Nr. 5 Erstes Blatt M- Jahrgang Donnerstag, 4. Januar 1934 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monats Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen Postscheckkonto: Zrantfurt am Main 11686 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfilälr-Vuch- und Steindruckerei R. Lange in Giehen. SrNriftleitung und Geschäftsstelle: Schuistratze 7 Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Reichspfennig; für Textanzeigen von 70 mm Breite 60 Reichspfennig, Platzvorschrift 25u „ mehr Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil i.V. Th. Kümmel sämtlich in Gie-zen erschüttert. Eine riesige Stichflamme schlug aus dem Schacht empor, und im Nu war die ganze Anlage in dichte Rauchwolken gehüllt. Die Förderschale wurde durch die Gewalt der Explosion aus der Tiefe emporgeschleudert und blieb oben in der Versteifung hängen. Aus den Trümmern des Förderschachtauf- baues wurden ein Toter und ein Verwundeter geborgen. Der Feuerschein war weithin sichtbar. Es besteht wenig Hoffnung, eine größere Anzahl der noch unter Tage eingeschlossenen Bergarbeiter zu retten. Die Vertreter des Ministeriums des Innern sind am Vrandplah eingetroffen, der von ungeheuren Menschenmassen umlagert wird. Die Grube ist die zweitgrößte in ganz Böhmen. Die Explosionen in der brennenden Grube „Nelson HI“ haben auf alle drei Abteilungen der Grube lichen Werte zum Zwecke der erstrebten organischen Zinssenkung bilden wird. Die mit dieser Konverston befethgte Hilferdmg- Anleihe ist geradezu ein Schulbeispiel für die Finanzpolitik des versunkenen Systems. Als hllfer- dina der Minister der Inflation, 1929 tm Kabmett der 2 Großen Koalition unter Müller-Franken abermals Reichsfinanzminister wurde, warf die Weltwirtschaftskrise ihre ersten Schatten auf Deutschland Trotz der überdrehten Steuerschraube ließen die Steuererträge bei qleichbleibenden Ausgaben der öffentlichen Hand nach, die Fehlbeträge wurden chronisch, die Tributlasten entzogen — es war das Jahr des Young-Planes — der deutschen Wirtschaft das letzte Blut, und die Reichskasfen waren ohne Geld Im Sommer 1929 kam Hilferding — durch iraendwelche Mittelsmänner mit dem spater als einem der größten Betrüger der Weltgeschichte entlarvten Zündholzkönig Ivar Kreuger in.Verbm- duna hinter diesem stand der schwedische Zundholz- tru st mit einem Kapital von 2,6 Milliarden Gold- Jnfolge des Krachs von Bayonne sei ihm dies nicht mehr gelungen. Gerüchtweise verlautet in Paris, daß sich Staoisky in London nach Venezuela e i n g e s ch i f f t habe. Ministerpräsident C haute m p s erklärte, daß die Gerichte mit unbeugsamer Strenge vorgehen würden; wenn wirklich irgendwelche Persönlichkeiten nachweislich kompromittiert sein sollten, würde die Regierung energisch ihre volle Pflicht erfüllen. Die Pariser Morgenpresse beschäftigt sich ausführlich mit der Riesenbetrügerei von Bayonne, die v o n Tag zu Tag größere Ausmaße annimmt Die Angelegenheit, die bisher rein kriminellen Charakter trug, wird allmählich auf das politische Gebiet hinübergezogen. Die Angriffe eines Teils der Presse richten sich besonders gegen den Kolonialminister Dalimier. Man macht ihm den Vorwurf, in feiner Eigenschaft als Arbeitsminister des Kabinetts Herri o t 1932 in einem Schreiben an die Sozialversicherungsgesellschaften darauf hingewiesen zu haben, daß ein gewisses Interesse daran bestünde, die ver- fügbaren Gelder für den Ankauf von Bonds der städtischen Leihhäuser zu verwenden. Dalimier hat damals den jetzt verhafteten Direktor des Credit Municipal von Bayonne, liffier, darauf aufmerksam gemacht, daß er sich an die Sozialver- sicherungsgesellschaften wenden müsse, um eine Unterstützung bei der Unterbringung der Bonds des städtischen Instituts zu erlangen. Dalimier weist zu seiner Verteidigung darauf hin, daß er sich auf Veranlassung des damaligen Handelsministers an die Sozialversicherungsgesellschaften gewandt habe, und daß er in diesem Schreiben auf die städtischen Kreditgesellschaften imallgemeinen hingewiesen habe, ohne irgendein besonderes Unternehmen zu nennen. bert kurzfristig die erforderlichen Gelder der deutschen Reichsregierung aus den angesammelten Tributen zur Verfügung stellte. Am 27. Januar 1930 gab Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer im Reichstag bekannt, er hoffe, das erwartete Defizit Ultimo Juni durch eine Tranche der Kreugeranleihe abzudecken, denn vertragsgemäß sollten sieben Monate nach der Annahme des Zündholzgesetzes nominal 50 und nach sechzehn Monaten 75 Millionen Dollar an Deutschland ausgezahlt werden. Als Gegenwert dafür er- hielt das deutsche Volk schlechtere und teuere Zündhölzer. Aber der Kreuger-Trust brach zusammen. Die Anleihe wurde Ende Mai 1929 zunächst mit einer ersten Tranche von 300 Millionen Mark zu 99 Prozent aufgelegt. Sie war steuerfrei. Aber die Zeichnung brachte einen Mißerfolg. Gegenwärtig läuft ein Betrag der Anleihe von 183 Millionen Mark um. Dux , 3. Jan. (DNB.) Aus der Grube „Nelson III", die der Brüxer Kohlenbergwerksgesellschaft in Ossegg bei Dux in Nordböhmen gehört, ereignete sich am Mittwochnachmittag eine schwere Explosion, allem Anschein nach infolge der Entzündung von Grubengasen. Die Nachmittagsschicht war von 120, nach einer anderen Meldung sogar von 200 Bergarbeitern beseht. Zunächst konnten nurdreiTote geborgen werden. Die Rettungsarbeiten sind im Gange. Der Förderturm wurde durch die Explosion zerstört. Es handelt sich, soweit bisher sestgestellt werden konnte, um eine der größten Grubenkata- st r o p h e n, von denen Böhmen seif langem betroffen worden ist. Durch die Grubenexplosion wurde das Städtchen Ossegg wie durch ein Erdbeben Furchtbare Explosion in einer tschechischen Kohlengrube. Bisher 16 Tote geborgen.-Seringe Hoffnung für 130 eingeschloffeneBergleute. wird als der Mühe wert betrachtet. Der Korrespondent des „Daily Telegraph" in Rom weiß zu berichten, Mussolini sei durchaus bereit, Anregungen, von denen ein Kompromiß zwischen Paris und Berlin erhofft werden könnte, auf halbem Wege entgegenzukommen. Er vermeide aber sorgfältig alles, was als Ultimatum aufgefaßt werden könnte. pariser Besorgnisse. Paris, 4. Jan. (DNB. Funkspruch.) „Was bereitet man in Rom vor?", so lautet die Frage fast ämtlicher Blätter, die zur Aussprache Mussolini-Simon Stellung nehmen mit dem leisen Unterton der Befürchtung, daß Mussolini den englischen Außenminister für die Völkerbundsreform und eine Lösung des Abrüstungsproblems gewinnen könnte. Frankreich darf auf keinen Fall, so erklärt deshalb der „Homme Libre" von seinen bisherigen Richtlinien abgehen. Wir find gegen jeden Versuch einer Vertragsrevision. Wir verlangen die Behandlung des Abrüstungsproblems im Rahmen des Völkerbund es. Wir ver- langen, daß alle Mächte, ob groß oder klein, die gleichen Rechte und Pflichten haben. — Die „E r e N o u v e 11 e" hält jeden Versuch eines Ausgleichs zwischen der internationalen Demokratie kurzerhand für utopisch. Simon als Vertreter der großen englischen Demokratie müßte dem saschistt- chen Diktator klarmachen, daß es verlorene Seit sei auf die Reform des Völkerbundes und die Abrüstung hinaus zu wollen. Die Behauptung des „Ma- tin", daß Italien sich der Schwierigkeiten klar zu werden beginne, England und Frankreich für den Standpunkt Deutschlands zu gewinnen, wird von anderen Blättern um so weniger geteilt, als Sir John Simon nach einer Meldung aus Rom, sich gegen die italienischen Wünsche nicht kalt verhalte. Das veranlaßt den „A m i d u P e u p 1 e" zu der Bemerkung. Wir dürfen bereits jetzt erklären, daß das Ergebnis der Besprechungen von Rom nicht erfreulich ist. Der „Excelslor" zieht bereits das Sicherheitsventil: wir müssen auf eine englisch-italienische Vermittlungsaktion gefaßt sein, erklärt er, Es wäre nicht richtig, an der Kompromißformel Kritik zu üben, bevor sie bekannt ist. Doch darf man sagen, daß die sranzösische Regierung, die zu einer von Italien, England und Deutschland lange befürworteten Abrüstung bereit ist, entschlossen bleibt, gegen jede Aufrüstung Oer Bankskandal von Bayonne. Angriffe gegen Kolonialminister Oalinier. Front zu machen, die das Gleichgewicht der Landstreitkräfte zerschlagen, Frankreich von seinen Verbündeten und Freunden trennt und zu einer den kleinen Mächten aufgezwungenen Re v i f i o n der Verträge führen kann. Der römische Berichterstatter des „Petit Pari s i e n" will melden können, daß Mussolini und Simon sich um eine Annäherung der europäischen Hauptmächte bemühten. Dazu könnte der A b - rüstungsplan Macdonalds die Ver- ftänbigungsgrunblage bilden. Die italienische Regierung werde dagegen keine Einwendungen erheben. Die Rückkehr Deutschlands in den Völkerbund halte man für unerläßlich, „weil die Lösung des Abrüstungsproblems nicht ohne Mitwirkung der Frankreich befreundeten oder verbündeten Mächte gefunden werden Simons Besuch bei Mussolini. Bereiten Italien und England eine Vermittlungsaktion vor? Die Commerz- und Privatbank, die in ihrem Januar-Wirtschaftsbericht die Unterschiede zwischen echten und unechten Konversionen erörtert, stellt mit Recht fest, daß eine zwangsmäßige Zinssenkung ■ nur zu neuen Eingriffen des Staats führt. Denn eine Konversion, die gegen den Willen der Gläubiger verordnet worden ist, verbilligt zwar die Zinsen der bestehenden Anleihen, kann aber natürlich den Schuldnern keine neuen Anleihen zu den gesetzlich vorgeschriebenen Zinssätzen verschaffen. Im Gegenteil, das Kapital wird durch die Zinssenkungen beunruhigt und kopfscheu gemacht. Neue Anleihen sind nach einer erzwungenen Zmskonver- fion für lange Zeit nicht zu erhalten. Die Folge ist dann, daß beim Fälligwerden der alten Anleihen der Schuldner zur vertragsmäßigen Rückzahlung der Schuld nicht in der Lage ist, und daß dann der Staat, um einer Erschütterung der Wirtschaft vorzubeugen, einen allgemeinen Aufschub der eintretenden Schuldversalltermine anordnen muß. So endet die unechte Zinskonversion zwangsläufig mit Moratorien, während doch im Gegenteil eine Lockerung der Kapitalmärkte und eine Lösung der alten Schuldverhältnisse erstrebt werden muß, damit neue Schuldverhältnisse z u niedrigeren Zinssätzen eingegangen werden können. Das Kennzeichen einer echten Konversion ist also das Angebot des Schuldners, dem Glauviger seine Forderung zu dem vereinbarten Nennbeträge zurückzuzahlen. Die Folge ist dann, daß alle alten Schuldoerhältnisse, die zu den hohen Zinssätzen eingegangen sind, auf freiwilligem Wege gelöst werden. Wenn die Gläubiger aber keine Möglichkeit mehr haben, für ihr Geld die alten hohen Zinssätze zu erlangen, so werden sie sich freiwillig mit den niedrigeren Zinssätzen einverstanden erklären. Dadurch wird ein größeres Kapitalangebot hervorgerufen, und der Kapitalmarkt wird aufgelockert. Natürlich ist bei jeder Konversion der Schuldner bemüht, auf den Gläubiger in dem tomne einzuwirken, daß er nicht Barrückzahlung verlangt, sondern sich mit dem Umtausch in niedriger verzinsliche Anleihen einverstanden erklärt. Zu diesem Zweck wird bisweilen auch eine Kon - versionsprämie gewährt, indem der GM au= biger, der der Konversion zustimmt, eine kleine Barzuzahlung in Höhe von 1 ober 2 Prozent erhalt. Ob bas Reich im Falle ber Hilferding-Anleihe eine Konversionsprämie gewähren wirb, ist noch ganz ungewiß. Die Konvertierung ist ja erst zum 1. xjuli b. I. vorgesehen. Bis bahin kann sich bie Lage bes deutschen Kapitalmarktes so günstig gestaltet haben, daß bei einem Umtausch ber ßprogentigen in 4 prozentige Anleihen eine Prämie überflüssig ift. Man barf ferner bamit rechnen, baß bis zu diesem Termin noch weitere Anleihekonversionen emgeleitet fein werben, so baß bie Gläubiger bann schon allgemein mit einer Senkung ber Zinssätze rechnen werben. Wie auch in bem Bericht ber Commerz- unb Privatbank hervorgehoben wird, soll sich die Konversion nicht auf die Staatsanleihen beschranken, sondern die Gesamtheii de r f e ft o e r z i n s - lichen Werte umfassen. Ihr Ziel ist der A b - bau des überhöhten Z'nsniveaus für die gesamte deutsche Wirtschaft. Dieser Erfolg wird bann nicht in Frage gestellt sein wenn den Gläubigern keine Möglichkeit verbleibt, m andere, hoher verzinsliche Anlagen abzuwandern. Schon aus diesem Grunde ist anzunehmen, daß die Konversion der Hilferding-Anleihe nur den Auftakt einer alb gemeinen, freiwilligen Konversion der sestverzius- Durch echte Konversion zur Zinssenkung. Die Frage der Anleihekonoersion ist überraschend schnell akut geworden. Die Reichsregierung hat sich entschlossen, die sogenannte H i 1 s e r d i n g - Ante i h e, die mit weitgehenden steuerlichen Begünstigungen verbunden ist, zum 1. Juli d. I. zu kündigen. Die Anleihe soll zum Nennwert eingelöst oder aber gegen andere, niedriger verzinsliche Schuldtitel ober Buchschulden bes Reichs ausgetauscht werben. Es hängt also ganz von bem Willen ber Anleiheinhaber ab, ob sie ihre Forberung in bar ausgezahlt erhalten, ober ob sie anbere Anleihen bes Reichs in Zahlung nehmen wollen. Das Reichsfinanzministerium ist angesichts ber steigerten Erträge ber Steuern unb Zölle burchaus in ber Lage, bie Gesamtheit ber umlaufenben Anleihestücke, deren Nennwert auf 180 Millionen Mark geschätzt wird, voll einzulösen. Es handelt sich also zweifellos um eine echte Konversion, deren Voraussetzung immer das formelle Einverständnis zwischen Gläubiger und Schuldner über den Umtausch höher in niedriger verzinsliche Anleihen ist. Es ist bekanntlich in Deutschland schon einmal eine Zinskonoersion vorgenommen worden, die aber zum Unterschiede von der jetzt in Angriff genommenen nicht echt, weil nicht freiwillig war. Im Dezember 1931 wurde nämlich durch eine Notverordnung bestimmt, daß die Zinssätze aller innerdeutschen langfristigen Schulden gesenkt werden sollten, wobei ein Zinssatz von 6 Prozent als Regel festgesetzt wurde. Damals wurde den Gläubigem nicht bie Wahl gelassen, für ben Fall, baß sie mit ber Senkung bes Zinssatzes nicht einoerftanben feien, Rückzahlung ihrer Forberung zu verlangen. Auch im Auslanb finb solche unechten Zinskonver- fionen befretiert worben, bie immer eine Verletzung ber zwischen ben Gläubigern unb bem Schuldner getroffenen Abmachungen bebeuten. Die Erfahrung lehrt, baß