Ur. 124 Erstes Blatt 186. Jahrgang Freitag, 29. Mai 1936 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen ii Festlicher Auftakt zu den Ehrentagen der Kriegsmarine Der Führer und Reichskanzler in Kiel. — Teilnahme an Llebungen der Flotte. Kiel im Festgewand u 3434D -re! Heute Ilottenparade in der Kieler Zucht den «M istin Der Führer und Reichskanzler hat am der „Lützow" an Bord haben, also mit Menschen diese Flotte auch klein ist, so sieht doch ganz Deutsch- ßen pil®l Iw film na l rlieb- teber :e k ;r Mit 17 Jahren, 1867, trat Litzmann in das Garde-Pionierbataillon ein und nahm dann am Feldzug 1870/71 teil. Das Eiserne Kreuz eroberte er sich bei der Einnahme von Paris. Seine hervorragenden Leistungen führten ihn dann in den nach- fogenden Friedensjahren von der Kriegsakademie über Frontkommandierungen zum Großen Generalstab. 1902 wurde er, nachdem er verschiedene Kommandos innehatte, zum Direktor der Kriegsakademie ernannt. Am 1. April 1905 reichte er aus freiem Entschluß den Abschied ein, der ihm mit besonderer >che om Film seiner Ankunst im Zuge. Auf dem Bahnsteig waren zum Empfang erschienen: der Stellvertreter des Führers Reichsminister Rudolf Heß, der Kommandierende Admiral der Marinestation der Ostsee Admiral Albrecht, der Befehlshaber im Luftkreis VI Generalleutnant Zander, der stellvertretende Gauleiter Schleswig-Holstein. Als der Führer zur Bahnhofsvorhalle schreitet, braust ihm ein Jubelsturm der begeisterten Volksgenossen entgegen. Die Heilrufe pflanzen sich wie eine Welle zu den vor dem Bahnhofsgebäude wartenden Tausenden fort. Der Führer schreitet die große Freitreppe des nach der Hasenseite zu gelegenen Bahnhofsportals hinab. Der Präsentiermarsch erklingt. Die Ehrenkompanie der Kriegsmarine steht mit präsentiertem Gewehr mustergültig in Reih und Glied. Mit Reichskriegsminister Generalfeldmarschall von Blomberg und Generaladmiral Raeder schreitet der Führer die Front ab. Das Deutschlandlied und das Horst-Wessel-Lied erklingen. Immer neu brausen die Heilrufe über den Platz. Langsam schreitet der Führer zur Bahnhofstreppe, wo eine neue Jubelwclle vom gegenüberliegenden Hafenufer herüberklingt, aus dem die großen Werftanlagen liegen. Dort stehen die Männer im Arbeitskittel, um ihrem Führer zu huldigen. Der Führer betritt ein Boot der Kriegsmarine, in das der Reichskriegsminister und der Oberbef.ehlshaber der Kriegsmarine ebenfalls einsteigen. In diesem Augenblick dröhnen 21 Schuß Salut über das Wasser. Die Begeisterung der Bevölkerung ist grenzenlos Mit einem Schlage hat sich das beschaulich ruhige Bild des Hindenburg-Ufers mit feiner prächtigen Promenade geändert. Dort herrscht jetzt ein beängstigendes Schieben und Drängen, da alle das vorübergleitende Boot des Führers sehen wollen. Wir haben Mühe und Not, uns mit dem Auto einen Weg durch die Menge zu bahnen. Auf allen Gesichtern strahlt nichts als Freude. Die Jugend steht in kün- Seit Kiel, 29. Mai. (DNB.) Die deutsche Flotte wird am Freitag in der Kieler Bucht vor vielen Zuschauern, darunter Ehrengästen aus allen Teilen des Reiches, Hebungen abhalten. Die Ehrengäste befinden sich größtenteils an Bord des Dampfers „Roland". Drei Dampfer werden Mitglieder des Nationalsozialistischen Deutschen Marinebundes in die Kieler Bucht hinausbringen. Vor den Augen der Zuschauer wird sich ein in seinen einzelnen Phasen fesselndes Bild abwickeln, bei dem auch hie junge U-Boot-Waffe eingesetzt wird. Nach einem Feuerüberfall läuft ein Panzerschiffverband unter Nebelverwendung wieder vom Feinde ab. Im Anschluß an die Flottenübungen sammeln sich die Kriegsschiffe zur Flottenparade, die den Höhepunkt des Tages bilden wird. In acht Gruppen wird der Vorbeimarsch der Kriegsschiffe erfolgen. In der ersten Gruppe werden die drei Panzerschiffe an der Spitze in Kiellinie vorüberrauschen, ihnen werden sich vier Kreuzer, zwei Artillerieschulboote und das Vermessungsschiff „Meteor" anschließen. Es folgen in den anderen Gruppen die Torpedo-Boote, die Leichtflottillen, Minensuchflottillen und Versuchsboote und andere Spezialschiffe. In der sechsten Gruppe läuft hinter dem U-Boot-Begleitschiff „Saar" eine Reihe U-Boote, darunter die U-Boot-Flottille „W e d d i g e n"; das Räumbootbegleitschiff „Zielen" Auszeichnung gewährt wurde. — Im Ruhestand befaßte er sich mit militärschriftstellerischen Arbeiten, in denen er mit der ganzen Wärme seines Herzens und mit genialem Vorausahnen für die Notwendigkeit der Wehrhaftmachung des deutschen Volkes und seine Vorbereitung für den drohenden Krieg eintrat. Am 18. Oktober 1914 wurde Litzmann Kommandeur der 3. Gardedivision. Seine ausgezeichnete strategische und taktische Befähigung hatte damit das ihr passende Betätigungsfeld. Der kühne Durch- bruch nach Brzeziny am 23.Z24. November 1914 sah ihn zu nächtlicher Stunde zu Fuß inmitten der preußischen Garde, seine Soldaten anfeuernd zu letztem Heldentum. Hier wurde er zum „Löwen von Brzeziny", wie ihn seine Männer nannten. Bei Lodz, in der Winterschlacht in Masuren, bei der Erstürmung von Kowno, der Eroberung Wilnas und bei der Abwehr der Brussilow-Offensive, überall war er mit seinen Soldaten trotz teilweise unterlegener Mittel siegreich. An der Westfront, an die er sich auf eigenen Wunsch versetzen ließ, zwang ihn bald Krankheit, den Abschied zu nehmen. Selbstverständlich und schlicht, wie es stets seins Art war, hat er sich unter die Kämpfer des Führers gereiht. Den höchsten Wunsch seines langen Lebens sah er erfüllt: Ein stolzes Volk, geeint im Gauben an den Führer! Zu seinem 85. Geburtstag ehrte der Führer seinen alten Kampfgefährten, und niemand, der dabei war, vergißt wohl den Ausdruck tiefer Verehrung und Dankbarkeit, mit dem der Sieger von Brzeziny den Frontsoldaten Adolf Hitler ansah. Es war eine Ehrung im kameradschaftlichen Ge« denken, die den schönen Lebensabend dieses tapferen Mannes mit Licht und Sonne überstrahlte. land mit Freude auf sie. Denn sie ist sichtbarster Repräsentant des deutschen Ehrbegriffs und der deutschen Geltung draußen in der Welt." Er hat ihr durch das Flottenabkommen mit England vom Juni 1935 eine klare Stellung unter den politischen Machtmitteln des Reiches geschaffen. Die Marine steht auf Ueberlteferung, Leistungen und Erfahrungen der Flotte des Weltkrieges und weiß, daß sie die ihr gestellten Aufgaben im Frieden und im Krieg erfüllen wird. ganz im Zeichen dieses großen Ereignisses. Durch die Straßen bewegen sich Tausende von Teilnehmern, und seit Mittag rollen in unaufhörlicher Folge die Teilnehmer der Skagerak- Gedenkfahrt in ihren Autos am Ziel auf dem städtischen Parkplatz am Kieler Hauptbahnhof ein. Sie kommen aus allen Gauen des Reiches. Im allgemeinen haben die Zielfahrer des DDAC. unterwegs recht gutes Wetter gehabt, so daß sie vielfach früher als gehofft in der Kriegsmarinestadt eintreffen. Die Fahrtteilnehmer erhalten zur Erinnerung eine Plakette, die den Schattenriß der früheren „Seydlitz" wiedergibt. Das Gros der Zielfahrer wird am Freitag erwartet. Den Wettfahrern winken hervorragende Preise, an erster Stelle die silberne Schale des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine, Generaladmiral Raeder. Im Hauptquartier des NS.-Deutschen Marinebundes, der für die Unterbringung und Verpflegung der Teilnehmer an den Ehrentagen zu sorgen hat, herrscht Hochbetrieb. Es sind 23 Standquartiere in Kieler Hotels und Gaststätten eingerichtet worden, und schon jetzt, wenige Stunden nach dem Auftakt der Feierlichkeiten, zeigt sich, daß die Hotels restlos überfüllt sein werden. Darüber hinaus sind Tausende von Privatquartieren bereitgestellt. Für einen großen Teil geschlossener Formationen steht der „Hilfszug Bayern" zur Verfügung, der schon feit einer Woche in Kiel weilt. Für die Polizei, für das Rote Kreuz und andere Hilfsorganisationen haben große Tage verantwortungsreicher Arbeit begonnen. Aeußer- lich zeigt sich das im Stadtbild durch eine außerordentliche Verstärkung der Verkehrsposten. Selirst- verständlicki nimmt die Jugend der Kriegsmarinestadt einen besonderen Anteil an den Ehrentagen. In den Kieler Schulen sind während dieser Tage viele Skagerak-Bilder als Prämien verteilt worden. Einige Betriebe werden ihren Gefolg- Jn blitzschnellem Entschluß wählt er das einzig mögliche Mittel; er greift selbst nut Ungestüm an. Seine Granaten verursachen auf dem Kreuzer einen Brand, auf einem Zerstörer eine Explosion. Verblüfft dreht der überraschte Feind ab und laßt die General Ohmann gestorben. Neuglobsow, 28. Mai. (DNB.) General der Infanterie a. D. Karl Litzmann ist am Donnerstag um 20.30 Uhr in Neuglobsow im Kreis Ruppin (Mark) im 8 7. Lebensjahr verstorben. Kiel, 28. Mai. (DNB.) Die großen Feierlich- . feiten aus Anlaß der am Samstag in Laboe erfolgenden Einweihung des Mari ne - >Ehrenmals haben heute ihren Auftakt genommen, nachdem schon am Tage zuvor ganz Kiel im Zeichen erwartungsvoller Spannung gestanden hatte. Um 9 Uhr traf der Führerund Reichskanzler Adolf Hitler auf dem Kieler Hauptbahnhof ein. Die weite Bahnhofshalle hatte ihre Alltugsnüchternheit mit einem festlichen Gewände von reichem Flaggen- und Grünschmuck vertauscht. Die Kunde vom Eintreffen des Führers hatte, ein wogendes Meer von Menschenmassen zum Bahnhof gezaubert. In Begleitung des Führers befanden sich Reichsminister Dr. Goebbels, Neichsleiter Amann, der Reichspressechef der NSDAP. Dr. Dietrich, der bayerische Staatsminister Gauleiter Wagner, Obergruppenführer Brückner, Brigadeführer Schaub und Oberstleutnant H 0 ß - bad); SS.-Obergruppenführer Dietrich war bereits vorher in Kiel eingetroffen. Reichskriegsminister Generalfeldmarschall von Blomberg und der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine Generaladmiral Raeder begrüßten den Führer bei Angreifer entkommen. Diese Beispiele lassen sich vervielfachen: die Kriegsmarine weiß seit Skagerrak und allen andern Zusammenstößen auf See im Weltkrieg, daß die deutsche Industrie gute Schiffe, Maschinen und Waffen baut, daß der Deutsche, auch Binnenländer, sich schnell heimisch an Bord fühlt und sich für den Ernstfall vvrzubereiten versteht, daß feine Haltung auch im Seekampf der im Gefecht an Land ebenbürtig ist. Dies Gefühl ist um so sicherer, als er vor dem Skagerrak sich mit einem Gegner maß, an den er nur mit uneingeschränkter Achtung denken kann. Ehrerbietung dem ritterlichen Flottenchef Lord Jel- I i c 0 e, auf dessen Schultern eine riesige Verantwortung lastete, der „der einzige Mann in England war, der den Krieg in einer Stunde verlieren konnte", Bewunderung für den Kreuzeradmiral Lord B e a 11 y , dessen leidenschaftliches Draufgängertum durch die schweren Verluste seiner Geschwader nicht einen Augenblick lang erschüttert wurde; leuchtend als Vorbilder die Aufklärung der Admirale Goode- n 0 u g h und H 0 0 d. Hut ab vor Männern wie dem Matrosen Starts, der nach dem Zusammenbruch der „Queen Mary" seine Gesechtsstation unten im achteren Geschützturm trotz des von unten aufsteigenden Wassers nicht eher verließ als bis der Befehl dazu gegeben wurde. Hüben und drüben die gleiche Haltung, der gleiche Geist! Deshalb wissen wir seit Skagerrak: Wir sind für Land und See geschaffen. IN. LN. 111.30; I N In Ma [Nr. f 16: Mut! Hand. Nt errat-, 0 Don P des Im sein M des | Nacht, ■ ~ Ind nd tz- um - N na ilM Beilagen: Di- 3au[tmrte ▲ ▲ ▲ AA A AÄ A A A ▲ A. A A A bis 8^U™b=s Zmittag” iHiAtyAHiAr VItt yAtotAr «rund«.