Nr. 265 Lrstes Blatt 184. Jahrgang Zreitag, 9. November 1954 Erfchemt täglich, außer Sonntags und Feiertags -eilagen: Die Illustrierte Giestener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monatsvezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 180 Zustellgebühr. ,, --25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche UniverfitatsVuch- und Zteindruckerei R.Lange in Gießen. 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Es genügten zehn Jahre härtesten Kampfes und unerhörter Opfer, um die Saat reifen zu lassen und die größte Wende des deutschen Volkes herbeizuführen, Heute erkennen wir, was Adolf Hitler damals wußte: daß mit der Erhebung vom 9. November Situation. Glauben Sie mir, entscheidend ist die Frage, ob man einen Gegner schlagen muß, und zweitens, ob man es erträgt, auch nicht siegreich zu bleiben. Denn Siege kann man immer ertragen; die Frage ist nur, wie man Niederlagen erträgt. Wenn die Not, wenn Katastrophen kommen, dann zeigt sich erst, ob auch wirklich Männer an der Spitze stehen. Das ist da- mas auch entscheidend gewesen für uns. Wir mußten uns damals schlagen! Denn was wollte denn eigentlich die Nationalsozialistische Partei? Sie wollte zunächst, daß der alte Staat beseitigt werde, daß das System vom November 1918 wieder gestürzt und die Novemberverbrecher der Strafe zugeführt wurden. Sie wollte einen neuen Staat' aufbauen auf nicht parlamentarischer Grundlage, sie wollte diesen Staat dann wieder zu einem Staat der nationalen Ehre machen und damit zwangsläufig zu einem Staat der nationalen Kraft und zu einem Staat der Freiheit. Wie wollte sie das? Sie wollte es, indem sie den faulen Erscheinungen des November 1918 einen neuen gesunden Staat im Staate entgegensetzte, in der Ueberzeugung, daß dieser eines Tages die Wacht an sich reißen würde. Und sie konnte das nur wollen, wenn sie das beste Wenschenmaterial fam- Und deshalb waren wir damals entschlossen, vorher zu handeln. Wir wollten damals keinen Staatsstreich machen. Aber einen Entschluß hatte ich: Wenn die Gegenseite soweit kommt, daß ich weiß, sie wird schlagen, werde ich vier Tage vorher losschlagen. der Grund st ein für das Dritte Reich gelegt worden war. Wir lesen auf der Gedenktafel im Braunen Haus zu München die Namen der Männer, die im fünften Jahre des Republik für die Zukunft Deutschlands fielen, wir lesen auch ihre Berufsbezeichnung: Kaufmann, Ingenieur, Handwerker, Arbeiter, Beamter ... Die Toten vom Odeonsplatz verkörperten in sich schon die Volksgemeinsch.aft, auf der einst der nationalsozialistische Staat von 1933 errichtet werden sollte. Ohne sie wäre vielleicht heute noch deutscher Boden der Tummelplatz unserer inneren und äußeren Feinde. Aber ihr Blutopfer rettete Deutschland vor dem Untergang. Während noch Adolf Hitler die Haftzeit auf der Feste Landsberg dazu benutzte, um sich auf seine große Aufgabe vorzubereiten und in Erinnerung an die vor der Feld- herrnhalle gefallenen Mitstteiter die Idee des deutschen Befreiungskampfes in seinem Lebensbuch „Mein Kampf" festzulegen trieb schon das Blut der Märtyrer draußen im Volke die Besten erneut zu Empörung und Widerstand. Und als der Führer dann wieder frei wurde und im Namen der Toten zur Erfüllung ihres Vermächtnisses aufrief da schloß sich um ihn eine verschworene Gefolgschaft, deren vorwärtsstürmenden Bewegung die Feinde ihrem Gewissen den richtigen wieder zur Pflicht rufen, sie sie nicht unter einem Schlage geschichttichen Tag, wir aber, die wir das Glück hatten, ihn mitzukämpfen, wir wollen uns heule und solange wir leben, immer an ihn zurückerinnern als an einen Tag der Wende auch für uns. Und wir haben nur einen einzigen Schmerz, daß nicht mehr alle bei uns fein können, die damals mit uns marschiert sind, daß leider eine Anzahl unserer allerbesten, treue st en und fanatisch st en Kämpfer das Ziel, für das sie stritten, nicht mehr erlebt haben. Allein, auch sie weilen im Geiste in unseren Reihen, im Jenseits werden sie wissen, daß ihr Kampf nicht vergeblich war. Das Blut, Als der Kapp-Putsch zu Ende war und die damaligen Putschisten vor die republikanischen Gerichte gestellt wurden, da hob jeder den Schwurfinger empor: Er habe nichts gewußt. Er habe nichts beabsichtigt und nichts gewollt. Das hat die bürgerliche Welt vernichtet, daß sie n i ch»t den Mut hatte, einzustehen für ihre Tat, daß sie nicht den Mut hatte, vor den Richterstuhl hinzutreten und zu sagen: Ja, das haben wir gewollt, wir wollten diesen Staat stürzen, wir wollten sie wegjagen, weil wir Deutschland frei machen wollten. Dieser Mut hat ihnen gefehlt, und daran sind sie gescheitert. (Lebhafte Zustimmung.) Wan kann es mir glauben: Unsere Partei hat sich hier gut gehalten. Nicht nur die Führer, sondern auch die Kleinen haben im Prozeß selbst die nationalsozialistische Idee und Bewegung gerettet. Jeder sagte: Das habe ich getan, und ich verbitte mir, daß man mir das wegnehmen will. Das Hal die Idee und die Bewegung damals gerettet. (Stürmische Zustimmung.) Dieser Wille und dieser Glaube ist gleich geblieben, auch in der Zeit, in der wir hinter Wauern saßen. Das kann ich meinen Gegnern sagen: Diese 13 Wonate haben ihnen schweren Schaden zugefügt (Brausender Beifall), diese 13 Wonate, die sie mir zum Nachdenken Zeit gaben. Was sie erlebten in diesen zwei endlich weichen mußten. Deutschland war erwacht. Das von den Schlacken einer verderbenbringenden Lehre befreite Volk fand sich wieder in einem neuen Reich. Aber auch heute noch, und erst recht heute, da der Sieg errungen ist, gestalten wir unser Leben nach dem Vorbild der Toten. Aus ihrem unver- gänglichen Heldengeist strömt ewig die Kraft, die die Männer der Bewegung in harter Alltagsarbeit ihr Werk vollbringen läßt und die sie für große Entscheidungen reif gemacht hat. In jedem Jahr einmal durchschreitet die mit dem Blutorden geschmückte Alte Garde der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei die Straßen der Erhebung, und jeder Marschtritt löst das Echo des 9. November, jenes Tages, der die Schande des 9. November 1918 ausbrannte und zugleich das neue Reich der Ehre gebar. Die ganze Nation hört heute das Echo, denn auch diese Prophezeihung Adolf Hitlers wurde zu beglückenden Gegenwart: „Denn ich weiß, daß einst die Zeit kommen wird, da selbst die, die uns damals feindlich gegenüberstanden, in Ehrfurcht derer gedenken werden, die für i h r deutsches Volk den bitteren Weg des Todes gegangen sind." melle. Wil Feiglingen kann man so etwas nicht unternehmen. Dann aber muhten wir einen Weg harter Auslese beschreiten. Wan bekommt die besten Wenschen nur, wenn man keinen Zweifel darüber läßt, daß hier gekämpft wird auf Leben und aus Tod. (Stürmische Zustimmung.) Und dann konnte man auch nicht immer nur reden. Wan muhte auch einmal handeln. Denn am Ende zwingt nur die Tat die Wanner in ihren Bann. Wir mußten im Jahre 1923 handeln, weil es der letzte Versuch der Separatisten in Deutschland war, der damals uns gegenüberstand. Die Not war ungeheuerlich, die Inflation hatte die Menschen um ihr letztes Hab und Gut gebracht, der Hunger wu- tete. Die Menschen konnten mit keinem Tag mehr rechnen. Wer damals die Fahne aufzog, dem wurde Gefolgschaft geleistet. Wenn die Männer gehandelt hätten, die uns gegenüberstanden, dann stand h ö ch- ste Gefahr vor der Tür. Es wäre dann am 12. November 1923 von den anderen gehandelt worden in dem Sinne, den man uns damals fo oft als Weisheit predigte, nämlich: Norddeutschland wird ohnehin bolschewistisch, wir müssen uns daher separieren! Wir müssen den Norden ausbrennen lassen! Erst wenn das geschehen, kann man sich später wieder mit ihm vereinigen! Wie man sich trennt, hat man wohl gewußt. Wie man jemals aber wieder zusammengekommen märe, das hat die Herren wenig beschwert. Jahren, ist damals in Landsberg geboren worden. (Lebhafter Beifall.) Als die Gefängnistore sich öffneten, da war das Wunder geschehen, daß in Wirklichkeit mehr Nationalsozialisten in dieser Zeit entstanden sind, als wir vorher in der Partei besaßen. Hätten wir nicht gehandelt, dann wäre uns das gleiche Schicksal zugestoßen, wie anderen Bewegungen, die redeten vom Marsch nach Berlin, um dann später zu sagen, es handele sich nicht etwa um einen physischen, sondern nur um einen geiftigen Marsch nach dem Norden. Sieg ohne Kampf, das hat es in der Geschichte noch nicht gegeben, mir haben gekämpft und find geschlagen worden. Die anderen haben nicht gekämpft, und sie sind damals nicht geschlagen worden. Aber diese anderen, die damals nicht geschlagen worden sind, sind vergangen, und wir, die Geschlagenen, haben endlich über d i e anderen gesiegt. Das soll ein Trost zugleich sein für die kommenden Generationen. Wenn es uns je einmal schlecht gehen sollte, dann mögen Sie sich an diese Zeit zurückerinnern, an die schwerste Katastrophe, die uns jemals traf, uns fast vernichtete und die uns erst recht wieder groß und stark werden ließ. Dann mag aus dieser Erkenntnis denen, die nach uns kommen, frischer Mut die Geschichte a _ _ _..... r e n Wahrheit und eines besseren Rechtes, sie wird dennoch dereinst dieses Urteil lächelnd zerreißen, um uns alle freizuspre- Es hat damals nach unserem Aufstand Leute gegeben, die sagten: Nun ist die nationalsozialistische Bombe geplatzt. Jawohl — aber diese Bombe war gefüllt mit Samen, der dann ausgeworfen wurde und aufgegangen ist über ganz (Lebhafte Zustimmung.) Wir die Idee gerettet. Es ist nicht entscheidend, ob man siegt, sondern notwendig, daß man heroisch und mutig die Konsequenzen auf München, 8. Nov. Ernst und würdig ist auch in diesem Jahre der Schmuck, den die histo - rischen Stätten der Bewegung als Stätten der Gedenkfeiern erhalten haben. Gibt der Feldherrnhalle, dem Schauplatz vom 9.November 1923, das Schwarz der Trauer der Bewegung die Note, so ist der historische Bürgerbräukeller, der heute wieder die alten Kämpfer um ihren Führer und Kanzler schart, gleichsam als Symbol des Sieges auf die Farben und Zeichen der Bewegung abgestimmt, die heute Deutschland ist. Von leuchtend rotem Grunde heben sich silbern und golden die Zeichen der Bewegung, Hakenkreuz und Hoheitszeichen, sieghaft heraus. Ein Wald von Fahnen und Lorbeerbäumen umrahmt die Rednertribüne, von jener Stelle, von der einst der Aufbruch der deutschen Nation verkündet werden sollte, ragt ein riesiges Hoheitszeichen in Gold empor. Die ganz in Braun ausgeschlagene Bühne flankieren zwei riesige Hoheitszeichen in Gold. Heber einem Hain von Lorbeer leuchtet wiederum das Hakenkreuz. Um 20.30 Uhr ist der riesige Saal bereits gefüllt; da fitzen sie ohne Unterschied des Ranges und der Stellung wieder nebeneinander, wie sie damals im Kampfe nebeneinander standen, alle in einfachem Braunhemd ohne Rangabzeichen, ohne Uniform. Lebhaft begrüßt werden bei ihrem Erscheinen Staatsminister Esser, der mit der Mitgliedsnummer 2 einer der ältesten Kämpfer ist, Reichs- minifter Dr. Goebbels, Reichsleiter Alfred Rosenberg, Hauptschriftleiter des „Völkischen Beobachters", Julius Streicher, der Gauleiter von Mittelfranken. Da sieht man weiter neben Christian Weber, dem Begleiter des Führers auf dem tragischen Marsch vom 9. November 1923, den Oberbürgermeister Fiehler, Obergruppenführer Hühnlein, den ©eneralinfpeftor für das deutsche Straßenwesen, Dr. Todt, den Reichsführer der SS. Himmler, Staatssekretär Feder und viele andere, die damals wie heute in Treue zum Führer stehen. 20.45 Uhr. Alles erhebt sich. Unter den Klängen des Präsentiermarsches der 1. SS.-Standarte hält d i e Blutfahne des 9. November ihren Einzug. Ernstes Schweigen breitet sich über den weiten Raum, als das heilige Zeichen von Stadtrat Grimminger getragen, vorüberzieht und auf der Rednertribüne Aufstellung findet. Fanfarenklänge kündigen die Ankunft des Führers an, der, begleitet von feinem Stellvertreter, Rudolf Heß, unter den Klängen des Badenweiler Marsches durch den Saal schreitet. Nach kurzen Begrü- zungsworten des Gauleiters von Oberbayern, Staatsminister Wagner, spricht der Führer zu feinen ältesten Mitkämpfern. Der Führer spricht Der Führer wies einleitend auf die unermeßliche Arbeit und den unerschütterlichen Glauben hin, der die Bewegung in den vergangenen elf Jahren ihres Kampfes emporgetragen und zu der heutigen wunderbaren Wende des Schicksals geführt hat. „Der Sinn des 8. und 9. November 1923 liegt für uns in dem, daß damals diese Bewegung ihre innere Härte und Wider st andsfähig- keit erwies. Die Bewegung hat damals einen geschichtlichen Befehl erfüllt, und den Besferwissern von heute kann man nur eines sagen: Ihr alle habt nicht Clausewitz gelesen ober, wenn ihr ihn gelesen habt, nicht begriffen, ihn anzuwenden auf die Gegenwart. Clausewitz schreibt, daß s e l b ft nach einem heroischen Zusammenbruch noch immer ein Wiederaufbau m ö g = l i ch ist. Nur die Feiglinge geben sich selbst auf. Diese Erkenntnis hat unsere Bewegung im Jahre 1923 gehabt. Nicht hat sie gehabt das alte System, das im Jahre 1918 ohne Kampf feige kapituliert hat. Sie hätten gesiegt, wenn sie den Mut zum Kamps besessen . hätten. Sie zogen es vor, das zu tun, was Clausewitz als oertarnte Feigheit bezeichnet. Sie ; wollten damals den Kampf vermeiden, um später , den Gegner niederzuzwingen; und wenige Jahre ' später, da konnten sie ihn nicht mehr auf sich nehmen. Das Jahr 1923 stellte uns vor eine ähnliche Oer 9. November. Tag der Schmach — Tag der Besinnung. Sechzehn Jahre sind vergangen, seit Deutschland 1 den schwärzesten Tag seiner neueren Geschichte erlebte. Der weitaus größte Teil der Zeitgenossen waren Zeugen der sich überstürzenden Ereignisse, die nach dem Waffenstillstand vom Oktober in un- i heimlicher Folge auf Deutschland niedersausten, um dann in dem schmählichen Zusammenbruch. < vom 9. November zu enden. Nur ungern verweilt die Erinnerung bei jenen 1 trüben Novembertagen, in denen die ganzen stolzen '■ Hoffnungen der vier Kriegsjahre und noch des glorreichen Sommers begraben werden mußten. Zeichen l von Lockerung des Staatsgefüges und des seelischen ! Zusammenhaltes der Nation waren schon einige ' Zeit vorher zu bemerken. Aber dennoch wurde die deutsche Oeffentlichkeit durch den Matrosenputsch ’ in Kiel überrascht, wo es einer Handvoll durch kommunistische und sozialistische Agitation verführter ' Meuterer gelang, einen namhaften Teil der Flotte ; zur Dienstverweigerung zu bringen. Aber die Mittel, 1 die man gegen diese Meuterei einsetzte, die Entsendung der beiden Reichstagsabgeordneten Hausmann und Noske, zeigten schon deutlich, daß die alten militärischen Gewalten die Führung der Politik verloren hatten, die jetzt nur durch drakonische Maßnahmen zu bewältigen war. Als am 7. November in München die Revolution auf der Straße ausbrach und in den rheinischen Städten meuternde Matrosenscharen die Garnisonen aufzuhetzen begannen, war das Signal auch für die politische Führung der Revolution in Berlin gegeben. Mit endlosen Verhandlungen hatte das schwache Reichs- kabinett unter dem Prinzen Max von Baden die wenigen noch zur Verfügung stehenden Tage v er - säumt. Die machthungrigen Politiker der beiden sozialdemokratischen Parteien bereiteten sich für die Hebernahme der Macht vor, während sie äußerlich sich noch den Anschein gaben, an der Erhaltung der bestehenden Ordnung mitzuwirken. In den Morgenstunden des 9. November rief ihnen die Berliner Straße die Losung zu. Liebknecht und Rosa Luxemburg, die beiden Führer der kommunistischen Revolution, waren wenige Tage vorher aus dem Gefängnis entlassen worden und sammelten den anarchistischen Pöbel der Hauptstadt um sich Ein Teil der Garnison war langst für die Revolution gewonnen und vorbereitet und lieferte nun dem Aufruhr die Waffen. Nach russischem Muster durchfuhren mit Maschinengewehren bestückte Automobile die Straßen Berlins und besetzten in wenigen Stunden die Kasernen, in denen die Regimenter und ihre Führer ohne richtige Kenntnis der Vorgänge und ohne von einem einheitlichen Willen geleitet zu sein, nur allzu schnell der Verführung erlagen. Das berüchtigte Schieß- v e r b o t, das der damalige Kommandant von Berlin unter dem Druck der Zivilgewalt erlassen hatte, lieferte auch die ehrenhaft und treu gebliebenen Teile der Garnison der Revolution in die Hände. Ein letzter Versuch, durch Heranziehung eines außerhalb stehenden Regiments, der Naumburger Jäger, die Lage zu meistern, mißlang: der Rausch der Straße, der Nebel der Versprechungen und der tönenden Freiheitsworte erfaßte auch dieses letzte Aufgebot, und die preußische Armee erlebte das beschämende Schauspiel der Verbrüderung ihrer Soldaten mit der von Rußland und den Kriegsgegnern Deutschlands inszenierten und bezahlten Revolution. Es war ein billiges, aber von der Sozialdemokratie unter ihren damaligen Führern allzu laut gerühmtes Verdienst, daß sie in diesem Augenblick des Siegs der Straße eine Art von „legaler" Gewalt an sich riß und die Revolution von ihren bolschewistischen Ursprüngen in die Gestalt der parlamentarischen Republik überführte. Als Scheidemann diese vor dem Reichstag ausrief und die Regierung der sog. Volksbeauftragten eingesetzt wurde, wurde zwar eine Schreckensherrschaft des Bolschewismus vermieden, aber auch verhindert, daß durch Wiederbesinnung der Armee und des Bürgertums die Revolution zu einer kurzen Episode wurde. Das innerpolitische und außenpolitische Schicksal Deutschland war damit a u f I a h r e hinaus entschieden. Die letzte Widerstandskraft Deutschlands war, während das Feldheer seine m blutigen Rückzugskämpfen eingenommenen Stellungen hielt, in der Heimat zerbrochen Wenn die Gegner, selbst hart am Verbluten, bisher aus Furcht vor neuem deutschen Widerstand gezögert hatten, Deutschland Bedingungen aufzuerlegen, die eine ehrliebende Regierung Hütte ablehnen müssen, so schwanden diese Bedenken jetzt dahin: die Revolution hatte Deutschland als Verhandlungspartner ausgelöscht, die Rachepolitlk Frankreichs war Sieger auf der ganzen Linie. tangier hob im vorigen Jahre die Vorgänge des Jahres 1923 auf die Hohe geschichtlicher Betrachtung, als er barlegte, daß auch diese schmerzlichen Ereignisse eine Etappe auf dem Wege der nationalen Erhebung sein mußten. Als ihre Lehre ergab sich der Weg der Legalität, den der Führer von jenem Zeitpunkt an konsequent und ziel- bewußt und schließlich mit vollem Erfolge gegangen ist. In vollem Vertrauen auf die Kraft nationalen Wollens konnte Adolf Hitler im Schlußsatz seiner Rede m dem großen Münchener Prozeß 1924 ausrufen: „Die Richter dieses Staates mögen uns ruhig ob unseres damaligen Handelns verurteilen, die Geschichte als Göttin einer höhe- Der 9. November 1918 war die Begründung der deutschen Republik; aber ihre parlamentarischen Verwalter haben es nie gewagt, diesen Tag zu einem Erinnerungsfest ihrer Herrschaft zu machen. Dafür ifterderBußtagdesdeutschenVol- k e s und derjenigen geworden, die es in zäher Arbeit zu nationaler Wiederbefinnung geführt haben. Viele Jahre lag diese Schande lähmend und vergiftend auf Deutschland; selbst im gegnerischen Lager hat es nicht an Stimmen gefehlt, die ihre Mißachtung Deutschlands mit dem schmählichen Versagen des deutschen Volkes und seiner Führer in entscheidender Stunde begründeten. Ader die Entwicklung der nationalen Wiedergell u r t hat gezeigt, daß das Gefühl dafür in Deutschland selbst so stark und lebendig war, daß aus ihm .auch die Wiedergutmachung erwachsen konnte. Und so wird der 9. November fünf Jahre später der Tag, an dem die Kräfte der nationalen Sehnsucht zum ersten Male sich offen erhoben, um der Der Opfergang zur feldherrnhalle. Der Führer bei der Erinnerungsfeier feiner alten Mitkämpfer im Münchener Bürgerbräukeller das sie vergossen haben, ist Taufwasser geworden für das Dritte Reich. Und so wollen wir in diesem neuen Reich zurückblicken auf das. was hinter uns liegt, noch in fernster Zukunft, und wollen uns ein Bekenntnis einprägen: Dir wollen stets entschlossen sein, zu handeln! Jederzeit bereit, wenn es notwendig ist, zu sterben! Riemais gewillt, zu kapitulieren!" Der Dank an den Führer. Stürmischer Beifall umbrandete den Führer, als er geendet hatte. Brausend stieg das Horst-Wes- s e l »Lied empor. Aus der Masse seiner alten Kämpfer wird dem Führer ein jubelnd aufgenom- menes dreifaches Sieg-Heil dargebracht. Dann schreitet der Führer durch die dichten Reihen seiner Alten Garde, hier einem alten Streiter die Hand schüttelnd, dort mit einem anderen einige Worte tauschend — überall immer wieder von dem Jubel seiner Getreuen begrüßt. Fast eine Stunde währt dieser Rundgang durch den Saal. Dann verläßt der Führer, von jubelnden Heil-Rufen über« schüttet, das Treffen seiner alten Garde. Erst langsam leert sich der Saal, der wieder eine denkwürdige Kundgebung gesehen hat. Der Dank an die koken Kampfer. Eine Verfügung des Führers zum 9. November. Berlin, 8. Rov. (DRV.) Die RSK. gibt folgende Verfügung des Führers bekannt: Unsere Toten haben für die Bewegung das größte Opfer gebracht. Sie haben im Dienste der nationalsozialistischen Idee und für die Eroberung des Staates ihr Leben hingegeben. Ihr Andenken zu ehren und ihren Hinterbliebenen den Dank der Bewegung in sichtbarer Form abzustatten, ist eine Ehrenaufgabe für die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei. Ich bestimme daher unter dem 9. November 1934, den 11. Jahrestag der nationalsozialistischen Erhebung in München und des großen Opfers nuferer ersten Blutzeugen: 1. Aus den Mitteln der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei wird jährlich ein Betrag einer halben Million für die unmittelbaren Angehörigen unserer Gefallenen zur Verfügung gestellt. 2. Die Verteilung dieses Betrages erfolgt fe nach Lage der sozialen und wirtschaftlichen Verhältniffe der betroffenen Familie. 3. Die Ausführungsbeslimmungen erläßt der Reichsschahmeister der NSDAP. München, den 9. November 1934. (gez.) Adolf Hiller. Auch Berlin gedenkt der koken Kämpfer. In der Frühe des 9. November. Berlin, 9. Nov. (DNB.) Würdig gedenkt die Reichshauptstadt der Toten der Bewegung. Starben doch annähernd 50 deutsche Freiheitskämpfer in den Jahren 1925 und 1933 für Adolf Hitler, unter ihnen auch fünf blühende junge Menschen, die in den Reihen der Hitlerjugend im Kampfe um Deutschlands Zukunft fielen. Selbst eine aus dem Bunde deutscher Mädel hat in diesen kampfreichen Tagen des Jahres 1932 ihr Leben geben müssen. Es gibt wohl kaum einen Friedhof Berlins, der nicht wenigstens einen der gefallenen Vorkämpfer für das Dritte Reich als letzte Heimstätte ausgenommen hat. Der Luisen st ädtische Friedhof birgt die meisten gefallenen Nationalsozialisten. Hier liegen allein ihrer 15. Der N i - colaifriedhof ist wieder Anziehungspunkt für viele Tausende. Dort liegt H o r st Wessel. Schon in den frühen Morgenstunden marschieren die Abordnungen der SA. und HI. mit Kranzgewinden zu den Gräbern. Die Ehrenwachen werden aufge- stellt, während mit stummem Gruß die Angehörigen und die Kameraden in zahlloser Folge an den geheiligten Stätten der Bewegung vorüberziehen. Am Ehrenmal Unter den Linden ist ebenfalls eine Ehrenwache aufgezogen. Denn dieser Tag gilt gleichermaßen auch dem Gedenken an die Toten des Weltkrieges, die mit den Kämpfern Adolf Hitlers für ein Deutschland in Ehre und Freiheit ihr Leben ließen. Hier türmen sich schon bald die Kranz- und Blumenspenden zu einem mächtigen Hügel vor dem schlichten Lorbeerkranz. Ehrung der Reichswehr. München, 8. Nov. (DNB.) Der Befehlshaber im Wehrkreis 7, Generalleutnant Adam, wird im Beisein einer Abordnung des Wehrkreiskommandos für die am 9. November 1923 gefallenen Kämpfer der Bewegung anderGedenktafelimHofe des Wehrkeiskommandos einen Lorbeerkranz mederlegen. Vor der Gedenktafel wird e i n Doppelposten des Roichsheeres und der SS. Aufstellung nehmen. Beförderungen zum 9. November. München, 9. Nov. (DNB.) Die NSK. meldet: Der Führer hat zum 9. November in d e r S A. und SS. folgende Beförderungen ausgesprochen: Zum SA.-Obergruppenführer den Adjutanten des Führers Gruppenführer Wilhelm Brückner; zu SS. - Obergruppenführe r n Reichsleiter und SS.-Gruppenführer Buch und Darr 6, zu SA.-Gruppenführern den Stabsführer der Obersten SA.-Führung Bri- gadefuhrer M a r x e r, den Führer der SA.-Gruppe Nordsee Brigadeführer Böhmker, den Führer der SA.-Gruppe Mitte Brigadeführer Kob; den Führer der SA.-Gruppe Westfalen Brigadeführer Schramme; zum S A.-B r i g a d e f ü h r e r den Chef des Personalamtes der Obersten SA.