Nr. 233 Erstes Matt 184. Zahrgang Zreitag. 5. Oktober 1934 Erschein! täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Giesiener Familien bl älter Heimat im Bild - Die Scholle monats-Bcjugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr ., „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummert infolge höherer Gewalt Hernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen Postscheckkonto: Zrantfurt am Main 11686 Gießener Anzeiger . General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Unlverfitatt vuch- und Steindruckerei R.Lange in Gietzen. 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Der Gesandte Werner Daitz, Amtsleiter im APA. der NSDAP, legte dar, daß uns alles daran liege, daß die Erneuerung des deutschen Volkes in außenpolitischer Hinsicht und in den Außenhandelsbeziehungen richtig gesehen werden. Das sei auch der Grund, weshalb die Außenhandels- abteiluna des APA. in Verbindung mit dem Bund Nationalsozialistischer Deutscher Juristen diese wirtschaftspolitische Tagung einberufen habe. Der handelspolitischen Abteilung des APA. obliege also gewissermaßen der Transfer unseres wirtschaftspolitischen Gedankengutes in die Vorstellungswelt des uns umgebenden Auslandes. Staaksminister Dr. Frank. führte dann u. a. aus: Der Nationalsozialismus nimmt für sich in Anspruch, eine geistig-schöpferische Leistung der deutschen Gesamtentwicklung zu sein. Die Leistung Adolf Hitlers besteht darin, daß er eine Idee in wissenschaftlicher und politisch-praktischer Formulierung gebracht hat, die von der Seite der Politik her berufen ist, das gesamte deutsche Geistesleben in eine neue Entwicklungsrichtung zu leiten. Der Sozialismus, der einmal einen Aufstieg von der Utopie zur Wissenschaft erlebt haben mochte, ist in der Form des Marxismus zum nationalen Verbrechen, zum Ausdruck des Niederganges unseres Volkes geworden. Der Nationalismus war in der Form der völlig einseitig interessierten Klassenherrschaft zur Reaktion entartet, und es war daher eine ganz ungeheure, geistesgeschichtlich von größten Ausmaßen umgebene Handlung unseres Führers, daß er in der Synthese des geklärten Sozialismus als Gemeinschaftsdienst mit dem Nationalismus als dem geklärten Begriff des Gemeinschafts- opfere und der Gemeinschaftsbereitschaft den Nationalsozialismus zum Ausgangspunkt unseres deutschen Lebens gemacht hat. Die synthetische Zusammenfassung des Nationalismus und des Sozialismus muh daher auch in den Bereichen der Wissenschaft die Idee der Volkseinheit und der Volksgeschlossenheit gegen die Atomisierung stellen, wie sie der Liberalismus auf allen Gebieten hervorgebracht hat. Weine Herren, Sie können für die deutsche Wissenschaft nicht verlangen, dah sie den Parleienkrieg auf theoretischer Basis fortseht, den das deutsche Volk für den gesamten Bereich vernichtet hat. (Stürmischer Beifall.) Inhalt der theoretischen, dem geistigen Forschen dienenden Arbeit kann niemals fein die leere Abstraktion und die Freude an der möglichst theoretisch gefaßten Niederlegung ihrer Erkenntnisse an sich, sondern immer nur die im nationalsozialistischen Sinn zu erfolgende Förderung der Substanzwerte unseres Vol- k e s. Die Theorie muß als Dienst und Mittel zum Zweck des Volksganzen und feines Nutzens erkannt werden: Sie darf nicht mehr Selbstzweck sein. Es darf unter Ihnen keinen Theorienkrieg mehr geben! Schließen Sie untereinander in Ihren Lehrmeinungen Frieden! Es ist geradezu betrüblich, daß heute noch in einem großen Teil von Zeitschriften und von wissenschaftlichen Ausarbeitungen diesen Kampf gegen die Theorie des Kollegen X oder Y miterleben zu müssen. Welchen Vorteil hat die Nation von ihrer Selbstzerfleischung? Der übliche Professorenneid der früheren Zeit muß abklmgen im nationalsozialistischen Deutschland, oder die Freundschaft zwischen uns und Ihnen muß gekündigt werden. (Beifall.) Ich glaube aber an die Zukunft der deutschen Wissenschaft; ich glaube an die deutschen -wissenschaflichen Lehrer und an die Ehrlichkeit ihrer Methoden und ihrer Ueberzeugung. Kommen Sie zu der Ueberzeugung, daß der Nationalsozialismus «ine nicht mehr aus der Geschichte des deutschen Volkes vergehende grandiose Neuerrichtung unseres Volkslebens darstellt. Ich bitte Sie deshalb: Seien Sie auf dem Gebiet der Wirtschaftswissenschaften ganz besonders bereit, die Führung nicht aus den Händen zu geben; denn wenn Sie versagen, dann versagt die deutsche Wissenschaft, und es wird schwer halten, eine weitere historische Wöglichkeit für den Universitäts- betrieb und für den alten hochschulbetrieb noch einmal zu schaffen, wenn er sich in dieser gewaltigen Aufbruchszeit unfruchtbar der Gemeinschaft versagen wollte. Wan fann unmöglich den Grundsatz des Privateigentums aufrechterhalten, wenn man nicht gleichzeitig sagt, daß das wertvollste Eigentum einer Nation das von seinen größten Geistern erkannte Wissen ist und die Erkenntnis seiner hervorragenden Wissenschaftler einen ganz besonderen nationalen Dien st bedeutet. Ich bin daher auch für die volle Geistes- und Lehrfreiheit aus dem Boden des Nationalsozialismus. Ich betrachte sie als das Gegenstück zu der von mir ebenso ver- tretenen richterlichen Anabhäugig- keit. Wir können als Nationalsozialisten die Lehrfreiheit vor allem deshalb den deutschen Gelehrten geben, weil wir uns als die Repräsentanten der ewigen Wahrheit unseres Volkes betrachten dürfen. Da Wissenschaft aber W a h r- heitsdienst ist, muh sie notwendigerweise Dienst am Nationalsozialismus sein. Trotzdem muß unerschütterlich daran fest- gehalten werden, daß die Einheit der W e t t a n s ch a u u n g s b a s i s im Nationalsozialismus von niemandem a n g e t a ft e t wird. Wer allerdings es wagen sollte, aus schlechten Wotiven heraus gegen diese Bewegung anzugehen, der wird mit uns den Kampf Wann gegen Wann zu führen haben. Ich hoffe, daß mit der Ueberwindung der Atomisierung der Wissenschaft und im Hinblick auf das von Ihnen zu verwirklichende Wunschbild der Herbeiführung des Friedens in der Wissenschaft auch die Voraussetzungen geschaffen sind, um die Wirtschaftswissenschaften im Rang einer selbständigen Wissenschaft zu erhalten. Es geht nicht an, daß das Chaos der Titel, das Chaos der Ergebnisse ihrer Prüfungen in Deutschland weiterbestehen bleibt. Die Frage der wirtschaftswissenschaftlichen Ausbildung im Zusammenhang mit der Rechtswissenschaft muß zu einer notwendigen Klärung kommen. Nichts soll uns ferner liegen, als dilettantische Schmalspurj^risten zu erziehen aus den für die Wirtschaftswissenschaft bestimmten Studenten. (Beifall.) Unser Ziel muß vielmehr sein, daß die beiden Stände organisch wachsen aus der Gemeinschaftsaufgabe am Dienst der Rechts- und Wirtschaftsordnung im Interesse des Voltsganzen. Aber sorgen Sie dafür, daß das wirtschaftswissenschaftliche Studium in den gleichen Rang kommt wie das rechtswissenschaftliche Studium. Im übrgen wollen wir nicht vergessen, daß die universitatas literarum der früheren Zeit heute in der Weltanschauungseinheit des Nationalsozialismus wiedergekehrt ist. Es gibt darum kein Nebeneinander- oder gar Auseinanderleben der geistigen Funktionen unseres Volkes mehr. Deshalb kann das Ziel nur die Förderung des Nutzens unserer Volksgemeinschaft sein. Die Erneuerung der MWastsethik eine Umwertung aller Werte. Gesandter Werner Daitz hielt dann einen Vortrag unter dem Titel „Die Erneuerung der Wirtschaftsethik, eine Umwertung aller Werte". Die über den ganzen Erdball verstreute biologische Substanz der nordischen Rasse wird in unseren Tagen „weil die Zet erfüllt ist", wieder von den Geburtswehen einer weltanschaulichen Erneuerung geschüttelt. In allen Teilen der Welt wird um die gleiche Grundfrage gerungen: Ablösung des bisherigen unbiologischen Weltbildes durch ein biologisches. Ablösung einer anorganischen Weltanschauung durch eine organische. Der Nationalsozialismus ist kein politischer Systemwechsel, sondern die deutsche Kampfform eines weltanschaulichen Umbruches, die das Gesicht des deutschen Volkes für die nächsten 1000 Jahre prägen wird. Nur ein vollkommen weltanschaulicher Umbruch, der die überspitzte Jntellektualität entthront und an ihre Stelle wieder den einfachen, gesunden, d. h. naturverbunden en Menschenverstand setzt, wird zu einer neuen schöpferischen Ordnung aller Dinge führen. Unser großer Führer Adolf Hitler und die von ihm geschaffene Lehre und Bewegung haben sich die weltgeschichtliche Aufgabe gestellt, den zweiten Teil der deutschen Reformation zu vollenden, indem sie den deutschen Geist aus einer falschen Jntellektualität befreien. Der Nationalsozialismus dürfte in den 20 Monaten feiner Herrschaft schon bewiesen haben, daß er nicht eine Bewegung von Romantikern und Theoretikern, sondern eine Bewegung von Empirikern größten und härtesten Stiles ist. Der Nakionalsozialismus ist sich jeden Augenblick bewußt, daß die aus der neuen deutschen Volksgemeinschaft organisch Heranwachsenden nationalsozialistischen Formen des Staates, des Rechtes, der Kultur, der Kunst und der Wissenschaft nur dem deutschen Volke eigentümlich sind und nur für die deutsche Volksgemeinschaft passen. Infolgedessen ist die nationalsozialistische Anschauung, und damit ihre politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Zielsetzungen von Grund aus anti- imperialistisch. hier zeigt sich deutlich, daß gerade der Rassegedanke und die Vezogen- heit auf das Volkstum die sicherste Gewähr vor imperialistischen Gelüsten sind. Ls gibt nur eine Begriffsbestimmung des Nationalsozialismus. Nationalsozialismus ist Volksgemeinschaft. Nur wer durch das Erlebnis der Volksgemeinschaft gegangen ist, kann praktischer Nationalsozialist sein. Ebenso wie jede Volksgemeinschaft an Blut und Boden gebunden ist, so ist auch jede Betätigung des einzelnen und der Gemeinschaft, wenn sie sinnvoll und schöpferisch sein soll, unlöslich an Blut und Boden gebunden. Die Wirtschaftswissenschaft hat die Aufgabe, die wirtschaftliche Betätigung der einzelnen und des Volkes erkenntnismäßig so zu disziplinieren, daß sie der Sicherung u n b ö r = berung der Wachstums- und Lebenskräfte des Volkes dient. Darin besteht die Sittlichkeit des Handelns. Es kommt also alles darauf an, daß der einzelne durch das Erlebnis der Volksgemeinschaft wieder die richtige Gesinnung und damit die richtige Richtung seines Handelns empfängt. Aus solchermaßen verrichteter Arbeit erhebt sich'dann das Postulat der gleichen sozial e n E h r e. Denn die Arbeit des ärmsten Tagelöhners und des größten Staatsmannes gilt, wenn sie nur von beiden mit voller H i n - gäbe getan wird, vor den Augen der Ewigkeit gleichviel und bedingt darum auch nach unten die gleiche soziale Ehre. Die Handlungsfreiheit liegt immer nur in der Richtung des vertikalen Aufbaues. Deshalb verlaufen auch alle nationalsozialistischen wirtschaftspolitischen Maßnahmen in der Vertikalen. Z. B. ist die Marktregelung eine solche vertikale Maßnahme. Sie sichert nicht nur die für die Entfaltung der Lebens- und Wachstumskräfte nötige N a hrungsfreiheit der Nation, sondern sie sichert in gleicher Weise auch im darüber gelagerten Stockwerk, in der gewerblichen Wirtschaft, die ebenso notwendige Rohstofffreiheit. Die Rohstoffe müssen durch eigene Erzeugung, Stapelung oder Sicherung der Zufuhrwege in gleicher Weise durch die Marktregelung gesichert werden wie die Nahrungsmittel. Damit ergibt sich auch für das zweite Stockwerk, die Außenwirtschaft, die entsprechende Ein- und Ausfuhrregelung. Nach einer Periode überspitzter Jntellektualität muß zur Gesundung und natürlichen Neuordnung der Dinge in allem auf die e i n s a ch st e n Grundlag e n eines Geschehens zurückgegangen werden. Der geborene Führer zieht dann alle schöpferischen Kräfte aus der Volksgemeinschaft und sammelt sie um sich als seine Jüngerschaft, die durch ihr schöpferisches Feuer seine Lehre im Fluß erhält, damit sie nicht in Formeln und Äußerlichkeiten erstarrt. Das Dresdner Treffen der alten Kämpfer. Der Stellvertreter des Führers an die 300 dienstältesten politischen Leiter. Dresden, 5. Okt. (DNB.) Das Treffen der 300 dienstältesten politischen Leiter nahm mit einem Begrüßungsabend im Schauspielhaus ihren Anfang. Im Parkett nahmen die 300 alten Kämpfer Platz, die Ränge füllten sich mit den Reichsleitern und Gauleitern. Gauleiter Mutschmann richtete herzliche Worte der Begrüßung an seine alten Mitkämpfer und vor allem auch an den Stellvertreter d e s Führers Rudolf Heß, sowie den S t a b s l e i t e r d er PO., Dr. Ley. Hierauf hielt der Stellvertreter des Führers, ReichMiiinifter Pg. R u d o l f H e ß, eine Ansprache, in der er die alten Kämpfer der Bewegung begrüßte und ihnen versicherte, daß sie nicht vergeben würden. Er habe den alten Kämpfern de n Dank des Führers zu übermitteln, daß sie so treu ausgehalten hätten und daß ihr Glaube einst, als der Kampf hoffnungslos schien, so stark war. Denen, die durchgehalten haben, sei es zu verdanken, daß der Kampf nicht umsonst war. Wenn der Führer die Partei kürzlich als einen Drben bezeichnete, so seien die alten Kämpfer der Bewegung die e r ft e n Ordensbrüder, die Trager eines Stück deutscher Geschichte, die fortstrahlen werde für Jahrhunderte. Einst würden Kinder und Kindeskinder zurückdenken an ihre Väter, Großväter und Urgroßväter, und sie würden, mit Stolz sagen: „E r war dabei, er war einer der erften." Einst würde man an die Zeit zurückdenken, da das neue Deutschland von 1933 und 1934 marschierte in eine neue bessere Zukunft. In allen Orten würden die Mahnmäler stehen an den einen, der damals den Marsch befahl, der erste politische Leiter der nationalsozialistischen Bewegung, unser F ü h r e r A d o l f H i 11 e r. Ihm Sieg-Heil! Der Rede folgte stürmischer Beifall. Stehend sangen die politischen Leiter das Lied der nationalsozialistischen Revolution. Dann begann die Vortragsfolge, die von Künstlern der sächsischen Staatstheater bestritten wurde. politischer Herbst in London. Ehe die Oktobernebel in England in den „misty fog", den schwersten Herbstnebel, übergehen, pflegt die britische Öffentlichkeit der verschiedenen Lager sich Rechenschaft darüber zu geben, was man erreichte. Die Konservativen halten ihre Parteiversammlung ab, und gleichzeitig tagen ins Southe- ort ihre politischen Widersacher und schärfsten Feinde, die 2lrbeiterparteiler. Die Konservativen, denen die Macht im Unterhaus mit Baldwin abgenommen wurde durch das nationale Konzentrationskabinett des früheren Arbeiterparteilers Macdonald und der Simon-Liberalen, können wahrlich nicht alles gut finden, was ihre Regierung getan. Aber es scheint im konservativen Lager an jungen Kräften und neuen Ideen zu fehlen, um diesen Zustand zu überwinden. Die jüngeren Kräfte sind zur Schwarzhemdenbewegung Mosleys abgerückt; und so ist den Konservativen nur jene Masse übriggeblieben, die ihre Sportbegeisterung nur ganz gelegentlich durch politische Gedankengänge unterbricht, im übrigen aber froh ist, wenn sich an den althergebrachten Gepflogenheiten des täglichen Lebens möglichst wenig ändert. Seitdem die neue Politik in der Wirtschaft zu einer Abkehr vom Goldstandard führte, ist die Konservative Partei saturiert. Sie hat innerpolitisch lediglich ein Interesse daran, das Errungene auszugestalten und vor allem gegenüber Veränderungen im Parlament nach dem alten Grundsatz der Briten in einer verstärkten Macht des Oberhauses ein Gegengewicht zu haben, derart, daß sich die beiden Gewalten gegenseitig kontrollieren und die eine Gewalt der anderen ein Paroli bietet. Die Forderung auf Machtsülle des Oberhauses ist im heutigen England, das allen radikalen Schritten abhold ist, insofern populär, als man glaubt, damit den Schwarzhemden, also dem Faschismus, Abbruch zu tun. Gelingt es, die seit 1906 immer stärker gewordene Macht des Unterhauses zu brechen, dann glaubt man nicht nur ein genügendes Uebergewicht gegenüber dem Marxismus, sondern auch gegenüber dem Faschismus zu haben. Die Taktik der Konservativen ist aber, abgesehen von der Machterweiterung des Oberhauses, durchaus schwankender Natur, sie verteidigt außenpolitisch auch trotz mancher Aussetzungen den französisch e n K u r s, immer aber mit dem Hintergedanken, im Falle eines Krieges neutral bleiben zu können. Trotzdem läßt sich nicht leugnen, daß gerade eng» lische Konservative und Liberale, die, ausgestattet mit dem typischen englischen Verstand des Nichtverstehenwollens anderer Mächte, daran sind, d i e moralische Verpflichtung d e r Vorkriegszeit, die Sir Edward Grey gegenüber Jules Cambon einging, z u wiederholen und damit England abermals zu verstricken. So würde, während die Politik im großen und ganzen gesehen, darauf hinausläuft, die Vorkriegsfehler nicht zu wiederholen und sich vom europäischen Festland zu trennen, doch durch wenige Militärs und Staatsmänner eine höchst gefährliche Bindung erzielt werden. Man hat die Gelegenheit versäumt, beim Ruhreinbruch Frankreich zu sagen, England unterstütze Frankreich auf keinen Fall, man hat ferner den Friedenswillen des erstarkenden Deutschland unterstützt und rudert nun mit der Stange im Nebel herum. Die „Labour Party" dagegen hat den Vorteil einer ununterbrochenen Offensive gegen das herrschende ©9 ft em. Die Liberalen sind im wesentlichen bedeutungslos, und die Ar- beiterparteiler haben zum Teil deren Wählerschichten an sich gezogen und pflegen ihren Angriff mit der Vehemenz vorzutragen, die in parlamentarisch regierten Ländern gegenüber der Regierungspartei beliebt ist. Man hat in den Kreisen der Radikalen nicht vergessen, daß 1924 ihre eigentliche Aufgabe der konservativen Regierung Baldwin überlassen wurde und vor der Wirklichkeit und den Schwierigkeiten die Arbeiterregierung zurücktreten mußte. Man hat daher das Programm umredigiert, aber die alten Forderungen auf Nationalisierung usw. erneut aufgeputzt. In der Praxis allerdings sieht es mit der Durchführung anders aus. Als die „Socialist League“ des Sir Stafford Cripps so etwas wie diktatorische Gebahrung bei einer evtl. Machtübernahme verlangte, die Banken, den Grund und Boden der Staatskontrolle unterstellen wollte, erlitt er eine schwere Niederlage, denn in Wirklichkeit ist die „Labour Party" kleinbür- lich - radikal und nicht sozialistisch, und ihre Massen sind es, wie das Abstimmungsergebnis zeigte, ebenfalls. Man will die Macht im Parlament und durch das Parlament. Aber man wendet sich gegen jede Diktatur und gegen jede autoritäre Staatsführung schlechthin. Daher ist dieses Ergebnis außerordentlich bemerkenswert, ebenso wie die Tatsache, daß man zwar außenpolitisch Räterußland als Teilnehmer des Völkerbundes begrüßt, innerpolitisch aber scharf die Grenze gegen die übrigens an Zahl unbedeutenden Kommunisten zieht. Als Lord M a r l e y für das antifaschistische Hilfskomitee und dessen unver- schämte Einmischung in die Saarangelegenhetten sprach, wurde ihm bedeutet, daß ein derartiges Zusammenwirken mit Kommunisten der „Labour Party“ nicht genehm sei, er habe zu wählen zwischen diesen Kommunisten und ihrer Organisation und der Partei, woraus Lord Marley den Antifaschismus nach kommunistischem Muster p r e i 5 g a b und dadurch aller Welt bewies, daß die von der deutschfeindlichen Presse groß aufgemachte „Untersuchung" der Lage an der Saar lediglich von kommuni st ischen Funktionären ausgeübt worden war. Interessant bleibt noch die Beschäftigung der Arbeiterpartei mit der Außenpolitik. Sie ist Völker- bundsfreundlich und versucht alles, um die zusammengebrochene Autorität des Völkerbundes zu heben, aber die Arbeiterpartei will nicht wieder in einen fe st ländischen Krieg verwickelt werden und Henderson versicherte, man denke sogar an den Generalstreik. Dabei hat Henderson merkwürdigerweise das System der Barthou- schen Ostpakte anerkannt, das die Regierung insofern ablehnte, als sie besondere Bindungen daraus ablehnte! Hier zeigt sich die Ideologie der Marxisten in einem merkwürdigen Licht. Währenddessen versucht die Regierung, den politischen Wagen mit alten Mähren zu bespannen. Die Mitglieder der Regierung unterstützen Frankreich, soweit es ohne direkte' englische Bindungen geht, gegen Deutschland, in dem man merkwürdigerweise den Feind wittert. Die Regierungspresse ist noch voll Abneigung gegen Deutschland und bewegt sich in einem merkwürdig tantenhaften Ton, aber die vermeintliche Gefahr für den Frieden, Italien, hat man doch in der Erklärung für Oester- reich zurückgedrängt. Jrn übrigen läßt man die Dinge laufen. Auch dieses Charakteristikum einer rein defensiven und nur auf Abstellung der gröbsten Auswüchse gerichteten Politik ist typisch für England. Die Konservativen fordern Verstärkung der englischen Rüstung. London, 4. Oft. (DRB.) Eine Tagung der Konservativen Partei in Bristol befaßte sich vor allem mit der Verteidigung des Br 1t1 • f cf) e n Reichs. Die Opposition unter Führung von Lord Lloyd ging gegen die „ungenügenden" Rüstungsmaßnahmen der Regierung vor. Diesen Angriff beantwortete Schatzkanzler Neville Chamberlain. Er erklärte u a., Großbritannien habe auf dem ®ßkiete Der Abrüstung ein Beispiel gegeben. Wahrend der letzten Jahre sei keinerlei nenn e n s - werter Fortschritt gemacht worden, mit der Pflicht der Regierung sei es unvereinbar, das Der- teidigungswesen des Landes auf dem gegenwärtigen Stande zu belassen. Die Regierung sei sich der Gefahren der Lage durchaus be w u ht; sie sei fest etnschlossen, ihnen zu begegnen. Die Regierung habe sich viele Monate lang mit der Prüfung der gesamten Lage und mit dem Entwerfen angemessener Pläne befaßt. Sie habe die Einzelheiten dieser Pläne noch nicht bekanntgegeben, weil sie in der einen oder anderen Richtung möglicherweise noch abgeändert werden müßten. Lord Lloyd hat eine Entschließung eingebracht. Zu ihrer Begründung wies er darauf hin, wie stark gefährdet England gegenwärtig sei, und wie sehr es einem Angriff zur See und in der Luft ausgesetzt sei. Diese Entschließuna wurde von der Konferenz mit geringfügigen Abänderungen einstimmig angenommen. Es wurde ferner mit großer Mehrheit eine Entschließung angenommen, in der die Regierung aufgefordert wird, dem Parlament Vorschläge über eine unverzügliche R e ■ form d e s Oberhauses vorzulegen. Oie Arbeiterpartei lehnt marxistische Methoden ab. London, 4. Okt. (DNB.) Ein Abänderungsantrag zugunsten teilweiser und begrenzter Beschlagnahme von Kapital, für die sich Sir Stafford Cripps, der Führer des linksradikalen Flügels der englischen Arbeiterpartei, auf der Partei» konferenz in Southport eingesetzt hatte, wurde mit der Riesenmehrheit von 2118 000 gegen 149 000 Stimmen abgelehnt. Die Konferenz erörterte das Aktionsprogramm für die nächsten Neuwahlen. Cripps erklärte in der Begründung des Antrages: Wenn wir wirklich einen sozialistischen Staat und nicht nur die Sozialisierung von ein oder zwei Industrien innerhalb des Kapitalismus erzielen wollen, so müssen mir uns endgültig auf den Standpunkt stellen, daß der Kapitalwert der Industrie durch die Arbeiter dieses Landes geschaffen worden ist, und daß sie nichts für diese Industriellen zu zahlen haben, wenn sie die Industrie in ihren eigenen Besitz zurück- nehmen werden. Das Führerprinzip in der Konnnunalverwaliung Eine