« Monats-Bezugspreis: B B W H H H Bz H H H H BÄH H für Anzeigen von 22 mm Mil 4 Beilagen RM.1.95 MW M H HT M H Hk H I II H B H Hk H Breite 7 Npf., für Text- Ohne Illustrierte „ 1.80 M H ■ W M M H H H H H H anzeigen von 70 mm Breite Zustellgebühr.. „ W' W H H W H B H 50Rpf.,Platzvorschristnach Auch bei Nichterscheinen ~ ~ ~ ■ ” ■ ▼ vorh.Vereinbg.25°/„ mehr. ' V 'W Grmä&igte »runbpreife: MM General-Anzeiger für Oberhessen sranffuti am main 11686 Druck und Verlag: vrühl'sche Universitäts-Such- und Steindrucke«! R.Lauge In Gießen. Schriftleilung und Geschäftsstelle: schulstrahe 7 M-n^nabichlün'/sw^m fährt an der Spitze der Räumbooteinheiten. Den Abschluß bilden die flinken kleinen Schnellboote mit dem Begleitschiff „T s i n g t a u". Nach der Flottenparade läuft die Flotte gegen Abend in den Kieler Hafen ein. Den in zahlreichen Sonderzügen eingetroffenen weiteren Gästen wird sich hierbei ein ungeßlich schönes Bild bieten. Den Ausklang des Ehrentages der jungen Flotte bildet der Zapfenstreich am Hindenburg-Ufer. Die Schiffe werden nach Einbruch der Dunkelheit festlich beleuchtet. Ehrung der gefallenen Angehörigen der Kaiserlichen Marine. Kiel, 28. Mai. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler hat mit Erlaß vom 19. Mai 1936 befohlen: Zur Ehrung der im Weltkriege gefallenen Angehörigen der Kaiserlichen Marine bestimme ich, daß am 30. Ma i 1 936, dem Tage der Einweihung des Marine-Ehrenmals in Laboe, die kaiserliche Kriegsflagge 1. auf den in der Heimat befindlichen Kriegsschiffen der Kriegsmarine im Großtopp; 2. auf den Dienstgebäuden der Kriegsmarine neben der jetzigen Reichskriegsflagge; 3. auf dem Turm des Marine-Ehrenmals in Laboe gefetzt wird. Kiel, 28. Mai. (DNB.) Schon feit Tagen den sich in Kiel die Marine-Ehrentage an. Donnerstag morgen steht die Kriegsmarinestadt b zur |f zuin y 11: 45 So. puntes nfte an l-oaben« bFunk. pH ich 19.30: .Weißt Sieber« der Menschenmauer an erster Stelle, Pimpfe mit Landsknechtstrommeln und Fanfaren, Hitlerjugend. Als Abschluß die Menschenmauer auf der Höhe von „Bellevue", eine Abordnung der Hamburger SS- Verfügungstruppen. Besuch der Kriegsmarine. Auf dem Wasser bietet sich, soweit das Auge schweift, ein erhebender Anblick: das Boot des Führers passiert die an der Boje liegenden Kriegsschiffe, auf welchen die Ehrenwachen und Musikkapellen angetreten sind und der Flaggenschmuck durch die Vielheit der Farben festlich stimmt. Besonderes Interesse erweckt das Segelschiff G o r cf) Fock der Kriegsmarine, auf der die Besatzung, der junge Nachwuchs, bis zu schwindelnder Höhe hinauf Paradeaufstellung genommen hat. Man lieht an den Bojen den weißen Aviso „Grille", dicht dabei das Panzerschiff „Admiral Graf S p e e", das Panzerschiff „Admiral Scheer" und das Panzerschiff „D e u t s ch l a n d", weiter die Kreuzer „K ö n i g s b e r g", „K ö I n", „Leipzi g" und „Nürnber g". Als sich das Boot, in dem sich der Führer befindet, dem Panzerschiff „Admiral Graf Spee" nähert, bricht plötzlich durch die graue Wolkenwand strahlende Sonne, so wie wir es oft erlebt haben, wenn der Führer in Kiel weilte. AnVorddes,,Admira!GrafSpee" Der Führer schifft sich nach der Fahrt an den schmucken Kriegsschiffen vorbei auf dem Panzerschiff „Admiral Graf Spee" ein, auf dem sich auch der Flottenchef Admiral Schroeder befindet. Um 10 Uhr ging das Panzerschiff „Admiral Graf Spee" mit drei Torpedobootsflottillen in See. Auf dem Panzerschiff „Admiral Gras Spee" wohnte der Führer dann Hebungen der Flotte bei und besuchte am Nachmittag die Marineschule in M ü r w i ck. schaftsmitgliedern Urlaub geben, damit sie an Feierlichkeiten in Laboe teilnehmen können. begeiferter Empfang des Führers. Ser Sieg vor dem Skagerrak. Von Konteradmiral a. D. Lühow. Wenn die Marine in diesen Tagen der Skagerrakschlacht ihr Ehrenmal in Laboe bei Kiel enthüllt, in der Gewißheit, daß das ganze deutsche Volk innerlichen Anteil daran nimmt, so denkt sie nicht nur an das eine Schlachtenereigms, sondern a n alle Kämpfe und Erfolge zur See 1914/18; an „Soeben" und „Breslau", an Spee, „Emden" und „Karlsruhe", an Luftschiffe und U-Boote — keine Waffe zu Lande, zu Wasser und in der Lust hat ihre Erfolge mit so viel Verlusten bezahlen müssen wie die U-Boote! —, an Oesel und Dardanellen, an Eismeer und Tanganjika-See und Tigris, an Flandern und Finnland. Die Skagerrakschlacht ist der Brennpunkt für alle Gedanken, denn sie gab für die Gesamtheit der blutjungen deutschen Flotte Antwort auf die Frage: Sind wir reif für den Kampf auf See? Das 1870 geeinte Deutschland war für die alten Großmächte eine durchaus unbequeme Neuerscheinung gewesen; Moltke hatte es erkannt: wir werden unser neues Reich zu verteidigen haben! Die Volkskraft, die für Landeroberungen in Europa einzusetzen kein Staatsmann unweise genug war, drängte auf See und in Kolonien. Aber auch hier galt: si vis pacem, para bellum. Kaiser Wilhelm II. und Tirpitz schaffen eine Flotte, Koester und andere Admirale schulen sie, Scheer führt sie zum Sieg. Ja — aber hat die Skagerrakschlacht den Krieg entschieden — wie Millionen Deutsche hofften? Nein — hat irgendeine andere Schlacht den Krieg entschieden? Ist das ein Beweis für ihre geringe Bedeutung? 21 deutsche Großkampfschiffe greifen am .Spätnachmittag des 31. Mai 1916 vor dem Skagerrak 37 Großkampfschiffe der ruhmreichsten, an Ueberlieferungen überreichen Flotte des Gegners an und fügen ihr in wenigen Tages- und Nachtstunden die doppelten Verluste an Schiffen und Menschen zu, die sie selbst erleiden; 177 Gefangene fallen m unsere, fein Deutscher in Feindeshand Noch 1924 schreibt Lord Sydenham: „In der langen und glorreichen Geschichte der britischen Marine ist nichts verzeichnet, was sich mit dieser Tragödie auch nur einigermaßen vergleichen ließe." Wir Deutschen wünschen heute sehnlichst, daß zwischen Engländern und Deutschen alle bitteren Gefühle von einst restlos begraben sein möchten; die „europäische Pöl' r- familie" stellt uns genug gemeinsame Aufgaben. Ader grade ein Engländer würde es nicht verstehen, w nn wir aus der Skagerrakschlacht nicht gelernt hätten, uns auf See zu fühlen. Die Wirkungen der Skagerrakschlacht auf den Kiiegsverlauf waren bedeutend genug. Di' Russen schrien schon feit einem Jahr nach Zufuhr von Kriegsgerät — vor allem schwerer Artillerie! —, von Kleidungsstücken, von tausend Dingen. Die Dardanellen waren dank „Soeben" und „Breslau", dar>k deutscher Infanterie und Matrosenartillerie gesperrt, ein Jahr blutiger Angriffe hatte sie nicht offnen können. Im nördlichen Eismeer räumten die Meteor-Minen und die U-Boote unter den Transportern auf. In Petersburg stockte das Leben, Fleisch gab es nur noch in Krankenhäusern, man stand vor den Läden Schlange, die Stimmung war gedrückt. Macht die Ostsee frei! Die Ostsee blieb dank Skagerrak und Scheer unter deutscher Herrschaft. Dänemark, Schweden und Norwegen konnten keinem politischen ober militärischen Druck der Feinde ausgesetzt werden, sie konnten und mußten neutral bleiben. Hollands Neutralität erhielt eine Stärkung. War das alles nichts? D>e Seeherrschaft in der Nordsee blieb umstritten. Die gigantischen Versuche, die Doverstraße, die deutsche Bucht der Nordsee und den Raum zwischen Norwegen und den Shetland-Inseln mit Hunderttausenden von Minen gegen unsere U-Boote zu sperren, forderten auf unserer Seite erhöhte Opfer, Mühen, Zeit, Kampf und Not auf U-Booten, Zerstörern, Minensuchern, Geleitern und Kreuzern, — aber der dauernde Aderlaß am Nachschub der feindlichen Landfront im Westen durch den U-Bootkrieg wurde nicht zum Stehen gebracht. Ohne Skagerrak wäre der U-Bootkrieg, der dem Landkrieg ungeheure Entlastung schuf und die Feinde wankend machte, nicht zu führen gewesen. Aber die Schlacht weist über den Weltkrieg hinaus in die Zukunft. In ihr zeigt sich deutsche Schiffbaukunst, Jndustriearbeit, Schießfertigkeit, Gefechtsausbildung — ohne auf großen Uebertteferun- gen oder leichteren Kampfproben aufgebaut zu haben — der gestellten Aufgabe gewachsen. Auf dem lahmgeschossenen kleinen Kreuzer „Wiesbaden" hämmern zahlreiche feindliche Panzerkreuzer und Großkampfschiffe herum, er ist kaum zum Sinken zu bringen. Auf dem Schlachtkreuzer „Derfflinger" trifft ein 30,5-cm-Geschoß den Hauptkommandoturm. Die Insassen haben das Gefühl, als wenn er „von Riesenfäusten" gepackt, in die Höhe geworfen wird und dann zitternd in seine alte Stellung zurückfedert". Trotzdem ist an dem unstarr angebrachten Feinmechanismus der Be- fehlsübermittleranlage nichts zerstört oder beschädigt. Der Artillerieoffizier des schwer mitgenommenen Schlachtkreuzers „S e y d l i tz" berichtet, daß während der Schlacht nicht eine einzige Gefechtsstörung in seinem Dienstbereich eingetreten sei, die nicht bei den Friedensübungen bedacht und einge- Übt gewesen sei. Kapitän zur See Zenker bleibt mit seinem Schlachtkreuzer „von der Tann" auch während der zwei Stunden in der Kampflinie, während deren seine sämtlichen 28 crn-Ge- schütze ausgefallen sind und seine 15 cm wegen zu großer Entfernung kaum zum Feuern kommen — um das Feuer seines Gegners von seinen Kameraden fernzuhalten. Kapitänleutnant Beitzen trifft im Morgengrauen des 1. Juni mit vier Torpedobooten, die außer ihrer Besatzung 940 Mann überfüllt finb auf überlegenen Feind, 1 Kreuzer 23. Mai 1933 die Marine mit den Worten begrüßt: und 4 Zerstörer. Seine Lage scheint hoffnungslos. „Sie Laben große Traditionen zu wahren^ Wenn 4.»Aiinm (VrtffrMiiEi mnhlf pr das ein.iia 1 ‘ Hundert Jahre Technische Hochschule Darmstadt. Der Höhepunkt der Darmstädter Iubiläumstage. LPD. D a r m st a d t, 28. Mai. Am Donnerstag fand eine Gemeinschaftsveranstaltung des NS. - Bundes deutscher Techniker und der Reichsvereinigung der technisch-wissenschaftlichen Arbeit statt, in der vor allem auf die Meliorationen und Siedlungen im Gau Hessen-Nassau hingewiesen wurde. Der Gauobmann der technischen Vereine im Gau Hessen-Nassau, Dr. Scholz (Frankfurt a. M.), verbreitete sich zunächst über die Frage, was in Hessen getan worden ist, namentlich auch mit Hilfe der Technik, um in jeder Beziehung voranzukommen. Er wies auf die Qualitätsindustrien in Hessen hin, vor allem auf die Auto- und Lederindustrie, ferner die chemische, optische und elektrische Industrie. Auch die Edelsteinindustrie in Hanau müsse er erwähnen. Alle diese Industriezweige würden zur Hebung der Ausfuhr erheblich beitragen. Die Organisation des NSBDT. — RTA. solle keine Klassen- und Standesabgrenzung sein, sondern eine Sammlung von Berufskameraden zur Erreichung des Fortschritts der Technik zum Wohl des ganzen Volkes. Dann sprach LandesbauernsührerDr.Wagner, der die Aufgaben der Landeskultur in ihrer Auswirkung auf das Bauerntum entwickelte. Im Mittelpunkt der Darmstädter Jubiläumstage stand eine Feier st unde am Donnerstag. Annähernd 4000 Festgäste aus dem In- und Ausland hatten sich in der Darmstädter Festhalle eingefunden. Unter den Ehrengästen sah man u. a. den Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger und den Beauftragten des Führers für die Technik Dr. Todt. Die akademische Feier wurde mit herzlichen Begrühungsworten des Rektors Dr.