burch berartige unechte Konversionen bas erstrebte Ziel, nämlich bie Senkung bes realen Zinsfußes, fast immer verfehlt wirb. Zwangsmäßige Zinssenkungen verursachen eine Erstarrung ber Kapitalmärkte. Das Vertrauen ber Krebitgeber wirb zerstört, währenb buch gerabe eine Vertrauens st ärkung bie w i ch t i g st e Voraussetzung einer Gesundung bes Kapitalmarktes ift. Die Auswirkungen bes Bayonner Bankkrachs gehen weiter. Wie ber „Paris Mibi" melbet, sollen namhafte Versicherungsgesellschaften beträchtliche Mengen an ungebeeften Kassenbons bes Leihhauses von Bayonne ausgenommen Haden, eine sogar 40 v. H. ihrer Reserven. Als bie ersten Grüchte über Unregelmäßigkeiten aufkamen, habe man bie Inhaber ber Bank mit bem Hinweis beruhigen wollen, baß bie Versteigerung nicht eingelöster Pfänber alsbalb ben Betrag von 17 Millionen Francs ergeben würbe. Bei ber Versteigerung finb aber bann nur 50 000 Francs herausgekommen. Von bem Büro bes „Credit Municipal“ in Bayonne würben bie vom Gericht nach ber Auf- betfung bes Skanbals angelegten Siegel entfernt, bamit bie Untersuchung auch bort beginnen kann. Zu biesem Zeweck wurde ber verhaftete Direktor bes „Credit Municipal“, Tissier, aus bem Gefängnis in fein ehemaliges Büro gebracht. Als ber Wagen Tiffiers vorfuhr, burchbrach bie Menge bie Polizeikette unb stürzte sich unter lauten Verwünschungen gegen Tissier unb seinen Wagen. Unter bem Schutz ber Polizei gelang es Tissier, bas Ge- bäube unversehrt zu betreten. Als er bie Zurufe ber erzürnten Menge vernahm, versteckte er sein Gesicht hinter seinem Taschentuch unb fing an zu meinen. Die Beziehungen Tiffiers zu bem Russen Staoisky scheinen noch allerlei Überraschungen zu bringen. Dieser hat, auf ber Konferenz von Strefa zu vielen Politikern unb Wirtschaftlern Verbinbun- gen angeknüpft unb soll sogar bei ber Bank für internationalen Zahlungsausgleich in Basel Eingang gefunben haben. Diese Bank habe ihm u. a. ein Paket wertloser ungarischer Agrarbonbs garantiert, bie Stavisky später zu Gelb machen wollte. mark. Das Reichsfinanzministerium schloß mit bem Zünbholttrust einen Vertrag, wonach bie gesamte deutsche Zünbholzinbustrie ben Schweben so unterstellt werben sollte, bah bie beutsche Jnbustrie 35, bie schwebische aber 65 Prozent ber in Deutschlanb verbrauchten Zünbhölzer Herstellen sollte. Dafür sollte ber Schwebentrust Deutschland eine A n - leihe von 125 Millionen Dollar mit einer Laufzeit von fünfzig Jahren gewähren, beren Ausgabekurs 93 Prozent fein sollte unb bie mit 6 Prozent verzinst würbe. Die Konvertierungssrist betrug zehn Jahre. Aber bieser Griff nach bem Strohhalm half Hil- ferbing nichts. Zum Dezember-Ultimo 1929 waren bie Reichskasfen leer, ber sozialbemkratische Reichskanzler mußte am 21. Dezember 1929 Hilser- bing verdientermaßen in bie Wüste schicken, unb fein Nachfolger, Professor Molbenhauer, konnte bie laufenden Verpflichtungen des Reiches gegenüber den Beamten ufro. nur erfüllen, weil nach einer Weigerung der Banken der Reparationsagent Parker Gil- könne". Möglicherweise werde man auf einer Dor. konferenz die zum Teil einander entgegengesetzten Thesen der früheren Verbündeten und Deutschlands auszugleichen versuchen. Auch der römische Bericht- erftatter des „M a t i n" spricht von einem Wunsche Italiens, eine Zusammenkunft der vier Großmächte zustande zu bringen, auf der Italien und England die Schiedsrichter- und Vermittlerrolle übernehmen könnten. Mussolini habe dem englischen Außenminister einen festen Plan zur Reform des Völkerbundes unterbreitet. Nach diesem Plan sollten die vier Großmächte in Genf als „Sonderausschuß" zusammentreten. Liege eine wichtige vom Völkerbund zu behandelnde Frage vor, so wurde dieser Sonderausschuß jeweils die an der Frage beteiligten Mächte zu sei- nen Beratungen zuziehen und dann der Dollver- fammlung einen Bericht in Form einer „Empfehlung" vorlegen. Rom, 3. Jan. (DNB.) Der britische Außenminister Sir John Simon, der sich den ganzen Vormittag in der britischen Botschaft, wo er Wohnung genommen hat, aufgehalten hatte, hatte am jlafymittaq die angekündigte Besprechung mit Mussolini, im Palazzo Vinezia. Man beschloß, die Unterhaltung am Donnerstag fortzusehen. Bemerkenswert ist, daß der italienische Botschafter in London, G r a n d i, ebenfalls in Rom weilt. Er ift nicht etwa zu einem Urlaub über die Feiertage hierher gekommen, sondern soeben erst nach Rom gerufen worden, offensichtlich um im Verlauf der römischen Besprechungen h.nzugezogen zu werden. Grandi und Suvich befanden sich während der Unterredung zwischen Mussolini und Simon ebenfalls im Palazzo Venezia. Am Mittwochabend gab Mussolini dem englischen Außenminister im Hotel Excelsior ein Essen, an dem zahlreiche Minister und Staatssekretäre, der englische Botschafter und Botschafter Grandi teilnahmen. Nach einem Bericht des Reuterbüros verlautet, daß bei der Zusammenkunft die Abrüstungsfräge eingehend untersucht wurde, daß aber keine Ent- scheidung getroffen wurde, da bie Besprechungen nur ber Klarstellung ber Auffassungen beider Länder bienen und keinen festen unabänderlichen Beschluß zeitigen sollen. Es wurde beschlossen, bie Frage einer NeugestaltungdesVölker- bunbes Donnerstag zu behanbeln. In ber Frage ber Rüstungsverminberung fei der britische und der italienische Standpunkt einander sehr nahe, es handele sich nicht darum, ob Deutschland 300 000 Soldaten haben solle oder nicht, sondern darum, daß die von den Friedensverträgenge- schaffenen kün st lichen Ungleichheiten beseitigt werden sollen, nur Abrüstung auf Grund ehrlicher Übereinstimmung übergegriffen, die unterirdisch miteinander verbunden find. Alle Abteilungen haben nur zwei Ausgänge, die durch die letzten Explosionen fast vollständig verschüttet wurden. Die Rettungsarbeiten sind außerdem durch das andauernde Entweichen brennender und giftiger Gafe erschwert. Entstehungsursache noch ungeklärt. Wie nunmehr endgültig seststeht, befanden sich zur Zeit der Katastrophe 140 Mann der Belegschaft einschließlich von neun Aufsichtsorganen unter Tag. Zu den gemeldeten vier Todesopfern kommen zwei weitere Opfer der Explosion aus dem Forderschacht hinzu, und zwar ein Werkmeister und eine Waschfrau, die beide um die achte Abendstunde tot geborgen wurden. Außer den vier Geretteten ist noch ein Arbeiter unter den Trümmern des Förderschachts lebend geborgen worden. Eingeschlossen sind noch immer 132 Mann, für deren Schicksal die schwersten Besorgnisse gehegt werden, lieber die Ursache der Katastrophe bestehen zur Stunde immer nur noch Vermutungen. Möglicherweise kann es sich um die Explosion des Dynamitlagers handeln, das unweit der Sohle des Förderschachts im Schacht untergebracht war. Da das ganze Revier nach der Explosion von heftigen Rauchschwaden erfüllt war, fehen die Fachleute dem Ergebnis der eingeleiteten Rettungsaktion mit großem Pessimismus entgegen. Bis 21 Uhr gelang es, frische Wetterströme in die vergasten Reviere einzuführen, so daß die Qualm- und Dampf- entwicklung um diese Zeit fast vollständig zum Stillstand gelangt war. Um diese Zeit begann die Einfahrt der ersten Rettungsmannschaft. Die Fortschritte der Rettungsaktion dürften langsam vor sich gehen, weil das Einsteigen auf Leitern erfolgt und jedenfalls auch mit starken Verbrüchen unter Tag zu rechnen ist. Man erwartet für die nächsten Stunden die erste Nachricht über das Schicksal der 132 eingeschlossenen Bergarbeiter. Vier Bergleute gerettet. Vier Bergleuten gelang es, sich zu dem benachbarten Revier des „Nelson VII"-Schachts zu flüchten und von dort auf Leitern ins Freie zu gelangen. Sie find durch das Einatmen von Grubengas schwer erkrankt und so erschöpft, daß eine Schilderung ihrer Erlebnisse nicht zu erhalten ist. Aus dem gleichen Weg, den die vier Geretteten nahmen, hat sich eine Rettungsabteilung in die Grube begeben, lieber ihre Tätigkeit liegt noch keinerlei Nachricht vor. Die Schachtanlage ist von den Angehörigen der eingeschlossenen Bergleute umlagert. Aus ganz Nordwestböhmen find Rettungswagen und Feuerwehren alarmiert worden. 116 Tote geborgen. Brünn, 4. Jan. (DRB. Funkfpruch.) Auf dem Relsonschachl III, in dem 132 Bergleute durch die schwere Grubenexplosion eingefchlossen sind, konnten bisher 16 Tote geborgen werden. Klopfzeichen der Eingeschlosfenen sind nicht mehr zu hören. Die Aussichten auf eine Bergung der Eingeschlosfenen sind sehr gering, weil die riesigen Stidjflammen eine große Hitze entfalten. Alle Zugänge zum Unglücksschacht find verschüttet. Aus den Schächten steigen giftige Gafe auf. Die Ordnung wird durch 100 Gendarmen aufrecht erhalten, die Mühe haben, die vielen Hunderte von Angehörigen der Verunglückten vor den Eingangstoren zurückzuhatten. lieber die Ursache des Unglücks bestehen nur Vermutungen. Es kann sich um eine Explosion brennbarer Gase, aber auch um eine Explosion des Dynamitlagers handeln. Die Fachleute erklären, daß im Nelsonschacht schon seit einigen Tagen ein Grubenbrand wütete, den man mit größter Mühe, aber vergeblich einzudämmen versuchte. Diesem Grubenbrand schreibt man die Explosion zu. Die vier geretteten Arbeiter haben sich soweit erholt, daß sie ihre ersten Eindrücke von der Katastrophe schildern können. Sie hatten plötzlich im Schacht einen dichten Qualm bemerkt und hatten versucht, den Förderschacht zu erreichen. Als sie aber infolge des Rauches nicht weiter konnten, kehrten sie um. Es gelang ihnen, durch den Not- ausganq des Schachtes VII auszufahren. Auf der Grube VII mußten gegen 4 Uhr die Rettungs- arbeiten eingestellt werden, da auf der Grube sich ein starker Rauch entwickelte. Die Grube wurde sofort abgeschlossen. Dank des Reichspräsidenten. B e r l i n , 3. Jan. (DNB.) Reichspräsident Generalfeldmarschall von Hindenburg gibt folgendes bekannt: Aus Anlaß des Jahreswechsels sind mir auch in diesem Jahre zahlreiche Glückwünsche aus dem In- und Ausland zugegangen. Da es mir bei der großen Zahl dieser Zeichen freundlichen Meingedenkens leider nicht möglich ist, jedem einzelnen Gratulanten persönlich zu antworten, muß ich allen, die mit guten Wünschen meiner so freundlich gedacht haben, auf diesem Wege danken und sie bitten, sich mit dieser allgemeinen, aber herzlichen Danksagung zu begnügen. (gez.) von Hindenburg. Reichspräsident von Hindenburg hat an den Reichsführer d e s Deutschen Studentenbundes und des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes Oscar Stäbe! folgendes Telegramm gesandt: haben Sie herzlichen Dank für die Neujahrs- wünsche, die Sie mir namens der deutschen akademischen Jugend aussprachen. Ich erwidere Ihre Grüße aufrichtigst mit den besten Wünschen für das Gedeihen b e r deutschen Studentenschaft. Möge in ihr ein oaterlandlie- bendes starkes Geschlecht heranwachsen zum Segen deutscher Zukunft, (gez.) vonhindenburg, Reichspräsident. Reichspräsident von Hindenburg hat unter dem 2. Januar an den Reichsjuaendführer Baldur von Schirach nachfolgendes Telegramm gerietet: haben Sie vielen Dank für die mir ausgesprochenen Neujahrsglückwünsche und Grüße der deut- chen Jugend. Ich erwidere sie mit dem Wunsche, >ah auf dem Boden bewährter deut- ch e r Tradition in der Jugend Deutschlands ein gottesfürchtiges, oaterlandlie- bendes, gesundes Geschlecht zum Segen unseres Vaterlandes und feiner Zukunft heran- wachfen möge. (gez.) von Hindenburg, Reichspräsident. Dank des Reichskanzlers für die Neujahrsglückwünsche. Berlin, 3. Jan. (DNB.) Reichskanzler Adol Hitler gibt folgendes bekannt: Für die mir zum Jahreswechsel aus dem In- und Ausland so zahlreich übersandten Glückwünsche spreche ich m e i n e n herzlichen Dank aus. Gern würde ich die Glückwünsche im einzelnen beantworten, jedoch t mir dies infolge der starken amtlichen Jnan- iruchnahme leider nicht möglich. Ich bitte daher, auf diesem Weg für die guten Wünsche und die zum Ausdruck gebrachte treue Gesinnung meinen aufrichtigen Dank entgegenzunehmen. gez.: Reichskanzler Adolf Hitler. Franz Seldte an den Stahlhelm. Berlin, 4. Jan. (DNB.) Der Führer Adolf Hitler hatte bekanntlich in einem Schreiben zur Jahreswende dem Bundesführer Franz Seldte einen persönlichen Dank für die Einweisung des Stahlhelms in die nationalsozialistische Gesamt front ausgesprochen. Franz Seldte hat nun durch folgende Veröffentlichung seinerseits den Dank a n alle Kameraden weitergegeben: „Meine Kameraden! Den Dank und die Anerkennung unseres Führers Adolf Hitler gebe ich aus vollem Herzen an Euch w ei t er. Ich habe den entscheidenden Schritt der Einheit der nationalen Front nur deshalb tun können, weil ich gewiß war, daß der Geist, den wir im Stahlhelm gepflegt haben, der Geist des selb st losen Einsetzens für die Nation in uns allen lebendig war. In diesem Geiste in der Front der großen national-sozialistischen Bewegung weiter- zukämpfen für Deutschland und seinen Führer Adolf Hitler sei der Dank und zugleich das Gelöbnis des Stahlhelms, Bund der Frontsoldaten. Frontheil und Siegheil für Adolf Hitler! Gez.: Franz Seldte. Kirchenminister Weber zurückgetreien. Berlin, 3. Jan. (DNB.) Wie Kirchenminister Weber mitteitt, ist er am 22. Dezember von seinem Amt als Kirchenminister zurückgetreten. Direktor Otto Weber wurde nach Beendigung seiner cheologischen Studien im Jahre 1928 Dozent, später Direktor der Reformierten Theologischen Schule in Elberfeld. Im Reformierten Kirchentum des Westens nimmt er eine führende Stellung ein. Seit dem Frühjahr vorigen Jahres hat er mit dem jetzigen Reichsbischof eng zusammengearbeitet, insbesondere war er an den Vorarbeiten f ü r d i e neue Kirchen» Verfassung führend beteiligt. Direktor Weber gehörte schon dem ersten auf der Nationalsynode vom Reichsbischof berufenen geistlichen Ministerium an. Reichstagung der nationalsozialistischen Kriegsopferversorgung. Oberlindober und Or. Ley begrüßen den Vertreter der französischen Kriegsopfer. München, 3. Jan. (DNB.) In den festlich ge= chmückten Räumen des Bayerischen Landtags traten am Mittwoch die deutschen Kriegsopfer zu einer Tagung zusammen, an der Vertreter der Kriegsopfer aus dem ganzen Reich teilnahmen. Nach den Begrüßungsworten des Landesobmanns der NSKOD. Hans Dietrich- Koburg, M. d. R., prach der Reichsführer Oberlindober über die Bebeutung der Kriegsopfer