Rede des Reichsinnenministers. DNB. Stettin, 4. Okt. Bei der Einführung des Oberbürgermeisters Faber und des Bürger- meisters Czirnick in Stettin hielt Reichsminister Dr. Frick eine Ansprache, in der er unter anderem ausführte: Der ursprüngliche Gedanke, daß die Bürgerschaft sich ihren obersten Beamten, ihren Führer und Meister selb st wählen sollte, war unter dem verderblichen Einfluß des Parteienstaates meist zu einem üblen Schacher aus- geartet.. Als Bürgermeister wurde vielfach nicht etwa derjenige gewählt, der nach Fähigkeiten und Leistungen für diesen Posten der geeignetste Mann war, sondern zumeist eine Kompromiß- natur, die von vornherein auf eine eigene, selbständige Führung der Stadtverwaltung verzichtete, dafür aber den maßgeblichen Parteien möglichst freien Spielraum gewährte. Die Versprechungen, die der Gewählte hatte eingehen müssen, um die Stimmen der Wahlkörperschaften zu erlangen, hafteten seiner Amtsführung als eine schwere Fessel an und beeinflußten seine Maßnahmen häufig genug gegen seine eigene bessere Ueberzeugung. Diesem unwürdigen Parteiensystem hat der neue Staat ein Ende gemacht und damit zugleich die Stellung des leitenden Gemeindebeamten von all den Hemmungen und Fesseln befreit, die einer erfolgreichen Verwaltungsarbeit hindernd im Wege standen. Nach dem Grundsatz des Führer- prinzips und der Führerauslese bestimmt heute der Staat im Einvernehmen mit der politischen Leitung den für den Bürgermeisterposten geeignetsten Mann und hat dabei kein anderes Ziel im Auge, als die Führung der Stadt solchen Persönlichkeiten anzuoertrauen, die die Gewähr dafür bieten, daß diese in Einklang mit den Richtlinien der S t a a t s f ü h r u n g ausgeübt wird, wie sie von unserem Führer und Reichskanzler Adolf Hitler festgelegt sind. Die Ge- meinben sind die einzelnen Zellen des Staates, und es ist undenkbar, daß sie in einem anderen Geiste geleitet werden als der Staat selbst. Gewiß, jede Gemeinde hat ihr Eigenleben, ihre besonderen Bedürfnisse und Interessen, aber niemals dürfen diese dem Staatswohl vorangestellt werden. Nur in dem Rahmen der allgemeinen Staatspolitik darf auch die Gemeindepolitik geführt werden, durchdrungen von dem Vertrauen und der Gewißheit, daß die Staatsführung bei ihren Maßnahmen stets auch das Wohl der Gemeinden im Auge hat, und ihren berechtigten Wünschen und Sorgen alle Zeit Verständnis entgegenbringt und Hilfe gewährt, wo es nötig ist. Generalstreik in Spanien. Oie Antwort der Marxisten auf das neue Kabinett Lerroux. Das spanische Kabinett endgültig gebildet. M a d r i b, 5. Okt. (DNB.) Am Donnerstag würbe die endgültige Liste des neuen Kabinetts Lerroux bekanntgegeben. Das Kriegsmmisterium erhielt Hidalgo (radikal), das Innenministerium Eloy Vaguero (radikal), das Verkehrsministerium I a l o n (radikal) und das Industrie- und Han- delsministerium Orozco (radikal). Zum Minister für öffentliche Arbeiten wurde der Agrarier C i b berufen. Da in ber vorläufigen Liste einem Rabikalen biefer Posten zugeschrieben worben war, haben somit bie Agrarier zwei Vertreter unb bie Rabikalen neben bem Mini- fterpräfibenten sieben Vertreter in ber Regierung. Besonders bemerkenswert bei ber Zusammensetzung ber neuen Regierung ist, baß ber Katholischen Volksaktion brei wichtige Ministerien zugeteilt wurden, unb zwar bas Arbeits-, bas Justiz- unb bas Landwirtschaftsministerium, bie für bie Durchführung ber von ber Katholischen Volksaktion angestrebten sozialpolitischen Maßnahmen sehr bebeutenb finb. Die Bestrebungen ber Volksaktion bie von ben Sozialisten geschaffene Lanbwirtfchaftsreform von marxistischen Uebertreibern zu befreien, sowie für bie katholischen Arbeitervereinigungen zuminbest bie Gleichberechtigung neben ben marxistischen Arbeiterverbänden zu erkämpfen, bürsten also in ber spanischen Innenpolitik ber nächsten Zeit mit besonberem Nachbruck vertreten werben. Der Generalstreik. Madrid, 5. Ott. (DNB. - Funkspruch.) Der Ruck nach r e ch l s, der in der neuen Zusammensetzung des spanischen Kabinetts zum Ausdruck kommt, und der den Regierungskurs für die nächste Zeit in Spanien bestimmen wird, hat allen Anzeichen nach die marxistisch-separatistische Front veranlaßt, l o s z u s ch t a g e n, wie sie es schon seit geraumer Zeit angedroht hatte. Der Generalstreik war bis Mitternacht zwar noch nicht offiziell erklärt, Ls stand aber schon mit ziemlicher Sicherheit fest, daß noch in den ersten Morgenstunden des Freitags die Weisung zum allgemeinen Streik ausgegeben würde. 3m Madrider Verkehrsleben zeigten sich aber bereits schon am Abend die er st en Anzeichen des Kommenden. Straßenbahnen, Untergrundbahnen und Taxameter hatten den Verkehr eingestellt. Nachdem in der Nacht zum Freitag von den marxistischen Gewerkschaften d e r G e n e r a l st r e i k erklärt wor- den ist als Antwort daraus, daß der Staatspräsident den Weg für eine antimarxistische Regierung freigemacht hat, gleicht Madrid gegenwärtig einer toten Stadt. Es verkehren weder Autobusse noch Straßenbahnen, noch Untergrundbahnen: man befürchtet, daß die lebenswichtigen Betriebe im Laufe der nächsten Stunden ebenfalls stillgelegt werden. Auch die Telephonverbindungen in das Ausland sind außerordentlich erschwert. Ferner ist damit zu rechnen, daß d i e Zeitungen nicht mehr erscheinen. Fast gleichzeitig treffen von verschiedenen Punkten der Stadt Meldungen über Schießereien zwischen der Polizei und Marxisten ein. Die Zusammenstöße dauerten noch in den frühen Morgenstunden an und hatten bis dahin drei Todesopfer gefordert. Außerdem soll es zahlreiche verwundete gegeben haben. Etwa 200 Personen sind verhaftet worden, desgleichen konnten von der Polizei große Bestände an Waffen und Munition beschlagnahmt werden. Verdächtiger Waffentransport auf einem spanischen Dampfer. Pari-, 5. Okt, (DNB. Funkspruch., „Le Jour" meldet aus Bordeaux, daß anBorbdesDamp- f e rs „T u r q u e f a", ber wegen falscher Zollerklärung im Hafen von Bordeaux unter polizeiliche Bewachung gestellt würbe, 20 Maschinengewehre, mehrere tausenb Gewehre unb viele Kisten mit Munition festgestellt worben finb. Angeblich hanbelt es sich um einen für Antwerpen bestimmten spanischen Transport. Man nimmt aber an, baß bas Schiff in Wirklichkeit nach einem Hafen in Portugal bestimmt war. Warum wurde Barthous Komreise verschoben? Schwierigkeiten noch nicht gellärt.-Oie Aussprache mit Südslawien. Paris, 5. Okt. (DNB. Funkspruch.) Die Vertagung ber Rornreise Barthous auf Anfang November geht, wie „Petit Parisien" behauptet, auf ben gemeinsamen Beschluß von Rom unb Paris zurück. Inzwischen werbe ber b i p l o m a t i s ch e Meinungsaustausch zur Vorbereitung ber Begegnung rege fortgesetzt. Es sei klar, baß bie Ergebnisse ber Unterrebung Mussolini-Barthou auf biese Weise fruchtbringenber ausfallen würben. Es hanbele sich nicht nur um eine Freundschafts- funbgebung, fonbern um ben Versuch, eine dauerhafte Verftänbigung zu erzielen, bie eine spätere engere Zusammenarbeit auf vielen Gebieten ermöglichen würbe. Der römische Berichterstatter bes „Matin" ist offenherziger. Er gibt zu, baß die Borver- hanblungen über bie französisch-italienischen Fragen noch nicht weit genug gebieten seien. Wenn auch bie Stellung ber Italiener in Tunis burch eine einfache Fortbauer bes bestehenben Zustanbes geregelt werben könnte, lasse bie Frage ber lydischen Grenze aller- hanb technische Schwierigkeiten auftauchen, bie nicht überstürzt beseitigt werben könnten. Auch bie Frage ber italienisch-sübslawischen Beziehungen, deren Regelung für die Klärung der österreichischen Angelegenheiten unerläßlich fei, lasse sich nicht in einigen Tagen abmachen. König Alexander von Südslawien werde e r ft am 10. Oktober in Paris eintreffen unb, wenn ber französische Vermittlungsversuch nutzbringenb sein solle, brauche man einige Wochen. Auch bas „Oeuvre", bas unter Hinweis auf angebliche beutsche Bemühungen in Wien unb Rom Deutschland grundlos verdächtigt, die italienisch-französische Annäherung durchkreuzen zu wollen, muß trotz allem zur Schau getragenen Optimismus zugeben, daß die Verhandlungen Barthous mit König Alexander von Südslawien nicht leicht sein werden. „Le Jour" fragt nach den wahren Gründen für die Verschiebung ber Rornreise Barthous. In gut unterrichteten Kreisen vermutet man, baß ber französisch-italienische Meinungsaustausch feit etwa 14 Tagen sich schwieriger gestalte, als ursprünglich angenommen würbe, unb zwar hauptsächlich w e - gen ber mitteleuropäischen Fragen. Die Formel einer vernünftigen italienisch-sübslawischen Verftänbigung sei anscheinenb noch längst nicht gesunden. Von ihr aber hänge die Lösung der österreichischen Frage ab, die Deutschland und feit kurzem auch andere Länder verhindern wollten. Das südslawische Königspaar nach Paris adgereist. Belgrad, 5. Okt. (DNB.) König Alexander und Königin Maria von Südslawien verließen Belgrad, um sich nach Frankreich zu begeben, wo sie dem Präsidenten der französischen Republik den geplanten offiziellen Besuch abstatten werden. Die Fürstlichkeiten werden von Außenminister Ief - titsch begleitet. König Alexander fährt zuerst a n bie dalmatische Küste. Dort wird er an Bord des Torpedobootszerstörers „Dubrownik" gehen, mit dem er die Reise durch das Adriatische- und Mittelländische Meer nach Korsika antritt. Bei Korsika wird er von der französischen Mittel- meerflotte erwartet, die ihn nach M a r s a i l l e geleiten wird. Die Ankunft in Paris ist für den 9. Oktober vorgesehen. Politische Kreise sind ber Ansicht, daß die Verhandlungen des Königs in Paris sich in elfter Linie um die italienisch-französische Annäherungsbestrebungen drehen werden. Danach soll die österreichische Frage die Hauptrolle spielen. Der Belgrader Havasvertreter erhielt vom südslawischen Außenminister. eine Erklärung, in der ber Staatsbesuch bes Königs als Äunbgebung ber Verbun- benheit Süd slawiens mit Frankreich bezeichnet wird. Er sei überzeugt, daß die Frankreich-Reise es erlauben werde, in einer engen Zusammenarbeit die Lösung der Fragen zu finden, die durch die Verteidigung der gemeinsamen Belange aufgeworfen würden. Doumerguewamtvor der kommunistischen Gefahr in Frankreich. Eine neue Hundfunkansprac^ des französischen Ministerpräsidenten. DNB. Paris, 4. Okt. Am Donnerstagabend sprach Ministerpräsident Doumergue erneut im Rundfunk. Er bezeichnete sich als ergebenen Verteidiger der freien französischen I n - st i t u t i o n e n , kündigte jedoch Reformen an, die diese Institutionen durch die Schaffung einer Regierung mit genügend Autorität vervollständigen sollen, so daß die Regierung gewiß sei, zur Erfüllung ihrer Ausgabe lange genug leben zu können. Die Erfahrung habe bewiesen, daß die französischen Regierungen Diese Autorität nicht mehr gehabt hätten. Wenn ein Land so weit gekommen sei, dann trete Unordnung ein, und auf s i e folge Anarchie. Die Anarchie ziehe unvermeidlich die Diktatur entweder eines Mannes oder einiger Männer ober eines siegreichen Landes nach sich. Er wolle Frankreich ein solches Schicksal ersparen. Die von ihm geplanten Bestimmungen würden die Institution des Parlaments, die von verschiedenen Seiten sichtlich bedroht sei, f e ft i • g e n. Seine Absicht gehe dahin, eine Minister- Präsidentschaft zu schaffen, die über ein ständiges Büro und ein ausgesuchtes Personal verfüge. Außer dem Statistischen Amt würde der Ministerpräsidentschaft das Generalsekretariat des Obersten Rates der Landesverteidigung und bet neu Zu organisierende Wirtschaftsrat angegliedert werden. Dieser Wirtschaftsrat werde aus von der Regierung bestimmten qualifizierten Vertretern der Wirtschaft des Landes zusammengesetzt sein. Er werde nur beratende Befugnisse haben. Zur Verstärkung des nationalen Wirtschaftsrates werde eine Anzahl regionaler Wirtschafts- räte geschaffen werden. Die Tatsache, daß bas Fehlen ber Verantwortung zum System erhoben worben fei, habe alle Ressorts verfälscht unb bie Autorität oerminbert, ja mitunter überhaupt beseitigt. Doumergue betonte bann bie Not- roenbigfeit ber ’unbebingten Trennung ber politischen und der richterlichen Gewalt. Er erwähnte, daß er an eine Reform der Pensionsgesetzgebung denke. Er versprach, Vorkehrungen zur Bekämpfung der Getreide-, Wein- und Arbeitslosenkrise. Zur Außenpolitik führte er u. a. aus: Frankreich hege feine Rachsucht gegen ein anderes Land. Es werde sich stets gerne zu allen Ententen bereit finden, deren aufrichtiges Ziel die Aufrechterhaltung des Friedens sein werde, selbstverständlich unter der Bedingung, daß keine dieser Ententen Frankreich verpflichte, auf etwas zu verzichten, was es für feine Sicherheit als unerläßlich ansehe. Die- ienigen- dis wirklich den Frieden Wollten» seien nicht die, die sich damit begnügten, „Frieden" zu blöken unb bie Arme zu verschränken. Jene beschwörten, wie er gerne zugeben wolle, unbewußt eines Tages den Krieg über ihr Land herauf. Die Leute, die diese Gefahr abwenden wollten, hielten ihr Land in demZustand einer guten Verte i b i g u n g für den Fall, daß es angegriffen werden sollte. Ein Bürgerkrieg morgen wäre Krieg mit dem Auslande beinahe unmittelbar darauf. Deshalb hätte er bie Regierungsgewalt behalten, als er gesehen habe, wie sich unter bem Namen „Gemeinsame Front" bie gestern noch feinblichen Brüber vereinigten, bie sich infolge ihrer Programme logischerweise unter bem kommuni st ischen Banner hätten verschmelzen müssen. Das Programm, bas bie Gemeinsame Front im Falle ihres Erfolges anwenben würbe, wäre: Abschaffung ber Legalität unb ber Souveränität bes Volkes, Einführung ber Diktatur einiger bevorrechtigter Führer, Einführung ber Gewalt, b. h. Bürgerkrieg unb feine Folgen, Beseitigung ber Freiheit, vor allem ber Eigentumsfreiheit, Beseitigung bes Privateigentums unb eines jeben Eigentumsrechtes, ein Recht, baß bas Jahr 1789 unseren Vätern gegeben habe. Doumergue beleuchtete bann bie Unaufrichtigkeit unb Zweibeutigkeit bes kommunistischen Programms. Daß kommunistische Lehrsätze in Ländern angenommen und angewandt werden könnten, die sich durch ihr Temperament, ihre Ge- schichte, ihre Denkart und ihre Bestrebungen von Frankreich unterscheiden, sei möglich. Daß andere Länder, um sich ber Entwicklung biefer Lehre bei sich zu wibersetzen. zu etwas harten Mittel gegriffen hätten, sei sicher. Frankreich mische sich in bie Innenpolitik ber anberen ßänber nicht ein. Aber Frankreich habe bas Recht, baraus Lehren zu ziehen. Um jebe Gefahr einer Diktatur zu permeiben, müsse man ber gemeinsamen kommunistisch- sozialistischen Front bie gmeinsame Front ber Freiheit und des Vaterlandes entgegenstellen. Lebhaftes Echo. Paris, 5. Okt. (DNB.-Funkspruch.) Die Rundfunkrede Doumergues findet in ber Pariser Presse ein lautes Echo. Die Rechtsblätter lassen ihrer Freube freien Lauf, bie marxistischen Organe antworten mit verstärktem Haß, währenb bie radikal- sozialistische Presse offensichtlich betreten ist. „Echo be Paris" freut sich über bie Erklärung Doumergues, baß ein Bürgerkrieg zwangsläufig ben auswärtigen Krieg nach sich ziehen würbe, was nach Ansicht bes Blattes nur bahin gebeutet werben könne, bas Deutschland) auf Frankreichs innenpolitische Schwierigkeiten warte. Das rabikalsozialistische „Oeuvre" ist enttäuscht barüber, baß Doumergue nicht bie versprochene wirtschaftliche Rebe gehalten hat. Das Lanb verlange bie volle Wahrheit. Man habe gehofft, baß Doumergue barüber Auskunft geben würbe, warum Fleisch unb Gemüse, bie ber Bauer stockbillig abgebe, im Einzelhanbel kaum erschwinglich seien. Empört stellt ber sozialistische „P o p u l a i r e" fest, baß ber Ministerpräsibent in ben Wahlfelb - 3 u g eingreife. Am fommenben Sonntag würbe bas arbeitenbe Volk in Massen gegen bie nationale Einheit, gegen bie Reaktion, gegen ben Faschismus unb gegen ben Kapitalismus stimmen. Die kommunistische „H u m a n i t 6" ruft aus, bie einzige Antwort auf brefen Angriff gegen bie Einheitsfront laute: Hinein in bie gemeinsame Front! Vlad) biefer Rebe müsse ber gewerkschaftliche Zusammenschluß zwischen Sozialisten unb Kommunisten erfolgen. Der Saarabstimmungs- Kalender. Hundert Erinnerungsblätter. „Es wirb keine glücklichere Stunde geben für dieses neue Deutschland als bie, in ber wir die Tore aufreißen können unb Euch mieber in Deutschland sehe n." Diese Botschaft des Führers und Reichskanzlers finden wir am 5. Oktober in jedem deutschen Arbeitraum! Sie steht auf bem er ft en Blatt bes Saar- Abstimmungskalenders, der 100 Tage bis zur Saar-Abstimmung läuft! Treue und Liebe der Nation, das Zusammengehörigkeitsgefühl des Mutterlandes mit der deutschen Saar liegen in den Worten des Führers! Sie zeugen von dem naturgewollten Verlangen, die deutsche Westmark zurückzuführen ins Reich! Und so wie das erste Blatt des Saar-Abstim- mungstalenbers legen auch die anderen Zeugnis ab von den tausend unb aber tausend Fäden, die das deutsche Saarland mit dem Mutterlande verknüpfen! Die Blätter zeigen die saarländische Wirtschaft in ihren Beziehungen zum Wirtschaftsraum des Reiches, wir sehen den Anteil des Saargebiets an der deutschen Produktion, wir sehen bie Zukunft bes Saarbergbaus, wir lesen von dem Wiederaufbauprogramm für bas Saargebiet nach seiner Rückgliederung ins Reich unb von vielen anderen Aufgaben um den Wiederaufstieg der Saar wirtschaft! Die saarländische Wirtschaft will zurück zum Reich, der saardeutsche Arbeiter unb Bauer will heim, und in dem lOOtägigen Saarkampf wollen wir unsere Brüder an der Saar darin unterstützen! 100 Tage^Saarhilfe! Jeder deutsche Volksgenosse bringt sein Siaropfer durch Erwerb bes Kalenders! In jedem deutschen Arbeitsraum soll am 5. Oktober ein Abstimmungskalenüer hängen! Das Wiuierprogramm des Rundfunks. Ausbau des unterhaltenden Teils. München, 4. Okt. (DNB.) Die Intendanten sämtlicher deutschen Rundfunksender erörterten mit Reichssendeleiter Hadamovsky das künstlerische Programm der künftigen Rundfunkarbeit. Den Ausgangspunkt der Programmgestaltung bildet der Ausbau des Unterhaltungsteils. Denn jeder Rundfunkhörer hat einmal das Recht auf Entspannung nach der Arbeit. Es soll leichte, wechselnde, gute Unterhaltung mit besten Kräften geboten werden. Es werden künftig für den Unterhaltungsteil die großen Rundfunkorchester und die besten außerhalb des Rundfunk stehenden Unterhaltungsorchester herangezogen. Es ist auch bereits eine enge Zusammenarbeit mit bem Berufs- oerbanb ber beutschen Komponisten angebahnt, Hauptziel ist eine Steigerung bes Niveaus in Form unb Ausführung. Dabei wird ein reget Programmaustausch zwischen den Sendern erfolgen. Der Rundfunk wird weiter zur Wiederholung guter Programme übergehen. Der Rundfunk ist keine Zeitung und kein Nachrichen^ sondern ein künstlerisches JnjtrumsW I l k 15 Et 1- 'V a- h' m- tii )ii ?r- rt« int ■ts f' P ilt leit en! irs! bet iten mit Üche M bet jenn auf ite- Este" beit estel M aw rufy iH k- s Das deutsche Volkseinkommen steigt wieder F-Hr ihn gelten also nicht die Gesetze der Zeitung, sondern die künstlerischen Institute. Da der Hörer gerade Rundfunksendungen unvollkommener aufnimmt, wie er z. B. bei der ersten Lektüre ein Buch aufzunehmen pflegt, hat er geradezu einen Anspruch auf eine Wiederholung solcher Sendungen. In der Winterarbeit werden die großen Musiksendungen, die im Frühjahr mit Uebertragung der Beethoven-Sinfonien begonnen wurden, ihre Fortsetzung finden. Beginnend mit dem 21. Oktober, werden bis zum 10. Februar an jedem Sonntag, 21.30 Uhr, zusammen 15 Meisterkonzerte veranstaltet werden, die jeweils den Höhepunkt des Wochenprogramms bilden werden. In diesen Konzerten werden die populärsten und beliebtesten musikalischen Schöpfungen unserer großen Meister unter Mitwirkung der hervorragendsten Interpreten, die Deutschland aufzuweisen hat, übertragen. Ferner wird das Jahr 1935 als Bach-Händel- Jahr anläßlich der 250. Wiederkehr des Geburtstages der beiden großen Tonsetzer durch den Rundfunk begangen werden. Bon der dritten Februarwoche an werden bis zum Sommer in den fünf Reichssendungen fünf große Werke beider Meister übertragen. Reichsminister R u st trifft am 7. Oktober zum Besuch des ungarischen Kultus- und Unterrichts- Ministers Homan in Budapest ein. Reichsminister Rust wird mehrere Tage in Budapest verbringen, um die kulturellen Einrichtungen Ungarns kennen zu lernen. * Reichsleiter Alfred Rosenberg sprach im Reichswehrministerium vor den Leitern der Heeresschulen und Fachschulorganen der Wehrmacht und einem großen Kreis geladener Offiziere. Nachdem Major von Graewenitz den Beauftragten des Führers für die weltanschauliche Schulung und Erziehung der NSDAP, empfangen hatte, begrüßte Oberstleutnant Reinecke Reichsleiter Rosenberg, der in Begleitung seines Stabsleiters, Hauptamtsleiter Urban, erschienen war. Die Ausführungen des Redners wurden mit großem Beifall ausgenommen. Die Nachricht, daß der ehemalige österreichische Minister und Landbundführer Bachinger auf freien Fuß gesetzt worden sei, wird von amtlicher Seite als unrichtig bezeichnet, Bachinger befindet sich nach wie vor in der Haft des Landgerichts Wien. Internationale Automobilausstellung in Paris. In Paris wurde die 2 8. Internationale Automobilausstellung eröffnet, die 10 Tage dauert. Die Ausstellung findet wieder im Grand Palais statt. Neben französischen, englischen, amerikanischen,, italienischen und tschechoslowakischen Firmen haben auch eine ganze Anzahl deutscher Automobilfabriken die Ausstellung beschickt. Maybach hat zwei Wagen, darunter ein Modell mit dem Zeppelinmotor, ausgestellt. Starke Beachtung findet der Mercedes- Benz- Stand, wo ein Chassis des neuen Heck-Mo- tor-Wagens Aufsehen erregt. Reichhaltig ist der Stand der A u t o u n i o n. Dort werden zwei Wirtschaftliche Ltmfchau. Warnung vor spekulativen Kapitalanlagen.