e b n dn 'n. bei M he, bit rb % berl :nbi )ielt t ).30| gen- i.45| iget. lern, Zial' lach, !Zirk. Lie> asts, 16i nier> luni -hich- iges- chaii. 9 H 14 ti 41 .48 .58 .58 .68 .90 .40 1.70 1.60 1.60 >.60 re»1 rej sejj lis 0 .1« ff WWWW N WZS UM • WW ---- •• - •' . -:/ /I--------J* t"r^/..... •V/y WWWW j ■ •• • 'V*f V M-' - -- — 184. Jahrgang Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhesfen Ur- 258 Erster Blatt 784- Jahrgang Donnerstag, H. Oktober 7934 Ä: LLbL liAt AMAMAH Z^H AM 'b"8^Uhrd"°Lrmtt.ag1 Heimat >m Bild Die Scholle Ä W A W HX Ä W B N | B ® ▼ WH Hi Kl F Grundpreise für l mm höhe Monatz-Vezug§pret§: HÄ M HH H WJr EjLx H W ßZ H > WWW Hx WWW M X W für Anzeigen von 22 mm Mit 4 Beilagen RM.1.95 UV W W ®T W UBf W W H W Z WWW WWW Hf W Breite 7 Rpf-, für Text. Ohne Illustrierte „ 1.80 H ES H ßW R| M WL^ SÄ W W M U. W RH rak . W anzeigen von 70 rnrn Breite Zustellgebühr . „ -.25 W ■ W W W V |* ■ V ' 60 Rpf..Platzvorschrift oder Auch bei Nichterscheinen ~ ä ■ "*r schwieriger Satz 25°/0 mehr W V *U Grundpreis-: HM General-Anzeiger für Oberhesfen WZ üronifurt am iiiair. 11686 vruck uttbVerlag: vrSht'sche Univerfitäts-Vuch- und Steinbruderei «.Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7 M^n^nabsch-Üsi^swff^m Die Bluttat von Marseille. Noch keine Klarheit über die Person des Königsmörders. — Ungenügende Sicherung des Staatsbesuchs. Die Aufbahrung des Königs in der Polizeipräfektur von Marseille, in der er — ohne da» Bewutztjeilr wiedererlangt zu haben — serfchied. — (Funkbilds Wenige Minuten vor dem Attentat: Außenminister Barthou begrüßt König Alexander bei seiner Ankunft in Marseille. — (Funkbild.) Königs Alexander von Südslawien st um so stärker und herzlicher, als Europa in ihm - »inen Staatsführer befaß, der nicht nur menschlich, -andern auch politisch die hervorragendsten Eigen- ! -chaften eines Mannes in sich vereinigte. In drei Ebenen vollzog sich das segensreiche Wirken des südslawischen Herrschers: er war der Einiger seines Vaterlandes, er war der Verteidiger der Freiheit »er Balkanvölker und er war darüber hinaus noch in Förderer der großen europäischen Völkergemein- »chaft. Auf allen drei Gebieten seiner politischen Betätigung hatte er große Erfolge, denn er gründete sein Werk zugleich auf die Sehnsucht nach einem t chten Frieden und auf die heiße Liebe zu seinem eigenen Volke. Das machte seine Größe aus, vor b er sich jetzt nicht nur die drei Stammvölker Süd- Äawiens, sondern auch die übrigen Völker der Erde beugen. Deutschland, das mit dem südslawischen Staat stets in guten Beziehungen gestanden hat, bringt der tiefen Trauer des südslawischen Volkes b esonderes Verständnis entgegen. Die starken wirtschaftlichen und kulturellen Bande, die uns mit Interesse hatten. Wir dürfen aber die Feststellung Ziele, die Freiheit des eigenen Volkes und der all- Deretntgen thous verkörperte. Wird Frankreich die Gelegenheit Hal die französische Polizei versagt? dem Leben des südslawischen Volkes verknüpfen, haben uns auch mit dem großen inneren Aufbauwerk des verstorbenen Königs bekanntgemacht. Wir konnten den ehrlichen Bestrebungen Alexanders I. unsere Anerkennung umsoweniger versagen, als wir an den politischen Entwicklungen und Verwicklungen des Balkans keinen Anteil und daher kein direktes kann und wird. Es erhebt sich auch die Frage, welchen Weg d i e tur gewidmet. Ganz nahe der Natur als Jäger in den Bergen feiner Heimat suchte und fand er seine Erholung. Der Erziehung seiner Söhne widmete er gemeinsam mit der Königin Maria die größte Sorgfalt. Sein vorzeitiger tragischer Tod wirkt um so erschütternder, wenn man weiß, wie vorbildlich das Leben innerhalb der königlichen Familie für ein Volk war, in dem der patriarchalische Zusammenschluß der Familie noch heute in so hohem Ansehen steht. Unser innigstes Mitgefühl muß sich daher der schwer geprüften Königin Maria zuwenden, die sich nun in der Aufgabe der Erziehung ihrer Söhne, und insbesondere des elfjährigen Kronprinzen Peter, plötzlich der besten Stütze beraubt sieht. Ihre Liebe zu den Kinder ist sprichwörtlich in Jugoslawien, und diese Liebe wird ihr die Kraft geben, durch ihre mütterliche Sorge die durch den Tod des Vaters gerissene Lücke nach Möglichkeit auszufüllen. Die ungewöhnliche Begabung und ausgezeichnete charakterliche Veranlagung des Kronprinzen lassen erhoffen, daß das Vorbild des Vaters und die Sorge der Mutter zum Segen des jugoslawischen Volkes einst reife Früchte tragen werde. i sind. Dazu bedarf es allerdings der Ueberroinbung I des großen Irrtums, der sich in der Person Barfallen ist. Das französische Volk kann gewiß sein, daß wir bei aller Kritik an den veralteten diplomatischen Methoden Barthous doch die tiefe Trauer verstehen, die das Gemüt jedes nationaldenkenden Franzosen ergriffen haben mag. Denn wenn auch Louis Barthou wegen feiner Feindschaft gegenüber Deutschland ganz Europa in Unruhe gebracht hat, schwörer der ganzen Welt ober gar der Schauplatz ihrer Tätigkeit sein. Auch in einem Teil ber französischen Presse werben bie Angriffe gegen bie Sicherheitspolizei seit ben Vorfällen von Marseille immer heftiger. „£e 3out“ gibt die Aeußerung eines ungenannten Gewährsmannes wieder, der die russischen, bulgarischen und mazedonischen kreise in Paris genau kenne. Dieser Gewährsmann behauptet, er habe vor einigen Tagen die Mitteilung von einer beabsichtigten Ermordung des Königs Alexander in Paris erhalten. Außerdem fei ihm zugetragen worden, daß demnächst eine hochstehende Berlin, 10. Oft. (DNB.) Ein Vertreter des Deutschen Nachrichtenbüros hatte Gelegenheit, m i t dem deutschen Gesandten in Belgrad, ber sich zu bienstlichen Besprechungen in Berlin aufhält, über bie furchtbare Bluttat zu sprechen, welcher König Alexander von Sübslawien zum Opfer gefallen ist. Gesandter von Heeren erklärte: Ich habe feit meinem Amtsantritt in Belgrab vor einem Jahre mehrfach Gelegenheit gehabt, mit Seiner Majestät bem König Alexanber in Gesprächen über politische linb anbere Dinge auch menschlich näherzutreten, und bin von Anfang an unter dem stärksten Eindruck dieser großen Führer- persönlichkeit gestanden. Der Ern st und die Hingabe, mit denen der König sich seinen Aufgaben stets gewidmet hat, sind ja ebenso bekannt wie seine von glühender Vaterlandsliebe getragene Entschlußkraft und Charakter st ärke. Aber weniger bekannt ist es vielleicht, daß dieser Herrscher, der seit jungen Jahren die Last einer ungeheuren Verantwortung auf seinen Schultern trug, im persönlichen Verkehr von gewinnend st er Einfachheit und Natürlichkeit geblieben war. Seine spärliche freie Zeit war ganz feiner Familie und seiner Freude an der N a - Europas" zu sein, zum großen Teil verloren hat. I gemeine Völkerfriede, sehr wohl r---: : 3 - - Die Zukunft wird lehren, ob die Mission des toten lassen und auf einem geraden Wege zu erreichen Königs von feinen Nachfolgern fortgeführt werden ri**x — War die Absicht eines Attentats in Paris bekannt? - Hat Barthou nicht rechtzeitig Hilfe erhalten? französische Außenpolitik einschlagen ergreifen, um nun das große Werk des Frie- wird, nachdem ihr bisheriger Leiter, Louis B a r -! d e n s zu beginnen, für das eine ehrliche deutfch- thvu, den Kugeln des Verbrechers zum Opfer ge- j französische Aussöhnung die erste Voraussetzung ist? .......v,|v *uu vmi।vd «vn 1 fo glaubte er doch, dieses um seines Volkes treffen, daß es nicht zum wenigsten der Tatkraft I w i l l e n tun zu müssen. Die Beispiele moderner des verstorbenen Königs zu danken ist, wenn der * Staatsmänner aber zeigen deutschlich, daß sich beide Balkan heute seinen schlechten Ruf, die „Brandfackel ' Ziele, die Freiheit des eigenen Volkes und der all- Schwere Beschuldigungen. Presse und Frontkämpferverbände fordern gründliche Säuberung. Paris, 11. Oft. (DNB. Funkspruch.) Der N a - tionaloerbanb ehemaliger Frontkämpfer (UNC.) veröffentlicht angesichts des Anschlages von Marseille einen Aufruf, in dem er seinen Schmerz und feinen Zorn zum Ausdruck bringt über die Fehler derer, die es nicht verstanden hätten, für den Schutz eines hohen Gastes zu sorgen. Frankreich, das traditionelle Land der Gastfreundschaft, dürfe nicht zum Zufluchtsort der Der- Die Persönlichkeit König Alexanders Ein Gespräch mit dem deutschen Gesandten in Belgrad. Der Mörder hat sich auf das Trittbrett des Autos geschwungen und feuert auf den König und den neben ihm sitzenden Außenminister Barthou. — (Funkbilds Die Tat von Marseille ist von der gesamten Weltmeinung als ein politisches Verbrechen gekennzeichnet und verurteilt worden. Dabei steht die menschliche Anteilnahme an den Opfern des ruchlosen Anschlages durchaus im Vordergrund. Die politische Sensationshascherei hat hier nichts zu suchen. Die Frage nach den Beweggründen des Mörders, für den sich keine Stimme der Entschuldigung erhoben hat, tritt zurück hinter dem Gefühl des Mitleids, das uns alle angesichts des tragischen Endes der beiden Staatsmänner ergriffen hat. Die Anteilnahme an dem Hinscheiden des Der elfjährige König Peter II. de la Rocque dann wie folgt zusammen: Unzureichende Autorität, beständige Einmischung von Politikern in die Polizeiaufgaben, Verstopfung des Dienstbetriebes infolge mangelhafter Zielsetzung. Die Sicherheitspolizei sei mit Personen ohne moralischen Halt, von wahren Gangsters durchsetzt. De la Rocque verlangt die Auflösung der Kommunistischen Partei und das Verbot aller Kundgebungen, die nicht unter der Trikolore stattfinden, sowie eine Reform der Sicherheitspolizei, bei der eine endgültige Trennung zwischen Polizeiaufgaben und Poc^ vorgenommen werden müsse. „Le 3our“ beschwörl den Ministerpräsidenten Doumergue, die Säuberungsaktion großen Stils unverzüglich vorzunehmen. Das Blatt berichtet mit Entrüstung, daß Barthou mit seiner Armwunde zu retten gewesen wäre, wenn seine leichte Verwundung rechtzeitig beim nächsten Apotheker abgebunden worden wäre. Nach dem Anschlag sei aber Barthou mit seinem blutenden Arm allein aus dem Kraftwagen ge st Legen, ohne daß eine französische militärische Persönlichkeit „an die Reihe kommen" würde. Der Führer der „Feuerkreuzler", der Oberst de la Rocque, weist auf den ideologischen Z u - ^sarnrnenhang der Morde auf den Präsidenten Dourner, König Alexander und Barthou mit den Kommuni st en und Marxisten hin. Er kenne sogar enge Beziehungen, die bis zur D r i t- fen Internationale in Moskau reichten. Die Kritik an der französischen Polizei faßt ie- Barthou aufgebahrt. Der Köni, ziere aus dem Gefolge des toten Herrschers ein- gesargt und unter militärischen Ehren jum Hafen übergeführt, wo der südslawische Kreuzer „D u b r o w n i k" sie an Bord nahm. An der Spitze Das Staatsbegräbnis für Barthou ist auf Samstagvormittag festgesetzt. Barthou hatte in seinem Testament eine schlichte Beerdigung gewünscht. Der französische Kabinettsrat glaubte jedoch, sich hierüber hinwegsetzen zu sollen, weil er der Auffassung war, daß der Tod des Außenmini- Totenbett die serbische Genera! Großkreuz der Ehrenlegion. Gegen Mittag führte der Chef des Protokolls des französischen Außenministeriums die Königin Maria und den Präsidenten Lebrun in die Totenkapelle. Um 16 Uhr wurde die sterbliche Hülle König Alexanders im Beisein der Königin und der Offi- sters unter besonders tragischen Um -1 ständen erfolgt sei, die ein S t a a t s b e g r a b- n i s rechtfertigen. Nach einer religiösen Feier in der Kapelle des Jnvalidendoms wird tue sterbliche Hülle Barthous in der 9 a m i 1 i e n« gruft auf dem Friedhof Pere Lachaife beigesetzt werden. Ursprünglich hatte die Regierung geplant, Barthou ins Pantheon überführen zu lassen, jedoch hat sie davon abgesehen, um den letzten Willen des Verstorbenen zu achten. Oie italienische Marine beabsichtigt eine letzte Ehrung König Alexanders. Paris, 11. Okt. (DNB. Funkspruch.) Wie das „Echo de Paris" zu wissen glaubt, hat der italienische Marine-Attachä sich beim Marinemlnlsterlum erkundigt, zu welchem Zeitpunkt der südslawische Kreuzer „Dubrownik mit der LeichedesKönigsAlexander die Meerenge von Messina durchfahren werde. Die italienische Marine beabsichtigt, ein Geschwader zu entsenden, das den toten südslawischen König auf hoher See die letzten Ehren erweisen soll. Oer südslawische Staat. Geschichtliche Hintergründe zum Attentat von Marseille. Von Or. Walther Schmied-Kowarzik, Professor an der Hochschule für Lehrerbildung Friedberg und Priv.-Oozeni an der Universität Gießen. Wer war der Mrder? Oer tschechische Paß eine Fälschung.-Auf der Suche nach den Helfershelfern. des Trauerzuges schritt der Präsident der französischen Republik, neben der K o - nigin Maria der südslawische Außenminister, dann folgten der Präsident der französischen Kammer und die übrigen Würdenträger. Der Sarg wurde von sechs französischen Offizieren einer Abordnung von sechs südslawischen Offizieren übergeben, die ihn auf das Kriegsschiff brachten. Der südslawische Kreuzer ist bald darauf in See ge- a a n a e n. Der Kreuzer „Dubrownik' wird von zwei französischen Kreuzern und einer Torpedoboot-Zer st örerflottille begleitet. Der Kriegsmarineminister Pi6tri wird an Bord eines der französischen Kreuzer die sterbliche Hülle König Alexanders heimgeleiten und in Belgrad zusammen mit dem Kriegsminister Marschall Pötain die französische Regierung bei den Beisetzungsfeier- lichkeiten vertreten. Königin-Witwe Maria von Jugoslawien. den Zug nach Paris bestiegen. Auf dem Viktoria - Vahnhof waren außerordentliche Vorsichtsmaßnahmen getroffen worden. Zahlreiche Polizeibeamte in Uniform und Zivil überwachten die Bahnsteige. Vor dem Bahnhof hatte sich eine große Menschenmenge anqe- sammelt, die in ehrfürchtigem Schweigen der Anfahrt des Königs und der Königin zuschauten. In Paris ist König Peter in Begleitung seiner Großmutter am Mittwochabend eingetroffen. Schon bei der Landung des aus England kommenden Dampfers in Calais waren umfangreiche polizeiliche Schutzmaßnahmen getroffen worden. Dasselbe geschah auch auf dem Bckhnyof in Paris. Um ganz sicher zu gehen, ließ man sogar den 0-Zug, an dem ein Salonwagen für den jungen König angehängt worden war, 15 Kilometer von Paris entfernt in der Ortschaft Gonesse halten. König Peter II. und seine Großmutter verließen hier den Zug und legten den Weg bis Paris im Kraftwagen zurück. Der junge König wurde vom Arbeitsminister F l a n d i n im Namen der französischen Regierung empfangen. König Peter wohnt in der Privatwohnung des südslawischen Gesandten in Paris, die Königinmutter Maria von Rumänien hat in einem großen Hotel in der Pariser Innenstadt Wohnung genommen. Das Testament des Königs Alexander. Belgrad, 10. Okt. (DNB.) Das Testament König Alexanders, in dem er die Mitglieder des Regentschaftsrates bestimmte, ist vom 5. Januar 1934 auf dem Sommerschloß in Veles datiert und hat folgenden Wortlaut: Nach meinem freien Willen und in meiner tiefsten Ueberzeugung, damit am besten den Interessen meines teuren Vaterlandes, des Königreiches Süd- flawien, sowie meinem teuren Volke und dem königlichen Hauses zu dienen, bestimme ich auf Grund des § 42 der südslawischen Verfassung für den Fall, daß der Thronfolger aus Gründen, die im § 41 der Verfassung aufgezählt sind, die königliche Gewalt nicht ausüben kann, zu Mitgliedern des Regentschaftsrates: Den Prinzen Paul Karageorgewitsch, den Senator und Kultusminister Radenko S t a n k o w i t s ch sowie den Statthalter des Save-Banats Ivan P e r o w i t s ch. Zum Vertreter des Prinzen Paul bestimme ich den Armeegeneral Vojislaw T o m i t s ch, den Kommandanten von Belgrad, zum Vertreter des Herrn Radenko Stankowitsch den Senator Iowa B a n j a n i n und zum Vertreter des Herrn Pero- v i t s ch den Senator Setz. Diesen Akt schrieb und unterfertigte ich eigenhändig in zwei Originalexemplaren, von denen das eine Ihre Majestät die Königin und das andere der Ministerpräsident zu verwahren haben wird. Beide Exemplare dieses Aktes befinden sich in Umschlägen, die durch mein Siegel versiegelt sind. (gez.) Alexander Karageorgewitsch König von Südslawien. König Alexanders letzte Fahrt. Samstag Staatsbegräbnis für Barthou. Der südslawische König ist von einem Kroaten erschossen worden. Wie ein Blitz erhellt diese Tat die Gegensätze innerhalb des „Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen" (S. H. S. = Srbski, Hra- vatski, Slovenski). Südslawien ist kein Staatmit einem einheitlichen Volk, das durch eine gemeinsame Kultur und Geschichte zusammengehalten wird. Zwar spricht die amtliche Bevölkerungsaufnahme von 74,4 v. H. Staatsbürgern der serbischen (kroatischen, mazedonischen) Muttersprache und zählt als Minderheiten nur die Slowenen mit 8,5 v.H., die Deutschen mit 4,3 v. H., die Ungarn mit 3,9 v. H., die Erneuten oder Albaner mit 3,7 v. y)., die Rumänen mit 1,9 v. H. auf. Aber die Zersplitterung der Bevölkerung ist in Wahrheit viel größer. Die Regierung rechnet zu den fast 75 v. H. Serdokroaten die Mazedonier im Südosten des Landes hinzu, einen Volksstamm, der zwischen Serben und Bulgaren in der Mitte steht. Das Bündnis, das eben jetzt zwischen dem südslawischen und dem bulgarischen Königreich angebahnt worden ist, soll, wie verlautet, als Gegenleistung (für die versprochene bulgarische Neutralität im Falle eines südslawischitalienischen Krieges) eine bessere Behandlung der Mazedonier durch das herrschende serbische Staatsvolk vorsehen. Aber all dies ist noch nicht der große Riß, der durch das Land hindurchgeht. Dies ist der Gegensatz zwischen den katholischen Kroaten und den meist griechisch - orthodoxen Serben (11 v. H. der Bevölkerung sind mohammedanisch, im ehemaligen Bosnien wohnend). Wenn auch die serbokroatische Hochsprache eine einheitliche ist, so besteht doch schon — von Aussprache und Mundart abgesehen — durch die verschiedene Schrift ein großer Gegensatz: die Kroaten benutzten seit altersher die lateinische, die Serben die kyrillische Schrift, die erst in der Gegenwart allmählich durch die Lateinschrift ersetzt wird. Allmählich: denn durch einen Regierungsbeschluß kann zwar die Schrift in Schulen und Aemtern geändert werden, doch lernen dadurch die schreibkundigen Erwachsenen nicht mit einem Schlag die anbefohlene neue Schrift. IFür die Schreibunkundigen, deren Zahl unter den Serben nicht gering ist, ist diese Frage freilich von geringerer Bedeutung.) Wichtig ist und bleibt aber der religiöse Gegensatz, der mit einem vielhundertjährigen geschichtlichen Schicksal gleichlaufend ist. Das Land umfaßt 46,6 v. H. Griechisch-Orthodoxe, 39,4 v. H. Römisch-Katholische, 11 v. H. Mohammedaner (meist Serben), 1,8 v. H. Protestanten (meist Deutsche), 0,5 v. H. Juden. Die Slowenen im äußer- Heißt der Mörder Suck? Nachforschungen in südslawischen Lmigrantenkreisen. DNB. Paris, 10. Okt. Die in Paris vorgenommenen polizeilichen Nachforschungen scheinen einwandfrei ergeben zu haben, daß der Attentäter von Marseille einen auf den Namen Kalemen gefälschten Paß führte. Ob sein wirklicher Name Suck lautet, unter dem er sich am 30. September in einem kleinen Pariser Hotel eingetragen hat, bleibt festzustellen. Von Interesse ist, daß dieser Suck, in dessen Lichtbild das Hotelpersonal sofort den Mörder erkannte, und sein Begleiter, der sich als Wlades- law B e n e s ch angemeldet hatte, öfter von einem dritten Mann besucht worden sind, dessen Name Nikomir Malis gelautet haben soll. Ein aus Südslawien gebürtiger Nikomir Malis war der französischen Polizei seit längerem als v e r - oächtig gemeldet worden. Kurz vor der Ankunft des südslawischen Königs hatte man den Befehl erteilt, auf ihn besonders scharf zu achten. Er war bereits im vergangenen Jahre in Marseille wegen Diebstahles zu vier Monaten Gefängnis verurteilt und nach Verbüßung der Haft aus Frankreich ausgewiesen worden. Die Annahme, daß der Attentäter von Marseille Helfershelfer gehabt hat, scheint durch die Aussage eines Hotelbesitzers aus Aix-en-Provence bestätigt zu werden, der erklärte, daß drei Personen, darunter der Mörder des Königs Alexander, am Sonntagabend in seinem Hotel abgestiegen seien. Der Attentäter, den der Hotelbesitzer nach dem in der Presse verbreiteten Lichtbildern genau wiedererkannte, habe die Eintragung in das Hotelregister immer wieder aufgeschoben. Seine Gefährten hätten sich Egon Kramer, 24 Jahre alt, geboren in Fiume, kroatischer Nationalität, und als Sylvester C h a l - n y, tschechoslowakischer Staatsangehöriger, von Beruf Kaufmann, eingetragen. Beide hätten angegeben, daß sie nach Paris wollten. Kramer soll als erster im Hotel eingetroffen fein, Chalny und der Mörder feien im Laufe der Nacht zum Montag nachgekommen und hätten sich als Brüder Kramer ausgegeben. Kramer habe Montagnachmit- Man neigt in Südslawien daher zur An- nähme, daß der Mörder Mazedonier fei und findet für diese Auffassung in dem Umstande eine Bestätigung, daß er am Körper die Zei- chen und die Buch st oben der Inneren Revo- lutionären Mazedonischen Organisation (J M RO.) eintätowiert hatte. offizielle Persönlichkeit ihn begleitet hätte. (Er habe f i ch selb st einen Mietwagen gesucht, der ihn ins Krankenhaus gebracht habe. „Echo de Paris" erklärt: Innerhalb der Sicherheitspolizei wimmelt es neben einigen ordentlichen Leuten von Abenteurern, Gangsters, geldgierigen Beamten und Politikern. „Matin" fragt, weshalb dem König nicht das übliche Ehrengeleit in Form einer Schwadron berittener Truppen gegeben worden sei, was die Ausführung des Anschlages erschwert hätte. „Ordre" nimmt die Sicherheitspolizei in Schutz und erklärt dem Sinne nach, ganz so schlimm dürfte sie wohl nicht sein, wie man sie jetzt hinstelle. König peter in Paris. Außerordentliche Sicherheitsmaßnahmen der Polizei. DNB. London, 10. Okt. König Peter II. von Südslawien, der in den frühen Morgenstunden des Mittwoch von dem tragischen Tod seines Vaters benachrichtigt worden war, begab sich im Laufe des Vormittags nach London ins Hotel Ritz, wo er von feiner Großmutter, der Königin Maria von Rumänien erwartet wurde. Kurz vor 14 Uhr begaben sich König Peter und Königin Maria zum Viktoria-Bahnhof, wo sie tag das Hotel verlassen, während seine beiden Gefährten die Nacht zum Dienstag im Hotel verbrachten und sich Dienstag früh ein reichliches Frühstück geben ließen und überdies eine große Menge Alkohol zu sich nahmen. Der Attentäter soll Dienstagvor- mittag bann in der Hotelhalle die aufliegenden Zeitungen mit den Vorberichten