Nr. 132 Erstes Matt 184. Jahrgang Samstag, 9. Juni 1934 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monatr-Vezugspreir: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illusttierte „ 1.80 Zustellgebühr.. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach" richten: Anzeiger Gießen Postscheckkonto: Frankfurt am Main 1168 6 Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vruL und Verlag: vriihl'sche Univerfitätr-Vuch- und Steindruckerei «.Lange in Sieben. 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Die Zusammenkunft des Reichsministers mit der /oanerischen Staatsregierung galt Besprechungen un'o Beratungen über eine Reihe vordringlicher Fw) Hf ragen. Den Abschluß der Verhandlungen bildete eine Massenkundgebung des NS.-Lehrerbundes im Zirkus Krone, auf der nach einleitenden Darbietungen aus den „Meistersingern" als ersten Redner Kultusminister S ch e m m ausführte, daß der unerschöpfliche Lebensquell die natioo.alfozialistische Weltanschauung, die deutsche Art und das deutsche Wesen sei. Die Schule kann nie Selbstzweck fein. Lehrer und Erzieher müssen immer mitten im Leben stehen. Den alten Schulen hat vor allem eins gefehlt, nämlich die Kameradschaft. — Weiter betonte der Staatsminister, daß er gar nicht daran denke, die Le^rnschule oder die Arbeitsschule auszuschalten. Bside aber müßten der Charakterschule untergeordnet sein. Reichsuntemchtsminisier Aust nahm dann 'das Wort. Adolf Hitler schuf die Gegenwart, so scigte der Minister u. a.; die Kolonnen der deutsch- n Fugend, die heute marschieren, werden sich in' der Zukunft selb st behaupten müssen. 7)ie Vorbereitung hierzu liegt beim d e u t s ch n E rz i e h e r. Diejenigen, die Hitlers Erbe einst zu vollenden haben, können nur durch Nationalsozialisten erzogen werden. Elternhaus und Schule formen das Kind. Die Bewegung ist berufen, da für zu sorgen, daß die nächste Generation benKampf besteht. Das Schicksal hat die lebende Generation geglüht im Ofen des Leides. Die for/.imen, ukissen nichts davon, sie müssen also rechtzeitig erzogen sein für ihre große Aufgabe. llnb so kommt denn zwangsmäßig eine Er- scheinuing, die auf dem Gebiete der Erziehung neben Lehrer und Elternhaus mit einem Male neu 'in die Erscheinung tritt, die 53 u g e n b ■ selb /st, die unter der Fahne Adolf Hitlers steht. Nationalsozialist wird man nur im Lager und in d!er Kolonne. Wenn die Hitlerjugend heute die Atritik viel zu spüren bekommt, bann sage ich öfter/., ich stehe zur Fugend. 77un beginnt der Streit um die Zeit tyr Jugend, und Schule und Elternhaus und ff; 3. machen sich diese Zeit strittig mit dem Erfolg, daß keiner etwas hat. Ich habe es als meine erste Aufgabe angesehen, hier einzugreifen. Ich gehe von dem Grundsatz nicht ab und ich werde dafür sorgen, daß die Schaffung einer deutschen Staatsjugend nicht vergessen wird. Die ewige Zelle eines großen Volkes ist und bleibt die Familie. Ich habe daher im Einvernehmen auch mit der Führung der H3. eine klare Teilung vorgenommen: die Schule solle bekommen, was der Schule ist. Ebenso die HI. und die Eltern, was ihnen gehört. So habe ich den Sonntag wieder zum Tage der Familie gemacht. Den siebenten Tag der Woche der deutschen Familie. Den 6. Tag gab ich der deutschen Staatsjugend. Es wird darüber weder die deutsche Schule, noch das deutsche Volk zusammenbrechen. Denn an den übrigen Schultagen haben wir dann frische Buben und Mädels in unseren deutschen Schulen. Es wirb eine neue Grunbeinteilungbes Jahres zu vollziehen sein, damit im Sommer alljährlich die Möglichkeit gegeben wirb, bie L e h- rcr ohne Unterschied des Faches zu sammeln unb sie wissenschaftlich, sportlichunbnatio- nalpolitisch zu überholen. Fn biesen Lagern gibt es keine erste unb keine zweite Klasse. Am Ende ber Uebungszeit wirb jeber seine Beurteilung bekommen. Es wirb niemanb in Deutschlanb daran gehindert, seine besonderen fachlichen Arbeiten und Studien zu betreiben. Was ich aber nicht brauche, ist Fachberatung, die hole ich mir, wo ich sie brauche. Fch werde mir Männer zur Fachberatung holen —und ich werde das bestimmt nicht unterlassen — die im ganzen Volke verstreut sind. Fch versichere: Wir wollen keine Zentralbürokratie. Wir brauchen auch eine ft a r k e fachliche Schulung u n s e r e r I u g e n d. Wir werden politisch niemals klein zu trugen fein, wenn wir Zusammenhalten. Aber wir müssen auch noch etwas anderes. Wir müssen auch das tägliche Brot uns selbst schaffen. Höchste Leistungsfähigkeit des deutschen Qualitätsarbeiters und umgestellte Forschung des deutschen Wissenschaftlers ist die Voraussetzung dazu. Den Führer hat nicht Gold und Macht geführt, sondern d er f elf e n feste Glaube an die unzerstörbare Kraft seines deutschen Volkes. Mr stehen nun- mehr am Anfang einer Neubildung des deutschen Erziehungswesens. Deutsche Eltern und Grjuber. Fch rufe Euch auf, nun mit mir auch diesen beut» chen Glauben zu zeigen, um Deutschlanb zu einem Volke zu machen. Oer Oank der HI. B e r I i n , 9. Funi. (DNB.) Fn einer Mitteilung tDes Reichsjugenbpressebienstes heißt es: Freitag- abenb hat der Reichsminister für Erziehung und Unterricht eine entscheidende Neuerung des nationalsozialistischen Deutschland bekanntge- geben: den Staatsjugendtag. Eine wahrhaft nationalsozialistische Tat ist geschehen. Durch diesen revolutionären Schritt hat Reichsminister Rust der HI. die Möglichkeit gegeben, die 6 Millionen deutscher Jungens und Mädels, die in ihrer Organisation zusammengefaßt sind, an einem ganzen Tag in deutscher Staatspolitik zu schulen und dadurch das Vermächküis Adolf Hitlers in die kommenden Jahrhunderte wei- terzugeben. Dieses Abkommen zwischen dem Reichsminister Rust und dem Reichsjugendführer Baldur v. Schirach stellt das Ergebnis von Verhandlungen dar, die zu einem schnellen positiven Abschluß führten, weil sie von dem Geist des jahrelangen besonders herzlichen Verhältnisses zwischen dem Reichsminister und dem Reichsjugendführer getragen waren. Reichsminister Rust hat sich durch diese Tat zur HI. bekannt und er und mit ihm der nationalsozialistische Staat haben damit die Erziehungsarbeit der HI. als einen entscheidenden gleichberechtigten Faktor der Erziehung der deutschen Jugend neben der Schule unb b e m Elternhaus bestätigt. Schwere Bombenanschläge auf drücken internationaler Sisenbahnjirecken in Oesterreich. Wien, 9. Juni. (DRV. Funkspruch.) In der heutigen Nacht sind zwei schwere Bomben« anschlägeauf Eisenbahnbrücken der großen internationalen Strecken verübt worden. Auf der V a h n- linie Wien—Salzburg — Innsbruck — Zürich wurde bei Vöcklamarkt auf die Eisen- bahnbrücke ein Vombenattentat verübt. Nach polizeilichen Mitteilungen ist die Eisenbahnbrücke derart beschädigt, daß mit einer sechs- tägigen Unterbrechung des Verkehrs gerechnet werden muß. Der Schnellzug Wien- Paris, der zehn Minuten nach dem Anschlag die Brücke passieren sollte, konnte gerade noch rechtzeitig angehalten werden. Ein weiteres Vombenattentat ist auf der Strecke Wien — Triest zwischen Semmering und Breitenstein verübt worden. Nähere Einzelheiten stehen vorläufig noch aus. Aus der w e st b a h n st r e ck e müssen die Züge bis zur zerstörten Brücke von Vöcklamarkt herangeführt werden. Dort müssen die Reisenden aussteigen und werden über eine rasch errichtete Notbrücke geleitet, worauf sie dann in einen neuen Zug einsteigen können. Aus der Südbahnstrecke wurde der O-Zug-Fernverkehr über Bruck— Leoben—Selzlal auf die Westbahnstrecke u m geleitet. Das bedeutet für alle aus dem Süden kommenden Fernzüge eine Verspätung von vielen Stunden. Es besteht die Vermutung, daß es sich auch bei diesen Anschlägen genau wie bei den großen Anschlägen zu den pfingsifeiertagen, um die von langer Hand vorbereiteten Anschläge marxistischer Spreng- kolonnen handelt, die mit außerordentlicher Sachkenntnis, aber auch mit großer Kühnheit zu Werk gegangen sind. Besonders die Sprengstelle am Semmering befindet sich an einem ziemlich unzugänglichen Ort. Generaiinspekleur Todt eröffneldieMünchenerAusstellung„DieSlraße" München, 9. Juni. (DNB.) Heute vormittag wurde in München in Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste die Ausstellung „Die Straße" eröffnet. Dabei hielt der Generalinfpckteur für bas beutfche Straßenwefen, Dr. Tobt, eine Ansprache, in der er u. a. folgende Gedanken ausführte: Seit es Menschen gibt, ist die Straße Kulturträger, ist Weg und Steg unablässig verbunden mit dem Menschen. Neben der Hütte und dem Acker, der Siedlung ist das erste, was der Mensch sich richtet, sein Weg, die Straße. Im primitivsten Stadium der Entwicklung hat die Straße ihre Bedeutung. Sie behält die gleiche Bedeutung in Zeiten höchstentwickelter Kultur. Immer in der Geschichte setzte in Zeiten einer aufsteigenden kulturellen Entwicklung und in Zeiten einer kraftvollen Machtentfaltung eine besonders lebhafte Tätigkeit im Straßenbau ein. Es ist eine erneute Bestätigung dieser geschichtlichen Zusammenhänge, daß im nationalsozialistischen Staat schon elf Tage nach der Machtergreifung, der Führer sein großzügiges Straßenbauprogramm angekün- bigt hat, das innerhalb Jahresfrist in ganz großem Umfang in Angriff genommen wurde und an einzelnen Stellen schon der Vollendung entgegengeht. Das Gesamtprogramm des deutschen Straßenbaues ist wichtiger Bestandteil des großen vom Führer eingeleiteten Planes der Motorisierung des Verkehrswesens. Wenn die Reichsregierung auf Veranlassung des Führers schon im ersten Fahr des gewaltigen Bauprogramms ber Reichsautobahnen, in dem noch nichts Fertiges gezeigt werden kann, die Ausstellung „Die Straße" veranstaltet, so hat sie dafür verschiedene Beweggründe. Das Fnteresfe an der Straße soll bei der gesamten Nation wieder geweckt werden. Jahrzehntelang war die deutsche .Landstraße ein Stiefkind, vernachlässigt von denen, die sie benützten. Fetzt soll die von Fahr zu fFahr wachsende Zahl der Kraftfahrer voll Anteil nehmen an der Gestaltung ihrer Wege. Das Volk soll wissen, wie die Lebensadern der Nation gestaltet werden. Nur bei einer regen Anteilnahme ber gesamten Nation an einem derartig gewaltigen Bauvorhaben kann ein solches Werk organisch aus dem Volk heraus entstehen unb organisch in bie Nation hineinwachsen. I --------------------- Strafgefangene sollen 50000 Hektar Moor im Ausland Initiieren. Ein Riesenprogramm des An ber hollänbischen Grenze liegen die großen Moore des E m s l a n b e s. Ihre Kultivierung ist seit Jahren geplant unb stellenweise in Angriff genommen. Jetzt hat der preußische Justizminister Kerrl ein Projekt ausgearbeitet, bas bie Arbeit der Strafgefangenen für die Kultivierung dienstbar machen will. Dieser Plan sieht vor, rund 50 000 Hektar in Kulturland umzürn a n d e l n (vergleichsweise sei erwähnt, daß bie berühmte Urbarmachung ber pontinifchen Sümpfe durch bas neue Italien 75 000 Hektar erfaßte). Die ersten Arbeiten im Moor würben vo n Schutz- Häftlingen geleistet, die nunmehr im weitesten Umfange durch Strafgefangene ersetzt worden sind. Es bestehen jetzt in den verschiedenen Moorgebieten vier Lager. Die Zahl ber Lager soll in Kürze a u f a ch t e r h ö h t werben. Zur Durchführung bes Gesamtplanes finb im ganzen 21 Lager erforderlich. Für bie Justizverwaltung bebeutet bie Unterbringung einer so großen Zahl von Gefangenen gleichzeitig eine wesentliche Entlastung ber stärk überbelegten Zuchthäuser unb Gefängnisse unb gibt ihr vor allem bie Möglichkeit, ber katastrophalen Arbeitslosigkeit in ben Gefangenenanstalten wirksam zu begegnen, ohne sich bem Vorwurf einer Konkurrenz des preußischen Zustizministers. freien Handwerks oder Gewerbes auszusetzen. Die Arbeiten werden unter Leitung der Kultur- und Kulturbauämter unb unter Zuziehung sachoerstänbiger Moorfachleute ausgeführt. Zunächst werden Wirtschaftswege angelegt unb Entwässerungsanlagen (Vorfluter) geschaffen. Die Bearbeitung des Moores felbst ist verschiedenartig, je nachdem es sich um Niederungsmoor ober Hochmoor handelt. Welche große wirtschaftliche Bedeutung ber Torfgewinnung zukommt, mag man daran ermessen, daß die Moore des Emslandes annähernd 150 Milliarden Kilowattstunden erzeugen, d. h. den ganzen Stromverbrauch des Deutschen Reiches auf acht bis zehn Jahre decken könnten. Die Ankaufs- unb Kultivierungskosten zur Durchführung des Gesamtprogrammes erfordern rund 44,5 Millionen RM. In welcher Zeit sich das Gesamtprogramm verwirklichen läßt, hängt im wesentlichen davon ab, wie schnell die erforderlichen Mittel verfügbar gemacht werden können. Wenn alle 21 Lager sofort in Betrieb genommen werden könnten, wären 12 Jahre nötig, um dieses Niesen- Werk der Kultivierung von 50 000 Hektar Moorboden zum Abschluß zu bringen. Ser verschleierte Bankrott. Don den beiden diplomatischen Paralleloeranstal- tungen in Genf, Abrüstungskonferenz und Völker» dunbsrat, hat letzterer seine Frühjahrstagung bereits beendet, unb zwar mit einem für Deutschlanb durchweg erfreulichen Ergebnis, so problematisch unb lückenhaft auch im ganzen genommen ber Ertrag seiner Arbeit auch biesmal gewesen ist. Der Dölkerbunbsrat hat sich ber ihm im Versailler Vertrag zugewiesenen Aufgabe unterzogen, für die Volksabstimmung im Saargebiet mit dem 13. Januar 1935 den frühestmöglichen Termin feftaulegen unb außerbem Maßnahmen für einen ordnungsgemäßen Verlauf ber Abstimmung zu treffen. Darunter fehlt allerbings zuguterletzt boch noch eine ber wichtigsten, nämlich bie Ernennung ber aus drei Neutralen gebildeten A b - stimmungskommission. Man hatte die Schweiz, Schweden und Holland dazu ausersehen, je ein Mitglied dieser für den reibungslosen Verlauf der Abstimmung mit ungemein wichtigen Aufgaben betrauten unb baher auch mit besonderen Vollmachten ausgestatteten Kommission zu fteüen. Aber nachdem der anfangs für diesen Posten ausersehene Schweizer bas an ihn gerichtete Ersuchen abgelehnt hat, scheint bie Suche nach einem Ersatz bisher erfolglos geblieben zu fein, fo daß ber Dölkerbunbsrat auseinanbergegangen ist, ohne biefe ihm noch obliegende Aufgabe erfüllt zu haben. Wir möchten nur wünschen, daß damit nicht ber vom Generalsekretär bis hinab zu ben Tippfräuleins mit Franzosen unb Franzosenfreunden durchsetzten Völkerbundsbürokratie im letzten Augenblick eine für uns gewiß höchst unerwünschte Möglichkeit eröffnet wurde, um ihren Einfluß spielen zu lassen. Bei der ganzen Behandlung der Saarfrage in Genf ist das eine wieder einmal ganz deutlich geworden: der Völkerbund als solcher unb seine Organe finb ebenso unbeweglich wie unfähig zu schnellen unb präzisen Entschlüssen, daß das Saarproblem vermutlich genau fo auf die lange Bank geschoben worden wäre, wie die vielen andern internationalen Angelegenheiten, die seit Jahr unb Tag vor dem Genfer Forum fruchtlos hin- unb hergezerrt werben, wenn nicht bie an ber Saar- abstimmung allein interessierten beiben Mächte Frankreich unb Deutschlanb unter Vermittlung einer dritten gänzlich uninteressierten und daher auch wahrhaft unparteiischen Macht, nämlich Italiens in direkter Aussprache sich über alle wesentlichen Punkte der bei der Volksabstimmung zu beobachtenden Form geeinigt und auch untereinander Garantien für die Freiheit der Abstimmung ausgetauscht hätten, so daß dem Dölker- bundsrat tatsächlich nichts zu tun übrig blieb, als zu dem bereits Erreichten seinen Segen zu geben. Wie notwendig es aber ist, daß der Dölkerbunds- rat jetzt nicht auf feinen nicht selbst verdienten Lorbeeren ausruht, sondern mit aller Beschleunigung den Abstimmungsapparat aufzieht und vor allem die Abstimmungskommisfion in Funktion treten läßt, das sieht man aus den krampfhaften Bemühungen des famosen Herrn Knox, Präsidenten ber Regierungskommission bes Saargebiets, solange ihm noch bas Felb allein gehört, in aller Eile noch ein paar „Fälle" zu konstruieren, mit ber er seine Behauptung beweisen kann, Ruhe unb Drbnung im Saargebiet sei ohne erhebliche Verstärkung ber Polizeikräfte nicht aufrechtzuerhalten. Die Vorgänge in Saarlouis, wo Knox dem Bürgermeister die Polizeigewalt entzog, weil dessen Polizei angeblich einem Ueberfaü auf die Geschäftsstelle der Saarländischen Wirtschafts-Vereinigung untätig zuge- schaut hat, ist ein typisches Beispiel für die Torschlußpanik der Herren von der Regierungskom- Mission und ihrer Freunde aus dem Emigrantenlager. In Wahrheit handelte es sich in Saarlouis um Ausschreitungen zweier stadtbekannter Trunkenbolde, ehemaliger Kommunisten, die dann bei der Wirt- schaftsoereinigung, einem separatistischen Unternehmen, Unterschlupf fanden, aber auch hier bald wieder ausschieden, und sich nun an ihrem ehemaligen Kumpan, dem Geschäftsführer ber Vereinigung, reiben wollten. Eine lächerliche Affäre, wie sie überall zu den Alltäglichkeiten gehört und so auch von ber Polizei zweckmäßig dehanbelt wurde. Aber Fran- zöslinge unb Emigranten müssen schon mit solchen Bagatellen vorlieb nehmen, um Herrn Knox Unterlagen für bie „unparteiische" Betätigung feiner landesverräterischen Fürsorge für die Saarländer zu geben. Unter Leitung des berüchtigten Separatistenhäuptlings Dr. Hector wurde vor der Geschäftsstelle der Wirts^aftsvereinigung aus zusammengeschleppten Einrichtungsgegenständen eine Szene gestellt und photographiert, die marxistische und Emi- grantenpresse schrie Zetermordio über diesen neuen „Terror" der Deutschen Front, die in Wahrheit an dieser reinen Separatistenkeilerei in keiner Weise beteiligt ober interessiert war, unb Herr Knox holte zum Schlage gegen ben Bürgermeister aus. Das Zu- sammenspiel zwischen Separatisten unb Regierungskommission hatte roieber einmal rounberbar geklappt. Damit aber enblich dieser jeder Unparteilichkeit hohnsprechenden und die eingesessene Bevölkerung Bes Saargebiets ungemein aufreizenden Methode radikal ein Ende gemacht wird, ist es Pflicht des Völkerbundsrats und aller beteiligten Stellen, für die beschleunigte Ingangsetzung des Abffimmungs- apparats Sorge zu tragen. Vielleicht können bann bie Saarbeutfchen vor ihrer Rückkehr ins Reich noch erfahren, was wahre Unparteilichkeit heißt. Bisher haben sie ja von ihr wenig genug zu spüren bekommen. * Währenb also in ber Saarfrage durch eine direkte Aussprache ber beiben interessierten Mächte unter ber sehr geschickten Vermittlung Italiens eine Einigung geglückt ist, finb bie Aussichten für eine VerstäNbigung auf der Ab- rüstungskonferenz trotz der gestern abend im Hauptausschuß einstimmig angenommenen Entschließung äußerst gering. Sobald man nämlich von der Oberfläche in die Tiefe des Problems zu dringen sucht, stehen sich die Gegensätze in unveränderter Schroffheit gegenüber, wie sie ja auch die der Entschließung vorausgegangene achttägige Debatte im Präsidium immer wieder gezeigt hat. Immer neue Vorschläge wurden gemacht und wieder verworfen, denn jeder vernünftigen Einigung stand Frankreichs „Nein" als unüberwindbares Hindernis entgegen. Damit ist der Beweis erneut erbracht worden, daß die Genfer Methoden unbrauchbar sind und der deutsche Entschluß, sich von Genf zurück- zuziehen, richtig war. Der von Deutschland eingeschlagene Weg zwei- oder mehrseitiger diplomatischer Verhandlungen hätte bereits zum Ziel führen können, wenn nicht auch hier Frankreichs „Nein" jede Fortsetzung der Verhandlungen unmöglich gemacht hätte. Frankreich will eben keine Verständigung, es will nicht abrüsten und auch keinen Rüstungsaus- tzleich, deshalb aber auch keine Konvention, die ihm irgendwelche Bindungen auferlegt. Bindungen will es nur für die anderen, selber aber möchte es sich volle Handlungsfreiheit Vorbehalten. Dahinein paßt auch der neueste Schachzug, Moskau vorzuschieben und unter seiner Führung die Sicherheit Europas durch zwischenstaatliche Militärbündnisse zu stabilisieren. So zeichnen [ich in Genf auch durch die Vertuschungen gemeinsam gefaßter Entschlüsse die Fronten klar und deutlich ab. Auf der einen Seite stehen Großbritannien, gestützt von den Vereinigten Staaten, und die sechs „neutralen" Mächte, Schweden, Norwegen, Dänemark, die Niederlande, die Schweiz und Spanien. Sie alle wollen den Abschluß einer Abrüstungskonvention und verlangen eine Garantie der aus diesem Abkommen entspringenden Verpflichtungen, die olle Mächte freiwillig übernehmen. Man muß sich ohne weiteres darüber klar sein, Laß die gegenwärtige Genfer Politik Englands nicht etwa einseitige Parteinahme für das Deutsche Reich bedeutet, vielmehr gegen die Bündnispolitik gerichtet ist, die den europäischen Kontinent aufspalten und über kurz oder lang zu kriegerischen Verwicklungen führen muß. Das will England, durch die Lehren des Weltkrieges gewitzigt, unter allen Umständen vermeiden. Sollte Barthou bei seinem ongekündigten Besuch in London den Versuch einer Einbeziehung Englands in das französisch-russische Bündnis machen, so dürfte er tauben Ohren predigen, zumal den Briten Litwinows Rolle als Friedensengel, für Europa sowohl wie für den Fernen Osten, einigermaßen verdächtig sein muß. Aber bei aller Anerkennung der englischen Aus- gleichsbemühungen und der Rede Sir John Simons, die den deutschen Ansprüchen in rüstungspolitischer Hinsicht