Ur. 22 Erstes Vlatt 186. Jahrgang Montag, 27. Januar M6 Erscheint täglich, autzer Sonntags und Feiertags Stilagen: Die Illustrierte (Bteßener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monats-vezugsprelr: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Hernsprechanschliiffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen Postscheckkonto: Zrankfurt am Main 11686 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche llnlverfitätr vuch- und Steindruckerei «.Lauge in Giehen. Schristleitung und Geschäftsstelle: Schulstratze 7 Annahme von Anzeige» für die Mittagsnummer bis 8'/,Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text- anzeigen von 70mm Breite 50Rpf.,Platzvorschrift nach vorh.Vereinbg.25°/„ mehr. Ermäßigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Der Wrer spricht über die Sendung des deutschen Studenten. Die Kundgebung im Zirkus Krone der Höhepunkt der Zehnjahresfeier des NGO. Gtudentenbundes in München. München, 27. Ian. >• ■ : • ZM ■:-v: w* U- y N „Las W deutun Bedeutunc sismus ni eigene einen Au zu formt rnus nut gemeii baut ist, leben. Jc Wer ber Der D nach, mch Mit anb Deutfdjen, uns 2000 gekostet. ( fo märe Preis ba1 bente an Unsere ’ oom li D° || europätj einen J reichen, töten, u nern zu heißen z pPferi die El mischte vollen l menschlic rialen »3d) । Den D Mensch biefer & Dös gCß Zu verleb »Der gen ge rlalet Men to ihre wußte, r gen und ?is Sou ber, du von den wissen tu leicht^ außett Wall f ganze ker en bewe Suropa 1 Das P dem der Einfach-^' Llusstattui neuen W Treppe, | basArl brauchte r 11 Uhr la Staatssekr zimmer, d gestattet i einem do den Smpfi bei Mu den Duce reich ausl mi ??r aufbl Erlach >«2Bir f Mner, f Wnen'u S.ft SÄ lille 1Ml iv iS »1116 M' ‘S ichen Zeit sie Dienst in der werben Das Urteil in Warschau Verbände einst des Berlin, 26. Jan. (DNB.) Die Berliner 25Iäb Idee des Friedens diene. Besprechungen und Verhandlungen, die seither mit, Gegensatz zu verschwommenen Kollektioabkommen den Vertretern Polens geführt wurden, ist jenesdie Lebensbedingungen beider Staa- fdjon, daß die in Der- Tradilion zusammenge- wohl in bestem Wollen Verbände aus nicht zu folgen ihren allen Ueberlieferungen lebten, den Wahlspruch: „Für Freiheit, Ehre und Vaterland" vor Äugen. Wir muhten aber auch, dah neue revolutionäre Wege beschritten werden muhten, um wieder Freiheit, Ehre und ein würdiges Vaterland Wirklichkeit werden zu lassen. Wege, auf denen die ihrer gealterten Form heraus vermochten. Wir wissen, daß viele dieser studentischen Gemeinschaftslebens neuen weichen, die aufgebaut sind auf den Grundsätzen einer neuen Zeit. Sie werden auf die Dauer selbst dann weichen müssen, wenn versucht würde, sie der neuen Zeit etwas anzugleichen, weil ihnen im Volk zu stark die Erinnerung an Vergangenes anhaftet. Ich weiß, daß es für diejenigen, welche aufgewachsen sind in alten Formen und an einer ihnen lieb gewordenen Erinnerung hängen, schwer ist, sich davon zu trennen. Aber höher als Ueberlieferungen und Formen stehen die Ideale, die durch diese Formen und durch diese Ueberlieferungen hochgehalten werden sollten. Die alten ewig gültigen Ideale: Freiheit, Ehre, Vaterland aber waren verloren in langen schweren Jahren unserer Geschichte — verloren auch deshalb, weil der überlebte Geist, der in den alten Verbänden herrschte, beitrug, das Volk auch revolutionär entstanden, daß sie revolutionären Zielen anhingen und daß sie damals wesentlich mithalfen, Neues und Gutes für Volk und