Ich batte den Eindruck, daß mein Kupfer-Achat-Rubm-Rmg, kaum daß er die Wasseroberfläche berührt hatte, von einer Möwe gepackt und verschlungen wurde. Beschwören kann ich es natürlich nicht, aber wie gesagt, ich glaube es. Als aber Hochtander, der Astrologe, mir düster ins Auge sah und den Satz murmelte: „Zu spät, der Ring wird wieder zu Ihnen zurückkommen", da war ich fest überzeugt davon daß die Möwe den Ring tatsächlich verschluckt hatte." Dr. Calvör nahm sein Glas. „Ich kann mir ersparen", fuhr er fort, „die Unannehmlichkeiten der Oie Rosette als Gchmuckform Zum Sammelsonntag am 18. Februar. werden müßte; ebenso läßt sich das Motiv natürlich für alle Formen von Einsätzen und Westen verarbeiten. Während die so modische Sammetbluse immer mehr dem eleganteren Abendkleid vorbehalten bleib, paßt diese Leinenspitzenrose gerade stofflich so ausgezeichnet zu den jetzt kommenden Sommerstoffen, besonders zu Leinen. Auch als Rosettenschmuck für die kleinen $üte gäbe sie im Sommer ein hübsches Motiv, gar nicht zu reden von ihrer vielfältigen Verwendbarkeit als schmückender Einsatz in Leinendecken, Beutel und Handarbeiten jeder Art. Doch muß natürlich auch hier der Geschmack unserer Frauen die Ueberhäu- fung mit dem Motiv vermeiden. Es ist vielleicht gut, in diesem Zusammenhang an den Ursprung der Rosette als Schmuckform zu erinnern: Geläufig ist sie den meisten als Schmuckform der romanischen und gotischen Gotteshäuser, besonders als Fenster über dem Portal. Weniger bekannt vielleicht ist ihr Vorkommen auf altgermanischen Grabsteinen vorchristlicher Zeit. Auf diesen stellt die Rosette das Sonnenrad oder Jahresrad dar, das uralte Sinnbild des Aufstiegs, der Reuwerdung. Erst wenn man sich diese symbolische Bedeutung der kleinen Rosette klargemacht hat, wird man mit doppelter Freude im Monat des steigenden Lichtes diese Zeichen der Neuwerdung tragen! Gleichzeitig wird es aber in der deutschen Frauenwelt die Freude am Tragen der deutschen Spitze wieder erwecken und damit einen B a u - ft ein im Neuaufbau unserer deutschen Volkswirtschaft bilden. Denkt am 18. Februar empfehlen. Ferner kommen die verschiedenen Beerensträucher, die Sorbus- und Prunusarten und alle kleinen Sträucher in Frage. Man erhalte unsere kleinen Sänger, denn sie dienen uns Menschen in vielfältiger Weise und erfüllen uns durch ihren Gesang mit Freude! Begrüßungen des neuen hessischen Landesbischofs. Anläßlich seiner Ernennung find dem Herrn Landesbischof folgende Telegramme zugegangen: Der Herr Reichsftatthalter Sprenger: „Ihre Berufung veranlaßt mich, Ihnen meine besten Wünsche zu übermitteln. Gez.: Sprenge r." Der Leiter der geistlichen Abteilung im preußischen Kultusministerium, Ministerialdirektor I ä - ger: „Die Nachricht von Ihrer Berufung zum Landesbischof von Nassau-Hessen erfüllt mich mit großer Freude. Im Geiste der Hingabe an die Nation und des unbeugsamen Willens zum Ganzen ist ein gutes Stück Weg weiter zurückgelegt. Als der bewährte nationalsozialistische Kämpfer sind Sie Bürge für eine glückliche Weiterentwicklung der Heimatkirche im Sinne volksgebundenen evangelischen Glaubens. He-il! Der Leiter der geistlichen Abteilung im preußischen Kultusministerium. Gez.: I ä g e r." Daten für Dienstag, 13.Februar. 1511: Herzog Albrecht von Preußen wird Hochmeister des Deutschen Ritterordens; 1848: Generalfeldmarschall Hermann von Eichhorn in Breslau geboren (1918 ermordet in Kiew); — 1883: Richard Wagner in Venedig gestorben (geboren 1813). Und mit dieser wiedererweckten Freude andem kleinen Einzelstück deutscher Werkarbeit wird sich automatisch bei den deutschen Frauen der Wunsch einstellen, schöpferisch weiterzuarbeiten an der ornamentalen Verwendung dieses einen „Motivs" in der Zusammensetzung zu größeren Schmuckformen. Hat man einmal damit begonnen, so kommt man auf so vielfältige Ideen der Verwendbarkeit, daß die fünf Millionen Rosetten eigentlich im Handumdrehen vergriffen sein müßten! Da lassen sich reizende Motive zusammenstellen als Abschluß der Sommerblusen und Kleider, sei es als Halsabschluß oder als Inkrustierung über der Schulter, wobei natürlich die Spitze durchsichtig 1 gezeigt wird, also der Stoff darunter weggeschnitten • daran. Die Gauführung des Winterhilfswerks. Aus Der provinzialhauptstaSt. Erhaltet unsere Vogelwelt! Auf dem Lande und auch in der Stadt wird der Winter häufig dazu benutzt, Gärten und Grundstücke auszuholzen. Dabei wird