-Jng. H ü b e - ner eröffnet. Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger überbrachte die Wünsche des Führers und der Reichsregierung. Mit großem Beifall wurden auch die persönlichen Glückwünsche des Reichsstatthalters ausgenommen. Von der geschichtlichen Seite aus betrachtet sei die Technische Hochschule sehr rasch vorangeschritten. Sie habe auf einigen Gebieten, besonders auf dem elektrotechnischen Gebiet, die Führung gehabt und sich Weltruhm erworben. Man könne mit großen Hoffnungen in das zweite Jahrhundert der Hochschule eintreten. Adolf Hitler, unser Führer, sei der Traum des deutschen Volkes nach Einigkeit, Eintracht und Gemeinschaft. Jeder einzelne an seiner Stelle sei nur ein Teil der Gesamtheit, aber im Dienst der gesamten Nation. Auf dieser Grundlage der neuen Geistesauffassung und Zielrichtung habe auch die Technische Hochschule ihre Aufgaben gestellt erhalten. Wenn die Technische Hochschule in den Gedanken Adolf Hitlers sich ihren Aufgaben bewußt ist, wird sie auch neuen Anforderungen gerecht werden können. Die Jugend aber übernehme die Verpflichtung, das auf neuer Grundlage aufgebaute Werk der Wissenschaft fortzuführen und zu erfüllen. Der Führer sehe sein höchstes Ziel darin, des deutschen Volkes Art auf Jahrtausende zu erhalten. Reihe sich die Technische Hochschule als Mitträger dieser Idee in die neue Zeit ein, so werde sie jederzeit der Achtung des Volkes, des Schutzes und der Förderung der Behörden und der Mitarbeit aller echten Deutschen gewiß sein. Für den Reichswissenschaftsminister überbrachte Professor Dr. Zacher die Glückwünsche zur Jubelfeier. Er sprach über den Wert der schöpferischen Kräfte. Der deutsche Ingenieur der Zukunft könne nur dann Beachtliches leisten, wenn die schöpferisch gestaltenden Kräfte, die in ihm schlummern, ihrer Aufgabe zugeführt werden. Der Werdegang des deutschen Ingenieurs müsse von der Grundlage der Forschung ausgehen. Prof. Bachör gab einen Ueberblick über die Entwicklung der Technischen Hochschulen bis zur heutigen Gleichberechtigung der technischen Fakultäten innerhalb der Universitas. Wir leben heute, so führte er weiter aus, im glückhaften Zeitalter der geistigen Synthese, in der die Wissenschaft von einem einheitlichen Zentralpunkt aus gesehen wird. Bezüglich einer Reform des technischen Hochschulstudiums gab Dr. Bach ö r die Anregung, dem Studenten erhöhte Möglichkeit zur freien Forschung zu geben. Weiter überbrachte Kreisleiter Oberbürgermeister W a m b o l d t die Glückwünsche der Stadt, die besonders stolz auf ihre Technische Hochschule sei. Für die deutschen Hochschulen einschließlich der Hochschule Danzig gratulierte der Rektor der Gießener Universität, Professor Dr. Pfähler. Freudig begrüßt wurde Prof. Dr. L i st, der für die Technischen Hochschulen Wien, Brünn, Prag Kopenhagen und Drotheim herzliche Grüße der Auslandshochschulen überbrachte. Der Stabsleiter der Reichsstudentenbundsführung Walch er brachte die Wünsche des Reichsstudentenbundsführers zum Ausdruck. Verleihungen und Ehrungen. Die nun folgenden Ehrungen der Technischen Hochschule und des VDJ. wurden von der Festversammlung mit großem Beifall ausgenommen. Die Würde eines Doktor-Ingenieurs ehrenhalber wurde verliehen an die Herren Sverre Pedersen, Professor an der Technischen Hochschule Drontheim (Norwegen), Professor Ivar Tengbom in Stockholm, Wolmar Knut Axel F e l l e n i u s, Professor an der Technischen Hochschule Stockholm, Ronald Krake Evans, Generaldirektor der Adam Opel A. G. in Rüsselsheim, C. B. Thorne, Vizepräsident der Canadian International Paper Co. in Hawkesbury, Ontario (Kanada), Jakob Buchli, Präsident des Verwaltungsrats der Schweizerischen Lokomotio- und Maschinenfabrik in Winthertur (Schweiz), Arthur Edwin Sen» nelly, Professor an der Harvard University in Cambridge (USA.), Professor Dr. Arne Westgren, Direktor des Chemischen Instituts der Universität Stockholm, Professor Dr. Ilmari Sonst) orff, Direktor des Finnischen Geodätischen Instituts in Helsingfors, Professor Hofrat Dr. Hans M o l i s ch in Wien und Professor Dr. phil. Niels Erik Nö r° lund, Direktor des Dänischen Geodätischen Jnsti- Wenn im Reichserbhofgesetz verlangt würde, daß der Bauer seine Scholle ordentlich bestelle, wenn diese Forderung auch auf alle andern, die deutschen Boden bewirtschaften, ausgedehnt werden müsse, dann sei es Pflicht des Staates, alles zu tun, um auch das letzte zum Ackerbau verwendbare Stückchen Land ackerbaufähig zu machen. Bei der planmäßigen Neuordnung des Raumes in unserem engeren Gebiet bedeute das schon in den Jahren des Kampfes aufgestellte nationalsozialistische Melio- rations-, Arbeits- und Siedlungsprogramm die Grundlage, auf der jede weitere Einzelarbeit aufgebaut werden müsse. Drei Ziele seien es, die erreicht werden sollten: 1. Die beschleunigte Durchführung der Feldbereinigung, 2. die volle Nutzbarmachung des sich noch häufig findenden O e d l a n d e s , 3. die Schaffung neuen Bauerntums Zum Schluß wurde ein Film vorgeführt „Wir in Hessen". Dabei erläuterte Landeskulturrat Reich das Meliorations- und Siedlungsprogramm in Hessen, soweit es bisher zur Ausführung gekommen ist. Er hob besonders hervor, daß in verschiedenen Arbeitsabschnitten vorher sumpfiges und unbebaubares Land bereits fruchtbar gemacht und vielen Volksgenossen die Möglichkeit zur Ansiedlung gegeben wurde tute, Präsident der Dänischen Akademie der Wissenschaften in Kopenhagen. Der Verein deutscher Ingenieure verlieh dem Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn und Vorsitzenden des Verwaltungsrats und Vorstandes der Gesellschaft Reichsautobahnen Dr.-Jng. e. h. Julius Dorpmüller seine höchste Auszeichnung, die Grashof-Denkmünze. Zum Ehrenmitglied des VDJ. wurde Generaldirektor Dr.-Jng. e. h. Karl Reinhardt ernannt für seine hervorragenden Leistungen auf den Gebieten des Kraftmaschinenbaues und der Aufbereitungstechnik sowie für seine großen Verdienste als Vorsitzender des VdJ. in den Jahren 1918 bis 1921. — Der VDJ.-Ehrenring für Arbeit und Leistung wurde verliehen an Diplom-Ingenieur Kurt Erhard Wolfram H i r t h für die Förderung der Grundlagen des Segelfluges in praktischer Fliegertätigkeit und wissenschaftlicher Arbeit und an Dr.-Jng. Heinrich Leo K o r s ch a n für hervorragende Leistungen auf wehrtechnischem Gebiet — Das VDJ.-Ehrenzeichen erhielt . Direktor Karl Waninger in Anerkennung seiner großen Jnge- nieurleistungen. — Nach den Ehrungen ergriff der Rektor der Technischen Hochschule. Pros. Dr.-Jng. Hübener das Wort zu einer Ansprache, in der er die Aufgaben der Hochschule umriß. Er teile u. a.: An der Schwelle des ersten Jahrhunderte haben wir die Frage nach der weiteren Gestaltung der Hochschule in Bezug auf Lehre und Forschung zu beantworten. Man hat nach dem Zusammenbruch der Technik den Porwurf gemacht, daß sie die Ursache des kulturellen und wirtschaftlichen Elends gewesen sei. Es hat sich aber gezeigt, daß eine Bekämpfung des technischen Fortschrittgeistes falsch ist. Lediglich seine Auswüchse sind zu beseitigen. Nicht durch Unterdrückung der Jngenieurkunst, sondern durch ihre verständige Weiterbildung werden wir den Lebensstand des deutschen Volkes verbessern. Zur Erreichung dieses Zieles haben auch die Hochschulen das ihre beizutragen durch weiteren Ausbau von For- chung und Lehre. Die Lösung der Aufgabe ist chwierig, denn der Unterricht der Hochschulen ist tark von der schnellen Entwicklung der Technik abhängig. Daher ist es Aufgabe der Hochschule, ihren Organismus nicht veralten zu lassen. Nur so läßt sich das Ziel der Hochschule, Ingenieure heranzubilden, die später im Leben befähigt sind, sich ein umfassendes Urteil zu bilden und eigene Lösungen zu finden, erreichen. Das Ziel muß sein, daß unser Stand wieder führende Persönlichkeiten hervorbringt, die schöpferische Gestaltungskraft mit tiefem Verantwortungsgefühl gegenüber ihrem Volke vereinen. Direktor Dipl.-Zng.Iahne- Frankfurt sprach über „Aufgaben des Ingenieurs in der chemischen Industrie". Diese Aufgaben umfassen fast alle Fachrichtungen der Jnge- meur-Wissenschaft. Besonders hervorragend sind dabei die Energiewirtschaft, die Gestaltung und die Betriebstechnik beteiligt. Bei der Energiewirtschaft liegt die besondere Eigenart des chemischen Betriebes in der Anwendung der Energien in den verschiedensten Formen und zu besonderen Zwecken. So wird die Wärmeenergie bei höchsten Dampfdrücken erzeugt, die Kälte bei den tiefsten Temperaturen gebraucht. Elektrizität, Gas und Kohle werden nebeneinander verwendet. Auf dem Gebiete der Gestaltung hat die Einführung des Einzelantriebes, die Anwendung der Schweißtechnik, der Sonderstähle und des Oberflächenschutzes umwälzend gewirkt. Die besondere Aufgabe des Ingenieurs in der Betriebstechnik besteht heute darin, den chemischen Betrieb, das wissenschaftliche Laboratorium, den Versuchs- raum technisch zu beraten, wenn es gilt, ein Verfahren betriebsmäßig auszugestalten. Mit dem Gesang der nationalen Lieder und mit dem Auszug des Lehrkörpers und der Studentenschaft fand die Feierstunde ihr Ende. Die Zung-Zngenleure in Front. Aus Anlaß der Jubiläumsfeier des VDJ. hielten die Jung-Jngenieure in Darmstadt eine Sondertagung ab. Im Mittelpunkt ihrer Veranstaltung stand das politische Wollen des Jung-Jnge- nieurs. lieber dieses Grundthema machte Reichs- schulungsobmann Dr. Stäbe! (Berlin) bemerkenswerte Ausführungen. Eine weitschauende Staatsführung habe dem Techniker und Ingenieur große Aufgaben im Interesse der Lebenserhaltung des Volkes gegeben. Damit widerlege der Nationalsozialismus gleichzeitig das Märchen, er sei ein Feind der Technik und des Fortschritts. Vielmehr sehe der Nationalsozialismus in den technischen Errungenschaften das großartige Ergebnis nordischen Forscherdranges, der sich nach schwierigsten Kämpfen gegen eine starre Dogmatik durchsetzen konnte. Dr Stäbe! verkündete, daß in Zukunft jeder Angehörige des NSDStB., der auf einer deutschen technischen Hochschule oder Fachschule studiere, nach dem vierten Semester auf der Hochschule ober dem dritten Semester auf der Technischen Fachschule als Gastmitglied in den NS.