Nr. 82 Erstes Blatt M. Jahrgang Montag, 9. April W Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Fernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siehe« Postscheckkonto: Fronlsurt am Main 11686 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Unioerfitätrvuch- und Steindruckerei «.Lange in Gießen. Schristleitung und Geschästrstelle: Schulstrahe 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8'/,Uhr des Vormittag» Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Npf., für Textanzeigen von70mm Breite 60 Npf.,Platzvorschrift oder schwieriger S/ltz 25°/0 mehr Ermässigte Grundpreise: • Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Npf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Vereins- u. Tageskalender im Textteil 12 Npf. je mm Zweite Anordnung für den 1. Mai. voraussichtlich findet am Sonntag, 15. April, in Frankfurt a.2H. eine Tagung aller Kreispropagandaleiter sowie aller Propaganda- warte der Ortsgruppen und Stützpunkte des Gaues Hessen-Nassau statt. Dabei wird das Programm für den 1. 7N a i bekanntgegeben. Alle Kreise, Ortsgruppen und Stützpunkte müssen unter allen Um st and en vertreten sein. Für die Ortsgruppen und Stüh- punktr, die noch keine Propagandawarte haben, müssen die Ortsgruppen- und Stühpunktleiter selb st erscheinen. Entschuldigungen irgendwelcher Art werden nicht angenommen. voraussichtlich findet die Tagung zwischen 12 und 14 Uhr im Schauspielhaus statt. Ab 15 Uhr wird zu Ehren der Propagandaleiter die Komödie „Schneider Wibbel" im Schauspielhaus aufgeführt zu dem ungewöhnlich geringen Einheitseintrittspreis von 0,60 Mark. Stück und Darstellung sind künstlerisch von gröhlem Werl. Der Besuch dieser Vorstellung ist für alle Teil- nehmer der Tagung Pflicht. Mit der Reichsbahn werden Verhandlungen geführt betreffs einer bedeutenden Ermäßigung des Fahrpreises. Die Fahrtspesen tragen die Kreise bzw. die Ortsgruppen oder Stützpunkte. Alle Propagandaleiter und Propagandawarte haben sich schon jetzt für den 15. April freizuhalten. Weitere Mitteilungen und etwa notwendige Aenderungen erfolgen wegen der Kürze der Zeit auher durch Rundschreiben an die Kreispropagandaleiter auch durch die gesamte Presse innerhalb des Gaues. Gez.: Müller-Scheld Gaupropagandaleiter und Leiter der Landesstelle Hessen-Nassau des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda. c Die Mongolenschlacht bei Wahlflatt. Eine Erinnerung an den 9. April 1241. Von Wilhelm Sieberi. Mhr denn je ist heute unser Blick nach dem Osten gerichtet. Wissen wir, was sich morgen am Amurbogen abspielen wird? Kennen wir die Absichten und Ziele der japanischen Staatsmänner? haben wir schon genügend Einblick in das Kräftespiel im Herzen Asiens erhalten, an dem Japan nicht ganz unbeteiligt ist? Nur dunkel empfinden wir, daß die Asiaten erneut im Aufbruch sind und daß Japan darum kämpft, an die Spitze der asiatischen Völkerschaften zu treten. Schon heute ist der Ferne Osten genau so gut ausgerüstet wie Europa, auch mit gleich guten und leistungsfähigen Kriegsindustrien versehen. Warten wir ein, warten wir zwei Jahrzehnte, dann kann es sein, daß Asien in Waffen starrt und erneut daran geht, den weißen Mann in seiner engeren Heimat aufzusuchen. Gerade in diesen Zeiten sollte man sich eines Mannes erinnern, der zu Beginn des dreizehnten Jahrhunderts an den Pforten Europas stand und bereits mehr als ein wohlverwahrtes Tor eingerannt hatte. Batu, Enkel des gewaltigen Mongolenführers Dschingis Khan, hieß der Heerführer, der mit vier Heerhaufen vom Ural-Fluß aufbrach. Ihm war als Erbe das Reich Kiptfchak zugefallen, das damals einen wesentlichen Teil des heutigen Rußlands umfaßte. Die Welt erobern, war die Weisung, die Dschingis Khan seinen Söhnen hinterließ. Baku ging auch sofort ans Werk. Zunächst galt es, die schon einmal tributpflichtig gemachten russischen Fürsten erneut zu unterwerfen. Dreihunderttausend mongolische Reiter überquerten im Frühjahr 1236 den Uralfluß, um nun in raschem Siegeslauf alles über den Haufen zu rennen, was sich ihnen in den Weg stellte. Die Städte an der mittleren und oberen Wolga wurden in Schutt gelegt, ihre Einwohner abgeschlachtet, die Frauen auf die Krieger verteilt, gewaltige Schätze wurden erbeutet;1238 ging Moskau in Flammen auf, Tschernigow und Kiew erlitten das gleiche Schicksal. Wieder lag Rußland den Mongolen zu Fußen. Doch Batu wollte weiter, wollte die Welter- obern und auch die Völker im Westen in seine Gewalt bringen. Kundschafter — der Spionagedienst war bei allen mongolischen Führern ausgezeichnet — hatten ihm die Kenntnis von den Ländern westlich der Oder, an der Donau und auf dem Balkan vermittelt, Berichte gefangener Russen, die mit Europa im Handelsverkehr standen hatten ein übriges getan, seine Gier zu wecken. War er bis Kiew mit seinen Getreuen vereint marschiert, so trennte er sich hier von ihnen. Batu selbst wählte den Weg nach Ungarn, Prinz P om d ar hatte Polen zu unterwerfen und über die Oder zu gehen, Prinz Kadan sollte über Sr eben bürgen vorrücken, während der Unterführer Subu- tai den Auftrag erhielt, die Walachei sengend und brennend zu durchziehen. Budapest war als gemeinsamer Treffpunkt ausersehen. Der Feldzug gelang. Kadan zwang die Siebenbürger nach einer blutigen Schlacht bei Rodno m die Knie, Batu überschritt die Karpathen, belagerte zunächst Budapest zwei Monate vergeblich, zog sich Oie neue Ebene für ein Nüstungsabkommen. Frankreich sieht im Vorschlag Mussolinis den einzig möglichen Ausweg: Begrenzte und kontrollierte Ausrüstung Deutschlands, aber Beibehaltung des Nüstungsstandes der schwergerüsteten Mächte. Gedämpfte Stimmung in London. London, 9. April. (DNB.-Funkspruch.) Die Montagmorgenblätter beschäftigen sich eingehend mit der durch die französische Antwortnote geschaffenen Lage. Das Arbeiterblatt „Daily herald" schreibt: Zwischen London und Paris ist ein merkwürdiges und verwickeltes diplomatisches Spiel im Gange. Die britische Regierung sucht die französische Regierung zur „grundsätzlichen" Annahme eines gewissen Maßes deutschen Aufrüstens zu veranlassen, ohne sich selbst in der Frage der Garantien für die Ausführung eines Abkommens endgültig fefüulegen. Die französische Regierung sucht die britische Regierung zur „grundsätzlichen" Annahme der Idee der Ausführungsgarantien und Sicherheitsgarantien zu veranlassen, ohne sich selbst in der Frage der deutschen Aufrüstung festzulegen. Die Gefahr besteht, daß der Gedanke einer Rü st ungsver Minderung in aller Ruhe beiseite geschoben wird. „Morning Post" sagt: Die französische Rote läßt die britische Anfrage nach der Art der verlangten Garantien unbeantwortet. Die Franzosen haben es anscheinend nicht eilig, ihre Bedürfnisse hinsichtlich der Sicherheit zu bezeichnen. Sie wollen offenbar erst sehen, w i e das Abkommen aus sehen wird, und besonders, welches Maß an Aufrüstung Deutschland zugestanden werden soll, bevor sie ihre eigenen Bedingungen für die Annahme erklären. Die französische Note wird insofern als nützlich belrachlet, als sie den bisher immer verworfenen Grundsatz einer teilweisen deutschen Aufrüstung a n n i m m t. Zugleich ist es aber klar, daß nach französischer Ansicht eine solche Aufrüstung nur zulässig ist, wenn keine A b - rüstung Frankreichs zu erfolgen braucht. Dies ist der Punkt, in dem Frankreich sich von dem britischen Plan wegwendet, und dies ist so grundsätzlicher Art, daß tatsächlich das einzige praktisch mögliche Abkommen dem italienischen Vorschläge entsprechen würde, der auf b e g r e n z t e A u f - rüstung Deutschlands und Beibehaltung der Rü st ungen der anderen abzielt. „Daily Telegraph" führt aus: In einigen Londoner Kreisen gibt man sich der Hoffnung hin, daß ein Abrüstungsabkommen schließlich doch erreichbar sein werde. Dies mag dahingestellt sein. Es geht aber doch klar aus der französischen Rote hervor, daß ein Abrüstungsabkommen nicht den britischen Entwurf zur Grundlage haben wird. Dieser hat nämlich eine wesentliche Verminderung der Land- und Luftstreitkräfte der schwer bewaffneten Mächte vorgesehen, und nicht lediglich eine Begrenzung auf d e m jetzigen Stande. Alles, was Frankreich bereit zurück und lockte die Ungarn heraus, die er dann in offener Feldschlacht vernichtete. Darauf wurde Budapest dem Erdboden gleichgemacht. Aehnlich erfolgreich verlief der Zug des Prinzen Paidar. Lublin wurde erobert und verbrannt, Sandomir vernichtet, Krakau in Brand gesteckt, während zu gleicher Zeit ein Expeditionskorps bis in die Gegend Thorns oorstieß, um sich nachher mit Paidar an der Oder wieder zu vereinigen. Was aber stellte sich den Eroberern hier entgegen? Das in der Stunde der höchsten Not geeinte Deutschland? Nein! Im Heiligen Römischen Reiche deutscher Nation hatte man andere Sorgen, hier lag der Kaiser mit dem Papst in Unfrieden, die Fürsten dachten nur an sich, einer befehdete den anderen, Deutschland war just in diesem Augenblick wieder einmal ein Land voller Uneinigkeit, ein Reich der Kleinstaaterei angefüllt mit Hader bis obenhin. Und darum so ohnmächtig wie selten. So mußte der deutsche Osten sich selbst helfen, mußte alles zusammenraffen, was eben in aller Eile zusammengefaßt werden konnte. Wie schnell die Mongolen vorstießen, geht wohl am besten aus folgendem hervor- am 1. April plünderten sie noch Krakau, am 8. April senden sie schon in der Gegend von Liegnitz. Sie müssen also mit ihrem gesamten Kriegsgerät, mit ihren Wurfmaschinen und ihrem gewaltigen Troß täglich, vierzig Kilometer zurückgelegt haben. Flüchtlinge, die den Mongolen vorauf eilten, kamen kaum viel früher an, als die mongolischen Spitzenreiter selbst. So schlossen sich denn rasch die D e u t s ch r i t t e r unter ihrem Hochmeister Poppo mit dem H e r - zog Heinrich II. von Schlesien und der nach dem Westen gedrängten polnischen Ritterschaft zusammen. Bewaffnete Bauern und Städter eilten herbei, um sich den ansturmenden Horden entgegenzuwerfen. Die Vorhut der Dertei- diger lag in den Händen des Herzogs von Oder- fchlesien M i e z i s l a w, der sich vor den Mongolen über Ratibor und Breslau nach Liegnitz zuruckzog, ihnen allerdings bei Ratibor einen erfolgreichen ist anzubieten, ist eine Begrenzung, die es aus finanziellen Gründen auf jeden Fall hätte vornehmen müssen. Nachdem Großbritannien, Italien und Belgien es bereits getan haben, erkennt jetzt auch Frankreich endlich die Tatsache an, daß in seinem eigenen Interesse eine begrenzte und regulierte Aufrüstung Deutschlands auf Grund einer Vereinbarung einer unkontrollierten deutschen Aufrüstung mit der Wahrscheinlichkeit eines darauf folgenden Wettrüstens bei weitem vorzuziehen Waffengang lieferte. Breslau wurde von seinen Bewohnern verbrannt. Erst bei Wahl st alt unweit Liegnitz stellte sich ihnen die christliche Streitmacht am 9. April entgegen. Mit ungeheurer Uebermacht rückten die Mongolen heran, umschärm- ten die deutschen und polnischen Ritter, überschütteten sie mit einem Pfeilhagel, um immer wieder gegen sie vorzupreschen. Wohl hatten sie auf ihren Kriegs- und Beutezügen tapfer fechtende Heere gegen sich gesehen, aber noch niemals Männer, die vom Kopf bis zu Fuß in Eisen gehüllt waren. Wirkungslos sprangen die Pfeile von den Rüstungen ab.' So mußten die Mongolen mit blanker Waffe heran. Ein wildes und blutiges Ringen von Mann zu Mann begann. Gewaltige Lücken schlugen die Ritter in die Reihen der anstürmenden Mongolenkrieger. Aber einer nach dem andern brach tödlich getroffen zusammen. Heinrich II. ließ sein Leben, die Deutschritter verloren ihren Führer Poppo. Die Besten der Ostmark blieben tot oder verwundet auf dem Schlachtfeld. Vielleicht wäre die Niederlage abzuwenden gewesen, wenn die Mongolen nicht von ihren chinesischen Stinktöpfen, aber auch von ihrem brennenden Naphta Gebrauch gemacht hätten, das sie in die Massen der christlichen Heerhaufen warfen. Unbekannt war den Rittern und Knappen, den Bauern und Städtern diese Waffe. So blieb Prinz Paidar mit seinen Mongolen siegreich auf dem Kampfplatz. Aber die Männer in den Eisenkleidern hatten auf die Sieger einen nachhaltigen Eindruck gemacht. So wie man im christlichen Heer die Mongolen als eine mit dem Teufel verbündete Horde ansah, blickte man abergläubisch auf die eisernen Männer. Auf einen weiteren Vormarsch in deutsches Gebiet hinein wurde verzichtet. Paidar führte seine Truppen über Glatz und Brünn nach Olmütz. Keine der Festungen konnten die sieggewohnten mongolischen Scharen erobern. Vor Olmütz fiel noch Prinz Paidar, so daß es nun kein Hatten mehr gab. Die Mongolen wandten sich nach Ungarn und vereinigten sich mit Batu, der jetzt noch einen blutigen Zug über Stuhlweißenburg bis Spa- roäre. Die einzige andere Möglichkeit, die Frankreich gehabt hätte, würde in dem Versuch bestanden haben, sich gegen jede deutsche Aufrüstung zu erklären, und sie gewaltsam zu verhindern. Da aber Grobrilan- nien das moralische Recht Deutschlands bereits anerkannt hat, Italien auch das juristische Recht Deutschlands und Belgien den Gedanken eines Präventivkrieges für Wahnsinn erklärt hat, konnte Frankreich nicht mehr an Zwangsmaßnahmen denken, bei denen es allein gestanden hätte. lato antrat und von dort am Schwarzen Meer vorbei an die untere Wolga zurückging. Ein gütiges Schicksal hat es gewollt, daß die mongolische Gefahr durch die Ritterschaft des deutschen Ostens gebannt wurde, wenn dabei auch ganze Geschlechter vernichtet wurden. Zwar kamen die Mongolen noch mehrmals über Polen hinweggebraust, sie tauchten bei Thorn auf, sie kamen viel später als russische Hilfstruppen bis auf ostpreußisches Gebiet, wo sie barbarisch hausten, aber ein zweiter Baku fand sich nicht wieder unter den Nachfolgern Dschin- gis Khans, der es wagte, in die deutschen Gaue einzudringen. Ein Wunder ist es in der Tat, daß damals die Mongolen nach dem Süden abbogen. Sie hatten in ihren Kämpfen mit China, in Turkestan, im Süden Rußlands, in Indien gezeigt, daß sie unüberwindlich waren. Straff waren ihre Heerscharen durchorgani- fiert, sie trugen eigene Feldzeichen, waren unermüdlich und von unübertrefflicher Schnelligkeit. Sie verstanden es, den Gegner erfolgreich auszukundschaften, aber auch die Unzufriedenen im Bereich der anzugreifenden Fürsten aufzuwiegeln, so daß ihnen die Erreichung der gesteckten Ziele um so leichter wurde. Sie überwanden spielend weite Wüsten und höchste Gebirge, sie führten dabei noch schwere Waffen mit sich. Sie kannten auch kein Erbarmen. Volkreiche Städte wurden in Trümmer gelegt, ihre Einwohner niedergemetzelt. Doch was unter dem Banner der Mongolen focht, bestand bald nach Beginn des Siegeslaufes eines Dschingis Khan nur noch zu einem Bruchteil aus Mongolen. Asiaten schlechthin waren es, die von der mongolischen Oberschicht angeführt wurden. Wieder ist ein Volk daran gegangen, die Asiaten aufzurütteln. Die Kraft, die von ihm ausgeht, spürt Europa schon, wenn auch nur auf den Weltmärkten, die sich mehr und mehr in Schauplätze eines Ringens zwischen Ost und West, zwischen Asien und der übrigen Welt umwandeln. Die neue Wendung. Henderson von seinem Pariser Besuch befriedigt. Paris, 7. April (DNB.) Der Vorsitzende der Abrüstungskonferenz, Henderson, hatte im Beisein des Direktors der Abrüstungsabteilung des Völkerbundes, A g n i d e s, eine Unterredung mit Außenminister Barthou. Henderson und Barthou haben sich während 1‘A Stunden über den allgemeinen Stand der Abrüstungskonferenz und insbesondere über den Zusammentritt des Büros am Dienstag in Genf ausgesprochen. Für den Fall, daß ein Vorschlag gemacht werden sollte, den Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz für den 23. Mai einzuberufen, hat Barthou Henderson die Versicherung gegeben, daß sich die französische Abordnung diesem Vorschlag anschlie- ß e n würde. „Ich bin mit meiner Unterredung mit Barthou sehr zufrieden: sie ist äußerst zweckdienlich gewesen," sagte Henderson vor feiner Abfahrt nach Genf. Henderson fuhr fort: Wir erörterten zuerst die Lage im allgemeinen und dann „schalteten wir uns nach Genf um und betrachteten die Lage aus diesem Winkel. Ich sehe nicht, weshalb es notwendig sein sollte, wegen der augenblicklichen Neigung zu einer Konferenz, die sich nicht mit der A b - rüstung, sondern mit einer Beschränkung der Rüstungen und sogar mit einer beschränkten Wiederaufr ü-st u n g Deutschlands beschäftigen solle, die rechtliche Grundlage der Konferenz zu ändern. Der britische Abkommensentwurf liegt weiterhin der Konferenz vor. Das Verfahren wird dahingehen, diesen durch Abänderungsantrag zu mobilisieren. $ratifoiö Poncet zur Berichterstattung nach Paris. Paris, 9. April. (DNB. Funkfpr.) Die Pariser Presse meldet, daß der französische Botschafter in Berlin, Francois Poncet, am Sonntagabend mit dem Nordexpreß nach Paris abgereist fei. Die Blätter glauben, daß der Botschafter sich mit Außenminister Barthou über die Lage in Deutschland und das Abrüstungsproblem unterhalten wird. Als wahrscheinlicher Rückreisetermin des französischen Botschafters gibt der „Matin" kommenden Mittwoch an. Geteilte Meinung in Paris. Paris, 8. April. (DNB.) Die Sonntagspresse bestätigt, daß nach der Unterredung zwischen Henderson und Barthou die Abrüstungsverhandlungen auf eine neue Grundlage gestellt werden sollen. „Wir laufen kaum mehr Gefahr," schreibt „Le Jour", „aufgefordert zu werden, unsere Verteidigungsmittel zu vermindern, während Deutschland gleichzeitig die Ermächtigung erhalten würde, ein Heer aufzubauen. Der Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz scheint im Gegenteil den Auftrag erhalten zu sollen, seine grundsätzliche Stellungnahme zu ändern, oder, wenn man offen sein soll, zu berichtigen. Es handelt sich nicht mehr um die Abrüstung, sondern um die Beschränkung der Rü st ungen. Dieses kleinere Uebel kann noch etwas Gutes zeitigen, wenn England endlich feine europäische Pflicht begreift und zugunsten eines Abkommens d i e Verpflichtungen übernimmt, die allein den Frieden sichern können. Hierauf kommt alles an, und hierin dürfen wir nicht nachgeben. Der „Petit Parisien" sagt, wenn Frankreich und England sich einigten über die Einrichtung einer wirksamen, allgemeinen Kontrolle und über eine sofort anzuwendende Reihe von wirtschaftlichen, finanziellen und militärischen Sanktionen für den Fall der Verletzung der Konvention, so stehe einer Wiederaufnahme der Arbeiten in Genf kein unüberwindliches Hindernis mehr im Wege. Dieser Optimismus wird nicht von allen Blättern geteilt. Das „Echo de Paris" ist besorgt über d i e neue Wendung und möchte die Gewißheit haben, daß die vom Quai d'Orsay entfaltete Tätigkeit, so verführerisch sie auch sei, nicht zu dem gleichen Ergebnis führe wie das frühere „passive Verhalten". Skeptisch abwartend bleibt auch der „Figaro", der in der Ankurbelung neuer Verhandlungen nur den Versuch erblickt, um die Verantwortung für das Scheitern der Abrüstungskonferenz herumzukommen. Generaloberst von Einem ist im 82. Lebensjahr verstorben. Einem war von 1903 bis 1909 preußischer Kriegsminister. Als solcher stand er weaen der für die Modernisierung der Armee er- foroerlichen Kosten in stetem Kampf mit der Regierung und dem Reichstag. In seiner Amtszeit als Minister führte Einem einschneidende Maßnahmen auf dem Gebiet der Heeresorganisation und Bewaffnung durch. So erließ er neue Vorschriften für alle Waffen und eine neue Felddienstordnung. Die Infanterie erhielt ein neues Gewehr. Der 21-Zenti- meter- und der berühmte 42-Zentimeter-Mörser wurden vorbereitet. Die Festung Metz wurde neuzeitlich ausgebaut und vor allem die Armee mit einer neuen Uniform, dem Feldgrau des Weltkrieges, ausgerüstet. Reichswehrminister von Blomberg hat den Befehlshaber im Wehrkreis VI, Generalleutnant Fleck, beauftragt, der Familie des verstorbenen Generaloberst von Einem sein persönliches Beileid und das der deutschen Wehrmacht zu übermitteln und gleichzeitig mitzuteilen, daß der Reichskanzler Adolf Hitler auf Vorschlag des Reichswehrministers für den hochverdienten früheren preußischen Kriegsminister und Armeeführer ein Staatsbegräb- n i s angeordnet hat. Erregte (Stimmung in Paris. Taitinger warnt vor dem Bürgerkrieg. Paris, 8. April. (DNB.) Der Abgeordnete Pierre Taitinger, der Führer der Jeunesse Patrio- tique, veröffentlicht in dem Organ der patriotischen Jugend einen Alarmruf. In der Bannmeile von Paris seien 13 0 0 0 bewaffnete Revolutionäre, die mit Revolvern, Gewehren und Maschinengewehren ausgerüstet seien. Es gebe g e - Heime Waffenlager in der Umgebung der Hauptstadt von der Somme bis nach St. Etienne hin. Der Plan für die Heranziehung der Kommunisten aus der Provinz, die Besetzung der Zugangsstraßen zur Hauptstadt, die Störung der Wasser-, Licht- und Gasleitungen sei bereite ausgearbeitet und müßte bald durchgeführt werden, da jede Verzögerung Störungen mit sich brächte. Die patriotische Jugend solle sich klar über diese Gefahr sein. Dieser Alarmruf Taitingers mag im einzelnen übertrieben sein, aber die Spannung zwischen den verschiedenen Lagern hat in letzter Zeit zugenommen. Die „Solidarite Fran^aise", das Organ des gleichnamigen Verbandes, der unter dem Präsidium von Francois C o t y steht, veröffentlicht einen scharfen Angriff gegen die Freimaurer. Die Freimaurerei wäre ein eiterndes Geschwür, das schonungslos beseitigt werden müsse. Die Anhänger der „Solidarite Franxaise" werden aufgefordert, die Freimaurer überall anzupranaern, ob sie Beamte, Politiker oder Kaufleute seien. Man solle ihre Namen veröffentlichen und sie boykottieren. Der Nationalrat des Allgemeinen Beamtenverbandes nahm eine Entschließung an, in der festgestellt wird, daß die Deflationspolitik der Regierung unweigerlich zu neuen Ge- hÄts- und Lohnkürzungen und zur Verschärfung der Krise führen werde, der Verband erkläre sich deshalb mit der unter Führung des Allgemeinen Gewerkschaftsverbandes von den General stän- den der Arbeit beschlossenen Aktion einverstanden, um den paralysierenden Auswirkungen der Deflationspolitik ein Ende zu bereiten und im Interesse aller Arbeiter eine wirkliche Erneuerung der Wirtschaft zu erzielen. Die Generalstände der Arbeit fordern, daß vorbeugende Maßnahmen zur Vermeidung des Bürgerkrieges ergriffen werden. Hierzu gehört in erster Linie die Entwaffnung und Auflösung der halbmilitärischen Verbände als Anhängsel politischer Richtungen. Die Generalstände der Arbeit erinnern an die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte, in der das naturgegebene Recht des Wider st andes gegen die Unterdrückung proklamiert wird. Oie rumänische Regierungskrise zunächst beigelegt. Bukarest, 7. April. (DNB.) Die rumänische Regierungskrise kann vorläufig als beigelegt angesehen werden, da der König auf dem unter seinem Vorsitz stattgefundenen Ministerrat dem Kabinett Tatarescu sein Vertrauen ausgesprochen hat. Das Umschuldungsgesetz, auf dessen Zustandekommen der König den größten Wert gelegt hatte, soll die Bauernschaft Rumäniens von ihrer drückenden Schuldenlast befreien. Der König unterzeichnete das Gesetz, das damit Gesetzeskraft erlangt hat. Damit ist die so plötzlich infolge des Urteilsspruches im Duca-Prozeß ausgebrochene Regierungskrise zunächst beigelegt. Meuterei in der Offiziersschule von Bolivien. Nach Berichten von Reisenden, die am Sonntag aus Bolivien in Lima, der Hauptstadt Perus, eintrafen, soll am Donnerstag unter den Schülern der Offiziersschule in La Paz eine Meuterei ausgebrochen sein, zu deren Unterdrückung die Regierung Truppen entsenden mußte. Die meuternden Offiziersschüler sollen sich erst ergeben haben, nachdem die Regierungstruppen mehrere Granatschüsse abgegeben hatten. Dabei sollen viele Schüler getötet oder verwundet worden sein. Man spricht sogar von 120 Toten und Über 100 Verwundeten. Oer Felssturz in Norwegen. 