gerecht wurde, wäre es verfehlt, aus dem englisch-französischen Gegensatz, der sich jetzt in Genf mit seltener Schärfe aufgetan hat, allzu große Hoffnungen herleiten zu wollen. Italien hat sich bei den Verhandlungen der letzten Tage eine außerordentliche Zurückhaltung auferlegt; das will aber nicht besagen, daß es nicht an der von Mussolini mehr als einmal festgelegten Abrüstungspolitik festhalten wird, und diese italienische Abrüstungspolitik gipfelt, was das Deutsche Reich anbetrifft, in der Anerkennung seiner wehrpolitischen Gleichberechtigungsforderung. Eine gewisse Sonderstellung nimmt Polen ein, das in Litwinows Beistandspaktplänen kein Heil erbllckt. Auf der anderen Seite stehen Frankreich und die um Frankreich gruppierten Mächte: Sowset- r u ß l a n d, die T ü r k e i, die Kleine Entente, und teils sich überschneidend, die Mächte der Balkan-Paktes; sie alle machen in erster Linie die Sicherheit zu ihrem Leitmotiv, jene Sicherheit, die in dem Plan eines „europäischen Beistands- Saktes" — man hat ein östliches und ein westliches iertragssystem und womöglich noch einen Mittelmeerpakt im Sinne — ihren Ausdruck finden soll. Und diese Beistandspakte sollen, in Anlehnung an das berüchtigte Genfer Protokoll von 1924, aufgebaut sein auf der bekannten französischen Idee einer automatischen Kontrollgarantie. Diesen Zweck verfolgt ja auch Litwinows famose „Friedens"- Konferenz, denn sie soll „alle Mittel verfolgen, die die Sicherheit stärken könnten und rechtzeitig alle Maßnahmen treffen, um den Frieden zu sichern, wobei es sich um moralische, wirtschaftliche, finanzielle oder auch andere Mittel handeln könnte". Frankreich und Rußland speziell sind, wie die „Times" durchaus zutreffend bemerken, bestrebt, „ein System von Defensivbündnissen gegen Deutschland auf der Grundlage der bewaffneten Macht zu bilden". Rußland will sich vor den französischen Garantie- und Sicherheitswagen spannen, um dafür die Garantie seiner eigenen Grenzen durch Frankreich, nicht nur in Europa, sondern auch im Fernen Osten einzutauschen. Als Sturmbock gegen das Deutsche Reich wird Sowjetrußland den Franzosen hochwillkommen sein; ob Frankreich aber zur Gegenleistung, die eine Orientterung seiner ganzen weltpolitischen Konzeptton nach Moskau und Ver- Wicklungen mit Japan bedeuten könnte, bereit sein wird, ist eine andere Frage. Diese Blockbildung in Gens kommt den Franzosen ungelegen. Sie hatten aus einen Ueberraschungssieg, ihrer Sicherheitsthese gehofft, aber nicht mit einem so entschiedenen Widerstand der von England geführten Mächtegruppe gerechnet, die nun nach der ongriffslustigen, aber vielleicht gerade durch ihren maßlos gereizten Ton verfehlten Rede Barthous den Spieß umdrehte und zusammen mit dem Prä- sidenten der Konferenz, dem Engländer Henderson, den Franzosen die Sorge für eine die Fortführung der Konferenzarbeit ermöglichende Entschließung zuschoben. Nach langem Sträuben hat Barthou dann auch einen Entwurf vorgelegt, der in einer vertraulichen Besprechung mit Engländern und Amerikanern so modifiziert worden ist, daß er nun als ein Kompromiß gelten kann, welches man im Hauptausschuß bei Vorbehalten Italiens, Polens und Persiens immerhin zur einstimmigen Annahme gebracht hat. Das konnte aber nur dadurch gelingen, daß man, um möglichst allen Meinungen gerecht zu werden, Abrüstung, Durchführungsgarantien und regionale Sicherheitspakte zu einem undefinierbaren Brei zusammenmixte, dessen gänzliche Unverdaulich- feit sich sehr bald Herausstellen dürfte. Das interessanteste an dieser Entschließung ist der unverhüllte Hinweis auf den leerenStuhlDeutsch- lands. Henderson sowohl wie die amerikanische und britische Delegation haben schon seit Beginn der Genfer Besprechungen die Meinung vertreten, daß es ohne Deutschlands Teilnahme keinen Sinn habe, die Konferenz fortzusetzen, wie ja auch eine Abrüstungskonvention ohne Deutschlands Mitwirkung niemals praktisch werden könne. Barthou hatte dem anfangs mit schroffen, ironisch zugespitzten Wendungen widersprochen. Nun aber, wo er mit seiner eigenen These nicht jo schnell und restlos Oie Weiterarbeit in Genf noch einmal erreicht. Oie rettende Formel im Hauptausschuß angenommen. — Man hofft auf direkte Verhandlungen mit Deutschland. - Die wahren Schwierigkeiten sotten verschleiert werden. Genf, 8. Juni. (DNB.) In der Sitzung des Hauptausschusses der Abrüstungskonferenz, der bekanntlich alle an der Konferenz teilnehmenden Staaten umfaßt, bezeichnete Barthou die Zu- ammenarbeit Englands und Frankreichs als eine wichtige Grundlage des Friedens. Er verlas dann nochmals den Entwurf und knüpfte an die wichtigsten Abschnitte in freier Rede Bemerkungen. Bei der Stelle, die sich mit den besonderen Besprechungen der Regierungen befaßt, die das Ziel haben oll, den endgültigen Erfolg durch die Rückkehr Deutschlands zu erleichtern, betonte er, daß in dem ursprünglichen Text nur eine Andeutung auf Deutschland enthalten gewesen sei; ie sei aber zu deutlich gewesen, so daß man nun den Namen auch ruhig ausspreche n_ könne. Deutschland sei freiwillig ausgetreten, die Tür habe ich hinter ihm geschlossen, und nun müsse es freiwillig zurückkehren. „Wir wollen keine Politikoer Einkreisung, wir wollen sie nicht, ie liegt nicht in unseren Absichten und in unseren Taten." Frankreich habe allein zur Sicherung des Friedens Beziehungen mit einigen Staaten angeknüpft. Eden (England) erklärte, jetzt sei eine Lösung gefunden, die der Konferenz über d i e nächste Zukunft hinweghelse. Die Schwierigkeiten seien in hohem Maße auf die Abwesenheit einer Großmacht zurückzuführen, deren Mitarbeit wesentlich sei. Die Sache der Abrüstung und der 23er« tänbigung habe durch diesen Entschluß einen Schlag erlitten. Es sei zu hoffen, daß die Aenderung der Atmosphäre auch auf die Haltung der deutschen Regierung einen Einfluß ausübe und sie zur Wiederbeteiligung an den Beratungen veranlassen werde. Litwinow erklärte, man könne nicht erwarten, daß er von der Entschließung begeistert sei, ebensowenig, daß er sie ablehnen werde. Rußland fei nicht gegen d i e Rückkehr Deutschlands ; ohne jede Entschließung habe die Sowjet- Regierung mehr als alle anderen Regierungen dafür getan, um Deutschland zu dieser Konferenz und vielleicht zu den anderen internationalen Organisationen zurückzubringen. Die von Rußland angeregte ständige Friedenskonferenz werde man in Europa auf lange Zeit hinaus brauchen. Wenn er auch von den Militärs der Roten Armee sagen könne, daß sie die friedlichsten Leute seien, so dürfe man die wichtige Rolle, die die Militärs jetzt in dem Schicksal der Völker spielten, nicht übersehen. Im Namen der sechs Neutralen erklärte der schwedische Außenminister Sandler, daß die Abrü st ungs frage nicht genügend hervorge- hoben sei. Die neutralen Staaten hätten ein besseres Gleichgewicht zwischen den beiden Gruppen Abrüstung und Sicherheit gewünscht und behielten sich vor, ihre Auffassung im Laufe der Beratungen geltend zu machen. Dann gab der italienische Vertreter Marchese di Soragna eine Erklärung ab, in der es u. a. heißt: Die italienische Abordnung ist der Ansicht, daß die Wiederaufnahme der Arbeiten der Konferenz nur dann Wert hat, wenn diese im richtigen Geist und in Uebereinftimmung mit den wirklichen K o n f e r e n z z i e l e n vorge- nommen wird. Dazu fehlen aber noch eine ganze Reihe wichtiger politischer Entscheidungen. Wir können zu keinem Beschluß unsere Zustimmung geben, der nicht der klare Ausdruck dieses Prinzips ist. Die italienische Abordnung wird diesem Prinzip auch im Hinblick auf die Einsetzung der vorgeschlagenen Kommissionen treu bleiben, die für Italien nicht von Interesse sind. Da der Entschließungsentwurf dem Grundsatz der vorherigen Lösung gewisser politischer Fragen nicht Rechnung trage, könne ihm Italien nicht zu stimmen. Abgesehen von diesen Fragen der Methoden werde Italien aber der friedlichen und vollständigen Lösung der ernsten Probleme niemals seine Mitarbeit versagen. Im Namen Polens machte Graf Raczynski Genf, 8. Juni. (DNB.) Die auf Grund der englisch-französisch-amenkanischen Vereinbarung von der französischen Abordnung ausgearbeitete Entschließung hat folgenden Wortlaut: „Der Hauptausschuß zieht die Entschließungen, die ihm die Abordnungen der sechs Mächte, die Abordnung der Türkei und die Abordnung der Sowjetunion oorgelegt haben, in Erwägung; er berücksichtigt die Klarstellungen, die in seinen Arbeiten durch das französische Memorandum vom 1. Januar 1934, das italienische Memorandum vom 4. Januar 1934, das englische Memorandum vom 29. Januar 1934 und die deutsche Erklärung vom 16. April 1934 voraenommen worden sind; er ist überzeugt von der Notwendigkeit, daß die Konferenz ihre Arbeiten fortsetzt, um zu einem allgemeinen Abkommen über die Herabsetzung und Begrenzung der Rüstungen zu gelangen; er ist entschlossen, die bereits unternommenen Studien unverzüglich sor^usetzen. (Er fordert das Präsidium auf, mit den von ihm für geeignet gehaltenen Mitteln und zum Zwecke der allgemeinen Annahme einer Abrüstungskonven- tion eine Lösung der in der Schwebe gebliebenen Fragen zu suchen, unbeschadet der besonderen Besprechungen, die die Regierungen etwa einleiten wollen, um den Enderfolg durch die Rückkehr Deutschlands zur Konferenz zu erleichtern. II. Unter Feststellung der besonderen Wichtigkeit, die das Studium und die Lösung gewisser, seit Anfang der allgemeinen Aussprache hervorgetretenen Probleme bieten, faßt der Hauptausschuß folgende Entschließung: 1. Sicherheit: a) Da die Ergebnisse der früheren Studien der Konferenz seit einem Jahr den Abschluß gewisser regionaler Sicherheits abkommen in Europa ermöglicht haben, beschließt der Hauptausschuß, ein Sonderkomitee zu ernennen mit der Aufgabe, diejenigen Vorstudien fortzusetzen, die es für notwendig hält, um den Ab- den Vorbehalt hinsichtlich der Ergebnisse der direk- ten Verhandlungen, fir.gte aber hinzu, daß es sich nur um eine Prozedurfrage handele. Schließlich machte der Vertreter Persiens den Vorbehalt wegen des Grundsatzes d er regionalen Pakte, von denen er eine Schuvächung des in den Artikeln 10 und 16 der Völkerd.undssatzung ausgesprochenen Gedankens der allgemeinen Unterstützung eines angegriffenen Staates befürchtete. Darauf stellte Henderson fest, daß die Entschließung mit den erwähn- ten Vorbehalten angenommen sei und berief den Hauptausschuß zu fviner nächsten Sitzung auf Montagnachmittag zusam men, damit er die weiteren Maßnahmen auf Grund des angenommenen Arbeitsprogrammes treffen könne. schluß der neuen Abkomme n der gleichen Art, die außerhalb der Konferenz verhandelt wer- den könnten, zu erleichtern. Es wird Sache des Hauptausschusses sein, die etmaigen Beziehungen dieser Abkommen zu der allgemeinen Konvention zu bestimmen. b) Der Hauptausschuß beschließt, ein Sonde r« komitee zu ernennen mit ber Aufgabe, die Frage der Ausfuhrungsgantien zu studieren und die Arbeiten hinsichtlich der Kontrolle wieder aufzunehmen. 2. Luftfahrt: Der Hauptausschuß beauftragt fein Luftfahrtkomitee, sofort das Studium der in seiner Entschließung vom 23. Juli 1932 unter her Rubrik „I. Luftstreitkräfte" bezeichneten Fragen wiederaufzu- nehmen. 3. Waffenhersta'lung und Waffenhandel: Der Hauptausschuß fordert feftn Sonderkomitee für die Fragen der Waffenherstellung und des Waffenhandels auf, sofort seine Arbeiten wiederaufzunehmen und ihm im Dichte der Erklärung, die der amerikanische Vertreter am 30. Mai 1934 abgegeben hat, in kürzestmögücher Frist über die Lösungen, die er empfiehlt, zu berichten. Diese Ausschüsse sollen nebenbeiiumber arbeiten. Das Büro hat die Aufgabe, die Ergebnisse zusam- menzufassen. III. Der Hauptausschuß überläßt es tem Präsidium, im geeigneten Augenblick b i e notwendigen Maßnahmen z u ergreifen, damit er, wenn der Präsident ihn einberuft, soweit wie möglich einen vollständigen AbkommensLntwurf vorfindet. IV. In Anbetracht dessen, daß der DorscHlagder russischen Abordnung, bte Konferenz unter der Bezeichnung als Friedenskonferenz In Permanenz zu erklären, ein aufnnerksames Studium erfordert, bittet der Hauptausschuß den Präsidenten, die Regierungen mit diesem Porschlag zu befassen." Oer Wortlaut der Entschließung parisfeierteinen„Gieg"Barthou6 Die französischen glische Freundschaft gerettet. Lurchzudringen vermag, wie man es sich in Paris I wohl gedacht hatte, scheint es ihm plötzlich zweckmäßig auch seinerseits sich dem Wunsch nach Rückkehr Deutschlands auf die Abrüstungskonferenz an- zuschließen. Nach allem Vorausgegangenem wird mau uns einiges Mißtrauen nicht verargen dürfen und uns die Frage erlauben, ob Herr Barthou uns vielleicht als Sündenbock zu mißbrauchen gedenkt, den die Schuld am Scheitern der Abrüstungskonferenz trifft, wenn er sich weigert, der Aufforderung, nach Genf zurückzukehren, Folge zu leisten? Den Glauben an eine ehrliche Bereitschaft zur Zusammenarbeit ohne Hintergedanken und innere Vorbehalte hat uns Herr Barthou ja gründlich ausgetrieben. Der Wink mit der Gleichberechtigung genügt also nicht mehr, uns von unserer erst nach einem langen Geduldspiel eingeschlagenen gradlinigen Marschroute wegzulocken. Die diplomatischen Verhandlungen, zu deren Versanden ganz allein Frankreichs Starrheit die Ursache gab, haben hinreichend die deutsche Bereitwilligkeit zum Abschluß einer Abrüstungskonvention erwiesen, wenn in ihr Deutschlands Anspruch auf Gleichberechtigung auch nur im bescheidensten Ausmaß praktisch Rechnung getragen wird. Das ist Deutschlands letztes Wort. Mit der Liquidierung der Genfer Konferenz mögen diejenigen sehen, wie sie fertig werden, die mit ihrer Politik der Obstruktion und Verschleppung Deutschland einst gezwungen haben, sich von einer Diskussion zurückzuziehen, die — um Herrn Simon zu zitteren — nur um der Diskussion willen fortgesetzt wurde. Italien lehnt scharf ab. Mailand, 9. Juni (DNB.- Funkspruch). Das Genfer Kompromiß stößt in der italienischen Presse auf entschieden st e Ablehnung. Die lieber« schristen der Genfer Berichte kennzeichnen die Genfer Formel einhellig als Maskierungsversuch des völligen Bankerotts der Konferenz. Italien habe an ihr nicht teil und werde, falls es in dem zu bildenden Komitee vertreten sei, nur als Beobachter auftreten. — „Popolo d'Italia" schreibt, die Franzosen und Engländer hätten einer Vereinbarung Leben gegeben, die tatsächlich auf Zweideutigkeiten basiere und versuche, fundamentale Unstimmigkeiten und den Zusammenbruch der Konferenz zu v e r s ch l e i e r n. An einer so wenig ehrlichen Formel habe die italienische Delegation nicht den gering ft en Anteil. Die vereinbarten Punkte könnten als Versuch Frankreichs interpretiert werden, unter der Aegide des Völkerbundes Flotten- und Militärallianzen zu bilden. Mehrere Punkte seien völlig absurd. — „Corriere della Sera" schreibt: Die öffentliche Meinung werde in den Worten des italienischen Delegierten die Absage an solche nutzlosen Kompromisse geben. Die „Stam- pa" äußert, man habe einer grotesken Farrn e l zugestimmt. Bei den vorgeschlagenen Vereinbarungen handele es sich um Dinge von allergeringstem Interesie, die gar keine Bedeutung hätten, solange nicht vorher einige politische Fragen gelöst feien, angefangen mit der Rückkehr Deutschlands nach Genf. Paris, 9. Juni. (DNB.-Funkfpruch.) Der französische Außenminister, der dem heute vormittag zu- sammentretenden Kabinettsrat über die Genfer Verhandlungen Bericht erstatten wird, darf der einmütigen Zustimmung seiner tDl i n i ft e r • tolle gen versichert fein. Die Presse tut natürlich das Ihrige, die Annahme des Entschließungsentwurfes in Genf als einen großen persönlichen Erfolg Barthous und der französischen Diplomatie gebührend zu feiern. Barthou habe nicht nur die Manöver, durch die Frankreich die Verantwortung für das Scheitern der Konferenz aufgebürbet werden sollte, durchkreuzt, sondern auch seine ursprüngliche Entschließung mit geringen Abänderungen durch gedrückt, so daß der französische Sicherheit st and- punkt letzten Endes doch gesiegt habe. Dor allem habe er d i e französisch-englische Freundschaft gerettet und gleichzeitig die französisch-englische-amerikanifche im September 1933 durch die Pariser Verhandlungen geschaffene moralische Front wieder hergestellt. Das etwa sind die Leitgedanken, in denen die Blätter sich bewegen und die außerdem die erste Auswirkung des französischen „Triumphes" in einer Einladung Macdonalds an Barthou, nach London zu kommen, erblicken wollen. Der Besuch wird in der ersten Iuliwoche erfolgen. Nach Ansicht des „Excelsior" dürste der „Fall Deutschland" in dem Mittelpunkt der Besprechungen stehen. „Le Jour" führt die Einladung auf die Furcht vor der Bildung eines französisch-russischen London, 9. Juni (DNB.-Funkspruch). Die englische Presse schenkt dem soeben eröffneten internationalen Kricket-Kamps zwischen England und Australien, dem größten Ereignis der diesjährigen Sportsaison, eine weit größere Beachtung als der Genfer Kompromißlösung. Keine Zeitung zeigt irgendwelche Begeisterung über die von der Abrüstungskonferenz angenommene Formel, der man höchstens den Vorzug einräumt, eine „versöhnlichere Atmosphäre" geschaffen zu haben. Die Möglichkeiten einer Rückkehr Deutschlands nach Genf, die im ersten Paragraphen der Entschließung angebeutet sind, werden sehr skeptisch beurteilt. Die Blätter lassen sich aus Berlin melden, daß Deutschland nicht daran denke, von seinem Standpunkt abzugehen, daß zuerst die deutsche Gleichberechtigung g e s i cy e r t sein müsse, bevor Deutschland zurückkehren könne. Der diplomatische Mitarbeiter der franzojen- freundlichen „Morning Post" schreibt, die Genfer Entschließung wiederhole nur die von den Blocks zurück und warnt vor illusorischen Hoffnungen auf die Erneuerung der entente condiale, begrüßt aber dennoch die Annäherung Englands an Frankreich, weil somit das Schlimmste verhütet werde. „Wir haben uns mit England wieder versöhnt", schreibt „Oeuvre", „so daß die Note vom 17. Aipril kein Hindernis mehr für unsere guten Beziehumgen ist, obwohl wir keineswegs nachgegeben haben. Wkr haben unseren Standpunkt gegenüber Deutschland aufrechterhalten und durch England, Amerika und ganz Europa die französisch-ruf fische Kontinentalpolitik, die wir künftig betreiben wollen, anerkennen lassen." Daß Barthou die Abrüstungskonferenz gerettet habe, ist auch die Ansicht des „Journal" und des „Echo de Paris", die jedoch nicht in dem Weiterdest^hen einiger Organismen bas Wesentliche erblicken, sondern in den jetzt beginnenden diplomatischen Verhandlungen. „Die Zukunft hängt mehr von den Ereignissen außerhalb Genfs ab", schreibt „Journal", „als von künstlichen Mitteln, die lediglich dazu bestimmt sind, einen offenen Bruch zu vermeiden." Auch „Echo de Paris" häll das getroffene Kompromiß für recht bescheiden und sogar ä u ß e r st u n b e fti m m t. Es erhalte die Konferenz für einige Monate am Leben. Aber während dieser Frist werde man feststellen können, ob es möglich sei, Deutschland für die Rückkehr nach Genf zu gewinnen, damit es dort in ein „Friedenssystem eingespannt" werde. verschiedenen Parteien seit dem Austritt Deutschlands behaupteten Standpunkte, weise aber nicht den Weg, wie Deutschland zurückgebracht werden könne. Dies erfordere wahrscheinlich noch viele Verhandlungen, falls nicht entweder Deutschland oder Frankreich ihren Ton änderten. Die Deutschen würden es wahrscheinlich nicht tun, und die Hoffnungen der englischen Regierung richteten sich daher auf einen Wechsel in Paris. Diese Hoffnungen gründeten sich auf die Erwägung, daß Frankreich jetzt zugänglicher für eine Wiederausrüstung Deutschlands fei (?), nachdem es draus und dran ist, mittels eines von Rußland garantierten Ostlocarno Sicherheit zu erhalten. 