Nr. 80 Erster Matt 184. Jahrgang Freitag, 6. April 1954 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familieublätter Heimat im Bild • Die Scholle Monats-Vezngrpreis: Mil 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr .. „ - 25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernfprechanschliifse unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach. richten: Anzeiger Gießen Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitats-Vuch- und Zteindruckerei R. 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Nun soll eine neue Verfassung entstehen, ein „autoritärer" Staat, der das Wort „Republik" vorsichtig vermeidet, eine Verfassung, die dem Bundespräsidenten Miklas etwa die Befugnisse eines „Reichs- verwesers" nach ungarischem Vorbilde verleiht. Im übrigen soll der Aufbau der Verfassung ihr einen „b e r u f s st ä n bischen" Charakter geben. Die Stadt Wien soll der Regierung unmittelbar unterstellt sein und etwa 50 Gemeinderäte erhalten, die der Bürgermeister als der Vertrauensmann der Bundesregierung ernennt. Abgeschlossen ist das Werk noch keineswegs. Kennzeichnend ist besonders, daß als voraussichtliche Rechtsgrundlage der neuen Verfassung das kriegswirtschaftliche Ermächtigungsgesetz aus dem Jahre 1916 genannt wird. Dieses Zurückgreifen auf eine Ermächtigung aus der längst untergegangenen Habsburger Zeit verrät eine merkwürdige Scheu der gegenwärtigen Leiter der öftereichifchen Politik, mit den lebendigen Strömungen des V o l k s w i l l e n s in Fühlung zu treten und das ganze Volk an dem Neubau des Staates zu beteiligen. In diesem Punkt liegt wohl die größte Schwäche der österreichischen Verfassungsreform, die durch das Fehlen einer sie tragendenVolksbewegung ganz den Charakter einer Improvisation und damit eine brüchige Grundlage erhält. Dieser Mangel einer großen positiven Idee macht sich auch für den Außenstehenden schon im jetzigen Vorbereitungsstadium peinlich bemerkbar. Im vorigen Jahr war allerdings häufig von den päpstlichen Enzykliken Rerum novaruni und Quadrat gesimo anno die Rede, andererseits hat die monarchistische Propaganda in den letzten Monaten in Oesterreich zugenommen,. Aber in den offiziellen Steuerungen zu dem „Osterentwurf" ist weder die eine noch die andere Idee, noch auch eine Verbindung von beiden festzustellen. Der österreichische Bundeskanzler hat dieser Tage in einem Zeitungsaufsatz erklärt, daß der neue Verfassungsentwurf d i e B e r u f s st ä n d e zur Grundlage, zu Trägern des politischen und wirtschaftlichen Gemeinschaftslebens mache, und er geht dabei von der Voraussetzung aus, daß sie die einzigen Träger dieses Gemeinschaftslebens sein sollen. Dr. Dollfuß nahm bisher eine etwas anderen Standpunkt ein, entsprechend den parlamentarischen Grundsätzen der Christlichsozialen Partei. Sein Verfassungsentwurf vom September 1933 wollte die wirtschaftlichen Fragen einer ständisch aufgebauten Kammer, die kulturellen und politischen Fragen einem reorganisierten Nationalrat zuweisen, es war also immerhin für einen Teil der Volksvertretung das Recht auf politische und nicht nur ständische Willensbildung vorgesehen. Einer der offiziellen Gründe für den Verzicht auf diese Idee und die völlige Ausschaltung des N a t i o n a l r a t e s in den neuen Entwürfen ist die Botschaft Mussolinis vom November 1933, in der erklärt wurde, daß in einem korporativ aufgebauten Staat künftig für ein gewähltes Parlament nach Art der bisherigen Kammer fein Platz mehr sein werde. Hat man aber in Oesterreich den Unterschied der politischen Struktur beider Länder berücksichtigt, vor allem das Vorhandensein der faschistischen Partei mit allen ihren Organisationen, die einen denkbar entschiedenen politischen Willen repräsentieren und denen Oesterreich nichts Entsprechendes gegenüber zu stellen hat? . Es ist zu verstehen, daß ein so diskutables Prm- zip wie die rein berufsständische Volksvertretung um so größere Schwierigkeiten bietet, je konkreter »eine Verwirklichung in Angriff genommen wird. Der Osterentwurf sieht zur vorbereitenden Prüfung der Gesetze vier „beratende Körper" von ungleicher Größe und mit Z^nnnen «S bis 188 Mitgliedern cor. Staatsrat, Kulturrat, Wirtlchasts- rat, Lünderrnt. Als eigentlich gesetzgebendes aber nur selten zusammentretendes Organ soll em B un- d e s t a g fungieren, der aus 59 Mitgliedern, nämlich 20 ■ernannten Staatsräten, 20 Wirtschaftsraten 10 Kulturräten und 9 Länderräten bestehen soll. Dieser Bundestag wird die von der Regierung und den beratenden Körpern vorbereitenden Gesetze nur annehmen ober ablehnen, nicht aber ändern können. , Das ist eine bequeme Losung Es fragt sich aber. Wo soll der Schwerpunkt der Staatsgewalt und der tatsächlichen Macht li^en, be, den Berufsständen, bei der Regierung oder be, dem Staatsoberhaupt, dessen Rolle be, den M°nwar- tiqen Beratungen am umstrittensten zu fern scheint. Wird in der Praxis die Politik IN der Hand der Berufsstände cersachlicht werden wie man es er- hosft, oder wird nicht das ganze Beruss-^unü W,rt- schastsleben noch mehr p ° l 11 is ie r 1 werden, als dies bisher schon der Fall war? Das sind Fingen, die man sich auch in Oesterreich stellt, h s beantworten zu können. Um den f - 5 einen geschlossenen Staatswillen zu ersetzen, g. g es offenbar nicht, daß der Bundeskanzler v Jahr erklärte, „dieses Parlament, diese Parteien werden nie wiederkehren", und daß der Derfassungs minister Ender jetzt die Verwirklichung dieser Worte in der Weise vorsieht, daß er em ganzes Bündel neuer Parlamente und Jnteressentengruppen, zwar ohne politisches Programm aber mit politischen Befugnissen, schaffen will. Inzwischen sucht der Anhang des Bundeskanzlers Dollfuß durch eine große Agitation den notwen- Gtaatskrisis in Rumänien. Oie Führer der Eisernen Garde im Ouca-Prozeß freigesprochen. - Schwere moralische Niederlage der Regierung. Kommt eine Diktatur? LebenslänglicheZwangsarbeit für die Mörder Ducas. Die Eiserne Garde rehabilitiert. Bukarest, 5. April. (DRV.) 3m Prozeß gegen die Mörder des Ministerpräsidenten D u c a fällte das Kriegsgericht des zweiten Armeekorps nach vierzehntägiger Verhandlung das Urteil. Der Student Lonsianlinefcu, der die tödlichen Schüsse auf Duca abgegeben hatte, erhielt lebenslängliche Zwangsarbeit, ebenso feine beiden Helfershelfer, die Studenten V e l i m a c e und C a r a n i c a. Alle übrigen Angeklagten wurden freigefprochen, darunter der Führer der Eifernen Garde, Eodreanu, und der General Eantacuzino. Das Urteil Hal in Bukarest einen außerordentlich starken Eindruck gemacht, weil es in der Praxis auf eine Rehabilitierung der Eisernen Garde hinausläuft und eine schwere innenpolitische Riederlage der Regierung Papa r e s c u bedeutet. Vor allem wird jetzt die Eiserne Garde wahrscheinlich einen außerordentlichen Zulauf bekommen. Was die Regierung tun wird, läßt sich im Augenblick noch nicht sagen. Bereits vor einer Woche hieß es, daß sie im Falle eines Freispruches der Führer der Bewegung z u - rücktreten und einer Regierung des Feldmar- schalls A v e r e f c u Platz machen müsse. Die Entscheidung darüber liegt jedoch bei der Krone. Diese Entscheidung mag ausfallen wie sie will, eines ist sicher, der große Kampf zwischen liberalistischer und faschistischer Idee hat vor dem Kriegsgericht mit einem moralischen Sieg der letzteren geendet und seine Umwandlung in einen tatsächlichen dürfte nach Lage der Dinge nur noch eine Frage der Zeit sein. Die innerpotitische Lage ist noch ungeklärt. Sämtliche Minister haben sich in die Wohnung des Mi- niskerpräsidenten begeben, wo unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Paparescu ein 7Ninist e r r a t stattfindel, der zu der neuen Lage, die durch den Freispruch des Führers der Eisernen Garde geschaffen ist, Stellung nehmen soll. Die Kammer hat das Gesetz zum Schuhe des Staates, das dem ehemaligen deutschen Repu- blikschuhgeseh entspricht, angenommen und sich bis zum 16. April vertagt. Da am Freitag bereits mit Rücksicht auf das rumänische Osterfest d i e parlamentarischen Ferien beginnen, nimmt man an, daß vor den Festtagen eine Aende- rung der Lage nicht eintreten wird. Ueberraschun- gen sind jedoch nicht ausgeschlossen, da alles Weitere von dem Ergebnis der Ministerratsbesprechungen abhängt. Kein parlamentarischer Ausweg. Budapest, 6. April. (DNB. Funkfpruch.) Sämtliche Budapester Morgenblätter bringen Bukarester Meldungen, wonach die rumänische Regierung dem König bereits ihren Rücktritt angeboten habe. Der König soll jedoch den Rücktritt nicht angenommen haben. Sicher sei, daß Titulescu seine Mitarbeit an Das ungarische Echo der Titulescu-Rede. Ungarn beharrt auf der Forderung nach Revision. B u d a p e st, 5. April. (DNB.) Im Oberhaus brachte Graf Wladislaus Somsfich die Interpellation Manius und die Antwort T i tute s c u s zur Sprache und trat als seinerzeitiges Mitglied der ungarischen Friedensdelegation der Behauptung Titulescus mit Nachdruck entgegen, als hätte die ungarische Friedensdelegation Gelegenheit gehabt, die Festsetzung der Friedensbedingungen zu beeinflussen. Der Redner erklärte, daß die ungarische Friedensdelegation sozusagen gefangengehalten wurde und ledig- lich zur Uebernahme der Friedensbedingungen vor den Fünferrat bestellt worden sei. Die Behauptung, daß mit der ungarischen Delegation Verhandlungen geführt worden seien, sei eine zynische Entstellung. Auch die Sitzung des Abgeordnetenhauses war ein gewaltiger Protest gegen die Ausführungen Manius und Titulescus. Der Abgeordnete Geza Desi bezeichnete die Interpellation Manius als eine b e st e l l t e Rede. Es scheine, daß der Heißhunger Rumäniens noch immer nicht gesättigt sei. Ungarn stehe mit seinem Glauben an die Revision nicht allein. In England beginne man den Fehler einzusehen. Es werde die Zeit kommen, wo sich die Sieg er untereinander verzanken würden. Es werde niemals Frieden geben, solange keine Revision stattfinde. Oie Pariser Presse zur Rede Titulescus. Paris, 5. April. (DNB.) In der französischen Presse wird die Rede des rumänischen Außenministers Titulescu geteilt ausgenommen. Die offiziösen Blätter suchen wie immer auch diese Rede einfach für die französische Politik zu beschlagnahmen und scheuen in diesem Zusammenhang vor keinem Lob zurück. Abweichend hiervon hat nur die linksradikale Abendzeitung „N o t r e Temps" einer neugebildeten Regierung a b l e h n e n werde. Als Sensation wird von den Budapester Blättern das Gerücht verbreitet, der König trage sich mit dem Gedanken, den Führer der Eisernen Garde, Codreanu, in Privataudienz zu empfangen. „Magyarsag" stellt fest, daß in Rumänien keine Möglichkeit zur Lösung der Regierungskrise auf parlamentarischer Grundlage bestehe. Man rechne infolgedessen in politischen Kreisen mit einer Diktatur unter Feldmarschall Avarescu und Goga. den Mut, die Ausführungen Titulescus als beunruhigend und entmutigend zu bezeichnen. Auch bemüht sie sich, die Titulescu-Rede ebenso wie die kürzlichen Erklärungen Beneschs in den Rahmen einer einheitlichen Politik der Kleinen Entente zu stellen. Der „T e m p s" begrüßt, daß Titulescu entschieden der Revisionskampagne entgegengetreten sei und mit großer Freimütigkeit einen soliden Standpunkt zum Ausdruck gebracht habe. Das „Journal des Debats" rühmt die eindeutige Redeweise des rumänischen Außenministers, der 91 o m eine geschickte Warnung habe zugehen lassen. Die Unabhängigkeit Oesterreichs, die für den Frieden in Europa fo notwendig fei, könne nur durch den vereinigten Widerstand, also durch die gemeinsame Aktion Frankreichs, Italiens und der Kleinen Entente, aufrechterhalten werden. Das fei die hauptsächliche Schlußfolgerung der Rede Titulescus. Ungarische Minderheilenpolttik. Budapest, 5. April. Im ungarischen Oberhaus stellte Eugen Sz o n t a g h offensichtlich unter dem Eindruck der Erklärungen Titulescus im rumänischen Parlament eine Anfrage, in der er die Verordnung zur Namens-Magyarisierung als unglücklich bezeichnete. Diese Maßnahme könne leicht als Beweis für die Unterdrückung der Minderheiten in Ungarn gewertet werden. Der ungarische Innenminister Keresztes Fischer -bestritt, daß eine Verordnung ergangen wäre, es habe sich lediglich um ein informatives Rundschreiben gehandelt, in dem die Regierung nur auf die Wichtigkeit der Namens-Magyarisierung hingewiesen habe. Der Minister gab zu, daß dies fälschlich ausgelegt wurde und daß man sich in der Provinz im Interesse der Namens-Magyarisierung verschiedener Zwangsmittel bediene, die nicht in der Absicht der Regierung gelegen hätten. Der Innenminister erklärte, Anweisung gegeben zu haben, daß die Empfindungen der Minderheiten zu achten seien und keinerlei Zwangsmittel in bezug auf die Namens- Magyarifiernng angewendet werden dürften. Die Träger fremd klingender Namen hätten keinerlei Nachteile für sich zu erwarten. Gegen den Widersinn der Verträge. digen Anklang im Lande zu finden. Besonders die (bisher größtenteil marxistische) Arbeiterschaft soll für die „Vaterländische Front" gewonnen werden. Doch ist die Opposition unter der Decke noch lebhaft tätig, fo daß die mit Hilfe Italiens gewonnene Machtstellung der jetzigen Wiener Regierung keineswegs mit der Auffassung der breiten Schichten übereinstimmt. Keine Einigkeit im österreichischen Aegiernngslager. Wien, 5. April. (DNB.) Die Flucht der Nationalsozialisten und Schutzbündler aus dem Linzer Strafgefängnis beschäftigt in hohem Maße die Oef- fentlichkeit. Wie verlautet, steht der Rücktritt des Präsidenten des Obersten Gerichtshofes Dr. D i n g h o f e r, der Mitglied der Großdeutschen Volkspartei ist, bevor. Auch die Stellung des Staatssekretärs der Justiz Dr. Glaß gilt als erschüttert. Es verstärkt sich der Eindruck, daß die Gegensätze innerhalb der Regierung über die grundsätzlichen Fragen der neuen Verfassung zu weitgehenden Personalveränderungen innerhalb des Kabinetts führen werden. Insbesondere sollen sich die Gegensätze zwischen den Forderungen der Christlich-Sozialen auf einen föderalistischen Aufbau der Verfassung und den Heimwehrforderungen auf eine zentralistische Lösung erheblich verschärft haben. Eine entscheidende Rolle spielt die bisher noch völlig ungeklärte Frage, ob dem Bundespräsidenten die Befugnis zu einer Aenderung der Verfassung eingeräumt werden soll. Dieser Frage wird naturgemäß in legitimistischen Kreisen eine entscheidende Bedeutung beigemessen. Die Verkündung der Verfassung wird infolge der bestehenden Schwierigkeiten voraussichtlich sich noch auf einige Zeit hinauszögern. Bei dem großen Empfang der n euen Wiener Gemeindeverwaltung im Rathaus blieb die offizielle Ernennung des neuen Bürgermeisters und feiner Stellvertreter überraschenderweise aus. Hinter den Kulissen soll e i n heftiger Kampf um die Besetzung der Dize- bürgermeisterstellen zwischen den christlich-soMlen Sturmscharen des Ministers Schuschnigg, den Heimwehren und der alten Christlich-Sozialen Partei toben. Die Ernennung soll nun im Ministerrat am Freitag erfolgen. Oie französische Antwort auf Englands Rückfrage. Paris, 6. April. (DNB.-Funkfpruch.) Die Minister treten heute vormittag erneut zu einem Ministerrat zusammen, in dem neben dem zweiten Abschnitt der Sparmaßnahmen auch die Antwort auf die letzten englischen Fragen in der Abrüstungsangelegenheit fertiggestellt werden soll. Diese Antwort, so schreibt der „Matin", sei vom Außenminister bereits aufgestellt und bedürfe nur noch der Zustimmung des Ministerrats. Sie sei sehr kurz und enthalte die Mindestgaran- tieforberungen vor dem Abschluß eines Abrüstungsabkommens. Die Antwort sei außerdem sehr klar gehalten und schließe zweideutige Auslegungen der französischen Sicherheitsforderungen aus. Die Note werde voraussichtlich noch heute nach London gekabelt. Die radikalsozialistische „Ere Nouvelle" schreibt, man werde sich von Tag zu Tag klarer darüber, daß der Locarnovertrag unvollstän- d i g sei und erst an dem Tage wirklich wirksam werde, an dem d i e moralischen Garanti e n , die er enthalte, sich nicht nur auf die Reichsgrenzen beschränkten, sondern auch auf die Kleine Entente ausgedehnt würden. Es fei zu hoffen, daß England diesen Standpunkt verstehe und den Bemühungen zur Organisierung einer internationalen Sicherheit beipflichten werde. „Oeuvre" weist darauf hin, daß man in England einen großen Unterschied zwischen den Durchführungsgarantien des Abrüstungsabkommens und der Erhöhung der allgemeinen Sicherheit mache. Man sei in England wohl bereit, sich an den Durchführungsgarantien zu beteiligen, werde aber keinen Schritt tun, um die Sicherheit der Grenzen auch auf die O st grenzen auszudehnen, die heute nur durch den Kelloggpakt geschützt seien. Macdonald und Sir Lohn Simon feien sich darüber einig, in der Frage der Durchführungsgarantien eine Reihe von aufeinanderfolgenden Sanktionen vorzusehen, falls das Abrüstungsabkommen verletzt werden sollte. Diese Maßnahmen würden aber erft in allerletzter Linie in militärischen Sanktionen bestehen, die erst dann einsetzen sollten, wenn alle anderen Druckmittel erfolglos geblieben feien. England werde jede französische Forderung zurück- weisen, die eine Erhöhung der allgemeinen Sicherheit anstrebe. Die indischen Nationalisten beteiligen sich wieder an den Wahlen. Kalkutta, 5. April. (DNB.) Die nationalistisch gesinnten Parteigruppen beschlossen, die alte Swa - raj-Partei wieder zu beleben. Ihre Mitglieder sollen sich als Kandidaten für die Ende 1934 zu erwartenden Wahlen aufstellen lassen. Das Wahlprogramm wird eine geschlossene Front gegen dir im Weißbuch vorgeschlagenen Reformen vorsehen. Gandhi hat sich dazu in einem Schreiben wie folgt geäußert: Ich begrüße die Wiederbelebung der Swaraj-Partei und deren Entscheidung, sich an den Wahlen zu beteiligen. Ich stehe unter Dem Eindruck, daß es nicht nur das Recht, sondern die Pflicht jedes Mitgliedes der Kongreßpartei ist, sich als Kandidat aufstellen zu lassen und auf diesem Wege zu versuchen, das Programm durchzusetzen, das er für richtig hält. Ich stehe daher der Partei jederzeit zur Verfügung und werde ihr helfen, soweit es in meiner Macht steht. Gandhis Entscheidung bedeutet, daß alle diejenigen Elemente zur Macht kommen, die für p o - sitive Mitarbeit an Stelle des passiven berftanbes waren. Der passive Wiberstanb von Einzelpersonen würbe im Sommer 1933 an Stelle bes pasiven Wiberstanbes ber Masse zum Programm ber Kongreßpartei erhoben. Durch Ganbhi» Erklärung wirb bie Swaraj-Partei zu einer Art Flügel ber Kongreßpartei unb eine Spaltung zwischen ber gemäßigteren unb ben extremen Nationalisten wird auf diese Weise oermieben. SerMerschild desReiches siirGeheimraiSeebers Berlin, 5. April. (DNB.) Prof. D. Dr. Reinhold Seeberg, dem Ehrenpräsidenten des Zenttal- ausschusses für Innere Mission, wurden an seinem 75. Geburtstag zahlreiche Ehrungen von Staat, Kirche und Innerer Mission zuteil. Dem Jubilar überbrachte Ministerialdirektor Donnewerth vom Reichsinnenministerium den Adlerschild des Deutschen Reiches und ein Handschreiben des Reichspräsidenten, in dem der Jubilar als Gelehrter von großem Ausmaß, als Doktor aller Fakultäten, als einflußreicher Lehrer zweier Theologengenerationen gewürdigt wird. „Als deutscher Gelehrter", so heißt es weiter in dem Schreiben, „haben Sie in guten und schweren Tagen die Ihnen anvertraute Studentenschaft m i t Weisheit, Würde und Entschiedenheit durch schwere Jahre geführt und sich um ihre nationale Erziehung erhebliche Verdienste erworben. Es ist mir daher ein aufrichtiges Bedürfnis, Ihnen im Namen des deutschen Volkes und für mich persönlich zu Ihrem Feiertage herzlichen Dank und aufrichtige Glückwünsche auszusprechen." Für die Berliner Theologische Fakul- t ä t sprach Geheimrat Prof. Adolf D e i ß m a n n. Geheimrat Seeberg sei unter den lebenden Theologen der wichtigste Deuter der 2000jährigen Geschichte des Christentums, er sei aber auch zugleich der Former des alten Evangeliums für die neue Zeit. Als ein Prophet deutscher Gesinnung habe er das Wesen der deutschen christlichen Frömmigkeit gestaltet und sei der akademischen Jugend Führer und Vorbild gewesen. Die Grüße der Deutschen Evangelischen Kirche überbrachte der Reichsbischof persönlich. Dadurch, daß der Jubilar den Studenten, deren besonderes Vertrauen er allzeit besessen habe, Liebe zur Heimat und zum Heiland tief ins Herz gesenkt habe, habe er mitgeholfen, den Unterbau für die heutige kirchliche Erneuerung zu schaffen. Denn viele Tausende seiner Schüler stünden jetzt im ganzen Reich in der kirchlichen Arbeit und trügen in einer Sprache, die das Volk verstehen könnte, das weiter, was ihr großer Lehrer sie gelehrt habe. Dann sprach für den Zentralausschuß für Innere Mission Präsident T h e m e l, für den Internationalen Verband für Innere Mission und Diakonie D. Full trug, im Namen der deutschen Frauen Frau Förster-Nietzsche und für den Kirchlich-Sozialen Bund Dr. I a g o w, der für die zum 70. Geburtstag Geheimrat Seebergs geschaffene Seeberg-Stiftung zur sozialethischen Erziehung der Studenten eine Spende überreichte. Den Reigen der Gratulanten beschloß ein Vertreter der Berliner Studentenschaft. Von Kultusminister Rust, von Oberbürgermeister Sahm und anderen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens waren Glückwunschtelegramme eingegangen. Neue Treuhänder der Arbeit. Berlin. 5. April. (DJtB.) Mit der vorläufigen Wahrnehmung der Geschäfte eines Treuhänders der Arbeit find in den nachstehenden Wirtschaftsbezirken folgende Herren beauftragt worden: Wirtschaftsbezirk Bayern: Kurt Frey. 21L d. R.; Wirtschaftsbezirk B r a n d e n b u r g: Dr. D a e s ch n e r; Wirtschaftsbezirk Riedersachsen: Dr. Jos. Klein; Wirtschaftsbezirk Pommern: Konteradmiral a. D. Claaßen; Wirtschaftsbezirk Lachsen: Ernst Ltiehler. TU. d. R.; Wirtschaftsbezirk Westfalen: Syndikus Karl Hahn. * Der zum Treuhänder der Arbeit für Bayern ernannte Reichstagsabgeordnete der NSDAP. Kurt Frey ist 1902 in Ludwigshafen a. Rh. geboren. Er war am Aufbau der NSBO. in Bayern beteiligt und ist heute Landesobmann Bayerns der NSBO. und Bezirksleiter der Deutschen Arbeitsfront. ♦ Der neue Treuhänder der Arbeit für Brandenburg, Dr. Daefchner war bisher stellv. Leiter des Sozialamtes der Deutschen Arbeitsfront. Er wurde 1894 in Antwerpen geboren und studierte in Frankfurt a. M. Rechtswissenschaft. Nach dem Kriege, den er an der Front mitmachte, promovierte er zum Dr. jur. und legte das erste juristische Staatsexamen ab. Er war dann als Gießereiarbeiter und Drehen und als kaufmännischer Lehrling praktisch tätig. Anschließend war er lange Jahre Leiter einer Eisen- und Metallgießerei im Rheinland. Hier sammelte er auf sozialpolitischem und arbeitsrechtlichem Gebiete besondere Erfahrungen in seiner Eigenschaft als Mitglied des Schlichtungsausschusses Köln. Im Januar 1933 wurde er in die Reichsleitung der NSDAP, als Mitarbeiter im sozialpolitischen Hauptausschuß der NSBO. berufen. * Der zum Treuhänder Niedersachsens ernannte Dr. Josef Klein ist 1890 in Köln geboren und studierte in Freiburg und Marburg Philosophie, Geschichte und Volkswirtschaft. Am Kriege nahm er vom ersten Tage an teil. Nach dem Kriege war er Sozialsekretär im Werk Uerdingen der IG. Farbenindustrie. Gleichzeitig war er führend in der deutschen Jugend- und Sportbeweaunq. So erhielt er 1926 die Preußische Adlerplakette für Verdienste in der Jugendwohlfahrt. Der NSDAP, trat er vor einer Reihe von Jahren bei. Er ist heute Sturmhauptführer der SS. 1933 wurde er Treuhänder der Arbeit für Rheinland-Westfalen, das er jetzt mit Niedersachsen vertauscht hat. ♦ Der als Treuhänder der Arbeit für Pommern bestellte Konteradmiral Claassen wurde in Gold- beck in Hinterpommern geboren und trat 1898 in die Reichsmarine ein. Er nahm an der Bekämpfung des Herero-Aufftandes in Deutsch-Südwestafrika teil und war während des Krieges Kommandant des Hilfskreuzers „Rügen" sowie von mehreren anderen Kreuzern. An der Schlacht am Skagerrak nahm er an Bord des Kreuzers „Lützow" teil. 1919 führte er ein Freikorps-Bataillon, mit dem er im Ruhrgebiet und Mitteldeutschland gegen Spartakismus und Kommunismus kämpfte. Er war dann Kommandeur einer Marine-Artillerie-Abteilung sowie Kommandant der Festung Swinemünde. Nach seinem Ausscheiden aus der Reichsmarine trat er in die NSDAP, ein und wurde 1932 Fachberater für den Freiwilligen Arbeitsdienst Gau Pommern und Führer des Arbeitsdienstgaues V (Pommern-West). Der zum Treuhänder der Arbeit für Sachsen ernannte nationalsozialistische Reichstagsabgeördnete Ernst Paul S t i e h l e r ist 1887 geboren. Er besuchte die Volksschule, erlernte das Maurerhandwerk und wurde 1907 Schaffner bei der Chemnitzer Straßenbahn. 