40 Todesopfer der Naturkatastrophe. — Oie ersten Auaenzeugenberichte. Aalesund, in dessen Nähe sich das Unglück ereignete. Oslo, 7. April. (DNB.) Ueber die Naturkatastrophe, die sich in der vergangenen Nacht an der norwegischen Küste ereignete und bei der nach den letzten Meldungen 40 Personen ums Leben gekommen sein sollen, gab ein Augenzeuge, ein augenblicklich in dem betroffenen Dorf Ta-Fjord weilender Pastor, dem Blatt „Aalesund Avis" eine eindrucksvolle Schilderung. Danach ist ein Felsen, der über den nach Korsnaes führenden Fjord hinausragte, ins Wasser gestürzt, was zur Folge hatte, daß drei Flutwellen Ta-Fjord auf der einen und Fjöraa auf der anderen Seite des Fjords heimsuchten. Um 3 Uhr früh hörte man, so erzählte der Pastor, ein lautes Dröhnen, und bald daraus kam die erste Welle. Bald darauf nahte die zweite Flutwelle und unmittelbar danach die dritte mit gewaltiger Kraft heran und spülte etwa 7 0 0 Meter in das Land hinein bis zu dem Hotel in Ta-Fjord. Auf ihrem Wege riß sie Häuser und Bootshäuser mit sich. Alles wurde dem Erdboden gleichgemacht und von der Flut mitgeführt, bis es als wüster Trümmerhaufen liegenblieb. Die durch den Felssturz entfesselten Flutwellen ergossen sich mit furchtbarem Krachen ins Land, so daß die Menschen nicht anders glaubten, als der Tag des Jüngsten Gerichts fei gekommen. Es war tiefste Findernis. Als die Fluten die elektrischen Lichtleitungen erreichten, zuckten elektrische Flammen auf, die den Schauplatz des Unglücks für einen Augenblick in grelles Licht tauchten. Die Bevölkerung von Ta-Fjord hatte das Unglück bereits feit längerer Zeit kommen sehen, da man schon immer fürchtete, daß der Felsblock niederstürzen könnte. Unter den vernichteten Gebäuden befinden sich ch s Wohnhäuser, aus denen 2 2 Personen vermißt werden. Einem geistesgegenwärtigen Mann gelang es, sein Kind zu retten. Als die Welle herankam, sprang er mit dem Kind auf dem Arm auf einen Felsen. Das Wasser flutete in Hüfthöhe an ihm vorbei. Er hielt jedoch den Jungen in die Luft, und beide wurden gerettet. Auch für Fjöraa hatte die Flutwelle katastrophale Folgen. Es werden 17 Personen vermißt. Ein Bootshaus und ein Lagerhaus sowie sämtliche Boote wurden von der Flutwelle erfaßt und in den Fjord binausgetragen. Swohl in Ta-Fjord wie in Fjöraa war man mehrere Stunden nach der Katastrophe noch ohne jede Verbindung mit der Umwelt auf dem Seeweg, da die Flutwelle d»e Fahrzeuge entweder zerstört oder fortgerissen hatte. Außer den beiden genannten Ortschaften wurden auch die Orte Eilte, Uri und Nerhus von der Flutwelle heimgesucht, die alle an der Küste liegenden Gebäude dem Erdboden gleichmachte. In Nerhus wurden zwei Wohnhäuser weggespült, deren Bewohner sich aber glücklicherweise noch hatten in Sicherheit bringen können. Von Aalesund ist am Samstagvormittag ein Fischdampfer an die Unglücksstelle abgegangen. Im Ta-Fjord sind viele Menschen zusammengeströmt, um bei den Bergungsund Aufräumungsarbeiten zu helfen. Große Teile der Küste sind weggespült. Dort wo früher Acker und Wiesen waren, ist das Land von Steinen und Schutt bedeckt. Es war noch nicht festzustellen, inwieweit umgekommene Menschen von den Fluten in den Fjord mitgeführt worden sind oder noch unter den Trümmern liegen. In Fjöraa, wo 17 Personen vermißt werden, wurde bisher nur eine Leiche gefunden. Lagekarte der Unglücksstätte. Der Ta-Fjord gehört zu den herrlich st en Naturschönheiten an der Westküste Norwegens Die hohen Felswände zu beiden Seiten des Fjords stürzen fast senkrecht ins Wasser hinab. Die Stelle, wo sich der Felssturz ereignete, liegt etwa 6 Kilometer von Ta-Fjord entfernt. Die örtlichen Behörden schätzen den Schaden, der durch die Katastrophe an Schiffen und Gebäuden entstanden ist, auf 450 000 Kronen. In diesem Betrage sind die großen Schäden an Wäldern und Feldern nicht mit enthalten. Der Felsen, der das Unglück verursacht hatte, war vierhundert Meter hoch und 200 Meter breit, und da der Fjord sehr tief, aber nur 600 Meter breit ist, mußten die Folgen des Felsabsturzes furchtbar fein. Die alten Leute hatten schon immer oorausgefagt, daß der Felsen eines Tages ins Meer stürzen werde. Bisher konnten erst 5 Leichen geborgen werden. Es besteht keine Hoffnung, noch mehr Leichen zu finden, da der Fjord völlig verschlammt und undurchsichtig ist. Das ganze Gebiet nach der Seeseite zu ist wie rasiert. Sämtliche Bäume und Gebäude sind verschwunden. Die schwimmende Jugendherberge „Hein Godenwind" wird in Hamburg geweiht Hamburg, 8. April. (DNB.) Hamburg stand ganz im Zeichen der Jugend. Ein Meer von Flaggen grüßt von den Masten der Schiffe, von den Häusern und Hafenanlagen. Kolonnen der HI-, des BdM. und des Deutschen Jungvolks marschieren auf. Marine-SA. übernimmt die Absperrungen. Brausender Jubel klingt auf, als der Reichs- jugendführer in Begleitung des Reichsstatthalters Kaufmann und des regierenden Bürgermeisters Krogmann erscheint und sich unter den Klängen des HJ.-Liedes an Bord der „Hein Godenwind" begibt. Der Führer des Gaues Nordmark im Reichsverband für deutsche Jugendherbergen sprach in seiner Eigenschaft als jetziger Reeder der „Hein Godenwind" Worte des Willkommens. Sodann nahm Regierender Bürgermeister Krogmann das Wort: „Dieses Schiff heißt „Hein Godenwind" zu Ehren Gorch Focks, dessen Liebe zur Heimat, dessen Liebe zur See, dessen Lachen und Frohsinn in den Herzen unserer Jugend weiterlebt. Es soll die deutsche Jugend zueinander führen. Es soll aber auch die Blicke unserer Jugend richten auf das Meer und auf ferne Länder. Opferbereit, froh, frei und s e l b st b e w u ß t soll unsere Jugend werden, damit sie dereinst das Werk Adolf Hitlers vollende." Neichsjugendführer Baldur v. Schirach nahm sodann im Namen der deutschen Jugend, der HI. und des Jugendherbergsverbandes von der schwimmenden Jugendherberge „Hein Godenwind" Besitz. „Dieses stolze Schiff soll uns ein Symbol fein jener sozialistischen Grundhaltung der neuen Zeit, die die Einrichtungen des Staates und der Gemeinschaft auch wirklich allen Söhnen des deutschen Volkes ohne Unterschied zur Verfügung stellt. Hier soll die Jugend aus ganz Deutschland die Größe und Bedeutung der Schiffahrt für unser Volk erkennen, soll sie kennen lernen Macht und Größe dieser Stadt und damit erkennen, was Deutschland ist und sein kann." Sodann erfolgte die feierliche Flaggenhis - s u n g. Unter den Klängen des Präsentiermarfches stieg das Symbol der deutschen Jugend am Mast des Schiffes empor. Der Reichsjugendführer übergab dem Führer des Deutschen Jugendherbergs- verbandes dann die Jugendherberge „Hein Godenwind." * Bei einem Aufmarsch von 100 000 Hitlerjungen des Gaues Nordmark erklärte der Reichsjugendführer Baldur von Schirach in einer Ansprache u. a.: „Es wächst eine große Aufgabe für uns herauf, die ihren Ausdruck gefunden hat in jenem Reichsberufswettkampf der deutschen Jugend, der in diesen Tagen seinen Anfang nimmt und zwölf Millionen junge Arbeiter wieder zu dem Gedanken eines Adels der Leistung, einer Aristokratie des Einsatzes und der Tat erziehen soll. Die Ein - gieberung des Jungarbeiters in die Gemeinschaft der HI. ist gelungen. Diese HI. hat 80 v. H. der deutschen Arbeiterjugend in ihren Reihen, diese HI. ist stolz darauf, daß sie den Untertitel trägt „Bund deutscher Arbeiterjugend". Aber noch gibt es kleine Teile der Jugend, die für sich ein Sonderrecht beanspruchen, noch gibt es einen Block konfessioneller Jugend, der behauptet, dieses Sonderrecht zur Erfüllung besonderer Aufgaben zu brauchen; wir bestreiten das. Wir erkennen kein Sonderrecht an im neuen Deutschland, in dem es nur ein Recht, das Recht des Staates, gibt. Ihr, meine Kameraden, habt nun gerade gegenüber diesen letzten Abseitsstehenden, die Besonderes und Anderes wollen, das Prinzip der bedingungslosen Einheit, Gemeinschaft und Einigkeit zu behaupten und zu vertreten. Oer Kampf um die Weltmeisterschaft im Schach. In Baden-Baden wurde am Freitagavenv die dritte Partie im Kampf um die Weltmeisterschaft im Schach gespielt. Ebenso wie bei der ersten Begegnung verblüffte der Weltmeister A l - j e ch i n durch die ungewöhnliche Behandlung der Eröffnung. Bogoljubow eröffnete mit einem Damengambit, das Aljechin überraschenderweise annahm. Darüber hinaus wählte der Weltmeister in der Eröffnung eigenartige Züge, ohne daß Bogoljubow sich Mühe gab, die riskante Partieanlage zu widerlegen. Dadurch konnte Schwarz bequem ausgleichen, machte aber keinen Versuch, die solide Stellung des deutschen Meisters anzuareifen. Durch Zugwiederholung wurde die interessante Partie remis. Da die erste Partie ebenfalls remis endete, die zweite von Bogoljubow aufgegeben wurde, so steht der Kampf Aljechin — Bogoljubow 2:1. Zum Abschluß der Schachkampftage in Baden-Baden spielte Aljechin am Sonntag gegen 47 Gegner simultan. Nach zweieinhalb Stunden hatten bereits 18 Spieler die Waffen gestreckt. Nach fünfstündiger Spielzeit war das große Ringen zu Ende, und nur drei Spielern gelang es, über Dr. Aljechin zu triumphieren, drei weiteren Spielern gestattete der Weltmeister Kemis-Schluß, 41 Spieler mußten sich also geschlagen bekennen. Schweres Eisenbahnunglück in Süd-Brasilien. 3m 2ttantiqueira-(0ebirge entgleisten von einem Schnellzug die Lokomotive und drei Personenwagen, die einen Steilabhang hinab- rollten und vollständig zertrümmert wurden. Bisher sind neun lote, acht Schwerverletzte und viele Leichtverletzte geborgen worden. Ein Hilfszug mit Aerzten ist nach der llnglücksstätte unterwegs. Der Schnellzug kam von Bello Horizonte. Es handelt sich um das größte Eisenbahnunglück, das sich bisher in Brasilien ereignet hat. Das 2Hantiqueira-(0e6irge liegt etwa 150 Kilometer nordwestlich von Rio. Nach neun Zähren eine Bluttat gesühnt Aller Wahrscheinlichkeit nach wird in der Morgenfrühe des Dienstags eine Bluttat ihre Sühne ftnden, die wochenlang das Tagesgespräch von Frankreich gebildet hat. Der Präsident der Republik hat das Gnadengesuch des wegen Mordes zum Tode verurteilten früheren Rechtsanwalts Sarret abgelehnt. Sarret hatte gemeinsam mit den Schwestern Schmidt im Jahre 1925 in einer einsam gelegenen Villa bei Aix en Provence in Süd-Frankreich einen früheren Priesterundseine Geliebte um- gebracht und die Leichen in einem Salzsäurebad aufgelöst. Das Verbrechen ist erst fünfJahre nachher Tataufgedeckt worden. Habgier war die Triebfeder des Dreigespannes. Die Schwestern Schmidt, die völlig unter dem Einfluß Sarrets standen, wurden vom Schwurgericht zu je zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Sarret selbst hatte es verstanden, durch viele Winkelzüge den Prozeß in die Länge zu ziehen. Das Fallbeil ist am Sonntagabend in Aix en Provence eingetroffen, wo Sarret im Gefängnis immer noch auf die Milde des Präsidenten der Republik hoffte. Oer Maubacher Raubmörder verhastet Der Rhein-Strompolizei von Ludwigshafen ist es gelungen, den Maudacher Raubmörder Baumann in der Nähe der Ludwigshafener Walzmühle zu verhaften. Baumann hat nach einer dreistündigen Vernehmung ein umfassendes Geständnis abgelegt. Der Plan zu der teuflichen Tat, deren Haupttriebfeder die Sucht nach Geld war, entstand schon im Februar. Ein gewisser Scheuermann hatte Baumann darauf aufmerksam gemacht, daß bei Amberger etwas zu holen sei. Scheuermann wollte sich aber an dem Ueberfall nicht beteiligen. Baumann hatte nun bei Amberger Kartoffeln gekauft und dabei festgestellt, daß Frau Amberger ihr Geld in einer Schüssel im Küchen- schrank aufbewahrt hatte. Am Donnerstag nun schlich Baumann von hinten durch ein Stallfenster in die Scheune des Ambergerschen Anwesens ein. Als der Hund anschlug, versteckte sich der Eindringling tief im Heu. Baumann wartete nun, bis Amberger ins Feld gegangen war. Dann ft i e g er ins Schlafzimmer, wo ihm die Frau, nichts Gutes ahnend, mit einer Axt entgegenkam. Baumann riß nun der Frau die Axt aus der Hand. Gleichzeitig kam auch d i e Tochter dazu. Sofort erhielt sie mit der Axt einen wuchtigen Schlag a u f den Kopf, daß sie zurücktaumelte. Ein zweiter Schlag traf Frau Amberger. Die Tochter, die auf den Boden zusammengesunken war, kam nun wieder zu sich und rief: „Mutter! Mutter!" Daraufhin schlug der Verbrecher auf das Mädchen ein zweitesmal ein, bis es keinen Laut mehr von sich gab. Dann durchwühlte der Mörder Schubläden und Kasten und versuchte feinen Anzug zu verbrennen, was ihm aber nicht recht gelang. Baumann war um 9 Uhr bereits wieder in Rheingönheim, wo er eine bekannte Familie aufsuchte. Dort erhielt er eine Joppe, zu der er sich eine Hose kaufte. Anschließend begab sich der Mörder nach Mannheim zu einem Mädchen und besuchte dann die Bauernschenke im Jungbusch, wo er bis 2 Uhr zechte. Auch Scheuermann stattete er einen Besuch ab. Kunst und Wissenschaft. Großer (Erfolg Furtwänglers in Wien. Wilhelm Furtwängler, der in Wien mit dem Philharmonischen Orchester die Neunte Symphonie von Beethoven aufführte, feierte einen ungewöhnlichen Triumph. Der bis auf den letzten Platz besetzte Saal begrüßte Furtwängler bereits bei feinem Erscheinen mit einem stürmischen minutenlangen Beifall. Am Schluß der Aufführung brach das Haus in einen stürmischen andauernden Beifall aus. In der Ehrenloge sah man neben zahlreichen bekannten Persönlichkeiten des politischen Lebens den deutschen Gesandten Dr. Rieth. Fünf „Tfcheljufkin"-Leute mit Flugzeugen gerettet. Die Flieger Slepnew, Kamanin und Molokow ind zur Rettung der „Tscheljuskin"-Besatzung auf» jeftiegen. Bei der Landung auf dem von der Mann- chaft errichteten Flugplatz brach die rechte Achse des Fahrgestells bei dem Flugzeug Slepnews. Das Flugzeug soll an Ort und Stelle instand gesetzt werden und dann wieder aufsteigen. Die beiden anderen Flugzeuge landeten glatt und haben fünf Mann der „Tscheljuskin"-Besatzung an Bord genommen und sie nach Dankarem gebracht. Sollte das günstige Wetter anhalten, so wird die Rettung fortgesetzt werden. Die erzieherische Aufgabe -er Deutschen Arbeitsfront. Staatsrat Ley zur Eröffnung der Reichsberufswettlämpfe. Köln, 8. April. (DNB.) Bei der feierlichen Er- offnung der Reichsberufswettkämpfe, Gruppe Metall, erklärte im Kölner Gürzenich Staatsrat Dr. Ley, der Führer der Deutschen Arbeitsfront und Stabsleiter der PO., u. a.: In 10 Monaten find 4,5 Millionen Mitglieder aus 111 übernommenen Verbänden auf 20 Millionen Mitglieder in der Deutschen Arbeitsfront angewachsen. Aus der stärksten Klassenorbanisation ist in zusammengedrängter, kürzester Zeit die größte Gemeinschaft gebaut worden. Und diese Deutsche Arbeitsfront ist beute genau so organisiert wie die Partei. In der Arbeit, in der kleinsten Gemeinschaft, im Block, gilt es nun, Anständigkeit und Ehre jedes einzelnen zu prüfen und zu werten. Hier muß jeder zeigen, wer er ist, keiner kann in der Misse untergehen und sich um seine Stellungnahme zur Frage der Gemeinschaft drücken. Das nationalsozialistische Deutschland hat aber auch als erstes erreicht, daß in einem Block Unternehmer und Arbeiter zusam- mengeschweißt wurden und dort auf ihre anständige Gesinnung hin geprüft werden können. Für die Partei ist das Fundament der Organisation die Familie, für die Arbeitsfront ist der Betrieb die Grundlage. Die erste wichtige Aufgabe der Deutschen Arbeitsfront ist, den All-, tag des Menschenzu ordnen, d. h. sich um olles zu kümmern, was den Arbeitsplatz, das Verhältnis der Menschen untereinander in ihrer Arbeit betrifft. Sie hat die Betriebsgemeinschaft als treue Kameradschaft herzustellen. Die zweite Aufgabe der Deutschen Arbeitsfront ist die Fortentwicklung des schaffenden Menschen. Die deutsche Berufserziehung hat sich das Hochziel gesteckt, aus jedem deutschen Menschen einen hochwertigen Facharbeiter zu machen. Wenn andere Völker mit Kuli-Arbeit Erzeugnisse schaffen und damit die Welt überschwemmen, so wollen wir uns bewußt Jon der Konkurrenz mit diesen Völkern fernhalten. Auf Grund der Hochwertigkeit seiner Rasse ist der Deutsche befähigt, neue Wege zu suchen und neue Werte zu schaffen. Deshalb wollen wir unser gesamtes Berufsschulwesen an die Betriebsorganisationen angliedern, damit in Anlehnung an neue Erfindungen und an das Fortschreiten des Betriebes unsere Jugend geschult wird. Daneben wollen wir dann den lebendigen Austausch der einzelnen in einzelnen Berufsgruppen für alle schaffenden deutschen Menschen fördern. Das ist das große und schöne Ziel der Berufswettkämpfe. Während sich bisher nur Spezialisten weiterbildeten und die Erfolge an gleichen Zielen arbeitender anderer Spezialisten verfolgten, soll nun die große Masse die fortschreitende Entwicklung der Arbeitsmethoden beobachten. Und wenn wir im Wettkampf Höchstleistungen schaffen, dann werden wir auch das höchste Ziel erreichen, den wahren und höchsten Sozialismus, der sich darin erfüllt, daß er jeden Menschen auf den Platz stellt, der feinen Fähigkeiten und seinen Neigungen voll entspricht, der ihn nicht zerstört und zermürbt und der ihn n i cht z u m Leerlauf zwingt. Deutschland ist heute unter seinem Führer Adolf Hitler zu den gewaltigsten Anstrengungen bereit, und es wird sein Ziel erreichen, weil es die Fähigkeiten dazu hat. Belebung -er Wirtschaft — wachsen-es Volkseinkommen. Steigerung der Erzeugung und des Znlandabsatzes. — Die Schwierigkeiten des Exports und der Oevisenlage. Berlin, 8. April. Die R e i ch s b a n k hat den starken Ansprüchen am Quartalswechsel in vollem Umfang gerecht werden können. Sie gingen weit über die Vorjahreshöhe hinaus. Ein Beweis dafür, daß die Steigerung der Erzeugung unaufhaltsam fortschreitet. Diese Belebung, die auch eine Steigerung des Volkseinkommens bedeutet, wirkt sich auch in Industrien aus, die nicht unbedingt notwendige Verbrauchsgüter herstellen. So Ist die Erzeugung und der Umsatz der Z i gare t t e n i n d u st r i e zur Zeit so hoch, daß er den Umsatz von 1927/28 erreicht hat. Die Erhöhung des Einlagenbestandes bei den Sparkassen hat seit Ende 1933 um mehr als 1 Millarde Mark zugenommen. Weiter meldet die Großeisenindustrie, daß nicht nur der Auftragsbestand gut ist, sondern auch die wachsende Erzeugung glatt abgesetzt werden konnte. Die Mehrerzeugung der Großeisenindustrie ist ebenso wie beim Steinkohlenbergbau in der Hauptsache vom Inland ausgenommen worden. Es ist also eine wesentlich stärkere Grundlage für die neue Arbeitsschlacht vorhanden, zumal auf der ganzen Linie eine Belebung des Baumark- t e s erfolgt ist, die vielfach schon dazu führte, daß in den Großstädten und in den Industriegebieten die Nachfrage nach gelerntenBauarbei- tern nicht voll gedeckt werden konnte. In der Landwirtschaft hat die Frühjahrsbestellung der Felder in einigen Gebieten darunter gelitten, daß es auch hier an Arbeitskräften fehlte, denn die Industriestädte haben wieder eine Anziehungskraft gezeigt, die nicht nur sozial- politifch, sondern auch volkswirtschaftlich bedenklich ist. Die große Sorge ist einstweilen noch, wie die Ausfuhr gesteigert werden kann, um den Gegenwert für die unbedingt"notwen- digen Rohstoffe hereinzubekommen. Es ist dabei zu beachten, daß bei der Ausfuhr auch .die sogenannten S c r i p s eine Rolle spielen. Für den Betrag der auf Scrips geleisteten Ausfuhr kommen keine Devisen herein, was erklärt, daß der Gold- und Devisenbestand der Reichsbank seit Iah- resveginn keine Anreicherung mehr erfahren hat. Wenn die Gläubigerländer die Wiederaufnahme des Zinsendien ft es im ganzen Umfange fordern, so setzt das voraus, daß sie sich bereit erklären, größere Warenmengen aus Deutschland einzuführen. Eine andere Form des internationalen Zahlungsausgleiches gibt es nicht, am wenigsten für ein Land, das, wie Deutschland, nicht mehr über nennenswerte ausländische Kapitalanlagen verfügt. Es dient auch nicht dem Wiederaufstieg, wenn im Ausland versucht wird, die Roh st o f f - e i n f u h r Deutschlands dahin auszugliedern, daß bestimmte Warengattungen angeblich Aufrüstungszwecken dienen. Diese Rohstoffe sind durchweg nötig für die elektrotechnischeJndustrie, deren Erzeugung für den Jnlandsmarkt seit Jahr und Tag vielfach um das Dreifache zugenommen h-at. IWflionen werden in der zweitenArbeilMlacht voraussichtlich wieder Veschästigung finden. Berlin,?. April. (DNB.) In den letzten Tagen sind aus allen Zweigen der Wirtschaft auf Grund von Umfragen die Ziffern über die tatsächliche Verminderung der Arbeitslosigkeit in den Wintermonaten, sowie über die voraussichtliche weitere Verminderung im zweiten Vierteljahr 1934 veröffentlicht worden. Nachzutragen sind diesen Mitteilungen aus Industrie, Handel, den Gemeindeverbänden, der Reichsbahn und Reichspost noch die Ergebnisse von Untersuchungen im Handwerk und in der Landwirtschaft. Im Handwerk darf man die Zahl der Mehrbeschäftigten Ende Februar 1934 gegenüber dem 1. Oktober 1933 auf etwa 255000 Mann schätzen. Dieser Rückgang war in erster Linie das Ergebnis der Reichszuschüsse für Jnstandsetzungsarbeiten. Bis zur Vollbeschäftigung des Handwerks glaubt man noch weitere 300000 handwerkliche Arbeiter unterbringen zu können. In der Landwirtschaft betrug der Arbeitslosenrückgang von Ende Februar 1933 bis Ende Februar 1934 6 5,2 v. H. Man befürchtet bereits, daß für die kommenden Saisonarbeiten ein großer Mangel an geschulten landwirtschaftlichen Kräften eintreten wird. Es wird darum an die übrigen Wirtschaftskreise, insbesondere an die industriellen Unternehmungen appelliert, dort etwa vorhandene landwirtschaftlich geschulte Kräfte der Landwirtschaft freizugeben und fte durch andere erwerbslose Kräfte zu ersetzen. In allen Wirtschaftskreisen zusammen.darf man für März bis Ende Juni dieses Jahres mlt N e u- einstellungen von etwa 800 000 Arbeitskräften rechnen. Rechnet man hierzu die bereits im ersten Vierteljahr 1934 eingetretene Verminderung der Arbeitslosigkeit um 700 000 Mann, so kommt man auf die Ziffer von 1-^. Millionen, um die sich im e rst e n Halbjahr 1934 die Arbeitslosigkeit voraussichtlich vermindern wird. Von dem Arbeitslosenheer, das die nationalsozialistische Regierung bei ihrem Antritt hat übernehmen müssen, dürften demnach in dem kurzen Zeitraum von nicht ganz anderthalb Jahren nahezu zw e i Drittel wieder in Arbeit und Brot gekommen sein. Auch für Angestellte mehr Arbeitsplätze. Wie die Stellenvermittlung der Deutschen Angestelltenschaft berichtet, hat sich der Arbeitseinsatz für Angehörige der Angestelltenberufe auch im März gebessert. Charakteristisch für die Besetzungsaufträge im einzelnen ist, daß sie, namentlich, soweit es ,lch um Stellenangebote für kaufmännisches Personal handelt, zum großen Teil aus Betrieben kommen, die mit Aufträgen aus dem Arbeitsbeschaffungsprogramm direkt nichts zu tun haben. Die Frühjahrsentlastung der Angestellten-Arbeitslosigkeit ist also Beweis für eine echte Konjunkturbelebung. Dafür spricht auch die verhältnismäßig sehr niedrige Zahl von Angestellten, die sich im gekündigten Arbeitsverhältnis als Bewerber haben eintragen lassen. Weitgehende Bemühungen durch den Dienst der Stellenvermittlung, ältere Angestellte ohne besonderen Auftrag der Firmen in ihre alten Betriebe zurück^uführen, waren leider nur sehr vereinzelt von Erfolg. Zwar haben einige größere Firmen von sich aus ihre früheren Mitarbeiter zurückberufen. Alles in allem aber ist das Problem der älteren Angestellten nach wie vor akut. Dafür spricht auch die altersmäßige Gliederung der Besetzungsaufträge. Ueberwiegend werden immer wieder nur jüngere Kräfte angefordert. Ein Zeichen des sich durchsetzenden Optimismus ist die verstärkte Anmeldung von Bewerbern in ungekündigter Stellung. Stellungswechsel — nach ooraufgegangener Erweiterung und Vertiefung des Berufswissens der Bewerber in den Lehrgängen und Arbeitsgemeinschaften der Deutschen Angestelltenschaft führte erstmalig miedet in größerem Umfange zu Vermittlungen in Stellungen, in denen sich bessere A u f st i e g s - Möglichkeiten boten. Diese Entwicklung ist um so mehr zu begrüßen, weil in einigen Branchen, wenn zunächst auch erst bezirklich begrenzt, als Folge einer nicht richtig geleiteten Lehrlingsausbildung, im wesentlichen aber einer in den letzten Jahren außerordentlich beengten Fluktuation jüngerer Gehilfen, Mangelan berufs - und fach- erfahrenen Bewerbern besteht. In richtiger Erkenntnis der Gefahren, die der Wirtschaft von der Seite her drohen, versuchen auch Firmen, in Verbindung mit Stellenvermittlung und Berufsbildungseinrichtungen der Deutschen Angestelltenschaft einen Bewerberaustausch anzubahnen, der als solcher in nichts die Möglichkeiten zur Besetzung neuer offener Posten mit Altstellungslosen beeinträchtigt. Eine Abordnung des Handwerks beim Reichspräsidenten. Reichspräsident von Hindenburg, Ehrenmeister des deutschen Handwerks, empfing anläßlich des 400jährigen Jubiläums der Berliner Sattler-Innung eine Abordnung des Berliner Handwerks, bestehend aus dem Obermeister Körner und dem Altmeister Budoch von der jubilierenden Innung, dem Präsidenten der Berliner Handwerkskammer Lohmann und dem Vizepräsidenten des deutschen Handwerks Z e l e n y, die dem Reichspräsidenten eine in einer kunstvollen Ledermappe gebundene Adresse überreichten und den Dank des Handwerks für die diesem stets bewiesene Fürsorge zum Ausdruck brachten. Reichspräsident von Hindenburg erwiderte mit Worten des Dankes und Glückwünschen zu dem seltenen Jubiläum und gab der Hoffnung Ausdruck, daß nunmehr auch für das Handwerk nach schweren Jahren der Not wieder bessere Zeiten kommen. Der Reichspräsident begrüßte dann die im Ehrenhof des Präsidentenpalais mit ihren Fahnen und Jnnungsladen aufgestellte Berliner Sattler-Innung und sprach auch dieser seine Glückwünsche aus. Oer Mor-prozeß Waltershausen. Oie ersten Feststellungen im Mordzimmer. — Oer geheimnisvolle Einbruch. Der vierte Derhandlungstag begann mit der Vernehmung des Gendarmeriehauptwachtmeisters Melber, des ersten