3" einem Leitartikel erklärt dasselbe Blatt, daß eine Abrüstungsvereinbarung nicht um einen Zoll näher- gerückt fei, denn die neue Genfer Formel fei eine leere Attrappe, die nicht im geringsten zur Schließung der beutsch-franzosischen Kluft beitrage. „Daily Telegraph" sagt: Die vorgesehenen neuen Ausschüsse werden die Abrüstungskonferenz etwa auf den Stand der vorbereitenden Abrüstungs- Die englische presse nninieressierl und skeptisch. Oie Genfer Einigungsformel eine leere Attrappe. foritf M uni' eine" mH/ dO1 W Fra zu er von zwei ist.' spnck hune gehe. Stu! in ir die z ft [onb r« So rnini Durch' Er er! Ball punkt mal f ander von tarn, gariei ser u nesr eine ? wen. < Wert tiyei Ausd bunds pakt 1 entgeg eine kanstac Mr Anbch Zwisl land (Eint: kerbl nicht d um so Nischen Die T schlagt abweh tim Du d e B kensw ft* nung stattfinl zolle wenn l gesteht, nach Lott n eine, wird. Trupp grunds sich do teitneh tie ipt UUSMI ist der doh ($ l Wold« ö Ql ihbe cr “Der l Vr/itQ9 Jannt Hrer । Kow Tubei ten. D mit bet Hebe h1' daß b ®erü hat be Unte; «gte sic "ach < sh" ers en To mm ers Negii 8Utu du wel jnung । putsch h QQ umgebi einem mit be stunden der An " Sio kbm kommission zurückdrängen. Das wirMche Jntereffe richtet sich auf die privaten Besprechungen und besonders auf die Verwirklichung der Rückkehr Deutschlands. Trotzdem müßten die Aussichten auf einen Wiederzusammentritt der Abrüstungskonferenz mit einem vollständigen Dereinbarungsentwurf als äußer st gering bezeichnet werden. Die englische Regierung werde daher sehr ernstlich die Frage der englischen Luftaufrüstung zu erwägen haben. „Daily Mail" stellt fest, daß von den ganzen Abrüstungsvorschlägen der letzten Zwei Jahre nichts mehr übriggeblieben ist, und daß kein Mensch mehr von Abrüstung spricht. „News Chronicle" meint, daß die Entschließung den wirklichen Problemen aus dem Wege gehe. Niemand könne glauben, daß Ausschüsse zum Studium der Luftwaffe und des Waffenhandels in irgend einer Weise ein Ersatz für Abrüstung sind, die zu erreichen der Konferenz nicht gelungen ist. Es sei sehr zweifelhaft, ob die Auslösung der Konferenz in eine Reihe von Studienzirkeln Deutschland nach Genf zurücklocken werde. Bulgarien und der Balkanpakt Der türkische Außenminister sondiert in Sofia. Sofia, 8. Juni. (DNB.) Der türkische Außenmini Tewfik Rüschtü Bey traf auf der Durchreise von Genf nach Ankara in Sofia ein. Er erklärte, er fei von den Unterzeichnerstaaten des Balkanpaktes beauftragt worden, den Standpunkt Bulgariens zu den Vorschlägen zu hören, einmal für den Beitritt Bulgariens und zum anderen den von Bulgarien angeregten Abschluß von Nichtangriffspakten mit seinen Nachbarn, wobei natürlich Voraussetzung sei, daß Bul- aarien das Londoner Abkommen über den Angreifer unverändert annehme. Dieser Punkt sei keineswegs eine Falle für Bulgarien. Für eine Regierung der starken Hand, wie sie Bulgarien jetzt besitze, werde es ein Leichtes sein, Bandenangriffe an den Grenzen jederzeit unmöglich zu machen. Die Nachbarn Bulgariens legten im übrigen Wert auf das Zustandekommen eines mehrseitigen und nicht zweiseitiger Nichtangriffspakte. Auf die Bemerkung, daß der Artikel 19 der Völkerbundssatzung dem Beitritt Bulgariens zum Balkanpakt mit feiner antirevisionistischen Note entgegenstehe, mente Rüschtü Bey lächelnd, daß eine reale Freundschaft zwischen den Bal- tanstaaten mehr wiege, als unwirkliche Hoffnungen. Er werde gerne bereit sein, die Anbahnung diplomatischer Beziehungen zwischen Bulgarien und Sowjetrußland zu fördern. Er habe den Eindruck, daß der Eintritt der Räterepublik in den Völkerbund bald erfolgen werde. Die Türkei habe nicht die Absicht, die Meerengen zu befestigen, um so weniger, als Befestigungen vom militärtechnischen Standpunkt aus immer wertloser würden. Die Türkei habe indessen ein idohlgerüstetes und schlagkräftiges Heer, mit dem sie jeden Angriff leicht abwehren könnte. Um Irlands Unabhängigkeit. Scharfe Erklärung de Baleras. Dublin, 8. Juni. (DNB.) Ministerpräsident de V a l e r a gab vor dem Landtag eine bemerkenswerte Erklärung über die Unabhängigkeitsbestrebungen Irlands ab. Er sagte u. a.: „Die Trennung des Irischen Freistaates von England wird stattfinden. Aber Irland ist bereit, Vorzugszölle für englische Waren zu gewähren, wenn England ähnliche Vorzugszölle an Irland zugesteht. Die Briten si"nd als Eindringlinge nach Irland gekommen und das irische Volk wird niemals zufrieden sein, solange es v o n einer ausländischen Macht beherrscht wird. Die Besetzung irischer Häfen durch britische Truppen bedeutet die Verweigerung eines der grundsätzlichen Rechte eines freien Staates, nämlich sich von einem Kriege fernzuhalten, an dem er nicht teilnehmen will. Die Opposition behauptet, daß die iprfche Regierung Angst habe, eine Republik auszurufen, aber die Mehrheit des irischen Volkes ist bereit, die Folgen einer Trennung von Großbritannien auf sich zu nehmen.' Das litauische Kabinett zurückgetreten. Woldemaras will von denFliegeroffizieren überrumpelt worden jein. Kowno, 9. Juni. (DNB.) Die Regierung Tubelis ist am Freitagabend zurückgetre- t e n. Der Präsident der Republik hat die Minister mit der Erledigung der lausenden Geschäfte betraut. Heber die Gründe und die Urheber des P u t s ch e s herrscht noch immer keine Klarheit, so daß bei der Erörterung der Dinge noch immer Gerüchte die Oberhand haben. Woldemaras hat bei einem Verhör jede Schuld an dem Unternehmen a b g e st ritten. Er rechtfertigte sich damit, daß er gegen feinen Willen nach Kowno gebracht worden sei, wo man ihn erst nach der Landung des Flugzeuges über den Tatbestand unterrichtet habe. Hier habe man ihm erklärt, daß Umgruppierungen in ber Regierung vor sich gingen und er zum R e - oierungschef ausersehen sei. Er habe dazu weder sein Einverständnis, noch seine Zustimmung gegeben. Nachdem er erfahren habe, daß der Putsch sich auch gegen die Person des Staatspräsidenten richte, habe er seiner Umgebung im Stabe des Fliegerkorps sofort von einem derartigen Unsinn abgeraten und sich mit der Angelegenheit feit den frühen Morgenstunden nicht mehr befaßt. Auf weiteres Drängen der Anwesenden, die in die Aktion eingriffen, habe er schroff betont: ,Zhr habt den Brei angeruhrt, seht zu, wie Ihr ihn schluckt!" Die weiteren E^ fiärunqen Woldemaras gingen dahin, daß er sich als Internierter betrachtet habe Bei der Nachprüfung dieser Aussagen habe sich ergeben, daß das Verhalten Woldemaras nach der Landung in Kowno keinerlei Aktivität zeigte. Ganz anders habe er sich ledoch beim Ab- flug aus dem Verbannungsort benommen. Dort habe er sich den ihn bewachenden Beamten gegenüber schon als Sieger aufgespielt. Nach dem Verhör ist Woldemaras im Laufe des Areitag nach einem Provinzgefangnls ubergeführt worden. Der Ort wird geheim- ashalten. Unter dem Vorsitz des Gnerals T a m a • sauskas ist eine Sonderkommlsslon ernannt worden, die die Angelegenheit untersuchen und die Verantwortlichen feftfteUen soll. 2 0 D f f i * Here find in Haft genommen worden. Im Heer ist der normale Dienstbetrieb wieder ausgenommen worden. Bei allen Truppentellen herrscht Sttche und Disziplin. Weitere Entlastung des großstädtischen Arbeitsmarkts. Die Arbeitslosigkeit im Mai um weitere 80000 gesunken. Berlin, 8.Juni. (DNB.) Im Mai ist, wie die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung berichtet, die Zahl ber von den Arbeitsämtern betreuten Arbeitslosen weiter um rund 80 OOO zurückgegangen. Am 31. Mai wurden rund 2 525 000 Arbeitslose bei den Arbeitsämtern gezählt gegen 5 039 000 im gleichen Zeit- raum des Vorjahres. Die Doriahreszahl ist also fast um 50 v. H. unterschritten. Der Rückgang der Arbeitslosenzahl ist um so beachtlicher, weil gleichzeitig durch Einschränkung Ser Notstandsarbeiten 10 0 OOONotstandsarbei- ter rur Entlassung gekommen sind. Ohne diesen Abbau der Notstandsarbeiten wäre die Arbeitslosenzahl auch im vergangenen Monat u m über 200 000 gefallen, >da außer den Not- standsarbeitern selbst auch noch Stammarbeiter, Die mit ihnen zusammen beschäftigt waren, zur Entlassung gekommen find. Diese Einschränkung der Notstandsarbeiten war planmäßig, weil nach dem erreichten hohen Beschäftigungsstand besonders im Hoch- und Tiefbau der ländlichen Bezirke der Kampf vor allem gegen bie großstädtischen Zentren der Arbeitslosigkeit geführt werden muß. Während durch diese Einschränkung der Notstandsardeiten die Landesarbeitsamtsbezirke mit hervorragend ländlicher Struktur einen gleichbleibenden Stand oder vereinzelt eine geringe Zunahme der Arbeitslosigkeit hatten, ttat in den großstädtischen Landesarbeitsbezirken eine weitere Auflockerung der Arbeitslosigkeit ein. So hatte Berlin eine im Rahmen des Gesamtrückganges von 80 000 erhebliche Abnahme von 22 000; ein erster Erfolg der Berliner Arbeitsschlacht! Don den Unterstützungseinrichtungen wurden vor allem die Krisenfürsorge und die öffentliche Fürsorge im Berichtsmonat weiter entlastet und zwar ging die Zahl der Haupt- unterstützungsempfänger der Krisenfürsorge um rund 19 000 (Stand am 31. Mai 19o4 rund 822 000) und die Zahl der arbeitslosen anerkannten Wohlfahrtserwerbslosen um rund 50 000 (Stand am 31. Mai 1934 833 000) zurück. Die Zahl der Hau pt- unter st ützungsempfänger in der versiche- rungsmäßigen Arbeitslosenunterstützung stieg um 13 000 bei rund 232 000. Die Gesamtentlastung aller drei Unterstützungseinrichtungen beträgt im Berichtsmonat rund 56 OOO. Ein Gruß des Reichskanzlers zum RMreuztage. Berlin, 10. 3uni. (DNB.) Reichskanzler Adolf Hitler hat dem Deutschen Roten kreuz zum Rotkreuztag am 9. und 10. Juni das folgende Begrü- hungswort übermittelt: „Ich entbiete dem Deutschen Roten kreuz am Rotkreuztage meine Grüße. Seine Vorbild- licheOrganisalion, die unerschrockene Hilfsbereitschaft seiner Sanitatsmanner und die wohltuende Pflege seiner Schwestern habe ich während des Krieges selbst kennengelernt. Ich bin überzeugt, daß das Deutsche Rote Kreuz auch weiterhin die ihm zugewiesenen Aufgaben in Treue gegen Volk und Staat erfüllen wird. Berlin, zum 10. Juni 1934. Adolf Hiller." ♦ Für den Rotkreuztag hielt Staatssekretär Pfundtner eine Rundfunkansprache, in der er der Freude Ausdruck gab, die Grüße der Reichsregierung, besonders des Reichsministers Dr. Frick, aussprechen zu können, nachdem der Reichspräsident und der Führer ihre Begrü- ßungsworte bereits schriftlich der Öffentlichkeit übergeben hätten. Das Deutsche Rote Kreuz, so fuhr der Redner u. a. fort, das in diesem Jahre auf eine 7 0 jäh - rige Geschichte zurückblicken kann, hat die hohe Tradition seines Hilfswerkes in Krieg und Frieden als kostbare Verpflichtung für Gegenwart und Zukunft mit verjüngter Kraft hineingestellt in den neuen nationalsozialistischen Staat Adolf Hitlers. Es ist stolz darauf, daß auch feine Kräfte dazu berufen sind, mitzuarbeiten an den Aufgaben des Dritten Reiches. Es steht in treuer Gefolgschaft zu seinem Führer. Die Reichsregierung hat alsbald nach der Machtübernahme der Neugestaltung des Deutschen Roten Kreuzes ihre besondere Aufmerksamkeit gewidmet, um die Voraussetzung für die weitere Unterstützung und Förderung des Roten Kreuzes durch die amtlichen Stellen des neuen Reiches und damit zugleich die Grundlage zu schaffen für das Vertrauen des Volkes und der nationalsozialistischen Bewegung zum Deutschen Roten Kreuz. Die von der Reichsregierung an die Spitze des Deutschen Roten Kreuzes berufenen Nationalsozialisten bieten die Gewähr dafür, daß das Deutsche Rote Kreuz fest hineingewachsen ist in das Gefüge des nationalsozialistischen Staates und damit die Kräfte gewonnen hat, die es zur Erfüllung seiner Aufgaben benötigt. Diese Aufgaben, im Kriege geboren, im Frieden bewährt und ausgebaut, gelten alle der vorausetzungslosen Hilfe an Menschen in Not. Die Hunderttausende tüchtiger deutscher Männer in den Sanitätskolonnen, die Schwestern vorn Roten Kreuz, dürfen von uns, vom ganzen deutschen Volk, erwarten, daß es am Rotkreuztaa durch eine Spende zur Sammlung, bei der die SA. in dankenswerter Weife mithilft, ihnen den Dank ausspricht, den das stille und treue Walten des Roten Kreuzes verdient. Jeder Volksgenosse trage daher am Sonntag das gläserne Abzeichen. Jeder trage es im Bewußtsein, damit auch zu seinem Telle der Arbeit des Deutschen Roten Kreuzes für Volk und Staat zu dienen. Heil Hitler! Aus aller Wett. Schulfarmen. Die Berliner Stadtschulverwaltung hat auf ber Insel Scharfenberg im Tegeler See eine Schulfarm errichtet, die in der Form einer höheren Lehranstalt für Knaben von U III bis O I zur Zeit 100 Schülern Wohnungen und Verpflegung gewährt. Die Ausnahme der Schüler erfolgt im eng st en Einvernehmen mit der Hitlerjugend. Die Schuler treiben neben den wissenschaftlichen Fächern viel Ackerbau und Viehzucht und erarbeiten sich damit einen großen Teil ihres Lebensunterhaltes selbst. Es ist geplant, die Schule auf 150 Schüler zu erweitern. Für die M ä S ch e n hat die Berliner Stadtschulverwaltung das ehemalige Kinderheim Haus Ravens- stein bei Friedrichshagen übernommen, um dort eine ländliche H a u s h a l t u n g s- schule für Mädchen zu errichten, in der die Schülerinnen, die von der Stadt in engster Fühlungnahme mit dem BDM. ausgewählt werden, durch Anbau von Gartenfrüchten und Haltung von Kleinvieh ihren Lebensunterhalt zum großen Teil selbst erarbeiten fallen. Aehnliche Einrichtungen in größerer Zahl sollen folgen. Marburger Festspiele. In Marburg beginnt am 10. Juni die achte Spiel- zeit der Marburger Festspiele. Auf der Freilichtbühne im Schloßpark gelangen zunächst' „Wallensteins Lager", „Die Piccolomini" und „Wallensteins Tod" von Schiller zur Aufführung. Ferner sind vorgesehen „Ein Sommernachtstraum" und „Viel Lärm um nichts" von Shakespeare. Die künstlerische Leitung hat wieder wie in den früheren Jahren Dr. Fritz Budde. Zwei Tote bei einem Schmugglerkampf an der polnischen Grenze. Bei Orzegow (Oberschlesien) in der Nähe der deutsch-polnischen Grenze kam es dieser Tage zu schweren Zusammen st äßen zwischen polnischen Schmugglern und Grenzpolizei, der bekannt geworden war, daß in der Nähe von Orzegow täglich aus einem von Deutschland kommenden Personenzug eine große Zahl von Schmuggelpaketen abgeworfen und von den Helfershelfern der Schmuggler fortgebracht wurden. Als die Grenzpolizei die Schmuggelware beschlagnahmen wollte, wurde von ber Menge ein Steinbombardement auf die Beamten eröffnet. Einige Schreckschüsse hatten keinen Erfolg. Daraufhin feuerte die Grenzpolizei scharf, wobei der 19 Jahre alte Joseph R o y s ch und der 58jährige Johann Römisch getötet wurden. Die Schmuggler entkamen in wilder Flucht. Unwetterkatastrophe in RNttelamerika. Die Leitung der Panamerikanischen Luftverkehrsgesellschaft erhielt von ihrem in San Salvador gelegenen Flugplatz einen Funkspruch, wonach San Salvador von einem furchtbaren Orkan mit anschließendem Wolkenbruch heimaesucht worden ist. Zahlreiche große Gebäude in der Hauptstadt sind zum Teil zerstört worden. In den Wohnvierteln wurden zahlreiche Häuser völlig vernichtet. Infolge völliger Lahmlegung aller Verkehrsmittel sowie der Licht« und Kraftanlagen hat sich die Regierung gezwungen gesehen, das Kriegsrecht zu erklären. Soweit bisher bekannt, sind bei dem Unwetter acht Menschen umgekommen. Die Zahl der Obdachlosen beträgt 500. Der Schaden wird auf 1,5 Millionen Dollar geschätzt. Regenstürme nach der Dürre in Amerika. Gewaltige Regen stürme und lieber» schwemm ungen richteten in Süd-Dakota und Iowa ähnlichen Schaden an wie die bisherige Dürre. In Pankton (Süb-Dakota) wurden zwei Personen durch umstürzenbe Bäume getötet. Zahlreiche Häuser stürzten um. Hunderte von Haus- dächern wurden abgetragen. Die Felder stehen meilenweit unter Wasser. In Sioux-Stadt überschwemmten Regengüsse die Gleisanlagen und mehrere Stadtteile. Feuerwehr und Polizei mußten in Booten Hilfe bringen. Drei Todesopfer bei einem Dachstuhlbrand. In Helgen (Hannover) hat sich bei Nacht ein schweres Brandunglück ereignet, dem drei Menschenleben zum Opfer gefallen sind, und zwar kamen bei einem Dachstuhlbrand eine Frau und ihre beiden Kinder in den Flammen um. Der Brand entstand in einem Haus, in dem sechs Familien wohnen. Bei der großen Aufregung bemerkte man nicht aleich, daß drei Hausbewohner, die Ehefrau des Kraftwagenunternehmers L u e h r i n g, ihr 13jähriger Sohn und ihre vierjährige Tochter fehlten. Sie find erstickt. Der Mann der Frau Luehring befand sich außerhalb von Helzen. Wie das Feuer entstanden ist, konnte noch nicht festgestellt werden. Der Brand blieb auf den Dachstuhl beschränkt. Lin Todesurteil im Arlosoroff-Prozeß. In Jerusalem sprach das Gericht nach 33 Sitzungstagen das Urteil in dem Prozeß gegen die beiden Mitglieder der jüdischen revisionistischen Partei, Stavsky und Rosenblatt. Stavsky wurde zum Tode verurteitt, Rosenblatt wurde f r e i gesprochen. Beide waren angeklagt, den politischen Leiter der zionistischen Exekutive, Dr. Arloso- r o f f, am 7. Juni 1933 ermorbet zu haben. Wie berichtet wird, haben die Angeklagten auf Arlosoroff kaltblütig geschossen, während dieser in Tel Aviv eines Abends mit seiner Gattin spazieren- aing. Wie die Verhandlung ergeben hat, dürfte der Grund zu dem Verbrechen in der grenzenlosen Feindseligkeit zu suchen sein, die die Angeklagten gegen die offizielle Politik der zionistischen Bewegung beseelte. Die beiden Angeklagten beteuerten in der Verhandlung ihre Unschuld. Der älteste Wann der Welt „nur" 120 Jahre alt. Zaro Agha, „der älteste Mann der Welt", ist nach einem Bericht türkischer Aerzte aus Istanbul nicht 160, sondern „nur" 12 0 Jahre alt. Während seiner Behandlung in einem Krankenhaus hatten die Aerzte die Behauptung Zaro Aghas angezweifelt, daß er 30 Jahre vor der Schlacht von Trafalgar geboren fei. Sie machten mehrere Röntgenaufnahmen feines Knochenbaues, aus denen hervorgehen soll, daß fein wirkliches Alter nur 120 Jahre beträgt. Die Röntgenaufnahmen find an den Verjüngungsspezialisten Dr. V o r o n o f f in Paris zur Begutachtung gesandt worden. Zaro Agha hatte seinerzeit ein Angebot Dr. Voronoffs abgelehnt, sich durch eine Behandlung mit Affen« brüfcn verjüngen zu lassen. Wo wirb am wenigsten geraucht? Wer glaubt, baß es überall auf ber Welt rau« chenbe Völker gebe, befindet sich im Irrtum. Es gibt noch riesige Gebiete auf dieser Erde, wo man nichts vom Tabak wissen will. Ein Land z. B., in dem der überwiegende Teil der Bevölkerung nicht raucht, ist Indien. Man kann in diesem Land wochenlang reifen, ohne einen einzigen Raucher zu treffen. Nicht anders ist es in China; denn das Opiumrauchen, das dort weit verbreitet ist, kann ja nicht mit dem Tabakrauchen gleichgesetzt werden. Die zahlreichen halbzioilisierten Völkerschaften Sibiriens kennen bas Rauchen ebenfalls nur vom Hörensagen her ober überhaupt nicht, wenngleich z. B. bei ben Eskimos in ben letzten zehn Jahren bas Tabakrauchen gewaltig Eingang gefunben hat. Man sieht aus biefen Beispielen, zu benen noch viele anbere hinzugezählt werben könnten, z. B. bis Sübsee ober Neuguinea, baß viel mehr als die Hälfte der Menschheit von dem Tabakgenuß keine Ahnung hat. In Europa wieder muß man zwischen Diel- und wenigrauchenden Völkern unterscheiden. Deutschland gehört noch lange nicht zu den Diel« rauchenden Völkern, es wird dabei von den Russen und vor allem aber von den Balkanvolkern weit in den Schatten gestellt. Während das Zigarrenrauchen mehr eine Sache des Nordens und europäischen Westens ist, herrscht auf dem Balkan die Zigarette, und zwar fast ausschließlich die selbst- gedrehte, vor. Lin Raubmörder blendet sich selbst. Im Jnnsburcker Gefängnis stieß sich ber 25 Jahre alte Alois Lechner aus Hopfgarten, der sich im Juni wegen fünffachen Raubmordes, mehrerer Raubversuche und 39 Brandstiftungen zu verantworten haben sollte, mit einem Schuhnagel in beide Augen, so daß die Augäpfel aus ben Höhlen traten, unb er vollstänbig e r d l i n b e t e. Lechner hatte bereits mehrere Selbstmorbversuche verübt, weshalb man ihn vor Monaten an Ketten gelegt hatte. ©er Urlaub -er SA. Ein Befehl des Stabschefs Röhm. München, 8. Juni. (DNB.) Stabschef Rohm erläßt folgenben Befehl: „Ich habe mich entschlossen, dem Rat meiner Aerzte zu folgen und meine in den letzten Wochen durch eine schmerzhafte Nervenerkrankung stark angegriffenen Körperkräfte durch einen Kur» gebrauch voll wieberherzustellen. Meine Stellvertretung übernimmt ber Chef bes Führungsamtes, Obergruppenführer von Krauffer. Das Jahr 1934 wirb bie Vollkraft aller Kämpfer ber SA. erheischen. Ich empfehle baher allen SA.« Führern, gleichfalls schon im Juni mit ber Verteilung bes Urlaubs zu beginnen. Jnsbesonbere sollen jene SA.-Führer unb -Männer, bie im Juli bienftlid) erreichbar fein müssen, im Juni mit Urlaub berücksichtigt werben. Es wird daher der Monat Juni für einen bemessenen Teil der SA.-Führer und -Männer, der Monat Juli für die Masse ber S A. bie Zeit voller Ausspannung unb Erholung fein. Ich erwarte, baß bann am 1. 21 u g u ft d i e SA. w ie be r voll ausgeruht unb g e • kräftigt bereit ft e 1) t, um ihren ehrenvollen Ausgaben zu bienen, bie Volk unb Vaterland von ihr erwarten dürfen. Wenn die Feinde der SA. sich in der Hoffnung wiegen, die SA. werde aus ihrem Urlaub nicht mehr oder nur zum Teil wieder einrücken, so wollen wir ihnen diese kurze Hoffnungsfreude lassen. Sie werden zu der Zeit und in der Form, in der es notwendig erscheint, darauf die gebührende Antwort erhalten. Die SA. ist und bleibt bas Schicksal Deutschlanbs. Der Stabschef: gez. Roh nu" Auch 1934 Tieichsparteitag der NSDAP, in Nürnberg. Berlin, 8. Juni, (DNB,) Die NSDAP,, di- im vorigen Jahre ihren Sieges-Parteitag in Nürnberg abhielt, wirb auch blefes Jahr bort einen orbnungsmäßigen Reichsparte 11 a g veranstalten. Von 1934 ab finben bie Reichsparteitage in zweijährigem Turnus in Nürnberg statt. Der Reichsparteitag 1934 wirb am 1. unb 2. September abgehalten. Es sind in Nürnberg bereits umfangreiche Vorbereitungen für ben Parteitag getroffen worben. Der Luit- p o 1 b h a i n würbe ausgebaut, bie Holztribünen würben burch Erbwälle ersetzt unb Pläne für eine große Kongreßhalle sind ebenfalls in diesen Tagen fertiggestellt worden. Der n ä ch st e Parteitag findet dann im Jahre 1936, im Olym- piajahr, in Nürnberg statt. Wettervoraussage. Der hohe Druck hält auf dem Festlande weiterhin stand und steigt sogar noch von Norden hin an, so baß bas Wetter weiterhin heiter unb trocken bleibt. Ungehinberte Ein- unb Ausstrahlung bestimmen bie Temperaturen unb führen tagsüber zu hohen Werten, währenb es bann nachts recht frisch wirb. Da bei ber herrschenben Wetterlage aus nörblicher Breite kalte Luft gegen bas Festlanb vorstößt, bilbet sich immer noch Bewölkung unb vereinzelt können auch babel lokal bebingte Gewitter entstehen. Voraussage für Sonntag: vorwiegend heiter, tagsüber recht warm, nachts frisch, trocken. Voraussage für Montag: im allgemei- nen Fortdauer ber Schönwetterlage, vereinzelt Neigung zu lokal bebingten Gewitterstörungen. Lufttemperaturen am 8. Juni: mittags 19,8 Grad Celsius, abenbs 13,6 Grab; am 9. Juni: morgens 12,1 Grab. Maximum 21,5 Grab, Minimum 7,6 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 8. Juni: abends 18 Grab, am 9. Juni: morgens 14,2 Grad Celsius. Sonnenscheinbauer etwa 9 Stunden. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für ben übrigen Teil: I. D.: H. L. Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für ben Inhalt ber Anzeigen: Theobor Kümmel. DA. V. 34: 11000. 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Wohl gibt man sich in den Hauptstädten der alten Welt im allgemeinen keinen Täuschungen mehr darüber hin, daß der Vorgang der „E n t e u r o p ä i s i e r u n a" in jenen überseeischen Gebieten abendländischer Kultur unaufhaltsam fortschreitet, aber man hielt und hält es meist noch für ausgemacht, dah überall, wo die europäische Kolonialpolitik an Boden verliert, die Ueberlegenheit des weihen Mannes gegenüber farbigen Völkern umso unerbittlicher durch die Ausbreitung der Herrschaft der Amerikaner zur Geltung kommen muß. Diese Annahme kann jedoch einer unbefangenen Würdigung der Wandlungen, die sich im panamerikanischen und im indopazifischen Raume vollzogen, kaum mehr standhalten. Am allerwenigsten hätte man es sich in den führenden Kreisen der Yankees früher träumen lassen, dah die in der Union wie in Kanada fast ausge- rottete indianische Rasse sich südlich des Rio Grande del Rorte zu einem gefährlichen Wettbewerber um die Vorherrschaft im panamerikanischen Raume entwickeln könnte. Man hatte über das Schicksal der „Letzten der Mohikaner" fast vergessen, daß sich die amerikanische Urbevölkerung im Wirkungskreise spanischer und portugiesischer Kolonisation doch in beträchtlichen Beständen zu erhalten vermochte, die, nach einem jahrhunderte- lanaen falt geschichtlofen Dasein, heute überraschende organisatorische Fähigkeiten auf wirtschaftlichem, kulturellem und volitischem Gebiete entwickeln. Bei näherem Zusehen macht man dabei die verblüffende Entdeckung, daß die europäischen Einwanderer die Urbevölkerung im großen und ganzen nur dort wirklich verdrängen und an ihrer Stelle mit dem Boden dauerhaft verwachsen konnten, wo die indianische Rasse selbst nicht wirklich seßhaft geworden war. Während in den Ebenen des La Plata-Stromes, wie im Mifsisfippi-Tale die europäischen Kolonisten vorwiegend nomadisch lebende eingeborene Stämme antrafen, die sich nicht unterwerfen, aber leicht zurückdrängen oder ausreiben liehen, hatten sie es in Mexiko, Mittelamerika und einem Teile Südamerikas hauptsächlich mit seßhaft lebenden Völkern von verhältnismäßig hoher Kultur zu tun. 3ene Ebenen wurden rasch weißen Mannes Land, während in den Gebieten der Jncas von Ecuador bis Chile, der Mayas in Zentralamerika und der Tolteken in Mexiko wohl die politischen Gemeinwesen und die kulturellen Organisationen der Eingeborenen von den weißen Eroberern zerstört wurden, ihre rassischen Lebensbedingun- aen aber wohl eingeschränkt, nicht aber zerstört wurden. Die spanischen Konquistadoren verachteten die Religion dieser Völker und standen ihrer intellektuellen Kultur verständnislos gegenüber; sie zerstörten beide, doch sie machten sich die technische Geschicklichkeit der Indianer und ihre Gewöhnung an eine gesetzliche Ordnung zunutze, nachdem sie jeden politischen Widerstand grausam ge- brachen hatten. Zwar kam es stellenweise unter der Wirkung der den Eingeborenen auferlegten Zwangsarbeit in Bergwerken, wozu sie von Natur nicht taugten, zu einem raschen Aussterben, aber sowohl die katholische Kirche wie die spanische Krone legten sich beizeiten ins- Mittel, um ihnen genügenden Schutz angedeihen zu lassen. Es ist bekannt, daß der Benediktinermönch De Las Casas mit Erfolg die Einführung von Negersklaven für die aufreibende Arbeit in den Minen empfahl und Es ward ein Gohn geboren... Don Hans Franke, Heilbronn. Wie schwer war es doch, von euch zu gehen! Da lagst du, wie ich es vor mir gesehen hatte, im Geiste, und neben deinem Bett stand der Korb mit dem Kinde, das leise sich bewegte und die Fäuste ballte, kein Engel, wie ihn die Dichtermaler bilden, sondern ein kleiner Erdenwurm mit einem greisenhaften Gesicht; aber mein Sohn! Uns Männer halt etwas zurück von den Stuben der Wöchnerinnen, aber betreten wir sie, dann treten wir leise auf, sind schüchtern und gar ein wenig tolpatschig. Da quäken die kleinen Menschen, haben schwere Augen und seltsame Züge, in denen wir nach Ähnlichkeiten spähen, uno liegen da fern allem Denken, Planen, Sorgen und Suchen. Sohn! Sohn! Was alles erwartet dich! Drei-Einheit: was alles erwartet uns! Draußen Sommer, Sonnensommer, ewiger Frühsommer. Dies Jahr scheint aus Sonne gemacht, der Wem wird gut werden und die Seelen leicht sein, in diesem Jahre, da die Sterne nachts so hell funkeln und der Wind so weich ist und so gut die Luft. Mein Sohn! Ein Sohn marschiert in die neue Zeit! Sie druckt ihm die Fahne in die Hand, und die Standarten grüßen ihn von seiner Jugend an, er schreitet in eine männliche Zeit, in eine Männerzelt in eine barte Seit. Die Mütter stehen abseits. Noch sind die Horizonte der Zeit umdunkelt, aber die Grenzen sind abqesteckt, es gilt der Mann, und sein Atem erfüllt die Stunde. Auf den Thronen sitzen keine Puppen, sondern es befehlen Männer, sie haben ihre Garden um sich und halten Wache für das ganze Volk. Das Volk ist eine Einheit, steht um die Fahne, hält sich fest an den Symbolen, die enthüllt sind. Groß ist die Stunde, mein kleiner Sohn! Aber neben den Hörnern klingt die Flöte des San- gers noch ist sie zag und hat nicht Raum, aber sie wird einst Raum haben und mit 'hrem Atem aus dem der Hauch der Muse redet wird sie eine Ge- walt sein. Die Muse ist nie tot in unserem Volke nie, sie haucht ihren Schöpferodem aus unbj* dann filmten die Instrumente, bann fahren die Federn über die Bögen, dann Hammern d" Meist und die Pinsel schnellen über die Flache. Die Kunst Und sie wird herrlich leben in unserem (Staate, mein Sohn, wenn der Künstler in dieser Grenzung und in diesem Gesetz die Freiheit wahrt, wenn er sich als Bekenner fühlt und den Mut hat, zu bekennen! Bekennermut muß sein, es darf nicht der hohle Mund reden und der gefällige Pinsel regle- Das llngliitk im Tierpark von Whipsnade. ? y 7? ■ -> ... X 7* ' • ■ ■■ w- ZI' .............. -............____..X..... v-S Das Löwengehege des Tierparks von Whipsnade bei London, wo, wie bereits gemeldet, ein Besucher von Löwen in Stücke gerissen wurde. damit unbewußt dem Entstehen einer starken massenhaften Negerbevölkerung in Nordamerika Vorschub leistete. Weniger ist es bekannt, daß die spanischen Herrscher in ihren Kolonien eine Arbei - tergesetzaebung schufen, die in mancher Hinsicht einen Vergleich mit moderner sozialer Gesetz- gebung aushält. Schon 1563 wurde Oie Zwangsarbeit für Indianer auf produktive Arbeiten öffentlichen Charakters beschränkt, ein der Qualität der Arbeit angemeftener, die Lebenshaltungskosten sichernder Minimallohn voraeschrieben und die Arbeitszeit auf 8 Stunden beschränkt. Ein Gesetz Philipps II. verbot Ende des 16. Jahrhunderts die Beschäftigung von Minderjährigen unter 8 Jahren und unterwarf die Beschäftigung von Frauen starken Beschränkungen. Karl II. verbot 1682 die Frauenarbeit auf großen Gütern und schuf eine gesetzliche Ordnung für das Lehrlingswesen. Bei all diesen Maßnahmen verband sich die menschenfreundliche Gesinnung katholischer Priester mit der Einsicht weltlicher Machthaber in die Geschicklichkeit einheimischer Arbeiter. In Nordamerika und in dem südlichen Teile Südamerikas wurde der Eingeborene von den weißen Kolonisten als ein Rivale für den Besitz des Landes betrachtet, dessen Ausrottung die eigene Betätigung als Siedler erleichterte. Der zivilisierte Indianer der Hochebenen war kein Passivum, sondern ein Aktivum, kein Feind, sondern ein Diener, kein Rivale, sondern ein Werkzeug für die Gütererzeugung; zu feinem Glück waren die spanischen Eroberer, mit Denen er es zu tun hatte, im Gegensatz zu den Angelsachsen, von keinem übermäßigen Willen zur Rassenabsonderung beseelt. Die Eroberer mischten sich mit den Unterworfenen nicht nur durch ungesetzliche Verbindungen, sondern auch durch regelrechte Heiraten. Die Kinder der Mischehen wurden nicht ausgeschlossen von der Gesellschaft, sondern konnten sich zu einem Bindeglied zwischen der weihen Aristokratie und der indianischen Arbeiterschaft entwickeln. Dazu kam, dah der weiße Einwanderer in den Hochebenen Mexikos, Mittel- und Südamerikas vorwiegend von den unterirdischen Schätzen angelockt wurde und darüber die Möglichkeiten, als Siedler mit dem Boden des neuen Landes zu verwachsen, vernachlässigte. Er überlieh dem Eingeborenen die Künste seßhafter Lebensweise und entwickelte sich in der Jagd nach immer neuen, reicheren Fundstätten von Gold, Silber und weniger wertvollen Metallen, neuerdings von Petroleum, zu einem modernen Nomaden ohne bodenständige Kultur. Seit Jahrzehnten sind nun die Länder mit in- dianischem Bevölkerungskern und schwindender weißer Aristokratie Schauplätze sowohl einer raschen Industrialisierung und Modernisierung wie sozialer Revolutionen, die Farbige und Mischlinge immer stärker in den Vordergrund des öffentlichen Lebens Drängen. Der Schrittmacher dieser Entwicklung ist Mexiko, wo es unter einer Bevölkerung von 16 Millionen nach etwa 11 Millionen rein- blütige Indianer und Mischlinge gibt, deren Vertrauen der herrschenden nationalrevolutionären Partei ihren Hauptrückhalt gibt. Der Führer dieser Partei ist der ehemalige Präsident Calles, aber auch der gegenwärtige Staatsführer Rodriguez und fein voraussichtlicher Nachfolger General Car- d e n a s gehören ihr an. Die von diesen drei Männern gesteuerte nationalsoziale Revolution hat es fertiggebracht, nicht nur das fast völlig in fremde Hände geratene Eigentum an Bergwerken, Petroleumquellen, Eisenbahnen, Banken, Fabriken usw. in erstaunlichem Umfange zu verstaatlichen, sondern auch mehr als 6 Millionen Hektar Land aus der unfruchtbaren Verfügungsgewalt der Kirche oder privater Latifundienbefitzer in den Gemeinbesitz von Dorfgenossenschaften überzuführen. Die Wirkung dieses ganzen Umschwungs trat auf der letzten panamerikanischen Konferenz dadurch plastisch in die Erscheinung, daß Cordell Hüll, der Vertreter der Washingtoner Regierung, unter dem Eindruck der Argumente, die der beredte mexikanische Bevollmächtigte Dr. Puig vorbrachte, in den Entwurf einer Erklärung entscheidende Sätze einschaltete, die dann die lateinamerikanischen Teilnehmer in tosenden Beifall ausbrechen ließ: jede amerikanische Nation solle „von ganzem Herzen" die Doktrin anerkennen, dah die volle Unabhängigkeit, die uneingeschränkte Souveränität, die vollkommene Gleichheit und politische U n - Verletzlichkeit jeder andern Nation, groß ober klein, zu achten und zu fördern fei. Es handelte sich auf dieser Konferenz, die Ende ren, es muß die Härte fein neben der Freude, die Eigenkraft neben Dem Dienst. Dienst und Freiheit — heißt die große Parole, in der die Führer warten des Widerrufes aus ihrem Volke. Denn der Führer muß einsam werden, dem nur die eigene Rede widertönt, das freudlose Echo, die un- magische Wiederholung; er sehnt sich nach der Verwandlung der Substanz, er sehnt sich nach Freiheit im Gesetz seines Geistes. Soldaten und Künstler sehe ich stehen; denn der Soldat muß ein Künstler fein und der Künstler ein Soldat, und es müssen die Gelehrten, die Kaufleute und die Techniker beides fein. Das ift der Stand unseres Volkes, in dieser Doppelpoligkeit bewegt sich unser Volk. Wie geht dein Weg, mein Sohn? Wird ein soldatischer Künstler aus dir oder ein künstlerischer Soldat? Faßt du die Fahne um den Schaft ober flattert sie bir lieber um bas Haupt? Ach, ich weiß es nicht, unb wenn beine Stunbe bes Erwachens kommt, bann werbe ich nichts mehr gelten, unb du wirst entscheiden in dem flammenden Protest deiner Jugend. Wohl bist du lange noch unser, aber immer bist du deines Volkes! Vergih das nie! Denn wenn wir das je wieder vergäßen, dann würde wieder eine Zeit der Ohnmacht kommen, vieles würde sich wieder verhüllen, was herrlich und groß und erhaben. Eines vergiß darum niemals, mein Sohn: daß der große Krieg gewesen ist! Nicht, daß er ein geschichtliches Ereignis darstellt, deren lernt ihr viele in der Schule, nicht, daß von vielen Völkern viele standen gegen das unsere: daß in diesen langen grausamen vier Jahren das Volk eine herrliche Einheit war, daß nur durch sie die Mauer stand und stand! Die Toten dort draußen laß dir ein Unterpfand fein, es sind die Kameraden deines Vaters gewesen, und er ist stolz bis zu seinem Tode, solche Kameraden gehabt zu haben! Nimm dies als Pfand, als Vermächtnis. Prüfe daran deines Volkes Wünsche und Ziele, ob sie das Siegel der Einheit, der Eins-Werdung tragen und dann entscheide. Mein kleiner, kleiner Sohn: es geht die Sonne auf über deinem Volke, du schreitest in seinen Frühling, es warten auf dich Tausende von jungen Kameraden mit Hellen blitzenden Augen: 9*r' zu, sie werden deine Hand fassen und deine Bilder werden die ihren sein. . Doch ich schreibe, als seiest du em Konfirmand, und du bist ein kleines winziges Wesen unb liegst wohl gerabe beiner Mutter an ber Brust, saugend die Lebensfülle, die sie dir spendet. Trinke, mein Sohn, werde! Wir wollen dich hüten, bis du em Mann wirst. Bremische Anekdoten. Von Karl Lerbel. Nichlswürdlge Inschrift. Dor dem Kriege hatte man in Bremen einen sehr stattlichen Geldbetrag gesammelt, der dazu dienen sollte, den Platz vor dem Dom mit einem Bismarck- Denkmal zu schmücken. Mit der Verwaltung der Summe wurde ein angesehener — vielleicht nicht hinlänglich angesehener — Verwalter betraut. Eines Morgens — reiste er ab und packte in der Eile die Kassette mit der Denkmalsspende versehentlich mit in den Koffer. Als man feststellen muhte, dah er jur Angabe seines Aufenthaltsortes und zur Berichtigung des Irrtums nicht gewillt sei, wandte man sich an einen reichen Petroleumimporteur, der die ihm in solchen Fällen zukommende Ehrenpflicht erfüllte und aus seiner Tasche die gaiue Geschichte noch einmal bezahlte. Mithin konnte das Denkmal enthüllt werden. Am Morgen nach der Enthüllung fand man seinen Sockel mit zwei unheimlich „ähnlichen" Blei- stiftzeichnungen geschmückt — links den hochherzigen Kaufmann, rechts den nichtswürdigen Verwalter. Unter dem Bilde zur Linken stand: „Der Herr hat's gegeben —;* unter dem zur Rechten: „—der Herr hat's genommen." Das Frühstück. Heinrich W., ein denkwürdiges Prachtstück aus der an Originalen einstmals besonders ergiebigen Hansestadt, leistete Unvergehliches in der Beseitigung geistiger Getränke. Als daher ein paar Freunde, die mit ihm eine Reise machten, ihn morgens um halb acht im Speisesaal des Hotels am Frühstücks- tisch hinter einer ziemlich geleerten Flasche Rüdes- Heimer fanden, waren |ie nicht erstaunt; aber sie waren immerhin entrüstet. „Heini!" sagte einer von ihnen mit sanftem Vorwurf. „Magst das wohl tun? Schämst dich denn gar nid)? Morgens um halb acht sitzt du all hinter'n Wein?" „Dja", sagte Heini wahrheitsgemäß und entschieden. „Und schämen tu ich mich da auch nicht um. Soll ich vielleicht meinen Kaffee trocken runter- würgen?" Für Zeppelin. 2I?s nach der Vernichtung bes Zeppelinschen Luftschiffs bei Echterdingen der Opferwille der Nation die Millionenspende schuf, fand auch Mutter Cordes aus der Kleinen Krummenstrahe in Bremen sich ein und zeichnete nicht ohne Mühe, aber mit berechtigtem Stolz einen Beitrag von 10 Reichsmark in bie Liste ein. Der Sparkassenbeamte, ein mißtrauischer Funktionär der nüchternen Rechenkunst, war erstaunt: „Ja, haben Sie bas Gelb benn auch, Frau Cordes? -Das müssen Sie denn nämlich auch bezahlen!" „Och", versetzte Mutter Cordes mit einejn durch Erfahrung gehärteten Heroismus, „ich dachte, ich wollte das denn woll absitzen." Der Tausendfuß. Am Marktplatz steht ein alter Herr, dem es sichtlich schwerfällt, das feinen Jahren angemessene würdige Gleichgewicht zu bewahren. Ein anderer, gleichartiger, aber in feiner Haltung durchaus unbeeinträchtigter Herr bemerkt den Vorgang mit Sorge. „Aber Heini!" sagte er vorwurfsvoll. „Was haben fe denn mit dir gemacht?" „Och", verteidigt sich der erste unter leichten Schlingerbewegungen, „Christel hat dscha heute Geburtstag, nid)? Und da sagte er, da müßten wir einen auf trinken. Un denn sagte er, auf einem Bein könnte man nid) stehn. Un da hat er denn dscha auch recht an. (Mit einem Aufschluchzen:) Dschohann, auf s o viele Beine aber auch nid)!" Dämonie und Körperfülle. Ja, die Geschmäcker ändern sich. Wer sich die berühmten Frauen der Weltgeschichte etwa schlank und rank und jugendlich schön oorgestellt hat, wird nach den Untersuchungen eines englischen Geschichtsforschers bitter enttäuscht werden. Dieser Herr hat sich die Mühe gemacht, die dämonischen Schönheiten auf ihre „Linie" zu prüfen und hat auf diese Weise interessantes Material gesammelt. Als die schöne Kleopatra mit dem römischen Feldherrn Antonius anbandelte, hatte sie durchschlagenden Erfolg — trotz ihrer körperlichen Fülle. Sie war übrigens damals bereits 40 Jahre alt. Auch die britische Herrscherin Boadica, die ihre Heere gegen die römischen Eindringlinge ins Feld führte unb nach ber Eroberung Britanniens im Jahre 62 n. Chr. Selbstmorb verübte, war keineswegs eine Pinie, fonbern von burchaus stattlicher unb runb- sicher Figur. Mabame Pompadour, bie Frau, bie zeitweilig ganz Frankreich mit ihren Launen beherrscht hat, muß man als recht mollig bezeichnen, unb bie Geliebte bes größten englischen Seehelben, Lady Hamilton, ftanb ihr barin nicht nach. Durchweg korpulent waren bie Frauen aus Dem Geschlecht ber Medici, die in der französischen und italienischen Geschichte eine so verhängnisvolle Rolle gespielt yaden. vorigen Jahres in Montevideo tagte, um nichts weniger als eine Kapitulation bes ,,®an« kee-Jmperialismus" vor bem F a k t o t „Blut unb B o b e n" in ben lateinamerikanischen Ländern, wo ber große Krieg unb bie aus ihm sich ergebenbe Weltwirtschaftskrise bie Gelegenheiten für eine Art Rückeroberung großer Teile ber neuen Welt burch bie Inbianische Rasse schufen. Die Beteiligung ber Union am Weltkriege ftanb im Wider- sprach zu ben Entwicklungsgesetzen ber neuen Welt, in ber bie weißen Kolonisten im Sinne ber Warnung George Washingtons vor „verwickelnden Bündnissen" ihre Vorrangstellung nur dauernd sichern konnten, wenn sie sich durch keine europäischen Händel von dieser Ausgabe ablenken liehen. Die Rechnung der führenden Kreise des Angel- sachsentums zu beiden Seiten des Atlantic, durch die Lähmung Deutschlands alle Hände für die Verteidigung ihrer weltpolitischen Machtstellungen freizubekommen, mußte sich als falsch erweisen. Statt dessen sieht sich England mehr als ie in europäische Wirren verstrickt, droht b i e gelbe G r o ß - macht nicht nur bie abenblänbifdjen Kolonialmächte aus Asien zu Derbrängen, fonbern auch bie Deffnung ber pazifischen Häfen ganz Amerikas, Australiens unb Neuseelands für eine asiatische Masseneinwanderung zu erzwingen, versagen in ben Vereinigten Staaten bie Kräfte, bie früher am Werke waren, aus Einwanderern ver- schiebenster Herkunft eine einheitliche Nation bilben, organisieren sich bie Schwarzen ber Union zu einem Staate, sehen sich bie weihen Amerikaner gezwungen, für bie herannahenben entfdjeibenben Kämpfe um bie Weltherrschaft auf bie Vormundschaft über aufftrebenbe inbianische ober halbinbianische Völkerschaften zu verzichten unb Siefen leere Räume zu überlassen, bie Hunberten von Millionen weißer Einwanderer Wohnsitze bieten könnten, während zugleich auch in Afrika bie kolonialen Machtstellungen des weihen Mannes immer stärker durch dis „steigende Flut der Farbigen" bedroht erscheinen. Werbeausstellung Hessischer und Nassauischer Kunsttöpfereien. LPD. Offenbach, 8. Juni. Heute nachmittag wurde in der Aula der Kunftgewerdeschule (Technische Lehranstalten) zu Offenbach eine Werbeausstellung hessischer und Nassauischer Kunsttöpfereien eröffnet. Die Ausstellung wird durch den Reichsbund Volkstum und Heimat, Fachamt Handwerkskultur, Ortsring Offenbach a. M., veranstaltet. Der Leiter des Fachamts für Handwerkskultur, Professor Dr. Eberhardt begrüßte bet der Eröffnungsfeier die zahlreichen Gäste, insbesondere den Ministerialrat Ringshausen- Darmftabt, unb wies barauf hin, baß biefe Ausstellung einen guten Ueberblick über bas Schaffen bes Töpferhanbwerks gebe. Die Töpferkunst in Ober- Hessen unb im Obenwalb habe in neuerer Zeit roieber einen großen Aufschwung genommen. In feiner Eröffnungsansprache wies Ministerialrat Ringshaufen barauf hin, bah es in ber vergangenen Zeit nichr möglich gewesen fei, bie mit bem Volkstum verwurzelte Töpferkunst ins rechte Licht zu setzen. Jetzt feien bie Zeiten enblich vorbei, in Denen man bas Volkstum hintansetzte. Jetzt haben wir roieber eine Heimat unb bie Kräfte in uns selbst werben roieber geweckt. Wenn wir ber Heimat und bem eigenen Blut gerecht werben, bann feien wir auf bem rechten Wege. Wahre Volkskunst sei nichts Angelerntes, sie fei aus bem Volk selbst herausge- boren im Laufe ber Jahrhunberte. Diese Ausstellung zeige wirklich künstlerisches Gestalten. Zum Schluß betonte Ministerialrat Ringshausen, daß in dem Wiedererstarken der handwerklichen Kunst das Wirken des eigenen Volkes zum Ausdruck komme. Das entspreche auch dem Willen unseres großen Führers Adolf Hitler. Nachdem er die Ausstellung für eröffnet erklärt hatte, wurde ein Rundgang durch die Ausstellung angetreten. Die aus bem Wefterwalb, aus Schlitz, aus Lauterbach, aus Marburg, aus bem Dbenroalb, aus Marjoß usw. zusammengetragenen Gegenstänbe erregten allgemeine Bewunberung. Norwegen, das Land mit zwei Sprachen. E. L.