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O.UL g,7l 0 61 S,68 H 166 g 0 --0^602“ 58,75 0,176 3,053 56,56 81,88 12,665 ,596 16,M 170,0 21,61 0,751 5,676 63,61 18,55 **s 65, J H-78 0 4,1« Donnerstag, 12. ZuliM4 r. 160 Erstes Blatt 184. Jahrgang Deutschlands Gleichberechtigung und der osteuropäische Pakt. Nicht so, als ob wir grundsätzlich den Abschluß etwa eines Locarnopaktes des Ostens ablehnen mühten. Aber die Schwierigkeiten der tatsächlichen Durchführung eines solchen internationalen Vertrages sind zu offensichtlich, als dah man sich davon einen Nutzen versprechen könnte. Wie würde sich ein Ostlocarno für den Fall eines Konfliktes zwischen den einzelnen Dertraqs-„Aspi- ranten" aus wirken? Sollte einmal der Fall eintreten, daß Frankreich Deutschland angriffe, so hätte dann Rußland an der deutsch-französischen Grenze aufzumarschieren, um diese zu schützen. Polen würde Durchmarschgebiet der russischen Roten Armee; Deutschland würde ihr Aufmarschgebiet. Wenn Rußland Polen angriffe, würde die französische Armee durch Deutschland marschieren und in Polen Aufstellung nehmen. feeflotte werden gleichfalls um etwa 400 bis 500 Flugzeuge verstärkt werden. Die genaue Zahl hängt jedoch von dem Ergebnis der nächstjährigen Flottenkonferenz und davon ab, ob Amerika und Japan einer von England gewünschten Einschränkung ihrer Flottenluftslreitkräste zustimmen. Etwa 12 bis 15 neue Kriegsflugplätze sollen in verschiedenen Landesteilen Englands errichtet werden, davon drei im Süden, Südosten und Osten von London und ein vierter stark geschützter Flugplatz für Bombenflugzeuge im Nordwesten der Hauptstadt. Gleichzeitig wird das Luftfahrtmini- sterium einen intensiven Rekrutierungsfeldzug für die verstärkte Luftflotte durchführen. Wahrscheinlich wird auch die englische Territorialarmee mit Kampf- und Versolgungsflugzeugen ausgerüstet und damit in den Rahmen des allgemeinen Luftverteidigungssystems einbezogen werden. Wenn die Tschechoslowakei mit Polen in kriegerische Verwicklungen geriete, würde Deutschland wahrscheinlich zu einem Teil Kriegsschauplatz werden müssen. Wenn ein Konflikt zwischen Rußland und den Baltikumländern entstünde, hätte Polen ein ähnliches Schicksal zu gewärtigen. Man sieht, wie außerordentlich fragwürdig dieses Paktsystem wird, sobald man es auf seine praktische Brauchbarkeit hin prüft. Barthous Weg ist so kompliziert wie nur möglich, ganz abgesehen davon, daß sein Zusammengehen mit Rußland sehr schwerwiegende innerpolitische Folgen haben könnte. Andererseits braucht Frankreich eine Ablenkung von dem Thema der Abrüstung und von seinen innerpolitischen Sorgen, und diese ist nun einmal zuerst in außenpolitischer Aktivität zu suchen. Was letzten Endes dabei herauskommt, ist höchst fraglich. Wesentlich komplizierter liegen die Verhältnisse auf dem Gebiete der Paktfysteme, um deren Zustandekommen sich Varthou in den letzten Monaten so ausgiebig bemüht hat. Grundsätzlich handelt es sich darum, durch Rußland eine Garantie der französischen Ost grenze zu erhalten, während Frankreich dagegen die russische West grenze 3 u schützen hätte. Das würde sich praktisch so auswirken, dah Rußland in irgendeiner Form als Teilhaber des eigentlichen Locarnopaktes aufträte, der bisher je zur Hälfte durch Italien und England garantiert wurde. Man kann vermuten, daß Rußland entweder als zufählicher Partner in den kreis der Mächte einbezogen würde oder aber einen Teil der Vertragsquoten bzw. den gesamten Anteil Englands übernähme. Andererseits würde dann Frankreich in den Ring derjenigen Staaten aufzunehmen fein, die an dem kommenden Ostlocarno irgendwie beteiligt fein würden. Englands außenpolitischer Umschwung würde, wenn diese Ueberlegungen zutreffen, um so bedeutungsvoller sein, als erst kürzlich Eden einen wesentlich anderen programmatischen Standpunkt vor der Weltöffentlichkeit vertreten hat. Es fet auch an die große Frühjahrsreise Edens erinnert, auf der es sich darum handelt, inwieweit es möglich gemacht werden könnte, einen Ausgleich der Rü- ftuNgsinteresfen Frankreichs mit dem der übrigen europäischen Mächte herbeizuführen. Die Abrüstungsfrage spielt heute im politischen Geschäft schon keinerlei Rolle mehr. Man hat das Thema kurzerhand beiseite gelegt. „Sicherheit durch Aufrüstung" ist das Kennwort der Gegenwart. Und wenn man hort, daß in Frankreich bereits große russische Bestellungen auf Kriegsmaterial eingelaufen sind, so darf man daraus folgern, daß das französisch- russische Militärbündnis entweder bereits perfekt geworden ist oder daß die Unterzeichnung unmittelbar bevorsteht. Auch die Verhandlungen der Generalstäbe diesseits und jenseits des Aermelkanals lassen darauf schließen, daß auch dort schon die ersten Vorbereitungen getroffen worden sind, um die zukünftige Aufrüstung zu organisieren. Inmitten all dieser Bemühungen um komplizierte Paktsysteme und um Aufrüstung um jeden Preis bleibt der deutsche Standpunkt der alte, der eine Befriedung Europas durch freundschaftliche Beziehungen von Volk zu Volk und eine weitgehende Abrüstung zum Ziele hat. Wir haben kein Interesse daran, in das Netz der einander widerstrebenden politischen Ab- jichten und Meinungen einbezogen zu werden. men um die Kapelle herumtanzten. Ueberall ließen die englischen und die deutschen Matrosen das Vergangene vergangen sein. — W i r hoffen für immer. Britische Matrosen sprechen ungern ihre Anerkennung für andere Flotten aus. Aber gestern erklärten sie, daß d i e deutschen Matrosen d i e schneidig st en seien, die sie jemals g e s e k) e n haben. Der Bericht endet mit den Worten: In Portsmouth ist die Flagge der Freundschaft aufgezogen worden und jedermann wird hoffen, daß sie lange gehißt bleiben wird. „Daily Mail" überschreibt ihren Bildbericht mit den Worten: „Die deutsch-englische Flölten e n t e n t e". Das Blatt schreibt u. a.: Die amtlichen englischen Besucher auf den deutschen Schiffen wurden sehr ga st freundlich empfangen. Keine Manöver der Reichswehr. Berlin, 10. Iuli. Der Reichswehrminisier hat mit Rücksicht auf die von der anhalte n- den Dürre betroffenen, Landwirtschaf t den Ausfall der für den Herbst vorgesehenen Manöver und Truppenübungen angeordnet. Dabei sprach auch die e r h ö h te Wa Id - und Heide- drandgefahr mit, die eine planmäßige Durchführung der Hebungen in Frage stellt. Sanz Deutschland soll den Führer hören Berlin, 11. Juli. (DNB.) Die NSK. meldet, daß der Leiter der Abteilung Rundfunk der Reichspropagandaleitung der NSDAP., Dreßler» Andreß, folgenden Aufruf an alle Gau-, Kreis- und Ortsgruppen-Funk w a r t e erlassen hat: Am Freitag, 13. Juli, abends 20 Uhr spricht der Führer im Deutschen Reichstag über alle deutschen Sender zur gesamten Nation. Für diesen Tag ist ein bisher noch nicht dagewesener Gemeinschaftsempfang zu organisieren. Alle Funkwarte haben sofort mit den notwendigen Vorarbeiten zu beginnen und dafür Sorge zu tragen, daß auch dem letzten Volksgenossen die Möglichkeit gegeben wird, an dieser bedeutungsvollen Rede des Führers teilnehmen zu können. Ungarische Lugend in Frankfurt. LPD. Frankfurt a. M., 11. Juli. Von Rothenburg 0. T. kommend trafen heute die 50 Angehörigen der ungarischen Levente, die sich zur Zeit auf Einladung der Hitlerjugend auf einer Deutschlandreise befinden, in Frankfurt ein. Die Gäste, die von 60 Angehörigen der Hitlerjugend unter Führung von Obergebietsführer Nabersberg auf ihrer Fahrt begleitet werden, wurden im Römer in Vertretung von Oberbürgermeister Krebs durch Stadtrat Fifcher-Defoy willkommen geheißen. Für die Ungarn dankte deren Fuh- rer, Major P e r y. Sie alle hätten die Disziplin und den Aufbauwillen des neuen Deutschland bc- wundert. Es sei ihnen eine aufrichtige Genug- tuung, in ihrer Heimat von dieser friedlichen Arbeit des deutschen Volkes berichten zu können. Der London, 12. Juli. (DNB. Funkspruch.) Die Vermutung, daß Frankreich möglicherweise Zugeständnisse an die deutschen Gleichberechtigung sforderungen machen werde, wenn Deutschland an dem 0 st europäischen hilseleistungspakt teilnehme, wird heute von zwei englischen Blättern kurz gestreift. „Daily Telegraph" schreibt, einer der Gründe, der die englische Regierung dazu veranlaßte, ihre platonische Zustimmung und ihre diplomatische Unterstützung , für ein echtes Ostlocarno zu versprechen, sei die Hoffnung, daß ein solcher Pakt möglicherweise einen Ausweg aus d e r gegenwärtigverfahrenen Abrüstungslage schaffen könnte. Sir John Simon bestehe darauf, daß die Unterzeichnerstaaten eines solchen Paktes gleiche Rechte und Verpflichtungen genießen sollen. „News Chro- nicle" meldet, es bestehe jede Wahrscheinlichkeit, daß das durch eine Beteiligung Deutschlands am Ost- locarnopakt verursachte zusätzliche Sicherheitsgefühl in Frankreich die französische Oer französisch-russische Ostlocarno-Plan. Erklärt sich England uninteressiert an politischen Fragen des Kontinents? — Rußland als Garant des Locarnopakts eine seltsame Figur. London, 12. Juli. (DNB. Funkspruch.) Das Aufrüstungsprogramm für die englische Luftflotte, das Baldwin vor der Sommervertagung des Parlaments mitteilen wird, umfaßt u. a. folgende Maßnahmen: , , . ., Die Gleichheit der englischen Luststreitkräfte nrit der französischen Luftflotte soll durch ein Fünf-Jahresprogramm bis zum Iahre 1 940 hergeste 11 t sein. Bis zu diesem Zeitpunkt wird die englische Luftflotte etwa 48 bis 50 neue Geschwader, d. h. r un d 500 neue Kriegsslugzeuge in Dienst stellen, falls das Programm nicht durch eine Aenderung der internationalen politischen Lage eingeschränkt wird. Die Erhöhung des englischen Lutffahrthaus- halts im nächsten Jahre wird voraussichtlich eine Million Pfund betragen. Weitere Erhöhungen werden in den darauffolgenden Jahren eintreten. D i e L u f t st r e i t k r ä f t e der englischen hoch- Riesiges Aufrüsiungsprogramm für die englische Luststotte. ZRunb 4000 neue Flugzeuge für Heer und Marine. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Erscheint täglich, außer Annahme von Anzeigen Sonntags und Feiertags JMv DI " für die Mittagsnummer leilagen: Die Illustrierte ▲ ▲ K, Jk. ▲ A A ▲ AA A A A Ä jA AA bis 8'/,Uhr des Vormittags r-Fr ImMxMiD-r jliizAin4>r »sä XzIVIlvIlVA MIllVlUVl s»; von einzelnen Nummern R 1F Ermäßigte Grundpreise: infolge höherer Gewalt < < Stellen-, Vereins-, gemein. .s»Ä, iNonercil -Auromor fur (hherheiien käes 1 Postscheckkonto* z behördliche Anzeigen 6Rpf. jrmiisuri am main 11686 Druck und Verlag: vriihl'sche Univerfität; Such- und Steindruckerei «.Lange in Stehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulftrahe 7 M-ng-nabfchlüff-Staffel 8 Regierung in die Lage setzen würde, ihre Stellungnahme gegenüber der deutschen Gleichheitsforde- rung neu z u erwägen. Die enalifche Regierung werde keine Zeit verlieren, Deutschland die Vorteile des Paktes darzulegen. Wichtige Entwicklungen seien nicht vor dem herb st zu erwarten, wenn die Sowjetunion voraussichtlich Mitglied des Völkerbundes ist. Der französische Botschafter in London Corb in habe dem räterussischen Botschafter M a i s k y über die „guten Ergebnisse" des Barthou- Besuches unterrichtet. In den nächsten Tagen soll eine weitere Zusammenkunft zwischen den beiden Botschaftern ftattfinben. Die Vorbereitungen für den osteuropäischen Pakt würden von jetzt an v o n der Sowjetunion übernommen werden, da Frankreich nicht die Absicht habe, ihm beizutreten. In der nahen Zukunft sei mit russischen Schritten in Berlin, Warschau und 'Prag zu rechnen, Litwinow werde seine „gewinnenden Eigenschaften" hauptsächlich auf ^Berlin konzentrieren. Die deutschen Kreuzer „K ö n i y s b e r g" und Leipzig" sind zu einem viertägigen Besuch ,m Äafen oon Portsmouth eingetrosten Es handelt sich um eine Erwiderung des Besuches der britischen Kreuzer „D ° r, e t s h i r e" und Norfolk m Kiel im Juli 1931. Taufende von Zuschauern hatten sich eingefunden, um dem eindrucksvollen Schauspiel beizuwohnen. Aus der Konlasbera" hatte Konteradmiral Kolbe ferne pllaaae gefetzt. Die „Königsberg" feuerte einen Sa- n.i Snn 91 Sctmk für England und einen Salut von \u* ä für Öen Oberbefehlshaber von Ports- Die britischen Land- und Seebatterien er= widerkn d n Salut, während aus Fort Blockhouse ? , f." tf*e flagge gehißt wurde. Zu- käM-^lies zu gleicher Zeit die „Bremen" aus ^abrt 5na» Southampton in den Hasen ein. sür?n°»dem die beiden Kreuzer sestgemacht hat- wurden beim Oberbesehlshaber des chasens und b"im Bürgermeister von Portsmouth Besuche abgestattet. * pnalifcke Presse widmet dem ersten Be- juch deutscher Kriegsschiffe (eit dem Weltkriege m Oer Führer der Wirtschaft, Keßler, abberufen. Berlin, 11. Iuli (DNB.) Der Reichs wirt- fchafts Minister hat den bisherigen Führer der Wirtschaft, Generaldirektor Philipp Kehler, von feinem Posten als Führer der Wirtschaft mit Sofortiger Wirkung abberufen. Bis zur endgültigen Regelung ist der stellvertretende Führer der Wirtschaft, Graf von der Goltz, mit der alleinigen Wahrnehmung der Führung der Geschäfte beauftragt worden. Gegen unberechtigte Preissteigerungen Berlin, 11. 3uli (DNB.) Obwohl der Reichs- wirtschaftsminisier bereits in mehreren Verlautbarungen vor ungerechtfertigten Preiserhöhungen nachdrücklich gewarnt hat, find in der letzten Zeit doch erneut Klagen über Preiserhöhungen in einigen Wirtschaftszweigen laut geworden. Diese Fälle werden zur Zeit nadj- geprüft. Sollte sich erweisen, daß unberechtigte Preissteigerungen vorgekommen sind, so wird mit aller Strenge eingegriffen werden. Eine Anordnung der Arbeitsfront. Berlin, 11. Juli (DNB.) Das Presse- und Propagandaamt der Arbeitsfront gibt folgende Anordnung bekannt: In der letzten Zeit mehren sich die Klagen, daß die Betriebe von Vertreibern von Eintrittskarten, Ab- zeichenund allen möglichen Zeitungen und Büchern in der unerträglich st en Weise überlaufen werden. An sämtliche Betriebsführer, Mitglieder des Vertrauensrates und Zellenobleute ergeht daher die Anordnung, jeden Verkauf in ihrem. Betrieb unter allen Umständen strengstens zu verbieten. Eine Ausnahme ist nur bann zulässig, wenn eine schriftliche Genehmigung der zuständigen Kreisbetriebs- zellenabteilung' oder des Kreiswalters der Deutschen Arbeitsfront vorgezeigt wird. Außer dieser Bescheinigung der zuständigen Dienststelle haben keine anderen Dienststellen das Recht, Verkaufsgenehmigungen oder Empfehlungen zu geben. In Fällen, wo trotzdem versucht wird, irgendwelche Gegenstände an den Mann zu bringen, ist schriftliche Meldung an die zuständigen Dienststellen der Deutschen Arbeitsfront zu machen. England große und durchweg freundliche Aufmerksamkeit. Alle Zeitungen veröffentlichen Bilder der deutschen Kriegsschiffe und Besatzungen. Ueberall wird hervorgehoben, daß die deutschen Matrosen einen hervorragenden Eindruck sowohl bei ihren englischen Kameraden, als auch bei der Bevölkerung von Portsmouth gemacht haben. News Chronicle" schreibt: Die deutschen Matrosen haben Portsmouth erobert. Dor wenigen Jahren noch hätte die Nachricht die Stadt in Bestürzung versetzt. Aber heute, wo die „Königsberg" und die „Leipzig" beinahe im Schatten der berühmten „Victory" (dem Flaggschiff Admiral Nelsons, des Siegers von Trafalgar) im Hafen von Portsmouth Anker geworfen haben, begrüßt die englische Flotte den früheren Feind mit Salutschüssen, mit offenen Armen und einem Lächeln der Freundschaft. Ueberall sah man englische und deutsche Offiziere sich freundschaftlich unterhalten, während die Mann- chaften beider Nationen Arm in Arm durch die Straßen spazierten, kleine Schießkonkurrenzen auf der Dergnügungsmesje veranstalteten und zusam- Deutscher Flottenbesuch in England. Sä Kää Das Ergebnis von London. Don unserer Berliner Redaktion. Obwohl die amtlichen Verlautbarungen über den besuch Barthous in London nur sehr kümmerlich gewesen sind und weitere Einzelheiten von den zu- siändiaen Stellen der Downing Street oder des tuai d'Orsay nicht ausgegeben worden sind, sickern doch allmählich interessante Stichworte durch, die ein ziemlich abgerundetes Bild vermitteln. In gut unterrichteten politischen Kreisen der Reichshauptstadt wird der Eindruck unterstrichen, daß England die französische Hegemonie auf dem Kontinent de facto anerkannt hat, um sich in Europa völlig zu entlasten und sich seinen überseeischen Sorgen mit um so größerer Ausschließlichkeit widmen zu können. An die Stelle Englands ist nun Rußland getreten, dessen Einzug in den Völkerbund und dessen Eintritt in die verschiedenen Paktsysieme nur noch eine Frage der Zeit sein dürfte. Die Londoner Verhandlungen haben sich, wie aus lut unterrichteten Quellen zu erfahren war, haupt- ächlich um drei Grundfragen gedreht: 1. Das Thema eines Oftlocarnos. 2. Den eigentlichen Locarnopakt. 3. Den Eintritt Rußlands in den'Völ- k e r b u n d. Im Vordergrund aller dieser Dinge steht immer wieder die Sowjetunion, die offenbar mit feiner außenpolitischen Tradition zu brechen beabsichtigt. Bisher haben sich die Sowjets bekanntlich gegen lebe Unterstützung der Völkerbundspolitik energisch imd wirksam gewehrt. Immer wieder wurde das System der Schiedsgerichtsbarkeit durch Völker- 'undsrat und Haager Schiedsgericht als „bourgeoise Weltanschauung" abgetan, von der aus keine Brücke nach Moskau führe. Man sieht, es geht nun auch anders. Nachdem Frankreich und England ihre Zu- limmung zur Aufnahme Rußlands erteilt haben, werden die übrigen Völkerbundsmitglieder darüber zu befinden haben, wie sie zu der neugefchaffenen Sachlage stehen. Bedeutsam ist der Umstand, daß eine ganze Reihe von Völkerbundsstaaten auch heute noch keinen diplomatischen Verkehr mit den Sowjets unterhalten, so z. B. Holland und die Schweiz. Es wird ihre Sache sein, ob sie sich den französischen Forderungen auf Anerkennung der russischen Zustände beugen wollen. Stadt Frankfurt überreichte Major Pery eine Plakette des erwachenden Ungarn. Anschließend fand eine Besichtigung des Römers und der Altstadt statt. Nach einer Stadtrundfahrt gab die Stadt Frankfurt den Gästen ein Abendessen im Ratskeller. Ein Kameradschaftsabend der Ungarn mit der Hitlerjugend im „Hause der Fugend" beschloß den Besuch. Gebieisführertagung der HZ. Goslar (Harz), 11. Juli. (DNB.) Am Dienstag begann in Goslar eine Tagung der Obergebiets- und Gebietsführer der HI. aus dem ganzen Reiche. Stabsführer Lauterbacher behandelte, ausgehend von der Röhm-Revolte Fragen, die im Mittelpunkt der gesamten nationalsozialistischen Jugendarbeit stehen. Der Aufmarschleiter der HI. für den Reichsparteitag in Nürnberg, Gebietsführer Klein, berichtete über die bisherigen Vorarbeiten und die Abwicklung des Reichsparteitages. Bannführer Frank sprach über die Einzelheiten des An- und Abtransports der 60 000 Hitlerjungen, die in einer großen Anzahl von Sonderzügen Nürnberg erreichen und wieder verlassen werden. Sodann erschien Gauleiter-Stellvertreter Schmalz- Hannover, der der unzertrennlichen Verbundenheit von Partei und nationalsozialistischer Jugend Ausdruck verlieh. Der Nachmittag brachte ausführliche Vorträge über neue Richtlinien und die Vereinheitlichung der Verwaltung in den Einheiten der HI., die von Gebietsführer Baumann und Oberbannführer Nothnagel, dem Leiter der Reoifionsabteilung der RIF., gehalten wurden. Im Anschluß daran sprachen der Leiter des Hauptreserats B (Bauerntum) in der Reichsjugendführung, Gebietsführer L ü h r - Oldigs, und Ministerialrat Gebietsführer August Meier über die Frage der Landjugend. Reichsjugendführer Baldur von Schirach zeigte nochmals die Ereignisse des historischen 30. Juni und die große Tat des Führers auf und betonte besonders, daß in den Reihen der Hitlerjugend und ihrer Führer immer Sauberkeit geherrscht, habe. Der neue Ches des Stabes der SÄ., Obergruppenführer Lutze, habe immer besonderes Verständnis für die Arbeit der Hitlerjugend gehabt und sei die beste Gewähr für eine enge, dem Wohle des Reiches dienende Zusammenarbeit zwischen Hitlerjugend und SA. Anschließend an die Rede begaben sich die Teilnehmer nach dem Brocken, wo ein kameradschaftliches Beisammensein den ersten Tag der Tagung beschloß und die Tagung Mittwoch fortgesetzt wurde. Förderung der Familie durch soziale Linkommensgestaltung. Eine Unterredung mit dem ^Referenten für Volksgesundheit int IieichSpropagandaministenum. Berlin, 11. Juli. (Eigenbericht.) In einer interessanten und aufschlußreichen Unterhaltung, die unser H. W.