Nr. 13' Erstes Blatt 184. Jahrgang 5reitag. 8. Juni 1934 Erjchemt täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Mona-r-Bezugspreir: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Hernsprechanschlüfse unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen Postscheckkonto: Zransturt am Main 11686 Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfität§ Vuch- und bteindruckerei R. Lange in Giehen. Zchristleitung und Geschäftsstelle: Zchulftratze 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8"/,Uhr des Dormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text- anzeigen von70mm Breite 60Rpf..Platzvorschrift oder schwieriger Satz 25°/0 mehr Ermäßigte Grundpreise: Stellen-. Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf.. Familienanzei- gen. Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Allstral'eiitanztallSderReihe Vorgänge aus der Weltbühne, die den Fluß der Entwicklung in unerwartete Bahnen leiten, wirken gewöhnlich sensationell. Voraussagen werden bei solchen Gelegenheiten von Leuten laut, die sich in einem Uebermaß vorgegebener Weltklugheit gefallen und darauf aufbauend notwendig zu Trugschlüssen gelangen. Politische Spuksichtigkeit ist eine Gabe falscher Propheten. In das richtige Blickfeld gerückt, erscheinen die Dinge sehr häufig weit weniger alarmierend und durchaus natürlich. Australien tanzt aus der Reihe. Das ist zum Beispiel so eine Nachricht, die schwache Geister zu der unsinnigen Behauptung sich versteigen läßt, der neuerdings eingeschlagene Kurs australischer Handelspolitik sei ein sichtbares Zeichen für den bevorstehenden Auseinanderfall des britischen Weltreiches. Wie liegen in gerader Blickrichtung betrachtet hier die Dinge in Wahrheit? Die den Massenexport industrieller Erzeugnisse betreibenden weißen Weltmächte stehen in Abwehrfront gegen das japanische Dumping. In erster Reihe dieses erbitterten Kampfes um den Auslandmarkt steht das Brittsche Reich. Der Staatskunst des englischen Stammlandes war es bisher im wesentlichen gelungen, gegenüber dem Ausland eine einheitliche politische und wirtschaftliche Zielsetzung des erdumspannenden Reiches in allen seinen Teilen trotz der Streulage der einzelnen Glieder zu gewährleisten. Aus dieser Gewöhnung an den Lauf der britischen Sache läßt die Reise australischer Staatsmä nner nach Tokio das politische Bewußtsein der Welt aufmerken. Diese von der Regierung in Canberra entsandte diploma- ttsche Abordnung hatte nach der amtlichen Botschaft den Zweck, der Regierung des Mikado die freund- nachbarliche Zuneigung und Geneigtheit des australischen Bundesstaats zur Einleitung engerer Wirtschaftsbeziehungen auszudrücken. Der handelspolitische Vorstoß des Commonwealth of Australia, wie die offizielle Bezeichnung des „Landes der Sonne und des Südens" lautet, bedeutet zunächst nicht eine dem „Lapde der aufsteigenden Sonne" gebotene Anbiederung im Sinne der Bereitwilligkeit zur Beseitigung alter Gegensätze. Bevölkerungspolitisch namentlich bleibt für die japanischen Auswanderer das Tor nach den menschenleeren Landweiten Australiens zu geschlagen. Zu tief ist im australischen Volkstum das Rassenbewußtsein verwurzelt, als daß jemals eine ähnliche Rassenfrage wie in den Vereinigten Staaten von Nordamerika entstehen könnte.'Mag auch eine Kolonisation der ungeheuer fruchtbaren nördlichen Gegenden des Südseekontinents — die bei Einsetzung farbiger Arbeitskräfte mit außerordentlichem Nutzen möglich märe — für den germanischen Arbeiter wegen der für ihn unzuträglichen tropischen klimatischen Verhältnisse vorderhand undurchführbar fein, so wird doch im Vollzug der australischen Einwanderungsbestimmungen nie ein gelber Einwanderer hier eine Wirkungsstätte finden. Und ferner besagt die handelspolitische Maßnahme Australiens nicht ein Abrücken von der großen nationalen Politik des englischen Mutterlandes. Der Schrecken der „gelben Gefahr ist in keinem Lande der Welt so lebendig wie m Australien. Man weiß das aus Gesprächen mit Australiern, aus dem australischen Schrifttum. Immer wieder quillt die Furcht vor dieser Gefahr hoch, diese Angst in ihrer qualvolleren Ursprung- lichen Bedeutung, in ihrer Gebundenheit an Blut und Boden. Bei Berücksichtigung des überwältigenden zahlenmäßigen Mißverhältnisses zwischen der australischen und der gelben Bevölkerung und des von letzterer ausgehenden Expansionsdrucks erklärt ein Blick auf die Landkarte die Besorgnis der Australier. Bei einer Niederzwingung Englands durch eine auswärtige Macht stände, so ist man in Australien überzeugt, Australien auf verlorenem Posten. Neben anderen Bindungen schafft insbesondere diese Ueberlegung eine Kettung des politischen Geschicks Australiens an das des Mutterlandes auf Gedeih und Verderb. Es waren, wie an dieser Stelle erinnert werden mag, Australier hie in ihrer Opferwilligkeit für die englische ©adle auf den Schlachtfeldern des Großen Krieges von keinen anderen Angehörigen des angelsächsischen Volkstums überboten wurden Die australische diplomatische Mission nach Lokio bekundet demgegenüber lediglich die Anbahnung regerer wechselseitiger Betätigung auf einer Ebene, auf der zwischen den beiden Landern niemals Gegensätze schwerwiegender Natur bestanden haben. (?« ist dies keine plötzliche Entwicklung von gestern auf heute Schon seit langem hat sich in Australien die Ueberzeugung gefestigt, daß in dem wirtschaftspolitischen Spie l d er straf te m und um den fünften Erdteil die j apa n i f * e Karte auf die Dauer nicht zu übertrumpfen ist. Die durch Studienreisen nach den iananikben Inseln erweiterte und vertiefte Beschäftigung mit den sozialen und wirtschaftlichen Ver- häSen und mit der Sprache lenes machtvoll aufstrebenden Landes, ist eine vorausschauend gestellte Abgabe, mit der sich seit geraumer Zei nicht nur aroße Teile der jüngeren Generation m Austra- tien befassen. Die Beschaffenheit der einander raum- nahen wirtschaftlichen Bedingungen in Australien unö Japan weist beide Länder klar aufemanber hm. Die auf Australien mit besonderer Wucht heremge- brochene Weltwirtschaftskrise ha . nunmehr die Han- delspolitik des Landes zwangsläufig nach der n turgegebenen Richtung umgebogen. Je mehr die m wachsendem Maße zur Selbstversorgung schreitenden Kunden Europa und Amerika als Käufer auf dem australischen Markt a u s f i e l e n, wurde die australische Ausfuhrwirtschaft zum Absatz der' Ueber- produLtion an Nahrungsmitteln, Genußmitteln und Neue Wendung in Genf. Ein Kompromiß zwischen Barthou, Eden und Norman Davis zur Rettung der Konferenz. Deutschland fott auf diplomatischem Wege zur Rückkehr nach Genf eingeladen werden. Genf, 8. Juni. (Reuter. Funkspruch.) Es verlautet, daß eine Besprechung zwischen Eden, Barthou und Norman Davis am Donerstag kurz vor Mitternacht zu einer Einigung üb er den Wortlaut einer Entschließung geführt hat, die den verschiedenen Regierungen zur Genehmigung unterbreitet werden soll. Es wurde erklärt, die Lage sei „viel b e s s e r". Die Sitzung des Büros, die heute um 10.30 Uhr beginnen sollte, ist auf 14.45 Uhr verschoben worden. Um 16 Uhr wird der hauplausschuß der Konferenz zusammentreten. Der Sonderkorrespondent der „Times" meldet: Die Kompromißentschliehung, die heute dem Büro unterbreitet werden soll, ist das Ergebnis bedeutungsvoller Zugeständnisse der Franzosen. Die Notwendigkeit der Rückkehr Deutschlands zur Konserenz vor Fortsetzung der Konserenzarbeit wird anerkannt. Deutschland wird in diesem Zusammenhang zum ersten Male namentlich erwähnt. Die Notwendigkeit der Prüfung der Organisierung der Sicherheit wird ebenfalls anerkannt. Ferner nimmt man an, daß das Kompromiß grundsätzliche Vorsorge für Maßnahmen allgemeiner Abrüstung, also nicht nur Abrüstung in der Luft, trifft. Der Grundsatz wird an- erkannt, daß Verhandlungen für die Rückkehr Deutschlands zur Konferenz von den beteiligten Regierungen auf diplomatischem Wege und nicht durch den Apparat der Konferenz geführt werden sollen. Der Korrespondent berichtet ferner, daß an den gestrigen Erörterungen, die zu der vorläufigen Vereinbarung führten, hauptsächlich Eden, Norman Davis und der französische Marineminister P i e t r 1 teilgenommen hätten, während Barthou zwar abwesend, aber weniger aktiv gewesen sei. Später hätten sich noch Vertreter des britischen und des französischen Außenministeriums beteiligt. Der Korrespondent schließt: Falls die gemeldeten Einzelheiten richtig sind, stellt die Kompromißentschließung einen ausgesprochenen Erfolg des britischen Standpunktes gegenüber dem bisher von Barthou vertretenen Standpunkt dar. Viel hängt jetzt von der Haltung der Russen undder Kleinen (Entente ab. Wenn sich kein unerwartetes Hindernis ergibt, wird die Entschließung heute nachmittag dem Büro unterbreitet werden. Unter englischem Druck. Paris, 8. Juni. (DNB. Funkspruch.) „Echo be Paris" teilt mit, baß her englisch-französisch- amerikanifche Entschliehungsenirburf bie Lösung des Kernproblems nicht vorwegnehme, fonbern nur bas Verfahren betreffe unb ein Arbeitsprogramm barfteUe. Jnbesfen werbe Deutsch- lanb barin befonbers erwähnt, was barauf Hinweise, baß bie englische Auffassung einen gewissen Vorteil errungen habe. Ein Urteil sei jeboch erst nach Kenntnisnahme bes Dokuments möglich. Der Entschließungsentwurf werbe ben Regierungen Englanbs unb Frankreichs zur Billigung unterbreitet werben. In letzter Instanz werbe also Minifterpräfibent Doumergue am heutigen Vormittag zu entscheiben haben. Der Hinweis auf Deutschland scheint, soweit aus ben Genfer Berichten her französischen Presse hervorgeht, in ber Formulierung bes Wunsches, baß Deutschlanb auf bie Konferenz zurückkehren möge, zu bestehen. Die englische Delegation soll nämlich, wie übereinstimmend berichtet wirb, von ihrer Regierung bie Anweisung erhalten haben, sich in Genf auf nichts fe ft 3 ulegen, ohne baß bie Rückkehr Deutschlanbs gesichert sei. Lorbsiegelbewahrer Eben hat, schreibt Pertinar, ben Stanbpunkt aufrechterhalten, baß kein greifbares nützliches Ergebnis burch bie Abrüstungskonferenz erzielt werben könne, solange bie Deutschen nicht ihren Platz auf ber Konferenz mieber eingenommen hätten. Die englische Regierung halte es nicht für zweckmäßig, ihre Haltung zu erläutern, solange ber Platz Deutschlanbs leer bleibe. Jnsolgebessen wünschte Eben, baß in bem gemeinsamen Entschließungsentwurf em Paragraph ausgenommen werbe, ber eineformelleEinlabung an Deutschlanb enthält, sich auf ber Konferenz vertreten zu lassen. Barthou würbe bas Wiederkommen Deutschlanbs begrüßen, aber er wünschte keine Einlabung, bie es Deutschlanb gestatte, vorher Be- bmgungen zu stellen. Man mußte also eine Fassung finben.'.bie sowohl ber englischen wie ber französischen Auffassung gerecht werbe. Die Entschließung. Man rechnet mit dem Widerstand Nutzlands Paris, 8. Juni. (DNB.-Funkspruch.) Der Genfer Berichterstatter ber „Chikago Tribüne" will erfahren haben, baß ber Entschließungsentwurf, auf ben man sich in Genf angeblich geeinigt habe, ber Vermittlung von Norman Davis zu verbauten sei unb folgenbe fünf Punkte enthalte: 1. Anerkennung ber notwenbigen Teilnahme Deutschlanbs zu den weiteren Konferenzarbeiten; 2. Verhandlungen zwecks Rückkehr Deutschlands auf diplomatischem Wege und nicht mehr durch irgendein Konferenzorgan, wie die Engländer es ursprünglich gewünscht hätten; Berlin, 7. Juni. (DNB.) Nachrichten zufolge, die in ber ausländischen Presse in der letzten Zett verbreitet werden, soll in Genfdeutscherseits mit den Vertretern fremder Mächte über den Abschluß von Sicherheitspakten sowie über die Rückkehr Deutschlands zur Abrüstungskonferenz in Genf verhandelt worden fein. hierzu erfahren wir von unterrichteter Seite, daß die Nachrichten nicht zutreffend sind. Deutschland habe keine Veranlassung, seine bisherige Haltung zu ändern, da der Grund für das Ausscheiden Deutschlanbs aus ber Abrüstungskonferenz nach wie vor fortbeftehe. Für bie Annahme aber, daß der Genf, 7. Juni. (DNB.) In ber Geheimsitzung bes Dölkerbunbsrates am Donnerstag ist es nicht möglich gewesen, bie Mitglieber ber Saarab- stimmungskommission zu ernennen. Es ist noch immer nicht gelungen, ein schweizerisches Mitg 1 ieb für bie Kommission zu finben. Solange es aber zweifelhaft bleibt, ob bie ben Schweizern vorbehaltene Stelle überhaupt besetzt werben kann, gilt auch bie Ernennung bes schwedischen Gouverneurs R o b h s unb hollänbischen Mitgliebes be Jong nicht a l s enb gültig. Der Völkerbunbsrat beschloß, baß fein Präsident bie Ernennung ber Mitglieber ber Abstimmungs- kommission vollziehen soll, sobald bie entsprechenden Persönlichkeiten gefunben sinb. Dabei soll ber Präsibent sich mit anberen Mitgliebern bes Völker- bunbsrates in Verbinbung setzen. Da bie Rats- mitglieber jeboch nach Schluß ber Tagung von Genf abwesenb sein werben, wirb bem Völker- bunbssekretariat auf bie Zusammensetzung ber Abstimmungskommission ein erheblicher Einfluß eingeräumt. Das neue Verfahren erschwert natürlich bie Kontrolle burch bie öffentliche Meinung. Die Völkerbunbsorgane werben jetzt zu beweisen haben, baß sie im Sinne ber vom Dreierausschuß ausgeübten Tätigkeit eine wirklich neutrale unb unparteiische Zusam - 3. Anerkennung der Notwendigkeit, einen A u s- schuß zum Studium der Kontrolle und S i ch e r h e i t in der Form von Durchführungsgarantien für ein künftiges Abkommen einzusehen. Man glaube, daß die von Rußland befürworteten regionalen Sicherheitspakte offiziell in der Form parallel neben der Konferenz geführter Verhandlungen verankert werden würden; 4. Einsetzung eines Ausschusses zum Studium konkreter Abrüstungsvorschläge, d. h. zur Harmonisierung der verschiedenen der Konferenz unterbreiteten Denkschriften und Entschließungen im Hinblick auf die Ausarbeitung eines Abkommens; 5. Vertagung, bis der Präsident und das Büro der Konferenz glauben, daß in obigen vier Punkten hinreichende Fortschritte erzielt seien, um die Wiedereinberufung der Konferenz zu gestatten. Der Berichterstatter weist darauf hin, daß die sowjetrufsische Delegation bem Entschlie» ßungsentwurf ablehnenb gegenüberstehe und man in gewissen Kreisen bamit rechne, baß Sow- jetrußlanb Genf verlassen würbe, falls ber Entwurf angenommen werben sollte. Grund, der die Reichsregierung zu ihrem Vorgehen veranlaßt habe, infolge der Genfer Vorgänge in Fortfall gekommen fei, fei kein Anlaß gegeben, zumal der französische Außenminister noch in seiner letzten Rede erklärt habe, die Haltung Frankreichs bleibe unverändert. — Diese läuft bekanntlich auf eine Verlängerung ber Diskriminierung Deutschlanbs hinaus. — Es sei kein Zweifel darüber vorhanden, daß die Reichsregierung fest entschlossen sei, nach Genf nicht zurückzukehren, bevor nicht bie Der« wirk 1 ichung der deutschen Gleichberechtigung so, wie sie sich auf Grund der deutsch - englisch - italienischen Verhandlungen darstelle, f i ch e r g e st e 111 sei. mensetzung ber Abstimmungskommission herbeizuführen entschlossen sinb. Nur so kann bie Arbeit dieses wichtigen Organs im Saargebiet ber Entspannung unb ber reibungslosen Durchführung ber Abstimmung selbst bienen. ©er Reichskanzler dankt dem Vizekanzler und Freiherr« von Lersner. Berlin, 7. Juni. (DNB.) Der Reichskanzler empfing Freiherrn von Lersner zum Bericht über ben Verlauf feiner Genfer Verhand- langen über bie Saarabstimmung unb sprach ihm seinen Dank aus. An ben Vizekanzler richtete er folgendes Schreiben: „Enblich ist bie Festsetzung bes Abstimmungstermins für bas Saargebiet erfolgt. Aus biefem Anlaß muß ich Ihnen, Herr von Papen, als bem von mir mit ber Wahrnehmung ber Saar» intereffen Beauftragten, ben aufrichtigsten Dank aussprechen. Die aufopferungsvolle unb um ermübliche Arbeit, mit ber Sie für bie Rückkehr bie- fes Gebietes in bas beutsche Vaterlanb kämpften, hat für alle Deutschen unb bamit auch für Sie ben schönsten Lohn erhalten. Mit bem Ausbruck bes Vertrauens unb Dankes Ihr ergebener gez. Ab 0 lf 5)itle r." Deutschland kehrt nicht nach Gens zuriirk, bevor nicht die Gleichberechtigung verwirklicht ist. Roch keine Saarabstimmungskommission ernannt Heute beginnt die Berkehrserziehungswoche im ganzen Reich. inbuftriellen Rohstoffen an ben aufnahmefähigen japanischen Abnehmer verwiesen. Offenbar haben auch bie innerpolitischen Schwierigkeiten in Australien, ber Gegensatz zwischen bem rein agrarischen Westen unb Dem im inbuftrieUen Aufbau be» finblichen Osten bes ßanbes, zu bem ro*r^ic9£J‘55 diplomatischen Schritt in Tokio beigetragen. Dem Kunben Japan, ber ben englischen Käufer an Einwohnerzahl fast um bas hoppelte übertrifft, werben als Gegenleistung in ber Folge im Ausbau bes angestrebten Handelsaustausches unzweifelhaft erhebliche Erleichterungen hinsichtlich ber Ausfuhr industrieller Fertigwaren nach Australien zugestanden werben. Lebiglich insoweit also ist Australien im Begriff, aus ber Linie ber gesamtbritischen Politik auszubrechen. Es greift in wirtschaftlichem Notstanb zu einer Selbsthilfeaktion, bie mit ben ihm in seiner Eigenschaft als Dominion gegebenen Freiheiten unb bamit mit seiner staatsrechtlichen Stellung im britt- schon Weltreich burchaus vereinbar ist. Berlin, 7. Juni. (DNB.) Am Donnerstagnachmittag berichtete Polizeihauptmann Titel vor Pressevertretern ausführlich über bie Verkehrserziehungswoche, bie im ganzen Reichsge - biet vom 8. Juni bis 17. Juni 1934 statt- finbet. Es ist bas erstemal in ber Geschichte bes Verkehrs, so sagte er, baß eine Verkehrserziehung nach einheitlichen Gesichtspunkten im ganzen Reich burchgeführt wirb. Nachdem ber Führer, Reichskanzler Aböls Hitler, besonbers bem Kraftfahrzeugverkehr bie Wege geebnet hat, haben wir in nächster Zeit mit einem gewaltigen Anwachsen bes allgemeinen Straßenverkehrs zu rechnen. Die Volksgenossen müssen deshalb auf hiefen Verkehr vorbereitet werben. Außerbem muh Vorsorge getroffen werben, baß mit ber Zunahme bes Verkehrs nickst etwa in gleichem Verhältnis auch bie Verkehrsunfälle steigen. 