Nr. 126 Erstes Blatt M. Jahrgang Samstag, 2. Juni 1954 Lrfchemt tägltd), anher Sonntags und Fei-f^ags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Schalle Monats Bezugspreis: Mit 4 Beilagen NM. 1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Hernsprechanschlüfse unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Stehen Postscheckkonto: Kranlfurt am Main 11688 Gietzeim Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Universttüts-Vuch- und Zteindruckerei N. Lange in Gießen. Schristleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrabe 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis8'/,Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm Höhe für Anzeigen van 22 mm Breite 7 Npf., für Tertanzeigen Don7Omm Breit« 60 Npf.,Plahvarschrift ober schwieriger Satz 25°/0 mehr Ermäßigte Grundpreise: Stellen., Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Npf.,Familienauzei- gen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B JwölfZahre später. Fast schon wie eine Leichenrede am Grabe der Abrüstungskonferenz klangen die düsteren Worte, die Englands Lordgeheimsiegelbewahrer unter dem niederschmetternden Eindruck der Rede Barthous von Genf aus durch den Rundfunk an seine britischen Landsleute richtete. Und auch die britische Presse daheim und in Genf ist ganz auf den gleichen elegischen Ton gestimmt, ohne viel Hoffnung, datz noch irgendein geschickter diplomatischer Schachzug die Konferenz m letzter Minute retten könne, nachdem der Appell an Gerechtigkeit, Vernunft und Verantwortungsgefühl, in den der amerikanische und der britische Delegierte ihre Stellungnahme zur gegenwärtigen kritischen Lage des Abrüstungs- Problems hatten ausklingen lassen, bei dem Wortführer Frankreichs nichts anderes, als einen fast schon hysterisch anmutenden Ausbruch äußer ter Gereiztheit und offener Feindseligkeit gegen jedes tatsächliche, wenn auch in seinen Ausmaßen noch so bescheidene Abrüstungsabkommen ausgelöst hat. Derselbe Barthou, dessen Starrsinn und mißtrauische Enge mit den gleichen Charaktereigenschaften seines Meisters Doincarä wetteifern, hat schon einmal Steine auf den Weg des Friedens geworfen, den englische Staatsmänner in Ahnung des Kommenden zu bahnen suchten. Es war in Genua im April 1922, als Lloyd George, damals Englands Premierminister, auf der ersten Konferenz, an der deutsche Delegierte am „runden Tisch" teilnahmen, die warnenden Worte sprach: „Es steigen Wetterwolken auf und steigen höher und höher. Das Unglück ist sehr nahe. Ich bin ein alter Mann, sehen Sie meine weißen Haare, aber diese weihen Haare werden noch die Katastrophe miterleben, wenn es nicht gelingt, den Frieden 3U retten. Es gibt Politiker, die das Verbrechen, die Weltkatastrophe herbeizuführen, nicht sehen und ihren eigenen Weg, ihre eigene Politik und ihre eigenen Sonderinter- essen durchsetzen wollen." Die Beschwörungen Lloyd Georges haben damals In Genua Herrn Barthou so wenig irre gemacht in feiner Politik sturer Verneinung europäischer Zusammenarbeit wie heute in Genf die zwar rhetorisch weniger wirksamen, aber nicht minder ernsten Warnungen Sir John Simons. Damals wie heute beharrt Frankreich eigensinnig auf feinem „eigenen Weg" der vernunftwidrigen Rechtfertigung aus dem Buchstaben der Verträge und der nervös hastigen Anhäufung immer neuer Sicherheitsfaktoren in Gestalt eines von Schritt zu Schritt komplizierter wer- denden Bündnissystems und einer ins Gigantische wachsenden eigenen Aufrüstung. Dor zwölf Jahren haben Deutsche und Russen durch den Überraschen- den Abschluß des Rapallo-Vertrages Herrn Barthou wenigstens in den Augen der Weltöffentlichkeit vor dem Odium bewahrt, die Verantwortung für das Scheitern einer europäischen Schicksalsgemein- schaft zu tragen. Hinter den Kulissen lag die Sache vermutlich etwas anders. Mochte auch Tschitscherin, um den Coup zu landen, der den das bolschewistische Rußland von den westeuropäischen Mächten trennenden Ring sprengen sollte, die deutschen Delegierten Rathenau und Maltzahn mit der Falschmeldung von einem bevorstehende^! Abschluß mit Frankreich geblufft und damit den sehr verärgerten Lloyd George wieder an die Seite der Franzosen getrieben haben, so bleibt doch richtig, daß Lloyd Georges Entschlossenheit, gegebenenfalls Englands Sache von der Frankreichs zu trennen, nur in starken Worten coram publico zum Ausdruck kam, während hinter dem Rücken der Konferenz Barthou die Engländer nach wie vor fest an der Strippe hielt. Damals war die Zeit noch nicht reif, Europa stolperte weiter der Katastrophe entgegen. Sind wir heute so weit, daß ein zur Besinnung mahnendes Wort das rechte Echo und den Entschluß zur Umkehr findet? Seit Genua hat sich die politische Konstellation in manchen Zügen feüjanf verändert, in einem ist sie sich gleich geblieben. Die Franzosen sehen auch heute noch den europäischen Frieden am heften gewahrt durch unveränderte Aufrechterhaltung ihrer eigenen Militärhegemonie in Europa. Der auf eine direkte Verständigung der Völker gerichteten, gegenseitige Achtung der völkischen Grundrechte mit gesundem Wettbewerb in allen Arbeiten friedlichen kulturellen und wirtschaftlichen Ausbous verbindenden außenpolitischen Linie des nationalsozialisti- schen Deutschlands stellt das offizielle Frankreich, aller neuen zukunftsträchtigen Ideen bar, in greifen baffem Mißtrauen befangen, die alte Verhängnis- volle, den Keim neuer Kriege in sich bergende Politik der Militärbündnisse, der Einkreisungen und Blockbildungen entgegen. Barthous maßlos ausfällige Rede in Genf hat wenigstens das eine Gute gehabt Sie hat darüber völlige Klarheit gebracht, daß Frankreich niemals eine Konvention unterzeichnen wird die Deutschlands Gleichberechtigung in der Rüstung 'sei es auch in dem denkbar bescheidensten Ausmaß, praktisch werden läßt Das ist ber Stern der französischen Politik, mag sie sich auch hmter dem lächerlichen Vorwand verschanzen d e vertrag- sich verbotene deutsche . Ausrüstung nicht Egalisieren zu können. Frankreich hat, wie die Times mit Recht sagt, schon den Hebel umgelegt um die Kon- serenz von dem Abrüstungsgleis auf das Sicher- heifsgleis zu schieben. Und hierbei sind ihm eine seltsame Umgruppierung seit den Tagen von Genua — die Russen rührige Helfer. , Die Bolschewiken haben einst ZU Beginn Der Abrüstungskonferenz als laute Apostel per Welt- befreiung vom kapitalistischen Joch die Entwaffnung in ihrer radikalsten Form gepredigt. Davon ist es inzwischen still geworden. Die kritische Lage im Fernen Osten heischt von der Sowjetunion äußerste rüstungstechnische Anstrengungen. Die forcierte Industrialisierung Rußlands bient zu einem guten Xeii diesen Zwecken. Hand in Hand damit soll eine eifrig betriebene Paktpolitik, die wir im Einzelnen hier chon besprochen haben, die Rückendeckung im (Simon hat Gens verlassen. Oer französische Außenminister kündigt einen Versöhnungsbesuch in London an. Oie Abrüstungskonferenz macht bis Mittwoch Pause. London. 1. Juni. (DJIB.) Wie Reuter aus Gens meldet, ist der britische Staatssekretär für Auswärtige Angelegenheiten. Simon, am Freitag aus Genf abgereift. (Er wird am Samstag in London eintreffen, um an dem am Montag aus Anlaß des Geburtstages des Königs stattfindenden Feierlichkeiten leilzunehmen. CE b e n wirb in Genf als Leiter ber britischen Abordnung bleiben. Der französische Außenminister Barthou teilte mit, baß er Info l g e feines ..sehr angenehm" verlaufenen Sufammentreffens mit Sir John Simon am Freitag hoffe, bemnächst London zu besuchen. Dieser Reise werde ein Besuch des britischen Staatssekretärs in Paris vorangehen. Man rechnet mit der Ankunft des englischen Außenministers Sir John Simon für Samstagmittag oder -abend. Am Montag wird möglicherweise eine Sitzung des Abrüstungsaus- schufses des englischen Kabinetts und vielleicht sogar eine Vollsitzung des Kabinetts einberufen werden, um die Entwicklung in Genf zu erörtern. Wann und ob Simon nach Genf zurückkehrt, Ist zur Zelt noch ungewiß. Man weist darauf hin, daß nicht nur England, sondern äuch Amerika, Italien und Polen mit den Vertragskombinationen Litwinows nichts zu tun haben wollen, die sich in der Hauptsache gegen Deutschland und Japan richteten. Zur beabsichtigten Reife Barthous nach London meldet pertinax dem „DailyTelegraph": Ls sei klar, daß Barthou unter den gegenwärtigen Umständen hauptsächlich barum besorgt sei, den Eindruck zu verwischen, daß die Reden Simons und Barthous In Genf eine Entfremdung zwischen der englischen und der französischen Regierung herbeigeführt haben. * Der plötzlichen Abreise Simons von Genf wirb von ber Morgenpresse keine besonbere Bebeutung beigemessen. Es wirb erklärt, baß b i e Konferenz ohnehin vor bem A b s ch l u ß stehe, unb baß ber Lorbsiegelbewahrer als rechtmäßiger Vertreter ber englischen Regierung In Genf bleibe. Nur „Daily Expreß" unb bie liberale „News Chro- nick" melden, Simon habe Genf verlassen, da er bie Hoffnung auf gegeben habe, baß zur Zeit irgenbeine nützliche Arbeit auf ber Abrüstungskonferenz geleistet werben könne. Vernon Bartlett schreibt, Simon glaube anscheinenb nicht, bah bie am Freitag vorgebrachten neuen Vorschläge von Nutzen seien. Die unerwartete Ab- reise werbe allgemein s e i n er E n t r ü st u n g z u - geschrieben, baß seine eigene Forberung nach einer sofortigen Beenbigung aller berartigen Erörterungen nicht angenommen worben sei. Die „S i ch e r h e i t s" - V o r s ch l ä g e Litwinows werben in einer Reutermelbung sehr scharf kritisiert. Keiner bieser Vorschläge habe bie Meinungsverschiebenheiten zwischen England und Frankreich in Rechnung gestellt. Die Frage der Rüstungsherabsetzung sei vollkommen unberührt geblieben. Außerdem hätten bie Anregungen Litwinows nicht im geringsten zu einer Hoffnung Anlaß gegeben, baß eine Rückkehr Deutschlanbs zur Konferenz erleichtert würbe. Die franzosenfreundliche „M o r n i n g Po st" bemüht sich kräftig, bie Tatsache ber englich-sranzö- fischen Meinungsoerschiebenheit zu verwischen, bie ganze Schulb bem englischen Außenminister in bie Schuhe zu scheiben unb sogar seinen Rücktritt zu verlangen. Das RotHermere-Blatt „Daily Mail" erneuert seine Forderung nach einem eng- Westen schaffen, falls es im Fernen Osten zu einem kriegerischen Konflikt kommen sollte. Litwinows Vorschlag einer „ft ä n b i ß e n Friedenskonferenz" soll den Plan eines gegenseitigen Beistandspakts ergänzen. Also kein Wort mehr von Abrüstung oder Rüstungsbeschränkung. Sicherheit und automatische Sanktionen gegen einen An- greifet sind die Ziele ber russisch französischen Politik in Genf. Sie findet vermutlich die Unterstützung der Kleinen Entente und der Türkei. Moskau, bas vor zwölf Jahren in Genua noch gänzlich isoliert stand und erst durch den Napallovertrag mit Deutschland den eisernen Ring brach, der seit dem bolschewistischen Umsturz und den Ipterventions- kriegen der weißen Generale die Sowjetunion umklammerte, ist heute Mittelpunkt eines engmaschigen Paktsystems jener selben kapitalistischen Möchte geworden, die einst zum Zweck der Ausrottung ber bolschewistischen Pest unb ber Befreiung Rußlands vom roten Terror sich zusammengetan hatten. Unb diese Nichtangriffspakte in gegebenenfalls praktisch wirksame Bündnisse umzuformen, ist Rußlands Ziel in Genf. Dabei findet es die wärmste Unterstützung Frankreichs, wenn man sich auch in Moskau darüber klar sein muß, baß heute so wenig wie 1904 mit einer Hilfe Frankreichs im Falle eines Krieges mit Japan zu rechnen fein wirb. Wo steht nun England in diesem großen Spiel? Seine Politik mar bis in bie letzten Tage hinein nicht weniger verschwommen, dögemb unb lisch-französlschen Militärbünbnis, das sich aber nicht gegen Deutschland richten solle. Wiederanknüpfungsversuche der pariser presse. Paris, 2.Juni (DRB.-Funkspruch.) Die Abreise des englischen Außen in in stets konnte den Eindruck entflöhen lassen, als ob zwischen England und Frankreich eine starke Mißstimmung vorhanden sei, die nach bem Rededuell der beiden Außenminister nicht erstaunlich wäre. Die französische Presse weist deshalb daraus hin, daß die gestrige Zusammenkunft Bar* t h o u s mit Slr Iohn Simon äußerst herzlich gewesen sei unb daß Simon im Gegen« teil auf die Dringlichkeit einer französisch-englischen Zusammenarbeit hingewiesen habe. Ein Beweis für das gute Einvernehmen der beiden Außenminister sei außerdem di« Tatsache, baß man ernstlich die Möglichkeit eines baldigen Besuchs ins Auge gefaßt habe. Es sei daher nicht ausgeschlossen, daß sich der französische Außenminister sosort nach seiner Besuchsreise auf den Balkan auch nach London begeben unb Sir John Simon kurz darauf diesen Besuch i n Paris erwidern werde. Die Volksabstimmung im Saargebiet ist aus den !Z.Zanuar l93S festgesetzt worben. Der baldige Abstimmungstermin ein erfreuliches Ergebnis der Order« bdprechungen in Genf. Genf, 1. Juni. (DJIB.) In den heutigen Abendstunden Ist über die Bedingungen der SaarabfHm- mung zwischen den Vertretern Deutschlands und Frankreichs durch die Vermittlung des italienlfä)en Delegierten Baron Aloifi eine Einigung erzielt worden. Der A b st i in rn u n g s t errnin ist a u f den 13. Januar 1 935 festgefeht. Damit wird die Saarbevölkerung endlich von der auf ihr lastenden Ungewißheit über ihr Schicksal befreit. Oer ^3. Januar wird ein Ehrentag des Gaarvolkes. Die Saarbrücker Presse sehr befriedigt. Saarbrücken, 2. Juni (DNB- Funkspruch). Die Saarbrücker Zeitung schreibt: Mit der Festsetzung des Abstimmungszeit- vunktes auf den 13. Januar ist eine Regelung getroffen, die bei ber deutschen Bevölkerung des Saatgebietes ganz einmütige Billigung findet. Daß der Abstimmungszeit- punkt festgesetzt worden ist, wird sich politisch als die beste Sicherung der Ruhe und Sicherheit auswirken. Denn jetzt wird die Bevölkerung erst recht Disziplin halten, wird sich zu nichts hinreißen lassen, was diese Ruhe und Sicherheit gefährden konnte. Mit der Festsetzung des Tages der Abstimmung ist zugleich ein Faktor beseitigt, der sich als st a r k e s wirtschaftliches Hemmnis erwiesen hat. Jndusttle und Handel sehen nun klarer. Sie können disponieren und planen. Die erhöhte Belebung des Wirtschaftslebens wird sich bemerkbar machen. Zu erwarten ist, daß der Abstimmungsausschuß möglich st bald ernannt werde und sich umgehend ins Saargebiet begebe, vor allem auch, um die widerlichen, jeden Deutschen verletzenden Exzesse der deutsch-feindlichen Presse im Saargebiet unmöglich zu machen. Die „Saarbrücker Landeszeitung" sagt, die wichtigste Vorentscheidung in der Saarfrage sei gefallen. Dadurch werde das Saarvolk endlich von der drückenden Ungewißheit befreit, die seit geraumer Zeit auf ihm laste. Es sei nun frei, um die umfangreichen Vorbereitungen für die Durchführung der Abstimmung zu treffen. Die Bevölkerung des Saargebietes habe nur den einen Wunsch, daß diese Vorbereitungen mit möglichst er Beschleunigung in Angriff genommen und in Ordnung durchgeführt werden. Sie selbst werde ihre Pflicht tun und, wie bisher, mit eiserner Disziplin auf den Tag warten, an dem sie sich für ihr deutsches Vaterland entscheiden könne. Der 13. Januar werde ein Ehrentag des Saar« Volkes in der deutschen Geschichte sein. Dem Baron A l o i s i fei es nicht zuletzt zu danken, daß Deutschland unb Frankreich sich auf eine ßöfurtg hätten einigen können, hegen die manche dunkle Kräfte eifrig gearbeitet hätten. Wir gehen unseren Weg weiter, an dessen Ende ein herrlicher Sieg für unser Deutschland stehen wird. Oas Londoner Echo. DieSaareiniauna„der erste Erfolg in Genf" London, 2. Juni. (DNB.-Funkspruch.) Die englische Presse verzeichnet mit Befriedigung, daß eine deutsch französische Einigung über die Saarabstimmung erzielt worden ist. In dem Times- Bericht heißt es: Das deutsch-französische Abkommen ift ber e r ft e Erfolg für die Methoden der Versöhnung und der freundschaftlichen Besprechung, die sich aus den gegenwärtigen Sitzungen in Genf ergeben hat. Es wird daher vielleicht den ersten Schritt aus der hoffnungslos verfahrenen Lage zwischen Deutschland und Frankreich darstellen. „Daily Mail" meldet: Das Abkommen beseitige eine der Gefahren des europäischen Friedens, lieber das Ergebnis der Saarabstimmung könne natürlich kein Zweifel bestehen. Jedermann wisse, daß das Saargebiet zu Deutschland zurückkehren werde. Oie französische presse zufrieden. Paris, 2. Juni. (DNB.-Funkspruch.) Die Blätter weisen darauf hin, daß Frankreich in der Saar- abftiinmungsfrage nicht mehr habe erreichen können als es erreicht habe. Pertinax stellt fest, daß es sich hier um eine diplomatische Klugheit handele, die selbstverständlich nicht alle französischen Wünsche befriedigen könne. Deutschland habe erreicht, daß die Volksabstimmung so früh wie möglich stattfindet. Der französische Außenminister habe es für angebracht gehalten, in der Saarabstimmungsfrage „BaUast abzuwerfen", um sie nicht noch mehr zuzuspitzen. Man müsse jedoch trotz Des zu- stände gekommenen Abkommens daran zweifeln, ob nunmehr alle Meinungsverschiedenheiten als beigelegt betrachtet werden könnten. Die Blätter unterstreichen im übrigen bie große Aufrichtigkeit der Bemühungen bes italienischen Vertreters A 1 o i f i, ber bei feinen Verhandlungen völlig unparteiisch und unabhängig gewesen fei. sich treiben lassend, als vor zwölf Jahren in Genua. Erst in Genf fand der britische Außenminister das Wort, daß England nach den jahrelangen Verhandlungen jetzt ber bloßen Erörterungen um ber (Erörterungen willen überbrüssig sei. Der britische Außenminister konnte Darauf Hinweisen, baß ber abgeän- berte Macbonald-Plan sich sowohl ben beutschen Vorschlägen beträchtlich nähere, wie auch in wesentlichen Punkten bie Sympathie Amerikas und Italiens finde, wie schließlich auch mit der Ansicht der echs neutralen Mächte Spanien, Holland, der drei kandinavischen Reiche unb der Schweiz überein- timme. Damit ist alsv die Mächtegrupve umschrieben, die im Gegensatz zu bem auf bas Phantom der Sicherheit starrenden französisch-russischen Block an dem Gedanken der Abrüstung zumindest grundsätzlich festzuhalten wünscht unb, wenn biese im Augenblick nicht zu erreichen sein sollte, wenigstens eine Begrenzung ber Rüstungen unb ein auch noch so beschränktes Abkommen einem nach einem völligen Scheitern ber Verhanblungen unvermeidlichen unkontrollierten unb hemmungslosen Wettrüsten Vorlieben würde. Die Haupttriebfeder der britischen Politik seit dem Weltkriege ist der Wille, sich von jeder neuen europäischen Verwicklung, die zum Kriege führen könnte, fernzuhalten. Das Blutopfer, das England im Weltkriege bringen mußte, um das britische Imperium zu erhalten, ist nicht vergessen. Der Gewinn hat sich längst als so zweifelhaft her- ausgestellt» daß eine Wiederholung dieses kriegerischen Experiments nicht lockt. Deshalb stand England solange an der Seite Frankreichs, wie cs glaubte, durch eine Stabilisierung der in Versailles geschaffenen neuen Form Europas — mochte diese auch sogar für britische Augen so mangelhaft fein, wie sie wollte — bie Ruhe auf dem Kontinent erhalten zu können. Als die wirtschaftlichen Erschütterungen der folgenden Jahre die Erkenntnis van der Umnöglichkeit dieser Politik brachte, war Frankreich eine Militär- und Finanzmacht geworden, die nicht mehr mit sich reden ließ, wenn man von ihr Opfer zugunsten europäischer Gemeinschaftsarbeit forderte. Seitdem betreibt England eine Politik ber kleinen Aushilfen. Aber bie Freunbfchaft mit Frankreich, ber man trotz aller Fährnisse in Lonbon stets treu zu bleiben suchte, hat erst einen bedenklichen Knax erhalten, als bie Franzosen im Frühjahr statt bie englischen Abrüstungsvorschläge wenigstens in Erwägung zu ziehen, Sicherheitsgarantien über Lo- carno-Abkommen und Siedoggpaft hinaus verlangten, bie nach den Erfahrungen des Weltkrieges feine britische Regierung ihrem Volke zumuten könnte, ohne von ber öffentlichen Meinung hinweg- gefegt zu werden. Frankreich scheint nun in Rußland den Bundesgenossen gefunden zu haben, den es in England vergebens gesucht hat. Diese neue Wendung in ber Konstellation der Mächte kann England nicht ohne Sorge betrachten. Nicht nur erfahrt ber europäische Friede eine erhebliche Belastung, auch die überseeischen Interessen des brh tischen Imperiums werden empfindlich berührt. Hatte man noch vor einem Jahre in London wie in Washington den Gedanken haben können, mit Hilfe Rußlands, dem man wirtschaftlich entgegenkam und moralisch den Rücken steifte, die Japaner in Schach zu halten, so ist heute die Möglichkeit nicht von der Hand zu weisen, daß es französischer Vermittlung gelingen könnte, eine Verständigung zwischen Rußland und Japan herbeizuführen, worauf dann der japanische Imperialismus sich ungehemmt dem gelobten Land im Süden zuwenden könnte, wo ja allein der japanische Siedler Lebensraum in einem ihm zusagenden Klima findet. Das sind Wetterzeichen, die heute erst fern am Horizont aufleuchten, aber für England ist die Stunde nicht mehr fern, wo es mit der bisher betriebenen Politik der kleinen Mittelchen nicht mehr weiterkommt. Barthous Auftreten in Genf ließ ja schon jede Rücksicht- auf den Bundesgenossen von gestern fallen. Mit brutaler Offenheit bezichtigte der französische Außenminister seinen britischen Kollegen der Doppelzüngigkeit und Wandelbarkeit, der am 14. Oktober mit seiner Erklärung gegen eine sofortige Rüstungsvermehrung Deutschlands dazu beitrug, daß Deutschland die Abrüstungskonferenz verließ, und heute diesem deutschen Entschluß seine Berechtigung nicht versagen konnte. Wird England diese Ohrfeige einstecken oder nun endlich aus dem Hin- und Herschwanken sich zu einem klaren Kurs aufraffen, den alle wahren Friedensfreunde in der ganzen Welt ersehnen? Heute wie vor zwölf Jahren in Genua, überbringt ein Mann von dem in Eigenliebe und Mißtrauen gehärteten Starrsinn Barthous der nach Verständigung und Frieden dürstenden Welt die eindeutige Absage Frankreichs. Wird die Welt heute wie damals haltlos und führerlos weitertaumeln dem Chaos entgegen, ober wird diesmal der Appell an die Vernunft, den der Führer des neuen Deutschland. an die Völker der Welt richtete, mutigere Herzen, entschlossenere Köpfe finden? slawischen Grenze die Eisenbahn benutzen. Um einen großen Umweg längs der Grenze zu vermeiden, wird er von Orsova aus einen Donaudampfer besteigen. Die Rückkehr des französischen Außenministers nach Paris fei für den 29. Juni vorgesehen.. -—) Die OGPU. hat nach umfangreichen Verhastun- aen in Kiew jetzt auch in Leningrad ungefähr 300 Beamte verschiedener russischer Finanzinstitutionen wegen wirtschaftlicher Schädigungen fe st genommen. Die Beamten sollen die Stadt um mehrere Millionen Rubel geschädigt haben. Der Prozeß soll Mitte Juli statt- linden. Oer Bugginger Llnglücksstollen geöffnet. Bisher zwei Tote geborgen. Oer Vorschlag der Neutralen aus der Abrüstungskonferenz. Genf, 1. Juni. (DNB.) Zu Beginn der heutigen Sitzung des Hauptausschusses der Abrüstungskonferenz wies Präsident Henderson auf die äußerst kritische Lage der Konferenz hin und schlug „or, nach Anhörung der drei noch auf seiner Liste stehenden Redner die Aussprache bis zum Mitt- woch nächster Woche zu unterbrechen, damit in der Zwischenzeit eine Einigungsmogllch- keit gefunden werde. Die Schwierigkeiten könnten nicht dadurch überwunden werden, daß man l e - diglich Reden halte. Die bisherigen Reden hätten, bereits weitgehende Meinungsverschiedenheiten ergeben. Solle die Konferenz einen vollen Erfolg bringen, dann sei es notwendig, daß man in den einzelnen Punkten gegenseitig nachgäbe, daß man sich verständige und diese Verständigung in die Form eines Abkommens bringe. Der polnische Außenminister Seü wies bann barauf hin, baß bie b i r e k t e n De r» hanblungen zwischen einer beschränkten Zahl von Mächten außerhalb des Dölkerbun- b e s bzw. des Organismus der Abrüstungskonferenz Meinungsverschiedenheiten zwischen diesen Mächten offen gelegt hätten, die innerhalb Der Konferenz einen Pessimismus hervorgerufen hatten, den niemand beschreiben könne. Die polnische Regierung hat an diesem Gedankenaustausch nicht teilgenommen, kann sich daher auch in keiner Weise gebunden fühlen durch die Lösungen, die in dieser oder jener Phase der Verhandlungen vorgeschlagen worden sind. Die polnische Delegation sei von Beginn der Konferenz an der Meinung gewesen, daß diese ein klares Ziel, nämlich die Begrenzung und Herabsetzung der Rüstungen haben müßte. Die polnische Regierung habe unter sorgfältiger Berücksichtigung des eigentlichen Zieles der Konferenz sich während deren ganzer Dauer enthalten, das Budget der nationalen Verteidigung anders abzuändern, als in dem Sinne einer Verringerung. Mit Unruhe haben wir hier immer rote- der die Tendenz beobachtet, unsere Debatte auf neue Gebiete auszudehnen, die sich immer mehr von denjenigen entfernten, auf die sich die Konferenz im Einklang mit ihrer Ausgabe eigentlich beschränken mußte. Rach unserer Meinung können wir konkrete Ergebnisse nur bann erreichen, wenn wir uns nach und nach mit ben Problemen beschäftigen, bie geeignet sinb, bie einftimmige Zustimmung aller Staaten zu finben. Die polnische Delegation habe im Februar bes vergangenen Jahres einen Arbeitsplan unterbreitet, ber vielleicht beweiben war, ber aber wenigstens ben Vorteil ber Einfachheit unb Durchführbarkeit gehabt habe. Polen wirb auf bem Gebiete ber Verminberung unb Begrenzung der Rüstungen jede Maßnahme annehmen, bie einen allgemeinen Charak - te r haben unb die auf alle Staaten an- gewendet werden. OerschwedischeAußenminister Sandler erklärte u. a.: Die Abrüstung wäre das beste Mittel, um die Gleichberechtigung herzustellen. Er verstehe sehr gut, daß ein Volk sich entehrt suhlen müsse, wenn es in einemZustand minderen Rechtes gehalten werde. Schweden würde keine neuen Verpflichtungen hinsichtlich der Sicherheit übernehmen, wenn nicht effektive Abrüstungsmaßnahmen eingeleitet würden. Rur eine allgemeine Abrüstung würbe ein Sicherheitsregime für alle bedeuten. Sander verlas bann eine gemeinsame Erklärung ber dänischen, niederländischen, norwegischen, schwedischen, schweizerischen und spanischen Delegation, in der diese Länder dem Hauptausschuß u. a. folgende Erwägungen unterbreiten: Ein Sonberfomifee soll beauftragt werden, unverzüglich bie A u s f ü h r u n g Garantien ber künftigen Konvention zu prüfen. Das Präsidium soll unverzüglich die Errichtung einer wirksamen kontra Ile über ben handel und die private und staatliche Herstellung von Waffen und Kriegsmaterial erwägen. Das Präsidium soll den Text des Vertragsentwurfes vom 27. Januar 1933 einfchl. der vom englischen Außenminister erwähnten Probleme, nämlich des chemischen Krieges, der Offenlegung der Rüstungsausgaben, der Einsetzung einer ständigen Abrüstungskommission sowie des Waffenhandels revidieren. Besonders zu berücksichtigen seien u. a. ein vorbehaltloses Verbot des Luftbombardements und jegliche Vorbereitung dazu. Die Zerstörung derjenigen Flugzeuge, die nach dem britischen Entwurf verboten werden sollen, Verhinderung der Verwendung der Zivilluftfahrt zu militärischen Zwecken. Zerstörung der Kampfwagen und der schweren Landgeschühe. Angesichts der Rotwendigkeit, so heißt es bann weiter, jeden interessierten Staat zu befragen und angesichts der Tatsache, daß Deutschland an ben Arbeiten der Konferenz nicht teil nimmt, soll das Prä- [ibiutn ermächtigt werden, jede geeignete Maßnahme zu ergreifen, um diesen Entwurf h i n - sichtlich aller Staatenzuergänzen. Es soll außerdem Sache des Präsidiums sein, den Hauptausschuh zu gegebener Zeit einzuberufen, damit er endgültige Beschlüsse fahl. Oer sowjetrussische Volkskommissar Litwinow ber sich nach Sanbler zum Wort melbete, führte u. a. aus, bie Delegierten, bie nach ihm gesprochen hätten, hätten nichts vorgebracht, was [einen Vor- schlügen zuwiberlaufe ober sie ersetzen könnte. Zum Vorschlag Simons, eine [tänbige Kommission einzusetzen, meinte Litwinow, es wäre besser, Die ganze Konferenz in Permanenz zu erklären, natürlich vorausgesetzt, baß es eine Permanenz ber Tätigkeit unb nicht ber Untätigkeit fei. Die Ausgabe biefer ftänbigen Konferenz wäre bie Ausarbeitung von Sicherheits - unb Friebensgarantien neben ber weiteren Behandlung ber Abrüstungsfrage sowie bie Kontrolle ber Verpflichtungen, bie sich aus einem Abkommen über ben chemischen Krieg ufro. ergeben würben. Der Einwanb Simons, baß bas Inkrafttreten eines Sicherheitsabkommens von ber Abrüstung abhängig sei, sei burch viele Abkommen ber Vergangenheit widerlegt worden, z. B. die Locarnoverträge. Litwinow sprach zum Schluß von einem Frieden der Solidarität und der gegenseitig verbürgten Sicherheit und stellte den formellen Antrag, die gegenwärtige Konferenz jetzt schon in eine Friedenskonferenz umzuwandeln unb in Permanenz zu erklären. Dann schlug ber türkische Außenminister, bem sich Titulescu für bie Kleine Entente unb Maximos im Namen ber Mitglieder des Balta n p a k t e s anschlossen, vor, daß die Konferenz Protokolle über die Frage des chemischen Krieges, die ber Offenlegung ber Rüstungsaus- gaben unb über bie Frage der sofortigen Schaffung einer ständigen Abrüstungskommission ausarbeiten solle. Ferner solle die Konferenz sich unver- züalich mit den gesamten Fragen der Sicherheit beschäftigen, um möglichst bald zu einem Abkommen über die Herabsetzung und Begrenzung der Rüstungen zu gelangen. Das Präsidium solle zu diesem Zweck einen Sonderausschuß einsetzen, in dem alle an den zu behandelnden Problemen interessierten Mächte vertreten fein sollen. Pariser Marionetten. Paris, 2. Juni. (DNB. Funkspruch.) lieber bie Entwicklung ber Abrüstungsfrage zeigt man sich in französischen Kreisen befriebigt. Der Vorschlag bes türkischen Außenministers wirb be- fonbers unterstrichen, weil er ben französischen Wünschen in allen Punkten g e - recht werbe. B a r t h o u hatte eine längere Un- terrebung mit bem türkischen Außenminister. Man geht wohl kaum in ber Annahme fehl, baß ber türkische Plan in seinen wesentlichsten Punkten von Frankreich angeregt worben sei. Er läuft auf bie Bilbung eines Sonberausschus- s e s zum Stubium ber Sicherheitsfrage hinaus. Hier zeichnet sich also schon bie neue Front ab: Frankreich-Rußlanb, bie Kleine Entente unb bie Türkei unb Griechenland. So ist in der französischen Presse das Wort „Abrüstung" fast gänzlich Der» schwanden. Alle Erörterungen segeln unter ber neuen Flagge „Sicherheit". Amerika mahnt seine Schuldner. Roosevelts Botschaft warnt vor Verwendung zu Rüstungszwecken. Washington, 1. Juni. (DNB.) Dem Kongreß würbe vom Weißen Haus bie lange erwartete Botschaft über ben Stanb ber auslänbischen Schulben an bie Vereinigten Staaten überfanbt. Darin erklärte Roosevelt u. a.: Die von Amerika gewährten Anleihen an bie Alliierten haben diesen die Mittel zur erfolgreichen Beendigung des Weltkrieges und zur schnelleren Wiederherstellung normaler Zustände an die Hand gegeben. Das Geld für bie Gewährung biefer Kriegs- unb Nachkriegsanleihen habe sich bie amerikanische Regierung vom amerikanischen Volke borgen müssen. Die Schulbnerstaaten müßten fick Darüber klar sein, daß das amerikanische Volk sich baoon beeinflussen lassen werbe, wie bie Schulbnerstaaten bie ihnen zur Verfügung stehenben Mittel oerroenbeten, ob für ben Wieberaufbau unb für eine angemessene Abtragung ihrer Schulben an bas amerikanische Volk ober für Zwecke un» probuktiver nationalistischer Ausgaben. Jeber Schulbner habe jeberzeit Gelegenheit, einzeln fein spezielles Schulbenproblem mit ber amerikanischen Regierung zu erörtern. Wieber- holt habe bie amerikanische Negierung ben Schutt)- nern klargemacht, bah man eingegangene Verpflichtungen heilig halten müsse. Barthous Brise nach Bukarest und Belgrad. Paris, 2. Juni (DNB.