dann Erbsenbusch und Anmacheholz gewonnen, das ja immer benötigt wird. Die Hecken werden dabei immer spärlicher, das Strauch- und Struppwerk am Wege wird sauber beseitigt, die dichten Weiß- und Schwarzdornhecken brennt man nieder, und selbst die Brombeerbüsche, die im Winter manchen Tieren aus Feld und Wald Unterschlupf bieten, werden von rauher Hand entfernt. Das Landschaftsbild wird eintönig, und kaum bieten die weiten Ackerflächen noch irgendeinen Ruhepunkt. So war es jedenfalls das Streben im Zeitalter der Rationalisierung. Sogar in feinem kleinen Wäldchen nimmt der Bauer oft alles Gestrüpp heraus. Der Waldrand bleibt ungeschont, es bildet sich kein Waldmantel, und der Wind peitscht ungehindert hindurch. Der junge Baumbestand ist ohne Kraft, weil die Waldftreu noch immer in altgewohnter Weise genutzt wird. In den Gärten ist es nicht viel besser. Auch hier müssen alte Hecken fallen, Beete und Wege werden fein säuberlich von jedem Laubblättchen befreit, dessen Rascheln sonst den kleinen Vögeln ein Warnungssignal war, wenn die Katze sich anschlich. Dieser ganze sogenannte Kulturfortschritt ist zum Teil Frevel am Landschaftsbild und vor allem an der Vogelwelt. Denn dadurch nimmt man den Vögeln auch die letzte Nistgelegenheit, fo daß ihnen kaum noch ein geeigneter Unterschlupf bleibt. Im Walde werden alle Bäume gefällt, die krank sind und langsam abfterben und den Höhlenbrütern günstige Nistgelegenheit bieten würden. Wo soll denn die kleine nützliche Vogelwelt noch hin, wenn sie nun nicht mehr im Gestrüpp und Gesträuch Unterschlupf finden kann. Hat man denn verlernt, sich an den zahlreichen kleinen Sängern zu erfreuen, übersieht man, wie die großen und kleinen Vögel das Heimatbild beleben? Hat man vergessen, daß sie vor allem auch materiellen Nutzen stiften, indem sie dem Ueberhandnehmen der Schädlinge, des Gewürms, der Raupen und vieler sonstiger Insekten entgegenwirken? Wer macht sich ein Bild davon, welche großen Werte namentlich in der Forstwirtschaft durch die Arbeit der Vögel erhalten werden. Und trotz ihrer Verdienste wird es der Vogelwelt immer schwerer gemacht. Früher hat man den bösen Buben auf die Finger geklopft, wenn sie den Vogelnestern nachgestiegen sind. Wie gering aber war der von ihnen angerichtete Schaden im Vergleich mit der Verwüstung, die die moderne Land- und Forstkultur an der Vogelwelt anrichtet. Das muß vor allem auch beachtet werden bei den zur Zeit Überall mit Hilfe des freiwilligen Arbeitsdienstes durchgeführten Meliorationsarbeiten in Brüchen, Wiesen und Wald, denn wir müssen die wenigen Vögel, die noch bei uns geblieben sind, erhalten'und ihnen wieder bessere Brutgelegenheiten verschaffen. Das aber liegt im Sinne unserer neuen Zeit, die nicht alles nach Rentabili- täts- und Rationalifierungsgefichtspunkten betrachtet wissen will. Die Erklärung der Schorfheide im Norden Berans, des bekannten Rotwildreviers, zum Naturschutzgebiet ist hierfür ein deutliches Zeichen. Hier sollen die seltenen Vogelarten, wie der Schwarzstorch, der Uhu, der Seeadler, aber auch die kleino Dogelwelt wieder eine Heimat finden. Aber jeder kann an der Erhaltung unserer kleinen Vogelwelt mitwirken. In erster Linie soll man ihr über den kalten Winter hinweghelfen, sie regelmäßig füttern, besonders solange Schnee allen Boden zu- gedeckt hat. Jetzt ist auch die Zeit, zu überlegen, wie man eine kleine Wildhecke im Garten anlegt, um eine Vogelschutzstätte zu schaffen. Je dichter, verworrener und dorniger das Gezweige und Geäste der Sträucher ist, um so sicherer fühlt sich hier die kleine gefiederte Welt. Besonders sind Schwarz- und Weißdornhecken, Berberitzen und Liguster hierfür zu Wer darf Schulterriemen tragen? Der Herr Staatsminister macht in einem Ausschreiben an die Kreisämter und Polizeistellen auf ein Rundschreiben des Reichsministers des Innern vom 1. Februar 1934 aufmerksam, wonach auf Grund des § 3 der Verordnung vom 30. September 1933 das Tragen des Schulterriemens für sämtliche nicht amtlich anerkannlen Verbände verboten ist. Wie der Reichsminister des Innern den Landesregierungen mitgeteilt hat, haben sich in der letzten Zeit wiederholt Mißhelligkeiten dadurch ergeben, daß Mitglieder von Verbänden, die nicht in die NSDAP, eingegliedert sind, oder denen sonst keine besondere Stellung zuerkannt ist, den Schulterriemen zu ihrer einheitlichen Kleidung getragen haben. Der Schulterriemen muß heute als ein