-Führung Oberführer Grenz; zum Oberführer den Adjutanten des Chefs des Stabes Lutze, Standartenführer Reimann. Tagesbefehl an das TlSKK. Berlin, 8. Nov. (DNB.) Der Korpsführer des NSKK. Obergruppenführer Hühnlein hat fol- genden Tagesbefehl erlassen: Schicksalstag des deutschen Volkes. Tag der Schmach und Tag des Aufbruchs. Ein blutiges, wachrüttelndes Fanal — unauslöschlich in die Herzen derer einaegraben, die, wie ich, jenen 9. November 1923 nuterleben durften, als der Platz vor der Feldherrnhalle in München vom Herzblut der Besten gerötet — der Opfergang der Freiheitskämpfer des Dritten Reiches gegangen In Dankbarkeit und stiller Trauer senkt das Nationalsozialistische Kraftfahrkorps am heutigen Tage seine Sturmständer und Standarten an den Gräbern derer, die für Deutschland fielen. Wofür sie gelebt, gelitten und gestritten, unserer toten Kameraden heiligstes Vermächtnis — wir führen es fort: Deutschland muß leben, und wenn wir st erben müssen. , Oie Polizei trägt die Ehrenzeichen der Partei. Berlin, 8. Nov. (DNB.) Der preußische Ministerpräsident General Göring und der Reichs- und Preußische Minister des Innern Dr. Frick haben anläßlich des 9. November 1934 für ihren Befehlsbereich in einem gleichlautenden Erlaß die Genehmigung erteilt, daß Auszeichnungen, die von der NSDAP, an Angehörige der uniformierten Polizei für besondere Der- dienste verliehen worden sind, fortan zur Uniform getragen werden dürfen. Erneute Aussprache zwischen Gömbös und Schuschnigg. Politische Gemsjagd am Semmering. Wien, 8. Nov. (DNB.) Ministerpräsident Gömbös ist auf dem Semmering eingetroffen. Er wird an einer Gemsjagd in den Staatsforsten von Neuberg im Gebiet der steirischen Alpen teilnehmen. Hierbei wird sich auch Gelegenheit zu politischen Aussprachen ergeben. Bundeskanzler Dr. Schuschnigg hat den ungarischen Ministerpräsidenten heute abend im Kraftwagen am Semmering aufgesucht und eine lange Unterredung mit ihm gehabt. Auf dieser Fahrt war Dr. Schuschnigg von dem ungarischen Ackerbauminister Kalay, der seit Mittwoch in Wien weilt, begleitet. Ackerbauminister Kalay nahm ebenfalls an den Unterredungen teil. Erst nach dem Abschluß der Besprechungen zwischen Mussolini und Gömbös geben die italienischen Blätter ihre Zurückhaltung auf. Der „Corriere della Sera": Die italienischungarische Zusammenarbeit werde durch jene mit Oesterreich ergänzt. In dieser Beziehung bestände kein Gegensatz, sondern vielmehr handele es sich um die folgerichtige Fortsetzung einer seit 12 Jahren eingeschlagenen Politik. Die Selbständigkeit Oesterreichs werde durch die herzlichen Beziehungen mit Ungarn nicht geschmälert, sondern gesichert. Italien bilde als Großmacht den Stützpunkt dieser Beziehungen. Die großzügige Politik Italiens ermögliche auch anderen Staaten den Beitritt zu den römischen Protokollen. Dies sei ein Vorzug des loyalen und selbstlosen Vorgehens Italiens im Osten. Oie öffentliche Ordnung im Saargebiet nicht gestört. Knox berichtet dem Dreierausschutz in Rom. Rom, 8.Rov. (DRV.) wie amtlich mitgeteilt wird, hat der Dreier-Ausschuh für die SaarAbstim- mung am Donnerstagvormittag unter Vorsitz Baron Aloisis seine Arbeiten in Rom fortgesetzt. Der Präsident der Regierungskommission Knox berichtete dem Ausschuß über die allgemeine Lage im Saargebiet. Knox erklärte, daß bisher die öffentliche Ordnung nicht gestört worden fei. Immerhin habe sich die Regierungskommission, auf ihre Vollmacht gestützt, aktiv mit der Verstärkung der Polizei beschäftigt. Andererseits lenkte Knox die Aufmerksamkeit des Ausschusses auf die wirtschaftliche Lage, die wegen der Schwierigkeiten heikel sei, denen die Wirtfchaftskreife am Vorabend der Abstimmung bei der Erlangung der üblichen kurzfristigen Kredite begegneten. Kleine politische Nachrichten. Der Beauftragte des Führers für Abrüstungsfragen, von Ribbentrop, ist in London eingetroffen. Wie verlautet, handelt es sich um einen privaten Besuch Ribbentrops, der einen Teil seiner Ferien auf Einladung von Freunden m Schottland verbringen wird. * Die Geheime Staatspolizei hat über den Reichsbankrat Köppen, dessen unsoziales Verhalten gegenüber einem notleidenden Mieter die Empörung seiner Volksgenossen erregt hatte und der am Montag dieser Woche bereits festgenommen wurde, die Schutzhaft verhängt. ♦ Der Reichsstatthalter in Hamburg hat auf Vorschlag des regierenden Bürgermeisters dein Wunsche des Senators der Verwaltung für. Wirt, schäft, Technik und Arbeit Dr. B u r ch a r d ent. sprechend diesen aus seinem Amt als Mitglied der hamburgischen Landesregierung entlassen und Staatssekretär Ahrens zum Senator und Mit- glied der Landesregierung ernannt. Dr. Burchard wird an anderer hervorragender Stelle weiterhin dem Staate dienen. Außerdem hat ihn der regierende Bürgermeister zum hamburgischen Staats- r a t ernannt. * Der Stabsleiter der PO. hat den bisherigen kommissarischen Reichsschulunasleiter, Pg. Dr. Max Frauendorfer, zum Leiter des Hauptamtes Schulung in der Obersten Leitung der PO. ernannt. Frauendorfer behält die Leitung des Amtes für ständischen Aufbau bei. Der ehemalige litauische Ministerpräsident W olde m a r a s war im Zusammenhang mit dem Militärputsch vom 7. Juni vom Feldgericht z u zwölf Jahren schweren Kerkers verurteilt worden. Woldemaras hatte sich in einem neuen Prozeß wegen eines Zeitungsartikels „Auf Schicksalswegen" zu verantworten. Das Urteil lautete auf sechs Monate Gefängnis. Der Mitangeklagte Redakteur Karutis wurde frei- gesprochen. Eine praktische Auswirkung hat das Urteil nicht. Das neue Kabinett Flandin bereits gebildet. Bündnis zwischen Großbürgertum und kleinbürgerlicher Linken zur Aufrechterhaltung des Burgfriedens. Doumergues Rücktritt. Keine Einigung mit den Radikalsozialisten. Paris, 8. Nov. (DNB.) Das Kabinett Dou- mergue ist z u r ü d g e t r e t e n. Die Minister hielten seit 11.30 Uhr einen Kabinettsrat ab, in dem d i e radikalsozialistischen Minister Her- riot, Berthod, Bertrand und Queuille ihren Rücktritt erklärten. Der radikalsozialistische Handelsminister Lamoureux, der an einer schweren Grippe leidet, nahm ebenso wie Staatsminister Tardieu an der Sitzung nicht teil. Das Kabinett hat daraufhin seinen Gesamtrücktritt beschlossen. Die radikalsozialistischen Minister sind zurückgetreten, weil eine Verständigung über die Vorlage der drei provisorischen Haushaltszwölftel nicht erzielt werden konnte. Ministerpräsident Doumergue hat darauf dem Präsidenten der Republik seinen Rücktritt und den Rücktritt der noch an seiner Seite verbliebenen Ministerkollegen mitgeteilt. Der Präsident der Republik hat Doumergue für seine Dienste gedankt. Als Doumergue das Elyfee verließ, war er Gegenstand einer lebhaften Sympathiekundgebung. Aus den Reihen hörte man wiederholte Rufe „Es lebe Dou- mergue!" Doumergue hat an das französische Volk folgenden Aufruf gerichtet: „Ich bin gezwungen, mein Amt niederzulegen. Ich bitte alle meine Mitbürger, die Ruhe zu bewahren. Sie ist notwendig, um die augenblicklichen Schwierigkeiten im Interesse der Sicherheit und des Vaterlandes zu lösen." Das neue Kabinett. Zahlreiche Mitarbeiter Doumergues beibehalten.—Tardieu und P6tain fehlen. P a r l s, 9. Rov. (DRB.) Der Präsident der Republik Lebrun halte am Donnerstagnachmittag den bisherigen Außenminister Laval und nach dessen Ablehnung den bisherigen Minister für öffentliche Arbeiten Flandin mit der Kabinettsbildung beauftragt. Bereits um 0.35 Uhr französischer Zeit war das neue Kabinett Flandin wie folgt gebildet worden: Ministerpräsident ohne Portefeuille: Flandin, Abgeordneter, Demokratische Allianz; Staatsminister ohne Portefeuille: Herriot, Abgeordneter, Radikalsozialist; Staatsminisier ohne Portefeuille: Louis Marin, Abgeordneter, Republikanische Vereinigung; Außenminister: Laval, Senator; Justiz: Pernod, Abgeordneter, rechte Mitte; Kriegsmarine: Pietrl, Abgeordneter, Linksrepublikaner: Kriegsmarine: P i L t r i, Abgeordneter, Linksreplk.; Inneres: Regnier, Senator, Demokratische Linke; Krieg: General Maurin; Luftfahrt: General DLnain; handel: Marchandeau, Abgeordneter, Radikalsozialist; Finanzen: Germain-Martin, Abgeordneter, Radikale Linke; Rationale Erziehung: Ma Harm 6, Abgeordneter, Radikale Linke; Oeffentliche Arbeiten: Roy, Senator, Radikal- sozialist; Kolonien: Roll in, Abgeordneter, Republikanisches Zentrum; Handelsmarine: Bertrand, Abgeordneter, Radikalsozialist; Arbeitsminister: I a c q u i e r, Abgeordneter, Radikalsozialist; Pensionen: Rio öltet, Vertreter der Kriegsteilnehmer; Landwirtschaft: Eaffez, Senator, Radikalsozialist; Oeffentliche Gesundheitspflege: Queuille, Abgeordneter, Radikalsozialist; Post und Telegraph: Mandel, Abgeordneter, parteilos. hervorzuheben ist besonders, daß sich In der neuen Regierung zwei Staatsmlnister befinden, außer herriot -auch Louis Marin, wodurch Flandin offensichtlich die Burgfriedensformel hat aufrecht erhalten wollen, nachdem ihm die Mitwirkung Tardieus versagt worden ist. Von den Ministern Doumergues gehören also zwölf auch dem neuen Kabinett Flandin an. Ausgefchie- den sind neben Tardieu noch Marschall P ö t a i n, der Arbeitsminisier M a r q u e t, der Justizminister L 6 m e r y, der Unterrichtsminister Berthod. — Flandin hat der Presse folgende Erklärung abgegeben: „Der Burgfriede dauert an. Es ist mir gelungen, Persönlichkeiten um mich zu versammeln, die mit Ueberzeugung Frankreich dienen und es verstehen, alle niederen P a r t e i u n t e r s ch i e d e zu vergessen, um nur ein Ziel zu haben: Kampf gegen das Elend und die Arbeitslosigkeit, Wiederherstellung der Wirtschaft, Aufrechterhaltung der Finanzen und Reformierung des Staates. Ich hoffe, daß das Land eine Regierung, die ich in möglichst kurzer Zeit zu bilden mich bemühte und die sich sofort an die Arbeit begeben wird, mit Sympathie aufnehmen wird." Flandin hat um 1 Uhr nachts dem Präsidenten der Republik feine Mitarbeiter vorgestellt. Die Ernennungsdekrete erscheinen im Staatsanzeiger vom Freitag. Das neue Kabinett, das Freitag nachmittag seine erste Besprechung abhalten wird, wird sich am Dienstag, dem 13. November, den beiden Kammern vor st eilen. Freundliche Ausnahme in der preffe. Oie radikale Rechte mißtrauisch. - Oie marxistischen Parteien ablehnend. Paris, 9. Nov. (DNB. Funkspruch.) Der neue Ministerpräsident findet in der Presse die freundliche Aufnahme, um die er in seiner kurzen programmatischen Erklärung gebeten hatte. Der tiefe Eindruck, den der Abtritt des Kabinetts Doumergue gemacht hat, so schreibt der „Petit Parisien", wurde größtenteils gemildert durch die Tatjache, daß das neue Ministerium nach demBilde des vorausgegangenen geschaffen, d. h. ein Burgfriedenskabinett ist. In allen Kreisen zollt man der Arbeit Doumergues Anerkennung, der der Mann bleiben werde, der dem Blutvergießen Einhalt geboten und die Staatskasse gefüllt habe. Di-e Betrauung Flandins wurde mit großer Genugtuung ausgenommen. In beiden Kammern, in politischen, finanziellen und in sonstigen Kreisen, sowie auch auf der Straße beglückwünscht man sich zu der Betrau- ung einer jungen Persönlichkeit, die wiederholt auf den von ihr bekleideten hohen Posten Entschlußfreudigkeit und Zähigkeit bewiesen hat. Man beglückwünscht sich um so mehr, als Flandin von Anfang an entschlossen war, im Außenamt Lavalzu behalten. Laval hat die kommende Dölkerbundstagung vorbereitet. Er hat zahlreiche diplomatische Besprechungen gehabt. Am Vorabend der Saarabstimmung kommt es vor allem daraus an, an den Plänen nichts zu ändern. Der „Matin" nennt die neue Regierung einKa- b i n e 11 des Waffenstillstandes, und der wirtschaftlichen Ankurbelung, dessen erstes Programm darin bestehen müsse, den Staatshaushaltsplan vor dem 31. Dezember verabschieden zu lassen. Frankreich müsse unbedingt jeder finanziellen Beunruhigung enthoben werden in einer Stunde, in der die außenpolitische Lage ganz besonders die Aufmerksamkeit in Anspruch nehme. Das „Journal" nennt das Kabinett Flandin weniger linksgerichtet als das Kabinett Doumergue. Dennoch hätten die Radikalen einmütig beschlossen, es zu unterstützen. Auch die Sozialisten schienen ihm nicht ablehnend gegennüber zu stehen. Das Blatt Herriots „(Er e 51 o u d e 11 eJ verspricht dem neuen Ministerpräsidenten die vorbehaltlose Unterstützung der Radikal s o z i a l i st e n. Alle Bedingungen seien erfüllt, um eine aufrichtige, günstig wirkende Zusammenfassung der Kräfte zu sichern, um den Burgfrieden ausrechtzuerhalten und zu festigen und um die republikanische Freiheit zu verteidigen, sowie ben Staatshaushaltsplan rechtzeitig zu verabschieden. Das genüge für den Augenblick. Die Betrauung Flandins ist dem Blatt um so sympathischer, als der Ministerpräsident auf der Landestagung der Demokratischen Allianz sich für ein enges Zusammengehen seiner Partei mit den Radikalsozialisten ausgesprochen hat und auch ein wirtschaftliches Programm entwickelte, das dem Blatt Zusagt. Das „Echo de Paris", das Blatt des Generalstabs, das den neuen Ministerpräsidenten wegen seines Bündnisangebotes von Arras an die Radikalsozialisten in den letzten Tagen scharf angegriffen und als einen Verräter der Sache der nationalen Einigung gegeißelt hatte, steht der neuen Regierung sehr mißtrauisch gegenüber. Man wisse nicht, was man davon halten solle, daß Tardieu, Pötain und Marquet allein es abgelehnt hätten, weiterhin an der Seite der Leute zu sitzen, die Doumergue erdrosselt hätten. Der General D e n a i n sei auszunehmen, da er a l s rein technischer Mini- ft e r zu gelten habe. In Pernot und Mandel zeige das neue Kabinett eine weiter rechtsgerichtete Tendenz als die Regierung Doumergue. Es handele sich um ein strategisches Manöver. Der marxistische „P o p u l a i r e" beschränkt sich auf die Feststellung, daß mit dem Ausscheiden Doumergues ein erster Sieg über den Faschismus errungen sei. Es bleibe Pflicht der Sozialisten, den Kampf bis zur Endentscheidung fortzusetzen. — Die kommunistische „Humani16^ macht aus ihrer feindlichen Haltung gegenüber der neuen Regierung keinen Hehl. Flandins parlamentarische Plattform. der Radikatsozialisten und der Demokratischen Allianz. Vertrauenskundgebung Paris., 8. Nov. (DNB.) Die radikalfozialistifche Kammersraktion hat eine Entschließung angenommen, in der sie sich bereit erklärt, der neuen Regierung ihren Beistand zu leihen, wenn sie die Verpflichtung übernimmt, die wirtschaft- Hdje Wiederher st ellung gleichzeitig mit der Verteidigung des republikanischen Regimes zu gewährleisten. In der Aussprache kam zum Ausdruck, daß nichts von dem Programm Flandins einer loyalen Mitarbeit der Radikalsozia- listischen Partei im Weg stünde. Flandin habe be- fanntgegeben, daß er auf die Eindringung von Haushaltszwölsteln verzichte, aber die dringliche Verwirklichung der Staatsresorm gewährleisten wolle. Der neue Ministerpräsident wolle d i e Nationaloer. fammlung nach Versailles einberufen, wenn die Mehrheit das wünsche, aber er gedenke vorher den Haushaltsplan für 1935 verabschieden zu lassen. Unter diesen Umständen habe Herriot den Standpunkt vertreten, daß der vertrauensvolle Beistand der Radikalsozialistischen Partei dem Ministerpräsidenten Flandin gewährt werden könne. Die Demokratische Allianz hat ihrem Vorsitzenden, dem Ministerpräsidenten Flandin, ihr Vertrauen ausgedrückt. Die Entschließung lautet: „Die Demokratische Allianz ist sich der Gefahren bewußt, die Frankreich von innen wie von außen drohen. Sie st eilt das Interesse des Landes über jede politische Erwägung. Sie entbietet Gaston Doumergue für die ungeheuren von ihm geleisteten Dienste ihren achtungsvollen Gruß. Sie schenkt ihrem Vorsitzenden Flau- »onorar- Tokio. Bon der chinesischen ten angehören. ♦ Das neue Reichsbewertungsgeseh und und Kunst und Wissenschaft ©ottfrieb Jeder zum Professor ernannt. Der Reichskommissar für das Siedlunaswesen, Staatssekretär Gottfried Feder, ist zum Hl T o k i o. 8. Koo. (D71B.) Wie die Telegraphenagentur Shimbun-Renge mitteitt, ist auf Marsch a l l T f ch i a n g kal - fchek, der sich in einem Sonderzug auf der Fahrt nach Peiping, befand, um mit dem japanischenGefandten A riofchi zu verhandeln, ein Attentat verübt worden. Als der Sonderzug die Station Lr- zumenzi passierte, wurde eine Bombe geworfen, die den letzten Wagen traf. Zwei Beamte aus der Begleitung des Marschalls wurden getötet, vier verletzt. Marschall Tchiang Kai - schek und seine nächsten Mitarbeiter blieben unverletzt. Sie haben später ohne den zerstörten Wagen die Reise nach Peiping fortgesetzt, wo die Konferenz am Freitag beginnt. Rach einer weiteren Meldung find zwei Personen verhaftet worden. Die chinesische Zensur hat bisher die Veröffentlichung aller Nachrichten über den Anschlag verhindert. gersnöte, um rote Aufstände schen Nanking Mißglückter Anschlag auf -en Marschall Tschiang Kai-scheck Hauptschriftleiter: Dr Friedrich Wilhelm Longe. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. X. 34: 10 600. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei N. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzeloerkaufspreis: 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Der Fall Mariani. Oer Polizeiskandal von Lille zieht weite Kreise. um 9.57 Uhr (Neuyorker Zeit) den Hafeneingang beim Ambrose-Feuerschiff. Die „Bremen" hat also, nachdem sie Cherbourg verlassen hatte, insgesamt 4 Tage, 15 Stunden und 27 Minuten zum Lieber» queren des Atlantik gebraucht und konnte den eigenen Rekord um 21 Minuten verbessern. Wenn wir etwas von China hören, dann handelt es sich dabei zumeist um Ueberschwemmungen, Hun- Revolten, örtliche Reibereien, um ' um Auseinandersetzungen zwi- Die Demokratische Allianz, die seit 1901 als Wahl» und Werbeorganisation der rechten Mitte (etwa mit dem „Nationalliberalismus" im früheren Deutschland vergleichbar) bestand, hat erst feit zwei Jahren den Charakter einer einheitlichen politischen Parteiorganisation. Sie besitzt aber auch heute noch keine ihr entsprechende einheitliche Kammerfraktion. Vielmehr gehören zu ihr die sog. Linksrepublikaner (die richtiger Rechtsrepublikaner heißen müßten) mit 42 Abgeordneten, darunter F l a n d i n selbst, ferner die meisten der (wieder etwas weiter rechts stehenden) Republikaner der Mitte mit 32 Abgeordneten, darunter T a r d i e u, und schließlich ein Teil der 44 Mann starken Radikalen Linken sowie einer Anzahl freier Abgeordneter. Im Senat sind der Demokratischen Allianz zuzurechnen: die Mehrzahl der 64 Senatoren starken Republikanischen Union (mit Ausnahme des Lothringischen Schwerindustriellen de Wendel, der zur Partei Marin gehört), die Gruppe der P o i n c a r 6 angehörte, sowie die 31 Mann starke Radikal- demokratische Union (Barthou). Die Demokratische Allianz ist auf sozialem Ge- ein schönes Sportauto fuhr er, dabei betrug sedoch sein Gehalt nur 1000 Fr. monatlich (etwa 120 Goldmark). Man wußte, daß Mariani in Lille e i n großes Haus hielt, es dauerte aber recht lange, vis man sich für den Mann interessierte. Am 18. September holte Mariani mit zwei Komplizen aus Paris Steuermarken, die dort verborgen waren. Nach feiner Rückkehr wurde er zur Präfektur befohlen, er trat ins Zimmer des Chefs dex Zweiten Brigade, F r e f f a r d, — und wurde dort gefesselt. Die Untersuchung, die keineswegs abgeschlossen ist, hat einen Rattenkönig von Delikten ergeben, Betrügereien, Schmuggel, Diebstahl, Rauschgifthandel usw. Was bisher bekannt geworden ist, liest sich wie ein Hintertreppen- . Die B e w e r t u n g der einzelnen $ e r = mögensarten ist für die Durchführung der Besteuerung von erheblicher Bedeutung. Sie kann aber auch die steuerliche Belastung wesentlich beeinflussen. Je nachdem die Bewertung richtig oder unrichtig ist, werden die auf Grund der einzelnen Steuergesetze ermittelten steuerlichen Verpflichtungen der Leistungsfähigkeit des Steuerzahlers entsprechen ober nicht. Die Wirkung des besten Steuergesetzes kann durch eine falsche Bewertung des besteuernden Besitzes in ihr Gegenteil verkehrt, ein durchaus der Leistungsfähigkeit entsprechender Steuersatz kann durch eine zu hohe Bewertung des Steuerobjektes untragbar werden. Was eine richtige oder unrichtige Bewertung für den Steuerzahler bedeutet, wird man am klarsten dann erkennen, wenn man sich daran erinnert, daß d i e Einheitsbewertung von Grundstücken, Betrieben, Wertpapieren usw. keineswegs etwa nur für die Bemessung der V e r m ö g e n s st e u e r maßgebend ist, sondern in der Regel auch für die der Grund st euer, der Gewerbesteuer, der Erbschaftssteuer und der Grund er - roerbsfteuer. Wer daher einen Einheitswertbescheid erhält, tut gut, ihn sobald wie möglich und vor allem so sorgfältig wie möglich auf feine Richtigkeit hin zu prüfen. Denn wenn der Bescheid erst einmal rechtskräftig geworden ist, bleiben spater bei der Veranlagung zu den einzelnen Steuern alle Reklamationen, die sich auf die Unrichtigkeit der Einheitsbewertungen stutzen, unberücksichtigt. Da in nächster Zeit eine neue allgemeine Fest- setzung der Einheitswerte vorgenommen werden soll, ist eine Erinnerung an die Wichtigkeit Professor in der Fakultät für Bauwesen der Technischen Hochschule Berlin ernannt worden. Thüringer Schuljugend feiert Schillers 175. Geburtstag. Die Thüringer Schuljugend beging in Weimar den kommenden 17 5. Geburtstag Schillers. Es war eine Juaendkundgebung in neuer vorbildlicher Form. Alle Thüringer Schulen hatten eine Abordnung nach Weimar geschickt. 1200 Jungen und Mädel füllten das Nationaltheater. Unter den Ehrengästen sah man Reichsstatthalter Sauckel und Volksbildungsminister W ä ch t l e r. Die eindrucksstarke Feier begann mit dem Vortrag des Reiterliedes aus „Wallensteins Lager". Dann folgte das Lied von der Glocke als Sprechchor; ein interessanter Versuch, der als durchaus gelungen bezeichnet werden kann. — Nach einer Pause gelangte „Wallensteins Lager" zur Ausführung, nach deren Schluß sich die 1200 Thüringer Abgesandten vor dem Theater versammelten. Dolksoilbunas- minister W ä ch t l e r hielt an sie eine kurze Ansprache. Dann zogen sie, der Minister voran, in langem Fackelzug zum Friedhof, wo in der Fürstengruft auch Schillers Sarg steht. Während der Minister das Innere der Gruft betrat, zog Thüringens Jugend vorüber an dem geöffneten Gruftportal. Professor Dr. Taute f. In seiner Berliner Wohnung ist der bekannte Schlafkrankheitsforscher Professor Dr. Taute, Ministerialrat und Referent im Reichsministerium des Innern, im Alter von 57 Jahren g e ft o r b e n. Als Wissenschaftler von anerkanntem Ruf hat sich Professor Taute unvergängliche Verdienste um die Bekämpfung der Tropenseuchen er« worben, vor allem in der Bekämpfung der Schlafkrankheit durch seine aufopferungsvolle Tätigkeit in Deutsch-Ostafrika. Innenpolitik selbst wird jedoch nur wenig bekannt. Das mag seine besonderen Gründe haben. Immerhin wissen wir doch, daß in Kanton eine Regierung sitzt, die nur sehr selten mitder Zentralregierung.in Nanking übereinstimmt, daß sie sich nationalistisch gebärdet und eine scharfe Tonart gegen Japan fordert, wenn Nanking nicht will, und dann wieder mit dem Kommunismus liebäugelt, wenn Nanking mit den Japanern irgend etwas auszufechten hat. Die Kuomintang als herrschende politische Partei steckt teils hinter den Strömungen in Kanton, teils hinter den Beschlüssen der Nankingregierung. In ihrem inneren Wesen scheint sie recht zwiespältiger Natur zu sein. Jetzt sollte ein Parteikongreß stattfinden, er ist jedoch auf den Wunsch Tschiang Kai-scheks vertagt worden, der die Kräfte der Nation zur Niederwerfung der Kommunisten in Zentralchina zusammengefaßt wissen will. Gegen ihn richtet sich nun der Zorn Kantons und des linken Flügels der Kuomintang. Ein offener Bruch Kantons mit Nanking wird angedroht. Man ist aber auf den Armeeführer, der feinen Willen durchzufetzen weiß, auch aus anderen Gründen nicht gut zu sprechen. Denn er fördert mit allen Kräften die nationaleAufbaubewegung „Neues Lebe n", die als faschistisch verschrien ist. bin vorbehaltlos Vertrauen, damit er ein Einigungsmini st erium bildet, in dem die Vertreter der Parteien sitzen können, die sich auf ein Aufbauprogramm geeinigt haben, das geeignet ist, die Staatsreform, die Wiederherstellung des Landes auf allen Gebieten und die Landesverteidigung zu gewährleisten." Der neue Mann. Einstmals jüngster Abgeordneter und Kriegsflreger Der von Staatspräsident Lebrun mit der Regierungsneubildung beauftragte bisherige Minister für öffentliche Arbeiten im Kabinett Doumergue, Pierre Etienne F l a d in, ist im April 1889 in Paris geboren. Als Doktor der Rechtswissenschaften und Inhaber des Diploms der Hochschule für Politik wurde er im Jahre 1914 vom Departement 9)onne i n dieKammer gewählt, wo er mit seinen 25 Jahren der jüngste Abgeordnete war. Den Weltkrieg machte Fladin als Flieger r o m a n. Man beschuldigt Mariani, Kinder entführt zu haben oder mindestens daran beteiligt gewesen zu fein, man beschuldigt ihn mehrerer Erpressungen an reichen Leuten, auch des Kokain- Handels wird er beschuldigt. Seit Jahren wußte man, daß Marmni ein Verbrecher war, aber die Angst vor diesem brutalen Korsen war so groß, daß die Zeugen, wenn sie ihm gegenübergestellt wurden, schlotternd ihre Aussagen widerriefen. Selbst Frankreichs einstiger Schwergewichtsmeister Löon Dr6- n o y, hatte Angst vor ihm. „Ich brauche nur ein wenig Kokain in deinen Magen zu bringen, und du bist geliefert!" hatte Mariani wiederholt zu dem Boxer geäußert, den er sogar verprügelt hat, ohne daß Drsnoy auch nur den Versuch machte, sich zu wehren. Als das Bandenunwesen in Korsika überhand nahm, schickte man den Korsen Mariani nach seiner Heimat, um dort die Banditen zu fassen. Aber er verständigte sie stets rechtzeitig von allen Aktionen, die gegen sie vorgenommen wurden. Ganz Frankreich' ist gespannt, was die Untersuchung Frankreich ist das Land der Affären. Es kann anscheinend ohne diese nicht leben. Macht nicht irgend ein großer Skandal von sich reden, begnügt man sich auch mit mehreren