-Funkspruch). Wie ber „Petit Parisien" zu ber bevorstehenden Reise des französischen Außenministers nach Bukarest und Belgrad erfährt, wird Barthou nach feinem Besuch in Bukarest nur bis zur rumänisch-füd- Die D e f f n u n g des Unglücks stallens im Kalibergwerk Buggingen ist nunmehr erfolgt. Eine kleine Kolonne mit Oberbergrat Zrer- vogel, einigen Aerzten unb Werkssanitätern sinb in die Grube eingefahren, wonach nochmals eine Entnahme und Prüfung von Wetterproben erfolgte, damit der Stollen dann unter den notwendigen Vorsichtsmaßnahmen geöffnet werden kann. Die Deffnungsarbeiten gehen sehr langsam vor sich, die eitens der Behöroen ergangene Weisung, m i t aller Vorsicht vorzugehen, wurde in allen Teilen befolgt, um nicht weitere Menschenleben zu gefährden. Es sind bereits einige Leichen bemerkt worden, deren völlige Vertrocknung man feststellte. Das Kaliwerksgebiet ist in weitem Umkreis durch Gendarmerieposten besetzt. Ebenso wird auch der Eingang zum Werk streng überwacht. Ohne de- anderen Ausweis darf niemand auf den Werkshof. Zwei mit Sauerstoffapparaten ausgerüstete Trupps stießen bis 800 Meter vom Schacht aus in das Grubengelände vor und nahmen Wetterproben, die noch untersucht werden. Rauch war auf der Wettersohle nicht vorhanden. Die Strecken ind vollkommen in Ordnung. Es wurden zwei Tote geborgen, die, nach ihrer Lage zu urteilen, auf der Flucht den Brandgasen zum Opfer gefallen find. Die beiden Trupps sind wohlbehalten wieder zum Schacht zurückgekehrt. Eine dritte Kolonne hat auf der Wettersohle zwei Verbindungs- strecken zur Hauptfördersohle zuaemauert, um das Eindringen schädlicher Gase auf Die Wettersohle zu verhindern. Ferner soll bie Dammtür auf ber Hauptforbersohle geöffnet werben. Auch bort sollen Wekterproben entnommen werben. An ber Befahrung untertags nehmen neben ben zustänbi- gen Stellen ber Werksleitung unb der Bergbehörde auch ein Vertreter der Staatsanwaltschaft und der badischen Medizinalbehörden teil. In Buggingen herrscht vollkommene Ruhe. Ansammlungen vor der Zeche haben nicht stattgefunden. Bei der Deffnung des Unglücksschachtes entnommene Proben haben ergeben, baß in ber 755-m- Sohle noch Giftgase vorhanben sinb. Es wurden bis zu 6 v. H. Kohlenbioxyd und bis 1,4 v. H. Kohlenoxyd festgestellt. Hierbei ist zu bemerken, daß 0,1 v. H. Kohlenoxyd sofort tödliche Wirkung hat. Die beiden aufgefundenen Leichen, die mumifiziert find, wurden von den Belegschaftsangehörigen sofort als die beiden Arbeiter erkannt, die die Rettungsmannschaft am 7. Mai noch zu retten versuchte, die den Versuch aber infolge völliger Erschöpfung aufgeben mußte. Die Leichen werden einzeln auf einem besonderen Ehrenfriedhof, der an den Bugginger Friedhof angeschlossen wird, beigesetzt werden. Wenn sämtliche Toten zutage gefördert worden sind, wird im Werkshof eine Gedenkfeier für bie Grubenopfer ftattfinben. OieNeichsstraßenverkehrsordnung Im Reichsgesetzblatt erscheint die Reichsstraßenverkehrsordnung. Zum ersten Male wird dadurch ein einheitliches Reichsrecht für ben gesamten Straßenverkehr gegeben. Der Kraftverkehr war bisher einheitlich reichsrechtlich, der übrige Straßenverkehr war in den verschiedenen deutschen Ländern selbständig geregelt. Für den Kraftverkehr galten aber außer dem reichsrechtlichen Kraftverkehrsrecht noch daneben die landesrecytlichen Bestimmungen. Nunmehr erfolgt die Vereinheitlichung des Rechts des ganzen Straßenverkehrs durch die Reichsstraßenverkehrsordnung. In zwei Hauptteilen werden geregelt: einmal die Voraussetzungen für die Teilnahme am Verkehr in sachlicher und persönlicher Beziehung, b. h. insbesondere Anforderungen an die Fahrzeuge unb ihre Führer, bann die Der- kehrsvorschriften selbst. Alle Verkehrsteilnehmer werden nach den gleichen Bestimmungen behandelt; Sonderrechte (Vorrechte) bestehen grundsätzlich nicht mehr. Bisher bestanden zahlreiche Einzelvorschriften. Aus ihnen ist bas ihnen Gemeinsame herausgehoben unb in eine Generalklausel umgegossen worden. Diese Vereinfachung war geboten und möglich: Selbst die größte Zahl Einzelvorschriften erfaßt bei der Vielfältigkeit der Lebensverhältnisse doch nicht alle erdenklichen Fälle; weiter schützt Befolgung der Vorschriften doch nicht immer vor Vorwürfen. Endlich ist ins einzelne gehende Reglung auch gar nicht nötig; denn nach der Rechtsprechung folgt die Pflicht zu verständigem und vorsichtigem Hanseln auch ohne Rücksicht auf Sonderbestimmungen aus ber allgemeinen jebem Verkehrsteilnehmer obliegenden Sorgfaltspflicht. Die Generalklausel, die das Verhalten aller Verkehrsteilnehmer regelt, lautet: Jeber Teilnehmer am öffentlichen Verkehr hat sich so zu verhalten, daß er keinen andern schädigt oder mehr als nach den Umständen unvermeidbar behin- Eine Großbank, Bilanz und Geschäftsbericht der Commerz- und Privatbank. Eine ber brei beutschen Großbanken, bie trotz »xt Stützung weiter auf privatwirtschaft- runblage arbeiten, bie Commerz- unb P r i v a t b a n k -A G., hat in biefen Tagen ihren Jahresabschluß unb Geschäftsbericht veröffentlicht. Sie hat insofern bie Öffentlichkeit angenehm über- rascht, als burch biefen Abschluß alle Vermutungen bezüglich einer etwa notroenbig roerbenben Sanierung gründlich ab absurbum geführt werben. Die wirtschaftlichen Pessimisten haben auch in biefem Falle Unrecht behalten. Die per 31. Dezember v. I. abgeschlossene B i - lanz ber Commerzbank zeigt, bah biese schon im Jahre 1933 burch Heranziehung von Reserven unb neuen Geschäftsgewinnen grünblid) bereinigt ist und daß unter die früheren Verluste nunmehr ein Schlußstrich gezogen ist. Dieses Ziel konnte erreicht werden, ohne daß das Aktienkapital etwa nochmals verkleinert zu werden braucht. Zum Zwecke der Bilanzbereinigung sind 20 Millionen Mark den offenen Reserven entnommen worden. Der gesamte Gewinn des Jahres 1933 rft unter Verzicht auf eine Ausschüttung zu dem gleichen Zweck verwendet worden, unb aufjerbem sind auch stille Reserven herangezogen worden, um die BilanzberSini- gung aus eigener Kraft so durchgreifend wie möglich durchführen zu können. Auf diese Weise konnten nicht nur die durch frühere Verluste notwendig gewordenen Abschreibungen und Rückte 11 u n g e n vorgenommen werden, sondern es ind außerdem Dollarnotes im Nennbeträge von insgesamt acht Millionen Dollar g u r ii d getauft worden. Die Abwertung des Dollars ließ diese Rückkäufe als außerordentlich förderlich für die Gesellschaft erscheinen, denn sie führte ihr beträchtliche Buchgewinne zu. Die Abschreibungen mußten vor allem auf die dem Karstadt-Konzern gewährten Kredite infolge ber bekannten Notlage bieses Konzerns vorgenommen werben. Auch bicfe Abschreibungen sinb also nunmehr burch Inanspruchnahme ber Reserven ber Commerzbank getätigt worben, ohne bah biese bas zur Sanierung der Banken ins Leben gerufene staatliche Entlastungsinstitut nochmals in Anspruch zu nehmen brauchte. Die Commerz- unb Privatbank hat also nunmehr bie große Bankenkrise des Jahres 1931 überwunden und ist endgültig konsolidiert. Die staatlichen Stüt- zungsmahnahmen waren ausreichend, um dem b e r t oder b e l ä ft i gt. Der Grundgedanke dieser Bestimmung ist, von Gesetzes wegen lediglich den im Derkehrsinteresse erforderlichen Erfolg vorzuschreiben, nicht aber den Weg aur Erreichung dieses Erfolges. Und dieser Grundgedanke beherrscht auch die übrigen, insbesondere bie technischen Vorschriften. Die wesentlichen Neuerungen sinb: 1. Führerscheinfreiheit für alle Kraftfahrzeuge bis zu 20 km/<5tb. Höchstgeschwindigkeit; baneben bleibt die feit mehr als 10 Jahren gel- tenbe Führerscheinfreiheit ber Kleinkrafträber bestehen. 2. Zahlenmäßig festgelegte Höchstgeschwin- b i g f e i t e n wirb es grundsätzlich nicht mehr geben. Eine Ausnahme kommt für Kraftfahrzeuge in Betracht, bie nicht luftbereift find. Allgemein bleibt die Möglichkeit örtlicher Beschränkungen. 3. Neugestaltet ist der Ueberholungsvor- gang. Wer von einem schnelleren Verkehrsteilnehmer eingeholt worden ist, hat «hm ein Zeichen au geben, sobald er bereit ist, sich überholen zu lassen. 4. Ein besonderes Vorfahrtrecht haben Kraftfahrzeuge und Straßenbahnen vor anderen Verkehrsteilnehmern; auch sonst ist das Vorfahrt- recht umgeftaltet worden. 5. Neue Vorschriften über die Beschaffenheit der Kraftfahrzeuge: a) Erhöhung der zulässigen Breite; b) die bisherigen Beschränkungen für Eigengewicht, Gesamtgewicht und Zuladung fallen fort; Begrenzungen gibt es nur noch für ben Rad- bruck, ber entscheidend ist vom Standpunkt ber Benutzbarkeit von Wegen unb Brücken; c) im übrigen ist für bie Bauart weitgehenbe Freiheit gelassen; es gilt, ähnlich wie für bas Verhalten ber Verkehrsteilnehmer, eine Generalklausel: Fahrzeuge müssen so gebaut unb ausgerüstet sein, baß ihr verkehrsüblicher Betrieb niemanben schädigt ober mehr als unoermeibbar behinbert ober belästigt. die sich selbst Hilst. Bankunternehmen eine Gesundung aus eigener Kraft zu ermöglichen. Die Aktionäre haben nur insofern nochmals ein Opfer bringen müssen, als sie auch für das Jahr 1933 roieberum auf eine Dividende verzichten müssen. Aber bas war erwartet worden. Die Ueberraschung besteht nur darin, daß die Commerzbank schon diesmal in so beträchtlichem Umfange eigene HRittel für bie endgültige Bereinigung ihrer Bilanz auf- wenden und diese außerdem durch die Verminderung ihrer ausländischen Dalutaschuld nm acht Millionen Dollar wesentlich verbessern konnte. In dem Geschäftsbericht der Verwaltung wird gezeigt, in welchem Maße die erfolgreichen Arbeitsbe- fchaffungs - u. Wirtfchaftsbelebungs- Maßnahmen der Reichsregierung diese Selbsthilfe erleichtert Haden. Die Gelder, die die Regierung der Wirtschaft zur Durchführung der verschiedenen Arbeitsbeschaffungsaktionen zur Verfügung stellte, haben nämlich zu einer Vermehrung der Bankkreditoren geführt, die in ben letzten Jahren so stark zurückgegangen waren. Die Zunahme der flüssi ge.n Mittel der Banken unb ber anderen Geldinstitute hat bann beträchtliche Steigerungen ber Kurse aller Anlagewerte, ber Aktien wie der Renten, hervorgebracht, woburch das Aktivvermögen der Banken wieber angereichert würbe und eingefrorene Gelder wieber aufgetaut werben konnten. Die fortschreitenbe Gesundung des Rentenmarktes, die ja die wichtigste Voraussetzung für die von ber Reichsregierung erstrebte organische Senkung bes Zinses ist, wird künftig ben Banken weitere flüssige Mittel zuführen, die deren Bilanz fortschreitend entlasten unb ihnen eine bessere Kreditversorgung ermöglichen werben. Die Commerzbank betont in ihrem Bericht, daß sie bie Pflege Des Mittel- unb Klein- kredits als ihre besondere Aufgabe betrachte. Sie hat z. B. im Jahre 1933 insgesamt 13 507 neue Kredite im Betrage von zusammen etwa 284 Millionen Mark neu ausgegeben. Hierunter Befanben sich 11823 Kredite unter je 20 000 Mark. Die an- gestrebte organische Zinssenkung wird es ben nunmehr konsolidierten Großbanken ermöglichen, ben kleinen unb mittleren Wirtschaftsträgern wesentlich mehr Krebit unb zugleich billigeren Kredit zu verschaffen. Daher ist neben ber Zinssenkung auch bie Bereinigung ber Großbilanzen für die beutsche Gesamtwirtschaft von größter Bebeutung. ie von N' sich ein Unfall ereignet. Ein Omnibus überfuhr ;en SU >t; eile« )en ren jrt- für len ab« 3e- en in; rs« uge Der« uhr s 4 n« !hr ige ein er en u« es lch m. Theologische Fakultäten zur kirchlichen Lage. Der Ev. Pressedienst meldet: Eine Reihe 1 ganz korrektes Bauernopfer. Im weiteren Verlauf des Spiels gab dann Dr. Alfechin .den Bauern tVt Ä statt' zurück. Es entstand ein Endspiel Dame und Springer gegen Dame und Läufer, das zu einer ausgeglichenen Stellung führte. Die erste Mannheimer Partie endete also remis. Die 23. Partie wird ebenfalls in Mannheim gespielt. Großer Erfolg des Aufrufs des Reichsmlnisters Dr. Goebbels zugunsten der freien Künstler. Der vom Reichspropagandaminister Dr. Goebbels vor einigen Tagen in der Press erlassene Aufruf an die Bauverwaltungen des Reiches, der Länder, der Gemeinden und der Körperschaften des öffentlichen Rechts hat in den Kreisen aller freischaffenden Künstler größte Genugtuung ausgelöst und reges Interesse an der Durchführung der angeregten Maßnahmen erweckt. Eine Reihe von Anfragen, die an die Reichskammer der bildenden Künste bereits gerichtet wurden, beweisen, wie sehr der Aufruf geeignet ist, die Hoffnungen der zum größten Teil aufs schwerste um ihre Existenz ringenden bildenden Künstler neu zu beleben. Rekordhihe und Schneesturm. Stärkste Temperaturgegensahe in USA. Die Neuyorker Morgenblätter widmen der Launenhaftigkeit des Wetters in den letzten Tagen breiten Raum. Am Freitag herrschten in den Vereinigten Staaten T e m p e r a t u r g e g e n s ä tz e, wie sie nur äußerst selten zu verzeichnen sind. Während in 3oliet (Illinois) mit 44 Grad Celsius ein neuer Hitzerekord zu verzeichnen war, meldete Butte .(Montana) heftigen S ch n e e st u r m, der zeitweilig den ganzen Straßenverkehr blockierte. Gleichzeitig tobte über St. Louis ein Gewitter- st u r m, der infolge zahlreicher Blitzschläge sechs große Brände verursachte, durch die mehrere Häuser zerstört wurden. In den Staaten Neuyork und Maine dauern die W a l d b r ä n d e an. Riesige Waldbestände in den Adirondack-Bergen sind bereits vernichtet. Die über diesem Gebiet lagernde Rauch- wolke ist so dicht, daß neue Brände erst bemerkt werden, wenn sie bereits erheblichen Umfang an« le in oren. I dec nbe- oller irnor* onken Helder itende )ie ia Häuser meterhoch unter Wasser standen und fast vollständig zugeschwemmt sind. ener ■ in.« ine war nur n so die auf« nde« DM« dem , in de« gs« elbft« ebener« erfu« Oer einträgliche Vollbart. Merkwürdige Geschichte eines Petersburger Bäckermeisters Darlehen aus diesem Arbeitsbeschaffungsprogramm auf einen noch späteren Zeitpunkt f e st g e s e tz t worden ist, behält es hierbei sein Bewenden. Bei den Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen des S o - fort-Programms 1933 ist eine allgemeine Verlängerung der Ausführungsfrist nicht möglich, jedoch werden die Präsidenten der Landesarbeitsämter und — soweit die Arbeiten im Wege des Freiwilligen Arbeitsdienstes ausgeführt werden — die Gauarbeitsführer ermächtigt werden, im Bedarfsfall auch bei diesen Arbeiten die Ausführungsfrist bis zum 31. Dezember 1 9 3 4 zu verlängern. Deutsch > bulgarisches ttebereinkommeu über Tabaktieferungen gegen Industriewaren. Berlin, 1. Juni. (DRB.) In den Verhandlungen der bulgarischen Regierung mit den Jndustriegruppen der verschiedenen Länder über die Abnahme von Industrieerzeugnissen gegen Lieferung von Tabaken alter und neuer Ernten hat der bulgarische Ministerrat seine G e - nehmigung zu dem Abschluß der Verträge in der von der Kommission vorgeschlagenen Form erteilt. Dieser Vorschlag sieht eine Regelung vor, nach der die deutsche Industrie Materialien im Werte von etwa 625 Millionen Lewa (67 v. H.) liefert, während der Anteil der Oesterreicher etwa 155 Millionen Lewa (18 v. H ), der Tschechen etwa 81 Millionen Lewa (9 v. H.) und der Ungarn etwa 45 Millionen Lewa (5 v. H.) beträgt. Nähere Einzelheiten sind erst in den nächsten Tagen zu erwarten. Meine politische Nachrichten. Reichspräsident v. Hindenburg empfing Freitag nachmittag den Reichskanzler Adolf H i t l e r zu einer Besprechung schwebender politischer Fragen. * Der Reichskanzler empfing den deutschen Botschafter in Paris, Dr. Kösier, zum Dortrag. Der Reichskanzler empfing ferner in Anwesenheit des Chefs der Marineleitung Admiral Dr. h. c. Raeder eine Abordnung des Kreuzers „K ö l n" und in Anwesenheit des Reichsministers Dr. Goebbels den Präsidenten der „Luce" (Nationale Italienische Filmgesellschaft), Exzellenz Palucci, der von dem Präsidenten der Reichsfilmkammer, Scheuermann, begleitet war. Da die studentischen Korps „D a n d a l i a" Heidelberg, „S u e v i a" München, „S u e v i a" Tübingen der Durchführung des Arierparagraphen nicht nachgekommen find, hat sich nunmehr die Führung der Deutschen Studentenschaft gezwungen gesehen, ihren Mitgliedern die Z u g e h ö r i g k e i t zu diesen Korps zu ve r b i e t e n. * Der österreichische Vizekanzler Fürst Star- Hemberg ist im Auto in B u d a p e st eingetroffen. In seiner Begleitung befinden sich Hauptmann Enrich und Hauptmann Prinz Windischgrätz sowie 60 Mitglieder der österreichischen Organisation „Iungvaterland". Der Vizekanzler begab sich zum Ministerpräsidenten G ö m.- bös. Er wird auch vom Reichsverweser in Audienz empfangen werden. Kunst und Wissenschaft. Oie 22. Partie im Welimeisterschasts- kampf remis. ie in i« )e n ir Ewdakoff blieb nicht lange im Besitz seines Doll- hartes. Die Geschichte sprach sich rasch in Hofkreisen herum und man empfand es als unglaubliche Unverfrorenheit, daß sich ein gewöhnlicher Bäckermeister herausnaym, den gleichen Bart zu tragen wie Nikolaus II. selbst. Eines Morgens bekam Ewdakoff den Besuch eines Kriminalbeamten. Der Beamte betrachtete eine Weile nachdenklich den schönen Dollbart des Bäckermeisters und nachdem er schmunzelnd die große Aehnlichkeit festgestellt hatte, forderte er den biederen Herrn Ewdakoff auf, sich den Bart sofort abnehmen zu lassen. Der arme Bäckermeister war untröstlich, er fuhr sich noch einmal mit bebender Hand durch den Bart und begab sich hierauf in Begleitung des Kriminalbeamten zu seinem Leibfriseur, während sich draußen die neugierige Menge staute. Ewdakoff entfernte sich ohne Bart als ein gebrochener Mann. Jahre vergingen, das russische Zarenreich wurde zertrümmert, Nikolaus II. verschwand, der Bäckermeister Ewdakoff jedoch verkaufte nach wie vor seine frischen Brötchen. Als er hörte, daß ein Film gedreht werden solle, in dem Nikolaus II. eine Rolle spielte, verklärte sich sein Gesicht. Er ließ sich, so rasch es ging, seinen alten Zarenbart wieder wachsen und meldete sich für die Ralle des russischen Zaren. Er wurde sofort für ein hohes Honorar engagiert. Woraus man wieder ersieht, daß ein Dollbart, der zur rechten Zeit getragen wird, immer noch ein kleines Vermögen wert ist. Reichsgaue als Unter« gliederungen des Reichs. Reichsinnenminister Dr. Frick über die künftige Reichsorganisation. Königsberg, 1. Juni. (DNB.) Die „Känras- berger Allgemeine Zeitung" veröffentlicht eine Unterredung mit Reichsminister Dr. Frick, in der das Blatt an den Reichsminister die Frage stellte: Ist für die Zukunft geplant, dieProvinz Ostpreußen im Zuge der Neugliederung und des Neuaufbaues des Reiches verwaltungsmäßig enger an das Reich heranzuziehen? Der Reichsminister antwortete darauf: Die künftige Organisation des Reiches steht noch nicht endgültig fest. Ich kann aber sagen, daß die Errichtung von Reichs- g a u e n geplant ist, die als Untergliederungen des Reiches gedacht sind. Es besteht kein Zweifel, daß in diesem Falle die heutige Pro- vinz Ostpreußen ein eigener Reichs- g a u werden und dadurch in umittelborfte verwaltungsmäßige Beziehung zum Reich kommen wird. Jahresfeier der Verkündung der DeuksOenRechtsstonkinHamburg Hamburg, 1. Juni. (DNB.) Die Jahrestagung der Deutschen Rechtsfront in Hamburg, nahm mit der Jahresfeier der Verkündigung der Rechtsfront ihren Anfang. In der großen Halle des hanseatischen Oberlandesgerichts, wo vor einem Jahr die Rechtsfront feierlich verkündet worden ist, versammelten sich zahlreiche namhafte Juristen aus dem ganzen Reich. Dabei betonte Reichsjuristenführer Dr. Frank u. a.: Die Gründung der Deutschen Rechtsfront ist die Eröffnung eines wiedererwachten deutschen Rechtslebens, einer wiedererwachten deutschen Rechtsbewußtheit und einer wiedererwachten deutschen Rechtsschule, die uns mehr gelten als alles, was man uns an überfremdeten Methoden und Gedanken als Recht in Deutschland aufoktroyieren zu können glaubte. Dieses Rechtsleben kann nur verwirktlicht werden, wenn es die deutsche Rechtsseele und die deutsche Volksseele wieder vereinigt. Ich danke allen deutschen Rechtsdienern für ihre flammende Begeisterung, mit der sie sich um die Fahnen des Deutschen Reiches nationalsozialistischer Prägung geschart haben. Schone, wallende V o l l b ä r t e sind, besonders wenn sie gepflegt werden, manchmal ein Vermögen wert. So lebt z. B. in Hollywood ein kleiner Filmschauspieler einzig und allein von der stattlichen Länge seines Bartes. Man erzählt sich, daß dieser Mann seinen konkurrenzlosen Bollbart jeden Morgen in heißer Milch wäscht. Als in Rußland nach der Zar regierte und die damalige Hauptstadt des russischen Reiches noch nicht Leningrad, sondern Petersburg hieß, lebte in Petersburg ein Bäckermeister namens Ewdakoff. Herr Ewdakoff hatte eine frappante Aehnlichkeit mit dem russischen Zaren. Die Menschen standen vor seinem Geschäft Schlange, um den Doppelgänger Nikolaus II. von Angesicht zu Angesicht zu sehen. Er hatte die gleiche Schädelform wie der Zar, dieselben Haare, dieselbe Nase, denselben Mund: man hätte mit einem Wort im ersten Moment schwören können, daß dieser Mann ein Zwillingsbruder des russischen Zaren fei, wenn — ja, hier beginnt die Geschichte interessant zu werden. Nikolaus II. hatte einen Bart, der Bäckermeister Ewdakoff jedoch war glatt rasiert. Als er merkte, daß die Aehnlichkeit mit dem Zaren sehr belebend auf den Geschäftsgang seines Ladens wirkte, entschloß er sich, sich einen Bart stehen zu lassen, „haargenau" wie der Bart seines prominenten Vorbildes. Die Brötchen des Bäckermeisters Ewdakoff »gingen weg, — na eben — „wie warme Sem- 'meln", jeder wollte den majestätischen Vollbart bewundern. Es wäre zu wünschen, wenn dem Aufrufe des Reichsministers Dr. Goebbels auch die Industrie und der Handel bei ihren Bauvorhaben sowie die größeren Privatbauherren in angemessenem Umfange Folge leisteten, so daß zugleich mit der großzügigen Arbeitsbeschaffungsaktion sich auch die Kunst wieder in größerem Maße als in der letzten Zeit auf dem Gebiete des Bauwesens Eingang verschaffen könnte. Die Reichskammer der bildenden Künste, Berlin C 2, Schloß, Schlüterhof, der alle bildenden Künstler ^ur Ausübung ihres Berufes angehören müssen, sowie ihre einzelnen Landesstellen sind jederzeit gern bereit, allen Bauverwaltungen und anderen Bauherren kostenlos den Nachweis entsprechsnder Künstler (Architekten, Maler, Bildhauer, Graphiker, Kunsthandwerker) zu vermitteln und auf Anfrage jede gewünschte Auskunft zu erteilen. Der Sarkophag als Brunnenfrog. Im altberühmten Kloster Lorsch bewahrt man in der sogenannten „fränkischen Königshalle" die jetzt wiederhergestellt wird, u. a. den riesigen Steinsarkophag des in Lorsch verstorbenen und beigesetzten Herzogs Tassilo von Bayern auf. Der Boden des Sarges zeigt ein merkwürdiges kreisrundes Loch; er wurde früher in einem Dorf der Umgegend als Brunnentrog benutzt! Die „Königshalle" selbst, das interessanteste Bauwerk des Klosters aus dem 8. Jahrhundert, soll nun auf Betreiben der * Gemeinde Lorsch ihre zahlreichen Altertumsschätze, darunter den wertvollen Mosaik- Fußboden, Grabplatten usw., aus dem Darmstädter Museum zurückerhalten und noch in diesem Sommer zum Heimatmuseum eingerichtet werden. Die Wiederherstellungsarbeiten werden von Prof. Be h n - Mainz geleitet, dem es gelungen ist, im ehemaligen Obergeschoß der Königshalle uralte kostbare Fresken aufzudecken. Aus aller Welt. Sängerfeff in St Louis. — Stürmisches Bekenntnis zum neuen Deutschland. Als Auftakt zum 38. S ä n g e r f e st veranstaltete das Deutschtum von St. Louis einen großartigen Empfang zu Ehren des deutschen Botschafters und der aus allen Teilen Amerikas erschienenen Sänger sowie besonders der Angehörigen des Doppelquartetts des Berlin o>r Leyrergesang- Vereins. Der deutsche Botschafter Dr. Luther bezeichnete in seiner oft von brausendem Beifall unterbrochenen Rede die starke Regierung des neuen Deutschland als den besten Bürgen für den Frieden. Er rühmte weiter die Entschlossenheit des deutschen Volkes, sich aus eigener Kraft von den verheerenden Folgen des Versailler Diktates zu befreien. Anschließend brachte das Professor Felix S ch m i d sche Doppelquartett mehrere Lieder zu Gehör und bedankte sich damit gleichzeitig für den Empfang am Bahnhof durch die deutsch-amerikanischen Sänger. Schweres Unwetter über dem Saargebiet. Am Freitagabend ist über dem Saargebiet ein schweres Gewitter niedergegangen, das zwar ben seit langem ersehnten Regen in reichem Maße brachte, aber auch großen Schaben anrichtete. Besonders im Warndt hat das Gewitter ziemlich übel gehaust. In Groß-Rosieln und Umgebung schlug der Blitz in mehrere Häuser ein. Die Wassermassen stürzten sich von den Bergabhängen in die Straßen und rissen bas Pflaster an vielen Stellen vollständig auf. Felder und Gärten wurden völlig überschwemmt. Die Hauptstraße von Groß-Rosseln gleicht einem Sandmeer. Ein kleines Kind wird vermißt; man befürchtet, daß es fortgespült wurde und ertrunken ist. Der Straßenbahnver- febr nach Völklingen mußte eingestellt werden. Es wurde ein Omnibusbetrieb eingerichtet. Dabei hat laste" ,liche" t, d-i ein’ t. S>e ne"6 । rungSzeug. nist« beizusüqen.In vielen füllen sind di« Auf- iragaeber von Zister- anzelgeu unbekannt, u. «• kann dann gor Wiedererlangung verlorener Lewer buugeunterlageu nichts aetau werden.- Ieuams- und ähnlich« Abschrift««, tichtbtlder usw. wüst«n stets aul der Mcheitedievosistär.big« Anschrift desSewerbers fragen. 71ur bei L«ach« hing dieser Anregun- g«n kSnueu die ©teilen SuchendenaufMcksen- düng ihres Eigentum« vRechts wegen rechnen. Vornehme Tätlgk.w. ein. Büro.Verd.-Mög- lichk.400.- mon.u. m. Anfr. en Ludw.Doile, WolterslageKr.Oster- bürg Altm, Knz. S. seither Kirchenplatz 6 jetzt SelterswegJ Schöne, sonnige 6-Zimmer-Wohng. zu verm. [02802 Dammstraße 36, EckeWernerwall. Bess. 5*3imm.> Wohnung mit 2 Mans.-Z. u. Gart., fr. Lage, Bahnbofstr., z. 1. Juli z. verm. Näh. A. Becker, Kevlerstr.93357O Am 4. Juni 1934 findet eine Schweinezwifchen- zählung in den Gemarkungen Gießen und Schiffenberg statt. Die Schweinebesitzer haben den Zählern die notwendigen Angaben bezüglich ihrer Schweine- bestände bereitwilligst zu erteilen. Auf die Bekanntmachung des Kreisamtes Gießen, angeschlagen in den Aushängekasten der Stadt Gießen, wird beson- 3329C SeuWMlstelgklW m Ml mell Dienstag den 5., und Mittwoch, den 6. 3uni 1934, soll das Heugras von den städtischen Wiesen öffentlich meistbietend versteigert werden, und zwar: Dienstag, den 5. 3unl 1934, 8 Uhr (Zusammenkunft am Schlachthof) von den Wiesen im Neustädter Feld, bei dem Schlachthof, Hohleich und auf der Insel. 9 Uhr (Zusammenkunft am Schwarzlachweg, Ecke TNarburger Straße) von den Wiesen in der Schwarzlach in 7 Abteilungen. 10% Uhr Zusammenkunft in der Restauration von Georg Schrimpf, Kaiserallee 4) von den Wiesen im Heegstrauch, Rußland, Ohleberg, am Weiher, Throms Garten, eine Wiese hinter der Kläranlage und vom Obstbaumgrundstück in der Licher Straße in 4 Abteilungen. 14 Uhr (Zusammenkunft in der Restauratton „Lie- bigshohe") von den Wiesen im Wiesecktal und an der Eselswiese. Mittwoch, den 6. Juni 1934, 8% Uhr (Zusammenkunft an Ort und Stelle) an der Anneröder Straße, von den Wiesen am Altentisch und Utersbrunnen, anschließend an der Rödgener Straße von den Ochsenwiesen und den Wiesen hn Stolzen Morgen. 11 Uhr (Zusammenkunft an Ort und Stelle) von den Wiesen in den Gemarkungen Großen-Buseck und Rödgen. Steigliebhaber, welche die Wiesen zu besichtigen wünschen, wollen sich an den Wiesenmeister Klos, Z-Ziminer-Wohng. evtl. ruh. 2 Zimmer o. Alleinst. ges. Schr. Ang. nur m. Preis u. 02837 a. d. G.A. Alleinsteh.Dame sucht fl. 2-Zim- merwohnung m. 51üche, abgeschl., i. nur gut. Hause Sckr. Ang. unt. 02847 a.d.G.A. Wohnung mit Küche zum 15.6. od. 1.7. zu mieten gesucht. Schr. Ang. unt. 02848 a.d.G.A. 1-2-Moli für sofort oder später gesucht. Schr. Ang. unt. 02863 a. d. G.A. Suche H-Moli. evtl. m. Garage. Schr. Ang. unt. 02842 a. d. G.A. Gesucht 1. 10. schöne 3-4-Zimm.-WohDg. Part. od. I. St., v. kl. Farn., 2 P., evtl. Tausch mit 5-Zimm.-Wohn. Schr.Ang.m.Pr. u.3324Da.G.A. (Stellengesuche) Netterer, vriv. Angestellter m. tadelsfreiem Vorleben, sucht Beschäftigung, gleich welch. Art. Schr. Ang. unt. 02879 a.d. G.A. ( Verkäufe 1 (Oute 1 Milch- ii. Fahrkuh fünftemal kalb., zu verkauf. 