-Äerichierstaiier. wozu die Nationalradikalen auch heute noch das Riksmal rechnen, ob-gleich es sich nun schon beträchtlich vom Dänischen unterscheidet. Die „Maal- streoer", die Sprachstreber, haben es jedenfalls soweit gebracht, daß Landsmaal sta a t li ch anerkannt wurde, in allen Schulen gelehrt wird, beim Abitur obligatorisches Fach ist und von der Beamtenschaft gesprochen werden muß. Oslo hat ein offizielles Landsmaaltheater. Wie bereits erwähnt, erfolgen alle Bekanntmachungen in den Eisenbahnen, Fjorddampfern und „Rutebiler" den Ueberlandautos, in der Lands- maal-Sprache. Auf dem Lande hat Landsmanl ein merkliches Uebergewicht gegen das Riksmaal: man korrespondiert in Landsmaal und verbittet sich die „Dänensprache". Trotzdem — das nebenbei — denken die alten Bauern nicht daran, Landsmaal Oer Weg zur Rentabilität. In dem letzten Geschäftsbericht der C o n c o r d i a Bergbau AG. in Oberhausen wird auf die Tatsache hingewiesen, daß die hohe Syndi- katsumlage des Ruhrkohlenbergbaus ein rentables Arbeiten unmöglich mache. Kein Zweig der Industrie hat sich in der Tat im letzten Jahre so ausschließlich der Steigerung des Absatzes gewidmet und das Rentabilitätsproblem so völlig hinter dem der Ankurbelung der Mengenkonjunktur zurücktreten lassen wie der Ruhrbergbau. Rur so erklärt es sich, daß trotz der starken Zunahme des Kohlenabsatzes die Berabau- gesellschaft des Ruhrreviers noch immer Ber- luftabschlüsse vorlegen müssen. In der Zeit des Uebergangs von dem Tiefstand der Krise zu einem neuen Konjunkturaufstieg ist dieses Ringen um eine mengenmäßige Produktionssteigerung vollkommen richtig. Eine gegenteilige Politik, d. h. eine Ausnützung der besseren Absatzmöglichkeiten zu Preissteigerungen, würde eine große Gefahr für den erstrebten Aufbau der deutschen Wirtschaft darstellen und müßte daher mit allen Mitteln bekämpft werden. Die Deutsche Bank hßt in ihren neuesten „Wirtschaftlichen Mitteilungen" mit besonderem Nachdruck betont, daß die Steigerung der allgemeinen Konsumkraft nach einer so star- kenWirtschaftslähmung und Massenarbeitslosigkeit, wie sie Deutschland nun hinter sich hat, eine längere Anlaufzeit erfordern. In dieser Anlaufzeit müssen alle Preissteigerungen vermieden werden. Eine Ausnahme bilden nur die landwirtschaftlichen Preise, die erhöht werden mußten, damit die Preisschere zwischen den Agrarpreisen und den Preisen der industriellen Fertigwaren sich schließt und die Landwirtschaft wieder auf- Sie Facharbeit im Nationalsozialistischen Lehrerbund. Von dem Kreisfachschafisleiier für die höheren Schulen Or. Adolph. nun auch zu sprechen. Sie haLen an ihren alten Dialekten fest, aber von dem Riksmaal wollen sie nun schon gar nichts wissen! Wie aus der Entstehungsgeschichte hervorgeht, sind die Unterschiede zwischen den beiden feindlichen Sprachen nicht grundlegend. Die skandinavischen Sprachen sind doch recht eng verwandt, und so bestehen auch gradlinige Verbindungen zwischen Dänemark und Norwegen. Dem Fremden präsentiert sich das Landsmaal als ein Norwegisch mit größerem Reichtum an vollen Vokalen, stärkerer Biegung und drei Geschlechtern — gegen nur zwei — felleskjönn und intetkjönn — beim Riksmaal. Die Unterschiede summieren sich bedeutend, wenn Landsmaal g e - sprachen wird; es macht dann sogar den gebildeten Riksmaalleuten — die also Kenntnis des Landsmaal zumindest von der Schule her haben — Schwierigkeiten, zu folgen. Die gesamte Landsmaalbewegung in ihrem sprachlichen Teil steht in der Weltgeschichte unter Ausnahme des Sanskrit einzigartig da. Man muß die Norweger um dieser Leistung willen ehrlich bewundern. nahmefähig für Jndustrieerzeugnisse wird. Diese Stärkung der landwirtschaftlichen Kaufkraft war die wichtigste Voraussetzung für die Belebung des deutschen Binnenmarktes. Kann nun aber die Industrie o h n e Preissteigerungen zu einer ausreichenden Rentabilität gelangen? Die Deutsche Bank beantwortet diese Frage dahin, daß die Verbesserung der Gewinne a u f dem Wege über die Mengenkonjunk- tur erfolgen müsse. Zum Beweise dafür, daß das durchaus möglich ist, stellt sie fest, daß die Zahl derjenigen industriellen Unternehmungen, die durch eine gesteigerte Ausnutzung ihrer Produktionsanlagen in eine bessere Rentabilität hineingewachsen, ständig zunimmt. Sie zeigt, wie in der Eisenindu- st r i e die erhöhte Produktionsleistung bereits zu einer erheblichen Verminderung der Unkosten und dadurch zu einer Besserung der Rentabilität geführt hat. Natürlich ist das Tempo, in dem auf diesem Wege die Ertragsfähigkeit wiederhergestellt werden kann, in den einzelnen Industriezweigen sehr verschieden. Aus einer statistischen Zusammenstellung der Deutschen Bank geht hervor, daß 12 Prozent der erfaßten Aktiengesellschaften, die im vorigen Jahre dividendenlos geblieben sind, diesmal ihre Dioidendenverteilung wieder äufne h m e n konnten, während nur 7 Prozent im Vorjahr noch eine Dividende verteilt hatten, diesmal aber auf eine Dividendenausschüttung verzichten mußten. Die Ertragsfähigkeit der deutschen Industrie nimmt also offensichtlich zu. Auch für den deutschen Steinkohlenbergbau wird die Zeit kommen, in der der gesteigerte Absatz wieder eine bescheidene Rentabilität gewährleisten wird. Vorläufig aber braucht die deutsche Industrie Absatz und Beschäftigung nötiger als hohe Dividenden. Von unserem Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Bergen, Juni 1934. Der Reisende, der sich für seinen Norwegen-Aufenthalt vorsorglich mit einem Wörterbuch odereinem Sprachführer ausgerüstet hat, erlebt die Enttäuschung, bei vielen Gelegenheiten — z. B. in allen Verkehrsmitteln — damit überhaupt nichts anfangen zu können. In den Fahrplänen, Aushängen und Schildern begegnet er einer Sprache, auf die sein Lexikon nicht zugeschnitten ist: dem sogenannten Landsmaal. Landsmaal heißt „Landessprache" und steht im Gegensatz zum Riksmaal, der „Reichssprache". Beide führen einen harten Kampf, der nicht auf das rein Sprachliche beschränkt bleibt; denn hinter dem Landsmaal steht das nationale Norwegen und insbesondere der Bauer. Die Landsmaalbewegung datiert in ihren Anfängen bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts zurück und ist eng verbunden mit dem nationalen Selbständigkeitsgefühl, das sich -damals zu regen begann. Die Norweger entdecken — nach der vier- hundertjährigen Nacht — f i ch s e l b st. Fast 400 Jahre war Norwegen nicht viel mehr als eine d ä - nische Provinz. Die Mehrzahl der Beamten kam aus Kopenhagen, der Hauptstadt des Unionsreiches. Sie sprachen, schrieben und dachten dänisch, sie Übertrugen die dänische Sprache in die Verwaltung und von da ins Volk. Zunächst in die Ober- klassen und dann in alle Schichten der Bevölkerung. Das Urnorwegisch, das /,Norröna°Maal", wurde verdrängt; ein „Riksmaal" entstand, das aber mit Norwegen nichts zu tun hatte. Das heutige Riksmaal hat freilich — nicht zuletzt auch dank der Landsmaalbewegung — nicht mehr die frühere Kongruenz zum Dänischen. Dennoch arbeitet das Landsmaal mit Erfolg weiter an der Na- tiona.lisieruna der Sprache, die eine Richtung an der gradweisen Norwegisierung des Riksmaal, die andere für eine von Grund auf neue Sprache, wie sie im Landsmaal schon besteht. Diese Sprache ist das Lebenswerk Ivar Aasens, eines norwegischen Dichters und Historikers aus dem Westlande (1813 bis 1896). Schon der nationale Stürmer und Dränger Henrik Wergeland, der bedeutendste Kopf in der norwegischen Nationalbewegung der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, hatte eine Zusammenfassung der norwegischen Dialekte zu einem „Reinnorwegisch" prophezeit. Aasen führte aus, was Wergeland, der schon mit 37 Jahren die Augen schloß, nicht mehr erleben sollte. Er bewies, daß das Alt- norwegisch in den einsamen Tälern sein Leben weiterführte, sammelte'die Dialektwörter und brachte in mühseliger Arbeit eine vollständige Sprache zu- jammen, mit lückenlosem Wortschatz und vollkommener Grammatik, so, wie sie in Norwegen etwa zur Zeit der Kalmarer Union gesprochen worden sein muß. Es gibt in dieser Sprache keine Schriftdenkmäler, keine Uebe'rlieferung und keine Chroni- ken. Ivar Aasens Landsmaal konnte man zunächst nur als reine Kunstsprache bezeichnen. Der norwegische Nationalismus, der seit der Aufhebung der Union im Jahre 1814 freien Lauf hatte, nahm Aasens Werk mit Begeisterung auf. „Die unechte Lötung zwischen den beiden goldenen Halbringen", wie Wergeland die Dänenzeit genannt hatte, mußte überwunden werden, aus der vier- hundertjährigen Nacht sollte es aufwärts zum Licht gehen! Die Ideen und Entdeckungen der nationalen Forscher und Nationalromantiker jeiiW Zeit beherrschten das gesamte Kunstleben — in der M u - s i k Ole Bull, Kierulj und Grieg; in der Malerei Dahl, Tidemand und Gude; in der Dichtung von Welhaven bis zu Ibsens und Björnsons Ju- gendwerken. Asbjörnson und Moe sammelten ihre Norwegischen Volksmärchen", ein umfassendes Werk, das von Jacob Grimm als beste Märchensammlung bezeichnet wurde. So ging die ursprüngliche Kunstsprache Landsmaal auch in die Dichtung ein; A. O. Vinje und Arne Garborg sind die Hauptvertreter der Maaldichtung. Die gesamte Bauernschaft stellte sich bald hinter das Landsmaal, das schnell zu einer politischen Kampfansage gegen alles Dänische wurde. Die Fachschaft Höhere Schule hat sich bei ihrer Entstehung zunächst Rechenschaft geben müssen über den Sinn ihres Tuns. Sie hat ihre Organisation aüfgebaut und nach Wegen gesucht, auf denen sie vorwärtsschreiten könne, lieber diesen Anfangszustand ist sie nun hinaus. Sie hat sich ans Werk gemacht und ist mitten in die Einzelarbeit ein- getreten. Durch den Umbruch der Zeiten sind eine Fülle von Aufgaben aufgeworfen worden, die bewältigt werden müssen. Es gilt die großen Erkenntnisse der deutschen Revolution fruchtbar zu machen für den alltäglichen unterrichtlichen Betrieb. In den verschiedenen Fächern, dem Deutschen, den Naturwissenschaften, den alten und neuen Sprachen ist man rüstig dabei, den Acker zu pflügen und die neue Saat zu säen. Wir möchten heute darauf verzichten, der Oeffent- lichkeit ein Bild von der oft mühseligen und opfervollen Kleinarbeit zu geben, die hier geleistet werden muß. Es liegt uns vielmehr daran, noch einmal auf die tragende Gesinnung hinzuweisen, aus der heraus die Arbeit erfolgt, und die großen Ziele aufzustecken, denen sie zustrebt. Wir versuchen dies anhand desjenigen Faches zu veranschaulichen, das vielleicht den größten Anspruch auf eine allgemeinere Anteilnahme erheben darf: des Deutschen. 3m deutschen Unterricht geht es um die deutsche Sprache. Den Schüler in ein rechtes Verhältnis, man möchte jagen: in ein Liebesverhältnis zu feiner Muttersprache zu bringen, bas fff bet letzte Sinn dieses Unterrichts. So mag denn zunächst von der Sprache die Rede sein. Auch jetzt sei alles bloß Fachliche verbannt. Wir wollen sprechen von dem Wesen der Sprache, von ihrer Würde, von der Verpflichtung, die sie Lehrern wie Schülern und schließlich allen Deutschen auferlegt. I. Oie deutsche Sprache. Die Sprache hat verschiedene Aufgaben. Sie ist sicher auch ein Derständigungsmitkel der Menschen untereinander und insofern ein Werkzeug, das es zu handhaben gilt. Der Heranwachsende deutsche Mensch muß vor allem einmal richtig spre- chen und schreiben lernen. Er muß über den Wortstand Bescheid wissen, die Grammatik be- herrschen und einen ordentlichen Satz bauen können. Dem einen fällt das leichter, dem anderen schwerer. Es ist die Aufgabe des Lehrers, die Entwicklung seiner Zöglinge zu überwachen, vorhandene Fehler auszumerzen, Hemmungen zu beseitigen, tüchtige Ansätze zu fördern und das natürliche Wachstum der Sprache zu pflegen. Eindringliche Spracherziehung zu Richtigkeit, Einfachheit, Sachlichkeit, Wahrhaftigkeit, zweckvoller Schönheit ist in der Schule das tägliche Brot des Unterrichts und muß immer wieder neu in Angriff genommen werden. Denn unser deutscher Sprachgarten ist verwildert. Diel Unkraut wächst auf den Beeten, das ausgejätet wer- den muß. Uns fehlt die große, bezwingende Tradition, wie sie etwa Frankreich in feiner Art hat, und der Alltag mit feiner Sprachverschleißung verdirbt viel edles Gut. Es ist gerade auch ein Teil unserer Facharbeit, am Kampf um die „rechte deutsche Sprache" teilzunehmen, über die wirkungsvollsten Lehrweisen nachzusinnen, Erfahrungen anderer zu prüfen und neue Wege zu versuchen. Aber die Sprache ist nicht nur ein technisches Verkehrsmittel von Mensch zu Mensch. In diesem Falle käme sie über tote Zweckmäßigkeit nicht hinaus. Sie ist vielmehr Ausdruck seelischen Lebens, Offenbarung der Innerlichkeit, unmittelbarstes und machtvollstes Symbol des Geistes. In der Sprache kommen wir erst zum eigentlichen Bewußtsein unserer selbst. In der Sprache drücken wir aus, was uns bewegt. Die Erschütterungen unseres Herzens, die Inbrünste der Seele, die höchste Verzückung und der tiefste Schmerz, Seligkeit und Jammer dieses Lebens — alles dies gießt sich hinein in das Gefäß unserer Sprache. Ungeheuer bewegt ist das Leben der Seele in feinen verschiedenen Färbungen, Erleuchtungen, Verdunkelungen, Aufschwüngen, Niederbrüchen: es gleicht dem ewig wallenden Meer. Der Reichtum der Sprache aber steht dem des herzens nicht nach. Die Sprache ist fähig, die unendliche $uUe innerer Möglichkeiten auszudrücken. Sie ist wie geschmeidiger Ton, der jedem Eindruck nachgibt; sie schmiegt sich jedem hauch des Geistes an und verleiht ihm körperhafte Dauer... Sie ist der lebendige Leib des nach Offenbarung strebenden Sinns. Sie schenkt sich uns in den Stunden erhöhter Stimmung und versagt sich nicht in Zeiten der Wehmut. Sie spiegelt das seelische Leben getreulich ab und blitzt auf in immer wieder neuen Bildern. Anders klingt die zärtliche Sprache der Mutter an der Wiege des Kindes und das Kommando des Führers, anders die Redeweise des Gelehrten und das Wort des- Vorarbeiters am Werk. Was immer Menschen bewegen mag: die Sprache trägt es nach außen, hebt es ans Licht, läßt es wirkende Wirklichkeit werden. Es ist die Begnadung des Dichters, daß er vor allen anderen zu sagen vermag, was er leidet. Aber jeder Mensch, und so auch Der Schüler, soll schließlich imstande fein, sich unverstellt auszudrücken. Nicht, daß er sich in Eitelkeit selbst bespiegele, daß er Stimmungskult treibe und ästhetisch schwelge in den vielfarbigen Tönungen seines Gefühls: nicht, daß er sich spreize wie ein Pfau und die Edelsteine seiner Wortkunst selbstgefällig funkeln lasse: sondern daß er sich mitzuteilen und zu geben vermöge, wie er ist, daß er nicht unaufgeschlossen bleibe und nicht strande an der Schranke des Worts. Denn die Sprache ist ja nicht einsames Selbstgespräch. Sie entfaltet ihre eigentliche Kraft und Mächtigkeit erst im lebendigen Verkehr von Mensch zu Mensch, im Ringen der Geister untereinander. Auf Der Insel des Grafen von Monte Christo. Von Heinrich B. Kranz. Copyright by I. L. A., Wien. Chateau d’If, einsame Kalksteininsel in der Bucht von Marseille, ist voller Geheimnisse. Das Motorboot verläßt den belebten Quai des Beiges. Das Meer ist blau, der Himmel ist klar und leuchtend. Spanische Segler, italienische Barken, ein deutscher Dampfer und unzählige Fischerboote gleiten vorüber — sonderbare Täuschung, denn das Motorboot fliegt an ihnen vorbei, während sie ruhig daliegen. Einsam steht die Kathedrale Notre Dame de la Garde auf dem Felshügel zur Linken. Zur Rechten, weit draußen, liegen Überseedampfer im riesigen Neuhafen. Goldgelb flieht die Sonne vom Himmel. Wir gleiten ins freie Meer. Schon taucht aus glitzernden Wogen am Horizont ein einsamer Felsen auf. Das ist die Gefängnisinsel Schloß Jf, das Geheimnis zweier Jahrhunderte, das Grab von hunderten Unglücklichen. Geheimnisvoll ist schon der Name. Chateau d’lf bedeutet Schloß der Taxussträucher. Aber die Felseninsel ist kahl, kalt, keine lebende Pflanze ist zu sehen. Stellt verlassen, ragen die Ruinenmauern der Gefängnisburg auf. Das Boot legt an. Es bleibt still. Schloß Jf, die Toteninsel, ist unbewohnt. Nur die Seufzer der Gefangenen geistern zwischen den spitzen Felsen. ♦ Man klimmt über eine steile, steinige Treppe hinauf. Da ist ein kahler Platz in greller Sonne vor der Burg mit den runden Türmen. Ein altes Holztor, letzte Wand zwischen Leben und Tod, öffnet sich. Ein kleiner, viereckiger Gefängnishof mit einem modernden Holzbrunnen im Schatten dreihundertjähriger Felsmauern. Von hier gab es keine Flucht, kein Entrinnen. Die Eachots (Zellen) sind in den Felsen gemauert. Eine Galerie führt um den Hof. Siebzehn Eachots, fünf unten, zwölf oben, in denen Hunderte dahinsiechten, erzählen Geheimnisse, lassen Geschichte auferstehen, der man nun nachspürt. lieber den finsteren Gefängnislöchern hängen Tafeln. Namen und Jahreszahlen beginnen zu sprechen. Rätsel werden gestellt. Jedes Gefängnis birgt ungezählte Rätsel, aber Chateau d’If ist die Königin aller seltsamen Gefangenenburgen. Da ist das Geheimnis des Grafen von Monte Christo, das Geheimnis des „Mannes mit bA eisernen Maske", unbekannte Schicksal« vieler berühmter und berüchtigter Menschen. Der Graf von Monte Christo, Held des Romanes von Alexander Dumas, war in einer geräumigen Zelle gefangen. So erzählt der Roman. Heute erscheint es als sicher, daß Edmond Dantes nie gelebt hat, daher auch nie auf Schloß Jf lebte. Die Legende und die Phantasie eines Dichters aber sind stärker als Geschichte. Der Freund des Grafen von Monte Christo, Abb6 F a r i a , ist historisch bekannt, aber auch er war nie auf der Gefängnisinsel, wenn auch seine Zelle gezeigt wird. Die Abenteuer der beiden Romanhelden sind so fest in den Herzen der Franzosen verankert, daß man gar nicht darüber lächelt, wenn man sie hier zwei Menschen bedauern sieht, die es kaum verdient haben. Aber wieviel ungeschminkte Tragik hat diese heute verlassene Gefängnisburg erlebt, wie viel Schmerzensschreie sind an diese kahlen Mauern gestoßen, .wie viele berühmte Männer haben hier gelitten und gehofft! In den oberen Cachots schmachtete viele Monate jener „Mann mit der eisernen Maske", dessen Geheimnis auch heute noch nicht gelöst ist. Man weiß nur, daß im Jahre 1688 ein Mann von Herrn de Cinq Mars, damals Gouverneur der Bastille, mit versiegelter Order hierhergebracht wurde. Er trug eine eiserne Maske, welche völlig das Gesicht verbarg. Später wurde er auf die Insel 8t. Marguerite gebracht. Wer war dieser Mann? Ein natürlicher Sohn Ludwigs XIV. und der Lavaliöre? Ein älterer Bruder Ludwigs XIV.? Ein Kind Mazarins und der Königin Anna von Oesterreich? Zwei Jahrhunderte lang beschäftigten sich Geschichtsschreiber mit dieser Frage. Dutzende von Büchern mit den abenteuerlichsten Versionen wurden geschrieben, alle haben eine gewisse Glaubwürdigkeit für sich, — das Geheimnis des „Mannes mit der Maske" blieb ungelöst. Ein anderes Verließ war von Louis Philipp d'Orlsans bewohnt, bekannt als Philipp Egalite, der später in Paris guillotiniert wurde. Auch Graf Mi- rabeaus Name findet sich auf einer der Tafeln. Viele Monate lang hat der „König der französischen Tribüne" auf Schloß Jf gelitten. Der eigene Vater hatte ihn hierhergebracht, weil er mit seiner eitlen verschwenderischen Gattin, der Marquise von Ma- rignan, Schulden auf Schulden häufte und schließlich einen Rivalen im Duell tötete. Auf Chateau d’If hat Mirabeau fein berühmtes Buch „Essai sur le des- potisme“ geschrieben. Heber einer anderen Zelle findet man die Namen des Generals Kleber, des Prinzen Casimir, eines Bruders Ladislaus' IV., des Polenkönigs. Er wurde wegen Hochverrat eingesperrt. Bekannt sind noch Chevalier de Balle st eros und Konsul L a - horu, den Napoleon I. hierherbringen liefe, weil er angeblich französische Staatsgeheimnisse an Spanien verriet. Chateau d’If war hauptsächlich politisches Gefängnis. Besonders während der Revolutionstage 1789, wo es ein Leichtes war, jeden Beliebigen auf Grund einer einfachen Anzeige oder mittels eines lettre de cachot hier für Jahre verschwinden zu lassen. Aber auch gewöhnliche Mörder ließen in dieser Felsenburg ihr Leben. — 1775 wurden drei Männer eingesperrt, die nichts anderes verbrochen hatten, als daß ihre schönen Gattinnen von mächtigen Leuten am Hofe geliebt wurden. 