Uniformstück oder Abzeichen gelten, das die Mitgliedschaft zu einem hinter der Regierung der nationalen Erhebung stehenden Verband kennzeichnet. Das Tragen des Schulterriemens durch die Mitglieder anderer Verbände ist daher nicht gestattet. Es wird daher ersucht, die Polizeibehörden mit entsprechender Weisung zum Einschreiten gegen das danach unbefugte Tragen des Schulterriemens zu versehen. Es dürfte jedoch zunächst ein belehrender Hinweis genügen. Ausdrücklich bemerkt wird, daß der Deutsche Luftsportoerband und der Reichsluft- s ch u tz b u n d nach ausdrücklicher gesetzlicher Bestimmung zu den hinter der Regierung der nationalen Erhebung stehenden Verbänden gehören und daß weiter die Mitglieder der Technischen Nothilfe zu ihrer Uniform den Schulterriemen tragen dürfen. Oie Arbeitszeit in Handwerksbetrieben Vom Kreisamt Gießen wird uns mitgeteilt: Es ist wiederholt feftgeftellt worden, daß die durch die Gewährung von Reichszufchüffen für Jnstand- fetzungsdarlehen mehranfallende Arbeit vor allem auf dem Lande durch vermehrte Arbeitsleistung des Handwerkers und feiner Familienmitglieder ober der beschäftigten Arbeiter bewältigt wird. Dieses Verhalten steht im Widerspruch zu den Absichten der Reichsregierung, die mit der Bereitstellung dieser Durcheinander von schwankhaften Mißverständnissen und Verwechslungen die kleine Blumenverkäuferin Veronika; sie macht es ganz reizend, ist Liebhaberin und enfant terrible zugleich, naiv und geistesgegenwärtig in einem, und beweist, daß sie nicht nur über gesunden Humor verfügt, sondern auch Herz hat — und überdies eine gerade für filmische Aufgaben sehr vorteilhafte mimische Beweglichkeit und Ausdruckskraft. So steht sie jederzeit im Mittelpunkt der vom Regisseur Carl B o e s e verständnisvoll mit den erstaunlichsten Überraschungen aus- geftatteten Schwindelgeschichte und steuert das Abenteuer an gefährlichen Klippen vorüber zu einem wahrhaft glücklichen Ausgang. Zwei Komiker von oft erprobter Qualität — Hörbiger und Wall- bürg — überdauern mit schlechtem Gewissen die furchtbarsten Verlegenheiten und suchen sich mit verzweifelten Verschwörungen aus dem Lügennetz zu befreien, in das sie sich unbedacht und fahrlässig immer tiefer verstrickt haben. Dom übrigen Ensemble nennen wir Hilde Hildebrand, Margarete Kupfer, Kurt Lilien und Olga E n g l. Das Publikum unterhält sich in diesem für die Faschingstage sehr geeigneten Lustspiel-Film aufs beste. — Im Beiprogramm findet man außer der neuen Wochenschau einen Vorspann zum „Wilhelm Tell", der in Kürze hier erscheinen wird, und einen Ausgrabungsbildbericht „Aus Deutschlands Bronzezeit"^ Einkommensträger kinderreicher Familien bevorzugt zu berücksichtigen. Bei der Vermittlung von Angestellten und Arbeitern für Reichsbehörden erhalten Personen, die für mehr als drei Familienangehörige zu sorgen haben, bei ihrer Entlassung eine Dringlichkeitsbescheinigung und sind bei der Zulassung zu bevorzugen. Schließlich dürfen nach § 3 der Verordnung zur Durchführung von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen nur bisherige Erwerbslose, und zwar in er.ster Linie Kinderreiche, Familienernährer und langfristig Erwerbslose berücksichtigt werden. nächsten Tage zu schildern. Ein Polizeiverhör folgte dem anderen und nun, da der Ring fort war, wurde meine Lage fo brenzlich, daß ich um ein Haar verhaftet worden wäre. Schließlich war mir meine Sommerfrische vergällt. Ich reifte ab, fuhr nach Emden und von dort aus nach Bremen. Abends fitze ich dort in einem* großen Bierlokal, als der Wirt, in weißer Schürze und Jacke, die Ausschlachtung eines Riesenftörs ankündigt. Die Gäste strömen zusammen, vier Köche schleppen den gewaltigen Fisch in die Mitte des Raumes und legen ihn auf einen langen Tisch. „Merkwürdige Sitte", sage ich zu einem der Gäste, „werden hier oft solche Fische ausgeschlachtet?" „Fast jede Woche", nickt der Gast. „Dieser Stör hier ist vorgestern bei Borkum gefangen." Ich fühle,' wie ich totenblaß werde. Ich weiß, so sehr stehe ich noch immer im Banne der Borkumer Ereignisse, was jetzt kommen wird. Der Wirt beginnt inzwischen seine Arbeit, schneidet den Stör auf, nimmt die Leber heraus, den Magen-- „Süh mal einer an", sagt er da plötzlich und hält den rosaroten Magen hoch, „der Stör muß ja wohl reineweg 'nen Ring verschluckt haben?" Wir alle sehen — es gibt gar keinen Zweifel — eine ringartige Ausbuchtung an der Magenwand. Ich aber--" Dr. Calvör