Ur. 304 Erstes Blatt Mittwoch, 30. Dezember 1936 186. Jahrgang Erscheint tLgltch, autza Sonntags und Feiertag» Beilagen: Die 3Uu|trierte Gistzener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholl. Monalr-Vezugrpretr: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte e 1.80 Zustellgebühr . , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach- richten. Anzeiger Siesten Postscheckkonto: firantfurt am Main 11686 Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vruck und Verlag: vrühl'sche Universtläts-Such- und Steindruckerei R. Lange In Stehen. Schriftieitung und SeschSftsftelle: Schulstrahe r Annahme von Anzeige» für die Millagsnummer bis8'/,Uhr des Vormittags Grundpreise für l mm höhe für Anzeigen von 22 mm «Breite 7 Rpf., für Text- anzeigen von70mm Breite 50Rpf.,Platzvorschrift nach vorh Vereinbg.25"/^ mehr. Ermästlgte Grundpreise: Stellen-, Vereins., gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzei- gen 5 Rpf, Familienanzei- gen, Bäder-, Unterrichts-u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Die schweizerische NeutralMspolttik. Von unserem S.-Verichierstaiier. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Zürich, Dezember 1936. Erster Grundsatz der schweizerischen Außenpolitik ist die Aufrechterhaltung der dauernden Neutralität. Man möchte sich nicht gerne von der Auffassung trennen, daß die auf dem Wiener Kongreß im Jahre 1815 international (d. h. von Preußen, Oesterreich, Frankreich, Großbritannien, Rußland, Spanien, Portugal und Schweden) anerkannte und verbürgte Neutralität der Eidgenossenschaft heute noch praktisch wirksam ist. Aber inzwischen hoben sich die Verhältnisse doch grundlegend geändert, ganz abgesehen davon, daß inzwischen neue Staaten aufgetreten sind, die bei der Gewährleistung der schweizerischen Neutralität nicht ausgeschaltet werden können. Deshalb wurde zunächst großes Gewicht auf die Tatsache gelegt, daß d.ie den Weltkrieg beendigenden Friedensverträge die Akte vom 20. November 1815 bestätigen, wobei die neu anerkannte Gewährleistung die Unterschriften der meisten Staaten aller Weltteile trägt. Andererseits hat sich die Schweiz den Friedensverträgen nicht angeschlossen — sie betrachtet also z. B. die von Deutschland gekündigte Schiffahrts-Klausel des Versailler Vertrages nur vom Standpunkt eines Rheinuferstaates — und man ist geneigt, den tatsächlichen Wert dieser Verträge heute stark in Zweifel zu ziehen. Schien denn die Völkerbundssatzung, vor allem in seinem Artikel 10, den mit dem Grundsatz der Neutralität verfolgten Zielen gerecht zu werden, so haben die offensichtlichen Schwächen und die Unzulänglichkeiten der Genfer Einrichtung nur dazu geführt, das Mißtrauen gegen den Völkerbund zu vertiefen. Um so mehr, als die Mitgliedschaft zum Völkerbund nur wieder die Gefahr in sich birgt, daß die Eidgenosfenschaft in internationale Verwicklungen hineingezerrt wird, denen sie unbedingt fernbleiben möchte. Angesichts der geplanten Reform des Völkerbundspaktes werden deshalb Stimmen laut, den vielzitierten Art. 16 so festzulegen, daß die Universalität der Sanktionen vermieden und dafür die Bildung kleinerer Gruppen von Staaten vorgesehen wird, die die Sühnemaßnahmen gegen den Friedensbrecher übernehmen könnten. In' diesem Zusammenhänge muß darauf hin- gewiesen werden, daß die gegen Italien verhängten Sanktionen gerade die Schweiz wirtschaftlich und politisch ungleich stärker belasteten, als die beteiligten Großmächte. Die Schweiz lehnt unbedingt die Verschärfung des Art. 16 ab, wie sie etwa von Moskau vörgeschlagen wurde. Denn sie ist für Blockbildungen und militärische Beistandsverpflichtungen ebensowenig zu haben wie für die Illusion der kollektiven Sicherheit, deren Schlagwort vom „unteilbaren Frieden" leicht zu der Gefahr des „unteilbaren Krieges" führen kann. Die hier skizzierte Entwicklung mündete in die jetzt unverkennbare Krise der schweizerischen Neutralitätspolitik, soweit sie sich auf eine Bürgschaft des Auslandes bzw. des Völkerbundes stützt. Dessen ungeachtet behält die Politik der ewigen Neutralität als nationales Dogma ihre bleibende Gültigkeit. Verfassungsrechtlich verankert schreibt sie dem Bundesrat vor: „Er wacht für die äußere Sicherheit, für die Behauptung der Unabhängigkeit und Neutralität der Schweiz." (Art. 102, Ziff. 6.) Führen wir ein aktuelles Beispiel an: Bundesrat Motta erklärte in der Sitzung des Ständerates vom 6. Oktober 1936 bei der Besprechung zweier Jnter- vellationen über die Haltung des Bundesrates zu Den Ereignissen in Spanien u. a.: Es war nicht unsere Sache, eine allgemeine Nichteinmischungserklärung zu unterzeichnen, weil eine solche Unterschrift die Auffassung entstehen lassen konnte, als sei unsere Neutralität nur eine gelegentliche, während sie dauernd in unserem Wesen verankert ist." Regierung und Schweizervolk sind indessen zu der Ueberzeugung gelangt, daß der tragende Grundpfeiler der Neutralitätspolitik gerade in der gegenwärtigen Zeit eine auf den modernsten Stand der Kriegstechnik gebrachte, alle vorhandenen Möglichkeiten ausschöpfende Militärmacht mit betont devensivem Charakter sein muß. „Ob in Zukunft die schweizerische Neutralität beachtet wird, hängt von politischen und militärischen Erwägungen ab. Deren Respektierung wird nicht zuletzt dadurch bestimmt, wie man im Auslande unsere Armee einschätz t." So hat vor wenigen Wochen ein hoher Offizier des Schweizerheeres die Lage gekennzeichnet. Die Folge ist der Ausbau der eidgenössischen Wehrmacht, dem an Tempo und Umfang die Vergangenheit kaum etwas Gleichartiges entgegenstellen kann. Bereits hat der Bundesrat beschlossen, daß verschiedene Truppenkörper schon im Lause des Jahres 1937 neu geordnet werden. Die neue Truppenordnung, die u. a. die Verdoppelung der Flieger, die Anschaffung von 100 Fliegerabwehrbatterien, die Organisation und Ausbildung eines besonderen, kampfkräftigen Grenzschutzes vorsieht, sollte ursprünglich erst zum 1. Januar 1938 in Kraft treten. Was das Ausmaß der Aufrüstung anbelangt, so sei lediglich erwähnt, daß der Bundesvoranschlag für 1937 bei Gesamtausgaben von rund 525 Millionen Franken dem Haushalt des Militärdevartements allein 106,5 Millionen zubilligt. Das ist aber nur ein Teil der Mehrausgaben, denn es stehen u. a. noch Mittel aus den 330 Millionen der Wehranleihe zur Verfügung, die um rund 100 Millionen Franken vom Volke überzeichnet wurde. Die Kampfkraft des neuorganisierten schweizerischen Jnsanterie-Bataillons wird beträcht- Der neue Bierjahresplan und die deutsche Landtvirlschast. Rückblick und Ausblick zur Jahreswende. Von Professor Dr. G. Gessous, Direktor des Instituts für Pflanzenbau und pflanzenzuchtung der Universität Gießen. Die Jahreswende lädt wiederum ein zu einer Betrachtung der hinter uns liegenden Zeit mit ihrer bisher geleisteten Arbeit, lenkt aber auch den Blick zu neuen Zielen, neuen Aufgaben. Diese sind der deutschen Wirtschaft im neuen Dierjahresplan klar vorgezeichnet, einen weiten Raum nimmt darin selbstverständlich wieder die deutsche Ernährungswirtschaft und damit die dafür vom deutschen Bauern zu bewältigende Arbeit ein. Um ein Bild zu gewinnen von der Möglichkeit, die für die nächsten vier Jahre vorgezeichneten Ziele zu erreichen, sei zunächst einmal versucht, festzustellen, inwieweit die im dritten Jahre stehende Erzeugungsschlacht Erfüllung gefunden hat oder wie auf Grund der inzwischen gewonnenen Erfahrungen weiter aufzubauen ist. Bei einer Beurteilung der bäuerlichen Arbeit muß grundsätzlich zweierlei beachtet werden, daß einmal die Höhen der Ernten vom Einsatz mensch- Sr. Goebbels spricht zur Lahreswende. Berlin. 30. De;. (DNB. Funkspruch.) Reichsminister Dr. Goebbels spricht am Donnerstag, 31. Dezember, 19 Uhr bis 19.20 Uhr, zur Jahreswende. Die Ansprache wird von allen deutschen Sendern übertragen. ■■■■■■■■■■■■■■■■■ liehen Wollens und Könnens abhängig sind, zum anderen, daß sie auch von der jeweiligen Witterung des Jahres, ja oft davon maßgebend beeinflußt werden. Bei Gegenüberstellung der Ernten verschiedener Jahre müssen daher, wenn man zu einer zutreffenden Beurteilung gelangen will, nicht nur d i e Anbauflächen mit ihren Durchschnittserträgen, sondern auch der W i 11 e r u n g s a b l a u s, auf den wir leider nicht einzuwirken vermögen, in Rechnung gesetzt werden. Der Witterungseinfluß im verflossenen Jahre muß im Gegensatz zu den beiden vorhergehenden in bezug auf den Ausfall der Getreideernte in Menge und Güte als nicht gerade günstig bezeichnet werden. Die kühle und außergewöhnlich trockne Zeit in Frühjahr und Vorsommer einerseits, die nasse Erntewitterung andererseits haben sich im Durchschnitt nachteilig ausgewirkt. Dagegen sehen wir infolge der hohen herbstlichen Niederschläge eine außerordentlich gute Futterernte, Heu und Hackfruchterträge konnten daher fo manche Lücke ausfüllen. Faßt man die Gesamtnutzungsfläche ins Auge, die der Landwirtschaft in runden Zahlen zur Verfügung stehen in Höhe von 20,5 Millionen Hektar Ackerland und 8,5 Millionen Hektar Wiesen und Weiden, so müssen davon seit 1933 557 000 Hektar in Abzug gebracht werden, die für die Schaffung von Autobahnen und militärische Zwecke hergegeben werden mußten. Diesem Landverlust steht ein jährlicher Zuwachs durch Neulandgewinnung von etwa 200 000 Hektar gegenüber, der aber durch die jährliche Bevölkerungszunahme in Anspruch genommen wird. Verdienen durch diese Hinweise die Bemühungen der Erzeuger landwirtschaftlicher Produkte trotz ihnen entgegenstehender Hindernisse vollste Anerkennung, fo noch mehr, wenn man an die Schwierigkeiten erinnert, welche häufig durch Arbeits- mangel der Bewältigung der gesteigerten Ernten entgegenstand. Gewiß ist durch Einsatz des Arbeitsdienstes manch drohender Ernteverlust abgewandt worden, nur stärkster Einsatz aller bäuerlicher Kräfte hat es vermocht, den reichen Segen der großen Hackfruchternte zu bewältigen. Wie im einzelnen diese Betrachtungen durch die auszugsweise wiedergegebenen Zahlen der Anbau- und Erntestatistik bestätigt werden, mag die nachstehende Uebersicht zeigen: Gesamternte in Millionen Hektar 1934 1935 1936 (Betreibe 12,0 11,7 11,6 Kartoffeln 2,7500 2,7690 2,7970 Zuckerrüben 0,3680 0,3890 0,4000 Futterrüben 0,8520 0,8610 0,8540 Raps, Rübsen 0,0267 0,0470 0,0420 Kohlrüben 0,2750 0,2320 0,2300 Lein 0,0087 0,0223 0,0441 Hanf 0,0003 0,0036 0,0057 16,2807 16,0234 15,9828 Gesamternte in Millionen Tonnen 1934 ' 1935 1936 (Betreibe 21,6 22 22,5 Kartoffeln 44,3 41,0 45,7 Zuckerrüben 10,4 10,6 11,5 Futterrüben 33,8 34,7 34,3 Kohlrüben 7,6 9,0 8,2 Daraus geht hervor, wie der deutsche Bauer den Anweisungen auf Anbauflächenverteilung durchaus verständnisvoll Rechnung getragen hat und von ihm in seiner Zeit gegebene Marschrichtung auch eingeschlagen worden ist, so z.B. eine geringe Einschränkung der Getreideanbaufläche aber Steigerung des Flächenertrages, um die schon erreichte Höhe völliger Bedarfsdeckung bei Getreide zu erhalten. Ferner: Steigerung der Futtereiweißerzeugung durch vermehrten Zwischenfruchtbau. Neben verbesserten Wiesenerträgen spielt die Stei- gerung der Ackerfutterernten durch den Zwischenfruchtbau eine besondere Rolle. Ist doch die Sicherung der Futterbasis, die Erzeugung wirtschaftseignen Futters, von allergrößter Bedeutung, dies heißt nichts anderes als Einsparung beträchtlicher Devisen, die sonst für Beschaffung eiweißhaltiger ausländischer Eiweißsuttermittel hätten aufgebracht werden müssen. Auch sehen wir eine starke Ausweitung des Oel- und Faserpflanzenbaus. Desgleichen müssen die Bemühungen anerkannt werden, welche der Bauer aufgewandt hat, um die Grünlanderträge zu heben. Gewiß ist das Jahr 1936 dem Gedeihen der Futtergewächse sehr vorteilhaft gewesen, trotzdem ist die Steigerung der Gesamterträge von Klee und Wiesenheu von 33,2 Millionen Tonnen 1935 auf 40,9 Millionen Tonnen 1936 nicht allein der günstigen Witterung, sondern auch den Erfolgen auf dem Gebiete der Wiesenbewirtschaftung zuzuschreiben. Die gesteigerten Futtererträge können und sollen nun nicht unmittelbar alle dem Verbrauch zugeführt werden, sie sind vielmehr als Futterreserven gedacht, müssen also für spätere Zeiten haltbar gemacht werden. Daß dies in weitestem Maße geschehen ist, zeigt das Anwachsenn der Gärfutterbehälter oder ihres Fassungsraumes, der feit 1934 um fast 3 Mill. Kubikmeter gestiegen ist. Im einzelnen auf alle die Maßnahmen einzugehen, welche die Ertragssteigerung zustande brachten, dürfte zu weit führen, nicht unerwähnt soll aber bleiben, daß auch auf dem Gebiete der Tierhaltung und -zücht der deutsche Bauer seine Schuldigkeit getan hat. Trotz fehlender ausländischer Kraftfuttermittel konnte die Leistung der Tiere erhalten, ja zum Teil gesteigert werden, die Butter- und Käseerzeugung ist gestiegen, auch die W o l l e r e u g u n g , wir zählen heute bereits wieder 5 Millionen Schafe gegenüber 3,5 Millionen vor zwei Jahren. Auch der Schweinebestand hat sich von 23 Millionen 1934 auf 26 Millionen bis £um September dieses Jahres vermehrt. Wenn trotz dieser Feststellungen immer noch Verknappungen fühlbar geworden sind, so muß immer wieder darauf verwiesen werden, daß durch die gesteigerte Kaufkraft der wieder in den Arbeitsgang eingeschalteten Volksgenossen und die Bedürfnisse unserer Wehrmacht der Verbrauch an Fetten nicht unerheblich gestiegen ist. Trotz dieses gesteigerten Bedarfes ist die Verknappung keinesfalls höher gewesen als im Vorjahr, dank der Anstrengungen der Landwirtschaft aber auch dank der marktregelnden Maßnahmen des Reichsnährstandes. Die Aufgaben für die nächste Zukunft, welche der deutschen Landwirtschaft gestellt sind, liegen klar vor uns, sie bedürfen nach dem Vorhergesagten kaum weiterer Erörterungen. In seinen Ausführungen auf dem diesjährigen Reichsbauerntag in Goslar stellte der Staatssekretär Backe, als Mitarbeiter des Ministers Göring drei Gesichtspunkte für das Landvolk heraus: 1. Mehrerzeugung 2. Vorratswirtschaft 3. Erziehung zur neuen Haltung. Zur Erzielung der Selbstversorgung aus deutscher Scholle wird künftig noch weit mehr als bisher neben der Steigerung der Flächenerträge eine Vermehrung der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Betracht kommen. Hierhin gehören Meliorationen, Urbarmachung von Oedland, verstärkte Flurbereinigung, Nutzung brachliegenden Bau- und Haldengeländes und die Umwandlung minderwertiger Wiesen in Ackerland. Namentlich mit dieser Maßnahme, trocken gelegene Wiesen mit ihren geringen Heuerträgen in ertragreicheres Ackerland umzuwandeln, ist die Möglichkeit intensiverer Bodennutzung gegeben. Denn unser Dauergrünland, das zwar 30 v. H. der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche einnimmt, liefert im Durchschnitt nur etwa 10 v. H. unserer Gesamterzeugung. In Zukunft sollen nur solche Ländereien der Graslandnutzung verbleiben, die wirklich ihrer Lage und ihren Grundwasserverhältnissen nach zur Wiesennutzung geeignet sind. In derselben Richtung der Steigerung der Erträge liegt die Erweiterung d es Hackfruchtbaues insbesondere des Anbaues der Zuckerrübe. Dadurch werden nicht nur unmittelbar mehr Nährwerte je Flächeneinheit erzeugt, sondern es bringen mittelbar die nach ihr angebauten Früchte höhere Erträge, namentlich wird dadurch eine Steigerung der Getreideernten bedingt, was wiederum eine Einschränkung der Getreidefläche an sich ermöglicht. Welche Bedeutung die Zuckerrübe ihrem Nährwert nach hat, möge die folgende Zusammenstellung zeigen. Die von einem Hektar erzeugten Nährstoffe reichen zur Ernährung ein Jahr bei Zuckerrüben für 20 Menschen „ Kartoffeln „ 10 „ „ Weizen „ 6 „ Roggen „ 5 „ „ Wiesen „ 3 „ „ Weiden „ 2 „ lief) erhöht, wobei der Ausstattung mit schweren Waffen, intensiver Feuerwirkung und der lieber« legenheit der Deoensivkraft größte Aufmerksamkeit geschenkt wird, so daß das schweizerische Infanterie-Bataillon besonders gut für den Verteidigungskampf geeignet ist. Da sich der bisherige Vorsprung der Schweiz in der Raschheit der Mobilisierung — der ausgebildete Wehrpflichtige hat die militärischen Ausrüstungsgegenstände einschließlich Waffen bei sich zu Hause — gegenüber dem Auslande infolge des mächtigen Aufschwunges der motorisierten Streitkräfte beträchtlich verringert hat, sucht man durch streng regionale Rekrutierung und insbesondere durch die Bildung eines ständigen Grenzschutzes einen Ausgleich zu schaffen. Unabhängig von der eigentlichen Milizarmee werden länger dienende Truppenteile ins Leben gerufen, eine Art „stehendes Heer" in zahlenmäßig beschränktem Umfange. In der Bundesratssitzung vom 10. November 1936 ist die Aufstellung einer Grenzschutz- f ompanie beschlossen worden, die zur Verstärkung des Grenzschutzes und zur Bewachung und Verteidigung der längs der ganzen Grenze zu errichtenden befestigten Anlagen dienen soll. Bei der Rekrutierung der Freiwilligen werden besonders ledige, arbeitslose Wehrmänner berücksichtigt, die sich für eine Dienstleistungsdauer von sechs Monaten verpflichten. Die schweizerische Neutralität findet selbstver- ständlich dort ihre Grenzen, wo der Bolschewismus in allen feinen Schattierungen sich anschickt, die politischen und kulturellen Grundlagen des Landes zu erschüttern. Dabei ist beachtenswert, daß die Abwehrbewegung vor allem aus dem Volke selbst kommt; erinnert sei nur an den Sturz des Marxisten Nicole in Genf, her als bisheriger Staatspräsident bolschewistischen Methoden Tür und Tor öffnete, im Anschluß an die kürzlichen Neuwahlen zum Großen Rat (Kantonsparlament) und zum Staatsrat (Kantonsregierung). In einer Gemeinde des Kantons Aargau mußte eine kommunistische Versammlung schon deshalb verboten werden, weil die empörte Bevölkerung gegen das Auftreten der Sendlinge Moskaus Einspruch erhob. Das Verbot der Einfuhr des Emil-Ludwig- Cohnfchen-Hetzbuches: „Der Mord in Davos", das sich dreist und anmaßend in den Prozeß gegen den Gustloff - Mörder Frankfurter einzumischen suchte, und das Verbot der Drucklegung und Herausgabe des Machwerkes „Der neue deutsche Krieg" vom Emigranten Klotz, die Beschlagnahme von einigen Tonnen kommunistischer Propaganda-Literatur seit Veröffentlichung der bundesrätlichen Verordnung gegen kommunistische Umtriebe u. a mehr zeigen eindeutig, wie die Eidgenossenschaft sowohl innen- als auch außenpolitisch die Schwierigkeiten hinwegräumt, die aus dem bolschewistischen Lager auftauchen. Tschiangkaischeks Beileid zum Tode Seeckts. Berlin, 29. Dez. (DNB.) Marschall Tschiang- k a i s ch e k und seine Gattin haben an Frau Generaloberst von S e e ck t das folgende, durch den chinesischen Botschafter übermittelte Beileidstelegramm gesandt: „Sehr verehrte Frau von Seeckt! Mit großem Schmerz haben wir vom Ableben Ihres von uns so hochgeschätzten Herrn Gemahls vernommen. Wir wissen, ein wie großer Freund er uns war. Mit herzlicher Anteilnahme verbleibend bitten wir Sie, um Ihre eigene Gesundheit besorgt zu sein. Tschiangkaischek und Tschiangsungmeiling." 5000 Glücksmanner verteilen vier Millionen. DieReichswinterhilfslotterie beginnt heute. Berlin, 29. Dez. (DNB.) Am 7. Oktober hat der Führer das W i n t e r h i l f s w e r k des deutschen Volkes 1936/37 eröffnet. Seit diesem Tage wirkt jeder Deutsche wieder an dem größten sozialen Hilfswerk der Welt mit. Die Straßensamm- langen brachten höhere Ergebnisse als im vergangenen Jahr. Die Eintopfsonntage wurden zu Festen der Volksgemeinschaft, deren Erträgnisse alle früheren in den Schatten stellt. Mit der Jahreswende setzt nun eine der größten Aktionen des ganzen Winterhilfswerkes, die Reichswinterhilfe-Lotterie, wieder ein. 5000 graue Glücksmänner werden um die Mittagszeit des 30. Dezembers ihren Sturmangriff auf die Herzen aller Volksgenossen eröffnen. 5000 graue Glücksmänner werden als Gesandte und Werber des Winterhilfswerkes vor jeden einzelnen hintreten und ihm ihre Glücksbriefe anbieten. Nicht nur den Aermsten soll durch ihre Tätigkeit geholfen werden, sie werden auch Glück bringen. lieber 4 Millionen Mark werden durch ihre Hände glücklichen Gewinnern ausgezahlt werden. Wenn euch deshalb der graue Glücksmann begegnet, denkt daran, daß er Mittler ist zwischen euch und dem Hilfswerk des Führers und daß die 50 Pfennig, für die ihr ein Los kauft, z u Millionen anwachsen und überall zur Linderung der Not beitragen werden. 15= I Das Gymnasium wird jedoch als eine für ne unsere Kultur wesentliche Bildungsanstalt weiter Berlin, 29. Dez. (DNB.) Reichserziehung« Minister R u st hat in einem neuen Erlaß an bi anerkannt und bleibt daher mit Latein Unterrichtsverwaltungen die Grundsätze klargelegt, bisher das Gymnasium wegen der gründlichen Aus- w -v « । vtncuci «uiiuesgamion in ^.unaba Angeworbenen hort man fluchten, da der Staatsgouverneur Vorbereitungen Europas. Wenn sich I getroffen hatte, seinen Posten mit Gewalt zu fast alle Sprachen her zur Reifeprüfung zugelassen werden, vorausgesetzt, daß ihre Vorbereitung auf diese Prüfung auf Grund der vorzulegenden Unterrichtszeugnisse Die Vereinheitlichung des höheren Schulwesens. Englisch und Lateinisch in der „Hauptform^ Lateinisch und Griechisch in der gymnasialen „Tiebenform" der höheren Schule. nach denen die künftigen Arten der h ö h e r c 11 Schule an Stelle der bisherigen Vielgestaltigkeit verteilt werden sollen. Reben den sechsjährigen A u f b a u s ch u l e n wird es nur noch zwei Arten der grundsätzlichen höheren Schule für Jungen geben, und zwar eine Hauptform (Oberschule) und eine Nebenform (Gymnasium). lieber all dort, wo nur eine höhere Schule am Ort ist, muß diese grundsätzlich die Hauptform haben. Nur wo das Gymnasium von besonderer Bedeutung ist und auf eine ehrwürdige Vergangenheit zurückblickt, wird der Reichserziehungsminister auf Antrag eine Ausnahme zulassen. Ein Bedürfnis kann nicht anerkannt werden, wo Gymnasium als Dorbereitungsanstalten für bestimmte Berufe, etwa Theologie, angesehen werden. Wenn mehrere grundständige höhere Schulen an einem Ort sind, hat grundsätzlich die Hauptform den Vorzug und muß auch der Zahl nach die Nebenform überwiegen. Bei nur zwei Schulen kann ausnahmsweise eine die gymnasiale Nebenform erhalten, wenn dadurch die Schule der Hauptform nicht in ihrem Bestände oder ihrer Leistungsfähigkeit beeinträchtigt wird. Die D o p p e l a n st a l t e'n sollen fortan grundsätzlich nur eine Form haben und nur in ganz dringenden Einzelfällen beide Formen in sich vereinigen dürfen. Verdrießlichkeiten vermeidet, die her entstanden, wenn sie den mußten und in dem neuen Ort vorfanden, an der ihre Kinder waren. Daher wird eine Paris, 29. Dez. (DNB.) In Paris wird viel besprochen, daß die Anwerbung von Freiwilligen für die spanischen Bolschewisten in allen Teilen Frankreichs, vor allem in der franzö- stschen Hauptstadt, jetzt verstärkt betrieben mirb. Die drei Hauptrekrutierungsstellen in Paris finb die spanische Botschaft, das offizielle spanische Reisebüro und das spanische Handelsbüro. „Jntran- figeant" hat festgestellt, daß täglich vom Pariser Orsay-Bahnhof aus mit dem fahrplanmäßigen Zuge um 22.05 Uhr Sammeltransporte nach Perpignan abrollen. Dieser Zug hat bereits im Volksmund den Namen "Der Rote Zug" bekommen. In dichten Scharen sammeln sich allabendlich hunderte von abfahrenden Freiwilligen, umgeben von Frauen und Kindern. Meist erkennt man die Freiwilligen schon an ihrer Kleidung. Sie tragen Lederwesten, Kniehosen und Ledergamaschen oder hohe Stiefel und auf dem Kopf einheitliche Sportmützen. Gruppenweise begeben sich dann die roten Freiwilligen auf den Bahnsteig und in ihre reservierten Abteile, die erst kurz vor der Abfahrt des Zuges geöffnet werden. In der dichten Masse der Angehörigen und unter den A ' '" Kriegszustand im brasilianischen Staate Matto Gr offo. - Untersuchungsgefangenen übergeführt, d. h. die „Ka- : tegorie der Schwerverbrecher und Todgeweihten", ' und bekam einen Wachhabenden vor seine Zellen- l tür. Mitte Mai teilte man dem Häftling mit, daß 1 die Angelegenheit an das Kriegstribunal 1 weitergeleitet worden sei. Während des ganzen ‘ Monats ließ man den Gefangenen in Ungewißheit, was mit ihm geschehen werde. Eines Tages machte man ihm den Vorschlag, er solle für irgendeinen Staatsbetrieb in seiner Zelle eine technische Arbeit übernehmen, für die er natürlich Bezahlung erhalten würde. Als der Gefangene zu verstehen gab, daß er für sowjetrufsische Interessen nicht mehr tätig zu sein gedenke, und seine Behandlung als Schweinerei bezeichnete, sollte er mit einer Methode der geistigen und seelischen Folter vertraut gemacht werden, wie sie nur von wahrhaft teuflischen Gehirnen ersonnen werden kann. Der Gefangene schreckte aus dem Schlaf und hörte an seiner Zelleniür eine flüsternde Stimme: „Emil, Schweinerei!" und wieder: „Emil, Schweinerei!" So ging das Nacht für Nacht und Tag für Tag. Auf die gleiche Weife wie dieser Begriff „Schweinerei", von dem die teuflischen Psychologen der GPU. mit Recht annahmen, daß er das Gehirn des Gefangenen in den einsamen, von keiner Ablenkung ausgefüllten Stunden stark beschäftigen mußte, wurden ihm andere Dinge flüsternd suggeriert. So ;. B. gewisse Zahlen und Aktenzeichen, die mit der Anklage zu tun hatten. Es ist zweifellos, daß man damit einen einsamen Gefangenen zum Wahnsinn treiben kann, und es wird nun vielleicht klar, wie die kläglichen Zusammenbrüche und Selb st anklagen, die man im letzten Trohkistenprozeß erlebt hat, Zustandekommen. Die flüsternde Stimme vor der Zellentür nannte Namen seiner gar nickt in Sowjekrußland befindlichen Freunde. Bon Juni bis Oktober, wandte man diese Flüsterfolter gegen ihn an. Als auch das nichts half, führte man mitten in Oer Nacht, während alle Zellenfenster offen waren, angebliche Zeugenverhöre durch, laut genug, daß der Gefangene es hören konnte. Bei 'diesen Zeugenverhören, die teilweise in Deutsch geführt wurden, versicherten angebliche Zeugen immer wieder dem Untersuchungsrichter, daß der Häftling ganz bestimmt ein „Spion" sei und daß sie die Beweise dafür in Händen hätten. Dann trat die flüsternde Stimme wieder in Tätigkeit und sagte nichts weiter als „Emil: Fünf Tage", und wenn die fünf Tage vergangen waren: „Emil: Zehn Tage". Auch daraus, daß man ihn plötzlich 3um Baden und Rasieren abbolte, sollte der (Befangene entnehmen, daß feine Befreiung oder doch fein Prozeß bevorstünde. Alles war aber nichts weiter als bewußte Taktik, um feine Nerven zu ger- mürben. Schließlich brachte man ihn in das sogenannte UeborfieMungsgefängnis, in dem die zur Zwangsarbeit Verurteilten vor ihrem Abtransport nach Sibirien untergebracht werden. Dieser riesige Gefängniskompler faßt 10 000 bis 15 000 (Befangene und war so überfüllt, daß in Zellen von 8 Quadratmeter Rauminhalt 6 bis 8 Personen untergebracht waren, die auf dem nackten Fußbo- den schlafen mußten. Endlich, nach gehn- einhalb Monaten gaben die raffinierten Henker der GPU. den Kampf auf. Die Nerven des (Befangenen hatten standgebalten. Er erhielt den Ausweisungsbefehl, und die Weihnachtsfeiertage sahen ihn schon im (Befanaenentransportgug unterwegs nach der polnischen Grenze. Ein Tleviahrsgruß an das evanaelischeAuSlanbsdeutschtum Bischof D. Heckel, der Leiter des kirchlichen Außenamtes, sendet den evangelischen deutschen Gemeinden im Ausland zum Jahreswechsel nachstehendes Grußwort: „Am Morgen des neuen Jah- res grüße ich die deutschen evangelischen Auslandsgemeinden in der weiten Welt. Auch dies Jahr ist ein Jahr nach Christi Geburt und darum ein Jahr, das für unsere Kirche und für unser Volk der Heilsbotschaft von dem Herrn JefUH Christus steht. Ein neues Jahr dürfen wir beginnen! Das bedeutet, daß uns in Kirche und Gemeinden von neuem die Kraft der Gnade angeboten wird, daß uns ein neuer Anfang geschenkt wird.