kleinen. Zur Zeit liegt für eine solche Genügsamkeit keine Veranlassung vor. Der Stavisky-Skanbal harrt mit dem Fall Prince noch immer der Enthüllung, und schon taucht eine neue Affäre auf, die vielleicht noch weitreichender fein wird. Denn, wie es sich bei dem Fall Stavisky keineswegs nur um den einen Namen handelt, sondern mit der Dauer der Untersuchung sich die Liste der direkt oder indirekt Beteiligten 'erschreckend verlängert, so wird allem Anschein nach der Fall Mariani auch sehr weite Kreise ziehen. Schon jetzt zeigt es sich, daß es doch hier keineswegs nur um eine Affäre geht, sondern um eine Anzahl von Fällen, die sich noch vergrö- mit. Im Jahre 1917 wurde er dem Unterstaatssekretariat für Luftfahrt zugeteielt und gehörte als, französischer Vertreter dem Unterausschuß für Luftrecht auf der Friedenskonferenz an. Als Unter st aatsfekretär im Luftfahrtministerium gehörte Flandin dem Ka- binett Millerand (1920) und Leygues (1920/21) an. Später war er Handelsmini st er im Kabinett Fran^ois-Marfal (1924) und in den beiden ersten Regierungen Tardieu (1929/30). In den beiden Kabinetten Laval (1931/32) und in dem dritten Kabinett Tardieu (1932) leitete Flandin das Finanzministerium. Als Finanzminister trat er gegen das Hoover-Moratorium auf und zeigte sich in der Reparationsfrage wenig nachgiebig. Im Jahre 1933 muhte er in der Kammer schweren Angriffen der Linksparteien wegen der Vorgänge bei der französischen Luftfahrtgesellschaft Aero Postale standhalten. Im Februar 1934 wurde Flandin als M i n i - st er für öffentliche Arbeiten in das Kabinett der nationalen Einigung berufen. In der Kammer gehört Flandin der Gruppe der Republikanischen Linken, einer Gruppe der Mitte, an. Ferner ist er Präsident der Demokratischen Allianz, einem überparteilichen politischen Verbände, dem Vertreter mehrerer Grupppen der Mitte und der gemäßigten Rech- Die Bewertung der land - und forstwirtschaftlichen Vermögen erfolgt nach dem neuen Gesetz nach fünf Hauptgruppen, da das Weinbauvermögen von dem gärtnerischen Vermögen abgetrennt und außerdem eine besondere Gruppe „das übrige land- und forstwirtschaftliche Vermögen" eingerichtet worden ist. Durch das neue B o b e n s ch ä tz u n g s g e s e tz wird die Bewertung des Bodens und die Ermittlung seiner Ertragsfähigkeit wesentlich verbessert und verfeinert. Ein Reichsschätzungsbeirat sowie Landes- schätzungsbeiräte werden die richtige Bewertung des Grund und Bodens durch ihre Tätigkeit erleichtern und vereinfachen. Das Bodenfchätzungsgefetz er- streckt sich auf alle landwirtschaftlich genutzten Flächen und kann darüber hinaus auch auf die übrigen Teile des gesamten deutschen Kulturbodens ausgedehnt werden. Schließlich ist noch hervorzuheben, daß die Neufeststellung von Einheitswerten innerhalb der zwischen zwei Hauptfeststellungen liegenden Zeit insofern in Zukunft erleichtert wird, als schon bei einer Wertänderung von 1000 Mark und mehr eine Wertänderung, insbesondere also eine Herabsetzung der Bewertung vorgenommen werden kann. Auf der anderen Seite freilich ist erst bei einer relativen Wertänderung um den fünften Teil des bisherigen Wertes eine Neufestsetzung möglich, es fei denn, daß bei einem Grundstück oder Betriebsgrundstück eine Bestandsänderung stattgefunden hat. Oer Anschlag von Bia Torbagy vor Gericht. Im Matuschka»Prozeß in Budapest wur- den die Vorbereitungen zum Anschlag von Bia Torbagy behandelt. Matuschka schilderte die Vorkehrungen zur Sprengung der Eisenbahnschienen. Matuschka kam dann, wie üblich, auf „L e o" zu sprechen. In der Attentatsnacht sei „Leo" plötzlich auf einem anderen Schienenstrang in Bauernkleidung erschienen. „Leo" habe einen Revolver getragen. Auf Vorhaltungen des Präsidenten hielt Matuschka die Behauptung aufrecht, daß er der alleinige Attentäter sei. Am Morgen nach dem Anschlag sei er zum Schauplatz des Verbrechens zurückgekehrt. Der Präsident schilderte, mit welch raffinierten Mitteln Matuschka damals den Eindruck zu erwecken versuchte, daß er ein Opfer des Anschlages sei. Er habe sich mit den Fingernägeln das Gesicht zerkratzt, mit Kot besudelt und allen Menschen erzählt, daß er nur durch ein Wunder gerettet worden sei. Matuschka verteidigte sich leidenschaftlich und schilderte immer wieder seine angeblichen Pläne, eine „religiöse kummunistische Sekte zur Rettung der Arbeiter" zu gründen. Die weitere Verhandlung bezog sich hauptsächlich auf die Frage, ob Matuschka in Budapest mit kommunistischen Elementen zusammengetroffen fei. Dör Präsident stellte fest, daß der ungarische Korn- munift Darvas der intimste Vertraute von Matuschka war. Das Verhör nahm für Matuschka einen höchst ungünstigen Verlauf, da eine Reihe schwerer Fälschungen Matuschkas festgestellt wurden. Nach dem Anschlag von Bia Torbagy versuchte Matuschka, durch das ungarische Konsulat tn Wien Schadensersatzansprüche anzumelden und forderte auch an verschiedenen anderen Stellen eine Vergütung für die ihm durch den Anschlag entstandenen Schäden. — Wenn der Präsident ihn auf Widersprüche aufmerksam machte, sagte er: „In Wien habe ich eben gelogen." Großfeuer in USA. fordert fünf Todesopfer. In einem großen Getreidespeicher der Chesapeake and Ohio - Eisenbahngesellschaft in New-Port News (USA.) brach infolge Staubexplosion Feuer aus, das allen Löschversuchen zum Trotz innerhalb kurzer Zeit das ganze riesige Gebäude in Schutt und Asche legte. Fünf Personen sollen den Tod gefunden haben; eine größere Anzahl wurde verletzt. Der Sachschaden geht in die Millionen. Wettervoraussage. Während über Ost- und Mitteldeutschland außerordentlich ergiebige Niederschläge fielen, hatte sich bei uns im Bereiche eingedrungener Kaltluft Beruhigung eingestellt. Dabei kam es in der Nacht zum Freitag stellenweise wieder zu leichten Frösten. Inzwischen ist von Westen her mit Luftdruckfall ein sehr ausgedehntes Regengebiet bereits bis zum Rhein vorgedrungen und wird auch unser Gebiet noch stärker in Mitleidenschaft ziehen. Dabei werden die Temperaturen gleichzeitig wieder ansteigen, um später erneut zurückzugehen. . Aussichten für Samstag: Nach Derbreiteter Regentätigkeit und Milderung wieder lieber- gang zu mehr wechselnd bewölktem Wetter mit einzelnen Schauern bei von Süden nach Westen drehenden Winden, späterhin beginnende Abkühlung. einer richtigen, der steuerlichen Leistungsfähigkeit gerecht werdenden Einheitsbewertung sehr zeitgemäß. Es kann im Hinblick auf diese Wichtigkeit der Einheitsbewertung für eine richtige und gerechte Anwendung der Steuergesetze nicht überraschen, daß das neue Steuerreformwerk des Staatssekretärs Reinhardt auch eine durchgreifende Umgestaltung des Reichsbewertungsgesetzes umfaßt. Dieses besteht in seiner neuen Gestalt aus zwei besonderen Teilen, nämlich aus den für alle oben angeführten Steuern geltenden Gin» heitswertbestimmungen und den besonderen nur für die Vermögens st euerver- anlagung uneingeschränkt gültigen Vorschriften. Die Uebersichtlichkeit des Gesetzes wird durch diese Zweiteilung wesentlich erhöht. Don den übrigen Aenderungen des Reichsbewertungsgesetzes fallen wohl die neuen Bestimmungen für die Verwertung des „sonstigen Vermögens", also insbesondere von Aktien, Kuxen, sowie sonstigen Anteilen und Genußscheinen an inländischen Kapitalgesellschaften praktisch am schwersten ins Gewicht Diese Vermögen werden nämlich künftig nicht mehr, wie bisher, nur mit der Hälfte des festgesetzten Steuerkurs- oder Derkaufswerts, sondern mit ihrem vollen Werte angesetzt, und zwar auch dann, wenn die Aktien oder sonstigen Wertpapiere zum Betriebsvermögen gehören. Zu der bisher in dem Reichsbewertungsgesetz festgelegten steuerlichen Bevorzung des Aktienbesitzes liegt heute ferne Veranlassung mehr vor. Der Sparer und Kle.n- (apitalift soll vielmehr dazu veranlaßt werden fern Vermögen anstatt in Aktien lieber m festverzinslichen Wertpapieren anzulegen. Andererseits wird eine Reihe von Vermögensgegenständen in Zukunft nicht mehr zu dem „sonstigen Vermögen" gerechnet, ist also vermögens steuerfrei. Das gilt insbesondere für Personenkraftwagen, Flugzeuge, Motor- und Segeljachten, und zwar ohne Rücksicht auf ihren Wert, sofern sie nur im Inlands hergeste11t sind. Ferner ist die Bestimmung, daß Luxusgegenstände steuerpflichtig sind, wenn der Wert des einzelnen Gegenstandes mehr als 1000 Mark beträgt, aufgehoben. Außerdem find Kunst- gegenstände künftig ohne Rücksicht auf ihren Wert und die Zeit ihrer Anschaffung steuerfrei, wenn sie von deutschen Künsllern, die noch leben oder seit nicht mehr als 15 Jahren gestorben sind, geschaffen wurden. Sonstige Kunstgegenstände und Sammlungen sind steuerfrei, wenn ihr Gesamtwert den Betrag von 50 000 Mark nicht übersteigt. Endlich muß noch beachtet werden, daß der bisher bei der Ermittlung des Gesamtvermögens zugelassene Abzug des Einkommens der letzten drei Monate künftig in Wegfall kommt. Bei der Bewertung der Betriebsvermö- a e n ist insofern eine Aenderung eingetreten, als fortan auch das der Ausübung eines freien Berufes, insbesondere einer reinen Kunst ober reinen Wissenschaft gewidmete Betriebsvermögen steuerpflichtig ist. Die freien Berufe werden also den Gewerben steuerlich vollkommen gleichgestellt. Gegenstände, die zur Ausübung schöpferischer ober forschenber Tätigkeit, insbesonbere auch schriftstellerischer Tätigkeit bienen, finb künftig als Teile des Betriebsvermögens steuerpflichtig. Bern wirb. — In Straßburg unb Evreux würben im vorigen Sommer Einbrüche verübt unb babei für 29 Millionen Fr. Waren erbeutet — Steuermarken. Ihre Verwertung in so großen Mengen ist natürlich schwierig unb gefährlich. Anfang b. I. faßte man brei Verkäufer von Steuermarken unb verurteilte sie. Das Gericht hatte ben Einbruck, baß es mit ben Dreien nur Helfer einer Banbe gefaßt habe, beren Führer nicht ermittelt werben konnte. Im Frühjahr b.I. kam es in Lille zu einem Skanbal wegen unbefugten Hanbels mit Fahrlizenzen unb gestohlenen Autos. Bei btefer Angelegenheit wirb auch ber Polizeikommissar Mariani verhört. Das Gericht stellt fest, baß er mit ben m ber Affäre verwickelten Personen auf bestem Fuße ftanb. Mariani versteht sich herauszureben — unb man gibt sich bamit zufrieben. Das Aeußere Marianis ist alles anbere als vertrauenserweckenb. Mariani war verheiratet, boch seine Frau lebte. .0 mit ben vier Kinbern in Korsika. Als Ersatz hatte noch an ben Tag bringen wirb, die ja erst im Be- er sich in Lille eine Geliebte zugelegt, auch I ginn steht. biet äußerst konservativ, im übrigen aber burchaus republikanisch. Poincarä war bis 1927 Ehrenvorsitzender ber Allianz, Barthou war ihr eifrigster Mitkämpfer. Wirtschafts- unb Finanzfuhrer, verkörpert in ber Person bes Pariser Großbürgers Flanbin, gehören größtenteils politisch zur Demokratischen Allianz, soweit sie nicht tn ber nationalistischen, rechtsgerichteten Partei Marin zu finben finb. Mit biefer teilt bie Demokratische Allianz bie unbebingte Ablehnung bes Kollektivismus. Flanbin hat sich in letzter Zeit zum Apostel bes Wirtschaftsliberalismus gemacht. Dank ber ausgebehnten Regierungserfahrung, bie auf ber Mittelstellung ber Allianz beruht, ! verfügen ihre Führer über einen starken Wirklich- keitssinn unb suchen namentlich mit ben 91 a b i f a l- sozialisten, bie eine Mittelstanbs- unb Bauernpartei barstellen, zu möglichst wei^ehenberD erst ä n b i g u n g zu gelangen. Die Allianz besitzt auch '23erftänbnis für eine vernünftige unb vom Paria- ment abgefonberte Interessenvertretung ber Gewerkschaften unb ber anberen wirtschaftlichen Jn- itereffenoerbänbe. . m Der Bericht, ben Abgeorbneter Fabry, ber Bor- 1 fi^enbe bes Heeresausschusses ber Kammer, auf dem ' Parteitag von Arras, abstattete, wandte sich Zwar in sehr scharfen Sätzen gegen bie militärische Gleichberechtigung Deutschlands, i ba bie(e einer tatsächlichen Überlegenheit bes Rei- । ches gleichkomme, bennoch kann man von ber Al- > lianz in ihrer Gesamtheit nicht behaupten, baß sie । gegenüber Deutschland) eine burchweg negative Haltung etwa in ber Art ber Partei Marin einnimmt. Zu ben Vizepräsibenten ber Allianz gehört auch ITarbieu, ber allerbings sowohl in ber Außenpolitik wie in ber Frage ber Verfassungsreform IDoumergues einen äußerst schroffen Stanbpunkt «eingenommen hat. Tarbieu konnte als Vater bes «autoritären Verfassungreformprogramms gelten. Er äst aber in ben letzten Wochen ganz in ben Hinter- igrunb getreten, zumal er zur Zeit krank ist. Tleuer Rekord der „Bremen" bei ber 100. Amerikafahrk. Der Lloybbarnpfer „Bremen" stellte bei seiner 100. Uebersahrt nach Amerika einen neuen R e- lorb auf. Er passiert- am Donnerstag morgen Eröffnung der Hessischen Verwaltungsakademie. Staatsminister Jung über das Verhältnis des Beamten zum Staat. LPD. Darmstadt, 8. Nov. Der sechssemestrige Lehrgang der Hessischen Derwaltungs- a k a d e m i e wurde heute abend in der Technischen Hochschule in schlichtem Rahmen eröffnet. In seiner Eröffnungsrede erklärte Staatsminister Jung u. a.: Der Staat von heute, der nationalsozialistische Staat, verlangt von seinen Beamten ein völliges Eingehen, eine geistige Verschmelzung mit dem Staat. Dies bringt auch die neue Fassung des § 1 des Reichsbeamtengesetzes vom 30. Juni 1933 zum Ausdruck, wenn es davon spricht, daß der Beamte in einem Dienst - und Treuverhältnis zum Staat steht. Wer daher innerlich nicht Nationalsozialist sein kann, der soll diesem Staate auch nicht dienen. Ich vertrete dabei nicht etwa die Auffassung, daß nur der Nationalsozialist ist, der die Mitgliedschaft der NSDAP, erworben hat. Nationalsozialistische Gesinnung wird nicht durch den Besitz des Mitgliedsbuches bewiesen. Ein abseitsstehender Beamter muß jedoch den Mut haben, sich zu bekennen. Er handelt anständiger als der, der nur äußerlich die Sprache des Nationalsozialisten spricht, innerlich mit ihm aber nichts zu tun hat. Wir erkennen auch gern an, daß die Ringenden um ein geistiges Verstehen nicht die Schlechtesten sind. Nicht die, die laut nach dem Umbruch „Heil Hitler" riefen, obwohl man ste früher nicht hörte, sind Charaktere, sondern die, denen es Mühe machte, sich zu uns durchzuringen. Diesen Gutwilligen lassen wir Zeit. Sie werden aber zu uns kommen, gerade weil sie guten Willens sind. Schlacken setzt das Feuer jeder geistigen Umwälzung ab. Auch in den eigenen Reihen wird mancher sein, der sich nicht ganz von der Idee, die die Bewegung trägt, verzehren laßt. Wir wissen dies und fürchten den natürlichen Ausscheidungsprozeß nicht. Im Gegenteil, wir müssen diese Entwicklung sogar fördern. Aber auch die, die den besten Willen haben, bedürfen einer geistigen Umstellung, damit sie zu treuen Dienern des Staates werden. Diesem Zweck sollen die Derwaltungs- akademien in der Hauptsache dienen. Denn was nühl dem Staate alles Fachwissen, wenn nicht die Verbundenheit mit diesem Staat vorhanden ist. Weltanschauliche Schulung im Sinne des Führers! Der Vorlesungsplan erfüllt noch nicht ganz diesen Zweck. Wir werden ihn daher so ausbauen müssen, daß es der gesamten Beamtenschaft möglich ist, den Geist des Führers auch in der Form von Gesprächen zwischen den Dozenten und dem Hörer in sich aufzunehmen. Die weltanschauliche Schulung muß in den Vordergrund treten. Daß neben dieser politisch-geistigen Schulung auch das Fachwissen gefördert werden muß, ist selbstverständlich. Nationalsozialistisches Denken, theoretisches Wissen und die große Kunst, dieses Denken und dieses Wissen in die Tat umzusehen, find notwendig. Nationalsozialistisches Können cnf- scheidel auch allein für das Vorwärtskommen im Staat. Die „Anciennität" ist nicht mehr das bequeme und sichere Sprungbrett. Darauf erklärte der Staatsminister die Hessische Derwaltungsakademie für eröffnet. Aenderungen m der Vorlesungsfolge. LPD. Darmstadt, 9. Nov. Das Staatspresse, amt teilt mit: Aus Anlaß des Reichstrauer, tages fällt die bei der H a u p t a n st a l t Darm, st a d t im Vorlesungsverzeichnis für heute 20 Uhr vorgesehene Vorlesung „Einführung in die Rechts- Wissenschaft — Dozent Dr. Döring aus. Die Vorlesung wird unter vorheriger Bekanntgabe nach- geholt. Die nächste Vorlesung findet, wie auch lehrplanmäßig vorgesehen, am kommenden Mittwoch, 14. November, statt. In gleicher Weise muß die für Mainz lehrplanmäßig angekündigte Vorlesung: Professor Dr. B öt- t i ch e r : „BGB. Allgemeiner Teil" im Pädagogischen Institut ausfallen. Auch diese Vorlesung wird nach, geholt. Bei der Zweiganstalt in Mainz sieht der Vorlesungsplan am Dienstag, 13. November 1934, als nächste Veranstaltung die Vorlesung von Herrn Dr. Döring „Einführung in die Rechtswissen, schäft" vor. Nach längerem Leiden entschlief sanft mein lieber Mann, unser guter Bruder und Schwager, der ord. Universitätsprofessor Dr. Wilhelm Meißen im 62. Lebensjahre. Gießen, Dresden, Amsterdam, Haag, Bussum, den 8. November 1934. Im Namen der Hinterbliebenen: Marie Meißen, geb van der Laag. Die Einäscherung findet am Montag, dem 12. November, 14 Uhr statt _____________________________6593 D ■ - I Stellenangebotei geben. 05409 Frankf.Str.6iNl SMMeMl für Werkstatt ge- sucht.Schriftliche Angeb. u. 05408 an d. Gieß. Anz. Stadtkundiger Mlonot sür sofort gesucht Balmhofstr. 61. Keine Ursprungs* Zeugnisse, onbem nur Zeugnis abicbriften dem Be werbungsichreiben bei legen I — Lichtbilder undBewerbungsunter lagen müsjen zur Ber nieidung von Verlusten auf der Nückteite *J?a^ men und Anschrift des Bewerbers nagen I | Kaufgesuche | Gut erh. Photo- Apparat (Film), f. großes Lexikon geg. bar zu kauf, gesucht. Schriftl. 'Ang. rn. genauen Angab. (Marke, Ovriku.Größe)u. 05399 a. d. G. A. Höher. Beamter sucht möN. Simmet Zentralheizung und Meß. Wasser erwünscht. Schr. Angebote unter 05406 and.Gieß. Anzeig, erbeten. I Verkäufe | Junge Mähne verkauft 05401 Wilk). Haas lV. Annerod Telefon Amt Gießen 2389. Gas- nnd elektr. Lampen neu, ver Stück 5.- NM. zu verk. 15400 Lndwigstr. 40 Infolge “•“d Wohnungswechsel sind zu verkauf.: 1 LlMMllNvos. i jrifihet flfen 3unter & Ruh) 2Scnonenöfdien Bismarckstr. 4. 2 gut erhaltene für mittl. Figur, mit u. ohne Pelz preiswert abzu- LlillM stundenweise, n. Bedarf,sofort gesucht. Stundenpreisoffert, unter 6582D an den Gießen. Anzeig. 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Am 4.Nov. verstarb unser Ehrenvereinsführer Postsekretär i. R. Karl Mayer kurz nach Vollendung seines 91. Lebensjahres. Kamerad Mayer nahm an der Schlacht bei Königgrätz teil und war der letzte noch lebende Mitgründer unseres Vereins. Als dessen langjähriger 1. Vorsitzender, als Bezirks vorsitzender und als Mitglied des Präsidiums der Kriegerkameradschaft Hassia hat er sich große Verdienste um das Ki iegervereins- wesen erwoiben, dem bis zuletzt seine besondere Liebe und Anteilnahme galt. Ein kerndeutscher, sein Vaterland über alles liebender Mann. So wird sein Andenken bei L. Neuenhagen, Landgerichtspräsident i R. Elwine Neuenhagen, geb. Carl Kurt Neuenhagen, Staatsanwalt. Die Beerdigung findet in der Stille statt. Wir bitten freundlichst, von Beileidsbesuchen abzusehen. Mietgesuche Wohnung 2-3 Zimmer, in gutem Hause gesucht sof. od. zum 1.1.35. Schriftl. Angeb. u. 05407 an d. Gieß. Anz. Ges.2-Zim.-W., Küche u. Zub. v. alt. Ehepaar o.K. (Südv.) Uebern. etw.Arb.Schr.A. u.05404a.d.G.A. 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Dunkel liegt auf dem Meer, eine Regenboe fegt über das Wasser, und auf der Brücke des Kreuzers „Emden" ducken sich zwei Offiziere hinter den Wetterbezug, um nicht völlig durchnäßt zu werden. „Bei Penang hatten wir besseres Wetter", sagt der eine Offizier zu feinem Kameraden, „die Sicht war fabelhaft, beinahe zu gut für eine Ueberraschung. Aber nachher bei dem Angriff auf den russischen Kreuzer „S ch e m t s ch u g" im Hafen kam uns das zu statten, man konnte kaum vorbeischiehen, so gut war er zu sehen, obwohl wir nicht mit den Scheinwerfern leuchteten. Ich bin gespannt, ob wir heute auch feindliche Schiffe im Hafen treffen werden." — „Ich finde es famos vom Kommandanten", erwiderte der andere, „daß er die Offiziere, die bei Penang nicht dabei waren, vom Begleitschiff heruntergeholt hat, denn es ist doch eine ganz andere Sache, bei solch einer Gelegenheit ein richtiges Kriegsschiff unter den Füßen zu haben. Still, da kommt der Kommandant, ich bin begierig, ob er heute die Unternehmung wieder verschiebt." Prüfend sieht Kapitän von Müller zum Himmel. Es hat zu regnen aufgehört, und die Sicht ist besser geworden. Der FT.-Offizier meldet, daß immer noch feindlicher Funkspruch zu hören ist, doch scheint er nicht mehr so nahe wie gestern. Nach kurzer Ueberlegung sagt der Kommandant zu dem neben ihm stehenden Kapitänleutnant von Mücke, dem Ersten Offizier des Kreuzers: „Wir wollen heute bei Hellwerden Port Refuge ansteuern und dort ankern. Sie werden dann mit dem Landungszug an Land fahren und möglichst schnell die Funkstation zerstören. Lassen Sie sich aber auf keinen ernsthaften Kampf ein, denn wir brauchen alle Leute für den kommenden Kreuzerkrieg. Wenn nicht anders möglich, werden wir eben die Funkstation mit der Artillerie des Schiffes zerstören. Dann schneiden Sie die Kabel durch, nehmen möglichst viel Depeschen- und Codematerial mit und kommen beschleunigt wieder an Bord. Also guten Erfolg und auf Wiedersehn." Der FT.-Offizier erhält darauf Anweisung, scharf auf den feindlichen Funkverkehr zu achten und jede Abgabe einer Meldung seitens der Landstation durch kräftiges Dazwischenfunken zu verhindern. Ruhig gleitet das Schiff durchs Wasser, im Osten rötet sich der Himmel, und in der Dämmerung ist voraus Land zu sehen: die Süd-Keeling- Jnseln auf deren östlichster, der Direction-Insel, die Funkstation steht. Auf der Back vorn stehen die Leute klar zum Ankern, die Gefechtsstationen sind besetzt, das Landungskorps hält sich bei den Booten bereit. Punkt 6 Uhr fällt der Anker, und einige Minuten darauf sind die Boote zu Wasser. Von feindlichen Schiffen ist nichts zu sehen, auch sonst regt sich nichts an Land. Da die See ruhig ist, wird der Kohlendampfer „Buresk" herbeigerufen: die Zeit soll ausgenutzt werden zum Kohlennehmen. Auf den Funkspruch hin fragt die Insel-Station an, von wem und in welchem Code gefunkt worden ist: natürlich erfolgt darauf keine Antwort. Das genügt, um den Verdacht der Funker an Land zu erregen. Trotz Dazwischenfunkens gelingt es ihnen, einen Funkspruch durchzubringen „Strange ship off entrance“. (Fremdes Schiff vor der Einfahrt.) Rur wenige Minuten ist die Landesabteilung zu spät gekommen, um die Abgabe der Meldung zu verhindernd Jäh bricht dann der Funkverkehr ab, doch nun wird ein feindliches Schiff im Kopfhörer vernommen, das nach Widerstandsmessungen aber noch 200 bis 250 Seemeilen entfernt sein muß. Kapitän von Müller gibt daraufhin zwar das Kohlennehmen als zu gefährlich auf, glaubt aber die für die Zerstörung der Kabel und Funkstation angesetzte Zeit von zwei Stunden noch abwarten zu können. Von Land sind jetzt mehrere Detonationen zu hören: das Zerstörungswerk hat begonnen, und man sieht deutlich den hohen Funkmast umfallen. Gegen 9 Uhr wird vom Ausguck im Dormars eine Rauchwolke in nördlicher Richtung gemeldet, in der der Kohlendampfer „Buresk" vermutet wird. Doch kommen dem Kommandanten alsbald Zweifel, weil die Rauchentwicklung sehr stark ist, und „Buresk" im allgemeinen rauchlos fährt. Er läßt daher die Landungsabteilung durch ein Signal zur Eile mahnen. Aber es ist schon zu spät. Sehr bald werden nämlich vom Mars hinter der Rauchwolke Kriegsschiffmasten gemeldet, die ja nur zu einem feindlichen Schiff gehören können. Der Landungsabteilung wird das verabredete Notsignal gegeben, Dampf auf in allen Kesseln befohlen und Klarschiff zum Gefecht angeschlagen. Das feindliche Schiff kommt mit hoher Fahrt näher, man kann jetzt deutlich vier Schornsteine ausmachen. Es ist der australische Kreuzer „S y d n e y", der — herbeigerufen durch das Funksignal — sich den Cocos-Jnseln schnell nähert. Wie wir jetzt wissen, gehörte „Sydney" zu dem Bedeckungsgeschwader einer Transportflottille, die mit anderthalb neuseeländischen Brigaden und zwei australischen Divisionen auf dem Wege zum europäischen Kriegsschauplatz zufällig hier kreuzte. Außer englischen Schiffen waren an dem Schutz des Transports noch der japanische Kreuzer „Jbuko" beteiligt; nur mit Mühe konnte der älteste englische Offizier den Japaner davon abhalten, bei Eintreffen der Meldung vom Sichten der „Emden" auszubrechen, um sich am Kampf gegen den Feind zu beteiligen. Obwohl sich die Landungsabteilung mit dem Ein- schiffen beeilt, gelingt es nicht mehr, sie an Bord zu nehmen. Mit geteilten Gefühlen sieht Kapitänleutnant von Mücke die „Emden" nach Norden abdampfen. Hier ist inzwischen alles klar zum G e f e ch , so gut dies ohne die ausgeschifften Leute geht. Mit hoher Fahrt nähern sich die beiden Gegner. „Emden" erstrebt die günstige Windstellung, was ihr auch gelingt; der Kommandant will versuchen, den Gegner durch seine Artillerie in der Fahrt herabzusetzen, um dann mit der Torpedowaffe die Entscheidung herbeizuführen. Auf 9000 Meter wird das Feuer eröffnet, und zunächst scheint „Emden" artilleristisch im Vorteil, mit der zweiten Salve werden bereits Treffer erzielt, was das Einschießen des Gegners erheblich