über die Ankunft des Königs von Südslawien sehr eingehend gelesen haben. Er und sein Kamerad hätten noch das Mittagessen im Hotel eingenommen und seien gegen 13 Uhr f o r t gegangen mit der Erklärung, sie würden bann zum Abendessen zurück sein. Um 18.30 Uhr sei aber nur Chalny roieber im Hotel eingetroffen. Er habe seine Kameraben entschuldigt, bas Abenbessen eingenommen, bie Rechnung beglichen unb sei bann verschwunben. In Paris find in sübslawischen Emigrantenkreisen viele Haussuchungen vorgenommen worben, so u. a. bei bem früheren subslawischen Innenminister Pribitschewitsch, ber Kommandeur ber Ehrenlegion ist. Man hat bei ihm eine Menge von Schriftstücken beschlagnahmt, bie ber Staatsanwaltschaft übergeben würben. Ein besonberes Augenmerk hat bie Polizei auf bas sogenannte sübslawische Komitee gerichtet, besten Geschäftsräume burchsucht würben, unb besten Mitglieber einem eingehenden Verhör unterzogen worben finb. Auch ber Sübslawis ch e n G e - s e l l s ch a f t stattete bie Polizei einen Besuch ab. Sie sprach ferner bei Wlabimir Rabitsch, bem Sohne bes bekannten kroatischen Abgeorbneten, ber vor brei Jahren im sübslawischen Parlament erschossen würbe, vor. Als bie Polizei vor seiner Wohnung erschien, tauchten dort zwei südstawische Staatsangehörige auf, bie sofort festgenommen würben, weil sie sich im Besitz von Schußwaffen befanben. Paris, 10. Okt. (DNB.) Präsibent Lebrun hat bei seinem ersten Beileibsbesuch, ben er ber Königin von Südslawien abstattete, mit ber Königin in großen Zügen bie Regelung ber Trauerfeier besprochen. Die sterbliche Hülle bes Königs würbe auf einem Katafalk in ber Präfektur neben - \a trägt auf feinem ilsuniform unb bas ften Norbweften (an ber österreichischen und italienischen Grenze) sowie bie ihnen benachbarten Kroaten finb katholisch (auch ber größere Teil ber Deutschen ist katholisch). Griechisch-orthobox sinb bie Serben unb bie Mazedonier sowie anbere Dolks- splitter im ©üben. Das verschobene Bekenntnis bes katholischen Norbwesteiis unb bes griechisch-orthodoxen Süd- ostens ist Ausbruck des völlig verschiebenen Schicksals bieser Gebiete. Slowenien unb Kroatien stauben frühzeitig unter westlichem Kultur- einfluh: von Rom empfingen sie das Christentum, schon die Karolinger übten die Oberhoheit über sie aus, und bie Slowenen blieben im Grunde bis 1918 in einem deutschen Staatsverband. Die „win- dische Mark" der Karolinger, von deutschen Grafen beherrscht, kam bald unter österreichische Verwaltung und blieb in diesem Kulturbereich bis zum Zusammenbruch des Habsburger Staates. Kroatien, das nur kurze Zeit selbständig ist, wird 1091 mit Ungarn vereinigt und teilt die Geschicke dieses Staates, der seit 1526 von den österreichischen Herrschern regiert wird. Mit Ausnahme des östlichen Teils von Kroatien (der im 16. und 17. Jahrhundert von den Türken besetzt ist) verbleibt dieses Gebiet unter ber Herrschaft ber Krone bes heiligen Stephan bis zum Wendejahr 1918. Ganz anbers bie Geschichte Serbiens: Zunächst unter byzantinischer Oberhoheit, von Byzanz zum Christentum bekehrt, vermögen bie Serben von 1043 bis 1389 einen eigenen Nationalstaat zu halten, ber unter Stephan Duschan um 1350 eine ruhmreiche Macht entfaltet Dann befinben sie sich jahrhunbertelang unter türkischer Herrschaft, bis sie 1804, enbgültig 1816 bas altserbische Lanb mit Beigrab als Hauptstabt befreien unb im wesentlichen als selbständigen Staat (zwischen 1840 unb 1860 in gewisser Abhängigkeit von ber Türkei) aufrechterhalten können. In unserem Jahrhundert vergrößert ber Krieg gegen bie Türkei ben serbischen Staat unb am Enbe bes Weltkriegs fällt ihm bas gesamte serbokroatische Gebiet Bosniens, bes un- garlänbifdjen Kroatiens unb bes österreichischen Sloweniens zu. Es ist klar, baß ßänber von solcher Verschieden- heit ber Kultur unb Geschichte kein einheitliches Ganzes bilben können. Kroatien verlangte im neuen sübslawischen Staat immer roieber Autonomie, boch bie Serben, bas herrschend Staatsvolk, gewährten sie nicht, sondern regierten zentralistisch. So kam ber Unwille des kroatischen Volksstammes in den letzten Jahren verschiedentlich zum Ausdruck. Das Marseiller Attentat ist ein Glied in ber Kette bieser Kämpfe. Ungarn wehrt sich gegen Verdächtigungen. Bub ap e st, 10. Okt. (DNB.) In der Presse kommt neben dem Beileid unb der Entrüstung über bas Marseiller Attentat bie Empörung über bie gegen Ungarn gerichteten Verbuch- tigungen ber französischen Presse zum Ausbruck. Die Blätter roenben sich scharf gegen bie Behauptung einiger französischer Blätter, baß Ungarn ber kroatischen (Emigration -u o r • schub geleistet habe unb bamit inbireft für bas Attentat von Marseille verantwortlich sei. In biefem Zusammenhang kommen in ber Presse auch Angriffe gegen bie französische Außenpolitik in Südosteuropa zum Ausbruck. Das ber Regierung nahestehenbe „8-Uhr-Abenbblatt" schreibt, Ungarn hoffe, ber blutige Anschlag von Marseille werbe ben Staatsmännern Europas bie Augen öffnen, baß nunmehr enblich neue Wege begangen werben müßten, unb baß mit neuen Mitteln bie fo bringenb erforberliche Beruhigung Europas zu erreichen fei. Der „Pester Lloyd' lehnt gleichfalls aufs entschiebenfte ben „perfibfcn Angriff" ber französischen Blätter gegen Ungarn ab. Wenn man ber Verantwortung an ber Marseiller Tragödie nachspüren wolle, so könne man mit Recht auf die Unzulänglichkeit ber mit ber Bewachung betrauten französischen Po - l i 3 e i o r g a n e Hinweisen. Der Führer an den südslawischen Regentschaflsral. Berlin, 10. Okt. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler hat an den R e g e n t s ch a f t s- r a t in Belgrad nachstehendes Beileidstelegramm gerichtet: „Ew. Königliche Hoheit und die übrigen Mitglieder des Regentschaftsrates bitte ich, die Versicherung meiner aufrichtigsten Anteilnahme an dem schweren Verlust entgegenzunehmen, ben Sübslawien burch ben so tragischen Tob Seiner Majestät bes Königs Alexanber erlitten hat. , , ,, (Gez.) Abolf Hitler, Deutscher Reichskanzler." Im Auftrag bes zur Zeit von Berlin abroefenben Reichsmini st ers bes Auswärtigen begab sich ber Chef bes Protokolls Gefanbter Graf von B a f f e w i tz in bie Köni^ich Jugoslawische Gesanbtschaft unb in bie französische Botschaft und sprach zugleich auch im Namen ber Reichsregierung bem Kgl. jugoslawischen Ge- sanbten, Herrn Balugdzic, unb bem französischen Botschafter, Herrn Francois Poncet, bas Beileib anläßlich bes Ablebens Seiner Majestät bes Königs von Jugoslawien unb bes französischen Ministers ber Auswärtigen Angelegenheiten, Herrn Barthou, aus. Das vierte Todesopfer. Marseille, 10. Okt. (DNB.) Eine von ben beim Anschlag auf ben König von Sübslawien verletzte Frau ist heute ihren Verletzungen erlegen. Damit hat sich bie Zahl ber Opfer auf vier erhöht. Das kommunistische-marxistische Wahlbündnis in Frankreich. Paris, 11.Okt. (DNB. Funkspruch.) Ein in ber kommunistischen „Humanite" unb im marpf/i- schen „Populaire" veröffentlichter gleichlautender Aufruf gibt bie Bestätigung bafür, bah die Kommunisten unb Marxisten beim zweiten Wahlgang ber Kantonalwahlen am fommenben Sonntag zusammengehen und m den einzelnen Bezirken geschlossen für ben jeweils aussichtsreicheren Anwärter — Kommunisten ober Marxisten — stimmen werben. In ben Bezirken, in benen ein rabikalsozialistischer A n wär- t e r gegenüber einem Vertreter ber Reaktion und Faschismus aussichtsreicher in ber Stichwahl steht, werben bie Kommunisten unb Marxisten geschlossen für ihn stimmen, wenn er bie nationale Einigung ab lei) ne, bie als Wanbschirm für ben Faschismus biene, unb wenn er sich verpflichte, mit ben Kommunisten unb Marxisten zusammen bie „bemokratischen Freiheiten" zu oerteibigen. Erfolge der Truppen in Spanien. Das erste Standgerichtsurteil. Paris, 11. Okt. (DNB.-Funkfpruch.) Nach einer Mitteilung bes spanischen Innenministeriums stellt sich bie Lage in Spanien zur Zeit wie folgt bar: In Mabrib unb einigen Provinzstädten wirb ro e i t e r ,g e ft r e i f t, bie Ruhe ist aber nicht gestört. In San Sebastian waren einige be- beutungslose Zwischenfälle zu verzeichnen. In Asturien rücken bie Regierungstruppen zielbewußt und erfolgreich vor. Die Aufstänbischen werben allmählich zurückgebrängt. In den Vorstäbten von O v i e b o unb ben Bergwerkszentren von M i e- res unb Olloniego haben noch bie Aufständischen die Oberhand. In Anbetracht der für bie Aufstänbischen hoffnungslosen Lage unb bet großen Anzahl von Arbeitern, die sich den Truppen be« reite ergeben haben, wirb bamit gerechnet, baß sich bie ausstänbische Stabt jeben Augenblick ergibt und bie Regierungstruppen ihren Einzug halten können. Von Militärfliegern würben Blätter mit einem Aufruf eines Truppenbefehlshabers über bem auf' stänbifchen Grubengebiet abgeworfen, in bem die Aufstänbischen aufgeforbert werben, sich zu ergeben, um unnützes Blutvergießen zu vermeiden. Je länger man mit ber Uebergabe warte, besto strenger werde bie zu erroartenbe Strafe fein. Aus ber Umgebung von Oviebo würben am Mittwochabend weitere 14 Tote unb zahlreiche Verwundete gemeldet, ebenso bie Gefangennahme von 1600 Mann. Sämtliche Parteistellen ber katalanischen Linken würben ge* schlossen. Im übrigen Spanien herrscht Ruhe. — Nach einer Havasmelbung aus Mabrib kam es trotz aller Sicherungsmaßnahmen am Mittwoch- nachmittag wieder zu Schießereien zwischen Aufstänbischen unb Polizei, vor allem in ben Vorstädten von Mabrib. Mehrer Personen sind verletzt worben. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen. — Das Standgericht in Barcelona hat fein erstes Urteil gefäH t. Ein Major Bosch, ber auf Seiten der Aufständischen ■ stand, wurde zu lebenslänglichem If ängnis verurteilt. Wir wollen opfern! Niraenbwo anders kommt der Ge-ist des national» sozialistischen Dritten Reiches sinnfälliger und überzeugender zum Ausdruck als in der Fürsorge für diejenigen Volksgenossen, die, geschüttelt von einem harten Schicksal, abseits stehen als Zaungäste des Glücks. Nirgendwo anders wird die Liebe und Treue des Führers zu feinem Volke ergreifender und selbstverständlicher offenbar als in jenen Augenblicken, in denen er sich mit seiner ganzen Autorität für die Wohlfahrt der Nation, für das Bekenntnis der na» tionalen Solidarität zu den letzten unter uns ein» setzt. Die feierliche Eröffnung des Winterhilfswerkes 1934/35 unterstrich die große Bedeutung der nationalsozialistischen Offensive gegen die Not, zu der sich die Reichsregieruny unter Mitwirkung aller Parteigliederungen anschlckt. Es soll hier nicht eingegan- aen werden auf all die verschiedenen Frontabschnitte, auf denen jetzt der Kampf gegen Hunger und Not beginnen wird. Aber eins erscheint bemerkenswert: daß nämlich das Hilfswerk des Der» aangenen Winters trotz seiner überwältigenden Erfolge nur als großzügige Improvisation bezeichnet wurde, der jetzt erst eine systematische Organisation folgen wird. Daraus erst ist zu ermessen, mit welcher Wucht und Geschlossenheit nunmehr der Ehrendienst am deutschen Volke einsetzen wird. Daß selbstverständlich auch jeder Versuch einer Korruption und jeder Ansatz zur Miesmacherei und Besserwisserei rücksichtslos unterdrückt werden wird, stärkt die sichere Gewißheit, daß in den Händen von Dr. Goebbels die neue gewaltige Aufgabe auf das beste aufgehoben fein wird. Eine große Gewißheit haben wir alle von dem Appell, den der Führer an seine Volksgenossen gerichtet hat, mit nach Hause genommen: Das Wort „0 p s e r" wird, solange der nationalsozialistische Staat besteht, stets der lebendige Ausdruck der durch die Tat bewiesenen Gesinnung sein. Niemand wird dieses Wort in den Mund nehmen dürfen, der es nicht in seinem eigenen Leben wahrgemacht hat. Das Winterhilfswerk kann nur den Sinn haben, in einem Maße zu dem gemeinsamen Werk beizutragen, daß es für jeden einzelnen von uns eine fühlbare Entbehrung bedeutet. Opfern heißt nicht Steuern zahlen, sondern unter Einsatz nicht nur der materiellen, sondern auch seelischen Kräfte sich in die vorderste Front der nationalen Kampfgemeinschaft eingliedern. Es kommt auch nicht allein auf die Höhe des gespendeten Betrages an, sondern mindestens ebenso sehr ober vielleicht noch mehr auf die dabei zutage tretende innere Haltung. Opfern heißt nicht Almosen geben, sondern jene selbstverständliche Hilfeleistung wie die Männer ivom Roten Kreuz, die während des Krieges unter 'Einsatz ihres Lebens die Verwundeten aus der vordersten Schlachtlinie holten. Wenn man wie Adolf Hitler die Not bis zur »äußersten Neige selbst durchgekostet hat, bann besitzt man ein Recht barauf, von jebem einzelnen Volksgenossen Opfer zu forbern, ber sich um des Tages Notburft unb Nahrung nicht zu sorgen braucht. Wirkliche Opfer find es, bie ber Führer ®on jebem einzelnen von uns verlangt. Mit rücksichtsloser Deutlichkeit bemonftrierte er bie unerschütterliche Tatsache, baß ber einzelne nichts, bas Dolk aber alles bebeutet, baß nur ber unerschütterliche Wille ber ganzen Nation imftanbe war, bie deutschen Geschicke zu roenben, unb baß barum auch jeber zum letzten Opfer verpflichtet rft, ber aus dem deutschen Wunder Nutzen gezogen, ber durch die Stabilisierung der Verhältnisse eine Sicherung seiner Existenz gefunden hat. Der Führer verlangt, um es noch einmal zu betonen, pürbare Opfer, und zwar noch ganz erhed- ich mehr von dem, der „sich's leisten kann", als von demjenigen, der von dem Wenigen gibt, das i?r selbst nur besitzt. Sollte der freudige Schimmer »er Dankbarkeit, ber über bas Gesicht bes Führers )iog, als er bie herzliche Hilfsbereitschaft bes beut» ichen Arbeiters erwähnte, nicht ein Ansporn sein lür biejenigen, denen Essen und Trinken, Kleidung und Wohnung in reichlichem Maße zur Verfügung Heben? Denn es ist ja keine zusätzliche und einseitige Gabe, die bie Nation von ihnen verlangt, oonbern bie Wieberherstellung bes Fundaments von Vertrauen unb Lebens- ! r a f t, auf bem ber Staat und damit auch das Werk des Erfolgreichen ruht. Der Führer hat die Hoffnung ausgesprochen, daß as kommende Winterhilfswerk einen noch geroal« tigeren Erfolg haben wird, als das vergangene. Dieser Erfolg soll seinen Ausdruck nicht nur in der Millionenzahl der Kohlen- und Kartoffelsäcke fin» ben, bie ben Bebürftigen unter uns zugeleitet werben, fonbern auch in ber Teilnahme unserer ärme» isen Volksgenossen an ber geiftig^n Unter» 1 a {t u n g, bie bisher nur ben wirtschaftlich Bes- i Isrgeftenten offen staub. Das Winterhilfswerk wirb diesmal nicht nur eine Magenfrage fein, fonbern (s wirb auch ben Hunger bes Gemütes i a ch Freube unb Zerstreuung stillen. Erft wenn erreicht ist, baß jeber ärmere Volks- (snoffe fein Geschick mit bem Geschick jebes reichern Volksgenossen unlöslich verbunben fühlt, erst lunn haben wir bie nationalsozialistische Revolu- hon ganz gewonnen. Nur wenn niemanb hungert unb friert, bleibt auch unsere nationale Ehre gewahrt. Ser Ches des Stabes der SA zur Eröffnung des Winterhilsswerks Berlin, 10. Oft. (DNB.) Der Ches bes Stabes, 1 utze, erläßt folgenben Aufruf: Der Führer ruft im Kampf gegen Hunger unb Jjälte zum Winterhilfswerk 1934/35 auf. Die M i t - tiilfe feiner treuen SA. bei biefem Hilfs- : verk ist eine felbstverftänbliche Pflicht. ! .'urch die Kamerabfchast in ben Reihen ber SA. rnb bie Hilfsbereitschaft untereinanber habt Ihr zu । den Zeiten den Sozialismus ber Tat am beut» lchften gezeigt. Durch Mithilfe an biefem sozialen Hilfswerk bes beutfchen Volkes fragt Ihr bie sprichwörtlich geworbene Kamerab- fqyaft unb Hilfsbereitschaft in bie Reihen ber noch b bürftigen armen beutfchen Volksgenossen unb hilft so zur Festigung wahrer Volksgemeinschaft rrit. Mitzuhelfen an bem Gelingen bes Winter- Ijlfsroerfes ist Ehrenpflicht eines jeben § A. - M a n n e s. Die Mitarbeit ber SA.-Dienst- [tillen habe ich burch Sonberbefehl geregelt. 10 000 UM. der Reichstagsfraktion der NSDAP, für das Winterhilfswerk Berlin, 10. Oft. (DNB.) Für bas Winterhilfs- oirf hat bie Reichstagsfraktion ber KSDAP. auf Anorbnung bes Fraktionsführers kichsminister Dr. Frick 10 0 0 0 Mark über» di e \ e n. Halbe Ordnung II* Die Republik der Optimisten. Äon unserem Dr. (5l.-Sonderkorrespondenien. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Prag, Oktober 1934. Böhmen unb Mähren waren feit Jahr- hunberten bie reichsten Kronlänber der Habsburgischen Monarchie, und Prag gehört zu den ehrwürdigen Zeugen fürstlich städtischer Vergangenheit von Europa. Wer von der alten Moldaubrücke mit ihren barocken Heiligen und Rittern hinüberschaut zur Burg, die sich sieghaft aufbaut über den Kirchen und Palästen der Kleinseite, wer in den Gassen der Altstadt die altersgrauen Steine reden hort, der gerät völlig in den romantischen Bann des Gewesenen. Ist das Erbe des Königs Wenzel und der Hussiten, ber mittelalterlichen Mystik unb bes Herrentums beutscher unb böhmischer Magnaten wirklich noch von biefer Welt? Die Tschechen haben in den letzten fünfzehn Jahren diese Frage mit einem lauten und kräftigen „Ja" beantwortet und find ohne irgendwelche Hemmungen an den Neubau ihres Staates auf den alten Fundamenten herangegangen. Es gibt neue Städte genug auf bem alten Kontinent, unb gerabe in Deutfchlanb ist bas Nebeneinanber von Trabition unb Zukunft längst kein Problem mehr. Aber eine solche Symbiose bes Alten mit bem ganz Mobernen wie hier in Prag ist selbst für unsere Begriffe unerhört. lieber Geschmack läßt sich streiten, unb Graben ober Wenzelplatz finb burch bie fortgesetzten Neubauten architektonisch gewiß nicht einheitlicher geworben. Aber eines läßt sich nicht leugnen: bie Leiter bieses jungen Staates bewegen sich mit oer» blüffenber Unbefangenheit in ber historischen Kulisse unb tun alles, um bie künstliche Schöpfung ber Friebensverträge von 1919 in greifbare Wirklichkeit umzufetzen. Nachfolgestaat unb Nachfolgestaat ist zweierlei, unb es wäre ungerecht zu vergessen, mit welchen Anstrengungen etwa Polen unb S ü b s l a w i e n, wenn man von Kroatien absieht, sich ihren mobernen Nationalstaat aus bem Nichts aufbauen mußten. Es fall auch nicht verschwiegen werben, baß ber Großteil bes mobernen Wirtschafsapparates, ben bie tschechoslowakische Republik fertig übernehmen konnte, sich auf subetenbeutschem Boben unb in beutfchen Hänben befanb. Die Krise wütete baher in biefem westlichen Ranbgebiel befon» bers schlimm, so baß etwa eine halbe Million Menschen bort, b. h. jeber siebente Deutsche, gegenwärtig arbeitslos ist. Dieser grausamen Tatsache sieht bas tschechische Staatsvolk mit egoistischer Gelassenheit zu unb läßt sich nicht beirren, seine Entnationalisierungspolitik im ganzen Umkreis ber amtlichen Reichweite konsequent fortzusetzen. Dafür ist bie Nervosität, mit ber man hier- zulanbe bie nationalsozialistische Revolution in Deutschlanb erlebt hat, feine Entschulbigung, vielleicht jebvch teilweise eine Erklärung. Keine Kombination ist abenteuerlich, kein Greuelmärchen lächerlich genug, als baß es nicht in Prag abge» brückt unb gelesen würbe. Hier zeigt sich bei ben sonst so realblicfenben unb vorsichtigen Tschechen ber schwerste Mangel: bie blinbe Voreingenommenheit gegen bas Deutschtum. Dabei wirken gehässige Erinnerungen aus ber Vorkriegszeit unb bem alten Wiener Reichsrat unmittelbar zusammen mit bem Bewußtsein, baß man seit 1919 von ber gegen bas Reich gerichteten internationalen Unterbrückungspolitik weitgehenben Nutzen gehabt hat. Außenpolitisch haben die Gründer dieses Staates, bie wie Dr. Ebuarb B e n e s ch bis auf ben heutigen Tag feine Geschicke lenken, mit Bebacht einen Graben ringsum gezogen, nicht nur gegen Deutsche unb Ungarn, fonbern auch gegen bie slawischen trüber in Polen. Nachbem einmal bie panslawistische Möglichkeit burch ben Ausfall Rußlanbs erlebigt war, schien es nach Auffassung bieser Leute ber Lage ber Tschechen am besten zu entsprechen, wenn sie ihre Zukunft als freier Mittel- staat mit französifcher Rückversicherung festlegten. 