machte eine Pause. Vormöller, der Zoologe, aber nahm die Gelegenheit wahr. „Erlauben Sie mal", rief er, „das geht mir denn aber doch zu weit. Den Ring soll — das ist schon allerhand — eine Möwe gefressen haben. Ein Stör aber, verehrter Doktor, frißt niemals Möwen!" „Ganz recht", flüsterte Dr. Calvör, „und nur d t e- f er Tatsache habe ich es wohl zu verdanken, daß der kupferne Ring meines Großvaters bis heute noch nicht wieder in meinen Besitz gelangt, und daß der Glaube an die dunklen Prophezeiungen meines Freundes Hochländer — hoffentlich für immer — erschüttert ist. Der Stör, meine Herren, hatte einen ringförmigen Kiesel im Magen." Bumta! machte die Tanzmusik. Die Herren, die fo gern ein paar besinnliche Geschichten gehört hätten, machten mißmutige Gesichter. Dann aber gaben sie sich einen Ruck, standen auf und gingen in den Saal. Sie hatten den toten Punkt überwunden. ■■■ 11—12 zuliegen. Verdiensilosigkett und Verlust. 14—15 15—16 16—17 14—16 17—18 18—19 9—10 10—11 16—17 ger, Des Rätsels der der sprach und Schaffensund D etil—12 14—16 9—10 10—11 Die Februarversammlung der Gießener Ortsgruppe des Deutschen Techniker-Verbände s fand dieser Tage im „Haus der Arbeit" statt. Der Ortsgruppenvorsteher, Pg. Dr. R. C o b u r - und Leitung, Glauben, Wissen und kraft und endlich von der Wehr- teidigungsfähigkeit. maßgeblich waren, für die man kämpfte, zum anderen aber auch Waffentechnik in Verbindung mit Hebung und Umsicht Triumphe feierte. Aberglaube, Furcht vor unbekannten Dingen, Ueberraschungen ließen oft schon die stärksten Völker kampflos untergeben und viele Völker wendeten darum exotische Kampfesweisen und Mittel an. In den Zeiten größter Rot wären aber auch immer die Mittel rechtzeitig erfunden worden, die, gepaart mit Mut und Umsicht, Ungeahntem widerstanden hätten. Der Redner sprach sodann über die Kampfesweisen kulturell hochstehender im Vergleich 311 den in tiefem Kulturzustand befangener Völker. Oft seien auch die wertvollen Völker gezwungen worden, zu verruchten Kampfesweisen überzugehen, wenn sie ihre Eristenz retten wollten. Der Vortragende schilderte die Kampfesart und 8d Handwerkskammer-Nebenstelle Gießen EinfachsteLebensformendesTler-u. Pflanzenreichs. Naturgeschichte der mikroskopischen Süßwasserbewohner von F. Eyferth. Fünfte, von Prof. Dr. W. Schoenichen vollständig neu bearbeitete Auflage Mit über 1500 Abbildungen 2 Bände in Halbleder gebunden RM. 38.-. Neue Ganzleinen- Ausgabe RM. 30.— Die Infusorien des Süßwassers und Meeres. Hilfsbuch zum Bestimmen nebst einer kurzen Einführung in deren Biologie. Von Prof. Dr. I. Lepsi. Mit 550 Abbildungen. Gebunden RM. 4.— Zu beziehen durch jede Buchhandlung Hugo Bermühler Verlag . Berlin-Lichterfelde Nr. 38 Erstes Blatt 184- Jahrgang Mittwoch, 14. Februar <934 Erscheint tägltd), außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gietzener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr . „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Fernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686 Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Druck und Verlag: vrühl'sche Umverfitätsvuch- und Zteindruckerei V. Lange in Stehen. Schristleitung und Geschäftsstelle: Zchulftrahe 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8^/,Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rps., für Textanzeigen von 70mm Breite 60 Rpf.,Plahvorschrift oder schwieriger Satz 25°/0 mehr Ermähigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzei. gen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Vereins- u. Tageskalender im Textteil 12 Rpf. je mm Fortdauer des Bürgerkriegs in Oesterreich. MW , 3 ■ Brennendes Oesterreich Von unserem R.-Serichierstatter. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Wien, 13. Februar 1934. Aufruhr rast durch Oesterreich. Das, was sich in den letzten 24 Stunden in Linz und Wien, in Steyr, in Bruck, in Kapfenberg und Judenburg abgespielt hat, das ist der rote Aufstand, vor dem Herr Dollfuß feit vielen Monaten von allen Wohlmeinenden ebenso eindringlich wie vergeblich gewarnt wurde. 33 Tote und 163 Schwerverletzte wurden heute allein für Wien als die erste traurige Bilanz von amtlicher Seite zugegeben; die Gesamt- »nkt Kar CXntar mtrh in SlUnhrhoit Lahr nie! hnhor Amtsverkündigungsblatt für die Provinzialdirektion Oberheffen und für das Kreisamt Gießen Jfo 6 Erscheint Dienstag und Freitag. 