02349 Heuchelheim, Gießener Str. 3. Gasherd (Junker & Ruh), 211., für 10 Mk. abzugeb. [334»D LickerStr.21 H. TORPEDO Alleinverkauf: NiederhaiM&Co. Bahnhof strafe Schflzt Ihre Geschäfts- Drucksachen ■teilen dleVMrblndung her zu Ihren Erzeugnissen.Man stellt eich die Beschaffenheit Ihrer Waren so vor, wie man Briefbogen, Brief umechläge,Poetkarten. Rechnungen, Geech&ftekarten Ihres Hauses beurteilt. Legen Sie deshalb Wert auf gepflegte Druck- eschen I Wir bieten eie Ihnen prelewertl Brllhl’sche Druckerei Schuletr. 7, Ruf 2251 [Verschiedenes | Sie essen gut u. preiswert [02888 Privat- Mittagstisch Frankf. Str. 34 Parterre. AweckSDekSmpfvngorr Schwarzarbeit tonnen Arbeifs-Aags- bot« von Handwerkern nur mit Tlamensnea- nung u. unter Vorlage des Gewerbenachwsises au'genommen werben. Plaß- bzw. Bezirksvertreter, d. i. Hotels, Gast- wirtskr., Kinos usw. gut eingeführt sind, f. m. vat.gesch.„Litta" Luftreinigungs- Avvarate,Hoch» glanzvolitur bei hoh. Prov. ges. Alfred Ließ, chem.techn.Art., Kiel-G. 3314V für sof. od. föot. v. ruh. u. vünktl. zahlend. Mieter (3 Pers.) gesucht. Schr. Ang. unt. 02824 a. d. G.A. M-Zimm.-Wohog. ges.,ev.sch.Mans. 3-Z.-W. kann in Tausch geg.wdn. Schr. Ang. unt. 02845 a. d. G.A. Beamter sucht 34'3imm.- DoHnnno Schr Ang. unt. 3347D a.d.G.A. Saub.,int.,jung. Mädchen kann unt. günst. Bedingungen d. Küche erl. [02875 Zu erfr. i. d. Ge- schäftsst. d. G.A. Junges Mädchen d. a. bügeln k., f. leichte Haus- arb. u. Büro ges. Marburger Str.40p. [3343D Tücht., ehrliches MMlNilillW f. klein., ßutgef. Haush. i. Berlin gesucht. Vorzust. m. Zeugn. Montag u. Dienstag Nachm. [33«oD Liebigstr. 82 n I Umzugshalber zu verkauf.3337D 1 Wohnsalon, 1 zwellür. Kleiderschrank, 1 Schülervult, 1 Kinderbett m. Matratze, iKinderbadew., Bel.-Körver, 1 Weißlack. Bett, 1 Holzbett. Alrcestr. 18 p. Wegen Wegzug zu verk.: 3344D 1 komvl. Wohnzimmer, 1 komvl. Schlafzimmer, 1 komvl. Küche, wenig gebraucht. Anzusehen zw. 18—20 Uhr Liebigstr. 60 H. Rein Biedermeier-Sofa, drei Stühle, Tisch f. 100 Mk. Teckbett 15 Mk. Schriftl. Angeb. u. 02852 an d. Gieß. Anz. 2 pokerte Betten mit Matratz. u. 1 Kinderbett zu verkaufen. [02860 Kaiserallee64p. Z. verk.: Bellst., Bett., rnd. Küche, Sofa,Ledersess., Schränke,Tische, elektr. Sonne, Lamv., Tevvich, Blumenkästen Mll 50 qm, 22 mm dick, z. kauf. ges. H. Gärtner, Wilhelrnstr. 25. Tel.2802. «"^D [ Empfehlungen | Billiges 6elö Größte Vorteile d. Hanseatische Svar- u.Dar- lehnskasse Gießen,Bücking- ffraße 2II. [02653 U.Reichsaufsicht. Anmachholz Bestell, erbitten wir direkt an uns, möglichst v.Post- 34MoIl zu vermieten. Schr. Ang. unt. 02836 a. d. G.A. Sonnige, ruhige ttt. sch. Veranda, in bess. Hause, Nähe Hinden- burgwall, zum 1. Juli z. verw. Schr. Ang. unt. 02864 a.d. G.A. In herrschaftlich Hause (Anlagen) 2 bis 3 KUflume . tls. mbl. m. Zenllalhzg., fließ. Mass., Tel. usw. sof. abzug. Schr. Ang. unt. 02870 a. d. G.A. Vornehm möbl. 2-Zmer-Wohng. m. all. Zub. zu vm. Schr. Ang. u.02834a.d.G.A. Größ. Werkstatt auch als Lager geeignet, nebst Wohnung besteh.aus2Zim- mern, 2 Kamm, und Küche preiswert z. 15. Juni evtl. spät. z. ver- mieten.Schr.An- fragen u. 02816 an d. Gieß. Anz. nur an Dauermieter abzugeb. Schr. Ang. unt. 02843 a.d.G.A. I. ruh. Hause gut Mi. Zimmer bill.z.verrn.l o284i Horst-Wessel- Wall 56 p. Büro- und Lagerräume Wetzsteins. 25 z. vermiet. 3345D Dr. Svohr, Neuen Bäue 25. Giotze Mme (Säle) für Werkstätte, Büroräume od. f. Fabrikationsbetrieb zu verpachten. 02833 Zu erfr. i. d. Ge- schäftsst. d. G.A. Mine Garage zu verm. 0287« Licher Str. 19. | Mietgesuche | sonnige 4-5-Zimin.-Wohng. zum 1. Oktober 1. nur gut. Hause gesucht (f. 2 Personen). (02846 Schr. Angeb. an Rechtsanwalt Dr. Wämser, Liebigstr. 15. Der Neuansllich - 2245 qm mit Handentrostung ohne Farbliefe- rung - der Weg- Überführung km 136,37 im Bahnhof Gießen soll vergeben werd. Unterlagen, soweit vorrätig, f. 0,80 (keine Briefmarkenlabzugeben. 3316V Verding 8. Juni 11 Uhr. Zuschlagsfrist 2 Wochen. Reichsbahn- Betriebsamt Gießen 1. Große [02832 GastwirtMiait Nähe Gießens, zu verpachten. Zu erfr. i. d. Ge- schäftsst. d. G.A. IIIIIIIIIIHIIIIIIIIIIIIIIIIII 500 Mark von Kriegsbesch, gegen Sicherheit und monatlichen Rückzabl. gesucht Schr. Ang. unt. 02855 a.d.G.A. illlHIIIIHIHIIIimilllllll Herr, 35 Ihr., ev., in sich. Pos., wünscht Heirat m. echt deutsch. Mädel. Vermittlung verbeten. Schr. Ang. u. 02854 a. d. G.A. | Vereine"" ElMMllS i. d. Wilhelrnstr., sehr billig für 16000,- Mk. zu verkaufen. Sckr. Ang. unt. 02865 a. d. G.A. 6/25 PS Limousine mit Hintertür, als Lieferwagen verwendbar, fahrbereit, preiswert abzugeben. Autoverkehr 3353D Beuern. Mahagoni- Bücherschrank besonders schön, vreisw. zu verk. Kaiserallee 81, Gartenhaus02866 Ehrliches Mädchen das für 3 Pers. d.Hausb. führen kann, sof. gesucht Hammslraße 2, 1. Stock. 02850 Zurnl5.Juniw. ein ffeiß. ehrlich. Mädchen vom Lande im Alter V.18-20J. gesucht. 3j»d Bleichstraße 21. Solides älteres Mädchen gesucht. 02827 Ludwigstr. 4V I. Mädchen, über 18 Jahre, über Mittag für 4 bis 6 Wochen ges. Vorzust. zw. 2 u. 3 Uhr. 02861 Damplsägewerklollar b. rwlm. Collar. Asbest- Platten 1,2,3,4 u. 5 mm, wieder am Lager. 2O4D CarlSchunck Auto-Fahrten werden billigst angeführt. 02357 K. Lorenz. Telephon 3287. IIIIIIIIHIIIIIIIIIHHIIIIII Donnerstag, den 14. 3uni 1934, 10% Uhr beginnend, in der Gastwirtschaft „Zur Liebigshöhe" in Gießen: 3331C St. Eichenstammholz N. 1. Kl. = 2,47 fm St. Eichen tammholz N. 2. Kl. = 10,28 fm, St. Eichen tammholz N. 3. Kl. = 0,75 fm St. Eichen chwellenholz N. 1. Kl. = 26,08 fm Heute Abend 8 % Uhr [3327 D Pflicht- Versammlung Hessischer Hof. Sonntag rnorg. 7 % Uhr Antret, aller Kameraden auf d. Oswalds- garten. Marine'Verein Gießen Sonntag, Z.Juni 7.45 Uhr Antret. Oswaldsgarten: Fahnenweihe Reichotreubund. Monats- Versammlung 9. 5. 8.30 Uhr BootShs. 8386 D Zu-verkaufen 2 gut erb. 2tür. Kleiderschr.,eine Zinkbadewanne, 1 weiß. Küchenschrank, 1 maus- gr.Unif.°Mant., 1 dsgl. Umhang. Liebigstr. 181. Garteühätte aus Holz, preiswert zu verkauf. 02871 Schäfer, Bleichstr. 8,H.l. Gut erh., weißer Kinderwagen zu verkauf. lor856 Asterweg 48 Ur. 7 Morgen fleugras auch Grummet, ganz od. geteilt, zu verkauf. 02877 Nah. Schwarz, Kugelberg 2. Telephon 4082. Die Ernte von 6 Morgenl3356D rKlee zu verkaufen. I. Wellhöfer, Marb. Str. 24. Stweeren Pfund 14 Pf., u. 1 Gitarre abzugeben. [02840 Neustadt 6 H. Kaufgesuche I u u d ti 8 u le I 0 n f KrJ26 Zweites Blatt Gletzener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen)Samstag, 2. Zuni 1954 Barbara stand verträumt, als Bis jetzt ahnte ich nichts öffnet die Tür Augen, und philosophierte. Ein Täfelchen hina Visitenkarte am Gitter: Warzenschwein — Afrika. Bis jetzt ahnte ich nichts von Barbaras Exi tenz. zum Stall. Es ist Barbaras Schlafenszeit. Aber Barbara kann sich nicht trennen. Sie trabt einige Schritte auf ihren Stall zu, bleibt stehen, kehrt um. Der Wärter wird ungeduldig. Als ich mich endlich losreihe, kommt Barbara noch einmal ans Gitter gelaufen, sieht mir lange nach und grunzt dabei zärtlich und leise — meine Barbara! —18 . Ein Jawort geht um die halbe Erde. Es ist eine einfache Liebesgeschichte zwischen zwei jungen Menschen, die sich auf den ersten Blick lieben, aber verständig genug sind, sich in ihrer Liebe eine Prüfung auszuerlegen, ob sie auch in zeitweiliger Entfernung voneinander Bestand hat. In Porkshire wurde Vincent Rouse, der Angestellte einer großen Baumwollspinnerei, mit Elaine Bloggs, der Toch. ter eines Melbourner Kaufmanns, die in England zu Besuch weilte, bekannt. Er vexliebte sich in sie und sie erwiderte seine Zuneigung, aber als sie die Heimreise nach Australien antrat, mußte sie ihm versprechen, ihren Entschluß, sich an ihn zu binden, noch einmal zu überprüfen, und auch sie gab ihn frei. Dom Suezkanal aus aber erreichte ihn schon ihre bindende Zusage, und nun lief auch von ihm aus ein Ein-Wort--Telegramm um die halbe Welt, sein Ja-Wort, das ihr zugleich ankündigte, daß er mit dem nächsten ausfahrenden Schiff nach Australien reisen werde, um ihre Eltern um ihre Zustimmung zu bitten. So besteht die Romantik der Liebenden also in ihrer ewig einfachen Form fort, und alle technischen Errungenschaften müssen ihr dienstbar feiiu j.» 3 _ tu istigkll I m,i.l rfsicki bind« msen, W > üöd«"' % 0* X* rrkel n wckt I mW» deren ganz zart mit ihren schwarzen Plüschlippen mir aus der Hand und kaut lange daran. Manchmal werden wir gestört. Irgendein Zoobesucher ist es, der mit einem aufgeschlagenen Füh- rer, erhitzt und krebsrot im Gesicht, den Hyazinth-- Ara- oder das Nilpferd sucht. Oder es erscheint ein gründlicher Familienvater. Die Gattin hängt andächtig in seinem Arm, und die Kinder halten respektvoll den Atem an, während er einen Vortrag über Barbara hält: „Na, also, bet is bet Warzenschwein. Del sone Häßlichkeit nid) polizeilich verboten isk So 'n Warzenviech!" „Ach, Männe", flüstert die Gattin, „warum is es denn so schwarz?" — „Na, weil es aus Afrika is", sagt der Familienvater. Einmal aber, als ich Barbara gerade einen Keks nach dem anderen in die schwarzen Plüschlippen stecke, kommt ein kleines Mädchen mit seiner Mutter. So ein pausbäckiges kleines Mädchen mit einer Stupsnase und furchtbar viel Fragen. Als es Barbara sieht, klatscht es in die Hände und ruft mit einer unbeschreiblich hohen begeisterten Stimme: „Guck, guck Mutti, ganz wie Tante Barbara!" Felder des Dorfes, hatten trotz der Frühe schon wache Augen, um da die gutstehende Saat, dort den kräftigen Klee ober einen besonbers keich gesegneten Obstgarten zu sehen und zu bewundern. Unsere Wagen streiften unter Buchenhecken dahin, wir muhten uns bücken und kamen zerzaust hervor. Vogelschreie ertönten, und wir ließen uns vom Vater belehren, was bas für Vogelstimmen seien, versuchen auch, sie nachzuahmen. Schließlich bogen wir in bas „wässerige Gelänbe" ein, in bie Wiesen, bie kreuz unb quer von sauber gehaltenen Gräben durchzogen würben. Dies Gelände trug weder Baum noch Strauch unb bas war neu unb fremd, man sah es nicht bas ganze Jahr, sonbern eben nur zur Heuernte. In der Ferne sah man bie Konturen eines hohen Dammes, bahinter floß ber Rhein, der geliebte Strom, der für unsere Jugend eine mythische Große darstellte und dem wir uns nur mit Ehrfurcht nahten. Ihm jetzt so nahe zu sein, das ließ uns erschauern. Andächtig sah man den Rauch, der aus den Schornsteinen seiner Schiffe stieg. Man sah nur den Rauch: der Damm war so hoch, daß er sonst alles verbarg. Aber man horte das Tuten der Schiffe, horte es jetzt ganz nahe. Unwillkürlich mußte man an fremde Länder denken, an große Städte „Träum net", rief plötzlich ber Vater und warf einem einen Rechen zu. Unb wahrhaftig, ba standen schon alle unb roenbeten mit Rechen ober Göbel bas trockene Gras, breiteten es in her Sonne. Bis zum Mittag mußte es trocken sein. Arbeitenb wunderte man bie Wiesen auf unb ab, unterhielt sich scherzend. Lieber klangen auf, wurden mehr gesummt als gesungen. Man konnte hier nicht so laut sein. Der Horizont war weit, ber Himmel strahlte unb sonnte, zahllose Lerchen trillerten in ber Luft. An Kleidern hatte man alles abgelegt, was nicht unbedingt nötig war. Schon war der weiche Stoppel- boben. Auf ben Wiesen wuchs kein Unkraut, keine Dieftel; man konnte auf biesem Stoppelboben barfuß gehen, er war wie Samt so weich. So glitt man im gleichbleibenben Rhythmus ber Arbeit ba hin unb würbe, in fast traumhafter Gelockertheit, eins mit Luft unb Sonne. In ben Essenspausen fanden wir uns bei ben Wagen, wo es etwas Schatten gab. Man aß Brot mit weichem Milchkäse, vielleicht auch etwas Rauchfleisch, aber bavon nicht zuviel, weil es durstig machte. Aus irdenen Krügen tranken wir kühles Wasser und man war nach diesen Mahlzeiten kein bißchen müde. Dazu wäre aber auch keine Zeit gewesen. Die Zeit, die ba war, mußte zur Arbeit genützt werben. Zum Mittag war bas Heu trocken: jetzt mußte es auf Haufen geschoben werben. Auf bem famtglatten Stoppelboben schob es sich leicht, türmte sich bann, unter regelmäßigen Abständen, in großen Haufen, und wenn ber Tag im Abstieg Bei aufgehender Sonne fuhren wir mit zwei langen, schlanken Leiterwagen von Hause weg. Einer aus ber Familie mußte zu Hause bleiben, aJüTiinh -örtlich- I um das Vieh zu versorgen, sonst aber saßen alle, baft bu mir wieder Keks mitgebracht?" fragte bie zum Haushalt gehörten, verteilt auf ben beiden Barbara, unb bann nimmt sie einen nach dem an» I Wagen. In leichtem Trab fuhren mir durch bie „Pfui", sagt bie Mutter, „schäme bich, bas ist ein Warzenschwein. Komm, wollen wir lieber zu ben Elefanten gehen ober zu ben Affen." Abenbs kommt ber Wächter unb war, waren wir so weit, bah wir bas Heu auf bit Wagen laben konnten. Das ist eine kunstgerechte Sache, einen solchen Heuwagen laben; eine Sache, bie gelernt fein muh. Mit langen Gabeln wirb bas Heu bem gereicht, ber auf bem Wagen steht. Der nimmt jebe einzelne „Gabelladung" in seine beiden Hänbe und setzt biefe Ladung wie einen Baustein an ihren bestimmten Platz, bis bann, breit und behäbig, ber beladene Wagen fertig steht. Nun wird ber „Wiesbaum" aufgelegt, eine lange, ziemlich biefe Stange aus Eichenholz. Die wird längs auf die Mitte bes be* labenen Wagens gelegt, so, baß sie vorn unb hinten mindestens ejnen halben Meter über bie Ladung hinausragt. Selle werden daran befestigt, bie, schräg lausend, bann wieder an ben Wagenleitern fest» gemacht werben. So wirb bie ganze Ladung fest- gehalten unb die Fahrt nach Hause kann ohne Ge» fahr beginnen. Auch diese Heimfahrt war noch ein Fest. Es lag sich herrlich in bem buftenben Heu. Inzwischen war es auch Abenb geworden. Die Sonne ging unter, sank in ben Rhein, von bem immer noch bas Tuten ber Schiffe klang, ferner unb ferner tonend, je mehr wir wieder ostwärts fuhren. Es wurde Nacht. Waren Sterne am Himmel, so war bas schon, schoben sich Wolken zusammen, so war bas auch schön. Keinem war es eingefallen, auf biefer Heimfahrt zu schlafen, keiner aber auch mochte reben. Es war die Stunde des unbegrenzten Wanderns in bie fernsten Träume. Wie sollte man sie auch kennen? Barbara ift ja fo bescheiben! Sie haßt Reklame. Sie tut sich nicht wichtig, wie zum Beispiel bie Löwen burch bisfretes Brüllen, ober die Pfauen durch ihr ewiges Rad- K, ober die Affen. In keiner Weise drängt sich a auf. Sie lebt zurückgezogen, ganz ihren Träumen und ihrer Philosophie — aber auch barmt prObt sie nicht. Barbara ist eine wirkliche Dame. Ich besuche Barbara regelmäßig. Schon von weitem erkennt sie mich. Sie trabt mir auf ihren zart- geschwungenen O-Beinchen em paar Schritte ent- gegen, bleibt, wie beschämt über dieft Gefühls- reaung, stehen, roebelt sanft mit dem Schwanz, blick zur Seite und tut so, als ob sie mich nicht bemerkt hätte D Nefe zarte, biefe fan/t errötende Koketterie eines älteren häßlichen und dabei fo liebebedurftigen Meine Freundin Barbara. Von Andr6 Baron Foelckersarn. Kennen Sie Barbara? Nein, natürlich kennen Sie Barbara nicht und wissen nichts von ihrem unbeschreiblichen Charme. Barbara ist eine Lady. Ein älteres Mädchen und nicht gerade, was man so landläufig hübsch nennt. Aber ihre inneren Werte! Dieses Gemüt! Dieser seelenvolle Augenaufschlag! Und schlanke Fesseln hat Barbara auch, trotz leichter O-Beine. Jede junge Dame wäre stolz auf solche Fesseln. Aber Barbara weih nicht, wie reizend ihre Fesseln sind. Eitelkeit ist ihr fremd. Gleich am ersten Tage, als wir uns kennenlernten, war es Liebe auf den ersten Blick. Ich habe früher nicht so recht daran geglaubt, aber jetzt weiß ich, daß es so etwas gibt. Es war im Zoo. Ich kam, auf der Suche nach den Gazellen, von ben Giraffen, die aus lauter Vor- nehrnheit im Zeitlupentempo galoppieren. Da stieß ich zufällig auf Barbara. Barbara stand verträumt, nut geschlos enen mm*nn5id) schon am Gitter stehe, rührt sich Bar- bara noch immer nicht. Aber mit einem Auge schielt sie nach mir. Kleine gemütvolle Freundin! Und wenn ich dann leise: „Barbara!" rufe, trabt sie bis dicht ans Gitter, markiert herrlich gespielte Ueder- raschung, lächelt verschämt und reibt den Kopf, mit dem wirren, etwas ungekämmtem Haar am Gitter. Ich muß sie hinter dem Ohr kraulen. Barbara schließt selig die Augen und grunzt etwas Sentimentales vor sich hin. Und wir unterhalten uns. Leise und zärtlich: Zauber der Heumahd. Von Eharlotte Hauser. War die Heuernte fällig, dann hörte man an hen Abenden aus allen bäuerlichen Anwesen bas Sensendengeln. Aus kleinen, eisernen Pflöcken hämmerten die Bauern die großen Stahlmesser ihrer Sensen dünn und hart unb gaben ihnen bann noch mit bem Wetzstein die letzte Schärfe. Die mußten schneiden wie Gift. Mitten in ber Nacht würbe bann aufgebrochen zum Mähen. Gras muß in frühester Frühe gemäht werben, wenn der Tau es noch feuchtet. geweckt und gepflegt Im Staat von xßi ieimar war bie Reichswehr zwangsläufig allmählich zum ausschlaggebenden .pbiei isserl ktion, lewtl )deUe muA Träger ber Staatsgewalt geworben, obwohl man bie Wehrmacht bekämpfte. Wenn nun bie Reichswehr diesen Staat des Zwischenreiches trug, so tat sie es nicht für bie Novemberrevolution, sondern für ein Ziel, bas weiter lag, für bas bamals bie Voraussetzungen erst im Werden waren. Der Fehlschlag des Kapp-Putsches hatte bewiesen, daß zu dieser Entwicklung Zeit gehörte, daß sie erst langsam reifen mußte. So wurde die Wehrmacht ber feste Rückhalt für ben Aufbau bes Reiches von heute. Ohne die Reichswehr wäre Deutschland bei ben spartakistischen Unruhen im Ruhrgebiet unb besonders 1923 in bem kommunistischen Aufstanb in Sachsen unb Thüringen einem bolschewistischem Chaos entgegengegangen. Die Kommune würbe damals abgeschlagen, und die Vorsehung gab so den Weg frei, um die nationale Bewegung Hitlers heranreifen zu lassen für eine bessere Zukunft, wie sie 1933 in Erfüllung ging. In dieser Zeit bis zum Umbruch sahen sich bie Angehörigen in ber Wehrmacht in immer größere Gewissenskonflikte unb schwereren Zwiespalt ber Gefühle versetzt, als sie in ber nationalsozialistischen Bewegung Abolf Hitlers mit ungeheurer Kraft unb Leidenschaftlichkeit bas hervorbrechen sahen, was sie als ihr Eigenstes ja auch empfanden. — Bis hart an bas Zerreißen ber Nervenkraft von Mann unb Offizier ging es, als es eine Zeitlang schien, als ob biefe beiben aus gleichem Blut unb gleichem Geist entftanbenen solba- tischen Körperschaften ber Nation, bas Berufsheer in ber Reichswehr unb bie politischen Kämpfer ber SA., burch ein roiberfinniges Geschick in eine für ben einzelnen kaum benfbare und erträgliche Gegnerschaft getrieben werden sollte. . Das Schicksal hat im rechten Augenblick ben Felb- marschall, Reichspräsidenten unb Oberbefehlshaber ber Wehrmacht sich mit bem Frontsoldaten und Führer der deutschen Freiheitsbewegung vereinigen lassen und so die freie und freudige Gemeinsamkeit von Wehrmacht unb Nationalsozialismus herbeigeführt. Die beiben Kraftströme deutschen Soldatentums, die Erben des Weltkrieges unb feine Opfer, gehen nunmehr ohne wibematürliche Scher» bung im Dienste bes Dritten Reiches zusammen. Als der Führer am 30. Januar 1933 auf legalem Wege die Führung Deutschlands in seine starke Hand nahm, stand eines in dem vielfach brüchigen und kranken Staatswesen geordnet zu seiner Verfügung, die deutsche Wehrmacht. Sie brauchte nicht umzulernen. Sie kam als das, was sie war: „als das militärisch hochqualifizierte, disziplinierte Machtmittel ber Staatsgewalt". Dem gab ber Führer Ausbruck mit den Worten: „Die schönste Hoffnung von einst ist in Erfüllung gegangen. Der Nationalsozialismus unb bas Heer sinb eins geworben, haben sich zu einer Einheit zusammen- gefunben, bie in Deutschland» niemals mehr zer- brechen wirb. Mein Dank gilt benen, bie bie Wehrmacht in ben neuen Staat hineingeführt haben." Im neuen Reich ist ber Waffenbienst wieber bie höchste Ehre bes Mannes, ist bie Wehrmacht wieber bas K e r n st ü ck ber Staatlichkeit. Die Stellung der Wehrmacht ist heute weit empor- gehoben über bie Stellung ber großen unb stolzen Armee bes kaiserlichen Deutschland, denn im Staate Hitlers ist sie getragen und gewollt von ber bie ganze Nation verpflichtenben Weltanschauung und Staatsibee, ber sich bie gesamte Politik, Wirtschaft unb jeher Stand unterzuordnen hat, unb ber sich ber Solbat weiht: „Dem Dienst am Volk zur Erhaltung ber beutschen Nation unb für ein starkes, einiges Deutfchlanb ber Freiheit unb Ehre". Im Dritten Reich ist bie Wehrmacht kein Fremdkörper mehr, sie ist ein wichtiges Glied in ber organischen Gemeinschaft unb Aufgabenverteilung ber Nation. Die Wehrmacht weiß, baß ber Geist ber Die Wehrmacht im nationalsozialistischen Staat Von Maximilian von Herff, Hauptmann und Kompaniechef im 3-terfelbe llllliUUlUllllUJIllllllllllUlUilllllUUiillUlllUUll ■ ■r Persil Für bie anläßlich unserer Hochzeit erwiesenen Aufmerksamkeiten sagen wir hiermit unseren her,, lichen Dank. Karl Ludwig und Frau. Gießen, den X Juni 1934. man Anstelle des Solisten Erb, Wieseek singt bei dem Konzert am X und 5. Juni 1934 Herr Karl Luft, Gießen WMt> ■■■■■■■■■ne Verbrauchergenossenschaft GieBen - e. O. m. b. H. Strebsamem Wertin Wiest bietet sich günstige Gelegenheit zur Einheirat m gutgebendes Geschäft, Laden und Werkstatt. Alter nicht unter 39 Iahren.DiSkretion Etzrsn* lach e.S chrLlng. 1XÖ186 D oAÄ* Nr. 126 Drittes Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderheben) Samstag, 2 Juni 1934 Lustfahrt-Werbewoche vom 1. bis 8. Zum 1934 Jeder Volksgenosse ein Mitkämpfer! Hitlerjugend ruft! Im Wiederaufbau der deutschen Nation hat die deutsche Sportfliegerei gewaltige erzieherische Aufgaben zu erfüllen. Las Diktat von Versailles verbietet dem Reich, die Luftfahrt zu betreuen oder zu unterstützen. Deshalb muß das deutsche Volk aus eigener Spende die Aufbauarbeit der deutschen Sportfliegerei unterstützen. Das marxistische Zwi- schenreich hat dafür bewußt nichts getan. Im nationalsozialistischen Deutschland Adolf Hitlers muß diese Feindschaft gegen die deutsche Luftgeltung mit der gesammelten Kraft des ganzen geeinten Volkes wieder gutgemacht werden. Diesem Zweck dient die Luftfahrt-Werbewoche vom 1. bis 8. Juni 1934. In dieser Woche heißt für alle deutschen Volksgenossen die Parole: Jeder spendet für die Sportfliegerei! Werdet Mitglieder der Flieger-Ortsgruppen? Alle Deutschen helfen auch hierunserem großen Führer! Heil Hitler! Klo st ermann, Gauinspekteur und Krsisleiter der NSDAP. Deutsche Volksgenossen helft alle, die Zukunft unseres deutschen Volkes auch auf dem Gebiete der Sportfliegerei neu und gut bereiten! Macht uns die Bahn frei! Die junge Generation will den deutschen Luftraum zum Wohle unserer Nation erobern und für alle Zeiten sichern! Sie will die sittlich hohen und nationalen Ausgaben der Fliegerei in die Tat umsetzen und die deutsche Jugend im Geiste eines Richt- Hofen und Boelcke erziehen. Damit soll das Wort unseres Reichsluftsahrtministers Hermann Göring verwirklicht werden: „Das deutsche Volk muh ein Volk von Fliegern werden!" Helft alle durch euer Opfer dazu beitragen, daß dieses hohe Ziel möglichst rasch erreicht wird. Spendet und werbt für die deutsche Sportfliegerei in der Luftfahrt-Werbewoche vom 1. bis 8. Juni 1934. Heil Hitler! Der Führer des Bannes 116. M. d. F. b.: Häuser, Geff. Wer den deutschen Luftsport fördert hilft Deutschland (von Hindenburg) Frontabschnitt Gießen weiter voran! Zeder Volksgenosse wird unser Mitglied! Die Stadt Gießen stand von jeher in der vordersten Front der Vorkämpfer der deutschen Luftfahrt. Der Gemeinsinn der Gießener Bevölkerung, die Opferfreudigkeit vieler Mitbürger und die Begeisterung von jung und alt unserer Stadt für das deutsche Flugwesen haben die Dorkämpferstellung Gießens in der deutschen Fliegerfront geschaffen und bisher erhalten. Beredtes Zeugnis dafür ist unser Flughafen. Mit gesteigerten Kräften muß der Gießener Frontabschnitt der deutschen Sportfliegerei auch fernerhin auf seinem Posten sein. Der Kampf gilt der Wiederaufrichtung einer zu höchsten Leistungen befähigten Sportfliegerei. Für dieses große Ziel setzt sich das ganze deutsche Volk unter seinem Führer Adolf Hitler ein. Die Einwohnerschaft von Gießen wird auch hierbei dem Schöpfer des neuen Deutschlands freudig folgen. Sie be- kundet diesen Willen erneut in der Luftfahrt- Werbewoche vom 1. bis 8. Juni 1934. Mitbürger! Opfert für unsere Sportflieger! Volksgenossen! Werdet Mitglied der hiesigen Flieger-Ortsgruppe! Heil Hitler! Ritter, Dberbürc 2rmeifter der Stadt Gießen. Schwer und dornenvoll war der Weg, den das deutsche Flugwesen nach dem Kriege zu gehen hatte. Durch den Schandvertrag von Versailles mußten Tausende Flugzeuge abgeliefert, Millionenwerte an Flugzeug- und Luftschiffhallen zerstört werden. Weniger der eigenen Sicherheit der Feindesmächte galten diese.Maßnahmen. Man gönnte eben Deutschland feine technischen Errungenschaften im Flugwesen nicht; den unerwünschten Konkurrenten auf dem Gebiete des Flugzeug- und Luftschiffbaues wollte man nicberringen. Diele Jahre hat es gedauert, bis der deutschen Flugzeugindustrie Erleichterungen zugestanden wurden. Noch dürfen keine staatlichen Mittel für den Flugsport gewährt werden. Die deutsche Sportfliegerei braucht daher die Hilfe und Mitarbeit aller deutschen Volksgenossen. Die Ortsgruppe Gießen des Deutschen Luftsportoerbandes ruft jeden Deutschen in Stadt und Land zum Erwerb der Mitgliedschaft auf. Werdet Mitglied im DLV. und tragt mit dazu bei, daß auch der Kampf um die deutsche Luftfahrt von Erfolg gekrönt sein wird! Heil Hitler! Der Führer der Flieger-Ortsgruppe Gießen im DLV. M. d. F. b.: Dr. S ch ö n h a l s. Anmeldung bei der Geschäftsstelle der Flieger-Ortsgruppe Gießen, Kreisamt Aus der Provinzialhauptstadt. An einen, der seit langem nicht unter einem Baume saß ... Von Beinhold Braun. Erschrocken bin ich, als du mir sagtest: Du hättest feit Jahr und Taa nicht unter einem Baurn gesessen, bu kämst gar nicht dazu vor lauter Jnanfpruch- aenommensein durch die Dinge des Berufes und der Zeit, du wärest in einem ununterbrochenen „Wirbel!" Du wunderst dich, daß du so voll peinigender Unruhe bist? Du njttfjt, daß ich ein Baum-Närr- lina bin. Dazu hat auch der Versuch beigetragen, in eine echte und rechte Lebenskunst hinauf zu wachsen. Und ein nicht unwichtiges Kapitel darin ist das von der Daurnfreude. Denke nicht etwa, daß ich nicht mit großer Inbrunst die gegenwärtige Zeit erlebe! Ich glaube behaupten zu dürfen, daß mein Sinn für dap Gegen- wärtige dem deinigen an Ernst und heiliger Begier nicht nachsteht! Dieser Sinn für das Aktuelle muß einen jeden echten Deutschen bis auf den Grund feines Wesens erfüllen, und es ist ein Seaen für unser Volk, daß wir durch den gewaltigen Aufbruch und Umbruch dazu aufgerüttelt wurden. Aber als Mensch habe ich erkannt, daß man neben dem Sinn für das Aktuelle auch den Sinn ür das Nichtaktuelle braucht. Ja, ich haoe gefunden, >aß aus dem letzteren manches an Kraft und inner- ter Ruhe emporsteigt, was dem ersteren und un* erer ganzen Betrachtungsweise von Leben und Zeit zugute kommt? Man bleibt schön im Gleichgewicht und in der Achse des Wesenhaften. Du klagst selbst, daß du nur immer deine Stubendecke, bann die deiner Berussstätte und arg viel Saal-Decken über dir hättest, also mit anderen Worten immer nur das Konstruierte. Siehe, da schaue ich wieder einmal in jene mächtigen Bäume hinauf, unter denen einst Schiller saß, als er bei seinem Freunde Körner in Loschwitz bei Dresden zu Besuch weilte. Wie löst das die Schwere des Inwendigen, wie schenkt das Ruhe, wie zwingt das zur Andacht: Dies bewußte Hinaufblicken in einen Baum! Ich muh da an fein Wort des großen zeitgenössischen Malers Adolf H ö l z e l denken, das er einem feiner Schüler zuruft: „Der große Baum wächst weiter, im gesetzmäßigen Sinne weiter, während wir essen und schlafen. Arbeite rastlos weiter, bis das Wunder dich in Staunen setzt!" „Bis das Wu n b er d i ch in Staunen fetzt!" Meinst bu nicht auch, daß auch ber heroische Mensch, der Mensch bes Dritten Reiches, bi es Also- in-Staunen-gesetzt-werben sehr gut gebrauchen kann? Unb meinst bu nicht auch, baß die Baumfreude zum deutschen Volke gehört ebenso wie feine Singefreude und seine Marschlust? Wir wollen es ja nicht ver- lernen, sondern immer besser lernen und bewußter erleben? Dies Sitzen unter den Bäumen der geliebten deutschen Erde? Dies Hinaufschauen in das Wunder unb die Dielgestalt des Baumgewölbs! Dies Fühlen, vom Leben selbst überwölbt zu (em, von ihm getragen zu werden, indem ich auf dem emsig schaffenden Wurzelbezirk des Baumes stehe ober sitze' Unb neben mir im «Stamme steigen bie Mil- honen Saftpünktchen empor, rounberbar schaffende Einheit, fegensvoll kreisend! Wie brüderlich solch ein Baum sein kann in seinem Ruheschenken, feinem Trost- unb Kraftspenden! der Darstellung seines eigenen Gesetzes, seiner unerschütterlichen Zähigkeit! Empfindest' du feinen ihm nur eigentümlichen Rhythmus? Hörst du seine ureigene Melodie? Und mahnt er uns nicht, wie es einmal Bismarck ausgebrückt hat, baß wir bie Früchte ja reifen lassen unb nicht bie Lampe herunter halten sollen? Vielleicht bist bu beshalb so voll Wehgefuhls über deinen Zustand, daß bu auch zu sehr mit ber Lampe umgehst, was bie Früchte am Baum bemes Lebens betrifft? Daten für Samstag, 2. Juni. 1850: Der Maler Fritz August von Kaulbach in München geboren (geft. 1921); — 1896: Der Afrika- forscher Gerhard Rohlfs in Godesberg geft. (geb. 1831). Daten für Sonntag, 3. Juni. 1740: Friedrich der Große schafft die Folter ab; — 1844: Der Dichter Detlev von ßiliencron in Kiel geboren (geft. 1909); — 1864: Der Dichter Otto Friedrich Hartleben in Klausthal geb. (geft. 1905); — 1871: Elsah-Lothringen wird Deutsches Reichsland. Daten für Montag, 4.Juni. 1745: Sieg Friedrichs des Großen bei Hohenfriedberg; — 1841: Der Rechtslehrer Karl Binding in Frankfurt a. M. geboren (geft. 1920); — 1865: Die Dichterin Frieda Jung in Kiautkehmen (Kreis Gumbinnen) geboren; — 1875: Der Dichter Eduard Mörike in «Stuttgart gestorben (geb. 1804). Kreisleitung Gießen der NSDAP. Kundgebung ber NSDAV. am Sonntag, 3. 