1914 ging er als Kriegsfreiwilliger ins Feld und wurde 1918 als Sergeant gefangen genommen. Nach feiner Rückkehr in die Heimat wurde er Kassenassistent bei der Hauptkasse der Chemitzer Straßenbahn. Stiehler hat im Chemnitzer Gebiet die ersten Betriebszellen aufgezogen und ist heute Landesobmann der NSBO. im Gau Sachsen. Gleichzeitig Bezirksleiter der Deutschen Arbeitsfront. Der zum Treuhänder für Westfalen in Essen ernannte Syndikus und Hauptmann a. D. Karl Hahn ist 1883 geboren. Er war in den Jahren 1919 bis 1933 Syndikus des Landesausschusses für die sächsischen Arbeitgeberverbände und Geschäftsführer des Verbandes der Holzindustrie und Stuhlfabrikation in Sachsen. Seit Auflösung der Arbeitgeberverbände leitete er die Rechtsstelle bei der Deutschen Arbeitsfront, Bezirksleitung Sachsen. Der Mord auf Schloß Wallershausen. Oie Meinung 6er Sachverständigen. — Zeugenaussagen über die Persönlichkeit des Angeklagten. Schweinfurt, 5. April (DNB.) Der zweite Verhandlungstag begann mit der Vernehmung der Sachverständigen. Ooermedizinalrat Dr. H a r t i g, der am 3. Dezember 1932 zusammen mit dem Bezirksarzt Dr. Hetterich die Leiche des Schloßbesitzers seziert hatte, erklärte, die Knochenzertrümmerungen sprächen für einen Nahschuß. Es sei anzunehmen, daß der Tod bald nach der Tat eingetreten sei, da die Blutung langsam verlief. Ein Selbstmord erschein, unwahrscheinlich. Der Hauptmann müsse höchstens Linkshänder gewesen sein, wogegen aber die Tatsache spreche, daß die linke Muskulatur schwächer entwickelt war. Frau Werther habe im Gefängnis einen außerordentlich ruhigen Eindruck gemacht. Weiter gab der Sachverständige an, keine Anzeichen dafür gefunden zu haben, daß Frau Werther Morphinistin war. Auch für eine hysterische Veranlagung konnte er Anzeichen nicht feststellen. Dann folgte das äußer bemerkenswerte Gutachten des Sachverständigen Prof. Hermann Fischer von der Universität Würzburg. Seine erste Feststellung war, daß der ganze Monteuranzug des Liebig absolut frei von Blutflecken war. Nach seinem Ermessen habe die Baronin fünf Schüsse erhalten. Von den fünf Kugeln erwiesen sich drei als Bleigeschosse und zwei als Stahlmantelgeschosse, die zu einem Teil aus der amerikanischen Pistole des Hauptmanns Werther und zum anderen aus einem Revolver geringeren Kalibers gekommen fein mußten. Als dritter Sachverständiger wurde Prof. R e i - chart gehört. Eine geistige Krankheit der Frau Werther halte er für ausgeschlossen, ebenso seien keine Anzeichen von Hysterie bemerkbar gewesen. Ihren Charakter bezeichnet der Sachverständige als einen ruhigen und abgeklärten Zu diesen Ausführungen warf der Verteidiger Liebigs ein, daß sie sich nicht mit den Tatsachen vereinbaren ließen, daß Frau Werther ihre 65 Jahre alte Köchin, die ihr ihre ganzen Ersparnisse von 200 RM. geliehen habe und für ihre letzten Pfennige der Schloßherrschaft Essen gekauft habe, eine verlogene und hysterische alte Person nannte, und daß sie ferner einem jungen Mann, der einmal in der Gegend umherstreifte, 20 RM. gegeben und ihm ihre Hand und das Schloß Waltershausen versprochen habe, wenn er ihren Mann ermorden würde. Als nächster Sachverständiger wurde Hauptmann Karl Fischer von der Landespolizei Nürnberg vernommen, der seinerzeit mit der Prüfung der i m Mordzimmer vorgefundenen G e - schosse beauftragt war. Der Kernpunkt feiner Ausführungen gipfelte darin, daß eine hochgradige 1 Möglichkeit bestehe für die Verwendung der L i e b i g s ch e n Pistole in der Mordnacht. Es sei sehr auffallend, daß von den aus einer Entfernung von etwa 20 Meter abgegebenen Schüssen nicht einer gefehlt, aber auch nicht einer lebensgefährlich getroffen habe. Zeuge Hermann Jäger, ein 20jähriger Schneidergehilfe in Waltershausen, der lange Zeit mit dem Angeklagten befreundet war, äußerte sich dahin, daß ihm Liebig schon immer so vorgekommen sei, als ob er gerne aufschneide. Der Angeklagte habe ihm einmal erzählt, daß, wenn die Kommunisten wüßten, daß er sich in Waltershausen aufhielte, sie ihm nach dem Leben trachten würden. Er habe den Worten Liebigs nicht immer Glauben geschenkt. Es sei ihm aufgefallen, daß Liebig große Geldausgaben machen konnte. Liebig fei immer aut gekleidet gewesen, so daß sich der Zeuge dachte, der Angeklagte müßte über mehr Geld verfügen, als er verdiene. Streitigkeiten, die er mit Liebig hatte, führte er auf Eifersucht des letzteren zurück. Es kam dabei zu einer lebhaften Szene, als sich der Angeklagte erhob und dem Zeugen vorwarf, selbst nicht so fleckenlos dazustehen, denn er habe ja schon aus der Scheune eines armen Bauern Weizen gestohlen. Der Zeuge wußte weiter davon zu berichten, daß Liebig öfters abends, wenn er ausging, das Licht in feinem Zimmer brennen ließ, um seiner Herrschaft vorzutäuschen, daß er zuhause sei. lieber den Einbruch in der Nacht zum 16. Oktober 1932 berichtet er, daß er seinerzeit zwei Hopfenstangen am Schloßturm lehnen sah. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob mit Hilfe dieser Stangen in eines der oberen Stockwerke zu gelangen war, bekundete der Zeuge, daß dies nicht möglich sei, denn die Stangen seien viel zu schwach gewesen. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob er glaube, daß Liebig fähig gewesen sei, diese grauenhafte Tat zu vollbringen, antwortete der Zeuge, manchmal sei Liebig sehr gut, manchmal aber auch das Gegenteil gewesen. Er sei lügenhaft, grob und gehässig. Liebig habe ihn öfter beim Schloßherrn verdächtigt, die Schuld zu tragen, daß der Wagen des Jägers auf Kosten des Hauptmanns zu Schwarzfahrten benutzt worden fei. Bezüglich des ersten Einbruches auf Schloß Waltershausen habe er, der Zeuge, einmal gesagt, man solle den Dieb auf dem Schloß suchen. Dabei habe er auf Liebig hingezielt, da dieser einen Freund der Tat bezichtigt habe. Auf Vorhalt des Verteidigers kann Jäger nicht aufrechterhalten, daß der Wagen feines Vaters mehrmals zu Schwarzfahrten gebraucht worden fei. Auch über das übermäßige Geldausgeben konnte er keine genauen Angaben machen. Der nächste Zeuge, der Schuhhändler Steinruck von Königshofen, der dort einen SA.-Sturm führt, äußert sich zu der Tatsache, wie er seinerzeit dazu gekommen war, der Staatsanwaltschaft mitzu- teilen, daß Liebig unzuverlässig sei. Liebig habe sich als Verräter erwiesen. Die Mitteilung an die Staatsanwaltschaft habe er aus eigener Initiative gegeben. Daß er am Tage der Absendung dieses Schreibens mit Frau Werther über diese Angelegenheit gesprochen habe, sei ein Zufall. Liebig erklärt, daß er es als Nationalsozialist für seine Aufgabe gehalten habe, einen Mann, der der SA. den Rücken kehren wollte, anzuzeigen, er lasse'sich nicht als Verräter hinstellen, er habe deutsches Blut in seine nAdern, eine deutsche Mutter und einen deutschen Vater, der im Weltkriege gefallen sei. Die Fortsetzung der Verhandlung findet am Freitag in Waltershausen statt, wo ein Lokal- termin ftattfinbet, zu der mehrere Zeugen von Waltershausen und ein Sachverständiger aus der Chemischen Untersuchungsanstalt in Stuttgart geladen sind. Frankreichs Finanzkrisis. Oer Appell an die Beamten, aber keine Senkung der Heeresausoaben. Paris, 5. April. (DNB.) Im Anschluß an die ersten 14 Sparverordnungen richtet die Regierung einen Aufruf an d i e Beamten, in dem es heißt: । Die Regierung lenkt die Aufmerksamkeit aller Beamten auf die außergewöhnlich ernsten Beweggründe, die sie zwingen, Maßnahmen zu ergreifen, die die Beamten treffen. Trotz der bereits vorgenommenen Einschränkungen der Staatsausgaben in Höhe von acht Milliarden muß der noch be= tehende Fehlbetrag von vier Milliarden Franken abgedeckt werden, denn ein Land kann ebensowenig wie ein Privatmann ständig über seine Mittel hinaus leben. Die Auflegung von Anleihen zur Sicherung der zum Monatsende fälligen Zahlungen ruft ein ft ä ritz i g e s Anziehen des Diskontsatzes hervor, was für die Wirtschaft und die Finanz die bedenklichsten Nachteile hat. Alle anderen Mittel sind erschöpft. Die Regierung ist gezwungen, von den Beamten eine Herabsetzung ihrer Gehälter und Pensionen zu verlangen. Es gibt keine andere Wahl, als die Annahme dieses Programmes, oder die Schließung der Staatskassen oder Inflation. Die Diener des Staates haben die schlimmen Jahre noch zu frisch in der Erinnerung, als nach dem Kriege die Gehälter nur jeweils durch Verfügung an den steigenden Preisstand angeglichen werden konnten, als daß sie der Regierung nicht bei ihrer Bemühung Helsen wollen, leichtfertige Lösungen zu vermeiden, deren erste und hauptsächlichste Opfer die Beamten selbst wären. Die von den Beamten geforderten Herabsetzungen in Höhe von 5 bis 10 v. H. sind weniger als die Senkung der Lebenshaltungskosten. Durch Annahme der Regierungsmaßnahmen werden die Beamten nicht nur zur Wiederherstellung der Staatsinanzen beitragen, sondern auch an der Aufrechterhaltung einer gefunden Währung mitgearbeitet haben, die für alle Franzosen das Unterpfand der Zukunftssicherheit ist. * Das ist ein Ton, wie er in Frankreich selten vernommen wurde, dazu noch in dem Frankreich, das im Golde geradezu erstickt und als das reichste Land des Kontinents gilt. Es spricht nicht gerade für die Regierung, daß sie sich nicht anders zu helfen weiß, als die Beamtenschaft bluten zu lassen, obwohl mit einigen Strichen ein paar Ausgaben des Staates beseitigt werden könnten, die Milliarden verschlingen, aber tatsächlich überflüssig find. Wir meinen die Aufwendungen für Heer und Marine. Frankreichs Landesverteidigung ist heute soweit ausgebaut, daß man sich auf Jahre hinaus weitere Ausgaben im bisheri- gen Umfange sparen könnte. Jedoch niemand, auch die halbautoritäre Regierung Doumergue nicht, wagt sich an den Heeresetat heran. Nun sollen die Beamten auf einen Teil ihres Einkommens verzichten, sehr wahrscheinlich auch noch die Pensionäre und die Frontkämpfer. Daß diese Finanzpolitik denkbar höchste Unzufriedenheit erregen muß, liegt auf der Hand. In der Beamtenschaft gärt es, das Wort Generalstreik wird bereits herumgereicht. Aber eins darf man doch nicht vergessen: die Drohung mit der Schließung der Kassen und die Inflation wird ihren Eindruck nicht verfehlen. Gerade in diesem Punkt wird auch die Beamtenschaft schließlich mit sich reden lassen und sich dem Gehaltsabbaudiktat, wenn auch widerwillig, beugen. Hoffnungen und Zweifel der pariser preffe. Paris, 6. April. (DNB. Funkspruch.) Die Morgenpresse beschäftigt sich ausführlich mit den bereits verabschiedeten Spargesetzen der Regierung und mit dem zweiten Abschnitt des Sparprogramms, der voraussichtlich anfangs nächster Woche in Kraft gefetzt werden soll. Die Blätter sind fast ausnahmslos mit üen Vorschlägen der Regierung einverstanden. Man fragt sich aber, ob es gelingen werde, auch b i e Oeffentllchkeit von der Notwendigkeit dieser Maßnahmen zu überzeugen und ob dadurch eine wirtschaftliche und finanzielle Besserung eintreten werde. „Jour" schreibt, die erste Bedingung einer sozialen Wiedergesundung sei die finanzielle Festigkeit. Die Frage sei aber, ob sie aus den am Donnerstag in Kraft getretenen Gesetzeserlassen hervorgehen werde. Auf alle Fälle hätten diese Erlasse aber dem Lande bas Vertrauen wiedergegeben und würden wahrscheinlich die bisher im Sparstrumpf aufgespeicherten 30 bis 4 0 Mi11iarden Franken wieder in Umlauf setzen. — Das „Journal" schreibt, daß man auch von den ehemaligen Kriegsteilneh. mein Opfer fordern werde. Der Finanzminister und der Pensionsminister, der als Nichtparlamentarier in der Regierung fitzt und Vertrauensmann der Frontkämpferverbände sei, hätten sich in dieser Frage bereits geeinigt. Aus aller Wett. 3m Fiebersumpf des Urwaldes von Indianern aufaefunden. Goldsuchende Guaquero-Jndianer fanden im Departement Volivarvalle (Columbien) die Trümmer des fei dem 10. März verschollenen Flugzeuges einer amerikanischen Platingruben- Gesellschaft. Von der fünfköpfigen Besatzung war nur noch der Direktor der Grubengesellschaft namens Rewtons Marshall am Leben. Dieser war drei Wochen i m Fieber sumpf des Urwaldes umhergeirrt. Als die Indianer ihn fanden, war er völlig erschöpft. Er konnte nicht mehr sprechen. Die vier Begleiter des geretteten Direktors waren bereits lot. Auf die Kunde von der Auffindung des Flugzeuges entsandte die Grubengesellschaft sofort ein Sonderflugzeug mit einem Arzt an den Fundort. Die Platin- und Goldsendung des zerstörten Flugzeuges wurde unversehrt geborgen. Die Grubengesellschaft ist im nord- amerikanischen Besitz. Das Flugzeug der verunglückten Goldsucher wurde vermutlich im Urwald des Quellgebiets der Riesenströme Orinoco und Amazonas bzw. seines Rebenflusses RioRegro gefunden, der die ganze Osthälfte des südamerikanischen Staates Columbien ausfüllt. Schwerer Raub 6:rfoU in der Pfalz. 3n Maudach wurde ein schwerer Raubüberfall in der Wohnung des Landwirts Eduard Amberger entdeckt. Amberger war in der Frühe zur gewohnten Arbeit ins Feld gegangen. Als er zum Frühstück nach Hanfe kam, fand er die Wohnung verschlossen vor. Da niemand öffnete, schlug er das Fenster ein. Run bot sich ihm ein schrecklicher Anblick: Seine Frau und seine 21jährige Tochter Alma lagen mit eingeschlageuen Schädeldecken bewußtlos am Boden. Die hiebe wurden allem Anschein nach mit einer Axt oder einem sonstigen ähnlichen Gegenstand ausgeführt. Außerdem wiesen beide Frauen am ganzen Körper Verletzungen auf. Die Wohnung war vollständig in Unordnung, Schubläden und Kasten waren herausgerissen und durchwühlt. Die 54jährige Ehefrau Amberger ist im Krankenhaus ihren schwerenVerlehungen erlegen. Der Zustand der ebenfalls lebensgefährlich verletzten Tochter ist ernst. Die Ermittlungen Über den verbleib des Täters sind bis jetzt erfolglos gewesen. Auch über den Hergang der Tat lassen sich nur Vermutungen anstellen. Offenbar ist der Täter durch ein offenstehendes Fenster der Stallung in das Anwesen eingedrungen und nach der Tat auf dem gleichen Weg durch den anliegenden, auf das freie Feld mündenden Garten geflüchtet, vermutlich hat der Täter die Ehefrau zunächst allein in der Wohnung angetroffen. Die todbringenden hiebe wurden mit einem Bell ausgeführt, das in der Küche hinter dem Schrank stand und wahrscheinlich von der Ueberfallenen zur Abwehr hervorgeholt wurde. Auf die gleiche Weise hat dann der Täter auch das 21jährige Mädchen, das wohl aus dem Schlafzimmer kommend, der Mutter zur Hilfe eilen wollte, niedergeschlagen. Der Täter hat dann die ganze Wohnung durchwühlt. Soweit bis jetzt feftfteht, hat der Täter aus einer Schublade eineDamenhandtasche mit 15 0 bis 200 Mark entwendet, wertvolle Schmucksachen lieh er unberührt. Der Tater wurde auf der Flucht in Richtung Rheingönheim gesehen. Keine Altersgrenze für Radfahrer. Berlin, 5. April. (DNB.) lieber die neue preußische Straßenverkehrsordnung sind vor einigen Tagen von einem Vertreter des preußischen Innenministeriums Ausführungen ge- macht worden, die zu Mißverständnissen geführt haben. Die Altersgrenze für Fahrzeugführer ist bekanntlich von 14 auf 16 Jahre heraufgesetzt worden. Diese Altersgrenze gilt aber, wie wir auf Anfrage an zuständiger Stelle erfahren, nicht für Radfahrer. Die weitere Mitteilung, daß die Benutzung von Fahrraddynamolampen ab 1. April nicht mehr statthaft ist, wird dahin berichtigt, daß nur Dynamobeleuchtung, die beim Langsamfahren bunte l brennt und bei stehendem Fahrzeug überhaupt nicht aufleuchtet, verboten ist. Eine Dynamobeleuchtung mit Zusatzbatterie kann weiter benutzt werden. Die deutsche Reitermannschaft in Paris. Die deutsche Reitermannschaft, die am Reitturnier in Nizza teilnehmen wird, ist unter Führung des Majors Freiherrn von Waldens eis in Paris eingetroffen und von Oberst Koeltz, dem Chef des 2. Büros des französischen Generalstabes, begrüßt worden. Die deutsche Mannschaft ist im Hotel „Palais d'Orsay" abgestiegen. Am Donnerstagmittag veranstaltete der deutsche Botschafter ein Frühstück, zu dem die deutsche und die französische Mannschaft geladen waren. Die deutsche Reitermannschaft wurde von Kriegsminister Marschall Pstain im Kriegsministerium empfangen. Der Kriegsminister ließ sich alle Herren vorstellen und unterhielt sich längere Zeit mit dem deutschen Militärattache Generalleutnant Kühlenthal, mit Generalmajor Freiherr von Dal- rn i g k und Major Freiherr von Walden- f e 15. Am Nachmittag statteten die deutschen Offiziere dem Pariser Reitturnier einen Besuch ab. Ein Vertreter des „Jour" hatte Gelegenheit, mit Major von Waldenfels zu sprechen. Der Major erklärte, daß seine Kameraden sich gefreut hätten, vor einigen Wochen die französischen Offiziere in Berlin begrüßen zu dürfen, die am Berliner Reitturnier teilnahmen und dort vorzügliche Erfolge erzielten. Sie freuten sich jetzt, daß ihnen die Möglichkeit gegeben sei, ein schönes Land zu sehen und agen von Hausbewohnern soll die Mutter schon betrag Ein schickte rneter von 250 Mark beschlagnahmt werden. Wegen Schädigung der wirtschaft ins Konzentrationslager. Thermometerfabrikant aus Langewiesen mehrere Kisten ungeprüfter Fieberthermo- Ein Schwerverbrecher gefaßt. In Karlsruhe wurde der Schwerverbrecher Hansbauer festgenommen. Hansbauer, der sich viele falsche Namen beilegte, wird wegen Raubes und Naubmordversuchs gesucht. Es liegen 26 Haftbefehle gegen ihn vor. Bei der Durchsuchung der Wohnung wurden 112 Nachschlüssel, ein Paar Gummihandschuhe, ein Schlagring und eine große Anzahl Schmuckgegenstände gefunden. Der Wert der seit 1933 gestohlenen Sachen beträgt etwa 30 000 Mark. Außer Koffern und Kleidern konnte noch ein Geldnach Saarbrücken, um sie durch zwei Schmuggler nach Frankreich schmuggeln au lassen. Die beiden Schmuggler wurden gefaßt. Um zu verhindern, daß der Thermometerfabrikant die Wirtschaft weiter schädigt und seine staatsschädigende Handlungsweise fortsetzt, ist er i n das Konzentrationslager übergeführt worden. Line ungetreue Buchhalterin. In Frankenthal wurde wegen umfangreicher Unterschlagungen die bei der Schnellpressenfabrik Frankenthal beschäftigte Buchhalterin Margarete Holl verhaftet. Die Verhaftung hat großes Aufsehen erregt, da die unterschlagene Summe in die Zehntausende gehen soll. Die Verfehlungen begannen schon vor 14 Jahren und waren nur möglich durch das unbedingte Vertrauen, das die Verhaftete bei der Werksleitung genoß. Durch Kleben geringwertiger Versicherungsmarken hat die Buchhalterin, die den Versicherungspflichtigen die gesetzlichen Beiträge anrechnete und den Unterschied für sich verbrauchte, ihre Vertrauensstellung zum Schaden der Arbeiter und Angestellten sowie der Werksleitung aufs schwerste mißbraucht. In vielen Kreisen war es schon längst aufgefallen, daß die Hott sich eine komfortabel eingerichtete Vierzimmerwohnung leisten konnte, in deren Räumen es bei vielen festlichen Abendgesellschaften hoch herging. Schwere Feuersbrunst in einem pommerschen Grenzdorf. In dem hart an der deutsch-polnischen Grenze gelegenen Dorf R e ck o w entstand ein Brand, der bei der Trockenheit und dem starken Ostwind mit rasender Geschwindigkeit um sich griff und in kurzer Zeit mehrere Gehöfte in Flammen setzte. Das Feuer wütete die ganze Nacht bis zum frühen Morgen und legte insgesamt 29 Gebäude mit allen landwirtschaftlichen Maschinen, Stroh- und Futtervor- röten in Schutt und Asche. Die meisten der von dem Brand Betroffenen haben nur das nackte Leben g e r e t t e t.-Viele Personen trugen Brandwunden davon. Die Ursache der Katastrophe wird auf vorsätzliche Brandstiftung zurückgeführt. Um die erste Not zu lindern, hat der Vizepräsident der Provinz Pommern den Betrag von 1000 RM. gestiftet, der unverzüglich zur Verteilung kommen soll. In einer Barmer Möbelfabrik 150 Zimmereinrichtungen verbrannt. Im Dachgeschoß der Barmer Möbelfabrik Auer & Wellie, wo rund 100 fertige und 50 halbfertige Zimmereinrichtungen lagerten, kam Feuer auf. Alle Lösckzüge der Barmer sowie em Loschzug der El- berfelber Feuerwehr wurden zur Brandbekämpfung aufgeboten. Nach anstrengender Arbeit kannte das steuer, das auch die Nachbargebaude stark gefährdete, auf feinen Herd beschrankt werden. Das Dachgeschoß wurde ein Raub der Flammen. Die darunter liegenden drei Stock- werke blieben zwar vom Feuer verschont, haben aber durch Wasser stark gelitten. Hakodate van einem schweren Explosionsungltick betroffen. Die japanische Industriestadt Hakodate, die erst kürzlich von einer außerordentlich folgenschweren Wirbel st urmkata st rophe betroffen worden ist, wurde von einer B e n z o l e x p l oft on h^m- aesucht die einen schweren Brand an der See Promenade hervorries. Zwei Pionen kamevin dem Feuer um, 15 wurden verletzt Etwa 7 0 5) a u s e r wurden zerstört. — Die Liste der Toten bei der durch den Wirbelsturm am 21. März hervorgerufe. nen Brandkatastrophe hat jetzt die Zahl 1987 er reicht. Aus dem nordamerikanischen lleberschwemmungs- gebiet. Der W a s h i t a - F l u ß sollt langsam. Am Dom nerstag wurden die Leichen v o n e l f u a ’ mersfrauen und -kindern geborgen. Diele Personen werden noch vermißt. Weitere neun Zeichen wurden im Nordwestteil von Wisconsin angespült. Große Besorgnis hat die Bewohner am rüher häufig das kleine Mädchen schwer mißhan- lelt haben. Im Jahre 1930 wurde die Frau deshalb wegen schwerer Körperverletzung bestraft. besonders die Riviera, wo sie ihre französischen Kameraden treffen würden, mit denen sie gute Freundschaft verbinde. Selbstmord des japanischen Davispokalspielers Satoh? Der japanische Tennisspieler und Führer der japanischen Mannschaft für die Spiele um den Davispokal, Iiro Satoh, ist^von Bord des Schnelldampfers „Hakonemaru", auf dem er nach England fuhr, verschwunden. In einem in seiner Kabine aufgefundenen Abschiedsbrief kündigte er seinen Selb st mord an. Er war während der Ueberfahrt von Japan nach Singapur schwer erkrankt. Drei Unbeteiligte Opfer eines Selbstmordversuchs. In Berlin versuchte ein Untermieter Selbstmord zu begehen, indem er den V e r s ch l u ß d e r Gasleitung an der Zimmerdecke löste. Er selbst fand aber nicht den Tod, sondern wurde als Polizei- gefangener in das Staatskrankenhaus eingeliefert. Dagegen wurden durch sein frevelhaftes Verhalten drei Unbeteiligte getötet. Der 72jährige Wohnungsinhaber Lehmann, die 74jährige Frau Brandt und ihr 7% Jahre altes Enkelkind wurden durch das ausströmepde Gas getötet. Frau Brandt und ihr Enkelkind bewohnten die Räume oberhalb der Wohnung Lehmanns. Das ausströmende Gas war durch die Decke gedrungen. Das eigene Kind zu Tode gemartert. Weil sie ihr Kind zu Tode gemartert hatte, ist in Knöchelsröhren bet Stralsund in Pommern die 24jährige Margarete Janz verhaftet worden. Sie hatte auf ihr fünfjähriges Töchterchen mit Fäusten und einem Knüppel so lange eingeschlagen, bis die Kleine kein Lebenszeichen mehr von sich gab. Die Leiche wies am Körper blaue Flecken, blutige Striemen und am Kopf mehrere schwere Verletzungen auf. Nach Aus- oberen Miffifippi befallen, da der Flugl ft ä n d i g steigt. Auch aus Texas werden Ueberfchwemmungen gemeldet. Bei der Stadt Me- nard ertranken vier Kinder. Der dortige sonst seichte Fluß ist zu einem reißenden Strom angeschwollen. Lindbergh will an den Hilfsmaßnahmen für die Tscheljuskin-TNannschaft teilnehmen. 