-Das Außenhandelsgeschäft Die Allgemeine Deutsche Kreditanstalt in Leipzig hat kürzlich in ihrem Monatsbericht darauf hingewiesen, daß alles getan werden müsse, um den gegenwärtigen Beschäftigungsstand aufrecht zu erhalten und die betriebswirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu heben. Eine Erörterung der Dividendenfrage müsse deshalb vorerst zurückstehen. Aus diesem Grunde ist es ebenso unberechtigt wie unerwünscht, wenn die Börsenspekulation gegenwärtig eine Kurssteigerung angeblich zurückgebliebener Aktienwerte betreibt und dadurch den Aktienmarkt in den Vordergrund der öffentlichen Aufmerksamkeit rückt. Das ist auch deshalb verfehlt, weil dadurch künstlich dem Aktienmarkt Kapital zugeführt wird, das auf dem Rente n m a r k t die seit langem erstrebte organische Zinssenkung fördern und dadurch weit nützlichere Arbeit im nationalwirtschaftlichen Interesse leisten könnte. Die Renten - und Zinskonversion ist jedenfalls ein sehr viel wichtigeres Ziel als eine Aktienhausse, deren Sinn sich in der Erzielung von Zwischengewinnen erschöpft. Gegen spekulative Ausschreitungen hat auch auf anderen Gebieten eingeschritten werden müssen. Das Reichswirtschaftsministerium warnte öffentlich davor, dem unerfahrenen Publikum übertriebene G e w i n n m ö g l i ch k e i t e n durch die Finanzierung von Erdölbohrungen vorzuspiegeln. Das Risiko ist hier bekanntlich außerordentlich groß. Oft werden diesen Angaben auch Aeußerungen dritter, als Sachverständige bezeichnete Personen beigefügt, durch die der Eindruck einer sicheren Gewinnmöglichkeit beim Publikum noch verstärkt wird. Demgegenüber muß daraus hingewiesen werden, daß in jedem Fall für die Niederbringung von Bohrungen erhebliche Kapitalien erforderlich sind und bei jedem Unternehmen mit Fehlbohrungen zu rechnen ist. Wie die Erfahrung zeigt, dient die geschilderte Reklame meist lediglich spekulativen Zwecken; die auf diesem Wege gegründeten Gesellschaften entbehren der soliden finanziellen, geschäftlichen und sachlichen Unterlage, so daß die als Beteiligung gegebenen Gelder in den aller- meisten Fällen verloren sind. Diese Gelder werden zum großen Teil von kleinen Sparern hingegeben, an die sich die Vertreter und Agenten der betreffenden Firmen in erster Linie wenden in der meist richtigen Erwartung, daß diese über die nötige Erfahrung nicht verfügen und deshalb am leichtesten zur Hergabe von Geldern zu bewegen sind. Es muß deshalb nachdrücklich darauf bingewiesen werden, daß die Aufsuchung und Erschließung der deutschen Erdöllagerstätten mit Rücksicht auf das darin liegende große natürliche Risiko nur finanziell kräftigen Unternehmungen vorbehalten bleiben muh. Oie Landjahrheime erfüllen ihren Zweck. EineBesichtigung durch ReichsrninisterRust Berlin, 4. Okt. (DNB.) Neichserziehungsmini- ster R u st hat eine Reihe von Landjahrheimen in Hannover besichtigt. Reichsminister Rust, dessen ureigene Schöpfung das Landjahr ist, gewann bei dieser überraschenden Besichtigung die Ueberzeugung, daß das Landjahr bisher nicht nur d i e Hoffnungen vollauf erfüllt hat, die auf diese neuartige Erziehungsmaßnahme des Staates gesetzt wurden, sondern daß es inzwischen zu einer der wichtiasten Faktoren der nationalpolitischen Erziehung für die Heranwachsende Jugend geworden ist. Reichsminister Rust nahm die Gelegenheit wahr, sich in den Lagern mit den einzelnen Jungen und Mädchen zu unterhalten, die einen sehr guten Eindruck machten und die von dem plötzlichen Besuch des Ministers begeistert waren. Der Reichsminister konnte als beglückenden Gewinn seiner Besichtigungsfahrt feststellen, daß sich hier in den Heimgemeinschaften auf dem Lande d i e Großstadtjugend wieder zurückgefunden hat zu den natürlichen Lebensbedin- a u n g e n. Der Geist der Kameradschaft, wie er im Landjahr lebendig ist, und die enge Verbundenheit mit „ihren" Bauern und „ihren" Handwerkern hat in vielen der Kinder schon jetzt den Wunsch wach werden lassen, nicht wieder herausgerissen zu werden aus dieser eben gewonnenen engen Verbundenheit mit dem Land und seinen Menschen. Diele der Landjahrpflichtigen haben schon jetzt den Wunsch, als Bauer oder Handwerker endgültig auf dem Lande zu bleiben. Ehrung gefallener Stahlheim-Kameraden. In dem Verordnungsblatt Nr. 34 der Ober st en SA. - Führung wird mitgeteilt: Dem Sturm 11/75 H-lle a. d. Saale wird die Berechtigung verliehen, in Erinnerung an den am 21. Dezember 1929 von Kommunisten schwer verwundeten und am 24. Dezember 1929 den Verletzungen erlegenen Jungstahlhelmführer Otto Küfner künftig die Bezeichnung „Sturm 11 Otto Küfner" zu führen. — Dem Sturm 3 2/60, Essen- Recklingshausen, wird die Berechtigung verliehen, in Erinnerung an den am 3. September 1927 von Kommunisten schwer verwundeten und am 10. September 1927 seinen Verletzungen erlegenen Stahlhelmmann Konrad Gorgs künftig die Bezeichnung „Sturm 32 Konrad Gorgs" zu führen. — Dem Sturm 11 /R. 39, Düsseldorf- Derendorf, wird die Berechtigung verliehen, in Erinnerung an den am 23. September 1931 von Kommunisten niedergeschossenen und am 24. September 1931 seinen Verletzungen erlegenen Stahlhelmmann Kurt Schulz künftig die Bezeichnung „Sturm 11 Kurt Schulz" zu führen. — Dem Sturm 2 1 /R. 39, Düsseldorf-Nord, wird die Berechtigung verliehen, in Erinnerung an den am 15. März 1931 von Kommunisten zusammengeschlagenen und am 2. Juli 1931 seinen Verletzungen erlegenen Stahlhelmmann Wilhelm Klein künftig die Bezeichnung „Sturm 2 1 W i l h e l m K l e i n" zu führen. Es liegt auch keineswegs im nationalwirtschaftlichen Interesse, daß einzelne Unternehmer durch übertriebene Reklame die Sparer zu gewagten Spekulationen anreizen, um mit diesen Geldern eigennützige Geschäfte zu machen. Das gleiche gilt natürlich für andere Experimente anderer Art. Der Konkurs, der soeben über das Vermögen der „Sächsisch-Böhmischen Zinnbergbau A G." in Plauen verhängt worden ist, zeigt, wie risikoooll manche Unternehmungen sind, die sich das Interesse für deutsche Rohstoffaufschließungen zunutze machen wollen. Es ist bedauerlich, daß es immer noch möglich ist, Unerfahrene durch übertriebene Versprechungen zu so aefährlichen Spekulationen zu verlocken. Das deutsche Sparkapital ist hierzu wahrhaftig zu knapp und zu teuer. Es gehört auf die Sparkassen, auf die Banken oder auf den Rentenmarkt, wo es auch am besten in den Dienst nationalwirtschaftlicher Interessen gestellt werden kann. Die Außenhandelsfragen nehmen nach wie vor die Tätigkeit des Reichswirtschaftsminifte- riums in erster Linie in Anspruch. Ein lückenloses System der Kontrolle unserer gesamten Waren- einsuhr ist geschaffen worden. 25 Ueberwachungs- stellen haben die Aufgabe, den Import genau der jeweiligen Höhe des Diviseneingangs anzupassen. Darüber hinaus wird es möglich fein, mit einer Reihe von Rohstoffländern Austauschgeschäfte abzuschließen. Es scheint, daß die Notwendigkeit einer einheitlichen Regelung des deutschen Handelsund Zahlungsverkehrs mit dem Auslande auch dort allmählich mehr Verständnis findet. So hat z. B. der holländische Wirtschaftsminister Dr. S t e ende r g k e kürzlich die niederländischen Gläubiger Deutschlands darauf hingewiefen, daß eine schnelle Befriedigung ihrer Forderungen zu einer Lahmlegung der holländischen Ausfuhr nach Deutschland führen müsse. Hier wird also anerkannt, daß zwischen den ausländischen Gläubigern und den ausländischen Exporteuren Interessengegensätze bestehen. Das deutsch-holländische Clearing führt dazu, daß der Import holländischer Waren künftig den Zahlungsmöglichkeiten angepaßt wird, so daß neue Schuldverpflichtungen nicht entstehen können. Die Verhandlungen über einen deutsch - englischen Clearing verkehr werden in allernächster Zeit wieder ausgenommen werden. Die englische Regierung hat angekündigt, daß sie neue Vorschläge machen will, um den Handelsverkehr mit Deutschland auf einem möglichst hohen Niveau zu halten. Die deutschen Wirtschaftsoerhandlungen mit der Tschechoslowakei find zwar vorübergehend unterbrochen worden, sollen aber baldigst wieder ausgenommen werden. Auch mit der Schweiz wird aufs neue über Fragen des Wirtschafts- und Zahlungsverkehrs verhandelt werden. Die Einfuhr von Nahrungsmitteln nach Deutschland hat infolge der zunehmenden Selbstversorgung im ersten Halbjahr 1934 beträchtlich abgenommen. Nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamts war insbesondere die Einfuhr von Fettstoffen um mehr als ein Fünftel geringer als in der gleichen Zeit des Vorjahres. Das ist in erster Linie derNeuregelungderdeut- schen Fettwirtschaft zu verdanken. Ebenso hat der Ueberschuß der Getreideeinfuhr über die Ausfuhr infolge der guten vorjährigen Ernte um mehr als 40 v. H. abgenommen. Die diesjährige Getreideernte ist zwar sowohl mengenmäßig wie güte- mäßig etwas geringer ausgefallen. Aber sie reicht aus, um die menschliche Ernährung aus deutscher Erzeugung vollkommen sicherzustellen. Zugenommen hat im 1. Halbjahr 1934 die Einfuhr von Tabak, und auch die Importe von Obst und Südfrüchten, Kaffee, Kakao usw. weisen keinen Rückgang auf. Das ist teilweise auf die steigende Kaufkraft infolge der Besserung der Wirtschaftslage, teilweise aber wohl auch auf Eindeckungen des Einfuhrhandels zurück-' zuführen. Der Führer und Reichskanzler hat an die Technische Nothilfe folgendes Telegramm gesandt: „Der Technischen Nothilfe danke ich in Erinnerung an die wertvolle Arbeit, die sie in den hinter uns liegenden 15 Jahren dem deutschen Volke geleistet hat, für ihr Treuege- löbnis und die Grüße, die ich mit den besten Wünschen für ihre weitere Arbeit herzlichst erwidere." Der Führer und Reichskanzler hat an die Hauptversammlung des G u st a v - Adolf- Vereins in Königsberg i. Pr. folgendes Danktelegramm gerichtet: „Für das mir von Ihrer Hauptversammlung in Königsberg ausgesprochene Treuegelöbnis sowie für die mir übermittelte Begrüßung sage ich Ihnen meinen besten Dank. Ich erwidere Ihre Grüße herzlichst und verbinde damit meine besten Wünsche für Ihre weitere Arbeit." ♦ Der Führer und Reichskanzler hat an den Präsidenten des Internationalen Hotelbesitzer-Vereins folgendes Antworttele- aramm gesandt: „Den in Berlin zum Kongreß versammelten Mitgliedern des Internationalen Hotelbesitzeroereins danke ich für ihre freundlichen Grüße, die ich mit den besten Wünschen für den Erfolg ihrer auf Hebung des Fremdenverkehrs gerichteten Arbeit enotiere. werbe am stärksten gestiegen, nämlich um 8,3 Prozent. Das ist eine Folge ber allgemeinen Wirtschaftsbelebung. Das Einkommen aus Landung Forstwirtschaft hat sich auf Grund der nationalsozialistischen Agrarreform um 5,8 Prozent erhöht. Die Lohneinkommen sind nur um 1 Prozent gestiegen, weil ja die Mengenkonjunktur nicht durch Preissteigerungen gefährdet werden darf, und Lohnerhöhungen naturgemäß zu Preissteigerungen führen müßten. Das Einkommen aus Kapitalvermögen ist sogar weiter zurückgegangen, allerdings nur noch um 1,4 Prozent. Die Einkünfte aus Renten und Pensionen haben sich gegenüber dem Vorjahr um 600 Millionen oder etwa 7 Prozent vermindert, hauptsächlich infolge der Wiedereinreihung von Unterstützungsbeziehern in die Arbeitsarmee. Endlich waren die Einkommen aus Vermietung und Der- Pachtung um 5 Prozent kleiner als im Vorjahr. Bei allen diesen Zahlenangaben muß man berücksichtigen, daß die Einkommensbesserung erst seit der Mitte des Jahres 1933 wieder begonnen hat. Die Erholung d er gesamten deutschen Wirtschaft wird sich erst in dem Volkseinkommen des Jahres 1934 voll auswirken können. Für das Arbeitseinkommen ist bereits eine weitere Zunahme um 1,6 Milliarden Mark ober um etwa 12 Prozent in der ersten Hälfte des Jahre feftgefteUt. Das beste Zeichen dafür, daß die deutsche Wirtschaftskrise endgültig überwunden ist, ist die Zunahme" des Volkseinkommens. Seit dem Jahre 1929 war das Einkommen des deutschen Volkes ständig zurückgegangen. Der Unternehmergewinn war geschwunden und hatte sich vielfach in Verluste verwandelt. Löhne und Gehälter waren tiefer und tiefer gesunken. Ein immer größerer Teil der Erwerbstätigen war einkommenslos geworden und hatte von öffentlichen Unterstützungen leben müssen, die natürlich nur die Erhaltung der Lebensnotdurft ermöglicht. Erst nach b er Machtergreifung des Nationalsozialismus wurde das Steuer der Wirtschaftspolitik herumgeworfen und der Deflationskrise ein Ende gemacht. Der Erfolg der nationalsozialistischen Arbeitsbeschaffung wird durch nichts so klar bewiesen wie durch das Wiederanfteigen des Volkseinkommens. Nach der amtlichen Reichsstatistik betrug das deutsche Volkseinkommen im Jahre 1933 rund 46,4 Milliarden Mark. Es war damit um 1,1 Milliarde höher a l s im Jahre 1932. Seit dem Jahre 1929, in dem das deutsche Volkseinkommen noch 75,9 Millionen Mark betragen hatte, ist zum erstenmal wieder eine Zunahme des Nationaleinkommens feftzuftellen. Dem Prozentverhältnis nach ist das Einkommen aus Handel und Ge- Immer mehr ALVA- R a u c h e r ! Ganz natürlich: ALVA bietet eben mehr! Ausstattung, Format und Tabakauswahl ragen weit über das volkstümliche Preisniveau hinaus. Immer mehr Raucher erkennen es an und — von Mund zu Mund empfohlen — hat ALVA den Erfolg, den sie verdient. Sucht den Mann, der noch nicht ALVA raucht! — Wo ist er? Wahnvorstellung oder krankhafte Eitelkeit? Falsche Geständnisse und unaufgeklärte Mordfälle. Welche merkwürdige Verwirrung kann einen Menschen veranlassen, ein Verbrechen zu gestehen, das er nicht begangen hat? Es hat viele Fälle gegeben, wo ein solches Geständnis von Leuten gemacht wurde, die unter einer Wahnvorstel- lung litten oder die durch eine krankhafte Eitelkeit angetrieben wurden, auf diese Weise von sich reden zu machen. Aber die Geschichte der Kriminalistik lehrt, daß hinter solchem Verhalten auch häufig eine sorgfältig durchdachte kalte Berechnung steckt. Da ist z. B. der Fall eines englischen Kolonialsoldaten, der seines Militärdienstes in Indien überdrüssig geworden ist. Er lieft in der Zeitung von einem seit langer Zeit unaufgeklärten Mord, beschäftigt sich mit allen Einzelheiten dieses Falles und behauptet dann, der Täter zu fein. Er wird unter strenger Bewachung nach England gebracht. Mit seiner Ankunft im Mutterland sieht er sein Ziel erreicht und zieht sein Geständnis zurück. Einen breiten Raum nehmen jene Fälle ein, wo in der letzten Minute vor einer Hinrichtung ein Freund oder Verwandter des Verurteilten unter Meineid erklärt, der Schuldige zu fein und die Unschuld des anderen beteuert. Ein derartiges Geständnis wird voll überlegt erst in der letzten Minute gemacht, denn die Behauptungen eines solchen Gestehenden halten meist einer gründlicheren Nachprüfung nicht stand. Wird die Hinrichtung aber erst einmal aufgehoben, so ist damit Das Ziel erreicht, denn der Aberglaube in Verbrecherkreisen sagt, daß eine Hinrichtung, die erst einmal aufgeschoben ist, nie mehr ausgeführt werden wird. Die Beamten von Scotland Yard wissen zu berichten, daß sie einmal tagelang einen Garten im Norden Londons umgegraben haben, weil ein Mann kurz vor der Hinrichtung in scheinbar letzter, übergroßer Reue g e ft a n b e n hatte, vor Jahren eine Frau und drei Kinder ermordet und da vergraben zu haben. Man fand von den vergrabenen Leichen k e i n e S p u r. Der Mann hatte mit feiner Behauptung nichts weiter als die Hinausschiebung der Exekution um einige Wochen erreichen wollen. Ebenfalls in London ereignete sich der folgende merkwürdige Fall: Ein Mann erscheint bei der Polizei, gibt die genaueste Beschreibung eines bisher unaufgeklärten Mordes und erklärt, er sei der Täter. Seine Ausführungen und sein Verhalten sind so überzeugend, daß er die Kriminalpolizei tagelang damit beschäftigt. Dann aber stellt sich heraus, daß dieser Mann u n - möglich den Mord begangen haben kann. Als man ihn fragt, wie er freiwillig fein Leben in so große Gefahr habe bringen können, erklärte er, er habe Selb st mord begehen wollen, aber nicht die Kraft dazu aufbringen können. Da habe er sich entschlossen, mit List zu versuchen, den Scharfrichter für diesen Vollzug zu gewinnen. Dem Laien mag es zunächst seltsam erscheinen, daß sich ein Unschuldiger eines Verbrechens anklagt. Solche Fälle sind aber in der Kriminalistik keine Seltenheit, und bei der Aufklärung eines Verbrechens muß mit dieser Tatsache immer gerechnet werden. Horchwaqen, darunter ein Acht-Cylinder, ge- 3eiat, zwei Wanderer, ein Audi sowie ein großer und ein kleiner DKW. Am Adler st and sind zwei geschlossene Wagen und Kabriolet zu sehen. Unter den Nutzfahrzeugen sind vor allem drei Krupp- Chassis zu erwähnen, darunter ein luftgekühlter Krupp-Diesel. Die Diesel- Anwendung zeigen auch zwei Chassis von Maairus- Kraftfahrzeuge. Auch bewährte deutsche Zubehörteil-Firmen sind vertreten. Aus aller Wett. Schiffsunglück auf dem Rhein. — Zwei Tole. Auf dem Rhein unterhalb der Brücke bei Baerl unweit Orsoy ereignete sich ein schweres Schiffsunglück. Ein mit Schwemmsteinen beladenes Motorschiff schlug während des Wendens so voll Wasser, daß es innerhalb weniger Sekunden sank. Während es gelang, den Kapitän, dessen Ehefrau und Kind zu retten, ertranken ein Schiffsmatrose und dessen Frau. Die Geretteten wurden in bewußtlosem Zustand an Land gebracht und in ein Krank- kenhaus eingeliefert. Schiffszusammenstoß auf der llnlerelbe. — Eine Frau ertrunken. Auf der Unterelbe stießen in der Nähe von Wittenbergen der Dampfer „Steinhöft" und der Motorsegler „Amanda" zusammen. Dabei wurde der Motorsegler so stark beschädigt, daß er sinkend auf den Strand gesetzt werden mußte. Die Ehefrau des Schiffers Dollinger vom Motorsegler „Amanda" stürzte bei dem Anprall der Fahrzeuge über Bord und ertrank. Sühne für den Giftmord an einer Greisin. Das Berliner Schwurgericht verurteilte den 50- jährigen Emil Riedel zu 15 Jahren Zuchthaus und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 10 Jahren. Seine 20jährige Geliebte Pauline Krummheuer wurde zu zwei Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrenrechtsverluft verurteilt. Riedel war angeklagt worden, feine 81jährige Zimmervermieterin vergiftet und sich in den Besitz ihres Geldes gesetzt zu haben. Die verurteilte Krummheuer war der Beihilfe zur Giftbeibringung in mehreren Fällen, der Hehlerei und des Diebstahls beschuldigt worden. Der Antrag der Staatsanwaltschaft lautete auf Todesstrafe bzw. auf eine zehnjährige Zuchthausstrafe. Das Gericht ging von den beantragten Strafen ab, da beide Angeklagte, insbesondere Riedel, nicht für voll zurechnungsfähig zu gelten hatten. Sühne für einen Gattenmord. Das Koblenzer Schwurgericht verurteilte einen aus Eich bei Andernach am Rhein stammenden Mann namens Dieter, der seine Frau durch 22 Messerstiche umgebracht hatte, zu sechs Jahren Zuchthaus und einem Jahr Gefängnis. Das Gericht erkannte ihm außerdem die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren ab. Der Gattenmord, der vor wenigen Monaten in Eich begangen wurde, hatte damals großes Aufsehen erregt. Dieler hatte auf einer Bierreise, die er nach Arbeitsschluß unternommen hatte, von «einem Bekannten erfahren, daß seine Frau angeblich die Ehe gebrochen habe. Darauf eilte Dieler sofort nach Hause, wo er auf dem Hof seines Anwesens seine Frau antraf, die dort mit ihren Kindern zusammen war. Die Frau, die aus der drohenden Haltung ihres Mannes nichts Gutes schloß, flüchtete zu ihrem im gleichen Orte wohnenden Bruder, in dessen Küche bann Dieler auf feine Frau einstach und sie durch 22 Messerstiche tötete. Er stellte sich nach begangener Tat sofort der Polizei. Die Rache der verlassenen Geliebten. — Eine bessarabische Ortschaft in Flammen. Die Rache einer verlassenen Frau hat in einer der letzten Nächte eine furchtbare Katastrophe über die Gemeinde Lodaesti in Bessarabien heraufbeschworen. Während ein Bursche namens Georg Spoiala seine Hochzeit mit einem Mädchen der Gemeinde feierte, legte feine verlassene Geliebte an vier Ecken des Hauses, in dem die Hochzeitsfeierlichkeiten ftattfanöen, Feuer an. Gerade als die Festlichkeiten ihren Höhepunkt erreicht hatten, fanden sich die Hochzeitsgäste plötzlich von Flammen ein» gekreist. Die Gäste konnten mit Mühe und Not ihr nacktes Leben retten. Das Feuer wütete weiter und erfaßte schließlich die Häuser der Nachbarschaft. Etwa 30 Häuser fielen den Flammen zum Opfer. Nur mit großer Mühe konnte man des furchtbaren Brandes Herr werden und den Rest der Ortschaft retten. Wettervoraussage. Das Störungsgebiet über den britischen Inseln wird durch kräftigen Druckanstieg abgeflacht und hat sich nordwärts verlagert. Da an der Rückseite dieses Tiefs immer noch kühle Luft heranbefördert wird, kommt es beim Zusammentreffen mit der wärmeren über dem Festland zu Haufengewölk und schauerartigen Niederschlägen. In der Höhe dringt auch Kaltluft vor, so daß sich der hohe Druck weiter kräftigen kann und zu mehr aufheiterndem Wetter führen wird. Aussichten für Samstag: Wechselnd wolkig mit zwischenzeitlicher Aufheiterung, Temperaturen wenig verändert, zeitweise Regenschauer. Aussicht en für Sonntag: Nach kühler Nacht anfangs neblig-dunstig, tagsüber teils wolkig, teils heiter und wärmer, vereinzelt auftretende Regenschauer. Lufttemperaturen am 4. Oktober: mittags 14,7 Grad Celsius, abends 13,3 Grad: am 5. Oktober: morgens 11,4 Grad. Maximum 17,1 Grad, Minimum 10,4 Grad._____________________________ Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: Emst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. VIII. 34: 10 100. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Bekanntmachung. Betr.: Flugtag am Sonntag, 7. Oktober 1934. Während des Flugtages ist zwischen der Straßenbahn und der Reichspost ein Gemeinschaftsverkehr zwischen Bahnhof bzw. Wiesecker Weg und allen dazwischenliegenden Haltestellen der Straßenbahn und dem Flughafen eingerichtet. Der Fahrpreis beträgt 30 Pf. von jeder Haltestelle innerhalb der angegebenen Strecke bis zum Flughafen. 5781V Für die Rückfahrt gilt ebenfalls ein Fahrpreis von 30 Pf. vom Flughafen bis zu einer der obengenannten Haltestellen. Das Umsteigen von der Straßenbahn in die Kraftwagen der Reichspost und umgekehrt erfolgt an der Volkshalle. Innerhalb des Straßenbahnnetzes bis zur Volkshalle als Endstation gilt der übliche Tarif. Gießen, den 3. Oktober 1934. Direktion der Städtischen Straßenbahn Gießen. _____________________Lotz._____________________ Kartoffeltteferung. Die Lieferung des Winterbedarfs an guten, haltbaren, ausgelesenen, lagerfähigen Speisekartoffeln — Industrie — für die Küchen der Unioerfitäfeflinifen Gießen von insgesamt 1800 Zentner ist zu vergeben. 5769V Angebote nebst Proben sind bis Montag, den 15. Oktober 1934, vormittags 11 Uhr, an die Verwaltung der Universitätskliniken Gießen einzureichen, woselbst auch die Lieferungsbedingungen, deren Einhaltung unter allen Umständen gefordert wird, eingesehen werden können. Die Lieferung kann geteilt vergeben werden. Zuschlagsfrist 4 Tage. Gießen, den 3. Oktober 1934.____________________ Zwangsversteigerung K r,34 Am Montag, dem 22. Oktober 1934, vormittags 10 Uhr, findet im Amtsgerichtsgebäude in Gießen, Gutfleischstraße 1, zweites Obergeschoß, Zimmer 221, die Zwangsversteigerung der im Grundbuch von Gießen, Band III, Blatt 121, auf den Namen des a) Goldschmidt, Alex, zu %, b) Dr. Walter Goldschmidt, Zahnarzt, wohnhaft in Veelih (Mark), zu %, soweit der Anteil des Dr. Walter Goldschmidt in Betracht kommt, statt. 5767D Flur I, Jlr. 506 bis 513, hofreile bei der Stabf- roaage, Zchulslrahe 6, 396 qm, Schätzungswert 75 300 RM., Einheitswert 90 200 RM. (Das Erdgeschoß und der Zwischenstock sind für den Betrieb von Ladengeschäften geeignet.) Hier handelt es sich um den dem Schuldner zu- geschriebenen Anteil von %. Gießen, den 7. September 1934. Im Auftrage des Hessischen Amtsgerichts: S o l d a n, Ortsgerichtsoorsteher. Reichsbahnamtmann i. R. Wilhelm Bouteiller Mietgesuche] im Alter von 65 Jahren. Essen, Frankfurt a. M. (Ober-Lindau 65), den 4. Oktober 1934. Die Beerdigung findet in aller Stille statt Kaufgesuche""] Stellenangebote] 5772' | Vermietungen | 5786 0 Familiendrucksachen Verlobungsanzeigen Vermählungsanzeigen Geburtsanzeigen bei Brllhl, Schulstr. 7 Werbe-Drucksachen liefert Brühl'sche Druckerei Alte, alle Zweigelbetreibende Ver- ncherungs-A.-G. sucht tüchtigen, branchekundigen 5782V Zuverläfs. 57730 Tages; mäddien gesucht. Zu ersr. in d. Geschäftsst. des Gieß. Anz. Keine Ursprungszeugnisse, «andern nur Zeugnisabschriften dem Werbungsschreiben beließen! — Lichtbilder undBewerbungsunter- lagen müssen zur Ver meidung von Verlusten auf der Rückseite Namen und Anschrift des Bewerbers tragen I Tüchtiges Zimertichen gegen gut. Lohn gesucht. 