13. Februar Nur durch die Post zu beziehen. 1934 Inhaltsübersicht: Das Beschneiden der Hecken. — Die Mitnahme von Hunden in Felder und Walder. — Neue rassenkundliche Werke von Studienrat Dr.J.Graf. — Inanspruchnahme von Schülern durch nationale Organisationen. - Die zur Entlassung kommenden Schüler, die ein Handwerk erlernen wollen. — Die Ausführung des Art. 20 des Volksschulgesetzes. — Feldbereinigung Rödgen. Dienstnachrichten. Betr.: Das Beschneiden der Hecken. Au die Bürgermeistereien des Kreises. Nach dem Polizeireglement vom 24. Februar 1882 haben die Garten- und Feldbesitzer die ihren Grundbesitz an öffentlichen Fahr- oder Fußwegen umfriedigenden Hecken in jedem Frühjahr bis zum 1. März eines jeden Jahres auf 1,25 Meter Höhe und 0,50 Meter Breite zurückzuschneiden und im Laufe des Monats September die neuen Schößlinge wiederholt zu beschneiden oder zurückzubinden. . Wir empfehlen Ihnen, die Garten- und Feldbesrtzer auf diese Bestimmungen hinzuweisen. Zuwiderhandlungen sind strafbar. Nach dem obenerwähnten Termin, insbesondere im Sommer, dürfen lebende Hecken nicht beschnitten werden, da hierdurch unzählige Bruten der nützlichsten Vogelarten vernichtet werden. Gießen, den 6. Februar 1934. Kreisamt Gießen. I. V.: S ch m i d t. Betr.: Forst- und Jagdschutz; hier: die Mitnahme von Hunden in Felder und Wälder. An die Ortspolizeibehörden und die Gendarmeriestationen des Kreises. N/lch Art. 25 des Hessischen Jagdstrafgesetzes vom 19. Juli 1858 macht sich derjenige strafbar, der einen Hund in fremdem Jagdgebiet bei sich hat und denselben außerhalb der erlaubten Verbindungswege über hundert Schritte von diesem entfernt frei herumlaufen läßt. Wir beauftragen Sie, alle Zuwiderhandlungen gegen dreie Bestimmung unnachsichtlich zur Anzeige zu bringen. Die Ortspolizeibehörden werden beauftragt, das ihnen unterstellte Polizei- und Feldschutzpersonal entsprechend anzuweisen. Gießen, den 6. Februar 1934. Kreisamt Gießen. I. V.: Schmidt. Betr.: Neue rassenkundliche Werke von Studienrat Dr. I. Graf. Au die Schulvorstände der Landgemeinden des Kreises. Wir weisen Sie auf das Ausschreiben des Hess. Staatsministeriums, Ministerialabteilung für Bildungswesen, Kultus, Kunst und Volkstum vom 1. Februar 1934, abgedruckt in der Darmstädter Zeitung Nr. 29 vom 3. Februar 1934 hin und empfehlen Ihnen das Erforderliche zu veranlassen. Gießen, den 6. Februar 1934. Hess. Kreisschulamt. I. V.: Dr. S ch ö n h a l s. Betr.: Inanspruchnahme von Schülern durch nationale Organisationen. An die Schulvorstände der Landgemeinden des Kreises. Wir weisen Sie auf die Verfügung des Hess. Staatsministeriums, Ministerialabteilung für Vildungswesen, Kultus, Kunst und Volkstum vom 30. Januar 1934, abgedruckt in der Darmstädter Zeitung Nr. 29 vom 3. Februar 1934, mit dem Empfehlen hin, entsprechend der in der genannten Verfügung getroffenen Anordnung zu verfahren. Gießen, den 6. Februar 1934. Hessisches Kreisschulamt. I. V.: Dr. Schünhals. Betr.: Die zur Entlassung kommenden Schüler, die ein Handwerk erlernen wollen. An die Schulvorstände der Landgemeinden des Kreises. Wir weisen auf unser Ausschreiben vom 10. Februar 1927 im Amtsverkündigungsblatt Nr. 11 vom 15. Februar 1927 hin. Gießen, den 6. Februar 1934. Hessisches Kreisschulamt. I. V.: Dr. S ch ö n h a l s. Betr.: Die Ausführung des Art. 20 des Volksschulgesetzes. An die Schulvorstände der Landgemeinden des Kreises. Wir empfehlen Ihnen, uns bis spätestens zum 1. März die Namen der Schüler und Schülerinnen mitzuteilen, auf die der Art. 20 des Volksschulgesetzes Anwendung finden soll. Fehlberichte sind nicht zu erstatten. Gießen, den 6. Februar 1934. Hessisches Kreisschulamt. I. V.: Dr. Schönhals. Bekanntmachung. Betr.: Feldbereinigung Rödgen; hier Hauptgeldausgleich. In der Zeit vom 14. Februar bis einschließlich 20. Februar 1934 liegen auf dem Amtszimmer der Hessischen Bürgermeisterei zu Rödgen das Hauptgeldausgleichungsverzeichnis nebst Abschrift des Artikels 42 aus dem Feldbereinigungsgesetz, worauf ich die dinglich Berechtigten und insbesondere Hypothekengläubiger ausdrücklich Hinweise, zur Einsicht der Beteiligten offen. Einwendungen hiergegen sind bei Meidung des Ausschlusses während der Offenlegungszeit daselbst schriftlich und mit Gründen versehen einzureichen. Friedberg, den 7. Februar 1934. Der Hessische Feldbereinigungskommissar. I. V.: W i n g e f e l d. Dienstuachrichteu des Kreisamts. Richard Keiber aus