und ihre Stellung im Reich Adolf Hitlers, sowie über die große und bedeutsame Rolle des Frontsoldaten bei der Erringung und Erhaltung des wirklichen Friedens. Oberlindober gab seiner besonderen Freude und Genugtuung darüber Ausdruck, einen Angehörigen der französischen K r i e g s o p f e r verbände, Herrn R. E. R u f e n a ch t - Le Havre, begrüßen zu können und in ihm einen französischen Kameraden wiederzutreffen, der ihm einst bei Fleury jegenüberlag. Oberlindober betonte, wie sehr Front- oloaten und Kriegsopfer einander würdig sind, und bat schließlich Hern Rufenacht, den Geist, den er hier kennen lerne, hinüberzutragen zu den Gegnern von ehedem. In seiner Erwiderung erklärte Herr R., wenn die Männer der Front ihren Willen und ihre Kraft auf die Wiedergenesung Europas richteten, dann werde Europa wieder ge= unden. Stürmisch begrüßt sprach nunmehr der Stabsleiter der PO. Dr. Robert Ley. Auch er gab seiner Freude darüber Ausdruck, einen Angehörigen der französischen Kriegsopferverbände bei der NSKOV. begrüßen zu können. Es sei erfreulich, daß sich der deutsche Friedenswille in der Welt bereits durchgefetzt habe, fo daß Vertreter anderer Länder nach Deutschland kämen und sich selbst davon überzeugen könnten, daß Deutschland nicht ein wildes kriegsfrohes Land fei, sondern ein Deutschland der Ordnung, der Einsicht, der Erfahrung und vor allem ein Deutschland der Vernunft. Deutschland wolle nichts anderes, als in friedlichem Aufbau feinen Volksgenossen Glück, Wohlstand und Zufriedenheit geben, nichts anderes, als sich in der Wett wiederum die Achtung zu erwerben, die sich das deutsche Volk in seiner 2000- jährigen Geschichte erkämpft habe. Wir verlangten die Gleichberechtigung nicht für eine Nation, die der Wett nichts gegeben tjabe. Die Vernünftigen in der Wett würden einsehen müssen, daß sie ohne das deutsche Volk nicht leben können. Ein deutscher Soldat, der an der Westfront lag, würde niemals entehrend oder mißachtend von dem französischen Soldaten sprechen. — Nach einem feierlichen Totengedenken beendete ein dreifaches Siegheil auf den Führer die feierliche Kundgebung. RooseveltsprogrammsürdennalionalenMeder- ausbau der Vereinigten Staaten wird sortgesührt. Washington, 3. Jan. (DNB.) Präsident Roosevelt eröffnete Mittwoch punkt 12 Uhr den 7 3. Bundeskongreß im Washingtoner Capitol mit der Verlesung seiner großen Jahresbot- fchaft. Die Tribunen des Hauses waren voll besetzt. Zahlreiche Mitglieder des diplomatischen Korps nahmen an der Kongreßtagung teil. Seit vielen Jahren ist es zum ersten Male wieder geschehen, daß ein Präsident der Vereinigten Staaten feine Botschaft „Heber den Stand der Union" persönlich verlesen hat. Entgegen der bisherigen Gepflogenheit, die seit Bestehen der nordamerikanischen Republik geübt worden ist, trat das Parlament nicht Anfang Dezember, sondern erst jetzt nach Neujahr zu seiner ordentlichen Tagung zusammen. Das Arbeitsprogramm des Kongreffes. Das gemeinsam mit Roosevelt im November 1932 gewählte Repräsentantenhaus umfaßt 313 Demokraten, 113 Republikaner und 5 Vertreter der Farmer-Partei. Im Senat sitzen 59 Demokraten, 35 Republikaner und 1 Vertreter der Farmer-Partei. Die Partei des Präsidenten hat also in beiden Häusern starke Mehrheiten. Aber auch ohne diese würde der Kongreß diesmal dem Weißen I Haus in allen wirklich lebenswichtigen Fragen keine: großen Schwierigkeiten bereiten, da die Maßnahmen Roosevelts bei etwa 90 v. h. des ganzen Volkes sehr populär sind und angesichts dieser Tatsache der Gedanke an eine geschlossene Opposition im Hinblick auf die im November bevorstehenden Neuwahlen des ganzen Repräsentantenhauses und eines Drittels des Senats völlig absurd erscheinen würde. Man rechnet in unterrichteten Kreisen allerdings damit, daß das Parlament mindestens vier Monate wird tagen müssen, denn es stehen eine ganze Anzahl schwieriger Fragen zur Erörterung, die eines eingehenden Studiums bedürfen. Dor allem würden sich die Beratungen um die künftige Gestaltung der Finanzpolitik drehen, insbesondere um die Frage der Schaffung eines sogen. Warendollars, der die Kaufkraft des Landes in dem Umfana des Jahres 1926 gewährleisten soll. Eine weitere Aufgabe des Palaments wird die Neuregelung der Steuern sein, die dem Ausgleich des ordentlichen Haushalts und der Amortisation der gewaltigen Lasten des außerordentlichen Haushalts dienen sollen und die Bewilligung neuer TI i 11 e I für den Wiederaufbau- ausschuß zur Stützung von Banken und Jndu- ftriefirmen, sowie für die Fortführung der öffentlichen Notstandsarbeiten. Das Parlament wird sich außerdem auch mit der Festsetzung der Farmpreise und einer grundlegenden R e - form des Z o 11 s y st e m s , mit der Frage der Ausmünzung des Silbers als weitere Metallwährung neben dem Gold, der Kontrolle und der Besteuerung der Alkoholproduktion und des Alkoholhandels zu beschäftigen haben. Ebenso dürften auch auf der Tagesordnung wahrscheinlich Vorschläge über das Verbot der Spekulation mit Getreide, über die Reform des Nira-Ge- setzes zum Schutz der kleineren Firmen gegen die Monopoltendenzen der Großunternehmer, über eine behördliche Kontrolle des Außenhandels durch bewegliche Zölle und Einfuhrlizenzen, eventuell durch Einfuhrkontingente, stehen, sowie die Einsetzung eines parlamentarischen Ueberwachungs- ausschusses, um Korruptionsfälle in den jetzt so zahlreich gewordenen öffentlichen Betrieben zu verhüten. Man kann auch damit rechnen, daß d i e Kriegsveteranen und b i e Bundes- beamten ihre Forderungen auf die Wiederherstellung ihrer früheren Bezüge anmelden werden. Das Weiße Haus und der Kongreß haben also sicherlich bis mindestens Ende April alle Hände voll zu tun. Die Botschaft. In der Botschaft, mit deren Verlesung Roosevelt die Tagung des Kongresses eröffnete, führte er zu den Finanz» und Währungsproblemen folgendes aus: Ich möchte die gesamte Struktur unserer Finanzen verstärken und wenn möglich ein Währungswerkzeug schaffen, das im Laufe der Jahre immer weniger Schwankungen ausgesetzt ist, damit das amerikanische Volk für Käufe und Bezahlungen über ein stabileres Instrument verfügen kann. Ein eingehenoes Studium der ausländischen Währungen zeigt, daß einige Schwesternationen durch Verhältnisse im Innern ihrer Länder stark gehemmt werden und andere sich nicht in der Lage fühlen, heute in eine Beratung über das Stabilisierungsproblem nach universellen Gesichtspunkten einzutreten. Die Durchführung des neuen Programms hat zur Folge die Wieder- einstellung von mehreren Millionen Personen, eine Reorganisation der Industrie, deren Nutzen sich in vernünftigen Grenzen hält, ferner anaemeffene Löhne und Lebensbedingungen für die Arbeitnehmer. In naher Zukunft werden Die laufenden Einnahmen voll unü ganz die jährlichen Ausgaben des Staatshaushalts decken. In außenpolitischer Hinsicht kann ich Ihnen nicht ein uneingeschränktes optimistisches Bild entwerfen. Zusammen mit unseren Nachbarn juchen wir, in der Zukunft territoriale Expansionen und Einmischungen eines Volks in die inneren Angelegenheiten eines anderen zu verhindern. Die Vereinigten Staaten können sich nicht an politischen Vereinbarungen in Europa beteiligen, sind aber bereit, im gegebenen Augenblick an Maßnahmen zur Herabsetzung der Rü st ungen und einer Verringerung der Handelshindernisse mitzuwirken, die sich auf einer die ganze Wett erfassenden Grundlage verwirklichen lassen. Willige Gefolgschaft. Die Blätter heben den tiefgreifenben Unterschieb der Botschaft Roosevelts von Denen früherer Präsidenten hervor, da sie keinen einzigen konkreten Gesetzentwurf ankündigte, sondern sich lediglich au die Fixierung d e s großen Sozialprogramms beschränkte, wobei der Präsident, wie allgemein unterstrichen wird, sehr positive Angaben gemacht und auf die unbeirrbare Fortsetzung seiner Maßnahmen mit Nachdruck hingewiesen habe. Ein Senator erklärte, ein Mann wie Roosevelt, der so viele zielbewußte und energische Maßnahmen ergreife, brauche sie dem Kongreß nicht vvrzuschlagen. Er habe die Führung, und wir folg en ihm willig. Die Blätter unterstreichen weiter, daß das fast völlige Zurücktreten der außenpolitischen Gesichtspunkte in der Roosevelt-Botschaft die Zustimmung des Kongresses findet, da jedermann fühlte, daß die Erholung der amerikanischen Wirtschaft das Gebot der Stunde ist. Die Ansicht des Kongresses in der Frage der nicht zahlenden alliierten Kriegs- f d) u l b n e r zeigte sich durch starkes Beifallsklatschen, als Roosevelt Finnlano als einzigen treuen Zahler lobte. Nach wie vor ist bas Parlament nicht gesonnen, Frankreich und besten früheren Verbün- beten bie Kriegsschulben ohne Gegenleistung zu erlassen. Freiherr von Fritsch Chef der Heeresleitung. Berlin. 3. Jan. (DNB.) Der Herr Reichs» präf i den! Hai auf Vorschlag des Reichswehr- Ministers den Befehlshaber im Wehrkreis III. Generalleutnant Freiherr von Fritfch, mit dem LJebruat 1934 zum Chef der Heeresleitung ernannt. Der neue Chef der Heeresleitung wurde am 4. August 1880 zu Benrath im Rheinland als Sohn des Generalleutnants Freiherr von Fritsch und dessen Ehefrau, einer Geborenen von Bodelschwingh, geboren. Arn 21. Dezember 1898 trat er als Fahnenjunker in das Feldartillerieregiment 25 in Darmstadt ein und wurde am 27. Januar 1900 zum Leutnant befördert. Nach Besuch der Kriegsakademie wurde er am 22. März 1913 als Hauptmann in den Großen Generalstab versetzt und im gleichen Jahre als Beobachtungsosfizier zur Fliegerabteilung kommandiert. Während des Krieges war er Generalstabsoffizier bei der 4. Armee und bei der I. Gardedivision. Im Jahre 1917 wurde er Major und arbeitete dann im Generalstab der Luftstreitkräfte. Nach dem Weltkrieg wurde er in die Reichswehr übernommen und im Jahre 1922 als Abteilungskommandeur des 5. Artillerieregiments in Ulm zum Oberstleutnant befördert. 1924 wurde er Chef des Stabes der I. Division in Königsberg, 1926 Abteilungsleiter im Reichswehrminifterium, 1927 Oberst und Kommandeur des 2. Artillerieregiments in Berlin, dann Artillerieführer II in Stettin. Im Jahre 1930 wurde er Generalmajor und Kommandeur der I. Kavalleriedivision in Frankfurt a. d. O. Im Juni 1932 wurde Freiherr von Fritsch zum Generalleutnant befördert und übernahm am 1. Oktober des gleichen Jahres das Kommando der III. Division als Befehlshaber im Wehrkreis III in Berlin. Der neue Chef der Heeresleitung ist evangelischer Konfession und unverheiratet. Weitere Personalveränderungen bei der Reichswehr. Berlin, 3. Jan. (DNB.) Das Reichswehrministerium gibt u. a. folgende Personalveränderunqen bekannt: Befördert wurde mit Wirkung vom 1. Januar 1934: Zum General der Artillerie: Generalleutnant Ritter v. Leeb, Oberbefehlshaber der Gruppe II; zum Generalleutnant: Generalmajor Geyer, Chef des Stabes des Gruppenkom.nan- dos II; zum Generalmajor: Oberst Feßmann, Kommandeur des Kraftfahrlehrstabes; zu Obersten: die Oberstleutnants: Bremer, Kommandeur des Artillerieregiments 3; v. Red ei, Infanterieregiment 8; zum Generalarzt: Generaloberarzt Dr. Kittel, Chef des Stabes der heeressanitätsinspek- tion; zum Generalveterinär: Oeneraloberoeterinär Dr. Schäfer, Divisionsveterinär der 4. Division. Oer srühereBerlinei Oberbürgermetster Böß aus der Hast entlaßen. Berlin, 3. Jan. (DNB.) Die I u st i z p r e s fest e 11 e Berlin teilt mit: Im Verlauf der weiteren Ermittlungen ist der frühere Berliner Oberbürgermeister Gustav Böß ' am Mittwochmittag auf Grund eines Beschlusses der 6. Großen Strafkammer des Landgerichts Berlin aus der haft entlassen worden. Boß war bekanntlich auf Grund eines Haftbefehls des Amtsgerichts Berlin- Mitte am 28. April 1933 unter dem Verdacht des Betruges festgenommen und in das Untersuchungsgefängnis Berlin-Moabit übergeführt worden. Verbot jeglicher firchenpolitischer Betätigung in Nassau. LPD. Wiesbaden, 3. Jan. Auf Grund von untragbaren Vorkommnissen und angesichts des dadurch hervorgerufenen kirchlichen Notstandes hat der Bevollmächtigte der Evangelischen Landeskirche in Nassau, Lic. Dr. Dietrich, den Geistlichen und Kirchenbeamten jegliche kirchenpolitische Betätigung auf der Kanzel, unter der Kanzel, in Sonntagsblättern, Flugblättern und in Versammlungen verboten. Es könne nicht geduldet werden, daß in der Übergangszeit der nassauischen Kirche in die großhessische von gewisser Seite versucht werde, die Ordnung der Kirche zu gefährden. Dies liege auch im Sinne des Herrn Reichsbischofs, der in seiner Kundgebung für den gesamten Pfarrerstand vom 11. Oktober 1933 aus- drücklich erklärt habe, der kirchenpolitische Kampf sei zu Ende. Dekan Schmidt (Wiesbaden) ist von dem Bevollmächtigten der Evangelischen Landeskirche in Nassau von der Führung der Dekanatsgeschäfte beurlaubt worden. An seiner Stelle wurde Pfarrer M u 1 o t mit der Verwaltung des Dekanats Groß-Wiesbaden beauftragt. Das Riesendefizii in LIGA. Der Jahresbericht des Finanzministers über das Ende Juni 1933 abgelaufene Etatsjahr weist (alle folgenden Zahlen in Millionen Dollar) an Einnahmen 2079 Millionen Dollar und an Ausgaben 5143 Millionen Dollar aus. Der Stand der öffentlichen Schuld beträgt 22 538 Millionen Dollar, d. h. 3051 Millionen Dollar mehr als im Vorjahr. Das Etatsjahr 1934/35 dürfte nach Schätzung des Finanzministers 3260 Millionen Dollar an Einnahmen bringen, denen jedoch ordentliche Ausgaben in höhe von 3533 Millionen Dollar und außerordentliche Ausgaben von 6357 Millionen Dollar gegenüberstehen werden, so daß- durch Anleihen der Refico an die Privatwirtschaft, sowie Die Mmuiensteoerveranlagong für 1933 Das ®e' der gegen spröde Haut Bukarest, 3. Januar. (DNB.) Die politischen Ueberraschungen jagen sich in Rumänien. Soeben ist an Stelle des bisherigen Ministerpräsidenten Ängelescu der Hanbelsminister Tatarescu zum Ministerpräsidenten ernannt worden. Tatarescu ist der Führer der liberalen Jugend, man cheint durch seine Ernennung den radikalen Jugendbewegungen der Opposition den Wind aus den Segeln nehmen zu wollen. Er entstammt einer alten Offiziersfamilie und ist ein Bruder des Stefan Tatarescu, der kürzlich in Rumänien den mißglückten Versuch unternommen hatte, eine rumänische nationalsozialistische Partei ins Leben zu rufen. Das Kabinett ist im übrigen unverändert