—- Die äußere Neuordnung des höheren Schulwesens ruht auf dem Grundsatz, daß dem einheitlichen nationalsozialistischen Bildungsziel auch ein einheitlicher Bildungsweg entsprechen müsse, der eine innere Geschlossenheit gewährleistet und der auch all die zeit- und *' sozialistischer Ausrichtung zusammenfaßt. Sie wird mit dem Englischen als er st er Fremdsprache ip der untersten Klasse beginnen und als zweite Pflichtsprache das Lateinische hinzunehmen, das damit allgemein eine ausgiebige Pflege erhält. Hiermit werden auch die Wünsche derer zum größten Teil erfüllt, die In unserer heutigen Lage werden mtr bedach! fein müssen, den Anbau der Zuckerrübe von ganz anderen Gesichtspunkten aus zu betrachten als früher und ihn so weit es geht zu fördern. Dasselbe gilt übrigens auch von Pflanzen wie der Soyabohne, deren Anbau bisher fast nur von der Preisseite beurteilt wurde, ohne den ihr innewohnenden Wert für menschliche und tierische Ernährung entsprechend in Rechnung zu setzen. Der Zuckerrübenkultur steht freilich ein gesteigerter Arbeitseinsatz in der Landwirtschaft entgegen, der zwar z. T. durch Maschinenarbeit ersetzt werden könnte, trotzdem aber größter Aufmerksamkeit aller beteiligten Stellen bedarf. Die im Goslarer Programm stehende Vorratswirtschaft geht nun nicht nur den Bauern als Erzeuger an, sondern fordert auch vom Verbraucher eine ebenso tätige Mithilfe und steht in engster Beziehung zum Kampf dem Verderb. Für den Bauern bedeutet dies vor allem restlose Erhaltung und Verwendung aller anfallenden Futterstoffe, Ausbau der Silowirtschaft. Welche Werte der Volksernährung alljährlich in Stadt und Land durch Gleichgültigkeit und Unachtsamkeit verloren gehen, ist uns in letzter Zeit mehrfach drastisch vor Augen geführt worden. Hier ist es in erster Linie d i e deutsche Hausfrau, welche sich im Kampfe um die Erhaltung der in mühsamer Arbeit gewonnenen Erzeugnisse aus dem deutschen Boden bemühen soll. Der Vorratswirtschaft im Großen durch den Reichsnährstand gilt die Sorge, in Zeiten der Uebererzeugung den Ueberschuß für Zeiten der Knappheit einzulagern, um dadurch eine gleichmäßige Versorgung des Marktes im ganzen Jahre sicherzustellen. Wurde gezeigt, daß vom deutschen Bauern außerordentliches gefordert wird und es für den Reichsnährstand selbstverständliche Pflicht ist, darüber zu wachen, daß vorübergehende Zeiten des Mangels nicht durch Preissteigerungen zum Nachteil des Verbrauchers werden, so muß sich dieser auch mit seinen Bedürfnissen den vorhandenen Vorräten oder dem, was die deutsche Scholle liefert, anpassen. Daß die deutsche Hausfrau gewillt ist, auch dieser Parole zu folgen, konnte kürzlich an dem verstärkten Verbrauch von Kohl, der in diesem Jahr außerordentlich gut und reichlich geraten war, fest- gestellt werden. „Verknappungen in der Ernährung sind Prüfsteine für die Haltung des gesamten Volkes." Ich wiederhole, was ich im vergangenen Jahre zu gleicher Zeit heroorzuheben bereits für notwendig hielt, wir werden zu einer Umstellung u n - f e r e r Ernährung kommen müssen. Der überaus starke Fettoerzehr, der sich gegenüber 1913 um 24 v. H. je Kopf und Jahr erhöht hat, muß und kann auch ohne Schaden entsprechend unserer Fetterzeugung, deren 100 v. H. Deckung uns vorläufig noch nicht möglich sein wird, eingeschränkt werden. Da Fett z. T. durch andere Nährstoffe, vor allem Zucker (Marmeladen), mit Vorteil ersetzt werden kann und wir Zucker beliebig viel aus dem eignen Boden schaffen können, liegt hier ein Weg sogar unter Verbesserung unserer Ernährung mancher Schwierigkeiten in der Selbstversorgung Herr zu werden. Es sei auch hier nochmals auf den Verzehr einer unserer Gesundheit mehr zuträglichen Mischkost (Fleisch und Gemüse) hingewiesen. Wir verzehren im allgemeinen zu viel Fleisch und sollten daher da, wo die Möglichkeit besteht, leicht verdauliches pflanzliches Eiweiß für unsere Mahlzeiten zu verwenden, diese ausnutzen und dadurch den Umweg, welchen die Pflanze durch den Tiermagen macht, zu vermeiden suchen. Dieser Umweg bedeutet einen sehr bedeutenden Verlust an wertvollen Nährstoffen. An der Lösung all dieser Fragen mitzuarbeiten und der Regierung auf Grund eingehender Untersuchungen neue Wege empfehlen zu können, ist der Forschungsdienst der Landbauwissenschaften auch im Jahre 1936 sehr tätig gewesen 1 und hat in seinen Arbeitstagungen Zeugnis davon ! abgelegt. Auch die Gießener landwirtschaftlichen 1 Institute haben im Rahmen ihrer Einrichtungen er- : folgreich ihr Teil dazu beitragen können. Den ge- ' steigerten Anforderungen genügen aber leider zum j Teil die überalterten Einrichtungen nicht mehr, so j daß es sehr zu begrüßen wäre, wenn der Absicht, J neue Forschungsstätten zu schaffen, bald die Tat ; folgen würde. Wir sehen, daß zur Erreichung des großen Zieles, ] in unserer Ernährung und Rohstoffversorgung vom ; Ausland frei zu werden, im zu Ende gehenden , Jahre wieder ein bedeutsamer Schritt vorwärts getan ist, daß vor allem nicht der , Erzeuger allein die Aufgabe zu lösen in der Lage fein wird, sondern daß auch der Ver-, b r a u d) e r sein gut Teil dazu beitragen muß. , lieber allem darf aber nicht vergessen werden, daß die Bedeutung des Bauerntums nicht nur durch feine Mitarbeit an der Sicherstellung der Ernährung > erschöpft ist, sondern es ist und bleibt auch die f Blutsquelle unseres Volkes. Eine unpatn'otische Handlung. Amerikas Neutralität gefährdet. Washington, 30. Dez. (DNB.) Präsident . o o s e d e 11 äußerte sich in der Pressekonferenz sehr scharf gegen den amerikanischen Makler, der Kriegsmaterial nach dem noch unter bolschewistischer Herrschaft stehenden Spanien ausführen will und dem das Staatsdepartement nach den bestehenden Gesetzen die Ausfuhrgenehmigung gewähren mußte. Roosevelt tagte, 90 v. H. der amerikanischen Geschäftsleute seien anständig und richteten sich nach der Politik der Regierung, und dann komme ein Mann, der die restlichen zehn vom Hundert darstelle, und begehe diese durchaus unpatriotische Handlung, die der Außenpolitik der Regierung zuwiderlaufe und Amerikas Neutralität gefährde. Dieser Fall zeige offensichtlich, daß etwas geschehen müsse, um aus inneren Kämpfen entstehende Fragen zu regeln. Er lehne das Wort „Bürgerkrieg" ab, denn es sei zu schwer zu bestimmen, was „Bürgerkrieg" sei, wann es sich um einen Krieg und wann es sich um einen „bewaffneten Aufstand" handele. Deswegen müsse die Entscheidung hierüber jemand überlassen werden, der 365 Tage im Jahr Autorität habe. (Der Präsident meinte damit, daß man die Entscheidung in sein Ermessen stellen solle, weil der Kongreß einen großen Teil des Jahres nicht tagt.) Er hoffe, daß etwa zwei Wochen nach dem Beginn der Kongreßtagung ein entsprechendes Gesetz verabschiedet werden könne, so daß man die Verschiffung von Kriegsmaterial nach Bilbao vereiteln könne. Wahrscheinlich würde der amerikanische Makler dann auf Schadenersatz für den ihm entgangenen Gewinn klagen, aber das Oberste Bundesgericht habe kürzlich im Chaco-Fall entschieden, daß Verträge, die gegen die Außenpolitik der Regierung verstießen, nicht auf einen Schutz durch die Gerichte rechnen könnten. Der „rote Zuq" von Paris nach Katalonien. Wie die Rekruten der Internationalen Brigade auf den Weg gebracht werden. Roosevelt verurteilt die amerikanischen Nugzeuglieservogen Oer Präsident kündigt ein neues Gesetz an. der Zug in Bewegung setzt, ballen sich Hunderte von Fäusten zum Bolschewistengruß und die Internationale wird angestimmt. In Perpignan wird den Eintreffenden von dem örtlichen marxistischen Komitee jedesmal ein großer Empfang bereitet. Außerdem erhält hier jeder Angeworbene eine neue, „e ch t spanische" P e r s o n a l k a r t e. Pierre Derval aus Lille erfährt damit plötzlich, daß er nun Pedro del Dalle zu heißen hat. Im Triumph werden die Freiwilligen quer durch die Stadt gefahren. Dabei fingen sie und grüßen sie nach allen Seiten mit Bolschewisten- gruß. Schließlich wird ein Appell abgehalten und dann geht es weiter nach Katalonien. Hier gibt es freilich keine Jubelempfänge mehr. Hier braucht man keine Propaganda mehr zu machen. Gegen die bolschewistische Ausplünderung. Die „Sowjetisierung" der spanischen Bleibergwerke. — Große Oelvorräte von den nationalen Truppen erbeutet. Salamanca, 30. Dez. (DNB. Funkspruch.) Wie der nationale Sender bekanntgibt, veranstalteten die anarcho-syndikalistischen Verbände in Cartagena und in Ciudad Real Protestkundgebungen gegen „die Sowjetisieru n g" der Bleibergwerke. Die sowjetrussischen Vertreter hätten, so wurde bei diesen Kundgebungen ausgeführt, schon alles Gold aus dem Lande geschleppt und versuchten jetzt auch noch, sich die spanischen Bodenschätze anzueignen. Bei der Kundgebung kam es zu zahlreichen Verhaftungen. — Die großen Gebietsverluste an der Cordoba-Front macht den Roten große Sorge, weil, wie die Madrider Sowjetzeitungen mitteilen, ein großer Teil der Olivenernte und der älteren Oelvorräte im Werte mehrerer Millionen Peseten in den Besitzder Nati onalisten gelangt sei. Oer deutsche Dampfer „paloS" wieder frei. Berlin, 29. Dez. (DNB.) Der deutsche Dampfer „Palos" ist auf Forderung des Kreuzers „Königsberg" freigegeben worden und hat seine Reise fortgesetzt. Dagegen ist ein spanischer Staatsangehöriger, der sich an Bord des deutschen Schiffes und damit auf deutschem Hoheitsgebiet befunden hatte, sowie ein Teil der Ladung noch zurückbe halten worden. Eine r e st l o s e Erledigung der Angelegenheit ft e h t also noch aus. Berlin, 29. Dez. (DNB.) Zu dem Erlaß des Reichserziehungsministers über die Vorverlegung der Reifeprüfung 1937 im Zusammenhang mit der Einführung der zwölfjährigen Schulzeit wird zur Behebung von Zweifeln ergänzend mitgeteilt: Der Erlaß ist auf alle höheren S ch u l e n f ü r Jungen anzuwenden, d. h. für die öffentlichen Schulen und die voll ausgebauten mit dem Recht der Reifeprüfung ausgestatteten Privatschulen. Die Anforderungen für Mädchen an Jungenschulen dürfen durch keinerlei Sonderregelungen abgeändert werden. Schülerinnen der Oberprima, die Jungenschulen besuchen, sind wie die Schüler zu behandeln; auch für sie fällt daher die schriftliche Prüfung fort. Schüler der O I und U I, die zur Prüfung nicht zugelassen werden oder sie nicht bestehen, dürfen frühestens im Herbst 19 3 7 die Prüfung wiederholen. Schulfremde, die sich zur Reifeprüfung melden, haben sich in der bisherigen Form der schriftlichen wie der mündlichen Prüfung zu unterziehen. Sie können diesmal ein Jahr früher als bis- als erster und Griechisch als zweiter Pflichtsprache bestehen. Daß die Zahl der Gymnasien um der Einheitlichkeit der deutschen Bildung willen und bei der ausgesprochenen Sonderart dieser Schulform künftig zahlenmäßig hinter der Hauptform zurücktreten muß, entspricht der nationalsozialistischen Entwicklung der Bildungsidee. Infolgedessen ist eine Umwandlung nichtgymnasialer Anstalten in Gymnasien nicht möglich, wohl aber soll an die Stelle von Gymnasien auf Antrag der Schulträger die Hauptform treten können. Die Einfügung der Antike in den Bildungsplan aller höheren Schulen wird nicht nur durch die allgemeine Pflege des Lateinischen gewährleistet, sondern ist auch in starkem Maße in den neuen Richtlinien vorgesehen, die zur Zeit dem Stellvertreter des Führers zur Begutachtung vorliegen, und mit deren Veröffentlichung zu Ostern 1937 gerechnet werden darf. Vorverlegung der Reifeprüfung. Moskaus Umtriebe inJnnerafien. Die Berechtigung des deutsch-japanischen Abkommens. London, 30. Dez. (DNB. Funkspruch.) Die Notwendigkeit des deutsch-japanischen Abkommens gegen die Weltgefahr des Kommunismus wird von dem Schanghaier Korrespondenten der „Morning Post" uneingeschränkt anerkannt. England und China hätten schon einmal die diplomatischen Beziehungen zu Moskau wegen der feindseligen Betätigung der Komintern abgebrochen. Die „militärische Betätigung" der Japaner in der Mandschurei und in Nordchina sei vielfach angeprangert worden, aber von den hartherzigen und unbarmherzigen Eingriffen der Sowjets auf chinesischem Gebiet habe man nur wenig gehört. Schon vor vielen Jahren hätten die Sowjets die Aeußere Mongolei besetzt und sie inzwischen in eine S o w j e t p r o v i n z umaewandelt. 3n jüngerer Zeit hätten sie ihre Kontrolle über Chinesisch-Turkestan ausgedehnt. Daß die Sowjetrussen eines Tages die Außenmongolei völlig von China isolieren würden, sei keine auf Einbildung beruhende Drohung. Die Japaner seien natürlich entschlossen, sich einer solchen Politik, die mit Hilfe der chinesischen Kommunisten durchgeführt werden solle, zu widersetzen. Die militärische Ausrüstung der chinesischen roten Armeen sei von Moskau geliefert worden. Es dürfe nicht etwa angenommen werden, daß die bolschewistische Drohung von Japan oder von China deshalb ignoriert werden könne, weil Moskau seinen Einfluß in erster Linie nicht durch militärische Machtmittel, sondern hauptsächlich durch eine unterirdische Taktik ausdehne. Es handle sick um eine wirkliche Gefahr, auch wenn sie nicht die Beachtung genieße, die sie verdiene. bisher das Gymnasium wegen der gründlichen Aus- Aussicht auf Bestehen der Prüfung bietet und sie bildung hn Lateinischen für ihre Kinder wählten. * auch sonst alle Zulassungsbedingungen erfüllen. Rio de Janeiro, 30. Dez. (DNB. Funkspr.) Der brasilianische Staatspräsident beschloß die Verkündung des Kriegszustandes für den Staat Matto Grosso, um Folgerungen der derzeitigen politischen Spannung auszuschalten, die im Staate Matto Grosso durch einen Mordanschlag a u f zwei oppositionelle Senatoren hervorgerufen smd. Der Staatsgouverneur steht im Verdacht, den Mordanschlag organisiert zu haben. Die Abgeordneten der Opposition im Staatsparlament, die neuerdings die Mehrheit hatten, mußten sich in die Käse r n e d e r B u n d e s g a r n i s o n in Cuyaba die geldraubenden vielen Eltern bis- Wohnsitz wechseln nicht die Schulart bisher ausgebildet beherrschende Hauptform geschaffen, die sowohl die Einseitigkeiten der bisherigen gegensätzlichen Schulformen vermeidet als auch ihre Werte in national- verteidigen. — Der Maa! Matto Grosso, eineff der größten, aber auch menschenleersten Staaten im Innern Brasiliens mit kaum 400 000 Einwohnern auf fast 1,5 Millionen Quadratkilometer, ist zum größten Teil mit Wald und Grasfluren bedeckt. Das ungesunde Klima und die schlechten Verkehrsoerhält- niste haben bisher eine Ausbeutung der reichen Bodenschätze (Gold, Eisen, Kupfer, Diamanten) verhindert. Zehn Monate in Sowjetterkern. Ein Deutscher berichtet über die Foltermethoden der GPU. Berlin, 29. Dez. (DNB.) Die „B. Z. am mittag" veröffentlicht den erschütternden Bericht eines Deutschen, der vier Jahre lang in Sowjetrußland als Jngenieurspezialist tätig war. Im Februar dieses Jahres wird er yachts aus dem Bett geholt und im Auto, eskortiert von drei Schwerbewaffneten, in das berüchtigte „Haus für politische Untersuchung" gebracht. Vom nächsten Morgen an beginnen die Verhöre. 14 bis 16 Stunden, das ist das tägliche Pensum. Erst nach einigen Tagen teilt man ihm mit, daß er beschuldigt ist, „Spionage zu Gunsten einer fremden Macht" und „staatsfeindliche Propaganda" getrieben zu haben. Er sieht sich einem Belastungszeugen gegenüber, der sich einmal an ihn herangemacht hat und den er gleich im Verdacht hatte, ein Spitzel der GPU. zu sein. Die Gegenüberstellung bleibt ergebnislos. Nach anderthalb Monaten erfolgt eine neue Gegenüber st ellung, diesmal mit einem jungen Mädchen sowjetrussischer Staatsangehörigkeit, mit dem der Angeklagte befreundet roar< Das Kollegium der Kommissare, sämtlich Juden, nutzt die freundschaftlichen Beziehungen zwischen beiden aus, um auf den (Befangenen einen seelischen Druck auszuüben. So z. B. nimmt der (Befangene, als er wieder einmal zum Verhör geführt wird, einen starken Aethergeruch wahr. Auf seine Frage erklärt ein Kommissar, daß kurz vor ihm das junge Mädchen alles einge standen habe und dar-, aufhin in eine so schwere Ohnmacht gefallen sei, daß man ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. Als auch dieser niederträchtige Trick nichts half, wurde er in die sogenannte „Kategorie 1" der ge Schnellkur bei ErMuna.Gnvve! Man rühre ie einen Eßlöffel Klosterfrau-Melis- senqeist und Zucker in einer Tasse nut um, nicke kochendes Wasser hinzu und trinke mönlichst beiß zwei Portionen dieses wohlschmeckenden Gesund- Heits-Grons (Kinder die Hälfte > vor dem Scklascn- neben. Darauf schläft man gut, wacht häufig wie neugeboren auf und freut sich: Erkältung und Grivpe gehen rasch zurück. Wer dieses ausgezeichnete Mittel erprobte, fürchtet Erkältungskrankheiten nicht mehr. Lassen Sie sich deshalb nicht von einem Anfall überraschen, sondern verlangen Sie beute noch eine Masche Klosterfrau- Melissengeist bei flbrem Apotheker oder Drogisten zu RM. 2.95, 1.75 oder 0.95. Nur echt iit der blauen Packung mit den drei Nonnen! 7005v zelnen Gebieten haben aber — mangels Transportmitteln, Maschinenersatzteilen, Hilfsindustrien — zu einer weiteren Desorganisation innerhalb der Ge- samtwirtschaft geführt. Da so die Warenproduktion mit dem Geldumlauf nicht Schritt halten konnte, ist das Endresultat der genannten, wirtschaftspolitisch zum Zwecke der Deflation eingeleiteten „Reformen" eine neue Inflation geworden. So kommt es, daß der Lebensstandard des Sowjetarbeiters immer noch tiefer liegt als in irgend einem anderen, von der weißen Raffe bewohnten Land, während bei den Millionen der Kollektivbauern überhaupt nicht von „Lebensstandard", sondern nur noch von an oder jenseits des Hungerpunktes liegender „Lebensfristung" die Rede sein kann. Dies ist der Hintergrund, auf dem man d i e innerpolitischen Manöver des Bolschewismus im vergangenen Jahr betrachten muß. Auf diesem Hintergrund lösen sich auch ihre scheinbaren Widersprüche. Denn der Sinn und die propagandistischen Absichten der in erster Linie auf die Aufmerksamkeit des Auslandes berechneten „Ber- fassungs"-Komödie werden dem Betrachter, der diesen Hintergrund mitsieht, ebenso klar, wie die Reihe der blutigen, echt bolschewistischen Schauprozesse der GPU., wo in Gestalt von „Trotzkisten", „Schädlingen", „faschistischen Agenten" Sündenböcke geschaffen werden mußten. Der jüngste Abschnitt der sowjetischen Entwicklung bezogen, an Stelle der bisherigen Stützpunkte, die gemäß den vertraglichen Verpflichtungen von 1930 geräumt werden müssen. Hierzu gehören auch die Stutzpunkte in Mosul und Hinaidi. Insgesamt handelt es sich um eine Verlegung von 5000 Offizieren und Mannschaften. * Marschall T s ch i a n g k a i s ch e k hat dem Zentralausschuß der Kuomintang-Partei sein Rücktrittsgesuch eingereicht. Der Ausschuß hat jedoch Tschiangkaischek in allen Aemtern wieder Täuschungsmanöver in INoskau. 23on unserem Or. E.G.