2>er Weltflieger Lindbergh hat dem russischen Botschafter in Washington mitgeteilt, daß er bereit jet, an der Rettungsaktion für die Mannschaft der Tscheljuskin teilzunehmen. Die russische Regierung hat den Weltflieger wissen lassen, daß sie es begrüßen würde, wenn er mit seinem Flugzeug an den Rettungsmaßnahmen teilnehmen würde. Bis jetzt beteiligen sich bereits 16 russische Flug- zeuge an den Bergungsversuchen. Vergsleigertod. Der Ingenieur Rudolf Dorn von den Zeppelinwerken in Friedrichshafen erlitt bei dem Versuch zur Besteigung des Montblanc einen Schwächeanfall und st a r b kurze Zeit danach in der Schutzhütte. Er hatte mit vier Bekannten die Öfter» feicrtage dazu benutzt, in der Gegend von Chamo- nix Skisport zu treiben. Die fünf Wintersportler ließen sich dazu verleiten, eine Ersteigung des Montblanc zu versuchen. Dabei ereilte den Ingenieur Dorn der Tod. Explosion in einem Steinbruch. In einem Steinbruch in der Nähe von Vitr6 (Frankreich) ereignete sich eine Explosion, bei der durch umherfliegende Eisenteile zwei Arbeiter getötet und ein dritter lebensgefährlich verletzt wurde. Aus bisher unbekannter Ursache platzte eine mit Preßluft gefüllte Stahlflasche. Der Aufseher, dessen Kleider in Brand geraten waren, hatte die Geistesgegenwart, sich in einen Brunnen zu stürzen. Er kam ohne Schaden davon. Brandunglück bei Rohrschach. In Rebstein bei Rohrschach am Bodensee brannten am Donnerstag ein Doppelwohnhaus und noch ein anderes Haus nieder. Eine Frau aus Eggersriet, die in einem dieser Häuser zu Besuch weilte, kam in den Flammen ums Leben. Personenkraftwagen gegen Eilomnibus gerannt. In Langenleuba-Oberhain (Sachsen) stieß ein Eilomnibus der Eilkraftwagenlinie Chemnitz—Leipzig mit dem Personenkraftwagen eines Zwickauer Strumpfhändlers zusammen. Das Personenauto wurde völlig zertrümmert. Der Besitzer wurde tot aus den Trümmern des Wagens geborgen. Zwei mitfahrende Angehörige, ein Mann und eine Frau, erlitten so schwere Schädelverletzungen, daß sie in bedenklichem Z u st a n d ins Krankenhaus nach Chemnitz gebracht werden mußten. vom Heilpraktikerbund. Der Bundesleiter des Heilpraktikerbundes verweist auf eine Verfügung des Ministeriums des Innern vom 5. August 1933. Danach find alle Heilpraktikerversammlungen sowie die Verteilung von Druck- oder Flugschriften, die nicht vom Bundesleiter genehmigt oder gezeichnet sind, verboten. Freies Versammlungsrecht hat ausschließlich der Heilpraktikerbund Deutschluiids und dessen Untergruppen, soweit sie eine Bestätigung des Vorsitzenden Pg. Kees nachzuweisen in der Lage sind. Verstöße gegen die Anordnung ziehen strafrechtliche Verfolgung nach sich. Toreroschicksal. Bei den Stierkämpfen, die am Ostermontag in der alten Arena von Nimes (Südfrankreich) unter großem Andrang der Bevölkerung abgehalten wurden, spielten sich aufregende Szenen ab. Ein Pika- dor stürzte mit feinem Pferd und wurde von dem wütenden Stier durch Hornstöße lebensgefährlich verletzt. Seinen beiden Mitkämpfern ging es nicht besser. Sie versuchten, den Stier, der blindlings gegen das verendende Pferd anrannte, abzulenken, kamen aber selbst zu Fall und wurden vom Stier angegriffen. Nur mit Mühe konnte man den aus vielen Wunden blutenden Stier von feinen Opfern abbringen. Kunst und Wissenschaft. Wechsel in der Leitung der Deutschen Akademie. Sicherem Vernehmen nach hat Geheimrat Prof. Dr. Friedrich von Müller sich entschlossen, von der Leitung der Deutschen Akademie zurückzutreten und diese einer jüngeren Kraft anzuvertrauen. Die Wahl des künftigen Präsidenten wird satzungsgemäß durch den Senat der Deutschen Akademie vorgenommen werden. Trauerfeier für kardinal Ehrle. Am Donnerstag fand in der Kirche St. Jgnazius in Rom die Trauerfeier für den deutschen Kurienkardinal Ehrle statt. Die Messe wurde von Bischof Waltz, dem apostolischen Administrator von Innsbruck, zelebriert. Die Sänger der Sixtinischen Kapelle führten unter persönlicher Leitung des Kirchenkomponisten P r e r o s i die Messe auf, die dieser für das Leichenbegängnis des Papstes Leo XIII. geschrieben hatte. Die Absolution am Katafalk erteilte der Kardinaldekan Granito. Der Trauerfeier wohnten fast sämtliche Kardinäle, das beim Hl. Stuhl beglaubigte diplomatische Korps, zahlreiche Vertreter der religiösen Orden und viele in Rom anwesende Deutsche bei. Wettervoraussage. Obwohl sich die flache Störungstätigkeit immer weiter auf das Festland ausdehnt, hält der hohe Druck im Norden durch feine Südseite in Deutschland die Ost-West-Strömung im wesentlichen aufrecht, stellenweise ist aber schon ein Windwechsel zu erkennen. Da vorerst noch keine ozeanische Luft zufließen kann, wird auch das aufheiternde Wetter bestehen bleiben, doch ist zeitweise mit Dunstbildungen zu rechnen, wobei sich die scharfen Temperaturgegensätze etwas ausgleichen. Aussichten für Samstag: Weiterhin aufheiternd, doch stellenweise dunstig, Temperaturen zunächst wenig verändert, trocken. Aussichten für Sonntag: Temperaturen zwischen Tag und Nacht etwas ausgleichend, sonst noch trockenes Wetter, dabei zeitweise wolkig. Lufttemperaturen am 5. April: mittags 14,4 Grad Celsius, abends 4,4 Grad; am 6. April: morgens — 0,2 Grad. Maximum 15,9 Grad, Minimum —1,7 @rab. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 5. April: abends 7,8 Grad; am 6. April: morgens 3,7 Grad. — Sonnenscheindauer 11 Stunden. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange, für Feuilleton: Dr Hans Thyriot, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenletter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. III. 34: 11550. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K. G., sämtlich in Gießen. au4 den tefifidv/en ‘BfäHewi einen cutvrnafacfien dleiefikirn.dete'teil- tfafixfiundexfen-zu&en '«»On,. ®Uf O'e$e c. 0,e Cfn °'«,2 1 Hl ä M/l M h/M Ss/^o *%?■ M .H ■A Xi.". 1 ’ 21* - V ■ M 1 v 1 M ,y. ■■■ i 1 $>ie edite und die falsche ©Ottilies Roman von Anny von Panhuys. Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.) 9. Fortsetzung. Nachdruck verboten! Es war ihm, als zwänge ihn eine unsichtbare Macht, der eilig Davongehenden zu folgen. Er wandte sich um, gab der inneren Stimme nach. Er erinnerte sich jetzt deutlich: bei den letzten Worten hatte es feucht in den tiefblauen Augen geschimmert, und er ahnte, Doralies Wolfram stand im Begriff, irgend etwas zu tun, was aus dem gediegenen Rahmen der Lebensführung im Hause Stübnitz fiel. Zum ersten Male, seit er sie kannte, schien es ihm: Doralies war in Wirklichkeit nicht so still und illeichmäßig, wie sie tat. Er stürmte hinter ihr her, ah sie eben um eine nahe Straßenbiegung ver- chwinden. Er beeilte sich noch sehr; doch als er die andere Straße erreichte, war weit und breit nichts mehr von ihr zu erblicken, aber er sah ein halbes Dutzend Autos nach rechts und links dahinjagen. Vielleicht saß sie jetzt in einem davon? Doch in welchem? Er konnte doch nicht allen zugleich nachfahren. Er entschloß sich, umzukehren, sagte sich unterwegs: er war ja ein Narr, sah ja Gespenster. Was für einen Unsinn hatte er sich denn nur gedacht! Ahnungen waren große, graue Spinnweben, die umherflogen und sich anfetzten, wo wo sie gar nichts zu tun hatten. Er klingelte an dem Hause seines Chefs. Auf dem Flur traf er Frau von Stäbnitz. Sie sagte freundlich: „Mein Mann sitzt schon fest über den neuesten Akten. Bis heute abend werden Sie wohl beide tüchtig büffeln. Ich will mit Doralies einkaufen gehen. Sie braucht allerlei Kleinigkeiten, für die man in Mooshausen kein Bedürfnis hat." „Ich bin Doralies eben draußen begegnet!" antwortete er. „Weiß sie denn, daß Sie mit ihr ausgehen wollen?" „Natürlich weiß sie es!" nickte Frau von Stübnitz. „Ich verstehe nicht, weshalb Doralies allein weggegangen ist. Vielleicht kauft sie irgend etwas in der Nahe ein — Papier oder Marken? Bisher ging sie allerdings nie allein aus." Dann sagte sie noch: „Sonderbar ist das!" Peter Konstantin berichtete jetzt genauer, auch daß die von ihm Verfolgte anscheinend mit einem Auto fortgefahren sei. Frau von Stübnitz sah ganz ratlos aus. „Sollte sie jetzt vielleicht doch etwas anstellen und die Warnung ihres Vaters berechtigt sein?" fragte sie leise. „Jedenfalls — etwas ist nicht in Ordnung. Ich wollte mich eben zum Ausgang, wie verabredet, fertigmachen. Wie kann sie da noch fortgehen, sogar fortfahren, was doch auf einen weiteren Weg schließen läßt." Sie lies ine Treppe hinauf, rief ihm über die Schulter zu: „Ich muß erst in ihren Zimmern Nachsehen; vielleicht finde ick dort einen Anhaltspunkt, wohin sie sein könnte/' Peter Konstantin stand am Ende der Treppe und sann. Er fand Doralies' Benehmen reichlich sonderbar. Weshalb lief sie vor seinem Angebot, sie zu begleiten, wie gejagt davon? Ein ganz eigenartiges Gefühl bedrängte ihn. Wie heimliche Angst war es. Ein Gefühl, das ihm bisher fremd gewesen. Er sann nach. Warum war ihm so sonderbar zumute? Er hätte doch eigentlich nur Aerger empfinden müssen über die Art von Doralies, ihn einfach stehen zu lassen. Er dachte: Frau von Stäbnitz brauchte sich wirklich nicht zu ängstigen, weil das längst erwachsene Mädchen einmal allein aus dem Hause gegangen. Sie würde schnell noch irgendeine Besorgung machen, von der Frau von Stäbnitz nichts wissen sollte. Junge Damen haben manchmal Toilettengeheimnisse, die sie nur ungern verraten. Frau von Stäbnitz erschien jetzt oben an der Treppe, stand gleich darauf, scheinbar sehr erregt, vor ihm, sagte überstürzt: „Bitte, wir wollen erst in ein Zimmer aehen!" Das seltsame Gefühl von vorhin beklemmte ihn jetzt noch stärker; er folgte schweigend der Dame des Hauses. Frau von Stäbnitz hatte Doktor Peter Konstantin in ihr eigenes Wohnzimmer geführt, in dem man manchmal gemeinsam den Kaffee trank. Sie bot ihm Platz an, ließ sich dann auch nieder. „Vor allem", begann sie mit einer Stimme, die ein wenig schwankte, „soll mein Mann zunächst aus dem Spiel bleiben. Ich betone das als besonders wichtig. Er hat doch übermorgen einen feiner ganz schweren oder wie ich es nenne, einen seiner großen Tage. Eine Verteidigung, bei der es sehr darauf ankommt. Er darf also nicht erschreckt ober richtiger gesagt abgelenkt werden. Deshalb müssen wir beide vor ihm über den Fall Doralies schweigen, bis er sein Plädoyer hinter sich hat. So, das nur im voraus. Und jetzt das andere: Doralies ist fort! Hier, lesen Sie das! Mein Mann schläft ein wenig und wird jetzt nicht kommen." Peter Konstantin nahm den ihm gereichten Briefbogen und las: Liebe gute Tante Edda! Zwar habe ich kein Recht, Dich so zu nennen, aber einmal wage ich es noch, weil es zum letzten Male ist. Ich habe Dich liebgewonnen wie eine gute Mutter, und daß ich Dein Haus verlassen muß, ist schwere Strafe für meine Lüge. Niemand soll mich suchen, niemand sich um mich kümmern, das bitte ich Dich von Herzen, Tante Edda! Ich erkläre nichts, denn das Rätsel, das Dir mein Brief aufgibt, wird Dir bald von Moos- haufen aus gelöst werden. Suche mich nicht; ich möchte Zeit gewinnen, um etwas Entfernung zu legen zwischen Dein Haus und meine Person. Eine Lüge treibt mich fort. Ich schäme mich in Grund und Boden wegen der Lüge. Wenn Du erst die Wahrheit weißt, dann vergib mir, liebe Tante Edda! Schimpfe nicht zu sehr auf mich, wenn meine Lüge auch überflüssig und schwer war. Denke ein wenig milde darüber; Du hast ja ein gutes Herz. Verzeihung für die Lüge! Laß mich, bitte, lautlos verschwinden. Ich mochte nicht am Pranger stehen müssen. Keine Sorge — ich tue mir nichts an! Selbstmord ist eine schwere Sünde. Es wagt Dich noch einmal zu küssen, die Du nanntest Doralies. Peter Konstantin las den Brief noch einmal und blickte dann Frau von Stäbnitz an. „Keine Silbe begreife ich davon." 'Sie zog ihm den Bries aus der Hand, faltete ihn zusammen, antwortete hastig: „Ich begreife genau so wenig, begreife nur, daß Doralies fort ist, nicht daran denkt, wiederzukommen, und daß sie das getan, weil Sie sich so schroff und unerbittlich über das Thema Lüge geäußert haben. Wer weiß, was für eine Bagatelle da plötzlich das arme Wurm gedruckt hat, sie wie ein Gespenst verfolgt und aus dem Hause gescheucht hat! Ich sagte ja gleich, nachdem Doralies nach oben gegangen: sie fühlte sich von Ihren Worten irgendwie getroffen und litt darunter. Ich sah es ihr ja an. Und mein Mann meinte, wie Sie sich erinnern werden, er teile meinen Eindruck, und äußerte: ,Sie sind unserer Doralies tüchtig an den Wagen gefahren!*" Helles Not breitete sich über ihre Wangen. „Sie haben Doralies aus dem Hause getrieben — — und der Himmel mag wissen, was sie nun an- stellt bei ihrem unberechenbaren Wesen, an das ich jetzt zu glauben anfange!" Peter Konstantin war es, als ginge ein schwerer Hagelschlag nieder und er stände auf freiem Felde, sähe weit und breit kein Dach, unter das er sich retten konnte. Was Frau von Stäbnitz gesagt, stimmte; er war sich vollkommen darüber klar. Die paar scharfen Sätze bei Tisch hatten den Anlaß zu dem Verschwinden von Doralies gegeben. Sie schrieb es ja auch: „Die Lüge treibt mich fort!" Er sagte leise: „Ich gebe zu: was ich sagte, klang hart. Aber was brauchte sich Doralies Wolfram um meine An- sich zu kümmern?!" Frau von Stäbnitz erwiderte ebenso leise: „Vielleicht lag ihr ganz besonders daran. Wenn Sie ihr ganz gleichgültig gewesen, wäre sie bestimmt nicht gleich fortgegangen." Er strich sich über die Stirn: „Sie meinen doch nicht etwa, ich sei ihr nicht ganz gleichgültig?" Sie zuckte die Achseln. „Ich nehme es an, weil sie sich sonst Ihre Meinung nicht so zu Herzen genommen hätte. Aber was weiß ich schließlich davon, wie es in Doralies I aussieht, und sie kennt Sie ja erst seit zwei Wochen. •Das ist auch zunächst Nebensache; wir müssen sie vor allem wiederfinden. Und nichts darf mein Mann erfahren, gar nichts. Ihn jetzt nur nicht ablenken. Heute werde ich erklären, Doralies hätte sich auf meinen Rat ins Bett gelegt, weil sie ein bißchen gefiebert — morgen auch; wenn er das Plädoyer hinter sich hat, erfährt er die böse Neuigkeit." Sie atmete tief auf. „Wenn es dann noch nötig ist, denn hoffentlich haben wir bis dahin Doralies längst wieder." Sie hatte Tränen in den Augen. .„Ich habe sie lieb gewonnen, und wie auch die Lüge aussehen mag, um die sie sich jetzt quält — eine schlimme, gemeine Lüge ist es nicht; solcher Lüge ist sie nicht fähig." Sie erhob sich. „Was aber soll nun geschehen? Wo soll ich anfangen zu suchen?" Er, der immer Tatkräftige, saß da wie gelähmt. Er wußte im Augenblick auch keinen rechten Rat. Er antwortete nach einem Weilchen: „Gesucht muß sie werden, aber unauffällig, nicht durch die Polizei. Sie bittet ja, Ste sollen Sie lautlos verschwinden lassen, sie möchte nicht am Pranger stehen. Das ist wohl so aufzufassen, daß sie wünscht, nicht offiziell gesucht zu werden. Sie wissen ja, wie das ist. Das geht durch die Blätter, ruft im Radio, da richtet sich dann gleich die allgemeine Aufmerksamkeit auf die Gesuchte. Und davon bliebe außer dem momentanen Interesse vielleicht auch für später etwas an ihr hängen. Das darf nicht geschehen. Sie brauchen ja nicht gleich Angst zu haben", versuchte er in leichterem Ton zu sagen, „denn Doralies Wolfram erklärte ja, sich nicht das Leben nehmen zu wollen, weil sie es für große Sünde hält. Das glaube ich ihr. Vielleicht benachrichtigen Sie sofort den Vater. Wahrscheinlich ist sie heimgefahren. Ich werde mich indessen mit Frau Steinmetz besprechen. Sie erinnern sich vielleicht, gnädige Frau, sie ist die Detektivin, die sich in der großen Raubmordsache, dem Fall Kramer, so besonders ausgezeichnet hatte. Ich kenne sie gut, sie dürfte die geeignete Person sein, Doralies Wolfram zu suchen. Inzwischen läuft dann auch Nachricht vom Vater ein." Frau von Stübnitz erklärte: „An den Vater darf ich mich noch nicht wenden, er würde wahrscheinlich aufs äußerste erschrecken; ich bin doch verantwortlich für sie." Er erhob sich: „Ich beabsichtigte eben, noch eine Stunde hier allein zu arbeiten. Ihr Gatte erwartet mich noch nicht. Nun will ich erst schnell zu Frau Steinmetz fahren. Darf ich für alle Fälle um den Brief bitten? Ich bringe ihn wieder zurück." Er nahm ihn in Empfang und küßte die Hand der Frau, in deren Hause er beinahe die Rechte eines nahen Verwandten genoß. „Ich bebaure, daß ich die Schuld an Ihrer Sorge trage, liebe gnädige Frau!" Er grüßte und ging, Frau von Stäbnitz, die meist Frohe, in trüber Stimmung zurücklassend. (Fortsetzung folgt.) Sie nicht an die Märchen, die über Kaffee veröffentlicht werden. Sie bezahlen für diesen Glauben eine laufende Rente in Form von hohen Kaffeepreisen.— Beachten Sie beim Einkauf die Kaffeepreise, die Ihnen abgefordert werden. Darboven*s „Unerreicht“ kostet nur 55 Pfennig, „Voran“ 65 Pfennig das */4 Pfund, und als Höchstleistung „Idee“ das 200 gr - Paket 122 Pfennig. „Idee“ ist veredelt und leicht bekömmlich. überzeugen Sie sich davon. . J. J. DARBOVEN, HAMBURG 15 Kraftpoft- Gefellfchaftsfahrt Sonntag, 8. Avril, von Gießen nach Königsberg - Hohensolms - Greifenstein-Braunfels-Wetzlar. Abfahrt Hauptpost 8 Uhr. Rückk. 19 Uhr. Kart, zu Mk.Z.-Hauptpost, Schalt.6/U.Hapag-Reisebüro. 208M Der Naturforscher vereint mit Natur und Technik Bebilderte Monatsschrift f. das gesamte Gebiet der Naturwissenschaften u. ihre Anwendung in Naturschutz, Unterricht, Wirtschaft und Technik. 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Die im Mai 1930 in Gens zusammengetretene Die soeben aus dem Nordosten Sibiriens eingetroffenen Bilder erzählen von dem Schicksal der Insassen des russischen Eisbrechers „T f ch e l j u - s k i n", der im Eismeer unterging. Die Schiffbrüchigen konnten sich auf eine Eisscholle retten, auf der sie seit 50 Tagen treiben. Nach wiederholten vergeblichen Startversuchen auf dem Eise konnte der Pilot Ba b u s ch k i n vor kurzem den Flug von der Eisscholle nach Kap Wankarem zurücklegen, wo big geworden (Artikel 44 Absatz 2 Wechsel-Gesetz). Ein Sichtwechsel kann also mehrmals ohne Protesterhebung zur Annahme vorgelegt werden. Der Protest braucht erst am letzten Tag der Frist erhoben zu werden. Das Gleiche gilt nach Artikel 44 Absatz 3 Wechsel- Gesetz für den Protest mangels Zahlung beim Sichtwechsel. Eine sehr wichtige Neuerung enthält Artikel 44 Absatz 3 dahin, daß beim Nachsicht- oder Nachdatowechsel in Abweichung von Artikel 41 Absatz 2 Wechsel-Ordnung Protesterhebung mangels Zahlung nicht mehr am Zahlungstage zulässig ist, sondern nur an einem der beiden auf den Zahlungstag folgenden Werktage. dieses Verbots ist, die Diskontierung solcher Forderungen zu erleichtern, deren Schuldner zwar bereit ist, einen Wechsel bei Fälligkeit einzulösen, aber eine wechselmäßige Verpflichtung nicht übernehmen will. nach Art. 18 Abs. 3 WG. «die in dem offenen Vollmachtsindossament enthaltene Vollmacht weder mit dem Tod noch mit dem Eintritt der Handlungsunfähigkeit des Vollmachtgebers erlischt. Neu ist auch die Regelung des Pfandindossaments in Art. 19 WG. Der Inhaber kann alle Rechte aus dem Wechsel geltend machen, ein von ihm ausgestelltes Indossament hat aber nur die Wirkung eines Vollmachtsindossaments. Während Art. 16 WO. einen Unterschied macht zwischen der Indossierung eines präjudizierten und eines protestierten Wechsels, haben nach Art. 20 WG. beide Indossamente (Nachindossamente) nur die Wirkung einer gewöhnlichen Abtretung, es sei denn, daß das Indossament vor Ablauf der Protestfrist auf den Wechsel gesetzt ist. Ein Indossament, das nach Verfall aber vor Protesterhebung und vor Ablauf der Protestfrist auf den Wechsel gesetzt wird, steht dem Indossament vor Verfall gleich. Nach Art. 21 WG. ist jetzt der letzte Tag für die Vorlegung der Tag vor dem Verfall, und die Präsentation hat auch beim domizilierten Wechsel, gegenüber dem bezogenen an seinem Wohnort zu geschehen. Um die Regreßpflicht nicht allzu lange auszudehnen, ist durch Art. 23 WG. die bisher zweijährige Vorlegungsfrist beim Nachsichtwechsel auf ein Jahr abgekürzt. Der Aussteller kann die Frist verlängern oder verkürzen, ein Indossant sie nur abkürzen. Gleiches gilt nach Art. 34 WG. für den Sichtwechsel. Der Aussteller kann auch vorschreiben, daß der Sichtwechsel nicht vor einem bestimmten Tag vorgelegt werden darf. In Uebereinstimmung mit dem französischen Recht führt der Art. 24 WG. für den Bezogenen eine Ueberlegungsfrist ein. Er kann verlangen, daß ihm der Wechsel am Tage nach der ersten Vorlegung nochmals vorgelegt wird. Das macht doppelten Protest nötig; im ersten ist die 1. Vorlegung und das Begehren der Frist, im 2. die nochmalige Vorlegung und die Verweigerung der Annahme oder beim bereits akzeptierten Wechsel die Nichtzahlung zu beurkunden. Während nach Art. 21 WO. die Rücknahme der Annahme unzulässig war, macht nach Art. 29 WG. die Durchstreichung der Annahmeerklärung den Wechsel nicht nichtig, sondern es gilt die Annahme als verweigert. Bezüglich der Zahlung ist in Artikel 38 Wechsel- Gesetz neu (England: skontration Clearing — Clearinghouse) die Bestimmung ausgenommen, daß die Einlieferung in einer Abrechnungsstelle der Vorlegung zur Zahlung gleichsteht. So schon bisher beim Scheck! Nicht übernommen ist die Bestimmung in Satz 3 des Artikels 73 Wechsel-Ordnung, daß der Eigentümer eines abhandengekommenen Wechsels nach Einleitung des Amortisationsoerfahrens von dem Akzeptanten Hinterlegung der Wechselsumme ohne Sicherheitsleistung verlangen kann. Infolge der anderweitigen Gestaltung des Rückgriffsrechts bedarf es bei dem mangels Annahme protestierten Wechsel nicht mehr die Vorlegung zur Zahlung, weil nach Artikel 43 Wechsel-Gesetz der Rückgriff nicht nur zulässig ist, wenn der Wechsel bei Fälligkeit nicht bezahlt wird, sondern auch wenn die Annahme ganz oder teilweise verweigert wird. Eine nochmalige Protesterhebung mangels Zahlung wird aber nötig (Artikel 44 Absatz 5 Wechsel-Gesetz) wenn sich der Inhaber des Wechsels auf die Voraussetzungen des Artikels 43 Nr. 2 und 3, nämlich darauf berufen will, daß der Bezogne feine Zahlungen eingestellt hat oder die Zwangsvollstreckung in sein Vermögen fruchtlos war. Artikel 45 Wechsel-Gesetz erweitert die in Artikel 45 und 47 Wechsel-Ordnung enthaltene Benach * richtigungspflicht der Beteiligten (von dem Unterbleiben der Zahlung) auf den Fall der Nichtannahme des Wechsels, die jetzt nach Artikel 43 Wechsel-Gesetz der Nichtzahlung gleich- steht. Der Wechsel muß auch jetzt noch vor der Benachrichtigung protestiert sein. Benachrichtigungsfrist jetzt vier Tage statt, wie früher, zwei für den Inhaber an seinen unmittelbaren Vormann und Aussteller. Die Indossanten haben binnen zwei Tagen die Nachricht an ihre Vormänner weiterzugeben. Neu ist auch die Vorschrift, daß, wenn ein Indossant seine Adresse nicht oder nicht leserlich angegeben hat, Benachrichtigung seines unmittelbaren Vormannes genügt und daß die bloße Rücksendung des Wechsels als Benachrichtigung gilt. sich der Stützpunkt der Rettungsaktion befindet. Er wird in allernächster Zeit wieder nach dem Notlager starten, um seinen Kameraden Proviant, Medikamente und Batterien für die Funkstation zu überbringen. — Unsere Bilder zeigen oben den russischen Eisbrecher „Tscheljuskin", der später im Eismeer unterging; davor das Flugzeug Babuschkins. Unten: Babuschkin nach der Ankunft am Kap Wankarem im Kreise von Eskimokindern. Die Vorschrift des Artikels 40 Wechsel-Gesetz, daß der Wechselinhaber nicht zur Annahme einer Zahlung vor Verfall verpflichtet ist, entspricht dem bisher geltenden Recht. Beseitigt sind die Bestimmungen in Artikel 25 bis 29 Wechsel-Ordnung über den Regreß auf Sicherstellung. Es gibt nur noch Neu ist die Bestimmung in Art. 12 Abs. 3 WG., daß ein Indossament auf den Inhaber als Blankoindossament gilt und daß Bedingungen, die dem Indossament beigefügt f;nb, als nicht geschrieben gelten. Während Art. 82 WO. die Einwendungen bezeich- Deutschland das Wechselgesetz (WG.) vom 21. 6. 