Mittwoch, I.November 1934 184. Jahrgang Nr. 261 Erstes Blatt Annahme von Anzeigen für die Mitlagsnummer bis 8'/,Uhr des Dormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text- anzeigen von70mm Breite 60Rpf.,Platzvorschrist oder schwieriger Latz 25°/0 mehr Ermäßigte Grundpreise: Stellen--, Vereins', gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- u. Lrscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monats Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Hernsprechanschliisse unter Sammelnummer 2251 Eichener Anzeiger «General-Anzeiger für Oberhessen Tichten: Anzeiger Giehen behördliche Anzeigen 6Rpf. ;r-nttuKm"ma!n 1168« Druck und Verlag: vrühl'sche UnIverfitStrvuch- und Steindruckerei «.Lange in Siehe». Schristleitung und SeschSstrftelle: Schulftrahe 7 M-ng-nabschlüss-Staffel» Zwiespältiges Zrankreich. I Deutsch - französische Aussprache über die Gaarabstimmung in der es u. a. heißt: Die Fraktion erklärt, dem Gedanken des politischen Waffen st itl st andes treu zu bleiben. Sie ist im Interesse des Landes zu einer weitgehenden „0 r g a n i f i e - daß Frankreich auf feine internationalen Pflichten weder verzichten wolle noch könne) unterstrichen. Das eine Zeitwort sage, daß Frankreich nicht die Absicht habe und das andere sage, daß Frankreich auch nicht die Möglichkeit habe, flch den Aufgaben zu entziehen, die ihm durch seine internationale Pflichten zugeschrieben seien. Zu-diesen Aufgaben gehöre bekanntlich der militärische Beistand der Regierungskommission im Falle ernster Unruhen. Eine deutsch-französische Aussprache, so fügt das Blatt dann wieder hinzu, gerade in dem Augenblick, in dem in Rom der Dreierausschuß seine Arbeiten aufnehme, sei unbestreitbar nützlich gewesen. Der „Excelsior" wertet die Mitteilung über die Unterredung als eine Art stillschweigendes Ueber- einkommen zugunsten der Beilegung der internationalen Saarpolemik. Das „Echo de Paris" möchte hoffen, daß die Aufklärung, die Laval dem deutschen Botschafter gegeben habe, die deutsche Pressekampagne gegen die französische Politik beilegen werde. Die Pariser Regierung habe keine besonderen Absichten auf das «Saargebiet. Entgegen der Annahme in Berlin habe noch keine französische Truppenbewegung stattgefunden. Die Militärbehörden hätten sich damit begnügt, Etappen feftzusetzen und einen Konz en- trationsplan auszuarbeiten. All das sei nicht neu. Laval habe sich nur bemüht, ,in der Lage zu Frankreichs Kampf nm den Burgfrieden Kann eine KabinettsknsiS v?rmieden werden? Der Beschluß der RaMalsozmUen. Die Entscheidung wieder bei Doumergue. Paris, 6. Nov. (DNB.) Der radikalsozialistischen Kammerfraktion erstattete Herriot, der in Begleitung der übrigen radikalsozialistischen Minister erschienen war, Bericht über die Lage. Er betonte, daß die Fraktion über das Verhalten der radikal- sozialistischen Minister zu beschließen habe. Er sei bereit, sich danach zu richten. Innenminister Marchandeau wies auf die Gefahren hin, die eine Ministerkrise unter den gegenwärtigen Umständen bringen würde. Eine Staatsreform sei wünschenswert. Nur die Nationalversammlung könne eine Staatsreform vornehmen, die der Regierung ausreichende Autorität und Festigkeit verleihe. Der Minister bezweifelte, daß es möglich sein werde, die Ruhe im Lande im Falle einer Regierungskrise aufrecht zu erhalten. Er habe für alle Fälle entsprechende Vorschläge in der Kammer eingebracht, aber noch seien sie nicht verabschiedet. Bei den Februarunruhen seien Lücken im Gesetz zutage getreten.' Damals habe man gewisse Verhaftungen nicht vornehmen können, da keine gesetzliche Handhabe vorhanden gewesen sei. Der Vorsitzende des Finanzausschusses der Kammer, Malvy, forderte seine Fraktion auf, sich zur beschleunigten Verabschiedung des Haushaltsplanes zu verpflichten. Die Anregung Malvys wurde von der Fraktion nicht befolgt. Mit allen gegen zwei Stimmen wurde eine Entschließung angenommen. sein, gegebenenfalls den am 27. September im Völkerbundsrat von B a r t h o u gesprochenen Porten Wirkung zu verleihen. Der Saarbevollmachttgle bei Baron Aloisl. Die römische Tagung des Dreicrausjchnsses. Rom, 6. Nov. (DNB.) Am Dienstag wurde der Saarbevollmächtigte des Reichskanzlers, B ü r ck e l, in Begleitung des Vortragenden Legationsrates Dr. Voigt vom Auswärtigen Amt und des Botschafters von H a f f e 11 im Palazzo Chigi vom Präsidenten d es Dreierausschusses Baron A l o i s i zu einer Unterredung empfangen. Am Vormittag fand eine Zusammenkunft des Dreierausschusses, bestehend aus Aloisi, dem Argentinier C a n t i l o und dem Spanier O l i v a n statt. Der Völkerbundsrat hatte am 8. September den Dreierausschuß ermächtigt, an das Studium verschiedener technischer Fragen, die mit der Saarabstimmung Zusammenhängen, zu gehen unter Hinzuziehung Sachverständiger, wenn er es für gut erachte. Der Zweck der Sitzung in Rom ist, die Ergebnisse der bisherigen Studien zu überprüfen und Vorschläge zu machen, die dem Völkerbundsrat unterbreitet werden sollen. rung des Staates“ entschlossen. Sie Beteuert ihren Willen, diese Reform unter Ausschluß jeder der republikanischen Doktrin zuwidertaufenden Maßnahmen zu verwirklichen. Die Fraktion beschließt mit Rücksicht auf eine geordnete Verwaltung der Staatsfinanzen die sofortige Beratung des Haushaltsplanes zu verlangen und verspricht, zu der m ö g t i ch st raschen Verabschiedung des Haushalts beizutragen. Die Fraktion ist der Ansicht, daß sie auf diese Weise altes tut, was von ihr verlangt wird, um die Einigkeit aufrechtzuerhalten. Sie wünscht, daß ähnliche Bemühungen den ihrigen entsprechen werden, um durch allgemeine Zusammenarbeit die wirtschaftliche Wiedererhebung und die Aufrechterhaltung des inneren und äußeren Friedens zu gewährleisten. Die Entschließung soll dem für Donnerstag einberufenen ÜRinift errat vorgelegt werden. Es dürfte sich um ein taktisches Manöver handeln, durch das die Beteiligten die letzten Möglichkeiten für eine Verständigung ausnutzen und die Verantwortung für eine Krise vor der öffentlichen Meinung von sich weisen wollen. Falls der Ministerpräsident den Radikalsozialisten keine Zugeständnise macht, soll er für den Aus- bruch der Krise verantwortlich erscheinen. Erregte Stimmung. Die Atempause bis Donnerstag. Paris, 7. Nov. (DNB. Funkspruch.) In der französischen Presse wird berichtet, daß die radikal- sozialistischen Minister am Dienstag Doumergue ihren Rücktritt angeboten hatten und nur auf dringendes Ersuchen des Präsidenten der Zwischenfall, so z. B. bei den Verdächtigungen gegen die „Loyalität" des Bundeskanzlers Dr. Schuschnigg anläßlich seines kürzlich stattgehabten Gesprächs mit Vertretern nationaler österreichischer Kreise. Dafür läßt man sich vom Genossen Radek Frankreichs guten Willen und den Wert der russisch- französischen „Friedensfestung" bescheinigen. Wir sind die Letzten, etwa auf innere Wir - ren in Frankreich zu spekulieren. Denn wenn schon die latente französische Anarchie heute eine so unheilvolle Starre nach außen bedingt, so wäre in Augenblicken der Panik das S ch l i m m st e zu befürchten. Die gewaltige französische Pulvermine darf nicht von selber losgehen, sonst wird Europa aus den Angeln gerissen. Allerdings wissen wir Deutsche viel zu gut, daß eine große Nation ihr verlorenes Selbstbewußtsein nur durch intensive Arbeit an sich selber wiedergewinnen kann Autoritäre Reform ohne wirkliche nationale Revolution ist Flickwerk und das Gegenteil einer Erneuerung. Wir sehen den dramatischen Vorgängen drüben im Westen ohne jede billige Schadenfreude zu und können den Franzosen nur wünschen, daß ihnen die Neuordnung in der Krise wirklich gelingt, und zwar auf der ganzen Linie. Denn so gewiß auch die starrste Außenpolitik das morsche Gebäude auf die Dauer nicht zu halten vermag, so sicher erfordert eine neue Innenpolitik den M u t zur freien Verständigung nach außen. Der innerlich Starke hat es nicht nötig, den Frieden des Nachbarn ständig mit seiner Angst zu bedrohen. die zweite Schwäche des heutigen französi- schen Zustandes, die nicht minder gefährlich ist als die innere Zwietracht, nämlich die fatalistische Deutschfeindlichkeit in der Außenpolitik. Ueberzeugung und Berechnung vermischen sich in diesem Punkt bei den meisten französischen Politikern in der verhängnisvollsten Weise. Denn selbst wenn sie glauben, daß tatsächlich alles Menschenmögliche zur Niederhallung des Reiches getan wird, so brauchen sie die „deutsche Drohung" immer noch als Ruf zur nationalen Sammlung, ja nur zu oft als durchsichtige Entschuldigung für ihr unentschlossenes Weiterwurfteln. Es ist trostlos, aber es ist so daß sich die Pariser Politiker heute nur in einer einzigen Frage einig sind, in ihrer krampfhaften Abwehr gegen Deutschland. Ja in einer Zeit, wo Generalstab und Auswärtiges Amt angesichts der inneren Ungewißheit sich weitgehende Handlungsvollmacht selber nehmen, tritt hinter dem verbissenen Willen, die Kampfstellung um jeden Preis zu halten, die Frage nach Wie und Warum völlig in den Hintergrund. Wenn der Pole nicht will, muß der Russe her. Und wenn es mit Italien nicht ganz glatt geht mutz eben das nach Alexanders Tod naturgemäß erschütterte S ü d s 1 a w i e n von der Klemen Entente und der Balkanentente fest in die Mitte genommen werden. Der stillschweigenden englischen B i (I i q u n a glaubt man bis auf weiteres sicher 3U sein und mehr als Stillschweigen braucht man von dieser Seite gar nicht. Wie nervös jedoch die ! ganze gigantische Präventivpolitik den Franzosen , mgenen Entmachtung rühren. flärung zur ftennfnis, um seinerseits daran zu er- Bis gestern redete der zum eifernden Reforma- innern, daß die Absichten der französischen Re- t t>r, gewordene ehrwürdige Greis seinen Kollegen gierung hinsichtlich der völligen Achtung r it* Engelszungen zu, heute noch betont er wie zur dieser Abstimmungsfreiheit stets ebenso (ntschuldigung: „Diktatoren pflegten ganz anders aßroeren seien nrzugehen, sie verlangten vom Parlament keine nac geroe,en ’cien‘ ! ollmachten mehr, sondern setzten die Abgeordneten fÄrrtfip t nfad) vor die Tür." Ist das eine Drohung für SZ/IVpv VyUUFIMIlM borgen oder der Anfang zum Verzicht? Was wird *h hpt* <§fchehen, wenn Kammer und Senat, in ihrem f Ul ”£l pundsätzlichen Widerstand durch die Minister-Se- j-ifion der Herriot und Genossen gestärkt, die Ge- Kgschast nach Versailles und damit das autoritäre - Regime überhaupt verweigern? Hat Frank- hochbedeutsames Er ei i”id) dann am nächsten Tag einen Diktator,^- ■ *• *-• r------Sß Paris, 7. Nov. (DNB.-Funkspruch.) Die Unterredung des deutschen Botschafters mit dem französischen Außenminister wird von der Presse als ein hochbedeutsames Ereignis bezeichnet, das , ------ v~ , .die deutsche und die französische Haltung in der «Der wird wieder wie am Abend des b. Februar Saarfrage kläre und das dazu beitragen könne, l i e Anarchie ihr furchtbares Haupt über Pans einen ruhigen Verlauf der Abstimmung lieben? Die Welt hat ein Anrecht darauf, Dou- gewährleisten. Die Agentur Havas betont, nnergues wahres Gesicht, das nun nicht länger die im Bericht enthaltenen Worte „sehr höflich" unter der lächelnden Maske des Burgfriedens. ver-1 werden verdienten. Die borgen bleiben kann, zu kennen und gleichzeitig zu beiderseitigen Erklärungen könnten gar nicht pla- .-rfahren, wer im entscheidenden Augenblick neben K.,. 's hervorgehoben werden. Das „Petit >on treten wird. Ist es der ehrgeizige starke Mann ^o^nal" spricht von einem entscheidenden ardieu oder der verbindliche Gemäßigte Flan-^^^.j^ , ur Beruhigung. Weder Deutsch- in, der hitzköpfige Oberst de la Rocque und I Ian£ nod) Frankreich hätten das geringste. Jnter- ! ünesgleichen von den nationalen Verbanden, oder 'öaran öic Abstimmung zu stören. Der gestrige sind es etwa die kühl überlegenen Generale Pe- Meinungsaustausch bekräftige die Berlin in und Weygand? Die vier Vorschläge 3Ut L, f n * f u n q die Abstimmungsbedin- Aerfassungsreform wollen den starken Staat K' ' die nicht mehr geändert würden, zu cks Rettung aus einer moralischen und materiellen » 'Sas sei nicht überflüssig gewesen." Dauerkrise; wer wird ihn wirklich schaffen? <£er „Petit Parisien" unterstreicht, daß dies seit Raymond Poincare hat wenige Tage bor L a n g e"m b e r e r ft e unmittelbare b e u t f d)= Einern Tod noch einen Artikel zur inneren Lage französische Meinungsaustausch über iserösfentlicht, worin er den Kern des Hebels un- die heikle Saarfrage gewesen sei. Daran könne man imwunden zugibt: „Nicht zwei Abgeordnete sind die Bedeutung der Unterredung ermessen. Das Blatt sich über die Reform einig", und man kann ruhig bemüht sich dann aber doch, die versöhnliche Note Änzusügen: nicht zwei Minister und nicht zwei der amtlichen Mitteilung in die alte französische Journalisten, ja, im Grunde genommen keine Zwei Tendenz umzudeuten. Aus der amtlichen Mitteilung s-ranzosen! Den unhaltbaren Zustand einer korrupt ergebe sich, daß Frankreichs Haltung in cLwordenen Routine spürt jeder, aber jeder steckt d e r Abstimmungsfrage unverändert -inerfeits bis über die Ohren in der Routine, bleibe: Strikte Anpassung an die Bestimmungen Poincare selber wollte das Parlament nicht an- des Versailler Vertrages und die vom Völkerbund Insten, sondern nur die parlamentarischen Kommis- festgesetzt Regeln. Die Stetigkeit der französischen fionen zurückdrängen; auf ein ähnliches kaltes Ver- Haltung werde sogar durch zwei aufeinander,ol- mhren scheint sein früherer Todfeind C a i 11 a u x gende Zeitwörter (der Minister habe ausgefuhrt, Äzuzielen. indem er die verkalkte Verwaltuna — te den Sündenbock hinstellt. D ° u m e r■ g u -selber ------------------------------ — “ sicht nicht etwa offen für eine autoritäre Demo- den Sparstrumpf das „Schwundgeld" gepriesen und i~atie gegen den Parlamentarismus, sondern „gegen übrigen angebeutet, bie Arbeiter stäuben zum ius gegenwärtige Parlament unb bie Parteien . Aeußersten entschlossen hinter ber Demokratie. Das' l a n b i n benft an eine Regierung des sozialen nact) f^nb Staatsminister Herriot auf, verlangte imb politischen Ausgleichs, wie unter Walbeck- Entwaffnung aller faschistischen unb antifaschistischen Aousseau nach ber Dreyfuß-Krise. Selbst der kühne Derbänbe und beruhigte sein „republikanisches Gepard ieu geht in seinerp Buch „Die Stunde der wissen" mit dem üblichen Hinweis auf die Not- dntfcbeiöuna" nicht über ein Programm zur Ver- wendigkeit nationaler Disziplin gegen die deutsche s.ärkunq der Exekutive nach englischem Muster hm- Gefahr: „Vergeßt nicht den 13. Januar 1935!" Die j.us, etwa in der Art, wie früher bei uns die Neusozialisten haben ihren großen Mann, den Ar- Deutsche Volkspartei den Reichskanzler gegen die beitsminister Marquet, verloren, ein Programm Parteien stärken wollte. dagegen noch immer nicht gefunden, während Herr Rechts davon aibt es in Verbänden, Presse, Leon Blum beweist, daß „alle persönliche Macht tudentischer Jugend und im Lager der Reserve- monarchisch" und der greisenhafte Staat em heillges s-izier- gewiffe Ruse nach Staatsstreich und Lik- Gut aller Marxisten ist! Die proletarisch- mtur. Allein, erstens s e h le n d i e h a n d e l n d - n E , n h -1 t s s r ° n t mit den R o m mu rit ften Männer, weil die Führer der demokratischen bedeutet zwar eine anarchische Gefahr mehr, polllifcy Armee sich aus guten Gründen äußerste Zurück- aber wird sie nicht gerade ernster, wenn Noman- idaltung auferlegen und die sogenannten Wirtschafts- schriftsteller wie Andre Gide sich auf ihre alten Wer auch in Frankreich für den Ernstfall nicht Tage zum „fröhlichen und „Humanitären Sowfer- n Frage kommen. Zweitens ist der autoritäre glauben befennen! , Lunschtraum der Rechten entweder f a s ch i st i - Wie sprach Herr Herriot, fünf Minuten be= heb er Nachahmung ober monarchistische vor er Herrn Doumergue schließlich doch itn toticb ieftauration, jedenfalls viel zu reaktionär ließ? „Vergeßt nicht ben 13.Januar 1935! Jhe iur einen burchschlagenben Erfolg. Sa ar frage als entscheibenbes 'nnerpolttisches Um so kläglicher allerbings verteibigt bie rabikal- Argument? Gewiß, unb je schwankender Frank- iLmokratische und sozialistische Linke sämtliche reichs innere Haltung wird, desto schroffer und her- M^ßbräuche und Utopien mit dem achselzuckenden ausfordernder tritt es nach außen auf Di^ jungf en nweis darauf, daß Frankreich, wie Paul-Bon- militärischen Maßnahmen für einen Emmarsch ms ;nur fich ausbrutft; „die Republik nun Saargebiet und die Lobeshymnen auf den russischen al im Blute habe". Auf dem Radikalen roten Alliierten wirken, besonders nach Barthous, tes, 's. KL ü SÄ Ä SI S6tt5SKÄ «SSS»«s » w» “ **• XX1?« ..»«„« ©er deutsche Botschafter «öfter »ou Laval empfangen. - ©er Außenminifler dementiert ° a"nch M-r" Wachen! Oie Truppenkonzentrationen an der Gaargrenze. ,nde bedenklich zugespitzt. Wenn die über= t*itt, um die hochnotpeinliche Frage der ÄJ Der amtliche französische Bericht. I Wlles"b zur Natw'nalversammlung^zu stellen^so ^eht Pa r iS, !>. Aon. !^.? h'-'v/s meldet: Ler ier trennende Riß mitten durch die Ministerbänke französische Außenminister Laval hat Dienstag hindurch. In wessen Auftrag und Namen spricht nachmittag den deutschen Botschafter iigentlich der energische alte Herr? Was soll es hei- Roland Köster empfangen, mit dem er en, baß Doumergue sich im Rundfunk empört an ausführlich über die verschiedenen Probleme lle wendet, während er allem Anschein nach weder unterhalten hat, die beide Länder interessieren, ins- *“> »* s «5 LVE« L »Ä"SSt Ä &S persönlichen Gewalt" tatsächlich a 11 e M a ch t d e m a u f k e»n e d e r P f l i ch t e n , die ihm »n A u s - Parlament übergeben und sich jeden Rück- führung seiner internationalen Ver- !>eg zur direkten Demokratie abgeschnitten p f l j ch t u n g e n dem Völkerbund gegenüber ob- pben. Herr Doumergue, der „in der Berfas- verzichten wolle noch könne. Außen- ring nicht vorkommende Ministerpräsident", ist sinister Laval legte andererseits Wert darauf, die I°lbst Parlamentarier roie alle feine KoU mif(ei(ungra ber ausländifchcn presst über an- Ilgen; der Staatspräsident Lebrun, auf den flch I m i f i # ä r H rfi o TTlnfinahmen ,u Il e neue autoritäre Reform stützen soll, wurde a u ch 9 e b l i ch e militari s ch e Wahn a m : n zu |i ur von der aus Kammer und Senat bestehen- dementieren, um damit ;edem Mißverstand l|»n Nationalversammlung und nicht ms die Spitze abzubrechen. ittwa vom Volk gewählt. Wenn nun die harte Der Botschafter hat, indem er der Auffassung l.otwendigkeit den Regierungschef dazu zwingt, sich öet Reichsregierung Ausdruck verlieh, bestätigt, daß ' ausdrücklich seine Befugnisse als „Premierminister Deutschland in keiner Weise die därch ILSSLSLS.'LL: SÄSLl- r«---» t n der Republik persönlich in die Hand zu drücken, zur Gewährleistung der AbsilMMiiNgsfreiheit der d. mag das ganze Land ihn begreifen, das Par- Saarländer verkennen wolle. Der französische lei m e n t aber wird fein en Finger zur Außenminister nahm mit Genugtuung diese Er- Republik ihren Beschluß bis zum Donnerstag b e f r i st e t hätten. Herriot habe erklärt, „die Loyalität gebietet es mir und meinen Kollegen, Sie, Herr Ministerpräsident, davon in Kenntnis au setzen, daß wir unmöglich das Haushaltszwölftelverfahren annehmen können." — „Unter diesen Umständen", habe die Antwort des Ministerpräsidenten gelautet, „kann ich Ihnen ebenso klar erwidern, daß es Ihre Pflicht i st, zu gehen", worauf H er r i ot ausgerufen: „Sie jagen uns also davon!" Die Erregung sei ungeheuer gewesen. Der Präsident der Republik habe vermittelnd eingegriffen. Das Verhalten der radikalsozialistischen Kammergruppe findet in allen Linkszeitungen vorbehaltlose Zu st immun g. Die Regie- rungspresfe verurteilt die Einstellung der Radikal- fozialisten." „Le Jour" sagt u. a., Chautemps und die Fraumaurerloge könnten mit ihrer Arbeit zufrieden fein. Man will den Eindruck gewonnen haben, daß aus innen- und außenpolitischen Gründen der Wunsch nach Fortsetzung des Burgfriedensexperiments bestehe. Der „Petit Parisien" behauptet, daß im Falle einer Krise der Präsident der Republik wieder Dou- mergue berufen werde und nur, wenn er sich weigern sollte, an Kammerpräsident Bouisson oder an Laval und evtl. Fl and in denken werde. Auch der Name des Marschalls P £ t a i n fei genannt worden. In parlamentarischen Kreisen wird die Regierungskrisis als unvermeidlich angesehen, „wenn nicht ein Wunder geschieht". Auch die Neusozialisten gegen die Haushaltszwölftel. Gleichzeitig mit der Fraktion der Radikalsozia- lisien haben auch die Nachbargruppen m der Kammer getagt. Die Entschließung der Neusozialisten wendet sich ziemlich eindeutig gegen Die drei provisorischen Haushaltszwölftel und erklärt sich gegen jede persönliche Machtvollkommenheiten. Die rechts von den Radikalsozialisten sitzenden Polksdemokraten, Linksrepublikaner und die Radikale Linke haben der Regierung das Vertrauen ausgesprochen und die Notwendigkeit der Aufrechterhaltung der nationalen Einigung zwischen den Parteien betont, die seit neun Monaten die Regierung unterstützen. Die Volksdemokraten insbesondere fordern alle verantwortungsbewußten Republikaner auf, sich für ben Burgfrieden einzusetzen. Oie Ironttämpfervereinigung „Ieuerkreuz" eingriffsbereit? Paris, 7. Nov. (DNB.-Funkspruch.) Der Führer der Frontkämpferoereinigung „Feuerkreuz", Oberst de la Roque, hat im Hinblick auf eine mögliche Regierungskrise und die daraus entstehenden Folgen der Presse erklärt, daß sich die Parlamentarier endlich der Gefahren d er Stunde bewußt sein müßten. Die Regierung müsse un- verzüglich folgende Maßnahmen treffen: 1. Aufhebung der marxistischen Front, 2. energisches Vorgehen gegen die Lebensteuerung und unerbittliche Strafen gegen die Spekulanten, 3. Säuberung und Neuorganisierung des ganzen Verwaltungsapparates. Erft dann könnten die Verfassung und die Wahlgesetze geändert werden. Die Presse will den Eindruck gewonnen haben, daß die Feuerkreuzler bereits alarmbereit ständen, um im geeigneten Augenblick einzugreifen. Em Freispruch. Skrupellose marxistische Verleumdungen zusammengebrochen. Saarbrücken, 6. Nov. (DNB.) Vor dem Obersten Abstimmungsgericht fand unter dem Vorsitz des Vizepräsidenten Meredith (Irland) die Verhandlung gegen den Leiter des Verbandes deutscher Rundfunkteilnehmer an der Saar, August Herb, statt, der beschuldigt war, in einer Versammlung d i e Regierungskommission beschimpft, verleumdet und bedroht zu haben. Die Anklage ging von dem Kommuni st enführer L'Hoste aus, der eine traurige Berühmtheit durch feine massenhaften Einsprüche gegen die Abstimmungslisten erhalten hat. Der Beschuldigte soll in einer Rede gesagt haben: „Die fremden Herren, die wir nicht gerufen haben, kassieren das ganze Jahr hindurch die Rundfunkgebühren, die sie nichts angehen. Das Geld, das ja doch in einen Sack fließt, können sie ruhig mitnehmen. Wir werden ihnen gern auf die vollgefressenen Rücken sehen. Sie sollen machen, daß sie am 13. Januar um 12 Uhr ihre Koffer gepackt haben und den letzten Zug kriegen. Wenn wir sie um 12.01 Uhr noch antreffen, werden wir ihnen nachhelfen." Der Angeklagte führte die Anklage auf einen Racheakt politischer Gegner zurück. Er habe von den uns innerlich fremden Herren gesprochen, die früher den deutschen Rundfunk beherrschten, die mit einem Sack voll Geld, zum Teil auch nach dem Saargebiet, entkommen konnten, und diese Beherrscher des deutschen Rundfunks von damals habe er mit dem jetzigen deutschen Nundfunksystem in Gegensatz gestellt. Zeugen schilderten den Sinn der Ausführungen Herds wie der Angeklagte. Angriffe gegen die Regierungskommission seien in keiner Meise gefallen. Auch der Landjäger, der die Versammlung überwachte, machte die gleichen Aussagen. Trotz dieses einwandfreien Sachverhaltes beantragte der Generalstaatsadvokat, der Italiener Martina, eine Geldstrafe von 3000 Franken. Das Gericht kam zu einem Freifpruch. Vor neuen Unruhen in Spanien. Parlamentarisches Vertrauensvotum für Lerroux. Madrid, 6. Nov. (DNB.) Die syndikalistischen Gewerkschaften (ENT.) haben in verschiedene Städten Spaniens den Genera! st reik a u 5 gerufen. In Saragossa hat der größte Teil der Bauarbeiter und Kellner dem Streikaufruf Folge g e I e i ft e t. Auch aus Alicante kommen Gerüchte über die Arbeitsniederlegung verschiedener Berufsgruppen. Demnach scheint die Drohung der Syndikalisten und Anarchisten (die an den letzten Unruhen nicht beteiligt waren), im Falle der Vollstreckung von Todesurteilen den Ausstand zu erklären, nunmehr durchgeführt zu werden. Im Parlament forderte Ministerpräsident Lerroux ein Vertrauensvotum, da ein neuer Versuch, die Ordnung im Lande zu stören, im Gange Japans Kündigung des Flottenvertrags wird zum 20. Dezember erwartet. London, 7. Nov. (DNB. Funkspruch). Der „Times"-Vertreter in Tokio meldet: Die Polizei hat das Verbot von Berichten über die am 31. Oktober unter dem Vorsitz des Kaisers abgehaltene Konferenz des Marschallsund Admiralsrats aufgehoben. Es heißt, die Chefs der Admiralität und des Generalstabes sowie Fürst Nashimoto, die seit dem Tode des Admirals Togo die einzigen Mitglieder des Rates sind, hätten dem Kaiser erklärt, die Kündigung des Washingtoner Vertrages würde keine Gefahr für d i e nationale Verteidigung bedeuten. Ministerpräsident Admiral O k a d o soll dem Kaiser mitgeteilt haben, das Kabinett pflichte dieser Auffas- suna bei. Infolgedessen fei für die Kündigung des Vertrages nur noch die Zustimmung des Geheimen Staatsrates und ein förmlicher Kabinettsbefchluß notwendig. Die Kündigung wird am 20. D e z e m d e r erwartet. In einem anscheinend von maßgebender Seite angeregten Leitartikel über die Londoner Flottenbesprechungen vertritt „Times" die Auffassung, daß eine Kündigung des Washingtoner Vertrages kaum noch zu vermeiden sei. Das Blatt erklärt jedoch, daß dies nur dann ein U n - glück fein würde, wenn dadurch die vertragliche Begrenzung der Seerüstungen entgültig beseitigt würde. Mit Entschiedenheit wird in Abrede gestellt, daß England und die Vereinigten Staaten eine gemeinsame Front gegen Japan au bilden wünschten. England habe volles Verständnis für Japan und wünsche nicht, daß es in eine niedrigere Klasse der Flottenmächte eingereiht werde. Was aber auch geschehe, an der qualitativen Begrenzung im Kriegs- schifsbau sollte festgehalten werden. Zu einem Wettbewerb hinsichtlich der Tonnage und der Geschützkaliber dürfe es nicht kommen. Zum Schluß erinnert „Times" daran, daß die Washingtoner Verträge auch Bestimmungen über 'ben Fernen Osten enthielten, in denen Grundsätze aufgestellt seien, an denen nicht gerüttelt werden dürfte. Oie Waffen bereit.