-Äerichterstatter. Mehr als in den vergangenen Jahren hat die innere und äußere Politik Sowjetrußlands während des Jahres 1936 in der Welt von sich reden gemacht. Und mit gutem Grund: Hat doch der Bolschewismus in diesem Jahre aufs Neue versucht, durch ganz groß angelegte Manöver auf wirtschaftlichem und politischem Gebiet sowohl die eigene Bevölkerung wieder einmal über ihr trauriges Schicksal hinwegzutäuschen, wie auch mit Hilfe einer raffinierten Propaganda dem Ausland neuen Sand über seine wirklichen Absichten und Ziele in die Augen zu streuen. Eine Umschau über die derzeitige wirtschaftliche und innerpolitische Lage des Sowjetstaates zeigt, welcher Art diese Bestrebungen waren und wohin sie in Wirklichkeit geführt haben. Auf wirtschaftlichem Gebiet hatte man seit dem Herbst des Jahres 1935 eine Reihe von Maßnahmen in Szene gesetzt, die von der Sowjetseite selbst als „R e - forme n" bezeichnet wurden und von denen man sich und der Welt große Dinge versprach. Diese „Reformen" hatten mit der Aufhebung des Kartensystems auf Lebensmittel begonnen, und zur Abschaffung der Valutageschäfte (Torgsins) geführt,, ferner zur Schcff- fung eines neuen — vorläufig fiktiven — Wechselkurses für den Papierrubel, und schließlich zur „S t a ch a n o w b e w e g u n g" — dem Versuch, von der Seite der Arbeitsleistung her die Produktion zu steigern. Die Krönung des Ganzen hätte — wie noch im Frühjahr 1936 offiziell angekündigt worden war — eine allgemeine Preissenkung „um mehrere Dutzend Prozent" (nach Molotow) bilden sollen. Aber all diese Pläne sind, wie die Entwicklung der letzten Monate gezeigt hat, im wesentlichen gescheitert. Die Landwirtschaft des Sowjetstaates vermag infolge der Mißernte des Jahres 1936 (auf rund 40 v. H. der gesamten Anbaufläche) die Ernährung des Volkes so wenig sicherzustellen, daß in diesem Winter aufs Neue Millionen kollektivierter Bauern, denen der Staat ihre an sich schon minimalen Ernteerträge einfach abnimmt, mit dem Hunger ringen, Hunderttausende jedenfalls auch Hungers sterben werden. Schon im September und Oktober war in den Dürregebieten des Wolgagebietes und Zentralrußlands die Landbevölkerung f a st ohne alle Nahrungsreserven. Sogar das nicht- kollektivierte Vieh war damals bereits geschlachtet. Inzwischen hat aber die Sowjettegierung noch in keinem der bettoffenen Hungergebiete Abhilfe geschaffen. Wenn die 100 Millionen Bauern in diesem Winter hungern oder zum Teil verhungern, so ist die Lage der Arbeiterschaft nur um weniges besser. Denn durch die Abschaffung der Lebensmittelkarten ist der Lebens st andard des Jndusttiearbei- ters aufs Neue um 50 bis 60 v. H. gesunken während die Preissenkung, die man ihm vorgegaukelt hat, nicht eingstreten ist, ja, es hot sogar eine fühlbare Preis st eigerung wichtiger Produkte Platz gegriffen. Die Preissenkung aber scheiterte, weil die „Stachanowbewegung" im wesentlichen gescheitert ist. Trotz allen Propagandarummels, trotz der rücksichtslosen Antreiberei hat sich die Arbeitsleistung in der Industrie nur ganz wenig gehoben, künstliche Leistungssteigerungen auf ein- Jm verflossenen Jahr sind die europäischen Fronten immer klarer hervorgetreten: auf der einen Seite jene Staaten und Völker, die Ruhe und eine friedliche innere Entwicklung wollen, auf der anderen Seite der zersetzende und kriegslüsterne Bolschewismus. Freilich gibt es dazwischen immer noch Staaten, die sich nicht entscheiden können oder wollen. Zu ihnen gehört, wenn man den Versicherungen der Staatsmänner Glauben schenken kann, auch die Tschechoslowakei. Allerdings mit der Einschränkung, daß sie praktisch durch ihr Bündnis mit Sowjetrußland und dadurch, daß sie der kommunistischen Wühlarbeit keinen staatlich organisierten Widerstand entgegensetzt, eigentlich schon Partei ergriffen hat. Die Fesseln, die ihrer auswärtigen Politik die sowjetrussische Freundschaft auferlegt, werden allerdings auch von immer größeren Schichten des tschechischen Volkes, besonders seit der eindeutigen Entwicklung in Spanien und ihren blutigen Folgen, immer drückender empfunden. Daher kam es auch, daß zum ersten Male tschechische Parteien gegen die bisher einhellig gebilligte außenpolitische Richtung meuterten. Es waren vor allen Dingen die tschechischen Agrarier, die auf die Gefahr hinwiesen, daß die Tschechoslowakei durch ihre Bindungen auch gegen ihren Willen „z u m Kriegsschauplatz beim Zusammenstoß zweier Kolosse" werden könnte und die daher eine Revision der Außenpolitik verlangten. So weit freilich ist auch die tschechische Rechte nicht gegangen, daß sie die Aufkündigung des sowjetrussischen Bündnisses verlangt hätte. Die Bewegung ist noch im Fluß, es zeigt sich aber Die Beerdigung des finnischen Lappo-Führers K o s o l a fand unter großer Beteiligung der Lappa statt. Die gerichtsmedizinische Untersuchung der Leiche Kosolas hat stattgefunden. Das Ergebnis wird jedoch erst in zwei Wochen vorliegen. Außenpolitische Jahresbilanz 4936 Rückblick und Ausblick unserer Ausländskorrespondenten. unternehmen erschienen in Amtstracht. Ihnen feilten sich aus „Solidarität" andere Beamte und Der Iünf-Milliarden-Fehlbetrag im französischen Staatshaushalt. Trotzdem im Senat weitere Lustaufrüstung gefordert. bereits, daß die Mehrheit der Bevölkerung der Tschechoslowakei die bolschewistische Gefahr richttg einschätzt und daß die strikte Aufrechterhaltung des Bündnisses nur von der Minderheit der Linken gefordert wird. Die Linke versteht es allerdings, durch Hetznachrichten gegen das Deutsche Reich am laufenden Band das tschechische Volk immer wieder in einer förmlichen Kriegspsychose zu erhalten. Immer wieder, besonders auch von der Emigrantenpresse unterstützt, taucht entgegen den amtlichen tschechischen Versicherungen von „korrekten" Beziehungen zum Deutschen Reich in der tschechischen Presse die Verleumdung auf, der deutsche Nachbar wolle „die Tschechoslowakei überfallen" ober es wird das Schreckgespenst einer nicht vorhandenen „pangermanistischen Gefahr" an die Wand gemalt. So wurden die Voraussetzungen für die Zustimmung des Prager Parlaments zu den beträchtlich erhöhten Rüstungsausgaben geschaffen, damit wurde die Staatsverteidigungsanleihe begründet, ebenso das Staatsverteidigungsgesetz und das neue Spionage- g e s e tz. Wenn auch die offiziellen Stellen leugnen, daß als Vorbereitung für das Zusammenwirken mit der sowjetrussischen Armee eigene Flugplätze angelegt werden, so kann doch die innige Verbindung der beiden Heere schon im Hinblick auf die zahlreichen Besuche sowjetrussischer Flieger und Militärs nicht abgestritten werden. Fest steht die tatsächliche Vermehrung der Flugplätze besonders in der Slowakei, fest steht der Ausbau westöstlicher Eisenbahnen und Straßen durch Karpathorußland. Fest steht ferner, daß der rumänische Bundesgenosse immer wieder darauf hingewiesen wurde, welche Bedeu- Oer Streik der pariser Nahrungsmittelindustrie. Paris, 30. Dez. (DNB. Funkspruch.) Der Streik in der Nahrungsmittelindustrie von Paris ist durch die am Dienstagnachmittag erfolgte Einigung der Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter nicht beendet worden, denn die Arbeitnehmer haben — allerdings nur mit einer schwachen Mehrheit — am Abend d i e Unter- Hat darum jedem, der es nur sehen will, aufs Neue gezeigt, daß das bolschewistische Herrschaftssystem vielleicht seine Methoden, aber niemals fein Wesen ändern kann. Die neue Welle der Unterdrückung, die mit der Propagierung der „demokratischsten Verfassung der Welt" parallel läuft, die neuen Massenoerhaftungen, darunter nicht zuletzt die in der Geschichte der zwischenstaatlichen Beziehungen beispiellose Einkerkerung von 35 Reichsdeutschen durch die GPU., reden eine deutliche Sprache. Gerade eine Betrachtung des gegenwärtigen Zustandes des Sowjefftaates beweist daher, daß alles Gerede von einer angeblichen „Verbürgerlichung" oder „Evolutton" des Bolschewismus, von einer „Normalisierung der Verhältnisse" in der Sowjetunion nicht nur falsch, sondern auch gefährlich ist. Denn der krampfhafte Versuch, dem herrschenden Parteidespotismus — wenigstens nach außen hin — das Mäntelchen der „Demokratie" umzuhängen, entspricht im übrigen genau den außenpolitischen Bestrebungen des Bolschewismus: der Tarnung feiner Intervention im spanischen und chinesischen Bürgerkrieg, dem Anschluß an die Genfer Phraseologie und der europäischen, in erster Linie gegen Deutschland gerichteten Bündnispolitik des Sowjetstaates — und auf der anderen Seite der neuen „elastischen" Taktik des Weltbolschewismus und der „Einheitsfront"- Parole der Komintern. Die Tschechoslowakei am Scheidewege Von unserem Ao.-Äerichierstaiter. bestätigt und auf Antrag Tschlcmgkaischeks beschlossen, die Beilegung der Tschanghsueliana-Ange- legenheit an den Militärausschuß zu verweisen und alle militärischen Bewegungen gegen Sianfu einzustellen. Angestellte, Eisenbahner und Briefträger bei. Der Andrang der Demonstranten wurde bald so stark, daß die Polizeikette durchbrochen wurde und die Kundgeber auf den Rathausvorplatz gelangten. Bevor sie jedoch die Pforten des Rathauses erreichten, wurden die eisernen Gitter geschlossen. Die Menge stimmte die Internationale an, und Sprechchöre forderten den Rücktritt des Stadtrates und Lohnerhöhung. Als die Polizeibeamten sich dem weiteren Vordringen der Kundgeber widersetzten, wurden Rufe laut: „Polizei auf unsere Seite!" Gegen 19 Uhr wurde schließlich eine Abordnung der Kundgeber ins Rathaus ein- aelassen. Die Menge begrüßte das mit neuerlichem Absingen der Internationale. Kurz daraus wurde von den Anführern der Kundgebung bekanntgegeben, daß die Forderungen der städtischen Arbeiter und Angestellten noch am gleichen Abend von der Stadtverwaltung wohlwollend geprüft werden würden. Darauf löste sich die Kundgebung in Ruhe auf. hing für die Tschechoslowakei die Erlaubnis des Durchmarsches russiscyer Truppen durch die Bukowina nach Karpathorußland hätte. Hier hat allerdings zunächst der Rücktritt Titulescus der Ausdehnung einer solchen militärpolitischen Linie auf die ganze Kleine Entente einen Riegel vorgeschoben. Durch die Erklärung fast des gesamten f u ö e • tendeutschen Gebietes zum Grenzgebiet wird dies Gebiet praktisch in einen Ausnahmezustand versetzt. Bis tief ins Privat- und Wirtschaftsleben greifen die Gesetze ein: „Staatlich un- verläßliche Personen" dürfen „kriegswirtschaftlich wichtige Betriebe" weder leiten noch von ihnen be- schäfttgt werden. Kriegswirtschaftlich wichtige Betriebe sind aber auf Grund der Verordnungen f a st schrift ihrer Vertreter nicht anerkannt und beschloßen, den Streik bis zur Durchsetzung aller ihrer Forderungen fortzusetzen. Da dieser Beschluß aber gegen Den Willen einer starken Minderheit zustande kam, nimmt man an, daß mindestens das Personal der Lebensmittelverkaufsstellen am Mitt- Paris, 30. Dez. (DNB.) Dem einftünbigen „Warnungsstreik" der städtischen Arbeiter und Ange st eilten folgte eine Kundgebung vor dem Rathaus, die den Einsatz starker Polizeikräfte und berittener Mobilgarde notwendig machte. Die Kundgeber versammelten sich zu Zehntausenden in den angrenzenden Straßen. Soweit sie im Dienst Amtskleidung tragen, waren sie in dieser Uniform erschienen, so die Angestellten der Untergrundbahn, der Straßenbahn, der Autobusse, die Parkwächter und die Hausfeuerwehren, woch arbeiten und sich der Streik hauptsächlich au Sogar die Angestellten der städtischen Beerdigungs-> die Großvertriebsstellen beschränken wird. Paris, 30. Dez. (DNB. Funkspruch.) Kammer und Senat haben am Mittwoch gegen 4 Uhr morgens ihre Sitzungen beendet. Die Kammer verabschiedete die neue Fassung des Gesetzes über die Pflicht-Schlichtungsverfahren mit 446 gegen 125 Stimmen. Der Senat verabschiedete den Haushaltsplan für 1937 mit 286 gegen 2 Stimmen. Der Gesamthaushalt stellt sich in den Einnahmen mit 42 751 Millionen Franken, in den Ausgaben mit 48146 Millionen Franken, was einen Fehlbetrag von 5395 Millionen Franken ergibt. Bei der Aussprache über den Haushalt des Luftfahrtministeriums verlangte der frühere Luftfahrtminister Senator Laurent-Eynac die beschleunigte Herstellung der vorgesehenen 1500 Flugzeuge. Die Schaffung dieser Angriffswaffe fei angesichts des Wettrüstens zur Lust dringlich. Die Luftwaffe werde zu einer Art sehr weittragender Artillerie gemacht werden, die die Mobilmachung des Gegners stören und seine Bevölkerung mutlos machen solle. Man müsse deshalb innerhalb der Luftwaffe den schweren Bombern eine größere Bedeutung einräumen. Demonstrationen vor dem pariser Rathaus. Die städtischen Arbeiter und Angestellten fordern Lohnerhöhung. Wenn durch die Welt der Sturm großer geistiger Auseinandersetzungen geht, bann laßt uns als evangelische Männer und Frauen um so fester zusammen stehen in der Treue zum Glauben unserer Väter, in der treue zu unserer Kirche, in der uns das Evangelium immer von neuem verkündigt wird, in der Dienstbereitschaft und Treue zu unserem Volk. Laßt uns auch fern von der deutschen Heimat, auch in der Einsamkeit der Diaspora treu fein inder Fürbitte für Gemeinde und Kirche, für Volk und Führer. Laßt uns feststehen, weil der Felsengrund feststeht, auf dem unser Glaube gegründet ist: Jesus Ehristus, gestern und heute und derselbe in Ewigkeit." Erzherzog Friedrich gestorben. Budapest, 30. Dez. (DNB. Funkspruch.) Feldmarschall Erzherzog Friedrich ist Mittwoch früh auf feinem Landsitz in Ungarisch-Altenburg gestorben. Erzherzog Friedrich, der im 80. Lebensjahr stand, war ein Enkel des Erzherzogs Karl, des Siegers von Aspern. Im Mai 1871 war er Leutnant bei den Tiroler Kaiserjägern geworden, 1878 heiratete er die Prinzessin Isabella von Croy- Dulmen, 1882 kam er nach Preßburg, wo er 22 Jahre hindurch als Divisionär- und Korpskommandant verblieb. 1905 wurde er Generaltruppeninspektor in Wien. Zu Beginn des Weltkrieges wurde Erzherzog Friedrich an die Spitze der österreichisch- ungarischen Armee berufen. Bei seinem 80. Geburtstag im Juni dieses Jahres wurde er zum Inhaber des 8. ungarischen Honoed-Jnfanterie-Regi- ments ernannt. Von dem großen Grundbesitz, den er von seinem Onkel, dem kinderlos verstorbenen Erzherzog Albrecht, geerbt hatte, gingen vier Fünftel nach Kriegsende in den Nachfolgestaaten durch Konfiskation verloren. Erzherzog 'Friedrich lebte feit 1921 in Ungarn auf feinen Gütern Ung.-Altenburg und Halbthurn. Er war österreichischer und preußischer Feldmarschall, Ehrendoktor mehrerer Fakultäten und Inhaber des Ordens Pour le märite. Kleine politische Nachrichten. Der polnische Landrat in Tarnowitz hat der Ortsgruppe Radzionkau des Katholischen Deutschen Frauenbundes jede weitere Tätigkeit untersagt, da die Ortsgruppe sich bei ihrer Arbeit nicht an die Satzungen gehalten und so gegen das Vereinsgesetz verstoßen habe. Don den unteren polnischen Behörden in Ostoberschlesien sind unter ähnlichen Vorwänden bereits zahlreiche deutsche Jugendorganisationen aufgelöst worden. Wie Reuter berichtet, haben sich die britische und die französische Regierung geeinigt, den Flottenvertrag von 1 936 im Januar durch das englische Parlament und die französische Kammer ratifizieren zu lassen. Das Abkommen ist bereits von den Vereinigten Staaten am 18. Mai 1936 ratifiziert worden. * Die britischen ßuftftreitfräfte im Irak haben in Dhrbban einen neuen Stützpunkt alle wirtschaftlichen Unternehmungen der Sudetendeutschen, wer „staatlich unverläßlich" ist, bestimmt allein die tschechische Behörde, ohne daß sie ihre Enffcheidungen zu begründen braucht. Die zahlreichen neugeschaffenen halbmilitärischen Formationen bilden ständige Besatzungen des fudetendeut- scheu Gebietes, die Tschechisierung mit all ihren Folgen wird dadurch bis in die kleinste deutsche ’ Grenzgemeinde vorgettieben. Es ist begreiflich, daß die Sudetendeutschen sich demgegenüber immer fester zusammenschließen, daß die „Sudetendeutsche Partei" Konrad Henleins eine immer deutlichere Kampfstellung nicht gegen den Staat, wohl aber gegen diese einschneidenden Regierungsmaßnahmen bezieht. Daß es sich um eine natürliche Abwehrbewegung handelt, die auch von dem in sudetendeuffchen Gebieten immer noch herrschenden Elend diktiert wird, will man in Prag nicht wahr haben. Aber auch maßgebenden ffchechischen Polittkern dämmert die Erkenntnis auf, daß die Bereinigung der offenen nationalpolitischen Fragen der Tschechoslowakei die beste Friedens sicherung wäre. Zunächst! ist es allerdings bei den Worten gebliebem Es ist von tschechischer Seite festgestellt worden, daß sich das Deutsche Reich nie in innerpolitische Verhältnisse der Republik eingemischt hat, es ist aber auch das Interesse als natürlich bezeichnet worden, das das deutsche Gesamtvolk an dem Schicksal der Sudetendeutschen hat. Solange die Sudetendeuffchen wirtschaftlich und pvlittsch, vor allen Dingen aber seelisch in Not leben, werden sie immer um so aufmerksamer beobachten, wie anders die Lage ihrer Volksgenossen jenseits der Grenzen geroorben ist. Ein vernünftiger Tscheche sollte sich darüber nicht wundern. Daß eine Befriedung nur dann eintreten kann, wenn die Voraussetzungen in Zusammenarbeit mit der größten sudetendeuffchen Partei geschaffen werden, müßte auch in Prag verstanden werden. Es ist nicht möglich, den tschechischen Staatsmännern Ratschläge zu erteilen, wie sie aus ihr herauskommen sollen. Das zu erkennen, ist ihre eigene Aufgabe. Viele Anzeichen lassen jedoch darauf schließen, daß die von der bolschewistischen Hetze und der daraus entspringenden Deuffchfeindlichkeit um jeden Preis noch nicht ergriffenen, gesunden Schichten des ffchechischen Volkes gefühlsmäßig erfaßt haben, worauf es ankommt. Rumänien: An der Grenze Europas... Von unserem L.-Äerichierstaiier. Die rumänische Außenpolitik stand im Laufe des Jahres 1936 vor einer schicksalsschweren Entscheidung. Sie hatte sich über den Weg schlüssig zu werden, den sie in der politischen und weltanschaulichen Spaltung Europas einzuschlagen hatte. Die Tragweite dieser Entscheidung war um so größer, als Rumänien selbst an der Scheidelinie zwischen den zwei Welten steht, zwischen denen es zu wählen hatte. Die internationale Presse hatte sich mit diesem Fragenkomplex lange unter dem Schlagwort „D u r ch m a r s ch r e ch t" zu beschäftigen. Tatsächlich hätte die Gewährung dieses Durchmarschrechts für die sowjetrussische Armee, der Abschluß eines Beistandspaktes mit Sowjettußland, der Anschluß an das französisch-sowjetrussische und ffchechoslowa- kisch-sowjettussische Vertragssystem Rumänien end- gültig dem Jnteressenkreis der Sowjetpolitik aus- geliefert. Wenn auch die technischen Vorbereitungen für die Durchführung sowjetrussischer Truppen- und Material-Transporte sehr weit gediehen waren, so sind sie doch, seither über die Grenzen rein theoretischer Bedeutung nicht hinausgelangt. Die Erwägungen, die Rumänien davon abhielten, die letzten Folgen aus seinem Bündnis mit Frankreich und der Tschechoslowakei zu ziehen, haben schließlich auch den Mann zu Fall gebracht, an dessen Namen die Sowjetpolitik der Bukarester Regierung geknüpft war, Nikolaus Titulescu. Die Szene, in der er fiel, stellten die außenpolitischen Ereignisse, wenn auch )er Sturz deswegen kam, weil plötzlich der Lebens- aden der königlichen Gnade abriß, an dem auch )iefe verwöhnteste Primadonna des polittschen Theaters Rumäniens hing. Die Notwendigkeiten des polnisch-rumänischen Abwehrbündnisies, die unbeirrbare Haltung Jugoslawiens, die spanischen Erkenntnisse und die Stimme Deutschlands in Europa stellten die außenpolitische Szene. Rumänien hat sich allerdings keinen der beiden Lager diesseits und jenseits der roten Scheidelinie endgültig angeschlossen. Den Beweggründen, die es von der letzten Entscheidung für die Sowjetpolitik abhielten, steht die Rücksichtnahme auf eine Verbündeten gegenüber. Rumänien trägt am Erbe der Weltkriegssiege weiter. Es muß noch immer „Alliiertenvolitik" machen, ob es will oder nicht. Zum größten Teile will es aber sogar, und für dieses Wollen sind Sympathien, Anhänglichkeiten und auch Ueberzeugungen ausschlaggebend, die nicht nur am linken Flügel der rumänischen Parteifront, sondern auch im christlichen Zentrum und zum Teile auch an der nationalen Reckten noch immer vorhanden sind. Daß aber diese Rücksichtnahmen durch rein rumänische, nationale Beweggründe ausgewogen werden konnten, daß Rumänien nicht die rote Scheidelinie überschritt, ist ein Erfolg, der nicht zu unterschätzen ist. Es ist ein europäischer Erfolg, weil Rumänien an der Grenze zwischen europäischer Kultur und Bolschewismus steht, und es ist vor allem ein nationaler rumänischer Erfolg. Man kann mit diesem Ergebnis zufrieden sein, ohne es zu^ überschätzen. In der Beurteilung der Lage in Südosteuropa kann man sagen, daß der Verlust eines wichtigen Faktors an die Sowjetpolitik verhindert werden konnte. Deutsche Wehe-Kalender. Der Wilhelm Köhler-Verlag in Minden i. W. hat jetzt seine Wehr-Kalender für 1937 herausgebracht. Die neuen Derlagswerke reihen sich würdig den früheren Erscheinungen dieser Art an, so daß man auch hier wieder eine gute Empfehlung an die interessierte Leserschaft geben kann. Preis jedes Kalenders 1,30 Mark. Köhlers Heeres-Kalender 1 937 bringt auf 208 Seiten eine Fülle der Unterhaltung und Belehrung in Wort und Bild. Von der Ankunft der Rekruten bis zum Reservistenabschied zieht in unterhaltsamen Plaudereien das Leben des Soldaten von heute an dem Leser vorüber, Dienst und Freizeit, Exerzieren und Sport, Kasernenglanztag, Manöver und Soldaten-Weihnacht. Offiziere erzählen von den Aufgaben und dem Dienst unserer neuen Waffen, wie Panzer-Kampfwagen, Kraftradschützen, Panzerabwehr, von der Gliederung der deutschen Wehrmacht, von den Aufgaben aller, auch der neuzeitlichsten Waffengattungen. Wir erleben Kriegsleutnant Schulzes Referoeübung in der neuen Wehrmacht und die erste Wache eines jungen Rekruten mit. Separatistenzeit ziehen uns in ihren Bann, Ernstes und Heiteres in bunter Folge. Wertvoll sind auch Uebersichten wie die über die fremden Heeresstärken, oder die für jeden alten Soldaten besonders interessante Zusammenstellung der Standorte des alten Heeres. Ein reichhaltiges Bildmaterial von über 100 Abbildungen illustriert den vielseitigen Inhalt. In Köhlers Flotten-Kalender 1 9 3 7 finden wir, wie in früheren Jahren spannende Erzählungen und Erlebnisse aus allen Meeren und Häfen der Welt. Wie immer, wo der Seemann sein Garn spinnt, fehlt neben dem Ernst und dem Abenteuer auch hier nicht der Humor. Was man über die heutige Kriegsmarine wissen muß, Unbekanntes vom Seekrieg, wie Ozeanriesen verproviantiert werden, was Brutto- und Nettotonnen find, wieviel Salz im Meerwasser ist — das alles und noch vieles andere lesen wir im neuen Köhlerschen Flotten-Kalender. Gauleiter der Auslandsorgani- fation der NSDAP. Bohle gibt dem neuen Jahrgang ein Geleitwort, Admiral Gadow erzählt vom Aufbau der neuen deutschen Kriegsmarine, Korvettenkapitän Mohr von unseren Ü-Booten, Sturmhauptführer Klemp vom Werden der Marine-SA. Wir lesen von lustiger Aequatortaufe und von Feuer an Bord, vom Sturm bei Cap Horn, von Oie Toten des Jahres 1936. Inland 1. Januar: Am Silvestertag des alten Jahres der deutsche Botschafter in Paris, Roland Köster. 4. Febr.: Landesgruppenleiter Wilhelm G u st - l o f f in Davos ermordet. 2. März: Friedrich Kraus, Internist. 2. April: Friedrich Stotz, Erfinder des Pyrarni- dons; 10.: Botschafter von Hoesch in London; 13.: Max von Bahrfeldt, General, Münzensammler, Ehrendoktor von Gießen; 15.: Dr. Ewald Amende, Sekretär des Nationalitäten-Kongresses. 4. Mai: Freiherr von Falkenhausen, Generaloberst; 8.: der Philosoph Oswald Spengler; Dr. Fritz Klein, deutscher Journalist; 10.: Eva Plaschke - v. d. Osten, Opernsängerin; 16.: der Fahrer des Führers, Julius Schreck; 28.: General L i tz m a n n , der Held von Brzeziny. 1. Juni: Generalleutnant Wever vom Luftfahrtministerium, tödlich verunglückt; 14.: Hans Poel - zig, Architekt; 18.: der Dichter Heinrich Lersch; 21.: Staatssekretär Bernhard von Bülow. 24. Juli: Georg Michaelis, ehemaliger Reichskanzler; 26.: 24 SA-Männer aus Mannheim bei einer Fahrt in den Schwarzwald tödlich verunglückt. 9. August: Walter König, Physiker. 8. September: General Franke, letzter Kommandant der Schutztruppe; 12.: Hermann Hirth , Indogermanist; 18.: Konrad Burdach, Germanist. 1. Oktober: General der Infanterie a. D. Sixt von Arnim, Heerführer des Weltkrieges; 6.: Wilhelm Meyer-Lübke, Romanist; 10.: Otto B e - haghel, Germanist; Friedrich von Oppeln - Bronikowski, Schriftsteller; 12.: Oberreichsanwalt Dr. Werner; 19.: der Dichter Rudolf S t r a tz ; 28.: Feuerschiff „Elbe I" ging mit zehn Mann bei Cuxhaven unter. 1. November: Otto Im misch, Altphilologe; Franz Josef Schwarz, Treuhänder der Arbeit; 2.: der Hauptamtsleiter des Amtes für Agrarpolitik, Richard Arauner, tödlich verunglückt; 7.: Reinhard G o e r i n g, Dramatiker; 20.: beim Untergang von U 18 finden acht Seeleute den Tod. 19. Dezember: Geh. Rat Dr. Theodor Wiegand, Archäologe; 27.: Hans von Seeckt, Generaloberst; 30.: Erzherzog Friedrich. Ausland. 1.Januar: Rudyard Kipling, englischer Dichter, Nobelpreisträger; 21.: König Georg V. von England. 1. Februar: der frühere Diktator von Griechenland, General K o n d y l i s ; 26.: bei einem Militärputsch in Tokio werden der Siegelbewahrer Baron Saito und der General W a n a t a b e ermordet. 1. März: der frühere griechische Staatsmann De- nizelos; 11.: Lord Beatty, englischer Großadmiral. 28. April: König Fuad von Aegypten. 14. Mai: Lord Edmund Allenb y, englischer Fesldmarschall, ehem. Oberkommissar von Aegypten; 18.: der frühere griechische Ministerpräsident Tfal- d a r i s. 14.Juni: Gilbert Keith Chesterton, englischer Dichter; der frühere spanische Minister und Führer der Monarchisten, Calvo S o t e l o , ermordet. 18. Juli: La Argentina, spanische Tänzerin; 19.: der polnische Luftinspektor General Orlicz- Dreszer, im Flugzeug tödlich verunglückt; 23.: der spanische General Sanjurjo mit dem Flugzeug bei Lissabon abgestürzt. 17. August: Grazia Deledda, italienische Dichterin, Nobelpreisträgerin. 17. September: der frühere österreichische Bundeskanzler Dr. B u r e s ch. 7. Oktober: der ungarische Staatsmann Julius von Gömbös; das französist^» Expeditionsschiff „Pourqoi pas“ geht im Sturm bei Spitzbergen unter. Mit Professor C h a r c o t finden 21 Mann den Tod. 18. November: der französische Innenminister S a - l e n g r o. 10. Dezember: Luigi Pirand ello, italienischer Dichter, Nobelpreisträger. der Segelschiffszeit und von „Kraft durch Freudes- Fahrten, von einer Ueberquerung des Aermelkanals im Kajak und von Kanalschiffen, von Walfischen, die Selbstmord begehen, und von Labskaus-Essen. Jede Seite ist interessant, über 150 schöne Bilder illustrieren den vielseitigen Inhalt des 280 Seiten starken Jahrbuches. Zwei mehrfarbige Kunstbeilagen zeigen die Flaggen des Deutschen Reiches und die Flaggen und Stander der Deutschen Kriegsmarine. Amtsgericht Gießen. Der 21. M. von Merzhausen fuhr am 26. Oktober 1936 mit feinem Lastzug nebst Anhänger auf der Straße Lich—Bessingen. Den mit Baumaterialien weit über den Umfang des Wagens hinaus beladenen Anhänger ließ der Angeklagte auf der Straße unbeleuchtet stehen. Er erhielt durch Strafbefehl des Amtsgerichts Gießen eine Geldstrafe von 20 Mark, evtl, vier Tage Haft auferlegt. Gegen diesen Straf» befehl legte der Angeklagte Einspruch ein. In der gestrigen Hauptverhandlung erhöhte das Gericht die Strafe auf 30 Mark, hilfsweise sechs Tage Haft, wegen der Gefährlichkeit des Verhaltens des Angeklagten. Wegen Körperverletzung wurde der 25jährige H. A. aus Rödgen durch Strafbefehl des Amtsgerichts Gießen zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt. In der gestrigen Hauptoerhandlung auf seinen Einspruch hin wurde nach umfangreicher Beweisaufnahme die Schuld des Angeklagten festgestellt, und es verblieb bei der im Strafbefehl ausgesprochenen Strafe. Außerdem wurde der Angeklagte mit den Kosten des Verfahrens belastet. Ein Mädchen aus Rödgen hatte einen jungen Burschen gehänselt, worauf dieser ihr zwei Ohrfeigen versetzte. Der Angeklagte, der Liebhaber biefes Mädchens war, lief dem jungen Burschen nach, schlug ihn mit den Fäusten nieder, so daß der junge Mann einen Schädelbruch und erhebliche Gesichtsoerletzungen davontrug und drei Wochen in der Klinik zubringen mußte. Weiterbericht des Relchswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. Die Großwetterlage gestaltet sich erneut um. Eine erste Störung brachte mit einer Zufuhr feuchtmilder Meeresluft Bewölkungszunahme und vielfach auch leichten Regen. Im nachfolgenden Zwischenhoch kann zunächst wieder Besserung erwartet werden, doch nimmt die vom Atlantik ausgehende Wirbel- tätigkeit lebhaftere Formen an, so daß mit dem Aufkommen unbeständigeren Wetters gerechnet werden kann. Aussichten für Donnerstag: Vielfach neblig, sonst zunächst wieder aufheiternd, späterhin erneut aufkommende Unbeständigkeit, nachts nur vereinzelt Frost, tagsüber ziemlich mild, Winde um Süd. Aussichten für Freitag: Bewölkt bis bedeckt und zeitweise Niederschlag, bei westlichen Winden ziemlich mild. Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik und für die Bilden Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. XL 36: 11000. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts- Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. ■ Heute | Donnerst. hing. Gl- Geschäft wie immer gut und preiswert Reiner Weinbrand Scharlachberg . 3.35 an 8455D Anzeiger erbet. 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Zur Ermittlung des Gewerbeertrags ist von dem nach den Vorschriften des Einkommensteuergesetzes oder des Körperschaftssteuergesetzes sich ergebenden Gewinn auszugehen. Diesem Gewinn werden folgende Beträge wieder hinzugerechnet, soweit sie bei der Ermittlung des Gewinns abgesetzt sind: 1. Zinsen für Schulden, die wirtschaftlich mit der Gründung oder dem Erwerb des Betriebs (Teilbetriebs) oder eines Anteils am Betrieb oder mit einer Erweiterung oder Verbesserung des Betriebs Zusammenhängen oder der nicht nur vorübergehenden Verstärkung des Betriebskapitals dienen; 2. Renten und dauernde Lasten, die wirtschaftlich mit der Gründung oder dem Erwerb des Betriebs (Teilbetriebs) oder eines Anteils am Betrieb Zusammenhängen. Das gilt nicht, wenn diese Beträge beim Empfänger zur Steuer nach dem Gewerbeertrag heranzuziehen sind; 3. die Gewinnanteile des füllen Gesellschafters, sowie Gehälter und sonstige Vergütungen jeder Art, die für eine Beschäftigung des stillen Gesellschafters oder seines Ehegatten im Betrieb gewährt worden sind. Das gilt nicht, wenn diese Beträge beim Empfänger zur Steuer nach dem Gewerbeertrag heranzuziehen sind; 4. die Gewinnanteile, die an persönlich haftende Gesellschafter einer Kommanditgesellschaft auf Aktien auf ihre nicht auf das Grundkapital gemachten Einlagen oder als Vergütung (Tantieme) für die Geschäftsführung verteilt worden sind, sowie Gehälter und sonstige Vergütungen jeder Art, die für eine Beschäfügung der Ehegatten dieser Gesellschafter im Betrieb gewährt worden sind; 5. Gehälter und sonstige Vergütungen jeder Art, die für eine Beschäftigung des Ehegatten des Unternehmers oder Mitunternehmers im Betrieb gewährt worden sind; 6. Gehälter und sonstige Vergütungen jeder Art, die von einer Kapitalgesellschaft, einer Erwerbsund Wirtschaftsgenossenschaft oder einem Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit an wesentlich Beteiligte oder an ihre Ehegatten für eine Beschäftigung im Betrieb gewährt worden sind; 7. Vorteile, die von Vereinigungen zum gemeinsamen Ankauf von Lebensmitteln oder hauswirtschaftlichen Gegenständen im großen und Absatz im Einzelhandel an Käufer gewährt worden sind (Kundengewinn), soweit diese Vorteile drei vom Hundert der auf die Waren geleisteten Barzahlungen überstiegen haben. Hierbei ist es gleichgültig, ob der Kundengewinn Mitgliedern oder Nichtmitgliedern gewährt worden ist; 8. die Hälfte der Miet- und Pachtzinsen für die Benutzung der nicht in Grundbesitz bestehenden Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, die im Eigentum eines anderen stehen. Das gilt nicht, soweit die Miet- oder Pachtzinsen beim Empfänger zur Steuer nach dem Gewerbeertrag heranzuziehen sind; 9. die Anteile am Verlust einer offenen Handelsgesellschaft, einer Kommanditgesellschaft oder einer anderen Gesellschaft, bei der die Gesellschafter als Unternehmer (Mitunternehmer) des Gewerbebetriebs anzusehen sind. Die Summe des Gewinns und der Hinzurechnungen wird gekürzt um: 1. drei vom Hundert des Einheitswerts des zum Betriebsvermögen des Unternehmers gehörenden Grundbesitzes; maßgebend ist der Einheitswert, der durch den letzten Einheitswertbescheid festgestellt worden ist. An Stelle dieser Kürzung erfolgt bei einer Kapitalgesellschaft, die ausschließlich eigenen Grundbesitz oder neben eigenem Grundbesitz noch eigenes Kapitalvermögen verwaltet und nutzt, auf Antrag die Kürzung um den Teil des Gewerbeertrags, der auf den Grundbesitz entfällt, es sei denn, daß der Grundbesitz ganz oder zum Teil dem Gewerbebetrieb eines Gesellschafters oder einem Unternehmen dient, an dem ein Gesellschafter wesentlich beteiligt ist; 2. die Anteile am Gewinn einer offenen Handelsgesellschaft, einer Kommanditgesellschaft oder einer anderen Gesellschaft, bei der die Gesellschafter als Unternehmer (Mitunternehmer) des Gewerbebetriebs anzusehen sind; 3. den Teil des Gewerbeertrags eines inländischen Unternehmens, der auf eine nicht im Inland belegens Betriebsstätte entfällt. Bei der Berechnung der Gewerbesteuer nach dem Gewerbeertrag ist von einem Steuermeßbetrag auszugehen. Dieser ist durch die Anwendung eines Hundertsatzes (Steuermeßzahl) auf den Gewerbeertrag zu ermitteln. Der Gewerbeertrag ist auf volle 100 Reichsmark nach unten abzurunden. Die S t e u e r m e ß z a h l e n für den Gewerbeertrag betragen: 1. bei natürlichen Personen, offenen Handelsgesellschaften, Kommanditgesellschaften und anderen Gesellschaften, bei denen die Gesellschafter als (Mit-) Unternehmer des Gewerbebetriebs anzusehen sind: für die ersten 1200 RM. des Gewerbeertrags 0 v. H. weiteren 1200 „ „ „ 1 „ „ 1200 „ „ „ 2 „ 1200 „ „ „ 3 „ „ 1200 „ „ „ 4 „ für alle weiteren Beträge 5 „ 2. bei anderen Unternehmen 5 v. H. Bei Hausgewerbetreibenden ermäßigen sich die Steuermeßzahlen auf die Hälfte. Als Gewerbekapital gilt der Einheitswert des gewerblichen Betriebes im Sinne des Reichsbewertungsgesetzes mit den nachstehend sich ergebenden Aende- rungen. Dem Einheitswert des gewerblichen Betriebs werden folgende Beträge wieder hinzugerech- n e t, soweit sie bei der Feststellung des Einheitswertes abgezogen sind: 1. die Verbindlichkeiten, die den bei Berechnung des Gewerbeertrags hinzuzurechnenden Schuldzinsen, den Renten und dauernden Lasten und den Gewinnanteilen entsprechen; 2. die Werte (Teilwerte) der nicht in Grundbesitz bestehenden Wirtschaftsgüter, die dem Betrieb dienen, aber im Eigentum eines Mitunternehmers oder eines Dritten stehen, es sei denn, daß sie zum Gewerbekapital des Ueberlassenden gehören. Die Summe des Einheitswerts des gewerblichen Betriebs und der Hinzurechnungen wird gekürzt um: 1. die Summe der Einheitswerte, mit denen die Betriebsgrundstücke in dem Einheitswert des gewerblichen Betriebs enthalten sind; 2. den Wert (Teilwert) einer zum Gewerbekapital gehörenden Beteiligung an einer offenen Handelsgesellschaft, einer Kommanditgesellschaft oder einer anderen Gesellschaft, bei der die Gesellschafter als Unternehmer (Mitunternehmer) des Gewerbebetriebs anzusehen sind. Unterhält ein Unternehmen eine oder mehrere Betriebsstätten im Ausland, so ist nur das inländische Gewerbekapital zu berücksichtigen. Maßgebend ist der Einheitswert, der durch den letzten Einheitswertbescheid festgestellt worden ist. Bei der Berechnung der Gewerbesteuer nach dem Gewerbekapital ist von einem Steuermeßbetrag auszugehen. Dieser ist durch Anwendung eines Tausendsatzes (Steuermeßzahl) auf das Gewerbekapital zu ermitteln. Das Gewerbekapital ist auf volle 1000 Mark nach unten abzurunden. Die Steuermeßzahl für das Gewerbekapital beträgt 2 vom Tausend. Für Gewerbebetriebe, deren Gewerbekapital weniger als 3000 Mark beträgt, wird ein Steuermeßbetrag nicht festgestellt. Durch Zusammenrechnung der Steuermeßbeträge, die sich nach dem Gewerbeertrag und dem Gewerbe- kapital ergeben, wird ein einheitlicher Steuermeßbetrag gebildet. Der einheitliche Steuermeßbetrag wird für das Rechnungsjahr (Erhebungszeitraum) festgesetzt und, soweit mehrere Gemeinden beteiligt sind, zerlegt. Als Rechnungsjahr gilt der Zeitraum vom 1. April bis 31. März. Die Steuer wird aus Grund des einheitlichen Ä 9 99JT Bon Gerichtsrefer Mit dem 31. Dezember jedes Jahres fallen unzählige Ansprüche der Verjährung anheim, sei es aus Unkenntnis, oder aus Unachtsamkeit. Dies zu verhüten, sollte jeder Geschäftsmann bestrebt sein, denn nicht nur er selbst, sondern auch die Volksgemeinschaft hat unter Umständen den Schaden zu tragen. Die Verjährung eines Anspruches hat die Wirkung, daß der Verpflichtete eine Einrede erwirbt, die ihn zur Verweigerung der Leistung berechtigt. So verjähren am 31. Dezember 1936 die Ansprüche aus dem Jahre 1934, die aus dem allgemeinen täglichen Verkehr entstanden sind. Bei Lieferungen für den Gewerbebetrieb eines Schuldners beträgt die Frist dagegen vier Jahre. Rechtskräftige Schuldtitel (Vollstreckungsbefehl!) verjähren erst in 30 Jahren, ebenso das Darlehen. Dem Gläubiger steht aber ein Weg offen, um den Eintritt der Verjährung zu verhindern bzw. die Verjährung zu unterbrechen. Gewisse Umstände greifen derart in den Lauf der Verjährung ein, daß die abgelaufene Verjährungszeit überhaupt nicht gerechnet wird, und nach Beendigung des Unterbrechungsgrundes eine neue Verjährung beginnen muß. Dazu genügt aber, entgegen weitverbreiteter Ansicht, nicht das Uebersenden einer Rechnung oder eines Kontoauszuges, nicht Mahnung oder Postnachnahme, ja selbst nicht Einschreiben oder Aufforderung durch einen Rechtsanwalt. Keine Verjährung tritt zwar ein, wenn der Schuldner von sich aus seine Verpflichtung durch Abschlagszahlung, Zinszahlung, Sicherheitsleistung, Stundungsgesuch oder auch schriftliches ober mündliches (Zeugen!) Anerkenntnis anerkennt. In allen anderen Fällen bewirkt eine Unterbrechung der Verjährung, abgesehen von einer Klage, Saflflälte und Mchi Die Einführung der vereinfachten Speisekarte am 1. Januar 1937 hat in weitesten Kreisen ein lebhaftes Echo gefunden. Man ist sich vielfach aber noch keineswegs im klaren darüber, daß es sich hierbei um ein Gebiet handelt, das für das Gelingen des Vierjahresplanes auf ernährungswirtschaftlichem Gebiet sehr bedeutsam ist. Die Beschränkung der zukünftigen Speisekarte auf eine bestimmte Anzahl von Gerichten, die Vereinheitlichung, die tatsächlich eine wesentliche Verbesserung bedeutet, die Vermehrung der Fischgerichte und die Maßnahmen, die zu Ersparnissen beim Wäscheoerbrauch führen sollen, umreißen keineswegs das ganze Problem, das hierdurch im Sinne des Vierjahresplanes einer Regelung unterzogen werden soll. Das deutsche Gaststättengewerbe ist bekanntlich, wie in einem anderen volkswirtschaftlichen Sektor das Baugewerbe, ein Schlüsselgewerbe. Der absolute Verbrauch, der mehrere Milliarden Mark im Jahre ausmacht, enthält Waren, die nicht nur aus dem Bereich der Landwirtschaft und der verwandten Berufe stammen. Einen anschaulichen Einblick in diese Schlüsselstellung gewinnt man erst, wenn man sich vergegenwärtigt, welche Waren in einem einzigen gastronomischen Betrieb verbraucht werden. Ohne daß die nachstehende Aufzählung einen Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann, sei auf die wichtigsten Erzeugnisse hingewiesen. Da sind zunächst: Fleisch, Geflügel, Fische, Därme, Gewürze, Kartoffeln, Mehl, Zucker, Schokoladewaren, Milch mit ihren Nebenprodukten, Kaffee, Bier, Tabakwaren, Wein, Gemüse und zahlreiche sonstige Waren des täglichen Verbrauchs. Dazu kommen diejenigen Waren, die zur Führung und Aufrechterhaltung des Betriebes selbst notwendig sind und ständig ergänzt werden müssen. In diese Rubrik gehören: Äusstattungsmaterialien jeder Art für die gewerblichen Räume, technisches Büromaterial, Bestecke und Tafelsilber, Glas und Porzellan, Elektromaterial, Heizmaterial jeder Art, Verpackungsmaterial, Wäsche, Scheuer- und Reinigungsmaterial, Steuermeßbetrages nach dem von der Gemeinde für jedes Rechnungsjahr festzusetzenden Hundertsatz (Hebesatz) festgesetzt und erhoben. Besteuerungsgrundlage für die Lohnsummensteuer ist die Lohnsumme, die in jedem Kalendermonat an die Arbeitnehmer der in der Gemeinde belegenen Betriebsstätte gezahlt worden ist. Uebersteigt die Lohnsumme des Gewerbebetriebs in dem Rechnungsjahr nicht 24 000 Mark, so werden von ihr 7200 Mark abgezogen. Hat die Steuerpflicht nicht während des ganzen Rechnungsjahres bestanden, so ermäßigen sich diese Beträge entsprechend. Lohnsumme ist die Summe der Vergütungen, die an die Arbeitnehmer der in der Gemeinde belegenen Betriebsstätte gezahlt worden sind. Zur Lohnsumme gehören nicht: 1. Beträge, die gezahlt worden sind an a) Lehrlinge, die auf Grund eines schriftlichen Lehrvertrags eine ordnungsmäßige Ausbildung erfahren, b) Arbeitnehmer, für die ein Einstellungszwang nach dem Gesetz über die Beschäftigung Schwerbeschädigter besteht, c) Arbeitnehmer, die das 60. Lebensjahr überschritten haben, wenn beim einzelnen Arbeitnehmer der Jahresbetrag feiner Vergütungen die Lohngrenze nicht überschreitet, die für die Angestelltenversicherung maßgebend ist; 2. Entschädigungen, die einem Arbeitnehmer als Ersatz für entgangene oder entgehende Einnahmen oder für die Aufgabe oder Nichtausübung einer Tätigkeit, einer Gewinnbeteiligung oder einer Anwartschaft auf eine solche gewährt worden sind; 3. Beträge, die für die Ermittlung des Gewerbeertrags dem Gewinn hinzuzurechnen sind. Bei der Berechnung der Lohnsummensteuer ist von einem Steuermeßbetrag auszugehen. Dieser ist durch Anwendung eines Tausendsatzes (Steuermeßzahl) auf die Lohnsumme zu ermitteln. Die Lohn- summe ist auf volle 10 Mark nach unten abzurunden. Die Steuermeßzahl bei der Lohnsummensteuer beträgt 2 vom Tausend. Die Lohnsummensteuer für einen Kalendermonat ist am 15. des darauffolgenden Monats fällig. Gleichzeitig mit der Entrichtung der Steuer ist der Gemeindebehörde eine Erklärung über die Berechnungsgrundlagen abzugeben. K d* 99 f Rolf Münch. am einfachsten und billigsten die Einreichung eines Gesuchs an das Gericht um Erlaß eines Zahlungsbefehls im Mahnverfahren. Zuständig ist das Amtsgericht, in dessen Bezirk der Schuldner seinen Wohnsitz hat. Ist aber beim Kaufabschluß die Zuständigkeit eines anderen Amtsgerichts vereinbart, so kann der Zahlungsbefehl auch bei diesem beantragt werden. Auf diese Vereinbarung ist aber ausdrücklich hinzuweisen. Auch wenn der Schuldner verzogen ist, kann das ursprünglich beim Kaufabschluß für ihn zuständige Amtsgericht angerufen werden. Ein entsprechender Vermerk ist aber erforderlich. In dem Gesuch, oder im Zahlungsbefehlsentwurf ist die Höhe der Forderung und deren Grund (Kauf, Warenlieferung, Arbeitsleistung usw.) anzugeben. Selbstverständlich können im Zahlungsbefehl auch alle Nebenforderungen, wie Zinsen, Mahnspesen, Kosten verlangt werden. Das Amtsgericht erläßt nach Zahlung der Gebühr, die nicht hoch und bei Gericht zu erfragen ist, den Zahlungsbefehl, worin dem Schuldner aufgegeben wird, den Gläubiger innerhalb der im Zahlungsbefehl bestimmten Frist (3 bis 7 Tage, bei Wechselzahlungsbefehlen 24 Stunden) wegen seines Anspruches zu befriedigen oder aber, wenn er Einwendungen gegen den Anspruch habe, bei dem Gericht Widerspruch zu erheben. Wird fein Widerspruch erhoben, so muß der Gläubiger binnen sechs Monaten Vollstreckungsbefehl beantragen, gegen den zwar Einspruch binnen einer Woche zulässig ist, was aber den Eintritt der Unterbrechung der Verjährung nicht hindern kann. Der Gläubiger ist nun 30 Jahre lang vor einer Verjährung seines Anspruchs gesichert und kann während dieser Zeit die Zwangsvollstreckung gegen den Schuldner betreiben. im Vierjahresplan. Kohlensäure, Eis, Papiermaterialien, sowie der Verbrauch an elektrischer Kraft, darunter Dampf, Gas, Kälte, Licht und Wasser. Schon aus dieser kurzen Aufzählung erhält man damit einen Begriff von den Aufgaben, die im weiteren Sinne im Rahmen des Vierjahresplanes von dem Gaststätten- geroerbe zu erfüllen sind. Allein durch die Art der Küchenführung in gastronomischen Betrieben kann ein erheblicher Einfluß in ernährungswirtschaftlicher Hinsicht erzielt werden. In Zukunft muß z. B. beim Einkauf für den Küchenbedarf besonders darauf gesehen werden, daß solche Waren verstärkt herangezogen werden, die auf dem deutschen Markt ohne Schwierigkeiten zur Verfügung stehen. Das deutsche Erzeugnis wird also noch mehr als bisher in den Gaststätten in den Vordergrund treten. Dann kann hier in einem Ausmaß wie sonst nirgends der Kampf gegen den Verderb geführt werden. Die Beschränkung der täglich vorrätigen Gerichte und die entsprechende Auszeichnung auf der Speisekarte ist eines der wesentlichsten Mittel, um tatsächliche Einsparungen an Abfällen aller Art zu machen. Daneben kann man bei systematischer Küchenführung im Sinne des Vierjahresplanes weit besser als bisher die wissenschaftlichen Ergebnisse der Forschung auf ernährungswirtschaftlichem Gebiet in der täglichen Praxis verwerten und zum Einsatz bringen. Schließlich wird man auch auf diesem Wege sich wieder mehr, als es in den letzten Jahrzehnten der Fall war, auf die alte gute, deutsche Kochkunst besinnen, die sich durchaus mit ausländischen Küchen vergleichen kann. Auf dem Gebiete der Kochkunst hat Frankreich ohne Zweifel Hervorragendes geleistet und deshalb auch jahrzehntelang im Vordergrund gestanden. Das braucht aber keineswegs zu besagen, daß die deutschen Leistungen minder gut sind, oder an Originalität hinter französischen, italienischen oder amerikanischen Rezepten zurückstehen müssen. Daß das nicht immer so gewesen ist, beweist z. B. die große Anzahl der deutschen Köche, die noch heute in internationalen Hotels tätig sind. Auf dem Gebiete der gewerblichen Kochkunst liegt Deutschland auch heute noch in der Führung. Aber an der Ausnutzung der gegebenen praktischen Möglichkeiten, der deutschen Küche wenigstens in Deutschland selbst die nötige Anerkennung zu sichern, hat es gefehlt. Hier ergeben sich durch die neuen Pläne Möglichkeiten aller Art, um Versäumtes nachzuholen. Im Einzelnen kann durch planmäßiges Vorgehen ohne Verschlechterung der gebotenen Kost eine Ersparnis an Fetten und Eiweiß erzielt werden. Eine Ersparnis an Konseroen-Gemüse zugunsten Der. Frischgemüse und Frischobst dürfte den Gästen nur angenehm fein. Auch Brot und Kartoffeln können einen größeren Raum bei der Herstellung von Speisen beanspruchen, als sie es heute tatsächlich tun. Man kann in kleineren Gaststätten die beliebte Hausmannskost noch mehr, als es bisher geschehen ist, in den Vordergrund schieben und dadurch den Wünschen des Publikums entgegenkommen. Schließlich kann der Gebrauch von Gewürzen ohne einen Nachteil für irgendjemand eingeschränkt werden. Die Maßnahmen, die durch die Ankündigung einer vereinfachten Speisekarte der Oeffentlichkeit bekannt geworden sind, führen unter keinen Umständen zu einer Schematisierung in der gewerblichen Küchenführung. Sie bedeuten lediglich eine Umstellung, die durch den Einsatz der großen Fähigkeiten der beteiligten gewerblichen Kreise zu einer neuen Blüte im deutschen Gaststätten- und Küchenwesen führen wird. Auch dem Bedienungspersonal fällt in diesem Rahmen bei der Beratung der Kunden eine verantwortungsvolle Aufgabe zu, da gerade dieses Personal es ist, das die Verbrauchslenkung günstig beeinflussen kann. Das Jahr 1937 wird somit für Gaststätte und Küche zu einem bedeutungsvollen Prüfstein ihrer gewerblichen und nationalwirtschaftlichen Leistungsfähigkeit werden. Was zahlt her Hausbesitzer 1937 für Hauszmssieuer? Die Aenderung der Vorschriften über die Ge- bäudentschuldungssteuer, also die sogenannte Haus- zinssteuer, wird von vielen Hausbesitzern rechnerisch noch nicht ganz übersehen. Eine Aenderung in der Zahlungsweise der Haus- zinssteuer tritt erst ab 1. April 1937 ein! Alle Fragen, was denn ab 1. Januar 1937 zu bezahlen wäre, erübrigen sich also, denn tm Januar, Februar und März wird noch in der gleichen Werse die Hauszinssteuer entrichtet, wie bisher. Im Monat April beginnt die Zahlungsweise nach den neuen Vorschriften in der Weise, daß alle Hausbesitzer 25 v. H. der Hauszinssteuer in bar weniger bezahlen, daß sie also den Betrag in bar abziehen können. Darin liegt die Aenderung. Bisher war es so, daß der Hausbesitz die 25 v. H. Hauszinssteuersenkung nicht in bar weniger bezahlte, sondern nach Bezahlung der vollen Haus- zinssteuer in Form von Gemeindeumschuldungs- anleihen zurückerstattet erhielt. Ab 1. April 1937 bekommt der Hausbesitzer keine Gemeindeumschul- dungsanleihe mehr, sondern er aafjlt jetzt 25 v. H. in bar weniger. Ein Teil der Hauswirte konnte das bisher schon, soweit die Hauszinssteuer den jährlichen Betrag von 200 Mark nicht überstieg. Bei diesen kleinen Steuerbeträgen lohnte es sich nicht, Gemeindeumschuldungsanleihe auszugeben. Für diese Hausbesitzer tritt überhaupt keine Aenderung ein. Bei der Verkündung der neuen Vorschriften Anfang Dezember haben die Hausbesitzer gehört, daß mit dieser Neuregelung eine neue Senkung der Hauszinssteuer verbunden sei. Das trifft zu, es ist aber vielfach nicht verstanden worden, warum dies so ist. Wer nämlich bisher Gemeindeumschuldungsanleihe bekam und sie nicht liegen lassen konnte, bis sie später am Auslosungstermin zum vollen Nennbeträge von Hundert eingelöst wurde, sondern wer sie verkaufen mußte, weil er das Geld nötig brauchte, der bekam beim Verkauf an der Börse nicht den Betrag, zu dem sie ihm übergeben worden war, also den Nennbetrag von 100, sondern nur 89 für 100 Mark. Dieser Ausfall durch Kursverlust in Höhe von 11 Mark bei je 100 Mark Anleihe war — obgleich es sich hierbei um einen ganz normalen Vorgang bei Wertpapieren handelt — für den Verkäufer der Anleihe ein Verlust, der ihm durch nichts wettgemacht wurde. Wenn nun der Hausbesitzer die 25 v. H. von der Hauszinssteuer in bar abziehen darf, dann hat er für jede 100 Mark, die er abziehen darf, tatsächlich 100 Mark in seiner Hand zurückbehalten und nicht nur 89, wie es bisher der Fall war, wenn er die Anleihestücke verkaufen mußte. Praktisch ist ihm also die Hauszinssteuer um diese 11 Mark je 100, d. h. umgerechnet um 3 v. H. der ursprünglichen Hauszins- steuerschuldsumme, erneut gesenkt worden. Was hat es nun mit der Senkung der höchsten Steuerstufe um ein Sechstel auf sich? Diese weitere unmittelbare Senkung der Hauszinssteuer tritt erst mit Wirkung ab 1. April 1938 ein, also ein ganzes Jahr später. Das wird vielfach übersehen! Der Siyn dieser weiteren Senkung ist der, die Spannung zwischen den höchsten Hauszinssteuersätzen und den niedrigsten zu vermindern, denn die auf den Häusern ruhenden Hauszinssteuersätze sind ganz verschieden, was wieder mit der Höhe der Hypothekenbelastung der einzelnen Häuser in der Vorkriegszeit zusammenhängt. Die Unterschiede in der Hauszinssteuerbelastung bewegen sich zwischen 6 und 30,6 vom Hundert der Friedensmiete, d. h. für 1 Mark Friedensmiete find 6 bis 30,6 Pfennige Hauszins- fteuer zu bezahlen. Man spricht hier'von Steuerstufen. Nach dem Gesetz soll nun ab 1. April 1938 die höchste Steuerstufe, also die von 30.6 Pf., um ein Sechstel gesenkt werden mit der Maßgabe, daß die darunterliegenden anderen Steuerstufen den so gesenkten Satz der höchsten Steuerstufe nicht übersteigen dürfen. Also: ein Sechstel beträgt die zukünftige Senkung nur für b i e Häuser, für die die höchste Steuerstufe von 30,6 Pf. pro Mark Friedensmiete angewendet wurde. Für die darunterliegenden Steuerstufen beträgt die Senkung entsprechend weniger, aber gesenkt werden diese Steuerstufen auch bis zu dem dann geltenden Höchstsatz von 25,5 v. H. Alles, was unter dieser Steuerstufe von 25,5 v. H. liegt, erfährt keine Senkung weiter. Für wen also jetzt schon die Gteuerstufe von 25,5 Pfennigen pro Mark Friedensmiete gilt, der hat am 1. April 19-38 keine Senkung zu erwarten. Aus dem Gesagten ergibt sich, wie sich der Hauswirt die Senkung errechnen kann. Er muß sich erstens vergewissern, fn welcher Steuerstufe sein Grundstück liegt. Das kann er entweder beim Katasteramt erfahren, er kann es sich aber noch leichter selber errechnen, indem er den veranlagten Haus- zinssteuersollbetrag durch den Betrag der Friedens- miete teilt. Ein Beispiel: Ein Hausbesitzer zahlt 306 Mark Hauszinssteuer pro Monat und hat eine mo- monatliche Friedensmiete von 1000 Mark, dann zahlt er für 1 Mark Friedensmiete 0,306 Mark oder 30,6 Pf. Hauszinssteuer, d. h. er zahlt die höchste Steuerstufe von 30,6 v. H. der Friedensmiete. Er braucht also den Hauszinssteuersollbetrag nur um ein Sechstel zu kürzen, um seine, spätere Steuerschuld zu erfahren. In diesem Beispiel zahlt er also 306:6 = 51 Mark weniger. Wer zu einer niedrigeren Steuerstufe gehört, also weniger als 30,6 Pf., aber mehr als 25,5 Pf. Hauszinssteuer pro Mark Friedensmiete bezahlt, dessen Rechnung ist genau so einfach, denn sein zukünftiger Hausrnnssteuerbetrag senkt sich für diese Steuerstufen allgemein auf den Satz von 25,5. Er multipliziert also seine Friedensmiete mit 25,5 und hat dann den Steuerbetrag. Für 1000 Mark Friedensmiete zahlt er also 255 Mark Hauszinssteuer. Und schließlich: Wer heute schon weniger als 25,5 Pfennige Hauszinssteuer für 1 Mart Friedensmiete bezahlt, dessen Hauszinssteuerbetrag