3m Deutschen Reich sind in den letzten Jahren alljährlich etwa 8 0 0 0 Personen bei Verkehrsunfällen getötet worden oder an den Verletzungen erlegen. Etwa 250 000 Personen werden alljährlich erheblich verletzt; in 200 000 Fällen entstand umfangreicher Sachschaden. Die Verkehrsunfälle verursachen alljährlich einen Kostenaufwand von 265 Millionen Mark. Der größte Teil der Verkehrsunfälle wird durch rücksichtsloses und unaufmerksames Verhalten verschuldet. Hier gilt es, den Hebel anzusetzen. Die meisten Derkehrsunfälle ereignen sich an den Straßenkreuzungen. Es ist tatsächlich so, daß bei Verkehrsunfällen sehr selten nur einer der Beteiligten schuld hat. Gewöhnlich haben sich beide nicht richtig verhalten. Hauptforderung ist, daß jeder Fahrer vor der Kreuzung- seine Geschwindigkeit selbst nach der vorhandenen Uebersicht so stark herabsetzt, daß das Fahrzeug rechtzeitig angehalten werden kann. Die Fußgänger dürfen die Fahrbahn nicht gedankenlos betreten. Sie müssen zuvor Umschau halten und auch auf Fahrzeuge achten, die ein- biegen wollen. Beim Einbiegen ist eine besonders geringe Geschwindigkeit notwendig. Die Fahrzeugführer sollten es sich angewöhnen, Fußgänger, die sich auf der Fahrbahn befinden, er st vorüberzulassen. Auch sollen sich die Fahrer nicht zu sehr auf ein ihnen etwa zustehendes Vorfahrtrecht verlassen. Die Wahrnehmung eines vermeintlichen Rechtes darf nicht dazu führen, den Verkehr zu gefährden. Auch auf Hauptverkehrswegen muh jeder Fahrer so fahren, daß er an Kreuzungen mit anderen Straßen nötigenfalls rechtzeitig anhalten kann. Der Mißbrauch der Hupe muß noch weiter eingeschränkt werden. In zunehmendem Blaß waren in den letzten Jahren die Radfahrer an den Verkehrsunfällen beteiligt, so in Berlin 1929 mit 11 v. H. und 1933 gleich 22 v. h. Andere Fahr- zengführer sollen immer ausreichenden A b st a n d vom Radfahrer halten. Aebertre- tungen der verkehrspolizeilichen Bestimmungen und die Außerachtlassung der notwendigen Rücksichtnahme sind bei Radfahrern besonders häufig. Es gibt nur das Fahren zu einem hintereinander- gestaffelt; zu zweien nebeneinander darf nur gefahren werden, wenn für den übrigen Verkehr genügend Platz ist. Eine große Unsitte im Radfahr- verkehr ist das Ueberholen von Kraftfahrzeugen und das kurze Vorbiegen. Ueber die Fehler, die die S t r a ß e n b e n u tz e r im Verkehr begehen, läßt sich noch sehr viel mehr sagen. Während der Verkehrserziehungswoche werden die Der- kehrssünder auf das Gefährliche ihres Verhaltens hingewiesen werden. Danach sollen dann polizeiliche Strafmaßnahmen mit aller Schärfe einsetzen. Reichspräsident von Hindenburg begrüßt den Rot-Kreuzlag. Berlin, 8. Iuni. (DRB.) Als Schirmherr des Deutschen Roten Kreuzes hat Reichspräsident Generalfeldmarschall von Hindenburg dem Rotkreuztage, der am nächsten Sonntag, dem 10. Juni, überall im Reich begangen wird und mit einer Sammlung zugunsten der segensreichen Einrichtungen des Deutschen Roten Kreuzes verbunden ist, die folgenden Begrüßungsworte gewidmet: „Als Schirmherr des Deutschen Roten Kreuzes begrüße ich den Rotkreuztag 1934 mit meinen herzlich st en Wünschen. Die Liebesarbeil des Deutschen Roten Kreuzes hat in den langen Jahren seines Wirkens Tausenden unserer Volksgenossen im In- und Ausland Hilfe gebracht und viele Sorgen gelindert. Wöge der heutige Tag erneut den Gei st der Volksverbundenheit und Opferwilligkeit der Deutschen bekunden und dem Roten Kreuz die Wittel bringen, die es für feine weitere Arbeit braucht." Berlin, zum 10. Juni 1934. Mißglückter putsch in Litauen. Oer ehemalige Diktator Woldemaras in den Händen der Polizei. — Staatspräsident Smetona Herr der Lage. Tilsit, 7. Juni (DNB.) Wie aus Kowno gemeldet wird, hat in der Nacht zum Donnerstag ein Militärputsch stattgefunden, der von den Anhängern des ehemaligen Ministerpräsidenten Woldemaras in Szene gesetzt wurde. Wolde- maras wurde noch in der Nacht im Flugzeug von Staatspräsident S m e t o n a. MW WMWS Der frühere Ministerpräsident Woldemaras. einem Derbannungsort in die Nähe von Kowno lebracht. Er wurde von seinen Anhängern zum Ministerpräsidenten ausgerufen und hält sich im Generalstabsgebäude auf. Woldemaras soll dem Staatspräsidenten Smetana eine Reihe von Bedingungen in ultimativer Form gestellt haben. Smetana scheint es abgelehnt zu haben, mit den Aufständischen überhaupt zu verhandeln, worauf die Revolte an der festen Haltung der Behörden offenbar binnen wenigen Stunden zusammen- gebrochen ist. Darüber gibt eine amtliche Mitteilung der Litauischen Telegraphenagentur Aufklärung. In ihr heißt es: Im Zusammenhang mit einem von der Kownoer Garnison durchgeführten Alarm und einigen damit verbundenen Zwischenfällen hat sich herausgestellt, daß eine Gruppe von Offizieren unter der Deckung des Alarmzustandes einen Druck auf die Obrigkeit der Republik in der Richtung auszuüben versuchte, daß die jetzige Regierung zugunsten einer von Wolde- maras zu bildenden Regierung umgebildet werde. Nachdem der Staatspräsident derartige Versuche auch nur zu erörtern entschieden ablehnte, ist der Chef des Generalstabes, Generalleutnant Kubiliunas zurückgetreten. An seine Stelle tritt Generalleutnant I a ck u s. Woldemaras, der von einem Fliegeroffizier schon am frühen Morgen in einem Flugzeug aus feinem ständigen Verbannungort Zarazai nach Kowno gebracht worden war, wurde nach einigen Stunden Aufenthaltes im Bezirk der Mili- tärflieger von den Fliegeroffizieren selbst dem Generalstab und von diesem den Organen der Staatssicherheitspolizei übergeben. Er befindet sich zur Zeit zu deren Verfügung. Somit sind alle Gerüchte über einen Umsturz und über die Bildung einer Regierung durch Woldemaras erfunden. Im ganzen Lande und in allen Armeeteilen herrscht vollkommene Ruhe und Disziplin. Von den Beteiligten an dem undisziplinierten Auftritt find sieben verhaftet worden. Einige halten sich noch verborgen. Der Eiserne Wolf. In der Geschichte des jungen litauischen Staates steht Woldemaras an erster Stelle, denn er war es, der 1917 unter der Kerenski-Regierung die Aufrichtung eines unabhängigen Staates Litauen forderte. Woldemaras stand seit der Aufrichtung Litauens an der Spitze der Partei, die, auf mitteleuropäische Begriffe übertragen, etwa völkische Ziele verfolgt. Aus dieser Auffassung heraus war gerade Woldemaras nicht mit der Außenpolitik der früheren litauischen Regierung einverstanden, weil er und seine Freunde eine Politik der Unversöhnlichkeit gegen Polen vertraten. Die Wilna-Frage war für Woldemaras immer das Kernstück der litauischen Politik, zumal auf der anderen Seite auch polnische Nationalisten die Besetzung und Durchdringung Litauens forderten, um diese Reibungsfläche ein für allemal auszuschalten. Woldemaras hat Litauen drei Jahre lang diktatorisch regiert unter Ausschaltung des Landtages, unter bewußter und gewollter Mißachtung der parlamentarischen Demokratie. In diesen drei Jahren hat Woldemaras versucht, Litauen außenpolitisch zu festigen, teils durch Lösung der Wilna-Frage im Sinne eines Groß-Litauen, teils aber auch durch Bereinigung des Memelproblems, also durch Herstellung eines friedlich-schiedlichen Verhältnisses zu Deutschland. Wenn auch Woldemaras' Stärke in der Außenpolitik lag, so war er doch nicht blind für wirtschaftspolitische Tatsachen, vor allem in der Form, daß Litauen wirtschaftlich wesentlich von Deutschland abhängig war und ist. Im Außenhandel Litauens hat Deutschland seit der Begründung dieses baltischen Staates weitaus an erster Stelle gestanden, wobei der Warenaustausch mit dem Memel- gebiet außer Ansatz bleibt. Daß Woldemaras gestürzt wurde, ehe es ihm gelungen war, irgendwie greifbare außenpolitische Erfolge zu erzielen, erklärt sich durch die ungewöhnlich verworrenen parteipolitischen Zustände Litauens. Die parteibildenden Kräfte Litauens sind nicht durch soziologische und politische Tatsachen bestimmt, sondern in der Hauptsache durch persönliche Einflüsse, sowie durch den Machthunger einiger ehrgeiziger Politiker. Immerhin hatte es Woldemaras verstanden, Litauen zeitweilig in den Vordergrund der öffentlichen Meinung Europas zu schieben, nicht nur in den Wochen, wenn der Völkerbund in Genf tagte, sondern auch bann, wenn der Diktator sich mit seinen innerpolitischen Gegnern herumschlagen mußte. Woldemaras' Stellung war stark und unangreifbar, solange er es verstand, sich mit den führenden Offizieren gut zu stellen, wobei ihm zunächst ein gewisser Rückhalt an den Staatspräsidenten Dr. S m e t o n a sicher mar. Aber feine Gegner nützten schon 1928 die wachsende wirtschaftliche Notlage des kleinen Landes aus, eine Notlage, die vor allem die Landwirtschaft zu spüren bekam. Woldemaras war klug genug, um frühzeitig zu erkennen, daß seine Diktatur erschüttert war, zumal der Versuch, ihn im Frühjahr 1929 gewaltsam zu beseitigen, mehr war als nur ein Warnungszeichen. Trotzdem er den Landtag ausgeschaltet hatte, brachten es seine innerpolitischen Gegner fertig, seinen Sturz im Herbst 1929 durch eine Kundgebung des Mißtrauens her- beizuführen. Es ist kennzeichnend für die krisenhafte Zuspitzung der innerpolitischen Verhältnisse Litauens, daß auch die Männer in die Reihen seiner Gegner übergetreten waren, die gemeinsam mit Woldemaras die Regierung geführt hatten. So wurde der Finanzminister des Diktators, T u b e l i s, vom Staatspräsidenten mit der Bildung einer neuen Regierung beauftragt. Ein persönlicher Freund-Woldemaras', der ehemals preußische Referendar Z a u n i u s, wurde Außenminister, als welcher er in Genf wiederholt Zeugnis dafür ablegte, von den lebenswichtigen Belangen Litauens wenig oder gar nichts zu verstehen. Das wird schließlich bestätigt dadurch, daß es mit Litauen nach dem Sturze Woldemaras' überall rückwärts gegangen ist, insbesondere außenpolitisch, Litauen hat sich überall zwischen zwei Stühle gesetzt. Immerhin war die Persönlichkeit Woldemaras' auch nach seinem Sturze als Diktator stark und un- abhängig genug, um selbst durch den Hochverratsprozeß nicht erschüttert zu werden. Woldemaras wurde f r e i g e s p r o ch e n , trotzdem er inzwischen seine Anhänger in einem Verband um sich geschart hatte, dem er den Namen „Eiserner Wolf" beilegte. Dieser Verband wurde zwar aufgelöst, aber die Anhänger Woldemaras' blieben trotzdem in enger Verbindung mit dem Diktator. Woldemaras hatte vorübergehend das Land verlassen, war aber freiwillig wieder zurückgekehrt und von der Regierung Tubelis zwangsweise im Kreise Krottingen angesiedelt worden. gez. von Hindenburg. Reichsbeihitfe zur Förderung der Flurbereinigung. Berlin, 7. Juni. (DNB.) Der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft wird im laufenden Rechnungsjahr zwei Millionen RM. zur Förderung der landwirtschaftlichen Grundstückszusammenlegung (Flur- oder Feldbereinigung) zur Verfügung stellen. Durch Beihilfen aus diesen Mitteln soll eine Steigerung und B e - schleunigung der Umlegung landwirtschaftlicher Grundstücke erzielt werden. Diese Mittel sollen nicht an die Stelle der bisherigen Aufwendungen der Länderregierungen für die Grundstücksumlegung treten und sie entlasten, vielmehr soll den beteiligten Grundstückseigen- tümern die Tragung der Kosten, die sie für Vermessung, Abmarkung usw. tragen müssen, e r - leichtert werden. Die Anträge auf Bewilligung von Beihilfen sind über die ßänberregierungen dem Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft vorzulegen. Die im W e ft e n und Süden des Deutschen Reiches weitverbreitete Besitzzersplitterung ist ein Hindernis für jeden landwirtschaftlichen Fortschritt. Wenn die Bauern und Landwirte ihrem Besitz Höchsterträge abringen und die Errungenschaften der heutigen Landwirtschaft zur Anwendung bringen sollen, müssen zunächst ihre zahlreichen Parzellen gleichen Ausmaßes zu wenigen gut zu bearbeitenden, durch Wege aufgeschlossenen Plänen zusammengelegt, die zahllosen Grenzraine beseitigt und O e d - ländereien kultiviert werden. Durch die Einführung des Reichserbhofgesetzes ist — soweit die beteiligten Grundstücke Erbhöfe sind — Gewähr dafür geboten, daß die unter Aufwendung öffentlicher Mittel erzielten Erfolge nicht durch neue Erbtei lungen wieder verloren gehen. Staatssekretär Meißner als Zeuge im Gereke-prozeß. Berlin, 7. Juni (DNB.) Im Prozeß gegen den früheren Arbeitsbeschaffungskommissar Dr. Gereke wurde über den Anklagekomplex „Hindenburg-Ausschuß" auch der Staatssekretär beim Reichspräsidenten, Otto Meißner, als Zeuge gehört. Der Vorsitzende erklärte dem Zeugen, daß es sich um die Frage handele, ob er etwas davon gewußt habe, daß aus den Mitteln des Hindenburg-Ausschusses Beträge beiseitegestellt wurden, die zur Gründung einer Zeitung bestimmt sein sollten. Zeuge Meißner: Davon habe ich nichts gewußt. Wohl aber hatte ich Kenntnis von der Absicht der Gründung einer 3 e i » t u n g. Während des ersten und zweiten Wahl- aanges zur Reichspräsidentenwahl wurde wiederholt davon gesprochen, daß es notwendig sei, eine überparteiliche nationale Zeitung zu gründen. An diesen Besprechungen, die hauptsächlich im Herrenklub stattfanden, nahm außer Dr. Gereke auch Oberst von Hindenburg, Herr von Keudell, Dr. Regendanz, Freiherr von Gleichen und ich selbst teil. Gedacht war an eine Zeitung, die unabhängig von Partei-, Industrie- und Wirtschaftsgruppen sein und keinen Gewinn abwerfen sollte. Die Schwierigkeiten setzten sofort bei der Frage der Finanzierung ein. Dr. Gereke erklärte sich als einziger bereit, Gelder zur Verfügung zu stellen, und nannte dabei die Summe von 50 000 RM. Später hörte ich davon, daß dieser Betrag auf 100 000 RM. erhöht werden sollte. Es ist mir unbekannt, aus welchen Mitteln diese Gelder von Dr. Gereke kommen sollten. Er hat nichts davon gesagt, aber ich nahm an, daß es sich um Ersparnisse des Hindenburg-Ausschusses handelte. Im Juni 1932 wurde der Plan dann endgültig begraben, weil die Versuche, andere Geldgeber zu gewinnen — die Durchführung des Projektes erforderte 500000 RM. — scheiterten. Vorsitzender: Auch Herr von Schleicher soll bei der Angelegenheit beteiligt gewesen sein? — Zeuge Meißner: Herr von Schleicher hat an den Besprechungen nicht teilgenommen. Er hatte während seiner Kanzlerschaft eine ähnliche Idee, die aber mit dem Plan Dr. Gerekes nichts zu tun hatte. — Vorsitzender: Dr. Gereke behauptet, er könne über die Dinge keine restlose Aufklärung geben, weil er durch ein Ehrenwort g e - ounben sei. — Zeuge Meißner: Mir ist von einer solchen ehrenwörtlichen Bindung nichts bekannt. Aufnahmesperre für die Deutsche Arbeitsfront. Berlin, 7. Juni. (DNB.) Der Führer der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Robert Ley, hat folgende Anordnung herausgegeben: „Da zurzeit der neue Ausbau der DAF. im vollen Gange ist, wird bis zur Beendigung desselben der Beitritt zur DAF. gesperrt. Die Sperre ist eine allgemeine. Keine Gliederung der DAF. ist befugt, Ausnahmen zu gestatten. Insbesondere ist es verboten, über wirtschaftliche und soziale Einrichtungen indirekte Werbungen für die DAF. vorzunehmen. Wo solche veranlaßt werden, werden diese von der Deutschen Arbeitsfront nicht anerkannt und ausdrücklich für nichtig erklärt." Oie HZ. im Kampf gegen das MieSmachertum. Köln, 6. Juni. Die Presiestelle des Obergebietsführers West der Hitlerjugend meldet: Im Rahmen der großen Abwehraktion der Sabotageversuche der Reaktion, der Miesmacher und Nörgler spricht der Reichspressechef der Hitlerjugend, Gebietsführer Gustav S t a e b e - Berlin am 15. Juni in Mainz und Frankfurt a. M. Was bietet die Deutsche Siedlungsausstellung? In München findet vom 9. Juni bis 7. Oktober die Deutsche Siedlungsausstellung (DDA.) statt. Sie umfaßt vier Teile, die zusammen die größte und am sorgfältigsten vorbereitete Ausstellung dieser Art bilden, die Deutschland in den letzten Jahren gesehen hat. In der H a 11 e n a u s ft e 11 u n g sollen die technischen, künstlerischen, finanziellen und organisatorischen Grundlagen der Wohnsiedlung des Hauses, der Wohnung und des Gartens gezeigt werden. Die Ausstellung „Kunst und Leben" will der Kunst des Heimes dienen und praktische Anleitungen bieten: Das richtige Bild an der richtigen Wand, eine Plastik auf dem Bücherregal, eine reizvolle Keramik zwischen Gartensträuchern, ein gemaltes Hauszeichen über der Eingangstür des Hauses. „Garten und Heim" wird das Abbild der Lebensfreude sein. Diele Gärten beengen und bedrängen den Besucher, anstatt ihn aufatmen au lassen. Die meisten Gärten geben nicht halb soviel an Wirkung her, wie ihr Besitzer an Geld und Mühe hineingesteckt hat. Das Gefühl des Geschützt- und Geborgenseins, durch „Blickschutz und Windschutz", das erfordert ein gewisses Maß von Kenntnis und Kunst. Auch die Klaviatur der wechselnden Jahreszeiten mit ihren unendlichen Möglichkeiten an einheimischen und fremden Gewächsen will zu spielen gelernt sein. Im Mittelpunkt aber steht die Mustersied - lung Ramersdorf. Hier werden die der Hallenschau auseinandergelegten Elemente des Bauens Frankreich ist schuld an dem Genfer Fehlschlag. Kritik desErzbischofsvon Canterbury. London, 7. Juni. (DNB.) Der Erzbischof von Canterbury, der Primas der anglikanischen Kirche, hat auf der Synode seines Sprengeis die Haltung der französischen Regierung auf der Abrüstungskonferenz einer scharfen Kritik unterzogen. Man stehe vor der Tatsache, daß aufrichtige und ernste Bemühungen mit einem bedauernswerten und kläglichen Mißerfolg in Genf geendet hätten. Der Erzbischof betonte ausdrücklich, daß er den französischen Jnvasionsängsten voll Rechnung trage. Er sei sich auch darüber klar, daß England in vieler Hinsicht in einer ganz anderen Lage sei als Frankreich. Trotzdem müsse er d i e von Barthou in Genf eingenommene Haltung bedauern. Es herrsche wohl in vieler Hinsicht keine Bereitschaft, das bestehende Risiko noch zu erhöhen. Gewisse Besorgnisse seien vorhanden, und zwar seien sie, so meinte der Erzbifchof, nicht so sehr durch irgendwelche Dinge heroorgerufen, die offiziell von Deutschland vorgeschlagen worden seien, sondern durch die Erklärungen, die man aus Deutschland höre. Aber, so fuhr der Erzbischof fort, meiner Meinung nach wäre es gerade wirkliche Staatskunst zu erkennen, und Wohnens zusammengesetzt, fertig gebaut. Dieser Teil der Ausstellung ist bewohnbar — und nach Schluß der Ausstellung wirklich bewohnt. Am 26. Februar wurde mit den Erdarbeiten begonnen; am 20. April fand das Richtfest statt; am 9. Juni wird die „kleine Stadt" mit 200 Häusern schlüsselfertig fein. Jedes Haus bietet einer öföpfigen Familie Wohnraum und kann bei größerem Kinderreichtum in den meisten Fällen noch ausgebaut werden. Vier Grundtypen, aber 34 verschiedene Haustypen, jeder angemeffen anderen Wohnbedürfnissen! Don 17 meist jüngeren Architekten entworfen, zeigen diese 34 Haustypen, wie das Gesetz vom „höchsten Wirkungsgrad" von selbst hinführt zu einer erfreulichen Abwechslung. Auffallend ist der eigenartige Grundriß; fein Geheimnis ist: Alle 200 Wohnsei - ten sehen zur Sonne! Jedes der Häuser wurde an die Nordseite feines Grundstückes gesetzt, so daß der Garten nach Süden liegt und der Blick aus den Hauptwohnräumen immer ins freundliche, sonnige Grün geht. Die Finanzierung wird sich aus Eigenkapital, einer ersten Hypothek bis zu 60 Prozent der Gestehungskosten, welche auf 28 Jahre mit etwa 6 Prozent Annuität (4 Prozent Zins und 2 Prozent Amortisation) gewährt wird, und einer zweiten Hypothek aus Staatsbaudarlehen zusammensetzen, also für zukünftige Verhältnisse ein annähernd normales Beispiel sein können. Die monatliche Belastung wird sich für den Eigentümer auf rund 100 RM. stellen. dast die einzigwirklicheGesahrsür Frankreich in der Verewigung der Feindschaft mit Deutschland bestehen würde. Wenn Frank- reich die vernünftig st en Vorschläge, die Deutschland unterbreitet, verächtlich verwirft, dann wird dieses Gefahrenmoment freilich in verstärktem Maße fortbestehen. Nach meiner Meinung liegt auf der Hand, was der beste Weg ist, um ein solches Risiko zu vermeiden, nämlich: alles denkbare zu tun, um Deutschland an dem z u hindern, was es zweifellos tun wird, wenn die Abrüstung scheitert, nämlich a u f z u r ü st en . Sicher ist es besser, daß die deutsche Forderung nach Wiederaufrüstung in vernünftigen Grenzen gehalten wird. Ich glaube, daß das Auftre- ten Frankreichs in weitgehendem Maße für den Fehlfchlag in Genf verantwortlich zu machen ist. Marxisten stören eine Faschistenversammlung in London. London, 8. Juni. (DNB.) Die zweite Versammlung der englischen F a s ch i st e n p a r t e i des Sir Oswald Mosley in der Messehalle im Londoner Stadtteil Olympia war bis auf den letzten Platz gefüllt. Bereits vor Beginn der Versammlung versuchten organisierte Marxisten die Teil- Krankheitsurlaub des Stabschefs. Berlin, 7. Juni. (DNB.) Das Presseamt der Ober st en SA.-Führung teilt mit: „Der Stabschef der SA., Reichsminister Ernst Röhm, hat einen mehrwöchigen Krankheitsurlaub angetreten. Dieser Urlaub wurde dem Stabschef von seinen Aerzten zum Zwecke eines notwendig gewordenen Kurgebrauches verordnet. Um allen Mißdeutungen, die daran etwa geknüpft werden könnten, von vornherein vorzubeugen, laßt der Stabschef erklären, daß er nach Wiederher ft ellung seiner Gesundheit sein Anzt in vollem Umfange weiterführen wird. Ebenso wird auch die SA. nach ihrem wohlverdienten Juli-Urlaub neu gestärkt und unverändert ihre großen Aufgaben im Dienste des Führers und der Bewegung erfüllen." Schaffung einer einheitlichen Frauenorganisation. Frankfurt a. d. O., 7. Juni. (DRB.) Im Rahmen der Reichsverbandstagung des B e r b a n - des Deutsche Frauenkultur hielt Frau Gertrud S ch o l tz - K l i n k, die Führerin der NS.