-Bund deutscher Technik ausgenommen werde. Damit wird ein für allemal ein ununterbrochener Uebergang von der Berufsausbildung zur berufsständischen Organisation sichergestellt. Ratsherr Ingenieur Karl Kasper (Berlin) behandelte das Thema „Jungingenieur und B e r u f s st a n d". Es ist zunächst festzustellen, wer überhaupt in die deutsche Jngenieurschaft hineingehört. Ihre größte und wichtigste Aufgabe wird darin bestehen, den Ingenieur zu einer möglichst hohen Berufsauffassung zu erziehen. Man werde dann auch zu einer Ehrengesichtsbarkeit kommen. lieber den Sinn der fachlichen Gemeinschaftsarbeit sprach der Obmann der Berliner Jungingenieure Dr. F ö h l. Die fachliche Arbeit in der kameradschaftlichen Arbeit der Jungingenieure solle den jungen Berufskameraden durch das Erlebnis der fachlichen Gemeinschaftsarbeit auf einem Teilgebiet den Blick öffnen dafür, daß er als Mitschaffender in einer großen Front der Technik steht. Sie Glückwünsche des Führers und Hermann Görinas. Der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler hat der Technischen Hochschule Darmstadt zu ihrer 100-Jahr-Feier feine herzlichen Glückwünsche telegraphisch übermittelt. Auch Generaloberst Göring übersandte zur Jubiläumsfeier ein Glückwunschtelegramm. Oer Ausklang: Großes Volksfest im Darmstädter Schloß. Den Abschluß der Darmstädter Jubiläumsfeierlichkeiten bildete am Donnerstagabend ein großes Volksfest auf den Wällen des Darmstädter Schlosses und in seinen Höfen, die alle festlich illuminiert waren. Zehntausende von Besuchern verbrachten bei schmetternden Weisen verschiedener Musikkapellen im Weindorf, in den Bierzelten und im Glochenhos einige frohe Stunden im Kreise ihrer früheren Studenten. Der F a ck e l z u g der Studenten der Technischen Hochschule wurde bei dem Vorbeimarsch am Schloß von den Festgästen freudig begrüßt. Das frohe Treiben im Schloß und auf den Tanzflächen dauerte bis in die schöne sternübersäte Maiennacht hinein. Stelldichein der Wandergesellen. Bekanntlich sind in diesem Jahr 1000 deutsche Handwerksgesellen aus allen Teilen des Reiches auf die Wanderschaft geschickt worden. Zirka 500 Gesellen, die sich um diese Zeit auf der Wanderschaft durch Hessen-Nassau und Das Rheinland befinden, werden während des Reichshandwerkertages in Frankfurt a. M. in einem Gemeinschaftslager zusammengezogen. Sie werden in einer Sonderkundgebung aufmarschieren. Voraussichtlich werden Reichsorganisationsleiter Dr. Ley und Reichshandwerksmeister Schmidt bei dieser Gelegenheit grundsätzliche Ausführungen machen. :DNB ii M TT Gin Ausschnitt aus der Festversammlung. Von rechts nach links der Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn, Dr. D o r p m ü l l e r, in der Hand die ihm verliehene Grashof-Gedenkmünze, die höchste Auszeichnung des Vereins Deutscher Ingenieure; neben ihm der Inspekteur für das deutsche Straßen- wesen, Dr. Todt, und Dr.-Jng. Schult, der Präsident des VDJ. (DNB.-Heimatbilderdienst. — Photo: Jakody.) Eindrucksvolle Feierstunde in der Festhalle. Das Programm derNex-Bewegung m Belgien Brüssel, 29. Mai. (DNB.) Der Führer dec Rex-Bewegung, Löon D e g r e l l e, der vom König empfangen wurde, hat der „Libre Belgigue" erklärt, er sei gegen eine Beteiligung seiner Bewegung an der Regierung. Es gebe nur ein Ministerium, das er unter ganz bestimmten Bedingungen annehmen könne, nämlich das Justizministerium. Dann werde die große Säuberung beginnen, zunächst bei den großen Finanzinstituten. Seine Bedingungen für die Annahme dieses Postens seien: Abberufung der Gouverneure der National» bank und der Nationalen Jndustriekreditbank sowie der Rücktritt aller Polittker, die Aufsichtsposten inne Haden. Ferner werde er die sofortige Einsetzung eines Sondergerichts mit der Bezeichnung „Säuberungsausschuß" fordern. Einer Regierung, die nicht imstande sei, den Staat zu säubern, könne ihn auch nicht aufbauen. Van Zeeland wolle das Land von oben herab reinigen. Er dagegen wolle jeden einzelnen Bürger reinigen. Die große Mehrheit der Bevölkerung wolle eine tiefgründige Reform, so wie sie die Rex-Bewegung anstrebe, die ' in sechs Monaten 270 000 neue Anhänger gewonnen habe. Wir werden für alles stimmen, was gerecht und vernünfttg ist und im nationalen Interesse liegt. So für den Staatshalt und für die Gesetze über die Landesverteidigung; wir werden die Religionsfreiheit verteidigen und für alle Gesetze eintreten, die vom sozialen Standpunkt wünschenwert sind. „Wenn die jetzt kommenden Regierungen nacheinander gestürzt sind, dann ist die Stunde für uns gekommen. Man wird uns dann rufen, damit wir die Verantwortung übernehmen. Wir sind entschlossen, eine außerparlamentarische Regierung aus wirklichen Fachleuten zu bilden, eine Regierung, aus der alle Polittker im schlimmen Sinne des Wortes ausgeschlossen sind." ©er polnische Besuch in Belgrad. Warschau, 29. Mai. (DNB. Funkspr.) Als positive Ergebnisse des Besuches des polnischen Außenministers Beck in Belgrad stellt „Gazeta Polska" die Herstellung einer engeren Zusammenarbeit fest. Die Ansichten Becks und Stojadinowitschs über die internationale Lage stimmen weitgehend überein, was die künftige diplomatische Arbeit beider Staaten erleichtern werde. Beide Minister hätten beschlossen, an jedem aufbauenden Plan für die künftige Organisation der internationalen Zusammenarbeit, der vorgeschlagen werde, mitzuarbei- ten. Diese Pläne müßten jedoch die Gleichheit und die internationale Solidarität zur Grundlage haben und die berechtigten Belange der beiden Staaten berücksichtigen. Der neue englische Kolonia'minister. London, 28. Mai. (DNB.) Zum Nachfolger des vor kurzem zurückgetretenen Kolonialministers Thomas wurde am Donnerstag der bisherige Kommissar für öffentliche Arbeiten W. G. A. O r m s b y - Gore ernannt. Ormsby-Gore hat bereite feit mehreren Jahren dem nationalen Kabinett als Kommissar für öffentliche Arbeiten angehört. Er ist 1885 geboren und war während des Krieges im Nachrichtendienst im Orient tätig. 1922 wurde er zum erstenmal Unterstaatssekretär für die Kolonien und versah dieses Amt bis zum Jahre 1919. Er war ferner Mitglied der britischen Abordnung für die Versailler Friedenskonferenz. Ormsby-Gore gehört der Konservativen Partei an und vertritt den Wahlkreis Stafford. Kleine politische Nachrichten. Botschafter von Ribbentrop startete am Donnerstag um 14 Uhr vom Flughafen Tempelhof zu einem privaten Aufenthalt nach England, wo er die Feiertage als Gast Lord Londonderrys in Nordirland verbringen wird. ♦ Das Hauptamt für Beamte in der Reichsleitung der NSDAP, veranstaltet gemeinsam mit dem Amt für Beamte des Gaues Groß-Berlin am Donnerstag, dem 4. Juni d. I., in der Deutschlandhalle eine Kundgebung der' Beamtenschaft, auf welcher der Stellvertreter des Führers, Reichsminister Rudolf Heß, richtunggebende Ausführungen machen wird. * Die Abendausgabe der in Turin erscheinenden „Gaßze11a del P o p o l o" vom 26. d. M., die eine sensationell aufgemachte Landkarte über a n • g e b l i ch e deutsche Gebietsansprüche in Europa veröffentlicht hatte, ist auf Veranlassung des italienischen Presse- und Propagandaministeriums beschlagnahmt worden. * In einem feierlichen Kronrat wurde a l s Krönungstag d e s britischen Königs Eduard VIII. Mittwoch, der 12. Mai 1937, bestimmt. — Am Freitag werden die Wappenherolde des Königs den Krönungstag feierlich ausrufen. Oas Berliner Baugrubenunglück vor Gericht. Im Berliner Bauunglücksprozeß war die Zeugenaussage des Photographen Fritz B e t t g e von erheblicher Bedeutung. Dieser hat im Auftrage der Berlinischen Baugesellschaft wenige Tage vor dem Einsturzunglück Aufnahmen für Werbezwecke an- gefertigt, die im Prozeß schon des öfteren eine Rolle spielten. Von der Verteidigung war die Vermutung geäußert worden, daß der Zeuge einige Aufnahmen, die er schon am 12. August gemacht hatte, mit dem Datum des 16. August — des nächsten Aufnahmetages — versehen hatte. Der Zeuge erklärte jedoch, daß die auf den Photographien aufgestempelten Daten den jeweiligen Aufnahmetag richtig bezeichnen. Großes Interesse erregten die weiteren Bekundungen dieses Zeugen, die er über die starken Erschütterungen durch den Straßenverkehr machte. Als er am 12. August die ersten Aufnahmen machen wollte, hatte er die Absicht, eine fahrende Straßenbahn mit auf das Bild zu bringen. Dies fei ihm aber nicht gelungen; er bemerkte bann jedesmal, daß beim Vorbeifahren der Bahn eine so starke Erschütterung entstand, daß bas Bild verwackelte. Nach dreimaligen vergeblichen Versuchen sah er sich schließlich gezwungen, eine Straßenbahn an der Haltestelle aufzunehmen. Der Zeuge erklärte weiter, daß auch der starke Auto- busoerkehr erhebliche Erschütterungen verursachte. Das deutsch-ungarische Kulturabkommen unterzeichnet. Berlin, 28. Mai. (DNB.) Don den Bevollmächtigten des Deutschen Reiches und des Königreichs Ungarn wurde ein Abkommen über die geistige und kulturelle Zusammenarbeit unterzeichnet. In der Präambel des Abkommens heißt es: „Der Führer und Kanzler des Deutschen Reiches und Seine Durchlaucht der Herr Reichsverweser des Königsreichs Ungarn, beseelt von dem aufrichtigen Wunsch, die auf alter Tradition erwachsenen wechselseitigen kulturellen Verbindungen auf allen Gebieten au vertiefen, sowie den gegenseitigen Austausch der kulturellen und geistigen Güter beider Nationen und damit das gegenseitige Verstehen beider Völker nach Kräften zu fördern, haben beschlossen, ein Abkommen über die geistige und kulturelle Zusammenarbeit der beiden Staaten abzuschließen. Im Artikel 1 des Abkommens erklären beide Regierungen, ihre besondere Aufmerksamkeit der Pflege und Erhaltung der kulturellen und wissenschaftlichen Einrichtungen, die der Förderung der Kulturbeziehungen dienen, zuzuwenden. Die ungarische Regierung wird fernerhin das coli eg i um hungaricum unterhalten und neben den vier deutschen philologischen Lehrstühlen an den Universitäten in Budapest, Szeged, Debrecen und Pecs an der Budapester Univer- sität einen Lehrstuhl für deutsche Literatur errichten. Die Reichsregierung wird ihrerseits den Lehr st uhl für ungarische Sprache und Literatur sowie das Ungarische Institut an der Berliner Universität erhalten. Der neue Lehrstuhl für deutsche Kulturgeschichte an der Budapester Universität wird mit einem reichsdeutschen Gelehr- ten besetzt werden. Die deutsche Regierung wird an der Budapester Universität ein deutsches Lektorat für technische und Wirtschaftswissenschaften errichten, während von der ungarischen Regierung ein Lektorat an der Universität Leipzig vorgesehen ist. Die Lehrstühle werden durch Staatsangehörige des anderen Staates beseht werden. Im Artikel 3 des Abkommens wird der Austausch von Professoren geregelt. Danach sollen in jedem Studienhalbjahr mindestens zwei Prozessoren von einer Hochschule des anderen Landes zu Gastvorlesungen eingeladen werden. Außerdem ist ein kurzfristiger Austausch von Hoch- schulcrssisienten vorgesehen. Laut Art. 4 werden die Regierungen der beiden Staaten zur Unterstützung wissenschaftlicher Forschungsarbeiten von Fall zu Fall Arbeitsplätze für Gelehrte des anderen Staates an ihren Hochschulen und Forschungsinstituten zur Verfügung stellen. Die für den Austausch bewilligten Stipendien werden pro Semester auf die Zahl von sechs bestimmt. Jedes Stipendium besteht neben dem Erlaß der Studiengebühr in der Gewährung freier Wohnung und freier Verpflegung oder in der Zahlung eines angemessenen Barbetrages. Nach Art. 6 werden die Hochschulen beider Länder sich für einen regen Austausch von Studentengruppen zu Ferienkursen einsetzen. Auch ein Praktikantenaustausch für Hochschüler, die eine praktische Tätigkeit während ihres Studiums oder unmittelbar nachher, zur Ergänzung ihrer Berufsausbildung ableisten, ist vorgesen. Beide Regierungen werden die für die Jugend des anderen Staates wechselseitig zu veranstaltenden Studienreisen und - lager unterstützen. Sie werden ferner um die Durchführung von Gemeinschaftslagern, an denen die Jugend beider Staaten teilnimmt, bemüht sein. In Artikel 13 des Abkommens heißt es, daß die ungarische Regierung Sorgfalt auf den Unterricht der deutschen Sprache in den ungarischen Mittelschulen (Gymnasium) und höheren Handelsschulen verwenden wird. Die Reichsreaierung erhält die reichsdeutsche Schule und die deutsche Sprachschule für Handelskurse in Budapest aufrecht. Die beiden Regierungen werden sich