Sicherheitsbeamten, der am Mordtage dort eingetroffen war. Er betrat das Schloß durch das Hauptportal und traf dort Liebig mit dem Polizeidiener. Im Mordzimmer waren nach feinen Feststellungen einzelne Gegenstände, Wandflächen und Türen mit Blut beschmiert, auch der Nachttisch und die Waschschüssel. Das Nachtgeschirr stand auf einem Stuhl und war ein wenig auch mit Blut gefüllt. Alle Türen zum Schlafzimmer des Hauptmanns waren verschlossen, ausgenommen die, die zum Schlafzimmer der Frau Werther führt. Auch die Tür, die von dem Gang aus, wo das Schlafzimmer der Frau Werther liegt, in das des Hauptmanns durch die sog. Kofferkammer führt, war verschlossen. Offen war lediglich die Tür, die vom Schlafzimmer der Frau Werther hinausgeht auf die Diele des zweiten Stockes. Nach Ansicht Melbers scheint die Behauptung der Frau Werther, daß der Täter durch die Kofserkammer gekommen oder ^gangen sei, unmöglich zutreffen zu können. Liebig, der sofort vom Zeugen gestellt wurde, erklärte, daß er nichts gemacht hätte. Er wurde sofort auf Blutspuren untersucht, und mußte sich bis aufs Hemd ausziehen; auch feine Fingernägel wurden von dem Beamten einer genauen Untersuchung unterzogen. Man fand aber an Liebig nicht die gering st en Blutspuren. Liebig gab zu, eine Waffe zu besitzen; sie lag auch tatsächlich in der Schublade seines Zimmers. Melber holte sie dort heraus. Es handelte sich um eine Selbstladepistole, ,d i e geputzt und frisch geölt war. Damit ergibt sich ein Widerspruch zur Aussage des Polizeihauptmanns Fischer, der in seinem Gutachten ausdrücklich erklärt hat, er habe die Waffe Liebigs ungeputzt und ungeölt in die Hand bekommen und es fei frisch aus ihr geschossen worden. Es muß also, so meinte der Verteidiger, in der Zeit zwischen Beschlagnahme und Uebergabe an den Sachverständigen mit ihr hantiert worden sein. Der Staatsanwalt fragte den Zeugen, ob die Waffe nach der Beschlagnahme an andere als Gerichtspersonen gelangt sein konnte. Melber erklärte das für ausgeschlossen. Oberkommissar Braun vom Erkennungsdienst Nürnberg, der mit seinen Kollegen Meier und Nast- oogel am zweiten Tage nach dem Mord nach Waltershausen beordert worden war, gab dann eine genaue Schilderung der an Ort und Stelle wahrgenommenen Einzelheiten. Die im Zickzack verlausenden Blutspuren auf dem Teppich der Frau Werther könnten auch durch die blutenden Hände hervorgerufen worden sein. Braun berichtete außerdem über den Einbruch in der Nacht vom 5. zum 6. Januar 1933. Es war im ersten Stock im Südbau des Schlosses ein F e n - st er eingeschlagen, was den Anschein erweckte, als ob dort der Dieb eingestiegen sei. Die zertrümmerte Scheibe war zunächst unauffindbar; später ergab ein Gang durch den Schloßgarten, daß unter das Fenster ein Haufen Glasscherben gebracht war, offenbar um vorzutäuschen, daß der angebliche Dieb durch das Fenster eingestiegen sei. Außerdem wurden in den Zimmern, durch die der Dieb gelaufen sein soll, zahlreiche Fingerabdrücke wahrgenommen, die von dem jungen Baron von Waltershausen, dem Bruder der Frau Werther, seiner Ehefrau und einem früher auf dem Schloß beschäftigten Kraftwagenführer herrührten. Es ist dem Zeugen außerdem verdächtig vorgekommen, daß der Korken einer in einem der erbrochenen Zimmer stehenden Weinflasche eingedrückt, von dem Inhalt aber nichts getrunken war. Oberkommissar Braun hielt es auch für auffällig, daß der Dieb die von dem Einbruchzimmer zu den anschließenden Räumen führenden Türen gewaltsam geöffnet haben sollte, obwohl in allernächster Nähe und sehr in die Augen fallend d i e Schlüssel zu diesen Türen hingen. Aus aller Welt. Großer Waldbrand bei Berlin. Ein umfangreicher Waldbrand, durch den etwa 25 000 bis 30 000 Quadratmeter 120- bis 150jähri- ger Kiefernwald zerstört wurde, wütete Sonntagnachmittag bei Frohnau am Jägerftiea in unmittelbarer Nähe des Hubertus-Sees. Als die Feuerwehr kurz nach Ausbruch des Brandes anrückte, stand das dichte Unterholz in hellen Flammen. Mit rasender Geschwindigkeit griff das Feuer um sich, und hatte bald trotz des sofortigen wirksamen Eingreifens der Wehr einen Umfang von schätzungsweise 25 000 Quadratmeter erlangt. Bald war die ganze Umgebung in eine dichte Rauchwolke gehüllt. Unter tatkräftiger Hilfe eines SA.-Sturmes rückten die Werhmänner dem rasenden Element systematisch zu Leibe. Nach einstündiger Arbeit gelang es auch tatsächlich, das Feuer einzukreisen und den Brand zu löschen. Wenn auch die hohen Kiefernstämme des mehr als 100jährigen Bestandes erhalten blieben, so muß doch befürchtet werden, daß der ganze Waldbestand durch die Brandschäden e i n g e h t. Heber die Entstehungsursache ist nichts bekannt. Slrahenschlachl zwischen Armeniern in Boston. In Boston kam es in der armenischen Kirche zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen zwei feindlichen Gruppen. Die Zusammenstöße arteten in einer regelrechten Schlacht aus, die schließlich i m Freien fortgesetzt wurde. Messer und Eisen- Haken wurden als Waffen verwendet. Eine Partei beschuldigte die andere, an der Ermordung des Erzbischofs Toursin in Newyork im Dezember v. I. beteiligt zu sein. Ungeheuere Men, schenmafsen sammelten sich an und sahen dem Kampf zu. Schließlich trafen 25 0 Polizisten mit Gewehren und Tränengasborn- den ein und machten dem Kampf ein Ende. Neun Personen wurden verhaftet. Alle wiesen erhebliche Stich- und Schnittwunden auf. Die Fliegertragödie im Urwald Columbiens. Nach ergänzenden Meldungen aus Bogota muß angenommen werden, daß auch der Mechaniker H a n ck e, der bei dem Absturz des Flugzeugs über dem Urwaldsumpf verletzte worden war, inzwischen den Tod gefunden hat. Am Ufer des Sipi-Flusses wurde eine Leiche gefunden, man vermutet, daß es sich dabei um Hancke handelt. Direktor Marshall, der bei dem Absturz des Flugzeuges auch eine Beinverletzung erlitten hatte, lebte zwei Wochen lang von dem Lebensmittel- und Wasservorrat des zertrümmerten Flugzeugs. Die Erschöpfung der Vorräte zwang Marshall schließlich, die Wanderung durch den Urwald anzutreten, wobei er dann von Indianern gerettet wurde. Die Indianer berichteten, daß die Leiche des Flugzeugführers Geck bei der Auffindung bereits kaum noch zu erkennen war. Todesstrafe im Mordprozeh Renn. Wegen der Ermordung des stellvertretenden Ortsgruppenleiters von Zorndorf Erdmann wurde der Rentner Renn wegen Mordes zum Tode verurteilt. In der Verhandlung versuchte der Angeklagte seine Tat als einen Notwehrakt barzustellen. Als er Erdmann vor der Tür seiner Freundin, der Witwe Fiedler, getroffen und ihn aus dem Haus gewiesen habe, habe ihn Erdmann an feiner Wohnungstür angegriffen. In feiner Angst habe er zwei Schüsse auf Erdmann abgegeben. Dieser sei darauf fortgegangen. Er habe nicht gesehen, daß Erdmann an der Straßenecke dann tot zusammengebrochen sei. Die Zeugenvernehmung ergab aber ein völlig anderes Bild. Die Zeugen bekundeten, daß Erdmann immer wieder von Renn bedroht worden ist. Renn war offenbar ohne jeden Grund eifersüchtig auf Erdmann, dem er Beziehungen zu Frau Fiedler nachsagte. Der Angeklagte hatte der Frau selbst verboten, mit anderen Leuten zu sprechen und in raffinierter Weise kontrolliert, ob sie ihre Wohnung verlassen habe. Dazu legte er Steinchen vor die Tür, um festzustellen, ob die Tür geöffnet worden ist. In der Urteilsbegründung betonte der Vorsitzende, der Angeklagte habe die furchtbare Tat vorsätzlich mit Ueberlegung ausgeführt, durch die ein wertvoller Mensch, Vater von vier Kindern, zu Tode gekommen ist. Der Angeklagte habe die Tat von langer Hand vorbereitet. Der Einwand der Notwehr komme keinesfalls in Frage. Das Gericht habe aber angenommen, daß die Tatsache der nationalsozialistischen Parteizugehörigkeit Erdmanns zwar das Mißtrauen Renns gegen Erdmann verschärft habe, aber daß dieses Mißtrauen sich erst als eine Folge der Eifersucht Renns gegen Erdmann entwickelt habe. Eine internationale Schmugglerbande in Frankreich aufgespürt. Seit längerer Zeit war ein reger Schmugg- terbetrieb an der französisch-belgischen Grenze beobachtet worden, ohne daß es bisher gelungen war, den Schmugglern auf die Spur zu kommen. Es wurde ein verschärfter Heber» wachungsdienst eingerichtet, dem es nunmehr gelang, eine Schmugglerbande abzufassen, bei der 1 4 0 0 Kilogramm geschmuggelten T a - baks gefunden wurden. Durch diesen Erfolg der Grenzkontrolle ist die Polizei auf die Spur einer in Belgien und Frankreich und — wie vermutet wird — auch in anderen Ländern weitverzweigten internationalen Schmugglerbande gekommen, nach der die Fahndung sofort ausgenommen worden ist. Wettervoraussage. Der Kern des Tiefdruckgebiets ist nunmehr bis in unseren Bezirk vorgerückt. Da jetzt ozeanische Luft angesaugt wird, nimmt das Wetter einen etwas unbeständigen Charakter an, so daß neben Bewölkung auch zeitweise Regen auftritt. Der Tem- I peraturausgleich zwischen Tag und Nacht macht dabei weitere Fortschritte. Im ganzen bleibt es zunächst noch mild, doch wird mit dem Zustrom kühlerer Luft aus höheren Breiten späterhin ein allgemeiner Rückgang der Temperaturwerte zu bemerken fein. Aussichten für Dienstag: Meist wolkig, zeitweise Niederschläge, Temperaturen zwischen Tag und Nacht weiter ausgeglichen, im ganzen noch mild, doch später etwas kühler. Aussichten für Mittwoch: Wechselhaftes Wetter mit vereinzelten schauerartigen Niederschlägen. Lufttemperaturen am 8. April: mittags 22,6 Grad Celsius, abends 12,6 Grad; am 9. April: morgens 7,4 Grad. Maximum 24 Grad, Minimum 3,9 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 8. April: abends 11,4 Grad; am 9. April: morgens 8,3 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 8 Stunden. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiterr Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. III. 34: 11 550. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K. G., sämtlich in Gießen^ S)ie echte und die falsche Doralies Roman von Anny von Panhuys. Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Derlag, Halle (S.) 11. Fortsetzung. Nachdruck verboten! Sie fuhr fort: „Vati bekommt alles fertig: Das siehst du ja daran, daß er mich so im Handumdrehen fortschicken wollte. Vorläufig muß ich still sein, sonst hapert es mit uns beiden:" Sie küßte ihn: „Oh, du! Hab ich dich lieb, Lutz!" Er ließ das Thema fallen und küßte den hübschen Jungmädchenmund immer wieder. Dunkelheit lag um sie her, wie ein dichter schützender Schleier, und sie küßten sich und bauten flüsternd Luftschlösser in die Zukunft hinein. Der Mond kam und verschwand. Das glückliche Pärchen wanderte durch den Park und beide schraken zusammen, als es vom Turm der Hedwig- kirche elfmal schlug, tief und nachhallend. „Ich muß ins Haus! Bald nach elf Uhr wird Vati heimkommen!" sagte Doralies. „Dati hat di- Gewohnheit, sich davon zu überzeugen, ob die beiden Haustüren verschlossen sind. Bitte, komm übermorgen um dieselbe Zeit wieder. Du sagtest ja schon, morgen kannst du nicht!" Ein rascher, verliebter Abschied, dann verschloß Doralies hinter Lutz Gärtner leise die Parkpsorte. Sie betrat sehr vorsichtig das Haus, obwohl sie überzeugt war, daß ihr Vater noch nicht daheim. Es brannte nur ein schwachkerziger Wandarm, aber durch den schmalen Glasstreifen oben an der rückseitigen Haustür ergoß sich das Mondlicht wie ein mattbläulicher Schein, und Doralies stand inmitten des fahlen Lichtes, als sich die Tür zu des Vaters Zimmer öffnete und er heraustrat. Doralies war wie gelähmt, und wenn es sich auch nur um den Bruchteil einer Sekunde handelte, genügte die winzige Zeitspanne, in der sie durch ihren Schreck zur Regungslosigkeit verurteilt war, in der sie wie eine Statue dastand, vollkommen, um Fritz Wolfram die Tochter erkennen zu lassen. Im nächsten Augenblick glitt schon wieder eine dichte Wolke am Mond vorbei, und kein Strahl des nächtlichen Himmelslichtes drängte sich mehr durch die Scheiben. Die Lampe vom Dorderflur gab glücklicherweise kein bißchen Helle ab bis hierher, und Doralies hatte sich mit raschem, leichtfüßigem Satz die Hintertreppe hinauf gerettet. Sie floh zu Frau Hensel, die noch auf war und erstaunt hochschaute von der Zeitung, in der sie gelesen, als Doralies, ohne anzuklopfen, bei ihr eintrat, hinter sich die Tür zuriegelte und auf sie zustürzte. Doralies sprach gleich erregt auf sie ein. „Vati hat mich gesehen, glaube ich. Ich muß deshalb bei dir bleiben, Hänschen, falls er mich sucht. Heute abend habe ich keinen Mut mehr zu Erklärungen." Frau Hensel trug beim Lesen eine Stahlbrille, die schob sie jetzt auf die Stirn hinauf und starrte Doralies erschreckt an. Doralies berichtete mit fliegendem Atem ihr Erlebnis. Plötzlich vernahmen sie draußen Schritte. Doralies sagte leise: „Ich bin nicht hier! Du darfst nichts zugeben. Verstehst du, Hänschen? Du darfst es nicht! Tue, als wenn du schon geschlafen hättest, das erleichtert dir alles. In meinen Zimmern ist kein Beweis von meinem Aufenthalt im Hause." Schon verschwand Doralies mit geschicktem Sprung hinter der Lehne eines schräg stehenden Sofas, das eine Ecke freiließ, in die sie sich bequem hinhocken konnte. Im nächsten Augenblick klopfte es sacht an. Die Wirtschafterin fragte — noch ganz verdattert von Doralies' jähem Hereinstürzen und ihrer Mitteilung: „Wer ist draußen?" Und sie wußte doch, außer Herrn Wolfram konnte niemand jetzt klopfen, wenn sich nicht gerade Einbrecher so höflich anmeldeten. Fritz Wolfram antwortete: „Natürlich bin ich's, Frau Hensel! Ich muß Sie sofort sprechen!" Frau Hensel dachte an den befehlsförmig geäußerten Rat ihres Lieblings und rief zurück: „Wünschen Sie noch etwas, Herr Wolfram? — Dann siehe ich natürlich auf. Ich war eben dabei, einzuschlafen." Der Gedanke bedrängte sie plötzlich, wenn er die Klinke niederdrücken und eintreten würde, wäre sie sofort der Lüge überführt. Aber nein, das brauchte sie nicht zu befürchten. Doralies hatte ja hinter sich zugeriegelt. Ihr wurde bei der Feststellung ein bißchen leichter; aber auch nur ein ganz klein wenig. „So! Sie befinden sich schon im Bett!" kam es von draußen zurück, und dann folgte eine Pause. Es war, als besänne sich der vor der Tür Stehende, ob er noch etwas sagen sollte oder nicht. Frau Hensel erwartete mit Herzklopfen sein Weitersprechen. Fritz Wolfram stand vor der Tür und kam sich ein bißchen dumm vor. Er war vorhin nach Hause gekommen, ein paar Minuten in seinem Arbeitszimmer gewesen und hatte sich dann, gewohnheitsgemäß, überzeugen wollen, ob die Haustüren verschlossen waren. Da hatte er in dem geheimnisvoll vom Mond erhellten Stückchen Flur, dicht an der Hintertür, Doralies gesehen. Er verbesserte sich jetzt schon in Gedanken: Z u sehen geglaubt. Aber als die Mondscheinbeleuchtung verschwand, war auch sie verschwunden. Keinen Laut hatte er gehört und nichts mehr gesehen. Wie ein Traum erschien ihm jetzt, was er erlebt ober erlebt zu haben glaubte. Ein bißchen schwer fiel es ihm jetzt aufs Herz, daß er beim Bürgermeister drei kräftige, würzige Gläser Rotweinpunsch getrunken; er war es im allgemeinen nicht gewöhnt, so viel zu trinken. Er sagte kurz: „Es ist nichts, Frau Hensel! Ich hatte noch Appetit auf eine Tasse Kaffee, aber ich habe es mir Überlegt — ich fürchte, nach Kaffee nicht schlafen zu können." Wieder eine kleine Pause, dann sagte Fritz Wolfram nur noch: „Entschuldigen Sie die Störung, Frau Hensel, und gute Nacht." Berta Hensel erwiderte den Gutenachtgruß höflich und lauschte ein Weilchen an der Tür. Ganz deutlich hörte sie, wie sich Wolfram entfernte und die Treppe hinunterging. Schon war Doralies wieder aufgetaucht. Sie sagte sehr leise: „Ein bißchen befremdend, daß er nichts weiter gesagt hat — nicht wahr? Er hat mich doch gesehen, und er kam doch auch nur deshalb." Frau Hensel machte ein brummiges Gesicht. „Eine schöne Geschichte kann das werden. Morgen wird es schon irgendwie losgehen. Das Schweigen ist ungemütlicher, als wenn dein Vater losgetobt und das ganze Haus nach dir durchsucht hätte — viel schlimmer ist es. Morgen früh wird der Tanz losgehen! Ach!, hätte ich mich doch nicht auf den verflixten Schwindel eingelassen! Ich sehe schon, daß mir dein Vater die Tür zeigt." „Pst!" warnte Doralies. „Wenn du dich so gehen läßt, könnte Vati etwas hören!" Sie streichelte die Frau und flüsterte ganz hauchleise: „Wenn's nicht anders geht, werde ich bei Dati morgen mit der ganzen Wahrheit herausrücken. Ich habe es Lutz auch versprochen; aber eigentlich erst für später, wenn Lutz abgereist ist. Wollen aber erst mal abwarten, was Dati morgen zu dir sagt. Etwas kann da nicht stimmen, sonst wäre er nicht so still hinuntergegangen." lieber ihr Gesicht zuckte es spitzbübisch. „Du — Hänschen! Ich glaube fast, Dati hat mich für’n Spuk ober so etwas Unwirkliches gehalten!" „Laß bie Witze!" verwies sie ihre Getreue verstimmt. „Wirst morgen schon sehen, für was er dich gehalten hat. Ich werde mein Bündel schnüren müssen, und dich bringt er in eine scharf geleitete Pension, wo du dich nicht mehr heimlich mit einem gewissen Lutz treffen kannst!" Doralies machte ein Gassenjungengesicht. „Ich sehe noch ganz vergnügt dem nächsten Tag entgegen. Irgend etwas stimmt nicht, und die Gefahr für uns ist vorläufig beseitigt. Morgen wirst du schon mehr erfahren. Dann stelle dich dumm. Du darfst mich nicht verraten, wenn es nicht dringend nötig ist. llebermorgen wird Lutz wieder- fommen — und du kannst dich darauf verlassen. bann werde ich vorsichtiger fein." Sie schmeichelte: „Verrate mich nicht, Hänschen, wenn es auch ohne Verrat geht! Ich renke ja bald alles ein!" Frau Hensel sah ihren Liebling an. „Du machst mit mir, was du willst! Aber das sage ich dir, wenn's durchaus nicht anders geht, erzähle ich die Wahrheit!" „Wenn's nicht anders geht, rufe mich, Hänschen, dann beichte ich!" versprach Doralies und fragte: „Nicht wahr, ich darf doch heute nacht in deinem Zimmer schlafen? Auf dem Sofa. Ich brauche nur Kissen und Decke. Die hast du von deinem vielen Bettzeug übrig. Besser ift’s auf jeden Fall, heute nacht nicht in mein Schlafzimmer zu gehen, es könnte Vati doch noch einfallen, sich für meine Zimmer zu interessieren, und ich verspüre jetzt kein Verlangen mehr nach einer Auseinandersetzung." „Ich noch viel weniger!" gab die Aeltere mit einem aus tiefstem Herzen kommenden Stoßseufzer zurück und begann, für Doralies ein Lager auf dem Sofa zurechtzumachen. Doralies lächelte: „In meinen Stuben sieht es für alle Fälle jetzt immer fo aus, als wenn ich abgereist wäre. Dort fände Vati nichts! — Na, und morgen ist ein anderer Tag!" Doralies schlief trotz des unvorhergesehenen Erlebnisses glücklich und froh ein. Sie war ja jung und dachte an ihren Lutz. Frau Hensel aber fand — mit Aufbietung allen Willens zum Schlaf — nur in einen unruhigen Halbschlaf hinein, in dem sie sich selbst sah, wie sie weinend das Schloß verlassen mußte, in dem sie zwanzig Jahre lang gelebt und sehr zufrieden gewesen. * Seitdem Doralies offiziell abgereist war und das kleine Tagesmädchen nur während ein paar Mittagsstunden ins Haus kam, brachte Frau Hensel all- morgendlich um acht Uhr den Kaffee in das Arbeitszimmer Fritz Wolframs'. Mit übernächtigtem Gesicht, dem sie vergebens Fassung zu geben versuchte, trat sie diesmal nach kurzem Anklopfen ein. Fritz Wolfram war eben erst aus dem Schlafzimmer gekommen und wartete, am Fenster stehend, auf das Frühstück. Er drehte sich nach dem Hereinrufen um, erwiderte den Gruß. Nun beobachtete er die Wirtschafterin, die stumm das Geschirr auf einen kleinen Tisch aufbaute, und meinte freundlich: „Ich habe Sie wohl gestern abend sehr erschreckt, liebe Frau Hensel? Sie sehen aus, als ob Sie schlecht geschlafen hätten. Entschuldigen Sie, daß ich Sie geweckt hatte. Es tut mir leid, aber ich nahm an, Sie wären noch auf." Er machte eine kleine Pause, lächelte dann: „Beim Bürgermeister gab es gestern einen Punsch, der hatte es in sich. In dem Rotwein muß noch ein ordentlicher Schuß Rum gewesen sein. Jedenfalls hatte das Gesöff meine Phantasie etwas zu sehr angeregt." (Fortsetzung folgt.) Die besondere Stärke unseres Geschäfts ist die Anfertigung eines Anzugs oder Mantels ohne Mehrpreis, also zu Preisen wie bessere Fertigkleidung, falls die Figur nicht Normalmaßen entspricht. Wir sind darauf sehr bedacht, Ihnen eine gute Figur zu machen. Armlöcher und Knopflöcher hat jeder Rock oder Mantel. Die Kleinigkeiten machen’s. - Hauptpreislagen: 68.- 78.- 88.- für Maßkonfektion WAD I , i llillm KOHLER Herren- und Knabenkleidung GIESSEN - SELTERS WEG 2173 A Vermietungen Bleichstraße 24 ist infolge Wegzugs der jetzigen Mieterin eine Wohnung im 2. 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April 1934 bis 5.2Tlai 1934 einschließlich einzuhalten, andernfalls die Taubenhalter zu gewärtigen haben, daß sie bestraft und die Tauben von dem Feldschutzpersonal abgeschossen werden. Gießen, den 9. April 1934. Bürgermeisterei Gießen. J.V.: Bartholomäus. Amtliche Bekanntmachungen des Kreisamts Alsfeld. Vetr.: Den Geschäftsgang bei dem Kreisamt, der Vezirksfürsorgestelle und dem Jugendamt Alsfeld. Durch Verfügung des Hessischen Staatsministers — Personalamt —, Darmstadt, vom 13. März 1934 sind die Dienststunden für die Zeit vom 1. April bis 30. September von 7 bis 15 Uhr, Samstags von 7 bis 12 Uhr festgesetzt worden. 2170C Amtstag bei dem Kreisamt, der Bezirksfürsorgestelle und dem Jugendamt ist Freitags während der festgesetzten Dienststunden. Die vielfach bei der Kreisbevölkerung bestehende Annahme, daß auch der Dienstag Amtstag sei, ist nicht zutreffend. Der Dienstag ist kein Amtslag. Die ordnungsmäßige und rechtzeitige Erledigung der Dienstgeschäfte erfordert es, daß die Kreisbevölkerung für Angelegenheiten, die das persönliche Erscheinen erfordern, den Amtstag — Freitag — benutzt. Nur eilige und dringende Angelegenheiten, die nicht bis zum Amtstag verschoben werden können, können an jedem anderen Werktage von 9 bis 12 Uhr bei dem Kreisamt vorgebracht werden. Personen, die sich nicht an die in dieser Bekanntmachung angegebenen Zeiten halten, haben es sich selbst zuzuschreiben, wenn sie bei ihrem Erscheinen abgewiesen werden müssen und ihnen unnötig Zeitverlust und Kosten entstehen. Es wäre nicht zu verantworten, daß der Kreisbevölkerung dadurch Nachteile erwachsen, daß ein Teil derselben durch Nichteinhaltung der Amtsstunden verspätete Erledigung ihrer Angelegenheiten verursachen würde. Gut bürgerliches Mädel Alter 21 Jahre, sucht bis z. 15.4. Stellung bei ält. Ehepaar.Sch.A. u. 01919 a.G.A. I Verkäufe Elegant. Herrenzimmer, Schlafzimmer,Schreibtischgarn. 