1793, 1848 und besonders 1871 war das Gefängnis oft gleichzeitig von vielen Hunderten in den sieben Zellen gefüllt. Während des Weltkrieges wurden hier deutsche und österreichische Zivilgefangene und Soldaten ein- gekerkert. Damit endet die traurige Geschichte eines der mächtigsten Gefängnisse Europas. Hoffentlich für immer. * Festen und Mauern sind von Inschriften der Gefangenen übersät. Mühselig entziffert man Hieroglyphen: „Hotel du peuple souverain“, „Restaurant des lentilles“ (Linsen-Restaurant) u. a. Jahreszahlen und vergessene Namen bleiben Augenblicke im Gedächtnis haften. Aber eines Tages kam ein Italiener nach Chateau d’If, der weinend die Steine der Gefängniszelle des AbbL Faria umarmte. Eines Tages kam auch Alexander Dumas nach Marseille und fuhr nach Chateau d’If hinüber, um den Schauplatz seines Romans zu besuchen, den er in der großen Welt berühmt gemacht hatte. Damals, im Jahre 1868 führte noch ® r o H o n , durch feinen Witz als Führer von Originalität bekannt, die Fremden in der Festenburg herum. Vater Groffon, wie man ihn allgemein nannte, konnte immer eine Menge Geschichten über Chateau d’If erzählen, die besonders romantisch anmuteten. Er plauderte so überzeugend und brachte feine Märchen mit solcher Entschiedenheit vor, daß selbst die hartnäckigsten Zweifler und Ironiker unter den Besuchern verstummten, Vater Grosson ersparte auch dem Dichter keine seiner Legenden. Er zeigte ihm den unterirdstchen Gang, durch welchen sich der Graf von Monte Christo und Abbä Faria verständigt hatten. „Dieser Gang wurde vom Abbö mit einer Fischgräte ausgegraben", sagte er. Interessant", sagte fein Besucher, Dieser Dumas hat das wirklich ausgezeichnet geschildert. Kennen Sie ihn vielleicht?" „Natürlich. Er ist doch einer meiner besten Freunde." Der berühmte Romancier drückte dem Führer dankbar die Hand und steckte ihm zwei Louisdor zu. Es war ein fürstliches Geschenk für den armen Teufel, der von dem unerwarteten Glück so überwältigt war, daß er sich kaum bedanken konnte. Grosson pflegte auch neugierige Besucher auf die Akustik in der alten Kapelle aufmerksam zu machen. Er ließ sie das Ohr an eine Steinwand anlegen und man konnte dann einen eingemauerten Gefangenen um Tabak betteln hören. Vater Grosson war ein leidlicher Bauchredner. Aber es kam doch häufig vor, daß ihm mitleidige Damen ein Geldstück in die Hand drückten. Er möge Dafür dem armen Gefangenen Tabak kaufen. Vater Grosfon war auch, wie alle Marseilleser, ein leidenschaftlicher Raucher... Mit Flammenwerfern gegen Heuschrecken. Sämtliche biblischen Plagen scheinen die Bevölkerung des Tanganjika-Gebietes in den letzten Jahren heimgesucht zu haben. Zuerst haben die Heu- schreckenschwärme 1932 furchtbare Verheerungen angerichtet, und bann folgte im Jahre 1933 eine hartnäckige Dürre, die empfindlichen Nahrungsmangel namentlich unter den Eingeborenen hervorrief, so daß sich die Regierung gezwungen sah, besondere Maßnahmen gegen die sich ausbreitende Armut und gegen die Gefahren der Hungersnot zu ergreifen. Auch in diesem Jahr fehlte es an den notwendigsten Niederschlägen. Um das Unglück zu vervollständigen, sind auch jetzt wieder die Ernten der letzten Monate von den roten Heuschrecken stark mitgenommen worden. Nun hat die Regierung einen wahren Feldzug gegen diese Plage eröffnet und eine größere Anzahl von eingeborenen Soldaten und Offizieren zur Abwehr gegen diese Plagegeister vieler afrikanischer Gegenden eingesetzt. Die neueste Waffe gegen die Heuschrecken sind Flammenwerfer, die mit einer Mischung von Rohöl und Petroleum geladen werden und mit denen bisher anscheinend schon gute Erfahrungen gemacht worden sind. Flugzeuge sind bereits seit längerer Zeit, besonders in der Südafrikanischen Union, ein wirksames Mittel zur Beobachtung und Bekämpfung der Heuschreckenschwärme. Trotzdem wird es selbst bei diesen modernen Abwehrmaßnahmen aufeerordentlich schwierig fein, bas Uebel an der Wurzel auszurotten und die Heuschrecken- brüt mit Stumpf und Stiel zu vernichten. In der trauten Zwiesprache, im Kampfgespräch, im Wort des Meisters und Führers, der zur Gefolgschaft aufruft. Ein bekanntes französisches Sprichwort heißt: „le style c’est l’homme". W i e die Sprache, foder Mensch. In der Tat, wir haben darauf hingewie- sen: die Sprache ist die unmittelbarste Ausdrucks- form des Charakters. Nichts spiegelt die innerste Wesensart so rein wieder wie sie. Deshalb haben sich die aroßen und besonders gearteten Männer der Geschichte auch ihre eigene Sprache geschaffen. Goethe spricht anders als Schiller und Bismarck anders als Hitler. Jeder dieser Großen hat seinen Ton, der nur ihm zugehört. Es sind Künstler des Wortes von unerhörter Ausdrucksgewalt, die wir bewundern. Aber schließlich soll jeder, der ein Charakter sein will, und so auch der Schüler, die ihm gemäße Sprachaestalt finden. Es ist dies ein Hochziel, das nicht ohne weiteres von der Schule erreicht wer- den kann. Denn für gewöhnlich pflegt der Mensch erst später zum innersten Kern seines Seins hindurchzustoßen und damit auch sprachlich zu sich selbst zu kommen. Aber die Schule muh Anleitungen geben und den Weg zeigen, auf dem allein der Schüler das Ziel erreicht, das unbewuht vor seinem Blicke steht: die eigene Sprache. Das Letzte könnte aussehen, als sei Sprache und Sprachgestaltung eine Sache der Einzelpersönlichkeit. Nichts wäre falscher als das. Die Sprache ist vor allem Ausdruck völkischen Lebens, Werkstück der Nation, Zeugnis eines überpersönlichen Willens. Geheimnisvoll steigt sie empor aus den Gründen des Volkstums. Sie hat von Anfang an mythischen Charakter, denn sie ist das tiefste und umfassendste Symbol des um Bewußtheit ringenden Volksgeistes. Sie ist bildhaft und schwer an Bedeutungsgehalt. Sie ist bis an den Rand geladen und gesättigt von Seelenkräften der Tiefe. Deshalb hat jedes Volk fein eigenes Sprachleben und seine eigene Sprachgestalt. Es ist die Aufgabe der Schule,' den Schüler dahin zu führen, daß er sich hineinversenkt in die Wurzelgründe der Muttersprache, daß er etwas ahne von ihrem Leben und Weben, das auch ihn trägt und an seiner Seelenform mitgearbeitet hat, daß er sich von ihrer Kraft durchdringen und adeln läßt. Gerade die deutsche Sprache ist noch heute von unerhörter Lebendigkeit. Sie gleicht einem Riesenbaum, der aus dunklem Erdreich aufgeschossen fort und fort Aeste, Blätter und Blüten treibt. Sie ich nicht erstarrt wie die technisch ausgeklügelte und geglättete Sprache Frankreichs: sie gleicht einem machtvollen Organismus, der uns mit seiner Wirkungskraft umfangen hält, dessen Blut durch unsere Adern kreist, dessen Leben in uns hineinragt und für den wir verantwortlich sind... Aber die Sprache ist nicht nur ein unmittelbar finnhafter Ausdruck des völkischen Grundes: sie gewinnt auch selbständiges Leben und wirkt wieder zurück auf die geschichtliche Gestaltung des Volks. Sie erweist sich als eine Bildungsmacht ersten Ranges. Sie schafft aus naturhaft gewachsenem Volkstum allererst die Nation. Volk schlägt die Augen auf und findet das Gesetz seines Wesens, das traumhaft in ihm lag, über sich stehen in der zuchtvollen Ordnung seiner Sprache. An der Sprache rankt es sich empor zu Hellem Verständnis seiner selbst, Sprache begründet den tiefsten Zusammenhang seiner Glieder auch über Raum und staatliche Grenzen hinweg. Sprache hält die Erinnerungen der Vorzeit wach, bindet Geschlecht an Geschlecht und ermöglicht dadurch Geschichte. Dieser „objektiven", ganzheitschaffenden Bedeu- tuna der Sprache muß sich der Schüler bewußt werden. Er soll sich sagen, daß die Sprache etwas Ehrfurchtgebietendes ist, ein heiliges Erbgut der Väter, eine gebieterische Herrin, die uns verpflichtet. Wir müssen ein Gefühl dafür bekommen, daß jede Verunstaltung der Sprache, jeder Sprachkitsch und jede Sprachschlamperei eine Versündigung ist an dem kostbarsten Gut unseres Volks. Jeder muß daran Mitarbeiten, daß die Sprache nicht verludere und verwahrlose, sondern zuchtvoll gehandhabt werde. Es gibt einen Dienst an der Sprache, der seinen Segen in sich selbst trägt, weil er wohltätig zurückwirkt auf den Dienenden und ihm zu innerer Läuterung verhilft. Es muh Ehrensache des deutschen Menschen sein, feine Sprache reinzuhalten, sie zu befreien von eingedrungenen Fremdstoffen und Schlacken, sie zu säubern von all dem Unrat, der sich in sie eingenistet hat. Rein und edel wie unser Blut, so soll auch unsere Sprache sein. Gerade der Gebildete muß sich dafür einsetzen, daß unsere Sprache wieder volkstümlich werde und von allen Volksgenossen verstanden werden könne. Weg mit dem vertrackten Aktendeutsch, das absichtlich unverständlich sein will, um durch verworrene Dunkelheit den Respekt der „Masse" zu erhöhen. Fort mit dem abstrakten Gelehrtendeutsch, das so künstlich und verzopft ist, daß schon der Zunftgenosse der Nachbarfakultät nicht mehr weiß, was gemeint ist. Wir wollen ein Deutsch haben, das lebensvoll und wirklichkeitsnah ist, rein und blank, männlich und stark wie unser Volk selbst, ein echtes Abbild unserer sich nach langer Selbstentfremdung wiederfindenden und sich in ihrem heldischen Wesenskern erfassenden Nation. Es gibt Zeiten in der Geschichte, da scheint mit der Kraft des Volkes auch das Wort zu versickern; der Strom der Sprache schleppt sich müde dahin; fremde Stoffe setzen sich an und trüben die Flut. And bann gibt es wieder Epochen, da die Brunnen der Tiefe rauschen, da es hervorbricht mit urtümlicher Gewalt und eine erschütternde Sprache Zeugnis ablegt von gesteigertem Leben. So war es in der Reformationszeit, als der dem Volksgrund entstiegene Vauernfohn alle Schleusen unserer Sprache öffnete, mit der Donnergewalt seines Wortes über die Lande fuhr und an die letzten Saiten der deutschen Seele rührte. So war es zur Zeit des Sturm und Drang, als ein erhöhter Lebensschwung dem gekünstelten Schwulst des Barocks und die arme Magistersprache der Aufklärung hinwegfegte und der junge Goethe seine Lieder sang. So wird es auch heute sein, wo zum erstenmal in der Geschichte das Volk selbst zu sprechen beginnt und letzte Tiefen sich öffnen. Wir stehen mitten darin in den Wehen völkischer Geburt. Gerade die Jugend spürt den Drang der schöpferischen Gewalten. In ihrem Blute loht die Kraft der Deutschheit auf. Sie wird die Trägerin der Zukunft, einer höheren Volksgestalt und des wahren deutschen Staates sein. In ihrer Hand liegt auch das Schicksal unserer Sprache. Möchte sie die Verpflichtung erkennen. Möchte es ihr gelingen, aus dem Schmelztiegel dieser Zeit das eherne Glanzgebild einer Sprache zu heben, die leuchtet im eigenen Licht, die markig ist wie die Sprache des Hildebrandliedes und seelenvoll wie die Sprache Hölderlins, die in ihrer Zartheit und Wucht die ganze Fülle unseres Lebens umspannt und alle Kinder des Volks heimholt ans Herz der Mutter. ODA6 - und ASKK.-Kurheffenfahrt nach Bad Wildungen. Start in Gießen. Am morgigen Sonntag, 10. Juni, veranstaltet das Nationalsozialistische Kraftfahr-Korps und der Deutsche AutornoLll-Club, Gau 3 Hessen, eine Zu- verlässigkeits- und Orientierungsfahrt nach Bad Wildungen. Der Start zu dieser interessanten Fahrt, die zunächst als Zuverlässigkeitsfahrt bis Bad Wildungen gewertet wird, bei der die Fahrer gewisse Kontrollstellen zu bestimmten Zeiten durchfahren müssen, erfolgt in G i e ß e n, um 8 Uhr. In Abständen von einer Minute werden die Fahrer vom Horst-Wessel-Wall (Oswaldsgarten) aus ihre Fahrt in Richtung Hindenburgwall—Hitlerwall—Marburg beginnen. In Bad Wildungen erfolgt ein neuer Start zur Gelände- und Orientierungsfahrt, bei der die Fahrer mehrere Kontrollpunkte, die erft dort bekanntgegeben werden und teils nur durch schwer zu befahrendes Gelände erreichbar sind, anzusteuern haben. Eines jeden Fahrers Kunst ist es nun, Bad Wildungen in der kürzesten Zeit wieder zu erreichen. Die Durchführung der Organisation und die Absperung für den ersten Teil der Fahrt liegt in den Händen des DDAC., Ortsgruppe Gießen, und der Kraftwagen-Bereitschaft 1/147 Gießen. — Etwa 50 Fahrzeuge werden morgen früh zu dieser Kurhessenfahrt in Gießen vom Start abgelassen werden. Hoffentlich schlagen- sich die daran teilnehmenden Gießener Fahrer recht tapfer. OT.-Kreisturttfest zu Großen - Linden- Nur noch wenige Stunden und das erste Turnfest des Turnkreises Lahn-Dill beginnt. Der Tv. Großen-Linden hat weder Arbeit noch Kosten gescheut und das Fest gut vorbereitet. Es ist Pflicht der Turnvereine, diese Mühe zu lohnen und möglichst vollzählig zu erscheinen und die Fahnen im Festzuae zu zeigen. Das Kreisturnfest fall eine kraftvolle Kundgebung für die edle Turnsache, für Volk und Vaterland werden. Alt-Mittelrhein auf dem Feldberg. Das am 16. und 17. Juni auf dem höchsten Taunusgipfel stattfindende 81. Feldbergfest, das älteste und volkstümlichste Bergfest der DT., wird in Zukunft der Treffpunkt all der Turner des ehemaligen Mittelrheinkreises der DT. werden, die nach der Neueinteilung von Turnen und Sport nunmehr verschiedenen Gauen angehoren. Das haben sich die Alt-Mittelrheiner vergangenes Jahr beim 80. Feldbergfest gelobt, und mit Sehnsucht erwarten viele der ehemaligen Mittelrheiner den Tag des ersten Wiedersehens. Aus den neuen Turngauen Südwest, Mittelrhein und Nordhessen, in denen die Alt-Mittelrheiner im Laufe eines Jahres an dem turnerischen Neubau treu und erfolgreich mit= gearbeitet haben, werden sie kommen, die Turner und Turnerinnen, um den alten Freunden, denen man infolge der Neueinteilung bei der turnerischen Arbeit nur selten noch begegnet, wieder einmal die Hand zu drücken, um die alten Turnerfreundschaften wieder auszufrischen. Der letzte Kreisvertreter des Mittelrheinkreises, Ehren - Bezirksvertreter Artur Pfeiffer- Wetzlar, hat die Alt-Mittelrheiner zum Wiedersehenstag auf dem Feldberg herzlich eingeladen, insbesondere zu dem Deutschen Bergabend am Samstag, der mit neuen Freunden alle alten Mittelrheiner zu frohen Stunden der Kameradschaft vereinigt. lieber alle Gaugrenzen hinaus wird das beliebte Feldbergfest auch in Zukunft ein großes Turner- und Volkstreffen der mittelrheinischen Lande bleiben. BfB -Reichsbahn Gießen. VfB.'Relchsbahn I — Sportverein 05 Wetzlar I. Am Sonntag wird die Liga im Rückspiel dem Wetzlarer Sportverein gegenüberstehen. Die VfB.er werden mit einer stark verjüngten Mannschaft auf dem Plane erscheinen und diese sollte fähig fein, den Wetzlarern bei aller Berücksichtigung ihrer Spielstärke ein ebenbürtiges Spiel zu liefern. Voraussetzung für ein gutes Abschneiden ist, daß die Mannschaft mit dem nötigen Ernst an ihre Aufgabe herangeht und bis zum letzten Augenblicke kämpft. Den in kompletter Aufstellung spielenden Wetzlarern werden die VfB.er mit folgender Mannschaft gegenübertreten: Schwan, Kreß, Lehrmund, Fenster, Knaus, Hinze, Ritter, Mattern, Heß, Schmidt I., Schmidt II. Die zweite Mannschaft steht einem Gegner der letzten Pflichtrunde, der zweiten Mannschaft des Sportvereins Watzenborn - Steinberg, gegenüber. Den DfB.ern dürfte ein Sieg gegen die mit stark körperlichen Einsatz kämpfenden Teutonen schwer fallen. Die erste Schülermannschaft spielt gegen die gleiche von Großen-Buseck und sollte auf Grund ihres technischen Könnens in der Lage sein, einen einwandfreien Sieg zu erringen. Spielvereinigung 1900 Gießen. Die Blauweißen gehen morgen mit der ersten Fußballelf wieder auf Reisen und zwar nach Süd- Westfalen. Die Bezirksklassenmannschaft des Spielvereins 1910 Altenseelbach bet Betzdorf an der Sieg ist der Gegner, auf dessen Einladung das Spiel zum Austrag kommt. So unbekannt das Reiseziel auch ist, fest steht, daß der Gegner einen ganz ausgezeichneten Fußball spielt und dies letzthin in den Meisterschaftsspielen auch dokumentieren konnte. Aus der Erfolgsserie der Altenseelbacher seien nur einige Resultate herausgegriffen, die gegen Gegner erzielt wurden, die auch in Gießen keine Unbekannten sind und zwar gegen Sportfreunde Siegen 5:4, gegen Hagen 72 2:1, gegen VfB. Weidenau 7:2, gegen den FC. Schwelm 1:1 usw. 1900 wird vor eine schwere Aufgabe gestellt fein. Die Hintermannschaft wird wohl den Anforderungen gewachsen sein. Die Angriffsreihe ist jetzt wieder besser besetzt. Wie sich diese Besetzung durchzusetzen versteht, das muß erst das Spiel lehren. Der Ausgang ist nicht vorauszusagen, da es die erste Begegnung ist und die Platzverhältnisse nicht bekannt sind. Die zweite Mannschaft der Spielvereinigung blieb spielfrei. Die dritte Mannschaft 1900s absolviert ein noch ausstehendes Rückspiel in Lich. Der VfR. Lich ist sehr spielstark. Besonders zu Hause läßt er sich nichts vormachen und wird auch die Blauweißen nicht zu Wort kommen lassen. Die Gießener fahren außerdem mit viel Ersatz. Die erste Jugendelf 1900s begleitet die Ligamannschaft auf der Reife nach Altenseelbach, um gegen die dortige Fußball-Jugend ein Freundschaftsspiel auszutragen. Sportverein 1920 Heuchelheim. Sportverein Heuchelheim I. — „Teutonia" Watzenborn-Steinberg. Die erste Mannschaft von Heuchelheim erwartet am morgigen Sonntag die erste Elf von „Teutonia" Watzenborn-Steinberg zu einem Gesellschaftsspiel. Die Gäste, die bekanntlich zu der Bezirksklasse gehören, haben sich bei den diesjährigen Verbandspielen sehr gut behauptet. Die Einheimischen haben in letzter Zeit auch gute Leistungen gezeigt. Der Ausgang des Kampfes ist nicht vorherzusagen. Die zweite Mannschaft beteiligt sich in Krofdorf an einem Blitzturnier des dortigen VfB. Die Jugendmannschaft spielt vor dem Spiel der ersten Mannschaften gegen die gleiche von Watzenborn- Steinberg. Dieses Treffen sollte für die Einheimischen entschieden werden. Juhballabteilung des Tv. Wieseck. Die Fußballabteilung des Turnvereins Wieseck hat sich für den kommenden Sonntag den VfB. Aßlar mit drei Mannschaften zu Freundschaftsspielen verpflichtet. Den Beginn machen die zweiten Mannschaften beider Vereine. In diesem Spiel sollten die Gastgeber sicherer Sieger werden. Auch im Spiel der Jugendmannschaften sollte Wieseck den Sieger stellen. Das Spiel der ersten Mannschaften wird den Abschluß der Begegnungen bilden. Die Spielstärke der Gäste ist hier wenig bekannt, doch besitzt die Elf einige gute Kräfte. Wieseck hat den Vorteil des eigenen Platzes und sollte als Sieger aus dem Treffen heroorgehen können. Deutscher Oameu-Sieg beim Warschauer Mitturnier. Frau Glahn (Deutschland) konnte bei dem in der polnischen Hauptstadt veranstalteten internationalen Reitturnier den „Preis der Weichsel", ein Springen für Zivilreiter, erringen. llm die Weltmeisterschaft im Kmfiflug. ...........!• ""-"w v'* vw .....r Auf dem Pariser Flugplatz Vincennes kommt am 9. und 10. Juni die Weltmeisterschaft im Kunstflug zum Austrag. Hieran werden sich zehn Piloten von sechs Nationen — darunter auch die hier abgebildeten vier Flieger — beteiligen, um sich um den Titel und um die Preise in Höhe von 275 000 Franken zu bewerben. — Unsere Bilder zeigen Kunstflieger bei ihren kühnen Vorführungen; in den Ausschnitten einige der besten Kunstflieger. Oben rechts: Dstroyat (Frankreich), darunter der deutsche Meister Gerhard F i e s e l e r. Unten links: Gerd Achgelis (Deutschland), darunter Colombo (Italien). Die Reichs-Schwiinin-Woche 1934 in Gießen. Nach den verschiedenen Meldungen über die Durchführung der Reichs-Schwimm-Woche vorn 17. bis 24. Juni 1934 im Reich und in Hessen erhalten wir nunmehr von dem Ortsausschuß Gießen nähere Mitteilungen über die V e r a n st a l t u n g s- folge, die in' unserem Stadtgebiet im Einzelnen vorgesehen ist. Die Mitarbeit der maßgebenden Behörden- und Parteistellen, sowie aller sonstigen in Betracht kommenden Organisationen, insbesondere auch der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" hat wie sonst im Reiche auch in Gießen die Möglichkeit geschaffen, die Reichs-Schwimm-Woche mit einer großen Zahl von Veranstaltungen in Verbindung zu bringen. Von besonderer Bedeutung ist, daß alle Veranstaltungen, auch die verschiedenen Schwimm-Lehrstunden in den Lahnbädern, für jedermann unentgeltlich sein werden. Die Woche wird eröffnet am Samstag, 16. Juni, durch einen um 19.30 Uhr vom Oswaldsgarten durch verschiedene Straßen unserer Stadt führenden Aufmarsch, an dem die SA., die Jugend-Organisationen, die Sportverbände und alle sonstigen in Betracht kommenden Vereinigungen teilnehmen. An den Umzug schließt sich eine Kundgebung an, bei der neben den Vertretern der Behörden- und Parteistellen der im deutschen Sportleben wie auch auf politischem und künstlerischem Gebiet bekannte Pg. Dr. Geisow, Frankfurt a. Main, sprechen wird. Die Veranstaltung wird umrahmt von sportlichen Vorführungen und musikalischen Darbietungen. Diese Eröffnungskundgebung wird Gelegenheit geben, die großen Ziele, die die Reichs-Schwimm-Woche verfolgt, allen Besuchern nahezubringen, während die an den folgenden Tagen durchgeführten praktischen Lehrgänge und Veranstaltungen der Ausbildung des Einzelnen auf schwimmerischem Gebiet und im Rettungsschwimmen dienen. Am Sonntag, 17. Juni, 15 Uhr, werden in der Müllerschen Badeanstalt schwimmerische Vorführungen geboten in Form von Staffelwettkämpfen, volkstümlichem und humoristischem Schwimmen, Kunstspringen, Reigen, Figurenlegen und Wasserballspielen. Der Montag, 18. Juni, ist ab 17 Uhr der Abhaltung von kostenlosen Lehrstunden durch geeignete Kräfte in sämtlichen Bädern an der Lahn gewidmet. 