verzögert. Aber die Unterlegenheit der deutschen 10,5-Zentimeter- gegenüber den 15-Zentimeter-Geschützen des Feindes, sowie dessen besserer Schutz machen sich bald bemerkbar. Ein Versuch, auf günstigere Entfernungen heran- zukommen, scheitert an der überlegenen Geschwindigkeit der „Sydney". Durch einen unglücklichen Treffer wird auf der „Emden" die elektrische Befehlsübermittelungsanlage außer Gefecht gefetzt, was zur Folge hat, daß die Artilleriebefehle nicht mehr so geschlossen durchkommen, wie es für den Erfolg nötig ist. Etwa 20 Minuten nach Beginn des Gefechts wird die R u d e r a n l a g e zerschossen, und Versuche, das Handruder in Betrieb zu. nehmen, scheitern, da das ganze Gestänge zerstört ist. Das Schiff muß daher während des ganzen übrigen Gefechts mit den Schrauben gesteuert werden. Die Ausfälle bei den Geschützmannschaften mehren sich, das eigene Feuer wird schwächer, denn es fehlt an Ersatz, da mit dem Landungskorps 10 v. H. der Besatzung an Land sind. Kapitän von Müller dreht heran, um seine Torpedowaffe zum Tragen zu bringen, aber der Feind wartet nicht, sondern dreht seinerseits ab und entfernt sich mit hoher Geschwindigkeit. Inzwischen hat der Artillerieoffizier den Rest der Artilleriemannschaften zusammengeschart und besetzt damit zwei Geschütze, schließlich feuert aber nur noch eins, von dem Artillerieoffizier geleitet, bis er zu Tode getroffen zusammenbricht. Auch die Brücke wird jetzt m i t Treffern überschüttet. Der größte Teil des Personals fällt aus, und nur wie durch ein Wunder bleibt der Kommandant unverletzt. Er versucht ein zweites Mal, zum Torpedoschuß heranzudrehen, da die Befehlstelegraphen und Sprachrohre alle ausgefallen sind, müssen die Befehle durch Läufer und Befehlskette in die Maschine gegeben werden. Aber nun werden die Schornsteine umgeschossen, und wegen der dadurch entstehenden Rauch- und Gasgesahr müssen die Feuertüren in den Heizräumen offen bleiben, so daß die Fahrt des Schiffes stark vermindert wird. Schließlich fällt auch die letzte Waffe, der Torpedo, aus, weil der Torpedoraum infolge eines Unterwassertreffers voll Wasser läuft. Damit ist das Schiff feiner letzten Waffe beraubt, und der Kommandant entschließt sich, um die Ueberlebenden der Besatzung nicht nutzlos zu opfern, das Schiff bei der Nord-Keeling-Jnfel a u f Strand zu setzen. Erst als das Schiff dort als Wrack festsitzt, hört der Gegner gegen 11.20 Uhr mit seinem Geschützfeuer auf und dreht gleich darauf ab, um den Dampfer „Buresk" zu jagen. Nach etwa fünf Stunden kommt „Sydney" im Westen mit einem internationalen Signal im Topp wieder in Sicht der „Emden". Da inzwischen alle Geheimsachen, darunter auch das Signalbuch vernichtet sind, wird mit der Winkflagge herübergegeben „No signalbook“. Darauf eröffnet der Gegner völlig unvermutet das Feuer auf das völlig wehrlose Schiff, wodurch schwere Verluste eintreten. Um dem unsinnigen Schießen Einhalt zu tun, bleibt als einziges, schnell wirkendes Mittel nur d i e weiße Flagge, worauf endlich das Feuer eingestellt wird, lieber dieses Setzen der weißen Flagge sind später in der englischen Presse hämische Bemerkungen gemacht worden. Es muß daher noch einmal ausdrücklich betont werden, daß diese Maßnahme nichts zu tun hat mit dem Signal für die Uebergabe eines im Gefecht befindlichen I Schiffes, denn dieses Gefecht war ja bereits fünf Stunden vorher beendet! Mithin kann also auch gar kein Zweifel bestehen, daß der Kommandant die Ehre Der Kriegsflagge in vollstem Maße gewahrt hat. Ruhmreich wie ihr Endkampf war auch die kurze Kriegslaufbahn der „Emden". Durch ihre Vernichtung wurden die Engländer von einer schweren Sorge befreit, denn keiner der deutschen Auslandskreuzer, mit Ausnahme vielleicht der „Karlsruhe", hat derartige Erfolge aufzuweisen gehabt wie dieses Schiff. Sein Kommandant hatte selbst beim Chef des Kreuzergeschwaders, Admiral Graf S p e e, seine Entsendung zum Handelskrieg erbeten, und Graf Spee wußte wohl, daß er damit einen Offizier beauftragte, der für diese schwierige Aufgabe ganz besonders geeignet war. Das Ziel, den englischen Handel zu schädigen und das englische Prestige bei der indischen Bevölkerung zu schmälern, erreichte Kapitän von Müller mit größter Tatkraft, Ausdauer und Unerschrockenheit. Den nur wenige Wochen währenden Operationen der „Emden" fielen 19 große Dampfer mit ü b er 60000 Tonnen zum Opfer, was allein für England einen Verlust von rund 45 Millionen zur Folge hatte. Hinzu kommt der Schaden, der durch die Behinderung und Lahmlegung der Schiffahrt im Indischen Ozean hervorgerufen wurde, der auch nicht annähernd abzuschätzen ist. Neben dem reinen Handelskrieg versäumte Kapitän von Müller nicht, dem Gegner auch militärisch Abbruch zu tun. Bei einem kühnen Einbruch in den Hafen von Penang wurden der russische Kreuzer „Schemtschug" sowie Der französische Zerstörer „Mousquet" vernichtet; in Madras gelang es, die für die Versorgung der Seestreitkräft wichtigen Oeltanks und auf Den Cocos-Jnseln die Kabel und die Funkenstation zu vernichten. Nicht vergessen darf aber werden, daß durch das Wirken des Kreuzers die britischen Truppentranspo rte zum heimischen Kriegs- Vor 50 Jahren starb Alfred Brehm. Am 11. November 1884 — also vor 50 Jahren — starb in Renthendorf in Thüringen der Naturforscher Alfred Brehm. Er lebt weiter in seinem großen Werk „Brehms Tierleben", in dem er Die Ergebnisse seiner ausgedehnten Forschungsreisen niedergelegt hat. schauplatz um über einen Monat verzögert wurde — eine Tatsache, an die im allgemeinen nicht gedacht wird. Seit den ersten September-Tagen, als der Kreuzer im Golf von Bengalen erschien, bis zu den Cocos-Jnseln waren seine Taten gekennzeichnet durch Wagemut und Unternehmungslust, so daß nach seinem Untergang die „Times" schrieb, er hätte Eigenschaften gezeigt, die an ein Volk mit der Marine-Ueberlieferung Englands erinnerten. Dieses Lob ist zwar echt englisch-überheblich, zeigt aber, wie „Emden" von unserem Hauptgegner zur See eingeschätzt wurde. Und in der Tat; die glänzenden Leistungen des Schiffs wurden unter den schwierigsten Verhältnissen erzielt. Abgeschnitten von jeder Unterstützung und mit der sicheren Aussicht, seinem Schicksal auf die Dauer nicht entgehen zu können, hat Kapitän von Müller einen ehrenvollen Kampf geführt. In den letzten Wochen mußte das Schiff gewissermaßen von der Hand in den Mund leben, es nährte sich buchstäblich aus dem Ozean. Alles für das Leben des Schiffes Notwendige, besonders Brennstoff, wurde aus den Prisen herausgeholt und oft unter schwierigsten seemännischen Verhältnissen an Bord genommen. Es war gewiß ein rauhes Recht,, und doch konnte man dem Schiff keine Handlung von Roheit ober Gewalttätigkeit nachsagen. Im Gegenteil: die Kapitäne und Mannschaften der genommenen Schiffe rühmten Kapitän Müllers Zuvorkommenheit und seinen Edelmut. Von der gegnerischen Presse ist dies auch größtenteils anerkannt. So schrieb z. B. die „Times" bald nach der Vernichtung: „Wir sind erfreut, daß der Kreuzer „Emden" jetzt endlich vernichtet worden ist, aber wir begrüßen Kapitän von Müller als einen tapferen und ritterlichen Gegner. Wir vertrauen darauf, daß fein Leben gerettet worden ist; denn sollte er nach London kommen, würden wir ihm ein hochherziges Willkommen bereiten. Unsere seemännische Rasse weiß einen wagemutigen und erfolgreichen Seemann zu bewundern, und es gibt wenige Vorfälle in der neueren Seekriegsgeschichte, die bemerkenswerter wären als die glänzende Laufbahn der kleinen ,Emdens" — Leider entsprach die Behandlung des Kapitäns von Müller seitens der englischen Behörden nicht dieser ritterlichen Auffassung der „Times": er wurde bei seiner Ueberführung nach England und dort selbst in einer Weise behandelt, wie dies einem kriegs- „Go endete eine liebe." Festvorstellung im Lichtspielhaus. Das ist noch gar nicht so lange her: eines Tages kommt eine junge Schauspielerin von Wien nach Deutschland, niemand kennt ihren Namen, sie spielt, in ziemlich beträchtlichen zeitlichen Abständen, zwei große Rollen: die Rose Bernd auf der Bühne in Berlin, bann bie Leopolbine Dur in bem Film „Maskerabe": bieser Film wirb, mit Recht, ein internationaler Erfolg, bie zuvor namenlose junge Dame aus Wien steht auf einmal in ber ersten Reihe ber beutschen Schauspielerinnen, unb ihr Name ist in aller Munbe: Paula Wessely. Ihr zweiter Film heißt: „So enbete eine Liebe." Gestern Abenb fanb im Lichtspielhaus in einer Festvorstellung bie Erstaufführung statt, unb bas große Haus war, wenn wir recht gesehen haben, so gut wie ausverkauft. * Ein historischer Film. Die Handlung ist einfach: wenn man es recht verstehen will, die alte, in vielen Varianten abgewandelte Volksweise „Es waren zwei Königskinder", diesmal im Empirekostüm, vor welthistorischen Hintergründen. Der Film schildert, wie bie junge habsburgische Erzherzogin Mane Louise vom Schicksal ober von ber Staatsräson bazu ausersehen wirb, bie Nachfolgerin ber Josephine Beauharnais unb bie Zweite Gemahlin pes Kaisers Napoleon zu werben. Der Kaiser wünscht einen Erben unb erzwingt bie Lösung seiner ersten Ehe, weil Josephine nach menschlicher Vorau^icht ihm unb Frankreich keinen Thronfolger wirb schenken können. Die Wahl fällt auf bie junge österreichische Prinzessin. Sie ahnt nicht, wozu sie aus- erseben ist; Kaiser Franz sträubt sich bagegen, well er ihr versprochen hat, sie solle nach ihrem Herzen wählen bürfen; aber Metternich, ber bie Geschicke Habsburgs in seinen Hänben hält, erkennt: ber Antrag aus Paris ist keine Brautwerbung, sondern ein Ultimatum. Er betraut den jungen Herzog Franz von Modena mit ber Mission, Marie Louise auf ben Thron von Frankreich vorzubereiten. Die Begegnung ber beiben enbet aber ganz anbers: aus einer jugenblidjen Tänbelei vor Jahren in Schönbrunn ist beim ersten Wiebersehen eine große Liebe geworben. Der Herzog reift, ohne von ber Geliebten Abschieb zu nehmen, er vermag ihr nicht zu sagen, was sie boch in ein paar Tagen erfahren muß, zurück nach Wien unb broht mit einem Skandal- aber ber alternbe Kaiser ist zu schwach, unb Metternich hat inzwischen alle Vorbereitungen ge= troffen- es gelingt ihm auch, Marie Louise von ber Notwenbigkeit bes Verzichtes zu überzeugen: sie opfert bas1 Glück ihres Herzens bem Wohl ihres reich. kleibung, bas tatioe Kulisse. zu sagen ist. In ber Einfachheit unb Natürlichkeit dieser Darstellung beruht wohl hier wie in ber „Maskerabe" ber entscheibenbe Einbruck; unb hier wie bort ist es eine Einzelheit, eine Kleinigkeit, ein Tonfall, ein Blick, eine Wenbung bes Kopfes, bie bas Ganze unvergeßlich macht. Laubes. Nach einer letzten schmerzlichen Begegnung I gar nichts Strahlenbes ober Musikalisches hat, son- mit Franz non Madena schreitet sie in Wien zum > d-rn immer verhalten, em wenig gedeckt und ver- Altar - zur Trauung mit dem Kaiser van Frank- chle.er b.tat.t unb doch all - -u-druckt was Den Partner ber Wessely gibt Willy Forst; er spielt ben Herzog von Mobena, unb man hat bar* aus aufmerksam gemacht, baß bies seine erste seriöse Rolle sei. Man kannte ihn aus vielen Lustspielen unb Operetten als scharmanten Bonvivant, bis er alle Welt mit ber großartigen Inszenierung ber „Maskerabe" überraschte. Nun ist er ins Ensemble zurückgekehrt, mit einer nicht einmal besonbers dankbaren Aufgabe; er löst sie mit Takt, in guter Hal- tung, unb man kann wohl nichts Besseres barüber sagen als bies, baß es ihm gelang, bie Erinnerung an sein altes Fach nahezu völlig zu verwischen. Grünbgens als Metternich. Es ist immer wieder eine Freube, biefen Schauspieler zu sehen, ber in allen Sätteln gerecht ist, — er hat es bewiesen — unb bem boch jebe seiner Rollen auf ben Leib geschrieben zu sein scheint. Ob ber wirkliche Metternich so aussah, ist fraglich — aber er spielt Den Metternich dieses Films glänzenb. Man kann ihn auch nicnt mit bem Metternich aus bem „Kongreß" vergleichen, ben ein anberer auf feine Weise spielte. Grünbgens gibt einen Diplomaten von Format, überlegen, ruhig, unerschütterlich, bes Erfolges vollkommen gewiß. Jedes Wort fitzt, jede Bewegung ist beherrscht. Und trotz aller unburchbringlichen, kühlen Gelassenheit spürt man in einer kleinen Szene auch ben wärmeren Ton echten Gefühls. Franz Her ter ich spielt sehr einleuchtend ben Kaiser Franz, Erna M o r e n a bie unglückliche Josephine, Jürgensen knapp unb bestimmt ben Talleyranb, unb Gustav Wa 1 bau (nicht Tiebtke, wie es irrtümlich im Programm heißt) einen brol- ligen Wiener Hofrat. * Dazu gab es ein festliches Beiprogramm. Der Musikmg ber Stanbarte 116 fanb mit zwei schwung- voll gespielten Stücken unter ber tüchtigen Leitung von Musikzugführer Herrmann großen Bei all. Ferner ein klangschön roiebergegebener Opernfilm ber Comebia: „Rigoletto", von ben Berliner Philharmonikern gespielt, bie bekanntesten Partien ita- lienstch Angern Außerbem bie bekannte Werbung für bie Winterhilfe, eine aktuelle Tonwoche unb em Vorspann zu bem Ufafilm „Der junge Baron Neuhaus." i.. "T* Wie weit bie in ihren Umrissen historisch beglaubigte Fabel in allen Einzelheiten ber Filmgestaltung mit ber geschichtlichen Wirklichkeit uber- einstimmt, mag bahingestellt bleiben; es ist auch nicht säuberlich belangvoll. (Ueberraschenb wirkt, nebenbei bemerkt, bas berühmte Zitat aus „Don Carlos" in Talleyranbs Brief an Metternich; aber es macht sich zum minbesten auch in biesem Zusammenhang nicht übel.) Wesentlich bleibt unb im Grunbe entscheibenb für bie Bewertung bes Films ber menschliche Fall, bie sehr traurig enbenbe Geschichte einer jungen Liebe. Das Historische gibt, vom Beschauer aus gesehen, am Enbe nur bie Em- tleibung, bas anmutige Kostüm unb bie reprasen- Karl Hartl schrieb bas Buch unb führte Regie. Es wäre wohl nicht gerecht, seine Leistung an per Inszenierung jenes anberen Films zu messen, ber zu Anfang erwähnt würbe, unb an ben man — um ber Wessely willen — mehrfach erinnert wirb, obwohl sich, abgesehen von ber weiblichen Hauptrolle, keinerlei Berührungspunkte unb brauchbare Dergleichsmöglichkeiten ergeben. Was ber Regisseur Hartl zu leisten vermag, wirb man am besten nach ber filmisch ausgezeichnet geformten kleinen Szene beurteilen, bie man „Erinnerung an Schönbrunn" überschreiben könnte, unb bie auf eine ebenso un- aufbrinqliche wie mit optischen Mitteln überzeugenbe Weise Zeit unb Raum überbrückt, bie Verbinbung zur Vorgeschichte herstellt unb bie psychologischen Voraussetzungen schafft zur ferneren Entwicklung ... in einer sehr reizvollen, zugleich bilbhaften unb stimmungsreichen Spiegelung. (Man kann es nicht näher beschreiben, sonbern muß es selbst auf sich wirken lassen.) Was ber eigentlichen Hanblung an Aktivität mangelt, ersetzt bie Spielführung durch kultivierten Dialog, repräsentatives Bild (wie die pompöse Trauung zum Schluß) und durch bie zarte Stimmung ber kurzen Liebesszenen in Ungarn. * Im Mittelpunkt ber Darstellung bie Marie Louise ber Paula Wessely. Eine bezaubernbe Leistung auch ba noch, wo sie ben großen Einbruck ihrer ersten Filmrolle nicht völlig erreicht; aber es ist ber Wesensunterschieb beiber Rollen zu bebenfen. Man kann sich ber Unmittelbarfeit bieser Darstellung so wenig entziehen wie man sie begrünben kann; vielleicht ist es bie merfroürbige, nicht einmal physto- gnomisch befonbers betonte Ähnlichkeit nut tuoie Höflich. Vielleicht ist es der Klang ber Stimme, Die Zeitschriften. — Im Oktoberheft ber Politischen Monatshefte „Volk u n b R e i ch" (Herausgeber Friebrich Heiß, Berlin; Volk-unb-Reich-Verlag) schreibt Arpab Török über „Ungarn zwischen Italien unb bem Deutschen Reich". Der Aussatz „Die österreichische Frage unb bie Mächte" gibt eine ausgezeichnete Schilberung, worin bas Interesse besonbers Frankreichs unb Italiens an ber österreicvifchen „Unabhängigkeit" be- grünbet liegt, unb wie stark bie Führerrolle Italiens in ber antideutschen Oesterreichpolitik bes Auslandes heute ist. — In sechs Aufsätzen werden die durch den Ostpaktvorschlag Frankreichs aktuell gewordenen Probleme des Nahen Ostens behandelt. Der Gauleiter und Oberpräsident Erich Koch schildert „Ostpreußens politische Brückenlage"; temperamentvoll zeichnet Walter Sturm die polnische Reichsidee und begründet bie Notwendigkeit einer beutsch-polnischen Zusammenarbeit. Aufsätze über bie wehrpolitische Lage Litauens, bie außenpolitischen Tenbenzen bieses Lanbes sowie bie beutsche Mitwirkung bei ber Entstehung bes heutigen litauischen Staates vervollstan- bigen bas Bilb. Hochschulnachrichten. Der o. Professor Dr. Hans Otto b e Boor an ber Universität Greifswalb ist zum Drbinarius für Bürgerliches Recht unb Zivilprozeßrecht an ber Universität Marburg ernannt worben. Privatbozent Dr. Hans G 1 u n z von ber Univer- ität Köln ist mit ber Uebernahme ber Professur ür englische Sprache an ber Universität Frank- urt beauftragt worben. Er wirb seine Lehrtätigkeit in ben nächsten Tagen beginnen. Der Abteilungsvorsteher unb Prosektor im Anatomischen Institut ber Universität Frankfurt, Prof. Dr. Rich. Wagner ist auf Grunb bes § 6 des Gesetzes zur Wieberherstellung des Berufsbeamtentums in ben Ruhestanb versetzt worben. Dr.-Jng. Ernst August Cornelius in Ber- lin ist zum Drbinarius in ber Fakultät für Maschinenwesen an ber Technischen Hochschule Berlin- Charlottenburg ernannt worden. Der ao. Professor Dr. Rudolf Mond an der Universität Kiel ist zum Drbinarius für Physiologie an ber Universität Hamburg ernannt worben. Der ao. Professor Stephan Lösch ist zum Drbinarius für Neues Testament in ber katholisch-theologischen Fakultät ber Universität Tübingen ernannt worben. Wirtschaft Kirche und Schule Am Sonntag von und seine zahllosen anderen Schriften schrieb. Sechs Handschriften Luthers in getreuer Nachbildung liegen dabei. — Die Ausstellung ist sehr geschickt zusammengestellt und bietet bei ihrer Beschränkung auf die vorhan» denen Bibeln unseres Ortes eine beachtliche Fülle. Sonntag, 4. November, wurde sie eröffnet und rund 180 Personen besucht. Pfarrer C h r i - vember 1932) den Winter über durchhalten zu können, wobei die kürzlich erfolgte Hereinnahme eines größeren Spezialauftrages aus dem Ausland eine nicht unwesentliche Hilfe bedeutet. 3m laufenden Jahre sind Treuinvestierungen an Gebäuden, Maschinen, Werkzeugen usw. im Betrage von etwa 11 Millionen Reichsmark vorgesehen. Ein beträchtlicher Teil der Aufträge gelangt während der Wintermonate zur Ausführung. Zwecks schnellerer Belieferung des off- und mitteldeutschen Marktes wird in Magdeburg in Anlehnung an die Werksfiliale ein großes Erfahteile-Depots errichtet. Die getroffenen Maßnahmen, insbesondere die Durchhaltung der Belegschaft und das große In- vestierungsprogramm legen Zeugnis ab von der Zuversicht und dem Vertrauen der Geschäftsleitung auf eine weitere gesunde Entwicklung der deutschen Wirtschaft. Briefkasten der Redaktion. (Rcchtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) Ein Steinberger Einwohner. Anonyme Einsendungen werden nicht berücksichtigt. Der Wirtschastsauftrieb bei Opel Großzügige Arbeitsbeschaffung. Etwas Interesse zeigte sich für einzelne Stadtanleihen und Industrie-Obligationen, wobei aber die Kurse keine Veränderung aufwiesen. Von ftemden Werten waren Mexikaner etwas beachtet. U. a. notierten: Altbesitzanleihe 103,90, 6 v. H. Stahlverein-Bonds 79,90, 6 v. H. Voigt & Huftier 83,75, 5 v. H. Fürstenberg-Obl. 92, 6 v. H. IG. Farben-Bonds 119,25, 6 v. H. Stadt Mainz von 1928 84,13, 6 v. H. Stadt Mannheim von 1926 90, 4 v.H. Goldmexikaner 9, 4,5 v.H. Irrigation 9, 5 v.H. innere Mexikaner 5,15, 4 v.H. Rumänen 4,05, Reichsbank 141,50, Buderus 84,50, Gelsenkirchen 58,25, Mannesmann 73,65, Rheinstahl 88,25, Stahlverein 38,50, AKU. 58,75, AEG. 26,50 bis 26,25, Bekula 140, Conti Gummi 133, Scheideanstalt 209, Deutsche Linoleum 60,40, IG. Farben 138,50, Ge - fürel 107, Goldschmidt 89, Holzmann 74, Zung- hans 60,25, Lahmeyer 117,75, Westdeutsche Kau - Hof 30,50, Zellstoff Waldhof 45,40, Reichsbahn-Vor- zugsaktien 113,50, Hapag 26,75. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 8. Nov. Auftrieb: 12 Rinder (gegen 35 am letzten Donnerstagmarkt), davon 8 Ochsen, 2 Bullen, 1 Kuh und 1 Färse. Zum Schlachthof direkt 3 Bullen, 4 Kühe, 819 Kälber (700), 280 Schafe (317), 385 Schweine (410). No- tiert wurde pro 1 Zentner Lebendgewicht in Mark: Kälber a) 52 bis 56, b) 44 bis 51, c) 39 bis 43, d) 30 bis 38; Lämmer und Hämmel b2) Weide- mafthämmel 36 bis 37, c) mittlere 32 bis 35, d) geringere Lämmer und Hämmel 25 bis 31; Schafe e) beste 31 bis 33, f) mittlere 26 bis 30, g) geringe 20 bis 25; Schweine al) 53, a2) 52 bis 53 b) 51 bis 53, c) 49 bis 53, d) 48 bis 51. Im Preisvergleich zum letzten Donnerstagmarkt blieben Kälber und Schweine unverändert, geringe Schafe waren etwas höher, geringe Hämmel etwas niedriger. Marktverlauf: Kälber mittelmäßig, ausverkauft. Hämmel und Schafe ruhig, Ueberftand (11 Schafe). Schweine mittelmäßig, ausverkauft. Großhandelspreise für Fleisch und für Fettwaren. Beschickung: 1234 Viertel Rindfleisch, 214% ganze Kälber, 42 ganze Hämmel, 755 Schweinehälften. Preise pro 50 Kilogramm in Mark: Ochsenfleisch b) 58 bis 62; Bullenfleisch b) 54 bis 56; Kuhfleisch b) 42 bis 48, c) 28 bis 38; Färsenfleisch b) 58 bis 62; Kalbfleisch c) 66 bis 72, d) 58 bis 64; Hammelfleisch b) 70 bis 75; Schweinefleisch b) 72 bis 75; roher Speck unter 7 Zentimeter 80 bis 83; Flomen 90. Marktverkauf lebhaft. Schweinemarkt in Vuhbach. pb. Butzbach, 8. Nov. Auf dem heutigen Schweinemarkt waren 344 Ferkel aufgetrieben. Es wurden bezahlt für Ferkel bis zu sechs Wochen alt 9 bis 11 Mark, von sechs bis acht Wochen 11 bis 14 Mark, von acht bis dreizehn Wochen 14 bis 18 Mark. Der Handel war rege, es verblieb geringer Ueberftand. Bibelausstellung in Sambach. o Gambach, 7. Nov. Das Reforma- tionsfest wurde hier in der üblichen Weise begangen durch einen Festgottesdienst, in dem der Posaunenchor mitwirkte. Zur Feier des Bibeljubiläums hat unser Ortsgeistlicher, Pfarrer Chri- st i a n, eine Bibelausstellung veranstaltet. Die unter den Leitgedanken steht: 1. Die Freude über die Bibel, 2. Die Not zur Bibel. Unter dem ersten Gedanken ist eine stattliche Anzahl alter Bibeln zu sehen, die aus den Familien des Ortes, sowie aus Oberhörgern zusammengetragen, einen recht guten Ueberblick über die ersten Bibeldrucke gibt. Es liegen Bibeln aus dem 16., 17. und 18. Jahrhundert vor. Vertreter waren in Abbildungen die vorreformatorischen Drucke (Gutenberg- druck), sowie eine originalgetreue Nachbildung des Titelblattes, sowie der ersten Seite der Lutherbibel von 1534. Die ganze Entwicklung im Bibeldruck bis auf den heutigen Tag zeigt diese erste Abteilung unter dem Gedanken: unsere Freude über die Bibel. Die Bibel der Stuttgarter Bibelgesellschaft, allen voran die Rudolf Schäfer-Bibel, fand größte Beachtung und freudige Käufer. Es ist noch zu erwähnen, daß Urtextbibeln und Übertragungen in fremde Sprachen in reicher Auswahl vorliegen und Dem Beschauer einen kleinen Einblick in die gewaltigen Uebersetzungsarbeiten vermitteln. Unter dem zweiten Gedanken: die Not zur Bibel, liegen Bücher und sonstige Hilfsmittel aus, wie Andachtsbücher, Lesetafeln, Kunst und christliches Buch, Kalender usw., die alle zur Bibel Hinweisen und mithelfen können, daß die Menschen die Bibel wieder öffnen. In einer besonderen Abteilung fällt der Blick des Besuchers auf die Totenmasre Luthers, die auf Veranlassung von Justus Jonas dem toten Reformator auf dem Totenbette abgenommen wurde. Darunter lag seine rechte Hand, die Werkhand Luthers, mit der er feine Bibelübersetzung In der gestern in Rüsselsheim unter dem Vorsitz des Herrn Geheimrat Dr. W. von Opel stattge- fundenen Aufsichtsratssitzung derAdam- O p e l - A - G. wurde u. a. bekanntgegeben: Während der ersten zehn Wonafe des laufenden Jahres gesialfefe sich der Absatz im Inland wie im Ausland sehr befriedigend. Bereits am 6. Juli 1934 war im Inlands- Geschäft der Opelabsah des ganzen Jahres 1933 erreicht. Der Opel -Export erreichte den 1933er-Absah am 29. Oktober dieses Jahres. Insgesamt haben seit Jahresbeginn 65 000 Opel-Personen- und -Lastwagen das Rüsselsheimer Werk verlassen. Die Gesaml-Opel-Pro- duktion für 1934 dürfte etwa 74 000 Wagen betragen. Die Geschäftsleitung glaubt, die derzeitige Belegschaft von 17 518 Werksangehörigen (gegenüber 9995 Ende November 1933 bzw. 6442 Ende No- Stand der Wintersaaten Anfang November. Von den amtlichen Saatenstandsberichterstattern wird allgemein über einen günstigen Stand der Wintersaaten berichtet. Das warme, sonnige Herbst- weiter, in Verbindung mit ausreichenden Nieder- schlagen, hatte eine gute Bestellungsarbelt ermog- licht, so daß die Saaten gleichmäßig aufhefen und sich kräftig entwickelten. Dor allem in Süddeutsch- land und den westlichen preußischen Provinzen wird der Saatenstand sehr gut beurteilt, wahrend die Verhältnisse in den ostelbischen Gebieten teilweise nicht so günstig liegen. Aber auch hier ist der Saaten- stand besser als im Vorjahre. Das Grünland hat sich von der Trockenheit des Sommers weiterhin gut erholt, die günstige Entwicklung der Stoppelfrüchte erleichtert die Futterversorgung. Unter Zugrunde- legung der Zahlennoten 2: gut, 3: mittel, 4: gering, ergeben sich im Reichsdurchschnitt