- Frauenschaft, des Deutschen Frauenwerkes und des weiblichen Arbeitsdienstes einen Vortrag zum Thema „Frau und Volk", in dem sie u. a. ihr Ziel bekanntgab, aus den noch bestehenden 31 verschiedenen Frauenverbänden und -Vereinen eine Einheitsorganisation „Deutsche Frau" zu schaffen, eine Organisation, mit der der Führer rechnen könne. Wenn die verschiedenen Organisationen ihre be sonderen Aufgaben gehabt hätten, so sollten sie auch fernerhin in einzelnen Abteilungen dieser Einheitsorgani- sation f o r t g e f ü h r t werden. Das Deutsche Frauenwerk werde die Zentralstelle für das Leben der deutschen Frau schaffen, womit die Garantie für eine klare Linie im Schaffen der Frau gegeben sei. Kleine politische Nachrichten. Der Stabsleiter der PO. und Fübrer der Deutschen Arbeitsfront, Staatsrat Dr. Ley, hat den Reichshandwerksführer W. G. Sch mib t zum Abteilungsleiter im Amt N S. - H ago der Obersten Leitung der PO. und gleichzeitig zum Führer der R e i ch s b e t r i e b s g e m e l n - fchaft Handwerk in der Deutschen Arbeitsfront ernannt. Diese Anordnung bezweckt die einheitliche Führung des Handwerks in Partei, Arbeitsfront und Wirtschaft. Das Verbot der „Grünen Post" ist mit sofortiger Wirkung aufgehoben worden. nehmer am Betreten der Halle zu verhindern. Während der Versammlung selbst kam es öfter zu lauten Zwischenrufen. Die glänzend organisierte Schutz- staffel der Faschisten setzte aber die Störensriede, die teilweise in die eiserne Dachkonstruktion der Halle geklettert waren, sofort an die frische Luft. Mosley wandte sich gegen die Paktpläne Litwinows. England solle sich nicht dafür hergeben, die russische Grenze zu beschützen. England wolle auch keinen einzigen Soldaten für Streitigkeiten auf dem europäischen F e ft - lande aufopfern. Aber nur ein starkes England könne Einfluß in der Welt haben. „Das Recht gehört dem Starken und nicht dem Schwachen." Mosley setzte sich daher für eine sofortige Aufrüstung Englands in der Luft und für eine Modernisierung und Mechanisierung der englischen Armee ein. Rach Schluß der Versammlung wurden Faschisten, die im Kraftwagen abfuhren, von Kommuni- st e n angegriffen. Es wurden zahlreiche Stinkbomben geworfen. Kurz vor Mitternacht marschierte die Hauptmasse der Faschisten, ungefähr 5000 Mann stark, von berittener Polizei begleitet, nach dem Hauptquartier in Chelsea. Man sah, daß viele hinkten und von ihren Gefährten gestützt wurden, einige wiesen Verletzungen an Kopf und Gesicht auf. Dutzenden waren die Hemden in Fetzen gerissen. Die Polizei verhinderte die Menge, ihnen zu folgen, so daß es in Chelsea keinen Zwischenfall mehr gab. Goldfelder in Ostafrika. Bekanntlich ist für den Beschluß des Landesrates von Deutsch-Südwe st - Afrika, das Gebiet der Südafrikanischen Union anzugliedern, die Tatsache mitbestimmend gewesen, daß im alten deutschen Schutzgebiet große Goldfunde gemacht wurden. Die deutsche Minderheit des Landesrates hat an der Abstimmung nicht teilgenommen, weil jener Antrag den internationalen Verträgen zuwiderläuft und es ist nicht anzunehmen, daß die englische Regierung eine solche Verletzung des bestehenden Rechts im jetzigen Zeitpunkt mitmachen werde. Aber auch aus dem ehemaligen D e u t s ch - O st- a f r i k a werden Goldfunde größeren Umfangs gemeldet. Wie aus London berichtet wird, ist eine Gruppe von Sachverständigen von der Erforschung eines der bedeutendsten Goldfelder in Ostafrika zurückgekehrt, und ihre Berichte sind so günstig, daß private Gesellschaften sich bereits entschlossen haben, die Finanzierung zu übernehmen. Das neue Goldfeld liegt in dem Lupa-Gebiet des alten Deutschoftafrika. Dort wurde schon im Jahre 1922 Gold entdeckt, aber es hat bisher noch nie eine fachmännische Durchforschung und Untersuchung, geschweige denn eine Ausbeutung stattgefunden. Die Regierung hat schon längst den Wunsch gehabt, kapitalsichere Interessenten zu finden und hat der neuen Gesellschaft bereitwillig eine Reihe von Konzessionen erteilt, die u. a. die Lösung der so wichtigen, aber schwierigen Transportfrage erleichtern sollen. Die Gesellschaft will zugleich zwei Millionen RM. darauf anwenden, den Urwald in Landwirtschafts- und Industriegebiet zu wandeln. — Wenn diese Unternehmungen Erfolg haben, wird die vertragswidrige Forderung englischer Kreise, das Mandat vom Deutsch-Ostafrika mit der britischen Kenya-Kolonie zu vereinigen, mit verstärktem Nachdruck wiederkehren. Rußlands Rüstungen im Fernen Osten. London, 8. Juni. (DNB. Funkspruch.) Der Sonderlorrespondent des „Daily Expreß" in Dairen (Mandschurei) meldet: Offiziere und Mannschaften des britischen Frachtdampfers Ashby, der aus Wladiwostok in Dairen eingetroffen ist, erzählen, daß die Stadt mit Soldaten und Marinesoldaten überfüllt sei. Der Hafen sei voller Schiffe aus dem Schwarzen Meer, die Munition a u s I a b e n. Unter ben Schiffen im Hafen befän- ben sich neun britische Fahrzeuge mit Kriegsmaterial aller Art an Bord. Am 1. Mai seien 2 0 0 Militär- unb Marineflugzeuge über Wlabiwostok geflogen, währenb Dutzende von Tanks, Panzerwagen und schweren Geschützen durch die Straßen rollten. jn des Waldes finstern Gründen... Trauriges Schicksal eines Ehemannes in Frauenkleidern. In der Umgebung von Prag hat sich unlängst ein tragikomischer Vorfall ereignet, der einem würdigen Ehemann beinahe das Leben gekostet hätte. Der Mann war ein Wirt namens Marsik und hatte eine hübsche Frau, mit der er viele Jahre hindurch in schönstem Einvernehmen gelebt hatte. Eines lages lernte jedoch Frau Marsik einen jungen Mann kennen, in den sie sich über beide Ohren verlebte. Von diesem Auaenblick an war es mit der ehelichen Harmonie vorbei. Der Wirt hatte zwar keinen Beweis für die Untreue seiner Frau in Händen, dafür wurde er aber von einer furchtbaren Eifersucht gequält, die ihm den Schlaf und die Ruhe raubte. Wenn er seine Frau mit heftigen Vorwürfen überhäufte, gebärdete sie sich als Unschuldslamm, verdrehte treuherzig die blauen Augen, unb benahm sich so, als wäre sie bie anständigste und anhänglichste Hausfrau der Welt. Der Wirt überlegte lange hin und her, wie er seine Frau auf frischer Tat ertappen könnte. Da er selbst zu wenig Zeit hatte, um sie zu beobachten, beauftragte er einen Freund mit dieser Aufgabe. Es dauerte auch nicht lange und der Freund machte dem Wirt die überraschende Mitteilung, daß er feine Frau mit ihrem Liebhaber im einem Wald in zärtlicher Unterhaltung gesehen habe. Nachdem sich der Wutausbruch des Herrn Marsik etwas gelegt hatte, sann er darüber nach, wie er seine treulose Frau beobachten könnte, ohne selbst erkannt zu werden. Er überlegte lange hin und her und kam endlich zu dem Entschluß, sich als Frau zu verkleiden. In fieberhafter Eile wühlte er in der Garderobe seiner Frau unb wählte ein altes, unscheinbares Kleib, das sie schon lange nicht mehr getragen hatte. Als er seine Toilette beendet hatte und sich im Spieael betrachtete, stellte er zu seiner Befriedigung fest, daß niemand in dieser korpulenten Dame den biederen Herrn Marsik erkennen würde. Racheschnaubend und mit wogendem Busen eilte der betrogene Ehemann in den nahen Wald, in dem sich seine Frau mit ihrem Liebhaber versteckt hielt. Nachdem er etwa eine halbe Stunde gegangen war, bot sich ihm in einer anmutigen Lichtung ein überwältigender Anblick: Seine Frau saß auf dem Schoß eines jungen, eleganten Herrn .. .Mit einem Schrei der Entrüstung stürzte sich der als Dame verkleidete Wirt auf seinen Nebenbuhler. Da geschah etwas, was er nicht vorausgesehen hatte. Da es schon ziemlich dunkel war, glaubte die junge Frau Marsik, eine Frau vor sich zu haben unb nahm mit echt weiblicher Logik sofort an, es handele sich um eine Freundin ihre^ Liebhabers, die als zürnende Rachegöttin auf der Bildfläche erschienen sei. Nicht faul, ergriff die Frau des Wirtes einen knorrigen Ast unb schlug damit mit aller Wucht auf ihren Mann los. Der Wirt blutete schließlich aus mehreren Wun- ben unb blieb ohnmächtig liegen, währenb sich seine Frau mit ihrem Liebhaber entfernte. Als Frau Marsik erfuhr, baß bie vermeintliche Nebenbuhlerin niemanb anberes als ihr Mann gewesen war, war es schon zu spät. Die Ehe wurde aus ihrem Verschulden geschieden; außerdem hatte sie sich noch wegen schwerer Körperverletzung zu verantworten. Aus aller Wett. 100 000' Mark Belohnung verteilt. — Eine vorbildliche Spende der preußischen kriminal- polizÄ. Für bie Aufklärung bes Eifenbahnattentat e s bei Jüterbog vom 8. August 1931 — besten nähere Tatumstänbe noch bekannt sein bürsten — hatten ber Reichsverkehrsminister unb bie Deutsche Reichsbahngesellschaft eine Belohnung von insgesamt 10 0 0 0 0 RM. ausgesetzt, bie jetzt zur Verteilung gekommen ist. Mit ben Ermittlungen waren Beamte ber Berliner Kriminalpolizei betraut. Ihrer hervorragenben Arbeit unb bem Der- stänbnisvollen Zusammenwirken mit ben ungarischen unb österreichischen Kriminalbeamten, bie bas von bem gleichen Täter Matuschka verübte Eisenbahnattentat bei Bia Torbagy bearbeiteten, ist es zu verbauten, baß bas Verbrechen restlos geklärt worben ist. In Anerkennung bieser Leistung ist ein erheblicher Teil ber Belohnung, 25 000 RM., ber preußischen Kriminalpolizei zugesprochen worben. Die Kriminalpolizei hat ben gesamten Betrag bem „W interhilfswerk des Deutschen Volkes" überwiesen unb bamit ein Beispiel beut- scher Beamteneinstellung, Berufsauffassung unb nationalsozialistischer Volksverbunbenheit gegeben. Reue Leitung des Gustav-Adolf-Vereins. Der Zentralvorftand des Gustav-Adolf- V er ei ns hat an bie Stelle bes aus seinem Amt wegen Erreichung ber Altersgrenze ausgeschiebenen Universitätsprofessors Geheimrat D. Dr. Alfreb Schultze zu seinem Mitglied unb zu seinem stellvertretenden Vorsitzenden Professor Dr. Hans Gerber, Ordinarius des öffentlichen Rechts an der Universität Leipzig, gewählt. Professor Gerber hat die Leitung des Gustav-Adolf-Vereins nunmehr übernommen. Bischof D. Heckel vom kirchlichen Außenamt der Deutschen Evangelischen Kirche ist von der ihm übertragenen vorläufigen Verwaltung dieser Stelle zurückgetreten. Lin Südtiroler Geistlicher in der Verbannung auf Lipari. Der Geistliche Michael Summerer in Bozen, früher Kooperator in der Gemeinde Luesen bei Brixen, der von Bozen nach Italien verbannt worden war, ist jetzt auf die Insel Lipari gebracht worden. Der Transport des Geistlichen von Südtirol nach der süditalienischen Insel erfolgte i n Fesseln. Summerer hat nach bem Urteil brei Jahre auf ber Insel zu verbringen. Die Verbannung erfolgte, weil er bie Ballila, bie italienische Jugenborganisation, als einen Maskenscherz bezeichnet hatte. Das 15. Kind? — Hindenburg wird Pate. Dem Ziegenhirten Karl Röhr in Ostheim (Rhön) wurde dieser Tage bas 15. K i n b geboren. Reichs- präfibent von Hindenburg hat die Ehrenpatenschaft übernommen und den Eltern ein Geschenk übersenden lassen. Schreckliches Ende eines Londoner Zoobesuchers im Löwengehege. Infolge eigener Fahrlässigkeit ist in dem vor einiger Zeit eröffneten, wegen seiner landschaftlichen Schönheiten berühmten Tierpark von Whipsnade bei London ein Besucher von vierLöwen des Freigeheges angefallen und vor den Augen der entsetzten Besucher in Stücke geriissen worden. Dem Betreffenden war durch einen plötzlichen Windstoß der Hui vom Kops gerissen worden. Der Hut rollte in die Löwengrotte und in der Hoffnung, ihn doch noch wieder erlangen zu können, kletterte der Mann an dem eisernen Abschlußgitter der Grotte in die Höhe. Dabei wurde er plötzlich von vier Löwen angesprungen, die ihn mit ihren Pranken erfaßten und kopfüber ins Innere der Grotte zogen, wo sie ihn 40 Meter weit schleiften, ehe sie sich daran machten, ihn zu zerfleischen. Die Wächter, bie von Zuschauern alarmiert worden waren, bemühten sich vergeblich, mit großen Stangen unb mit Revolverschüssen bie Tiere von ihrer Beute zu vertreiben. Das gelang erst, als jede Rettung zu spät kam. Die Schreckenstat von Aichhalden. Wie zu der Tat in Aichhalden noch bekannt wird, hat man in den Taschen des erhängten Mörders Lambrecht einen großen Bund Schlüssel und zahlreiche D i e t r i ch e gefunden. Neben der Leiche wurden ein feststehendes, dolchartiges Mester sowie eine Armeepistole 08 gefunden. Das Messer wies keine Blutspuren auf, jedoch wurde an den Händen des Erhängten Blut festgestellt. Die Pistole enthielt keine Munition mehr. Nachbarn haben aber in der fraglichen Nacht mehrere Schüsse fallen hören. Ob Lambrecht alle Familienmitglieder sr- schossen oder ob er sie durch Schläge auf den Kopf getötet hat, wird nicht restlos geklärt werden können, da die Schädel der geborgenen Toten auch ocn dem einstürzenden Gebälk zertrümmert worden sein können. Lambrecht soll übrigens mehrere Pistolen und zwei Gewehre besessen haben. Man nimmt an, daß er schon jahrelang ein seltsames Doppelleben geführt hat, was ihn offenbar seelisch stark belastete. Das Familienleben Lambrechts wird als harmonisch geschildert. Die wirtschaftlichen Verhältnisse waren zwar nicht glänzend, jedoch immerhin erträglich. Drei Kinder verbrannt. In der Hütte einer spanischen Holzfällerfamilie bei Auderre brach nächtlicherweise ein Brand aus, der sehr schnell um sich griff. Während sich die Mutter mit dem jüngsten Kind in Sicherheit bringen konnte, kamen drei ältere Kinder in den Flammen um s Leben. Auf der Wanderung vom Tode überrascht. Bei einer Wanderung durch den südlichen Schwarzwald wurde der 24jahrige Zeichner Fritz Utech aus Berlin vom Tode ereilt. Utech war seit 6 Jahren Mitglied der NSDAP, mit der Mitgliedsnummer 89 965. Er war in der Gauleitung Berlin beschäftigt. Die Gauleitung Berlin wird die Leiche des verstorbenen Parteigenossen nach Berlin überführen lassen, wo sie mit allen Ehren beigesetzt werden soll. Zusammenstoß und Absturz zweier Flugzeuge fordert vier Todesopfer. Bei einer Flugoeranstaltung in Sagan verunglückten zwei Sportflugzeuge über der Sadt dadurch, daß sie, vermutlich -infolge der starken Sonnenblendung, mit den Tragflächen zusammen- stießen. Beide Maschinen stürzten ab, wobei mit den beiden Flugzeugführern Horn und Greß auch ihre Fluggäste Klein und S t o 11 m e -i ft e r ums Leben kamen. Schwere Bluttat in einer Wirtschaft in Münster. Eine folgenschwere Bluttat ereignete sich in einer Wirtschaft in Münster. Dort wurden der Wirt L i ch t e r b e ck und sein Bruder, der Kohlenhändler Lichterbeck, von zwei übelbeleumdeten Burschen, die in der Wirtschaft randaliert hatten und hinausgeworfen worden waren, erschossen. Der Wirt wurde durch einen Herzschuß sofort getötet, während sein Bruder an den Folgen eines Bauchschusses kurz darauf verschied. Die beiden Täter wurden kurz darauf von der Polizei gestellt. Einer der beiden entzog sich der Festnahme durch Selbst- mord, während der andere feftgenommen werden konnte. Massensterben von Fischen im Anlermain. Verursacht durch die Armut an Sauerstoff des durch Abwässer aller Art verseuchten Mainwassers, sowie durch die Verschlammung des Flußbettes, in dem sich tödliche Sumpfgase entwickeln, wurde in den vergangenen Tagen im Untermain ein kata - strophales Fisch st erben beobachtet. Zu tausenden trieben die Fischleichen in allen Größen den Main hinuter und wurden ans Land geschwemmt. Der Geruch, den diese vergifteten Tiere, unter denen sich eine große Menge der im vergangenen Jahre ausgesetzten Jungfische befinden, ausftrömen, ist abscheulich. Die Wasserbauämter Mainz und Frankfurt haben mehrere Arbeiter entsandt, die mit dem Begraben der Fischleichen beschäftigt sind. Um einen Fliegenflügel. Fliegen werden, wenn sie nicht gerade in großen Masten auftreten, nicht als besonders unangenehm empfunden. Sie kriechen ruckweise die Wände hoch, untersuchen den Frühstückstisch eingehend und fallen gelegentlich in die Kaffeetasse. Eines dieser so harmlos aussehenden Tierchen hat jedoch einen ganzen Prozeß auf dem Gewissen, nachdem es einem unschuldigen Filmregisseur viel Kummer und schlaflose Nächte bereitet hatte. Dieser Filmregisseur hatte mit dem polnischen Städtchen Rogozno einen Vertrag über Filmaufnahmen geschlossen. Als die Sache schon längst erledigt war und der Regisseur bereits bei seinem nächsten Film saß, forderte die Stadtverwaltung plötzlich noch nachträglich eine ziemlich große Summe an. Der Regisseur überlegte hin und her, aber er konnte sich nicht entsinnen, der Stadt Rogozno noch etwas zu schulden. Darum prote- ftierte er lebhaft gegen den Zahlungsbefehl. Ehe der Protest jedoch durchdringen konnte, hatte der Magistrat bereits seine Wohnung gepfändet und sogar einen kostbaren Eichenschrank zwangsversteigern lassen. Er hatte es anscheinend bitter nötig. Der Regisseur tobte, raufte sich die Haare aus uhb beschwerte sich schließlich bei der Aufsichtsbehörde. Daraufhin wurde das Hauptbuch der Stadtkasse gründlich untersucht, wobei man eine überraschende Entdeckung machte. Als eine bestimmte Seite umgeblättert wurde, machte sich eine Zahl, eine Sechs, selbständig, rutschte aus ihrem Kästchen und fiel auf den Tisch. Es war, wie man jetzt ganz klar erkannte, der Flügel einer Fliege, der auf irgendeine rätselhafte oder ganz natürliche Weise dahingekommen war, gerade an die rechte Stelle, um eine Summe um 600 Zloty zu vergrößern. Die Gesichter der Stadtväter zogen sich merklich in die Länge, während der Regisseur triumphierte. Aber mit dem liebenswürdigen Entschuldigungsschreiben des Magistrats und mit der Zurücknahme der Pfändung gab er sich keineswegs zufrieden. Er will feinen Schrank wiederhaben und hat deswegen einen Schadensersatzprozeß gegen die Stadt Rogozno angestrengt. Der Magistrat hat überall in den Amtsstuben Fliegenfänger aufhängen lassen ... Der Floh im Bernstein, ein 5 Millionen Jahre aller Blutsauger. Es geht das Gerücht — und wer glaubte es nicht gern —, daß der Floh, der kleine springlebendige Zeitgenosse und Erreger so mancher komischer Si- tuatiönchen, im Aussterben begriffen ist. Gern vernimmt die geplagte Menschheit diese Kunde, nur der Zoologe schüttelt kummervoll das Haupt bei dem Gedanken an den Verlust eines so ergiebigen Mikroskopieobjektes, dessen Ahnenreihe nicht einmal einwandfrei erforscht ist. Hopste er schon durch das Dunkel der Vorgeschichte? Begleitete er seinen „Brotgeber" auf seinen frühesten Gehversuchen auf dem Erdball? Kannte er schon den König von Thule? Zwackte er Hildebrand und Hadudrand? War er schon Stammgast im Amazonenheer? Becherte er (auf seine Art) arglistig mit den alten Germanen zu beiden Ufern des Rheins? Ach, so viele Fragen sind zu klären, ein historisches und biologisches Rätsel ist der Floh, ein „dunkler Punkt", so oft von Dichtermund besungen, und nur spärlich ist das Licht der exakten Wissenschaft auf seine unruhige Existenz gefallen. In dieses Wirrsal von ungelösten Fragen und Empfindungen trifft die erfreuliche Nachricht, daß das staatliche Bernsteinwerk Palmnicken in einem unscheinbaren Stück Bernstein von der Größe einer Kaffeebohne einen oeritablen Floh entdeckt hat, den Professor Andree, der beste deutsche Kenner der Bernsteinformationen, auf mindestens fünf Millionen Jahre geschätzt hat. Ein Freudentag der Flohchronik. Es lebe Pulex III. Kann die Statistik doch berichten, daß damit der dritte Floh gefunden ist, der in Bernstein konserviert, den Kreislauf zahlloser Jahrtausende überdauert hat, den Beweis erbringend, daß auch in den undurchdringlichen Urwäldern der Bernsteinfichten schon Warm- blütler, also Säugetiere, gelebt haben. Für den flohgeplagten Gegenwartsmenschen übrigens ein schwacher Trost, denn in dem Zeitraum, in dem besagter Blutsauger — aus einem Anfall von Lebensüberdruß oder Neugierde — vom Rücken feines Gasttieres den Sprung auf den zähflüssigen schimmernden Harztropfen tat, gab es nachweislich noch keine Spur von Menschen,^seinem späteren Ernährer und Wohltäter. So führt also auch die Frage nach den erlauchten Vorfahren des echten Menschenflohs in ein tiefes Dunkel zurück. Das Großfeuer auf der Danziger Werft. Zu dem bereits gemeldeten G r o ß f e u e r auf der Danziger Werft erfahren wir folgende Einzelheiten: In dem brennenden Hauptmagazingebäude lagerten in der Hauptsache Werkzeuge, Kleineisenzeug, Kabel, Bolzen, Schrauben usw. Beim Eintreffen der Wehren war der Brand bereits stark vorgeschritten. Sechs Feuerwehrleute sind an Gasvergiftung erkrankt; sie mußten von Kameraden aus dem verqualmten Gebäude herausgeschafft werden. Die gesamten Danziger und Langfuhrer Feuerwehren waren auf der Brandstelle tätig, außerdem ein Lofchboot und ein Löschdampfer. Der Sachschaden ist außerordentlich hoch. Kunst und Wissenschaft. Tonkünstlcrfest 1935 in Hamburg. Auf der Hauptversammlung des Allgemeinen Deutschen Musik-vereins überbrachte Generalintendant S t r o h m die Einladung des regierenden Bürgermeisters Krogmann, das Tonkünstier- fest 1935 in Hamburg abzuhalten. Die Einladung wurde angenommen. Das Tonkünstlerfest findet damit zum ersten Male in Hamburg statt. Wettervoraussage. Der Luftdruck hat- sich über dem Festland weiterhin gekräftigt, so daß bei absinkender Luftbewegung die Wolkendecke aufgelöst wird unb somit die Niederschlagtätigkeit aufhört. Bei erhöhter Einstrahlung wird es tagsüber wieder recht warm werden und die Temperaturgegensätze zwischen Tag und Nacht zunehmen. Aussichten für Samstag: Neblig bis dunstig und leicht bewölkt, jedoch vorwiegend heiter, tagsüber warm, nachts frisch, meist trocken. Aussichten für Sonntag: Fortdauer des heiteren, warmen Wetters, trocken. Lufttemperaturen am 7. Juni: mittags 17,9 Grad Celsius, abends 13,2 Grad: am 8. Juni: morgens 9,3 Grad. Maximum 18,7 Grad, Minimum 4,5 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 7. Juni: abends 17,4 Grad: am 8. Juni: morgens 12,7 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 6% Stunden. Sahne-Pie jagte ja, ließ sich die Schiffskarte kommen und flog in die Arme Des Don Jose, der volle zehn Jahre auf die Realisierung seiner Liebe auf den ersten Blick warten muhte, um sein Ziel zu erreichen. Der Mann verdient ein Denkmal — oder: ... das wird sich ja in einiger Zeit Herausstellen ... Die Unterschrift bc$ Toten. (th) Neuyork. Wenn jemand eine Unterschrift keiftet, sollte man eigentlich annehmen, daß er lebt und sich auch im Besitz wenigstens so vieler geistiger und funktioneller Fähigkeiten befindet, die ihn zur Ausführung der Unterschrift befähigen ... Da hat man jetzt vor dem Gericht in Fermoy ernsthaft vor dem Richter O'Connor die Frage aufgeworfen, ob jener Edward Shanahan, um den es hier geht, noch lebte, als er seine Unterschrift vollzog. Die Sache war so: Als Edward Shanahan erkrankte, hatte er vorher fein Testament aufgestellt. Da die Krankheit kritisch wurde, beeilte man sich, einen Notar herbeizuholen. Allerlei interessante Klauseln wurden in das Testament geschrieben. Sogar eine Lebensversicherung für den noch lebenden Bruder wurde vorgesehen. Dann