"^gesamt ch damit tslauf Set Kilo. rZ'eöer a E'nige G 4Mn gegrüßt Welver, tot. ft« 6ie '"«hm "Seite 9r°6eren weitere!! Stunden lst die ' !chon zu- rn waren ^troffen. re" Äon. ' Z Mit passieren 22 >fb.; >tb.; ’b.; Nr. 15Z Erster Blatt 184. Jahrgang Mittwoch. 4.MM4 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monats Bezugspreis: Mit 4 Beilagen NM. 1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen Postscheckkonto: Zrankfurt am Main 11686 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Universitatr Buch- und Zteindruckerei R. Lange in Gießen. 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Daß aber das Königreich Siam in Hinterindien so groß ist wie Vorkriegsdeutschland, daß es zu den wichtigsten Reisproduktionsgebieten der Welt gehört, daß seine Hauptstadt Bangkok eine Millionen st adt ist, wissen die Wenigsten. Siam, der einzige unabhängige Staat Süd- und Ostasiens, ist das Kernland Hinterindiens. Im Osten durch Bergketten von der britisch-indischen Provinz Burma abgeschlossen, im Norden durch den ungeheuren Flußlauf des Mekong ebenfalls von Burma und Französifch-Jndochina getrennt, im Osten an das von Frankreich beherrschte Königreich Kam- bodja stoßend, hat es im Süden und Südosten die lange Küstenlinie am Golf von Siam, einem Teil des chinesischen Meeres, und eine verhältnismäßig schmale Landgrenze gegen die unter englischer Verwaltung stehenden Malayischen Staaten. Das Land wird von den sogenannten Thai, d. h. den Freien, bewohnt, die etwa um bas Jahr 1000 n. Ehr. aus dem Norden eingewandert sind, und das damals mächtige Königreich der K h e m e r erobert haben, von deren hoher Kultur noch heute die wundervollen Ruinen von Angkor in Kambodja zeugen. Die Thais festigten dann ihre Macht und errichteten im Anfang des 14. Jahrhunderts ein Königreich, das dem Khemer Königreich an Größe nicht nachstand. Die damalige Hauptstadt Ayuthia, die etwa 70 Kilometer nördlich von Bangkok am Menam lag, hat an Ausdehnung London weit übertroffen. Die Einwohner Nord-Siams unterscheiden sich in Sprache, Tracht und Aussehen etwas von den übrigen Siamesen. Sie werden Laos genannt, nennen sich aber selbst Thai und sind wahrscheinlich nur ein besonderer Stamm dieser selben Rasse. Ganz im Süden des Landes, an der malayischen Grenze, leben einige hunderttausend Malayen, die aber ohne Bedeutung bleiben. Immer mehr wächst aber die Bedeutung der seit Jahrhunderten in das Land einwandernden Chinesen, die jetzt schon zusammen mit den Mischlingen etwa 10 Prozent der 12 Millionen betragenden Gesamtbevölkerung ausmachen. Die Chinesen sind sehr arbeitssam und schaffen dadurch aroße Vermögen, die sie zu wirtschaftlichen Beherrschern des Landes machen. Sie sind Kulis und Handwerker, aber auch Kaufleute und Unternehmer. Die Frage der chinesischen Ueberfremdung ist eines der schwersten Probleme des modernen Siams. Das Land verlangt so wenig Arbeit vom Menschen und gibt ihm mit verschwenderischem Reichtum alles, was er zum Leben benötigt, daß der Siamese, dessen Budda-Glaube Genügsamkeit predigt, nicht viel zu schaffen braucht, um leben zu können. Siams Hauptprodukt ist der Reis, der ungefähr 75 Prozent der Gesamtausfuhr macht. Daneben wachsen aber auch alle tropischen Früchte und im Norden sogar europäische G e - müse. Reiche Zinnvorkommen im Süden werden von den verschiedenen Gesellschaften abgebaut. Der tropische Urwald, der große Teile des Landes bedeckt, lieferte unerschöpflichen Reichtum an edlen Hölzern, darunter das weltberühmte stahlharte Teakholz, das zum Schiffsbau benutzt wird. Flüsse und Meer wimmeln von Fischen. Das Land ist ein großes Tischlein-deck-Dich. Das heutige Siam hat erst im Jahre 1910 feine endgültige Gestalt bekommen. Durch Verträge mit England und Frankreich hat es zu Beginn des Jahrhunderts große Landstriche an diese beiden Mächte abgetreten, hat sich aber dadurch völlige Unabhängigkeit bewahrt. Die Geschichte des Landes erzählt von vielen blutigen Kriegen. Noch vor kaum mehr als 150 Jahren wurde die berühmte alte Hauptstadt Ayuthia von den feindlichen Burmesen dem Erdboden gleich gemacht. Erst zu diesem Zeitpunkt wurde Bangkok, damals ein kleines befestigtes Fischerdorf, zur Hauptstadt gemacht, die heute mit fast einer Million Einwohner zu den größten Städten Asiens gehört. Es war der erste Herrscher aus der noch heute regierenden Chakri- Dynastie, der seinen Palast in Bangkok errichtete. Und die folgenden Herrscher haben diese Stadt am Menam mit wahrhaft königlicher Pracht aufgebaut. Unter dem König Chualalongkorn, dem Vater unseres Gastes König Prajadhipok, nahm das Land einen ungeheuren Aufschwung. Der König rief westliche Gelehrte, Beamte und Offiziere nach Siam und schuf damit den modernen Staat. Er war ein großer Freund Deutschlands, das er auch auf feinen Auslandsreisen besucht hat. Deutsche Ingenieure bauten die Eisenbahn. Deutsche Fachleute leiteten das Postwesen. Deutsche Aerzte und Apotheken organisierten das Gesundheitswesen. Nach dem Tode dieses weitsichtigen und beliebten Monarchen und einer kurzen Negierungszeit seines Sohnes R a m a V I. wurde im Jahre 1925 sein jüngerer Sohn Prajadhipok zum König von Siam gekrönt. Der König, der im Jahre 1893 geboren ist, heiratete im Jahre 1918 die Königin Ramdai Bharni, die ihn auch auf feiner großen Europa-Reise begleitet. Er ist in Harrow und später im englischen Heer erzogen, ist ein großer Freund der Wissenschaften und Literatur und tut viel für die Schulen und Hochschulen feines Landes. Die Königin, eine Nichte König Chualalongkorns, teilt die Neigungen des Königs. Sie ist eine weitgereiste. modern erzogene Frau und Besitzerin des Der Führer erstattet dem Reichskabmett Bericht über die Niederschlagung der Röhm-Revolte. Anerkennung des Grundsatzes der Gtaatsnotwehr. — Oer Reichswehrminister dankt dem Führer im Namen des Reichskabinetts. Berlin, 3. Juli. (DRV.) 3n der heutigen Sitzung des Reichskabinetts gab Reichskanzler Adolf Hitler zunächst eine ausführliche Darstellung über die Entstehung des hochverräterischen Anschlages und seine Niederwerfung. Der Reichskanzler betonte, daß e i n blitzschnelles handeln notwendig war, weit andernfalls die Gefahr bestand, daß viele Tau- sende von Menschenleben vernichtet worden wären. Reichswehrminister Generatoberst von Blomberg dankte dem Führer im Namen des Reichskabinetts und der Wehrmacht für fein entschlossenes und mutiges handeln, durch das er das deutsche Volk vor dem Bürgerkrieg bewahrt habe. Der Führer habe sich als Staatsmann und Soldat von einer Größe gezeigt, die bei den Kabinettsmktgliedern und im ganzen deutschen Volk das Gelöbnis für Leistung, Hingabe und Treue in dieser schweren Stunde in allen Herzen wachgerufen habe. Das Reichskabinett genehmigte sodann ein Gesetz über Maßnahmen der Staatsnot- wehr, dessen einziger Artikel laufet: „Die zur Niederschlagung hoch- und landesverräterischer Angriffe am 30.3üni und am 1. und 2.3uli 1934 vollzogenen Maßnahmen find als Staatsnotwehr rechtens." Der Reichsjusiizminister Dr. G ü r t n e r erklärte hierzu, daß die vor dem unmittelbaren Ausbruch einer landesverräterischen Aktion ergriffenen Notwehrmaßnahmen nicht nur als Recht, sondern auch als staatsmännische Pflicht zu gelten haben. Das Reichskabinett beschloß ferner ein Aende- rungsgeseh zum Gesetz zur Sicherung der Einheit von Partei und Staat, wonach der Stabschef der SA. nicht mehr Mitglied der Reichsregierung fein muß. Gleichzeitig wurde ein Gesetz zur Aeuderuug des Reichswahlgesehes genehmigt, wonach ein Abgeordneter seinen Sih verliert, wenn er aus der Reichstagsfraktion der NSDAP, austritt oder aus ihr ausgeschlossen wird. Die Bestimmung des Ersatzmannes wird dem Führer der Reichstagsfraktion überlassen, der dabei weder an die Grenzen der Wahlkreise, noch an die Reihenfolge der Bewerber auf den Wahlvorschlägen gebunden ist. Verbot eigenmächtiger Gewalttaten. Eine Anordnung des Führers. Berlin, 3. 3uli. (DNB.) Der Führer hat folgende Anordnung erlassen: Die Maßnahmen zur Niederschlagung der Röhm- Revolte sind am 1.3uli nachts abgeschlossen worden. Wer sich a u f e i g e n e F a u st, gleich aus welcher märchenhaftesten Juwelenschatzes der Welt. Die Ehe ist bisher kinderlos. Der König, der das Reformwerk fernes Vaters weitergeführt und so Siam zu einem modernen Lande gemacht hat, mußte in den letzten Jahren mit gewissen innerpolitischen Schwierigkeiten kämp- en Siam war eine absolut regierte M o n a r ch i e, der König unumschränkter Herrscher über Leben und Tod seiner Untertanen. Er wurde in der Regierung von den Mitgliedern des königlichen Hauses unterstützt, die, da in Siam die Vielehe herrscht, zahlreich wie Sand am Meer sind. Diese reine Familienherrschaft hat zu Unzuträglichkeiten geführt. Die in Europa erzogenen jungen siamesischen Beamten und Offiziere beanspruchten in steigendem Maße, auch in der Regierung gehört zu werden. Und so brach im Juni 1932 eine offene Empörung gegen die absolute Monarchie und die Prinzenherrschast aus, die sich aber in keiner Weise gegen die Person des König selbst richtete. König Prajadhipok sah vielmehr die Richtigkeit der Forderungen ein, berief ein bürgerliches Kabinett und versprach, schnellstens eine Versa ssung ein- zuführen die die Mitbetcillgung des Volkes an der Regierung vorfieht. Diese Verfassung wurde Mitte 1933 verkündet. Parlamentswahlen waren auf den Oktober 1933 angesetzt. Anfang Oktober brach w t e- ber e i n Auf st and aus, der diesmal von den reaktionären Prinzen ausging und auf Wiedereinführung der absoluten Monarchie hinzlelte. Der König aber brückte weit von den Aufruhrern ab die schnell besiegt werden konnten, so daß nach ruhig verlaufenen Wahlen im Dezember 1933 das Parlament mit einer feierlichen Sitzung eröffnet werden konnte. In der kürzlich ernannten Regierung arbeiten die Führer Jung-Siams zusammen mit den Führern von Heer und Marine. Der Ministerpräsident Oberst Phy Bah o l war das Haupt des ersten Staatsstreiches. Er ist als Kadett in Lichterfelde erzogen worden, spricht fließend deutsch und war ein Klassenkamerad des MinisterAbsicht, in Verfolg dieser Aktion eine Gewalttat zuschulden kommen läßt, wird der normalen 3 ustiz zur Verurteilung übergeben. Gez.. Adolf Hitler. Der Führer berichtet demReichsprasidenten mAeudeü N e u d e ck , 3. 3u(i. (DNB.) Reichskanzler Adolf Hiller erstattete heute hier dem Reichsprä- präfibenten General Göring, ben er häufig in feinen Parlamentsreben anführt. Obwohl Siam 1917 Deutschland ben Krieg erklärt hat, hat es nach Friebensschluß in fteigenbem Maße seine Pforten bem beutschen Handel roieber geöffnet. Der beutsche Kaufmann unb Ingenieur nehmen eine geachtete Stellung im ßanbe ein. Das Telephonwefen unb bie brahtlose Telegraphie stehen unter ber Leitung von beutschen Fachleuten. Deutsche Maschinen werben zur Einrichtung ber Industrie benutzt; kürzlich finb erst bie Anlagen zu einer Brauerei, einer Baumwollspinnerei unb Weberei aus Deutschlanb geliefert worben. Es ist zu hoffen, baß bie freunbschaftlichen, wirtschaftlichen unb politischen Beziehungen zwischen Deutschlanb unb Siam sich durch den Besuch des Monarchen noch vertiefen werden, und daß er seine Eindrücke vom neuen Deutschland für den Aufbau seines Landes verwerten wird. Das Königspaar von Siam fährt heute nach Neudeck. Berlin, 3. Juli. (DNB.) Im Programm des Königspaares von Siam ist ein B e s u ch beim Reichspräsidenten in Neudeck vorgesehen. Das Königspaar fährt morgen abend mit kleinem Gefolge unb in Begleitung bes Chefs des Protokolls nach Neubeck. Am Dienstagmittag statteten ber König unb bie Königin von Siam bem Berliner Flughafen auf bem Tempelhofer Felb einen Besuch ab. Der Flughafen hatte Flaggenschmuck auch in ben Farben bes fjeimatlanbes der hohen Gäste erhalten. Das Königspaar wurde in der neuen Empfangshalle durch Staatssekretär Milch vom Reichsluftfahrtministerium begrüßt, um dann auf bem Rollfelb in Gegenwart von Vertretern bes Auswärtigen Amtes, ber Deutschen Lufthansa unb bes Deutschen Luftsportverbanbes einige Großflugzeuge zu besichtigen. Der König unternahm im Anschluß an bie Besichtigung mit dem Großfi d en l en von Hindenburg ausführlichen Bericht über die am Sonntagabend abgeschlossene Aktion gegen die hoch- und Landesverräter. Reichspräsident von Hindenburg benutzte diese Gelegenheit, um auch persönlich de m Reichskanzler seinen Dank für das entschlossene handeln auszusprechen, durch das dem deutschen Volke großes Blutvergießen und dem Vaterlande schwere Erschütterungen erspart worden sind. flugzeug Junkers G. 38 „G e n e r a l f e I ö mar« schall vonHindenburg" ber Deutschen Lufthansa einen Runbslug von 20 Minuten Dauer. Wöhrenb bes ganzen Fluges saß ber König gemein« (am mit Flugkapitän Otto Brauer im Führerft a n b am Doppelsteuer ber Maschine. Heftige Angriffe Snowdens gegen Macdonald. L o n b o n , 4. Juli. (DNB. Funkspruch.) Das Oberhaus war am Sienstagabenb Zeuge von heftigen Angriffen bes einstigen Schatzkanzlers im Cabourfabinett, Lorb Snowben gegen seinen früheren Freunb, ben Ministerpräsibenten Mac« banalb aus Anlaß der im neuen Finanzgesetz vorgesehenen Widerrufung der Landsteuer. Das englische Volk, so erklärte Snowden, sei betrogen worden und Millionen von Wählern hätten ihr Vertrauen in die Ehrlichkeit ihrer Führer verloren. Das Kabinett habe in Macdonald ein wi l« liges Instrument für die konservative Politik gefunden. Es gebe kein Versprechen, das Macdonald nicht brechen werde, unb keine Er- niebrigung, ber er sich nicht unterwerfe, wenn man ihm nur erlaube, sich Ministerpräfibent zu nennen. Macbonalb sei nur noch ein Werkzeug der Konservativen unb werbe jetzt als Ausstellungsstück auf ben konservativen Rebnertribünen gezeigt, nachdem er seine einstige sozialistische Ueber- zeugung abgelegt habe. Der Lordkanzler wies die Angriffe Snowdens als nicht in das Oberhaus passend aufs allerschärfste zurück. Er erklärte dabei u. a.: „Der Ministerpräsi- dent ermächtigt mich zu der Erklärung, daß er in einer Zeit der Krise keine andere Wahl hatte, als lebenslängliche Fr«mde ebenso wie manche seiner ihm am stärksten am Herzen liegende Ziele für bas Wohl bes Vaterlandes zu opfern. Vielleicht war er im Unrecht. Ich glaube es aber nichts Umfassendes Gesehgebnngswerk vom Reichskabmett verabschiedet. Das Reichskabinett genehmigte noch eine aroße Anzahl von weiteren Gesetzentwürfen. Das Gesetz gegen Mißbrauch des bargeldlosen Zahlungsverkehrs sieht vor, daß gewisse Unternehmungen, die zum Zwecke der Einräumung von Krediten im wesentlichen auf unbarem Wege Guthaben schaffen, über bie durch Scheckanweisung oder Derrechnungs- auftrag, nicht aber durch Barabhebung v e r f ü g t werden soll, den Betrieb zu schließen haben, und daß neue Unternehmungen dieser Art nicht mehr eröffnet werben bürfen. Es handelt sich hierbei in ber Hauptsache um Unternehmungen zu Baufinanzierungen unb ähnlichen Zwecken. Das Gesetz über die Vereinheitlichung bes Gesundheitswesens sieht die Schaffung von Gefunb - heitsämtern in ben Stabt- unb Lanb- kreisen vor, wodurch die Zersplitterung auf dem Gebiet des Gesundheitswesens beseitigt wird. Das Gesetz über Aenderungen auf dem Gebiet der Reichsversorgung und bas 5. Gesetz zur Aenbe- rung bes Gesetzes über bas Verfahren in Dersor- gungssachen burch die Reichsregierung bringt Verbesserungen über bie Versorgung ber Kriegs- beschädigten unb Kriegerhinterbliebenen. Das Gesetz über Anwenbung wirtschaftlicher Vergeltungsmaßnahmen gegenüber dem Auslanbe ist notwenbig geworden durch die Androhung von Zwangsmaßnahmen seitens des Auslandes im Waren- und Zahlungsverkehr gegenüber Deutschland. Um solchen Zwangsmaßnahmen rasch und nachdrücklich begegnen zu können, gibt das heute genehmigte Gesetz den zuständigen Reichsministern die Ermächtigung, unverzüglich die zur Abwehr erforderlichen Anordnungen zu treffen. Dem gleichen Zweck dient das ebenfalls genehmigte Gesetz über die Ermächtigung zu vorübergehenden Zolländerungen. Darüber hinaus wird dem Reichswirtschaftsminister durch ein besonderes Gesetz über wirtschaftliche Maßnahmen die Möglichkeit gegeben, alle nach der Sachlage nötigen Maßnahmen unverzüglich zu treffen. Das Gesetz zur Aenderung der Gewerbeordnung gibt den obersten Landesbehörden die Befugnis, bei ber Errichtung von Anlagen, bie im öffentlichen Interesse liegen, Verzögerungen aus- zuschliehen, die auf Grund der geltenden Bestimmungen entstehen könnten. Das Gesetz beseitigt ferner Mißstände im Hande l mit sog. Blinde nwa re n, b. h. von Waren, die von Blinden hergestellt wurden, und in der Ausübung eines Gewerbes im Umherziehen. Das Reichskabinett beschloß weiterhin ein Gesetz zur lleberleitung des Forst - und 3agdwesens auf das Reich. Zur Sicherung der Erhaltung und Pflege des deutschen Waldes in seiner Bedeutung für Volks- und Landeskultur, zur Förderung der Forstwirtschaft und ihrer Aufgaben für die Arbeits- und Rohstoffversorgung des Volkes durch einheitliche Verwaltung und Bewirtschaftung der öffentlichen Forsten und durch Vereinheitlichung der Aufsicht über die nichtsiaatlichen Forsten sowie zur einheitlichen Regelung des deutschen 3agdwesens wird als oberste Reichsbehörde ein Reichsforstamt gebildet, an dessen Spitze ein Reichsforstmeifter sieht. Der Reichssorst- meister führt in 3agdsachen die Amtsbezeichnung „R e i ch s j ä g e r m e i st e r". Der Reichs- forftmeister wird vom Reichskanzler ernannt Gleichzeitig verabschiedete das Reichskabinett das R e i ch s j a g d g e f e h, das eine zeitgemäße Gestaltung des deutschen 3agdrechtes schafft. Nach einem ebenfalls vorn Reichskabinett verabschiedeten Gesetz finb öffentliche Sammlungen jeber A r t mit sofortiger Wirkung bis zum 31. Oktober b. I. verboten. Ein Gesetz über bie Akabemie für beutsches Recht macht bieje zur öffentlichen Körperschaft bes Reiches. Ihr Sitz bleibt München. Sämtliche öffentlichen Sammlungen bis zum 31. Oktober verboten. Das Gesetz über die Umwandlung von Ka- pitalge sellschaften bezweckt, in geeigneten Fällen oie Abkehr von anonymen Gesellschaftsformen zu erleichtern und ihre Ersetzung durch Unternehmungen mit Eigenverantwortung des Inhabers zu fördern. Dem gleichen Zweck dient das ebenfalls verabschiedete Gesetz über Steuererleichterungen bei der Umwandlung und Auflösung von Kapitalgesellschaften. Die Aenderungen einiger Verbrauchs- steuergesetze wurden beschlossen, und zwar des Zucker steuergesetzes,, in das der aus Zellulose gewonnene Zucker einbezogen wird, der steuerlich dem Stärkezucker gleichgestellt wird. Es handelt sich hierbei um ein Erzeugnis der Deutschen Bergin A. G. für Holzhydrolyse. Durch eine Aenderung des S a lz steuergesetzes wird erreicht, daß, wer mit einem allgemeinen Vergällungsmittel vergälltes Salz unangemeldet entgällt und dadurch gleichsam Salz gewinnt, zur Steuerzahlung herangezogen und bestraft werden kann, und daß oie Verwendung allgemein vergällten Salzes für menschliche Ernährung unter Strafandrohung verboten wird. Das Gesetz zur Aenderung des Münzgesetzes schafft die Voraussetzungen für die Errichtung einer Neichsmünzstätte und bringt die mit der Münz- reform zusammenhängenden Aenderungen. Das Gesetz zur Aenderung der Reichsschuldenordnung vom 13. Februar 1924 eröffnet den Erwerbern von Stücken der neuen Reichsanleihe von 1934 die Möglichkeit, ihre Forderungen in Buchschulden des Reiches umwandeln zu lassen. Das Gesetz über Proteste von Wechseln und Schecks beseitigt Zweifel und Irrtümer in der Auslegung einiger Vorschriften des neuen Wechselgesetzes und Scheckgesetzes. Das Gesetz über die Erhöhung der Umsatz-Ausgleichssteuer ist notwendig geworden, weil andere Länder, die eine Umsatzsteuer haben, die Einfuhr in ihr Gebiet einer besonderen Einfuhrumsatzsteuer unterwerfen. Hiernach wird die Einfuhr deutscher Waren in diese Länder höher belastet als umgekehrt die Einfuhr aus diesen Ländern nach Deutschland. Das Gesetz sieht daher die Möglichkeit vor, die Umsatzausgleichssteuer gegenüber solchen Ländern zu erhöhen. Das Gesetz über den Verkauf von Waren aus Automaten bestimmt, daß ein Verkauf aus Automaten in der Zeit nicht stattfindet, in der die in Frage kommenden Geschäftszweige ihre Verkaufs sielten geschloffen hatten müssen. Ls müssen danach Vorkehrungen getroffen werden, um die Benutzung der Automaten während der werktäglichen und sonntäglichen Ladenschlußzeiten unmöglich zu machen. Das Gesetz über die Neuordnung des Der- messungswesens bezweckt eine einheitliche Leitung des gesamten Behördenapparates in Vermessungsangelegenheiten, Organisation des freien Berufsstandes, Anpassung der gesamten Vermessungsarbeit an die Erfordernisse der Reichsverteidigung und Wirtschaft und eine Neuordnung des Gebührenwesens. Ein Gesetz über K l e i n r e n t n e r h i l f e schafft Erleichterungen innerhalb der Fürsorge und verbesserte Fürsorgeleistungen für einen bestimmten Kreis von Berechtigten. Das Reichskablnett verabschiedete ferner ein Gesetz über einstweilige Maßnahmen zur Aenderung des Siedlungswesens, ein Gesetz zur Aenderung des Gemeindeumschuldungsgesetzes, durch das den ausländischen Gläubigern deutscher Gemeinden und Länder die Möglichkeit aegebn wird, ihre Forderungen in Schuldverschreibungen des Umschuldungsveroandes deutscher Gemeinden umzuwandeln. Das Gesetz über die Rechtmäßigkeit von Verordnungen und Verwaltungsakten gibt eine unanfechtbare Rechtsgrundlage für diese, wo sie bisher nicht vorhanden war. Das Gesetz zur Bekämpfung der Papageienkrankheit schafft die Grundlage für eine umfassende energische Bekämpfung dieser Krankheit. Schließlich genehmigte das Reichskabinett das vom Reichsarbeitsminister eingebrachte Gesetz über den Aufbau der Sozialversicherung. Das Gesetz über den Aufbau der Sozialversicherung. Berlin, 3.Juli. (DNB.) Das Reichskabinett hat das vom Reichsarbeitsminister vorgelegte Gesetz über den Aufbau der Sozialversicherung verabschiedet und damit eine Tat vollbracht, um die seit Jahrzehnten die verschiedensten Regierungen ohne Erfolg gerungen haben. Das Gesetz wird errichtet auf den genialen Grundlagen der Bismarck- schen Gesetzgebung: es verwirft theoretischmechanistische Lösungen wie Staatsbürgerversorgung, Einheitsoersicherung und Einheitskasse, durch die nur die Selbstverantwortung der Beteiligten gelähmt und ein öder Bürokratismus hochgezogen würde: es faßt jedoch die Derficherungsträger zu fruchtbarer gemeinsamer Arbeit zu- jammen, bringt sie in Verbindung zur Staatsverwaltung und ermöglicht eine straffe, einheitliche Aufsicht. Kernpunkt des Gesetzes ist die Zusammenfassung gemeinschaftlicher Aufgaben der Kran- kenversicherung, namentlich auf dem Gebiete der Gesundheitspolitik, für den Bereich einer Provinz oder eines Landes und Verbindung dieser zusammengefaßten Krankenversicherung mit der für denselben Bezirk bestehenden Landes- versicherungsanstalt der Invalidenversicherung. Das Gesetz legt nur die großen Grundlinien fest: es wird durch eine Anzahl Durchführungsverordnungen ausgefüllt werden. Die Krönung des Werkes soll dann ein einheitliches, klar aufgebautes, volkstümlich-verständliches Gesetzbuch der Sozialversicherung werden. Ministerpräsident Göring Aeichsforstrneister. Der Reichskanzler hat auf Grund des heute vom Reichskablnett verabschiedeten Gesetzes zur Ueber- leitung des Forst- und Jagdwesens auf das Reich den preußischen Ministerpräsidenten General der Infanterie Hermann Göring zum Reichsforslmeister ernannt, der inJagd- sachen die Bezeichnung„Relchsjägermelster" führt. V e r l l n, 3. Juli. (DRV.) Das heute vom Reichskabinett verabschiedete Gesetz über das Verbot von öffentlichen Sammlungen bestimmt: Alle Sammlungen von Geld- oder Sachspenden aus öffentlichen Straßen oder Plätzen, von Haus zu Haus, in Gast- oder Vergnügungsstätten oder an anderen öffentlichen Orten sind bis zum 31. Oktober 19 3 4 verbo - t e n. Als Sammlung gilt auch der verkauf von Gegenständen, deren Wert in keinem Verhältnis zu dem geforderten Preis sieht. Der Verkauf von Karten, die zum Eintritt zu Veranftal- t u n g e n irgendwelcher Art berechtigen, ist auf öffentlichen Straßen und Plätzen und von Haus zu Haus bis zum 31. Oktober 1934 ebenfalls verboten; der Verkauf in Gast, oder Vergnügungsstätten ist nur für die in ihnen selbst stattfindenden Veranstaltungen zulässig. Kollekten in Kirchen sind von dem,Verbot ausgenommen. Der Stellvertreter des Führers kann i m E i n z e l f a l l e wegen eines überwiegenden öffentlichen Interesses weitere Ausnahmen zulassen. Diese Bestimmungen gelten auch für bereits genehmigte Sammlungen. Wer diesen Vorschriften vorsätzlich zuwiderhandelt, wird mit Gefängnis bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe b e st r a f t. Die bei einer verbotenen Sammlung eingegangenen Spenden werden zugunsten des Landes eingezogen, das über sie zu Wohltätigkeitszwecken verfügt. ♦ In der Begründung zu dem Gesetz über das Verbot von öffentlichen Sammlungen wird darauf hingewiesen, daß das Sammeln von Spenden sich in der letzten Zeit allmählich zu einem Unwesen entwickelt habe, dem Einhalt geboten werden müsse. Die Einkommensverhältnisse großer Schichten des Volkes seien nicht so, daß von den Volksgenossen dauernd Abgaben für irgendwelche, an sich oft gute und unterstützungswürdiae Zwecke verlangt werden könnten. Die Kaufkraft werde sonst in einer Weise geschwächt, die unerwünschte Rückwirkungen auf die Ankurbelung der Wirtschaft habe. Unter dem Uebermaß der Sammlungen müsse d i e Gebefreudigkeit selbst mehr und mehr leiden. Die bisherigen gesetzlichen Bestimmungen hätten sich nicht als ausreichend erwiesen. Um für das auch im kommenden Winter durchzuführende Winterhilfswerk den Boden zu bereiten, erscheine es notwendig, bis zum 31. Oktober 1934 zunächst einmal alle Sammlungen