04790 Seltersweg 40. Enid Spitznagel, geb. Bouteiller Dr. Heinz BouteilUf Dr. med. dent. H. Spitznagel Else Bouteiller, geb. Hornberger und drei Enkelkinder. Heute entschlief nach schwerem Leiden unser lieber Vater, Schwiegervater und Großvater Kinderlieb.,fleitz. Mdchen von Beamtenfamilie in der Nähe von Gießen ges. Meldungen unt. 04793 and.G.A. Todesanzeige. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß heute nach langem Leiden mein lieber Gatte, unser guter Vater und Großvater Hauptvertreter g. lohnendste Bezüge.Offerten unt. X" 9199 an Anzeigengesellschaft m. b. H., Frankfurt am Main. Laden seitherSvortzen- trale, teilw. Einrichtung, Zentr.- Heiz., Blinklicht, zu vermiet. O48oa Bahnliofstr. 51. Etagen- Häuser mit 4 u. 5 Zim- mer'Wohnungen in guterLageper sofort bei günsti- gerAnzablungge- sucht. Schriftliche Angebote m.An- gabederMietein- nahmen u. d.Belastung a. Steuer usw. "ni 04797 an den Gießener Anzeiger erbet. Zweirädriger Wanen gebraucht, zu kauf, gesucht. Schr.Angeb.unt. 04792 a.d.G.A. Samstag 6. Okt. 20', Uhr Monstsversammlg. Wegen derWich- tigkeit der Tagesordnung ist das vünktl. Erschein, aller Kameraden notwendig. 5779D [Stellengesuche] Walltet mit Führerschein 3 sucht Stellung für sof.od.svater. Schriftl. Ang. u. 04794 a. d.G.A. Bürgermeister i. R. August Müssig Ehrenobermeister der Bäckerinnung Giefien-Land im 71. Lebensjahr sanft in dem Herrn entschlafen ist. Die trauernden Hinterbliebenen: Rosa Müssig, geb. Trunk nebst Angehörigen. Rüddingshausen, den 4. Oktober 1934. Die Beerdigung findet Sonntag, den 7. Oktober, nachm. 2 Uhr statt. M-l-Mng. von Zahlungssatz. Mieter v. sofort gesucht. Schriftl. Ang. unt. 04805 an d. .Gieß. Anz. bis zu 60-NM. von ruhig. Miet, gesucht. Schriftl. Ang. unt. 04804 an d. Gieß. Anz. Schone 6-Zimmer-Wohlig, mit allem Zub., auch Bleichplatz, per 1. Januar zu vermieten. Schr. Anfrag. u. 04795 an d. Gieß. Anz. 0480/ Unsere liebe, gute Mutter und Großmutter Frau Elise Hardt Wwe. ist am 3. Oktober nach kurzem Krankenlager im 70. Lebensjahre sanft entschlafen. Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Karl Hardt Karl Hardt. Frankfurt a. M., Hausen, den 5. Oktober 1934. Die Beerdigung findet am Samstag, dem 6 Oktober, um 3 Uhr nachmittags, in Albach statt Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgang unseres lieben Vaters sagen wir auf diesem Wege unseren innigsten Dank. Im Namen der trauernden Kinder und Enkelkinder: August Sturm. Gießen (Buddestraße 9), den 5. Oktober 1934. _______________________________________________________________04800 iS KOHLER g&felteh ^<30" Gießen, Seltersweg 17 / Das große Spezialhaus für Herren- und Knaben-Kleidung 5777 A des Hauses KOHLER hat ihre Ursache in dem unablässigen Bestreben der Firma, ihren Kunden den Kauf g%Uter Kleidung durch eine vernünftige Preispolitik zu erleichtern 54- 45- 16.75 49- 41- 32- 46- 33- 12.75 39- 34- 24- 38- 26.75 9.75 29.75 23.75 16.50 Winter-Mäntel . . Gabardine-Mäntel Regen-Mäntel . . . Sakko-Anzüge .. Sport-Anzüge . . . Loden-Mäntel. . . 68- 59- 21- 69- 49- 42- Prachtvolle Wintermäntel... 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Sie wurde dann von Italien unter Hinweis auf die Ungunst seiner geographischen, seestrategischen und 'wirtschaftspolitischen Lage auch auf alle anderen Schiffarten mit der Begründung ausgedehnt, daß die Sicherheit Italiens bedroht sei, wenn Italien nicht über eine ebenso st arte Flotte verfüge wie Frankreich. Italien verwies dabei zunächst auf die Länge und Verwundbarkeit seiner Küsten. Es machte geltend, daß an diesen fast ein Viertel der italienischen Gesamtbevölkerung lebe und die Masse der größeren italienischen Städte gelegen sei. Darüber hinaus aber betonte es vor allen' Dingen die Abhängigkeit seiner Roh st off- und Lebensmittelversorgung von der Einfuhr über See. Ihre Sicherstellung sei für Italien eine Frage von Leben und Tod. Sie sei an sich bereits gefährdet durch die georgraphische Lage Italiens im Mittelmeer und dessen durch die Engen von Gibraltar und Suez bedingte geographische Abgeschlossenheit. Noch mehr aber sei sie es, solange Frankreich eine stärkere Flotte besitze wie Italien. Frankreich habe damit die Möglichkeit, nicht nur Italien den Weg aus dem Mittelmeer nach den großen Ozeanen zu versperren, sondern auch im Mittelmeer selbst mit einer Ueberlegenheit aufzutreten, der die italienische Flotte von vornherein nicht gewachsen sei. Diese Ueberlegenheit werde noch gesteigert durch das französische Stützpunktsystem Biserta — Algier — Korsika — Toulon und das enge französische Verhältnis zu Südslawien, dessen Marine zwar klein, mit ihren Unterseebooten aber sehr wohl in der Lage sei, Italien in der Adria erhebliche Schwierigkeiten zu bereiten. Italien müsse deshalb auf der Flottengleichheit mit Frankreich bestehen. Sie sei das mindeste, das zu fordern Italien ein Recht habe. Dieses Recht ist Italien von französischer Seite bisher stets bestritten worden. Frankreich hat dabei darauf hingewiesen, daß es nicht nur im Mittelmeer, sondern auch im Atlantischen Ozean und im Kanal ausgedehnte Küsten, vor allen Dingen aber ein K o l o n i a l r e i ch zu schützen habe, das nächst dem englischen das größte und ausgedehnteste der Welt fei. Es sei deshalb gezwungen, seine Flottenmacht nicht nur zu teilen, sondern auch beträchtliche Teile derselben zur Sicherung und Verteidigung seiner Kolonien in diesen zu stationieren. Italien dagegen könne seine gesamte Flottenmacht im Mittelmeer Zusammenhalten. Es habe nur dieses Meer zu verteidigen. Dazu aber komme noch, daß große Teile des französischen Kolonialreiches wie Guayana, die Antillen, Jndo- china und die Besitzungen im Stillen Ozean vom Mutterland derartig weit entfernt seien, daß eine Verwendung der in ihnen stationierten Streitkräfte zum Schutze des Mutterlandes nicht in Frage komme. Ein Eingehen auf die italienische Forderung würde somit die französische Flotte im Mittel- > meer in eine starke Unterlegenheit gegenüber der italienischen Flotte bringen und eine Gefährdung französischer Interessen in diesem darstellen, die, wie die Verbindung mit Nordafrika, für Frankreich I lebenswichtig seien. Es müsse deshalb von Frankreich abgeleynt werden. Der dadurch gegebene italienisch-französische Gegensatz in der Flottenfrage wurde in dieser Form akut, als im Oktober 1929 zwischen Italien und Frankreich Verhandlungen über ein u s a m m enge h e n beider Mächte auf der Londoner Flottenkonferenz einsetzten. Diese Verhandlungen wurden italienischerseits in der Hoffnung emgeleitet, durch Unterstützung Frankreichs in der Frage der von England und den Vereinigten Staaten geplanten Abschaffung des Unterseeboots als Kriegswaffe Frankreich zu einer Aenderung seiner Haltung gegenüber der italienischen Flottenforderung bringen zu können. Diese Hoffnung aber hat getrogen. Frankreich ließ von seinem Widerstand gegen die von Italien geforderte Flottengleichheit nicht ab. Es erklärte sich lediglich zu der Verpflichtung bereit, seine Flottenmacht im Mittelmeer selbst im Rahmen der italienischen zu halten. Im übrigen aber schlug es vor, das Sicherheitsbedürfnis Italiens durch den Abschluß eines Mittelmeer-Locarno zu befriedigen. Italien hat damals beides abgelehnt. Es machte geltend, daß eine Verpflichtung Frankreichs, feine Flottenmacht im Mittelmeer im Rahmen der italienischen zu halten, für Italien praktisch wertlos sei, da Frankreich ja die Möglichkeit habe, sie im Ernstfälle jederzeit durch seine atlantischen Seestreitkräfte zu verstärken, daß andererseits aber ein „Mittelmeer-Locarno" keinen Sinn hätte, solange nicht den politischen Forderungen Italiens im Mittelmeer seitens Frankreichs Rechnung getragen sei. Der Heiratsschwindel ist in Deutschland noch keineswegs ausgestorben, obschon jetzt die Behörden energischer und erfolgreicher denn je vorgehen. Allein in der Reichsßaupt- stadt werden täglich durchschnittlich drei Heiratsschwindler verhaftet. Unser bm-Mitarbei- ter besuchte das „Sonderdezernat für Heiratsschwindler" und erfuhr hier von den leitenden Stellen interessante Einzelheiten über die Arbeitsmethoden der betrügerischen .Casanovas". Das graue Haus birgt ein geheimnisvolles Album. Es ist das Bilderbuch der 6000 Männer. Man könnte ihm den Titel „Die betrügerischen Casanovas" geben, denn in diesem Buch sind die prominentesten Heiratsschwindler bereits verewigt, und manch um ihr letztes Hab und Gut betrogenes junges Mädchen fand ebenso wie die elegante große Dame das Bild ihres entflohenen „Bräutigams" hier wieder. Es erscheint fast unvorstellbar, daß es den hier abgebildeten Männern gelang, ihre bemitleidenswerten Opfer so zu betrügen. Aus die Frage, wo der Heiratsschwindler die meisten Bekanntschaften schließe, erfährt man, daß in der Reichshauptstadt vor allem im Autobus und in der Untergrundbahn die ersten zarten Bande geknüpft werden. Aber selbstverständlich gibt es auch auf dem Gebiet des Sichkennenlernens unter Die Londoner Flottenkonferenz ging so Anfangs April 1930 zu Ende, ohne daß es zu einer Einigung zwischen Frankreich und Italien gekommen war. Frankreich und Italien blieben den Flottenabmachungen Englands, Amerikas und Japans fern. Sie sollten versuchen, in unmittelbaren Verhandlungen doch noch zu einer Verständigung zu kommen. Solche Verhandlungen haben dann auch verschiedentlich stattgefunden. Sie verliefen sämtlich jedoch ebenso ergebnislos wie ein Vermittlungsversuch des damaligen englischen Außenministers Henderson im Februar 1931, der die beiderseitigen Flottenstärken, einschließlich aller Neu- und Ersatzbauten, bis zum Zusammentritt der für 1936 vorgesehenen nächsten Flottenkonferenz festlegte und auf diese Weise den zwischen Frankreich und Italien bestehenden Flottenstreit bis zu diesem Zeitpunkt zu vertagen versuchte. Italien und Frankreich wollen sich nunmehr, wie bereits erwähnt, in der Flottenfrage verständigen. So viel kann heute wohl schon gesagt werden, daß eine solche Verständigung nur durch ein Nachgeben eines von beiden Ländern möglich sein würde. Daß Frankreich sich hierzu bereit erklären wird, ist nicht anzunehmen, noch weniger allerdings, daß es Italien tun könnte, nachdem es vor einigen Wochen erst seiner Entschlossenheit mit aller Deutlichkeit Ausdruck gegeben hat, die neuen französischen Linienschiffbauten durch Bau zweier 35 000-Tonnen- Linienschiffe zu beantworten. Das heutige Italien kann unmöglich, ohne sein Ansehen im Innern wie nach außen hin zu gefährden, auf etwas verzichten, dessen grundsätzliche Anerkennung das von ihm bekämpfte vorfaschistische Italien seinerzeit in Washington bereits durchgesetzt hat. Es kann keinesfalls in einer Frage nachgeben, deren Lösung auch entscheidend ist für das Schicksal des durch diese Frage erst zu voller Entfaltung gebrachten italienischen Machtgedankens im Mittelmeer. Seine Verwicklung muß immer ein Traum bleiben, solange die französische Flotte der.italienischen als ganzes überlegen ist. den gewerbsmäßigen Heiratsschwindlern besondere Spezialisten. Einer versuchte zum Beispiel nur a u f Friedhöfen sein Glück. Er beobachtete, wie Witwen an das Grab ihres Mannes gingen, folgte ihnen und weinte an der letzten Ruhestätte „feines lieben guten alten Bekannten", mit dem er vor vielen Jahren so eng befreundet war. Selbstverständlich findet die trauernde Witwe Worte des Trostes für den Freund ihres Mannes, den dieser jedoch bei Lebzeiten niemals kennengelernt hat. Bittet die Witwe den „Mit- trauernden" nicht selbst um einen Besuch, so fragt der Heiratsschwindler mit tränenumflorter Stimme, ob er nicht in den nächsten Tagen einen Beileidsbesuch machen dürfe, um noch einmal sich die Photy- graphien seines guten verstorbenen Freundes anzusehen. Erst nachdem die arme Frau größere Geldsummen aus der Hand gegeben hat, um einem guten Bekannten ihres Mannes aus einer „kleinen Verlegenheit" zu helfen, erkennt sie, was für einem betrügerischen Burschen sie in die Hände geraten ist. Interessant zu hören ist, daß die meisten Heiratsschwindler seit langen Jahren verheiratet sind, und daß die eigene Ehefrau die gewissenlosen Handlungen ihres Mannes oft sogar durch ihre Mitarbeit noch unterstützt. Sie tritt als Schwester des Heiratsschwindlers auf, um so in der Familie der „zukünftigen Gattin ihres Bruders" von dessen Eigenschaften und Fähigkeiten zu reden und der jungen Hochstapler der Liebe. Das Bilderbuch der 6000 Casanovas. - Wie arbeiten die Heiratsschwindler von -1934? Intendant Gustaf Gründgens. Der Schauspieler und Regisseur Gustaf Gründgens ist, wie bereits gemeldet, zum Intendanten des Staatlichen Schauspielhaufes in Berlin ernannt worden. Gründgens ist durch zahlreiche Filmrollen auch tn der Provinz sehr bekannt geworden Braut unter vier Augen zu erzählen, was für ein herzensguter, treuer Ehemann ihr Bruder einst fein wird. Auf diese Weise erbeutete ein fast 60 Jahre alter Mann im Laufe weniger Wochen 40 000 Mark! Sieben heiratslustige Frauen, die jahrelang Pfennig auf Pfennig zurückgelegt hatten, zählten zu seinen Opfern. Bis ins Letzte ist die Arbeit des Heiratsschwindlers vorbereitet und organisiert. Meist tritt er in jedem Fall unter einem anderen Namen auf und versucht, nachdem er sich als gutsituierter Fabrikbesitzer, Rechtsanwalt, Beamter oder Arzt ausgegeben hat, eine Verabredung herbeizuführen. Charakteristisch für den berufsmäßigen Heiratsschwindler ist, daß er schon bei dieser ersten Verabredung davon spricht, daß ihm das Alleinwandern durch das Leben keinen Spaß mehr mache, und daß er sich danach sehne, eine Frau sein Eigen zu nennen. Er erzählt von Landhäusern und Autos, märchenhaften Reiseplänen und großen Geschäftsverbindungen. Selbstverständlich sagt er im Laufe der nächsten Stunde, daß für ihn nur eine Frau wie seine neue Bekannte für den Lebensbund in Frage käme — und oft dauert es keine Woche, bis die Verlobung geschloffen ist. Er arrangiert eine große Feier, läßt Kaviar, Hummer und Sekt auffahren und bezahlt all diese Leckerbissen mit routinierter Selbstverständlichkeit, um dadurch feine glänzende finanzielle Lage zu beweisen. Das Sonderdezernat für Heiratsschwindler weiß sogar von einigen Fällen zu berichten, in denen diese Hochstapler der Liebe den Hochzeitstag genau festgesetzt, ja sogar Wohnungen gemietet und auf elegante neue Möbeleinrichtungen erhebliche Geldbeträge angezahlt hatten. Dann, kurz vor dem Hochzeitstag, kommt der entscheidende Schritt. Der Heiratsschwindler erzählt, daß er sich an einem neuen großen Jndustriekonzern beteiligen möchte, aber im Augenblick aus irgendwelchen Gründen nicht an fein Vermögen herankäme: ober er weiß von einer unvorhergesehenen Wechselaffäre zu berichten. Ist es ihm gelungen, von feiner Braut oder seinen Schwiegereltern große Geldbeträge zu bekommen, so verschwindet er und wird — sofern er nicht die Bekanntschaft der Polizei macht — nie mehr gesichtet. Im letzten Monat wurden allein in Berlin über Hunde rt Fälle von Heiratsschwindelei bearbeitet. seine Heine seKeiötiD. Vornan von Gert Nothberg Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.). 6. Fortsetzung. Nachdruck verboten! „Ja! Und den Schlaftrunk hatte ich ihm auch gegeben. Ich hab' es ihm aber nachher gesagt. Und da war der arme Kerl so froh — weißt du?" Arndt lachte. Dann meinte er nach einer ganzen Weile: „Darum hat er sich immer so sehr nach deinem Befinden erkundigt. Er ist dir also dankbar." „Und wie!" „Ja, jetzt kann ich ihn nicht mit herbringen, er will nun mal, daß ich mir mit ihm zusammen fein Gut ansehe. Aber mir kommt ein guter Gedanke. Ich schleppe ihn mit zu Tante Adelheid. Er mag Rosemarie Ulm heiraten! Jawohl! Daß ich daran noch nicht längst gedacht habe! Man muß ein bißchen für seine Freunde sorgen. Das ist nur richtig so. Und die Tante Adelheid wird dann endlich Frieden halten mit ihren ewigen Absichten auf mich und Rosemanie Ulm!" . „ „Sie will aber dich für die Rosemarie. „Sie wird nehmen, was sie kriegt. Und Osten wird sich gern verheiraten lassen, der findet ja Dod) nie allein eine Frau, oder er tappt noch einmal fürchterlich hinein." Möglich! Es wird ja nicht gerade immer einer da fein, der ihn einschiafern und einschb-b-n kann, wenn er auf dem besten Wege ist, eine Riesendumm- ^‘?SBrigitte*bubifi köstlich! Aber du bist dach immer- hin damit einoerftanoen, daß ich da eine !ßerbins düng herstelle zwischen Gerhard Osten und Rosemarie Ulm?" „Der Osten? Ja! Der meinetwegen, wenn du die Rosemarie nun einmal nicht willst. Vielleicht wirft du es später noch einmal bitter bereuen, ^er Manner müssen ja immer eine Eselei zum Bereuen haben, sonst ist ihnen nicht wohl — nicht wahr? Also ^rangiere das meinetwegen! Es leuchtet mir beinah selber ein, daß Gerhard Osten und die Rosemarie zusammen passen. Hättest du den Udo vorgeschlagen, hättest du jetzt etwas hören können. Dieser Windbeutel tarne selbstverständlich niemals in Frage." Der ginge auch niemals nach Pommern. "Wann wird der eigentlich mal ernstlich ans Ar- ^r bat es eben nicht nötig. Sein Vater ist froh, wenn er ihn nicht sieht, die Frau ©tiefmama mag hn aut vorgesorgt haben. Manchmal tut mir Udo Uib96ein SaVfteUt ihm aber reichlich Gelb zur Verfügung. Und später erbt er ja doch alles. Da kann die Frau Stiefmama nichts tobet tun, denn tos Gut ist Majorat!" „Und nun treibt sich der arme Kerl eben überall herum. Bring ihn bald wieder mit nach Berkenhofen, Arndt!" „Werde ich, verlaß dich darauf. Und zu der Tante Adelheid nach Pommern schleppe ich ihn auch mit." Brigitte machte erschrockene Augen. „Du wirst doch nicht?" „Was denn?" „Ein Unglück anrichten? Bedenke doch, der Liebe Wege sind manchmal seltsam genug. Wenn sich nun Rosemarie und Udo Bodenstein zusammenfänden?" „Kaum! Der Bodenstein bindet sich nicht." „Na, dann bin ich ja beruhigt. Daß er aber der nettere von beiden ist, mußt du doch zugeben?" „Sicher! Trotzdem glaube ich nicht an so etwas. Rosemarie ist nicht sein Typ. pudern brennt er zur Zeit auch lichterloh." „Darf man wissen, für wen?" „Auch für eine schone Filmschauspielerin!" „Hm!" „Bist du beruhigt?" „Ganz nicht. Aber ich will mal still sein davon. Jedenfalls gib es selber zu: Rosemarie wäre viel zu schade für diesen leichtsinnigen Strick." „Das muß ich wohl zugeben?" „Na also!" Sie waren zum Wagen gegangen, der Arndt zur Bahn bringen sollte. Brigitte reichte dem Bruder . nod) einmal die Hand. j „Viel Vergnügen. Leb wohl — und auf Wieder- I sehen!" Der Bruder beugte sich noch einmal zu ihr: „Und wenn ich dir die schone Frau, von der ich sprach, mit hierher brächte?" „Als deine Frau?" „Ja, Brigitte?" „Dann würde ich sie willkommen heißen. Wenn du sie liebst, was hätte ich zu kritteln?" „Famoser Kerl, du! Auf Wiedersehen, Brigitte!" Der Wagen fuhr dahin. Brigitte blickte ihm sinnend nach, dann ging sie mit ihrem etwas großen Schritt wieder ins Haus hinein. Es gab viel Arbeit für sie. Und doch war ihr das Herz schwer. Sie spürte etwas, was nach Berkenhofen kam und nicht gut war. Oder doch? Waren es nur die Gedanken an die schöne Frau, die sich in den Weg Arndts gestellt hatte? Brigitte von Berken ging in die Leinenkammer, suchte sorgfältig verschiedene Ballen aus. Es mußte neue Bettwäsche genäht werden. Und dann mußte sie wohl auch mal mit der Mamsell in den Keller hinunter, die Einmachetöpfe und die Buchsenkonserven kontrollieren. Und wenn sie sich vorstellte, daß später hier eine schone verwohnte Frau fein würde, die sich um nichts kümmerte, die den ganzen Täg in wundervollen Kleidern umhergmg, einige Dienstboten nur für sich beanspruchte, sich verwohnen und verhätscheln ließ, Arndt vielleicht noch abhielt, auf den Feldern draußen nach dem Rechten zu sehen, dann fror es sie. Am liebsten hätte sie laut geheult. Richtig gehend geheult! So war ihr zumute! Wütend riß Brigitte von Berken die Leinenballen hin und her. 4. Kapitel. Käthe hatte ihr erstes Geld verdient! Einhundertzwanzig Mark! Sie war selig! Jetzt konnte sie der guten Frau Kulick und Olga Schieber abzahlen. Und ihr selber blieb auch etwas. Und zehn Mark schickte sie sofort der Tante. Arbeit! Sie hatte wieder Arbeit! Wie gut das war! Wie glücklich sie sich fühlte! Und das kleine bescheidene Heim der Frau Kulick war voll Sonne und Freude. Olga blickte mit dunklen, grübelnden Augen auf die blonde junge Freundin. „Du machst dein Glück, Käthe! Hilpert sieht dich immerfort an. Der hat längst erkannt, daß er eine junge Schauspielerin braucht, um mal etwas Neues zu bieten. Und,Das Märchen vom Glück', der neue Film, der braucht eine solche junge Märchengestalt, wie du bist." „Olgachen, machen Sie mir das Kind nicht eitel. So viel Glück wird nicht auf einmal kommen. Und ob es ein Glück wäre, weiß man ja noch gar nicht einmal", sagte die alte Dame. „Reich und berühmt sein ist Glück", beharrte die dunkelhaarige Kompa^sin. Die beiden anderen schwiegen. Olga erging sich in weiteren Vermutungen. „Er hat keine, der Hilpert, die für den Märchenfilm paßt. Er muß die Käthe haben. Und ich werde es ihm sagen. Man muß immerhin noch so viel Selbstlosigkeit aufbringen können, daß man einem anderen Menschenkinde zu etwas Höherem verhilft, wenn einem selber die ganze Sache schief gegangen ist _ nicht wahr? Was will der Hilpert denn machen? Die Berani mit ihrer schwarzen Südländererscheinung kommt gar nicht in Frage, und so an die sechsunddreißig ist sie auch! Und die Mila Kranz? Die? Ja! Die ginge wohl! Aber — die ist auch zu groß und zu frauenhaft. Für den Märchenfilm müssen die Herren sehr vorsichtig sein, sonst gibfs ein Gelächter, wenn sie da dem Publikum solch angejahrte Dame vorsetzen wollen. Der Hilpert wird schon selber an die Käte gedacht haben." Olga meinte, sie hätte das alles nur gedacht; aber sie hatte es ganz laut vor sich hingesagt. Und Käthe legte jetzt den Kopf an ihre Schulter. Olga du bist sehr lieb; aber ich bin wirklich auch so "zufrieden. Sage lieber gar nichts, sonst denkt der Hilpert noch, ich hätte dich geschickt, und da kann er sehr böse werden. Vielleicht komme ich dann noch um meine Stellung." „Ach wo!" , ... m „ Olga spann sich immer mehr ein m den Gedanken, daß Käthe ein Glückskind sei, daß an ihr sich verwirklichen werde, was sie selber ertäumt, und was unerfüllt geblieben war. Aber sie hatte das blonde kleine Mädelchen in ihr Herz geschlossen, und nun wollte sie ihr auch helfen, weiterzukommen. Und sie tat es! An einem der nächsten Tage fing sie sich den Gewaltigen ab, als er fein Auto besteigen wollte. „Herr Hilpert, wie gefällt Ihnen die neue kleine Komparfin, meine Freundin Käthe Randolf?" In feinen Augen glitzerte es, dann aber sagte er: „Wer ist denn das nun gleich? Wie soll ich denn wissen, wer da so Zolles im Atelier mit herumsteht?" „Herr Hilpert, Sie wissen es schon. Und ich wollte Ihnen den Vorschlag machen, Käthe Randolf für den neuen Film ,Das Märchen vom Glück* als Hauptdarstellerin zu engagieren." Er starrte sie an, als fei sie irrsinnig. Dann lachte er aus vollem Halse. Einige Komparsen gingen vorüber, schlichen vielmehr vorbei. Olga Schieber schämte sich, aber sie mußte doch für Käthe etwas tun. „Käthe Randolf ist wunderschön. Blond und blauäugig. Sie paßt wie keine andere." „Liebes Kind, sind Sie vielleicht ein bißchen angetrunken? Die Rolle