33 (RGBl. I, S. 399) erlassen, das am 1. April l. I. in Kraft getreten ist. Im Umfang dieses Aufsatzes kann nur von den wesentlichen Aenderungen des Wechselrechts die Rede sein. Schon das ganze System der Wechselordnung (WO.) ist in dem neuen WG. geändert worden. Die einleitenden Bestimmungen der WO. über Wechselfähigkeit, Wechselgeschäftsfähigkeit, Wechselhaftung u. a. sind, soweit sie überhaupt noch galten, weggefallen. In dieser Hinsicht gelten die Vorschriften des bürgerlichen Rechts. Die Erfordernisse des gezogenen Wechsels sind nach Art. 1 WG. im großen und ganzen dieselben wie bisher nach Art. 4 WO., wenn auch sprachliche Abweichungen bestehen. Wenn in Art. 4 WG. z. B. neben dem „Namen" der Beteiligten die „Firma" nicht genannt ist, so ist damit nichts geändert. Die Firma ist der „kaufmännische Name" einer Person. Die Zahlungsanweisung im Wechsel muß eine unbedingte sein und auf eine bestimmte Geldsumme lauten. Der Wechsel kann auch künftig auf eine fremde Währung lauten und auch Wechsel auf Rechnungswährung sind noch zulässig. Um spekulative Ausbeutung von Währungsschwankungen vorzubeugen, ist dem Wechselinhaber, wenn der Schuldner die Zahlung verzögert, die Wahl gegeben, ob die Wechselsumme nach dem Kurs des Verfalltags oder nach dem Kurs des Zahlungstags in die Landeswährung umgerechnet werden soll (Art. 41 WG.). Art. 41 Abs. 2 gestattet dem Aussteller) im Wechsel einen Umrechnungskurs zu bestimmen. Die Verfallzeit braucht nicht mehr im Kontext angegeben zu sein. Ganz beseitigt sind Meß- und Marktwechsel. Ratenwechsel sind nach wie vor unzulässig. Auch Fristwechsel sind ungültig. Neu ist die Vorschrift in Art. 2 Abs. 4 WG., daß der beim Namen des Ausstellers angegebene Ort als Ausstellungsort gilt, wenn ein solcher nicht bestimmt ist. Die Unterzeichnung des Wechsels mit öffentlich beglaubigten Handzeichen ist nicht mehr zulässig, da Art. 94 WO. in das WG. nicht ausgenommen ist. Der trassierteigene Wechsel ist jetzt auch als Platzwechsel zulässig (Art. 3 WG.). Ausdrücklich Zugelassen ist die Kommissionstratte. Nach Art. 2 WG. gelten Wechsel, denen ein wesentlicher Bestandteil fehlt, nicht als gezogener Wechsel, vorbehaltlich der daselbst genannten Ausnahmen. Abweichend von Art. 7 WO. ist in Art. 5 WG. für den Sicht- tuib Nachsichtwechsel — nicht auch den Datowechsel — Zinsvermerk durch den Aussteller zugelassen. Art. 7 WG. enthält wie Art. 75 und 76 WO. den Grundsatz der Selbständigkeit der Wechselunterschriften, fügt aber weitere Fälle unwirksamer Unterschriften (nichtrechtsfähiger Personen, erdichteter Personen und sonstige unverbindliche Unterschriften) hinzu. Der Aussteller kann nach Art. 9 Abs. 2 WG. im Gegensatz zum geltenden Recht (Art. 8 WO.) durch die sog. Angstklausel: „ohne Gewährleistung", „ohne Obligo" die Haftung für die Annahme (nicht für die Zahlung) ausschließen und er kann diesen Haftungsausschluß nach Art. 22 WG. — außer bei Nachsicht-, Domizil- und Zahlstellenwechseln — in die Form eines der WO. fremden Vorlageverbots (nichtakzeptable Tratte!) kleiden. In Abweichung von Art. 19 und 24 WO. können nach dem WG. (Art. 22 WG.) der Aussteller und die Indossanten bei jedem Wechsel die Vorlegung vorschreiben, die Indossanten jedoch nur, wenn der Aussteller kein Vorlegungsverbot erlassen hat. Zweck einen einheitlichen Rückgriff mangels Zahlung, und zwar auch vor Verfall Art. 17 WG. davon aus, welche Einwendungen nicht zulässig sind. Dabei wird die Streitfrage des bisherigen Rechts, wann Einwendungen des Wechselschuldners aus seinem Rechtsverhältnis zu dem Veräußerer dem Inhaber entgegengehalten werden können, dahin entschieden, daß die bloße Kenntnis der die Einwendungen begründenden Tatsachen nicht genügt, sondern der Erwerber außerdem auch das Bewußtsein haben muß, den Schuldner zu benachteiligen. Nicht notwendig ist ein arglistiges Zusammenarbeiten (Kollusion) zwischen Veräußerer und Erwerber. Welche Einwendungen im übrigen erhoben werden können, ist in Art. 17 nicht gesagt. Diese Frage zu beantworten, ist der Rechtsprechung und Wissenschaft überlassen. Darauf näher einzugehen, ist hier kein Raum. Hervorgehoben sei, daß Wechselrechtskonferenz ist am 7. Juni 1930 zu drei Abkommen zur Vereinheitlichung des Wechselrechts gelangt (veröffentlicht im RGBl. 1933, 2. Teil, S. 377). Trotz des Erfolges dieser Konferenz kann von —------------- einem Welt wechselrecht noch immer nicht die Rede j net, die der Wechselschuldner dem Inhaber des fein, da die Vereinigten Staaten ganz ferngeblieben i CTn --' r ' • ..... . — sind und England nur das stempelrechtliche Abkom-' men ratifiziert hat. In Ausführung der Genfer Abkommen hat 7* |eh‘b„rt oder il>m unmittelbar krroeiterung der Protestsrist auf den Ablauf der für 2frM7& hnn™ A 8en ST rustch°nd°>. geh «die Vorlage zur Annahme geltenden Frist notwen- W Mädchon, Veilchen, Gönne ♦.. Von Maudia Bork. In einem fast silbernen Blau schimmert die Ostsee an diesem Frühlingstag, kleine gelbe Sonnenkringel tanzen aus der glänzenden Wasserfläche, sanft gleiten die Wellen um den Bug des Dampfers. Zuweilen gleitet eine Möve mit schrillem Schrei vorüber, manchmal schießt aus der Tiefe ein Fisch auf, bann roieber ist nichts zu hören als bas gleichmäßige Schaufeln des Motors, besten Kraft das Schiff vorwärtsträgt. Zu biefer frühen Stunbe ist bas Oberbeck noch völlig leer, auf ber Kom- manbobrücke wacht einsam ber Kapitän unb an ber Reeling lehnt Renate. Sie hat einen Hellen Flauschmantel an, unb von ihrem Gesicht ist unter bem breitranbigen Sübwester nicht viel zu erkennen, bis eine leichte Brise ihr ein paar Haarsträhnen in bie Stirn weht, ba nimmt sie mit raschem Griff ben Hut ab. Von fern her tönt bas Geläute ber Sonntagsglocken herüber, Renates Hände, bie unruhig hin unb her zuckten, liegen jetzt andächtig still. Ob es ber geheimnisvolle Zauber biefer Stunbe ist ober längst verschüttete Gefühle, plötzlich wieder wach geworben, weiß sie nicht genau, gewiß ist nur, baß Renate mit einem Mal eine seltsame unb niegekannte Sehnsucht spürt. Währenb all ber vielen Jahren, ba sie die Arbeit festhielt unb ber Beruf, hat Renate eigentlich me Zeit gehabt für Liebe, für Zärtlichkeit, für alles, was sonst bas Leben einer Frau hell macht Da waren die vielen einsamen Nächte im Laboratorium und endlich die große Arbeit, Erfüllung all ihrer wissenschaftlichen Forschung. Renate lächelt, Gewiß, sie hat erreicht, was sie sich vorgenommen hat, ihr gewagtes und kühnes Experiment ist gegluckt mcht umsonst waren all die unzähligen Versuche 'N Tiegeln und Retorten, nicht vergeblich alle Muhe eigentlich könnte Renate wirklich froh sem. Aber diese ganze geliebte Welt versinkt iah, eine gehe m Tür tut sich auf in ihr, dahinter waren all die Gefühle verborgen. Da ist die Schulzeit mit dem blon den Tanzstundenpartner, da ist der Gtubienfarnerab aus bem Hörsaal, ba ist ber Dozent, ber ihr bei ben Versuchen half — aber niemanb ist da, oer Renate von Liebe gesprochen hätte. Man 'st respektvoll zu ihr, man schätzt ihr fachmännisches Urteil, man bewunbert bie leidenschaftliche Hmgabe an ben geliebten Beruf, aber das gilt doch eigentlich immer nur ihrem Werk. Vielleicht muß man scherzen können, jung fein unb unbeschwert bentt Renate. Wieber versinken ihre Blicke träumenb im sanften Auf unb Ab ber Wellen. Ganz hinten schimmert etwas Weißes. Ob es ein Dampfer ist ober ein Segelboot, läßt sich noch nicht erkennen. Ob ba wohl auch je- manb einsam ist wie ich, bentt Renate. Aus ber Tasche nestelt sie ben Fernstecher hervor. Es scheint ein Boot zu fein. Jetzt kann sie beutlich eine Gestalt unterscheiben, unb ein paar Minuten später weiß sie, baß es ein Mann ist, ber ba brühen am Steuer steht. Renate läßt ben Fernstecher sinken. Er müßte Michael heißen, benkt sie, er müßte jung sein unb frohe Augen haben. Plötzlich fällt ihr ein, daß sie dreiunddreißig Jahre ist. Verwirrt schließt sie einen Moment die Augen. Ich werde ihm nicht gefallen, hämmert ihr Herz, ich werde nicht schön genug fein für ihn. Ihre Finger zitterten, als sie den braunen Nackenknoten fester steckt. Sie fühlt eine Mattigkeit und Trauer wie nie zuvor, aber bann reißt sie sich zusammen. Bangemachen gilt nicht, sagt sie zu sich selbst. Unb schon blinken in ihren Augen alle Lichter ber Erwartung auf, bie strengen Linien ihres Gesichtes verschwimmen weich in einem mädchen- haften Lächeln, all ihre Sehnsucht erfüllt biefe Minuten. Vom Boot her kommt Musik, es ist eine Grammophonplatte, sentimentales Zeug, würbe Renate sonst sagen unb spöttisch lächeln, aber heute finbet sie bie Melodie zauberhaft, unb leise summt sie bas Lieb mit. Jetzt hat ber Mann auf bem Boot sie gesichtet, er scheint ganz allein zu sein, seine gebräunten Arme glänzen in ber Sonne. Immer näher gleitet bas Boot, ein leichter Winb bläht bie Segel, ber Mann winkt herüber. Wirklich, er ist jung, fast ein Knabe noch. Noch ein paar hundert Meter, bann müssen sie sich begegnen. Renate fühlt eine merkwürdige unb niegeahnte Seligkeit. Sie winkt, sie ruft, sie jubelt, alle Zurückhaltung ist vergessen. Jetzt ist bas Boot ganz nah, ba trifft Renate etwas Dustenbes, Leuchtenbes, ein Strauß Veilchen. Sie kann noch eben fangen unb festhalten, ba ist bas Boot mit bem Mann schon vorüber. Langsam verklingt bas Lieb über bem Wasser, immer ferner leuchten bie Segel weit hinten am Horizont. Noch immer strahlt bie Sonne, ber Him- Imel ist wolkenlos blau unb bie Wellen gleiten sacht vorbei. Renate schlägt ben Kragen ihres Mantels hoch. Sie fröstelt plötzlich. Dann streichelt sie behutsam bie Veilchen. Kleine Boten, benkt sie, von Liebe, von Glück, vom Frühling--- Jetzt ist bas Boot völlig verschwunben. „Mit Dir durch dick und dünn." Man mochte sich bet ber Bavaria-Filmgesellschaft gedacht haben, baß es nicht notmenbig ist, in bie Ferne zu schweifen, wenn ein Lustspielfilm gedreht werden soll. So blieb man zu Hause, und zwar in Münchens originellstem Teil, in Schwabing. Da brauchte man auch um ben Stoff nicht verlegen zu sein. Das Atelier zweier junger, ausgepowerter Künstler war ber Schauplatz ber Geschehnisse, über dem plötzlich und sehr zufällig ein reicher amerikanischer Onkel als leuchtender Stern aufging. Aber bie Wege zur wohlgefüllten Brieftasche des Onkels unb zu ber Erfüllung ber Liebeshoffnungen ber beiden Künstler waren weit und verschnörkelt. Der Maler Rudi Specht macht die Bekanntschaft der Tochter des reichen Amerikaners, die bei einem Besuch in der Galerie im Skizzenbuch des Malers blättert und dabei einen Vollstreckungsbefehl über 50 Mark findet. Der Maler verleugnet feinen Namen, gibt den feines Freundes Kasimir Lampe als feinen eigenen an und löst damit einen Rattenschwanz verzweifelter aber auch ulkigster Situationen aus. Das Tohuwabohu der Irrtümer und Verwechslungen steigert sich zu einem unentwirrbaren Knäuel, das sich erst allmählich und nur deshalb, weil der Onkel nicht ganz auf den Kopf gefallen ist, löst unb in zwei Verlobungen unb einer Versöhnung ausklingt. Das Lustspiel bringt eine Fülle bes berbcn herz- erfrischenben Humors; es schilbert in unterhaltsamer Weise bas Milieu von Schwabing, es bringt volkstümliche Typen auf bie Leinwand unb sichert sich besonders von bieier Seite her ben Erfolg. Die Darstellung ist fo frisch unb natürlich, baß es schwer fallen würbe, nicht mitzulachen. Paul Kemp als Kasimir Lampe unb richtiger Neffe ist unübertreff= lich. Sein Freunb ber Kunstmaler Rubi Specht unb falscher Neffe wirb von Alfreb Gonbrell gegeben. Er erweist sich als Routinier in seinem Fach. Joe Stöckel als Dienstmann Wurmbodler, Intimus ber beiben Künstler unb personifizierte Gemütlichkeit, ist eine Figur vom Schlage eines Weiß- Ferbl. Lisl Karst ab t als seine Frau wirkt über- zeugenb volkstümlich. Walther L a n tz s ch ist ber amerikanische Onkel wie er im Buch steht; Else Kündig er ist als seine Gattin stets leicht chokiert, ebenfalls sehr glaubhaft. Sehr diszipliniert Ery Bos als Kusine Nelly. Man erlebt mit biefem Film, ber seit gestern im Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, läuft, eine Stunde angenehmer Unterhaltung. Ausgezeichnet ist die Tonwiedergabe auf einer neuen Apparatur. N. Oer Ahne des Münchner Biers. Allerlei Sagen und Geschichten erzählen davon, daß das bayrische Bier, der heutige Stolz des Landes, aus Norddeutschland und zwar aus dem Ort Einbeck stamme, der im Mittelalter eine berühmte Braustätte war. Daß diese Ueberlieferung auf geschichtlicher Grundlage beruht und daß der Ahne des Münchner Biers auch ben Namen Bockbier hergegeben hat, zeigen bie Ausführungen, bie Prof. Feise über das Einbecker Bier in der Zeitschrift „Niedersachsen" macht. In ber Zeit, ba Bayern aus einem Weinland ein Bierland wurde, im 16. Jahrhundert, ließ das einheimische Gebräu viel zu wünschen übrig. Die Münchener Herzöge ließen sich das bessere norddeutsche Bier aus Zschoppau in Sachsen und aus Einbeck kommen, und die erhaltenen Rechnungen zeigen, daß durch etwa 60 Jahre hin, von 1550 bis 1612, regelmäßig Biersendungen aus Einbeck an den bayerischen Hof gelangten. Der köstliche Trank wurde in recht beträchtlichen Mengen eingeführt, die für einen gehörigen Durst am Münchner Hofe zeugen, und der Preis stellte sich recht hoch. Drei bis sechs Gulden die Tonne, wobei der lange Transport die Kosten mehr als verdoppelte. Infolge dieser bedeutenden Ausgaben empfahl 1589 die bayrische Hofkammer Herzog Wilhelm V., er solle ein eigenes Bräuhaus errichten, und so entstand das Münchner Hofbräuhaus. Aber das selbst gebraute Bier mundete der herzoglichen Kehle keineswegs; der Trank wurde noch weiter aus Einbeck bezogen, und das änderte sich erst, als man 1614 einen Braumeister aus Einbeck kommen ließ, mit dessen Hilfe es nach zweijähriger Arbeit gelang, im Münchner Hofbräu-Werk Bier nach Einbecker Art herzustellen, das auch hohen Anforderungen genügte. „Dieses nach »Einpöckischer ArU gebraute Bier", sagt Prof. Struve in seiner Geschichte des bayrischen Braugewerbes, „gilt heut mit großer Wahrscheinlichkeit als Urtypus des Münchner Bockbieres und damit des Münchner Bieres überhaupt." Diese Herkunft hat sich in dem Ausdruck „Bockbier" erhalten, der zweifellos auf Bezeichnungen wie „Einpöckijches" odey „Einbock"-Bier Zurückgeht. B. Die Vermutung des Art. 46 WO. ist nicht ciuf- genommen. In Abweichung von Art. 45 WO. verliert der mit die Benachrichtigung Versäumende auch die Ansprüche auf Zinsen und Kosten nicht. Die Schadenshaftung ist auf die Höhe der Wechselsumme beschränkt. Ein Protesterlaß muß nach Art. 46 jetzt aus dem Wechsel stehen. Die Wirkungen sind anders geregelt als in Art. 42 WO. Hat der A u s st e l l e r die Klausel auf den Wechsel gesetzt, so gilt sie allen Wechselverpflichteten gegenüber als Protestverbot. Sie haften alle ohne Protest und der gleichwohl Protestierende muß die Protestkosten selbst tragen. Ein Indossant kann dagegen — wie bisher — die Protesterlaßklausel nur mit Wirkung gegen sich selbst als Protesterlaß beifügen. Nur er haftet ohne Protest, und wenn gleichwohl Protest erhoben wird, haftet er wie jeder andere Wechselverpflichtete auf Ersatz der Protestkosten. Hinsichtlich der Haftung der Wechselverpflichteten stimmt das WG. im wesentlichen mit den Vorschriften der WO. überein. Das WG. hat aber nicht das System des sogenannten fingierten Rückwechsels des Art. 50 Abs. 2 WO. übernommen. Es geht davon aus, daß es einer Kursberechnung auf der Grundlage des Sichtwechselkurses nicht bedarf, da der Regreßnehmer regelmäßig den Schuldner buchmäßig mit dem Betrag der Rückgriffsumme belastet. Der Inhaber kann also von dem Regreßschuldner den Betrag verlangen, der dem Werte entspr^t, den der Inhaber nach dem Inhalt des Wechsels am Zahlungstag zu verlangen hatte, wobei die Art der Berechnung den Hanoelsgebräuchen überlassen bleibt. (Art. 48 WG.) Die gleiche Abweichung gilt nach Art. 49 WG. für den Rückgriff des Rückgriffschuloners. Neu ist auch die Bestimmung in Art. 51 WG. über den Rückgriff bei einer Teilannahme. Das WG. trifft im Gegensatz zur WO. auch Bestimmungen für die Fälle der Verhinderung der rechtzeitigen Vorlegung oder Protesterhebung durch höhere Gewalt (Art. 54 WG.). Die Haager Verhandlungen in 1910 und 1912 hatten schon früher zu ähnlichen Maßnahmen für den Fall kriegerischer Ereignisse geführt (Gesetz v. 13. 4. 1914 u. WO. v. 20. 1. 1919). Hinsichtlich des Ehreneintritts bringt das WG. nicht sehr viel Neues. Es hebt hervor, daß auch der Akzeptant Notadressat sein kann. Der Vermerk über die Ehrenannahme ist nicht mehr in einem Anhang zum Wechsel, sondern auf diesen selbst zu vermerken. Da der Rückgriff auf Sicherheitsleistung weggefallen ist, ist in Art. 58 Abs. 2 WG. in Abweichung von Art. 61 S. 2 WO. dem Honoraten und seinen Vormännern die Möglichkeit zur Einlösung des Wechsels und dadurch zum Rückgriff auf Zahlung gegeben. Mit Rücksicht auf die Einführung des Regresses vor Verfall (Art. 43 WG.) ist die Ehrenzahlung auch in diesem Fall gestattet (Art. 59 WG.). Art. 63 WG. bringt klarer als die WO. zum Ausdruck, daß der Ehrenzahler die Rechte aus dem Wechsel kraft Gesetzes und nicht nur als Rechtsnachfolger des Inhabers erwirbt. Die Verjährungsvorschriften sind nicht mehr nach Zonen, sondern einheitlich geregelt, und der wechselrechtliche Bereicherungsanjpruch verjährt statt in 30 jetzt in 3 Jahren (Art. 70 und 89 WG.). Bezüglich der Höhe der Wechselzinsen verbleibt es vorerst bei dem Gesetz vom 3. 7. 1925 (2 v. H. über Reichsbankdiskont). Zum eignen Wechsel ist nichts zu sagen. Kontinente auf der Wanderschaft. Schneidet man aus einer Landkarte den f ü b» amerikanischen Kontinent heraus und legt man die Ostküste dieses Erdteils an die W est- k ü st e Afrikas an, dann wird sich zum großen Erstaunen zeigen, daß sich beide Küsten ihren Ausbuchtungen nach völlig ergänzen, daß die beiden Küsten, aneinandergesügt, ein einheitliches Ganzes ergeben. Die Umrisse stimmen frappie- renderweise genau so exakt überein, wie die Teile einer Fensterscheibe, die in zwei Teile geplatzt ist. Sollte dieses höchstsonderbare Zusammentreffen wirklich nur eine Laune der Natur sein? Handelte es sich tatsächlich nur um eine Laune des Zufalls, es wäre sicherlich die größte Merkwürdigkeit, die unsere Erde überhaupt aufzuweisen hat. Es müssen geradezu einzigdastehende Einflüsse bei der kontinentalen Gestaltung im Spiele gewesen sein, um zwei Küstenformen zu schaffen, die dermaßen genau aneinanderpassen. Lange bevor es unserer neuzeitlichen Wissenschaft gelungen ist, das Geheimnis dieser Zusammenhänge zu entschleiern, lebte die Vermutung, daß die heute weit voneinander getrennten Kontinente Südamerika und Afrika einmal zusammengehört haben müssen. Um so mehr, als die Wahrscheinlichkeit auch noch aus einer anderen eigenartigen Beobachtung genährt wurde. Sonderbarerweise trifft man auf den weit entfernt liegenden Kontinenten Tier - und Pflan^enarten der gleichen Art. Die Erklärung dafür könnte nun darin gesucht werden, daß die Fluten des Ozeans diese Tier- und Planzenarten von Afrika nach Amerika getragen haben. Da jedoch die Voraussetzungen für eine solche Möglichkeit fehlen, muß ein derartiger Erklärungsversuch von vornherein ausscheiden. Es bleibt auch hier nur die einzig richtige Deutung, daß Afrika und Südamerika ehedem ein Ganzes waren. Die notorischen Zweifler aber darf man auf noch ein anderes Argument verweisen, das genau so stichhaltig ist wie die exakte Ueberein- stimmung der Küstenformen: auch die Bruch- stellen der Gebirge an der Westküste Afrikas und an der Ostküste Südamerikas ergänzen- sich so prägnant, daß sich die These von der früheren Zu- sammenhänqigkeit beider Kontinente kaum noch augenscheinlicher begründen ließe. Ueberflüssig, hinzuzufügen, daß bei diesem Sachverhalt die Gebirgszüge der getrennten Kontinente auch ihrer Gesteinsart nach miteinander übereinstimmen. Unsere Wissenschaft nimmt an, daß in der Frühzeit unserer Erde, als die einzelnen Kontinente noch zu einer großen Masse verschmolzen waren, das heutige Afrika das Herz dieses gewaltigen Festlandorganismus gewesen ist. Auch Vorderindien hing damals noch mit dem afrikanischen Kontinent zusammen, während der a u st r a l i s ch e Erdteil noch an das sudamerikanische Festlandgebunden war. Als Australien sich dann losgelöst hatte, wanderte der Kontinent langsam in östlicher Richtung ab, um dann später der nördlichen Richtung zu folgen. Indien hatte im Rahmen des Urkontinentes eine wesentlich andere Form. Auch seiner Ausdehnung nach übertraf es das heutige um ein ganz Gewaltiges. Während wir auch heute noch die Wahnehmung machen können, daß die Kontinente sich immer weiter von den Polen entfernen, also ständig mehr dem Aequator zustreben, ragte das Erdenfestland in seiner ursprünglichen Gestalt vermutlich um ein ganz erhebliches über die Polarregionen hinaus. Wenn nach der Auffassung unserer Gelehrten die Spaltung des Urkontinentes und die Abwanderung der Erdteile als Tatsache hinzunehmen ist, dann ergibt sich ganz von selber die Schlußfolgerung, daß die Kontinente unmöglich ein festes Ganzes mit den eigentlichen Kernschichten der Erde bilden können, denn sonst wären sie unverrückbar an diese gekettet. Man muß demnach eine bewegliche Unterschicht annehmen, die der Erdkruste diese Verschiebungen möglich macht. Die eigentliche Ursache für die Abwanderung der Kontinente hat man in der Zentrifugalkraft der Erde zu suchen. Die hiervon ausgehenden enormen Druckwirkungen führte im Laufe der Jahrtausende zu einer zunehmenden Lockerung und Rissebildung, bis schließlich der Urkontinent an zahlreichen Stellen barst und die einzelnen Teilstücke sich von dem eigentlichen Kernland trennten. Bei diesem gigantischen Trennungs- und Umbildungsprozeß kam es gleichzeitig zu einer scharfen Zusammendrängung der Kerngebiete des Urkontinentes. 