geblieben. Von T i t u l e s c u liegt immer noch keine Zusage vor, ob er als Außenminister in das Kabinett einzutreten gedenkt. Er ist heute nachmittag von St. Moritz nach Bukarest abgereist. rer Länder liegt. Ich habe mich auf den nationalistischen Boden gestellt. Das ist alles. Constan- tinescu bemerkte auf eine weitere Frage ironisch, daß man vergeblich nach weiteren Mittätern suchen werde. Zum Schluß erklärte er: Ich bebaute, auf den Ministerpräsidenten meines Landes geschossen zu haben. Aber ich bedauere keineswegs, einen verhängnisvollen Politiker beseitigt zu haben. — Constantinescu gab an, daß sie sich den 1. Januar als letzten Termin für die Wettervoraussage. Während in dem Hoch über dem Baltikum noch Frosttemperaturen bis zu minus 20 Grad gemessen wurden, hat sich das Jslandtief erheblich verstärkt und führt an seiner Südseite sehr warme Luft heran. Dies veranlaßt beim Aufgleiten auf die auf dem Festland noch vorgelagerte Kaltluft dunstiges und wolkiges Wetter. Dabei treten auch zeitweise Niederschläge auf, die vorerst als Schnee fallen, dann aber in Regen übergehen werden. Die Temperaturen werden durch das Dordingen der Warmluft im allgemeinen gemildert. Aussichten für Freitag: Im ganzen et- was milder, vielfach dunstig und bewölkt, zeitweise Niederschläge, teils als Schnee, teils als Regen. Aussichten für Samstag: Wechselhaftes Wetter, Temperaturen wenig verändert, einzelne Niederschläge. Lufttemperaturen am 3. Januar: mittags 0,9 Grad Celsius, abends 0,3 Grad; am 4. Januar: morgens 0,3 Grad. — Maximum 0,9 Grad, Minimum — 0,1 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 3. Januar: abends — 0,4 Grad; am 4. Januar: morgens — 0,3 Grad Celsius. Amtliche Dintersportnachrichten. Sauerland, Winterberg: Nebel, — 4 Grad, 29 Zentimeter Schnee, Pulverschnee, Sport- möglichkeit i.Hvn * Wieseck, 4. Jan. Berichtigung. Zu ber gestrigen Mitteilung über bie Generalversammlung von ber Spar- unb Darlehenskasse ist zu berichten, daß ber Umsatz sich um etwa 200 000 Mark (nicht um 2000 Mark) unb ber Kassenumsatz sich um 81 000 Mark (nicht 8100 Mark) erhöht hat. § Alten-Buseck, 3. Jan. Unter starker Beteiligung ber Einwohnerschaft würbe gestern mit militärischen Ehren seitens bes Kriegervereins ber ßanbroirt Wilhelm Wagener zur letzten Ruhe gebracht. Der Verstorbene war nicht nur ber ä 11 e- fte Bürger unserer ©emeinbe, fonbern auch ber letzte Veteran unseres Ortes aus ben Kriegen 1866 u. 1870/71. Im Anschluß an bie Grabrebe unseres Geistlichen legten Vertreter bes Kriegervereins, bes Ortsgerichtes unb des Kirchenvorstanbes Kränze nieber In ehrenben Worten gebuchten sie ihres abgegebenen Kameraben unb Mitgliedes, der fast sein ganzes ßeben hindurch feine Arbeitskraft und reiches Wissen in den Dienst feiner Mitbürger gestellt hatte. Mit bem Verstör- benen ber bas Hohe Alter von über 89 Jahren erreicht hatte, ist ein echter beutscher Mann aus unserer Mitte geschieben Die ©emeinbe, an bereu Wohlergehen er stets nach Kräften mitarbeitete, wirb ihm ein ehrenbes Anbeuten bewahren * ß i ch 4. Jan. Gestern nachmittag brach im Gesiube'gebäube ber fürstlichen Gutsverwal- tung ein Zimmerbraub aus, ber von ber Feuerwehr halb gelöscht werben konnte. Der Schaben ist nicht sehr groß * Dors-Güll, 3. Jan. Die hiesiye Sonntag s s ch u l e hielt biefer Tage ihre Weihnachtsfeier ab ßehrer Jung las bie ©eburtsaeschichte Jesu oor; gemeinschaftlicher Gesang, Gebichtoor- träge ber Kinber, Darbietungen bes gemischten Chores liehen bie Stuubeu rasch vergehen Nach einer kurzen Ansprache von Kourab Messer- schmibt erhielt jebes Kmb em Geschenk. — Die S A hielt in ber Schule einen Deutschen 21 b e n b ab, ber von Oberscharführer Reuhl mit einer Ansprache über ben Sinn bes Abeubs ein- qeleitet würbe Gleichzeitig erinnerte er an bie großen Verbieuste bes Führers um Volk unb Vaterland. Im weiteren Verlaufe des Abends gelangten verschiedene Theaterstücke durch die SA. und die NS.-Frauenschaft zur Aufführung, die verdienten lebhaften Beifall fanden. Der Manbolinen- flub trug zur weiteren Verschönerung des Abends bei Oberscharführer Reuhl hielt die Schlußau- sprache und brachte ein dreifaches „Sieg-Heil!" auf den Führer aus. ßeiber reichte ber Raum nicht aus, alle Teilnehmer zu fassen. Aus biesem Grunbe würbe ber Adeub wieberholt. Zur zweiten Veranstaltung waren auch bie NS.-Frauenschaften von Eberstabt unb ©rüningen erschienen. Kreis Alsfeld. n. Mücke, 3. Jan. Dieser Tage wurde hier eine NS. -Frauenschaft gegründet, ber sich 24 Frauen anschlossen. Zur Führerin würbe Frau ßehrer Fischer bestimmt. In Jlsborf, Nieber-Ohmen unb Merlau würben ebenfalls Frauenschaften ins ßeben gerufen. Führerin von Merlau würbe Frau Marie Münch. > Burg-Gemünben, 4. Jan. Der als Holzmacher beschäftigte Arbeiter Wilhelm Köhl von hier glitt auf bem Wege zur Arbeitsstätte aus unb stürzte so unglücklich, baß ihm bieAxtbieHanb a u f s ch n i 11 unb starker Blutverlust eintrat. Der sofort herbeigerufene Arzt orbnete bie Ueberführung bes Verunglückten in bas Krankenhaus zu Alsfeld an. Preußen ZS Jahre Liebertalbahn. Z Bieber, 3. Jan. Im Herbst des abgelaufenen Jahres 1933 waren es 35 Jahre, daß die Biebertalbahn eingeweiht wurde. Wenn sie auch jetzt nach der fast vollständigen Stillegung der Erzgruben unb ber Kalksteinbrüche im Biebertal unb unter ben gegenwärtigen Verkehrsverhältnissen nur noch ein wenig ergiebiges Dasein führt, fo würbe boch 1898 ihr Bau von der hiesigen Bevölke- i rung mit Freuden begrüßt. Damals waren bie Gruben in Königsberg, sowie bie Gruben Eleonore unb Morgenstern bei Bieber im vollen Betrieb unb lieferten wertvolle Erze, Braun- unb Roteisenstein an bie Margaretenhütte in Gießen, an bie Buberus- schen Eisenwerke in Wetzlar unb an Gebrjiber Stumm in Neunkirchen bei Saarbrücken Drei große Kalksteinbrüche in ber Kehlbach bei Bieber belieferten bie Hütten unb vor allem bas Kalk- unb Marmorwerk Abenbstern. ßange Reihen von Pferdefuhrwerken beförberten täglich, Sommer wie Winter, bas Erz unb bie Kalksteine in bie Hütteu- ' werke bzw zur Bahnstation Nur roeniae werben sich noch erinnern, in welchem oft kläglichen Zu- stanb sich infolge ber übermäßigen Inanspruchnahme bie Fahrstraßen befanben, obwohl man zur Aufrechterhaltung einer Fahrorbnung bie zurück- kehrenben leeren Fuhrwerke von Robheim aus hinter ber bamals Gebr. Schmallschen Fabrik her über bas sogenannte „Rüllscheib" nach Bieber unb bie gefüllten Wagen von bort über ben Hauptweg nach Robheim leitete — „Einbahnstraße!" — 189« übernahm bann bie Biebertalbahn biefen gesamten Verkehr bis zur Margaretenhütte hin unb bot zugleich bei ber langsamen Einschränkung ber lieberer Gruben vielen Bergleuten Fahrgelegenheit 3U den Arbeitsplätzen der Gießener Braunsteinwerke. Auch den Besuch der höheren Schulen erleichterte das „Bieberlieschen" der Bevölkerung unseres Tales. Die lebende Chronik der Biebertalbahn, unser ßanbsmann Zugführer Anbreas Haus, welcher vom ersten Beginn an in ihrem Dienst steht, weiß hiervon manches zu berichten unb ist zu einem kaum wegzubenkenoen Inoentarstück ber Bahn geworben. Ob bas „ßieschen" ber „Motorisierung" bes Verkehrs zum Opfer fallen wird? Wenn ihr auch bei ben früher kleineren Maschinen unb ben langen ßastzügen öfters im wahren Sinne bes Wortes ber Atem ausging, so hat sie boch lange Jahre uns treue Dienste geleistet unb könnte sich mit Ehren in ben Ruhestanb zurückziehen. Kirche und Schule. Landkreis Metzen. X W i e s e ck, 3. Jan. Die letzten Gottes- dienste bes vergangenen Jahres zeigten im Gegensatz zu früheren Jahren ein erfreuliches Anwachsen ber Besucherzahl und des kirchlichen Interesses. Das kam auch zum Ausdruck, als seit langen Jahren zum erstenmal wieder ein Männerchor im Gotteshause mitwirkte, so am ersten Weihnachtstag der Gesangverein „Eintracht" unter seinem Dirigenten Leid (Gießen). Am zweiten Festtag fang ber Frauen- chor unter ßeitung von Phil. ©ros. Die Zahl ber Trauungen wuchs ebenfalls xum Jahresende immer stärker an. Der Ortsgeistliche ließ am Neujahrsmorgen anschließend an ben Hauptgottesbienst bie Rede bes Reichsjugenbführers Balbur v. S ch i r a ch durch ßautsprecher in ber Kirche übertragen, zu ber bie Jugenborganisationen und die meisten Erroacy- enen des vorangegangenen Gottesdienstes zugegen waren. Kreis Wetzlar. cxD R 0 dheim a. b. Bieber, 3. Jan. In bem außergewöhnlich stark besuchten Gottesbienst bes Neujahrstages, welcher burch ßieber der etwa 80 Mann starken Sängervereinigung Rodheim verschönt wurde, gab ber Geistliche bekannt, baß im Jahre 1 933 in den Orten b e s K i r ch s p i el s vorgenommen würben: 57 Taufen (vor bem Krieg jährlich runb 100), 34 Beerbigungen (einst 50 bis 60), 43 Trauungen (in ber zweiten Dezemberhälfte allein 10). Konfirmiert wurden in diesem Jahre nur 49 Kinder (1927: 94, 1934 voraussichtlich: 80), am Abendmahl beteiligten sich 3574, nämlich 1657 männliche, 1917 weibliche Personen. Dem Statistiker geben diese Zahlen mancherlei zu bedenken! — In der Silvesternacht trug der hiesige Posaunenchor in den Pausen zwischen dem Glockengeläut an zwei Plätzen der Ortsstraße unter Fackelschein stimmungsvoll entsprechende Choräle vor, wie schon seit über 30 Jahren üblich. Historische 30 Minuten nn Mainzer Stadtrat. Wahl des neuen Oberbürgermeisters und zweier besoldeten Beigeordneten. ßPD. Mainz, 3. Jan. Im großen Saale des Mainzer Stadthauses spielte sich gestern nachmittag innerhalb 3 0 Minuten eine historische B e - g e b e n h e i t ab. In Gegenwart des Vertreters der Hessischen Regierung, Prooinzialdirektor Dr. Wehner, wurden vom Stadtrat der neue Ober- bürgermeister und zwei besoldete Beigeordnete gewählt. Es war von vornherein kein Zweifel, daß für diese verantwortlichen Posten nur Männer in Betracht kamen, die durch ihre bisherige unermüdliche und außerordentliche Tätigkeit in uneigennütziger Weise für bas Wohl ber Stabt unb bes Bürgertums besorgt waren unb ausschließlich im Sinne bes großen Führers Abolf Hitler hanbeln. In einstimmiger Wahl würben zum Ob er- bürgermeifter ber bisherige Staatskommissar unb kommissarische Oberbürgermeister Dr. Barth auf bie Dauer von zwölf Jahren unb bie kommissarischen Beigeorbneten Schloimann unb Fritz Saurmann zu befolbeten Beigeorbneten auf bie Dauer von neun Jahren bestimmt. In einer tiefschürfenben Ansprache an ben neugewählten Oberbürgermeister führte Provinzialbirektor Dr. Wehner ben neuen ßeiter ber Geschicke ber Stabt Mainz in fein Amt ein unb nahm beffen Verewigung vor. 6r betonte ganz besonders, baß ber neue Oberbürgermeister mit seinem bewiesenen scharfen Verstanb unb reichen Wissen ber rechte Mann am rechten Platze sei, bem es gelingen möge, bie vor ihm liegenben ungeheuer schweren Ausgaben zu lösen. Nach Dankesworten für bas burch bie einstimmige Wahl unb bie Worte bes Provinzialbirektors bewiesene Vertrauen nahm Oberbürgermeister Dr. B a r t h sobann die Amtseinweisung und Vereidi- qung ber neuen befolbeten Beigeorbneten vor. Die Beigeorbneten versicherten, als politische Solbaten Hitlers nur in beffen Sinne ihr Amt auszufüllen im Interesse ber Stabt, ihrer Bürger unb bes Deutschen Reiches. Der Wahl ging eine nichtöffentliche Sitzung voraus, in ber bie Besolbung bes Oberbürgermeisters unb ber Beigeorbneten festgelegt würbe. Der Oberbürgermeister erhält eine Besolbung von jährlich 10 200 bis 12 000 Mk., bie Beigeorbneten von 7400 bis 8000 Mk. nebst Wohnungsgelb nach Tarifklasse 11 bzw. 111 unter Abzug ber v'orgeschriebenen Pro- zentkürzung. Gehalt unb Wohnungsgelb finb außerdem noch ber stäbtischen Sonberkürzung unterworfen. An katholischen Kirchen nur Kirchen^ahnen. ßPD. Mainz, 3. Jan. Nach einer Mitteilung von juftänbiger kirchlicher Seite im „Mainzer Journal" haben Bischof unb D o m f a p i t e l in Mainz beschlossen, an kirchlichen Gebäuben unb Kirchen fortan nur kirchliche Fahnen zu hissen, unb zwar die päpstliche Fahne Gelbweiß unb bie bes Domkapitels Rotweißrot. So sei es auch vor dem Kriege der Fall gewesen, und in einem Flaggenerlaß des Preußischen Staatsministeriums vom 2. März v I. sei bas Recht der Religionsgesellschasten zum Zeigen eigener Kirchenflaggen ausdrücklich gewahrt worden. Der Reichsbankstatus Ultimo 1933. Berlin, 3. Jan. Nach dem Ausweis der Reichsbank vom 3 0. Dezember 1933 hat sich in ber Ultimowoche bie gesamte Kapitalanlage ber Bank an Wechseln unb Schecks, ßom- barbs unb Wertpapieren um 422,7 Millionen auf 3990,1 Mill RM. erhöht. Im einzelnen haben bie Bestäube an Hanbelswechfeln unb -Schecks um 260,4 Mill, auf 3177 Mill. RM., bie ßombarb- beftänbe um 123,4 Mill, auf 183,3 Mill. RM., bie Bestäube an beckungsfähigen Wertpapieren um 8,8 Mill auf 259,4 Mill. RM., die Bestände an sonstigen Wertpapieren um 1,5 Mill, auf 321,7 Mill. RM und die Bestände an Reichsschatzwechseln um 28,6 Mill, auf 48,7 Mill. RM. ^genommen. An Reichsbauknoten unb Rentenbaukfcheinen zusammen finb 209,9 Mill. RM. in den Verkehr geflossen und zwar hat sich der Umlauf bei Reichs- banfnoten um 193,5 Mill, auf 3645 Mill., derjenige an Rentenbaukfcheinen um 16/ Mill, auf 391,6 Mill. RM. erhöht. Der Umlauf an Scheidemünzen nahm um 56,5 Mill, auf 1507,3 Mill. RM. zu. Die Bestände der Reichsbauk an Rentenbaukfcheinen haben sich auf 17,3 Mill. RM., diejenigen an Scheidemünzen unter Berücksichtigung von 1,4 Mill. RM. neu ausgeprägter und 3,9 Mill RM wieder eingezogener auf 171,8 Mill. RM ermäßigt. Der gesamte Zahlungsmittelumlauf stellte sich unter Einbeziehung von etwa 180 Mill. RM Privatbauknoteu auf rund 5724 Mill RM., aegen 5656 Mill. RM Ende 1932. Die fremden Gelder zeiaeu mit 639,8 Mill. RM. eine Zunahme um 190,8 Mill. RM Die Bestände an Gold unb deckungsfähigen Devisen haben sich um 2,9 Mill, auf 395,6 Mill. RM. vermindert. Im einzelnen haben bie Golbbestänbe um 5,4 Mill, auf 386,2 Mill. RM. abgenommen unb bie Bestäube an beckungsfähigen Devisen um 2,5 Mill, auf 9,4 Mill. RM. Angenommen. Die Deckung ber Noten betrug am Ultimo 10,9 v. H. gegen 11,5 v. H. am 23. Dezember 1933 Dieser großen Jänner wird im Zahre 1934 gedacht werden. Oben von links nach rechts: Alois Senefelder, der Erfinder der Lithographie und des Steindrucks (geb. 1771), starb vor 100 Jahren, am 26. Februar 1834; Friedrich Ernst Daniel Schleiermacher, der berühmte Theologe und Philosoph (geb. 1768), starb am 12. Februar 1834 in Berlin; Friedrich von Schiller wurde vor 175 Jahren, am 10. November 1759, in Marbach am Neckar geboren. Zweite Reihe von links nach rechts: Johann Gutenberg erfand vor 500 Jahren, im Jahre 1434, die Buchdruckerkunst; Albrecht W a l l e n st e i n, der große Feldherr des Dreißigjährigen Krieges, wurde vor 300 Jahren, am 25. Februar 1634, in Eger ermordet; Gottlieb Daimler, der Pionier des Automobilbaus, wurde vor 100 Jahren, am 17. März 1834, in Schorndorf (Württemberg) geboren Der Aachener Pfarrer Zahn ist vom Reichsbischof zum Jugendpfarrer der deutschen Evangelischen Kirche ernannt worden. Pfarrer Zahn wurde beauftragt, die Eingliederung des evangelischen Jugendwerks in die Hitler-Jugend unverzüglich vorzubereiten. große Summen in Bonds des Cr£dit Muni ei pal angelegt hatten. Es scheint sich um das Werk einer weitverzweigten Fälscherbande zu handeln. Verheerende Veberfchwemmungen in Kalifornien. Ungewöhnlich starke Re gen fälle haben mehrere Ortschaften in Kalifornien von sämtlichem Verkehr abgeschnitten. Eisenbahnlinie, Straßen und elektrische Kabel wurden durch die Fluten zerrissen und zerstört. Nach den bisher aus den Bezirken Montrose und Lacrescenta vorliegenden Meldungen beträgt die Zahl der Toten und Vermißten 30. Hunderte sind obdachlos, viele Personen sind verletzt worden. Sühne für eine kommunistische Mordtat. Vor dem Hanseatischen Sondergericht in Hamburg fand der Prozeß wegen der Ermordung des Hamburger Polizeimeisters P e r s k e statt. Der Beamte war am 27 August 1931 auf seinem Dienstgang An sämtliche hessischen Vereine. Hiermit werden sämtliche hessischen Vereine, die öffentliche Veranstaltungen durchführen (Vorträge, Konzerte, Weihnachts- und andere Feiern, karnevalistische Sitzungen, Kurse, Sport- und andere Wettkämpfe, Gesangs- oder Theaterdarbietungen usw.) und die Oeffentlichkeit zur Teilnahme einladen, aufgefordert, bei der Reichspropagandastelle Hessen in Darmstadt, Staatsministerium, Adolf- Hitler-Platz 2, folgende schriftliche Angaben zu machen: 1. Name des Vereins. 