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Mit fester Hand und unbeirrt lenkt der ehemalige Unteroffizier Rizah das Steuer des persischen Staates und unermüdlich ist er bestrebt, sein Land aus der Unwissenheit, Verwahrlosung und dem Verfall herauszureißen. Die Fortschritte des neuen Regimes sind in der Tat verblüffend! Persien ist heute nicht mehr ein heruntergekommenes Land, über das die Europäer noch vor einigen wenigen Jahren mitleidig lächelten. Zwar kann es mit den großen europäischen Staaten noch nicht konkurrieren; aber die Zeit ist nicht mehr allzufern, da Persien in der Welt eine beachtliche Stellung einnehmen und sich an der friedlichen Konkurrenz der Nationen beteiligen wird. Seine hervorragende geographisch-strategische Lage zwischen Rußland und Indien macht es zu einem begehrlichen Objekt. Zwei uralte Rivalen, der russische Bär und der britische Löwe, buhlen heute um die Freundschaft Persiens. Nizah-Chan ist aber gewandt genug, aus diesem diplomatischen Feilschen Kapital für sein Land herauszuschlagen. Der kluge und weitsichtige Herrscher erkannte, daß Persien seine Bedeutung noch vergrößern könne, wenn es sich Rückendeckung verschaffen und sich zu einem politischen Faktor ersten Ranges hinaufarbeiten würde. Deswegen schloß er 1928 mit Afghani st an einen Freundschaftsvertrag ab. Der Ostnachbar war aber für Persien nicht so wichtig wie der Westnachbar, die Türkei. Hier mußten die alten Zwistigkeiten aus der Welt geschafft und die politische Lage bereinigt werden. Rizah-Chan entschloß sich, reinen Tisch zu machen. Jahrelang hat man sich gegenseitig vorsichtig abgetastet, bis dann plötzlich die Türkei mit dem Plan hervortrat, einen islamischen Staatenblock zu schaffen. Rizah-Chan trat ohne Bedenken in die Verhandlungen ein, und 1931 wurde der Entwurf eines Staatenbundes ausgearbeitet. Bald darauf wurde der Plan zur Wirklichkeit, und Rizah-Chan, Mustafa Kemal Pascha, König Faisal vom Irak, König Jbn-Saud und König Nadir Chan von Afghanistan hoben den islamischen Staatenbund aus'der Taufe. Der Zusammenschluß der wichtigsten islamischen Staaten war Tatsache geworden. Nun brauchte der Islam niemand mehr zu fürchten. Gestärkt durch diese politischen Erfolge, ging nun der persische Schah daran, sein Land aufzubauen und es kulturell und wirtschaftlich zu entwickeln. Nach längerer Zeit besuchten wir wieder einmal Täbris, die Hauptstadt P^rsisch-Aserbaidschans. Die Bevölkerung Persisch-Aserbaidschans spricht nicht etwa persisch, wie man vielfach annimmt, sondern türkisch. Persisch wird hier kaum verstanden. Der Name „Täbris" bedeutet auf Türkisch „Fiebervertreibender Ort". Die Stadt wurde 790 von Zuleide, der Gemahlin des Kalifen Harun-al-Raschid, erbaut. Die Entfernung von hier nach Teheran beträgt ein bis zwei Tagreisen, nach Erzerum aber braucht man drei bis vier Tage Ueberlandautofahrt. Die Stadt baut sich terrassenförmig am Fuße des 2600 Meter hohen Schenkuhberges längs der kleinen Flüsse Spintscha und Aftchi-Tschei auf. Sie zählt heutd über 200 000 Einwohner. In alten Zeiten bildete Täbris einen wichtigen Verkehrsknotenpunkt im Handel zwischen Europa und Persien (und Mittelasien). Die Linie Konstantinopel—Datum— Tiflis—Täbris—Teheran usw. war der einzige Weg, der Persien urft) Zentralasien mit Europa verband. Auch heute hat Täbris seine Bedeutung nicht eingebüßt. Der Warenaustausch wird immer noch auf dem alten Weg: Teheran—Täbris—Tiflis—Batum— Konstantinopel betrieben. Täbris ist außerdem Hauptumschlaasplatz Persiens mit Rußland und der Türkei. Die Stadt besitzt zahlreiche Moscheen und Karawansereien. An Gewerbe und Industrie sind hier vertreten: Baumwollweberei, Seidenwirkerei, Färberei, Druckerei, Töpferei, Stärkefabrikation und Streichholzerzeugung. In neuerer Zeit ist hier eine große Lederver- arbeitungs- und Schuhfabrik nach deutschem M u st e r eingerichtet worden. Der Leiter dieser Fabrik ist Scheich I t t e h a t, der sich nach europäischem Brauch Generaldirektor nennt. Sein Sohn studiert übrigens zur Zeit in Berlin. Jttehat ist ein begeisterter Verehrer Deutschlands und ist voll des Lobes für die deutsche Wissenschaft, besonders die deutsche Medizin. Ich habe die Ursache seiner Bewunderung der deutschen Medizin gegenüber bald herausgefunden. Scheich Jttehat hat nämlich außer dem obgenannten Sohne auch eine Tochter, die in Persien lebt und die er abgöttisch liebt. Diese Tochter war nun vor eineinhalb Jahren infolge einer Krankheit blind geworden. Der verzweifelte Vater ließ die berühmtesten Aerzte kommen, doch umsonst. Er schickte sie dann nach Berlin, wo sie operiert und ihr das Augenlicht wiedergeschenkt wurde. Seit der Zeit schwört der Generaldirektor der Schuhfabrik in Täbris auf die deutsche Medizin. In der genannten Schuhfabrik werden übrigens ausschließlich deutsche Ingenieure und F a ch a r b e i t e r beschäftigt. Auch die Fabrikationsmaschinen stammen zum überwiegenden Teil aus Deutschland. Die Fabrik ist modern und sehr sauber eingerichtet; es herrscht dort eine mustergültige Ordnung, die sich von dem übrigen orientalischen Getriebe seltsam abhebt. Das Stadtbild hat sich in den letzten zehn Jahren sehr zum Vorteil geändert. Enge, übelriechende Gassen, kleine schmutzige und halbzerfallene Lehmhütten, Misthaufen und Pfützen haben vor kleinen schmucken Häusern, breiten Gassen und schönen Anlagen weichen müssen. Elektrische Beleuchtung, nach europäischem Geschmack gebaute Geschäfts- und Lagerhäuser usw. geben Täbris das Gepräge einer mitteleuropäischen Stadt. Vor 20 Jahren noch befand sich der Handel zum großen Teil in den Händen der Europäer. Es waren meistens Schweizer Firmen, dann aber auch Armenier und Perser selbst, die deutsche, französische und englische Fabrikate hier einführten und damit Handel betrieben. Heute ist der europäische Einfluß, aus Täbris fast ganz verschwunden. Der Handel wird noch von den Eingeborenen und auch Armeniern betrieben. Daneben findet man hier noch einige wenige jüdische Kaufleute. Vor einigen Jahren noch war Sowjetrußland fast der alleinige Beherrscher des persischen Marktes. Das anmaßende Auftreten der sowjetrussischen Händler und ihre unfaire kaufmännische Handlungsweise machten sie aber bei der persischen Bevölkerung unbeliebt. Seit kurzem nun ist Japan auf dem persischen Markt als Konkurrent aufgetreten. Japan überschwemmt Persien mit seinen Waren, besonders Baumwollstoffen, die konkurrenzlos billig angeboten wurden. Selbst Moskau kann sich hier mit seiner Dumping-Ware, mit der es Mittel- und Westeuropa aus dem persischen Markte vertrieben hat, gegen die japanische Konkurrenz nicht behaupten. Außerdem war der Japaner dem Eingeborenen gegenüber im Gegensatz etwa zu Engländern, Amerikanern und Russen von ausgesuchtester Höflichkeit und Fairneß, was ihm bald die Sympathien und die Herzen der Perser gewann. Der Perser kauft heute mit Vorliebe beim Japaner, nicht nur deshalb, weil er dort die Ware billiger bekommt, sondern weil er dort höflich und als Gleich- gestellter behandelt wird. Und so wird es nicht mehr lange dauern, daß der japanische Export den persischen Markt ausschließlich beherrschen wird. In Mandschukuo, in der Mongolei, Turkestan, Tibet, Afghanistan und jetzt auch in Persien hat Japan allmählich die europäische Konkurrenz ausgeschaltet und sich zum alleinigen Beherrscher dieser riesigen Märkte hinaufgeschwungen. In Nordafrika und in den Mittelmeerländern klopft der japanische Kaufmann schon an das Tor Europas. Die „Oberburg" -ei Kranichfeld dm- Feuer vernichtet. ■ 4 Ein Riesenbrand vernichtete das aus dem 12. Jahrhundert stammende Schloß Oberburg bei Kranichfeld (Thüringen). Die Burg im Ilmtal war eine der schönsten Burgen Thüringens und barg wertvolle Kunstschätze, die zum größten Teil zerstört wurden. Deutsche Mineralölversorgung. Oie Benzol- und Benzinerzeugung wird gesteigert. Von Dr. Axel von Gelasinsky. Die durch die nationale Regierung mit besonderer Lebhaftigkeit in Angriff genommene Motorisierung Deutschlands, die im Vorjahre elf Tage nach der Machtübernahme durch den Reichskanzler Adolf Hitler anläßlich der Eröffnung der Internationalen Automobil - Ausstellung programmatisch verkündet wurde, rückt die Frage der Versorgung des deutschen Kraftverkehrs mit heimi- Kraftstoffen in den Brennpunkt der Ereignisse. Die in wenigen Wochen wiederum am Kaiserdamm in Berlin stattfindende Automobil-Ausstellung 1934 läßt die Frage gerade in diesem Augenblick wieder in den Vordergrund treten. Deutschland ist ein erdölarmes Land. Wenn man auch kräftig am Werke ist, die deutsche Erdölerzeugung, vorzüglich in Niedersachsen und Thüringen, immer mehr auszubauen, neue erdölhaltige Gebiete zu erschließen, so wird doch für absehbare Zeit die deutsche Erdölförderung, die 1933 rund 230 000 Tonnen betrug, im Vergleich mit der Erdölförderung anderer Länder und im Verhältnis zum deutschen Treibstoffoerbrauch immer zahlenmäßig zurückbleiben. Die Verbreiterung der Rohstoffgrundlage ist aber gerade auf dem Gebiete der Treibstoffwirtschaft aus devisenpolitischen und nationalwirtschaftlichen Gründen eine zwingende Notwendigkeit. Diese Notwendigkeit wird noch besonders betont durch die, infolge Ausdehnung des Kraftverkehrs, in den nächsten Jahren zu erwartende Steigerung des Verbrauchs an Treibstoffen. Bei der deutschen Treibstoffversorgung ist die Sachlage heute so, daß für das laufende Jahr der Verbrauch in Deutschland auf 1,8 Millionen Tonnen Treibstoffe geschätzt wird. In diesen Zahlen sind allerdings Schmiermittel, Gasöle und Schweröle nicht enthalten. Diese Menge kann nach der alten Erzeugungsgrundlage heute schon etwa zu einem Drittel im eigenen Lande erzeugt werden. In diesem Drittel spielen wiederum die deutsche Benzol - und künstlische Benzinerzeugung die größte Rolle. Während die Benzol- erzeugung durch den Zwang der Verhältnisse — Benzol fällt als Nebenerzeugnis bei der Verkokung von Steinkohle an — immer nur einen bestimmten Umfang erreichen wird, da der Koksverbrauch sich nach dem Stahlverbrauch richtet, sind der künstlichen Benzinerzeugung theoretisch keine Schranken gesetzt. Durch ein besonderes Verfahren ist Deutschland in der Lage, Benzin aus Braunkohle und Erdöl zu gewinnen. Die in Betracht kommenden Anlagen haben heute bereits eine Leistungsfähigkeit von 100 000 Tonnen jährlich. Diese könnte aber noch erheblich gesteigert werden. Wichtiger noch ist jedoch die Tatsache, daß man in jüngster Zeit soweit gekommen ist, auch Stein ko h l e zur Benzinherstellung verwenden zu können. Um 1 Million Tonnen Benzin zu erzeugen, würde man erst 2,50 v. H. der gesamten deutschen Steinkohlenerzeugung in Anspruch zu nehmen brauchen. Diese neueste Entwicklung hat es mit sich gebracht, daß man schon jetzt daran geht, unwirtschaftliche S t i ck st o f f a n l a g e n der Werke im westlichen Jndustriebezirk in Benzingewinnungsanlagen umzubauen. Für die deutsche Mineralölwirtschaft der Zukunft ergeben sich also folgerichtig zwei Wege: Ausbau der deutschen Erdölindustrie und geologische Erfassung der deutschen Erdvölvorkommen sowie Förderung der Benzol- und künstlichen Benzinerzeugungsindustrie. Diese Bestrebungen können jedoch nur auf weite Sicht durchgeführt werden. Für den Augenblick kommt es darauf an, auf dem innerdeutschen Markt gemeinsam mit den Betriebsstoff einführenden Firmen Ruhe und Ordnung wieder herzustellen. Im Interesse aller beteiligten Kreise, insbesondere aber der deutschen Treibstoffindustrie, liegt es, wenn geregelte Absatz- und P r e i s Verhältnisse eine ruhige Fortentwicklung gewährleisten. Der deutsche Kraftfahrer kann von sich aus schon dadurch die Entwicklung fördern, daß er — wie auch auf anderen Gebieten — dem deutschen Erzeugnis den selbstverständlichen Vorzug gibt. Oberhessischer Kunstverein. Aus dem Nachlatz von Professor Otto Greiner, Rom. Die 4. Jahresausstellung des Oberhessischen Kunstvereins, die gestern im Turmhaus am Brandplatz eröffnet wurde, unterscheidet sich wesentlich von der Reihe der bisherigen Ausstellungen. Der Leitung des Oberhessischen Kunstoereins ist es gelungen, dem Interessierten Gießener Publikum einen Teil des Nachlasses des allzufrüh verstorbenen Prof. Otto Greiner zu vermitteln. Die zur Schau gestellten Zeichnungen und Skizzen führen den Beschauer in starkem Maße an den Künstler als Menschen heran. Vollendete Werke, wie sie meist in Ausstellungen an den Besucher herangebracht werden, gestatten selten, der Arbeit des Künstlers nachzuspüren, oder das Werk in seinem Entstehen zu verfolgen — diese Schau aber läßt erkennen, wie der schöpferische Mensch sein Werk erarbeitet, wie er seine Objekte studiert, in Einzelheiten wiedergibt und sie schließlich als ein geschlossenes Ganzes an die Oeffentlich- keit bringt. Der besondere Sinn der Ausstellung ist der, daß'man dem eifrigen Meister gewissermaßen über die Schulter sieht. Der dem Oberhessischen Kunstverein zur Ausstellung überlassene Nachlaß des Künstlers ist verständnisvoll und übersichtlich geordnet. Das war hier um so notwendiger, als der Künstler die verschiedensten Techniken pflegte (Bleistift, Tusche, Pastell Rötel, Aquarell) und sich außerdem zwei verschiedenen Hauptgebieten künstlerischen Schaffens zuqewandt hatte: dem Menschen und der Landschaft. Seine größte Liebe galt dem Menschen. Hier ersparte sich der Künstler nichts. Da war keine Schwierigkeit zu groß. Hierher gehören die immer wieder in Erscheinung tretenden, schwer zu zeichnenden perspektivischen Verkürzungen. Er zeichnete Menschen in vielen verschiedenen, immer neuen Stellungen denen wir ober im täglichen Leben immer wieder' begegnen können. Natürlichkeit verbindet sich mit Wahrheitsliebe. Otto Greiner nahm es sehr ernst mit seiner Kunst. Jedes seiner Blatter löst im aufmerksamen Beschauer stille Bewunderung über die in ihnen zum Ausdruck kommende Intensität der Arbeit und Sorgfalt des Studiums aus. Da ist'eine Hand, ein Fuß, ein Arm, ein Profil drei- und viermal gezeichnet, immer wieder etwas anderes, anscheinend ebenso oft gezeichnet, bis der Künstler mit sich zufrieden war. Ueberraschend ist, datz sich Otto Greiner in Rom, inmitten der Fülle der klassischen Kunstschätze, seine reine deutsche Art bewahrt hat. In seinen Blättern befindet sich nichts, was eine Kopie klassischer Vorbilder gleichkommen könnte. Kaum daß in der Haltung seiner Akte irgend etwas anklingt, was aus der Umgebung gewonnen sein konnte. Das muß dem deutschen Künstler besonders hoch angerechnet werden. Die Aktstudien, die in großer Fülle in der Schau zusammengetragen sind, verraten schärfste Beobachtung. Es wird schwer fallen, irgend eine Verzeichnung nachzuweisen. Mit außerordentlicher Sicherheit sind die Körper in der Bewegung festgehalten. Jede der vielfältigen Darstellungen atmet unverfälschtes Leben. Manche, insbesondere die ganz durchgeführten Arbeiten sind in ihrer zeichnerischen Feinheit zu großer Realität gesteigert worden, ohne jedoch der Vergeistigung, die man bei einem Kunstwerk nie missen möchte, zu entbehren. Ein besonderer Zauber geht von den Porträts aus, von denen einige die Gattin des Künstlers darstellen. Sehr eindrucksvoll ist der Kopf eines Römers (auf rotem Papier!). Für die Bewegungsstudien, für die Akte und Bildnisse bediente sich Professor Otto Greiner meist des weichen Bleistifts und des Rötels. Mit wenigen Pastellstrichen erhöhte er den Glanz der Lichter und vertiefte die Schatten. So wurde eine überzeugende Plastik erreicht. Auch die ausgestellten Landschaften verdienen alle Aufmerksamkeit. Der Künstler ist auch hier seinem Wesen treu geblieben und ließ in der Landschaft die gleiche Sorgfalt walten, die er seinen vorerwähnten Arbeiten angedeihen ließ. Oft waren es nur Einzelheiten, die ihn gefesselt zu haben scheinen: ein Bretterzaun, eine alte Mauer in verwilderter Umgebung; einige Bäume sind mit besonderer Liebe gezeichnet. Ja selbst ein Büschel hoher Gräser erregte seine Aufmerksamkeit. Im Gegensatz hierzu überraschen Landschaften von unendlicher Weite. Besonders zu erwähnen sind einige Aquarelle: ein von Bauarbeitern eben verlassener primitiver Frühstückstisch, ein Bauernwagen in einem niedrigen Schuppen und ein Ausschnitt aus einem lichterfüllten Wald, der in einer verwirrenden Fülle der Formen und Farben wiedergegeben ist. In einigen Pastellskizzen beschäftigte sich der Künstler mit dem Meer. Hier macht er es allerdings dem Betrachter schwerer, ein rechtes Verhältnis zu gewinnen. Sehr intensive Blautöne herrschen vor. Die Ausstellung in ihrer Gesamtheit ist das Spiegelbild eines deutschen Menschen, der als gottbegnadeter Künstler hoch über dem Durchschnitt stand. Reger Besuch dieser Ausstellung würde der Erfüllung einer Ehrenpflicht dem toten Künstler gegenüber gleichkommen. Zur Eröffnung der Ausstellung hielt Geheimrat Professor Dr. Olt einen aufschlußreichen Vortrag, der insbesondere mit dem harten Lebensweg des stets um seine Existenz ringenden Künstlers vertraut machte. Den Ausführungen des Redners seien kurz einige bemerkenswerte Tatsachen aus dem Leben Otto Greiners entnommen. Der Künstler, 1869 in Leipzig geboren, wurde unter ärmlichsten Verhältnissen erzogen, fiel schon als lOjähriger durch sein Zeichentalent auf, erlernte den Beruf des Lithographen, wuchs aber bald über das rein Handwerkliche hinaus. Gönner ermöglichten ihm Aufenthalt und Studium in München. Die Verbindung mit gleichgearteten Künstlern, insbesondere aber seine Freundschaft mit Max Klinger halfen der Prägung des Künstlers. Im Jahre 1891 erfüllte sich das große Sehnen Greiners nach Italien. Er lernte Florenz kennen, und Rom wurde seine zweite Heimat. Auf der Höhe seiner Schaffenskraft wurde er im Alter von 47 Jahren aus dem Leben gerissen. — Mit einer feinen Würdigung des künstlerischen Schaffens des verstorbenen Meisters beschloß Professor Dr. Olt seine dankbar aufgenommenen Ausführungen. N. Der Tiadio-pirat. Dr. John Brinkley ist ganz auf der Höhe seiner Zeit und seines Landes. Sein ausgesprochener Sinn für Fortschritt und Technik hat sich schon ver- jchiedentlich bewährt, allerdings des öfteren in einer Weise, die von der Polizei nicht gern gesehen wurde. Jetzt wird er im Reich der Radiowellen sein Frei- beutertum ausüben. Aber dieses Ereignis hat eine lange Vorgeschichte. John Brinkley hat eine wildbewegte Vergangenheit hinter sich und gehört bestimmt nicht zu den Menschen, die sich vorschnell auf ihren „Lorbeeren" zur Ruhe begeben. Vor ungefähr zwanzig Jahren machte er in der amerikanischen Oeffentlichkeit zum erstenmal durch eine Verjüngungskur von- sich reden, die in der Verpflanzung von Ziegendrüsen auf Menschen bestand. In Milford in Kansas hatte der geschäftstüchtige Mann ein vielbesuchtes Sanatorium und war modern genug, für seine Tätigkeit mit einer großzügig angelegten Radiostation überall im Land die Werbetrommel zu rühren. Das war damals immerhin eine ungewöhnliche und aufsehenerregende Methode. Schon seit dieser Zeit befand sich Dr. Brinkley sowohl mit den Gesundheitsbehörden, als auch mit den Regierungsstellen in beständigem Streit. Das hinderte ihn aber nicht, sich im Laufe der Jahre ein schönes Vermögen zu erwerben. 1930 wurde ihm endlich auf Grund „berufsunwürdigen Verhaltens" von der Gesundheitsbehörde in Kansas die Zulassung zur ärztlichen Praxis entzogen. Da ging er zum offenen Gegenangriff über. Zweimal ließ er sich auf den Wahlen für den Posten eines Gouverneurs von Kansas aufstellen und ließ es dabei nicht an den notwendigen Beeinflussungsmitteln fehlen. Trotzdem endeten beide Unternehmen mit einer kläglichen Niederlage. Aber dieser Mißerfolg konnte seinen Unternehmungsgeist nicht brechen, auch dann nicht, als die Bundesregierung nun auch die Radiolizenz zurücknahm. John Brinkley siedelte kurz entschlossen nach Acuna in Mexiko über, wo er eine mächtige Sendestation errichtete, die den amerikanischen Radiodienst empfindlich belästigte. Die Regierung der Vereinigten Staaten legte in Mexiko Protest ein, so daß Brinkley vor kurzem gezwungen wurde, seine anregende Radiopraxis in diesem Land aufzugeben. Wer aber glaubte, er würde sich nun auf ein behagliches Rentnerdasein zurückziehen,sollte sich irren. Brinkley begründete jetzt den Beruf des Radiopiraten. Er hat sich eine stattliche Jacht gekauft und will auf ihr eine Sendestation errichten, die auf hoher See tätig sein soll. Außerhalb der Dreimeilen-Grenze, die so lange in den Zeiten der Prohibition eine berüchtigte Rolle gespielt hat, will er dieses Handwerk ausüben, sehr zum Mißbehagen der amerikanischen Behörden. Radiosachverständige sind jedoch der Meinung, daß es keine Gesetze gibt, die es Dr. Brinkley unmöglich machen können, eine der von der Internationalen Radio-Konferenz zu Genf freigegebenen Wellenlängen zu benutzen. Der Radio- Pirat will sich mit seiner Jacht auf der Höhe von Neuyork vor Anker legen. 3eiffd)riffett. — Westermanns Monatshefte (Aprilheft). — Einen kurzen Rundgang durch die deutschen Gaue macht der Aufsatz von Rotraut Kutscher „Frühling allerorten". Man erfährt, wie der Frühlingsanfang im Hannoverschen begrüßt wird, daß es in Ostpreußen zu Ostern eine Wasserschlacht gibt, daß in Bayern der neue „Maibaum" mit Tanz und Gesang gefeiert wird usw. Die große volkserzieherische Aufgabe, die das Landjahr zu erfüllen hat, erörtert Franz Clemens Schiffer. Die Schönheit von Riemenschneiders Creglinger Muttergottesaltar beschreibt und veranschaulicht Wolfgang Miiller- Clemm. Von dem kürzlich in Berlin stattgefundenen internationalen Reifturnier handelt ein Beitrag von Richard Wolff. Die Novelle von Paul Steinmüller „Herzwunde" und der Aufsatz von Dr. Bernhard Kutsche „Ottmachau, die Staubeckenstadt" beschließen das schöne und vielseitige Heft. Oie Russen m Von Timur bis Aljechin.-Zum Ko Es ist vielleicht kein Zufall, daß zur Zeit gerade zwei Russen — Bogoljubow ist allerdings inzwischen deutscher Staatsangehöriger geworden — um die Weltmeisterschaft im Schach kämpfen. Der nachstehende Artikel erzählt von der besonderen Schachleidenschaft, die man in Rußland seit dem frühen Mittelalter in allen Kreisen der Bevölkerung seststellen kann. Seit jeher ist im Russen üie Schachleidenschaft lebendig gewesen, und an dieser Leidenschaft hat auch das Sowjetsystem, das sonst das ganze russische Leben umgestaltet hat, nichts zu ändern vermocht. Auch heute werden in allen kleinen Provinzstädten der Sowjetunion Schachturniere veranstaltet, für die das Interesse der Öffentlichkeit genau so groß ist wie zu den Zeiten des Zaren. Ein welterschütternder Unterschied freilich besteht: der „König" wird heute „K o m m i s s a r" genannt und die „Dame" heißt „Rote Genossin"! Das Sckackspiel hat sich in Rußland im 13. Jahrhundert, also seit der Zeit der Tatareninvasion, eingebürgert. Die Tataren waren die ersten Lehrmeister des ge» knechteten russischen Volkes. In der „Goldenen Horde", dem Hauptsitz der Tatarenherrschaft an der Wolga, wetteiferten russische Fürsten, die sich regelmäßig nach der Goldenen Horde zur Leistung der Tributzahlungen an die Eroberer begaben, im Schachspiel mit den despotischen tatarischen Khans. Ein russischer Fürst soll so geschickt in diesem neuen Spiel gewesen sein, daß er stets gewann und seinen tatarischen Partner dadurch so entzückte, daß er ihm, als dem Gewinner, die fälligen Tributzahlungen erließ. Heute noch finden am Grabe Timurs in Samarkand sonderbare Schachspiele statt. Auf kostbaren Perserteppichen versammeln sich Schachspieler aus verschiedenen Teilen des russischen Asiens, um in Erfüllung eines mündlichen Vermächtnisses des großen Timur, eines begeisterten Anhängers dieser „Zweikämpfe der Vernunft", wie er sie nannte, eine Partie Schach zu spielen. Die Orientalen kennen keine Bücher mit Regeln des Schachspiels, sie besitzen keine eigene Spieltheorie, sie spielen gleichsam aus Intuition und dennoch sind sie imstande, die besten europäischen Spieler zu schlagen. Ich glaube, es wäre selbst für einen Schachweltmeister nicht so ganz leicht, am Grabe Timurs ein Spiel zu gewinnen. Jeder Kaufmann in Turkestan spielt Schach und betrachtet das königliche Spiel als eine Art Lebensphilosophie. Die orientalischen Schachspieler, bei denen auch heute die in Asien ansässigen sowjetrussischen Beamten das Schachspiel lernen, pflegen schnell zu spielen und während der Partie miteinander zu scherzen. Die griechisch-katholische Kirche hat, besonders im Mittelalter, das Schachspiel als „Todsünde, als eine von den Tataren übernommene gottlose Fertigkeit" bezeichnet. Trotzdem waren sogar manche geistliche Herren für das Schachspiel begeistert. Ein Metropolit ließ beispielsweise, wie eine Chronik überliefert, die Kirchenglocken seiner Parochie verkaufen, da ihn das Geläute beim Schachspiel st orte. In einem zu Anfang des 17. Jahrhunderts erschienenen deutschen Lehrbuch des Schachspiels heißt es: „Die Moskowiter find im Schachspiel so gewandt, daß andere Völker mit ihnen nicht so leicht einen Wettkampf aufnehmen könnten". Sogar Zar Iwan der Schreckliche soll ein großer Liebhaber des Schachspiels gewesen sein. Während einer Schachpartie fiel der Zar gerade in dem Augenblick, als er den König aufstellen wollte, in die Kissen seines Lehnstuhles zurück, ein Herzschlag hatte seinem Leben ein jähes Ende bereitet. Potemkin, der Günstling der Großen Katharina, war als Schachspieler in ganz Rußland berühmt. Wenn er Schach spielte, durfte ihn niemand stören. Während des Türkenkrieges erschien einmal ein Eilbote vom Kriegsschauplatz, der sofort den allmächtigen Günstling zu sprechen wünschte. Po- temkin befahl dem Mann zu warten und spielte seine Partie zu Ende — es vergingenen viele Stunden, ehe der Eilbote vorgelafsen werden konnte. Als Potemkin erfuhr, daß in einer russischen Provinzstadt ein Geschäftsmann lebe, der angeblich ein einzigartiges Schach spielen konnte, schickte er einen Kurier mit dem Auftrag, den Mann auf der Stelle nach Petersburg zu befördern. Als sich heraus- stellte, daß der Geschäftsmann tatsächlich ein ausgezeichneter Schachspieler war, trennte sich Potemkin nicht mehr von dem Manne, den er stets auf Reisen und sogar auf Feldzüge mitnahm. Auch die ersten Revolutionäre der russischen Geschichte, die sogenannten Dekabristen, zählten in ihren Reihen ganz besonders tüchtige Spieler. Als die Verschwörer nach einem mißglückten Aufruhrversuch in die Festung von St. Petersburg eingeliefert wurden, baten sie nur um die Vergünsti- ih das Schach. mpf um die Schachweltmeisterschast. gung Schach spielen zu dürfen. Da diese Bitte ihnen abgeschlagen wurde, fertigten sie Schachfiguren und Schachbretter aus Brot, an und spielten jeder in seiner Zelle. Sie verständigten sich über die Züge durch Anklopfen an die Wand. Der größte lyrische Dichter Rußlands Puschkin gab seiner Braut den Rat, das Schachspiel zu erlernen, das er als die Pflicht jedes wohlerzogenen Mädchens, bezeichnete. So konnte der Weltmeister A l j e ch i n sich bereits auf eine alte Tradition des russischen Schachspiels stützen. Schon als er sieben Jahre alt war, war das Schachspiel seine Leidenschaft, die manchmal geradezu krankhafte Formen annahm. Oft mußten ihm die Eltern das Schachbrett wegnehmen, vor dem er stundenlang in Gedanken versunken saß, ohne sich um seine Schularbeiten zu kümmern. In einer großen Gesellschaft vor vielen Jahren in Petersburg lernte ich einen schweigsamen schüchternen Mann kennen, der mir als ein gewisser Herr Alje- chin vorgestellt wurde. Die Dame des Hauses r / ZG.