'Diese Pressungen wieder hatten zur Folge, daß die Erde an vielen Stellen mehr oder minder deutliche „Falte n" schlug. Die scharfen Faltenbildungen im Himalayagebiete z. B. rühren von den ungeheuren Pressungen her, die sich beim Vorwärtsdrängen des vorderindischen Erdteils nach der Mitte des Kontinents zu vollzogen. Wie beträchtlich diese Pressungen waren, erklärt sich am auffallendsten aus der Tatsache, daß sich ihre Auswirkungen noch immer nicht vollständig erschöpft haben. In Europa sowohl, wie im östlichen Teile Afrikas lassen sich die Nachwirkungen dieser Pressungen auch heute noch mit großer Deutlichkeit feststellen. Das gleiche gilt von Amerika. Dort werden die Auswirkungen zuguterletzt keine geringere Folge haben als die territoriale Loslösung Nordamerikas von Südamerika. Die Vorbereitungen hierzu vollziehen sich seit langem schon mit so klar erkennbaren Symptomen, daß die Endwirkung schon heute nicht mehr strittig sein kann. Selbstverständlich arbeiten die Kräfte, die auf eine Spaltung des Verbindungsstückes Mexiko hindrängen, nur ganz langsam, ja fast unmerklich, doch gerade auf dieses schneckenhaft-langsame, systematische Voranarbeiten baut die Natur ihren Enderfolg auf. Es ließe sich noch daran erinnern, daß d i e Alpen mehr und mehr von Süden abdrängen und Oie nördliche Richtung suchen, daß Grönlano alljährlich um etwa dreißig Meter vorn nordamerikanischen Festland abrückt, es ließe sich verweisen auf die ständigen territorialen Verschiebungen i n der Gegend des Panamakanals und in anderen Gebieten — es sind jedenfalls überall die gleichen Erscheinungen, die das Wandern der Erdteile bestätigen. Alles fließt, alles befindet sich in Bewegung. Nicht einmal die Kontinente sind von diesem uralten Naturgesetz ausgenommen. Wirtschaft. Oie Heichsbank Ultimo März. Nach dem Ausweis der Reichsbank vom 2 9. März hat sich in der verflossenen Bankwoche die gesamte Kapitalanlage der Bank in Wechseln und Schecks, Lombards und Wertpapieren um 533,8 Mill, auf 4059,6 Mill. RM. erhöht. Im einzelnen haben die Bestände an Handelswechseln und Schecks um 382,9 Mill, auf 3143,8 Mill. RM., diejenigen an Reichsschatzwechseln um 83,2 Mill, auf 90,0 Mill., an Lombardforderungen um 65,3 Mill, auf 144,5 Mill. RM. und an deckungsfähigen Wertpapieren um 2,1 Mill, auf 349,8 Mill. RM. zugenommen. Die Bestände an sonstigen Wertpapieren zeigen mit 331,5 Mill. RM. eine Zunahme um 0,3 Mill. RM. An Reichsbanknoten und Rentenbankscheinen zusammen sind 393,3 Mill. RM. in den Verkehr abgeflossen und zwar hat sich der Umlauf an Reichsbanknoten um 381,6 Mill. RM. auf 3674,6 Mill. RM., derjenige an Rentenbankscheinen um 11,7 auf 355,6 Mill. RM. erhöht. Der Umlauf an Scheidemünzen nahm um 110,5 Mill, auf 1502,2 Mill. RM. zu. Die Bestände der Reichsbank an Rentenbankscheinen haben sich auf 53,3 Mill. RM., diejenigen an Scheidemünzen unter Berücksichtigung von 7,5 Mill. RM. neu ausgeprägter und 3,2 Mill. RM. wieder eingezogener auf 170,0 Mill. RM. ermäßigt. Die Fremden Gelder zeigen mit 547,4 Mill. RM. eine Zunahme um 6,6 Mill. RM. Die Bestände an Gold und deckungs- fähigen Devisen haben sich um 17,0 Mill, auf 245,2 Mill. RM. vermindert. Im einzelnen haben die Goldbestände um 7,8 Mill, auf 237,1 Mill. RM. und die Bestände an deckungsfähigen Devisen um 9,2 Mill, auf 8,1 Mill. RM. abgenommen. Die Deckung der Noten betrug am Ultimo 6,7 Prozent gegen 8 Prozent am 23. März. * * Bilanzsitzungen Hapag-Lloyd. Die Verwaltung der Hamburg-Amerika-Linie und des Norddeutschen Lloyd traten am Donnerstag in Hamburg zu ihrer diesjährigen Bilanzsitzung zusammen und beschlossen, der Generalversammlung vorzuschlagen, den im Jahre 1933 eingetretenen Verlust, der sich nach Vornahme des Pool-Aus- gleiches auf je rund 2,3 Millionen Mark (im Vorjahr Verlust von je rund 13 Millionen Mark, der aus den Sonderrücklagen gedeckt wurde) beläuft, auf 1934 vorzutragen. Durch Auflösung der aus 1932 verbliebenen Sonderrücklage, sowie der Vereinnahmung außerordentlicher Erträge ist es möglich gewesen, ausreichende Abschreibungen auf die Flotte, sowie das sonstige Anlegevermögen vorzunehmen. Die Generalversammlung des Norddeutschen Lloyd wird auf den 29. Mai nach Bremen, die der Hamburg-Amerika-Linie auf den 30. Mai nach Hamburg einberufen. Frankfurter Börse. rNitlagsbörse weiter schwacher. Frankfurt a. M., 5. April. Die Börse litt vor allem unter großer Geschäftslosigkeit. Die Bankkundschaft war kaum beteiligt, weder mit Kauf-, noch mit größeren Verkaufsaufträgen. Die Zurückhaltung ist verursacht in dem Beginn der Gläubigerbesprechungen. Dann wirkt sich der starke Kursdruck am Farbenmarkt auf die gesamte Bewegung aus. Zum Teil stammte das herauskommende Material aus Auslandbesitz. Die Spekulation, die sich vor den Osterfeiertagen in größerem Umfange nach oben eingedeckt hatte, geht nunmehr, da die Gefolgschaft fehlte, zu Glattstellungen über. Das trifft vor allem auf dem Rentenmarkt zu. Farbenindustrie gingen vorübergehend bis auf 136,50 (138,75 v. H.) zurück und zogen wieder auf 137,50 v. H. an. Rütgerswerke verloren 1,50 v. H., Metallgesellschaft 0,50 o. H. Außerordentlich still lag der Elektromarkt, hier fehlten zumeist die ersten Kurse, doch lagen sie ebenfalls um 0,50 bis 1 v. H. niedriger. AEG. minus 0,50 v. H., Betula minus 0,25 v. H. Montanwerte tendierten vielfach um 1 bis 1,50 v. H. schwächer, so Gelsenkirchen, Klöckner- werke und Rheinstahl. Reichsbankanteile gaben um 1 v. H. nach. Sonst verloren Zellstoff Waldhof 2, Gebr. Junghans 1,50, Daimler Motoren und AG. für Verkehrswesen je 0,75 v. H. Von Schiffahrtswerten Nordd. Lloyd 0,25, Hapag zirka 0,50 v. H. niedriger, gut behauptet lagen Reichsbahn-VA. Renten gingen im Einklang mit der Aktienbewegung auch zurück. So verloren Neubesitzanleihe 0,25, Altbesitzanleihe 0,65, Stahlverein-Obligationen und späte Reichsschuldbuchforderungen je 0,13 v. H. Sehr ruhig lagen Reichsmark-Obligationen, die bis 0,50 vom Hundert schwächer genannt wurden. Im Verlaufe traten Kunstseideaktien besonders hervor und zeigten bei lebhaften Umsätzen, nachdem in Amsterdam die Kurse bereits stärker angezogen hatten, Gewinne von 2 bis 3 v. H. So stiegen AKU von 61 bis 63, Bemberg von 70,25 auf 74 o. H. Die gesteigerte Nachfrage dürfte darauf zurückzuführen sein, daß die Kunstseibenindustrie der einzige Industriezweig ist, der nicht auf eine Rohstoffeinfuhr angewiesen ist. Auch die Steigerung in Amsterdam wurde mit deutschen Käufen begründet. Daneben konnten sich Laurahütte um 0,75 v. H. erhöhen, auch Rütgerswerke lagen 0,25 v. H. höher. Die übrigen Aktienwerte blieben auf ben ersten Kursen behauptet. Später notierte man u. a. Phönix und Rhein. Braunkohlen um je 1 v. H. niedriger, dagegen Ilse Genuß 0,75 v. H. fester. Am Rentenmarkt blieb das Geschäft still und die Kurse vollkommen unverändert. Stadtanleihen waren eher angeboten und gingen von 0,50 bis 0,75 vom Hundert zurück. Ruhig und meist unverändert lagen Staats- und Länderanleihen. Uneinheitlich war die Lage am Pfandbriefmarkt. Goldpfandbriefe zeigten Abweichungen von 0,25 v. H. nach beiden Seiten, Liquidationspfandbriefe und Kommunal- Obligationen hielten sich meist behauptet, vereinzelt bis 0,25 d. H. niedriger. Von fremden Werten waren Ungarn Gold bei 8 v. H. um 10 Pf. leichter. — Tagesgeld blieb zu 3,50 v. H. unverändert. Abendbörfe gut behauptet. Nachdem im Mittagsschlußoerkehr bei teilweise recht lebhaften Umsätzen eine gute Erholung des Kursniveaus eingetreten war, zeigte die Abendbörse bei Eröffnung wieder ein recht ruhiges Aussehen. Von der Kundschaft fehlten Aufträge weiterhin fast vollkommen, dagegen zeigte sich die Kulisse etwas aktiver und ging hier und da neue Engagements ein. IG. Farbenindustrie setzten zunächst bei kleinem Umsatz mit 138,90 v. H. gut behauptet ein, zogen aber im Verlaufe auf Berliner Käufe um 0,65 v. H. auf 139,50 v. H. an. Kunstseideaktien blieben auf der merklich erhöhten Mittagsbafis voll behauptet, und auch auf den übrigen Marktgebieten lagen die Berliner Schlußnotierungen größtenteils unverändert. Etwas fester notierten Holzmann mit + 1 v. H. und u. a. AG. für Verkehrswesen mit + 0,50 v. H. Am Rentenmarkt war wieder lebhafteres Geschäft in der Neubesitzanleihe zu verzeichnen, die schließlich 10 Pf. höher lag, daneben konnten sich auch Altbesitzanleihe um 0,25 v. H. befestigen. Späte Reichsschuldbuchforderungen lagen bei 94,50 v. H. unverändert, im übrigen lagen die festverzinslichen Werte ruhig. U. a. notierten: Neubesitzanleihe 24,15 bis 24,20, Ältbesitzanleihe 96,75, Schutzgebietsanleihe von 1913/14 9,50, 6 v. H. Stahlverein-Bonds 74, Reichsbank 150, Buderus 72,50, Harpener 92,50, Gelsenkirchen 65, Phönix 52, Rheinstahl 93,50, Laurahütte 22, AKU. 64, Bekula 128,25, Bemberg 75, Daimler Motoren 50,25, Scheideanstalt 179, Deutsche Linoleum 58, Licht & Kraft 104, IG. Farben 138,90 bis 139,50, Gesfürel 98,50, Holzmann 74,75, Metallgesellschaft 80,50, Schuckert 102,50, Siemens 140,50, Reichsbahn-VA. 113,50, AG. für Verkehrswesen 68,50. Frankfurter SchlaMviettnwrkt. Frankfurt a. M., 5. April. Auftrieb:' Rinder 45 (gegen 74 am letzten Donnerstagmarkt), darunter befanden sich 12 Ochsen, 2 Bullen, 14 Kühe und 17 Färsen. Kälber 1135 (1357), Schafe 103 (58) darunter 81 (38) Hämmel, Schweine 640 (453). Notiert wurde pro ein Zentner Lebendgewicht in Mark. Kälber, Sonderklasse gestrichen, andere a) 49 bis 51, b) 45 bis 48, c) 38 bis 44. d) 30 bis 37; Lämmer und Hämmel c) mittlere Mastlämmer 31 bis 34, d) geringere 25 bis 29; Schafe e) nicht notiert, f) mittlere 27 bis 28, g) geringe 24 dis 26. Schweine a) 44 bis 47, b) 44 bis 46, c) 44 bis 46, d) 42 bis 45, e) 38 bis 42, f) und g) nicht notiert. Im Preisvergleich zum letzten Donnerstagmarkt blieben Kälber unverändert, Hämmel verloren dis 4, Schafe bis 2 Mark, während Schweine um bis 3 Mark anzogen. Marktverlau-f: Kälber mittelmäßig ausverkauft. Hämmel und Schafe ruhig, lieber» stand. Schweine mittelmäßig, ausverkaust. Fleisch- großmarkt. Beschickung: 596 Viertel Rindfleisch, 202 ganze Kälber, 16 ganze Schafe bzw. Hämmel, 424 Schweinhälften. Preis für ein Zentner frisches Fleisch in Mark: Ochsen- und Rindfleisch I 50 bis 56, II 45 bis 50. Bullenfleisch 48 bis 52. Kuhfleisch II 38 bis 42, III 28 bis 32. Kalbfleisch II 70 bis 80, III 65 bis 70. Hammelfleisch 70 bis 75. Schaffleisch nicht notiert. Schweinefleisch I 62 bis 66. Geschäftsgang des Fleischgroßmarktes: lebhaft. Auflösung der Höheren Bauschule zu Offenbach. Darmstadt, 5. April. (LPD.)^Wie das Hessische Staatsministerium bekanntgibt, ist die Höhere Bauschule zu Offenbach vom 1. April 1934 ab a u f g e I ö ft worden. Daten für Freitag, 6.April. 1520: der Maler Raffael Santi in Rom gestorben; — 1884: der Dichter Emanuel Geibel in Lübeck gestorben. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Hohe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v H Lombardzinsfuß 5 v. H. Frankfun a. Dl. Berlin Schluß- kurs Gchlußk. Abend- börse Schlußkurs Schlußk. Mittag» dürfe Datum 4-4. | 5.4. 4-4- 5-4- 6% Deutsche Retchsanleihe v. 1927 96 95,75 95,9 95,75 6% efcem.7% Dt. Reichsanl. v. 1929 100 100 100,13 100,13 6y,% Young-Anleihe von 1930 .. 93.25 93,25 93-25 92,75 Deutsche Anl.-Wlös.-Schuld mit AuSlos.-Rechten ............. 96,13 96,75 96,13 96,5 Desgl. ohne Auslos.-Rechte...... 24-10 24,2 23-9 24,1 6% eöem.8% Hess. Bolksstaat 1929 lrückzahlb. 102%) ............ 93,75 93,25 93,4 93,25 6% Hess. LandeSbank Darmstadt Gold R. 12.................. 92-5 92,5 92,25 92,25 6%% Hess. Landes-Hypotheken- bank Darmstadt Ltgui......... 91,5 91,5 Oberhessen Provinz-Anleihe mit AuSlos.-Rechten ............. 93-5 93,5 Deutsche Komm. Eammelabl. An- leihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten 95,65 95,4 95,65 95,4 6% ehem. 8% Franks. Hyp.-Bank Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935 92,5 92,25 92,25 93 <% ehem. 7% Franks Hyp.-Bank Goldpfe. 16 unkündbar bis 1936 92,5 92,13 — — 6Vi% ehem. /,% desgl. von 1913 ...... 7,9 7,75 7-95 7,8 6% abgest. Gold Mexikaner von 9$ 7,75 7,75 8 8 4% Türkische Zollanleihe von 1911 6,65 6,65 4% Türkische Bagdadbahn-Anlethe Serie I..................... 6,75 6-75 6,7 Frankfurt a.M. Berlin Schluß» kurS Schluß!. Abendbörse Schlußkurs Schlußk. Mittag» börse Datum 4-4- 5-4- 4.4. 5-4- 4% desgl. Serie II ............ 5% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 4^r%Rumän.veretnh.Rentev.l913 4% Rumänische vereinh. Rente .. 2 k% Anatolier .............. yamvurg-A mettka-Paket .....0 Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 Hansa-Dampsschifs..........0 Norddeutscher Lloyd .........0 A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 Berliner Handelsgesellschaft ... 4 Commerz- und Prioat-Bank ... 0 Deutsche Bank und Disconto» Gesellschaft................ 0 Dresdner Bank..............0 Reichsbank ................ 12 6,75 4,65 4,175 29,9 28,5 32,9 67,75 86,5 49 64,25 64,75 150,5 6,75 4,65 7,15 4,13 29,75 28-5 32,9 68,5 86,5 49 64 64,5 150 4,5 7,5 4,1 30 28,65 26,75 32,9 67,75 86,75 49 64,25 64,75 150,25 6,75 4,75 7,25 4,1 30 28,13 26,75 32,75 68 86,75 49 64 64,5 149,5 •21.6.®....... o Bekula..................... o Elekrr Lieferungsgesellschaft... 6 Lich, und Kraft .... « Festen « Guilleaume......... o Unternehmung. 5 Rheinische Elektrizität ....... 5 Schuckert «Co............. 5 Siemens« Halske......... ' 7 Lahmeve, « Co..........ZJ’10 29,5 29 29,13 29,13 128,5 128,25 128.75 128,25 100,5 100,25 100,5 100,5 104 104 103-75 104 60,25 60,25 60,5 60,25 98,5 98,5 98-5 98,75 95,75 — 95,75 58-4 103,25 102,5 103,5 102,25 140,5 140,5 140 140 — 116,5 117,75 115,75 Buderus ................... 0 Deutsche Erdöl .............. 4 Gelsenkirchener ............. 0 Harpener ............... g Hvesch Eisen—Köln-Neuessen .. 0 Alse Bergbau .............. - Ilse Bergbau Genüsse........« Klöcknerwerke ...............0 Mannesmann-Röhren........ 0 64,5 67 72 114 5,25 93 72-5 114 65 92,5 138,5 64,5 66,25 72 72-5 113,5 115,25 65,4 65 93,13 92,5 75,75 76,25 64,5 64,13 67 66,75 Frankfurt a. M. Berlin Schlußkurs Schlußk. Abend- börse Schluß» kurS Schlußk. Minag- börse Datum 4-4- 5-4- 4-4- 5-4- Mansselder Bergbau .. .. 0 — — 73,25 73,5 Kokswerke ......... .. 0 — — 97,13 98,4 Phonir Bergbau...... .. 0 52,25 52 52 52 Rheinische Braunkohlen 10 202,75 201,75 202 202 Rheinstahl .......... .. 0 94 93,5 94 93,5 Bereinigte Stahlwerke. .. 0 44,25 43,75 44 43,75 Otavt Minen ........ .. 0 15 15 14,9 14,9 Kaliwerke Aschersleben. .. 5 — 112,75 112-5 112 Kaliwerke Westeregeln . .. 5 — 114 114,5 113,5 Kaliwerk» Salzdetfurth IVi 144 — 144,5 144,5 3. G. Färben-Industrie .. 7 138,75 139,5 139,13 138,9 ScheideanstaU........ .. 9 179 179 — — Goldschmidt ......... .. 0 61 60,75 61 60,75 Rütgerswerke........ .. 0 59,75 58,75 59,9 58,4 Metallgesellschaft...... .. 0 80,5 80,5 81 80 Phtltpp Holzmann .... .. 0 75 74,75 75 73,75 Zementwerk Heidelberg • e ee .. 0 100 100 lernentwerf Karlstadt.. .. 0 109 Schultheis Payenhoser .. 0 — — 104,5 104,5 Aku «Allgemeine Kunstseide) .. 0 61,25 64 61,75 64,25 Bemberg........ .. 0 70,75 75 71-4 74,9 Zellstoff Waldhof ..... .. 0 53,25 52,5 52,9 52,25 Zellstoff Aschaffenburg « * • » • .. 0 —— 40,25 43 39,5 Dessauer Gas ..... .. 7 —— — 119,75 118,75 Daimler Motoren..... .. 0 49.75 50,25 49,65 50,13 Deutsche Linoleum.... .. 0 58 58 57,9 58 Orenstein & Koppel ... .. 0 — — 68,5 68,75 Leonhard Tietz ....... .. 0 21,25 21 21 21,25 Lhade .............. ..10 159 158 158,5 158 Lerumulaioren-Fabrik. .. 0 177 176 175,5 176,25 Lonti-Gummi........ .. 0 146 146 146 146 01 28,9 Mainkraftwerke Höchst a.M—. 4 — Süddeutscher Zucker ......... 8| 168,75 28,75 1 28,5 1 168 1 169,51 28,75 168,5 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. 4. April 5-April Amtliche Notierung Amtliche Notierung (Selö Brie Geld Brie Helstngfor». 5,719 5,731 5,704 5,716 Wien...... 47,20 47,30 47,20 47,30 Prag...... 10,38 10,40 10,38 10,40 Budapest ... — — — — Sofia ..... 3,047 3,053 3,047 3,053 Holland ... 169,18 169.52 169,18 169,52 OSlo ..... 65,13 65,27 64,93 65,07 Kopenhagen. 57,94 58,06 57,74 57,86 Stockholm.. 66,83 66,97 66,63 66,77 London.... 12,965 12-995 12,925 12,955 Buenos Aires 0,633 0,637 0,632 0,636 Reuyork.... 2,500 2-506 2,504 2,510 Brüssel..... 58,49 58,61 58,49 58,61 Italien..... 21,58 21,62 21,58 21,62 16,50 16,54 16,50 16,54 Schweiz.... 80-97 81,13 80,97 81,13 Spanien... 34,22 34,28 34,19 34,25 Danzig .... 81,62 81,78 81,62 81,78 0,764 0,766 0,761 0,763 Rio de Jan. 0,214 0-216 0,214 0,216 Jugoslawien 5,664 5,676 5,664 5,676 Lissabon ... 11,79 11.31 11,77 11,79 Banknoten. Berlin, 5.April Geld Brief Amerikanische Roten.............. 2-457 2,477 58,33 58,57 57 48 12 88 Französische Noten............... 16,46 16,52 Holländische Noten............... 168,76 169,44 Italienische Noten. .............. 21-51 21,59 Norwegische Noten .............. 64,77 65,03 Deutsch Oesterreich, i 1OO Schilling Rumänische Noten............... — — Schwedische Noten .............. 66,47 66,73 Schweizer Noten... 81,11 34*19 Nr. 80 Dritter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Aeitag, H. April M4 Maßnahme: 850 2500 8000 2000 Deutsche Volksgenossen! t Ser Reikhsberufswettlampf in Gießen Jeder Deutsche, der sich mit seinem Berufe verbunden weiß, kommt zur an dem etwa 2000 Hitlerjungen, B d M. - Mädel und Teilnehmer am Reichsberufswettkampf teilnehmen werden. Der Abmarsch ist um 14.45 Uhr vom Brandplatz. Der Werbezug wird sich durch folgende Straßen bewegen: Landgrafensträße — Hitlerwall — Walltorstraße — Marktplatz — Schulstraße — Sonnenstraße — Kreuzplatz — Seltersweg — Frankfurter Straße — Liebigstraße — Bahnhofstraße — Kaplan sg ässe — Neuenweg — Ludwigsplatz — Kaiserallee — Volkshalle. Dieser Marsch ist eine Kundgebung der deutschen Jugend für den Berus. Die Hitlerjugend des ganzen Kreises Gießen wird an diesem Marsch teilnehmen. Die Teilnehmer am Reichsberufswettkampf werden getrennt nach Berufsgruppen marschieren und sind an den Schildern, die jeder Gruppe vorangetragen werden, erkenntlich. Die Hitler-Jugend Bann 116 Gießen. Gez.: Heinz Becker, Abteilungsleiter III. nehmer am 9. April, vorm. 8 Uhr am Haus der Deutschen Arbeitsfront, Gießen. Bon hier aus Abmarsch unter Vorantritt des Spielmannszugs der HI., Bann 116, nach dem Wettkampfplatz Berufsschule, Kirchstraße. 9 Uhr Ansprachen und Verteilung der Aufgaben. Anschließend Lösung der theoretischen und praktischen Aufgaben in zwei Sälen der Berufsschule, Turnhalle (Pestalozzischule) und Schreinerlehr-Werkstätte der Berufsschule. Gruppe Heimarbeit und Hausgehilfen. Der Wettkampf dieser Gruppe findet am Freitag, 1 3. A p r i l in der Gewerbeschule, Gießen, Kirche straße 11, statt. Gruppe Graphisches Gewerbe. Am 9. A p r i l, vorm. 8.15 Uhr, in der Gewerbeschule, Eröffnung des Berufswettkampfes Gruppe 1 Graphisches Gewerbe (Gießen, Friedberg, Bad-Nau- Heim, Alsfeld, Grünberg). Hitler-Jugend, Bann 116 Gießen gez. Heinz Becker, Abteilungsleiter III. Ehrenausfchuh. Zu der Veröffentlichung der Mitglieder des Ehrenausschusses zum Reichsberufswettkampf der deutschen Jugend ist noch anzuführen, daß Pg. Kreisdirektor Klostermann-Gießen diesem Ausschuß ebenfalls angehört. ■ In der Besprechung des Ehrenausschusses am 3. April hat es dieser zur Pflege einer wahren Volksgemeinschaft abgelehnt, besondere Plätze in der Großkundgebung am 8. April in der Volkshalle einzunehmen. Es werden daher Plätze nicht freigehalten. Wettkampfleitungen. Die Wettkampfleitungen schließen sich dem Ehrenausschuß an. Also werden auch für diese Ausschüsse keine Plätze zur Großkundgebung reserviert. Die Gruppe Holz meldet heute eine Wettkämpferzahl von 52 Teilnehmern für den Wettkampfort Gießen. Der Wettkampf dieser Gruppe wird in zwei Schichten ausgetragen. Antreten der Wettkampfteil- Großkundgebung zur Eröffnung der „Woche des Berufes" und dem damit verbundenen Reichsberufswettkampf der deutschen Jugend am Sonntag, 8. April, 16 Uhr zn der Volkshalle in Gießen! Es sprechen Pg. Beigeordneter Heinrich Bartz o l o m ä u s (Gießen) und Oberbannsührer Wal- Hiller schafft Arbeit! Weitere bewilligte Wahnahmen im Arbelks- ter Blumenröder (Friedberg). Alle kommen, keiner darf fehlen! Eintritt frei! Vor der Kundgebung veranstaltet die Hitler- Jugend zum Reichsberufswettkampf einen Werbemarsch, beschaffungsprogramm des Rein - Main - Gebiets: Tagewerke: Sammlung durch SA Platzkonzerte der SA. Denn kurzhaarige, schwere Hunde liegen sich sonst leicht Druckschwielen. Zur Vermeidung oder Bekämpfung von Ungeziefer gibt es viele Mittel: Manche wählen dafür Nußbaumblätter oder Farnkraut als Unterlage. Andere bevorzugen Torf. Jedenfalls ist es empfehlenswert, von Zeit zu Zeit mit heißer Sodalösung zu desinfizieren. Auch ein Kettenhund braucht Fleisch, um gesund zu bleiben. Dies geht schwer in manchen Kopf und ist natürlich auch auf dem Lande nicht leicht zu bewerkstelligen. Aber man sollte es jedenfalls nicht vergessen. Was das Getränk betrifft, so ist zu beachten, daß man selbstverständlich im Sommer mehrfach am Tage frisches Wasser zu geben hat. Im Winter läßt man den Wassertopf nicht zufrie- ren, sondern gibt stubenwarmes Getränk. Die Freß- und Saufnäpfe wählt man nicht zu leicht. Die Haarpflege ist ebenfalls nicht ganz zu übersehen. Das ist keine Zumutung, sondern eine ge- undheitsfördernde Notwendigkeit. Vor allem geht es nicht an, daß der Hund ohne freie Bewegung ist Hat er nicht ohnehin bei Nacht, seiner Aufgabe entsprechend, freien Auslauf, so muß er ihm bei Tage für einige Stunden gewährt werden. Dazu gehört natürlich ein bißchen Erziehung. Er hat ge- flüaelfromm zu sein und darf sich nicht herumtreiben oder gar wildern. Es gibt solche Verbrecher. Aber der Besitzer hat es doch in den meisten Fallen in der Hand, ihm diese Untugenden abzugewohnen. Tierarzt Dr. H. Hinein in die AS.-Dolkswohlfahrt. Es ist der NS.-Volkswohlfahrt durch das gewaltige Winterhilfswerk gelungen, das deutsche Volk vor Hunger und Kälte zu schützen. Mit Erleichterung und Freude begrüßen wir das Ende der kalten Jahreszeit und den Beginn des Frühjahrs. Die Arbeit der NSV. ist aber nach diesem Siege nicht beendet — sie fängt überhaupt e r st r i ch t i g an. Mit der gleichen unverwüstlichen Arbeitsfreude, mit der die NSV. und ihre Mitarbeiter sich dem Winterhilfswerk gewidmet haben, wenden sie sich dem neuen großen Hilfswerk zu, der Aktion für Mutter und Kind. Mutter und Kind sind die Garanten für die Unsterblichkeit der deutschen Nation. In ihnen schlummert die Lebenskraft von Jahrtausenden, die noch in werteren Jahrtausenden fortzeugend weiterwirken soll. Das aber ist nur möglich, wenn wir ihr Blut rem uno gesund halten. , , ... ,, ... Die NS. -Dolkswohlfahrt kämpft für die Reinheit und für die Gesundheit des deutschen Blutes. Durch Erziehung und Pflege, durch Sonderung des Gesunden vom Kranken woll sie dieses Ziel erreichen. Dazu bedarf sie der tätigen Mithilfe aller deutschen Volksgenossen. Große Mittel sind erforderlich, wenn dieses Ziel erreicht werden soll. I e d e r Deutsche, dem die Gesundheit und das Fortbestehen unseres Volkes am Herzen liegt meldet sich als Mitkämpfer in der NS.-Volkswohl fahrt an. , Die Gauamtsleitung der NSV. Das Ergebnis dieser Geldsammlung wird ausschließlich für Bekleidung bedürftiger SA. - Männer verwendet. Näheres über die stattfindenden Platzkonzerte und Umzüge wird noch bekanntgegeben. Volksgenossen! Denkt am 2 1. und 2 2. April an die Rot unserer braunen Kämpfer, die euch das neue Reich erkämpften und auch für die Zukunft schützen werden, und gebt reichlich! Erweiterung und Verbesserung der Stromversorgungsanlagen durch eine Gleichrichter - Anlage bei Griesheim durch die Stadt Frankfurt a. M. Erschürfung und Nutzbarmachung einer neuen Quelle sowie Zuführung derselben in den bestehenden Hochbehälter durch den Kreis Limburg Räumung der alten Weschnitz und Herstellung eines Grabens entlang der Nibelungenstraße durch Gemeinde Lorsch Instandsetzung und Ausbau des Mühlbaches durch Gemeinde Worfelden tiefer Ruhe. So wird eines Jahres Lauf auch zum Symbol für unser Leben. Aus knospender Jugend schreiten wir über den Mittag des Lebeäs hinein in die stille Zeit des Herbstes, in der langsam alle Wünsche verstummen, die uns im Hochsommer unseres Daseins beunruhigen. Eines aber bleibt, wenn unser , Lebenssrühling und Sommer ein gesegneter war: ; die tiefe Freude und das ruhige Glück in des Herbstes Erntezeit und die Vorahnung des Ausruhens , nach vollendetem Lebenswerk. Wie jede Jahreszeit in der Natur ihre besondere Schönheit hat, so hält auch jeder Lebensabschnitt für uns etwas bereit, was uns froh macht und uns ausfühnt mit mancher Unbill und manchem Fehlschlag: In der Jugend und in unseres Lebens Sommer Kraft und Mut zu schöpferischem Tageswerk, am Abend unseres Lebens das tiefe Auskosten und weise Erkennen dessen, was wir in der besten Zeit schaffen und erleben durften, und als tröstlichen Abschluß dieses irdischen Daseins die Gewißheit, daß nichts von dem, was wir Gutes taten, umsonst geschah. So gestaltet sich in Natur und Mensch vom Leben bis zum Sterben, vom Erwachen bis zum Schlaf alles zu köstlicher Harmonie. Was blüht , wird reifen zur Frucht, die in sich wieder den Ansatz zu neuer Blüte birgt. Ein Wort für den Kettenhund. Es gibt Jagdhunde, die es im Leben nicht gut haben. Es gibt Blindenhunde, die nicht zu beneiden sind. Es gibt Ziehhunde, die ein erbärmliches Leben führen müssen. Aber das schlimmste Los ist doch wohl das des Kettenhundes. Dabei fällt gerade ihm die wichtigste Aufgabe in Haus und Hof zu. Er soll Leben und Gut seines Herrn schützen. Er soll bei Tag und Nacht auf dem Posten sein. Und was ist der Lohn dafür? Eine elende Bretterbude, zu eng zum Ausstrecken, zu niedrig zum Stehen, im Sommer ein Backofen, im Winter eine eisige Höhle, in die Wind, Regen und Schnee Einlaß haben und dazu noch bevölkert von Ungeziefer aller Art. Die Kost elend, das Wasser im Sommer warm und faulig, im Winter kalt oder gar gefroren. Keine Haarpflege, kein Auslauf, es sei denn, daß der Hund das Glück hat, sich wenigstens bei Nacht sich im Hofe frei bewegen zu können. Und selbstverständlich mißachtet, ohne ein freundliches Wort. Ein Hundeleben! — Lächerlich! Uebertrieben! So höre ich sagen. Mag sein, daß das alles in manchen Fällen nicht zutrifft. Aber so, wie ich es schildere, kommt es leider immer noch oft genug vor. Aber wie Abhilfe schaffen? Das wichtigste ist immer die Hundehütte. Die Hütte soll an eine Mauerwand angebaut, und wenn man es sich leisten kann und genügend Platz vorhanden ist, umzäunt sein, so daß man dem Hund das Anketten erspart. Ist die Kette aber unumgänglich notwendig, so bedarf sie einer gewissen Länge, damit das Tier sich nicht erwürgt. Das Halsband sei weder zu weit, daß es der Hund abstreifen kann, noch so eng oder schmal, daß es allen Umständen gegen Me Kälte Nässe und Zug Schutz bietem Man baut sie auf einem etwas erhöhten Platz auf und zimmert sie aus genügend dicken, fugenfreien Brettern Das Dach wird mit Dachpappe oder Segeltuch beleat Ist es flach, dann hat der Hund bei schönem^Wetter einen guten Liegeplatz, deri er mit Vorliebe aufsuchen wird. Ferner muß man es abbeben können damit Reinigung und Lüftung der Hütte leicht vor sich geht. Die Hütte darf kemes- saUs aus den blaßen Boden gestellt werden. Man stellt sie am besten auf Pfosten oder Ziegelsteine. Dann ist sie vor Kälte und Nässe von unte" her geschützt. Sie kann daher auch besser gereinigt werden. Bringt man ein Vordach an, so 'st das zwar etwas mühevoll, aber für das Tier eme große Annehmlichkeit bei schlechtem Wetter Die Dehnung soll nicht gegen ine richtet sein. Man verhängt sie aber ledenfalls wah^ rend der kcüten Jahreszeit Z^n.. Schutzl Wmd mit einem Sack oder einem Stuck Leder. Hütte sei nicht zu klein. Der Hund muß sich ousstrecken und erheben können. Sie darf allerdings "" nicht so groß sein, daß er sie nicht erwärmen kann. Man versieht sie alle Woche m,t sauberer Streu. Sparsamkeit ist hierbei nicht am Plage. Am 21. und 2 2. April findet eine haus- und Strahensommlung im Bereich der Standarte 116 für bedürftige SA.