zu verbieten. Für besondere Fälle sind im Gesetz selbst Ausnahmen durch den Stellvertreter des Führers vorgesehen. Im übrigen wird bis zum 31. Oktober 1934 das gesamte Sammlungswesen durch ein Reichsgesetz unter Aufhebung der bisherigen Bestimmungen neugeregelt werden müssen. nicht, ist für den Vergleich nicht entscheidend, den- es handelt sich darum, festzustellen, daß, wer vorgibt, schweres Unrecht zu leiden, dafür kein Verständnis finden kann, wenn es selber ununterbrochen schweres Unrecht tut. Von den Memelländern wollen rund 90 v. H. nichts von der Regierung in Kowno, nichts von einer Verschmelzung mit Litauen wissen. Das ist Selbstbestimmung, auf die Europa hören und achten muß, wenn nicht alle Gefahrenherde eines Tages in Brand aufgehen sollen. Dis Mächte, die die neue Memelsatzung sowie die Selbstverwaltung der Memelländer verbürgt haben, haben alle Ursache, darauf sorgfältig zu achten, daß im Memelland nicht mit dem Feuer gespielt wird. Die Großlitauer, deren geistiger und politischer Horizont trotzdem nicht über Kowno hinausgeht, glauben offenbar, daß die Mächte, die sich verbürgt haben, die Rechte des Memellandes zu schützen, räumlich viel zu weit entfernt liegen, um diese Pflichten ausüben zu können. Es ist daher die höchste Zeit, den Gefahrenherd im Memelland durch Wiederherstellung von Orhnung und Gesetz auszuräumen. Weitere Entlastungen von Beamten. Memel, 3. Juli. (DNB.) Das neuernannte Landesdirektorium Reizgys setzt die mit feinem Amtsantritt eingeleiteten Entlassungen von Beamten weiter fort. Am Montag wurden nachstehende höhere Beamte des Memelgebietes entlassen und ihre Stellen neu besetzt: die Kreistier- ä r z t e Dr. Schlimm (Heydekrug) und Dr. Endrulat (Pogegen), sowie drei Gerichtsreferendare. An Stelle von Stadtschulrat Meyer ist dev neuernannte Schulrat Simaitis getreten. Außerdem sind zahlreiche Amtsvorsteher entlassen und ihre Stellen neu besetzt worden. Die Entlassungen werden damit begründet, daß die Betroffenen antistaatlichen Organisationen a n g e h ö r t haben sollen und der litauischen Sprache nicht mächtig sind. Bei Schulrat Meyer wird als Grund angegeben, daß gegen ihn ein Verfahren wegen Spionage zugunsten eines fremden Staates schwebe» Bei diesem Verfahren handelt es sich um den Fall Becker aus der Zeit des Böttcher-Konfliktes. Meyer war damals bekanntlich sechs Monate lang Der* haftet. OieRegiernngskrise in Japan. Tokio, 4. Inni. (DRV. Fnnkfpruch.) Admiral keifuke Okada, der Warineminisier im Kabinett Tanaka 1927 war und der Seijukai-Parleß angehört, ist zum Kaiser gerufen worden. Wan nimmt an, daß Okada die W i n i st e r p r ä f i- dentschaft des neu zu bildenden japanischen Kabinetts angeboten werden wird. * Die Regierung Sa ito, das Kabinett der nationalen Einigung, existiert nicht mehr. Was den politischen Widersachern dieser Regierung nicht gelingen wollte, hat die Unehrenhaftigkeit eines Kabinettsmitgliedes und eines hochgestellten Beamten des Finanzministeriums erreicht. Beide glaubten, ihre Macht benutzen zu können, um sich persönliche Vorteile zuzuschanzen, beide haben sich auch unzweifelhaft mit ihren Manipulationen erhebliche Summen aus den Kursgewinnen gesichert, die mit dem Aufschwung der japanischen Kunst» seidenindustrie verbunden waren. Hätten sie ihr privates Vermögen benutzt, um es gewinnbringend anzulegen, dann würde die Regierung Saito noch heute an der Spitze ihres Landes stehen. Aber Aktien, die der Bank von Japan als Sicherheitsgarantie von der Kunstseidenindustrie überlassen worden waren, wurden in das von ihnen inszenierte Geschäft gesteckt. Bekannt war das skandalöse Verhalten mindestens des ersten Beamten im Finanzministerium schon lange, doch der Finanzminister wollte sich von seinem Staatssekretär nicht trennen, auch der Premierminister hielt den Skandal für ungefährlich, bis er sich jetzt davon überzeugen mußte, daß seine Regierung nicht mehr gehalten werden konnte. Ein Geldgeschäft auf anrüchiger Basis ist der nationalen Regierung zum Verhängnis geworden, sie wurde durch diesen Skandal gesprengt. Außenpolitisch kommt dem sich jetzt vollziehenden Regierungswechsel kaum eine große Bedeutung zu, mindestens wird sich an dem betont nationalen Kurs nichts ändern, eher könnte eine im nationalen Sinne noch schärfere Richtung an das Ruder kommen. Nach der anderen Seite wird das Pendel bestimmt nicht ausschlagen. Wenn also irgendwo angenommen werden sollte, daß durch das Verschwinden der Regierung der nationalen Einigung Japan nunmehr den Russen ober seinen Gegenspielern im Stillen Ozean gegenüber weich werden sollte, dann ist das ein Irrtum. Personen verschwinden, doch die nationale Linie bleibt dis gleiche. Barihou in London erwartet« In Abwesenheit Macdonalds. London, 4. Juli. (DNB. Funkspruch.) Der bevorstehende Besuch des französischen Außenministers B a r t h o u in London war Mittwoch Gegenstand von zwei bemerkenswerten Pressekommentaren. Dem „Daily Telegraph" meldet Partinax aus Paris, daß Barthou bei seinen Besprechungen in London hauptsächlich die Stellungnahme des englischen Kabinetts zu den französischen Plänen feft- stellen wolle. Der englische Botschafter in Paris sei über den nordöstlichen Pakt, den Frankreich anstrebe, bereits unterrichtet worden. Die englischen Kabinettsmitglieder verhielten sich den französischen Plänen gegenüber jedoch äußerst zurückhaltend. In einer groß aufgemachten, aber mit Vorsicht aufzunehmenden Meldung sagt der marxistische „Daily Herald", daß bei dem Besuch des franzosi- schen Außenministers die augenblicklichen französischen Pläne besprochen werden sollten. M a c d o - n alb, ber ber hauptsächlichste Gegner ber französischen Pläne sei, sei augenblicklich auf seinem breimonatigen Erholungsurlaub unb bamit f a 11 g e ft e 111, unb ber Kriegsminister Lorb Heilsham, ber ein großer B e fürw o r - t e r ber französischen Pläne sei, entwickle sich in der Abwesenheit Macdonalds immer mehr als der Führer des englischen Kabinetts. Nach dem Fehlschlag des Völkerbundes, und nachdem die Wertlosigkeit des Locarnopaktes festgestellt worden sei, werde die wahre Sicherheit nur noch in einem militärischen Bündnis zwischen England und Frankreich gesehen. Zwischen den englischen unb den französischen Sach, verständigen seien die Verhandlungen bereits aufgenommen worden. Der Prinzgemahl der Niederlande gestorben. Den Haag, 3. Juli. (DRV.) Prinzgemahl Heinrich der Riederlande ist am Dienslagnachmittag im 58. Lebensjahr g e - storben. Die Nachricht vom Tode des Prinzgemahls, die sich wie ein Lauffeuer durch die Residenzstadt und das ganze Land verbreitete, hat überall tief eTrauer hervorgerufen. Die öffentlichen Gebäude und viele Privathäuser haben halbmast geflaggt, und von den Kirchtürmen erschallen die Totenglocken. Die mit Trauerrand erschienenen Abendblätter bringen ausführliche Würdigungen der Persönlichkeit des Verstorbenen. * Der Tod des Prinzgemahls ist unerwartet schnell eingetreten. Zwar wußte man, daß er an einer Herzschließmuskelentzürkdung litt, zu der Brochitis hinzutrat. Dennoch glaubte man nicht, daß unmittelbare Lebensgefahr bestand. Am Dienstagvormittag hat der Prinz noch eine Zeitlang ruhig geschlafen. Am frühen Nachmittag aber fühlte sich der Patient ausgesprochen unwohl, und sein Zustand wurde zusehends schlechter. Die Königin, die in einem benachbarten Palais weilte, wurde sofort verständigt. Ehe sie aber eintreffen konnte, war ihr Gemahl bereits entschlafen. Die Todesursache ist auf eine Wiederholung des Schwächeanfalls zurückzuführen, von dem der Prinzgemahl am Donnerstag betroffen wurde. Da die Thronfolgerin noch in England weilt und erst am Mittwoch nach dem Haag zurückkehren wollte, ist niemand der nächsten Angehörigen bei dem Ableben des Prinzgemahls zugegen gewesen. Der Prinzgemahl der Niederlande war am 19. April 1876 in Schwerin als Sohn des Großherzogs Friedrich Franz II. von Mecklenburg und dessen zweiter Gemahlin, der 1922 im Haag gestorbenen Prinzessin Marie von Schwarzburg, geboren. Herzog Heinrich von Mecklenburg wurde preußischer Offizier im Garde-Jägerbataillon und nahm seinen Abschied, als er kurz vor seiner Hochzeit mit der Königin Wilhelmina am 23. Januar 1901 in Holland naturalisiert wurde. Die Hochzeit fand am 7. Februar 1901 statt. An diesem Tage wurde ihm Titel und Name eines Prinzen der Niederlande verliehen. Prinzgemahl Heinrich errang sich innerhalb kurzer Zeit nach der Vermählung mit der holländischen Königin eine große Beliebtheit. Besondere Anerkennung fand sein entschlossenes Auftreten an- Gewalt über Memelland. Versailler Verträge und Versailler Politik haben aus Europa einen Hexenkessel gemacht. Nirgendwo ist Friede oder Befriedung, am allerwenigsten da, wo die Versailler Verträge die geschichtlichen und die natürlichen Grenzen der Völker zerrissen haben. Das gilt auch für das Memelland, das mit Ostpreußen so verwachsen war und ift, daß die Zerreißung vor der Geschichte immer wie ein bösartiges Verbrechen dastehen wird. Die dumme Lüge, daß im Memelland 50 v. H. Deutsche neben 50 v. H. Litauern leben, ist nur für den Zweck erfunden worden, das abscheuliche Verbrechen etwas zu verhüllen. Tatsächlich gab und gibt es im Memelland nur Deutsche, was bei jeder Wahl bestätigt worden ist, denn die litauischen Splitter,' die hier und da auftauchten, sind erst nach dem Kriege eingeschoben worden. Auch die Versailler Sieger haben schließlich nicht gewagt, das Memelland ohne weiteres und ohne Volksabstimmung dem Zwergstaat Litauen zuzuschanzen, sondern einen Zwischenzustand geschaffen, der dem Memelgebiet so etwas wie Freiheit und Selbst Verwaltung zusichern soll. Diese Rechte, die Freiheit und die Selbstverwaltung, sind nicht befristet gewährt worden, denn auch die neue Memelsatzung, die so etwas wie die Verfassung des Memellandes bildet, läßt diese Rechte unangetastet. Aber gerade das ist den Litauern kein Hemmnis und keine Hinderung gewesen, die Memelländer um Freiheit und Selbstverwaltung zu prellen. Nun sind die Memelländer an sich nicht schutzlos, d. h. sie sollten es eigentlich nicht sein, denn die Memelsatzung ist von vier Mächten verbürgt worden. Das ist heute nicht viel, es ist aber doch etwas, zumal dann, wenn die Bürgen ihre Pflicht tun. Was zur Zeit im Memelland geschieht, das schreit zum Himmel. Das Memelland hat eine ordnungsmäßig eingesetzte Selbstverwaltung mit dem Landesdirektorium an der Spitze. Der Präsident des Direktoriums sowie das Direktorium selbst hatten das Vertrauen des Landtages für sich, ohne das das Direktorium nicht amten darf. läßlich der im Februar 1907 bei Hoek van Holland eingetretenen Schiffskatastrophe. Eine ganze Anzahl Passagiere und Mitglieder der Bemannung des gestrandeten Dampfers „Berlin" verdankten damals seinem mutigen Handeln ihr Leden. 1908 wurde der Prinzgemahl zum Vorsitzenden des Niederländischen Roten Kreuzes ernannt; auch in dieser Eigenschaft hat er wiederholt Beweise seines persönlichen Mutes geliefert. Der Prinzgemahl be aß in der holländischen Armee den Rang eines Generalleutnants und in der Flotte den eines Vizeadmirals. Im holländischen Staatsrat hatte er beratende Stimme. Der Ehe entstammt die Kronprinzessin Juliana, die am 30. April 1909 geboren wurde. Prinz Heinrich weilte oft in seiner Heimat zu Besuch und hatte in Deutschland einen großen Freundeskreis. Oer Reichspräsident an die Königin der Niederlande. Berlin, 3. Juli (DNB.) Reichspräsident von Hindenburg hat anläßlich des Ablebens des Prinzen Heinrich Der Niederlande an die Königin der Niederlande nachstehendes Telegramm gerichtet: „Ew. Majestät und die Prinzessin bitte ich, auf das schmerzlichste bewegt durch die Nachricht von dem Ableben Sr. Königlichen Hoheit des Prinzen der Niederlande, mein aufrichtig- stes und tiefempfundenes Beileid entgegenzunehmen. gez.: von Hindenburg, Reichspräsident. Der großlitauische Gouverneur hat sich um die verbrieften und verbürgten Rechte der Memelländer nicht gekümmert, sondern von sich aus Maßnahmen getroffen, die Recht und Gerechtigkeit Hohn sprechen. Dieser Gouverneur weiß, daß das von ihm zwangsweise eingesetzte Direktorium nicht das Vertrauen des Landtages besitzt, also rechtswidrig ist. Auch das Direktorium weiß das, weshalb es feine Amtshandlungen darauf beschränkt, die Spitzen der Behörden neu zu besetzen. Alle bewährten Beamten, die seit vielen Jahren im Memelland ansässig sind, die Memelländer sowie die memel- ländischen Verhältnisse genau kennen, werden zwangsweise beseitigt. Dafür werden diese Posten mit verläßlichen Großlitauern besetzt, obschon es sich durchweg um Leute handelt, die nicht im Memelland zuständig sind. An und für sich ist es schon eine Gewaltat, em rechtswidriges Direktorium einzusetzen, aber es häuft neues Unrecht auf schon begangenes Unrecht, wenn das Direktorium sich Rechte anmaßt, die es nicht ausüben kann und darf. Wo bleiben d i e Bürgen der Memelsat- zung, wo bleiben die Mächte, denen doch daran liegen muh, daß nicht immer wieder die Reibungs- flächen der Versailler Politik in Brand geraten? Diese Reibungsflächen gibt es mehrfach in Europa, denn die Schöpfer der Versailler Verträge haben mit dem Schicksal von Völkern und Völkersplittern leicht- fertig und gewissenlos gespielt. Daß das Memelland, eine der schlimmsten Reibungsflächen in Osteuropa, nicht dadurch entdeutscht wird, daß der Gouverneur sowie andere Spitzen der Verwaltung Rechtsbruch auf Rechtsbruch begehen, das sollte vor allem die Regierung in Kowno wissen. Die Litauer fühlen sich ja selbst ungerecht behandelt, weil Wilna, die alte litauische Hauptstadt, durch einen Handstreich polnischer Offiziere „erobert" wurde. In Kowno ist immer wieder erklärt worden, ohne Bereinigung der Wilna- Frage gäbe es keinen aufrichtigen Frieden zwischen Polen und Litauen. Ob sich Polen und Litauen nun über die Wilna-Frage verständigen wollen oder Mu Lurie, dieMientdeckerin des Radiums, t. Valencia. 4. Juli (DJIB. Funkspruch). Frau Marie Curie, die zusammen mit ihrem Gatten Pierre Curie im Jahre 1898 die radiumaktiven Clemente Radium und Polonium entdeckt hatte, ist lm Alter von fast 67 Jahren gestorben. * Marie Curie, geb. Sklodowska, wurde 1867 in Warschau als Tochter eines Lyzealprofessors geboren. Nach Absolvierung des Lyzeums in ihrer Vaterstadt kam sie nach Paris, wo sie, da sie völlig mittellos war, eine Stellung als Laboratoriumsdienerin im chemischen Institut der Sorbonne annahm. Aus einer anfänglich untergeordneten Stellung stieg sie bald zur Laborantin und Assistentin des Institutsdirektors, des Chemikers Pierre Curie empor, der sie später heiratete. In gemeinschaftlicher Forschungsarbeit gelang dem Paar zu Anfang des Jahrhunderts die Entdek- k u n g des R a d i u m s , das als therapeutisches Mittel rasch eine ungeheure Bedeutung erlangte. Für ihre epochemachenden wissenschaftlichen Forschungen wurde dem Ehepaar Curie 1903 der Nobelpreis für Chemie zugesprochen. Nach dem Tode ihres Gatten, der 1906 bei einem Automobilunglück ums Leben kam, wurde sie dessen Nachfolger als Professor an der Facultö des Sciences der Sorbonne und Vorsteherin des dortigen Radiuministi- tutes, das den Mittelpunkt der Radiotherapie in Frankreich bildet. 1910 wurde Frau C. von der englischen Royal Society die Albert-Medaille verliehen, und 1911 wurde sie zum zweiten Male mit dem Nobelpreis für Chemie bedacht, als sie ihre Forschungen in dem grundlegenden, in alle Weltsprachen übersetzten Werk „Die Radioaktivität" zusammenfaßte. Die wiederholt beantragte Zulassung zum Institut de France wurde ihr versagt, da ein prinzipielles Bedenken gegen die Berufung von Frauen aufgeworfen wurde. Jedoch wurde sie später zum Mitglied der ärztlichen Akademie ernannt; 1920 stellte der Gemeinderat von Paris auf Antrag von Frau Curie 2,5 Millionen Franken zur Verfügung, für den Ausbau des Radiuminstituts, insbesondere zum Ankauf von zwei Gramm Radium (zum Preise von 800 000 Franken für das Gramm), das bekanntlich bei der Behandlung der Krebskrankheit — diese fordert alljährlich in Paris fast 3500 Opfer — große Dienste leistet. Der Ausbau des Instituts sollte vor allem die Behandlung einer größeren Krankenzahl ermöglichen und war in den nächsten Jahren Frau C.' Hauptaufgabe. 1928 ernannte sie die Universität Glasgow zum Ehrendoktor. Sie ging dann im Oktober desselben Jahres in ihre Heimat, um an der Errichtung eines Radiuminstituts in Warschau mitzuarbeiten. Frau C. besitzt zwei Töchter. Die älteste, Irene, hat bereits mit 20 Jahren den Doktortitel der Chemie erworben und zwar durch eine Abhandlung über die „Alphastrahlen des Poloniums", das von ihrer Mutter entdeckt wurde. Die Abstimmung im Gaargebiei. Von zuständiger amtlicher Stelle wird mitgeteilt: Der Völkerbundsrat hat die Volksabstimmung im Saargebiel auf Sonntag, 13. Januar 1 9 3 5 festgesetzt. Abstimmungsberech- Ngt ist ohne Unterschied des Geschlechts und der Staatsangehörigkeit jede Person, die a m 1 3. I a- nuar zwanzig Jahre alt ist und am Tage der Unterzeichnung des Versailler Vertrages, das ist der 2 8. Juni 1919, i m Saargebiet gewohnt hat. Rach dem vom Völkerbundsrat festgesetzten Abstimmungsreglement ist grundsätzlich jede Person abstimmungsberechtigt, die an diesem Tage im Saargebiet ihren gewöhnlichen Wohnort hatte und sich dort mit der Absicht des Verbleibens niedergelassen hatte. Eine bestimmte Anwesenheitszeit wird somit nicht verlangt; auch wer sich erst am Stichtag, dem 28. Juni 1919, im Saargebiet niedergelassen hat, ist abstimmungsberechtigt. Andererseits ist die vorübergehende Abwesenheit vom ständigen Wohnort im Saargebiet ohne Einfluß auf die Stimmberechtigung, vorausgesetzt, daß der Wille bestand, den tatsächlichen Aufenthalt im Saargebiet belzube- h-alten. Cs sind sonach beispielsweise auch abstimmungsberechtigt: a) Personen, die aus einer Gemeinde des Saargebietes zur Erfüllung des Militär- di en ft es ein gezogen, am 28. Juni 1919 aber noch nicht an ihren ständigen Wohnort im Saargebiet zurückgekehrt waren, weil sie noch bei ihrem Truppenteil standen, oder sichinGefangenschaft befanden oder infolge Verwundung oder Krankheit noch nicht in das Saargebiet zurückkeh- ren konnten; b) aktive deutsche Wilitärpersonen, die vor der Besetzung des Saargebietes bei einem im Saargebiet garnisonierenden Truppenteil standen und bei der Besetzung das Saargebiet verlassen mußten, ihren Wohnsitz daselbst aber bis 28. Juni 1919 noch nicht aufgegeben hatten. In Betracht kommen Offiziere, Wilitär- beamte, Unteroffiziere und Kapitulanten, nicht aber die lediglich zur Erfüllung ihrer Mttilär- dienstpflicht Eingezogenen; c) Personen, die sich über den 28. Juni 1919 z u Besuchs-. Studien- oder Ausbildungszwecken außerhalb ihres im Saargebiet gelegenen ständigen Wohnortes aufgehalten haben, selbst wenn sie am 28. Juni 1919 im Saargebiet polizeilich nicht gemeldet waren; d) Personen, die über den 28. Juni 1919 vorübergehend außerhalb ihres ständigen Wohnortes im Abstimmungsgebiet eine Diensk- oder Arbeitstätigkeit ausgeübt haben. e) Personen, die am 28. Juni 1919 von ihrem ständigen Wohnsitz im Saargebiet verreist waren und sich polizeilich abgemeldet hatten, um z. V. während der Reise am Aufenthaltsort Brotkarten zu erhalten; f) Personen, die am 28. Juni 1919 zwangs- weise, z. B. durch Ausweisungsbefehl der damaliaen Besatzungsmächte, von ihrem ständigen Wohnort im Saargebiet ferngehalten worden sind oder die aus dem Saargebiet geflüchtet und bis 28. Juni 1919 nicht zurückgekehrt waren. Der Aufenthalt von Minderjährigen und Entmündigten am 28. Juni 1919 bestimmt sich nach dem Aufenthalt der Personen, die die väterliche Gewalt oder die Vormundschaft über sie ausübten. Der Aufenthalt der Eltern oder des Vormundes hat aber dann keine entscheidende Bedeutung, wenn ein Minderjähriger, der zu dieser Zeit getrennt von seinen Eltern oder seinem Vormund wohnte, selb st für seinen Unterhalt sorgte. Eine am 28. Juni 1919 im Saargebiet beschäftigte M i n d e r j ä h r i g e, die dort ihren Unterhalt als Hausgehilfin selbst verdiente, ist also abstimmungsberechtigt, auch wenn ihre Eltern damals nicht im Saargebiet wohnten. — Die verheiratete Frau teilt den Aufenthalt ihres Ehegatten, sofern die Ehe vor dem 28. Juni 1919 geschlossen war. An alle im Reich außerhalb des Saargebiels wohnhaften Personen, die auf Grund der vorstehenden Richtlinien die Verleihung der Abstimmungs- berechtigung beanspruchen können und sich bisher noch nicht gemeldet haben, ergeht die Aufforderung, sich umgehend bei der Saarmeldestelle ihres jetzigen Wohnortes (beim Einwohnermeldeamt, in den Städten beim zuständigen Poli- zeirevier) zu melden. Soweit möglich, sind Rachweise über den Wohnsitz am 28. Juni 1919 (An- und Abmeldebefcheinigungen, Beschäftigungszeugnisse, Militärpapiere ufw.) mitzubringen. Oer Eid der Abstimmungskommission. Die für das Saargebiet eingesetzte A b st i m> mungskommission hat ihre Arbeiten ausgenommen, hat aber gleichzeitig in einem Auf- r u f haarscharf herausgearbeitet, welche Aufgaben ihr zuteil geworden sind, daß sich alle interessierten Mächte verpflichtet haben, sich aus dem Abstimmungskampf h e r a u s z u h a l t e n und daß die Abstimmung von jedem Druck freizuhalten ist. „Auch die Volksabstimmungskommiffion wird ihrerseits nichts unterlassen, was erforderlich erscheint, die freie, geheime und unbeeinflußte Stimmabgabe sicherzustellen." Sie hat mit diesem Satz der Bevölkerung gegenüber den feierlichen Eid abgelegt, sie gegen jeden, der es wagen sollte, auf die Abstimmungsberechtigten einen Zwang aus- zuüben, in Schutz zu nehmen. Sind die Mitgieder der Kommission schon Garanten einer einwandfreien Abstimmung, so bildet ihr Wort nur noch eine besondere Unterstreichung ihres Willens, sich gegen alles zur Wehr zu setzen, was mit der Abstimmungs- Vorbereitung unvereinbar ist. Der Ausruf der Kommission wird von der Bevölkerung mit lebhaftem Beifall ausgenommen werden, da sie nun weiß, daß die drei Neutralen, die Herren Rodhe, Jong und Henry auch gegen jene Elemente Front machen werden, die bereits drauf und dran sind, durch ihr provokatorisches Verhalten Unruhe in das Saargebiet hineinzutragen oder einen unzulässigen Druck auf die Abstimmungsberechtigten auszuüben. Der Mord an dem Amtswalter Glsholz vor dem Sondergerichl in Meferitz. Meseritz, 3. Juli. (DNB.) Bor dem Elbinger Sondergericht begann im Schwurgerichtssaal in Meseritz der Prozeß gegen den Mörder Meißner aus Gollmütz (Kreis Schwerin an der Warthe), der am 18. Juni den Amtswalter der NSDAP, und Gutsinspektor Kurt E l s h o l z aus Gollmütz aus politischen Beweggründen mit einem Fleischermesser ermordet hat. Zwischen Meißner und Els- holz hat es niemals eine persönliche Auseinandersetzung gegeben, zumal beide sich kaum kannten. Im Verlaufe der Untersuchung des Mordes wurden zehn weitere Personen f e st genommen , von denen mehrere Mitglied der „Deutsche Jugendkraft" sind. Sie stehen im Verdacht, den Mörder zu seiner Tat beeinflußt zu haben. Das Verfahren gegen diese Personen ist abgetrennt worden. Auf Grund der Untersuchung in dem Mordfall ist die „Deutsche Sugenbfrafr für das Gebiet der Grenzmark Posen-Westpreuhen verboten worden. Die Anklagebehörde beim Sondergericht hat gegen den Mörder Anklage wegen Verbrechens gegen den § 1 des Gesetzes zur Gewährleistung des Rechtsfriedens vom 13. Oktober 1933 und wegen Verbrechens gegen den § 211 des Strafgesetzbuches erhoben. t , r Nach dem Zeugenaufruf und der Verlesung des Eröffnungsbeschlusses begann der Vorsitzende mit der Vernehmung des Angeklagten. Der Angeklagte ist im Februar 1932 bei der Gründung der Orts- gruppe Gollmütz der „Deutsche Jugendkraft" in diese eingetreten. Von der „Deutsche Jugendkraft wurde aufs schwerste gegen die Ortsgruppe der NSDAP, gearbeitet. Mitglieder der „Deutsche Jugendkraft" aus Berlin haben z. B. auf dem Sportplatz einmal die Hitlerjugend überfallen. Das daraufhin ausgesprochene Verbot des Sportplatzes für auswärtige Spieler sollte dem ermordeten Amtswalter Elsholz in die Schuhe geschoben werden. In Kreisen der Mitglieder der „Deutsche Jugendkraft ist gesagt worden: „Diese Bande mühte man totschlagen . Der Angeklagte gibt zu, daß er dieser Ueberzeugung zugestimmt habe. Er will auch gesagt haben, wenn Elsholz ihm einmal in die Finger komme, werde es ihm schlimm gehen. Wenn der Angeklagte mit seinen Freunden von der Jugendkraft Zusammenkam, sei immer gesagt worden. der Vorführungen der englischen ßuftftreitfrafte in Hendon mit anderen russischen Fliegern nach England gekommen. Aus aller Welt. 30 000 Brieftauben im Sturm verloren gegangen. Etwa 30 000 Brieftauben im Werte von über zwei Millionen Mark sind bei einem Wett« fliegen über den englischen Kanal verlorengegangen. Die Brieftauben waren am vergangenen Samstag in Marennes (Nordfrankreich) aum Rückflug nach England losgelassen worden, gerieten jedoch über dem Kanal in einen schweren Sturm und wurden nach allen Himmelsrichtungen zerstreut. Nur etwa 120 Tauben sind nach ihren Heimatstädten zurückgekehrt. Zwölf Todesopfer eines Unwetters in Bulgarien. lieber dem nordbulgarischen Bezirk Ni k o p o l gingen schwere Unwetter nieder. Mehrere Ortschaften wurden unter Wasser gesetzt. Im Dorfe Musse- liewo wurden zahlreiche Häuser und Stallgebäudevon den Fluten fort- gerissen, wobei sieben Personen ums Leben kamen. Auch aus anderen Dörfern liegen beunruhigende Nachrichten vor. Bisher zählt man zwölf Tote, darunter sechs Kinder. Der Sachschaden und die Viehverluste sind überaus groß. Unwetter über Reuyork. Auf die fürchterliche H i tz e der letzten Tage folgte am Dienstag ein überaus heftiges Gewitter und wolkenbruchartiger Regen. Dem Gewitter war ein S a n d st u r m, der die Stadt fast in Dunkel hüllte, unmittelbar vorausgegangen. Verhaftung einer Falschmünzerbande. Die Falschgeldstelle des württembergischen Lan« deskriminalpolizeiamtes hat eine Faschmünzerbands in Stuttgart und Hannover ermittelt un » ' verhaftet. Die Bande bestand aus insgesamt 12 Personen, von denen fünf die Herstellung der falschen Zehn- und Zwanzigmarkscheine in Hannover besorgten, während die übrigen die Scheine ver-» trieben. Die Herstellung und der Vertrieb der s Falschscheine ging bis auf das Jahr 1920 zurück. Erft die Ermittlung des Lichographen, der in Stuttgart die Druckplatten hergestellt hatte, führte zur Aufdeckung der Falschmünzergruppe, deren Mit- , glieder alle in verwandtschaftlichen Beziehungen! zueinander standen. Die einzelnen „Vertreter" bereiften ganz Deutschland und brachten die Falschgeldscheine in der üblichen Weise in Verkehr. / Für einen falschen Zehnmarkschein erhielten sie eine „Provision" in Höhe von vier Mark. Die Fälschungen selbst waren nicht einmal hervorragend gelungen. Soweit bis jetzt feststeht, wurden etwa rund 800 Zwanzigmarkscheine in Umlauf gesetzt. Die Zahl der Zehnmarkscheine dürfte mit 20 000 nicht zu hoch geschätzt sein. Das vorhandene Falschgeld konnte sichergestellt werden. Die Mitglieder der Bande wurden in der letzten Woche verhaftet. Als zwei Mitglieder der Bande, ein gewisser Wichmann • und eine Frau Weck, dank der Aufmerksamkeit von Marktfrauen und Marktbesuchern nach sorgfältigen Beobachtungen in Halle bei der Ausgabe von falschen Scheinen verhaftet wurden, flüchtete der Haupttäter nach Hannover. Man verfolgte seinen Kraftwagen nach dem Vorort Bemerode, wo der Insasse, der Ehemann der in Halle verhafteten Frau, eine Villa aussuchte. Er wurde festgenommen. Man entdeckte in der Villa die mit allem Zubehör versehene Falschmünzerwerk st att. Als Helfer der Eheleute Weck konnten in Stuttgart die Eheleute Schilpp festgenommen werden, als sie von einer Reise nach Heidelberg, auf der sie gefälschte Scheine abgesetzt hatten, zurückkehrten. Bei Schilpp wurden im Aermelsutter für über 7 000 Mark falsche Zwanzigmarkscheine gefunden, weiter sind in Möbeln, die Schilpp auf einem Speicher in Stuttgart untergestellt hatte, falsche Scheine im Betrage von über ,30 000 Mark beschlagnahmt worden. Riesiger Tabakschmuggel im Hamburger Hafen aufgedeckt. Der Zollfahndungsstelle ist es in langwieriger Arbeit gelungen, einem großen Tabakschmuggel im Hamburger Hafen auf die Spur zu kommen. Die Schmugglerbande umfaßte etwa60bis70Per- f o n e n. Die Täter sind zum größten Teil geständig. Es handelt sich bei der Schmugglerware um über 40 Zentner Tabak, über 20000 Z i • garetten, mehrere tausend Jmportzigar- ren und kleinere Mengen Spirituosen. Die Ware war auf 40 Dampfern in den Freihafen ein» geführt und in Kraftwagen ins Zollinland weiterbefördert worden. 