3m Vordergründe der Unterweisungen wird das Rettungsschwimmen und im Zusammenhänge damit die Möglichkeit zur Ablegung der Freifchwimmerprüfung stehen. Es wird Wert darauf gelegt, daß jeder Volksgenosse, auch der des Schwimmens Unkundige, von dieser Möglichkeit der schwimmerischen Unterweisung Gebrauch macht. Die Wahl der Badeanstalt bleibt jedem Einzelnen überlassen. Für Dienstag, 19. Juni, sind von 17 Uhr ab die schwimmerischen Wettkämpfe der Oie- 6 e n e r Schulen in der Müllerschen Badeanstalt vorgesehen, bei denen voraussichtlich eine besonders rege Beteiligung zu erwarten ist. Ein Langstrecken - Schwimmen über 1000 Meter ist für Mittwoch, den 20. Juni, 17 Uhr, angesetzt. Als Schwimmstrecke ist die Lahn oberhalb des Wehres zwischen der Militärbade- anstatt und dem Bootshaus der Gießener Rudergesellschaft gewählt. Jeder, der sich die Fähigkeit zu dem Schwimmen zutraut, ist startberechtigt. Für einen umfassenden Sicherheitsdienst ist gesorgt. Am Donnerstag, 21. Juni, wiederum 17 Uhr, in der Müllerschen Badeanstalt, ist ein L e h r sch w i m- m e n für die Angehörigen von HI., BdM. JV. und IM. angesetzt, an das sich auch Wettkämpfe innerhalb der einzelnen Organisationen, besonders auch im Wasserball, anschließen werden. Bei dieser Gelegenheit wird ein berufener Vertreter der hiesigen Aerzteschaft vor den Teilnehmern über das Schwimmen und Retten nach sportlichen Gesichtspunkten sprechen. Die einzelnen Einheiten der SA. haben am Freitag, 22. Juni, von 17 Uhr ab, in der Müllerschen Badeanstalt eine Anzahl von Einzel- und Staffelwettkämpfen, sowie Vorführungen^ im Rettungsschwimmen angesetzt. Der Samstag, 23. Juni, bringt nachmittags eine Fahrt der beteiligten Organisationen in einen Ort Zer Umgebung, um auch auf dem flachen Lande für den Gedanken des Schwimmens und Rettens, sowie insbesondere für den Bau von Bädern, zu werben. Beschlossen wird die Reichs-Schwimm-Woche am Sonntag, 24. Juni, durch eine großangelegte Rettungsübung vor der Lahnbrücke. Der hierbei vorgeführte Bau einer Fähre, sowie die Mitwirkung der SA., der Sanitätskolonne und der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft versprechen eine vielseitige Darbietung. Umrahmt wird die um 15 Uhr beginnende Veranstaltung von einem M a s - Icnaufschwimmen und einer Auffahrt er Paddler. Besonders festlich wird der Abend dieses Schlußtages gestaltet durch ein öffentliches Strandfest auf der Uferterrasse der Pulvermühle. Eine Ufer- und Brückenbeleuchtung, sowie eine „Italienische Nacht" auf der Lahn werden ihre Wirkung nicht verfehlen. Das Programm zeigt, daß auch in Gießen alles getan wird, um die Reichs-Schwimm-Woche für alle Volksgenossen möglichst vielseitig und lehrreich zu gestalten, und um das der Reichs-Schwimm- Woche gestellte Ziel zu erreichen: „Jeder Deutsche ein Schwimmer Jeder Schwimmer ein Retter." Um den Davispokal Deutschland - Frankreich 1:1. Bei unfreundlichem Wetter begann der nach den französischen Meisterschaften mit großer Spannung erwartete Davispokalkampf Deutschland — Frankreich im Roland Garros-Stadion bei Paris seltsamerweise vor nur wenigen Zuschauern. Der erste Tag brachte die errechneten Siege von Boussus und v. Gramm, so daß das Gesamtergebnis 1:1 lautet. Der Franzose Boussus fertigte den Kölner Nourney, der ihm in keiner Spielphase gefährlich werden konnte glatt 6:1, 6:2,. 6:2 ab. Im zweiten Einzel legte sich von Gramm sichtlich Schonung auf und mußte, mit verhaltener Kraft spielend, dem vom Glück begünstigten Andre Merlin einen Satz überlassen. Lediglich im letzten Satz strengte sich der Deutsche etwas an; er gewann 6:1, 7:9, 6:2, 7:5. Europameister im Weltergewicht. Der Berliner Freiluftring in der Bockbrauerei hatte am Freitagabend einen Großkampftag, in dessen Mittelpunkt das Treffen um die Europameisterschaft im Weltergewicht zwischen dem deutschen Meister Gustav Eder und dem Belgier Nestor E h a r l i e r stand. Dor über 4000 Zuschauern lieferten sich beide Anwärter einen großen Kampf, aus dem Eder in der 11. Runde durch k. o. als Sieger heroorging. Kurze Sportnotizen. Die S ch i r m h e r r s ch a f t für die vom 23. bis 29. Juli in Nürnberg stattfindenden Deutschen Kampfspiele hat auf Antrag der Stadt Nürnberg Reichspräsident Generalfeldmarschall v. Hindenburg übernommen. Das Endspiel zur Fußballwelt- m e i st e r s ch a f t zwischen Italien und der Tschechoslowakei am Sonntag in Rom wird von dem belgischen Schiedsrichter Baert geleitet.________________ oben wiedergegebene Stelle einige moralisierende Ausführungen anknüpft. . Aber nicht immer deckt sich eine historische Anekdote voll tiefen ethischen Sinnes mit der geschichtlichen Wahrheit. Das scheint auch hier der Fall zu sein. Einer strengen Kritik hält die Erzählung nicht stand. Von vornherein macht das Schwanken des Namens des Läufers stutzig. Drei verschiedene Namen werden genannt: Thersippos^ Eukles, Philippides. Wäre eine lebendige, im Volk verwurzelte Tradition über den Lauf vorhanden gewesen, dann hätte auch der Name des Helden m ihr festgehaftet. Nun ist uns der in der Lukianschen Erzählung genannte Philippides durch zahlreiche andere Erwähnungen wohl bekannt. Er war von Beruf Kurier (hemerodromos, was wörtlich Tagesläufer bedeutet) und wurde vor der Schlacht von Marathon von den Athenern nach Sparta geschickt, um dort gegen die anrückenden Perser Hilfe zu erbitten, die aber die Spartaner aus religiösen Gründen nicht sofort zu gewähren in der Lage waren. der Bezeichnung „Der toiegesoore von ^caraiyon . rourue jeuuaj uun 'opu—7 Ubr, in unmittelbarer Nabe des Babnbofs Rodbeim v.d.H. statt. Zum Berkaus kommt nur erstklassiges Obst, das wie alles Tauiiusobst, von ganz besonderer Güte ist. Die Nodheimer Kirschen sieben den Kirschen benachbarter Orte in feiner Weise nach und sind frei von Maden. Ihre Festigkeit ermöglicht einen Verlandt auf weite Entfernung. Händler und Verbraucher, deckt euch ein auf dein Rodbeimer Obstmarkt. Marktbeginn: Montag, den 11. Juni. 3477V Marktverwaltung Bürgermeisterei Rodbeim v.d.H. Hering. Wieseck Sonntag, den 10. Juni TANZ bei Wilhelm Dorfeld 3481 D IhreDermählung geben bekannt Walter Hofmann und Frau Emmi, geb. Fabian Limburg a. d. Lahn Gießen 9.3unl 1934 3466 D Künstler-Konzert Sonntag, 10. Juni, ab 16 Uhr und 20.30 Uhr BERGSCHENKE ________Eintritt frei I 02966________800 Sitzplätze Liebigshöhe Sonntag, den 10. Juni, ab 19 Uhr 34590 Konzert mitTanz Eis- i Artikel kaufen Sie bei Ernst Muth «jiroüiiandlg., Ludwigstr. 42 Hartbrennbolz 1 Wagen, 5 Ztr. 5.- An- machlwlz-lWag. 6.- Fein gehacktes Anmach- hol^lSackl H ei Steller. masD Sui. 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Nur für lausend erscheinende Druckschriften, welche bereits im Oktober 1933 planmäßig erschienen sind, ist die Genehmigung allgemein erteilt. Das gleiche gilt für Druckschriften mit mehr als einmonatigen Erscheinungsfristen, welche in der Zeit vom 1. Januar bis 30. Oktober 1933 planmäßig erschienen sind. Für alle anderen Druckschriften, in welche Anzeigen aufgenommen werden sollen, i st vor Erscheinen die Genehmigung vom.Werberat der Deutschen Wirtschaft (Berlin W 8, Tauben st raße) einzuholen. Das gilt insbesondere auch für Programme, Festbücher, Wandfahrplcine, Fernsprechverzeichnisse usw.» welche mit Anzeigen ausgestattet werden sollen. Es wird dringend davor gewarnt, die Anzeigenwerbung für derartige Schriften zu beginnen, ehe die Genehmigung des Werberats dafür vorliegt. Ebenso wird allen Gewerbetreibenden dringend empfohlen, sich vor Aufgabe von Anzeigen in solchen Schriften die Genehmigung des Werberats vorweisen zu lassen. Es könnte sonst sein, daß sie für eine Anzeigenwerbung nutzlos kosten aufwenden, weil bas Erscheinen der betr. Druckschrift durch den werberat verhindert wird. Vorsicht ist um so mehr am Platze, als der Werberat die Genehmigung zur Anzeigenwerbung in Festbüchern, Programmen, Prospekten, Anzeigenblättern usw. im allgemeinen nicht erteilt. Wichtig für Geschäftsleute! Bitte ausschneiden. Nr. 152 Drittes Blatt Samstag, 9. Zuni 1934 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien) Der Dienst am Gaste. Kellner vor der Prüfungskommission. Die Kreisbetriebsgruppe I. Gießen „Nahrung und Genuß", Fachschaft für das Gaststättengewerbe hielt im Saale des Hotel Hindenburg seine Eignungsprüfung für Kellner ab. Dem Prüfungsausschuß, der aus den Herren Hotelbesitzer Klingler, Ludwig Keil, Heinrich Beck, Franz Schwab, sowie Oberkellner Gustav Rühl, Fritz Staats, Wilhelm Birlenbach und Gustav Goltermann bestand, stellten sich 18 Prüflinge zur Prüfung. Außerdem waren schrieben. Das Aufstellen von Speisefolgen, Preiskalkulationen, das Schreiben von Speisekarten wurde in zahlreichen Aufstellungen behandelt und zur Prüfung gebracht. Sodann wurden die Bier- Arten, Pflege und Behandlung desselben von fachlicher Seite eingehend behandelt. Außerdem dieselben Fragen bei Wein, Likör und allen sonstigen Getränken erörtert. Einen weiten Raum nahmen auch die verschiedenen Speisen ein. Hier entwickelte sich ein reges Frage- und Antwortspiel. Art, Zuberei- w S Prüflinge und Prüfungskommission des Gaststättengewerbes. In der ersten Reihe, Dritter von links: Kreiswalter des Reichsverbandes vom Gaststättengewerbe Pg. Soldan, rechts neben ihm Kreisbetriebsgruppenleiter Pg. Stein, unmittelbar hinter ihm der stellvertretende Kreisbetriebszellenleiter Pg. Hahn. Vertreter der Berufsschule, des Reichseinheitsverbandes, der Gewerbe-Polizei und der NSBO. als Gäste anwesend. Kreisbetriebsgruppenleiter Pg. Stein begrüßte die Erschienenen. Er wies auf die Wichtigkeit der Prüfung hin und verlangte, daß die Vermittlung der Kellner nur durch das Arbeitsamt geschehen müsse. Er wandte sich scharf gegen Schwarzarbeiter. Alle derartigen Fälle, die ihm von jetzt ab bekannt werden, würde er rücksichtslos zur Anzeige bringen. Es könne in erster Linie nur der Kellner beschäftigt werden, der im Besitz einer Berufsausweiskarte ist. Er sprach die Mahnung aus, die Prüfung in echt nationalsozialistischem Sinne vorzunehmen. Daraufhin eröffnete er die Prüfung. Kreissachschaftswart Otto Schäfer gab noch die Verfügungen bekannt und teilte die einzelnen Fächer und Themen mit, in denen die Prüfungen erfolgen sollten. Hierauf begannen die schriftlichen Prüfungen mit einem Aufsatz, betitelt: „Der Gast und seine Behandlung von dessen Kommen bis Gehen." Für diesen Aufsatz war eine Zeit von 30 Minuten belassen. Es wurden z. T. recht vorzügliche Leistungen erzielt. Anschließend wurden Rechnungen, wie sie im täglichen Geschäft erforderlich sind, ge- tung, Bestandteile der Speisen wurden eingehend behandelt. Bei den praktischen Arbeiten wurde das Tisch- und Tafeldecken, beginnend mit dem einfachen Frühstückstisch bis zur reichsten Festtafel gezeigt. Beim praktischen Servieren zeigten die Prüflinge ihr berufliches Können in hellem Lichte. Kreisfach- fchaftswart Otto Schäfer führte dann eine Reihe von Fallen aus der Praxis an, die sich im täglichen Geschäftsgang ergeben, wie z. B. bei Beschwerden, Irrtümern, Zechprellereien, Klagen usw. und wies darauf hin, daß der Kellner sich individuell auf den Gast und Kunden einstellen müsse. Sodann hielt pg. Soldan eine Ansprache. Er führte u. a. aus: Ich freue mich, daß ich als Kreiswalter des 'Reichsverbandes vom Gaststättengewerbe, die Feststellung machten kann, daß der größte Teil der Prüflinge die Prüfung geradezu glänzend bestanden hat. Im Gaststätten- gepjerbe ist es von größter Wichtigkeit, daß nickt mehr die Ansicht vertreten wird: „Wer nichts wird, wird Wirt". Der Angestellte. des GgsMttengewer- bes soll aber auch andererseits mit dazu beitragen, daß wir diesen Miesmachern, diesen Nörglern die gebührende Antwort geben. — Der stellv. Kreis betriebszellenobmann pg. Sahn prach noch über das Leistungsprinzip. Er ührte u. a. aus: Der nationalsozialistische Staat hat die Aufgabe, ein neues Verhältnis zwischen Staat, Wirtschaft und den einzelnen Volksgenossen zu schaffen. Dazu ist notwendig, daß auf allen Gebieten die großen Grundsätze des Nationalsozialismus unbedingt Geltung besitzen. Alles Tun und Treiben des Einzelnen, auch auf wirtschaftlichem Gebiete', mllß bewußt unter dem Gesichtspunkt der Ehre erfolgen. Da nun die Wert- chätzung eines Volkes zu einem großen Teil im Fleiß und der Leistung begründet liegen, sind wir Verfechter des Leistungsprinzips. Der Nationalsozialismus beurteilt den einzelnen Volksgenossen nach seiner Leistung. Und zwar nicht nach der Leistung an sich, sondern nach dem Werte dieser Leistung für die Gesamtheit. Damit hat jeder Deut- che die Möglichkeit, zu der Anerkennung zu kom- nen, die seinen Fähigkeiten entspricht, das Leitungsprinzip ist Die Grundlage der nationalsozialistischen Gerechtigkeit: „I e d e m d a s S e i n e" ist hier Wahlspruch. Die Eignungsprüfungen sollen nichts anderes bezwecken, als die Ungeeigneten von den Geeigneten zu scheiden. Gerade der Kellnerberuf, der besondere Eigenarten in sich birgt, auf der anderen Sekte besondere Umgangsformen erfordert, hat gar manchmal darunter gelitten, daß nicht Fachkräfte vorhanden waren. Wie man nun im Handwerksberuf Qualitätsarbeit von Schund unterscheidet, so wird man durch diese Prüfungen die Tauglichen von den Untauglichen unterscheiden können. Die Entwicklung der Deutschen Arbeitsfront wird es mit sich bringen, daß neben der unbedingt notwendigen Schulung und Erziehung auf politischem und charakterlichem Gebiete der Schulung und Erziehung aus beruflich, fachlichem Gebiete mehr Beachtung geschenkt wird. Es soll wieder der Arbeitsmensch Berufsehre und Stolz besitzen, Eigenschaften, die man in dem marxistischen Zeitalter verwechselte mit den Begriffen Standesdünkel und Ueberheblich- feit. Im nationalsozialistischen Staate kommt es nicht darauf an, was ich arbeite, sondern das Entscheidende ist immer, daß ich arbeite. Dankbar wollen wir aber auch in dieser Stunde sein dem Führer des deutschen Volkes, der uns den Glauben an uns selber wieder gegeben hat, denn letzten Endes liegt die Kraft zur Gesundung des Volkes in ihm selber. Es ist diese Kluft nicht mehr vorhanden zwischen Wirtschaftsführer und Wirtschaftsgefolgschaft, sondern beide Schichten haben erkannt, daß sie eine Schicksalsgemeinschaft bilden und infolgedessen auf Gedeih' und Verderb aufeinander angeroic^n sind. Jy dieser Erkenntnis laßt uns weiter arbeuen, ein jeher an seinem Platze zum Nutzen von Volk und Staat! Aus Der provinzialhaupistadi. 3m Zeichen des Roten Kreuzes! „Die sich deinem Dienst verschworen, Ach, sie sind nicht auserkoren Zu der Waffen blufgem Ruhm. Doch der Kampf im Friedenskleide Mit dem Tod um feine Beute Ist auch schönes HelLentum." H. Nagel. Es ist in hohem Maße zu begrüßen, daß wir im ganzen Deutschen Reiche am „Roten-Kreuz-Tage", der für den 10. Juni in diesem Jahre anberaumt ist, Gelegenheit finden werden, einer hervorragenden vaterländischen und sozialen Organisation die sehr notwendige Dankesschuld abzutragen und gleichzeitig die großen volklichen und nationalen Aufgaben uns vergegenwärtigen zu lassen — ohne jede Voreingenommenheit — die auch in der Zukunft dem Roten Kreuz zufallen müssen. Die bedeutendste Aufgabe des Roten Kreuzes liegt bekanntlich darin, im engen Zusammenwirken mit den entsprechenden, naturgemäß aber nur in geringem Umfange vorhandenen Organisationen des Heeres freiwillig im Kriegsfälle tatkräftige Fürsorge an den verwundeten und erkrankten Soldaten zu üben und alle für die freiwillige Kriegskrankenpflege erforderlichen Vorbereitungen sowohl durch ordnungsgemäße und sachliche Ausbildung des Personals als auch durch Bereitstellung aller Materialien sorgfältig zu treffen. Wie wichtig die Kriegskrankenpflege ist, zeigt uns allein die Tatsache, daß zu allen Zeiten die Völker derartige Einrichtungen geschaffen haben. Es sei nur erinnert an die Johanniter-Brüderschaft des Hospitals von Jerusalem, welche zur Zeit der Kreuzzüge den Wallfahrern, die erkrankt oder im Kampf verwundet waren, Unterkunft gewährte, oder an die Brüderschaft des Deutschen Ordens, der mit der besonderen Bestimmung der Krankenpflege für verwundete deutsche Ritter in Jerusalem gegründet wurde und aus dem sich später um 1190 vor Akkon im dritten Kreuzzug der geistliche deutsche Ritterorden entwickelte und dem nach der Zeit der Kreuzzüge die große Kolonisationsausgabe im Osten unseres Vaterlandes zufiel. Auch die berühmte Abmachung der Genfer Konvention vom 22. August 1864, nach der unter dem Zeichen des Roten Kreuzes auf weißem Grunde den Verwundeten Schutz und Neutralität im Kriege gewährt werden soll, ist nicht erst eine Errungenschaft des 19. Jahrhunderts. Wir kennen schon aus dem Jahre 1581 Abmachungen zwischen der Stadt Tournay und dem Prinzen von Parma, Alexander Farnese, durch welche die Kriegsgegner gegenseitig ihren Verwundeten und Kranken Schutz zusagten. Und ähnliche Verträge sind zwischen Fürsten, Staaten und Städten des öfteren geschlossen worden; annähernd 300 derartige Übereinkünfte liegen vor. Leider sind im Weltkriege die Zeichen des Roten Kreuzes auf weißem Grunde nur zu oft nicht beachtet worden, häufig zweifellos in voller Absicht, häufig aber auch als eine Folge der neuzeitlichen Kriegführung, die selten noch einen Kampf der Menschen miteinander darstellt als vielmehr ein Aufeinanderprallen ungeheurer materieller und maschineller Kräfte. Aber um so ruhmvoller bleibt die selbstlose und aufopferungsfreudige Arbeit, welche im Weltkriege vom Roten Kreuz im Dienste der freiwilligen Kriegskrankenpflege geleistet worden ist. Man hat von den freiwilligen Kriegskrankenpflegern dieselbe militärische Zucht und Disziplin verlangt wie von jedem Heeresangehörigen und auch die allerletzte Hingabe an den Dienst, die unter Umständen das Leben forderte. Sie haben diesen Dienst am Vaterlands mit Freudigkeit und Selbstverständlichkeit geleistet, obwohl sie im strengen Sinne des Wortes nicht „kriegsverwendungsfähig" waren und obwohl mancher „Garnisondiensttaugliche" inzwischen daheim für das eigene Wohl und die eigene Zukunft sorgte! Man hat das Verdienst dieser Kriegsteilnehmer oft zu Unrecht geschmälert. Und dennoch kann der Sanitätsdienst in der Gesamtorganisation eines kämpfenden Heeres überhaupt nicht entbehrt werden! Am wenigstens der freiwillige!! Es ist darum an der Zeit, daß das deutsche Volk endlich den Sinn der Arbeit erkennt und die Arbeit )as mein einst war. . W alöiinnen,eieneroi cJeiLg.u.rci d)L Küche,auchDiät.4Nlalzett.3^.zi3M Höbenlnftknrortünnan('h.leftenunlN Jnschön.waldr.Geg.find Erholung- such.frdl. Aufnahme. Beste Verml 4reichl.Mahlz.: 3,25^®arn.?yrübft ik.Nebenk.)Strandb.,Groß.Garten mit Lieaestübi.Cig. Landwirtschaft Gasthof zur Post.Tel.Marienberg 9, LHalmer PrivaiPension Bogeisb.Höhenlage 460 m, eig. Landwirtsch., nut einger. Fremdenz. m. el. L., Bad, 8 Min. v.Hause eig. Badestelle mit Liegeplatz u. Svrungst. a. gr.See, m. umlieg. Wald, gut. Vervfl. bei 4Mahlz. 3.30RM. Friedr.Föckel, Rieder-Moos, Bahnstat. Grebenhain-Crainfeld.Tel.GrebenhainLl Freie Abholung v. d. Bahn. amD Kommt in den Vogelsberg Herchenhain, 700 m, Gafth.„Sch Aussicht". Bes.Hch.Weidner. Tel Grebenhain 14. Tie beliebte allein- gei. Sommerfrische f. nervös Abge- wannte, kein Staub, kein Auto- verk., himml.Rub. Verl. Sie Prosp. ————> FürErholungwilRuheileWige Arzthaus in berrl. Höhenlage zwischen Wald und Bergen Pension von RM. 4.- an Dr.Klapsch. 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Hessenland betreuen zu dürfen. Erbitt. Sie Prospekt u. Bild. 33o»d Toni Kübel, Heimleiterin. 