Villiugeu wurde zum Gemeinderechner der I Gemeinde Villingen bestellt und verpflichtet. Druck der Drühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen. rates, Dr. Renner, und der Präsident des Bundesrates, Koerner, verhaftet, ebenso der frühere fast allmächtige Finanzreferent des Wiener Gemeinderates Breitner und der Landesrat Petz- nef, der Gatte der sog. „roten Prinzessin", der Fürstin Windisch-Grätz, einer Enkelin des Kaisers Franz Joseph. Der Bürgermeister von Wien, Seitz, hat nach Angabe des behandelnden Arztes einen Schwächeanfall, aber keinen Schlaganfall erlitten. Seitz befand sich bis Dienstag nachmittag Im Rathaus. Darauf wurde er ins Polizeigefängnis gebracht. Erbitterte Kämpfe um Floridsdorf und Ottakring. Wien, 14. Febr. (DNB.) In Floridsdorf haben Bundestruppen und Polizei auch in den Abendstunden des Dienstag den Widerstand der Marxisten noch nicht niederzuringen Der- m 0 cht. Der innere Teil des Bezirks rund um das snnjtiotpnrnniiffariat wird von Polizei, 700 Mann litär und fünf Feldgeschützen verteidigt. )iesem Kreise und der äußeren Front der Struppen dehnt sich ein breiter Wiesen, der sich noch völlig imMacht- der Schutzbündler befindet. Die haben hier zwar keine festen Stellungen »doch liegt dieser Strich an den wichtigsten nien unter dem Maschinen- feuer der Schutzbündler, die auch ■ besetzt halten. Von Niederösterreich sind fernen eingetroffen, die jedoch das Ge- 1 nicht kennen. Bei Eintritt der Nacht sind Bundesheeres sowohl hier wie auf der aus der Ausmarschlinie zurückgezo- )en. Dies wird damit begründet, daß die Gelegenheit zum Ausruhen haben müssen. Morgen in voller Frische ein- Derben zu können. ter Kampf ist auch um das Arbeiter- 1 Ottakring ausgebrochen. Wie es ?n die Sozialdemokraten, die durch Unterlänge in die Nachbarhäuser geflüchtet chdem sie von dort aus das Arbeiterheim schinengewehrfeuer genommen hatten, die Polizeibesatzung wieder hinausge- u n b das Heim erneut besetzt ilizei geht nun erneut gegen das Arbeiter- Ruhige Nacht. orgen teilweise wieder Aufnahme des Verkehrs. 14. Febr. (DNB. Funkspruch.) Im gun- gebiet ist die Nacht ruhig verlaufen. Auch isdorfer Gebiet, wo sich befannt- ?.gner noch gegenüberstehen, kam es w ä h - r Nacht zu keinen Kämpfen. Auch gens hörte man nur ganz vereinzelt bieren einer sckweren Mine. Erst g ege n lahm bas Artillerie - unb M i - er wieber zu. Straßenbahn unb : verkehren wieder. Am Ring aller- t noch ber Verkehr, um die bort besonders igebung des Polizeipräsidiums getroffenen rungsmaßregeln aufrecht erhalten L erreichischen Rundfunk sprach Dienstag Leiter des Sicherheitswesens Vizekanzler behauptete, daß der Widerstand bis auf üne Nester niedergeworfen sei. Als hnte ber Vizekanzler, daß in Wien im das Polizeikommissariat aus der gegen» den Städtischen Feuerwehr beschossen i. Es habe festgestellt werden können, daß tische Feuerwehr in vielen Fällen l Marxisten gemeinsame Sache t habe. So seien im Schlingerhof im wo nach dessen Einnahme 400 Schutz- erhaftet worden seien, Handgranaten aus 3 der Städtischen Feuerwehr gesunden ion den verhafteten Schutzbündlern werde htlicher Teil vor das Standgericht Fast alle marxistischen Führer seien i m rsam der Behörden. Zum Schluß er Vizekanzler der „großen Zahl gefalle- lörigen ber staatlichen Exekutive". Er rich- ' Arbeiter eine Mahnung zur Einkehr unb I- Zahl der Todesopfer. . 14. Febr. (DNB.) Noch immer ist burch- Klarheit barüber zu erlangen, was bas n Wien an Opfern bisher gekostet hat. zwar b i e Zahl von 384 Tobes» um; jeboch wirb behauptet, baß biefe linksgerichteten Kreisen stammt, unb baß eine Kombination anzusehen sei. e sichere Angabe, bie zur Verfügung steht, ?r bie Zahl der Personen, bie schwer Der- 1 bas Allgemeine Krankenhaus e f e r t worben sinb unb bort ihren ungen erleaen sinb. Diese belief sich 1 f 123 Personen. Ferner sollen in nittagsftunben des Dienstag 100 Lei- i der Prosektur des Anatomi- r ft i t u t s eingeliefert worben sein, ngsgesellschaft gibt an, baß sie am Mon- Serfonen, am Dienstag 148 Personen beit. Dazu kommen noch 13 Fälle, in benen 1 ben Eintritt bes Tobes feststellen konnte, esen Angaben kann es sich felbftüerftänb- m Teilziffern hanbeln. Nach Jnformatio- Wiener Reuter-Vertreters bürste b i e r Todesopfer in ganz Oe ft er- cht unter öOO anzusetzen sein. berg zur Einweihung der Jugendführerschule, vom hiesigen Ortsgruppenleiter begleitet. — Die Straßensammlung für