gegenseitig über diejenigen wissenschaftlichen und literarischen Werke verständigen, deren Uebersetzung in die andere Sprache oder deren Verbreitung im anderen Lande sie für besonders erwünscht halten. Der Buchbestand in den Bibliotheken beider Staaten soll aus dem Kulturleben des anderen Staates ergänzt und vermehrt werden. Die Tätigkeit all derjenigen Künstler beider Länder soll gefördert werden, deren Werke nach ihrem Gegenstand und kulturellen Wert durch ihre Darstellung im Theater, Film und Rundfunk besonders geeignet erscheinen. Die wissenschaftlichen und künstlerischen Ausstellungen sollen ausgetauscht werden, ebenso wie die Rundfunksender wechselseitige Uebertragungen aus den Programmen der Sender des anderen Staates vermitteln werden. Der ungarische Kultusminister zum Berliner Ehrendoktor promoviert. Berlin, 28. Mai. (DNB.) Die engen kulturellen und wissenschaftlichen Beziehungen zwischen Ungarn und Deutschland fanden einen besonderen Ausdruck durch die feierliche Promovierung des ungarischen Kultusministers Dr. H o m a n zum Ehrendoktor der philosophischen Fakultät der Berliner Universität. In der festlich geschmückten alten Aula, deren Front die ungarische Nationalflagge führte, hatten sich der Lehrkörper der Universität, Vertreter der Studentenschaft und zahlreiche Ehrengäste versammelt. Der Dekan der philosophischen Fakultät, Prof. Dr B r e l o e r, würdigte die wissenschaftliche Bedeutung von Dr. Ho- man, der eine völlige Umwandlung der Geschichtsschreibung des ungarischen Volkes erreicht habe. Dr. Homan habe die völkische Mission der wissenschaftlichen Forschung in Ungarn verwirklicht. Daß er dabei ein warmer Freund Deutschlands geblieben sei, steigere nur die Zuneigung, die die deutschen Gelehrten für ihn empfinden, und schlage die Brücke zur Berliner Universität. Mit feierlichem Handschlag verpflichtete alsdann Prof. Breloer den jüngsten Ehrendoktor der Berliner Universität. Minister Homan führte dann u. a. aus: Das Geheimnis des gesunden Wachstums der ungarischen Kultur besteht darin, daß das Ungartum an der stammechten, mit seiner nationalen Existenz tief verwurzelten Tradition immer festgehalten, die hohen Werte der eigensten Volksseele immer treu bewahrt hat, daß man aber immer aufgeschlossen war für alle großen Ideen des Westens und Südwestens und die ungarische Seele alles Uebernom- mene kraft ihrer Zähigkeit des Lernens und Aneignens in ganz besonderer Weise sich angleichen, übersetzen und zu eigen au macken wußte. In der Reihe dieser bewußt entlehnten ooer unbewußt empfangenen Kulturwerte nehmen die aus dem deutschen Boden nach Ungarn verpflanzten Werte eine besonders vornehme Stellung ein Der Kulturverkehr zwischen der deutschen und der ungarischen Nation, zwischen dem Deutschen Reich und Ungarn besteht seit den Gründungstagen des ungarischen Königtums ununterbrochen bis auf unsere Tage. Die moderne ungarische Wissenschaft ist sich dessen bewußt, wieviel sie deutschem Arbeitsfleiß, Gründlichkeit, Methode, Anregung zu verdanken hat. Der dauerhafte Bestand und. der all- seitige Ausbau des wechselseitigen, fruchtbaren Kulturverkehrs zwischen beiden Nationen scheinen mir durch den jetzt feierlich erneuten Kulturvertrag für lange Zeit fest begründet und gesichert zu sein. Daß die Universität Berlin mich mit Rücksicht auf die führende Stellung, die ich in der ungarischen Kulturgestaltung einnehme, zu ihrem Dr. h. c. promovierte, ist ein symbolischer Akt dieser wechselseitigen geistigen Beziehung und Berührung. — Die Ausführungen des Ministers wurden mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Oer Streik in den pariser Vororten. Oie kommunistische Morgengabe für das Kabinett der Volksfront. Paris, 29. Mai. (DNB. Funkspruch.) Nur noch drei Tage bis zum Zusammentritt der neuen Kammer und einige 24 Stunden mehr liegen vor dem Zusammentritt der neuen Regierungsmannschaft der Volksfront. Wie sich das neue Kabinett zusammensetzt, ist nach wie vor ein Geheimnis. Es ist trotzdem anzunehmen, daß der Sozialistenführer Lson Bl«m seine Ministerliste im großen und ganzen fertig hat. Die neuen Namen wird man jedoch wahrscheinlich nicht vor dem Tag des Empfanges der neuen Regierung durch den Präsidenten der Republik kennen. Löon Blum mußte sich dem Streik in den großen Pariser Metall-, Automobil- und Flugzeugwerken zuwenden. Er hatte Besprechungen mit den Sekretären des sozialistischen Gewerkschaftsverbandes CGP., Johaux und Racamont, später mit einer Abordnung des k o m m u n i st i - schen Parteivorstandes und Vertretern der verschiedenen Arbeitersyndikate. Den Abschluß bildete eine lange Aussprache mit Ministerpräsident S a r r a u t, Arbeitsminister F r o s s a r d und dem sozialistischen Abgeordneten (und zukünftigen Finanzminister) Vincent-Auriol. Die Frühblätter sehen in den Streik, von dem auch Fabriken für die Herstellung von Kriegsmaterial betroffen sind, eine politische Aktion — natürlich mit Ausnahme der Volksfrontzeitungen, die dem Aufstand eine betont lohnkämpserische Bedeutung beiaumessen sich bemühen. Die Rechtszeitung „Ordre" schreibt: „So hat es auch in Spanien begonnen." Die Besetzung der Fabriken durch die Arbeiter beweise, daß die Kammerwahl revolutionäre Kräfte geweckt habe, deren man nicht leicht Herr werden würde. In den Wandelgängen der Kammer erklärte der Abgeordnete Bret (rechte Mitte): „Die Zeit der Legalität ist vorbei. Das alles wird auf der Straße geregelt werden." Nach Ansicht des linksradikalen Abgeordneten Candance „hat die kommunistische Partei nunmehr begonnen, die sozialistische Partei anzupressen". Der Abgeordnete der republikanischen Vereinigung Coisin betonte, daß die Kommunisten trotz ihrer Leugnungsversuche diesen Streik organisiert hätten; die Volksfront habe Wind gesät, jetzt beginne sie Sturm zu ernten. Velegschasten gegen Verhandlungen. P a r i s, 29. Mai. (DNB. Funkspruch.) Der Streik der Metallarbeiter in den Pariser Vororten, der durch den Anschluß der Renauld-Werke mit 34 000 Arbeitern und einer ganzen Reihe weiterer Maschinenfabriken und Werken der französischen Rüstungsindustrie einen ungeheuren Auftrieb erhalten hatte, scheint mit einem Siege des marxisti- schen Gewerkschaftsverbandes, dessen stiller Streikpar'ole sämtliche Pariser Vorortsbetriebe gefolgt waren, seinem Ende entgegen zu gehen. Auf Grund der von der Regierung Sarraut mit Vertretern der Arbeitgeber- und Arbeitnehmeroerbände geführten Besprechungen haben sich die A r -' beitgeberverbände bereiterklärt, in Verhandlungen einzutreten, falls bis dahin die Arbeit in den Betrieben wieder ausgenommen werde. Von den Werksleitungen wurde den Streikenden weiter versprochen, keine Strafmaßnahmen zu ergreifen. Obwohl dieser Vorschlag bereits am Donnerstagmorgen gegen 9 Uhr vorlag, sind doch die etwa 50 000 in Streik befindlichen Metallarbeiter in der Nacht zum Freitag an ihren Arbeitsplätzen geblieben. Wieder wurden sie von ihren Familien und von Gewerkschaftsgenossen mit Lebensmitteln, Wein und Zigaretten versorgt. Kommunistische Abgeordnete, in Begleitung marxistischer Gewerkschaftssekretäre, machten noch am späten Abend ihre „Jnspek- tionsgänge" durch die streikenden Betriebe. Ueberall wurden sie durch das Absingen der Internationale und mit geballter Faust — dem Sowjetgruß — empfangen. Englands Rüstung zur Gee. Kritik im Unterhaus an der englischen Flottenpolitik. London, 28. Mai. (DNB.) Im Unterhaus wurde eia Nachtragshaushalt für die Marine in Höhe von 10,3 Millionen Pfund Sterling (140 Millionen Mark) mit 182 gegen 85 Stimmen angenommen, Lord S t a n l e y, der parlamentarische Staatssekretär der Admiralität, erklärte, daß Großbritannien die Ausgaben für die Flotte so vergrößern müsse, sei darauf zurückzuführen, daß die Versuche, ein Uebereinkommen über die Rüstungsbegrenzung zu erzielen, keinen Erfolg gehabt hätten. Großbritannien sei gezwungen, fünf Kreuzer abzuwracken. Die Regierung sei der Ansicht, daß die Schiffsbauten von Mächten, die dem Londoner Vertrag nicht angehören, bisher die britische Sicherheit nicht bedrohten, so daß die Gleitklausel nicht angewandt werden könne. Der konservative Abgeordnete Admiral Tay- l o r vertrat demgegenüber die Meinung, daß die Kreuzerbauten der fremden Mächte England verpflichteten, die Gleitklausel anzuwenden. Churchill protestierte heftig. Wenn fünf noch durchaus brauchbare Kreuzer abgewrackt würden, dann fördere dies nicht die Bereitschaft, neue Mittel zu bewilligen. Es werde behauptet, daß das Abwracken der Kreuzer aus Vertragsgründen zu geschehen habe. Das sei aber nicht richtig. Es sei absurd zu behaupten, daß die Admiralität gegenüber der Entwicklung der Flottenbauten in anderen Ländern gleichgültig bleiben könne. Welche Sicherheit habe man, daß Japan fünf bis sieben Kreuzer abwracken würde, wie es vertraglich vorgesehen sei? Bevor die englischen Kreuzer abgewrackt würden solle man erst sicherstellen, was am anderen Ende der Welt geschehe. Admiral K e y e s beklagte sich über die starke italienische Propaganda in den Mitte l m e e r st a a t e n. Die britische Nation werde als verweichlicht und der Selbstverteidigung unfähig hingestellt, es werde behauptet, daß die italienische Flotte England aus dem Mittelmeer vertreiben könne. Keyes bemerkte, daß die englische Flotte in früheren Zeiten schon oft herausgefordert und zeitweilig sogar aus dem Mittelmeer vertrieben worden sei. Sie sei aber letzten Endes immer wieder siegreich gewesen. Der Zivillord der Admiralität, L i n d s a y , erklärte, es sei die Absicht der britischen Regierung, eine uneingeschränkte Leistungsfähigkeit der Flotte hinsichtlich der Mannschaft, des Materials und der Reserven oorzustellen. Mehrere Abgeordnete wiesen auf Gerüchte hin, daß die englische Flotte im Mittelmeer in der .Zeit der englisch-italienischen Spannung unzulängliche Munitionsreserven gehabt habe, die nur für eine halbe Stunde ausge- rcicht hätten. Lindsay erklärte, er halte es für un- angebracht, derartige Behauptungen als wahr hinzustellen. Unterredung Grandis mit Eden. Die Voraussetzungen einer englisch-italienischen Aussprache. L o n d o n, 29. Mai. (DNB.) Der italienische Botschafter G r a n d i hatte mit dem britischen Außen- Minister Eden eine längere Unterredung. Die Besprechung hat in Londoner politischen Kreisen beträchtliches Aufsehen erregt, da es sich um die erste Unterredung zwischen Grandi und Eden handelt, seitdem die Italiener in Addis Abeba eingerückt sind. Times schreibt, der Besuch werde als eine Bemühung ausgelegt, den Weg für eine Entspannung zu ebnen. Der italienische Botschafter habe mit Eden einige Probleme erörtert, die sich aus den gegenwärtigen Beziehungen Italiens zu den anderen Völkerbundsmächten ergeben. Man glaube, daß' er auch dem Wunsch Mussolinis nach einer besseren Verständigung mit England Ausdruck gegeben und die Versicherung wiederholt habe, daß Italien keine Absichten gegen die britischen Interessen habe. „Daily Mail" schreibt, Grandi habe auf Anweisung Mussolinis dem englischen Außenminister mitgeteilt, daß Italien die Freundschaft und Zusammenarbeit mit England wieder herzustellen wünsche. Gleichzeitig habe er erklärt, daß d i e Fortsetzung der S ü h n e m a ß n a h m e n dieser Absicht ein Hindernis in den Weg lege. Wenn die