ermäßigt sich ab 1. April 1938 nicht. Wie Staatssekretär Reinhardt mitteilte, ist beabsichtigt, die Steuer später erneut zu senken, ein fester Zeitpunkt ist dafür aber im Gesetz noch nicht festgelegt. Jedenfalls würde die Erwägung einer weiteren Senkung erstmalig für das Jahr 1939 in Betracht kommen. Wirtschaft. Ankauf von Auslosungsrechten. DNB. Die zur Einlösung am 1. April 1937 gezogenen Auslosungsrechte der Anleiheablösungsschuld des Deutschen Reiches werden bereits vor dem Fälligkeitstag, und zwar vom 2.1.1937 ab, unter Abzug eines zum jeweiligen Reichsbankdiskontsatz zu berechnenden Diskonts, frei von Provision, ange- kaust. Der Ankauf der Auslosungsscheine erfolgt durch die Reichsbankanstalten. Die Inhaber der Auslosungsscheine, die vor dem 1.4.1937 in den Besitz des Auslosungsbetrages gelangen wollen, können schon jetzt ihre Stücke der nächstgelegenen Reichsbankanstalt zum Ankauf übergeben. Die Auszahlung des Einlösungsbetrags, unter Abzug des Diskonts, erfolgt nach Prüfung der Stücke vom 2.1.1937 ab. Der Ankauf der ausgelosten Schuldbuchforderungen erfolgt zu denselben Bedingungen durch die Reichsschuldenoerwaltung. Deutsche gewerbliche Genossenschaften am Jahresende. Fwd. Das Jahr 1936 war für die rund 4000 im Deutschen Genossenschaftsoerband vereinten gewerblichen Genossenschaften ein Jahr der weiteren Stärkung der eigenen Kraft und damit der erweiterten Möglichkeit aktiver Unterstützung der mittelständischen Wirtschaft. Zwei bedeutende Ereignisse sind für das gewerbliche Genossenschaftswesen hervor- zuheben. Einmal konnte die durch die Bankenkrise erforderlich gewordene Aktion zur Wiedergesundung der gewerblichen Kreditgenossenschaften erfolgreich abgeschlossen werden. Zum anderen sind die gewerblichen Genossenschaften nunmehr endgültig in die Neuordnung der gewerblichen Wirtschaft einge- aliedert worden. Dabei wurde der Deutsche Genossenschaftsoerband unter Umgestaltung im Sinne des Führergedankens als alleiniger oberster Prüfungsverband anerkannt. Ihm obliegt außer der genossenschaftlichen Prüfung die Betreuung seiner Mitglieder in allen übrigen genossenschaftlichen Angelegenheiten. Damit sind dem Verband, der auf eine 77jährige Tätigkeit zurückblicken kann, auch für die Zukunft wichtige Aufgaben gestellt. Materiell wie ideell gefestigt, überschreiten die gewerblichen Genossenschaften die Schwelle des neuen Jahres. Liegen auch abschließende Geschäftszahlen noch nicht vor, so kann doch aus Teilergebnissen mit Sicherheit angenommen werden, daß die gewerblichen Kreditgenossenschaften bei über 2,1 Milliarden Mk. gesamter Betriebsmittel Auslechungen von über 1,6 Milliarden Mark vorgenommen haben. Der Warenumsatz der Warengenossenschaften, der in 1935 = 1,7 Milliarden Mark betrug, dürfte ebenfalls erheblich gewachsen sein. Hhein-Mainische Börse. Hlitfagsbörfe im Verlaufe schwacher. Frankfurt a. M, 29. Dez. Die Börse war nach nicht ganz einheitlichem Beginn nach den ersten Kursen fühlbar schwächer. Zunächst lagen in einigen Spezialpapieren weitere Käufe, offenbar für Sperrmarkrechnung, vor, während später Glattstellungen im Zusammenhang mit dem Jahres-Ultimo einsetzten, auch verwies die Börse heute stärker auf das Gesetz zur Erfassung der Abwertungsgewinne. Die Umsatztätigkeit war verhältnismäßig lebhaft. Am Aktienmarkt lagen besonders Montan-, Chemie- und Elektro- bzw. Tarifwerte im Angebot. IG. Farben 174 bis 172,50 (174), Deutsche Erdöl 148,90 bis 148,50 (149,25), Scheideanstalt und Metallge- fellfchaft lagen noch je 0,50 v. H. höher. Von Montanwerten waren besonders Verein. Stahl angeboten mit 123,75 bis 122,90 (125), auch Klöckner verloren 1,65 v. H., Harpener 2 v. H., Hoesch und Mannesmann bis 0,75 v. H., wogegen Rheinstahl und Buderus zunächst behauptet blieben. Von Kaliaktien Aschersleben 140,25 bis 139,50 (138,75), Westeregeln 135,25 (136). Am Elektromarkt lagen RWE. matt mit 138,75 bis 137,50 (140), ebenso schwach AEG. mit 38,65 (39,75), Schuckert und Elektr. Lieferungen verloren bis 1,50 v. H., dagegen notierten Siemens 1,50 v. H. fester mit 201,50. Maschinenaktien lagen unter dem Einfluß des günftigen Jahresberichtes mit einem auf 3 Milliarden erhöhtem Umsatz zunächst 0,50 bis 1,25 v. H. fester, gingen aber später ebenfalls zurück, besonders Muag mit 135,50 bis 134 (135,40). Von Zellstoffaktien verloren Aschaffenburger 1,25 v. H., dagegen kamen Feldmühle nach Pause 2,50 v. H. höher zur Notiz mit 146. Fester lagen ferner Reichsbank-Anteile mit 188,50 (187). Sonst ließen noch nach: AG. für Verkehr 1 v. H., Holzmann 0,50 v. H., Hapag 0,25 v. H. Am Rentenmarkt war das Geschäft bei meist weichenden Kursen klein. Altbesitz 116,70 (117), Kom- munal-Umschuldung 90,25 (90,30). Von Auslandsrenten waren Mexikaner weiter gesucht. In der zweiten Börsenstunde setzten sich die Rückgänge in Spezialwerten fort, auch auf den übrigen Gebieten des Aktienmarktes ergaben sich meist leichte Abschwächungen. IG. Farben 171,25 nach 172,50, RWE. 136,50 nach 137,50, Verein. Stahl 122 nach 122,90, Buderus 123,50 nach 124,50, Rheinstahl 155 nach 155,75, Mannesmann 118,50 nach 119,65, Siemens 200 nach 201,50. Schwach lagen von später notierten Werten Cement Heidelberg mit 161,50 (165). Am Kassamarkt waren Südd. Eisenbahn zu ca. 50 (zuletzt 63) angeboten. Don Renten gingen Kommunal-Umschuldung auf etwa 90,15 nach 90,25 zurück. Städte-Altbesitzan- lechen und zertif. Dollar-Bonds lagen unverändert. Am Pfandbriefmarkt ergaben sich nur geringe Veränderungen bei Liquidationswerten, in Goldpfandbriefen war das Angebot heute kleiner. Stadtan- leihen lagen meist voll behauptet. Von Auslandsrenten zogen Mexikaner weiter an; 5 v. H. äußere Gold 10,40 (9,90), 4V2 v. H. Irrigation 7,30 (6,90), 5 v. H. Tehuantepec jedoch unverändert 5,90. Im Freiverkehr lagen neue Türken weiter fest, II. 64,75 bis 66, (63,50), I. 52 (50,50). Freioerkehrsaktien lagen still und eher schwächer. Tagesgeld unverändert 3 v. H. Abendbörfe gehalten. An der Abendbörse kam die Abwärtsbewegung der Aktienkurse zum Stillstand. Auf der ermäßigten Basis setzten kleine Rückkäufe ein, auch wurde noch vorhandenes geringes Angebot durch niedrige Limite ausgeglichen. Das Geschäft hatte nur kleinen Umfang, auch war die Kursgestaltung gegen den Berliner Schluß noch etwas unregelmäßig, überwiegend aber doch behauptet, insbesondere gegen die 0,25 bis 0,50 v. H. unter dem Schluß liegenden Nachbörsenkurse. Weiter abgeschwächt waren RWE. mit 135,75 (136,50), Westdeutsche Kaufhof mit 57,25 bis 56,75 (57,25), Schuckert mit 158,65 (159,25), Holzmann mit 135,50 (136). Montanwerte fanden Nachfrage, Verein. Stahl 122,13 (122), Mannesmann 118,50 (118,25), Buderus 124 (123,50). IG. Farben blieben mit 171,25 gut behauptet. Am Rentenmarkt kamen Altbesitz mit unverändert 116,70 und mexikanische Anleihen zu ebenfalls unveränderten Mittagskursen zur Notiz. Kommunal- Umschuldung nannte man im Freiverkehr mit 90,13 bis 90,25 und Rhein. Städte-Altbesitz mit 114,50. U. a. notierten: Altbesitz 116,70, 3,50 v. H. Schweizer Bundesbahn 84, 1883er Steg 17,65, 5 v. H. äußere Goldmexikaner 10,40, 5 v. H. innere Silbermexikaner 9,50, 3 v. H. innere Silbermexikaner 9, Commerzbank 109, DD.-Bank 111, Dresdner Bank 107,50, Buderus 124, Harpener 154,50, Mannesmann 118,50, Rheinstahl 154, Verein. Stahl 122,13, AKU. E 53, Bemberg 106, Daimler 122, Scheideanstalt 273, Licht & Kraft 149,50, IG. Farben 171,25, Gesfürel 145,50, Holzmann 135,50, Junghans 118,25, RWE. 135,75, Schuckert 158,65, Siemens E 200, Westdeutsche Kaufhof 57,25 bis 56,75. Frankfurter Obst- und Gemüfemackt. Fwd. Frankfurt a. M., 29. Dez. Arn G e - müsernarkt war das Angebot von einzelnen Sorten, wie Rosenkohl, Feldsalat und Eskarol, infolge des Frostes schwächer, dagegen blieb es von Kohlgemüsen und Wurzelgewächsen gut Die Preise haben durchweg etwas angezogen. Ü. a. notierten: Blumenkohl Steige 24 Stück 3,00, do. 12 und 18 Stück 3,50 bis 4,00 Kat, Eskarol Stück 8 bis 20, Steige 12 bis 40 Stück 2,25 bis 2,80 ital., Feldsalat groß 60 bis 70, do. klein 75 bis 100, Gelberüben 3 bis 4, Karotten 4 bis 6, gelbe Kartoffeln 50 Kilogramm 3,00 bis 3,15, Kohlrabi ober 4 bis 6, do. unter 4 bis 5, Lauch 2 bis 5, Meerrettich 30 bis 45, Rettich 8 bis 15, Rosenkohl 24 bis 30, Rote Rüben 3Vt bis 6, Sellerie je nach Größe 8 bis 30, do. 50 Kilogramm 7,00 bis 12,00, Spinat 20 bis 25, Schwarzwurzel 15 bis 25, 22 bis 25 holl., Weißkraut 3 bis 6, Wirsing 5 bis 8, Winterkohl 9 bis 10, Zwiebeln 6 bis 6V2. Am Obftmarkt war die Nachfrage nach dem Fest schwächer, auch das Angebot von Aepfeln und Birnen war gering. Für Dirnen zogen die Preise an. Von ausl. Erzeugnissen blieben Nüsse, Feigen und Bananen reichlich angeboten, wogegen Apfelsinen nicht am Markt sind. Bei festen Preisen nahm das Geschäft in Aepfeln und Bananen einen zufriedenstellenden, im übrigen einen ruhigen Verlauf. U. a. notierten Aepfel I 30 bis 35, II 20 bis 28, Wirtfchaftsäpfel 16 bis 20, Landsberger 25 bis 30, Renetten 25 bis 32, Schafsnasen 16 bis 22, Amerik. Aepfel 20-Kilogramm-Kiste netto 18,75 bis 20,75, Birnen I 30 bis 35, II 24 bis 28, Kochbirnen 15 bis 18, Ital. Birnen 22 bis 25, Bananen 12V-- Kilogramm-Kiste netto 6,00 bis 6,50 Kam., Kranz- Feigen 25 Kilogramm 10,50 bis 12,00, Haselnüsse 30 bis 38 ital., Walnüsse 25 bis 30 bulg., 42 bis 46 Sorrento, Zitronen 300 und 360 Stück 10,00 bis 11,00. Die Frankfurter Pferdemärkte. Für die Frankfurter Pferdemärkte im Jahre 1937 sind folgende Termine festgesetzt worden: 5. Januar, 2. Februar, 9. März, 13. April, 11. Mai, 8. Juni, 6. Juli, 17. August, 5. Oktober, 7. Dezember. Der nächste Pferdemarkt findet somit bereits am kommenden Dienstag statt. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 30. Dez. (Dorbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Dorauftrieb: 850 Rinder, 1100 Kälber, 120 Schafe, 4700 Schweine. Es kosteten: Rinder: Ochsen 36 bis 45 Mk., Bullen 35 bis 43, Kühe 15 bis 43, Färsen 35 bis 44; Kälber (Sonderklasse) 25 bis 65; Lämmer und Häm- mel 35 bis 46; Schafe 25 bis 32; Schweine 48 bis 57 Mark. — Marktoerlauf: Rinder und Schweine zugeteilt, Kälber ruhig, Hämmel und Schafe langsam. Organisiere dich selbst! Großreinemachen des Haushaltsvorstandes zum Zahresfchluß. Behördlicherseits hört man immer wieder Klagen darüber, daß Volksgenossen, die mit irgendeinem Anliegen kommen, auch die einfachsten Formalitäten nicht erfüllen. In den wenigsten Fällen ist der Haushaltungsvorstand in der Lage, seine polizeiliche Anmeldung beizubrinZen. Und tritt. einmal ein Unfall oder gar ein Todesfall ein, so gehört es zu den Seltenheiten, wenn die Hinterbliebenen die nötigen Urkunden sofort vorweisen können. Lachen Sie nicht, aber es gibt Menschen, die einen Riefenkonzern leiten, die in einer Hand Fäden zusammenhalten, die zu den Hauptstädten der ganzen Welt gehen. Es gibt Menschen, die die verfahrensten Kisten „schmeißen", die Millionenpleiten über Nacht liquidieren können, die eine Gläubigerversammlung mit 200 Köpfen in einer halben Stunde unter einen Hut bringen, die wahrhaft phänomenales Organisationstalent besitzen, und ... die zu Hause sich in ihrem eigenen Schreibtisch nicht auskennen. Das gibt es, genau so wie es Menschen gibt, durch deren Hände tätlich Milliönchen gehen und die nicht wissen, wie man eine Postschecküb erw eisung vornimmt. Jawohl, das gibt es, und wir kennen auch die gewaltigen Herren dieses Schlages, die mit Energie auf ihr Ziel lossteuern und eifern die schwierigsten Dinge meistern und... jetzt wollen wir mal aus der Schule plaudern, die Angst haben, fünf Minuten zu spät nach Hause zu kommen. Aber wir wollen hier nicht von Nabobs und Millionären sprechen, die lernen wir genügend im Kino kennen. Paul Wegener spielt berarHge Rollen gern und ausgezeichnet. Bleiben wir also mit den Beinen auf der Erde und fangen wir mit den einfachsten Dingen an. Herr Meyer schreibt zwei Postkarten und einen Bries. Nicht täglich, aber alle zwei, drei Tage. Und alle zwei, drei Tage schimpft er, daß ihm drei Briefmarken fehlen. In seinem Haushalt sei auch nichts vorhanden. Also bleiben die Postkarten liegen, und am nächsten Tag freut sich der Bäcker oder der Metzger, wenn er Frau Meyer drei Briefmarken verkaufen kann. Das wiederholt sich seit 24 Jahren wie gesagt alle zwei, drei Tage. Der gleiche Herr Meyer braucht einen Bleistift. Wenn er Glück hat, findet sich einer ... ohne Spitze. Also hinaus in die Küche. Ein Bleistiftspitzer (für 10 Pf. in jedem Papiergeschäft zu haben) war im Haushalt nie vorhanden, also muß ein Messer herhalten. Also übern Ausguß! Das macht besonderen Spaß, wenn es sich um einen Kopierstift handelt. Wir wollen gar nicht davon reden, daß alle Messer stumpf wie die Böcke find, und es Meyers nicht bekannt ist, daß jeder Eisenwarenhändler für wenige Pfennige sehr handliche Schleifapparate hat. In diesem Falle geht es dieser Familie genau so, wie der „Familie Hase". Hases wissen auch immer von nichts. Briefpapier fehlt gewöhnlich auch in Meyers Haushalt. Aber Gott fei Dank sind ja so viele Briefe mit Respektbogen von Bekannten da, und die müsien dann herhalten. Und nun fragen Sie einmal bei Meyer an, wo er feinen Mietvertrag hat. „Wieso Mietvertrag, ich wohne doch seit 24 Jahren hier und will auch nicht kündigen!" Fragen Sie ihn doch einmal nach feiner polizeilichen Anmeldung, nach der Police für die Krankenkaffe und die Lebensversicherung. Gewöhnlich haben aber Leute wie Meyers keine Lebensversicherung, da diese Anno 23 flöten ging, und sie bestimmt feit vier Jahren mit einer neuen Inflation rechnen. Aus diesem Grunde haben auch Meyers, wenn die HI. anfragen sollte, keinerlei Altmetall im Haufe, denn dieses behält doch feinen Wert in schlechten Zeiten. Fragen Sie nach Formularen und Quittungen, und dann können Sie Zeuge fein, wie Meyer in feinen Schreibtisch steigt und wühlt, daß es eine Lust ist, zuzusehen. Und fragen Sie ihn, warum er es nicht gleich findet, dann sagt er allen Ernstes sicher mit bedauerndem Achselzucken: „Ja, da wird wohl meine Frau den Schreibtisch aufgeräumt haben!" Und so schiebt der Meyer alles auf die Meyerin. In zwei Dingen aber hat er seine Ordnung. Er weiß genau, wo die Kiste mit der dicken Bremer zu 15 steht, und, wenn Sie auf das Sparkassenbuch zu sprechen kommen sollten, wo der Karton mit den Rotgestempelten sicht. Die zeigt Meyer allen. „Meine Ersparnisse!" sagt er, und die Handbewegung dazu spricht Bände. Aber Sie werden doch sonst noch Ersparnisse haben, Herr Meyer? Und — jetzt kommen wir auf des Pudels Kern — Sie haben doch sicher auch ein Testament gemacht? — Schweigen! Eisiges Schweigen! Aber dann geht es los. Wozu ein Testament gut wäre?! Bei feinen paar Kröten! Das bekommt meine Frau und das der Große, und der Bernd bekommt das, und die Erika wird ja doch eines Tages heiraten. Und man wüßte schon, wie man es richtig verteilt, und man könne wohl gar nicht den Tag abwarten, wo er erst unter der Erde wäre, und in seiner Familie gäbe es keinen Zank und Streit, und was man sich wohl einbildete, seine Kinder seien keine Gauner, und so fort. Und nun Hand aufs Herz, hast du, lieber Leser, schon dein Testament gemacht? Hast du dir schon einmal überlegt, wie ungeheuer wichtig es ist, daß du noch zu deinen Lebzeiten — und die können morgen schon vorüber sein — bestimmst, wie du deinen Nachlaß, und wenn er gleich nicht in die Hunderttaufende geht, gerecht und ohne Härten verteilst? Wird es auch so fein, daß, wenn du heute einen Unfall hast und nun auf längere Zeit in das Krankenhaus mußt, alles, aber auch alles in deinem Haufe so bestellt ist, daß es feinen geregelten Gang geht? Große Schätze haben wir nicht, aber wird deine Frau, fein geordnet, eine Mappe vorfinden, in der alle Belege der Krankenkasse liegen, wird eine andere Mappe vorhanden sein mit der Police und der letzten Prämienquittung der Lebensversicherung? Hast du in einer weiteren Mappe den Mietvertrag, die Mietquittungen und die polizeiliche Anmeldung? Hast du eine Mappe mit den Geburts-, Tauf-, Heirats- und gegebenenfalls Sterbeurkunden deiner Familie angelegt? Hast du einen Ordner mit den bezahlten und einen mit den unbezahlten Rechnungen? Hast du wirklich Ordnung — nicht nur in deinen geschäftlichen Dingen, die werden schon weiter gehen — in allen deinen privaten Angelegenheiten? Weiß deine Frau, wieweit der Radioapparat und die Schreibmaschine abbezahlt sind? Hast du allen überflüssigen Kram, der längst erledigt ist, fortgeworfen, oder sieht es in deinem Schreibtisch genau so aus, wie in einer Makulatursammelstelle? Wenn ja, dann mach' schleunigst auch bei dir selbst einen Jahresabschluß! E. D. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) W. Sch. in k. Die Adresse ist uns leider nicht bekannt. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt befch losfenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v.H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Datum 6% Deutsche Reichsanleihe v. 1927 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 by2% Boung-Anlelhe von 1930 .. Deutsche Ant.-Ablös.-Schuld mit Auslos.-Rechten ............ 4Yi% Deutsche Retchspostschatzcm Weisungen von 1934, I....... 4/t% elfem. 8% Hessischer Bosts- staat 1929 (rückzahlb. 102%) .. *Yi% ehem.8% Hessische Landes banl Darmstadt Gold R. 12... b/i% ehem. 4H% Hess. Landes Hypothekenbank DarmstadtLiau. 4]/i% ehem. 8% Darmst. Komm Landesb.Goldichuldverschr. R.k Oberhessen Provinz-Anleche mit Auslos.-Rechten ............ Deutsche Komm. Eammelabl. An leihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten 4%% ehem.8% Franks. Hyp.-Banl Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935 bVi7o ehem. 4%% Franks. Hyp. Bank-Liqu.-Pfandbriese...... 6y3% ehem. 4%% Rheinische Hyp.-Bank-Liqu.-Goldpfe. ... <71°o ehem. 8% Pr. Landespfandbriefanstalt, Pfandbriefe R. 19 *Vz% ehem. 7% Pr. Landespfcmd briefanst., Gold Komm. Obl. 20 tzteuergutsch.Berrechnungsk. 34-38 4% Ossterretchische Goldrente... 4,20% Oesterretchtsche Stlberrente 4% Ungarische Goldreate....... 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 4’2% desgl. von 1913.......... 5% abgest. Gold Mexikaner von 99 4% Türkische Bagdadbahn-Anleche Serie l..................... Frankfurt a. M. Berlin Schluß- kurs Gchlußk. Abendbörse Schlußkurs Schluß! Mitiag- börse 28 12- 29 12- 28 12. | 29 12 101,1 100,75 100,75 100,75 97,8 97,8 97,8 97,8 102 102 102,4 102,13 117 116,7 117,13 116,75 99,9 99,9 99,8 99,8 98,75 98,75 98,75 — 97 97 — 97 100,4 100,4 — — 93,4 93,5 — — — — — — 121,75 121,25 121,5 121,75 97,25 97,25 97,25 97,25 100,45 100,5 — — 101 101 100,75 100,75 97,5 97,5 97,5 97,5 95 95 95 95 109,8 109,75 109,8 109,8 — — 18 17,75 —— — 1,3 1,35 5,55 6 5,7 6,13 4,9 5,45 5 5,3 —— — 5,25 5,6 9,9 10,4 9,75 10,25 — — __ — Frankfurt clUI. Berlin Schlußkurs Schluß!. Abendbörse Schlußkurs Schlußk. Mittag- börse Datum 28.12. 29.12. 28-12. 29-12. 4% oesgl. Serie 11 ............ _ _ _ _ 5% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 _ - 5,9 5,9 4V»%Numan.vereinh.Rentev.l913 9,05 9 9,13 9,13 4% Rumänische vereinh. Rente . 5,025 4,9 5,05 5 2*4% Anatolier .............. 22 22 22 22 Hamburg-A mersta-P aket .....0 15,5 15,25 15,65 15,5 Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 —- 39,25 39,13 Norddeutscher Lloyd .........0 15,5 15,5 15,25 15,25 A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 124,75 123 124,13 121,5 Berliner Handelsgesellschaft ... 6 124,5 124 124.25 Commerz- und Privat-Bank ... 4 Deutsche Bank und Disconto« 109 109 109 109 Gesellschaft................ 4 111 111 111 111 Dresdner Bank..............4 105,5 107,5 106,5 107,5 Reichsbank .................. 187 188 188,25 186,5 A.E.G....................... Bekula.....................g Elektr. LieferungSgeselhchast... 6 Licht und Kraft ............. 7 Felten & Guilleaume......... 4 Gesellfch.f.Elektr.Unternehmung. 6 Rheinische Elektrizität ........ 6 Rhein. Wests. Elektr..........6 Schuckert L Co...............g Siemens L Halske............g Lahmeyer L Eo.............. 7 Buderus ................... 4 Deutsche Erdöl ..............4 Harpener................ . 2ya Hoesch Eisen—Köln-Neuessen .. 3 Ilse Bergbau ...............6 Ilse Bergbau Genüsse........6 Klöcknerwerle ...............3 Mannesmann-Röhren........8 — — — — 165 165,25 165,5 165,75 139 138 139 138 150,65 149,5 150,25 149,4 141,5 140,5 145,5 142,65 140,25 146 146,5 145,5 133,5 — 133,5 135 140 135,75 139,5 136,25 161,5 158,65 161,5 159,25 200 200 201,5 200 126,25 125,75 126,65 125,25 124,25 124 124,5 124,75 149,25 149 149,25 149 158 154,5 158 154,5 120,75 — 120,9 118,65 — — 189,5 188,5 152 149 151,5 149,5 128,65 126,25 128,5 125,9 120 118,5 119,9 118,25 Frankfurt a. M. Berlin Schlußkurs Gchlußk. Abend- börse Schluß« kurs Gchlußk. Mittag« dürfe Datum 28.12 29.12. 28 12 29.12. Mansfelder Bergbau .. ..... ey, 159 158,5 160,5 158 Kok-wcrke........... .......6 — — 144,5 142 Rheinische Braunkohlen .....12 226,25 229 231 229 Rheinstahl ........... .......4 155,75 154 155,25 154,5 Bereinigte Stahlwerke. ..... 8% 125 122,13 125 122 Otavi Minen ........ .......O 22,65 22,5 22,75 22,65 Kaliwerke Aschersleben. .......5 138,75 139 139 138 Kaliwerke Westeregeln. .......5 136 135,25 136,25 134,5 Kaliwerke Salzdetfurth .....7J4 184 183,5 183 181,5 3. G. Farben-Jndustrte . ......7 174 171,25 173,9 171,5 Scheideanstalt......... .....9 273 273 Goldschmidt .......... .....6 132 128,5 132 128 Rütgerswerke......... ...... 6 141 140,75 141 141 Metallgesellschaft....... ......5 154 154,5 154 154,25 Philipp Holzmcmn........... 4| Zementwerk Heidelberg ...... 71 Cementwerk Karlstadt.........6| Schultheis Patzenhofer ...... 4 Aku (Allgemeine Kunstseide) .. 0 Bemberg...................5 Zellstoff Waldhof ............6 Zellstoff Aschaffenburg .......0 Dessauer Gas......... 7 Daimler Motoren............0 Deutsche Linoleum...........8 Orenstein & Koppel ..........0 Westdeutsche Kaufhof.........0 Chade......................9 Accu m ul atoren-Fabrik.......12 Eonti-Gummi.............. 11 136,5 165 135,5 161,5 161 137,25 136 — _ 102,5 101,4 53 53 53 53 107,5 106 108 106,25 163,5 164 163,5 162,75 143,5 142 25 143,75 142,5 — —— 109,25 107,25 123,25 122 123,13 121,65 164 164,5 163,75 164,5 — — 89,9 89,4 60 56,75 60 57,25 227 227 227 227 — — 198 199 167,25 167 167 166,75 «ritzner.................... 01 34,25 | Mainkraftwerke Höchst 0.8JL... 4 95,5 Süddeutscher Zucker........10j 207,5 | 34I 33,75 208 I 207,5 I 208 Devisenmarkt Berlin - Frankfurt a.M. 28. Dezember 29.Dezember Amiliche Geld Notierung Brief Amtliche Geld Notierung Brief Buenos Aue Brüssel .... ■Rio de 3an. Sofia..... Kopenhagen Danzig .... London.... Helsingfors. Paris ..... Holland ... (Italien .... Japan...... Jugoslawien Oslo..... : Men....... Lissabon... Stockholm... Schweq .... Spanien... Prag....... 0,758 41,98 0,151 3,047 54,57 47,04 12,22 5,395 11,625 136,26 13,09 0,709 5,654 61,42 48,95 11,10 63,00 57,18 18,98 8,701 2,488 0,762 42,06 0,153 3,053 54,67 47,14 12,25 5,405 11,645 136,54 13,11 0,711 5,666 61,54 49,05 11,12 63,12 57,30 19,02 0,758 41,99 0,149 3,047 54,64 47,04 • 12,235 5,405 11,64 136,20 13,09 0,707 5,654 61,50 48,95 11,11 63,08 57,17 18,98 8,691 2,488 0,762 42,07 0,151 3,053 54,74 47,14 12,265 5,415 11,66 136,48 13,11 0,709 5,666 61,62 49,05 11,13 63,20 57,29 19,02 8,709 2,492 Budapest ... Reuyork ... 2,492 Banknoten. Berlin,29.Dezember Geld Amerlkanpche iltoten.............. Belgische Roten.................. Dänische Roten ................. Englische Roten ................. Französische Roten............... Holländische Roten............... Italienische Roten................ Norwegische Noten .............. Deutsch Oesterreich, ä 1OO Schilling Rumänische Noten............... Schwedische Noten............... Schweizer Noten................. 