-Mitarbeiter mit Dr. T h o m a l l a , dem Referenten für Volksgesundheit und Volkswohlfahrt im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda geführt hat, wurden wertvolle Gedanken über eine völlige Neuordnung der Einkommensgestaltung nach sozialen Gesichtspunkten ausgesprochen, die sich in der Steuergesetzgebung und in anderen Maßnahmen der jüngsten Zeit bereits in ihren Umrissen abzuzeichnen beginnt. Der wichtigste Grundsatz der Bevölkerungspolitik ist der, daß die Aufzucht eines zahlenmäßig großen und qualitativ guten Nachwuchses nicht allein Sache der Familie ist, sondern darüber hinaus eine Angelegenheit des ganzen Volkes. Die Familie muß finanziell in der Lage sein, Kinder großzuziehen. Kinderlosigkeit darf nicht belohnt werden, eine große Kinderzahl darf auch nicht zu geringerer Lebenshaltung der Familie führen. Leider ist beides heute noch mehr oder weniger der Fall. Für die erheblich größere Belastung des kinderreichen Haushaltes durch indirekte Steuern und durch die sonstigen vielfachen Mehrausgaben muß ein sozialer Ausgleich geschaffen werden. Steuerliche Erleichterungen und ähnliche an sich begrüßenswerte Maßnahmen reichen dazu nicht aus und können vom. Standpunkte der sozialen Gerechtigkeit aus nur als Uebergangslösungen angesehen werden. Einfach und klar erscheint dagegen der Gedanke, in Zukunft für alle Arbeiter, Angestellte und Beamten eine Ausgleichskasse zu schaffen, aus der kinderreiche Familien einen Zuschuß erhalten, während die kinderlosen Lohn- und Gehaltsempfänger Einzahlungen zu leisten hätten. Eine richtungweisende Tat hat die Standesorga- nisation der Krankenkassenärzte auf diesem Gebiet vollbracht, als sie ihre Ausgleichskasse gründete, eine Tat, die sonderbarerweise in der Oeffent- lichkeit so gut wie gar nicht beachtet worden ist. Diese Ausgleichskasse erfaßt sämtliche Honorare, die von den Krankenkassenärzten liquidiert werden und von denen jeweils ein kleiner Prozentsatz zurückbehalten wird. Eine zentrale Verrechnungsstelle zahlt aus dem gemeinsamen Fonds an alle Aerzte, die drei Kinder und mehr haben, eine gestaffelte Zulage, die dazu geschaffen ist, den Lebensstandard dieser großen Familie demjenigen der Junggesellen und der kinderlosen oder kinderarmen Arzt-Ehepaare anzugleichen. Aehnliche Vorschläge werden auch schon bei der Neugestaltung der Beamtenbesoldung erwogen. Auch hier ist daran gedacht, die Gehälter so zu bemessen, daß nur der Familienvater mit drei Kindern 100 Prozent des Gehaltes seiner Gehaltsklasse empfängt, während die Kinderlosen etwa 70 Prozent, die Beamten mit fünf Kindern vielleicht 120 Prozent beziehen würden. Auf die Prozentsätze im einzelnen kommt es dabei nicht an: diese liegen weder fest, noch sind sie bereits im einzelnen besprochen worden. Aber das Prinzip ist klar und seine Durchführung wäre begrüßenswert. In der gleichen Linie liegt die Idee der Gewährung von E r z i ehungsbeih i l fen an alle anderen Lohn- und Gehaltsempfänger. Es hat sich herausgestellt, daß bei Neueinstellungen häufig zuerst die gleichwertigen Ledigen oder diejenigen Familienväter ausgesucht werden, die möglichst wenig Kinder haben. Wenn aber ganz allgemein der Grundsatz eingeführt würde, daß der Lohn für jeden Arbeiter der gleichen Lohnklasse und der gleichen Leistung gleich ist, und daß die Auszahlung des Lohnes durch eine Ausgleichsklasse nach der Kinder^ahl des Lohn- und Gehaltsempfängers gestaffelt wird, dann käme man ganz automatisch zur Beseitigung des derzeitigen Zustandes, durch den gewissermaßen der Ehestand und die Kinderzahl unter Strafe gestellt wird. Wer als Junggeselle oder als kinderloser Ehemann nicht für eine große Familie zu sorgen braucht, zahlt dafür in bte Ausgleichskasse ein. Wer für drei und mehr Kinder zu sorgen hat, erhält seine Erziehungsbeihilfe; wessen Ehe nur durch ein oder zwei Kinder gesegnet ist, braucht weder einzuzahlen noch erhalt er Zuschüsse. Wenn dieses Prinzip sich auf die Dauer durchsetzen könnte, würde es sich schließlich nicht mehr lohnen, keine Kinder zu haben. Die Grundlagen der Familie und damit die notwendigen Grundlagen des Staates und unseres Volkes wären für immer gesichert. Durchführung derlandwirlschaftlichenSchuldenregelung. Berlin, 11. Juli. (DNB.) In der nächsten Nummer des Reichsgesetzblattes erscheint die 6. Verordnung zur Durchführung der landwirtschaftlichen Schuldenregelung. Sie verlängert die Frist, innerhalb der die Eröffnung des Entschuldungsverfahrens beim zuständigen Entschuldungsgericht beantragt werden kann, und paßt die durch das Gesetz zur Regelung der landwirtschaftlichen Schuldverhältnisse vom 1. Juni 1933 und des Reichserbhofgesetz entstandenen Rechtsverhältnisie einander so an, daß nunmehr auch bei Erbhöfen die Schuldenregelung nach dem Gesetz vom 1. Juni 1933 erfolgen kann. Darüber enthält die Verordnung eine große Zahl von Bestimmungen, die eine beschleunigte Durchführung der landwirtschaftlichen Schuldenregelung ermöglichen werden. Die F r i st, innerhalb der die Eröffnung des Entschuldungsverfahrens beim zuständigen Entschuldungsgericht beantragt werden kann, wird nunmehr bis zum Ablauf des 30. September 1934 verlängert. Mit einer weiteren Fristverlängerung kann nicht gerechnet werden. Die Verordnung bestimmt ferner, daß die Ablehnung eines Antrages auf Eröffnung des Entschuldungsverfahrens der Stellung eines neuen Antrages bis zum Ablauf des 30. September 1934 nicht entgegensteht. Das Gleiche gilt in den Fällen, in denen das Schuldenregelungsverfahren ohne Bestätigung des Entschuldungsplanes oder Vergleichsvorschlages rechtskräftig aufgehoben oder eingestellt ist. Ist ein landwirtschaftlicher Betrieb Erbhof, so ist die Ablehnung der Eröffnung des Entschuldungsverfahrens oder der Erklärung des Betriebes zum Entschuldungsbetrieb (Selbstentschuldung) aus den Gründen des tz3 Abs. 1 Br. 4 des Gesetzes (Sanierungswürdigkeit) nicht zulässig, wenn der Kreisbauernführer erklärt, daß er keinen Anlaß hat, eine Entscheidung des Anerbengerichtes über die Bauernfähigkeit des Betriebsinhabers herbeizuführen. Ein für einen Bauern anhängiges Schulden- regelungsoerfahren kann nicht wegen Entschuldungs- Unfähigkeit aufgehoben werden. Wird in einem für einen Bauern eröffneten Schuldenreqelungsverfahren der Vergleichsvorfchlag abgelehnt, so kann ihn das Entschuldungsgericht, wenn es ihn nicht für unbillig hält, auf Antrag der Entschuldungsstelle bestätigen. Zu der im Gesetz vorgesehenen Eintragung der Aenderung mündelsicherer Rechte ist nach der neuen Verordnung, soweit es sich um einen Erbhof handelt, die Genehmigung des Anerbengerichts nicht erforderlich. Bemerkenswert ist ferner aus der Verordnung noch die Bestimmung, daß das Entschuldungsver- ahren, auch wenn die Persönlichkeit ober die Wirt- chaftsweise des Betriebsinhabers nicht dis Gewähr ür eine erfolgreiche Durchführung des Verfahrens rieten, eröffnet werden, muß, wenn der Betriebsinhaber sich gegenüber der Entschuldungsstelle schriftlich verpflichtet, den gesamten Be- trieb nach Durchführung des Schuldenregelungsverfahrens zu einem die verbleibenden Schulden nicht übersteigenden Preis der Siedlung zur Verfügung zu stellen. Die neue Verordnung, die 50 Artikel enthält, von denen hier nur auf die wichtigsten hingewiesen wurde, tritt mit Wirkung vom 1. Juli in Kraft. In „Wohnwagen" der Reichsbahn znm Wochenend. Behagliche Bahnfahrten in Oberbayern. Das Reichsbahnzentralamt München hat eine Zugeinheit von vorläufig 12 Wagen zusammengestellt, die in ihrer Innenausstattung ganz neue Wege im Reichsbahnwesen weist. Reichs- oahnoberbaurat Saenger hat als Innenarchitekt die Ausstattung besorgt. Durch verschiedenfarbige Tönung der Innenwände und Anbringung von duftig wirkenden Indanthren-Vorhängen sind die Abtetle in kleine Wohnungen verwandelt worden, wie sie jedem Wochenendhaus zur Zierde gereichen würden. Jede Abteilung ist anders getönt und besitzt so eine eigene Note. Mit künstlerischem Geschmack sind zu diesem Anstrich die Vorhänge gewählt und tragen viel dem wohnlichen Charakter der Wagen bei. Die Wände sind mit Neudrucken alter bayerischer Kupferstiche geschmückt, die Schlösser, Burgen, Klöster und Städte Bayerns darstellen. Die ganze Zugeinheit vermittelt einen überaus freundlichen Eindruck und läßt den Reisenden ver- gesien, daß er sich in einem Zug befindet. A u f den Ausflugs st recken eingesetzt, bietet Sven tzems Kraslwagenkarawane von Tunganen überfallen. Das Schicksal des Forschers unbekannt. per ping. 12.3u(L (DRV.) hier eingetroffene Nachrichten besagen, daß die Motorkarawane Sven hedins von mohammedanischen Auf - sländischen des Generals TNatfchungying nördlich von llrumtschi am 4. Juli überfallen worden sei. Die Expeditionsteilnehmer, neben Sven hedin fünf Mongolen und drei Chinesen, seien gefangen genommen worden, lieber das Schicksal der Gefangenen ist nichts bekannt. Eine amtliche Betätigung dieser Meldung von chinesischer Seite liegt nicht vor. Der Vertreter der Expedition Sven hedins in peiping, Norin, äußerte sich dahin, daß die Nachricht von der Gefangennahme mit größter Wahrscheinlichkeit richtig sei. Vor dem Antritt der Expedition hatte Sven hedin erklärt, daß er damit von feiner For- scherlätigkeit Abschied nehmen walle. Nach einer weiteren Meldung soll das englische Generalkonsulat in kaschgar wegen der Gefangennahme der Expedttionsteilneh- mer bereits bei den chinesischen Zivilbehörden v o r- fteilig geworden sein und die Entsendung einer militärischen Expedition verlangt haben. Nach einem am Mittwoch stattgefundenen Meinungsaustausch mit Nanking soll diesem Ersuchen stattgegeben werden. 3n chinesischen Kreisen glaubt man nicht, daß Sven hedin etwas zustoßen werde, da er im chinesischen Volke großes Ansehen besitze, besonders auch in Chine- sisch-Turkeftan. Das Vordringen der Dsungaren. S i m l a (Britisch-Jndien), 11. Juli (DNB.) Die kriegerischen Dfungaren — die mohammedanischen Bewohner Chinesisch-Turkestans — haben d i e Stadt Khotan eingenommen. Dies bedeutet, daß sie zum ersten Male seit ihrem Auf- stand gegen die chinesischen Behörden den gesamten südlichen Teil der Provinz Sinti a n g unter ihrer Gewalt haben. General M a Tschung-yang, der Befehlshaber in Kaschgar, beherrscht nunmehr das weite Gebiet, das die Städte Kaschgar, Maralbaschi, Parkang und Khotan umfaßt. Die Herrschaft des Generals erstreckt sich bis zu den Grenzen Kaschmirs, Afghanistans und Sowjetrußlands. Soll Supen-Mmedy unter Sonderrecht gestellt werden? Aberkennung der belgischen Staatsangehörigkeit als einseitige Maßnahme gegen die deutsche Minderheit. Brüssel, 11. Juli (DNB.) Die belgische Kam- mer hat den Gesetzentwurf über die Aberkennung der belgischen Staatsangehörigkeit beraten. Die Aussprache verlief stürmisch. Fast sämtliche Redner bezogen sich auf die Verhältnisse in Eupen-Malmedy. Von der Opposition wurde der einseitige Charakter des Gesetzes beanstandet und auf die darin bestehende Willkürlichkeit hingewiesen, daß nur ein bestimmter Kreis von Personen, nämlich diejeni- aen, die nicht durch Abstammung die belgische Staatsangehörigkeit erworben haben, von dem Gesetz betroffen werden. Ein anderer Gegenstand der Kritik war die ganz allgemein gehaltene Fassung der Deliktsbestimmungen, wonach es zur Anwendung des Gesetzes genügt, wenn Personen „ihre Pflichten als belgische Staatsbürger schwer verletzen". In der Aussprache wurde die Frage aufgeworfen, ob durch das Gesetz zweierlei Recht geschaffen werde. Es wurde u. a. auch die Frage gestellt, ob d i e Heimattreue Bevölkerung von Eupen-Malmedy rechtlich anders behandelt werden könne, als etwa diejenigen wallonischen Staatsbürger, die ihre Verbundenheit mit Frankreich in Wort und Schrift offen zum Ausdruck bringen. Der Abgeordnete Sommerhausen meinte, daß der vorliegende Gesetzentwurf eine unzulässige einseitige Abänderung des Versailler Vertrages, der der Bevölkerung von Eupen- Malmedy die delaische Staatsangehörigkeit zuge- wiesen habe, bedeute. Die belgische Regierung habe den Versailler Vertrag angenommen, und sie müsse seine Bestimmungen beachten. Die Staatsangehörigkeit der Bevölkerung von Eupen-Malmedy könne nur wieder durch einen internationalen Vertrag geändert werden. Der vorliegende Gesetzentwurf sei eine Ungeheuerlichkeit. Der Justizminister hielt sich in der Aussprache ziemlich zurück. Er verteidigte den Gesetzentwurf aber auch mit einem Hinweis auf Eupen- Malmedy und erklärte, daß es sich hier um eine Bevölkerung handele, „die nicht an das in Belgien bestehende Freiheitssystem gewöhnt" sei. Die Opposition beantragte die Zurückverweisung des Entwurfes an die zuständigen Kammerausschüsse. Heber diesen Antrag wurde jedoch noch nicht abgestimmt. Die Aussprache wird in einer der nächsten Sitzungen fortgesetzt werden. Das umgebildete KabiuetiDollfuß Christlich-Soziale und Heimwehr unter sich. - Wird Key bleiben? Wien, 11. Juli. (DNB.) Amtlich wird u. a. mitgeteilt: Der Bundespräsident hat die Umbildung des Kabinetts genehmigt. Der Grund für die Regierungsumbildung ist vor allem in der Tatsache zu sehen, daß Bundeskanzler Dr. Dollfuß die für die Innen- und Außenpolitik der Bundesregierung besonders wichtigen Ressorts übernimmt. Dadurch sollen die letz- ten Reste staatsfeindlicher Bewegungen in Oesterreich endgültig beseitigt werden. D-l Rücktritt der Bundesmmister Ender und Schmitz ist auf die neue Bundesverfassung zurückzuführen, nach der die Funktionen eines Landeshauptmannes mit denen eines aktiven Bundesministers unvereinbar sind. In der Berufung des bisherigen österreichischen Gesandten in Berlin, T a u s ch i tz, zum Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten liegt keinerlei Aenderung in Der Außenpolitik Oesterreichs. Der Rücktritt des Bundesministers für Landesverteidigung, Schöneburg-Harten- ft e i n, der einer der hervorragendsten Perfönlich- keitten der österreichischen Armee ist, soll aus Familienrücksichten erfolgt sein. Wie verlautet, legt Bundeskanzler Dr. Dollfuß besonderen Wert darauf, die Erfahrungen Schöneburg-Hartensteins dem öffentlichen Leben Oesterreichs zu erhalten. Das neue Kabinett trägt mit dem Ausscheiden der beiden Landbundmitglieder einen ausschließ- l i ch Christlichsozialen-Heimwehr-Cha- ratter, Der neue Justizminister Berger-Walde n e g g steht den Heimwehren nahe. Die Ernennung des bisherigen Sicherheitsministers Fey zum Minister ohne Geschäftsbereich und Generalstaats- kommiffar für außerordentliche Sicherheitsmaßnahmen wird in politischen Kreisen zunächst als eine Verstärkung seiner Stellung innerhalb des Kabinetts beurteilt, jedoch herrscht die Auffassung vor, daß auf längere Sicht die Uebernahme des Sicherheitsmini st e- r i u m s durch den Bundeskanzler nicht ohne entscheidende Rückwirkung auf die endgültige Stellung des früheren Sicherheitsministers Fey bleiben werde. Man weist darauf hin, daß Fey jetzt mit einem beschränkten Aufgaben- kreis beauftragt worden ist und nach Losung dieser Ausgaben ein weiteres Verbleiben Feys im Kabinett nicht mehr zu erwarten fei. In Regierungskreisen wird vielmehr damit gerechnet, day mit der endgültigen Niederschlagung der Terrorakte und der Rückkehr normaler Zustände Fey voraussichtlich auf den römischen G e - sandtenposten entsandt werde. Bundeskanzler Dr. Dollfuß hat die Absicht, im Anschluß an seinen für Ende Juli vorgesehenen Besuch bei Mussolini der französischen Regierung einen Besuch abzusta11en. Die end- aültige Entscheidung über diesen Plan ist von dem Ausgang der Besprechungen in Riccione abhängig. Die Reise des Vizekanzlers Starhemberg nach Rom wird von den amtlichen Stellen in Abrede gestellt. DerBerliner Gefandienposten SB ien, 11.Juli. (DNB.) In unterrichteten Greifen verstärkt sich der Eindruck, daß die österreichische Regierung vorläufig nicht die Absicht hat, nach der Berufung des bisherigen Berliner GeStaatsfekretär für Aeußeres Taujchitz, bisher Gesandter in Berlin. sandten Dr. T a u s ch i tz zum Staatssekretär des Aeußeren ben Berliner Posten innächster Zeit neu zu besetzen. Es soll vielmehr im Hinblick auf die gegenwärtigen Beziehungen zwischen Deutschland uno Oesterreich der Plan bestehen, den Berliner Posten für einige Zeit unbesetzt zu lassen, um offenbar damit nach außen hin die Spannung zwischen Deutschland und Oesterreich zum Ausdruck zu bringen. Die christlich-soziale „Reichspost" schreibt indessen, daß die Ernennung nach keiner Seite hin einen demonstrativen Charakter trage. Der Gesandtenposten in Berlin werde zu gegebener Zeit wieder besetzt werden. Bis dahin sei die Anwesenhett eines Geschäftsträgers vollkommen ausreichend. dieser Zug schon einen Vorgeschmack von Freuden eines Wochenendes, da er ganz auf den ländlichen Charakter abgestimmt ist. Der neue Zug wird in der nächsten Woche dem Der - kehr übergeben. Ob weitere solche Züge aus« gestattet werden, hängt von der Aufnahme beim Publikum ab. Das letzte Wort des Angeklagten Gereke. Berlin, 11. Juli. (DNB.) Am Mittwoch spra- chen im Gerete-Prozeß, der feit dem 24. März vor der 8. Großen Strafkammer des Berliner Landgerichts verhandelt wird, zunächst die beiden Verteidiger des Angeklagten, Dr. Langbehn Mensch und Lebenswerk identifizieren darf — IN Maßnahm, Aus aller Welt men meüer um sich, im großer J)eioeorano oracy in ®nDDD hei Li), am- Dienstag in der Gegend des englischen Trup- Die 62iahnge Ehef a pp en penübungsvlatzes Aldershot aus. Hier wurden Zweibrücken wohnhaften Schwemeyrrr i -n 8000 mit Gasmasken und Stahlhelmen ausgerufte- ahren, daß ihr Mann Schulden gern cy £ te Soldaten zm Bekämpfung des Brandes einge- habe. Sie geriet darüber derart m Erregung, oay b- W Di- Löfch°rb-lt-n wurden non Flugzeugen Ne ihren krank, B-tt landen Eh "0^ “* 9 MM«, in 2°P°n. E M.- Ed-w wurden von den ' Häusern gerissen. Außer vielen Geschäfts- und anderen Häusern wurden die Irren- $ .00 .310 Zwei Faltbootfahrer sind bei dem Versuch, die Donau in der Nähe von Linz zu überqueren, i n einen Strudel geraten, wobei das Boot kenterte. Die beiden Insassen wurden von den Im Moorbad Buchenberg (Allgäu) geriet ein mit drei Sommergästen besetztes 51 o b • ** und Geheimrat Dr. Ponfick. Darauf erhielt ber1 Angeklagte D r. Gereke das letzte Wort. Ich stehe vor Ihnen, so erklärte er, unter der Anklage, unehrlich und treulos gehandelt zu haben, gegenüber dem, was ich selbst schuf und was ich — wenn man überhaupt ins Schwanken. Die drei Personen stürzten ins Wasser. Eine Lehrerin konnte zwei von ihnen, zwei Kinder, retten, während der Vater der Kinder ertrank. Die Mutter war vom Ufer aus Zeugin des Unglücks. Zwei Faltbootfahrer vermißt. mncht Müh am, em geoorener »eniner, 57 Lebensjahr und war 1919 zu 15 Jahren Festung verurteilt, 1924 aber begnadigt worden. Brücke zur Heimat. Deutsche Richtstrahler umschließen die Welt. eiben? |d)tn itten. Die eni- (lan ist von btff in Riccioie izekanzlen rb von den m!' Der 37jährige Aufseher der Heilanstalt m.Ryb» nik, Anton Studnitz, bei dem sich schon seit ernt- aer Zeit Anzeichen von Geistesgestörtheit bemerk- bar gemacht hatten, vergiftete sich und seine sechs Kinder mit Leuchtgas. Man and die Wohnungstür verschlossen und benachrlch- tiqte die Polizei, die die Tür gewaltsam öffnete. In den Betten lagen die sechs Kinder im Alter von 1 bis 8 Jahren und der Vater. Sie waren bereits tot. Vom Gashahn in der Küche führte em Schlauch durch ein Loch in der Küchentür ms Schlafzimmer. Die Frau des Studnitz befand sich zur Zelt der Tat zu Besuch bei Verwandten. Raubmord. । du u .ji 6oc in o,(1 r t eines * 'ienpostti erruhlaten Äui' die ölterreW e Absichth/ n Berliner w wird. # Der amerikanische Kreuzer „Houston", auf dem sich Präsident Roosevelt befindet, durchfuhr den Panamakanal und wird Donnerstag m Richtung auf Hawai in See gehen. Der durch seine Beteiligung am Münchener Geiselmord bekannte sozialdemokratische Schnfts eller Erich Mühsam, der sich in S ch u tz h a ft befand, hat seinem Leben durch Erhängen em Ende ge- Ö - Mühsam, ein geborener Berliner, stand im befd)’’f ^ie|enroal55ronb bei Forst (Lausitz). nr : hi*i bei Forst gelegenen Dorf Scheuno r! »äi»®* S” nTrmaltunq in 'Pforten (Ni-d-rlausitz) und zum Teil «nuernroatb bie ben Flammen zum Opfer “ finb Dbroohl sofort alle verfügbaren Feuer- gefallen sind. y. . »sdienst aus ben Kreisen Sorau, wehren und Arbeitsdiem^ ^uben herange- Krossen un s g mögnd), das Feuer auf» Sas’ wütende Element pflanzte sich in den Ält M?än?en unb dem trockenen Heidekraut Wn J^Teurer Schnelligkeit fort. Erst nnch mehr als siebenstündiger Arbeit gelang es, das nach wey ,u dieser Zeit war es von dem°Dors^Sch-üno bis fast zu bem etwa 10 Kilo- Gin schweres Verbrechen wurde in Hellensen (Saar) im Anwesen des Ackerers Josef Ziegler ent- . . - । xprff gria Nachbarn zu ihm kamen, sanden sie m den Flammen. I • c. , alten Mann tot in seinem Bett, Wald- und heidebründe auch in England. Anden und Füßen gefesselt und offenbar er. England wurde am Dienstag infolge der Hitze ür(.t Seine 70 Jahre alte Mutter lag wieder von zahlreichen Waldbränden heimgesucht, ebenfalls gefesselt im Bett, gab aber Tausende von Vögeln und anderen! ^ch Lebenszeichen von sich Allem Anschein nach Tieren kamen in den Flammen um. Raubmord vor, doch fehlt von den -barem Trotz aller Anstregunaen des eingesetzten Militärs, A jebe Spur. der Polizei und der Feuerwehr griffen die Flam- ßlne rabiate Ehefrau, men weiter um sich. Ein großer Heidebrand ^brad) > - * n; Der lB der oorlte- "ssige eint Dersaillei n9 von (Eupen> khörigleit zugr- Regierung hob- l- und sie nwfi> ' vtaatsangehö Lupen'Malmed; en interna; werden. D« ingeheuerlichkril ch in der Aw igte den Tesch oeis auf (Euper? h hier um ein;' an das in heitssystevi beantragte dir wurfes an fiii er diesen äntioj Die Aussprach! mgen fortgesch lod> y1011T Bol,e an Ä Un9aren. *' lDNtz.) > äS ?m e »■ $c " ’brem $ o'Mefa* Ovln» Fj, u,et- das hi. ?59 6U^M u streckt fit SbanijtQng faßt das Gebiet von Kanada bis zum Panama »Kan al, der bei der Ansage meistgenannte „A f r i k a s e n d e r" bedient vor allem unsere ehemaligen Kolonien und weiter die südasrika- nische Union, der „A s i e n - S e n d e r" beliefert Fluten fortgetrieben und konnten noch nicht ge« den Fernen Osten und der „Südamerika- borgen werden. Sender" erreicht das gesamte Festland vom Kap Tödlicher Absturz im Tennengebirge. UKMMD-ZZWZM Ein großes ungemein wichtiges Werk ist hier in löblid) abgestürzt. wenig mehr als einem Jahr errichtet. Von rund Der 73jährige Gymnasialprofessor Hertmann hundert Millionen Deutschen leben mehr als öon Koblenz stürzte im Walde bei Ober» ein Drittel außerhalb der Lanbes-sahnstein tödlich ab. Prof. Hertmann wollte die grenzen. Um das Mutterland herum haben Burg Lahneck besuchen und benutzte einen vom aber Haß und Neid ein Filter aufgebaut, das die Hauptweg abgehenden steilen Fußpfad. Auf Nachrichten aus der Heimat nur unvollstän - diesem ist er anscheinend ausgerutscht und bann big und entstellt in die Welt hinausgehen den sehr steilen Hang hinunterge» lassen will. Da bedeutet das Netz des die ganze r'z t. Vorübergehende Touristen fanden den Welt umspannenden Kurzwellenfunks für die 35 Professor in schwer verletztem Zustande auf dem Millionen auslandsdeutscker Brüder und Schwe- Hauptweg liegend vor. Von der Burg Lahneck ftern den Brückenschlag hm zur Heimat. Auf die- wurde die Sanitätskolonne alarmiert, die für sofern Wege können sie heute an Den Geschehnissen fortige Heberführung in das Oberlahnsteiner Kran- im neuen Deutschland einen lebendigen An- xenhaus Sorge trug. Hier ist Prof. Hertmann nach teil nehmen, sie können so mit dem geistigen einigen Stunden geftorben. Er hatte bei dem und kulturellen Leben unseres Volkes in steter Sturz außer einigen Knochenbrüchen einen schweren Verbindung bleiben. Der Erfolg zeigt, wie sehr Schädelbruch davongetragen. biefe Einrichtung des deutschen Kurzmellenfunks mäbchen beim Baben in bet Donau bei unseren Landsleuten in der ganzen Welt mit I " prfrunfen. Freude und Begeisterung aufgenommen wird. Tag- * täglich gehen bei der Sendeleitung Briefe begeifter- Drei des Schwimmens unkundige loiahnge MaD- ten Dantes ein. Da fitzen sie irgendwo in der chen wagten sich bei Neuburg zu weit in die Donau Welt um den Lautsprecher herum und „gehen nicht und ertranken vor den Augen ihrer Freundinnen, eher heim, bis der letzte Gruß aus der Heimat im Sonnenbrand mit Todesfolge. Lautsprecher verklungen ist." | Annweiler (Pfalz) zog sich ein 19jähriger Gehilfe des Fiseurmeisters Josef Herbst im Freibad einen Sonnenbr and im Gesicht durch Hnvorsichtigkeit zu und wurde vor etlichen Tagen infolge Verbrennung ms Bezirkskrankenhaus über« ±r t ,geführt. Dort ist der junge Mann nun g e ft o r b e n. meter entfernten Teuplitz vorgedrungen. er» offener Strafte reicht- stellenweise eine BreitenonfünsKtlo- Ausregenbes Eisersuchlsbrama aus offener Straße, meter. Leider wurden auch die sehr starken Auf der belebtesten Geschäftsstraße Wie n s, der Wildbe stünde zum Teil ein Opfer der Flam- Maria-Hilfer-Straße, ereignete sich em Eifersuchts» men. Ganze Rudel von Hirschen, Rehen und Wild- drarna, das das größte Aufsehen erregte. Cm schweinen rasten in Angst und Schrecken gerade junges Mädchen, das von einem Herrn vegieiler in ba« 5euer fjinein. würbe, wollte gegen 15 Uhr eine Kraftbrofchke be. fiiheretorb in Baris steigen, als plötzlich ein junger Mann aus beibe yltzereroro in Paris. 