gab man Edward Shanaham den Federhalter in die Hand. Er machte sein Zeichen und sank schon beim letzten Buchstaben tot zusammen ... O'Connor holte Gutachten ein, prüfte den Fall sorgsam und hob das Testament schließlich auf, indem er feststellte, daß Edward Shanahan sich im Zustand des Sterbens befunden habe, als er seine letzte Unterschrift leistete. Rekord in Brüchen. (1) London. Wenn man Ernest Gardner begrüßt, wagt man nicht, ihm die Hand zu drücken. Aus Furcht, man könnte ihm die Knochen zerbrechen. Denn dieser Unglückliche ist der Mensch mit den brüchigsten Knochen von England. Er ist heute 16 Jahre alt und sitzt seit vier Jahren in einem Fahrstuhl, den er aber nicht selbst bedienen farm, weil ihm bei einer hastigen oder unglücklichen Bewegung die Knochen einfach durchbrechen würden. Mit 12 Jahren mußte man ihn aus der Schule nehmen, weil fein Leben ernstlich gefährdet war. Zwei Jahre durfte er sich gar nicht bewegen. Dann besserte sich sein Zustand etwas. Immerhin hatte er in oer Zeit zwischen dem zehnten und sechzehnten Lebensjahre aber nicht weniger als sechzehn schwere Knochenbrüche zu verzeichnen. Sie verteilen sich auf den Körper des Unglücklichen wie folgt: Sieben Brüche des linfen Armes, ein Bruch des rechten Armes, sechs Brüche des rechten Beines, ein Bruch des linfen Beines, ein Kniescheibenbruch, gar nicht gerechnet die Heineren Knickungen und ähnliches. Man weiß nicht, wie man dem Armen helfen Oer Schuß. Don Hans Bethge. Ein wundervoller Abend, voll Dust und Klarheit. Der Mond hing sichelförmig über den Erlen, wie aus Silber der Himmel war noch hell und zeigte den rosa Widerschein der versunfenen Sonne. Fritz warf die Flinte über die Schulter und verließ sein langgestrecktes Gutshaus. Er schritt über die weiche Wiesenkoppel; eine junge Schimmelstute stürmte herbei, um sich von ihm den Hals klopfen zu lassen und jagte wieder davon. Der junge Gutsherr ging in den Wald, schritt eine Schneise hinauf, trat unter eine Buche, ließ sich auf seinen kleinen Jagdstuhl nieder und wartete auf einen Bock. Aber seine Gedanken zogen schnell in eine andere Richtung. Er dachte an die schlanke Effi von Flemming, die Tochter des alten Flemming auf dem Nachbargut Lelchsborf, das reizendste, verführerischste, aber auch das herbste und abweisendste Mädchen der ganzen Gegend. Er liebte sie, aber er war in Verlegenheit, wie er sie sich erobern sollte. Sie war von einer Sprödigkeit des Emvfindens, daß er nicht recht wußte, was er zu tun habe um ihr schwer zugängliches Herz zu bezwingen. Wahrend er ihre Gestalt in Gedanken vor sich sah, jung, schlank und biegsam, klangen plötzlich Pferdetritte an sein Ohr: ein Rappe kam die Schneise empor- getrabt, darauf Effi im Herrensattel, mit leicht geröteten Wangen, lässig die Zügel in der Linken Fritz lugte erregt zu ihr hinüber, sein Herz schlug unaeftüm. Sie ahnte nicht, daß er if)f so nahe war, und ritt vorbei, ein wenig trällernd, wahrend sie die Reitgerte durch die Luft spielen ließ. Jetzt flog drüben eine Waldtaube von dem höchsten Zweig einer Kiefer auf, Fritz zielte die Büchse krachte d,e Taube fiel klatschend zur Erde^ Zu gleicher Zett aber geschah etwas anderes. Der Rappe bäumte mit erschrecktem Gewieher auf, Effi glitt hmad, und das Pferd lief nach Hause. Fritz trat hervor, (Effi erhob sich und sah ihn verwundert an. „Haben sie sich wehe getan?" ragte er be orgt „Es ist nicht schlimm', sagte sie, „ich glaube, ich habe mir den Fuß verstaucht." . „Sie dürfen nicht gehen", erwiderte erv,ftommen Sie, ich trage Sie hinüber in v^n Haus. Er nahm sie energisch auf den Arm, sie sträubte sich mit Händen und Füßen. „Still", mahnte er, „Sie haben sich zu fugen, ich bin stärker als Sie." „ .... „llebrigens sind Sie eine schlechte Reiterin , tadelte er, „man darf wohl mit dem Pferd fallen, aber man fällt nicht von einem Pferde, das aufrecht bleibt. ,Zhr Schuh war schuld." „Ich weiß", sagte ör, „ich habe Glück gehabt. Hätte ich die Taube nicht geschossen, so würde ich Sie jetzt nicht so nahe bei mir haben, wie ich nie zu hoffen wagte. Es ist schön, Sie so an der Brust zu halten ..." Sie suchte sich wieder zu wehren und wand sich wie ein Fisch im Nek, aber alles scheiterte an der ehernen Kraft seiner Arme. Nun bog er in einen Seitenweg, der sie vom Gutshaus weiter entfernte. „Wohn gehen Sie?" fragte sie beklommen. „Ich mache einen kleinen Umweg", antwortete er, „ich möchte mir mein Glück verlängern. Wer weiß, ob ich Sie jemals wieder so auf den Armen tragen darf. Effi, ich liebe Sie." ' Sie sah ihn groß an, sie hörte fein Herz schlagen, es schlug heftiger als sonst, wegen der Last, die er trug, und wegen der Worte, die er sich abrang. Nun kam ein Lächeln über ihre Mienen, das ihm Mut verlieh. Er hob ihren Kopf hoher zu sich empor und küßte ihren Mund. Sie hatte das warme, bestürzende, bisher nie gekannte Gefühl, besiegt zu werden, und legte demütig die Hand auf feine Schulter. Er schwang sie einmal übermütig um sich herum, drückte den Kops an ihr braunes Haar und sagte: „Jetzt trage ich dich hinüber in mein Haus, — in unser Haus." Sie schwieg, es schwirrte durch ihr Hirn, es war, als ob eine ganze Welt um sie zusammenstürzte und sie verschüttete, aber mit Veilchen und Rosen. „Ich preise deinen kleinen Unfall", sagte er. „Wer weiß, ob es mir sonst jemals gelungen wäre, dich zu beugen!" „Und ich preise deinen Flintenschuß", entgegnete sie leise, „er kam gerade zur rechten Zeit." „Ja," sagte er, „— und die gute Waldtaube. Schade, daß sie tot ist. Nachher gehe ich und hole sie. Sie soll wenigstens ausgestopft bei uns bleiben. Wir sind ihr Dankbarkeit schuldig. Sie ist die wahre Ursache unseres Glücks." ,3u Straßburg auf der Schanz." Melodie und Handlung des bekannten alten Volks- liebes bestimmen den Charakter dieses Films, zu dem Max Ferner und Walter P i e p e r bas Drehbuch schrieben: ein Schauspiel mit volksstückmäßigen Zügen, teils lyrischen, teils ballabesken Szenen, spielenb in ber Schweiz und im Kostüm der napoleonischen Zeit. Zwei Brüder lieben, ohne daß es ber eine vom andern weiß, -basfelbe Mäd- chen. Der Abgewiesene fällt in seinem ßiebesgram den Werbern in die Hände und nimmt fremde Militärdienste, desertiert aber wenig später und entkommt den Verfolgern. Der Bruder stellt sich an seiner Statt, wird in der Fremde vom Heimweh ergriffen, flieht ebenfalls, wird gefangen, kriegsgerichtlich verurteilt und erschossen, ehe der Bruder und die Geliebte den Aufschub der Exekution erwirken und ihn retten können. Der Regisseur Franz O st e n stellt die Handlung in einen Rahmen malerischer Landschaftsbilder und inszeniert mit starken, theaterwirksamen Effekten. Hans Stüwe und Carl de Vogt spielen die beiden Brüder, Ursula Grabley die junge Bauerntochter Beate. Von den übrigen Mitwirkenden nennen wir Winte r st e i n , Margarete Kupfer, Harry Hardt und Wolfgana v. Schwind. Professor Clemens S ch m a l st i ch schrieb die melodramatische Begleitmusik. Die „Comedian Harmonists“, die vor längerer Zeit ein sehr erfvgreiches Gastspiel in Gießen gaben, bringen als (Einleitung zum Film eine Anzahl Volkslieder klangschön zum Vortrag. (Seit aeftern im neuen Programm des Lichtspie 1 - Hauses.) Die Tochter des Hetmans. Anastasia Schulze erscheint in langem, schwarzen Abendkleid vor dem Berliner Schöffengericht und ist auch sonst sehr elegant und vornehm anzusehen. Allein — Anastasia gehört zu den gefährlichsten Warenhausdiebinnen Berlins und hat bereits brei- zehnmal im Gefängnis gesessen. Anastasia hat ein sehr abenteuerliches Leben hinter sich. Geboren wurde sie in Turkestan als Tochter eines Hetmans in einem turkmenischen Reiterregiment. Im Weltkrieg rettete sie vier deutsche Soldaten aus ber Kriegsgefangenschaft unb floh mit ihnen nach Deutschland wobei sie selbst zwei Schüsse erhielt. Der eine ber Geretteten, ein Trainer Schulze, heiratete sie aus Dankbarkeit, Anastasia hielt es aber nicht lange bei ihm aus, sie geriet in schlechte Gesellschaft unb würbe schließlich eine ber gefürdjtetften Waren- bausbiebinnen. Sie stahl, was sie bekommen konnte unb was sich irgenb unter ihrem Mgntel ober in ihrer Tascye verbergen ließ. Das letzte Mal hatte eine Verkäuferin zu ihrem Erstaunen beobachtet, wie bie elegante Frau plötzlich runblidj geworden war, unb zwar merkwürbigerweise nur auf ber einen Seite. Es stellte sich bann heraus, baß Anastasia zwölf Hemben eingesteckt hatte. Anastasia sollte diesmal eigentlich Sicherheitsverwahrung zubiktiert bekommen. Da sie aber noch nie im Zuchthaus gesessen hat, bekam sie eine Zuchthausstrafe von einem Jahr unb zwei Monaten. Das soll aber für Anastasia bie allerletzte Chance fein, sich zu bessern. Zeitschriften. — Das Juniheft von Westermanns Monatsheften bringt einen beachtlichen Artikel von Albert Pütz über ben bekannten „Düffelborfer Malkasten unb feine Künstlerfeste". Der Artikel ist mit farbigen Wiedergaben nach Delbilbern, Aquarellen unb Kvstümstubien geschmückt. Zum 50. To- besiege des Malers Ludwig Richter bringt A. Lukas Müller einen reich bebilderten Aufsatz über „Ludwig Richter unb fein Kreis in Lvschwitz" unb K. A. Finbeisen erzählt brei Ludwig-Richter-Legen- den. Besonbers interessant ist ein Aufsatz „Das Geheimnis des Feberseemoors", in dem K. Pastenaci berichtet, wie burch vorgeschichtliche Funbe im Feder- seemoor in Württemberg ber Beweis erbracht wirb, daß hier schon vor 8- bis 10 000 Jahren Men- scheu Straßen gebaut und benutzt haben. Josef Magnus Wehner schreibt über die Vorbereitungen Oberammergaus zu ben diesjährigen Festspielen. Hierzu bringt Jrrningarb Straub einige bekannte Oberammergauer Charakterköpfe in Scherenschnitten. Erwähnung verbienen auch die spannende Rheinnovelle von Jorg Ritzel „Der geheimnisvolle Fährmann" und die Geschichte „Coronas Kornelkirschenstrauch" von Alfred Hein. Dramatische und literarische Rundschau bringen Besprechungen über bie neuesten Bühnen- unb Bücher-Neuerscheinungen. (Eine reiche Anzahl mehrfarbiger unb einfarbiger Kunstbrucke schmückt bas Heft. Hochschulnachrichten. Der Privatbozenl Dr. H. Fliege an ber Universität Marburg hat ben Ruf auf ben Marburger Lehrstuhl für Zahnheilkunbe angenommen. Dipl.-Jng. Richarb Schaffhausen unb Regierungsbaurat Dr.-Jng. Heinrich Witt mann in Berlin haben ihre Berufung zu o. Professoren an ber Technischen Hochschule in Karlsruhe angenommen. Professor Dr. Walter D o i g t, Drbinarius für Anatomie an ber Universität Zürich, hat einen Ruf an bie Universität Berlin erhalten. Der Drbinarius für Dermatologie an ber Universität Münster, Professor Dr. Alsreb Stu hm er, hat einen Ruf an bie Universität Freiburg angenommen. Der o. Professor ber Geographie an ber Universität Jena, Dr. G. v. Zahn, hat eine Berufung als Vertreter ber Geographie an bie Sun-Natsen- Umversität in Kanton (China) erhalten. soll. Der medizinischen Kunst hat sein Zustand bisher getrotzt. Abgesehen von diesen Absonderlichkeiten ist der unglückliche Ernest Gardner gesund und munter. Der Luxusbau des Völkerbundes. (rt) Genf. Im Arianapark ist das neue Gebäude des sehr brü- chigen Völkerbundes jetzt im Rohbau fertiggestellt. Mit der Inneneinrichtung ist bereits begonnen worden, und sehr stolz wird berichtet, daß diese moderne Aktenbegräbnisstätte fast denselben Umfang habe wie das Prunkschloh Ludwigs XIV. in Versailles. Für die Inneneinrichtung hat die südafrikanische Union eine Holztäfelung für den Raum gestiftet, in dem die Ausschüsse tagen sollen' Australien schenkte den Präsidentenstuhl für den Plenarsaals Holland Furnierhölzer für das Zimmer des Generalsekretärs, Persien Tapeten und Rockefeller eine Bücherei von mehr als einer Million Bände. Die europäischen Grobstaaten aber stifteten — nichts. Die gewaltigen Bauten flankieren den Hauptpalast mit dem Saal der Dölkerbundsversammlung, der Platz bietet für 600 Delegierte, Sachverständige und Sekretäre, für 500 Journalisten und 800 Zuhörer. Das Sekretariatsgebäude enthält allein 550 recht große Räume. Der Stil, in dem diese Gebäudemasse aufgeführt wird, ist halb klassizistisch, halb französisch und derart langweilig, daß die Fassade alles ist 'ünd die Räume sich nach der Fassade zu richten haben. Modern oder repräsentativ wirkt die Anlage jedenfalls nicht', und schon als dem Franzosen Ren- not der Bauplan abgekauft wurde, erfuhr er eine herbe und berechtigte Kritik, die jetzt, da die Gebäude fast fertig sind, allgemein und bissig ist. Während viele Mitglieder des Dölkerbundes ihre Beiträge nicht entrichten und vier der großen Weltmächte mit dem Rumpfoölkerbund nichts zu tun haben, wird hier ein Gebäude fertiggestellt, das ungeheuere Summen verschlingt. Die Gesamtbaukosten wurden 1932 auf 25,2 Millionen Schweizer Franken veranschlagt, von denen noch drei Millionen durch Beiträge der Völkerbundsstaaten abzudecken sind. Aber schon jetzt wird behauptet, daß die wirklichen Baukosten bedeutend höher sein werden. Reben schweizer und französischen Firmen sind vor allem englische am Bau beteiligt. Es versteht sich, daß alle deutschen Firmenangebote unberücksichtigt blieben — zu einem Zeitpunkt übrigens, als Deutschland noch Mitglied des Völkerbundes war. Das Wunderschwein. (rb) Budapest. Das Gericht in Kecskemet (Ungarn) hatte kürzlich eine eigenartige Klage eines ungarischen Bauern zu verhandeln, die dieser gegen die ungarischen Staatsbahnen angestrengt hatte, weil seine trächtige Muttersau dem zwischen Kecskemet und Fülöpszallas verkehrenden Motorzug unter die Räder gekommen und mausetot gefahren worden war. Der Bauer forderte von den ungarischen Staatsbahnen nicht weniger als 300 Pengö Schadenersatz. In seiner Klageschrift wies er darauf hin, daß einzig und allem die Staatsbahn an dem betrüblichen und unerwarteten Hinscheiden seiner Sau Schuld trage, denn das Tier habe sich schon viele Monate hindurch täglich sein Futter an der Böschung des Bahndammes gesucht gehabt und sei so intelligent gewesen, daß es den Fahrplan ganz genau gekannt habe. Da der Todeszug an dem Unglückstage aber 20 Minuten Verspätung gehabt habe, sei die Sau jedenfalls der Meinung gewesen, daß er ihr Futterrevier bereits passiert habe. Sonst hätte sie nämlich, wie all die Monate hindurch, den Bahndamm überhaupt nicht betreten! Da der Lokomotivführer zudem versäumt habe, das arme Tier durch ein Signal zu warnen, könnten überhaupt gar keine Zweifel darüber bestehen, daß allein die Staatsbahn für den Unglücksfall verantwortlich zu machen sei. Als der Richter die Klage des Bauern nicht nur abwies, sondern ihn auch darauf aufmerksam machte, daß er froh sein müsse, nicht selbst von der Staatsbahn eine Klage wegen fahrlässiger Gefährdung des Eisenbahnverkehrs aufgehalst erhalten zu haben, verließ der Bauer kopfschüttelnd den Gerichtssaal und beklagte sich bitter darüber, daß es in Ungarn keine Gerechtigkeit gebe. Die Billa des Terentius Barro. (d. d.) Rom. In der Nähe von Cassino, dem antiken Casinum, sind in der letzten Zeit interessante Ausgrabungen gemacht worden: Ein mächtiges etruskisches Grabmal, ein römisches Theater, ein Amphitheater und endlich die Reste einer berühmten, prächtigen Römervilla wurden freigelegt. Die an einem lieblichen Flußufer gelegene Villa gehörte einst dem Gelehrten und Schriftsteller Terentius Varro (116 bis 28 v. Ehr.), der hier eine blühende Philosophenschule leitete. Der Landsitz war mit fürstlichem Luxus ausgestattet, enthielt üppige Thermen, ein riesiges Geflügelhaus, eine Fischzucht, Bienenhäuser in wundervollen Gärten und prächtigen Parkanlagen. Terentius Varro, ein treuer Freund Julius Cäsars, kam nach dessen Ermordung auf die Proskriptionsliste, sein Besitz wurde konfisziert, und doch gelang es ihm, feine Landvilla wiederzuerhalten, so daß er hier seine letzten Lebensjahre un- behelligt verbringen konnte. Im Frieden des Landlebens schrieb er sein Buch „De re rustica“, das heute wieder durchaus aktuell ist, weil darin das Großstadtleben verurteilt und das weit gesündere Landleben empfohlen wird. Das Buch enthält eine ausführliche Schilderung des schönen Landsitzes, dessen kostbare Trümmer nach Jahrtausenden nun wieder von der Sonne beschienen werden. Wirtschaft. * Reichstagung des Schuhhande ls. Der Reichsverband Deutscher Schuhhändler hält seine Hauptversammlung am 11. und 12. Juni in Frankfurt a. M. ab. Auf der Tagung, die im ersten Jahre des Neuaufbaues der deutschen Stände besondere Bedeutung hat, spricht u. a. Präsident Dr. Lüer, der Reichsführer des Handels, ferner der Führer der Reichsgruppe Schuhe, Albert Neumann (Berlin). frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 7. Juni. Die Börse hatte größere Umsätze am Aktien- wie am Rentenmarkt, wobei Tauschoperationen von Aktien in Renten eine Rolle spielten. Durch verschiedene Hinweise in der Öffentlichkeit auf die hohe Rendite der Festverzinslichen und gestützt auf die aktive Anleihepolitik des Reiches standen Renten heute im Vordergrund. Neubesitz zog um 15 Pf. auf 22,90 an, die übrigen Reichsanleihen waren gut gehalten, nur Alt- oesitz eröffneten 0,50 v. H. leichter. Am Aktienmarkt erfolgte zunächst durchweg ein leichter Kursrückgang, später wurden die Anfangsverluste zum Teil wieder etwas ausgeglichen. Für die Gesamtbörse waren die Verlängerung des Hollandkredites, das deutsch-niederländisch-indische Abkommen über den Warenverkehr und schließlich eine Reihe günstiger Bilanzoor lagen und Gesellschaftsberichte zu beachten. Farbenindustrie eröffneten mit 143 (144,75) und lagen später bei 143,50 bis 144 wieder etwas freundlicher. Deutsche Erdöl zogen 0,50 v. H. an, dagegen lagen Metallgesellschaft 1 v. H. und Rüt- gerswerke 0,90 o. H. schwächer. Am Elektromarkt verloren Rhein. Elektro, Gesfürel und AEG. je 1 v. H., Schuckert 2 v. H., Siemens und Licht & Kraft je 0,50 v. H. Montanwerte notierten überwiegend etwas schwächer, so Rheinstahl um 2 d. H., Stahlverein und Klöckner je 1 v. H., Harpener 0,65 v. H., Gelsenkirchen 1,25 v. H., Mannesmann 0,40 v. H. Rhein. Braunkohlen waren zu 233 v. H., gut behauptet ebenso Kali Westeregeln mit 114,75 v. H. Don Schiffahrtswerten Hapag 0,25 v. H., Nordd. Lloyd 1 v. H. niedriger. Im einzelnen verloren Daimler, Reichsbankanteile und Deutsche Linoleum je 0,50 v. H., Conti Linoleum Zürich 1,40 d. H., AG. für Verkehr 1,25 v. H., Zellstoff Ascbaf- fenburg in Angleichung an Berlin 2 v. H., Aku 1,25 v. H. Im Verlaufe schrumpfte die Umfatztätiokeil stark zusammen, lediglich in der Neubesitzanleihe waren die Umsätze zu unverändert 22,90 v. H. noch relativ groß. Die übrigen variablen Reichswerte zeigten keine Veränderung. Am Aktienmarkt waren die Kurse gegen das Anfangsniveau überwiegend um 0,50 bis 1 v. H. erholt, es kamen aber auch einige Papiere noch merklich schwächer zur Notiz, so z. B. Kali Salzdetfurth (— 2,25 o. H.), Ilse Stamm (—3,50 v. H.) und Scheideanstalt mit ca. minus 3 bis 4 v. H. Fest lagen dagegen Chade (plus 2 RM). Am Pfandbriefmarkt lag ziemlich überraschend Angebot vor, was die Kurse sowohl für Gold- als auch Liquidationspfandbriefe um durchschnittlich 0,25 bis 0,50 v. H. drückte. Don Stadtanleihen zogen 7 v. H. Frankfurter nach Pause etwa 1 v. H. an, die übrigen lagen meist unverändert. Staatsanleihen waren ruhig. Don Auslandsrenten gaben Ungarn bis 0,50 v. H., Schweizer Bundesbahnen-An- leihen bis 3 v. H. nach. Tagesgeld unverändert 3,50 o. H. Frankfurter Abendbörfe fester. Frankfurt a. M., 7. Juni. An der Abendbörse setzte sich nach der vorübergehenden Unterbrechung sowohl am Aktien- wie am Rentenmarkt eine neue Befestigung durch und die Umsatztätigkeit war verhältnismäßig lebhaft. Neben Kauforders der Kundschaft betätigte sich auch die Kulisse etwas stärker am Geschäft, so daß gegen den festeren Berliner Schluß durchschnittliche Besserungen von 0,50 bis 1 v. H. eintraten. Am Aktienmarkt lag das Hauptinteresse bei Farbenindustrie, die 1,13 o. H. gewannen. Daneben waren Montan-, Kali- und einige Elektroaktien beachtet und im genannten Ausmaße freundlicher. Daimler Motoren konnten sich um 1 v. H. und Mansfelder Bergbau um 1,25 v.H. erhöhen. Bei anhaltend freundlicher Tendenz ließ das Geschäft im Verlaufe etwas nach, ^chiff- fahrtswerte waren nochmals 0,50 v. H. hoher, während Farbenindustrie um 0,25 v. H. abbröckelten. Am Rentenmarkt verzeichnete die Neubesitzanleihe wieder lebhaftes Geschäft und der Kurs stieg bis auf 23 v. H. Altbesitz lagen dagegen ruhig und unverändert und auch fönst traten keine wesentliche Veränderungen ein. Stahloerein-Donds lagen 0,40 v. H. höher, späte Reichsschuldbuchforderungen hielten sich bei 94,25 v. H. U. a. notierten: Neubesitz 23, Altbesitz 95,50, Stahlverem-Bonds 73,oO, Reichsbank 153,50, Gelsenkirchen 62,50, Harpener 98,25, Kali Aschersleben 117, Salzdetfurth 155, Westergeln 117,25, Mannesmann 65, Mansfeld 77,75, Phönix 49,25, Rheinstahl 95,90, Stahlverein 41 75 bis 42, Dekula 135, Bemberg 69,50, Daimler 47,75 bis 48, Scheideanstalt 202, Elektt. Lieferungen 96, IG. Farben 145 bis 144,75, Geffurel 101, Holzmann 62, Metallgesellschaft 83, Schuckert 92, Siemens 139, Zellstoff Waldhof 48,50,21®. für Verkehrswesen 65,75, Hapag 27 bis 27,50, Nordd. Lloyd 32 bis 32,50. Fra :rter Pferdemarkt. Frankfurt a. M., 7. Juni. Für den nächsten Frankfurter Pferdemarkt, der am 11. Juni stattfindet, rechnet man mit einem Auftrieb von etwa 200 bis 300 Pferden. Mittelschwere Arbeitspferde, die in letzter Zeit von der Landwirtschaft bevorzugt wer- ruhig, ausverkauft. den, werden in guter Dualität zum Verkauf stehen. Daneben werden auch ältere Pferde und Schlachttiere wie beim letzten Markt gesucht sein. Frankfurter .marN. Fr an kfurt a.M., 7.Juni. Auftrieb: Rinder insgesamt 103 (gegen 114 am letzten Donners- faamartt). darunter befanden sich 19 Ochsen 11 taamarkt), darunter befanden sich Bullen, 31 Kühe und 42 Färsen. Kälber 928 (893), fiammel 34 (32), Schafe 22 (20), Schweine» 580 (583). Rotiert wurde pro 1 Zentner Lebendgewicht in Mark: Kälber a) 52 bis 53, b) 48 bis 51, c) 42 bis 47, d) 33 bis 41; Lämmer und Hammel bl) Stallmast- Hammel 37, c) mittlere Mastlämmer 32 bis 35; Schafe e) beste 34 bis 35, f) mittlere 28'-is 30, 6) geringere 24; Schweine b) 240 bis 300 Pfund 39 bis 41, c) 200 hjs 240 37 bis 41, d) 160 bis 200 35 bis 40, fette Ssteckjauen 34 bis 35, £2) an» dere 31 bis 33. Im Preisvergleich Zum letzten Donnerstagmarkt waren Kälber, Hammel und Schafe ziemlich unverändert, Schweine konnten sich um 1 bis 2 Mark befestigen. Morktverlauf: Kälber, Hammel und Schafe mittelmäßig, ausverkauft. Schweine Schwerncrnarkt in Butzbach. pb Butzbach, 7. Juni. Zum heutigen S ch w eine markt waren 289 Stück aufgetrieben. Es wurden gezahlt für Ferkel bis sechs Wochen 14 bis 16 Mark, von sechs bis acht Wochen 16 bis 19 Mark, von acht bis zehn Wochen 19 bis 24 Mark. Der Handel war lebhaft, der Markt wurde geräumt. Oberheffen. Kundgebung derNSDAp. in Butzbach. 