-Männer tatt. An diesen Tagen finden in Gießen in der Nock st raße, auf dem Oswaldsgarten und an der Ecke Damm st raße - Walltoriraße zu verschiedenen Zeiten Platzkonzerte der Standartenkapelle 116 und der SA.-Reserve- kapelle statt. Für Samstagabend ist als Auftakt zum SA. - Spendetag ein Zapfen st reich auf dem Oswaldsgarten geplant, am Sonntag er- olgen Umzüge durch die Stadt unter Mitwirkung der Standartenkapelle und des Spielmanns- Zugs. Aus der provinzialhauptstadt. Das liecht des Kindes auf Geschwister. Wenn man in einer Schulklasse nach den Kindern fragt, die ohne Geschwister aufwachsen, so stehen in' den Städten 20 und mehr Prozent der Schüler auf. Sie find in den unteren Klassen ihren Mitschülern oft überlegen, fallen jedoch in den oberen Klassen ebenso oft ab. Der Vorteil in den unteren Klassen besteht darin, daß die Kinder durch das ständige Alleinsein mit den Eltern eine gewisse Frühreife 'erlangen und die Fähigkeit, sich in die Art des Erwachsenen, hier des Lehrers, schnell ein- zufüqen. Dieser Frühreife, die später, wenn das Kind sich von den Eltern löst, nicht vorhält, stehen schwere Nachteile gegenüber. Die natürliche Umwelt des Kindes ist der Geschwisterkreis, der in Arbeit, -Spiel und Scherz den Bedürfnissen des Kindes entspricht. Viele Mütter wissen das und schicken ihr einziges Kind in den Kindergarten. Ein notwendiger Ersatz, aber doch nur ein solcher! Der Geschwisterkreis ist blutsverbunden. Seine Mitglieder haben kein völlig gleiches, aber ein in vielem übereinstimmendes Erbgut und verstehen einander besser, halten besser zusammen als die Spielkameraden eines Kindergartens oder der Schule. Der Geschwisterzu- sammenhang hält das ganze Leben und ist später oft die einzige Stütze in der Bedrängnis des Lebens. Der Familienkreis ist die Zelle des Gemeinschaftslebens, dessen Wert wir heute erkannt haben. Im Familienkreis lernt das Kind die Tugenden des Gemeinschaftslebens: die Hilfsbereitschaft und das Sichfügen. D.as „Führerprinzip" sehen solche Kinder täglich im Vorbild der Eltern. Nur das Kind aus dem Geschwisterkreise genießt die vollwertige Ausbildung zum deutschen Menschen, und daher ist der Geschwisterkreis ein unbestreitbares Recht des Kindes. Durch die Jahreszeiten. Der Frühling geht durch das Land und kleidet die Natur in ihr schönstes Gewand. Die Wochen des Keimens und Blühens werden abgelöst vom Sommer, dem heißen Gesellen, der wiederum den Weg bereitet zu des Herbstes Gabentempel. Und wenn nach all dem Blühen und Reifen wieder Ernte gehalten war, dann deckt des Winters Barmherzigkeit feine weiße Decke über die Fluren zu stiller, Arbeitsdienst der Abiturienten. Den Abiturienten, die Ostern 1934 die Reifeprüfung bestanden haben, gehen in den nächsten Tagen ohne Rücksicht daraus, ob sie die Hochschulreife erhalten ober nicht, Doppelpostkarten zu, deren Rückantwortkarte umgehend auszufüllen und an die Hauptmeldestelle für den Freiwilligen Arbeitsdienst des Arbeitsgaues 22 in Kassel einzusenden ist. Da nach Mitteilung des Provinzialschulkollegiums in Kassel die Zuerkennung der Hochschulreife für die Abiturienten der Provinz Hessen-Nassau bis zu dem von der Reichsleitung des Arbeitsdienstes vorgesehenen Termin nicht ausgesprochen werden kann, sind die Postkarten zunächst ohne Beantwortung der Frage nach der Hochschulreife abzusenden. Den Abiturienten, denen die Berechtigung zum Studium zuerkannt wird, geht sodann durch das ihrem Wohnsitz am nächsten liegende Meldeamt vor dem 28. April 1934 die Einberufung zur persönlichen Vorstellung und ärztlichen Untersuchung zu. Der Arbeitsdienst beginnt am 7. Mai und dauert bis 2 5. Oktober 1934. Er besteht aus vier Monaten Arbeitsdienst und sechs Wochen Geländesport. Wünschen für J)ie Einstellung in eine bestimmte Gegend DeutMands kann nicht entsprochen werden. Die Unterbringung erfolgt in der Regel in den Ar- beitsöienftabteilungen der Aufenthalts- oder Heimatprovinz. Alle Anfragen oder vorläufigen Meldungen bei den Meldeämtern zum Diensteintritt sind zwecklos. Die Einberufung erfolgt automatisch. Diejenigen Abiturienten, die nicht studieren wollen, oder denen die Hochschulreife nicht zuerkannt wird, können sich jedoch, wie alle sonstigen Bewerber, bei den Meldeämtern für den Freiwilligen Arbeitsdienst zur Einstellung melden und müssen sich in diesem Falle für sechs Monate verpflichten. Der Leiter der Hauptmeldestelle für den Freiwilligen Arbeitsdienst im Arbeitsgau 22, gez. Steyer. Sprechstunde des Gauinspekteurs für Oberheffen. Der Gauinspekteur der NSDAP, für Oberhessen, Pg. Kreisdirektor K l o st e r m a n n, hält am nächsten Samstag, 7. April, von 13 bis 16 Uhr auf der Kreisleitung Gießen. Löberftraße 9, Sprechstunde ab. Es kann jeder Parteigenosse, der Anlaß zu Beschwerden zu haben glaubt, diese Vorbringen. Kreisbetriebszellenabteilung Gießen. Am Samstag, 7. April, findet derSchulungs- kursus für d i e Amtswalter des Kreises Gießen der N S B O. um 19 Uhr im Hause der Deutschen Arbeit statt. Zur Teilnahme sind alle Amtswalter der NSBO. im Kreis Gießen verpflichtet. Es wird nochmals auf die pünktliche Rückgabe der Karteikarten aufmerksam gemacht. Gez. Hahn, Kreisbetriebszellen-Schulungswart. Ortsgruppe Gießen-Güd. Samstag, 7. April, 20.15 Uhr, in der „Stadt Wetzlar", Riegelpfad, Sitzung der Politische» Leiter. Es erfolgt die Ausgabe neuer Mitgliedskarten. Zu diesem Zwecke haben alle diejenigen Parteigenossen zu erscheinen, die ihre Karte mit dem Kassenwart in der letzten Zeit in Ordnung gebracht haben. Eine anderweitige Ausgabe der Karten erfolgt nicht. Vorher: Vortrag von Pg. Dr. Hecke über „Die politische Lage in Südosteuropa". Montag, 9. April, 20.15 Uhr, im Katholischen Vereinshaus: Schulungskursus für die gesamte Ortsgruppe. Thema: „Kampf um die deutsche Saar". Entschuldigungen für diesen Abend werden nicht angenommen. gez.: Schwarz. Vetr.: Winterhilfswerk 1933/34. Am Samstag, 7. April, ab 14 Uhr wird in der Geschäftsstelle, Crednerftraße 24, an jede aus dem Winterhilfswerk unterstützungsberechtigte Familie aus der Ortsgruppe Gießen-Süd ein Laib Brot gegen Zahlung von 10 Pfennig ausgegeben. gez.: Z ö 11, stellv. Ortsgruppenamtswalter. Ortsgruppe Gießen-Aord. Montag, 9. April, 20.30 Uhr, findet in der Turnhalle am Oswaldsgarten ein Schulungsabend statt, an dem alle Parteigenossen teilzunehmen haben. Pg. Dr. W o l k e w i tz spricht über das Thema „Saargebiet". Amt für Beamte, Kreis Gießen. Die im RDB. vereinigten Beamten des Kreises Gießen werden ersucht, zum Zeichen der Verbundenheit mit der deutschen Jugend sich an der am Sonntag, 8. April, um 16 Uhr, in der Volkshalle stattfindenden Großkundgebung zur Eröffnung des Reichsberufswettkampfes zahlreich zu beteiligen. Ulrich, Abteilungsleiter. Hitlerjugend. Der Dberbann IV/13, Oberhessen, hat am 5. April seine Amtsräume von Friedberg nach Bad-Nauheim verlegt (Moltkestraße). Alle Sendungen sind in Zukunft dorthin zu richten. Heil Hitler! Der Führer des Oberbanns IV/13. M. d. F. b.: Walter Blumenröder, Bannführer. OieWertqmttungen der Kohlenhändler für das Winterhilfswerk. Die Reichsführung des Winterhilfswerkes gibt bekannt: Am 31. März 1934 war mit der Beendigung des Winterhilfswerkes 1933/34 gleichzeitig die Gültigkeitsdauer für die letzte Ausgabe der Kohlen scheine Serie F abgelaufen. Die Koh- len-Kleinhändler müssen deshalb bis zum 10. April 1934 mit den zuständigen Ortsgruppen des WHW. abgerechnet haben. Nach dem 10. April 1934 werden keine Wertquittun- g e n mehr ausgeftel V-k" Um die weitere Abwicklung zu sichern, ist es notwendig, daß die Koh- len-Kleinhändler die Wertquittungen bis zum 20. April 1934 den Kohlengroßhändlern, die Kohlen- Großhändler bis zum 25. April den Syndikaten und diese bis zum 2. Mai 1934 der Reichsführung einreichen. Nach dem 20. April 1934 hat der Kohlen-Einzel- Händler, nach dem 25. April 1934 hat der Kohlen- Großhändler keinen Anspruch mehr darauf, daß ihm eine Wertquittung abgenommen wird. Wenn ein Kohlengroßhändler trotzdem nach dem 20. April 1934, oder wenn ein Syndikat nach dem 25. April 1934 noch eine Wertquittung annimmt, so tun sie das auf eigene Gefahr, da die Reichsführung nach dem 2. Mai 1934 grundsätzlich keine Wertquittung mehr entgegennimmt. Volkstag der Inneren Mission. EPH. Vom 14. bis 20. April werden alle evangelischen Christen aufgerufen zum helfenden Dienst für die Werke der Inneren Mission. In dieser Zeit wird die amtlich genehmigte Haus- und Straßensammlung der Inneren Mission durchgeführt. Zur Zeit finden in den einzelnen Gemeinden Vorbereitungen für dieses Unternehmen statt. Hilfsbereite Gemeindeglieder werden bei dieser Sammlung tätig sein. Am 15. April wird in den Gottesdiensten auf die Tätigkeit und den Wert der Inneren Mission hingewiesen. Wer nur einigermaßen weiß, was die Innere Mission an den Hilfsbedürftigen mancherlei Art geleistet hat und noch leisten will, wird ihre Bitte um Hilfe nicht zurückweifen, sondern mit Freude unterstützen. Diese Gebefreudigkeit möge das Wort des Herrn Reichsminifters des Innern fördern, der zu den bevorstehenden Sammlungen folgendes ausführt: „Den Plan eines Volkstages der Inneren Mission begrüße ich als ein Zeichen der Volksverbundenheit und tätigen Nächstenliebe der Deutschen Evangelischen Kirche. Die Innere Mission steht vor großen Aufgaben. Möge es ihr gelingen, alle evangelischen Kreise zu einer Opfertat aufzurufen." Wir hoffen, daß die Sammler und Sammlerinnen überall eine freundliche Aufnahme finden und daß ein Ergebnis erzielt wird, das der Inneren Mission ermöglicht, ihre dem Volkswohl dienenden Einrichtungen zu unterhalten. Schonet die Frösche! Wenn die Natur zu neuem Leben erwacht, dann verläßt der grüne Gras- und Wasserfrosch fein feuchtes Bett am Grunde der Wassertümpel. Vielfach fällt er nur allzu rasch rohen Häschern, die ihn umlauern, in gierige Hände. An den Rändern der Pfützen und Tümpel sitzen die Fänger und halten grausame Ernte, wenn die Frösche an die Oberfläche kommen, um Atem zu holen. Diese Froschfänger nehmen sich oft nicht einmal die Zeit, die Frösche durch das Messer zu töten, sondern reiße« ihnen bei lebendigem Leibe die Schenkel aus, eine Gefühlslosigkeit und Roheit sondergleichen. Nach der Tätigkeit solcher Froschjäger liegen oft Hunderte von verstümmelten Froschleibern verschmachtet umher. Die Ausübung oes häßlichen Geschäfts ist besonders auf das jugendliche Gemüt von recht verrohendem Einfluß. Man beachte auch beim Froschfang das alte Sprichwort: „Quäle nie ein Tier zum Scherz, denn es fühlt wie du den Schmerz!" Schützt den Regenwurm! Die Regenwürmer leben in den selbstgebohrten Gängen der Ackererde. Sie verzehren abgestorbene, in Fäulnis übergehende pflanzliche und tierische Stoffe, ja, selbst ihre toten eigenen Artgenossen. Ihre Nahrung ziehen sie mit ihren Lippen oder durch Saugen mittels des Rundkopfes in die Gänge, überziehen sie mit schleimigem Speichel und bereiten so deren Verwesung vor. Die Regenwürmer schaden also nicht nur nicht Stärkt die Notleidenden im Glauben an ihr Volk! Werdet Mitglieder der NS.-Volkeiwohlfahrt! ** Von der Landesuniversität. Wie das Personalamt der Hessischen Staatsregierung bekanntgibt, wurde auf Grund der zur Durchführung des § 15 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 erlassenen zweiten Durchführungsverordnung vom 4. Mai 1933 gemäß § 6 des vorgenannten Gesetzes das Dienstverhältnis des Dr. Wilhelm Pfaff als Inhaber des Lehrstuhls für Betriebslehre und als Leiter des Univerfitätsverfuchsguies zum 1. Juli 1934 unter gleichzeitigem Einzug des Lehrauftrages mit sofortiger Wirkung gekündigt. — Ernannt wurden der Finanzpraktikant Hans Knußmann aus Mainz zum Verwaltungsobersekretär bei der Kasse der Landesunversität Gießen mit Wirkung vom 1. März 1934 an, der Hilfsamtsgehilfe an der Landesuniversität Gießen Friedrich Bachmann zum Amtsgehilfen an der Realschule in Bad Wimpfen mit Wirkung vom 16. April ab. *♦ Evangelisch-kirchliche Personalien. Uebertragen wurde dem Pfarrer Wilhelm Roos zu Viernheim die evangelische Pfarrstelle zu Geiß-Nidda (Dekanat Nidda), dem Pfarrverwalter Hermann H a a ß zu Wald-Michelbach die Lan- desjugendpfarrstelle der Evangelischen Landeskirche Nassau-Hessen. — In den Ruhestand versetzt wurde auf sein Nachsuchen und unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste Pfarrer Adam Keil zu Spachbrücken mit Wirkung von 1. Juli 1934. Aus dem Dienste der Evangelischen Landeskirche Nassau-Hessen entlassen wurde auf sein Nachsuchen Pfarrer Adolf R i ch t m a n n zu Alsheim. ** Schulpersonalien. In den Ruhestand versetzt wurden auf ihr Nachsuchen unter Aner- kennung der dem Staate geleisteten Dienste und unter besonderer Würdigung des im nationalen Interesse bekundeten Opfersinns die Lehrer an der Volksschule zu Lich, Karl Sauer und Karl Stein, beide mit Wirkung vom 1. April 1934 an. ** D i e Gießener Konfirmanden. Die diesjährigen Konfirmanden der evangelischen Gemeinde Gießen betragen insgesamt 501; sie verteilen sich wie folgt: Matthäusgemeinde 108 (57 Knaben, 51 Mädchen); Markusge- meinde 116 (73 Knaben, 43 Mädchen); Lukas- gemeinde 107 (52 Knaben, 55 Mädchen); I o - yannesgemeinde 65 (35 Knaben, 30 Mäd- chen); Luthergemeinde 58 (24 Knaben, 34 Mädchen): Petrusgemeinde 47 (20 Knaben, 27 Mädchen). dem Pflanzenwuchs, sondern fördern ihn und helfen indirekt zur Urbarmachung des Bodens. Demzufolge nehmen sie eine hervorragende Stellung in der Natur ein, und mehr als irgendein anderes Tier bewirken sie die natürliche Bearbeitung der oberen Erdschicht. Die Erde führen die Würmer durch ihren Darmkanal, absorbieren die in ihr befindlichen organischen Bestandteile und legen sie in Form der bekannten körnigen Exkremente an die Oberfläche wieder ab, wohin sie sich namentlich nur nachts begeben. An Stellen, die wegen Trockenheit von den Regenwürmern verlassen werden, ändert sich die Beschaffenheit der oberen Erdschicht und nimmt einen torfartigen Charakter an. Die Regenwürmer schaffen die Erde tieferer Schichten an die Oberfläche. Sie setzen so immer neue Mengen Erde der Einwirkung, dem Lufteinfluß und der Humusbildung aus, die die notwendige Zersetzung und somit teilweise die Eigendüngung sicherstellt. Sie zerkleinern immer wieder die Erde durch den chemischen Einfluß ihrer Körpersäfte und durch die mechanische Zerreibung im Muskelmagen und Darmkanal. Blätter und andere organische Stoffe werden auf diese Weise in den Boden gebracht und so einer raschen Verwesung zugeführt. Die Wurmröhren durchlüften den Boden, erleichtern das Hinabdringen der Wurzeln und das Tiefergehen der Feuchtigkeit. Weil diese Röhren immer wieder Zusammenstürzen und neue Gänge gegraben werden müssen, besorgen die Würmer auch eine anständige Auflockerung des Bodens. Viele Samenkörner kommen nur durch den Umstand zum Keimen, daß sie von den Exkrementen der Würmer bedeckt werden. Treten die Regenwürmer im Verhältnis zur Bodenfläche in zu großen Mengen auf, so können sie allerdings auch schädlich wirken. Die vorhandene Nahrung reicht dann nicht aus, und sie ziehen junge Pflänzchen als Nahrung in ihre Röhren. Vollkommen ungerecht aber ist die Meinung, daß Würmer die Pflanzenwurzeln benagen. Der Schutz des Regenwurms ist also für jeden Menschen eine Pflicht. Neben dem Maulwurf ist der Regenwurm einer der treuesten und bewährtesten Helfer des Landwirts. Vornotizen. — Tageskalender für Freitag: Stadttheater: 20 bis 22.30 Uhr, „Der Evangelimann". — Bund Nationalsozialistischer Deutscher Juristen, Gruppe Referendare und Assessoren: 14.30 Uhr, Restaurant Andres, Versammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Mit dir durch dick und dünn". — Astoria-Lichspiele, Seltersweg: „Frisko- Expreß — führerlos!" — VHC. Gießen: 20.30 Uhr, Monats-Versammlung. — Aus dem Stadttheaterbüro. Mor- oen, Samstag abend, Deutsche Bühne, Reihe 2, und freier Verkauf das vaterländische Schauspiel ,Kalte" von Hermann Burte. (Siehe heutige Anzeige.) **SperrungderKirckstraßewährend der Frühjahrsmesse. Von der Polizeidirektion Gießen wird uns mitgeteilt: Während der Dauer der Frühjahrsmesse vom 8. bis 15. April auf Oswaldsgarten wird die Kirchstraße zwischen Neustadt und Wetzsteingasse täglich von 11 Uhr ab für den gesamten Durchgangsverkehr polizeilich gesperrt. **EineKraftpo st-Gesellschaftsfahrt findet am kommenden Sonntag von Gießen über Königsberg, Hohensolms, Greifenstein, Braunfels und Wetzlar nach hier zurück statt. (Siehe heutige Anzeige.) ** Preußisch-Süddeutsche Staats- Lotterie. Die Gießener Staatlichen Lotterie- Einnehmer machen im heutigen Anzeigenteil darauf aufmerksam, daß die Ziehung der 1. Klasse der Preußisch-Süddeutschen Staatslotterie am 20. April beginnt. Den seitherigen Spielern werden die Lose noch einige Tage aufbewahrt. Sichert den Ausbau der deutschen Wirtschaft durch Arbeitsaufnahme in der Landwirtschaft. Die deutsche Landwirtschaft hat dringenden Bedarf an landwirtschaftlichen Arbeitern aller Art, insbesondere an Saison- und Wanderarbeitern. Deutschland muß aus nationalwirtschaftlichen Gründen alles daran setzen, das für Deutschland vorgesehene Zuckerrübenkontin, g e n t auszunutzen, und den hierfür nötigen A r - beiterbedarf im Inland selbst zu decken. Der Herr Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung hat deshalb die Vorsitzenden der Arbeitsämter persönlich dafür verantwortlich gemacht, daß bei Not - t a n d sa r b e i t e n keine Arbeitskräfte verwendet werden, die in die Landwirtschaft vermittelt werden können. Bei dem dringenden Bedarf an jugendlichen Kräften muß es Pflicht edes jungen Deutschen sein, daß er die Arbeitslosigkeit nicht im Abwarten auf irgendwelche bequemen und besonders günstige Stellungen tatenlos verbringt, sondern daß er von sich aus da zupackt, wo es nötig ist, d. h. in der Landwirtschaft. Insbesondere werden die Jugendlichen, die in der L a n d h i l f e sich landwirtschaftliche Kenntnisse erworben haben, dringend ersucht, freie landwirtschaftliche Arbeitsstellen anzunehmen. Auch die A r b e i t s di e n st w i l l i - gen sollten sich der nationalen Pflicht nicht entziehen und sich für die Tätigkeiten in der Landwirtschaft zur Verfügung stellen. Nach einer Verfügung des Herrn Reichsarbeitsministers dürfen bis auf weiteres landwirtschaftliche Arbeitskräfte nicht mehr in den Arbeitsdienst eingestellt werden. Auch aus dieser Anordnung geht hervor, wie dringend die Befriedigung des landwirtschaftlichen Kräftebedarfs ist. Arbeitsamt Gehen Der Vorsitzende: gez. Dr. List. Neugliederung der In einer Mitgliederversammlung der Ortsgruppe Gießen der NS.-Hago, die gestern abend im Saale des Caf6 Leib unter der Leitung des Ortsgruppenamtsleiters Franz S o l d a n stattfand, wurde bekanntgegeben, daß das große Anwachsen der Mitgliederzahl der Ortsgruppe deren Neugliederung in zwei Ortsgruppen erforderlich machte. Künftig wird die NS.-Hago- Organisation in Gießen aus den Ortsgruppen Gießen-Süd und Gießen-Nord bestehen. Jede Ortsgruppe ist in drei Zellen gegliedert. An der Spitze der Ortsgruppe steht der Ortsgruppenleiter, ihm zur Seite stehen die Zellenleiter und ein Geschäftsführer. Die neue Gliederung der NS.-Hago-Organifation in Gießen wurde wie folgt bestimmt: NS.-hago Ortsgruppe Gießen-Süd (Ortsgruppen- leiter: Franz S o l d a n): Geschäftsführer: Adolf Sauer. Zelle 1 (Zellenleiter: Wilhelm Wilke, Seltersweg 67): Seltersweg, Neuenweg, Kaplansgasse, Katharinengasse, Löwengasse, Teufelslustgärtchen, Wolkengasse, Maigasse, Plockstraße. Zelle 2 (Zellenleiter: Martin Hof, Wilsonstraße 5): Horst-Wessel-Wall (bis Bahnhofstraße), Hinden- burgwall (von Franks. Str. bis Bleichstraße), Alicen- straße, Bleichstraße, Riegelpfad, Aulweg, Schiffen- berger Weg, Sandkauterweg, Erdkauterweg, Liebig- straße, Wilsonstraße, Welckerstraße, Auf d-rWeißerde, Jheringstraße, Ebelstraße, Ludwigstraße (Ecke Leih- gesterner Weg bis Ecke Bleichstraße), obere Bahnhofstraße (Liebigstraße bis Bahnhof), Frankfurter Straße, Wilhelmstraße, Friedrichstraße, Klinikstraße, Am Steg, Schubertstraße, Am Zollstock, Händel- straße, Beethovenstraße, Gaffkystraße, Uhlandstraße, Freiligrathstraße, Wartweg, Friedrichstraße, Leih- gesterner Weg, Röntgenstraße, Rodhohl, Wetzlarer Weg, Hoffmannstraße, Crednerstraße. Hillebrand- straße, Mittelweg, Glaubrechtstraße, Buchnerstraße, Hollerweg, Buddestraße, An der Margarethenhütte, An den Bahnhöfen. Zelle 3 (Zellenleiter: Heinrich Appel, Kaiserallee 49): Hindenburgwall (Ecke Bleichstraße bis Gartenstraße, Johannesstraße, An der Johanneskirche, Goethestraße, Bismarckstraße, Ludwigstraße (ab Ecke Bleichstraße bis Ludwigsplatz), Löberstraße, Ste- phanstraße, Henselstraße, Gnauthstraße, Lessing- straße, Bruchstraße, Gartenstraße, Bergstraße, Gutenbergstraße, Kaiserallee, Ludwigsplatz, Großer Steinweg, Roonstraße, Moltkestraße, Am Nahrungsberg, Hessenstraße, Am Heegstrauch, Alter Steinbacher Weg, Licher Straße, Anneröder Weg, Friedensstraße, Am Kugelberg, An der Kaserne, Grünberger Straße, Alter Rödger Weg, Georg- Philipp-Gail-Straße, Karl-Vogt-Straße, Landmannstraße, Wolfstraße, Auf den Ei.chgärten, Lonystraße. NS.-Hago Ortsgruppe Giehen-Nord (komm. Ortsgruppenleiter: Ludwig S kühler): Zelle 1. (Zellenleiter: Justus Christ, Wetzsteinstraße 8). Bahnhofstraße (von Marktstraße bis Liebigstraße- Ecke), Neustadt, Rodheimer Straße, Bootshausstraße, Zu den Mühlen, Wißmarer Weg, Krof- dorfer Weg, Krofdorfer Straße, Schützenstraße, Schlachthofstraße, Gleiberger Weg, Hinter den Schießgärten, An der Hardt, Hardthof, Tiefenweg, Kleine Mühlgasse, Mühlstraße. Horst-Wessel-Wall (Ecke Neustadt bis Ecke Bahnhofstraße), Schanzenstraße, Grabenstraße, Hinter der Westanlage, Gabelsbergerstraße, Hammstraße, Lahnstraße. Zelle 2. (Zellenleiter: Heinrich Steinhäuser, Neuen Bäue 17). Kreuzplatz, Mäusburg, Marktstraße, Marktplatz, Wettergasse, Rittergasse, Kirchenplatz, Lindenplatz, Asterweg, In der Schwarzlach, Ederstraße, Weserstraße, Steinstraße (ab Oswaldsgarten bis Ecke Asterweg), Wernerwall (ab Oswaldsgarten bis Asterweg), Weserstraße, Schillerstraße, Im Gartfeld, Damm- straße, Kirchstraße, Am Pfarrgarten, An der Bach, Wetzsteingasse, Wetzsteinstraße, Burggraben, Sandgasse, In Löbershof. Zelle 3. (Zellenleiter: Friedrich Zutt, Marburger Straße 56). Neuen Bäue, Sonnenstraße, Wagengasse, Weidengasse, Diezstraße, Schulstraße, Schloßgasse, Marktlaubenstraße, Lindengasse, Brandgasse, Brandplatz, Kanzleiberg, Landgraf-Philipp-Platz, Landgrafenstraße, Senckenbergstraße, Walltorstraße, Marburger Straße, Wiesecker Weg, Bückingstraße, Steinstraße (von Marburger Straße bis Asterweg), Wernerwall (von Marburger Straße bis Asterweg), Schottstraße, Thomastraße, Cranachstraße, Dürer- straße, Am Wingert, Friedhofsallee. Im weiteren Verlaufe der Versammlung verlas der stellv. NS.-Hago-Kreisleiter Friedrich H e y d zur Warnung an das kaufende Publikum eine Liste von Männern und Frauen, die beim Betreten jüdischer Geschäfte und Kaufhäuser gesehen worden sind. Die Bekanntgabe dieser Namen zeigte Personen aus allen Schichten der Bevölkerung. Die Versammlung brachte ihr Mißfallen gegen die genannten Personen zum Ausdruck. Die Leitung der NS.-Hago behält sich für die Folgezeit die weitere Namensnennung von Personen vor, die beim Betreten derartiger Geschäfte gesehen werden. Im übrigen hielten Ortsgruppenleiter S o l d a n , stellv. NS.