'trat, einen Renolver z o g unb zunächst Die Hitzewelle in Frankreich hak am Mittwoch mitken Begleiter der Dame durch einen Herz- 34 Grad ihren Höhepunkt erreicht. Zugleich ist in (d)Uc. nieder st reckte. Dann schoß er dem Paris auch ein Rekord i m Wasserver-^jj^chen ins Gesicht und tötete s i ch brauch erzielt worden. Nicht weniger als 861 000 Ifchitefelich selbst durch einen Schuß in die Kubikmeter Trinkwasser wurden verbraucht. I n Schläfe Der Vorgang hatte sich blitzartig binnen der Seine treiben Tausende und aber Tausende ^niaer Sekunden abgespielt. Das Opfer des Atten- von toten Fischen. Man vermutet, daß das täterg m öer Besitzer einer Schuhfabrik. Das Mäd- Masiensterben auf den Sauerstoffmangel in dem $en mar ^ine Angestellte und auch der Attentäter sehr warmen Wasser Lurückzuführen ist. I stand in den Diensten des Schuhfabrikanten. Es Fünf lobesops-r ber Hitze in ll.alleu. U‘ ^6 da^Mcibch°n ^eiratsa^ag^es Die fommerliche Hitz- Hat m 3tahen am Dicns- 1 C!)cf liebte. Aus Eifersucht unb tag Ihren bisherigen Höhepunkt erreidjl. In ben b junge Mann zum Renolver. Das ten gemessen. Aus der Umgebung von Faenza Schreckenstat eines Geist g ! , werden am Dienstag nicht meniaer als fünf Opfer der Hitze gemeldet, und zwar handelt es sich um fünf Bauern verschiedener Dörfer, die während der Drescharbeit durch Sonnenstich getötet wurden. Mehrere Kinder, die in Spezia auf dem Bürgersteig spielten, wurden von einem Kraftwagen erfaßt, dessen Führer anderen Kindern, die in der Mitte der Straße spielten, ausweichen wollte. Zwei Der Kinder waren sofort tot, während drei weitere schwere Verletzungen erlitten. Bei Syracus fanden zwei Arbeiter durch den Einsturz eines Hauses den Tod. Aus Bengasi (Italienisch-Afrika) wird die Explosion eines Pulvermagazins gemeldet. Fünf Eingeborene, die damit beschäftigt waren, Pulver abzumessen und in leere Petroleumfässer zu füllen, sanden den Tod , , ... ■ Vor gut fünfviertel Jahren nahm die Reichspost selbst bin und war. Ich stehe hier unter einer unter der neuen nationalsozialistischen Führung des Art Treuepflicht, und ich habe schon wieder- Rundfunks die ersten Kurzwellen-Richtstrahlsendun- holt ausgeführt, daß für mich die Treue das Höchst- gen „ach Nordamerika auf. Aus anfänglichen stehendste ist. Deshalb bitte ich, zu verstehen, daß Versuchen wurde dann eine feste Einrichtung, und ich über bestimmte Dinge schweige und jchönen Erfolge, die dabei erzielt wurden, brach- Damit mein Wort halte. Es wird die Zeit fommen, Lcn hie Arbeiten an einem weiteren Ausbau des wo der letzte Schleier sich lüftet und wo auch die- Kurzwellenfunks lebhaft vorwärts. Knavp ein Jahr jenigen, die heute glauben, mir die persönliche und später war in Zeesen bei Berlin der Ausbau des politische Ehre absprechen zu können, bekennen wer- Kurzwellensenders als Richtftrahlen-Sender beendet, Den müssen, daß sie sich geirrt haben. Wenn sich und die Richtstrahlsendungen nach Afrika und jener Schleier einmal lüftet, bann bin ich der fel- 2l s i e n, nach Südamerika und Au st rasenfesten Heberzeugung, wird auch keiner ein Wort Ilsen tonnten ausgenommen werden. Bislang hat- der Kritik finden über die Handlungen des leider ten roir Nordamerika allein mit einer Richtantenne vielfach erwähnten, jetzt verstorbenen Dr. D b e r d bebient. Die anberen Erbteile wurden sämtlich mit fahren. Glauben Sie, daß ich nicht, wenn ich einem gemeinsamen R u n d st r a h l e r bedient, der mich schuldig und ehrlos gefühlt hätte, die letzten seine Energien aleichzeitig nach allen Richtungen Konsequenzen gezogen hätte? Für mich hat der ausstrahlte. Damit war aber eine Ungenauig= Tod jeden Schrecken verloren. Wenn ich diese letz- in Sendung und Empfang verbunden. Die neue ten Konsequenzen nicht gezogen habe, so nur des- Anlage brachte dann den Vorteil, daß die Richthalb, weil ich für die Wiederher st ellung strahlantenne die Sendeenergien wie in einem kern e i n e r Ehre kämpfen muß und weil ich gelförmigen Bündel in einen bestimmten Winkel mir bewußt bin, nicht ungerechtes getan zu haben, zwingt. Die Dipolen, bas sind die besonders ab- Die Hrteilsverkündung soll am Samstag erfolgen, gestimmten Antennendrähte, bewirken die in einer -------- Richtung festgelegten Sendeenergien, die nun nicht etwa unkontrolliert und genau in umgekehrter Rich- vDCtyUlttDl in polen» tung „davonstrahlen". Diese Wirkung wird durch Die Lodzer Schulbehörden haben alle ein Paar Reflektor-Dipolen noch einmal gesichert üyjsjsw. fr • :«F ”S tÄlfsä*1X sv..v» siS .««•... ii»". »ÄMsKsa r »'S»»,. »ru... Utta hat im Hnterrichtsministerium dagegen Einspruch erhoben. Dem Hnterrichtsminister war im August v. I. eine Denkschrift mit ben Klagen ber deutschen Bevölkerung der Stadt Lodz überreicht » »nJum-w....... w vorn Ministerium endgültig entschieden. rung der Technischen Nothüfe folgendes Dankschrei- Jn den Minderheitsmittelschulen in Katiowitz den: „Nach Abschluß des Mnterhilfswerks des deut' wurden wiederum sieben deutsche Lehr> scheu Volkes 1933/34 mochte ich Ihnen und Ihren Prüfte fristlos entlassen. Damit hat Unterorganifationen für die llri^W^terhilfswerk ge- sick Die Zahl ber beutschen Lehr- leistete Arbeit herzlich danken Wenn es mogttch war, k rüste an ben beutschen Schulen, die in ben letz- das Ziel dieses großen sozialen Hilfswerkes zu er- ten zwei Monaten fristlos entlassen wurden, auf reichen und in biedern ©mtcr - Nationen zu übermitteln. SieSeischmgdespnnWmaW“* WöhDrirttlhp Der König und die Königin von Smm die Diens- DCI XllvvCriUllVv» tagnachmittag im Flugzeug t n Dresden eintra- a a a n 11 Juli (DNB.) Die sterbliche Hülle fen, wurden auf dem Flugplatz vom sächsischen Ml- des "vor^ 'einer ^Woche verstorbenen Prinz ge- Mer des Innern Dr Fristch Oberburg-rme.st-r mahls Heinrich wurde am Mittwoch vom Zörner und Polizeipräsident Hmpfangem Vom Haaa -u der in Delft gelegenen Familiengruft Flugplatz aus beaaben sich die Gaste im Kraftwagen des Kaufes Oranien-Nassau Übergeführt. Samt- sogleich z u d e n Z e i ß - I k o n -Werk e n , dem licke von dem Leichenzuq berührten Straßenzuge König besonders daran lag, die deutsche Photo und waren von unübersehbaren Menschenmassen um- Kinotechnik kennenzulernen. Das Konigspaarwurde säumt Ueberatl bildeten Militärformationen Spa- durch Direktor E r n e m a n n ^^..^rzüchen Worten lier Alle Ministerien und staatlichen Institute, nn der Stätte deutscher Qualitätsarbeit sowie die Börse und viele Geschäftshäuser hatten Dann begann sogleich ein Rundaang durch verschie- Wosi-N. umbem P-rsvnal Gelegenheit ju geb«., Lene Abteilungen an der Bestattung teilzunehmen. Dem Wunsche und Dr. Joachim gaben ine technüch-winen,a>asi bes Verstorbenen entsprechend, war der von acht sichen Erklärungen. Nach einem äweleinhatbstundi- sckwarzen Pferden gezogene Leichenwagen gänz- gen Besuch verließ das Komgspaar das Werk, um lick in^weiß und Silber gehalten: auch die Pferde jm Hotel Bellevue Wohnung zu nehmen. trugen weiße Prunkdecken. Unter den . .. . . gäften bemerkte man u. a. Herzog Adolf Fredrich Der König und die Könrgrn von Siam sind m von Mecklenburg, Großherzog Friedrich DOn 3ena eingetroffen. Bald nach seiner Ankunft besich- Mecklenburg, ben Erbgroßherzog oon Dlbenburg, Hgtc das Äönigspaar b a s 3ti B ’e J L öur Prinz Karl von Belgien, ben englischen Grafen Begrüßung waren die Belegschaft, d)e ^etriebsfuh- Athlone, Prinz Felix von Luxemburg, den durften runß sowie der Stiftungskommisfar Stoo^rat Pro- und den Erbvrinzen zu Wied, den Herzog von Nassau, ecffoyr Dr. E s au angetreten. Der eigentlichen Besich sowie Freiher?5 von Fritsch in Vertretung ber 1^9 gingen aufschlußreiche Vortrage mehrere Großherzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach. Die ^rkarbeiter voraus. In beu Abendstunden wurds Königin und die Thronfolgerin wohnten LQ9 Planetarium besichtigt. Nach Anbruch dem Abmarsch des Zuges bei und fuhren dann m ber Dunkelheit erstrahlten Stadt und Umgebung Automobilen nach Delft voraus, wo der Trauerzug im magischen Licht vieler Scheinwerfer. gegen V2I Uhr auf dem von einer unübersehbaren Leichtsinn als Ursache des Valbbranbes Menschenmenge umsäumten Marktplatz emtraf. in der Oberpfalz. Unter Glockengeläut und den Klangen der Nattonal- Waldbrand in der nördlichen Ober- Hymne wurde der Sarg 1 n die K'rche hmeing e ^g. H^^itt^ch ist durch leichtsinniges Umtragen. Hofprediger Dr. D 0 d 1 n g hielt die PI 3 ct«ucr Walde entstanden. Em Land- Irauerprebigt Die Predigt wurde von Choralge- 8^°» mit 8 ber mzwilchen ,-stgenommen fangen umrahmt unb mit einem gemeinsamen Ge- wirt aus sxm B bc|d)äftigti fteu auszuladen, ana abgeschlossen. Dann wurde der Sarg in b x e rooriöen i) ' ü Wespen geplagt wurden, Samiliengruft des Hauses Oramen-Nallau Ms ^ine Pferd« befind. 9etra9en- Meine politische Nachrichten. MÄ L» 'paus empfangen um sie nachdrücklichst auf dl Tiere vvr dem wütenderI E E' ” Berhaltniffe im Memelgebiet und die bringen. Er leibst erlitt dabei Brandwunden. Notwendigkeit eines unmittelbaren Ein- Der ostmarkwald brennt. greifens der S i g n at a r m a ch t e hinzu- bcr riefigc Waldbrand zwifchen Miller- weifen. tfi* und Tirfchenreuth eingedämmt, als auch schon Der deutsche Gefandte in Ruedi von Collenberg hat beim mexikanischen b r a n d ®ietou entfernt brach neuer. Autzenami nachdrücklich gegen die wiederhollln halbe to un ^r Brand hat gleichzellia an tommuniftifd>en Kundgebungen 8°»'" wn^Feu^^ zu zünden begonnen, Dieam - das neue Deutschland protefhert. » Feuerwehren^der^ Umgebung »beitshenf^ Macbonalb flog von seinem schottischen S^ev ”leJr9erer Fabriken, bie Einwohnerschaft ber um- matort Lossiemouth nach Mountstewart in Norbir- . ^rte, SA.-Männer usw. sinb gEinsam lanb, wo er ben bort ansässigen englischen Lust- nüt^ ber" Bekämpfung bes verheerenben Elements sahrtminister Lorb L o n b o n b e r r p besucht. Am' Donnerstagabenb wirb sich ber Ministerprasibent an Borb bes Dampfers „Herzogin von Nichmono nach Kanaba begeben, wo er ben größten -Leu des breimonatigen Erholungsurlaubes verbringen Jen Auf bie Hilferufe Des Cannes, uem Die Bezirke Jfhikawa unb Fukien würben von ^its schwere Kopfverletzungen bei- chweren Wolkenbrüchen heimgesucht. Große Lanb- gebracht hatte, brang man in bie ^Hausung kraßen würben plötzlich überschwemmt. Wie bisher unt) verhinberte bie Rabiate an ber Pollenbung estgeskellt werben konnte, sinb 2 5 0 Personen Vorhabens. Ein Genbarmenebeamter nahm ertrunken, währenb 160 noch vermißt werben. ^rau feft unb lieferte sie wegen versuchten 4000 Menschen sinb obbachlos, 300 Häuser unb über ^tschlags in bas Zweibrücker Gefängnis ein. 30 Brücken wurden von ben Fluten zerstört unb $rei jobesopfer eines Grubenunglücks, fortgeschwemmt. Auf ber Zeche „Friebrich Heinrich" in Ueberschwemmungen in ber Mandschurei. 1 gji ö r s brach in einem Stoßbau bes Flözes 9 Infolge starker Regengüsse sind in ber <5üb» (ieim Hmkippen eines Dergewagens, wobei wahr- Mandschurei die Flüsse Ljo unb Tiche weit über scheinlich ber Ausbau umgeschlagen würbe über ihre Ufer getreten unb haben bie ganze Ernte üer= tiefer Stelle plötzlich bas a n g e‘n be b er eili. ujcktet Nach ben bisherigen Mitteilungen sollen Drei Bergleute gerieten unter bie hereinbrecyenoen 18 Dörfer unter Wasser gesetzt worben Steine und verunglückten tödlich, und 120 Menschen ums Leben gekom- <£jn fränkisches Kastell festgestellt. men sein. 9fuf bem Micheksberg oberhalb des alten Bene- schwere Unwetter in JMnois. diktinerklosters N e u st a d t a. M. (Bezirksamt Lohr) Die Stabt Jacksonville im Staate Illinois ^^rben durch Hniversitätsprofessor Dr. H o ck (Wurz- (USA.) wurde nachts von einem halbstündigen burq\ bie Umfassungsmauern eines fränkischen Wirbelwind heimgesucht. Hunderte von Dächern Äaf^ell5 freiqelcgt. Das Kastell hatte keine rechteckige wurden von den Häusern gerissen. Außer vielen »-orm sondern seine Befestigungsmauer war d e m Geschäfts- und anderen Häusern wurden die Irren- $ e( ä n b c angepaßt. Die Mauer mar über anstatt und die Taubstummen- unb Blinbenanstalt • ^et€r stark, im Abstand von weiteren zwei beschädigt. Der Telephonverkehr wurde lahmgelegt. f q einc Palisadenreihe herum. Zweifellos ist Da auch die Lichtleitungen zerstört waren, lag.die L Kastell das im 8. Jahrhundert mehrfach Stabt vollkommen im Dunkeln. Die Zahl ber Der- urkundlich erwähnte „Rohrinlacha" zu erken- letzten beträgt etwa 100. Etwa 5000 Menschen sinb ------------------------------ obdachlos. Auch auf ben Feldern in der Umgebung >\\\» " * M// der Stadt hat der Wirbelsturm erheblichen Schaden angerichtet. Ein großer Teil der Straßen ist durch e entwurzelte Bäume unb Oebäubetrümmer für leben • - » Verkehr unwegsam geworden. Dem Wirbelsturm folgte ein ungewöhnlich heftiges Hagelwetter, dem sich ein Wolkenbruch anschloß. Mit bem Floß gekentert unb ertrunken. ■Durch iKurmi- Entfettung»- Kurzucker nach Dr. med. Rheinländer. Kein Abführmittel sondern di'ä- tet. 'Mauungshilfe gegen die fettbildenden Bestandteile der Nahrung. Absolut unschädlich 6-6*» monatLöewkhtwbnahciw Kräuterhaus JUNG 93494 i. d. Schulstraße ohne Beschwerden Londorf, den 11. Juli 1934. 4091 D Nach längerer Krankheit starb heute früh mein innigste geliebter Mann, unser treusorgender Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel Die Beerdigung findet statt: Freitag, den 13. Juli, nachmittags 2 Uhr. Namens der tieftrauernden Hinterbliebenen: Emma Adler. Herr Hermann Adler im Alter von 73 Jahren. Milchvieh-Auktion von hochtragenden und frischmelkenden Kühen und Rindern des rolmltz. u. sWükMklb. SWges inGiefeen l NodHeimer Str.50, mittags 12 Uhr, veranst. von d. Nutzviehbeschaffung e.G.m.b.H., Frankfurt am Main, Donnerstag, öen 19.3ull 1934. Reiche Auswahl guter Leistungstiere! Besichtigung ab 17. Juli erb. < .-M Oer Brand der Freiburger Universität. nen, das den Grundstock der Schenkung bildete, aus der sich dann das Benediktinerkloster und die Ansiedlung Neustadt (Niwenftadt) entwickelte. Das Urteil im Kabelwerk-Prozeß. Die Erste Große Strafkammer des Landgerichts Frankfurt a. d. Oder sprach nach mehrwöchiger Verhandlung über fünf ehemalige Mitglieder des Vorstandes und Aufsichtsrates der Deutschen Kabelwerke das Urteil. Es erhielten Siegfried und Bernhard Hirfchmann je 6000 Mark, Dr. Hch. Bürger und Willy Pickardt je 2000 Mark, sowie Reichspostminister a. D. Dr. e. h. Karl Stingl 500 Mark Geldstrafe. Den Verurteilten wird als Mitglied des Vorstandes, bzw. Aufsichtsrates vorgeworfen, wiffenlich den Vermögensstand der Gesellschaft unwahr dargestellt oder verschleiert zu haben. Die Anklage stützt sich darauf, daß Entschädigungen für Sonderleistungen an Bernhard Hirschmann, die in die Zehntausende gingen und an Dr. Stingl, die im Jahre 8500 Mark betrugen, Inder Bilanz falsch ausgeworfen wären. Sie hätten unter Aufsichtsratsentschädigungen gebucht werden müssen und nicht über Gehalts- oder sonstige andere Konten. Sieben Aufständische in Adana zum Tode verurteilt. Das Schwurgericht von Adana (Türkei) verurteilte nach mehrtägiger Verhandlung eine Reihe von Angeklagten, die an einer Aufstandsbewegung teilge- noinmen hatten. Sieben Angeklagte wurden zum Tode verurteilt und 14 Angeklagte freigesprochen. Zeitschriften. — Im Juniheft der Zeitschrift „Volk und Reich" schildert der Berliner Historiker Professor Walther Vogel rückschauend die europäisch-politischen Spannungen am Vorabend des Weltkrieges unter Zugrundelegung der Forschungsergebnisse der letzten zwanzig Jahre in einer ausgezeichnet klaren, historisch-politischen Darstellung. Daran anknüpfend behandelt der Hauptteil dieses Heftes den heutigen jugoslawischen Staat. Geschichtliche Entwicklung, Volks- und innere Staasprobleme, wehrpolitische Lage und das Deutschtum in Jugoslawien werden in Text und Karte untersucht. Die politische Analyse zeigt, daß das deutsch-jugoslawische Verhältnis noch weitgehend durch die französischen Bindungen Jugoslawiens bestimmt wird. Der Bildteil, mit dem Volk und Reich bemerkenswerte politischpsychologische Wirkungen zu erzielen weiß, bringt diesmal 17 schöne Aufnahmen von Dubrovnik (Ragusa). Eugen Kalkschmidt gibt im Juliheft der Monatsschrift „Zeitwende" (Verlag C. H. Beck, München und Berlin) eine lebendige Darstellung der „Anfänge der deutschen Kolonialpolitik", d. h. der Kolonialpotitik Bismarcks, in der die Persönlichkeit und staatsmännische Weisheit des großen Kanzlers wieder einmal in Helles Licht tritt. Gerade heute, wo das Erwachen des deutschen Volkes auch den Kolonialgedanken zu neuem Leben erweckt hat, wird dieser Aufsatz mit besonderem Interesse gelesen werden. Es ist beachtenswert, daß in dem gleichen Hefte Paul Rohrbach seine jüngsten Erlebnisse in einer ehemaligen deutschen afrikanischen Kolonie, „Beobachtungen in Kamerun", bietet. Oskar Janckes knappes, aber anschauliches Charakterbild „Ernst Moritz Arndts" zeigt, wie sehr die Haltung dieses geistigen Vorkämpfers der nationalen Erhebung gegen Napoleon mit unserer heutigen verwandt ist. In die Aufgaben der unmittelbaren Gegenwart führt der Beitrag von Johannes Gerhardt über „Arbeitsbeschaffung im Neuen Reich". Der Umschau- Beitrag „Herrnhuter in Finnland" führt uns in die Arbeit dreier Herrnhuter Brüder, die vor 100 Jahren nach Finnland zu den Lappen zogen. Wenn uns der ehemalige deutsche Pfarrer zu Helsingfors ihre Schicksale in reizvoller Schilderung ins Gedächtnis zurückruft, so stärkt er damit das geistige Band zwischen Deutschland und den nordischen Ländern. — In den „Berliner Monatshefte n", herausgegeben von Dr. Alfred von Wegerer, 12. Jahrgang 1934, Juliheft (Quaderverlag, Berlin W15, Preis des Heftes 1,50 RM., vierteljählich 3,50 RM), veröffentlicht Reichsminister a. D. Dr. Friedrich Rosen eine umfassende Studie über die europäischen Mächte im Sommer 1914. Rosen zeigt, welche politischen Tendenzen bei den einzelnen Großmächten im Sommer 1914 wirksam waren und welche politischen und militärischen Bindungen innerhalb der beiden großen Bündnisgruppen, Dreibund und Triple-Entente bestanden. Aus den Ausführungen von Rosen ergibt sich, „daß das deutsche Reich zu keiner Zeit auf eine Vergrößerung seines Besitzstandes auf Kosten anderer Staaten durch kriegerische Handlungen oder Drohungen bedacht gewesen ist und daß somit die tieferen Ursachen des 1914 ausgebrochenen Krieges nicht bei Deutschland zu suchen sind." Aus dem weiteren Inhalt des reichhaltigen Heftes erwähnen wir die Arbeiten von Professor Platzhoff über „Versailles", die Untersuchung von Professor Bibl über „Oesterreich-Ungarns innerpolitische Lage bei Ausbruch des Weltkrieges", sowie die Arbeit von Bernhard Schwertfeger über „Die militärpolitischen Beziehungen Frankreichs und Englands zu Belgien nach 1912". —- „Lauter Sonntage" — so fröhlich beginnt das Juliheft, das Ferienheft von „Velha - gen & Klafings Monatsheften"; „Lauter Sonntage" heißt eine von Jugendliebe erfüllte Novelle von Bruno Wellenkamp, einem Angehörigen des jungen Dichtergeschlechts und einem wahrhaft Berufenen. Ein zweiter bedeutender Erzähler tritt im gleichen Heft zum erstenmal auf: der Westfale Heinrich Luhmann mit seiner Novelle „Bauerntag", einem groß und innig gesehenen Bilde ewigen Luftschutz Werdet Mitglied Säens und Erntens. Ein illustrierter Aufsatz zum Jubiläum der Oberammergauer Passionsspiele, von Paul Oskar Höcker, kann neue starke Eindrücke an früheren Erlebnissen messen. Dr. Herbert Jankuhn berichtet in Bild und Wort über die von ihm geleiteten Ausgrabungen zu Haithabu, der Wikingergroßstadt an der Schlei. Friedrich Herzfeld geht als Kenner von Dichtung und Musik den neuen Liedern unserer Jugend nach. Oberbaurat C. Michenfelder schildert an Hand überraschender Lichtbilder Großtaten deutscher Technik. Dr. Arthur Dix lenkt die Aufmerksamkeit auf das politische und wirtschaftliche Vordringen Japans in Abessinien. Lustig, ja geistreich hat Petra Fiedler die flotte Plauderei „Sommer in deutschen Stoffen" von He la Strehl mit farbigen Bildern illustriert. Das Ergebnis des Preisausschreibens „Wer kennt unsere Künstler?" wird in diesem Heft verkündigt. — Im Juliheft von „Volk und Rass e", Illustrierte Monatsschrift für deutsches Volkstum, Rassenkunde und Rassenpflege, I. F. Lehmanns Verlag, München, stellt Dr. W. Rauschenberger die Rassenmerkmale Beethovens und seiner nächsten Verwandten fest. Beethoven ist fälisch mit stark nordischem und etwas ostischem Einschlag. Fälisch ist an ihm seine äußere Rauheit, die Gefühlswärme und Innigkeit verdeckt, weiter das Schwerblütige und Schwernehmende seines Wesens und der tiefe Ernst, mit dem er das Leben auffaßt. Nordisch ist, daß er alles ins Ungewöhnliche, Außerordentliche erhebt wie das Tief-Philosophische seiner Musik, die er aus dem Bereich des bloßen Tonspieles in das Reich der Ideenwelt erhebt. Der ostische Einschlag macht sich bemerkbar in einer gewissen Formlosig. feit des Auftretens und in der rein musikalischen Begabung Beethovens. In dem gleichen Heft ist ferner von Dr. Bretschneider ein ausführlicher Be- richt mit Ahnentafeln über „Farniliensorschung und Erblehre". Büchertisch. — Karl Hoffmann, Flottenabrüstung, Kriegsächtung und Revision. Verlag Arbeitsausschuß Deutscher Verbände, Berlin. — Die bereits 1932 erschienene Schrift gibt ausgezeichnetes Material zur rechten Beurteilung der eben be- ginnenden Seeabrüstungs-Verhandlungen, die die zweite Flottenkonferenz oorbereiten. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) (Eine Bitte an die Stadtverwaltung. Einer der wenigen, ich möchte fast sagen der einzige Spaziergang für ältere Leute und Erho- J lungsbedürftige ist und bleibt der Rundgang durch unsere städtischen Anlagen. Seit Wochen aber kehren alle auf ihre Gesundheit Bedachten am H i t- I er mall am Goldfischteich schleunigst wieder um, da dort eine Staubplage herrscht, die ihresgleichen sucht. Dor etwa acht Wochen wurde dort die Straße gepflastert, und seit dieser Zeit liegt auf dieser eine dicke Schicht brauner Sand, sich selbst überlassen. Statt daß dieser Sand durch kräftiges Einschlämmen in die Ritzen des Pflasters befördert wird, geschieht gar nichts, noch nicht einmal das Gießfaß läßt sich mehr als einmal am Tage blicken. Bei der anhaltenden Trockenheit und Hitze haben nun die vielen Autos die beste Gelegenheit, den Staub in dicken Wolken in die Anlagen, die Vorgärten und in die anliegenden Häuser zu wirbeln. Spaziergänger können ja die Anlagen meiden, die armen Anwohner sind aber gezwungen, den Staub zu schlucken. Energische Abhilfe darf hier verlangt werden. Sch. Wettervoraussage. lieber Norddeutschland und der Ostsee ist es zur Ausbildung eines Tiefdruckwirbels gekommen, der sich bei den hohen Temperaturen noch weiter entwickeln wird. An seiner Rückseite gelangt daher kühlere ozeanische Luft nach dem Festland, die verschiedentlich Anlaß zu Gewitterstörungen geben wird. Aussichten für Freitag: Nach Gewitterstörungen mit Gewitterregen etwas kühleres Wetter. Aussichten für Samstag: Mehr wechselhaftes Wetter mit vereinzelten Gewitterstörungen. Lufttemperaturen am 11. Juli: mittags 27,7 Grad Celsius, abends 21,3 Grad; am 12. Juli: morgens 15,4 Grad. Maximum 28,8 Grad, Minimum 9,5 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 11. Juli: abends 27,2 Grad; am 12. Juli: morgens 20,4 Grad. — Sonnenscheindauer 14,5 Stunden. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange, für Feuilleton: I. V.: Dr. Fr. W. Lange, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. VI. 34: 10100. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts - Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Stadttheater Gießen Abonnent! Holz-Silo im Alter von 59 Jahren. Die trauernden Hinterbliebenen. Gießen, den 11. Juli 1934. 4084 D Verkäufe 11 • Kaufgesuche"] 034°2 in deutscher Sprache Jiienzle ch Die Preis-Ermäßigung bei Meldung zum Abonnement für die Spielzeit 1934/35 wird nur bis 15. Juli gewährt — Die Zeit drängt! 408sd Großer elektr. Warmes schrank Marke: Prometheus, 2 KW, 2x220 Volt, fast ■ Lichtspielhaus Gießen I Ab heute Donnerstag: Ein Film von Weltruf Bettle in braun.Futter. verlor.Bitte geg. Belohng. abzug. 4087vAmSteg12 Die Leichenfeier findet am Samstag, dem 14. Juli, vormittags */? 11 Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofes aus statt. Tößht. Mädchen vom Lande für sofort gesucht. Frau Blum, Liebigstr. 73.0348? liiiijÄta nicht unt. 22 I., das kochen kann, für tagsüber in Geschäftshaush, sofort gesucht. Schr. Angeb. mit Zeugnisabschr.u. Lohnanspr. unt. 03491 a.d.G.A. | Mietgesuche | Hie-Hii. mit Zub., pari., bis 15.Aug. evtl. 1. Sept, gesucht. 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Weserstr. u.Walltorstratze. Abzugeben: Oam Walltorstraße 27 Annabella all Marquise von Yorisaka, die I wundervollste Schauspielerin d.Welt, ent- 1 zückend, fesselnd, bezaubernd wie nur je. 1 Dieser vollendete Film höchster Klasse zeigt 1 neben dem Ringen zweier Männer um 1 eine bildschöne Frau den Zauber eines 1 fremden Landes, Originalaufnahmen und H Straßenszenen aus Jokohama, Original- 1 Schlachtenbilder, die im Juli 1933 unter ■ Mitwirkung der französischen Mittelmeer- ■ flotte entstanden. Der Untergang eines 1 Schlachtschiffe. 4083C I Eine Sensation des Geistes nnd der Kunst I ■ Ein Ereignis für Gießen Vorher: Gutes Beiprogrammu.Ufa-Ton-Woche. B Vorstell, tägl. 4,6,8.30Uhr, Sonnt. 3,5.30,8.30. I neu, für Hotels I vorzügl.geeign., I a. ein. Nach!, bill. Gebrauchter 03486 Kind.-Sportwagen zu kauf, gesucht. Bahnhofstr. 26, IV1. Verschiedenes IBauu. (4o86D Beratung ePh.Soninierl(orn ® Bleichstr. 12. 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Zwölf Millionen deutscher Rosen werden Verkauf kommen! wird nur in den frühen Morgenstunden vorgenommen Tausende von Messern und Scheren haben die Arbeit in kürzester Zeit zu bewältigen. Gebündelt zu je 25 Stück in Kartons, die 500 Rosen enthalten, werden die Rosen an die Sammel- und Derteilungs- stellen (Blumengeschäfte und Gärtnereien) versandt, wo die Aufarbeitung erfolgt. Die Aufarbeitung besteht im Entdornen der Stiele, Entfernen schlechter Ihr alle werdet am 14. und 15. Juli Euren Opfersinn zu beweisen haben. Durch den Kauf einer Rose erfreut Ihr nicht nur Eure Mutter, sondern vor allem helft Ihr einem schwer kämpfenden deutschen Gewerbezweig, dem Gärtner. Es darf in Hessen-Rassau am 14. und 15. Juli kein Schulzimmer geben, das Ihr nicht, deutsche Jungen und Mädchen, mit den Rosen der RSV. geschmückt habt. Eure Lehrer werden Euch mit gutem Beispiel vorangehen! Und achtet vor allem auf folgendes: Wer am 14. und 15. Juli eine Rose der RSV. trägt, der ist ein Förderer der Bestrebungen des neuen Deutschland! Ich weih, dah die Iugend Hessen-Rassaus zeigen wird, dah sie in der Tat sozialistisch denkt und in hervorragender Weise mithelfen wird, der RSV., dem deutschen Gärtner und damit dem deutschen Volk selbst zu helfen. heil Hitler! gez. Müller-Scheldt, Gaupropagandaleiter. Ernte bzw. das Schneiden der Zinsen Interessenten aus, die wir heute nochmals auf den Meldetermin Hinweisen möchten. Anmeldungen, die nach diesem Tage einlaufen, kann auf keinen Fall mehr die Preisermäßigung angerechnet werden. G tc^enci 'Lvo (i) enmari tp rc lic. * Gießen, 12. Juli. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten': Süßrahmbutter, das Pfund 1,40 Mark, Landbutter 1,30 bis 1,35 Mark, Matte 20 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier (inländische), KlasseZ 10^, Klasse A 10, Klasse B 9%, Klasse C 9, Klasse D 8, ungestempelte iVi, Wirsing (grün), das Pfund Im Rahmen des Hilfswerkes „Mutter und Kind" wird am 14. und 15. I u l i vom Amt für Volkswohlfahrt, der RS.-Frauenschaft und dem deutschen Frauenwerk der „Tag der deutschen Rose" durchgeführt. Ieder Deutsche unterstützt dieses Hilfswerk durch den Kauf einer deutschen Rose zum Preise von 0,20 RM. Der verkauf beginnt am Samstag, 14. Juli, und ist am Sonntag, 15. Juli beendet. Wir verweisen auf die Bekanntmachungen in der Presse, wonach diese Sammlung ausdrücklich vom Stellvertreter des Führers „Tag der deutschen Rose" in Gießen Evtt in die Erde senkten. Erntezeit! Noch leuchten die weiten Flächen der ijiutschen.Ebenen in ihrer goldenen Pracht. Aber mr noch kurze Zeit. Dann wird der Wind über die Stoppeln wehen und da, wo dicht und geschlossen Nie eine Wand Tausende von Halmen standen, wird e- leer werden Blaue Kornblumen und leuchten-der Mohn müssen auch sterben. Der Sommer nimmt Abschied. Erntezeit! „Wie von warmem Brot ein lauer Duft zieht mit würzigen Wellen durch die Luft." A. Oberst a. O. Naumann 85 Jahre alt. Arn morgigen Freitag, 13. Juli, begeht Oberst a. D. Naumann, Keplerstraße 7 wohnhaft in gkistiger und körperlicher Frische seinen 8 5. Geburtstag. Oberst Naumann ist aus dem hessischen Artilleriekorps hervorgegangen. Im Jahre 1S69 kam er in das Großherzogliche 2. Jnfanterie- Negiment, in dessen Verband er den Feldzug 1K70/71 mitmachte. Dieses Regiment erhielt nach dem Kriege die Bezeichnung 2. Großherzogliches Infanterie-Regiment Nr. 116. Im Jahre 1879 wurde der Jubilar als Premierleutnant in das Jn- fvnterie-Regiment 88 versetzt, dem er über 20 Jahre long, zuletzt als Kommandeur des 2. Bataillons, angehörte. Der Zieichsbischof spricht in Frankfurt. Am morgigen Freitag, 13. Juli, 17 Uhr, spricht bt Frankfurt a. M. im Bach-Saal der Herr Je e i ch s b i s ch o f in einer großen Volksversammlung. Aus der Provinzialhauptstadt. Erntezeit. „Bist du wohl im Kornfeld schon gegangen, wenn die vollen Aehren überhangen, durch die schmale Gasse bann inmitten schlanker Flüsterhalme hingeschritten? Zwang dich nicht das heimelige Rauschen, stehnzubleiben und darein zu lauschen?" (Avenarius.) Die Klarheit der Sonne leuchtet über dem Land. Golden dehnen sich weit und breit die Getreidefeber. Wir mochten die Tage festhalten, die Fülle her Schönheiten genießen. Die hohe Zeit des Som- n rs ist gekommen. Kornfelder und Wiesen spie- n in sich im Fluß. Brombeergestrüpp und blühende Aeidenröschen umsäumen das Ufer. Das goldne chelmenmeer träumt müde und gelassen von den klingenden Sensen. Es ist wie ein stilles, seliges Fl st. Der Himmel wölbt sich dunkelblau und neigt fid) tief über Wald und Wiesen, Dorf und Feld. Hub wenn bie Sonne untergeht, bann steht bie Äelt in Flammen. Ganz leise nur rauschen bie Mchlein, unb mübe finb auch bie kleinen Sänger, bie Vogel. Des Tages Glut liegt noch schwer über ber Lanbschaft Die Blumen in ben Gärten beugen sich, sie tragen schon Samen. Rittersporn unb Lilien, auch bie Rosen finb verblüht. Astern unb Dahlien aber entfalten ihre zauberische Pracht. — ISie ist ba, bie arbeitsreichste, aber auch bie schönste Zeit für ben deutschen Bauern. Ein Erntetag reiht sich an den andern. Wohl ist manches Stück Poesie verschwunden. Maschinen rasseln, und Knechte und Mägde haben nur noch die Garben avfzustellen. Aber doch noch aus manchem Hause schallt an den Sommerabenden das Klopfen des Hammers. Sensen und Sicheln werden gedengelt. Nun heimsen die Bauern das ein, was nach 12, Weißkraut 15, Gelbe Rüben, das Bund 10, Rote Rüben 10, Spinat, das Pfund 15 bis 20, Römischkohl 8 bis 10, Bohnen (grün) 25, (gelb) 25, Erbsen 15 bis 20, Tomaten 25 bis 30, Rhabarber 8, Kartoffeln (alte) 5% Pf., der Zentner 5 Mark, (neue) das Pfund 8 bis 10 Pf., Frühäpfel 25, Falläpfel 8, Himbeeren 20 bis 30, Aprikosen 30, Birnen 25 bis 35, Kirschen 15 bis 20, Heidelbeeren 25 bis 30, Stachelbeeren 10 bis 15, Johannisbeeren 12 bis 18, Mirabellen 30, junge Hähne 80, Suppenhühner 70, Tauben, das Stück 40 bis 50, Blumenkohl 1-0 bis 50, Salat 5 bis 10, Salatgurken 20 bis 25, Einmachgurken 5, Öberkohlrabi 8 bis 10, Lauch (Suppengrünes) 5, Rettich 5 bis 10, Sellerie 25 Pf, BornoNzen. — Tageskalender für Donnerstag! Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „La Bataille". — Alicefchul-Verein: 20 Uhr, Steinstraße 10, odentliche Generalversammlung. 1 NSBOT. (früher KOAI ). Der Ehern. Verein Gießen hatte zu einem Vortrag für Freitagabend, 20 Uhr, im Chemischen Institut der Universität, Ludwigstraße 21, eingeladen. Der Vortrag findet nunmehr am gleichen Tage, jedoch bereits um 18 Uhr (6 Uhr nachmittags) pünktlich statt, da bekanntlich um 20 Uhr die Uebertragung der Reichstagssitzung auf alle deutschen Sender erfolgt. Der Vortrag wird rechtzeitig vor dieser Uebertragung beendigt sein. Dr. Siedler (Griesheim a. M.) spricht über die „Erzaufbereitung durch Flotation". Der Besuch des interessanten Vortrages wird den Mitgliedern Braune Lose! (Der Wille zur Arbeit lebt außerordentlich stark in deutschen Volke. Mr haben mit Hilfe unseres Führers schon mancherlei Wege zu neuer Lebensgestaltung gefunden. Als vordringlichste.Aufgabe aber erkannten wir die Lösung des schwierigen Problems der Arbeitslostg- !eit» Die ,NSDA P." -Lotterie erwies sich schon im vorigen Jahre zweimal als ein anerEennens= werter großer Unterstützungsfaktor im &°mPfe ceqen die deutsche Arbeitsnot, indem sie reichlich Geldmittel zur Arbeitsbeschaffung beisteuerte Da jetzt ber Ziehungstag ber diesja hrigen Arbeits- leschaffungslotterie immer näherruckt und bie Jni , -b raune Lose kaufen zu können, bald abge^aufen ist, seien diejenigen, die sich über die tatsächliche Aufgaben dieser gemeinnützigen Geldlotterie no immer nicht im klaren sind, hiermit nochmals auf Ne hohen Ziele der Lotterie hingewiesen. Wie die vorjährigen beiden „NSDAP. -Lotterien dient auch diese dritte zur Gewinnung von Mitteln für bie beutsche Arbeits deich a f s u n g. Aber zum ersten Male hat diese Ar- I eitsbeschaffungslotterie ihren Gewinnplan dem nationalsozialistischen Empfinden gemäß um em öe- irächtliches erweitert. Zugunsten vieler mittlerer Gewinne würbe von dem früheren, engherzig gemachten einzelnen Hauptgewinn abgesehen. Bieten Deutschen steht somit ein e G e - »innfreube beoor. . n 5w Die Lose sind in zwei Abteilungen A unb d im Umlauf. Ein Doppellos besitzt derjenige, der zwei Lose mit der gleichen Nummer aus ber Abteilung A unb B gezogen hat. Entfällt auf seine Nummer rin Gewinn, so erhält er biefen doppelt ausbezahlt. 1 500 000 Mark werden ausgelost und warten auf ihre Gewinner. Da wird wohl keiner mehr zögern, braune 2ofe zu erstehen, zumal diese großartige G^ winnaussicht nur noch kurze Zeit, nämlich bis zum 21. Juli offen bleibt. Am 21. unb 22. Juli ist sch Ziehung! am Sonntaa, 5. August, lehrftünbigen Aufenthalt in -r alten Münsterstadt, wo ?'e|« Kubru Mehaf‘ion M Qnt®ortunfl.) Wtung. J iQ9en bet Ä fei' *”» die ihres, wurde borl r Seit liegt aut y triftig,, ’f>«5 beförbeti v einmal d°; bilden ® H'S- habe, ben °Sk». die $or, ,er Zu wirbeln. ien weiden, bie |eiJ' den Staub ! hier verlangt Sch. Stadtkinder fahren aufs Land. heil Hitler! Kreisleitung G eßen der NSDAP. Schmelz, Kreispropagandaleiter. Deutsche Jungen und Mädchen! m „ 'n ble bi| essen ihren Abschluß finden wird. Die Kosten betragen 30,— RM. einschließlich Fahrt- unb Unterkunftskosten ab Frankfurt a. M. Anmeldefrist bis zum 18. Juli. Landesmusikerschaft Hessen-Nassau des Fachverbandes B in der Reichsmusikkammer. Der Leiter ber Lanbesrnusikerschast Hessen-Nassau, Stadtrat Kammermusiker Paul Fichtmüller (Dannstabt), gibt amtlich bekannt, baß er zum Leiter ber Nebenstelle Reiskirchen in ber Orts- musikerfchaft Gießen den Musiker Ernst M ö b u s zu Reiskirchen bestellt hat. Gießener Kolonialfreunde bei der Kölner Kolonialausstellung. Aus Kreisen der Gießener Vereinigung für koloniale Wiebergewinnung geht uns folgende Eindrucksschilderung von der Kölner Kolonialausstellung zu: Schon am frühen Morgen sah man große Menschenmassen nach dem Messegelände hinströmen, galt es doch, die größte Kolonialausstellung die bis jetzt in Deutschland gezeigt wurde, zu eröffnen. Herrlicher Sonnenschein lag über dem Messegelände und schon von weitem grüßte ben Besucher das silberne Band des Rheinstromes. Beim Betreten ber Festhalle wurden wir, die Abordnung der Gießener Kolonialbewegung, von Direktor K e 11 n i ß , dem Gauführer Rheinland ber Deutschen Kolonialgesellschaft herzlich begrüßt unb zu ben Ehrenplätzen geführt. Unter ben schneidigen Klängen einer SA.-Kapelle hielten bann unter Vorantritt der Kolonialflaggen und^un- ter bem Jubel von etwa 20 000 Menschen 300 i5al)= nen ber Arbeitsfront ihren Einzug. Die Feier selbst war ein mächtiges Bekenntnis zum Führer unb zum Reich. Anhaltenber Beifall würbe dem Stabsletter ber PO. Dr. Ley nach seiner inhaltsreichen Rebe zuteil. Mächtiger benn je konnte man hier ben'Billen bes deutschen Volkes nach eignem Kolonialbesitz ' unb nach Herstellung seiner kolonialen Gleichberechtigung fühlen. _ ri r Anschließend fand eine Besichtigung der Ausstellung statt, bie einen großen unb überzeugenden Ein- druck auf jeben Besucher hinterläßt. In ber Ehrenhalle waren Silber ber Kolonialpioniere wie Peters, Nachtigall, Wißmann u. a. inmitten überlebensgroßer Bilder des Führers und des Reichspräsidenten angebracht worden. Die Abteilung „Kolonialgeschichte" zeigte die Originalverträge des Deutschen Reiches mit ben Häuptlingen, sowie die Fahne der Wihmann-Expebition. Große aus Ton verfertigte i Modelle von Afrika zeigten den Gesteinaufbau, so- Gestern gegen 15.30 Uhr traf ein großer Trans- pott voü Ferienkindern aus Stadt und Kreis Darmstadt die von der Abteilung Iugenderholung und Kinder-Landverfchickuna der NSV. zum F eTl = n - autenthalt im Kreis Gießen geschickt worden waren, aus dem Gießener Bahnhos ein. Insaelamt kamen rund 450 Kinder, von denen ein Teil in der Stadt Gießen und in den unmittelbar benachbarten Orten verblieb, wahrend d,e übrigen auf der Strecke Gießen-Grunberg. chiER^^^ttsttzten,^uin^?n^zahlr"icheii^Orten^des 5n"^aMUen"uütÜrg?bsücht'zÜ"werdet Währeüd । wohlsühstn werden. bie Kinder für die Stadt Gießen und die unmittelbar benachbarten Orte gleich nach der Ankunft vom Bahnhof abrückten, wobei der Weg nach den Vororten auf Wagen und Autos zuruckgelegt wurde, fuhren die Kinder in Richtung Grunberg mit dem unmittelbaren Anschlußzug weiter, dagegen hatten hie Kinder für die Strecke Lich—Hungen etwa eine Stunde Aufenthalt auf dem hiesigen Bahnhof. In dieser Zeit erhielten die Kinder Verpflegung mit Kakao, der in dankenswerter Weise von der Molkerei Gebr. Grieb gestiftet worden war. Die Feriengäste verbleiben bis zum 13. August in ihren Erholungsorten, wo sie sich hoffentlich alle recht I roohlfühlen werden. 3um Empfang der Ferienkinder: Amtswalter der NSV., Vertreterinnen der NS.-Frauenschaft und Ferienkinder auf dem Bahnhofsplatz; in der Mitte vorn, der^Kreiswalter: ber Kreises Gießen Klös, nach links daneben Oberregierungsrat Dr. S ch o n h a l s als Mitarbeiter der NSV. — (Aufnahme: Photo-Pfaff.) langen Monaten unter beständiger Pflege gewachsen unb gereift ist. Wie oft hat der Bauer nach dem Himmel geschaut, Regen oder Sonnenschein wünscht! An Sonne hat's Heuer wahrlich nicht fehlt. Wenn auch die Halme nicht so lang und finb wie in ben Vorjahren, so bringen doch Aehren von goldnen Körnern eine reiche Fülle. . Unb im grellsten Sonnenschein arbeiten Bauern. Was kümmert sie Hitze und Sonnenglut? Fest und stark, wie verwurzelt mit der Erde stehen sie auf ihrem Acker und bergen den Segen. Ihre Hände sind rauh und rissig, hart und schwielig, aber ft schaffen unser täglich Brot. ! Vergangene Zeiten mögen vor manchem alten ferner auftauchen. Die Zeiten, in denen zu Beginn tyr Ernte neue Kleider angezogen wurden, Knechte uib Mägbe die Wagen mit Blumen schmückten und als dem letzten Wagen der aus Aehren geflochtene Erntekranz mitgeführt wurde. Es hat sich manches geändert, aber nicht die Freude und der Stolz der lauern, wenn der hochbeladene Leiterwagen mit b n schweren Garben eingefahren wird. Nun sam- ireln sie den Segen, den sie einst im Vertrauen auf des NSBDT. bestens empfohlen. NS.-Gemeinschaft^KraftdurchIreude'" Betr.: Urlaubszüge. Wir mußten wiederholt feststellen, daß noch immer keine Klarheit über den Kreis der für unsere Urlaubsfahrten zugelassenen Personen besteht. Wir betonen noch einmal und endgültig, daß nur die Berufstätigen und Werktätigen zugelassen sind, die ohne unsere Hilfe nicht in der Lage sind, eine Urlaubsfahrt zu machen. Betr.: Fahrt vom 14. bis 22. Juli Ostsee (Usedom). Laut Mitteilung des Gaues fällt diese Fahrt aus. Urlaubszug vom 21. bis 29. Juli nach dem Allgäu. Arn 21. Juli geht abends ein Urlaubszug nach bem Allgäu. Die Fahrt führt über bie Steige bei Triberg 1860 Meter hoch) burch einen ber schönsten Teile bes Schwarzwalbes nach Friedrichshafen. Dort wirb ben Urlaubern Gelegenheit zur Besichtigung ber Zeppelinwerft unb bes im Bau befinb- lichen Groß-Zeppelins geboten. Die Bahnfahrt führt weiter nach Linbau, wo ein mehrstündiger Aufenthalt zur Stadtbefichtigung unb Einnehmen eines Mittagessens vorgesehen ist. Der Nachmittag führt bie Urlauber in bie Urlaubsorte Oberstaufen, Weiler, Scheibegg usw. Die Rückfahrt erfolgt am Sonntag, 29. Juli, über Stuttgart, so baß bie Urlauber abends roieber in ihren Quartierorten ankommen. Die Fahrtkosten betragen einschließlich An- unb Abfahrt, Unterkunft usw. 30,— RM. ab Frankfurt a. M. Anmelbefrist bis zum 13. Juli an unsere Geschäftsstelle Gießen, Schanzenstraße 18. Urlaubszug vom 28. Juli bis 5. August in den Schwarzwald. Am 28. Juli fährt die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" einen Urlaubszug in den südlichen Schwarzwald und in die wunderbare Berg- unb Walbgegenb am Südabhang bes Feldberges. Die Abfahrt erfolgt am Samstag, 28. Juli, mittags über Karlsruhe, Lörrach mit ber Zielftation Tobtnau, wo die Unterbringung in dem Quartier« bezirk erfolgen wird. Todtnau selbst ist die Zielstatton der Bahn am Südabhang des Feldberges, von wo aus wunderbare Ausflugsmöglichkeiten auf den Feldberg selbst, nach St. Blasien, Titisee usw. Wenn ich mich in einem früheren Aufruf gesamte Geschäftswelt, die A-rzte, Rechtsanwälte [m wlwuuml ...................... Behörden usw. gewandt habe, um zu erreichen, daß Außenblätter, Bündeln zu je 10 Stück usw. und sie alle ihnen zur Verfügung stehenden Räume an erfordert bei 1000 Rosen eine Arbeitszeit von acht diesen Tagen mit Rosen schmücken, so wende ich mich Stunden fleißiger Handarbeit. diesmal bewußt an Dich, deutsche Jugend. genehmigt wurde. Als Rahmenveranslaltungen finden in Gießen S1adtlheater-Or- tfnO wo bleibst du? Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: m U „/„»r nnn/en Reihe von Vergünstigungen erhält jeder Abonnent für die Spielzeit 1934/35, eryan m Abonnement mel- bet estie Preisermäßigung oon s Prozent, Diese oei, eine +> fnmohl für bie Erneuerung bes Arttts'b-st-hend-n Abonnements, als auch für die ar »inet Neu-Abonnernents bis zu biefem Termin ^L-nn auch die Meldungen wider Erwarten güt estigelaufen sind, fo stehen trotzdem noch tote die Bevölkerungsdichte unserer geraubten Schutzgebiete. In den Wandelhallen, die die ganze Ausstellung durchzogen, mären Ethnologie und Botanik unserer Kolonien veranschaulicht. Während an den Seiten- wänden Götzenbilder und Tanzmasken sowie Totenbilder, kunstvoll von den Eingeborenen aus Holz verfertigt, zu sehen waren, standen in der Mitte der Hallen alle tropischen Nutzpflanzen. Blühende und zugleich fruchttraaende Kaffeebäaume, Ananasstau- den, die hauptsächlichsten Palmenarten, Zuckerrohr, Reis, Agaven und Sisalpflanzen unter feuchter und tropischer Wärme stehend, versetzten den Besucher in tropische Gegenden. Das Schaffen Und Wirken der Missionen, des Roten Kreuzes und der Frauenvereine in unseren geraubten Schutzgebieten war durch einen Aufbau ganzer Stationen und ihrer Einrichtungen versinnbildlicht. Eingeborenenpontoks, sowie deren Geräte aus allen Kolonien, ganze Tier- oruppen, Edelsteine von großem Wert und in allen Farben prangend, alle Nutz- und Edelhölzer zeigten jedem Volksgenossen den ungeheuren Wert unserer geraubten Ueberseegebiete und legten gleichzeitig Zeugnis ab von der ungeheuren Arbeit und den Mühen, unter denen die Ausstellung zustande kam. Erwähnt seien noch die afrikanischen Kulturen, die auf den Freiflächen vor dem Staatenhaus onge- pflanzt waren. Umgrenzt von Hunderten von Palmen standen hier ganze Maisfelder, Tabakpflanzungen, Süßkartoffelbeete, Reis- und Rizinuspflanzungen. Die Deutsche Kolonialausstellung in Köln soll dazu beitragen, den kolonialen Gedanken in alle Herzen einzuhämmern, damit das deutsche Volk die ungeheure Bedeutung überseeischen Besitzes für Deutschland erkennt. Gerade unsere jetzigen Schwierigkeiten der Einfuhr non Rohstoffen aus Uebersee müssen jedem Deutschen zu denken geben. Wie anders würden wir dastehen, wenn diese Rohstoffe aus eigenen Kolonien eingeführt werden könnten! Der deutschen kolonialen Ehre ist erst Genüge geleistet, wenn die Rückgabe der deutschen Kolonien erfolgt ist. ♦ ** Von der Landesuniversität. Das Personalamt des Hessischen Staatsministeriums gibt bekannt: In den Ruhestand versetzt wurde auf Nachsuchen der Oberbibliothekar an der Universitätsbibliothek in Gießen Prof. Dr. Georg Koch unter Anerkennung seiner dem Staate geleisteten langjährigen treuen Dienste und mit besonderer Würdigung des im nationalen Interesse bekundeten Opfersinns mit Wirkung vom 1. November 1934 an. — Ernannt wurde der Werkmeister am Physikalischen Institut der Landesuniversität Gießen Ludwig Willems zum Technischen Assistenten mit Wirkung vom 1. Juni 1934 ab. — Von der Pressestelle der Universität Gießen wird uns mitgeteilt: Der planmäßige außerordentliche Professor an der Lan- desuniversität Dr. jur. Eduard Bötticher hat einen Ruf als persönlicher Ordinarius für Bürgerliches und Wirtschaftsrecht an die Universität Heidelberg zum 1. Oktober 1934 erhalten. ** Schulpersonalien. Uebertragen wurde dem Lehrer Karl Oestreich zu Rieder-Roßbach (Kreis Friedberg) eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Ilbeshausen (Kreis Lauterbach): dem Lehrer Otto Sommerlad aus Ilbeshausen eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Nieder-Rosbach: beiden mit Wirkung vom Tage des Dienstantritts an. ** Eine studentische Arbeitstagung auf der Burg Gleiberg findet heute, morgen Freitag und Sonntagvormittag statt. An der Tagung nehmen die studentischen Referenten und Referentinnen bei den Gauleitungen des Deutschen Arbeitsdienstes bzw. den Landesstellen des Deutschen Frauen-Ar- beitsdienstes teil. Heute vormittag und nachmittag finden Vorträge statt, heute abend schließt sich ein Kameradschaftsabend an. Am morgigen Freitag und am Sonntag vormittag folgen weitere Vorträge. ** Zur Reichstagung des NSLB. in Frankfurt a. M. vom 3. bis 5. August hat die Ministerialabteiluna für Bildunaswesen, Kultus, Kunst und Volkstum folgende Verfügung zur Bekanntgabe an sämtliche Lehrkräfte erlassen: „Dom 3. bis 5. August 1934 finden in Frankfurt a. M. die diesjährige Reichstagung des NSLB. statt. Den Lehrkräften, die an dieser Tagung teilnehmen wollen, wird Urlaub erteilt. In den Gemeinden, in denen die Sommerferien noch nicht begonnen haben, fällt der Unterricht aus. Die nachfolgenden Ferien sind jedoch entsprechend zu kürzen; der Unterricht ist jedenfalls nachzuholen. **Mit dem Auto verunglückt. Gestern nachmittag verunglückte der 26 Jahre alte Kraftfahrer Hans Keibel von hier mit seinem Auto in der Nähe von Burkhardsfelden. Der bedauernswerte Mann erlitt dabei schwere Kopfverletzungen und eine Gehirnerschütterung und mußte von der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz der Chirurgischen Klinik in Gießen zugeführt werden. ** Benutzung von Eil- und Schnellzügen mit Arbeiterwochenkarten. Wie die Reichsbahnhauptverwaltung bekanntgibt, können Eil- und Schnellzüge nunmehr allgemein mit Arbeiter- und Kurzarbeiterwochenkarten, Angestellten- Wochenkarten und Kurzarbeiter-Wochenkarten für Angestellte gegen Zahlung der vollen tarifmäßigen Zuschläge benutzt werden, während dies bisher nur in Einzelfällen gestattet war. ** Sonderzug zur Reichstagung der ostdeutschen Heimatverbände. Zur Reichstagung der ostdeutschen Heimatverbande in Gelsenkirchen am kommenden Sonntag, bei der die eierliche Verkündigung des Reichsbundes ostdeut- cher Heimatoerbänoe erfolgen wird, fährt ein Son- )erzug von Gießen am 14. Juli um 10.20 Uhr ab, der um 14.57 Uhr in Gelsenkirchen eintrifft. Die Rückfahrt ab Gelsenkirchen erfolgt am 16.Juk um 17.10 Uhr. Die Ostdeutschen, die zur Teilnahme an dieser Treuekundgebung aufgefordert werden, erhalten bei rechtzeitiger Anmeldung nach Möglichkeit Freiquartiere. Der Fahrpreis für den Sonderzug — mit 60 v.H. Ermäßigung — betragt für die Hin- und Rückfahrt ab Gießen 7,20 Mark, ab Wetzlar 6,80 Mark. Die Karten find rechtzeitig bet der Fahrkartenausgabe am Bahnhof zu beantragen. Weitere Auskunft erteilt der stellvertretende Ortsgruppenführer in Gießen, Studentenpfarrer Sucker, Tel. 4098. OberheUcheVauemaufemerVesichtigungssahri Die Bezirksbauernschaft Gießen hatte dieser Tage die Ortsbauernführer, die landwirtschaftlichen Vertrauensleute und sonstige am Silobau interessierte Bauern Oberhessens zu einem Lehrausflug eingeladen, um die Silo-Anlagen bei Schneider-R o d - beim, Lenz-H o f Haina, Schwarzentraub-H o f - gut Bubenrod und Wagner-H ermann ft ein, sämtlich im Kreise Wetzlar, in Augenschein zu nehmen. Die Führung des Lehrausflugs lag in den Händen des Silofachmanns Dipl.