1918 war schließlich bas Wunber ber nationalen Auferstehung geschehen, unb so wurde man hierzulande zwar nicht wundergläubig, aber doch außerordentlich optimistisch. Diplomatisch * Vgl. auch Gießener Anzeiger vom 6. Oktober. im Oonauraum. Schienen in der Kleinen Entente und im ©en» er Völkerbund ein für alle Mal die passen- en Instrumente gefunden, wirtschaftlich machten alle Schwierigkeiten, mit denen sich Deutschland und und das übrige Mitteleuropa herumschsugen, vor der Grenze halt. Man sah mit ben Mächtigen am Tisch unb trieb seine Geschäfte in ber ganzen weiten Welt, sofern nicht schon ber intensive innere Ausbau Beschäftigung unb Verbienst genug bot. Nutznießer biefer Entwicklung waren in erster Linie bie gewaltige Zahl von Beamten jeber Kategorie sowie mit bem Geschäftsleben in enger Verbinbung stehenben Vertreter bes parlamentarischen S y ft e m s. Da hierbei bie Tschechen unter s i ch blieben unb bei ber verhältnismäßigen Kleinheit bes Lanbes einer auf ben anbern angewiesen war, funktionierte bas Leben und Lebenlasfen zur allgemeinen Zufriedenheit. Korruption und Großmannssucht fehlten nicht, aber es wurde daneben auch wirklich Erstaunliches geleistet. Der Tscheche besitzt eine Gründlichkeit, die sich im praktischen Geschäfts- leben ebenso zeigt wie etwa in ben Wissenschaften. Was also gemacht würbe, wie z. B. bie Ausgestaltung ber Universität, würbe gut gemacht, aüerbings nie ohne ben gehässigen Seitenhieb gegen bie deutsche Kultur im Staat. In ben letzten Jahren ist bie Prosperität auch hier zum Still st a n b gekommen unb außerbem sinb bie außenpolitischen Sicherungen von 1919 in manchen Punkten recht problematisch geworben. So erhebt sich vor ben Regieren- ben nach unb nach bie gebieterische Notwendigkeit ber Reform im Innern unb ber Anpassung an bie oeränberten U m ft ä n b e braunen. Für bie innere Reinigung ber Demokratie wirb vielleicht weniger ber Faschismus ober ber unter völlig anberen Voraussetzungen stehenbe beutsche Nationalsozialismus maßgebenb fein, als bas, was schließlich in Frankreich geschehen wirb. Das Schwergewicht in bem sonst unheilvoll überzüchteten unb zerklüfteten Parteileben bilben bie tschechischen Agrarier, bie heute ben Ministerpräsibenten Malipetr stellen unb zweifellos auch für fommenbe autoritäre Reformen aus» schlaggebenb fein werben. In jüngster Zeit brohte bie Krise auszubrechen anläßlich ber verschlechterten Gesunbheit bes 84 Jahre alten Staatspräsiben- ten. Ein Nachfolger für Mafaryk von gleicher Volkstümlichkeit unb von bemfelben Format ist nicht vorhanben, feit ber gegebene Vertreter bes Bauerntums, Schwehla, vor Jahren schon seiner schleichenben Krankheit erlegen ist. Die Präsibentenwahl — verfassungsmäßig burch bas Parlament, nicht vom Volk vorzunehmen — würbe also bas ganze Staatsproblem aufrollen, wobei im Vorbergrunb die weitere internationale Orientierung steht. Seit Anbeginn war der äußere Staatskurs durch bie Zusammenarbeit ber beiben Emigrantenführer aus ber Kriegszeit, Mafaryk unb Benefch, bestimmt unb sanktioniert. Heute steht Dr. Benefch, mit seinen 50 Jahren noch immer ein junger Mann, vor ber schwierigen Ausgabe, seine Methoben selbst baraufhin zu überprüfen, inwieweit sie burch bie Zeitverhältnisse überholt finb ober nicht. Diese Gewissenserforfchung wirb ihm kein anberer Mann im Lanb abnehmen, benn niemanb beherrscht wie er bie Prämissen ber Prager Außenpolitik. Im Kielwasser Frankreichs hat bie Tschechoslowakei soeben bie Einführung ber Sowjetunion in Genf aktiv mitgemacht. Der O st p a k t, ben sie vor allem um bes polnisch-beutschen Verhältnisses willen bringenb wünschte, ist gescheitert. Die Kleine Entente ist — gewiß nicht burch Dr. Beneschs Schulb — nicht mehr bas, was sie war. Wenn Belgrab sich gezwungen sieht, von Frankreich eine gewisse Distanz zu nehmen, wenn in Bukarest Herr Titulescu enb- gültig von ber Bilbfläche verschwinbet, bann muß Herr Benesch wohl ober übel hanbeln. Han- beln heißt aber in biefem Fall, bie Nachbarschaft mit bem Deutschen Reich als Tatsache ersten Ranges anzuerkennen. Unb biefe praktische Einsicht zum Bessern roieberum setzt voraus, baß man in Prag barauf verzichtet, Mitteleuropa unb bie eigene Lage wie bisher ausschließlich burch bie französische Brille zu sehen. Auch ber gesünbeste Optimismus kann nur gebeihen, wenn er in Einklang mit ber Umgebung bleibt unb nicht zur wirklichkeitsfremben Vogel-Strauß-Politik entartet. Aber ber Tscheche ist nicht nur ein Optimist, fonbern auch ein nüchterner Realist unb wird es bleiben. Die Jugend Hilst mit beim Winterhilfswerk. Ein Aufruf des Reichsjugendführers. Berlin, 9. Okt. (DNB.) Der Jugendführer des Deutschen Reiches, Baldur von Schirach, hat folgenden Aufruf erlassen: An die deutsche Jugend! Der Führer unb Reichskanzler hat soeben bas Winterhilfswerk 1934/35 mit einer Ansprache eröffnet, in ber er auch bie deutsche Jugend zur Mitarbeit aufgefordert hat. Es ist die Ehrenpflicht der gesamten Jugend, wie im vergangenen Jahre dem Winterhilfswerk zu dienen und damit die Einsatzbereitschaft des jungen Deutschland für den Gedanken wahrer Volksgemeinschaft zu bekunden. Ich erwarte besonders von den Gliederungen der Hitlerjugend und des B d M., daß sie den ganzen Winter über mithelfen im Kampf gegen Hunger und Kälte. Wir sind stolz darauf, daß die Leistungen der nationalsozialistischen Jugendorganisationen für bas vergangene Winterhilfswerk, vor allem bie Sammlung bei ber N a - gelung des HI. »Schildes, durch die Leitung des Winterhilfswerkes besonders anerkannt worden sind. Im kommenden Winter soll die Jugend der ganzen Nation W o r b i l d sein in unermüdlicher Opferbereitschaft und felbftlofer Hingabe an das Werk Adolf Hitlers. Deutsche Jugend, an bie Arbeit! Reichserziehungsminister Rust in Debrerzin. DNB. Budapest, 10.Oft. Reichserziehungs- Minister Rust ist in Gesellschaft bes ungarischen Kultusministers in Debreczin eingetroffen, um bie dortige Universität zu besichtigen. Der Reichsminister wurde vom Rektor an ber Spitze ber Dekane begrüßt. Zum Empfang fanben sich Obergespan Baron Bay, ber stellvertretenbe Bürgermeister Wargha, bas Professorenkollegium unb zahlreiche anbere Würbenträger ein. Reichsminister Rust, bem ein prächtiger Blumenstrauß überreicht würbe, bankte in warmen Worten für ben Empfang. Nach der Besichtigung der Universttät gab ber Rektor zu Ehren bes Gastes ein Essen. Am Nachmittag machte ber Reichsminister einen Ausflug in bie Hortobagy-Pußta. Das Bubapester Nationaltheater veranstaltet am Freitag zu Ehren bes Reichsministers eine Festvorstellung. * Die reichsbeutfche Kolonie unb bie B u- p e ft e r Ortsgruppe ber NSDAP, veranstalteten zu Ehren bes Reichserziehungsministers Rust einen Begrüßungsabenb. Außer bem Reichsminister unb seinen Begleitern nahmen an biefem teil ber beutsche Gesanbte von Mackensen, bie Mit- glieber ber beutfchen Gefanbtschaft, Angehörige ber beutfchen Kolonie und Vertreter ber beutfchen Presse in Bubapest. Kunst und Wissenschaft. Kulturkundgebung in den Opelwerken Reichsleiter Alsreb Rosenberg wirb am 15. Oktober im Rahmen einer großen Kulturkunb- gebung bas vierte Winterhalbjahr ber Opel-Werks- hochschule eröffnen. Er wirb über bas Thema „Deutsche Kulturpolitik" sprechen unb grunbsätzliche Ausführungen über bie zukünftige Ausgestaltung ber Kulturarbeit in ben Jnbustriebetrieben machen. In einem Vorwort wird der Reichsamtsleiter ber NS.-Kulturgemeinbe, Dr. Walter Stang, Berlin, auf bie Aufgaben unb Ziele ber neugeschaffenen NS.-Kulturgemeinbe Hinweisen. Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger wirb Reichsleiter Alfreb Rosenberg im Gau Hessen-Nassau willkommen heißen. Außerbem werben an biefer bebeutungsvollen Kunbgebung zahlreiche führenbe Vertreter ber Partei, Behörben, unb Wirtschaft teilnehmen. Namens ber Abam Opel AG. wirb Geheimrat Dr. Wilhelm von Opel ben Reichsleiter, bie Gäste unb bie Hörer begrüßen. Um vielen Taufenben von Werks- fameraben bie Teilnahme zu ermöglichen, wirb bie Veranstaltung in einer großen Werkshalle des Betriebes durchgeführt. Der Kampf um das beste Plakat für die Olympiade 1936. In bem vom Kunstausschuß im Olympia-Propa» ganbaausschuß veranstalteten Wettbewerb zur Erlangung eines Plakates für die Olympischen Spiele 19 3 6 erhielt Willy Petz0ld (Dresden) den ersten Preis von 44 Bewerbern. Die Plakatentwürfe werden im Ausstellungsraum der Werbezentrale Deutschlands im Columbus-Haus Berlin ausgestellt. Günstige Entwicklung des Arbeitsmarkis. Im September wieder über 115 300 Arbeitslose weniger. DNB. Berlin, 10. Oft. lieber bie Entwicklung der Arbeitslosigkeit im September 1934 berichtet die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung unb Arbeitslosenversicherung u. a.: Währenb in ben früheren Jahren meistens ber September burch bie Verringerung der Arbeitsmöglichkeiten in ben Außenberufen, in der Fahrzeuginbuftrie unb in bem Gaststätten- und Frembenverkehrsgewerbe einen 21 n ft i e g ber Arbeitslosenzahl zu bringen pflegte, ist im September b.J. unter bem Einfluß bes schönen Herbstwetters, bas bie Durchführung ber Ernte in einem Zug ermöglichte unb bie reibungslose Fort» führung ber Außenarbeiten begünstigte, ber Zugang aus ben Außenberufen ausgeblieben. Da zugleich bie Festigung ber innerbeutschen Wirtschaftslage, bie sich in einer erhöhten Aufnahme- fähigkeit ber Probuktions - unb Äon- fumgüterinbuftrien barfteüt, anhielt, konnte bie Zahl ber Arbeitslosen über bas z u er- roartenbe Maß hinaus gesenkt werben. Der Rückgang betrug insgesamt 115 300. So ist bie September-Entwicklung als außerorbentlich günstig anzusprechen. In ben kommenden Monaten wirb jebvch mit einem verstärkten Zugang aus ben Außenberufen zu rechnen sein. Die Abnahme war am stärksten in ben inbu- ftrieüen Teilen Sachsens unb Mittelbeutschlanbs, vor allem roieber in Branbenburg. Insgesamt würben am 30. September 1934 bei ben Arbeitsämtern runb 2 282 000 Arbeitslose gezählt, von benen 1 733 000 Unterstützungsempfänger waren. Die Zahl ber Notstanbsarbeiter ging auch im September noch zurück. Insgesamt waren Enbe September 257 000 Notstanbsarbeiter bei Maßnahmen, zu benen bie Reichsanstalt bie ©runbförberung leistete, beschäftigt, bas finb 35 000 weniger als im Vormonat. Die in ben September fallenbe Hackfrucht- ernte führte zu einer lebhaften Nachfrage nach Kräften für bie Lanbwirtschaft. Das für ben Arbeitseinsatz so wichtige Baugewerbe hat roieberum seine große Stetigkeit bewiesen unb entgegen ber im September üblichen Tenbenz noch Kräfte ausgenommen. Die stetige Aufwärtsentwicklung ber Probuktionsgüterinbustrien hat ange- halten. Im Bergbau blieb ber Absatz an Stein« unb Braunkohle befriebigenb. In ber Hütten- unb Walzwerkinbustrie machte bie Besserung bes Beschäftigungsgrabes Fortschritte. Die Textilinbustrie konnte mit Ausnahme einiger Werke ber Juteinbustrie trotz ber bestehenben Rohstoffverknappung ihren Belegschaftsstanb Hal- t e n. Kleine politische Nachrichten. Am Dienstag, dem Geburtstage Horst W e f f e l s , erschien abends, als der Berliner Nikolai-Friedhof, der tagsüber von Taufenden von Menschen aufgesucht worben war, schon roieber in abenblicher Stille lag, Reichsminister Dr. Goebbels unb verweilte einige Zeit am. Grabe seines alten Mitkämpfers. * Demnächst wird die erste Reichsführer- schule des Deutschen Handwerkes in Braunschweig errichtet. Die Stabt Braunschweig hat zu biefem Zweck bas Haus Cellerstr. 1 zur Verfügung gestellt. Die Eingangshalle bieses Hauses wirb als Oebenfftätte für bie im Weltkrieg unb im Kampf um bie Bewegung Gefallenen ausgestattet werben. * Reichsarbeitsminister Franz Selbte hat bem Aufsichtsrat unb Vorstanb ber Automobilwerke H. Büssing AG. in Braunschweig zum Hinscheiben bes Dr. e. h. Max Büssing sein aufrichtiges Beileib ausgesprochen. * Titulescu hat bas Amt als Außenminister im neuen Kabinett Tatarescu angenommen unb bereits ben Eib geleistet. * Der vormalige japanische Botschafter in Rom, D 0 shiba, ist zum „japanischen Botschafter für Europa unb Amerika" ernannt worben. Er wirb am 12. Oktober von Tokio nach Europa abreifen. Es wirb inbeffen barauf hinge- wiesen, baß er keine befonbere Mission in den fremden Länbern habe. Seine Hauptaufgabe werbe vielmehr fein, bie japanischen biplv- matischen Vertreter im Ausland als ein persönlicher Vertreter bes japanischen Außenministers Hirota über bie tatsächlichen Verhältnisse in Japan z u unterrichten. * Der König von England hat feinem jüngsten Sohn, bem Prinzen Georg, bie Würbe eines Herzogs von Kent verliehen. Der letzte Träger bieses Titels war ber Vater ber Königin Victoria, ber im Jahre 1820 starb. Wettervoraussage. Noch immer erstreckt sich bas Hochbruckgebiet von Westen her über Frankreich bis Sübbeutschlanb. Die nörblichen kräftigen Störungen lassen aüerbings an ihrer Sübfeite fortgesetzt milbe, ozeanische Luft nach bem Kontinent hin fließen, bie bei ihrem Aufgleiten zu Nebel- unb Wolkenbilbungen führt, stellenweise auch etwa Nieberschlag hervorruft. Unser Bezirk ragt noch in ben Hochbruckbereich hinein, so baß wir auch vorübergehenb mit Aufheiterung zu rechnen haben. Aussichten für Freitag: Neblig wolkig mit Aufheiterung, meist trocken, Temperaturen wenig oeränbert. Aussichten für Samstag: Weiterhin bunftig unb bewölkt mit vorübergehenber Aufheiterung. gegen spröde Haut NIVEA CREME Aus aller Wett. Riesenbrand in Ludwigshafen. In Ludwigshafen brach in dem Gebäudekomplex -er Firma Hessenmüller und Wolpert, Prüfmaschinen und Apparatebau, ein Brand aus, der sich rasch zu einem Grohfeuer entwickelte. Das verheerende Element griff mit ungeheurer Schnelligkeit um sich. Die Feuerwehr bekämpfte den Brand auf einer Länge von vier Kilometer mit 20 Schlauchleitungen, muhte sich aber im Wesentlichen darauf beschränken, ein Uebergreifen der Flammen auf die angrenzenden Gebäude zu vermeiden. Der gesamte Gebäudekomplex ist bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Der Brandschaden geht in die Hunderttausende. Grohfeuer in einer Möbelfabrik. In den Dorstener Fabrikräumen der Möbeltischlerei E l s e b u s ch, Essen-Borbeck, entstand auf ungeklärte Weise ein Brand, der in den reichen Holzvorräten und den halbfertigen Erzeugnissen reiche Nahrung fand und sich im Nu zu einem Großfeuer entwickelte. Mit Rücksicht auf die Gefährdung des unmittelbar an die Tischlerei angrenzenden Gasometers wurden mehrere Wehren alarmiert. Gegen das rasende Eelement war aber nicht viel auszurichten. In zwei Stunden war das große Gebäude mit rund 200 fertigen Kücheneinrichtungen ausgebrannt. Die an den Gasometer angrenzenden Gebäudeteile konnten vor einem Uebergreifen des Brandes bewahrt werden. Der beträchtliche Schaden ist nur zum Teil durch Versicherung gedeckt. Verhängnisvolles Kinderspiel mit Streichhölzern. Die Nachforschungen nach den Ursachen des großen Brandunglücks, von dem, wie gemeldet, das Dorf Craja bei Nordhausen heimgesucht wurde, haben ergeben, daß ein fünfjähriger Knabe m der Scheune seines Vaters, in der das Feuer entstand, mit Streichhölzern gespielt und dabei das Feuer verursacht hat. Am 90. Geburtstag tot aufgefunden. Der pensionierte Kesselschmied Nikolaus Burk- Holzer aus Nieder-Auerbach (Pfalz) hatte dieser Tage seinen 9 0. Geburtstag begehen sollen. Er war einer der letzten Veteranen aus den Kriegen 1866 und 1870, der im 13. Infanterie- Regiment zu Ingolstadt gedient hatte und in der Schlacht bei Orleans verwundet worden war. Schon am Vortage seines Geburtstages wurde der Greis vermißt. Er hatte sich zu seinem gewohnten Spaziergang in das Auerbachtal begeben Man fand dann den alten Mann tot in dem seichten Wasser eines Baches liegen, zur gleichen Zeit, als der Reichssender Frankfurt dem Neunzigjährigen Glück- und Segenswünsche entbot. Wie sich der Unfall abgespielt hat, ist unbekannt. Von den zwölf Kindern Burk- Holzers leben noch sieben. Chinesen-Aufsland in der Mandschurei. — Blutige Zusammenstöße mit japanischen Truppen. Die Zeitung „Sinwanpao" in Schanghai meldet auf Grund eigener Informationen, daß sich in der Mandschurei, besonders in der Gegend von Mukden, eine große Gruppe chinesischer Aufständi- scher angesammelt habe, die etwa 70 000 bis 75 000 Mann zähle. Die Aufständischen hätten an der Strecke Chalun—Mukden die japanischen und mandschurischen Wachtposten gefangen und getötet. Nach weiteren Mitteilungen des Blattes sollen die Aufständischen Lastkraftwagen mit japanischen und mandschurischen Soldaten ü b e r f a l - len und die Besatzung getötet haben. Dabei seien ihnen große Vorräte an Waffen und Munition, darunter auch einige Maschinengewehre, in die Hände gefallen. Ein Teil der Japaner sei von den Banditen entführt worden, und ihr Schicksal sei noch unbekannt. Bei Luche hätten die Aufständischen die Eisenbahnstrecke aufgerissen. Bei Chun- tuljansi sei ein dreitägiger Kampf zwischen den Banditen und japanisch-mandschurischen Truppen entbrannt, in dem es zahlreiche Tote und Verwundete gegeben habe. Der japanische Oberbefehlshaber General N i s s i o n habe für den Kampf gegen die Aufständischen strenge Anweisungen erteilt. Ministerpräsident Lolis nach einer Notlandung im Golf von Panama aufgefunden. Ministerpräsident Galilo S o l i s von Panama, der, wie gemeldet, seit Sonntagvormittag vermißt wurde, ist von einem amerikanischen Heeresflug- zeug auf der Insel Rey im Golf von Panama g e - fanden worden. Das Flugzeug, in dem er gemeinsam mit zwei Deputierten die von dichtem Dschungel bedeckte Provinz Darien an der Küste des Stillen Ozeans hatte besuchen wollen, war zu einer Notlandung gezwungen worden und dabei auf den Wipfel eines Baumes geraten. Abgesehen von Abschürfungen und Quetschungen haben die Insassen keinen Schaden erlitten. Amerikanerin von einem Menschenräuber entführt. Die Gattin des Vizepräsidenten eines industriellen Unternehmens in Louisville (Kentucky) wurde von einem mit einem Revolver bewaffneten Menfchen- * Wetzlar, 7. Okt. Aus Anlaß der vor zehn I Jahren erfolgten Enthüllung des Ehrenmales für seine Gefallenen, hielt der Verband ehem. 8. (Rheinischer) Jäger, 8. (Rhein.) Iäger-Batl., 8. Res. und • 19. Res.-Batl., MG.-A. 10, Radfahr-Komp. 30 und 75, der in etwa 66 Ortsgruppen rund 1600 ehem. Jäger in allen Gauen des Reiches, besonders im Rheinlckkld umfaßt, eine Wiedersehensfeier ab. Dazu hatten sich mehrere hundert alte Kameraden in der alten Garnisonstadt Wetzlar (nachdem die letzte Garnison Schlettstadt sElsaßs vom Reiche abgetrennt worden ist), eingefunden. Die SA.-Standarte Jäger 33 hatte einen Ehrensturm entsandt. Oberst a. D. K l e i n h a n s (Gießen) entbot den Kameraden den Willkommensgruß der alten Garnisonstadt, die auch das Gefallenen-Ehrenmal des Bataillons in Obhut hat. Der Verbandsführer, Major v. I e ck l i n (Berlin) weihte im Gedenken an die unter dem Zeichen der 8 Gefallenen 11 neue Fahnen, die an den Mut und den Geist der Tapferen der grünen Farbe erinnern sollen. Seine Rede klang aus in der Aufforderung, das Band der im Kriege gefestigten Kameradschaft fester zu schlingen, in hingebender Treue zum Führer des deutschen Volkes und Reiches Adolf Hitler. Die Grüße der Traditionskompanie überbrachte Hauptmann Eberling vom Jäger-Bataillon aus Goslar. Der älteste anwesende 8. Jäger, der in den 80er Jahren stehende Hegemeister a. D. ■ Karl Kraus aus Frankfurt a. M. erzählte in lau- 1 Niger Weise von der Verlegung der Garnison von I Wetzlar nach Zabern. Der Vertreter der Kölner '.Gruppe sprach Hauptmann Eberling den Dank der alten Jäger aus. Der Sonntag brachte die Führer agunq des Lerbanies, bei der eingangs Verbandsführer Major d. Ieck - l i n des bisherigen verdienten Verbandsführers Dr. S t ü m g e s (Köln) gedachte, der vom Führer der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Ley, zum Führer der Gruppe Chemie berufen wurde. Für seine während der 7 Jahre seines Amtes geleitete Arbeit für den Verband wurde ihm Dank und Anerkennung ausgesprochen. Zur besseren Organisation des Verban- räuber entführt. Der Verbrecher hatte zuvor das Dienstmädchen gefesselt und geknebelt und dann aus die Frau eingeschlagen, so daß sie blutete. Die kleine Tochter des Ehepaares war Zeugin der Untat. Im Hause wurde ein E r p r e s s u n g s b r i e f gefunden, den der Täter zurückgelassen hatte. Die Polizei hat aber die Veröffentlichung des Inhaltes nicht freigegeben. Neuschnee in den Jnntaler Bergen. Der erhebliche Temperatursturz dieser Tage hat für die höchsten Erhebungen des Jnntals bereits den er st en Schnee gebracht. So herrschte besonders auf dem Wendelstein ein heftiges Schneetreiben. Auch auf den beiden Tratten liegt bereits in mehrfachen Schichten Neuschnee. Aus Bad Reichenhall und Berchtesgaden wird gemeldet, daß dort Reitersalpe und Untersberg ein weißes Gipfel- kleid tragen, während die Berchtesgadener Berge bis fast zur Hälfte verschneit sind. Französische Soldaten rauben 900 000 Franken. Zwei französische Soldaten des 21. Fliegerregiments haben aus der Regimentska je in Essey-le-Nancy 900 000 Franken (etwa 150 000 Reichsmark) geraubt. Sie fuhren nachts im Kraftwagen vor der Kaffe vor und fielen u b e r d e n Unteroffizier und Soldaten her, denen die Ueberwachung der Kasse oblag. des wurden 8 Landesgruppen geschaffen. Der nächste Rheinische Jägertag soll im August 1935 in Neunkirchen abgehalten werden. Der Führer verband damit einen Gruß an die Jägerkameraden an der Saar. Auf Vorschlag des stellvertretenden Landesver- bandssührers, Direktor Eugen Weber (Köln) wurde Major v. I e ck l i n durch begeisterten Zuruf erneut zum Verbandsführer gewählt. Als Verbindungsmann für das Rheinland wurde Abteilungschef K ü n d a h l (Köln) als weiterer Stellvertreter des Verbandsführers ernannt. Der beste Schütze von 1933 S ch u st e r (Altenkirchen), ferner Gans (Altenkirchen) und Wagner (Kassel) erhielten die silberne, eine Anzahl weiterer Kameraden die bronzene Schießnadel. Der Führer des Vereins ehem. Offiziere des Rhein. Iäger-Batl., Oberstleutnant Lucke hielt sogleich die Jahresversammlung des Vereins ab, deren einziger Punkt die Einordnung des Vereins in den Verband mit großem Beifall ausgenommen wurde. Am Domplatz stellten sich die Rhein. Jäger zum Marsch durch die Straßen der Stadt auf. Am Gefallenendenkmal der Bataillone fand eine Weihestunde statt, bei der Pfarrer G ü t t g e s (Wetzlar) die Andachtsworte sprach. Forstmeister Hauptmann a. D. Bender (Bad Homburg) hielt die Gedächtnisrede, in der er zunächst des Generalfeldmarschalls und Reichspräsidenten v. Hindenburg und ferner der zwei Millionen Toten des Weltkrieges, besonders aber der Gefallenen des Bataillons und seiner Tochterformationen gedachte. Ein freundliches Gedenken widmete der Redner auch Elsaß-Lothringen, besonders den Städten Zabern und Schlettstadt, den früheren Garnisonstädten, in denen die Jäger freundliche Aufnahme fanden. In gleicher Weise gedachte der Redner des Saargebietes, das dem Bataillon zahlreiche Söhne zugeführt hatte. Der Verbandsführer, Major v. Jecklin, legte für den Verband und zur Erinnerung an die 21 Toten des letzten Jahres, Förster Gans (Alten, kirchen) namens der Gründerortsgruppe Altenkirchen für die 2337 gefallenen Kameraden, Haup^ mann Eberling für die Traditionskompanie und Standartenführer Süß (Wetzlar) für die SA.. Standarte Jäger 33 je einen Kranz am Denkmal nieder. Nach dem Deutschland- und dem Horst-Wes. sel-Lied spielte der SA.-Musikzug das Saarlied. Ein gemeinsames Schießen beschloß die von echter Jäger-Kameradschaft getragene Wiedersehens, feier. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Pilzsuchers Klage über schlechte Erfahrungen auf dem Flugplahgelände. Den Aufsatz „Pilze" von Herrn Pfarrer Ai sch in der Samstag-Ausgabe Ihres Blattes habe ich mit großem Interesse gelesen. Auch ich bin der Mei. nung, daß von uns noch viel zu wenig die Gaben gewürdigt werden, die uns die Natur im freien Haushalt bietet. Neben dem Vorurteil der „Giftig, feit fast aller Pilze" gilt es auch beim Durchschnittsmenschen als Zeichen der „Armut", sich durch Sam- meln der Pilze einen besonderen Genuß oder eine Neben-Einnahme zu verschaffen. Es läge im Inter, esse der Gesamtheit, wenn hierin endlich einmal Wandel geschaffen würde. | Daß aber auch behördlicherseits das Sammeln von Pilzen erschwert wird, möchte ich mit einem kleinen Erlebnis von dieser Woche berichten. Mir haben es besonders die Champions angetan, die ich zweifelsfrei kenne und von denen ich weiß, daß sie häufig in der Nähe des Gießener Flughafens, also nicht allzuweit von unserer Wohnung, zu finden sind. Deshalb benutzte ich meinen jetzigen Urlaub, um einmal dort Nachschau zu halten, und das Vorhandensein einiger schon überreifer Exemplare unse- res Edelpilzes bewies, daß ein Suchen sich lohnen müsse. Zwar ist das Fluggelände mit Verbotstafeln umstellt, doch dachte ich mir in meiner Unschuld, daß man für den guten Zweck ausnahmsweise zehn Meter in die Heidelandschaft hineinlaufen dürfe. Ich hatte aber nicht mit dem Auge des Gesetzes gerechnet, das bekanntlich überall wacht. Kaum hatte ich ' mit meiner Frau einige Hände voll der köstlichen Pilze, die sonst doch umgekommen wären, gesammelt, als aus der Nähe der Flugzeughalle ein schriller Pfiff ertönte und ein uniformierter Beamter uns durch Gesten bedeutete — eine andere Verständigung war bei der Entfernung nicht möglich —, daß wir das Gelände sofort zu verlassen hätten. Es war immerhin noch eine höfliche Form der Warnung, denn der Beamte hätte uns ja ebensogut ein Strafmandat verschaffen können. In der heutigen Notzeit dürften jedoch auch Ausnahmen zuzulassen sein, zumal ich schon von mir aus jeder Strafmöglichkeit aus dem Wege gehe. Auf dem Gelände des Flughafens ist mit dem besten Willen kein Flurschaden anzurichten, zudem warer die Hallen geschlossen und weit und breit kein Fluz< zeug und keine Menschenseele zu sehen. Lieber IW man die Gaben der Natur umkommen, als daß man nur einen Finger breit von einer Verordnung ab« weicht. K. G. Sch. Hauptschriftleiter: Dr Friedrich Wilhelm Longe Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. IX. 34: 10 600. Druck und Verlag: Brühl'sche UniversitätsBuch- und Steindruckerei R Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. 