folgende Begut- achiungsziffern: Winterroggen 2,4 (Vorjahr 2,6), Winterweizen 2,5 (2,7), Winterspelz 2,3 (2,4), Wintergerste 2,4 (2,5). Frankfurter Börse. Willagsbürse: uneinheitlich. Frankfurt a. M., 8. Nov. Da auch für die heutige Börse von der Privatkundschast Aufträge wieder nahezu fehlten, hielt die Zurückhaltung der letzten Tage an. Auch die Kulisse zeigte infolgedessen kaum Neigung zu Eigengeschästen. Infolge der Geschäftsstille blieb eine ganze Anzahl von günstigen Jndustrieberichten wieder fast ohne Wirkung, gegenüber der meist festeren Abendbörse war die Kursgestaltung ziemlich uneinheitlich. In Farbenindustrie, die gestern abend bei lebhaftem Geschäft bis auf 140 o. H. befestigt waren, kam wieder Angebot heraus, das den Kurs zunächst auf 139,65 und später bis auf 139,25 drückte. Deutsche Erdöl gingen um 1 v. H. zurück. Am Elektromarkt waren von Tarifwerten Bekula um 1,25 v. H. und Gesfürel um 1 v. H. schwächer, während Lahmeyer und Mainkraft je 0,50 v.H. anzogen. Etwas fester lagen außerdem Siemens mit plus 1,50 o. H. und AEG. mit plus 0,65 v. H. Der Montanmarkt verkehrte überwiegend in etwas schwächerer Haltung, die Rückgänge betrugen zumeist von 0,25 bis 0,75 v. H. Auch Mannesmann blieben trotz des günstigen Berichtes über die Geschäftslage mit 74,75 (75) kaum behauptet. Weiter erholt waren Ilse Genuß mit plus 1,40 v. H., auch Laurahütte lagen 0,50 v. H. freundlicher. Von Zellstoffaktien waren Waldhof um 1,50 v. H. schwächer, dagegen Aschaffenburger etwa 1 v. H. fester. Höher eröffneten ferner Reichsbankanteile mit plus 1,50 v. H., Deutsche Linoleum mit plus 1 v. H. und Gebr. Junghans auf den Gewinnabschluß mit plus 0,50 v.H. Schifffahrtsaktien, Daimler Motoren und Westdeutsche Kaufhof lagen knapp behauptet. Am Rentenmarkt war die Umsatztätigkeit ebenfalls klein, nur Altbesitz (— 0,13 v. H.) waren zeitweise etwas lebhafter. Kommunal - Umschuldung, Zinsvergütungsscheine, späte Reichsschuldbuchforderungen und Reichsmark - Obligationen lagen zwar ruhig, aber voll behauptet. Von Auslandsrenten zogen Anatolier etwas an. In der zweiten Börsenstunde war die Haltung für Aktien zumeist schwächer. So gaben Farbenindustrie bis auf 138,50 nach, ferner büßten Reichsbank 1,25 v. H., Deutsche Erdöl nochmals 1,13 v. H. ein, und auch die übrigen Papiere bröckelten infolge der Geschäftsstille überwiegend um 0,25 bis 0,50 o. H. ab. Recht matt lagen noch Holzmann (— 1,65 d. H.) und am Kunstseidemarkt Bemberg (— 1,25 o. H.). Etwas höher notierten nur Akkumulatoren mit plus 2,25 v. H. und Rheinische Braunkohlen mit plus 0,50 v. H. Am Rentenmarkt waren Altbesitz bei lebhafterem Geschäft zunächst bis auf 104,25 (103,75) befestigt, gaben aber später wieder auf 103,90 v. H. nach. Auch die übrigen variablen Anleihen gingen nach vorübergehender Befestigung wieder zurück. Am Pfandbriefmarkt hielten sich Angebot und Nachfrage etwa die Waage und die Kurse lagen ziemlich unverändert, vereinzelt auch etwas höher. Staats- und Stadtanleihen wiesen nur geringfügige Abweichungen auf. Der Auslandsrentenmarkt lag im ganzen sehr ruhig. Im Freiverkehr lagen Gulden-Russen mit 1,20 etwas schwächer. Tagesgeld blieb zu 3,25 v. H. unverändert. Abendbörse: sehr still. Im Abendbörsenverkehr herrschte außerordentliche Geschästsstille, die Haltung war ausgesprochen lustlos und die Kurse blieben im Vergleich zu dem schon ermäßigten Berliner Schluß meist nur knapp gehalten. Etwas fester lagen Gebr. Junghans mit plus 1,25 v.H. Am Rentenmarkt waren Altbesitz bei kleinem Umsatz um 0,25 v. H. freundlicher, die übrigen variablen Anleihen lagen sehr ruhig und unverändert. gefangenen Offizier von deutscher Seite niemals zuteil geworden ist. Das Wrack der alten „Emden" liegt noch heute in fernen Tropenmeeren als ein Wahrzeichen deutscher Pflichterfüllung bis zum Ende. Eine reue „Emden" ist nach dem Kriege entstanden. Sie wird gerade jetzt wieder hinausziehen, um für das An- sthen des Dritten Reiches zu werben. Ihr in aller Welt bekannter Name wird ihr dabei ebenso helfen, wie die uns schon selbstoerstündliche mustergültige Haltung ihrer Besatzung. Möge das stolze Schiff weiterhin die Tradition eines Kreuzers pflegen, der durch feine Taten einstmals in aller Munde war und dessen Name ebenso wie der feines Kommandanten mit unauslöschlichen Lettern in das Buch der Seekriegsgeschichte eingetragen ist. Büchertisch. — Der hessische Bauer im Kampf um Acker und Hof, so lautet der Titel einer verbilligten, aber im übrigen unveränderten Volksausgabe des hier bereits ausführlich gewürdigten Buches von Dr. Eugen S ch m a h l und Bauernführer Wilhelm Seipel-Fauerbach: „Die völkische Bauernbewegung in Hessen von der Böckel- zcit bis zum Nationalsozialismus und die Entwicklung der nationalsozialistischen Bauernbewegung tn Hessen". Dem mit einer Reihe hochinteressanter, zeitgenössischer Bilder ausgestatteten Buch hat der Reichsstatthalter in Hessen Gauleiter Sprenger ein Vorwort gewidmet, in dem er dieses literarische Denkmal für die Vorkämpfer der völkischen Erneuerung in Hessen warm begrüßt. Der Preis der ebenfalls im Verlag Emil Roth in Gießen erschienenen Volksausgabe beträgt 2,80 Mark. — (485) — — Handbuch der Deutschen Volks- künde. Herausgegeben von Dr. Wilhelm P e h - I e r, Direktor des Vaterländischen Museums, Hannover, mit über 800 Textbildern, Bilderbeilagen sowie zahlreichen Einschalttafeln. Preis pro Lieferung 1,80 RM. (Akadem. Verlagsgesellschaft Ache- naion, Potsdam). In den letzten hundert fahren hat, wie in der Musikgeschichte und in der Erdkunde, die Forschung auch in der Volkskunde einen gewaltigen Stoff neuester Kenntnisse zusammengebracht, auch neue Methoden und neue Maßstäbe angewandt. Diesen gewaltigen Stoff nun in der Form eines umfassenden Handbuches übersichtlich und verständlich zusammenzufassen, hat Dr. Wilhelm Peß- ler-Hannover übernommen, der feit drei Jahrzehnten mitten in der wissenschaftlichen Volkskundeforschung steht und als Direktor eines umfangreichen Heimat- und Volkskundemuseums auch ständig mit der praktischen Dolkstumspslege zu tun hat. Das Typische der zahlreichen Volksgüter wird in den soziologischen Rahmen des Gemeinschaftslebens, in den historischen der geschichtlichen Entwicklung und den geographischen der räumlichen Umwelt hineingestellt. Entsprechend dem lebhaften Gefühl der Verbundenheit zwischen Jnnendeutschtum und Auslandsdeutschtum ist der Gegenstand dieses Handbuchs der gesamte deutsche Volksboden. Es wird also das Auslandsdeutschtum besonders berücksichtigt, namentlich jene Bezirke, wo altes deutsches Volksleben sich besonders erhalten hat. Hinzu kommt eine in ihrer zweckoollen Auslese besonders wertvolle Bebilderung. Aus den zwei großen Unterteilen „Einführung in die deutsche Volkskunde" und „Le- bensäuherungen des deutschen Volkstums" liegen bisher die Beiträge „Volkskundliche Verkehrsmittel zu Wasser und zu Lande" von Prof. Dr. Walter Mitz'a-Marburg, „Volkskunst und Volksindustrie" von Dr. Oswald Ad. Erich-Potsdam und „Die Ta- tauierung" von Herbert Bellmann-Dresden abgeschlossen vor. Das Handbuch schreitet in rascher Folge vorwärts. Es wird bald den großen Leserkries haben, den es nach Inhalt und Ausstattung verdient. — HeinzTischer: „Tage mit Go 1 dohr". Trommler-Verlag, Magdeburg. Ganzleinen 3 RM. — (211) — Auf einem „lotosblumigen Havelsee" leben Lachmöven, Schwarzhalstaucher und Trauerseeschwalben. Don ihrer Schicksalsgemeinschaft erzählt der Verfasser in einem so vollen Tone, wie er nur jemandem in die Feder gehen kann, dessen Herz reich und offen genug ist, Erlebtes zu vertiefen. Auf Grund seines reichen Wissens um das Leben seiner Studienobjekte und unter Ueberminbung mancher schweren Mühen ist es Tischer gelungen, ohne Zuhilfenahme eines großen technischen Aufwandes Bilder auf die Platte zu bannen, von denen jedes einzelne in der großen Reihe ein köstliches Dokument ist. Blatt für Blatt bringen wir in die Geheimnisse bes Reiches raunenber Rohrwälber ein und erleben Leib, Lust und Tob seiner Bewohner so echt, daß wir gefesselt von Bilb zu Bild eilen, um vor jedem einzelnen von neuem entzückt stehenzubleiben. st i a n hielt eine fast zweistündige sehr interessante Führung. Im Laufe dieser Woche kamen die Schu- len der Umgebung. Sonntag, 11. November, ab 16 Uhr ist die Ausstellung nochmals geöffnet. Landkreis Gießen. c\3 Langsdorf, 8. Nov. Die 400-Jahr- feier der Bibelübersetzung wurde in unserer Gemeinde durch eine Abendfeier begangen, bei der die evangelische Jugend ein Schargespräch von O. Riethmüller „Sein Wort bleibt" sehr wirkungsvoll zur Darstellung brachte.— In einem Gemeindeabend berichtete der Pfarrer der deutsch» evangelischen Gemeinde in Triest von dem „Ausbruch und Kampf der evang. Glaubensbewegung im heutigen Oesterreich". Die zahlreiche Zuhörerschaft folgte dem sowohl von volksdeutschem, als auch vom evangelischen Gesichtspunkt aus bedeutsamen Ausführungen mit großer Aufmerksamkeit. Eine ansehnliche Tellersammlung wurde vom Kirchenoor- stand für eine neu entstandene evangelische Gemeinde in der Steiermark bestimmt. — Die Eheleute Christian Bausch III. und Dorothea, geb. Kneipp, begingen heute in großer Rüstigkeit und Frische ihre goldene Hochzeit. Beide entstammen sehr alten Familien unseres Dorfes, die nachweislich seit 400 Jahren hier ansässig sind. Der Jubilar ist 77 Jahre alt, seine Gattin steht im 71. Lebensjahre. Ihren jüngsten Sohn mußten sie dem Vaterland opfern. Propst Knodt ließ zu ihrer Jubelfeier ein künstlerisches Gedenkblatt überreichen. Die den Srannur: a. l)l. ■Öeriu Schlußkurs Schlußt. Abendbörse Schluß- lurs Schlußk. Mittag- börsc Datum 7.11. 8.11- 7-11. 8-11. 6% Deutsche Retchsanlethe v. 1927 96.13 96.13 96-4 96-5 6% et)em.7% Dt.ReichsanI.v. 1929 —— —— 6*4% Doung-Anleihe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablos.-Schuld mit 94-13 94.05 94-4 95 Auslos.-Rechten ............. 104 103.9 103-65 103.65 Desgl. ohne AuSloj.-Rechte...... 6% ehcm.8% Hess. Bolksstaat 1929 — — (rückzahlb. 102°/«,) ............ 6% Hess. Landesbank Darmstadt 95.75 95.9 95.75 95.9 Gold R. 12.................. 6Yi% Hess. Landes-Hypotheken- vank Darmstadt fiiqui......... Oberhessen Provinz-Anleihe mit 93 93 93 93 93 — — — . Auslos.-Rechte» ............. Deutsche Komm. Sammelabl. An- — — — — leihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten 6% ehern. 8% Franks. Hyp.-Bank 101 100-75 101-13 101.13 Goldpse. 15 unkündbar bis 1935 6% ehern. 7% Franks. Hyp.-Bank 92-75 92-75 — — Goldpse. 16 unkündbar bis 1936 6/2% ehern. 4*4% Franks. Hyp.- 92-75 92-65 92.75 — Bank-Liqu.-Psandbriese....... W/o ehern. 4yt% Rheinische 93-13 93 — — Hyp.-Bank-Ltau.-Goldpfe. ... 6% ehern. 8% Pr. Landespfand- 93-75 94 94 94 briesanstalt, Pfandbriefe R. 19 94-75 94-75 94-75 94.75 6% ebcm. 7% Pr. LandeSpsand- briesanstalt, Psandbriefe R. 10 kteuergutsch. Verrechnungskurs.. 102-3 102-25 102-3 102-25 *% Oesterretchische Goldrente.... 28.75 28.75 28-4 28.4 *,20% Oesterretchische Stlberrenie 1.3 1.25 •— 12 *% Ungarische Goldrente....... *% Ungarische StaatSrente v. 1910 7,75 7.75 7.8 7-75 7-5 7.5 7.6 7.5 4*4% desgl. von 1913.......... 7.35 7-25 7.35 5% abgest. Goldmexikaner von 99 12.65 12-9 13.13 12.9 *% Türkische Zollanleihe von 1911 *% Türkische Bagdabbahn-Anleihe — Serie l..................... 8 1 8 w Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. angeführten Ziffern geben Die Hohe Der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdtskont 4 v. H., Lombardzinsfuß 5 v.H. ;vrantiur u. JJl. Berlin Schlußkurs Schlußk. Abend« börse Schlußkurs Schlußk. Mittag- börse Datum 7.11- 8-11. 7.11. 8-11- 4% desgl. Serie II ........... 8 8 — 5% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 4-5 4.25 —— — 4*/,%RumSn.vereinh.Rentev.l913 6-75 6-8 7-13 7-05 4% Rumänische vercinh. Rente 4-05 4-05 4 4-05 2%% Anatolier ............. 33-5 33-75 33-75 33-75 Hamburg-Amerika-Paket ..... 0 27-5 26.75 27.65 27 Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 —* —— 24 24-75 Hansa-Dampfschiff........... 0 — — — — Norddeutscher Lloyd ......... 0 30 29 30 29 A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 78 78 77-13 77-75 Berliner Handelsgesellschaft ... 4 95-5 95-25 95.5 95-25 Commerz, und Privat-Bank... 0 68.5 68.75 68-25 68-75 Deutsche Bank und Disconto- Gesellschaft................ 0 71,5 71-5 71 71-5 Dresdner Bank.............. 0 72-75 73 72-75 72 Retchsbank ................ 12 141.75 141.5 141-75 141-5 A.E.G...................... 0 26-65 26-25 27 26-5 Bekula..................... 0 141-75 140 141 140 Elektt. Lieferungsgesellschaft... 6 100 99.5 99 99-5 Licht und Kraft ... 6 115.25 115 115 115 Felten L Guilleaume........ 0 73.5 73.5 74 739 Gesestsch.f.EIektr.Uiiternehmung. 6 Rheinische Elektrizität ........ 5 109-5 100 107 108-5 100 107-13 99 Schildert & do............... 5 93.5 92-75 93 92,75 Siemens L Halske............ 7 135-25 136,25 136-25 135-75 Lahmeyer & do............. 10 118 117-75 117.5 118 Buderus ................... 0 85.25 84-5 85.25 84 Deutsche Erdöl.............. 4 104 101-75 103 102 Gelsenkirchener.............. 0 60 58-25 60 68-4 Harpener................... Hoejch Eisen—Köln-Neuessea . 0 106,5 106 106-25 105-5 0 — — 75,75 75 Ilse Bergbau ............... 6 — -*• 146-25 146 Ilse Bergbau Genüsse........ Klöcknerwerke ............... 6 118.65 119-5 118-9 118-75 ( 73-65 72.65 73-4 72-25 ManneSmatm-Röbren........ 0 75 73-65 74-75 73.5 Franliurl a.M. Berlin Schluß« kurs Schluß!. Abend» börse Schluß» kurs Schlußk. Mittagbörse Datum 7-11. 8-11- 7-11- 8-11- Marisfelder Bergbau....... .. 0 77 77 76-75 77 Koköwerke................ .. 0 94 93 Phönix Bergbau........... .. 0 47 45-75 46-75 46-13 Rheinische Braunkohlen .... . 10 213-5 214 213 215-5 Rheinstahl............... .. 0 89 88.25 89 88-75 Vereinigte Stahlwerke..... Otavi Minen ............ .. 0 39,75 38.5 39-75 38-65 .. 0 12-25 12-25 12 12 Kaliwerke Aschersleben...... .. 5 110-4 111-65 111 111-5 Kaliwerke Westeregeln..... .. 5 111-5 112 111-9 Kaliwerke Salzdetfurth .... 7y, 149 146 150 146 I. G. Farben-Jndustrie.... .. 7 133-9 138-5 138-65 138-5 Scheideanstalt............ .. Ö 209 209 Goldschmidt ............. .. 0 90 89 90-25 89-5 RütgcrSwerke............ .. 0 38 38-25 95,5 95 Metallgesellschast.......... .. 0 84-5 84-5 83-5 Philipp Holzmann........ Zementwerk Heidelberg ... dementroed Karlstadt...... .. 0 77-25 74 77 74-25 ::ü 111 133 110-75 133 Schultheis Payenhofer .... i'ltu (Allgemeine Kunstseide) .. 0 .. 0 59-25 58-75 107-5 59-5 106-5 59 ... 0 —— 131 132-4 131 Zellstoff Waldbof......... Zellstoff Aschaffenburg .... ... 0 46,75 45-4 45-5 45-65 ... 0 64 64 64-75 63-25 Dessauer Gas ............ ... 7 — 119 118-5 Daimler Motoren......... ... 0 46-75 46 46-75 45-5 Deutsche Linoleum ........ ... 0 59 60-4 59 60-65 Lrenslein L Koppel....... ... 0 — — 88 87-25 Leonhard Tietz........... ... 0 31-25 30-5 31 30.65 ...10 216 216-5 216 216-5 Acrumulatoren-Fabrll..... ... 0 162 164,25 162-5 164-5 dontt-@ummt............ ... 0 132-75 133 132-9 — Grttzner................. ... 0 I 28-5 28.5 1 28-75 I 28-13 Mainkraftwerke Höchst a.M. ... 4 83 83-5 Süddeutscher Zucker...... ... 8 1 188-5 186-5 I 187 I 186,5 Devi enmarft Berlin — Frankfurt a.W. 7. November 8.November Amtliche Notierung Amtliche Notierung Seid | 25rief Geld Wv Buenos Atre>. 0-641 0-645 0-641 0-645 Brüssel..... 58-17 58-29 58,17 58,29 Rio de Jan. 0.204 0-206 0,204 0,206 Sofia...... 3-047 3-053 3,047 3,053 Kopenhagen. 55-58 55-70 55,55 55-67 Danzig..... 81-12 81-28 81,14 81,30 London ..... 12-45 12-48 12-44 12-41 HelsingsorS.. 5-495 5-505 5-495 5-505 Paris ...... 16-38 16-42 16-38 16,42 Holland .... 168.26 168-60 168-17 168-51 Italien..... 21-30 21-34 21-30 21-34 Japan ...... 0-729 0-731 0,727 0-729 Jugoslawien 5-694 5,706 5-694 5-706 Oslo..... : 62-55 62-67 62-51 62-63 48-95 49-05 48-95 49-05 Lissabon .... 11-30 ii .32 11-29 11-31 Stockholm... 64-20 64-32 64-15 64-27 Schweiz .... 80-96 81-12 81-02 81-18 Spanien.... 33-97 34-03 33,99 34-05 10.375 10,395 Budapest ... _ Neuyork... 2-490 2-494 2,488 2-492 Banknoten • SerlinN.November Geld Erter ___ Amerikanische Wüten...... 2,44 2,46 Belgische Noten.......... 57,91 58,15 Dänische Noten ......... 55,40 55,62 Englische Noten ......... 12,405 12,445 Französische Noten....... 16,34 16,40 Holländische Noten....... 167,75 168,43 Italienische Noten........ 21,08 21,16 Norwegische Noten ...... ....... 62,35 62,59 Deutsch Oesterreich, L 100 Schilling — Rumänische Noten....... —- — Schwedische Noten....... 63-98 64,24 Schweizer Noten......... 80,84 81,16 Spanische Noten......... 33-85 33-99 Ur. 265 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)Freitag, 6. November 1934 Seele der Gans umgeht, und finden ihren Nachhall in der etwas länger vorhaltenden Freude am Gänseschmalz. Das alles sind schöne Dinge, gewiß, aber sie sind nicht das wichtigste. Hauptsache nämlich ist, daß die Gans uns gestattet, wenigstens für eine winzige Weile und halb im Spiel, einen früheren Zustand der Menschenwelt wieder zu genießen: einen Zustand der Fülle, des Noch-nicht-Abge- messenwerdens, der Selbstversorgung, einen Zustand der Unabhängigkeit von all den ungezählten Faktoren, Gewerben, Zwischeninstanzen und Spezialisierungen, von denen wir eingeklammert sind. Schrei'bfedern, Daunen, Kinderklappern und derlei mehr, das sind gewiß nur kleine Arabesken und Lebensschnörkel. Aber das ist ja unser Schicksal, daß die Selbstverständlichkeiten von einst uns längst zu begleitenden Arabesken geworden sind. Literatur-Nobelpreis für pirandello. Die Schwedische Akademie in Stockholm hat den diesjährigen Nobelpreis für Literatur dem italienischen Dramatiker Luigi Pirandello zugesprochen. — Pirandello ist Sizilianer; er wurde am 28. Juni 1867 in Girgenti geboren und studierte in Rom und in Bonn, wo er zum Doktor promovierte, Literatur und Philosophie. In seiner Heimat- stadt lebte er lange als schlecht bezahlter Gymnasiallehrer; seine zahlreichen schriftstellerischen Arbeiten blieben in Italien so gut wie unbeachtet. Vor etwa zehn Jahren wurde Pirandello — schon an der Schwelle des Greisenalters — in Deutschland entdeckt; seine Stücke hatten überall großen Erfolg. Das Eigentümliche an diesen nicht immer leicht verständlichen Bühnenwerken war die für Pirandello charakteristische und vielfach abgewandelte Mischung von Phantasie, Ironie und Realismus. Das beste Beispiel dafür ist die Komödie „Sechs Personen suchen einen Autor", die übrigens vor einiger Zeit auch in Gießen gespielt wurde; von Pirandellos übrigen Dramen nennen wir noch „Heinrich IV.", „Diana und die Tuda" und „Die neue Kolonie". Außerdem schrieb Pirandello zahlreiche Novellen und mehrere große Romane, von denen bei uns in Deutschland „Einer, Keiner, Hunderttausend" und „Kurbeln" am bekanntesten wurden. Oie Reichsautobahn in Obecheffen. 63 Kilometer Linienführung zum Bau freigegeben. — Absteckung des Gtreckenverlaufs bis Bernsfeld (Kreis Alsfeld). Arbeitsprojekt für 2 bis 3 Lahre. (Eigener Bericht des Gießener Anzeigerts.) an der neuen Verkehrseinrichtung nach besten Kräf- holen. D. Red. und nur Heffen-Nassaus Winterhilfsparole Im Verlaufe der Arbeiten soll nicht etwa einzig Projektes bis in die letzten Details zu Papier ge- und allein die Zweckbestimmung der Autobahn um bracht werden. Mittlerweile geht am südlichen Teile, jeden Preis, selbst zum Nachteile des Landschafts- des Projekts, von Frankfurt her, die Arbeit auf der bildes ausschlaggebend sein. Es ist vielmehr ein sehr Strecke selbst schon vor sich. Der nächste Bauab-l maßgeblicher Gesichtspunkt, daß bei diesem Bau- weiteren gewissen Gange. Sobald die Absteckung bis Bernsfeld durchgeführt ist, folgt in den Baubüros die Ausarbeitung der genauen Planung, wobei die Einzelheiten des schnitt wird die Fortsetzung der Linie von Bernsfeld in Richtung Homberg, Alsfeld nach Hersfeld bringen. 63 km im ersten oberhefsischenAbschnitt. Oie Gestaltung der Autobahn. Der jetzt in Angriff genommene erste Bauabschnitt in Oberhessen, von der Landesgrenze im Süden her bis Bernsfeld, erstreckt sich über eine Entfernung von 63 Kilometer. Auf dieser Strecke werden im Zuge der Linie zahlreiche Ueber- oder Unterführungen erforderlich sein, da die gesamte Linie plankreuzungsfrei hergestellt, also das Niveau der jetzigen Straßen an keiner Stelle auf gleicher Höhe überquert wird. Die Autobahn wird an jedem Teil der Strecke 24 Meter breit werden. Davon entfallen auf beiden Seiten für je ein Seitenbankett je 2 Meter, anschließend folgt, nach innen zu, auf beiden Seiten je eine Fahrbahn von je 7,50 Meter Breite, in der Mitte der Strecke, als Trennung der Fahrbahnen, wird ein Grünstreifen von 5 Meter Breite verlaufen. Oie Durchführung der Bauarbeit. GPA. Frankfurt a. M., 8. Nov. Vor geladenen Gästen aus den verschiedensten Berufen der heimischen Bevölkerung, die Frankfurts größten Saal bis auf den letzten Platz füllten, sprach heute abend Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger über das Thema: „Solidarität Her deutschen Volksgemeinschaf t". Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger ging in seinen richtungweisenden Worten davon aus, daß die Arbeit der NS.-Volkswohlfahrt fo lange notwendig wäre, wie noch nicht erreicht sei, daß nationalsozialistisches handeln für jeden Volksgenossen Selbstverständlichkeit geworden wäre. Diesem hohen Ziel müssen natürlich Interessen des einzelnen Volksgenossen, auch wenn sie an sich berechtigt sind, untergeordnet werden. Diesen Gedanken aber' werden sich vor allem d i e Volksgenossen vor Augen halten müssen, von denen jetzt bei der geht hierbei um den Aufbau eines großen Stückes gedeihlicher deutscher Zukunft unter dem Gesichtswinkel des Nutzens für die große Dolksgesamtheit. unserer Obersten Führung, kein Volksgenosse in seinen Existenzgrundlagen geschädigt werden. Es ist vielmehr vorgesehen, daß in allen Gemeinden, deren Gemarkungen von der Führung der Reichsautobahn berührt werden, Landumlegungsverfahren in Gang gefetzt werden mit dem Ziele, das von den einzelnen Grundstücksbesitzern für den Bau hergegebene Land durch eine entsprechende Abzweigung von den Grundstücken der übrigen Volksgenossen derart auszugleichen, daß jeder landbesitzende Volksgenosse des Dorfes ein gewisses Opfer an Grund und Boden übernehmen muß und dennoch allen Beteiligten eine ausreichende Existenzgrundlage gesichert bleibt. Wie man uns erklärte, sind dahinzielende Maßnahmen in aller Kürze zu erwarten. Oberstes Ziel ist dabei, jedermann unter allen Umständen volle Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, damit kein einziger Volksgenosse etwa die Meinung haben kann, er allein sei als Leidtragender bei dem Bau dieses großen Verkehrsweges auf der Strecke geblieben. Es darf wohl erwartet werden, daß diese Gedankengänge und diese festen Vorsätze der maßgebenden Stellen überall wohlverdiente Würdigung finden, damit dem großzügigen Bauwerk keinerlei unnötige Hemmnisse in den Weg gestellt werden und der Verlauf des ganzen Unternehmens rasch und reibungslos vor sich geht. Den Nutzen aus einer derartigen großzügigen Behandlung des Gesamtprojekts werden alle Volksgenossen in Stadt und Land in irgendeiner Form genießen können. Im Anschluß an den Bau der Reichs- autobahn bei Frankfurt wird nunmehr der durch Oberhessen führende Bauabschnitt in Lagriff genommen. Wir nahmen gestern Gelegenheit, in einer Unterredung eines Mitglieds unserer Redaktion mit einem der leitenden Beamten der Obersten Bauleitung für Kraftfahrbahnen in Frankfurt am Main (Reichsbahndirektion) uns näheren Aufschluß über den derzeitigen Stand des Reichsautobahn-Bauprojekts in Oberhessen zu Reiche, der Gedanke einer weit ausgreifenden Arbeitsbeschaffung. Um diesen Gedanken beschleunigt und umfassend in die Tat umzusetzen und dadurch den Arbeitsmarkt auch schon für die nächste Zu- Er zeichnete in großen eindeutigen Zügen die Entwicklung der deutschen Sozialgesinnung von jener traurigen Wohlfahrtsfestlerei bis zur Winterhilfsaktion 1933, deren Vorbildlichkeit für alle Welt unbestritten feststehe. Jedoch auch in diesem Jahre seien hier und dort noch Dividenden ausgeschüttet worden, die in gar keinem Verhältnis stünden zu dem Opfergeist all derer, denen man seine Produktionsmöglichkeit überhaupt nur zu verdanken hätte. Hier seien die bekannten Worte des Führers rück- sichtslos zu beachten, um so mehr, als auch auf der andern Seite schon wieder hocherfreuliche Ergebnisse aus dem Rhein-Maingebiet vorliegen; beson- Zur Zeit wird eifrig an der Verwirklichung der er st en Etappe des Reichsautobahnprojekts von Frankfurt her durch Oberhessen in Richtung Alsfeld, Hersfeld gearbeitet. Die Beamten der OBK. (Oberste Bauleitung für Kraft- in kleineren Einzelheiten während der Bearbeitung des Projekts vielleicht einer Korrektur unterzogen werden könnte. Der Verlauf der Linie. werden. Sodann geht die Linie zwischen den Dörfern Ober-Mörlen und Nieder -Mörlen hindurch, östlich an Nieder-Weisel vorbei, ebenso östlich von Butzbach zwischen dieser Stadt und Griedel, an dessen Westrand dicht vorbei die Strecke führen wird. Von dort verläuft die Linie dicht am Westrand von G a m b a ch entlang, weiter zwischen Holzheim und Grün in gen auf der westlichen, Dorf-Gill auf der östlichen Seite durch den Ostzipfel des Dorf-Giller Markwaldes hindurch in Richtung Garbenteich, wo der neue Verkehrsweg unmittelbar südlich der Kreisabdeckerei vorbeiführen wird hinüber nach Steinbach, von dort an Albach vorbei, dicht östlich von Oppenrod vorüber am Fußö des Nonnenköppel entlang zur Provinzialstraße Gießen — Grünberg, die ungefähr zwischen der Ueber- sührung der Fuldaer Bahn im Busecker Tal und Reiskirchen überschnitten wird, weiter am Walbersberg entlang, so daß Winnerod östlich liegen bleibt. Von hier aus zieht die Linie in Richtung Geilshausen weiter, dieser Ort bleibt etwas nordwestlich liegen; am Laubachskopf vorbei geht der Linienverlauf nördlich von Lumda hin, zwischen Atzenhain und Weitershain am Südhang des Bilsberg entlang nach B e r n s f e l d. Bis hierher reicht der gegenwärtig freigegebene Bauabschnitt. Die Absteckungsarbeiten sind gegenwärtig zwischen A l b a ch und Oppenrod (Kreis Gießen) im Verwendung finden wird. Der Anschluß von Gießen. Da die Reichsautobahn sowohl im Südosten, wie auch im Osten unmittelbar an Gießen vorbeiführen wird, ist die Frage des Anschlusses unserer Stadt an diesen neuen Verkehrsweg naheliegend. Hier werden sich — wobei Gießen wohl die Wahl haben wird — zwei Möglichkeiten eröffnen: entweder der Anschluß bei Steinbach, oder die Zubringeranlage in der Nähe von Reiskirchen. Wo die Auf- und Abfahrtmöglichkeit von der Landstraße zur Autobahn bzw. umgekehrt am günstigsten gestaltet werden kann, läßt sich bei der heutigen Lage der Dinge noch nicht sagen. Die großen Gesichtspunkte. Die vom Führer und Reichskanzler Adolf Hitler, dem Schöpfer der Reichsautobahnen, bei der Eröffnung der ersten Teilstrecke Frankfurt—Mannheim betonten großen Gesichtspunkte des Reichsfahrbahnen in Frankfurt a. M.) nehmen gegenwärtig die Absteckung der Linienführung vor, die hierbei in der Hauptsache festgelegt wird u..t „Wer verdient, hat derer zu gedenken, die ihn wieder verdienen taffen.* Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger spricht in Frankfurt. funft zu entlasten, sollen die Arbeiten im südlichsten Teil des Abschnitts so rasch wie möglich in Angriff genommen und im Verlaufe des Winters etwa bis in die Gegend von Bad-Nauheim durchgeführt werden. Daran anschließend wird dann Zug um Zug der Beginn der Arbeiten nach Norden hin durch die Kreise Friedberg und Gießen hindurch bis Bernsfeld folgen. Wenn alles ohne Hemmungen so verläuft, wie man es sich wünscht, könnte vielleicht im Verlaufe des kommenden Frühsommers die Aufnahme der Arbeiten in unserer engeren Heimat erwartet werden. Da die Arbeiten für den südlichsten Teil schon vergeben sind, die Vorarbeiten für die weiteren Teile aber noch in den ersten Anfängen stecken, brauchen — wie uns ausdrücklich von der zuständigen Stelle erklärt wurde — Unternehmer und Lieferanten jetzt noch nicht zur Obersten Bauleitung zu gehen, da zunächst noch keine Arbeiten zu vergeben sind Also noch ein bißchen warten! Von besonderer Bedeutung ist, daß bei der Verwirklichung dieses Projekts natürlich der heimische Arbeitsmarkt und neben anderen Lieferanten auch die in der Bauzone oder in der nächsten Nachbarschaft gelegenen einschlägigen Betriebe (Steinbrüche u. dgl.) in weitestgehendem Ausmaß Beschäftigung bzw. Absak finden werden. Die Arbeiten werden zur Durchführung an Unternehmer vergeben, die Einstellung von Arbeitskräften erfolgt unter maßgeblicher Mitwirkung der Arbeitsdienststellen. Die OBK, (Oberste Bauleitung für Krastfahrbahnen) läßt die Arbeiten durch örtliche Bauabteilungen überwachen. Insgesamt dürfte der oberhessische Bauabschnitt bis Bernsfeld eine gute Arbeitsbeschaffung auf die Dauer von zwei bis drei Jahren bringen. Größte Hircksichtsnahme auf das Landsckastsbild ten zu fördern. Die Kosten. Einer der Hauptgefichtspunkte bei dem Bau des ersten oberhessischen Abschnittes ist, ebenso wie bei ' dem Bau der bisherigen Autobahnen im werk das Landschaftsbild in seiner Eigenart und; autobahn-Unternehmens sind natürlich auch für den Schönheit nach besten Kräften erhalten und ge-; Bau der oberhessischen Teilstrecke oberste Richtwahrt werden soll, ja, wo es möglich ist, will man ; schnür. Es handelt sich darum, ein auf Generativ» sogar durch zweckdienliche Maßnahmen darauf sehen, nen hinaus eingestelltes Werk zu schaffen, das sodaß das Bild der Landschaft von der Autobahn wohl verkehrspolitisch, wie auch wirtschaftlich von aus noch eine Verbesserung (Schaffung von hüb- gewaltiger Bedeutung sein wird. Neben diesen weit- ichen Durchblicken, Ausblicken usw. entsprechende; hin in die Zukunft weisenden großen Gesichtspunk- Baugestaltung) erfährt. Es liegt daher auch an ten kommt aber gegenwärtig auch der höchst be- allen Freunden des Landschaftsbildes, die Arbeit deutfame arbeitsmarktpolitische und wirtschaftsbe- an der neuen Verkehrseinrichtung nach besten Kräf- lebende Gedanke sehr maßgeblich in Betracht. Es Die Linie durch Oberhessen schließt im Süden an die Reichsautobahnstrecke bei Frankfurt an. ; oem Sie geht von dort aus zwischen Sossenheim und Rödelheim nach N i e d e r u r s e l, wo sie über eine große Talbrücke führen wird. Dann verläuft sie zwischen Ober-Eschbach und Nieder- Eschbach nach Seulberg — Holzhausen — Köppern —Ober-Rosbach (Kreis Friedberg). Don dort aus geht die Strecke auf den Waldhöhen westlich von Ockstadt und westlich von Bad-Nauheim entlang, wobei sich reizvolle Ausblicke in die herrliche Landschaft ergeben Wenn man sich die Länge der Strecke von 63 Kilometer vergegenwärtigt und dabei im Auge behält, daß. die Bauarbeiten ja nicht nur das flache Gelände in Anspruch nehmen, sondern auch Unter» und Ueberführungen in ziemlicher Zahl erforder- Dor Taigen gauen munen, uun uenen jtgi uei üblich sein werden, wenn man ferner bedenkt, daß Absteckung der Linie die Hergabe von Ackerland schon ein Kilometer Landstrabenbau annähernd । oder Wald für das Bauunternehmen gefordert wird. 70 bis 80 000 RM. kostet, für die Gestaltung der ] Dabei soll aber, nach dem ausdrücklichen Willen Reichsautobahn in der projektierten Form aber noch *' " ‘ rr- ? * viel größerer Materialaufwand aller Art erforderlich ist, so ergibt sich von selbst, daß die Kosten des ersten Abschnitts der oberhessischen Strecke heute schon auf manche Millionen Mark veranschlagt werden können Hiernach dürfte wohl jedermann die große wirtschaftliche Bedeutung dieses Projekts eindringlich vor Augen stehen. Dabei ist noch besonders zu beachten, daß zu dem Bau nur Material des deutschen Bodens und der deutschen Erzeugung Lob dem Martinsvogel. Von Werner Bergengruen GOS. Das Jahr des Großstädters hat viel von seinem natürlichen Rhythmus verloren. (Der Tag hat es auch, seit es Bogenlampen gibt.) Zum Ersatz hat es einen neuen Rhythmus erhalten, seine Meilensteine sind Ausverkauf im August, Beginn und Ende der Theatersaison, Weihnachtsgeschäft, Inventurausverkauf im Januar, sommerliche Urlaubszeit; an die Stelle der vier astronomischen Jahreszeitanfänge sind die vier Termine zur Zahlung der Einkommensteuer getreten. Die salomonische Weisheit, daß jedes Ding seine Zeit hat, gilt nicht mehr in allem. Der Berliner Fasching hört keineswegs am Aschermittwoch auf, sondern erstreckt sich weit in die Fastenzeit. Aber da er ja kein richtiger Karneval ist, sondern ein von allen Entstehungswurzeln abgelöstes Ding des Vergnügungsgewerbes, so mag es damit seine Richtigkeit haben. Im Sommer werden Schlittschuhmeisterschaften m geschloßenen Räumen ausgetragen, im Winter wird m Hallen um die Wette geschwommen. Premieren gibt es das ganze Jahr über. Nur die Krebse halten sich^ vorläufig noch wenigstens mit leidlicher Zuverlassigkell an ihre R=Iofen Monate, wofür sie es sich freilich gefallen lassen müssen, als Rückschrittssymbole an- geprangert zu werden. , .. Zu den freundlichsten Hütern des Jahresrhythmus gehört die Gans. Auch die fortschreitendste Zivilisation hat es nicht hindern können, daß junge Gänse im Frühjahr am wohlsten tun, während die fetten Mastgänse im Spätherbst ihre große Zeit haben. Dies trifft sich prächtig, denn gerade wenn Nässe und Kälte anrücken, ist ds heizende Fett des Gänsebratens am willkommensten. In meinem Elternhause war es nicht üblich, daß vor Martini eine Gans auf den Tisch kam. Dies gab dem Martinstag die Würde einer Zensur. Mein Vater hat mir oft erzählt, wie dieser Tag in seiner Kinheit begangen wurde. Nach dem Gänsebraten ging meine Großmutter mit allen Kindern vor eine verschlossene Tür. Sie sangen: „Martin ist ein guter Mann, dem man nichts vergelten kann. Laß uns nicht so lange stehn, wir müssen ja noch weiter gehn. Schöne Stadt, Rosenblatt, Holde Jungfrau, schenk uns wat!" Jungfrau mein vollbärtiger Großvater dastand, in den Händen eine große Schüssel mit Aepfeln, Nüssen Ich liebe es, wenn die Daunen von den Deckfedern der Brust entblößt und gepflückt werden. Ich freue mich im Gedanken an das weiche Kissen, obwohl die Erfahrung mich gelehrt hat, daß die sorgfältig aufbewahrten Daunen unauffindbar sind, wenn es an die Herstellung des Kissens gehen soll. Alle Kiele beschlagnahme ich. Es läßt sich auch heute noch unterhaltsam mit ihnen schreiben, namentlich wenn man für eilige Falle eine Maschine hat. Man muß sie nur richtig spalten und beschneiden hierzu eignen sich ausrangierte Rasierklingen; (es empfiehlt sich, sie möglichst frühzeitig auszu- ranqieren). Der Schädel ist das gegebene Objekt für einen erwachenden Naturforschertrieb: als Quartaner habe ich mit Begeisterung einen Gänse- fchädel präpariert und ihn nachher im Tausch gegen einen Karl-May-Band veräußert; zu spät entdeckte ich, daß ihm achtzehn Seiten fehlten, die ich heute für die wichtigsten des Buches zu halten geneigt bm Die Speiseröhre wiederum gibt eine prächtige Kleinkinderklapper: ein paar Erbsen kommen hinein dann wird das dünnere Ende in das dickere qeftecft- wer will, kann darin ein Ewigkeitssymbol erblicken, vergleichbar der Schlange, die in den eigenen Schwanz beißt. Die Schmausetage sind nicht ewig, aber ihre Zeit währen sie Sie beginnen mit den Innerlichkeiten und dem Gänseklein, setzen sich fort mit dem Braten halten Abschiedsfeier mit dem gefüllten Ganse- hal's, endigen mit der Suppe, in der nur noch tue und Rosinen. Geflügel kam in mein Elternhaus nur in lebendigem Zustand. Dies verlangte Anna, unsere Köchin. Allen den Kennzeichen, an denen man die Frische einer Gans zu erkennen meint, etwa daß die Ränder der Schlachtwunde noch nicht eingesunken sind und der Schnabel noch unverfärbt ist, mißtraute sie gegenüber dem einen: der eigenhändig vorgenom- menen Schlachtung. Gute, alte, dicke Anna! Du konntest weder lesen noch schreiben, aber dein Handwerk verstandest du besser, als hättest du alle Kochbücher der Welt und dazu die ganze moderne Literatur über Rationalismus des Haushalts durchstudiert. Du konntest Schnaps trinken wie ein Kosakenwachtmeister und dann zum Herzbrechen schluchzen über deinen treulosen Jndrik, der dich vor dreißig Jahren verlassen hatte. Weiß Gott, ich habe mit dir gemeint, mit dir um Jndrik gelitten. Gute Anna, ich habe viel Liebe von dir erfahren, und der Abschied wurde mir schwer Man ließ es noch hingehen, als du im vierzehnten Dienstjahr meiner Mutter erklärtest, im Zweispänner auf den Düna-Markt fahren zu wollen. Aber als du Sitz und Stimme usurpieren wolltest in einem Familienrat, der sich mit der Zukunft eines durch alle Examina fallenden Vetters befaßte, da wurdest du, als zu mächtig geworden, entlassen; entlassen unter Tränen. Gute Anna, mir warst du nie zu mächtig. Von dem Augenblick an, da Anna mit der Gans vom Düna-Markt heimkam, waren alle Schwerpunkte verrückt. Nicht nur Anna und die große, düstere Küche, nein, Familie und Haus, alles schien mir nur um der Gans willen dazusein. Ich habe diese Atmosphäre der Gans geliebt, obwohl ich gleich den meisten Kindern eine Abneigung gegen das fette Gänsefleisch hatte, und ich liebe sie noch heute. Darum bin ich um ihre möglichste Vollständigkeit besorgt. Was das fachmännische Idiom als „ff. ausgeschlachtete Gänse-Artikel" anrühmt, darf mir nicht über die Schwelle. Daß die Gans nicht lebend kommt, dies mag noch hingehen; aber sie sei unangetastet, will heißen: ungerupft. Denn es soll mir ja ein Tier mit all seiner Fülle ins iHaus, nicht ein bloßes Lebensmittel. Dazu wurde mit den Fäusten gegen die Tür ge-1 Als Kind liebte ich das Rückertsche Gedicht vom donnert, bis sie sich endlich öffnete und als holde Männlein m der Gans. Darum mußte ich Anna ■ -..... ~ r -i beim Ausnehmen zuschauen, das war unerläßlich. Ich wußte ja, es war nicht denkbar, daß dabei ein Männlein, und gar noch ein lebendes im blauen Röckchen, zum Vorschein kam; zugleich jedoch war ich von der Hoffnung erfüllt, es könne sich einmal dennoch ereignen. Selbst diese geringe Chance spricht auch heute noch gegen den Ankaufs ff. ausgeschlachteter Gänse-Ärtikel. Das Rupfen und Sengen, das Abreiben mit warmem Kleiewasser, das Ablösen des Fettes, das kunstgerechte Ausnehmen und „Dressieren", — jede einzelne dieser Verrichtungen will nicht erledigt, sondern zelebriert werden, und ich nehme gern Anteil an diesen Zele- brationen. Sie erlauben mir die Illusion, ich sei ein „Hausvater", der es versteht, Braten zu tranchieren, Uhren aufzuziehen, Brotlaibe anzuschneiden und für die Seinen zu sorgen. Aufruf an die Gießener Bevölkerung anläßlich des Gedenktages am 9. November. Am Freitag, 9.7!ov., findet um 19 llhr auf dem Landgraf-Philipp-Plah eine Gedenkfeier für unsere gefallenen Kameraden statt. Es wird der Kreisleiter, pg. Kl oster mann, die Gedenkrede hatten. Oie Gießener Bevölkerung wird zu dieser Feier eingeladen. Oie Gliederungen der Bewegung nehmen geschlossen daran teil und treten bis spätestens 18.55 llhr auf dem Landgras-Philipp-Plah an. Wir fordern auch den ASBIB. (Stahl- Helm) sowie die Vereinigung der Krieger-Vereine aus, an der Gedenkfeier geschlossen teilzunehmen. Oie Kundgebung ist gegen 20 llhr beendet. Weiterhin wird die Gießener Bevölkerung aufgefordert, am Freitag auf Halbmast zu flaggen. Heil Hitler! Kreisleitung Gießen der NSDAP. gez. Klostermann ders auf dem Lande, wo Bauerntum, könne dies festgestellt werden. „wir sehen auch alle die auf die Aechtungsliste des deutschen Volkes, die statt guter Taten und wirklicher Opfer nichts als fromme Worte und billige Almosen haben. Wer sich dieser in Stadt und Land bewiesenen Opferfreudigkeit entzieht, den werden wir auch der Oeffentlichkeit prels- geben!" kündigte der Gauleiter an und erinnerte an die unvergleichlich höheren Opfer jener, an die wir alljährlich, ganz besonders am 9. November denken. Nur wenn jeder Deutsche im Gei st e der bedingungslosen Hilfsbereitschaft spende, so wie ihn jene Blutzeugen als Apostel der nationalsozialistischen Bewegung bewiesen hätten, nur dann verbleibe jedem Volksgenossen berechtigter Anteil am Aufstieg des Volkes, wie der Führer ja erklärt habe, dah wir alles, was wir für andere tun. letzten Endes für uns tun. So müsse das Volk zum Fundament eines auf lange Zukunft fest untermauerten Deutschen Reiches werden. Aus der Provinzialhauptstadt. In den Winter. Der Farbenrausch des Herbstes ist verblaßt, eine andere, stillere Weise schwingt jetzt durch die Natur. Hat es einen Sinn, ihr zu lauschen? Was mag da draußen jetzt vorgehen, wo doch schon die letzten Kartoffeln eingebracht sind, vor Tagen und Wochen die Feuer auf allen Feldern flammten und die Luft weithin erfüllt war von dem säuerlichen Gerüche des verbrannten Krautes? Wo der Bauer schon Pflug und Egge in den Schuppen gestellt hat, daß sie von der Herbstarbeit ausruhen sollen? Jetzt, so meinen manche, fangen die langweiligen, regnerischen Wochen an, in denen man ein Recht darauf hat, daheim zu sitzen und Trübsal zu blasen und die dumme, häßliche Uebergangszeit zu schelten. Uebergangszeit — das ist kein tatenloses Dahm- bämmern, fein müßiges Warten auf das, was kommen soll. Uebergangszeit — das ist em stilles, emsiges Schaffen, ein Vorbereiten, ein Klären. Da scheidet sich das Allzuvergängliche von dem, was des Lebens wahrer Träger ist. Herbst bedeutet ja nicht den Tod, und wenn wir auch mit unseren menschlichen Augen nur wenig hinter die Geschehnisse der Natur sehen können, so wissen wir doch, daß das Leben fortbauert Über den Winter hinweg. Es kapselt sich gleichsam nur ein, es zieht sich nur zusammen auf kleinsten Raum. Was einst in Stiel und Blatt und Blütenkelch pulsierte, ist jetzt ein- gedrängt in ein winziges Samenkorn, und was prächtige, stolze Pflanzen zum hohen Wachstum trieb, schlummert jetzt unsichtbar im Wurzelstock unter dem Boden. Es ist, als habe sich im Frühjahr eine große Hand aufgetan, die sich jetzt wieder schließt. Ich meine, wir sollten den November nicht nur als den traurigsten Monat, als den Regenbringer und stürmischen Gesellen ansehen. Er hat so viele stille und nachdenkliche Stunden und verborgene Schönheiten. Gehen wir doch in diesen Wochen einmal hinaus, gegen Abend, in der Schummerstunde. Groß und weit sind die Linien der Felder gezeichnet. In sanftem Wellenschwung steigen und fallen sie bis zum Horizont, und mit ihnen hebt und senkt sich blasses Wintergrün, von der Dämmerung bläulich eingeschattet — die erste Saat. Kleine, unendlich zarte Hälmchen sind aufgegangen, und tief neigt sich der grauverhangene Novemberhimmel herab, als fei er schon schwer von Schnee und wolle die schwachen Pflänzchen einhüllen in eine warme Decke. Dieses Sichneigen und Umschließen, dieses Zudecken und Einschlafen, stimmt das wirklich so trübsinnig? Wir dürfen uns nicht bange machen, nicht niederdrücken lassen, denn wir brauchen alle geistigen und ßNMAU Vornan von Klothilde v. Stegmann. 11 Fortsetzung. Nachdruck verboten! Der hatte eine Art, mit den Arbeitern und Handwerkern umzugehen, wie eine Frau sie niemals aufbrachte. Schon beim ersten Rundgang durch das Kavalierhäuschen wußte er Bescheid. Edelgard hatte ihm die Möbel bezeichnet, die mit übernommen werden sollten. Schon waren die Wände ausgemessen. Schon hatte man berechnet, wie alles am vorteilhaftesten und behaglichsten Platz fände. Gleich darauf waren schon die Ziehleute gekommen und trugen die Sachen herüber. „Am besten, es geht alles sehr rasch, gnädiges Fräulein", sagte Studczynski. „Das Scheiden tut am wenigsten weh, je weniger man darüber nachdenkt. Je schneller Sie drüben eingerichtet sind, um so schneller finden Sie sich in dem neuen Dasein zurecht." Und wirklich, zum Nachdenken blieb Edelgard keine Zeit. Ueberall um sie herum klopfte und hämmerte es schon, rückte man die Möbel, polterten die Arbeiter. Die alte Marie lief weinend umher. Aber der alte Wilhelm faßte resolut zu. wo er nur konnte. Und Studczynski war immer mitten drin. Ueberall hörte man seine etwas scharfe, dunkle Stimme, antreiben und befehlen. Edelgard selbst hatte alle Hände voll zu tun: Schränke aufzuräumen, Sachen in Koffer zu packen, drüben im Kavalierhäuschen den Ziehleuten Bescheid zu geben. Sie staunte über sich selbst. Nun es soweit war, wurde ihr der Abschied gar nicht so furchtbar schwer. Das große schloßähnliche Haus — es war doch sehr ungemütlich und einsam für sie und die Mutter gewesen. Das Kavalierhäuschen war hell und heiter. Es hatte sechs Zimmer, nicht übermäßig groß, aber sehr behaglich. Man konnte hier leben, besser als drüben, wo aus allen Ecken die Sorge sah. Es machte ihr beinahe Freude, alles recht schön und zierlich einzurichten. Das Zimmer der Mutter mit den alten schönen Mahagonimöbeln, dem kleinen runden Nähtischchen mit den geschweiften Füßen auf dem Erker. Als alles fertig war, die Blumen auf der Fensterbank des Erkers standen, die lichten Gardinen angesteckt waren, sah es wirklich traulich aus. Ihr Zimmer hatte sie sich neben dem Wohnzimmer der Mutter eingerichtet. Die. hellen Kirschbaummöbel leuchteten vor der lichtblauen Tapete. Beide Zimmer lagen im Hochparterre des kleinen Hauses. An sie schlossen sich noch ein Eßzimmer und ein kleiner Salon. In der gut ausgebauten Mansarde lagen zwei behagliche Schlafzimmer, mit dem Blick auf Part seelischen Kräfte, um auch über diesen schweren Winter hinwegzukommen. Karl Mayer f. Im 92. Lebensjahre ist am vorigen Sonntag der Postsekretär i. R. Karl Mayer zu Gießen verstorben. Der Heimgegangene, ein alter Soldat und Krieger, ein von glühender Liebe und Begeisterung für sein deutsches Volk und Vaterland erfüllter Mann, hat feine Kräfte, solange sein Gesundheitszustand es ihm ermöglichte, stets gerne in den Dienst des Vaterlandes, insbesondere in der Sache der Kriegervereine gestellt. Karl Mayer war am 25. Oktober 1843 in Traben an der Mosel geboren und widmete sich nach dem Besuch des Gymnasiums xu Trarbach der Postbeamtenlaufbahn. Am 1. Oktober 1866 trat er als Einjährig-Freiwilliger in das Rheinische Feldartille- rie-Regiment Nr. 8 in Koblenz ein, mit dem er an der Schlacht bei Königgrätz teilnahm. Im Jahre 1868 kam er als Postbeamter nach Gießen, wo er sich für den Rest seines Lebens seßhaft machte. Der hiesige Kriegerverein wurde von ihm lange Jahre als Vorsitzender geführt, ferner war er viele Jahre lang Vorstandsmitglied der Kriegerkameradfchaft Hafsia. Seit 1899 war er Ehrenvorsitzender des Kriegervereins Gießen und des Hafsia - Bezirks. Ferner widmete er sich eifrig den Bestrebungen des Evangelischen Bundes. Der allezeit liebenswürdige und gefällige Mann genoß in unserer Stadt und darüber hinaus in weiten Kreisen größte Wertschätzung, die ihm bis an sein Lebensende erhalten blieb und oft auch bekundet wurde. Das Andenken an den Verewigten wird hier in Ehren fortleben. Oie „prominenten". Unter dieser Überschrift schreibt A. P e tz o l d in den Mitteilungen des Deutschen Sprachvereins folgendes: Berliner Zeitungen berichteten über „die Prominenten im Zoo" und über eine Ausstellung unter der Überschrift „Die Prominenten vom Geflügelhof". Da zum Geflügel auch die Enten gehören, mußte ich mir die Prominenten einmal ansehen. Bisher kannte ich außer den Wild- und den dazu gehörigen Zeitungsenten nur unsere zahmen Hausenten und einige ausländische. Dagegen war mir von den Prominenten noch keine begegnet. Das mußte doch eine Neuheit allerersten Ranges fein. und See; durch einen kleinen Zwischenkörridor getrennt kamen dann zwei Zimmerchen für Marie und Wilhelm. Wilhelm sollte zunächst mit herüberziehen, bis der neue Besitzer der Villa Dönitz weiter bestimmte. Kaum waren die letzten Möbel in das Kavalierhäuschen hinübergetragen, da rückten in der Villa Dönitz schon Kolonnen von Handwerkern an, um alles für den neuen Eigentümer zu richten. „Wie wird alles dort drüben werden?" dachte Edelgard. „Wer mochte der neue Herr sein?" Aber sie mochte Studczynski nicht danach fragen, denn ein wenig weh war ihr doch zumute, daß ein Fremder mit Geld hatte kaufen können, was durch Generationen hindurch alter Familienbesitz gewesen war. Eine schwere Stunde gab es noch, als Edelgard die Mutter aus dem Stift abholte und in ihr neues Heim führte. Als sie an dem Hausportal der Villa vorbei und auf einem Seitenwege über die kleine Brücke der Insel und dem Kavalierhäuschen zuschritten, bracht die Mutter auf einmal in Tränen aus. „Weine nicht, Mütterchen!" bat Edelgard. „Man soll nicht mit Tränen in ein neues Haus ziehen. Sieh, wir haben es doch noch besser als taufend andere. Wir können zunächst auf dem heimatlichen Grund und Boden bleiben, und vielleicht für immer. Denke daran, wie es anderen Menschen geht, die alles verlieren und nicht wissen, wohin sie sollen. Schau dir unser Heim nur er ft an. Ich bin sicher, es wird dir gefallen. Mir zuliebe, versuche dich in das Neue zu finden." Da hatte Frau von Dönitz sich bezwungen: Edelgard zuliebe wollte sie den Schmerz bekämpfen, ob- roohl es bitter schwer war. Mit welcher Liebe hatte Joachim dies Haus einst aufgebaut! Wieviel Tränen von Glück und Seligkeit waren mit diesem Hause verbunden? Und sie selbst, wie hatten sie sich auf die Schwiegertochter gefreut! Das Eheglück des Sohnes aus nächster Nähe mitzuerleben, vielleicht bald ein junges Kinderlachen durch den Park zu hören. Ach, wie hatte auch sie sich die Zukunft so sonnig geträumt! Nun wurde dieses Haus ihre Zuflucht im Alter. Mann und Sohn waren ihr genommen. Sie war allein mit Edelgard. Und niemand wußte, was das Schicksal noch in Bereitschaft hatte. Aber um Edelgards willen mußte sie sich bezwingen. Das Kind war so tapfer. Es konnte von ihr wenigstens Fassung verlangen. „Wirklich, schön habt ihr das gemacht, mein Liebling", sagte sie, als sie in das Haus trat. Es war Abend. Alle Zimmer waren behaglich durchwärmt. Marie hatte sämtliche elektrischen Lampen eingeschaltet. „Ach, mein Wohnzimmer", sagte Frau von Dönitz erfreut. „Genau wie drüben." „Ja, Mütterchen, wir haben alles so gestellt, wie es gewesen ist." Also ging ich zunächst in die Geflügelausstellung und dann in den Zoo. Prominenten sah ich aber nirgends. An einem großen Teiche im Zoo fragte ich schließlich etwas schüchtern einen Mann, der anscheinend ein hervorragendes Verständnis für die Sache hatte. Von ihm wurde ich in den Großen Saal verwiesen, wo sie sich auf der höchsten Höhe befänden. Kopfschüttelnd dachte ich: Enten steigen doch nie auf die Höhe; vielleicht hat er Hühner gemeint. Bald wurde