Sühnemaßnahmen weiter aufrechterhalten würden, müsse Italien die Frage seiner Mitgliedschaft beim Völkerbund und seiner Mitarbeit für eine europäische Regelung in Erwägung ziehen. Man glaube, daß Grandi die unverzügliche Eröffnung von Verhandlungen zur Beilegung des Abessinienkonfliktes vorgeschlagen habe. Eden habe gesagt, daß England zwar die Herstellung guter Beziehungen mit Italien wünsche, daß aber die Aufhebung der Sühnemaßnahmen eine Angelegenheit des gesamten Völkerbundes sei. „Daily Herald" will wissen, daß Grandi mitgeteilt habe, Italien würde zur Eröffnung von Verhandlungen über einen Pakt bereit sein, der den Status quo im Mittelmeer garantieren würde. Er habe jedoch die Bedingungen gestellt, daß die Annektierung Abessiniens als unwiederruflich angenommen und die Sühnemaßnahmen sofort aufgehoben werden müßten. Die auf den 16. Juni anberaumte Ratssitzung werde vielleicht aufgeschoben, um Besprechungen mit Italien zu ermöglichen. * Der diplomatische Mitarbeiter des „Daily Telegraph" gibt die Eindrücke wieder, die er n a ch seiner Unterredung mit Mussolini empfangen habe. Der Sanktionsfrage werde nicht | so sehr vom wirtschaftlichen als vom moralischen Standpunkt aus Bedeutung beigemessen. Don Sachverständigen werde erklärt, daß Italien zur Zeit wirtschaftlich betrachtet durch die Sanktionen mehr gewinne als verliere. So hätten z. B. neue Industrien, die bisher gegen den ausländischen Wettbewerb nicht bestehen konnten, einen großen Aufschwung genommen. Nach ausländischen Schätzungen werde Italien die stärkste Wirkung der Sanktionen nicht vor Ablauf weiterer IV2 oder 2 Jahren empfinden. Es sei kein Geheimnis, daß Italien nach wie vor wichtige Waren einführen könne, z. B. aus den latein-amerikanischen Staaten, die beinahe ohne Ausnahme die Sanktionen nicht angewandt hätten. Wenn die Maßnahmen beseitigt würden, dann würde Italien sich wahrscheinlich an den Arbeiten eines vom Völkerbund eingesetzten Ausschusses zur Vorbereitung eines besseren Sicherheitssystems beteiligen. Der Duce verfolge das Ziel, eine breite Verständigung zwischen den europäischen Großmächten herbeizuführen. Ein Beschluß des Völkerbundes, die Sanktionen aufrechtzuerhalten, würde Italien dazu veranlassen, seinen Rücktritt aus dem Völkerbund anzukündigen. Dieser Schritt würde von Einzelabkommen für Gewährleistung der italienischen Sicherheit begleitet sein. Aus aller Welt. Briefmarken zum 6. Internationalen Gemeinde-Kongreß. Die Reichspost gibt zum VI. Internationalen Gemeindekongreß vier Sondermarken zu 3, 5, 12 und 25 Rpf. heraus. Der Entwurf für das Markenblld, der von Professor Richard Klein stammt, bringt sinnbildlich zum Ausdruck, wie die Gemeinde die ihr anoertrauten Volksgenossen betreut. — (Scherl-M.) Evangelische Woche in Frankfurt a. 7N. Eine Evangelische Woche wird von dem Reichsausschuß der Deutschen Evangelischen Kirche vom 30. Mai bis zum 2. Juni in Frankfurt a M. veranstaltet. Den Eröffnungsvortrag hält Landesbischof D. Wurm (Stuttgart) Es sprechen ferner u. a.: Missionsdirektor Hartenstein (Basel) über „Das Fragen der Völker nach Gott", Pfarrer D. Eberhard Müller (Berlin) über „Jugend vor der Kirche", Pastor D. Brand (Bethel) über „Den Glauben an den Heiligen Geist", Präses D. H u m- burg (Barmen) über „Biblische Worte", Professor Das Wundergeschüh -es" eltkrieges. Im Ehrenhof des Zeughauses in Berlin wurde ein Modell der „Dicken Berta", wie die 42-cm- Mörser seit ihrem ersten Einsatz im Weltkrieg im Volksmunde hießen, aufgestellt. (Scherl-Bllderdlenst-M.) ■ " WA * MO Dr. med. Kundtmann über „Vererbung, Krankheit und Schuld", Pastor A ß m u s s e n über „Die bihlische Lehre von der Erbsünde", Dr. v. T a d - den-Trieglaff über „Den Anteil des Laien am Neubau der Kirche". Sämtliche Veranstaltungen finden in der Matthäuskirche in Frankfurt a. M. statt. Vollstreckung eines Todesurteils. Am 28. Mai ist in Torgau der 1902 geborene Otto Reichmeister h i n g e r i ch t e t worden. Reichmeister, der durch Urteil des Schwurgerichts in Torgau vom 3 Dezember 1935 wegen Mordes zum Tode und wegen Sittlichkeitsverbrechens zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt worden war, hatte am 22. September 1935 ein siebenjähriges Mädchen in der Nähe von Zahna mißbraucht und dann erdrosselt. Erdbeben in Argentinien. Ein Erdbeben, dessen erste, leichtere Stöße bereits am Mittwoch verspürt worden waren, wiederholte sich am Donnerstag in bedeutend verstärkter^ Maße. Die Ortschaft Las Chacras wurde in Trümmer gelegt. Große Schäden wurden auch aus Paso Grande, San Martin und San Franzisko gemeldet. Das Beben verursachte an mehreren Stellen große Felsstürze. Die bisherigen Meldungen berichten jedoch noch nichts davon, daß Todesopfer zu beklagen waren. Norwegischer Dampfer gesunken. Der 990 Tonnen große, in Bergen beheimatete Dampfer „Hogstad" ist mit 14 Mann Besatzung auf der Fahrt von England nach Norwegen in der Nordsee gesunken. Lediglich der in, einem Rettungsboot treibende Kapitän des Schiffes wurde von dem holländischen Dampfer „Westpleine" gerettet. 13 Mann Besatzung dürften ertrunken sein. Oie Narrenkappe. Vom Intendanten Lmil Llaar. Emil Claar war in Frankfurt 25 Jahre lang Jntentant gewesen, als man die Leitung der Oper in die Hände einer anderen Persönlichkeit legte und Claar selber nur noch die Betreuung des Schauspielhauses ließ. Dieser war tief gekränkt und äußerte zu einem Freund: „Also, 25 Jahre hat der Theateraufsichtsrat gebraucht, um festzustellen, daß ich nicht musikalisch bin." Eines Tages kam der Theaterdiener in Claars Amtszimmer und meldete die Indisposition einer Sängerin mit den folgenden Worten: „Fräulein Z. läßt sagen, sie kann nicht singen." Claar antwortete darauf nur: „Sieht s i e das endlich ein?" „wache raus!" Im Berlin der siebziger Jahre geschah es. Da hatte ein eitler Kommissionsrat endlich den ersehnten Orden erhalten. Und selbstverständlich mußte die Auszeichnung auf der Promenade gezeigt werden. Stolz ging der Herr Kommissionsrat die Linden hinunter, im Knopfloch das blinkende Ordenskreuz. Und als er ans Brandenburger Tor kam und die ganze Wache ins Gewehr trat, da wußte er nicht wie ihm geschah. — Was war er für ein großer Mann geworden: Vor ihm die ganze Wache 'raus! — Er wußte nicht, wie er schnell genug nach Hause kommen sollte, um es seiner Ehehälfte und der Tochter zu erzählen. „Denkt Euch, was mir passiert ist", rief er völlig außer Atem. „Was so ein Orden tut! Ich komme ans Brandenburger Tor, und als der Posten meinen Orden sieht, da ruft er „Rrrr-raus!" — und alle stürzen raus und präsentieren." Ungläubig schüttelten Mutter und Tochter den Kopf. Das ärgerte den stolzen Ordensträger. Dabei hatte er doch einen Zeugen. Und rief ganz empört: „Wenn Jhr's nicht glauben wollte, fragt M o l t k e, — der kam ganz dicht hinter mir!" Ns. kleine Zwischenfälle in aller kürze. „Wie ist denn Ihre Reitstunde verlaufen?" „Im Sande." * „Warum schreien Sie denn so? Ich habe den schlechten Zahn ja noch gar nicht berührt!" „Aber Sie stehen auf meinen Hühneraugen!" Wetterbericht des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. Durch das Zusammensinken der auf das Festland vorgestoßenen Kaltluft setzte sich bei uns rasch wieder Aufheiterung durch. Trotz kräftiger Sonneneinstrahlung blieb die Temperatur gegenüber den an den Vortagen erreichten Werten erheblich zurück. Die Entwicklung eines kräftigen Südwirbels im Nordseegebiet bei fortgesetztem hohen Luftdruck über dem Ostatlantik läßt aber doch im ganzen freundliche Witterung zu, obwohl für die Folge noch keine starke Erwärmung und auch kein durchaus beständiges Wetter zu erwarten ist. Aussichten für Samstag: Vielfach bewölkt, aber auch vereinzelt Auftreten kurzer Niederschläge bei westlichen, später auch nordwestlichen Winden. Aussichten für Sonntag: Weiter bewölkt und wieder etwas kühleres Wetter mit vereinzelten Schauern. • Lufttemperaturen am 28. Mai: mittags 16,1 Grad Celsius, abends 11,6 Grad: am 29. Mai: morgens 6,1 Grad. Maximum 16,9 Grad, Minimum heute nacht 2,3 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 28. Mai: abends 20 Grad; am 29. Mai: morgens 13,5 Grad. — Sonnenscheindauer 8,8 Stunden. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik und für die Bilder? Dr. Friedrich Wilhelm Länge; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. IV. 36: 10 000. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch-und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Vf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gulug. Plötzlich und ganz unerwartet hat mir das Schicksal meine treue Lebensgefährtin Frau Lisa Zimmer, geb. Schmank mit der ich in 27 jähriger harmonischer Ehe verbunden war, entrissen. - In tiefer Trauer. Wilhelm Zimmer und Angehörige Die Einäscherung fand in der Stille statt — Von Beileids- besuchen bittet man absehen zu wollen 3462 D Rheinfahrtwi zu Pfinösten ab Mainz: 7.15 Uhr bis Bacharach 7.45 Uhr bis Düsseldorf 8.45 Uhr bis Koblenz 9.00 Uhr bis St. Goarshansen 9.15 Uhr bis Köln (Schnellfahrt) 9.45 Uhr bis Aßmannshansen 10.15 Uhr bis Kanb 10.45 Uhr bis Aßmannshansen 11.00 Uhr bis Köln 13.00 Uhr bis Köln (Schnellfahrt) 14.30 Uhr bis Remagen 15.00 Uhr bis Aßmannshansen 15.30 Uhr bis Koblenz 18.00 Uhr bis Mannheim 18.30 Uhr bis Bingen (Abendfabrt m. Musik) 18.40 Uhr bis Frankfurt Günstige Rttckfahrtmöglichkelten! Billige Pflügst-Ausiflngsfahrscheine in den Fahrten: 7.45 Uhr nach Koblenz und zurück Mk. 5.—. (Gültig vom Pfingst-Samstag bis -Dienstag.) 8.45 und 9.00 Uhr nach St. Goar, St. Goarshausen Mk. 3.30. — 8.45 Uhr nach Boppard Mk. 4 —, nach Koblenz Mk. 5.—. Gültig zur Hin- und Rückfahrt an beiden Feiertagen in Personenfahrt. Pfingst-Fahrpläne und Auskunft durch die Agentur Mainz der Köln-Düsseldorfer Rheindampfschiffahrt. Fernspr 31959.) 3459V Drog. Wlnterhoff, Kreuzpl. 10 I Fris.-Sal. Wahl, Bahnhofstr.63 | 11/5mmer JW> verseh winden ™ schnell u.sicher durch FRUCHT'5 SCHWANENWEISS >ie müssen ihre Füße im Sommer besonders pflegen. Vor jeder Wanderung müssen Sie Ihre Füße baden mit Saltrat Roben zuu!-rm und mit Gerlacbs Gewühl xfio®w. einreiben. Bei Hühneraugen und Hornhaut empfehle ich Ihnen mein vorzügl. 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Brühl’sche Druckerei, Schulstr. 