2. Genaue Anschrift des Vereins. 3. Zweck des Vereins. 4. Zahl der Mitglieder. gez. Trefz, Leiter der Reichspropagandastelle Hessen. erschossen worden. Als der Täter wurde der 21jährige kommunistische Bauarbeiter Rudolf Lindau ermittelt, der die Tat auch eingestand. Das Gericht verurteilte ihn wegen Mordes zum Tode und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit. Neue Leitung des Reichsbundes der kinderreichen. Auf der Tagung des Retchsbundes der Kinoerreichen Deutschlands wurde die Besetzung der Leitung des Re.ichsbundes neu geregelt und eine neue Satzung angenommen. Der Reichsbund der Kinderreichen ist eine bevölkerungspolitische Kampforganisation, die nationalsozialistisches bevölkerungspolitisches Denken ins Volk hineintragen und der Förderung der erbgefunden arischen kinderreichen Familien dienen soll. Dieser Gedanke kommt in der neuen Satzung zum Ausdruck. Es wurden vorgeschlagen: Als Reichsleiter Wilhelm S t ü w e (Karlsruhe), als Leiterin der Mutterschaft Frau Herta Breuer (Köln), als Stellvertreter des Reichsbundesleiters Konrad W ü g e l (Berlin). Um die Erhaltung des deutschen Volkstums Freijahre,Zmssenkung und Stundung für Siedler Darmstadt, 3. Jan. (LPD.) Der Landes- bauernführ.er teilt mit: Der Forderung unseres Führers gemäß ist die gesetzliche Grundlage und die Organisation zur Bildung neuen Bauerntums nunmehr geschaffen worden. Auch die nachgeborenen Bauernsöhne können in den nächsten Jahren zu tragbaren Bedingungen eine neue Stelle erhalten und damit einen neuen Erbhof. Auch sie werden dann volles Verständnis haben, daß der väterliche Besitz im Interesse einer gesunden Entwicklung Erbhof bleiben muß. Der Rückmarsch aller derjenigen, die noch mit Grund und Boden verwachsen sind, kann beginnen. Zurück zur Scholle, heraus aus der Stadt, ist die Losung. Zunächst jedoch gilt es, das vorhandene Bauerntum und die bereits angesetzten Siedler wieder gesund zu machen. Die Umschuldung der Landwirtschaft ist in die Wege geleitet. Durch besondere Erlasse und Ausführungsbesttmmungen der zuständigen Ministerien ist für die Siedler bestimmt: 1. Alle Neu- und Anliegersiedler im Sinne des Reichssiedlungsgesetzes, welche in der Zeit vom 1. April 1920 bis 31. Dezember 1933 mit Hilfe von Reichs- oder Staatskrediten angesetzt sind, werden für die Zeit vom 1. Juni 1930 bis 31 Dezember 1933 von allen Jahresleistungen für die Kredite der öffentlichen Hand befreit. 2. Für das Kalenderjahr 1934 gelten für alle Siedler, soweit sie in der Zeit vom 1. April 1924 ab ihre Stellen übernommen haben, folgende ermäßigte Jahresleistungen: in Zone 2 und 3, wozu unsere Heimat gehört, 1,75 v. H. für Neusiedler, 2,25 v. H. für Anliegersiedler. 3. Inhaber von Ausbausiedlungen und^Oedland- siedlungen zahlen im Jahre 1934 nach Ablauf des ihnen zugebilligten Freijahres, frühestens ab 1. Januar 1934, die Hälfte der vorstehend angesetzten Sätze. 4. Rückstände aus der Zeit bis 30. Juni 1931 gelten als gestundet und sind bis zum 31. Dezember 1934 nachzuzahlen. 5. Zahlungen der Siedler aus der Zeit vom 1. Juli 1931 bis 31. Dezember 1933 gehen ihnen nicht verloren, sie werden ihnen gutgebracht und zur Regelung sonstiger Schulden verwendet. 6. Im Kalenderjahr 1934 wird die Jahresleistung der Siedler für die Zeit ab 1. Januar 1935 neu festgesetzt werden. Die Einzelheiten dieser Regelung der Siedlerrückstände enthält ein gemeinschaftlicher Erlaß der beiden genannten Reichsminister an die Siedlungs-Kreditinstitute. Für die Anträge sind besondere Vordrucke festgelegt, die am besten mit den zuständigen Stellen zusammen ausgefertigt werden. Die in Betracht kommenden Stellen werden besonders bekanntgegeben. Die Siedler können sich bereits jetzt mit den Siedlungsträgern ins Benehmen setzen. Diese haben die Anträge rechtsgültig zu unterschreiben. Eine sehr weitgehende Entlastung ist damit geschaffen worden Es darf daran die bestimmte Erwartung geknüpft werden, daß auch der Siedler selbst alles unternimmt, seinen Betrieb nunmehr zur Gesundung zu führen und daß er andererseits die restlichen laufenden und die künftigen herabgesetzten Verpflichtungen pünktlich im Interesse des Wiederaufbaus der deutschen Wirtschaft erledigt. 25 Jahre Postscheckverkehr. Mit dem Jahre 1933 geht das 25. Geschäftsjahr des am 1. Januar 1909 ins Leben gerufenen deutschen Postscheckverkehrs zu Ende. Die Zahlung durch buchmäßige Guthabenübertragung von Konto zu Konto, die ohne Inanspruchnahme von Barmitteln vor sich geht und daher als die beste Form des Zahlungsausgleichs bezeichnet werden muß, war in Deutschland noch um die Jahrhundertwende ein Gebiet, das den breiten Schichten des Volkes nur wenig erschlossen war, ganz im Gegensatz zu England und den Vereinigten Staaten in Amerika, wo der Scheck schon längst größere Bedeutung im Wirtschaftsleben gewonnen hatte. Ein schon um die Jahrhundertwende unternommener Versuch der Reichsregierung, diese Zahlungsform durch Einführung eines Postscheckverkehrs volkstümlich zu machen, scheiterte an dem Widerstand, den der Reichstag der Regierungsvorlage von 1899 entgegensetzte. Der Gedanke, daß die Post zur notwendigen Veredelung der Zahlungsgewohnheiten beitragen könne und müsse, ruhte jedoch nicht. Die durch den hohen Reichsbankdiskontsatz gekennzeichneten schwierigen Geldmarktoerhält- nisse des Jahres 1907 bewogen die Reichsreaierung, dem Reichstag im Jahre 1908 erneut eine Vorlage wegen Einführung des Postscheckverkehrs zuzuleiten, die mit großer Mehrheit die Zustimmung des Reichstages fand. Der Postscheckverkehr wurde zunächst im Verordnungswege geregelt. Am 1. Januar 1909 nahmen im Deutschen Reich 13 Postscheckämter ihre Tätigkeit auf. Ihre Zahl ist inzwischen auf 19 angewachsen. Außer den Postscheckämtern sind dem Postscheckverkehr 42 000 Postanstalten dienstbar gemacht. Die Entwicklung des deutschen Postscheckverkehrs hat die Erwartungen, die man bei seiner Einführung hegte, weit übertroffen. Dafür spricht die Tatsache, daß die Zahl der Konten eine Million längst überschritten hat, auch trotz der Wirtschaftsnot der letzten Jahre dauernd gewachsen ist und noch weiter ansteigt. Mit seiner Kontenzahl steht Deutschland weitaus an der Spitze der Länder, die Postscheckverkehr eingerichtet haben. Ihm folgen Frankreich mit 572 900, Belgien mit 314 000, Japan mit 279 400 und die Niederlande mit 204 300 Konten. Die im letzten Jahre im deutschen Postscheckverkehr ausgeführten Buchungen belaufen sich auf rund 700 Millionen Stück über rund 100 Milliarden Mark. Mehr als vier Fünftel dieses Umsatzes wurden bargeldlos beglichen und rund drei Viertel aller Lastschriftaufträge find bargeldlose gebührenfreie Ueberweisungen. Die Umstel- lung auf feste Währung, die Mitte Dezember 1923 vorgenommen wurde, vollzog sich in kürzester Frist und völlig reibungslos. Auch in der schweren Zahlungskrise im Juli 1931 hat der Postscheckverkehr seine Eignung bewiesen und dadurch wesentlich zur Beruhigung der Bevölkerung und zur Festigung des Vertrauens zur deutschen Geldwirtschaft beigetragen. Die allgemeine Wirtschaftsnot der letzten Jahre hat naturgemäß die bis dahin ständig auffteigeude Linie der Verkehrsentwicklung beeinflußt. Die Zahl der Konten ist zwar noch weiter gewachsen, doch sind die Buchungen, die 1930 mit rund 753 Millionen Stück ihren bisher höchsten Stand erreicht hatten, und der Umsatz, der 1929 mit rund 151 Milliarden Mark am höchsten war, seitdem von Jahr zu Jahr zurückgegangen. Im Jahre 1932 sind in 703,6 Millionen Buchungen 103,4 Milliarden Mark um- gesetzt worden. Das Guthaben auf den Konten, das 1929 im Jahresdurchschnitt 617,1 Millionen Mark betrug, ist infolge der Wirtschaftsnot auf 461.6 Millionen Mark im Jahre 1932 gesunken. Erfreulicherweise hat sich aber das Verhältnis des bargeldlos beglichenen Umsatzes zum Gesamtumsatz seit 1925 dauernd über 81 v. H. gehalten. Die Verkehrsergebnisse der letzten Monate des Jahres 1933 lassen jedoch wieder eine Verkehrssteigerung erkennen. Aus aller Welt. Riesige Betrügereien bei einer französischen Provinzbank. In Bayonne ist man in den letzten Tagen des vergangenen Jahres riesigen Betrügereien auf die Spur gekommen, die von dem Direktor de- Cr&iit Municipal von Bayonne, Tifsier, verübt wurden. Das Bankinstitut hat für etwa 200 Millionen Franks Bonds ausgegeben, von denen höchstens 50 Millionen gedeckt waren. Direktor Tisfier wurde verhaftet und hat seine Betrügereien eingestanden. Der Hauptschuldige, der seinerzeit die Ernennung Tissiers zum Direktor der Bank durchgeiegt hatte, um sich Tissiers für seine Manipulationen zu bedienen, ist spurlos ver chwunden. Die Zahl der Geschädigten, die im Besitz von Bonds zu 1000 bis 10 000 Franks sind, ist ehr groß. Es haben sich bereits mehrere Privatpersonen gemeldet, die sehr lerunq handel Manufaktur 67 N Wachstum bes deutsch en Volkes Seit dem Beginn 6eS|___________in einem tMvenMrwuseNd 17. Jahrhunderts bis zum Weltkrieg hat sich die Bevölkerungszahl Deutschlands nahezu versiebenfacht. Das deutsche Volk war ein wachsendes Volk, das in den letzten Generationen vor dem Kriege Jahr für Jahr einen Geburtenüberschuß von fast einer Million aufzuweisen hatte. Durch den Weltkrieg und den zersetzenden Einfluß der marxistischen Theorien wurde diesem gesunden Wachstum des deutschen Volkes in einer----------------------------------------------------------- erschreckend kurzen Zeitspanne Einhalt geboten. Heute hat das deutsche Volk nur noch einen Geburtenüberschuß, der nicht mehr dazu ausreicht, den Bestand des deutschen Volkes zu erhalten. Deshalb ist es eine der wichtigsten Aufklärungsarbeiten des Nationalsozialismus, dem deutschen Volke klar zu machen, daß Deutschland nur leben kann, wenn wieder ein gesunder Nachwuchs den Bestand des deutschen Volkes sicherstellt. 1500 1600 1650 1800 1850 1900 1913 1933 50 Z™3 10 66,1 Vekamililiachmigen des personalamies. Ernannt wurden: am 1. September 1933: durch den Herrn Staatsminister der Landgestütsoberaufseher i. e. R. Johann Schiefer st ein in Darmstadt unter Berufung in das Beamtenverhältnis zum Iu- stizoberwachtmeifter bei dem Oberlandesgericht in Darmstadt mit Wirkung vom 1. Oktober 1933; am 16 Dezember: der Lehrer a. D. Johann G a h r aus Gonsenheim, Kreis Mainz, zum Lehrer an der Volksschule zu Mainz mit Wirkung vom 1. Januar 1934 an. Beauftragt wurde: am 19. Dezember 1933: der Professor für Baukunst Erich Mindner an der Technischen Hochschule zu Darmstadt mit der nebenamtlichen Leitung der Adolf-Hitler-Bauschule zu Darmstadt mit Wirkung vom 16. Oktober 1933 an. Uebertragen wurde: am 19. Dezember 1933: dem Lehrer Heinrich St-einhauer zu Schotten mit sofortiger Wirkung die Leitung der Volksschule dortselst; für die Dauer dieser Tätigkeit wurde ihm die Amtsbezeichnung Rektor verliehen; am 21. Dezember: dem Handelsstudiendirektor Adolf Staudt zu Worms, zur Zeit kommissarisch an der kaufmännischen Abteilung der Berufsschule zu Offenbach, die Stelle des Handelsstudiendirektors an dieser Abteilung mit Wirkung vom 1. Januar 1934 an; am 23. Dezember: dem Lehrer Friedrich Funck zu Heubach, Kreis Dieburg, eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Nieder-Olm, Kreis Mainz, mit Wirkung vom Tage des Dienstantritts an. 3n den Ruhestand verfehl wurden: der Brückenoberaufseher Martin Adler zu Nierstein, der Bauoberinspektor Karl Schütz- l e r und der Bauinspektor Johannes A st h e i - m e r zu Offenbach, letzterer unter Verleihung der Amtsbezeichnung „Bauoberinspektor", alle unter Anerkennung ihrer dem Staate geleisteten Dienste und in Würdigung des im nationalen Interesse bekundeten Opfersinns; am 15. Dezember 1933: der Oberrechnungsrat bei der Oberrechnungskammer Heinrich Dille- m u t h , sämtlich mit Wirkung vom 1. Januar 1934, der Elektromonteur beim Staatsbad Nad-Nau- heim Balthasar Hartmann zu Bad-Nauheim, die beiden letzteren unter Anerkennung ihrer dem Staate geleisteten langjährigen treuen Dienste, am 14. Dezember 1933: durch den Herrn Reichsstatthalter in Hessen auf Vorschlag der hessischen Regierung der Notar in Bensyeim Wilhelm Hemmes unter Anerkennung seiner dem Staate geleisteten Dienste, die beiden letzteren mit Wirkung vom 1. Februar 1934, alle auf Nachsuchen; auf Antrag der Förster Philipp Adolf Schnei- d e r zu Rohrbach mit Wirkung vom 1. Januar 1934 unter Anerkennung seiner dem Staate geleisteten Dienste; am 28. Dezember 1933: auf Grund des § 6 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 der Regierungsrat bei dem Hessischen Kreisamt in Mainz Michel Oppenheim mit Wirkung vom 1. April 1934 an. Verseht wurde: am 21. Dezember 1933: auf Grund des § 5 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 der Ministerin!