4- Butzbach, 7. Juni. Die Ortsgruppe der NSDAP, hielt im großen Saale des „Hessischen Hofes" ihre Monatsoersammlung ab, die zugleich eine öffentliche Kundgebung darstellte. Sehr stark war der Besuch aus allen Bevölkerungsschichten. Ortsgruppenleiter Schneider erteilte nach kurzen Begrüßungsworten dem Hauptredner Kreisleiter Seipel das Wort, der etwa ausführte, daß die Geschichte aller Zeiten und Völker gezeigt habe, daß einer Revolution immer eine Gegenrevolution gefolgt sei. Auf die von 1918 sei die nationalsozialistische gefolgt und heute schon machen sich reaktionäre Strömungen bemerkbar, die unberechtigte Kritik an dem Nationalsozialismus üben wollen, und zwar geschehe dies meist aus durchsichtigen Gründen. Der Redner machte keinen Hehl daraus, daß wohl einige Fehler unterlaufen wären, aber nur ehrliche Kritik zum Zwecke der Besserung, am rechten Orte und auch von geeigneteren Leuten als seither sei zulässig. Diejenigen, aber, die das Volk einst in Sumpf und Schande gezogen haben, sie wollten ja nicht dem Volke helfen, sondern die Fundamente des neuen Staates unterwühlen und die Aufbauarbeit zerstören. Wer heute guten Willens fei, mitzuarbeiten, der soll jederzeit willkommen fein, denn Nationalsozialismus bedeute Arbeit. Es kommt nicht darauf an, welcher Herkunft ein Mensch sei, sondern darauf, was er Positives für sein Vaterland leiste. Im weiteren Verlaufe ging der Redner scharf mit denjenigen Feinden des Staates ins Gericht, die sich Parteigenossen nennen und doch keine Nationalsozialisten sind. Solche also, die nur ihre Mitgliedschaft erhalten wollten, um einen höheren Posten zu erlangen. Zur Frage, was es mit den Nörglern und unberechtigten Kritikern für die Folge gebe, äußerte sich der Redner, daß die letzte Revolution ohne Blutvergießen verlaufen, nun aber rücksichtslos gegen alle Saboteure vorgegangen würde, sofern die letzte Warnung ungehört verhallt fei. In solchen Fällen werde schon die richtige Strafe angewandt werden. Der neue Staat habe die Verantwortung für ein 65-Millionen-Dolk übernommen und keine Strafe erscheine deshalb zu hart. Mit einem letzten Appell wandte sich der Redner an alle Volksgenossen, mitzuhelfen, daß Deutschland wieder groß werde. Mit den Worten „Deutschland, Deutschland über alles" schloß Kreisleiter Seipel seine mit großem Beifall aufgenommene Rede. Mit einem dreifachen „Sieg-Heil" wurde die Kundgebung beendet. Die Teilnehmer der Kundgebung fangen sodann das Horst-Wessel-Lied. 200 Jahre Bücking-Alsfeld. Jubiläum einer allen hessischen Saufmamisfamilie. LPD. Alsfeld, 7. Juni. Am 9. Juni dieses Jahres feiert die mechanische Kleiderfabrik Alsfeld, Georg Dietrich Bücking, ihr 200jähriges Bestehen. Alte Städtchen zeichnen sich meist aud) durch Bodenständigkeit ihrer Bewohner aus. In ihren alten Urkunden findet man Namen, die durch Jahrhunderte immer wiederkehren. Ein solches Geschlecht sind die Bückings im oberhessischen Alsfeld. Im Deutschen Gefchlechterbuch nimmt der Abschnitt „Bücking" nicht weniger als vierzig Seiten ein. Die Bückings gehören zu den ältesten der Sippen, die heute noch in den Städtchen wurzeln, in denen vor Jahrhunderten schon ihre Vorfahren aßen. Jrn gleichen Hause, in dem die erste Generation den Grundstock des Geschäfts legte, betreibt es die fünfte weiter, die demnächst der sechsten Platz machen wird. Aus dem kleinen Geschäft des Jahres 1734 sind in den verflossenen 200 Jahren zehn neue einzelne Unternehmen hervorgegangen. 1500 Volksgenossen finden in dem jetzt wieder vor einer Erweiterung stehenden Bückingschen Unternehmen Arbeit und Brot. Und der Wahrspruch des Gründers: „Redlich im Handel, christlich im Wandel" wird heute so hoch gehalten wie vor 200 Jahren. * Aus Anlaß des Jubiläums hat die Firma, eine „Georg-Dietrich-Bücking-Stiftung" in Höhe von 20 000 Mark ins Leben gerufen, die als Pensionskaffe für die Jubilare der Arbeit gedacht ist. Im Verlaufe der B e t r i e d s f e i e r wird die Ehrung von 48 Judilaren der Arbeit durch Herrn Bücking fen. stattfinden. Die Betriebsfeier wird in dem fast fertiggestellten etwa 1800 Quadratmeter großen Fabrikneubau gehalten, durch den die Firma nicht unwesentlich zur Behebung der Arbeitslosigkeit beigetragen und da- mit die Bestrebungen der Reichsregierung wirksam unterstützt hat. Kreis Schotten. W. Schotten, 7. Juni. Dekan Widmann wurde in der gestrigen Sitzung der Landessynode zu Darmstadt durch den Landesbrschof Lic. Dr. Biet» r i ch zum Mitglied der neugebildeten nassau-hessischen Handessynode berufen. Kreis Alsfeld. st. Kirtorf, 6. Juni. Dieser Tage trat die hie- sige Milch ab satz genossen schäft zur Ab- Haltung einer außerordentlichen Generalversammlung zusammen. Direktor Wilh. Erb begrüßte die Mitglieder. Zum Verkauf von Milch ab Hof direkt an Verbraucher wurde darauf hingewiesen, daß die Mitglieder reelle Angaben in der Lieferung vorzu- nehmen haben, damit nicht bei einer Kontrolle für den einzelnen Unannehmlichkeiten entstehen und bei unrichtigen Angaben die Anwendung der gesetz- lichen Maßnahmen erforderlich wird. Im weiteren Verlauf der Versammlung verpflichteten sich die Mitglieder einstimmig, ihr Schlachtvieh nur noch an die Viehverwertungsgenossenschaft zu liefern. Zur Statutenänderung wurde beschlossen, das Einheitsstatut, das von der Genossenschafts-Druckerei herausgegeben worden ist, anzunehmen. Mit einem dreifachen „Sieg-Heil" auf den Führer schloß der Direktor die Versammlung. ss. Grebenau, 7. Juni. Durch die Bauzu- schüfst für Instandsetzung von Wohnungen und Her- tellung von Neubauten zur Arbeitsbeschaffung sind amtliche Arbeiter hier in unserer Gegend beschaf- tigt. In unserer Gemeinde werden allein zwei neue Wohnhäuser, ein großer Kaufladen mit Lagerraum, drei Scheunen und noch verschiedene Umbauten ausgeführt. Gleichzeitig sind zur Zeit noch zwei Notstandsmaßnahmen beim hessischen Forst- amt Grebenau im Gang mit über 10 000 Tagewerke. 80 Mann werden augenblicklich beschäftigt. Don diesen 80 Notstandsarbeitern sind 42 Mann aus dem Kreise Lauterbach, die schon seit Juni voriges Jahr bis jetzt ununterbrochen be- fchäftigt werden. Berlin iVranffud a. M furd dürfe 7.6. 66. 'Datum Datum 7,05 27,5 26,5 92,75 93 93,25 93,25 9(7,75 90,75 90,75 89,5 89,25 96,5 94,65 94,9 95 94,25 Reichsbank 12 90,25 91 91 90,75 90,25 90,75 89,25 90 91 90,75 94 94 10 74 7,2 99,65 92,65 96,4 22,75 99,5 92,9 94 98,6 94 98,6 7,2 4,4 26,5 24 65,32 81,31 34,18 95,5 23 96,4 22,75 95,5 22,95 32,5 65,75 85,5 52,5 120 62,5 98,25 59 63,5 154,5 65,58 81,63 34,32 155! 118 I >,25 l 8,5 7,7 7,8 8,5 32 65,75 85,75 52,5 57,75 63 153,5 94 99,13 31,75 66 85,5 53 57,75 63 153,5 94 99,13 % Detfll. «eerie II ....... 6% ttumän. vereinst. Rente v. 1903 4H%Rumän.vereinst.Rentev.lVlS *% Rumänische vereinh. Rente .. «%% Anatolier 4 34,75 75,9 119,25 63 98,4 25,65 134,9 95,5 108,25 60 100,5 96,25 91,5 138,25 116 4 34,75 26,13 137,13 98,75 109,9 61,25 100,75 98 91,9 139 117,5 8,3 7,5 7,75 8,65 58,5 63,5 154 74,25 119,25 63,25 98,65 74,13 154 118,75 70 65,5 _Lriei 2,48" 58,64 56,81 12,72 16,52 169.99 21,72 63,93 151 118 69,5 65 75 119,75 61,9 97.75 74,4 151,25 118,5 69 65,65 6,6 4 34,75 26,5 1,15 8,13 7,5 7,75 8,5 25,5 135 96 108,75 61,75 101 97,5 92 139 117 1,15 8,55 7,7 7,85 8,6 26.5 25 4,25 6,95 4 34,5 31,9 65,5 85,5 52,5 97,9 99,25 92,5 2,46 58,40 56,59 12,66 16,46 169,31 21,64 63,67 97,7 99,75 91.75 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. HL •% Deutsche Reicheanleihe o. 1827 •% ehem.7% Dl. Reichsanl. o. 1929 5H% Doung-Anleihe von 1930 .. Deutsche Änl.-Adwi..Schuld mit iiuslos.-Rechlen ....... Desgl ohne Auslos.-Rechie...... 6% ehern.8% Hess. BolkSstaat 1929 (rückzahlb. 102%) 6% Hess. Landesbank Darmkladl Gold R. 12 6%% Hess. LandeS-Hypotheken- oant Darmstadl Clqut vberhessen Provinz-Anleihe mit Auslos.-Rechten Deutsche Komm. Sammelabl. An- leihe Serie 1 mit AuSlos.-Rechken 8% ehern. 8% tzranks. Hyp.-Bank Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935 6% ehern. 7% Franks Hqv.-Vank Goldpfe. 16 unkündbar bis 1936 8H% ehern. 4%% Franks. Hyp^ yank-Liqu^Psandvriese...... »%% ehern. *yt% Rheinische Hyp.-Bank-Liau.-Goldpfe 8% ehern. 8% Pr. Landespsan^ ortefanftalt, Pfandbriefe R. 19 6% ehern. 7% Pr. LandeSpsand- bries anstatt, Pfandbriefe R. 10 Eteuergutich. DerrechnunaSkurS 136,65 100 109,5 61,25 100,75 98,5 91,5 139 117,65 4% Oesterretchische Goldrente. 4,20% Oesterreichische Silberrente 4% Ungarische Goldrente ....... 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 4*4% desgl. von 1918 ....... 6% abflcft. Goldmexikaner von 99 4% Dürkische Zollanleihe von 1911 4% Türkisch« Bagdabbahn-Anleihe Mel..................... pambutfrSmettta-'Batei ... 0 Hamburg.Südam. Dampfschiff . 0 Hansa-Dampfschiff ......... 0 Norddeutscher Lloyd 0 A G- für Berkehriwesen ÖL .. 0 Berliner Handelsgesellschaft ... 4 Commerz- und Privat-Bank ... 0 Deutsche Bank und DiScont» Gesellschaft ............... o Dresdner Bank .....0 Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. angeführten Zistern geben Die Hohe Dei zuletzt beschloßenen Dividende an — Reichsbankdiskont 4 o H . Lombardzinsfutz 5 o^H. 66- 7,2 «Ama. S.G.G......................o vekula o Ci ein. Li»fervng«ae1e0schast... » 2W)t und Kray 5 Fellen S Guilleaume 0 Gesellsch.s.Bektr.Unternehmung. 6 Rheinische Slekutzität ....... 5 Schachert L Co.............z Sternen! ä Halske. Lahmevn S Co. Amerikanische Roten Belgische Roten.................. Dänische Roten ....... Englische Roten ....... ....... Französische Roten ........... Holländische Roten....... Italienische Roten Norwegische Roten - - - - - Deutsch CettenetdL 8 100 Schilling Rumänische Roten............... Schwedische Roten Schweizer Roten. ....... Spanische Rote«....♦•••••••••••• 2ngarische Rote« ..••*•«••••••••• ÄS * bH I 7.6. Ovieni .....0 Deutsche GrdU 4 Gelsenkirchen« 0 Harpener 0 Voesch Ajen—E»iiu-Neuessen .. 0 Alse Bergbau ............ 8 nlse Bergbau Genüsse I Rlödnenoerfe ..... 8 wir yinie ■Jranttur o. 1)1 1 urn papieren Berlin Schluß- fürs Schlußl. Übend- börse Schluß- Inrt Schlußl Mittag» börse 6.6. 7.6- 66. 7-6. 1 Frantturi a. JH. | 25er1m Schluß- furt Schluß!.) Abend-1 börfc | Gchluß- furd Schlußk. Mittag- börse Datum 6-6 7-6. 6-6. 7-6. Mansfelder Bergbau......... 01 74,5 77,75 74,75 76,5 KokSwerke ............. 0 98,4 98,5 0 49 49,25 49 48,25 Rheinische Braunkohlen ..... 10 233 235,25 232,75 235,5 Nbeinikahl ............. 0 96,4 95,9 96,4 95,65 vereinigte Stahlwerke........ 0 42,25 42 42,13 41,13 0 14,25 114 15 14,75 15,13 Kaliwerke Äschersleben........ 6 117 113,75 116,25 K 114,75 117,25 113 5 152,5 117 Sollwerte Salzdetfurth.....7¥» 154,5 c» £t*riwn^1nhuftTte ....... 7 144,75 144,75 145,5 143,9 Scheide anstatt............... 9 204 202 —• — Goldschmidt ................ 0 67 67 67 65,75 0 40,65 40,13 40,75 40.9 0 83,5 83 83,25 82,75 »RhtMwti Antimrtlin .... 0 62,65 62 62,25 61 0 1 102,25 102 tementnxd Sarlüadt......... 128 — SchrUthets Patzenhofer ....... 0 — — 105,5 106 Äku (Allgemeine Kunstseide) .. Bemberg ................ 0 0 62,75 69,5 61,5 69,5 62,25 69,25 61,25 68,75 Aellstoff Wakdhos .......... 0 49 48,5 48,5 48 HeHttoU Aschassenhurtz ....... Dessauer Gat .............. 0 7 42 42 125,75 42 124,4 Daimler Motoren ........... 0 47 48 47,25 47 Deutsch- Pin oleum ....... . _ 0 62 62,5 62,25 62,75 Orenstein L Koppel......... 0 63,9 62,65 Leonhard Tietz ............. 0 19,75 19,25 19,65 19,5 10 183 186 184 187 fccru HTU1 atomu FabrU....... 0 177,5 177 176,5 177 Innri-tBawnU .............. c 140 1 137,5 141 137 01 rinnet...........-_____— 1 24 | — I - 1 — Mainvaftwerke Höchst L-«-... - 75 — Süddeutsch« Zucker 1 1 175,5 1173,25 1 175 1 175 6-Iuni 7.3unl Amttiche Dotierung Meld | 25rte' Amillche Rotierung Geld | Arie Buenos Airec- 0,608 0,612 0,613 0,617 Brüssel..... 58,56 58,68 58,56 58,68 Rio de Ian. 0,155 0,157 0,155 0,157 Sofia ...... 3,047 3,053 3,047 3,053 Kopenhagen. 56,49 56,61 56,74 56,86 Danzig..... 81,60 81,76 81,60 81,76 London ..... 12,665 12,695 12,705 12,735 HeljingsorS.. 5,589 5,601 5,604 5,616 Paris ...... 16,50 16,54 16,50 16,54 Holland .... 169,73 170,07 169,73 170,0? Italien..... 21,72 21,76 21,76 21,80 Japan ...... . 0,755 0,757 0,755 0,757 Jugoslawien 5,664 5,676 5,664 5,676 £310.....: 63,61 63,73 63,84 63,96 47,55 11,54 65,37 47,45 47,55 Lissabon .... 1L52 11,56 11,58 Stockholm... 65,23 65,48 65,62 Schweiz .... 81,32 81,48 81,49 81,65 Spanien.... 34,30 34,36 34,32 34,38 Prag....... 10,43 10,45 10,43 10,45 Budapest ... —— — —— Reu York ... 2,509 2,515 Sanknoten 2,507 2,513 Serlin, 7-Juni Geld Nr. H Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)5rettag,8.ZlinNY3§ Vogelstimmen des Waldes. Konzert ist heute angesagt Im frischen grünen Wald; Die Musikanten stimmen schon, Hört, wie es lustig schallt! Das lautlose Schweigen im Walde, das leise Wehen und Flüstern und dann wieder das laute urgewaltige Sausen und Tosen gehören zu den eigenartigsten Reizen des Waldes. Die vielen Dogel- ftimmen, die den Wald bald mehr, bald weniger laut und in verschiedenster Weise durchschallen, entwürfen und erfreuen den Naturfreund, besonders wenn er schon an der Stimme den Vogel zu erkennen vermag. Das ist aber nur bei den wenigsten Wanderern im Walde der Fall. Im Frühjahr jubiliert, musiziert und singt es in allen Winkeln und Ecken des Waldes, in den Bäumen und Gebüschen, die Sänger des Waldes feiern die Wiederkehr des Frühlings. Als die ersten Frühlingsboten der Vogelwelt haben sich schon in der ersten und zweiten Woche des Februars Star und Lerche eingefunden; dann im März kommen sie alle der Reihe nach wieder, die lieben Sänger des Waldes, zuerst die Bachstelzen, die Drosseln, Hohl- und Ringeltauben, die Rotschwänze, das Rotkehlchen, die Herfenbraunelle, der Baumpieper, später erst im April der Kuckuck, der Wiedehopf, der Pirol, die Turteltaube, der Wendehals, die Grasmücken, die Laubvögel und die Nachtigall, wenn der Frühling vollends seinen Einzug gehalten hat. Schon vor dem Walde begrüßt uns der laute schmetternde Frühlingsfinkenschlag, „der Distelfink spielt keck vom Blatt die erste Violin, sein Vetter Buchfink nebenan begleitet lustig ihn". In den Baumgruppen der Aulandschaft, die zum Walde führt, lockt und singt der Grünling mit seinem klaren, klingenden „Gickgickgick", klappert das Müllerchen, die Zaungrasmücke ihr „Didlidlidlidlidlid", läßt der rotrückige Würger oder Dorndreher sein zwitscherndes, an eine Reihe anderer Vogelsangmotive sich anlehnendes Lied ertönen. Von allen Seiten hört man den Ruf der Wildtauben, das Gelächter, Trommeln und Hacken der Spechte und den fleißigen, lauten und anheimelnden Kuckusruf, der uns erst so recht eigentlich an die Wiederkehr des Frühlings glauben macht. Don den Wipfeln der Waldbäume herab schwatzen und singen, pfeifen und schnalzen die Stare und rufen die Kirschkernbeißer ihr kurzes, kräftiges „Zicks" und milderes Zieh". Ein trauter Geselle ist uns der Buchfinke, der aus dem Walde heraus in unsere Anlagen und Garten kommt und uns mit seinem kurzen, hellen "Pink" und „Jrrpinkpinkpink, irrpinpink in den Wald lockt. Viel ernster, melodischer, kunstvoller cst der Gesang der edleren Sänger des Waldes. Die Tenoristen sind die Amsel und die Singdrossel. In der Morgendämmerung schon schmettert die Amsel ihren melodischen Flotengesang in den Fruhl.ngswald hinein und in der späten Abenddämmerung ver- Nimmt man noch ihr herrliche- Lied Nicht klong- voU, dosür aber reicher an verschiedenen Motwen ist das Lied der Singdrossel deren herrliche- Sin- geil von den ersten mitten Herbsttagen bis in ben Hochsommer hinein andauert. Klangvoll flötend ist auch das „Gidler" des Pirols, der Goldamsel, die sich mehr an den Waldrand hält. ..... m , Unter den Erd- und Laubsängern ßnd die Nachtigall, der Sprosser und das Rotkehlchen die Meister. Die Nachtigall und der Sprosser oder die polnische Nachtigall, die beide mehr die Auen als den eigentlichen Wald lieben, entzücken unser Ohr durch ihren wohltuenden, metallisch klingenden, kräftigen Gesang, der reich an langgehaltenen Schmettertouren Aus Oer Provinzialhauptstadt. Tage der 2Rofen. Das Gesicht der Gärten hat sich nicht erst im letzten Menschenalter grundlegend geändert. Auch frühere Zeiten drückten bei der Gartengestaltung dem landwirtschaftlichen Bilde den Stempel ihrer Launen oder ihrer Geistesrichtungen auf. Von dem Schwetzinger Schloßgarten ober dem Park von Sanssouci bis zu einem neuzeitlichen Stein- ober Staubengarten liegen Welten von Liebhabereien. Diese Liebe zu Gärten betrachtet fast jebe Pflanze wie ein Schoßkinb, bas fein Betreuer unb Pfleger immer schöner, immer eigenartiger unb vollkommener haben möchte. Aus Den einfachsten Arten würben so Dutzenbe von Spielarten, bie häufig in ihrem Aussehen bie Stammutter beinahe nicht wiebererkennen lassen. Auch bie Rose, ober aerabe sie, war ein beliebter Gegenstanb von tau- fenberlei Züchtungsversuchen. Von bem Winb- ober Heckenröschen bis zur Marschall-Niel-Rose ober bis zu ben Rosenneuheiten, bie in biesem Jahre zum ersten Male in ben Hcmbel kamen, liegen oft Jahrzehnte züchterischen Mühens. Die schöpferischen Möglichkeiten, bie in ber Pflanzenzucht weitesten Spielraum haben, locken zur Ergrünbung geheimnisvoller Vorgänge in ber Natur. Duft unb Farbe haben ber Rose ben Ehrentitel einer Blumenkönigin eingetragen, ben ihr bis heute noch keine Rivalin streitig gemacht hat. Obwohl ber Duft ber Rose etwas Besonberes unb nur ihr eigenes ist, buffet fast jebe Rosenart anbers. Die biskrete Zurückhaltung, so möchte man es aus- brürfen, mit ber sie ben Hauch ihres Wesens verströmt, ist bas Anziehenbe an iyr, ist bas Geheimnis jeher Freunbschaft, trotz aller Dornen. Rosen in kristallenen Vasen finb wie bie zartesten Liedes- aebichte, in benen eine empfinbsame Seele Ausbruck finben kann. Wie ber Duft ber Rose, ist auch bie Farbe ihrer Blütenblätter, auch wenn sie bie Sonne greller leuchten läßt, als sie in Wahrheit finb, von vornehmer Tönung. Balb wie Samt, halb wie Seibe, balb wie mit Pastellstiften gemalt ober in Del, balb als Topas, Saphir, Rubin ober Amethyst funkelnb ober in ben unwahrscheinlichsten Uebergängen von Ton au Ton schillernb unb boch nie kokottenhaft geschminkt, wirbt bas Lächeln ber Rose um unsere Gunst. Noch im einfachen Bauernröschen ist bie Grazie ihrer oerebelten Schwester. Wenn sich so ein Rosenstock mit seinen kleinen Blüten um ein Haus mit grünen Fensterläben, bunflem Fachwerk unb weißgekalkter Wanb ringt, bann ist bas, als ginge eines ber vielen Lieber um bas Gemäuer, in benen die Seele bes Volkes mit ber Blumenkönigin traute unb zärtliche Zwiesprache hält. Wo immer sich ein großes Gefühl ein Gleichnis schuf, ba war bie Rose fein Spiegelbilb. Wie bie „Rosen von Jericho", die Kreuzfahrer mit nach Hause brachten, unb bie verwelkt im Wasser roieber erblühten, so werben auch beim Anblick ber Rosen fast bei jebem Menschen Erinnerungen wach an „Tage ber Rosen". I. Verteilung der Ehrendolche an die alten Kämpfer des Sturmbann 11/116. Die mit bem Ehrenbolche ausgezeichneten alten Kämpfer. ist. Manchem klingt bas schwermütige, feierliche Lied bes Rotkehlchens mit feinen vielen trillernden und flötenden Strophen und der klangschöne Gesang des Schwarzplättchens, reich an Flötentönen, fast schöner als der Nachtigallengesang. Wie „Dibibi die düe dea bea büe beiba da" hört sich aus ben Fichtenkulturen heraus das Lied bes Fitislaubsängers an. Wir haben aus ber großen Zahl ber fangeskunbi- gen Vögel bes Walbes bei weitem nicht alle erwähnt. Alle wirken, jeder in seiner Weise, an bem vielstimmigen Waldkonzert mit. Ist die Zeit der Minne vorüber, dann wird es wieder stiller im Walde, einer nach dem andern stellt sein Singen ein, und ist der Hochsommer herangekommen, dann haben nach und nach alle Waldsänger zu singen auf- aehört. Jetzt hört man fast nur mehr vereinzelte Lock- und Warnrufe, das krächzende „Räätsch" des Eichelhähers, das kurze, laute „Kja" der Dohle, das „Kuwitt" des Walbkauzes, das rasche, hohe „Kuwisf, kuwiff" und das behaglichere „Giwkuck, giwkuckuck, aewkuckuck des Steinkauzes, das dumpfe ,^)u" der Waldohreule, das Helle „Gäthgäthgäth" des Baumfalken, das langgedehnte „Hiah" des Mäusebussards. Recht eigenartig hört sich bei einer nächtlichen Waldwanderung her Ruf der Eulen an, der zur Balzzeit am lebhaftesten und häufigsten, aber auch zu anderer Jahreszeit zu vernehmen ist. Ausgiebiger Lärm herrscht das ganze Jahr, solange diese Vögel hier sind, in den Siedelungen des Fischreihers und der Saatkrähen. Weithin hört man das zweisilbige „Chröa" und das kurze, höhere, einsilbige „Chräth" der Fischreiher, etwa wie mißglückte Trompetentöne oder die Schreie einer aufgescheuchten Gänseherde klingend. In großer Zahl siedeln sich die Saatkrähen nebeneinander an. Jeder Baum trägt da oft mehrere Nester. Das rauhe, „Kroah" und „Krr" der einzelnen Individuen vereinigt sich da zu einem ohrenbetäubenden Lärm. Bei den verschiedenen Vogelstimmen des Waldes dürfen wir auch der Balzlaute verschiedener Vögel nicht vergessen. Wer den Auerhahn mit der nötigen Geduld und Vorsicht am frühen Morgen bei ein» tretender Dämmerung anzuschleichen versteht, kann, genügend nahe gekommen, sein schwaches, wie mit Holzstäbchen verursachtes „Jlipp-ilipp-ilipp" hören, Am Dienstag abend waren die alten Kämpfer des Sturmbann 11/116, die vor dem 31.12.31 in bie SA. eingetreten waren unb feit biefer Zeit ununterbrochen Dienst getan hatten, in den Räumen der Standarte 116 angetreten. Der Führer des Sturmbann 11/116, Sturmführer Walter, übergab denselben im Auftrag von Stabschef Röhm den von diesem gewidmeten Ehrendolch. Er ermahnte die alten Kämpfer genau wie in der Vergangenheit auch in der Zukunft sich für den Führer und seine Idee einzusetzen und nicht zu rasten und nicht auf den Lorbeeren des errungenen Sieges auszuruhen, sondern alles daranzusetzen, daß auch die SA.