-Sin Armeebefehl General Blüchers. Moskau, 7. Nov. (DNB.) Der Chef der besonderen Roten Armee im Fernen Osten General Blücher unterstreicht in einem Armeebefehl anläßlich des 17jährigen Bestehens der Sowjetmacht die großen politischen Aufgaben, die die Armee im Fernen Osten zu erfüllen habe. Die besondere fernöstliche Armee stehe auf Vorposten und habe die Aufgabe, den Frieden zu bewahren. Wenn wir angegriffen werden, so weißt es weiter in dem Armeebefehl, werden wir mit der Waffe in der Hand bereit sein. Jeder Angriff auf russischen Boden werde mit allerschärfsten Maßnahmen bekämpft werden, kein Meter russischen Bodens werde ohne Kampf preisgegeben werden. Japan sichert feine Erdölversorgung. „Für ben Fall besonderer Ereignisse." Tokio, 6. Nov. (DNB.) Der Vorsitzende der Manschukuo Oil Company Chasimoto erklärte, baß bi e japanische E r b ö l v e r s o r g u n g immer eine schwache Stelle in der japanischen Wirtschaft gewesen sei. Japan habe nur 275 000 To. Erböl jährlich erzeugen können, währenb ber Erdöl- bebarf Japans im Jahre 1933 runb 2 375 000 To. betragen habe. Deshalb fei es notwendig, M a ß - nahmen zur Sicherung der Erdölver- sorgungJapans zu treffen. Die japanische Rs- gierung werde dabei nach bem englischen Verfahren des Admirals Fisher verfahren unb für ben Fall befonberer Ereignisse Erbölvorräte in riesigen Behältern ansammeln. Die japanische Regierung habe eine Benzolindustrie in Mandschukuo zu schaffen unb größte Sparsamkeit im Verbrauch von Erbölprobukten für inbustrielle Zwecke anzuorbnen. Ein britischer Inselflughasen im Kanal geplant. Zur Sicherung des Kriegshafens Portsmouth. London, 7.71ov. (D71V. Funkspruch.) „Daily herald" will wissen, daß das britische Luftfahrt- Ministerium beschlossen habe, aus einer nur spärlich bewohnten Insel bei Portsmouth für einen Kostenaufwand von annähernd einer Viertelmillion Pfund Sterling einen Flughafen zu errichten, der die Schlüssel- stellung der V erleidi g un g s we geGroßbritanniens bilden soll. Ls handele sich um die Insel Torney bei Chichester. Vom strategischen Standpunkt sei die Insel ungeheuer wichtig. Sie decke den gewaltigen Marinestützpunkt Portsmouth und beherrsche den Eingang des Solent, der Meerenge zwischen der englischen Küste und der Insel Wight. Vei der Durchführung des Planes werde die Insel zunächst einen Stützpunkt für Landslugzeuge bilden. Wahrscheinlich werde es sich um zwei bis drei Geschwader Kampfflugzeuge und ein Geschwader Bombenflugzeuge handeln. Diese Maschinen könnten ohne weiteres mit den großen Flugbooten Zusammenarbeiten, die in dem 16 Kilometer entfernten Lalshot stationiert sind. Wer waren die Drahtzieher des Attentats von Marseille? Vie südslawische presse seht ihre Beschuldigungen Ungarns fort. Belgrad, 6. Nov. (DNB.) Das in Bulgarien verhaftete Mitglied ber mazedonischen Organisation „Kyrill D r a n g o f s" soll ausgesagt haben, bah seit bem Frühjahr 1933 bie südslawischen Emigranten als eine eigene Abteilung i n bas ungarische Heer eingeglieoert seien. Dieser Beschluß sei auf einer gemeinsamen Sitzung ber ungarischen Verbänbe „Täß" unb „Möwe" gefaßt worben, ber auch ber Hüter ber heiligen Stephanskrone, Baron P e r e n y i, beigewohnt habe. Ferner seien ein Vertreter bes ungarischen Honveb-Ministeriums unb Mi- nifterialbirettor Apor vom ungarischen Außenministerium a n w e s e n b gewesen. Die Emigranten seien burch bie Verbänbe „Täß" unb „Möwe", beren Ehrenpräsibent ber ungarische Minister- präfibent Gömbös ist, mit (Belbmitteln unterstützt worben. Der in Wien befinbliche, ber Mittäterschaft an ben Vorbereitungen zum Attentat von Marseille beschulbigte Oberstleutnant Pertschewitsch soll vor seiner Abreise nach Ungarn, wo er im Lager Janka-Puszta bie Attentäter auswählte, mit bem Wiener ungarischen Gesanbten eine Unterrebung gehabt haben. P. soll erklärt haben, baß er mit bem ungarischen Ge- fanbten genau bie Art unb Weise besprochen habe, wie bie Attentäter nach Frankreich zu bringen seien. Der Wiener ungarische Gesanbte A p o r war früher Direktor der politischen Abteilung des Budapester Außenamtes unb soll nach ben Gestänbnissen Drangofss in Sofia an ber militärischen Organisierung ber sübslawischen Emigranten m i t gern i r f t haben. Der französische Gesanbte hat im Namen feiner Regierung ein Auslieferungsbegehren gegen Pertschewitsch gestellt. Die österreichischen Gerichte haben über bieses Begehren noch nicht entschieben. Abwehr der ungarischen presse. B u b a p e ft, 6. Nov. (DNB.) „Magyarsag" schreibt, bie ungarische Presse habe bisher gegenüber ben unverantwortlichen Belgraber Anschulbigungen Zurückhaltung an ben Tag gelegt. Der Ton unb bie Verleumbung ber sübslawischen Presse, bie ben europäischen Frieben gefährben könnten, würben aber nicht weiter gebulbet werben. „Fuegget- lenseg" sagt, bie ungarische öffentliche Meinung werbe Mittel unb Wege finben, um sich Genugtuung für bie Verleumbungen zu verschaffen. Der „P e ft e r L l o y b" führt aus, bieses unverantwortliche Treiben könne nur benen frommen, bie es barauf abgesehen hätten, bie Gegensätze zuzuspitzen unb internationale Verwicklungen heraufzubeschwören, bie bem europäischen Frieben unmöglich zuträglich sein könnten. sei. Die Kammer sprach mit 233 gegen 0 Stimmen ber Regierung Lerroux bas Vertrauen aus. Die Katalanische Liga (rechtsstehenb) unb bie baskischen Nationalisten haben angesichts bes Ernstes ber Lage entgegen ihrer ursprünglichen Absicht ebenfalls für bie Regierung gestimmt. Der Stimmabgabe enthalten Haden sich lebiglich bie Monarchisten (etwa 50 Abgeorbnete), bie aber ber Regierung ihre Unterstützung gegen Ruhestörungen ber Anarchisten unb Synbikalisten zusagt. Der Führer ber spanischen Faschisten Primo b e R i - oera erklärte, er halte bie Zeit für bie nationale Revolution gekommen, ba bie bisherigen Methoben bes Parlamentarismus völlig abgewirtschaftet hätten. Es fei möglich, baß ber Marsch aufRom in naher Zukunft eine s p a- nische Parallele finben werbe. Der Führer ber Katholischen Volksaktion G i l Robkes hat jeboch keinen Zweifel barüber gelassen, baß seine Partei mit bem Faschismus nichts z u tun haben wolle. Demokratischer Wahlsieg in den Vereinigten Staaten. Roosevelt „hoch erfreut". Washington, 7. Nov. (DNB.-Funkspruch.) Am Dienstag fanben in 47 Staaten ber Union bie Wahlen für bas Bundesparlament statt. 432 Abgeordnete des Repräsentantenhauses, 33 Senatoren (ein Drittel ber Mitglieber bes Senates) unb 33 Gouverneure würben neu gewählt. Cs hanbelt sich bei diesen Wahlen, bie verfassungsmäßig alle zwei Jahre, am Dienstag nach bem ersten Montag im November ftattfinben müssen, um ein großes innerpolitisches Ereignis, insbesondere für ben Präsibenten, ber für feine Regierungstatiakeit weitgehenb auf einen ihm gegenüber günstig eingestellten Bunbeskongreß angewiesen ist. Trotz Negenwetters war bie Wahlbeteiligung außerorbentlich ftarf. Außer vier Toten unb 14 Verletzten bei einer Schießerei würben in Hollanb (Missouri) ein Weißer unb ein Neger erschossen, zahlreiche Neger verprügelt unb an ber Ausübung ihrer Wahlpflicht verhinbert. Nach den bis 6 Uhr MEZ. oorliegenben Berichten haben bie Demokraten einen großen erfolg zu verzeichnen. Von 150 Sitzen bes Repräsentantenhauses erhielten bie Demokraten 130 unb bie Republikaner 20 Sitze. Die Entscheibung über bie übrigen 285 Sitze im Repräsentantenhaus steht noch aus. Bei ben Wah- l e n zum Senat Haden bie Demokraten bisher sechs unb bie Republikaner zwei Sitze erhalten Noch ?7 Sitze finb frei. Um 6 Uhr lagen bie berno- kratifchen Anwärter für ben Senat in 16 Bunbes- ftaaten an ber Spitze, in fünf Bunbesftaaten stauben bie Republikaner an erster Stelle Der Postminister Farley äußerte nach einem Ferngespräch mit Roosevelt, der sich m seinem Hause in Hybe Park aufhält, Roosevelt sei hoch erfreut über bas bisherige Wahlergebnis. Nach ben ersten Berichten aus Kalif or- nien siegte im Kampf um ben Posten bes Gouverneurs ber Republikaner Mergi am mit etwa 1000 Stimmen vor feinem ©egenfanbibaten, bem bekannten Schriftsteller Upton Sinclair. „Daily News" meldete bie Wieberwahl bes bemo- kratifchen Gouverneurs Lehman in Neuyork, der über 500 000 Stimmen mehr erhielt als fein Gegenkanbibat. Abgesehen von einigen Wahlunruhen in etwa sechs Bunbesftaaten find bie Wahlen im allgemeinen ruhig verlaufen. Tsingtau. Bon Oberstleutnant a. D. B. Blehhoeffer. Am 7. November, 6 Uhr in ber Frühe, jährt sich zum zwanzigsten Male bie Stunbe, in ber uns bie Perle ber ostasiatischen Küste, Tsingtau, mit Gewalt entrissen würbe. Als bie Sonne an diesem Tage aus ben gelben Fluten ber chinesischen See emportauchte, flatterte am Maste ber Signal- ftation an Stelle der deutschen Kriegsflagge ber weiße Lappen, ber anzeigte, baß es em Ding ber Unmöglichkeit für 4000 brave Männer war, sich bem Ansturm von 60 000 Feinben erfolgreich entgegenzustemmen, namentlich wenn bie letzteren mit bem besten, mobernsten Kriegsgerät, bie ersteren mit altem Gefchützmaterial ausgerüstet waren. Tsingtau (Grüne Insel) hat seinen Namen von einem ber inneren Bucht vorgelagerten kleinen Ei, lanbe mit bem Blick auf ben Straub, an bem man noch im Jahre 1897 ein chiesisches Fischerborf mit elenben Lehmhütten, bewohnt von einer armseligen Bevölkerung, mit schmutzigen Straßen, baumlosen Höhen unb keinem brauchbaren Hafen sah. Als ich zum zweiten Male 1907 auf einem beutfdjen Küstenbampfer. in ben Hafen einfuhr, bot sich bem erstaunten Auge ein ganz anberes Bi 1 b bar: vorbei ging es an ber „Viktoria-Bucht" mit bem schönsten Babestranb ber ostasiatischen Küste, ihr Hintergrund abgeschlossen burch bie bewalbeten „Iltis- unb Bismarck-Berge", von denen 1914 Tag unb Nacht unsere Geschütze bonnerten, vorbei an ber „Grünen Insel" hinein in bie Jnnenbucht, wo wir im „Großen Hafen" anlangten: trotzbem viele tau- fenb Kilometer uns von ber Heimat trennten, waren wir zu Hause in Deutschland Per Rickschah ging es burch bas rounberbar sauber gehaltene Chinesenviertel mit seinen ebenso reinlichen und zufrieben bliefenben Bewohnern hinein in ein ibyllisches mittelbeutsches Villenstäbtchen, mit beut- scheu Straßennamen, überall spieleube, blond gelockte Kinder, glänzend in Reinlichkeit unb Orb- nung. Heber bem Ganzen wehten stolz im Winbe auf der Sigualstatiou die deutschen Farben: schwarzweißrot. Nur zehn Jahre liegen zwischen diesen beiden Bildern! Unb in bieser lächerlich kleinen Zeitspanne hatte unsere Marine bieses Wunberwerk aus bem Felsen gemeißelt. Ein berebtes Beispiel für Deutschland koloniale Fähigkeiten! Hongkong hatte 50 Jahre gebraucht, ehe es so weit wie Tsingtau war. Unb bann sah ich Tsingtau zum drittenmal wieder, als ich am er st en Mobilmachungstage von Peking aus, wo ich im chinesischen Kriegsministerium tätig war, das Schutzgebiet mit ber Bahn erreichte: im allgemeinen dasselbe, nur noch verschönte unb vervollstäubigte Bilb, wie 1907. Mit bem einen Unterschiebe, baß bas ganze sonst so sriebliche Getriebe einen militärischen Anstrich erhalten hatte: viele Uniformen, mit Musil eingeholte Reservisten unb fieberhafte Arbeit an 6er Ausgestaltung ber Verteidigungsanlagen auf der Laub- unb Seeseite. Eine Festung kann man Tsingtau nicht nennen, ba es nur so weit befestigt worben war, daß es etwaigen Angriffen von chinesischer Seite, wie sie im Boxeraufstanb bie Gesaubtschasten in Peking auszuhalteu hatten, wibersteheu konnte.' gegen bas Laub umgab bie Stabt ein Kranz von „Jnsanteriewerken", bavor ein sestungsmWg ausgebautes Drahthinbernis unb bahinter eine Anzahl von Batterien mit meist veralteten Geschützen, zum Teil alte Bekannte aus meiner Kanonierzeit. Die „Seefrou t" mies einige Batterien auf, aud) sie war armiert mit Geschützen, bie in keiner Weise geeignet waren, mit mobernen Kriegsschiffen den Kampf aufzunehmen. Die Besatzung bestaub aus bem III. Seebataillou unb 5 Kompanien Matrosen- erlittene, verstärkt burch bas Ostasiatische Marine- Detachement aus Peking-Tientsin zu brei Kompanien mit brei alten 15-cm-Felbhcmbitzen: alles in allem, einschließlich Reserven 4000 Manu, gegen welche die vorsichtigen Japaner 60 000 Mann auf die Beine brachten. Die Japaner landeten mit einem Teile ihrer Streitkräfte in ßungfou, an der Nordküste von Sch an tun g, also runb 200 Kilometer außerhalb unseres Schutzgebietes, mit bem Reste in Wangkoutschuang, ebenfalls auf neutralem chinesischem Bobeu. Darüber aber hat sich niemand weiter aufgeregt! Den ganzen ungeheuren Belagerungs- avparat, mit bem sie unser kleines Tsingtau beehrten, luden sie dann schließlich in Schatzekou aus. Weit ins chinesische Land hinein ritten ihnen unsere Patrouillen entgegen. Die ersten Zusammenstöße und Verluste hatten wir bereits an der Grenze, wo einer unserer Grenzposten von zwei Offizieren und zwölf Mann gegen eine abgesessene, kriegsstarke Schwadron vorging unb sie zum Rückgang zwang. Von da ab ging es für unsere kleinen vorgeschobenen Abteilungen immer rückwärts, bis wir schließlich den ersten nachhaltigen Widerstand in einer runb 12 Kilometer langen felbmäßig be- festigten Linie, etwa fünf Kilometer außerhalb der „Jnfanteriewerke" leisteten, deren Rückgrat ganze sechs alte und 12-Zentimeter-Kanonen, vier alte 9-Zentimeter-, drei ake 15-Zenttmeter-Haubitzen und Zwei Felbbatterien bilbeten. Auf der zwölf Kilometer langen Stellung hatten wir achtzig Gewehre. Musterhaft arbeiteten auf beiben Seiten Armee unb Marine zusammen: von ber Bucht aus flankierten ben feindlichen Angriff mit ihrem Feuer Der österreichische Kreuzer „Kaiserin Elisabeth" und unser „Jaguar" und Torpedoboot „S 90" und gewährten dadurch den Landtruppen tatkräftige Unterstützung. Auf bem anderen Flügel, von See aus, griff bereits in dieser Kampsperiobe bie ja pa* nisch-englische Flotte mit schwerstem Feuer ein. Zwei Tage bauerte ber Wiberstand, Dann muß, ten wir vor ber erbrüdenben Uedermacht ins Dra^' hinbernis zurück. Nunmehr begann ber belagerungs m äfjifl6 Angriff mit Annäherungsgräben unb $nfan* teriestellungen, genau unb pebantisch nach unserer Vorschrift „Kampf um Festungen" ausgeführt. Wir wußten immer im voraus genau, welche Nummer dieser Vorschrift bernnächst zur Durchführung fle* langen würbe. Die japanische Kriegsführung gegen Tsingtau war zögernb unb ängstlich: sie trauten ihren ehemaligen Lehrmeistern allerhanb Schiech' tes zu! Als einziges wirksames Erkunbungsmiitel hatten wir Plüschows kleine Taube, die, obwohl sie Vorzügliches leistete, naturgemäß nicht ausreichte. Jnfanteriepatrouillen kamen nicht durch; der Fesselballon ist in einer kleinen Festung unbrauchbar, ba er im Hanbumbrehen heruntergeholt werben kann, wie es auch tatsächlich geschah- Wir wehrten uns so gut, wie es ging. Tag und Nacht bonnerten unsere Geschütze, Tag und Nacht überschüttete uns bie an Zahl und Qualität weit überlegene japanische Landartillerie, bei Tage von ben Schiffen unterstützt, mit ihrem Feuer. Aufzuhalten war bie sich herwälzenbe Flut nicht; alles, was wir hatten, ftanb in vorberster Linie am Abend bes 6. November ben Japanern so nahe gegenüber, baß man das Weiße im Auge des Gegners et* oder Oie Räume des Deutschen Klubs in Wien wieder freigegeben. Wien, 7. Nov. (DNB.) Die Räume des Deutschen Klubs in Wien, die vor zwei Monaten von der Polizei besetzt und versiegelt wor den waren, wurden wieder freigegeben. Der Vorsitzende des Deutschen Klubs, Feldmarschall Leutnant B a r d o l f f, der ehemalige Kabinettschef des ermordeten Thronfolgers Franz Ferdinand, gehört dem Ausschuß der nationalen Kreise an, der augenblicklich in Fühlungnahme mit der Bundesregierung steht. elche Sammlungen sind genehmigungspflichtig? Ehrenamt übernommen. Da bereits an der Spitze des Verbandes der öffentlichen Lebens- Unfall - und Haftpflichtversicherungsanstalten der Oberpräsident der Provinz Pommern, Gauleiter Schwede, steht, an der Spitze des Deutschen Gemeindetages der Reichsleiter der NSDAP., Oberbürgermeister F i e h l e r, steht sowohl die Gesamtorganisation der Gemeinden, wie auch die der öffentlichen Versiche- rungsanstalten und der öffentlichen Sparkassen unter nationalsozialistischer Führung. Der Reinhardswald soll Naturschutzgebiet werden. Eine Besichtigungsreise des Reichsforstmeisters Hermann Göring trieb habe eine schwere Belastung durch die Forderung u e r Länder erhalten, in den örtlichen Sendegesellschaften politische und kulturelle Ueberwachungs-Ausschüsse einzusetzen. Ueber 100 Parteivertreter redeten im ganzen Reich in die Rundfunkangelegenheiten ständig hinein. Die Größe der Tragik dieses Zustandes könne man erst heute ermessen, wo im autoritären Staat Adolf Hitlers alles von einer Persönlichkeit gemacht werde. Aus aller Welt. Lehrgang für Sozialreferenten der HI. Am Sonntag hat in der F ü h r e r s ch u l e des Gebietes Hessen-Nassau, Oranten- st e i n bei DieA a. d.Lahn, ein Lehrgang für die Abteilungsleiter III der Banne und für Jungvolk-So- zialreferenten begonnen. Der Kursus läuft bis zum 10. November. Zuchthaus für Schädigung des 7VHW. Die Große Strafkammer Verden verhandelte im Amtsgericht Wesermünde-Lehe gegen den ehemaligen Ortsgruppenamtsleiter der NSV. in Geestemünde, Hans Wellbrock. Well- brock hat bei der Beschaffung von 600 Zentner Kartoffel für das Winterhilfswerk sich einen Vorteil von 60 RM., also 10 Pfennig pro Zentner, verschafft und darüber der Kreisleitung der NSV. eine gefälschte Quittung abgeliefert. Das Gericht verurteilte ihn zu einem Jahr einen Monat Zuchthaus und 100 Mark Geldstrafe. Die bisherige Leistung des Luftschiffes „Graf Zeppelin". Das Luftschiff „Graf Zeppelin" hat nach der Rückkehr von seiner elften diesjährigen Südamerikafahrt insgesamt 980 098 Kilometer in 9634 Stunden 52 Minuten Fahrzeit zurückgelegt. Es er- Oer Berliner Rundfunkprozeß Oer Hauptangeklagte Bredow schildert die Entstehungsgeschichte der Sendegesellschasten. ietzenständen, die zum Eintritt au einer öffentlichen Veranstaltung berechtigen, auch wenn der Verkauf zum Zwecke des Erwerbs erfolgt, genehmigungspflichtig gemacht. Ausgenommen ist der Verkauf in Räumen, die dem gewerbsmäßigen Kartenverkauf dienen, in den ständigen Geschäftsräumen des Veranstalters, in Gast- oder Vergnügungsstätten oder auf Plätzen, in oder auf denen die Veranstaltung Das vom Reichskabinett am Montag verabschiedete „Gesetz zur Regelung der öffentlichen Sammlungen und sammlungsähnlichen Veranstaltungen" bestimmt in § 1, daß der Genehmigung bedarf, wer auf Straßen oder Plätzen, in Gastoder Vergnügungsstätten oder in anderen jedermann zugänalichen Räumen oder von Haus zu Haus oder sonst durch unmittelbares Einwirken von Person zu Person eine öffentliche Sammlung von Geld- oder Sachspenden oder geld werten Leistungen veranstalten will. Das gleiche gilt, wenn die öffentliche Sammlung durch die Verbreitung von Sammel- listen oder Werbeschreiben oder durch die Veröffentlichung von Aufrufen durchgeführt werden soll. Als Sammlung im Sinne dieses Gesetzes gilt auch der Verkauf von Gegen stän- d e n, deren Wert in keinem Verhältnis zu dem geforderten Preis steht. Der gleichen Genehmigung bedarf nach § 2 ferner auch, wer zum Eintritt in eine Vereinigung oder zur Entrichtung von Beiträgen an eine Vereinigung öffentlich oufforbern oder Beiträge entgegennehmen will, wenn es dem Veranstalter nicht auf die Herbeiführung eines festen persönlichen Verhältnisses zwischen der Vereinigung und den angegangenen Personen und auf ihre Betätigung in der Vereinigung, sondern auf die Er- languna von Geld ankommt. In § 3 wird der Verkauf von Karten Hauptschriftleiter: Dr Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. X. 34: 10 600. Druck und Verlag: Brühl'jche UnioersitätS'Buch- and Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzeloerkaufspreis: 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Wohnungshilfe für kinderreiche Familien. Berlin, 6. Nov. (DNB.) Um den kinderreichen Familien wirkliche Hilfe zuteil werden zu lassen, wurden zwischen den in Betracht kommenden Verbänden folgende Vereinbarungen getroffen: Der Zentraloerband Deutscher Haus- und Grundbesitzervereine wird dahin wirken, daß frei werdende Wohnungen in erster Linie kinderreichen Familien zur Verfügung gestellt werden. Der Reichsbund der Kinderreichen wird dahin wirken, daß seine Mitglieder die notwendige Rücksicht auf die Hausgemeinschaft nehmen und Störungen anderer Hausgenossen vermeiden. Der Bund Deutscher Mieteroereine wird seine Mitglieder daraus Hinweisen, daß kinderreiche Familien mit Rücksicht auf ihre völkische und volkswirtschaftliche Bedeutung einen Vorzug verdienen, und daß deshalb den Hausbesitzern keinerlei Schwierigkeiten bei der Ausnahme kinderreicher Familien bereitet werden dürfen. Die Mitglieder aller Verbände sollen bei Beschwerden zunächst ihren Ortsverein unterrichten. Dieser soll in Zusammenarbeit von Verein zu Verein Abhilfe schaffen. Vermieter, Mieter, Kinderreiche, die trotz Abmachung gegen den Geist der Volksgemeinschaft verstoßen, sollen aus der Organisation ausgeschlossen werden. Erste Arbeitstagung der Gaugerichtsvorsitzenden. München, 6. Nov. (DNB.) In Anwesenheit des Stellvertreters des Führers Rudolf H e ß fand die erste Arbeitstagung der Gaugerichtsvorsitzenden statt. Reichsleiter Buch leitete die Tagung. Der Gaugerichtsvorsitzende von Württemberg, Pg. Hill, erstattete Bericht über die von ihm in Württemberg geleitete Einrichtung des Parteigerichtsapparates, die in vieler Hinsicht als mustergültig gelten darf. An den Vortrag schloß sich eine Aussprache an. Staatsminister Wagner ehrenamtlicher Vorsitzender des Deutschen Spar- kaflen- und Giroverbandes. München, 6. Nov. (DNB.) Staatsminister Adolf Wagner, der Gauleiter des Traditionsgaues München-Oberbayern, hat auf Wunsch des Gesamtvorstandes den Vorsitz des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes im kennen konnte: Plüschow verließ mit der Fahne den Ort seiner ruhmreichen Tätigkeit; „S. 90" machte einen schneidigen Ausfall und schickte einen japanischen Kreuzer auf den Grund des Meeres und dann — (am das Ende! Am Abend des 6. November setzte auf ber aan- Acn Front ein heftiger Angriff ein. Aus Dem Jnfanteriewerk 4 würben bie Japaner mit dem Bajonett herausgeworfen. Schließlich gelang es ihnen, ein Loch in bie Verteidigungslinie zu stoßen, burch welches sich bie Sturmkolonne unaus- Ä — Reserven hatten wir nicht — über bie iestellungen ins Innere ber Stabt ergossen. Erst jetzt ging bie weiße Fahne hoch! Tsingtau hat nicht kapituliert: es mußte im Sturm genommen werben! In einen aussichtslosen Kampf zogen wir alle, das wußten wir, die wir aus China und Japan, aus Sibirien und Niederländisch-Jndien, von den Philippinen und aus Siam herbeigeeilt waren nach Kassel, 6. Nov. (DNB.) Ministerpräsident Goring traf im Flugzeug auf dem Waldauer Flugplatz ein, wo sich zur Begrüßung Oberpräsident Prinz