3uni, um 14 Uhr, in ber Volkshalle. Es wird darauf hingewiesen, bah bie Kunbgedung pünktlich um 14 Uhr beginnen wird. Alle Teilnehmer haben bis spätestens um 13.50 Uhr in der Halle zu fein. Karten sind bei den Gießener Orts- gruppen unb auf ber Kreisleitung zu erhalten. Die effnung der Volkshalle geschieht um 13 Uhr. Für auswärtige Teilnehmer sei darauf hingewiesen, baß auch noch am Sonntag an den Kassen ber Halle Karten zu erhalten finb. Nach Vereinbarung mit der SA.-Führung wird bie SAR. geschlossen an ber Kundgebung teilnehmen. Die Mitglieder aller Gliederungen der NSDAP, sind also von den Appellen dieser (Niederungen befreit, soweit sie der SAR. angehören. Der aktiven SA. ist ber Besuch freigefteut. ^ir laben bie aktive SA. hiermit ein, recht zahlreich an der Kundgebung teilzunehmen. Arbeitslose haben gegen Ausweis freien Eintritt. Für bie Kriegsopfer und bie Opfer der Arbeit werden besondere Plätze freigehalten. Kreisleitung Gießen. Der (Baupropaganbateiter für Hessen-Nassau Müller-Scheib spricht in dieser Kundgebung über das Thema „Brennende Fragen unserer Zeit". Der Gaupropagandaleiter Müller-Scheid ist hier in Gießen als Redner noch unbekannt. Er gilt als einer her besten Redner unseres Gaues. Er ist gleichzeitig ber Leiter ber Lanbesstelle Hessen-Nassau bes Reichsministeriums für Dolksaufklärung und Propaganda. Seine Rebe, bie sich burch bie mitreißende Art unb bie hoch sachliche Stellungnahme zu allen Dingen auszeichnen wird, muß man als ein besonderes politisches Ereignis unserer Stabt bezeichnen. Amt für Volkswohlfahrt, Ortsgruppe Gießen-Miite. Am Mittwoch, 6. Juni, findet im Bereich ber Ortsgruppe Gießen-Mitte bie Juni-Lebensmit- t e I f a m m ( u n g burch bie NS.-Frauenschaft statt. Wir bitten, bie Pakete ab 9 Uhr vormittags bereitzuhalten. Die «Sammlerinnen finb mit Ausweisen versehen. Schelhorn, Ortsgruppenamtsleiter. Zn die Leitung der DA!?, berufen. Der Polizeibirektor bes Polizeiamtes Gießen Jost, ber vor feinem Wirken in Gießen, Polizeibirektor im Worms war, ist in bie Leitung ber Deutschen Arbeitsfront berufen worben. Kürzung der Pfarrergehälter in Hessen Nach einer Mitteilung bes Evangelischen Presseverbanbes für Hessen muß eine weitere Kürzung ber Dienst- unb Versorgungsbezüge bes Pfarrerstanbes vorgenommen werben. Die Sparmaßnahmen treten mit Wirkung vom 1. April 1934 ab in Kraft unb bleiben vorläufig auf bas Rechnungsjahr 1934 beschrankt. Sie betreffen namentlich bie aktiven Geistlichen mit einem Lebensalter unter 30 Jahren unb die Ruhegehaltsempfänger. Oie Fahnenweihe des Reichstreu« Hundes ehemaliger Berufssoldaten. Gestern abend fand im Unteroffizierkasino der Neuen Kaserne eine Sitzung des Vorstandes der Ortsgruppe Gießen des Reichstreubundes ehemaliger Berufssoldaten unter der Leitung des Kameraden Schwend er statt. Zweck der Sitzung war, das Programm für die Fahnenweihe endgültig fest- zulegen, zu bestätigen und außerdem eine Anzahl der sich ergebenden organisatorischen Fragen zu besprechen. Für die Feier in ihrer Gesamtheit liegt folgendes Programm zugrunde: Alle Teilnehmer sind zur Aufstellung auf dem Kasernenhof um 8.30 Uhr gebeten. Um 9 Uhr beginnt der Feldgottesdienst mit dorn Choral „Großer Gott wir loben dich". Anschließend folgen die Predigten des evangelischen und des katholischen Militärgeistlichen, denen wiederum ein Choral „Ich bete an bie Macht ber Liebe" folgen wirb. Die Ansprache zur Weihe ber Fahne wirb Oberstleutnant G a l l e n k a m p halten. Sodann werden die Fahnen geweiht und den Ortsgruppen übergeben. Ein Vertreter des Reichs- treubundes wird eine kurze Ansprache halten. Das Deutschland-Lied unb das Horst-Wessel-Lieb werden den Weiheakt beschließen. Im Anschluß daran fin- bet ein Vorbeimarsch an den Kommandeur unseres Bataillons unb an den Ehrengästen statt. Gemeinsam marschieren nach dieser Weihefeier sämtliche Teilnehmer nach dem Landgraf-Phitipp-Platz, wo am 116er-Denkmal eine Gefallenen-Ehrung ftattfinben wird. General Fritz wird die Gedächt- nisansprache halten. An der Feier nehmen zahl- reiche Organisationen, vor allem neben der Reichs- wehr auch die SA., ferner der Nationalsozialistische Frontkämpferbund, die hiesigen Militär- und Kriegervereine sowie studentische Korporationen teil. Die Veranstaltung in ihrer Gesamtheit ist öffentlich. Langemarck — Grünes Korps. Im Herbst 1934 finb 20 Jahre vergangen feit jenem Zusammenprall ber neu ausgestellten Reserve-Regimenter ber 4. Armee unter Herzog Albrecht von Württemberg mit ber belgisch-französisch-englischen Front in Flanbern, ber als „Schlacht an ber Yser" bekannt ist. Die jungen Regimenter setzten sich zum größten Teil aus Kriegsfreiwilligen aller Schichten und Stänbe bes deutschen Volkes zusammen, die „nach kurzer Ausbildung im Drange der Not zu der Stunde ins Feld gestellt wurden, da im Westen die i Kräfte zu versagen begannen unb im Osten frische Streiter nötig würben." Die Kämpfe um Ypern kosteten Deutschland die besten Teile seiner Jugend und die Namen Dixmuiden, Langemarck, Becelaere werden für ewige Zeiten zeugen von dem Kämpfen und Streben ber beutschen Freiwilligen-Regi- meuter, bie an bem Brennpunkt ber Westfront eingesetzt würben. Das 26. Reserve-Korps, nach feiner Abzeichenfarbe das „Grüne Korps" genannt unb im Bereich ber fteüoertretenben Gerenalkommandos 7 (Koblenz), 11 (Kassel) unb 14 (Karlsruhe) aufgestellt, in deren Gebiete heute die Traditionsstandarten ber SA. bie Nummern ber Reserve-Regimenter tragen, stieß am 19. Oktober 1914 zum ersten Mal auf ben Feinb unb wurde nach den Straßenkämpfen in unb um Rousselaere (Roulers) bei Poel-Capelle, West- roofebefe unb Langemarck in schwere unb verlustreiche Kämpfe verwickelt. Die Regimenter, bereu Ersatzgebiete im Lauf bes Krieges wechselten, haben sich bis zum Ende des Krieges immer wieder bewährt unb würben verschiedentlich in den Heeresberichten rühmlich erwähnt. „Der Geist ber Kriegsfreiwilligen von Lange- marck, ber nach bem Kriege oft verpönt war, lebte in ihnen weiter, er lebt auch heute noch unb ist burch unfern Vvlkskanzler Adolf Hitler unb feine SA. wieber zu Ehren gekommen." Seit September 1927 besteht eine Vereinigung ber ehemaligen Angehörigen bes 26. Reserve-Korps unter bem Namen „Grünes Korps" (Führer Dr. Braß, Köln), der alle z. T. schon 1918 gegründeten und selbständig weiter bestehenden Regiments- Vereinigungen des Korps angeboren. Das „Grüne Korps" tritt am 4. unb 5. August 1934 in Koblenz an die Oefenllichkeit mit einer Zwanzigjahr-Ge- Großes Arbeitsbeschaffungs- Programm für die schaffenden Künstler anläßlich des Nationalen Feiertages deS deutschen Boltes am 1. Mai. Der Aufruf an alle schaffenden Künstler im Gau, den 1. 2Uai In Gemälden, Zeichnungen ufw. festzu- hallen, hal einen überraschend großen Erfolg ge- gehabt. Vis heule sind schon 200 Bilder angemeldel. Cs ist jchoch bekannt geworden daß sehr viele Künstler ihre Werke noch nicht gemeldet haben, so daß mit mindestens weiteren 50 Bildwerken zu rechnen ist. Alle Künstler, die ihre Werke noch nicht angemel- det haben, werden hiermit aufgefordert, dies sofort zu tun, und zwar an: Landesstelle Hessen-Nassau des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda, Frankfurt a. 2IL, Bürgerstr. 9 bis 11, III. Die geplante Ausstelung wird voraussichtlich in den letzten Tagen des 3uni oder aber in der ersten Zuliwoche von Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger eröffnet werden. Zu dieser Eröffnung werden mehr als 200 Gaste geladen. weitere Bekanntmachungen erfolgen durch die gesamte presse. heil Hitler! gez. INÜller-Scheld, Gaupropagandaleiter der NSDAp. und Leiter der Landesstelle Hessen-Nassau des Reichsministeriums für Volks- aufklarung und Propaganda. benkfeier ber Schlacht bei Langemarck. Ihre Zusammengehörigkeit nach außen bekunben bie alten Langemarckkämpfer burch bas Tragen bes vom Reichskanzler Adolf Hitler genehmigten Lange» marck-Kreuzes. Es besteht bei ber Führung bie Absicht, in unserer Gegenb einen Zusammenschluß ber ehemaligen Angehörigen bes „Grünen Korps" ins Leben zu rufen. Kameraben ber Reserve-Jnfanterie-Regi- menter 223—240, Reserve-Jäger-Bataillone 23 und 24, Reserve-Felbartillerie-Regimenter 51 unb 52 sowie aller Formationen, bie bis zum 10. August 1916 bem Kommanbo bes 26. Reserve-Korps nicht nur vorübergehenb unterftanben haben, ferner bie Angehörigen von gefallenen Kameraden werden gebeten, ihre Anschrift an Dr. Wilhelm Reh» mann (Referve-Jnfanterie-Regiment 240, 11. Kompanie) Gießen (Lahn), Keplerstraße 13 zur Weiterleitung einzusenden. Gietzener Wochenmarktpreise. Gießen, 2. Juni. Es kosteten auf bem heutigen Wochenmarkt: Süßrahmbutter Pfund 145 bis 150, Landbutter 130 bis 135, Matte 20, Käse, Stück 4 bis 10, Wirsing, grün 15 bis.20, gelbe Rüben, Bb. 20, Spinat 10 bis 12, Römischkohl 12 bis 15, Bohnen, grün 30 bis 35, Spargel 40 bis 45, Erbsen 25 bis 30, Tomaten 45 bis 50, Zwiebeln 15, Rhabarber 8 bis 10, Kartoffeln 3% (Ztr. 320 bis 330), Aepfel 20 bis 30, Kirschen 25, Erbdeeren 50 bis 60, junge Hahnen, Stück 70 bis 90, Suppenhühner, Pfd. 60 bis 80, Tauben, Stück 50 bis 70, Eier Kl. 8. 10)4, Kl. 2 10, Kl. b 9)4, Kl. C. 9, Kl. D. 8, Blumenkohl 40 bis 45, Salat, 3 Stück 20 bis 25, Salatgurken 30 bis 45, Oberkohlrabi 15 bis 20, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 30, Radieschen, Bd. 8 bis 10 Pf. Bornottzen. — Tageskalender für Samstagt NSLB., Bezirk Gießen-Land, Arbeitsgemeinschaften „Volksschule", 15 Uhr, Hotel Köhler, Tagung, anschließend Bezirkskonferenz. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der schwarze Walfisch". — 93er- drauchergenossenschaft Gießen, 20.30 Uhr, Katholisches Vereinshaus, Konzert. — Bauerscher Gesangverein, Abendspaziergang nach Annerod, Abmarsch 20 Uhr vom Ludwigsplatz. — Artitterievsrein, 20.30 Uhr, Hof, Pflichtversammlung, — Tageskalender für Sonntag: Kreisleitung Meßen der NSDAP., 14 Uhr, Volkshalle, Kundgebung; Redner: Pg. Müller-Scheld. — Reichsbund ehemaliger Berufssoldaten, Hof der Neuen Kaserne, Feldgottesdienst, Fahnenweihe; Landgraf-Philipp-Platz: Gefallenen-Ehrung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der schwarze Walfisch". — Waldeslust am Flughafen, Salonorchester- Konzert, anschließend Tanzmusik. ** Eine Achtzigjährige. Frau Helene Klinkerfuß, geb. Weißmüller, Löwengasse 25, die Inhaberin des seit 49 Jahren bestehenden Tapezier- und Polsteraeschäftes, feiert am morgigen Sonntag ihren 80. Geburtstag in körperlicher und völlig geistiger Frische. Der „Gießener Anzeiger" wurde bereits von ihren Eltern (sie wohnt noch im elterlichen Haus) und seither ununterbrochen gelesen. ** Gießens ältester Dien ft mann. Zu Ende des Monats Mai konnte Herr Wilhelm Gelzenleuchter von hier auf die 35jährige Tätigkeit als Dienstmann in der Stadt Gießen zurückblicken. Erforderte die Ausübung eines solchen Berufes an sich schon körperliche Vorbedingungey, so wurde besonders scharf auf die charakterlichen Eigenschaften der Bewerber Wert gelegt. Für die Dienstmänner bestanden schon damals sehr genaue Bestimmungen, wie es auch aus der von dem damals Großherzoglichen Polizeiamt erteilten Genehmigung hervorgeht, in der es u. a. heißt: „Nachdem Sie die festgesetzte Kaution geleistet haben, wird Ihnen hiermit unter der Bedingung genauer Befolgung der bestehenden Vorschriften auf Wider- ruf die Konzession erteilt." Als Ausweis trugen die Dienstmänner dann ihre Nummer auf metallenem Schild auf der linken Brust. Herr Gelzenleuch- ter brachte für seinen Beruf die erforderliche Eignung mit, denn er war vorher Möbeltransporteur und entstammte einer an Disziplin und Ordnung gewohnten Soldatenfamilie. Bereits der Großvater war Soldat gewesen und auch die Söhne des Jubilars haben den Weltkrieg mitgemacht, während der Jüngste 12 Jahre bei der Reichswehr diente. Wilhelm Gelzenleuchter, der in Niederlemp bei Wetzlar geboren war, kam 1870 während des Krieges, als der Vater an die Eisenbahn nach Gießen versetzt worden war, in unsere Stadt. Bei den llßern diente er seine Jahre ab. 1899 wurde er dann Dienstmann unb war zugleich Couleurdiener der Landsmannschaft „Rhenania^ bis zu deren Fortgang 1908 nach Freiburg. Während der langjährigen Tätigkeit hat er u. a. vielfach den Großherzog und noch bis in die letzte Zeit den Erbgroßherzog während seiner Besuche in Gießen bedient, wie er sich auch in zahlreichen alten Gießener Familien, u. a. in der des Geh. Rats Poppert, der er seit 1888 zugetan ist, großer Wertschätzung erfreut ** Gastspiel Zirkus Busch abgebrochen. Das Pressebüro des Zirkus I. Busch teilt mit: Unvorhergesehene Umstände haben den Zirkus I. Busch genötigt, sein Meßner Gastspiel bereits am Freitag zu beenden, anstatt, wie ursprünglich geplant, erst Samstag nachmittags. Direktor Busch läßt nun auf diesem Wege der Einwohnerschaft von Gießen sein Bedauern über diese Notwendigkeit zum Ausdruck bringen und zugleich seinen Dank an Behörden, Presse und Publikum für das freundliche Entgegenkommen und das bewiesene große Interesse. ** Signal: Regimentsruf zum Sammeln. Dom Verein ehemaliger hessischer Leibdragoner des Kreises Gießen wird uns geschrieben: „Seitdem wir uns — jetzt noch mehr wie bisher — als Soldaten einer tapferen, ruhmreichen Armee fühlen, hat sich unser Vereinsleben in erfreulicher Weise gehoben. Noch lebt der stolze Reitergeist in unseren Reihen. Mancher Leibdragoner hat den Weg- zu seinen alten Kameraden wieder gefunden und fühlt sich wohl unter ihnen. Viele Kameraden stehen aber noch abseits. Unter dem Druck eines überlebten Systems haben sie sich nicht zu uns gewagt ober haben sich in dieser Zeit sogar ihrer schmucken Reiterfarben geschämt. Nun aber sind die Wege zu uns geebnet und wer jetzt die Zeichen bet' Zeit nicht versteht, ist einer echten deutschen Kameradschaft nicht wert. Es ist deshalb dringend notwendig, daß sick alle Leib-Dragoner — auch die aus der Umgegeno — bei uns einfinden. Darum sammelt euch unter eurer alten Standarte, der Hufschlag ist noch frei. Zu unserem nächstjährigen 75. Regiments-Jubiläum darf fein Leib-Dragoner fehlen. Anmeldung bei dem Bereinsführer Emil E i d m a n n, Gießen, Schillerstraße 17." ** Oeffen11iche Bücherhalle. Im Mai wurden 1191 Bände ausgeliehen. Davon kamen auf: Zeitschriften 34, Gedichte und Dramen 4, Erzählende Literatur 773, Jugendschriften 127, Länder- und Völkerkunde 73, Kulturgeschickte 2, Geschichte und Biographien 91, Kunstgeschichte 22, Naturwissenschaft und Technologie 32, Heer- und Seewesen 5, Haus- und Landwirtschaft 7, Religion und Philosophie 1, Staatswissenschaft 18, Fremdsprachliches 2 Bände. Nach auswärts kamen 8 Bände. ** Experimentalvortrag im NSDLB. Gießen. Die Fachschaft „Höhere Schule, naturwissenschaftliche Abteilung" im NSDLB. hielt am Donnerstag im physikalischenJnstitut des Realgymnasiums ihre erste Fachsitzung ab. Studienrat Dr. Heusel gab an Hand einer großen Anzahl von Versuchen einen Ucberblick über die verschiedenen Formen der Elektrizitätsleitung. Er entwickelte zunächst die zwei Begriffe Elektronenleitung und Trä- gerleihing,. zeigte die Leitung durch grobsinnliche Träger wie Probekugel und Seifenblase und bann den Ladungstransport burch Jonen in Luft unb Wasser. Zum Schluß würbe der neue Göttinger Versuch mit ben aus einer Spitze in einen Kristall einroanbemben Elektronen vorgeführt. Man sah dabei sogar in der Projektion die Elektronen in Form einer blauvioletten Wolke in den farblosen Kristall einwandern und bei Umkehrung ber Feld- richtung wieder in die Spitze zurückströmen. Der Vortrag wirb voraussichtlich wiederholt. ** Versammlung ber Gehörlosen. Dieser Tage hielt bie Ortsgruppe Gießen im Reichsverband der Gehörlosen Deutschlands e. V. (Mitglied der NS.-Volkswohlfahrt) ihre außerordentlich stark besuchte Monatsversammlung im Hause der Deut» scheu Arbeitsfront ab. Unter den Gästen bemerkte man u. a. auch die Ortsbundesleiter von Friedberg, Lauterbach und Marburg, sowie Bezirksbundesleiter G u ck e s - Wetzlar. Ortsbundesleiter Beck gedachte zunächst des Freiheitshelden Albert Leo S ch l a g e t e r und schilderte der Versammlung Schlageters Leben und Sterben. Anschließend wurde auch der gefallenen gehörlosen SA.-Männer gedacht. Dann konnte der Versammlung die freudige Kunde von der Eingliederung der aehörlosen Jugend in die Hitlerjugend berichtet roeroen. In vorgerückter Stunde erschien zur Freude der Versammlung der beliebte Kreis- und Gaubundsleiter Pg. S ch ä f e r- Darmstadt, und brachte der Versammlung herzliche Grüße der Kreisbundesleitung. Pg. Schäfer berichtete, daß er soeben von seiner Vereidigung komme und sich nicht die Gelegenheit entgehen lassen wolle, um auch hier wieder einmal zu sprechen. Eingangs seiner Rede begrüßte er die Eingliede- rung der gehörlosen Jugend in die Hitlerjugend. Nachdem die allgemeine Lage der Gehörlosen besprochen worden war, betonte Pg. Schäfer, daß die Gehörlosen im Reiche Adolf Hitlers bedeutend besser stünden, als unter den marxistischen Regierungen. Die Gehörlosen seien durchaus keine Menschen zweiter Klasse, wie • noch vielfach angenommen werde, sondern vollwertige Menschen. Sage doch ein Wirtschaftsführer von Weltruf wie Henry Ford von den Gehörlosen: „Gehörlose leisten 100 Prozent". Um dieses Urteil zu beweisen, hatte Ford einen großen Prozentsatz seiner Arbeiter aus den Reihen der Gehörlosen gewählt. Mit einem dreifachen „Sieg-Heil!" auf Führer und Vaterland und mit dem ersten Vers des Horst-Wessel-Liedes fand die Versammlung ihr Ende. ** Rotes Kreuz und nationale Bewegung. Stabschef Röhm hat nach dem Nürnberger Parteitag geschrieben: „Bei den SA.-Aufmärschen der letzten Zeit, besonders bei dem Parteitag in Nürnberg, habe ich gesehen, daß die Freiwilligen Sanitätskolonnen vom Roten Kreuz überall den Sanitätsdienst im Verein mit den Sanitätsdienst- stellen der SA. und SS. versehen haben. Unbeschadet der völkerrechtlichen Sonderausgaben des Roten Kreuzes entspricht dies der nationalen Haltung des Deutschen Roten Kreuzes, die dieses von jeher vertreten hat. Die Zusammenarbeit des Roten Kreuzes mit der SA. und den in ihr zusammengeschlossenen Verbänden ist ein Ausdruck des uns alle beseelenden nationalen Willens und der Volksgemeinschaft." Mitzuhelfen bei den nationalen Aufgaben des Roten Kreuzes ist nationale'Pflicht; also sollte möglichst jeder Volksgenosse Mitglied des Roten Kreuzes werden. Der Beitrag beträgt auch die Reben. Stupf nie, sagt die Kartoffel, wenn da mitt, vor em Broachet (Juni) sihst mi nitt. Nordwinde wehen Korn ins Land. Große Strafkammer Gießen. Unter dem Vorsitz von Landgerichtsrat Heid beschäftigte sich die Kammer in dreitägiger Sitzung mit dem Oberveterinärrat Dr. Jakob Roßkopf, dessen technischer Assistentin. Emmi Pfeiffer, dem Expedienten Heinrich Wahl und dem Metzgermeister Fritz Keßler wegen Untreue in Tateinheit mit Betrug, bzw. Beihilfe und Hehlerei. Die Anklage vertrat Staatsanwalt Fischer. Als Verteidiger des Hauptangeklagten Roßkopf fun- gierte Rechtsanwalt Dr. Möller. Neben drei Sachverständigen wurden insgesamt 29 Zeugen oer- nommen. Dem Angeklagten Roßkopf wurde vor- geworfen, in seiner Eigenschaft als Direktor des staatlichen Tierseucheninstitutes zum Nachteil des Staates über Dermögensstücke verfügt zu haben, indem er Kohlen, Koks, Wasch- und Putzmittel, kurzum Haushaltungsgegenstände aller Art, die für das Institut angeschafft worden waren, in seinem Privathaushalt verwandt haben soll. Desgleichen sollte der Angeklagte Schweine, die ihm als pestkrank von einem hiesigen Detonomen ins Institut gegeben wurden, geschlachtet und zu billigem Preis für sich, sowie für die Angeklagten Pfeiffer und Wahl gekauft haben. Schließlich wurde dem Angeklagten zur Last gelegt, von dem Angeklagten Keßler für einen ansehnlichen Betrag ein Pferd für Jnstitutszwecke gekauft zu haben, das Keßler zu einem ganz geringen Preis bei dem Bataillon steigerte. Die überaus umfangreiche Beweisaufnahme konnte zu feinem schlagenden Beweis für die Schuld Katarina kann fich nicht entichewen Don Viktor von Kohlenegg einer der hübschesten unter den Romanen des aus München stammenden, in Äerlin lebenden Schrift- stellers Viktor von Kohlenegg, sommerlich heitere Erzählung von der spaten Liebe eines bedeutenden Mannes zu derschönenTänzerin Katarina Gugernell Ab Montag, den 4. Juni 19 3 4 itt den Gießener Samilieublattevn mindestens 2 Marf im Jahr, kann aber für Unbemittelte auch noch ermäßigt werden. Am 9. und 10. Juni bei der Strahensammlung und am 9. und 15. Juni bei der Haussammlung ist außerdem jedem Gelegenheit gegeben, sein Scherflein für die treuen Helfer in der Not zu spenden. ** Drei kleine Brände. Die Gießener Feuerwehr wurde im Laufe des gestrigen Nachmittags nicht weniger als dreimal alarmiert. Um 13,24 Uhr wurde die Mannschaft nach der Bahnhofstraße gerufen. Dort war ein Auto in Brand geraten. Das Feuer konnte schnell gelöscht werden. Um 14,40 Uhr wurde die Feuerwehr von der Hammstraße aus alarmiert, wo ein Heuwagen in Brand geraten war. Auch hier konnte das Feuer mit Hilfe der Motorspritze in kurzer Zeit gelöscht werden. Um 16,17 Uhr mußte die Mannschaft zur Bekämpfung eines Heckenbrandes am Steinberger Weg ausrücken. *♦ Die letzte Nutzholz-Versteigerung der Stadt Gießen findet am Donnerstag, 14. Juni, in der Gastwirtschaft „Zur Liebigshöhe" statt. (Siehe heutige Bekanntmachung.) ** Heugras - Versteigerungen der Stadt Gießen. Am Dienstag, 5., und am Mittwoch, 6. Juni, soll das Heugras von den städtischen Wiesen öffentlich meistbietend versteigert werden. (Siehe heutige Bekanntmachung.) ** Eine Heugras-Dersteigerung des Forstamts Schiffenberg findet am Mittwoch, 6. Juni, statt. Interessenten seien auf die heutige Bekanntmachung hingewiesen. *♦ Schweine - Zwischenzählung. Am 4. Juni 1934 findet eine Schweine-Zwisch'enzählung in den Gemarkungen Gießen und Schiffenberg statt. Auf die heutige Bekanntmachung sei hingewiesen. ** Pferdeankauf. Das Wehrkreiskommando V Stuttgart teilt mit: Im September und Oktober 1934 findet ein Ankauf volljähriger warmblütiger Pferde (im Bedarfsfall auch einiger Mischblüter) für Heereszwecke statt. Gekauft werden Pferde im Alter von 5 bis 11 Jahren, in einer Größe von 1,54 bis 1,66 Meter Stockmaß. Schimmel werden nicht gekauft. Fullenscheine sind erwünscht, jedoch nicht unbedingt erforderlich. Auf guten Futterzustand und gute Hufpflege wird besonderer Wert gelegt. ** Eine Zentral-Eber- und Sauen- versteigerung findet am 16. Juni auf dem Diebmarktplatz in Gießen statt. (S. heutige Anzeige.) ** B r e 11 e r d i e b st a hl. Dieser Tage wurden an der Kreisstrahe Gießen—Lich, 10 Meter oberhalb der zweiten Schneise, links aus dem Straßengraben, 7,70 qm Bretter (Schwarten), jedes Brett 1,10 Meter lang, entwendet. ** Bauernregeln für den Juni. Wenn die Stricke und Riemen kürzer werden, gibts bald Regen. Juni feucht und warm, macht den Bauern nicht arm. Soll gedeihn Korn und Wein, muß der Juni trocken fein. Juni trocken mehr als naß, füllt mit gutem Wein das Faß. Wenn kalt und naß der Juni war, verdirbt er stets das ganze Jahr. Gibts im Juni Donnerwetter, wird auch das Getreide fetter. Hat Margareta (10.) keinen Sonnenschein, dann kommt das Heu nie trocken ein. Regnets auf St. Barnabas (11.), schwimmen die Trauben bis ins Faß. Gertraud sät das Kraut und St. Veit (15.) setzt die ersten Kaid (Krautsetzlinge), setzt man aber die Kaid schon im Mai, kriegt man Häuptle wie ein Ei. Hat St. Vitus (16.) starken Regen, bringt er unermeßlich Segen. Regnets am Johanni (24.) sehr, sind die Haselnüsse leer. Johannis- nacht gesteckte Zwiebeln wird groß fast wie ein Butterkübel. Regnet es an Peter Paul, wird des Winzers Ernte faul. Wie der Holder blüht, blühen der Angeklagten führen. Die Aussagen der Belastungszeugen Pfeiffer, die in dem Institut tätig waren, konnten an dieser Tatsache nichts ändern. Der Vertreter der Anklage hatte gegen Roßkopf sechs Monate Gefängnis, gegen Meister 100 Mark Geldstrafe und für die übrigen Angeklagten Freispruch beantragt. Nach einem sich etwa über drei Stunden hinziehenden ausgedehnten Plädoyer des Verteidigers zog sich die Kammer zur Beratung zurück und kam schließlich gegen 16 Uhr zur Freisprechung sämtlicher Angeklagten. Die Kosten des Verfahrens wurden der Staatskasse auferlegt. Bei Verkündung des Urteils brach das Publikum in spontanen Beifall aus, der den Vorsitzenden veranlaßte, mit der Räumung des Saales zu drohen. In der Begründung betonte der Vorsitzende 'bas ausgezeichnete Zeugnis, das dem Angeklagten Roßkopf von seiner vorgesetzten Dienstbehörde aus» aestellt wurde. Ebenso sprachen für den Angeklagten seine hervorragenden beruflichen Fähigkeiten, die es ermöglichten, das Tierseucheninstitut zu einem der angesehensten in Deutschland zu machen. Schließlich tarn der Vorsitzende auf die Aussagen insbesondere der Zeugen Pfeiffer zu sprechen, die nicht klassisch genug seien, um darauf ein Urteil zu gründen. Rundfunkprogramm. Sonntag, 3. 3unL 6.15 Uhr: Nationalsozialistischer Morgengruß. Flughafen-Konzert. 8.15: Nachrichten. 8.25: Choralblasen. 8.40: Katholische Morgenfeier. 9.20: Evangelische Morgenfeier. 10: Vom Nürburgring: Internationales Eifelrennen 1934. Staffelhörbericht. 10.30: Feierstunde der Schaffenden. 11: Reichssendung: Ringsendung aus vier deutschen Flughäfen: Königsberg — Kiel — Köln — München — Frankfurt (Darmstadt-Griesheim). 11.30: Reichssendung: Höchsterwünschtes Freudenfest. Kantate von Joh. Sebastian Bach. 12.10: Mittagskonzert I. 12.40: Mittagskonzert II. 13.25: Vom Nürburgring: Internationales Eifelrennen 1934. Staffelhörbericht. 14: Kinderstunde. 15: Die Regensburger Dom« spatzen singen Volksweisen. 15.15: Zehntninuten- dienst für die Landwirtschaft: „Ueber den Flachsbau". 15.25: Stunde des Landes: Aus der Praxis der Einheitsbewertung in der Landwirstchaft. 15.45: Nachmitta^skonzert. Internationales Eifelrennen 1934. Enoäericht. 17: Übertragung von der Flug- sportveranstaltung auf dem Tempelyofer Feld. 17.30: Nachmittagskonzert. 18.30: Konzert des Reichs- Orchesters der deutschen Luftfahrt. 19.30: Aber Vater ist dagegen. Eine heitere Hörfolge. 21: Reichssendung: Meistersinger von Nürnberg, 3. Akt, von Richard Wagner. 23.05: Nachrichten. 23.20: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 23.30 Nachtmusik. 24 bis 2: Nachtmusik. Montag, 4. Juni. 5.50 Uhr: Gymnastik I. 6.15: Gymnastik II. 6.40: Frühmeldungen. 6.55: Frühkonzert. 8.20 bis 8.40: Gymnastik. 10: Nachrichten. 10.30: Eigene Sendung. 11: Werbekonzert. 11.50: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert. Marksteine deutscher Oper. 13: Nachrichten. 13-10: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.20: Mittagskonzert II des Philharmonischen Orchesters. 13.50: Nachrichten. 14: Mittagskonzert III. 14.30: Nachrichten. 14.40: Stunde des Liedes. 15.50: Wirtschaftsbericht. 16: Nachmittagskonzert des Rundfunkorchesters, 17.30: Zum 90. Geburtstag Detlev von Liliencrons. Vortrag mit Rezitationen. 17.45: Dom lustigen Soldatenleben. Alte und neue Lieder. 18: Stunde der Jugend: Dom Wesen und Wirken des BDM. 18.25: Französischer Sprachunterricht. 18.50: Das Geben spricht! 19: Ich bin Oer Doktor Eisenbart! Eine deutsche Dolksgestalt. 19.45: Das Wiesbadener Musikfest. 20: Nachrichten. 20.15: Beethovenkonzert. 22: Mackenbacher Musik. 22.20: Nachrichten. 22.35: Du mußt wissen ... 22.45: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 23: Franz Schubert — Kammerrsiusik. 24 bis 1: Nachtmusik. Dienstag, 5. Juni. 5.50 Uhr: Gymnastik I. 6.15: Gymnastik II. 6.40: Frühmeldungen. 6.55: Frühkonzert. 8.20 bis 8.40: Gymnastik. 9.25: Werbekonzert. 9.45: Eigene Sendung 10: Nachrichten. 10.45: Praktische Ratschlage für 'Küche und Haus. 11: Werbekonzert. 11.50: So- zialdienst. 12: Mittagskonzert I. 13: Nachrichten. 13.10: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 1320: Mittagskonzert II. 14: Mittagskonzert III. Wien im Walzertakt. 14.30: Nachrichten: 14.40: Stunde der Frau. Königin Luise. Ein deutsches Frauen- schicksal. 15.50: Wirtschaftsbericht. 16: Nachmittagskonzert. 17.30: Franz Zinkand: „Heraus mit dem alten Kram". Ein Lumpensammler spricht. 17.45: Kleine Unterhaltung. 18: Was kostet heute die Unterhaltung eines Kleinwagens? Zwiegespräch zwischen Dr. K. Kühn und Otto Schwalbach (Frankfurt a. M). 18.15: „Aus Wirtschaft und Arbeit". 18.25: lieber» tragung nach Stuttgart: Italienischer Sprachunter, richt. 18.50: Griff ins Heute. 19: Militärkonzert aus unseren Gauen II. 20:Nachrichten. 20.15: Reichssendung: Stunde der Nation. Volksgemeinschaft durch die Hitlerspende. Eine Hörfolge von Georg Heinrich Brunner und Heinz Zimmermann. 21: Unterhal- tungskonzert. 22: Reichssendung: „Das Straßenwesen im dritten Reich". Von Dr. Kueke, Referent im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda. 22.20: Nachrichten. 22.35: „Der deutsche Tanz". Vortrag von Dr. Hannes Razum. 22.50: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 23: Nachtmusik. 