-Landwirt D r. Karl Schm i dt-Wetzlar, der im Einvernehmen mit der Landesbauernschaft Hessen-Nassau als Fachberater in Silofragen eingesetzt ist. Nachdem die Vorteile des Silos immer mehr von der Landwirtschaft erkannt werden und die Reichsregierung weitere Mittel zur Gewährung von Zuschüssen zum Bau von Muster- und Beispielanlagen für die Futtereinsäuerung bereitgestellt hat (für den Kubikmeter umbauten Siloraum werden 4 RM. gewährt), bringt man derartigen Besichtigungen von Silos großes Interesse entgegen. So war es zu verstehen, daß sich an dieser unter Benutzung von Postautos durchgeführten Besichtigung mehr als 100 Personen beteiligten. Es wurden vier gefüllte Mustersilos mit Grünfutter- und Kartoffelsiläge und sechs musterhafte leere Behälter besichtigt. Die gefüllten Silos wurden sämtlich geöffnet, damit sich die Teilnehmer mit Augen und Nase davon überzeugen konnten, daß in allen Fällen das Silofutter in jeder Hinsicht vorzüglich gelungen war. Besonders die Kartoffelsilage war von ausgezeichnetem Geruch und Geschmack und von stisch gedämpften Kartoffeln äußerlich nicht zu unter- scheiden. In R od h e i m war Luzerne, in H o f Haina Wiesengras und Rotklee, in Hermann- ft e i n waren Rotklee und Kartoffeln eingesäuert worden. Die Besichtigungsfahrt erreichte in Hermannstem ihr Ende, wo alle Teilnehmer noch lange im großen Saal von Silobauer Wagner im regen Gedankenaustausch über das Gesehene versammelt blieben. Die Kreisbauernschaft Wetzlar war durch Stabsleiter Fischer, Kreisobmann Langsdorf und Bezirksbauernführer D e f ch vertreten. Weiter nahmen an der Besichtigung und anschließenden Besprechung teil: Bezirksbauernführer Metzger von der Kreisbauernschaft Gießen, D r. Weber vom Agrikulturchemischen Institut, D r. Becker und D r. Bernhardt vom Landwirtschaftsamt Gießen. Silofachmann Dr. Schmidt sprach über „W e - fen und Bedeutung der Silofutter-Erzeugnisse". Er legte dar, wie der Bauer mit eigenen Kräften, unter Heranziehung nur eines Bauhandwerkers, sich ein Silo Herstellen kann, worauf er dabei zu achten hat, welche Silo-Futterpflanzen er anbauen muß und wie die Einsäuerung vor sich zu gehen hat. Die Ausführungen wurden mit großem Interesse entgegengenommen. Die Besichtigungsfahrt hat gezeigt, welche Bedeutung der Konservierung von eiweißreichen Futterpflanzen usw. zukommt, daß es bei Futterknappheit (in diesem Jahre ausgelöst durch Trockenheit) unverantwortlich ist, ohne Futterreserve in die Zukunft zu gehen. Es wird nach wie vor darauf ankommen, das Erntegut für die Zeiten des Bedarfes, vor allem für Notzeiten, sicherzustellen. Ohne Grünfutterbehälter ist dabei kaum noch auszukommen! Die Förderung der Sauerfutterbereitung bietet große Möglichkeiten, um mit das wichtigste Problem der Agrarpolitik, die Selbstversorgung Deutschlands mit eiweißhaltigen Futtermitteln,zu lösen. Oberheffen. TiG.-Gemeinschaft^Krast durch Freude" Kreis Alsfeld. Donnerstag, 12. Juli, Tonfilmwagen „Die Dorf« musik" in Eifa. Freitag, 13. Juli, Tonsilmwagen „Die Dorfmusik" in Groß-Felda. Samstag, 14. Juli, Tonsilmwagen „Die Dorfmusik" in Ober-Gleen. Sonntag, 15. Juli, Tonfilmwagen „Die Dorf« mufir in Grebenau. Sonntag, 15. Juli, Wachenendzug an den Rhein. Montag, 16. Juli, Tonfilmwagen „Die Dorfmusik" in Brauerschwend. Donnerstag, 19. Juli, Jakobi-Märkt in Kirtorf, Volksfest, Spiel und Tanz. Die Veranstaltung am Sonntag, 22. Juli, in Romrod fällt aus wegen des 116er-Tages in Gießen und des Trachten- und Heimatfestes in Schlitz. Gemeinderat in Grünberg. t Grünberg, 11. Juli. Unter Mitteilungen gab der Bürgermeister ein Schreiben des Männer- ch o r e s bekannt, worin dieser seinen Dank für die Glückwünsche und- das Geschenk zum 100jährigen Jubiläum ausspricht. Weiter gab er bekannt, daß die vom Verkehrsverein gestiftete Wetterfahne, eine Arbeit des Schlossermeisters Heinrich Amend, auf dem Diebsturm angebracht wurde. Eine schon oft geäußerte Bitte der Anwohner der Frankfurter Straße, zur Minderung der großenStaubplagedie Pflasterung der Straße vorzunehmen, scheint endlich der Verwirklichung entgegenzugehen, denn nach einem kürzlich eingegangenen Schreiben der Provinzialdirektion ist diese bereit, einen Zuschuß zur Herstellung der Straße zu leisten. In Betracht käme Kleinpflaster bzw. Asphaltbelag mit einem Kostenbetrag von 7000 Mark für die Stadt und 7500 Mark für die Provinz. Der Gemeinderat beschloß, der auf die Stadt entfallenden Betrag in den nächsten Voranschlag einzustellen. Da der untere Teich im B r um nental, der als Triebwasserteich bei der Wasserversorgung dient, schadhafe Stellen aufweist, beschloß der Gemeinderat die Ausbesserung des Teiches, die nach einem Voranschlag des Kultutbauamtes etwa 1800 Mark erfordert. Dem Kaufmann August Röhm wurde vorbehaltlich der Zustimmung der Provinzialdirektion und des Hochbauamtes die Erlaubnis erteilt, eine Tank- anlage am Ausgang der Bismarck- ftrafje aufzustellen, dabei aber drei Meter von der Hauptstraße fernzubleiben. Ebenso erhält er einen 3,25 Meter breiten Streifen längs seiner Hausfront an der Bismarckstraße gegen einen Preis von 4 Mark pro Quadratmeter von der Stadt käuflich überlasten. Der M i l ch a b s a tz g e n os f e n f ch a f t, die seit einiger Zeit im alten Spritzenhaus ihre Milchverteilungsstelle eingerichtet hat, wurde auf Gesuch hin der Wasserpreis auf 22 Pfennig vro Kubikmeter festgesetzt. Eine gründliche Ausbesterung des Daches wurde vorerst zurückgestellt, nur für dringend nötige Arbeiten wurden 40 Mark bewilligt. Der hiesigen Ortsgruppe des Reichsluftschutzbundes wurde für das Rj. 1934 ein Förderbeitrag von 25 Mark bewilligt, ebenso wurden 5 Mark Jahresbeitrag für die Mitgliedschaft der Volks- und Berufsschule im Reichsverband deutscher Jugendherbergen bewilligt. Wegen Uebernahme der Ko st en derFeier- l i ch k e i t e n am 1. Mai in Hohe von 160 Mark erging vorerst noch kein Beschluß, da versucht werden soll, eine Umlegung der Kosten auf andere Weise anzustreben. Der Hitler-Jugend, die um Ueberlassung eines Heimes bat, soll der untere Saal des Rathauses zur Verfügung gestellt werden. Weiter wurde noch beschlossen, im Hofe de» Volksschule etwa 50 Quadratmeter zu pflastern. Auf tragische Weise ums Leben gekommen. * Gettenau (Kreis Büdingen), 12. Juli. Irl unserem Orte ereignete sich gestern ein furchtbarer Unglücksfall, dem leider eine junge Frau zum Opfer fiel. Die 31 Jahre alte Sattlermeisters-Ehefrau Auguste Werner befand sich allein im Hause und war mit Wäschebügeln beschäftigt. Dabei benutzte sie ein elektrisches Bügeleisen. Plötzlich wurde die Frau von einem so ft arten Unwohlsein befallen, daß sie in eine schwere Ohnmacht fiel und lange bewußtlos lag. Das elektrische Bügeleisen hatte aber weiterhin Verbindung mit der Stromzufuhr, es brannte immer weiter und verursachte schließlich einen Zimmerbrand. Das Unglück wurde von den Nachbarsleuten erst bemerkt, als starke Rauchwolken aus der Wohnung herausdrangen. Die herbeieilenden Nachbarn fanden nach ihrem gewaltsamen Eindringen in die Wohnung einen erheblichen Brand vor, von dem die bedauernswerte junge Frau schon so stark erfaßt worden war, daß sie nur mit schweren Brandwunden am ganzen Körper und in starker Bewußtlosigkeit aus dem Bereich der Flammen herausgebracht werden konnte. Die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz in Friedberg brachte die Aermste nach Gießen in die Chirurgische Klinik, wo sie heute in den frühen Morgenstunden ihren schweren Wunden erlegen ift * * Storndorf (Kreis Alsfeld), 12. Juli. Ein Opfer ihrer Kühe wurde hier die Landwirtswitwe Berta Helm. Zwei Kühe der Frau waren auf dem Hofe des Grundstücks wild geworden und gingen mit gesenkten Hornern gegeneinander los, wobei sie sich mit aller Kraft mit den Hörnern bearbeiteten. Die Frau eilte herbei in der Absicht, die kämpfenden Kühe auseinanderzubringen, dabei wurde aber sie selbst von einem der wütenden Tiere angegriffen und mit großer Wucht zu Boden gerannt. Bei dem Anprall des Tieres und dem iähen Sturz trug die bedauernswerte Frau so schwere innere Verletzungen davon, daß sie kurze Zeit nach dem tragischen Unglücksfall verstarb. „Dat is hei---" Das Urbild des Onkel Bräsig. In Frih Reuters 60. Todestag am 12.3uli. Fast alle der wundervoll echten und lebensprallen Figuren, die uns aus Fritz Reuters Erzählerwerk entgegentreten, waren Menschen von Fleisch und Blut. Sie haben mit ihren Fehlern und Tugenden, mit ihren großen und kleinen Menschlichkeiten'wirklich gelebt. Daß sie in Reuters Werk zu höherem Leben auferstehen, das zeugt von dessen Genie der Menschendarstellung ebensosehr wie von seiner Kunst, gerade solche Zeitgenossen zu r-W# WM profilieren, in denen sich die Seele der mecklenburgischen Landschaft am klarsten verkörperte. Wir wissen also, wer Fritz Triddelfitz, wer Zamel Pomuschelskopp, wer Köster Suhr eigentlich gewesen ist, wir kennen die Vorbilder von siebzig und mehr Reuterscher Figuren, aber merkwürdigerweise ist den meisten das Urbild der gewichtigsten Figur noch recht unbekannt: des O n k e l B r ä s i g. Und doch ist er gerade diejenige Gestalt, die Reuter bis in den letzten Winkel Deutschlands, bis tief ln das süddeutsche Sprachgebiet hinein bekannt gemacht hat. Nicht nur, daß Bräsig der Brennpunkt von „Ut mtne Stromtid" ist, nein, er begleitet Fritz Reuters poetisches Schaffen von Anfang an, schon zur Zeit, als dieser noch Redakteur des „Unterhaltungsblattes für beide Mecklenburg und Pommern" war, tritt Ichon der emeritierte Inspektor Bräsig mit der ganzen Breite seiner Person in Erscheinung. Und er sollte kein Mensch von Fleisch und Blut gewesen sein? Es ist schon verständlich, daß man nicht gleich darauf Eojnmt, denn das Urbild von Onkel Bräsig ist nicht einfach irgendwer. Es ist jemand ganz besonderes, der Wert darauf legt, nicht gleich bei der ersten Lektüre erkannt zu werden. Ja, während er Reuters Schaffen von Anfang bis Ende begleitet, ist er auch nicht immer derselbe geblieben. Er hat manches mit durchgemacht, Leid und Freud. Aus einem ungelenken Kauz, der drollige Schnurren in einer absonderlichen Sprechweise vortrügt, wird er im Laufe der Zeit zur Verkörperung tiefsten Humors und menschlicher Güte. Bräsig hat eine Geschichte. Es ist die Geschichte, wie Fritz Reuter aus einem Schnurrenerzähler ein Dichter wurde. Das war im Jahre 1855, um den 7. Mai herum, als Inspektor Bräsig sich zum ersten Male hinsetzt und einen Schreibebrief an Reuter schreibt und noch dazu auf Reuters bestem Konzeptpapier. Aber der Bräsig, den wir heute vor Augen haben, ist es nicht. Der Briefwechsel geht ein Jahr lang, Bräsig sucht witzig zu sein, aber es gelingt ihm nicht immer, die Episoden aus der Begüterung, die er beschreibt, geben nicht viel Humor her. Gelegentlich wohl setzt es ein paar satirische Hiebe auf den Dünkel des Standes, der Bildung und des Besitzes. Alle diese Briefe, die im gleichen Tonfall des „Missingsch", jener Mischung von Hochdeutsch und Platt, gehalten sind, tragen die seltsame Unterschrift: „Ihr dis in den Tod getreuer Bräsig". Das „Unterhaltungsblatt" ging zu Ende und so horten auch Bräsigs Briese auf. Die Gestalt aber mar wenn auch erst ungefüge, gezeichnet und Jteuter muhte sich um ihre Vertiefung. Er nahm sich vor, Bräsigs Memoiren aufzuschreiben, kam aber über das erste Kapitel nicht hinaus, d. h. über die. „erste Pfeife Toback". Der Verfasser der Me- moiren, der Inspektor Bräsig, muß „auf 'ne Ein- ™ng nach stündlicher Verfertigung dieser Ge- chichte verzichten, weil er seine Uhr an den Nef- fen gegeben bat und sich nun „mit Pfeifen Toback durch die Zeltverhältnisse durchschlagen muß, indem daß er des morgens fünf und sechs, nachmittags auch fünf raucht." Auf die berechtigte Frage, wer denn dieser Bräsig nun eigentlich sei und ob er wirklich jemals gelebt habe bekommen wir eine recht kräftige Antwort. Bräsig schreibt nämlich: „Geboren bün ich und zwarsten in der Gänseschlachterzeit, um Martini aus. Sie freute^. sich alle hellschen, als ich als Junge ankam, denn sie hatten geglaubt, ich wäre ein Mädchen, und meine Wäschen (so nannte man dazumalen die Santens) meine Wäschen holte ne Wachtschale un band mir ans eine Ende und ans andere ne fette Gans, denn sie hatten gerade ge= schlacht und hatten keine Pfundgewichte. Und was meinen Sie, ich war mit das Biest parallel, wog also 'n Pundner dreizehn bis vierzehn, schlecht gerechnet. Dies Allens haben sie mich woll man bloß erzählt; aber es steht mich so deutlich vor die Augen, als wär ich dabei gewesen, wollt ich sagen: als hält ichs mit angesehen — wollt ich jagen: als hätt ich einen Verstand davon gehabt/ So, nun wissen wir also, daß Bräsig von Geburt an eine gewichtige Person gewesen ist. Als solche schreitet er auch durch die „Abenteuer des Inspektor Bräsig, von ihm selb st erzähl t". Hier geht es wohl aus Mecklenburg heraus und nach Berlin, aber in die Tiefe vermochte Reuter feine Lieblingsgestalt nicht weiter vorzubringen. Gewiß steht Bräsig schon mehr in seiner späteren Urwüchsigkeit vor uns auf, aber feine berlinischen Abenteuer sind oft noch recht possenhaft und ohne gültigen Humor. Der wahre Bräsig aber schreitet durch die „S t r o m t i d". Das ist kein Kauz mehr, der besonders witzig fein möchte. Sein grundgütiger Humor ift die unmittelbare Ausstrahlung seines Wesens. Da steht ein Kerl, nicht gerade füllig, wenn auch nicht mager, ein Mann, von dem man sehen kann, daß er sich demnächst wird ein Bäuchlein stehen lassen: da steht Bräsig mit bräfigem Gesicht, was so viel bedeutet wie frisch und wohl aussehend. Ein von vielem Leid geläutertes Herz und eine hohe sittliche Denkweise bilden diesen Menschen, der in sich soviel Gemüt und Wärme birgt, daß er jedem etwas zu sagen hat. Wer mag wohl dieser seltene, herrliche Kerl gewesen sein? Reuter hat nie gern über die Urbilder feiner Gestalten gesprochen, aber roem er den Bräsig nachgebildet hat, dieses Geheimnis hätte er am liebsten mit ins Grab genommen. Und man kann das verstehen, wenn man das Rätsel löst. Einmal hat Reuter nämlich doch eine Hilfe zur isomng gegeben. Seine Schwägerin hat es beschrie- ben: „Ich fragte bei einer Gelegenheit meinen Schwager, ob es einen Bräsig in Wirklichkeit gegeben hätte, und unter einem bedeutsamen Blick in bezeichnender Haltung gab er zur Antwort, es 61 J??m f°- Allerdings nannte er keinen Namen, machte auch nicht nähere Andeutungen, was aber aum nicht nötig war, da Blick und Ton das ge- meinte Urbild schon verraten hatten: ihn selb st." Ja, niemand anders als Fritz Reuter selbst war Onkel Bräsig. Die Geschichte der Bräsig-Figur ift Reuters poetische Entwicklung. Vielleicht gab ein anderer Inspektor den Anlaß zu der ersten Skizze, aber dann hatte der Dichter Gefallen an der Figur gefunden und weitete sie so, daß er selbst mit seiner allumfassenden Güte und feinem prachtvollen Humor darin Platz fand. So wie er ungekannt di6 Hauptgestalt in der „Festungstid" bildet, so hat er sich in Person des Bräsig in den Mittelpunkt der „Stromtid" gestellt. Sein feines Taktgefühl verwehrte es, daß er dabei in Ichform sprach und daß er ferner jemals die Identität von Bräsig und Reuter öffentlich zugegeben hätte. Dem Kundigen jedoch sind einige Schlüssel in feinem Werke bekannt, die diese Identität bezeugen. Da ist einmal das Aeußere schon; Bräsigs Beschreibung wirkt wie eine gelinde Selbstkarikatur des Dichters, der übrigens wie Bräsig „um dis Gänseschlachterzeit", nämlich am siebten November geboren ist. Bräsigs Freunde in Rahnstädt, das sind Reuters Freunde in Stavenhagen. Diele -Erlebnisse Reuters tauchen in Bräsigs Munde wieder auf; so erzählt dieser, was jenem in der Kaltwasserheilanstalt widerfahren ist; ebenso viele Enttäuschungen in der Liebe wie Bräsig hat auch Reuter durchmachen müssen, nämlich deren drei. Der eigenartigste Hinweis aber liegt in den Schlußworten der „Stromtid" selbst. Da nimmt Fritz Triddelfitz Fritz Reuter beiseite und fragt ihn, wer ihm denn jene Geschichte für seine „ollen verfluchten Bücher" erzählt habe. — „Bräsig" antwortet Reuter — „Seram ick mi dacht", sagt Fritz Triddelfitz, „Bräsig is de Hauptperson in de ganze Geschieht." — Reuter antwortet darauf vielsagend: „D a t is hei ..." Sochschulnachnchten. Ernst Wahle, der nichtplanmäßige ■i°ufUr Frühgeschichte an der Heidelberger mnrh.J OT„'fVUmmPlanmä6i9en Professor ernannt morben. An den Promnzialmuseen in Heidelberg, Än “n6 6°nn°°er erhielt Wahle seine praktische ^bildung m vorgeschichtlicher Denkmalpflege, st°n , p°t-r im Dienste der vorgeschichtlichen Denk- Ä«e 'n Baden. - Dr. Ernst Jäger ist als Prosektor am Pathologischen Institut der Universi- A aP9ejteUt worden. — Der Privatdozent £ ' ö ?..tf « Hamburg, erhielt ihren Ruf auf JUr Physikalisch- Chemie an der Uni. Betrat Hamburg als Nachfolger von Professor Vraune Neffe und Siändewoche in Vutzbach der d e u t- rauen- Nachdruck verboten! 2 Sortierung. des eine und nuten Saalüberblick gewährte, Platz _______ suzinfoihinn hotanb fid) Sani' : Geheimrätin, Heinz Wolterstorff bat um diesen Tanz, und Hilda hing sich mit Freuden in seinen Arm. Mancher bewundernde Blick folgte dem stattlichen Paar, und vielfach wurde an den Tischen das Erstaunen laut, daß aus ihm nicht längst ein Ehepaar geworden sei. Heinz Wolterstorff galt allgemein als der prädestinierte Schwiegersohn der Geheimrätin Geyerling. Ms vor kurzem wenigstens. Neuerdings sollte ja ein anderer Hahn im Korbe sein... Wolterstorff führte seine Tänzerin elegant und gewandt über das Parkett, und bei herrlichem Dreivierteltakt bewegten sich beide in süßem, wiegendem Rhythmus. Wonnig dünkte ihn der Augenblick, und er hoffte, das Orchester würde mit seinem Spiel nimmer Hauptversammlung der Vuhbach-Licher Eisenbahn AG enden. Seine Augen lagen auf dem strahlenden Antl.z des Mädchens, das sich ganz der Seligkeit Tanzens hinzugeben schien. Auf dem „Ball der Ingenieure" sah man bekannte Persönlichkeiten aus allen Lagern und hörte man die Namen nicht nur angesehener Techniker und ütÄ»" S. ‘»&Ä t* auf Waaen vor. Immer neue Gaste strömten in die hell erleuchtete Vorhalle, in der sich die Garderoben Frau"'Geheimrat Geyerling mit Tochter und Nichte war bereits eingetroffen: sie hatten m einer sXl“ae iÄrquten Saalüberblick gewährte, Platz genommen. W ihrer Begleitung befand sich Sani- infcirrtt Tir • fc'rnufe der Bruder der (_ ein Einspänner, ein Junggeselle, der sich aber m der Rolle des Anstandswauwaus, als den er sich lachend bezeichnete, allem Anschein nach außerordentlich wohl fühlte. Weiterhin sprach Kreisleiter der NS.-Hago Pg. Dillenburger. Er führte aus, daß National- sozialist sein heiße Bundesgenosse sein. Die Urzelle, von welcher der Gedanke des Nationalsozialismus hinausgetragen werden müsse, sei die Familie. Hier sei das gegebene Feld, den Geist des Nationalsozialismus in die Jugend zu pflanzen. Er nahm dann Bezug auf die Nachkriegszeit und die schweren Kämpfe, die Hitler und seine Getreuen zu bestehen gehabt, gedachte der in diesem Kampfe Gefallenen, deren Gedächtnis durch eine Minute des Schweigens geehrt wurde. Zum Schlüsse verglich er die Bewegung mit einem Bäumchen, das langsam wachsen und Früchte tragen müsse, dazu gehöre Zeit, und Hitler habe ja nur vier Jahre Zeit dafür verlangt. . Dann folgte eine Aufführung des Grenz- ' landspiels : „Deutschland — Mutter - ■ land" von W. Jansen und C. Streckenbach, das die Leiden der Grenzlandbewohner, aber auch die angestammte Verbundenheit und Treue zum Vaterland schildert. Nach dieser Aufführung fand eine Kaffeepause statt, die umrahmt wurde durch Kinderreigen und Tänze, sowie Chorgesang der Butzbacher Frauenschaft. Den Schluß der Veranstaltung bildete die ZweiMimer und Hilda Vornan von Hermann W. Walber. Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme.-Verlag, Halle (S.) ausgezeichneten Leistungen einen silbernen Pokal und ein Diplom erhielt. Am Abend unterhielt der BDM. mit Reigen und turnerischen Darbietungen. * Nieder-Ohmen, 11. Juli. Einem langgehegten Wunsche unsrer Einwohner hat die Reichsbahn durch die Ausgabe von Sonntagskarten von Nieder-Ohmen nach Alsfeld seit einiger Zeit in erfreulicher Weise Rechnung getragen. Nunmehr hat man Gelegenheit, von hier aus unsere Kreisstadt mit Sonntagsrückfahrkarte zum Preise von 1,50 RM. zu besuchen. — Heute vormittag stießen hier am Hauptbahnübergang zwei Kraftfahrzeuge zusammen, die beide erheblichen Schaden erlitten. Ein im gleichen Augenblick entgegenkommender Radler konnte den Fahrzeugen nicht mehr ausweichen und wurde verletzt, während das Rad vollständig zertrümmert wurde. Allmählich füllten sich die Räume. Es schien, als habe jeder der Gäste frohe Stimmung mitgebracht. Das war überall ein herzliches Begrüßen, em Lachen reiner Freude, ein zwanglos munteres Geplauder, ein fröhliches Zutrinken. Das Dunkel des Anzugs der Herren, das blendende Weiß ihrer Wäsche stand in feierlichem Kontrast zu dem Bunt der Damenkleider, den leuchtenden Rücken und Armen der Frauen und Mädchen, und doch bildete alles eine einzige, gut abgestimmte Harmonie festlichen, vornehm-schönen Gepräges. Mit einiger Verspätung kam Heinz Wolterstorff. Langsam schritt er durch den riesigen lichterfüllten Saal und spähte scharf nach derjenigen aus, die für ihn alleiniger Anziehungspunkt war. Aus dem Bekanntenkreise wurde er mehrfach angerufen. Er erwiderte die Grüße mehr zerstreut als bewußt. Dann aber schlug ihm ein Freund, ein Bundesbruder, lachend auf die Schultern und sagte zu ihm mit listigem Augenzwinkern: „Zur Loge mußt du deine Schritte lenken!", und da erst entdeckte er die Geyerlings, die ihm freudig zuwinkten, als er sich ihrem Tische näherte. Die Geheimrätin bewillkommnete ihren Direktor herzlichst und lud ihn zum Platznehmen ein — eine Einladung, der er willig Folge leistete, nachdem er die übrige Tischgesellschaft begrüßt hatte. Unbefangen und lieblich in ihrer natürlichen Herzlichkeit gab ihm Hilda Geyerling die Hand, auf die er einen Handkuß drückte, für eine Sekunde vielleicht länger, als ihm schicklich schien. Daß er dabei leicht errötete, dessen wurde er sich kaum bewußt. Bald herrschte eine allgemeine Unterhaltung, die den Stempel ungezwungener Herzlichkeit trug- Hilda und Liesgreta konnten sich gar nicht.genug tun im Fragen nach dem Namen solcher Manner, deren Köpfe ihnen im Gewühl drunten im Saale Die Frau hatte sich schnell gefaßt. Sie wischte sich mit einem Tuch über die Augen, legte schnell etwas Puder auf und ging ihren Gästen entgegen, die sich allmählich recht zahlreich wie an so manchen Abenden einfanden. Als Hans von Kirchhofen in das Nebenzimmer trat, das wegen feiner Größe und Ausstattung viel mehr ein Saal war, klangen aus dessen Hintergrund gedämpfte Jazztöne. Frauen, junge und alte, hübsche und weniger hübsche, alle in berückenden Kleidern, denen kostbare Parfüms entströmten, Männer, im Frack oder Smoking, elegante und blasierte, mehr ältere als jüngere — dies war das Milieu, das sehr bald die Räume der Mya Körber mit lautem, lachendem Leben erfüllte. Das Ziel aller dieser Menschen war das Spiel, das, ehe eine Stunde verstrich, in vollem Gange war. Die Gastgeberin stellte mit Genugtuung fest, daß Hans von Kirchhofen nicht weggegangen war. Er benahm sich im Gegenteil als der fröhlichste und eifrigste von allen, im Tanz und beim Spiel. Und sie ahnte nicht, daß es für ihn eine ausgemachte Sache war, nach dieser Nacht Mya Körbers Haus nie wieder zu betreten. Nur einmal noch wollte er den Atem der Lebewelt genießen, zum letzten Male sich als — Falsch- spieler betätigen. — . Als der Spielbetrieb noch tn vollem Gange war, verließ Hans von Kirchhofen den Spielklub, ohne sich von Mya zu verabschieden. Landkreis Gleken. * Daubringen, 12. Juli. Das Amt des hiesigen Bürgermeisters wurde Adam Stein von hier als kommissarischem Bürgermeister übertragen. »Geilshausen, 12.Juli. Zum kommissarischen Bürgermeister unseres Ortes ist der Ortsgruppenleiter Seipp bestellt worden. * Lumda, 12. Juli. Unser Mitbürger Eduard Schultheiß wurde zum kommissarischen Bürgermeister unseres Ortes bestellt. Kreis Schotten. # Aus bem Vogelsberg, 11. Juli. Die Futtermittelknappheit nimmt immer bedenklichere Formen an. Seither halfen sich nur einige Bauern mit Heckenlaub als Vieh- futter, j efct aber greifen immer mehr Viehbesitzer nach diesem Notbehelf. Das Weidetreiben h kann das Vieh nicht mehr sättigen. Verschiedentlich ", mußte zu Notverkäufen von Vieh geschrit- ten werden. Durch die anhaltende Trockenheit wird die Kartoffelernte in Frage gestellt. Kreis Büdingen. —Aus dem Niddatal, 10. Juli. Der Ertrag der Apfelbäume in diesem Jahre muß weit geringer eingeschätzt werden als dies vor Wochen geschah. Obwohl sie fast ausnahmslos überreichlich in Blüte standen und gut durch diese Zeit kamen, trifft man heute sehr viele Bäume, die vollständig leer sind. Die meisten Bäume sind schwach behangen, und nur vereinzelt trifft man Bäume, die einen vollen Ertrag liefern. Der Ausfall dürfte auf die lang anhaltende Trockenheit zurückzuführen sein. — Auf hochgelegenen Siedern hat man bereits mit dem Schnitt von Korn und Ger st e begonnen. Die allgemeine Fruchternte wird sich bald anschließen, da das Ge- 2 B u tz b a ch, 11. Juli Die Butzbach-Licher- Eisenbahn-AG. hielt heute hier unter dem Vorsitz von Direktor Dr. Stephan (Berlin) ihre diesjährige ordentliche Hauptversammlung ab. In der vorangegangenen Aufsichtsratssitzung wurde im ersten Viertel dieses Jahres eine leichte Besserung der Inanspruchnahme der Eisenbahn und Kraftwagen festgestellt. Der ordentlichen Hauptversammlung im „Hessischen Hof" wohnten als Vertreter der Aufsichtsbehörde Regierungsrat Grein vom Kreisamt Gießen und Kreisdirektor Dr. Straub vom Kreis- amt Friedberg, als Vertreter der beteiligten Gemeinden die Bürgermeister Dr. Scheller (Butzbach), Hch. Gerlach X. (Eberstadt), Heß (Münster) und Bock (Gambach) bei. Aus dem Geschäftsbericht war zu entnehmen, daß zwecks Aufrechterhaltung des Bahnbetriebes der Erlaß der Zinsen auf die Teilschuldverschreibungen, die Hinausschiebung der Rückzahlung der Teilschuldverschreibungen und der Erlaß bzw. die Stundung der Gemeindesteuern im gleichen Ausmaß wie bei den hessischen Staatssteuern bis zum 30. Juni 1935 fortbesteht. Die Einnahmen irn Eisenbahnbetrieb weifen einschl. der erlassenen Beförderungssteuern infolge ftärferer Verfrachtungen einen geringen Zuwachs (5,4 v. H.) gegenüber dem Vorjahre auf, während die Ausgaben gleichzeitig um 7,8 v. H. gesenkt werden konnten. Es ergibt sich dadurch ein höherer Uebers ch u ß , der fast zu einem Viertel durch den V e r l u st im Kraftwagenbetrieb, der sich gegenül r dem Vorjahre um 9,7 v. H. erhöht hat, aufgezehrt wird. Einnahmen stehen somit 202 174,86 Mark Ausgaben gegenüber, so daß ein Ueberschuß von 25 171,34 Mark verbleibt. Die Jahresbilanz weist ein Anlagevermögen (Bahnanlagen usw.) in Höhe von 4 996 234,10 Mark, ein Umlaufsoermögen (Stoffoorräte) von 18 837 31 Mark und dem Verlustvortrag von 1932 mit 98 318 Mark, insgesamt 5113 389,41 Mark Aktiven auf, denen Passiven in gleich hohem Betrag gegenüberstehen, darunter u. a. 1756 000 Mark Grundkapital, 923129,23 Mark gesetzlicher Reservefonds, Verbindlichkeiten in Höhe von 384 685,90 Mk. (darunter Anleihe mit 222 300 Mk.) und ein Staatszuschuß in Höhe von 1 301 216,41 Mk. Die Gewinn- und Verlustrechnung schließt in Aufwendungen und Erträgen mit 339 304,20 Mark ab. Bei den Aufwendungen sind bestehenden Verbindung in der Mittagszeit, sowie eine Sonntagsverbindung. Gleichzeitig wurde angeregt, die Fahrpreise einer Nachprüfung mit der Absicht einer evtl. Ermäßigung zu unterziehen. Dabei wurde auf die billigere Reichspost verwiesen. Pfarrer Nies (Ettingshausen) betonte demgegenüber die unzureichende Benutzung der Bahn, auch Regierungsbaumeister a. D.N o a ck (Berlin) wies einen in den letzten Jahren eingetretenen Verkehrsrückgang nach. Der Vertreter der Aufsichtsbehörde, Regierungsrat Grein (Gießen), fetzte sich warm für die Berücksichtigung der von Bürgermeister Heß geäußerten Wünsche ein und brachte zum Ausdruck, daß man versuchsweise wenigstens am Sonntag diesen Gemeinden die Gelegenheit zur Fahrt geben solle, auch wenn es nur Je weiter die Stunden verrannen, um so heiterer gestaltete sich Spiel und Sang und Tanz Heinz Wolterstorff tanzte mit Liesgreta, auch noch einmal mit Hilda, vermied es dann aber, sie zum Tanze zu holen, nachdem er gemerkt hatte, daß ihre Augen dem anderen folgten, als er mit der Kusine sich an ihnen oorbeiroiegte. Der junge Direktor, dem das Fest verekelt war, wollte indessen das Feld nicht ohne weiteres räumen, schon um den lieben Mitmenschen keinen Gesprächsstoff zu bieten. Er hätte dabei ganz sicher keine gute Rolle gespielt. Und so widmete er sich denn, mehr als ihm zuträglich war, dem guten Sekt, den der Sanitätsrat auffahren tiefe. Die Geheimrätin mochte ahnen, was in seiner Brust vor sich ging. Jawohl, sie roufete um Wolters- torff stille Hoffnung, und niemand wäre ihr lieber gewesen als Schwiegersohn. Aber hatte er sich sein Liebesungluck nicht selber zuzuschreiben? _ Warum wartete er, so fragte sich die alte Dame mit dem Ausdruck des Mitleids, mit der offenen Werbung so lange, bis es nunmehr zu spät war?! Denn es schien ihr tatsächlich zu spät. Mutteraugen sehen scharf. Sie beobachtete ihr Kind schon den ganzen Abend und sah die Glückseligkeit in den Augen, jene Glückseligkeit, die aus wahrer, echter Liebe geboren wird. Und daß ihrer Hilda Herzerkorener dieser Herr von Kirchhosen war, sah jeder, der sehen konnte und wollte. Sollte sie etwa einschreiten? Durfte sie es? Des Kindes Glück ging ihr über alles. War gegen den neuen Freier etwas einzuwenden? Nicht, daß sie wüßte! Und das mußte der Neid ihm lassen: Er war em hübscher Kerl, gut angezogen, und die Liebe strahlte ihm aus den Augen. Ein bißchen weniger stürmisch durfte er ja vorgehen! Aber, Gott ja!, seufzte sie erinnerungsschwer, hatte ihr guter, lieber Mann sie damals nicht mit genau derselben, glutvollen Liebe überfallen? Und welch ein stilles und reiches Eheglück war ihnen beschieden! f Jedenfalls aber ging Herr von Kirchhofen nicht über die Grenze des Schicklichen hinaus. Das konnte niemand behaupten Infolgedessen... Hans von Kirchhofen tanzte mit Hilde. Welch und zärtlich schmiegte sich ihr Körper an den seinen. Weltentrückt blickten des Mädchens Augen in das Lichtergefunkel des Saals, während auf dem Ant- lih des Partners ein leises Lächeln triumphierender Freude lag. Blonde Hüarkringel streiften ihn. Zart- lich und freudezitternd erwiderte sie den warmen Druck feiner Hand. Die letzten Akkorde des Tanzes verklangen. Die Paare lösten sich und drängten auf die Platze zurück. „Führen Sie mich bitte etwas an die frische Lust, Herr von Kirchhofen!" Fortsetzung folgt.) „Ich sehe, daß ich leider zu spät gekommen bin — ich wurde geschäftlich abgehalten", wandte er sich an Hilda Geyerling, die bei feinem plötzlichen Erscheinen sanft errötet war, jetzt sich aber wieder beherrscht zeigte und leise erwiderte: „Der Abend ist ja noch lang, Herr von Kirchhofen, und da kann Versäumtes leicht nachgeholt werden." Freunde traten herbei zur Bearüßung. Auch Heinz Wolterstorff mußte sich höflichkeitshalber an der allgemeinen Unterhaltung beteiligen. Dabei wirbelten fortgesetzt andere Gedanken in seinem Kopf umher. Schlimm, daß er fo zusehen mußte wie der Blender seine Fangarme nach Hilda ausstreckte und da» Mädchen völlig in seinen Bann geriet Aufwühlend wirkte die aufsteigende starke Eifersucht in seinem Innern.. Er sah ein, daß seine Taktik der Werbuna verkehrt war. So kam er sein Lebtag nicht ans Ziel. Und er wurde sich klar, daß er anderntags bei der Geheimrätin versprechen und sie um die Hand der Tochter bitten wollte. Ob der Gatte ihr seinerzeit wohl von seinem Geständnis und seinen Absichten etwas erzählt haben mochte? Die Loge der Geyerlings blieb an dem Festabend einer der Mittelpunkte. Man kam gern zu der alten Dame und ihrer lustigen Begleitung, um die Zeit zu verplaudern. In wirkungsvollem Wirbel wickelte sich inzwischen das Programm ab. Ernste Konzertstücke wechselten mit Tanzeinlagen und Darbietungen erster Bühnen- träfte ab. im Sommer sei. . Direktor Stephan erklärte an Hand reichlichen Zahlenmaterials, es sei vorläufig unmöglich, diese Wünsche zu erfüllen und verwies auf die auch anderwärts fehlgeschlagenen Versuche der rund 100 Kleinbahnen betreuenden Verkehrs-AH. Der Verkehr sei auf allen Bahnen seit 1928 um 50 v. H. zurückgegangen. Bürgermeister Görlach brachte die schon früher geäußerten Wünsche einer Stichfahrt für E b e r - ft a d t vor und führte aus, daß durch die bessere Postomnibusverbindung nach Gießen sich der Verkehr seiner Gemeinde von Butzbach nach Gießen verlagert habe. In der Aussprache wurde zum Ausdruck gebracht, daß es einen sozialen Ausgleich im Sinne der heutigen Regierung bedeuten würde, wenn nicht nur jeder, der zur Benutzung der Bahn in der Lage ist, sondern auch der gesunde Mensch, der heute lieber das Fahrrad benutze, durch reichlichere Inanspruchnahme der Kleinbahn den wirtschaftlich schwächeren und auch den kranken Volksgenossen gegenüber einige Rücksicht beweisen würde. Eine stärkere Inanspruchnahme der Bahn würde nicht nur zu besseren Verbindungen, sondern auch zu einigen Fahrpreisermäßigungen führen können, so daß dadurch nicht nur den einzelnen, sondern auch den beteiligten Gemeinden geholfen wäre. In der anschließenden Aufsichtsratssitzung wurden der 1. Vorsitzende des Aufsichtsrates, Direktor Dr. Stephan (Berlin) und dessen Stellvertreter Oeko- nomierat Hoffmann (Hof-Güll) einstimmig wie- dergewählt. Direktor Dr. Stephan sagte feinem Stellvertreter, der nunmehr 30 Jahre dem Aufsichtsrat angehört und der einzige noch lebende Gründer der Gesellschaft ist, besonderen Dank für seine steten Anregungen und Mithilfe während dieser langen Zeit. die persönlichen Ausgaben (Löhne, soziale Abgaben) mit 109 591,50 Mk., die sachlichen Ausgaben (für Unterhaltungen und Ergänzungen der Ausstattungs- aegenstände, der Anlagen und Fahrzeuge) mit zusammen 92 583,36 Mk., der Zuschuß im Kraftwagenverkehr mit 8425,31 Mk., die Zuweisung an den Erneuerungsfonds mit 30 386,03 Mk. und der Derlust- oortrag aus 1932 mit 98 318 Mk. ausgewiesen. Die Erträge setzten sich aus Betriebseinnahmen aus dem Personen- und Gepäckverkehr in Höhe von 44 223,98 Mark, aus dem Güterverkehr mit 167 925,63 Mark, aus sonstigen Einnahmen mit 15 196,59 Mark, zusammen 227 346,20 Mk., aus außerordentlichen Zuwendungen in Höhe von 13 640 Mark und dem Derlustvortrag aus 1932 mit 98 318 Mark zusam- menn. Mithin hat der V e r l u st v o r t r a g keine Erhöhung erfahren. Geschäftsbericht, Jahresbilanz, Gewinn- und Verlustrechnung für 1933 wurden ohne Widerspruch angenommen und dem Vorstand und Aufsichtsrat Entlastung erteilt. Aus dem Auffichtsrat find Beigeordneter Kaspar Smidt (Butzbach), sowie durch Los Regierungsbaumeister a. D. Walter Hübner (Berlin) ausge» schieden. Regierungsbaumeister a. D. Hübner (Berlin) wurde wieder-, Bürgermeister Dr. Scheller (Butzbach) neu in den Aufsichtsrat gewählt. Derkehrswünsche. Bürgermeister Heß (Münster) brachte Verkehrswünsche der Gemeinden der oberen Strecke L i ch — Grünberg vor, die im Ver- hältnis zu den Gemeinden der unteren Strecke unzureichend berücksichtigt seien. Gewünscht werden ein Morgen- und ein Abendzug zu der jetzt Der Rest ist dem Erneuerungsfonds zu- gewiefen worden, doch bleibt hier an der vorgeschriebenen Einlage für das Jahr 1933 noch ein Betrag von rund 2400 Mark und insgesamt 73 000 Mark r ü ck st ä n d i g. Daran, wie an der wegen Mangels an Mitteln unterbliebenen Unterhaltung der Bahnanlage und der Bahnausrüstung, wobei der im Jahre 1929 mit 75 185 Mark ausgewiesene Vorrätebestand im Laufe der Jahre bis auf den Rest von rund 18 000 Mark aufgebraucht wurde, ist die außerordentliche Notlage des Unternehmens zu erkennen. Das Anschlußgleis der norm. Basaltwerke Gießen auf Bahnhof Queckborn ist ausgebaut worden. . Die Betriebsleistungen der 57,05 Kilometer langen Bahn weifen insgesamt 117 183 Lokomotivkilometer und 461689 Güterwagenachskilometer auf. Insgesamt wurden 146 389 Personen befördert. Die Gepäckbeförderung betrug 5669 Kilogramm, die Güterbeförderung (einschl. Tiere) 130 583 Tonnen. Die Betriebseinnahmen aus dem Personen- und Gepäckverkehr betrugen 44 223,98 Mark, aus dem Güterverkehr 167 925,63 Mk., sonstige 15 196,59 Mark, zusammen 227,346,20 Mark. Die Betriebsausgaben beziffern sich auf insgesamt 202 174,86 Mark, darunter rund 70 000 Mark für Besoldung und Gehälter, 44 480 Mk. für Unterhaltung und Ergänzung der Ausstattungsgegenstände, sowie für Betriebsstoffe, 11 750,56 Mark für Erneuerung der baulichen Anlagen, rund 8000 Mark für Erhaltung und Ergänzung der Fahrzeuge. Den 227 346,20 Mk. pb. Butzbach, 10. Juli. Arn „Tag der scheu 5) aus fr a u", der von der N S. - F schäft Butzbachs veranstaltet wurde, fand vormittags am Bahnhof Begrüßungsempfang der auswärtigen Frauenhaften statt, worauf diese in geschlossenem Zug unter Vorantritt unserer Musikkapelle zum Marktplatz zogen. Don hier aus erfolgte Besuch der Braunen Messe, der Färberei Braubach & Fischer, des Museums usw. Am Nachmittag fand in Der Festhalle eine große Kundgebung statt, die von der Führerin der hiesigen Ortsgruppe, Frau Zick, eröffnet wurde. Dann sprach Pg. Krau Brinkhoff. Sie nahm Bezug auf einen Ausspruch von Dr. Goebbels, der besagt, daß es einem Nationalsozialisten nur wohl sei, wenn er kämpfen könne, und warf dann in längeren Ausführungen einen Rückblick auf die bisherigen Jahre des Kampfes. Wer heute glaube, dieser Kampf, der von der Hausfrau in der Familie ausgekämpft worden sei, wäre zu Ende, der irre sich. Nach wie vor müsse die Hausfrau ihre ganze Kraft einsetzen, um das vom Führer gesteckte Ziel zu erreichen. Diesem Zweck diene auch die Braune Messe, deren Ziel sei, aufklärend zu wirken und beizutragen zum Aufbau und Vorwärtsschreiten des deutschen Volkes. Wolterstorff erwies sich als sehr beschlagen und diente gern mit Auskunft. , hil> Beim Erzählen aber beobachtete er heimlich die Geliebte, der er jetzt lieber benn.jei bie Gewalt seiner Gefühle zum Ausdruck gebracht haue. , War es nicht mitunter, als sei sie gar nicht bet 3mrner wieder gingen ihre Blicke nach dem Saab Der ^Gedanke schmerzte ihn tief, bafeet: für fie nichts anderes fein könnte, als der Freund ihrer Eltern, der Fabrikdirektor, zu dem man freunbl d) sein mußte, so gewissermaßen aus Tradition heraus. Ob sie noch jemanden vermißte? Vielleicht gar, daß sie auf diesen Kirchhofen Walzerklänge rauschten durch die hohe Flügeltür aus dem Nebensaal. treibe unter dem Einfluß der senkenden Sonne zusehends zur Reife kommt. — Die Himbeeren sind in diesem Jahre ausgezeichnet geraten und werden von jung und alt eifrig gepflückt. * Fauerbach, 11. Juli. Hier erlitt der 40 Jahre alte Sattlermeister und Landwirt Albert S p e n g- l e r heute bei der Arbeit fo schwere Schnitt- Verletzungen an der linken Hand, daß er sich zur Behandlung nach der Chirurgischen Klinik in Gießen begeben mußte. Kreis Alsield. Wieder am Platze angelangt, harrte seiner arge Enttäuschung. Zu gleicher Zeit mit ihm seiner Partnerin trat an ihren Tisch Herr von Kirchhofen, elegant wie immer, höflich die Frau Geheimrätin und ihren Bruder begrüßend, um sich dann mit einem gewinnenden Lächeln den jungen Damen und Direktor Wolterstorff zuzuwenden. N. Flensungen, 11. Juli. Die NS.- Gemeinschaft „Kraft durch Freude" veranstaltete am vergangenen Sonntag auf dem hie- igen Sportplatz ein Sport fest. Es gelangten ver- chiedene Fußballwettspiele zum Austrag, an denen ich auch der Arbeitsdienst Burg-Gemünden beteiligte. Den ersten Preis im Turnier errang die Mannschaft von Mücke-Flensungen, die für ihre j Pflicht. 24 bis 1: Nachtmusik. SJ.-fporrf Preußen Um den beim Rhönturnfest beteiligten Turnern Spielvereinigung 1900 Kurze Sportnotizen. n eh‘ b B° hnmeisterfchaf. ?äl". d e "y hat jetzt William I. Tilden aus der Strafanstalt, in der er wegen desselben Deliktes 3 Jahre Gefängnis verbüßte, entlassen, aber seit 25. Februar 1934 wurde er wieder straffällig. Das Gericht erkannte auf eine Zuchthaus- strafe von 2 Jahren 3 Monaten 2 W o - Jen, 5 Jahren Ehrverlust und ordnete die Sicherungsverwahrung an. Der Anklagevertreter hatte 3 Jahre Zuchthaus, 3 Jahre Ehrverlust und Sicherungsverwahrung beantragt. 14.30: Nachrichten. 14.40: Stunde der Frau. 15.35 Wirtschaftsbericht. 16: Nachmittagskonzert. 17.30 Müttenschulung im NS.-Frauenwerk. Warum und wie? Ein Zwiegespräch zwischen Emma Diehl und Minni Metzker, Frankfurt a. M. 17.45: Kleine Un terhaltung. 18: Stunde der Jugend. 18.25: „lieber die neue planmäßige Verteilung der Arbeitsplätze" Ein Gespräch mit dem Direktor des Arbeitsamtes Frankfurt a. M., Regierungsrat E. Minzenmay Frankfurt a. M. 18.50: Griff ins Heute. 19: Grenz städte II: Zweibrücken, Saarburg, Bitburg, Prüm. 20: Reichssendung: Politischer Kurzbericht. 20.15. Stunde der Nation: Eine Nacht im Königsberger Blutgericht. 20.45: Am unteren Hafen, lyrisches Drama in 3 Akten. 22.20: Nachrichten. 22.35: Funkbericht zum Nürburgrennen. 22.45: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 23: Dom Schicksal des deutschen Geistes: „Friedrich und Katte". Die Geburt der mung gewaltig. Beim gemeinsamen Mittagessen im „Hessischen Hof" erschien Professor Dr. Werner, Am Samstag: zwei deutsche Rudersiege in Henley, am Sonntag: Zehnkampf-Weltrekord von Sie- vert. Mit dieser Bilanz kann der deutsche Sport mehr als zufrieden sein. Noi-dheffens Schwimmeisterschaften verschoben. von 8462,230 Punkten weiter gültig. Dieser Leistung hat aber Sievert nunmehr gründlich den Garaus gemacht. Sievert erreichte diesmal 8790,46 Punkte und übertraf den Amerikaner damit um 328 Punkte. Sieverts Einzellei ft ungen waren: 100 Meter: 11,1, Weitsprung: 7,48 Meter, Kugelstoßen: 15,31 Meter, Hochsprung: 1,80 Meter, 400 Meter: 52,2 Sek., Diskus: 47,23 Meter, 110 Steter Hürden: 15,8 Sek., Stabhochsprung: 3,43 Meter, Speerwerfen: 58,32 Meter, 1500 Meter- 4:58,8. ?u g e I Luh (VfB. ärreis Wetzlar. 8 Krofdorf, 11. Juli. In der jüngsten Gemeinderatssitzung wurden die C h a u s s i e - Meyer Danz (Hessen-Preußen Kassel)""s0(/ M e ter: Danz (Hessen-Preußen), Rieß (Kasseler Turn- nown’*' 1 c A 0 Meter: Wilhelm (Hessen-Preu- Becht (Marburg), 5000 Meter: Walpert (Hessen-Preußen), Tennigkeit (Marburg), 110 m C r x $ ™ ö e n : Mergardt, Knappe (Hessen- Hn>eUten \ ® e p r u n 9 : Großfengels, Bock P °\ P r V 9 ' Lemmnitz, Temme (Hessen-Preußen), Dreisprung: Mergardt, Ker- """ Stabhochsprung: Rundfunkprogramm. Freitag, 13. Juli. 5.50 Uhr: Gymnastik I. 6.15: Gymnastik II. 6.40: Frühmeldungen. 6.55: Frühkonzert. 8.20 bis 8.40: Gymnastik. 9.25: Werbekonzert. 9.45: Eigene Sendung. 10: ^cachrichten. 11.50; Sozialdienst. 12: Mittagskonzert I. 13: Nachrichten, Saardienst. 13.10: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.20: Mittagskonzert II. 13.50: Nachrichten. 