Philipp von Hessen, Staatsrat Gauleiter W e i n r i ch sowie Vertreter der Wehrmacht und der Behörden eingefunden hatten. Göring schritt, während der Präsentiermarsch erklang, die Front ber aufgestellten Formationen ab. Die Menge begrüßte ihn mit lauten Heilrufen. Sobann begab sich ber Ministerpräsibent durch die von Schulkindern und Bevölkerung dicht umsäumten Straßen der reich beflaggten Stadt zum Hause des Ober» Präsidenten. Nach einem kurzen Aufenthalt wurde eine Besichtigungsfahrt zum Rein- hardswald und zur forstlichen Hochschule in Hannoversch-Münden angetreten, die zunächst zum Gestüt Beberbeck führte, dann wurde bie Fahrt zum Urwalb- o e z i r k bes Reinharbswalbes bei ber Sababurg fortgesetzt, wo Beamtenschaft unb Walbarbeiter Aufstellung genommen hatten. Reichsforstmeister Göring gab seiner Freude Ausdruck, alle persönlich begrüßen zu können. Sie haben, so fuhr er u. a. fort, ein ebenso schönes wie wertvolles Revier zu betreuen. Es ist mein fester Wille, den Reinhardswald später zum Naturschutz- Berlin, 6. Nov. (DNB.) Im Rundfunkprozeß sschilderte der Hauptangeklagte B r e b o w bie f t - manziellen Schwierigkeiten in ber Jn- sflationszeit unb in ber Übergangszeit zur Stabili- Iierung ber Währung burch ben Bau ber Senber. Im Mittel für ben Ausbau bes Senbernetzes zu beschaffen, habe er unter Verletzung bes Haushaltsrechts Runbfunkinbustrie unb Runbfunkhanbel zu Abgaben gezwungen, so burch Banberolierung ber Röhren unb Gebühren für bie Prüfung unb Stempelung ber Geräte. Die (Selber mürben auf Sonberkonto „Runbfunk" bei ber Gene- i-alposikasse eingezahlt. Dies sei an sich ein schwerer «verstoß gegen die Haushaltsordnung gewesen. Aber mur dadurch sei überhaupt die weitere Entwicklung Les Rundfunks ermöglicht worden, der später der Meichspost viele hundert Millionen an Einnahmen gebracht habe. Diese Sondermaßnahmen habe er »aufgehoben, als der Ausbau des Sondernetzes aus «ordentlichen Haushaltsmitteln möglich gewesen sei runb bie Reichspost bie Finanzierung übernommen chatte. Die Reichspost habe ben Privataktionären über einzelnen Senbegesellschaften bie Sicherung bes (Runbfunkbetriebes burch einen auf fünf Jahre lau- Ifenben K o n z e s s i o n s v e r t r a g zugesagt. Von iben ber Deutschen Stunde und der Dradag gehörigen 51 v. H. Aktienanteilen wurden ber Reichs- ;post 17 v. H. zugesichert. Die Drabag unb bie Deutsche Stunbe waren zwar Privatgesellschaften, »empfingen aber ihre Richtlinien vorn Reichspost- rminifterium. Der Drabag wollte er auf bie Dauer Ibas Recht einer Dachgesellschaft für ben Runbfunk »nicht zugestehen, ba sie sich burch ihren Leiter, ben öSozialbernokraten Heilmann, in rein politischem -Fahrwasser befanb. Er habe barum mit ber Durch- ssührung bes Vertrages gezögert, um nicht die Meichspost mit ber Drabag zu verkoppeln. Mit ben Ministern Schiele unb Stingl habe er im Januar H925 bie Grünbung einer politisch neutralen Reichsrunbfunk-Gesellschaft vereinbart, flbie unter bem Einfluß bes Reichspostministeriums flehen sollte Die Drabag sollte nur als Nachrich- tenlieferant für bie Senbegesellschaften in Erscheinung treten, aber keinerlei Einfluß auf btefe haben. Da bie Senbegesellschaften nur 10 vH. Divibenbe -schütten bürsten, sollte ben Privataktionären als Ausgleich zugestanben werben, ben Vorstanb in ben «inzelnen Senbegesellschaften zu bilben unb bie ggleiche Anzahl von Aussichtsratsmitgliebern wie bie Reichspost in bie Reichsrunbsunkgesellschaft zu ent- lenben. Überschüsse ber Senbegesellschaften sollten ßum Teil für ben Ausbau bes Runbfunkwesens merroanbt werben, zum Teil in Form von Vorzugsaktien an bie Aktionäre ausgegeben werben. Die Minister Schiele unb Stingl hätten ihm nahegelegt, Ifelbst bie Leitung ber Reichsrund- ^funkgesellschaft zu übernehmen, ba er angesichts seiner Sachkenntnisse ber einzige geeignete Mann dazu sei Er habe sich erst nach einigem !Zögern zu ber Annahme biefes Amtes entschlossen, iiunb zwar zunächst mit bem Titel Runbfunk- »ommissar bes Reichspostministers ehrenamtlich, room 1. Juni 1926 ab unter Ausscheibung aus bem -Staatsbienste hauptamtlich. Der Runbfunkbe- gibt sich hieraus ein Geschwindigkeitsburchschnitt von mehr als 100 Kilometer je Stunde. An den Fahrten des Luftschiffes nahmen 10 370 Fahrgäste teil. Seit Indienststellung hat „Graf Zeppelin" einschließlich der Besatzung 27 368 Personen, 41183 Kilogramm Fracht unb 24 748 Kilogramm Post be- förbert. Trauriges Ende einer Schwarzfahrt. — Begleiterin tödlich verunglückt. Der bei einem Metzgermeister in Bab Kreuznach tätige 26jährige Ebmunb Hill sollte bas Auto bes Meisters waschen. Er benutzte bie Gelegenheit, ohne einen Führerschein zu haben, zu einer Schwarzfahrt, auf ber er bie 36jährige (Serba Schloer mitnahm. Unterwegs verlor ber Fahrer bie Herrschaft über ben Wagen unb fuhr mit einer Geschwinbigkeit von 85 Kilometer gegen einen Leitungsmast, ber leicht geknickt würbe. Der Mitfahrerin wurde durch Glassplitter die Halsschlagader durchschnitten, so bah sie innerhalb weniger Minuten verblutete. Nach bem Unglück flüchtete ber Fahrer; trotz aller Bemühungen ber Polizei konnte er bisher nicht aufgefunben werben. Wettervoraussage. Mit der Verlagerung eines kräftigen Teilwirbels nach Mitteldeutschland hat sich zunächst die Zufuhr subtropischer Luftmassen verstärkt. Die Folge davon waren sehr ausgedehnte und sehr ergiebige Regenfälle, bie in ber Nacht zum Mittwoch ihre größte Heftigkeit erreichten. Heute früh machte sich bereits eine Zufuhr kälterer Luft bemerkbar, bie vor allem im Gebirge durch Schneefälle zum Ausdruck kommt. Die gesamte Wetterlage bleibt auch weiterhin sehr unbeständig, wenn auch zunächst eine Beruhigung wahrscheinlich ist. Aussichten für Donnerstag: Stellenweise neblig, sonst zeitweilig aufheiternd, späterhin neue Verschlechterung, bei anfänglichen nördlichen Winden etwas kälter. Aussichten für Freitag: Im ganzen noch Fortdauer ber unbeftänbigen Witterung. und Rechnungsabschlüssen ansordern. Bei brlr jen* bem Verbacht unlauterer Geschäftsführung ist bie zustänbige Behörbe zum Erlaß öffentlicher Warnungen befugt. § 10 bestimmt: Vereinigungen und sonstige Unternehmen, bie eine öffentliche Sammlung ober Veranstaltung burchsühren unb gemeinnützigen ober milbtätiaen Zwecken bienen sowie Einrichtungen bieser Art, bie von Einzelpersonen ausgehen, können von ber Behörbe unter 23 er- waltung gestellt werben, wenn sich vorhan» bene erhebliche Mißstänbe nicht auf anbere Weise beseitigen lassen. Mittel, bie burch eine öffentliche Sammlung usw. zusammengebracht sinb, dürfen nach § 12 nur mit Genehmigung einem anderen als dem genehmigten Zweck zugeführt werden. § 13 enthält die Strafbemessungen. Mit Gefängnis bis zu 6 Wochen und mit Geldstrafe wird bestraft: Wer ohne Genehmigung eine Veranstaltung ber bezeichneten Art ankünbigt, burch- führt ober bei ihrer Durchführung mitwirkt; wer ben Bebingungen, an bie eine Genehmigung geknüpft ist, zuwiberhanbelt; wer ben angeorbneten Maßnahmen nicht entspricht ober wissentlich unrichtige ober unnoUftänbige Angaben macht; wer einer angeorbneten Verwaltung Gegenstänbe entzieht; wer Mittel einem anberen als bem genehmigten Zweck zuführt; wer von einer Person, bie bei ber Durchführung ber Sammlung ober Veranstaltung tätig ist, bie Abführung eines bestimmten Ertrages auch für ben Fall verlangt, baß bieser Ertrag nicht erzielt wirb. Ferner ist ber Ertrag einer nichtgenehmigten Sammlung usw. einzuziehen. Das Gesetz gilt nicht für öffentliche Sammlungen unb sammlungsähnliche Veranstaltungen, bie burchgesührt werben: 1. auf Anorbnung ber Reichsregieruna ober einer obersten Reichsbehörbe im Einvernehmen mit bem Reichsminister bes Innern; 2. auf Anorbnung unb für ben Bereich einer K r e i s p o l i z e i b e h ö r d e zur Steuerung eines burch unvorhergesehene Ereignisse herbeigeführten augenblicklichen Notstan- bes; 3. von ber NSDAP., ihren angeschlossenen ©Heberungen unb ben der vermögensrechtlichen Aufsicht bes Reichsschatzmeisters ber NSDAP, angeschlossenen Derbänben ber NSDAP., sofern bie Sammlungen unb sammlungsähnlichen Veranstaltungen burch ben Reichsschatzmeister ber NSDAP, im Einvernehmen mit bem Reichsminister bes Innern genehmigt sinb; 4. von einer christlichen Religions-Gesellschaft bes öffentlichen Rechts in Kirchen unb in kirchlichen Versammlungsräumen. Der Reichsminister bes Innern wird ermächtigt, allgemeine Verwaltungsvorschriften zu erlassen und bestimmte Unternehmen allgemein ober unter Bebingungen von ber Vorschrift bes § 5 zu befreien. Das Gesetz tritt am 1. November in Kraft. Mit bem gleichen Tage tNten alle Vorschriften über die Genehmigung oder das Verbot öffentlicher Sammlungen ober Veranstaltungen, insbesondere §§ 14 unb 19 ber Verorbnung vom 4. Februar 1933 unb Abschnitt II bes Spenbengesetzes vom 24. März 1934 außer Kraft. selvst ftattfinbet. Wer eine öffentliche Veranstaltung burchsühren will, bie mit bem Hinweis darauf angefünbigt ober empfohlen werben soll, baß ihr Ertrag ganz ober teilweise z u gemeinnützigen ober milb - tätigen Zwecken verwenbet werbe, bebarf nach § 4 ber Genehmigung, ferner nach § 5, wer zu gemeinnützigen ober milbtätigen Zwecken Waren öffentlich oertreiben will. Unter bie Genehmigungspflicht fallen nach § 6 auch Sammlungen im Aus- länb, bie vom Jnlanb aus ober burch ausgefanbte Mittelspersonen burchgesührt werben sollen. In allen angeführten Fällen ist bie Genehmigung nach § 7 nur für eine bestimmte Zeit zu erteilen. Sie kann jeberzeit roiberrufen unb von Bebingungen abhängig gemacht werben. Vor Erteilung ber Genehmigung barf eine Sammlung ober Veranstaltung nicht öffentlich an- gefünbigt werben. (§ 8) Eebenso ist ber Kartenverkauf vor Erteilung ber Genehmigung unzulässig. Bei Vereinigungen, sonstigen Unternehmen unb Einzelpersonen, bie eine öffentliche Sammlung ober Veranstaltung burchsühren, kann bie Behörbe nach § 9 Geschäftsbücher, Schriften, Kassen- unb 23er» möaensbestänbe prüfen lassen, sowie Auskunft über Geschäftsführung unb Einreichung von Berichten Tsingtau. Trotzdem — alle, alle kamen 1 Alle machten wahr das Wort unseres Gouverneurs: „Einstehe für Pflichterfüllung bis zum Aeußersten." Diejenigen irren gewaltig, die da meinen, daß der Kampf um Tsingtau zwecklos war. Die ganze o st asiatische Welt schaute damals mit Bewunderung auf das kleine Fleckchen deutscher Erde am Stillen Ozean und die kleine Schar der Verteidiger. Und wenn heute der deutsche Name im ganzen Fernen Osten geachtet und geehrt dasteht, und der deutsche Kaufmann auf das weitgehendste Entgegenkommen, namentlich der Chinesen stoßt, ist Tsingtau und seine heldenhafte Verteidigung mit die Hauptursache dafür. Als leuchtendes Beispiel tatbereiter Vater- landsliebe unb treuer Pflichterfüllung auch auf verlorenem Posten, auf bem auszuhalten nur bie Ehre verlangt, sollte Tsingtau um) seine Verteibigung mehr als bisher der deutschen Jugend vor Augen geführt werden. gebiet zu erklären. Besonderes Augenmerk ist daraus zu richten, die vorhandenen Wildarten au verbessern durch Aufzucht unb Hege mit ber Büchse. Ich beabsichtige ben Versuch, später auch anbere Wilbarten einzubürgern. Sie haben in ber Woche vom 9. bis 16. N o - v e m b e r alles baranzusetzen, um ben Abschuß bes Schwarz- unb Kahlwilbes burcfau- führen unb bamit eine entscheibenbe Hilfe für Die Bevölkerung zu leisten. Es muß erreicht werben, baß eine wirklich große Strecke zusammengebracht wirb, bamit in ben Weihnachtstagen für bie armen Volksgenossen burch bie Bereitstellung bes abgeschossenen Wilbes gesorgt wirb. Es begann bann bie Besichtigung bes Urroalb« gebietes mit seinen riesenhaften alten Baumbeständen. In Hannoversch-Münben würbe bann unter Führung bes Rektors Prof. Dr. Deiters zunächst bie Forsthochschule besichtigt, worauf Tiermaler Lotze (Marburg a. b. L.) bem Reichsforstmeister einen Vortraa über seine Geweihforschung im Reinharbswalb hielt. Unter brauten- ben Heilrufen ber Bevölkerung erfolgte bie Rückfahrt nach Kassel, wo ber Ministerpräsident im Palais des Oberpräsidenten Wohnung nahm. vor hen von von von Weil sich i Wüste nomai btt ’ W\ eine- nah Sei: der Bedi eine Car den der S)i( ein der san vor Wi der teuer!' viel J bell'5 E c - iinb ech K'"j M.' IW es mit der un6en)O nach ei Inseln, Pflanze nicht- 5 die vor laden lebend' reichen die Ii zersche char beson! rätsell spann licher 9.Jl.-$pOTt Handball im Gau XII Lahn-Dillkreis Turnvereins Wieseck waren am Sonntag in Lich zu Gast. Das Spiel der ersten Mannschaft wurde trotz der mäßigen Platzoerhältnisse flott durchgeführt. Wieseck, mit Ersatz, war seinem Gegner technisch überlegen, die Gastgeber aber waren sehr eifrig. Nach 10 Minuten übernahmen die Gäste die Führung und erzielten in gleichen Abständen bis Halbzeit noch weitere Tore, während die Angriffe der Platzbesitzer alle an der guten Abwehr der Gäste scheiterten. Auch nach Seitenwechsel blieb Wieseck weiter im Vorteil und erhöhte um zwei weitere Tore. Dann Achtung! Saar-Abstimmungsberechtigte! Vis zum 9. November müssen alle Saar-Abstimmungsberechtigten. die Einspruch gegen ihre Nichteintragung in die Abstimmungsliften eingelegt haben, durch Einschreibebrief benachrichtigt sein, ob ihrem Einspruch stattgegeben wurde oder nicht. Ist ihrem Einspruch nicht stattgegeben worden, dann können sie innerhalb 15 Tagen, vom Tage der Absendung des Einschreibebriefs ab. Rekurs beim Abstimmungsgericht einlegen. Die Pässe für die Abstimmungsberechtigten werden schon jetzt von den Polizeibehörden unentgeltlich ausgestellt. In allen Zweifelsfallen gibt der zuständige Saar- Obmann oder, wo der Obmann nicht bekannt ist, Postamtmann Hugo Anschütz, Frankfurt a. 21L, Tete- graphenamt, Zeil 106, Fernsprecher 200 26, Nebenstelle 372, gerne Auskunft. Fuhballabteilung des Turnvereins Wieseck. Lich I — Wieseck I 1.8. Die erste und die Jugendmannschaft des zum Spiel erschienen. Durch bessere Technik lieferten sie aber den körperlich überlegenen Platzbesitzern ein gleichwertiges Spiel. Mit 0:0 ging es m die Pause. Auch nach dem Wechsel wurde das Spiel flott weitergeführt. Der Führung Wiesecks fetzte Lollar den Ausgleich entgegen. Wieseck erzielte dann noch das Siegestor und errang damit die Punkte. Alten-Buseck I — Wißmar I 5:2 (3:2). Die Platzherren konnten in dem flott durchgeführten Spiel ihren Gegner sicher bezwingen. In der ersten halben Stunde waren sie dreimal erfolgreich. Siegessicher ließen sie merklich nach, dadurch kamen die Gäste zu zwei billigen Toren. Nach der Halbzeit waren beide Parteien bestrebt, das Ergebnis zu verbessern. Die Platzbesitzer konnten im Endspurt durch die beiden Halbstürmer noch zweimal em- senden und den Sieg sicherstellen. Die auf dem Felde waren der einheimische Mittelläufer Das Programm der Winiersporitvoche in Gießen 11. bis 18. November 1934. Auf Anordnung des Reichssportführers findet vom 11 bis 18. November 1934 eine Wintersportwoche statt. Diese Woche soll für den Wintersport werben, soll aber in erster Linie auch Auftakt sein für die Olympischen Winterspiele, die im Winter 1935/36 in Garmisch-Partenkirchen durchgeführt werden. Die Träger des Wintersportes in Gießen, der Skiklub Gießen, der Gießener Eisverein und die Schneelaufriege des Tv. 1846 werden aus diesem Grunde mit einigen Veranstaltungen, die ich nachfolgend bekanntgebe, an die Oeffentlichkeit treten. Ich erwarte, daß die Gießener Bevölkerung, insbesondere die Gießener Turner und Sportler sich recht zahlreich an diesen Abenden einfinden und so ihr Interesse und ihre Zusammengehörigkeit bekunden. Veranstaltungen während der Wintersportwoche: Montag, 12. Nov., 20.30 Uhr, Rollschuhkunstläufen, Rollschuh-Hockey in der Volkshalle. Mittwoch, 14. Nov., 20 Uhr: Sören dsen- Filmvortrag in der Universitäts-Aula. mit einem Tor die Führung inne hatten, kamen die Gäste bis zum Schluß noch zum Ausgleich. Tv. Erda I — Tv. Garbenheim I 1:5 (0:3): Die Gäste errangen den erwarteten Sieg und hatten bereits bis zur Pause einen entscheidenden Vorsprung herausgeholt. Garbenheim zeigte die besseren Leistungen und gewann verdient. Tv. Dutenhofen — To. Nauborn 13:2 (4:0): Das Spiel wurde hart durchgeführt und sah die Platzmannschaft stets im Vorteil. Die Mannschaft errang einen verdienten Sieg. Die Gäste verloren nach dem Wechsel zwei Spieler durch Herausstellung. To. Wetzlar II — Tv. Cleeberg! 9:1 (5:0): Die Gäste müßen eine überraschend hohe Niederlage einstecken. Die Mannschaft fand sich während des ganzen Spieles nicht zusammen und zeigte ein sehr zerfahrenes Spiel. Wetzlar dagegen überra-schte nach der angenehmen Seite. Tv. Hausen — To. Grüningen 10:2 (4:1): lieber» raschend hoch verlor Prüningen in Hausen. Die Mannschaft trat allerdings mit nur neun Spielern an, so daß die hohe Abfuhr schon erklärlich wird. Das Spiel wurde von Hausen überlegen gewonnen. Preisklasse III. Tv. Niedergirmes II — Tv. Münchholzhausen II 12:9 (7:3): Das Spiel brachte viele Tore, die sich gleichmäßig auf beide Halbzeiten verteilten. Niedergirmes war stets etwas im Vorteil und hatte bereits bis zur Pause den entscheidenden Vorsprung herausgearbeitet. Jugendklasse. Tv. Atzbach — Tv. Garbenheim 5:2 (2:1). Atzbach war die körperlich stärkere Mannschaft und spielte auch technisch überlegen. Der Sieg war aus diesem Grund verdient. Lippert in der Gaumannschast erneut bewährt. Der junge 1900er Lippert, der am vergangenen Sonntag in der Gaumannschaft Nordhessen als linker Verteidiger gegen Baden spielte, hat sich erneut bewährt. In der Amtlichen Sportrundschau des Gaues Nordhessen wird das Urteil über Lippert folgendermaßen zusammengefaßt: „In der Verteidigung überraschte Lippert aus Gießen sehr angenehm, er wird sich mit dieser Leistung einen ständigen Platz in der Gaumannschaft gesichert haben." „SG.SIeutonia" Watzenborn-Steinberg FE. „Teutonia" Watzenborn-Steinberg I gegen Sportverein Bissenberg I 0:1 (0:1). Auch dieses Spiel in Watzenborn-Steinberg zeigte wieder einmal, daß der 1. Mannschaft der „Teutonen" in der diesjährigen Derbandsspielserie das Glück nicht zur Seite steht. Wenn eine Mannschaft sich so wie in diesem Spiel voll einsetzte — dreiviertel der gesamten Spielzeit den Ton angibt und gar die übrigen Minuten einen sich äußerst hartnäckig wehrenden Gegner vollständig in die Verteidigung einschnürte — und trotzdem auf eigenem Gelände zwei wertvolle Punkte verlor, so stellt dies die Teutonen-Elf allmählich auf eine harte Nervenprobe. Wieder, wie in der letzten Zeit so oft, wurde mit dem knappsten aller Resultate, nämlich 1:0 verloren und dieser eine Treffer und zugleich auch Siegestreffer wurde bereits schon von den Gästen in der ersten Spielhälfte erzielt. Ein von Happel abgewehrter Ball rutschte ihm infolge der Nässe ab und der blitzschnell nachsetzende Gästemittelstürmer schoß geistesgegenwärtig ein. Von nun an trugen die Einheimischen Angriff auf Angriff vor das Gästetor; doch wurden sie alle oon der zahlreichen Verteidigung mit Glück abgewehrt. Auch in der zweiten Halbzeit sah man fesselnde Kampfbilder. Mit verbissener Entschlossenheit ver- teidigten 11 Sportkameraden ihren knappen 1:0- Vorsprung. Die Platzmannschaft versuchte unter zäher Ausdauer immer und immer wieder eine Bresche durch das von Bissenberg gebildete Bollwerk zu erkämpfen — vergeblich! So blieb Bissenberg überaus glücklicher Sieger in einem harten, stets diszipliniert durchgeführten Punktekampf, der unter der Leitung des ganz ausgezeichneten Schiedsrichters Friedrich (Friedberg), stand. Die 2. Mannschaft der Teutonen konnte auch das siebte Punktespiel (das letzte in der Vorrunde) gegen die 1. Mannschaft des Spv. Garbenteich für sich entscheiden. Leider blieb der angesetzte Schiedsrichter Schäfer (Heuchelheim) aus und man einigte sich auf Schiedsrichter W a 11 b o 11 (Watzenborn-Steinberg). Der Sturm der Einheimischen war wieder in guter Schußlaune und legte bis zur Pause 6 Tore vor. In der zweiten Spielhälfte kamen die Garben- teicher auf, erzielten aber nur drei Treffer. Die Gäste gefielen in der Gesamtheit, einzelne Spieler überzeugten durch ihr besonderes Können. Die Jugendmannschaft weilte beim VfB.-R. in Gießen. Da der Schiedsrichter fehlte, mußten sie unverrichteter Sache wieder die Heimfahrt antreten. Donnerstag, 16. Nov., 20.15 Uhr: Trocken- Skikurs in der Reithalle (Brandplatz). Freitag, 17. Nov., 20.15 Uhr: Trocken- Skiübungen, Rollschuhkunstläufen, Körperschule, Spiele und Scherzvorführungen in der Turn- Halle am Oswaldsgarten. Samstag, 18. Nov., 20 Uhr: Zunft ab end für alle Eissportteilnehmer im Häuschen des Eisverems. Der Kreisbeauftragte des Reichssportführers für den Kreis Gießen. Gez.: Mohr. Kursus für Frauenturnen in Gedern. Am Samstag und am Sonntag fand hier ein Kursus für Frauenturnen in der DT. statt. Es waren schon am Samstagnachmittag etwa 40 Führerinnen und Detreterinnen der Frauengruppen in den Vereinen des Turnkreises und auch einzelne Turnwarte zur praktischen Durcharbeitung neuen Lehrstoffes in der hiesigen Turnhalle angetreten. Ein Vortragsabend im Bergwirtshaus bereicherte das Wissen aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer über das Wesen des Frauenturnens und die völkische Erziehung in den Vereinen. ; Die Kreisturnwartin, Turnlehrerin Frl. Schwarz (Friedberg) leitete den Abend. Der Kreisturnwart, Dr. S i e g e r t (Stockheim), sprach eingehend über die Leibesübungen der Frau vom Standpunkte des Arztes. Weil das Frauenturnen für die Aufartung unseres Volkes notwendig ist, muß es auch naturgemäß aufgebaut und durchgeführt werden. Es darf nicht einfach ein Abklatsch des Männerturnens sein. Schon seit Jahrzehnten arbeitet die Deutsche Turnerschaft daran. Der neue Staat hat ihrer Arbeit nun endlich breitere Wirkungsmöglichkeiten geschah fen. Dr. Sieger! gab dann im einzelnen an, welche Turn- und Sportarten auf Grund der anatomischen Eigentümlichkeiten für die Frau in Frage kommen und welche nicht. Frl. Schwarz sprach über die für jeden Verein in Frage kommende Literatur für das Frauenturnen und händigte jeder Teilnehmerin eine ßifte darüber aus. Ein gemeinsames Turnerlied schloß den ersten Teil des Abends. Nachher sprach die Kreisführerin für das Frauenturnen, Frl. Brot (Vilbel) über alles, was eine Vereinsführerin neben der Turnwartin zu tun t)ai. Volkstümskunde, Dietwefen und Geschichte der Turnerschaft sind Gebiete ihrer Arbeit. Frl. Brot verbreitete sich des längeren darüber und gab praktische Hinweise für Stoffverteilung und Durchführung der Arbeit. Bis zum nächsten Gauturnfest in Gießen am 2. bis 4. August 1936 müssen 24 diesbezügliche Fragen von allen Vereinen bearbeitet und geistiges Eigentum der Turnerinnen sein. Eine Prüfung wird das feststellen. Zum Schluß des Abends erzählte Frl. Brot noch vom Leben in her Reichsturnfchule in Berlin. Der Sonntag diente ganz der turnerischen Arbeit, die alle TeilnehMr von 8 bis 16 Uhr mit einer Mittagspause erheblich in Anspruch nahm. Bezirksklasse. Tv. Münchholzhausen — Mtv. Gießen 7:2 (3:2). Eine recht deutliche Abfuhr holte sich Gießen bet der in letzter Zeit stark nach vorn gekommenen Mannschaft von Münchholzhausen. Kreisklasse I. Tv. Hochelheim — Tv. Groß-Rechtenbach 4:6 (2:3). Der Ausgang dieses Spieles ist für jeden eine große Ueberraschung, zumal die Niederlage der Hochelheimer auf eigenem Platz zustande kam. Die Mannschaft wurde glatt überrumpelt und fand sich während des ganzen Spieles nicht recht zusammen. Hierzu im Gegenteil waren die Gäste sehr gut in Fahrt und spielten ein unbekümmertes schnelles Spiel, das ihnen einen verdienten Sieg eintrug. H. hatte allerdings auch ein großes Pech durch eine ganze Anzahl von Lattenschüssen. SpV. 05 Wetzlar — Tv. Krofdorf 8:13 (5:6): Das Spiel war in der ersten Hälfte ausgeglichen und brachte den Gästen kurz vor dem Wechsel durch ein 6. Tor die Führung. Die zweite Halbzeit stand im Zeichen einer Ueberlegenheit der Gäste, die sofort das Kommando übernahmen, und in schönem Zusammenspiel noch sieben Erfolge erreichen. Wetzlar spielt dagegen zerfahren und zu langsam. Tv. Lang-Göns — VfB.-Reichsbahn 2:2 (1:2): Eine gute Leistung vollbrachte die Gästemannschaft durch dieses auf fremden Boden errungene Remis gegen die, erstmals in die Verbandsspiele eingreifende ßanggönfer Mannschaft. Gießen hatte sich bis zum Wechsel sogar eine 2:1 erkämpft. Tv. Albach — Tv. Lich 8:0 (3:0): Das Spiel trug nicht den Charakter eines Lokalkampfes und nahm einen unerwartet hohen Ausgang zugunsten der Platzmannschaft. Diese zeigte technisch eine ganz hervorragende Leistung und war stets leicht im Vorteil. Der Kampf brachte den Gästen durch allzu große Unentschlossenheit vor dem Tor, nicht einmal das verdiente Ehrentor. Tv. Dornholzhausen — Tv. Hörnsheim 5:4 (2:1): Beide Mannschaften lieferten sich ein schnelles Spiel, das vollkommen ausgeglichen war. Die Platzmannschaft gewann den Kampf mit Glück und somit zwei wertvolle Punkte. Kreisklasse II. Lollar II — Wieseck II 1:2. 