8. (Rheinischer) Zägertag in Wehlar. Todesanzeige. Frau Amalie Wetzell, geb. Jaster nach langem Leiden im Alter von 78 Jahren. Im Namen sämtlicher Hinterbliebenen : Prof. Dr. Karl Wetzell Laubach, den 10 Oktober 1934. Man bittet von Beieidsbesuchen abzusehen. 5921 D Mietgesuche I I Verkäufe Sa [Stellengesuche] S637Ü GIESSEN Legler, Hindenbnrgwall 5 Buchacker, Neuen Bäne 11 Flimm, Walltorstraße 83 Schrift!. Ang. u. 04897 a. d.G.A. Hausarbeit, sucht Stellung. Erstkl. Zeugnisse oorh. Solides, kinderliebes 04912 nebst Küche und Garten in Leihgestern zu verm. Näh. zu erfragen i.der Geschätisst. des G. 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Oktober 1934, nachmittags 2l/2 Uhr (Einlaß 2 Uhr) Kennst Du _1? —__ das Land Ein deutscher Kulturfilm von antiker Baukunst, von Land und Leuten, in fünf Teilen In den Dolomiten Monte Civetta,3220m, Monte Christello, 3199 m, Lankofel, Monte Pelmo,3199m.Patern- kofel. Am Garda- See. Riva, Torbole, Desenzano, Bozen, Gardone, Etschtal Riviera di Levante Genua, Nervi, Santa Marghei ita, Rapallo, Comersee, Como, Cernoblo,Cadenabia, Beilag Das 2700jährige Rom Die Engelsburg. — Säule des Kaisers Marc Aurel. — Die Via Appia. — Palazzo Venezia. — Titusbogen. — Forum Trajanum. — Das Kolosseum, gr. Amphitheater 70 bis 80 n. Chr. Men-Piano edel i. Ton, durch besondere Umstände billigst zu verkaufen. Sckr. Angeb. u. 5917D an d. Gieß. Anz. Zu verkaufen: Tadellos erhalt. Dauerbrenner (Junker & Ruh). 1 dreiflammige gehämmerte Lampe mit flachen Schalen, guter oi9oi Gissehvarrk Britt, Jriedrichstr. 55. 3 weiße n.l grauer Berulskiilel U°' fast neu zu verk. Wo, sagt o. Gieß. 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Betriebe und Verwaltungen mit über 20 Arbeitskräften, d. h. also solche Betriebe und Verwaltungen, die einen Vertrauensrat zu bilden haben, müssen bis zum 1. Oktober 1934 ihre Meldung an das zuständige Arbeitsamt auf Formblatt Ap. 1 abgeben. Eine Reihe von Betrieben ist dieser Aufforderung noch nicht nachgekommen. Es wird nochmals darauf hingewiesen, daß es sich nicht nur um industrielle Betriebe, sondern auch um Handels- und Handwerksbetriebe handelt. Eine weitere Aufforderung zur Einreichung des Prüfungsergebnisses' ergeht nicht mehr. Erscheinung aber, daß der Laubfall, zwar kaum wahrnehmbar, unmittelbar mit der Sonnenwende beginnt, dürfte darauf zurückgehen, daß der Baum die Wipfelblütter, die infolge der sinkenden Lichtkraft der Sonne am schöpferischen Leben des Baumes nicht mehr mitarbeiten -können, als überflüssig abstößt. Dem Landmann gibt diese Feststellung übrigens nichts Neues; darum heißt es im Land der „Roten Erde": „Sünte Vit (25. Juni) — dann ännert sich de Tid! Dann hewwen de Vögel bat Singen dan (getan). Dann fängt dat Lauf (Laub) to fallen an." Mit dem Beginn des Oktobers, der die ersten kalten Nächte bringt und während dessen Verlauf die Sonnenstrahlung fühlbar schwächer wird, stellt der Wald seine aufbauende Arbeit ein, wie jeder im kleinen beobachten kann, der jetzt einen Kiefernoder Fichtenzweig im Wasserglas hält — das Fasergewebe des Holzes nimmt keine Feuchtigkeit mehr auf. Die Blätter, die als Atmungsorgane und für die Bereitung von Stärke und anderen Nährstoffen lebenswichtig waren, stellen nur noch Angriffsflächen für Rauhreif- und Eisbildung und deren schädliche Wirkungen dar; deshalb zieht der Baum den Lebenssaft aus den Blättern zurück und speichert ihn im Bildungsgewebe des Stammes auf. Dieses Schwinden der Nährstoffe, die Zerstörung des Blattgrüns, ist es, was uns das köstliche Farbenspiel des Herbstes beschert. Mannigfaltigkeit und Buntheit der Farben hängt ab von der Natur der Farbstoffe; Überwiegt der gelbe Farbstoff, wie bei der Birke, Rüster und Linde, so erscheint das Blatt goldgelb; bei der Eiche bildet sich nach Zersetzung des Blattgrüns ein tiefroter Farbstoff, ebenso beim Ahorn, der bei jungen Bäumen oft flammenartig leuchtet. Gesellen sich dem roten Farbstoff erdige Bstandteile zu, so entsteht das kräftige Tabakbraun der Buche in verschiedenen Farbenstufen bis zum lichten Goldbraun der Glockenbronze. Nur Schwarzerle und Esche werfen ihr Blätterkleid in frischem Grün ab. Mit Beginn der Verfärbung bereitet der Baum die Trennung von seinen Blättern dadurch vor, daß er ein Trennungsgewebe von Korkzellen zum Verschluß der Blattstielnarbe bildet. Damit ist das Blatt vom Stoffkreislauf des Baumes abgeschnitten; es ist ein unbelebtes Gebilde geworden; beim ersten Herbststurm wirbelt es davon, bedeckt schichtweise den Boden und verwest und verrottet zu Nutz und Frommen der nächsten Vegetationsperiode. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß das Abstößen der Überlebten Blattorgane notwendig ist, um die Laubbäume in ständiger Verjüngung das ihnen arteigene hohe Alter erreichen zu lassen, das bei Eichen und Kastanien die Jahrtausendgrenze überschreiten kann. Der edelste Laubbaum unserer Breiten, die Eiche — in geringerem Grade auch die Rotbuche — hält ihren verwitterten Laubmantel fast immer bis zum Aus dem Platz an der Rodheimer Straße fand gestern vormittag bei schönstem Wetter der Gießener Herb st - Pferdemarkt statt, der wieder zahlreiche Bauern nach Gießen führte. Der Auftrieb an Pferden mar diesmal allerdings nicht so stark, wie beim jüngsten Frühjahrsmarkt, dafür waren aber qualitativ sehr wertvolle Tiere zu sehen. Mit dem Pferdemarkt war wieder eine Prämiierung verbunden zu der eine stattliche Anzahl Tiere vorgeführt wurde. Die Richter hatten ein schweres Amt. Erst gegen 13 Uhr konnte die Prämiierung abgeschlossen werden. Als Neuerung war diesmal die Vorführung von Zuchtgruppen in Ortssammlung en hinzugenommen worden Den Zuschauern, die den Vorführungsring in dichter Menge umlagerten, bot sich ein prächtiges Bild. Jeweils etwa acht Tiere der verschiedensten Schläge, von den leichten, gewandten Reitpferden, bis zu den schwersten Arbeitsschlägen, stürmten nebeneinander einige Male um den Ring. Hierbei fiel besonders die Gleichmäßigkeit der Tiere auf, durch die bewiesen wurde, daß die oberhessischen Züchter zielbewußt arbeiten. Jedem Pferdeliebhaber mußte bei diesem Anblick das Herz höher schlagen. Nachdem noch die prämiierten Tiere in Gruppen ScTe*PJam vorgeführt worden waren, fand die Prämiierung mit der Verteilung der Geldpreise ihren Abschluß. Das äußere Bild des Pferdemarktes war wieder bestimmt' von regem Leben und Treiben Auf dem weiten Platz wurden die Pferde den Interessenten in allen Gangarten vorgeführt, mit fachmännischen Blicken und ebenso fachmännischen Griffen wurde der Zustand der Tiere geprüft, es gab eindringliche Fragen nach den Möglichkeiten der Verwendung des Tieres, ob es ein- und zweifpännig gehe, ob es „treu" oder „fromm" fei, ob es zugfest sei und vieles andere mehr Eine Musikkapelle unterhielt mit schneidiger Musik. Händler, die allerlei Kleinkram verkauften, hatten ihre Stände aufgeschlagen Der Marktwirt hatte wieder sein Zelt errichtet, so daß auch für ein Glas Bier, für ein gutes Stück Fleifchwurst und das Rippchen mit Kraut gesorgt war In Verbindung mit dem Pferdemarkt herrschte auch auf Oswalds- garten reges Kommen und Gehen. Das Ergebnis der Prämiierung Zuchtpferde des „hessischen Kaltblutes". Dreijährige Stuten: 1. Wagner Will). II., Kirch-Göns; 3. Haub Will). Ehr., Nieder - Weisel. (Material in dieser Klasse: gut.) Zweijährige Stuten: 2. Schmidt Ferd., Laubfall. Jetzt geht bas große Schweigen durch den herbstlichen Wald, das Laubholz glüht und leuchtet in brennenden Farben. Aber eine Oktobernacht, her ein frischer, herber Tag mit schweren Frühnebeln voranging, führt den ersten Frost herbei, ein silber- grauer Reif fällt auf die herbstliche Pracht. Da beginnt das sanfte, aber unaufhaltsame Sterben des Waldes, die bunten Blätter flattern zu Boden, die Herbststürme vollenden das Werk, und nach wenigen Wochen stehen Busch und Baum blattlos und kahl. Der Laubfall, der als einfaches Naturgeschshen im Kreislauf von Werden und Vergehen erscheint, stellt tatsächlich die Summe einer ganzen Reihe verborgener Kräfte und Wirkungen dar, die alle mehr ober weniger an ben Sonnenkreislauf gebun- ben sind. Haben boch sorgfältige Beobachtungen unb Untersuchungen ergeben, baß ber Laubfall genau am 21. Juni, wenige Stunden nach bem Eintritt ber Sonnenwenbe, seinen Anfang nimmt. An diesem Tage lassen die Laubbäume — Esche und Schwarzerle, denen wir nochmals als pflanzenphysiologischen Sonderlingen begegnen werden, allein ausgenommen — das erste Blatt fallen, und zwar stets aus dem am dichtesten belaubten, dunkelsten Teil der Krone, wohin das Sonnenlicht nur schwer zu dringen vermag; und je rascher die Lichtzeit der Tage abnimmt, je mehr sich die Vegetationsperiode ihrem Ende nähert, desto stärker wird der Blätterfall, um im Oktober seinen Höhepunkt und mit dem November feinen Abschluß zu erreichen. Die merkwürdige Oberer Hardthof; 3a. Gg. Walter, Tr.-Münzenberg; 3b. A. Strasheim, Griedel; Anerk.: E. Strasheim, Griedel. In Oldenburg gezogen: 1b. Alb. Bopp, Griedel; 2a. O. Metzger I., Münzenberg; 2b.H. Rüb- ifamen, Alten-Buseck. 3a. G. Schmidt, Griedel; 3b. W. L. Langsdorf, Albach, 3a. K. Pfannmüller, Dorf- Gill; 3d. Fr. Schudt, Neumühle. (Material sehr gut.) Familien: Stuten mit zwei oder mehreren Nachkommen: 1. K. BeckerV., Muschenheim; 2. Wilh. Sarnes, Dorf-Gill; 3a. E. Strasheim, Griedel; 3b. Gust. Schmidt, Griedel; 3c. Karl Burk, Treis-Münzenberg; 3d. R. Koch, Treis- Münzenderg; 3e. G. H. Bender, Dorf-Gill; 3k. Karl Rühl, Eberstadt. (Material gut bis sehr gut.) Züchtervereins- bzw. Ortssammlung: 1. Preis und Diplom: Pferdezuchtsammlung Griedel; Trais-Münzenberg; 2. Pr. und Diplom: Dorf- Gill; Griedel. • Birklar; 3. Krausgrill Konr., Nieder-Weisel. (Material: gut.) Stuten mit Fohlen bei Fuß: 1. Dreut Heinrich II., Griedel; Wild Jean, Rockenberg; 2. Wagner W. II., Kirch-Göns. (Material: gut.) Vier- bis achtjährige Stammbuch- ftuten (nachweisbar gedeckt): 1. Bill Ambros., Nieder-Weisel; Dreut Hrch. II., Griedel, Häuser Louis, Nieder-Weisel; 2. Krausgrill Gg. Phil., Nieder-Weisel; Maas Wenz. Wwe., Nieder-Weisel; Ohly Wilhelm, Nieder-Weisel; Rühl Georg, Langsdorf; 3. Bausch Emil, Langsdorf; Hildebrand Joh. Hrch., Nieder-Weisel; Anerkennung: Haub W. Ehr., Nieder-Weisel; Wagner Wilh. II., Kirch-Göns. (Material: sehr gut.) Familien st Uten mit zwei oder mehreren Nachkommen: 1. Dreut Hrch. II., Griedel; 2. Wagner W. II., Kirch-Göns. (Material: gut.) Züchtervereins- bzw. Ortssammlung: 1. und Diplom: Pferdezuchtvereinigung Nieder- Weisel (Will). Ehr. Haub) Zuchtpferde des hessischen Warmbluts. Reitpferde: 1. Eugen Dietz, Griedel; 2. Fritz Schudt, Neumühle; 3. O. Metzger I., Münzenberg; 4 K. Pfannmüller, Dorf-Gill, 5. W. Konr. Faber, Leihgestern; Walter Weber, Ober-Hörgern und H Rübsamen, Alten-Buseck. Material gut. Dreijährige Stuten: 1. H. Ld. Dreut, Griedel. 2. Albert Bopp, Griedel; 3a. O. Metzger I., Münzenberg; 3b. H. Rübsamen, Alten-Buseck; 3c. Hch. K. Strasheim und W. Strasheim, beide aus Griedel. Medaille. Material sehr gut. Zweijährige Stuten: 1. Hch. Görlach, Ober-Hörgern; 2. G. Schmidt, Griedel; 3a. Karl Burk, Treis-Münzenberg; 3b W. Konr. Jung, Lang- Göns; 3c. Hch. Hannah Kirch-Göns; Anerkennung: G. H. Bender, Dorf-Gill und K Bopf II, Lang- Göns. (Material sehr gut.) Stuten mit Fohlen bei Fuß: 1. K. Becker V., Muschenheim; 2. O. W. H. Walter, Treis- Münzenberg. 3a. Eugen Dietz, Griedel. 3b. Ernst Seipp, Birklar; 3c. O. W. Velten, Lang-Göns; 3d. G H. Bender, Dorf-Gill; 3e. E. Strasheim, Griedel; 3k. Wilh. Sarnes, Dorf-Gill; 3g. W. Knopper, Dorf-Gill; Anerk.: K. Burk, Rud. Koch, beide Treis- Münzenberg. Karl Rühl, Eberstadt. (Material sehr gut.) Vier- bis achtjährige Stammbuchstuten, in Hessen gezogen: 1. Walter Weber, Ober-Hörgern, zwei 1. Preise; 2. Hch. Seipp, Tr.-Münzenberg und Universitäts-Tierzucht-Jnstitut, Oie Orßdprüfung. Von Georg von der Dring. Was du tust, das tue ganz. Was du nicht ganz tun kannst, das unterlasse. So hätte id) damals gern das Orgelspiel unterlassen . . Ich besuchte ein Seminar, und zwar dessen letzte Klasse. Die Schlußprüfung rückte heran. Auch im Drgelfpiel hatte eine Prüfung stattzufinden. Ich gehörte zu den fed)ften, die nicht nur einen Choral uni) ein Vorspiel auslosen mußten, sondern als besondere Leistung eine Fuge von Bach spielen sollten. Nun, eine Fuge oder eine Toccata spielen ist etwas anderes als einen Choral. Einer war unter uns sechsen, ein wahrer Künstler, dem ich es zu- traute, daß er eine Fuge halbwegs zu Bachs Zufriedenheit hätte spielen können. Wir anderen fünf brachten das nicht zuwege. Vor den Ohren Johann Sebastian Bachs mußte unsre Bemühung, um mit einem Schülerausdruck zu sprechen, „Bruch" werden. Wir fünf einigten uns und teilten unsre Bedenken dem Musiklehrer mit. Dieser, ein grober Klotz, hätte uns am liebsten geohrfeigt. Seine Abficht war nämlich, mit unsrer Fugenspielerei vor ber Prüfungskommission zu glänzen. Johann Se- tiaftian Bach war ihm dabei egal. Uns fünfen war er nicht egal. Wir gingen zunz Direktor und trugen ihm unsere Bedenken vor. Uuch er argwöhnte, daß wir keine Lust zum Ueben hätten. Er' erklärte befremdet: Ich ermahne Sie, beißig zu sein! und entließ uns. Also sollte es dabei bleiben. Uebrigens hatte ich ^en größten Teil meiner Fuge — mir war die Toccata Ö-Moll zugeteilt worden — schon eingeübt. Nun gibt es im zweiten Teil dieser Toccata, das wird mir jeder Bachspieler bestätigen, recht schwere Läuse mit Händen und Füßen — wunderbare Musik, natürlich! Ich kam jetzt wirklich in eine gefährliche Lage. . Es ist nämlich so mit mir: Wenn ich etwas nicht i will, so will ich es nicht, es ist mir einfach nicht möglich, es zu wollen. Solche Menschen haben es bricht leicht. Wenn sie Bach nicht beleidigen wallen, jjj tun sie es auch nicht. Da kam mir etwas zu Hilfe. Als ob Bach selber nir beigestanden hätte, oder ein Engel ... Ich fnnnte damals ein Mädchen, ein kleines Fräulein rzm 16 Jahren. Eines Tages kam ihr Bruder, der nein Klassenkamerad war, und brachte mir ein Zettelchen von ihrer Hand, mit dem ich eingeladen tuurbe, sie an diesem Kbehu zu besuchen, und zwar: iic ihrer Wohnung. Das war noch nie geschehen, vir hatten uns immer nur auf der Straße getrof- sm. Ich erinnere tnük bnfe mir uns ein paar Tage ich den Erdboden erreichte stieß ich auf die breite tige Fensterbank. Der und unangenehm scharfkai Vorhang fiel mit leisem Scsiag hinter mir nieder. Der Gang war dunkel, sollte Ferdinand, der Bruder, mich mitnehmen. Der Unterricht endete an diesem Tage um 18 Uhr. Arbeit von 8 bis 18 Uhr, dazu für den Abend noch Hausarbeit — mit dieser Ueberbürbung hat man uns unsere Jugend verdorben. Eigentlich hätte ich von 18 bis 19 Uhr noch meine Toccata üben müssen, aber man wird mich verstehen, wenn ich für diesmal einen Besuch bei meiner Freundin weit schöner fand als die ohnehin unsterbliche Toccata O-Moll, die ich überdies nicht zu bewältigen fürchtete. Wir kamen zum Haus. Es war ein feuchter Abend im Spätherbst, auf den Wegen lagen die großen Blätter. Ferdinand hieß mich auf und ab gehen und trat ins Haus, um „die Lage zu peilen". Es dauerte ziemlich lange. Ich weiß noch, daß ich am ganzen Leib zitterte — nicht vor Kälte, denn ich war im Mantel und außerdem neunzehn Jahre alt — nein, ich zitterte vor Liebe. Hätten das diese kleinen Mädchen damals gewußt, dann würden sie vielleicht etwas von mir begriffen haben Sv aber redeten sie von heiraten ... Als Ferdinand zurückkam, nahm er mich am Aermel und führte mich durch den Vorgarten zur Tür. Wir betraten das Erdgeschoß, durchschritten die finstere Waschküche und gelangten in einen erleuchteten Raum, in dem meine Liebste Wäsche bügelte. Ihre Wangen leuchteten von der hitzigen Arbeit, vielleicht auch vor Freude. Sie gab mir die Hand und sagte: „Hoher Besuch?" Alsdann bügelte sie weiter. Ferdinand setzte sich an den Tisch und begann zu arbeiten: Religionsgeschichte. Er hielt sich die Finger auf die Ohren, lieber seinem Kopfe hingen an der Wand mehrere Farbdrucke nach Hans Thoma, lauter Landschaften mit Ziegen . . Plötzlich schien er sich anderst besonnen zu haben. Er sprang auf und Jagte: „Ich muß euch für einen Augenblick allein lassen. D u setzt dich derweil dahin, und d u setzt dich dahin." Er deutete auf zwei Stühle, zwischen denen der Tisch mit der Bügelwäsche stand und fügte noch hinzu: „Wenn ich mit der Tür klingle, verschwindet e r durchs Fenster. Verstanden?" Wir nickten. „Er", das war ich. Ferdinand verließ uns. Kaum hatte er die Tür hinter sich geschlossen, so stieß meine Freundin einen Freudenruf aus. Sie setzte das Bügeleisen ins Drahtgestell, sprang mir auf den Schoß und atmete mich mit ihrer Brust an. Ich hielt sie fest. Sie flüsterte gegen mein Ohr: ,Hch bin dir ja gar nicht böse, du!" , , , ... ,, „Ich dir auch nicht", flüsterte ich halb betäubt. Gleich daraus, als mir uns schon küßten, erklang er schien zum Nachbarhaus zu gehören. Um auf die Straße zu gelangen, mußte ich durch den fremden Vorgarten. Lieber mir am Nachbarhaus glomm ein grün und rot überklebtes Korridorfenster. Dahinter bewegten sich Schatten. Wenn man mich hier fände! Für mich roär’s gleichgültig, aber für sie nicht! Vorsichtig hob ich den Vorhang und spähte in die Stube. Aber sie war jetzt leer. Sollte ich wieder hineinklettern und auf Ferdinand warten? Plötzlich durchschritt ich den grell erleuchteten Vorgarten und verschwand. Seidige Dämmerung des Oktobertages, und das Herz ist glücklich. Kinder lärmten auf den Straßen, und die langsamen Sandwagen fuhren mit schwankenden Laternen zwischen den Rädern. Ich ging nach Hause und — hinkte. Das Wunderbare stand fest: Wir waren einander nicht böse! Mochte eine Sehne gerissen sein, das spielte keine Rolle. Ich hinkte zwei Tage unter zunehmenden Schmerzen. Geradezu unerträglich wurden sie, wenn ich auf der Orgelbank faß und mit den Füßen die Läufe der Toccata übte. Es war eine Quetschung am Oberschenkel. Ich war auf eine ganz besonders scharfkantige Fensterbank gefallen. Am dritten Tage mußte ich mich bei meinem Musiklehrer krankmelden. Die Ursache der Quetschung konnte ich ihm natürlich nicht mitteilen, denn wir lebten in einem Seminar und nicht unter Freunden. Er knurrte mich an, denn „Orgelspiel war Drgelfpiel, und keine Gefälligkeit". Als nun aber drei Wochen verstrichen waren, ohne daß ich mich wieder auf die Orgelbank gesetzt hätte, ergriff meinen Lehrer die Wut. Er schickte mich zum Seminararzt. Dieser war ein menschenfreundlicher Mann, er knetete so lange an meinem Bein herum, bis ich „au" sagte und stellte alsdann eine schmerzhafte Narbenbildung fest. Nach diesem Bescheid machte die Heilung nur noch sehr langsame Fortschritte. Die unsterbliche Toccata v-Moll blieb ungespielt, und Johann Sebastian Bach wurde von mir nicht beleidigt, weil ich die Orgelprüfung nur mit einfachen Chorälen bestritt. Was mir nicht möglich gewesen märe, zu tun — ich hatte es gar nicht zu tun brauchen. Möge uns alle allezeit unser guter Stern davor bewahren. Hier war ein Gang. Drüven stand eine Laterne, dort mußte die Straße sein. Der Gang war dunkel. vorher gestritten hatten — vielleicht war das der! die Türglocke. Das Warnungszeichen! Die Freun- Grund für die Einladung. Nach dem Unterricht din sprang auf, eilte ans Fenster und hob denVor- ~ ~ ..... hang. Ich stieg auf den Tisch, raffte meinen Mantel und sprang in die Finsternis hinunter. Bevor »Was Ihr wollt" im Winterspielplan. Die sommerliche Aufführung im Garten des Stadthauses — wir haben sie im Juli bereits ausführlich besprochen — ist in den Winterspielplan übernommen worden und ins Bühnenhaus über- gesiedelt Die improvisatorisch ausgenutzte natürliche Kulisse der Parkszenerie hat sich unter der Hand des Bühnenbildners Löffler gewandelt, hat festeren Umriß, strengere räumliche Gliederung erhalten und bewahrt doch die unwirklich heitere Stimmung, deren dieses Lustspiel bedarf. Die Inszenierung des Intendanten König ist in ihren Grundlinien unverändert geblieben, nur sind im Ensemble einige der inzwischen ausgeschiedenen Darsteller durch neue Kräfte ersetzt worden. Als Olivia sah man (an Stelle von Frl. Flemming) gestern Luise Decker: erstaunliche Verwandlung von der oldenburgischen Bauernmagd im „Krach um Jolanthe" zur großen Dame im Märchenreich Illyrien; sie faßte die Rolle ein wenig naiver und minder kokett als ihre Vorgängerin, bewahrte Haltung bis zuletzt und sprach sicher und wohlgegliedert ihre anmutigen Verse. Den Narren in ihrem Dienst machte diesmal Karl Ludwig Lindt: eine schwierige Rolle, die lieber» sicht und Beherrschung verlangt; hier lag sie etwa in der Mitte zwischen den närrischen Junkern und Malvolio, im ganzen mehr auf den leicht melancholischen Ton als auf ausgelassene Unbeschwertheit gestimmt. Heini Göbel endlich in einer kleinen Szene als jugendlich munterer Kavalier Valentin am Hofe des Herzogs. Die Aufführung fand auch in der zweiten Fassung ein freundliches und dankbares Publikum. hth. öodifdnilnacbricbten. Professor Dr. Jens Jessen an der Universität Kiel ist zum Ordinarius für wirtschaftliche Staats- wifsenschaften an der Universität Marburg ernannt worden. Der Privatdozent Dr. Günther Franz von ber Universität Marburg ist mit der Vertretung des Lehrstuhls für neuere Geschichte an der Universität Rostock beauftragt worden. Professor Dr. von Brunn von der Universität Rostock erhielt einen Ruf auf den ordentlichen Lehrstuhl für Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften an der Universität Leipzig. Dipl.