2,45 41,84 54,48 12,21 11,59 135,87 61,34 62,91 57,02 2,47 42,00 54,70 12,25 11,63 136,41 61,58 63,17 57,24 Spanische Noten.......... Ungarische Noten ......... ....... nr. 304 Drittes Blatt' Mittwoch, 30. Dezember 1936 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Obrrheffen) Berlin begrüßt das neue Lahr. Buhe vor dem Sturm. - Des Lahres Kein Ankömmling in Berlin kann sich rühmen, so begrüßt zu werden wie ein neues Jahr! Kaum sind die Weihnachtsfesttage vorüber, da macht sich Berlin daran, die notwendigen Vorbereitungen für Silvester zu treffen. Tage vorher sind die Zeitungen angefüllt mit einladenden Anzeigen, den Jahreswechsel außerhalb des Hauses zu verbringen. Wer sich indessen auf diese Anzeigen verläßt, der kennt keine Berliner Silvesterfeier. Denn die Anzeigen sollen nur noch die letzten Gäste heranholen. Wer am Abend des 31. Dezember einen guten Platz in den Gaststätten erwischen will, der muß sich schon rechtzeitig vor Weihnach- t e n einen Tisch sichern. Das gilt für die großen Hotels ebenso wie für die Weinstuben, die Bier- wirtschaften und Kaffeehäuser. Und selbstverständlich auch für die Theater, die an diesem Abend bereits um 6 oder 7 Uhr ihre Vorstellungen beginnen. Wer das Glück hat, zu einer Siloesterfeier in der Familie eingeladen zu sein, der braucht sich allerdings derlei Sorgen um gute Plätze nicht zu machen. Aber er mag sich trotzdem „empfangsbereit" machen, denn auch im Familienkreise versteht man es, das neue Jahr zu begrüßen und zu — begießen. * Ein gut Teil Berliner Silvesterlaune tobt sich bereits am Nachmittag des letzten Jahrestages aus. Da pocht die jüngere Jugend auf ihr Recht. Nichts ist schöner, als vor den Schaufenstern der Läden zu stehen und den Karneval der Mützen und Masken, der Scherzartikel und Feuerwerkskörper zu bewundern! Da werden Väter und Mutter, werden Onkel und Tanten, die großen Brüder und Schwestern bestürmt, Groschen und Sechser herauszurücken, um springende Frösche, Raketen, Rot- und Grünfeuer zu erstehen. Spätestens um 6 Uhr nachmittags geht dann die Knallerei und Schießerei los. Niemand möchte in der Haut des alten Jahres stecken, das schon tot ist, obwohl seine Stunde noch nicht geschlagen hat. letzte Stunde drinnen und draußen. Schwer ist es zu beurteilen, wie groß eigentlich der „Hundertsatz" der Berliner ist, der das neue Jahr mit lautem, fröhlichem Lärm begrüßt. Denn nicht ganz Berlin taucht am Silvesterabend im Trubel der Gaststätten und der Straßen unter. Auch in Berlin gibt es viele, viele Besinnliche, die in ruhiger Betrachtung und feierlicher Stille des Jahres letzte Stunde begehen. Viele find es, die entweder daheim bleiben und im stillen Kreise das neue Jahr erwarten, oder die in dieser Stunde sich durch die Klänge eines ernsten Konzerts, einer weihevollen Musik erheben lassen. So sind denn auch keineswegs alle Veranstaltungen der Theater und Musikstätten an diesem Abend der heiteren und ausgelassenen Muse gewidmet. In den Klang der Glocken mischen sich die Töne der Beethovenschen Neunten, mit denen das alte Jahr ausschwingt. * Mittlerweile ist das Berlin der Gaststätten und Familienfeiern in Stimmung gekommen. Diese Stimmung setzt leise ein, wenn es elf Uhr geschlagen hat. Dann kommt eine fast unerklärliche Unruhe über die Berliner, die beinahe etwas Ueber- sinnliches (Metaphysisches) an sich hat. Es ist doch auch seltsam, daß nun ein Jahr, in dem man frohe und ernste, traurige und erfolgreiche Stunden verlebte und erlebte, oahinschwindet. Wohin eigentlich? Und ebenso seltsam ist es, daß etwas Neues, Unbekanntes heraufsteigt. Dieser Zwiespalt der Gefühle löst sich dann um halb zwölf in Bewegtheit und Lautheit auf. Um dreiviertel auf zwölf steigern sich Bewegtheit und Lautheit zur milden Ausgelassenheit, um dann Schlag zwölf Uhr in einen Taumel der Freude, der Begeisierung, der Verbrüderung, der des Losgelöstseins von allen Banden frommer Scheu einzumünden. Die Feder versagt, diese letzten Minuten vor zwölf und die ersten Minuten nach zwölf zu beschreiben. Berlin steht in diesen Augenblicken auf dem Kopf! Es lärmt, es ruft, es final, es lacht, es umarmt sich, es küßt sich. Es ist besessen vom Silvesterrausch! Und jetzt erst versteht man, wozu und warum Berlin all die tausenderlei Vorbereitungen zur Begrüßung des neuen Jahres getroffen hat. Alles geht drunter und drüber! Es sind nicht allein die Geister des Weins und des Bockbiers, die sich jetzt austoben. Eine wilde Lust, kaum noch gebändigt, bricht auf. Berlin, das nüchterne, brave, arbeitsame, gesittete Berlin ist gepackt von einer Jubelstimmung, die schier ohne Grenzen ist. Fast scheint es so, als ob ein Urerbe der wilden Wotansnächte und Hexentänze sich endlich, endlich wieder Geltung verschaffen will. Während drinnen in den Gaststätten und in den Wohnungen noch ein letzter Rest Haltung die Gemüter fesselt, rast sich draußen auf der Straße der Neujahrstaumel aus. Wehe dem Zylinder, der sich blicken ließe! Erbarmungslos würde er eingeschlagen! An allen Ecken und Enden sprüht es, knallt es, schießt es! Rotleuchtende Flammen züngeln auf. Raketen zischen und prasseln. Alle Fenster sind aufgerissen. Man schreit und prostet sich zu. Und an der historischen Kranzlerecke (Friedrichstraße Ecke Unter den Linden) stauen sich toll gewordene Neujahrsmassen und kommen weder rückwärts noch vorwärts. ♦ Eine halbe, eine dreiviertel Stunde später: Berlin hat sich wiedergefunden. Die Kellner haben sich noch im alten Jahr ihre Rechnungen bezahlen lassen. Sie wissen genau: der Berliner wird jetzt bald müde. Und so ist es auch. Lärm und Knallerei ebben ab und verstummen bald. Man sagt wieder „Sie" zueinander. Man sieht sich nach der Garderobe um. Die ersten Auto-Taxen fahren in die Vorstädte. Die Straßenbahnen füllen sich mit Heimkehrenden. Gewiß: die Siloesterfeiern währen die ganze Nacht hindurch. Die Polizeistunde ist aufgehoben. Man wechselt die Lokale. Man hat hier und da noch seine bunte Mütze oder seine Pappnase auf. Aber man macht damit keinen Eindruck mehr. Auch die Familienfeiern neigen sich ihrem Ende zu. Nur die Jugend läßt nicht vom Feiern und Tanzen ab. Oder sie ist dabei, Blei zu gießen. Unter Lachen und Prusten werden alle Krausheiten der Bleiklumpen gedeutet. Man sagt die Zukunft voraus. Es ist der erste Blick in das heiß und stürmisch begrüßte neue Jahr ... Was wird es den Berlinern bringen? Hannes Deyben. Die ersten Abend st und en des Sil- vestertages sind dann, wenn die Kinder sich müde „geneujahrt" haben, und der Sandmann zu ihnen kam, wieder ruhiger. Geht man so um 8 Uhr abend, in die Innenstadt, um langsam mit dem Silvesterbummel zu beginnen, ist man erstaunt, wie wenig Betrieb auf den Straßen und in den Gaststätten ist. Trotz aller guten Vorsätze des Berliners, das neue Jahr gebührend zu begrüßen, läßt er doch nicht von einer gewissen Sparsamkeit ab. Er beschränkt sich mit seinem Vergnügen auf die allerletzten Stunden des Jahres. Es zeigt sich in dieser Ruhe vor dem Sturm zweierlei: Der Berliner kann nicht stundenlang und erst recht nicht — wie der Süddeutsche und der Rheinländer — tagelang herumtrubeln und herumjubeln. Das ist der eine Grund, daß der Silvesterspuk in Berlin erst spät am Abend einsetzt. Der andere Grund ist der, daß Berlin nun einmal eine Arbeitsstadt ist. Der Berliner arbeitet auch am letzten Tage des Jahres, bis es höchste Zeit ist, sich an seinen Silvestertisch zu setzen. Man spürt diese Ruhe vor dem Sturm auch in der 8-Bcchn, in der U-Bahn, in der Straßenbahn, wenn sich Berlin auf den Weg zu seinen Silvesterfeiern in die Innenstadt aufmacht. Man sollte meinen, daß sich doch auf dieser Fahrt zur Fröhlichkeit schon etwas „Prost Neujahr-Stimmung bemerkbar macht. Nichts von alledem! Masken, Mützen, Scherzartikel bleiben schamhaft in Handkoffern und Manteltaschen, und selbst die Mienen verraten nichts von dem, was sich um die zwölfte Stunde ereignen wird. * Aus her provinzialhauptstadi. Oie Verlobungsseite. „Hast du gelesen?" fragt meine Frau, und hat neben ihrem Stück Weihnachtsstollen die Festtagszeitung liegen, „das Klärchen hat sich verlobt." Voller Spannung — denn da steht eine ganze Seite voller Klärchens und Adolfs und Mariechens und Wilhelms — vergißt sie für Augenblicke, in die Stolle zu beißen, und beißt sich an den Namen fest, die sich da „als Verlobte empfehlen" oder „ihre Verlobung (statt Karten) bekanntgeben". Aber ich muß sagen, ich bin nicht weniger gespannt, wenn ich auch tue, als ob dem nicht so wäre, und erst bei der zweiten Tasse Kaffee, so wie nebenbei, nach der Zeitung greife. Wahrhaftig, fast eine ganze Seite voll! Und in den Rauch meiner Festtagszigarre, aus der ein ganzes Glück dreier arbeitsfreier Tage, eines liebfraulichen Umhegtseins und der Erwartung eines saftigen Gänseschlegels vor mir aufsteigt, sehe ich sie vor mir aufmarschieren: die Klärchens, Annas, Elisabeths. Es ist, wie ich sie da vor mir sehe, keine darunter, die etwa häßlich oder von bösem Charakter wäre. Ich sehe nur frische Backen, entzückende Trippelfüß- chen, lachende Augen und Überhaupt ein Wesen bei allen diesen lieben Dingern, das auf Zärtlichkeit und Freude und viel, viel Liebe eingestellt ist. Ich sehe sie mit ihrem Hans, Willi, Ernst usw. an den Festtagen durch die Straßen gehen. Arm in Arm, und sie lächeln sich an und fühlen unter dem Handschuh nach dem schmalen Goldreif und möchten am liebsten ein Liedchen fingen, oder doch wenigstens eines summen, so „lalala, und das Leben ist schön". Und ich möchte ihnen allen gratulieren und ein Leben voll Glück und Geborgenheit wünschen. Ich sehe dem Rauch meiner Zigarre nach und bin wie ein kleiner lieber Gott, der die weißen Wolken am blauen Himmel über die Schicksale der Menschen dahinziehen läßt. Und es blitzt viel, viel Sonne zwischen den Wolken hindurch. So viel, daß sie alle davon warm werden können, die da auf der Verlobungsseite stehen. Glück zu, ihr Emmas und Mathildens, ihr Heinrichs und Karls! Mein Glück sitzt dort drüben bei der vierten Tasse Kaffee. „Du machst ja einen Nebel?" sagt es, „daß man seine Tasse nicht mehr sieht. Uebrigens könntest du mir jetzt einen Eimer Briketts heraufholen." D. Dornotizen. Tageskalender für Mittwoch Stadttheater: 15 bis 17.15 Uhr „Prinzessin Allerliebst". 19.30 bis 22 Uhr „Seiner Gnaden Testament". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Truxa". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Nacht mit dem Kaiser". Kunstführung im Spiegel des Jahres. Von Zohannes Jacobi. Plan und Tat, Anspruch und Leistung, Aufwand und Erfolg in ihren Maßverhältnissen zu überprüfen, ist für denkende, zielgerichtete Menschen die Bestimmung der besinnlichen Stunden, die sich am Jahresende in das Räderwerk des Geschehens schieben. Nicht immer ist der Zeitraum eines Jahres auch ein Sinnabschnitt im Ablauf einer Entwicklung. Besonders im geistigen Leben der Natton sind die Wachstumsringe weiter voneinander entfernt, als die Markierungen des mechanisch zählenden Kalenders. Die Leistung reift langsam heran, bis sie nach vielen Verwandlungen auf Wegen und Irrwegen sich zum Sinnbild des KÜltur- aeistes kristallisiert. Mag also die sinndeutende Ordnung der verwirrenden Ereignisse erst dem späteren Betrachter möglich sein, der aus größerem Abstande sichten kann, so bietet uns doch die sorgsame Zusammenstellung eines Mosaiks aus den mannigfaltigen Geschehnissen des Jahres ein Bild, in dessen Buntheit sich Leitlinien abzeichnen, die für unser künftiges Handeln als Richtschnur dienen müssen. Als wir das vorige Jahr beschlossen, zeigte der Rückblick auf das Verhältnis von Staat und Kunst eine Lebendigkeit der politischen Führung, die vor allem auf Anregung und Wegbereitung gerichtet war. Organisatorische Maßnahmen standen im Vordergrund, das Bewußtsein von der vorläufigen Begrenzung des staatlichen Einflusses trat ausgeprägt in Erscheinung. Das Jahr 1936 hat daran manches verändert. Das Haus, das der Staat den kunstschaffenden Menschen errichtete, steht fest gefügt. Jeder, der im kulturellen Leben des Volkes zu wirken berufen und befähigt ist, wurde dem Adernnetz angeschlossen, durch das der künstlerische Blutstrom zu fließen bestimmt ist. Der Staat konnte den nächsten Schritt hin, er ging zu entschiedener Wertung, zu bewußter Ausrichtung des Kulturgutes selbst über. Die alte Anschauung, daß Kunst und Politik zwei getrennte Le- bensEreife darstellen, erhielt in Deutschland einen vernichtenden Schlag. Eine „unpolitische" Kunst gibt es nicht mehr, sie wurde als ein Homunculus in der Retorte, als Abstraktion im luftleeren Raum enthüllt. Wenn der Staat sich als „großzügiger und weitherziger Mäzen aller künstlerischen Bestrebungen" bekennt, so hat er den Begriff des Mäzenatentums feines liberalen Inhalts entkleidet. Er gibt [eine Mittel und feine Unterstützung nicht einem im veralteten Sinne „freien" Künstler, sondern bindet ihn in doppelter Bedeutung an einen „A u f- t r a g". Die Erteilung der äußeren Aufgabe durch den Mäzen steht im engsten Zusammenhang mit der inneren Haltung des Schaffenden. Aus der Zurückführung des Begriffes „Politik" auf feine Grundbedeutung erwächst die Forderung nach einer staatsbezogenen Kunst. Die Volksgemeinschaft, verkörpert im hierarchischen Stufenbau von Bewegung und Staat, erhebt den Anspruch, vitaler Kraftspender, ethisches Gestaltungsprinzip und höchstes Wertmaß auch im Raume der Kun st zu sein. Wir brauchen nicht mühsam nach Belegen für diesen neuen Kurs der Kunstpolitik im vergangenen Jahre zu suchen. In frischer Erinnerung ist der tiefe Einschnitt auf dem Gebiete der Kunstkritik, durch den der Staat und die Bewegung, die ihn trägt, das Recht zur Wertsetzung im Bezirk des künstlerischen Schaffens für sich allein in Anspruch nahmen. In welcher Weise diese Kulturführung ausgeübt werden soll, dafür bot das abgelaufene Jahr schon mehrere Beispiele. Wir denken an die Behandlung eines Literatur st reit s, der zunächst in den dramaturgischen Büros der Schauspielhäuser ausgetragen wurde und in der Presse lebhaften Widerhall fand: Es war die Frage der Shake- speare-Ueberfetzungen. Da durch die Heftigkeit und Unversöhnlichkeit der Auseinandersetzung das deutsche Theater selbst Schaden zu nehmen drohte, entschied der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda auf Grund der gutachtlichen Aeußerungen berufener Fachleute in autoritativer Weise und beendete damit eine Diskussion, in der dem Staate das letzte Wort zu sagen Vorbehalten war. Aehnliche Bedeutung kam der negativen Stellungnahme oberster Parteistellen, der Reichspropagandaleitung, der Reichsjugendführung und der Werkscharenführung, zu, die für Parteiveranstaltungen das Auftreten von Sprech ch ö r e n verbot. Damit wurde eine noch im experimentellen Stadium befindliche Kunstform von ungesunden Wucherungen befreit und auf die Stätten akademischer Versuche verwiesen. (An der Berliner Universität z. B. besteht nach wie vor eine Professur für Choreatik mit einem soeben in fein vierzehntes Lebensjahr eingetrenen Sprechchor, der, wie in diesem Jahre, sich auch im kommenden mit gleichartigen Vereinigungen des Auslandes in Hersfeld treffen wird, um in internationaler Freundschaftsarbeit die Probleme weiter zu klären.) Das vergangene Jahr bot aber auch Beispiele positiver Wertsetzung durch betonte Herausstellung von künstlerischen Werken, die der staatlichen Kulturführung durch Form oder Haltung vorbildlich erschienen. Sehen wir von den vielen Einzelfällen ab, in denen Filme durch Prädikate der staatlichen Prüfstellen ausgezeichnet wurden oder eine Schöpfung aus anderen Kunstgattungen bei repräsentativen Feiern besonders hervor- treten durfte, dann bleiben als wichtigste Hinweise die Reichstheaterfe st woche in München und die Grabbe-Woche in Detmold. Waren es dort drei lebende Dichter (Hanns I o h st, Friedrich Bethge, Eberhard Wolfgang Möller), die als typische Vertreter nationalsozialistischer Dramatik in den Scheinwerferkegel der breitesten Oeffentlich- Eeit gestellt wurden, so setzte in Detmold der Reichsdramaturg im Bezirk des überlieferten Schrifttums einen starken Wertakzent auf Gestalt und Werk Dietrich Christian, G r a b b e s. Die festlichen Aufführungen der wichtigsten Schauspiele Grabbes durch mehrere niedersächsische Theater in seiner Geburtsstadt sollten dem verkannten Dichter im Bewußtsein des deutschen Volkes einen würdigeren Platz erobern. Ehrte das Reich durch die Grabbe-Woche ein in seiner künstlerischen Form fragmentarisch gebliebenes Lebenswerk vor allem durch die Hervorhebung der darin wirkenden ethischen Triebkräfte, zeigte die verantwortliche Führung durch die Werkwahl der Reichstheaterwoche hauptsächlich eine allgemeine Linie im neuen dramatischen Schrifttum, die sich durch unterschiedliche Einzelleistungen als Gemeinsames hindurchzieht, so stellten (Staat und Partei durch die Verleihung des Nationalen Buchpreises an Gerhard Schumann und des Kunstpreises der NSDAP, an Heinrich Anacker zwei junge Lyriker vor die Nation, deren genau bezeichnete „Preisarbeiten" Idee und Form zu einer gültigen Einheit verbinden und damit im wahrsten Sinne repräsentativ für die nationalsozialistische Kunst erscheinen, Am reinsten trat die staatliche Kulturführung in ihrer doppelten Eigenschaft als Wertsetzung und Ausscheidung cftif dem Gebiete der bildenden Kunst zutage. Auf Veranlassung des Reichsministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung wurde eine Neuordnung der deutschen Museen begonnen, in deren Verlauf die malerischen und plastischen Zeugnisse einer in die Irre gegangenen Epoche aus den Ausstellungsräumen in die Magazine verbannt und durch Schöpfungen solcher Künstler ersetzt werden, deren Werke dem sittlichen und künstlerischen Zielbild der Gegenwart entsprechen. Wenn man die Grundsätze dieser Aktion an der Art ihrer Durchführung in den Berliner Museen abzulesen versucht, dann ergibt sich, daß die Entscheidung nicht in erster Linie von den vorhandenen oder nicht vorhandenen manuellen Fertigkeiten des Künstlers abhängt, sondern von dem Range, den seine Gestalten im Prozeß der künstlerischen Selbstdarstellung des artbewußten deutschen Volkes ein- nehmen. Wer diesen Vorgang wirklich verstehen will, darf sich nicht wundern, wenn aus den Museen u.o. manche Bilder oder Skulpturen und aus dem Handel deren Reproduktionen und Würdigungen verschwinden, denen von den Leitern dieser Reinigungs- aktion keineswegs jeder Kunstwerk abgesprochen Sladttheater Gießen. Aus dem Sladttheaterbüro wird uns beschrieben: Heute nachmittag findet die letzte Ausführung des Märchenspiels „Prinzessin Allerliebst" ober „Der wundersame Regenschirm" von Friedrich Forster statt. Die Spielleitung führt Karl V o l ck. Musikalische Leitung: Ernst Bräuer. Tänze: Irmgard Zenner. Die Vorstellung beginnt um 15 Uhr und endet 17.15 Uhr. Außer Miete. — Arn Abend geht die Komödie „Seiner Gnaden Testament" von Hjalmar Bergman in Szene. Die Spielleitung führt Hans Geißler. Die Vorstellung findet als 14. Vorstellung der Mittwoch-Miete statt. Anfang 19.30 Uhr, Ende 22 Uhr. „Sechs singende Männer im Sladtthealer Gießen.* Eigentlich sind es nur fünf singende Männer, indes der sechste die Begleitung am Klavier dazu macht. Aber der Unterschied ist nicht wichtig. An Beliebtheit hat das „Meister-Sextett", früher genannt „Cvmedian Harmonists" seine amerikanischen Konkurrenten weit übertroffen. Es verdient an gemerkt zu werden, daß sie auch im Ausland geschätzt werden und daß sie auf ihre Weise Propaganda für deutsche Lieder machen. — Den meisten Volksgenossen war es bisher nur vergönnt, das „Meister- Sextett" im Rundfunk, Tonfilm und auf der Schallplatte zu hören. Am 1. Januar stellen sie sich nun dem Gießener Publikum persönlich im Stadttheater vor. Oie vierte Reichsstraßensammlung für das WHW. Wie die Kreisführung Wetterau der Deutschen Arbeitsfront noch einmal betont, übernimmt die Deutsche Arbeitsfront nicht die Reichsstraßensammlung am kommenden Samstag und Sonntag, die von der SA., der SS. und dem NSKK. durchgeführt werden wird. Die Deutsche Arbeitsfront wird erst die Schlußfammlung im März für das WHW. übernehmen. Oie Gemeinschastsfeiern der Behörden. Der Reichsminister der Finanzen hat im Einvernehmen mit dem Reichs- und preußischen Minister des Innern und dem preußischen Finanzminister folgende Grundsätze aufgestellt: 1. Gemeinschaftsfeiern sind auch bei den öffentlichen Betrieben und bei öffentlichen Verwaltungsstellen größeren Umfangs geeignet, die Verbundenheit der beamteten und nichtbeamteten Betriebsund Verwaltungsangehörigen zu vertiefen. Auf die Vorbereitung und Durchführung solcher Gemeinschaftsfeiern ist daher alle Sorgfalt zu verwenden. Die Gemeinschaftsfeiern sind nach Möglichkeit in der dienstfreien Zeit oder an einem dienstfreien Tage durchzuführen. Ist dies aus besonderen Gründen nicht möglich, so ist die ausfallende Arbeitszeit vor- oder nachzuleisten. 2. Die Stellung der Beamten und nichtbeamteten Gefolgschaftsmitglieder der öffentlichen Betriebe und Verwaltungen als Diener der Volksgefamtheit läßt es nicht vertretbar erscheinen, öffentliche Mittel zur Befriedigung persönlicher Bedürfnisse in Anspruch zu nehmen. Alle Ausgaben für persönlichen Verzehr müssen daher von den Betriebs- und Verwal- . I fywwtfnja/h ein • 21 nriiMtiga&ttpftutff! Dafür ist Schaumwein zu« *^)Eständig, das ^Festgetränk A der deutschen Familie^ (Heute kür Jedermann erschwinglich). SCHAUMWEIN bringt frvhsirwt! wird — er muß sich vielmehr fragen: Aus welchem Geiste wurden diese Werke geschaffen? Dann wird er nicht nur die einzelne Entscheidung begreifen, sondern auch eine grundsätzliche Ausrichtung verstehen, deren Linie durch die beiden während der Olympischen Spiele in Berlin gezeigten Ausstellungen „Große Deutsche in Blidnissen ihrer Zeit" und „Der Sport der Hellenen" vorgezeichnet ist. Der mit diesen Beispielen beschriebene Grundzug im kunstpolitischen Mosaik des abgelaufenen Jahres wird selbstverständlich durch manche bemerkenswerte Nebenlinie und viele bunten Steinchen ergänzt. Wie man durch sinnvolle organisatorische Maßnahmen das Kunstschaffen planmäßig zu einer Leistungssteigerung führen kann, ohne eine bestimmte Wertung in Einzelfällen vorzunehmen, das lehrten u. a. zwei Kammerentscheidungen. Durch Vereinbarungen des Präsidenten der Reichsmusikkammer mit dem Reichsinnenminister und dem Präsidenten des Deutschen Gemeindetages wurden die Städtischen Musikbeauftragten auf eine solide Rechtsbasis gestellt und damit allen Städten mit mehr als 5000 Einwohnern die bestmögliche Pflege ihres Konzertlebens garantiert. Das deutsche Filmwesen bekam die segensreichen Auswirkungen einer Anordnung des Präsidenten der Reichsfilmkammer bereits zu spüren, wonach die Filmherstellung anstelle des saisonmäßigen Stoßbetriebes auf das ganze Jahr zu verteilen und im Interesse der Verwirklichung nur ausgereifter Pläne den Hauptbeteiligten jedes Films ein fertiges Drehbuch einige Zeit vor Beginn der Aufnahmen auszuhändigen ist. Solche und ähnliche Anordnungen, die dem Außenstehenden selbstverständlich erscheinen, in der Praxis aber unerhörte Fortschritte darstellten, wirkten sich schon aus in der verbesserten Durchschnittsqualität des deutschen Films. Sie kam im Laufe des ganzen Jahres dem ständigen Besucher der Lichtspieltheater zum Bewußtsein, sie fand eine Bestätigung in der Anerkennung deutscher Spitzenleistungen durch das Ausland — erhielt doch Deutschland auf der Internationalen Filmkunst-Ausstellung in Venedig drei Preise, darunter den höchsten, und fünf Medaillen. Vervollständigen wir diese Bilanz internationaler Würdigung des deutschen Kunstschaffens durch die einzigartigen Erfolge des Reiches in den Kunstwettbewerben der diesjährigen Olympischen Spiele, die deutschen Künstlern fünf goldene, fünf silberne und zwei Bronzemedaillen eintrugen und außerdem die Namen zweier Deutschen für alle Zeiten mit der Olympischen Festhymne verbanden — dann darf aus diesem Blickwinkel wohl bestätigt werden, daß die autoritative Kulturführung des Dritte» Reiches weder ein Absinken der Leistung noch eine künstlerische Autarkie zur Folge hatte, sondern sich durch ihre Erfolge im Urteil der Welt bewährte. rungsangehörigen tm öffentlichen Dienst grundsätzlich selbst getragen werden. Die Stiftung freiwilli- ger Spenden aus den Kreisen der Gefolgschaftsan- gehörigen wird dadurch nicht ausgeschlossen. Z. Darüber hinaus sollen nach Möglichkeit auch die sächlichen Ausgaben für die Gemeinschaftsfeier (für Ermietung von Räumen, für Ausschmückung, Musik, Miete für Ausflugdampfer und andere Verkehrsmittel usw.) von den Betriebs- und Derwal- tungsangehörigen gemeinsam bestritten werden. Um die wirtschaftliche Belastung der Betriebs- und Verwaltungsangehörigen in tragbaren Grenzen zu halten, wird zugelassen, daß zur Bestreitung der allgemeinen sächlichen Ausgaben für die Gemeinschaftsfeier von den öffentlichen Betrieben und Verwaltungen ein Zuschuß aus deren Haushaltsmitteln geleistet wird, der nach der Zahl der beteiligten Beamten und Angestellten mit einem monatlichen Dienstbezug — ausschließlich Kinderzuschläge — von weniger als 150 Mark, sowie nach der Zahl der beteiligten Lohnempfänger unter Zugrundelegung eines Kopfsatzes bis zu 1 Mark je Haushalts- oder Wirtschaftsjahr bemessen werden kann. Neue Amtsbezeichnungen im hessischen Iorstdienst. Der Reichsstatthalter in Hessen — Landesregierung — veröffentlicht eine Bekanntmachung über Aenderung der Amtsbezeichnungen der hessischen Landesforstbeamten, die danach künftig zu führen haben: 1. Der Leiter der Abteilung v (Forstver- waltung) der Hessischen Landesregierung die Amtsbezeichnung „L a n o e s f o r st m e i st e r". 2. Die Oberförster die Amtsbezeichnung „F o r st m e i st e r ohne Revier". 3. Die Förster die Amtsbezeichnung „R e v i e r f ö r st e r". 4. Die Hilfsförster die Amtsbezeichnung „F ö r st e r". 