-Hago-Kreisleiter H e y d und Ortsgruppenleiter S t ü h l e r Ansprachen, über die wir noch berichten werden. Oberheffen. Lanvkreis Gietzen. X Wieseck , 4. April. Am Montag veranstaltete der hiesige SA. - Sturm 51/116 im großen Saal von Gastwirt H. Braun einen wohlgelungenen Kameradschaftsabend, der einen äußerst starken Besuch aufwies. Sturmführer Höhn begrüßte in herzlicher, kerniger Weise die Gäste, unter denen u. a. als Vertreter der Standarte Standartenadjutant M ü n k e r, Sturmbannführer H ö b e l - Gießen und der Fraktionsführer im Stadtrat, Pg. Assessor Hahn- Gießen, anwesend waren. Der Sturmführer wies auf die Notwendigkeit hin, neben der Dienstleistung innerhalb der SA. eine gutgepflegte Geselligkeit zu halten. In schlichter Art trug sodann der Sturmführer das Gedicht „Deutsches Erwachen" vor. Der BDM. erfreute durch exakte Volkstänze, SA.-Kamerad Fr. Hildebrand durch Mundartvorträge. Starken Beifall fand auch SA.-Kamerad Ernst Römer mit seinen Liedern, ebenso Einzelszenen und Einakter. Nach Ablauf des Programms sprach Sturmbannführer Höbe! seinen Dank für die gute aufbauende Arbeit innerhalb des Sturmes aus. Ortsgruppenleiter K. Euler gab in kurzen Umrissen nochmals.ein Bild aus der gemeinsam verlebten Kampfzeit in dem so roten Wieseck und wies auf die Notwendigkeit hin, niemals den sieghaften revolutionären Geist zu verlieren. Noch lange blieben SA.-Kame- raden und Gäste bei deutschen Tänzen in froher Stimmung beisammen. ck. Heuchelheim, 5. April. Dieser Tage veranstaltete die SAR. 8/116 in der Turnhalle e i n Konzert, das von dem Musikzug der. SAR.- Standarte 116 ausgeführt wurde. Vorher gab der Musikzug auf dem Platze vor dem Rathaus ein Platzkonzert. Beide Veranstaltungen fanden regstes Interesse und waren außerordentlich gut besucht. In der Turnhalle begrüßte Sturmführer D a m a s k i die zahlreichen Zuhörer und wies auf die Verbundenheit zwischen der SA. und der Bevölkerung hin. Unter der Leitung des Musikzugführers Herrmann bewies der Musikzug, daß er auch hohen Anforderungen gerecht werden kann. Besonders gefielen die Trompetensolis von Herrn Schwarzlose und die Darbietungen für Heroldstrompeten. Reicher Beifall dankte dem Musikzug für seine hervorragenden Leistungen. Zum Schlüsse des Konzerts brachte Sturmführer D a m a s k i ein dreifaches „Sieg-Heil!" auf den Führer und Volkskanzler Adolf Hitler aus. * Klein-Linden, 6. April. Gestern vormittag wurde die in den letzten Wochen neu hergerichtete Kleinkinderschule wieder eröffnet. Der Vorsitzende, Pfarrer Bremmer, hieß den Vertreter der Gemeinde, Bürgermeister Fischer, die Eltern und Vorstandsmitglieder der Station herzlich willkommen und sprach der Gemeindevertretung Dank aus für die Bereitstellung der Mittel, die die Instandsetzung erforderte. Er wies ferner auf die hohe Bedeutung hin, die vom neuen Staat einer christlichen Kindererziehuna entgegengebracht wird. Der Rechner und Geschäftsführer der Station, Lehrer Rau, gab einen Ueberblick über die finanzielle Lage der Kinderschule, aus dem zu ersehen war, daß es mit Hilfe der freiwilligen Gaben und Unterstützungen von Körperschaften und Privaten möglich war, das Institut zu erhalten. Die Höhe dieser Zuwendungen belief sich im letzten Jahre auf etwa 1100 Mark. Von den durch die Wiederherstellung entstandenen Kosten hat den weitaus größten Anteil die Gemeinde übernommen, einen kleineren Teil tragen die Kinderschulkasse und die Evan- aelische Frauenhilfe. Die Weißbinderarbeiten, um solche handelt es sich in der Hauptsache, wurden von der Firma Otto W e h r u m ausgeführt. Gegenwärtig wird die Kinderschule von etwa 60 Kindern besucht. * Dorf-Gill, 4.April. Am Abend des ersten Ostertages versammelte sich fast die ganze Gemeinde auf der Osterwiese zu einer schlichten Frühlingsfeier. Ein hoher Holzhaufen war aufgeschichtet, der gegen 20.30 Uhr entzündet wurde. Als die hellen Flammen gegen den sternenübersäten Abendhimmel loderten, wies der Zelleiter und Bauern- führer G. Sames darauf hin, daß wir bewußt die schönen Sitten und Bräuche unserer Vorfahren wieder ans Licht heben wollten, denn lange genug hätten sie, vergessen und verkannt im Staube geruht Im Mittelpunkt der Feier stand eine Ansprache von SA.-Mann. stud. theol. Ernst Same s. Mrt packenden Worten versuchte er, seinen Zuhörern Sinn und Bedeutung dieses Osterfeuers klar zu machen. Seine Ausführungen standen unter den drei Gesichtspunkten: 1. Ostern, ein germanisches Frühlingsfest, 2. Ostern, ein christliches Fest, 3. Ostern, das Frühlingsfest, des deutschen Volkes. Umrahmt wurde die Ansprache von zwei Liedvorträgen des Gesangvereins „Heiterkeit", von Frühlingsgedichten und einem Sprechchor des BDM. Nach dem „Sieg-Heil!" auf den Führer wurden das Deutschlandlied und das Horst-Wessel-Lied gesungen. Diese einfache, aber echt deutsche Feier hat bei allen einen befriedigenden Eindruck hinterlassen. Kreis Schotten. ♦ Laubach, 5. April. Am dritten Osterfeiertag trafen sich, wie alljährlich, die Mitglieder der A u s - schußgesellschaft im Saale des „Schutzen- Hofes" zur Hauptversammlung. Zunächst gab der vorjährige Hauptmann Friedrich Löwer nach Begrüßung der zahlreich erschienenen Mitglieder einen eingehenden Bericht über den guten Verlauf des Ausschußfestes 1933. Günstig schloß die vorgelegte Rechnung ab, die bei einer Einnahme von 1325,96 Mark und einer Ausgabe von 961,13 Mark einen Ueberschuß von 364,83 Mark zu verzeichnen hatte. Nach Aufnahme einiger neuer Mitglieder wurde die Vorstandswahl vorgenommen. Zum Hauptmann des diesjährigen Ausschußfestes wurde der Postschaffner Friedrich Hofmann gewählt. Weitere Mitglieder des Vorstandes (Hauptführer) sind: 1. Friedrich Löwer; 2. Karl Jockel; 3. Karl Peter; 4. Georg Franz; 5. Georg TröHer jun.; 6. Bernhard Högel; 7. Emil Hohmann (Kriegersektion); 8. Karl Becker; 9. Wilhelm D e s ch ; 10. August Pa - litsch; 11. Heinrich Silß; 12. Heinrich Kopp; 13. Otto Pourree. Ersatzhauptführer: 1. Otto Braun, 2. Christoph Högel I.; 3. Dr. Roßbach; 4. Otto Högy und 5. Karl Poth. Nach dem Wahlakt zogen die Ausschußmitglieder vor das Haus des alten und des neuen Hauptmanns, wobei von dem letzteren Ansprachen gehalten wurden. Hiermit fand die 'Vorfeier für den diesjährigen Ausschuß, der vom 10. bis 12. Juni wieder in althergebrachter Weise festlich begangen wird, ihren Abschluß. )—( Ruppertsburg, 4. April. Der Brauch, am ersten Feiertag das Osterfeuer abzubrennen, wurde auch in unserer Gemeinde wieder eingeführt. Um 7.30 Uhr bewegte sich ein staatlicher Zug von Teilnehmern zum herrlich gelegenen Loh, wo der landwirtschaftliche Ortsfachberater Wilh. H o r st ermahnte, die schönen alten Sitten und Gebräuche der Ahnen zu ehren. Dann wurde zur festgesetzten Zeit der riesige Holzstoß angezündet. „Flamme empor!" so scholl es nun aus der Menge in die stille Nacht hinaus. Pfarrer D. Fritsch sprach dann über den Sinn der Osterfeuer in alter Zeit und ihre Bedeutung für unsere Zeit und zeigte, wie dieser Brauch besonders dem Landvolk eine ernste Ermahnung zum Danke gegen Gott und die von ihm geschenkten Führer sein solle. Dem Sieg-Heil folgte das Horst-Wessel-Lied. Gemeinsam gesungene Dater- landslieder und Chöre des Gesangvereins, sowie Volkstänze des BDM., dessen Führerin Hermine Friedrich um 8.45 Uhr den Feuerspruch sprach, verschönten die Feier. ch Groß-Eichen, 4. April. Gestern abend fand bei Gastwirt F a u st eine außerordentliche Hauptversammlung des Veteranen- und Militärvereins statt, die gut besucht war. Den Hauptpunkt der Tagesordnung bildete ein Gesuch des Turnvereins um finanzielle Unterstützung aus Mitteln des Veteranen- und Militärvereins zur dringend notwendigen Dachreparatur der Turnhalle, die in Wirklichkeit als Volkshalle der ganzen Gemeinde große Vorteile bietet. In echt nationalsozialistischem Sinne hat die Versammlung dem Turnverein für diesen Zweck 100 Mark als Geschenk und 100 Mark als Darlehen zur Verfügung gestellt. Weiter wurde noch über die Erbauung einer Schießhalle und über Fragen der SAR. II verhandelt. Kreis Alsfeld. —.— Homberg, 5. April. Der hiesige Turnverein hielt dieser Tage eine Veranstaltung ab, die eine Fülle von turnerischen Glanzleistungen brachte. Die Stadthalle war dicht besetzt. Marsch und Vorspruch leiteten die Veranstaltung ein. Turnerinnen sangen zweistimmig ein Frühlingslied. Vereinsführer Seibert hielt die Begrüßungsansprache. Er betonte, daß die Darbietungen des Abends der planvollen Arbeit im Verein Ausdruck geben sollten. Schüler und jugendliche Turner zeigten sodann eine Reihe turnerischer Darbietungen, die reichen Beifall ernteten. Eine humorvolle Szene (Frl. H. Allendörfer und Frl. L. P a b st) löste viel Heiterkeit aus. Im weiteren Verlaufe des Abends zeigten die jugendlichen Turner schöne Freiübungen, und die Turnerinnen warteten mit einer Gegenüberstellung des Frauenturnens „Einst und Jetzt" auf. Frl. G. G a u b gab entsprechende Erklärungen. Im Mittelpunkt des Abends stand ein Hans-Sachs-Spiel, ferner sah man die Jugendturner am Barren und am Seitpferd, sowie die Turnerinnen bei lustigen Reigen. Besonderen Beifall fand ein Walzerreigen. Frl. Emilie Jäger gefiel mit einem Solotanz. Höhepunkte des Abends waren die Darbietungen der Turner am Barren. Das Publikum dankte mit begeistertem Beifall. Besondere Verdienste um das Gelingen des Abends haben sich die Führerin der Mädchenriege, Frau M. B e n s e l, und die Turnwarte K. Strauch und K. Mensdorf erworben. Musik der Kapelle Hisseri ch beschloß den Abend. Kirche und Schule. t,(inöfrcie nen ck. Heuchelheim, 5. April. Am zweiten Osterfeiertag wurde hier die Konfirmation von 21 Knaben und 35 Mädchen vorgenommen. preutzea. Krois Wetzlar. ♦ Krofdorf, 6. April. Der 36jährige Glaser Karl Läufer von hier geriet gestern nachmittag mit der rechten Hand in die Hobelmaschine und erlitt erhebliche Verletzungen. Er mußte in die Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht werden. O.Jl.-’fpOTt Aus dem Lager des Radsports des MWastsbelebung vom Bauern her s Stück 30 Pfg 3Stück 85Pfg tsprfaiMluiocit ver Redaktion. 11.30 bie 12.30 Uhr 16 bie 17 Uhr Samstag aorhmitlaa geschlossen Für unverlangt eingesandte Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. ______ Der Beauftragte des Reichssportführers für den Gau XII, Meister- Kassel, übermittelt uns fol- 19. August: 4. Bezirkswanderfahrt nach dem Laubacher Wald. 26. August: Bergrennen in Wetzlar (Ausrichter: Radfahrverein 1887 Wetzlar). 2. September: Bahnrennen in Gießen (Ausrichter: Radfahrverein 1885 Gießen). Das deutsche Bauerntum wird nach zuverlässigen Schätzungen im Wirtschaftsjahr 1933/34 12 v. H. oder etwa 750 Millionen RM. mehr einnehmen als im Vorjahre. Dieses ist der schlagendste Beweis für die Berechtigung der nationalsozialistischen Agrarpolitik. Ein Jahr nationalsozialistischer Bauernführung hat genügt, um den dauernden Rückgang der landwrtschaftlichen Einnahmen aufzuhalten und die Entwicklung wieder aufwärts zu führen. Die Mehrausgaben des deutschen Bauern stellen innerhalb der gesamten Wirtschaftsbelebung einen recht bedeutenden Faktor dar. Die wirtschaftliche Gesundung wird sich vom Bauerntum auf die ganze Volkswirtschaft übertragen. Die gestiegene Kaufkraft des Kirchenrat Benemann t- EPH. In Worms starb der Senior der hessischen evangelischen Pfarrer, Krr- chenrat Paul B e n e m a n n, im Alter von 92 Jahren Er war am 28. Juli 1842 in Halle geboren, und hat ein reichbewegtes Leben gehabt. Seine Neigungen und Anlagen bestimmten ihn zunächst zum Beruf des Bildhauers und Künstlers. Auch spater hieß er „der Künstler im Talar" und ist praktisch mit anerkannten Plastiken hervorgetreten. Wahrend seiner Haller Studienzeit erlebte er eine Bekehrung, die ihn veranlaßte, Theologe zu werden. Er war in der evangelischen Diaspora in Italien und England und den freien Waldenser Gemeinden tätig. Er trat dann später in den Dienst der Inneren Mission und schließlich des Landeskirchenpfarramtes. Seit 1891 wirkte er in der Magnusgemeinde in Worms, 1922 trat er 80jährig in den Ruhestand, nachdem der noch immer rüstige Greis während des Krieges gar manchem daheim und draußen Kraft gegeben hatte. Er war eine seltene Persönlichkeit, die unvergessen bleiben wird. Das Sportprogramm 1934 der Radfahrer Bezirks Gießen. Gau XII. Nordhessen, im DRV. gende Ausführungen: „Der Reichssportführer von Tschammer und Osten hat mich mit der Oberleitung bei der Suche des unbekannten Sportlers im Gau Hessen beauftragt. Ich rufe hiermit alle auf, ~ 1 ~ treiben oder sich turnerisch Olympiavorbereitung. Auf -er Suche nach -em unbekannten Sportler die Turnen und Sport und sportlich betätigen wollen, ihr Können unter Achtung! Achtung' . . . Die Arbeilsfchlacht schafft weiteren Millionen Volksgenossen Arbeit und Brot. Die seit langem ungewohnte Arbeit kann Anlaß zu zahlreichen Unfällen werden! Volksgenossen, die ihr in den Betrieben arbeitet, die ihr Tag für Tag an den Maschinen stehl und durch schwere Arbeit euer Brot verdient, hütet euch vor Unfällen. Beschäftigt euch mit den Unfallver- hütungsvorschriften. prägt sie euch ein und befolgt sie, dann wird euch fo leicht kein Unfall zustohen. Ihr kennt nicht alle Gefahren, die euch in Haus und Beruf, in Werkstatt und Betrieb bedrohen, darum lernt sie aus den Vorschriften kennen, die zu eurem wohl erlassen sind. Vicht ihr allein leidet unter dem Unfall und seinen Folgen, er trifft auch eure Familie und letzten Endes unsere ganze Volksgemeinschaft. Handball im (Sau XII der OT. TV. Garbentelch I — OSE. Gießen I 8:6 (5:3). Am 2. Osterfeiertag lieferten sich obige Mannschaften in einem Freundschaftsspiel einen spannenden und schönen Kampf. Die Gäste, die hier zum erstenmal auftraten, stellten den Turnern eine in allen Teilen gut besetzte Mannschaft entgegen. Der Tormann sei besonders erwähnt. Die Turner konnten ihren Formanstleg erneut unter Beweis stellen. Besonders in der 2. Halbzeit waren die, ihrer Größe nach stark im Vorteil liegenden Gäste, dem raschen Tempo der Gastgeber nicht mehr ganz gewachsen. Das Ergebnis entspricht dem Spielverlauf. OSE. Gießen hinterließ den denkbar besten Eindruck. Beiden Mannschaften gebührt Lob für ihre faire Spielweise. Schiri Zörb (Großen-Linden) leitete einwandfrei. ■■^PFEILRING LANOLIN-SEIFE bewährt’ durch viele lange )ahre-bekannt als grundsolide Ware Das Bauerntum tritt infolge der erhöhten Kaufkraft und der steuerlichen Entlastung wieder in stärkerem Umfange als Käufer auf. So hat sich trotz der gesunkenen Düngerpreise durch den erhöhten Verbrauch eine Mehrausgabe für Handelsdünger von 50 Millionen Mark ergeben. Der Absatz der Landmaschinenindustrie ist um 20 Millionen Mark gestiegen. Gleichzeitig sind etwa 40 Millionen Mark staatliche Zuschüsse für land- wirtschaftliche Jnstandsetzungsarbeiten ausgegeben worden Durch die Mehrbeschäftigung hat sich eine Belastung des Lohn- und Sozialversicherungskontos um 75 Millionen Mark ergeben. Diese ist aller- dings durch die von der Regierung gewährten Mit- tel für die zusätzliche Einstellung von Landhelfern um 35 Millionen Mark verringert worden. Leider sind für die dritte Gruppe der bäuerlichen Ausgaben, die Verbrauchsausgaben, einwandfreie statistische Feststellungen nicht zu machen. Doch zeigt die Steigerung der Einzelhandelsumsätze gerade in den ländlichen Bezirken, daß die Mehreinnahmen des Bauern auch hier wirtschaftsfördernd wirken. 3m Ganzen ergibt sich, daß die Ausgaben- feite der Landwirtschaft um mindestens 240 Millionen Reichsmark entlastet worden ist, während die Einnahmen der Landwirtschaft um rund 790 Millionen Reichsmark höher sind als int Vorjahr. Ein ganz erheblicher Teil der Mehreinnahmen dürfte zur Abdeckung von Schulden aller Art, ins- ! besondere auch von Steuerrückständen, verwandt werden. Hierdurch erfährt die Wirtschaft eine Förderung, die zwar nur indirekt in der Stärkung der Kaufkraft der Gläubiger zum Ausdruck kommt. Von allergrößter Bedeutung für die Volkswirtschaft ist die Auswirkung der agrarpolitischen Maßnahmen auf dem landwirtschaftlichen Arbeitsmarkt, wo bisher auch die sichtbarsten Erfolge aufzuweisen sind. Im Verhältnis zu den an- j deren Berufsständen steht die Abnahme der Erwerbslosen auf dem landwirtschaftlichen Arbeitsmarkt an erster Stelle. Die wirtschaftlichen Entwicklungen des letzten Jahres zeigen, daß durch die Schaffung eines wirtschaftsfesten Bauerntums die stärkste Antriebskraft zur Wiederbelebung des Binnenmarktes gebildet worden ist. den reinen Grundsätzen unserer Weltanschauung erlaubt. Die jetzigen Außenhandelsbeziehungen find also in ihren bisherigen Formen auf das pfleglichste zu behandeln, und eine überstürzte Aktivität in Neuerungen ist nicht am Platze. Wir wollen den Güteraustausch mit den anderen Staaten nicht in der Art einer binnenwirtschaft- lichen Verflechtung, sondern in bewußter Regelung und in Unterwerfung unter die allgemeinen Gesetze und Notwendigkeiten der gesamten deutschen Politik. Deutschland braucht die Welt, und die Welt baucht Deutschland. Unsere gegenwärtige handelspolitische und devisentechnische Lage ist schwierig, die Welt kann daraus ersehen, was die Wiedereinschaltung des mächtigen deutschen Konsumenten bedeuten wird. Wir melden bei allen Völkern der Erde einen steigenden Bedarf nach Gütern an, die wir gegen unsere Erzeugnisse austauschen wollen. Die Organisationsform des zwischenstaatlichen Tauschverkehrs wird neu fein. Vor allem müssen die staatlichen Kapitalströme, sobald sie wieder in stärkerem Umfange einsetzen, bewußt gelenkt und in das Bett der Güterströme geleitet werden. Eines sieht für uns alle fest: Soll sich deutsche Ware wieder die Auslandmärkte erobern, dann kann es nur deutsche Qualitätsware fein. Ihre besten und produktivsten Kräfte haben die Gewerbe aus der Mitarbeit des bescheidensten Bundes- genossen im Kampf um die Auslandmärkte, aus den Händen und dem Geist des deutschen Qualitätsarbeiters. Die Ausführungen des Reichsführers Dr. Lu er dürften als Auftakt gelten zu seiner Rede anläßlich der am 12. April in Bremen stattfindenden Versammlung sämtlicher deutschen Außenhandelsstellen, auf der Dr. L u e r über das aktuelle Thema der Aufgabenverteilung zwischen dem deutschen Ausfuhrhandel und der deutschen Ausfuhrindustrie spre- chen wird. fungskämpfe im Schwimmen, Turnen und in der Schwerathletik. Von jetzt an werden in allen Gauen des Deutschen Reiches einheitlich an bestimmten Sonntagen Olympiaprüfungskämpfe durchgeführt. Als erste dieser Veranstaltungen geht am Sonntag, den 15. April, der „Tag der Langst reck» l e r" vor sich. An diesem Tag soll ein 10-Kilometer- Lauf, ein 25-Kilometer-Gehen und eine 100-Kilo- meter-Straßenradfernfahrt zur Durchführung kommen. An weiteren Veranstaltungen werden folgen: Am 29. April „Tag des Kraftsports" für dis Prüfungen im Gewichtheben. Am 20. Mai „T a g der Mittelstreckler". An diesem Tage sollen auch technische Sports wie Weitsprung, Kugelstoßen, Diskuswerfen und Speerwerfen zur Durchführung kommen. Am 27. Mai folgt der „Tag des Rad- s p o r t s" für die Bahnrennen. Am 10. Juni kommt dann der „Tag der Kurzstre ckler", mit dem Hürdenlauf und dem Hochsprung verbunden. Der 10. und der 24. Juni sind für den Schwimmsport vorbehalten. Die Organisation der Wettkämpfe. Die technische Leitung der leichtathletischen Veranstaltungen des 15. April habe ich dem Gau- Leichtathletikfachwart Studienrat Emil I u n g - Henn-Kassel übertragen; ich erwarte, daß er und seine Mitarbeiter in ihren Maßnahmen von allen in Frage kommenden Stellen weitgehend unterstützt werden. Die Veranstaltung wird nach folgenden Richtlinien durch die Kreisleichtathletikwarte und den von diesen beauftragten Veranstaltern in den nächsten Tagen ausgeschrieben: Die Kämpfe können sich an kleinen Orten in einfach st er Form abspielen. Das Laufen und Gehen wird am zweckmäßigsten auf der Straße unter genauer Einhaltung der Streckenlängen (Kilometersteine) mit Wendepunkt durchgeführt. Demnach wäre für einen 10-Kilometerlauf eine 5 Kilometer lange und für das 25-Kilometer-Gehen eine 12,5 Kilometer lange Strecke festzulegen. Machen größere Teilnehmerzahlen Startnummern notwen- dig, können solche aus Papier mit Bundstiftaufschrift hergestellt werden. Beim Fehlen von Stopp- uhren genügen gute Taschenuhren. Die Zeiten werden abgelesen. Unbedingt notwendig ist die S t r e ck e n k o n t r o l l e, um die Benutzung von Fahrzeugen zu verhindern. Verlässige Leute müssen an den Wendepunkten das Passieren sämtlicher I Teilnehmer feststellen. Kann der Veranstalter einöl deutschen Bauern — die Entwicklung der mit dem Bauerntum eng verknüpften Industrien, besonders der Landmaschinen- und Dünge- mittellindustrie, zeigt das bereits ganz eindeutig — übt bereits einen belebenden Einfluß auf die Gesamtwirtschaft aus. Wie wird nun der deutsche Markt durch die Mehreinnahmen des Bauerntums beeinflußt? Wo wird der steigende Erlös des Bauern hingeleitet? Die Ausgaben des bäuerlichen Betriebes kann man in drei Gruppen teilen: 1. Steuern, Sozialaus- qaben Zinsen, 2. Betriebsmittel, 3. Verbrauchsabgaben. Wie der neueste Wochenbericht des Instituts für Konjunkturforschung feststellt war die nationalsozialistische Regierung mit Erfolg bemüht, die unter Steuern, Sozialausgaben und Zinsen fallenden Ausgaben herabzudrücken und den Bauern von der drückenden finanziellen Last zu befreien, die er im letzten Jahrzehnt zu tragen hatte Dies ist teils durch die Senkung des Umsatzsteuersatzes um fast 50 v. H. auf ein Prozent und der Grundsteuer erreicht worden. Dadurch werden die Ausgaben der Landwirtschaft bis zum Ende des laufenden Wirtschaftsjahres um 40 Millionen Mark bzw- 75 Millionen Mark, insgesamt also um rund 115 M » nen Mark verringert. Die Einführung der Steuer- autscheine und vor allem die Senkung der preufei- schen Schlachtsteuer, die den Bauern um 7 Millionen entlastet, bringen der deutschen Landwirtschaft weiter wesentliche Erleichterungen Die Minderung der Soziallasten durch den Fortfall .^r Arbeitslosenversicherung schafft eine Ersparnis von etwa 38 Millionen Mark, und die Ermäßigung der Zinsen durch das Gesetz vom 1. Januar 1933 fen Me Lasten der Landwirtschaft um etwa 150 Millionen Mark. - Der deutsche Außenhandel an der Wende Eine Rede des Reichsführers des Handels Dr. Lüer. Beweis zu stellen. Jeder hat nicht nur das Recht, sondern auch die pflicht, sofern er sich nur im geringsten etwas zutraut, diesem Rufe Folge zu leisten. Wer will von vornherein sagen, wo die Talente schlummern, müssen es die großen Städte sein, die uns die befähigten Sportkämpser stellen? Können es nur diejenigen fein, die sich schon seit Jahren auf eine bestimmte Sportart vorbereitet haben? Durchaus nicht; wir wollen die Suche nach dem unbefannen Sportsmann in unserem Gau hinaus- tragen bis in die kleinsten Orte, sie auf alle aus» dehnen, die als gute Kameraden zu uns kommen, auch wenn sie bis jetzt sich in feiner Weise in einem Turn- oder Sportverein betätigten ober ihre Pflicht seither ausschließlich in den Reihen der SA., SS. oder Hitler-Jugend erfüllten. Es geht nicht um Verbands- oder Vereins- intereffen; es handelt sich um die sportliche Ehre der deutschen Farben, um das Ansehen des nationalsozialistischen Deutschland auf sportlichem Gebiet. Dazu brauchen wir nicht lauter erste Sieger, sondern das ganze Volk, Jugend und Männer, die durchglüht sind von der Liebe zur deutschen Heimat, und die sich mit eiserner Energie auf die große Aufgabe vorbereiten wollen, im Jahre 1936 vor den Augen der ganzen Welt als würdige Vertreter unserer Ration in 'die Bahn zu treten. Daher auf, Ihr Kameraden, der Führer will es, daß unter dem von ihm eingesetzten Reichssport, führer ein einziges Sportdeutschland ersteht. Stoßt aus allen Lagern nunmehr zu uns, wir werden Euch alle herzlichst willkommen heißen zur Gemein- schaftsarbeit für die Olympiade 1936. Ihr braucht keine Vereins- oder verbandsmäßigen Bindungen einzugehen und übernehmt keinerlei geldliche Verpflichtungen, im Gegenteil, wer beweist, daß er etwas kann und daneben ein ordentlicher Kerl ist, dem wollen wir als Berater und tätiger Freund helfend zur Seite stehen. Die Vorbereitungsarbeit hat in unserem Gau vor einigen Wochen bereits begonnen durch Einrichtung der örtlichen Trainingsgemeinschas- ten der Leichtathleten und Gaupru- 15. April: Querfeldeinrennen, 2 mal 8 Kilometer, in Gießen (Ausrichter: Radfahrverein 1885 Gießen). 