-Jng. Dr. Hermann Fink, Privatdozent für Chemie an der Technischen Hochschule in München, hat einen Ruf als o. Professor an die Landwirtschaftliche Hochschule in Berlin angenommen und ist aus dem bayerischen Hochschuldienst entlassen worden. Aufruf zur Sammlung für das MnlerhWwerk vom 10. bis 14. Oktober 1934 des v bis 'Sovitüttu*n —Tageskalender für Donnerstag t m l int I i>\ ; h I lu f De des der am □ toc Men |!%t i gr> t Ec i wi C v bi t' o L h : iS' ft d der für le 9< ni A gemacht. Kameradschast^abend der <5(5. Der Sturmbann I der 83. SS.-Standarte und Sturm I der 83. SS. - Standarte veranstalten Franz Eoldan aus der NSDAP ausgeschloffen. Wie wir hören, ist der Gastwirt Franz $ o I - dan durch den Kreisleiter aus der Partei ausgeschlossen und seiner Aemter in Partei und in der Stadtverwaltung v e r l u st i g erklärt worden. Eintopf-Gencht-Sonntage im Winter 1934/35. *ir fUt DNB. Im Rahmen des Winterhilfswerkes deutschen Volkes 1934/35 sind folgende Sonntage als Eintopf-Gericht-Sonntage bestimmt worden: 14. Oktober 1934,f 18. November 1934, 16. Dezember 1934, 13. Januar ^935, 17. Februar 1935, 17. März Alle Amateurphotographen, di-e anläßlich _ Erntedanktages photographische Aufnahmen gemacht haben, werden gebeten, bei der Landesbauernschaft, Abteilung Film, Frankfurt a. M., Bockenheimer Landstraße, je zwei Abzüge kostenlos für Archivzwecke zur Verfügung zu stellen. Erwünscht sind nur solche Aufnahmen, die irgendwie im Zusammenhang mit dem Erntedanktag 1934 stehen. ' eir Iß! Haf OCn iWa< I8llirr Mbie n(w assen des Autos. *♦ D i e Vogelwinterfütterung kann man jetzt vorbereiten durch das Einsammeln der verschiedensten Sämereien. Die auf Heuböden mas- enhaft sich ansammelnden Heusamen lassen sich ebenso gut dafür verwenden, wie der bei der Getreidereinigung anfallende Ausputz. In (yarten bieten Sonnenblumen, Mohn und Kürbisse die Möglichkeit, dem Winterfutter ölhaltige Samen beizufügen, und auch überalterte Gemüse- und Blumen- samenreste eignen sich zu dessen Ergänzung. Im Freien enthalten Distelköpfe, Wegerichähren und allerlei sonstige Unkräuterfruchtstände reife Samen, die dem Futter beigemischt werden können. Kauft man dann noch einige ölhaltige Futtersämereien zu, so wird man leicht den Ansprüchen verschiedenster Wintervögel gerecht werden können. Ueber die Vogelwinterfütterung erteilt gegen Einsendung des einfachen Briefportos kostenlos Auskunft die Hauptstelle für Pflanzenschutz in Gießen, Senkenberg* strahe 7. Oberhessen. Landkreis Gres;cn. 00 Klein-Linden, 10. Okt. Auf Einladung Der Ortsgruppenleitung Der NSDAP, versammelten sich gestern abend im Schulsaal sämtliche Füh» rer Der nationalsozialistischen Formationen und die Führer der V e r e i n e zu einer Besprechung über die für kommenden Sonntag, 14. Oktober, geplante Einweihungsfeier des Ehrenmals für die Gefallenen unserer Gemeinde. Die Feier beginnt um 14 Uhr und wird durch einen Vortrag des Musikkorps des Jnf.-Regts. Nr. 15 in Gießen, das sich für den Nachmittag ohne Vergütung zur Verfügung gestellt hat, eingeleitet. Die beiden hiesigen Gesangvereine „Arion" und „Nationale Sängervereinigung Eintracht-Harmonie" werden mit Männerchorvorträgen die Feier ausschmücken. HI. und BdM. werden einen Sprechchor vortragen. Die Begrüßungsansprache hält Ortsgruppenleiter Dr. G r ö ß - mann, während Gauinspekteur, Kreisleiter und Kreisdirektor Kl oster mann die Weiherede halten wird. Zuletzt erfolgen die Kranzniederlegungen durch die nationalsozialistischen Formationen und Die örtlichen Vereine. Am Vormittag findet in Der Kirche ein GeDächtnisgottesDienst unter Mitwirkung des Posaunenchors und des Kirchen- chors statt. ’ cbberufen. — Die Kartoffelernte ist in unse- l?r Gemarkung ziemlich beendet. Man kann den Erlag als gut bezeichnen. Ebenfalls ist der Ausfall Dickwurzernte gut, ferner ist G r ü n - |utter in Fülle da, so daß in vielen Fällen ein dritter Grasschnitt erfolgen kann. Miet'» vucii □ Laubach, 10. Okt. Se. Erlaucht Graf ( e 0 rg Friedrich zu Solms-Laubach er- lgte am Dienstagvormittag einen kapitalen stirfch (Zehnender). — Am Sonntagnachmittag r?ranstaltete das Jungvolk des im ehemaligen gräflichen Kasinogebäude untergebrachten Ferienlagers der NSV. Ortsgruppe Köln- Dicken d o r f im Saale der „Traube" eine schlichte Lbschiedsfeier, die durch Gesangsvorträge der Hitlerjugend eingeleitet wurde. Es folgten sodann (-edichtvorträge und zum Schluß noch humoristische kinlagen der „Kleinsten" im Kölner Dialekt, die lioße Heiterkeit auslösten. Für die Ortsgruppe Lau- lach sprach Pg.-H e n z e und für die freundliche lufnahme der Kölner Jungen dankte Jungbann- tiihrer Pa. R. Ernst vom Jungbann 2/53. Bei jiüffee und Kuchen, von der Laubacher Bevölkerung c-stiftet, vergingen allzu rasch die gemütlichen Stun- i n. Heute vormittag um 8 Uhr verließ das Kölner Jungvolk unsere Stadt, nachdem Bürgermeister .lögt) vor der Abfahrt des Zuges an die Scheiden- l n herzliche Abschiedsworte gerichtet hatte. ch Groß-Eichen, 10. Okt. In den letzten Sangen wurde unsere Kirchenuhr einer gründ- lchen Reparatur unterzogen. Auch das Zifferblatt rmrde neu vergoldet. Die Arbeiten wurden von Nhrmacher Pfeffer (Grünberg) ausgeführt. Mrcte Budlnqen (D Michelbach, 10. Okt. Der hiesige Krieger- r e i n beging am Sonntag unter Anteilnahme d r ganzen Gemeinde die Feier seines 25jähri- n Bestehens. Zu Ehren des Vereins waren dk Häuser mit Fahnenschmuck versehen worden. Iuchmittags fynd nach einem in kleinem Rahmen $ haltenen Bezirkstag ein Festgottesdienst im über- Mten, schlichten Dorfkirchlein statt, wobei der Orts- x istliche Dekan Widmann- Schotten auf Grund Schriftstelle „Bis hierher hat uns der Herr ge- h lfen" die Festpredigt hielt. Rach dem Gottesdienst kmegte sich unter Vorantritt eines Posaunenchores en stattlicher Zug zum Friedhof, woselbst an dem (vrenmal für die Gefallenen des Weltkrieges 1914 bs 1918 eine eindrucksvolle Gedenkfeier stattfand. 5 e Feier wurde eröfnnet mit einem gemeinsamen Lvoral, worauf Dekan Widmann in seiner Gedächtnisrede der Kriegsopfer gedachte, zum Dank I fiir ihre unvergeßlichen Taten aufrief und zur Treue Wen Volk, Vaterland und Führer ermahnte. Hier- c f legte der Vofitzende des Kriegervereins Otto M t mit ergreifenden Worten einen Kranz an dem S'nkmal nieder. Der um die Kriegervereinssache hochverdiente Kamerad Apotheker S c r i b a - Schotte ergriff sodann das Wort und schmückte 27 Ka- r'raden mit dem Ehrenzeichen für 25jährige treue Mgliedschaft. Zum Schluß sprach der Bezirksführer Limerad Bürgermeister D e ch e r t - Rainrod mit s kreisenden und von glühender vaterländischer Bell sterung getragenen Worten über die Ziele des Kiiegeroereins. Die Feier, die einen nachhaltigen öndruck hinterließ, wurde geschloffen mit dem Liede | Dim guten Kameraden. Ein gemütliches Zufammen- I Jem der Mitglieder des festfeiernden Vereins mit bin erschienenen Gästen beschloß den erhebenden Tag. «Nreis Alsfeld. er. Homberg, 10. Okt. In den Basalt- rii rfen der Mitteldeutschen Hartsteinindustrie in fcen benachbarten Rieder-Ofleiden konnte die LiUegschaft im bisherigen Verlauf dieses Jahres er. ßeren Aufträge vorlagen. Hauptsächlich wurden Lotter- 'ind Gruslieferungen durchgeführt. Dinden Schotter- und Graslieferungen durchgeführt. Ober-Ohmen, 9. Okt. Eine Erscheinung, ii für den Ornithologen von Interesse sein dürfte, loun man, wie in früheren Jahren um diese Zeit, qiH) jetzt wieder täglich an dem dicht beim Dorfe liigenben Wäldchen „Kirchberg" beobachten. Die liooen dunklen Fichten sind die Ruhestätte ganzer Schwärme von Krähen, die, sobald es zu bmkeln beginnt, aus allen Richtungen angeflogen Immen, um hier im Geäst der Bäume ihr Rach t- liag e r aufzuschlagen. Sehr oft kommen noch gcji3 spät Nachzügler angeflogen, und zwar aus der Achtung anderer Wälder, so daß man annehmen mjß. daß es den Vögeln hier am besten gefällt, allerdings Ruhe in diesem Asyl einkehrt, dauert es immerhin geraume Zeit. Oftmals entsteht ein lechaftes Gebalge um die Plätze. Sobald der Mvr- ge-i graut, ziehen die schwarzen Gesellen truppweise reif) allen Himmelsrichtungen ab, um sich am A?nd pünktlich wieder einzufinden. # Aus dem oberen Ohmtal, 9. Okt. Die 'icLer sind bis auf einen geringen Teil Dick - 3 u r 3 und bis auf die in diesem Jahr zahlreicher i:;ebauten Stoppelrüben abgeerntet. Die ! ggenfaat ist größtenteils in die Erde ge- nicht und hat teilweise schon gekeimt. Preußen. Mreis < R 0 d h e l M a. d. B., 9. Okt. Der hiesige Obst, rib Gartenbauverein veranstaltete am Cmntag im Saale der Gastwirtschaft Schlierbach m 0 b ft. und Gemüse - A u s st e l l u n g. Die ilisstellungsleitung hatte keine Mühe gescheut, etwas r>entliches zustande zu bringen. Man erkannte, if Obstbaumzucht und Gartenkultur in unserem r? weiter entwickelt sind, als man es zu glauben traute. Die ausgestellten Früchte zeigten auch, daß Gotische und Bodenverhältnisse in unferm Gebiet le Züchtung auch edelster Obstarten ermöglichen nl daß die heimischen Obstzüchter mit ihren Prall, en jederzeit auf größeren Obstschauen in Wett- irt. t treten können. Gruppierung, Benennung und wiroabt der Ausstellungsobjekte legten dafür Be- res ab, daß es in Rodheim Leute gibt, die Sach- iirntnis genug besitzen, um auch den Volksgenossen, tiefbisher planlos in der Obstbaumzucht eigene, nicht nner richtige Wege gingen, mit Rat und Beleh- ung zur Hand zu fein’ anderseits wird die Ausstel- jngsleitung erkannt haben, daß in Rodheim auch trügend Interesse vorhanden ist für die Obst- und ienüsezucht, daß sich also nach dieser Seite hin icje Arbeitsmöglichkeit bietet. Der Besuch der Aus- jhing war durchaus befriedigend, und die Ausstel- lijsleitung dürfte — das ist der Wunsch des Publikes — auf ihre Kosten gekommen fein. Bemerkt DüDen muß, daß die Ausschmückung des Saales nf/ geschmackvoll und stilvoll gehalten war und die iufftellung von seltenen Pflanzen und Blumen bn-chaus in den Rahmen des Ganzen hineinpaßte, Weiaud) die Ausstellung einer heimischen und einer i .Seiner Firma von Gartengeräten, Schädlings- bi'impfungsmitteln usw. Eine Verlosung sorgte für eir ute und enttäuschte Gesichter, und Freude er= ick und Interesse geweckt zu haben, dürfte wohl ' : t Leitern der Ausstellung der beste Lohn und sein. SJl.-fpOlt i kampflos zu überlassen. Leihgestern II und Lich II sind noch zu schwach für diese Spiele und müssen sich Mühe geben, um vom Tabellenschwanz loszukommen. Gruppe Gießen B. Unentsch. Verl. VfB. III vorjährige Meister, ist bis jetzt un- Am Sonntag standen sich in Krofdorf (wir be- das Kunststück fertigbrachte, den Gaumeister Wetzlar 9:5 geschlagen nach Hause zu schicken. 1 1 1 0 1 2 1 0 0 0 1 2 2 1 2 3 Pkte. 7:1 5:1 5:3 4:4 3:5 2:4 1:5 0:6 Die Bezirksmeisterschast 'im 6er 41 906.82 Insgesamt RM 118 799 916.96 184 272 307.57 Mufflelhmg der Den UlssbediirMgeii eom w.tz. des Seulfdien Voiles 1933/34 MgeMlea SafliHtaocr L Gesammelte und verteilte Sachspenden- Lebensmittel RM 67742 359.— Kleidung - ^303 058 — Brennmaterialien * ® ^03 058. Gutscheine * ° 789 827.— Sonstiae Sachspenden ** 3 042 987.— Sachspenden insgesamt RM 126 978 089.— n. Gebrauchswert der sür Geldspenden gekauften und verteilten Sachspenden: Lebensmittel RM AA69 290.— Kleidung . » 7R1M4^ — Brennmatenalien * 78104 486.— Gutscheine * 29 188 788.— Sonstige Waren » 1b 869 588.— Insgesamt RM 219 608137.— in. Gesamtleistung des W.H.W.: Lebensmittel Kleidung Brennmaterialien Gutscheine Sonstige Waren RM 126111 649.— „ 78 175 843.— „ 84 407 544.— „ 37 978 615.— „ 19 912 575.— Zusammen Unkosten Insgesamt RM 346 586 226.— „ 3 414 129 74 RM 350 000 855.74 Aufteilung des Spendenaufkommens und der Spendenverleilung im DJ.fj.DJ. 1933/34 gegliedert nach Reichsführung und Gauen (Kreise u. Ortsgr. eingeschl.) Gau Spendenaufkommen Eesamt- Eebrauchswert der verteilten Spenden *) Sachspenden Geldspenden Reichsführung 9 205 427.— 65 472 390.61 — Baden 2 887 432.— 4 881 129.80 14 161 705.— Bayer. Oftm. 1 942 493.— 1 308 851.66 4 993 700.— Groß-Berlin 9 441 503.— 9 746 030 86 28 196 831.— Danzig 531 466.— 1316 781.— 1 501 244.— Düsieldorf 3 484 353.— 6 354 490.65 24 965 229.— Essen 4182 029.— 4 715 591.90 14 459 553.— Halle-Merseburg 2 991 973.— 2 882 222.82 7 545 212 — Hamburg 2 909 356.— 6 902 109.21 13 188 062.— Ost-Hannover 3 258 445.— 1 920 423.39 6 090 331 — Süd-Han.-Br. 4 071 848.— 3 121 808.56 8 589 887.— Hessen-Nassau 7 731 205.— 4 984 183.57 18 341 653.— Kobl.-Trier 2 212 492.— 1 342 952.19 6 677 682.— Köln-Aachen 2 197 410.— 3 472 997.39 10 943 646 — Kurhessen 2 494 833.— 1 095 452.72 3 712 736.— Kurmar? 9 037 285.— 4 080 318.26 13 876 574.— Magdeburg-Anh. 3 904 923.— 3 993 773.04 8 993 525.— Meck! -Lübeck 1934 585.— 1 696 409.05 3 530 952.— Mittelfranken 1268 631.— 1744 280.82 3 962 499.— Münch.-Ob.-V. 2 875 560.— 5 595 675.12 16 702 264 —•») Ostpreußen 2 312 257.— 2 690 211 — 6 920 250.— Pommern 5 964 507.— 2 691 695 19 9 369 801.— Rheinpfalz 1 103 307.— 1 474 506.25 4 156 502.— Sachsen 9 056 673.— 8176 237.57 25 723 290.— Niederschi. 2 156 144.— 1 521 339.48 4 902 068 — Mittelschl. 1 827 032.— 3 147 864.29 8 817 760 — Oberschl. 1806 165.— 1 168 766 43 5 119 025.— Schleswig-Holst. 2 491 816.— 3 530 301.24 7 793 318.— Schwaben 2 191 726.— 2 072 379 83 5 349 840.— Thüringen 2 940 546.— 4 084 893.06 8 728 878.— Mainfranken 1332 579.— 749 568.51 3 342 103.— Weser-Ems 3 472 896.— 2 332 297.55 6 154 504.— Wests.-Nord 5 HO 854.— 3 886 018 32 12 042 224 — Westf.-Süd 3 339 963.— 4 314 131.21 16 564 246.— Württemberg 3 308 376.— 5 804 225.02 11169 132.— ! 126 978 089.— | 184 272 307.57 | 346 586 226.— *) Einschließlich der Zuschüsse der Reichsführung an die Gaue (Koh- lenversorgung, Barzuschüsse und Sachspenden) i. Eesamtgebrauchs- wert von RM 75 478 831.—. *♦) Einschließlich der Spenden an bayerische Notstandsgaue, soweit sie nicht gesondert ausgewiesen werden können. Mengeumötzige Austeilung der ausgegebenen Sachspenden , Lebensmittel 1. Kartoffeln 15043 634 Ztr. 4. Tee 5. Kakao 3 403 kg 2 522 Ztr. 2. Weizen 281176 „ 6. Schokolade 8 966 kg 3. Roggen 960 226 „ 7. Wein 34 868 Ltr. 4. Mehl 452334 „ 8. Tabak 17 836 kg 5. Gerste 7 852 „ 9. Zigarren 96 289 Stck. 6. Hafer 7. Haferslocken 8. Brot 8 526 „ 6 297 „ 308 349 „ 10. Zigaretten IL Sonst. Genußmittel 109302 „ 77235L2RM 9. Stollen 10. Feinbackwaren 11. Keks 3 526 „ 24 450 kg 10156 „ Hl. Kleidung 1. Lederschuhe 1 1657730 Paar 12. Hülsensrüchte 62 935 Ztr. 2. Hausschuhe 93 311 * 13. Gemüse 14. Gemüsekonserven 69 722 „ 7 590 „ 3. Pantoffel 4. Anzüge 22 683 „ 251 204 Stck. 15. Zucker 65 266 „ 5. Kleider 608107 w 16. Salz 1416 „ 6. Mantel 411652 M 17. Reis 29 244 „ 7. Hosen 218916 M 18. Grieß 9 274 „ 8. Jacken 101202 w 19. Kolonialwaren 144 001 „ 9. Mützen, Hü*» 116 024 N 20. Butter 6 520 „ 10. Decken 74 525 * 21. Margarine 22. Schmalz 1560 „ 17 881 „ 11. Stoffe 12. Leder 1989 830 m 153377 —RM 23. Speiseöle 12 837 kg 13. Strick- tt Wollwaren 4391975.— , 24 Lebendes Vieh 4 343 Ztr. 14. Sonstige Kleidung 18106 620.73 * 25. Frischfleisch 39 452 „ 26. Fleischkonserven 29 728 „ IV. Gutscheine, Vergütungen und Leistungen 27. Speck 5 743 „ Wert »7978615.—RL 28. Wurstwaren 23 180 „ 29. Eier 30. Milch 31. Büchsenmilch 2651 673 Stck. 5969 106 Ltr. 295 522 Dosen V. Haushaltungsgegenstande Wert 2990335L3RÄ 32. Fische 20 044 Ztr. VI. Brennmaterialien 33. Fischkonserven 1401 „ 52903 070 Ztr. 34. Räucherwaren 14 531 N L Kohlen 35. Bienenhonig 3 803 kg 2. Holz 364 037 nn 36. Kunsthonig 7 565 „ 3. Torf 88781 Ztr. 37. Marmelade 73 720 „ 4. Vetroleum 69830 Ltr. 38. Sonst. Nahrungsmittel 19 590 437 RM 5. Sonstige Brennmaterialien 844 715.04 RM IL Genußmittel VII. Sonderspenden 672681 Stck. 1. Bohnenkaffee 507 Ztr. 1. Liebesgabenpakete 2. Malzkaffee 10772 „ 2. Weihnachtsbäume 340614 * 3. Kajjeemijchung 967 „ 3. Sonstige Sonderspenden 1729334514 K® Amtsverkündigungsblatt für die Provinzialdirektion Oberheffen und für das Kreisami Gießen £ru,eint Drens,ug unk, flau 11. Oktober Au, durch die P st zu beziehen. 1934 Sammlungsgenehmigung zugunsten des Hilfswerks für das auslandsdeutsche Schulwesen. — Straßensperre-Aufhebung. — Sport- llche Betätigung der Beamten und Angestellten. — Die Durchführung des Gaststättengesetzes. — Die Bildung der Fleisch- und Wurstpreise. — Die Verwahrung von Sensen. — Die Vertilgung der Feldmäuse. — Polizewerordnung über den Kraftsahrzeugoerkehr in der Gemeinde Watzenborn-Steinberg. — Dienstnachrichten. Bekanntmachung. Betr.: Sammlungsgenehmigung zugunsten des Hilfswerks für das aus- landsdeutjche Schulwesen durch den Volksbund für das Deutschtum im Ausland. Reichsschatzmeister der NSDAP, hat namens des Stellvertreters des Führers und im Einvernehmen mit dem Herrn Reichsfinanzminister dem Volksbund für das Deutschtum im Ausland in Berlin, die Genehmigung zur Sammlung für das Hilfswerk des auslandsdeutschen Schulwesens in der bisher üblichen Weise als Geldspende und in dem bisher üblichem Umfang, d. h. bei Freunden und Gönnern des Auslandsdeutschtums in der Zeit vom 1. Oktober bis 15. Oktober 1934 im ganzen Deutschen Reich genehmigt (§ 1 Abs. 4 des Gesetzes über das Verbot von öffentlichen Sammlungen vom 3. Juli 1934). Darmstadt den 3. Oktober 1934. Abteilung Ib (Innere Verwaltung) des Hessischen Staatsministers. J.'V.: W e i f f e n b a ch. Bekanntmachung. Betr.: Straßensperre-Aufhebung. Die Straßensperre auf der Provinzialstraßenstrecke Klein-Linden— Dutenhofen (Landesgrenze) ist wieder aufgehoben. Gießen, den 8. Oktober 1934. Hess. Provinzialdirektion Oberhessen. Bekanntmachung. Betr.: Straßensperre-Aufhebung. Die Straßensperre auf der Provinzialstraßenstrecke Gießen—Frankfurt, Ortsdurchfahrten Klein-Linden, Großen-Linden, Lang-Göns, Nieder- Weifel, Nieder-Mörlen, Ober-Wöllstadt sowie Kloppenheim ist wieder aufgehoben. Die Sperrungen der Ortsdurchfahrten Kirch-Göns und Pohl-Göns müssen jedoch noch bestehen bleiben. Umleitung hierfür über Lang-Göns—Nieder-Cleen—Pohl-Göns oder Lang-Göns—Holzheim—Gambach—Butzbach und umgekehrt. Die aufgestellten Warnungstafeln find zu beachten. Gießen, den 8. Oktober 1934. Hess. Provinzialdirektion Oberhessen. Bekauutmachung. Betr.: Straßensperre-Aufhebung. Die Straßensperre auf der Provinzialstraßenstrecke Schotten—Laubach, Gemarkung Scholten, ist wieder aufgehoben. Gießen, den 9. Oktober 1934. Hessische Provinzialdirektion Oberhessen. S etr.: Sportliche Betätigung der Beamten und Angestellten. An die Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises. Wir erinnern, soweit noch nicht geschehen, an die Erledigung unserer Verfügung vom 30. Juli 1934 (Amtsverkündigungsblatt Nr. 39 vom cl. Juli 1934). Gießen, den 5. Oktober 1934. Hessisches Kreisamt Gießen. I. V.: Dr. Schönhal s. Bekanntmachung. Saetr.: Die Durchführung des Gaststättengesetzes. Vielfach werden Verträge über den Ankauf oder die Pachtung von (oast- und Schankwirtschaften abgeschlossen, bevor die Frage geklärt ist, o dem neuen Unternehmer die nach dem Gaststättengesetz vorgeschriebene li-rlaubnis erteilt werden kann. Wir machen daher die betreffenden Ge- uerbetreibenden darauf aufmerksam, daß auch bei dem Uebergang bestehen- bff Gast- und Schankwirtfchaften die Bedürfnisfrage zu prüfen ist, und nur im Falle ihrer Bejahung Erlaubnis erteilt werden darf. Zur Ver- meioung von Verlusten wiro oringenö empsoylen, vor dem enugulttgen ZiU|Ct)4U[j von Vertragen, die sich aus die Luoeriixigung von wapstarzen bezieyen, Antrag aus Erteilung oer Erlaubnis bei oer zuständigen Drt5= pouzewehorde zu stellen und zunächst die Entscheidung oes ^reisamls aozuwarien. — Der Umstand, daß der neue Unternehmer sich zivurechlmch gevunoen oder bereits Aufwenoungen gemacht hat, rann uei der trnt- Icheldung über den gestellten Antrag nicht berücksichtigt werden. Die Bürgermeistereien werden ersucht, etwaige Interessenten entsprechend zu bedeuten. Gießen, den 4. Oktober 1934. Kreisamt Gießen. I. V.: Weber. Bekanntmachung. Betr.: Die Bildung der Fleisch- und Wurstpreise. Durch die erste Verordnung der Reichsregierung zur Regelung des Verkeyrs mit Schlachtvieh vom 9. Juni 1934 ist Die ausschiietztlche Zuständigkeit für Die Festsetzung von angemessenen Preisen und Preisspannen für Schlachtvieh- und Schlachtvieherzeugnisse auf den Reichskommissar, bzw. die Bezirksbeaustraglen und Marktbeauftragten nach den nayeren gesetzlichen Bestimmungen übergegangen. Zur Angleichung des derzeitigen hessischen Rechtszustandes an die neue reichsrechtuche Marktordnung wird hiermit die hessische Bekanntmachung betr. Die Bildung der Fleisch- und Wurstpreise vom 25. Oktober 1933 mit Wirkung vom Montag, dem 7. Oktober 1934, aufgehoben. Die Neuregelung der Preise erfolgt nunmehr, nachdem die Vorbereitungen inzwischen soweit gediehen find, durch die im Rahmen der Neuordnung berufenen Organe. Auf Grund der neuen Marktordnung ist nach wie vor die Möglichkeit gegeben, Preisübergriffen mit der erforderlichen Energie schnellstens zu begegnen. Der Schutz der Verbraucherschaft vor unlauterer Preisbildung ist dadurch unbedingt gesichert, daß die neue Marktregelung die Verhängung von Ordnungsstrafen bis zu 1000 Reichsmark im Einzel- fall gegen alle Angehörige des Reichsnährstandes vorsieht, die gegen Die Preisbildung verstoßen. Die Hessische Landesregierung. Gez.: Jung. Der Beauftragte der Bezirksvereinigung für die Schlachtviehverwertung in Hessen. Gez.: Moses. An die Bürgermeistereien des Kreises. Auf obige Bekanntmachung der Hess. Landesregierung weisen wir Sie hin. Die Aufhebung der Hess. Verordnung betr. die Bildung der Fleischund Wurstpreise vom 25. 10. 