14 Schmugglerautos konnten beschlagnahmt werden. Handgranate explodiert. — Zwei Schwerverletzte. In Neunkirchen sichtete der 63 Jahre alte Pensionär Schmidt einen Berg altes Eisen, das er im Laufe der Zeit gesammelt hatte. Dabei fiel ihm eine vollständig verrostete Handgranate in die Hand, an der er herumklopfte. Sie explodierte und verletzte Schmidt schwer. Auch Schmidts Schwiegersohn Müller erlitt schwere Verlegungen. Wettervoraussage. Der Kern des Hochdruckgebietes, der seit gestern wesentlich zusammengeschrumpft ist, befindet sich zu- nächst noch über England und dem Kanal, rückt aber langsam auf das Festland vor. Auch bewegt sich die Ostseestörung ostwärts weiter, läßt aber vorerst immer noch kühle Luft abwärts fließen, verursacht damit zeitweise wechselnde Bewölkung und läßt keinen sommerlichen Temperaturanstieg zu. Mit der Zeit wird ihr Einfluß aber nachlassen, so daß das Wetter dann mehr von dem hohen Druck bestimmt wird und sich allmählich ruhig und auch wärmer gestalten wird. Aussichten für Donnerstag: Weiterhin wechselnd bewölkt und aufheiternd, Temperaturen wenig verändert, meist trocken. Aussichten für Freitag: Heiter bis wolkig, tagsüber warm, trocken. Lufttemperaturen am 3. Jutt: mittags 19,9 Grad Celsius, abends 16,3 Grad; am 4. Juli: morgens 13,5 Grad. Maximum 20,6 Grad, Minimum 12,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 3. Juli, abends 21,6 Grad; am 4. Juli: morgens 18,1 Grad. — Sonnenscheindauer 8,1 Stunden. den Hund müßte man am besten totschlagen. Der Angeklagte gab offen zu, daß keinerlei persönliche Reibereien zwischen ihm und dem Ermordeten bestanden hätten. Der Ermordete soll den Ausdruck „Schwarze Hunde" gebraucht haben. Der Angeklagte mußte aber zugeben, daß er solchen Ausdruck niemals von Elsholz noch von einem anderen Parteigenossen gehört habe. Am Morgen des Mordtages verließ der Ange- klagte nach einer Auseinandersetzung mit seinem Bruder den elterlichen Hof, um sich angeblich das Leben zu nehmen. Bevor er das Haus verließ, steckte er ein Fleischermesser ein. Er habe damit verhindern wollen, aus dem Wasser aerettet zu werden, da er ein guter Schwimmer sei. Als ihm die Mutter das Messer weggenommen habe, habe er sich ein Fleischermesser geliehen. Er sei auf den Gutshof gekommen und habe nach Elsholz gefragt. Als man ihn in dessen Woh- nung verwiesen habe, sei er mit den Worten ins Zimmer getreten: „H ände hoch oder das Leben!" Mit dem Messer in der Hand will er Elsholz aufgefordert haben, herauszukommen. Auf dem Hof hat Meißner dann die tödlichen Stiche geführt. Unter großer Bewegung im Saal erklärte der Angeklagte auf eine Frage des Oberstaatsanwalts zynisch, daß er den Ermordeten auf den Hof gejagt habe, damit die anderen es sehen sollten, daß Elsholz seinen „Denkzettel" von ihm bekomme, da in Kreisen der „Deutsche Jugendkraft" immer gesagt worden sei, daß Elsholz feindlich gegen die Jugendkraft eingestellt sei. Oie Vernehmung der Zeugen. Es wurde bann eine Reihe von Zeugen vernommen. Daraus ergab sich klar, daß in den letzten Monaten von gewissen Leuten, die zum Teil dem früheren Zentrum angehörten, systematisch gegen d i e nationalsozialistische Bewegung gearbeitet worden ist. Durch Zeugenaussagen wurde festgestellt, daß von der Deutschen Jugendkraft Werbeveranstaltungen durchgeführt wurden mit dem Endzweck, die Jugend aus der HI. und aus der SA. herauszuziehe n in die katholischen Organisationen. Nach Zeugenaussagen des Standartenführers Noatzke ist sogar die SA. gegen ihre Führer aufge- yetzt worden. Als in einem Dorfe ein Hitlerjunge, den man überredet hatte, in die Jugendkraft einzutreten, wieder zur HI. zurückkehrte, ließ der Pfarrer Roloff an der Kirchentür einen Anschlag anbringen, daß der Junge sein vor dem Altar Christi abgelegtes Treueoersprechen gebrochen habe. In gleicher Weise wie gegen HI. und SA. ging man auch gegen den Arbeitsdienst vor. Fast alle Zeugen bekundeten, daß von gewissen Leuten, Geistliche und Lehrer nicht ausgeschlossen, darauf hingearbeitet wurde, einen Keil in die Volksgemeinschaft zu treiben. Man hatte u. a. Berliner Jugendkraftler nach Prittisch kommen lassen, die den Rotkreuztag durch herausforderndes Benehmen und feindliche Stellungnahme gegen die nationalsozialistische Organisation störten, so daß von Amtsstellen zur Wiederherstellung der Ruhe eingeschritten werden mußte. In Gollmütz kam es am zweiten Pfingstfeiertag zu besonders scharfen Auseinandersetzungen, als die Jugendkraft von dem der SA. übergebenen Sportplatz Besitz nahm. Da die Erregung in dem Dorfe wegen dieser Anmaßung auf das stärkste gestiegen war, wurde am Abend, um Zwischenfälle zu vermeiden, das Tanzvergnügen der Jugendkraft verboten. Als Folge dieser Maßnahme richtete die Jugendkraft wütende Ausfälle gegen den Ortsgruppenleiter in Gollmütz und gegen den ermordeten Amtswalter Elsholz. Besonders den letzteren bezeichnete man als den geistigen Urheber des Verbots der Tanzveranstaltung. Auf Befragen gab der Angeklagte selbst zu, daß der Kantor P e tz e l aus Gollmütz, der wegen der Tat in Untersuchungshaft sitzt, ihm gesagt habe, er wäre doch so ein Mann, der dem Elsholz eine A b- rechnung geben könnte. Ein weiterer Zeuge berichtet, am Tage nach dem Morde in Schwerin- Warte sei erzählt worden, daß der Ermordete, ferner der Ortsgruppenleiter, der Führer des Reiter- sturmes und ein SA.-Scharführer aus Gollmütz auf der schwarzen Liste standen. Im weiteren Verlaufe der Beweisaufnahme wurde festgestellt, daß weder der Ermordete, noch ein anderer Parteigenosse Aeußerungen gegen die katholische Religion getan haben. Ein Zeuge katholischen Glaubens, der mit Elsholz befreundet war, gab ausdrücklich an, daß dieser ihm wegen seines Glaubens nie zu nahe getreten sei. Auch in den Versammlungen der NSDAP, habe sich kein Redner gegen die katholische Religion gewendet. Zur Frage der Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten erklärten feine Lehrer, der Ortsgeiftliche und der Hausarzt, daß Meißner eine normale Durchschnittsbegabung habe. Man könne bei ihm nicht voi^ einer Minderwertigkeit im konkreten Sinne sprechen. Eine Speziattruppe für die französischen Grenzwerte gegen Deutschland. Paris, 3. Juli (DNB.) Kriegsminister Marschall P e t a i n berichtete in Anwesenheit des Chefs des Großen Generalstabs, General Gamelin, vor dem Heeresausfchuß der Kammer über die Schwierigkeiten bei der Rekrutierung i n - folge des Geburtenausfalles während des Krieges, der sich jetzt bemerkbar machen werde. P6tain war der Ansicht, daß man eine Heraufsetzung der Militärdienstzeit umgehen könne, vorausgesetzt, daß in den Jahren 1935 bis 1940 30 000 Mann für eine Spezialtruppe einberufen würden, die die Verteibigungs- werke im Osten besetzen solle. Diese brauchten eine besonders geschulte Truppe, die man entweder auf dem Wege der Anwerbung ober Verlängerung der Dienstzeit ber Berufssolbaten einstellen könne. Der Heeresausfchuß stimmte mit Ausnahme ber sozialistischen Mitglieber bem Vorschlag zu unb ver- abschiebete ferner einen Gesetzesvorschlag, ber es bem Kriegsminister erlaubt, bie Schwefelsäurewerke von Sorgues unb von Port-be-Bouc a u f 30 Jahre z u mieten. Er ernannte einen Unterausschuß für bie Fragen bes Schutzes gegen Gasangriffe. Der Oberbefehlshaber der russischen Luftstreitkräfte in London. ßonbon, 4. Juli. (DNB. Funkspruch.) Der Oberbefehlshaber ber russischen Luftstreitkräfte, General A l k s n i s stattete, wie „Daily Heralb" mel- bet, am Dienstag bem englischen Lustfahrtministe- rium einen Besuch ab unb hatte eine lange Unter- rebung mit bem englischen Luftfahrtminister ßorb ßonbonberrp. General Alksnis ist anläßlich Hauptschriftleiter: Dr. Friebrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friebrich Wilhelm Lange, für Feuilleton: I. V.: Dr. Fr. W. Lange, für ben übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenletter: Hans Beck, verantwortlich für ben Inhalt ber Anzeigen: Theobor Kümmel. DA. V. 34: 11 000. Druck unb Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steinbruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Großfeuer im Wartburg-Gasthof. Der Wartburg-Gasthof, der vor 25 Jahren von Bodo Ebhardt errichtet worden ift, wurde von einem Brande heimgesucht, der den Dachstuhl und die oberen Stockwerke vernichtete. Die Burg selber, die zeitweilig durch Funkenflug gefährdet war, blieb unversehrt. WWW/ml Wi'hüj^Ä ■ < •$' hv -V- Ä.L Das Bezirksturnfest in Friedberg. Oie Wettkampf-Ergebniffe. Unserem Bericht über den eindrucksvollen, erfolgreichen Verlauf des 1. Bezirksturnfestes des Bezirks Gießen (Turngau Nordhessen), das als eine einmütige Treuekundgebung für Volk und Führer in Friedberg durchgeführt wurde, lassen wir heute noch einen Ueberlick über die Ergebnisse der turnerischen Wettkämpfe folgen. Es darf dabei vorausschickend noch gesagt werden, daß die turnerische Leitung durch Gau- und. Bezirksoberturnwart R. Paul (Gießen), dem in seinen sechs Kreisoberturnwarten und den Turnerinnen - Führerinnen Friedel K a st e n (Stromberg) und Luise Schwarz (Friedberg) bewährte Helfer zur Seite standen, den vielgestaltigen Wettbewerben einen reibungslosen Ablauf sicherte. Neben der turnerischen Breitenarbeit kam auch die ausgesprochene Leistung in ollen Wettkampfstufen zur Geltung, besonders im Zwölfkampf der Sonderstufe. Die Turner, die hier angetreten waren, betrachteten den Kamps als eine Probe für die Dritten Kampfspiele in Nürnberg; ihr in Friedberg gezeigtes Können gibt berechtigte Hoffnung dazu, daß sie auch in Nürnberg in Ehren bestehen werden. Aus der umfangreichen S i e g e r l i st e veröffentlichen wir nachstehend einen Auszug. Meisterschaftslurnen. Pferd (7 Bewerber): 1. H. Fluck, Tv. Limburg, 54% Punkte; 2. R. Busch, Tv. Limburg, 52% P.; 3. Ernst Schöffmann, Tv. Wieseck, 49% P.; 4 Karl Lettin, Tv. Wieseck, 48 Punkte. Barren (8 Bewerber): 1. Hans Fluck, Tv. Limburg, 57 P.; 2. W. Löschengruber, T. u. Spv. Hanau a. M., 52% P.; 3. E. S ch ö f f m a n n , Tv. Wieseck, 51% P.; 4. Hrch. Herbert, Tv. 1846 Gießen, 50 P.; 5. Ludwig Herbert, Tv. 1846 Gießen, 47% P. 6. Karl Schick, Tv. 1846 Gießen, 46% Punkte. R e ck (7 Bewerber): 1. Adolf Fink, T. u. Spv. Marburg, 57% P.; 2. R. Busch, Tv. Limburg, 56% Punkte; 3. E. Schöffmann, Tv. Wieseck, 53 P.; 4. Hrch. Herbert, Tv. 1846 Gießen, 52 P.; 5. L. Herbert und K. Schick, Tv. 1846 Gießen, 48 P.; 6. R. Seht, Tv. Großen-Linden. Zwölfkampf-Turner- Sonderstufe. (8 Bewerber, 8 Sieger.) 1. A. Fink. T. u. Spv. Marburg, 185 P.; 2. L. Herbert, Tv. 1846 Gießen, 174 Punkte; 3. E. Schöffmann, Tv. Wieseck, 170 P.; 4. Karl Schick, Tv. 1846 Gießen, 168 P.; 5. Hrch. Herbert, 167 P.; 6. W. Schmidt, Tgs. Hanau, 153 P.; 7. Alfred Oswald, Tv. Wieseck, 149 P.; 8. Karl B e t t i n , Tv. Wieseck, 148 Punkte. Zwölfkampf-Turner-Oberstufe. (31 Bewerber, 28 Sieger.) 1. Hrch. Dechert, Tgm. Friedberg, 209 P.; 2. H. Kreuter, Tv. Merkenbach, Kurt Schöneich, Tv. Er- bach/T., 202 P.; 3. H. Muth, Tv. Langendiebach, 196 P.; 6. Fritz Weitershaus, Tv. Großen- Linden, 190 P.; 8. Rudolf Rohrbach, Tv. Leihgestern, 186; 9. Hrch. Jung, Tv. Großen-Linden, 185 P.; 12. Walter Blerau, Tv. Lollar, Karl Velten, Tv. Leihgestern, 180 P.; 14. Hrch. Rö - mer, Tv. Wieseck, 175 P.; 15. Albert Leun, Tv. Großen-Linden, 174 Punkte. Zehnkampf-TurnerObersiufe. (18 Bewerber, 16 Sieger.) 1. H. Fluck, Tv. Limburg, 191 P.; 2. R. Busch, Tv. Limburg, 183 P.; K. Stengel, Tv. Eibelshausen, 171 Punkte. Zwölfkampf-Turner-Unterstufe. (313 Bewerber, 228 Sieger.) 1. R. Burgmann, Tv. Straßebersbach, W. Wenzel, Tv. Glauberg, 212 P.; 2. W. Billasch, T. u. Spv. Friedberg-Fauerbach, K. Schuster, Tv. Wetzlar, 211 P.; 3. K. Ortmann, Tv. Eibelshausen, 210 P.; 5. W. Werner, To. Wieseck, 204; 6. K. Schöndorf, Tv. 1846 Gießen, 202; 12. O. Peter, To. Groß-Eichen, Gg. Schwan, Mtv. Gießen, 195; 13. R. Keppler, Tv. Kinzenbach. R. Andermann, Tv. Wieseck, 194; 15. Hugo Kreiling, Tv. Wieseck, 192; 17. O. Röhrs- heim, Tv. Krofdorf, Ernst Deibel, Tv. Lollar, 190; 18. Karl Bauer, Tv. Schotten, E^nst Pfeiffer, Tv. Launsbach, Hrch. Hettche, Tv. Treis a. d. L., Wilh. Hofmann, Tv. Hungen, Kurt Haber, Tv. Großen-Linden, 189; 19. Hrch. Haas, Tv. Schotten, Max Hardt, Tv. 1846 Gießen, 188; 20. R. Schaum, Tv. Leihgestern, Gg. Rahn, Tv. Groß-Eichen, 187; 21. Hrch. Habermehl, Tv. Leihgestern, 186; 22. O. Bender, T. u. Spv. Rodheim a. d. B., A. Müller, Tv. Hausen, 185; 23. W. Ellermeier. Tv. 1846 Gießen, R. Günther, Tv. Wölfersheim, 184; 24. O. Agel, Tv. Atzbach, W. ©rot, Tv. Lollar, 183; 25. W. Zippe, Tv. Watzenborn, 182; 26. Hrch. Hofmann, Tv. Gambach, Fr. Weber, Tv. Dutenhofen, 181; 27. Hrch. Rinn, Tv. Heuchelheim, Karl Weber, Tv. Heuchelheim, Karl Ratz, Tv. Gambach, Walter Mehl, Tv. Großen-Linden, 180; 28. A. Roth, Tv. Gambach, Karl B i n g e l, Tv. Grü- ningen, 178; 29. Willi Menges, Tv. Lich, 177; 30. Willi Engelhardt, Tv. Heuchelheim, Hrch. Schmalz, Tv. Großen-Linden, 176; 32. W. Stecker, Tv. Wieseck, Walter Veth, Tv. Großen- Linden, Hrch. Weller I., Tv. Atzbach, H. G u t - bub, Tv. 1846 Gießen, Karl Braun, Tv. Hochelheim, 174; 33. R. Althen, Tv. Aßlar, Hrch. Fink, Tv. Lich, 173; 34. Otto Sern, Tv. Watzenborn-Steinberg, Walter L u h, Tv. Großen- Linden, Adolf Hildebrandt, Tv. Wieseck, W. Weber, Tv. Dutenhofen, A. Schiefer st ein, Tv. Launsbach, 172; 35. W. Faber, Tv. Leihgestern, Rolf Meyer, Tv. Großen-Linden, 171; 36. O. Sommer, Tv. Watzenborn-Steinberg, Hrch. Pfannkuchen, Tv. Holzheim, 170; 37. W. Schimmel, Tv. Heuchelheim, Hans Happel, Tv. 1846 Gießen, 169; 38. Hans Denker, Tv. Steinbach, Otto A g e l, Tv. Dutenhofen, Hrch. Weber, Tv. Freienseen, Ernst Gümbel, Tv. Dutenhofen, 168; 39. Karl Schäfer, Tv. Wieseck, 167; 40. A. Sauer, Tv. Freienseen, Gg. S p a - mer, Tv. Schotten, Hrch. Faber, Tv. Hochel- beim, 166; 41. R. Ohlemutz, Tv. Gambach, Fr. Bach, Tv. Hochelheim, 165; 42. Karl Rinn, Tv. Heuchelheim, A. Schreiber, Tv. Hungen, 164; 43. Karl Roth, Tv. Steinbach, A. Schäfer, Tv Dutenhofen, R. Arnold, Tv. Leihgestern, H. A l t b a u s , Tv. Leihgestern, 163; 44. E. Leib, Tv. Kinzenbach, Otto Weiß, Tv. Großen-Linden, I Ernst I m m e l t, Tv. Freienseen, W. Wagner, Ty. Gambach, L. Reinschmidt, Tv. Steinbach, 162 Punkte. (Weitere Ergebnisse folgen.) Triumph deutscher Radfahrer in Parks. x .1 ! W 18 g s W Die Deutschen Toni Merkens (links) und Albert Richter nach ihren Siegen, die sie in der schwersten Prüfung des europäischen Radsportes errangen. Merkens gewann den Großen Preis von Paris für Amateurflieger, Richter den für Berufsflieger. „Tour de France" gestartet. Der Welt größtes Straßenrennen, die „Tour de France“, wurde am Dienstag zum 28. Mule gestartet. Die erste Etappe führte von Paris über 262 Kilometer nach Lille. Der vorjährige Gesamt- sieger und Straßenweltmeister Georges Speicher (Frankreich) gewann den ersten Abschnitt mit einer Gesamtfahrzeit von 8:16,50 Stunden vor dem Belgier Romain Maes, dem Italiener Bergamaschi und dem Franzosen Archambaud. Der Berliner Kutschbach kam als bester Deutscher an siebenter Stelle ein. (Weitere Sportberichte im 2. Blatt Seite 4.) 3S0-Lahr-Feier der Hohen Schule Herborn verschoben. LPD. Herborn, 3. Juli. Die für Anfang August vorgesehene 350-Jahrseier der Hohen Schule Herborn ist auf Oktober d. I. verlegt worden. Die Ferien- und Reisezeit ist dann vorüber, und es kann mit einem zahlreichen Besuch der Gedächtnisfeiern gerechnet werden. Mit den politischen Ereignissen, hat die Verlegung der Feiern nichts zu tun. Ehemaliger englischer Kriegsgefangener besucht seine Quartiergeber. LPD. Vierten (Westerwald), 3. Juli. Unerwarteten Besuch erhielt ein Einwohner von hier. Die Ueberraschung war groß, als sich der in einem Kraftwagen vorgefahrene Gast als ein ehemal i> ger englischer Kriegsgefangener entpuppte, der bei der Familie längere Zeit während des Krieges in der Landwirtschaft gearbeitet hatte. Denken Sie an STOFFE, denken Sie an BERN ARD Für die überaus wohltuende innige Teilnahme an dem schweren Verlust, der uns betroffen hat, sagen wir hierdurch unseren herzlichen Dank. Christoph Schmidt und Kinder. Gießen, den 4. Juli 1934. 3948d Eisenbahn * Fahrbeamten AJerein Unser Kollege, der Eisenb.-Sekretär i.R. Wilhelm Schneider ist gestorben. — Die Beerdigung findet am Donnerstag, dem 5. Juli, nachmittags 2Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. Wir bitten alle dienstfreien Kollegen, sich recht zahlreich zu beteiligen. 3956D Der Vereinsführer. 1868—1918. Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, unsere Mitglieder von dem Ableben unseres lieben Alterskollegen Wilhelm Schneider in Kenntnis zu setzen. — Beerdigung: Donnerstag, den 5. Juli, 2 Uhr nachmittags, auf dem Neuen Friedhof. Der Vorstand. •<955 D | VermietungenMimä MAl-H. mit Zubehör ver sofort oder später zu verm. aisoD A. Geißner. Blockstraße 9. Schöne 03290 1 - Zimm - Wohnung m.reichl.Zubeh., 2. Stock, p. 1.10. 34 zu vermieten. NäheresHinden- burgw.17,Büro. p. sof. beziehbar, zu verm. 03375 Hammstraße 1. Illlllllllllllllllllllllllllll Schöner, heller Laden im Zentrum, mit einemZimmeru. Küche 0.6-Zim.- Wovnung m.all. Zubehör für sof. ob. später zu vm. Schr. Anfrag. u. 3920D a.d.G.A. 54Zini,-Wohnung Stevhanstraße, Miete ca.M.60.-, ab 1. August zu verm. Auskunft Seltersweg 54 (Laden). 03371 Moderne 03368 4-Zimoi.-WohnuDg Bad,Heiz.,mehr. Mans., in ruhig. Hause z. 1.10. 34 z. verm. Näheres Wartweg 41 v. Illlllllllllllllllllllllllllll Mietgesuche Beamter sucht z. I.Oktober schöne und geräumige 5Zimmerwohnung mit Bad. Auch Einfamilienhaus k. evtl. i. Frage. Schr. Ang. unter 3944D a.d.G.A. 2-3-Zimm.-Wohn. von vünktl. zahlendem Mieter gesucht. 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Juli 1934 bei dem unterzeichneten Amtsgericht anzumelden und die in ihren Händen befindlichen Schuldurkunden dem Gericht einzureichen bei Meldung der in § 11 Abf. 2 des Entfchuldungsgesetzes angedrohten Rechtsnachteile. Gießen, den 21. Juni 1934. 3957V Hessisches Amtsgericht. Bücher von den Wundernder Kleinwelt Belauschtes Leben. Kleine Kreatur in Wasser, Busch und Halm. Von K.O.Bartels. 164Naturaufnahmen aus dem Leben der niederen Tierwelt mit erläuternden Bildunterschriften, Namensangaben u. ausführlichem Text. Mit einem Geleitwort von Prof. Dr. P. Deegener, Universität Berlin. Preis kartoniert RM. 3.90, gebunden RM. 4.80 DieMikroskopie.EineEinführung in gemeinverständlicher Darstellung von Dr.W.Effenberger. Mit Abbildungen auf 32 Kunstdrucktafeln nach photographischen Aufnahmen des Verfassers......................................RM. 3.60 EinfachsteLebensformendesTier-u.Pflanzenrelchs. Naturgeschichte der mikroskopischen Süßwasserbewohner von F. Eyferth. Fünfte, von Prof. Dr. W. 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Werke Sondergebiet der Brühl’schen Druckerei Vereine 8re*Mäpelil gibt laufend ab siaoD Dampfsägewerk Abendstern, Tel. 3580 Hr.155 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheilen) tilittroo(M.3uIi W54 Aus der Provinzialhauptstadt. »Pfeiff da nicht Herbert?" „Mal'n Augenblick Ruhe, pfeift da nicht Herbert?" Jäh glätten sich die Wogen des Gesprächs, und andächtig lauscht alles zur Straße. Entschlossen eilt eine junge Dame zum Fenster, zieht die Vorhänge zurück und späht nach unten. Im Dunkel eine schweigende Gestalt. „Herbert?" — „Nee, Frollein, aber wenn Sie mich dafür nehmen wollen?" Entrüstet schließt die Verdächtigte das Fenster. Immerhin, man weiß nun mit Bestimmtheit, Herbert war es nicht. Das ist noch ein unkomplizierter Fall. Interessant wird es erst, wenn ein Bekannter „zwischen 21 und 21.30 Uhr kommen und unten pfeifen" will. Ein äußerlich unverfängliches Vorhaben, das aber nicht selten neckische Tücken in sich birgt. Die Zeit von 20 bis 22 Uhr ist nämlich sehr beliebt bei allen Pfeifern — und deren Zahl ist Legion. Er pfeift nach ihr und sie nach ihm, hier holt ein Jüngling den anderen ab und dort ein Mädchen die Freundin — eine Heerschau gespitzter Münder. In sämtlichen Tonarten. Der Sängerstreit auf der Wartburg ist fast eine verschwiegene Geheimsitzung dagegen, und die Drosseln erblassen vor Neid in ihren Nestern. Aus dieser verwirrenden Melodienfülle nun gilt es, die in Frage kommende, uns betreffende herauszuhören. Es ist eine musikalische Geschicklichkeitsprüfung, ein akustisches Vixierbild. Von 20.45 bis 21.45 Uhr besteht man in solchem Fall vorwiegend aus Ohr. Und unweigerlich begrüßt uns der endlich Erschienene mit den milde tadelnden Worten: „Na Gott sei Dank, ich pfeife ja schon eine halbe Stunde..." Es gibt Haustürklingeln an fast allen Häusern. Aber es wird trotzdem und begeistert gepfiffen. Und nicht nur gepfiffen. Sondern auch gerufen, geschnalzt, mit der Zunge geknallt, in die Hände geklopft. Klingeln wäre einfacher, müheloser, aber jedenfalls minder romantisch. Die nächtlich sanften „Juhu"- Rufer sind geradezu die Käuzchen der Stadt. Wie denn überhaupt die Art und Weise, sich außerhalb des prosaisch-mechanischen Klingelknopfes bemerkbar zu machen, als ein Kriterium der Phantasie zu gelten hat. Klingel ist Klingel, aber vom herrisch-harten Zungenknall bis zum zephirsäuselnden Verliebtenpfiff können ungeahnte Skalen des Temperaments und der Gefühle hörbar durchmessen werden. Beim Pfeifen ist allein schon die Wahl des melodischen Motivs von markanter Bedeutung. Nüchterne belassen es bei einem „Tatüti". Innerlich bewegte aber wählen ihre Melodie als etwas Symbolisches. Der Mann mit dem „Gern hab ich die Frau'n geküßt"-Pfiff kokettiert mit verruchtem Don Juanis- mus, während jener mit den Arientakten aus „Aida" seine Opernbildung brillieren läßt. „Santa Lucia" verrät exotische Neigungen. Melancholische flöten in Moll. Brutale durchschneiden die Stille mit gellendem Pfiff. So sind der Möglichkeiten ungezählte. Wie interessant das Studium solcher pfeifpsychologischen Feinheiten aber auch immer sein mag, es entbehrt nicht der Schattenseiten. Das sind die Unmusikalischen und die Ueberoptimisten. Treten erstere in unmittelbarer Nähe ständig auf, so sind sie ein Kündigungsgrund. Es könnte „Hänschen klein" sein, womit sie beginnen, und das „Lied vom Tannenbaum" klingt nicht ganz unähnlich den Tönen, mit denen sie enden. Dazwischen aber öffnen sich melodische Abgründe. Wäre man taub, so könnte man die Ueberoptimisten gerührt belächeln. Sie erscheinen zunächst und pfeifen mehrmals. Offenkundig aber ist die gewünschte Person nicht daheim. Der Optimist läßt sich dadurch jedoch nicht entmutigen. Er pfeift und pfeift, von der gläubigen Hoffnung heiter beseelt, die Macht seiner Töne werde Wunder wirken und den oder die Ersehnte gleichsam spiritistisch herbeizitieren. Wie gesagt, es könnte rührend sein, wenn es sich um eine stumme Szene handelte. So aber gerät der unfreiwillige Zuhörer allmählich in Raserei. Späte Nachtstunden, in denen die Umwelt nach Schlummer lechzt, sind dem Ueberoptimisten bei weitem die liebsten, denn weithin ist da sein