-Männer, die erst später zur SA. gekommen wären, im revolutionären Geiste erzogen würden. Durch Handschlag verpflichtete sich jeder alte Kämpfer gemäß des Wahlspruchs, der auf der Klinge des Ehrendolches steht, „Alles für Deutschland!" einzusetzen und unserem Führer Adolf Hitler getreue Gefolgschaft zu leisten. Die VerkehrLerziehimgswoche in Gießen. praktische Belehrungen auf der Straße. - Das Kind im Straßenverkehr. Unter Führung des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda im Einvernehmen mit dem Reichsverkehrs- und Reichsinnenministerium findet in der Zeit vom 9. bis 16. Juni 1934 im ganzen Reich die Verkehrsficherheits- und Erziehungswoche statt. Die Maßnahmen und Veranstaltungen, die aus ihrem Anlaß an allen Orten durchgeführt werden, stehen unter dem Motto: „Kampf dem Verkehrsunfal l". Hierbei darf jedoch darüber kein Zweifel fein, baß ber Kampf gegen bie Gefahr, bie nun einmal aus bem Verkehr zwangsläufig entsteht, nicht so geführt werben kann und darf, daß der Verkehr dadurch beeinträchtigt wird oder gar zum Erliegen kommt. Die Maßnahmen, die zur Einschränkung der Der- kehrsaefahren führen sollen, müssen daher von dem Grundsatz getragen sein: „Gegenseitige Rücksichtnahme aller auf alle!" Darum ist ganz besonders die nationalsozialistische Bewegung dazu berufen, den ersten Generalangriff auf die Verkehrsgefahren zu führen, weil alle Angriffsmittel dieses Kampfes dem einen einzigen Grundmotiv entspringen unb in bem einen einzigen Ziel enben, bas unser Ziel auf allen Gebieten ist, in bem Ziel „Volksgemeinschaft". Aus diesem Gemeinschaftsgedanken heraus haben sich Polizei unb Gendarmerie, Schulen, Verkehrsvereinigungen und RS.-Organisatio- nen in Stadt und Land zu gemeinsamer Arbeit an dem segensreichen Velehrungs- und Lr- ziehungswerk zusammengeschlossen. Zunächst wirb in ber hiesigen Stabt burch P o - I i 3 e i unb in ben größeren ßanbgemeinben bes Kreises am 8. Juni eine Belehrung ber Kraftfahrer, am 9. Juni eine Belehrung Der Rabfahrer unb am 10. Juni eine Belehrung ber Fußgänger innerhalb bes allgemeinen Straßenverkehrs statt- finben. Des weiteren wirb bie Gießener Polizei in anerkennenswerter Weife in ben ersten Tagen bie Bevölkerung burch eine Reihe sinnvoller Veranstaltungen auf bie Derkehrsgefahren unb bie Möglichkeit ihrer Verhütung aufmerksam machen. Es werben ferner im Laufe ber fommenben Woche in ben Ortsgruppen ber NSDAP, unb in ben Schulen Belehrungsvorträge mit Lichtbilbern über Verkehrsregeln uno Unfallverhütung abgehalten werden. Insbesondere wird Ende nächster Woche ein namhafter Verkehrsfachmann einen äußerst lehrreichen Lichtbildervortrag über den modernen Stadtverkehr halten. Hierauf feien schon jetzt alle Berufskraftfahrer hingewiesen, deren vollzähliges Erscheinen erwartet wird. Zeit und Lokal dieser Veranstaltung werden noch bekannt gegeben. Schließlich sei noch ein Hinweis gemacht auf die durch Schulen und Organe der NSV. zum Verkauf gelangenden Broschüren ,Kampf dem Verkehrsunfall." Die sehr inhaltsreiche und interessante Schrift, die zu dem geringen Preis von 10 Pfg. vertrieben wird, darf in keiner Familie fehlen. Es ist Pflicht eines jeden Volksgenossen, mitzuhelfen an der Verwirklichung der Idee, bie sich bie NSV. — Abt. Schabenverhütung — als Trägerin ber Veranstaltungen gesetzt hat, nämlich „Erhaltung der Volkskraft unter Ausschaltung aller vermeidbaren Verluste an Lebens- und Sachwerten!" bem bann das eigentliche Balzen beginnt. Der Balzruf des Birkhahns besteht aus einem hohlen Pfeifen, dem ein Zischen und dann ein truthahnartiges Kollern folgt, dabei führt er die tollsten Tänze auf. Bekommt man in der Abenddämmerung den Strich der balzenden Waldschnepfe zu sehen, so hört man das „Schiepen", hohe, scharspseifende, jäh abgebrochene Töne, wie „Psip, psieb" und ein dumpfes Knurren, „Murksen". So gewähren dem einigermaßen aufmerksamen Wanderer im Walde die Vogelstimmen eine angenehme Abwechselung, und wenn dazu noch die fleißige Musik der Zikaden, Grillen und Laubheu- schrecken, das Summen und Brummen der Käfer, Fliegen, Bienen, Wespen und Hummeln sich bemerkbar macht, so herrscht im Walde, der manchen Leuten einsam und langweilig erscheint, ein reges Leben und Treiben, „es musiziert, es singt und pfeift und klingt im frischen grünen Wald". Gr. Bekanntmachungen res Personalamtes Der Assistenzveterinärarzt an der tierärztlichen Fakultät der Landesuniversität Gießen, Dr. Karl Buhl, wurde mit Wirkung vorn l.Mai 1934 unter Berufung in das Bearntenoerhältnis zum Amtsoeteri- närarzt in Mainz mit der Amtsbezeichnung „Veterinärrat" ernannt. — Der Justizinfpektor beim Amtsgericht Alsfeld, Friedrich Rudolf La hl, zur Zeit beim Amtsgericht Lich, wurde mit Wirkung vom 1. Juni 1934 zum Justizinspektor beim Amtsgericht Nidda ernannt. AusparteiamtlichenBekanntmachungeri Die Arbeitsgemeinschaft der technischen Lehrerinnen im NSLB. des Kreises Gießen hält ihr nächste Arbeitsstunde am morgigen Samstag, 15,30 Uhr, in der Mädchenberufsschule (Kirchstraße 16) ab. Die Lotterie der nationalsozialistischen Idee. Demnächst sind die braunen Lose mit bem symbolischen Bilb ber beulschen schaffenben Aufbauarbeit unb ber gewichtigen Inschrift „Dem Deutschen Volke" überall zu haben. 1,5 Millionen Mark werben ausgelost. Dielen Deutschen ebnet damit bie neue NSDAP.-Geldlotterie ben Weg zum Glück, und allen bietet sie eine gute Möglichkeit, im Sinne der natio» nalsozialistischen Idee das ihre zur deutschen Aufbauarbeit beizutragen. tfnfer neuer Koman. In ber morgigen Ausgabe bes Gießener Anzeigers werden wir den mit außerordentlichem Erfolg zum Abdruck gebrachten Raman „Und nun, Ellen?' von Käthe M e tz n e r beenden. In der gleichen Nummer unseres Blattes werden wir mit der Veröffentlichung eines neuen großen Romanwerkes beginnen, mit dem wir wiederum einen Publikumschlager allerersten Ranges erworben zu haben alauben. Die Autorin ist unseren Leserinnen unb Lesern als die Verfasserin der Romane „Ich hab dir verziehn", „Deiner Hände Werk" und „B. 518. Pvonnes Geheimnis" bereits seit längerer Zeit wohl bekannt. Ihr jüngster Raman erschien unter Dem Titel „Was mein einst war" von Klothilde von Stegmann und dürfte als ein glänzend geschriebenes, unerhört spannendes und dramatisch gesteigertes Werk vom . ersten bis zum letzten Kapitel die Aufmerksamkeit ihres Lesers aufs Höchste fesseln. Die sehnsüchtige Spieluhrweise des alten Liedes „Aus der Jugendzeit, aus der Jugendzeit" mit dem wehmütigen Re- frain „— was mein einst war" gibt das musikalische Leitmotiv einer leidenschaftlich bewegten Handlung. Der Kampf zweier jungen Menschen um das Glück ihrer großen und reinen Liebe wird von Klothilde von Stegmann in packenden Szenen ergreifend und lebenswahr geschildert. So sind wir gewiß, auch mit dem morgen beginnenden neuen Roman der beliebten Autorin allen unseren Lese- rinnen und Lesern in Stadt und Land eine wirkliche Freude zu bereiten. Anordnung zum Schuh der Mindestleihgebühren des Leihbüchereigewerbes Zur Sicherung der Kulturaufgaben des Leih« büchereiaewerbes ordne ich auf Grund des § 25 der Ersten Verordnung zur Durchführung des Reichskulturkammergesetzes vom 1. November 1933 (RGBl. 1933 Bl. I S. HKH.) hierdurch folgendes an: Die von den Vertretern der Leihbüchereien im Börfenverein und von den Obleuten ber Fachschaft Leihbüchereien unter dem 20.4.34 (11. Dtsch. Bchh. 1934 Nr. 37 und 47; Ztschr. d. Leihbücherei 1934, Nr. 4) festgesetzten Mindestleihgebühren sind für jeden Inhaber einer Leihbücherei verbindlich. Zuwiderhandlungen gegen diese Bestimmungen ziehen Ordnungsstrafen nach sich und können im Wiederholungsfälle zum Ausschluß aus der Reichsschrifttumskammer gemäß § 10 der genannten Verordnung führen. Der Präsident der Reichsschrifttumskammer. I. V.: gez.: Dr. W i s m a n n. Festsetzung von preisen für Eier im Wirtschaftsbezirk Hessen. Der Reichskommissar für die Vieh-, Milch- unb Fettwirtschaft hat unter dem 30. Mai gemäß § 14 der Zweiten Verordnung über die Regelung des Eiermarktes vom 3. Mai 1934 mit Wirkung vom 1. Juni 1934 für den Wirtschaftsbezirk Hessen den Mindesteinkaufspreis für Eiererzeuger auf 1,15 Mark je Kilo festgesetzt. Dis bevorstehende Regelung gilt bis auf weiteres. Die Einhaltung ist sorgfältig zu überwachen. ^ornvtucii. — Tageskalender für Freitag: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Zu Straßburg auf der Schanz". — Der Gustav-Adolf-Frauenverein veranstaltet am kommenden Sonntag, 10. Juni, in der Turnhalle am Oswaldsgarten einen Spiel-, Musik- unb ßieberabenb unter bem Gebauten „Brüber in Not". (Siehe heutige Anzeige.) — Eine Milchviehauktion finbet am Freitag, 15. Juni, veranstaltet von ber Nutzviehbe- schaffungs e. G. m. b. H. Frankfurt a. M., in bem Anwesen Robheimer Straße 50, statt. (Siehe bie heutige Anzeige.) ♦* Straßensperrung. Wegen Vornahme von Gleisumbauarbeiten wirb ber Erbkauterweg zwischen Schisfenberger Weg unb verlängerter Sie» bigstraße vom 7. bis 16. Juni 1934 für jeglichen Fahrzeugverkehr gesperrt. ** Das Melbeamt für ben Freiwilligen Arbeitsdienst, Liebigstraße 16, ist am Montag, dem 11. Juni 1934, geschlossen. ** D i e Museen im Alten unb Neuen Schloß finb am Sonntag zwischen 11 unb 13 Uhr geöffnet. ** Offenlegung ber Schlachthof-Ge- bührenorbnung. Die Bürgermeisterei Gießen gibt bekannt, daß die Gebührenordnung für den Städtischen Schlachthof zur Einsichtnahme bei der Schlachthofverwaltung offenliegt. Auf die Bekanntmachung sei besonders hingewiesen. ** Hessischer Iagdklub Gießen. In Bad Homburg v. d. H. fand dieser Tage die Jagd- ausstellung 1934 statt, die von unserm Klub mit einem Hirschgeweih, 33 Rehstangen, einem Auerhahn und einem Birkhahn beschickt wurde. Der beste Bock der Ausstellung, geschossen von unserem Mitglied Herrn Forster Butteron, Röthges, erhielt eine goldene Medaille und einen silbernen Becher, weitere silberne Medaillen ebenfalls Herr Forster Butteron, Herr H. K e i ß n e r - Gießen; Broncemedaille Herr H. K e i ß n e r - Gießen. Zwei weitere silberne Medaillen für einen Auer- unb einen Birkhahn erhielt Herr ftub. jur. Karl Klein» Gießen. ** Sonntagsrückfahrkarten zum Kreis-Turnfest in Großen-Linben. Zu bem Kreis-Turnfest in Großen-Linben werben von ben Bahnhöfen ber nachftehenb genannten Strecken Sonntagsrückfahrkarten ausgegeben: Friebberg (Hessen)—Nieberwalgern, Alsfelb—Gießen, Amöneburg —Burg- unb Nieber-Gemünben, Grünberg (Obh.)— Lollar—Wetzlar, Haiger—Gießen, Weilburg (Lahn) —Gießen, Grävenwiesbach—Albshausen, Dillenburg —Straßebersbach, Herborn—Nieberwalgern, Nibba —Gießen, Mücke—Hungen—Friebberg unb Schotten —Friebberg. Die Fahrkarten haben folgenbe Geltungsbauer: Hinfahrt: 9. Juni 0 Uhr bis 10. Juni 24 Uhr; Rückfahrt: 9. Juni 12 Uhr, bis 11. Juni 12 Uhr. ** Deutsche Luftpost nach Sübame» rika. Das Luftschiff „Graf Zeppelin", bas soeben von seiner ersten biesjährigen Sübamerika- fahrt zurückgekehrt ist, wirb am fommenben Samstag bie zweite Fahrt von Friebrichshafen aus antreten. Das Luftschiff nimmt roieber ßuftpoftfen» bungen (Briefe unb Pakete) für Argentinien, Bo- Holen, Brasilien, Chile, Paraguay und Uruguay mit. Postschluß in Friedrichshafen am Samstag um 18 Uhr. Die Briefsendungen müssen die Aufschrift tragen: „Mit deutscher Luftpost", die Pakete: „Mit Luftschiff Graf Zeppelin". — Es ist ausgefallen, daß zahlreiche Sendungen für die deutsche Luftpost nach Südamerika entweder ungenügend oder zum Schaden der Versender mit den höheren Gebühren des französischen Dienstes freigemacht sind. Wer sich vor solchen Nachteilen schützen will, fordere am Postschalter die Uebersicht „Luftpostgebühren" ab, die unentgeltlich abgegeben wird. ** Nehmt keine Kornähren in den Mund. Auf den Getreideähren steht im Sommer ein kleiner Pilz. Er ist der Erreger der lebensgefährlichen Strahlenpilzkrankheit im Gaumen oder im Verdauungskanal. Es bildet sich eine harte Geschwulst bei der Krankheit, der dann ein Gewebezerfall folgt, wenn nicht der Arzt beizeiten eingreifen kann. Es mußten schon viele die kleine Unvorsichtigkeit mit dem Leben büßen. Also nochmals: Nehmt keine Kornähren in den Mund! Oie Umsätze des deutschen Handwerks. Eine besonders erfreuliche Wirkung der Arbeits- K der Reichsregierung offenbart sich jetzt für utsche Handwerk. Es ist, wie das Ndz.-Büro meldet, festgestellt worden, daß infolge der Maßnahmen der Regierung zur Arbeitsbeschaffung die Umsätze des deutschen Handwerks teilweise bis etwa 20 Prozent gegenüber vergleichbaren früheren Zeiten gestiegen sind. Einen Maßstab für den Grad der Belebung bieten z. B. die Umsätze der Einkaufsgenossenschaften des Handwerkes. Der Einkaufsumsatz der Maler stellte sich im zweiten Vierteljahr 1933 auf 111 Prozent der entsprechenden Zeit des Vorjahres, im vierten Vierteljahr bereits auf 140 und im Januar 1934 sogar auf 250 Prozent. Da die Jnstandsetzungsarbeiten usw. natürlich auch andere Gewerbe beschäftigen, sind auch dort Umsatzsteigerungen festzustellen. So erhöhten sich die Umsätze des Metall verarbeitenden Gewerbes von 114,3 Prozent im zweiten Vierteljahr 1933 auf 182,2 Prozent im Januar 1934. Die Holz verarbeitenden Handwerksberufe konnten .ihre Umsätze in der entsprechenden Zeit von 120,2 auf 130,8 Prozent verbessern. Der Gesamtumsatz im Jahre 1933 hob sich gegenüber dem Vorjahre bei den Malern uml6,7, für die Metallhandwerker um 19,7, für die Holz verarbeitenden Berufe um 17,3 Prozent. Die Sattler und Polsterer profitierten erfreulicherweise besonders in den Ehestandsdarlehen des Reiches. Die Umsätze dieser Zweige des Handwerks waren von 103,6 im zweiten Vierteljahr 1933 auf 156 Prozent im Januar 1934 gestiegen. Aber auch die Bäcker, Schneider und Schuhmacher melden erhöhte Umsätze. Das ist umso bedeutsamer, als bei diesen Zweigen des Handwerkes die Verbesserung der Beschäftigten erst durch die Steigerung der Verbrauchskraft infolge der Arbeitsbeschaffung sichtbar werden konnte. Die Umsatzziffer der Schuhmacher stand im Januar 1934 bereits auf 123,7 Prozent der vergleichbaren Vorjahreszeit, die der Bäcker auf 103,6 Prozent. Die Hebung der Umsätze z. B. in den Bäckereien ist als nicht zu schlagender Beweis für die Besserung der Lebenshaltung unseres Volkes anzusehen. Oie Wirtschaftslage des Diehhandels im Monat Mai. Vom Reichsoerband des nationalen Viehhandels Deutschlands e. V. wird uns geschrieben: Die Entwicklung auf den Viehmärkten im abgelaufenen Monat wurde von verschiedenen Momenten beeinflußt. Auf der einen Seite führten die außerordentlichen Witterungsverhältnisse und die große Trockenheit zu teilweise recht erheblichen Zufuhren, während andererseits durch den stärkeren Bedarf zum Himmelfahrtsfest und zu den Pfingstfeier- tagen auch ein gewisser Ausgleich geschaffen wurde. Die Rinder Märkte nahmen zu Beginn des Berichtsmonats einen im allgemeinen glatten Verlauf. Sie blieben auch weiterhin fest und konnten teilweise Preisbesserungen erzielen, die aber an einzelnen Märkten durch zu starke Auftriebe beeinflußt wurden. Die Kälber Märkte zeigten zu Beginn des Berichtsmonats ebenfalls sehr feste Tendenz, bei zeitweise starkem Angebot. Trotz des erheblichen Bedarfs vor den Feiertagen war der Auftrieb jedoch zu groß, um. ohne Verlust untergebracht zu werden. Auch nach dem Fest war das Kälbergeschäft nicht einheitlich. Die Schafmärkte, die Anfang des Monats Mai au wünschen übrig ließen, wiesen vor den Pfingst- feiertagen eine gewisse Preisbesserung auf, obwohl auch hier das Angebot reichlich war. Durch die frühzeitig einsetzende starke Zufuhr an Frühgemüse erfuhr auch die Nachfrage nach Schaffleisch eine nicht unwesentliche Verstärkung. Eine durchweg starke Beschickung wiesen die Sch weine Märkte auf, wo einzelne Märkte Re- kordauftriebe zu verzeichnen hatten. Die Auftriebs- Ziffern schwankten sehr erheblich, die Preisentwicklung zeigte daher ebenfalls kein einheitliches Bild. Im Nutz- und Zuchtviehhandel war Nachfrage nach guten Milchkühen festzustellen, während man im Berichtsmonat etwas geringere Umsätze feststellte. Oer Lauterbacher Prämienmarkt. D Lauterbach, 7. Juni. Zum 63. Male wurde dieser Tage der weit über die Grenzen des Kreises Lauterbach hinaus bekannte Lauterbacher Prämiierungsmarkt abgehalten. Der traditionelle Markt, der eine Jahresschau unserer heimischen Viehzucht ist, war aber auch diesmal wieder ein Volksfest im wahrsten Sinne des Wortes. Ein besonderes Gepräae erhielt der Markt durch die Anwesenheit des Landesbauernführers Dr. Wagner und des Staatspressechefs Dr. Mahr, der im vorigen Jahr noch als Bürgermeister der Stadt unseren Prämlenmarkt leitete. Zur Ehre der hohen Gäste wehten von allen Häusern die Hakenkreuzflaggen. Der Verlauf des Marktes hat gezeigt, daß man sich wieder in einer wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung befindet. Auf dem Marktplatz, auf dem sich in der Hauptsache der Krämermarkt abwickelte, hämmert und rumort es schon von morgens 6 Uhr ab und bald reiht sich Verkaufsstand an Derkaufsstand. Diesmal reicht der Marktplatz gar nicht aus. Bahnhofstraße, Adolf-Hitler-Platz und Lindenstraße standen auch voll von Verkaufsbuden. Um 7 Uhr begann der Viehauftrieb. Von 140 Stück Großvieh waren zur Prämiierung 114 aufgetrieben, an Schweinen 45, Ziegen waren 121 vertreten. Der Ferkelmarkt war mit 424 Stück befahren. Der Handel war recht lebhaft. 