Vaterland zu erringen. So wie sie einst ab^r mithalfen, Ueberlebtes zu überwinden, so müssen sie heute als wiederum überlebt neuem weichen. Wir erkennen an, daß sie für ihre Zeit eine gute Erziehungsschule waren. Sie waren es für Menschen in einem Volk, das ohnehin in Klassen und Stände aufgespalten war. Sie wirkten damals im Rahmen des allgemeinen „Stände- und Klassenbewußtseins", und selbst teilweise Erziehung zum Klassendünkel lag in der Linie der damaligen Zeit. Nach Ueberwindung dieser Epoche durch den Nationalsozialismus müssen die überlebten Formen den SA. Wir wußten damals bänden mit alter fchlossenen Studenten gäbe. Wir haben beratend und aufNärend zu wirken, zu schützen und zu hegen, das ist die Aufgabe der deutschen Jägerschafi. Denn der deutsche Mensch braucht die Natur, braucht den Wald, braucht die Freiheit. Es ist ihm das ein Bestandteil seines eigenen Jchs. Er könnte nicht arbeiten, ohne sich naturverbunden zu fühlen. Zur Erholung und Kräftigung braucht er den Wald, braucht er Gottes freie, schöne Natur. Wer jemals den Brunstschrei des Hirsches im Wald gehört hat, wer jemals im Sonnenglanz das Ziehen der Enten über den See sah oder den Adler auf hohem First, der wird das nicht vergessen und er würde das unendlich vermissen, wenn es das nicht mehr geben würde. Wir Jäger sind dafür verantwortlich, daß dies weiter besteht und wir sind dafür verantwortlich, daß wir mehr und mehr dieses Verständnis in den anderen Volksgenossen wecken. In diesem Sinne eröffne ich im Rahmen der „Grünen Woche" die deutsche Jagdausstellung. - Nachdem ein Sprech- und Singchor des Reichsarbeitsdienst es unter Leitung des Oberfeldmeisters Scheller das Chorwerk „Du, starkes deutsches Bauerntum" zum Vortrag gebracht hatte, nahm der Reichsbauernführer und Reichsminister R. Walter Darre das Wort zu einer großen Rede, über die wir schon am Samstag ausführlich berichtet haben. Rudolf Heß führte darauf u. a. folgendes aus: Die heutige Feier erinnert mich an die nationalsozialistische Studentengruppe, die sich 1922 an der Münchner Universität zusammenschloß, und die ich aus der Taufe zu heben die Ehre hatte. Ein pgar Mann waren es, die sich zusammenfanden mit mehr Bekennermut als Abgeklärtheit und Erkenntnis ihres Wollens im einzelnen. Und Bekenner- m u t blieb die wesentliche Tugend der Angehörigen des Nationalsozialistischen Studentenbundes noch auf lange Zeit. Wie viele, selbst an sich anständige, national eingestellte Studenten sahen über ein Jahrzehnt lang mit Geringschätzung auf ihre Kommilitonen, die an deutschen Hochschulen mit dem Abzeichen der NSDAP., ja sogar im Braunhemd erschienen, mit dieser.aufreizenden Binde am Arm. Um so mehr standen die kleinen nationalsozialistischen Gruppen zusammen — um so bewußter Die Mrgenseier im Odeon. Der große Odeonsaal war durch Studierende der Akademie der bildenden Künste besonders festlich gestaltet worden. Die Stirnwand schmückte eine mächtige Flagge mit dem Hoheitszeichen des Studentenbundes: auf rotem, goldumränderten Grund eine weiße Raute mit schräg gestelltem schwarzen Hakenkreuz. Den Zuhörerraum füllten Mitglieder des Studentenbundes und der Studentenbundskameradschaften in braunen und schwarzen Uniformen sowie der Arbeitsgemeinschaft nationalsozialistischer Studentinnen in weißen Blusen. Auf der Bühne hatten die Fahnenabordnungen der SA. und der politischen Leiter Aufstellung genommen. Tiefen Eindruck machten die wirkungsvollen Sprechchöre mit Gerhard Schumanns „Heldische Feier". Nach dem zweiten Teil erfolgte unter feierlichen Klängen der Einmarsch von 33 neuenStu- dentenbundsfahnen. Reichsstudentenbunds- führer Derichsweiler meldete dem Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß, als ersten Führer des seinerzeitigen Studentenbataillons, daß am 10. Jahrestag der Gründung des NSD.