14: Mittagskonzert III. diger Trippler (Groß-Rechtenbach) sprach das : Schlußwort. Darbietungen des Gemischten Chores und des Posaunenchores umrahmten die Feier, die , einen schönen Verlauf nahm. T Waldgirmes, 10. Juli. Die Wintergerste ist gut geerntet, der Kornschnitt hat begonnen. Nach dem Gewicht der Aehren zu schließen, bringt der Hausten mehr als 80 Pfund Körner. Da nach dem letzten Regen sich fast sämtliches Korn gelegt hat, muß fast alles mit Sense und Sichel abgemacht werden. — Heute feiern die Eheleute Fleischbeschauer i. R. Heinrich R ander III. ihre goldene Hochzeit. .tircie Marburg. _ LPD. Marburg, 11. Juli. Der neunjährige Sohn eines Landwirts aus Reddehausen (ftreis Marburg) erhielt, als er auf der Landstraße von dem Fuhrwerk seines Vaters absprang, von dem scheuenden Pferd einen wuchtigen Hufschlag gegen Öen Kopf. Man brachte den Jungen, der einen schweren Schädelbruch davon- trug in hoffnungslosem Z u st a n d in die Marburger Klinik. Aus Der Strafanstalt ausgebrochen. LPD. Frankfurt a. M., 11. Juli. In der Nacht zum Montag flüchtete der Sträfling Josef Goldenberg aus der Strafanstalt Frankfurt-Preungesheim. Goldenberg, der polnischer Staatsangehörigkeit ist, hatte noch eine Strafe bis zum 17. Juni 1936 zu verbüßen und sollte danach in Sicherungsverwahrung genommen werden. Der Flüchtling hatte sich auf ungeklärte Weise eine Säge verschafft, mit der er das Gitter seines Z e I, e n , e n st - r s durch sagte. Die Nachforschungen sind bis jetzt ergebnislos verlaufen. Ein Verschulden der Beamten der Strafanstalten kommt keinesfalls in Frage. Auch Kleingärtner und Kleinsiedler ' r;, .* * v xuiuiam -L. xuoen U5merfen bro*,p ~ .....- s°n°rie„n; ein ktrag, d7?allerMngs"e?heblkch g" w't Summe °5 ble ^"erzeit an Vines gezahlte helfen den „Tag der deutschen Rosen" zum Erfolg zu fuhren. Die Vereine werden einer Anordnung öer Stadtgruppe gemäß Garten- und Rosenfeste veranstalten. Am Samstag, 14., und zum Teil auch am Sonntag, 15. Juli, werden die Kleingärtner mit Tau,enden von Lampions die Gärten beleuchten Die Kleingärtner werden darüber hinaus sich aktiv an dem Hilfswerk „Mutter und Kind" betätigen nöem sie Rosen aus ihren Gärten zur Verfügung stellen. Der „Tag der deutschen Rose" wird so zugleich eine große Werbung für den deutschen Kleingartenbau werden. Rosenfeste der Kleingärtner werden m allen größeren Städten stattfinden Werken anwesender hessischer Dichter und Schrift- I steller. Lebende Bilder aus der Geschichte Butzbachs lösten Beifallsstürme aus. Kammermusik und Schülerchor gaben den Rahmen für den Festabend. Diskuswerfen brachte es Kilo nur auf 40 15 Me^ hier Großfengels, Marburg, blu 42,87 Meter. Altmeister Junghenn wurde mit der, Summe. Leistung von 37,90 Dritter. 1 - bxn ™ C n konnte Frl. D i e h l im Weit- Fellchner in 12,8 Sek. vor Hadler H^nHreußen ^?ssel ln 13,2 unb Bickelhaupt, Mtv. Gießen ^in lonn Ueber 200 Meter wurde Frl. Hublitz 1900, Dritte m 32,6 Sek., Siegerin Frl Brede' He en-Preußen Kassel, in 29,5 Sek. vor (Brüning ?vfcnnteu&en Kassel, in 30,7 Sek. Auch b?e ll,n?OO-Meter-Staffel der Frauen stand im End- £uen feI)r siechten Wechsel wurde ihr jedoch jebe Chance genommen. ei Zehnkampf-Starts wirb hL n*®s-C?ert in diesem Jahre bestrei- lckien^^SVCrt«b-9 er se^en Titel bei ben Deut- und Kanipfspielmeisterschasten in Nürnberg ster im er versuchen, in Turin Europamei- Ker im Zehnkampf zu werben. Der Mann, der einen Länderkampf gewinnen kann. m.wL*r»aIU5tryun9 leichtathletischen Gau' Meisterschaften gab es zahlreiche Gau- unb Lan- besreforbe unb als größtes Ereignis bes Tages und wohl einiger Jahre einen Weltrekord im eynk am p f durch unseren Hamburger Hans He-nrich Sievert. Wir berichteten bereits kurz darüber. Der Hamburger hatte schon im ver- 8467'620 Punkten einen neuen ^^icht, kleinliche Paragraphenreiterei lhn ™er urP die Anerkennung. So blieb nnn h bA? Olympischen Spielen in Los Angeles DOn bem Amerikaner Bausch ausgestellte Rekord Dr. Horst führte in vorbildlicher Weise die hessischen Dichter und Schriftsteller durch die mannigfachen Sehenswürdigkeiten der Stadt Butzbach. Die Nachmittagsferenade auf dem Marktplatz klang aus in eine große Kundgebung des Reichsverban- des Deutscher Schriftsteller, Gau Hessen-Nassau. Der Verbands-Gauführer Dr. Hans Geisvw wies au das Wollen, Sollen und Müssen des Dichters und Schriftstellers unserer Zeit hin. Es gelte, aus dem großen Werden unserer völkischen Lebenserneuerung das große Werk zu schaffen, das in die Zukunft weist. Noch immer sei der Dichter Sendbote des Lebens, seine Aufgabe, sei, das Ewige zu gestalten. Geist allein werde immer unfruchtbar bleiben; erst wenn er sich mit der Form verbinde, werde die hohe Sendung, der heilige Beruf des Dichters erfüllt. Der deutschen Kultur sei nur zu helfen durch Arbeit an sich selbst. Wirken am Neubau unseres Seelenlebens im Sinne des Führers, fei die Aufgabe des Dichters unb Schriftstellers. Den Höhepunkt erreichte der Dichtertag, als Bürgermeister Dr. Scheller einen Beschluß des Rates der Stadt Butzbach auf dem Festabend im stark überfüllten Saal des „Hessischen Hofs" bekanntgab, nämlich die Stiftung eines Grundstocks zu demEhrenpreisfür dasbesteWerk hessischer D i ch t k ku n st. Er unterstrich den Wunsch der Stadt, daß diese Stiftung ein kleiner Baustein zu dem Aufbau unserer Kunst werden möge. Prof. Dr. Otto Weide hieß noch einmal die Dichter unb Schriftsteller willkommen. Der Dichtertag sei ?in froher Tag der Einkehr und Erholung. Aus den Werken der Dichter könnten wir am besten ersehen, was echte Deutschheit sei. Willi Reich- mann vom Staatstheater Wiesbaden las aus den Aufführung des von unserem Heimatdichter Georg Heß zusammengestellten F e st s p i e l s : „Das Lied. Geleit zu jeder Z e i t", das in feinsinniger Weise den Zauber schildert, der jedes Herz bezwingt in Leid und Lust, mit süßem Klang dem unvergänglich Schönen den Tempel bauet in der Menschenbrust. Schulkinder erscheinen und fingen unter Musikbegleitung das Goethesche Volkslied: „Frühzeitiger Frühling". Dann folgt das Heidenröslein, ein Tanzreigen wird aufgeführt, bann das Lied „Wer recht in Freuden wandern will" folgt, wobei Taunusklubler, VHCer über die Bühne ziehen, Mädels mit Zupfgeigen fofgerf bann folgen die vereinigten Männergesangvereine mit dem Sängerspruch: „Grüß (Bott, grüß (Bott mit hellem Klang, Heil deutschem Wort und Sang", und trugen das Lied: „Es zog der Maienwind zu Tal" vor. Zum Schluß der Aufführung erschienen bann ein Hochzeitspaar, bie Braut im Hüttenberger Brautschmuck, von Jungfrauen geführt, bahinter ber Bräutigam, geführt von seinen Freunben. Die Dorfjugenb singt das Lieb: „Schön ist bie Jugenb", unb bann fingen alle: „Wir. roinben bir ben Jungfernkranz". Zum Schluß zog bas Brautpaar, bie Musik voran, zum Marktplatz auf bas Pobium, woselbst eine Bilb- aufnahme gemacht unb als Abschluß ein Walzer getanzt würbe. Hessischer Dichierlag. Butzbach, 11. Juli. Hochstimmung herrschte heute in Butzbach, dem Tage, den sie zu Ehren der hessischen Dichter im Rahmen ihrer Ständewoche veranstaltete. Die Bevölkerung nahm an der Veranstaltung des Dichtertages regsten Anteil. Die Flut der Hakenkreuzfahnen steigerte die Hochstim- wurde wegen unberechtigten Tragens eines Abzeichens zu der Mindestftrafe von 1 M o - nat Gefängnis verurteilt. 1 6 »gezogen wurden im objektiven Verfahren 100 Schweizer Franken, die bei einer ar?rU ?eV ?eren überschreiten der (Breme nach Holland beschlagnahmt wurden. 3 $ ax5 maar fälschte eine Arbeits- bef$einigung, indem er das Datum abänberte. Auf biefe Weise wollte sich ber Angeklagte für einen -Lag Lohn unb Arbeitslosenunterstützung verschaffen hprmnntJPpreC^»nber auch eine Bescheinigung sf7n^bkrankenkasse. Da ber Angeklagte ein Ge- ftanbni5 ablegte, ben unberechtiaterweise erlangten betrag wieber zuruckzahlte unb seither unbescholten mar, würbe ihm bie Strafe von 4 Monaten Gefängnis bebmgt erlassen n BDOrbeftr°Jie °"° Senner aus SÄBtttÄ-e fe^C,rfF$abyrab 9. BW dBÄSKJK.«*.«* «»»»■et ! Engels (Marburg), Kilo (1900 Gießen), Speer- , werf e n : Dr. Dinkler (Marburg), Menkel (Bet- ' N°usen), 4 X100 Meter: Henkel, Kermer, 4X 400 Meter: Wolter, Drotfe, Meyer, Danz (alle Hessen-Preußen Kassel). Gchöffengenchi Gießen Wegen Steuerhinterziehung wurde ein Mann aus Wolfersheim zu 3 Monaten Gefanq. "*5 °-rurt->lt. Der Angeklagte hatte es unterlaffen. öcm Finanzamt gegenüber fein Vermögen vollstän. :^^ug-b°n. Es ozurde ferner ein Beschluß ver- Angeklagten bedingter Strafaufschub gewahrt wird Die Probezeit beträgt drei geklagte*Cn öe5 ®erfa|)ren5 trägt der An- «rieffflften der Redaktion. lRechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) ®Ä"to9run AordhessenS Leichtathleten ftattfmben. Darum heißt es gerabe in biesem Jahre e e _. alles aufzubieten, um alle heranzubringen, um ber GauküMpfgegen Mltte M Erfurt ^eL3Llei9en' b°ru Deutschlanb jetzt schon bereit Für ben am 22. Juli in Erfurt ftattfinbenben hpn Gbnm J tatkräftigsten Weise Gaukampf in ber Leichtathletik Zwischen ben (Bauen n 169 1^6 aufzunehmen. Mitte unb Norbhessen tjat ber (Bau Norbhefsen habt^b!npf hbnr?P°h eh' kßbt •ler,croas xt)T ,n cud) I019^06 Mannschaft aufgeftellt: 100 Meter - hpnH bh^^ bm Zwischen- t?9 m Hannover gehen acht Dauerfahrer unb 91 ÄCJnA^rrrUn9'“Qr "un auch bie 4X100- Sieger an ben Start. Titelverteibiger finb bei ben fMnnkn af-*( a“«Inanbcr8erif(en, die Wechsel Stehern der Dortmunder Erich Metze und be den Inn m» . Unb fo R,'eb es beim Vorlausi Die Fliegern der Kölner Albert Richttr ° 400 Meter waren gut besetzt^ B e p p e r, i n g kam « ’ CÄi0? enöI?tUf' mU4i'e l'ch jedoch hier mit »NN 6 m smQ6’9fr 3ctt begnllgen^ Auch die MO Meter wurden sehr schnell gelaufen, so daß Peters un Hintertreffen endete. Eine sehr große Ueberraschung brachte Baumftieger im 1500- Meter-Lauf. Etwa 20 Läufer meldeten sich dem ber “f* "eit zurücklag, ar- bettete sich allmählich an die Spitzengruppe und konnte m der guten Zeit oon 4:16,8 Mm (perfön- Ä ?efl3eJt , b™ 3' belegen Sieger wurde Nr. 160 Drittes Blatt Donnerstag, 12. Juli MH Gießener Anzeiger ^General-Anzeiger für Oderhessen) Wieder Friede in Arabien. Bon unserem JH.-Berichierstaiier. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Kairo im Juli. Nach wochenlangen Verhandlungen ist in Tais in Arabien der Friede zwischen dem Imam Yahia und dem König Ibn Saud abgeschlossen worden. Das ist ein Ereignis das alle Propheten weiterer kriegerischer Verwicklungen in Arabien Lügen straft: es hat sich eben gezeigt, daß auch im 'fernen Arabien die Tatsachen stärker sind als die Wünsche irgendwelcher Interessenten, so daß es im Grunde genommen bei der Gleichgewichtslage bleibt, die auch vorher zwischen dem Yemen und dem chedjas bestand. Zwar hat der Imam Yahia vom Demen auf bestimmt? Grenzgebiete verzichten müssen, auf den Hafen Dam, die Oasen des N e d j r a n , aber die Küsten- tiefebene, die sogenannte Tihama^ und die wichtige Hafenstadt H o d e i d a sind i h m geblieben. Das einzige positive Ergebnis des Konfliktes ist somit, von diesen Punkten abgesehen, das völlige Verschwinden des kleinen Sultanats von Assir, das bisher als Pfuffer zwischen dem Yemen und dem Reiche Ibn Sauds lag. Als äußeres Zeichen dessen hat der Imam vom Demen auch sämtliche Angehörige des Fürstenhauses von Assir an Ibn Saud ausgeliefert, um damit alle etwaigen Ansprüche dieses Herrscherhauses ein für allemal zu beenden. Wenn man diese territoriale Regelung in ihrer vollen Konsequenz verstehen will, so muß man davon ausgehen, daß es sich für beide Teile bei diesem Streit nicht um Lebensfragen handelte. Es war weder das Kerngebiet des Demen, noch etwa irgendein Kerngebiet Ibn Sauds bedroht. Es handelte sich um eine der für Arabien typischen Grenzkonflikte, die stets entstehen, wenn in einem der kleinen Grenzstaaten Thronstreitigkeiten auftauchen. Das war in Assir der Fall. Wenn dort Einigkeit über die Nachfolge des vor einigen Jahren verstorbenen Jdrissi geherrscht hätte, wäre es kaum zur kriegerischen Auseinandersetzung gekommen. Nachdem sich die beiden Anlieger des strittigen Gebietes nun dahin geeinigt hatten, das Land von Assir untereinander aufzuteilen, war daher der ganze Konflikt auch ausgestanden. Die Begleitmusik, die aus diesem Krieg Ibn Sauds gegen den Yemen einen „Versuch zur Unterjochung des letzten großen arabischen freien Staates" machen wollte, hatte also Unrecht. Es ist nicht daran zu zweifeln, daß Ibn Saud so weitreichende Absichten überhaupt nicht gehabt hat, und daß der Traum eines sogenannten Großarabischen Reiches nur ein Phantasieprodukt von Unbeteiligten war. Das kommt im übrigen im Friedensvertrag sehr klar zum Ausdruck, da sich beide Staaten gegenseitig das Recht zugestanden haben, unabhängig voneinander diplomatische Beziehungen zu anderen Mächten zu unterhalten. Wenn im Friedensvertrag auch eine Klausel enthalten ist, nach der beide Länder eine gemeinsame arabische Politik betreiben wollen, so ist darin nicht mehr zu sehen, als eine der üblichen Freundschaftsbeteuerungen, die nun einmal bei Friedensverträgen gang und gäbe sind. Ibn Saud weiß sehr wohl, daß der Demen ein unabhängiger Staat ist und bleiben wird, und daß es sich für ihn kaum verlohnen dürfte, dieses Gebiet zu erobern. Ganz abgesehen davon, daß man mit Fug und Recht daran zweifeln kann, ob er hierzu auch militärisch in der Lage wäre. Wenn man das Ergebnis des Krieges auf eine Formel bringen will, so kann man vielleicht sagen: das Gleichgewicht in Arabien ist wiederhergestellt; mehr aber auch nicht, obgleich Ibn Saud durch diesen Feldzug stark an Prestige gewonnen hat. Dieses politische Ergebnis des Friedens von Taif ist zweifellos auch geeignet, die Großmächte zufriedenzustellen, die in dieser Weltgegend gewisse Interessen wahrzunehmen haben: Großbritannien und Italien. Ihre Haltung in dem ganzen Konflikt ist ja auch dadurch bedingt gewesen. Mussolini aus der Dreschmaschine. I I« M 1 Bei dem Ausdreschen des ersten Getreides, das auf dem neugewonnenen Irland der Pontinifchen Sümpfe bei Littoria geerntet wurde, arbeitete der Duce selber drei Stunden lang an der Dreschmaschine. Oie „Königsberg" in England. Ein Funkbild von dem Kreuzer „Königsberg" auf der Reede von Portsmouth. Man muß sich klar darüber sein, wie unangenehm es für die Engländer gewesen wäre, wenn Ibn Saud tatsächlich den Demen erobert hätte. Das sogenannte Protektorat von Aden — nach Singapur der mächtigste Stützpunkt der britischen Flotte im indischen Ozean — hätte zum Nachbarn eine Großmacht erhalten, die keineswegs bequem ist. Aber hätten sich die Engländer dagegen ernstlich wenden können, da sie doch mit Ibn Saud so eng befreundet, um nicht zu sagen, verbündet sind? Und dann hätte die Niederlage des Yemen doch auch in den Augen der Araber und Aethiopier eine Niederlage der Italiener bedeutet, die ihrerseits mit dem Yemen sehr Gut-Kind sind. Da nun aber schließlich Italien und England in dieser Weltgegend eine gemeinsame Linie der Politik gefunden haben, so ist nicht von der Hand zu weisen, wie schwer dieser unter Umständen durch die Eroberung des Yemen gestört wäre. Es ist schon so, daß die Engländer mit der im "Frieden von Taif getroffenen Lösung sehr einverstanden sein können, da es auf diese Weise der britischen Politik möglich bleibt, gleichmäßig die Freundschaft mit den Italienern und Ibn Saud aufrechtzuerhalten und doch ihre maritimen Interessen zu wahren. Ja, noch mehr, sie haben möglicherweise durch ihre geschickte Diplomatie etwas erreicht, was sie seit langem erstrebt haben: daß auch der Yman vom Yemen die britische Freundschaft schätzen gelernt hat. Daß auch die Italiener mit diesem Frieden einverstanden sein können, liegt angesichts der geschilderten Sachlage auf der Hand. Ihre Interessen im Yemen bleiben gewahrt, und sie können sogar eine Festigung ihres Einflusses verzeichnen, nachdem sich herausgestellt hat, wie wertvoll ihre diplomatische Stellung in diesem ganzen Spiel für alle Beteiligten war. Und schließlich wird auch die übrige arabische Welt sich mit den hier geschaffenen Tatsachen gern abfinden. Wenn zwei mächtige orientalische Herrscher sich versöhnen, so ist schon das allein ein Grund für alle Angehörigen des Islam, sich zu beglückwünschen, denn man weiß auch im Orient, daß d er F r i e d e der einzelnen Staaten untereinander ein Unterpfand für ihreUn» a b h ä n g i g k e i t ist, während aus Konflikten nur remde Mächte ihren Vorteil ziehen. Die Tatsache, daß Ibn Saud auf größere Eroberungen verzichtet hat, muß dabei besondere Befriedigung erwecken, weil nun die übrigen arabischen Staaten — Transjordanien, Syrien und der Irak — nicht mehr zu befürchten brauchen, daß Ibn Saud an territoriale Erweiterungen seines Gebietes denkt, die sich ja selbstverständlich gegen diese Länder richten müßten. Die Jnteressenahme der Großmächte hat zu deutlich gezeigt, daß das nicht ohne weiteres möglich ist, so daß der Frieden von Taif auch in diesen Ländern beruhigend gewirkt hat. Insgesamt darf man also erwarten, daß mit diesem staatspolitischen Akt die Beunruhigung im Orient wieder einer gewissen Stabilität gewichen ist, die — für einige Zeit wenigstens — eine friedliche Entwicklung erwarten läßt. Oie Kirchhainer Viehmarkthalle niedergebrannt. ]| Kirchhain, 11. Juli. Die etwa 60 Meter lange und 30 M/ter breite Kirchhainer Fe st- und Viehmarkthalle ist gestern abend bis auf die Grundmauern ein Raub der Flam- m e n geworden. In einer knappen halben Stunde war das Gebäude, ein etwa 30 Jahre alter Holzbau, eingeäschert. Man vermutet, daß der Brand durch Selbstentzündung infolge der Hitze entstanden ist- Gerechte Strafe. LPD. Marburg, 11. Juli. Das Marburger Gericht verurteilte einen.S ch w ä tz e r , der die S A. in gröblich ster W ei s e beleidigt hatte, zu sechs Monaten Gefängnis. Tefch°"d°v°r, Rn jSnen aus Potsdam entlehnten, naturalistilchen Für die weitaus meisten Besucher Bayreuths, namentlich in der Festspielzeit, ist die Stadt am Roten Main so unlösbar mit dem Namen Richard , Wagners verknüpft, daß nur wenige der . markgräflichenRefidenzdie Aufmerksamkeit widmen, die sie verdient. Dank den guterhalte- ; neu oder in neuester Zeit wiederhergestellten Baudenkmälern aus dem 18. Jahrhundert steht Bayreuth in der Reihe der kultur- und kunstgeschicht- lich wichtigen Fürstenstädte der späten Barockzeit mit in vorderster Linie. Die für den jetzigen Zustand entscheidende Bauperiode ist aber doch die der Markgräfin Wilhelmine, geborene Prinzessin von Preußen, die als Gemahlin Friedrichs des , Vielgeliebten" (1735—63) dergestalt vom „Bauwurm" des 18. Jahrhunderts besessen war, daß man noch heute die mainfränkische Residenz die Stadt der Markgräfin nennen darf. Sind doch die meisten Bauten von Bedeutung auf ihr Geheiß und unter ihrer tätigen Mitarbeit entstanden. Das Neue ' Schloß, das Opernhaus, die Anlagen und Lustschlösser der Eremitage — ohne Wilhelmine wgren sie voraussichtlich nicht das, was sie uns heute sind. Als die kritische Schwester Friedrichs des Großen am 22. Januar 1732 an der Hand ihres Erbprinzen zum ersten Male ihre neue Heimat betrat, muß Bayreuth, obwohl schon länger als ein Jahrhundert Residenz der Markgrafen von Brandenburg-Kulmbach. noch ein recht armseliges Nest und die schwiegeroäterliche Hofhaltung nicht gerade nach der neuesten Mode zugeschnitten gewejen sein. Noch zwölf Jahre später, als Wilhelmine ihre Denkwürdigkeiten zu Papier brachte, denkt sie mit Schaudern an die mit saurem Wein, Rosinen und Zwiebeln an- gemachten „teuflischen Ragouts", mit unverhohlener Verachtung an die mit Spinneweben tapezierten, schmutzigen Gänge und die zerfetzten Damastvorhänge im „Alten Schloß", in dem das junge Paar zunächst Wohnung nahm. Was außer diesem „Alten Schlosse", einer unregelmäßigen, burgartigen Anlage aus dem 17. Jahrhundert, sonst noch an Bauten aus vorwilhelminischer Zeit in Bayreuth vorhanden ist läßt sich rasch aufzählen: die spätgotische Stadtkirche mit der Fürstengruft, ferner eine große Laterne, das wildbarocke Reiterstandbild für den Markgrafen Christian Ernst als kaiserlicher Feld- marfchaU, und schließlich in der gewöhnlich „der Brandenburger" genannten Vorstadt St. Georgen ' die 1725 erbaute Kirche des Ordens de la sindentä ober des Roten Adlers, mit einem THch" OasBayreuth der Markgräfin Bon Ernst v. Aiebelschütz. auf dem der Markgraf Georg Wilhelm, dieser Narr in solio", wie Liselotte von Orleans ihn betitelte, sich mit dem Manövrieren einer Mimatur- flotte zu vergnügen pflegte. Das war ziemlich alles, was Bayreuth im Jahre 1732 von einer gewöhnlichen Landstadt gerade noch i unterschied. Denn die Menschen waren es gewiß nicht — der Markgraf ein Säufer mit geschwächtem Verstand, die Damen und Kavaliere des Hofes dumm „wie ein Käsekorb", „wie ein Koffer , ober wie bie Vergleiche ber Prinzessin noch lauten mögen. Aber alle biefe Zustänbe, so unerfreulich sie waren, scheinen bie verwöhnte Schwester bes großen Preu- ßenköniqs nur ermuntert zu haben, aus bem „teuflischen" Nest einen Fürstensitz ganz nach ihrem eigenen Geschmack zu machen Unb bas ist ihrjn bem Vierteljahrhunbert ihrer Bayreuther Wirksamkeit überraschenb gelungen. Was sie ansaht, zeugt immer non jener geistigen Wendigkeit und Munterkeit, durch die sich der Kunstdilettantismus der Frauen häufig f? VV genehm van dem der Manner unterscheidet Ziemitch unbekümmert im Benutzen fremder Vorbilder weiß sie doch ihren Schöpfungen die eigene Nate zu geben die Nate der Heiterkeit und sreien Anmutz die um ko überraschender wirkt, als man sie nach der Lektüre der allzu kritischen und oft boshaften Memoiren nicht erwartet. Ihr Geschmack ist mehr aus das Intime und Natürliche als auf das Großartige gerichtet, obwohl ihr in dem 1744 begonnenen Opernhaus ein F^fttiaum gegluckt ist, der zu den repräsentativsten in Deutschland gehört. Das Lob bezieht sich vor allem aus den noch ganz erhaltenen Zuschauerraum, der durch die dreihig Meter tiefe Bühne zu einem Redoutensaal von wahrhaft fürstlicher Pracht erweitert werden konnte und dessen noch heute märchenhafte Schönheit trotz des unansehnlichen Materials — Holz, Stuck und Pappe - in der Geschichte des Theaterbaues soweit wir sie verfolgen können völlig ohne Vergleich dasteht Der Raum, von Guifeppe und Carlo B biena stuckiert, ist nicht Rokoko, sondern ein verspätetes italienisches Barock seine Grundfarbe ; schi f-rblau, mit einer verschwenderisch ausge reuten Golddekoration, die namentlich an der Furstenloge 1 in der Mittelachse ihre Triumphe feiert. Das zweite Werk Wilhelmines — wenn wir von den zahlreichen auf markgräfliche Anregung zurück- aebenben Privathäu ern in ebler Sanbstemquabe- ?ung absthfn bürfen - ist bas „Neue Schloß" von 1754 unb bas ältere Opernhaus, von St. Pierre erbaut Das schönste baran ist bie Innenausstattung Ln ionpn niis Votsbam entlehnten, naturalistilchen Rokokvformen, bie ben Raum in eine heitere Blumenlaube zu verwanbeln scheinen, wie fid) denn bie Markgräfin in ben kleinen Abmessungen des Buboirs wohler fühlte als en scene — barin ganz bas Kinb einer Zeit, in ber sich ber Uebergang von bem gekünstelten Schäferstil bes Rokokos zur wirklichen, ungeschminkten Natur vollzog. Von ben vielen, entzückenb betorierten Zimmern bes Schlosses sei ber kostbare Speisesaal genannt, eine braunvertäfelte Galerie, bie Wänbe von Palmen gegliedert, über bereu Kronen sich bie Decke als ein blauer, von golbenen Drachen unb Vögeln