hat bereits die Kranz!" Also doch! Die schöne gefeierte Kranz! Sie war schön! Wundervoll war sie! Aber für diesen Film eben doch zu frauenhaft, zu reif. Wenn der Hilpert das doch nur einsehen würde. Aber er sah sie jetzt böse an. „Lassen Sie mich doch mit diesem Unsinn zufrieden, Schieber! Was soll denn das bloß heißen? Gut! Ihr wollt ein bißchen mehr Geld verdienen. Sollt es haben. Ich gebe euch ein paar kleine Rollen. Verdient jede von euch gut und gern gegen dreihundert Mark. Na?" „Ich danke Ihnen, Herr Hilpert. Aber die Käthe ..." „Also, Sie melden sich beide bei mir. Am nächsten Dienstag draußen im Atelier!" Der Filmgewaltige bestieg seinen Wagen, rief dem Chauffeur kurz eine Adresse zu und fuhr davon. Und Olga Schieder blickte trübe hinter ihm her. Eigentlich hätte sie sich riesig freuen sollen. Un- dankbar war sie doch. Eine kleine Rolle! Eine wirkliche kleine Rolle! Wie oft hatte sie sich danach gesehnt, wenigstens einmal in einer ganz kleinen Rolle zur Geltung zu kommen. Und nun, da sich dieser Wunsch plötzlich erfüllte, war es ihr nicht genug. Käthe hätte so gut für diese Rolle gepaßt!, dachte sie wieder. Und langsam ging sie dem breiten Tor zu, wo der Portier verdrossen brummte: „Na, nu aba en bisfen dalli. Unsereiner ist auch froh, wenn er endlich mal hier weg kann." Und Olga ging an ihm vorüber, sah ihn gar nicht an. Und der Portier sagte giftig hinter ihr her: „Gans! Was du schon bist!" (Fortsetzung folgt!) Der Heiratsschwindler spiel! nicht nur mit dem Geld und dem Herzen seiner Opfer, sonderü oft genug in skrupellosester Weise mit ihrem Leben. Denn über 50 v. H. aller von Frauen verübten Selbstmorde find durch die gemeine Tätigkeit dieser betrügerischen Casanovas verschuldet. Man wird auch künftighin rücksichtslos gegen diese Burschen vorgehen und durch schwere Zucht- haus strafen ihrem betrügerischen Handwerk ein Ende zu bereiten wissen. Oberhessen. Landkreis Gictzen. "Y Großen-Linden, 4. Oft Gestern abend wurde in der hiesigen Gastwirtschaft Schaum der Kriegsfilm „Stoßtrupp 1917" gezeigt. Die Darstellungen machten auf die zahlreich erschienenen Besucher einen sehr starken Eindruck. Am Nachmittag wurde der Film zu verbilligten Preisen den Schulkindern vorgeführt. In nächster Zeit wird die Gaufilmstelle der NSDAP, den Tonfilm „Der Schimmelreiter" nach der Novelle von Theodor Storm hier zeigen. <£ Dorf-Gill, 4. Oft Die diesjährige 0 bst - baumzählung hatte hier folgendes Ergebnis: Apfelbäume, Hoch- und Halbftämme, 1328, Niederstämme 33; Birnbäume, Hoch- und Halbstämme 311, Niederftämme 6; Spalierbäume 3; Kirschbäume 125; Zwetschen- und Pflaumenbäume 1336; Mirabellenbäume 36; Reineclaudebäume 16; Pfirsichbäume 5; Walnußbäume 24. — Die Kartoffelernte wird diese Woche beendet. Sie ist mittelmäßig bis gut ausgefallen. + Grünberg, 4. Oft Die Ortsgruppe Grünberg der Deutschen Arbeitsfront, die außer Grünberg noch die Stützpunkte Lauter und Weickartshain umfaßt, hielt eine Mitgliederversammlung ab. Dabei gab der Ortsgruppenleiter, Schneidermeister 0. Stein, die Führer der einzelnen Betriebsgemeinschaften befannt: Textil: W i e ß- ner, Bekleidung: Paul Friedrich, Bau: Hermann Maus, Holz: Degen sen., Eisen und Metall: Degen jun., Druck: Christian Iafob, Verkehr: Viftor Friedrich, Bergbau: Hans Eisentraut, Banfen: W. Jäckel, freie Berufe: Architekt Balser, Leder: Wenzel, Stein und Erde: Schmieder, Handel: K. Schott, Handwerk: K. H. Peffer jun.; Als Pressewart wurde Hch. Schmidt bestimmt. Der Ortsgruppenwalter wies noch darauf hin, daß die Rechtsberatungsstelle Gießen die Mitglieder der DAFr kostenlos in sozialen Angelegenheiten berät. Ebenso soll den Mitgliedern durch die NSG. „Kraft durch Freude" ein verbilligter Besuch des Stadttheaters Gießen verschafft wer- den. Hingewiesen wurde noch auf den Besuch des Landestreffens der DAF. in Wiesbaden. In fesselnder Weise sprach dann noch der Kreisleiter der NS.- Hago, Pg. Schimmel (Großen-Buseck), über den Aufbau, die Einrichtungen und den Zweck der DAF. Nach Schlußworten des Versammlungsleiters wurde der Abend mit einem Sieg-Heil auf den Führer geschlossen. * Lich, 4. Oft Am nächsten Sonntag findet hier in der Turnhalle ein T r e f f e n derFrauen- schäften mit der Spielschar von Alten-Buseck statt. Zu dieser Veranstaltung werden die Frauen- schaften aus der Umgegend erwartet. cf Obbornhofen, 4.Oft. Die Ob stbaumzählung in unserer Gemarkung ergab folgendes: Apfelbäume 2004 Stück (tragfähig 1308), Birnbäume 529 (369), Süßkirschen 571 (274), Pflaumen- und Zwetschenbäume 1740 (1358), Mirabellen 82 (46), Reineclauden 29 (22), Nußbäume 43 (40). Erfreulicherweise ist festzustellen, daß das Interesse an der Obstbaumzucht sich auch in unserer Gemeinde in steigendem Maße verbreitet und das bekannte Wort: „Auf einen leeren Raum pflanze einen Baum und pflege sein, er bringt dir's ein" immer mehr beachtet wird. Kreis Friedberg. LPD. Friedberg, 4. Oft. Eine Riesenkar- t o f f e l wurde von einem Bauern in der Nachbargemeine Ober-Mörlen geerntet. Sie hat ein Gewicht von einem Kilogramm und 3 9 0 Gramm. Kreis Schotten. -r- Schotten, 4. Oft Vor etwa 25 Jahren waren die lästigen S ch n a f e n im Vogelsberg noch unbekannt, und der aus einem Schnafengebiet Zugewanderte empfand es hier als besondere Annehmlichkeit, in den Sommer- und Herbstnächten unbelästigt schlafen zu können. Inzwischen hat sich dies gründlich geändert. Die Schnafenbrut ist, wie der Hederich, bergwärts gewandert und macht sich als nächtlicher Quälgeist auch in hochgelegenen Ortschaften recht unangenehm bemerkbar. Noch ist die Zahl weit geringer als in den ausgesprochenen Schnakengebieten am Rhein und Main, aber die nach dem Volfsmund mit „süßem Blut" Ausgestatteten haben gerade jetzt recht unter der Blutgier der Schnakenweibchen zu leiden. Die Männchen stechen bekanntlich nicht, da sie sich nicht von Blut ernähren. ch Groß-Elchen, 4. Oft In diesen Tagen fand im alten Schulsaal eine L)rtsbauern- Versammlung statt, in der die Anschaffung einer Schafherde beschloffen wurde. Es meldeten sich bis jetzt 70 Bauern zur Schafhaltung. Auch in früheren Jahren hatte unser Ort eine eigene Schafherde, die jedoch 1927 wegen Krankheit abgeschafft werden mußte. 6. Ulrichstein, 4. Oft Mit der Schließung des Gasthauses „Darmstädter H of" gehört nunmehr ein Gasthaus von historischer Bedeutung der Vergangenheit an. Die Eheleute P f a n n st l e l gaben in Anbetracht ihres hohen Alters die Wirtschaft am 1. Oftober auf. Ferdinand Pfannstiel war Posthalter. In seiner Hofreite standen die Gäule für die Posten nach Lauterbach, Mücke und Schotten. Sein Gasthaus war ein befanntes Quartier. Kreis Alsfeld. # Nieder-Ohmen, 3. Oft Heute fand hier der diesjährige Herb st- Vieh - und Krämer- mar ft statt. Für Ferkel wurden folgende Preise erzielt: bis 6 Wochen alte Tiere 7 bis 8 Mark, 6 bis 8 Wochen alte 8 bis 11 Mark, 8 bis 10 Wochen alte 11 bis 13 Mark. Der Verkauf war schleppend, so daß noch Ueberstand von Tieren war. II. Nieder-Ohmen, 4. Oft Die NS. - Gaufi l m st e l >l e zeigte gestern abend im Saale von Ziegenhain den Film „Kamps um Verdu n". Der Bildstreisen stellte das heldenhafte Ringen vor dieser Festung sehr eindrucksvoll dar. SA. und die Jugendorganisationen nahmen geschlossen an der Filmvorführung teil. — Deckenbach, 4. Oft Die Ernte der Birnen ist nahezu beendet. Der Ertrag war befriedigend. Bei der Gemeinde-Obstversteige- rung brachten Sorten, die einen guten Behang aufzuweifen hatten, gute Preise. Der Korb fostete am Baume 60 Pf. bis 1 RM. Weniger wertvolle Birnen wurden mit 10 bis 40 Pf. bezahlt. Die Steinbirnen, eine Lofalforte, fasteten 40 Pf. bis 1 RM. Aepfel besitzt die Gemeinde nur sehr wenig. Goldparmänen kosteteten der Korb voll am Baum bis zu 7 RM. Auch das Obst im Schulgarten wurde versteigert. Für „Jafob Lebe!" wurden 10 bis 12 RM., für „Schöner von Bosfop" 16 bis 18 RM. pro Zentner bezahlt. •*— Die Kartoffelernte brachte hier befriedigende, zum Teil sogar ausgezeichnete Erträge. Die Ernte der Runkelrüben wird nunmehr begonnen. Auch hier ist,ein befriedigender Ertrag zu erwarten. — Gegenwärtig arbeitet die Gesellschafts-Dreschmaschine im Orte. Der Körnerertrag ist gut, der Strohertrag allerdings sehr unbefriedigend. Kreis Lauterbach. Lauterbach, 4. Oft Die Ortsgruppe Lauterbach der N S.- V o l f s w o h l f a h r t hat für das Winterhilfswerk eine Obstsammlung durchgeführt, die mehrere Zentner Aepfel, Birnen und Zwetschen erbrachte. Von diesem Sammelobst hat die NS.-Frauenschaft dieser Tage Gelee und Mus zubereitet und für den Winter zur Verteilung bereitgestellt. Aus der Wetterau trafen weiter zehn Zentner Birnen ein, die dort durch die Ortsgruppe billig aufgekauft wurden. Abend für Abend find nun fleißige Frauen dabei, auch dieses Obst zu einem guten Brotaufstrich zuzubereiten. Auch sonst hat die NS.-Volkswohlfahrt in vielerlei Hinsicht vorbereitende Maßnahmen getroffen. — Im Rahmen des diesjährigen Arbeitsbeschaffungs-Programms wird die Stadt Lauterbach wieder eine größere Fläche am Alten Berg als Wald an- pflangen lassen. Vorgesehen sind hierfür rund 50 Morgen, meist Oed land, das im Anschluß an die in diesem Frühjahr bepflanzte Fläche kultiviert werden soll. Für die Stadt Lauterbach bedeutet dies, wirtschaftlich gesehen, eine Bereicherung ihres Wald- destandes um über 100 Morgen. Mit der Ausrodung von Hecken auf dem vorgesehenen Gelände ist schon begonnen worden; die Bepflanzung soll im Frühjahr durchgeführt werden. Preußen. Kreis Wetzlar. * Erda, 4. Oft Am Dienstag zwischen 17 und 18 Uhr ging über unserer Gemarkung ein schweres Herbstgewitter nieder, das mit starkem Regen und Hagelschlag verbunden war. Dickwur; und Stoppelrüben wurden sehr in Mitleidenschaft gezogen. Der Regen war so stark, daß die mit Roggen angesäten Kartoffeläcker, hauptsächlich im Felde nach der „Eisernen Hand" zu, großen Schaden erlitten, da die frisch gepflügte, locker liegende Erde zum Teil fortgeschwemmt wurde. Einige Fensterscheiben wurden vom Hagel zerschlagen. Der ausgiebige Regen dürfte den D i ck w u r z noch zugute kommen. Die nunmehr beendete Kartoffelernte hat gute Erträge gebracht. Wirtschaft. Die Deutsche Reichhbahn im August. Der Güterverkehr im August ist gegenüber dem Vormonat um 2,1 v. H. gestiegen. Die Betriebsleistungen im Güterzugdienst haben gegen den Vormonat um 0,34 v. H. zugenommen. Im Personenverkehr setzte im August der Rückstrom aus den Sommerfrischen ein, jedoch trugen auch die Urlaubsfarten und die 60prozentige Fahrpreisermäßigung für Ausländer wesentlich zur Belebung des Verkehrs bei. Im Personenzugdienst wurden 10 017 überplanmäßige Züge gefahren (zu politischen Veranstaltungen usw.). Die Länge der von der Reichsbahn betriebenen Strecken betrug Ende August 53 932 Kilometer (unverändert). Die Betriebseinnahmen haben sich von 299,3 Mill. Mark im Juli auf 300,2 Mill. Mark erhöht. Auf den Personen- und Gepäckverkehr entfielen hiervon 95 (102,3) Mill. Mart Gegenüber August 1933 ist eine Mehreinnahme von 4,6 (7,2) festzu- stellen. Die Einnahmen aus dem Güterverkehr betrugen 185,2 gegen 176,1 im Juli. Die Ausgaben für Betriebsführung usw. betragen 307,9 (i. V. 295,4), so daß die Monatsrechnung mit einer Mehrausgabe von 7,7 Mill. Mark (i. V. Mehreinnahme 3,9 Mill.) abschließt. Der Personalbestand erhöhte sich von 636 758 Köpfe im Juli auf 639 506 Köpfe. * * Die Neuordnung der Devisenbewirtschaftung im Versicherungswesen. Das Reichswirtschaftsministerium teilt in Ergänzung der erschienenen Pressenotiz über die Neuordnung der Devisenbewirtschaftung im Versicherungswesen zur Vermeidung von Mißverständnissen mit, daß als inländische Versicherungsgesellschaften im Sinne der Devisenbewirtschaftung auch die im In- lande zugelassenen Zweigniederlassungen ausländischer Versicherungs - Unternehmungen anzusehen sind. Der Abschluß von Versicherungen mit diesen Zweigniederlassungen im Jnlande auf Reichsmark- basis ober in Valuta, soweit.dies auch bei Verträgen mit inländischen Versicherungsunternehmungen noch zulässig ist, wird daher durch die Neuordnung nicht betroffen. * Genehmigungspflicht für Käufe von Baumwollabfällen und Kunstbau m w o l l e. Die Ueberwachungsstelle für Baumwolle hat, mit Zustimmung des Reichswirtfchafts- ministers eine Anordnung erlassen, die im RA. veröffentlicht wird. Nach ihr ist jeder Einkauf von Baumwollabfällen und Kunstbaumwolle jeder Art aus dem Inland und Ausland an die Einwilligung der Ueberwachungsstelle für Baumwolle gebunden. Außerdem wird angeordnet, daß auch für die Abnahme von Baumwollabfällen und Kunstbaumwolle jeder Art, die früher eingekauft worden sind, die Einwilligung der Ueberwachungsstelle für Baumwolle eingeholt werden muß. Zuwiderhandlungen gegen die Anordnung werden bestraft. Frankfurter Börse. Millagsbörse: etwas schwächer. Frankfurt a. M., 4. DEL Die Umsatztätigkeit an der Wertpapierbörse hat sich stark verringert. Die Kulisse übte infolge des nur sehr geringen Or- öereiganges seitens der Kundschaft starke Zurückhaltung und sieht sich in ihren Erwartungen hinsichtlich des Anlagebedarfs nach dem Quartalsultimo etwas getäuscht. Da auch aus der Wirtschaft größere Anregungen fehlten, lag die Börse bei Eröffnung nahezu geschäftslos und entgegen den Erwartungen des Vorbörsenverkehrs eher etwas schwächer. Trotzdem war die Grundstimmung keine unfreundliche. Hier und da erfolgten kleine Verkäufe, die bei der Enge des Geschäftes die Kurse mitunter stärker beeinflußten. Zu der gewissen Vernachlässigung des Aktienmarktes dürften die neueren Hinweise auf Bevorzugung des Rentenmarktes beigetragen haben. Hier war das Geschäft zwar ebenfalls nicht besonders lebhaft, immerhin war die Stimmung freundlich und es zeigte sich weiteres Kaufinteresse. Größeren Umsatz verzeichneten widerum Kommunal- Umschuldung, daneben blieben auch späte Reichsschuldbuchforderungen und einige Industrie-Obligationen gefragt, so Stahlverein und Mittelstahl. Reichsaltbesitz' lagen dagegen ruhig und mit 98 v. H. unverändert. Am Aktienmarkt waren einige Spezialpapiere mehr gedrückt. So verloren Licht & Kraft 1,13 v. H., Siemens 1,50 v. H., Gesfürel 1 v. H., Deutsche Linoleum ca. 2 v. H., Westdeutsche Kaufbos 1,13 v. H. und Rheinstahl 1,25 v.H. Niedriger eröffneten außerdem Farbenindustrie, Metallgesellschaft, Deutsche Erdöl, AEG., Schuckert, Felten und die Mehrzahl der Mgntanpapiere, wobei aber die Verluste nicht über 0,50 bis 1 v. H. hinausgingen. Schiffahrtsaktien waren nach schwächerem Beginn wieder auf Vortagsbafis erholt, Hapag 26,25 bis 27, Nordd. Lloyd ca. 29,75 bis 30. Gut behauptet lagen u. a. Reichsbank, Daimler, Gement Heidelberg, Eßlinger Maschinen, Buderus, Klöckner und Mansfelder. Fester tendierten Elektr. Lieferungen mit plus 1,50 o. H., offenbar in Nachwirkung des freundschaftlichen Zusammenarbeitens mit der Allg. Lokal & Kraft AG. Von fremden Werten bröckelten Mexikaner bei sehr kleinem Umsatz weiter etwas ab. Im Verlaufe griff die schwächere Stimmung fast allgemein Platz und die anfangs noch behaupteten oder nur wenig veränderten Papiere gingen nunmehr ebenfalls um durchschnittlich 1 v. H. zurück. Westdeutscher Kaufhof verloren nochmals 1,25 v. H., Mannesmann 1 v. H., Farben 0,65 v. H. usw. Weiter befestigt waren aber Elektr. Lieferungen, die nochmals 1,25 v. H. gewannen. Der Kassamarkt brachte meist etwas festere Kurse, besonders für niedrig im Kurs stehende Papiere. Eine ganze Reihe von Werten waren mit Plus- Zeichen angeschrieben. Der Rentenmarkt zeigte in den variabel gehandelten Werten kaum Veränderungen und ruhigeres Geschäft. Am Pfandbriefmarkt waren Goldpfand- briefe weiter gesucht ohne im Kurs wesentlich anzuziehen, fiiquibationspfanbbriefe erhöhten sich um 0,25 bis 0,50 o. H., Kommunal-Obligativnen und auch Stadtanleihen blieben meist unverändert. Fremde Werte lagen still. Valutapapiere konnten sich meist etwas befestigen. — Tagesgeld war zu 3 v. H. weiter erleichtert. Abendbörse: Renten fest, Aktien still. Das schon an der Mittagsbörse festzustellende größere Interesse für den Rentenmarkt tjat sich im Abendbörsenverkehr noch eher vertieft. Dieser Markt verkehrte in ausgesprochen fester Tendenz, obgleich die Umsätze heute abend keine besondere Lebhaftigkeit zeigten. Lediglich Kommunal-Umschul- dung gingen in großen Posten bei um etwa 0,75 v. H. höherem Kurs als heute mittag um. Daneben blieben späte Reichsschuldbuchforderungen zu 95,50 (95,25) und Zinsvergütungsscheine gefragt, während Altbesitz sehr ruhigen Markt aufwiesen. Genußrechte waren ebenfalls beachtet und etwa 0,50 bis 1 v. H. fester. Pfandbriefe und Stadtanleihen lagen behauptet. Der Aktienmarkt war demgegenüber stark vernachlässigt, aber nicht mehr schwächer. Die Berliner Schlußkurse blieben zumeist unverändert, etwas fester lagen u. a. Mannesmann und Daimler, während Rhein. Elektro 1 v. H. verloren. Aktien blieben auch im Verlaufe ausgesprochen lustlos, während Renten ihre feste Haltung aufrechterhielten. Fremde Werte lagen still. U. a. notierten: Altbesitz 98,40, 6 v. H. Stahlverein 79,50, 6 v. H. Mainz von 1926 81, 6 v.H. Franks. Hyp. Bank R 1 bis 14 92,50, Pfälz. Hyp. Bank-Aktien 79,25, Gelsenkirchen 64,50, Harpener 105, Mannesmann 77,25, Phönix 49,75, Rheinstahl 91,50, Stahlverein 42,65, Aku 61,65, AEG. 29,90, Bekula 143,50, Daimler 51,25, Elektr. Lieferungen 104,50, IG. Farben 143,25, Gesfürel 110, Holz- mann 81,50, Rhein. Elektro 104,13 bis 104, Schuckert 93,75, Westdeutsche Kaufhof 32,50, Hapag 26. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 4. Oktober. Auftrieb: Rinder insgesamt 27 (gegen 189 am letzten Donnerstagsmarkt), davon 10 Ochsen, 3 Kühe und 14 Färsen. Kälber 927 (1054), Hammel 117 (77), Schafe 79 (99), Schweine 615 (423). Notiert wurde pro ein Zentner Lebendgewicht in RM.: Kylber Sonderklasse —, andere a) 49 bis 50, b) 41 bis 48, c) 34 bis 40, d) 26 bis 33. Lämmer und Hammel b2) 34, c) 32 bis 33, d) 27 bis 31. Schafe ?) 32 bis 34, f) 27 bis 31, g) 18 bis 26. Schweine al) 53, a2) 52 bis 53, b) 52 bis 53, c 50 bis 53, d) 47 bis 51. Im Preisvergleich zum letzten Donnerstags- markt zogen Schafe um 1 bis 2 RM. an, im übrigen ergaben sich keine Veränderungen. Die Preise sind Marktpreise für nüchtern gewogene Tiere und schließen sämtliche Spesen des Handels ab Stall für Fracht-, Markt- und Verkaufskosten, Umsatzsteuer sowie den natürlichen Gewichtsverlust ein, müssen sich also wesentlich über die Stallpreise erheben. Marktverlauf: Kälber mittelmäßig, ausver- kauft. Hammel und Schafe rege, ausverkauft. Schweine sehr rege, ausverkauft. Fleischgroßmarkt. Beschickung: 1182 Viertel Rindfleisch, 190 ganze Kälber, 9 ganze Hammel bzw. Schafe und 505 Schweinehälften sowie 1 Kleinvieh. Preise für 1 Zentner frisches Fleisch in RM.: Ochsenfleisch b) 56 bis 60, Rindfleisch b) 52 bis 58, Bullenfleisch b) 54 bis 56, Kuhfleisch b) 44 bis 50, c) 30 bis 40. Kalbfleisch b) 64 bis 68, c) 56 bis 62. Hammelfleisch b) 70 bis 75. Schweinefleisch b) 70 bis 73. Geschäftsgang des Fleischgroßmarktes: rege. Schweinemarkt in Alsfeld. * Alsfeld, 4. Okt. Der gestrige Schweine- markt war mit 354 Ferkeln zum Verkauf beschickt. Es kosteten bis zu 6 Wochen alte Ferkel bis zu 12 Mark, 6 bis 8 Wochen alte Tiere 14 bis 16 Mark. Kurszettel der Berliner und Krankfurier Börse Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 2H. Aranriur. a. 2JL 3.iS- | 4-10 26 27 29,5 Banknoten. 31 1,4 Serie I 8 8 beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der bürfe 0 0 12 30,13 81,5 95,5 67 88,5 111,5 66,25 106 70,25 73,25 147,13 122 76,4 77,25 96 67 o 4 (l 0 0 6 6 0 0 170 124 76,75 78,4 29,9 143,5 104,5 120 31,9 110 104 93,75 146,5 124 7 7,13 13,5 70 73,25 147 30,5 1,35 7,65 7,25 7,25 13,5 30,65 146,65 102,25 121,25 82 111,25 105 94,9 148 8 4,9 4,4 35,25 88,13 110,5 64,5 105 *Vi% desgl. von 1913.......... 6% abgeft. Goldmexikaner von 99 <% Türkische Zollanleihe von 1911 4% Türkische Bagdadbahn-Anlethe Gesellschaft.. Dresdner Bant Retchsbank ... 7,65 7 7,1 13,5 1,4 7,6 7,25 7,25 13,4 8 4,9 7 4,4 35 4% Oesterretchische Goldrente.... 4,20% Oesterretchische SUberrente 4% Ungarische Goldrente....... 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 A.E.G....................... Bekula.................... o Elektr.LteferungSgesellschaft... 6 Licht und Kraft .............g Felten & Guilleaume.........o Gesellsch.f.Elektr.Unternehmuna. 5 Rheinische Elekwizitäl ........ 6 Schuckert L Co................ Siemens L Halske..........” 7 Lahmeyer LCo............ /10 Hamburg-Amerika-Paket .....0 Hamburg-Südam. Dampfschiff. O Hansa-Dampfschtff...........0 Norddeutscher Lloyd .........0 A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 Berliner Handelsgesellschaft ... 4 Commerz, und Privat-Bank ... O Deutsche Bank und Disconto- Buderus ................... Deutsche Erdöl.............. Gelsenkirchener............. Harpener................... Hoesch Eisen—Köln-Neuessen . älfe Bergbau .............. Ilse Bergbau Genüsse....... Klöcknerwerke .............. Mannesmann-Röhren....... Datum 4% desgl. Serie II ............. 5% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 4'/r%Rumän.vereinh.Rentev.l913 4% Rumänische vereinh. Rente .. 2y*% Anatolier............... Berlin Frankiuri a. 2)1. Berlin Schlußkurs Schlußk. Mittagbörse Schlußkurs Schluß!. Abend- bürfe Schlußkurs Schlußk. Mittag- böri'e 3-10. 4-10 Datum 3-10. 4.10- 3.10. 4.10 — — Mansfelder Bergbau....... .. 0 78,65 — 78,25 78,25 — 4,9 KokSwerke................ — — 99,5 99 7,13 7,15 Phönix Bergbau........... .. 0 50,75 49,75 50,9 49,75 4,35 4,4 Rheinische Braunkohlen .... . 10 243 238 240 237,5 35 35,9 Rhetnstahl................ .. 0 92,75 91,5 93 91,5 Vereinigte Stahlwerke...... .. 0 43,75 42,65 43,75 42,65 27,4 25 26 26,5 Otavi Minen ............. .. u 13,25 13,5 13,5 13,25 Kaliwerke Aschersleben...... .. 5 — 123 Kaliwerke Westeregeln...... .. 5 — — 122 _ 30,4 28,75 Kaliwerke Salzdetfurth..... 1V1 155 154 155 155 81,4 78,65 I. G. Farben-Jndustrie..... 96 96 .. 7 144,25 143,25 144,25 143,4 67 67 Scheideanstall............. .. 9 220 220 92,75 Goldschmidt .............. .. O 94 94 92,5 70 73,25 146,75 70,5 73 145,5 Rütgerswerke............. Metallgesellschaft........... .. 0 .. 0 41,75 89 41,25 88,65 41,65 41 86,5 Philipp Holzmann......... .. 0 83 81,5 83 81,25 30,5 29,65 .. 0 118 134 118 132,5 .. 0 146,9 102,75 104,5 122 120,5 Schultheis Patzenhofer..... Aku (Allgemeine Kunstseide) .. 0 •— —• 111,5 110,25 82 80,75 .. 0 62 61,65 62 61,9 111,4 110 Bemberg................. .. 0 65 65 132 129,5 105,9 105 Zellstoff Waldhof.......... .. 0 50,13 49,5 50,4 49,65 94,75 94 Zellstoff Aschaffenburg ..... .« 0 68,4 68 68,5 67,5 147,75 146 Dessauer Gas............. .. 7 —- —• 126 125 125 124,5 Daimler Motoren.......... .. 0 51,75 51,25 51,75 50,75 Deutsche Linoleum......... .. 0 62 60,5 62,25 60,5 88,25 87,75 Orenstein & Koppel........ .. 0 — — 90,5 88,25 Leonhard Tietz............ .. 0 34,13 32,5 34,13 32525 65,75 106 64 65 105,5 Chade .................... ,.1Ü 207 207,5 206 207,5 Aecumulatoren-Fabrtk...... .. 0 — 175,5 174 176,5 77,9 170 Conti-Gumml............. .. 0 132 133,25 131,75 76 123,5 76,9 122 77,65 Grihner.................. .. 0 31,75 79 32,5 78,75 1 31,9 5 Mainkraftwerke Höchst a.M.. .. 