das Winterhilfswerk am gestrigen Sonntag ergab 237,66 Mark. Kreis Büdingen. X. Nidda, 11. Febr. Gestern abend fand in der Turnhalle eine von der „Kraft durch Freude" (NSBO. Nidda) veranstaltete Feier- st u n d e für die Mitglieder der NSBO. und der Deutschen Arbeitsfront statt. Die geräumige Turnhalle war völlig besetzt. Auch viele Nichtmitglieder nahmen an der Feier teil. Nach der Begrüßung durch den Kreisbetriebszellen - Obmann Weber fanden zwei flott gespielte Lustspiele reichen Beifall. Musikvorträge der Feuerwehrkapelle in ansprechender Ausführung umrahmten das Ganze. Nach Schluß des offiziellen Teiles trugen eine reichlich ausgestattete Verlosung und deutsche Tänze wesentlich zum gemütlichen Teil bei. = Nidda, 12. Febr. Für die Chorleiter der Sängerkreise „Niddatal" und „Vogelsberg Süd" findet Anfang März in unserem Städtchen ein Schulungskursus statt. Kursus- leiter ist Musik-Oberlehrer Samper (Darmstadt), der den Vereinen der beiden Sängerkreise als Wertungsrichter bei den verschiedensten Veranstaltungen in bester Erinnerung sein dürfte. lH Nidda, 12. Febr. Zwecks Wahrung der Jn- teeressen der am hiesigen Arbeitsdienstlager beteiligten Gemeinden soll ein Zweckverband gegründet werden. Kreis Schotten. □ Laubach, 12. Febr. Am Sonntagabend hielt der VHC. Zweigverein Laubach im Saale des „Solmser Hofes" eine größere Veranstaltung in Form eines „Bunten Abends" ab. Hierzu war auch eine Truppe der Gaukampfbühne Gießen unter Leitung des Pg. Kurt Richter gewonnen. Die Vortragsfolge war sehr geschmackvoll zu- sammenaestellt, so daß allen Besuchern ein genußreicher Abend zuteil wurde. Lieder, Gedichte und humoristische Vorträge wechselten mit heiteren Theaterstücken ab. Der Besuch war sehr gut, so daß dem Winlerhilfswerk, dem der Reinertrag zufloß, ein nennenswerter Betrag zur Ve '" gestellt werden konnte. )—( Ruppertsburg, 12. Febr. Am hielt unser Kriegerverein bei Gasti Wagner seine 59. ordentliche Generalversal ab. Der Vorsitzende Wilh. Seipp II. e einen ausführlichen Jahresbericht, woraus i entnehmen war, daß der Verein nach vier ten und zwei Eintritten nunmehr 79 Mi zählt. Der langjährige Kassenwart Wilh. L verlas die Rechnung, die einen Kassenbesta 72,54 Mk. und ein Barvermögen von 181, aufwies. Nach verschiedenen Mitteilungen ui Höningen konnte der Leiter die Versammli einem begeistert aufgenommenen „Sieg-Hei unser Vaterland und seine Führer schließe das Deutschland- und das Horst-Wessel-Lied c>o Eichelsdorf, 12. Febr. Der in dr ziger Jahren stehende geistesgestörte Arbe Lehr aus B o r s d o r f kehrte vor weniger von einem Gang nach Nidda nicht mel Hause zurück. Nachforschungen ergaben, daß klagenswerte in den Waldungen auf dem Niddaufer umherirre. Streifzüge, an der neben der Gendarmerie auch die Feuerw« Ober-Lais beteiligten, führten zu keinem E Nur die Oberkleider des Gesuchten wurden a den. Gestern morgen nahmen Teile der S SA.-Reserve von Nidda erneut die Sir Gegen 13 Uhr fand man unweit des Mc Platzes zwischen E i ch e l s d o r f und Ober die Leiche des Geistesgestörten, i Hemd und Unterhose bekleidet. Der Unc scheint vor Entkräftung hingesunken und < r e n zu sein. ________________________ Iahnenweiheim Odenwald in Anwesenheit des Reichsstatthalters Sprenger. Beerfelden, 12. Febr. (LPD.) Am Samstag weilte Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger in Beerfelden im Odenwald, wo sich eine 6er ältesten nationalsozialistischen Ortsgruppen des Gaus zur Fahnenweihe versammelte. Das erste Banner der alten Ortsgruppe ist von der SA. übernommen worden, und so fand nunmehr die zweite Bannerweihe der OG. statt. Gauleiter Sprenger erinnerte daran, wie er mit wenigen alten Kämpfern in den Jahren vor der Revolution unter der Haken- kreuzfahne durch Beerfelden marschiert sei. Die Männer, denen der Führer für ihre Bewährung den neuen Titel „Politischer Leite r" zuerkannt habe, seien der neue deutsche Führeror- d e n. Wer das braune Ehrenkleid trage, der sei verpflichtet, nicht nur der Partei, sondern auch dem Volke gegenüber Höch st e Pflichten zu übernehmen. Die Partei sei das pulsierende Leben im Volk, der Staat sei das Instrument, mit dem das Volk sich neu gestalte und vorwärts entwickele. Eine Harmonie von Partei, Staat und Volk, erfüllt vom Geiste Adolf Hitlers, das fei das Ziel. Diesem Geiste weihte der Gauleiter die neue Fahne der Ortsgruppe Beerfelden, im Gelöbnis der Treue zum Symbol und zum Führer