5 bis 6 Wochen alte Tiere kosteten 16 bis 19 Mark, 6 bis 8 Wochen alte 18 bis 24 Mark, ältere wurden mit 26 bis 30 Mark gehandelt, je nach Größe und Qualität. Bald walteten dann auch die gestrengen Preisrichterkommissionen ihres Amtes und ihre Aufgabe, das beste Vieh zu prämiieren, war nicht leicht. Für die Prämiierung haben die Stadtverwaltung, die Hessische Bauernkammer, die Zuchtvereine, der Kreis Lauterbach und selbst größere Lauterbacher Geschäfte namhafte Beträge zur Verfügung gestellt und vielen Viehhaltern, die darauf bedacht sind, gutes Zucht- und Leistungsvieh zu züchten, konnten für ihre Mühewaltung belohnt werden. Daß sich in den Vormittagsstunden der Hauptmenschenverkehr nach dem Viehmarkt zu konzentrierte, war verständlich. Die Nachmittagsstunden und der Abend galten dem Krämermarkt und der Volksbelustigung. Besonders in den Nachmittagsstunden herrschte auf dem Marktplatz und in den angrenzenden Straßen großes Gedränge. Gegen Abend belebte sich der Juxplatz in der Lindenstraße immer mehr. Die Jugend tanzte. Kleine Strafkammer Gießen. Ein Mann aus Philippstein wurde vom Amts- aericht in Alsfeld wegen Betrugs zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt. Gegen dieses Urteil verfolgte der Angeklagte das Rechtsmittel der Berufung. In der gestrigen Hauptverhandlung wurde festgestellt, daß der Angeklagte als Vertreter einer Krankenversicherung Interessenten vorspiegelte, sie könnten sich auf Grund einer ausgestellten Versicherungspolice sofort in ärztliche Behandlung begaben. Nach Schluß der Beweisaufnahme nahm der Angeklagte das Rechtsmittel zurück. Die Kosten des Verfahrens trägt der Angeklagte. * Wetzlar, 7. Juni. In der Dienststraf- fache gegen den Rentmeister Tölle, Stadtbaumeister Schneider, Betriebsinspektor Lotz, Oberstadtsekretär G ü ß, Stadtsekretär Hildebrand, sämtlich aus Wetzlar, hat die Dienststrafkammer bei der Regierung zu Wiesbaden in ihrer Sitzung vom 31. Mai 1934 beschlossen, das Dersah r en einzu stellen. Die Einstellung erfolgt entsprechend dem Anträge der Einleitungsbehörde mit Rücksicht auf den Ausfall der Voruntersuchung. Rotkreuztag 1934 in Gießen Samstag, den S.Zuni, 18 Uhr: Flaggenhiffung am SanMsdepoi, Sonnenstraße. Anschließend: Gedenkfeier für die Gefallenen am 116er-Denkmal. — (Bei beiden Kundgebungen wirkt der Musikzug des N. 1/116 mit.) Nach den Kundgebungen: Propagandamarsch der Sanitatskolonne vom Noten Kreuz durch verschiedene Straßen der Stadt vom Brandplatz aus. Sonntag, den lv.Zuni, 11—12 Uhr: Platzkonzert des Musikzuges N. 1/116 im Hindenburgwall gegenüber der Bismarckstraße. gez.: Srnst H ö rr, Leiter der Arbeitsgemeinschast zur Durchführung des Notkreuztages Der Hessische Soldatentag in Darmstadl. . Am morgigen Samstag, 9. Juni, beginnen die Festtage in Darmstadt. Der Deutsche Reichskriegerbund „Kyffhäuser"— Landesverband Hessen-Darmstadt — Kriegerkameradschaft „Hassia" — begeht in den Tagen vom 9. bis 11. Juni die Feier des 60jährigen Verbandsbestehens verbunden mit dem Hessischen Soldaten- t a g. Siebzig- bis achtzigtausend alte Kameraden und ehemalige Soldaten, Frontsoldaten des Weltkrieges werden sich zum großen kameradschaftlichen Appell zusammenfinden, um zum ersten Male im neuen geeinten Deutschland sich die Hände zu reichen im Gefühl unverbrüchlicher Zusammengehörigkeit und Verbundenheit mit dem deutschen Volk und seiner Regierung. Einem jeden alten Soldaten ist die Möglichkeit gegeben, seine Kameraden aus Kriegs- und Friedenszeiten auf dem Festplatz wiederzusehen. Nicht nur aus Hessen-Darmstadt, Hessen-Nassau, nein, aus allen Gegenden des deutschen Vaterlandes haben sich die Kameraden angemeldet. Mehr wie 40 Sonderzüge werden in Darmstadt eintreffen. Die Reichsbahnverwaltung ist der Festleitung durch weitgehende Fahrpreisermäßigungen entgegengekommen. Abfahrzeiten der Sonderzuge und der Fahrpreisermäßigungen sind auf den Bahnhöfen und von den Führern der Kriegervereine zu erfahren. Darmstadt, die alte Garnisonstadt, hat sich aufs festlichste gerüstet. Sie ist stolz und erfreut, die Angehörigen der alten ruhmreichen hessischen Regimenter und die heldenhaften Söhne unseres Volkes im Weltkriege auf das herzlichste und kameradschaftlichste in ihren Mauern aufnehmen zu können. Ein jeder, der die Feier miterlebt, wird die Empfindung unverbrüchlicher Verbundenheit zwischen alten Soldaten und dem jungen Deutschland unter der Führung unseres ehrwürdigen Reichspräsidenten und unseres Volkskanzlers mit nach Hause nehmen. Ein großer hi st arischer Festzug am Sonntag wird die Geschlossenheit der Kriegervereine, Regimentsvereine und von Volk und Heimat zum Ausdruck bringen. Nicht weniger wie 45 Festwagen und Festgruppen, 45 Musikkapellen und 30 Trommler- und Pfeiferkorps werden den Zug begleiten. Der Hessische Soldatentag in Darmstadt soll der Ehrentag des alten Soldaten im neuen Deutschland sein. Derwattungssonderzüge. Zürn Hessischen Soldatentag und 60jährigen Bestehen der Kriegerkameradschaft Hassia in Darmstadt am 9. und 10. Juni 1934 werden folgende Verwaltungs-Sonderzü ge mit einer Fahrpreisermäßigung von 60 v. H. gefahren: Am 9.Juni: Hinfahrt: Gießen ab 14.32 Uhr, Friedberg ab 15.32 Uhr, Darmstadt an 17.03 Uhr. (Hält bis Vilbel-Nord auf allen Bahnhöfen.) Am 11.Juni: Rückfahrt: Darmstadt ab 1 Uhr, Gießen an 3.09 Uhr. (Hält ab Vilbel auf allen Bahnhöfen.) Am 9. Juni: Hinfahrt: Lauterbach ab 12.15 Uhr über Stockheim—Vilbel nach Darmstadt. Ankunft in Darmstadt 17.08 Uhr. (Hält auf allen Stationen bis Vilbel-Nord.) Am 11. Juni: Rückfahrt: Darmstadt ab 0.30 Uhr, Stockheim an 2.23 Uhr, Lauterbach an 4.53 Uhr. (Hält ab Vilbel-Nord auf allen Stationen. Teilnehmer von Büdingen haben Stockheim sofort Anschluß.) Am 10.Juni: Hinfahrt: Renzendorf ab 5.45 Uhr, Gießen an 7.17 Uhr, Gießen ab 7.22 Uhr, Darmstadt an 9 Uhr. (Hält bis Gießen auf allen Bahnhöfen.) Am 10. Juni: Rückfahrt: Darmstadt ab 20.10 Uhr, Gießen an 21.48 Uhr, Renzendorf an 23.57 Uhr. (Hält in Vilbel-Nordund ab Gießen auf allen Bahnhöfen. In Friedberg ist Halt zur Erreichung der Anschlußzüge nach Hungen und Nidda vorgesehen.) Am 10.Juni: Hinfahrt: Gießen ab 7.59 Uhr, Darmstadt an 10.21 Uhr. (Hält bis Vilbel auf allen Bahnhöfen.) Am 11. Juni Rückfahrt: Darmstadt ab 1 Uhr, Gießen an 3.09 Uhr. (Hält ab Vilbel auf allen Bahnhöfen.) * Wie uns vom Reichsbahnverkehrsamt noch mitgeteilt wird, wird zu dem Sonderzug nach Darmstadt, der am morgigen Samstag, 14.32 Uhr, Gießen verläßt, wegen der starken Nachfrage ein Vorzug gefahren. Dieser Vorzug fährt etwa um 14 Uhr ab und hält nur in Butzbach und Friedberg. Sin Wort znm Schutze unserer Fledermäuse. Von Or. Karl Nudols Fischer. Seit den letzten fünfzig Jahren darf es als erwiesen gelten, daß wir trotz des Fortschrittes von Wissenschaft und Technik auf allen Gebieten machtlos jenen Naturereignissen ausgeliefert sind, die man als Schädlingskatastrophen bezeichnet. Solches Massenauftreten einer plötzlich vermehrungsstark gewordenen Art von Schadinsekten ist in letzter Zeit der Gegenstand eingehender wissenschaftlicher Untersuchungen nach der Ursache der Entstehung gewesen. Soweit hier heutzutage auch noch die Meinungen im einzelnen auseinandergehen mögen, im großen und ganzen hat man sich doch darauf geeinigt, die Dinge folgendermaßen zu sehen. Man weih, dah daseinsbereitende Umwelt, Tier- und Pflanzenwelt eine durch tausend Verkettungspunkte miteinander verbundene, intim ineinander übergreifende Lebensgemeinschaft sind. Diese Vorstellung vom Lebensraum umfaßt in ihrem Ausdrucksbereich die offensichtlich zutage tretende Erscheinung, daß Tier- und Florenbefied- (ung eines jeden naturgegebenen Standortes sich in einem Zustande gegenseitigen Angepaßtseins be- finden, daß jedes Wesen seine ganz charakteristisch sich äußernde Umweltbindung besitzt und offenbart uns weiter, daß dieser daseinsgewährende Aufenthaltsraum nur so lange die ihm herkunftseigene und in ihm vorgesehene Anzahl von Arten und Individuen beherbergen, ernähren und erhalten kann, wie er selbst in seiner inneren Beschaffenheit und äußeren Zusammensetzung unverändert bleibt. Jede Veränderung und Störung in diesem abgewogenen, von der schöpferischen Vorsehung im Sinne der Gleichgewichtslage und der natürlichen Zweckmäßigkeitsschulung bestimmten Verhältnis hat tiefgreifende, mitunter katastrophale Veränderungen innerhalb der Lebensgemeinschaft zur Folge. Derartige Gleichgewichtsstörungen erfolgen in unseren Breiten meist durch klimatische Einflüsse, also durch stetige Aneinanderreihung von Temperaturbegünstigungen, vor allem aber durch die kultur- intensive Wirtschaftsweise des heutigen Menschen. Durch sein Eingreifen in die mannigfaltige, von Ursprung an gegebene Pflanzenbesiedlung aller Ur- und Naturlandschaften und durch sein Bestreben, nur nützliche und ernährungsproduktive Pflanzen anzubauen, hat er im Verlaufe der Landbaugeschichte eine große Einseitigkeit in die früher so abwcheslungsreichen Verhältnisse gebracht, und nur einige Kulturpflanzen sind es doch, die heute die Kleinflächen, die Großräume, die Länder, Europa beherrschen. Mit Kartoffeln, Rüben und Getreide füllt man schon die Feldgemarkungen sämtlicher Länder aus und mit Fichte, Kiefer, Buche und Eiche haben wir schon den Großteil dessen benannt, was an Baumpflanzen auf den Höhen und an den Hängen unserer großen Hoch- und Mittelgebirge wächst. — Wundert man sich also, daß es heutzutage Schädlingskalamitäten gibt, die man früher gar nicht kannte, daß all die Tiere, die von Haus aus den jetzt vom Menschen gegen die Vorsehung der ursprünglichen Natur g e - schaffenen Degetationstyp bevorzuge n, nun zur Massenvermehrung neigen, und daß andere abroanbem, die mehr Umwelt, mehr Daseinserweiterung verlangen, als „nur" Fichte, „nur" Kiefer, „nur" Kartoffeln? Wissen Sie übrigens, worüber man sich wundern muß? Daß die Uebervermehrungen und Massenausbreitungen uns Menschen nicht schon längst aufgefressen haben, vor allen Dingen, daß sie'so schnell wieder verschwinden, daß sie nicht ft e t i g bleiben, wo doch die neuen Verhältnisse so stetig sind. Aber die Stetigkeit der neuen Agrikulturverhältnisse ist eben der Grund dafür, daß die Kalamitäten immer wieder kommen. Und daß sie so schnell wieder verschwinden, nicht Dauerzustand bleiben, liegt an dem schnellen, erdgebundenen Wechsel der Umwelteinflüsse, liegt am Klima, Witterung, Niederschlägen, Seuchen. Vor allem sind es aber auch tierische Feinde der Schädlinge, die, so gut es unter dem Ulan- gel an Wohnbedingungen geht, die INassenver- mehrung gewisser Schädlinge ebenfalls mit einem gewissen Arsbreitungsbestreben beantworten, mitunter auch den Vorsprung der Schädlinge einholen und durch Vernichtung des Vebergewichtes auf ein erträgliches Jlor- malmah zurückschrauben. Gewöhnlich ist es so, daß sich eine genau im Verhältnis Angreifer — Beutetier gegeneinander abgewogene tierische Derbreitunaszahl gerade dort er- hält, wo der vorhandene Lebensraum den ihnen arteigenen Lebensbedingungen und Siedlungswünschen am besten entsprechenden Teil besitzt. Das ist das Prinzip von der Urlebensgerechtigkeit des „eisernen Bestandes" im Naturhaushalt und ist der Wächter über die Bevölkerungsdichte jeden natürlichen Kleinraumes. Es ist selbstverständlich, daß sich der Mensch die Erkenntnis von der möglichen Selbstausgleichung im Naturgeschehen in einem Augenblicke nutzbar zu machen versucht, wo er die Fehler seiner wirtschaftlichen Vereinseitigungspolitik am eigenen Leibe zu spüren bekommt. Das hat dadurch zu geschehen, daß die Verbreitungszahl eines Tieres mit der 23er» mehrungsmöglichkeit seiner tierischen Nahrung in Einklang gebracht wird. Angesichts dieser Tatsache hat die Wissenschaft die Aufgabe, sich mehr wie bislang darum zu kümmern, wie stark die Beteiligung der biologischen Kräfte an der Erhaltung des eisernen Bestandes ist und was zu ihrer Förderung getan werden kann. Wenn man heute auch in Ansehung des Schwergewichtes der Mitbeteiligung von klimatischen Faktoren an Jnsektenkalamitäten, die tatsächlich Groß- werte ersten Ranges darstellen, davon abgekommen ist, in dem Walten der Pilze, Bakterien, Parasiten, Vögel und Fledermäuse die alleinige Hüterschaft des Gleichgewichtshaushaltes der Natur zu sehen, so sind sie im Kräftespiel der Gesamtauswirkung unbedingt das Zünglein an der Waage, das im Gleitgang der fortschreitenden Gleichgewichtsverschie- schiebung den Ausschlag gibt: sie geben die Grundstellung im Naturgeschehen an. Deshalb darf in diesem Zusammenhang nicht an dem Wert und der Schutzbedürftigkeit einer Neihe von Tieren vorübergegangen werden, die durch menschliche Maßnahmen gefördert werden können. Leider nämlich hat sich in diesem Sinne die ganze Liebe des Kulturmenschengeschlechtes nur den Vögeln 'ugewandt und hat dort zu großzügiaen Hilfsaktionen geführt. Gott sei Dank, denn sie sind äußerst wichtig und von größtem Werte. Andererseits aber auch „leider", Denn damit hat sich die menschliche Hilfstellung zum Unrecht erschöpft, obwohl auch noch andere Tiere aus menschlichen Selbstschutzgründen in gleich hervorragendem Maße eine künstliche Förderung verdienten. 3n erster Linie gehört dazu das Kontingent der Fledermäuse, und ich habe in jahrelangen Spezialstudien mich nach einer wirksamen Förderungsmethode, ähnlich der des praktischen Vogelschutzes umgesehen und will kurz im Folgenden darüber berichten. In Deutschland kommen nach den neuesten Feststellung rund zwanzig Fledermausarten vor, davon in Hessen bestimmt zwölf. Leider nehmen die Fledermäuse bei uns immer mehr ab, und es gibt bei uns Orte, wo sie früher häufig waren und heute als ausgestorben bezeichnet werden müssen. Dabei ist es offensichtlich, daß nicht in allen Fällen Kultureinflüsse ihre Abwanderung veranlaßt haben, sondern daß auch noch andere, bislang nicht geklärte Gründe dabei im Spiele sind. Das ist nun traurig aber wahr, und eine ganze Menge Menschen, selbst junge Forst- und Landwirte, die sie eigentlich kennen müßten, wissen kaum etwas von der Fledermaus. Und dabei ist sie einer der tüchtigsten Forst- und Landwirtschaftsgehilfen, der draußen wacker seinen Dienst tut, und auf dem Gebiete der Schädlingsbekämpfung leisten die kleinen klugen, emsigen Vielfraße in der Massenvertilgung unserer Kulturbaum-, Garten- und Waldschädlinge ganz Hervorragendes. Fliegen doch viele Insekten erst in der Dämmerung, wie z. B. gefürchtete Forstschädlinge vom Range einer Kieferneule, Nonne, eines Eichenwicklers, Prozessionsspinners, Goldafters, Ringelspinners, Schwammspinners und der Gespinstmotten, alles Tiere, die zuvörderst zum Speisezettel des Kollegen Vespertilio geboren. Da nun nicht nur Vogel-, sondern auch Fieder- mausschutz nottut, empfiehlt es sich, folgende Dor- schläge zu beherzigen: man achte in Wald und Park genauestens auf die „Fledermausbäume". Für die Waldarbeiter und Gärtner 'ist es eine Kleinigkeit, sie über kurz oder fang ausfindig zu machen. Alle Bäume, welche man als Aufenthaltsort für Fledermäuse erkannt hat, müssen geschützt, sie dürfen nicht abgeholzt werden, auch dann nicht, wenn sie alt und morsch sind und keinen forstlichen oder gärtne- rischen Nutzen mehr bringen. Im Hauungsplan ist der Befehl zu vermerken: „Fledermausbäume bleiben unter allen Umständen stehen." Weiter sind an allen geeigneten Orten Nisthöhlen aufzuhängen. Die Fledermäuse gehen mit Vorliebe in die Meisenkästen, wie sie im Vogelschutzdienst gebräuchlich sind. Nur muß man sie, sind sie der Fledermaus zugedacht, an anderen Orten aufhän- gen. Bringt man sie zu Dogelschutzzwecken am Rande von Wäldern und an einzeln stehenden Obstbäumen an, so nimmt sie die Fledermaus nur, wenn sie sich im Dunkel des dichten Waldesinneren befinden, recht hoch aufgehängt find und jede Störungsmöglichkeit absolut ausscheidet. Hängt man die Kästen in der Nähe der Gebäude auf, so sind sie nur dort der Fledermaus willkommen, wo die Firste mehrerer Gebäude einen engen Winkel bilden, wo des Tags über kein Mensch, höchstens die Spinne hinkommt, wo auch kein Vogel brüten mag, und die Katze nicht herumstrolchen und die Tiere beunruhigen kann. Jedenfalls kann durch planvolle und richtige Schutzgelegenheit und An- siedlungsversuche in der geschilderten Weise erreicht werden, daß sich die Fledermaus auch an den Stadträndern und in den Anlagen wieder ansiedelte, wo sie seither aus Mangel an Brutgelegen-Heit ausscheiden mußte, da die neuen Häuser kein Eckchen und kein Fleckchen mehr für unseren Freund und Helfers- Helfer im Kampf gegen die Plagegeister der Kultur- fandschaft übrig gelassen haben. ■ ufaafääi N V N MW E- WMW ............ — * H 5W M ■a. ÜÄ* ? ' 'J Vorturnier eine Ausscheidung Deutsche Reiter siegten in Warschau Die deutsche Davis-Pokal-Mnnschaft in Pans schäft 18 Vereine teilnehmen können, Nürnberg in einem Fernschuß von S e st a, bei dem Jakob den Ball durch die Beine rollen ließ, gab es keinen Treffer mehr. Auf der anderen Seite verhinderte Platzer weitere Treffer der Deutschen, so daß diese den Kampf als knapper, aber verdienter Sieger beendeten. Um die Weltmeisterschaft im Kunstflug. Am Samstag und Sonntag kämpfen zehn Piloten von sechs Nationen auf dem Flugplatz von Vincennes um die Weltmeisterschaft im Kunstfliegen. Unter ihnen befinden sich als Vertreter Deutschlands Die deutschen Spieler im Roland-Garros-Stadion, wo sie am heutigen Freitag gegen die französische Davis-Pokal-Mannschaft antreten werden. Von links nach rechts: Denker; N o u r n e y ; der Mannschaftsführer Dr. K l e i n s ch r o t h , französischer Meister von 1913; Gottfried von Gramm, der diesjährige Meister von Frankreich; T ü s ch e r. Der Höhepunkt des in Warschau veranstalteten internationalen Reitturniers, der „Preis der polnischen Armee", brachte den deutschen Teilnehmern einen vollen Sieg. Der erste Platz fiel zu gleichen Teilen an Oberleutnant Brandt und Axel Holst, die mit gleicher Fehlerzahl über den Kurs gegangen waren. An dritter Stelle endete Rittmeister Momm. Die deutschen Reiter wurden von Marschall P i l s u d s k i, der den Preis für den Wettbewerb gestiftet hatte und dem Springen persönlich beiwohnte, zu ihrem Erfolge beglückwünscht. — Oben links: Oblt. Brandt; oben rechts: Axel Holst; unten Rittmeister Momm. Da zur deutschen Wasserballmeister« ' - - gemeldet haben, aber nur 16 wird am 7. und 8. Juli in Deutschland schlägt Oesterreich 3:2 Trostrunde zur Zußball-Weltmeisterschaft. tag tritt die Jugend von Lollar gegen die gleiche vom VfB. Krofdorf-Gleiberg an, anschließend spielt Naunheim I gegen die I. des Platzvereins. Die erste Elf des Gastgebers wird sich sehr anstrengen müssen, wenn sie ein ehrenvolles Resultat erzielen will. Erster Start der Verbandsachter. Die große Berliner Regatta am 16. und 17. Juni. Die beiden ersten Achterrennen haben eine gute Beteiligung gefunden und zwar durch Mannschaften, die nach dem augenblicklichen Trainingsstand die besten und schnellsten im Reiche sind. Nachdem der Kölner Klub für Wassersport nach seinem Ab- schneiden in Saarbrücken für Berlin nicht reif befunden wurde, meldeten für Samstag im Büxen- stein-Achter 9 Boote, für Sonntag im Verbands- Achter 11 Boote. Der Ulmer Ruderklub Donau, der ursprünglich in Grünau starten wollte, konnte infolge finanzieller Schwierigkeiten sein Vorhaben nicht wahr machen. Auf die Vorläufe verteilen sich die Mannschaften im Büxen st ein-Achter: 1. Vorlaus: Germania, Königsberg; Mainzer RV.; Berliner RK. 2. Vorlauf: Würzburger RV. (Deutscher Meister' 1933), Gießener R G. 77. 3. Vorlauf: Triton Stettin; Renngemeinschaft Leipzig. 4. Vorlauf: Renngemeinschaft Hamburg, Berliner Ruderges. 84. im Verbands-Achter: 1.. Vorlauf: Hellas Berlin, Germania Königsberg; Wiking Berlin. 2. Vorlauf: Mainz RV.: Renngem. Hamburg; Gieße n R G. 7 7. 3. Vorlauf: Berlin R.-Klub; Würz- burger RV.; Triton Stettin. 4. Vorlauf: Renngem. Leipzig; Berlin Rudevges. 