-Farbenindustrie wieder 7% Dividende. Der Aufsichtsrat der I G.- F a r b e n i n d u st r i e beschloß, der Generalversammlung am 28. April für 1933 eine Dividende von wieder 7 v. H. vorzuschlagen. Das Geschäftsjahr 1933 hat für die IG.-Farbenindustrie eine merkliche Besserung des Jnlandabsatzes gebracht. Dagegen hatte die IG. bei der Ausfuhr mit neuen Schwierigkeiten zu kämpfen. Der Jahresabschluß und der Geschäftsbericht werden der Presse demnächst zugehen. Die Entwicklung im ersten Vierteljahr 1934 rechtfertigt die Hoffnung, im weiteren Verlaufe des neuen Geschäftsjahres in größerem Umfange Neueinstellungen vornehmen zu können. Das Grundkapital der Gesellschaft soll durch Einziehung von eigenen und Vorratsaktien um RM. 190 000 000 auf insgesamt RM. 800 000 000 herabgesetzt werden. Diese Maßnahme ist dadurch möglich geworden, daß auf Grund neuerer gesetzlicher Bestimmungen durch eine bedingte Kapitalserhöhung diejenigen Umtauschaktien beschafft werden können, die im Hinblick auf die Jnteressentengemeinschafts- verträge und die mit einem Umtauschrecht verbundenen Teilschuldverschreibungen von 1928 in Zukunft gebraucht werden. Demgemäß soll das Kapital um RM. 176 868 600 bedingt erhöht werden. * * Deutsche Bau- und Siedlungsgemeinschaft, Darm st ad t. Die Deutsche Bau- und Siedlungsgemeinschaft e. G. m. b. H., Darmstadt, hat soeben weitere 2,4 Millionen Reichsmark Darlehen, die der Erstellung von 232 Eigenheimen dienen, zugeteilt. Bisher wurden rund 4700 Eigenheime mit 55 Millionen Reichsmark Gesamtdarlehen finanziert. Bei der bekannten Sonderaktion konnten 500 Darlehen vorzeitig zugeteilt werden. * Preisermäßigung für Linoleum. Wie der Fwd. erfährt, haben die Deutschen Linoleumwerke AG. und die Rheinischen Linoleum-Werke Bedburg AG. mit Wirkung vom 3. April die Listenpreise für Linoleum unterschiedlich nach Qualitäten um 5 bis 10 v. H. ermäßigt. Die Preisermäßigung ist durch die feit Ende des Vorjahres eingetretene Umsatzbelebung möglich geworden. Gleichzeitig will man durch niedrigere Linoleumpreise neue Käuferschichten dem Linoleumverbrauch zuführen. Die Wiederverkaufspreise erfahren entsprechend der Fabrikermäßigung die gleiche Herabsetzung. Bekanntlich wurde erst im November 1933 in etwa gleichem Umfange der Preis für Linoleum herabgesetzt. Frankfurter Börse. Freundlich. Frankfurt a. M., 7. April. Im Hinblick auf die zu erwartenden Bilanzbeschlüsse bei der heutigen Aufsichtsratssitzung des Farben-Konzerns übte man an der Wochenschlußbörse allgemein Zurückhaltung, die noch durch die demnächst beginnenden Transfer- Verhandlungen und Abrüstungsbesprechungen verstärkt worden sein dürfte. Indessen war die Grundstimmung durchaus freundlich und zuversichtlich, aumal aus der Wirtschaft wieder eine Reihe von Anregungen vorlagen. Von der Kundschaft lagen zwar nur in mäßigem Umfange Kauforders vor, die aber genügten, um das Kursniveau gegenüber der gestrigen Abendbörse um durchschnittlich 0,50 bis 1 v. H. ansteigen zu lassen. Im Vordergrund des Interesses standen IG. Farben, die um 1,90 v. H. auf 140 v. H. anflüsterte mir später zu: „Das ist ein komischer Mensch, er interessiert sich nur für das Schachspiel, obwohl er eine glänzende Karriere vor sich hätte". Der junge Mann erzählte mir dann in einem vertraulichen Gespräch, daß er bereits als kleiner Junge aus seinem Bett zu schleichen pflegte, um das Schachbrett hervorzuholen und bis zum Morgengrauen Schachspielkombinationen auszuprobieren. Nach einer solchen Nacht wurde er einmal bewußtlos auf dem Boden gefunden und litt dann mehrere Wochen lang an einer schweren Gehirnentzündung. Seitdem wurde er sehr nervös, menschenscheu, immer in Gedanken versunken und unglaublich zerstreut. Mit 16 Jahren erhielt er, damals noch Gymnasiast, den ersten Preis im Wettkampf des allrussischen Schachliebhabervereins und den Meistertitel. Niemand, am wenigsten die Dame des Hauses, konnte ahnen, daß dieser schüchterne junge Mann einst mit dem Lorbeer des Weltruhms bekränzt werden würde. Sonst hätte wohl die betreffende Dame, eine geschiedene Frau, den Heiratsantrag, den ihr der jugendliche Schwärmer machte, angenommen. Sie hat ihn aber abgelehnt mit der Bearündung, daß ein solcher Phantast zu einem praktischen Broterwerb unfähig sei! zogen. Scheideanstalt gewannen 1 v. H. Montanaktien erhöhten sich durchwegs um 0,25 bis 0,75 v. H. Elektrowerte lagen sehr still und zumeist fehlten die ersten Kurse. Gesfürel lagen 0,75 v. H. höher, dagegen Stiemens 1 o. H. niedriger. Kunstseideaktien blieben behauptet, Bemberg waren allerdings geringfügig abgeschwächt. Sostst eröffneten Reichsbankanteile 1 v. H., Daimler Motoren 0,75 v. H., Zement Heidelberg 1 v. H., AG. für Verkehrswesen 0,75 v. H. und Zellstoff Aschaffenburg 0,50 v. H. höher, während am Schiffahrtsmarkte Hapag 0,40 v. H. und Norddeutscher Lloyd 0,50 v. H. verloren. Am Rentenmarkt war die Umsatztätigkeit ebenfalls klein. Neubesitzanleihe bröckelten um 10 Pf. auf 23,20 v. H. ab, dagegen zeigte sich für Altbesttz- anleihe und späte Reichsschuldbuchforderungen etwas Interesse bei um 0,25 v. H. höher liegenden Kursen. Da auch in der zweiten Börsenstunde über die Höhe- der Farben-Dividende nichts bekanntgeworden war, hielt die Zurückhaltung unvermindert an. IG. Farben selbst unterlagen kleinen Schwankungen, wobei aber nur eine geringprozentige Kursveränderung eintrat. Auf den übrigen Marktgebieten blieben die Anfangskurfe und auch die später notierten Werte gut behauptet, zu erwähnen sind Elektr. Lieferungen mit + 1,25 v. H. und Ilse Stamm (+ 1,50 v. H.). Auch am Rentenmarkt blieb es im Verlaufe still, Neubesitzanleihe war allerdings etwas lebhafter und 15 Pf. höher. Pfandbriefe wiesen nur sehr geringes Geschäft auf. Während Goldpfandbriefe und Kommunal-Obligationen meist unverändert blieben, gaben Liquidationspfandbriefe bis zu 0,50 v. H. V L » . • t /• / Z Bedeutsame Kundgebung der. Der Plan der Weiterführung der Kanalisierung der Lahn von Steeden bis Lollar ist am Freitag in Wetzlar um einen wichtigen Schritt seinem Ziele nähergebracht worden. Die Vertreter der bedeutendsten Industriezweige an der gesamten Strecke, die als Verfrachter auf dem Wasserwege in Frage kommen, hatten sich auf Einladung der Rheinstrombauverwaltung im Sitzungssaal des Rathauses zu Wetzlar in Anwesenheit der interessierten Städte- und Staatsbehörden eingefunden, um ihre Meinungen über die wirtschaftliche Seite des Kanalbaues auszutauschen. Unter Beachtung des Grundsatzes, daß die Errichtung einer solchen Wasserstraße nicht allein nach dem Maßstabe der privatwirtschaftlichen Rentabilität betrachtet werden darf, sondern der allgemein-volkswirtschaftliche Gedanke der besseren Verkehrserschließung des Lahngebiets maßgebend fein muß, fetzte sich die Industrie grundsätzlich für die Verwirklichung des Projekts ein. Trotz vorsichtiger Bewertung aller Umstände fah der Vertreter eines der größten Wetzlarer Werke in dem Dau des Kanals eine Möglichkeit zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Industrie gegenüber andern Gebieten und vor allem gegenüber dem Ausland. Diese Hoffnung gründet sich darauf, daß namentlich die Wetzlarer Eisenwerke in regen Be- Achtung! Achtung!... Die Arbeilsschlachl schafft weiteren Millionen Volksgenoffen Arbeit und Brot. Die seit langem ungewohnte Arbeit kann Anlaß zu zahlreichen Unfällen werden! Arbeitskraft und gesunde Glieder sind heute mehr denn je für jeden Deutschen unentbehrlich, um sich im Kampfe ums tägliche Brot zu behaupten und die Familie vor Kummer und Sorge zu bewahren. Jeder Unfall aber kann dich in Not und Elend stürzen, dich zum Krüppel machen und dir die Verdienstmöglichkeit rauben. Darum hüte dich vor Unfällen und handle nicht leichtsinnig. nach. Stadt-, Staats- und Länderanleihen zeigten kaum Veränderungen, auch fremde Werte lagen sehr ruhig. — Tagesgeld blieb leicht und zum Satz von 3,50 v. H. unverändert. Franksurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 9. April. Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Dorauftrieb: 1199 Rinder (381 Ochsen, 119 Bullen, 358 Kühe, 322 Färsen), 431 Kälver, 41 Schafe, 4256 Schweine. Es kosteten: Rinder: Ochsen 24 bis 34 Mark, Bullen 24 bis 30, Kühe 14 bis 30, Färsen (Kalbinnen) 24 bis 35; Kälber 30 bis 50, Härnrnel 25 bis 35; Schafe 24 bis 30; Schweine 35 bis 44 Mark. — Marktoerlauf: Rinder ruhig, Kälber, Härnrnel und Schafe mittelmäßig, Schweine schleppend. Franksurter Buttermarkt. Frankfurt a. M., 7. April Im Buttergroß- handel bildeten sich in der abgelaufenen Woche infolge der nur schwachen Konsumnachfrage beträchtliche Lager, so daß die zugeführten Mengen nicht annähernd Absatz finden konnten, obgleich das Angebot keineswegs drängend ist. Für billige Ware zeigte sich verschiedentlich etwas Kaufmeinung. Die Preise blieben weiterhin unverändert, und zwar wurde der Großhandels-Einstandspreis auf 132 RM. für deutsche und holländische Markenbutter festgesetzt. Deutsche Landbutter notierte 125 bis 130 RM. per 50 Kilogramm ebenfalls unverändert. Frankfurter Eiermarki. Frankfurt a. M., 7. April. Nach dem lebhaften Geschäft in der Osterwoche nahm die Umsatztätigkeit nach dem Fest einen schleppenden Verlauf, da sich der Kleinhandel nur mit kleinen zusätzlichen Mengen versorgte. Die feste Grundstimmung hielt aber an, zumal die Zufuhren keine wesentliche Perstärkung erfahren haben; für die zur Zeit schwache Nachfrage reichen sie aus. Die Preise für Güteklasse I (S) bröckelte etwas ab, dagegen zogen sie für die übrigen Sorten etwas an. Die Großhandels- Verkaufs preise stellten sich per Stück in Pfg. frei Frankfurt a. M. wie folgt: Deutsche Frischeier Kl. S 10, Kl. A 9,5, Kl. B 9," Kl. C 8,5. Holländer Kl. S 9,5, Kl. A 9, Kl. B 8,5. Flandern Kl. S 9,5, Kl. A 9, Kl. B 8,5. Dänen Kl. S 9,25, Kl. A 8,75. Zndustrie des oberen Lahntals. Ziehungen zu Westeuropa und nach Ueberfee stehen. Ein großer Teil ihrer Erzeugnisse wird über Holland verfrachtet. Wird durch die Lahnkanalisierung das Industriegebiet der Lahn näher an die holländischen Seehäfen herangerückt, so wird es möglich fein, verloren gegangene Lxportgebiete wiederzugewinnen und eine Belebung Ses Arbeitsmarktes herbeizuführen. Angesichts der reichen Bodenschätze im Lahngebiet, die heute noch ungenutzt in der Erde ruhen und nur gehoben werden können, wenn für ihren Versand ein billiger Weg vorhanden ist, kann mit Sicherheit erwartet werden, daß sich der Schifffahrtsverkehr nicht nur auf den größten Teil der jetzt bewegten Gütermenge beschränkt, sondern ein Neuverkehr durch Bodenerschließung einsetzt, dessen Umfang heute noch nicht zu übersehen ist. Zur Beschaffung weiterer Unterlagen tritt die Rheinstrombauverwaltung mit den Bezirksstellen Wetzlar und Limburg der Handelskammer Frankfurt a. M., sowie mit der Handelskammer Gießen in Verbindung. Diese Stellen werden dann an alle Firmen herantreten, die für die Benutzung des Lahnkanals als Verfrachter in Betracht kommen. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschloßenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o H., Lombardztnsfuß 5 o. H. Frankfurt a. Dl Berlin Schlußkurs Schluß». Abend- börse Gchlust» km« Schluß?. Mittag, börse Datum 6.4- 7-r- 6.4- 74 •% Deutsche Reichsanlethe v. 1927 95,25 95,25 95,65 95,25 •% eljem.7% Dl. Retchsanl. v. 1929 100 100 100 100 Doung-Anlethe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablöf.-Schuld mit 92,65 93,25 92,4 93,25 AuSlos.-Rechten ......... 96 96,13 96,25 96,25 Desgl. ohne AuSlos.-Rechte...... •% et}em.8% Hess. BolkSstaat 1929 23,3 23,45 23,45 23,45 trückzahlb. 102%).......... 6% He». Landesbank Darmstadt 93,25 93,25 93,25 93,6 Gold R. 12............... 6ty% Hess. Landes-Hypotheken- 92,25 92 92,5 92,25 bank Darmstadt Ltaut....... Oberhessen Provinz-Anleihe mit 91,5 91,5 — — Auslos.-Rechren ............ Deutsche Komm. Sammelabk. Sn- 93,5 93,5 — — leihe Serie 1 mit AuSlos.-Rechten 6% ehem. 8% Franks. Hyp.-Bank 95,4 95,65 95,5 95,65 Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935 •% ehem. 7% Frank,. Hyp.-Bank 92,25 92,25 — — Goldpfe. 16 unkündbar bis 1936 92 92,13 — — Wi% ehem. *y,% Franks. Hyp^ Bank-Ltgru-Psandbriese....... •K% ehem. 0,25 98,5 93 01,5 142 H6,5 74,5 116 64 2,25 116,25 63,75 6.25 6,75 4,65 4,13 29,5 29,4 33,25 68,75 86,5 48,5 63 64 152,5 28,9 131 101,75 106 60,75 99,5 94 101,5 14J 74,25 115,75 65,25 92,5 140,5 116,5 64 66,5 6,75 4,7 4,1 29,4 29,75 25,5 34 68,75 86,75 48, f '63,25 64 151,8 28,75 130 101,75 106 60,5 99,5 93 101,25 141,75 116 73,75 115,75 63,75 92,5 75 138,75 116 64 66,13 4,6 7,2 4,1 29,4 29,5 25,65 33,5 68,75 86,75 48,5 63 64 151,25 29 130,9 100,75 106 60,75 98,75 92,25 101,5 141,25 115,5 74,25 116 65 92,4 74,75 140,5 116,9 63,9 66,25 Frankfun a. M. Berlin Schlußkurs Gchlußk. Abend, börse Schluß- kurs Schlußk. Minag- böste Datum 6.4- 7-4- 6.4. 7-4. Mansfelder Bergbau......... 0 — —- 73,5 74 Kokswerke ................. 0 — —> 97,5 97,13 Phönix Bergbau............. 0 51 51,4 51 51,25 Rheinische Braunkohlen ..... l0 202 205 203,5 205 Rheinstahl ................ 0 94,5 94,75 94,5 94,25 Bereinigte Stahlwerke........ 0 42,75 42,75 42,65 43 Otaoi Minen .............. 0 15 15 14,9 14,9 Kaliwerke Aschersleben........ 5 112,5 112,75 112,5 Kaliwerke Westeregeln........ Kaliwerke Salzdetfurth..... 7 6 114 113,5 114 113,5 y. 145,5 146,5 147,5 I G. Farven-Industrie....... 7 138,25 140 138,25 140,13 Scheide anstatt............... 9 180 —— Goldschmidt ................ 0 62,75 61,75 62,5 62,4 RütgerSwerke ............... 0 58 58,4 58 58,25 Metallgeiellschasi............. 0 80 80,5 81 81 Philipp Holz mann........... Zementwerk Heidelberg ...... Lewentwerk Karlstadt......... 0 74 74,5 74 74,4 s .00 101 - SchulthetS Payenhofer ....... 0 — — 104,75 106 Aku (Allgemeine Kunstseide) .. 0 64 64,4 63,75 64 Bemberg ........ 0 73 73 72,25 72,5 Zellstoff Waldhos ........... 0 32,5 52,5 52,4 52,25 Zellstoff Aschaffenburg ....... 0 41,5 42 40,5 42 Dessauer Gas ............ 7 — —— 120,5 121,5 Daimler Motoren............ 0 19.25 50 49,25 49,9 Deutsche Linoleum........... 0 57 57 57,25 57,13 Oren stein & Koppel .......... 0 —— 68 69 Leonhard Tietz ............. 0 1,25 21,5 21,25 21,13 LHade ................... 10 157 155 157,5 155,5 Lerumulatoren-FabrS........ 0 — — — 176,75 Lonti-Summi .............. 0 149 148,5 149 147 Gritzner.................... 0 28,5 28,5 28,9 Mainkrastwerke Höchst a-SL... 4 76,5 Süddeutscher Zucker......... 8 168 170 169 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M Banknoten. 6. April 7-April Amtliche Notierung Amtliche Notierung Meld I Brie Geld Brie Helfingfo«,.. 5,694 5,706 5,709 5,721 Wien....... 47,20 47,30 47,20 47,30 Prag....... 10,38 10,40 10,38 10,40 Budapest ... Sofia ...... 3,047 3,053 3,047 3,053 Holland .... 169,28 169,62 169,38 169,72 Oslo ..... 64,64 64,76 64,98 65,12 Kopenhagen. 57,49 57,61 57,74 57,86 Stockholm.. 66,33 66,47 66,<3 66,77 London ..... 12,865 12-895 12,935 12,965 Buenos Aires 0,632 0,636 0,632 0,636 Neu York .... 2,500 2.506 2,505 2,511 Brüssel..... 58,47 58,59 58,49 58,61 Italien..... 21,55 21,59 21,55 21,59 Paris ...... 16,50 16,54 16,50 16,54 Schweiz .... 80-94 81,10 80,94 81,10 Lpanie».... 34,22 34,28 34,23 34,29 Danzig..... 81,67 81,83 81,62 81,78 Japan...... 0,759 0,761 0,761 0,76.3 Rio de Jan. . 0,214 0.216 0,214 0,216 Jugoslawien. 3,664 5,676 5,664 5,676 Liiiabo» .... 11,72 11.74 11,78 11,80 Berlin, 7.'April Geld Brief Amerikanische Noten.............. 2,458 2,478 Belgische Noten ................. 58,33 58,57 Dänische Noten ................. 57,48 57,72 Englische Noten ................. 12,89 12,95 Französische Noten............... 16,46 16,52 Holländische Noten ............... 168,96 169,64 Italienische Noten................ 21,48 21,56 Norwegische Noten .............. Deutsch Oesterreich, i IOO Schilling 64^82 65,08 Rumänische Noten............... - _ Schwedische Note»............... 66,47 66,73 Schweizer Noten................. Spanische Note»................. Ungarische Note» ................ Nr. 82 Dritter Blatt__________ Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)_____________Montag, 9.April MH Die Eröffnung des Verufswettkampses in Gießen Das Bild unserer Stadt trug gestern wieder einmal festlichen Charakter. Von den Häusern flatterten die Fahnen des Dritten Reiches. In den Straßen war die Jugend unterwegs, die zum Teil auch aus der Umgebung herbeigeeilt war, um den großartigen Auftakt zum Reichsberufswettkampf mitzuerleben. Oie Lugend marschiert... Deutsche Jugend unserer Heimat marschierte nicht nur durch die Straßen, weil es notwendig war — der Werbemarsch hatte vielmehr tieferen Sinn. Die Jugend ist geeint, hat ein Ziel und befindet sich im Vormarsch für Deutschlands Zukunft. Das ließ der Werbemarsch am gestrigen Nachmittag äußerlich erkennen. Das Bewußtsein, daß in den Reihen der Jugend heute ein einheitlicher Geist und ein ebenso einheitlicher Wille herrscht, drängte sich lebhafter auf, als je zuvor. Gestern marschierte die arbeitende Jugend ... Um 14 Uhr sammelte man sich auf dem Landgraf- Philipp-Platz. Immer neue Gruppen kamen an und fügten sich ein. Die Hitler-Jugend im Braunhemd und die Mädchen des BDM. in ihrer kleidsamen einfachen Tracht bestimmten das Bild. Hinter den Schildern ihrer Berufsgruppen sammelten sich alle diejenigen Lehrlinge und Lehrmädchen, die sich zur aktiven Teilnahme am Berufswettkampf verpflichtet hatten. Vor strammstehenden Kolonnen wurde kurz vor Beginn des Propagandamarsches die in Potsdam geweihte Bannfahne des Bannes 116 an die Spitze des Zuges gebracht. Unter den Klängen des Spielmannszuges des HI. setzten sich die langen Kolonnen in Bewegung. Die Hitler-Jugend war außerordentlich stark vertreten. Allgemein fiel die Marine-HI. Gießen in ihren schmucken Matrosenuniformen auf. Der Bund deutscher Mädchen war ebenfalls mit vielen Mitgliedern beteiligt, die in erfreulicher Disziplin marschierten und den Erwachsenen mit ihren während dem Marsch gesungenen Liedern viel Freude bereiteten. Im Zuge folgte sodann der Spielmannszug des Jungvolks, dem dann die Berufsgruppen folgten, die im einzelnen durch Schilder kenntlich gemacht worden waren. Der Marsch führte von der Landgrafenstraße über den Hitlerwall, durch die Walltorstraße, dann über Marktplatz, Schulstraße, Sonnenstraße, Seltersweg, Frankfurter Straße, Liebigstraße, Bahnhofstraße, Kaplansgasse, Neuenweg, Ludwigsplatz und Kaiserallee zur Volkshalle. Das herrliche Frühlingswetter, das die gesamte Veranstaltung begünstigte, hatte viele Einwohner unserer Stadt auf die Straße gelockt, so daß der Marsch viel Beachtung fand. Ueberall wurden die Fahnen der HI. und die Wimpel des BdM. freudig gegrüßt in dem Bewußtsein, daß die Jugend wohl all das schaffen wird, was die Gegenwärtigen von den Zukünftigen erwarten. So gestaltete sich der Marsch der Jugend nicht nur zu einem Werbemarsch schlechthin, sondern gleichzeitig zu einem Ausdruck der Volksverbundenheit, die heute keine Grenzen zwischen den Ständen und keine Grenzen zwischen Altersunterschieden mehr kennt. Dre Kundgebung in der Volkshalle Im Anschluß an den Werbemarsch fand in der Volkshalle, die sehr stark besucht war, eine öffentliche Kundgebung zur Einleitung des Berufswettkampfes statt. Dem Führer des Oberbannes IV/13, Walter Blumenröder, wurde bei seiner Ankunft in der Volkshalle von der großen Versammlung ein herzlicher Empfang bereitet. Nach dem Einbringen der Banner der Hitlerjugend und der Wimpel des BDM. eröffnete der Berufsreferent des Bannes 116 Becker-Gießen die Kundgebung mit Grußworten an die Versammlung, insbesondere an die jungen Wettkämpfer, die Mitglieder des Ehrenausschusses und an die Wettkampfleiter, vor allem aber auch an d e n Mann, der es erst ermöglicht hat, eine Veranstaltung wie den Reichsberufswettkampf im ganzen Reich durch- Hitler-Jugend marschiert voraus. Im Vordergrund die in Potsdam durch den Reichsjugendführer geweihte Bannfahne. — (Aufnahme: Photo-Pfaff.) - ■ : ■ MN / > " p* Der Mann, der Cäsar stahl. Von Wilhelm Weldin. Julius Cäsar setzte sich und lockerte seine Toga, denn es war ihm heiß. „Schlechte Zeiten", sagte er. „Elend", bestätigte Brutus. „Auch gekürzt?" „Um fünftausend im Monat." Pause. Nachdenklich nippte Brutus an seinem Whiskysoda. Cäsar zog seine Uhr und seine Stirn legte sich in Falten: „Elf! Und der Regisseur ist noch immer nicht da ... Schweinerei..." Im Hintergrund der großen Halle saßen die Prätorianer und rauchten Zigaretten. Sie fühlten sich unbehaglich in ihren Rüstungen und machten ärgerliche Gesichter. Die Tonfilmapparatur war bereits fertig adjustiert. Nur zwei Männer in Hemdärmeln machten sich noch an ihr zu schaffen. Brutus hatte seinen Whiskysoda geleert und warf einen resignierten Blick auf das Durcheinander in der Halle. „Auch der Triumphwagen fehlt noch", stellte er fest. Cäsar zog wieder seine Uhr und' sah erwartungsvoll auf das Tor der Halle, das weit geöffnet war, bereit, den Triumphwagen hindurchzulassen. Er war sichtlich nervös. . In diesem Augenblick rief lemand beim Tor „Achtung!" und sprang zurück. Wie ein weißer Panther schoß ein Automobil in die Halle. Es war ein schwerer Achtzylinder. Aus jedem Fenster des Achtzylinders ragte' em Maschinengewehr. ± Der Wagen machte einen Bogen, reversierte blitzschnell und stand mit pochendem Auspuff. Ein Mann sprang aus dem Wagen, in ieder Hand eine Pistole: „Hände hoch! Die Prätorianer ließen ihre Schilder fallen, ein Schwert klirrte zu Boden, dann erstarrte das Durcheinander in der Halle, wie von einem elektrischen Schlag gerührt. Todesstille trat ein. „Wer sich rührt, wird erschossen , sprach der Mann mit den Pistoleü in die Stille hinein. „Wir suchen Lionel Dorban... treten Sie vor. Mr. Dorban..." t „,f , , Lionel Dorban, der Darsteller des Casar, erhob sich langsam von seinem Sitz. „Was wünschen Sie von mir?" fragte er nervös. „Wir wünschen Sie auf eine kleine Spazierfahrt mitzunehmen. Mr. Dorban... vorwärts... vorwärts ..." ... . I Noch immer stand Lionel Dorban wie versteinert auf seinem Platz. „Also wird's?" „Gekidnapped", flüsterte eine Statistin im Hintergrund. „Lösegeld ... natürlich ... huuu, wie spannend!" „Ruhe!" donnerte der Mann mit den Pistolen. Etwas Metallisches schnappte an einem Maschinengewehr. Der Augenblick war dramatisch. Plötzlich lachte jemand im Hintergrund. „Aber Kinder", sagte eine Stimme laut in die Stille hinein. „Aber Kinder... laßt euch nicht bluffen..