24 bis 1: Nachtmusik. Einweihung eines neuen Fußgängerstegs über die Lahn. Weilburg, l.Juni. (LPD.) Dieser Tage fand hier die feierliche Einweihung des neuerbauten E r n st - D i e n st b a ch - Fußgänger st eges über die Lahn statt. Die alte 1785 geschaffene historische Kettenbrücke wurde damals am Standort der früheren sog. „Roten Brücke", die 1784 durch Hochwasser weggeschwemmt und zerstört wurde, erbaut. Seit dieser Zeit bestand bis auf die Indienststellung des Ernst-Dienstbach-Steges keine Möglichkeit mehr, die Lahn an dieser Stelle zu überschreiten, da die Kettenbrücke bis zum Jahre 1888 nur dem Zweck diente, die Wasserleitung für das Weilburger Schloß und für die öffentlichen Brunnen über die Lahn zu führen. Seit dieser Zeit erinnerten nur die Ketten der Brücke an ihre ursprüngliche Bestimmung. Erst der Initiative des im November 1933 mit der Leitung der städtischen Verwaltung be» trauten neuen Bürgermeisters Schubert blieb es Vorbehalten, die Ausführung des Planes in Angriff zu nehmen und nach knapp einem halben Jahr zu vollenden. Der Ernst-Dienstbach-Steg stellt in 'feiner Bauform etwas völlig Neues dar und gliedert sich in schöner zweckentsprechender Harmonie in das Landschaftsbild ein. Bei der Einweihungsfeier hielt Bürgermeister Schubert die Festansprache, worauf Landrat Lange die symbolische Durchschneidung des den Zugang zur Brücke fperrenben Bandes vornahm. Festspiele zur Erinnerung an die Zerstörung Runkels vor 300 Jahren. LPD. Runkel, 1. Juni. Am 1. Oktober 1934 sind 300 Jahre seit dem Tage verflossen, an dem die durch ihre Grausamkeit bekannten Kroaten Iso» lanis, die im Verbände einer kleinen kaiserlichen Streitmacht von 3000 Mann das Heer des In- fanten Don Fernando von Spanien auf feinem Zuge von Süddeutschland nach den Niederlanden bis nach Limburg geleiteten, die Mauern Runkels erstiegen, die Stadt plünderten, Oreueltaten verrichteten und schließlich Schloß und Städtchen in Brand steckten und völlig in Asche legten. Zur Erinnerung an diesen schwärzesten Tag der Runkeler Geschichte wird der durch feine Theaterdarbietungen bekannte Ju- gendwanderbund „Lahngold" im Oktober auf dem Runkeler Schloßhof ein Festspiel „1634" von Max Orth (Frankfurt a. M.) zur Aufführung bringen. Deutschlands Wasserversorgung vorbildlich. Frankfurt o. SW., 30. Mai (LPD.) Sie Mitt- wochs-Verhandlungen der Tagung des Deutschen Vereins von Gas- und Wasserfachmännern in Frankfurt a. M. waren der Wasser» versorguny der deutschen Städte gewidmet. Es gibt kein zweites Kulturland, in dem die an die Wasseroersorguna zu stellenden hygienischen Anfor- berungen so hoch entwickelt sind und in so hohem Maße zur Hebung und Erhaltung der Volksgesundheit beitragen wie Deutschland. Dank dem Zusammenarbeiten der technischen und medizinisch-hygienischen Kreise sind Seuchen, insbesondere der Typhus» als Epidemie in Deutschland nahezu unbekannte Erscheinungen. Im Rahmen der Vorträge, die auf der Tagung gehalten wurden und sich überwiegend mit fachlichen Fragen befaßten, war von besonderem Interesse der Vortrag von Professor Collorio-Osterode über die Wasserwirtschaft des Harzes und in diesem Zusammenhang über das Entstehen der größten Trinkwasserleitung Europas, der Harz- Wasserleitung nach Bremen. Die Wasserwirtschaft des Harzes bietet gleichzeitig ein Musterbeispiel dafür, wie unsere nationalsozialistische Führung Arbeit schafft. Etwa 140 Teilnehmer der Frankfurter Tagung des Deutschen Vereins von Gas- und Wasferfach» männern besuchten am Donnerstag die Sophien- Hütte der Buderusschen Eisenwerke in Wetzlar. Bestrafter Tierquäler. LPD. Frankfurt a. M., 1. Juni. Entgegen den gesetzlichen Bestimmungen bei Viehtransporten Kälber und Schweine nicht gemeinsam zu verladen, hatte die Viehtransportverwertungsgesellschaft Fritzlar 28 Schweine und 26 Kälber in einem gemeinsamen Waggon verfrachtet. Bei der Ankunft fand man eines der Kälber tot vor. Die Sektion ergab, daß es sich um ein völlig gesundes Tier handelte, das lediglich von den Schweinen totgetreten worden war. Dem Verantwortlichen wurde ein Strafbefehl über einen Monat G e- fängnis zugestellt. In der Einspruchsinstanz vor dem Einzelrichter machte der Anwalt des Angeklagten geltend, daß dieser wohl einen vorschriftsmäßig durch Gitter abgeteilten Waggon bei der Reichsbahn bestellt habe, auch sonst habe er die nötige Sorgfalt gewahrt. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu einer Gefängnisstrafe von einer Wochen Veranstaltungen zur Luftfahrt - Werbewoche in Gießen. Platzkonzerte unserer SA.-Kapellen zur Lustfahrt-Werbewoche. Anläßlich der heute beginnenden und bis zum 8. Juni dauernden Luftfahrt-Werbewoche veranstaltet der Musikzug der SA.-R. (Leitung Musikzugführer Herrmann) am Samstag bzw. Sonntag in dankenswerter Weife Platzkonzerte. Am heutigen Samstag von 18 bis 19 Uhr konzertiert der Musikzug der Standarte 116 unter Leitung von Obertruppführer N i e b e r g a l l an der Ecke Plockstrahe-Johannesstraße. Zum Dortrag kommt die nachstehende Musikfolge: 1. Ruhm und Ehre, Marsch von Blankenburg. 2. Ouvertüre z. d. Oper „Norma" von Bellini. 3. Geburtstagsständchen von P. Linke. 4. Stolzenfels am Rhein, Lied von I. Meißler. 5. Herzog von Braunschweig, Armeemarsch. Am morgigen Sonntag von 11.30 Uhr ab gibt die Kapelle des SA. - Reserve st urmbanns 1/116 unter Leitung von Musikzugführer Herrmann ihr Platzkonzert am Hindenburgwall in den Anlagen gegenüber dem Gymnasium. Dabei wird die nachstehende Musikfolge gespielt: 1. Koburger Posias-Marsch, Armeemarsch. 2. Ouvertüre a. d. Oper „Die diebische Elster" von Rossini. 3. Am schönen Elbflorenz von Schröter. 4. Rosenlieder von Eulenburg. 5. Große Fantasie a. d. Oper „Walküre" von R. Wagner. Die beiden Konzerte, die für die Förderung des deutschen Luftsports werben wollen, werden den Besuchern einen schönen musikalischen Genuß bereiten. Segelflugzeuge über Gießen. Im Rahmen der diesjährigen Luftsahrt-Werbe- woche werden, wir berichteten gestern bereits kurz darüber, am heutigen Samstag mehrfach im Verlaufe des Nachmittags Gießener Segelflieger mit ihren Segelflugzeugen unsere Stadt überfliegen. Das Hochschleppen erfolgt mit einem beftnders dafür eingerichteten Motorflugzeug. Die Verbindung wird durch ein Drahtseil von 100 Meter Länge hergeftellt, das vom Motorflugzeug jederzeit gelöst werden kann. Das Segelflugzeug „Geheimrat König", erkennbar an seinem keilförmig zurückgezogenen Flügel, fliegt nach dem Ausklinken mit einer Normalgeschwindigkeit von 60 Kilometer. Die zweite Maschine ist das neue Hochleistungs-Flugzeug „Rhönbussard", das eine Spannweite von 15 Metern hat und kunstflugtauglich ist. Die Führer der Flugzeuge werden über der Stadt Flugblätter abwerfen. Don Darmstadt werden auch einige Motorflugzeuge eintreffen, die über der Stadt Schau- und Kunstflüge ausführen werden. „Deutscher, unterstütze unseren Flugsport, damit das Göring-Wort wahr werde: Das deutsche Volk muß ein Völk von Fliegern werden!" Segelflugzeugausstellung an der Iohanneskirch^ Am morgigen Sonntag, 3. Juni, findet in den Anlagen an der Johanneskirche eine öffentliche Segelflugzeugausstellung statt. Von 9 bis 20 Uhr werden dort folgende Flugzeugtypen zu sehen sein: Drei Schulgleitflugzeuge Typ „Zögling", drei Segelflugzeuge „Falke", „Grüne Post" und „Prüfling" und ein Hochleistungssegelflugzeug vom Typ „Rhönbussard". In Verbindung mit dieser Ausstellung wird vom SA.-Reserve-Musikzug um 11.30 Uhr in den Anlagen am Hindenburgwall ein Konzert veranstaltet. Mt der „Monte Olivia" an die englische Küste. Von einem Gießener Teilnehmer an der Fahrt der NS.-Gemeinschast „Kraft durch Freude^. Zn Hamburg. Heut gehts an Bord, Morgen gehn wir fort, Schiff auf hoher See. Brausend erschallte dieses Lied, als mir im Sonder- Iug „Kraft durch Freude" im Hamburger Hauptbahnhof eintrafen und von vielen Zuschauern begrüßt wurden, während, von einer SA.-Kapelle gespielt, der Badenweiler Marsch erklang. Dom Bahnsteig aus wurde die große Reisegesellschaft, 2400 Personen, sofort durch die Untergrundbahn und zum Teil mit der Hochbahn zur Landungsbrücke befördert. Bald erblickten wir die „Monte Olivia". Bald nahm uns das Schiff auf. In kurzer Zeit war jeder einzelne verstaut. Nach kurzem Mahl machten sich viele der Teilnehmer wieder auf, um Hamburg, das Tor der Welt, zu besichtigen. Viele besuchten den Tierpark, andere fuhren im Autobus durch die Stadt, in den Abendstunden lernte man St. Pauli, die Reeperbahn — ein einziges gleißendes Lichtermeer — kennen. Erft gegen Mitternacht sah man uns wieder an Bord. Die Seereise beginnt. Am anderen Morgen begann die Seereise. Wir Oberhessen mußten früh aus den Betten, da wir die Gruppe I waren, die zuerst zum Frühstück im Saale fein mußte. Niemand ging mehr von Bord. Gegen' 9.30 Uhr erschien der Reichsstatthalter Kaufmann und begrüßte uns. Pünktlich um 10 Uhr begann die Ausreise. Der Dampfer wurde aus dem Hafen geschleppt und bald begannen die Maschinen der „Monte Olivia" das Schiff mit eigener Kraft vorwärts zu tteiben. Vorbei führte die Fahrt an der Insel Finkenwerder, vorbei an Blankenese. Die Sonne strahlte vom wolkenlosen Himmel. Manches Schiff begegnete unserem schrnuk- ken Dampfer. Als Cuxhafen hinter uns lag, nahm der Dampfer Kurs auf den Kanal. Bald erreichten wir das erste Feuerschiff und nun steuerte das Schiff, obwohl Land längst nicht mehr sichtbar war und wir uns bis dahin noch auf der Elbe befanden, ins freie Meer. An Bord war alles in bester Stimmung. Die Teilnehmer der herrlichen Fahrt unterhielten sich auf mannigfache Weise. Am Abend, als die Sonne sinken begann, tauchte Helgoland in schwachen Umrissen auf. Unser Dampfer fuhr vorbei. Um diese Zeit begegneten wir auch dem Schulschiff „Deutschland", und die Jungens begrüßten uns hoch aus den Rahen mit Mützenschwenken. Im Schein der Abendsonne bot das Segelschiff einen herrlichen Anblick. Auf der „Monte Olivia" wurde spontan das Deutschlandlied gesungen. Das Schulschiff funkte uns herzliche Grüße, die wir dankbar erwiderten. Das Bild des Segelschiffes im Schein der Abendsonne wird allen Teilnehmern prächtige Erinnerung sein. Konzert der Bordkapelle, Gesang und Vorträge unterhielten uns am Abend. Mancherlei Mundart aus deutschen Gauen (Pfalz und Schwaben) drang an unser Ohr. Um 24 Uhr herrschte Ruhe im Schiff. Helgolands Leuchtturm und Backbord voraus das Blinkfeuer von Norderney leuchteten uns letzten Gruß. Auf hoher See. Der dritte Reisetag brach an. Ein erfrischendes Brausebad mit Seewasser machte uns schnell munter. Bald standen wir wieder an der Reling und sahen hinaus auf die See, sahen Dampfer in der Ferne vorüberziohen und Fischerboote mit bunten Segeln auf dem Wasser. Unser Dampfer nahm Kurs auf die Scheldemündung bei Antwerpen. Um 10 Uhr traf sich alles auf dem Vordeck und mit großem Interesse hörten wir einen Vortrag von Reisebegleiter Marine-Sturmführer Neubert (Hamburg), der uns in fesselnden Schilderungen von dem Seekrieg auf der Nordsee erzählte. Immer wieder bewunderten wir die ausgezeichnete Organisation auf dem Schiff, bie es uns ermöglichte, eine einzige große Familie zu werden. Angesichts der weiten See öffneten sich Herzen und Sinne, fand sich der Mensch zum Menschen und wohl mancher dankbare Gedanke flog zu unserem Führer und Volkskanzler Adols Hitler und zu seinem Mitarbeiter Dr. Ley, die uns letzten Endes die herrlichen Stunden und Tage ermöglichten. Als gar am Nachmittag ein Telegramm des Reichsleiters der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" Lavarenz eintraf, in dem ein Bordfest an- geordnet wurde, herrschte großer Jubel an Bord. Inzwischen näherten wir uns der englischen Küste, die auch bald in Sicht kam. Dover erkannten wir im Dunst über dem Wasser zuerst. Mancher Gedanke der Passagiere flog um Jahre zurück. Man erinnerte sich des Weltkrieges, an den Wunsch Englands, Deutschland im Weltmeer ausguschalten — heute aber wehen wieder deutsche Flaggen über den Meeren. Aber mancher Gedanke galt auch dem England von heute und seinen mannigfachen Nöten. Wir erinnerten uns dessen, daß dem englischen Arbeiter heute das Glück einer solchen Seefahrt, wie wir sie erleben, noch nicht vergönnt ist; abermals gingen die Gedanken dankbar zurück zum Führer, der in der Heimat für unser Vaterland wirkt. Die Schiffsleitung meldete, daß in kurzer Zeit Dungeneß erreicht sei und daß von dort aus wieder umgekehrt werden müsse. Bald tauchten auch die Blinkfeuer von Dungeneß auf, Backbord voraus wußte man das belgische Ostende. Während des Abends und der Nacht fuhr die „Monte Olivia" langsam an der holländischen Küste entlang. Im Festsaal aber war wieder angeregtes Leben und Treiben. Man feierte einen „Pfälzer Abend". Da gab es viel zu lachen. Gerne gedachten wir auch der Saarländer, die sich an Bord befanden, und ihnen zu Ehren erklang das Saarlied. In .bunter Reihe folgten Theateraufführungen und kabarettistische Vorträge. In liebenswürdiger Weise war mir gestattet wor- den, die Kommandobrücke zu betreten. Unvergleichlich herrlich bot sich mir das Bild der See. In der Ferne leuchteten allenthalben die Blinklichter, über den Wellen lag das Licht der Scheinwerfer der „Monte Olivia". Es war 23 Uhr geworden. Da begegneten wir noch dem zweiten Urlauberschiff, der „Dresden". Mit einem dreifachen „Sieg-Heil!" wurden die ebenso glücklichen Kameraden von uns begrüßt. Auf der Rückfahrt. Der vierte Tag! Am frühen Morgen flog das Verkehrsflugzeug England-Holland in geringer Höhe über unserem Schiff hinweg. Bald darauf sichteten wir das Feuerschiff „Maas". Unsere stolze „Monte Olivia" fuhr nun am Hafen von Rotterdam vorbei mit dem Kurs Scheoeningen. Sonnenglanz lag wieder über See und Schiff. An Bord unterhielt man sich mit allerlei Sport und mit Bordspielen, so daß die Zeit im Fluge verging. Bald passierten wir auch die Stelle, an der der Seeheld Otto W e d d i - gen mit seinem bl-Boot drei englische Panzerkreuzer versenkte. Schließlich hörten wir wieder einen Vortrag über die Schiffahrt und den Schiffbau im allgemeinen und über die „Monte Olivia" im besonderen. In diesem Vortrag des Reisebegleiters wurde die Geschichte der deutschen Handelsschiffahrt lebendig und mit unverhohlenem Interesse lauschten die Zuhörer den vielseitigen Ausführungen. Insbesondere wurden wir auch eingehend über die technischen Einrichtungen der „Monte Olivia" informiert. Es ist fast überflüssig zu sagen, daß auf diesem Schiff so ungefähr alles vorhanden ist, was das Leben an Bord angenehm machen kann. Die Besatzung tat außerdem ein übriges, um uns den Aufenthalt auf dem Dampfer angenehm zu machen. Als Anerkennung für die Annehmlichkeiten, die uns durch das Bedienungspersonal, durch die Besatzung und die Stewards zuteil wurde, veranstalteten wir eine Sammlung, die die stattliche Summe von 3000 Mark ergab. Gegen Mittag des vierten Tages kam Amsterdam in Sicht. Gleichzeitig kamen wir auch in die Nähe jenes Gebietes, in dem viele deutsche Helden der See ihr Leben für das Vaterland ließen. Herzlich dankbar waren wir dafür, daß uns nun Gelegenheit gegeben war, auch die Seehelden an der Stätte ihres Todes zu ehren. In eindrucksvollen Worten gab einer der Fahrtteilnehmer den Gefühlen unser aller Ausdruck. Den Toten zu Ehren versenkten wir Kranz und Blumenstrauß ins Meer. Zum unvergeßlichen Erlebnis wurden diese Minuten, als von der Bordkapelle das Lied vom guten Kameraden erklang. Ein dreifaches „Sieg-Heil!" galt dem Führer Adolf Hitler und dem greisen ReichspräsÄenten, die das Erbe der Toten in erster Linie übernahmen. Das Deutschland- und das Horst- Wessel-Lied beschlossen die Feier. Fest an Bord. Immer enger schloß sich das Familienleben unter den Fahrtteilnehmern, immer größer wurde der Bekanntenkreis jedes einzelnen. Manche unvergeßliche Szene ereignet sich von Minute zu Minute. So erinnere ich mich eines Schwarzwälder Bauern, der aus dem Staunen überhaupt nicht herauskam, der das Wunderbare des Erlebnisses kaum zu fassen vermochte. Ost und gerne schauten wir alle während der langen Fahrt nach den schmucken großen und kleinen Dampfern und Booten aus, die immer .wieder unserem Schiffe begegneten. Inzwischen aber nahm das Bordfest seinen Anfang. In allen Räumen herrschte regstes Leben. Musik und humorvolle Vorträge fesselten da und dort die Aufmerksamkeit. Auf dem Promenadedeck wurde getanzt. Im „Zillertal" erklangen bayerische Laute, Lieder und Schnadahüpfl. Im Störtebecker-Lokal wurden rauhe Seemannslieder gesungen. Hin und wieder flogen die verlorenen Klänge eines Schifferklaviers durch die Räume. Schließlich erreichte das Fest seinen Höhepunkt, als die Besatzung meldete, daß ein Seeungeheuer gefangen worden war. Unter starker Bewachung wurde es vorgeführt. Am Kopfe hatte es, wenn ich mich nicht täuschte, starke Aehn- lichkeit mit einem großen Schrubber und am Schwanz mit einem Handbesen. Um Mitternacht gab es dann gar eine Kappenpolonaise, die in langem Zuge durch das ganze Schiff führte. Man sah viele originelle Kostüme, Papierschlangen glitten durch die Luft. Es war fast Fasching... Aber um 1 Uhr herrschte doch wieder tiefe Stille an Bord ... Unterwegs nach Helgoland! Grün ist das Land, Rot ist die Kant', Weiß ist der Sand, Das sind die Farben von Helgoland. Fünfter Tag! Schätzungsweise drei Seemeilen vor der Insel warf unsere „Monte Olivia" Anker. Vor uns lag Helgoland im strahlenden Glanz der Sonne. Das Rot der Felsen leuchtete in den klaren Tag, Möven spielten über dem Wasser, und wir sahen mit offenen Augen das Bild, das hier Gottes Allmacht in unerhörter Pracht schuf. Kaum wollen die Worte ausreichen, all die Schönheit zu beschreiben, die sich unseren Augen bot. Aber doch fiel auch ein bitterer Wermutstropfen in unsere Freude, als wir erkennen mußten, daß die starken deutschen Befestigungen in der Auswirkung des Versailler Vertrages geschleift werden mußten. Der Heimat entgegen. Um 13 Uhr lichteten wir wieder die Anker. Wir alle, die wir an Bord waren, befanden uns ausgezeichnet wohl. Das Essen mundete, zum Nachmittagskaffee gab es stets Kuchen, es wurden Tausende und aber Tausende von Ansichtspostkarten geschrieben. Es wurde auch viel photographiert, denn jedermann wollte einige Bilder von dieser einzigartigen Fahrt mit nach Hause bringen. Fast hätte ich vergessen, davon zu erzählen, daß wir alle sehr gut untergebracht waren und uns ganz wie zu Hause fühlten. Gegen 13.30 Uhr sahen wir auf der Steuerbordseite wieder einmal einen schmucken Dampfer an uns vorüberziehen, den wir auf gleicher Höhe wieder mit dem üblichen „Sieg- Heil!" begrüßten. Eine halbe Stunde später begegneten wir dem schönsten Schiff der Hamburg- Südamerika-Linie, der „Eap Arcona". Allmählich näherten wir uns wieder dem Festland unserer Heimat, näherten wir uns der Elbmündung und um 16.30 Uhr bekam die „Monte Olivia" wieder den ersten Lotsen an Bord. Inzwischen waren wlr auf ein merkwürdiges und schönes Lichtspiel aufmerksam geworden: Das Kielwasser, das hoch emporgischte, glänzte im Schein der Sonne in den prächtigsten Regenbogenfarben. Kaum VA Stunden später kam der zweite Lotse an Bord. Als die goldene Abendsonne unter dem Horizont im Westen versunken war, zog das Schiff an dem von tausend Lichtern alänzenden Kaiser-Wilhelm-Kanal vorbei. Das Schiff fuhr langsam mit halber Kraft voraus. Die letzten Stunden auf dem Dampfer waren der frohen Geselligkeit gewidmet und sie vereinten mich zu gemütlicher Unterhaltung mit einigen Landsleuten aus Bad-Nauheim. Wieder in Hamburg. Der sechste Tag! Als wir am frühen Morgen erwachten, bot sich uns das nun bald vertraute Bild des Hamburger Hafens und der Landungsbrücke. Gruppenweise verließen wir Hessen als letzte das Schiff, das uns für einige Zeit so glänzend beherbergt hatte. Mit noch einigen Urlaubern wurde ich dem „Reichshof" überwiesen, einem großartigen Hotel, und von hier aus benützten wir noch die Gelegenheit, verschiedene Teile der Stadt Hamburg kennenzulernen. Eine Kanalfahrt führte uns durch das alte Hamburg, das Gängeviertel, das nun bald dem Abbruch verfallen fein wird. Vorbei am mächtigen Bismarckdenkmal führte die Fahrt zum Alster- Pavillon und im Motorboot lernten wir die Alster kennen. Im Uhlenhorster Fährhaus, Hamburgs schönstem Ausflugsort, verbrachten wir noch einige schöne Stunden bei guter Musik. Unvergleichlich war der Blick über die Außenalster, die von Hunderten von Segelbooten belebt war. Zu später Nachmittagsstunde, auf der Rückkehr zum Hotel, lernten wir auch noch die beiden Hochhäuser, das Chile- und das Ballinhaus kennen. Die Heimfahrt. Am Morgen des letzten Urlaubstages standen wir 2400 Urlauber zur Heimfahrt mit der Bahn gerüstet auf dem Vorplatz des Hamburger Hauptbahnhofes. Mit einem dreifachen kräftigen „Sieg- Heil", das wohl manchen Volksgenossen — es war erst 5 Uhr — aus dem Schlaf gerissen haben mag, verabschiedeten wir uns von dem gastfreundlichen Hamburg und der „Monte Olivia". In vier Sonderzügen führte uns die Fahrt durch die Lüneburger Heide über Hildesheim und Göttingen nach Kassel. In Kassel wurde der Urlauberzug von 30 Betriebszellenabordnungen mit Fahnen und schneidiger Musik empfangen. Bald wurde die Reise fortgesetzt und nun dauerte es nicht mehr lange, bis uns die heimatliche Kirchturmspitze grüßte. Schlußbetrachtungen. Im Geiste ziehen die herrlichen Stunden wohl oft an dem geistigen Auge derer vorüber, die diese Fahrt miterleben durften. Bewundernd erinnere ich mich der ausgezeichneten Organisation, in deren Zeichen die ganze Fahrt stand. Viele Bilder, Plaketten, das blaue Mützenband der „Monte Olivia" werden mich häufig an diese meine erste Seefahrt erinnern. Schilderungen einer solchen Reise können leider nur ein matter Abglanz der Wirklichkeit sein. Der Leser möge damit vorlieb nehmen! Wünschen möchte ich nur, daß vielen unserer deutschen Volksgenossen auch eine derartige herrliche Reise vergönnt sein möge. S. Oberheffen Weitere hessische Preisträger aus der VeichSnährstandsauSstellung. In den weiteren Preisbewerben auf der großen 1. Reichsnährstandsausstellung in Erfurt errangen Preise: In der Abteilung Milch: Klasse 1. Rohmilch: Siegerpreise: Landwirt Carl Knauer, Hühnerhof bei Gettenbach (Büdingen-Oberhessen), Preis des Lanüesbauernpräfidenten im hessischen Staatsministerium. Klasse 2. Dauererhitzte Milch: Siegerpreis: Milchzentrale e. G. m. b. H., Nieder- Wöllstadt (Oberhessen), Preis des Landesbauernpräsidenten im Hessischen Staatsministerium. In der Abteilung Butter. Klasse 1. Ungesalzne Butter: Siegerpreis: Molkerei e. G. m. b. H. Groß-Felda (Oberhessen), Preis gestiftet von Ramesohl und Schmidt AG., Oelde (Westfalen). In der Abteilung Käse. Klasse 14. Weichkäse: Siegerpreis: Molke reigenossenschast Fulda-Lauterbach e. G. m. b. H., Lauterbach (Hessen), Preis des Bayrischen Staatsministeriums für Wirtschaft. In der Abteilung Schweine. Klasse 2: Paul Hoffmann, Hofgüll bei Lich (Oberhessen). Eine Anerkennung. Klasse 3. Eber, geb. vom 1. 6. bis 1. 10. 1933: Schweinezuchiverein Lang-Göns, Gießen. Einen le-Preis und einen 4a-Preis. Eigentümer beidesmal Karl L u h , Lang-Göns. Klasse 4: Schweinezuchtverein Lang-Göns, Gießen, einen 3e« Preis und eine Anerkennung. Eigentümer beidesmal Karl L u h, Lang-Göns. Klasse 5: Schweinezuchtverein Lang-Göns, Gießen. Einen 2e-Preis (Eigentümer Eugen Weber, Lang-Göns) und einen 2k-Preis (Eigentümer Wilhelm L u h , Lang- Göns). Paul Hoffmann, Hofgüll bei Lich (Oberhessen). Eine Anerkennung. Klasse 7: Paul Hoffmann, Hofgüll bei Lich (Oberhessen). Anerkennung. Schweinezuchtverein Lang-Göns, Gießen. Einen 1. Preis. Klasse 6: Paul Hoffmann, Hofgüll bei Lich (Oberhessen). Anerkennung. Abteilung Ziegen: Klasse 1: Landesverband der Ziegenzuchtvereine für den Volksstaat Hessen mit einem la», einem Id-, einem 2a- und einem 2b-Preis. Eigentümer Stadt L a u b a ch, Stadt Pfungstadt, Ziegenzuchtverein Gau Köngernheim, Ziegenzuchtverein Weinheim (Post Alzey), Verband Kurhessischer Ziegenzüchter mit einer Anerkennung. Eigentümer Gemeinde Cölbe (Marburg). Klasse 4: Landesverband der Ziegenzuchtvereine für den Volksstaat Hessen mit einem la-, einem 1b-, einem 1c-, einem 2a-, einem 2c-, einem 3b- Preis und zwei Anerkennungen. Eigentümer Phi- lipp Räthge IX., Pfungstadt, Ludwig Wenz VI., Pfungstadt, Kreisziegenzuchtverein Gießen, Gg. Hirsche!, Richen, Heinrich Vogel, Gießen, Christ. Scheid VI., Großen-Buseck, Peter Wahlig, Lorsch, Friedrick Göbel, Groß-Rohrheim. Klasse 6: Landesverband der Ziegenzuchtvereine für den Volksstaat Hessen mit einem 1. und 4. Preis und drei Anerkennungen. Eigentümer Adam Sinner II., Pfungstadt, Jakob May II., Hühnlein, Heinrich Hügel, Langenselbold, Wilhelm Stütz, Langenselbold, Hugo S t r a ß h e i m, Griedel. Trachtenfest in Schlitz. LPD. Schlitz (Oberhessen), I.Juni. Arn Sonntag, 22. Juli, wird in Schlitz wieder ein großes Trachtenfest stattfinden. Es werden dabei nicht nur die farbenfrohen Trachten des Schützer Landes ♦ vertreten fein, sondern darüber hinaus sollen sich die mannigfaltigen Trachten, die noch zwischen Lahn und Fulda getragen werden, zu einer eindrucksvollen Schau in der alten Burgenstadt vereinen. Es ist mit einer großen Zahl Besucher zu rechnen, zumal mit dem Fest auch eine politische Kundgebung verbunden wird, bei der hervorragende Führer des neuen Deutschland sprechen. Sonderfahrten der Reichsbahn und der Reichspost werden eingelegt werden. Landkreis Gietzen. r. G r o ß e n-L i n d e n, 31. Mai. Ein schwerer Motorradunfall ereignete sich gestern abend hier an der Ecke Moltke- und Bahnhofstraße. Ein junger Bursche (Karl Dem) von hier machte auf einem Motorrad, das er zu kaufen gedachte, Probefahrten. In der Kurve verlor er die Herrschaft über die Maschine und fuhr gegen ein Hoftor. Er blieb mit schweren Verletzungen bewußtlos liegen. Der zufällig in der Nähe haltende Ortsarzt konnte sofort die erste Hilfe leisten. Die sich in letzter Zeit wieder häufenden Motorradunfälle sollten eine ernste Warnung sein, besonders innerhalb der Ortschaften in mäßigem Tempo zu fahren. = Alten-Buseck, 1. Juni. Die jüngste Versammlung der hiesigen NS.-Frauenschaft stand unter dem Thema: „Der Luftschutz und die deutsche Frau!" Der Führer der hiesigen Orts- aruppe des Reichsluftschutzbundes, Dr. Haas, versuchte mit eindringlichen Worten den versammelten Frauen die Notwendigkeit des Luftschutzes klarzumachen. Wenn auch die eigentliche Ausgabe der Frau auf anderen Gebieten liegt, so dürfe sie sich doch nicht der Notwendigkeit und der Verpflichtung gegenüber ihrem Volk auch im Luftschutz entziehen. Die Ausführungen des Redners fanden großen Beifall. = Reiskirchen, 1. Juni. Dieser Tage fand hier eine Werbeversammlung des Reichsluftschutzbundes statt. Der Ortsgruppenleiter der erweiterten Ortsgruppe Alten-Buseck, Dr. Haas schilderte die Situation Deutschlands und demgegenüber die Luftrüstungen unserer Nachbarstaaten. Der Redner gab eine Schilderung der modernen Kriegsflugzeuge und ihrer strategischen Bedeutung, ferner die verschiedenen Möglichkeiten ihrer Verwendung und ihre Gefahren für das deutsche Volk. Der Reichsluftschutzbund hat sich zum Ziel gesetzt, das deutsche Volk über die Notwendigkeit des Luftschutzes aufzuklären und im zivilen Luftschutz zu schulen. Der Aufforderung, dem Reichs- luftschutzbund beizutreten, leisteten eine Anzahl der Anwesenden Folge. Für die Gemeinde Reiskirchen übernimmt Bürgermeister Launsbach die Leitung der dortigen Gemeindegruppe des Reichsluftschutzbundes. D Grüningen, 2. Juni. Unter dem Vorsitz des Herrn Propstes Knodt faßte dieser Tage der Kirchenvorstand und der Gemeinderat einmütig den Beschluß, die seit beinahe vier Jahren verwaiste Pfarrstelle ausschreiben zu lassen und gab zugleich die Erklärung ab, sofort nach der Neubesetzung mit dem Bau eines Pfarrhauses zu beginnen. Die Mittel sind vorhanden. Ebenso ist der Bauplatz vor dem Dorf an der Straße nach Holzheim in Aussicht genommen, der mit seinem Blick über einen Teil der Wetterau bis hinauf zum Hoherodskopf als einzigartig bezeichnet werden kann. Llnd nun, Men? Vornan von Käthe Mehner. Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Derlag, Halle (S.) 21. Fortsetzung. Nachdruck verboten! Mit der Schnelligkeit, die den gedienten Soldaten verriet, stand der Doktor schon wenige Augenblicke später unten in der Diele und sah, wie die Dienerschaft änbstlich zusammenaedrängt stand. Bei seinem Kommen strebten sie tief grüßend auseinander und gaben iym den Weg frei. Rakenius ging, ohne sich um^uschauen. Scheu und verstört folgte das Personal. Die Tür zum Wintergarten stand weit offen. Erstickend schlugen ihm der Duft der exotischen Pflanzen und die Wärme der Zentralheizung entgegen. Mit blassen Lippen und zitternden Knien ging Rainer von Rakenius um das Rundteil der Palmen herum. Dann ein unterdrückter Schrei. Er stand vor dem leblosen Körper seiner Frau. „Evelyn!" Die Diener waren stehengeblieben. Rakenius griff nach dem Arm der Leblosen, richtete ihn hoch. Keine Bewegung mehr. Nur Blut sickerte dick und schwer aus einer kleinen Wunde an der Schläfe. Jetzt erst begriff Rainer von Rakenius die furchtbare Wucht des Schicksals. „Evelnn — Evelyn!" Es klang schauerlich in dem hoyen Glashause. Da stand der kleine, runde Gartentisch. Und hier auf der langen Peddigrohrbank lag die schöne, elegante Frau mit starrem, unbeweglichem Gesicht, das Entsetzen und Angst noch im Tode verriet. „Ein Verbrechen — ein gemeines Verbrechen. — Wer?" Rakenius stöhnte zusammenhanglos Sätze. Dem ersten Schreck folgte jäher Schmerz. Mechanisch gab er Anordnungen. „Alle bleiben hier. Nichts anrühren. Johann, ruf du den Arzt! Ruf meinen Vater! Ruf die Polizei! Ja, Johann?" „Jawohl, Herr Doktor — jawohl!" Wie im stummen Gebet saß Doktor von Rakenius neben seiner toten Frau. Er hatte sie nicht mehr lieben können. Hatte sie kaum geliebt, weil sie so grundverschieden waren. Und doch. Sie war seine Frau gewesen. Gewohnheit hatte allmählich doch ein Band um sie gewoben. Sie war ein Mensch, der täglich um ihn war. „Evelyn!" sagte er immer wieder matt vor sich hin, als warte er auf Antwort. Die Polizei war früher da als der Arzt. Als dieser erschien, arbeitete die Mordkommission schon fieberhaft. Man vernahm bte Dienerschaft. Jetzt erst erfuhr Rakenius, daß bas ganze Personal für den vergangenen Abend beurlaubt gewesen war. Warum? Mit überstürzten Schritten kam der alte Geheimrat — und stand sprachlos da. Dann grub sich -ein bitterer Schmerz um seinen Mund. Er sah auf seinen Sohn, der teilnahmslos hinter dem Kommissar stand und ihn scheinbar gar nicht hatte kommen sehen. Unter der Toten wurde der Revolver gefunden. Ein Beamter faßte ihn vorsichtig an. Da griff schon der Kommissar zu und nahm ihn an sich. „Kennen Sie diese Waffe, Herr Doktor?" Tödliche Blässe bedeckte plötzlich das Gesicht Rainers. „Sie gehört mir — mein Gott — mir!" Der Geheimrat wich zurück. „Rainer! Deine Waffe? Deine...?" Der Geheimrat rang verzweifelt die Hände, aber sprach nicht mehr. „Der Tod muß etwa gegen zwölf Uhr eingetreten sein. Jetzt ist es vier Uhr", stellte der Arzt fest. Beamte notierten. Der Kommissar bohrte seine Blicke in die Gesichter der Umstehenden. Geheimrat von Rakenius dachte an seine Gattin, wenn sie das erfahren würde — und er dachte an seinen Sohn. „Sie sagten vorhin, daß Sie etwa gegen zwölf Uhr nach Hause gekommen sein wollen. Stimmt das, Herr Doktor?" „Es stimmt, Herr Kommissar! Mein Gott, wie das alles jetzt klingt! Wie das klingt. Ich sehe plötzlich alles so anders. So sonderbar." „Sie sind erregt, Doktor! Fassen Sie sich!" Der Arzt wollte beruhigen, doch der Kommisiar wehrte ab. „Und wohin gingen Sie, als sie heimkamen?" „Direkt in mein Zimmer natürlich." „Das ist gar nicht natürlich, Herr Doktor! Sie pflegten für gewöhnlich lange zu arbeiten." „Ich war abgespannt. Nervös — sehr nervös." „Stimmt, Herr Kommissar!" fügte in diesem Augenblick der Geheimrat hastig hinzu. Er hatte plötzlich mit Entsetzen gespürt, worum es jetzt ging. Der Kommissar beachtete den Einwurf kaum. Er zuckte uninteressiert die Achseln. „Ja, ich bedaure! Zunächst wollen Sie mir bitte einmal in Ihr Arbeitszimmer folgen. Sie sagen, daß es sich um die Waffe handelt, die Sie unter Verschluß halten, so daß Ihre Frau Gemahlin eigentlich keine Möglichkeit hatte, an diese heranzukommen." „Ich sagte es, wie es ist, Herr Kommissar!" Mit der Wichtigkeit und Barschheit, die manchen Kriminalbeamten eigen ist, wenn sie sich starrsinnig in eine, wenn auch falsche Theorie verboyrt haben, schritt der Kommissar voran. Die ein Trunkener folgte ihm Rainer von Rakenius. Der Geheimrat schüttelte unentwegt den Kopf. „Unmöglich alles, unmöglich, Herr Geheimrat!" Der Arzt redete beruhigend auf den Vater ein. „Es mutz sich ja alles aufklären. Muß ..." Auf der Platte des großen massiven Schreibtisches fanden sich zwei Briefe, der eine an den Geheimrat, der andere an Rainer von Rakenius adressiert. „Bitte, öffnen Sie diese Briefe in meiner Gegenwart, Herr Doktor!" Rakenius zögerte nicht einen Augenblick. Es war ja alles so ungeheuerlich, so unbegreiflich. Und er las: "... es soll genug sein des grausamen Spiels, Rainer! Nun hast Du diese Dame gar in Deinem eigenen Betrieb untergebracht. Es genügte Dir nicht, daß Du diese Reklameschönheit dauernd auf Plakaten und Prospekten vor Augen hattest — nein. Du willst mehr haben... mehr, sie täglich in Deiner Nähe haben. Und das machen Deine Eltern mit? Und dann wundert man sich über mein kühles Verhalten in unserer Ehe. Lange genug habe ich das ertragen. Ich mache es nicht mehr mit. Heute noch werde ich Dich für immer verlassen. Forsche nicht nach meinem Verbleib! An Deiner Seite unter solchen Umständen weiterzuleben, ist mir unmöglich. Ich müßte keinen Stolz in mir haben, wenn ich das ertragen könnte. Das Gleiche schreibe ich Deinen Eltern. Evelyn." Und wirklich. Als der Kommissar den zweiten Brief gelesen hatte, fand er den ersten nur bestätigt. „Die Schrift mag zweifellos die Ihrer Gattin sein, Herr Doktor! Es klingt oder soll klingen wie Selbstmord, den ich nach Befund der Leiche und vor allem nach der Lage verneine. Die Schlüssel zum Schubfach des Schreibtisches fehlen. Vielleicht haben Sie sie doch noch in der Tasche? Wollen Sie mir einmal sagen, welchen Anzug Sie gestern abend trugen?" „Frack." „Und wo hängt er?" „In meinem Zimmer." Ein Beamter aing mit dem Diener hin und brachte die Schlüssel. Atemlose. Gespanntheit. Der Geheimrat war auf einen Stuhl gesunken. Rakenius biß auf die Zähne. „Nach Aussagen der Dienerschaft empfing Ihre Gattin keinen Besuch, und Sie geben selbst zu, daß Sie sich nicht entsinnen, jemals in der Nähe Ihrer Gattin einen Menschen gesehen zu haben, der als Täter in Betracht kommen könnte. Herr Doktor von Rakenius, ich muß Sie bitten, mir sofort zu folgen. Vielleicht lassen Sie irgend welche Anordnungen für Ihren Herrn Vater hier!" Grauen packte die Anwesenden. Jetzt erst drang allen die Gefährlichkeit der Situation ins Bewußtsein. „Daker!" Rainer von Rakenius macht« taumeküv einen Schritt auf den Vater zu. Der Geheimrat aber saß stumm da, wie von einem Blitzschlag gelähM. Er hörte nicht mehr, was um ihn geschah. Nur die furchtbare Gewiß« heit schien in ihm zu sein. Da richtetete sich der Gelehrte zu seiner ganzen Größe auf. „Ich tyabe nichts mehr zu regeln. Ich bin im« schuldig. Ich werde bald wieder daheim sein müssen." Er ging. Jetzt erst schien Leben in den Geheimrat zurückzukehren. Seine Augen irrten durch das Zimmer. Alles lag ordentlich und friedlich an feinem Platze — und doch, wie fremd mutete ihn plötzlich der vertraute Raum an. Mit wehem Herzen nahm der alte Vater Abschied von dieser Umgebung. Ein letzter sehnsüchtiger Blick — er begriff das alles nicht mehr. Nur die Worte feiner Frau vom Abend zuvor klangen ihm noch in den Ohren: „Hältst du es für richtig, daß du dich so um eine fremde Dame bemühst? Könnte dir das nicht falsch ausgelegt nterden?" Und bann später noch: „Ich bange um den Jungen." Es war, als ob dem alten Manne jemand bi« Kehle zubrückte, so befiel ihn furchtbare Angst. Heber bas Haus Rakenius war jäh ein unheilvolles Schicksal hereingebrochen. Ein Schicksal, das im Nu alles zermalmen konnte — alles ... Achtzehntes Kapitel. Träge fiel der erste Schnee. Noch wässerig, ohne langen Bestand — aber doch schon die Freude der Kinder. Feuchtigkeitgesättigt war die Luft wie in einer Waschküche. Geheimrat von Rakenius erschien wie immer als einer der ersten in seinem großen Werk draußen vor der Stadt. Selbst dieser schwere Tag, der der furchtbarsten Nacht seines Lebens folgte, fing bei ihm mit der regelmäßigen Arbeit an. Er stand in feinem Büro und sah auf den großen Doppelschreibtisch. Dort saß noch gestern mein Junge!, mochte er denken und schüttelte sorgenschwer den Kopf. Dann schien ihm etwas' einzufallen. Richtig —• seine liebe Frau, die er weinend daheim wußte, hatte ihm noch einmal die Einnerung an Rainers Worte und Verhalten zurückgerufen „Dieses Mädchens wegen etwa?" Dem alten Geheimrat kamen Zweifel. Aber doch — hatten nicht oft genug schon leichtfertige Frauen einen ethisch fest verwurzelten Mann aus der Bahn geworfen? Gewiß, er sah nicht klar. Konnte nicht urteilen« Doch schon die Möglichkeit, daß dieses Mädchen mit der grauenhaften Katastrophe irgendwie in Der« binbung stehen konnte, brachte sein Blut in Wallung. Vielleicht zum ersten Male in seinem Leben handelte Geheimrat von Rakenius ohne- nach Recht und Unrecht zu fragen. (Fortsetzung folgt.) W 3307 A Der leichte HochHomm.- Modisch vollendet sind meine reizenden sommerlichen Neuheiten die ich in reicher Auswahl am Lager habe — auch meine Preise werden Ihnen zusagen: Sportkleider aus k's. Leinen, m. reichem Hand- AL Eft hohlsaum......19.75, 10.JU Flotte Sommer-Kleider aus Georgette Car6 od. Mattkreppdrucken, hochmoderne Dessins, gut verarbei- AL Cß tet.. .29.75, 25.00,19.75, lO.jU Gabardine - Mäntel aus guten,reinwoll.Qual., imprägniert, in beige, grau u. in 7C blau. 39.50, 34.00,28.00, Mantel aus Juwelseide, imprägniert, in allen Farben, für jedes Wetter ge- flft rn eignet . .. .39.50, 34.00, 47.0U Mäntel aus deutschem Leinen, fesch verarbeitet, i. allen modernen Far- IQ 7C ben..... 25.00, 22.00, 17./ J CARLlMowÄCK JNHABER: CARL HEINZ SCHLÜTER kGIESSEN SELTERSWEG 81 Zum Feldzug gegen Verschandelung der HeimatnaturJ ...................................................... Naturschutz im Dritten Reich Einführung in Wesen und Grundlagen zeitgemäßer Naturschuharbeit von Pros. Dr. Walther Schoenichen Direktor der Staatlichen Stelle für Naturdenkmalpflege in Preußen und- Leiter ber Fachflelle Naturschuh im Nelchsbund Volkstum und Heimat Mit 24 Dildtaseln Preis: Gebunden Reichsmark 3.60 Naturschutz ist Doltssach« geworben I Wegweisend gingen die führenden Männer de« neuen Reiches voran, sicherten dem deutschen Wald und Wild wirksamen gesetzlichen (Schutz und zeigten planvoller Dolksiumsarbeii große, edle Ziele aus. - Dieses grundlegende Äuch über den Naturschutz aud der Feder des Leiters der deutschen Aaturschuhbewegung geht jeden einzelnen Dollsgenofien an. Qi gilt, die natürliche Schönheit unserer Heimat in liebevoller Gorge und naturverbundener Getneinschaflsarbei« zu erhalten für un« und für die, bi« nach uns sein werben. Zu beziehen durch jede Buchhandlung I Hugo Bermühler Verlag • Berlin-Lichterfelde ........................................................................................................................... 9 Alle» andere als «schwSchllchHl» Natürlich erhält es täglich: ErsHingsmehl u.KükenkörnerfuHer Hefjiechee KreftfuMerwerh O. tn. b. tL, OQeaeldoH* Hefen Reichstreubund Am 3. J uni 1934,9 Uhr, findet auf dem Hofe der Neuen Kaserne die Weihe mehrerer Fahnen des Reichstreubundes statt Die Bevölkerung wird hierzu eingeladen. Der Standortälteste hat das Betreten des Kasernenhofes gestattet uor d Die Ortsgruppe steht um 8 Uhr geschlossen auf d. befehl. Platz Pulvermühle Schönstes am Lahnufer gelegenes Gartenrestaurant Speisen und Getränke in bewährter Güte! Den verehrten Damen und Damenkränzchen empfehlen wir täglich frischen Kuchen. Dienstags und Donnerstags frische Waffeln« 3333 d Liebigshöhe Sonntag, den 3. Juni, ab 10 Uhr 3351 d Konzert mit Tanz Das dealsche Dirndlkleid aus Men von Demard Bedruckt Kretonne, 80 cm breit herrliche farbenfreudige Drudemuster auf sehr guter B BQ Grund wäre........per Meter 0.94, 0.84, 0.78, UeU£ Bedruckt Leinenimitat, 70 cm breit, neue B BO Blumendessins...................per Meter UeOO Dirndlkrepp, 72 cm breit, bunt karierte, I) BQ gewebte Ware....................per Meter UeUU Leinenimitat, 70 cm breit bunt gewebt, sehr H 7 C aparte Farbstellungen.............per Meter IL I U Ominder Halblinnen,80cm breit, Original- * 4E wäre, in allen richtigen Farben.... per Meter lelu Echtes Bauernleinen, 80cm br., echt indan- 4 EQ threngefärbt, p. Mtr. 1.75, in Naturfarben p. Mtr. leU4 Slollsaemlhaas Demard Giefaen » Plockstrahe Nr. 14—16 Wieseck Sonntag, den 3. Juni TANZ bei Gastwirt H. HORMANN Sdihterg Tägl.frischerKuchen u.vorzüglich. Kaffeel Tasse25Pf.),Hausmacher- wursti.bek.Güte,vrimaHandkäse, sehr guterApfelwein,IaBieri.Ausschank, E i s. Mäßige Preise. Der Omnibus fährt täglich ab Bahnhof Gießen 3.25, ab Gasthaus Lamm (Horst-Wessel-Wall7)3.27,abLud- wigsvl.3.30Uhr.-Rückfahrt 6 Uhr.- Sonntags fährt außer dem vlan- mäß.WageneinOmnibusschon um 2.50 ab Bahnhof, ab Gasth.Lamm 2.52, ab Ludwigsvl. 2.55 Uhr. llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll von tüchtigem Ehevaar zu dachten gesucht.Schriftliche Angebote unt. 02839 an den Gießener Anzeiger Zenlral-Lber- und Sauen-Versteigerung am 14.6. in Gießen (Viehmarktplatz) Ium Auftrieb kommen je 15 (Eber bes deutschen Ebelschweins unb bes verebelten Lanbschweins, ferner 10 Sauen bes beutschen Ebelschweins unb eine bes ver. ebelten Lanbschweins. Die Sauen sinb Zrmgsauen unb größtenteils tragenb. Veste unb bequemste Gelegenheit für Ge- meinben unb Züchter sich hochwertige Zuchttiere zu erwerben. Die Prämiierung beginnt um 8% Uhr, bie Versteigerung um 10% Uhr. Landesbauernschaft Hessen-Nassau: Tierzuchtamt Gießen. Gießen, ben 1. Juni 1934. 1317 D Geschänsdrucksachen Rechnungen Brlefbl&tter Brlefumechläge Poetkarten 6eechÄfta karten bei Irflhl, SohulitrJ Kl. Mercedes Mk.102.- monitllch Mk.TJO Franz Vogt & Co,, Seltersweg 44, Nr. 126 vierter Blatt Gtehener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen) Samstag, 2. Zum 1934 Aus der Wett des Films. rn Warum so? Weil Kinder, die mit Steinbaukästen in Auftrag bekommen hat, dann — so mag der Anders machens die Film-Mechaniker auch nicht. // — Peter der Vaga° Film „L u f f a r - P e t t e r' Der Berliner Filmbrief „Die vier Musketiere." Drei junge Verkäuferinnen. Diel ist über das Leben von Greta Garbo — Und doch ist vier ober sechs oder auch acht Wochen daran gearbeitet worden. Ja, wie kommt das? Damit gelangen wir zu dem Kernpunkt des Problems und zu der Erkenntnis, daß man einen Oer Filmschauspieler als Typus. In den verschiedensten Berufen, sind schon Untersuchungen darüber angestellt worden, über welche körperlichen und seelischen Eigenschaften die in ihnen tätigen Menschen in besonderem Maße verfügen. Durch eine Zusammenstellung der auf diese Weise erfaßten Eigenschaften erhält man eine Art Berufsbild, das bis zu einem gewissen Umfange wichtige Aufschlüsse für alle Berufstätigen eines Gebietes vermitteln kann. Eine solche Herausarbeitung der typischen Züge der beim Film tätigen Schauspieler und Schauspielerinnen ist jetzt, wie die „Deutsche Me-dizinische Wochenschrift" mitteilt, von dem italie- nischen Professor Maggi angeregt worden. Das Filmen erfordert von den Schauspielern eine große Reihe schwieriger Leistungen des Körpers und des Geistes. Die dem Laien vorschwebende Vorstellung, es handele sich um eine besonders angenehme und leichte Berufsausübung, beruht auf einer Unkenntnis der Arbeitsbedingungen des Filmschauspielers und den starken Anforderungen, die namentlich der gesamte technische Apparat, das grelle Licht und manche andere Erscheinung des modernen Filmwesens an alle Mitwirkenden stellen. Es muß sich bei den geplanten Untersuchungen allerdings sowohl um ärztliche Beobachtung wie um eine Prüfung und Wertung der künstlerischen Leistung handeln: in dem damit betrauten Untersuchungsausschuß müssen darum Aerzte und Filmsachverständige gemeinsam vertreten sein. Die Ergebnisse der ärztlichen und künstlerischen Prüfung der Schauspieler sollen auf für diesen Zweck angefertigte Karteiblätter eingetragen werden, ähnlich wie es bei den Untersuchungen der Sportler in den Vereinen vielfach geschieht. Professor Maggi erwartet von dieser karteimäßigen Zusammentragung aller wesentlichen Einzelheiten die Antwort auf die Frage, welche verschiedenen Konstitution-- typen es unter den Filmfchaufpielern gebe, d. h. welche besonderen Eigenschaftsgruppierungen sich innerhalb der Gesamterscheinung dieser Berufsgattung herausfinden lassen. Anschauung und Erfahrung zeigen ja ganz deutlich, daß einem bestimmten Konstitutionstyp bestimmte Leistungen entsprechen. So könnte man etwa Marlene Dietrich, Greta Garbo, Brigitte Helm und andere Filmschauspielerinnen als einen Konstitutionstyp ansprechen, der über eine besonders ausgeprägte seelische Empfindsamkeit verfügt.— Die italienischen Behörden schenken dem Vorschlag Maggis weitgehende Beachtung. Der Normal-Film Von Jörg Ahlert. bunb — mitarbeiteten. Im Juli 1922 raffte sich der Stockholmer Spielleiter und Schaufpiellehrer Erik P e t s ch l e r zu einem Entschluß auf: er wollte auf eigene Faust einen Spielfilm drehen. Ich arbeitete damals für eine schwedische Filmkamerafabrik und wurde auf Petschlers Bitte als Kameramann für dieses Creta- nis auserfehen. Das von Petfchler verfaßte Drehbuch enthielt nur wenige Rollen, von denen Petfch- (er selbst „nur" drei spielte, und war auch sonst ganz auf dem schönen Grundsatz der Billigkeit aufgebaut. Am 14. Juli 1922 um 7 Uhr früh fahr ich mit Lambert Rorland, Petschlers Assistenten, zu Bergströms Warenhaus, um von dort drei Verkäuferinnen als Trägerinnen der weiblichen Rollen in Petschlers Glanzstück mitzunehmen. Mit dem Warenhaus war das Nötige telephonisch vereinbart worden, und im Empfangsraum erwarteten uns drei junge Mädel, die schon früher in Bergströms Katalogen als Hutmodelle photographiert worden waren und in einigen Werbebildern bewiesen hatten, daß sie sich vor der Kamera zu bewegen verstanden. Sie wurden uns vorgestellt: Tyra R y - man, Irene Petterberg und — Greta G u st a f s s o n. Oer erste Schritt zum Wettruhm. Es ging mir keineswegs ein elektrischer Schlag durch die Adern, als ich die Garbo zum erstenmal erblickte. Da stand sie, ein kleines, zorniges Mädchen in einfachstem Baumwollkoftüm, und beschwerte sich, daß wir eine Stunde zu spät gekommen seien. Sie sah aber süß aus mit ihren blitzenden Augen. Zum Glück erschien bald P e t s ch l e r in Begleitung eines unbekannten jungen Mannes und verteilte die Rollen. Greta bekam die weibliche Hauptrolle. Der unbekannte junge Mann, der einen lästigen Verehrer Gretas spielen sollte, vertraute mir nach den ersten fünf Minuten an, daß Petfchler ihn am Tage vorher von der Straße weg engagiert hatte. „Haben Sie denn schon mal gefilmt?" fragte ich ihn erstaunt. „Nie!" bekannte er. ch bin Petschlers Milchman n". Sieben Mann hoch wurden wir in einer Droschke verstaut, mit Kamera und allem. Und dabei an einem heißen Julitag! Fräulein Gustafsson hielt ein Köfferchen mit ihrer gesamten Filmausrüstung auf dem Schoß — einen Badeanzug. Fräulein Gustafsson als Einbrecherin. „Wo fahren wir hin?" fragte Greta, als sie mir in der drangvollen Enge beinahe auf den Knien faß. Niemand von uns außer Petfchler wußte es, und wir waren alle angenehm überrascht, als der Wagen durch ein prächtiges, schmiedeeisernes Tor fuhr und eine Villa inmitten eines riesigen Parks vor uns auftauchte. Die Droschke entlud uns auf einem Rasenplatz. „Scheint mir allright zum Filmen", sagte Petsch- ler langsam. „Was denken Sie, Fräulein Greta?" Sie blickte ihn entgeistert an. „Ja aber ... sind Sie denn nicht ... haben Sie nicht um Erlaubnis gefragt?" Erik zuckte kühl die Achseln. „Meinswegen können wir ja fragen", meinte er. Es stellte sich heraus, daß die Herrschaften verreist und das einzige Hausmädchen gegen unsere Uebermadjt wehrlos war. Zum erstenmal sah ich Greta Garbo lachen, als Petfchler seelenruhig die perlichen Eigentümlichkeiten, Schwachen und Dor- spielen, die vorhandenen verschieden großen, fchma- züge dessen, der sich eines Kleides für bedürftig, (Cn, langen Steine nehmen — oder weglegen — • ar rDC,nil ein Filmautor ein Filmmanufkript und nach vorhandenen Dorlagen zusammensetzen. Jetzt nimmt man noch eine Verwechslung (daß jemand für jemand anders gehalten wird und jemand anders für jemand), dann einen bösen Zufall, ein Versehen ober so (damit der Film nicht zu früh zu Ende geht) und schließlich ein Fest (barmt man große Abendtoiletten und gut- sitzende Fräcke zeigen kann, auf die ein Verleiher nie verzichtet, weil er den Aberglauben hat, daß das Publikum so etwas immer gern sieht), und der Film ist eigentlich schon fertig. Dann gibt es noch einige Verhandlungen und Aenderungen, weil der Verleiher für Fräulein Daisy Disy noch eine Strandszöne haben möchte, um ein neues Strandanzug-Modell zu zeigen, weil der erste Held keinen Monteur, sondern einen Gardeossizier spielen soll — die Uniform steht ihm besser als der blaue Kittel — und weil der eine Verleiher ein Flugzeug drin haben möchte — Flugzeuge machen sich immer so gut. All diesen Wünschen wird Rechnung getragen — man hat Hebung im Mixen — und dann ist der Film endgültig fertig. Zum Schluß noch zwei ernste 9Borte — eins an die Filmautoren: Wie lange soll das gehen, daß man viele von euch Mechaniker nennt: ein Mechaniker verwendet — das ist zweckmäßig und soll so sein — genormte Bolzen, Schrauben, Schienen; ein Filmautor verwendet genormte Personen, Handlungen, Milieus — und das soll nicht so sein. Und eins an das Publikum: Achte bitte bei den nächsten Filmen darauf, ob etwa Ungenormtes drin ist, oder ob es nicht doch eine Verwechslung, einen bösen Zufall und ein großes Fest enthält. Sie nehmen einen Titel. Den gibt ihnen häufig der Verleiher oder der Produzent, und er pflegt Worte wie „Liede, Glück, Herz, Mädel" zu enthalten. Dann nehmen sie eine Handvoll Personen, die lesen sie von dem Wunschzettel ab, den der Verleiher ihnen geschickt hat, und der lauter „teure" Namen enthält. Schließlich greifen sie in eine bestimmte Kiste, in der die Filmindustrie g e - normte Handlungen bereit hält. Diese Handlungen zeigen alle, wie ein kleines, armes Mädel einen großen, reichen Mann kriegt, zuweilen auch heiratet. Eine andere Kiste enthält genormte Witze, komische Situationen ufro. Und eine dritte Kiste ist mit den verschiedenen Milieus an- gefüllt, die die Filmindustrie zu verarbeiten pflegt — vom Grafenschloß über die Großbank bis zum Modeatelier oder zum Grammophonladen. Letzteres, seitdem wir den Tonfilm haben, der Gelegenheiten zum Schlagerspielen und »fingen benötigt. so viel verdient haben, wie ein Schriftsteller mit einem einzigen Drehbuch, deren er im Jahre etliche verkauft, so kommt man zu dem Schluß, daß es daran wohl nicht liegen kann. Der Laie wird staunen: Und doch spielt hier das Geld eine Rolle! Wieso aber und inwiefern — das des Näheren zu untersuchen müssen wir uns versagen, weil wir über Zeitgenossen nicht schlecht reden wollen. Vielmehr wollen wir einen kurzen Streifblick auf die Arbeitsweise dieser Filmschaffenden, wie sie heute vielfach im Schwange ist, werfen. Sie machen es wie andere auch — sie bekommen eine Idee, sie verkaufen diese Idee, sie machen ein Expose über diese Idee (die man nützlicherweise zum Unterschied von anderen Ideen eine Film- y b e c nennt), sie schreiben dann ein ausführlicheres Expose, aus dem der Ablauf des Films schon deutlich zu erkennen ist und nennen es „Treatment“, und dann schreiben sie das Drehbuch. Dann ist ihre Arbeit getan, mit dem fertigen» Drehbuch, und sie haben bann die beste Meinung davon. Denn sie sind der Ansicht, daß sie etwas geleistet haben, daß viel drin steckt — überhaupt, sie sind sehr zufrieden mit sich. Wenn man es sich aber näher besieht, dann ist es zwar ein Drehbuch mit so und so viel Bildern und Einstellungen, aber eine Schöpfung ist es nicht. Denn eine Schöpfung ist etwas Neues, oder sie enthält doch zum mindesten etwas Neues. Dieses fertige Drehbuch aber enthält nichts Neues. Nein. Nichts. ________________ Frontkämpfer Siegmund Graff hat feine vier Musketiere sehr bodenständig auf die Beine Deutscher Dom, erlebt mit der Filmkamera. Von Frank Leberechi. Die Herstellung eines Kulturfilms vom Mainzer Dom brachte den beteiligten Filmleuten ganz besondere Erlebnisse und Erkenntnisse. Darüber erzählt der folgende Beitrag. Wenn wir einen alten Dom durch die Photogra- vhie lebendig erfassen wollen, dann müssen wir sein steinernes Gesetz vollkommen eingesehen haben. Mit einer geeigneten Kamera machen wir uns auf. Da finden wir, daß man stundenlang, ja tagelang nach einer einzigen Kamera-Einstellung suchen kann, die etwa einen Kreuzgang mit innerer Wahrheit erfaßt. Der Lehrling einer neuen Photographie scheut sich nicht, am Boden zu knien, sich über Brüstungen zu beugen, um nur ja den Blickpunkt zu finden, der etwa einem Grabmal gemäß ist. Und nachdem dieser gefunden, beginnt erst die Suche nach dem gemäßen Gesichtswinkel, nach dem paf- senden Ausschnitt; und da tritt auch die Frage des Lichtes mit unabwendbarer Dringlichkeit auf den P Da erweist es sich nämlich, daß das natürliche Licht nicht ausreicht, daß es matte Bilder ergibt, aber blenden wir das künstliche Licht auf, da holen mir plötzlich ein ganz anderes Leben aus der Grabplatte. Ein Gesicht leuchtet auf, ein Erzbischof ist es wohl der da seinen frommen Frieden atmet. Atmet? Ja und nein. Das Licht gibt Leben, aber wir können es gar nicht einfangen, mit solcher Macht quillt es hervor. Richten wir das Licht dorthin, bann hat bas bischöstich- Antlitz -inen völlig anbe. ren Ausdruck, als wenn das Licht hier steht. haben gar nicht soviel Platten mit, um bie Man- nigfaifigfeit dessen festzuhalten. Unö felbft bann, es wären doch nur Aufnahmen ohne steten Zusam- menhang. Wir möchten in gleichmäßiger Bewegung das herrliche Gesicht mit einer Kamera umfahren, um seine Plastik einzufangen. Ja, das mochten wir und auf dieselbe Weise möchten wir den ganzen gewaltigen Domraum erfassen mit einer Bewegung des Bildes, die der inneren Bewegung des Raumes entspricht. Wie wir das überdenken, ertappen wir uns bei dem Wunsche, den Dom zu filmen. Unser Wunsch geht in Erfüllung. Ausgestattet mit Filmkamera, den Kenntnissen ihrer Bedienung und dem Beleuchtungswesen, das jetzt schon einen Lampenpark und endlos lange Zuleitungskabel ausgestellt und ein Dolksftück geschaffen, das weit über den Rahmen des üblichen hinauswächst. Herrlich, wie diese vier Männer im Kriege Kameradschaft halten. Wie sie geschlossen durch dick und dünn (liebeln, im Unterstand, im Kugelhagel und in Not und Grausen, und ebenso herrlich, wenn sie endlich, zu Tode erschöpft, ins Quartier kommen und sich ein paar gemütliche Stunden machen, über denen das Heimweh nach Muttern schwebt. Meistens fehlt es am Nötigsten. Man muß sogar die Kartoffeln klauen, um den quälenden Kohldampf zu beschwichtigen, denn in der Gulaschkanone hatte, oh Graus, ein Rößlein sich verewigt. Klar gezeichnet kommen die verschiedenen Charaktere heraus und werden durch den Dialekt noch verdeutlicht. Es gibt einen steifvornehmen gelehrten Hamburger, einen derben Bayern, einen reffen Berliner und einen geradezu wundervollen Sachsen: Ehrhard Siedel. Doch wetter bringen uns das Erlebnis des Krieges und „Lächelnd palkte sie den Fischschwanz. Greta Garbos erster Film. — Oer Milchmann als Liebhaber. Don Oskar Tlorberg, dem Kameramann von Greta Garbos erstem Spielfilm. Orei Wochen Nebel im Atelier. Die Kinotechnik wird manchmal vor die seltsamsten Aufgaben gestellt. Da heißt es bald, künstliche Spinnweben oder künstliches Nordlicht her- vorzuzaubern oder auch im Atelier für einen ganz naturgetreuen Nebel zu sorgen, der stimmungsvoll aussieht, aber die übrigen Eigenschaften dieser Naturerscheinung nicht besitzt. Nach einem Bericht der „Filmtechnik" hat man in Hollywood die Herstellung eines drei Wochen anhaltenden Nebels für einen Kriminalfilm „Fog" (Nebel) ausgezeichnet durchgeführt. Der Film spielt an Bord eines Dampfers, auf dem während der ganzen Fahrt dichter Nebel herrscht, der für die Handlung von entscheidender Wichtigkeit ist. Der Nebel mußte also durch das ganze große Atelier verbreitet werden und im Bedarfsfälle stets vorhanden fein. Für feine Erzeugung konnte Wafferdampf nicht in Frage kommen. Statt dessen nahm man Petroleum; allerdings verwendete man es in einer noch nicht dagewesenen Form. Man brachte in ein mit Petroleum gefülltes Gefäß unten durch ein Rohr mit ganz feinen Löchern komprimierte Luft. Die winzigen Luftblasen, die auf diese Weise entstehen, sind infolge der Komprimierung etwas erwärmt, steigen rasch zur Oberfläche, und wenn sie dann dort platzen, so zerstäubt die dünne Flüssigkeitshaut zu so feinen Tröpfchen, daß sie einen gleichmäßig schwebenden Nebel bilden. Dieser Kunstnebel wurde nun durch Gebläse an jede gewünschte Stelle gebracht, und so konnte man während der ganzen Aufnahmezeit, also drei Wochen lang, beliebig das Wallen und Wogen des schönsten Nebels hervorbringen. Man verbrauchte dazu täglich einen Liter Petroleum, und der Nebel erwies sich in jeder Beziehung für die Filmaufnahme als geeignet, denn er hatte keinen unangenehmen Geruch, beschädigte Kleider und Dekorationen nicht und brachte auch keine störende Beschläge an den Kamera-Objektiven hervor. Vielmehr erschien er als nichts anderes als ein höchst stimmungsvoller und natürlicher Nebel. macht, ausgeftattet mit der Erlaubnis der Domverwaltung, treten wir unsere Arbeit an. Ehe wir jedoch auch nur ein Filmmeter aufnehmen, beginnen wir Den Dom zu durchwandern, als sähen wir ihn zum ersten Male. Wie wir jetzt schreiten und die Augen schweifen lassen, den Bewegungslinien des Raumes entlang, da wissen wir, daß unsere Kamera genau so schreiten und mit ihrem Auge genau so wandern muß. Raum und Bild sollen eine Sprache sprechen, und das hebt damit an, daß das Bild sich im ABC der Baukunst übt. Die Kamera lernt sich bewegen. Zuerst geht das noch leidlich; sie hebt ihren Kopf und senkt ihn wieder, sie wendet ihn bald nach rechts, bald nach links; so fängt sie Höhe und Breite des Raumes ein. Vielleicht haben wir außen angefangen und der Brennstrahl unserer Optik rankt sich an den Türmen herauf; sie erzählt, wie diese in den Himmel streben. Sie- klettert im Innern vom Steinboden bis zur Kuppel eines Chores und sagt aus von dem Schwünge und der Erhabenheit dieser Wölbung. Und dennoch: Bei den schönsten Aufnahmen vermissen wir plötzlich ein Hilfsmittel. Die Kamera hat wohl einen Kopf, den sie wenden und heben kann, sie hat Augen, den unserigen durch Unbeirr» barfeit überlegen, aber zum richtigen Lebendigsein fehlen, ihr die Beine. Sie steht noch auf der Stelle. Unser Schreiten ist in ihr nicht wiederzuspiegeln. So besorgen wir ihr also einen fahrbaren Unterbau. Uno nun erst geht die Reise ins Innere des Domes voran. Die Kamera fährt gemessen, vom Eingang her zum Altarraum, sie wandert durch die Schisse, steigt in die unterirdischen ober abseitigen Kapellen, umfährt die gewaltigen Säulen, als wollte sie daran die Lust des Domes ermessen. Doch als sie au den Bildwerken gelangt, zu den Grabplatten und den Denkmälern, um deren Beseelung mit der Standphotographie wir anfangs gerungen haben, da zeigt sie ihre ganze Zauberkraft. Sie umkreist die Rundplastik und wickelt so ihren Umfang auf die Fläche ab. Was das natürliche Auge in der Tiefe zu erkennen vermag, das erkennt das Kamera-Auge in der Zeit. Der Mangel der Tiefenöimenfionen ist wieder wettgemacht. Und mehr als wettgemacht. Sahen wir mit bloßem Auge wirklich diesen rührenden Blick jenes Heiligen, ermaßen wir je die entsagende Haltung des Bischofs dort? Nun wo die Kamera sie umtostet, an ihnen entlangschreitet, da scheinen vielmehr die Gestalten selbst lebendig zu werden, sich zu bewegen, durch die Kreuzgänge zu wandeln. Ueberaö macht so die Laie wohlmeinend denken — macht er sich eingehend mit der Materie, die für den Film gestaltet werden soll, vertraut, d. h. er sieht um sich, er greift hinein ins volle Menschenleben, stöbert interessante Typen auf, er studiert besondere Milieus, die seine Filmidee beherbergen sollen, er forscht die eigentümlichen Bräuche und Gewohnheiten der- enigen Berufe aus, die feine Gestalten ausüben ollen. Das alles tut ein Filmschriftsteller, wie er ein soll. Aber ein sehr großer Teil der Filmschriftteller, so wie sie nun einmal sind, der tut das nicht. Es -gibt Romanschriftsteller, die sammeln zwei Jahre lang Stoff, — Erlebnisse, Eindrücke, Kenntnisse und Erkenntnisse, um im dritten Jahre dann den Roman zu schreiben. Es hat Dramatiker gegeben, die studierten, ehe sie das Bauen eines Dramas wagten, zwanzig Jahre lang die hohe Shakespearsche Kunst. Und man erzählt von Lyrikern, daß sie von einem Gedicht, das zum Schluß nicht mehr als zwölf Zeilen auswies, erst nach einem vierteljährigen künstlerischen Reifeprozeß mit Sicherheit sagen konnten, daß ihr Gedicht jetzt fertig sei. Obwohl diese besonderen Diener des Wortes hier nicht etwa als alleingültige Vorbilder hingestellt werden sollen, wird doch niemand von vornherein bestreiten wollen, daß es sich bei ihnen um Künst- l e r handelt, und zwar um solche, denen man ein gewisses Verantwortungsbewußtsein nicht abspre- chen kann. . . . .. . 