22. April: 20-Kilometer-Dereinsrennen. 6. Mai: Eröffnungs-Bahnrennen in Gießen (Ausrichter: Radfahrverein 1885 Gießen). „Erster Schritt, 30 Kilometer, in den Städten Gießen, Alsfeld, Limburg. 10. Mai: 1. Bezirkswanderfahrt nach Aßlar, Hohe Warte. 13. Mai: 50-Kilometer-Vereinsrennen. 27. Mai: 50-Kilometer-Bezirksrennen in Göbelnrod b. Grünberg (Ausrichter: Radfahrverein Göbelnrod). 3. Juni: 100-Kilometer-Vereinsrennen. Bahnrennen in Gießen (Ausrichter: Radfahrverein 1885 Gießen). 10. Juni: 100-Kilometer-Bezirksrennen in Friedberg (Ausrichter: Radtourenklub und „Frisch Auf Friedberg i. H ). 17. Juni: 2. Bezirkswanderfahrt nach Münzenberg in der Wetterau. 1. Juli: Vierer-Bezirksmannschaftsfahren, 100 Kilometer, in Gießen (Ausrichter: Radfahrverein 1885 Gießen). 8. Juli: 150-Kilometer-Bezirks-Meifterschaftsrennen in Nieder-Girmes (Ausrichter: Radfahrverein Wetzlar-Nieder-Girmes). 14. Juli: Bezirks-Saalmeisterschaften in Gießen auf der Karlsruhe (Ausrichter: Radfahrverein 1885 Gießen). 15. Juli: „Großer Straßenpreis von Gießen", 180 Kilometer, vereinsoffenes Rennen. (Veranstalter: Radfahrverein 1885 Gießen.) — Bahnrennen in Gießen (Ausrichter: Radfahrverein 1885 Gießen). 22. Juli: „Rund um Cransberg", 100 Kilometer, vereinsoffenes Rennen. (Veranstalter: R.-Vg. 1924 Cransberg i. Ts.) 29. Juli: 3. Bezirkswanderfahrt nach Weilburg. 5. August: Bahnrennen in Gießen (Ausrichter: Radfahrverein 1885 Gießen). Tujpo. 86/09 Kassel — Tv. Wetzlar 8:6 (2:5). Im ersten Spiel um die Gaumeisterschast des Gaues Nordhessen trafen sich beide Mannschaften am vergangenen Sonntag in Kassel. Das Spiel selbst brachte trotz des Kasseler Sieges eine Enttäuschung, und zwar von feiten der Mannschaft des Gastgebers. Es war ein harter Kampf und wurde von beiden Seiten erbittert durchgeführt. Wetzlar überraschte in der ersten Halbzeit durch sehr schnelles und gutes Spiel und führte bis dahin klar mit 5:2. Nach dem Wechsel nahm der Kampf an Härte zu und nur durch einige Strafwürfe, die den Gästen infolge regelwidrigen Spieles, aufdiktiert wurden, verlor die Mannschaft zum Schluß knapp. Wetzlar stellte in jeder Hinsicht die bessere Mannschaft und hat bestimmt eine reelle Chance, das am kommenden Sonntag in Wetzlar stattfindende Rückspiel für sich zu entscyeiden. Der Deutsche Radfahrer-Verband K auch in diesem Jahre den „Ersten Schritt" ,i, die große Straßenprüfuna jugendlicher Rennfahrer, die sich bisher noch nicht an einem öffentlichen Wettbewerb beteiligt haben. Eine zweite Suche nach dem „UnbeEannnten Sportsmann" nimmt der DRV. jetzt vor, indem er am 15. April in jedem seiner 16 Gaue ein 100-Kilometer- Straßenrennen durchführt, an dem sich alle über 18 Jahre alten Radfahrer beteiligen können, die bisher noch keinen öffentlichen Wettbewerb bestritten haben. Richt jeder der „Unbekannten Straßenfahrer" wird im Besitz einer Rennmaschine sein, und daher werden in jedem Gau zwei Sonderwettbewerbe durchgeführt, einer für Fahrer auf gewöhnlichen Tourenmaschinen und ein zweiter für solche, die im Besitze von Rennrädern sind. Die drei Ersten dieser 32 100-Kilometer-Straßen- rennen erhalten Erinnerungsmedaillen, die der Reichssportführer zur Verfügung stellt. Außerdem finden sie durch den DRV. kostenlose Aufnahme in der Gruppe der Kampfsportler. Es ist damit zu rechnen, daß am 15. April in verschiedenen Gauen neue Rennfahrer-Talente entdeckt werden. Die Durchführung des 100-Kilometer-Straßen- rennens für den „Unbekannten Straßenfahrer" in dem Bezirk Gießen des Gaues XII, Nordhessen, findet ebenfalls am 15. April in Gießen statt. Der Bezirkssvortwart Herr Deibel (Gießen) hat die Durchführung übernommen. Der Start ist an der „Karlsruhe". Gefahren wird die Strecke: Gießen, Daubringen, Mainzlar, Londorf, Grünberg, Reis- kirchen, Gießen. Diese Strecke muß zweimal gefahren werden. Ein Startgeld ober Nenngeld wird nicht erhoben, die Teilnahme ist völlig kostenlos und ist offen für jeden deutschen Staatsbürger. DNB. F r a n k s u r t a. M., 5. April. Anläßlich der Neugründung der Außenhandels- stelle für das Rhein-Main-Gebiet machte der Reichsführer des Handels und Treuhänder der Arbeit, Dr. L ü e r, grundsätzliche Ausführungen über den künftigen deutschen Außenhandel. Wenn von der Notwendigkeit des deutschen Außenhandels. gesprochen werde, so sagte er, so bedeutet dies nicht eine Schwenkung der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik. Deutschlands Wirtschaft steht am Ausgang der gewaltigsten Wirtschaftskrise der Welt. Die Welt des Liberalismus versteht sich nicht mehr und kann sich auch nicht verstehen, denn jedes Volk denkt in feinen, ihm allein eigentümlichen Gedankengängen, und es gebietet die Ritterlichkeit der Rationen untereinander, diese Tatsache zu respektieren. Die Verfasser des Versailler Diktats verkannten die absolute Unmöglichkeit, die gewaltigen geforderten und teilweise auch bezahlten Milliardenbeträge von Land zu Land zu transferieren. Es ist weder möglich, solche Summen in Geldkapitalien aufzubringen, ohne die eigene Währung damit zu ruinieren, noch dem zum Gläubigerland gerichteten Geld- und Kapitalstrom den Güterstrom folgen zu lassen, wie es einzig nötig und richtig ist. Diese Tatsachen sehen wir an der Entwicklung der deutschen Handels- und Zahlungsbilanz nach dem Kriege durchaus bestätigt. Die Welt sollte aber auch wissen, und Deutschland ruft es ihr zu, daß es nunmehr höchste Zeit ist, die ©runbübel der jetzigen Situation aus dem Leben der Völker au5ju = merzen. Wir müssen zunächst die schuldnerischen Beziehungen, die uns gegenwärtig noch mit den übrigen Völkern verknüpfen, entwirren. Der Zinsen- und Tilgungsdienst dieser Verschuldung erzwingt von uns eine entsprechende Ausfuhr, und wir müssen versuchen, dies auf der Basis der alten Beziehungen und Handelsgrundsätze solange durchzuführen, bis uns die allgemeine politische und wirtschaftliche Entwicklung einen Neuaufbau nach § Y Zwangsversteigerung K Vs232 Am Montag, dem 9. April 1934, vormittags 10.15 Uhr, werden im Amtsgerichtsgebäude Gießen, Zirn- mer 221, folgende Grundstücke bzw. Grundstücksanteile versteigert: 1427V A. Grundbuch für Gießen Band IV, Blatt 190, aus den Namen: a) Sack, Heinrich, der Dritte, zu b) Sack, Emma, geb. Ulrich, dessen Ehefrau, zu XA hofreite, Flur I, Nr. 555 (Marktstrahe 21) 56 qm, geschätzt 11 635,— RM., Brandtaxe 15 430, — RM., Einheitswert - 10 500 RM. B. Grundbuch für Gießen Band I, Blatt 33, auf den Namen: a) Sack, Heinrich, der Dritte, zu Ve, b) Sack, Emma, geb. Ulrich, dessen Ehefrau, zu 1/6 Hofreitegrund, Flur I, Nr. 556, 20 qm, % = 200,— RM. Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel Bergstraße 20, Stadthaus, zur Einsicht ausgehängt. Gießen, den 24. Januar 1934. I. A. des hessischen Amtsgerichts Gießen: Wagner, Ortsgerichtsvorsteher. Am 2O.April beginnt die neue Ziehung der Preuss.-Südd. Klassenlotterie. Denken Sie an Ihre Familie — Kaufen Sie Ihr Los bei • Flimm, Walltorstraße 63 20410 Legler, Hindenburgwall 5 Buchacker, Neuen Baue 11 Bekanntmachung. In unser Handelsregister, Abteilung B, wurde am 4. April 1934 bei der Firma Main-Wefer-Vasalt» werke, Gesellschaft mit beschränkter Haftung, in Gießen folgendes eingetragen: Die Firma ist erloschen. Gießen, den 5. April 1934. 2093V hessisches Amtsgericht. Musikkapelle In den Dienst der Sache stellen, so anstatt des Gaubeauftragten in seinem Kreis in Verbindung, damit dieser ihn insbesondere bezüglich der Gemeinschaftsarbeit mit SA., SS. und HI. unterstützt. Die Kreisfachwarte haben dafür zu sorgen, daß nunmehr für alle Orte, in denen der Tag des unbekannten Langstrecklers durchgeführt wird, die Ausschreibungen auf dem kürzesten Wege erlassen werden. Bei der Durchführung der Veranstaltungen ist aus allgemeine Werbung für die Leichtathletik hinzuzielen. Rahmenwettbewerbe sind hinzuzunehmen. Wo möglich, ist die Arbeit der Trainingsgemeinschaften zu zeigen. Meldung über die Wahl der Orte und Veranstalter sowie voraussichtliche Zahl der Teilnehmer bis zum 8. April, damit die Uebersendung der Karteikarten erfolgen kann, an den Gau-Leichtathletikfachwart Gau 12 Emil Junghenn, Kassel, Akazienweg 13. Nachfolgend als Muster die Ausschreibung für den Bezirk Kassel. Suche nach dem „Unbekannten Sportsmann- Langstreckler. 1. Am 15. April 1934 findet im Auftrage des Reichssportführers zur Suche nach dem „Unbekannten Sportsmann" der Tag der Langstreckler statt. Im Kreis Kassel des Gaues 12 übernehmen folgende Vereine die Durchführung der Veranstaltungen: a) Für den Stadt- und Landkreis Kassel: der VfL. Hessen-Preußen. Anschrift: E. Junghenn, Kassel, Akazienw. 13. b) Für den Landkreis Wolfhagen: der Sportverein Blau-Weiß, Wolfhagen. Anschrift: h. Reichard, Wolfhagen, Fried- richsplatz 1. c) Für den Landkreis Hofgeismar: der Spiel- und Sportverein Hofgeismar. Anschrift: Andreas Arend, Hofgeismar, Georgenftraße 8. 2. Die Wettkämpfe werden nach den Wettkampfbestimmungen und unter Aufsicht des Deutschen Leichtathletikverbandes ausgetragen. Sie sind offen für sämtliche Deutsche ohne Rücksicht auf irgendwelche Vereins- oder Verbandszugehörigkeit. Nicht teilnahmeberechtigt find Preisträger bisher stattgefundener Kämpfe gleicher Art. 3. Als Wettkämpfe kommen zum Austrag ein 10-Kilometer-Lauf und ein 25-Kilometer-Gehen. 4. Meldegelder werden nicht erhoben. 5. Meldungen sind spätestens bis zum 12. April an obige Veranstalter abzugeben. Die Veranstalter haben den Ort der Veranstaltung, die genaue Streckeneinteilung, Beginn der Wettkämpfe, Umkleidelokale usw. in sämtlichen Tageszeitungen, der ASR. und in den Fachzeitschriften aller anderen Leibesübung treibenden Verbände umgehend zu veröffentlichen. Mierke, Kreis-Leichtathletikfachwart. Die technische Durchführung der Prüfung im Radfahren habe ich dem Gau-Radsportwart Karl Otto- Kas- sel-R., Weidstückerstraße 9, übertragen; auch bei ihm erwarte ich eine volle Unterstützung seiner Arbeiten durch die behördlichen und privaten Stellen. Für das Radfahren werden folgende beiden Strecken festgelegt: Für den Bezirk Kassel ab Kassel-R.: Niedervellmar, Heckershausen, Weimar, Ahnatal, Harleshausen, Kassel-R.; die Strecke wird viermal durchfahren. Für den Bezirk Gießen ab Gießen: Daubrin- gen, Mainzlar, Allendorf, Londorf, Grünberg, Reiskirchen, Gießen; die Strecke wird zweimal durchfahren. Es wird in zwei Klaffen gefahren: Klaffe I Rennräder; Klasse II Tourenräder. Die Bezirkssportwarte haben die Ausschreibungen im einzelnen in den nächsten Tagen zu erlassen. Teilnahmeberechtigt sind alle Radfahrer, auch wenn sie nicht in Vereinen organisiert sind, sofern sie bei öffentlichen Wettbewerben noch keine Siege errungen haben. Die Bezirkssportwarte melden bis zum 8. April die voraussichtliche Zahl der Teilnehmer, damit die Uebersendung der Karteikarten erfolgen kann, an den Gau-Radsportwart Gau 12 Karl Otto, Kassel-R., Weidstückerstraße 9. Meine Vertrauensleute und Kreisbeauftragten werden die Veranstaltungen beaufsichtigen, ohne in die technische Abwicklung unmittelbar einzugreifen, da hierfür die beiden vorgenannten Gausportwarte verantwortlich sind. ________ wäre dies zu begrüßen. Die dem Veranstalter übermittelten Kartothekkarten des Reichssportführers sind über die Kreis- fportwarte spätestens fünf Tage nach der Veranstaltung an den Gausportwart weiterzuleiten unter Beifügung des svortärztlichen Gutachtens. Der Veranstalter setzt sich sofort mit dem Vertrauensmann wie die Uhr Labor von 2094 A Los BrühPsche Druckerei, Schulstraße 7, Anruf 2251 2. 3. 4. 5. dem dem Geschmackvoll Vornehm farsön/ich entwickelt, kopiert und vergrößert man Ihre Photos im vorbildlichen Photo Kreuzplatz 9 Nutzholz-Submission. Nachverzeichnetes Kiefern-Langholz aus Oberwald der Gemeinde Lühellinden soll auf Wege schriftlichen Angebots verkauft werden: Die Verkaufsbedingungen liegen zur Einsicht auf dem Rathaus in Lützellinden offen. Das Holz lagert an der Kreisftraße Münchholzhausen—Groß-Rech- tenbach. 2086V Diesbezügliche Angebote sind getrennt für jedes einzelne Los pro Festmeter verschlossen, mit der Aufschrift „Holzsubmission", bis zum Mittwoch, dem 11. April 1934, nachmittags 5 Uhr, auf dem Rathaus zu Lützellinden einzureichen, wo in Gegenwart etwa erschienener Bieter die Eröffnung stattfindet. Lützellinden, den 5. April 1934. Der Ortsbürgermeister. Am Donnerstag entschlief unerwartet unser liebes Karlchen im zarten Alter von 21/« Jahren. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Familie Ernst Schmidt Heuchelheim (Emststraße 11), den 5. April 1934. Die Beerdigung findet Samstag, 7. April, nachm.3 Uhr statt. _________________________________________________2090D Zwangsversteigerung 73*/331 Am Montag, dem 23. April 1934, vormittags 10 Uhr, werden im Amtsgerichtsgebäude in Gießen, zweites Obergeschoß, Zimmer 221, folgende dem a) Schäfer, Wilhelm, Kaufmann, zu b) Schäfer, Hans, zu gehörende Grundstücke zum Zwecke der Auseinandersetzung versteigert: 2075V Grundbuch für Gießen, Band XI, Blatt 528, Flur I, Nr. 472/io hofreite Vleichslrahe 8 = 976 qm Grabgarlen mit Hühnerhaus = 518 qm Grasgarten = 314 qm. Schätzungswert 53 092,— RM., lebenslängliches Nießbrauchs- und Einfitzrecht der Frau Elisabethe Schäfer Wwe., Jahreswert: 5117,— RM.. Gießen, den 10. März 1934. I. A. des hessischen Amtsgerichts Gießen: Wagner, Ortsgerichtsvorsteher. Dleeo 3 wesentlichen Eigenschaften der guten Familien-Drucksache bietet Ihnen In zahlreichen neuzeitlichen Aus- fUhrungearton schnell und zu mäßigen Preisen 1. 5 Stück Kiefernstämme, Klaffe 2a, 2,84 km ' 28 „ „ „ 2b, 22,06 „ 29 „ „ „ 3a, 32,06 „ 1 „ „ „ 3b, 1,13 „ 1 „ „ „ 4a, 1,76 „ --- •••• * •• '-T"'' Hier ist das Glück! Ala Anzeigen-Aktiengesellschaft Annahme von Anzeigen für alle Zeitungen und Zeitschriften Gießen/Schulstraße 7 Für die Verhandlungen mit der PO., den Behörden, SA., SS., HI., Arbeitsdienst und anderen Organisationen haben die Veranstalter die Verpflichtung, sich der Vermittlung meiner Vertrauensleute zu bedienen, mit ihnen ist sofort Verbindung aufzunehmen und Maßnahmen zu beschließen, die unter Berücksichtigung der örtlichen Verhältnisse einen vollen Erfolg der „Suche nach dem unbekannten Sportsmann" verbürgen. Bericht über das Veranlaßte umgehend an mich. Nachstehend folgt die Liste der Vertrauensleute und Kreisbeauftragten, soweit sie für unsere engere Heimat zuständig sind: Kreis Alsfeld: Lehrer E. Schmieder, Budorf- Alsfeld in Oberhessen. Kreis Büdingen: Studien-Assessor W. R e u s ch- l i n g, Büdingen, Am Hain 48, Führer des Sturmes R. 23/466. Kreis Gießen: Sturmführer Mohr, Gießen, Grabenstraße 8. Kreis Lauterbach i. Hessen: Studien-Assessor Dr. Georg Mayer, Lauterbach in Oberhessen, Realschule. Kreis Schotten: Lehrer L. Deubel, Rainrod in Oberhessen. Kreis Biedenkopf: Oberschullehrer Pg. Walter Ludwig, Biedenkopf. Kreis Dillenburg: Lehrer Otto Doch, Manderbach, Dillkreis. Kreis Limburg a. d. Lahn: Dr. Eichhorn, Limburg a. d. Lahn, Markt 18. Oberlahnkreis (Weilburg): Lehrer Albert D u i l l, Waldhausen. Oberwesterwaldkreis (Westerburg): Lehrer Bäppler, Fehl-Ritzhausen über Marienberg. Kreis Wetzlar: Lehrer h o e r n i n g, Landjahrführer, Wetzlar, hindenburgring 16. Die Veranstalter haben dafür zu sorgen, daß bei den Kämpfen sportärztliche Ueberwachung zur Stelle ist; sofern diese Frage nicht örtlich geregelt werden kann, ist sofort Meldung an den stellvertretenden Gausportärzteführer San.-Rat M ö h - ring, Kassel, Kronprinzenstraße, zu erstatten. Vor den Luropa-Msterschasten im Voxen Buntes Allerlei Wie alt sind die Heiratsanzeigen? Gegenangeboten im Einige der besten deutschen Vertreter bei den vom 11. bis 15. April in Budapest stattfindenden Europameisterschaften im Boxen. Links: Spannagel, Wuppertal (Bantamgewicht). In der Mitte: K ä st n e r, Erfurt (Federgewicht). — Im Kreis: Weinhold, Berlin (Fliegengewicht). — Rechts: Campe, Berlin (Weltergewicht). Mancher heiratslustige, der die Mühe scheut, sich als Freier unter den Töchtern des Landes umzusehen, versucht heute sein Glück mit einer Heiratsanzeige. Wohl nur die wenigsten wissen, daß sie sich damit eines Verfahrens bedienen, das schon einige tausend Jahre alt ist. Gehen wir in der Geschichte zurück, so finden wir eigentlich die erste Heiratsanzeige in Aegypten, wo König Rhampsinit, wie herodot erzählt, durch öffentlichen Ausruf dem die Hand seiner Tochter verspricht, der den Dieb entdeckt, welcher sein Schatzhaus beraubt hat. Und nach dem Fernen Osten, ins chinesische Kaiserreich, führt uns die Heiratsanzeige, die in Carlo Gozzis, durch Schiller übersetztes Lustspiel der Kaiser Altoum ergehen läßt: „Daß jedem Prinzen königlichen Stammes / Vergönnt sein soll, um ihre (Turandots) Hand zu werben. / Doch dieses sollte die Bedingung sein / Im öffentlichen Diwan, vor dem Kaiser / Und seinen Räten allen, wollte sie / Drei Rätsel ihm vorlegen. Löste sie / Der Freier auf, so mög’ er ihre Hand / und mit derselben Kron' und Reich empfangen." Aber schon vor Gozzi, dessen „dramatische Fabeln" 1761 zu erscheinen begannen, war die erste wirkliche Heiratsanzeige in der Zeitung aufgetaucht. Ihre Heimat ist, wie die so mancher Verkehrsmittel, z. B. der Briefmarke, England. In einem in London erscheinenden Anzeigenblatt, der Sammlung zur Verbesserung von Landwirtschaft und handel, ist sie in der Nummer vom 19. Juli 1695 zu finden und betrifft zwei ehelustige Männer. Dieses Verfahren erschien aber im Merry Old England anstößig. Der Herausgeber des Blattes, houghton, erklärte, es handle sich um ihm bekanntgegebene Wünsche, die er durch Heranziehung von machung zu befriedigen strebe. Erst über 40 Jahre später, 1738, begegnen wir der ersten Heiratsanzeige in Deutschland: in einem Frankfurter Blatt sucht 1738 ein honettes Frauenzimmer zur „Ausmachung" einer Erbschaft einen guten Doktor oder Advokaten, dem sie ihre Hand reichen will, wenn er sich die Sache wohl angelegen sein läßt; es ist dies wohl die erste Einheiratsanzeige, freilich in etwas ungewöhnlicher Form. Weit später ist sie i n Oe st erreich zu finden: wenigstens kann Mataja als erste Probe eine Anzeige in der „Wiener Zeitung" vom Jahre 1793 mitteilen, in der ein Mann mit Aussicht auf ein gutes Gewerbe eine Gattin sucht, die wenigstens 1500 Gulden besitzt. Nach diesen spärlichen Anfängen haben sich die Heiratsanzeigen stark entwickelt; eine Heiratszeitung, „Allgemeiner Heiratstempel", wird schon im Anfang des 18. Jahrhunderts genannt, und mehrere Jahre vor dem Kriege fand ein Forscher auf diesem Gebiete in einer Woche in 12 deutschsprachigen Tageblättern 1302 Heiratsanzeigen, 111 Angebote von Vermittlern, 727 von Männern, 457 von Frauen — welche Fülle unfreiwilligen Humors, welche Quelle des Genusses für unbeteiligte Leser begann da zu fließen! Oer Sängerkrieg vor dem Mikrophon. Nicht darum handelte es sich, Kehlkopfartisten und werdende Künstler aus dem Volk zu finden. als im August vorigen Jahres auf der großen deutschen Funkausstellung der Wettbewerb für die schönste deutsche Stimme für Schallplattenäufnahmen ausgeschrieben wurde. Wer auf der Bühne oder im Konzertsaal auftritt, kann ja singen oder soll es wenigstens können. Man wollte schöne Stimmen, Naturstimmen aus dem Volke suchen, die sich zur er durch Heranziehung von,Wiedergabe des deutsck)en Volksliedes am Wege öffentlicher Bekannt-1 besten eignen. Das war also auch kein Wettbewerb für jene jungen und älteren Leute, die sich auf Ihr? Stimme etwas einbilden, und Heldentenören oder Koloratursängerinnen einiges abgeluchst haben. Nein, die reine, natürliche ungebildete aber auch unverbildete Stimme wurde gesucht. Nicht weniger als 32000 Bewerber glaubten mess Stimme zu haben. Als es aber ans Prüfen ging, da waren es nur 750, die sich dazu bereit erklärten. 75 v. h. der Bewerber waren Damen aller Jahrgänge zwischen 16 und 60. Unter den vielen Bewerbern befanden sich auch abgesungene Künstler von einstmals und Größen der Sangeskunst, die sich verkannt glaubten. Alle diese Leute wurden ausgeschaltet, und es blieben nur noch 420 Anwärter übrig. Bei der Stimmprüfung wurden wieder die Stimmen ausgeschaltet, die sich nicht zur Aufnahme auf der Schallplatte eignen, benn es müssen wieder, besondere Stimmen sein, die auf der Schallplatte gut herauskommen. Und so waren es nur 270 Leute, von deren Stimmen Probeaufnahmen gemacht werden konnten. In mühevoller Arbeit wurden von dem Preisrichterkollegium d i e e l f b e ft e n Stimmen ausgewählt, und von diesen elf konnten drei als Sieger aus dem Wettbewerb hervorgehen. Professor C l e w i n g , der Leiter des Prüfungsausschusses erzählte bei der Vorführung der drei Sieger manche amüsanten Dinge, die sich bei der Auswahl der besten Stimmen ereigneten. Pressevertreter hatten auch Gelegenheit, einige Platten der Probeaufnahmen von sehr viel Wettbewerbern zu hören, die, wie es in dem alten Volkslied heißt, meinen, ihre Stimme müßte klingen wie die der Nachtigall und sich doch anhört wie Froschgequak. Aber es waren auch viel gute Stimmen darunter. Manche schöne Stimme wurde entdeckt und wird geeignete Förderung erfahren. Die beste Frauenstimme gehört einer jungen Näherin aus Neukölln, Marie S ch i e d e ck, die ohne gesangliche Vorbildung ist, keine Notenkenntnis hat und nur aus Lust am Gesang singt. Sie will auch Näherin bleiben. Die zweitbeste Frauenstimme gehört Frau Rosel Seegers aus Berlin, die schon eine gewisse künstlerische Ausbildung erfahren hat. Der Träger der besten Männerstimme ist Gerhard Nagel aus Neukölln. Er ist von Beruf Drogist, kann Klavier spielen und sich selbst begleiten und hat in sich immer die Hoffnung gehabt, einmal den Weg zu finden, künstlerisch ausgebildet zu werden. Bücheriisch. — Gaupp-Stein-Jonasr Kommentar zur Zivilprozeßordnrtng, 15. neubearbeitete Auflage, Lieferung 4. Subskr.-Pr. in der 1. Subskr. 7 Mk. (bis 31. 12. 1933), Subskr.-Pr. in der 2. Subskr. 7,75 Mk. — (15) — Von dem hier schon mehrfach angezeigten, im Neuerscheinen begriffenen Werk ist nunmehr die vierte Lieferung erschienen, die die §§ 361 bis 510 der ZPO. (Beweisaufnahme und Verfahren vor den Amtsgerichten) sowie anhangsweise das Schiedsurteilsverfahren nach der Entlastungsordnung umfaßt. Von besonderem Interesse sind die Erläuterungen zu der nach österreichischem Vorbilde durch die Novelle vom November 1933 in unser deutsches Recht eingeführten Parteivernehmung, die an die Stelle des gestabten Parteieides getreten ist. Mit der vorliegenden Lieferung ist nunmehr der erste Band des wertes abgeschlossen. — Dora v. Beseler: Der Kaiser. Leipzig, K. F. Koehler, Verlag, Steif kartoniert 90 Pf. — (11) — Das Buch will eine Ehrenschuld einlösen: nämlich nachweisen, daß alles, was der Kaiser tat, aus bestem Willen heraus der Weltgeltung und dem Wohlergehen des deutschen Volkes in feiner Gesamtheit dienen sollte. Die knappe Darstellung hebt sachlich und klar das Wesentliche hervor. — 1914 bis 1918 a u f der Schulbank. Von Erna Lange. Ganzleinen 2,20 Mk. Verlag Scherl, Berlin SW 68. — (339) — Die Aufregungen des Weltkrieges spürten auch die Kinder, die im August 1914 auf der Schulbank saßen. Begeisterung erfüllte die Herzen — alle möchten am liebsten mit an die Front, um helfen zu können, das Vaterland zu verteidigen. Aber auch in der Heimat ist ihnen viel Arbeit geblieben. Strümpfe werden gestrickt, für die ostpreußischen Flüchtlinge wird gesammelt, Liebesgaben ins Feld gesck)ickt. Und wenn die Siegesnachrichten kommen, ist die Freude doppelt, denn dann gibt es schulfrei. Diese Kinder lernen Sorgen und Schmerzen kennen, die sonst erst an reifere Menschen herantreten. Aber der Lebensmut ist auch dieser Jugend nicht zu nehmen, das Schwerste über- steht sie, da Vaterlandsliebe und Opferwilligkeit die jungen Herzen stark macht. — Orpheus der Zwote: Das sind Sachen! Neue freche Verse. Broschiert 2,20 Mark, Leinen 3,50 Mark. Brunnen-Verlag (Willi Bischoff), Berlin SW 68. — (401). #v»rt vcrörättctten 27? i f He tun fr rterinTa o.