unentwegter Mut vernehmlich. Vieles läßt sich noch ... Ader, Moment mal, pfeift da nicht jemand? Sie müssen mich schon entschuldigen, vielleicht ist es diesmal doch der Herbert...!?" H. C. v. M. Oberstudiendirektor Henk t- Am Sonntag verstarb in Gonsenheim-Mainz, wo er im Ruhestand lebte, der frühere Leiter des Realgymnasiums zu Gießen, Oberstudiendirektor i. R. Fritz Henk im 71. Lebensjahre. Der Heimgegangene war am 14. Januar 1864 zu Oppenheim am Rhein geboren. Nach dem Besuch des Gießener Gymnasiums studierte er an der Universität Gießen klassische Philologie. Dom Mai 1889 bis zum Mai 1891 war er als Lehramtsaccessist am Gymnasium und an der Realschule zu Worms tätig, wo er bann bis Ende Juli 1891 Verwalter einer Lehrerstelle war. In dieser Eigenschaft wirkte er anschließend bis Anfang April 1892 am Gymnasium zu Darmstadt, dann bis Juli 1892 am Realgymnasium zu Gießen. Hierauf war er vom August 1893 bis Mitte Juli 1894 am Realgymnasium zu Darmstadt als Verwalter einer Lehrerstelle tätig. Am 18. Juli 1894 wurde er an dieser Anstalt definitiv angestellt. Dort stellte er bis 1. April 1915 seine Kraft in den Dienst der Jugenderziehung. Vom 1. April 1915 bis Ende Dezember 1922 wirkte er als Direktor des Gymnasiums Fride- ricianum zu Laubach. Von dort kam er Ende Dezember 1922 als Direktor an das Realgymnasium zu Gießen, da» er bis zu seinem Uebertritt in den Ruhestand am 1. Mai 1929 leitete. Von hier verlegte er seinen Wohnsitz nach Gonsenheim bei Mainz, um dort seinen Lebensabend zu beschließen. Oberstudiendirektor Henk, dem bei seinem Ausscheiden aus dem Schuldienst von seinen Amts- genossen am Realgymnasium herzliche Ehrungen dargebracht wurden, hat sich um die Ausbildung der ihm anvertrauten Jugend und um ein harmonisches und vertrauensvolles Zusammenwirken innerhalb der Lehrkörper der von ihm geleiteten Anstalten in hohem Maße verdient gemacht. Allezeit freundlich und hilfsbereit, ein Mensch von vornehmer Gesinnung und aufrechtem Charakter, hat er sich nicht nur bei feinen Berufskollegen, sondern auch über den Kreis seines beruflichen Wirkens hinaus große Wertschätzung erworben. Dem Heimgegangenen wird bei allen, die mit ihm zusammen wirkten oder ihn näher kennengelernt haben, ein gutes Gedenken bewahrt bleiben. Arbeitsbeschaffungsvorschläge zur zweiten Arbeitsschlacht. Das Kontrollamt für Arbeitsbeschaffung teilt mit: Der Aufruf „Nach der Winterschlacht die zweite Arbeitsschlacht" brachte eine solche Fülle von Vorschlägen, daß die Sichtung eine große Zeit in Anspruch nahm. Was die Vorschläge selbst betrifft, fo zeigt die Mehrzahl, daß das Gedankengut des Na- tionalfozialismus schon tief in das Volk eingedrungen ist. Ein großer Teil der Vorschläge stammt von einfachen Volksgenossen, die sich mit diesem nicht alltäglichen Stoff sehr gründlich befaßt haben. Es ist nicht möglich, jedem einzelnen für diese Mitarbeit zu danken. Aus diesem Grunde soll hiermit allen denen, die Vorschläge zur Arbeitsbeschaffung eingereicht haben, herzlich gedankt sein. Eine ganze Reihe der gemachten Vorschläge oder Teile erselben werden in die Tat umgesetzt; dies gibt den Einsendern den Beweis, daß das Arbeitsbeschaf- sungsproblem ernsthaft angegangen worden ist. Aber auch in Zukunft wird in gleicher Weise weitergearbeitet, bis der letzte Volksgenosse in die Arbeit eingegliedert ist. Auch für die Folge ist das Kontrollamt für Arbeitsbeschaffung für Anregungen, die der Arbeitsbeschaffung dienen, dankbar. Obstgenutz und Waffertrinken. Es dürfte allgemein bekannt fein, daß man nach reichlichem Obstgenuß nicht trinken soll. Viele halten diese Regel für einen alten, längst überholten Aberglauben ober sind sich über die bei der Verdauung abfpielenben Vorgänge im unklaren. Sie setzen sich bei Leibschmerzen nach begangener Unvorsichtigkeit leicht darüber hinweg, indem sie sich vorstellen, der durch Trinken stark verdünnte Mageninhalt sei durch Bakterien, die dem Obst in Menge anhaften, in vorübergehende Gärung geraten, die Blähungen zur Folge habe. Erst die neuere Zeit hat gelehrt, daß in allen tödlich verlaufenen Fällen durch Verlagerung innerer Organe, besonders des Herzens, mit nachfolgenden Zerreißungen von Geweben eine Quellung von Pflanzenschleimen vorhanden war, die eine abnorme Vergrößerung des Magens verursacht hatte. Unter den verschiedenen Früchten, die, in größe- Das Schwurgericht befaßte sich aeftern mit dem Robert Fau 1 stroh aus Rodheim v. d. H. (Kreis Friedberg), dem die Anklage das Verbrechen des Totschlages, und zwar des Aszendententotschlages, zur Last legte. Der Anklage liegt folgender Tatbestand zu Grunde: Der Angeklagte, oer erst 18 Jahre alt ist, verkehrte als einziger Sohn des Bauers und Bürgermeisters F a u l st r o h - Rodheim v. d. H. mit einem Mädchen in Frankfurt a. M. Dieser Verkehr fand bei seinen Eltern keinerlei Anklang. Es entstand daraus eine Quelle familiärer Auseinandersetzungen, die schließlich den Angeklagten veranlaßten, das Elternhaus zu verlassen. Verhandlungen von Eltern und Verwandten führten aur Rückkehr des Angeklagten, der auch versprach, von dem Mädchen abzulassen. Am 17. Dezember 1933 führte eine Tagung Vater und Sohn nach Okarben. Am Nachmittag verließ der Angeklagte die väterliche Gesellschaft, um angeblich einen guten Freund zu besuchen. Er fuhr jedoch wieder nach Frankfurt zu seiner Geliebten und kehrte erst gegen 2 Uhr nachts nach Hause zurück. Dieses Verhalten des Angeklagten ließ erneut die Mißstimmung seiner Eltern aufflammen. Der Vater nahm ihm die Brieftasche ab und konnte aus den darin befindlichen Briefen klar erkennen, daß der Angeklagte an ein Aufgeben der Beziehungen zu dem Mädchen keineswegs dachte. Der Angeklagte versuchte mit Gewalt, sich wieder in den Besitz der Brieftasche zu bringen, was ihm jedoch nicht gelang. Als er die gewöhnlich im Nachtschrank aufbewahrte Pistole seines Vaters an dem dafür bestimmten Platze nicht mehr fand, glaubte er angeblich, sein Vater wolle ihn um die Ecke bringen. Daraufhin bewaffnete er sich mit einer Armeepistole 08. Am Vorabend der Tat verließ der Angeklagte das Haus, um die Nacht bei feiner Großmutter zu verbringen. Am 19. Dezember 1933 wurde er von seinem Vater geweckt, und er begab sich wieder in das elterliche Anwesen, wo er wiederholt seine Mutter und Großmutter bedrohte und die Herausgabe der Brieftasche verlangte. Als auf telefonischen Anruf der mittlerweile fortgegangene Vater des Angeklagten wieder erschien, hatte sich dieser auf den rer Menge genossen, nach dem Trinken von Waller, Bier, Mineralwässern u. bergt, in zerkautem Zustande bei Körpertemperatur innerhalb einer Stunde am meisten aufquellen, wobei sie einen viel größeren Raum beanspruchen, stehen Kirschen mit 60 bis 100 Prozent Quellbarkeit obenan. Nicht viel weniger quellen Stachelbeeren auf, es folgen denn Zwetschen und Pflaumen, andere Früchte erst in weitem Abstande, z. B. Aepfel mit nur 10 bis 15 Prozent. Je größer die genossenen Obstmengen und bas nach heißen Tagen bei körperlicher Anstrengung, z. B. Fußwanberungen, auftretenbe Durstgefühl sind, um so größer ist bei unvorsichtigem Trinken die Gefahr ernster Gesundheitsstörungen vorhanden. Diese Gefahr ist bei Kindern und herzkranken Personen besonders groß. Darum Vorsicht. Wascht das Obst! Eigentlich sollte sich diese Mahnung erübrigen, denn für viele wird es eine Selbstverständlichkeit fein, Obst, besonders das, was man nicht selbst ernten kann, sondern erst kaufen muß, vor dem Genuß zu säubern. Dennoch kann man es jetzt in der Hochsaison des Obstes oft genug sehen, daß Leute mit einer frisch gekauften Düte Obst durch die Straßen schlendern und das Obst daraus verzehren, es also nicht abwarten können, bis sie die Möglichkeit haben, die Früchte zu waschen. Ganz abgesehen davon ist auch mit dem sofortigen Verzehren des Obstes Heuschober geflüchtet und die hinaufführende Leiter weggezogen. Da er auf mehrmaligen Anruf seines Vaters nicht herunterkam, stellte dieser eine andere Leiter an. Kaum hatte der Vater die zweite Stufe der Leiter bestiegen, als ein Schuß aus der Armeepistole des Angeklagten krachte, der den Tod des schwerverletzten Vaters herbeiführte. Nach umfangreicher Beweisaufnahme — es wurden etwa 20 Zeugen und zwei Sachverständiae vernommen — beantragte der Vertreter der Anklage nach zweistündigem Plädoyer gegen den Angeklagten die Mindeststrafe, nämlich eine Zuchthausstrafe von 10 Jahren, Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren und Aufrechterhaltung des Haftbefehls. Strafer- schwerend, so führte der Anklagevertreter u. a. aus, fiel die Tatsache ins Gewicht, daß der Angeklagte nicht die geringste Reue zeigte. Anderseits hielt die Jugend des Angeklagten davon ab, über die gesetzliche Mindeststrafe hinauszugehen. Nach längerer Beratung erkannte das Gericht auf eine Zuchthausstrafe von 10 Jahren. Auf diese Strafe werden 6 Monate Untersuchungshaft angerechnet. Wegen Untreue zwei Zähre Gefängnis. LPD. Darmstadt, 3. Juli. Dor dem Bezirksschöffengericht, hatte sich heute der Geschäftsführer der NS.-Kriegsopferversorgung Viernheim, Philipp Hanf, zu verantworten, dem bei einer Revision der Bücher und Kasse 500 Mark fehllen. Der Angeklagte gab nach anfänglichem Leugnen zu, daß er das Geld aus Not für sich und feine Familie verbraucht habe. Er fei fünf Jahre arbeitslos gewesen und habe für feine vierköpfige Familie nur etwa 13 Mark wöchentlich erhalten. Das Gericht verurteilte ihn wegen Unterschlagung, Untreue und schwerer Urkundenfälschung zu zwei Jahren Gefängnis und fünf Jahren Ehrverlust. Er wurde sofort verhaftet. Das Gericht betonte bei der Zumessung der Strafe, daß im Hinblick auf die letzte Erklärung des Führers ein Nationalsozialist, ber sich gegen die Gemeinschaft vergehe, besonders hart zu bestrafen sei. Obechessisches Schwurgericht in Gießen. Das Mäuschen Nella. Von Krank K. Braun. Meine Frau ist eine geborene Hopeson. Die Hopesons sind eine streng puritanische Familie aus dem Mittelwesten Amerikas. Im Namen Hopeson i liegen die Worte Hoffnung und Sohn; trotzdem i wurde ihnen nur eine Tochter geschenkt: meine I Frau; sie heißt Grace. Die Leser werden sagen, daß diese Einleitung gar nichts mit der Geschichte zu tun haben könne, die „Das Mäuschen Nella" überschrieben ist. Aber Geduld; wer dieses Mäuschen Nella war, werden wir auch bald erfahren. Unsere Wohnung liegt im Erdgeschoß. Auf der Straße stehen Lindenbäume. Gleich links neben der Haustür befindet sich eine Laterne. Das ist gut, denn dort beginnt auch die Einfahrt zu den Garagen im Hof. Ich erwähne das alles, damit der Leser merkt, daß es sich um eine Neubauwohnung handelt. Man sollte annehmen, in einem neuen Haus gebe es gar keine Mäuse. Vor einiger Zeit kam meine Frau erschüttert zu mir und wies mir eine angeknabberte Brotrinde. Auf einem Tel- lerchen präsentierte sie mit Mäusedreck. „Hast du ihn auf den Teller getan, um ihn mir zu zeigen, Grace?" fragte ich. „Wen?" meinte sie begriffsstutzig. „Den Mäusedreck!" „Unsinn! Sei nicht so eingebildet! Er lag auf der Untertasse. Aber was sagst du dazu? Ich kann nicht in einem Haus leben, in dem es Mäuse gibt. Es sind widerliche Tiere. Sie krabbeln an den Strümpfen herauf unter die Röcke und beißen sich feft." . v w „Es ist in der Geschichte der Menschheit und der Mäuse dieser Fall noch niemals vorgekommen, Grace. Du wärest die erste, die eine Maus derart verwirrt hätte. Wir können einfach bei dem Wirt nicht vorstellig werden ohne Beweis. Ich werde eine Falle mitbringen. Wenn wir eine Maus gefangen haben, werden wir weitersehen." „Du läßt mich wirklich mit den Mäusen allein?" „Ja," antwortete ich hart, „ich gehe eine raffinierte Falle kaufen." Ich erstand em mathematisch genau ausgeklügeltes Drahtgeflecht, ein Labyrinth von Windungen. In der Mitte lag der Speck. Dorthin mußte die Maus geraten, dann war sie gefangen. Meine Frau stellte die Falle in die Speisekammer. Es war neun Uhr morgens. Ich verließ das Haus. Um zehn Uhr saß eine Maus in der Falle. Meine Frau wurde durch ein klägliches, ganz hohes Piepen gerufen. Sie stieß einen Schrei aus, die gefangene Maus antwortete mit einem verzweifelten Galopp, sie fauste wie ein Varietsradfahrer waagrecht in halber Höhe im Kreis in der Falle herum. Meine Frau ist in Stunden wirklicher Gefahr tapfer. Sie griff nach der Falle. Die Bewegungen und das Tempo der Maus wurden irrsinnig, aber meine Frau ließ sich nicht beirren. Sie hielt die Falle über einen Eimer, in den sie später Wasser einlaufen lassen wollte, um die Maus zu ersäufen. Sie öffnete die Klappe, die Maus fiel in den Eimer. Die Wände waren hoch und glatt; sie konnte nicht heraus. Meine Frau fetzte den Einer auf einen Stuhl beim Fenster, sie setzte ge- wissermaßen die Maus ins Licht und betrachtete sie. Es war ein schönes Tier, das uns in die Falle gegangen war. Das Fell glänzte blank, es war graubraun wie Silberspitzen. Kleine schwarze Jettaugen saßen im spitzen Kops; drei Schnurrbarthaare sproßen an jeder Seite der Schnauze. Nur der lange nackte Schwanz gefiel meiner Frau nicht. Sie gestand mir, daß ihre Abneigung gegen die Maus geringer geworden fei, je länger sie das Tierchen betrachtet habe. Es muß wirklich fo gewesen sein, denn als ich nachhause kam, sah die Maus noch immer im trockenen Eimer, die Küche roch nach gebratenem Speck und die Maus hockte auf einer Scheibe Brot und knabberte an einer angebräunten Speckschwarte. Meine Frau sah mich ernst an. „Ich habe ihr zu fressen gegeben," erläuterte sie, was feiner Erklärung mehr bedurfte. „Sie hat sich so entsetzlich aufgeregt und abgehetzt, als sie in der Falle war. Aber jetzt ist sie schon viel ruhiger, sie frißt bereits." Sie seufzte erleichtert. Ich betrachtete meine Frau aufmerksam. Dann nahm ich den Eimer mit der Maus und ging zur Wasserleitung, erreichte sie aber nicht. „So laß das arme Tier doch wenigstens erst fressen!' rief meine Frau. Ich setzte den Eimer wieder ab. Ueberhaupt..." die geborene Hopeson kam heran, „es ist nicht richtig, daß wir sie töten. Wir haben auch von den Sachen in der Speisekammer gegessen, und uns will doch keiner ersäufen." Solche Logik war zwingend, ich widersprach gar nicht erst. „Was soll nun werden?" Sie trat an den Eimer heran und machte „Kss — Kss" und die Maus richtete sich auf, ihre großen runden Augen starrten uns eine Sekunde lang an, die Ohren standen frei aus dem Pelz heraus, dann begann sie eine wilde Flucht im Kreise. „Sie ist noch scheu/'^erläuterte meine Frau, „dich kennt sie noch nicht. „Ich holte ein Stück Zucker und warf es in den Eimer. Die Maus stolperte ein paar Mal darüber, bann blieb sie plötzlich entschlossen davor sitzen und knabberte daran mit der spitzen, behaarten Schnauze, die breitgespaltene Oberlippe schnüffelte mehr als die Nase, die Perlaugen glänzten uns wachsam an. „Immerhin," sagte ich, „etwas Wasser müssen wir ihr hinein tun." — „Nein, auf keinen Fall." — „Aber sie wird trinken müssen, Grace!" „Ach so, Trinkwasser..." das sah meine Frau ein. Es wurde ein entsprechendes Gesäß in den Eimer gestellt. Die Maus blieb am Leben. Sie fraß und trank. Allmählich wurde sie weniger scheu. Sie floh nur noch zur Seite, wenn einer von uns die Hand in den Eimer steckte und Brot ober Käserinde hineintat. Dann, unsere Hände waren noch nicht ganz zurück, stürzte sie sich schon auf den Bissen. Schließlich, ein Zeitraum von vierzehn Tagen war vergangen, lief sie überhaupt nicht mehr weg, sondern kam der Hand, die den Leckerbissen brachte, mit witternder Schnauze entgegen. Dies war der Zeitpunkt, daß wir uns entschieden, sie zu behalten. Von Töten war schon lange keine Rede mehr gewesen, jetzt kam es auch nicht mehr in Frage, daß sie ausgesetzt würde. Ich besorgte ein Aquarium, wir füllten es fingerhoch mit Sägespänen, legten ein liegen gebliebenes, steinhart gewordenes Bortkantel dazu — es wurde ausgehöhlt und gab die Schlafkammer ab — und fetzten zwei Näpfe hinein. Dann wurde die Maus umquartiert. Meine Frau hatte ihr den Namen Nella gegeben. Der Leser weiß das längst. Weshalb nicht Nella? Ich griff also Nella. Sie quiekte wie ein Miniatur- schweinchen, sie hätte wahrscheinlich auch gebissen, aber ich hielt sie in der hohlen Hand, daß nur ihr Kopf heraussah. Ich spürte sie wie einen kleinen Vogel in den Fingern. Ihr Herz pochte einen fürchterlichen Takt, aber meine Frau sprach ihr gut zu. Sie tippte ihr auf die Schnauze, und kraute ihre — Nellas! — kleine Ohren. Dann, weiter war von Nella ja nichts zu erspähen, strich sie ihr mit Ueberroinbung ben langen bünnen Schuppenschwanz. Als ich Nella im neuen Glaspalast losließ, blieb sie einen Augenblick still sitzen. Dann begann sie sich auf ben Hinterfüßen mit Grünblichkeit zu putzen. Man merkte, wie scheußlich ihr bie Berich- rung mit ber Menschenhanb gewesen war. Trotzbem gewöhnte sie sich von Tag zu Tag mehr an uns. Nach einiger Zeit, als ihr Behälter grünb- lich gereinigt werben muhte, nahm ich sie heraus unb ließ sie in ber Küche, bie Steinboden hat, frei laufen. Sie schoß mit einem Husch unter ben Küchenschrank; ba sich aber bort niemanb um sie kümmerte, kam sie halb mieber hervor, tänzelte in ber Küche herum, fanb bort eine Brotkrume, ba ein Körnchen unb huschte umher wie ein winziger sonberbarer Hunb. Meine Frau war entzückt, bah Nella nicht fortlief. Sie kniete sich hin, streckte bie Hanb aus mit ein bißchen abgebröckeltem Käse barauf unb lockte Nella. Tatsächlich kam Nella. Sie erstieg bie Hanb, bie flach an ber Erbe lag unb fraß. Dann hüpfte sie mieber herunter, schnüffelte an ben Schuhen meiner Frau unb krabbelte — ich behaupte: harmlos und ahnungslos — an den Strümpfen hinauf. Meine Frau sprang mit einem markerschütternden Schrei auf und begann ihre Röcke zu schütteln. Nella, auf halber Höhe der linken Wade, ward von dem Gebaren erschreckt, dreht sich um, krabbelte wieder herunter und lief neuerlich unter den Küchenschrank. Leichenblaß, mit Schweißtropfen auf der Stirn, sagte meine Frau mühsam: „Da hast du es gesehen, es sind falsche Tiere. Sie krabbeln Frauen doch unter die Röcke. Nur auf die günstige Gelegenheit hat das Untier gewartet!" „Sie ist dir ja nicht unter ben Rock gekrabbelt, Grace," sagte ich sanft, „sie sprang ja ab, als sie merkte, baß es dir nicht paßte." Meine Frau warf mir einen verachtungsvollen Blick zu. „Bitte sagte sie unbeutbar unb ging hinaus. Wenn nicht ein Wunber geschieht, werbe ich Nella nun wohl boch noch aussetzen müssen. Schabe, sie würbe gerabe auf possierliche Art zutraulich. Anbere Leute halten sich Kanarienvögel, Goldfische ober weiße Mäuse. Es hätte mir Spaß gemacht, meinen Besuchern Nella, bie graubraune Hausmaus, vorzuführen. — Finben Sie, baß meine Frau sich richtig verhält? 'Zeitschriften. — Die Kunst, Monatshefte für Malerei, Plastik unb Wohnkultur, Verlag F. Bruckmann AG. in München. Die ausgezeichnet geleitete Kunstzeitschrift bringt in ihren Heften 8 unb 9 (Mai/Juni 1934) wieder eine Fülle von anregenden und wertvollen Beiträgen, lieber bie deutsche unb französische Malerei der Romantik spricht an Hand von vielen gut wiedergegebenen Abbildungen Hans Kiener, lieber die Ausstellung der Stockholmer Galerie Thiel mit interessanten Proben moderner schwedischer Malerei berichtet M. Joffe. Der Plastiker Fritz von Graevenitz unb ber bayerische Maler Franz Lenk werben in illustrierten Aufsätzen gewürbigt. Im Juniheft erörtert Ullrich Ehristoffel in grundsätzlichen Ausführungen die Frage „Wo stehen wir heute in der Kunst?" Adolf Schinnerer spricht über „Freilichtmalerei und Impressionismus", Konrad Weiß über „Wege des deutschen Kunstsinnes zwischen Marsß unb Munch". Alle brei Aufsätze sinb ungemein aufschlußreich für bie Ent- Wicklung ber künstlerischen Idee, besonders wertvoll sind auch die ihnen beigegebenen zahlreichen Bilder. Nicht minder vielseitig sind die Abschnitte über die angewandte Kunst. Wir sehen moderne Wohnbau- ten von Kleinfteuber-Würzburg, Henning^Berlin und Kaminka-Wien, interessante Innenarchitektur von Schwadron-Wien, reizvolle Gartenanlaqen von Heiler-Kempten und Gartenplastiken verschiedener Künstler, schließlich auch hübsche Erzeugnisse der Staatsfachschule für Glasindustrie in Stemschonau und einen lehrreichen Älufsatz über „Wand, Bud und Möbel". Oberheffen Saarkundgebung wies hin auf das ernste dem SendebezirL. 22.45: Kleine Unterhaltung. am ort den Schularzt als erholungsbedürftig anerkannt 7 0. Geburtstag. Der Jubilar würbe 1864 in worden. Rodheim geboren, heiratete im Jahre 1890 und ** Regelmäßige P r o m e n a d e n - K o n - j siedelte nach Dieber über. Don 1884 bis^1887 diente Geschehen der letzten Tage und gelobte dem Führer unverbrüchliche Treue. Mit einem dreifachen Sieg- Heil auf den Führer und mit dem Gesang des Horst- Wessel-Liedes schloß die Feier. Im Anschluß daran bewegte sich der Festzug durch die Straßen unseres Dorfes, und man blieb dann noch lange bei fröhlichem Lied und Tanz zusammen. Nundfunkprogramm. Donnerstag. 5. Juli. zeigen, wie notwenbb Genuß gründlich im ! Erstens gibt es nur verschwindend wenige Volksgenossen, welchen die Bezeichnung .taubstumm' zu Recht zusteht. Dank der hervorragenden deutsch'en Sprachausbildung gibt es nur noch wenige Personen, die nicht sprechen können, also stumm sind. Der Großteil der früher sogenannten ,Taubstum-! geradezulegen, alte Holzpfosten usw. zu entfernen I -- Odenhausen, 3. Juli. Am vergangenen men' existiert schon seit Jahrzehnten nicht mehr, und an ihrer Stelle starke Steinplatten einzusetzen. Sonntag fand hier die Feier des dreijährigen Also bitte hinweg mit dem zu Unrecht gebrauchten Das Bett der Wieseck erhält dadurch auch in diesem Bestehens der Ortsgruppe der NSDAP., Ausdruck .taubstumm' und setzen wir an diese Stelle Teil ihres Laufes ein besseres Aussehen. Gleich- verbunden mit der Weihe Der Fahne des Stützpunk- die auch amtlich gebrauchte Bezeichnung .gehörlos'! zeitig ist auch hygienischen Erfordernissen Rechnung tes Odenhausen, statt. Stützvunktleiter Fritz be- Und zweitens sind die Gehörlosen gar nicht geistig getragen. grüßte die Anwesenden. Kreisleiteer Haus -Wetzlar so arm, wie man mit der Bezeichnung ,ber arme -■■w 'hielt dis Weiherede. Er wies hin auf das ernste auf der Straße die Unmanier verbunden, glitschige । Steine auf die Straße zu werfen, so daß das eilige Verzehren nicht nur den Genießenden, sondern auch den Mitmenschen Gefahren bringt. Bakteriologische Untersuchungen an verschiedenen Obstsorten, wie sie an Derkaufsständen und in an der Straße stehen- den Körben feilgeboten werden, haben ergeben, daß das sterilisierte Wasser, mit dem die Früchte abgewaschen wurden, eine hübsche Blütenlese von Bakterien enthielt, unter denen sich einige reckt gefährliche befanden. Die Zahl schwankt nach dem Reinlichkeitsgrad der Früchte zwischen 68 000 und 3 200 000 Keimen im Kubikzentimeter. Beim zwei- ten Waschen ergaben sich noch 7000 und 120 000 und bei dem dritten Waschen immer noch 3000 und 7000 Keime. Diese Zahlen dürften deutlich genug ' ig es ist, das Obst vor dem Wasser zu behandeln. Landkreis Gießen. * Geilshausen, 3. Juli. Die Reichs- jugendwettkämpfe der Schulen von Allertshausen, Kesselbach, Odenhausen und Geilshausen, die am Tag der deutschen Jugend auf dem Sportplatz Allertshausen ausgetragen wurden, brachten fol- gende Siege der Schule von Geilshausen: Altersklasse II (Knaben): 1. W. Rieberaall, 59 P., 2. E. Kaufmann, 44; 3. K. Baumann, 42 Punkte. Alters- klasse I (Knaben): 1. Hch. Ranft, 52 P.; 2. W Seim 40 Punkte. Altersklasse I (Mädchen): 1. O. Lech, 46 Punkte; 2. E. Niebergall, 45; 3. Fr. Dietz und E. Dietz, je 43 Punkte; 5. E. Löchel, 42 Punkte. Den > Klassengemeinschaftskampf Geilshausen — Kesselbach konnten die Knaben mit 42,4:35,8 und die Mädchen nit 38,8:35,3 Punkten für Geilshausen entscheiden. Kreis Schotten. Die Reichsbetriebsgemeinschaft 8 „Druck" veranstaltet vom 8. bis 14. August eine große Tagung und eine Kundgebung in Danzi g. Aus diesem Anlaß fahren graphische Arbeiter (Betriebsführer und Gefolgschaften) aus allen Teilen Hessens und Hessen-Nassaus nach Danzig. Die Kundgebung soll die Verbundenheit der Volksgenossen im Reich mit der abgetrennten Danziger Bevölkerung bekunden. | Die Kosten für die Reise betragen 36 Mark. In diesen Betrag sind die Kosten für Fahrt, Unterkunft, Verpflegung, Hafenrundfahrt und Führung durch die Stadt, Teilnahme an den Konzerten und Feuerwerk im Seebad Heubude und im Kur- Zoppot einbegriffen. Die Teilnehmer aus Hessen und Hessen-Nassau benutzen einen Sonderzug, der von Mannheim aus über Darmstadt, Frankfurt a. M., Gießen und Kassel direkt nach Danzig sich der Heimat verbunden fühlten. Der Redner rotes dann auf die Aufgaben der Wanderoereme im Zusammenhang mit dem Reichsbund für Volks- tum und Heimat und der NS.-Gemeinfchaft „Kraft durch Freude" hin. Mit einem Treuebekenntnis zu Volk und Führer beschloß der Redner seine Ansprache. Musik und Tanz, sowie die lustigen Spiele der Kinder füllten die übrigen Stunden aus. * Ruppertsburg, 3. Juli. Der hiesige Landwirtschaftliche Konsumverein versammelte dieser Tage seine Mitglieder zur ordentlichen Generalversammlung. Der Rechnungsbericht wurde von Wilhelm Lehr II. erstattet. Dem Bericht war zu entnehmen, daß sich der Verein recht günstig entwickelt hat. Die Zahl der Mitglieder beträgt 74. Dir Umsatz hat eine wesentliche Steigerung erfahren; er betrug 54 743 Mark, gegen 45 947 Mark im Jahre vorher. Der Reingewinn m Höhe von 308 Mark wurde auf Rückstellungskonto fährt. Die Orte Darmstadt, Frankfurt a. M., Gießen und Kassel sind Einsteigebahnhöfe. Die An-! Meldung innerhalb unseres Gießener Bezirkes finb; an Pg. Ludwig holpert, Danziger Straße 3, zu richten. Die Anmeldungen müssen bis spätestens 9. Juli erfolgt sein. Die Gehörlosen in der Volksgemeinschaft. Don dem Leiter der Ortsgruppe Gießen des NS.