7, Ruf 2251 Nr. 124 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen) Zrettag, 29. Mai M6 3m Feuer der Skagerrakschlacht Nach deutschen und englischen Erlebnisberichten. Von Krih Otto Busch, Koroeiienkapitän a. O IL Zohn Travers Cornwall, der Held der „Kstllk ol lullaod“. Einen besonderen Abschnitt der Schlacht bildet der Zusammenstoß des Geschwaders des englischen Kreuzerführers Kontreadmiral Hood, mit seinen schnellen Panzerkreuzern „Invincible“, „Indomi- table“, „Inflexible“ und den dazugehörigen Kleinen Kreuzern, unter denen sich die „Chester“ befand, mit den Kleinen Kreuzern unserer II. A G. und unseren schnellen Flottillen gegen 7 Uhr. Bei diesem Gefecht wurde „Chester“ ziemlich zerschossen und mußte sich hinter das HI. Schlachtkreuzergeschwader — eben die vorhin erwähnten Schiffe Hoods — zurückziehen. Es war der Beginn des Gefechtes, in dessen weiterem Verlauf das Flaggschiff des englischen Admirals „Invincible“ mit ihm und fast der gesamten Besatzung im Feuer von „Lützow" und „Derfflinaer" in die Tiefe ging. John Travers Cornwall, Schiffsjunge an Bord des „Chester", wurde in diesem Gefecht tödlich verwundet. Der kleine, löjähriae Junge wurde in England der Held der „Battle of Jütland“. An Der Führer der Grand Fleet Admiral Iellicoe. (Scherl-Biiderdienst-M.) Backbord, beim Schutzschild des vorderen 12-cw- Geschützes, stand der Junge, das Kopftelephon umgeschnallt, als Befehlsübermittler Ob dieses Geschütz in dem kommenden Gefecht treffen würde, hing viel von seiner Schnelligkeit im Erfassen und Weitergeben der telephonischen Befehle ab. Die „Chester“ war für 20 Minuten an der Schlacht beteiligt. Unerwartet stieß sie auf eine Uebermacht von drei Kreuzern, die ihr im Vorschiff sofort einige Treffer beibrachten. Jack Cornwall steht an seinem Geschütz, die Hand an der Entfernungsscheibe. Eine schwere Detonation wirft ihn fast um Neben ihm fällt ein Mann, zerfetzt von Granatsplittern Em zweiter wirft die Arme in die Luft und stürzt tödlich verwundet an Deck, dann wieder und wieder einer. Ein Splitter trifft auch den Jungen, er weiß in der Erregung des Augenblicks kaum wo, fühlt nur die stechenden Schmerzen. Die Geschützbedienung von feinem Geschütz fällt aus, einer nach dem andern. Nur noch drei sind am Leben von den neun Männern, die vor wenigen Minuten mit ihm zusammen ins Gefecht gingen Dann explodiert eine Granate direkt über dem Geschütz, nur noch zwei sind übrig, aber unter dem Schutzschild Nur Cornwell steht nun ganz frei, schwer oerwunoet, ganz ausrecht Um ihn die Toten und Sterbenden. Allein steht er da, müde und erschöpft von seinen eigenen Schmerzen und umgeben von dem Schrecken und dem Lärm der Schlacht Seine Aufgabe war erfüllt. Es war keiner mehr am Le- ben, das Geschütz au bedienen, keine Befehle kamen '!"£ l^n Telephon, keiner war da, sie auszu- fuhren. Nun kann er sich hinlegen wie die andern, vielleicht lassen dann diese Schmerzen ein wenig nad). Er könnte auch unter Deck kriechen, zum Verbandplatz, der Arzt würde ihn verbinden und ihm gewiß etwas geben, daß ihm nichts mehr weh tut. Er hat seine Pflicht getan: nun darf er an sich selbst denken. Das Denken fällt ihm schwer, er ist so müde. Da steht ihm mit einem Male ein Befehl vor Augen: „Ein Geschütz hat zu feuern, solange auch nur ein Mann sich rühren kann." Dann ist doch noch Arbeit für ihn, dann ist es doch noch feine Pflicht, am Geschütz zu stehn, bis er abgelöst wird, bis eine neue Geschützbedienung an- tritt für die gefallene Vielleicht kommt doch noch ein Befehl. Nein, er wird nicht umfallen, er ballt bte Fäuste und strafft sich, so gut er kann. Er ist ja noch ein halbes Kind Nun tut es nicht mehr so weh, er strengt sich an zu hören. Aber kein Wort kommt durch das Kopftelephon. Still bleibt alles. Er bleibt allein, horchend, wartend Und so stand er auf Posten bis das Gefecht zu Ende war und die „Chester“ wieder zu ihrem Geschwader stieß, schwer getroffen und beschädigt, aber doch wieder bereit in die Schlacht einzugreifen Nach den eigenen Worten des Admirals I e l l i - c o e (des englischen Flottenchefs) fochten die Deutschen glänzend. Nach Beendigung der Schlacht wurden die Verwundeten unter Deck gebracht, mit ihnen Jack Cornwall. Sein Zustand war sehr ernst. Sobald als möglich wurde er in das Lazarett von Grimsby übergeführt. Die Schwester fragt ihn nach der Schlacht. Ruhig sehen sie ein paar ernste Augen an: „Bei uns war alles in Ordnung, wir haben's geschafft!" sagt er zufrieden und männlich. Dann wird er still, er ist am Ende feiner Kräfte. Seine Mutter wurde durch ein Telegramm gerufen. Aber als sie kam, schlief ihr Junge schon den tiefen Schlaf derer, die ihr Leben für ihr Land gaben. Kurz ehe er starb, sagte er leise vor sich hin: „Mutter kommt. Ihr müßt sie grüßen." — Als Admiral I e l l i c o e später seinen offiziellen Bericht über die Schlacht schrieb, fügte er folgende Worte hinzu. „Ein Bericht des Kommandanten der „Chester“ gibt uns ein hervorragendes Beispiel von Pflichterfüllung. Der Schiffsjunge John Travers Cornwall, I6V2 Jahre alt, vom Kreuzer „Chester“ wurde zu Beginn des Gefechts tödlich verwundet. Ungeachtet dessen blieb er aufrecht allein aus seinem ungeschützten Posten stehen in Erwartung von Befehlen bis zum Schluß der Kampfhandlung. Um ihn lag die ganze Geschützbedienung schwer verwundet oder tot. Ich bebaure, daß er feinen Verletzungen erlegen ist und möchte diesen Fall besonders hervorheöen als Beispiel vorbildlicher Pflichterfüllung. Sein Andenken wird unvergessen bleiben."" — Die Zigarette. Schwer zu leiden hatte im weiteren Verlauf der Schlacht unser Schlachtkreuzer „L ü tz 0 w", der die Flagge des B. d. A. (Befehlshabers der Aufklärungstreitkräfte), Vizeadmiral Hipper, führte. Er nutzte in der Nacht von uns versenkt werden, da eine Verletzungen ein Einschleppen des gewaltigen Schiffes nicht mehr erlaubten. Oberbootsmannsmaat Reinhold Cäsar vom Steuerbord zweiten 15-cm- Kasemattgeschütz schildert einen der feindlichen Tref- er, die in großer Zahl auf das Schiff nieder- gingen: „Gewaltig tobte der Kampf, der vordere Gefechtsverbandplatz ist ausgefallen, das gesamte Personal ist tot, die erste I5-cm-Munitionskammer durch Wasserlinientreffer voll Wasser gelaufen. Es ist gegen 8.30 Uhr nachmittags. Ich war Geschützführer am Steuerbord zwoten 15 cm. Mein Beobachtungsmann, Matrose Hillmann, stand als Beobachtungsposten im Vorraum zu meiner Kasematte und hatte die Aufgabe, alles was sich am Geschütz ereignete, durch ein für diesen Zweck vorgesehenes Guckloch zu beobachten. Zigaretten sind wohl während der Schlacht in großen Mengen geraucht worden. Auch Hillmann wollte sich so einen Glimmstengel zu Gemüte ziehn. Da er kein Feuer hatte, kam er in meine Kasematte, verschloß vorschriftsmäßig, wie er es gelernt hatte, beide Kasemattüren hinter sich und ließ sich von meinem Befehlsübermittler Schebstadt Feuer geben. In diesem Augenblick erhielten wir einen ober zwei schwere Artillerietreffer. Der Kasemattpanzer zum Steuerborb oorberen Kasemattraum würbe burch- schlagen, bas Signalpersonal im Dorraum, ber als Gefechtssignalstand eingerichtet war, würbe burch Sprengstücke bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt, Ventilationsschächte zerrissen unb es entstaub ein großes Feuer. Die Erschütterungen beim Abfeuern unserer schweren Artillerie waren so gewaltig, baß wir erhaltene Treffer nicht wahrnahmen. Eine Panzertür, bie auf die Back führte, lag zertrümmert im Vorraum, genau an ber Stelle, wo Hillmann vorher gestan- ben hatte. Erst als Hillmann auf seinen Poften zurückkehren wollte, bemerkte er, was geschehen war Schreckensbleich kam er in bie Kasematte gestürzt unb rief: „Herr Obermaat, hier ift alles tot unb es brenn t." Entsetzlich war ber Anblick, ber sich uns bot, aber es war nicht Zeit, lange zu überlegen, galt es boch vor allem, bas Feuer zu löschen. Wir bebecften unsere toten Kameraben mit Signalflaggen. Mit Gasmasken versehen, gelang es mir unb meiner Geschützbedienung nach unsäglicher Mühe bas Feuer zu löschen. Die Feuerlöschschläuche waren zum Teil wie ein Sieb durchlöchert unb baburch unbrauchbar. Aus anberen Abteilungen mußten neue Schläuche geholt werben. So ist Hillmann wie burch ein Wunber bem Tobe entronnen, eine Zigarette hatte ihm bas Leben gerettet!" — Seeschlacht im Scheinwerserlicht. Die Nachtgefechte, bie ben Abschluß ber Schlacht brachten unb burch immer roieber neuvorgetragene unb abgewehrte Angriffe englischer Zerstörer ihr Gepräge erhielten, würben in ber Hauptsache von ben an ber Spitze ber Hochseeflotte sübliche Kurse fteuernben Linienschiffen bes I deutschen Geschwaders ausgetragen. Dem Dienst eines Artilleriemechanikerobergasten gibt ber Bericht bes Obergasten Hundertmark anschaulich roieber. Daß sein Bericht durchaus wahrheitsgetreu ist, kann ich bezeugen, ba ich in jener Nacht selbst Scheinwerferoffizier ber Steuerborbseite auf bem Linienschiff „D I b e n b u r g" war, bas als viertes Schiff in der Linie staub: „Scheinwerferbebieuuugen sich klarmachen!" Durch Sprachrohr unb Telephon kommt ber Befehl vom Kriegswachleiter an alle Gefechtsstationeu. In ber Artilleriezentrale melbe ich mich zum Ausbringen ber Telephone ab. Am Hellegat (Ausgabe- raum) im Vorschiff stehen schon bie Befehlsübermittler. Ruhig, wie gewohnt, ruft jeher seine Nummer unb erhält sein Telephon. Die Telephone für bie beiben Scheinwerferoffiziere bringe ich selbst auf ber Brücke aus. Kurzer Anruf an bie einzelnen Scheinwerfer, bie Bebienungeu melben klar. Mel- bung an ben III. AO. (Dritten Artillerieoffizier). „Scheinwerfertelephone finb klar!" Er bankt — ben nächsten Morgen sah er nicht mehr. — Herrlich ist bie Lust hier oben, bie Lungen werben vollgepumpt. Gewaltig ist bas Bilb ber ab» flauenben Tagschlacht. Voraus im hiesigen Grau scheint ber Horizont ein einziges Feuerwerk zu fein. Die lange Linie bes Englänbers feuert noch Seine Abschüsse finb im Graubunkel ber hereinbrechenben Nacht kaum noch zu erkennen. Kurz voraus schlägt eine Salve 38er ein. Wie Blumentöpfe stehen bie riesigen Wassersäulen fein säuberlich nebenein» anber ..." Es waren bie Schlachtkreuzer bes englischen Schlachtkreuzerführers Beatty, bie kurz vor Einbruch ber Dunkelheit noch einmal bie Fühlung mit ber beutschen Spitze aufnahmen „Offiziere sehen hinüber unb machen ihre scherzhaften Bemerkungen. Vorn auf ber Brücke steht ber Gefechtsrubergänger, M i b w e r, ber sich wäh- renb ber ganzen Schlacht nicht ablöfen ließ, bis er nachts verwunbet würbe. Nichts kann ihn aus ber Ruhe bringen. Hinter ihm geht schlank unb hochge- wachsen ber Kommanbant, Kapitän z. S. Hopfner, auf unb ab. Voraus feuern unsere Spitzenschiffe jetzt schwere Salven. Die Luft stinkt nach Pech unb Schwefel. Ich gehe nach unten auf meine Station im Mittelgang. Um 12 Uhr ist Kriegswachwechsel. Kurz barauf liege ich ungezogen auf meiner Hängematte in ber Nähe ber Artilleriezentrale. 