1933 gibt Veranlassung, die Preisgestaltung für Fleisch- und Wurstwaren besonders zu beobachten. Sollten willkürliche Preissteigerungen zu Ihrer Kenntnis kommen, so wollen Sie uns sofort telephonisch hiervon Nachricht geben. Gießen, den 9. Oktober 1934. Kreisamt Gießen. I. V.: Webe r. Polizeiverordnung über die Verwahrung von Sensen. Auf Grund des Art. 64 des Gesetzes, die innere Verwaltung und die Vertretung der Kreise und Provinzen betreffend, vom 8. Juli 1911, sowie des Art. III der Verordnung über Vermögensstrafen und Bußen vom 6. Februar 1924, wird mit Zustimmung des Kreisausschusses und mit Genehmigung des Hessischen Staatsministeriums, Ministerialabteilung la (Polizei) und Ministerialabteilung le (Landwirtschaft) vom 8. August 1934 zu Nr. 1/e 16 643 für den Kreis Gießen verordnet: § 1. Sensenklingen müssen, solange sie unbenutzt sind, der ganzen Länge nach mit einer die Schneide vollständig bedeckenden und über die Spitze hinausragenden Verkleidung versehen oder durch Umwickeln geschützt sein. Ebenso müssen Heugabeln und ähnliche Geräte, sofern sie beim Radfahren getragen werden, mit einer entsprechenden Schutzvorrichtung versehen sein. xraum iiaajene oaruoer, meit ei rnt -ciuum -umu Kranz so süß und liebreizend und jung, mit großen, unschuldigen Augen gesehen hatte. Denn Mila Kranz war in Wirklichkeit ganz anders! Ihre Augen verschleierten dunkle Leidenschaften, er wußte es nur zu gut! 6. Kapitel. In der Tiergartenvilla der schönen Berani war Lachen und Plaudern. Es ging sehr lebhaft und intim zu. Hier fühlte man sich immer sehr wohl. Es gab vorzügliche Weine, erstklassige Küche und eine liebenswürdige, bezaubernde Hausherrin. „Wenn mal einer von den Herren »die Berani schimpfen hören könnte, dann dächte er wahrscheinlich ganz anders. Und wenn er es hinterher den anderen Herren zum besten geben würde, bann glaubte es ihm keiner." Mißvergnügt saß die ältliche Martha Linar auf einem seidenen Hocker, lächelte zur Berani hinüber und zog dabei über sie her. . Lena Conte, die hübsche Lustspieldarstellerin, sagte: „Die Berani ist ganz nett. Nervös ist sie. Aber sonst? Wen man eingeladen ist, muß man sie nicht schlecht machen." . Und Lena wippte mit den hübschen Beinen. Die Linar knurrte irgend etwas, aber Lena Conte lächelte. Jetzt kamen neue Gäste. Prinz Reizenstein, Mila Kranz, Fritz Triesbach, der Sohn vom Großindustriellen, und die zwei Freunde Arndt von Berken und Udo von Bodenstein „Wie eine Königin! Einfach fabelhaft sieht sie aus, und die Berani wird schon ganz gelb vor Neid. Warum hat die denn ihre Rivalin eigentlich eingeladen?" Irgendeine Dame sagte es leise zu ihrem Kavalier. Der antwortete nicht, sondern musterte lächelnd die beiden schönen Rivalinnen, die sich doch immer wieder mal zusammen zeigten, um das Gerücht zu widerlegen, daß sie einand^r.chaßlen. Die beiden Damen begrüßten einander sehr herzlich, und die meisten Gäste lächelten leise. Dann blitzte es in den Augen der Berani auf. Sie reichte Arndt von Berken die ringgeschmückte Hand, über die er sich lächelnd beugte Dann durfte man ihm die Achtung nicht versagen. Und in den großen, schönen, dunklen Augen der Berani glomm ein leises, sehnsüchtiges Feuer. Und sie bereute es fast, die wunderschöne kleine Käthe Randolf hierher gebracht zu haben. Aber — es war ja lächerlich! Die war doch nur ein Mittel zum Zweck. Die war nur hier, damit sich die Mila Kranz ein bißchen kränken sollte. Eigentlich war es auch nur ein Streich, den sie der Rivalin spielen wollte. „Meine Herrschaften, ich hab' hier zwei junge Damen! Nachwuchs beim Film. Fräulein Olga Schieber und Fräulein Käthe Randolf. Nehmen Sie sich der beiden kleinen Damen ein bißchen an, damit sie sich nicht langweilen." Die Berani stand, an jeder Hand eines der beiden Mädchen, lächelnd mitten im großen gelben Salon, und ihre schillernde Figur in dem silber- i glitzernden Abendkleid sah wie eine Bajadere aus. Atemlos blickten die Herren auf die schöne, hochgewachsene Frau, dann glitten die Blicke über Käthe Randolfs blonde, hinreißende Schönheit. Niemand beachtete Olga Schieber. Niemand. Und die hatte ein resigniertes Lächeln um den Mund. Käthe Randolf aber wußte nicht, wohin sie blicken sollte. Und ihr einziger klarer Gedanke mar: Wären wir doch nicht hierher gekommen! Man will sich doch nur über uns luftig machen Sie wußte nicht, wie schön sie war, die kleine, unberührte Käthe. Und sie wagte noch immer nicht, sich umzusehen. Die Berani lachte laut und fröhlich. Sie hatte den entsetzten Blick Milas gesehen, mit dem die auf die junge, blonde Schönheit starrte. Mila Kranz dachte: Sie sieht mir ähnlich, und sie ist jung, viel jünger als ich! Ich werde heute alt und verblüht wirken neben ihr. Und das hat die Berani bezweckt. . Ihr Blick glitt zu Arndt von Berken, der starr auf das blonde Mädchen blickte . Und da kroch ein unsagbares Weh tn Mila Kranz Vorbei der letzte schöne Traum! Vorbei die letzte Hoffnung auf ein völlig neues Leben." würde das alles festhalten, solange es ihr nur irgend gelang. Das war das Leben der Berani! Und man erzählte sich, daß sie aus kleinen Verhältnissen stamme. Das sie das ängstlich verdecke. Was war weiter dabei? k Das alles hätte ein Mann verzeihen können, wenn es auch nicht gerade Arndt von Berken fein würde. Der würde vielleicht ein junges Geschöpf heiraten, das er formen und modeln konnte nach feinem Willen, das er für sich erzog! Zu einem großen, heiligen Glück! Aber immerhin gab es Männer genug, die sich glücklich schätzen würden, die Hand der Berani zu erringen! Wie seltsam er auf die blonde, junge Schönheit sah. Seine Augen waren ganz zornig. Was war denn das? Kannte er vielleicht dieses Mädchen? Mila Kranz ging zur Berani hin, sagte lächelnd: „Aber liebste Kollegin, was haben mir denn da? Das ist ja allerliebst. Und bas haben Sie uns so lange versteckt gehalten? Junger Nachwuchs? Wundervoll! Für jede von uns beiden also ein prachtvoller Ersatz. Ich ziehe mich nämlich vom Film Zurück, und da trifft sich das ganz wunderbar, denn Fräulein — wie hieß sie doch gleich? Ja, Fräulein Randolf sieht mir ähnlich. Sie wird fabelhaft in meine Rollen passen." Und Mila Kranz neigte sich zu Käthe Randolf und strich ihr bas blonbe Haar aus ber Stirn. Dabei dachte sie: Wie kam die Berani auf diesen fürchterlichen Einfall, uns beiden heute das Urteil unseres Alters zu sprechen? Denn auch sie trifft es mit, und sie weiß das ia auch schon in diesem Augenblick. Die Berani lachte laut und perlend. Es klang echt, dieses Lachen. Dazu war die Berani eben doch zu sehr große Schauspielerin, als daß ihr jetzt dieses perlende Lachen mißlungen wäre. Und bann sagte fie: „Oh, Jugend allein tut es doch nicht! Ein bißchen Kunst gehört schon dazu, und da müssen wir eben doch noch ein Weilchen dableiben, damit die Jugend lernen Fann." Und vielleicht war die Berani noch nie so bezaubernd gewesen wie in diesem Augenblick! Die Herren küßten ihr die Hände, wandten sich bedauernd an Mila Kranz. Donnerstag, tt. Oktober 1934 iserscheinungen verschwunden! Wir wissen heute )t genau über die in der Hefe und vielen anderen bstanzen enthaltenen Vitamine Bescheid; wir sen, daß die beste Nahrung einen Menschen ober Tier töten ober schwer erkranken lassen kann, an ein paar Milligramm von jenen lebensnah abigen Stoffen fehlen. Beispielsweise war Jahr- iberte hindurch völlig unbekannt, warum eigen!» so viele Chinesen unb Japaner, bie sich von Haltern Reis ernährten, plötzlich schwer erkrank- unb oft genug gugrunbe gingen. Schließlich Ite sich heraus, baß sie sofort geheilt werben nten — sie brauchten nur ben Reis unge« ölt zu verzehren. In bem sogenannten Silber- ltchen ber Reisschale ist nämlich bas „Vitamin B" halten, bas übrigens auch in ber Hefe unb ber izenkleie vorkommt. Mehrere beutsche Forscher ersuchten bie Wirkung biefer Substanz am eige- i Körper. Sie ernährten sich einige Wochen lang te btefes Vitamin — unb erkrankten an schweren cvenlähmungen. Dann nahmen sie täglich win- z Mengen bes Vitamins zu sich unb würben so- t gesunb. Genau so verhält es sich mit ben an« en Vitaminen. Ein Mangel an Vitamin C, bas onbers im frischen Gemüse vorkommt, erzeugt vere Haut- unb Zahnfleischblutungen: bie Zähne eben locker, überall in ben Körperorganen kommt zu schweren Schäbigungen, ein Krankheitsbild, ■ unter bem Namen Skorbut bekannt ist. Doch biese Schäbigungen lassen sich burch ein paar fei Rüben- ober Zitronensaft, burch einige Tas- Kleienbrühe beseitigen. Heute ist es besonders >k ber unermüblichen Forschungsarbeit bes deut- n Gelehrten unb Nobelpreisträgers Professor t n b a u s gelungen, bie meisten Vitamine che- ch aufzuklären unb künstlich herzustetten. Man n jetzt schwerkranke Rachitiker burch tägliche Zu- r einiger Tropfen Vitamin D heilen unb bie :stehung dieser Krankheit, der früher Hundert- •fenbe ünb Millionen von Menschen zum Opfer m, verhinbern. Nicht anbers steht es mit zcchl- hen ähnlichen Krankheiten, bie in der letzten t als „Avitaminosen", als Ditaminmangelkrank- en aufgeklärt und damit endgültig besiegt wer- fonnten. Hormone und Fermente. Bas Hormone sind, braucht man keinem mo» nen Menschen mehr zu erklären — aber wissen auch, in welch unvorstellbar geringer Menge e Substanzen wirksam sind, die man als die ipellmeifter" unseres Körpers bezeichnet hat? t das reine weibliche Hormon herstellbar ist, sie sich, daß die unvorstellbar geringe Menge einem dreißigmillionstel Gramm ügt, um bei einer Maus eine bestimmte physio- sche Wirkung hervorzurufen. Ein dreißigmillion- Gramm — nun brauchen wir uns wirklich nicht jr zu wundern, daß der gesamte Organismus ?s Menschen vollständig in Unordnung gerät, in auch nur die geringste Störung in jenem un- euer komplizierten Geschehen eintritt, das mit :e der Dutzende menschlicher Hormone und ihrer cheidenden Wirkungen auf alle seelischen und ^erlichen Vorgänge ununterbrochen im Organis- s vor sich geht. )en „Rekord" an Geringfügigkeit der Substanz Verhältnis zur erzielten Wirkung halten aller« gs nicht die Hormone, sondern die sogenannten rmente, die „Lebenswecker" der Natur. Jede le des menschlichen Organismus enthält eine Un- l verschiedener Fermente, die oft in so mini- len Mengen vorhanden sind, daß es jahrelanger hevoller Arbeit unserer besten Wissenschaftler beste, bis man sie überhaupt „fassen" und ihre enschasten einigermaßen aufklären konnte. Die mente sind winzige Substanzen, die alle Lesprozesse in Gang bringen, sie anregen und be- Doch nur ein Scherz, gnädige Frau? Der Film f Sie noch lange nicht verlieren." Er tut's! Ich reise in meine Heimat!" Ran spitzte die Ohren. Würde die Kranz endlich raten, was für eine Landsmännin sie eigentlich r? Iber Mila Kranz lächelte, wandte sich an Käthe nbolf unb sagte: Kommen Sie, mir plaubern ein bißchen!" Inb sie nahm Käthe mit sich hinüber in eine lütliche Ecke. )lga Schieber stanb noch neben ber Berani. Die :e: Na, nun beteiligen Sie sich ein bißchen an bem veven hier, liebes Fräulein Schieber!" Unb wandte sich dem Prinzen Reizenstein zu. Udo von Bodenstein stand neben Arndt und fragte verdutzt: „Nanu — was soll denn bas eigentlich heißen? Was ist benn bas heute für ’ne Palastrevolution? Da wirb wohl noch ein bickes Enbe nachkommen?" „Laß bas! Sieh bir lieber mal recht genau die kleine Blonde an, die die Berani vorstellte." I Bodenstein sagte lächelnd: „Ist bereits geschehen! Die Kleine ist reizend. । Unb hätte ich nicht seit gestern soliben Boben unter i ben Füßen, würbe ich mich jetzt ba heranpirschen." „Du Schaf!" , Nanu?" Bobenstein sah fick verbüßt um. Was hatte ba Arnbt von Berken soeben gesagt? Aber ber stanb gar nicht mehr neben ihm. der steuerte direkt aus die Ecke zu, wo Mila Kranz und die kleine blonde Schönheit saßen. Arnbt von Berken verbeuate sich. I „Gibt es Geheimnisse, meine Damen9 Ober darf , man sich ein bißchen mit niederlassen? Möchten Sie m'-b vorstellen, liebe gnädige Frau?" | Groß, wuchtia, breitschultrig, das markante Ge- , sicht auf fie nieberaeneiat. stand der Mann vor j Käthe Randolf, ben sie nicht hatte vergessen können, dellen Stimme sie wieder härte, an den sie immer unb immer wieder gedacht hatte. Und nun war er hier? Kannte er sie wieder? Käthe war sehr blaß, unb ihre Augen waren gef-wkt Sihre ftände zitterten. Sie ift's allo bo*!. bachte er unb er dachte an das dünne Mäntelchen das neben ihr im Abteil aehangen ha"e. Er dachte an die häßlichen, vlumven Stiefel, die sie noch vor wenigen Wachen getragen, und fein Blick strich forschend über fie hinwea Wozu ihr sagen, daß er sie erkannt hatte? Was ging ihn dieses kleine Mädel an, bas ba eine Karriere machte?! Sein Blick glitt über bas kostbare Kleid, über die feinen Schühchen — unb in diesen Blick kam etwas Hartes! (Fortsetzung folgt!) 2 — Oe des Vinter I. Zahl der Helse Freiwillige ....... Besoldete ........ II. Gesamlspender Reichsführung ...... Eauführungen ...... Ausbringung der Geld gegliedert nach 1 L Bei der Reichsführung Gehaltsabzüge der Sta Eemeindebeamten. i und Bankabbuchunc sonstige Spenden Reichszuschuß Rückvergütung der R< für Kohlentransport W. H. W.-Lotterie EL Bei den Gauen eingeg< (Kreise und Ortsgru Lohn- und Gehali laufende Monatsfper Eintopfgericht W. H. W.-Sammellisten W. H. W.-Büchsensammi Gauveranstaltungev Christrosen Winterpfennig Spitzenroselten Glasplaketten Neujahrsplaketten Hitler-Iugend-Spenden Tag des Pferdes Bertram-Vortrag Insgesamt § 2. Zuwiderhandlungen qeqen die Vorschriften des § 1 werden mit Geldsache bis 3? 150—W9, im Unvermögensfalle mit Haft bis zu 14 Tagen bestraft. Gießen, den 10. Oktober 1934. Hessisches Kreisamt Gießen. I. V.. Weber. An die Ortspolizeibehörden und die Gendarmeriestationen des Kreises. Auf vorstehende Polizeiverordnung weisen wir Sie hin und empfehlen Ihnen' sie alsbald auf ortsübliche Weife zu veröffentlichen. Gießen, den 10. Oktober 1934. Hessisches Kreisamt Gießen. I. V.: Weber. Polizeiverordnung über die Vertilgung der Feldmäuse. Auf Grund 'des Art. 64 der Kreis- und Provinzialordnung vom 8 Juli 1911 und der Art. 37 und 43 des Feldstrafgesetzes vom 13. SuU 1904 fomie des Art III der Verordnung über Vermögensstrafen und Bußen vom 6 Februar 1924 wird mit Zustimmung des Kreisausschusses und mit Genehmigung der Ministerialabteilung lb (Innere Verwaltung) und Mmi- sterialabteilung le (Landwirtschaft) vom 27. September 1934 zu Nr. 1/e 21162 für den Kreis Gießen angeordnet: § 1. Die Besitzer von Feldgrundstücken sind verpflichtet, auf ortsübliche Bekanntmachung der Bürgermeisterei die Vertilgung der Feldmäuse in der in dieser Bekanntmachung vorgeschriebenen Weise und innerhalb der darin bezeichneten Frist vorzunehmen. § 2. Zuwiderhandlungen werden nach Artikel 37 des Feldstrafgefttzes vom 13. Juli 1904 mit Geldstrafe bis zu 150 Reichsmark oder mit Haft bis zu 14 Tagen bestraft. . . _ .. Außerdem werden die rückständigen Vertilgungsarbeiten auf Kosten der Säumigen ausgeführt. Diese sind zur Duldung der angeordneten Maßnahmen auf ihren Grundstücken verpflichtet. § 3. Diese Polizeiverordnung tritt mit dem Tage ihrer Veröffentlichung im Amtsverkündigungsblatt in Kruft. Gießen, den 10. Oktober 1934. Hess. Kreisamt Gießen. I. V.: Webe r. Polizeiverordnung über den Kraftfahrzeugverkehr in der Gemeinde Wahenborn-Steinberg. Auf Grund der Paragraphen 34 und 35 der Reichs-Straßenverkehrsordnung vom 28. Mai 1934, des Artikels 64 des Gesetzes, betr. die innere Verwaltung und die Vertretung der Kreise und Provinzen vom 8. Juli 1911 wird nach Anhörung der Gemeindevertretung und Ortspolizei- behörde mit Genehmigung des Hessischen Abteilung Ib (Innere Verwaltung), vom 26. September 1934 zu Rr. St. M. Ib 35 386 nachstehende Polizeiverordnung erlassen: § 1. Der Wiesenweg durch die Au von der Schiffenberger Mühle bis an die Schlageter-Straße, sowie die Bruchstrabe von der Ludwigstraße bisauf die Grüninger Straße in Watzenborn-Steinberg werden für Kraftfahrzeuge aller Art gesperrt. § 2. Zuwiderhandlungen gegen diese Polizeiverordnung werden mit Geldstrafe bis zu 150 Reichsmark oder mit Haft bestraft. § 3. Diese Polizeiverordnung tritt mit dem Tage ihrer Veröffentlichung im Amtsverkündigungsblatt in Kraft. Gießen, den 6. Oktober 1934. Hess. Kreisamt Gießen. I. V.: Grein. Dienstnachrichten des Kreisamts. Eberhard Karl Lich aus Londorf wurde.als Feldschütze für die Gemeinde Londorf bestellt und verpflichtet. Dem Thüringer Museum in Eisenach wurde die Erlaubnis erteilt, 8000 Lose zu je 0,50 RM. der 9. Geldlotterie des Thüringer Museums in Eisenach im Volksstaat Hessen zu vertreiben. Vertriebszeit: 25. September bis 7. Dezember 1934. Das Hessische Staatsministerium, Ministerialabteilung Ib hat die Her- absetzunq des Spielkapitals von 80 000 RM. auf 50 000 RM und die Verlegung des Ziehungstermins vom Dezember 1933 auf den 12. Januar 1935 der 2. Auswandererfürsorge-Geldlotterie gestattet. Ernst Kappeller aus Bellersheim wurde zum Polizeidiener der Gemeinde Bellersheim bestellt und verpflichtet. Wilhelm Schneider aus Langd wurde zum Polizeidiener der Gemeinde Langd bestellt und verpflichtet. Aufteilung des Spender Spendenverteilung h gegliedert nach Neichsführung und C Gau Spendenau! Sachspenden Reichsführung Baden Bayer. Ostm. Groß-Berlin Danzig Düsseldorf 9 205 427.— 2 887 432.— 1 942 493.— 9 441 503.— 531 466.— 3 484 353.— •Srud der Brübl'lchen Univerfl tä ts ii. nets -Buch- und Ste 1U 156 „ indruckerel. R Lange. Gießen 1. Lederschuhe 1657730 Paar Essen Halle-Merseburg Hamburg Ost-Hannover Süd-Han.-Vr. Hessen-Nassau Kobl.-Trier Köln-Aachen Kurhessen Kurmark Magdeburg-Anh. Meckl -Lübeck Mittelfranken Münch.-Ob.-V. Ostpreußen Pommern Rheinpfalz Sachsen Niederschl. Mittelschl. Oberschl. Schleswig-Holst. Schwaben Thüringen Mainfranken Weser-Ems Wests.-Nord Wests.-Süd Württemberg 4 182 029.— 2 991 973.— 2 909 356.— 3 258 445.— 4 071 848.— 7 731 205.— 2 212 492.— 2 197 410.— 2 494 833.— 9 037 285.— 3 904 923.— 1 934 585.— 1 268 631.— 2 875 560.— 2 312 257.— 5 964 507.— 1 103 307.— 9 056 673.— 2156 144.— 1 827 032.— 1806 165.— 2 491 816.— 2191 726.— 2 940 546.— 1332 579.— 3 472 896.— 5 110 854.— 3 339 963.— 3 308 376.— 4 715 591.90 2 882 222.82 6 902 109.21 1 920 423.39 3121 808.56 4 984 183.57 1 34? 952.19 3 472 997.39 1 095 452.72 4 080 318.26 3 993 773.04 1 696 409.05 1744 280.82 5 595 675.12 2690 211.— 2 691 695 19 1 474 506.25 8176 237 .57 1 521 339.48 3 147 864.29 1 168 766 43 3 530 301.24 2 072 379 83 4 084 893.06 749 568.51 2 332 297.55 3 886 018 32 4 314 131.21 5 804 225.02 14 459 553.— 7 545 212.— 13 188 062.— 6 090 331 — 8 589 887.— 18 341 653.— 6 677 682.— 10 943 646.— 3 712 736.— 13 876 574.— 8 993 525.— 3 530 952.— 3 962 499.— 16 702 264 —••) 6 920 250.— 9 369 801.— 4 156 502.— 25 723 290.— 4 902 068.— 8 817 760 — 5 119 025.— 7 793 318.— 5 349 840.— 8 728 878.— 3 342 103.— 6 154 504.— 12 042 224 — 16 564 246.— 11169 132.— 12. Hülsensrüchte 13. Gemüse 14. Gemüsekonserven 15. Zucker 16. Salz 17. Reis 18. Grieß 19. Kolonialwaren 20. Butter 21. Margarine 22. Schmalz 23. Speiseöle 24 Lebendes Vieh 25. Frischfleisch 26. Fleischkonserven 27. Speck 28. Wurstwaren 29. Eier 30. Milch 31. Büchsenmilch 32. Fische 33. Fischkonserven 34. Raucherwaren 35. Bienenhonig 36. Kunsthonig 37. Marmelade 38. Sonst. Nahrungsmittel IL Eenußmittel 1. Bohnenkaffee 2. Malzkaffee 3. Kasjeemischung 62 935 Ztr. 69 722 „ 7 590 N 65 266 „ 1416 N 29 244 „ 9 274 „ 144 001 „ 6 520 „ 1560 „ 17 881 „ 12 837 kg 4 343 Ztr. 39 452 „ 29 728 „ 5 743 „ 23180 „ 2 651 673 Stck. 5 969 106 Ltr. 295 522 Dosen 20 044 Ztr. 1401 „ 14 531 „ 3 803 kg 7 565 „ 7Q Ton 19 590 437 RM 507 Ztr. 10772 „ 967 „ 2. Hausschuhe 83 311 * 3. Pantossel 22 683 „ 4. Anzüge 251 204 Stck. 5. Kleider 608107 . 6. Mäntel 411652 „ 7. Hosen 218916 „ 8. Jacken 101202 „ 9. Mützen, Hü«. 116024 „ 10. Decken 74 525 „ 11. Stoffe 1989 830 m 12. Leder 153 377 — RM 13. Strick- «. Wollware« 4 391975.— , 14. Sonstige Kleidung 18106 620.73 . IV. Gutscheine, Vergütungen und Leistung«« Wert »7978 615.— RÄ V. Houshaltungsgrgenständ« Wert 29993SSL3RÄ VI. Brennmaterialiea L Kohlen 52903070 Ztr. 2. Holz 364 037 nn 3. Tor? 88781 Ztr. 4. Petroleum 69 830 Ltr. 5. Sonstige Brennmaterialien 844 715.04 RM VH. Sonderspenden 1. Liebesgabenpakete 672681 Stck. 2. Weihnachtsbäume 340614 „ 3. Sonstige Sondersp-nden 1729334544 RM | 126 978 089.— | 184272 307.57 | 346 586 226.— ») Einschließlich der Zuschüsse der Reichsführung an die Gaue (Koh- lenoersorgung, Barzuschüsse und Sachspenden) L Eesamtgebrauchs- wert von RM 75 478 831.—. **) Einschließlich der Spenden an bayerische Notstandsgaue, soweit ste nicht gesondert ausgewiesen werden können. Nr. 238 Drittes Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)Donnerstag, U. Oktober (934 Der Katt der Festung Antwerpen. Vor zwanzig Kahren am 10. Oktober. Von Major a. D. Rudolf Ableiter. schwiegen, schwamm ein Landwehrmann durch den Fortgraben und hißte auf den Wällen des geräumten Forts die schwarz-weiß-rote Fahne. Vom 5. Oktober ab leitete die Verteidigung ein englischer General. Aus dieser Maßnahme ist zu verstehen, daß die Stadt nicht übergeben wurde, sondern daß man es auf eine Beschießung ankom- Noch ehe Saarburg geschlagen und der Sieg von L o n g w y erfochten worden war, achtzehn Tage nach erfolgter Mobilmachung, hatten die gegen die belgische Großfestung Antwerpen vorgeschobenen deutschen Beobachtungstruppen am 20. August starke Ausfälle der Antwerpener Besatzung siegreich zurückgewiesen. In der Nacht vom 24. auf 25. August 1914 erhielt Antwerpen seinen ersten Zeppelinbesuch, dem am 2. September ein zweiter folgte. Beide Luftangriffe hinterließen unter der Bevölkerung stärkste Eindrücke. Die Aufgabe der deutschen Einschließungsarmee vor Antwerpen, die zum größten Teil aus Reseroe- formationen und aus den älteren Jahrgängen der Landwehr bestand und die durch eine unter dem Befehl des Admirals von Schröder, des früheren Stationschefs von Kiel, stehende Marinedioision einen wertvollen Streiterzuwachs erhielt, war zunächst eine vierfache. Einmal war Antwerpen und die zur Verteidigung der Festung bestimmte feindliche Armee abzusperren, so daß sie auf den deutschen Vormarsch durch Belgien keinen Einfluß mehr gewinnen konnte. Dann galt es weiter, den Besitz Brüssels zu decken; drittens mußte die Einschließungsarmee die westlich davon gelegene Gegend bis zur Küste aufklären, und endlich fiel ihr noch die Aufgabe zu, die rückwärtigen Verbindungen des rechten Flügels unserer auf Paris vordringenden Armeen zu schützen. Mit der Leitung der Operationen gegen Antwerpen wurde General Hans Hartwig v. B e feier beauftragt. Der aus dem Gardepionierbataillon hervorgegangene, damals vierundsechzigjährige General, Mitkämpfer von 1870 und zuletzt Generalinspekteur der Festungen, hatte die Einschließung Antwerpens, der als uneinnehmbar geltenden größten belgischen Festung mit modernsten Panzerbauten und einem waffenstarrenden Fortsgürtel, zielbewußt vorbereitet und von vornherein zu verhindern verstanden, daß die zu erwartenden Ausfälle der Antwerpener Besabung, die kriegsgeschult und tapfer war, ihr Ziel erreichten. Wohl den ernstesten Versuch, Beselers Einschließungsarmee zu durchbrechen, unternahmen die Antwerpener Besatzungsregimenter in den Tagen vom 10. bis 13. September 1914, wo es zu schweren Kämpfen in der Gegend von Löwen und Aerschot kam. Auf belgischer' Seite führte der König s e l b st, in vorderster Linie in einem grauen Auto haltend. Allein das Feuer der deutschen Haubitzen und das Eingreifen der neugebildeten deutschen Matrosen-Jnfanteriedivision, im ganzen zwölf Bataillone, brachen den belgischen Widerstand und warten die Angreifer in die Festung zurück. Am 27. September setzten die Belgier ihren letzten Ausfall gegen Beselers Einschließungsring an. Die deutschen Truppen wollten bei Termonde den Ueberqang über die Schelde erzwingen. 