5. Die Forstgehilfen die Amtsbezeichnung „H i l f s f ö r st e r. Eine Aen- derung der Dienftbezüge tritt durch die Aenderungen der Amtsbezeichnung nicht ein. Das neue Landesgebührengeseh. Die Polizeidirektion Gießen teilt mit: Das hessische Urkundenstempelgesetz in der Fassung der Bekanntmachung vom 24. März 1910 ist am 1. Juli 1936 außer Kraft getreten. Mit dem gleichen Tage hat das Landesgebührengesetz vom 20. Juni 1936 Wirksamkeit. Rach diesem Gesetz bzw. dessen Ausführungsverordnung sind Anträge in gebührenpflichtigen Angelegenheiten so frühzeitig bei der zuständigen Behörde (Polizeidirektion) zu stellen, daß etwa erforderliche Ermittlungen noch veranlaßt werden können. Genehmigungen (Erlaubnisse) zu Veranstaltungen, die an bestimmten Tagen stattfinden sollen, (z. B. Tanzveranstaltungen), sind mindestens sieben Tage vorher zu beantragen. Die Gebühren für Tanzveranstaltungen haben eine kleine Aenderung erfahren und werden sich voraussichtlich demnächst nochmals ändern. Oeffentliche Darbietungen von Musikaufführungen und Schaustellungen (Konzertveranstaltungen pp.) in und auf Privatgrundstücken sind im Gegensatz zu dem seitherigen Rechtszustanü ab 1. Juli 1936 nicht mehr erlaubnis- und gebührenpflichtig. Feuerbestattungsgenehmigungen sind jetzt gebührenpflichtig und kosten 3 Mark. Beerdigungserlaubnisse werden nach wie vor gebührenfrei ausgestellt. Für Beglaubigungen von Unterschriften wird jetzt gegen früher ein niederer und für solche von Abschriften ein höherer Betrag erhoben. Um Unannehmlichkeiten und evtl. Bestrafungen zu vermeiden, empfiehlt es sich, die Gebührenpflicht oder -freiheit bei der zuständigen Behörde (Polizeidirektion) zu erfragen. £Xe Lohnsteuerbelege für 1936. Die Finanzämter der Provinz Oberhessen veröffentlichen in unserem heutigen Anzeigenteil eine Aufforderung zur Einsendung der Lohnsteuerbelege für das Kalenderjahr 1936. Diese Belege sind bis spätestens 15. Februar 1937 einzusenden. Näheres ist für die interessierten Arbeitgeber und Arbeitnehmer aus der Bekanntmachung ersichtlich. Die Gießener Viehmärkte im Lahre 1931. Als Termine für die Viehmärkte in Gießen im Jahre 1937 sind folgende Daten festgesetzt worden: R i n d v i e h m ä r k t e: 19. Januar: 2. und 16. Februar; 2. und 16. März: 6. und 20. April; 4. und 25. Mai; 8. und 22. Juni; 6. und 20. Juli; 3., 17. und 31 August; 14 und 28. September; 12. und Große DerdunkeliWsiibiW im Kreise Gießen am 13. Januar. Das Kreisamt Gießen schreibt uns: Am Mittwoch, 13. Januar 1937, findet im ganzen Kreis Gießen eine Verdunkelungsübung gleichzeitig mit der von der Polizeidirektion Gießen für den Bereich der Stadt Gießen angesetzten Liebling statt. Im Gegensatz zu den bisher durchgeführten örtlichen Verdunkelungsübungen dauert diesmal die Verdunkelung mehrere Stunden. Sie beginnt an dem genannten Tage mit Eintritt der Dämmerung und dauert bis 21 Uhr. Die Hebung wird zunächst bis 18.30 Uhr in Form der eingeschränkten Beleuchtung durchgeführt; von diesem Zeitpunkt an setzt die volle Verdunkelung ein. Der Beainn dieser vollen Verdunkelung wird durch akustische Zeichen (Sirenen, Trompetensignale usw.) bekanntgegeben, während dies bei dem Beginn der eingeschränkten Beleuchtung nicht geschieht. Diese beginnt vielmehr automatisch mit der Dämmerung. Bei der Durchführung der Verdunkelungsübung ist folgendes zu beachten: 1. In allen Wohnungen: Mit Eintritt der Dunkelheit müssen sämtliche Wohnungen abgedunkelt sein. In dieser Hinsicht besteht kein Unterschied zwischen eingeschränkter Beleuchtung und voller Verdunkelung. Auch Räume, die nur vorübergehend benutzt werden, wie Speisekammern, Aborte usw., sind ebenfalls zu verdunkeln. Auch Dachfenster sind zu verdunkeln, sofern sie sich in Räumen befinden, die während der Verdunkelungszeit betreten werden müssen. 2. Besondere Aufmerksamkeit ist auf die Verdunkelung der Wirtschaftsgebäude zu legen (Ställe, Scheuern usw.). Auch hier müssen die in den Wirtschaftsgebäuden befindlichen Lampen entweder abgeblendet, oder aber vorhandene Fenster ab gedunkelt werden. Es muß vermieden werden, daß beim Betreten der Wirtschaftsgebäude durch die geöffnete Tür Licht auf den Hof fällt. Etwaige Hoflampen können während der Dauer der eingeschränkten Beleuchtung brennen bleiben, müssen aber entsprechend abgeblendet und verdunkelt werden. Während der vollen Verdunkelung müssen diese ausgeschaltet bleiben. 3. Verkaufsräume müssen ebenfalls mit Eintritt der Dunkelheit außen vollständig verdunkelt werden. Etwaige Schaufenster sind mit eingeschränk- ter Beleuchtung zu beleuchten. Die Jnnenbeleuchtung der Verkaufsstätten ist voll zu benutzen. 4. Für Gast- und Schankwirtschaften gilt dasselbe, wie das unter Ziffer 1 für Wohnungen Gesagte, jedoch mit dem Zusatz, daß in denjenigen Fällen, in denen Wirtschaften unmittelbar von der Straße oder dem Hof aus betreten werden, sicherwirkende Lichtschleusen anzubringen sind. 5. Soweit industrielle Unternehmungen dem Werkluftschutz unterstehen, erhalten diese die Anweisung von der hierfür zuständigen Stelle. Die übrigen industriellen Betriebe unterstehen dem Bürgermeister als Ortspolizeibehörde. 6. Oeffentlicher Verkehr: a) Fußgänger: Von Beginn der eingeschränkten Beleuchtung dis zur vollen Verdunkelung geht der Publikumsverkehr wie unter normalen Verhältnissen uneingeschränkt weiter. Jedermann ist in der Lage, während dieser Zeit Besorgungen zu machen. Mit dem Eintritt der vollen Verdunkelung wird der Verkehr auf das Notwendigste beschränkt. Nur solche Personen, die unbedingt notwendige Gänge zu machen haben, wie z. B. Aerzte, Hebammen, oder die während dieser Zeit zu ihrer Arbeitsstätte gehen müssen, oder von dieser nach Hause zurückkehren, dürfen sich auf der Straße aufhalten. Der Aufenthalt darf aber keinesfalls länger als unbedingt erforderlich ausgedehnt werden. b) Fahrzeuge dürfen von Eintritt der Dunkelheit bis zur vollen Verdunkelung innerhalb der Ortschaften nur mit Standlicht (Parklicht) fahren. Außerhalb der Ortschaften kann während dieser Zeit abgeblendet gefahren werden. Von Beginn der vollen Verdunkelung an dürfen Fahrzeuge nur mit Abblendkappen fahren; außerhalb der Ortschaften kann während dieser Zeit mit Standlicht gefahren werden. Auch die Radfahrer und landwirtschaftlichen Fuhrwerke müssen für eine entsprechende Aböl endung ihrer Lampen sorgen. Es ist streng verboten, ohne Licht zu fahren. Die Fahrzeugführer werden zur größten Vorsicht ermahnt, damit Unfälle vermieden werden, da die öffentliche Beleuchtung vom Eintritt der Dunkelheit an bis zur vollen Verdunkelung, also während der Zeit der -eingeschränkten Beleuchtung, nur in beschränktem Maße brennt, während mit Beginn der Verdunkelung sämtliche öffentliche Lampen ausgeschaltet werden und von diesem Zeitpunkt an nur sogenannte Richtlampen brennen. Die ordnungsgemäße Durchführung der Derdun- kelungsübungen wird in den einzelnen Gemeinden durch den Bürgermeister als Ortspolizeibehörde Unter Hinzuziehung von SA. und sonstigen Hilfskräften kontrolliert. Die Kontrolle auf den Landstraßen erfolgt durch die Gendarmeriebeamten unter Hinzuziehung des NSKK. Den Anweisungen der Beamten, sowie der Hilfspersonen ist unbedingt Rechnung zu tragen. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß Nichtbeachtung der Verdunkelungsanordnungen nach den Paragraphen 2 und 9 des Luftschutzgesetzes vom 26. 6. 1935 strafbar macht. Die örtlichen Polizeiorgane, sowie die Gendarmeriestationen sind angewiesen, Personen, die den Anordnungen nicht entsprechen, festzustellen und zur Meldung zu bringen. 26. Oktober; 9 und 23. November; 7. und 21. Dezember. Schweinemärkte: 20. Januar; 17. Februar; 17. März; 21. April; 26. Mai; 30. Juni; 28. Juli; 18. August; 22. September; 20. Oktober; 24. November; 8. Dezember. Pferdemärkte: 7. April; 15. September. Ziegenmarkt am 7. September. Messe: vom 4. bis 11. April; vom 12. bis 19. September. Schutz der Tiere in der Silvesternacht. In der Silvesternacht wird zuweilen grober Unfug mit lebenden Tieren getrieben. Insbesondere haben Ferkel, aber auch Hunde, Katzen und Vögel unter roher Behandlung durch angeheiterte ober betrunkene Personen zu leiden. Derartige Auswüchse entstammen einem überwundenen Zeitabschnitt, in dem das Tier nur als Sache gewertet wurde. Mit Rücksicht auf die Höhe der Kultur des deutschen Volkes, wie auch auf die strengen gesetzlichen Vorschriften, die der heutige Staat zum Schutze aller Tiere erlassen hat, dürfen derartige Roheiten in keinem Falle mehr geduldet werden. Der Reichs-Tierschutzbund fordert alle Volksgenossen auf, solche Tierquälereien zu verhüten und Schuldige zur strafrechtlichen Verantwortung zu ziehen. Anzeigen können bei der zuständigen Polizeibehörde oder dem nächsten Tierschutzverein erstattet werden. Jedermann ist hierzu berechtigt. Nicht Gefängnis, sondern Zuchthaus. Wie uns zu dem Bericht über die Sitzung der Großen Strafkammer vom 15. Dezember hinsichtlich der Verhandlung gegen den früheren Gemeinderechner Ludwig Mitze aus Eichelsdorf (Kr. Schotten) wegen Unterschlagungen während seiner Amtsführung berichtigend mitgeteilt wird, ist Mitze nicht zu Gefängnis verurteilt worden, sondern hat ein Jahr und sechs Monate Zuchthaus erhalten. Das Sparwunder des Januar. Die Jahreswende veranlaßt manchen, sich Rechenschaft über das eigene Leben abzulegen. Mit ernsten Vorsätzen wird das neue Jahr begonnen. Eine Rückschau auf die ^verflossenen zwölf Monate des alten Jahres läßt m diesem ober jenem Menschen neue Pläne reifen, wie bte neu beginnenbe Zeitspanne fruchtbarer, als bie alte vielleicht war, ausgefüllt werben kann. Nicht zuletzt ist es der Gedanke der Fürsorge für andere und der Vorsorge für das eigene Leben, der manchen Volksgenossen beim Eintritt in das neue Jahr stärker als sonst beschäftigt. Hieraus erklärt es sich, daß die Notwendigkeit, Rücklagen zu bilden, im Januar jedes Jahres verstärkt erkannt wird. Bei den Sparkassen und Banken fließt gerade in diesem Monat ein besonders reicher Strom neuer Spareinlagen zu-sam- men. Das Vorbild, das beharrliche Sparer tm ersten Monat des neuen Jahres bieten, möge auch anderen ein Anlaß fein, ernsthaft mit sich baruber zu Rate zu gehen, ob bte von ihnen bereits gebildeten Sparrücklagen ausreichend erscheinen, ob sie nid)t vielleicht überhaupt erst daran gehen müssen, sich ein Sparbuch einzurichten. Das in dem sogenannten „Sparwunder des Januar" gegebene Beispiel vermag sich so für immer weitere Volksgenossen fruchtbringend auszuwirken. * ** Schulperfonalie. In den Ruhestand versetzt wurde auf Antrag der Rektor Ludwig D e r n zu Offenbach a. M. ** Die Bezirkssparkasse Gießen kündigt in unserem heutigen Anzeigenteil an, daß ihre Geschäftsräume wegen Abschlußarbeiten am kommenden 2. Januar geschlossen bleiben. Statt Iimfmarkstiicke Eisenröhren mit Bleifüllung. Frankfurt a.M., 29.D-z. (LPD.) In einer Bank einer norddeutschen Großstadt versuchte ein Unbekannter in den letzten Tagen vor Weihnachten mit gerolltem Silbergelb zu 2 0 0 M k. in Fünf- Markstücken Reichsbanknoten einzuwechseln. Die Rollen hatten ordnungsmäßiges Rollpapier und auch das vorgeschriebene Gewicht echter Gelbstücke. Bei ber Deffnung ber Gelbrollen stellte sich heraus, baß sie aus Eisenröhren mit Bleifüllung bestanden, an deren Enden sich je ein echtes Fünf-' Markstück befand. Dem Unbekannten ist es gelungen, mit einem weiteren Beteiligten unerkannt zu entkommen. Einer der Täter hat sich die Eisenrollen bei einem Metalldreher in Hamburg angeblich zur Patentoerwertung fabrikmäßig Herstellen lassen. Er nannte sich Paul Nagel. Beschreibung der Täter: 1. 40 bis 50 Jahre alt, 1,78 Meter groß, schmales blasses Gesicht, trug grauen Ulster; 2. 35 bis 40 Jahre al^ 1,75 Meter groß, schlank, hat gesunde Gesichtsfarbe. Banken und Wechselstuben werden vor diesen Betrügern ganz besonders gewarnt und gleichzeitig gebeten, sie beim Auftreten festzuhalten und ber nächsten Polizeidienststelle zu übergeben. Umbenennung des GS.-OberabschnittS Rhein. LPD. Arolsen, 29. Dez. Infolge Umgliederung führt der SS.-Oberabschnitt Rhein ab 1. Januar 1937 die Bezeichnung „SS.-Oberabschnitt Fulda- Werra". Die Anschrift lautet wie bisher: Arolsen (Waldeck), Kasernenstraße 19, Rufnummer 351 und 352. Die Führung des SS.-Oberabschnitts Fulda— Werra behält der bisherige Führer des SS.-Ober- abschnitts Rhein, SS.-Öbergruppenführer Erbprinz zu Waldeck. Wußten Sie schon? daß es im Haufe Köhler Anzüge gibt, die die Atemtechnik fördern und den Namen Sanistrella tragen? daß die Firma Kohler 3 Stockwerke innehat, um die Taufende Bekleidungsstücke sorgfältig für ihre Kunden bereitzuhalten und damit diese bequem wählen können? Nein? daß nicht nur normale Figuren, sondern auch übermäßig schlanke und korpulente bis Bauchweite 136 passende Kleidung vorfinden? daß das Haus Köhler eine große eigene Maßschneiderei unterhält, wo bie verwöhntesten Kunden schon seit Jahren ihre Anzüge und Uniformen bauen lassen? daß in Köhlers Herrenstoffabteilung zirka 500 verschiedene Qualitäten am Stück gezeigt werden? daß sämtliche Erzeugnisse der Firma Loden-Frey, München, vorrätig sind bzw. besorgt werden zu Originalpreisen mit der Uebernahme ber Garantie für Paßform? daß das Spezialhaus Köhler die größte Auswahl in Herren-, Knaben- und Berufskleidung in ganz Oberhessen hat? daß das Haus Köhler feine heutige Größe und Leistungsfähigkeit nur dem fachlichen Können und feinen geschulten Mitarbeitern verdankt? daß das Spezialhaus auch die Pflege (Ausbügeln, Ausbessern) ihrer Kundenkleidung gegen ein Geringes übernimmt? 8566A ^KÖHLER— Vas fremde Gefühl. Roman von Caren. 4. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!) Der (Eintretenbe begegnete einem gläsern fremben Blick, ber über ihn hinweg ins Leere ging. Schon feit Tagen war ihm an seinem Chef eine seltsame Veränberung ausgefallen. Dieser lebensstarke unb sonst so knabenhaft fröhliche Mensch war auf einmal wie um Jahre gealtert. Er sah aus wie ein Schwerkranker, unb es gab Momente, in benen man ihn für geistesgestört hätte halten können, so fonberbar benahm er sich oft. Aber man mußte sich hüten, Besorgnis zu äußern. Jede Anspielung auf seinen Zustanb beantwortete Allanb mit abweisender und beinahe höhnischer Schärfe, die darauf schließen ließ, daß er sich selber dieser plötzlichen Zerrüttung sehr wohl bewußt war und sie nur nicht vor anderen wahrhaben wollte. Auch jetzt machte er wieder den Eindruck, als habe man ihn aus einem quälenden Traum gerissen. „Was ich sagen wollte, Doktor", sagte er schleppend, während er sich mit unsicheren Fingern eine Zigarette anzündete, „ist eigentlich die Blutuntersuchung von der kleinen Westheim schon gemacht worden?" Dr. Lutze wurde für seinen Vorgesetzten rot. „Aber gewiß, Herr Doktor", mahnte er verlegen, „wir haben uns ja heute vormittag noch darüber unterhalten." „Ach so — stimmt ja..." Allanb machte eine verschwommene Geste und stteß heftig ben Zigarettenrauch burch bie Nase. Dann fragte er ohne Uebergang: „Kennen Sie zufällig in Mailanb ein Hotel Manin? Sie waren boch mal in Mailanb, nicht?" Der Assistent nickte unsicher. „Ja, erst vor zwei Monaten. Aber an ein Hotel Manin erinnere ich mich nicht. Muß eines von ben kleineren Hotels fein, die man als Fremder nicht kennenlernt." „Kann fein. Uebrigens..." Dr. Alland warf die halbgerauchte Zigarette in die Aschenschale und ging mit nervösen Schritten am Fenster auf unb ab. „Dieser Bertranb — wer hat dem Mann erlaubt, soviel herumzustreunen? Soll gefälligst zu Hause bleiben unb sich schonen, damit die Geschichte endlich mal verheilt, statt draußen irgendwo herumzusaufen! Kommt er denn regelmäßig zur Bestrahlung?" „Ich glaube, ja. Aber das mit dem Saufen scheint zu stimmen. Die Schwestern beklagen sich auch, daß er auf zehn Schritt nach Alkohol riecht und heimlich leere Kognakflaschen aus seinem Zimmer schmuggelt." „Kann ich mir denken!" Der Chef lachte grimmig vor sich hin. „Ich werd' mir den Burschen mal ordentlich vornehmen. Hätte Lust, ihn einfach an die Luft zu setzen. Soll er sich ’ne andere Klinik suchen, wenn er nicht parieren will. Ich hab' es satt, mich mit ihm herumzuärgern." Dr. Lutze folgte dem zornig Umherwandernden mit erstaunten Blicken. Noch nie hatte er den Chef so erregt gesehen. Das mit SertAnb war ärgerlich — zugegeben. Der Heilungsprozeß konnte keine Fortschritte machen, wenn der Pattent sich dauernd unter Alkohol setzte. Aber es war ijpn dieser Sache auch schon früher einmal die Rede gewesen, unb da hatte Dr. Allanb es längst nicht so tragisch genommen. Es war wohl nur seine allgemeine lieber» reiztheit, die ihn gegen den Seidenfabrikanten so wütend stimmte. „Außerdem", fuhr Alland in seinem gehässigen Tone fort, „bas mit bem ,Autounfalll, das kann er seiner Großmutter erzählen, aber keinem Chirurgen, ber sich auf Verwunbungen versteht. Die Sache kam mir gleich verbächtig vor. ,Autounfalll heißt heutzutage alles. Sah mir eher nach einer schweren Prügelei aus, bas Ganze. Ich wollt' es ihm bloß nicht bireft sagen. Geht mich ja schließlich auch nichts an. Schabe, daß Sie ihn nicht gesehen haben, als er ankam. Sein Gesicht sah aus wie ’n geflickter Kommißstiefel. So breit bie Narben — eine tolle Schweinerei! Muß ein schöner Pfuscher gewesen sein, bieser Lyoner Arzt, bei dem er sich angeblich hat zusammennähen lassen. Wenn er überhaupt bei einem Arzt gewesen ist! Unter uns gesagt, glaub’ ich ihm bas gar nicht. Wahrscheinlich war ba irgendwas faul an ber Sache. Vielleicht war ein Frauenzimmer im Spiel, ober er hat in irgenb» einem finsteren Lokal was abgekriegt und wollte vermeiden, daß die Geschichte an die große Glocke kommt." „Sie meinen, er hat selber an sich herumkuriert?" „Ja, das meine ich. Muß zäh sein wie 'ne Ratte, der Kerl. Ein anderer mär’ daran glatt krepiert." „Wie ist er dann überhaupt auf die Idee gekommen, sich von Ihnen nachoperieren zu lassen?" „Ein früherer Patient von mir, ein reicher Amerikaner aus den Südstaaten, mit dem er befreundet ist, hat mich ihm empfohlen. Meinetwegen" — Dr. Alland wandte sich mit einem wegwerfenden Achselzucken zum Gehen — „mir kann es gleich sein, wo er sich die Sache geholt hat. Die Vorgeschichte geht mich nichts an. Kommen Sie, es wird Zeit." Er hastete mit langen Schritten seinem Assistenten voran durch ben Korribor. Als er sich dem Lift näherte, hörte er bas bumpfe Stottern bes eben haltenben Aufzugs. Im nächsten Augenblick wurde bie Schiebetür geöffnet, unb aus bem Lift trat Herr Bertranb. Er prallte erschrocken zurück, als er bie beiden Aerzte auf sich zukommen sah, unb machte Miene, sich schleunigst roieber in den Aufzug zu retten. Aber Alland ließ ihm keine Zeit dazu. Er stieß direkt auf ihn zu und sagte mit mühsam erzwungener Ruhe: „Gut, daß ich Sie gerade treffe, Herr Bertranb. Ich muß Sie einen Augenblick sprechen. In meinem Zimmer, bitte, gleich um bie Ecke." Er winkte seinem Assistenten zerstreut zu. „Fangen Sie nur schon immer an, Dr. Lutze — ich komme gleich nach." Bertranb folgte ihm wortlos in bas Sprechzimmer. Wie das leibhaftige böse Gewissen, dachte Alland, als das grell aufzuckende Licht der großen Deckenlampe den Patienten ins Gesicht traf. Ein plötzlich aufquellender Haß verdunkelte feinen Blick, und feine Hände ballten sich zur Faust. Er mußte an sich halten, um nicht auf B/rtrand loszustürzen, ber in unsicherer Haltung an oer Tür stehengeblieben war unb ihm mit feinem verwaschenen Lächeln scheu und frech zugleich ins Gesicht starrte. Ein paar peinliche Sekunden verstrichen, bevor Allanb sich wieber so weit in ber Gewalt hatte, daß er sprechen konnte. Auf einmal merkte er, daß Bertranb etwas vor ihm zu verstecken suchte, einen in Seidenpapier eingewickelten Gegenstand, den er in der linken Manteltasche trug. „Geben Sie bie Flasche her, bie Sie ba bei sich haben", sagte er in kaltem Befehlston. Mit der ärztlichen Autorität fand er auch seine Ruhe wieder. „Sie wissen, baß Ihnen ber Alkohol streng verboten ist. Aber Sie schmuggeln sich immer wieder welchen herein, ich weiß es von den Schwestern. Wenn Sie sich nicht an meine Vorschriften halten, Herr Bertrand, muß ich jede Verantwortung ad- lehnen." Bertrand schnitt eine alberne Grimasse und stellte wiberwillig bie Flasche auf den Jnstrumenten- schrank. Ein bösartig verstockter Zug trat in sein entstelltes Gesicht. „Lächerlich , knurrte er, „das bißchen Kognak wird mich nicht umbringen." Alland runzelte ungebulbig die Brauen. „Das nicht, aber ber Heilungsprozeß wirb da- burch unterbunben. Ich habe Ihnen bas schon ein paarmal gesagt. Ihre Narbe müßte schon so guf mic verheilt sein, wenn Sie vernünftig wären. Aber ich mach' Sie aufmerksam: Wenn Sie so weitermachen, behalten Sie bas Ding Ihr Lebtag lang. Wenn Sie das riskieren wollen — meinetwegen!" Der Chirurg zuckte verärgert bie Achseln. Erst jetzt bemerkte er, baß der Patient immer noch stand. Er machte eine zum Sitzen aufforbernbe Gebärde, der Bertrand mechanisch Folge leistete. Eine Pause trat ein, während welcher ber Seiben- fabrifant mit seinem Spazierstock allerhand Hieroglyphen auf ben hellgrünen Velourteppich zeichnete. Dr. Alland lehnte mit über ber Brust verschränkten Armen am Schreibtisch und betrachtete ihn aufmerksam, mit einem falten und sachlichen Interesse, wie er irgenbeinen anbern unsympathischen Patienten betrachtet haben würbe. Er rounberte sich im Stillen selbst barüber, daß ihn die Nähe dieses Menschen nicht mehr im geringsten erregte, baß er ihm gegenüber nichts mehr empfand als eine fast mitleibige Ueberlegenheit. „Ich sehe, man muß Sie etwas fester an die Kanbare nehmen", fuhr er gelassen fort. „Ich untersage Ihnen bis auf weiteres {eben Ausgang. Die Schwester wirb schon bafür sorgen, daß Sie nicht heimlich auskneifen. Im Garten können Sie spa- zierengehen, soviel Sie wollen. Der Garten ist groß genug. Wenn Sie ..." Er kam nicht weiter. Her* Bertrand war plötzlich von seinem Stuhl hochgeschnellt Sein Gesicht lief kupferrot an vor Wut. (Fortsetzung folgt!) inÄ fas fliie crnelh M mero* ShieWW Mi v^ue • ®reiM°r5 |iMDf Dem abend j Innig in? Mellt 0* $ M y ri wenige a KrijWÖ Ms d-r v-H fr NW' tarn genM/ |e Hauswarte luller nod) Mstschchs t)in 4- ©riinbi Mrtagen sand M. Am zwei i in, einem a! Sn bet Turnh Gesuches erste |tr einzelnen men Schulen ■nein Ringeti ireiübungen rannen, NN GM bet luv Bungen ber al Angelegten Re Am 2' lieber uni C nach 1 Kiof< Die Heuti herze. Giefct Diel vorm sowie f Wdj di. aieviej ScMde Hl 6 t IN' lla die - re ein Cf: ‘ite /?» n\* •er« i? ey, Aufforderung zur Einsendung der Lohnsteuerbelege für das Kalenderjahr 1936. I. Auf Grund des § 47 der Lohnsteuerdurchführungsverordnung und des Runderlasses des Reichs- ministers der Finanzen vom 7.12.1936 — S. 2233— 115 III sind bis spätestens 15. Februar 1937 einzusenden: 1. von den Arbeitgebern: a) für die am 31. Dezember 1936 bei ihnen beschäftigten Arbeitnehmer Lohnsteuerbescheinigungen auf der zweiten Seite der Steuerkarte 1936 an das Finanzamt, in dessen Bezirk die Steuerkarte 1937 ausgeschrieben worden ist; b) für die im Kalenderjahr 1936 beschäftigten Arbeitnehmer, deren Steuerkarte 1936 dem Arbeitgeber nicht vorgelegen hat, und für die vor dem 31. Dezember 1936 ausgeschiedenen Arbeitnehmer, bei denen die Lohnsteuerbescheinigung auf Seite 2 der Steuerkarte 1936 beim Ausscheiden aus dem Arbeitsverhältnis versehentlich nicht ausgestellt worden ist, Lohn- sieuer-lleberweifungsblätter an das Finanzamt der Betriebsstätte. Vordrucke zum Lohnsteuer- Ueberweisungsblatt sind anfangs Januar 1937 bei dem Finanzamt kostenlos erhältlich. Der Arbeitgeber hat die in den Lohnsteuerbelegen geforderten Angaben, und zwar für die ganze Dauer der Beschäftigung im Kalenderjahr 1936, stets zu machen, wenn in dieser Zeit Lohnsteuer einbehalten worden ist oder wenn in dieser Zeit der Arbeitslohn während der ganzen Dauer der Beschäftigung oder eines Teils derselben den Betrag von RM. 18,— wöchentlich (RM. 78,— monatlich) überstiegen hat. Als Lohnsteuer gelten nicht die vom Arbeitslohn einbehaltene Büraersteuer und die vielfach im Wege des Lohnabzugs geleisteten Spenden für wohltätige Zwecke (z. B. für das Winterhilfswerk). Diese Beträge sind in die Lohnsteuerbelege nicht aufzunehmen. Als Arbeitslohn gilt der Arbeitslohn vor Abzug der genannten Beträge. Lohnsteuerbescheinigungen (Steuerkarten) und Lohnsteuer-Ueberweisungsblätter sind getrennt nach Gemeinden und innerhalb her Gemeinden der Buchstabensolge nach geordnet einzusenden. 2. von den Arbeitnehmern, die am 31.12.1936 in keinem Dienstverhältnis stehen, die in ihrem Besitz befindliche Steuerkarle 1936 an das Finanzamt, in dessen Bezirk der Arbeitnehmer am 10.10.1936 seinen Wohnsitz hatte. Dabei ist die Wohnung am 10.10.1936 sowie auf der zweiten Seite der Steuerkarte 1936 die Nummer der Steuerkarte 1937 und die Gemeindebehörde, die diese ausgestellt hat, anzugeben. , II. Nach § 48 der Lohnsteuerdurchführunasverord- nung hat der Arbeitgeber ohne besondere Aufforderung für diejenigen seiner Arbeitnehmer, deren Arbeitslohn im Kalenderjahr 1936 den Betrag von RM. 8400,— überstiegen hat, besondere Lohnzettel auszuschreiben und bis zum 31. Januar 1937 an das für den Arbeitnehmer nach seinem Wohnsitz zustän- Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Karl Krombach Am 28. Dezember verstarb nach einem arbeitsreichen Leben unser lieber Vater, Schwiegervater, Großvater, Urgroßvater, Schwager und Onkel Herr Philipp Krombach Veteran von 1870/71 nach kurzer Krankheit im Alter von 89 Jahren. Krofdorf, Gelsenkirchen, Barmen, den 29. Dezember 1936 0.40 be- 0.75 1.40 Apfelwein Liter o. Gl. Rotwein Liter o. Gl. in Flaschen Rleine'lhueigen im Gießener Anzeiger werden von Tauienbea beachtet und geleieu. Einheitswert (1. 