- Oberrevisor bei der Ministerialabteilung I d (Forstabteilung) Ludwig Mathias Hüllen mit Wirkung vom 1. Januar 1934 in die Stelle eines Verwaltungsobersekretärs bei der Landes- Heil- und Pflegeanstalt bei Gießen unter Beibehaltung der Amtsbezeichnung. llmgewandelt wurde: am 21. Dezember 1933: die auf Grund des § 4 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 mit Wirkung vom 1. August 1933 an erfolgte Dienstentlassung des ordentlichen Professors in der Philosophischen Fakultät der Landesuniversität zu Gießen Dr. Friedrich Lenz in eine Ruhestandsversetzung nach § 6 des vorgenannten Gesetzes. Aus dem hessischen Staatsdienst entlassen wurdenr Auf Grund des § 4 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933: am 14. Dezember 1933: der Verwaltungspraktikant bei der Landes-Heil- und Pflegeanstalt bei Alzey Ernst Degen; am 28. Dezember: der Oberjustizsekretär hei dem Hess. Amtsgericht in Lampertheim Johannes Stumpf, beide mit sofortiger Wirkung; der Ministerialoberfekretär in Darmstadt Philipp Weyland mit Wirkung vom 21. September 1933. Auf Grund des § 2 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933: der Kreisschulrat in Darmstadt Karl Storck, der Berufsschullehrer in Darmstadt Albert Rosar, beide mit Wirkung vom 1. Juli 1933; der Verwaltungsobersekretär in «schotten Wilhelm Hans mit Wirkung vom 13. September 1933. Daten für Donnerstag, 4. Januar. 1839: Karl Humann, Leiter der Ausgrabung von Pergamon, in Steele (Rheinland) geboren (gestorben 1896); — 1880: der Maler Anselm Feuerbach in Venedig gestorben (geboren 1829); rrr. s Drittes Blatt Gletzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen) Donnerstag. 4. Januar 1934 Sternkunde der alten Germanen. Oie Wissenschaft berichtigt altüberlieferte Irrtümer. — Oie Germanen als Lehrmeister der Völker. Don Professor Or. Kaffebaum. Es ist landläufige Ansicht, daß die Sternen- und Himmelskunde in ihren Ursprüngen auf das Morgenland zurückzuführen sei. Die Chinesen haben schon vor fast fünftausend Jahren astronomische Beobachtungen gemacht, und die Schiefe der Ekliptik wurde 1100 v. Ehr. bestimmt. Aber ihr Einfluß auf die westlich wohnenden Völker, einschließlich der Inder, ist gleich null, da sie sich fest gegen die übrige Welt abschlossen; ihre Erfindungen, K n m - paß, Pulver u. a. m. bleiben streng auf den Wohnraum dieses Volkes beschränkt. Die astronomischen Kenntnisse der Inder sind demgeaenüvcr erheblich jüngeren Datums, und ebenso Die der Chaldäer, der Bewohner des einst so fruchtbaren Mesopotamiens. Für das Altertum ist ausschlaggebend die Astronomie der Griechen und Ä e g y p t e r. Dann aber setzt ein völliger Verfall der Astronomie ein. So völlig ist der Abbruch mit den großen Errungenschaften des Altertums, daß heute vielfach die Ansicht herrscht, alle Sternenkunde sei dem Volke zu verdanken, das sich im Mittelalter besondere Verdienste um diese Wissenschaft erworben hat, den Arabern. Nicht zu verwundern übrigens, sind doch wichtigste astronomische Begriffe wie Zenith, Azimut u. a. m. dem arabischen Wortschatz entnommen und die arabische Gelehrtenschule in Cordova, die auch von christlichen Schülern besucht wurde, wirkte bahnbrechend auf die Sternenkunde der Westländer. Daß im weiteren Verlauf der Jahrhunderte her- London im Nebel. Ä V Schwere Nebel, wie sie in solcher Dichte seit Jahrzehnten nicht beobachtet wurden, suchen zur Zeit die englische Hauptstadt heim. Man hat kaum drei Meter Sicht, und unaufhörlich sind Verkehrsunfälle zu verzeichnen. Handel und Wandel sind fast völlig lahmgelegt. — Unser Bild zeigt einen Derkehrsschupo im Nebel. Rechts eine Leuchtfackel, die wenigstens einige Meter weit das Dunkel des Nebels lichtet. oorragende Gelehrte der germanischen Länder bahnbrechend in dieser Wissenschaft gewirkt haben, darf als bekannt vorausgesetzt werden. Für Deutschland genügen allein die Namen eines K o p e r n i - kus, Regiomontanus und Kepler, und schließlich darf auch der geborene Schwede Tycho de B r a h e genannt werden, da sein Lebenswerk wie der größte Teil seines Lebens in Deutschland beschlossen liegen. Nun wird aber unanfechtbar erwiesen, daß auch die Germanen der ältesten Zeit in der Sternenkunde nicht nur Bescheid wußten, sondern unter völliger Abkehr von den landläufigen Heb erlief erungen die Lehrmeister für die astronomischen Völker des Altertums waren. Aus den Zeiten, die um zehn Jahrtausende versunken sind, spricht zu uns das gewaltige Ereignis der Eiszeiten, kündet durch ihre Boten an, wie weit sie jeweils von Norden her in die deutsche Ebene vordrangen. Diese Zeugen wurden im Wesentlichen nur von den zünftigen Erforschern der Erdgeschichte, den Geologen, beachtet und bewertet. Sie stellten an den mächtigen Moränewällen des baltischen Höhenzuges, an den bis weit ins Binnenland vom Eise getragenen Blöcken, den Findlingen oder erratischen Blöcken der Lüneburger Heide, Weg und Ziel der Eisströme fest und wissen aus den aus den Findlingen eingegrabenen Rillen sogar die Richtung des Weges herauszulesen. Die Menschen aber, die Bewohner der Heide, benutzten jene Blöcke, um damit die Fundamente ihrer Bauten zu befestigen oder sie sonst irgendwie sich dienstbar zu machen. Und ihre Altvorderen türmten aus ihnen die Grabmale ihrer Führer auf, um den Leichnam gegen Eingriffe von außen zu sichern. Neugier und Forschergeist drang in die Geheimnisse der Hünengräber ein, ohne jedoch allzuviel Ausbeute zu finden. — Damit war das Kapitel dieser Grabhügel im Wesentlichen abgeschlossen. Nun aber hat man in diesen urzeitlichen Grabstätten noch etwas ganz anderes gefunden. Die Erfahrungen und Wahrnehmungen der Germanen Über den Wechsel der Jahreszeiten und den Lauf derSterne wurden — der Ausdruck sei gestattet — den praktischen Erfordernissen des Lebens dienstbar gemacht. Die Ausnutzung des Bodens steht in enger Wechselwirkung zu den meteo- rologischen Ereignissen. So richtete sich die Aufmerksamkeit unserer Vorfahren, die schon auf die Ausnutzung des Landes angewiesen waren als Ackerbauer oder Viehzüchter, darauf, diese Einwirkung nach dem Stande der Gestirne unverwischbar festzulegen, nicht durch die nur gar zu oft abirrende und entstellende Ueberlieferung von Mund zu Mund, nicht durch eingegrabene Runenschrift, sondern durch mächtige Aufhäufung von Felsblöcken und Steinen. Diese in verschiedenster Anordnung, aber stets genau „orientierten" Steinbauten ermöglichten es, von einer bestimmten Stelle aus, mittels eines ein- gespaltenen „Visiersteins" die Tage z. B. der Sonne n w e n d e genau festzustellen. Die Germanen hatten 18 Monate zu je 20 Tagen, und es will scheinen, als hätten sie auch schon Schalttage gekannt: wie Hans Wolfgang Behm unlängst in einem geistvollen Dortrage ausführte, bedeutet es, wenn Wodan alle 19 Jahre seine Rosse abschirrt, nichts anderes als die ins Kultische übertragene Erkenntnis, daß die einzelnen Mondphasen alle 19 Jahre auf denselben Kalendertag fallen. Solche a st r o n o m i s ch e n „Male" finden sich in vielen der germanischen Länder, in der Tuch e - l e r H e i d e — ein Beweis zugleich dafür, daß dieses Land das die Polen als seit Urzeiten polnisch beanspruchten und leider auch seit Versailles erhalten haben — germanisch war, ehe die slawische Welle über das Gebiet hinwegging, in den „Steintanzen Mecklenburgs, wie in den E x t e r n ft e i n e n. Von ihnen aus beobachtete man den Lauf der Gestirne. Daß sie auch Kultstätten, Todesäcker waren oder dazu wurden, ist wahrscheinlich, denn von jeher waren die Sterndeuter auch zugleich Priester, die man an der Stätte ihres Wirkens beisetzte. Die von chnen erkannten „festen" Tage wurden dann auch zu Festtagen für das Volk, lieber die astronomische Bedeutung der Hünengräber herrscht noch keine Klarheit; aber auch sie sind „orientiert", zeigen mit ihrer Achse von Osten nach Westen. Es mag gern sein, daß die später eingedrungenen Kelten — in England wenigstens — die' vorhandenen und ihnen nach Ursprung und Bedeutung unbekannten Steine auch für kultische Zwecke benutzten, aber erst nach der germanischen Zeit. Zusammenfassend ergibt sich also, daß, in Umkehrung der bisherigen Auffassung die astronomischen Grundkenntnisse vom germanischen Norden her sich ausbreiteten und bis in den fernen Osten vordrantzen mit den Wanderungen der Arier. Der „Fremdling aus dem Norden", von dem die Gelehrten des Atter- tums berichten, ist der Germane, der in kühner Heerfahrt, mit Roß und Strellwagen in die unbekannte Ferne vorftieß und bis nach Indien vordrang. Sie brachten die Kunde mit in jene Länder von dem, was ihre Sternkundigen erforscht hatten, und auf diesen Grundlagen bauten Inder und Chaldäer später weiter, als die Geschichte nur noch in dunklem Raunen von einem Eindringen blonder Krieger aus der unbekannten Fremde berichtete. ö.Jixfport W; Kampf um das Leder: Die Körper der Spieler haben sich zu einem einzigen dichten Knäuel zusammengeballt. — In Paris fand als erster Länderkampf des neuen Jahres ein Rugby-Treffen zwischen Deutschland und Frankreich stall, das mit einem 12:3-Sieg der Franzosen endete. Spiel und Sport in aller Zeit. Don Theodor Oberländer. Ein sehr stilles und zurückgezogenes Dasein führt das Museum für Leibesübungen in Berlin. Es beherbergt eine kleine, aber überaus verständnisvoll zufammengetratzene Modell- und Bilderschau, die über die Entwicklung der Leibesübungen und des Sports lehrreich unterrichtet. Im Zuge der Neuordnung aller Sammlungen ist das Museum jetzt dem Institut für Leibesübungen an der Universität angeschlossen worden. Nach einer Erweiterung und Umgruppierung seines Bestandes soll es demnächst neu eröffnet und dem Publikum in größerem Umfange als bisher zugänglich gemacht werden. Der älteste Sport. Alle Turn- und Sportarten sind in dem Museum vertreten. Die ältesten Sportgeräte dieser Sammlung Dürften die beiden prähistorischen Einbäume darstellen, die aus der Mark Brandenburg stammen und jetzt in Der Abteilung RuDer- unD Segelsport ihren Platz gefunden haben. Ob man mit diesen ungefügen Kähnen freilich schon große Wett- ruderveranstallungen abgehalten hat, mag fraglich scheinen; möglich ist es immerhin, denn alle Fort- bewegungs- und Beförderungsmittel haben neben ihrem praktischen Zweck auch zumeist sportlicher Betätigung und Ertüchtigung gedient, sie forderten zu Wettkämpfen heraus und bildeten so die natürlichen ersten Sportgeräte. Von deutschem Sport aus früherer Zeit ist uns sonst wenig bekannt. Die Badeanstalt aus Pergamon, die sich hier im Modell findet, können wir nur Die bekannte unD auch in Diesen Räumen vertretene „B a D st u b e" Des Mittelalters an Die Seite stellen. Wie Die Germanen Das ganze Jahr hinDurch in Den Flüssen gebaDet unD sich im Winter Dazu Das Eis aufgehackt haben, vermag man sich nur in Der Phantasie auszumalen. Aus Der Zeit Des Mittelalters gibt es vor allem FechtfchulbilDer, Stiche von FreihanDringern, Tur- Querpfeifer und Kammerdiener Oer große König schreibt an Fredersdorf. Jrn Jahre 1758 — lange vor seinem großen Herrn unD König — starb Der „Geheime Kam- merier" Michael Gabriel FredersDorf. Auf seinem Gute Zernikow in der Mark nahm Der Vertraute Des „allen Fritz" feinen AbfchieD aus Dem Dienst, Den er sechsunDzwanzig Jahre lang erfüllt hatte. Wie FreDersDorf zum König kam? Die feit« famen UmftänDe Der „Berufung" mögen einen großen Anteil an Der Entwicklung Der Laufbahn Des KammerDieners haben; Denn sicher hat Der König nie vergessen, unter welchen UmftänDsn ihm FreDersDorf zum ersten Male begegnete» Es war 1730. Da tat Der Querpfeifer FreDersDorf als 22jähriger Mensch in Küstrin feinen Dienst, stets vergnügt, stets zu guten Scherzen unD zum luftigen Musizieren aufgelegt. Daß Des SolDatenkönigs Sohn als Gefangener auf Die Festung gekommen war, blieb lange Zeit Die große Sensation Der Besatzung. Und daß der gefangene Kronprinz unter der Hast entsetzlich litt, wußte auch jedermann in der Garnison. Da ergab es sich, daß Friedrich einmal den Querpfeifer FredersDorf hörte. UnD Der hohe Gefangene erfreute sich Doch selbst an Den Tröstungen Der Musik; so war es nicht weiter auffällig, Daß er Den Querpfeifer zu sich fommanDieren ließ. Ein paar Jahre später: Zwischen Dem König Friebrich Wilhelm I. unD seinem Sohn war Die Aussöhnung erfolgt; Der Kronprinz wurDe aus Der Festungshaft befreit. Das Zerwürfnis mit Dem Vater, Der Fluchtversuch, Die Hinrichtung Des Freundes Hans Hermann K a 11 e — alles das lag hinter dem der Freiheit wiedergegebenen Prinzen; er wollte vergessen. Aber Fredersdorf, der auf Küstrin so oft die Flöte gespielt hatte, der ein frisches, offenes Gesicht hatte. Der Dem Kronprinzen als eine ehrliche, anftänDige Seele erschien, wurDe nicht ver- gessen. Gewiß, Die Armee konnte eigentlich keinen SolDaten entbehren; Dennoch bat FrieDrich Den Querpfeifer FredersDorf vom Vater frei unD machte Den SolDaten zum KammerDiener. Nun trug er Die Livree feines Herrn. Nun war er Der KammerDiener Des Kronprinzen, bald daraus auch des Königs. Und Dabei blieb es nicht. Fredersdorf wurde bald der Vertraute des Königs, der wohl fast von allen wichtigen Staatsgeschaften wußte. Der große Friedrich horte vor so mancher wichtigen Entscheidung auf die Stimme Des ein- famen Mannes, auch Diese Meinung wm ihm wichtig, um Den engen Zusammenhalt mit Der Denk- weise seines Volkes zu wahren. Der alte Fritz"» hat sich nicht etwa von Den Ratschlägen unD Ansichten seines KammerDieners leiten lassen. Er wußte Darum, Daß Die Zeitgenossen in Frebersborf einen mächtigen, einflußreichen Mann sahen unD Daß sie Daher gelegentlich versuchten mit ihm in nähere Fühlung zu kommen. Aber vielleicht