70 000 Mann waren auf belgischer Seite angesetzt, diesen Uebergang zu verhindern. Zweimal wurden sie zurückqeschlagen; es nützte ihnen nichts, sich m der in Brand geschossenen Ortschaft Ordephem fest- zusetzen; ein Flankenangriff deutscher Unterstützungen warf sie auf Termond" zurück. Am folgenden Tage eröffnete die Belagerungsartillerie gegen die Forts an der Süd- und Ostfront Antwerpens das Feuer. So feuerten gegen das Fort Waelksem vor allem die öfterreich-unga- rischen M o t o r b a t t e r i e n, - eine Kampfkraft von achtbarer Bedeutung, während unsere berübm- ten deutschen 42-Zentimeter-Mörser, die Lüttich in Schutt gelegt hatten, die übrigen Forts zusammen mit den 21-Zentimeter-Mörsern unter Feuer nahmen. Der deutsche Hauptschlag galt dem Netheabschnitt, also dem Süden und Südosten der eingeschlossenen Festung. Im Westen Antwerpens schien ein Angriff ausgeschlossen,denn hier floß die Schelde an derFestung vorbei; der Fluß war sehr breit, besaß 6 bis 12 Meter hohe Dämme und konnte durch umfangreiche Wasserstauungen zu einem uneinnehmbaren Hindernis ausgebaut werden. Von Tag zu Tag brachte der deutsche Heeresbericht die Wegnahme von wichtigen Forts durch die deutschen Truppen; die meisten mußten mit stürmender Hand genommen werden, einige von ihnen, von der Belagerungsartillerie zu Fetzen geschossen, wurden von den Verteidigern geräumt, ehe die Deutschen zum Sturme antraten. Im allgemeinen focht der Belgier in Antwerpen mit Bravour und Ausdauer. So kam der Aufforderung des Kommandanten des bereits übel zugedeckten Forts Waelhem, es mögen sich die am meisten erschöpften Soldaten zurückziehen, kein einziger belgischer Soldat nach. Aehnlich sah es in den Forts an der Ostfront Antwerpens aus. Dort wurden die Forts Kessel und Broechem ebenfalls von den Motorbatterien sturmreif gemacht; die Beschießung des letzteren Forts wurde durch das Eingreifen eines Zeppelins unterstützt. Als im beschossenen Fort die Geschütze men ließ. General v. B e s e l e r wolle bis zuletzt der Stadt ein Bombardement ersparen, allein die englische Verbohrtheit Hut sie gefordert. Bis zum 9. Oktober dauerte diese Beschießung, der nur 26 Zivilpersonen in der Stadt Antwerpen zum Opfer fielen. Bereits am Nachmittag verließen der Kommandant und die Besatzung den Festungsbereich Der Weg nach Holland stand offen. Die U e b e r - gabeverhandlungen konnten daher nicht mit den militärischen Befehlshabern geführt werden, zu ihnen mußte der Bürgermeister herangezogen werden. Am 10. Oktober zogen die Deutschen ein. 20 000 belgische Soldaten und 2000 Engländer waren auf holländisches Gebiet übergetreten und ent- waffnet worden. Der Gebäude- und Materialschaden in der Stadt war verschwindend gering. Zwölf Tage hatte die Belagerung Antwerpens gedauert; ihre Krönung war die Einnahme der als unbezwinglich gepriesenen Festung. General v. Bese l e r wurde mit dem Orden Pour le merite ausgezeichnet, sieben deutsche Fakultäten ernannten ihn zum Ehrendoktor. 'Der strategische Erfolg bestand in der Tatsache, daß der Rücken der vorstrebenden deutschen Fronten im Nordosten frei war und die Antwerpen belagernden Truppen neuen Kampfzwecken zugeführt werden konnten. Das war um so wichtiger, als in Flandern der Tod zu reiten und der Kampf um die Küste furchtbarste Blutopfer zu fordern begann. Kleine Ursachen — große Wirkungen. Winzigkeiten^ die unser Leben beherrschen. Von Or. W. Hansen. Früheren Zeiten galt es als ganz selbstverständlich, den Begriff des „Mächtigen" auch mit einer gewissen äußeren Größe zu verbinden — die moderne Wissenschaft aber hat erkannt, daß die Macht über alle Dinge der Erde keineswegs vom Größten, sondern vom Kleinsten, von kaum erkennbaren „Winzigkeiten" ausgeübt wird. Wir fürchten — mit Recht! — irgendeinen winzigen. Bazillus mehr als den wildesten Riesen des Tierreiches, wir wissen auch, daß in unserem eigenen Körper nicht die großen Organe die eigentlich entscheidende Rolle spielen, sondern jene rätselhaften Vitamine, Hormone und Fermente, die nur in winzigsten Mengen vorhanden sind und trotzdem alle Lebensoorgänge vollständig beherrschen. Die winzigen Feinde des Menschen. Die „großen" Feinde hat der Mensch besiegt — aber die kleinen Feinde blieben, und ihre Macht ist millionenmal größer als die des wildesten Tigers oder der gefährlichsten Giftschlange. Was bedeutet schon das Gift einer Kobra oder eines Skorpions im Vergleich etwa mit der kürzlich festgestellten Tatsache,' daß ein einziges Gramm Tetanus- t o x i n — das ist das Gift jener Bakterien, die den gefürchtsien Wundstarrkrampf Hervorrufen' — vollständig hinreichen würde, um viertausend Menschen oder über zehn Millionen Mäuse zu töten! Alle Anstrengungen der modernen Wissenschaft können nicht verhindern, daß Tag für Tag ungezählte Menschenleben den unaufhörlichen Angriffen der zahllosen winzigen Krankheitserreger zum Opfer fallen. Auf diesem Gebiete steht der Mensch noch mitten im Kampfe mit seinen wirklich gefährlichen, den winzigen Feinden, und niemand weiß, ob er ihn je zu seinen Gunsten entscheiden wird. Aber wir brauchen uns keineswegs auf das unangenehme Kapitel der Bakterien zu beschränken, um die Macht des Kleinsten zu beweisen, auch der vollständig gesunde Mensch wird bis in die kleinsten Lebensäußerungen vollständig beherrscht von „Winzigkeiten", die zwar mengenmäßig im Körper überhaupt keine Rolle spielen, trotzdem aber die eigentlich entscheidenden „Herren" unseres Organismus sind. Drei Tropfen Hefesast als Lebensretter. Folgendes Experiment erregte vor einiger Zeit in der ganzen wissenschaftlichen Welt erhebliches Aufsehen: man hatte längere Zeit hindurch einige Tauben mit nahrhafter und völlig ausreichender Kost ernährt, ließ aber ein bestimmtes Vitamin weg. Sehr bald zeigten alle Versuchstiere die Symptome schwerster Erkrankung und schienen schließlich unmittelbar vor dem Tode zu stehen. Nunmehr gab man jeder Taube drei Tropfen Hefesaft — nach wenigen Stunden hatten sich die Tiere vollständig erholt, und am nächsten Tage waren alle Krankheitserscheinungen verschwunden! Wir wissen heute recht genau über die in der Hefe und vielen anderen Substanzen enthaltenen Vitamine Bescheid; wir wissen, daß die beste Nahrung einen Menschen oder ein Tier töten oder schwer erkranken lassen kann, wenn ein paar Milligramm von jenen lebensnotwendigen Stoffen fehlen. Beispielsweise war Jahrhunderte hindurch völlig unbekannt, warum eigentlich so viele Chinesen und Japaner, die sich von geschältem Reis ernährten, plötzlich schwer erkrankten und oft genug zugrunde gingen. Schließlich stellte sich heraus, daß sie sofort geheilt werden konnten — sie brauchten nur den Reis ungeschält zu verzehren. In dem sogenannten Silberhäutchen der Reisschale ist nämlich das „Vitamin B" enthalten, das übrigens auch in der Hefe und der Weizenkleie vorkommt. Mehrere deutsche Forscher untersuchten die Wirkung dieser Substanz am eigenen Körper. Sie ernährten sich einige Wochen lang ohne dieses Vitamin — und erkrankten an schweren Nervenlähmungen. Dann nahmen sie täglich winzige Mengen des Vitamins zu sich und wurden sofort gesund. Genau so verhält es sich mit den anderen Vitaminen. Ein Mangel an Vitamin C, das besonders im frischen Gemüse vorkommt, erzeugt schwere Haut- und Zahnfleischblutungen: die Zähne werden locker, überall in den Körperorganen kommt es zu schweren Schädigungen, ein Krankheitsbild, das unter dem Namen Skorbut bekannt ist. Doch alle diese Schädigungen lassen sich durch ein paar Löffel Rüben- oder Zitronensaft, durch einige Tassen Kleienbrühe beseitigen. Heute ist es besonders dank der unermüdlichen Forschungsarbeit des deutschen Gelehrten und Nobelpreisträgers Professor Windaus gelungen, die meisten Vitamine chemisch aufzuklären und künstlich herzustellen. Man kann jetzt schwerkranke Rachitiker durch tägliche Zufuhr einiger Tropfen Vitamin D heilen und die Entstehung dieser Krankheit, der früher Hunderttausende und Millionen von Menschen zum Opfer fielen, verhindern. Nicht anders steht es mit zahlreichen ähnlichen Krankheiten, die in der letzten Zeit als „Avitaminosen", als Ditaminmangelkrank- heiten aufgeklärt und damit endgültig besiegt werden konnten. Hormone und Fermente. Was Hormone sind, braucht man keinem modernen Menschen mehr zu erklären — aber wissen Sie auch, in welch unvorstellbar geringer Menge diese Substanzen wirksam sind, die man als die „Kapellmeister" unseres Körpers bezeichnet hat? Seit das reine weibliche Hormon herstellbar ist, zeigte sich, daß die unvorstellbar geringe Menge von einem dreißigmillionstel Gramm genügt, um bei einer Maus eine bestimmte physiologische Wirkung heroorzurufen. Ein dreißigmillionstel Gramm — nun brauchen wir uns wirklich nicht mehr zu wundern, daß der gesamte Organismus eines Menschen vollständig in Unordnung gerät, wenn auch nur die geringste Störung in jenem ungeheuer komplizierten Geschehen eintritt, das mit Hilfe der Dutzende menschlicher Hormone und ihrer entscheidenden Wirkungen auf alle seelischen und körperlichen Vorgänge ununterbrochen im Organismus vor sich geht. Den „Rekord" an Geringfügigkeit der Substanz im Verhältnis zur erzielten Wirkung halten allerdings nicht die Hormone, sondern die sogenannten Fermente, die „Lebenswecker" der Natur. Jede Zelle des menschlichen Organismus enthält eine Unzahl verschiedener Fermente, die oft in so minimalen Mengen vorhanden sind, daß es jahrelanger mühevoller Arbeit unserer besten Wissenschaftler bedurfte, bis man sie überhaupt „fassen" und ihre Eigenschaften einigermaßen aufklären konnte. Die Fermente sind winzige Substanzen, die alle Lebensprozesse in Gang bringen, sie anregen und be- MM MM. Vornan von Gert Rothbero Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (©.). 11 Fortsetzung. Nachdruck verboten! Da lächelte die Frau! Aber sie sah unendlich lieb und mädchenhaft aus. Und Arndt von Berken streckte die Arme aus. „Bleib, Mila Kranz!" Am anderen Morgen lächelte er über seinen Traum. Lächelte darüber, weil er im Traum Mila Kranz so süß und liebreizend und jung, mit großen, unschuldigen Augen gesehen hatte. Denn Mila Kranz war in Wirklichkeit ganz anders! Ihre Augen verschleierten dunkle Leidenschaften, er wußte es nur zu gut! 6. Kapitel. In der Tiergartenvilla der schönen Berani war Lachen und Plaudern. Es ging sehr lebhaft und intim zu. Hier fühlte man sich immer sehr wohl. Es gab vorzügliche Weine, erstklassige Küche und eine liebenswürdige, bezaubernde Hausherrin. „Wenn mal einer von den Herren »die Berani schimpfen hören könnte, dann dächte er wahrscheinlich ganz anders. Und wenn er es hinterher den anderen Herren zum besten geben würde, dann glaubte es ihm keiner." Mißvergnügt saß die ältliche Martha Linar auf einem seidenen Hocker, lächelte zur Berani hinüber und zog dabei über sie her. . Lena (Tonte, die hübsche Lustspielbarstellerm, jagte: „Die Berani ist ganz nett. Nervös ist sie. Aber sonst? Wen man eingeladen ist, muß man sie nicht schlecht machen." .. „ . Und Lena wippte mit den hübschen Beinen. Die Linar knurrte irgend etwas, aber Lena (Tonte lächelte. Jetzt kamen neue Gäste. Prinz Reizenstein, Mila Kranz, Fritz Triesbach, der Sohn vom Großindustriellen, und die zwei Freunde Arndt von Berken und Udo von Bodenstein „Wie eine Königin! Einfach fabelhaft sieht sie aus, und die Berani wird schon ganz gelb vor Neid. Warum hat die denn ihre Rivalin eigentlich eingeladen?" Irgendeine Dame sagte es leise zu ihrem Kavalier. Der antwortete nicht, sondern musterte lächelnd die beiden schönen Rivalinnen, die sich doch immer wieder mal zusammen zeigten, um das Gerücht zu widerlegen, daß sie einand^.chaßten. Die beiden Damen begrüßten einander sehr herzlich, und die meisten Gäste lächelten leise. Dann blitzte es in den Augen der Berani auf. Sie reichte Arndt von Berken die ringgeschmückte Hand, über die er sich lächelnd beugte Heute waren sehr viele Prominente da. Und I Arndt war heute zur Berani viel höflicher und ga-' lanter als sonst. Weil er plötzlich wußte, daß diese Frau einen Dornenweg hinter sich hatte. Daß sie aus kleinen Verhältnissen gekommen war, und daß sie nun wie eine Löwin um den Platz an der | Sonne kämpfte. Daß sie nicht wieder hinab wollte in das Dunkel einer kleinen, unbeachteten Existenz. Mußte man einen Menschen nicht achten, der sich mit ungeheurer Energie in die Höhe kämpfte, auch wenn fein Weg durch dunkle Gassen und Wege führte? Wenn er nur kein Verbrechen beging! Dann war alles gut! Dann durfte man ihm die Achtung nicht versagen. Und in den großen, schönen, dunklen Augen der Berani glomm ein leises, sehnsüchtiges Feuer. Und sie bereute es fast, die wunderschöne kleine Käthe Randolf hierher gebracht zu haben. Aber — es war ja lächerlich! | Die war doch nur ein Mittel zum Zweck. Die war nur hier, damit sich die Mila Kranz ein bißchen kränken sollte. Eigentlich war es auch nur ein Streich, den sie der Rivalin spielen wollte. „Meine Herrschaften, ich hab' hier zwei junge Damen! Nachwuchs beim Film. Fräulein Olga Schieber und Fräulein Käthe Randolf. Nehmen Sie sich der beiden kleinen Damen ein bißchen an, damit sie sich nicht langweilen." Die Berani stand, an jeder Hand eines der beiden Mädchen, lächelnd mitten im großen gelben Salon, und ihre schillernde Figur in dem silber- i glitzernden Abendkleid sah wie eine Bajadere aus. I Atemlos blickten die Herren auf die schöne, hoch- gewachsene Frau, dann glitten die Blicke über Käthe Randolfs blonde, hinreißende Schönheit. Niemand beachtete Olga Schieber. Niemand. Und die hatte ein resigniertes Lächeln um den Mund. Käthe Randolf aber wußte nicht, wohin sie blicken sollte. Und ihr einziger klarer Gedanke mar: Wären wir doch nicht hierher gekommen! Man will sich doch nur über uns lustig machen \ Sie wußte nicht, wie schön sie war, die kleine, unberührte Käthe. Und sie wagte noch immer nicht, sich umzusehen. -jr Die Berani lachte laut und fröhlich. Sie hatte den entsetzten Blick Milas gesehen, mit dem die auf die junge, blonde Schönheit starrte. Mila Kranz dachte: Sie sieht mir ähnlich, und sie ist jung, viel jünger als ich! Ich werde heute alt und verblüht wirken neben ihr. Und das hat die Berani bezweckt. . Ihr Blick glitt zu Arndt von Berken, der starr auf das blonde Mädchen blickte Und da kroch ein unsagbares Weh tn Mila Kranz 0"^,Vorbei der.letzte schöne Traum! Vorbei die letzte Hoffnung auf ein völlig neues Leben." Und auf einmal kam ihr die Hoffnung, die sie gehegt, in sich getragen, völlig unhaltbar vor. Diesem Manne dort konnte man nichts verschweigen. Der hätte von seiner Frau völlige Offenheit verlangt, und die hätte sie niemals geben können. War ihr Leben nicht ein tausendfaches gewesen bis heute? Wieviel Rollen hatte sie denn eigentlich spielen müssen? Und war diese Berani dort nicht zu beneiden, weil sie so ganz und gar in ihrem Beruf aufgehen konnte, ihre kleinen und großen Intrigen spann, sonst aber nichts für sich zu fürchten brauchte? Immerhin war ihr Leben keinen Deut anders als dasjenige vieler Berühmtheiten. Sie wollte festhalten, was sie sich erobert hatte, und würde das alles festhalten, solange es ihr nur irgend gelang. Das war das Leben der Berani! Und man erzählte sich, daß sie aus kleinen Verhältnissen stamme. Das sie das ängstlich verdecke. Was war weiter dabei? x Das alles hätte ein Mann verzeihen können, wenn es auch nicht gerade Arndt von Berken fein würde. Der würde vielleicht ein junges Geschöpf heiraten, bas er formen und modeln konnte nach feinem Willen, das er für sich erzog! Zu einem großen, heiligen Glück! Aber immerhin gab es Männer genug, die sich glücklich schätzen würden, die Hand der Berani zu erringen! Wie seltsam er auf die blonde, junge Schönheit sah. Seine Augen waren ganz zornig. Was war denn das? Kannte er vielleicht dieses Mädchen? Mila Kranz ginn zur Berani hin, sagte lächelnd: „Aber liebste Kollegin, was haben mir denn da? Das ist jo allerliebst. Und das haben Sie uns so fange versteckt gehalten? Junger Nachwuchs? Wundervoll! Für jede von uns beiden also ein prachtvoller Ersatz Ick ziehe mich nämlich vom Film Zurück, und da trifft sich das ganz wunderbar, denn Fräulein — wie hieß sie doch gleich? Ja, Fräulein Randolf sieht mir ähnlich. Sie wird fabelhaft in meine Rollen passen." Und Mila Kranz neigte sich zu Käthe Randolf und strich ihr das blonde Haar aus der Stirn. Dabei dachte sie: Wie kam die Berani auf diesen fürchterlichen Einfall, uns beiden heute das Urteil unseres Alters zu sprechen? Denn auch sie trifft es mit, und sie weiß das ja auch schon in diesem Augenblick. Die Berani lachte laut und perlend. Es klang echt, dieses Lachen. Dazu war die Berani eben doch zu sehr große Schauspielerin, als daß ihr jetzt dieses perlende Lachen mißlungen wäre. Und dann sagte sie- „Oh. Jugend allein tut es doch nicht? Ein bißchen Kunst gehört schon dazu, und da müssen wir eben doch noch ein Weilchen dableiben, damit die Jugend lernen kann." Und vielleicht war die Berani noch nie so bezaubernd gewesen wie in diesem Augenblick! Die Herren küßten ihr die Hände, wandten sich bedauernd an Mila Kranz. „Doch nur ein Scherz, gnädige Frau? Der Film darf Sie noch lange nicht verlieren." „Er tut’s! Ich reife in meine Heimat!" Man spitzte die Ohren. Würde die Kranz endlich verraten, was für eine Landsmännin sie eigentlich war? Aber Mila Kranz lächelte, wandte sich an Käthe Randolf und sagte: „Kommen Sie, wir plaudern ein bißchen!" Und sie nahm Käthe mit sich hinüber in eine gemütliche Ecke. Olga Schieber stand noch neben der Berani. Die sagte: „Na, nun beteiligen Sie sich ein bißchen an dem Leben hier, liebes Fräulein Schieber!" Und wandte sich dem Prinzen Reizenstein zu. Udo von Bodenstein stand neben Arndt und fragte verdutzt: „Nanu — was soll denn das eigentlich heißen? Was ist denn das heute für ’ne Palastrevolution? Da wird wohl noch ein dickes Ende Nachkommen?" „Laß das! Sieh dir lieber mal recht genau die kleine Blonde an, die die Berani vorstellte." Bodenstein sagte lächelnd: „Ist bereits geschehen? Die Kleine ist reizend. Und hätte ich nicht seit gestern soliden Boden unter den Füßen, würde ich mich jetzt da heranpirschen." „Du Schaf?" , Nanu?" Bodenstein sah fich verdutzt um. Was hatte da Arndt von Berken soeben gesagt? Aber der stand gar nicht mehr neben ihm. her steuerte direkt auf die Ecke zu, wo Mila Kranz und die kleine blonde Schönheit saßen. Arndt von Berkan oerbeuate sich. „Gibt es Geheimnisse, meine Damen? Oder darf man sich ein bißchen mit niederlassen? Möchten Sie mich vorstellen. liebe anübiae Frau?" Groß, wuchtig, breitschultrig, bas markante Gesicht auf sie nieberoeneiat ftanb ber Mann vor Köche Rnnbolf. den sie nicht hafte vergessen können, ; dessen Stimme sie wieder hörte, an den sie immer und immer wieder gedacht hatte. Und nun war er hier? Kannte er sie wieder? Käthe war W blaß, und ihre Augen waren ges-wkt ^hre .Hände zitteren. Sie iff’s allo bo*!. dachte er und er dachte an bas bünne Mäntelchen bas neben ihr im Abteil aphangen ha+te. (fr buchte an die hnhfichpn, plumpen Stiefel, bie sie noch vor wenigen Wochen aetragen, und fein Blick strich forschend über sie hinwen Wozu ihr sagen, baß er sie erkannt hatte? Was ging ihn dieses kleine Möbel an, das da eine Karriere machte?? Sein Blick glitt über bas kostbare Kleid, über die feinen Schühchen — und in diesen Blick kam etwas Hartes! (Fortsetzung folgt!) schleunigen. Keine Weintraube könnte den edlen Rebensaft erzeugen, keine Zelle würde „atmen", Nährstoffe verdauen und verarbeiten, wenn ihr die Fermente dabei nicht helfen würden. Man kann sich die Wirkung eines Ferments leicht durch folgendes Experiment klarmachen: Nimmt man ein Stückchen Würfelzucker und versucht nun, es mit einem brennenden Streickholz anzuzünden, so wird alle Mühe vergeblich sein. Streut man aber etwa- Zigarettenasche auf den Zucker, so fängt er bald Feuer und verbrennt. In der Äscke sind winzige Mengen von E i s e n s a l z e n voryanden, die wahrscheinlich — ohne sich selbst zu verändern — die Verbrennung in Gang bringen und immer weiter entfachen. Aehnlich. besitzt jede Zelle winzige Spuren von „verbrennendem und atmendem Eisen" — es fft das sogenannte „A t m u n g s s e r m e n t — das für das Leben aller irdischen Geschöpfe die größte Rolle spielt. Ohne diesen Stoff ginge unser Körper sofort zugrunde, die Nährstoffe könnten ohne diesen eisenhaltigen Stofs (ähnlich wie der Zucker ohne die Asche) nicht mehr verbrannt werden, und eines der furchtbarsten Gifte, das Zyankali, wirkt nur deshalb so unfehlbar tödlich, weil es das 211» mungsferment unwirksam macht und damit Die Zellatmung aufhebt. Der ganze menschliche Körper besitzt nur wenige Gramm Eisen; dies verteilt sich nun auf viele Millionen von Zellen und liefert ihnen das Atmungsferment, das also in unvorstellbar geringen Mengen vorhanden ist und trotzdem das eigentliche „Lebenselixier" darstellt. unverändert, Reichsmark • Anleihen freundlicher. Fest waren zertifizierte Phönix-Gulden mit 81 (plus 2 v. H.) auf Gerüchte, wonach ein Umtausch in Reichsmark-Anleihe bevorftehe. Don Stadtanleihen kamen 6proz. Heidelberg v. 26 nach Briefstreichung mit 82 (gestern 83,50) und 6proz. Mainz v. 26 mit 82,25 (82,75) wieder zur Notiz. Pfandbriefe lagen, soweit sie zur Notiz tarnen, gut behauptet. Auslandrenten lagen geschäftslos. U. a. notierten: Altbesitz 100,25, 6proz. Stahlverein 80, 6proz. Franks. Hyp. Bank Gold R 1—4 93,13, 6proz. Rhein. Hyp. Bank Gold R 26/30 93,13, 5proz. Silbermexikaner 6,20, 3proz. do. 5,65, Commerzbank 69,50, DD-Bank 73,25, Reichsbank 146,50, Gelsenkirchen 64,65, Harpener 106, Kali Aschersleben 119, Mannesmann 75,50, Phönix 50, Rheinstahl 91, Stahlverein 43, AEG. 28,50, AKU. 61,75, Conti Gummi 133, Scheideanstalt 215, Deutsche Linoleum 58,50. IG.