-Studentenbundes 33 Gau-Studen- tenbundsfahnen zur Weihe angetreten seien. Er bat den Stellvertreter des Führer im Namen der nationalsozialistischen Studentenschaft, das jüngste Banner der Bewegung zu treuen Händen zu übernehmen. Volk nicht nur dadurch, daß sie als Schießer auftreten, sondern gerade als Heger und Hüter. Der Jäger und Heger ist der Treuhänder des Volkes an derAatur. Er hat überall das Verständnis für die Natur zu wecken. Gerade in einer Zeit, da rascher denn je überall neue Fabriken entstehen, in einer Zeit, da der deutsche Boden, fast jedes Fleckchen ausge- nuht werden muß für die Ernährung des deutschen Volkes, besieht eine gewisse Gefahr, dah dadurch auch die Natur umgestattet und die ganze Tierwelt zerstört wird. Das zu verhindern ist mit unsere Auf- Auftrag heraus, für die Einheit der jungen Generation zu sorgen. Die Studentenschaft soll sich ihrer kämpferischen Aufgaben nicht entziehen. Ich bin überzeugt, daß sie ihre geschichtliche Sendung erkennt und ohne jede Rücksichtnahme durchführt. Gauleiter Staatsminister Adolf Wagner gab dem Wunsche Ausdruck, daß der Geist der Kampfzeit in den Tagen, da die Studenten in München weilen, diese beseele und daß sie diesen Geist mitnehmen in ihre Heimat, dorthin, wo das Schicksal sie zur Leistung nationalsozialistischer Arbeit hinstelle. Der Studentenbund muß ganze Arbeit leisten. Ist das geschehen, so muß systematisch daran gegangen werden, aus der gesamten Studentenschaft die für die Bewegung wertvollen und brauchbaren Leute herauszuholen. Wenn es gelingt, die da und dort noch vorhandenen Hemmun- Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" stellt fest, daß das Abkommen in seiner klaren Zweiseitigkeit im Das deutsche Weidwerk auf der „Grünen Woche" Reichsjägermeister General Göring eröffnet die Deutsche ZagdauSstellung. Zwei Jahre deutsch-polnischen Vertrags Ein Beispiel für friedliche Verständigungsmöglichkeiten. innerlich zu zerreißen. Wiedergewonnen wurde die Freiheit der Kation — wiedergewonnen wurde ein wirklich deutsches Vaterland, weil ein diesem Geist entgegenstehender neuer das Volk erfaßte, ins Volk getragen durch die Kämpfer für diesen Geist, die Kämpfer der nationalsozialistischen Bewegung. Wären diese Kämpfer nicht gekommen, hätten sie nicht den neuen Glauben gepredigt, hätten sie nicht gesiegt. Formen und Ueberlieferungen der alten Verbände könnten vielleicht einige Zeit noch weiter bestehen, „Freiheit, Ehre, Vaterland" wären aber tot. Ueber kurz oder lang wären auch die Formen und Traditionen gestorben, weil sie ohne ihren Inhalt nicht leben können, und weil sie nicht leben können, wenn das Volk vergeht, das ihre Träger hervorbringt. Mögen auch die neuen studentischen Lebensformen noch nicht endgültig sein — noch nicht vollkommen sein — was bedeutet das gegenüber dem, was im Geiste dieses Neuen wurde. Auf daß Neues wird, müssen Wehen getragen werden. Aus dem unvollkommenen Kinde wird einst doch der lebenskräftige Mann. Wie die alten Formen durch neue verdrängt wurden, so sind an die Stelle alter Symbole neue Symbole getreten. Die Fahne des Studenten der neuen Zeit trägt in sich das Zeichen des neuen