ich aber belehrt, daß es sich weder um Hühner noch um Enten handele, sondern um hervorragende Leute wie Künstler und dergleichen. Ich beschloß, abends in den Großen Saal zu gehen, um die Prominenten aus eigener Anschauung kennenzulernen. Ich hatte einmal von einer „Prominenten-Nacht" gelesen, und „Nacht muß es sein, wo Friedlands Sterne strahlen", so hatte Wallenstein gesagt. Bescheiden setzte ich mich auf einen der hintersten Plätze. Der Saal war voll von Prominenten aller Arten. Die vordersten Plätze waren den Prominenten eingeräumt, im Saale wogten die Prominenten promenierend durcheinander und gingen umher wie brüllende Löwen oder prominier- ten auf der höchsten Warte. Nach einem von prominentesten Sängern umrahmten Dortrage eines prominenten Redners unter dem Vorsitze Seiner Prominenz entstand eine längere Aussprache. Die In den b e ft e n Köpfen hausenden Geister platzten aufeinander, denn nichts halb zu tun ist edler Geister Art; Geistesfunken blitzten, große Kanonen donnerten. Wenn solche Köpfe feiern, wieviel Verlust für meinen Staat!, so heißt es schon im Don Carlos. Don dem, was die Prominenten sagten und taten, evrstand ich zwar nicht alles, namentlich berührte mich die Leitung des musikalischen Teils etwas eigentümlich. Da kam wie gerufen mein Gewährsmann, der sich gleichfalls unter den Spitzen befand, auf mich zu und sagte lächelnd: Ja, von einem gewissen Grade der Prominenz an haben unsere großen Dirigenten das Abece anscheinend wieder vergessen. Ich befand mich ge- wijsermaßen in einer gedrückten oder „deprimierten" Lage im Gegensatz zum Hotel de l'Europe in Baden-Baden, das sich in einem Empfehlungsschreiben feiner primlnenten (so!) Lage rühmte. Da dachte ich: Warum nennt man die Prominenten nicht auf gut deutsch die Hervorragenden, Spitzen, Sterne, Besten, besten Köpfe, Geister? Freilich, prominent ist viel prominenter; es ist, wie Ludwig Finckh sagt, evident eminent prominent. Semester-Eröffnung. Auf Anordnung der Reichsführung des National« sozialistischen Deutschen Studentenbundes wurde gestern morgen zwischen 9 und 10 Uhr ein Gemeinschaftsempfang der Übertragung der feierlichen Semestereröffnung durch die Reichsführung des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes für alle Studierenden durchgeführt. Die Uebertragung fand in sämtlichen Räumen des Gießener (Stuben- tenhauses statt. Anläßlich der feierlichen Eröffnung des Wintersemesters 1934/35 sprach im großen $ör- saal der Technischen Hochschule in München ber Amtsleiter des Amtes „Nationalsozialistischer Deutscher Studentenbund" in der obersten Leitung der PO. Pg. Derichsweiler, lieber die „Freiheit der Wissenschaft" sprach dann Reichsleiter Pg. Rosenberg. Nach Beendigung der Uebertragung richtete der Kameradschaftsführer der Universität Gießen, Pg. Gerhard Pallmann, noch einen kurzen Appell an die versammelten Dozenten und Studenten. Die Morgenkundgebung fand ihren Abschluß mit einem dreifachen „Sieg-Heil" auf den Führer und Kanzler und dem Horst-Wefsel-Lied. Beichsbunb Volkstum und Heimat. Der Goethe-Bund gewährt unseren Mitgliedern dieselben Eintrittsvergünstigungen wie den Verbandsmitgliedern. Karten zu 1,50 Mark für den Wüllner-Abend am Sonntag, 11. d. M., 20 Uhr, in der Neuen Aula, sind gegen Vorzeigen der Beitragsquittung des RVH., die als Ausweis gilt, bei Challier zu haben. Der Abschluß der Buch-Werbewoche. Aus Anlaß des Abschlusses ber „Woche des deutschen Buches" findet — wie man uns schreibt — am Sonntag, 11. November, um 11 Uhr Platzmusik des Musikkorps unserer Garnison unter Leitung von Obermustkmeister Krauß e am Stadttheater mit folgendem Programm statt: 1. Deutsch in Ewigkeit die Saar! Marsch Otter 2. Ouvertüre zur Operette „Das Modell" Supp6 3. Großer Kriegsmarsch und Schlachen- hymne aus der Oper „Rienzi^ Wagner 4. Immer oder Nimmer! Walzer Waldteufel 5. Jagd-Fantasie! Prager Am Sonntag ist zum letzten Male Gelegenheit geboten, die Buchausstellung im Wandelgang des Stadttheaters zu besichtigen, da die Ausstellung am Montag wieder abgebrochen wird. Erfolge oberhessischer Geflügelzüchter aufderGüddeutschenIunggeflügelschau Auf ber 20. Süddeutschen Junggeflügelschau, die in der Zeit vom 1. bis 4. November in der Lud- wigshalle zu Würzburg abgehalten worden war, hatten auch einige Züchter aus unserer Provinz ihre Tiere zur Schau gestellt und dabei trotz außerordentlich starker Konkurrenz von vielen tausend Tieren, namhafte Preise erzielt. Es erhielten: Wilhelm Heß-Echzell für einen Hellen Wyandot- tenhahn die Note sehr gut mit einem Zuschlags- preis, derselbe für zwei Helle Wyandottenhennen die Note sehr gut mit einem Ehrenpreis und gut; Wilhelm Nern-Pohlgöns für rebhuhnfarbigen Wyandottenhahn sehr gut I; August Gutmann-Vilbel für schwarzen Zwergwyandotten- Hahn sehr gut I und sehr gut I mit Zuschlagspreis, für Hennen sehr gut II und sehr gut I mit einem Ehrenpreis; August Lenz-Klein-Linden für Zwergrhodeländerhähne sehr gut mit Ehrenpreis, sehr gut II mit Zuschlagspreis und für Henne sehr gut; August Seibert-Wieseck für Zwergrhode- länderhahn gut, für Hennen sehr gut und gut; Heinrich Ruhl-Garbenteich für rotscheckige Neuenglische Zwergkämpferhähne sehr gut I, sehr gut II und für Henne sehr gut mit Ehrenpreis; Johann Volk-Alten st adt für goldfarbige beut» sche Zwerg-Hennen sehr gut mit Ehrenpreis, zwei- mal gut; Georg Hofmann-Eckartshausen für weiße Deutsche Zwerghennen sehr gut I und gut; Heinrich Rödiger-Eckartshausen für Edelgard umfaßte die Mutter zärtlich und führte sie durch den Raum. „Und siehst du, hier nebenan bin ich. Nachts lassen wir die Türen auf. Das wird gemütlich sein. Und nun komm weiter! Siehst du hier das Eßzimmer. Marie hat schon den Tee ge- oracht. Komm, Mütterchen! Mit Gottes Hilfe werden wir hier sorgloser und Die^eidjt ein wenig glücklich fein." Innig umfaßte sie die Mutter. In ihren jungen Augen stand so viel Liebe und Glauben, daß Frau von Dönitz sich ihres Kleinmuts schämte. Wer ein solches Kind besah, der war in allem Kummer doch noch reich zu nennen. * Der erste Besucher, den Frau von Dönitz in ihrem Hause empfing, war Studczynski. Mit einem herrlichen Strauß kostbarer Chrysanthemen ließ er sich gleich am nächsten Vormittag melden. „Wie aufmerksam! Ich lasse bitten!" Frau von Dönitz war ganz große, liebenswürdige Weltdame, als sie jetzt Studczynski bewillkommnete. „Ich wollte mich doch nach dem Befinden der Damen erkundigen, und ob alles einigermaßen nach Wunsch hier ist — aber Sie haben es wirklich entzückend, gnädigste Frau!" Er ließ seine Blicke durch den Salon schweifen. Ueberall standen Blumen und grüne Pflanzen. „Wilhelm hat sie uns noch aus dem Gewächshaus mitgenommen — er sagte, er hätte Sie, als den Bevollmächttgten des neuen Besitzers, um Erlaubnis gefragt", warf Edelgard schnell ein, „sonst hätten wir es natürlich nicht gewagt; denn nun gehört uns doch auch das Gewächshaus nicht mehr." „Jawohl, gnädiges Fräulein, der alte Wilhelm hat ordnungsgemäß bei mir angefragt, und ich habe ihm die Erlaubnis nur zu gern erteilt. Ich bin ja nicht so wie —" Er brach ab, sprach schnell von etwas anderem, Aber Edelgard hatte verstanden. Der neue Besitzer, er war sicher ein sehr eigentümlicher, um nicht zu sagen kleinlicher Mensch. Nun, es hätte des leisen Hin- weises Studczynskis neulich nicht bedurft, sie würde ihm schon aus dem Wege gehen. Es war der letzte Morgen des verlängerten Urlaubs. Edelgard schlenderte von ihrem neuen Heim her über die Brücke und war schon im Begriff, den Weg durch die Allee zum Bahnhof zu nehmen. Sie wollte ein paar kleine Besorgungen in der (Staut machen. Sie kam an dem weit geöfneten Portal der Villa vorüber. Gerade rollte ein großes Lastauto aus dem Vorhof, ein paar Handwerker und Arbeiter gingen dem Eingang zu, Hämmern und Klopfen tönte, und dazwischen klang die scheltende Stimme des Poliers. „Wie es babrinnen jetzt wohl ausschauen mag", dachte Edelgard. Am Ende würde sie ihr Elternhaus gar nicht mehr erkennen. Ob sie einmal hin- einschaute? Ein wenig neugierig nJar sie ja doch wie ber neue Herr es sich eingerichtet hatte. 3nx/1 Studczynski hatte erzählt, daß man sich jetzt auf das Allernötigste an Veränderungen beschränkt hätte — die großen baulichen Veränderungen sollten erst im kommenden Sommer beginnen, wenn der neue Besitzer wieder für ein paar Monate ins Ausland ginge. Edelgard zögerte einen Augenblick; aber dann ging sie entschlossen durch die Halle. Hier war nicht viel verändert. Die alten Geweihe, die alten Kronleuchter aus Hirschgestüngen hatte man hängen lassen — nur die Fenster waren vergrößert und mit kostbaren Glasmalereien geschmückt. Ueberall standen noch Möbel herum, Handwerksgerät lag auf ber Erde, Bretter lehnten in den Ecken — kurzum, es war ein greuliches Durcheinander. Edelgard ging neugierig und doch etwas befangen durch das Getümmel. Hier und da mußte sie ein paar Arbeitern ausweichen, die mit Lasten aus einem der oberen Zimmer herunterkamen. Man grüßte sie freundlich; die meisten kannten sie. „Na, Fräulein, da jehn Sie man in den ersten Stock; da werden Sie Ihr blaues Wunder erleben — da sieht's heute ganz anders aus", sagte ber Polier. Wirklich, er hatte recht — hier oben sah es ganz anders aus. Da, wo bas Schlafzimmer der Mutter gewesen, war ein großer Raum entstanden, mit Linoleum belegt, und merkwürdige Haken waren oben in die Ecke gestemmt. „Det soll een Gymnastikraum werden", rief einer der Handwerker im Vorübergehen, „was so die feinen Herren for Sorgen haben. Wir haben unsere Gymnastik auch so!" Lachend jonglierte er einen schweren Holzbalken. Daneben war Edelgards Schlafzimmer gewesen; es schien auch weiter als Schlajraum dienen zu sollen. Eine Tür war an der einen Wand durch- I gebrochen. Man sah in ein Zimmer, dessen Wände schon von einem Riesenwaschtisch, von Ankleidespie- I geln, von Schränken besetzt waren. Hier, neben ihrem Schlafzimmer, war einstmals ihr kleines Puppenreich gewesen — ein richtiges Zimmer nur für Puppen, ihr Bettchen, ihre Schränke und all den kleinen Liliputkrimskrams. Dies Zimmerchen hatte Edelgard immer unverändert bewahrt erhalten, auch jetzt noch, da sie erwachsen. Ihr eigentliches Spiel- und Arbeitszimmer war nach ihrem Erwachsenfein natürlich ein Jungmädchenzimmer geworden. Das kleine Puppenreich aber war geblieben — und jetzt erst, vor dem Umzug, hatte Edelgard die Puppen, sorglich verpackt, auf den Boden geschafft. Nun stand sie hier, sah bas kleine Kinderparadies zerstört. Unb was ihr in biesen Tagen vor lauter Arbeit unb Aufregung nicht zum Bewußtsein gekommen, nun würbe es ihr ganz klar unb schmerzvoll nahegebracht: Die Jugenb war zerstört, sie war dahingefchwunben mit bem Augenblick, ba bas Vater- ' haus in fremde, gleichgültige Hände gegangen. (Fortsetzung folgtI) Halle. Vornotizen. Obecheffen afrika dagegen lagere ständig warme, feuchte, äquatoriale Luft, die ein tropisches Klima und eine tropische Vegetation zur Folge habe. Und in beiden Landstrichen wohnten deutsche Menschen! Was in Südwest an Zivilisation und Kultur im Lande sei, sei ausschließlich den Deutschen zu verdanken. In diesem Lande der Dürre hätten alle anderen Nationen versagt. In seinen weiteren Ausführungen schilderte der Redner an Hand von Karten und vielen schönen Lichtbildern seine Reise durch Südwestafrika. Er führte seine Zuhörer im Geiste von Lüderitzbucht aus in die Gebiete der Diamantenminen, die gegenwärtig stilliegen, weil niemand Diamanten kaufen könne; er schilderte den Aufschwung der Wüstenküstenstadt Lüderitzbuch vor etwa 30 Jahren, sprach von dem Wirken der Deutschen in dieser Stadt und „Güdwestasrika und Südostafrika." von den Großtaten der deutschen Frauen, die dort mit wenigen Mitteln Großes leisten müßten. Durch die Stillegung der Diamantenminen sei die Stadt Lüderitzbucht an ihrem Lebensnerv getroffen. Man müsse bangen um das Schicksal der dortigen deutschen Familien. Der Redner wandte sich dann der Landwirtschaft zu, die in weiten Gebieten nur in der Karakulschafzucht bestehen könne. Für ein Schaf müsse ein Lebensraum von 4 bis 5 Hektar gerechnet werden. Ein Farmer müsse über ein Areal von 20 000 Hektar verfügen, wenn er sich halten wolle. Südwest sei also kein Land, das deutschen Bevölkerungsüberschuß aufnehmen könne. Südwestafrika werde aber für uns von wirtschaftlich höchster Bedeutung sein, wenn es möglich wäre, Produkte aus diesem Lande mit Markwährung zu bezahlen. Die Fruchtbarmachung südwestafrikanischen Landes sei übrigens eine Frage der Behebung der Wassernot. Wo es Wasser gebe (am Waterberg, im Vogtsgrund usw.), seien schöne Weiden, Luzernefelder und selbst paradiesische Gärten zu halten. Schließlich führte der Redner die Zuhörer im Geist noch in die Otavi-Kupferminen, die völlig stillgelegt seien. Den ersten Teil seines Vortrages beschloß Prof. Dr. Obst mit dem Wunsche, daß es uns Deutschen einst gelingen möge, Südwestafrika wieder zu erhalten, die Wasserfrage zu lösen und dadurch das Land aufzuschließen. Dann beschäftigte sich der Redner mit Südostafrika. Er schilderte — von Durban (Port Natal) ausgehend — diese reiche Hafenstadt, die ungeheure wirtschaftliche Entfaltung (die sofort auf ein reiches Hinterland schließen lasse), die Pracht der Straßen, das Leben in Durban, das überraschenderweise stark östlich orientiert sei. In den Niederungen der tropischen Landschaft werde viel Zuckerrohr, in höheren Lagen viel Mais gebaut. Im Hochland Südostafrikas siedelten sich nicht weniger denn etwa 10 000 deutsche Farmer an, die das Land außerordentlich intensiv kultivierten. Im Geiste erlebte man dann die Stadt Iohannisburg und ihre Umgebung, das Goldland, das Hochfeld von Transvaal. 50 v. H. der Goldproduktion der Welt sei von den Goldfeldern bei Iohannisburg. Schächte führten bis zu 2400 Meter in die Tiefe.'Mit kurzen Betrachtungen über den Eisenbergbau in Prätoria, über den Kulturzustand der in Südostafrika ansässigen Neger, über das Wirken der deutschen Farmer im nördlichen Teil Südostafrikas und mit einer kurzen Würdigung der gesamten Kulturpionierarbeit der Deutschen in diesem reichen Lande, beschloß der Redner seinen vielseitigen, hochinteressanten Vortrag. steigerungsbestimmungen bekannt, unter denen folgende für die Landwirte als bemerkenswert erscheinen: Die Nutzvieh-Beschaffungsgesellschaft tritt nur als Treuhänder zwischen dem Verkäufer und dem Käufer auf. Die Tiere werden gegen Barzahlung verkauft, ohne Gewähr von feiten der Nutzvieh-Beschaffungsgesellschaft. Letztere ist jedoch berechtigt, den Kaufpreis in Empfang zu nehmen und ge- aebenenfalls den Rechtsweg zur Eintreibung zu beschreiten. Irgendwelche Ansprüche wegen Mängel der Tiere rechtfertigen keineswegs die Einbehaltung des Kaufpreises. Bei den als tragend zum Verkauf gestellten weiblichen Tieren wird die Trächtigkeit mit einer Gewährfrist von neun Monaten garantiert. Für jedes verkaufte Tier wird von dem Käufer eine Verwaltungsgebühr und Stallgeld von 3 v. H. erhoben. Angeboten waren 14 Stück hochtragende Rinder und Kühe, außerdem noch erst vor kurzem gekalbte und frischmelkende Kühe, die sämtlich aus Pommern und Ostpreußen stammten und 2% bis 10 Jahre alt sind. Auffallend war das gute Aussehen und damit auch die Qualität der Tiere. Bei den frischmelkenden Kühen waren besonders die Milchanlagen und die Milchleistung, die mitunter mehr als 20 Liter pro Tag betrugen, hervorragend. Eine Anzahl Tiere wurde verkauft. Die Preise bewegten sich zwischen 280 und 390 Mark. Landkreis Gießen. £ Hungen, 8. Nov. Dreißig Jahre steht der Bergmann Otto Funk von hier ununterbrochen im Dienste des Braunkohlen - Schwelwerks, Kraftwerk Hessen, Frankfurt a. M. (He frag), in Wölfersheim bzw. der früheren Braunkohlengrube und Brikettfabrik Friedrich in Trais-Horloff, die vor einigen Jahren in dem erstgenannten Werk aufging. Diese vorbildliche Treue ist durch das Werk in einem besonderen Dankschreiben, sowie durch einen größeren Geldbetrag anerkannt worden. 3 Obbornhofen, 6. Nov. Vor einer zahlreichen Zuhörerschaft hielt hier in der Wirtschaft von Fritz Wenzel der Landesführer des Reichsbundes der Kinderreichen, Löhr- Frankfurt a. M., einen interessanten Vortrag über „Aufgaben und Ziele des Reichsbundes der Kinderreichen." In klarer Weise erklärte der Redner die von unserer Reichsregierung in bevölkerungspolitischer Hinsicht verfolgten Ziele. In dieser Beziehung sei der Reichsbund als Willensträger dazu berufen, den Ideen unseres Führers sichtbaren Ausdruck zu geben und sie in das Volk hineinzutragen. Um einen erbgejunden Nachwuchs heranzuziehen, sei es Aufgabe des Reichsbundes, alle unsozialen, mit dem Geiste der heutigen Zeit nicht zu vereinenden Verhältnisse zu beseitigen und besonders in den asozialen Wohn- und Lebensverhältnissen zahlreicher kinderreicher Familien Abhilfe zu schaffen. Um Deutschland auf einer Be- oölkerungsziffer von 66 Millionen zu halten, müßte jede erbgesunde deutsche Familie vier Kinder haben, andernfalls bestehe bei der Fortdauer der heutigen Entwicklung die Gefahr, daß in 150 Jahren die deutsche Bevölkerung nur noch 17 Millionen zähle und von Fremdvölkern durchsetzt sei. Für diese Entwicklung gebe uns das Frankreich von heute ein Beispiel. Jede deutsche Familie könne heute wieder auf eine stattliche Kinderzahl stolz sein, denn unser Führer werde nichts unversucht lassen, um den kinderreichen Familien eine soziale und wirtschaftliche Besserstellung zu gewährleisten, wofür die neue Steuergesetzgebung erneut den Beweis geliefert habe. Die Ausführungen des Vortragenden wurden allenthalben mit Beifall aufgenommen. Mit dreifachem Sieg-Heil auf den Führer wurde der Vortrag beendet. Kreis Friedberg. + Butzbach, 7. Nov. Die jüngste Monatsver- sammlung der O r t s g ru p p e der NSDAP fand im großen Saale des „Hessischen Hof statt. Für den verhinderten Ortsgruppenleiter sprach Studienrat Dr. R o e s ch e n einleitende Worte. Dann sprach Erste Obstausstettung in Hausen. # Hausen, 7. Nov. Der Ob st- und Gartenbau verein Hausen veranstaltete in der Gastwirtschaft von H. Fink eine O b st s ch a u, um zu zeigen, welche Aepfel und Spätbirnen von den hiesigen Obstzüchtern angepflanzt werden. Es war dies die erste Ausstellung von Obst, die jemals in Hausen durchgeführt wurde. Die Erwartungen in bezug auf Menge und Güte des ausgestellten Obstes und die Zahl der Besucher wurden weit übertroffen. Die Samenhandlung H. Hahn (Gießen) hatte eine Anzahl beim Obstbau verwendbare Geräte, sowie Baumwachs, Raupenleim und sonstige Gebrauchsgegenstände mit ausgestellt. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden des Vereins, Lehrer Zöller, der auf die Bedeutung der Obstschau für unser Dorf hinwies, hielt Obstbauinspektor R e n t s ch - Friedberg einen durch Gründlichkeit ausgezeichneten Vortrag über wichtige Obstbaufragen, im besonderen wies er auf richtige Baumpflanzung und auf die Wichtigkeit der Schädlingsbekämpfung hin. Die schlimmsten Schädlinge in unserer Gegend, der Winterfrostspanner, der Ringelspanner, die Blut-, Schild- und Blattläuse, der Apfelwickler, im besonderen auch der in seiner Gefährlichkeit noch wenig bekannte Apfelblattfloh (Apfelblattsauger) vernichten alljährlich einen großen Teil unserer Ernte. Große Mengen Obst werden auch durch Schorf (Fusicla- dium) unansehlich oder gar unverwendbar. Gegen alle diese Zerstörer kann man nur dann mit Aussicht auf Erfolg kämpfen, wenn man ihnen im Winter mit Obstbaumkarbolineum und im Sommer mit arsenhaltigen Flüssigkeiten, mit Kupferkalkbrühe und anderen scharfen Mitteln auf den Leib rückt. Die Ausführungen des Redners fanden reichen Beifall. In der nachfolgenden anregenden Besprechung wurde noch manche Frage geklärt. Der Vereinsvorsitzende dankte dem Redner für den überaus lehrreichen Vortrag. An die anwesenden Obstzüchter richtete er die Mahnung, das Gehörte in die Tat umzusetzen, im besonderen den Obstbauverein, der die Spritzarbeiten im kommenden Jahre erweitern und andere den Obstbau fördernde Maßnahmen durchführen wolle, tatkräftig zu unterstützen. Bürgermeister Göbel ergänzte die Mahnungen des Vorredners und versprach, die wertvollen Arbeiten des Obstbauvereins durch die Gemeindebehörden kräftig unterstützen zu wollen, zum Nutzen für alle. In seinem Schlußwort betonte der Vereinsvorsitzende, daß noch alljährlich viele Millionen Mark für fremdes Obst in das Ausland wandern. Diese Ausgaben müssen allmählich bedeutend gesenkt werden und endlich ganz aufhören. Es muß nach und nach dazu kommen, daß der Deutsche nur noch deutsches Ob st kauft und ißt; dazu ist aber nötig, daß der Obstzüchter den Weisungen des beratenden Fachmannes folgt und sich bemüht, größere Obsternten zu erzielen und durch Hebung der Güte d^s Obstes bei dem Käufer die Lust nach fremder Ware auszuschalten. Wer so arbeitet, handelt im Sinne unseres Führers und der Reichsregierung, denn er hilft mit, uns vom Ausland unabhängig zu machen und dient gleichzeitig der Hebung der Volksernährung. Der Vereinsvorsitzende schloß mit den Worten: Förderung des Obstbaues ist Dienst an Volk und Vaterland." Milchvieh - Versteigerung in Butzbach. + Butzbach, 8. Nov. Heute fand hier die erste Milchvieh-Versteigerung statt, die von der Nutzvieh-Beschaffungsgesellschaft der Bauernkammer in Frankfurt veranstaltet worden war. Aus der näheren und weiteren Umgebung waren viele Landwirte gekommen, um die Güte des aufgetriebenen Viehes kennenzulernen und auf diesem juden- frcien Markt sich einzudecken. Der Vertreter und Leiter der Auktion Johann- s e n von der Bauernkammer gab zunächst die Ver- — Tageskalender für Freitag: Kreisleitung Gießen der NSDAP.: 19 Uhr, Landgraf- Philipp-Platz, Gedenkfeier zum 9. November; Gedenkrede Kreisleiter Pg. K l o st e r m a n n ; anschlie- ßend Gedächtnisfeier, der Gießener SA. im Stadttheater mit Ansprache vom Stundartenführer Lutter. „Aquarium": Gedenkfeier der alten Kämpfer; Gedenkrede Pg. Thomas. — NS.-Frauen- schaft Gießen-Ost: 20.15 Uhr, „Schützenhaus", Ortsgruppenversammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „So endete eine Liebe". — Astoria-Licht- spiele, Seltersweg: „Wo ist das Kind der Madeleine F.?". — Ein Militärkonzert, ausgeführt vom MusiUorps unserer hiesigen Reichswehr (Leitung Obermusikmeister E. K r a u ß e), findet am kommenden Sonntag im Caf6 Leib statt. (Siehe gestrige Anzeige.) * ** Ernennung. Durch Urkunde des Herrn Stoatsministers wurde der Kanzleiassistent auf Probe bei dem Amtsgericht Gießen Dersorgungsanwärter Wilhelm Schmidt unter Berufung in das Beamtenverhältnis mit Wirkung vom 1. August 1934 zum Kanzleiassistenten ernannt. ** Abendgottesdienste inderJohan- neskirche als musikalische Feiern. In der Johanneskirche sollen im kommenden Winter einige Abendgottesdienste als musikalische Feiern gestaltet werden. Hiermit soll am nächsten Sonntag begonnen werden. Musiklehrer und Organist N e - b e l i n g wird folgende Orgelwerke darbieten: Jo- ?iann Sebastian Bach, Präludium und Fuge in F, owie Toccata und Fuge D, Dorisch, außerdem Johann Gottfried Walther, Partiten über den Choral „Jesu, meine Freude" und Delphin Strungk, Orgelchoral „Laß mich dein sein und bleiben". Gemeindegesang und eine Ansprache werden in diese Reihenfolge eingefügt werden. *♦ Freie Lehrer stelle. Erledigt ist eine Lehrerstelle für einen evangelischen Lehrer an der Volksschule in Klein-Karben, Kreis Friedberg. Die Dienstwohnung wird am 1. November 1934 frei. ** Till-Eulenspiegels Gastspiel i m C a f 6 Leib. Gestern nachmittag fand im Cafe Leib ein einmaliges Gastspiel der Berliner Till- Eulenspiegelbühne statt, deren Ertrag zugunsten der Winterhilfe Verwendung finden wird. Viele Kinder hatten sich, zum Teil mit ihren Eltern, eingefunden. Große Freude herrschte, als sich der Vorhang hob, nachdem vorher eine lustige Person und außerdem Till-Eulenspiegel höchst selbst kurze Ansprachen zur Einleitung gehalten hatten. Dann sah man auf bunter Bühne die Streiche des Till-Eulenspiegel: wie er den Rat des Schusters befolgt, durch das Fenster in das Haus steigt und durch das Dach das Haus wiederUt viel Gepolter verläßt, wie er die Schneider veralbert, die ihn zuvor verlachten, wie er bie Ratsherren um ihr Geld bringt, nachdem er zuvor den Esel lesen gelernt hatte. In weiteren hübschen Bildern sah man, wie es der Wirtin Rosalinde übel ergeht, weil sie der Till für von ihr erlittenen Unbill auf das Herdfeuer des Schmiedes setzt und der Schmied selbst für seine Hartherzigkeit bittere Lehren ernten muß. Schließlich mußte man gar erleben, wie der König selbst von Till zum Narren gehalten — wie der Wirt für seine Großmäuligkeit bestraft wird und dergleichen Streiche mehr. Die Kinder waren den losen Scherzen ein dankbares Publikum, das lebhaft bedauerte, als das Spiel zu Ende ging. Die Darsteller, Herren aus Berlin, bemühten sich um eine gute Aufführung. Rundfunkproqramm. Samstag, 10. November. 6 Uhr: Bauernfunk. 6.15: Gymnastik I. 6.30: Gymnastik II. 6.45: Frühmeldungen. 7: Frühkon- zert. 8.30 bis 8.45: Gymnastik. 10: Nachrichten. 11.45: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert I des Funkorchesters. 13: Saardienst. 13.10: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert II. 14.15: Nachrichten 14.45: Jugendfunk. Die Räuber. Von Friedrich von Schiller. 