-Farben 142,65 bis 142,75, Gesfürel HO, Holzmann 79, Metallgesell- schäft 85,25, Rheag 100, Schlickert 94, Westdeutsche Kaufhof 32,75, Nordd, Lloyd 29,90. Schweinemarkt und Bullenauktion in Lauterbach. £ Lauterbach, 10. Oft. Zum heutigen Schweinemarkt waren 133 Ferkel und einige Läufer angefahren. Der Handel war zunächst recht lebhaft, flaute aber später ab. Bezahlt wurde für 6 bis 7 Wochen alte Tiere 13 bis 15 Mark, für 8 bis 11 Wochen alte 15 bis 23 Mk., Läuferschweine 42 bis 45 Mk. Der Markt wurde nicht ganz ausverkauft. Einen vollen Erfolg hatte die von der Landes- bauernfchaft Hessen-Nassau, Tierzuchtamt Gießen, durchgeführte Bullenauktion. Bon 42 zur Versteigerung stehenden Tieren wurden 41 verkauft zu Preisen, die man kaum zu erwarten hoffte. Wurden sonst Durchschnittspreise von 400 bis 500 Mk. im letzten Jahr bis zu 542 Mk. erzielt, so ist das heutige Ergebnis mit einem Gesamtumsatz von 41 verkauften Tieren mit 23 720 Mk. und einem Durchschnittserlös von rund 579 Mk. glänzend. Vor Beginn der Auktion fand erst eine Preis- beroertung statt. Es erhielten: einen 1. Preis Gutsverwaltung Sickendorf, Karl Brost, Brauer- schwend, Friedrich Hornberger, Stumpertenrod; einen 2. Preis Jungviehweide Wernings, Johannes Schad Ww., Angersbach, Karl Geisel I., Brauer- schwend, Johannes Dietz II., Billertshausen, Wilhelm Schmidt, Stumpertenrod, Otto Fölzig, Billertshausen, Johannes Becker I., Maar, Friedrich Karl Herber, Angersbach, Heinrich Enders III., Appenrod; einen 3. Preis Heinrich Giller III., Ober-Gleen, Heinrich Reibling II., Brauerschwend, Wilhelm Nau, Ober-Ofleiden, Wilhelm Funk, Maar, Bürgermeister Stroh, Brauerschwend, Konrad Pfeffer, Dammes- hof, Heinrich Hafenpflug, Arnsheim, Heinrich Lanz, Maulbach, Friedrich Herber I. Ww., Angersbach, Karl Weinberger, Lanzenhain. Schweinemarkt in Schotten. — Scho11en, 10. Okt. Der heutige Schweinemarkt in unserer Stadt war mit rund 350 Ferkeln und Einlegeschweinen beschickt. Man bezahlte für 7 bis 8 Wochen alte Ferkel 10 Mk., 8 bis 10 Wochen alte 12 Mk., 10 bis 13 Wochen alte Tiere 16 Mk., Einlegeschweine 35 Mk. pro Stück. Der Handel war gut, es verblieb nur geringer lieber» stand. Schweinemarkt in Friedberg. LPD. Friedberg, 10. Okt. Zum Friedberger Schweinemarkt waren insgesamt 342 Ferkel zum Verkauf aufgetrieben. Bei sehr lebhaftem Handel verblieb kein Ueberftanb. Es kosteten bis 6 Wochen alte Tiere 7 bis 9 RM., 6 bis 8 Wochen alte 10 bis 12 RM., 8 bis 12 Wochen alte 12 bis 14 RM. Friedberger Herbstpferdemarkt. LPD. Friedberg, 10. Okt. Der anläßlich der Friedberger Herbstwoche veranstaltete gerbst- pferdemarkt war von den oberhessischen Pferdezüchtern mit ausgezeichnetem Material beschickt worden. Unter diesen Umständen hatte die Prämiierungskommission eine recht schwierige Arbeit. Landesstallmeister Dr. Denker sprach den Züchtern seine besondere Anerkennung aus. Zum Markt aufgetrieben waren insgesamt 96 Pferde. Es wurden folgende Preise erzielt: I. Kaltblut: 1. Klasse 1000 bis 1200 Mark, 2. Klasse 800 bis 1000 Mark, 3. Klasse 500 bis 700 Mark. II. Warmblut: 1. Klasse 900 bis 1100 Mark, 2. Klasse 800 bis 900 Mark, 3. Klasse 500 bis 700 Mark. Schlachtpferde 1. Qualität 35 Mark, 2. Qualität 18 bis 25 Mark je Zentner. 2V-jährige Fohlen 800 bis 900 Mark, IV2» jährige Fohlen 500 bis 600 Mark, Absatzfohlen 275 bis 400 Mark. Teilweise wurden für Absatzfohlen auch über die Notierung hinaus 500 Mark erzielt. Mainzer Schlachtviehmartt. Mainz, 9. Okt. Auftrieb: Großvieh 697, davon 54 Ochsen, 45 Bullen, 328 Kühe, 270 Färsen. Kälber 419, Schafe 4, Schweine 967. Zum Schlachthof direkt zugeführt: 4 Ochsen, 2 Bullen, 5 Kühe, 10 Wirtschaft. Aufhebung des Verkaufsverbots für Winteräpfel. Der Reichsbeauftragte für die Regelung des Absatzes von Gartenbauerzeugnissen hat eine Anordnung erlassen, wonach das in § 1 seiner Anordnung vom 5. September 1934 (Verkaufsverbot von Winteräpfel) ausgesprochene Verbot des Kleinoerkaufs, des Feilbietens und Feilhaltens von Winteräpfeln auf Wochenmärkten, in Ladengeschäften und im Straßenhandel aufgehoben wird, da die durch diese Anordnung beabsichtigte Entlastung des Obstmarktes erfolgt ist. * * Günstige Geschäftentwickluna bei der Commerz- und Privatbank - A.-G. im er st en halben Jahre. In der gestrigen Sitzung des Aufsichtsrates wurde die Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung für das erste Halbjahr 1934 vorgelegt. Das Ergebnis wird als ein durchaus befriedigendes bezeichnet. Der durch das Arbeitsbeschaffungsprogramm der Regierung in der Wirtschaft entstandene Auftrieb hat eine nicht unwesentliche Steigerung der Umsätze bewirkt. Erheblichen Rückzahlungen auf alte Kredite standen namhafte Neuanforderungen gegenüber, denen die Bank in vollem Umfange nachkam. * Guter Auftragsbestand bei der Henschel k Sohn AG.'Kassel. Das Geschäftsjahr 1933 der Gesellschaft brachte gegenüber 1932 eine 66,5prozentige Umsatzsteigerung. Diese Belebung wirkte sich jedoch nur im Kraftwagenbau aus. Im Lokomotivbau konnte durch einen Ueberbrückungs- auftrag der Deutschen Reichsbahngesellschaft der Abbau von Arbeitskräften verhindert werden. Die Rentabilität des Unternehmens konnte noch nicht wieder hergestellt werden. Das Geschäftsjahr 1933 schließt demzufolge mit einem, wenn auch verminderten Verlust, ab. Das Auslandsgeschäft der Gesellschaft war in 1933 sehr schwierig. Trotzdem konnten die Lokomotivlieferungen gegenüber 1932 nahezu verdoppelt werden. Der Umsatz des Kraftwagenbaues liegt erheblich über dem des Jahres 1932. Ein bedeutender Teil der Bestellungen konnte im Berichtsjahre noch nicht zur Abwicklung kommen, so daß das Unternehmen mit einem guten Auftragsbestand in das neue Geschäftsjahr hineinging. Der vorhandene Auftragsbestand sichert der gegenwärtigen Gefolgschaft die' Arbeitsplätze für neun Monate. Der bisherige Auftragseingang aus dem Auslande ist nahezu doppelt so groß, wie im ganzen Jahre 1933. Zur Zeit liegen Aufträge für insgesamt 21 Auslanoslokomotiven vor, die zu liefern sind. Die Gesellschaft glaubt für den weiteren Ausbau des Kraftwagengeschäftes eine günstige Prognose stellen zu können. * Kabelwerk Rheydt A G., Rheydt. — 12 (8) v. H. Dividende. In der Bilanzsitzung des Aufsichtsrates wurde beschlossen, der Hauptversammlung eine Dividende von 12 (i. V. 8) v. H. vorzuschlagen. Die Gefolgschaft erhält eine besondere Zuwendung. * Ford Motor Company AG., Köln. In der Hauptversammlung wurden die Sanierungsvorschläge der Verwaltung begründet. Die Umstellung der Fabrik auf rein deutsche Vierzylinderfabrikate konnte erst im Juni 1933 zum Abschluß gebracht werden. Von diesem Zeitpunkt ab nahm die Gesellschaft in vollem Umfange an der Umsatz» fteigerung der Automobilindustrie teil. Der Absatz konnte um 75 v. H. gegenüber 1932 erhöht werden, trotzdem konnte nicht mit Gewinn gearbeitet werden, da durch die Umstellung auf die rein deutsche Herstellung eine Aenderung der Spezialmaschinen erforderlich war und die Wertminderung durch diese Maschinen eine einmalige Sonderabschreibung von 4,5 Millionen RM. erforderte. Das neue Geschäftsjahr wird von der Verwaltung zuversichtlich beurteilt. In den ersten acht Monaten konnte der Absatz um 100 Prozent gegenüber der gleichen Vorjahreszeit gesteigert werden. Das laufende Jahr verzeichnet eine stetige Zunahme des Anteils am deutschen Geschäft. Frankfurter Börse. ffiiffagsbörfe ruhig, widerstandsfähig. Frankfurt a. M., 10. Okt. Die Börse blieb von den Ereignissen in Marseille nahezu unberührt. Zwar bestand innerhalb der Kulisse starke Zurückhaltung infolge womöglicher Rückwirkungen auf die Auslandsbörsen, die Grundstimmung zeigte aber starke Widerstandskraft. Von der Kundschaft lagen Verkäufe nicht vor, lediglich die Mitläuferschaft nahm kleine Abgaben vor, wobei das herauskommende Material bei nur leicht nachgebenden Kursen glatt ausgenommen wurde. Soweit einzelne Werte stärker gedrückt waren, hatte dies seine besonderen Ursachen. So gaben beispielsweise Felten in Nachwirkung der Verwaltungsmitteilung erneut 1,13 v. H. nach, da sich die Aussicht auf eine Dividendenzahlung verringert habe. Auch Bank für Brauindustrie verloren nochmals 2,25 v. H. AG. für Verkehrswesen mit —2 v. H. und Hapag mit —1,75 v. H. waren ohne sichtbaren Grund ebenfalls stärker ermäßigt. Farbenindustrie eröffneten 0,75 v. H. leichter, waren aber bald wieder um 0,50 v. H. erholt, Deutsche Erdöl verloren 1,25 v. H., während Scheideanstalt zu 215 v. H. unverändert notierten. Elektroaktien bröckelten zumeist um 0,25 bis 0,50 v. H. ab. Montanwerte verkehrten nicht ganz einheitlich: Buderus, Klöckner und Rheinstahl zogen je 0,25 v. H. an, Harpener verloren 0,25 v. H., Phönix 0,13 v. H. und Stahlverein 0,90 v. H., letztere konnten sich aber nach dem ersten Kurs auf Grund des günstigen Quartalsausweises wieder gut erholen. Niedriger begannen noch Reichsbank (—1,75 v. H.), Daimler, Junghans und Deutsche Linoleum mit je —0,25 v. H. Von Auslandsaktien waren Chade kaum verändert, auch AKU. lagen ziemlich behauptet. Der Rentenmarkt ist sehr still geworden und infolge von kleinen Entlastungsverkäufen bröckelten die Kurse für Altbesitz, späte Reichsschuldbuchforderungen, Kommunal-Umschuldung, Stahlverein-Bonds und Reichsmark-Anleihen bis zu 0,50 v. H. ab. Von Auslandsrenten blieben Mexikaner gut behauptet, nur 3 v. H. Salonik Monastir verloren 0,40 v. H. Im Verlause blieb das Geschäft an allen Marktgebieten sehr klein, die Grundstimmung war aber freundlich und sowohl am Aktien- wie am Rentenmarkt ergaben sich gegen die Anfangskurse zumeist leicht Erholungen. So u. a. bei Altbesitz um 0,25 v. H., Kommunal-Umschuldung um 30 Pf. Am Aktienmarkt kamen von hochverzinslichen Papieren Rhein. Braunkohlen 3 v. H. und Akkumulatoren 2,50 v. H. schwächer zur Notiz. Fester lagen Conti Gummi (+ 1 v. H.). Am Pfandbriefmarkt bestand überwiegend etwas Abgabeneigung, wobei Goldpfandbriefe und Kom- munal-Obligationen 0,25 bis 0,50 v. H., Liquida- dationspfandbriefe etwas mehr, nämlich 0,50 bis 1 v. H. verloren. Stadtanleihen waren nicht einheitlich, aber zumeist etwas schwächer. Staatsrenten lagen kaum verändert, auch Industrie-Obligationen blieben ziemlich behauptet. Auslandsrenten lagen später überwiegend eine Nuance leichter. Am Kassamarkt waren Hartmann 8t Braun sowie Kraftwerk Alt-Württemberg weiter mit Minus- Zeichen angeschrieben. — Tagesgeld blieb zu 3 v. H. unverändert. Abendbörse ruhig. Wenn auch die Zurückhaltung an der Abendbörse noch vorherrschend war, so zeigte sich im Anschluß an den Mittagsverkehr doch eine weitere Besserung der Stimmung, da seitens der Kulisse kleine Rückkäufe erfolgten. Die Umsätze nahmen indes kein nennenswertes Ausmaß an. Am Aktienmarkt blieben die Berliner Schluß- kurse zumeist gut behauptet, Farbenindustrie waren leicht befestigt, während Kunstseide AKU. 0,50 v. H. nachgaben. Großbankaktien lagen unverändert. Am Rentenmarkt war das Geschäft auch nicht groß, immerhin fanden Kommunal-Umschuldung (plus 013 v. H.) und Reichsaltbesitz (plus 0,40 v. H. und somit wieder über Pari) etwas mehr Interesse. Späte Reichsschuldbuchforderungen lagen mit 95,65 Winterhilfswerk des Deutschen Volkes 1934/35 Färsen, 18 Kälber, 12 Schafe, 78 Schweine. No- tiert wurde pro 1 Zentner Lebendgewicht in Mark: Ochsen b) 32 bis 36, c) 27 bis 31, d) 23 bis 26; Bullen a) 31 bis 34, b) 28 bis 33, c) 25 bis 27, d) 22 bis 24; Kühe a) 32 bis 36, b) 27 bis 31, c 21 bis 26, d) 12 bis 20; Färsen a) 36 bis 39, b) 33 bis 35, c) 27 bis 32, d) 23 bis 26; Kälber a) 40 bis 45, b) 36 bis 40, c) 30 bis 35, d) 22 bis 29. Schafe nicht notiert. Schweine a) 53, b) 52 bis 53, c) 51 bis 53, d) 48 bis 52. Marktverlauf: Rinder mittel, geräumt Kälber schleppend, langsam geräumt. Schweine lebhaft, in geringen Tieren Ueberftanb. Fra::^.:rter PscrDemarkt. Frankfurt a. M., 9. Okt. (LPD.) Zu dem gestrigen Pferdemarkt belief sich der Zutrieb auf rund 250 Pferde. Tiere guter Beschaffenheit waren bei anziehenden Preisen leicht verkäuflich, auch in geringwertigen, leichteren Arbeitspferden entwickelte sich das Geschäft zufriedenstellend, allerdings nur bei entgegenkommenden Zahlungsbedingungen. Schlachtpferoe waren gesucht. Man zahlte 20 bis 22 Mark für zweite Qualität und 27 bis 29 Mark für fette erste Qualität je 50 Kilogramm Schlacht- gewicht. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 10. Okt. Am Getreidegroß, markt blieb die Gesamtlage gegenüber dem Mon- taasmarft unverändert, auch die Angebotsverhältnisse in den einzelnen Getreidearten blieben die gleichen. Mühlennachfabrikate lagen ebenfalls ruhiger, nur Weizennachmehl war gefragt, daneben hielt die Nachfrage für ölhaltige Futtermittel an, auch Biertreber und Malzkeime sind bei kleinem Angebot gesucht. Mehle haben ruhigen Markt. Es notierten (Getreide je Tonne, alles übrige je 100 kg) in RM.: Weizen W IX 200, W XIII 204, W XVI 208, Roggen R IX 160, R XIII 164, R XV 168, Futtergerste G IX 162, GXI 165, G XII 167, Hafer H XIII 160, H XIV 162, Weizenmehl W XIII 27,15, W XVI 27,15, Roggenmehl R XIII 23,60, R XV 24,00, (für alle Mehlpreise kommen 0,50 RM. Frachtausgleich hinzu), Weizennachmehl 16,25, Weizenfuttermehl 12,50, Weizenkleie W XIII 10,40, W XVI 10,60, Roggenkleie R XIII 9,60, R XV 9,84, Soyafchrot 13,00, Palmkuchen 13,30, Erdnußkuchen 14,50, Treber 17,25 bis 17,35, Heu 11,00, Weizen- u'nd Roggenstroh drahtgepreßt ober gebündelt 3,75 bis 3,85. Tendenz: ruhig. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 11. Oktober. (Dorbericht.) -Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Vorauftrieb: 879 Kälber, 390. Schafe, 674 Schweine. Es kosteten: Kälber 30 bis r6 Mark, Hämmel 27 bis 35, Qdjafe 18 bis 34, Schweine 47 bis 53 Mark. — McuU- oerlauf: bei allen Diehgattungen rege. * Rundfunkprogramm Freitag. 12. Oktober. 6 Uhr: Bauernfunk. 6.15: Gymnastik I. 6.30: Gymnastik II. 6.45: Frühmeldungen. 7: Frühkonzert. 8.30 bis 8.45: Gymnastik. 10: Nachrichten. 10.15: Schulfunk. Dolksliederfingen. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11.45: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert I. 13: Saardienst. 13.10: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert II. 14.15: Nachrichten. 14.30: Wirtschaftsbericht. 15: Nachrichten. 15.15: Für die Frau! 16: Unterhaltung und Humor. 18: Jugendfunk. 18.15: Moderne Schatzgräber. Eine Plauderei. 18.25: ... und nebenbei noch studiert! Wie man's geschasst hat — auch ohne Geld. Ein Zwiegespräch. 18.45: Unterhaltungskonzert. 19.45: Politischer Kurzbericht. 20: Nachrichten. 20.10: Der Zeitfunk bringt die Sportvorschau. 20.30: Buntes Konzert. 22: Nachrichten. 22.10: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 22.15: Saarländer sprechen. 22.30: Balladen von Carl ßoeroe. 23: Tanzmusik. 1 bis 2: Gesungene Walzer und Konzertstücke. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. Reichsbankdiskont 4 0. H., Sranriun a.M Berlin Sroinrun a. JJi. Berlin Schluß- turs Schluß!. Abend- börle Schluß- lurs Schluß!. Mittag- börse Datum 9-10. 10-10. 9-10- 10.10. 6% Deutsche RetchSanleihe v. 1927 95,13 95,25 95,5 96 6% eljem.7% Tt.Reichsanl.v.1929 6)4"^ Doung-Anleihe von 1930 .. —— — 93,25 93 93,5 93 Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit Auslos.-Rechten ............. 100 100,25 99,9 99,9 Desgl. ohne Auslos.-Rechte...... — —— 6% ehem.8% Hess. Bolksstaat 1929 (rückzahlb. 102%)............ 95,25 94,75 95,13 95 6% Hess. Landesbank Darmstadt Gold R. 12.................. 93 93 93,25 6/t% Hess. Landes-Hypothekenbank Darmstadt Liqui......... _ 93,25 — Oberhessen Provinz-Anleihe mit Auslos.-Rechten ............. _ Deutsche Komm. Sammelabl. An- leihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten 105,75 104,75 105,75 104,75 6% ehem. 8% Franks. Hyp.-Bank Goldpfe. 15 unkündbar bis 19.35 93,65 93,13 94,25 94 6% ehem. 7% Franks. Hyp.-Bank Goldpfe. 16 unkündbar bis 1936 93,65 93,13 6'4% ehem. 4/2% Franks. Hyp.- Bank-Liqu.-Pfandbriese....... 94 93 — — 6V2% ehem. 4/2% Rheinische Hyp.-Bank-Liqu.-Goldpfe..... 94,25 93,75 — 6% ehem. 8% Pr. Landespfandbriefanstalt, Pfandbriefe R. 19 94,25 94,25 94,25 -__ 6% ehem. 7% Pr. Landespfand, brtefanstalt, Pfandbriefe R. 10 94,25 34,25 94.25 94,25 Steuergutsch. Verrechnungskurs.. 101,75 101,75 101,75 1 101,75 4% Oesterreichische Goldrente.... _ — 29,25 _ 4,20% Oesterreichische SUberrente 1,35 1,4 1,35 4% Ungarische Goldrente....... — 7,6 7,8 7,7 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 7,5 7,13 7,45 7,13 4/2% desgl. von 1913.......... 7,4 7 7,4 7,13 6% abgest. Goldmexikaner von 99 14,65 14,5 14,75 14,25 4% Türkische Zollanleihe von 1911 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe Serie I..................... — 8 8,1 — ;$Tanriun a. JJI. Berlin Schluß« turs Schluß!. Abendbörse Schlußkurs Schluß!. Mittagbörse Datum 9-10. 10-10. 9-10- .10,10- 4% desgl. Serie II ............. 8 8,1 — — 5% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 4,9 4,6 4,8 4,8 4Vr^,Rumän.vereinh.Rentev.l913 7 7-1 7,2 7,15 4% Rumänische vereinh. Rente .. 4,3 —— 4,25 4 2*4% Anatolier ............... 35,25 35,25 36,5 36 Hamburg-Amerika-Paket .....0 27,25 27 27,25 27,25 Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 — — — 25,9 Hansa-Dampfschiff...........0 —— — —* — Norddeutscher Lloyd .........0 29,4 29,9 29,5 29,9 A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 80,75 79,25 80,75 —— Berliner Handelsgesellschaft ... 4 95,5 95,5 96 96 Commerz- und Prlvat-Bank ... 0 69,5 69-5 69 69,75 Deutsche Bank und Disconto- Gesellschaft................0 73,25 73,25 72,25 73,25 Dresdner Bank..............0 75 76,25 75 76,5 Reichsbank ....... 12 146,5 146,5 147 146,5 A.E.G....................... 29 28,75 29 28,75 Bekula................... o 143 142,75 143 143 Elektr.Lieferungsgesellschaft... 6 104,5 104,25 104 104,25 Licht und Kraft .............g 119,5 119,5 120 120 Felten & Guilleaume.........ö 77,5 76,75 77,25 77 Gesellsch.f.Elektr.Unternehmung. 5 109,5 110 109,75 110 Rheinische Elektrizität ........5 100 100 100 100 Schuckert L Co...............5 Siemens L Halske............7 93,75 94 94 94 143,5 143 143,5 143,5 LahmeyerLLo.............16 124 122,25 124 122,5 BuderuS...... 0 85,75 86 86,25 85,5 Deutsche Erdöl ..............4 110,25 108,5 109,25 108,5 Gelsenkirchener............ 0 64,5 64,65 64,65 64,75 Harpener...................0 105,9 106 106,5 106 Hoesch Eisen—Köln-Neuessen .. 0 — —— 76,25 76,25 Ilse Bergbau ...............6 — 149,5 150 149 Ilse Bergbau Genüsse........6 119 118 118,5 117,5 Klöcknerwerke ...............0 75,5 76,25 76,25 76 Mannesmann-Röhren........0 76,25 75,5 76,5 75,65 Schlußkurs Schluß!. Abendbörse Schlußkurs Schluß!. Mittag« börse Datum 9-10. 10-10- 9-10. 10-10- Mansfelder Bergbau....... .. 0 — 79 79,25 79,5 Kokswerke................ .. 0 — —— 98,5 98 Phönix Bergbau........... Rheinische Braunkohlen .... .. 0 50 50 50 50 10 228,5 225,5 228 225 Nheinstahl................ .. 0 91,13 91 91 91 Vereinigte Stahlwerke...... Olavi Minen ............. .. 0 42,9 43 42,9 42,9 .. 0 13,25 13,5 13,13 13,25 Kaliwerke Aschersleben...... .. 5 —— 119 — 118,25 Kaliwerke Westeregeln...... .. 6 118 118,25 118 118-13 Kaliwerke Salzdetfurth..... iyt 154 152,5 154 154 I. G. Farben-Jndustrie..... .. ? 142,25 142,75 142,25 142,4 Scheideanstalt............. .. 9 215 215 —— — Goldschmidt .............. .. 0 92,5 92,65 92,5 92 Rütgerswerke ............. .. 0 41,75 41,25 41,65 41,25 Metallgesellschaft........... .. 0 87 85,25 86,5 85,25 Philipp Holzmann......... .. 0 80,75 79 80,75 79 Zementwerk Heidelberg .... .. 0 - Cemenlwerk Karlstadt....... .. 0 133 133 Schultheis Patzenhofer..... .. 0 — — 109 109 Aku (Allgemeine Kunstseide) .. 0 62 61,75 62,5 62,25 Bemberg................. .. 0 64,25 — 128,5 129 Zellstoff Waldhof .......... .. 0 48 48 48 48 Zellstoss Aschaffenburg ..... .. 0 67 66,5 66-75 66-75 Dessauer GaS............. .. 7 — — 124,5 123-5 Daimler Motoren.......... .. 0 50,5 50,25 50 50,75 Deutsche Linoleum ........ .. 0 59,5 58,5 59,75 59 Orenstetn & Koppel........ .. 0 — — 88,25 88,25 Leonhard Tietz............ .. 0 34 32,75 33-5 32,65 Chade .................... ..10 215,5 213,5 216,5 212-5 Aeeumulatoren-Fabrik...... .. 0 168 165,5 168 163 .. 0 131 133 131 133,25 .. 0 30,25 30 1 30,25 | 30 Mainkrastwerke Höchst a>M.. .. 4 79.25 79 - - Süddeutscher Zucker....... .. 8 I 190 I 189,5 1 190,5 I 189 Lombardzinsfuß 5 v. H. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 21L 9.Oktober 10.Oktober Amtliche Dlotierung Amtliche Notierung Geld I Brie' Geld | Bne' Buenos Aires 0,644 0,648 0,645 0,649 Brüssel..... 58,17 58,29 58,17 58,29 Rio de Jan. . 0,204 0,206 0,204 0,206 Sofia...... 3,047 3,053 3-047 3,053 Kopenhagen. 54,11 54,21 54,20 54-30 Danzig..... 81,20 81,36 81-20 81,36 London ..... 12,115 12,145 12,135 12,165 Helsingfors.. Paris ...... 5,355 5,365 5,36 5-37 16,39 16,43 16,39 16-43 Holland .... 168,44 168,78 168,59 168,93 Italien..... 21-45 21,49 21,45 21,49 Japan ...... 0,708 0,710 0,709 0,711 Jugoslawien 5,694 5,706 5,694 5,706 Oslo.....: 60,88 61,00 60,98 61,10 Wien....... 48,95 49,05 48-95 49,05 Lissabon.... 10,99 11,01 11,01 11,03 Stockholm... 62,49 62,61 62,59 62,71 Schweiz .... 81,07 81,23 81,09 81,25 Spanien.... 33-92 33,98 33,97 34-03 Prag....... 10,37 10,39 10,37 10,39 Budapest... —— —— —— Neuyork... 2,474 2,478 Bantnoten 2,476 2-480 Berlin,10. Oktober Geld Brief__ Amerikanische Noten.............. 2,428 2,448 Belgische Noten.................. 58,01 58,25 Dänische Noten ................. 54-04 54,26 Englische Noten ................. 12,10 12,14 Französische Noten............... Holländische Noten............... 16,35 16,41 168,17 168,85 Italienische Noten................ 21,33 21,41 Norwegische Noten .............. Deutsch Oesterreich, i 100 Schilling 60,82 61,06 —1 Rumänische Noten............... — — Schwedische Noten............... 62,42 62,68 Schweizer Noten................. 80-91 81,23 Spanische Noten................. 33,83 33,97 Ungarische Noten................ —