> das ist doch Conny, der Hauptdarsteller aller Gangsterfilme. Wir sind irrtümlich in das falsche Atelier geraten und sie machen sich einen Spaß mit uns und werfen uns hinaus..." Die Spannung löste sich in ein befreiendes Gelächter. In der nächsten Sekunde kam Leben in die Halle und alles flutete auf den Mann mit den Pistolen zu. Der trat drei Schritte zurück und lächelte. „Natürlich", sagte er und steckte die Pistolen ein. Nur Lionel Dorban war bleich geworden. Der Mann, der „Conny" genannt wurde, winkte ihn mit einer Kopfbewegung zu sich heran. An allen Gliedern zitternd, leistete Lionel Dorban der Aufforderung Folge. Eine Lachsalve explodierte in dem Atelier. „Hasenfuß!" schüttelte sich der Darsteller des Brutus. „Er versteht den Spaß noch immer nicht." Wie hypnotisiert ging Lionel Dorban auf den Mann mit den Pistolen zu. Er hatte ihn kaum erreicht, als die Läufe der Maschinengewehre gegen die Galerie empor zuckten. Tak-taktaktaktaktak-taktaktaktak-tak. Fünf zerstörte Jupiterlampen auf der Galerie gingen als Regen von Glasscherben auf das Atelier nieder. Im selben Moment packten zehn Hände den Darsteller des Cäsar und rissen ihn in den Wagen, der mit Vollgas aus der Halle schoß. * Zwischen acht Pistolen und vier Maschinengewehren hockte Cäsar bleich im Fond. Die Portiers der Filmgesellschaft sahen den schwer armierten Wagen mit dem Mann in der Toga und lachten: „Filmaufnahme! Conny dreht einen neuen Gangsterfilm..." Die Verkehrspolizisten auf der Straße lachten: „Filmaufnahme... kennen wir!" So raste der Wagen aus Hollywood hinaus. Hinter den letzten Häusern richtete sich Lionel Dorban plötzlich auf. Er war nicht mehr bleich. Er zitterte nicht mehr. Er klopfte dem Mann mit den Pistolen gönnerhaft auf die Schulter. „Alea jacta est!" sagte er vergnügt. „Der Würfel ist gefallen ..." H * i Der Mann mit den Pistolen nahm seinen Schnurrbart ab, wischte sich mit einem Tuch über das Gesicht und enthüllte eine ziemlich gewöhnliche Gauner- visaae. „Geht in Ordnung", bemerkte, er lakonisch. „Fein haben Sie das gemacht", lobte Lionel Dorban. „Nur einen Augenblick fürchtete ich, d'aß alles schief gehen würde, als man Sie ernstlich für Conny hielt... den Schreck, den ich hatte ..." „Geht in Ordnung", wiederholte der Mann lakonisch. „Und abgesehen von dem Lösegeld, das wir jetzt teilen", fuhr Lionel Dorban vergnügt fort. „Die Reklame! Und die Gesellschaft muß zahlen, da hilft ihr nichts, ohne mich kann sie den Film jetzt nicht mehr weiter drehen und sie hat schon zu viel Kapital in ihn investiert..." „Geht in Ordnung, Mr. Dorban." Das Lösegeld war bezahlt: 300 000 Dollar. Julius Cäsar saß wieder im Atelier. Er plauderte mit Brutus. Er sah gedrückt aus. „Weißt du", flüsterte er, „jetzt kann ich es dir ja verraten, schließlich bist du mein bester Freund, und man will sich aussprechen: also, die Gangster, die mich entführten, traten vorher ganz offiziell an mich heran und schlugen vor, daß wir das Lösegeld teilen..." Brutus ließ sein unvermeidliches Whiskysodaglas fallen, daß es klirrend am Bodden zerbrach. „Kapitale Idee!" „Aber", fuhr Cäsar fort und ein Schatten legte sich über seine Züge. „Nachher stellte es sich heraus, daß das nur ein Trick der Gangster war, um mich leichter zu bekommen. Sie haben das ganze Lösegeld eingesteckt, und ich mußte noch aus eigenem 50 000 'dazuzahlen... schlechte Zeiten, das!" Dom Erbgut der Familie. Die Erbpflege, die gegenwärtig so stark gefördert wird, muß sich vor allem die Erziehung des einzelnen zu einer gesunden Familienpolitik zur Aufgabe machen, denn hier wird der beste Teil des geistigen Erbgutes erhalten und übertragen. Die Eltern vererben ihren Kindern ja nicht nur körperliche und geistige Eigenschaften durch die Keimzellen, sondern sie wirken auch, wie Dr. G. R o e s l e r in der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift betont, im empfänglichsten Lebensabschnitt auf das Kind mit der ganzen Macht ihrer Kultur, ihrer Sitte, ihres Standesbewußtfeins usw. ein, mit einer Macht, die sie selbst zum großen Teil von ihren Eltern und Voreltern empfangen hatten. Diese samiliengebun- Die Marine-HI. schwenkt in die Liebigstraße ein. In kleidsamer Tracht folgt der BdM (Aufnahme: Photo-Pfaff.) zuführen: unseren Führer und Volkskanzler Adolf Hitler. Der Redner wies darauf hin, daß Adolf Hitler immer wieder der Welt kund- getan hat, daß Deutschland nur Werke des Friedens bauen und die schaffenden Hände aller deutschen Volksgenossen im friedlichen Wettbewerb mit allen anderen Nationen einsetzen will. Don diesem Gedanken geleitet, hat der nationalsozialistische Staat auch der zusätzlichen B e r u f s s ch u l u n g durch die Hitlerjugend einen ersten Platz eingeräumt. Für die HI. gilt die Parole: wenn wir unserem Berufe recht dienen, dienen wir Deutschland! Die HI. ist bereit, die Derufsleistungen ihrer Kameraden auf den höchsten Stand zu bringen und dafür zu sorgen, daß jeder hitlerjunge jetzt und auch späterhin an seinem Arbeitsplatz voll und ganz seinen Wann steht. Im ganzen Reiche nehmen nahezu IV2 Millionen junger deutscher Volksgenossen an dem Wettkampfe teil. In Gießen liegen dazu rund 250 0 A n - Meldungen vor. Der Redner dankte am Schluffe seiner Ansprache den Mitgliedern des Ehrenausschusses, den Prüfern und Wettkampfleitern, den Arbeitgebern und Handwerksmeistern, die ihre Arbeitsstätten zur Durchführung des Wettkampfes zur Verfügung gestellt haben und schloß mit einem Bekenntnis zur echten deutschen Volksgemeinschaft unter der Parole: Alles was wir tun, nur f ü r D e u t s ch l a n.d ! (Lebhafter Beifall.) Beigeordneter Bartholomäus-Gießen sprach sodann als erster Hauptredner. Er wies einleitend darauf hin, daß die Eröffnung des ersten Berufswettkampfs in Deutschland einen Umbruch der Arbeit durch die nationalsozialistische Revolution bedeutet und daß das deutsche Volk nicht nur das Volk der Dichter und Denker, sondern auch ein Volkder Arbeit ist. Weiter betonte er die Notwendigkeit, sich mit der Frage der deutschen Jugend ernstlich auseinanderzusetzen und sich dabei vor Augen zu halten, daß die Jugend das k 0 st - barste Gut der deutschen Nation ist. Der Redner sagte sodann u. a.: Die Jugend ist der Träger der deutschen Zukunft. Sie muß von uns geformt und auf ihre hohe Aufgabe der Arbeit im nationalsozialistischen Geiste für Deutschland vorbereitet werden. Schon in der Schule ist ein grundsätzlicher Umschwung durchzuführen. Die Schule der letzten Jahrzehnte hat viel zu großen Wert auf das reine Wissen gelegt, dabei aber die Charakterbildung und die Schaffung von Persönlichkeiten außer Acht gelassen. Im Dritten Reich wird ein grundsätzlicher Unterschied in der Jugendbildung zwischen dem Gestern und dem heute kommen. Es wird vor allem schon in der S ch u l e die C h a - rakterbildung stark in den Vordergrund treten, ferner wird die Art der Bildung nicht abhängig gemacht werden von der Familienzugehörigkeit, vom Besitz oder bergt, sondern nur derjenige soll die höchste Schulbildung erhalten, der in sich s e l b st dazu befähigt ist. Die Ausbildung in der Schule darf nur nach der eigenen persönlichen Leistungsfähigkeit erfolgen, aber nicht nach dem Gesichtspunkt, daß nur derjenige die höchste Bildung genießen kann, der das nötige Geld dazu hat. (Beifall.) Auch in der Berufswahl muß ein grundsätzlicher Wandel gegen früher vorgenommen werden. Maßgebend muß hier neben der körperlichen Eignung auch die Lust und Liebe zu dem Beruf, d. h. die innere Eignung sein. Ferner ist auf das L e i st u n g s p r i n z i p das größte Gewicht zu legen. Es muß auch jeder Beruf als gleichwertig im Deutschen Reiche für das Dolksganze angesehen werden und damit der einzelne deutsche Mensch die gleiche Achtung und Wertschätzung für das Leben der Nation erhalten. Damit muß Hand in Hand gehen die Ausbildung des einzelnen Menschen in seinem Beruf zur Vollbringung von H ö ch st l e i ft u n g e n, Vor allem ist Gewicht darauf zu legen, daß die Liebe zum Handwerk im deutschen Volke wieder geweckt und gestärkt wird. Die handwerkliche Ausbildung der Jugend muß mit der geistigen Förderung und der Ausstattung mit fachmännischem Wissen gleichzeitig erfolgen. Es muß auch darauf gesehen werden, daß diejenigen, denen die große Ausgabe der Erziehung junger deutscher bene Trabition, bie von größter Bebeutung ist, hat ihre ganz eigenen Gesetze, bie sich in ber Vererbung ber sog. „genealogischen Eigenschaften" zeigen. Solche Eigenschaften schließen innerhalb einer Summe von verwanbten Personen biejenigen zu einer genealogischen Gruppe zusammen, in ber ein besonders lebendiger Zusammenhang durch die Familienüberlieferung gegeben ist. Die Gruppeneigenschaften können sehr verschiedener Art sein; am deutlichsten sind die, welche aus einer ständischen oder beruflichen Gleichheit hervorgehen. Auf einem Erbhof, der jahrhundertelang im Familienbesitz ist, werden durch Boden und Blut die Geschlechtsgenossen über Generationen hinweg zu einer Einheit zusammengeschlossen. Im Gegensatz zu den biologischen Eigenschaften sind die genealogischen nicht starr, sondern entstehen und vergehen sichtbar und ihre bewußte Entwicklung vollzieht sich hauptsächlich durch Selbst- und Fremderziehung, erst in zweiter Linie durch Ausmerzen ungünstiger und Anhäufen günstiger biologischer Erbanlagen. Diese Entwicklung ist durch mannigfache Gesetze bestimmt, die in der geschichtlichen Umgebung oder den sozialen Verhältnissen begründet sein können. So führt der Weg der Familie vom Lande in die Stadt, vom Handwerk zur Industrie. Aufstieg und Niedergang lassen sich oft deutlich aus äußeren und inneren Ursachen erklären. Man denke etwa an das Geschlecht der Fugger, die sich 1367 in Augsburg als Weber und Färber niederließen, bann zu Kaufleuten unb schließlich zu ben Leitern eines Weltunternehmens würben, bas über 300 Jahre lang alle Fa- milienmitglieber umfaßte. Auch für bieses Familien- Erbgut ist bie Heirat von entscheibenber Bebeutung, je nachbem es sich um bas Zusammentreffen gleicher Erbstämme hanbelt, wodurch „S t a m m e s f e st i g- keit" entsteht oder um die Verbindung ungleicher Erbstämme, die „S t a m m e s v e r m i s ch u n g" hervorruft. Die Stammesvermischung, die verschiedenartige Elemente zusammenschmilzt, ruft unter den Nachkommen eine stärkere geistige Regsamkeit, zugleich aber auch Auflockerung der Ueberlicferung hervor. Man hat darin eine wesentliche Ursache für die Entstehung des Genies gesehen. In der stammfesten genealogischen Gruppe dagegen werden Charakterfestigkeit und Traditionsgebundenheit gezüchtet, wobei andererseits die Gefahr der Erstarrung und ber Entsrembung gegenüber ber Umgebung entsteht. Wenn man aus ber Geschichte unb aus ber ver- gleichenben Familienforschung bie segensreiche Wirkung eines gefunben unb tüchtigen Familien-Erb- gutes erkannt hat, bann muß man bie Pflege der Familien-Ueberlieferung unb festgefügter genealogischer Gruppen für bie Erzielung eines tüchtigen Volksganzen für unbebingt notwenbig hatten. was jeder Jeiiungsleser wissen mntz 2. 3. 4. Ledev Sann die Geltung hatten, die ev lesen WM 1. 2. Mutter, Trotz vielfacher Aufklärung veranlaffen uns immer noch zahlreich an uns heran- getragene Anfragen wiederholt darauf hinzuweisen, was jederZeitungsleser wissen muß, nämlich, daß niemand zum Bezug einer bestimmten Zeitung gezwungen werden kann. - (Zs entspricht dies den Anordnungen des Präsidenten der Reichs- preffekarnrner und dem Werbegesetz. gleichviel, ob er Mitglied der NSDAP., der NSBO., der NS.-Hago, Beamter ist oder einen freien Beruf ausübt. Dozenten der Unioerfität Gießen, soweit sie nicht Ordinarien oder etatsmäßige Extraordina- rien sind, die wissenschaftlichen Beamten der Universitäts-Bibliothek, die Assistenten der Universität, soweit sie nicht Studierende sind, die Lektoren und Repetenten; frühere Studierende der Universität Gießen. „M utter und Kin b", und dieses Hilfswerk soll eine ständige Einrichtung der NSB. werden, — es umfaßt einen weit gespannten Arbeitskreis: Wirt- chaftshilfe, Arbeitsplatzhilfe, Wohnungshilfe, Müttererholung und Mütterschulung, Hilfe für die werdende Mutter und Sondermaßnahmen für die ledige und Keratophyrkonglomerate in der westlichen Lahnmulde. II. Für andere wissenschaftlich gebildete Bewerber und zwar: ein umfassendes Werk und ein Schulen dieser in der Spätgotik herrschenden Kirchenbauform dargestellt werden. Kann die Jarowisation bei der Sojabohnenzüchtung angewandt werden und in welcher Form? Das asymptotische Verhalten der Eigenwerte und Eigenfunktionen bei den partiellen Differentialgleichungen der mathematischen Physik. Petrologische Untersuchungen der Keratophyre Ein ebenso bedauerliches Dasein führt der arme Ziehhund. Kleine, kranke, rachitische Tiere sieht man oft die schwersten Lasten ziehen, und zwar so, daß >ern Tier die Zunge aus dem Halse hängt, während der Besitzer oder Begleiter unvernünftigerweise an der Deichsel den Wagen zurückhält. Oftmals sieht nan noch ein oder zwei Kinder auf dem Wagen itzen, ein jammervoller Anblick und eine Kultur- chande. So sind die Bilder, wenn man in den Dörfern und auf den Landstraßen Umschau hält. Der Hund ist kein Zugtier, schon durch den anatomi- chen Bau dazu durchaus ungeignet. Frühlingsblumen in derDollsheilkunde Das Volk begrüßt mit Freude den ersten Schmuck der schneefreien Wiesen, Felder und Wälder. Viele Frühlingsblumen erfreuen sich überdies besonderer Beachtung und Liebe des Volkes als Heilkräuter. Die volkstümliche Heilkunde rühmt die heilkräftigen Eigenschaften des wohlriechenden Veilchens (Violt odorata). Aus seinen Blättern wird schleimlösender, chweißtreibender Tee bereitet, der bei hartnäckigem Katarrh und Husten lindernd wirkt. Eine auserlesene Frühlingsheilpflanze ist der Huflattich. Er Oer Berufswettkampf in Gießen. Verufsgruppe VII (Baugewerbe). • Der Wettkampf der Berufsgruppe VII (Baugewerbe) findet am 11. April in Gießen, Gewerbliche Berufsschule, Kirchstraße 18, statt. Beginn 8.15 Uhr. Teilnehmer sind sämtliche Fachschaften des Baugewerbes. Es sind mitzubringen: Für Fachschaft Maler (1. und 2. Lehrjahr): 1 Strichzieher in zwei verschiedenen Stärken, 1 Lineal. Für das 3. Lehrjahr: 1 Strichzieher in zwei Stärken, 1 Lineal 1 Malpinsel und Malstock. Für das 4. Lehrjahr- 1 Strichzieher für Oel, 1 Lackpinsel, 1 Malpinsel, 1 Lineal. Fachschaft Maurer: Zollstock, Hammer und Kelle. Fachschaft Dachdecker: 1 Schieferhammer Unb 1 Ziegelkneifzange. Die Aufgaben werden am Wettkampftag bekanntgegeben. Aus dem Gebiet der Juristischen Fakultät: Die Standesgerichte im neuen Recht. Aus dem Gebiet der Medizinischen Fakultät: Die Bewertung der unehelichen Geburt von rassemäßigen Gesichtspunkten aus unter Berücksich. tigung der Konfession, der sozialen Lage und des Ortes. Aus dem Gebiet der Veterinärmedizini» chen Fakultät: Wesen und Krankheitsbild der Uraemie. Aus dem Gebiet der Philosophischen Fakultät: Mengentheoretische Charakterisierung der Stetigkeit der geraden Linie. Voraussetzung für die Bewerbung unter II ist, daß die zu 1. Genannten mindestens im Sommer- emester 1934 oder im Wintersemester 1934/35 an der Universität im Amte stehen, für die zu 2. Genannten, daß sie ihre Studien zu einem erheblichen Teil an der Universität Gießen gemacht haben. Die Preisarbeiten müssen in deutscher Sprache aeschrieben sein und dürfen nur einen Verfasser haben. Die Arbeiten sind nach Wahl der Verfasser entweder unter Nennung des Verfassers oder in der für die Bewerbung um Die staatlichen Preisarbeiten üblichen Form vor dem 15. April 1935 beim Uni- ve rsi tä ts-S e kre t a r i at einzureichen. Frühere Studierende haben dabei den Nachweis zu liefern, daß die Voraussetzungen der Bewerbung erfüllt sind. lieber die Zuerkennung der Preise entscheidet die Pflegschaft auf Grund von Gutachten der Fakultäten. Die Urteile werden bei der Jahresfeier der Universität im Jahre 1935 verkündet. Die eingereichten Arbeiten bleiben Eigentum der Verfasser. Die Preise betragen: für die Gruppe I je 300 Mk. (evtl, zu erhöhen bis 400 Mk.), für die Gruppe II je 600 Mk. (evtl, zu erhöhen bis 1000 Mk.). Noch einmal „ein Wort für den Kettenhund^' In Ergänzung des Artikels „Ein Wort für den Kettenhund", der sich in dankenswerter Weise mit dem traurigen Schicksal des Kettenhundes befaßte, mu^ nachfolgendes besonders betont werden: Diele Leute find des irrigen Glaubens, zur Sicherung der ermäßigten Hundesteuer müsse der arme Wachhund Tag und Nacht an der Kette liegen. Das ist nicht der Fall. Vielmehr heißt es in den amtlichen Erläuterungen zur Hundesteuerordnung ausdrücklich: „Der Wachhund darf auf dem Grunb- tück frei umherlaufen, wenn das Grundstück so umfriedigt ist, daß ein Entweichen unmöglich ist". Der Hund kann also in einem Zwinger, einem Stall, einem Schuppen untergebracht werden. Die Kette ist nur ein äußerster Notbehelf, und bei Nacht kann der Wachhund im Hause gehalten werden. Der wahre Tierfreund wird also seinem treuen Wächter nach dieser Erklärung gerne die kleinen Erleichterungen und die beschränkte Freiheit zukommen lassen! I. 874 — vom 29. März 1933 und in Verfolg der Ihnen dort zur Pflicht gemachten Unterstützung des Volksbundes für das Deutschtum im Ausland empfehlen wir Ihnen, wie in den anderen Ländern des Reiches, die Landesführung des VDA. bei dem Aufbau von Schulgemeinschaften, insbesondere auch an den gewerblichen Unterrichtsanstalten und an den Volksschulen zu fördern. Der Dolksbund hat von dem Führer die Aufgabe erhalten, den volksdeutschen Gedanken zu einem Lebensbestand des Gesamt- Volkes zu machen. Es muß erreicht werden, daß die volksdeutsche Schulung der Jugend nicht nur in den höheren Schulen durch die dort im wesentlichen schon durchgeführte Schaffung von Schulgemeinschaften einen Ansporn erfährt, sondern es ist von größerer Bedeutung, daß auch die Volksschuljugend in weitgehendem Maße mit dem Wissen um die Blutsgemeinschaft der hundert Millionen Deutschen vertraut gemacht wird. Der Pflege dieses Gedankens dienen die VDA-Schulgemeinschaften. In diesen seinen Bestrebungen ist der VDA. in erster Linie auf die verständnisvolle und freudige Mitarbeit der deutschen Lehrer angewiesen, hier darf sich keiner der großen Aufgabe entziehen ober ihr gleichgültig gegenüberstehen. Von der Schule, von der Jugend, von der Volksschuljugend aus muß diese volksdeutsche Aufgabe ihren dauernden Auftrieb erhalten. Mit Genugtuung stellen wir fest, daß gerade in Hessen die Ergebnisse der Belehrung in diesem Sinne sich auch ausgewirkt haben in der Werbetätigkeit d e s Winterhilfswerks des VDA. Hessen stand hier an der Spitze der deutschen Landesverbände und verdankt dies nicht zum wenigsten auch der Mitarbeit der Volksschuljugend. Wir sind überzeugt, daß es Ihnen durch planvolles Ausgestalten dieser Mitarbeit gelingen wird, Hessen auch weiterhin eine führende und vorbildliche Stelle im Volks- tumskampf des nationalen Staates zu sichern. Ortsgruppe Gießen-Nord. An alle Vereinsführer im Bereiche der Ortsgruppe Glehen-Rord. Die Vereinsführer im Bereiche der Ortsgruppe Gießen-Nord werden zu einer wichtigen Besprechung bett. Arbeitsbeschaffung zum Dienstag, 10. April, 2 0.30 Uhr, in das Aquarium, Wall- torstraße, geladen. Es ist Pflicht eines jeden Vereinsführers, selbst zu erscheinen ober seinen Stellvertreter zu schicken. Gez. Thomas, Ortsgruppenleiter. Jungvolk-Musterlager auf dem Trieb. Die vier Fähnlein des Stammes Welfen veranstalten von Mittwoch bis Samstag auf dem Trieb eintägige Musterlager. Am Mittwoch beginnt bas Fähnlein Goten mit seinem Lager. Am Donnerstag folgt das Zeltlager der Amelungen und am Freitag das des Normannenfähnlein. Das Fähnlein -Alemannen beschließt die Veranstaltung am Samstag. Den Eltern soll hier gezeigt werden, wie ihre Jungen auf Fahrten leben und was das Jungvolk will. Der Stammführer fordert deshalb alle Eltern auf, zur Besichtigung auf den Trieb zu kommen, um dort das Treiben ihrer Jungen selbst mitansehen zu können. Ibn. 116. Nüstwoche „Volkstum und Heimat" in Mainz. LPD. Die vorn Kreisbetriebszellenleiter zur Teilnahme an der vom 10. bis 15. April auf der Main- zer Zitadelle stattfinbenden Rüstwoche bestimmten Volksturnwarte der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" melden sich im Verlause des Dienstag in Mainz beim Pg. Albert Lange der für die Kreis- Dolkstumswarte verantwortlich ift Ausgangsstation ist Mainz-Süd. Mit Phosphor vergiftete Eier. Von der Bürgermeisterei Gießen wird uns mit» ■ geteilt: Zur Bekämpfung der Krähen und krähenähnlichen Vogel werden die Jagdpächter in der Feldgemar- i Menschen zu tüchtigen Persönlichkeiten her Berufe obliegt, zu dieser Ausgabe die erforderlichen Qualitäten besitzen. Wer Lehrlinge ausbilden will, muß selbst 2Uei- sler seines Berufs fein, aber nicht nur Meister allein, sondern er muß sich auch zum Lebensberater für die jungen deutschen Menschen eignen. Die Ausbildung und die Entwicklung der Fähigkeiten der deutschen Jugend darf in den Betrieben auch nicht unter dem Gesichtspunkt des finanziellen Nutzens erfolgen. Deshalb ist für die künftige Berufsausbildung der deutschen Jugend eine Lehrlingszüchtung wie in den letzten Jahrzehnten unter allen Umständen zu verhindern. Diese jungen Menschen sind nicht dazu da, durch ihre Arbeitskraft die Lebensfähigkeit von Betrieben zu garantieren, sondern der Betriebsführer muß in diesen jungen Menschen die Zukunft des deutschen Volkes erblicken und danach die Berufsausbildung durchführen. Wenn auf diese Weise hochwertige berufliche Leistungen erzielt werden, wird auch die Brücke von Berufsstand zu Berufsstand in Zukunft * ganz anders aussehen als bisher. Jeder deutsche Mensch soll in Zukunft hohen B e- r u f s st o l z in sich tragen. Jedem Beruf ist die erforderliche Achtung zu erweisen und dadurch die Brücke zur wahren Volksgemeinschaft zu schaffen. Mit dem marxistischen Grundsatz: „Jedem das Gleiche" ist vollständig zu brechen, es muß vielmehr heißen: „Jedem das Seine". Wir wollen im Dritten Reich die Aristokratie der beruflichen Höchstleistung des einzelnen Menschen schaffen. Diesem Ziele dient auch der Berufswett- k a m p f, der allen Teilnehmern ein Ansporn sein soll, im beruflichen Schaffen der B e ft e und Tüchtigste zu werden und in der beruflichen Gemeinschaft in idealer Weise die Volksgemeinschaft zu garantieren. (Lebhafter Beifall.) Oberbannführer Blumenröder als zweiter Hauptredner wurde mit lebhaftem Bei- fall empfangen. Er erinnerte einleitend an bas Wirken der Hitlerjugend, die 1932 durch ihren Aufmarsch in der Stadt ein Bekenntnis für die Ehre und Freiheit der deutschen Nation ablegte, damals noch unscheinbar klein war, aber mutig in ihrem Kern. Dann sagte der Redner u. a. weiter: Heute ist diese Jugend, in der sich die Arbeiter der Stirn und der Faust eng zusammengeschweißt haben, die junge Garde, die das Volk von morgen sein wird, die tapferen Pioniere unseres Führers. Der Redner wandte sich sodann gegen die berufliche Inanspruchnahme der Lehrlinge weit über deren Arbeitszeit hinaus und erklärte, ^aß derartiges in Zukunft nicht mehr geduldet roitv Die deutsche 3ugenb muß zu echten deutschen Männern erzogen werden. Dazu gehört auch, daß man ihr die Möglichkeit bietet, auf Wahrten oder in Gemeinschaftslagern unb Wanderungen von Schülern und Arbeitern das große Erlebnis der Gemeinsamkeit zu erfahren und die schöne deutsche Heimat kennen zu lernen. (Beisall.)Die deutsche Jugend ist auch von einem starken Glauben erfüllt, und sie ist gewillt, das große Werk des Führers Adolf Hitler fortzuführen und für alle Zeiten sicher- zustellen, auch wenn der Führer einmal nicht mehr sein wird. Was in den Hitlerjungen hineingelegt wird, wird Bestand haben für alle Zeiten. Wir erziehen den Hitlerjungen im Geiste der Ordnung, Zucht und Schlichtheit als Garanten des deutschen Volkes, als Bestandteil des großen unzertrennbaren Kerns der deutschen Einheit. So wie diese Gemeinschaft der HI. heute lebt, wird einmal das deutsche Volk von morgen leben. 