16: NachmittagsDoppel-Kon- zert. 18: Stimme der Grenze 18.20: Stegreifsendung. 18.35: Tagesspiegel. 18.45: Unterhaltungskonzert. Volkslieder mit Klavierbegleitung von Joh. Brahms. 19.15: Volksmusik. 19.45: Stegreiferzählung. 20: Nachrichten. 20.05: Saarländische Umschau. 20.15: Friedrich Schiller. Feier des deutschen Rundfunks zum 175. Geburtstag des Dichters. 22: Nachrichten. 22.15: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 22.30: Tanzmusik. 24 bis 2: Nachtmusik. blaue hessische Kröpfer-Tauben: sehr gut I mit Zuschlagspreis und für schwarze sehr gut I mit Zu- jchlagspreis, sehr gut I und gut; Heinrich S ch e i d t- Eckartshausen für Rote hessische Kröpfer-Tauben sehr gut I mit Zuschlagspreis, sehr gut I, sehr gut und gut. Neuregelung der Besteuerung der Zwei- und Oreir^dkrastfahrzeuge. Wie aus einem Runderlaß des Reichsfinanzministeriums hervorgeht, sollen Zwei- und Dreiräder wie bisher steuerlich gleich behandelt werden. Auf die Gewichtsbegrenzung von 350 kg soll verzichtet werden. Der Reichsfinanzminister bestimmt, daß bis auf weiteres alle Zweiräder und Dreiradfahr- zeuge mit Antrieb durch Verbrennungsmaschine ohne Rücksicht darauf, welches Eigengewicht sie haben, steuerlich als Krafträder behandelt werden. Diese Regelung gilt sowohl für die Erneuerung von Steuerkarten zugelassener Kraftfahrzeuge, als auch bei der Zulassung neuer Fahrzeuge. Die laufenden Steuerkarten bleiben in Gültigkeit. Sind Viertel-, Halb- oder Jahressteuerkarten im Lauf und würde bei Berücksichtigung der neuen Begriffsbestimmung für den Rest der Gültigkeitsdauer der Steuerkarten Steuerbefreiung eintreten, oder die Steuer sich ermäßigen, so ist das Finanzamt ermächtigt, auf Antrag den Unterschiedsbetrag zu erstatten, der sich gegenüber der entrichteten Steuer ergibt. Voraussetzung ist, daß der Antrag bis zum Ablauf der Gültigkeitsdauer der Steuerkarte gestellt wird und der Unterschiedsbetrag mindestens 5 RM. ausmacht. Bei der Berechnung des Unterschiedsbetrags ist für jeden vollen Monat, der nach dem 31. Oktober 1934 liegt und für den die Steuer entrichtet ist, ein Betrag in Höhe von einem Zwölftel der Jahressteuer anzusetzen. Wird Steuer erstattet, so sind die Steuerkarten und die Kraftfahrzeugsteuerlisten zu berichtigen. Daten für Freitags y. November. 1841: König Eduard VII. von England in London geboren (gestorben 1910); — 1918: Rücktritt des Reichskanzlers Prinz Mar von Baden; Ausrufung der Republik in Deutschland; Abdankung Kaiser Wilhelms II. und sein Uebertritt über die holländische Grenze; — 1923: auf dem Odeonsplatz in München sterben 18 Nationalsozialisten den Helden- tob; — 1933: Ehrung ber Toten von 1923; der Führer weiht das Mahnmal vor bTr Feldhernr- Die Gesellschaft für Erd - und Völkerkunde eröffnete gestern abend ihre Vortragsreihe für das Winterhalbjahr 1934/35. Prof. Or. Kluthe betonte zunächst, daß sich die Gesellschaft für Erb- und Völkerkunde verpflichtet fühle, diejenigen Teile der Wissenschaft, die einem breiteren Publikum zugänglich zu machen seien, zu vermitteln. Die Gesellschaft wolle in ihren Vorträgen nicht nur die Erde und ihre Gestaltung erfassen, sondern auch den Menschen in seinem Lebensraum, die Wirtschaft und die Politik. Wer in diesem Kreise Sensationen erwarte, werde allerdings enttäuscht sein. Er (Redner) freue sich über die stattliche Anzahl von Zuhörern, die Den hier behandelten Wissensgebieten Interesse entgegenbrächten. Den Gedanken an die Kolonien wachzuhalten, habe sich die Gesellschaft besonders zur Pflicht gemacht. Dies um so mehr, als man heute bereits in England den Deutschen das Recht auf Kolonialbesitz nicht mehr streitig mache. Aus diesem Grunde sei auch das Thema des Abends ganz besonders interessant. Nachdem Prof. Dr. Kluthe noch das Programm der Wintervortragsreihe zur Kenntnis gegeben hatte, erteilte er dem Redner des Abends das Wort. Professor Or. Obst-Hannover stellte dann in klarer Gliederung die beiden Gebiete Südwe ft afrika und Südo st afrika einander gegenüber. Beide Länder feien voneinander grundverschieden. An der Küste Südwestafrikas streiche eine kalte Meeresströmung entlang. Die Folge seien trockene Winde. Seit fünf Jahren habe es in Südwestafrika nicht geregnet lieber Südost- Krelsleiterstellvertreter Vieth- Friedberg. In seinen mehr als VA-ftünbigen Ausführungen besprach er bie Unzulänglichkeiten bes früheren Parteienstaates unb ber einzelnen Parteien. Besonders hob er bie wichtigsten Phasen ber Entwicklung ber nationalsozialistischen Bewegung bis zur Uebernahme ber Macht am 30. Januar 1933 burch ben Führer Aböls Hitler hervor. Seit bieser Zeit wirb bas neue Reich aufgebaut. In einbringlichen warnenden Worten wandte sich der Redner gegen die unberechtigte Kritik an den Maßnahmen der Regierung. Jene Kritiker sollen besser tun, am Aufbau des Dritten Reiches mitzuhelfen, nicht nur zu ihrem eigenen Wohle, sondern auch zum Besten des Vaterlandes. Zum Schlüsse kam er auf die Einrichtung des Winterhilfswerkes zu sprechen. Jeder Volksgenosse solle nach eigenen Kräften opfern, damit kein Deutscher Hunger zu leiden brauche. Die SA.-Kapelle verschönerte den Mitgliedsabend durck eine Anzahl Märsche. Dr. R o e s ch e n gab noch einige wichtige Mitteilungen bekannt und schloß die Versammlung in althergebrachter Weise. Kreis Schollen. x. Schotten, 5. Nov. Gestern Nachmittag sand hier im Saale der „Krone" eine Versammlung der Brandmeister und der freiwilligen Feuerwehren des Kreises statt, zu der fast alle Wehren Vertreter entsandt hatten. Der Kreis Schotten ist der einzige oberhessische Kreis, in dem jede Gemeinde ihre freiwillige Feuerwehr besitzt. 39 davon hat Regierungsrat Schwan gegründet in Verbindung mit Kreisfeuerwehrinspektor E b e r h e i m. Im Hinblick auf diese Verdienste überreichte der Vorsitzende des Verbandes, Oberbrandmeister Otto Stang- Schotten, den beiden Herren eine schöne Ehrenurkunde. Es schloß sich daran ein ausführlicher und interessanter Vortrag von Branddirektor Braubach- Gießen über den Luftschutz an. Der Vortragende wies auf die große Gefahr hin, die dem luftempfindlichen Deutschland, dem man einen aktiven Luftschutz verbiete, aus ber Luft seitens ber hochgerüsteten Nachbarlänber brohe. Er erläuterte eingehenb bie Arten unb bie Wirkung ber Spreng-, Splitter- unb Branbbomben. Es gelte einen umfassenben zivilen Luftschutz zu organisieren. Dabei seien auch bie freiwilligen Feuerwehren zur Mitarbeit notroenbig. Genaue Aufklärung ber Bevölkerung fei nötig. Lebhafter Beifall folgte ben Ausführungen bes Rebners. Kreisleiter Kromm sprach seine Freube barüber aus, baß jeber Ort bes Kreises seine freiwillige Wehr habe. Er mahnte zur Einigkeit unb Geschlossenheit, fein Sieg-Heil galt dem Führer. Nach Dankesworten von Regierungsrat Schwan schloß ber Vor- sitzenbe bie Tagung mit einem Wehr-Heil auf bie Zukunft ber Feuerwehr. In Anschluß an bie Tagung folgten Vorführungen auf bern freien Platz vor bern Amtsgericht. Mit Musik ging es dann in die „Krone", wo gemütliches Beisammensein stattfand. rl. Schotten, 8. Nov. Nach zweimonatiger Pause sand gestern in der hiesigen Turnhalle wieder eine Versammlung der im NSLB. zusammengeschlossenen Lehrer bes Kreises statt. Von ber Gauleitung bes NSLB. waren anroefenb ber Gaugeschäftsführer Rektor Schneider unb Gaukassenwart Lehrer Stellwage n-Darmstabt, ferner ber Leiter bes Feuerversicherungverbanbes hessischer Erzieher, Rektor i. R. D e r n-Neu-Isenburg. Der Gaugeschäftsführer sprach über bie altbewährten sozialen Selbsthilfeeinrichtungen ber hessischen Lehrerschaft, die Lubwig- unb Alice- (jetzt Abolf- Hitler-)Stiftung, den Feuerversicherungverband und die von beiden geförderten Unterstützungs- und Hilfskassen. Der Gedanke, aus dem diese Einrichtungen geschaffen wurden, ist nationalsozialistisch. Deshalb ist es Pflicht der nun einheitlich nationalsozialistischen Lehrerorganisation, sie zu voller Leistungsfähigkeit auszubauen. Der altbewährte Arbeiter an diesem Werke, Rektor Dem, erinnerte daran, wie bie Alten Lies alles unter Opfern schufen unb damit etwas Dauernbes zuwege brachten. Opfer aber fei der wahre Sinn des Nationalsozialismus. Rektor Schneider klkärte auch noch über den durch die Abteilung Wirtschaft und Recht im NSLB. gewährten Haftpflichtschutz für alle Mitglieder auf und beantwortete zahlreiche diesbezügliche Anfragen. — Dr. Wagenbach vom Arbeitsamt Gießen sprach ausgehend vom Sinn und Wert der Gemeinschaft und der Hingabe des Einzelmenschen an sie über die Berufswahl der Schulentlassenen. Auch sie sei eine Angelegenheit der Gemeinschaft und müsse ihr Wohl und Wehe berücksichtigen. Deshalb schalte sich die staatliche Berufsberatung hier ein, um das Mißverhältnis zwischen den Berufswünschen und ber Zahl ber Berufsstellen beseitigen zu helfen. Da bie Neigung zu einem Beruf nicht immer verbun- ben sei mit dem Berufenfein bazu, könne und müsse von den jungen Leuten im Hinblick auf bie Gemeinschaft ein Opfer geforbert werden. Die Lehrerschaft müsse an der Verbreitung dieser Erkenntnis mitwirken unb den Berufsberatungsstellen ihre gewissenhafte Hilfe leihen. In eingehender Aussprache werben dahingehende Fragen geklärt. Fortbilbungs- schul- unb Fachschaftsfragen, Angelegenheiten bes Reichsbunbes Volkstum und Heimat und viel Geschäftliches hielt die Teilnehmer lange beisammen. Kreis Alsfeld. <£ Nieber-Ohmen, 8. Nov. Im hiesigen Bahnhof wurden zugunsten des Winterhilfswerkes aus den Ortschaften Nieder-Ohmen, Bernsfeld, Atzenhain und Wettsaasen 3 5 0 Zentner Kartoffeln verladen, die mit einem Sonderzug nach Hanau und Offenbach gebracht wurden. ff Grebenau, 8. Nov. Am Sonntagabend hielt Pfarrer M ü l l e r in der hiesigen Kirche einen Vortrag über das Thema „Vierhundert Jahre deutsche Lutherbibel". Der Redner schilderte in ausführlicher Weise Luthers großes Werk der Bibelübersetzung und die vielen Schwierigkeiten, die der Reformator dabei zu überwinden hatte. Durch die Bibelübersetzung sei Luther der Schöpfer der deutschen Sprache geworden. Mit Gebet und Segen und mit gemeinsamem Gesang des Lutherliedes fand die gutbesuchte Veranstaltung ihren Abschluß. Der Posaunenchor verschönte den Abend. st. Kirtorf, 7. Nov. In unserer Gemeinde wurden bei verschiedenen Schulkindern Scharlach-Erkrankungen festgestellt. Die zwei- klassige Volksschule wurde, um eine weitere Ausbreitung der Krankheit zu verhindern, geschlossen. Der Reformationstag und die Erinnerung an die Schaffung der Bibel vor 400 Jahren durch Martin Luther wurde in unserer Gemeinde feierlich begangen. Zu den Festgottesdiensten hier und in Ober- Gleen fand sich die Bevölkerung sehr zahlreich ein. Der Posaunenchor, Schüler und Schülerinnen verschönten mit Vorträgen und Gedichten die Feiern. Der Ortsgeistliche predigte und kennzeichnete den Weg, den ein Volk gehen muß, wenn der Segen Gottes über ihm sein soll. Im Abendgottesdienst predigte Pfarrer H e m m e s - Lehrbach. Preußen. Oer Kampf gegen Preistreibereien. LPD. Fran kfurt a. M., 8.Nov. Der Herr Regierungspräsident in Wiesbaden teilt mit: Das Anziehen der Viehprerse in den letzten Monaten hat zu Steigerungen der Fl e i s ch - und Wurstpreise geführt. Diese allgemein vorgenom- menen Preiserhöhungen sind wirtschaftlich ungerechtfertigt und haben unter allen Umständen zu unterbleiben. Nach den getroffenen Feststellungen sind die Fleischverkaufspreise zu einer Zeit, als die Viehpreise zurückgingen, diesem Rückgang nicht oder nicht genügend gefolgt. Die Viehpreise haben aber jetzt noch nicht überall die frühere Höhe wieder erreicht. Selbst wenn daher einzelne Betriebe vorübergehend sich mit einer kleineren Gewinnspanne begnügen müßten, wäre das nur ein Ausgleich für die Gewinne der Vergangenheit. Allen Versuchen einer ungerechtfertigten Erhöhung der Fleisch- und Wurstwarenpreise wird daher entgegengetreten und insbesondere der Preisschilder zwang und Preisverzeichniszwang straff überwacht. Gegen unzuverlässige Elemente wird nachdrücklichst eingeschrittten und erforderlichenfalls die Schließung ihrer Geschäfte veranlaßt. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, daß weder die Innungen noch irgendwelche sonstigen Vereinigungen das Recht haben, Kleinoerkaufspreise vorzuschreiben, öder auch nur zu empfehlen bzw. Mindest- oder Höchstpreise festzusetzen. Für eine solche Regelung ist wie seither ausschließlich meine Zuständigkeit gegeben. Sollten die Kleinverkaufspreise für Fleisch- und Wurstwaren, auch ohne daß sich das Vorliegen von Preisvereinbarungen oder Empfehlungen nachweisen läßt, eine ungerechtfertigte Höhe erreichen, so wird die Festsetzung von Höchstpreisen in Erwägung gezogen werden. Für 90000 M. Invalidenmarken gestohlen. LPD. Frankfurt a. M., 8. Nov. In einem hiesigen Büro sind aus einem Schreibtisch zwei Päckchen mit Invalidenmarken entwendet worden. In dem einen Päckchen befanden sich 10 000 Stück der Lohnklasse VII zu 4,20 RM. je Stück, in dem anderen 10 000 Stuck der Lohnklasse VIII zu 4,80 RM. je Stück. Da Jnvali- denmarken nur durch die Postämter bezogen werden können, besteht die Möglichkeit, daß die entwendeten Marken in den Lohnbuchhaltungen größerer Betriebe bzw. bei Behörden zum Kauf angeboten werden. Es wird gebeten, Personen, die derartige Marken zum Kauf anbieten, festnehmen zu lassen. Kreis Biedenkopf. K Gladenbach, 8. Nov. Der Pächter der Gemeindejagd Kehlnbach - Römershausen veranstaltete eine Treibjagd. Der Erfolg waren 23 Hasen und 1 Reh. Auch der Pächter der Gemeindejagd in Runzhausen veranstaltete eine Treibjagd, bei der 25 Hasen, ein Reh und ein Fuchs zur Strecke gebracht wurden. — Die Landwirt- schaftsschule Gladenbach begann dieser Tage mit einem Winterlehrgang, an dem sich eine ganze Anzahl Iungbauern und Jungbäuerinnen beteiligen. — Der Bauer Karl Happel in Erdhaufen wurde von der Landesbauernschaft Hessen- Nassau zum Wirtschaftsassistenten ernannt. — Der Diplom-Landwirt Dr. Ernst Lenz von hier wurde als Landwirtschaftslehrer an die Landwirtschaftsschule zu Biedenkopf berufen. Vorsicht bei defekten Lichtschaltern! Lpd. D a r m st a d t, 8. Nov. In Spachbrücken wurde heute nach ein 41jähriger Landwirt im Stall tot aufgefunden. Die polizeilichen Ermittlungen ergaben, daß der Mann, als er gegen 23 Uhr nach Hause kam, noch einmal in den Stall ging und dort das elektrische Licht einschaltete. Der Schal- t e r war jedoch seit einigen Tagen defekt, und er nahm eine eiserne Zange zu Hilfe, um das Licht einzuschalten. Dabei wurde er vom elektrischen Strom getroffen, der seinen sofortigen Tod herbeisührte. Aordheffens Vertretung bei den Deutschen Gerätemeisterschaffen Die 130 besten Kunstturner Deutschlands bestritten,, wie schon ausführlich von uns berichtet wurde, am Samstag und Sonntag in der Dortmunder Westfalenhalle die Deutschen Gerätemeisterschaften. Der Turngau Nordhessen hatte dazu vier Vertreter zu stellen. Ahrens, T.- u. Spv. Marburg, trat — angeblich wegen Krankheit — nicht an. A. Fink vom T.- u. Spv. Marburg lag zu Beginn des Kampfes an aussichtsreicher Stelle. Er stürzte dann aber vom Reck, brach den Mittelhandknochen und mußte so leider ausscheiden. Da blieben noch die beiden Vertreter der Aelteren Kasseler Turngemeinde: Kurt Wedekind und Gergs. Beide schlugen sich tapfer und zeigten sich vor allem in den Kürübungen von der besten Seite, nachdem sie bei den äußerst schwierigen sechs Pflichtübungen 101,1 bzw. 88,8 Punkte erreichten. Wedekind wäre es beinahe gelungen, mit zu den 15 Besten zu zählen. Bei drei von 6 Kürübungen holte er sich jedesmal über 18 von den 20 erreichbaren Punkten (Pferdsprung 19,4 Punkte). Insgesamt brachte er es (Pflicht- und Kürübungen) auf 206,3 von 240 erreichbaren Punkten (der Deutsche Meister Schwarzmann erzielte 243,6 Punkte) und kam damit in der Rangliste auf den 22. Platz. Gergs holte sich bei den Kürübungen auf eine tadellose Bücke am Längspferd eine Vollwertung (20 Punkte). Zwischenrunde um den Handbal!-Pokal. Die Zwischenrunde um den Deutschen Handball- Pokal, an dem sich bekanntlich die 16 Gaumann- -schaften beteiligen, wird — wie bekannt, — am 18. November ausgetragen. Nachdem vom Fachamt für Handball die Gegner bereits bestimmt worden sind, stehen nunmehr auch die Austragsorte wie folgt fest: Brandenburg — Ostpreußen in Berlin: Baden — Bayern in Mannheim; Westfalen — Schlesien in Minden; Niederrhein — Nordmark in Barmen. Oie Schneelausriege des Turnvereins von 1846. In ihrem Bestreben, ihren Mitgliedern eine möglichst vielseitige sportliche Betätigung zu bieten, haben viele Turnvereine schon seit Jahren die Schneeschuhläufer in ihren Reihen in Abteilungen zusammengefaßt. So bleibt auch bei der Ausfahrt in die winterliche Bergwelt der Kameradschaftskreis der sommerlichen sportlichen Betätigung erhalten, und es erübrigt sich das Einleben in einen neuen Kreis. Durch die Schaffung der Fachsäulen wurde nun die Turnerschaft gezwungen, alle die vorhandenen Schneelaufgemeinschaften in ihren Vereinen in einer festen Organisation zusammenzufassen. Dies ist nunmehr durch die Fachschaft Schneelauf in der Deutschen Turnerschaft geschehen, die körperschaftliches Mitglied des Deutschen Ski- Verbandes ist. Unter diesen Bestrebungen ist auch die Schneelaufriege zu neuem Leben erwacht, gerade recht, um in der Wintersportwerbewoche mitzuhelfen, dem Schneelauf neue Anhänger zu gewinnen. Wie auf allen anderen Gebieten wird es der Turnerschaft als wertvollste Aufgabe gelten, der breiten Masse, insbesondere den Anhängern, ihre größte Sorgfalt zu widmen. Es werde daher in möglichst vielen Lehrgängen, sowohl im Hochgebirge wie in den schneesicheren Mittelgebirgen, sofort Lehrwarte ausgebildet, die ihr Können in den Dienst aller Läufer aus Turnerkreisen stellen werden. Die Schneelaufriege beabsichtigt, diese Ausbildungsmöglichkeiten weitgehendst zu benutzen, um die Schar der vorhandenen Lehrwarte in amtlichen Lehrgängen weiterbilden und bestätigen zu lassen. Eingliederung derTum-undSportjngend in dieHZ. Eine Vereinbarung. lieber die Eingliederung der Turn- und Sportjugend des Gaues XIII (Südwest) in die HI. wurde zwischen dem Beauftragten des Reichssportführers, Gruppenführer B e ck e r l e, und dem Gebietsführer der HI. von Hessen-Nassau (Gebiet 13) Walter Kramer folgende Vereinbarung getroffen: Auf Grund des Vertrages vom 25. Juli 1934 zwischen dem Reichssportführer und dem Reichsjugendführer werden für den Gau XIII (Südwest) folgende Ausführungsbestimmungen erlassen: 1. Die Eingliederung der Turn- und Sportjugend des Gaues XIII in die HI. von Hessen-Nassau muß bis zum 30. November 1934 vollzogen sein. Die Ueberführung der Jugendlichen (Knaben von 10 bis einschließlich 18 Jahren, Mädchen von 10 bis einschließlich 21 Jahren) muß im Sinne der Rundfunkrede des Reichsjugendführers an die deutschen Eltern geschehen. Sie ist keine Muß-, sondern Sollvorschrift. Der Uebertritt der Jugendlichen liegt in der Hand der Eltern und erfolgt nach dem in der HI. bestehenden Grundsatz der Freiwilligkeit. Jugendliche, die nicht freiwillig in die HI. eintreten, die aber vor dem 30. November 1934 bereits Mitglied eines Vereins des Reichsbundes für Leibesübungen (RfL.) waren, können deswegen nicht aus dem Verein ausgeschlossen werden. Die Vereine melden bis zum 30. November 1934 in listenmäßiger Aufstellung die Jugendlichen von 10 bis 14 Jahren an die zuständigen Jungbanne, von 15 bis 18 Jahren an die zuständigen Banne, ebenfalls die Uebungsleiter, die in die HI. eintreten wollen. 2. Nach dem 30. November 1934 kann kein Jugendlicher, der nicht Mitglied der HI. ist, einem Verein des RfL. beitreten bzw. dort ausgenommen werden. 3. Die Doppelmitgliedschaft in der HI. und den Vereinen des RfL. ist nach den Vereinbarungen des Reichsjugendführers mit dem Reichssportführer zu« lässig und erwünscht. 4. Die Bann- oder Jungbannsührer überweisen die übernommenen Jugendgruppen der Vereine an dis örtlich zuständigen Untergliederungen, ebenfalls die gemeldeten Uebungsleiter. 5. Der Sportabend der HI. ist der Donnerstag. Es wird angestrebt, daß für diesen Tag alle Turn, hallen der Stadtverwaltung und der Vereine der HI. zur Verfügung gestellt werden. Am 1. und 3. Sonntag jeden Monats führt die HI. den Ge. ländesport durch, die beiden übrigen Sonntage sind für die Wettkämpfe und Spiele der Vereine frei. 6. Die Vereinbarungen über geldliche Entschä. digungen werden zwischen den Führern der Unter« gliederungen und den Vereinen auf gütlichem Wege getroffen. Bei Unstimmigkeiten entscheidet der zuständige Vertrauensmann des Bezirksbeauftrag« ten des Reichssportführers im Einvernehmen mit dem zuständigen Bannführer. 7. Eine Beitragsermäßigung für Jugendliche, dis gleichzeitig der HI. und einem Vereine des RfL. angehören, ist allgemein nicht möglich. Besonders mittellosen Jugendlichen kann die HI. von Fall zu Fall gewisse Erleichterungen zugestehen. Die Vereine werden ersucht, in ähnlichen Fällen überhaupt keinen Beitrag zu erheben oder ihn stark zu ermäßigen. 8. Die vorstehenden Ausführungsbestimmungen finden sinngemäß Anwendung für den BdM., für weibliche Jugendliche von 10 bis 21 Jahren. Der Sportabend des BdM. ist der Montag. Frankfurt a. M. und Wiesbaden, den 27. Okt. 1934. Der Beauftragte des Reichssportführers für den Gau XIII (Südwest). (Gez.) Beckerle, Gruppenführer. Der Führer des Gebietes 13 (Hessen-Nassau). (Gez.) Kramer, Gebietsführer. Handball im GauXll (Kreis Lahn-Om). Oie Meisterschaftsspiele am Sonntag. Kreisklasse I: Staffel I: Spv. 05 Wetzlar — Tv. Atzbach: Im Vorspiel erlitt seinerzeit Wetzlar eine glatte Niederlage. Ein besseres Resultat herauszuholen wird diesmal schon gelingen. Ob es allerdings zu einem Siege langen wird, erscheint fraglich. Die Gäste werden sicher alles daransetzen, um ihre Position zu verbessern. Tv. Groß-Rechtenbach — Tv. Dornholzhausen: Die Spielstärke der Mannschaften des Hüttenbergs hat sich, den letzten Ergebnissen nach zu urteilen, merklich ausgeglichen. Es wäre daher auch verfehlt, einer der beiden Mannschaften eine klare Chance zu geben. Tv. Hörnsheim — To. Hochelheim. Nicht viel anders liegt die Sache in diesem Lokalkampf. Die Gäste haben am letzten Sonntag durch die Niederlage gegen Groß-Rechtenbach zwei wichtige Punkte eingebüßt und werden daher alles auf eine Karte setzen, um wenigstens hier zu siegen. Es steht aller- dings dahin, ob dies gelingt, zumal die Platzbesitzer schon im Vorspiel nur ganz knapp unterlagen. Man rechnet mit einem harten Kampf, dessen Ausgang ungewiß erscheint und erst mit dem Schlußpfiff entschieden sein sollte. Staffel II: Tv. Heuchelheim — Tv. Lich: Heuchelheim sollte hier einen klaren Sieg herausholen können, zumal die Mannschaft Verstärkung erhalten hat, die sich bereits gut einführte. Lich wird sich auf ein einigermaßen günstiges Abschneiden beschränken müssen. To. Holzheim — Tv. Lang-Göns: Ein Lokalkampf! Es treffen sich hier zwei Mannschaften, die schon oft die Klingen gekreuzt haben. Man rechnet in diesem Spiel den Platzbesitzern eine Chance für den Sieg zu. VfB.-Reichsbahn Gießen — Tv. Albach: Gießen zeigte in dem letzten Spiel eine Formverbesserung und dürfte bei einigermaßen gutem Willen den Gästen ein harter Gegner sein. Das Können der Albacher solle sich aber trotzdem durchsetzen können. Kreisklasse II: Staffel I: Tv. Garbenheim — Tv. Dutenhofen; Wetzlar II — Tv. Erda; Cleeberg — Nauborn; Ob Dutenhofen in Garbenheim etwas ausrichten wird, erscheint fraglich, denn die Platzmannschaft ist auf eignem Platz schwer zu bezwingen. — Das gleiche gilt für Erda in Wetzlar. Ob Nauborn Cleeberg auf eigenem Platz schlagen kann, steht noch dahin. Staffel II: Tv. Launsbach — 1900 Gießen Ist Tv. Lollar — Tv. Wißmar; Tog. Ruttershausen gegen Tv. Staufenberg: Launsbach sollte die Gäste schlagen können. Offen find die Spiele in Lollar und Ruttershausen. Staffel III: Mtv. Gießen II — Tv. Hochelheim: Tv. Grüningen — To. Garbenteich: Sieben sollte zu Haufe gegen die Hochelheimer sicher gewinnen, während Grüningen aus eigenem Platz gegen Garbenteich schwer zu kämpfen haben wird. Staffel V: Tv. Homberg — Tv. Alsfeld; Tv. Romrod — Tv. Burg-Gemünden: Homberg wird auch auf eigenem Platze die Gäste kaum bezwingen können, während das Spiel in Romrod sicher ein harter Kampf werden wird. Den Platzbefitzern kann man durch den Vorteil des eigenen Geländes eine kleine Siegeschance geben. Kreisklasse III. Wetzlar-Niedergirmes II — Tv. Krofdorf II; Tv. Heuchelheim II — Tv. Lützellinden II; Tv. Münch- Holzhausen II — Tv. Holzheim II: Für Krofdorf dürfte in Niedergirmes nichts zu holen sein. Ein sicherer Sieg für die Platzmannschaft! Aehnlich dürfte es Lützellinden in Heuchelheim gehen, wenn auch der Unterschied nicht groß sein wird. Münchholzhausen muß sich anstrengen, wenn es die Gäste aus Holzheim geschlagen nach Hause schicken will. Jugendklasse: Tv. Niedergirmes — Tv. Atzbach: Auch hier steht ein Sieg für Niedergirmes außer Frage. Die Gäste werden sich für ein annehmbares Resultat schon sehr anstrengen müssen. schätzen ungezählte Familien als unentbehrliches Hausmittel. Ärztlich erprobt u.verordnet,hilft es b.Husten,Hei- PREis: 55;90u75^ tRHÄlTUNAPO- Ser^itU\Ka.f?rrh THEKtN onocEQ. rasa) und sicher. U.WOPlAMKHia. 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