- Reichsverbandes der Gehörlosen Deutschlands, Beck- Gießen, wird uns geschrieben: „Ganz gewiß ist vielen unserer Volksgenossen schon einmal ein Mensch begegnet, den man gemeinhin als „taubstumm" bezeichnet, ohne daß sie sich etwas anderes dabei dachten als: ,Der arme Taubstumme' oder sie dachten mit einer wegwerfenden Handbewegung .Almosenempfänger'. Wissen jene Mitmenschen aber auch, daß sie mit einer solchen Bemerkung viele tausende Volksgenossen beleidigt haben? ♦ Rieder-Ofleiden, 4. Juli. Am Montag ereigneten sich hier zwei leichtere Unfälle. Der Arbeitsmann E. B i ck e l h a u p t erlitt bet einem unglücklichen Sturz einen Unterschen k e l- bruch und der 23jährige Erich Müller von hier Mfo^Dolks^nosie^ Wie du aus obigen Beispielen I Fes" Imme? mehr'ein "Fest d-"r heimischen Bevi-i-I zog sich einen ßA > ii,! e l b ° i n b r u ch zu Beide Ä hak™ mirft.' bi» du im Srrlum, wenn bu | terung werden müsse, darüber hinaus aber das \ m^cn^bie Chirurgische Klimt nach Gießen ge 5.50 Uhr: Gymnastik I. 6.15: Gymnastik II. 6.40: Frühmeldungen. 6.55: Frühkonzert. 8.20 bis 8.40t Gymnastik. 10: Nachrichten. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11: Werbekonzert. 11.50: Sozialdienst. 12: Mittaaskonzert I. 13: Nachrichten, Saardienst. 13.10: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.20: Mittagskonzert II. 13.50: Nachrichten. 14: Mittagskonzert III. 14.30: Nachrichten. 14.40: Kinderstunde; Kinder fingen, musizieren und erzählen. 15.35: Wirtschaftsbericht. 16: Nachmittagskonzert. 17.30: „Löwen werden garantiert." Besuch in afrikanischen Wildreservaten. Bericht von Dr. Albert Herrlich. 17.45: Aus Zeit und Leben. 18.15: Familie und Rasse. 18.25: Spanischer Sprachunterricht. 18.50: Das Leben spricht! 19: Volksmusik. 20: Nachrichten und Mitteilungen aus dem kulturellen Leben. 20.15: Stunde der Nation. Die „Jobsiade". Der denkwürdige und sehr seltsame Lebenslauf des Herrn Hieronimus Jobs. Ein lustiges Hörspiel. 21: Richard Wagner, der musikalische Erfinder. 22: Von Kassel: Kleine Unterhaltung. 22.20: Nachrichten. 22.35: Du mußt wissen... 22.45: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 23: Nachtmusik. Kleine Stücke für Violine mit Klavierbegleitung. 23.20: Tanzmusik. 24 bis 1: Nachtmusik. Freitag, 6. 3ull: 5.50 und 6.40 Uhr: Gymnastik; Frühmeldungen. 6.55: Frühkonzert. 8.20—8.40: Gymnastik. 9.45: Eig. Sendung. 10: Nachrichten. 11.50: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert I. 13: Nachrichten, Saardienst. 13.10: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.20: Mittagskonzert II. 13.50: Nachrichten. 14: Mittagskonzert III. 14.40: Stunde der Frau. Die richtige Ernährung ist nicht fo einfach! Berichte und Gespräche. 15.35: Wirtschaftsbericht. 16: Nachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 17: Kammermusik für Bläser. 17.30: Unbekannte Dichter: Ferdinand Oppenberg. 17.45: Heitere Weisen für eine Singstimme und Klavier. 18: Vier auf dem Kriegspfad. Von Ludwig Metzger. 18.25: „Auf dem Falkenhof von Sickingen". Bei den Edelfalken und Seeadlern. 18.50: Griff ins Heute. 19: Unterhaltungskonzert. 20: Reichsjendung: Politischer Kurzbericht. 20.15: Reichssendung: Stunde der Nation. Houston Stuart Chamberlain, Die Pro- phetengestalt an der Zeitenwende. 21: Festkonzert anläßlich der Jahrestagung des Elsaß-Lothringer- Jnstituts. 22.20: Nachrichten. 22.35: Nachrichten aus cv> Alsfeld, 2.Juli. Am Sonntag beging die Alsfelder Freiwillige Feuerwehr die Feier ihres 80jährigen Bestehens, unter Beteiligung einer größeren Anzahl von Freiwilligen Feuerwehren aus Oberhessen, sowie der Vertretungen der Pflichtfeuerwehren aus dem Kreise Alsfeld. Aus dem preußischen Nachbarkreise Ziegenhain war die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Ziegenhain erschienen. Die Veranstaltung begann mit einem auf dem Friedhof abgehaltenen Felbgotlesbienst, der sich zu einer sehr stimmungsvollen Weihestunde gestaltete. Um 11 Uhr erfolgte in Anwesenheit der auswärtigen Wehren die Vorführung eines Vrandangriffs mit sämtlichen Geräten der Freiwilligen Feuerwehr und unter Mitwirkung der Freiwilligen Sanitätskolonne Alsfeld. Anschließend fand eine Ehrung der Dubliere der Freiwilligen Feuerwehr Alsfeld statt, indem Regierungassessor Seibert im Auftrag des Hess. । Staatsministers an vier Mitglieder der Wehr die Verleihung des Ehrenzeichens für 40jähriqe Dienstleistung mit einer entsprechenden Ansprache vornahm. Nachmittags bewegte sich der stattliche Festzug, an dem auch die Alsfelder Vereine teilnahmen, durch die Stadt nach dem Festplatz. Feuerwehr als Pflegestätte für die Volksgemeinschaft und auf die hohen und idealen Ziele des Feuerwehrberufs hin, deren restlose Erfüllung nach dem Grundsatz „Gemeinnutz gehl vor Eigennutz" gerade für den Feuerwehrmann ein besonders erhebendes Gefühl fein müsse, da der Dienst in der Feuerwehr jeden Verdacht des Eigennutzes von vornherein ausschließe. Der Redner dankte der Wehr für ihre segensreiche Tätigkeit in den langen Jahren ihres Bestehens und schloß mit dem Wunsche, daß die Wehr, wie seither, auch fernerhin in strengster Pflichterfüllung, in unermüdlicher Opferbereitschaft und getragen von inniger Liebe zu ihrer Vaterstadt, deren Bürgerschaft dienen möge. Für den Provinzialverband Oberhessen der Freiwilligen Feuerwehren überbrachte Branddirektor Wenzel (Gießen) dessen Glückwünsche. Er beglückwünschte zugleich die Stadt Alsfeld zu ihrer Freiwilligen Feuerwehr, deren Ausbildung und Leistungen auf der Höhe seien. Die Bürgerschaft könne sich beruhigt deren Schutz anvertrauen. Für den Kreisverband Alsfeld der Freiwilligen Feuerwehren übermittelte Kommandant Sehrt (Vadenrod) dessen Glückwünsche. Er betonte ebenfalls die Bedeutung der Feuerwehr für die Volks- gemeinschaft und empfahl die Gründung freiwilliger Feuerwehren in allen Gemeinden, wo es die Verhältnisse ermöglichen. Mit einem Schlußwort des Oberbrandmeisters Knierim (Alsfeld), zugleich als Dank für die der Wehr erwiesenen Ehrungen, schloß der offizielle Teil der Feier, die mit einem begeistert aufgenommenen dreifachen „Sieg-Heil" auf den Reichspräsidenten von Hindenburg und den Führer Adolf Hitler ausklang. Anschließend fanden auf dem Festplatz ein Geräle-Exerzleren der Freiwilligen Feuerwehr Alsfeld und eine Vorführung nach der neuen Uebungsordnung statt. Das übliche Volksfest mit Konzert und Tanz I in der Festhalle schloß sich an. , erte des Stadttheater - Orchesters, er beim Dragoner-Regiment Nr. 14 in Colmar und Man schreibt uns: Das Orchester des Staottheaters wurde dort als tüchtiger Soldat im dritten Jahre Gießen veranstaltet von heute ab regelmäßig Mitt- zum Unteroffizier befördert. 37 Jahre lang gehörte wachs von 18 bis 19 Uhr Promenaden-Konzerte der Jubilar Der Gemeindevertretung und 12 Jahre in den Anlagen am Stadttheater. Die Dortragsfolge lang dem Kataster- und Kreisausfchuß an. Während des heutigen Konzertes sieht folgende Musikstücke des Weltkrieges war er als Kommissar für Fleisch- vor: „Grenzmarkgruß", Marsch von Schurdel — beschaffung tätig. Seit vielen Jahren gehört Herr Ouvertüre zur Operette „Der Mikado" von Sulli- G e r l a ch dem im Jahre 1907 gegründeten K a - van — „Seid umschlungen Millionen", Walzer vonvalerieverein Gießen an. Er brachte dem Johann Strauß — Melodien aus der Oper „Toska" Verein stets reges Interesse entgegen. Aus Anlaß von Puccini-Tarvan — Potpurri aus der Operette des Geburtstages feines Mitgliedes unternahm der Der Dogelhändler" von Zeller — „Im V-Zug", Kavallerie-Derein am Samstagabend einen Ausflug Galopp von Sion. nach Bieber. Die Teilnehmer wurden von dem Ju- ** Umfangreiche Straßenbauarbei- bilar am Bahnhof emp^ngen. Mit einer kernigen t » tt finh flit pini Jr Ä-it her Ludwig ft r a ft e Ansprache leitete der 1. Deremsfuhrer Kam. Hart- zwischen der Bahnunterführung am Riege^pfad und mann dem Studentenheim am Leihgesternerweg im Gange, und überreichte dabei dem Jubilar in Anerken- nungTagenMinh bk’fcüÄ Generalfeldmarschalls von M ° ^^en^t des- I \aa nprfpnpn mnrherr her für die f^uftaänaer an-1 stn eigenhändiger Unterschrift und einer Widmung genehmer ist 7ls dü frühere wm Sen läl P« Vereins. Der Jubilar dankte für die ihm zu- chaufsierte Herrichtung. Die' Bürgersteige in der ^^ L^ordene Ehrung. Um die musikalische Ausge- neuen Aufmachung sind bereits fertiggestellt. Gegen- staltung der Feier machde sich Kamerad Keßler I mririin prftrprft fifh hie Neu ae ft alt UN VS ar beit auf I verdient. Den humoristischen Teil bestritt Kamerad ^n %ahrbamm ^her üZ S Sri Heinrich Bachmann rnit bestem Erfolg. Allzurasch E ha uss^e r u nc^ ^Kl e i n v f l a st er erhält mohurdi Dor "ergingen die Stunden kameradschaftlicher Verbun- d°m 2°hre nefjmen Staubplage corgebeugt toirb. si^Vnig-bkr/ z einer kleinen ** Die Treppe an der Eisenbahn- Feier im Rahmen der Mitglieder der NSDAP, brücke bei der G l e i s ü b e r f ü h r u n g m rourb6 beute bie Dienststelle der NSDAP, der Frankfurter Straße hat m den letz en L n Königsberg zum Stützpunkt erhoben. Tagen erfreulicherweise eine wesentliche Derbesse- Dabei hielten Kreisleiter Haus (Wetzlar) und Stütz- rung erfahren Die durch jahrelanges Begehen und punff(eiter Dienethal Ansprachen, die mit leb- durch Witterunaseinflüsse reichlich abgenutzten hastem Beifall ausgenommen wurden. Der Gesang- Steinstufen der Treppe sind durchweg durch neue, ^ein unter Leitung von Lehrer Dienethal be- scharskantige Stufen ersetzt worden, die das Pas- reicherte die Feier durch Gesangsvorträge, die Kö- fieren der Treppe erheblich angenehmer und ae, nifisberger Hauskapelle, die eine Gründung des fahrenfreier machen als bisher. Gleichzeitig ist die Ehrers Dienethal ist, bot instrumentale Vorträge, Zugangsstrecke zur Treppe von der Südseite her Mit Schulkinder sagten einige Gedichte auf. Eine Steinplatten neu belegt und verbessert worden. besondere Note erhielt die Feier durch die Beteili- ** Einfassung des Wieseckbettes. gung der in ihrer schmucken neuen Uniform unter Zur Zeit wird bas Bett der Wieseck zwischen der Führung des Obersteigers N ö l l erschienenen Be- Bismarckstraße und der Goethestrahe mit Stein- legschaft der Eisensteingrube von Mannesmann. Mit platten eingefaßt. Die Arbeiter sind gegenwärtig frohgestimmter Geselligkeit fand die Feier ihren Somit beschäftigt, das Ufer in feinem Verlaus völlig Abschluß. 1 geradezulegen, alte Holzpfosten usw. zu entfernen -- Odenhausen, 3. Juli. Am vergangenen verbucht. Kreis Alsfeld. . Taubstumme' sich ausdrucken will. Fast feder ge- . funde Gehörlose geht seinem Berufe nach und stellt hier seinen Mann wie jeder Normalsinnige. Man gebe dem Gehörlosen nur eine Beschäftigung, die seinen Veranlagungen entspricht, man wird staunen, welche geistigen und körperlichen Fähigkeiten tn fo einem ,armen Taubstummen' stecken. Bei dieser Gelegenheit möchte ich aus einen Der bekanntesten Gehörlosen der Jetztzeit Hinweisen, Derlagsbuchhändler Hugo Dube, Leipzig. Es ist wohl noch niemanden in Buchhänblerkreifen eingefallen, daß ihr Großlieferant ein Gehörloser fein । könnte. Und doch ist es schon ein halbes Jahrhundert, feit dem die Verlagsbuchhandlung Hugo Dube, Leipzig, von Gehörlosen geleitet wirb, denn auch die Eltern des jetzigen Inhabers waren gehörlos. Nicht nur im Beruf, sondern auch im Sport stellen die Gehörlosen ihren Mann. Emer Der be- fannteften gehörlosen Sportler der Nachkriegszeit ----------------- ist unstreitig der Berliner Karl Knöpnabel ge- beiderGießenerNudergesellschafti877 » 6« Währenb der großen Gießener Regatta am kom- Hzp„n brachte. Knöpnadel war schon monatelang ♦ Schotten, 3. Juli. Sonntag wurde bet wenden Samstag und Sonntag weilen u. a. auch »änbiaer Trainingspartner des damaligen deutschen herrlichstem Sommerwetter auf dem Hoherodskopf die Mannschaften der Saarbrückener Ruderaesell- Schwergewichtsmeisters Hans Breiten st räter, das Hoherodskopf-Fest gefeiert Viele Be- schäft „Undine" und des Ruderclubs „Saar «e>aar- . Knöpnabel war sogar einer der besten Schwer- sucher und DHC.-Zweigvereine aus der näheren brücken in unserer Stadt. Die Teilnahme der beut- '..^^xer der Welt und betätigte sich auch unb weiteren Umgebung hatten sich dazu eingefun- fchen Brüber von ber Saar an ber bie5iahrigen e}ni oeit a[5 Berufsboxer. Er brachte es auch ben. Der Führer bes Gefamt-DHE., Dr. Bruch- Regatta nimmt bie Gießener Rubergesellschaft von internationalen Erfolgen, die das Auslanb Häuser-Ulrichstein hielt die Festansprache, 1877 zum Anlaß, eine Saarkunbgebuna zu veran- gufhoreben ließen. in ber er u. a. ausführte, baß bas Hoherobskopf- stalten, zu ber nicht nur ber Kreis ber Ruderer unb '/ . ........_______ ........ ber unmittelbar interessierten Mitbürger, fp^ern , ,' ' wirft bist' bu irn^Jrrtum, wenn bu I terung werden müsse, uu^v» v»'““’ ™ die gesamte Bevölkerung Gießens emgelaben l st Die Ahenh erhaben fü^en ob Deines 5eft aller Wanberer unb aller Volksgenossen, bie MUMZHMMMW 80 Me FreiwiMe Feuerwehr Meld Gleibergsest am 1b. 2ull. T° g - - k ° l ° nd - r f ür M i tt w 0 ch. Acht- Das biesjährige große Gleibergfest finbet am . (Bahnhofstraße): „Polizeiakte 909". — 15.Juli statt unb wirb von ber NS.-Gemeinschaft 2Q 15 Ubr, 5 Abonnementskonzert der „Kraft burch Freube" zusammen mit bem Glei- Reichswehrkapelle. — Alice-Frauenverein vom bergoeroin unb dem Nationalsozialistischen deut- Kreuz: 14.30 Uhr, Hörsaal der Medizinischen scheu Studentenbund ausgestaltet. Das biesja^tge Mitgliederversammlung. — Reichstreubund: Programm weicht etwas von der althergebrachten Q Reue Kaserne, Kameradschaftsabend. Form ab. Das alte deutsche Volkslied umrahmt die K o l o N i a l - A b e N d. Das Deutsche Rote ZSDWMMZUW Volkslieber, bie gemeinsam mitgesungen werden, abends Ad^ral L u tz ° w Berlin) wirb eine Au Danach kommen Lieder ber Stubenten aus bem spräche halten. (>viehe heutige z g ) Kameradschaftshaus und dann das Kinderfest mit ♦ dem Kasperltheater und dem hochpolitischen Stück ** $lne Reihe von Gerüchten wurde । „Kasperl in Genf". Unser alter Freund und Hei- mittag und nachmittag in unserer Stadt matdichter Georg Heß hat es sich nicht nehmen ^rbreitet Durch sofortige Anfrage bei den zustän- lassen, in seinem blauen Kittel zu uns 3" kommen Stellen erfuhren wir, daß alle diese Gerüchte und auch bei uns nach dem Rechten zu sehen. Wir I I n. Q u ß er ßuf t gegriffen waren, vermuten, daß er dabei allerlei zu erzählen hat. Zahlreichen Fragestellern, die sich telephonisch und Man wird weiter noch Volkstänze sehen. Als persönlich um Auskunft an uns wandten, konnten Meisterschütze wird man auf ferne Kosten kommen. mir bie beruhigende Erklärung geben, daß an dem Man wird nach Herzenslust tanzen tonnen gonxen Gerede tein wahres Wort fei. Er- Die Abendveranstaltung beginnt um 20 Uhr freulicherweise nahm denn auch der üble Gerüchte- und wird wiederum vom Bergfried aus mit zwei { ßin ta^5 Ende. Unseren Mitbürgern in Stadt Volksliedern angeblasen. Die Ansprache halt unb ßanb möchten wir bei dieser Gelegenheit emp- Edler von Graeve. Nach einem Spreckchor - ,{cn etwaigen Gerüchten von vornherein immer der Kameraden bes Kamerabschastshauses spielt ' 'öc.ter Zurückhaltung zu begeg die Musikgemeinschaft ber Arbeiter unb Studenten U^ Lcht ohne weiteres Glc Der Kommandant der Alsfelder Freiwilligen Feuerwehr, Oberbrandmeister unb Kreisfeuerwehr. Inspektor Knierim- Alsfeld, begrüßte die Fest- teilnehmer in herzlichen Worten, ebenso bie erschie- . । neuen Gäste, unb überreichte dem ftelloertretenben Mo^ts"^K?e^ne^NE Uh? wirb I Schwatzereien nid)t ohne weiteres Glauben zu be°rm^^ Hessen eine ber d?s B°g. und sich md)t an Ihrer V-rbrorlun« zu H-. Al-s«lber Wehr oerllchen« silbern- Pla-«tt« friebes alles in feinen Bann ziehen. Anfchließenb I . f_ I Bürgermeister Dr. Völsing überbrachte als roieber Musik unb Tanz. Um 23 Ühr wirb bas ü Vertreter der Stabt ber Wehr bie Glückwünsche ber Fest mit oberhessischen Volksliebern abgeblasen. 0 lun gsb e d ur f i g e Ä t ® Stabtverwaltung unb ber gesamten Bürgerschaft, Wie schon veröffentlicht, werben bie Programme des Wohlfahrtsausschusses des Stabtrats wird vom ^^ei er insbesondere die enge Verbundenheit der zum Preise von 20 Psi (Erwerbslose 10 Pf.) im städtischen Wohlfahrtsamt auch m dlesem SoMmer Bürgerschaft mit ihrer Freiwilligen Feuerwehr be= Vorverkauf abgegeben. Das ProgrammI w/eder eine Anzahl erholungsbebur^ Er wies auf die besondere Bedeutung der berechtigt zum Eintritt. Da uns auf der Burg nur mLmnrts aefckickt Am^27 Juni fuhren « ein verhältnismäßig geringer Raum zur Verfügung ^!lt nach ausro g sch - /Thüringen) heute steht, werden nur 3000 Programme verkauft. Kinder POKmder nach Bad Sulza (Thurmgen) heute 15^1111^11 SS-“’ Vr°9ramme ftei nf’aabran8°et^n"amCl65®i weitere f M M2Ä 'der' Deutschen Arbeite- A Kinder nach « o U U b e r ° d-^(Südharz). zur Kreis Wetzlar, front und den Betriebszellenobleuten der grd- ber sinb9er „strecken sich auf di- Dauer von fünf » Bieber, z. Juli. Am vergangenen Samstag bei den Amtswaltern der PO.; ! Wochen. Die Kinder sind nach Untersuchung^bmch^ feierte^der ^efige Oaftröii.l a ^fernen bei dem Gießener Anzeiger; bei ber Oberhessischen Tageszeitung; Musikhaus Challier. Graphische Arbeiter fahren nach Danzig 1 $ür -en Büchertisch neu Kultur und Geschichte Professor Wild behandelt. der Antike mit Capitol und Palatin, mit Forum und । gend zum geschichtlichen Verständnis Kolosseum, mit Tempeln und Triumphbögen heraus-1 gern des Dritten Reiches zu erziehen. Natur und Heimat wächst und mit seinen Aquädukten und Ausfall» traßen das Landschaftsbild wandelt, wie sich das Rom der Päpste mit den alten Basiliken, dem Vatikan, der herrlichen Peterskirche darüberlagert, das des deutschen Menschen, die zum Segen der Volks- gemeinschaft wirksam werden. kL"°7°n $7 Karl Cf 8%“’«Ä Zusammenhöngc der mannigfaltig, staatlicher Vertrauensmann für Naturschutz in Hes- sten Vulkanausbruche. (en; die Arbeit erschien seinerzeit im Gieß. Anz. läßt das Buch anschaulich vor uns erstehen, bis es uns schließlich in die Jetztzeit führt, da Mussolini das antike Rom durch großzügige Freilegungen aus dem Schutt der Jahrhunderte herausschält und der Stadt sowie der Campagna neues Gepräge gibt durch moderne gewaltige Bauwerke, das weiträumige Forum, neue Ausfallstraßen, die Verbindung zum Meer. — Joachim von Kürenberg: „Rußlands Weg nach Tannenber g". Mit Illustrationen. Pappband 5,20 RM. Universitäts Deutsche Verlags AG., Berlin W 50. — (196) — Das Buch will die Vorgänge schildern, wie sie sich auf russischer Seite vom Besuch Poincares in Petersburg, wenige Tage vor Kriegsbeginn, bis zur Niederlage bei Tannenberg abgespielt haben. Das Schwergewicht der Darstellung liegt bei den russischen Ereignissen, die deutschen sind nur dann als Zwischenstücke eingesetzt worden, wenn sie zum Verständnis notwendig wurden. Es war nur mit größten Schwierigkeiten möglich, das Material zusammenzubekommen. In Paris, in Nizza, Darmstgdt und in Kopenhagen wurden Teile aus den Nachlässen des Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch, des Großfürsten Alexander, der Generale Samsonow, Rennenkampf und Suchomlinow zur Verfügung gestellt. Das Buch gibt einen Begriff von der Größe der Gefahr, in der sich Ostpreußen und damit Deutschland Mitte August 1914 befand. Es erbringt schließlich den Beweis, wie wunderbar die deutsche Armee der russischen Dampfwalze entgegentrat, und wie preußischer Angriffsgeist und Pflichterfüllung bis 3um letzten den Sieg gegen eine gewaltige lieber» macht erkämpften. — Geschichts-Fibel. Zusammengestellt und bearbeitet von Dr. phil. Wilh. Zimmermann. Mit 88 Bildern und Zeichnungen im Text. 140 S. Verlag „Offene Worte", Berlin W 35. — (90) — Die Fibel will in knapper Form einen Ueberblick über die wichtigsten Ereignisse und Persönlichkeiten aus der deutschen Geschichte geben, die für das Werden der Nation von Bedeutung geworden sind. Die Darstellung der kriegerischen Ereignisse, besonders im Weltkriege, hat Oberstleutnant a. D. Bett a r y übernommen. Trotz der notwendigen Beschränkung auf die Grundlinie der deutschen Geschichte — vom germanischen Altertum bis zum Dritten Reich Adolf Hitlers — hofft der Heraus- geber der anregend bebilderten Fibel mit seiner Darstellung alle Deutschen und besonders die Jugend zum geschichtlichen Verständnis und zu Träft and der geistig Schaffenden und das ~ -::: D ’ " t' J.t a n d". Preis kartoniert 80 Vfg. Albert Langen/Georg Müller Verlag, München, 1934. — (34.) — Unter Ablehnung der rein wirtschaftlichen Bezeichnung „Berufsstand", sieht Kol- benyeyer die wahre Gemeinschaft der durch gleichgerichtete Arbeitsleistung Verbundenen im „Lebensstand", der den gesamten „Lebensinhalt des Volkes mit allen seinen Gemütswerten" miteinbeareift und damit „die inneren bildnerischen Bereitschaften" — Walther Schoenichen: Naturschutz im Dritten Reich. Einführung in Wesen und Grundlagen zeitgemäßer Naturschutz-Arbeit. Natur, schutzbüchcrei Dd. X1I. 8°, VIÜ und 111 S-.t-n, it Bildtafeln. Berlin-Lichterfelde, Hugo Bermuhler Berlag, 1934 - (236) - Pr°s- Schoenichen, der Direktor der Staatlichen Stelle für Naturdenkmalpflege in Preußen und Leiter der Fachstelle Naturschutz im Reichsbund Bolkstum und Heimat, um- reißt in diesem Buche die Ausgaben und Wege des Naturschutzes, wie sie sich uns ietzt darstellen. Nicht mehr geht es allein darum, bedrohte Pflan- zen- und Tierarten oder Naturdenkmale verschied-, ner Art durch Schutzbestimmungen zu erhalten, son- dern es gilt, die Naturschutzb-str-bung-n einzuglie- dern in den Willen zur Bolksgemeinschast die ohne die Kettung an den Heimatboden, an die H-imatnatur^ an die Heimatland,chaft nicht möglich ist. Freilich bleibt es auch künftig zunächst unsere Aulgabe, >m kleinen Naturdenkmale zu erhalten und das Bedrohte zu schützen wie bisher, doch darüber hinaus im großen durch Gesetze und Eingl.-derung-n und besonders durch Erziehung und Werbung das Na- turgefllhl im Volke zu vertiefen. Neue und b-son. der» wichtige Aufgaben -rwachf-n aus dem Gebiet der Landschaftsgestaltung durch die Tätigkeit der Landplanungsstellen. Für alle diese Ausgaben muß geworben werdens Naturschutz muß dem ganzen Nolke eine Selbstverständlichkeit und Herzenssache werden. Lehrer und Erzieher die Führer unserer Jugend und all-, denen die hohe Ausgabe zuge° fallen ist, den deutschen Menschen wieder zu den Urquellen deutschen Wesens zu geleiten, finden m die- (em Buch ein hervorragend geeignetes Hilfsmittel zu praktischer Volkstumsarbeit. W>- weit der Na- turschutz -tzt ausgreift, welch große Werte er zu ,ich-?n und zu erhalten hat und aus welchen Wegen das geschehen muß, das und vieles andere ist in übersichtlicher, klarer und knapper Form unter neuen Gesichtspunkten zusammengesaßt worden so das, wir jedem wahren Natursreund tue Anschasfung dieses Bändchen» wärmstens empfehlen möchten. - Bros Schoenichens anregende Darstellung wird durch ausgewählte, gut gedruckte Bilder Wirkung»- voll unterstützt. — Wir weisen be, dieser Gelegenheit wiederholt aus das bei Bermühler erschienene vorbildliche und vielseitige Schrifttum über Natur- und H-imatschutz hin, insbesondere auch aus tue kleine stilugschrift „Natur- und Heimatschuß — cm Schlagwort oder eine Forderung nationaler Kul- lebens sein, anschaulich, fruchtbar und praktisch, allgemeinverständlich, vielgestaltig und farbig. Es galt ein Werk zu schaffen, das entsprechend den jüngsten Ergebnissen der Forschung dem nationalen Aufbau dient und zugleich weiten Volkskreisen lebendige Belehrung und klare Einsicht in die Kulturzusammenhänge gibt. Zugleich galt es, die Geschichte des deutschen Lebens durch eine solche des Völkerlebens zu fruchtbringender Erkenntnis vom Wesen und Wert des eigenen Volkstums zu ergänzen. Diese Aufgabe will das „Handbuch der Kulturgeschichte" lösen, das jetzt bei der Akademischen Derlaasge' " — Fahrten ins Reich: Ostpreußen / Hamburg-Bremen / Ruhrrevier. Don Rudolf Kircher. 68 Seiten. Societäts-Verlag, Frankfurt a. M. 1934. — (199) — Kircher greift auf seinen Fahrten drei deutsche Lebenszentren heraus, die gerade in der Verschiedenheit ihrer Aufgaben und Nöte am besten erkennen lassen, wie die praktische Arbeit beschaffen ist, die im Lande von neuen Menschen mit neuen Impulsen geleistet wird. Drei Notstandsgebiete, die jedes in seiner Art und aus anderen historischen und sozialen Gründen für irgendeines der großen Probleme und Aufgaben typisch sind, vor deren Bewältigung wir stehen. Fahrten ins Reich — damit ist der ordnende Gesichtspunkt bezeichnet, der den mühsamen und mit stärkster Energie vorgenommenen Neuaufbau leiten muß, wenn dieser Neuaufbau ganz Deutschland zugute kommen soll. Die Aufsätze geben vorurteilslos eine Bestandsaufnahme über die entscheidenden Fragen, die Volk und Wirtschaft bewegen und die gerade in Ostpreußen, in den großen Seestädten und im Ruhrrevier am deutlichsten zu spüren sind. — Otto Gmelin: Frühling in Deutschland. Schriften an die Nation, Bd. 50. Gerhard Stalling Verlag, Oldenburg i. O. / Berlin. — (200.) — Gmelin führt uns durch bte deut- sche Landschaft dort, wo sie am schönsten ist und wo geschichtliche Vergangenheit und tiefe Innerlichkeit der Natur sich die Hand reichen. Er laßt uns Wald, Feld und Garten ebenso erleben wie die großen und gewaltigen Zeugnisse der Majestät Gottes. Baum, Strauch und Kraut sehen mir mit anderen Augen als bisher. Wir wandern mit dem Dichter und seiner Schar durch den Reichtum der Natur, und es ergreift uns der ewig geheimnisvolle Zauber der deutschen Landschaft. Dr. Ern st Herrmann: Gletscher und Vulkane. 