84. Jeweils das erste Boot eines Dorlaufes kommt in das Entscheidungsrennen. Zu einem glänzenden Erfolg für den deutschen Fußball wurde am Donnerstag im herrlichen Stadion von Neapel der Trostrundenkampf zur Fußball-Weltmeisterschaft zwischen den Nationalmannschaften von Deutschland und Oesterreich, die beide am Sonntag in der Vorschlußrunde ausgeschaltet worden waren. Die deutsche Mannschaft befand sich vor der Pause in einer glänzenden Form und erzwang sich eine Führung von 3:1, die leicht deutlicher hätte sein können. Nach dem Wechsel setzten die Oesterreicher alles daran, den Vorsprung aufzuholen. Trotz zahlreicher Gelegenheiten hierzu gelang ihnen aber nur ein Treffer, der das Ergebnis auf 3:2 verbesserte. Deutschland hat damit in seinem zehnten Länderspiel gegen Oesterreich den dritten Sieg errungen und die Bilanz der bisherigen Treffen verbessern können. Leider wohnten dem Treffen nur wenig Zuschauer bei. Etwa 15 000 Zuschauer verschwanden in dem auf ein weit größeres Fassungsvermögen vorgesehenen Stadion. Unter ihnen befand sich als Ehrengast der italienische Kronprinz, der begeistert den Vorgängen auf dem Spielfeld folgte. Die Zuschauer nahmen diesmal ziemlich stark für die deutsche Mannschaft Partei. Unsere Vertreter lieferten aber auch in der ersten Halbzeit ein Spiel, das den nüchternsten Zuschauer zur Begeisterung hinreißen konnte. Die beiden Mannschaften. Deutschland: Jakob; Janes, Busch; Zielinski, Münzenberg, Bender; Lehner, Siffling, Conen, Czepan, Heidemann. Oe st erreich: Viertl, Horvath, Pican, Braun, Zischet; Urbanek, Smisttk, Wagner; Sesta, Cisar; Platzer. Der Kampf begann mit einer großen lieber« raschung. Schon in der ersten Minute fiel der deutsche Führungstreffer. Ein glänzendes Zusam> menspiel zwischen Czepan, Heidemann und Lehne r führte durch diejen zu einem auch für den Oesterreicher Platzer unhaltbaren Torschuß. Deutschland kam glänzend ins Spiel und Platzer mußte sein ganzes Können aufbieten, um weitere Tore zu verhindern. Als aber später Conen, von Siffling freigespielt, einen zweiten Treffer anbrachte, wurden die Oesterreicher reichlich nervös. Sie holten zwar durch den kleinen Horvath einen Treffer auf, aber acht Minuten vor der Pause fiel bei einem neuen glänzenden Angriff des deutschen Sturms durch Lehner der dritte Treffer. Nach dem Wechsel drängten dann die Oesterreicher sehr stark. Die deutsche Abwehr hatte bange Minuten zu überstehen, aber bis auf einen GRG. in Heidelberg. lieber den vorsonntäglichen Start des Verbands- Achters der Gießener Ruder-Gesellschaft 1877 ist zu berichten: Das Hauptinteresse der Heidelberger Regatta konzentrierte sich auf das letzte Rennen des Tages, auf den ersten Achter. Nach dem Startkommando schob sich Ulm. leicht in Führung, 44 Schlag in der Minute rudernd, Gießen zog 40 Schläge. Den 500- Meter-Punkt passierten beide Boote in gleicher Höhe, von da an entspinnt sich ein erbitterter Bord-an-Bord- Kampf über die ganze Strecke, den Ulm im Ziel mit Mehrschlaa knapp für sich entscheiden konnte. Beide Mannschaften ruderten sehr gut und lieferten sich das schönste Rennen des Tages. Die Gießener ruderten in einem fremden Boot. Gerhard Fi eseler auf seiner „Tigerschwalbe" und Gerd Achgelis auf seiner „Focke-Wulf". Ferner nehmen teil D6tr oyat-Frankreich, Clarkson-Eng- land, d'Abreu-Portugal, die drei Italiener Colombo, Cavalli und Venci, sowie die Tschechen Novak und Ambrus. fternflug im Segelflugzeug. Beim Geilweilerhof bei Landau (Pfalz) landete Dienstagnachmittag ein Segelflugzeug, gesteuert von dem zur Akademischen Segelfliegergruppe Darmstadt gehörenden Studenten K. Fischer. Er hatte einen nahezu zweistündigen Flug von Darmstadt über Worms die Haardt entlang zurückgelegt. Die Landung erfolgte ohne Schaden. Kurze Gportuiflizeu. Vor dem 81. Feldbergfest. Der Aufbau des Festes. Die Festfolge des Feldbergfestes, das am 16. und 17. Juni zum 81. Male durchgeführt wird, liegt nun fest. Bereits am Samstagnachmittag beginnt der Mannschaftskampf um das historische Dölsungenhorn, zu dem sechs Mannschaften gemeldet haben. Vor Eintritt der Dunkelheit gelangt das Feldbergspiel „Das Dölsungenhorn", verfaßt von dem Friedberger Heimatdichter Oberstudiendirektor W. Philipps, am Brunhildis- felsen zur Uraufführung. Anschließend steht ein Deutscher Bergabend im „Feldberghof" mit Heimatklängen, Volkstänzen und gemeinsamen Liedern im Dienste von Volkstum und Heimat. Der Abend wird alte Turnerbräuche wieder aufleben lassen, die vor dem Weltkriege dem Feldbergfest immer sein besonderes Gepräae gegeben haben. Denn das Feld- bergfeft war seit seiner Gründung vor nunmehr 90 Jahren stets mehr als eine Wettkampfveranstaltung; es war immer schon ein Volksfest im besten Sinne des Wortes. Der Festsonntag beginnt nach altem Brauch mit einer Morgenandacht, die Professor Heinrich Keller (Friedberg) halten wird. Es folgen unvorbereitete allgemeine Freiübungen, die überleiten zu den Wettkämpfen der Turner und Turnerinnen. Den ganzen Tag über wird man bann auf der Bergeshöhe das immer wieder schöne Bild frohen turnerischen Wettstreites sehen, umrahmt von Lagerleben, Sang und Spiel. i)er Nachmittag bringt eine große Saarkundgebung, bei der Reichsdiet- roart K. Münch (Berlin) ine Ansprache hält. Eine würdige Siegerehrung wird das Fest beschlie- ßen. — Zu den Wettkämpjen liegen bereits 120 0 Meldungen vor. Deutschlands Kunstturner wieder daheim. Die deutsche Turner-Nationalmannschaft, die unsere Farben bei den Weltmeisterschaften in Budapest vertrat, traf am Mittwoch unter Führung von Martin Schneider wieder in Dresden ein. Zur Begrüßung hatten sich auf dem Bahnhof Abordnungen der Vereine eingefunden und Oberbür- aermeifter Körner verlas nach kurzen Begrü- hungsworten ein Scheiben des Reichssportführers: „An die Äameraden und Turnbrüder der Nationalmannschaft! Nach schweren und harten Kämpfen steht Ihr nun wieder auf deutschem Boden. Unter der bewährten Führung von Martin Schneider ist es Euch gelungen, so aufzutreten, wie es für Repräsentanten des deutschen Sports und Turnens im Auslande Pflicht sein muß. Eure Haltung, Euer Einsatz und Euer Erfolg, der mir vollständig genügt, zeigen, daß ich mich nicht getäuscht habe. Stolz und freuöig blickt die deutsche Sport- und Turngemeinde auf den dritten Sieger im Weltmeisterschaftskampf im Turnen. Auf dem Wege internationaler Geltung habt Ihr die erste Etappe erreicht. Harte und zähe Arbeit in der Zukunft werden weitere Erfolge zeitigen. Seid versichert, daß die deutsche Sportgemeinde, insbesondere untere Deutsche Turnerschaft stolz ist auf die Männer, die unter den Fahnen des nationalsozialistischen Deutschland siegreich kämpften. Zum Andenken an diese ereignisoolle Fahrt und als kleinen Dank des Führers der DT. an seine lieben Turnbrüder der Nationalmannschaft erhält Ihr in den nächsten Tagen mein Bild mit Widmung. Nun auf zu neuen Tuen. Raste ich, so roste ich! Darum wohlgemut an die Arbeit! Gut Heil! Heil Hitler! v. Tschammer und Oste n." Im Anschluß an den Empfang wurden die Turner in feierlichem Zuge unter Dorantritt der Dresdner Turnerfahnen zur Reichsstatthalterel geleitet, wo Neichsstatthalter Mutschmann jeden Turner persönlich begrüßte und sich bei einem anschließenden Empfang Einzelheiten über die Budapester Weltmeisterschaftstage schildern lieh. Don Dresden aus traten die Turner dann einzeln die Reise in ihre Heimatorte an. (Schamu nen des Turnvereins „(9ut Heil" Kinzenbach. Das Schauturnen des Tv. Kinzenbach fiel in die Werbewoche der Deutschen Turnerschaft. Verbum den mit dem Schauturnen waren gleichzeitig Der- e i n s w e 11 k ä m p f e , die aber bereits schon zum Teil am vorhergeaangenen Sonntag durchgefuhrt worden waren. Das Schauturnen am Sonntag begann mit einem Umzug durch den Ort und anschließend dem Aufmarsch der gesamten Abteilungen (Turner, Turnerinnen, Schüler und Schülerinnen) auf dem Festplatz. Vereinsführer Ludwig B e p l e r hielt eine kurze Begrüßungsansprache. Es folgten dann die Freiübungen der Jugendturner, ein schöner Reigen der Schülerinnen sowie Barrenturnen der Schüler und Spiele und Freiübungen der Schülerinnen. Der Höhepunkt bildete das Geräteturnen der Aktiven und Jugendturner. Mit weiteren drei Darbietungen der Kleinsten wurde der Mittag mit der Siegerverkündigung durch den Führer L. B e p l e r beendet. Der Abend wurde ausgesüllt durch das Barrenturnen der Aktiven, einem Tanz der Turnerinnen, sowie das Pferdturnen der Jugendturner. Die Ergebnisse der Vereinswettkämpfe: Aktive Turner: 1. R. Bepler 89 P.; 2. Erh. Leid 81 P.; 3. W. Pfaff 78 P.; 4. Heinz Schmidt 73 P.; 5. Ad. Pfaff 64 Punkte. I u g e n d tur ner: 1E Jakobi 70 P.; 2. Rich. Mandler 69 P.; 3. Ernst Rinn 68 P.; 4. E. Binder- naael 64 P.; 5. Ernst Becker 61 Punkte. Schüler I. St. 1. E. Eberle 64 P.; 2. E. Knortz 53 P - 3. Ernst Mandler 49 P.; 4. K. Schäfer 46 P.; 5.'Erich Alt 41 Punkte. ^Schüler II. St.: 1. K. Wagner 53 P.; 2. K. Ludrwq 49 P.; 3. W. Linker 46 P.; 4. Willi De- bus 43^-; 5 Willi Becker 34 P Turnerinnen: 1. Emmi Fink 62 P . 2. W. Schleenbecker 51 P.; 3 Z- Ste'nmuller 50 P., 4. Erna Weller 43 P.; 5 Elfriede P a 42 Schülerinnen L: 1. Emmi Pfaff 64 P., 2. Wilma Alt 58 P.; 3. Else Becker 56 P.; 4. Auguste Pfaff 55 P.; 5. Hedwig Mandler 47 P. Schülerinnen 11.: 1- Else Schäfer 66 P., 2. Marie Pfaff 63 P.; Erna Weber 63 P.. 3^ friede Leukel 62 P.; 4. Erna Alt 60 P., 5. E. Wald- schmidt 58 P. VfB. Krofdorf-Gleiberg. Am kommenden Sonntag veranstaltet der VfB. Krofdorf-Gleiberg auf dem Gemeindesportplatz in Kro dorj einen Sportwerbetag. '^ln Vormittag findet ein Blitzturnier statt. Arn Nachmit- preutzea. Kreis Wetzlar. -- W i ß m a r, 6. Juni. An einem Schulungsabend der NSDAP., der dieser Tage bei Gastwirt Kraft abgehalten wurde, sprach Schulungsleiter Pg. Roth (Odenhausen) über ttberalistische Wirtschaftsführung und Nationalsozialismus. Stützpunktleiter Haibach leitete den Abend mit einem ausführlichen Bericht über den derzeitigen Stand der Außenpolitik, insbesondere der Abrüstungskonferenz ein und erteilte dann Pg. Roth das Wort. Der Redner führte u. a. etwa aus: Der Liberalismus kennt in seiner Politik nur den persönlichen Vorteil des Einzelnen, während der Nationalsozialismus gemäß dem Grundsatz: Gemeinnutz geht vor Eigennutz" das Wohl der Gesamtheit vor die Einzelperson stellte. Der Liberalismus — ein deutliches Bild gebe uns der Weimarer Staat — habe durch die wirtschaftlich freie Verfügung jedes einzelnen zum Ruin geführt. Die Ichsucht habe einen ungeheuren Konkurrenzkampf hervorgebracht, der ein Sinken der Geschäftsmoral und den Zusammenbruch der Geschäftswelt langsam aber sicher zur Folge gehabt habe. Staatspolitisä; habe sich der Liberalismus in der Bildung zahlreicher Parteien und sog. Interessengruppen ausgewirkt. Der Nationalsozialismus stehe hierzu in schroffem Gegensatz. Er erblicke in dem Wohlergehen des Staates das Glück der Einzelperson. Der Staat, als die Lebensform des Volkes, habe die Aufgabe, alle in der Wirtschaft notwendigen Regelungen produktions-, Handels- und devisenpolitischer Art zu treffen. Der Staat soll Wirtschaft führen, nicht aber Wirtschaft treiben. Die Wirtschaft, die der Gütererzeugung dient, habe nur dann sittliche Berechtigung, wenn sie befreit fei von rein materiellem Denken und auf dem Grundsatz nur der Gesamtheit zu dienen aufgebaut sei. An die Ausführungen des Redners schloß sich eine Aussprache. Stützpunktleiter H a i b a ck schloß den Abend mit einem dreifachen „Sieg-Heil auf den Führer. LPD. Cleeberg, 7. Juni. Daß Hühner, Gänse und Enten Hühnereier bebrüten, ist keine seltene Erscheinung. Daß aber ein Mäusebussard Hühnereier bebrütet, dürfte wohl ziemlich einzig dastehen. Ein junger Mann von hier kam auf den Gedanken, einem Mäusebussard die grünlichen, buntgefleckten Eier aus dem Horst durch Hühnereier zu ersetzen. Nach längerem Beobachten stellte er fest, daß das Pärchen die Hühnereier angenommen hatte und ausbrütete. Für Atzung hatte das Bussardpärchen reichlich gesorgt: Zwei Spitzmäuse, eine Wasserratte, eine Blindschleiche, ein Maulwurf und ein junger Hase waren als Vorrat herbeigeschafft worden. Die beiden ausgebrüteten jungen Hühnchen waren trotz dieser reichlich bargebotenen Nahrung allerdings dem Verhungern näher als dem Aufwachsen. Sie wurden noch rechtzeitig zu einer anderen Kükenschar gebracht und fühlen sich in ihrer naturgegebenen Umgebung heute ganz wohl. Nürnberg ausgetragen. Württemberg verlor im ersten Kampf gegen die USA.-Fußball-Nationalmannschast in Stuttgart vor 10 000 Zuschauern mit 0:1 (0:1) Toren. Die Auslosung zum Daviskampf gegen Frankreich ergab, daß am ersten Tags von Cramm gegen Merlin und Nourney gegen Bousfus antreten müssen. Das Doppel am Samstag bestreiten auf deutscher Seite von Cramm-Denker. ♦ Eine umfangreiche ausländische Beteiligung hat die diesjährige Henley-Ruder-Re- gatta zu verzeichnen. Beim Nennungsschluß waren Meldungen aus Deutschland, USA., der Tschechoslowakei, Uruguay. Brasilien, Holland und Oesterreich eingegangen. zwischen" den vier Vereinen TV. 46 Nürnberg, Bayern Nürnberg, SV. Augsburg und 1. FC. Llni) nun, Ellen? Vornan von Käthe Mehner. Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag. Halle (S.) 26 Fortsetzung. Nachdruck oerbotenl „Wenn es Ihnen schwer wird, können Sie sich ruhig setzen, Fräulein!" Mit liebenswürdigem Gesicht sagte das der Präsident. Dann begann er: „Sie heißen?" „Ellen Ehlers! Ich bin heute einundzwanzig Jahre alt!" Erstaunen auf allen Gesichtern. Niemand hatte es gewußt. Weder B-rnd Caßler noch Schwester Linde, noch der Arzt. „Sie sind als Tochter des Hauptmanns Ulrich Ehlers geboren?" „Ja, Herr Präsident!" Die Reihe der Zeugen war kurz. Bernd Caßler überraschte mit seinen Eltern. Es stellte sich heraus, daß er der Sohn des berühmten Malers Clemens Caßler war, der vor langen Jahren mit seiner Frau auf einer Studienreise in den Tropen verschollen war. Dann kam die Reihe an Rakenius — und dann blieb Ellen als einzige Zeugin allein zurück, während die anderen sich wieder hinausbegeben mußten. Die Spannung stieg zur Siedehitze, als die Vernehmung begann. „Wollen Sie uns nun einmal erzählen, Fräulein Ehlers, wie Sie mit Doktor von Rakenius bekannt wurden? Und wie mit dem Angeklagten Ernst Holm?" Ellens Wort flössen wie eine schwere, tragische Melodie. Ihr Leben — ein furchtbares Dasein rollte vorbei, Zeiten bitterster Not und furchtbarsten Elends. In der vordersten Reihe der Zuhörer klang ein Schluchzen. Es kam von Frau Geheimrat von Rakenius, deren schmale Schultern zuckten und zitterten. „Der Angeklagte hat Sie also öfter bedroht? Sie verließen schließlich aus Angst Ihr Haus, nachdem Sie die Mutter kaum begraben hatten?" „Ja!" kam es ganz leise. Holm war aufgefahren. „Sie muhte es verlassen, ich hatte das Haus gekauft." „Von Blutgeld, das Sie durch den Verrat von Betriebsgeheimnissen Jahre hindurch von dem Mitangeklagten Doktor Olsen erhielten, Herr Paulsen — jetzt nennen Sie sich Holm — also Holm! Gut, wir haben vorläufig mal noch mit Herrn Holm zu tun. Doch jetzt schweigen Sie!" „Nein — es gehört zur Sache! Die Leute waren ja arm wie Kirchenmäuse. Nicht einmal trocken Brot hatten sie. Ich half ihnen damals — jetzt wird's vergolten." Ellen sank der Kopf in tiefer Scham auf die Brust. Der Präsident schützte sie. „Ehlers waren arm — weil sie ehrlich waren. Ehrlicher als Sie, Angeklagter! Hut ab vor solchen Menschen. Sie haben ihnen ja kaum geholfen." „3a — einmal, ich hungerte mit Mutter, die im Sterben lag, da habe ich mir einen Vorschuß erbeten auf die Kaufsumme." Ellen Ehlers sagte es zitternd. Nun klang ein lautes, bedauerndes „Ach!" durch die Reihen. „Sie hatten aber doch die Möglichkeit, Herrn Doktor von Rakenius um ein Darlehen zu bitten, Fräulein Ehlers! Er hätte es Ihnen gewiß nicht abgeschlagen. Doch — bitte, setzen Sie sich! Es wird Ihnen gewiß schwer...!" Der Arzt sprang hinzu. „Bitte, setzen Sie sich! Es wird noch gehen!" „Warum gingen Sie nicht zu Herrn Doktor von Rakenius? Er hätte Ihnen doch gewiß geholfen — wie Sie ihm... !" ,Zch konnte nicht — niemals?" „Sie schlugen auch ein Stellenangebot ab?" „Ja, Herr Präsident! Auch aus dem Grunde." „Wollen Sie uns den Grund bitte nennen?" „Muß ich das?" Angst sprach aus dem Mädchen, dessen Augen scheu den Boden suchten. „Ich bitte, Fräulein Ehlers diese Frage vielleicht nicht beantworten zu lassen. Es erregt sie wohl doch zu sehr!" warf Professor Glockmann besorgt ein. „Mir erscheint sie aber sehr wichtig. Doch ich werde sie leichter machen. Ich will ja die Zeugin schonen. Also — Fräulein Ehlers, Sie schlugen alles ab, weil Sie Doktor von Rakenius seit jenem Tage liebten, als Sie noch nicht wußten, daß er der berühmte Erfinder sei, sondern als Sie noch dachten, er sei Reisender, irgend ein kleiner Angestellter!" „Ja!" hauchte Ellen. „Und dann — später durfte ich doch nicht mehr mit ihm zusammenkommen, nie mehr. Er war ja verhei..." Die letzten Silben erstorben in einem leisen Weinen. „Wir wollen eine kurze Pause einlegen, Professor Glockmann! Vielleicht bemühen Sie sich inzwischen um Fräulein Ehlers." Da aber stand Ellen plötzlich auf. „Bitte, kein Pause. Ich möchte nicht, daß Menschen um meinetwillen durch die Ungewißheit ihres 'Schicksals gefoltert werden." Sie bsickte auf die Anklagebank. „Ich werde es aushalten.Ich bin ja jetzt kräftiger, Herr Präsident! Bitte, vernehmen Sie weiter!" „Das Gericht ist Ihnen dankbar! Wir kommen bald zum Ende." Und doch zogen sich die Verhandlungen durch die Hartnäckigkeit des Angeklagten noch stundenlang hin. Endlich, endlich war die Vernehmung beendet. Das Gericht zog sich zur Beratung zurück. Inzwischen tuschelte man im Zuhörerraum. Ellen Ehlers war der Mittelpunkt fast aller Unterhaltungen. Feuchte Augen suchten mehr als einmal das schöne Gesicht des vom Schicksal so hart geprüften und doch so reinen Mädchens. Lange Zeit verging. Endlich nahten die Herren des Gerichts. Alles erhob sich. Mit letzter Kraft auch Ellen Ehlers. Die stundenlange Vernehmung hatte sie doch sehr stark geschwächt. Aber mit neuem Lebenswillen versuchte sie, die sie ankommende Schwäche zu besiegen. Totenstille. Dann die tiefe, ruhige Stimme des Präsidenten: „Der angeklagte, mehrfach vorbestrafte Ernst Paulsen aus Hamburg, wird wegen Mordes zum Tode und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt. Der Mitangeklagte, Doktor Olaf Olsen, wird vom Verdacht der Beihilfe freigesprochen. Der Diebstahl der Aufzeichnungen über die Entgiftung des Leuchtgases wird in einem anderen Verfahren geahndet werden. Es ist durch Fingerabdrücke erwiesen, daß Ernst Paulsen alias Holm, der sich falscherweise als Diplomingenieur ausgab, den Mord verübte. Es ist auch erwiesen, daß er den Tresor im Herrenzimmer des Doktor von Rakenius geöffnet und die Aufzeichnungen über die Entgiftung des Leuchtgases entwendet hat. Auf dem Rückwege durch den Garten muß er der Ermordeten begegnet sein, die er, als er sich entdeckt sah, niederschoh und in den Pavillon schleppte, wo er Selbstmord vortäuschte. Die Waffe fand er vorher zufällig im Tresor, und das schien ihm günstig. Mildernde Umstände kommen in Anbetracht her unglaublichen Roheit, mit der die Tat ausgeführt worden ist, nicht in Betracht." Sodann zog das Leben Holms an den Augen der Zuhörer vorüber: Autoschlosser, schließlich Zeichner. Sein hochstaplerisches Wesen und sein Geltungstrieb machten ihn zum Werkspion. Er verstand, sich als Diplomingenieur Ernst Holm in das Automobilwerk einzuschleichen, wurde Betriebsleiter, lebte von den Geldern, die ihm durch Diebstahl von Patenten vom Mitangeklagten Olsen zuflossen. Sekundenlang herrschte atemlose Stille. Der Verurteilte sah nur auf Ellen Ehlers. Sein Blick wurde mit einem Male weicher. Aller Hatz erlosch. Reue, bittere Reue zeigte sich auf seinen Zügen. Und plötzlich brach es aus ihm heraus: „Ja — ich bin schuldig, bin wirklich schuldig! In Ihre reinen Augen hinein muß ich es sagen. Der» zeihen Sie mir, Ellen Ehlers! Ich will es büßen!" Die Köpfe flogen ruckartig zu dem Mädchen hin, das jetzt hell aufschluchzte und dann mit tränen- erstickter Stimme sagte: „Ich verzieh Ihnen ja alles!" Rainer von Rakenius zitterte innerlich. Die Seelengröße dieses Mädchens erschütterte alle. Als sie dann den Saal verließ, war es wie eine stille Verabredung. Alle traten beiseite. Wie eine Königin, unnahbar und rein, schritt Ellen Ehlers, von Professor Glockmann gestützt, durch die Reihen. Eine warme, schwesterliche Hand tastete nach ihr. Ruth Hilliger. Kein Wort. Ein stummer, tiefer Blick. Ruth Hilliger hatte vor der Größe dieser reinen Liebe neidlos überwunden. Dann, ehe noch jemand weiter sie erreichen konnte, fuhr Ellen Ehlers mit Bernd Caßler und Professor Glockmann im Auto davon. „Nun können Sie wohl erst richtig zur Ruhe kommen, armes Kindchen! Das war heute das Schwerste. Aber nun wird Sie wohl kein Staatsanwalt je wieder brauchen." „Ich will nur heim, nur heim, zu dem guten Muttchen Zimmermann. Wie wird die alte treue Seele sich gebangt haben!" „Und wie wird's mit der Reise an die See? Es würde Ihnen wirklich gut tun!" „Nein, Herr Professor, ich bleibe hier!" Einundzwanzig st es Kapitel. „Nun schauen Sie aber heiter in den Tag. Das Leben lacht Ihnen herrlich, liebes Kind! Kommen Sie, ich habe mir einen Tag gestohlen für Sie — für Sie allein. Wir wollen ein wenig ins Leben fahren. Bernd Caßler Macht sich fertig." Der kleine Professor Glockmann war, ganz im Gegensatz zu seiner sonstigen Ruhe, lebhaft wie ein Kind. Seine Heiterkeit sprang über auf Ellen Ehlers, die zum ersten Male seit langer Zeit wieder herzlich lachen mußte. „Ich glaube, es könnte mir wohl nicht schaden. Aber — haben Sie denn wirklich Zeit, Herr Professor?" „Dann stände ich nicht hier! Aber kommen Sie, Kindchen! Schwester Linde ist schon ungeduldig. Unten hält mein Wagen." (Schluß folgt.) Oie glückliche Geburt eines Jungen zeigen hocherfreut an Emst Sames und Frau Meta, geb. Kallenbach Gießen, am 6.3uni 1934 Horst-Dessel-Wall 2S - Gvang. Schwesternhaus 02458 Sonntag, den 10. Juni, abends 8 Uhr, TnrnhaUe (Oswaldsgarten) »Brüder in Not« (Evangelische Deutsche im Ausland). 2 Spiele, Musik, Lieder, Vortrag. Eintritt 30 Pf., Kinder 15 Pf. 8431d Jedermann herzlich eingeladen. 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