211 a r r m 1 Die Glocken schrillen. Schnell auf unb nach oben in bie Artillerie-Werkstatt. „Treffer a u f ber Brücke. Scheinwerfertelephone finb ausgefallen!" Reservetelephone auf bem Rücken, Werkzeug in ber Tasche, flitze ich nach oben. Auf bem Nieber- gang zur Brücke begegne ich einem Schwerverwun- beten, ber Arm hängt ihm aus seinem Wachtman- tel: einer ber Scheinwerferbebienungsmannschasten. Mit ein paar Sätzen bin ich auf ber Brücke, gleite aus unb falle auf einen Körper. Es ist schleimig glatt hier oben, bazu schwarze Nacht und Totenstille. Die Taschenlampe raus. Ich liege auf dem Backbordscheinwerferofstzier, Leutnant z. S. Schwickerath. Er sieht mich mit großen Augen an, ein Lächeln ist auf seinem Gesicht. Blut rinnt von seiner Schläfe. Leise rufe ich ihn an — keine Antwort. Schnell und behutsam schnalle ich ihm den Kopfhörer ab unb rolle bas Kabel auf. Ein neues Telephon wirb angeschlossen Kurzer Anruf an ben Scheinwerfer, biese Seite ist roieber klar. Jetzt leuchtet ber Vorbermann mit seinen Scheinwerfern auf, Himmel, wie sieht bie Brücke aus! Neben bem Scheinwerferoffizier liegt ber Abjutant — tot, ber Kriegswachleiter — tot. An ben Leit- ftanb gelehnt sitzt ber Kommanbant mit abgeschossenem Fuß. Dor ihm liegt verwunbet ber Rubergänger. Jetzt blendet bas Vorschiff roieber seine Scheinwerfer, tiefes Dunkel hüllt bie Szene ein, nur bas Rauschen ber Bugsee bringt herauf Jetzt schnell auf bie anbere Brückenseite. Das Schiff schlingert schwer. Ein Griff an bie gewohnte Steckbose. Stecker raus und das Kabel aufgerollt. Da — es ist zu Ende, vom Telephon abgefchoffen. Wo ist der Leutnant? Eine fast überirdisch laute Stimme ruft die Scheinwerfer an: Taschenlampe raus! Da steht vor mir der Steuerbordscheinwerferoffizier im gedämpften Licht. Er ruft seine Scheinwerfer an, ohne zu wissen, daß sein Telephonkabel vor ber Brust abgeschossen ist. Ein kurzer Anruf, er sieht ins Leere. Ich fasse ihn an beiben Schultern, rüttle ihn und rufe ihn laut an. Jetzt ist er roieber ba. Der um- stürzenbe Reserveantennenmast hatte ihn schwer am Kopf getroffen, baher bie kurze Betäubung. — Ein kurzes „Danke", ich schlage bie Hacken zusammen unb hänge ihm ein neues Telephon um, es war ber Leutnant z. S. Busch. Er war einer ber wenigen, bie auf ber Brücke heil geblieben waren. Ich eile nach unten unb mache Melbung beim Obermechaniker: „Scheinwerfertelephone finb roieber klar!" „Wie sehen Sie benn aus?" war bie Antwort. Dom Ausgleiten auf ber Brücke war mein frisches weißes Päckchen (Uniform) stark in Mitleibenschast gezogen. Auf meinem Rücken baumelte zwischen ben zerschossenen Telephonen bie Mütze des gefallenen Scheinwerferoffiziers Der Obe'rmechaniker wickelt sie heraus und lieft vom Namenläppchen den Namen laut vor. Es wird still im Raum. — Schieussner mit Garantieschein Gorch Fock Zum 20 Todestag des Dichters am 3U)loi. „Seefahrt ist not! Auch deine Seefahrt, du deutscher Seernannsdichter Gorch Fock!" Generaladmiral Dr. e. h. R a e d e r Im Feuer der englischen Geschütze endete am 31. Mai 1916 auf dem deutschen Kreuzer „Wiesbaden" der Dichter Gorch F 0 ck zu früh sein Leben. Erst em Jahr war an dissem Tage vergangen, daß ihm sein heißester Lebenswunsch, als Matrose auf einem deutschen Schiff zu fahren, erfüllt worden war. Wir kennen Gorch Fock als den Dichter der See, wir finden in seinem Werk kaum eine Erzählung, die ihren Ursprung nicht in dem Erlebnis der Jugendzeit in Finkenwärder hat. Wir spüren in diesen Büchern nur etwas von der heißen Liebe Gorch Focks zum Meer und seinen Menschen, zum Heimatdorf Finkenwärder und der Elbe, auf ber der braune Ewer bes Daters mit weißen Segeln dahinzog. Dem, ber nichts von Gorch Focks Leben weiß, mag dies alles selbstverstänblich sein, er wirb babei nicht baran benten, baß Gorch Fock einen harten inneren Kamps um biefes Erlebnis geführt hat unb baß er selbst viele Jahre feines Lebens fern ber Heimat in Mittelbeutschlanb lebte unb hort feinen Berus ausübte. Er war eine Natur, bie sich leidenschaftlich an die Forderung des Tages hingab, und wohl nur daraus ist es zu erklären, daß er versucht hat, auch die Landschaft Mitteldeutschlands zu verstehen und in ihr eine Heimat zu finden Zwar machte er sich Vorwürfe, seiner wirklichen Heimat untreu geworden zu fein, aber immer wieder drängt er das Augenberlebnis, bie Erinnerung an Finkenwärber zurück, um hort Fuß zu fassen, wohin ihn ber Beruf geführt hat So kann er bann über ben mitteldeutschen Wald schreiben: „Im Monbenschein grüßt mich bas Meer — ich hör's, boch bleib ich kalt. Ich bin geroanbert nicht umsonst: ich sah ben beutschen Walb!" Neben diesem Vers erinnern noch andere Gedichte an jene Zeit in Meiningen und Halle, und er glaubt selbst, doch noch mit der Landschaft zu verwachsen. Doch treibt es ihn schon dorthin, wo seine eigentlichen Wurzeln finb: zurück nach Finkenwärder ober Hamburg, zurück zu ben segelnden Schiffen. 2Us er bas erkannt hat, weiß er auch, in welcher Richtung fein dichterisches Schaffen liegen kann Nach der Rückkehr nach Hamburg entstehen bann in rascher Folge feine Geschichten und Erzählungen, seine Gedichte und der große Roman „Seefahrt ist not!" In Hamburg hat er, der niemand eine Bitte abschlagen kann, viel zu tun mit Vorträgen, Dichterabenden und ähnlichem. Trotzdem erwachsen ihm immer neue Pläne, neue Entwürfe entstehen die der Ausführung harren. Viele dieser Pläne sind nie fertig geworden. Als er sich von seinen inneren Kämpfen befreit sieht, entstehen in rascher Folge seine Geschichten- und Erzählungsbände: die deftige Hamburger Geschichte von ,,Hein Godenwind, de Admirol von M 0 s k i t 0 n i e n". bie ganz in Platt geschrieben ist. Das mag ben sübdeutschen Leser stören, wer sich aber bie Mühe nimmt, sich barein zu versenken, wirb bald erfaßt werben von ber frischen Sprache des Dichters und ben geschilberten Abenteuern Ein lustiges Buch find die „Hamburger Iamm 0 0 ten" Diesem und bem ersten genannten Banb find Worterklärungen beigegeben. Finkenwärber Geschichten erzählt er in bem Bänbchen „Schullengrieper unb Tungenknie - p e r", in bem neben einigen plattbeutfdjen Erzählungen eine größere Anzahl in hochbeutsch zu fin- ben finb Es ist viel Sonne unb Fröhlichkeit barin, baneben aber viel Lebensernst unb manch trauriges Schicksal Zu biefen Bänben gesellt sich ein vierter: „Fahrensleut e", barin bie Erzählung „Unser Ewer" in ber Gorch Fock von bem Schiff seines Vaters schreibt, an das er so viele Erinnerungen hat. In biesem Zusammenhang nennen wir auch einige Bücher, bie später aus bem Nachlaß herausgegeben worben finb bie Erzählungen „Schiff 0 0 r Anker" unb bie „N 0 r b s e e - E r Zählungen" Diesem Buch finb Abschnitte aus Gorch Focks Kriegsbriefen unb aus feinem Tag- unb Nachtbuch bes Kreuzers „Wiesbaden" vorangestellt. Ein dritter Band schließt sich beiben an: „Sterne überm Mee r", in bem Gebichte, Erzählungen unb Tagebuchblätter vereinigt finb. Der einzige große Roman, ben Gorch Fock schrieb, ist „Seefahrt ist not!" bie Geschichte bes kleinen Klaus Mewes, ber sich selbst unb ben sein Vater schon von Jugenb auf „Störtebecker" nennt. Der Kampf, ben bie Mutter um ben Sohn führt, ber wie ber Vater Fischer werben will, mag wohl eine Erinnerung an bie Jugenbzeit von Gorch Focks Vater gewesen fein unb auch an bie eigene. Die Mutter von Klaus Störtebecker trägt wohl auch bie Züge feiner Mutter Aber auch nach ber Nieberschrift des Romanes „Seefahrt ist not!" findet der Dichter keine Ruhe, und fein Kriegstagebuch verrät viele Eintragungen von neuen Planen,) zu deren Ausführung er nicht mehr kommen sollte. Trotzdem war die dichterische Ernte noch so reich, daß nach seinem Tode etliche andere Sammelbände herausgegeben werden konnten Eine Fülle inneren Erlebens spricht auch aus bem Bänbchen „Sterne überm Meer", das Tagebuchblätter unb Gebichte enthält. In jüngster Zeit legte ber Bruber Gorch Focks, Jakob K i n a u, zwei neue Bänbe vor, bas bei Lehmann in München erschienene Tagebuchwerk „Ein Schiff! Ein Schwert! Ein Sege l!" unb ben „Versuch einer Lebens- unb Werkschilbe- rung" bes Brubers „Gorch Fock. Ein Leben im Banne ber See" Damit erhielten wir Kenntnis von bem reichen Leben bes Suchers unb Kämpfers. Wir stehen jetzt ftaunenb vor ber Fülle von Gebauten, Mahnungen unb Bekenntnissen, die sich in seinen Briefen an Kameraden, an bie Frau unb in ben Tagebuchaufzeichnungen offenbart. Wir brauchen nicht einzugehen auf bie Zeit, in ber er lebte, um zu ermessen, was diese Blätter damals bedeuteten; jeder, der ihnen nachgeht, wird selbst ermessen können, wie darin das Wort „Dichter sein heißt Seher fein" erfüllt wurde. Waren diese Gedanken in ber frühen Zeit bes Dichters erfühlt unb erahnt, so spüren wir, wie sie allmählich heraus- treten aus bem Unbewußten unb zu einem Bekenntnis zu einer klar gesehenen Zukunft unb ihren Aufgaben werben Sein Glaube an Deutschlanb lebt m seinen Werken weiter Erich Langenbuche r. Älona-palast:„Wenn der Habnkräht". August H i n r i ch s' überaus erfolgreiches unb witziges Bauernstück, bas vor einiger Zeit auch bei uns in Gießen über bie Bühne ging, hat in ber Filmfassung nichts von seiner heiteren Durchschlagskraft eingebüßt Das Drehbuch hält sich, von einigen unwesentlichen Einzelheiten abgesehen, wohlweislich an bie bewährte Szenenfolge bes Lustspiels, in besten brei Akten bie Vorgänge ebenso geschickt unb bühnenwirksam wie glaubwürdig und lustig ein» gefädelt find Der Film hat nur, von seiner räumlich ungehemmten Aktionsfähigkeit Gebrauch machend, auch die Vorgeschichte einbezogen, welche bie Stimmung vorbereitet, ben länblichen Schauplatz abgrenzt unb bie Personen samt ihren verwickelten Beziehungen untereinanber vorstellt. Der börsliche Feuerwehrball ist eine gebiegene Angelegenheit: auf bem Heimweg von biefer feuchtfröhlichen Festlichkeit ereignen sich bie geheimnisvollen unb auf« regenben Vorfälle, bie am nächsten Morgen bas ganze Dorf in Bewegung bringen. Wenn ber Hahn kräht auf bem Bauernhof bes Gemeinbevorstehers Kreienborg — ist alles schon passiert. Auf dem Theater setzt bas Stück mit biesem Zeitpunkt erst ein unb rollt nun bie Geschichte ber nächtlichen Abenteuer Stück für Stück nach rückwärts auf. Es spricht für bie burchaus folibe Machart bes Stückes, baß im Film nichts von ber Wirkung unb Spannung verloren geht, obwohl ber Zuschauer bereits im Silbe ist. 2lber bie Geschichte ist so verwickelt unb amüsant eingefäbelt, baß man aus bem Schmunzeln nicht herauskommt. Das wirklich lustspielhafte Leitmotiv ist nämlich, baß ungefähr alle Personen in biesem Stück ein mehr ober minber schlechtes Gewissen haben unb eigentlich, abgesehen von bem bienstlich dazu verpflichteten Amtshauptmann, jeber irgenb- ein Interesse baran hat, bie restlose Klärung ber nächtlichen Vorgänge zu hintertreiben. Hinzu kommt, baß bas Stück unter ber Leitung von Carl Froelich auf ber ganzen Linie vorzüglich besetzt ist und außerorbentlich munter unb treffsicher gespielt wirb. Heinrich George macht ben AmtsoorsteherKreienborg: bas ist nicht bloß eine körperlich füllige, fon- bern auch sonst saftstrotzenbe, blutvolle unb humorige Gestalt, ein Mann m ben besten Jahren, voller Beweglichkeit unb Unternehmungslust, bem man seine erstaunlichen Erlebnisse ohne weiteres zutraut. Eine herrliche Figur gibt auch Fritz H 0 0 pts als ber Knecht Willem Tamerling ab, ber von allen noch bas beste Gewissen hat, im übrigen aber lange nicht so bumm ist, wie er sich anstellt. Sehr lustig auch Ernst W a l b 0 w als Amtshauptmann, ber mit bem seligen Wehrhahn aus bem „Biberpelz" eine fatale Ähnlichkeit hat. Dann finb ba Marianne Hoppe (sehr begabte Leistung), Carsta Löck, bie hier natürlich befonbers trefflich ihren Platz ausfüllt, Hilbegarb B a r k 0 , Claire R e i g b e r t und Brausewetter, ebenfalls erfreulich in ber Rolle bes Tierarztes Dr. Renken. Auch sonst steht alles, Mann unb Weib, richtig unb tüchtig auf feinem Posten. Unb auch ber Hahn, ber zu Anfang unb zu Ende auf bem Mist steht unb kräht, ist echt unb recht. — Wer sich also zwei Stunben lang luftig unterhalten will, wirb hier auf seine Kosten kommen. Im Beiprogramm sieht man neben ber Wochenschau einen interessanten Kulturfilm und einen Vorspann zum „Abenteurer von Paris": auf der Bühne gibt eine Wiener Chansonette eine Anzahl Gesangseinlagen. —r— Hochschulnachrichten Professor D. Helmuth L 0 ther, Dekan ber evangelisch-theologischen Fakultät ber Universität Breslau, erhielt einen Ruf auf ben Lehrstuhl für Kirckiengeschicht^ unb christliche Archäologie an der Universität Bonn. Wirtschaft hat Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 2IL Berlin Frankfurt a. M.