4 78,75 76,65 Süddeutscher Zucker ....... ..8 192 190,5 1 192 190,5 tfranuun a. Dl Berlin Gchluß- kurs Schlußk. Abend- börsc Schlußkurs Schlußk. Mittagbörse Datum 3-10. 4-10- 3-10. 4-10- 6% Deutsche Reichsanleihe v. 1927 6% ehem.7% Tt. Reichsanl. 6.1929 bx/i% Doung-Anleihe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit Auslos.-Rechten ............. 94,75 93 98 94,25 92 91,75 101,25 92,25 92,25 92 92 93 93 101,75 in 1 1 in in ui I io io io m ud 1 | io r- 1 ' - 1 ' cm I N-- w w I 1 t— . CM CO » * CM CM * * * a> c-» «— •— tr> cn cm cm •— a> O) 0 0 cr> cr> q 95 92,25 98 94,25 92 101,25 92 93 93 101,75 95 98,25 94,25 92 101,5 92,5 93 101,75 Desgl. ohne Auslos.-Rechte...... 6% ehem.8% Hess. Bolksstaat 1929 (rückzahlb. 102%)............ 6% Hess. Landesbank Darmstadt Gold R. 12.................. W/o Hess. Landes-Ht bank Darmstadt Liqui Oberhessen Provinz-An Auslos.-Rechten .... potheken- leihe mit Deutsche Komm. Samm leihe Serie 1 mitAuslo 6% ehem. 8% Franks. H Goldpfe. 15 unkündba 6% ehem. 7% Franks. Goldpfe. 16 unkündba 6Yi% ehem. 4%% Fra Bank-Liqu.-Pfandbrie 5/,% ehem. 4yt% Hyp.-Bank-Liqu.-Golk 6% ehem. 8% Pr. Lan briefanstalt, Pfandbrt 6% ehem. 7% Pr. Lan briefanstalt, Pfandbrt Steuergutsch. Berrechnu elabl. Aw .-Rechten )yv.-Bank bis 1935 >yp.-Bank bis 1936 rtlf. HYP.- Rheinische Pfe..... despfand- ’fe R. 19 deSpfand- se R. 10 igskurS.. Z.Oktober 4. Oktober Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Brie' Geld | Brie' Buenos Aires 0,646 0,650 0,640 0,644 Brüssel..... 58,17 58,29 58,17 58,29 Rio de Jan. 0,204 0,206 0,204 0,206 Sofia...... 3,047 3,053 3,047 3,053 Kopenhagen. 54,34 54,44 54,32 54,42 Danzig..... 81,22 81,38 81,22 81,38 London ..... 12,17 12,20 12,165 12,195 Helsingfors.. 5,375 5,385 5,375 5,385 Paris ...... 16,39 16,43 16,39 16,43 Holland .... 168,64 168,98 168,49 168,83 Italien..... 21,45 21,49 21,45 21,49 Javan...... 0,713 0,715 0,713 0-715 Jugoslawien 5,694 5,706 5,694 5,706 Oslo.....: 61,14 61,26 61,12 61,24 'Ißicn 48,95 49,05 48-95 49,05 Lissabon .... 11,045 11,065 11,04 1L06 Stockholm... 62,76 62,88 62,73 62,85 Schweiz .... 81,18 81,34 81,12 81,28 Spanien.... 33,97 34,03 33,97 34,03 10,37 10,37 10,39 Budapest ... _ Neuyork... 2,472 2,476 2,472 2,476 Berlin, 4.Oktober Geld Brief Amerikanische Noten.............. 2,424 2,444 Belgische Noten.................. 58,01 58,25 Dänische Noten ................. 54,18 54,40 Englische Noten ................. 12,13 12,17 Französische Noten............... 16,35 16,41 Holländische Noten............... 168,07 168,75 Italienische Noten................ 21,33 21,41 Norwegische Noten .............. 60,96 61,20 Deutsch Oesterreich, & 100 Schilling Rumänische Noten............... — — Schwedische Noten............... 62,56 62,82 Schweizer Noten................. 80,94 81,26 Spanische Noten................. 33,83 33,97 Ungarische Noten................ 8reitag,5.OktobeN9ZH Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Nr. 253 Drittes Blatt Die Flugkunst Kieselers. Oer Looping nach vorn. Einer Broschüre „Geflügelte Worte" von Gerhard Fieseler, die von der Deutschen Vacuum Del - AG., Hamburg, herausgegeben wurde, entnehmen wir folgendes über Fiese- lers vollendetste Flugkunst, den „Looping nach vorn", wobei aus der gleichen Quelle zum Vergleich auch einiges über den „Normalen Looping" beigefügt fei. D. Red. Looping nach vorn. a) Aus Normallage Der Kopf des Fliegers befindet sich bei diesem Looping auf der Außenseite des geflogenen Kreises, wodurch infolge der Fliehkraft ein erhöhter Blutdruck zum Kopfe eintritt. Es sei hier festgestellt, daß Pegoud bereits im Jahre 1913 durch die erste Hälfte des „Loopings nach vorn" in den Rückenflug ging. Pegoud hat damals den Rückenflua wohl nur deshalb durch nach unten gesteuert, bis es die Normallage erreicht hat, aus der es dann wieder in die Rückenlage hochgezogen wird. Dieser aus Rückenlage nach unten geflogene Looping kann in körperlicher Beziehung durch den auftretenden Blutdruckwechsel im Kopf unangenehm werden, wogegen der normale Looping keinerlei Unbehagen hervorruft. Fieseler fliegt bestimmt in Giehen! Entgegen mancherlei Gerüchten in der Stadt wird von der FührungderFlieger-Orts- gruppe Gießen des DLD. autoritativ festgestellt, daß der Weltmeister im Kunstflug Gerhard Fieseler am kommenden Sonntagnachmittag bestimmt in Gießen fliegen wird. Fieseler ist für diesen Flug f e st verpflichtet, es handelt sich nicht etwa um einen Werbetrick, wie es scheinbar verschiedentlich aufgefaßt wird. Die Flieger-Ortsgruppe Gießen hat es als ihre Aufgabe angesehen, der Bevölkerung eine ganz besondere Fliegerleistung zeigen zu lassen, die weit Über den Durchschnitt hinausragt und nur von einem Meister wie Fieseler geboten werden kann. Das starke Interesse an dieser Flugveranstaltung geht schon daraus hervor, daß in manchen Orten der Voroerkaufsvorrat an Eintrittskarten bereits vollständig vergriffen ist. Billige Fahrgelegenheitzum Flughafen am Grohflugtag. Die Flieger-Ortsgruppe Gießen hat durch Verhandlungen mit der Stadtverwaltung Gießen und der Reichspost erreicht, daß am Großflugtag eine bequeme und billige Fahrgelegenheit zum Flughafen geschaffen wird. Die Straßenbahn gibt einen Gemeinschaflsfahr schein aus, für den der Fahrgast zum Betrage von 30 Rpf. vom Bahn- h.os bis zum Flughafen fahren kann. Am Schützenhaus werden Omnibusse der Reichspost bereitstehen, in die unter Weiterbenutzung des Fahrscheins umgestiegen werden kann. Der Gemeinschaftsfahrschein gilt außerdem für alle Strecken und Haltestellen der Straßenbahn Gießen, so z. B. auch von der Marburger Straße mit Umsteigemöglichkeit am Marktplatz und von hier nach dem Flughafen. Während also z. B. für eine Fahrt vom Bahnhof zum Schützenhaus der Fahrpreis zur Zeit 20 Rpf. beträgt, kann man am Sonntag für 30 Rpf. direkt bis zum Flughafen gefahren werden. Für die Rückfahrt gelten die gleichen Bestimmungen. Konzert der Giehener SA-Kapelle beim Oroßflugiag Wie uns heute früh mitgeteilt wird, findet bei dem Großflugtag am kommenden Sonntag auf dem Flughafengelände während der flugfport- I lichen Darbietungen ein Konzert des Musik- zugs der Standarte 116 unter Leitung von Musikzugführer Herrmann statt. Besuch beim Geigenbauer. einen halben Looping nach vorn eingeleitet, weil nach einem normalen halben Looping sein Bleriot- Eindecker infolge des Geschwindigkeitsverluftes jedenfalls nicht mehr steuerbar war, wenn er die Rückenlage erreicht hatte Wenn die Kunstflüge Pegouds nach unserem heutigen Begriff auch einfach erscheinen, so gebührt den Leistungen dieses ersten Kunst- fliegers doch eine große Bewunderung Man muß bedenken, daß die Flugzeuge damals noch sehr primitiv gebaut waren und man noch keine Ahnung hatte, welchen Beanspruchungen das Flugzeug bei den verschiedenen Kunstflügen ausgesetzt war. Es mird von Fachleuten oft behauptet, daß bei dem Looping nach vorn das Flugzeug gewaltigen Beanspruchungen ausgesetzt sei. Ich muß dieser Ansicht entschieden widersprechen Der Looping nach vorn beansprucht das Flugzeug bei richtiger Ausführung nicht mehr, als z. B. eine ungesteuerte Rolle ober ein Rollenkreis. Natürlich fetze ich hierbei voraus, daß das betreffende Flugzeug mit einem geeigneten Flächenprofil versehen ist. Genau so versteht es sich, daß eine Rückenfluganlage den Motor auch in Rückenlage Betriebsstoff zuführt. b) Aus Rückenlage. Diese Figur ist ein Looping aus Rückenlage nach oben. Im übrigen gilt das vorhin Gesagte Normaler Looping. a) Aus Normallage. Diese Flugfigur wurde 1 erstmalig von dem russischen Fliegerleutnant Nesterow ausgeführt und nachher durch den berühmten Franzosen Pegoud bekannt. Bei richtiger Ausführung wird das Flugzeug nur wenig mehr als im Normalflug beansprucht. Der inzwischen auf so tragische Weise verunglückte französische Kunstflieger Fronval flog im Jahre 1928 hintereinander 1400 normale Loopings und stellte damit eine Welthöchstleistung auf. b) Aus Rückenlage. Hierbei wird das Flugzeug aus seiner Ausgangsstellung, dem Rückenflug, Sicherlich wissen viele unserer Mitbürger nichts davon, daß es in unserer Stadt auch einen Geigenbauer gibt. Es sei hier kurz von ihm gesprochen. Meister Kurt Otto — er wohnt in der Steinstraße — ist kein gebürtiger Gießener. Die Geigenbaukunst wurde in Gießen bisher nicht gepflegt — jedermann weiß aber, daß die Arbeit der Geigenbauer ein Handwerk ist, das sich von Generation zu Generation vererbt und nur in verschiedenen Orten und Dörfern unseres Vaterlandes Stammheimat hat. Meister Otto ist aus Markneukirchen in Sachsen. Schon seine Großeltern waren für die Musikheimindustrie tätig, sein Vater ist Geigenbaumeister und arbeitet heute noch in Markneukirchen. Der Sohn lernte mit 15 Jahren das Handwerk und arbeitet seit dieser Zeit (er ist jetzt 44 Jahre alt) im Geigenbau. In der Heimat des Geigenbauers steht das ehrwürdige Handwerk in hoher Blüte, und es gibt dort kaum eine Familie, die nicht in irgendeiner Weise mit ihm verbunden ist. Tritt man in die kleine Werkstätte in der Steinstraße, dann spürt man gleich den Charakter eines alten und seltenen Handwerks. Auf der Werkbank, die der Hobelbank eines Schreiners sehr ähnlich sieht, liegen eigenartig geformte Schnitzmesser, in vielen, der Form der Geige entsprechenden Klammern steckt ein Geigenboden, der das Holz in der Naturfarbe zeigt. Ein grob zugefchnittenes Stück Holz verrät schon durch seine Form, daß einmal ein schlanker, eleganter Hals für ein Cello daraus werden soll. Geigen hängen an der Wand und harren auf die Reparatur. Die große Bratsche in der Ecke mit den losen Saiten bedarf eines neuen Steges. Der Meister erzählt gerne von seinem Beruf, den er liebt, wie jeder Handwerker seinen Beruf lieben muß, wenn er in ihm etwas leisten will. Er spricht auch von den großen Meistern einer vergangenen Zeit und von dem steten Bestreben der gegenwärtigen, es ihnen gleichzutun. Aber noch sei gegen die Namen Guarneri und Stradivari nicht anzukommen, obwohl kein Zweifel bestehe, daß zwischen den besten Geigen der Gegenwart und den historischen Geigen kein großer Unterschied mehr sei. Die Gelegenheit, als einzelner Handwerker neue Geigen anfertigen zu können, sei bedauerlicherweise recht selten geworden. Man müsse damit zufrieden fein, wenn es Reparaturen auszuführen gebe. Er hoffe aber jetzt, da das Handwerk mehr und mehr zu Ehren kommen solle, auch für feinen Beruf einen gewissen Aufschwung. Herr Otto hat sich bereits einen recht respektablen Kundenkreis erworben. Mitglieder der Reichswehrkapelle, des Orchestervereins, des Stadt- theater-Orchesters und des NSLB., nicht zuletzt auch die Musiklehrer und ihre Schüler gehen bei ihm ein und aus. Auch die Besitzer von Zupfinstrumenten wissen ihn zu finden. Es ist erfreulich, daß im Kranze des ehrsamen Gießener Handwerks nun auch der Geigenbauer nicht fehlt. Würdige Ehrenmale. Der Hessische Staatsminister Jung hat den Kreisämtern zur Mitteilung an die Bürgermeistereien eine Verfügung über die Errichtung von Ehrenmalen für die im Weltkrieg oder als Opfer der nationalen Revolution Gefallenen, sowie für hervorragende Persönlichkeiten zugehen lassen. In dieser Verfügung, die von der Kanzlei der Landeskirche auch den evangelischen Kirchenvorständen zur Beachtung mitgeteilt wurde, sagt der Staatsminister folgendes: „Eine vergleichende Zusammenstellung der in den vielen hessischen Gemeinden bis jetzt errichteten Kriegerehrungen für die im Weltkrieg Gefallenen hat gezeigt, daß ein großer Teil dieser Ehrungen keineswegs die Forderung erfüllt, wonach ein solches Denkmal den Gedanken der Heldenehrung sinnfällig zum Ausdruck bringen soll. Die erhabene Größe des Opfers des schlichten deutschen Soldaten, der sein Leben für sein Vaterland hingibt, soll einfach, ernst und überzeugend dargestellt werden. So wird ein schlichtes, in einfasten Linien gehaltenes Erinnerungsmai in dem erforderlichen Ausmaß mit kurzer Aufschrift den Gedanken des heldischen Opfers eindringlicher und natürlicher zum Ausdruck bringen, als ein in gesuchten architektonischen Formen gestaltetes, im Größenmaßstab oft vergriffenes Denkmal, das zudem mit allem möglichen Zierat und einem Ueber- maß von Schriften versehen wird. Solche Denkmäler, die die Künstlerhand vermissen lassen, müssen zur Wahrung des guten Geschmacks vermieden werden. Ganz besonders gilt dies von Ehrenmalen, bei denen eine Figur, wie-ein betender oder sterbender Krieger, ein ööwe, ein Adler oder gar eine symbolische Frauengestalt die heldische Tat zum Ausdruck bringen soll. Auch hier hat sich schon ein auf fabrikmäßige oder mindestens Serienherstellung eingestellter Geschäftszweig breitgemacht. Gerade aber bei schmückenden Zutaten und Denkmalsteinen aus dem Gebiet der bildenden Kunst kann nur der schaffende Künstler Vollwertiges geben, wenn nicht verzerrte Gebilde entstehen sollen. Wo die Mittel nicht vorhanden sind, etwas einwandfrei Figürliches zu schaffen, muß es bei der würdigen und schlichten Art der Darstellung des heldischen Gedankens bleiben, die nicht weniger monumental und eindrucksvoll wirken wird, als eine Figur. Wir sind es den Gefallenen und auch der Nachwelt gegenüber schuldig, daß unser Dank in wahrhafter und würdiger Weise zum Ausdruck gebracht wird. Um den Gemeinden, die ein Ehrenmal für Gefallene des Weltkrieges ober der nationalen Revolution ober ein Denkmal für hervorragende Persönlichkeiten errichten wollen, bie Durchführung bie- fer befonberen unb verantwortungsvollen Aufgabe zu erleichtern, wirb hiermit angeordnet, baß bie Hessischen Hochbauämter als Fachstellen bie Gemeinden hierbei in weitestgehenber Weise, gegebenenfalls unter Zuziehung anberer Sachverständiger, z. B. auch ber Denkmalpfleger, beraten unb unterstützen, auf Wunfch ihnen auch Kräfte benennen, bie für Entwurf unb Ausführung in Frage kommen. Die Ge- meinben haben sich beshalb schon bei ber Wahl bes Platzes für bas Denkmal — ber ja für bie Gestaltung unb bie Art bes Ehrenmals mitbeftimmenb ist — unb bevor mit irgenb einem Grabsteinlieferanten in Fühlung getreten worben ist, an bie Hochbauämter Zwecks Beratung zu wenden. Kommt bie Ge- meinbe biefer Forberung nicht nach, so kann bie Aufstellung eines als nicht roürbig erachteten Denkmals auf Grunb ber Verorbnung, bas Verbot bes nationalen Kitsches angehenb verboten werben. Auch bereits vorhandene Entwürfe aller Art von Ehrenmalen finb ben Hessischen Hochbauämtern zur sachverstänbigen Begutachtung mitzuteilen: notwen- big roerbenbe Abänderungsvorschläge finb bann von ihnen ben Gemeinben alsbalb mitzuteilen. Kommt eine Einigung zwischen ben Stellen, bie Ehrenmale zu errichten beabsichtigen, unb ber bera« tenben Baubehörbe nicht zustanbe, ist bie Entschei- bung ber Bauabteilung im Hessischen Staatsministerium einzuholen. Diese entscheidet enbgültig. Freundliche Erinnerung. Von Dorothea Hofer. Wie schön bie kleine Dobo ist. Wenn man sie onsieht, lächelt man. Sie hat ein vollkommenes Gesichtchen von sanftem Oval, gefärbt mit ber ganz gleichmäßigen Tusche aus alter Ambra, fast ohne alle rosigen Tönungen. Ihre Augen, groß, braun, feucht unb süß, haben auch biese ovale Formung. Wenn sie spricht, hört man nicht zu. Es genügt, ihr Sprechen zu sehen. Sie ist sehr lieblich Als sie sehr klein war, hatte sie eine Ausein- onbersetzung mit ihrem Vater wegen Knöpfelut- Ichens. Er wünschte, Dobo solle bas aufgeben, unb er versuchte ihr einbringlich vorzustellen, wie er sich cnberenfalls ein anberes, netteres, kleines, folgsames Kinbchen anschaffen werbe, wenn seine Dobo ihrer- ■feits nicht gesonnen sei, ihm in biefer Angelegenheit nachzugeben. Aber Dobo machte ihn aufmerksam auf bie vermutliche Zwecklosigkeit solchen Unternehmens „Das neue Kind", sagte sie, „lutscht auch Knöpfe." In diesem Sommer nun war Dodo mit ihren Eltern auf dem Land. Es war wundervoll dort, und sie ist so ungern wieder nach Hause gefahren, aber was kann man tun, wenn dieser Vater sagt: „Ich muß heim und Geld verdienen." Ach, und es war so schön gewesen auf den Wiesen am See und bei den Kühen in den Ställen! Wenn die Bäuerin mit dem Schemel kam, um die Bläß zu melken, und die Milch blasig wie Schlagrahm in den Eimer schäumte. Ach, Dodo melkt zur Erinnerung, wo sie etwas Geeignetes findet. 2ln Mutters Fransenschal, am Tischtuch, an Vaters Rockschößen. Sie macht dazu ihr unwahrscheinlich süßes Madonnengesicht, andächtig und sanft geneigt. Es ist eine schöne und wehmütige Erinnerung, unb es hanbelt sich babei gar nicht um bas Melken allein. Dobo atmet ben Duft ber gemähten Wiesen, bes Heuwagens, auf bem sie hoch oben thronenb in ben abenbbunflen, kühlen Schober schwankte. Sie hört bie Stimme ihres bicken Freundes Hans-Jörg mit ben nackten Beinen, sie sieht unb fühlt ben See unb ben Sanb, in bem sie bubbeite unb morgens Burgen baute, sie schmeckt ihr Früh- ftütfsbrot, bas man ihr braute, unb bie weißen Sanbförner barauf, bie immer zwischen Haar unb 2lDas ^Schönste von allem aber ist bas Kälbchen □eroefen’ Es war ein blonbes Kälbchen, semmel- blonb mit einem weißlichen Fellwirbel mitten auf Oer bicken guten Stirn. Es ftanb herum unb schaute nur immer "mit feinen großen, feuchten Augen, unb wenn Dobo ihm ein Grasbüschel brachte ober grünen Klee, bann schob es bas so brollig herum im Maul, schaute ganz wie zuvor unb sagte nicht „Danke" mit seinen Augen. Das Kälbchen, bie Kuh unb ber Ochs, bas war eine Familie. Es gab außerbem noch bie kleinen quifenben Ferkel auf bem Hof, bie wie Zwetfchen an ber Mutter Sau hingen unb zuzzelten, unb bazu ben Eber, von bem Dobo richtig bemerkte, baß er „ganz aus Schwein" fei, wie bas Osterhäschen ganz aus Schokolabe ist. Auch sie alle miteinander waren eine Familie. Dobo nahm zum Abschieb ein paar Haare aus bem Schwanz bes Kälbchens mit, bie sie nach Ueberroinbung von mancherlei Mühsal unb Gefahr glücklich an sich gebracht hatte, ein Fläschchen Seewasser unb ein Tütchen Sanb. Es war ein schwerer Abschieb. Jetzt sitzt sie roieber baheim, wie bie entführte Wiesenprinzefsin, unb versucht, bas versunkene Reich, so gut es eben gehen will, roieber heraufzuzaubern. Bon deutschen Ehen in Llebersee. Wenn auch bie Aufgaben, bie ber Frau in ber Ehe gestellt finb, nicht daran gebunden sind, ob eine solche eheliche Gemeinschaft innerhalb oder außerhalb ber Landesgrenzen besteht, fonbern immer dadurch bestimmt werden, von welcher volklichen Kultur die Menschen geprägt sind, so sind doch die An- forberungen an ine Frau braußen in Ueberfee um vieles schwerer als in ber Heimat. Es fehlt ben Ehegatten bort braußen ber ihnen gewohnte Rhythmus ber Landschaft unb ber Jahreszeiten, ber ihnen gemäße Boben, auf bem sie aufwuchsen, unb sie müssen versuchen, sich Entbehrungen gegenseitig leichter tragbar zu machen Zubern ist bie Arbeit, burch bie ber Mann braußen ben Lebensunterhalt für seine Familie erwirbt, körperlich schwerer unb ihm oft ungewohnt, wenn er erst braußen nach eigenem Willen ober auf Grunb bittersten Notstandes zu einem neuen Beruf hingelenkt wurde. Die Aufgabe der Frau besteht bann, wie Heibe Lüthi- A n t h e s aus Okahanbjy in Sübwestafrika in ber „Deutschen Frauenkultur" schreibt, vor allem darin, bem berufstätigen Manne einen gewissen Ausgleich auf geistigem Gebiet zu ermöglichen, bem Farmer, Siebter, Mechaniker, Viehhänbler, Hanbroerker ober Gelegenheitsarbeiter eine lebendige Beziehung zu all dem zu bewahren, was ihm in ber Heimat unb in seinem bisherigen Leben selbstverständlicbe geistige Güter waren. „Es hieß früher allgemein, der Mann sei in ber Ehe meist ber geistigere Teil, bie Frau sei naturfyafter, erdgebundener Wenn heute wohl in Europa diese Gliederung kaum mehr zutrifft, sondern die Geistigkeit sowohl als auch die Erdnähe gleichmäßiger verteilt ist, so ist es hier in Ueberfee in vielen deutschen Ehen oft gerade umgekehrt. Sehr viele unserer Männer haben Berufe, die vollkommen ungeistig finb. Da ber Alltag ben Mann stark belastet, so bleibt ihm kaum bie Zeit und bie Kraft, sich ganz aus eigenem Entschluß die so wichtige Beziehung zu bem geistigen Besitz ber Heimat zu bewahren. Zwar wirb in Ueberfee verhältnismäßig viel gelesen. Aber Sinn unb Erfolg kann bieses Lesen, das einem echten Bedürfnis entspricht, nur haben, wenn es auch ben richtigen Stoff finbet, bei bem ber Leser ausruhen kann. Unmerklich muß es ba bie Frau übernehmen, auszuwählen unb manches Wertvolle an Büchern unb Bildern davor zu bewahren, baß es unter einem Stapel alter Zeitschriften untergeht. Wohl leidet bie Frau in Ueber= fee oft schwer unter ben klimatischen Bebingungen, unter Hitze ober Regenmangel, aber sie muß bie darin liegende Gefahr, müde unb gleichgültig zu werden, sehen unb sie bekämpfen, um der in den entnervenden Tropen so leicht aufkommenden Hoffnungslosigkeit zu begegnen. Nur burch ein Bewahren und Neuerwerben ber kulturellen Güter ber Heimat unb burch innere Anteilnahme an ben Fragen ber Gegenwart kann biefer Hoffnungslosigkeit entgegengetreten werden, und es ist im besonderen in die Hand der Frau gelegt, bem Gatten die lebendige Beziehung zur Heimat und zur Welt zu erhalten." Zeitschriften — Die in diesem Frühjahr begründete Zeitschrift „Das Innere Reich" (Herausgeber: Dr. Paul A l v e r d e s und Karl Benno von Mechow: Verlag Langen/Müller in München :Preis 1,80 RM.) beginnt mit dem Oktoberheft ihr zweites Halbjahr. Dieses Heft wird eröffnet mit der „Rede vom Inneren Reich der Deutschen", die A l v e r d e s vor der Münchener Studentenschaft hielt. Noch einmal faßt hier der Herausgeber zusammen, was die Gesamtarbeit der Zeitschrift trägt und bedingt: Die unerschütterliche Ueberzeugung von der lebendigen Wirklichkeit des Inneren Reiches, daß kein Wölkenkuckucksheim und kein Park für volksfremde Schöngeister ist, sondern Besitz der gesamten Nation! Als wichtigsten dichterischen Beitrag bringt dies Heft die ,Hirtennovelle" von Ernst W i e ch e r t, deren tragende Elemente die zwei Urerlebnisse des Dichters sind: Dis unendliche Melodie seiner heimallichen Landschaft und der Krieg. Mit Gedichten sind u. a. Adolf von Hatzfeld, Diemar M o e r i n g unb Hans Leifhelm vertreten. Dem Kriegserlebnis ist Bruno Brehms bichterischer Bericht „Der finn- länbische Reitermarsch" gewibmet. Josef Hofmil- l e r, ber leiber zu früh verstorbene Essayist, lieferte in ben „Augsburger Kalenbern aus vier Jahrhun- berten" einen aufschlußreichen Beitrag zur deutschen Volkskunbe, währenb Hermann H e r r i g e I in einer Betrachtung über „Das beutsche Wörterbuch ber Brüber Grimm" tiefe Einblicke in Werben unb Wachsen ber beutschen Sprache gibt. — Die Oktobernummer von Westermanns Monatsheften enthält einige wichtige Beiträge, bie sich mit Fragen, bie für Volk unb Staat von gleich großer Bebeutung finb, auseinanber- fetzen. Dr. H. H. Schacht stellt bie Bebeutung bes Bauerntums als bes stärksten Bewahrers beutfcher Sprache unb beutfcher Volkskultur für bas Grenz- unb Auslanbsbeutschtum heraus. Die Neuformung ftubentifchen Lebens burch bie Arbeits- unb Wohngemeinschaft bes Kamerabschaftshauses wirb aus eigner tätiger Anschauung von ftub. rer. nat. Kurt Nabel in bem Aufsatz „Das Kamerabschaftshaus — bie neue Lebensform bes beutschen Stubenten" ge- schilbert. Eine mit ber Schinkel-Plakette 1934 ausgezeichnete Arbeit „Das neue Dorf" von Architekt Regierungsbauführer Alfreb Cuba oerbinbet bie beste Ueberlieferung aus früheren Jahrhunberten mit ben Forberungen ber Gegenwart. Zwei mit farbigen Bilbwiebergaben versehene Beiträge zeigen seltene Beispiele kunstvoller Scherenschnitte polnischer Bauernfrauen unb beantworten bie Frage, wer ein Familienwappen führen barf unb soll. Tiefbruck- aufsätze veranschaulichen ben Tagesablauf in bem weiblichen Seglerheim bes beutschen Hochsee-Sport- oerbanbes am Chiemsee unb zeigen bie Verwen- bungsmöglichkeiten für ben beutschen Rohstoff Bernstein. Die Novelle „Unb was ist mein Haus?" erzählt eine Begebenheit aus ber Geschichte bes Hauses von Hinbenburg. Die „Neuen Grübeleien" finb bisher unveröffentlichte Betrachtungen bes 71jährigen Gustav Frensfen. Auch biefes Heft enthält viele künstlerisch wertvolle Bilbwiebergaben, Gebichte unb anbere kleine Beiträge, bie ben Reichtum ber wertvollen Zeitschrift veroollstänbigen. e docbfcbutnacbricbten. Professor Dr. Erwin F u e s, Orbmarius für theoretische Physik an ber technischen Hochschule Hannover, erhielt einen Ruf an die Universität Breslau. Vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Partei und Behörden. In der Versammlung der Kreisabteilung Gießen des Deutschen Gemeindetages, über die wir gestern ausführlich berichteten, stellte sich der stellvertretende Kreisleiter der NSDAP., Pg. Hopfen- müller, der Versammlung als kommunalpolitischer Kreisleiter vor und sprach in kurzen Worten über die Zusammenarbeit von Partei und Behörden. Er stellte hierbei besonders das Wort Adolf Hitlers „Die Partei befiehlt dem Staat" heraus und forderte die Bürgermeister und die Ortsgruppenleiter auf, im Interesse des Volkes und des Vaterlandes harmonische Zusammenarbeit zu pflegen. Aus parteiamtlichenBekanntmachungen Eine öffentliche Kundgebung der Ortsgruppe Gießen-Nord der NSDAP, findet am kommenden Montag, 2 0.30 Uhr, im Caf6 Leib statt. Kreisschulungsleiter Pg. Dr. Schmidt- Darmstadt spricht über „Die Aufgaben nach dem Wahlgang". Der weitere Verlauf des Abends wird ein Konzert des Musikzugs der Standarte 116 bringen. Alle Partei- und Volksgenossen sind zu der Kundgebung eingeladen. Der NS. - Lehrerbund Kreis Gießen fordert diejenigen Mitglieder, die sich im bevorstehenden Winterhalbjahr an den verbilligten Darbietungen des Goethebundes beteiligen wollen, auf, sich sofort bei der Geschäftsstelle zu melden. Die Geschäftsstelle der Ortsgruppe Gie- ß e n - O st befindet sich jetzt in dem Hause Gnauth- straße 2 I. Werbe- und Kultur-Abend der 7lö.