burchflogener Himmel wölbt. Aber was wäre bas Bayreuth ber Markgräfin ohne ben länblichen Luftfitz in feiner Nähe, bie „Eremitage"! Die reizenbe Parkanlage, an drei Seiten vom Roten Main umflossen, stammt noch aus ber Zeit Georg Wilhelms, boch war ba- mals bas „Obere Schloß" noch bas, was ber Name besagt: ber Schauplatz eines geheuchelten Einsiebler- lebsns, gespielt von ber Hofgesellschaft, bie sich hier in künstlichen Grotten zu „Bußübungen" versammelte. Diesem Firlefanz machte bie aufgeklarte Markgräfin ein schnelles Enbe, inbem sie bie Zellen | wohnlich ausgestalten ließ unb so bie Eremitage in ihr Sanssouci" verwanbelte, wo nun in fort- ! schreitenber Bauführung ein liebenswürbiger, welt- ■ offener Geist Wohnung fanb. In bieser ausgelufteten Eremitage hat bie Markgräfin 1744 ihre Memoiren geschrieben. Ganz ihr eigenes Werk ist bas „Untere Schloß ober Orangerie, eine halbkreisförmige Arkaben- galerie mit einem Sonnentempel in ber Mitte unb einem System von Treppen unb Wasserwerken im Parterre, bas in Verbinbung mit bem Grün bes Gartens ein Gesamtkunstwerk von seltenem Reiz bildet — zumal heute, nachbem ber bayrische Staat bie ganze Anlage, Architektur unb Wasserkünste einer benkmalspflegerisch mustergültigen Wieberher- stellung unterzogen hat, bie er mit Recht bem Andenken einer ber bebeutenbften Frauen bes 18. Jahrhunberts schulbig zu sein glaubte. Denn zuletzt ist es eben boch ber Geist ber Markgräfin, nicht ber bes ehrlichen, aber simplen Gemahls, ber in Bayreuth unb Hessen Umgebung — hier wären noch bie Nieblichkeiten „Fantasie" unb „Sanspareil" zu nennen — seine unverwechselbaren Spuren hinterlassen unb ben Namen ber kleinen fränkischen Resibenzstabt für immer mit bem ber Lieblingsschwester Friebrichs bes Großen üerbunben hat. Shakespeares „Wintermärchen" im Marburger Schloßparktheater. Shakespeares „Wintermärchen" ist ben Marburger Feftspielbesuchern nicht unbekannt. Nach bem überroältigenben Einbruch ben bieses zauberische Spätwerk bes größten bramatischen Genies ber germanischen Welt bei seiner Aufführung im vergangenen Jahre hinterließ, ist man ber Marburger Festspielleitung zu Dank verpflichtet, wenn sie es nachmals auf ben Spielplan setzte. Unb man kann nach ber Erstaufführung in ber biesjährigen Spielzeit sagen, baß bas Stück in Ausstattung unb Spiel noch eine Steigerung erfahren hat, bie nicht mehr überboten werben kann. Immer roieber berounbcrt man bie Entfaltungsmöglichkeit, welchen ber breite Raum ber Marburger Freilichtbühne gerabe für bie Aufführung berarfiger Stücke mit ihren bunt- bewegten Massenszenen bietet unb bie Festspiellei- ter Dr. Fritz Bubbe sowie Bühnenbilbner Franz Merz geschickt auszunutzen verstehen. Das ausgezeichnete Ensemble verhalf ber eigentümlichen Shakespeareschen Verbinbung von zwei Welten, ber höfisch-gesellschaftlichen unb ber bäuerlichen, in vortrefflichem Zusammenspiel zu einbringlicher Wirkung, vorteilhaft aufgelockert burch bie artistischen unb Satyrtänze ber Tanzgruppe Günter H e ß. Es ist eine Lust für bie Tänzer unb Tänzerinnen, um gebunben unb frei auf ber breiten Naturbühne ba- hinzuwirbeln. Meisterhaft unb lebenswahr gestaltet Lothar Körner als König von Sizilien bie ver- blenbete Eifersucht bes Gatten unb seinen reumütigen Zusammenbruch. Seine Leistung feierte besonders in ber büster-strengen Gerichtsszene höchste Triumphe. Neben ihm bie beispielhafte Darstellung ber Königin Hermione burch Renee Stodrawa, ihre Unnahbarkeit, stolze Reinheit unb ßeibbereih schäft trotz aller Kränkungen. Hugo Firmbach verkörperte ben König von Böhmen voll männlicher Schönheit unb königlicher Würbe. Das Liebespaar Perbita—Florizel fanb in $anft Raffel unb Hansgeorg Laubenthal vortreffliche Vertreter. Den Höhepunkt heiteren Genusses verschafften, wie schon so manches Mal, bie köstlichen Cha- rafterftubicn bes alten Schäfers burch Lubwig L i n f m a n n , seines Sohnes burch Freb Schroer unb bes Spitzbuben Autolicus burch Paul R o l a n b. Ausgezeichnet waren die Leistungen von Robert F o r s d) als Antigonus, Mathilde Rebler als Pauline unb Karl Striebeck als Schäferknecht. Oft spontan mitten in ben Szenen einsetzenber Beifall galt ber Geschlossenheit ber Auffyhrung, bem schönen Bühnenbilb unb ben ber- üorrqgenben Einzqlleistungen. Westdeutsche Kaufhof 23,25, 60,25, Südd. Zucker 185,25, Wirtschaft Weitere Abnahme der Arbeitslosigkeit bei die die Die <1 bald nicht Oie Zahl der Arbeitslosen im Landesarbeitsamtsbezirk Hessen um über 3000 zurückgegangen. Die Zahl der Arbeitslosen in Frankfurt a. M. ist um 4062 oder 10,1 v. Sy, in Kassel um 446 ist um 4062 oder 10,1 v. Sy, in oder 4,3 v. Sy und in Mainz um rund 200 oder 2,5 v. $). zurückgegangen-, nur in Wiesbaden ist eine leichte Zunahme der Zahl der Arbeitslosen zu verzeichnen, die mit der Beendigung der Notstandsarbeiten in Zusammenhang steht. Bon den Ende Juni bei den Arbeitsämtern ge- ist hauptsächlich aus die planmäßig erfolgte Einschränkung der Notstandsarbeiten zurückzuführen; die Zahl der Notstandsarbeiter ist um rund 8400 auf 22 500 gesenkt worden. Der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit in den Großstädten konnte mit Erfolg fortgesetzt werden. ' Frankfurt a. M., 11. Juli. (LPD.) Die Pressestelle des Landesarbeitsamts Hessen teilt mit: Die Arbeitslosigkeit im Landesarbeitsamtsbezirk Hessen hat auch im Juni weiterhin abgenommen, und zwar ist die Zahl der bei den Arbeitsämtern gemeldeten Arbeitslosen u m rund 3100 oder 2,1 v. H. zurückgegangen. Die Zahl der Arbeitslosen liegt demnach Ende Juni um rund 136 70U oder 48,v. h. niedriger, als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Insbesondere wiesen die konjunkturell beeinflußten Berufsgruppen eine über dem Durchschnitt liegende Entlastung auf; u. a. beträgt die Abnahme der Arbeitslosenziffer in der Beruss- gruppe Metallgewerbe 1233 oder 5,8 v. Sy, im Nah- rungs- und Genußmittelgewerbe 477 oder 10,3 o. Sy, im Gast- und Schankwirtschaftsgewerbe 277 oder 7,8 d. Sy und im Holzgewerbe über 200 --- 3,1 d. H. In den Saison-Außenberufen (Forstwirtschaft, Industrie der Steine und Erden, Baugewerbe) hat dagegen die Arbeitslosigkeit im Juni leicht zugenommen. Die Zunahme in diesen Berufsgruppen Auch im Abendbörsenverkehr entwickelte sich freundlicher Tendenz nur kleines Geschäft, da kleine Publikumsbeteiligung anhält, während Kulisse kaum zu größeren Eigengeschäften neigt. Kurse blieben im Vergleich zum Berliner Schluß in den meisten Fällen gut behauptet, vereinzelt war zumeist gut behauptet, etwas fester waren nochmals Daimler, AG. für Verkehr, Phönix, Deutsche Erdöl. Sehr fest lagen Th. Goldschmidt mit plus 2,25 v. Sy Jlse-Aktien tendierten unregelmäßig; während Stammaktien 2,50 v. H. einbüßten, zogen Genüsse 1 v. H. an. Niedriger lagen noch Bemberg mit minus 1,50 d. Sy Der Markt der Auslandswerte war weiter fest, so zogen Chade weitere 1,50 Mark an, ferner waren sämtliche Schweiz. Bundesbahn- Anleihen mehrprozentig höher gesucht. Abendbörse weiter freundlich. überheblich sei. So manches Mädchen, so mancher Junge hält sich für den Mittelpunkt der Welt, um den sich alles drehen müßte, wenn es mit rechten Dingen zuginge. Solch ein „Mittelpunkt , an das unendlich weite, brausende Meer ober mitten m die Gebirgswelt gestellt, lernt oft plötzlich ferne Ohnmacht, seine Kleinheit, seine Atomhaftigkeit in der großen Natur, ja selbst im engeren Umkreis kennen. Bei Kindern dagegen, die in jeder Hinsicht zaghaft und ängstlich 'sind, macht man die entgegengesetzte Erfahrung. Sie richten sich sozusagen an der Größe um sich her auf. Kinder, die von fast krankhafter Aengstlichkeit geplagt werden verändern sich mit einem Schlage, wenn sie auf einem hohen Berggipfel stehen oder auf dem unübersehbar weiten Meer fahren. Was auf die Frechen, Vorlauten dämpfend wirkt, erhebt und kräftigt die Zaghaften, die am Mangel an Selbstbewußtsein leiden. Sie werden mutiger, lachen bald selbst über ihre frühere Aengstlichkeit und können es schließlich kaum glauben ' daß sie sich fürchteten, allein im dunklen Zimmer' zu bleiben, bevor man auf die Serienreife ging. So lernen die Kinder, ohne es selbst zu mer- fen, kommen vorwärts, ohne im Augenblick zu spüren', daß sie einen Schritt gemacht haben und kehren'schließlich, ohne sich des Gewinns klar zu werden, schweren Herzens in den Alltag zurück. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 11. Juli. Bei stetiger Tendenz erfolgten am heutigen Getreidegroßmarkt in Körnerfrüchten nur noch sporadische Umsätze, der Uebergang aufs neue Erntejahr hemmt die Unternehmungslust, zumal man allgemein die in Aussicht stehenden Ausführungsbestimmungen zum Gesetz zur Ordnung der Getreidewirtschaft abwartet. Roggen in alter Ware war kaum noch angeboten, auch die Nachfrage ist schwach; die Notiz ging um 5 RM. per Tonne zurück. Weizen war ausreichend offeriert, die Mühlen nehmen zum Festpreis nur noch ganz vereinzelt etwas auf. Hafer war stärker angeboten und ging im Preise erneut um 2,50 RM. per Tonne zurück; der Preis wird immer noch für zu hoch erachtet. Neue Wintergerste wurde noch nicht notiert, man wartet die gesetzliche Neuregelung ab. Für zweizeilige neue Wintergerste wurden etwa 200 bis 210 RM. per Tonne verlangt. Für Mühlennachprodukte, insbesondere für Nachmehle, ist die Haltung fest, oelhaltige Artikel liegen ruhiger. Gefragt waren im freien Markt Kartoffelflocken zu 18,50 RM. pro 100 Kilogramm frei deutscher Station. Die Rauhfuttermittelpreise blieben unverändert. Es notierten in RM.: Weizen 208 bis 210, Roggen 180, Hafer 200 bis 205, Weizenmehl, Type 563 Festpreisgebiet W X 28,90 plus 0,50 RM. Frachtausgleich, Festprsisgebiet W VII 28,60 plus 0,50, Roggenmehl Type 610 Festpreisgebiet R VIII 25,25 plus 0,50, do. R VI 25,25 plus 0,50, Weizenmehl IV B 17 bis 17,25, Weizennachmehl 16,50 bis 16,75, Weizenfuttermehl 12,75, Weizenkleie, fein 11,40, grob 11,75, Roggenfuttermehl 13,25, Roggenkleie 12,50, Soyafchrot 15,80, Palm'kuchen 15,70, Erdnußkuchen 17,20, diese Preise verstehen sich als Fabrikpreise ab südd. Fabrikation, Treber 17 bis 17,25, Heu 10,50 bis 11, Weizen- und Roggenstroh drahtge- preßt ober gebündelt 2,70 bis 2,90. Tendenz: stetig. Frankfurter Schlachtviehrnarkt. Frankfurt a. M., 12. Juli. Vorbericht. Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Vorauftrieb: 218 Rinder (70 Ochsen, 8 Bullen, 46 Kühe, 94 Färsen), 1326 Kälber, 41 Hämmel, 29 Schafe, 724 Schweine. Es kosteten: Kälber 22 bis 44 Mark, Hämmel 29 bis 34, Schafe 18 bis 32, Schweine 40 bis 47 Mark. Marktverlauf: Kälber langsam, Hämmel und Schafe sowie Schweine mittelmäßig. Schweinemarkt in Gedern. * Gedern, 11. Juli. Der heutige Schweine- markt in unserer Stadt war mit 446 Ferkeln und Läuferschweinen zum Verkauf beschickt. Der Handel war zunächst schleppend, dann nahm das Geschäft lebhaftere Formen an und führte zur fast vollständigen Räumung des Auftriebes. Man bezahlte für 6 bis 8 Wochen alte Ferkel 9 bis 11 RM., 8 bis 12 Wochen alte Tiere 12 bis 15 RM., für Läuferschweine 20 bis 30 RM. Schweinemarkt in Nidda. * N i d d a, ll.Juli. Auf dem heutigen Schweinemarkt standen 306 Ferkel zum Verkauf. Bei langsamem Handelsgeschäft wurden für 4 bis 6 Wochen alte Ferkel 12 bis 15 RM., 6 bis 8 Wochen alte Tiere 15 bis 18 RM. bezahlt. meldeten 143 293 Arbeitslosen bezogen 16 692 Arbeitslosen- und 45 031 Krisenunterstützung. Von der öffentlichen Fürsorge wurden insgesamt 52 918 anerkannte Wohlfahrtserwerbslose unterstützt, davon waren 6494 Frauen. Die öffentliche Fürsorge ist somit gegenüber dem Vormonat um rund 3100 Arbeitslose entlastet worden. zogen sie auch noch leicht an. Aschaffenburger Zellstoff und Harpener Bergbau gewannen dabei je 0,75 d. Sy Farbenindustrie und Elektroaktien blieben unverändert, Lahmeyer und Licht und Kraft allerdings erh'öhten sich um 0,25 bis 0,50 v. Sy Ferner lagen Westdeutsche Kaufhof 0,65 d. Sy freundlicher. Im Verlaufe ergaben sich bei anhaltend kleinem Geschäft keine Veränderungen. . • Am Rentenmarkt blieben deutsche Anleihen, Reichsmark-Obligationen gut behauptet, letztere konnten sich teilweise um 0,25 bis 0,50 v. H. befestigen, auch industrielle Genußrechte fanden weitere Beachtung. Am Auslandsrentenmarkt lagen Schweiz. Bundesbahn-Anleihen erneut 1 v. Sy fester, doch erfolgte die Zuteilung voll; 4proz. 171 (170), 3V2proz. 160 (159), 3proz. Schweiz. Eifenbahnrente von 1890 134,50 (134). 11. a. notierten: Altbesitz 95,13, 6proz. Stahlverein 78,50, Schutzgebietsanleihe von 1914 9,25, Reichsbank 155, DD.-Bank 62,25, Gelsenkirchen 60,25, Harpener 106, Kali Aschersleben 124,75, Mannesmann 65,50, Phönix 46,75, Rheinstahl 92,50, Aku 63,25, Bekula 143,90, Bemberg 67,50, Daimler 48,65, Scheideanstalt 208,75, Licht und Kraft 110,50, IG. Farben 150, Gesfürel 107,75, Lahmeyer 121, Schuckert 90,50, “ ~ ' ">, Zellstoff Aschaffenburg >, Hapag 28,40. Tag für Tag, ja Stunde für Stunde hat man reichlich Gelegenheit, festzustellen, wie anders die Kinder von heute sind, wie anders sie sich bei den verschiedensten Anlässen verhalten als die der vergangenen Generation. Bei einem Wort aber leuchten die Kindergesichter geradeso wie einstmals die ihrer Eltern und Großeltern, beim Klang der Worte: Große Ferien! Die Schulmappe fliegt in gro- ßem Bogen in eine Ecke oder wird mit einem glücklichen Lächeln sauber an den Haken gehängt, je nachdem, wie es das Temperament eingibt. Es gibt wohl heute kaum noch Eltern, die ihre Kinder mit Schulaufgaben in den Ferien plagen, wenn es nicht durchaus notwendig ist, sie wissen ja auch, daß die Zeit, in der das Kind nichts lernen will, oft eine wichtige Lehrzeit für fein ganzes Wesen, für sein Denken, für sein Schauen wie für fein Empfinden wird. Wer einmal an die eigene Kindheit zurückdenkt, der wird rückblickend klar erkennen, daß er unter günstigen Bedingungen in den wenigen Ferienwochen oft erstaunlich rasche Fortschritte in seiner Entwicklung gemacht hat, daß er sich Fertigkeiten, Eigenschaften und Kenntnisse aneignete, die man auf der Schulbank nicht lernt, die aber fürs Leben nicht minder wichtig find als die Schulweisheit. Für die Kinder, die ihre Ferien zu Haus verbringen, wird vor allem der ausgiebige Aufenthalt im Freien förderlich sein. Sie haben Zeit, viel Zeit, und unwillkürlich sehen sie sich die Dinge um sich her so an, wie man eben nur sieht, wenn man Zeit hat, sie wollen etwas mehr wissen als das, was sie sonst wohl schon hundertmal und mehr beim flüchtigen Vorübergehen sahen. Sie lernen beobachten, eine Gabe, die man nicht hoch genug einschätzen kann. Alles um sie her, alles, was ihnen vorher vielleicht ganz gleichgültig war, gewinnt plötzlich Leben und Bedeutung. So manches ernste Interesse wird geweckt ober vertieft in den scheinbar „faulen" Wochen. So werden die großen Ferien für die Kinder, die in ihrer gewohnten Umgebung bleiben, oft eine Zeit des Sichselbst- entdeckens, des Entdeckens der eigenen Interessen. Noch fühlbarer sind die Fortschritte der Kinder, die ihre Ferienzeit in einer fremden Um« g e b u n g zubringen. Wenn sie allein zu Bekannten geschickt werden, so lernen sie zunächst, sich in einen andern, vielleicht ihnen ganz unbekannten Kreis einfügen. Und dieses Sich-Einfügen-Lernen, die Fähigkeit, sich anderen als den gewohnten Verhältnissen anzupassen, ist gewiß nicht unwichtig. Ganz besondere Fortschritte in dieser schweren Kunst haben meistens die Kinder gemacht, die zur Erholung zu Fremden ins Ausland geschickt wurden. Trotz all der liebevollen Sorge, die ihnen entgegengebracht wurde, war es nicht leicht für die Kinder, sich fern von der Heimat in einem Lande aufzuhalten, dessen Sitten und dessen Sprache vor allem ihnen fremd ist. Wir wissen, daß eine große Anzahl der Kinder sich gut einleben. Wie erstaunlich selbständig im Handeln und Denken kommen oft Kinder zurück, die, bevor sie roeggingen, mit jeder Kleinigkeit zehnmal die Mutter belästigten. In der Fremde muß man auf eigenen Füßen stehen, kann nicht unnütz Menschen in Anspruch nehmen, das fühlen die Kinder wohl und handeln danach. Dazu kommt noch, daß ihnen in der Fremde oft Fehler, auKbie man sie zu Haus vergeblich aufmerksam machte, von selbst fühlbar werben. Ein erstaunter Blick eines Fernerstehenben wirkt erfahrungsgemäß häufig rabifaler als wieberhvltes Schelten ber Eltern. Die Kinber lernen in jeder Hinsicht, sich mehr zusammenzunehmen und bringen daher von solch einem Besuch gewöhnlich mehr Selbstdisziplin mit heim. Stadtkinder, die aufs Land kommen, zum ersten Male vielleicht, müssen doch ein ganz neues ober sehr erweitertes Weltbilb sich aneignen, wenn sie Gelegenheit haben, bas Leben ber Lanbleute zu beobachten, wenn sie sehen, wie nahe biese Menschen ber Natur finb, daß ihre ganze Einstellung eine so völlig andere ist als die Der Stadtmenschen. Da kommen manchen etwas hochmütigen Schulmädel oder Jungen Zweifel daran, ob ihre' städtische Weisheit sie wirklich über diese Menschen erhebt, die so fleißige Arbeiter und oft so feine kluge Naturbeobachter sind. Sie erkennen, daß die Nähe der Scholle besondere Kräfte im Menschen weckt, daß der Landaufenthalt ihnen eine neue Welt erschließt. Die Eltern, die die Möglichkeit haben, m i t ihren Kindern zu verreisen, mögen sich vor einem hüten; die Kinder zu sehr zu verwöhnen. Denn auch darin ist die Jugend sehr gelehrig: Ansprüche, die sie einmal kennengelernt hat, die gibt sie nicht so leicht wieder Preis. Wenn das Kind, das zu Haus vielleicht einfach gewöhnt ist, wochenlang in einem Gasthaus wohnt, wo für jeden Handgriff ein helfender Geist bastelst, so kann bas bie übelsten Folgen für feine Entwicklung haben. Schulferien als Lebensschule Von Hedwig Lange. Förderung des deutschen Oelsaatenbaues. Die Reichsregierung hat für bie Fortführung ber Maßnahmen zur Förberung bes beutschen Oelsaatenbaues Mittel zur Verfügung gestellt. Danach werben bie Erzeuger von Leinsaat, Raps unb Rübsen für bie im Jahr 1935 geernteten Erträge, aud) bei wesentlich verstärktem Anbau, bie gleichen Mmbest- pretfe erhalten wie im laufenben Erntejahr, also 24 RM. für ben Doppelzentner Leinsaat unb 30 RM. für ben Doppelzentner Raps unb Rubsensaat. Die Anbauer von Lein-, Raps- unb Mohnsaat, bie ihre Erzeugnisse im Lohnschlag für ben eigenen Ge- brauch schlagen lassen, werben babei im Erntejahr 1935 ebenfalls bie gleichen Vergünstigungen erhalten, wie in biesem Jahre. Auf Grund dieser Sicherung der Preise für Oelsaaten aus der Ernte 1935 wird mit Bestimmtheit erwartet, daß bie deutsche Lanbwirtschaft ben Anbau von Oelsaaten weiter steigern unb bamit bie Bemühungen ber Reichsregierung unterstützen wirb, bie Fett- und Futtermittelerzeugung im eigenen Lande immer mehr auszubauen. Sranffurter Börse. INillagsbörse freundlich. Frankfurt a. M., 11. Juli. Die Börse lag, ohne daß größere Anregungen vorlagen, weiterhin freundlich und zuversichtlich. Das Geschäft blieb indessen meist wieder nur auf einzelne Spezialpapiere beschränkt, zumal die Auftragserteilung ber Banken- kunbschaft immer noch minimal ist. Die etwas höheren Dorbörsenkurse im hiesigen Frühverkehr wurden nicht immer erreicht, da hier und da kleine Abgaben erfolgten. Bei ber zur Zeit herrschenben Marktenge bestimmen schon kleinste Beträge sowohl nach oben wie nach unten ben Kurs. Ganz überroiegenb fester lag roieber ber Elektromarkt, wobei bie täglich günstigen Nachrichten über Stromabsatzsteigerung usw. Anregung geben. Es gewannen Siemens 1,25 v. Sy, Lechwerke unb Elektr. Lieferungen je 0,50 v. Sy, AEG., Licht unb Kraft unb Bekula je 0,25 v. Sy, nur Gesfürel fetzten 0,50 v. H. niebriger ein. Chabeaktien, bie schon gestern stärker erhöht waren, zogen erneut um 1,50 Mark an. Mehr Interesse roanbte sich ferner bem Montanmarkt zu. Harpener unb Gelsenkirchen stanben mit je plus 1 v. Sy im Vorbergrunb, bie übrigen Werte gewannen von 0,25 bis 0,50 v. H. Am Schiffahrtsmarkt lagen Hapag 0,13 v. Sy höher, Norbb. Lloyb 0,25 v. H. leichter. Chemiewerte waren zumeist gut behauptet, Farbenindustrie allerdings mit 149,75 bis 149,50 v. H. niedriger nach vorbörslich noch 150,50 v. Sy Von Nebenwerten fetzten Deutsche Linoleum ihre Befestigung um 1 d. Sy, Aschaffenburger Zellstoff um 0,50 v. H. fort, auch Waldhof zogen zirka 1 v. Sy an. Ferner eröffneten Daimler Motoren 1 v. Sy, Aku 0,40 v. Sy, Zement Heidelberg 0,50 v. Sy freundlicher. Reichsbankanteile lagen zu 155 v. H. unverändert, Conti Gummi bröckelten um 0,25 v. Sy ab. Am Rentenmarkt war ebenfalls keine größere Nachfrage festzustellen, die letzten Kurse blieben aber gut behauptet, so Altbesitz, späte Reichsschuld- buchforderungen, Komunal - Umschuldung, Reichs- mark-Obligationen und Stahlverein-Bonds. Von fremden Werten zogen 4prozentige Einheitsrumänen um 0,13 v. Sy an. Im Verlaufe war die Haltung weiter freundlich, das Geschäft aber sehr ruhig. Das Kursniveau Wie gut ist es dagegen, wenn das Kind herausfühlt, daß man in den großen Ferien , den Hauptwert auf ein elegantes Zimmer, auf üppiges Essen und Trinken legen soll, sondern daß es allein darauf ankommt, möglichst Vieles und Schönes von Gottes weiter Welt zu sehen, Kinder, die etwas verweichlicht sind, werben in ben Ferien oft zu kleinen Helben. Sie schlafen, wenn's eben mal so trifft, auf Stroh unb finb auch glücklich unb zu- frieben, wenn ber Brotkorb auf einer Wanberung einmal etwas höher hängt. Wie günstig in bieser Hinsicht die straffe Drgamfation ber Jugenb wirkt, wirb jeber zugeben. Die Kinber werben bescheiben unb froh unb glücklich, wenn ein Blatt nach bem anbern von bem übermältigenb großen, überwältigen!) schönen Buch Natur sich vor ihren Augen auftut, wenn sie bie Silber sehnsüchtig aufnehmen. An manch einen Sonnenaufgang, an manch tief» büftern See benken sie noch, wenn bie Zeit alle anbern, mehr äußerlichen Einbrücke jener Vergangenheit längst verwischt hat. Man klagt so oft, unb zwar leider mit Recht, baß bie Jugenb von heute Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter ben Papieren angeführten Ziffern geben bie Höhe ber zuletzt besch lossenen Divibenbe an. — Reichsbankdiskont 4 v. Sy, Lombardzinsfuß 5 v. H. Z-rank,un a. M. Berlin Schluß« fur< Schluß!. Abend- börse Schluß- far< Gchlußk. Mittag- börse Datum 10.7. 11-7. 10-7. 11-7- •% Deutsche Reichsanleihe v. 1927 93 93 93,13 93,13 6% efoem.7% Dt.Reichöanl.v. 1920 — — — bV,% Doung-Anlethe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablüf.-Schuld mit 91,25 91 91 91,4 AuSlvs.-Rechten ........... 95,25 95,13 95,25 95,13 DeSgl. ohne AuSlol.-Rechte...... 6% eöem.8% Hess. BoIIdftaai 1929 (rückzahlb. 102%) ............ 92 90,75 91,5 91,5 6% Hess. Landesbank Darmstadt Gold R. 12........... 89,5 89,5 89,5 89,5 6¥i7o Hess. LandeS^ypothekea- bank Darmstadt Ltqui....... 88,75 88,75 _ Oberhessen Provtnz-Anleihe mit Auölos.-Rechten ........ 95,5 95,5 Deutsche Komm. Sammelabl. An- leihe Serie 1 mit AuSlos.-Rechten 6% ehern. 8% Franks. Hyp.-Bank 95,75 95,4 95,65 95,5 Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935 •% ehem. 7% Franks. Hyp.-Bank 88,75 89 89,5 89,25 Goldpfe. 16 unkündbar biS 1936 88,75 89 —> iVi% ehem.