11 • • Ll I 141W j U VI l w l l v II I ill l 1V U Q 11 I U 11 v 1111 Wenn ein Bauer einen Acker düngen will, so setzt »roßen Teil der Filmautoren nicht so, sonde er sich zuvor ins Bild, von welcher 43efci)affenpeit Filmingenieure, oder, weil Ingenieure oft neue der Boden ist, und was er unbedingt braucht. | Konstruktionen schaffen, Film-Mechaniker nennen Wenn ein Schneider em Kleid nahen soll, dann sollte. Oder Steinbaukastenspieler, nimmt er vorher Ni aß und studiert genau die kör- — ----- -......~ ....... Kamera steingewordene Bewegung frei. Der ganze Dom hebt zu schwingen an. Der Film, die Ausgeburt eines Zeitalters der entseelten Technik hat sich hier gegen diese Entsee- hing gewandt. Aus einem Instrument der billigen Vergnügungen und faden Sensationen wird er unter der Hand von Menschen, die mit ihm um Gestaltung ringen, ein Kunstmittel von ungeahnter Kraft. Sollte von dem Geheimnis des Domes etwas auf ihn übergegangen sein? Kamera aufbauen ließ und mit dem Filmen anfing, während das Dienstmädchen im Hintergrund verzweifelt die Hände rang. Zwei Stunden arbeiteten wir glatt und ohne Storung. Eine Kantine gab es natürlich nicht; Petfchler erwartete offenbar, daß wir uns für unsere zehn Kronen täglich — das war die Taxe sowohl für die drei Mädchen als auch für Norland, Freund Milchmann und mich — selbst verpflegen sollten. Nun, Petfchler und der Milchmann hatten nahrhafte Butterbrote mitgenommen .— so fetzten wir uns alle, die Mädchen in ihren Badeanzügen, im warmen Sonnenschein auf den Rasen und futterten die wenigen Schnitten. Als wir am nächsten Morgen vor der Villa an- kamen, war das Tor verschlossen. Jetzt war Greta aber schon Feuer und Flamme für den Film. „Eins, zwei, drei — los!" kommandierte sie, und im Sturmangriff enterten wir allesamt den Zaun und filmten die ersten Szenen zu Ende. Greta lächelt einen alten Fisch an. Die letzten Taten des „Vagabunden-Peters" voll- Aogen sich am Meeresstrand, und wir fuhren deshalb nach dem Badeort Dalarö. Greta hatte inzwischen, wie sie mir erzählte, eine Bewerbung an die „Dramatiska Theaterns Elevskola" eingereicht, damals die einzige staatliche Schauspielerschule Schwedens, und sie erwartete in Hangen und Bannen die Antwort. Wir standen schon alle auf freundschaftlichem Fuß miteinander, und die Arbeit machte uns viel Spaß. Dennoch hielt Greta rein künstlerisch nicht viel vom damaligen Film, ihr Ehrgeiz war eine große Theaterlaufbahn. Wir hatten lange Zeit, uns über derartige Probleme auszusprechen, denn vier Tage lang regnete es ununterbrochen, mein Kurbelkasten lag still. Petsch- l e r hatte bei unserer Ankunft für zwei kostbare Kronen einen Hecht gekauft, der in einer Strandszene eine große Rolle zu spielen hatte. In den vier Tagen war der Fisch allmählich aufdringlich geworden. Wo man ging und stand, der Fischgeruch drang durch. Endlich, endlich kam die Sonne hervor, und die letzte Aufnahme Gretas wurde gedreht. Wir wunderten uns alle, wie sie es fertigbrachte, den lästigen Hecht bei feinem weichen, feucht-schlüpfrigen Schwanz zu packen und dabei noch strahlend zu lächeln, wie es das Drehbuch voxschrieb. In einer Aufnahmepause erklärte Greta uns selbst ihre Leistung: sie hatte in der Frühe ein Telegramm aus Stockholm bekommen, daß sie sich umgehend in der Staatlichen Schauspielschule vorstellen könne; daher ihre Freude. Noch am Abend packte sie ihren Badeanzug und reifte ab. So endete meine erste Bekanntschaft mit Greta Garbo. Woran mag es nun wohl liegen, daß dieser oben Greta Gustafsson — vor ihrem Weltruhm gesagt kurz erwähnte große Teil der heutigen Filmouto-1 und geschrieben worden. Nur ganz wenige Leute ren mit diesen klassischen Vorbildern so rücksichtslos aber entsinnen sich wirklich an das erste Aus- und hundertprozentig gebrochen hat? Sollte man; treten der kleinen, unbekannten Filmkomparsin sich eine solche Arbeitsweise nicht leisten können,! vor der Kamera — eben nur die wenigen Leute, sollte es etwa am (Selbe liegen? Wenn man in, bie damals, vor einem Dutzend Jahren, an dem Betracht zieht, d-aß die meisten jener klassischen °--e c — m -11 - m— Vorbilder mft ihrem gesamten Lebensschaffen nicht der seelischen Not nach der Heimkehr in ungeschminkter Natürlichkeit nahe. Oft hat man Mühe zu glauben, daß es sich um ein Spiel handelt, so blutwarm und lebensecht wirkt alles. Nach fünfzehn Jahren das Wiedersehn mit den alten Kameraden. Jeder ist in ein neues und nicht immer gutes Schicksal eingespannt. Neid und Mißgunst, Verzweiflung, Protzentum und fanatische Hingabe an politische Ideen bringt die alten Freunde zu einem erbitterten Streit. Aber das eine, um das sie kämpften: Deutschland, erweist sich stärker als ihre aufgeregten Gemüter. Sie finden sich zu einer Versöhnung zurück und sind bereit, auch am Schicksal des Bruders in Zukunft mitzutragen und nicht nur das eigene Wohl im Auge zu haben. — Die Frauenrollen werden von Käthe Haack, Agnes Straub und Lieselotte S ch a a k teils mit Anmut, teils mit Komik gegeben. „Die Töchter Ihrer Exzellenz." Erfolgsfilme sind im Sommer nicht allzu häufig. Hier ist einer, der jedem Theater über Wochen ausverkaufte Häuser bringen wird. Nach dem Bühnenstück „Die kleine Traftr hat E. Burri uns eine reizende Geschichte serviert. Dank der künstlerischen Regie von Reinhold S ch ü n z e l, der seine Mitspieler zu bewegen und zum Leben zu erwecken versteht, wurde das Spiel wie aus einem Guß. Hansi Niese, ehemalige wirkliche Exzellenz, hat aus den Jnflationsjahren nur den kleinen Tabakladen in der Seitengasse für sich und ihre beiden Töchter gerettet. Sie muß mit Energie, Tüchtigkeit und Humor das Dasein anpacken, um das Schisflein nicht zum Sinken zu bringen. Die Mädels sind sehr verschieden geartet. Die eine (Dagny Gervais) kann den Reichtum nicht vergessen. Sie ist die F?äu eines kleinen Angestellten, den Hans Moser aus seiner mimischen Fsille darstellt. Um sie vor dem Schicksal zu bewahren, die Geliebte eines alten Grafen zu werden, opfert sich das unschuldige Schwesterlein (Käthe von Nagy) und bringt unter komischen Umständen eine Nacht in der gräflichen Junggesellenwohnung zu. In allen Ehren, versteht sich! Aber sie ist an den falschen geraten. Der echte Entführer war der Herr Papa. Zur Strafe wird sie die zärtlich geliebte Ehefrau von Willy Fritsch oder Graf Marenga dem Jüngeren. Gustav Waldau, der Aeltere, entpuppt sich unterwegs als genau so bequem wie der eigene Ehegatte. Er spricht von idyllischer Ruhe und Filzpantoffeln. Kurz entschlossen wirft die Ausreißerin die Koffer aus dem Fenster und kehrt zurück in den heimatlichen Hafen. Willy Fritsch und Käthe v on Nagy spielen mit einer schlicht- natürlichen Unbekümmertheit, die ihnen so leicht keiner nachmacht. Auch die übrigen Rollen wurden vorzüglich durchgeführt. Das Publikum dankte für beschwingte Stunden mit herzlichem Beifall. „Meine Frau, die Schützenkönigin." Man sieht ein sommerlich anmutendes Lustspiel mit viel Situationskomik und derben Possenmanieren. Wer einen heiteren Abend verbringen will, dem sei die Schützenkönigin Lucie Englisch empfohlen. Wie schon so oft steht Ralph Arthur Roberts treu an ihrer Seite, und diese beiden bereiten sich selbst und ihrem Publikum ein Mordsgaudi. Lucie ist in einem bayrischen Darietö engagiert und zeigt dort ihre Schießkünste. Das Schicksal will, daß sie einen Vertrag in Berlin bekommt. In der Bahn lernt sie einen reichen Jung- Sesellen kennen, der sie überredet, mit in seine Zohnung zu kommen, dort unentgeltlich als seine Schein-Frau zu leben, damit er auf diese verheiratete Art das Mädchen seines Herzens bitten kann, ihr Gast zu fein. Es geht auch alles nach Wunsch. Zwischendurch entdeckt der Gatte in München sein eifersüchtiges Herz und kommt ebenfalls an den Tatort. Jetzt wirds lustig: jeder glaubt, der andere betrügt ihn, und es hagelt nur so Verwünschungen und Drohungen, bis das glückliche Ende alles erklärt und jeder die Seine in die Arme nehmen kann. Das Komiker-Quartett darf feine Künste breit ausspielen und wird gern und viel belacht. „Freut euch des Leben." Der Erfolg dieses Films wurde bereits in den ersten zehn Minuten entschieden; das Publikum kam in eine richtig vergnügte Stimmung und folgte schmunzelnd dem Werdegang der kleinen bayrischen Kellnerin Gusti Melzer, die von Dorrit Kreis- l e r temperamentvoll verkörpert wurde. Wirklich, hier wird der Beweis erbracht, daß auch die Sonderabteilung „Gutes Lustspiel ohne Tiefgang" ihre Berechtigung hat. Der Regisseur Hans S t e i n h o f f hat sehr sauber und hübsch gearbeitet und aus dem Manuskript von Eva Leid- mann eine abgerundete Leistung geschaffen. Im Bratwurstglöck'l in München bedient die Gusti ihre Stammkunden mit Aufmerksamkeit und jugendlicher Anmut. Der große Gesangs-Pädagoge, gespielt von Leo S l e z a k, gewinnt durch ein Preisausschreiben drei Tage Aufenthalt auf der Zugspitze für zwei Personen, „alles inclusive". Da die Gustel mit Fremden einen bösen Krach hat und vom Geschäftsführer ihre Entlassung bekommt, geht sie kurz entschlossen auf seine Einladung em. Sie kauft sich schöne neue Kleider, wozu hat sie Ersparnisse, und macht die ganze Gesellschaft dort oben im Schneefernerhaus durch ihren Uebermut verrückt. Die fremden Gäste, um die sie ihre Stellung verlor, sind auch da, und nach langem Hin und Her kommt es zu einer Verlobung. Ida W ü st als elegante Mama, die immer noch Abenteuer sucht und plötzlich vernünftig wird, wie sie „fünftausend Mark Ehrenschulden" für einen outen Bekannten zahlen soll, hat ihren Sondererfolg. S l e z a k s Freunde werden ihre helle Freude an ihm haben. Die Unparteiischen hätten sich im Interesse des Ganzen gewünscht, daß der Regisseur ihn ein bißchen gedämpft hätte. R e r als sächsischer Fellhändler (mit dem zweiten Preis) ist eine goldsichere Sache. Verdient machen sich Pointner, Sima und ganz besonders Gertrud Wolle als spitzige, übelnehmende Potsdamerin. Wunderschön sind die Naturaufnahmen von der verschneiten Zugspitze. „Liebesleid." Wir feiern ein Wiedersehen mit Norma S h e a - r e r, und wir sind wieder von ihrer hinreißenden Kunst begeistert. Um ihretwillen muß man den Film sehen, in dem es vieles gibt, was so rem „amerikanisch" ist, daß unser Geschmack auf manche harte Probe gestellt wird. Selten hat man die Wirklichkeit in völliger Naturtreue, offenbar ohne jede Absicht, so hart neben den Kitsch gestellt, wie hier. Das Publikum versucht bisweilen an Stellen zu lachen, die alles andere eher beabsichtigen, als auf die Lachmuskeln zu wirken. Dann kommen Bilder, die so versöhnend sind, daß man alles willig auf sich^ nimmt und sich damit abfindet, daß ein anderes Volk einen anderen Stil hat. Die Handlung dreht sich um ein Liebespaar und einen eifersüchtigen Nebenbuhler, der die Braut an ihrem Hochzeitstag erschießt. Vereinsamt lebt John ein Traumleben mit der Toten. Jahre später nimmt er seine Nichte ins Haus, die sich in den Sohn des Mörders verliebt. Er stellt sich zwischen die beiden, und erst als der junge Soldat ein Bein im Felde verloren hat und als Krüppel zurückkommt, söhnt er sich mit ihnen aus. Die Liebesszenen sind von einer bezaubernden Grazie. In Lust und Leid, in Spiel und Ernst wird das Leben junger verliebter Menschen auf- gerollt, daß es einem warm ums Herz wird. Die Dialoge sind oft zu lang, aber durch die künstlerische Leistung der Shearer erträglich gemacht. Zum Schluß einte sich das in zwei Gruppen gespaltete Publikum, und es wurde ein schöner, run- der Erfolg. Wirtschaft. Wochenbericht vom Frankfurter produktenmarkt. Der Frankfurter Getreidegroßmarkt verlisf in der abgelaufenen Berichtswoche in fester Haltung, wenn auch das Geschäft nur auf wenigen Spezialgebieten größeres Ausmaß annahm. Immerhin war es am Brotgetreidemarkt etwas lebhafter als in den letzten Wochen, was besonders für den W e i - z e n m a r k t zutriffl. Höhere Preise als der Mühlenfestpreis van 205 Mark per Tonne waren allerdings nicht zu erzielen. Auch am Roggenmarkt hielt die laufende Nachfrage an. Die Roggennotiz blieb mit 178,50 Mk. per Tonne unverändert. Am Futteraetreibemarkt mar die Haltung ausgesprochen fest. Sowohl Sommergerste als auch Hafer hatten nur kleinstes Angebot, während die lebhafte Konsumnachfrage fortbestand, so daß die Preise um je 4 Mark auf 175 bis 180 bzw. 180 Mark per Tonne anstiegen. Bei der knappen Vorratslage sind weitere Preiserhöhungen zu erwarten. Der Kraftfuttermittelmarkt lag gleichfalls fest. Auch die allgemeine Drosselung der Einfuhr nicht unbedingt erforderlicher Futtermittel hält die Nachfrage nach deutschen Futtermitteln wach. Während die Kleie und Nachmehlpreise unverändert blieben, haben sich die für Oelkuchen, Treber und Trockenschnitzel bis $u 0,25 Mark pro 100 Kilogramm erhöht. In ölhaltigen Arlikeln waren die Fabriken mit Angebot nicht mehr im Markt. Der M e h l m a r k t befindet sich zwar immer noch im Uebergangsstadium, doch kommt das Geschäft zu den neuen Bedingungen gut in Gang, da die alten Verpflichtungen nahezu abgewickelt sind. Die Preise blieben unverändert. Von Rauhfuttermitteln war Heu um 0,50 Mark auf 6,50 Mark je 100 Kilogramm erhöht. Der Kartoffelmarkt lag fest, die Nachfrage nach alten Kartoffeln ist infolge der noch recht teuren Auslandsorten gut. Jndustriekartoffeln hiesiger Gegend erhöhten sich per 50 Kilogramm bei Waggondezug auf 3,40 bis 3,50 Mark (zuletzt 2,95 bis 3 Mark). Wochenbericht oom Frankfurter Gchlachiviebmarkt. Die allgemein in dieser Woche weit stärkeren Zufuhren haben auf die Preisbildung am Frankfurter Schlachtviehmarkt einen weniger günstigen Einfluß genommen. Auf den meisten Märkten zeigten die Notierungen eine etwas rückläufige Bewegung und verschiedentlich verblieb wieder Ueberftanb. Die täglich steigenden Temperaturen haben den Fleischverzehr etwas beeinträchtigt, lediglich in Kalbfleisch ist der Konsum noch verhältnismäßig befriedigend. Am S ch w e i n e m a r k t hat die Lage noch keine Besserung erfahren, vielmehr gaben die Preise unter dem Druck der noch starken Beschickung (4433 gegen 4294) erneut um 1 bis 2 RM nach. Nach meist schleppendem Handel verblieb Ueberftanb. Am Großviehmarkt zeigten bte Preise erstmals seit einigen Wochen etwas schwächere Haltung, und zwar gaben Ochsen 1 bis 2, Kühe und Färsen je 1 RM nach, während Bullen, die hauptsächlich zur Wurstfabrikation aller Art gekauft werden, ihren Preisstand behaupteten. Nach ruhigem Geschäft wurde der Zutrieb von 1680 gegen 984 in der Vorwoche nahezu ausverkaust. Am Kälbermarkt zeigten sich bereits saison- mäßige Einflüsse und da auch die Zufuhr mit 1620 um rund 860 Stück stärker war, ließen die Preise bei mittelmäßigem Geschäftsgang schließlich um 4 RM. nach, der Markt wurde indes geräumt. Hämmel und Schafe waren ebenfalls wesentlich stärker zugeführt (38 [13] bzw. 25 [3] Stück). Die Preise bewegten sich etwa auf Basis der vor einigen Wochen notierten ♦ * VomsüdwestdeutschenTabakmar f t. Die Tabaksetzlinge werden Ende letzter Woche in den süddeutschen Anbaugebieten wohl durchgängig ins Freiland ausgesetzt worben sein. Es fehlen aber große, warme Nieberschläge, so baß es vorkommen kann, baß einzelne Setzlinge abbörren unb Nachsatz notwenbig wirb. Die Fermentation ber 33er Tabake bürste ihr Enbe erreicht haben. Die Voraussage bewahrheitet sich, baß in biesem Jahre mit einer frühreifen Packernte zu rechnen ist, ba bas Wetter biesen Vorgang stark unterstützt. Auch in ber zweiten Fermentation haben sich die Tabake nach bem Abtrocknen gut entwickelt, selbst dort, wo man anfänglich glaubte, daß dies nicht der Fall sein werde. Die Umsätze sind gering, da die Läger stark verstellt sind. Die Preise bewegen sich etwa auf der Höhe der letzten Marktnotizen. Nennenswerte Veränderungen sind nicht eingetreten. Die Fabrikanten sind augenblicklich noch mit den Einschreibungsgeschäften in Rotterdam und Amsterdam beschäftigt. * Derlustabschluß bet Ford - Motor-Co. Die Ford-Motor-Co. hat wie üblich ihre Bilanz bei den zuständigen Behörden des Staates Massachusetts eingereicht. Hiernach wirb bas Vermögen des Ford-Konzerns per 31. Dezember 1933 mit insgesamt 576 Millionen Dollar aktiviert gegen 580 Millionen Ende 1932, so daß hiernach bas verflossene Jahr einen Verlust von 3,924 Millionen Dollar brachte. Das Jahr 1932 schloß mit einem Fehlbetrag von 74,86 Mill. Dollar, das Jahr 1931 mit einem solchen von 53,59 Mill. Dollar ab. In 1930 wurde noch ein Ueberschuß von 44,46 Millionen Dollar erzielt. * Maßnahmen der Schuhwirtschaft für Lauterkeit in der Reklame. Die Arbeitsgemeinschaft von Schuhindustrie und Schuhhandel beschäftigte sich auf einer Sitzung in Frankfurt a. M. mit absatz- und werbetechnischen Fragen, insbesondere auch mit ber Notwenbigkeit einer Hebung ber Werbemoral. Um bas Erscheinen von Anzeigen zu verhindern, die in Text und Abfassung den Anforderungen des Werberats der deutschen Wirtschaft und damit den neuen Anschauungen über Lauterkeit in der Reklame nicht entsprechen, sollen am Sitz der Fachzeitschriften (Berlin unb Frankfurt am Main) Beratungskommifsionen für Werbeangelegenheiten eingefetzt werden, an die sich die Foch- verlage in Fällen zweifelhafter Anzeigenaufträge wenden können. Sollten sich Schwierigkeiten im Zusammenhang mit ber Entscheidung ergeben, so ist ein Rü^griff auf das Einigungsamt bei ber betr. Industrie- und Handelskammer vorgesehen. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 1. Juni. Die Börse lag im großen unb ganzen wieder recht still, besondere Anregungen waren nicht vorhanden. Eine Stütze bot jedoch die Entspannung in ber Saarfrage sowie Mitteilungen über die Kojunkturentwicklung. Die Grundhaltung war, durch verschiedene Sonder- beroegungen angeregt, durchaus freundlich. Bemberg lagen um 4,50 v. H. höher, wobei Vermutungen Vorlagen, daß die bekannten Versuche neuer Rohstofferzeugung offenbar günstiger als bisher ausgefallen sind. AKU. etwas mitgezogen und 0,75 d. H. höher. Schiffahrtswerte waren beachtet und fest auf Käufe von bestimmter Seite, die seit langem im Markte ist. Hapag 2,13 v. H., Nordd. Lloyd 150 v. H. fester. Von sonstigen Transportwerten AG. für Verkehrswesen 0,50 v. H. höher. Farben- Industrie lagen ruhig und bei 136,50 kaum verändert, Deutsche Erdöl lagen 1 v. H. niedriger. Montanwerte gleichfalls ohne großen Umsatz. Je 0,25 v. H. leichter waren Stahlverein und Harpener, behauptet lagen Klöckner und Phönix, bis 0,50 d. H. höher notierten Mannesmann und Rheinstahl. Automobilwerte etwas freundlicher, Daimler-Motoren gewannen 1 v. H. Zellstoffwerte etwa gehalten. Am Elektromarkt erholten sich Schuckert um 0,75 v. H., Gesfürel lagen 0,50 v. H., Bekula 0,75 v. H. höher. Siemens blieben gut behauptet. Am Rentenmarkt blieb das Hauptgeschäft für Neubesitzanleihe. Der Kurs wurde mit etwa 22,50 (nach gestern 22,10 und vorgestern amtlich 17,65 v. H.) taxiert, die erste amtliche Notiz verzögerte sich, da außerordentlich große Aufträge Vorlagen. Der Kurs für die Altbesitzanleihe wurde wegen der im Gang befindlichen Ziehung ausgesetzt. Stahlverein-Bonds lagen 1,50 v. H. fester in Nachwirkung eines neuen Urteils in der bekannten Streitfrage. Reichsmark - Obligationen und späte Reichsschuldbuchforderungen gewannen je 0,25 o. H. Gestützt durch die erwähnten Sonderbewegungen hielt auch im Verlaufe die befestigte Haltung an und die Kurse lagen meist um 0,25 bis 0,50 v. H. über Anfang. Darüber hinaus gewannen Hapag und Nordd. Lloyd erneut je 1,50 v. H., auch Bemberg zogen um 1,50 v. H. und AKU. um 0,75 v. H. an. Etwas ruhiger und leicht abbröckelnd waren Farbenindustrie. Von den später notierten Werten waren Conti-Gummi mit plus 2,50 v. H. gut erholt, Reichsbankanteile gewannen 1,50 v. H. Am Rentenmarkt kamen Neubesitz stark verspätet mit 22,25 v. H. zur Notiz. Der Umsatz war außerordentlich groß. Die übrigen variablen Werte blieben aut behauptet. Auch Kommunal-Um- schuldungsanleihen und in Rückwirkung davon städtische Schatzanweisungen lagen weiter gebessert. Pfandbriefe waren freundlich verlangt und meist von 0,25 bis 0,50 v. H. höher. Stadtanleihen lagen uneinheitlich bei Veränderungen von 0,50 bis 1,00 v. H. nach beiden Seiten. Fremde Werte lagen still. Tagesgeld war wieder leichter und wurde auf 3,75 v. H. ermäßigt. frankfurter Abendbörfe. Frankfurt a. M., 1. Juni. Die Abendbörfe verkehrte in fester Haltung, wenn auch das Haupt- gefchäft wiederum nur bei einigen Spezialpapieren lag. So waren neben JG -Farben, die um '/8°/o anzogen, Schiffahrtsaktien weiterhin gesucht und fest. Nordd. Lloyd gewannen '/-°/o, Hapag 1%. Recht fest lagen außerdem Kunstseideaktien, von denen AKU und Bemberg je l°/o höher einsetzten. Von Elektroaktien zogen Elektr. Lieferungen und Schuckert bis l°/o gegen den Berliner Schluß an, im übrigen betrugen die durchschnittlichen Besserungen '/< bis Vi°/o, nur Reichsbank gaben um %°/0 nach. Montanwerte lagen verhältnismäßig ruhia. Im Verlaufe blieb die Haltung fest, bas Geschäft flaute etwas ab. Farbenindustrie und die übrigen Kurse waren voll behauptet, AKU zogen weitere Wo an. Größere Umsatztätigkeit verzeichnete am Rentenmarkt naturgemäß wieder die Neubesitzanleihe, wo sich Angebot und Nachfrage etwa ausgeglichen haben. Der erste Kurs wurde mit 22.20, d. h. 10 Pfg. über Berliner Schluß festgesetzt, später waren sie gesucht und bis auf 22.25°/o erhöht. Fest lagen außerdem Stahloereins-Bonds unb im freien Markt hielt bie Nachfrage nach Ko- munal-Umfchulbung an, bie bis auf 80'/- nach heute Mittag 79Wo anftiegen. Im Auslandsrentenmarkt lagen' Schweiz. Bundesbahnanleihen weiter scharf erhöht, 4%ige waren mit 163'/- um 3’/i°/o unb 3Vz%ige mit 154 um ebenfalls 3'/-°/o erhöht. U. a. notierten: Neubefitzanleihe 22.20 bis 22.25, Stahl- oereins-Bonbs 73V-- bis 74'/-, 4°/o Ungar. Goldrente 73/«, Reichsbank 152'/-, Harpener 91'/-, Mansfeld 72'/«, Phönix 47, Rheinstahl 91V«, Stahlverein 40, AKU 58'/- bis 587/a, Bemberg 69'/-, Conti Gummi 147'/«, Daimler 47'/«, Scheideanstalt 195, Elektr. Lieferung 99%, JG.-Farben 137%, Schuckert 86, Hapag 25V«, Nordd. Lloyd 32. Frankfurter Obst» und Gemüsemarkt. Frankfurt a. M., 1. Juni. Der Gemüsemarkt hatte starke Zufuhren von Blumenkohl, Gurken, Karotten, Kopfsalat, Kohlrabi, Spargel und Spinat zu verzeichnen, in Erbsen waren sie genügend. Neue deutsche Kartoffeln waren erstmals am Markt. Die Preise waren bei meist langsamem Geschäft durchweg gedrückt. Es erzielten: Blumenkohl I (Treibhaus) 30 bis 40, Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Zistern geben öle Hohe Oer zuletzi oeid)lof|enen Dividende an — Relchsdankbistoni 4 o H. Frankfurt a. Ul Vertin Gchluß» furt Schlups Abend- börse Schluß- fnr< Schlußk Mittag Datum 31.5- | 1-6- 31- 5. 1.6- •% Deutsche Reichsanlethe o. 1927 97,13 97,25 97,5 98 •% ebem.7% Dl. ReichSanl. v. 1929 99,4 99,6 99,5 99,8 bYt% Doung-Anleihe von 1930 Deutsche i’lnl.-2lblöl.-®d>ulb mit 91,9 96,5 91,9 92 92,13 AuSlos.-Rechlen ...... — 96,4 — DeSgl ohne SuSlos.-Rechte...... •% efcm.8% Heil. Bolksstaat 1929 93,5 22,25 — 22,1 (tüdgablb 102%) ..... 93 93 93,25 6% Hei!- Landesbank Darmstadt 90,5 90,5 ®olb M. 12 90,25 90,5 6ty% Hest LandeS^ypotheke». bau! Darmstadt Ltaut..... 89,5 89,5 _ vberhessen Provinz-Anleihe mit AuSlos.-Rechten . . . Deutsche komm. Sammelobl. An» 95,5 95,5 92,5 — 92,2 92,25 leche Serie 1 mit AuSlos.-Rechten 92,65 S% ehem. 8% Franks. Hyp.-Vank Goldpse. 15 unkündbar bis 1935 90 90 90,25 — 1% ehern. 7% Krankl Hyp -Bank Goldpfe. 16 unkündbar bis 1936 •%% ehem. *y,% Kran« Hop.» Lank-Ltqu^Dfandoriefe *K% ehem 4K% Rheinische 90 89,25 90 89'65 — 90 Hyp.-Bank-Lchu.-Goldpse. <% ehem. 8% Pr Lande-Pfand- briefanstalt, Pfandbriefe R. 19 90 94,25 94 94 •% ehern. 7% Pr. LandeSpfand- briefanstalt, Pfandbriefe R. 10 94 94 94 94 Stenergutsch CeiredmunaMuti 98,4 98,5 98,4 98,5 4% Oetterretchtlche <8olbrentt... 25 25 24,8 — 4,20% Oesterreiibische EUberrent» 1,1 1,1 7,75 — 1,05 4% Ungarische Wolbtente ....... 7,5 7,5 4% Ungarische Staatrrente v. 1910 6,85 6,85 7 7,25 4#% deSgi. von 1913 ....... 7,13 7,13 7,3 7,25 6%abgefL Goldmexikaner von 99 7,5 — 7,8 7,8 4% Türkische Zollanleihe von 1911 4% Dürkifchs BNgdadbohn-Antethe 6,75 6,75 6,8 .......................... — — — 1 - Frankfurt a.M Berlin Schluß- für« Schluß!. Abend» W Schluß» eure Schluß!, mittay b-rse Datum 31.5. 1-6. 31-5- 16- 4% beigl. Serie 11 7 7,2 - 7 6% Äumän. vereinh. Rente v. 1903 4,1 — 4 4 4^,%Rumän.vereinh.Rentev.lS13 6,5 6,4 6,6 6,4 4% Rumänische vereinh. Rente .. 3,6 3,6 3,6 3,45 2%% Anatolier 30,8 31,13 31 31,5 pamvur-»Amertka-Paket ... 0 21,5 25,75 21,5 24,75 Hamburg-Südam. Dampfschiff 0 23,5 - 23,75 dansa-Dampfschiff ..... 0 — — — — Norddeutscher Lloyd ....... 0 27,75 32 27,5 31,5 21.®. für Verkehrswesen Akt. . 0 64,75 65,25 64,9 65,25 Berliner Handelsgesellschaft .. 4 84,25 84,25 84,75 85,25 Commerz, und Privat-Bank . 0 50 50 50 50 Deutsch« Bank unb DiSconto» Gesellschaft................ o 53 52,5 53 52,5 Dresdner Bank..............o 59,25 59,75 59,25 59,75 Reichsbank ..... 12 151 152,5 151,5 153,25 L-S®....................... — 23 24 Bekulo.....................o 131,75 132,75 131,5 132,5 ®eftt. LiefermigSgelellichaft... 6 98,25 99,75 98,65 98,9 Licht unb ftiaft ... 6 103 103,5 103,25 103,25 gellen 6 Guilleaume ... a 57,75 56,5 56,5 56,9 §Ä"^ A2^"ternebmun». 6 96,75 97,25 96,5 97,13 Rhei ische Bektrizität ...... 5 94,75 —— 95 Schuckert & Co......... 5 85 86 85,75 85,25 Siemens L HatSK.......... 7 .............‘10 133,5 116 133,5 115 131 115.5 133,75 116 thtbeOM ........... 0 73,65 73 73,5 73 Deutsche Srbbl .............. 4 117,75 117,5 115,9 117,25 Velsenkirche»«.............. ö 60 58,5 58,5 59,9 harven« ............... ( 90,75 91,5 91 91,65 tzoeich Eisen—Sköln-Nevessen .. 0 — 68,25 69,9 Ilse Bergbau ....... g — 140 Jlfe Bergbau Genüge........ < 111 112 110,65 111,75 •Iddnetroerff ..... < 63,5 64 63 64 tRannrimane-SÄbree ........ t 60,4 61,13 60 61,4 Frankfurt a. Dl. Berlin Schluß- hird Schluß!. Abend- börfe Schlußkurs Dlinag» bSrse Datum 31-5 1.6. 31»5. 16 HanSfelder Bergbau......... 0 KokSwerke 0 Bhonir Bergbau ...........0 Rheinische Braunkohlen ..... 10 «HeinstaHI 0 vereinigte Stahlwerke........0 OtaBi Minen 0 Kaliwerke Aschersleben........6 Kaliwerke Westeregeln........ 6 Kaliwerke Salzdetfurth .... 7% I G. Sarden.gndusMe.......1 Scheide anstatt...............9 70,25 46,75 224 90,5 39,65 13,75 106 105,5 143 136,25 195 72,25 47 223 91,25 40 13,75 106 143 137,25 195 70 92,75 46,65 225,5 90 39,25 13,75 106,5 105,5 143,75 135,65 71,9 94 47 225,5 91 40 14,5 106 142,5 137,13 Goldschmidt ..... 0 Rütgerswerke ..... 0 64,25 37,75 79,25 58,5 58,5 124,5 55,9 64 45,75 41,75 45,75 61,25 17,5 171 169,5 145,5 l 175,25 65,25 38 79,5 59 99,75 124 58,9 69,5 45,25 40,5 47,25 61,65 17,75 169,5 169 147,25 _ — 175,75 64,5 38 79,5 101,75 55,75 64,75 45 41 121,65 45,65 61,4 60 17,25 172,5 169,75 145 I 21,65 175,5 65,5 38,4 80 59 101,25 57,5 68,5 44,9 40,75 121,5 47*, 5 62 60 18,13 171 168,5 147,5 17575 Metällgeselllchaft............. 0 PHtttpp cholzmmin ...... 0 Rementwerf Heidelberg ...... 0 Leweuvceri Karlstadt...... 0 Schultheis Pa»euhos« ......K Lku (Allgemeine Kunstseide) .. 0 Bemberg 0 HeVlwfi Waldhos ............0 Zellstoff Aschaffenburg ....... 0 Dessauer GaS ............ 7 Daimler Motoren ............ 0 Deutsche Linoleum...........0 Lrensteio L Koppel ..........0 Leonhard Dietz ............0 khade ..................10 ........0 tonMhiemi 0 Grttzner....................0 Moinkraftwerke Höchst 4 Süddeutscher Lucker ......... t Lombardzinsfutz 6 o H. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a Bl. 31. Mai 1»3uni Amtliche Dotierung Meld | Leie' Amtliche Dotierung Geld | 3ne Buenos Airec Brussel..... Rio de Jan. 0,588 58,52 0,146 3,047 56,79 81,60 12,72 5,619 16,50 169,53 21,33 0,756 5,664 63,94 47,45 11,58 65,55 81,36 34,29 10,43 2,507 0,592 58,64 0,148 3,053 56,91 81,76 12,75 5,631 16,54 169,87 21,37 0,758 5,676 64,06 47,55 11,60 65,69 81,52 34,35 10,45 2,513 0,593 58,52 0,149 3,047 56,79 81,60 12,715 5,619 16,50 169,68 21,46 0,756 5,664 63,94 47,45 11,57 65,55 81,42 34,29 10,43 2,509 0,597 58,64 0,151 3,053 56,91 81,76 12,745 5,631 16,54 170,02 21,50 0,758 5,676 64,06 47,55 11.59 65,69 81,58 34,35 10,45 2,515 Kopenhagen. Danzig..... London ..... Helsingfors.. Paris ...... Holland .... Italien..... Japan ...... Jugoslawien Oslo..... : Wien....... Lissabon.... Stockholm... Schweiz .... Spanien.... Prag....... Budapest ... Neuyork... Banknoten. Äerlln, 1.3unt Geld 3riel Amerikanische Noten.............. 2,462 2-482 Belgische Noten.................. 58,36 56,64 12,67 58,60 56,86 12,73 Englische Noten Französische Note«............... 16,46 169,26 21,34 16,52 169,94 21,42 Italienische Noten................ Norwegische Noten ...... Deutsch Oesterreich, * 100 Schilling 63,77 64,03 Rumänische Noten............... — - Schwedische Note» ............... Schweizer Noten................. 