3n der HI. lernt jeder die Rot des einzelnen und die Rot des Ganzen kennen, aber auch die Freude des einzelnen und die Freude der Allgemeinheit. Was diese Jugend für unser Volk bedeutet, weiß keiner besser als unser Führer, der ihr deshalb auch seinen Namen gegeben hat. Dieser Name, der die Jugend verpflichtet, wird von Geschlecht zu Geschlecht fortbestehen und muß immer edler und herrlicher in der deutschen Nation weitergeführt werden. Wir rufen den deutschen Arbeiter der Faust und der Stirn auf zum gemeinschaft- lichen Ringen für die deutsche Nation, 1 damit die deutsche Arbeit und der deutsche Arbeiter wieder Geltung in der Wett bekommen, nicht weil wir nach Ruhm trachten, sondern weil wir stolz sind aus das, was unsere Väter geleistet haben und was wir weiter leisten wollen. Wir wollen die : Werte wieder wecken, die der deutsche Arbeiter einst I besessen hat, weil wir dadurch unser Volk erhalten wollen. Wir wollen Deutschland wieder in Ehren groß machen. In diesem Vorsatz wollen wir diese Arbeitswoche beginnen und dabei des Mannes geden- ken, der uns dies alles gegeben hat. Hierauf huldigte i der Redner dem Führer und Dolkskanzler Adolf , Hitler mit dreimaligen, von der großen Ver- j sammlung begeistert aufgenommenen Sieg-Heil- | ^ufen Anschließend wurde gemeinsam das Lied j Der HI.: „Vorwärts, vorwärts" gesungen, sodann s wurde noch das Andenken mehrerer in den letzten \ 14 Tagen verstorbener Hitlerjungen bei gesenkten i Fahnen still geehrt. Damit fand die Kundgebung ihren Abschluß. So- i dann formierten sich auf dem Platze vor der Volkshalle die Marschkolonnen der HI. und des BDM zum geschlossenen Rückmarsch nach der Stadt ehrendes Bekenntnis des Staates zu den Müttern. Und so liegt auch auf gleicher Linie die Einstellung des nationalsozialistischen Staates zum Muttertage. Die Ausgestaltung dieses Tages wurde dem Bund der Kinderreichen übertragen, für den der Führer besonderes Interesse zeigt. Als er nach seinem Regierungsantritt im Rahmen der Vorsprachen der verschiedenen Reichsverbände auch den Leiter des Bundes der Kinderreichen empfing, dehnte sich diese Unterredung, für die 10 Minuten vorgesehen waren, auf über eine Stunde aus. Der Führer sprach dabei den Willen aus, die Kinderreichen in den Schutz des Staates zu nehmen. In diesem Sinne wird im Jahre 1934 der Muttertag dankend den Dienst der Mutter an ihrem Volk ehren und nicht eine kitschige Angelegenheit von Derlegenheitsaufmerksamkeiten sein. Er wird aber auch eine ernste Mahnung an unsere jungen Frauen sein, nicht eigensüchtig in den Tag hinein zu leben, sondern die Aufgabe zu erfüllen, von der Walter Flex in einem seiner schönsten Gedichte spricht, wenn er sagt, daß der schönste Dank Deutschlands an seine Gefallenen ist: „Die Mutter, die ihr Kindlein pflegt." Mutter und Kind. Für das Hilfswerk „Mutter und Kind" des Amts ür Volkswohlfahrt bei der Obersten Leitung der ZO. verdient ein Berliner Beispiel überall Nach- hmung zu finden. Es wurde in einem Miethaus zu Spenden für Ausstattung eines Säuglingskorbs aufgerufen. In kurzer Zeit hatten über 20 Familien Kleinigkeiten, meist Anfertigungen aus alten Sachen, gespendet, und die erste Ausstattung für einen neuen Erdenbürger war fertig. Diese Tat christlicher Nächstenliebe läßt sich ohne viel Mühe und mit geringem Kostenaufwand wohl in allen deutschen Städten und Dörfern durch- ühren. Oas Gesellenwandern. Die Deutsche Arbeitsfront vermittelt einen Plan, wie das nationalsozialistische Deutschland das alt- überüefrtee Wandern seiner Jugend tatkräftig fördern könnte. Danach sollen alle auf diesem Gebiete bestehenden Fürsorgeeinrichtungen planvoll zusammengefaßt werden. An den Kreuzpunkten wichtiger Wanderstraßen würden Bauernhöfe nach Art der deutschen Jugendherbergen für die wandernden Gesellen eingerichtet werden müssen. Drei Uebernach- tungen in diesen Heimen sind frei. Die vierte und jede folgende soll durch Arbeitsleistung abgegolten werden. Ortsbehörden und Fürsorgevereine/ Innungen und Einzelmeister hätten Hand in Hand zu arbeiten, um die wandernden Gesellen zu betreuen. Die Fürsorge für Deutschlands wandernde gewerbliche Jugend soll Reich, Staat und Gemeinden abgenommen werden. Eine freiwilige Selbstverwaltung einer hierfür zu schaffenden Körperschaft der Wirtschaft hätte diese Aufgaben fortan durchzuführen. Diese Neuordnung bezweckt, den schönen und nützlichen Brauch des Gesellenwanderns wieder zu beleben und ihn von den Schlacken zu läutern, die ihm die Not der Vergangenheit anheftete. Wer einmal den begeisterten Schilderungen eines alten Handwerkmeisters lauschen durfte über seine Erlebnisse und Eindrücke auf seiner Wanderschaft als junger Geselle, der ist von dem großen völkischen Wert dieses uralten deutschen Handwerksbrauches überzeugt. Wie der Student ohne Ar- bettsdienst mit zum Studium ober zu akademischen •Prüfungen zugelassen wird, so müßte künftighin jeder körperlich tüchtige deutsche Handwerkergeselle eine angemessene Wanderzeit durch deutsche Gauen nachweisen, bevor er zur Meisterprüfung zugelassen wird. Wer sich fein deutsches Vaterland, seine Heimat und sein Volkstum erwandert, wird allemal Aus Der proviuzialhaupistadi. Muttertag einst und jetzt. Seit rund zehn Jahren feiern mtr in Deutschland den Muttertag — aus nordischen Ländern kam die Sitte —, aber aus Amerika die lauteste Kunde davon, daß jeder Mensch die Pflicht habe, an einem Sonntag des Jahres feiner Mutter zu danken für alles, was sie an opferreicher Liebe ihm in ihrem Leben gegeben habe. Eine wunderbare Verquickung von Gefühlsseligkeit und Geschäftssinn war dieser amerikanische Muttertag wie alles, was uns von da drüben kommt. Der Muttertag war auch bei uns eine rein geschäftliche An- aelegenheit. Es gab nur eine kleine Zahl von Menschen, die dem Muttertag einen verinnerlichten Sinn gaben — im allgemeinen blieb dieser Tag eine willkommene Verdienstmöglichkeit. Nun rüstet sich auch das neue Deutschland zum Muttertag — aber er trägt ein anderes Gesicht. Die jungen Menschen, die heute die Ehe schließen, haben im gläubigen Vertrauen auf dies neue Deutschland den Wunsch, daß aus ihrer Ehe Kinder hervorgehen, die an diesem jungen Staat mitbauen und in ihm ein zukunftsfrohes Leben finden sollen. Der Staat wiederum belohnt dies Vertrauen durch Erleichterung der Eheschließung, durch eine Sozialpolitik, die die kinderreiche Familie stützt, durch Ehrung kinderreicher Mütter. Wir lasen, daß eine ältere Witwe von Steuerzahlungen befreit wurde, weil sie 6 Kinder allein erzogen hat, wir hörten von der Mahnung an die Behörden, kinderreiche Mütter nicht warten zu lassen, sondern beschleunigt abzufertigen. Die großzügige Hilfsarbeit des Winterhilfswerks wird abgelöst von dem H i l f s w e r k ein kernfester echter deutscher Mensch, ist doch der unstillbare Wandertrieb eine wohl nur dem Deutschen wesenseigen völkische Eigenart. Durch ihre Pflege hat das deutsche Handwerk von jeher dem Volkstum unschätzbare Dienste geleistet. Leider ist in der vergangenen Zeit die Pflicht der Meisterschaft und der Innungen, diesen Brauch zu pflegen und zu fördern, immer rneyr in Vergessenheit geraten. Wohl liegt auch heute noch den Innungen die Pflicht ob, für das Herbergswesen in ihrer Stadt zu sorgen. Diese Verpflichtung war aber mit der Zeit schon so inhaltslos geworden, daß man sich ernsthaft mit dem Gedanken trug, sie ganz aus dem Aufgabenkreis der Innungen zu streichen. Die Staatsumwälzung hat diesen Entschluß Gott sei Dank rechtzeitig zurückgepfiffen. Der nationalsozialistische Staat gehört der deutschen Jugend, die durch Wandern den Gesichtskreis erweitern, Kenntnisse sammeln, Land und Leute kennen lernen will, damit sie im harten Lebenskämpfe ihren Mann stehen kann. Auch den Meistersöhnen, die dereinst das väterliche Handwerk übernehmen sollen, wird die Einrichtung des Gesellenwanderns nichts schaden. Das wohlbehütete Hocken in Mutters warmer Stube kann nicht die Eigenschaften erwecken und erziehen, die wir von den künftigen Meistern verlangen: Mut, Ausdauer, Entschlossenheit, und vor allem Kameradschaft! VOA.-Schulqenieinschasten. Die Ministerialabteilung für Bildungswesen, Kultus, Kunst und Volkstum gibt in einem Schreiben an die Direktionen der höheren Schulen, der gewerblichen Unterrichtsanstalten und an die Kreis- und Stadtschulämter folgendes bekannt: Unter Hinweis auf unsere Verfügung — K. M. hing Gießen von Sonntag, 8. April, bis einschließlich Dienstag, 10. April, mit Phosphor vergiftete Eier auslegen lassen. Vor Aufnahme der Eier» etwaiger toter Krähen und Laufenlassen von Hunden wird gewarnt. preisaufgaben der Universität Gießen. Von der Pressestelle der Universität Gießen wird uns mitgeteilt: Aus dem Zinsertrag der Ofann-Beulwitz-- Stiftungder Universität Gießen werden Reisestipendien für Studierende und andere wissenschaftlich-gebildete Bewerber aller Fakultäten vergeben. Die Bewerber müssen eine von der Pflegschaft ausgeschriebene Aufgabe bearbeiten und dafür den Dreis erhalten haben. Die P r e i s a u f g a b e n für das Jahr 1934/35 sind folgende: I. Für Studierende, die mindestens im Sommer 1934 oder im Winter 1934/35 an der Universität Gießen immatrikuliert find: Aus dem Gebiet der Theologischen Fakultät: Die Auffassung vom Gesetz im Täufertum und Spiritualismus der Reformationszeit. Aus dem Gebiet der Juristischen Fakultät: Die Behandlung der Nachlaßverbindlichkeiten nach dem neuen Erbhofrecht. Aus dem Gebiet der Medizinischen Fakultät: 1. Vergleichende Untersuchungen über Blut- und Milchgerinnung. 2. Lupus als Teilerscheinung konstitutioneller Tuberkulose. Aus dem Gebiet der Veterinärmedizinischen Fakultät: Vergleichend-anatomische Untersuchung der Blutgefäßversorgung der Zehenendorgane von Ungulaten. Aus dem Gebiet der Philosophischen Fakultät: 1. „Die spätgotische Hallenkirche in Hessen." Es sollen die — besonders markanten — hessischen Hließ. Wett Air, 1 eßen. n dich ?itz. n rver» Qhbere Mten 11 der en unb [934/35 ns, im 8t Uni. °kul. 'sertuin wird beim Volk auch Roßhuf, Eselshuf, Brand- lattich, Brustlattich, St. Quirinskraut genannt (Tussilago farfara). Seine goldgelbe Korbblüte liefert einen aromatisch milden Tee, der bei Lungen- leiden ein wirksames Heilmittel ist, daher der Name Brustlattich. Von vorzüglicher Wirkung bei hitzigen Zeschwuren sind seine großen herzförmigen, oben »lattgrunen, unten weißfilzigen Blätter. Das frische, auber gereinigte Blatt wird zerdrückt und so auf ite Wundstelle gelegt. Die Schmerzen lindern sich und die Hitze der Wunde weicht (Brandlattich). Au illgemeinen Frühjahrskuren eignet sich wegen seiner 'lutreinigenden Eigenschaften der Löwenzahn Leontodon taraxacum). In allen seinen Teilen lnthält er Buttermilch, die günstig auf die Ver- iauungs- und Ausscheidungsorgane einwirkt. Aus iler zerschnittenen Wurzel bereiten die Mütter in manchen Gegenden Deutschlands ein Augenmittel, im rote, entzündete Augen zu heilen. Dabei wird lie gereinigte Wurzel zerschnitten und einen Tag lang in lauwarmes Wasser gelegt. Das so gewonnene' Hausmittel wird durch ein Tuch geseiht und icr Gebrauch ein wenig erwärmt. akul. Weiten Fa. ' unb M he Hk. Äehen. nFa. IL* Es Ischen chenden 'ohnen- welcher mmerte i Diffe. Physik, tophyre östlichen leb'il. weit sie lorbina» kn der er Uni» inb, die iversität akul» fakul- urt von rücksich» ind bes izini- bild der n ssa- ng bet \\ \\x, immer« 1'35 an i 2. Gelblichen den. Spraü Serfass« Serfosser t in der arbeiten n Uni« Frühere liefern, erfüllt ibet die Faksl- eier der gereich' 300 M. ppe II si )en für den leise mit befaßte, m: ir Siche' itr arme f liegen, in den orbnunfl [ Grund- dstück h> /ich ist" r einem den. D'i bei Nacht werden. ! treuen . kleinen lheit zu' >er arMt r fo, »- oä6re"i weil« lOls R . Gag^ NtuP ‘Jti olUlto^ iffunti »ilfroun’ A-ornotizen — Tageskalender für Montag. Orts- rruppe Gießen-Oft und Gießen-Mitte, 20 Uhr, Caf6 ILeiv, Ortsgruppenversammlung mit Vortrag über ,Kampf um die deutsche Saar". — Ortsgruppe Gießen-Süd, 20.15 Uhr, Katholisches Vereinshaus, Schulungskursus mit dem Thema „Kampf um die eutfche Saar". — Ortsgruppe Gießen-Nord, 20.30 Ihr, Turnhalle am Oswaldsgarten, Schulungsabend iit Vortrag über „Saargebiet". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Abel mit der Mundharmonika". — Aus dem Stadttheaterbureau, borgen. Dienstag, abend Revue „Der grüne Vagen". Wiederholung übermorgen, Mittwoch, penb. (Siehe heutige Anzeige.) ** Anlagenkonzert der Reichswehrap e l l e. Bei herrlichstem Sonnenschein fand am estrigen Sonntag zwischen 11 und 12 Uhr in den Inlagen am Hitlerwall ein Konzert statt, das von er Reichswehrkapelle unseres Bataillons unter l-itung von Obermusikmeister K r a u ß e ausge- chrt wurde. Das prächtige Frühlingswetter hatte ' eie Mitbürger herausgelockt, so daß das Konzert chr gut besucht war. Die Popularität, die die opelle genießt, tat ein übriges dazu, um der eranstaltung einen vollen Erfolg zu sichern. Man irte von der beliebten Militärkapelle wieder eine eihe ausgezeichneter künstlerischer Darbietungen, im Teil klassischer Art, die vom Publikum mit echt sehr dankbar ausgenommen wurden. Schnei- ge Marschmelodien beschlossen das Konzert. ** Frühjahrsmesse auf dem Oswalds- arten. Auf dem Oswaldsgarten haben wieder nmal die Schausteller Einzug gehalten. Die Messe urbe gestern eröffnet und war recht gut besucht, är die Unterhaltung finb vielerlei Möglichkeiten -geben. Die Achterbahn bestimmt in diesem Jahre L5 Bild der. Messe, und von den Wagen herab :ngt immer wieder das Helle Kreischen der Müden, die zwar sehr viel Angst haben, dabei aber >:ch immer wieder gerne die zwiespältigen Ge- ihle zwischen Freude und Furcht erleben wollen, hber den Platz klingen die Anpreisungen der Aus- Her der verschiedenen Schaubuden, die mit unge- biurem Redeschwall und stets heiserer Stimme das Publikum anzulocken versuchen. Das gelingt den routinierten Rednern meist auch, und dann bildet [ir) zwischen den Budenreihen eine Verkehrsstörung, bi? nur sehr schwer zu überwinden ist. Auf der Desse ist diesmal auch ein Kalb mit sechs Beinen zr sehen, Däumlingsmenschen, unwahrscheinlich ft in, ein kleiner Zirkus, Schießbuden (die sich stei- gimder Beliebtheit erfreuen), und eine Reihe weiterer Schaubuden fordern das Interesse heraus. UZch verschiedene Derkaufsgeschäfte, insbesondere fir Süßigkeiten, für Schmalzgebackenes, für heiße uiurstchen usw. fehlen nicht. Ein „Motorradkarus- fel", auf dem sich die Kinder recht wichtig dünken Ihnen, ist ebenfalls zur Stelle. Ein Kasperle- t eater zieht die Kinder in seinen Bann Stark umlagert ist der kleine Platz, in dem sich einigb Esel Ummeln, auf denen die Kinder reiten können. So bi. tet die Frühjahrsmesse wieder für alt und jung (derlei Erbauliches, und es lohnt sich, die Frühjahrsmesse auf dem Oswaldsgarten zu besuchen. c* Personalien. Uebertragen wurde dem fiterer Wilhelm Kautz zu Udenhausen (Kreis Als- feb) eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Jlben- ficDt (Kreis Friedberg) mit Wirkung vom 1. April 1954 an. — In den Ruhestand versetzt wurden auf Ncchsuchen der Vermessung-Oberinspektor Karl € euernagel zu Gießen und der Förster Hch. Aus einem Reifetagebuch Von Vera Waaenschein. Auf einer kleinen Adria-Insel. Wir kommen vom Berge der Brombeeren, in ins das Bild der Felseninsel, hören unten vom Ort Hküäut aufsteigen für die auferstandene Madonna. Li? Glocken der einen Kirche ganz ruhig wie Jjummelton: bam bum büm, bam büm büm, die Indern heidnisch und hell darüber hinjagend. Som Boden leiser zögernder Zikabengesang aus (8ms unb Gedörn. Klares Feigenbäumchen im Sochmittagslicht. Rosa Häuser, durchscheinend wie Porzellan vor dem Hellen gläsernen Himmelsblau. Dir sehen eine Prozession langsam gehen in weißen Addern, erreichen sie aber nicht. Eine kleine Kirche stell da zwischen zwei Zedern verlassen unb weiß in Der Sonne; ihre nackten Glocken im Blau. Jrr- Deje. Im Grasgarten unter uns ein Schaf mit schwarzer Nase unb schwarzen Füßen, silberbräunlich gelockt, mäht klug und fragend zu uns empor. Südlich schweigen Die Glocken. Die wir dann auf dem Hauptweg gehen — über die Kalkplatten, die so sorgfältig gelegt sind —, brr. men wir gerade an die dunkelnde weiße Kirche, vo Gesang beginnt. Er flutet aus dem kleinen fyrfter der Sakristei und durch die offene ©eiten- Lire, aus der Frauen herausstehen in die Dämme- ririI der Gasse, ihre kleinen Kinder an der Hand. Vir setzen uns auf ein Mäuerchen hinter der Dcmb, an der Männer lehnen und ein paar Jun- ffr um den kleinen Chorknaben herumstehen und V\ totes Kittelchen und das silberne Weihrauch- tfiß betasten. (in langes Lieb mit gleichem Refrain, schwer h'nbe, ernste, sehr ruhig schwingenbe Weise. Es Dohl ber Gegensatz zwischen ber Schlichtheit ber e-obie unb ber Seltsamkeit bes Stimmengemischs, die den Gesang mit süßen unb bitteren Dissonanzen kk'tllt unb nur selten untertaucht in eine warme ßumonie. Immer bas Gleiche; boch bie einzelnen «°r< schwellen an unb werben reich, schrille Kinber- flinmen mischen sich mit ben rounberbaren ber Rncben, bie unschulbig unb abenteuernd in bie Mfmben Frauen springen unb in bie harten vor- Wfsenen ber Männer. Sekten fallen die Stimmen ||;l Volksgenossen des L Das Winterhilfswerk bes Gaues Hessen-Rasiau hat gehalten, was es versprochen, nein, es hat mehr geleistet, als man ju hoffen wagte. Ich danke dem Gauführer bes DHW.» Pg. Haug, für feine nimmermüde Tätigkeit unb spreche damit allen seinen Mitarbeitern meinen unb der Betreuten Dank zugleich aus. Die Betreuung der hilfsbedürftigen hat nunmehr die RS.-Volkswohlfahrt übernommen. Ich fordere alle auf, die weiter Opfer zu bringen willens und in der Lage find, als Mitglieder in die USB. einzutreten. Rur wenn alle Opferwilligen gleichen Opfersinn in der Tat beweisen, wird das Werk des Führers gelingen. Jedem Deutschen feine Arbeitsstätte, jedem Bedürftigen die Betreuung! Gez.: Sprenger. * Das Winterhilfswerk des deutschen Volkes 1933/34 ist zu Ende. Wir haben versucht, dem deutschen Volke den echten der Tat zu zeigen. vationalfozialismus Auch ich danke allen meinen Mitarbeitern im ganzen Gau für ihre vorbildliche Leistung und ihre unermüdliche Einsatzbereitschaft. Jeder der vielen kann mit Stolz und ruhigem Gewissen sagen, daß er als Miterbauer des Dritten Reiches feine Pflicht und Schuldigkeit getan hat. Run aber nicht müde werden, wir haben noch lange keine Zeit dazu. Wir gehen an die Riefenarbeit der, RS.-Volkswohlfahrt! Männer und Frauen des Gaues Heffen-Raffau! Unterstützt weiter unsere Arbeit, werdet Mitglied der RSV.! helft alle am Aufbau der großen nationalsozialistischen Organisation! Greift an! Der Sieg wird unser fein! heil Hitler! Gez.: Haug Gauamtsleiter der RS.-Volkswohlfahrt. Hausfrauen lernt Mädchen an! Nahezu 300 Mädchen — allein aus ben Gießener Stabkschulen — haben jetzt Ostern bie Schule verlassen. Sie wollen ins Leben, in bie praktische Arbeit, wollen ihre Kräfte im Dienst einer Aufgabe entfalten unb bewähren. Nur ein verhältnismäßig kleiner Teil von ihnen konnte in Lehrstellen ober sonstige Arbeitsplätze gebracht werben. Diele werben vorerst zu Hause bleiben, sich im Haushalt ber Mutter betätigen können. Aber eine . weitaus größere Anzahl bleibt übrig. Was geschieht mit diesen jungen Mädchen? Sollen sie der Straße überlassen werden, sollen sie untätig bleiben und verbummeln? Deutsche Hausfrauen, es wäre unverantwortlich, wenn Sie diesem Geschehen tatenlos zu sehen würden! Helfen Sie, diesen jungen Mädchen den Eintritt in das Leben zu ermöglichen! Helfen Sie ihnen Arbeitsplätze zu schaffen! Helfen Sie, sie in das Dolksganze einzugliedern, an der Stelle, wo ihre künftigen Aufgaben liegen, im Haushalt! Alle diese jungen Mädchen, die in der entbehrungsreichen Zeit kurz nach dem Kriege geboren wurden, deren Kindheit unter dem Zeichen des härtesten Existenzkampfes, den unser Volk zu führen hatte, stand, alle diese jungen Mädchen wollen einmal Hausfrauen und Mütter werden. Mehr als je eine Generation bringen sie die Bereitschaft, sich für den Dienst am Volke einzusetzen, mit. Mutig wollen sie jetzt beginnen, sich auf die großen Aufgaben in der Familie, im Volk vorzubereiten. Das Schicksal unseres Volkes und das Glück künftiger Generationen werden davon abhängen, wie diese jungen Mädchen für ihre Aufgaben erzogen werden. Deutsche Hausfrauen, deutsche Mütter, geben Sie den jungen Mädchen Gelegenheit, sich im haushalt auszubilden! Rehmen Sie junge Mädchen in ihrem haushalt auf! Machen Sie sich die Mühe, sie anzulernen! Sie erweisen damit nicht nur der einzelnen Familie, die oft gar nicht in der ßape ist, die Schulentlassenen auch nur kurze Zeit wirtschaftlich mit durchzuhalten, und nicht nur dem jungen Mädchen selber, das damit vielleicht für bas ganze Leben Halt unb Richtung mitbekommt, einen großen Dienst. Nein, Sie leisten bem ganzen Volk unersetzbare D i e n st e, Sie helfen Haus unb Familie der Zukunft mit aufbauen. Abressenangabe von Bereitwilligen an das Arbeitsamt erbeten. Arbeitsamt Gießen. Büttner zu Eifa, beide unter Anerkennung ihrer dem Staate geleisteten treuen Dienste. ** Ehejubiläum. Am morgigen Dienstag begehen der Schlosser Fritz Kuhl und Frau Elise, geb. Röth, Ebelstraße 32, das Fest der Silbernen ne Sperrzeit für Tauben während ber Saatzeit vorn 9. April bis 5. Mai wirb im heutigen Anzeigenteil von der Bürgermeisterei Gießen angeordnet. Interessenten seien auf die Bekanntmachung besonders hingewiesen. Oberheffen. Gemeinderat in Schotten. Schotten, 7. April. In seiner gestrigen Sitzung setzte der Gemeinderat die Steuerausschi a g s ä tz e für das Rj. 1934 entsprechend den Vorschlägen des Kreisamts fest, sie haben gegen das Vorjahr eine kleine Senkung erfahren. Mit dem Einbau einer Zentralheizung in das Finanzamt ist der Gemeinberat einver- stanben. Die aufgewendeten Kosten werden der Stadt vom Reich entsprechend verzinst und laufend getilgt. Die Voranschläge werden vom Lanbesfinanz- amt geprüft unb dem Gemeinderat nochmals vorgelegt. Dem Arbeitsdienstlager Eichelsachfen hat sich die Stadt angeschlossen, lieber die Einrichtung eines Sommerlagers hier in ber Stabt werden noch Verhandlungen gepflogen. Für die Stadt ist ein größeres 21 m t vorge- sehen. Zur Unterbringung der Beamtenfamilien wird eine Reihe von Wohnungen benötigt, die Um Hochzeit. Ei der Mönche ein, Die hallend und leer sind und — über dem Ganzen schwebend — ben Cyor ber Oe« meinbe mit sich reißen. Auch bie Frauen unb kleinen müben bimbi fingen bann mit. Der Chorknabe in feinem weiß-roten Kleib hat sich ein wenig gebalgt mit den andern. Jetzt zündet er sein Feuerlaternchen an, läßt sie schnubbern und schwingt es über ihren Köpfen im Kreis; ihre neugierigen frohen Gesichter beleuchtet es hell. Läßt schnell ein wenig Weihrauch heraus, der strömt zu uns hin durch die Abendschwüle. Ein größerer winkt ihm, er rennt hinein, und bald knieen sich die Kleinen in ihren bunten Hemdchen und die Frauen aufs Pflaster nieder und schlagen ein Kreuz. Zwei rotgestreifte Carabinieri bummeln die Gasse heraus. Und das Lied wächst immer noch, und bie Töne schwellen an unb brechen ab, wie wenn etwas aufglüht unb zusammensinkt. In biefer Musik finb Flammen verborgen. Hier unb bort fahren sie auf in einem jähen unb roilben Licht. Es wirb still; wir gehen. Eine alte schwarze Frau lehnt im Seitentürchen, allein. Ihr Gesicht leuchtet vor Anbacht. Sommertag in Pola. Im Hafen stehen vielmastige Segler vor bleierner Wolkenwanb. Reglose Segelboote vor bem hellen Filigran ber Arena. Das Hotel ist unheimlich mit seinen Samtportieren; ein Verlumpter schleicht burch ben Gang. Wir fürchten uns etwas, treiben zögernb unb verwirrt herum, burch römische Tore, Straßen, auf ber Zitabelle, wo Paare liegen in ber furchtbaren Schwüle. Finstere blasse Gesichter auf bem verübelen Corso. Die ganze Stabt, Gras unb Bäume finb im weißen Kalkstaub begraben unb vom Gewitterhimmel bebrücft. Man hatte uns geraten, hinaus nach Stoja zu fahren. Zuerst an enblosen Mauern bes Kriegshafens vorbei, bann im tortelnb rafenben Bus ins Freie, über Wiesenhügel, zum Fischerborf Stoja. Kleine Dfterien, auf ber ßanbenge Reusen, felsiger Stranb um bie Pinienhalbinsel, wo viele gebabet haben terbrinaungsmöglid)feit wirb vom Gemeinberat näher besprochen. Ebenso erfolgt nähere Aussprache über bie. 23er- menbung einer Lehrerwohnuna im alten Schulgebäude, über Einrichtung ber Kochschule. Auch die Frauenschaft will Koch- und Nähkurse abhalten, die nötigen Räume und Maschinen werben zur Verfügung gestellt. Die Führtet st ungen werden wie im vergangenen Jahre unter die in Frage kommenden Fuhrwerksbesitzer abwechselnd verteilt. Eine Reihe sonstiger Punkte wird noch behandelt. Insbesondere wird auf Anregung bes Kreisleiters bie Schaffung einer besseren Verkehrsver- binbung im Äreis unb nach ber Kreisst a b t besprochen. Einige Postkraftwagenlinien sollen eingerichtet werden. Eine Versammlung unb Besprechung mit ben interessierten Gemeinben unb Stellen wirb in Kürze ftattfinben. Für Fremden - Werbung wirb ein größerer Betrag bewilligt.. LanvkreiS Metzen. £ Wieseck, 8. April. In ber Klinik zu Gießen ü e r ft a r b gestern infolge schwerer Krankheit Leh- rer Heinrich Burk. Bis zu feinem freiwilligen Ausscheiben aus dem Schuldienst im April vergangenen Jahres war er an der hiesigen Volksschule tätig, lieber 40 Jahre wirkte er an ber hiesigen Schule. Mit ben Einwohnern war er aufs innigste verbunden. Er war ein ßehrer von besten Eigenschaften, dem die Schule alles bedeutete, ein Mann von edelstem Charakter, der sehr viel Verständnis für feine Mitmenschen hatte und gerne half, wo es notwendig war. Seinen Kollegen war er stets Vor- am Nachmittag und noch in den Klippen sitzen. Nun ist alles gut. Unsere Kleider liegen in kleinen Höhlen, wir selbst sind im Meer, als einzige, denn es ist schon spät und ein Gewitter zieht auf. Das Wasser ist klar und dunkelgrün. Auf Haifische braucht man nicht zu paffen. Klein und vertraut schwankt alle halbe Stunde der Bus von den Höhen, und fern im offenen Meer ziehen Panzerschiffe in die Welt, winzig, mit geneigtem Schornstein und schwarzem Rauch. Dann kommt die Nacht, und die Stadt ist verwandelt. Auf dem Korso, der in die Piazza mündet, ist buntes Gewoge. Viele weiße Matrosen dazwischen mit wiegendem Schiffsgang und offenen vertrauenden Gesichtern. Wir sitzen vor der latteria und sehen zwischen Oleandern auf die Piazza hinaus. Wie war sie am Mittag grell und feindlich und dehnt sich nun in der freundlichen Wärme der Nacht. Ein samtschwarzer Himmel wetterleuchtet über den gelben ßaternen. Die Menschen lehnen reglos auf ihren kleinen Baikonen und schauen hinab auf das nächtliche ßeben, das heiter und beruhigt sich abspielt. Das römische Tempelchen steht schlank und fein vor der Dunkelheit. Ein Büffelgespann — riesige sanfte milchweiße Tiere — wartet so lange schon geduldig, daß der Bauer aufhört zu plaudern. Ihre Augen sehen immer dunkler und müder auf den Tempel im ßaternenschein. Der Oleander duftet. * Zwei kleine Mädchen in Spihenkleidern und Bindehüten kommen verlegen und holen sich gelati. Neben dem kleinen Tempel steht das schöne municipio — ein maurisch-gotischer Bau aus dem 13. Jahrhundert —, auf dessen Stufen wir nun sitzen und uns am Spiel der kleinen Jungen freuen'. Viele kleine Straßen, wo man im Dunkeln sich verstecken und belauern kann, münden auf den weiten Platz. Diele nackte Füße tappen eilig hin und her um die ßaternen; glückliches heiseres Kleinjungenlachen, ein Stückchen ßieb, ein Streit — unb eine flitzenbe Flucht in alle Gassen, wenn ber Carabiniere kommt unb mit grimmigem ßächeln an ber Verfolgung verzweifelt. (Sie hatten zwischen ben Säulen des Tempels rabaut.) Wir folgen ben Buben, finben sie am Hafen wieber, lassen uns von rauschenber süßer Musik verlocken, mit vielen anbern vor bem Hotel am Quai zu promenieren. Man sitzt an Tischchen auf Gegen die Verschandelung der deutschen Heimat! Liberalistische Baumverehrung. bilb unb Berater. Seine Beisetzung findet in feinem Heimatort Watzenborn statt. F Alten -Buseck, 9. April. Gestern nachmittag veranstaltete die hiesige Ortsgruppe der NSDAP, eine große Saarkundgebung, an der außer sämtlichen Parteiorganisationen auch die übrige Einwohnerschaft sich vollzählig beteiligte. Unter dem Vorantritt einer Musikkapelle bewegte sich ein stattlicher Zug vom „Kreuz" nach dem Sportplatz, wo Bürgermeister Kahl die Erschienenen herzlich begrüßte. Der Gesangverein eröffnete die Kundgebung mit dem vaterländischen Chor „Deutschland, heilger Name". Hierauf hielt Pg. Rudolf Sarg, ein geborener Saarländer, einen längeren Vortrag über die Geschichte bes Saarlandes, aus dem hervorging, daß das Saarland zu jeder Zeit echtdeutfches Land gewesen ist und immer bleiben wird. Von besonderem Interesse waren die Schilderungen aus der Zeit des Krieges und ber Besatzung. Persönliche Erlebnisse, bie ber Rebner bamals im Tagebuch festgehalten, gaben ein anschauliches Bilb ber Nöte unb Leiben ber Saar- bevölkerung in biefer Zeit. Die einzelnen Abschnitte des Vortrages wechselten ab mit passenden Gedichtvorträgen durch die Leiterin der NS.