nahm Der König auf Die Gefahren, Die von Dort Drohen konnten, bei feinen EntfcheiDungen Rücksicht, ober FreDersDorf ließ sich Durch Schmeicheleien, falsche FreunDschaften unD Eraebenhelts- beteuerungen nicht beeinflußen. Graf L e h n D o r f f, Der Kammerherr Des Königs, schreibt einmal Darüber in sein Tagebuch: Ich mache einen Besuch bei Dem berühmten Frebersborf, Der unter einem Titel Des Kammerdieners Des Königs solange Die Rolle eines Premierministers gespielt hat. Wenn man nämlich jemandem Diesen Titel geben will, so kommt es ihm am ehesten zu; jebensalls erfreut er sich in her Wett eines solchen Ansehens, baß ich ihn oft genug von Orbensrittern unb Exzellenzen fjabe umringt gesehen, unb fein Vorzimmer war nicht feiten nut Staatsministern unb großen Herren ausgefullt. Der Kammerbiener von einst, der Querpfeifer aus der preußischen Armee war ein Vertrauter bes Königs geworben. Unb mittelbar hat er wohl auf manche Entscheibung maßgebenben Einfluß gehabt Mit befonberer Vorliebe scheint er sich um bie Aufbesserung her Finanzen bes Laubes gekümmert ,u haben Es ging ihm barum, mit iebem am Enbe aussichtsreichen Mittel her Kasse seines Königs Einnahmen zu schaffen. Aber - er wußte auch nichts Besseres als bie Hoffnung unb bas Vertrauen in bie geheimnisvollen Künste her Golbmacher, bie in jener Zeit überall ihr Gewerbe trieben unb sich an manchen Häfen Europas sehr großer Wert- schätzung erfreuten. Frebersborf ließ erst btejen, Dann jenen Alchimisten zu sich kommen In abge- legenen sehr geheimnisvollen Stuben, bie wie bie rechten'Hexenküchen aussahen, trieben bie Herren dort ihr Wesen. Für ben preußischen Staat! Sehr fest muß her Kammerbiener an eine erfolgreiche Tätigkeit her Zauberkünstler bie aus Dreck Golb machen" wollten, geglaubt haben Aber her König hatte keine Lust, sein gutes preußisches Silbergelb für eine hoffnungslose Sache auszugeben. Er schrieb eines Tages seinem Kammer- bißncr* 'Ich sehe wohl, mein lieber Frebersborf, Du wirst Deiner Tage nicht klug werden. Kaum ist ein Goldmacher ad absurdum gebracht, so hast Du schon einen anderen wieder. Glaube doch die Leute all nicht Bei dergleichen Chimären, da kommt nichts mit heraus... Ich habe alle meine Plane I verbrennet unb werbe in die ersten zehn Jahre keine neuen machen. Gedenke an deine Gesundheit, das ist besser, als an solche Narrenpossen, da gewiß nichts mit heraus kömmt. Gott bewahre Dich. Fch." Wenn man diese Briefe durchblättert, die der König an seinen Kammerdiener und Geheimen Kämmerer geschrieben hat — es wurden vor ein paar Jahren etwa dreihundert davon aufgefunden —, so spürt man überall die herzliche Besorgnis des großen Friedrich um das Wohlergehen seines Dieners und Beraters heraus. Wenn der König ins Feld gezogen war, so schrieb auch Fredersdorf seinem Herrn Briefe; er unterzeichnete sich als „treuen Knecht" des Königs. Und das ist er zweifellos auch gewesen. Man sagt das oft so hin: Kein Großer der Welt sei auch vor seinem Kammerdiener groß! Hier stimmt das Wort nicht. Für Fredersdorf ist her König Friedrich Der Zweite in Wahrheit auch Der Große gewesen, Dem er in Treue unD Verehrung anhing. Als Fünfzigjähriger starb her „Premierminister", her einstige Querpfeifer Frebersborf. Er hat beim König keinen Nachfolger gefunben. Das scheint am besten feine Bebeutung zu erweisen. E. W. »Großfürstin Alexandra/' Es war spielplantechnisch nicht befonbers geschickt, unmittelbar auf ben „Zarewitsch" bie „Großfürstin Alexanbra" folgen zu lassen; immerhin ergeben sich aus ben auffallenben Übereinstimmungen zwischen beihen Filmen nicht uninteressante Vergleichsmöglichkeiten. Zweimal Rußlanb; zweimal bie Lehar- s ch e Partitur als Grunblage für bie musikalische Ausgestaltung einer bewegten Hanblung; beibemale im Mittelpunkt bes Geschehens eine fürstliche Liebesgeschichte. Aber obwohl bas Manuskript von Hans S a ß m a n n auf ben melancholischen unb tränen- verschleierten Abschluß verzichtet, her für ben „Zarewitsch" her beftimmenbe Einhruck blieb, wirkt her Film „Großfürstin Alexanbra" theatralischer in her außerorbentlich geschickten Mischung verfchieben- artiger unb nicht hurchaus vereinbarer Elemente: Mischung aus Realistik unb Romantik, aus operet- tenhafter Leichtigkeit unb großer Szene, aus heiterer Episobe unb schwerem Konflikt. Die ibyllisch einsetzenbe Liebesgeschichte zwischen Michael unb Alexanbra führt burch einen abenteuerlichen Wirbel von Krieg, Revolution, Gefangenschaft, Flucht, Emi- grantenelenb unb jähem Aufstieg zum Ruhm ge- rahenmegs in ben alten Konflikt her vor bie Ent- scheibung zwischen zwei geliebten Männern gestellten Frau. Diese Entscheibung kommt nicht nur bem Publikumsgeschmack bereitwilliger entgegen als bte Avschiebsszene im „Zarewitsch", sondern ist auch psychologisch durchaus begründet. Der Regisseur Wilhelm Thiele inszeniert diesen Film mit einem empfindlichen Gefühl für bie Übereinstimmung zwischen Klang unb Bitt) unb für bie bühnenmäßige Wirkung unb Spannung her verschiebenartigen Elemente bes Drehbuches unb her Partitur. Im Brennpunkt her Hanblung steht bie hochberühmte Sängerin Maria I e r i tz a in her Rolle her Großfürstin Alexanbra. Das ist eine Rolle, mit her sie zufriehen sein kann: sie gestattet ihr gesanglich eine großartige Spanne her Entfaltung vom leichten Operetten- schlager bis zur großen Derbischen Oper mit vollem Orchester; so gelangt sie zum ergiebigen unb stufenreichen Einsatz ihrer illuftren, außerorbentlich sicher beherrschten Mittel. Die „Alba"-Arie ist her glanK- volle Höhepunkt ihrer auch schauspielerisch nicht nur routinierten, sonbern in jeher Szene kultivierten Leistung. Als ihren Partner, ben Großfürsten Michael, sieht man Paul Hartmann: ausgezeichnet in Haltung unb Maske, männlich, energisch, verhalten unb bennoch mit aller Wärme bes Gefühls, welche biefe Liebhaber-Rolle von ihm forbert. Sein Gegenspieler ist übkrraschenberweise Johannes Riemann, her hier, ernst, gesammelt unb einbring- lich, weit über sein eigentliches Bonvivant-Fach hinausgelangt. Szoke S z a k a l l, heiser wie noch nie, mischt seine gebärbenreiche, stürmische, oft fast barocke Komik mit einem Unterton gemütvoller Herzlichkeit, was her von ihm gegebenen Gestalt menschlich erfreuliche Züge verleiht. Kammersänger Leo Slezak bereichert bie Vokalharmonie bes Ensembles mit einigen hübsch pointierten Einlagen unb gibt auch schauspielerisch eine halb heiter, halb melancholisch bewegte, abgerunbete Leistung. — „Großfürstin Alexanbra" erscheint seit gestern im Lichtspielhaus. Im Beiprogramm interessiert in erster Linie her Vorspann zu hem neuen Ufa-Film „Flüchtlinge" mit 211 b e r s unb Käthe von N a g y. öocbfcbulnacbricbten. Der o. Professor unb Direktor her Marburger Universitäts-Kinberklinik, Dr. Ernst Freuhen- berg, ist zum orbentlidjen Mitglieh her Kaiserlich Deutschen Leopolbinisch-Karolinischen Akahemie her Naturforscher in Halle ernannt worben. D. Dr. Paul Tillich, Professor für Philosophie» Soziologie unb Sozialpäbagogik an her Universität Frankfurt a. M., ist auf Grunh bes § 4 de» Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamten- tums aus bem Staatsbienft entlassen worben. Der bekannte Rassenhygieniker Dr. med. Lothar Gottlieb Tirala aus Brünn ist zum ordentlichen Professor für Rassenhygiene an her Universität München ernannt worben. merbücher und ähnliches. Ein Stich von Albrecht Glockendon aus dem Jahre 1531, neuerdings als Reichsdruck erschienen, zeigt von den damals gebräuchlichsten Sportarten Fechten, Ringen, Laufen und Steinstoßen. Auch das Kegelspiel stammt aus sehr früher Zeit und hatte schon im Mittelalter seine eifrigen Anhänger. Andere Bilder, wie beispielsweise eines von der Thürinaer Rckter- akademie (Collegium illustre) zeigen Fechten, Fußball, Reiten und Ballspiel (1571). Die älteste Urkunde über sportliche Betätigung haben die Fechter erhalten; 1487 werden kaiserliche Vorrechte für diesen ersten deutschen Sportverband urkundlich zugesichert. Mannigfache Ballspiele. Das Spielen mit dem Ball ist ein Sport, der zu allen Zeiten und bei allen Völkern getrieben worden ist. Wenn wir in eine mittelalterliche deutsche Ball- und Racketmacherwerkstatt blicken, wie sie im 16. Jahrhundert in Deutschland anzutreffen war, finden wir schon die Zubereitung der Lederbälle und der Schläger in ähnlicher Weise wie heute. Sehr beliebt war zu dieser Zeit ein Spiel mit dem großen Ball, das eine Art H a n d b a l l darstellt und „Pia- nura" genannt wurde; wir Deutsche kennen es heute nicht mehr, aber in Frankreich, Italien und Spanien wird es noch jetzt betrieben. Auch dem Tennisspiel huldigte man bereits, wenn auch in etwas anderer Form; die Schläger waren noch nicht eben, sondern wiesen eine runde Vertiefung auf, wirkten also wie flache Körbe mit langem Stil. Straffgespannte Darmsaiten hatte man demgemäß noch nicht; die Bespannung war meist aus besonders widerstandsfähigem Weidenmaterial geflochten oder aus Leder. Das bedingte selbstverständlich auch eine andere Schlagtechnik. Eine Reihe von Ballspielen kennt man nur außerhalb Europas. Durch ausführlich beschriftete Schaukästen wird der Besucher mit solchen Spielen bekannt gemacht, von denen die Naturvölker eine Reihe ausüben; teilweise tauchen sie auch wieder bei uns in veränderter oder ähnlicher Form auf. So gibt es beispielsweise eine Anzahl Arten von Kopf-, Hand- und Fußball. Auch Hockey wird schon auf primitive Weise gespielt. Den Gipfel der fremden Svortspiele dürfte aber wohl das altmexikanische „Steißballspiel" darstellen, bei dem der Ball lediglich mit jener Körperfläche vorwärts getrieben wird, die wir im allgemeinen nur zum Sitzen verwenden. Bei den Naturvölkern treffen wir auch sonst noch eine Reihe von bemerkenswert originellen Spielen. So berichten die Schaukästen von Schleuderball- fpielen, von winterlichen Eislauf- und Schneeschuhspielen; auch das Wellenreiten ist, beisvielsweise in Neuseeland unter der Bezeichnung „Surf-Riding" in Hebung. Und von einem afrikanischen Eingeborenenstamm wird uns sogar eine Art Mensur überliefert, die allerdings statt mit schweren Säbeln, mit schweren Holzknüppeln ausgeführt wird, und zwar zuweilen nur mit je einem Knüppel, so daß die Kämpfer so gut wie keine Deckung haben und sich praktisch so lange prügeln, bis es dem einen zu viel wird. Eine etwas „verfeinerte" Abart dieses primitiv-barbarischen Mensursports stellt die Holzmensur mit zwei Holzprügeln dar, wobei der zweite in der Mitte eine schildartige Verbreiterung aufweist, um die linke Hand zu schützen; diese darf den Stock nur zur Abwehr benutzen, während die rechte kräftig mit dem anderen Prügel losdrischt, übrigens hat auch das Klootschießen, das als ein alter deutscher Sport gilt und heute noch in Norddeutschland getrieben wird, eine Reihe von Anhängern bereits unter den Naturvölkern gefunden. Zum Schlittschuhlaufen verwandte man früher zuweilen Knochenschlittschuhe, und aus erhaltenen Modellen prähistorischer Zeit willen wir, daß man schon damals in ähnlicher Weise über die gefrorenen Wasserflächen lief. Ein kleiner Schlitten, dessen Kufen aus großen Tierkiefern hergestellt sind, darf als Gegenstück zu diesem Svortgerät aus neuester Zeit gelten; er stammt aus dem Ende der vergangenen Jahrhunderte. Aus der Geschichte des Turnens. Einem Raum für sich nehmen die Stücke der Sammlung ein, die von der Gründung und den Anfängen der deutschen Turnkunst berichten. Wir finden hier die ersten Fahnen der Turnvereine, die ältesten Turngeräte, ein „Gesundheitspferd", einen „alten Bock" und daneben vor allem eine Reihe von Dokumenten, die vom Leben und den Bemühungen Friedrich Ludwig Jahns um die deutsche Turnerei erzählen. Jahn, der aus Freiburg an der Unstruth stammt, war es, der den Ausdruck „Turnen" prägte. Seine Bemühungen fanden das ersehnte Echo, als er 1811 einen Turnplatz in der Hasenheide bei Berlin eröffnete. Von hier aus, wo er eine Reihe seiner bald volkstümlich werdenden Turngeräte aufgestellt hatte und regelmäßig Turn- und Leibesübungen abhielt, traten feine Ideen den Siegeszug durch Deutschland und die Welt an, nicht ohne vorher von starken und zuweilen unüberwindlich scheinenden Schwierigkeiten und Widerwärtigkeiten gehemmt worden zu sein. Ein winziges Stück der Ausstellung ist die kleine „lurnmarfe*, eine viereckige Mitgliedskarte für den Jahnturnplatz auf der Hasenheide. Außer der Mitgliedsnummer trägt sie vier Zahlen: 9 — 1119 — 1519 — 1811, die folgende Daten bezeichnen: Hermannsschlacht, Anfang des Turniers, Beendigung des Turniers, Eröffnung des Turnplatzes Hafen- Heide. In diesen lakonischen Ziffern steckt ein gut Teil patriotische Turner-Geschichte, und man fühlt mit ihnen den ganzen Kreis der Jahnschen Bewegung und ihres Gedankengutes angeschlagen. So findet sich bis in die neueste Zeit hinein für den aufmerksamen Betrachter eine reichhaltige Ausbeute. Die letzten Erwerbungen des Museums stellen Vitrinen mit Sportpreisen bar, von denen vor allem die aus Holz und Bernstein gefertigten Gegenstände ihrer durchweg guten künstlerischen Gestaltung wegen besondere Erwähnung verdienen. Am besten wirken in dem Goldgelb ihres Materials zweifellos die Bernsteingeräte. Daneben bieten die Holzfcynitz- arbeiten, die aus der Riesengebirgsschule in Bad Warmbrunn stammen recht gute künstlerische Wirkung. So gibt diese Sammlung nicht nur dem Sportsmann eine große Anzahl von Anregungen und belehrt den Besucher nebenbei auf denkbar bequeme Weise über die Geschichte eines Gebietes, dessen Bedeutung gerade heute weniger denn je unterschätzt wird und das mit Recht im Vordergrund des gegenwärtigen Interesses steht. Handball im Gan XII der OT. Io. Wetzlar — Turnerschafl Gießen 8:2. Die noch zur Meisterschaft nötigen zwei Punkte holte sich am vergangenen Sonntag die Mannschaft des Tv. Wetzlar im Spiel gegen die Gießener Turnerschaft. Die* Höhe des Resultates überrascht, ist aber dem Spielverlauf entsprechend. Das Spiel selbst sah beide Mannschaften zunächst noch reichlich nervös, und die Gäste zum ersten Erfolg kommen. Nach dem bald hergestellten Ausgleich erhöhte Wetzlar in regelmäßigen Abständen auf 4:1, um nach der Pause noch weitere vier Treffer hinzu- zufügen. Gießen war noch einmal erfolgreich. Der