5AM5TA6(ABENDE$$EN) FREITAG ABENDESSEN) EINE GANZE WOCHE ! MK MK MK NACH ANSPRÜCHEN• PROSP •• STADT-VERKEHRSAMT. SAMSTAG -- ABEND BIS MONTAG FRÜH’ BIS DIENSTAG FRÜHSTÜCK Lunge deutsche Nation. Oer Wimpel. Wir sind jung! Die Zukunft liegt vor uns. Wir wollen sie durch Einigkeit gestalten. Und als der Führer einen neuen Zeit Wird unser Führer über Deutschland walten. Wir sind treu! Wir halten unseren Schwur! Und unsere neue Fahne fall bezeugen, Daß wir in einem Bund geschlossen sind. Kein Drohen soll das deutsche Herz uns beugen. Wir sind stolz! Auf unserer Fahne Sinn. durch das Ziel marschieren. Der Scharführer eilt einer Mannschaft entgegen. Jedem einzelnen drückt er die Hand. „Wir haben's geschafft!" rufen sie sich zu. Und aus diesen wenigen Worten spricht der tiefe Sinn dieses Sportes der HI. Das ist das Größte bei diesem Sport, daß er nicht zu Rekordwahn führt, sondern jeden zur Kameradschaft erzieht K r e d 1 e r. Nachtwache. Vom nahen Kirchturm schlägt es 4 Uhr. Ich bin eben aufgewacht. Das ungewohnte Strohlager will mir keine Ruhe gönnen. Draußen schreitet die Wache auf und ab. Der knirschende Schritt verhallt und kommt wieder zurück. Bald werde ich draußen in Dunkelheit und Kälte stehen und Wache halten. — Ich bin wieder eingeschlafen. — Ein Tritt an meine Füße. Ich springe auf. „Ablösung? , hörte ich oder glaubte ich zu hören, Der Schlaf hängt mir noch tüchtig an. Schnell laufe ich auf den Hof. Ein eisiger Strahl aus dem Brunnen wäscht den Schlaf aus den Augen. Nun gehe ich auf und ab. Es ist noch finster. Im nahen Rittergut kräht der Hahn. Der Tag beginnt. Drüben im Park schreit ein Kauz, und bald fangen bte kleinen Sänger mit ihren ausgeruhten Kehlen an, ein lustiges Lied in den aufsteigenden Tag tu singen. Die Morgendämmerung tritt ein. Immer deutlicher werden die Bäume im nahen Park. Jetzt nähern sich Schritte Die Wache wird kontrolliert. Es ist mächtig kalt. Männer gehen zu ihren Arbeitsplätzen, denn der Tag beginnt. Doch auch im Lager wird es lebendig. Der Hornist bläst den Weckruf: 6.30 Uhr. Nach fünf Minuten stehen die Jungzüge zum Frühsport angetreten. W Oer Zungmädel-Heimabend neue Lieder. Jeder Heimabend ist so schön, daß Gepäckmarsch bei Iungvolk-Gulaschkanone das auf’ Und Wir Als hallen über und BDM. eintreten in eure herrliche Kameradschaft!" (Sin Jungmädel. immer wollen wir zusammen stehen, deutsche Jugend, jung und treu und stolz. — Sinnbild soll der Wimpel vor uns wehen! F. S. tnnten. Das ist Kameradschaft. Auf der Straße, die die Mannschaften zum Ziel führt, saust ein Auto vorüber. Am Steuer sitzt ein junger Mann, auf dem Kopf eine rote Kappe. „Fatzke!" höre ich einen hinter mir sagen. Zwei Welten sind es, die sich hier begegnen. Die letzten hundert Meter vom Ziel im Stadion der Industriestadt. Durch ein Spalier von Hunderten von Kameraden marschiert die erste Mann- schäft geschlossen in das Stadion ein. Der Spiel» mannszug spielt, grüßender Jubel von weit über 5000 Jungen und Mädel, die zu den Unterbann- Sportveranstaltungen geeilt sind, braust auf und begrüßt die sechs Jungen, die da tadellos ausgerichtet, mit zackigem Schritt, in strammer Haltung j „Fertig — los!" Die letzten Worte den weiten Platz, der von HI., DJ. sowie Tausenden von Zuschauern dicht umsäumt ist. Achtzehn Mannjchasten marschieren. Alles kräftige Jungen, Sungarbctter und Bauern der mittelldeut- fchen HI. Hell strahlt die Sonne vom klaren, blauen Himmel. 20 Kilometer mit Gepäck ist bei dieser Hitze keine Kleinigkeit. Bald sind die Straßen der Stadt durchquert. Das Häusermeer, aus dem unzählige Fabrikschornsteine herausragen, bleibt in der Ferne zurück. Auf der Landstraße, durch Dörfer, über Feldwege marschieren die Mannschaften, lieber 100 Jungens sind unterwegs. Schon ist das Feld weit auseinandergezogen. Einige haben bereits aufgegeben. Da sitzt einer im Straßengraben. Er hat sich eine Blase angelaufen, aber mit will er, nur weiter, damit feine Mannschaft den Sieg erringt. Noch einer gefeilt sich zu ihm. Sie ziehen die Schuhe aus, werfen sie in eines der Begleitautos und laufen barfuß weiter. . Erika, alle meine Freundinnen sagen immer, ich sollte doch zu den Jungmädeln kommen. Kannst du mir nicht bitte einmal erzählen, was ihr da treibt? Ich stelle mir eure Heimabende schrecklich langweilig vor!" „. . . Aber Lotte, der Heimabend ist für uns der chönste Tag in der ganzen Woche. Bei uns herrscht eine so innige Kameradschaft. Jede hilft der anderen. Zu Anfang des Heimabends fingen wir ein Lied und besprechen alles Wichtige, z. B., wann die nächste Fahrt ist ober was sonst alles los ist. Dann lieft uns unsere Führerin aus einem schönen Buch etwas vor. Die Bücher, die unsere Führerin hat, hast du sicher noch nicht gelesen. Das sind nicht olche Geschichten wie „Trotzkopf" und sowas. Auf dem letzten Heimabend hat uns unsere Führerin etwäs von ihrer großen Fahrt nach Ostpreußen erzählt. Fabelhaft muß solch eine Großfahrt fein. Unterwegs hatten sie einmal bei einem alten Bauern Quartier, der hat ihnen viel vom Weltkrieg und von der Schlacht bei Tannenberg erzählt. Nach dem Krieg ist der Bauer von feinem Hof durch die Polen vertrieben worden. Wenn wir größer ind, dürfen wir auch solche großen Fahrten machen. Manchmal basteln wir auch oder lernen Der Bannführer fährt mit einem Arzt die Strecke ab. „Na, Jungens, könnt ihr noch weiter?" „Allemal!" tönt es zurück. „Wir holen uns die fünf Mark!" rufen andere und erinnern ihn daran, daß er den drei besten Mannschaften neben den ausgesetzten Preisen einen Geldbetrag zur Anschaffung von Sportgeräten versprochen hat. Die Sonne brennt. Sie meint es heute allzu gut. Durch das historische Gelände von Roßbach marschieren die Hitlerjungen, an dem Denkmal, das an die Schlacht erinnert, vorbei, hinüber auf die Der» kehrsstrahe, die die größten Städte Mitteldeutschlands verbindet. Noch acht Kilometer sind es bis zum Ziel. Von mancher Mannschaft marschieren nur noch ein bis zwei Jungen. Sie wollen wenigstens durchhalten. Mit Gesang, in gleichem Schritt kommt die eine Mannschaft vorbei. Andere pfeifen „Mit frischem frohen Mut...". Mit den Schulter- riemen haben sie sich aneinandergekettet. Ein großer Junge von kräftigem Wuchs hat die Schulterriemen dreier Kameraden an sein Koppel geschnallt und zieht sie so mit sich fort. Dort tragen zwei Jungen Den Tornister eines dritten, bannt er sich einige Augenblicke verschnaufen kann. Hier gibt ein Jungarbeiter einem Schüler aus feiner Feldflasche zu wir unsere Führerin bitten, ihn etwas länger auszudehnen. Aber um J48 Uhr wird unerbittlich Schluß gemacht. Wir stehen auf, fassen uns bc: den Händen und fingen unser Bundeslied. Dann kommt noch etwas sehr Lustiges, Reinemachen, d. h., wir müssen den Boden scheuern und Staub wischen. Es stehen nicht viel Gegenstände in unserem Heim, ein paar Tische, Bänke und ein Stuhl. An der Wand hängt ein großes Bild von unserem Führer. Und Unterschiede gibt es bei uns nicht. Volksschülerinnen und Mädel aus höheren Schulen schließen engste Kameradschaft und verkehren herzlich zusammen. Klicken kommen gar nicht in Frage, wie es bei uns in der Schule Mode ist. Bei uns Jungmädeln im BdM. ist alles eine große Gemeinschaft. Wirst du jetzt auch mit zu uns kommen?" „Ja, Erika, wenn es bei euch so ist, werde ich auch mittun Ich dachte, euer Heimabend fei solch ein langweiliges Kränzchen. Ich werde mir sofort die Erlaubnis von meinen Eltern holen und dann Beinahe... Bon Göh Leisenheimer. Wir waren zu britt auf Sommerfahrt und hatten die Nacht in dem malerischen Mainstädtchen Miltenberg zugebracht. Schon am frühen Morgen schwangen wir uns auf unsere Räder, und die Fahrt ging dem Neckar zu. _ . (m..re Es ist ein wunderschöner Morgen. Kem Wolk- chen ist am Himmel zu sehen. Die Vögel jubilieren. Ungezählte Tautröpfchen hängen an den Grashalmen. Es geht bergan, und die Sonne brennt. Höher klettert sie am Himmel empor, und immer glühender werden ihre Strahlen. Der Weg wird steiler und steiler. Schweißtropfen stehen uns auf Stirn und Wange. Müde hängen wir auf unseren Rädern. Kein Wort fällt mehr. Jeder ist mit sich selbst beschäftigt. Leise knarren die Räder. Wann kommt der Kamm? Immer steiler wird die Straße. Da winkt in der Ferne dunkler Tannenwald. Dort sinken wir völlig ausgepumpt von den Rädern. Nach kurzer Rast müssen wir weiter. Doch zu steil ist der Weg. Kilometer um Kilometer schieben wir unsere vollbepackten Räder dem Bergkamm zu. Endlich ist er erreicht. Einen Augenblick holen wir tief Atem. Kurze Anweisungen: Nicht so dicht auf fahren; bei Kurve Klingelzeichen und bremfen. Langsam rollen die Räder an, schneller ... crifebe Luft fegt an uns vorbei, nimmt uns den Schweiß von der Stirne, bauscht unsere Hemden auf, macht uns fast übermütig. Die Hände umklammern die Lenkstangen. Die Füße stehen fest auf den Pedalen zum Bremsen bereit. Doch frei drehen sich die Räder. Im rasenden Laus eilen sie die Waldstraße hinab. Da spritzt ein Stein beiseite. Links ein Seitenweg. Vorbei. Ein Reh poltert ins Dickicht. Oh, möchte es immer so weitergehen. Leise rappelt mein Rad. Laß es rappeln. Wie könnt' ich halten? Wir nähern uns dem Neckar. Die Fahrt wird langsamer. Das Gelände wird ebener. Mein Rad rappelt stärker. Deshalb halten wir. Ich sehe es nach. Der Ass ist noch gut aufgeschnallt. Das Kochgeschirr sitzt fest. Luftpumpe, Schelle sind es nicht. Doch wie kommt das? Das Hinterrad hängt schief. Die Schraubenmutter, die es hält, ist locker. Betretenes Schweigen. Endlich einer: „Mensch, wenn das vorhin herausgegangen wäre." Nochmals steht die Fahrt vor unseren Augen, die rasende Fahrt, die vielen Kurven und dann... Kranker Iungzugführer. Ich bin krank geworden und liege im Bett. Gestern war ich noch mit meinem Jungzug schwimmen. Alles drehte sich um mich, keinen Augenblick stand ich allein. Wenn ich in der einen Ecke war, rief in der anderen jemand nach mir. Jeder wollte etwas Anderes wissen. Jetzt liege ich hier. Ganz allein. Keiner denkt daran, mich zu besuchen. Sonst, wenn jemand nicht zum Dienst kommt, mache ich ein Kreuz hinter seinen Namen. Er wird das nächste Mal da sein. Hier im Bett mache ich gleich drei Kreuze. Aber nicht in das Dienstbuch; bas darf ich nicht. Der Betreffende weiß nicht, daß ich ihn hier rausschmeihen kann. Wenn ich wieder gesund bin, wird man mich bitten, eine Fahrt zu machen. Das können sie eben nicht allein. Und natürlich werde ich die Fahrt machen. Ich werde auch wieder schwimmen gehen, vielleicht bekomme ich dann wieder die Grippe. In Gedanken gehe ich alle Kameraden, und was sich so nennt, durch und erwäge, wer denn wohl mal an mich denken könnte. Vielleicht fällt mein Fehlen nächsten Montag auf. Da ist Heimabend. Aber dann wird Günter mich vollkommen ersetzen. Allerdings — der Geschäftsführer wird auch kommen. Er wird mich vermissen. Er, der einzige im ganzen Fähnlein, in der Schule, der einzige überhaupt, wird mich aufsuchen, mich Kranken, untätigen, daher überflüssigen Jungen. Ich werde ihm den Beittag geben und werde ihn bitten, wieder zu kommen, vielleicht nächsten Montag, wenn ich Dann noch krank bin . . . Doch ich werde wohl kaum so lange krank bleiben. Dann werde ich wieder ein Mensch, bin gesund, kann laufen, schwimmen, Fahrten machen, kann Uniform tragen, und bin ihnen wieder überlegen, bin fähig, ihnen zu zeigen, was und wie sie es machen sollen. Gerd Meurer. Titanenkampf im Keffelraum. Bon Cornelius Quint. „Feuertüren auf!", schreit der Oberheizer. Noch einmal, im Kreislauf jener vier Stunden, die wir vor den Kesseln arbeiten müssen, geht es los: Feueraufbrechen, Aufwerfen, Durchstoßen. Die Feuertüren fliegen auf. In das dämmrige Dunkel des Heizraumes schlagen Flammen hinein, weißglühend, alles versengend. Wehende Wimpel unersättlicher Gier. „Kohlen her", schreit der Ober» Heizer den Trimmern zu. Er schreit wie ein Jaguar, aber die Trimmer schassen es nicht mehr. Schaufel um Schaufel schwarzer, schimmernder Kohle wandert in den Höllenrachen: zehn, zwanzig, dreißig Pützen — achtzig Zenter. Immer höher türmen sich die Feuerberge unter den drohenden, zischenden Kessel- Ungeheuern, aber sie bekommen nie genug Fraß. „Durchstoßen!" Die Schaufeln fliegen zur Seite. Vier Heizer haben schon die Kratzen gepackt und fahren damit hinter den glühenden Kohlen und lodernden Flam- men her, ausbreitend, beruhigend. Der Zeiger des Manometers bleibt trotzdem unerbittlich. Wir werfen die Kohlen auf und stoßen die Feuer durch, doch der Dampf sackt weiter ab, und der Zeiger fällt, langsam, wie von magischen Kräften gezogen. Immer nach links, immer nach links. Und wir wehren uns dagegen mit allen Kräften. Die Luft I im Heizraume ist schon heiß und dick vom Schweiß der Trimmer und Heizer. Ueberafl kocht Gestank auf. Verbogen und glühcnb kommen die Kratzen aus dem Feuer, wir fassen mit nassen Lappen zu, und aufzischend fliegt die eiserne Stange wieder in den Geschirrhaken zurück. Gähnend öffnen sich die schwarzen Türen der Aschfälle. Eine Sekunde haben wir Zeit, tief Atem zu holen. Mit dem Schweiß- tuch wischt jeder über das verrußte Gesicht, in das der Schweiß seine hellen, tiefen Rillen gegraben hat. Ein neues Signal blitzt auf: Grün! Die Maschinen haben Fahrt verloren. „Aufbrechen", über- jetzt der Oberheizer das Signal und reguliert dabei die Stellung der Windhutzen, um die Hüllenglut noch mehr anzufachen. Wir fassen ins Geschirr, das schwere Schüreisen kommt herunter. Armdicker Stahl. Mit aller Kraft wird die Feuertür zurückgeworfen. Das Schüreisen jagt tief in die Glut, wühlt sich, von der Kraft nackter Arme getrieben, bis zu den Rosten durch. Knirschend faßt die Schlacke an. Immer weiter treibe ich das Eisen unter die harte Kruste, zwei, drei, vier Meter tief hinein. Und bann geht es los im Chorus: „Ho ruck, und zuck, ho ruck, unb zuck!" Mit der ganzen Körperschwere wuchten wir an den heißen Stangen. Sie rühren sich kaum. „Und noch einmal, unb noch einmal", ruft der Oberheizer. Langsam kommen die stählernen Gestänge in Bewegung Die Schlackenbecke, auf ber mehr als zwanzig Zentner Kohlen lüften, hebt sich, knirscht. Flammen lecken aus dem Feuerloch heraus, sengen die Haare meiner Brust unb verbrennen die Haut unserer Arme. Aber wir finb keine Milchmädchen mehr. Immer weiter geht es. Noch einen Ruck unb noch einen Zuck. Der Stahl fliegt durch die Glut. Die Schlackendecke ist durchbrochen. Flammen lodern weißglühend und jagen die Helle Hitze der Kessel zum Schornstein hinaus. Die Schüreisen kommen aus den Feuern unb schießen zischend und gurgelnd in bie laue Flut ber Aschfälle. Der berbe und rohe Eingriff hat geholfen. Der Manometerzeiger stoppt, beginnt leise zu vibrieren, um Haaresbreite nur. Er sucht unb tastet auf unb ab. Dann steigt er. Jeder Millimeter, jeder Strich auf dem Zifferblatt ist für uns ein Atemzug der Besinnung. Die Lenzpumpen beginnen in unsere Arbeit hineinzustöhnen, saugen langsam Wasser an und drücken es in die Kessel hinein. Die Signale vom Maschinenstand sind erloschen. Die Maschine hat wieder volle Fahrt ausgenommen. Wir können uns den salzigen Schweiß von der Stirne wischen. Noch zehn Minuten bis zur Ablösung, — bann steigt sie endlich klappernd durch die Schächte hinab. Das heißt für uns: schnell rauf auf Deck. Luft! Helle! Kühle! Und über der Kimmung, dort, wo sich Himmel und Meer vermählen, steht ein feiner, brauner Sttich. Land! Der Wind weht schon die frischen Düfte der Erde herüber. Der klirrende Aufruhr un ferer Arbeit in den schwarzen Höllen hat also, trotz seiner Schwere, noch Ruhm und Glanz. Es ist ein Titanenkampf, dessen Lohn nichts weniger ist, als die Eroberung der Erde. Eine Freude steht in mir auf. Groß, stark und rein, wie sie sonst nur Musik bereiten kann. Ich weiß nun: die ungezügelte Weite der See bändigt unsere Kraft! Oie Lawine. Helle Wolken trieb der warme Frühlingswind über die Berge. An den Hängen wuchsen die ersten Blumen, und die Wildwasser brausten unbändig in weihen, kalkigen Strudeln. Trotz der Warnung des Bauern beschlossen wir, eine ferne Spitze zu ersteigen. Morgens, wenn wir vor unserer Hütte abkochten, grüßte sie im Neuschnee herüber, lange hob sie sich abends noch wie ein gewaltiger Turm am hellen westlichen Himmel ab. „Unbesteigbar bei Schmelze, unmittelbare Lawinen- und Steinschlaggefahr" — so lau- taten die Auskünfte, die man uns gab Kurz vor Tagbeginn fliegen wir auf. Jeder Schritt brachte uns höher. Lange und schweigend stampften wir durch ein düsteres Holz. Hier herrschte noch der Winter, selten verirrte sich jemand auf diesen Pfad, nur Jäger und eilige Schmuggler betraten ihn. Die niedrigen Kiefernstämme hatte der Wind gebrochen, hin und wieder ragte ein riesiger Wetterbaum aus dem Dickicht, zerfressen und morsch hing ein altes Kreuz an seinem Stamm. Wir wateten durch einen Büch, der den Wold von einer großen Geröllhülde trennte. — Die Sonne schien näher gerückt ols gewöhnlich; hoch über uns lag der Berg, lieber verharschte Schneewehen, deren Heller Glanz die Augen blendete, gingen wir vorsichtig hinweg, manchmal brach man ein und versank bis an den Leib. Wir fanden vermoderte Holzreste von Schiern und Hanffetzen, wenig weiter einen verrosteten Kochtopf. Jeder Meter mußte jetzt erkämpft werden. Felsbrocken und Erdrutsche versperrten den Weg und verlangten mühsames Umgehen. Dann nahm uns eine gewaltige Schlucht auf. Eisige Kälte stieg aus einem jagenden Wildwasser. Wir rasteten. Einige Aepfel, Rosinen und etwas Schokolade bildeten die Mahlzeit. Kaum hatten wir uns gesetzt, meinten wir Rufe zu vernehmen. Es rauschte aber nur wieder das Wasser. Doch, da hörten wir es alle: „Hilfe! Hilfe?" Wir stolperten den steilen Pfad hinab. Laut riefen mir und gaben Signalschüsse. Die Schreie mußten aus dieser Richtung gekommen fein! Immer wieder brüllten wir durch die Hände. Und dann kam sie — die Antwort. Zuerst schien es tief im Berg zu stöhnen, es donnerte und dröhnte und eine ungeheure weiße Masse schoß an uns vorbei und hinterließ eine dichte Wolke weißen Staubes. — — — Die Lawine hatte die obere Schlucht verschüttet. Unser Lagerplatz und die Rucksäcke waren metertief begraben. An Weitergehen war nicht mehr zu denken. Unbesiegt ragte Die Spitze, und blaue Schatten verdunkelten ihren Firn ... hajo. »Mir wolle uns im BdM. anmelde. Sprechstunde in der Geschäftsstelle des BdM. — Die Tür wird stürmisch geöffnet, und herein bringen zwei Mädel. Erschrocken bleiben sie an der Tür stehen, sie hätten sich wahrscheinlich den Raum anders gedacht. Es sind zwei winzige Kerlchen, ihre Köpfe reichen kaum bis zur Türklinke. Die Haare find zerzaust, Gesicht und Hände beschmutzt. Sie kommen wohl direkt vom Spiel auf der Straße. Ich frage sie nach ihren. Wollen. — „Mir wolle uns im BdM. anmelde." Während ich zwei Formulare aus meinem Schreibtisch nehme, frage ich, warum sie nicht schon früher zu uns gekommen feien. Die eine erzählt, daß ihr Vater es nicht hätte haben wollen, die andere hat früher nie etwas davon gewußt. Ich will noch wissen, wie sie jetzt auf einmal darauf kommen, im BdM. zu sein. Sie erzählen, daß die Emmy, die bei ihnen in der Straße wohnt, im Heimabend so ein schönes Nadelkissen gemacht hätte und Schüsselchen aus Luft» schlangen, und daß sie das auch lernen möchten. Auch stünden sie immer an der Straße, wenn die anderen Mädchen vorbeizögen und sängen. Es sind Kinder aus der Altstadt. — Ich fülle ihren Anmeldeschein aus und erkläre, wo sie sich am kommenden Mittwoch einzufinden hätten. Da sagt die eine kleinlaut: „Mer hawe aroer noch ka Kledderwest." Vorläufig sollten sie nur pünktlich kommen, meine ich, hübsch ordentlich gekämmt, — die eine streicht verlegen die wirren Haare aus dem Gesicht, — und mit sauberem Gesicht und Händen, dann würden die anderen Mädel sie schon gern haben. Während dieser guten Ratschläge sehen die beiden Kleinen auf ihre schmutzigen Hände unb verstecken sie verlegen hinter dem Rücken. Aber mit strahlenden Augen blicken sie zu mir auf. Als sie dann gehen, vergessen sie auch die schmutzigen Hände noch einmal und erheben sie zum deutschen Gruß. Ri a R uss. Wirtschaff Sonntag, 375 Predigt. Montag, den 10. Juni. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse Deoilenmarfl Berlin — Jranffarl a. Hl Bantnoten. !| 751 73,51 -! ll 173,251 1741 175 | 01 Gritzner 174,2» Oit jr)ol)t oei -iuleßi DeiiDioUenen Dimbenbe an — Reichsbankbistom 4 o f). Lombarbzinsfuß 5 o H rn 65,17 81,19 34,18 o o o 7 0 0 0 0 .10 0 0 63 71,25 49,75 44 51,25 62,65 20 189 138 106 61,25 68,76 48 42 124,4 47 62,75 62,65 19,5 187 177 137 Matnkrastwerke Höchst a.UL-.. 4 Süddeutsch« Sud«......».«II 108,65 62,65 - 70,9 49,75 43,75 125,5 49,25 62,75 65,5 20,65 188,5 178 137,5 Schultheis Payenhosei ......0 älfu Z. in Lollar. IllUUUlUlUlllUlilUUlU Dampfsägewerk Abendstern Fernsprecher 3580 empfiehlt sich zur Lieferung sämtlicher Sägewerks Produkte Beschwerden? Dann zu bewähr haben sich Togal-Tabletten bei Ein Bild aus meiner Hübner* augenzeit —! Heut kenn’ ich „Lebewohl“ daher die Heiterkeit. . .1 Lebewohl gegen Hühneraugen und Hornhaut. Blechdose (8 Pflaster) 68 Pf. in Apotheken u. Drogerien. Sicher zu haben: Mediz.-Drog. Haus Hindenburg H.EIges, Seltersw.BBa; Löwen- Drog. W. Kilbinger Hfl., Seltersw.69; H. Noll Ludwigsplatz Drog. u. Neustadt-Drog.: Germania-Drog. C. Seibel, Frankfurter Str. 39; 0. 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Juni 1934. Die Beerdigung findet am Montag, dem 11. Juni, nachmittags um 1430 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt Die Beerdigung unseres heben Kameraden Heinrich Schmidt Reichsbahn - Obersekretär i. R. findet Montag, 1430 Uhr, auf dem Neuen rnedhof statt Im Namen der trauernd Hinterbliebenent Anna Schmidt, geb. Ochs Nach langer Krankheit ist mein lieber Mann, unser treusorgender Vater und Großvater Heinrich Schmidt Reichsbahn-Obersekretär i. R. Wir bitten um zahlreiche Beteiligung. 3500 D < < 1