312 Seiten. In Halbleder 2.90 RM. Volksverband der Bücherfreunde, Wegweiser-Verlag G. m. b. H., Berlin-Charlottenburg 2. — (64) — Der große Gedankenkreis, der die beiden Elementarbegriffe „Gletscher" und „Vulkane" umschließt, ist Gegenstand dieses Werkes von Herrmann der als Geologe an zahlreichen wissenschaftlichen Gletscher- und Dulkanexpeditionen teilgenommen hat. Seine vielseitigen persönlichen Erlebnisse in jahrelanger praktischer Forschertätigkeit ergänzen seine fesselnden Ausführungen. Der Lebensprozeß des Gletschers von der ersten Schneeflocke bis zum grönländischen Riesen ist ebenso packend geschildert wie . . . * • r « A f..........LUmaa X av tu nun t AtnlrlAi Philosophie und Religion. — Hermann Glöckner: Heinrich von Stein. Schicksal einer deutschen Jugend. („Philosophie und Geschichte". 40 Seiten. I. C. B. Mohr (Paul Liebeck), Tübingen, 1934. — (203.) — Es handelt sich in dieser Schrift des Gießener Universitätslehrers um den früh verstorbenen Dichter-Philosophen H. von Stein (1857 bis 1887), den Verfasser der dramatischen Bilder „Helden und Welt" und des bis heute unübertroffenen Werkes „Die Entstehung der neueren Aefthe- tik". Er war bisher vor allem durch feine Beziehungen zu Richard Wagner und Nietzsche bekannt. Wagner hatte ihm die Erziehung seines Sohnes anvertraut; Nietzsche sagte von ihm, daß er „zu den ganz wenigen Menschen gehörte, an dessen Dasein er Freude hatte". Die neue Darstellung faßt Stein als „den ewigen deutschen Jüngling mit dem glühenden Herzen und dem hohen Sinn, der sich immer wieder wagt und opfert, der immer wieder auf» ersteht, auf wie vielen Schlachtfeldern er auch schon begraben liegt". Auf die Klärung des Verhältnisses zu Nietzsche wird besonderer Wert gelegt. Es wird zu zeigen versucht, daß Steins philosophischer Entwicklungsgang von Kuno Fischer über Dühring und Wagner-Schopenhauer nicht zu Nietzsche, sondern zu Dilthey führte. Anhangsweise werden eine Reihe von Briesen mitgeteilt, die Steins bedeutendster Schüler Robert Sommer (später Professor der Psychiatrie in Gießen) im Jahre 1887 über akademische Wirksamkeit, Krankheit und Tod seines Lehrers schrieb. — D. Dr. Leopold Cordier, o. Professor der Theologie in Gießen: Das eigentliche Anliegen in der Kirchenfrage. Dolks- kirche als christliche Volksreligion oder als Kirche Jesu Christi. 32 Seiten. Verlag Friedrich Bahn m Schwerin in Mecklenburg. — (230.) — Cordier sieht das eigentliche Anliegen in den kirchlichen Auseinandersetzungen der Gegenwart noch nicht getroffen. Man werde der Sache, um die es geht, weder gerecht mit der politischen Ausdeutung der kirchlichen Opposition, noch mit der Beurteilung der Vorgänge lediglich als Kampf um die-Macht in der Kirche. Es werde letztlich darum gerungen, welche Gestalt die Kirche Jesu Christi im deutschen Raume annehmen kann. Gibt die überkommene Gestalt der Volkskirche noch die geeignete Form dafür ab? Das Schicksal der Volkskirche ist für den Verfasser heute in Frage gestellt. Ist die Stunde der nationalen Erhebung bereits die Stunde der Erneuerung der Volkskirche? Der erste Teil der Schrift behandelt die nationale Revolution als religiöses Erleben, der zweite Teil das Eigenverftänd- nis der Kirche als Kirche Jesu Christi und der dritte Teil die Gestalt der Kirche im deutschen Raum. Der Verfasser setzt sich sowohl mit F. W. Hauer und der Deutschen Glaubensbewegung wie mit den innerkirchlichen Bestrebungen auseinander, die eine volksorganische Begründung der Kirche versuchen. Die Schrift will Dem echten Erbe volks- kirchlicher Entwicklung Raum schaffen, das der Kirche auf deutschem Boden von Anfang an mit» gegeben war und das in reformatorischer Prägung zugleich der Kirche die Freiheit läßt, sich als Kirche Jesu Christi zu entfalten. _ Kleine Einführung in d i e Cha- rakterkunde. Don Privatdozent Dr. H. R o hr - acker (138 S.) Verlag von B. G. Teubner in Leipzig und Berlin, 1934. - (197.) - Das Buch führt klar, leicht faßlich und verläßlich in die wesentlichsten Fragen und Hauptrichtungen der heutigen Charakterkunde ein und verlaßt nirgends den Gesichtspunkt der praktischen Bedürfnisse. Anschau- — Rudolf Helm: Germanischer Schmuck. Bilderbücher des Germanischen Nationalmuseums, Heft 1. Nürnberg 1934. — (182) — Der Verfasser, ein Sohn des Marburger Germanisten Karl Helm, ist den Lesern des Gieß. Anzeigers und insbesondere der „Heimat im Bild" als alter Mitarbeiter lange bekannt. Die kleine, einen Druckbogen umfassende Schrift, gibt zunächst eine knappe, auf gediegener Kenntnis beruhende Einführung in Die Materie, die heute besonders eines allgemeinen Interesses gewiß sein -sollte. Der Leser gewinnt hier einen klaren Einblick in Kulturgut und Volkskunst gen. Der evangelische Christ gehört einem und dem gleichen Gotte, wenn ihn der Ruf des Evangeliums trifft und wenn ihn im großen heiligen Sturm gegenwärtigen Volksgeschehens der Ruf des Herrn Der Geschickte trifft. Die Kirche kann heute kein abseitiges Leben in alten erstarrten Formen führen. Sie hat in dieser Zeit Aufgaben zu erfüllen wie kaum je in einer anderen. Alles drängt auf ein Neuwerden auch des evangelischen Christentums. — E. G. Kolbenheyer: „Der Lebens- Deutsche Erzähler. — LudwigThoma: „Altai ch". Eine heitere Sommergeschichte. In Seinen gebunden 3,60 RM. Albert Langen/Georg Mueller Verlag, München. — (266) — Eine „heitere Sommergeschichte" nennt Ludwig Thoma selbst im Untertitel seinen vergnüglichen Roman „Altaich" und wahrhaftig: es ist eine lustige, mit bald behäbigem, bald witzigem und derb zupackendem Humor erzählte Geschichte eines kurzen Sommers in einem abgelegenen oberbayerischen Landstädtchen. Ein pfiffiger Ortskrämer kommt auf die Idee, Altaich zu einem Kurort zu machen und weiß trotz Phlegma und Widerstreben seiner „altbayrischen" Mitbürger den kühnen Plan durchzu- setzen. Was in den kurzen Wochen dieser Sommerfrische alles geschieht, wie die bunt durcheinander- gewürfelten Feriengäste untereinander und mit Den Eingeborenen zusammengeraten — das ist von Thoma großartig erzählt. Er kennt seine Bayern und weiß ihre urwüchsige Ablehnung aller Neuerungssüchte treffend zu schildern. Ein Sommerbuch, unterhaltsam wie wenige — und ein echtes von heimlicher Liebe und heimlichem Stolz erfülltes Volksbuch. — Hermann Burte: Der besiegte Lurch. Ein Gleichnis des Kampfes gegen Das Leiden. Mit einem Nachwort von Heinrich Berl. Reclarns Universal-Bibliothek Nr. 7210. Geheftet 35 Pf., gebunden 75 Pf. — (223.) — Der Verfasser des „Wiltseber" schenkt uns hier ein neues Werk voll Phantasie und voll Tiefsinn. Ein Märchen für Erwachsene — aber ein Märchen, in dem es neben Prinzessinnen, Rittern und Drachen, auch Hochspannungsleitungen, Maschinenmenschen und Parlamente gibt —, ein sagenhaftes „Armansland", in Dem Die Zeiten in wunderlichem Zauber inein» anDerfpielen, Das aber im tiefsten Grunde nichts anderes verkörpert als das urewige Deutschland mit seinen Problemen, Kämpfen und Gebrechen, aber auch mit seinen immer neuen Kräften Der Neugestaltung unD Der erlösenDen Liebe. In Der seltsamen Fabel von Dem Kampfe eines LanDes gegen den urwelthaften Riesenlurch ist der Kampf aegen das Hebet symbolisiert — gegen die vielen Hebel, die am Mark unseres Volkes zehren. Aber in wun- Derbar heldischen Gestalten erstehen auch die Heber» minder des Ungetüms, und in einem Preis auf die Kräfte der selbstlosen Liebe klingt Die SchilDe- rung aus. — LuDwig Bäte: Der Friide. Roman. Broschiert 3 RM., Seinen 4,20 RM. Brunnenoerlag, Willi Bischoff, Berlin SW 68. — (135) — In M,n- Den unD Osnabrück sitzen 1648 Die Geschäftsträger Der europäischen Staaten beisammen unD suchen zum FrieDen zu kommen. Kaum eine Der größeren Mächte hat im Dreißigsten Jahre Des Krieges noch Die Kraft, Diesen Krieg etwa ein weiteres Jahr noch zu ertragen, unD Die Deutschen Staaten, die Den Schauplatz Dieses fürchterlichsten aller Kriege ^ergaben, vegetieren nur noch. Der ^rieDe Darf aber nicht voreilig abgeschlossen merDen, Denn Die Großen sinD scharf darauf bedacht, am Ende aller Muhen einen guten Gewinn Heimzubringen. Ganz vereinzelt leuchtet ein Sichtlein weit hinaus, Die alte Gotteslehre lebt noch. Irgendwo liegen auch Trümmerftuae Des Wissens noch umher. UnD Das roirD man nun wieder aufbauen. Dies alles zeigt Bäte m einer Unzahl von Miniaturen, die den getreuen Ton Des Zeitalters tragen. Die Welt um 1648 konnte bester lösen, das jetzt bei der Akademischen Verlaasgesell- schaft Athenaion m. b. H. in Potsdam zu erscheinen beginnt. Führende Gelehrte wie u. a. die Universitätsprofessoren Gustav Neckel- Berlin, W. Flemming- Rostock, Hans Naumann- Berlin, W. Bauer-Wien, H. de Boor-Bern, E. Ermatinger- Zürich, P. Kletler-Wien, F. Schönemann-Berlin, F. W i l d - Wien haben sich mit dem Herausgeber, Heinz Kindermann-Danzig, zu einer Arbeitsgemeinschaft gusammengeschlossen, die nun daran gegangen ist, das Sehen selbst, die deutsche und europäische Kultur in ihrer ganzen Vielgestaltigkeit und Farbenfülle zu gestalten. Unmöglich, auch nur annähernd die Vielgestaltigkeit des Werkes zu umreißen. Ein Querschnitt durch das Volksleben von Jahrtausenden, wie er hier geboten roirD, hat heute eine kaum zu überschätzende BeDeutung, zumal wenn er so klar und anschaulich, so fesselnd und belehrend ist. Eine Fülle des wertvollsten Bildmaterials, einfarbig und bunt, ergänzt überall wirkungsvoll den Text, gleichsam ein Bilderatlas der Kulturgeschichte, dessen Wert noch durch die buchtechnisch hervorragende Ausstat- tung erhöht wird. Ein gutes Beispiel von dem Charakter des Werkes geben die beiden ersten Lieferungen, die Anfänge von Neckels grundlegendem Werk „Die Kultur der alten Germanen" und von K l e t l e r s ausgezeichneter Darstellung der „D e u t f ch e n K u l t u r z w i f ch e n D ö l k e r - Wanderung und Kreuzzüge n". Die beiden folgenden Sieferungen beginnen mit einer fesselnden Darstellung der Kultur der romanischen Völker, in die sich die Professoren Mulert- Innsbruck und Gies e - Hamburg teilen, wahrend Die Kultur Großbitanniens der Wiener Politik. — Carl Schmitt: „Staatsgefüge und Zusammenbruch des Zweiten Reiche s". In Der von Staatsrat Professor Dr. Carl Schmitt herausgegebenen Schriftenreihe „Der Deutsche Staat Der Gegenwart". Heft 6. Kart. 1 Mark. Hanseatische Verlagsanstalt Hamburg. — (231) — Der Konflikt zwischen preußischem SolDatenstaat, Der vom Geiste Friedrichs Des Großen unD Hegels getragen rourDe, unD Dem bürgerlichen Derfasfungsstaat, Der fein Ideal in Der westlichen Demokratie sah, bestimmte Die ganze verfassungsmäßige unD politische Sage seit Dem Verfassungsstreit von 1862. Der liberale Bürger schloß mit Dem preußischen Soldaten einen Kompromiß, Der auf einen günstigen Fall, auf Den siegreichen Krieg eingerichtet war. Die Indemnität von 1866 war eine solche Antwort Des Bürgers auf Den siegreichen Krieg; sonst hätte er wahrscheinlich von Verfassungsbruch und Staatsgerichtshof gesprochen. Als 1918 Dieser Sieg ausblieb, brach das in sich zwiespältige Staatsgefüge zusammen, und Die Weimarer Verfassung war Die posthume Aus- einanDersetzung mit Dem nicht mehr vorhanDenen preußischen SolDatenstaat. Seit 1862 hatte sich Der preußische Soldatenstaat in einer geistigen Defen- sive befunden, der bürgerliche Derfasfungsstaat hatte Den „Zeitgeist", auf feiner Seite. Mit Dem Eingehen auf die DerfassungsforDerungen Des Bürgers (1850) trat Der preußische SolDatenstaat in eine Entwicklungslinie ein, Die ihn in DauernDe Konflikte unD schließlich zum Zusammenbruch führen mußte. — Bruno H. Jahn, Sinn unD Sitt- lichkeit Des Nationalismus. Versuch einer vernunftgemäßen BegrünDung. In Kartonband 3,50 Mark. Verlag I. G. Cotta, Stuttgart. — (137) — Hingerissen von Der Gewalt Der nationalen Erhebung, roirD mancher Den Wunsch empfinden, sich klar zu werden über die ursprünglichen Kräfte, Die Diesem hinbrausenDen Strom Kraft unD Un« hemmbarkeit verleihen. Die Fragen nach dem letzten Ursprung und nach den sittlichen Werten Dieser Bewegung erörtert Dieses Buch. Willensbildung und Volkwerdung, Entstehung Der Gemeinwirschaft unD Des GelDwesens merDen an Der SanDe nationaler Sittlichkeit gemessen, unD es wird gezeigt, wie Die Deutsche Volkwerdung auf Grund eines klaren Fest- Haltens an Den ethischen Gesetzen des Nationalismus möglich wurde und zur letzten Vollkommenheit reifen wird. — Schulrat Paul Sommer: Erläuterungen zu Adolf Hitlers „Mein Kamp f". Herrn. Beyer Verlag Seipzig O 5. Preis 1,20 Mark. — (605) — Der Verfasser behandelt nach einer kurzen Einführung, die sich mit der Person Des Führers, seinem Werke unD Dessen Aufgabe befaßt, zunächst Den Aufbau unD Die Planung Des Werks. Dann folgen Wort- unD Sacherklärungen nacheinander so georDnet, Daß sie bei Der Seftüre Des Werks „Mein Kampf" sofort nachgelesen werden können. Hieran schließt sich eine Zusammenstellung Der Hitlerworte. Diese und Die folgenden Aufsatzentwürfe sollen zur Schulung Dienen, fei es im Unterridjt Der neuen Deutschen Schule, bei Der Hitler-Jugend, beim Arbeitsdienst oder der Polizei. Auch für Vorträge gibt es Anregung und dil- . Det ein brauchbares Hilfsmittel. Deutsche Kutturgeschichie. I Der Aufbau unseres staatlichen und kulturellen Lebens vollzieht sich im Zeichen Der Kräfte, die tief im Volkstum wurzeln und immer wieder in Der deutschen Vergangenheit lebendige Gestalt gewonnen haben. Diese bewußte Anknüpfung an die kulturschöpferischen Eigenschaften unseres Volkes, an Das Erbe unserer Rasse hat überall Den Wunsch nach größerere Klarheit über die Kultur unserer Vorfahren erweckt, über das Sehen des deutschen Menschen in den vergangenen Jahrhunderten, das Werden und Wachsen unseres Volkes in Stadt und Land Pom Beginn unseres völkischen Daseins bis zum heutigen Tage. Es war an der Zeit, Dem deutschen Volke eine neue, umfassende und mustergültige Geschichte feiner Kultur vorzulegen. Ein solches Werk muhte in Bild und Wort ein Spiegel des deutschen Volks» unferer germanischen Ahnen, sieht es entstehen und sich entwickeln und abgren^en von fremden Einflüssen nach eigenen Gesetzen zu eigener Form; und er wird auch von hier aus die Heberzeugung gewinnen, daß die Welt des Frühgermanentums we- Der fo primitiv noch so abhängig gewesen ist in den Aeußerungen ihres kulturellen Lebens, wie Das vielfach leichtfertig Dargestellt roorDen ist. Die 24 klaren unD schönen Bilder verhelfen diesem Eindruck zu lebendiger Anschaulichkeit: Ostgotische, fränkische, langobardische und alemannische Stücke edelster Arbeit; Spangen, Gewandnadeln, Grabschmuck, Ohrringe, Gürtelschnallen, Zierscheiben, Armbänder und Dergleichen erscheinen in natürlicher Größe und werden im Verzeichnis mit wissenschaftlicher Genauigkeit und liebevoller Sachkenntnis beschrieben. — Arthur Mämpel: ßiegt die Wiege Der Menschheit Doch im Norden Europas? Was agt die Praehistorie dazu? Verlag H. Decker, Teterow (Mecklenburg). Preis 1,25 RM. — (65) — Was bisher die Sprachforschung und Archäologie für das Germanentum unserer Frühzeit erbracht haben, Das sucht Arthur Mämpel für Die Vorgeschichte mit Den TiefenfunDen aus der Altsteinzeit zu beweisen. Mämpel fordert die Wissenschaft auf, sich mit diesen Feuersteinwerkstätten bei Teterow in Mecklenburg zu beschäftigen und Die Durch Diese liefenfunDe notwendig geworDene Neu- orDnung Der gesamten Hrgeschichte vorzunehmen. — Rom von Der Antike bis Mussolini. Ein Bildhuch mit 53 großen Aufnahmen und einem erzählenden Text von Dr. Ka r l H o e b e r. (Sammlung „Das Bildgut", Band D 201.) Verlag Frede- beul 8t Koenen, Essen. Preis 1,— RM. — (108) — Das Buch hat nichts gemein mit einer der umfangreichen, mit Daten beschwerten und darum oft nur mühsam zu verarbeitenden Monographien, sondern ist ein neuartiger, leicht lesbarer Wort-Bild-Bericht, knapp, aber Das Wesentliche herausstellend, so daß sich der oft verwirrende Reichtum der vieltausend- jährigen Stadt in wohltuender Klarheit auseinander- leat. Wie allmählich aus der Campagna das Rom lich erläutert es Die in diesem Sinne brauchbarsten Typenlehren wie die von Kretschmer, Jaensch und anderen sowie das charakterologische System von Klages und wägt Die Vorzüge und Grenzen der auf medizinisch-naturwissenschaftlichen Forschungen aufgebauten Charaktersysteme gegenüber den philo- ophisch begründeten ab. Eingehend werden nach )em Stand der neuesten Forschungen die weltan- chaulich entscheidenden Fragen nach den Beziehungen des Charakters zu Vererbung, Umroelt und Schicksal des Einzelnen erörtert und die weitgehende körperliche und damit erbbiologische Bedingtheit aller Charakteranlagen betont. Ein am Schluß bebgegebener Fragebogen nach der Methode Kretschmers leitet zu eigenen praktischen Beobachtungen an. — Emanuel Hirsch: „DeutschesVolks- tum und evangelischer Glaub e". Kart. 1.50 RM. Hanseatische Verlagsanstalt Hamburg. — (186) — Die vorliegende Veröffentlichung des bekannten Göttinger Theologieprofessors berührt den Mittelpunkt der kirchlichen Auseinandersetzun- nicht gezeigt werden. Der Wert des Buches liegt in dem leisen Herausheben des Gedankens der Besten damals: irgendwann einmal und irgendwie wird Deutschland erstehen. praktische Bücher. — H. Neuhaus: Winke übern Gartenzaun. Praktischer Ratgeber für den Gemüse-, Obstund Ziergarten. Mit 40 Abbildungen im Text. Verlag der Grünen Post, Berlin. — (234) — Warum wird der Sellerie hohl und die Möhre madig, warum tragen die Obstbäume schlecht, wie bekämpft man die vielen Schädlinge, welches sind die schönsten Stauden für den Steingarten? Solche Fragen hat Neuhaus als Mitarbeiter einer Zeitschrift zu tausenden beantworten müssen. Diese Tätigkeit und eine jahrzehntelange eigene Gartenerfahrung haben ihm gezeigt, wo der Anfänger den Rat des Praktikers braucht. In diesem Buch gibt er nun solche in Hülle und Fülle, in der angenehmen und eindringlichen Form von Frage und Antwort und mit zahlreichen Bildern verdeutlicht. — Gesünder durch Sonne. Heilung und Bewahrung vor Krankheit durch Sonnen- und Luftkuren. Von Professor Dr. med. A. Rollier, Lepsin (Schweiz). Mit 49 Abb. auf 16 Kunstdrucktafeln, 2,40 Mark. Falken-Verlag Berlin-Lichterfelde. — (253) — Durch Sonne und Luft kann der Mensch seine Gesundheit erhalten; der Schwächliche, Kränkliche und Anfällige seinen Zustand bessern und schließlich kann der Kranke geheilt werden. Der Verfasser schildert ausführlich seine in 30jähri- ger Spezialpraxis ausgebildete Methode. Dabei ist die vorbeugende Wirkung richtiger Sonnen- und Luftkuren besonders ausführlich behandelt im Hinblick auf werdende Mutter, Kleinkind, Schulkind und Berufsmensch. Geschwächte oder Erkrankte an den Organen: Herz, Arterien, Lunge, Leber Verdauungskanal, Nieren und Nervensystem bedürfen besonderer Vorschriften der Sonnenanwendung, die hier gegeben sind. Die Heilerfolge Rolliers sind durch zahlreiche Bilder belegt und geben einen Begriff davon, welchen unendlichen Segen die Sonne als Heilmacht stiften kann. Deshalb ist diese volkstümliche „Sonnenheilkunde" besonders wichtig für Mütter, Eltern, Lehrer und alle, die an der Förderung der Volksgesundheit arbeiten. Im letzten Kapitel „Wie ich Sonnenarzt wurde" schildert der Verfasser, wie er dazu kam, als begeisterter Chirurg dem Messer zu entsagen und sich der Sonne zuzuwenden, welch langjährigen Kampf es kostete, bis er Anerkennung fand. — Kleinbild-Kamera mit Kopierund Projektionsapparat zugleich als Vergrößerungsapparat verwendbar. Anleitung zur Herstellung einer völligen Ausrüstung für den Kleinbildsport mit Normalfilm von I. Börschig, der Sammlung „Spiel und Arbeit". 129. Band, Verlag Otto Maier, Ravensburg. Preis 1,50 RM. — (180) — Mittels einfacher Säge- und Nagelarbeit kann jeder Junge diese hübsche, fast zierliche, nur 150 Gramm schwere Kleinkamera sich selber bauen. Holz, Verschluß und Linsen erfordern nur minimale Ausgaben. Das Knipsen ist aus Normalfilm — Bildformat 24 X 36 mm, wie bei der Leika — besonders billig. Das Büchlein bietet aber noch mehr: Es wird der Bau eines guten Kleinbildprojektors beschrieben, der ebenfalls einfach und billig herzustellen ist und neben guter Projektion auch Vergrößerung der Bilder gestattet. Kopiergeräte vervollständigen die Ausstattung für den Kleinfilmsvort. Die Apparate sind nach dieser klaren schlichten Anleitung, die mit vielen Zeichnungen und Photographien durchsetzt ist und der große Baubogen beigegeben sind, leicht anzufertigen. SJt.-tfpOlt Erfolge der 1900er Leichtathleten beim Zubiläumssportfest in Corbach. Bei den Jubiläumswettkämpfen des Sportvereins 09 Corbach konnten sämtliche 1900er zu Erfolgen kommen. Die schon erwähnten Vereine aus Rheinland und Westfalen waren in starker Besetzung vertreten und es gab in fast allen Wettbewerben harte Kämpfe. Leider hatte der Wettergott kein Einsehen, es war kalt und ein starker Wind machte besonders den Mittelstrecklern schwer zu schaffen. Die Ergebnisse: 4 0 0 Meter (Kl. I): 1. Goldhausen (Recklinghausen) 52,7 Sek.; 2. Bärenfänger (Menden) 53,8; 3. Bepperling (1900) 54 Sekunden. In Goldhausen stand von vornherein der Sieger fest. Bepperling bummelte anfangs zu sehr. 80 0 Meter (Kl. I): 1. Burscheid (Duisburg) 2:03,6 Min.; 2. Ebert (OSV. Hörde) 2:06,2 Min.; 3. Peters (1900) 2:06,6 Minuten. Das Feld lag auf der Strecke dicht zusammen, im Spurt war Peters jedoch nicht schnell genug. 1000 Meter Kl. III): 1. Baumstieger (1900) 2:52,6 Min.; 2. Detter (Meschede) 2:56,8 Min.; 3. Bast (Vohl) 3:06,6 Minuten. Baumstieger nahm vom Start weg die Spitze und siegte leicht und unangefochten. Diskus (Kl. I): 1. Kilo (1900) 42,10 Meter; 2. Frochte (Duisburg 99) 41,65; 3. Meier (Iserlohn) 40; 4. Gugel (1900) 39 Meter. Der Wind war für die Werfer zu stark, nur wenige Würfe kamen voll zur Entfaltung. Es ging hart auf hart, Kilo blieb glücklicher Sieger. Kugelstoßen (Kl. I): 1. Gugel (1900) 14,02 Meter; 2. Frochte (Duisburg 99) 13,40 Meter; 3. Meier (Iserlohn) 12,55 Meter. Gugel war nicht in bester Form, trotzdem war ihm sein Sieg nicht zu nehmen. Schweden staffel (Kl. III): 1. VfL. Hessen- Preußen Kassel; 2. 1900 Gießen (Peters, Bepperling, Baumstieger, Kilo). Frauen: 10 0 Meter: 1. Kleikamp (Corbach) 13,2 Sek.; 2. Hublitz (1900 Gießen) 14,0 Sek.; 3. Hedinger (Arosen) 14,5 Sekunden. Unter 26 Teilnehmerinnen konnte Frl. Hublitz sich für den Endlauf qualifizieren, und hier einen sicheren 2. Platz belegen. Weitsprung: 1. Kleikamp (Corbach) 4,40 2. Hublitz (1900) und Heublein (Barmen) je 4,20 Meter. Sport her 1. Kompanie 15.3"R. Erfolge in Neuwied. Am Samstag und Sonntag weilte auf Einladung der Turngefellschaft Neuwied, die ihr 75. Stiftungsfest beging, die 1. Handballmannschaft in Neuwied. Die Mannschaft konnte das Spiel gegen diesen Verein mit 15 :3 Toren gewinnen. Des weiteren beteiligte sich eine 12-Mann-Stafsel an dem traditionellen Stadtstaffellauf „Quer durch Neuwied". Auch hier konnte die Staffel der 1. Kompanie, gegen 12 Mannschaften startend, den Sieg mit nach Hause bringen. Gpielvereinigung 1900 Gießen. VfV. Friedberg (Gauliga) — 1900 Gießen (1. Ve- zirksklasse) 3:3 (1:2). Auch diese letzte auswärtige Freundschaftsbegegnung zeigte wieder, wohin ein zäher Siegeswille führt. Keineswegs fuhren die Blauweißen mit großen Siegeshoffnungen nach Friedberg, dafür waren die vom Gastgeber in den letzten Spielen erzielten Ergebnisse nur allzugut bekannt, auch hatte man am eigenen Leibe die Friedberger Spielstärke kennengelernt. Die Aussichten der Gießener stiegen nicht, als im letzten Moment in der vorgesehenen Aufstellung Veränderungen vorgenommen werden mußten. Die Ersatzleute schlugen gut ein, vor allem Balser im Tor war vollwertiger Ersatz und hat großen Anteil an dem ehrenvollen Spielausgang. Bei den Friedbergern fehlten Ros- kony und Schnierle. Der Gastgeber war dank seiner größeren technischen Fertigkeit im Feldspiel tonangebend. kombinierte aber viel zu viel in die Breite, war unentschlossen im Schuß und auch nicht genügend treffsicher. 1900 spielte taktischer. Da die Chancen zu einem offenen Spiel gegen diesen Gegner an Hand der gemachten Erfahrungen gleich Null waren, verlegte man sich im Gießener Lager mehr aus ein gesichertes Abwehrspiel. Die Verteidigung war in Hochform. Der Gießener Angriff wartete dazu fortgesetzt mit schnellen gefährlichen Vorstößen auf, überrumpelte dabei die Friedberger Verteidigung und sorgte so durch Erzielung dreier schöner Treffer, daß die Sache nicht einseitig verlief. Zur Ehre der Blauweißen sei gesagt, daß sie unter einem korrekten Spielleiter bestimmter Sieger geblieben wären. Nicht nur, daß der Friedberger Ausgleichtreffer erst acht Minuten nach der regulären Spielzeit aus einem dreimal ausgeführten völlig unberechtigten Elfmeter resultierte, benachteiligte der Svielleiter 1900 auch in drei Fällen durch falsche Abseitsentscheidungen nach glänzenden Alleingängen. Schiedsrichter war Haas (Ilbenstadt), der dem VfB. Friedberg angehört. Der Spielverlauf brachte wechselnde Angriffe und es dauerte nicht lange, da führte 1900 mit 1:0. Keßler (Friedberg) verlor durch Behinderung von Schmelz (1900) den Ball, den der Halbrechte blitzschnell einschoß. Der Ball wurde dabei aber noch von dem Friedberger Torwart und einem Verteidiger berührt, verhindern konnte aber keiner den Gießener Erfolg. Später verfehlte Friedbergs Hüter eine etwas zu schwache Rückgabe. Schmelz war zur Stelle und schoß ein. Der Gastgeber wurde jetzt etwas offensiver, aber erst kurz vor dem Wechsel konnte er Gießens Schlußleute zum ersten Male überwinden. Ein vermeidbares Tor, das nur dadurch entstand, daß der rechte Läufer einen Eckball verhindern wollte! Nach der Pause setzte der Platzverein Dampf auf und es sah so aus, als wenn die Blauweißen am Ende ihrer Kraft wären. Es kam aber anders. Friedberg brachte kein Tor zuwege. Im Gegenteil, Mitte der zweiten Halbzeit führte ein feiner Abfatztrik von Koch den Ball Heilmann (1900) fchuhgerecht vor die Füße. Rechts hoch oben im Tor landete dessen Schuß unhaltbar. Das Spiel stand somit 3:1 für Gießen und fo blieb es auch bis acht Minuten vor Schluß. 