65,39 81,24 34,15 65,65 81,56 34,29 Spanische Note» ................. Ungarische Note» II 15 bis 25, do. Steige 12 Stück 300 bis 375belg., Bohnen (Treibhaus) 50 bis 60, do. Körbchen ca. 5 kg 150 bis 180 ital., Erbsen (Gärtner) 16 bis 19, do. 15 bis 17 ital., Salatgurken (Kasten) 35 bis 40, do. 18 bis 30 holl., Karotten kl. Bdl. 5 bis 8, do. gr. Bdl. 30 bis 35 holl., Kartoffeln alte 50 kg 380 bis 400, Erstlinge 50 kg 700 bis 750, do. lange ital. 900 bis 1000, do. 600 bis 800 span., Kohlrabi 4 bis 7, Kopfsalat 2 bis 4, Rettich kl. Bdl. 3 bis 5, Spargel I 30 bis 33, II 22 bis 25, III (Suppenspargel) 10 bis 12, Spinat 8 bis 10, Tomaten 40, do. 37 bis 40 holl., Frühwirsing 8 bis 10, Zwiebeln mit Schloten 6 bis 8, do. 50 kg 650 bis 750 ägypt. Am Obstmarkt läßt das Angebot in Apfelsinen und ausländischen Aepfeln nach, deutsche Aepfel sind nicht mehr am Markt. Dagegen verzeichnete man gute Zufuhren von Erdbeeren und Kirschen, und die Preise hierfür liegen fest. Das Geschäft nahm allgemein einen lebhaften Verlauf. Kleinfrüchtige Kirschen sind kaum verkäuflich. Apfelsinen und Aepfel hatten flaues Geschäft. Es erzielten: Aepfel, Kiste ca. 40 Pfd. rote 750 bis 850 amerikan., Apfelsinen blond 15 bis 18 span., Blut 15 bis 18 span., Imperial 27 ital., Erdbeeren I 40 bis 48, do. unsortiert 28 bis 35, do. II. Sorte 20 bis 30, Walderdbeeren 65 bis 70, Kirschen I 18 bis 22, II 10 bis 16, do. 22 bis 24 ital., Stachelbeeren unreif 8 bis 10, Zitronen, Kiste 150 Stück 400 bis 450. BerlinerFrühbörse. Berlin, 2. Juni (DNB. Funkspruck.) Im vorbörslichen Frühverkehr tarn es angesicyts der frü- hen Morgenstunde kaum zu irgendwelchen Umsätzen. Für die bevorstehende Börse ist man, nachdem bereits die Frankfurter Abendbörse erneute Befesti- gungen gezeigt hatte, freundlicher gestimmt, zumal die nunmehr erfolgte endgültige Entscheidung über die Saarabstimmung als anregendes Moment er« .wähnt wird. Von Kurstaxen hört man lediglich Farben mit 137,25 bis 137,50. Am Valutamarkt war der Dollar mit 2,51 etwas fester, das Pfund neigte dagegen mit 12,73 zur Schwäche. Fest liegt international die Lira. OJi-ipori Brust Winter Weltmeister am Reck Beginn der Kunstturn-Weltmeisterschasten in Budapest. - Ausgezeichnete Leistungen der Deutschen. Am Freitagoormittag nahmen die 10. Kunstturn- Weltmeisterschaften in Budapest ihren Anfang. Zum ersten Male nahm die Deutsche Durnerschaft an diesen Kämpfen teil und diese Tatsache hatte auch dazu geführt, daß eine außerordentlich große Zahl von Schlachtenbummlern aus Deutschland nach der ungarischen Hauptstadt gekommen war. Vier Sonderzüge brachten die deutschen Interessenten nach Budapest und auf dem großen Bezkarl- Platze war die Mitteltribüne überhaupt fast nur von Deutschen besetzt. Deutschland stellt das Haupt- kontingent der auswärtigen Besucher. Die Wettkämpfe begannen erst gegen 9 Uhr und zogen sich weit über den vorgesehenen Schluß bis in die Abendstunden hin. Es herrschte herrliches Sommerwetter und die Stimmung der deutschen Vertreter war ganz ausgezeichnet, zumal erkennbar war, daß die hinsichtlich der Punktwertung gehegten Befürchtungen grundlos waren, denn die Kampfrichter bemühten sich sämtlich, jede Uebung gerecht zu bewerten. Am ersten Tage wurden die Kampfe in der Freiübung, am Barren, Reck, Querpferd und an den Ringen in Angriff genommen. Am Reck war Ern st Winter (Frankfurt) Favorit. Mit einer ganz glänzend geturnten Kürübung, die mit einem Abgang mit doppeltem Salto endete — Ernst Winters bekannte Spezial- Übung — fiel der Frankfurter, besonders angenehm auf. In der Pflichtübung kam er mit Heinz Sand- rock (Immigrath) zusammen auf die volle Punktzahl von 10 Punkten, für seine Kürübung erhielt er 9,6 Punkte, so daß er mit 19,6 von 20 erreichbaren Punkten als Endsieger feststehen dürfte. Die deutschen Turner gefielen an diesem Gerät durchweg sehr gut. Don den gefürchteten Schweizern kamen Miefz Steinemann und Mack auf je 19,4 Punkte; diese Zahl erreichte auch Heinz Sondrock Krötzsch enttäuschte etwas; er verdarb seine Pflichtübung und hatte damit keine Aussichten mehr. Beim Pferdturnen hatte sich Krötzsch die Innenflächen der Hand aufgerissen und er bekam eine Pause zur Erholung zugebilligt. Beim Turnen am Querpferd führt der Schweizer Mack mit 19,1 Punkten vor seinen Landsleuten Wetzel und Steinemann mit 18,9 bzw. 18,5 Punkten. Mit Steinemann kam der Kreuz- nacher Frey auf gleiche Punktzahl, Steffes erreichte 18,3, Beckert 17,8 Punkte. An den ruhig hängenden Ringen dominierten die Tschechen, an der Spitze ihr Favorit Hudeck, vor den Ungarn und Finnen. In der Freiübung führt Krötzsch (München) mit 18,3 Punkten, Steffes kam hier auf 17,3, Winter auf 17,2 Punkte. In der Gesamtwertung führt Deutschland am Reck mit 147,6 Punkten vor der Schweiz mit 145,6 Punkten, an den Ringen liegt die Tschechoslowakei mit 144,7 Punkten vor Ungarn mit 139,6 Punkten an der Spitze. Reichsiugendwettkälllpse und Deulscheslusendiest Das diesjährige Fest der Jugend am 23. Juni wird in besonderem Maße im Zeichen der sportlichen Ertüchtigung stehen. Der Reichssugendführer Baldur von Schirach und der Reichssportführer von Tschammer und Osten rufen die gesamte deutsche Jugend zum Wettkampf auf. Kurze Zeit hinter uns liegt der Reichsberufswettkampf, der der deutschen Wertarbeit und dem Fleiß der schaffenden Hände zur Ehre in der Welt gereichte. Ein neuer Wettstreit steht bevor: Er wird einer gesunden, zukunftsfrohen Jugend den Weg im Sport bahnen. Die sportliche Ertüchtigung der Tugend soll sich nicht mehr auf einen kreis der Auserwählten erstrecken, sondern der Gesamtheit und damit der Zukunft der Ration dienen. Das Fest der Jugend soll ein Augenblick der Besinnung auf die Werte unserer Rasse, unseres Volkstums, unseres heimatlichen Bodens und unserer Geschichte sein. Deutsche Jungen und Mädel, auf eure Leistungen schaut die Welt. Beweist durch euren restlosen Einsatz, daß ihr eurer Berufung würdig seid: Träger des ewigen Deutschland zu sein! In Aufmarsch, Spiel und Wettkämpfen soll die Jugend aller Gaue Deutschlands um die Zeit der Sommersonnenwende, am Samstag, 23. Juni, die- sen Tag als deutsches Volksfest feiern. Im Rahmen des Deutschen Jugendfestes werden die sportlichen Wettkämpfe, die früheren Reichsjugendwettkämpfe, der Jugend bis zum 21. Lebensjahr, durchgeführt. Das Wettkampfprogramm der Mehrkämpfe soll durch Spiele. Massenfreiübungen, Tänze, Aufmärsche und den örtlichen Verhältnissen angepaßte weitere Wettkämpfe umrahmt und erweitert werden. Die Kämpfe werden als Einzel- und Mannschasts- kämpfe durchgeführt. Die Wettkämpfe am Tage des Deutschen Jugendfestes sollen dazu beitragen, das Fest bodenständig und volkstümlich zu machen. Heimatliche und landsmannschaftliche Eigenart des Ortes und der Teilnehmer find unter Hinweis auf das große gemeinsame Vaterland dem Festgedanken nützbar zu machen. Der Reichsjugendführer und der Reichssportführer haben ein Uebereinkommen getroffen, nach dem in engster Zusammenarbeit als Träger der Wettkämpfe an jedem Ort besonders die Hitler- Jugend, die Turn- und Sportvereine und die Schulen in Betracht kommen. Es ist zweckmäßig, an jedem Ort einen Ausschuß zu bilden in dem die beteiligten kommunalen Dermal, tungsbehörden, die HI., die Schulen und die Turn- und Sportvereine Zusammenarbeiten, soweit nicht derartige Ausschüsse schon bestehen. Orte unter 1000 Einwohner schließen sich mit benachbarten gleichgroßen Gemeinden zur gemeinsamen Durchführung der Kämpfe zusammen. In Großstädten ist die räumliche Trennung der Wettkämpfe erforderlich. Am Deutschen Jugendfest beteiligen sich als Wettkämpfer die Jugend vom 11. Lebensjahre ab. Die sportlichen Wettkämpfe umfassen die männliche und weibliche Jugend in folgenden fünf Altersklassen: Jahrgang 1922/23; Jahrgang 1920/21; 1918/19; 1916/17 und 1915 und alter. Als reine Schulwettkämpfe sind Klassenmannschaftskämpfe zugelassen. In diesem Fall tritt an die Stelle der Einteilung nach Altersklassen die Einteilung nach der Klassenzugehörigkeit. Der Herr Reichspräsident hat für die Sieger in den Mannschafts- und Einzelkämpfen eine Ehrenurkunde gestiftet. Für die Zuteilung dieser Urkunde gilt folgendes: Für jeden Wettkampf einer Altersklasse wird mindestens eine' Ehrenurkunde bereitgestellt. Bei Mannschaftskämpfen können bis 10 v. H. der teilnehmenden Mannschaften an jedem Wetbewerb die Ehrenurkunde erhalten. Bei Einzelkämpfen erhalten die ersten 5 v. H. der Sieger diese Auszeichnung. Für die weiteren Sieger kann zum Preis von je 10 Pfennig eine besondere Ehrenurkunde mit der Unterschrift des Reichsjugendführers und des Reichssportführers angefordert werden. Die Ehrenurkunden des Herrn Reichspräsidenten werden nach Eingang der Veranstaltungsberichte durch die Geschäftsstelle des Deutschen Jugendfestes, Berlin-Charlottenburg, Hardenbergstraße 43, herausgegeben; die weiteren Ehrenurkunden können schon jetzt von der Geschäftsstelle angefordert werden. Jür das Deutsche Iugendfest ist ein besonderes Festabzeichen aus Porzellan geschaffen, das zu tragen Pflicht eines jeden Teilnehmers ist und für die Veranstaltung als Eintrittsausweis genommen werden kann. Die Abzeichen können schon jetzt von der Geschäfts- stelle angefordert werden Das Abzeichen wird auch im Straßenverkauf vertrieben. Es gilt als Zeichen der Volksverbundenheit und ist von der notleidenden Thüringer Porzellanindustrie hergestellt und zeigt das Abzeichen der Hitler-Jugend. Die sportlichen Wettkämpfe am Tage des Deutschen Jugendfestes müssen auch bei Berücksichtigung örtlicher Wünsche einen einhelllichen Kern des Wettkampfprogramms enthalten. Hierfür gilt folgendes: Einheitliche Grundform für alle Altersklassen ist der Dreikamvf aus Lauf. Wurf und Sprung bestehend Für den Sprung kann der Weit- oder Hochlprung, je nach Wahl, genommen werden. Bei Einzelwertung ist Sieger, wer mindestens 40 Punkte erreicht. Bei Mannschaftswertung entscheidet die durchschnittlich erzielte Punktzahl für die Rangordnung. Ausgezeichnet wird die Mannschaft mit höchster Durchschnittspunktzahl, gegebenenfalls der Nächstbesten. Das 1. Kreisiurrikeff in Grotzen-Linden. Am 9., 10. und 11. Juni findet in Großen- Linden das 1. Kreisturnfest des 8. Kreises Lahn- Dill Gau 12 (Nordhessen) statt. Zum erstenmal treffen sich die Turner des neuen Kreises, um im Wettkampf ihre Kräfte zu messen. Zum Turnkreis 8 gehören alle Turnvereine der politischen Kreise Gießen. Alsfeld, Wetzlar und Dillenburg. Auf dem neuen Gemeindesportplatz wird ein Festzelt errichtet, in dem am Vorabend des Hauptwettkampftages ein Schauturnen der Kreisbesten sowie Sonderoor- führungen von Vereinen und der Fechter stattfinden. Die gesamte Einwohnerschaft hat sich in anerkennungswerter Weise für die Unterbringung der Turner zur Verfügung gestellt. Am Hauptsesttag werden folgende Kämpfe aus» getragen: Zwölfkampf, Ober- und Unterstufe; Fünfkampf der Turner und Jugendturner. Es liegen bereits mehr als 400 Anmeldungen vor. Der Turnverein wird bei seinen Vorbereitungen in dankenswerter Weise von der Gemeindeverwaltung und von der hiesigen politischen Organisation weit- gehendst unterstützt. Deutschlands siegreiche Wball-Aalionalelf. W - y Die deutsche Mannschaft, die die zweite Runde des Spiels um die Fußball-Weltmeisterschaft gegen Schweden in Mailand 2:1 gewann. Handball-Werbeturnier in Lang-Göns Am morgigen Sonntag veranstaltet der hiesige Turnverein ein Handball-Blitz- und Werbeturnier. Zu dieser Veranstaltung haben namhafte Mannschaften ihre Beteiligung zugesagt. Es wird in drei Klassen nach dem Punktsystem gespielt. Die Leitung des Kampfes liegt in der bewährten Hand des Gauspielobmannes Seibert- Wetzlar. Die Einteilung der Klassen ist folgende: G a u k l a s s e: 1. Mannschaft der 1. Komp. Jnf.-Batl. 15 Gießen, 1. Mannschaft der 2. Komp. Jnf.-Batl. 15 Gießen, 1. Mannschaft des Tuspo. Butzbach, 1. Mannschaft des Tv. Pohl-Göns, 1. Mannschaft des Tv. Münchholzhausen. Bezirksklasse: 1. Mannschaft des Tv. Dornholzhausen, 1. Mann» schäft des Tv. Groß-Rechtenbach, 2. Mannschaft der Turnerschaft Gießen, 2. Mannschaft der 1. Komp. Jnf.-Batl. 15 Gießen, 2. Mannschaft der 2. Komp. Jnf.-Batl. 15 Gießen. Kreisklasse: Turnvereine Hochelheim, Holzheim 2. Mannschaft, Münzenberg, Grüningen, Pohl-Göns 2. Mcmnscyaft, Lich kombiniert. Handball im Gau XII der OT. Aufstiegsplele. Nachdem der vergangene Sonntag tn den Aufstiegspielen zur Bezirksklasse frei war, werden dieselben kommenden Sonntag mit dem Treffen Tv. Lützellinden — Tv. Garbenleich in Lützellinden fortgesetzt. Lützellinden hat durch seinen Sieg über die starke Krofdorfer Mannschaft nunmehr allererste Chancen, den Aufstieg in die Bezirksklasse anzutreten, wenn die Mannschaft das Spiel kommenden Sonntag für sich entscheiden kann. Bekanntlich konnte die Gästemannschaft ihr die einzige Niederlage beibringen. Die Platzbesitzer müssen daher auf der Hut sein und alle Register ihres Könnens ziehen, wenn sie einen Sieg herausholen wollen. Spiele der Kreisklasse II. Folgende Paarungen stehen für kommenden Sonntag auf dem Programm: Spv. 1900 Gießen II — Lang-Göns; Dorlar — Holzheim. Im ersten Spiel sollte der Ausgang zugunsten der Platzmannschaft zu erwarten sein, während im Spiel des Spitzenreiters Holzheim in Dorlar der Ausgang ungewiß erscheint. Schauturnen des Turnvereins „Gut Heil" Kinzenbach. Für den morgigen Sonntag hat der Verein ein groß angelegtes Schauturnen vorgesehen. An der Veranstaltung sind sämtliche Abteilungen des Vereins einschließlich der Turnerinnen und der Schülerabteilungen beteiligt. Gleichzeitig werden die Der- einsmeisterschaften durchgeführt. BfB.-lieichsbahn Gießen. Sportverein Wetzlar Liga — VfB.-Reichsbahn Liga. Am heutigen Samstagabend werden sich in Wetzlar zwei alte Gegner aus den Verbandsspielen im Freundschaftskampf gegenüberstehen. Die VfBer, gezwungen auf ihre besten Spieler zu verzichten, werden einen schweren Stand haben. Die Wetzlarer haben sich im Laufe der letzten Derbandsspiele unter dem Training ihres Mittelläufers Schrader als eine Mannschaft entpuppt, die nicht nur über kämpferisches Können, sondern auch über das nötige technische Rüstzeug verfügt. Ihre überragende Kraft VlllidM • Keifen • Mer • ssmerslWen 3 billige Sommer-Jlittelmeer Fahrten mit Lloyd-D. »Dresden« (14690 Br.-Reg.-T.) 1. REISE: vom 30. Juni bis 15. Juli 1934 Bremen - Vigo - Lissabon - Tanger- Malaga - Algier - ■ Palermo - Corfu - Cattaro - Ragusa - Venedig. Fahrpreis von RM 860. an aufwärts 2 REISE: vom 17. Juli bis 29. Juli 1934 Venedig - Corfu - Istanbul - Phaleron-Atben - Santorin - Durazzo - Spalato - Venedig. Fahrpreis von RM 800. an aufwärts 1. REISE; vom 30. Juli bis 10. August 1934 Venedig - Spalato - Corfu - Tripolis - Malta - Catania - Messina - Neapel - Durazzo - Ragusa - Venedig. Fahrpreis von RM 800. an aufwärts Auskunft o. Prospekte durch unsere Vertretungen und NORDDEUTSCHER LLOYD BREMEN in Gießen: Theodor Boom. Kirchenplatz 13 3809v in Wetzlar: Wilh. Fischer, Inh. Chr. Heberling, Lahnstraße 20 Kommt in den Vogelsberg Herchenbain, 700 m. Gasth.„Sch. Aussicht . Besuch. Weidner. Tel. Grebenhain 14. Die beliebte allein- gel. Sommerfrische f. nervös Abgespannte, kein Staub, kein Auto- verk., himml.Ruh. Verl. Sie Prosv. Privat Pension läge 460 m, eig. Landwirtsch., gut einger. Fremdenz. m. el. L., Bad, 8 Min. v. Hause eig. Badestelle mit Liegeplatz u. Svrungst. a. gr.See, m. umlieg. Wald, gut. Verpfl. bei 4Mahlz. 3.30RM. Zriedr.Jöckel, Nieder-Moos, Bahnstat. Grebenhain-Crainfeld.Tel.Grebenhain21 Freie Abholung v. d. Bahn. amD Südsnlnftknrort vunaulWesterrvaldl In schön.waldr.Geg.find Erholung- such. srdl. Aufnahme.Beste Vervn. 4reichl.Mablz.: 3,25-^Garn.Hrühst. ik.Nebenk.i Strandb.,Groß.Garten mit Liegestübl. Eig. Landwirtschaft Gasthof zur Post.Tel.Marienberg 9, L.Halmer Luft- u. Kneippkurort Heigenbrücken,Spess. Hotel HocliNpeshiart.-MnaD fl.Wass.,kaltu. warm,Zentr.-Heiz., Blk.-Zim., herrl.Terr., m Blick ins Gebirge, wunderb. Berggart, mit Liegestühl. Idyll des Spess. Hier sind Sie, was Sie suchen. Pens.- Preis b.best Verpfl., Butterküche, Vorsais r. 3.80 an. Sie sind entrückt und komm. wied. Besitzer Jak. Röcking. Tel. 35. Vorbestell. Prival-Jügend-Erholungsheimleileriesl' auf Norderney. - Ganzjährig. - Ich würde mich sehr freuen, in meinem wunderschönen Heim auch echte Gießener Buben u. Mädchen meiner Vaterstadt Gießen und aus d. Hessenland betreuen zu dürfen. Erbitt. Sie Prospekt u. Bild. 3303D Toni Kübel, Heimleiterin. I Pension Sonnenhügel, Amorbach,Odenw. Schönste.ruh..staubfr.Höhenl.a. PI.Herrl.Fernsicht, ideal.Haust. Erhol.-Touristen-Wochenende. Pens.4 Mahlzeit. v.3xan.Balkon. Autoh. Tel. 72. Prosp. frei. aueD Nordsee-Hotel Borkum führ. Haus, dir. am Meer. Volle Pens. v. 6.50 Mk. an. Fl. k. u. w. Wasser. Hotel-Prosp. i. d. Gesch. d. Zeitung und direkt frei. 2«oiV llllllllllllllllllllllllllllll Kloster Arnsburg bei Lich Angenehme Sommerfrische llllllllllllllllllllllllllllll ■ Sommerkur M Nervös - Erschöpfte Spezialkuranstalt Hofheim I. Taunus 4 bei Frankfurt a. M. Telefon 214 / L o. IL Klasse / Ermäßigte Preise Prospekte durch S.-R. Dr. M. Nervenarzt BaA-Sal^haufen dk 58 18c« cs STAATS BAD bietet Ruhe in schönster hilft Jhnen bei: Herz-u.Gelage, grossen Kurpark, fässleiden, Rheumatismus, preiswerte Unterkunft Gicht, nervöser Erschöpfung' Pauschal-u.Vergünstigungskuren. Auskunft hess.badedirektiON ist Ihr Mittelftürme? W o h l g e m u k, der Im Laufe des Leinberger-Kursus entdeckt, für unseren Gau repräsentativ gegen die Saar-Mannschast tätig war. . VfB. II. — wiefeck I. Ein Gegner, gegen den die 2. Mannschaft schon oft mit negativem Erfolge die Klinge kreuzte, steht am Samstagabend in der Mannschaft des Sportvereins Wiefeck der 2. des DfB. gegenüber. Trotzdem sollten diesmal die VfBer in der Lage sein, auf Grund ihrer fast kompletten Aufstellung den Sieger zu stellen. Am Sonntag spielt die gleiche Mannschaft gegen die 1. des Sportvereins Garbenteich. Die 3. Mannschaft ist spielfrei. Die erste Jugend spielt gegen die gleiche des Sportvereins Wetzlar. Deutsche Ruderer wieder in Henley. Auf der diesjährigen Kgl. Henley-Regatta auf der Themse werden wieder deutsche Ruderer erscheinen. Den am Freitag für ausländische Mannschaften ablaufenden Meldeschluß haben der Berliner Ruder-Club und Wiking Berlin gewahrt. Der „Club" nannte für den Einer Dr. Herbert Buhtz, der bekanntlich schon im Jahre 1932 als erster Deutscher die „Diamonds-Sculls" gewinnen konnte, und seinen Achter, der bisher in Henley nur den zweiten Platz belegte. Die Rudergesellschaft Wiking entsendet für den Riemenzweier o. St. das deutsche Meisterpaar Möller- Braun, die sich auch in diesem Jahre gut entwickelt haben und gute Aussichten für die in der Zeit vom 4. bis 7. Juli stattfindenden Rennen der Henley-Regatta besitzen. Borussia Fulda auf weisen. Die Meistermannschaft des Gaues Nordhessen, Borussia Fulda, hat für die nächste Zeit ein recht reichhaltiges Prioatspielprogramm abgeschlossen. Am Wochenende machen die Borussen eine Reise nach Thüringen mit Spielen gegen den SC. Erfurt (2.) und S D. Apolda (3.6.). Eine Woche später spielen die Fuldaer in S i e g e n gegen den BSC. und in Menden gegen den TSV. Am 16. Juni trägt Borussia ein Freundschaftsspiel in Chemnitz aus und außerdem schweben Verhandlungen mit dem Dresdener Sportclub, der zwei Spiele, in Fulda und Dresden, austragen will. Die erneuten Begegnungen mit den Mannen um Kreß und Hofmann werden für die Bischofsstadt ein besonderes Ereignis darstellen. Trainina auf dem Mrburg-Aino. Der erste Trainingstag zu dem am kommenden Sonntag auf dem Nürburg-Ring stattfindenden großen internationalen Eifelrennen für Wagen und Motorräder brachte bereits eine ganze Reihe der bekanntesten Rennfahrer auf die Bahn. Durchweg gab es gute Runden. Die Motorradfahrer erreichten fast die 100-Kilometer-Grenze. Den besten Eindruck hinterließen Klein, Bauer, Soenius, Rütt- chen, Schneider und Kohfink. Manfred von Drauchlksch fuhr auf seinem Mercedes- Wagen die Runde in 12:10 Minuten und einem Stundenmittel von 115 Kilometer. Oberheffeu. Kreis Friedberg. * + Butzbach, 1. Juni. In der hiesigen St. Markuskirche wurden an den drei ersten Abenden der laufenden Woche volksmissionarische Vorträge abgehalten. Der Besuch war jedesmal recht gut. Pfarrer Dr. Huth aus Cleeberg sprach über die Themen: „Völkische Religiosität oder christlicher Gottesglaube?" und „Der deutsche Christus". Am gestrigen Abend behandelte der Direktor des Landesoereins für die innere Mission aus Darmstadt, Pfarrer Röhricht, „Die deutsche evangelische Kirche und die dritte Konfession". In allen Vorträgen wurde in aller Deutlichkeit die heutige Lage der evangelischen Kirche und deren derzeitige Stellung zu den religiösen Fragen der Gegenwart gezeigt. An jeden Gottesdienst schloß sich eine Nach- vevsammlung in der Kleinkinderschule an, die auch jedesmal einen befriedigenden Besuch aufzuweisen hatte. An den Aussprachen beteiligten sich hauptsächlich die interessierten, kirchlich gesinnten Gemeindeglieder. Kreis Büdingen. = Aus dem Niddatal, 1. Juni. Nachdem der erwartete Regen ausgeblieben, hat die Heuernte im ganzen Tal voll eingesetzt. Die heiße Sonne begünstigt das rasche Einbringen. Die Bergwiesen sind im allgemeinen gut mit Gras bestanden, doch erreicht es mengenmäßig nicht die Ernte des vergangenen Jahres. Die feuchten Talwiesen haben weniger Gras. Für sie war die Witterung vielfach zu kalt. — Aepfel- und Birnbäume lassen die angesetzten Früchte stark fallen. Man schreibt das der Trockenheit zu, die auch andere Kulturpflanzen nachteilig beeinflußt. Kreis Schotten. l. Gedern, 1. Juni. In der dieser Tage abgehaltenen Gemeinderatssitzung wurde eine umfangreiche Tagesordnung erledigt. Die Anschaffung der durch den Kauf einer Motorspritze notwendigen 250 Meter Schläuche wird beschlossen. Dem Ankauf des der Gemeinde Gedern gehörigen Wohnhauses in der Marktstraße durch Fritz Ruhl soll nähergetreten werden. Der Verkaufspreis wird durch eine Kommission des Gemeinderats festgesetzt. Der Fliegergruppe wurde eine Spende von 5 Mark bewilligt. Kreis Wetzlar △ Alsfeld, 31. Mai. Unter einer starken Anteilnahme der gesamten Bevölkerung der Stadt Alsfeld wurde heute der Heilkundige Daniel D a u b zur letzten Ruhe begleitet. Der Verstorbene hatte im Weltkriege durch einen Granatsplitter eine schwere Schädelverletzung erlitten. Vor kurzem traf an der affen Munde plötzlich eine Komplikation ein, indem sich ein Knochensplitter loslöste und ins Gehirn eindrang. Trotz einer Operation war der Verletzte nicht mehr zu retten. Das allgemeine Mitgefühl mit dem tragischen Tode des hier außerordentlich beliebten Mannes ist sehr groß. Daub hatte sich nicht nur einen Ruf als tüchtiger Heilkundiger erworben, sondern war ein warmherziger Menschenfreund, der wegen seines sozialen Denkens und Handelns sich in allen Kreisen der Bevölkerung größter Sympathie und Hochachtung erfreute. L. Alsfeld, 1. Juni. Im Rahmen der deutschen Turnwoche fanden dieser Tage ver- schie-dene Vorführungen des hiesigen Turnvereins statt, die von dem guten Geist und dem vielseitigen Können der Alsfelder Turner Zeugnis ablegten. Die sportlichen Leistungen zeugten von ernster Arbeit im Turnverein. L. Alsfeld, 1. Juni. Im Kreisort Eulersdorf brach am Mittwoch in der Scheune des Landwirts Habermehl Großfeuer aus, das sich durch die in den letzten Tagen herrschende Dürre schnell ausbreitete und auf die Nachbargebäude Übergriff. Die aus der Umgegend zugezogenen Feuerwehren sowie die alarmierte Alsfelder Motorspritze konnten nicht mehr verhindern, daß Wohnhaus, Stallung und Scheune des Landwirts Habermehl und eine Scheune sowie die Stallung des Eidtschen Grundstückes niederbrannten. Sie mußten sich hauptsächlich damit begnügen, die Nachbargehöfte zu schützen. Das Vieh konnte glücklicherweise gerettet werden. Der Schaden ist sehr beträchtlich, jedoch durch Versicherung aedeckt. 1. Groß -Felda, 1. Mai Beim Verladen von Holzstämmen wurde der Knecht des Landwirts E. Reuter schwer verletzt. Mit einem komplizierten Oberschenkelbruch wurde er ins Alsfelder Krankenhaus eingeliefert. Preußen. Kreis Wetzlar. 0 Krofdorf-Gleiberg, 31. Mai. Die Ortsgruppe Krofdorf des Reichsluft- fchutzbundes mit den angeschlossenen Gemeinden Rodheim, Bieber, Vetzberg und Fellingshausen eröffnete am Mittwochabend ihren Schulungs- kursus mit einer Werbekundgebung für den zivilen Luftschutz. Nach einem Umzug durch den Ort mit Musik und unter Mitführung eines durch Fackeln beleuchteten Transparentes begrüßte im Benderschen Saalbau der Leiter der Ortsgruppe, Apotheker Habich, die anwesenden Volksgenossen und -genossinnen, insonderheit die auswärtigen Teilnehmer. Er teilte dabei mit, daß an sieben Schulungsabenden, wöchentlich einmal, zunächst die Blockwarte aus den genannten Orten geschult werden sollen. Nach einigen Konzertdarbietungen hielt dann der Schulungsleiter, Forstmeister Wörmbcke, von hier, einen sehr instruktiven Vortrag über das allgemein Wissenswerte auf dem Gebiet des zivilen Luftschutzes. Der Redner, der im Kriege Flieger mar, konnte badet manches aus dem Schatz feiner Erlebnisse und Erfahrungen zum besseren Verständnis der von ihm behandelten vielseitigen Luftschutzfragen erzählen und mit großer Eindringlichkeit auf die Unterschiedlichkeit der Aufrüstung usw. zwischen Deutschland und den anderen Ländern Hinweisen. Zahlreiche Lichtbilder illustrierten nachdrücklich das Gesagte. Mit der ernsten Mahnung an die versammelten, mehr als bisher sich mit den Fragen des Luftschutzes zu beschäftigen und das Gehörte in alle Kreise der Bevölkerung hineinzutragen, schlossen die beifällig aufgenommenen Ausführungen, denen der Leiter das Schlußwort anfügte und ein dreifaches „Sieg-Heil!" auf den Führer ausbrachte. Ge- meinfam wurde das Deutschland- und das Horst» Weffel-Lied gesungen. * Launsbach, 1. Juni. In der vergangenen Woche gelang es endlich nach dreimaligem vergeblichen Versuch dem Turnverein Launsbach den von der Reichsbahn gekauften Waggpn, der als Umkleideraum dienen sollte, an Ort und Stelle zu bringen. Rodheim a. d. B., 1. Juni. Im Zuge der Werbewoche für das deutsche Turnwesen und die Deutsche Turnerschaft veranstaltete am Mittwochabends die hiesige Turn- und Sportgemeinde einen Werbe-Fackelzug. Der Zug stellte sich gegen 21 Uhr vor dem Vereinslokal M a n k auf und marschierte dann unter Vorantritt des Spielmannszuges des Turnvereins durch die Hauptstraßen des Ortes. In der Pfarrgasse, wo eine Rednertribüne errichtet worden war, ergriff der Dereinsführer Hofmann das Wort und begrüßte das zahlreich erschienene Publikum und insonderheit den Gauoberturnwart Paul (Gießen). Herr Paul hielt sodann eine begeisternde Ansprache von der deutschen Turnsache und erinnerte u. a. daran, daß soeben die Deutsche Turnerschaft in Budapest wieder in die Reihe der Bewerber um die Europameisterschaft eingetreten sei, um hier — im braunen Turnergewande — einen Baustein zum Wiederaufbau der Weltgeltung Deutschlands aufzurichten. Die über zwei Millionen Mitglieder zählende Deutsche Turnerschaft stehe in den Reihen der Kämpfer für das neue Deutschland, sie tue das um so mehr, als die Deutsche Turnerschaft getreu den durch Turnvater Jahn oorgezeichneten Richtlinien immer national gewesen sei. Das bezeugen auch die vor der Rednertribüne aufgestellten Fahnen des neuen Deutschland und der Deutschen Turnerschaft, deren DT. deutsch und treu bedeute. Ein dreifaches „Gut Heil" auf den Reichspräsidenten und den Reichskanzler und die ersten Strophen der Nationalhymnen beschlossen die Veranstaltung. Als sich die Masse bereits zum Gehen wandte, flammte plötzlich im Hintergrund weißes Magnesiumlicht auf: Ein faszinierender Anblick bot sich den Zuschauern: Am Barren hatte junge schlanke Turner der Sportgemeinde einige schöne Pyramiden gestellt, die bei magischem Lichte einen prächtigen Anblick boten. Fordern Sie ausdrücklich Schluter-Kaffee 02874 02880 Statt Karten! 3342 D Todes-Anzeige. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die schmerzliche Nachricht, daß unsere liebe Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwägerin und Tante Frau Elisabethe Reuschling geb. Volkmann gestern vormittag 71/« Uhr nach kurzer Krankheit im Alter von 78 Jahren santt entschlafen ist In tiefer Trauer: Familie Wilhelm Kreiling VI. Wwe. Familie Ludwig Rinn IV. Familie Hermann Reuschling Heuchelheim, Oppenheim, den 2. Juni 1934. Die Beerdigung findet Sonntag, den 3. Juni, nachmittags 3l/a Uhr, vom Sterbehaus, Ludwigstraße 1, aus statt. Danksagung Für die uns beim Heimgang unseres lieben Entschlafenen in so reichem Maße erwiesene Teilnahme sagen wir herzlichen Dank. Für die Hinterbliebenen: Familie Ludwig Rinn III. Familie Wilhelm Sack Familie Wilhelm Rinn I. Heuchelheim, Gießen, den 1. Juni 1934. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meinen innigstgeliebten Mann, den treusorgenden Vater seiner Kinder, unseren lieben Schwiegersohn, Bruder, Schwager und Onkel Heinrich Gümbel Reichsbahn -Werkführer Im 50. Lebensjahre in die Ewigkeit abzurufen. In tiefer Trauer: Lina Gümbel, geb. Ruppert, und Kinder. Lang-Göns, Ober-Gleen (Kr. Alsfeld), Lützellinden, Gr.-Linden, Hörnsheim, den 2. Juni 1934. Die Beerdigung findet am Montag, 4. Juni, nachm.1% Uhr, statt 3050 D im 80. Lebensjahr Die trauernden Hinterbliebenen: Simon Bing Berta Bing, geb. Rosenstein Albert Bing Münzenberg, den 1. Juni 1934 Die Beerdigung findet Sonntag, 3. Juni, nachm. 3 Uhr statt 3352 d Todes-Anzeige Freitagnachmittag entschlief sanft nach kurzem Leiden unser lieber Vater, Schwiegervater, Großvater und Onkel Herr Mayer Bing Für die vielen Beweise wohltuender Teilnahme bei dem Heimgange unseres lieben Entschlafenen sagen wir herzlichen Dank. Elisabeth Göttlich, geb. Kleinhenn, Wwe. und Angehörige Lollar, den 2. Juni 1934. 3.GELDLOTTERIE 404170 GEWINNE,20 PRXMIEN 500000 ÄÄpmMRAl ZIEHUNG: 21.-2*1 .JULI 1934 StAe. ü&szaSÖl zu Ao6en / Neu eröffnet! 02859 MI-IMM Albert Grölz» Neustadt 45 H. Für Schwerhörige—y Siemens-Phonophore mit und ohne Mikrophonverstärker Neu: Knochenleitungshörer Mod. 1934 Elektrische Hörapparate mit reinster Sprach- rviedergabe. Unauffällig im Tragen. FordernSieProbelieferung und Druckschriften. Auf Wunsch Teilzahlung. Vielhörer- Anlagen für Schwerhörigenvereine, Taubstummenanstalten, Kirchen und Theater. Siemens - Reiniger-Werke A. - G. Frankfurt a. Main, Kaiserstraße 60 Dampfsägewerk Abendstern Fernsprecher 3580 empfiehlt sich zur Lieferung sämtlicher Säge werks Produkte und zur Ausführung von 8130d Zimmerarbeiten 3362 A überall kaufen, aber schöne und gute Stoffe kauft man bei Gießen Bahnhofstraße 2-4 in Giefeen, aber es gibt keine, die so gern beachtet werden wie die bei Volz Es gibt viele Schaufenster Stoffe können Sie