hartgefrorene mit Schnee bedeckte Boden stellte hohe Anforderungen an die Spieler. Kreisklasse: Lollar — Roth 0:3. Auf eigenem Platz verlor Lollar ziemlich glatt gegen die Gäste, die es im Vorspiel auf dessen Boden mit 3:1 bezwungen hatte. Den Einheimischen gelang nichts, den Gästen alles. In dieser Gruppe führt Allendors a. d. Lumda ungeschlagen die Tabelle! Krofdorf — Ahbach 1:71 Der Ausgang dieses Kampfes bedeutet die größte Ueberrafchung der am Sonntag ausgetragenen Spiele. Trotz des eignen Platzes vermochte die Platzmannschaft den Gästen nicht den erwarteten Widerstand zu leisten. Der Boden sagte den Gälten weit besser zu und lieh sie, durch ihr unbekümmert auf Erfolg eingestelltes Spiel, zu einem verdienten Sieg kommen. Es ist dies die erste Niederlage der Krofdorfer Mannschaft und zugleich auch der erste Punktoerlust. Das Vorspiel endete in Atzbach 7:4 für Krofdorf. Lützellinden — Dornholzhausen 4:2. Beide Mannschaften hielten sich ziemlich die Waage; das bessere Schußvermögen entschied den Kampf zugunsten der Platzbesitzer. Aßlar — Klein-Rechlenbach 2:3. Die Gäste holten sich in Aßlar zwei wichtige Punkte. Das Spiel sah zwei gleichwertige Mannschaften im Kampf und endete mit einem glücklichen Sieg der Gästeelf. Ahbach — Dorlar 7:6. Dorlar — Ahbach 5:3. Beide Mannschaften lieferten sich an den Feiertagen zwei Gesellschaftsspiele (Dor- und Rückspiel) und kämpften mit wechselndem Glück. Während im ersten Spiel Atzbach das bessere Ende für sich hatte, unterlag der Sieger am Tage später deutlich gegen die Kreisklassenrnannschast. Atzbach trat im zweiten Spiel mit Ersatz an, dagegen hatte Dorlar Verstärkung in feinen Reihen. Ruttershausen I. — Wißmar L 2:2 (2:0) Arn vergangenen Sonntag trafen sich obige Mannschaften in Ruttershausen zum fälligen Pflicht- fpiel. Wißmar hatte Anstoß und es entwickelte sich sofort ein kraftvolles Spiel, das aber durch die schlechten Bodenverhältnisse nicht zu feiner vollen Entfaltung kam. Die Platzmannschaft drängte sehr stark und konnte bei einem raschen Durchbruch einen sicheres Treffer anbringen, dem bald ein zweiter folgte. Bis zum Seitenwechsel verlief nun das Spiel ziemlich ausgeglichen. Nach der Pause wurde der Kampf mit derselben Energie fortgeführt und Wißmar konnte nur unter Aufbietung seiner ganzen Kraft durch zwei Strafstöße den Ausgleich erzielen. Trotzdem sich der Gastgeber etwas überlegen zeigte, konnte er das Resultat nicht mehr ändern und die Mannschaften mußten sich die Punkte teilen. Kurze Sportnotizen. Turnfestsieger Krötzsch hat sich nach seiner Hebersiedlung nach München dem dortigen Männer-Turnverein angeschlossen. Eine Hnterbilanz von 205000 Dol- l a r verzeichnet der Rechenschaftsbericht der bekannten Neuyorker Madison-Square-Garden-Gesellschast für das abgelaufene Jahr. Als „Retter" soll jetzt Exweltmeister Dempsey die Leitung der Gesellschaft übernehmen. Wirtschaft. * Neue Schatzanweisungen des Reiches. Nach Ausverkauf der letzten Serie der Schatzanweisungen des Deutschen Reiches gelangte gestern von der Reichsbank eine neue Serie mit Fälligkeit ab 15. Januar 1935 zu 4,65 v. H. zum Verkauf. * Auslandsauftrag f ü r d i e AEG. Der Auftrag auf Lieferung der gesamten elektrischen Ausrüstung dreier Zuckerfabriken in Irland in Höhe von nahezu einer Million Mark ist endgültig der AEG. übertragen worden. Frankfurter Börse. rNittagsbörse: Renten lebhaft, auch Aktien fest. Frankfurt a. M., 3. Jan. Die Börse hatte ein außerordentlich umfangreiches Rentengeschäft. Durch die Kündigung der Reichsanleihe von 1929 wurden sehr zahlreiche Kundschaftskäufe am Rente n m a r k t angeregt, da man jetzt den letzten Stoß zur Konversionsreife als gegeben ansieht. Im Vordergründe standen wiederum die variablen Reichsanleihen unter Bevorzugung von Altbesitz, die auch im weiteren Verlaufe lebhaftes Geschäft hatten. Altbesitz insgesamt 1 v. H., späte Reichsschuld- buchforderungen 0,50 v. H., späte Wiederaufbauzuschläge 1,25 v. H. daneben Neubesitzanleihe 0,13 v. H., Stahlverein-Bonds 0,25 v. H. fester. Reichsmark- Obligationen zogen prozentweise an. Auch der Aktienmarkt wurde mitgezogen, da bei einer Konversion auch die Rendite bei guten Aktienpapieren steigt. Im übrigen regte für die Gesamtbörse der von Staatssekretär Reinhardt gegebene Ausblick für das Jahr 1934 an. Die gesamte Entwicklung der Börse entspricht übrigens einem großen Anlagebedürfnis aus vorhandenen freien Geldern. Farbenindustrie 1 v. H. über Vortag. Montanwerte zwar ruhiger, aber beachtlich fester. So Rheinbraun 2,25 v. H., Harpener 1 v. H., Rheinstahl 1,75 v. H., Gelsenkirchen 1 v. H., Phönix 0,75 v. H. Am Elektromarkt besonders Schuckert mit 2,25 v. H., Siemens mit 2,50 v. H., Gesfürel mit 1,75 v. H., AEG. mit 0,50 v. H. erhöht. Vernachlässigt waren wieder Schiffahrtswerte, wo Nordd. Lloyd 0,75 leichter, Hapag unverändert einfetzten. Im einzelnen: Daimler 1 v. H., Reichsbankanteile insgesamt 2,75 v. H., Aku 1,25 v. H., Holzmann 1 v. H., Zellstoff Waldhof 1,13 v. H., Metallgesellsckaft 1,75 v. H., letztere auf die Bilanzvorlage hin, erhöht. Im Verlaufe blieben Renten und Aktien lebhaft und weiter fest. Im weiteren Verlaufe waren Farbenindu- ftrie nochmals 0,65 v. H., Gesfürel 1 v. H., Siemens 1 v. H., Mansfeld 0,50 v. H. höher. Am Rentenmarkt gewannen Altbesitz weiterhin 0,13 v. H., Stahloer- eins-Bonds 1 v. H. Große Nachfrage war am Pfandbriefmarkt vorhanden, wo sowohl Geldpfandbriefe wie Kommunal-Obligationen als Liquidationspfandbriefe Steigerungen von 1 bis 1,50 v. H. gegenüber der Abendbörse hatten. Auch Stadtanleihen fest und teilweise bis 3 v. H. fester. Am Kassamarkt lagen Hypothekenbankaktien 2 bis 3 v. H. fester. Im Freiverkehr hörte man Bürbach mit 11, Wayß und Freitag mit 58 und Adlerwerke Klever mit 32 v. H. Die Börse behauptete bis zum Schluß ziemlich ihren höchsten Kursstand, wenn auch die Hmsatztätigkeit etwas nachließ. Tagesgeld war weiter erleichtert und 3,50 v. H. nach 4 v. H. Abendbörfe: Weiler fest. Im Anschluß an den Verlaus der Mittagsbörse eröffnete auch die Abendbörse wieder allgemein mit relativ lebhaften Hmsätzen. Vor allem waren Kassarenten meist gefragt und hoher. Variable Reichsanleihen lagen ruhiger, konnten aber ihren Kursstand meist verbessern. Am Aktienmarkt war die Nachfrage gleichfalls lebhaft, gegenüber dem Berliner Schluß ergaben sich überwiegend Besserungen um bis zu 0,5 v. H. Stärker beachtet waren IG.- Farben, die auch im Verlaufe weiter anzogen. Im freien Markt waren Dollar-Bonds und Reichsmark- Anleihen gesucht und weiter um 1 bis 2 v. H. fester. Im weiteren Verlaufe konnte Altbesitzanleihe bei zunehmender Nachfrage 0,5 v. H. anziehen. Don Aktien befestigten sich IG.-Farben nochmals um 0,5 o. H., Schuckert um 0,25 v. H. Reichsbankantelle blieben gesucht. Don fremden Werten waren Schweizer Bundesbahn-Anleihen gefragt und 2 v. H. fester, 4proz. SBB. von 1912 140, 3,5proz. SBB. 135. U. a. notierten: Neubesitzanleihe 17,80, Altbesitzan- leihe 93,25, 6proz. Stahlverein-Bonds 71, Schutzgebiete 9,05, Reichsbank 167,50, Harpener 89, Mannesmann 63, Rheinstahl 91, Stahlverein 38, Betula 119, JG.-Chemie-Basel volle 154,50, Scheideanstalt 191, Daimler Motoren 38,13, Licht 8- Kraft 98,75, IG.-Färb en 126,75 bis 127,25, Gesfürel 89,50, Holz- mann 70, Lahmeyer 112,50, Metallgesellschaft 65, Schuckert 105,50 bis 105,75, Siemens 147, Reichs- bahn-DA. 105,65, Hapag 25,25, Nordd. Lloyd 28,50, tzproz. Preuß. Landespfandbrief-Anstalt Reihe 19 94. Frankfurter Schlachtvichmarkt. Frankfurta. M., 3. Jan. Auftrieb: Rinder ins- gesamt 1171 (gegen 855 in der Dorwoche), darunter befanden sich 359 Ochsen, 97 Bullen, 336 Kühe und 379 Färsen. Kälber 826 (1134), Schafe 270 (150), Schweine 2784 (3597). Notiert wurde pro 1 Zentner Lebendgewicht in Mark: Ochsen: 31 bis 32, 29 bis 30, 26 bis 28, 23 bis 25; Bullen: 30 bis 31, 27 bis 29, 25 bis 26, 22 bis 24; Kühe 26 bis 28, 22 bis 25, 17 bis 21, 12 bis 15; Färsen: 32 bis 33, 29 bis 31, 25 bis 28, 22 bis 24. Kälber: 40 bis 42, 34 bis 39, 28 bis 33, 18 bis 26. Lämmer, Hämmel und Schafe: Hämmel: 27 bis 28, 24 bis 26, 21 bis 23; Schafe: 21 bis 22, 18 bis 20. Schweine: 52 bis 53, 50 bis 52, 47 bis 52, 44 bis 49; Sauen 38 bis 43. Im Preisverqleich zur Vorwoche gaben Ochsen und Bullen je 1 Mark nach, alles übrige blieb unverändert. Marktverlauf: Rinder ruhig, Heberstand. Kälber, Hämmel und Schafe mittelmäßig, geräumt. Schweine rege, später abflauend, ausverkauft. Fleischgroßmarkt. Beschickung: 1010 Viertel Rindfleisch, 76 ganze Kälber, 38 ganze Hämmel bzw. Schafe, 600 Schweinehälften. Preis für 1 Zentner frisches Fleisch in Mark: Ochsen- und Rindfleisch I 50 bis 54, II 46 bis 50: Bullenfleisch 48 bis 52; Kuh- fleisch II 35 bis 40, III 25 bis 34. Kalbfleisch II 60 bis 70, III 52 bis 60. Hammelfleisch 55 bis 60. Schaf- fleisch nicht notiert. Schweinefleisch I 65 bis 70. Geschäftsgang des Fleischgroßmarktes gut. Aiantfurtcr (He 1 relvevövse. Fran kfurt a.M., 3.Jan. Der erste Getreidegroßmarkt im neuen Jahre verkehrte in ruhiger, aber stetiger Haltung. Don einer Verstärkung des Angebots angesichts der höheren Festpreise für den Monat Januar war nichts zu bemerken, anderseits hat auch die Kauflust keine Belebung erfahren. Es bestand gewisse Zurückhaltung. Die Preise lagen gegen die Vorwoche kaum verändert, Futtermittel allerdings mehr angeboten und etwas nachgiebig. Die Neuordnung in der Mühlenwirtschaft verursachte im Mehlgeschäft Zurückhaltung, nennenswerte Abschlüsse wurden nicht bekannt. Es notierte: Weizen 197, Roggen 172,50 bis 173,50, Hafer 145 bis 147,50, Braugerste 180 bis 182, Weizenmehl Spez. 0 mit Austauschweizen 29,10 bis 29,65, dasselbe ohne 27,60 bis 28,15, Roggenmehl, 0- bis 6Oproz., 23,50 bis 24, dasselbe, südd. Spez. 0 24 Mk. (Die Mehlpreise verstehen sich ab jetzt entsprechend der neuen Mühlenbedingungen ohne Skonto.) Weizenkleie 10,75 bis 10,85, Weizenfuttermehl 12 bis 12,15, Roggenkleie 10,85, Sojaschrot 15,35 bis 15,45, Palmkuchen 15,60 bis 15,80, Erdnußkuchen 16,55 bis 17,25, Treber 17,65 bis 17,75, Trockenschnitzel 10,25 bis 10,40, Heu, südd., 6,50 bis 6,70, Weizen- und Roggenstroh, draht- gepreßt 2,20 bis 2,30, dasselbe gebündelt 2 bis 2,10. Kartoffeln wurden erstmals wieder notiert, die Ten- denz war befestigt und der Preis für Industrie hiesiger Gegend erhöhte sich auf 2,70 Mark per 50 Kilo bei Waggonbezug (nach 2,40 Mk. vor Eintritt des Frostes). Mannheimer Biehrrmrkt. Mannheim, 3. Jan. Es wurden aufgetrieben: 123 Ochsen, 115 Bullen, 398 Kühe, 259 Färsen, 890 Kälber, 38 Schafe, 1856 Schweine. Es notierten: Ochsen: vollst, aüsgem. höchsten Schlachtwerts, jüngere 30 bis 32 Mk., sonstige vollfleischige 22 bis 25 Mk., fleischige 26 bis 29 Mk., gering genährte 22 bis 25 Mk.; Bullen: jüngere, vollfleischige höchsten Schlachtwerts 28 bis 30 Mk., sonstige vollfleischige o. ausgem. 24 bis 27 Mk., fleischige 22 bis 24 Mk.; Kühe: jüngere, vollfleischige höchsten Schlachtwerts 26 bis .29 Mk., sonstige vollfleischige o. ausgem. 22 bis 25 Mk., fleischige 16 bis 20 Mk., gering genährte 11 bis 15 Mk.; Färsen: vollfleischige, ausgem höchsten Schlachtwerts 30 bis 33 Mk., vollfleischige 26 bis 29 Mk., fleischige 23 bis 25 Mk.; Käl- ber: beste Mast- und Saugkälber 39 bis 41 Mk., mittlere Mast- und Saugkälber 35 bis 38 Mk., geringere Saugkälber 28 bis 34 Mk., geringe 26 Mk.; Schafe: beste Schafe 22 bis 27 Mk.; Schweine: Fettschweine über 300 Pfd. Lebgew. 51 bis 53 Mk., vollfleischige 240 bis 300 Pfd. Lebgew. 50 bis 53 Mk., vollfleischige 200 bis 240 Pfd. Lebgew. 50 bis 53 Mk., vollfleischige 160 bis 200 Pfd. Lebgew. 50 bis 52 Mk., Sauen 43 bis 46 Mk. — Marktverlauf: Großvieh ruhig, kleiner Ueberftanb, Kälber ruhig, langsam geräumt, Schweine ruhig, Ueberftanb. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt belchlosjenen Dividende an — Reichsbankdiskoni 4 o H Franttur u. JJl. Serim Aranttun a. 2)1. Serlin Franttun a. M. 3erim Schluß» hird Schluß!. Abend- börse Schluß» lurs Echlußi Mittag- börse Schluß- kurS Echlußl. Abendbörte Schluß, für« Schlußk. Mittag- börse Schluß- kurs Schlußk. Abend- börse Schluß- turs Schlußk. Minag- börse Datum 2-1- 3-1. 2-1- | 3-1 Dalum 2-1. 3.1. 2-1- 3-1- Datum -.1. 3-1. 2-1- 3-1- •% Deutsche Reichsanleihe v 1927 6% et)em.7% Dl. Retchsanl. v. 1929 6%% Doung-Anlethe von 1930 Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit AuSlos.-Rechlen ...... Desgl. ohne Auslol.-Rechte...... 6% eitern.8% Hess. Bolksstaat 1929 (rückzahlb. 102%) ..... 6% Hess. Landesbank Darmstadt Gold R. 12 . .. 6Vi% tzesl. Landes-Hypotheken- baut Darmstadt Liaui Oberhessen Provinz-Anleihe mit Auslol.-Rechten .. Deutsche Komm. Sammelabl. Anleihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten 6% ehern. 8% grants. Hyp.-Banl Goldpse. 15 unkündbar bis 1935 •% ehem. 7% granls. Hyp.-Bank Goldpse. Iß unkündbar bis 1936 6%% ehem. eld I Srie Geld Srir Helfingfor».. 6,024 6,036 6,014 6,026 Wien ...... 47,65 47,75 47,55 47,65 Prag....... Budapest ... 12,42 12,44 12,415 12,435 — — — — Sofia ...... 3,047 3,053 3,047 3,053 Holland .... 168,38 168,72 168,33 168,67 OSlo ...... 68,53 68,67 68,28 68,42 Kopenhagen. Stockholm... 60,89 61,01 60,64 60,76 70,33 70,47 70,08 70,22 London ..... 13,63 13,67 13,58 13,62 Buenos Aires 0,638 0,642 0,636 0,640 ’JteuDod .... 2,637 2,643 2,632 2,638 Brüssel..... 58,21 58,33 58,17 58,29 .Italien..... 22,03 22,07 22,02 22,06 Paris ...... 16,41 16,45 16,415 16,455 Schweiz .... Spanien.... 81,02 81,18 81,05 81,21 34,47 34,53 34,47 34,53 Danzig..... 81,52 81,68 81,52 81 ,68 Japan ...... 0,822 0,824 0,819 0,821 Rio de Jan. . 0,226 0,228 0,226 0,228 Fngoslawieu. Lissabon.... 5,664 5,676 5,664 5,676 12,44 12,46 12,39 12,41 Banknoten. Serlin, Z.Zanuor Meld Sriel Amerikanische Roten....... 2,585 2,605 Belgische Roten........... 58,01 58,25 60,33 60,62 Englische Noten .......... 13,54 13,60 Französische Noten........ 16,375 16,435 Holländische Noten........ 167,91 168,59 Italienische Noten......... 21,90 21,98 Norwegische Noten ...... 68,11 68,39 Deutsch Oesterreich, • 100 Schilling — —— Rumänische Noten ...... —- — Schwedische Noten....... 69,91 70,19 Schweizer Noten.......... 80,87 81,19 Spanische Noten.......... ••••••• 34,33 34,47 Ungarische Note» ........ •••••••