1. 35) 16 700 RM. In dem Anwesen wird eine Gastwirtschaft trieben. Gießen, den 24. November 1936. Im Auftrag des Amtsgerichts Gießen: Karle, Ortsgerichtsvorsteher. Heinrich Kalbfleisch Liebigstraße 66 Telefon.3685 Volkstümliche Naturwissenschaft in reichbebilderten, leichtverständlich geschriebenen Werken und in verschiedenen Preislagen bieten unsere Verlaes- erzeugnisse. 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Am 28. Dezember 1936. Die Finanzämter der Provinz Oberhessen: Alsfeld, Büdingen, Friedberg, Gießen, Grünberg, Hungen, Lauterbach, Nidda und Schotten. Nüphläceo von3 bis 20v.H. erhalten Sie bei wieder iidulllduuU holten Veröffentlichungen einer Anzeige! Zwangsversteigerung. 37^6 Am Montag, dem 4. Januar 1937, wird im Amtsgerichtsgebäude in Gießen, Zimmer 204, vormittags 9 Uhr, das im Grundbuch auf den Namen des Hans hemstege in Gießen eingetragene, durch rechtskräftigen Zuschlagsbeschluß vom 11.5. 1936 dem Josef Käst in Frankfurt a. M., Auf der Platte 4, zugeschlagene Grundstück versteigert: 8060D Grundbuch für Gießen, Band 3, Blatt 149 Flur I, Nr. 1291, Hofreite in der Zozelsgasse (Dammstraße 29), 216 qm, Betrag der Schätzung 15 300RM. Für Silvester Deutscherem Verschnitt V,81.2.50* ..1.50 Liter o. Gl. 3.00 Arrak l/i Fl......3.50 Weißwein Liter ohne Glas 1.00 0.75 0.65 1.00 0.90 u. 0.75 Wembrand Verschnitt 11&I.2.401/ 1.35 Weinbrand 7, Fl. 2.80 7-1.60 Schaumwein 7. Fl. 2.50, 1.80 Obstsekt 7t Flasche.. 1.10 Flaschenweine 7t Fl. ohne Glas 0.65—1.20 Kabliau o.K.. 500 g 0.25 Riet 8559 D 500g 0.45 u.0.35 Die Beerdigung findet statt: Donnerstag, den 31. Dezember, nachmittags 2 Uhr, in Krofdorf. 8560 D wurde In kurzer Zelt ein Begriff für Güte und Billigkeit f Wissenschafti. Werke Sonderoebiet der Brühl’schenDruckerei Kurzsichtig? Weitsichtig? In beiden Fällen helfen richtige Augengläser von856^ Optiker Magnus Seltersweg 33 i Kassenlieferant I Immen- AinmWlr abzugeb. Bestell, erb. wir v. Post!. od.and.Bierver- MaMichel,W..ll- wrstr.71,T.2479 Dampfsägewerk Lollar B. Nuhn A. 6., Lollar Heute nachmittag 41/» Uhr entschlief sanft meine herzensgute Frau, unsere treusorgende Mutter Auguste Büttner geb. Henrich In tiefer Trauer: Friedrich Büttner Gusti Bechstein, geb. Büttner Bertel Büttner Gießen, den 29. Dezember 1936. Die Trauerfeier findet Donnerstag, den 31. Dezember, vormittags 10.30 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. ___________________________________________________________________05915 Für die liebevolle Pflege während der Krankheit und die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unserer lieben Emmy sowie für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers und die vielen Kranz- und Blumenspenden sagen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank. Familie Franz Ellermeier Gießen, den 29. Dezember 1936. 05892 Oberheffen Landkreis Gießen. 9. A.-Sport ar »sm 2. und 3. Januar 1937 marschieren und kämpfen SM., SS. und TISfifL im Dienste des IVHD. gegen die TL o f des Dinkers. Nundfunkprogramm. Freilag, 1. Januar. 6 Uhr: Hafenkonzert. 8.05: Gymnastik. 8.45: Orgelchoräle. 9: Evangelische Morgenfeier. 9.45: Neujahrsbriefe berühmter Deutscher. 10: Auflagesendung. 10.30: Chorgesang. 11.15: Ein neues Jahr hebt an. Eine Funkjolge 12: Musik am Mittag. 14: Kinderfunk. „Prost Neujahr!" Ein lustiges Kasperlstück von Adolf Frey. 14.45: Das Mikrophon unterwegs. 15: Die Kapelle Hauck spielt auf. 16: Musik aus Dresden. 18: Wir wünschen dem Herrn ein vergoldeten Tisch, auf allen vier Ecken ein gebratenen Fisch! Ausländsdeutsche Neujahrslieder und Bräuche. 18.30: Kammermusik. 19: Das alte Jahr vergangen ist. Alte alemannische Bräuche und Lieder zu Neujahr. 19.50 Sportbericht. 20: Großes Konzert. Deutsche romantische Musik. 22: Nachrichten. Teil wurde mit der Aufführung eines Heimat- und eines Lustspiels ausgefüllt. Kreis Friedberg. □ Münzenberg, 29. Dez. Dieser Tage wurde der hiesigen Hebamme Frau Elise Wend von der „Reichsfachschaft Deutscher Hebammen" die silberne Verdienstbrosche für ihre 25jährige Arbeit im Dienste von Mutter und Kind übermittelt. — Am zweiten Weihnachtsfeiertag hielt der hiesige Turnverein im Saal „Zum Löwen" sein Winteroergnügen ab, das nach einer Ansprache des Vereinsdietwartes Werner Weiß die Aufführung zweier Theaterstücke, sowie eine Reihe von Gesangsvorträgen brachte. Eine Riege der Jugendabteilung bot unter Leitung des Turnwartes R u p- p e l Hebungen am Barren. Die Darbietungen wurden dankbar ausgenommen. Kreis Schotten. # Groß-Eichen, 30. Dez. Am heutigen Tage feiert unser ältester Einwohner Zimmermann Heinrich Peter II. seinen 92. Geburtstag. Trotz diesem hohen Alter ist der Jubilar noch sehr gesund. Ebenso ist es mit seinen beiden Brüdern. Zimmermann Georg Peter III. zählt 80 Jahre und Landwirt Konrad Peter 77 Jahre, das sind zusammen 249 Jahre. LeWalhletik der Epv.lSOv im Jahre 1936 Zahlreiche Erfolge. - Hervorragender Leistungsdurchschnitt. Jetzt, wo das Jahr 1936 zu Ende geht, soll kurz aufgezeigt werden, welches die Tätigkeit der Leichtathletik-Abteilung der Spielvereinigung 1900 darin war. Ganz allgemein kann festgestellt werden, daß von den 1900ern, wie in den vergangenen Jahren, so auch in der verflossenen Saison intensive leichtathletische Arbeit geleistet wurde. Es konnten insgesamt 24 Veranstaltungen beschickt werden, davon wurden auf eigenem Platz ausgerichtet neun, nämlich die Gaujugendmeisterschaften, die Kreismeisterschaften für Männer und Frauen, die Gauwaldlaufmeisterschaft, die Kreisgeländelaufstaffeln sowie drei Versuche um die Deutsche Vereinsmeisterschaft. Ohne Einbeziehung der Ergebnisse in den Kämpfen um die Deutsche Vereinsmeisterschaft wurden insgesamt 180 Siege errungen und zwar 74 erste, 61 zweite und 43 dritte. Auf die Pflege des Mannschaftskampfes, der nun in der Form der Deutschen Vereinsmeisterschaft ein festes Gefüge erhalten hat, wurde besonders Wert gelegt und eine aktive, eine Jugend- und eine Frauenmannschaft konnten in Wettbewerb treten. Die errungenen Punktzahlen brachten die 1900er in die Spitzengruppe der Vereine des Gaues Hessen. Als außerordentlicher Erfolg ist die Placierung der Aktiven innerhalb des gesamten Reiches zu werten: Nach der kürzlich erschienenen amtlichen Veröffentlichung stehen die Spieloereinigungsleute von über 600 in der Klasse B gestarteten Vereinen an 25. Stelle. Daß dabei die Förderung der Spitzenkönner nicht außer acht gelassen wurde, erhellt aus den in den einzelnen leichtathletischen Disziplinen von den Blauweißen erzielten Leistungen. Obenan steht wieder Arthur Kilo. Er konnte nicht nur die Gaumeisterschaft im Diskuswerfen erfolgreich verteidigen (zum sechstenmal in ununter» > Wieseck, 29. Dez. Die Gottesdienste x* trffen Feiertag wurden durch die auch zahlen- Mia recht erstarkte Chorschule unter Leitung des )rpniften Lehrer Schneider und der am zweien durch den Gesangoerem „Eintracht unter Lei- ufa seines Dirigenten Leid verschönt. Am Abend es dritten Feiertags, der seit 1771 hier nicht mehr irolid) begangen wird, war im Dereinssaal bei Mtim die Christfeier der Evangelischen 7 ra u e n h i l fe. In seiner Weihnachtsansprache inirrstrich Dekan Sattler dabei den Dank an >er Führer. In Lied und Wort (Deklamationen >m Kindern), Sang und Klang (am Klavier Erna ) Em alt)) kam der reiche Inhalt des Festes zum »lu.idruck. Eine geborene Steinbacherin, Frau Lina Z tm, geb. Roth, die mit dem Leiter der Frauen- jiii, Dekan Sattler, an diesem Tage als Mit- ieg7ünderin beim Jubiläum der Frauenhilfe in Ztlinbach war, erzählte anschaulich von der dorti- krels Alsfeld. 4- Nieder-Ohmen, 29. Dez. Der hiesige Sportverein veranstaltete im Saale von Ziegenhain einen Theaterabend. Die Aufführung wurde von den Mitgliedern bestritten. Die Darsteller ernteten starken Beifall. und Elfen, gegeben von der Jugend und ein kleines Lustspiel, dargestellt von älteren Mitgliedern des Greins vervollständigten die Darbietungen, die Beifall ausgenommen wurden. — Am Sonntag nad) Weihnachten hielt der Gesangverein "S ä n a e r k r a n z" einen Familienabend im Saale "Zum Rappen" ab. Eine Ansprache des Dereins- fuhrers, Spenglermeister Fr. Schröder, verschiedene Chöre unter der Stabführung des Chorleiters Konrad Nicolai (Großen-Buseck) und zwei Hei» nere Theaterstücke bildeten die Darbietungen des Abends. Außerdem fand noch eine Verlosung statt. , ^Ettingshausen, 28. Dez. Gestern abend fand die Generalversammlung des Obstbauvereins statt. Der Führer des Bezirks-Obstbau-Der- bandes Bopp, der an der Versammlung teilnahm, sprach über neue Bestrebungen im Obstbau und in der Obstoerwertung und betonte, daß wir uns, wenn wir uns mit allen Kräften für die Förderung des deutschen Obstbaues einsetzen, mithelfen am Aufbauwerk des Führers. Bezirks-Schriftführer Müller (Bellersheim), der Fachmann in der Obstbaumzucht ist, referierte über die Anpflanzung von Bäumen, über Schädlingsbekämpfung und über die Behandlung des Obstes. Dann begann der geschäftliche Teil der Versammlung. Die Rechnung wurde geprüft und dem Rechner Entlastung erteilt. Dann wurde Ludwig O p p e r III. zum neuen Vereinsführer auf Vorschlag des Ortsbauernführers bestimmt und vom anwesenden Bezirks-Verbands- führer bestätigt. Am Schlüsse des geschäftlichen Teiles überreichte Kamerad I o x dem Grünoer und seitherigen Führer des Vereins Pg. Simon, der nach Steinbach übersiedelt, drei Bücher als Dank für feine Arbeit im Obstbauverein. Bei der Verlosung erhielt jedes Mitglied einen wertvollen Gewinn. k. Hungen, 28. Dez. Am zweiten Weihnachtsfeiertage hielten die beiden hiesigen Gesangvereine „Liederkranz" und „Eintracht" ihre Weihnachtsfeiern ab. Der Gesangverein „Liede r k r a n z" vereinte seine Mitglieder im Saale des „Darmstädter Hofes". Der stellvertretende Der- einsführer Karl Bender begrüßte die Gäste. Unter der Stabführung des Chorleiters Lenz brachte der Verein weihnachtliche und volkstümliche Chöre zu Gehör. Reicher Dank belohnte Sänger und Dirigenten. Zur Bereicherung wurden noch zwei Theaterstücke aufgeführt. Verlosung und Tanz beendeten die wohlgelungene Veranstaltung. — Der Gesangverein „Eintracht" veranstaltete seine Abendunterhaltung in Verbindung mit seiner 100. Stiftungsfeier im Saale des Gasthauses „Zur Traube". Der erste Teil des Abends stand im Zeichen dieses festlichen Anlasses. Unter seinem Chorleiter Heinrich Dietrich (Gießen) hatte der Verein zu der würdigen Ausgestaltung Frl. Hedwig Ranft (Sopran), Erwin Tank (Bariton) und Frau I. Heermann (am Klavier) aus Gießen verpflichtet. Nach der Begrüßungsansprache des Dereinsführers L. K a m b e i tz, in deren Mittelpunkt die Ehrung eines Sängers der „Eintracht", W. S t ü h l e r, der für 40jährige Sangestätigkeit mit der silbernen Sängernadel ausgezeichnet wurde, stand, brachte der Verein in dem musikalischen Teil unter der Stabführung seines Chorleiters Dietrich Chorwerke von Schubert, Weber, Lachner und volkstümliche Chorlieder zu Gehör. Frl. Ranft, Erwin Tank und Hch. Dietrich füllten in abwechselungsreicher Folge mit den verschiedensten Solopartien unter der Klavierbegleitung von Frau Heermann den ersten Teil des Abends aus. Der zweite gcr Feier. Eine Verlosung ließ die Teilnehmer viel Wne und nützliche Sachen mit nach Hause nehmen. Di: Versammlung wurde auch daran erinnert, daß btt hiesige Frauenhilfe am 10. Februar nächsten Haires 15 Jahre besteht. (5 Weickartshain, 29. Dez. Gegenwärtig Md in unserem Dorf das Ortsnetz der Licht- le tung umgebaut. Die Dachständer werden teil» Mse erneuert und zum Teil verstärkt. Von den ©neunen werden die Ständer entfernt und auf bit Wohnhäuser verlegt. Bei dieser Neugestaltung jin) die Bewohner der Seenbrücke auch berücksichtigt wlrden, indem vier' neue Straßenlampen eingebaut worden sind. ^Beuern, 29. Dez. Nachdem die Bevölkerung bteits vor einiger Zeit mit den Richtlinien für den Listschutz vertraut gemacht worden war, fand getern abenb die erste Verdunkelungs- ülung in unserem Orte statt. Dabei konnte fest- gelellt werden, daß die Einwohnerschaft die Be- bentung des Luftschutzes voll erkannt hat, denn bis air wenige Ausnahmen waren die Häuser vor- fcfristsmäßig verdunkelt. Die SA. hatte sich in den Denst der Sache gestellt und an den Ortsausgängen di: Kraftfahrzeugführer auf die Hebung aufmerk- fan gemacht. Nach der Hebung versammelten sich ole Hauswarte in der Schule, wo Ortswart Lehrer Müller noch auf verschiedene Bestimmungen des Luftschutzes hinwies. 1+ Grünberg, 29. Dez. An den Weihnachts- fesrtagen fanden hier zwei Vereinsveranstaltungen ftitt. Am zweüen Feiertage hielt der T u r n v e r - ein, einem alten Brauche folgend, fein Winterfest in der Turnhalle ab, das sich eines zahlreichen A suches erfreute. Die turnerischen Darbietungen dir einzelnen Abteilungen, wobei die 5- bis 10jäh- ri$en Schülerinnen mit leichten Bodenübungen und ehern Ringelreihen den Anfang machten, brachten g-eiübungen der Jugendfurner und der Turne- Timen, Kugelgymnastik der Turner, einen Flaggen- rt gen der Turnerinnen und als Abschluß Barren- Lungen der aktiven Turner. Ein Märchenspiel mit eiigelegten Reigen von Zwergen, Feuerkobolden brochener Folge!), sondern erwies sich auch in den Repräsentativkämpfen mit anderen Gauen als eine Hauptstütze der hessischen Mannschaft. Mit der Weite von 43,04 Meter rangiert der 1900er an 22. (Stelle im Reich und erhält somit die Bestennadel des Fachamtes Leichtathletik im Reichsbund für Leibesübungen. Ein äußerst talentierter Mann stand auch in dem Junior Rudolph zur Verfügung. Er leistete außer in den Sprintstrecken und im Weitsprung besonders im Hochsprung Ausgezeichnetes. Mit 1,77 Meter setzte er sich an die Spitze der Hochspringer des gesamten Gaues XII. Nicht minder erfreulich war das Debüt des jungen K l e e m a n n, der bei weiterhin guter Entwicklung würdig an die Langstreckenerfolge eines Gerhardt und Schaaf an» schließen dürfte. Seine 3000-Meter-Zeit von 9:12,4 Minuten liegt' bereits auf dieser Höhe. Zuverlässig wie alle Jahre waren wieder Beppe r l i n g und Peters. Letzterer erzielte sogar mit 4:14,1 Minuten über 1500 Meter beim Gaukampf gegen Westfalen seine persönliche Bestzeit. Heber die kurze Hürdenstrecke war Herrmann zweimal in der Gaumannschaft aufgestellt. Die diesjährige Bestzeit von 16,8 Sekunden müßte er zukünftig leicht unterbieten können. In den Kurzstrecken versuchte sich Dr. W. Müller wieder einmal, hatte aber das Pech, nach seinem ersten Sieg (100 Meter in 11,3 Sekunden) bereits wieder durch eine alte Verletzung zum Aussetzen verurteilt zu sein. Gute Fortschritte wurden wieder bei der Jugendableilung gemacht. Erfreulich war vor allen Dingen auch hier wieder das gute Leistungsniveau. Das spiegelt sich in einem gleich zu Saisonbeginn im Marburger P putzt Herdplatten, Messer, Aluminium Stadion gegen VfB. Marburg und Tuspo Fritzlar überlegen gewonnenen Jugendklubkampf sowie in der bei der Deutschen Vereinsmeisterschaft erreichten Punktzahl wider. Ueberragendes Können wurde von dem B-Jugendlichen G o ß an den Tag gelegt. Mit seiner Kugelstoßleistung von 14,65 Meter wurde ihm der Gaubestenwimpel zuteil. Die FrauenAbleilung trat wettkampfmäßig nur wenig in Erscheinung, machte aber dann ihre Sache recht gut. Der größte Erfolg war der Sieg in der Anlagenstaffel, wo Mto. und VfB.-Reichsbahn Gießen den 1900erinnen den Vortritt lassen mußten. Auch die Leistungen in der Deutschen Vereinsmeisterschaft können als ansprechend bezeichnet werden. Iußball der Gauliga Hessen. Hanau wieder in Fulda. Nachdem Hessens Gaumeister, Hanau 93, in Fulda schon der diesmal sehr schwachen Borussia unterlag, müßte sie eigentlich den wesentlich besseren Germanen ebenfalls unterliegen. Eine solche Niederlage würde den Verlust des dritten Platzes und damit des Anschlusses an die Spitze bedeuten. Wir glauben deshalb, daß sich Hanau mächtig anstrengen wird, doch erscheint uns hier ein Punktgewinn der Einheimischen wahrscheinlicher als ein Hanauer Sieg. Der Spielverein Kassel, nächst „Hessen" Bad Hersfeld immer noch ungeschlagen, steht vielleicht vor seiner ersten Niederlage, denn der VfB. Friedberg ist besser, als sein Tabellenstand zeigt und hat sich gerade gegen die Spitzenmannschaften des Gaues bisher ausgezeichnet geschlagen. In Wachenbuchen ist eine Wiederholung des Vorspielergebnisses beim Spiel gegen Kassel 03 (1:1) durchaus möglich. Besondere Bedeutung hat dieses Treffen für keinen der beiden Vereine. Kurze Sportnotizen. Stadtrat Otto Holzhüter hat ans Anlaß seiner Berufung zum Führer des Deutschen Radsport-Verbandes eine Amnestie erlassen, die allen Amateuren und Berufsfahrern, die gegen die sportlichen Regeln und die Wettfahrbestimmungen verstoßen haben, mit Wirkung vom 1. Februar 1937 Straffreiheit gewährt. * Der Berliner S C. schlug in seinem zweiten Eishockeyspiel um den Spenglerpokal in Davos die Mannschaft der Universität Cambridge verdient mit 2:1 (0:0, 0:1, 2:0) und trifft nunmehr im Kampf um den dritten Platz am Mittwoch auf den Züricher SC., der die Universität Oxford 11:1 besiegte. „Lin Volk in Leibesübungen." Oer Reichssportführer zum neuen Jahr. „Das Olympiajahr 1936 geht zu Ende. Im Siloestergeläut schwingt der gewichtige Klang der Olympiaglocke mit, die eines der schönsten Wunder des Nationalsozialismus mit ihrer hallenden Stimme einläutete und abschloß: Deutschlands überwältigenden Sieg bei den Spielen. Für die Welt war dieser Sieg ein vielbestauntes Wunder, für uns Deutsche die beglückende Bestätigung, daß die Einheit des Willens und die Einheit des handelns die Quellen unserer Kraft sind. Der Erfolg war uns kein Anlaß zu rasten, er war uns Ansporn zu neuem handeln: Im Deutschen Reichsbund für Leibesübungen wurde die letzte organisatorische Einheit hergestellt; seine Vereine wurden zu Zellen einer Gemeinschaft ausgebaut, die volkspolitisch notwendig sind und ein unentbehrliches Stück Leibeserziehung zu leisten haben. Alle Organisationen des Staates und der Partei sind auf dem Wege, die Leibeserziehung als einen untrennbaren Bestandteil der Gesamterziehung ihrer Arbeit einzugliedern. Das Sportamt „Kraft durch Freude" geht in die Betriebe, um Freude und Glück echter Leibesübungen auch an den letzten Schaffenden heranzutragen. Durch das Gesetz des Führers vom 1.12.1936 über die Erziehung der deutschen Jugend wird die Ausbreitung der Leibesübungen auf die ganze deutsche Jugend praktisch verwirklicht. Damit ist ein Fundament von früher unvorstellbarer Breite geschaffen. Auf ihm wird sich in Generationen einmal auch der sportliche Leistungsgedanke zu kaum geahnter höhe entwickeln dürfen und können. Leuchtend steht endlich vor dem deutschen Volk als Fernziel die Aufgabe, die der Führer selbst gegeben hat: ein Olympia deutscher Prägung für das ganze deutsche Volk zu schaffen. Niemals stand in seinem Leben das deutsche Volk so nahe vor dem Ziel aller Freunde deutscher Leibesübungen: ein Volk in Leibesübungen zu schaffen. Wir greifen mit Händen, die die Kraft der nationalsozialistischen Erneuerung des Reiches stark macht, nach der Krone dieses Zieles. Wir wissen, daß wir damit an den Fundamenten des Dritten Reiches bauen helfen. Kameraden! Jeder von uns, der müde werden will, denke an das große Ziel! Uns, unserer Generation kann der Wurf gelingen, den so viele Geschlechter, so viele wackere Männer vor uns gern getan hätten: Ein Volk zu schaffen, dem Leibesübung allgemein, Höchstleistung einzelner und Höchstleistung aller Selbstverständlichkeit ist." Aus aller Welt. Kindesmord in München. Am 5. Dezember erschien bei einer Wöchnerin in der Münchener Frauenklinik eine Frau, um angeblich das Kind der Wöchnerin zur Verbringung an einen Kostplatz abzuholen. Da wegen der Unterbringung des fünf Tage alten Kindes tatsächlich Verhandlungen schwebten, händigte die Mutter der Frau das Kind ohne Bedenken aus. Erst nach einigen Tagen, als über den Verbleib des Kindes keine Nachricht einging, wurde die Polizei verständigt. Die Nachforschungen ergaben, daß das Kind einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Der Vater des Kindes, der 29 Jahre alte Richard Waldmann aus Kaufbeuren, hatte das Kind durch seine Geliebte, die 27 Jahre alte Rosa M ü l- l e r aus Brandel, aus der Welt schaffen lassen. Die Müller brachte das Kind in der geschilderten Weise in ihre Gewalt und steckte es in einer Hauseinfahrt in einen zu diesem Zwecke bereits mitgebrachten Koffer, wo es erstickte. Die Leiche wurde zwei Tage später von Waldmann, wahrscheinlich durch Verbrennen, beseitigt. Waldmann wollte sich vermutlich durch die Ermordung des Kindes der Unterhaltspflicht entziehen, während die Müller anscheinend ein Hindernis für die erhoffte Eheschließung beseitigen wollte. Die Müller ist in haft und hat im wesentlichen ein Geständnis abgelegt. Waldmann wurde am ersten Weihnachtsfeiertag in Zürich festgenommen. Die Auslieferungsverhandlungen sind im Gange. Die beiden Täter werden sich wegen Mordes zu verantworten haben. Schrecklicher Tod eines Kindes. In Freudenburg bei Trier wollten zwei Kinder die Kerzen des Weihnachtsbaumes anzünden. Weil die Eltern die Streichhölzer versteckt hatten, hasst, sie sich mit einem Papier, das sie im Ofen ent^r beten. Ein fünfjähriger Junge hatte schon eine Ker-, angesteckt, aber als er sich zu einer zweiten aH reckte, fing das Hemdchen Feuer und brannte hetz auf. Der Junge lief zum Vater in die Scheune, bc die Flammen sofort erstickte und das Kind jn Krankenhaus brachte. Dort ist es feinen schwere» Verletzungen erlegen. Der Sohn eines südamerikanischen Gesandten von Banditen entführt. Von dem Banditenunwesen in Amerika, das bs sonders in immer wieder vorkommenden (Ent Führungen zutage tritt, ist jetzt sogar die milie eines ausländischen Diplomaten in Neuvot betroffen worden. Der Gesandte von Ecuador, Ab saro, erstattete im amerikanischen Staatssekreta. riat Anzeige, daß sein ISjähriger Sohn Olmeda jn der Weihnachtsnacht von drei bewaffneten BaM ten entführt worden sei. Die Banditen verschleppt^ den jungen Alfaro in einem Auto und raubten iijn, Geld und Wertsachen. Sie zwangen ihn, Morphium Zigaretten zu rauchen und fragten ihn über fein» Gute Möbel bei Koos Giessen Schulstn6 Familie aus. Erst nach fünf Stunden wurde D(i meda Alfaro wieder von den Banditen freigelassens Der Polizei ist es bis jetzt noch nicht gelungen, dir Entführer des Diplomatensohnes ausfindig machen. Norwegischer Dampfer mil 16 Mann gesunken. Fischer fanden südlich von Strömstad in der Nähz der schwedischen Westküste Schifsstrümmeo und Rettungsgürtel des norwegischen Dampfers „Vorma". Der Dampfer war auf der Fahrt von England nach Sundsvall in einen Sturm geraten unb verschollen. Er hatte. eine Besatzung von 16 Mann an Bord gehabt. Drei schlafende Kinder vor dem Erstickungskod gerettet. Am zweiten Weihnachtstag brach in Kreuznach in einem Hause ein Zimmerbrand aus. Ein Ofen war überhitzt worden. Dadurch fingen Windeln, die zum Trocknen aufgehängt waren, Feuer und setzten auch die übrige Einrichtung in Brand. Drei kleine Kinder, die in der Nähe schliefen, drohten in dem Qualm zu ersticken. Ein Feuerwehrmann entdeckte durch Zufall die Gefahr, drang in die Wohnung ein und rettete die drei Kinder. Ab heute täglich frische Berliner Pfannkuchen und Krüppel sowie Neujahrs-Brezeln in bester Qualität Zum Jahreswechsel entbieten wir allen unseren Kunden, Gästen, Freunden und Bekannten die herzlichsten Glückwünsche! Heinrich Weimar und Familie, Gießen Konditorei und (Safe / Brot- und Feinbäckerei Frankfurter Straße 41 Telephon Nr. 2833 8527 D Ab heute täglich frische Brezeln und Kräppel in altbekannter Güte Unserer werten Kundschaft, allen Freunden und Bekannten die besten Glückwünsche zum neuen Jahr! Familie Wilhelm Dippel, Bäckerei Bahnhofstrabe 12 8528 D Nir 'Silvester! 1935er Freilaubersheimer Kirchberg (Rheinhessen), kräftig......................Ltr. o. Gl. 0.75 1933er Wmzenheimer Berg (Nahe), fein würzig...................... „ „ „ 0.95 1930er Alsterweil. Mandelacker (Pfalz), blumig....................... „ „ 0.85 1936er Ungstein er Rotwein.......... „ „ „ 0.75 1935er Ungsteiner Rotwein.......... „ „ „ 0.95 Deutscher Wermut................. „ „ „ 0.90 Für Feinschmecker: Mesenicher Bienengarten, Mosel, Saar, Ruwer............ 8/4Ltr. o. Gl. 0.90 Ein besonderer Genuß: Obst-Schaumwein Marke „Rotsiegel“. Fl. m. Gl. 1.35 Liköre: Blutorange, Kümmel, Danziger Goldwasser, Cherry Brandy, Curacao und Vanille-Likör 2.95. 2-, 1.80, 1- Fttr Punsch: Arrak-u.Rum-Verschn.’/iFl.o.G!. 2.95, l/2Fl.o.GL 1.60 Schnäpse: Weinbrand-Verschnitt.. „ „ „ 2.50, „ „ „ 1.30 Weinbrand Marke „GEG“ „ „ „ 3.50, „ „ „ 1.70 Nordhäuser......................Liter o. Gl. 2.30 Dauborner (neu eingeführt)........ „ „ „ 2.40 Hamburger Bitter.................ViFl. „ „ 2.40 Hamburger Tropfen.............. „ „ „ 2.80 VeibrauchergenossenscHan ßieften e. G. m b. 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