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude". Wie man uns mitteilt, findet am 13. O k t o!b e r, 19 Uhr, im Stadttheater Gießen ein großer Werbe- und Kulturabend statt, zu dem die ^®^®eniein’ schäft „Kraft durch Freude? bzw. die NS.^ultur. gemeinde alle Gliederungen der Partei einladt. tfiir die Orts- und Zellenwarte „Kraft durch Freude sowie deren Mitarbeiter ist der Besuch der Veranstaltung Pflicht. In einem beinahe dreistündigen Programm werden alle Kräfte erscheinen, die auf heimatlichem Bo- den gewachsen sind und im Laufe des Winters in den einzelnen Orten des Kreises eingesetzt werden können. . Wir werden in den nächsten Tagen genauer auf die Arbeit der NS.-Kulturgemeinde eingehen. Jedenfalls können wir — so wird uns erklärt — schon jetzt nach Einsichtnahme in das Programm sagen, daß das Programm, wie bei allen Veranstaltungen in unserem Kreise, ein hohes Niveau trägt. Hrlfszug „Bayern" passiert Gießen. Heute gegen 8.45 Uhr passierte der Hilfszug „Bayer n", der vom Bückeberg zurückkehrte, unsere Stadt. Der Zug erregte großes Aufsehen. Er machte sich nicht nur durch den besonderen Klang seiner Sirenen bemerkbar, sondern fiel auch durch die große Anzahl der Kraftwagen, aus denen er sich zusammensetzte, auf. Sechs große Omnibusse, die als Küchenwagen größten Stils eingerichtet sind, fuhren in raschem Tempo durch die Straßen. Etwa 40 bis 45 schwere Lastwagen, mit vielerlei Material, Milchkannen, Kisten, Schüsseln usw. beladen, folgten. Der Zug kam von Marburg her, fuhr über den Wernerwall, Horst-Wessel- und Hindenburgwall, um dann über die Umleitung Licher Straße in der Richtung nach Frankfurt unsere Stadt zu verlassen. Die Wagen waren prächtig mit Erntekränzen, Blumen und Girlanden geschmückt und brachten damit einen festlichen Schimmer von den Feierlichkeiten auf dem Bückeberg durch Gießen. Der Zug war von etwa 150 Mann Hilfspersonal begleitet. Fahrpreisermäßigung der Reichsbahn zur Gießener Herbstmesse. Zu der in der Zeit vom 7. bis 14. Oktober in Gießen stattfindenden Herbstmesse gibt die Reichsbahn von allen Fahrkartenausgaben der nachstehen- den Strecken Sonntags-Rückfahrkarten aus: Weilburg—Gießen—Marburg, Wetzlar—Lollar— Grünberg, Gießen—Alsfeld, Burg- und Nieder- Gemünden—Kirchhain (Bez. Kassel), Nieder-Jossa— Alsfeld, Bad Salzschlirf—Alsfeld, Mücke—Hungen— Friedberg, Schotten—Nidda—Beienheim, Büdingen —Gießen, Lauterbach Nord—Vilbel Nord Heldenbergen—Windecken—Friedberg, Vilbel Nord—Gießen, Friedrichsdorf — Friedberg, Friedrichsdorf — Weilburg, Grävenwiesbach — Albshausen, Beilstein — Stockhausen, Dillenburg—Gießen, Herborn—Niederwalgern. Gültigkeit: Hinfahrt 6. Oktober 12 Uhr bis 7. Oktober: Rückfahrt: 6. Oktober 12 Uhr bis 8. Oktober 12 Uhr (spätester Antritt der Rückfahrt). Am 10. Oktober für Hin- und Rückfahrt von 0 bis 24 Uhr. Am 13. Oktober 0 Uhr bis 14. Oktober zur Hinfahrt. Am 13. Oktober 12 Uhr bis 15. Oktober 12 Uhr Zur Rückfahrt (Antritt der Rückfahrt). Odenwälder Heimatvereinigung. Man berichtet uns: Die Odenwälder Heimatvereinigung erlebt zur Zeit einen erfreulichen Aufschwung. Schon vor einiger Zeit schloß sie sich dem Raichsbund Volkstum und Heimat an und erfährt seitdem von dieser Seite jedmögliche Förderung in ihrer praktischen Heimatarbeit. Am Mittwochabend füllte wieder eine stattliche Zahl Odenwälder mit ihren Angehörigen den Saal im Hotel Köhler. Nach Begrüßungsworten von Herrn Vetter gab Dr. Michel einen Ueberblick über das Winterprogramm des hiesigen Ortsrings im RVH. und forderte zu reger Beteiligung auf. Im Anschluß daran hiel Dr. Michel einen dankbar aufgenom- menen Vortrag über das Leben und Schaffen des niedersächsischen Heimatdichters Hermann Löns. Er würdigte seine Bedeutung als Sänger der Heide und als Künder des Dritten Reiches und trug verschiedene Stichproben aus seinen Werken vor. Der Leiter des Lobedachores im RVH., Herr Siegler, brachte mit sechs Mitgliedern seines Singkreises verschiedene Natur- und Liebeslieder von Hermann Löns in formvollendeter Weife mit Lauten-, Gitarren- und Flötenbegleitung zum Vortrag und fand dankbare Hörer. Auch das freie Singen, das Herr Siegler mit den Odenwälder Landsleuten improvisierte, fand lebhaften Anklang. Im Schlußwort des Herrn Vetter kam der Dank für Oie Mitwirkenden bei dem schönen Heimatabend zum Ausdruck. Für eine der nächsten Monatsversammlungen ist ein Lichtbilderoortrag über den Odenwald vorgesehen. Taten für Freitag, 5.Oktober. Gedenktage: 1665: Stiftung der Universität Kiel; — 1813: Eleonore Prochaska, Heldin des Befreiungskrieges, in Dannenberg gestorben (geboren 1785); — 1857: der Schriftsteller Fedor von Zobeltitz in Spiegelberg geboren. Borrwtizerr. — lägestalenber für Freitag. Stadttheater, 20 bis gegen 23 Uhr, „Der Zigeunerbaron". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, „Ein Mann will nach Deutschland". — Astoria-Lichtspiele, Selters- weg, „Der Weltkrieg". — StadttheaterGießen. Heute, 20 Uhr, 1. Vorstellung im Freitag-Abonnement, „Der Zi- qeunerbaron", romantische Operette von Johann Strauß, in einer szenischen Neubearbeitung von Paul Wrede; am Dirigentenpult Kapellmeister Fritz Cuj6; choreographische Leitung Hannah Spohr, die westdeutsche Tanzregisseurin. (Siehe gestrige Anzeige.) ** Evangelisch-kirchliche Personalien. Ernannt wurden: der Pfarrer Karl Rühl zu Reichelsheim, Dekanat Friedberg, mit Wirkung vom 1. Oktober 1934 zum Pfarrer der zweiten Pfarrei Friedberg, Dekanat Friedberg und der Pfarrverwalter Friedrich Nies zu Offenthal, Dekanat Offenbach, mit Wirkung vom 1. Oktober 1934 zum Pfarrverwalter der 2. Pfarrei Groß-Gerau, Dekanat Groß-Gerau. Entlassen wurde: der Pfarrer Gerhard Kurras zu Krumbach, Dekanat Gladenbach, auf seinen Antrag mit Wirkung vom 15. Juni 1934 aus dem Dienst der Evangelischen Landeskirche Nassau-Hessen. Er hat eine Pfarrstelle in Wanne-Eickel (Westfalen) übernommen. ** Sterbefälle in Gießen. In der Zeit vom 16. bis 30. September verstorben: 17. Friedrich Maus, Fuhrmann, 37 Jahre alt, Neustadt 47; 19. Heinrich Schellenberg, Maschineninspektor i. R., 66 Jahre alt, Ludwigstraße 47; 19. Friedrich Reu- ning, Schreinermeister, 86 Jahre alt, Wilhelmstt. 28; 19. Marie Schott, geb. Giminski, Wwe., 83 Jahre alt, Friedrichstraße 6; 19. Katharine Dunkel, geb. Stein, 42 Jahre alt, Asterweg 10; 20. Christine Noerenberg, geb. Ruppel, Wwe., 77 Jahre alt, Heegstrauchweg 18; 21. Anna Noll, geb. Montanus, 64 Jahre alt, Mäusburg 7; 21. Christian Petersen, Lagerhalter, 75 Jahre alt. Großer Steinweg 11; 21. Marie Tippe, ohne Beruf, 72 Jahre alt, Marburger Straße 87; 25. Heinrich Rühl, Friseurmeister, 61 Jahre alt, Wettergasse 5; 25. Gustav Loichinger, Gastwirt, 71 Jahre alt, Wilhelm- straße 49; 28. Dr. Alfred Szubinski, Facharzt für Chirurgie, 59 Jahre alt, Goethestraße 26; 29. Ferdinand Sturm, Eisenbahn-Assistent i. R., 73 Jahre alt, Buddestrahe 2. ** Besichtigung der Glaub er g-Aus- grabungen nach wie vor gestattet. Der Denkmalspfleger von Oberhessen macht zur Befeiti- aung von Irrtümern darauf aufmerksam, daß die Besichtigung des Glauberges und der dort stattfindenden Ausgrabungen nach wie vor gestattet ist. Bei gruppenweisen Besuchen ist allerdings rechtzeitige vorherige Verständigung über Zeit der Besichtigung und Stellung eines Führers nötig. ** Das Fundsachen-Verzeichnis. Die Polizeidirektion Gießen teilt uns mit: Das Verzeichnis über die im Monat September gefundenen bzw. abgelieferten Gegenstände kann an der Anschlagtafel im Flur der Polizeidirektion, Landgraf- Philipp-Platz 1, eingefehen werden. Die Empfangsberechtigten werden aufgefordert, ihre etwaigen Rechte innerhalb zwei Monaten beim Fundbureau während der Dienststunden geltend zu machen. ** Sonntagsrückfahrkarten 5 urKochkunstausstellung in Frankfurt a. M. Zu der vom 6. bis 11. Oktober in Frankfurt a. M. stattfindenden 6. Internationalen Kochkunstausstellung gibt die Reichsbahnverwaltung von allen Fahrkartenausgaben im Umkreis von 75 Kilometer um Frankfurt a. M. Sonntagsrückfahrkarten aus. Die Karten gelten am 6. bis 7. Oktober und 13. bis 14. Oktober von Samstag 0 Uhr bis Montag 12 Uhr (Antritt der Rückfahrt). Am 10. und 17. Oktober von Mittwoch 0 Uhr bis Donnerstag 12 Uhr (Antritt der Rückfahrt). Die Karten gelten nur dann zur Rückfahrt, wenn sie auf der Rückseite von der Ausstellungskasse abgestempelt sind. Fahrpreis ab Gießen für Hin- und Rückfahrt 2. Klasse 5,20 RM.; 3. Klasse 3,60 RM. ** Sonntagsrückfahrkarten j) u r Heng st parade in Dillenburg. Anläßlich der Hengstparade in Dillenburg gibt die Reichsbahnverwaltung von allen Fahrkartenausgaben im Umkreis von 75 Kilometer um Dillenburg Sonntagsrückfahrkarten aus. Die Karten gelten: zur Hinfahrt vom 6. Oktober 0 Uhr bis 7. Oktober, zur Rückfahrt vom 6. Oktober 12 Uhr bis 8. Oktober 12 Uhr (Antritt der Rückfahrt). Der Fahrpreis ab Gießen beträgt für Hin- und Rückfahrt 2. Klasse 3,20 RM., 3. Klasse 2,20 RM. ** Jeder Hauswirt wird sich leicht davon überzeugen können, daß die Frage der elektrischen Keller- und Bodenbeleuchtung wesentlich dazu beiträgt, feine Mieter zufrieden zu stellen. Die einfachen Leuchten für Boden und Keller sind jetzt sehr billig, und die Jnstallationskosten sind ebenfalls nicht sehr erheblich; verschwindend gering ist der Aufwand für den Stromverbrauch. Schon die Förderung der Regierungsmaßnahmen zur Arbeitsbeschaffung sollte für den Hauswirt/den dies angeht, Grund genug fein, nicht mehr mit der elektrischen Beleuchtung dieser Räumlichkeiten feines Hauses zu zögern! Fahrplan zum Landestreffen -er DAF. in Wiesbaden am nächsten Samstag und Sonntag. Ausschneiden! Mitnehmen! kreis Gießen. Samstag, 6.10.: Abfahrt Sonntag, 7.10.: Rückfahrt Sonderzug DAF. 140 Grünberg ab Sonderzug DAF. 640 12.11 an 4.27 Saasen ab 12.20 an 4.18 Großen-Bufeck ab 12.31 an 4.07 Gießen an 12.42 ab 3.62 Gießen ab 12.52 an 3.36 Großen-Linden ab 13.04 an 3.28 Lang-Göns ab 13.13 an 3.22 Wiesbaden (Hbf.) an 15.14 ab 1.10 Anfchlußfahrtmitplanma ßigenZügen 1. Lollar ab 9.09 an 6.28 2. Mainzlar ab 9.00 an 6.35 3. Trais-Horloff ab 8.53 6.38 4. Allendorf ab 8.48 6.50 5. Londorf ab 8.43 6.57 6. Geilshausen ab 8.32 7.08 7. Beltershain ab 8.23 7.16 8. Garbenteich ab 9.22 5.48 9. Lich ab 9.12 5.58 10. Langsdorf ab 9.06 6.04 11. Hungen ab 9.02 6.07 1 bis 7 ab Gießen 6.20 Hhr 8 bis 11 ab Gießen 5.37 Hhr kreis Gießen. S o n n t a 9, 7.10. • Abfahrt Rückfahrt Anschlußzug 1. Hungen ab 3.45 an 4.00 Wölfersheim 4.07 3.38 Friedberg an 4.27 ab 3.18 DAF. 63 DAF. 563 Friedberg ab 4.38 an 3.14 Wiesbaden (Hbf.) an 6.55 ab 1.00 DAF. 61 DAF. 561 Gießen ab 3.51 an 4.22 Großen-Linden 4.04 4.12 Lang-Göns 4.12 4.06 W.-Biebrich 6.35 ab 1.50 Anschlußzug 2. Gießen ab 2.17 Lollar ab 2.29 an 2.27 Mainzlar 2.33 2.36 Treis 2.43 2.42 Allendorf 2.48 2.46 Londorf 2.54 2.52 Geilshausen 3.04 3.00 Beltershain 3.12 3.08 Grünberg 3.18 3.13 Saasen 3.27 3.22 Großen-Buseck 3.38 3.33 Gießen an 3.52 Anschlußzug 3. Wetzlar ab 3.30 an 2.40 Gießen an 3.50 ab 2.15 DAF. 62. Gießen ab 4.04 an 2.05 Anschlußzug 2 und 3. Jeder Teilnehmer muß den ihm vorgeschriebenen Zug benutzen. Die Zugteilnehmer haben unbedingt den Vorschriften des Bahnpersonals und der vom Kreis bestellten Führer zu folgen. Ein Beschreiben der Waggons mit Kreide usw. muß unterbleiben. Jeder Kreis haftet für den hierdurch entstehenden Schaden. Bei der Ankunft find die Bahnsteige sofort zu räumen. Die Ausstellung zum Abmarsch erfolgt vor dem Bahnhof. Der Stellplatz mtrh durch Amtswalter der Kreiswaltung Wiesbaden angewiesen. Zum Abmarsch in die Standquartiere stellt der Kreis Wiesbaden genügend Führer. Das Sammeln zum Abtransport darf nur am Standquartier erfolgen. Ein Verweilen in der Bahnhofsvorhalle ist verboten, und zwar mit Rücksicht auf die große Teilnehmerzahl und zur Vermeidung von Stockungen. Die Teilnehmergruppen rücken rechtzeitig an den für sie bestimmten Bahnhof an und werden zum Betreten des Bahnhofs aufgefordert, sobald der Leerzug eingefahren ist. Disziplin erleichtert einen reibungslosen Abtransport der großen Zahl der Teilnehmer. Arbeiisdienst-Studententreffen in Gießen. Nach der Entspannung und frohen Ausgelassenheit des Kameradschaftsabends fanden sich die Abiturienten und Studenten aus den Arbeitsbienft- gruppen 222 und 225 am nächsten Morgen wieder zur ernsten Arbeit zusammen. Zuerst sprach lluierfeldmeister Erdmann von der Gauleitung XXII über den Sinn des studentischen Einsatzes im Arbeits- dienst. Ausgehend von der Entstehung der Arbeitslagerform, die geprägt wurde in den Jahren 1930, 1931 und 1932 von der studentischen Jung- mannschast, gemeinsam mit dem jungen Arbeiter und dem jungen Bauern, zeigte Kamerad Erdmann die innige Verbundenheit zwischen der Studentenschaft und dem Arbeitsdienstgedanken in Deutschland auf. Charakteristisch für diese Entwicklung war, daß es, wie bei allen großen Bewegungen, nur wenige waren, die das Banner des Arbeitsdienstes in deutschen Landen vorantrugen. Als erste Großgliederung war es bekanntlich die Deutsche Studentenschaft, die von ihren jungen Mitgliedern den geschlossenen Eintritt in den Arbeitsdienst verlangte. Damit wurde die Deutsche Studentenschaft gleichzeitig zum Stoßtrupp In dem Kampf um eine allgemeine Arbeitsdiensipflicht. Ls gelte nun, das sozialistische Fronterlebnis des Arbeitsdienstes mit feiner ganzen Schwungkraft hinüberzutragen auf die deutsche Hochschule. Das fei die kämpferische Aufgabe, die heute als eine neue Form der Auslese und Bewährung von dem jungen Studenten gefordert werde. Kamerad Erdmann schloß mit einem Hinweis auf die hohe Anerkennung, die gerade dem nationalsozialistischen Arbeitsdienst erst vor kurzem auf dem Nürnberger Parteitage aus dem Munde des Führers gezollt worden fei. Oer Kameradschastsführer der Universität Gießen G. pallmann sprach dann über die Kameradschaftserziehung als neue Form d e s Hochschul- studiums. Er lehnte es zunächst ab, über den Begriff Kameradschaft zu sprechen; Kamerad- schäft sei eine Sache des Erlebens und des Handelns, aber nicht des Redens. Daher beschränkte er sich darauf, über die Entstehung des Gedankens der studentischen Kameradschaftserziehung, über ihr Wesen und ihren Inhalt und über ihre Form zu sprechen. Kameradschaft sei immer nur da, wo Kampf sei, wo sich kämpferische Fronten gegenüberstehen. Die Hochschule alten Stiles habe in der Hauptsache disputiert, aber nicht mehr gekämpft, darum sei die aktivistische junge Mannschaft in den Jahren, da die nationalsozialistische Bewegung um ihren Bestand und um ihre Zukunft kämpfte, aus den Hörsälen hinausgeströmt in die kämpferischen Gliederungen der SA., in die Härte und Unbarmherzigkeit des Strahenkampfes. Man habe damals nach einer Form gesucht, in der jeder für jedes Wort, was er sagte, mit feiner ganzen Person einstehen mußte. Wir haben damals mli dem jungen Arbeiter und dem jungen Bauern zusammen die ersten Arbeitslager in allen Teilen des Reiches ins Leben gerufen, als eine Lebensform, in der es keine Möglichkeit eines Ausweichens in die Bezirke der Bequemlichkeit und des Kompro« mifses gab. Dort draußen hat der nationalsozialistische Student zum erstenmal die Frage seines Kameraden, des jungen Arbeiters, nach den Dingen erfahren; viele der Studenten von damals werden diese Frage ihr ganzes Leben lang nicht vergessen, sie werden sich immer wieder, auch wenn sie an die Hochschule zurückgekehrt sind, als diä Anwälte jener fühlen, die sie ihnen gestellt haben« Diese Frage des jungen Arbeiters an den jungen Studenten war die Geburtsstunde einer neuen nationalsozialistischen Wissenschaft. Jeder neuen Generation von Studenten müsse diese Frage wieder von neuem gestellt werden. S o sei unmittelbar aus dem Gedanken des Arbeitslagers heraus der Gedanke des Kameradschaftshauses in dem gleichen Augenblick entstanden, in dem dis Studentenschaft voller Stolz und Freude die letzten der von ihr gegründeten Arbeitslager in die große Gliederung des nationalsozialistischen Arbeitsdienstes überführen konnte. Wie das Gesetz der nationalsozialistischen Bewegung auf echter Führung und echte, Gefolgschaft beruhe, so seien Führer und Ge. folgschaft die Fundamente jeder Kameradschafts« erziehung. Wie Führer und Gefolgschaft das Wesest der Kameradschaftserziehung ausmache, so beruhe ihr Inhalt auf der ungeheueren geschichtlichen Aufgabe der jungen Mannschaft von Heutetz die Drücke zu finden, die hinüberreiche aus der Wett des vergangenen Jahrhunderts, aus der Welt des Bürgers in die Welt des neuen, des kommenden Jahrhunderts, in die Welt des Arbeiters. Während der Marxismus wähnte, die Enterbung der besitzlosen Massen dadurch zu beseitigen, daß er das Privateigentum aufhöbe — eine Tatsache, durch die er die undeutsche, römisch rechtliche Prägung des Eigentumsbegriffes vom 19. Jahrhunoert in keiner Weise abschwächte, sondern im Gegenteil verstärkte und verabsolutierte — ist es Aufgabe des neuen nationalsozialistischen Denkens, eine soziale Gliederung zu finden, die den besitzlosen Proletarier auch einen Anteil am Vater-Lande gäbe, und die ihn damit wieder mit der Heimat, die er verloren habe, verknüpfe. Diese Aufhebung der Enterbung sei jedoch keine Entscheidung im Bereich der Materie allein, sondern in erster Linie eine geistig-seelische Entscheidung. Der Redner zeigte auf, wie das Arbeitertum, aufs innigste verwandt dem ewigen Kriegertum des deutschen Menschen, von Meister Eckhard und der deutschen Kunst des 16. Jahrhunderts über die Gestalten eines Leibniz, eines Goethe, eines Leopold von Ranke, eines Luther, eines Bismarck hinweg zu der ewigen und eigentlichen Erfüllung des deutschen Menschentums im Dritten Reiche zu werden beginne. Endlich sei die im Kameradschaftsdienst zusammengefaßte junge Mannschaft der Stoßtrupp einer jeden Hochschule für die Gewinnung der Landschaft, die allmählich wieder das Antlitz der deutschen Hochschule prägen und daher viel stärker als bisher in lebendige Beziehung zu der Universität gebracht werden müsse. Der Redner, der sich zum Waffenstudententum bekennt, streifte zum Schluß kurz die Form der Kameradschaftserziehung, in der das Kameradschaftshaus der Universität als Führerhaus auch die Erziehung- form der studentischen Bünde durch sein Vorleben zu befruchten habe. Im übrigen seien alle Befürchtungen, daß die Studentenschaft nicht rückhaltlos und ehrlich alle aufbauwilligen, studentischen Bünde in jeder Beziehung unterstützen werde, unangebracht und hinfällig. Gerade in Gießen bestehe zwischen den nationalsozialistisch arbeitenden Wohnkameradschaften und der Studentenschaft ein so enges Vertrauensverhältnis, wie an wenig anderen Hochschulen. Der Redner schloß mit einer eindringlichen Mahnung an die jungen Abiturienten und Studenten, daß von ihnen allein der Sieg der nationalsozialistischen Revolution im Bereich des Frontabschnittes Hochschule abhinge. Heber das Studentenwerk mit seinen verschiedenen Arbeitskreisen sprach dann der Direktor des Gießener Studentenhauses Oipl.