1900 machte sich Nerz's Weltmeisterschaftssystem zunutze. Roth spielte dritter Verteidiger, während Schmelz dessen Platz als Läufer versah. Balser machte dann, von einem eigenen Mann behindert, bei einem hohen Ball eine unreine Abwehr, die schließlich im Nachschuß zum zweiten Gegentreffer führte. Der Spielleiter ließ unverständlicherweise drei Minuten nachspielen. Es änderte sich aber in dieser Zeit nichts am Ergebnis. Dann erst kam das Verhängnis. Roth (1900) soll bei der Abwehr eines hohen Balles einen Gegner mit dem Ellenbogen abgedrängt haben. Es gab trotz aller Proteste noch einen Elfmeter, den Balser fabelhaft hielt und auch den Nachschuß zur Ecke lenkte. Der Schiedsrichter erkannte auch auf Eckstoß, ließ sich aber umstimmen und den Elfmeter wiederholen. Den verwandelten Ball dirigierte er nochmals zurück und dann wurde er beim dritten Versuch endgültig zum Ausgleich verwandelt. DfB.-Heichsbahn Gießen. VsB.-R. II — Spielvereinigung 1900 II 0:1 (0:1). Nach einem Kampf, der der dramatischen Augenblicke nicht entbehrte, muhten sich die Leute vom Waldsportplatz den 1900ern mit 1:0 beugen. Ein Elfmeter brachte in der achten Minute den 1900ern das Siegestor. Beide Mannschaften begannen aufgeregt den Kampf, der durch seine schnelle Durchführung beide Tore abwechselnd in Gefahr brachte. Ein Fehlschlag des linken Verteidigers rief eine gefährliche Situation vor dem 1900er Tor hervor, die aber durch die Unentschlossenheit des Jnnensturms verpaßt wurde. Bei einem Angriff des rechten Flügels der Gäste wollte der DfB.-Verteidiger einen Rückzieher machen, der Halbrechte sprang ihm in den Schuß, und der Schiedsrichter pfiff Elfmeter. Den Ball auf den Mann geschossen, ließ der VfB.-Tormann, der sonst glänzend hielt, passieren. Bis zur Halbzeit waren die VfBer feldüberlegen, ohne jedoch Zählbares zu erreichen. Nach Halbzeit stellten die 1900- er um und wurden im Sturme durchschlagkräftiger. Das Spiel wurde hart aber doch fair geführt. VfB.-R. Schüler — Spvgg. 1900 Schüler 2:0 (0:0). Im Lokalderby der Jüngsten stellten die VfBer den verdienten Sieger. Es war ein Genuß, dem technisch schönen Spiel zuzusehen. Die beiden Tore, ein Kopfball und ein Alleingang des Rechtsaußen, erzielt nach guter Vorarbeit, waren schöne Leistungen. Schiedsrichter Philipp war für dieses Spiel der gegebene Leiter. „ FCTeuionia" Watzenborn-Steinberg FL. Teutonia Watzenborn-Steinberg I gegen Spielverelnigung Leihgestern I 6:0. Dem Appell des Reichssportführers folgend, stellten sich am Samstagabend hier beide Mannschaften für die Ziele und sportliche Erziehung deutscher Jugend zur Verfügung und lieferten sich einen in jeder Beziehung vorbildlichen Kampf. Bis zum Schluß wurde hart und aufopfernd gerungen, es blieb aber stets bei einem freundschaftlichen Kräftemessen. Beide Mannschaften zeigten gute Leistungen und hochanständigen Sport. Sofort mit Beginn legten die Gaste schnelles Tempo vor und spielten ein raumgreifendes Spiel. Steinberg spielt etwas defensiv und ließ Leihgestern in den ersten 10 Minuten etwas aufkommen. Ruhig Samstag, 7., und Sonntag, 8. Juli 1934 Anmut und Schönheit durch Ruder- Regatta Erstklassige Rennen / Volkstümliche Preise / Konzertübertragung Alles Nähere auf den Plakaten Gießener Ruder-Gesellschaft 1877 e.V. 3951 D Besucht die Marburger Festspiele Piccolomini, WallenstTod Sommernachtstraum Wallensteins Lager Piccolomini. WallenstTod Sommern a cntstraum Piccolomini. W allenst.Tod Sommernachtstraum Sommernachtstraum Sommernachtstraum Wallensteins Lager Sommernachtstraum Viel Lärm um nichts, Erst- Viel Lärm um nichts lauff. Sommernachtstraum Viel Lärm um nichts Viel Lärm um nichts Sommernachtstraum Samstag, 30.6., 20.30 Sonntag, 1.7., 16.30 Sonntag, 1.7., 19.30 Dienstag, 3.7.,20.30 Mittwoch, 4.7.,20.30 Donnerst., 5.7.,20.30 Freitag, 6.7., 20.30 Samstag, 7.7., 20 30 Sonntag, 8.7., 17.00 Sonntag, 8.7., 20.30 Dienstag, 10.7., 20.30 Donnerst. 12.7., 20.30 Freitag, 13.7., 20.30 Samstag, 14.7., 20.30 Sonntag, 15.7., 17.00 Sonntag, 15.7., 20.30 Freitag, 29.6., 17.00Uhr Wallensteins Lager Freitag, 29.6., 20.30 ...... Eintrittspreise: 1 bis 5 Mk. Bei Gruppenbesuchen Ermäßigung bis 30ü/o. Größere Organisationen besondere Vereinbarung.— Auskunft: Stadtverkehrsamt Marburg und sämtliche Verkehrsbüros. 3837d Jfe sind%u dick! Herz, Leber Dann, Niere usw. arbeiten besser, wenn Sie mindestens 10 Pfd. abnehmen. Schlank sein, heißt gesund «ein. Schlank sein, heißt auch schön «ein. Beginnen Sie noch heute mit der e«zehrenden „Reinin“ - Kur. den unschädlichen Entfettungstabletten. RM 1.75. In allen Apotheken erhältlich Ver langen Sie nur „Reinin“. Ich habe eine Anzahl Photo-Apparate bedeutend im Preise ermäßigt. Einen Teil davon sehen Sie im Fenster. Interessenten bitte ich um ihren Besuch. 3943d Es lohnt sich! Dro6eneNoll.Baliniiofiir.53 Donnerstag, 5.Juli, nachm.LUHr, versteig, im zwangsw. geg. 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Nach der Pause hatte die Platzmannschaft die Sonne im Rücken, die Mannschaft stellte sich nunmehr auf Angriffe ein. Die Läuferreihe unterstützte weit mehr den Sturm und Leihgesterns Hintermannschaft war oft überlastet. Trotz starker Abwehr kamen die Teutonen durch schöne Kombinationen immer wieder zu Erfolgen. Die Gäste gaben sich restlos aus, unverdrossen halten sie das Spiel immer wieder offen und versuchten doch das ver- diente Ehrentor zu erzielen. Doch bei den Platzbe- sitzern war die Hintermannschaft in bester Verfassung. Noch fünf Mal mußte Fischer den Ball passieren lassen. Es schossen Fett zwei, Fischer, Lang und Buß je ein Tor. Das Treffen endete 6:0. B ö ch e r - Gießen leitete unparteiisch. Seit kwtyer Zeit war dies das erste Treffen zwischen beiden Mannschaften. Es war bezeichnend für den sportlichen Erfolg dieses Spieles, daß seit langem bestehende Differenzen beigelegt wurden. Dank dieser erfreulichen Tatsache hielt sportliches Kameradschaftsgefühl alle Teilnehmer noch einige Stunden nach dem Treffen zusammen. Kurze Sportnotizen. Ausgeschieden ist jetzt bei den Tennismeisterschaften in Wimbledon auch die Kölnerin Cilly A u ß e m. Sie stand, durch eine Armverletzung behindert, der Amerikanerin Helen I a - c 0 bs gegenüber und wurde mit 6:0, 6:2 geschlagen. Außer der Amerikanerin kamen noch die Damen Round, Mathieu und Hartigan in die Vorschlußrunde. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Kamps gegen die Staubplage. Die Universitätsstadt Gießen besitzt unter anderen hygienischen Einrichtungen auch ein vortrefflich geleitetes Hygienisches Institut, Am Steg 15. In diesem Institut bekommen die zukünftigen Aerzte ihre fachliche Ausbildung über alle hygienischen Fragstücke, die sie dann in ihrem Wirkungskreis praktisch zur Anwendung bringen sollen. Nun sollte man annehmen, daß in einer solchen Stadt die hygienischen Verhältnisse ganz besonders gut wären und nichts zu wünschen übrig ließen. Dem ist aber leider nicht so. Nur auf einen unhygienischen Zustand sei hier hingewiesen, der vor allem bei trockenem und heißem Wetter wirklich zur Plage wird und gesundheitsschädlich wirken muß. Es ist dies die durch Automobile in den Straßen ohne Steinoder Asphaltpflaster bedingte enorme Staubentwicklung, die vor allem wieder im Südviertel der Stadt — das ja auch keinerlei Verkehrsverbindung mit der Stadt besitzt, worüber schon einige Male geklagt wurde — selbst in der Nähe von Kliniken und dem oben erwähnten Hygienischen Institut — wie reimt sich dies zusammen! — täglich zu beobachten ist. Wenn auch anerkennenswerterweise von dem Sprengwagen in der Regel einmal Gebrauch gemacht wird, so ist dies natürlich vollkommen unzureichend, da meistens schon nach einer halben bis einer Stunde derselbe Uebel- stand wieder besteht. Zur Pflasterung, am besten mit Asphalt, kämen in diesem Stadtteil, abgesehen von den Straßen in nächster Nähe der Kliniken und der Institute, von der Ebelstraße an die Wil- helmstraße mit Nebenstraßen, die Liebigstraße bis zu den Gailschen Tonwerken, der Riegelpfad von der Ebelftraße an, der Aulweg, Leihgefterner Weg von Gummifabrik bis Bergschenke, der Wartweg, ein Teil des Wetzlarer Weges, die Crednerftraße, die Schubertstraße und angrenzende Straßen in Betracht. Die Bewohner dieser Straßenzüge wären der Stadtverwaltung zu großem Dank verpflichtet, wenn die Bekämpfung der Staubplage in das Arbeitsbeschaffungsprogramm recht bald aufgenommen und damit dieser unhygienische Zustand ein Ende finden würde. H. J. Deutsches Rotes Kreuz, der Frauenverein für Deutsche über See und der Frauenbund der Deutschen KolonialgeseDschalt laden ein zu einem Kolonial-Abend am Samstag, dem 7. Juli 1934, um 20 Uhr, auf der Liebigshöhe unter Mitwirkung der SAR.-Kapelle 1. Teil: Vorspruch / Ansprache von Admiral Lützow, Berlin, zur kolonialen Flaggen-Hissung vor 50 Jahren: 39450 2. Teil, Einzel- und Gruppen Tänze (Maja von Rabenau); anschließend TANZ Eintritt Mk. 1.00 einschließl. Tanzsteuer. Der Reingewinn fließt restlos unseren Schwesternstationen und Schulen in Afrika zu. — Kein Buden verkauf Familien- Drucksachen Verlobungeanxelgen Vermählungeanxelgen bei Brühl, Schulstraße 7 Geburtsanzeigen Für die anläßlich unserer Vermahlung erwiesenen Aufmerksamkeiten danken wir recht herzlich Adolf Henrichs, llifdw. 3.3. $ ?nJeite Äscher '’H bi. iJld) nun, l)e unter, M13 hin. ^ker Ab« ^onibina. QJte gaben bo= Spiel * Das Der, " Nbe. Ä Sang nbet. 6:0. reffen zwi. 'Wnenb - °«b feit wurden. Iportlichez 10(f) einige n Tennis. Kölnerin Armver. eien 3a. -2 tzejchla. noch die n die Vor> e!er Rubrik attlon dem mortung.) iter anderen "restlich ge. 15. 3n die. Aerzte ihre ichen Frag, skreis prab Run sollte i Stadt die s gut wären Dem ist aber enischen Zu- n bei trock5 Plage wird Es ist dies ohne Stein- e Staub« er im Süd- lei Verkehrs- ober schon n der Nähe m ßqgiem- jammen! - rnerkennens- n der Regel dies natür- eistens schon irfelbe liebet- j, am besten -il, abgesehen der Kliniken an die Wil- bigstraße bis egelpfad von esterner Weg er Wartweg. rednerstraße, Straßen in izüge wären verpslichtet, ! in das Ar- usgenommen nd ein Ende er Fraßen- lesellstf >end full 1934. um dßshöhe flfl- Kapelle ,onAdffllr^ e (Maja von ,f Per Rcln' ^Stationen ^enve^ ■nun*" ,lld) l3.^15 rfi”4 Kr. 155 Dritter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberhessen)Mittwoch, 4-ZuIi 1954 Die Sonne als Freund und Feind. Von Or. meb. Hans Hoske. Wir leben in der Zeit der zweibeinigen Krebse und der Pigmentprotzen, die da glauben, die Sonne sei nur dazu da, sie — wie sie meinen — zu verschönen. Aber wie jedes Medikament, können auch die Sonnenstrahlen ein zweischneidiges Schwert sein. Wie ein Tröpfchen eines Heilmittels anders wirkt als ein volles Glas davon, so ist es mit den wirksamen Strahlen der Sonne auch. In der Hand des Wissenden sind die Mittel, Gesundheit zu erhalten, Frohsinn zu wecken, ja Gesundheit wieder zu erlangen und Krankheiten zu beseitigen. Der Unwissende aber kann mit dieser selben Sonne das größte Unheil anrichten. Am meisten ist dem Einfluß der Sonne unsere Haut ausgesetzt. Hier wird durch die ultravioletten Strahlen eine Reizung hervorgerufen, die sich bis zur Entzündung steigern kann. Diese Erscheinung kennen wir alle, wenn unsere Haut unter dem Einfluß der Sonne rot wird und Schmerzen verursacht. Das ist das Signal für das große chemische Laboratorium in unserem Körper. Zu der gereizten Stelle fießen dann große Mengen Blut, das einen besonderen Farbstoff (Pigment) aus dem Körperinneren heranführt und ihn an den von den ultravioletten Strahlen getroffenen Stellen ablagert. So entsteht aus der entzündeten Hautfläche allmählich eine Sonnenbräunung, die wir in allen Schattierungen kennen. Diese Färbung ist eine Schutz- und Abwehrmaßnahme unseres Körpers, um ihn vor künftigen Reizungen zu schützen. Bei wiederholter Besonnung wird diese Schutzfärbung immer dunkler bis zu einem Grade, wo eine Vermehrung nicht mehr notwendig ist. Die Sonnenwärme erweitert die Blutgefäßchen der Haut, diese wird warm, weich, elastisch und erhält einen rosigen Schimmer. Aber auch im Innern fließt das Blut stärker. Die Organe werden stärker durchblutet, so auch das Gehirns Es gibt nun Menschen, die ihren ganzen Stolz darein setzen, sich möglichst braun brennen zu lassen, um dann als Sudseeinsulaner bewundert zu werden. Diese „Pigmentprotzerei" hat mit Gesundheit aber nicht das mindeste zu tun. Selbst ein Schwerkranker kann bei entsprechender Sonnenbestrahlung dunkelbraun werden. Darum ist die Sonnenbräune keineswegs ein gültiger Ausweis für den Gesundheitszustand eines Menschen! Es ist durchaus nicht notwendig, sich so verbrennen zu lassen, daß man wie ein gekochter Krebs aussieht und die Haut nach einigen Tagen das Bild einer Pellkartoffel bietet, um sich dann in vielen Stücken abzulösen. Das ist Gottseidank nicht jedermanns Geschmack und dazu auch ganz unzweckmäßig. Wer seine Haut so mißhandelt, schadet sich eher, als daß er sich nutzt. Denn ein solcher „Sonnenbrand" bereitet nicht nur Schmerzen, sondern schafft Unlust zu jeder Arbeit, bringt schlaflose und unerträgliche Nächte mit sich, stört den Appetit und das ganze Wohlbefinden. Der Nutzen, den die Sonne hätte bringen können, wird auf diese Weise in sein Gegenteil verkehrt. All das ist aber auch nicht notwendig, wenn man es richtig anfängt. Zunächst sollte man reine Sonnenbäder, d. h. Stilliegen in der Sonne überhaupt vermeiden und statt dessen die richtigere Art des Luftbades wählen, d.h. sich in Luft, Wasser und Sonne bewegen, wie wir es beim Sport gewohnt sind. Auf diese Weise brennt die Sonne nicht anhaltend auf eine Stelle des Körpers. Ferner soll jeder, der die Sonne nicht schon gewohnt ist, sich zeitlich beschränken, d.h. bei den ersten Malen soll er sich nur kurze Zeit — vielleicht eine halbe bis eine Stunde — in der Sonne aufhalten. Diese Dosierung läßt sich dann meist sehr schnell steigern. Nach dem Luftbad soll man die Haut leicht e i n = fetten oder mit einem der bekannten Hautöle behandeln. Der Zweck ist, die notwendige Reinigung zu mildern und die Haut elastisch zu erhalten, damit sie nicht rissig wird und sich ablöst. Hierzu darf man keine salzhaltigen (z. B. Schmalz) und keine mineralischen Fette (z. B. Vaseline) benutzen, weil jene durch das Salz die Hautreizung nur noch steigern, während diese nicht in die Haut eindringen, sondern auf ihr stehen bleiben. Man soll deswegen auch nicht das Fett messerrückendick auftragen, das verschmiert übrigens nur unnötig Wäsche und Kleidung. Das Fett muß in die Haut eingerieben werden. Je nach dem Grade der Besonnung wird man das Einfetten stärker vornehmen oder besser häufiger wiederholen. Das wird ganz besonders notwendig bei richtigem Sonnenbrand, der immer ein Zeichen von unvernünftigem Verhalten ist. Es darf kein Wasser und keine essigsaure Tonerde zum Kühlen .genommen werden — auch das Waschen, etwa noch mit Seife, muß an Sonnenbrandstellen unterbleiben. Reichlich Puder, Fett oder Oel dagegen sind angebracht. Sind die Verbrennungen stärkerer Art, so daß auf der Haut Blasen entstehen, die eine klare Flüssigkeit enthalten, so dürfen diese nicht geöffnet werden. Es ist ein beliebtes aber unzweckmäßiges Spiel, Hautblasen aller Art mit Nadel, Schere oder Messer zu öffnen. Daß damit der Infektion Tür und Tor geöffnet sind, wird nicht überlegt. Das richtige Verfahren für den Laien besteht darin, einen leichten Verband mit Fett oder Puder darüberzulegen wie bei sonstigen Verbrennungen. Nach einigen Tagen festigt sich unter der Flüssigkeit die neue Hautschicht, und nun kann die Blase ohne Gefahr geöffnet werden. Ist der Sonnenbrand stärkeren Grades, tritt etwa gar Benommenheit ein, so muß umgehend der Arzt zu Hilfe geholt werden. Schwere Erkrankungen und sogar Todesfälle ereignen sich durch unsachgemäße Hilfe immer wieder. Die Auffassung „viel hilft viel" bewährt sich eben in der Natur nicht, sie wehrt sich vielmehr energisch dagegen. In einigen Sonderfällen bedarf die Sonnenbestrahlung besonderer Beachtung. Das gilt z. B. für den Wassersport. Hier werden die Strahlen von den spiegelnden Wasserstrahlen zurückgeworfen. Der Körper wird so gewissermaßen von zwei Seiten angegriffen. Darum sind Verbrennungen hier viel häufiger, beim Rudern und Paddeln besonders, seitdem aus einem ganz unzweckmäßigen Gesundheitsfimmel die Unsitte eingerissen ist, daß auch Ungewohnte mit unbekleidetem Oberkörper rudern. Nicht nur, daß die Gefahr des Sonnenbrandes erheblich vergrößert wird, es tritt auch eine ungeheure Vergeudung von Körperkräften ein. Die durch die Sonne stark erweiterten Blutgefäße werden von einer vielfach größeren Menge Blut durchströmt als vorher und so auch vielmehr Körperwärme als im normalen Zustande abgegeben. Darauf beruht auch die Erklärung für die merkwürdige Erscheinung, daß Menschen, die nach langem Aufenthalt in der Sonne vor Hitze glühen, tatsächlich frieren, weil sie eben ungeheure eigene Wärmemengen verloren haben. Hier wird auch der Schutz des menschlichen Auges zur absoluten Notwendigkeit. Das Innere des Auges ist ja ein vorgestülpter Teil des Gehirns und als solcher auch gegen die Sonnenstrahlen sehr empfindlich. Wer ohne Schutzgläser, die gelbgrün oder gelbbraun, jedenfalls nicht grau, schwarz oder blau sein sollen, längere Zeit auf die gleißenden Wasser- oder noch schlimmer Schneeflächen gesehen hat, wird sehr bald durch ein lästiges Brennen, Jucken und Augentränen eine Binde- Der K a n z l e r in Begleitung des Reichsaußenministers Freiherr noon Ne u rat h beim Betreten des Hotels Adlon in Berlin, Unter den Linden, wo der König und die Königin von Siam für einige Tage Wohnung genommen haben. Hautreizung angekündigt finden, die ihn für einige Tage in ein dunkles Zimmer bannt und recht schmerzhaft sein kann. Bei sehr starker Sonnenwirkung auf den Schädel kann es zum Sonnenstich kommen. Er entsteht durch eine direkte Einwirkung auf das Gehirn. Der so Erkrankte ist sofort in den Schatten zu bringen, die Kleidung ist zu öffnen, damit die Atmung nicht beengt wird; kühle Kompressen auf den Kopf sind angebracht. Im Gegensatz dazu entsteht der H i tz s ch l a g aus einer inneren Ueberhitzung des Körpers. Er hat also mit der Sonne direkt nichts zu tun, er kann auch in überfüllten Räumen auftreten. Auch im sportlichen Wettkampf müssen wir die Sonne und ihre Wirkungen berechnen. Sie wird nicht nur dadurch von Bedeutung, daß sie den Wettspielern, sei es beim Tennis, Fußball ober Handball hinderlich wird, weil sie ihnen in die Augen scheint und damit die Uebersicht auf dem Spielfeld einschränkt. Sie wirkt auch durch starke Wärme leistungsmindernd. Ruft die Sonne eine Erweiterung der Blutgefäße in der Haut hervor, so sinkt damit der Blutdruck und so der gesamte Spannungszustand. Man wird müde und schlaff, was natürlich bei den Schnelligkeitsübungen am deutlichsten in Erfchienung tritt. Es ist darum ganz zweifellos ein Fehler für den Wettkämpfer, der die Sonne nicht gewohnt ist, sich in den Stunden vor feinem Wettkampf in der Sonne aufzuhalten, etwa als Zuschauer bei den anderen Wettkämpfen. Er wird sich richtiger im Schatten aufhalten und seine Kräfte für den bevorstehenden Kamps aufsparen. Wir sehen, wie vielfältig die Wirkung der Sonne sein kann; sie ist aufbauend und auch zerstörend. Ohne sie befallen den Menschen schwere Krankheiten, wird alles Leben unmöglich — richtig ver- wandt trägt fir wesentlich zur Erhaltung und For- derung des Lebens bei. In zu hohem Maße angewandt, ruft sie nicht nur Krankheiten hervor, sondern kann sie selbst den Tod bringen. — Sorge jeder, daß sie in der Ferienzeit, wo sie hoffentlich recht vielen draußen in der Natur scheint, fein Freund und nicht sein Feind sei! Zum Führer des Oeurschen Flottenvereins gewählt. m1 Zum Führer des Deutschen Flottenvereins gewühkt wurde Vizeadmiral a. D. von Trotha, der Nach« folger des aus Altersrücksichten zurückgetretenea Staatssekr^ärs a. D. von Lindequist. Ser Führer macht dem siamesischen Königspaar einen desnch. W ■ Mz ■ K 11 Was mein einst war. Roman von Klothilde von (Siegmann Urheberrechtsschutz: Fünf -Türme - Verlag Halle (S.) 21 Fortsetzung. Nachdruck verboten! „Das ist für den Anfang, Seppl! Kannst es ruhig nehmen. Du hast sie durch deine Idee reichlich verdient. Also, ich gebe dir Nachricht, wenn ich dich brauche." Sie drückte ihm die Hand wie einem guten Kameraden. Sie mußte in aller Herzensnot lächeln. Wenn Marguis d'Estrelle, wenn die ganzen eleganten Lebemänner sehen würden, wie Madame Lou de Lormes hier mit einem kleinen Hirtenjungen Freundschaft schloß ...! Aber dieser kleine Junge war mehr wert als all die Menschen, mit denen sie in diesen letzten Jahren zu tun gehabt. Ein Gefühl überkam sie, als bekäme erst jetzt auch ihr Leben mieden einen Schein von Berechtigung. Schnell schritt sie hinunter. Der Seppl aber kletterte hinauf, seinen Ziegen nach, und von hoch oben sandte er einen so lauten, jauchzenden Jodler zu Tal, daß sich Lou de Lormes an der Wegbiegung umwandte und ihm zuwinkte. Aber auch zu der einsamen Frauengestalt dort in dem verschlossenen Hause war der jauchzende Ruf gedrungen. Sehnsüchtig wandte Edele sich nach der Richtung des Schalles, sah ganz fern, inmitten weißer, glänzender Tiere, einen kleinen Hirtenknaben stehen, der seinen Hut ihr entgegenzuschwenken schien, indessen er noch einen zweiten, noch jauchzenderen Jodler ausstieß. Mit großen, sehnsuchtsvollen Augen blickte Edele hinauf zur Höhe, hörte den Ruf, der als Echo widerhallte. Dort war die Freiheit — die Freiheit, die ihr genommen. Wann würde sie für sie wiederkehren? Mutlos und verzweifelt legte sie sich auf den Liegestuhl, der an der Balustrade stand; blicklos schweiften ihre Augen über das herrliche Alpenpanorama. — Das Schicksal, das drohend über ihr schwebte, verdunkelte alles um sie her und in ihr selbst. ♦ Lou de Lormes war, so schnell sie konnte, wieder ins Dorf hinabgestiegen. Dort kramte sie schnell in ihrem Koffer und fand unter den mitgenommenen Sachen die Visitenkarte von Liewen, die sie als einzige Legitimation hatte. Gleich darauf schritt sie den Weg hinauf ^zu |)4em kleinen Häuschen. Sie hatte wohl eine Halbe Stunde zu wandern, ehe sie den schmaler/ Serpentinenweg bewältigt hatte. Links führte an der Tannengruppe ein Wiesenweg zu dem Grundstück hin. Sie ging weiter, befand sich bald vor dem Hause, das aber durch dichte Hecken von jeder Sicht gegen die Straße hin abgeschnitten war. Außerdem versperrte ein hoher und dichtgeflochtener Stacheldraht Unbefugten den Eintritt. Siebzehntes Kapitel. Lou de Lormes läutete kurz entschlossen an der Glocke, die außen an der Pforte hing. Nach einer Weile kam ein gelbhäutiger Mann den Weg vom Hause herunter und stutzte, als er Lou de Lormes sah. Sie atmete auf. Alles ging besser, als sie gedacht, denn diesen Mann da kannte sie ja... „Paolo", sagte sie, und als wäre es die selbstverständlichste Sache von der Welt, daß sie hier auftauchte. „Nun, wie geht es? Mache auf! Ich muß Mademoiselle Celia sprechen." Der Kreole zögerte. „Ich darf niemanden einlassen, Madame!" Lou de Lormes trat dicht an das Gitter heran und sah mit blitzenden Augen zu dem Diener auf: „Was heißt das? Wirst du sofort öffnen?! Hier!" Sie zog die Karte mit dem Namen Siemens heraus. „Kennst du das da — und das?" Sie machte ein bestimmtes Zeichen mit der Hand. „Wie lange soll ich noch warten? Ich habe eine dringende Botschaft an Madamoiselle Celia, eine Botschaft vom Herrn. Wehe, wenn er hereinkommt und erfährt, daß du mich nicht hineingelasfen hast!" Ihre herrische Stimme verfehlte ihre Wirkung nicht. Mit einer tiefen Verbeugung öffnete der Kreole die verschlossene Pforte. „Du brauchst mich nicht anzumelden! sagte Lou de Lormes nachlässig zu ihm. „Ich finde mich schon. Ich kenne ja den Weg." Mit eiligen Schritten ging sie durch den Tannengang Die Eingangstür auf einer kleinen Veranda stand offen. Ehe Paolo ihr noch zuvorkommen konnte, war sie die Treppe hinaufyeeilt. Sie hatte ja von dem Berg oben, auf dem sie mit Seppl gestanden, den Grundriß des Hauses genügend verfolgt. Hier mußte das Zimmer fein, von dem aus der Balkon hinausging auf den Abhang. Hier mußte dieses traurige, einsame Mädchen zu finden fern, das es zu befreien galt. , Da hörte sie einen erschreckten Ruf hinter sich, wandte sich um. Mit bleichem Gesicht stand Celia in dem chmalen Gange. Lou — Sie?" flüsterte sie und sah mit Augen, in" denen Haß und Schrecken brannten, auf die Madame de Lormes! Wie sind Sie hereingekommen? Wie ist das möglich?" Ihre Stimme flatterte. „Wenn Liewen das erfahrt!" Mit eiserner Gewalt zwang sich Lou de Lormes zur Ruhe. Wenn nicht alles verdorben werden sollte, mußte sie die Komödie gut und unbefangen -u Ende führen. Wie ich hereingekommen bin?" fragte sie mit einem leisen Lachen. „Aber auf dem natürlichsten Wege von der Welt, liebe Celia! Durch die Eingangspforte! Und Liewen? Aber der schickt mich doch zu Ihnen heraus. Ich sollte. „Einen Brief?" Celia sah immer noch voll Mißtrauen auf Lou de Lormes. „Was sollten Sie mir denn hier bestellen?" Krampfhaft überlegte Lou de Lormes. In der nächsten Minute mußte es sich entscheiden, ob sie eine Verbindung mit diesem gefangenen Mädchen bekommen würde oder nicht. Ihr Hirn arbeitete in rasender Schnelligkeit. „Was ich Ihnen sagen sollte ...? Ja, Sie möchten doch gleich einmal Zürich, Palacehotel, anrufen. Liewen möchte wegen der Abreise von hier mit Ihnen sprechen, wollte aber aus bestimmten Gründen nicht direkt telephonieren. Sie möchten dringend mit Voranmeldung sprechen. Ich soll bann von unten seine Order weiter nach Venedig