3n Lollar lieferten sich diese Gegner ein scharfes, aus oem yetue wuu Spiel Auch hier war Wieseck mit nur zehn Mann 1 und der Gästehüter. gelang es den Gastgebern ihr einziges Tor zu erzielen, dem aber Wieseck noch zwei wettere Tore entgegensetzte und als sicherer Sieger das Feld verlies Im Jugenspiel beider Vereine trat Wieseck mit nur acht Mann an. Die Mannschaft hielt sich trotzdem gut. Nachdem aber noch ein Spieler wegen Verletzung ausscheiden mußte, lies die Kampfkraft merklich nach. Lich führte bis zu diesem Zeitpunkt mit 2:1 Toren und konnte in der Folge auf 9:1 Tore erhöhen. Tv. Alsfeld — Tv. Homberg 6:2 (2:2). Das Spiel war in der ersten Hälfte ziemlich ausgeglichen und fand in dem 2:2-Ergebnis einen gerechten Ausdruck. Nach dem Wechsel dominierte der Platzbesitzer klar und landete einen ziemlich hohen, aber verdienten Sieg. Tv. Dorlar — Tv. Lollar 23:2. Ein Schützenfest gab es in Dorlar. Die Platzbesitzer bewiesen einmal mehr, daß Ihnen in dieser Gruppe keine Mannschaft gefährlich werden kann. Sie spielten ihr Spiel und Lollar mußte in regelmäßigen Abständen 23 Tore hinnehmen. Tv. Staufenberg — Tvgg. Ruttershausen 7:7 (4:3). In diesem Lokalkampf gab es das erwartete Resultat. Staufenberg lag meist stets etwas mehr im Angriff, verzettelte sich aber sehr oft in Einzelaktionen. Nachdem die Platzbesitzer bis zur Pause Sonnen- ? IlnmnM ab zugeb Bestell, erb. wir v Pom. DamplsägewerkWar B.NuhnA.G.,Lollar. MkmM find.ruh./geniutU Heim bei alleinst. Frau. Schr. Ang. unt. 05381 a.ö.GA.. MK« ßhcüen 649?° Donnerst.' 8.11- 20 - 22,30 Ullr Sondervorstellg. für Studenten, SS., NSDFB. ((Stahlhelm)/ AMRC. u. freier Verkf. 0.40-3,20 Langemarck Der Ovfergang der deutschen Jugend. Schauspiel ttt a Bildern v. Kahn und Monato. ist am 5. November im 81. Lebensjahre sanft entschlafen. Die trauernden Hinterbliebenen Gießen, Elm. Bochum, Herne (Westf ), den 7. November 1034. Die Beerdigung findet auf W unsch des V erstorbenen in all er Stille statt 05384 Unser lieber guter Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder und Schwager I. d. Namen: Ludwig Becker. Ludwig Becker Eisenbahn-Werkführer L R. Mercedes Mk. 182.- monatlich Mk. 7.90 FranzVofiUCo,, Gießen Seltersweg 44 Mt liefert JobannesWellek Zimmerei unü Sägewert Keihn eitert n b. Gießen. 869lJ im 76. Lebensjahr, nach kurzem schweren Leiden, zu sich zu nehmen. Stuttgart. Neuyork, Gießen, den 5. November 1934. 6516 0 Die Beerdigung findet Donnerstag 8. November, 15 Uhr, auf dem Pragfriedhof, Stuttgart, statt. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen? Rudolf Jung, Bankbeamter Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unsere liebe Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwägerin und Tante Frau Louise Jung, geb. Fay Lehrerswitwe NACHRUF! Ganz unerwartet wurde uns nach kurzer Krankheit unser Ehrenvorsitzender Herr Josef Berber durch den Tod entrissen. 45 Jahre gehörte er unserem Vereine als aktiver Sänger an. Echte Sangesbrüderlichkeit und treue Freundschaft zu pflegen, gehörte zu seinen besonderen Vorzügen. Durch seine edle Gesinnung und seinen lauteren Charakter war er stets Vorbild für uns. Wir beklagen seinen Heimgang aufs tiefste. Ehrfurchtsvoll neigen wir uns vor seiner Treue, unsere Dankbarkeit bleibt ihm erhalten. Gießen, den 6. November 1934. Sängemreinigong „Liederkranz-Heilerkeil" 1837 (Hellen. 6558 D Irische Fische lebende Schleien u. Karpfen, Schellfisch, Kabeljau,Seelachs Goldbarsch, Brat-Schellfische Frische Fischkoteletts und Filets (eigene Herstellung) Grüne Heringe, Pfund 20 ö fetnlteheutidjeBollherlnge pure AUlcher, 10 Stück 95 <-) gemischte 10 Stück 45 4 fl.Sauetitflut. 3 $funö 40, (eigene Herstellung) Richard Grünewald Bahnhofstraße 27 osssa Gestern abend entschlief sanft mein lieber Mann, unser guter, treusorgender Vater und Großvater Herr Josef Berber Werkmeister L R. im 71. Lebensjahre. Die trauernden Hinterbliebenen. Gießen (Aulweg 43), Hannover, den 6. November 1934. Die Trauerfeier findet Freitag, 9. November, nachm. 3 Uhr statt 6547 D Volkstümliche Naturwissenschaft in reichbebilderten, leichtverständlich geschriebenen Werken und in verschiedenen Preislagen bieten unsere Verlacs- erzeugnisse. Sie vermitteln einen tiefen Einblick in die Geheimnisse des Naturgeschehens und damit durch erweitertes Wissen erhöhte Freude an den vielf<i- gen Schönheiten der Natur. - Verlangen Sie Prospekte und auch Probehefte der Zeitschrift „Der Naturforscher44 Hugo Bermühier Verlag • Berlin-Lichterfelde Bahnhof-Gaststätten Kalte und warme Spezialitäten zu volkstümlichen Preisen 6136 D Nr. 261 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Mittwoch, 7. November 1954 Kür den Bücheriisch. Zur europäischen Geschichte Länder, Völker, Tiere Führer in Zeiten der Not sein. Um ihn sammeln sich die tätigen Geister der Zeit, die unermüdlichen Helfer am Erneuerungswerk: Scharnhorst, Gnei- senau und Arndt, der alte Blücher, Humboldt und Hardenberg — eine Fülle von Gestalten, Geschehnissen und Bildern läßt die Spannung nicht abreihen bis zum erlösenden Schluß. Aus der Sehnsucht nach echtem Führertum ist dies Buch geboren, das uns packt, weil die Gestalt Steins uns zum unvergänglichen Vorbild dafür wird, was ein einzelner durch gläubige Tatkraft zu vollbringen vermag. — Theodor Koch-Grünberg: AmRo- r o i m a. Bei meinen Freunden, den Indianern vom rosigen Fels. 160 Seiten. Verlag F. A. Brockhaus, Leipzig 1934. — (357) — Vor zehn Jahren, im Herbst 1924, starb an den Folgen der Malaria einer unserer bekanntesten Forschungsreisenden und Ethnologen. Theodor Koch-Grünberg, der 1872 in Grünberg (Oberhessen) als Sohn des Pfarrers Kan Koch geboren worden war. Koch-Grünberg hat sich zuerst durch die Teilnahme an der Tingu-Expedi- tion 1898 bis 1900 einen Namen gemacht, 1911 bis 1913 bereiste er Nordbrasilien und Venezuela, 1915 wurde er Direktor am Lindenmuseum zu Stuttgart. In dem anläßlich seines 10. Todestages von seiner Witwe herausgegebenen fesselnden Reise- werk „Am Roroima" gibt die Herausgeberin selbst ein Charakterbild dieses echt deuschen Mannes. Das auch mit einer Anzahl ausgezeichneter Photos versehene Buch sollte in jedes deutsche Haus Eingang finden — der Jugend zum Vorbild und dem Manne zur Nacheiferung. Wir haben das Buch früher bereits in größerem Zusammenhang besprochen, zu Kochs-Grünberg Todestag auch vor kurzem eine Probe daraus zum Abdruck gebracht; es erschließt nicht nur wissenschaftlich Neuland, in dem es uns Wissen von Land und Leuten in Südamerika, besonders von den Jndianerstämmen am Rio Negro und am Rio Branco grundlegend und eingehend bereichert, sondern es ist auch eine fesselnde und menschlich erfreuliche Lektüre, ein Buch, in dem sich die liebenswürdige und vornehme Persönlichkeit unseres verstorbenen Landsmannes auf eine gewinnende Weise spiegelt, lieber seine letzten Tage heißt es im Vorwort u. a.: ... Am 20. August 1924 begann die Flußfahrt den Rio Negro und Rio Branco aufwärts. Schon am 3. September kam man nach Vista Alegre, dem Ende der Dampferfahrt, einem Ort, der aus einigen mit Palmstroh oder Wellblech gedeckten Hütten bestand .. - Koch- Grünberg kannte die Gefahren des Rio-Branco- Fiebers. Er hatte vor einem längeren Aufenthalt an diesem Platze gewarnt. Nach und nach erkrankten fast alle Teilnehmer der Expedition. Der Arzt Dr. Shattnik sorgte in aufopfernder Weise für die Kranken. Am 22. September packte das Fieber auch Koch-Grünberg .... Anfang Oktober ging es ihm besser. Er beschloß, sobald ass möglich nach der Missionsstation Boa Vista oder auch nach Manaos zu fahren, um sich zu erholen. Aber sie warteten vergeblich auf ein Dampfboot. Am 7. Oktober verschlimmerte sich sein Zustand, und am 8. Oktober schloß er die Augen für immer. Am anderen Morgen haben sie ihn auf dem kleinen Friedhof von Vista Alegre am Rande des Urwaldes zur Ruhe gebettet. — Cherry Kearton: Im Lande des Löwen. Alleinberechtigte Übersetzung aus dem Englischen von Ernst M ü n ch e r a t h. Mit 29 Bildern. Karton. 3,50 Mk., Leinen 5 Mk., I. Engel- horns Nachf., Stuttgart. — (405) — Das neue Tierbuch des bekannten Forschers und Tierschriftstellers Cherry Kearton, dessen bereits erschienene Tierbücher „Die Insel der fünf Millionen Pinguine" und „Pallah" früher schon hier besprochen wurden, berichtet diesmal von den persönlichen Beobachtungen, Erlebnissen und Erfahrungen Keartons in seiner fünfundzwanzigährigen Forschertätigkeit in Zentralafrika. Es will, wie er in seinem Vorwort schreibt, „dem Leser Einblick gewähren in das afrikanische Tierleben, wo es sich in seinem ureigensten Revier noch unverfälscht erhalten hat", es will das Derftändnis für die Tiere der Wildnis wecken und der verständnislosen brutalen Ausrottung Einhall bieten. Aber sein Buch ist mehr geworden als eine spannende Schilderung seiner Erlebnisse — aus seinem Buch steigt Afrika empor: in großartig plastischen und farbigen Bildern erstehen die unberührte Wildnis, die sonnendurchglühte Steppe, der undurchdringliche Urwald, Sümpfe und Seen, Flüsse, Felsen, Schluchten, bis zu den schneebedeckten Häuptern der Berge; hervor treten die Tiere der Wildnis: Löwe, Elefant, Nashorn, Krokodil, Flußpferd, Büffel, Giraffe, Zebra, Affen, Schlangen, Vögel, Termiten und noch viele andere — vom größten bis zum kleinsten Getier zeigen sie sich uns in ihrem Leben und Sterben; aus tausend Einzelheiten ersteht das Leben der Wildnis, in seiner ganzen Grausamkeit und Schönheit. Und noch etwas offenbart sich in diesem Buch: die tiefe Liebe des Autors zur Natur und Kreatur, zum Leben und zu feinem Beruf, der ihn in vielen mühseligen und oft gefahrvollen Stunden der Beobachtung immer wieder Neues entdecken und Wundervolles erforschen ließ. So ist sein Buch ebenso lehrreich wie interessant, spannend mir anregend. Zum Schluß seien noch die seltenen und schönen Bilder erwähnt, die das Buch als Geschenk besonders geeignet machen. der mit der Annäherung zwischen den Vereinigten Staaten und Sowjetrußland das Ziel seines politischen Ehrgeizes erreicht hat. Ausgezeichnet die Porträts Herriots und Litwinows aus der Feder des Herausgebers; Haushofers Skizze Ara- k i s erweitert sich zu einer Darstellung der aktivistischen Kräfte Japans; ihr roter Gegenspieler W o - r o s ch i l o w zeigt eine selbst für unsere Tage außergewöhnliche Lebenskurve; nennen wir noch Tar - dieu und Paul-Boncour in der ausgezeichneten Darstellung des Grafen Toggenburg, so sind damit nur wenige herausgegriffen aus der Fülle von Gesichtern, mit denen dieses Buch der Weltpolitik Fleisch und Blut gibt. —e. I Rußlands und Oesterreich-Ungarns entstandenen । (Staaten und eine lebendige Anschauung von den in ihnen wirkenden Kräften geben, war es bislang 'schlecht bestellt. Das ist anders geworden, seitdem idie Politik des Führers Polen in den Mittelpunkt iöes Interesses gerückt hat. Man sucht das Versäumte nachzuholen und die ausgezeichneten Bücher loon Oertzen und Sieburg lassen hoffen, daß auch lfür die baltischen Staaten und die Tschechoslowakei Ibald ähnliche Monographieen Kunde von der jüngsten Entwicklung geben mögen. Das vorliegende 'Buch von Koitz ist zu den genannten eine wichtige «Ergänzung. Es schildert die oft genannte und doch meist in ihrem wahren Charakter nur geahnte Oberstengruppe", die Schar alter Freiheitskämpfer "aus der Sturmzeit der polnischen Legion, die sich .zu einem Stab unbedingt ergebener, von soldati- ||d)em Pslichtqesiihl geleiteter, an allen Stellen der apolitischen Kampffront brauchbarer Mitarbeiter mm den Marschall P ilfudski zusammenge chlof- Isen hat. Hier treten sie aus ihrer Anonymität her- .aus als im Kampf um Polens Freiheit tausendmal .erprobte und gestählte politische Soldaten, Per- siönlichkeiten von zähem Willen, polnischer Phan- llasie und Wirklichkeitssinn, ^ur uns Deutsche der »interessanteste ist Oberst Beck, dessen a tive Außen- spolitik vorurteilslos und unbekümmert Polen au .ein neues Feld im europäischen Schachspiel geruckt Ihat. Nennen wir noch den als Forscher und Wirt- jschaftler gleich bedeutenden Staatspräsidenten M o- Ifcitfi, den in allen Sätteln parlamentarischer Tak- itik gerechten Premierminister. Bartel, und die «mit Pilfudski und Prystor noch aus der Zeit des ! terroristisch geführten Kampfes gegen die Zaren- I Herrschaft in die Aera der Erfüllung des Traumes i vom wiedererstandenen Polen hineinragende, Achtung .gebietende Gestalt des Obersten Slawe k. Eine !Reihe als ausgesprochene Persönlichkeiten nicht i minder bedeutender Männer rankt sich um die «Genannten, ein Adel des Könnens und des pou- ttischen Willens, der die demokratisch-parlamentari- jsche Form Polens mit jenem autoritären Geist erfüllt, der die modernen Staaten für den Daseinskampf der Gegenwart befähigt. —e. — Giselher Wirsing: Köpfe der Weltmol i t i k. Mit 32 Abbildungen. Preis geh. 4,80, «eb. 5,80 RM. Verlag Knorr & Hirth, München. — 0(378) __ Der Herausgeber, selbst dem „Tat"kreis gentstammend, jetzt in der Redaktion der Münchener Neuesten Nachrichten, hat mit einer Reihe von Mitarbeitern, zumeist Ausländskorrespondenten seines Blattps, den Versuch unternommen, die Träger der weltpolitischen Ideen nach Typen der Eigenheit ihrer Machtstellung aneinanderzustellen. Die Gliederung Liane von Gentzkow: Christine Wasa, das Lebensbild einer nordischen Frau mit 11 Bildern. Preis geh. 4,50 RM., geb. 5,75 RM. B. Behrs Verlag, Friedrich Feddersen, Berlin-Frie- benau. — (440) — Die einzige Tochter des großen Schwedenkönigs, die nach dem Tode Gustav Adolfs auf dem Schlachtfeld von Lützen, sechsjährig den Thron ihrer Väter bestieg, gehört in die Reihe der großen Königinnen der Weltgeschichte so wenig, wie in die Reihe der großen Herrscher ihres eigenen Volkes. Daß sie trotzdem bis in unsere Tage ein Interesse gefunden hat, wie kaum eine ihrer gekrönten Geschlechtsgenossinnen, verdankt sie allein ihrer Persönlichkeit, dieser seltsam bizarren Mi- chung der Erbanlagen des klugen, hochgesinnten, nutigen und großzügigen Vaters, und der nervösen, entimentalen,' in mittelalterlichen Vorurteilen be- angenen Mutter. Die Erziehung, die Gustav Adolf dem einzigen Kinde angedeihen ließ und die nach seinem Tode von Axel Oxenstjerna nach gleichen Methoden fortgeführt wurde, war ganz auf das Ziel eingestellt, aus Christine einen König zu machen, dem kriegerischen Schwedenoolk eine Herrscherin von männlichen Tugenden heranzubilden. Das Ergebnis war ein Bruch des Charakters, zwischen den natürlichen Instinkten der Frau und den anerzogenen männlichen Energien der Königin fand sich kein Ausgleich. Christine empfand tief die Leere ihres Herzens und litt unter dem Gefühl, den Anforderungen eines Herrscherberufs in der von Schlachten erfüllten Zeit des Kampfes um Schwedens Größe, in die das Schicksal sie gestellt hatte, nicht gewachsen zu fein. In der vorliegenden Biographie kommt gerade dieses treibende Moment bei dem Wunfch Christinens, vom Thron loszukommen und die Bürde der Regierung den stärkeren Schultern ihres Vetters Karl Gustav aufzuladen, besonders gut zum Ausdruck. Schwächer in der Motivierung ist die Darstellung von dem Uebertritt Christinens, der Erbin des Vorkämpfers der evangelischen Sache, zur katholischen Kirche. Man lese die wenigen Seiten, die Ranke in seiner Geschichte der Päpste dieser sensationellen Konversion gewidmet hat. Der Schwerpunkt der Biographie Liane von Gentzkows liegt in der römischen Epoche Christinens. Der päpstliche Hof des ausgehenden Barack, Roms Rolle in dem großen weltpolitischen Ringen zwischen Ludwig XIV. und seinen Gegenspielern, die geistigen Auseinandersetzungen und mitten in all diesem leidenschaftlich agierend, oft persönlich in größten Verlegenheiten, aber niemals auf das Mit- pielen verzichtend, niemals ins Dunkle zurücktre- tend steht Königin Christine, diese seltsame Frau, die nach dem freiwilligen Verzicht auf den Thron des damals mächtigsten Reiches nun in fein ersonnenen Ränken wie einer jener vielen Glücksritter jener Zeit nach den glanzlosen Kronen Neapels und Polens greift nut) erst als alte Frau m der Freundschaft mit dem klugen Kardinal Azzolini Ruhe und Frieden für ihre stürmische Seele findet. ist nicht immer unanfechtbar. Man wird die eine oder andere der abfonterfeiten Persönlichkeiten aus verschiedenem Gesichtswinkel gesehen, verschieden ein- ordnen wollen. Indessen tut das dem Wert der biographischen Skizzen keinen Abbruch. Besonders begrüßt darf es werden, daß auch manche Männer aus dem Zwielicht der politischen Kulisse ins Helle gerückt werden, von denen der Zeitungsleser kaum mehr als den Namen kennt, so z. B. Englands langjährigen Botschafter in Paris, Lord Tyrrell, der eifrigste Verfechter einer Erneuerung der Entente, oder der Tscheche O s u s k y , die Seele des Bündnisses zwischen Frankreich und der Kleinen Entente, oder der amerikanische Millionär William B u l i 11, Zahlreiche Briefe an Azzolini aus der Feder der Königin sind der Schilderung eingepflochten und tragen zur Aufhellung eines der seltsamsten Charaktere bei, die je die größte Aufmerksamkeit ihrer Zeitgenossen und das Interesse späterer Generationen gefunden haben. —e- Andre Maurois: Eduard VII. und seine Zeit. Mit acht Bildtafeln. Preis kart. 5,40 RM., Seinen 6,80 RM. Verlag R. Piper & Co., München. — (383) — Der Verfasser, ein, Franzose, dem wir schon eine Reihe biographischer Skizzen aus der modernen Literatur und Geschichte verdanken, läßt uns das für die politische Zeitwende entscheidende Jahrzehnt der Einkreisung Deutschlands von der „anderen Seite" sehen. Die Benutzung englischer und französischer Quellen, vor allem auch der Briefwechsel Delcassss macht sein Buch auch für die Forschung beachtlich, wenn auch seine Darstellung oft im Milieu, im menschlich Allzumenschlichen stecken bleibt. Aber solange Politik von Menschen gemacht wird und persönliche Stimmungen zu allen Zeiten den Gang der Geschichte richtunggebend beeinflussen, ist auch das Rankwerk kleiner Schwächen und Eitelkeiten, Voreingenommenheiten und Lächerlichkeiten zur Erkenntnis historischen Geschehens notwendig. Maurois beginnt mit einem breit angelegten, farbigen Porträt der Königin Viktoria. Er zeichnet sie als eine Frau von gesundem Menschenverstand, von Natur weder prüde noch bigott, eine gute Hausmutter auch in ihrem großen Reich, das sie mit dem sicheren Gefühl für das, was ihr Volk wünschte, patriarchalisch regierte, wie ihre große Familie, die mit Verehrung und Liebe an ihr hing und sich unter ihre Entscheidungen beugte. Eduard war ganz ihr Sohn, die Prinzenerziehung des „vollkommenen" Vaters hatte seiner Natürlichkeit nichts anhaben können. Seinen Einfluß auf die Politik Englands in den letzten Jahren Viktorias und während seiner eigenen Regierungszeit schätzt Maurois doch vielleicht zu gering ein. Die Außenpolitik ist natürlicherweise ganz unter dem Aspekt der werdenden französisch-britischen Entente gesehen. Der deutsche Kaiser wird als Gegenspieler Eduards in einer Weise geschildert, die peinlich erinnert an die verzeichnete Charakteranalyse des verflossenen Emil Ludwia. Sehen wir von den mitgeteilten Briefen und Aufzeichnungen Delcasses und feiner Mitarbeiter ab, scheinen uns für deusche Leser ergiebiger die interessante Schilderung des britischen Parteilebens, treffsichere Porträts der führenden britischen Politiker und die klaren Darstellungen der innerpolitischen Probleme Englands und des Britischen Reichs. Maurois legt uns ein ungemein lebendig geschriebenes Buch vor und daß es aus der Feder eines Franzosen stammt, sollte ein Grund mehr sein, es zu lesen, denn nur das Wissen um Persönlichkeiten und Dinge der anderen Seite gibt Erkenntnis der Zusammenhänge und die Macht, sich darauf einzu- stellen. —e- Reue Romane. — Gabriel Scott: Fant. Roman. Erschienen im Insel-Verlag zu Leipzig. — (439) — Fant! Ein neues Wort tritt in unser Schrifttum ein, und man wird es sich merken mit dem Roman des Norwegers Gabriel Scott, dessen Titel „Fant" lautet. (Seinen 5,50 Mark.) Fant ist der Name für den Zigeuner des Nordens, der nicht im Wagen von Ort zu Ort zieht, sondern in seinem Boot von Fjord zu Fjord. Als kleine Seeräuber treiben die Fante ihr Unwesen im Küstengebiet des südlichen Norwegens, heute wie vor hundert oder zweihundert Jahren. Denn wenn sich manche auch niedergelassen haben, so liegt ihnen doch allen die Unruhe der Fahrenden im Blut; das Abenteuer der „Fahrt" lockt sie immer wieder hinaus. Es ist eine neue Welt für uns, die Scott in feinem Roman schildert, unendlich reizvoll zumal für jeden, der das Meer liebt. Die Geschichte des Bootszigeuners Faendrik gewinnt ihre Spannung aus dem uralten Gegensatz zwischen dem Fahrenden und dem seßhaften Bauern. Auf ihn legt Faendrik die Büchse an, wenn der Roman beginnt — mit dem tödlichen Schuß bricht am Ende die Katastrophe über den Fant herein, und dazwischen liegt das stürmische Aus und Ab seines harten Lebens. Er ist kein Held, er ist kein Mann, den man lieben könnte, dieser Faendrik, aber er ist ein Stück Mensch von Gnaden eines unerbittlichen Dichters. Und kraftvoll-lebendige Menschen stehen neben ihm; der Vater, Sebaldus „Höchstselbst", mit herrlichem Humor gezeichnet, die Schwester Mathilde, ein derbes Weibsbild, dessen Güte an den Tag kommt in der Begegnung mit der kleinen Josefa, dieser rührend-schönen Mädchengestalt, der unsere besondere Liebe gehört. Der Dichter Edzard H. Schaper hat das Buch mit schönster Sachkenntnis in allen Schiffahrtsdingen übertragen, gemeinsam mit dem Dichter Gabriel Scott selbst, der oft in Deutschland gelebt hat und der noch vor kurzem in einer Pressefehde feiner norwegischen Heimat mit dankenswertem Eifer für Deutschland eingetreten ist. Stärker noch als in früheren Werken offenbart sich Scott im „Fant" als der große Dichter, von dem Knut Hamsun einmal gesagt hat: „Gabriel Scott gibt mehr als alle anderen Schil- derer unseres Volkes". — Die kleine Chronik der Anna Magdalena Bach. Volksausgabe. Mit zeitgenössischen Bildern. Leipzig 1934, Koehler & Amelang. Ganzleinen 2.85 Mk. — (417) — Die kleine Chronik der Anna Magdalena Bach wurde sofort bei ihrem Erscheinen wegen der erstaunlichen Einfühlung in das Wesen Bachs und seiner Zeit anerkannt. Sehr bald erkannte man aber auch den menschlichen Reiz dieses Werkes. Es gibt kaum ein schöneres Buch der deutschen Familie als diese Dichtung, darin das Leben des großen Thomaskantors und seiner Söhne und Töchter, gesehen mit den Augen der Lebensgefährtin, Gestalt gewinnt. Zugleich ist dieses Buch ein hohes Lied der deutschen Ehe, das in seltener Reinheit und Anmut den Zusammenklang der beiden Menschen schildert, die Vermählung des Genies Johann Sebastian Bach mit dem feinen, verständnisvollen Frauentum feiner Anna Magdalena, die drei Jahrzehnte an feiner Seite lebte, unerschütterlich im Glauben an seine Sendung und sein Genie. Die Einfühlung in das Wesen der Zeit und in die Seele Bachs ist so vollendet, daß man versucht ist, die Dichtung für ein echtes Tagebuch zu halten. — Robert Hohlbaum: „«Stein. Der Roman eines Führers". Leinen 5,80 Mk. Verlag Albert Langen-Georg Müller in München. — (412) — Hohlbaum beschwört die erschütternde Zeit deutscher Erniedrigung unter napoleonischer Fremdherrschaft und, in ihrem Brennpunkt, die leidenschaftlich-deutsche Persönlichkeit des Reichsfreiherrn vom Stein. An ihm zeigt es sich, daß in Notzeiten des Vaterlandes nicht der Mann ausreicht, der feine Pflicht tut, sondern daß allein der bedingungslose Einsatz der ganzen Persönlichkeit den Bann zu brechen vermag. Nur wer es wagt, allein der Stimme des Gewissens zu folgen, kann Vorgeschichte von Deutschland — Carl Schuchhardt: Vorgeschichte von Deutschland, zweite erneuerte und verbesserte Auflage mit 317 Abbildungen. Preis gebunden 9,60 Mark. Verlag R. Oldenbvurg, München. —(364) — Der Spaten in der Hand des Geschichtsforschers ist eine Vorstellung, die noch nicht einmal dem großen Kreise der geschichtlich interessierten Laien, wieviel weniger der Allgemeinheit sehr lange bewußt geworden ist. Für „Ausgrabungen" sand man schon weit und breit im Lande ein mit Neugier und Ironie gemischtes Interesse, aber die zu einem wissenschaftlich wohlbegründeten Geschichtsbild ausgewerteten Ergebnisse sind bislang selten allgemeines Wissensgut geworden, wie etwa die vielfach aus literarischen Quellen schöpfende Geschichte der Griechen und Romer. Und das, obwohl auch früher schon so vortreffliche Bücher, wie das vorliegende des verdienten Spatenfvrfchers Carl Schuchhardt, den Weg zur Erkenntnis der Vorgeschichte von Deutschland geebnet hatten. Die Besinnung