bis zum letzten Mann. Darmstadt unter neuer Führung. LPD. Darmstadt, 12. Febr. In einem Gespräch mit Journalisten betonte der neue Oberbürgermeister Wamboldt seine enge Verbundenheit mit Darmstadt, in der er seine Jugendzeit und später ein Jahr dienstlich verbracht habe. Im Vordergrund stehe natürlich auch in Darmstadt der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit und um gesunde Finanzen. Was Darmstadts Zukunft betrifft, so geht des neuen Stadtoberhaupts Bestreben dahin, den Charakter der Stadt als einem angenehmen Wohn- und Aufenthaltsort zu fördern und seine kulturelle Mission und künstlerische Tradition lebendig zu erhalten. In Wahrung der Lebensmöglichkeiten der Stadt wird sich der neue Oberbürgermeister mit voller Kraft dafür einsetzen, daß Darmstadt die Bedeutung im rhein-mainischen Lebensraum erhält, auf die diese Stadt durch ihre Vergangenheit und durch die Qualitäten ihrer Bewohner berechtigten Anspruch erheben darf. Ein Auto in den Rhein gestürzt. Zwei Darmstädter ertrunken. LPD. Mainz, 13. Febr. Am Montag gegen Mitternacht fuhr ein Personenkraftwagen, der mit zwei Männern und zwei Frauen besetzt war, in der Nähe der Anlegebrücke der Köln-Düsseldorfer Rheinschiffahrtsgesellschaft in denRhein. Bei den Männern waren die sofort vorgenommenen Rettungs- und Wiederbelebungsversuche erfolglos; sie waren beide bereits tot. Es soll sich um einen Willi Haus und einen Adolf Leiser, beide aus D a r m st a d t, handeln. Die beiden Frauen konnten lebend geborgen werden und wurden dem Krankenhaus zugeführt. Die Untersuchung über den Hergang des Unfalls ist noch nicht abgeschlossen. Schweres Motorradunglück. Ein Toter. Mainz, 12. Febr. (LPD.) In der Nacht auf Sonntag ereignete sich am Bingerschlag ein schweres Motorradunglück. Der 25fährige Georg Orth fuhr mit seinem Motorrad, von Zahlbach kommend, in ziemlich starkem Tempo in die Stadt. Am Bingerschlag erfaßte er mit feinem Rad den des Weges kommenden 24jährigen Schreiber Georg Lorch, der lebensgefährlich verletzt wurde. Er erlitt eine schwere Gehirnerschütterung, Kopfverletzungen und einen Kniebruch. Orth und der auf dem Soziussitz befindliche 24 Jahre alte Metzgerbursche Karl Trapp wurden heruntergeschleudert. Orth ist am Sonntagvormittag seinen Verletzungen erlegen. Trapp trug eine Gehirnerschütterung und schwere Kopfverletzungen davon. und sprach dann über das Gesetz zur Ordnung der Nationalen Arbeit. Der nächste Schulungskursus soll am 19. Februar stattfinden. 0 Kleinrechtenbach, 12. Febr. Die Müllereigesellschaft Klein- und Groß« Rechtenbach hielt hier im Gemeindesaal ihre diesjährige Generalversammlung ab. Sie wurde von dem Vorsitzenden Ortsbürgermeister Schmidt eröffnet. Geschäftsführer Müller erstattete die Rechnungsablage. Sodann übergab der Vorsitzende den Vorsitz dem Kreisbauernführer Langsdorf, der die Versammlung bis zum Schluß leitete. Er wies darauf hin, daß die Müllereigesellschaft, die weder eingetragener Verein, noch Genossenschaft sei, in dieser Form nicht weiterbestehen könne. Es fei vor- geschlagen, aus der Müllereigesellschaft eine Genossenschaft zu bilden, ähnlich der Dreschgenossenschaf- ten, um auf genossenschaftlicher Basis das Mahlen des Getreides auf der Gesellschaftsmühle vorzunehmen. Geschäftsführer Dornberger - Wetzlar gab das neue Genossenschaftsstatut bekannt, das von der Generalversammlung gegen fünf Stimmen angenommen wurde. Die neue Genossenschaft erhielt den Namen „M üllereigenofsenschaft Klein- re chtenbach und Umgebun g". In den Vorstand wurden gewählt: Ortsbürgermeister Schmidt- Kleinrechtenbach (Vorsitzender), Heinrich Müller- Kleinrechtenbach (stellvertretender Vorsitzender und Geschäftsführer), Friedrich D r e u t h - Großrechten- dach (ß. O. F.), Wilhelm Z ö r b - Kleinrechtenbach (L. O. F.) und Friedrich Müller VI.-Großrechten- bach. In den Aufsichtsrat wurden gewählt: Wilhelm Möglich- Weidenhausen, Wilhelm H u n b - Großrechtenbach und Karl Bechtold- Großrechtenbach. Kreis Biedenkopf. (D Niederweidbach, 12. Febr. Bei der jüngsten Brennholzversteigerung wurden folgende Preise erzielt je 2 Raummeter: Eichenscheit 8 bis 9 Mk., Eichenknüppel 7 bis 8 Mk., Buchen- fcheit 14 bis 16 Mk., Buchenknüppel 11 bis 13 Mk., Buchenrollen 15 bis 16 Mk., Kiefern 5 bis 6 Mk.; 3 Raummeter: Buchenreifer (Aftreifer) 3 bis 5 Mk.; 5 Raummeter: Buchenreifer (Stammreifer) 4 bis 7 Mk.; 5 Raummeter: Eichenreiser 3 bis 4 Mk. Nie Silfe gegen