-Bolksw rt Grebe Er erläuterte den Zweck und die Tätigkeit dieses Wirtschaftsamtes mit seinen fördernden und für- sorgenden Maßnahmen für die Mitglieder der Studentenschaft der Universität Gießen und die Aufgabe, die hierfür dienenden Einrichtungen und Betriebe zu schaffen und zu unterhalten. Dann sprach er von den vier Arbeitskreisen, wo er besonders den Arbeitskreis I „Förderung" mit den Abteilungen Studienstiftung, Kameradschaftsförderung, Studienförderung, Darlehenskasse, Kolleggelderlaß und Stipendienangelegenheiten, und den Arbeitskreis III, Berufsberatung, hervorhob. Dann kam er im besonderen auf das Gießener Studentenhaus mit all feinen Einrichtungen und Vorzügen zu sprechen. Manch einer der hier versammelten Abiturienten erhielt durch diesen Vortrag Aufschluß über die Möglichkeit und Ausgestaltung seines Studiums. Or. Wagenbach, Berufsberater beim Arbeitsamt Gießen, sprach über die Berufsberatung im Dritten Reich; fein Vortrag stand ebenfalls unter dem Gesichtspunkt der Studentenhilfe. Hier galt es vornehmlich darauf aufmerksam zu machen, daß man von dem sag. „Brotstudium" endlich abkommen müsse. Gerade das Werkhalbjahr sei eine Zeit zur Heber- legung, welchem Studiengebiet sich der Abiturient zuwenden solle. Die Berufswahl dürfe nicht mehr dem Er- messen des einzelnen überlassen bleiben, sondern richte sich allein nach den wirtschaftlichen, und sozialen Gesichtspunkten, den Erfordernissen des Wirtschaftslebens und dem Dienst an seinem Volk. Heute trete das Interesse der Gemeinschaft vor die Interessen des Individuums. Wit seinem künftigen Beruf dürfe man nur das eine vor Augen haben, als guter Bürger feiner Nation zu dienen. Die Zeit der Besinnung im Arbeitsdienst fei ferner auch notwendig, um einen Abstand von der höheren Schule zu gewinnen. Dies fei deshalb notwendig, weil die höhere Schule theoretisch eingestellt sei und dadurch bei den Schülern nicht die praktischen Sei« ten voll und ganz zum Ausdruck kämen. Im Arbeitsdienst zeige sich neben der Charaktereigenschaft, dem Gemüt vor allem die manuelle Begabung- Deshalb käme es ganz besonders bei der Berufs« wähl auf die Erfahrungen und das Urteil Im Arbeitsdienst an. Nur wer sich über sich selbst und über ein Verhältnis zur Gemeinschaft ganz im klaren ei, könne einen Berus sich unter den obigen Ge- ichtspunkten wählen. Den Abschluß der Tagung bildete ein Vortrag über die Fachschaftsarbeit an der deutschen Hochschule von Kamerad Ludwig preiß. So wie in den Kampfsemestern eine kleine Gruppe an der Hochschule gewirkt habe, so gingen heute die einzelnen Fachschaften an die Aufgabe der Hochschulreform heran. In Gießen sei man mit dem Ausbau der Fach- schaftsarbeit schon so weit vorgedrungen, daß man die einzelnen Fachschaften an die nationalsozialistischen Verufsgruppen angeschlossen habe. Sehr anschaulich berichtete dann Kamerad Prekß von der wirklich positiven Arbeit des Gießener Fachamtes. Er erinnerte daran, welche große Aufgabe sich z. B. die medizinische Fachschaft bei der Rassenerhaltung und Hygiene, ferner die juristische Fachschaft mit ihrer Mitarbeit bei der Ausgestaltung des deutschen Rechtes gestellt hätten. Zum Schlüsse betonte der Redner, daß es gerade bei der Fachschaftsarbeit auf die Jungmannschaft ankäme, und daß wir sie als künftige Mitkämpfer an der deutschen Hochschule erwarten. An die Vorträge schloß sich eine kurze Aussprache an, in der die Abiturienten und Studenten von ihren Eindrücken im Arbeitsdienst berichteten. Hierbei kam zum Ausdruck, daß überall dort, wo echtes Führertum im Sinne des Nationalsozialismus lebendig ist, der Student und Abiturient in einer ganz neuen und starken Bindung zur Volksgemeinschaft die Lager verläßt. SJL-Ipoti Derbandsspiele der Kreisklaffen. Am Sonntag, 7. Oktober. Heuchelheim — Lollar (Schneider, Gießen); Lich — Grünberg (Deibel, Gießen); Krofdorf — VfB. II. (Weinandt, Leihgestern); Wiejeck — Großen-Buseck (Bocher, Gießen); Aßlar — Naunheim II (Bernhardt, Tiefenbach); Tgde. Wetzlar — Büblingshausen (H. Rüspeler, Gießen); Wetzlar II. — Burgsolms (Birk, Naunheim); Nauborn — Werdorf (Zitzer, Gießen); Holzhausen — Leun (Keller, Naunheim); Ulm — Stockhausen (Kleemann, Bissenberg); Bissenberg II — Biskirchen (Würz, Allendorf); Al- lendorf — Albhausen (Niersbach, Wetzlar).; Allen- dorf/Lahn — Steinberg II. (Post, Wieseck); Lollar II. —- Garbenteich (Kreiling, Gießen); Leihgestern II. — Lich II. (Seitz, Heuchelheim); Steinbach — Wieseck II. (Offenbacher, Gießen); Altenbuseck — VfB. III. (Sack, Heuchelheim); Wißmar — Wieseck III. (Ka- letsch, Wetzlar); Londorf — Treis (Grote, Mainzlar); Braunfels — Bechlingen (Klier, Wetzlar); Leun II. — Schmalbach (Schäfer, Allendorf); Burgsolms II. — Wetzlar III. (Wenzel, Schmalbach); Aßlar II. — Spfr. Wetzlar II. (Küster, Berghausen); Tgd. WetzlarII.—Ehringshausen (Heinz,Stockhausen); Vetzberg — Rodheim (Schäfer, Heuchelheim); Franken- bad) — Erda (Dönges, Bischoffen); Launsbach — Kinzenbach (Reuschling, Steinbach); Heuchelheim II. — Hohensolms (Schnabel, Wieseck). Jugendpfllchtfplele. VfB. — 1900 (O. Rüspeler, Gleiberg); Lich — Wieseck (Bender, Fellingshausen); Treis/Lumda — Leihgestern (Hillebrecht, Großen-Buseck); Daubrin- gen — 1900 II. (Eisentraut, Grünberg); Kinzenbach — Heuchelheim (Lotz, Launsbach)-^ Wißmar — Krofdorf (Bender, Treis/Lumda); Großen-Buseck — Steinbach (Albach, Grünberg). Handball im Gau XII, Kreis Lahn-Dill. Oie Meisterfchastsfpiele der Kreisklaffen am kommenden Sonntag. Kreisklasse I StaffelI: To. Hochelheim I — To. DornholzhausenI: Die Platzbesitzer sollten einen sicheren Sieg landen. Allerdings müssen [k schon die Leistungen zeigen, die sie befähigten, am Vorsonntag den Wetzlarer Spv. 05 so klar zu distanzieren. Die Gäste werden sich stark zur Wehr setzen. To. Krofdorf — To. Groß-Rechtenbach: Die Gäste werden wohl die Punkte in Krofdorf lassen müssen, zumal die Platzmannschaft den Vorteil des eigenen Platzes stets gut auszunutzen versteht. To. Hörnsheim — Spv. 05 Wetzlar: Ob den Wetzlarern in Hörnsheim eiy Sieg vergönnt ist, steht noch dahin. Die Platzbesitzer haben in den letzten Spielen eine starke Formverbesserung gezeigt und sollten in der Lage sein, den Gästen ein mindestens ebenbürtiges Spiel zu liefern. Staffel II: To. Albach — Tv. 1846 Gießen: Beide Mannschaften erscheinen gleichwertig. Die Platzbesitzer sind dazu auf heimischem Boden noch zu besonderen Leistungen fähig und dürften ein kleines Plus haben. Tv. Holzheim — Tv. Lich: Holzheim als Neuling dieser Klasse wird den Gästen alles Können abnötigen und die Punkte zu Hause behalten wollen. Ob dies gelingt, bleibt abzuwarten. VfB.-Reichsbahn Gießen — To. Heuchelheim: Die Gäste haben wieder sür die Meisterschaftsspiele eine recht stabile Elf, die den Platzbesitzern sicher nicht nachsteht. Der Ausgang ist unbestimmt. Kreisklasse II Staffel I: Tv. Nauborn — Tv. Erda; Tv. Cleeberg — To. Wetzlar II; Tv. Dutenhofen — Tv. Garbenheim: Im ersten Spiel sollte die Platzmannschaft sicher die Punkte für sich buchen. Die Spiele in Cleeberg und Dutenhofen versprechen harte und gleichwertige Kämpfe mit unbestimmten Entscheidungen. Staffel II: Tv. Staufenberg — Tv. Launsbach; Tv. Wißmar — Tv. Dorlar: In beiden Spielen sind harte Begegnungen auf dem Spielplan, deren Ausgang bestimmt mit nur knappen Differenzen verbunden ist. Alle vier Mannschaften sind sich nahezu ebenbürtig. Staffel III: Tv. Garbenteich — Tv. Hochelheim II; Tv. Grüningen — Tv. Hausen: Garben- teich sollte mit den Gästen aus Hochelheim ifetne Last haben. Wenn es sich auch um eine „2. Mannschaft" handelt, so hat sie doch schon mehr als einmal bewiesen, was in ihr steckt. Mit einem knappen Sieg wird sich die Platzmannschaft schon zufrieden geben. Grüningen sollte zuhause gegen Hausen das bessere Ende für sich nehmen. Kreisklasse III: Tv. Krofdorf II — Tv. Heuchelheim II; Tv. Niedergirmes II — Tv. Münchholzhausen II; Tv. Holzheim II — Tv. Lützellinden II: Sämtliche Mannschaften sind sich 'nahezu gleichwertig. Jugend. Staffel I: Tv. Niedergirmes — Tv. Münchholzhausen. Staffel II: Tv. Grüningen — Mtv. Gießen; Tv. Lang-Göns — Tv. Krofdorf. Die Schiedsrichter-Arbeitsgemein- schast Gießen. Der Schiedsrichter-Arbeitsgemeinschaft Gießen gehören folgende Herren an: Schiedsrichter: 1. Karl Albach, Grünberg, Marktstraße/2. Karl Böcher, Gießen, Sonnenstraße 3; 3. Karl Buß, Grünberg, Barfüßergasse; 4. Wilhelm Deibel, Gießen, Glaubrechtstraße 10; 5. Hans Eisentraut, Grünberg, Gallusstraße 10; 6. Karl Enders, Gießen, Kaplansgasse 12; 7. Karl Gerhardt, Steinbach, Kirchstraße 14; 8. Bruno Grote, Mainzlar, Lollarer Straße; 9. Hermann Hillebrecht, Großen-Buseck, Schneidemühle; 10. Wilhelm Hohmann, Gießen, Ederstraße 18; 11. Fritz Kreiling, Gießen, Ludwigstraße 24; 12. Wilhelm Kreuder, Grünberg, Brückelchen; 13. Ernst Offenbacher, Gießen, Löwengasse 22; 14. Otto Michel, Gießen, Bleichstraße 13; 15. Hermann Post, Wieseck, Gießener Straße; 16. Karl Reuschling, Steinbach, Adokf-Httler-Stratze r42; 17. Karl Rohn, Gießen, Kaiserallee 7; 18. Hans Rüspeler, Gießen, Frankfurter Straße 29; 19. Otto Rüspeler, Gleiberg bei Gießen; 20. Heinrich Schnabel, Wieseck, Ecke 15; 21. Hans Schnaut, Lollar, Hauptstraße 179; 22. Heinrich Schneider, Gießen, Weserstraße 27; 23. Heinrich Seitz, Gießen, Rodheimer Straße 43; 24. Willi Wallbott, Steinberg, Gießener Straße 34; 25. Wilhelm Weinandt, Leihgestern, Gießener Straße 112; 26. Richard Wissemann, Lollar, Hauptstraße 74; 27. Paul Zitzer, Gießen, Marktplatz 20. Anwärter: 1. Ludwig Bender, Fellingshausen; 2. Ernst Baldauf, Gießen, Wartweg 27; 3. Albert Brück, Erda, Kreis Wetzlar; 4. Willi Erb, Gießen, Burggraben 9; 5. Hans Frank, Grünberg, Hintergasse; 6. Heinrich Bender, Treis a. d. Lda.; 7. Emil Lotz, Launsbach, Kr. Wetzlar; 8. Hermann Röhm, Grünberg, Schloßgasse; 9. Ernst Sack, Heuchelheim, Ernststraße 13; 10. Ludwig Schäfer, Heuchelheim, Ernststraße 33; 11. Fritz Seitz, Heuchelheim, Bachstraße 24; 12. Albert Stroh, Launsbach, Kr. Wetzlar; 13. Emil Weil, Vetzberg, Borngasse; 14. Heinrich Seel, Gleiberg bei Gießen. Hochschul-Meisterschast wird wiederholt. Das Endspiel zur Deutschen Hochschul-Fußballmeisterschaft, das in Berlin von der Universität Münster gegen die Universität Berlin mit 4:2 gewonnen wurde, wird am 13. Oktober in Erlangen wiederholt, weil auf Seiten Münsters einige unberechtigte Spieler mitgewirkt haben. Kurze Sportnotizen. Mit schönen deutschen Erfolgen nahmen am Mittwoch in Stockholm die Europameisterschaften im Freistilringen ihren Anfang. Fischer, Wittwer. Ehrl, Földeak und Neuhaus kamen in der ersten Runde zu Siegen und nur in den beiden schwersten Gewichtsklassen mußten sich unsere Vertreter Engelhardt und Müller mit Niederlagen ab* finden. ♦ Das Olympische Fußballturnier für 1 9 3 6 scheint jetzt gesichert zu sein. Zwischen dem Internationalen Olympischen Komitee und dem Internationalen Fußball-Verband sind alle strittigen Punkte bereinigt worden, so daß auf dem nächsten internationalen Fußball-Kongreß bestimmt mit dem Beschluß auf Durchführung eines Fußballturniers 1936 in Berlin zu rechnen ist. * Walter Neusel hat für den 14. November ein Kampfangebot nach Neuyork erhallen. Sein Gegner soll der Sieger des bevorstehenden Treffens zwischen Schmelings letztem Bezwinger, Steve Hamas und dem neuen amerikanischen Stern Arthur Lasky sein. Die Weltmeister im Eisschnellauf Michael Staksrud und Hans Engnestangen (Norwegen) sind als Trainer nach Moskau verpflichtet worden und bereits nach der russischen Hauptstadt I ab gereist. Der Erntedankfesttag auf dem Lande. Versrod. (D Feierliches Glockengeläute bildete am Samstagabend den Auftakt zum Erntedankfest. Die Häuser! waren reich mit Blumen und frischem Grün geschmückt und prangten im Farbenschmuck des Dritten Reiches. Auf dem Adolf-Hitler-Platz fand am Sonntag um 12 Uhr ein Erntedankgottesdienst statt. Pfarrer Frank (Reiskirchen) legte seiner Predigt die Bibelworte „Aller Augen warten auf dich, Herr, und du gibst ihnen ihre Speise zu seiner Zeit", zugrunde. Nach dem Gottesdienst wurde der Festzug aufgestellt. Unter Vorantritt der Schuljugend marschierten die PO., die Mitglieder der Partei, die SA., RSA. und einige malerische Gruppen, die den Segen der Ernte darboten und die landwirtschaftlichen Arbeiten im Frühjahr, Sommer und Herbst versinnbildlichten. Auf dem Adolf-Hitler-Platz fand eine kurze Feier statt, bei der Pg. Stein über die Bedeutung des Bauern im Dritten Reich sprach. Alsdann versammelte man sich in dem Hose der Wirtschaft Becker, um die Uebertragung vom Bückeberg zu hören. Gemütliches Beisammensein beschloß am Abend die Feier. Trais an der Lumda. t Die Feier des Erntedankfestes begann dahier am Samstagabend mit feierlichem Glockengeläute. Sonntagfrüh weckte der Posaunenchor mit Choralblasen durch das ganze Dorf. Um 10 Uhr war Festgottesdienst, der so stark besucht war, daß noch Sitzgelegenheiten besorgt werden mußten. Die erste Schulklasse sang zwei mehrstimmige Chöre, die Konfirmanden brachten unter Aufsagen von passenden Bibelsprüchen die Erntegaben zum Altar. Der Posaunenchor begleitete mit der Orgel die Lieder. Um 14 Uhr wurde am Bahnhof der Erntedankfestzug aufgestellt, der sich mit Musikbegleitung durchs Dorf bewegte. An der Spitze der BdM., die, je zwei und zwei, Körbchen mit Obst und Blumen trugen, dann die politischen Formationen, Krieger- und Gesangverein, Parteimitglieder, eine große Anzahl Gemeindeangehöriger und zuletzt ein Festwagen, die Honigküche darstellend. Auf dem Adolf-Hitler-Platz angekommen, fang der Männer- gefangoerein Liederkranz ein Lied vom Vaterland, worauf der Ortsbauernführer Berghöser die Teilnehmer des Zuges begrüßte und den Zweck der Feier auseinanderfetzte. Nach einem weiteren Chor des Gesangvereins sprach Bürgermeister Euler über die politischen Ereignisse des vergangenen Jahres und schloß die Kundgebung mit einem Sieg- Heil auf Führer, Volk und Vaterland, dem der Gesang des Horst-Wessel-Liedes und des Deutschlandliedes folgte. Langsdorf. co Auch unser Dorf prangte in reichem Schmucke, als unsere Glocken am Samstagabend das Erntedankfest einläuteten. Der Festgottesdienst, von jeher das Hochfest einer bäuerlichen Landgemeinde, unterschied sich von früheren Jahren nur dadurch, daß die Uniformen des Dritten Reiches das Bild belebten. Das Erntefestspiel mit dem Höhepunkt unseres Erntekranzliedes — von dem Sohne des Bauernführers Philipp Köhler- Langsdorf vertont — war wie sonst. Die Festpredigt ging auf Grund des Gleichnisses vom reichen Kornbauern der Frage nach, ob eine christlich-deutsche Bauernkultur möglich ist. Der Nachmittag brachte einen mit Freuden begrüßten Festzug, der etwas bescheidener war als im Vorjahr, aber etliche GlaUzstücke aufwies; so zog besonders eine reich mit Blumen und Girlanden geschmückte Dreschgarnitur der Firma Jean T h ö r n e r alle Augen auf sich. Der Festzug mündete auf unserem „Juxplatz". Hier erfreute der B. D. M. durch mehrere frohbewegte Reigen. Nach einer kurzen Ansprache, die im nationalsozialistischen Stil geschlossen wurde, zerstreute man sich an die verschiedenen Rundfunkstellen. Wie lange der Erntetanz dauerte, ist dem Berichterstatter nicht gemeldet worden. Den Abschluß bildete eine am Montagmorgen durch die evangelische Gemeinde vorgenommene Kartoffelsammlung für das Hessische Diakonissenhaus Elisabethenstift, die bei uns seit Jahrzehnten üblich ist und Heuer durch das Entgegenkommen der staatlichen Stellen wieder möglich war. Sie ergab etwas über 41 Zentner. Es ist uns alles in allem gelungen, altes dörfliches Brauchtum mit dem neuen Lebensstil zu verbinden. Bellersheim. CO Am Sonntag prangte unser Dorf aus Anlaß des Erntedankfestes in festlichem Flaggenschmuck. Die Kapelle des Jungvolkes leitete den Tag durch den Weckruf ein. Am Vormittagsgottesdienst nahmen alle Formationen der Partei in geschlossenem Aufmarsch teil. Mittags bewegte sich der Festzug unter Vorantritt der Jungvolk-Kapelle durch die Straßen. Auf einigen Wagen war die Arbeit des Bauern sinnvoll dargestellt. Die im Saale Angermüller stattfindende Feier wurde durch den Propagandaleiter Adolf Müller eröffnet. Bürgermeister Pg. Hermann M o o g sprach sodann über die Bedeutung des Erntedankfestes. Nach einer Pause hörten die Versammelten die Uebertragung der Erntefeier auf dem Bückeberg. Mit dreifachem „Sieg - Heil!" auf unseren Führer Adolf Hitler, mit dem Gesang des Deutschland-, des Horst-Wessel- und dem ersten Vers des Saarliedes wurde die Kundgebung geschlossen. Am Abend sorgte die Schuljugend durch Gedichtoorträge und durch die Aufführung eines Erntedankfeststückes für die Unterhaltung. Schotten. A Das Erntedankfest wurde auch hier unter allgemeiner freudiger Beteiligung der Bevöl- Einfache An wendung Sichere Wirkung Fl. 180 extra Stark DrogerieWinterhoH, Kreuzplatz 10 Pari. 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Mittags wurde der Festzug an der Straße nach Schwickartshausen aufgestellt. Die Spitze des Zuges bildete die SA.-Kapelle. Es folgten PO., SA., SA.-Referve, HI. und JV. Sodann kamen die Erntewagen, geschmückt mit dem Erntesegen des Herbstes aus dem Obstgarten und von den Aeckern. Der in allen Teilen schöne Festzug bewegte sich durch die Straßen des Dorfes. Auf dem Festplatz hielt Bürgermeister Heinz eine Ansprache. Er wies auf Sein und Bedeutung des Erntedanktages im Dritten Reich hin. Seine Rede klang aus mit einem dreifachen „Sieg-Heil!" auf den Führer und Reichskanzler. Die Pause bis zur Uebertragung der Führerrede von dem Bückeberg wurde ausgefüllt mit vortrefflich vorgetragenen Musikstücken der SA.-Kapelle. Mit großem Interesse hörte man die Rede des Führers. Nieder-Ohmen. Die Feier des diesjährigen Erntedankfestes wurde in unserem Dorf würdig begangen. Unter starker Beteiligung fand am Sonntagmorgen ein Erntedankgottesdienst, mit einem Erntedankspiel der Schüler verbunden, statt. Zu diesem Zwecke war die Kirche mit Früchten des Feldes reich geschmückt. Am Nachmittag bewegte sich ein stattlicher Festzug durch die mit Flaggen geschmückten Straßen unseres Dorfes, an dem sich SA., HI-, JV., BdM., Reichsnährstand, Frauenschaft, sowie die Mitglieder der Arbeitsfront beteiligten. Anschließend wurde gemeinschaftlich die Führerrede vom Bückeberg gehört. Kirtorf. st. Der Tag des Erntedankfestes nahm in unserer Stadt einen schönen Verlauf. Am Vorabend traten die Gliederungen der Bewegung und die Einwohnerschaft auf dem festlich erleuchteten Marktplatz an. Während die Kirchenglocken gelautet wurden errichtete man den stattlichen Erntebaum mit dem Erntekranz. Ortsgruppenleiter und Bürgermeister Lather hielt eine kurze Ansprache, in der er auf den Sinn und die Bedeutung des Erntedankfestes hinwies. Er mahnte, auch das diesjährige große Winterhilfswerk tatkräftig zu unterstützen. Ein Sprechchor, der das Bauerntum kennzeichnete, ein Lied des BdM. und Darbietungen des Blaser- chores verschönten die Feier. Ortsgruppenleiter Lather brachte ein Gedicht zum Dortrag, dann wurde gemeinsam ein Kampflied der Bewegung gesungen. Ein dreifaches "Sieg-Hell- auf den Führer und der Gesang des Horst-Wessel- und des Deutschland-Liedes beendeten die abendliche Feier. Am Sonntagmorgen, nachdem die Glocken gelautet hatten, folgte der Weckruf der SA. Die Hauser wurden mit Flaggen und Tannengrun prächtig geschmückt. Der Festgottesdienst war sehr gut besucht. Der Altar war mit Früchten des Feldes und der Gärten prächtig geschmückt. Studienrat Dekan Dr. Unverzagt (Gießen) hielt die Predigt in der er zum Dank an den allmächtigen Schöpfer ausries. Am Nachmittag marschierte der Festzug unter den Klängen des Jungvolk-Trommler- und Pfeiserkorps und des Bläserchors durch die Straßen unseres Städtchens und bot ein vielfältiges, imposantes Bild Nach dem Umzug entwickelte sich auf dem Platz an der Au ein richtiges Volksfest. Ortsgruppenleiter und Bürgermeister Lather eröffnete sofort das Kleinkaliberschießen der Bauern und Jungbauern, der Bläserchor wartete mit schneidiger Musik auf, es wurde eifrig getanzt, die Jugend unterhielt mit allerlei Spielen und der BdM. zeigte schone Reigenvorführungen. Zum festgesetzten Zeitpunkt wurde die Uebertragung der Feierlichkeiten vom Buckeberg gehört. Sodann wurde das Bauernschießen fortgesetzt Am Abend fand noch eine Tonfilmveranstaltung statt. Es wurde der Film „Andreas Hofer" aufgeführt. Nach der Filmvorführung zog die Gemeinde wieder zum Erntebaum, der nun umgelegt und seines Schmuckes entkleidet wurde; die an ihm angebrachten Gebrauchsgegenstände wurden an die zwölf besten Schützen verteilt. Der beste Schütze Heinrich Merlau wurde zum Bauernkönig ausgerufen. Baron Freiherr von Schenck zu Schweinsberg-Kirtorf hielt eine heitere Ansprache über die Bedeutung des Schießens. Ortsgruppenleiter Lather beschloß den Tag mit einem dreifachen Sieg-Heil! auf den Führer. Grebenau. ss. Auch in diesem Jahre wurde das Ernte- d a n k f e st unter starker Beteiligung in unserer Gemeinde festlich begangen. Sämtliche Häuser waren geschmückt. Frühmorgens erfolgte der Weckruf durch den hiesigen Posaunenchor. Am Festgottesdienst nahmen alle Gliederungen der NSDAP, und fast sämtliche Vereine mit Fahnen teil. Pfarrer Müller hielt die Festpredigt, in der er besonders darauf hinwies, daß das Erntedankfest nicht nur das Fest des Bauern, sondern des ganzen deutschen Volkes sei. Durch einige Sprechchore und sinnreiche Sprüche der Schulkinder wurde der Festgottesdienst verschönt. Nach dem Festgottesdienst ging es in geschlossenem Zuge auf den Friedhof zum Ehrenmal. Hier leitete der Gesangverein Eintracht die Gedächtnisfeier mit einem Liede ein. Anschließend gedachte der Ortsgeistliche der zwei Millionen im Weltkrieg gefallenen Helden und auch der 400 SA., SS.- und HJ.-Kameraden, die für das neue Deutschland fielen. Ortsgruppenleiter Konrad Ha - b e r m e h l legte am Ehrenmal einen Kranz nieder. Mittags erfolgte auf dem Marktplatz die Aufstellung des Festzuges. Nach dem Umzug trafen sich sämtliche Teilnehmer auf dem Jahnplatz bei der Turnhalle. Ortsgruppenleiter Konrad H aber- mehl sprach über die Bedeutung des Tages, der Gesangverein „Eintracht" trug zwei Lieder vor. Dann hörte man die Uebertragung des Staatsaktes auf dem Bückeberg. Rundfunkprogramm Samstag. 6. Oktober. 6 Uhr: Bauernfunk. 6.15: Gymnastik I. 6.30: Gymnastik II. 6.45: Frühmeldungen. 6.55: Morgenspruch — Choral. 7: Frühkonzert. 8.30 bis 8.45: Gymnastik. 9.15: „Von Liebe und Wein". 10: Nachrichten. 11.45: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert I. 13: Saardienst. 13.10: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert II. 14.15: Nachrichten. 14.30: Quer durch die Wirtschaft. 15: Jugend- Stunde. 16: Nachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18: Stimme der Grenze. 18.30: Steg- reiffendßng. 18.45: Blasmusik. 19.45: Tagesspiegel. 20: Nachrichten.» 20.05. Saarländische Umschau. 20.15 Uhr: Lustiger Abend des Reichssenders Frankfurt. 22: Nachrichten. 22.10: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 22.30: Fortsetzung des Lustigen Abends. Kirche und Schule. Kreis Schotten. (D Schotten, 30. Sept. In der hiesigen Stadtkirche fand ein evangelischer Gemeindeabend statt, bei dem Bundessekretär Otto aus Berlin im Auftrag des „Deutschen Bundes für christlich-evangelische Erziehung in Haus und Schule" einen Vortrag hielt über das Thema: „Das christliche Haus und die evangelische Gemeinde im Bibeljubiläumsjahr 1934". Ausgehend von der Großtat Luthers, der uns vor 400 Jahren die deutsche Bibel gab, legte der Redner in fesselnden und tiefschürfenden Ausführungen dar, welche Bedeutung die Bibel für Familie und Gemeinde habe, und forderte dazu auf, die früher allgemein übliches Hausandachten als wertvolles Mittel zum inneren Wiederaufbau der deutsch-christlichen Familie wieder einzurichten. Leider war der Vortrag nur schwach besucht. Professor Henri Marteau f. F M * ■v ' <■; «j W-- C/r t “V Der berühmte Geiger und Komponist Professor Henri Marteau ist auf seiner Besitzung bei Lichtenberg in Oberfranken an der thüringisch-baye- rischen Grenze, 60 Jahre alt, gestorb en. Eins Lungenentzündung hat dem Leben des von unermüdlicher Schaffenskraft erfüllten Künstlers plötzlich ein Ende gesetzt. — Marteau wurde 1874 in Reims geboren. Als Knabe genoß er im großelterlichen Hause in Dresden den ersten Violinunterricht durch den Schweizer August Buenzli. Schon mit 26 Jahren war er Leiter der Meisterklasse des Genfer Konservatoriums. Im Herbst 1908 wurde er Nachfolger Josef Joachims an der Berliner Hochschule für Musik. Nach dem Kriege wirkte Marteau als Leiter an den Konservatorien in Leipzig und Dresden sowie an der deutschen Akademie in Prag, deren Rektor er war. Prozessor Marteau unternahm ausgedehnte Konzertreisen in alle Länder Europas. Seine künstlerische Bedeutung lag in der zielvollen, ernsthaften und formvollendeten Wiedergabe der Werke von Bach, Beethoven und Mozart. TEXTILHAUS GRAF Ä. 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