auf die Werte deutschen Volkstums und der Zwang zur Verteidigung ältester deutscher Kultur gegen den angesichts der reichen Funde unserer Spatenforscher' völlig unhaltbaren Vorwurf des Barbarismus für die Anfänge der Germanen haben die Bedeutung der Vorgeschichtsforschung nach der nationalerzieherischen und politischen Seite hin wesentlich vertieft. Deutsche Vorgeschichte ist heute nickt mehr eine Angelegenheit eines kleinen Kreises fleißiger Gelehrter und emsig buddelnder Dilettanten, sondern Sache des ganzen Volkes. Gerade deshalb?, ist es aber auch von ganz besonderer Bedeutung, daß dies verbreiterte Interesse für die Ergebnisse der vorgeschichtlichen Forschung nicht zu einer Verflachung oder gar Überschätzung führt. Die phantastischen Uebertreibungen, die mit dem erhöhten Reifen und Abenteuer. — Tex Harding: „Insel des Nacht- 1 märchens". Verlag Ullstein, Berlin. Ein oben- 1 teuerlicher Roman aus den Tropen. — (404) — Der 1 viel gelesene Roman Hardings „Verschollen" (Auf 1 den Spuren des Obersten Fawcett) lenkte zuerst die Oeffentlichkeit auf den Verfasser und erschloß ihm zugleich einen begeisterten Leserkreis. Die Freunde seines ersten Buches werden auch seinen zweiten „abenteuerlichen Roman" mit der gleichen inneren Spannung lesen. „Die Insel des Nachtmärchens" spielt an der Westküste von Südamerika, in Ecuador und auf den Galapagos-Jnseln. Drei junge Matrosen, ein Ire, ein Kalisornier und ein Deutscher treffen sich in Guayaquil, der Hauptstadt von Ecuador. Sie befreunden sich mit einem reichen Kaufmann, der ihnen eine Segeljacht schenkt, die allerdings abgesoffen ist. Unter unsäglichen Mühen gelingt es den Dreien, die Jacht zu heben. Sie machen mit der Jacht eine abenteuerliche Fahrt nach den unbewohnten Galapagos-Jnseln und wollen dort nach einem Schatz graben. Auf den vulkanischen Inseln, die eine bunte und üppige Tier- und Pflanzenwelt haben, finden die Drei den Schatz nicht. Aber sie tauchen nach Perlen. In der Bucht, die von Haien wimmelt, findet einer von den Kameraden einen furchtbaren Tod. Die beiden lieber» lebenden versuchen, in der Jacht die Küste zu erreichen, aber auch der Dritte, der bereits krank die Insel verließ, stirbt auf hoher See. Die Jacht zerschellt an der amerikanischen Küste. Hardings neues Buch legt Zeugnis ab von der besonderen Liebe des Verfassers zu den kleinen rätselhaften Tieren und Pflanzen der Tropen. Ein spannendes Buch für die vielen Freunde abenteuerlicher Geschehnisse. — Carl Reinhard Raswan: Im Land der schwarzen Zelte. Mein Leben unter den Beduinen. Mit 72 Aufnahmen des Verfassers und einer Karte. Verlag Ullstein, Berlin. — (382) — Carl R. Raswan gehört zu den wenigen Deutschen, denen es gelungen ist, in die unerforschten Gebiete ber Roten Sandwüste in Nordarabien einzudringen, .frier ist der seltene Fall Wirklichkeit geworden, daß >ein Deutscher als Häuptling und Blutsbruder von den Beduinen ausgenommen wurde! Von gemeinsamen blutigen Feldzügen erzählt er ebenso wie von den endlose Wanderungen im Sattel durch 'Wüstenstriche, in denen kein Wassertropfen zu ftn- iben ist, von den ungeheuren Opfern an Menschen — und Tierleben, während einer solchen Wanderung ivon dem Leben der Rennkamele und der Araber- Ihengste, vom Dasein der Frauen, von Falkenjagden, won Jagden auf Leoparden, Wolfen und Straußen, won uralten Gebräuchen, die seit einem Jahrtausend won Generation zu Generation sich forterben. Im Zweiten Teil berichtet er von den Wandlungen, die ffich durch die moderne Zivilisation auch in der Wüste zugetragen haben. Wie sich das ursprüngliche, nomadenhafte, gläubige Leben durch den Einbruch «der Maschine verändert hat. Immer ist sein Buch «frisch, plastisch und naturnah. Das Buch besitzt noch «einen anderen Reiz: 72 hervorragende eigene Auf- mahmen des Verfassers, die in ihrer Schönheit und 'Seltsamkeit überraschen. Noliiik. Heinrich Koitz: Männer um P il sud- Iffi. Profile der polnischen Politik. Mit acht Bilidern. Preis kart. 4,50 RM., Leinen 5,80 RM. Vermag W. S. Korn, Breslau — (395) — Es ist unbe- igreiflid) und kaum entschuldbar, wie sehr in den i vergangenen Jahrzehnten die politische Geschichts- jschreibung unsere Nachbarn im Osten vernachlässigt Ihat. Nur um das Minderheitenproblem gruppiert 'sich eine umfassendere Literatur. Mit Darstellungen, idie auch der breiten Oeffentlichkeit ein Bild von der modernen Entwicklung der aus den Trümmern Wirtschaft Geschichte der Slawen, Wikinger und Preußen auf deutschem Boden heran, soweit Bodenfunde als Geschichtsquelle in Betracht kommen. Das gibt Dem Buch den Vorzug einer ungemein klaren Gileoe- runq. Auch dem Laien kann es nicht schwer lallen, an Hand des Schuchhardtschen Buches die Erkenntnisse der Bodenforschung in das ihm geläufige Geschichtsbild einzufügen. Er wird dann allerdings staunen, wie sehr er umlernen muß, wenn er von der Vorgeschichte Deutschlands eine den neuesten Forschungen entsprechende Vorstellung haben will. So ist das Werk, das vom Verlag mit außerordentlich zahlreichen und gut wiedergegebenen Bildern, Karten und Skizzen ausgestattet ist, besonders zu empfehlen für den Schulunterricht Mr Erläuterung der in den Museen oder in der freien Natur besichtigten Funde, wir wünschen es aber auch in die L>and eines jeden Volksgenossen, dem die Erkenntnis der Vorgeschichte Deutschlands am Herzen liegt. Das ftiegende,,MädchenfürA1les" Pionier- und Hettungstaten unserer Flugzeuge. Don H. Krüger-fiork. Interesse wie Wildlinge neben dem Stamm der echten Wissenschaft emporgeschossen sind, können nur der großen Sache schaden. Sie sind auch überflüssig, denn die Ergebnisse der Spatensorschung, die sich klar erkennen und beweisen lassen, reichen vollauf aus, um das Märchen vom Barbarentum unserer Vorfahren schlagend zu widerlegen. Gerade in diesem Fernhalten jener einer hemmungslosen Phantasie entsprungenen Theorien und dem vorsichtigen Abwägen des unzweifelhaft Beweisbaren hat sich Schuchhardts Buch ein unbestreitbares Verdienst erworben, das gegen etwa erhobene Vorwürfe der Nüchternheit doppelt schwer zu seinen Gunsten in die Waagschale fällt. Der Titel „Vorgeschichte von Deutschland" weist schon darauf hin, daß der Verfasser nicht eine Vorgeschichte der Germanen schreiben wollte, sondern alles einbezieht, was im deutschen Boden als Zeuge der Vergangenheit gefunden wurde. So reicht Schuchardts Darstellung auch weit über die Römerzeit hinaus bis in die Zeit Karls des Großen und zieht auch die Wenn man von Flugzeugen redet, denkt man meist nur an die beiden großen Tätigkeitsgebiete: Kriegs- und Verkehrswesen. Viel zu wenig ledoch daran, daß gerade die Flugzeuge zu einem„Mao- chen für alles" geworden find und daß sie bei dieser Tätigkeit ungemein segensreich für die Menschheit wirkten und wirken. Schon in den vergangenen Wintern ist der allgemeine Flugzeugdienst besonders als Helfer in Eis- und Schneenot, auch den Laien bekannt geworden. Ein regelrechter Flugdienst wurde im letzten Winter über Nord- und Ostsee eingerichtet, um Schiffen, die vom Eise tage- und wochenlang eingeschlossen lagen, erste und dringende Hilfe zu bringen; denn selbst für die großen Eisbrecher und Kriegsschiffe wie die „ S ch l e s w i g - H o l ft e l n und die „ E l f a ß " der deutschen Kriegsmarine war es zuletzt nahezu unmöglich, an die von Preßeis bedrohten Schiffe heranzukommen, um ihnen Lebensrnittel und Kohlen zu bringen. Im gefährlichsten Augenblick erinnerte man sich daran, daß das Luftmeer ja nach allen Seiten hin freilag. Daher richtete man zunächst Erkundungsflüge über den Verbleib und den Einschlußort der Schiffe ein, der durch die schwierigen und gefährlichen Aufklärungsflüge unserer tapferen Piloten, die furchtbar unter der strengen Kälte zu leiden hatten, zur allgemeinen Befriedigung gelöst wurde; denn trotz Nebel und Schneetreiben gelang es diesen Helfern in der Not, alle gefährlich werdenden Positionen der bedrohten Handelsdampfer nicht nur zu finden, sondern auch durch Lebensmittelabwürfe mit Fallschirmen durch die bitterste Zeit zu bringen. Dann wurden funkentelegraphisch die eingesetzten Eisbrecher und Linienschiffe an die bedrohten Punkte beordert. Weitere Nothilfe vom Flugzeug wurde auch den Alpenschutzhütten gebracht und Feuerung und Lebensrnittel mit Fallschirm von den Piloten abgeworfen. Dabei stellte sich dann auch heraus, daß das Flugzeug viel mehr Material auf die Berge schaffen konnte, als sonst in 500 Trägertagen herangebracht werden konnte. Sogar Bergsteiger konnten in größter Gefahr gerettet werden. Erinnert fei an die Alpenflüge des französischen Piloten T h o r e t, der auf einem Fluge einen Alpinisten in äußerster Not bemerkte. Der Flieger kehrte sofort um, ließ auf der unteren Fläche feines Flugzeuges eine Warnung, sich nicht vom Platze zu rühren, anbringen und überflog damit in Leseweite den Verstiegenen nochmals. Inzwischen waren Führerkolonnen schon auf dem Wege, die den Alpinisten mit seinem schwerverletzten Begleiter retten konnten. Auch in der Wüste bei Bagdad konnte ein englisches Flugzeug eine Pilgerkolonne retten, die sich dort verirrt hatte. Und ein Dornier-Wal brachte einer in der Ostsee gekenterten Segeljacht im letzten Augenblick Hilfe. Auch als Feuermelder in der Großstadt, bei Waldbränden in Amerika hat sich das Flugzeug bewährt, obgleich diese Hilfe meist Zufall genannt werden dürfte. Dennoch hat besonders Amerika einen riesigen Organisationsdienst von Flugzeugen gebildet, der regelmäßig die gewaltigen Forstgebiete überfliegt, um jedes Feuer im Entstehen zu melden, gleichzeitg dienen diese Flugzeuge dann auch dazu, den ausrückenden und umzingelnden Bekämpfungsmannschaften aus ihrer Luftwarte entsprechende Befehle und Anordnungen zu erteilen. So auch bei immer dort auftretenden Hochwassergefahren. Dann warnen diese schnellen Boten die bedrohten Gebiete, so daß die dort wohnenden Menschen rechtzeitig fliehen können. Aber selbst die Vermessungsbehö/hen bedienen in zirka 70 Minuten zurück. Man nahm den Pa- tienten an Bord und brachte ihn ebenso schnell ms Hospital zurück, wo eine Bluttransfusion ihn vor dem sicheren Tode rettete. Auf der abgelegenen Cock-Jnsel, 115 Meilen von Anchorage m Alaska, hatte sich eine Lehrerin des Dorfes beim Gewehr- reinigen verletzt. Hilfe war nich taufzutreiben, deshalb fetzte man sich drahtlos mit Anchorage m Verbindung. Mit einem Arzt an Bord landete das mit Schneekufen ausgeftättete Flugzeug. Die Verletzte konnte durch die chnelle Hilfe gerettet werden. — Eine ähnliche Rettungstat vollbrachte ein Norderneyer Flieger. Ein Einwohner von Neuwerk war an einer Blinddarmentzund un g erkrankt. Telephonisch verständigte man einen Wilhelmshavener Arzt, der infolge heftigen Sturms die Insel auf dem gewöhnlichen Wege nicht erreichen konnte. Der Arzt ließ sich den Norderneyer Flieger kommen, der ihn dann nach Neuwerk brachte. Dort verlies die Operation gut, und der Arzt wurde vom selben Flugzeug zurückgebracht. Der ganze Flug hatte trotz des heftigen Sturmes nur drei Stunden in Anspruch genommen. In Gegenden, die riesige Entfernungen aufweifen, ist man vielfach in solcher Beziehung besser organisiert als bei uns. In Australien ist em besonderer ärztlicher Luftdienst eingerichtet worden: Zunächst wurden sechs Plätze mit je einem Arzt, Unfallstation, Flugzeug, Tankanlage und Funkgerät ausgerüstet. Ist die Operation aber nicht an Ort und Stelle auszuführen, dann wird der Kranke in besonders hierfür eingerichtete Flugzeug gebettet und in das nächste Krankenhaus gebracht. Auch die Auslandsmission der presbyterianischen Kirche hat eine Luftamb ulanz für die Farmer eingerichtet. Jedes ihrer Flugzeuge ist aufs Modernste eingerichtet und bringt außer dem Arzt auch noch eine Krankenschwester mit. Ebenso hat das italienische Rote Kreuz Krankenflugzeuge deutscher Konstruktion in Dienst gestellt. Besondere Bedeutung hat das Flugzeug aber, wenn irgendwo eine Epidemie ausbricht, wie z. B. 1927 in den östlichen Provinzen Persiens, wo eine Choleraseuche in erschreckendem Maße um sich griff. Dort wurden riesige Mengen Impfstoff mit einem Flugzeug der Deutschen Luft- Hansa von Frankfurt a. M. über Moskau und Teheran befördert, und zwar innerhalb drei Tagen. Die Rettungsexpedition des amerikanischen Flie- gers Bennet, der feine deutschen und feine englischen Kameraden von Greenly Island abholen wollte, sowie die Expedition des russischen Fliegers Tschuchnowski, der die versprengte Gruppe der Nobile-Expedition rettete, sind noch im Gedächtnis aller. Finanzielle Lufthilfe ist der F l u g z e u g t r a n s- port von Banknoten in Amerika zu nennen. Durch anonyme Briefe wurde einmal vor dem Zu- fammenbrud) einer großen Bank gewarnt. So entstand ein Sturm auf die lokalen Banken, deren Lage noch verschärft wurde, da die Großbank ihre Guthaben zwecks Auszahlung zurückziehen mußte. Hilfe brachte auch hier das Flugzeug, mit dem von Miami her an die sieben Millionen Dollar herangeschafft wurden, um die Auszahlungen zu ermöglichen. sich in neuester Zeit der Flugzeuge, um Landkarten photographisch aufnehmen zu lassen, weil ja von oben eine besonders gute Übersicht geboten wird. Durch eine technisch einwandfreie Manipulation werden dann die so geschaffenen Einzelphotos aneinandergelegt und man kann schnell und genauer noch als früher von kaum oder gar nicht zu durchquerenden Gebieten exakte Vermessungskarten schaffen. In den letzten Jahren wurden Flugzeuge zur Schädlingsbekämpfung über riesige Waldgebiete eingesetzt. Der Kampf richtete sich hier besonders gegen die F o r l e u l e , die neuerlich einmal große Bezirke deutschen Waldbestandes bedrohte. Knapp über den Baumkronen des bedrohten Waldes glitten die Flugzeuge dahin und streuten über die verseuchten Gebiete das chemische Bekämpfungsmittel. Vielfach wurde auch der Waldbestand in dieser Art vergast, um so die Schädlinge zu vernichten. In Rußland, Kleinasien und Palästina werden derart die Heuschreckenschwärme bekämpft. Wo hunderttausend Menschen ehemals erfolglos gegen diese biblische Plage werkten, gelang einem Flugzeuggeschwader dieser Abwehrkampf rest- 'los. Neuerdings geht man in Kanada dazu über, die unübersehbaren Weizenfelder^ vom Flugzeug aus mit chemischen Mitteln zu düngen oder diese Felder zu besäen. Ein großes Gebiet umfaßt heute der Krankentransport und die Zubringung von Heilmitteln: In Defterfunb (Nordschweden) wurde eine Person, die an blutenden Magengeschwüren litt, nur durch Einsatz eines Flugzeuges gerettet. Ein mit zwei Militärfliegern bemanntes Flugzeug wurde dorthin geschickt und legte die 200 Kilometer lange Strecke Oer Bergbau au Lahn, Oill und Oberheffen. von der Arbeitsbeschaffung zur Bedarfsdeckung. Die gute Beschäftigung im Bergbau an Lahn, Dill uno in Oberheffen hat angehalten. Die Bergbautreibenden wollen neue, bisher ungenutzte Lagerstätten der Abbaumöglichkeit nunmehr zuführen. Die Nachfrage nach Eisenerzen wirkt sich fetzt so aus, daß nicht mehr die von Regierungsseite herbeigeführte Beschäftigung die Grundlage im Bergbau bildet, sondern daß er bereits in die allgemeine Bedarfsdeckung eingeschaltet ist. Man könne bestimmt damit rechnen, daß diese Verschiebung von der Arbeitsbeschaffung zur Bedarfsdeckung den wirksamsten Ansporn zur Vermehrung der Fördermöglichkeiten bietet. Verschiedene Versuche zur Verarbeitung armer Eisenerze sind abgeschlossen. Die auf völlig neue Grundlage gestellten Verfahren berechtigen, wie der Lagebericht der Rhein-Maini- schen Handelskammer vermerkt, zu der Hoffnung, in absehbarer Zeit die in reichem Maße vorhandenen ärmeren Eisenerze einer zweckmäßigen Verwendung zuzuführen, ohne dabei die Wirtschaftlichkeit bei der Verhüttung zu beeinflussen. Frankfurter Börse. rNiltagsbörfe: beruhigt. Frankfurt a. M., 6. Nov. Nach den gestrigen, zum Teil recht erheblichen Abschwächungen zeigte die heutige Börse allgemein eine Beruhigung. Die englische Auffassung in der Saarfrage war hierbei von wesentlichem Einfluß, sie bewirkte vor allem I ein fast völliges Aufhören der Verkäufe. Obwohl munal-Umschuldung plus 0,25 bis 0,50 v. H., Spate Reichsschuldbuchsorderungen und Reichsmark-An- leihen lagen eine Nuance freundlicher, auch für Wiederaufbauzuschläge zeigte sich etwas Nachfrage. 6proz. Stahlverein-Bonos lagen noch 0,25 v. H. niedriger. Im Verlaufe war die Haltung bei sehr kleinen Umsätzen nicht ganz einheitlich. Es schien, als ob am Kassamarkt noch einiges Angebot vorläge, was auf den Stoßverkehr zum Teil wirkte, so daß die Anfangskurse bei einigen Werten wieder etwas nachgaben, so u. a. bei Farbenindustrie auf 135,50. Schiffahrtswerte und am Montanmarkt Mannesmann waren nochmals bis 0,50 v. H. fester. Rhein. Braunkohlen kamen heute mit 210,50 (am Samstag 217,50) zur Notiz. Höher notiert wurden AG. für Verkehrswesen (plus 2 v. H.), Licht und Straft (plus 1 v. H.). | Am variablen Rentenmarkt lagen die Kurse eher noch etwas fester, dagegen lag am Kaffarentenmarkt für Pfandbriefe und die meisten Stadtanleihen Angebot vor, so daß Rückgänge um 0,50 bzw. 0,50 big 1 v. H. eintraten. Im Freiverkehr waren Amnestie- anleihe zu 112 gesucht, auch Städte-Altbesitz zeigten eine Erhöhung um etwa 0,50 bis 1 v. H. Von fremden Werten gaben Mexikaner bis zu 0,75 v. H. nach. Tagesgeld war zu 3 v. H. weiter etwas leichter. Abendbörse: gut behauptet. An der Abendbörse machte die im Mittagsverkehr eingetretene Beruhigung weitere Fortschritte. Obwohl nennenswerte Kundenorders nicht vorlagen und auch die Kulisse sich reserviert verhielt, ergaben sich gegen den Berliner Schluß überwiegend weitere Erholungen um durchschnittlich 0,25 bis 0,50 v. H. Farbenindustrie waren etwas gefragt und bis auf 136,40 (135,75) erhöht und Gebr. Junghans gewannen 1 v. H. Am Kaffamarkt zogen Grün & Bilj finger um 2 v. H. auf 213 v. H. an. Der Rentenmarkt lag demgegenüber sehr still und vernachlässigt, die Kurse erfuhren kaum eine Aende- rung. Don Auslandswerten lagen vierprozentige Schweizer Bundesbahn von 1912 mit 179 um 3 o. H. fester. Es notierten u. a.: Altbesitzanleihe 102,65, 6 v. H. Stahlverein 79,25, 6 v. H. Stadt Mainz von 1928 84,50, 5,5 v. H. Frankfurter Hypotheken-Bank-Liqui- bation 93,40, Braubank 112, Reichsbank 140,50, Buderus 84, Gelsenkirchen 59,50, Harpener 105,25, Klöckner 73, Mannesmann 74, Rheinftahl 87,75, Stahlverein 39,25, AKU. 58,75, AEG. 26,75, Bekula 140,13, Daimler 46,75, Scheideanftalt 207,50, Licht und Kraft 115, JG.-Farben 136 bis 136,40, Goldschmidt 90, Holzmann 77,50, Metallgesellschaft 82,50, Schlickert 92,25, Siemens 135, Westdeutsche Kaufhof 31, AG. für Verkehrswesen 77,13, Hapag 28, Norddeutscher Lloyd 30,25. Bindermarkt in Gießen. Auf dem gestrigen Rinder-Nutzviehmarkt in Gießen standen 854 Stück Großvieh, 211 Fresser und 200 Kälber zum Verkauf. Es kosteten: Milchkühe oder hochtragende Kühe 1. Qualität 320 bis 420 Mark, 2. Qualität 210 bis 270, 3. Qualität 100 bis 160. Schlachtkühe a) 160 bis 300, b) 50 bis 100. Rinder V-- bis V^jährig 50 bis 85, bis zweijährig 80 bis 160, tragend 180 bis 330 Mark. Kälber das Pfund Lebendgewicht 25 bis 38 Pf. Marktverlauf: Beginn des Marktes lebhaft, später abflauend, kleiner Ueberstand. Jranffurfer Obst- und (Bemüfemartt Frankfurt a. M., 6. Nov. Für Gemüse war die Gesamtzufuhr reichlich, insbesondere für Eskarol, Wirsing und Weißkraut. Gefragt blieben lediglich Rosenkohl, schöner Kopfsalat und schöne Tomaten. Im übrigen war das Geschäft zufrieden- stellend. Für Rosenkohl, Rotkraut, Zwiebeln und Treibhaustomaten zogen die Preise an. Es notierten: Blumenkohl 15 bis 45, Eskarol 3 bis 8, Feldsalat, groß 20 bis 25, klein 50 bis 60, Gewürzel, großes Bündel, 20 bis 35, Karotten 3 bis 5, Kar- toffeln, gelbe, 50 Kilo 3,40 bis 3,60, Kopfsalat 4 bis 10, Meerrettich 22 bis 28, Rettich 4 bis 10, Ao- mischkohl 4 bis 6, Rosenkohl 16 bis 20, Rote Rüben 3 bis 4, Rotkraut 5 bis 7, Spinat 5 bis 6, Schwarzwurzel 12 bis 18, Tomaten (Freiland) 15 bis 25, dieselben (Treibhaus) 30 bis 35, Weißkraut einschl. Filterkraut 3 bis 4, Wirsing 3 bis 4, Zwiebeln 6,5. Am O d st m a r k t war starkes Angebot von Aep- fetn und ausländischen Nüssen, auch Birnen und Trauben waren ausreichend offeriert. Die Preise erfuhren gegen die Vorwoche kaum eine Aenderung. Während in' Aepfeln das Geschäft langsam war, gestaltete es sich im übrigen etwas lebhafter. Es notierten: Aepfell 12 bis 15, II 8 bis 10, Wirtschaftsäpfel 6 bis 8, Goldparmänen I 12 bis 15, Boskop! 12 bis 14, Schafsnasen 6 bis 8, Birnen I 12 bis 15, II 8 bis 10, Kochbirnen 4 bis 5, Mollebusch 13 bis la, Haselnüsse 34 bis 40, Kastanien 10 bis 12, Maronen 11 bis 16, Preiselbeeren 22 bis 25, Quitten 18, Trauben 40 bis 50 holl., 27 bis 32 span., Walnüsse 25 bis 30, dieselben, ital., 30 bis 40, 34 bis 35 rumän., 48 bis 40 französische. seitens der Kundschaft nennenswerte Rückkäufe noch nicht erfolgten und daher das absolute Ausmaß der Umsatztätigkeit sehr klein war, zeigten die meisten Marktgebiete gegenüber der gestrigen Abendbörse eine, wenn auch nur mäßige Erholung. Das Hauptgeschäft beschränkte sich zunächst auf Deckungen der Kulisse, teilweise nahm sie auf der ermäßigten Basis auch einige Meinungskäufe vor. Am Montanmarkt schien einige Publikumsnachfrage vorhanden zu fein, denn hier war das Geschäft für manche Werte etwas lebhafter. Gesucht waren besonders Mannesmann (plus 1 v. H., Phönix und Rheinstahl sowie Gelsenkirchen mit je plus 0,75 v. H., daneben waren Klöcknerwerke 0,50 v. H. höher. Nur Harpener setzten noch 0,50 v. H. leichter ein. Am Chemiemarkt konnten sich Farbenindustrie zunächst um 0,65 v. H. auf 135,50 und später bis auf 136,25 erholen, auch Deutsche Erdöl und Metallgesellschaft lagen je 0,50 o. H. gebessert, während in 'Scheideanstalt (—0.50 v. H.) noch kleines Angebot vorlag. Arn Elektromarkt waren vor allem Schuckert mit plus 1,50 v. H. erhöht, im übrigen blieben die gestrigen Kurse gut behauptet. Gut erholt waren außerdem Kunstseide Aku mit plus 1,40 v. H., Daimler mit plus 1 v. H., leicht befestigt waren auch Schiffahrtswerte, Hapag und Nordd. Lloyd je plus 0,25 v. H. Von sonstigen Werten lagen Südd. Zucker um 1,50 v. H. fester. Als schwächer sind noch Reichsbank (—1,13 o. H.), Bank für Brauindustrie (— 1 v. H.) und Bemberg (—1,25 v. H.) zu erwähnen. Der Rentenmarkt war gleichfalls etwas fester, das Geschäft nahm allerdings auch nur kleinen Umfang an. Altbesitzanleihe 102,40 (102), Kom- Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Di- hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Hohe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v. H., lyrannuri a. «ul Bern.» Schluß» kurs Schluß!. Abend- börse Schluß, kurs Schlußk. Mistag- börsc Datum 5-11. 6.11. 5-11. 6.11. 6% Deutsche Reichsanleihe v. 1927 96 96 96,25 96,4 6% efjem.7% Tt.Reichsanl.v.1929 6y2% Doung-Anleihe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit AuSlos.-Rechten ............. —- — 95 94,25 94,4 94 102 102,65 101,7 102,65 Desgl. ohne Auslos.-Rechte...... — — 6% etjeni.8% Hess. Volksstaat 1929 (rückzahlb. 102%)............ 96 95,75 95-75 95,75 6% Hess. Landesbank Darmstadt Golo R. 12.................. 93 93 93 5*/2% Hess. Landes-Hypothekenbank Darmstadt Liaui......... 92,9 92,75 _ Oberhessen Provinz-Anleihe mit Auslos.-Rechten ............. — Deutsche Komm. Sammelabl. Anleihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten 100,5 100,5 100.75 100,75 6% ehem. 8% Franks. Hyp.-Bank Goldpse. 15 unkündbar bis 1935 93 92,75 _ 6% ehem. 7% Franks. Hyp.-Bank Goldpse. 16 unkündbar bis 1936 93 92,75 _ 92,75 6Vi% ehem. 4*/,% Franks. Hyp.- Bank-Liqu.-Psandbriefe....... 93,25 93,4 _ 6VZ% ehem. 4/,% Rheinische Hyp.-Bank-Liyu.-Goldpfe..... 93,5 93,75 93,25 93,25 6% ehem. 8% Pr. Landespfandbriefanstalt, Pfandbriefe R. 19 94,75 94,75 94-75 94,75 6% ehem. 7% Pr. Landespfand, briefanstalt, Pfandbriefe R. 10 Steuergutsch. Verrechnungskurs 102.5 102,25 102,5 102,2 4% Oesterreichische Goldrente.... 29 _ 28,75 27,75 4,20% Oesterreichische Silberrente 1,15 1,15 1,2 1,3 4% Ungarische Goldrente ....... 7,5 — 7,7 7,7 4% Ungarische Staalsrente v. 1910 —— 7,15 7.3 7,2 7,15 *y2% desgl. von 1913.......... 7,13 7,1 7,25 6% abgest. Goldmexikaner von 99 12,9 12,75 4% Türkische Zollanleihe von 1911 — — — — 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe Serie I..................... 8 8 8,3 — .vrantiun a. DI. Äerlin Schlußkurs Schlußk. Abendbörse Schlußkurs Schlußk. Mittag- börse Datum 5-11- 6-11. 5-11. | 6.1b 4% desgl. Serie 11 ............. 8 8 8 — 5% Rumän. veretnh. Rente v. 1903 4,4 4,5 4,25 — 4^%Ruman.vereinh.Rentev.l913 6,6 6,6 6,75 6,95 4% Rumänische vereinh. Rente .. 4,05 4,05 4 4,05 2%% Anatolier ............... 33,65 33,5 33,5 33,5 Hamburg-Amerika-Paket .....0 27 28 26,75 27,9 Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 —- — 24 24,75 Hansa-Dampfschifs........... 