geben." Celia zögerte. Da sagte Lou be Lormes scharf: „Nun, Celia! Wissen Sie nicht mehr, baß Liewen pünktlichste Erlebigung seiner Befehle erwartet? Ich möchte nicht in Ihrer Haut stecken, wenn sich ber Anruf verzögert." Ein qualvoller Blick traf Lou be Lormes' Gesicht, bas Gesicht ber Frau, bie Celia einst oerbrängt — unb bie nun im Glück war. Aber wie lange? Da brinnen wartete schon bie, bie auch Lou be Lormes hinabschkeubern würbe von ihrer Höhe, hinab ins Nichts. Da erschrak sie. Durfte Lou be Lormes von ber Anwesenheit Ebeles etwas wissen? Davon hatte sie nichts gesagt. Wie unabsichtlich klinkte Celia im Vorübergehen leise an ber Tür, bie vom Korridor aus in Ebeles Zimmer führte. Ja, bie Tür war gut verschlossen. Dort brinnen regte sich nichts. Ebele mochte roieber, wie meist am Vormittag, auf ihrem Balkon fein. So eilte Celia in bie Diele hinunter zum Telephon unb ahnte nicht, baß Lou be Lormes biefe scheinbar nebensächliche Berührung ber Klinke wohl gesehen. Aber sie ließ sich nichts merken unb betrachtete scheinbar interessiert Die bunten Bauerntöpfereien, bie auf einem Wanbbrett aufgereiht waren. Kaum aber hatte Celia bas Zimmer verlassen, als Lou be Lormes hastig an ber Tür klinkte unb bann leise klopfte. Gleich barauf hörte sie einen leichten Schritt, unb eine erschreckte, ihr frembe Mäbchenstimme erklang: „Ja, was gibt es benn, Mabemoiselle?" Lou be Lormes legte ben Munb an bas Schlüsselloch. „Achtung!" sagte sie leise. „Hier ist nicht Celia! Hier ist jemanb, ber Ihnen helfen will! Ich schiebe einen Zettel unter bie Tür! Seien Sie vorsichtig unb tun Sie alles, was ich Ihnen rate!" Sie hörte einen leisen Aufschrei ba brinnen, ber sofort roieber verstummte, bückte sich rasch unb schob einen Zettel, ben sie bereits in ihrem Gasthauszimmer geschrieben, durch den Türspalt unten an der Tür, Sofort verschwand der Zettel auf der anderen Seite. Sie hörte ein geflüstertes „Danke!" und es war still. Als Celia wiederkam, faß Lou de Lormes ruhig im Sessel und blätterte in einem französischen Magazin, das sie vom Tisch genommen. Celia sah sehr unruhig aus. „Ich habe Liewen nicht erreicht!" sagte sie. „Eigentümlich! Im Hotel war sein Name überhaupt nicht bekannt." „Da müssen Sie einen sehr dummen Angestellten am Apparat gehabt haben, beste Celia. Hätten Sie sich nur den Direktor geben lassen!" war Lou de Lormes' gelassene Antwort. „Aber damit Sie keine Unannehmlichkeiten haben: Ich werde nun hinuntergehen und selbst nochmals versuchen, Ihnen die Verbindung zu verschaffen. Vielleicht kommen Sie heute am Nachmittag einmal herunter, um von mir zu hören, was ich ausgerichtet habe?" „Sie können ja dann noch eine zweite Verbindung bestellen. Ich werde die Zeit mit Liewen vereinbaren." Mit freundlichem Lächeln empfahl sich Lou be Lormes. Celia sah ihr mit verzerrtem Gesicht nach. Sie konnte ben Haß gegen Lou be Lormes nicht vergessen, bie an ihre Stelle getreten war. Nun, bald würde auch sie gestürzt und vergessen sein; vielleicht nur noch gut genug, neue Opfer zu hüten, die Liewen einfing. — Dann war Lou de Lormes auch nicht mehr, als sie, Celia. Dies Gefühl gab ihr eine gewisse Befriedigung. Lächelnd betrachtete sie die Tür, hinter der Edele eingeschlossen war. Lou de Lormes ahnte wohl nicht, daß hier nebenan schon bie Frau weilte, bie sie zu entthronen bestimmt war. ♦ Mit zitternben Hänben, ihrer selbst nicht mächtig, hatte Ebele ben kleinen Zettel, ben bie Unbekannte ihr hinburchgesteckt, aus ber Türspalte gezogen. Es war nicht wahr, es konnte ja nicht wahr sein, baß ein Mensch auf ber Welt lebte, ber ihre Not kannte unb ihr helfen wollte. Woher hatte biefe unbekannte Frau mit ber sanften Stimme nur ihren Aufenthaltsort erfahren.? Aber es war jetzt keine Zeit zum Grübeln. Mit zitternben Hänben öffnete sie ben Zettel und las die in französischer Sprache geschriebenen Worte: „Haben Sie Mut. Man wird Ihnen helfen. Seien Sie heute nachmittag auf Ihrem Balkon. Man wird Ihnen eine zweite ausführliche Nachricht zukommen lassen. Wenn Sie unbeobachtet sind, geben Sie ein Zeichen nach dem Abhang zu, auf dem die Weide ist. Vielleicht ein Tuch, das Sie heraushängen. Seien Sie vorsichtig und geduldig!" (Fortsetzung folgt.} Wirtschaft. Oer Reichsbankausweis zum Halbjahreswechsel. Die Inanspruchnahme der Reichsbank zum Halbjahreswechsel war lt. Ausweis vom 30. Juni mit 586 Millionen RM. recht erheblich, auch wenn man berücksichtigt, daß dieser Termin immer eine stärkere Inanspruchnahme bringt. Im Vorjahr betrug die Inanspruchnahme der Kapitalanlage der Reichtsbank 375 Millionen RM. Es hängt die diesjährige stärkere Inanspruchnahme wohl zum größten Teil mit den Einzahlungen auf die neue Reichsanleihe zusammen. Im einzelnen stiegen die Bestände an Wechseln und Schecks um 424 auf 3392 an, Reichsschatzwechsel um 56 auf 70 und an Lombardforderungen um 90 auf 171 Millionen RM. Daneben sind diesmal erheblicher die deckungsfähigen Wertpapiere um 16,0 auf 361 Millionen RM. und die sonstigen Aktiven um 35 auf 600 Millionen RM. gestiegen. Die Steigerung des letzteren Postens hängt zum Teil zusammen mit einer Inanspruchnahme des Reichskredites zum Ultimo. Der Notenumlauf stieg um 379 auf 3777 Millionen RM. und daneben der Umlauf an Rentenbankscheinen um eine auf 345 Millionen RM. An Scheidemünzen flössen 109 Millionen RM. in den Verkehr, neu ausgeprägt wurden 8,6 Millionen RM. und wieder eingezogen 0,9 Millionen RM. Die Steigerung der Giroverbindlichkeiten um 111 Millionen RM. auf 623 Millionen RM. ist eine normale Erscheinung. Die täglichen Deoisenrepartierungen haben sich dahin ausgewirkt, daß kein weiterer Verlust am Gold- und Devisenbestand eingetreten ist. Einen Rückgang des Goldbestandes um 2,3 auf 70,2 Millionen RM. steht eine Steigerung des Bestandes an deckungsfähigen Devisen um 2,6 auf 6,6 Millionen RM. gegenüber. Das Deckungsverhältnis der Roten beträgt nunmehr 2 v. H. gegen 2,3 v. H. in der Vorwoche. Der Gesamtzahlungsmittelumlauf betrug 5781 Millionen RM. gegen 5521 Millionen RM. zur gleichen Zeit des Vorjahres. 1 Milliarde Währungsgewinn bei den Lndustrievbligationen. Der Umlauf an Jnduftrieobligationen und verwandten Schuldverschreibungen betrug, laut „Wirtschaft und Statistik", Ende Dezember vorigen Jahres 3,2 Milliarden RM., gegenüber 4,2 Milliarden am 31.12.32. Aus die aufgewerteten Schuldverschreibungen entfielen 153 (i. V. 169) Millionen RM., auf Sachwerte lautende Schuldverschreibungen 17 (22) Millionen RM., auf Reichsmark-, Goldmark- und Festmarkschuldverschreibungen zusammen 915 (945) Millionen RM., auf inländische Schuldverschreibungen zusammen 1086 (1136) Millionen RM. Die Summe der im Ausland aufgelegten Schuldverschreibungen ging auf 2099 (3069) Millionen RM. zurück. Ohne Berücksichtigung der Währungsentwertung würde der Umlauf sich Ende vorigen Jahres auf 4079 Millionen gegen 4309 Millionen Ende Dezember 1932 bela'üfen haben. Ende 1930 betrug die Anleiheverschuldung der Unternehmungen 4,7 Milliarden RM. Ohne Währungsentwertung würde er Ende 1933 4,1 Milliarden betragen, er stellt sich aber auf 3,2 Milliarden RM. Von dem Rückgang um 1,5 Milliarden RM. entfallen 0,9 Milliarden RM. auf die Währungsentwertung und 0,6 Milliarden auf die Rückzahlungen. Was will das Getreidegrundgesetz? Fwb. Zu dem soeben in Kraft getretenen Gesetz schreibt der Zeitungsdienst des Reichsnährstandes: Es bildet die folgerichtige Fortführung der im Herbst 1933 mit der Einführung des Festpreis- silstems eingeleiteten Maßnahmen. Die Ziele nationalsozialistischer Getreidepolitik können erst bei vollständiger Regelung des Getreideverkehrs vom Bauern zum Markt erreicht werden. Für das Wirtschaftsjahr 1933/34 mußten Uebergangsmaßnahmen genügen. In diesem Jahre ist das neue Getreide» gesetz bereits zum Beginn der Getreideernte in Kraft. Der ziellosen Verkaufstätigkeit wird nun endgültig ein Riegel vorgeschoben. Künftig wird es nicht mehr möglich sein, daß jeder Getreideverkäufer ohne Rücksicht auf den anderen verkauft und sich vielleicht dadurch auf Kosten der Allgemeinheit bereichert. Künftig wird vielmehr durch sorgfältige Be- redjnunßen vorgeschrieben, welche Getreidemengen zu den jeweiligen Zeitpunkten abgenommen werden können. Der Bauer wird dann genau wissen, für welche Summen er zu den einzelnen Zeitpunkten verfügen kann. Nationalsozialistischer Zielsetzung, die. Rechte stets mit Pflichten verbindet, entspricht es, wenn dem Ablieferungsrecht eine Ablieferungspflicht gegenübergestellt wird. Wenn sich zeigen sollte, daß die den einzelnen Betrieben zugeteilten Getreidemengen nicht in ausreichendem Umfang zur Ablieferung gelangen und dadurch ein ungedeckter Bedarf entsteht, so wird die Ablieferung angeordnet werden können. Es ist keineswegs gesagt, daß diese Ablieferungspflicht sofort praktisch durchgeführt wird, sie ist aber im Gesetz vorgesehen, um für alle Möglichkeiten gerüstet zu sein. Gerade dieser Teil des Gesetzes zeigt wieder, wie die ganze Reichsnährstandgesetzgebung nicht nur das Wohl des Bauern, sondern die Bedürfnisse der Verbraucher im Auge hat. * Konkurse und Vergleichsverfahren im Juni. Nach Mitteilungen des Statistischen Reichsamts wurden im Juni d. I. durch den „Reichsanzeiger" 227 neue Konkurse — ohne die wegen Massemangels abgelehnten Anträge auf Konkurseröffnung — und 67 eröffnete Vergleichsverfahren bekanntgegeben. Die entsprechenden Zahlen für den Vormonat stellen sich auf 249 bzw. 65. Frankfurter Börse. Aliltagsbörse freundlich. Frankfurt a. M., 3. Juli. Die Börse lag zu Beginn wieder außerordentlich ruhig. Vor allem vermißte man die Anlagekäufe nach dem Zinster- min zur Halbjahreswende. Auch die Sperrmarkkäufe fanden nicht in dem Umfange der Vorwoche ihre Fortsetzung. Infolge der Geschäftsstille war die Kursentwicklung am Anfang uneinheitlich, ging aber im Verlaufe zur festen Haltung und Erholung über, da später Kaufaufträge für Rechnung des Auslandes einliefen, denen sich die Kulisse wieder mit neuen Käufen anschloß. Die festere Grundstimmung stützt sich auf die Ausräumung all der unsinnigen Gerüchte, bekundet vielmehr das allgemeine Vertrauen des Volkes zur gefestigten Staatsführung. Farbenindustrie zogen nach anfänglich 146,50 (146,75) auf 148 v. H. an, auch die übrigen Chemiewerte lagen freundlich. Am Elektromarkte setzten Siemens 1 o. H., Bekula 0,25 v. H., AEG. 0,40 o. H. höher ein, Schuckert und Gesfürel glichen ihre leichten Anfangsverluste wieder aus. Accumulatoren lagen zu 180 v. H. unter Berücksichtigung des Dividendenabschlages von netto 10,80 v. H. gut behauptet. Auch am Montanmarkt waren die Kurse anfangs gedrückt, wobei Harpener 0,65 v. H., Mannesmann 2 v. H., Rheinstahl ausschließlich Dividende 1,50 o. H., Kali Aschersleben 2 v. H. und Kali Westeregeln 1 v. H. verloren; später traten auch hier Erholungen ein, jo bei Harpener um 1,25 v. H. und Phönix um 0,50 v. H. Am Zellstoffmarkt Aschaffenburger weiter anziehend, Waldhof aber erneut 1,75 o. H. niedriger. Schiffahrtswerte bröckelten ab, Hast ag um 0,25 v. H., Nordd. Lloyd um 0,75 v. H. Im einzelnen eröffneten AG. für Verkehrswesen trotz der günstigen Bilanzvorlage 1,25 v. H., ferner Aku 0,65 v. H. leichter, dagegen Conti Gummi, Bemberg, Deutsche Linoleum und dement Heidelberg eine Kleinigkeit freundlicher. Renten lagen ebenfalls sehr ruhig und infolgedessen nur knapp gehalten. Altbesitzanleihe und späte Reichsschuldbuchforderungen bis 0,25 v. H. niedriger, dagegen Stahlverein-Bonds etwas freundlicher, desgleichen Reichsmark-Anleihen. In der zweiten Börsenstunde machte die Besserung des Kursniveaus Noch leichte Fortschritte, Gesfürel gewannen 1 v. H., Bemberg 0,90 v. H., Mannesmann 0,50 v. H. usw. Reichsbankanteile kamen 1,50 v. H. höher, Südd. Zucker unverändert zur Notiz. Das Geschäft war vorübergehend etwas größer, im weiteren Verlauf schrumpfte es aber wieder stark zusammen, die Kürfe lagen aber nicht schwächer. Farbenindustrie schwankten zwischen 147,75 bis 148 v. H. Am Rentenmarkt blieb es gleichfalls still bei geringen Veränderungen. Reichsmark-Obligationen neigten jedoch überwiegend nach unten, besonders Stahlvereins-Werte. Der Pfandbriefmarkt lag für Goldpfandbriefe bei kleinen Veränderungen nicht ganz einheitlich. Frankfurter Liguidationspfand- briefe zogen etwas an, während Pfälz. Hyp. 0,75 n. H. verloren. Kommunal-Obligationen und Stadtanleihen blieben gut behauptet. Tagesgeld wurde erneut um 0,25 v. H. auf 3,25 v. H. herabgesetzt. Abendbörse sehr still. Mangels jeglicher Anregung verkehrte die Abendbörse in sehr stiller Haltung, zumal auch die Kulisse in Zurückhaltung verharrte. Die Grundstimmung war dessen ungeachtet freundlich, wenn auch die Berliner Schlußnotierungen nicht immer ganz gehalten wurden, woran hauptsächlich die außerordentliche Geschäftsstille schuld war. Von Tarif- werten konnten sich Gesfürel um 1 v. H. befestigen, während Lahmeyer 1 v. H. verloren. Fqrben- industrie unterlagen kleinen Schwankungen, wobei sie per Saldo 0,25 v. H. nachgaben. Auch auf den übrigen Marktgebieten hielten sich die Veränderungen in engsten Grenzen. Der Rentenmarkt stagnierte ebenfalls fast vollkommen, es schien aber doch etwas Nachfrage zu bestehen. Beachtung fand der Ultimo- Ausweis der Reichsbank. Kommunal-Umschuldung war höher gefragt. 11. a. notierten: Altbesitz 94,25, 6proz. Stahlverein 77,75, Commerzbank 57,50, DD.- Bank 62, Dresdner Bank 65, Reichsbank 154,50, Gelsenkirchen 58,75, Harpener 104,' Mansfeld 76, Phönix 46, Rheinstahl 90,13, Stahlverein 39,75, Aku 60,25, Bekula 141,50, Cement Heidelberg 108,50, Scheideanstalt 208, Licht und Kraft 106,75. Mainzer Schlachtviehmarkt. Mainz, 3. Juli. Auftrieb: 621 Rinder, darunter 35 Ochsen, 21 Bullen, 565 Kühe oder Färsen, 395 Kälber, 725 Schweine. Notiert wurde pro ein Zentner Lebendgewicht in Mark: Ochsen al) 27 bis 33, c) 22 bis 26; Bullen c) 27 bis 30; Kühe a) 24 bis 30, b) 16 bis 23, c) 11 bis 15; Färsen a) 29 bis 35, b) 24 bis 28. Kälber b) 32 bis 40, c) 26 bis 31, d) 17 bis 25. Schweine b) 40 bis 43, c) 38 bis 43, d) 37 bis 41. Marktverkauf: Rinder mäßig belebt, langsam geräumt, Kälber ruhi'g, langsam geräumt. Schweine mäßig belebt, geringer Ueberftayd. Frankfurter Obst- und Gemttsemarkt. Frankfurt a. M., 3. Juli. Arn Gemüse- markt blieben die Zufuhren in Bohnen, Gurken und Tomaten reichlich, im übrigen waren sie genügend angeboten. Frühkartoffeln und Zwiebeln waren nur knapp vorhanden. Für Bohnen find die Preise wesentlich zurückgegangen, während sie sonst kaum verändert lagen. Das Kartoffelgeschäft verlief sehr lebhaft, auch sonst gestaltete sich das Geschäft zufriedenstellend. Es erzielten: Blumenkohl 10 bis 30, Bohnen 12 bis 16, Erbsen 10 bis 12, Salatgurken 10 bis 25, Einmachgurken 6, Karotten 3 bis 4, Einmachgurken, lose, 50 Kilogramm 8 bis 10, Kartoffeln, Erstlinge 775 bis 800, Kohlrabi 3 bis 4, Kopfsalat 4 bis 7, Petersilie 20 bis 25, Rettich 4 bis 6, rote Rüden 8 bis 10, Spinat (Wurzel) 10 bis 14, Spinat (Blätter) 15, Tomaten (Treibhaus) 50 Kilogramm 20 bis 24, Tomaten holl. 18 bis 19, Weißkraut 6 dis 8, Wirsing 6 bis 7, Zwiebeln mit Schloten 4 bis 5. Am Obstmarkt hielt das starke Angebot von Kirschen an, auch Himbeeren und ausländische Pfirsiche blieben stark offeriert. Deutsche Aprikosen sowie die übrigen Obstsorten sind gut bis genügend am Markt. Frühbirnen und Sommeräpfel wurden erstmals in geringen Mengen angeboten. Die Preise für Kirschen und Himbeeren sind etwas gefallen, im übrigen traten keine nennenswerte Acnderungen ein. Das Geschäft verlief nur teilweise zufriedenstellend. Es erzielten: Svmmeräpfefl 15, Aprikosen 20 bis 25, Aprikosen ital. 16 bis 18, Frühbirnen 12 bis 15, Himbeeren 20 bis 32, Johannisbeeren 11 bis 13, Kirschen la 18 bis 20, I 12 bis 16, II 8 bis 10, Sauerkirschen 11 bis 14, Pfirsiche 20 bis 30, Pfirsiche ital. 16 bis 23, Stachelbeeren rote 8 bis 10, gelbe 12 bis 14, Zitronen, Kiste, 300 Stück, 700 bis 750 ital. Rechtsfragen für die Ferienzeit. „Wenn jemand eine Reife tut, fo kann er was erleben". Das Dichterwort fällt uns meist erst nach unseren Ferien ein, wenn wir dies ober jenes Unangenehme hinter uns haben. Besser also, man richtet sich von vornherein auf die Dinge ein, die nun einmal erfahrungsgemäß auch beim Reisen etwas beschwerlich sind, sieht sie sich von allen Seiten an, damit man vor Nachteilen ober auch nur vor unangenehmen Überraschungen geschützt ist. Denn bie Sache beginnt schon, bevor man bie Reise antritt. Gegen Feuerschaben ist man zwar zumeist versichert, aber bie ganze Versicherung nützt nichts, wenn ausgerechnet bie Prämie währenb ber Abwesenheit fällig ist unb von niemanb beglichen wirb. Der Schutz ber Versicherung fetzt bann nicht ein. Für bie Versicherungen gegen Einbruch unb Diebstahl ist es wichtig zu wissen, baß bie meisten Versicherungsverträge vorschreiben, ber Wohnungsinhaber bürfe nicht mehr als 60 Tage aus ber Wohnung abroefenb sein, wenn er nicht eine erwachsene Person zur Verfügung hat, bie währenb längerer Abwesenheit minbeftens bie Nacht in ben versicherten Räumen verbringt. Es besteht zwar keine allgemeine gesetzliche Pflicht, daß jedermann stets einen Ausweis über feine Person bei sich tragen müßte. Wer ins Ausland fährt, hat allerdings einen Paß vorzuweisen: im Jnlande verzichtet man meist auf Auslandspapiere. Leider zu Unrecht! Denn oft genug ergeben sich Situationen, beispielsweise im Verkehr mit der Post, wenn es gilt, Einschreib- ober Gelbsenbungen in Empfang zu nehmen, in benen amtliche Ausweis- papiere recht wertvoll finb. Nützlich ist es auch, wenn man über die rechtlichen Verhältnisse bei ber Eisenbahn Bescheib weiß. Man verläßt sich auf bas Kursbuch unb auf bie amtlichen Fahrpläne; aber bie Reichsbahn hat im § 24 ihrer Verkehrsorbnung auch bestimmt, baß verspätete Abfahrt ober Ankunft ober sogar bas Ausfallen eines Zuges keinen Anspruch auf Entschädigung begründen. Nimmt man zu seiner persönlichen Hilfe einen von der Reichsbahn bestellten Gepäckträger, so haftet die Reichsbahn für das dem Gepäckträger übergebene Reife- ober Hcmbgepäck ebenso, als wenn es ihr selbst zur Beförberung übergeben wäre. Benutzt ber Reisenbe bie Eisenbahn, so hat er nach bem einführenben Paragraphen bes sog. Haftpflicht-Gesetzes bie beruhigenbe Gewißheit, daß, wenn er bei dem Betriebe ber Bahn zu Tobe kommt ober körperlich verletzt wirb, bie Bahn. für ben baburch entftanbenen Schaben haftet, sofern sie nicht nachweist, baß ber Unfall durch höhere Gewalt ober burch eigenes Verschulden des Getöteten verursacht ist. Nach § 7 dieses Gesetzes wird das Gericht die Höhe des Schadens nach freiem Ermessen festsetzen und für ben zukünftigen Unterhalt ober Erwerb in ber Regel eine Rente zubilligen. Die Schadensersatzforberung verjährt in zwei Jahren vom Tage bes Unfalls an. Gibt ber Reisenbe sein Gepäck zur Beförberung auf, so haftet bafür bie Bahn; sie haftet jeboch nicht für bas Gepäck unb bie übrigen Sachen, bie ber Reisenbe mit ins Abteil nimmt. Wenn wir an unserem Ankunftsort eine Wohnung nehmen, so gehen wir mit bem Gastwirt, ober bem Inhaber bes Pensionats, ober bem Besitzer bes Zimmers einen Vertrag auch bann ein, wenn keine schriftlichen Abmachungen bestehen, lieber Streitigkeiten zwischen Gastwirten unb Gästen haben bie höchsten beutschen Gerichte eine große Anzahl von Entscheibungen gefällt. Nach einem alten Rechtssatz gelten bie Sachen bes Gastes als bem Gastwirt übergeben, wenn seine Angestellten sie am Bahnhof bereits in Empfang genommen haben. Vlad) ber Rechtsprechung beginnt bie Haftung bes Gastwirtes dann, wenn der Gast ausgenommen ist; es bleibt aber gleichgültig, ob der Gastwirt selbst, oder ein Geschäftsführer, ein Kellner, ein Pförtner die Aufnahme getätigt hat. Der Begriff „Beherbergung" setzt nicht voraus, daß der Gast im Gasthof übernachtet. Es genügt vielmehr, wenn dem Gast auch nur tagsüber ein Zimmer zum Aufenthalt überlassen wird. Für Sachen, bie der Gast nach endgültigem Verlassen bes Gasthofs zurückge- lassen hat, haftet ber Wirt nicht mehr, wenn nicht etwa eine befonbere Vereinbarung getroffen ist. Die Haftung bes Wirtes tritt bann ein, wenn bie Sachen bes Gastes in Verlust gegangen ober be- schäbigt finb, einerlei, ob durch Diebstahl, Feuchtigkeit oder auf andere Weise. Belanglos ist es, ob der Schaden durch ben Gastwirt, seine Leute, an« bere Gäste ober brüte Personen vorsätzlich, fahrlässig ober ohne Verschulben verursacht ist. Den Anspruch auf Haftung muß ber Gast dem Gastwirt unverzüglich anzeigen. Das Abkommen, baß ber Gast mit bem Gastwirte trifft, ist im wesentlichen ein Mietvertrag; es ist aber mit einem Kaufvertrag oerbunben, wenn ber Gast Speise unb Trank im gleichen Hause zu sich nimmt, liebergibt ber Gast bem Wirte Sachen zur Aufbewahrung, so wirb boch ein Verwahrungsvertrag abgeschlossen. Wirb bie Verwahrung unentgeltlich übernommen, so braucht ber Wirt nur biejenige Sorgfalt anzUwenben, bie er in eigenen Angelegenheiten anzuwenben pflegt. Er haftet aber für jede Fahrlässigkeit, wenn er bie Aufbewahrung gegen Entgelt übernimmt. Ein etwaiger Anschlag bes Wirts, baß er bie Haftung ablehnt, ist wirkungslos. Bei ber Rückkehr von Reifen ins Auslanb liegt für manche Menschen anscheinenb ein großer Reiz barin, zollpflichtige Sachen unverzollt burchzu- schmuggeln, um sich bann später biefer Tat noch zu rühmen. Hanbelt es sich, wie es boch wohl bie Regel ist, um weniger wertvolle Sachen, so ist durchweg ber Zoll so gering, baß man sich nicht ber Gefahr aussetzen sollte, zur eigenen Beschämung ertappt, mit einer höheren Zvllftrafe belegt unb vielleicht solange aufgehalten zu werben, baß man bie Reise nicht in ber vorgesehenen Weise fortsetzen und dadurch in Ungelegenheiten kommen kann. Besondere Achtung soll man auf die Vorschriften über die Geldaus- und -einfuhr haben! Sie sind peinlich zu beachten. Daten für Mittwoch, 4.Juli. 1715: der Dichter Christian Fürchtegott Gellert in Hainichen (Sachsen) geboren (gestorben 1769); — 1776: Unabhängigkeitserklärung Nordamerikas; — 1807: der italienische Nativnalheld Giuseppe Garibaldi in Nizza geboren (gestorben 1882); — 1844: ber Kunsthistoriker Karl Woermann in Hamburg geboren (gestorben 1933); — 1851: ber Geograph Joseph Bartsch in Schreiberhau geboren (gestorben 1925); — 1888: ber Dichter Theodor Storm in Hademarschen gestorben (geboren 1817); — 1920: der Bildhauer, Maler und Radierer Max Klinger in Großjena gestorben (geboren 1857); — 1926: l Zweiter Reichsparteitag der NSDAP, in Weimar. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe ber zuletzt beschlossenen Divibenbe an. — Reichsbankbiskont 4 v. H., Lombarbzinsfuß 5 v. H.__________________________ Frantturi a. 2)1. Lerttn Frankfurt a.M. Berlin Frankfun a. M. Äerlin Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 2H. Schluß» fur4 Gchlußk. Abend» börse Schluß» tert Gchlußk. Mittag» börse Schlußkurs Gchlußk. Abend- börsc Schluß» kurs Gchlußk. Mittag» börse Schluß» kurs Schluß!. Abend» börse Schluß» furd Gchlußk. Minag- börse 2-Iuli 3-Iuli Amtliche Dotierung Geld | 25rie> Amtliche Rotierung Geld | Lrie 'Datum 2-7. 3-7- 2-7- 1 3-7. Datum 2-7- 3-7- 2-7- 3-7. Datum 2.7. 3-7. 2-7. 3.7. Buenos Aires Brüssel..... Rio de Jan. . Sofia...... Kopenhagen. Danzig..... London ..... Helsingfors.. Paris ...... Holland .... Italien..... Japan...... Jugoslawien. Oslo.....: Wien....... Lissabon.... Stockholm... Schweiz .... Spanien.... Prag....... Budapest ... Neuyork.... 0,600 58,50 0,184 3,047 56,49 81,67 12,650 5,594 16,50 169,73 21,53 0,749 5,664 63,59 48,45 11,51 65,23 81,44 34,32 10,44 2,510 0,604 58,62 0,186 3,053 56,61 81,83 12,680 5,606 16,54 170,07 21,57 0,751 5,676 63,71 48,55 11,53 65,37 81,60 34,38 10,46 2,516 Banknoten 0,598 58,53 0,184 J,C47 56,54 81,67 12,665 5,599 16,50 169,73 21,53 0,749 5,664 63,64 4ö,45 11,53 65,28 81,47 34,32 10,44 2,511 0,602 58,65 0,186 3,053 50,66 81,83 12,695 5,611 16,54 170,07 21,57 0,751 5,676 63,76 48,55 11,55 65.42 81.63 34,28 10,46 2,517 6% Deutsche Retchsanleihe v. 1927 «% ehein.7% Dl. Reichsanl. v. 1929 6Vi% Doong-Anlethe von 1930 .. Deutjche Aitt.'Ablös.-Schuld mit AuSlos.«Rechten ......... DeSgl. ohne Ausloj.-Rechte...... S% etjem.8% Hess. Volksstaat 1929 trückzahlb. 102%) ........... 6% Hess. LandeSbanI Darmstadt Gold R. 12 ............. 6%% Hess. LandeS^ypotheken» bank Darmstadt Staut..... Oberhessen Provinz-Anleihe mit Auslos. «Rechten ......... Deutsche Komm. Sammelabl. Anleihe Serie 1 mit AuSlos.«Rechten • % ehem. 8% Franks. Hyp.-Bank Goldpse. 15 unkündbar bis 1935 • % ehern. 7% Franks. Hyp.-Bank Goldpse. 16 unkündbar bis 1936 iK% et)em. 4K,% Franks. Hyp.. Bank-Liqu.»Pfandbriefe..... Wi% ehem. 46,75 207 68,5 37,5 85,75 59,5 108,75 126 61 64 48 56,4 46,9 61 19,5 181 191 130,5 1 j 76 46 234,25 90,13 39,75 14,75 127,75 128 147,5 208 66,75 28 84,65 59,5 108,5 126 60,25 65,5 46,75 56,5 47 61,25 18,25 177,5 179,5 131 I 22,25 1 180 76 92,25 45,25 233,5 94 39,4 14,4 129,25 128,75 172,5 147,5 68,5 37,75 85,75 114 61 63,5 48,25 56,75 133 46,75 61 62,5 18,75 179 191,5 130,25 l 180,25 76,5 91,9 46 233,25 90 40,25 14 128 128,75 170 147,75 66,25 38,13 85 60 113,25 60,65 65,5 47,25 56 132 47,25 61,5 62,25 18,25 180 179 130,75 I 22,75 1 182,5 Aerlln, Z.>>i Geld Amerikanische Roten.............. Belgische Roten................. Dänische Roten ................. Englische Roten ................. Französische Roten............... Holländische Roten............... Italienische Ro'en................ Deutsch Oesterreich, * 1OO Schilling Rumänische Roten............... Schwedische Roter» ............... Schweizer Roten................. Spanische Rote«................. Ungarische Notar m.wwhm..»m 2,464 58,37 56,49 12,62 16,46 169,31 21,41 63,47 65,12 81,29 34,18 2,484 58,61 56,71 12,68 16,52 169,99 21,49 63,73 65,38 81,61 34,32