-Frauen- schäft, Frau Sarg. Nach bem Gesang des (Saarliebes unb einem weiteren Chor des Gesangvereins sprach, wie immer von den Alten-Buseckern freudig begrüßt, der Kreisleiter der NSBO. Pg. H a h n - Großen-Buseck noch packende Worte über die Ziele und Grundsätze des Nationalsozialismus. Ortsgruppenleiter Freund wies in seinem Schlußwort auf die hohe Bedeutung der heutigen Kundgebung hin und brachte ein dreifaches, mit großer Begeisterung aufgenommenes „Sieg-Heil" auf Reichspräsident von Hindenburg unb Volkskanzler Abolf Hitler aus. Mit bem Deutsch- lanblieb unb bem Horst-Wessel-Lieb fanb bie Veranstaltung ihren roürbtgen Abschluß. Kreis Alsfeld. ss. Grebenau, 7. April. Bei ber dieser Tage in ber hiesigen Turnhalle abgehaltenen Brenn- holzoersteigerung aus ben Staatswalbungen des hiesigen Forstamts wurden folgende Durchschnittspreise erzielt: Buchenscheiter 1. Kl. je rm 7,20 Mk., Buche 2. Kl. 5,14 Mk., Eiche l.Kl. 5 Mk., 2. Kl. 4,73 Mk., Birke l.Kl. 4,17 Mk., 2. Kl. 2,51 Mk. Kiefer 1. Kl. 3,57 Mk., 2. Kl. 3,02 Mk., Knüppel: Buche 4,05 Mk., Eiche 3,35 Mk., Birke 3,31 Mk., Aspe 1 Mk., Erle 1 Mk., Kiefer 2,26 Mk., Reifer 1. Kl. Fichte 0,71 Mk., Kiefer l.Kl. 0,91 Mark. Preußen. Ehemaliger Kommunist wegenTragenS des Hoheitsabzeichens verurteilt. LPD. Wetzlar, 7. April. Ein 20jähriger junger Mann, der als Mitglied des kommunistischen Jugend verbandes bekannt war, trug im Januar ein Hoheitsabzeichen der NSDAP, an der Mütze und eins am Koppelschloß. Bei feiner Verhaftung gab er an, von der Gesetzwidrigkeit der Straße im bunten Schein der Seidenlampen, wir stehen unter dem Volk im Halbdunkel dahinter, dicht am Wasser, und alle horchen auf die Kapelle, die heute zum erstenmal und zur Probe spielt. Sie tuen ihr Bestes. Die Mädchen lehnen sich dicht an ihre Matrosen, die Gesichter zum Meer gewandt. Viele Eiswägelchen umstehen uns, die schlanken braunen Burschen immer auf dem Sprung, auf ein Lächeln oder Nicken bin die Waffeltütchen zu füllen. Sie sind immer in Bewegung, die Troddeln schaukeln an den weißen Verdecks, die Gesichter mit den großen schwarzen Augen und geöffneten Lippen sehen wild und draufgängerisch aus vor Spannung und lachen glücklich bei jedem Verdienst. Man wird müde. Die Burschen zünden Kerzen an auf den Wägelchen und setzen sich plötzlich in Galopp. Ihre Lichtchen flackern um die Ecke, neuen Beuteplätzen entgegen. Die Nacht ist noch lang. Spät gehen alle zur Ruhe, in der Erwartung eines Regens, des ersten nach vier Monaten. Aber er kommt nicht. Nur Blitze und ferner Donner unb Sturm, ber ben Kalkftaub burch bie Straßen jagt. Das Sturm-Baby Wohl kaum hat ein Erbenbürger unter stürmischeren Bebingungen bas Licht ber Welt erblickt als bie kleine Bolger, bie auf ber Ueberfahrt von Madeira nach Plymouth geboren wurde. Zur Stunde, in der das freudige Ereignis eintrat, befand sich ber Dampfer „Accra" in einem furchtbaren Sturm; zeitweilig lag bas Schiff in einem Winkel von 40 Grab auf ber Seite. Dank ber Umsicht bes Schiffs- arztes unb ber tapferen Haltung ber jungen Mutter verlief bie Geburt jeboch ohne Schwierigkeiten, fo daß Mutter und Kind wohlauf sind. — Einige Passagiere wurden bei dem wütenden Angriff der Wellen auf die „Accra" verletzt. „Wir spielten gerade Bridge im Rauchzimmer", erzählte einer der Fahrgäste nach der Rückkehr, „Tische und Stühle fielen wild durcheinander und wurden an die Seite geworfen; dazwischen lagen die entsetzten Passagiere. Glücklicherweise wurde keiner ernsthaft verletzt, und ich entkam der Gefahr mit einer leichten Verwundung am Kopf." Mer Handlungsweise nichts gewußt zu haben. Er wurde vom Schöffengericht Wetzlar zu einem Monatund einer Woche Gefängnis verurteilt. Mißglückte Flucht nach Holland. LPD. Wetzlar, 7. April. Ein junger Mann aus dem benachbarten Waldgirmes kaufte im vergangenen Jahre bei mehreren Wetzlarer und Gießener Geschäften Radioapparate und Feldstecher auf Abzahlung mit den Apparaten. Er veräußerte sie für den halben Preis weiter und flüchtete, als ihm der Boden zu heiß wurde, nach Holland. Bei der Grenzüberschreitung wurde er verhaftet und sitzt seitdem in Untersuchunashaft. Er wurde wegen Unterschlaguna und fortgesetzten Betrugs zu einer Gesamt st rafe von einem Jahr und zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Das Gericht erkannte ihm außerdem die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von drei Jahren ab. Stadtrandsiedlung in Alsfeld (Alfred-Klofiermann-Giedlung). Feierlicher Baubeginn mit dem ersten Spatenstich durch Gauinspekteur Klostermann. — Gauinspekteur Klostermann Ehrenbürger der Stadt Alsfeld. <£ Alsfeld, 9. April. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Gestern stand unsere Stadt im Zeichen einer großen, bedeutungsvollen Kundgebung. In feierlicher Weise wurde die neue Stadtrandsiedlung im Stadtteil Rambach in Anwesenheit des Gauinspekteurs K l o st ermann, der den ersten Spaten st ich tat, in Angriff genommen. Die Siedlung erhielt den Namen ^Alfred-Klo st ermann-Siedlun g". Anschließend fand eine große Kundgebung üuf dem Marktplatz unter Mitwirkung aller Formationen statt, bei der Bürgermeister Dr. V ö l - sing Gauinspekteur Klo st ermann den Ehrenbürgerbrief der Stadt Alsfeld unter Würdigung seiner großen Verdienste um die Entwicklung von Alsfeld überreichte. Auf die Worte des Bürgermeisters erwiderte Gauinspekteur Klost e r m a n n mit einer Ansprache, in der er seinen herzlichen Dank für die Ernennung zum Ehrenbürger der Stadt Alsfeld zum Ausdruck brachte. Im Anschluß an die Kundgebung wurden durch den Kreis-Amtsleiter der NS.-Dolkswohlfahrt Goetz 5 0 0 Laib Brot zur Verteilung an die bedürftigen deutschen Volksgenossen der Stadt Alsfeld überreicht. Bürgermeister Dr. Völsing dankte in herzlichen Worten für diese wertvolle Zuweisung. Die Verteilung der Brote fand sogleich unter Mithilfe der Frauenschaft statt. lieber die bedeutsame Feier wird morgen noch ein näherer Bericht folgen. S.Jtxfport Um die deutsche Fußballmeisterschaft. Mit dem 8. April sind im deutschen Fußball die Meisterschaftsspiele in die zweite Etappe getreten. Nach den Spielen in den Gauen setzten nun die Endrunden in den Gau-Gruppen ein, deren Sieger bekanntlich zum Schluß in der dritten und letzten Phase nach dem Pokalsystem den Deutschen Meister ermitteln. Die Kämpfe in den vier Gau-Gruppen verliefen natürlich nicht ohne Ueberraschungen. Die erwarteten Sieger gab es in der Gaupruppe Südwest. Hier überraschten lediglich die Tordifferenzen. Der SV. Waldhof, der anscheinend doch die stärkste und beste Mannschaft der Gruppe stellt, besiegte zuhause Wer Mitglied der NSV. ist, macht sich um *t>ie Nation verdient. den Köln-Mülheimer SV. mit 5:1 und die Offenbacher Kickers erzielten einen 4:l-(l:0-)Sieg über Union Bückingen. — Auch die Gruppe Ost blieb ohne Ueberraschungen, doch fielen hier die Resultate unerwartet knapp aus. Viktoria 89 Berlin konnte in Stolp nicht überzeugen, nur knapp konnte mit 3:2 (2:0) der pommersche Namensvetter geschlagen werden. Auch Beuthen 09 enttäuschte; obwohl die Schlesier den Platzvorteil hatten, konnten sie die schwache Mannschaft der Danziger Preußen nur mit 2:1 (2:1) abfertigen. Die kräftigste Ueberraschung des Tages wird aus der Gruppe Nordwest gemeldet. Hier bezwang in Hamburg der SV. Eimsbüttel den VfL. Benrath, also den Nachfolger des Deutschen Meisters Fortuna Düsseldorf, mit nicht weniger als 5:1 (5:1). Der Westfalenmeister Schalke 04 konnte dagegen in Bremen den Niedersachsen- Meister „Werder" Bremen mit 5:2 (3:2) sicher schlagen. — In der Gruppe Witte verlor der Dresdener SC. bereits einen wertvollen Punkt. Die Sachsen konnten in Kassel gegen B o - russia Fulda nur 0:0 spielen. Dadurch festigte sich in dieser Gruppe die Favoritenstellung des 1. FC. Nürnberg, der in Magdeburg über Wacker Halle einen 2:0-(l:0-)Sieg landete. — Insgesamt haben den acht Spielen der ersten Runde 84 000 Zuschauer beigewohnt. Eine stattliche Ziffer, zumal es in dieser Runde eigentlich noch keine ausgesprochenen Favoritenbegegnungen gab. Die meisten Zuschauer vereinigten die Spiele in Kassel (17 000), Hamburg und Bremen (je 15 000) auf sich. Restliche Gauliga-Pslichtspiele. Gau Südwe st: Sportfr. Saarbrücken — FSV. Frankfurt 3:1; Eintracht Frankfurt — AO. Worms 3:2. Gau Bayern: Wacker München — Schwaben Augsburg 0:1; FC. München — FC. Bayreuth 1:1. Oie Waldlaufmeisterschasten des Gaues Nordheffen. Hessen-Preußen Kassel Einzel- und Mannschaftssieger. 1900 Gießen jeweils Zweiter. Unter der Leitung von Kreisathletikfachwart Reichert-Marburg, der von der dortigen SA. aufs beste unterstützt wurde, kam — mit Start und Ziel am Marburger Bismarckturm — die Waldlaufmeisterschaft des Gaues XII unter Beteiligung von etwa 50 Läufern aus allen Teilen des Gaues zum Austrag. Die Strecke war nicht ganz 10 Kilometer lang und stellte infolge der Höhenunterschiede verhältnismäßig große Anforderungen an die Teilnehmer. Wenn auch die favorisierten Kasfelaner vorne waren, so war doch erfreulicherweise festzustellen, daß sich die Vertreter des Kreises Gießen ausgezeichnet schlugen. Andererseits war auch zu beobachten, daß einige Leute noch stark an sich arbeiten müssen, um an ihre frühere Form anzuknüpfen. Dies gilt vor allen Dingen für Schaaf (1900). Für seinen Clubkameraden Faulseit, der beim Kreiswaldlauf gut gefiel, war die Strecke zu lang. Nachstehend die Ergebnisse: Einzelläufer: 1. Wilhelm, Hessen-Preußen Kassel, 30:46 Min.; Gerhardt Gießen 1900, 30:55,8 Min.; 3. Schinge, Hess.-Pr. Kassel, 31:15,4 Min.; 4. Hans Neidel, TV. Heuchelheim, 31:29 Min.; 5. Holzapfel, MTV. Gießen, 31:48,8 Min.; 6. Otto, Weilburger FV., 32:40 Min.; 7. Scheyhing, Hess.-Pr. Kassel, 32:54 Min.; 8. Hartmann, Fulda, 32:55 Min.; 9. Schaaf, Gießen 1900, 33:09 Min.; 10. Schranke!, VfB. Diez, 33:10 Minuten. Vereinsmannschaften: 1. Hessen-Preu- ßen Kassel (Wilhelm, Schinge, Scheyhing) 11 Punkte. 2. Spielvereinigung 1900 Gießen (Gerhardt, Schaaf, Gust. Koch) 28 Punkte. 3. TV. Heuchelheim (H. Neidel, F. Neide!, Rinn) 61 Punkte. Kreismannschaften: 1. Kreis Kassel 11 Punkte, 2. Kreis Gießen 11, 3. Lahnkreis 30, 4. Kreis Fulda 46, 5. Rheinkreis 58 Punkte. Weitere Gaumeister im Waldlauf. Im Gau Südwest Siegel, Post-SV. Frankfurt, im Gau Baden Stabtier, Freiburger FC., und im Gau Württemberg Helber I, Stuttgart. Die Gaue Bayern und Mittelrhein fragen ihre Meisterschaften erst am 15. April aus. VfB.-Neichsbahn Gießen. VfV.-Reichsbahn I — Sporte. Nauheim I 4:1 (2:0). Trotzdem das Spiel aus technischen Gründen vormittags stattfinden mußte, hatte sich auf dem Waldsportplatz eine große Zuschauermenge eingefunden, um den Sieg der DfBer über den neugebackenen Meister zu erleben. Die Mannschaft des Meisters zeigte auch nichts, das erkennen ließ, daß der Gegner Meister seiner Klasse sei. Wohl hatten die Gäste eine überraschende Verteidigung, aber sonst war von einem Mannschaftsgefüge nicht viel zu sehen. Der Sieg der Grün-Weißen stand nie in Frage und konnte, gemessen an den Torchancen, ziffermäßig höher ausfallen. Dem Schiedsrichter, der ruhig und sicher seines Amtes waltete, stellte sich der VfB. in folgender Aufstellung: Becker, Leutheuser, Bender, Feuster, Knauß, Lehrmund, Fehling, Heß, Wilhelm, Haupt, Ranft. Das Spie! begann mit einer Offensive der Nau- beimer, die aber durch die Hintermannschaft der Gießener abgestoppt wurde. In der 6. Minute köpfte im Anschluß an eine Ecke der Halbrechte den Ball knapp über die Latte und vergab damit ein sicheres Tor. Im Gegenangriff hatte Haupt alle Gegner überlaufen, aber sein Schrägschuß strich am Pfosten vorbei. Kurze Zeit später erzielte derselbe Spieler das Führungstor. Das Spiel wurde lebhafter. Die Gäste versuchten mit allen Mitteln den Ausgleich zu erzielen. Eine Vorlage des Linksaußen, vom Tormann schlecht abgewehrt, hätte fast zu einem weiteren Tor der Gießener geführt, doch der Verteidiger rettete auf der Torlinie. Eine Flanke von rechts schoß Wilhelm aus vollem Laufe ein. Halbzeit! Im weiteren Spielverlauf waren die VfBer drückend überlegen und dauernd im Angriff. Ranft erzielt Nr. 3, dem Feuster aus einem wegen Handspiel verwandelten Elfmeter das vierte folgen ließ. Bender verletzte sich selbst und durch die dadurch bedingte Schädigung kamen die Kurstädter etwas auf und konnten, durch einen Kopfball ihres Mittelstürmers, das verdiente Ehrentor erzielen. Durch diesen Sieg hat sich die Gießener Mannschaft einen Mittelplatz erkämpft, der der augenblicklichen Spielstärke entspricht. Sportverein 1920 Heuchelheim. Die erste Mannschaft des Sportvereins Heuchelheim trat am gestrigen Sonntag zum ersten Aufstiegspiel in Schotten an. Heuchelheim konnte das Spiel überlegen mit 1:3 Toren gewinnen. Die zweite Mannschaft, die ebenfalls in Schotten antrat, mußte sich von der zweiten Elf des Gastgebers mit 2:1 Toren geschlagen bekennen. Weltmeisterschastsausscheidungen der Turner. Der erste Tag. Die Ausscheidungen für die in der Zeit vom 31. Mai bis 5. Juni in Budapest stattfindenden Turner-Weltmeisterschaften begannen am Samstag in Leipzig mit den volkstümlichen Hebungen. Die gesamte deutsche Turnerelite war in diesen Tagen in der Messestadt vereint und hart war der Kampf um die Plätze und ausgezeichnet die Leistungen. Besonders hervorzuheben ist der überaus gute Durchschnitt; beträgt doch der Punktunterschied zwischen dem 1. und 15. nur 6 Punkte. Vom Morgen bis in den späten Nachmittag hinein erledigten die 65 Vertreter der einzelnen Gaue die Hebungen, die aus dem 100-Meter-Lauf, Kugel» stoßen (5-Pfund-Kugel) und dem Stabhochsprung bestanden. Friedrich, Aachen, war mit der Ge. sarntpunktzahl von 28,5 vor Lorenz, Hannover (27,1), und dem Berliner Mock (25,8) siegreich. Die Einzelleistungen der drei Erstplazierten waren: 100 Meter: 12,6 Sek.; 12,4 Sek.; 12,5 Sek. Kugel st oßen: 21,04 Meter; 18,29 Meter; 19,35 Meter. Stabhochsprung: 3 Meter; 3 Meter; 2,70 Meter. Die nächsten Plätze belegten: Krötzsch, München, 25 Punkte; Egberts, Zwickau, 24,4 Punkte; Sandrock, Immigrath, 24,4 Punkte; Go big, Mainz, 24,1 Punkte; Meier, Neu-Schönburg, 24,1 Punkte; Haustein, Leipzig, 23,7 Punkte. Der zweite lag. Am zweiten Tage des Leipziger Ausscheidungs- turnens wurden in Anwesenheit von 20 000 Zuschauern die Turner ermittelt, die Deutschlands Interessen bei den Weltmeisterschaften in Budapest vertreten. Reichssportführer von Tschammer und Osten beglückwünschte als Erster die folgenden acht Turner zu ihrer Auswahl: 1. Krötzsch, München, 134,4 Punkte; 2. Sandrock, Immigrath 133,6 Punkte; 3. Winter, Frankfurt, 133 Punkte; 4. Lorenz, Hannover, 129,1 Punkte. 5. Lun- bürg, Ruhla, 128,5 Punkte; 6. Friedrich, Aachen, 127,1 Punkte; 7. Völz, Schwabach, 126,4 Punkte; 8. Steffens, Bremen, 125,1 Punkte. Deutscher Gegelflug-Weltrekord. Wolf Hirth flog 265 Kilometer. Der Glanzpunkt der seit einigen Monaten in Südamerika weilenden deutschen Segelflug-Expedition war ein Langstreckenflug von Wolf Hirth. Der Deutsche startete in Buenos Aires und legte auf dem Flugwege nach Rosario etwa 265 Kilometer zurück. Diese Leistung bedeutet einen neuen Weltrekord und stellte der deutschen Mannschaft und ihren Maschinen das denkbar beste Zeugnis aus. Mit dieser famosen Leistung hat die deutsche Expedition, die demnächst wieder die Heimreise antritt, ihrer erfolgreichen Tätigkeit in Argentinien einen würdigen Abschluß gegeben. Nachstehend ein kurzer Aufriß über die bisherige Entwicklung des Weltrekords im Streckenflug für Segelflugzeuge: Ferdinand Schulz- Deutschland 14. Mai 1927 60,231 Kilometer; Johannes Nehring - Deutschland 25. April 1929 72,200 Kilometer; Erich Kronfeld- Oesterreich 16. Mai 1929 100,000 Kilometer; Erich K r o n f e l d - Oesterreich 20. Juli 1929 142,470. Kilometer; Erich Kronfeld - Oesterreich 30. Juli 1929 149,420 Kilometer; Günther Groenhoff- Deutschland 26. Juli 1931 220,000 Kilometer; Wolf Hirth- Deutschland 6. April 1934 265,000 Kilometer. Haltet euch alle bereit! Ein Aufruf des Neichssportführers. Der Reichssportführer von Tschammer und Osten erläßt xum Tag des unbekannten Sportmannes am 15. April folgenden Aufruf: ' Der „Tag des unbekannten Sportmannes" naht. Am 15. April werden im ganzen Reich Kämpfe durchgeführt, die als Olympia-Prüfungskämpfe an- gesprochen werden dürfen, aber keine fertigen Olympiakämpfer am Start sehen werden. Der unbekannte Sportsmann hat das Wort! Er, der sonst vielleicht in der SA., SS., HI. oder irgendeiner anderen Organisation seine Pflicht tut, soll und wird Gelegenheit erhalten, Proben seines Könnens abzulegen. Es geht hier weniger um den Sieg als vielmehr darum, daß im Rahmen dieser Olympia-Prüfungskämpfe die gesamte deutsche Jugend — getreu dem Willen des Führers — eingespannt wird in die Dorbereitungsarbeit zu den Olympischen Spielen 1936. Selbst wenn nicht ein einziger von denen, die am „Tag des unbekannten Sportsmannes" berufen sind, auserwählt wird, kann der Zweck dieser Prüfungskämpfe als erreicht angesehen werden; denn eins haben wir getan: unsere Pflicht. Wir wollen und werden jedem deutschen Volksgenossen, gleichgültig ob er einer Organisation und gleichgültig welcher Organisation er angehört, Gelegenheit geben, selbst an den Dorbereitungsarbeiten zu den Olympischen Spielen 1936 teilzunehmen. Nur so werden mir in zwei Jahren die Gewißheit haben, daß Deutschlands Interessen von den wirklich Besten unseres Volkes wahrgenommen werden. Der 15. April, der erste „Tag des unbekannten Sportsmannes", steht unter der Bezeichnung „Tag des Langstrecklers". An bestimmten Orten des Reiches werden unter der Leitung meiner Gau-Beauftragten ein 10-KilometerLauf, ein 25-Kilometer- Gehen und eine 100-Kilometer-Straßen-Radfernfahrt durchgeführt. Die Sieger und qualifizierten Bewerber erhalten neben Auszeichnungen das Recht, sich an den Nachwuchslehrgängen der betreffenden Sportfachschaften zu beteiligen. Die anderen aber nehmen die Gewißheit mit nach Haufe, ihre Pflicht getan zu haben; ein Lohn wird ihnen nicht zuteil. Für ihre Bemühungen können wir ihnen daher nur durch eine schlichte Anerkennung danken, die in der regen Anteilnahme an den Kämpfen des unbekannten Sportsmannes zum Ausdruck kommt. Haltet euch deshalb alle bereit! Seid am 15. April Zeuge der Kämpfe unserer „Unbekannten"! Kurze Sportnotizen. 36 000 Kilometer im Ruderboot hat in den letzten zehn Jahren der heute 65 Jahre alte Simon Baum, ein Mitbegründer des Wafser- sportvereins Godesberg, auf dem Rhein zurückgelegt. Zwei amerikanische Autorennfahrer, Peter de Paolo und Loumoore, werden sich an zwei deutschen Autorennen dieses Jahres beteiligen und zwar an der 2000-Kilometer-Fahrt und der ebenfalls diesmal von Deutschland ausgeschriebenen Alpenfahrt. Außerdem werden die Amerikaner beim Großen Preis von Spa an den Start gehen. Mit einem Heberrennwagen von 3 0 0 0 PS. wollen die Amerikaner den Weltrekord des Engländers Campbell angreifen und die 500- Kilometer-Marke erreichen. Da auch Campbell selbst seine Höchstleistung verbessern will, wird es also zu einem Kampf „3000 gegen 2600 PS" kommen. Die amerikanischen Interessen werden dabei von dem Rennfahrer Abe Jenkins wahrgenommen, der im Vorjahre einen 24-Stunden-Weltrekord fuhr. Brandenburg gewann das Endspiel um den Hockey-Silberschild in Berlin vor 2500 Zuschauern gegen Mitteldeutschland mit 2:1 (2:1). Die Deutsche Heeres-Waldlaufmei- sterschaft wurde zum vierten Male von Unteroffizier Schönfelder, Reiter-Rgt. 17 Bamberg, gewonnen. Der Mannschaftssieg fiel an die IV. Division Sachsen. Die klassische Fernfahrt Berlin- Cottbus— Berlin wurde bei den Berufs-, sahrern von Kroll vor Wolke und Sieronski gewonnen. Bei den Amateuren siegte überraschend der Frankfurter Löber. Bei der Internationalen Alpen- fahrt, die in diesem Jahre unter der Federführung des DDAC. abgewickelt wird, sind mehr als 30 Paß-Straßen mit einer Gesamthöhe von über 50 000 Metern zu überwinden. Die Fahrt beginnt am 8. August in Nizza und endet am 14. August in München. Statt jeder besonderen Anzeige. Am 6. d. M. entschlief sanft nach kurzem Krankenlager unsere gute, unvergeßliche Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Marie Schneider, geb. Christ Witwe des Lehrers Friedrich Schneider im 81. Lebensjahre. Für die trauernden Hinterbliebenen: Ernst Schneider, Rechtsanwalt und Notar. Heuchelheim, Gießen, den 7. April 1934. Die Beerdigung findet in der Stille statt — Von Beileidsbesuchen bittet man abzusehen. _________2161 D Dienstag, den 10. Avril 14 Uhr, sollen im „Löwen" hier, Neuenweg 28, bzw. an Crt und Stelle (Bekanntgabe erfolgt in obigem Lokal) zwangsweise gegen Barzahlung versteigert werden: Haus-, Laden- und Büromöbel aller Art, Stoffe,! Staubsauger, Klaviere,Pelzmützen,1 Nivellier- Instrument, 1 Friseurladen-Ein- richfung, Radios, 1 Notzhaar- zupf-, 1 Bohr-, 1 Noto- und Schreibmaschinen,iBielstemvel- stanze' Badeöfen, 1 Motor, eine Standuhr, Ladenkassen, 1 Bandschleifmaschine mit Motor, eine Schnellwaage, 1 Mikroskop, Luven, Kassenschränke. Bestimmt: 1 Zentrifuge,l^chrank- grammophomlMignon'Schreib- maschine, 2 Nachttischlamven, 1 Elektrolux-Wascher. 2165D Scharmann Gerichtsvollzieher k. A., Gießen Walltorstrabe 48, Telephon 3108. Die vorschriftsmäßige Deutsche Arbeitsfront --Mütze erhalten Sie bei August Waag Seltersweg 60. 2164D ZwecksBekärnpfungoer Schwarzarbeit können Arbeits-Ange- bote von Handwerkern nur mit Namensnen- Der bunte heitere Abend Willy Reichert nung u. unter Vorlage desGewerbenachweyes au genommen werben. Derlag desGtebenerAnzeigers findet nicht am 14. April, sondern erst im Monat Mai statt. — Gelöste Eintrittskarten werden von den Verkaufsstellen zurückgenommen. 21680 llllllllllllllll!lltlllllllll!llllllllllllll|]|llllllllllllilllllll|lll!llllllll!llll WA ID WEIBEL Die Lebensgemeinschaft des deutschen Waldes in Bildern 150 eigene Naturaufnahmen aus dem Tier- und Pflanzenleben des heimatlichen Waldes auf 128 Kupfertiefdrucktafeln, dazu ein lebendiger und aufschlußreicher Einführungstext von K. Gerhard und G. Wolff Der Wald ist der Gesundbrunnen unseres Volkes, ist die Stätte, wo jedermann nach des Alltags Mühen und Sorgen Ruhe und Erholung findet. Seine große Lunge spendet dem erschlafften Körper neue Kraft und Frische. Sein geheimes Weben ind sein stiller Zauber erheben die Seele zu Reinheit, Schönheit und Lebensfreude. Jeder Mensch hat ein Anrecht auf die Gaben des Waldes, die sich dem Naturfreund in einer unvergleichlich vielgestaltigen Lebensgemeinschaft bieten. Der Wald ist nicht nur eine Ansammlung von Bäumen, ein Stück Landschaft schlechthin. Er ist die Einheit eines mannigfaltigen Lebens und Webens. Jedes der ungezählten Wesen, vom stolzen Hirsch bis zum kleinsten Waldvöglein, von der ragenden Tanne bis zum taufrischen Pfeifengras, bietet dem offenen Auge und Ohr eine Fülle von Schönheit. Man muß sie nur erschauen und erlauschen. Zu solchem Schauen und Lauschen führt dieses wunderbare Buch, das jedem Menschen mit gesundem Sinn viel Freude bereiten wird und deshalb vor allem in der Bibliothek eines jeden Naturfreundes nicht fehlen darf. Trotz hervorragender Ausstattung auf holzfreiem Papier in künstlerischem Oanz- leinenband, Größe: 20 x26cm, nur RM. 4.80. — Das Buch ist in jeder Buchhandlung erhältlich. Bebilderte Werbeblätter kostenlos. Hugo Bermühler Verlag - Bin.-Lichterfelde