0 —— — — — Norddeutscher Lloyd ......... 0 29-25 30,25 29,65 30,5 A G. für Verkehrswesen Ml. .. 0 74,5 77,13 75,5 76,75 Berliner Handelsgesellschaft ... 4 95,75 95,25 95,5 95,5 Commerz- und Privat-Bank ... 0 Deutsche Bank und Dieconto- 63,5 68,5 68,5 68,25 Gesellschaft................o 71,5 71 71,5 71 Dresdner Bank........... n 73.75 72,75 73,75 72,75 Reichsbank ..... 12 142 140,5 142 140,13 A.E.G..................... 0 26 26,75 25,9 26,65 Bekula................. 0 Elektr. Lieferungsgesellschaft''' 6 139,75 140,13 140 140 99 98 97 98,75 Licht und Kraft ........... g 114 115 114 114,65 Felten & Guilleaume.........0 73,4 73 73,25 «^"-A^ektr-Unternehmung. 5 Rheinische Elektrizität .......u & 107,75 108,25 107,75 99 108 99 Schuckert SEo........... 5 - 92,25 91-25 92,25 Siemens« Halske.........t, 7 136,65 135 135 134,5 Lahmeyer L Co............ 16 118 118 118 116,5 Buderus ................. n 83 84 82,13 84,5 Deutsche Erdöl.............. 4 101,25 102 101 102,4 Gelsenkirchener..............ö 58,25 59,5 58-4 59,4 Harpener.................... 104,5 105,25 102.5 105,4 Hoesch Eisen—Köln-Neuessen .. 6 73,13 75 Ilse Bergbau ............... 6 — 140,5 140,25 Ilse Bergbau Genüsse........e 116,25 117 117 Klöcknerwerke ...............0 71,9 73 71,4 72,5 Mannesmann-Röhren........ 0 71,9 74 72,25 73,75 Frankfurt a.M. Berlin Schlußkurs Schlußk. Abendbörse Schlußkurs Schlußk. Mntag- börle Datum 5-11- | 6-11. 5.11. 6-11. Manöfelder Bergbau....... .. 0 76,9 76,25 75,25 76,75 Kokswerke................ .. 0 — — 92,25 93 Phönix Bergbau........... .. 0 45,5 46,25 45,75 46,4 Rheinische Braunkohlen .... 10 —— 210,5 211 211 Rheinstahl ................ .. 0 86,5 87,75 86,65 87,75 Bereinigte Stahlwerke...... .. 0 38,5 39,25 38 39,4 Otavi Minen ............. .. 0 12,5 12,25 12 12 Kaliwerke Aschersleben...... .. 5 111 110 109,5 Kaliwerke Westeregeln ...... .. b 110 109 110 109,25 Kaliwerke Salzdetfurth..... 154 152 154 152 I. ®. Farben-Jndustrie..... .. 7 134,65 136,4 135,13 135,75 Scheideanstalt............. .. V 208 207,5 — Goldschmidt .............. .. O 86 90 87 89,65 Rütgerswerke............. .. 0 37,75 37-5 95,5 94,5 Metallgesellschaft........... .. 0 82 82,5 83 82,5 Philipp Holzmann......... .. 0 75 77,5 75,5 77,25 Zementwerk Heidelberg .... Cementwerk Karlstadt....... .. 0 .. 0 110,5 133 Schultheis Patzenhofer ..... .. 0 _ _ 106,75 107,75 Aku (Allgemeine Kunstseide) .. 0 57 58,75 58,4 58,25 Bemberg................. .. 0 133,5 132,25 134 132 Zellstoff Waldhos.......... .. 0 46,25 46,75 45 45,75 Zellstoff Aschaffenburg ..... .. 0 61,5 61,5 60 62 Dessauer Gas ............. 7 — 117 118,75 Daimler Motoren.......... .. 0 45,5 46,75 45,75 46,75 Deutsche Linoleum......... .. 0 58,25 58,65 57,9 58,5 Orenstein & Koppel........ .. 0 85,5 87,5 Leonhard Tietz............ .. 0 29,75 31 29,5 30,75 Chade .................... ..IC 213 213,5 211 209,5 Aeeumulatoren-Fabrü...... .. 0 163 163 161 Conti-Gummi............. .. c 130,5 131,75 131 131,9 Gritzner.................. .. 0 I 29,9 28,4 1 29,65 1 28,65 Mainkraftwerke Höchst a.M. .. 4 1 83 83 Süddeutscher Zucker....... .. 8 1 186,5 188 I 187 1 1 L Lombardzinsfuß 5 v. H. _ Devisenmarkt Berlin — Frankfurt 0.211. _ 5.November 6-November___ Amtliche Notierung fibeic- | 23rie‘ Amtliche Notierung Geld | yric Buenos Airei Brüssel ..... Rio de Jan. Sofia...... Kopenhagen. Danzig..... London ..... Helsingfors.. Paris ...... Holland .... Italien..... Japan ...... Jugoslawien Oslo..... : 0,641 58,17 0,204 3,047 55,38 81,12 12,405 5,475 16,38 168,15 21,30 0,723' 5,694 62,32 48,95 11,26 63,96 80,92 33,97 10,375 2,488 0,645 58,29 0,206 3,053 55,50 81,28 12,435 5,485 16,42 168,49 21,34 0,725 5,706 62,44 49,05 11,28 64,08 81,08 34,03 10,395 2,492 Banknoten 0,637 58,17 0,204 3,047 55,38 81,16 12,405 5,475 16,38 168,15 21,30 0,723 5,694 62,32 48,95 11,26 63,96 80,95 34,00 10,375 2,488 0,641 58,29 0,286 3,053 55.50 11-32 12-435 5,485 1642 16849 21-34 0,725 5,706 62,44 49,05 11-28 64,08 8141 34,06 10-390 2,492 Lissabon.... Stockholm... Schweiz .... Spanien.... Prag....... Budapest ... Neuyork... Berlin,6.November Geld Zrtei ____ Amerikanyche Noten.............. Belgische Noten.................. Dänische Noten ................. Englische Noten ................. Französische Noten............... Holländische Noten............... Italienische Noten................ Norwegische Noten .............. Deutsch Oesterreich, ä 1OO Schilling Rumänische Noten............... Schwedische Noten............... Schweizer Noten................. Spanische Noten................. Ungarische Sloten................ 2,44 57,91 55,23 12,37 16,34 167,73 21,08 62,16 63,79 80,77 33-86 246 58,15 55,45 12,41 16,40 168,41 21,16 6240 64,05 81,09 34,06 llr. 261 Zweiter Blatt GietzenerAnzetger tGeneral-Anzetgel für Gberhefsen) Mittwoch, 7. November 1934 Aus der Provinzialhauptftadt. Abschied vom Garten. Die' Tage des Abschieds vom Garten sind nun gekommen. Wie wurde noch in den letzten Wochen gearbeitet auf den kleinen Landstückchen, in den Siedlergärten. Die Ernte mußte geborgen werden. Kleine Handwagen, hochbeladen, rollten ununterbrochen von den Gärten zur Wohnung. Jeder schwere Kohlkopf, jede schone walzenförmige Karotte wird liebevoll in der Hand gehalten. Der Blumenkohl ist noch schwach. Er wird im Keller in Wasser gestellt und erholt sich noch. Die letzten grünen Tomaten werden eingemacht. Das Schönste aber, die bunten Löwenmäuler, Dahlien und Astern geben einen dicken Strauß. Er wird noch lange vor der Gartenpracht erzählen, denn alle Herbstblumen halten sich ja recht gut in einem kühlen Zimmer. Die mütterliche Erde wurde umgegraben und liegt nun mit ihren braunen, glänzenden Schollen da und wartet auf den Winter, der mithilft, daß sie im nächsten Frühjahr wieder bereit ist. Die ersten kalten Nächte kommen. Die Dahlien! wurden plötzlich schwarz, und alles, was gestern noch grün dastand, verliert seine Farbe. Auch den ersten Schnee haben wir schon gesehen. Wir rüsten zum letzten Gang in den Garten, legen die Rosen in die Erde, schneiden die Dahlien ab und bergen die Knollen im Keller, graben noch die letzten Streifen des Landes um und stehen dann an der Tür des Gärtchens. So rasch können wir doch nicht weggehen. Wir müssen noch einmal dieses Plätzchen überschauen, das während des ganzen Jahres Trost und Freude war. Dort spielten liie Kinder, sie hatten ihr eigenes Beet, da standen lie Blumen Daneben das Gemüse, auch einige Reihen Frühkartoffeln. Wie oft haben wir hier in den Sommermonaten geweilt und mit der Gießkanne geholfen, daß die Pflanzen nicht welkten! Aber auch wie oft haben wir mit lachenden Augen Körbe voll Gemüse, Suppengrün, Tomaten und «Erbsen der Mutter heimgebracht. Mit den Nachbarn haben wir geplaudert, haben zusammen auf dem selbstgezimmerten Bänkchen gesessen und uns mm Sonnenuntergang gefreut Welcher Segen ging von diesem Gärtchen aus. Mit Stolz und Freude haben wir geerntet und die Ergebnisse unfern Nachbarn gezeigt. Nun müssen wir Abschied nehmen vom Garten. Er will jetzt auch ruhen und neue Kräfte sammeln ifür das nächste Jahr. Bald wird eine weiße Decke alles verhüllen. Aber auch der Winter wird ver- igehen, und ein neues Frühjahr wird einziehen. Dann kommen wir wieder Und deshalb sagen wir jjetzt: Auf frohes Wiedersehen! P O e Reichsbahn verbilligt die Weihnachtsreise. Die Deutsche Reichsbahn gibt auch in diesem Jahre zu Weihnachten Festtagsrückfahrkarten mit verlängerter Geltungsdauer aus. Die Karten gelten .ur Hin- und Rückfahrt an allen Tagen vom !!1. Dezember, 12 Uhr, bis 2 Januar 1935 Abschluß der Rückreise spätestens 24 Uhr). Sie werden zum Preise der um 33'/» v. H. ermäßigten Sonntagsrückfahrkarten in allen Verbindungen aus- : egeben, für die Fahrkarten des gewöhnlichen Ver- igehrs ausgegeben werden können. Die bisherigen Zahpreisermäßigungen für Kinderreiche gelten auch ur die Festtagsrückfahrkarten. Der Vorverkauf be- innt jeweils zehn Tage vor der Abreise, frühestens : lso am 11. Dezember, 12 Uhr. Das gleiche gilt für !ien Vorverkauf von Platzkarten für Ö=, PO-, FFD= . nd P-Züge, bei deren Benutzung im übrigen —' Ebenso wie bei der der Eilzüge — die tarifmäßigen Anschläge zu zahlen sind. Die Arbeiterrückfahrkarten | Hans Thoma iumGedächtnis inDankbarkett Zum 10. Todestage des deutschen Malers. Von Friedrich Germer, Großen-Linden. „Heute vormittag entschlief sanft Hans Thoma. 4m Sinne des Verstorbenen findet die Beisetzung m aller Stille statt." So lautete die Anzeige, mit Ker Agathe Thoma am 7. November 1924 von :«em Heimgang ihres geliebten Bruders Kunde gab. Sie kam überraschend, denn zwei Wochen zuvor noch halle der Meister eine Karte geschickt, auch die Unschrift noch eigenhändig geschrieben, da er sich Isedankt für die Glückwünsche zu seinem Geburts- ing am 2. Oktober; er war 85 Jahre alt geworden. 5oie Karte zeigte das bekannte Bild des Drachen- topfes, in dessen aufgesperrtem Rachen ein Engels- linb friedlich auf einem kleinen Trompetchen bläst, darunter die Verse m Druck: - Vom Rätselrachen der Welt umfangen Sitzt die arme Menschenseele in Fürchten und Bangen, Das Ungeheuer kann sie ja plötzlich verschlingen Und möchte doch jede ihr fröhliches Lebenslied fingen. fiie Worte sind wredergegeben in der Künstlerschrift Ioans Thomas, die jedes von ihm beschriebene Blatt 311 einem Bilde werden lassen. Daß die Last der Jahre den Greis schon seit Lmgem bedrückte, war bekannt. Schon im Herbst 1921 entschuldigte er gelegentlich die Kürze seines Lxhreibens mit der Bemerkung: „Meine Hinfällia- küt nötigt mich auf dem Liegestuhl die vielen Briefe tom 2. Oktober zu beantworten". Bezeichnend ist e für die herzliche Güte des Menschen Hans ^homa, daß er doch keinen, der seiner teilnehmend ci-bacht, die persönlich geschriebene Antwort schuldig t-eiben wollte. . Schon einmal war der Tod dem Meister ganz rahe gewesen, körperlich nahe, im Jahre 1913. Er hreibt davon: „Der für mich und meine Schwester lebensgefährliche Einsturz einer Zimmerdecke am 2.5. Juli, nachts 11 Uhr — es hat sich um Sekunden cl'handelt, daß wir dem Tod entgangen sind —, Hut uns wohnungslos gemacht, da die ganze Woh- niimg baufällig war und eine Reparatur erfordert, dT vier Monate in Anspruch nimmt. Im November narben wir wohl wieder einziehen können. — Nun | Adolf Hitler schloß Frau Harth den anregend verlaufenen Abend. Amt für Dolkswohtfahrt, Ortsaruppe Gießen-Süd. Zu ber am Donnerstag, 8. November, nachmittags 3 Uhr im Cafö Leib stattfindenden Vorführung der „TiU-EulenspiegelBühne, Berlin" zugunsten des Winterhilfswerks werden alle NSV.- Mitglieder und Volksgenossen der Ortsgruppe ein- geladen. An alte Mitglieder der NS -Volkswohlfahrt. Auf die am Donnerstag, 8. November, nach- mittags 3 Uhr im Cafe Leib, Walltorstraße, zugunsten des Winterhilfswerks stattfindende Vorführung ber Till-Eulenspieget-Bühne, Berlin, wird verwiesen. Es ist erwünscht, daß die Mitglieder der NS.-Dolkswohlfahrt an ber Veranstaltung teilnehmen. Näheres siehe Plakate. Preise ber Plätze: 30, 50 unb 80 Pf. (Erwachsene 20 Pf. Zuschlag). Amt für Volkswohlfahrt, Ortsgruppe Gießen-Nord. An die NSV.-Mitgtieder der Ortsgruppe Gießen-Ost. Donnerstag, 8. November, 15 Uhr, finbet zum Besten ber Winterhilfe im Cafe Leib, Walltorstraße, eine Vorführung ber Till-Eulenfpiegel- Bühne aus Berlin statt, beren Besuch im Hinblick auf den Zweck wärmstens empfohlen wird. Schneider, Ortsgruppenamtsleiter. RGLB., Kreis Gießen. Fachschaft „körperliche Erziehung". 1. Tagung der Arbeitsgemeinschaft Lich: Jeden ersten und dritten Mittwoch im Monat von 15 bis 16.30 Uhr in der Turnhalle zu Lich. Erste Turnstunde Mittwoch, 7. November. 2. Tagung der Arbeitsgemeinschaft Londorf: Jeden ersten und Dritten Mittwoch im Monat von 14 bis 16 Uhr in der Volkshalle zu Londorf, beginnend am 7. November. In beiden Arbeitsgemeinschaften ist der Besuch der Turnstunden am ersten Mittwoch Pflicht, am dritten Mittwoch freiwillig. Eine Abgrenzung ber Bezirke ist nicht vorgenommen worben. 3. Vom 29. Dezember 1934 bis 26. Januar 1935 Gelänbesportlehrgang mit ber Möglichkeit, ben Lehrschein für bas SA.-Sport-Abzeichen zu erwerben. Melbung unter Angabe von Namen, Anschrift, SA.-Verbanb, SA.-Dienstgrab bis zum 12. November 1934. Urlaub muß bis bahin von ber vorgesetzten Dienststelle genehmigt sein. Melbung für ben Lehrgang an W. Mohr, Gießen, Wilson» straße 8. NG.-Gemeinschafl^Krafl durch Freude" Eröffnung des Deutschen Volksbildungswerkes In der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude". Soeben ist ber erste Arbeitsplan bes Deutschen Volksbilbungswerkes ber NS -G. „Kraft burch Freube" für bas 1. Winterhalbjahr 1934/35 erschienen. Dieses neue Amt innerhalb der NS.-G. „Kraft durch Freude" hat die Aufgabe, die gesamte Volksbildungsarbeit zu betreuen und den Volksgenossen der verschiedenen Berufe und Lebensalter auf den verschiedensten Wissens- und Lebensgebieten die Möglichkeit zu geben, eine zusätzliche Allgemeinbildung zu erwerben. Es stellt die Erziehung des deutschen Menschen zum Nationalsozialismus bewußt in den Mittelpunkt seiner Arbeit. Die rein das Menschheitswunder, welches Ihnen zu Theil geworden ist, eine rechte Freudenquelle sein und bleiben. — Möge bas Johannesle, wenn es groß ist, ein rechter ,Hanb im Glück' sein. — Die Zu- friebenheit, ber biefes schone Mährchen Ausbruck gibt, ist schließlich boch unser bester Theil. unb so ein Hans im Glück sieht alles, was er verliert, als eine Last an, von ber er erleichtert ist. — Das macht ihn froh, unb er ist bei allen Verlusten boch ber Gewinnenbe. Der Name Hans hat ja überhaupt etwas, was zu einer Art von fröhlichem guten Leichtsinn hindeutet, und er fast das Gegenteil von dem ernsten, fast feierlichen Johannes. —' Wenn nun Johannes und Hans zur rechten Stunde zu wechseln wissen, so denke ich, daß sie gut durch das Leben fahren werden. Gottes Schutz und Segen zur Fahrt!" Wer Hans Thomas Wesen und Leben kennt, weiß, hier schreibt er auf Grund feiner Lebenserfahrung und Lebensweisheit, und zugleich spricht hier der Mann, der für das Wunder, das Kind heißt, Bilder geschaffen unb Worte gefunben hat, daß ich nicht wüßte, wer ihm in Kunst unb Literatur barin- gleich käme. So mibmet ber Siebzigjährige sein Buch „Im Herbst des Lebens", da er den letzten Fragen über Leben und Tod, Kunst und Religion nachsinnt, seinem Enkelkindchen, „dem lieben Elisabethlein in seinem zweiten Lebensjahre in Dankbarkeit", und bemerkt zur Rechtfertigung dieser Widmung: „Ich habe die Zeit her viel von ihm gelernt. Wenn der Mensch unter ber Last ber Gesetz geworbenen Erziehung seufzt, an bem Schulzwang derselben müde wird und voll Zweifel wird, ob wir es denn wirklich auch so herrlich weit gebracht haben, so kann — es scheint, daß wir immer Lehrer brauchen — nur das Kind noch unser Lehrer sein, das Kind, wie es aus der Hand des Schöpfers hervorgeht und m dem wir die ewige Weisheit, die hoher ist als alle menschliche Vernunft wieder verehren lernen. Wenn alles schwanken will in unseren Begriffen und in unseren Weltanschauungen, hier stehen wir wieder vor der heiligen Natur; und wenn wir an dem Gange, den die Menschheit nimmt, und über ihren Jammer verzweifeln wollen, hier lernen wir wieder der ewigen Natur vertrauen, die den Gang der Dinge ohne unser Sorgen und Fragen regelt. Unsere Religion führt uns an Weihnachten vor die Krippe, und wir beten das Kindlein an; und unser Heiland sagt: Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, so könnt ihr nicht in das HimmelreiH kommen ' So steht zu lesen in einem Buch des Malers und Graphikers Hans Thoma. Mir will scheinen, daß es nötig sei, darauf hinzuweisen, daß er nicht nur ein Buch, sondern Bücher geschrieben hat. Er war schon ein alter Mann, als er „Bücherschreiber" wurde und „Versemacher" Darum trägt alles, was er schreibt, den Stempel abgeklärter Lebensweisheit; und wer nach solcher Verlangen hat, wird einen Gewinn haben, wenn er die Bücher lieft. Sie sollten viel mehr verbreitet sein Darum, und da in diesen Tagen wohl viel mehr des Malers als des Schriftstellers und Dichters gedacht werden wird, fei hier dem Letzteren das Wort gegeben. Außer dem genannten „Im Herbst des Lebens" erschien im Jahre 1919 „Im Winter des Lebens Aus acht Jahrzehnten gesammelte Erinnerungen." Es ist die Selbstbiographie des Achtzigjährigen, das Buch eines Künstlers und Dichters und rechten Philosophen. An kleineren Schriften, geschrieben aus dem Erleben des Krieges und der ersten Nachkriegszeit, schienen noch drei Bändchen, zusammengefaßt unter dem Titel „Suchende Seele", „Die zwischen Zeit und Ewigkeit unsicher flatternde Seele", „Seligkeit nach Wirrwahns Zeit" und „Wege zum Frieden". Es find Gedanken und Gedichte, in Prosa und in Versen. Zuletzt noch das „Jahrbuch der Seele", Betrachtungen zum Jahresanfang. Mit diesem Büchlein ist zusammenzuhalten der früher schon geschriebene „Festkalender", eine Einführung in Worten und Versen in des Malers wohl umfassendstes und reifstes Werk, die Gemälde an den Wänden der sog. „Kapelle", einem Anbau der Kunsthalle zu Karlsruhe, die sein Gönner und Freund, der Großherzog Friedrich von Baden besonders für die Bibber hatte errichten lassen. Thoma bekennt von sich, daß er immer eine Vorliebe gehabt tjabe für die mancherlei Symbole der alten Kalender, die Zeichen für die Jahresregenten, den Monatskreis, die Tierzeichen und Verwandtes. So hat er Kalenderbilder gemalt. Dieses „Kalenderspiel" bildet den Rahmen und den Gegensatz aus dem Reich des Vergänglichen zu den Bildern aus dem Reich des Ewigen, dem Christuszyklus, elf Darstellungen aus dem Leben Christi von der Geburt bis zur Auferstehung. — Wann wird diese Kapelle ein Wallfahrtsort deutscher Kunst werden?! Dem Kunstschüler hatte sein Lehrer Schirmer einst beim Betrachten eines Bildes gesagt: „Thoma, Sie sind ein Poet!" Das war er, wenn er auch selbst bescheiden von sich meint: „Will nicht ein Dichter sein, das liegt mir fern; In Sprach' unb Spruch nur spiel' ich mit Worten gern." Das Traumhafte, bas über fast allen feiner Silber liegt, ist besten Zeugnis, baß er ein Dichter und Träumer war Er hat Gebrauch gemacht von „einem der unbestrittensten Rechte, die der Mensch hat, daß er träumen darf und sich dem damit zusammenhängenden Sinnieren und Spintisieren hingeben kann . . Und das Recht zum Träumen läßt sich auch der Greis nicht nehmen. Ja dieses Recht kann ihn dazu verleiten, daß er prophetenartig in die Zukunft hineinspintisiert, denn er glaubt an die Fortdauer der Menschenseele, so daß ihn die Aussicht auf die sechs Bretter gar nicht allzu sehr erschrecken kann. Auch fühlt er sich feinem Volke so verwachsen, daß er meint, er könne erst sterben, wenn sein Volk stirbt. So spinnt sein Hirn an dem Traum, der im Leben ihn umfangen, wenigstens bis an das Grab noch weiter, ja er mochte sogar denken, daß ein Gewebe, an dem er mitzuspinnen berufen war, mancher Faden, der seiner Hand entfällt, einmal von einem anderen ausgenommen wird, so daß er auch weiter am Webstuhl der Zeit mitwirkt." Die Worte wurden niedergeschrieben in trüber Zeit, als es mit dem deutschen Volk unb beutscher Kunst schlimm stand. Ein Seher konnte zuversichtlich so sprechen, weil er von Volk und Kunst eine Auffassung hatte, bie einem Glauben entsprang, ben nichts erschüttern konnte: „Die Kunst ist bie Wirkung bes lebenbigen Gottes, bie sich vielgestaltig über bie Erbe zerstreut ber roanbernben Menschenseele offenbaren will. Sie verkünbet bas Dasein Gottes, sie ist ber Lobesbank, welchen bie Seele bem schaffenben Gotte barbringt, sie verkünbet bie Wunber bes Lebenbigen, sie freut sich an ihnen, sie ist bem Menschen auf seiner Wanberschaft mitgegeben zum Ausbruck seines Lebensgefühls, ber Freube, bem Wohlgefallen an ber Schöpfung; bie Ahnung ber ewigen Schöpferkraft lebt in ihr." Von bem Manne, ber solche Auffassung von seinem Künstlerberuf hatte unb sein Leben lang bewährt hat, bürste ein Kenner unb Deuter bes Lebenswerkes, K. K. E b e r I e l n , ohne Uebertrei- bung sagen: „Hans Thoma ist mehr als ein Seher unb Dichter unb Denker. Er ist unser guter Geist, unser Symbol, unsere Kunst. Er ist bas, was im Deutschen unsterblich ist." * Anmerkung: Allen Freunben Thomascher Kunst biene ber Hinweis, baß zur Zeit in Frankstirt im Stäbelschen Institut eine Ausstellung seiner Werke zu sehen ist. beruflich-fachliche Ausbildung gehört nicht in das Aufgabengebiet des Amtes für Ausbildung. Das Volksbildungswerk dient der Erziehung und Bildung aller Volksgenossen und sucht seine Auf- [>abe zu erfüllen durch Ein ührung in die weltan- chaulichen Grundlagen un erer Zeit und in die ebenswichtigen Fragen un eres Volkstums, durch Besinnung auf unsere kulturellen Leistungen, durch Vertiefung in die reiche Welt unserer Kunst und durch Betrachtung der Natur. Jeder Volksgenosse soll sich in unserem Kulturleben heimisch fühlen und das Deutsche Volksbildungswerk soll ihm den Weg au der Erfassung unserer Kulturgüter ebnen. Es soll durch die Beschäftigung mit denselben Freude ausgelöst werden, die neue Kraft für das Tagewerk gibt. So werden keine trockenen Lehrstunden geboten, sondern allen denen, die nach Feierabend ihre Kenntnisse zu bereichern und zu vertiefen wünschen, soll durch Anschaulichkeit und Lebendigkeit der Vorträge Kraft durch Freude vermittelt werden. Allen Interessenten ist die Möglichkeit gegeben, sich an den Lehrgängen des Deutschen Dolksbil- oungswerkes der NS.-G. „Kraft durch Freude" zu beteiligen.. Die Anmeldungen find in den örtlichen Stellen des Deutschen Volksbildungswerkes der NS.-G. „Kraft durch Freude" vorzunehmen. Deutsche Arbeitsfront. 71 Z.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude." Urlaubsfahrt vom 25. Dezember bis 2. Januar nach dem Erzgebirge (Schwartenberg), ein vorzügliches Gebiet für Wintersport und durch seinen Waldreichtum für schöne Spaziergänge in den Winterwäldern geeignet. Sowohl der Wintersportler, wie auch der Urlauber wird reichlich auf seine Kosten kommen. Die Abfahrt ab Frankfurt erfolgt am 25. Dezember abends. Die Rückfahrt beginnt am 1. Januar nachmittags. Am Spätnachmittag ist ein mehrstündiger Aufenthalt in Chemnitz vorgesehen. Die Weiterfahrt erfolgt nach dem gemeinsamen Abendbrot. Ankunft in Frankfurt am 2. Januar früh. Kosten 33 RM. Anmeldefrist bis 6. Dezember. Oie deutschen Propagandisten in der Deutschen Arbeitsfront. Die deutschen arischen Warenhaus-, Laden-, chaus- und Ausstellungspropagandisten sind nach Anordnung des Organisationsamtes der Deutschen Arbeitsfront in die Reichsbetriebsgemeinschaft Handel, Fachgruppe Handelsvertreter und Geschäftsreisende, Fachschaft Propagandisten, eingegliedert worden. Dem großen Aufbauwerk der Deutschen Arbeitsfront ist es in kurzer Zeit gelungen, auch diese Volksgenossen einzugliedern und ihnen den gebührenden Platz im Berufe zu verschaffen, der eigentlich eine Selbstverständlichkeit für jeden schaffenden Deutschen ist. Langsam zieht die Erkenntnis ein, daß Unternehmer und Mitarbeiter eine Arbeitsgemeinschaft sind, die nur durch eine wahre Betriebsgemeinschaft zur Förderung des Betriebes und zum Gemeinnutz von Volk und Staat helfen können. Viele Betriebsführer und Gefolgschaftsmitglieder stehen im Aufbau der Fachschaft der Deutschen Arbeitsfront als treue Mithelfer zur Seite. Durch Verhandlungen mit den betreffenden Unternehmen ist es gelungen, eine große Anzahl zusätzlicher Arbeitsstellen zu verschaffen; aber immer noch stehen deutsche Männer und Frauen draußen, denen es noch nicht klar geworden ist, an welchem Werk jeder einzelne mithelfen kann. Um zu diesem Ziele zu gelangen und die Betreuung aller in diesem Berufe tätigen Volksgenos- sen vorzunehmen, besonders den erwerbslosen Pro- pagandisten(innen) soweit es möglich ist, Brot und Lohn zu geben, bitten wir alle Firmen und Handelsvertreter, die Propagandisten (auch Werber und Werbedamen genannt), beschäftigen, sowie alle Pro- pagandisten(innen), besonders die erwerbslosen, ihre Anschrift mit genauer Adresse an: Iachschlllungskursus der Standesbeamten. Am Sonntag versammelten sich 230 Standes-' beamte des Kreises Gießen und der angrenzenden Kreise im Kath. Vereinshaus zu Gießen, um an einem Fachschulungskursus teilzunehmen. Zweck der amtlich eingeführten Kurse ist, die den L-tandes- beamtendienst angehenden Fragen gemeinsam zu behandeln und auf die Zukunftsarbeiten vorzubereiten. Diesmal handelte es sich in der Hauptsache um die Behandlung der Bestimmungen über die Vereinheitlichung der Zuständigkeit in Familien- fachen vom 31. Mai und 27. Juli d.J., die für den Standesbeamten eine Reihe neuer Zuständigkeiten gebracht haben. Oer Schulungsleiter für Oberheffen, Standesbeamter Wiedmeyer, Gießen leitete den Kursus mit der Mitteilung ein, daß der seitherige Vorsitzende des Reichsbundes der Standesbeamten, Kollege Po r zig (Berlin) den Vorsitz in die Hände des Sachverständigen für Rasse- forschung im Reichsinnenministerium Dr. G e r ck e gelegt habe, daß dieser Vorgang nicht vermooster Denkweise entspräche, sondern allein den Zweck habe, durch ersprießliches Zusammenarbeiten die Schäden der Vergangenheit auszumerzen und dem Neuaufbau von Volk und Staat zu dienen. Hierdurch sei der Reichsbund in ein enges, lebendiges Verhältnis zum Reichsinnenministerium getreten, das in vieler Hinsicht verpflichte. Anderseits wolle das Reichsinnenministerium die von dem Reichsbund vor 10 Jahren geschaffenen Einrichtungen des Reichsbundes, die die volle Anerkennung des In- nenministeriums gefunden haben, in den Dienst des Staatsaufbaus stellen. mene und durchgeführte Fülle von Mehrarbeit gedankt. . Weiter habe der Herr Reichsmnenmmister ausgeführt, daß er, anstatt Erleichterung und Ruhepause versprechen zu können, in Zukunft noch mehr Aufgaben und größere Pflichten den Standesbeamten übertragen müsse, in der Erwartung, daß dieses Mehr nicht als Last erscheine, sondern als me einzige Anerkennung, die es im nationalsozialistischen Deutschland gebe. , Mitarbeiten können und mehr Pflichten übernehmen dürfen, müsse als Zeichen des großen Vertrauens gelten, das der Arbeit der Standesbeamten geschenkt werde. Dieser Dank und die damit verbundene Aufforderung zur weiteren Mitarbeit müsse uns mit Stolz erfüllen, aus dem wir die Kraft schöpfen, auch fernerhin alles zu tun, was im Interesse von Volk und Staat getan werden muß. Der Schulungsleiter sagte dann weiter: Sie wissen, meine Herren Berufskollegen, daß die Regierung beabsichtigt, das Standesamt zu einem Sippenamt zu erheben und daß uns dieses Amt vor ganz neue Aufgaben stellt, denen wir uns gewachsen zeigen müssen. Die Schulungskurse dienen dazu, Vorarbeiten zu leisten, uns in den Bestimmungen des Personenstandrechtes und deren Handhabung so zu festigen, daß wir frei werden, gleichzeitig aber auch lernen, was die Familie und deren Bestand für Volk und Staat bedeutet, „denn der Mensch, der in der Familie herangewachsen ist, der die Eindrücke des Zusammenlebens und das Gefühl des Verbundenseins mit Valer und Mutter in sich trägt, ist für Die Standesbeamtenfchaft habe die Aufgabe, den Sinn für die Familie als Keimzelle des Staates hochzuhalten und daran mitzuarbeiten, daß die Ehe das werde, was sie fein solle: „ein unzertrennlicher Bund in Treue, aus dem ein gesundes und starkes Geschlecht erwachse". Ferner sei es angebracht, hier in unserem Kreise festzustellen, daß zum ersten Male ein Reichsminister der standesamtlichen Tätigkeit gedacht habe. Anläßlich der Eröffnung der fachwissenschaftlichen Woche an der Akademie in Berlin habe der Herr Reichsinnenminister in seiner Eröffnungsansprache den Standesbeamten für die seit Erlaß des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums und — wie er dankbar anerkennen wolle — im nationalsozialistischen Sinne ohne weiteres übernom- den nationalsozialistischen Staat außerordentlich wertvoll. Diese Werte müssen wir erkennen, um den von uns vorzunehmenden gehobenen Handlungen die erforderliche Weihe geben zu können. Und nun an die Arbeit für Volk und Staat! Anschließend sprach Reg.-Jnspektor Müller, Wiesbaden, über „Ehemündigkeit, Ehebruch, Wartezeit, Ehefähigkeitszeugnisse für In- und Ausländer, Befreiung vom Aufgebot" und Standesbeamter Wiedmeyer über „Name der geschiedenen Frau, Untersagung des Familiennamens, Namenserteilung, Ehelichkeitserklärung und Befreiung vom Alterserfordernis bei Ahoption." Der nächste Kursus wird voraussichtlich zu Anfang kommenden Jahres stattfinden und Vorträge über Erbbiologie bringen. Kreisbetriebsgemeinschaft Handel für die Kreise Gießen, Friedberg, Wetzlar, Dillenburg und Biedenkopf, Geschäftsstelle: Gießen, Schanzenstrahe 18 abzugeben. Achtung! Die Deutsche Arbeitsfront ist vorübergehend geöffnet. Jeder kann den Eintritt bei der zuständigen Ortsgruppe der Deutschen Arbeitsfront vornehmen. Betriebsführer und Gefolgschaftsmitglieder müssen restlos in der Fachschaft Propagandisten in der Deutschen Arbeitsfront unserer Berufsgruppe ersaßt sein. Keiner darf fehlen! Deutsche Arbeitsfront, Kreisbetriebsgemeinschaft Handel. Die Abgabe von Milch aus offenen Verkaufsstellen. Die hessische Polizeidirektion Gießen teilt folgendes mit: Die Abgabe von Milch an die Verbraucher und das Austragen von Milch zur Belieferung der Verbraucher wird auf Grund des § 24, Absatz 3, der Arbeitszeitordnung vom 26. Juli 1934 für die offenen Verkaufsstellen von 6.30 Uhr morgens an zugelassen. Die Belieferung der offenen Verkaufsstellen ist von 6.15 Uhr an zulässig. Die Regelung des Milchverkaufs an Sonntagen wird durch diese Anordnung nicht berührt. Daten für Mittwoch 7. November. 1750: der Dichter Friedrich Leopold Graf zu Stolberg in Branstadt in Holstein geboren (gestorben 1819); — 1810: der Dichter Fritz Reuter in Staven- hagen geboren (gestorben 1874); — 1867: die Physikerin Marie Curie in Warschau geboren; 1924: der Maler Hans Thoma in Karlsruhe gestorben (geboren 1839). Vornotizen. — Tageskalender für Mittwoch: Stadttheater, 19.30 bis 22 Uhr, „Krach um Jolanthe". — Kreisabteilung Gießen des Deutschen Gemeindetags, Landesdienststelle Hessen-Hessen-Nassau, „Hindenburg", 15 Uhr, Bürgermeisterversammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, 14.30 Uhr, Jugend- Vorstellung; ab 16 Uhr „Musik im Blut". — Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brandplatz, 16 bis 17 Uhr, Gemäldeausstellung. — Evangelische Stadtmission, 9, 10 und 14 Uhr, Frauen-Missionstag. — Eine Jugendveranstaltung z u - gunsten der Winterhilfe findet am morgigen Donnerstag, 8. November, im Cafö Leib statt. Zur Ausführung gelangt in einem einmaligen Gastspiel der Till-Eulenspiegel-Bühne Berlin das Bühnenbild „Till Eulenspiegel" in vier Akten. Auf die heutige Anzeige fei besonders hingewiesen. * ** Schwerer Unglücksfall bei der Arbeit. Bei Bauarbeiten in einem hiesigen Hause ereignete sich am Montag gegen Abend ein schwerer Unglücksfall. Der etwa 52 Jahre alte Glaser Jakob Heller von hier, Schiffenberger Weg 41, wurde von seinen Arbeltskameraden schwerverletzt aufaesunden. Der bedauernswerte Mann hatte anscheinend durch einen Sturz einen Schädelbruch erlitten, war außerdem an den Heizkörper der in Betrieb befindlichen Dampfheizung gefallen und hatte dabei schwere Verbrennungen davongetragen. Wann sich der Unfall ereignete und wie lange der Verunglückte an der Heizung lag, konnte bisher nicht festgestellt werden. Der Verunglückte mußte in bedenklichem Zustand von der Freiwilligen Sam- tätskolonne vom Roten Kreuz in die Chirurgische Klinik gebracht werden und ist dort heute gegen 8.30 Uhr, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, seinen schweren Verletzungen erlegen. *♦ „23 o m schöpferischen Handwerk. Um einer mehrfach unterlaufenen Personenverwechs- hing zu begegnen, stellen wir fest, daß der Verfasser unserer Aufsatzreihe „Dom schöpferischen Handwerk" (Nr. 252/255 unseres Blattes) der Volkswiirt Dipl.- Jng. Dr. Wilhelm Völker in Husum (Nordfmes- land) ist. Dr. Völker ist gebürtiger Gießener. ** Hessische Landschaften von Ferdinand Steiniger. In Nr. 20 der „Heimat im Bild" vom 17. Mai dieses Jahres erschien ein Auf- satz von Georg Bingel (Gießen) zu einer An- zahl graphischer Blätter von Ferdinand Steiniger, die Motive der hessischen Landschaft behandeln. Es wird die Freunde der „Heimat im Bild" interessieren, daß die Originale hierzu samt einer Reihe anderer Arbeiten von Steiniger zur-. Zeit in einer kleinen Sonderschau der Rickerschen Buchhandlung ausgestellt sind. Große Strafkammer Gießen. Die Kammer hatte sich gestern mit vier Anklagen roegen Sittlichkeitsoerbrechens zu befassen. Wegen Gefährdung der Sittlichkeit wurde für sämtliche Fälle die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Zunächst stand der M. B. aus München-Gladbach, zur Zeit in Untersuchungshaft, vor den Schranken des Gerichts. Dem Angeklagten wurde zur Last gelegt, durch unsittliches Verhalten im September in Ortenberg öffentliches Aergernis erregt und ferner sich an einem fünfjährigen Jungen vergangen zu haben. Das Gericht erkannte unter Anrechnung von sechs Wochen erlittener Untersuchungshaft auf ein Jahr Gefängnis. Wegen wiederholter Sittlichkeitsoerbrechen wurde der Wilhelm Körner aus Reinheim zu einem Jahr Zuchthaus, unter Abzug von acht Wochen Untersuchungshaft, verurteilt. Außerdem wurde die Entmannung ausgesprochen. Der Angeklagte gestand, sich in unsittlicher Weise einem neunjährigen Mädchen in Friedberg genähert zu haben. Die schwere Strafe der Entmannung wurde ausgesprochen, weil nach dem Vorleben Des Angeklagten die Möglichkeit naheliegt, daß er weitere derartige Verbrechen begeht. Zu zwei Jahren und einem Monat Zuchthaus wurde der Theodor Wagner aus Bingenheim verurteilt. Der Angeklagte mißhandelte seine Schwiegermutter in schwerster Weise und verging sich danach an ihr. Außerdem verkuppelte er seine Frau. Außer der vorerwähnten Strafe wurden ihm die bürgerlichen. Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren aberkannt. Wegen Verbrechens im Sinne des § 176 Abs. 1 Ziff. 3 wurde der H. Sch. aus Grebenau zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr verurteilt. Sodann hatte sich die Kammer mit den Brudern K. und W. I. aus Gießen zu beschäftigen, die vom hiesigen Schöffengericht wegen Einbruchsdiebstahls bzw. Widerstandes zu einem Jahr und einem WM», M MM Roman von Klothilde v. Stegmann. 9. Fortsetzung. Nachdruck verboten! Studczynski schien die Gedanken von Edelgards Gesicht abzulesen: „Ich meine, mein gnädiges Fräulein, daß damit vielleicht allen Beteiligten geholfen wäre. Ich glaube nicht,-daß mein Auftraggeber besonderen 2vert auf das Kavalierhäuschen legt. Wenn es Ihnen also lieb wäre?" „Nichts Lieberes könnte uns geschehen", gab Edelgard lebhaft zur Antwort. Und leiser fügte sie hinzu: „Wir würden doch dann wenigstens vorläufig noch das Gefühl der Heimat behalten." Studczynski stand auf: „Also wären die Vorbesprechungen geregelt, mein gnädiges Fräulein! Ich bitte, berichten Sie Ihrer Frau Mutter! Auch ich werde meinem Auftraggeber Mitteilung machen. Morgen werde ich mir erlauben, Ihnen nähere Mitteilung zu geben." Er verabschiedete sich mit tiefer Verbeugung. Edelgard hatte das Gefühl, als ob er ihre Hand beim Abschied etwas zulange in der feinen hielte. Aber sie mußte ihm ja so dankbar, so unendlich dankbar fein. Gern hätte sie ihn nach dem Namen seines Auftraggebers gefragt. Aber da er ihn nicht genannt hatte, wollte sie nicht indiskret sein. Lange stand sie dann noch am Fenster. Der hellgraue Sportwagen war längst durch die goldene Herbstallee verschwunden. Würde er wiederkommen? Oder würde das Bild von Ruhe und Sicherheit, das der Fremde ihr vor Augen geführt, wieder eine Fata Morgana fein? Aber nein, dieser Herr Studczynski hatte sich ja so auf Einzelheiten festgelegt. Unmöglich, daß er noch im letzten Augenblick absagte. „Na, wie ist es denn, Fräulein Edelgardchen?" fragte die alte Marie. Sie hatte es vor Neugierde in ihrer Küche nicht mehr ausgehalten und stand nun bescheiden in der Tür. „Ich glaube, gute Marie, diesmal wird es etwas werden! Der Herr, der eben da war, wird wohl kaufen." „Der mit dem verflixten Namen?" Marie, die unten im Keller natürlich mit dem alten Wilhelm das aufsehenerregende Ereignis lang und breit durchgesprochen hatte, schüttelte unzufrieden den Kopf. „Da zerbricht man sich ja die Zunge, ehe man's aussprechen kann. Nee. nee, da wär' mir jemand mit ’nem ehrlichne deutschen Vatersnamen schon lieber" Edelgard mußte lachen. Sie wußte von der Mutter, Marie hatte in ihrer Jugend einmal eine Liebesgeschichte mit einem polnischen Gutsaufseher auf dem großelterlichen Gute Edelgards gehabt. Ehe es zur Heirat gekommen, war der Bräutigam mitsamt dem Sparkassenbuch Maries auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Seitdem hatte Marie ein unüberwindliches Mißtrauen gegen alles „Fremdländsche", wie sie es nannte. „Na, beruhige dich, Marie, der Herr Studczynski will nicht für sich kaufen, sondern für einen andern!" „Und wie heißt der andere?" Maries Mißtrauen war noch nicht beschwichtigt. „Vielleicht auch wieder einer mit so einem zungenbrecherischen Namen?" Edelgard mußte ihr sagen, daß sie den wirklichen Käufer ja noch gar nicht kenne. Marie schüttelte den Kopf. Wer mochte wissen, ob das alles mit richtigen Dingen zuginge? Aber sie wollte Fräulein Edelgardchen nicht bange machen. „Abwarten und Tee trinken", sagte sie und wollte wieder verschwinden. Aber etwas hatte sie doch noch auf dem Herzen. „Und wie wird denn das nun mit Wilhelm, Fräulein Edelgardchen? Muß er nun weg oder —" „Vielleicht kann er bleiben, Marie! Aber wir wollen ihm noch nichts sagen, ehe wir's nicht ganz gewiß haben." Da erhellte sich das Gesicht der alten Marie. Seit vierundvierzig Jahren arbeitete sie nu nmit dem alten Wilhelm zusammen. Zanken taten sie sich Zwar von früh bis abends, wenn auch nur leise, wie es sich in einem guten Hause gehörte. Aber dennoch konnten sie nicht ohne einander auskommen. „Na, wenn der Wilhelm nur bleiben kann, da könnte der Herr noch viel verrückter heißen", schloß sie. Und in ihrem sorgenvollen guten Gesicht leuchtete es auf. * In einem der elegantesten Hotels Brüssels saß, hinter einer amerikanischen Zeitung verschanzt, ein feiner, hochgewachsener junger Mann. Er hatte ein energisches, bartloses Gesicht und ein Paar blaue fluge Augen. Sein Anzug war von unauffälliger Eleganz. Die ganze Erscheinung hatte etwas von jener sicheren Gelassenheit, wie sie Menschen eigen ift, die in der ganzen Welt zu Hause sind. Ein gallonierter Boy mit schief sitzendem Käppi kam auf den Herrn zu. „Wir haben soeben telephonische Nachricht vom Flugplatz bekommen, Mister Hermans — das Flugzeug von Berlin ist mit einer halben Stunde Verzögerung gelandet." Der mit Mister Hermans angeredete junge Mann sah auf seine Armbanduhr: „All right! Dann kann also Mister Studczynski in dreißig Minuten hier sein? Gut, sagen Sitz ihm Bescheid. Ich bin oben in meinen Zimmern." Er faltete seine Zeitung zusammen und ging durch die Halle. Jetzt erst sah man, wie groß und ebenmäßig er gewachsen war. Er war schlank und durchtrainiert. Der ganze Körper federte förmlich von Elastizität. Mancher Blick folgte ihm. Jetzt um die Mittagsstunde war die Halle des Hotels von Hotelgästen ebenso besetzt wie von Besuchern, die zum Tee hierher kamen Elegante Frauen in weichen Pelzen, seidigschim- rnernde Kleider darunter, gingen auf hochhackigen Schuhen durch die Halle ooer sahen in lebhaftem Geplauder mit gutgekleideten Herren in den tiefen Ledersesseln. Mancher Blick aus schönen Frauenaugen folgte dem jungen Mann und glitt enttäuscht ab, wenn keine einzige Regung in seinem festgefügten Gesicht einen Widerhall gab. Im Gegenteil. Seine Züge verschlossen sich wie in Abwehr. Verächtlich bogen sich seine Mundwinkel nach unten. Als aus dem Fahrstuhl eine sehr schöne, etwas zu geschminkte Frau im Pelz und mit kleinem, schwarzen Hut ihm zulächelte, trat er mit einer kurzen Verbeugung zurück und schritt auf die breite Freitreppe zu. „Schauderhaft", dachte er. „Ich habe es ihr doch deutlich genug gezeigt, daß ich für einen Flirt nicht ZU haben bin. Daß man diesen Weibern auch nirgends entgehen kann!" In seinem Zimmer angekommen, öffnete er das Fenster. Endlich einmal eine unparfümierte Luft! dachte er. Das Hotel lag etwas abseits des lärmenden Stadtzentrums inmitten eines schön ge- psieyten Parks. Eine matte Herbstsonne hing am Horizont. Schön, dachte der Mann, daß man einmal für ein paar Tage hatte aufatmen können, ehe die neue Arbeit wieder anfing. Da lagen auf seinem Schreibtische Akten, Geschäftsbriefe und Telegramme gehäuft. Aber durcharbeiten wollte er sie in diesen Tagen nicht. Schließlich war er auch nur ein Mensch und hatte ein Recht auf ein paar Tage Ausspannung. Auch ein Mensch! dachte er noch einmal. Bitter genug hatte es sich gerächt, daß er in den letzten Fahren nur eine Arbeitsmaschine gewesen war. Sein Lebensglück war dabei in Trümmer gegangen. Aber vielleicht war es gar nicht sein Lebensglück gewesen, und er hatte nur in der Verblendung einer leidenschaftlichen Liebe es dafür gehalten? Unwillkürlich fiel fein Blick auf seine Hand. Der rechte Rmgftnaer war leer. Aber eine schmale Kerbe, der weiß gebliebene Kreis inmitten der gebräunten Hand zeigten, wo der Ring gesessen hatte Das äußere Zeichen hatte er abgelegt; aber dennoch, das Mal war geblieben. Und geblieben waren in seiner Seele Schmerz und Verachtung Es klopfte. Er wandte sich lebhaft um: »Herein! Ach, Studczynski, da sind Sie ja!", und er ging dem Emtretenden mit ausgestreckter Hand entgegen. „Ich erwarte Sie schon ungeduldig." „Ja, wir hatten in der Mitte des Weges einen dicken Nebel. Beinah hätten wir bei Hannover notlanden müssen. Aber nun bin ich da." »Und mit welchen Resultaten? Nehmen Sie Platz! Wir bekommen gleich Tee. Ich denke, wir besprechen unsere Angelegenheit erst, bis wir zum Essen hinuntergehen. Haben Sie was Passendes für mich gefunden?" „Jawohl!" Studczynski entnahm seiner Aktenmappe einen Grundstücksplan, mehrere Aufzeichnungen und Photos. Der junge Amerikaner beugte sich über die ausgebreiteten Pläne und Schriftstücke. „Ach, das ist ja die Besitzung, die mir schon von Anbeginn nach dem Photo so gut gefallen hat. Die Besitzung Dönitz — nicht mar?" „Jawohl, Hermans! Sie sehen, ich bin ganz nach Ihren Intentionen gegangen. Ich weiß gar nicht, warum Sie sich gerade auf diese Besitzung versteift haben. Wir hatten bessere und auch günstigere Angebote." Der junge Amerikaner sah sinnend vor sich hin; vor seinen Augen stand etwas. Ein Himmel, schwer von Wolken, unter ihm zusammengeballt dicke Schwaden von Geschützdampf. Wie wilde Raubvögel am Himmel eine Kriegsstaffel amerikanischer Flugzeuge. Sie alle jagen einen Flieger. Eine Maschine. Groß leuchtet das weiße Kreuz auf schwarzem Grunde. Allein ist dieser Deutsche gegen zwanzig der ihren. Und dennoch, immer wieder heran. Er selbst als einziger verfolgt den tollkühnen Deutschen. Ohne Rücksicht auf eigene Sicherheit jagt er ihm nach durch das Wolkenmeer. Da — eine Wolkenbank schiebt sich zwischen ihn und die Kameraden seiner eigenen Staffel — gerade über sich sieht er den Deutschen. Nun ist er es, der gejagt wird. Plötzlich sind die Tragflächen seines Apparates durchlöchert. Mit letzter Kraft schraubt er sich zur Erde herunter, muß über den deutschen Limen niedergehen. Kurz nach ihm landet auch der tollkühne deutsche Flieger. Nun erfährt er, wer ihn zur Strecke gebracht hat. Es ist ein Herr von Dönitz. 'llnb er ist nun, er den Amerikaner gefangen hat, der ritterW6 und liebenswürdigste Gegner, den man sich denken kann. Ihm und feinem Vater, dem General von Dönih- hat Robby Herman es wohl zu verdanken, daß er behandelt wird nicht wie ein Gefangener, sondern wie ein Gast. Und daß man ihn sehr bald gegen sein Ehrenwort, nicht mehr in diesem Kriege zu kämpfen, freiläßt. Alles das geht wieder durch den Sinn des jun« gen Mannes. Er hat es eigentlich Studczynski erzählen wollen. Aber er tut es doch nicht. Was geht es schließlich die anderen an, warum er sich gerade darauf versteift hat, das Schloß Dönitz zu ermerben- Durch Zufall hatte die Vermittlerfirma die Dönitzsche Besitzung als zum Verkauf stehend m» angeführt. Robby Herman hatte sofort durch einen Beauftragten festgestellt, daß es sich hier wirklich um den elterlichen Besitz jenes Kampffliegers handelte, der ihm in der Gefangenschaft mehr ein Kamerad denn ein Gegner gewesen war. Hermann wußte, wie groß die Not in Deutsch« land geworden war, daß sie gerade die ältesten und besten Familien getroffen hatte. (Fortsetzung folgt 1) Monat bzw. einem Jahr Gefängnis verurteilt worden waren. Vor Eintritt in die Hauptverhandlung nahmen beide Angeklagten ihre Berufung gegen das vorinstanzliche Urteil zuruck. Kleine Strafkammer Gießen. Der H. D. aus Gießen erhielt durch Strafbefehl eine Geldstrafe von 2 Mark, da er von einem Grundstück Klee entwendet hatte. Nachdem ihn der Vorsitzende darauf hingewiesen hatte, daß er even- tuell auch wegen Hehlerei bestraft werden könnte, nahm der Beschuldigte seinen Einspruch gegen den lung von 8,50 veranlaßte. Außerdem veräußerte er Futtermittellager derselben Firma weit unter Preis. Den Erlös lieferte der Angeklagte nicht an die Firma ab, sondern verwandte ihn für persönliche Zwecke. Da der Angeklagte verurteilt ist, hat er auch die Kosten des Verfahrens zu tragen. Amtsgericht Gießen. Wegen Betrugs und Unterschlagung wurde der I. R. aus Offenthal vom Amtsgericht Friedberg zu fünf Monaten zwei Wochen Gefängnis verurteilt. Dagegen legte der Angeklagte Berufung ein, die aber verworfen wurde. In der gestrigen Hauptoerhandlung wurde festgestellt, daß der Angeklagte sich bei einem Landwirt in Roheim *wr der Höhe als Vertreter einer Firma für in- .......-----. issoberechtigt ausgab und den Landwirt zur Zah-j Strafbefehl zurück. Obecheffen. Gauleiter Sprenger in Schotten. Schotten, 6. Nov. Am nächsten Sonntagvormittag wird Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger einen Amtswalterappell hier abhalten. Nachmittags wird er in einer öffentlichen Kundgebung sprechen. Besichtigung der Großbrauerei Zhring Melchior in Lich. -r Lich, 6. Nov. Auf Einladung der Brauerei Jhring-Melchior begaben sich am Sonntag sämtliche Beamten und Angestellten des Arbeitsamtes Gießen in einem Postauto nach Lich, um einen neuzeitlich eingerichteten Betrieb an Ort und Stelle kennenzulernen. Um 14 Uhr traf der Autobus auf dem Adlerplatz vor dem Rathaus ein. Auf Wunsch der Gäste hatte der Verkehrs- mnd Verschönerungsverein eine Besichti- Lung der Stadt und ihrer wichtigsten Gebäude vermittelt. Lehrer Schneider übernahm die Führung und gab den Besuchern an Hand der Grabdenkmäler in der Marienstiftskirche einen Einblick in die reiche Geschichte unserer Stadt, deren Zeugen «us alter Zeit (Kirche, Turm, Wall, Mauertürme, Schloßaartenteich, mittelalterliche Häuser in Obersstadt, Kirch- und Schloßgasse) mit großem Interesse betrachtet wurden. Aber auch die neueren Anlagen mnd Gebäude (Ringofenziegelei, Kinderschule, Post- mmt und Brauerei hinterließen einen nachhaltigen «Eindruck. Gegen 16 Uhr war man an der Brauerei «ngelangt, die in zwei Gruppen unter Führung von »Herrn K. Heller und einem anderen Herrn eingehend besichtigt wurde. Von der aus der Umgegend congelieferten Robgerste über Reinigung, Sortierung, »Keimung und Darre des Materials hin, durch Maschinen-, Brau-, Gär-, Lager- und Abfüllräume, con 4)er Eisherstellung, Faßreinigung und Pecherei -vorüber bis zu dem fertigen Biere konnte man Den Entwicklungsgang des geschätzten Getränkes »erfolgen. Gewaltige Mengen werden täglich her- gestellt, noch gewaltigere lagern in den mächtigen Alumniumtanks und großen Holzfässern und warten Les Versandes in die Nähe und Ferne. Denn die Brauerei Jhring-Melchior ist nach ihrer Vereinigung mit der in ihr aufgegangenen früheren Nachbarin Heller eine der größten Brauereien in Oberhessen und ihr Absatzgebiet geht weit über die Drenzen der Provinz hinaus. Nahezu 100 Arbeiter und Angestellte sind im Betriebe tätig, und wie der Augenschein lehrt, nicht bloß äußerlich, sondern auch eelisch mit der Firma verbunden. Dieses erfreuliche Verhältnis besteht seit langen Jahren und zeigt sich i:n guten und bösen Tagen. Welche Anforderungen nn die Arbeiterschaft einer solchen Musteranlage zu ''tellen sind, das aus eigener Anschauung zu wissen, st, wie der Direktor des Arbeitsamtes Gießen, Regierungsrat Dr. List, in seiner Dankrede betonte, gerade für eine Arbeitsvermittlungsstelle von größter Wichtigkeit, damit zur Förderung der Arbeit :itets die besten Kräfte an den rechten Ort gestellt roerden. Nach dem aufschlußreichen Rundgang waren sämt- üliche Besucher von Herrn I h r i n g zu einem Jrn- ibiß und Umtrunk in das Stammhaus der Familie, was Gasthaus „Zum Löwen", eingeladen. Aus fei« mem Munde hörte man noch lehrreiche Ausführungen über Herstellung, Bestandteile, Behandlung des Wieres und auch über die angebliche Verwendung öon Chemikalien im Braugewerbe. Mancher, der Die verschiedenen Bierarten schon in der Praxis er« probt hat, war erstaunt über die Vorbedingungen, Die gerade zur Herstellung seiner Lieblingsmarke notwendig sind. In fröhlichster Stimmung brachten die Teilnehmer noch einige Stunden gemeinsam zu, bis Die Hupe des Autos zur Heimfahrt mahnte. Landkreis Gießen. * Heuchelheim, 5. Nov. Am Samstag hielt taer Turnverein eine gut besuchte Mitgliederversammlung in seiner Turnhalle. Dereinsführer 3. Rinn gab einen umfassenden Bericht über die Dereinstätigkeit seit November vergangenen Jahres. Daraus ging hervor, daß in dieser Zeit sehr )oiel Dinge zu erledigen waren, die die Turnsache -»etrafen. Die Durchführung der Anordnungen des 1 Reichssportsührers vollzog sich trotz mancher Schwierigkeiten in unserem Verein glatt. Die Werbung iürs Frauenturnen brachte die Eingliederung einer Frauenabteilung. Der umfangreiche Bericht des j Oberturnwarts Volkmann gab ein Bild über !iie recht zahlreichen und vielfältigen turnerischen Betätigungen der aktiven Turner. Eine große An- .ahl von Siegen konnte von ihnen auch in diesem \ Bahre wieder errungen werden. Besonders günstig cchnitten die Turnerinnen ab. Turner Weber gab liine Schilderung seiner Eindrücke von den Nürnberger Kampfspielen. Die Kassenverwaltung konnte iinen günstigen Abschluß der Rechnung melden. Auf Vorschlag wurde der 1. Vereinsführer einftim- imig wiedergewählt. Dietmar! A. Rinn hielt dann lioch einen kleinen Vortrag über die heutige Stel- jung der Deutschen Turnerschaft. Er zeigte die Entwicklung in den letzten beiden Jahren und den Weg üer Eingliederung in den Reichsbund für Leibesübungen und die Aufgaben, die der DT. im neuen Reiche übertragen wurden. Aus seinen Ausführungen fei hier noch erwähnt, daß der Turnverein i Heuchelheim der zweitstärkste Landverein im Kreise ^ahn-Dill ist. tl Lollar, 6. Nov. Die. hiesige Sänger- i.ereinigung wartete am Sonntagabend mit chrem diesjährigen Konzert auf, das in allen teilen als vorzüglich gelungen zu bezeichnen ist. 3as Programm zeugte von feinem Geschmack. Nelsen Chorwerken von Brahms, L. van Beethoven, Silcher und anderen großen Künstlern kamen im instrumentalen Teil Kompositionen von Verdi, (ülenberg, Blankenburg und Demerssemann von der Kapelle K r e n g e l in vollendeter Weise ausgeführt, m Gehör. Mit Genugtuung ist festzustellen, daß die liolkslieder und die volkstümlichen Chöre den größ- Anklang fanden und von dem dankbaren Zu- Hörerkreis, der den Saal „Zur Linde" fast bis auf den letzten Platz füllte, mit sehr starken Beifalls- äuherungen bedacht wurden. So ließ bei den Liedern „Zum Wandertor hinaus" von Bein, „Der Jäger aus Kurpfalz" von Othegraven und von demselben Komponisten das neckische Liedchen „Von den zwei Hasen" der Beifall nicht eher nach, bis eine sofortige Wiederholung gesichert war. Besonders muß lobend anerkannt werden, daß die beiden Werke „Die Mühle im Schwarzwald" von Eilenberg und „Mer sitzet unter Aepfelbäum" von Kromer, Männerchöre mit Orchesterbegleitung, Darbietungen waren, die sich hören lassen konnten. Das hierbei erforderliche strenge künstlerische Jneincmder- wachsen von Chorleiter, Sängern und Musikern, wurde in glänzender Weise durchgeführt. Die Solisten des Abends, Herr Schwarzlose (Trompete) mit „Ein Jmmortellenkranz auf das Grab Lortzing" und Kehrmann (Flöte) mit „Italienisches Konzert für Flöte" ernteten durch die meisterhafte Handhabung ihrer Instrumente ebenfalls stärksten Beifall. Die Sängervereinigung hat mit dieser Veranstaltung bewiesen, daß ihr Können auf hoher Stufe steht. Der volle Erfolg dürste der Sängerschar und ihrem Dirigenten Heinrich Meyer (Wieseck) ein Ansporn sein, weiterhin mit Liebe und Hingabe den Chorgesang zu pflegen. wg. Großen-Buseck, 6. Nov. Die Werbung am nationalen Spar tag hat bei den hiesigen Volksgenossen ein starkes Echo gefunden. Viele brachten Ersparnisse zu der hiesigen Spar- und L e i h k a s s e, die neuerdings auch den Kleinsparverkehr eingeführt hat. Als Erheber wurden die Mitglieder Karl B o n a r i u s und Wilhelm Mattern III. bestimmt. Die Sparbücher werden von der Spar- und Leihkasfe unentgeltlich abgegeben. + Grünberg, 6. Nov. Entgegen der seitherigen Uebung war die gestrige Mitgliederversammlung der NSDAP. Ortsgruppe Grünberg in einem anderen Rahmen aufge- , zogen. Ein Teil des Goethe-Orchesters unter Pg. । Dr. Herdt hatte sich bereitwilligst zur Verfügung j gestellt und leitete die Versammlung mit einem flotten Marsch ein. Ihm folgten ein Sprechchor des Jungvolks und das Saarlied des BDM. Nach einem weiteren Musikvortrag sprach ein Mädel vom BDM. das Gedicht „Mein Vaterland." Alsdann erteilte der kommissarische Ortsgruppenleiter Pg. Lind dem Redner des Abends, stellvertretenden Kreispropagandaleiter Pg. Heß, das Wort. Dieser führte in großen Zügen ungefähr folgendes aus: Was ist Nationalsozialismus? Der Nationalsozialismus stellt keine Partei, sondern eine Weltanschauung dar. Er sprach dann über den Liberalismus, den Marxismus, die Politik auf weite Sicht, die Leistungen unseres Führers seit der Machtergreifung und erwähnte dabei die Arbeitsbeschaffung, das Erbhofgesetz und die neuen Steuergesetze. Er schloß seine Ausführungen mit einer Stellungnahme zur italienischen Politik und zur Saarfrage. Reicher Beifall wurde dem Redner für feine vortrefflichen Ausführungen zu Teil. Auch der Männergesangverein hatte sich bereitwilligst in den Dienst der Sache gestellt und trug zwei schöne Chöre vor. Nach einem weiteren Musikstück und geschäftlichen Mitteilungen des Propagandaleiters Hch. Schmidt trug der BDM. unter Gitarrenbegleitung noch ein Lied vor. Dem Schlußwort von Pg. Heß folgten weitere Darbietungen des Gesangvereins und der Hauskapelle. <£ Weickartshain, 5. Nov. Am Samstag abend fand in dem herrlich mit frischem Tannengrün und Blumen, zahlreichen Hakenkreuzfahnen und Girlanden, sowie mit Bildern des Führers geschmückten Hockschen Saale, unter Mitwirkung des hiesigen Musikvereins, die Verpflichtung der NS.-Frauenschaft von Weickartshain und Stockhausen statt. Der Musikverein eröffnete den Abend mit dem Badenweiler Marsch. Nach schlichten Begrühungsworten durch die Führerin, Frau Schlag, wurde das Frauenschaftslied gesungen. Danach erklärte der Redner, Pg. Dr. Röder (Gießen), in kernigen und eindrucksvollen Worten Zweck und Ziele der NS.-Frauenschaft. Nach dem Gesang „Wir treten zum Beten" las der Redner die Verpfüchtungsformel vor, verpflichtete die anwesenden Mitglieder und überreichte dann die Mitgliedskarten. Nach einigen Liedern sprach Frau Schubert (Stockhausen) dankende Schlußworte. Frohe Stunden verbrachte man anschließend in echter Kameradschaftlichkeit. CD Grüningen, 5. Nov. Die Vorarbeiten für die Krafstromleitung Lich — Leige st ern sind in unserer Gemarkung beendet. Die notwendigen Masten sind gesetzt. — Bei der vorgestrigen Treibjagd wurden 63 Hasen erlegt. (D Grüningen, 6. Nov. Die hiesige Ortsgruppe der NSDAP, veranstaltete am Sonntagabend im Saale des Gastwirt Bender eine von sämtlichen Formationen gutbesuchte Mitgliederversammlung. Nach dem gemeinsamen Gesang des Liedes „Volk ans Gewehr" ergriff Ortsgruppenleiter Pg. Otto M a r st e l l e r das Wort. Er schilderte in kurzen Worten die Feier am 9. N o - d e m b e r und deren Sinn, die durch den Pfarrer abgehalten werden soll. Die feierliche Weih e d e r Ortsgruppenfahne der Ortsgruppe Grüningen, zu der die Zellen Eberstadt und Dorf-Gill gehören, findet am nächsten Sonntag statt. Das Pro- gramm ist folgendermaßen vorgesehen: 8.45 Uhr gemeinsamer Kirchgang; 13.30 Uhr Festzug; 14 Uhr Eröffnungsmarsch in der Turnhalle, Begrüßungs- ansprache des Ortsgruppenleiters Marsteller. Danach wird Pg. ÄIo ft ermann die Weihe der Fahne vollziehen. Die Feier wird durch den Turnverein und durch die beiden Gesangvereine verschönt werden. Zum Fahnenträger wurde Pg. Appel bestimmt. Mit dreifachem Sieg-Heil auf unseren Führer wurde die Versammlung geschlossen. csd Eberstadt, 6. Nov. Gestern abend ist einer der alte ft en Einwohner unseres Dorfes, Heinrich Buß, im Alter von 86 Jahren plötzlich verstorben ! — . I Ideale Im Dienste der nationalsozialistischen Wettanö _ schauung. Stützpunktleiter Münch wies kurz auf ld Die Erhebung der Deutschen Arbeitssront zur Par« teigliederung hin und gab dann einige organifato- rische Maßnahmen bekannt. Die NS.-Gaufilmstelle Kreta Scholten. y. Schotten, 5. Nov. Am Samstagabend ver. veranstaltete einen Filmabend mit der Vorführun-g des Films „Drei Kaiserjäger", eines Landschaftsfilms und der Wochenschau. xp Deckenbach, 6. Nov. Von welche weit- tragender Bedeutung das große Arbeitsbe« schaffungsprogramm unserer Reichsregierung auch für die Holzbearbeitungsindustrie ist, kann man bei der Firma K. Friedrich, Zimmergeschäft und Sägewerk, sehen. Die Firma war mit Aufträgen so reichlich versehen, daß das hiesige Werk den ganzen Sommer über voll zu tun hatte. Auch die Filiale in Neuhaus bei Homberg ammelten sich nach der üblichen, im Oberwald tattgehabten Hubertusjagd die Jäger, Jagd- reunöe und die Försterschule im „Hessischen Haus" zur alljährlichen Hubertusfeier. Oberforstmeister D e u ft e r begrüßte die zahlreichen Weidgenossen wies auf die Bedeutung des Hubertustags hin. Kreisleiter K r o m m brachte ein Sieg-Heil auf den war fo stark beschäftigt, daß etwa 25 Arbeiter in zwei Schichten ihren Verdienst fanden. Die Firma hat im Sommer Pferde angeschafft und vor kurzem einen Bulldogg erworben. Mit diesem ist insbesondere eine bessere Verbindung zwischen Werk Deckenbach und Werk und Station Neuhaus gewährleistet. = er. Homberg, 6. Nov. Hier fand in der dichtbesetzten Stadthalle eine Saarkundgebung statt. Nach einem Sprechchor und dem gemeinsam gelungenen Lied „Volk ans Gewehr" hielt Herr L e s s e l, ein Arbeitsdienstfreiwilliger aus dem Saargebiet, einen fesselnden Vortrag über seine Heimat. Mit begeisterten Worten verstand er es, seinen Zuhörern unser schönes Saarland im Geiste nahezubringen. Lautlose Stille herrschte während des ganzen Vortrags. Gerade dies mag dem Redner schönster Lohn gewesen sein, bewies es ihm doch, wie weit alle von seinen Ausführungen gefesselt wurden. Das Saarlied beschloß die würdige Kundgebung. st. Kirtorf, 6. Nov. Der Gemeinderat genehmigte in seiner jünasten Sitzung den Pachtver- trrag mit Apotheker Ludwig Frey aus Heber- lingen, der als Nachfolger des verstorbenen Apo- thekers Reichmann die Stadtapotheke übernimmt. Die Pflasterung an der Marburger Straße und die Instandsetzung der Polizeiwohnung in der alten Schule wurde genehmigt. An der Neustädter Straße soll nach Ausfüllung eines Grabens das dadurch gewonnene Gelände zu Siedlungsbauten Verwendung finden. Die Bürgersteuer für 1935 wird, wie im Vorjahre, mit 100 Prozent erhoben werden. — Die hiesige P o l i z e i st e l l e wurde dem Polizeiwachtmeister Röhrig aus Waldmichelbach übertragen. — Die Holzfällerarbeiten in den Stadtwaldungen haben begonnen. — Der Spar- und Darlehenskassenverein (Raiffei* s e n) hielt in der Gastwirtschaft von Becker seine Generalversammlung unter Leitung des Vorsitzenden Sprankel ab. Die Bilanz, die mit 77 113 RM. in Aktiva und Passiva abschließt, wurde einstimmig genehmigt. Der Verein beschloß den Beitritt zu dem ländlichen Genossenschaftsverband Rhein-Main- Neckar. Eine Kommission soll sich mit der Prüfung der Außenstände und der Warenbestände beschäftigen. — In einer Bauernversammlung unter Leitung des Ortsbauernführers L i e h r wurde beschlossen, zum Winterhilfswerk für jeden Morgen Land der angebauten Grundfläche zwei Pfund Roggen und 6V2 Pfund Kartoffeln als Spende abzu- hierauf folgten Reigenvorführugen des BDM. aen und 6V2 Pfund Kartoffeln als Spende abzu- Schulungsleiter Erb von der HI. hielt hierauf eine führen. Ferner wurde über die Lieferung von Brot- Ansprache über den Kampf der Jugend für ihre j getreide zur Sicherung der Ernährung verhandelt. Führer aus. Manch treffliches Wort auf Wald und Jagd, sowie auf die Schönheit unserer Heimat wurde gesprochen, manch herrlich Lied auf den deutschen Wald und die Jägerei gesungen. * Wetterfeld, 6. Nov. Die hiesige Orts- bauernschaft brachte bei der Kartoffel» fammlung für das Winterhilfswerk 115 Zentner Speifekartoffeln zusammen. ch Groß-Eichen, 6. Nov. In unserer Turnhalle fanden am Samstag zwei Vorstellungen des Kasperle-Theaters statt, die jung und alt viel Freude brachten. — Am Sonntag wurden in unserer Ortsgruppe für 29 Mark Astern für das Winterhilfswerk verkauft (Sellnrod 10 Mk., Groß-Eichen 17 Mk., Solms-Ilsdorf 2 Mark.) — Auf Station Weickartshain kamen die Kartoffelspenden für das Winterhilfswerk zur Verladung. Es spendeten: Sellnrod 60 Zenter; Groß-Eichen 165 Zenter; Klein-Eichen 76 Zentner; Solms-Ilsdorf 32 Zentner. Die Sendung geht nach Offenbach, um dort an hilfsbedürftige Volksgenossen verteilt zu werden. § Ulrichstein, 6. Nov. Auch hier fanden am Sonntag die Vorstellungen des Kasperlethe- a t e r 5 „Radi-Rullala" bei Kindern und Erwachsenen viel Beifall. Die Vorstellungen, die von der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" veranstaltet wurden, waren beide gut besucht. Kreta Alsfeld. * Alsfeld, 6. Nov. Die Sammlung für den Volksbund Deutsche Kriegsgräber- f ü r f 0 r g e erbrachte im Kreise Alsfeld insgesamt 1440,55 Mark. kf Merlau, 6. Nov. Die Verbundenheit zwischen Stadt und Land kommt im nationalsozialistischen Staate durch das W i n t e r h i l f s° werk voll und ganz zur Geltung. Dies konnte man gestern wieder an den Stationen der Strecke Mücke —Hungen wahrnehmen. Hunderte von Fuhrwerken aus dem Vogelsberg hielten mit Frucht und Kartoffeln schwer beladen an den einzelnen Stationen. Fleißige Hände waren damit beschäftigt, die Spenden für das Winterhilfswerk in die Waggons zu verladen. Teilweise waren die Waggons mit frischem Tannengrün geschmückt, aN manchen Waggons waren auch Schilder mit sinnvollen Ansprüchen angebracht. Dies alles zeugt davon, wie das große soziale Hilfswerk, das von unserem Führer und Reichskanzler in die Wege geleitet wurde, vom Volke verstanden und durchgeführt wird. ll. Merlau, 6. Nov. Der hiesige Stützpunkt der NSDAP, hielt gestern abend im Saale von Hörle eine Versammlung ab, die von Stützpunktleiter Münch geleitet wurde. Der HI. - Spielmannszug leitete den Abend mit einem Marsch ein, Kirche und Schule. Landkreta Gießen. 5 Steinbach, 5. Nov. Das Reformatio n s f e st wurde hier und in A l b a ch zunächst am Mittwoch mit je einem Gottesdienst für die Jugend gefeiert, an dem auck erwachsene Gemeindeglieder sich beteiligten. Am gestrigen Sonntag fand in Steinbach vormittags Festgottes- 0 i e n ft statt, in dem der Pfarrer über Apostelgeschichte 4, 29 predigte und als Aufgabe der Wort- verkündigung unserer Zeit ein deutsches Christentum mit dem Ziel eines christlichen Deutschland darstellte. In Albach fand der Festgottesdienst nachmittags statt. Als Abschluß und Krönung des Festes wurde abends eine Gemeindefeier stunde im Gotteshaufe gehalten. In Steinbach wirkte hierbei der Kirchenchor unter Leitung des Musikmeisters Schleuse mit. In Scbriftlesungen und Gemeindeliedern wurde die Botschaft der Reformation bargeboten. „Unsere Stellung zur Bibel als Lebenswort" war der Inhalt der Ansprache des Pfarrers, diese schloß sich an drei Kernsprüche der Bibel an. Nach der Feierstunde fand eine Bibel-Aus- ft e H u n g statt, gezeigt wurden alte Bibeln aus der Gemeinde und eine reiche Auswahl moderner Bibeln in allen Preislagen. Einige Bibeln wurden bestellt von Ehepaaren, die keine Traubibeln erhalten hatten. Seit der Inflationszeit ruhte diese Sitte der Traubibeln, bis der jetzige Pfarrer sie wieder einführte. y Großen-Buseck, 5. Nov. Am Sonntag fand in unserer Kirche eine Bibelfeier statt, die von der Gemeinde sehr gut besucht war. Im Mittelpunkt stand ein Vortrag von Pfarrer Mül» ter über das Thema: „Die deutsche Lutherbibel als das Lebensbuch, Kampfbuch und Heimatbuch des deutschen Volkes." Der Vortrag gab ein anschauliches Bild von dem Werdegang der Bibelübersetzung, von Luthers meisterhafter „Verdeut- schungskunst", von der Bedeutung der deutschen Bibel als Grundlage der deutschen Schriftsprache und als Kraftquelle deutscher Frömmnigkeit. Anschließend führten die Konfirmanden ein liturgisches Wechselgespräch: „Das ewige Wort" auf, das das Wort Gottes als besten Ratgeber, höchstes Gut, Tröster im Leiden, Mahner und Warner in entscheidungsvollen Stunden eindrucksvoll vor Augen stellte! Zwei sehr schön vorgetragene Lieder des Kirchenchores, sowie Gemeindegesang umrahmten die wohlgelungene Feier. T Treis a. d. Lda., 5. Nov. Das Reformationsfest, verbunden mit dem 400jährigen Bibeljubiläum, wurde hier gestern mit einem durch Mitwirkung des Posaunenchors und Schülerchors ver- fchönerten Festgottesdienst begangen, nachdem bereits am Mittwoch eine Reformationsfestfeier mit den Schülern in der Kirche stattgefunden hatte. Am Abend war in Mills Saal eine kirchliche Familienfeier der ganzen Gemeinde, bei der von den Konfirmanden für den Tag passende Gedichte vorgetragen wurden, die den vom Ortspfarrer gehaltenen Vortrag über: „Luthers Bibel- verdeutschung" umrahmten. Nach dem Vortrag wurden noch eine Reihe von Lichtbildern gezeigt, die die Anwesenden mit den verschiedenen Bibel- ausgaben bekannt machten. Der Posaunenchor begleitete die gemeinsam gesungenen Lieder und trug mehrere religiöse Musikstücke vor. Die Schüler der ersten Klasse erfreuten uns durch einige gut vor- getragene Choräle. § Lumda, 4. Nov. Heute fand die E v a n - gelisationswoche, ausgeführt durch Missio- nar Walther (Gießen), ihren Abschluß. Der Besuch war recht gut; jeden Abend fand sich alt und jung in der Kirche ein, um dem Wort des Lebens zu lauschen. Die Evangelisation wurde mit dem Vortraa eingeleitet: „Wohl dem, der eine Heimat fjatr Von der irdischen Heimat, die mir von ganzem Herzen lieben, wurden wir hingewiesen zu der himmlischen Heimat, die wir noch höher schätzen sollen. Der Weg zu dem ewigen Vaterhaus wurde uns in den beiden folgenden Vorträgen gezeigt; sie standen unter dem Thema: „Welches ist der rechte Glaube?" Der Missionar setzte sich mit den christusfeindlichen Strömungen unserer Tage auseinander und zeigte uns den wahren Führer Jesus Christus, der von sich sagen kann: „Ich bin der Weg, d i e Wahrheit und das Leben; nie- kommt zum Vater denn durch mich." Drei weitere Vorträge beleuchteten das Leben in der Familie; sie schilderten wahres Eheleben, rechte Erziehung und heilige Jugendzeit. Zur Schlußversammlung am Sonntagabend war die ganze Gemeinde er- chienen. Noch einmal wurde uns der Heiland in einer suchenden Hirtenliebe vor Augen gemalt. Ach, )aß wir ihm alle folgen möchten zu unserem zeitlichen und ewigen Heile! Z Beltershain, 5. Nov. Die hiesige Evangelische Gemeinschaft veranstaltete am Donnerstag im Schulsaal einen Vortrag mit Lichtbildern. Prediger Pfeiffer- Grünberg sprach über das Leben und Wirken von Dr. Martin Luther. CD Ober-Bessingen, 5. Nov. Aus Anlaß des Reformationsfestes und des 400jähri- gen Bibeljubiläums veranstaltete Pfarrer Strack eine B i b e l a u s st e l l u n g in Jakobs Saal. Es war eine Anzahl alter Bibeln aus Familien unseres Kirchspiels zu sehen, daneben wurden die neuesten Bibelausgaben gezeigt, die in verschiedenster Größe zu kaufen waren. Anschließend zeigte Pfarrer Strack die Lichtbildreihen „400 Jahre Lutherbibel" und „Bilder aus der Rudolf-Schäfer-Bibel", die einen tiefen Eindruck bei den Beschauern hinterließen. oo Eberstadt, 6. Nov. Am Sonntagabend hielt Pfarrer Lenz (Münzenberg) in der hiesigen Kirche einen Vortrag über die Bekenntniskirche. Am Schlüsse des Abends dankte Pfarrer Ködding (Eberstadt) im Namen der Gemeinde dem Vortragenden für seine Darlegungen. Kreta Alsfeld. ll. Flensungen, 5. Nov. Gestern abend fand im hiesigen Gotteshaus eine Reformationsfeier statt. Im Mittelpunkt des Abends stand ein Laiensviel der evangelischen Jugend „Luther der Kämpfer". In seiner Predigt betonte Pfarrer Kalbhenn den Wert der Bibelübersetzung für unsere deutsche Sprache. Kreta Wetzlar. CD Dutenhofen, 6. Nov. Hier fand die Kreisversammlung des Qungmänner- b u n b e s unter dem Vorsitz von Pfarrer Koch (Lützellinden) statt. In den Verhandlungen beschäftigte man sich mit der Konferenz in Barmen, ferner mit der Bekenntniskirche, der Winterarbeit im Kreise, mit Bezirkskonferenzen und Bibelkursen. Mit Gebet und Gesang wurde die Versammluna geschlossen. LEM jgiimentSE Preußen. Kreis Wehlar. (D Krofdorf, 6. Nov. Vor 80 Jahren, im Jahre 1854, befand sich in unserem Dorfe noch ein Gemeindebrauhaus. Eine Chronik besagt: „Die Bierbrauerei hat einen bedeutenden Aufschwung genommen. Es wird ein angenehm schmeckendes Bier von den Wirten Georg Abel (zur Schere und Gunkels) im Gemeindebrauhaus gebraut und in die umliegenden Orte, auch nach Gießen, verkauft; es sollen an 600 Ohm in diesem Jahre fabrizieret worden sein". In demselben Jahre erhielt die Kirche die heutige Orgel für 928 Neichstaler. Das Herrichten der Orgelbühne vor dem alten Chor kostete 316 Reichstaler. Auch wurde eine drei Zentner schwere Glocke für 87 Gulden umgegossen. 0 Groh-^Rechtenbach, 6. Nov. In der jüngsten Gemeinderatssitzung beriet der Gemeinderat über die Vergebung der Wasser- schürfungsarbeiten. Es waren neun Angebote eingegangen. Die Wenigstforderung betrug 5100 RM., die Höchstforderung 7967 RM. Auf Vorschlag der Gemeinderäte hat der Gemeindeschulze die Arbeiten dem Bauunternehmer Zöller (Dornholzhausen) zu seinem Angebot übertragen. Die Arbeiten werden als Notstandsarbeiten ausgeführt und sollen sofort in Angriff genommen werden. ■ Groß-Rechtenbach, 6. Nov. In der h-ie- siqen Gemeinde wurden durch die Ortsbauernschaft für das Winterhilfswerk 131,19 tzentner Kartoffeln und 23,19 Ztr. Roggen gesammelt. Bei der durch das Jungvolk durchgefuhr- ten Brotsammlung wurden 104 Laibe Brot gespendet. Der erste Eintopfs onnt a g lieferte eine Geldspende non 57,70 Mark, »ei dem Verkauf von 21 ft e r n am Sonntag gingen 16,40 Mk. ein X Lützellinden, 6. Nov. Der Gemelndeschulze hat nach Anhörung der Gemeinderate beschlossen, für das Kalenderjahr 1935 die Bürgersteuer in Höhe von 100 vom Hundert des Reichssatzes zu erheben. Dieser Satz entspricht demjenigen des Kalenderjahres 1934. v Dornholzhausen, 6. Nov. Bei der durch die Ortsbauernschaft durchgesührten Sachspenden- Sammlung für das Winterhilfswerk wurden 31 Zentner Roggen, 80 Zentner Kartoffeln ein Zentner Kraut und 3,5 Zentner Aepfel gezeichnet. — Der Gemeindeschulze hat nach Anhörung der Gemeinderäte beschlossen, die Bürgersteuer für das Kalenderjahr 1935, wie im Vorjahre, mit 100 vom Hundert des Reichssatzes zu erheben. Briefkasten der Redaktion. Pio.-Batl. 21. Aufsichtsbehörde der Landkrankenkasse Gießen ist das Versicherungsamt für den Kreis Gießen, Krejsamtsgebäude in Gießen. Wenn Sie jedoch eine Beschwerde wegen Verweigerung von Leistungen geltend machen wollen, dann müßen tote sich cm das für Ihren Wohn- oder Beschaftigungs- ort zuständige Versicherungsamt wenden. — Bregen Ermittlung der Adresse eines Kriegskameraden wenden Sie sich am besten zunächst an das Zentral- nachweiseamt, Abteilung Kriegsstammrolle Spandau, um dort zu erfahren, nach welchem Orte Ihr Kamerad bei der Demobilmachung entlassen wurde. Dann müssen Sie bei der Ortspolizeibehörde dieses Ortes anfragen, ob er dort noch ansässig ist bzw. wohin er seinen Wohnsitz verlegt hat. mqer Weise müssen Sie sich evtl, an die in Betracht kommenden Einwohnermeldeämter wenden. h. W. In Ihrer Angelegenheit können wir Ihnen nur empfehlen, sich an einen Arzt Zwecks Beratung zu wenden, da die Erledigung derartiger Anfragen im Briefkasten nicht möglich ist. O. R. Die Stempelgebühr für ein bet dem Ministerium einzureichendes Gnadengesuch beträgt 1,50 Mark und muß in Kostenmarken sofort betgclegt werden. Ttundsunkprogramm. Donnerstag, 8. November. 6 Uhr: Bauernfunk. 6.15: Gymnastik I. 6.30: Gymnastik II. 6.45: Frühmeldungen. 7: Frühkonzert. 8.30 bis 8.45: Gymnastik. 9.15: Ein Schifflein sah ich fahren ... Eine Singestunde. 10: Nachrichten. 10.15: Schulfunk. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11.45: Sozialdienst. 12: Mittags, konzert I. 13: Saardienst. Nachrichten. 13.10: Nach, richten aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskon, zert U. 14.15: Nachrichten. 14.30: Wirtschaftsbericht. 15: Nachrichten. 15.15: Kinderstunde. 16: Nachmit- tagskonzert. 18: Spanischer Sprachunterricht. 18.15: Zur Woche des deutschen Buches. 18.35: Katechis- mus für Sprachsünder IV. 18.45: Unterhaltung«, konzert. 19.45: Tagesspiegel. 20: Nachrichten. 20.10; Saar-Umschau. 20.30: Schlachtenmusiken. 21.25: Eine schutzlose Frau. Schwankszene. 22: Nachrichten. 22.10: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 22.30: Kompositionen von Johanna Senfter. Kircblick»e Iackrichten. Vaptisten-Gemeinde. Gartenstraße 13. Donnerstag, den 8. November. 20.30 Uhr: Bibelbesprechung, Pred. Lotz. 5'.. r •VVA-' .‘y.r '<•7 .■ • X v Ihr sollt lachenII Ihr sollt lachen!! Zu Gunsten der Winterhilfe! Donnerstag, den 8. November 1934, nachmittags 3 Uhr, im Cafe Leib Bedr. 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