Deutschland — trägt in sich das Zeichen, das zum Symbol aller deutschen Menschen wurde. Es dokumentiert so die Verbundenheit auch durch des Studenten mit dem ganzen Volke. Was der Fahne des neuen Deutschlands am Altar der Tradition fehlt, ist ihr gegeben durch die Heiligung im Kampf, über dem sie in schwersten Jahren innerer deutscher Geschichte wehte, und durch den Sieg, der auch den alten studenüschen Idealen wieder Geltung verschaffte. In der Erinnerung an diesen Kampf weihe ich euch, Fahnen. Auch ihr werdet einst eine alte lieber» lieferung tragen, eine große und stolze lieber» lieferung. Nach Menschenaltern wird man noch von euch sprechen, daß ihr geweiht seid nur drei Jahre nach Beginn der deutschen Revolution, geweiht seid noch unter Adolf Hitler, in der Zeit, da er für Jahrhunderte gültige Gesetze und Werke schuf. Man wird von euch sagen, daß ihr um den Führer standet, als er zu den deutschen Studenten sprach. Eingedenk alles dessen werdet chr in Ehrfurcht von kommenden Generationen deutscher Studenten gegrüßt werden. Weht voran einer neuen studentischen Jugend. Weht voran einer studentischen Jugend, die in tiefer Verbundenheit mit ihrem Volke alles Wissen letztlich in sich aufnimmt, um damit diesem Volke, zu dienen, um Wissen und Können einzusetzen für die Größe dieses Volkes. Weht voran einer studentischen Jugend, die ihren Körper schult, und die männlichen Tugenden: Willen, Mut und Opferbereitschaft pflegt, auf daß Körper und Geist stets einsatzbereit sind für das Ganze. Weht voran einer studentischen Jugend, die, wenn es das Schicksal fordern sollte, würdig ist der Jugend von Langemarck. Fahnen, ihr seid dem Mann geweiht, in dem wir Deutschland grüßen: Adolf Hitler Sieg-Heil!" trugen sie ihre Opposition zur Schau — mit um so mehr Leidenschaft taten Hauptkampf fand zwischen den Venise listen und Anhängern T s a l d a r i s statt. Die Kommunisten hatten 189 Kandidaten aufgestellt. Auf Grund der bis 3 Uhr morgens nach Athen übermittelten Wahlergebnisse verteilen sich die 300 Parlamentssitze folgendermaßen: Veni- f e I i ft e n 125 bis 130 Sitze, Volkspartei Tsaldaris 60 bis 65, Anhänger von Konby - lis und Theothokis 70 bis 80, Anhänger des Generals Metaxas 10, Kommuni ft en 10 bis 12. Rund 15 Sitze fallen den kleinen Parteien zu. Bemerkenswert ist, daß K o n d y l i s und Theothokis, die einen heftigen Kampf gegen Venifelos führten, unerwartet stark aus dem Wahlkampf hervorgehen, während die Venifeliften weniger Stimmen erhielten, als angenommen wurde. In den späten Abendstunden gab K o n d y l i s seiner Freude und Befriedigung über den erfolgreichen Kampf des griechischen Volkes gegen Veniselos Ausdruck. Er erklärte, falls die weiteren Wahlergebnisse ähnlich ausfielen wie die biherigen, so fei er bereit, mit Tsaldaris an der Bildung einer neu en Regierung zusammenzuarbeiten. Der Führer der Venifeliften, S o p h u l i s , sprach die Ansicht aus, daß der Wahlausgang eine innerpolitische Versöhnung bedeute. Es müsse daher eine Regierung der nationalen Einigung gebildet werden. Das Wahlergebnis in Griechenland. Unerwartete Erfolge von Tsaldaris und Kondylis. Athen, 26. Jan. (DNB.) Die Parlannnts- wahlen fanden bei schönem warmem Wetter in mustergültiger Ordnung statt. Dor den Wahllokalen sah man häufig große Mengen von Wählern, die geduldig warteten, bis sie ihren Stimmzettel ab» Warschau, 26. Jan. (DNB.) Die Presse polnischen Regierungslagers erinnert ebenfalls an den zweiten Jahrestag des deutsch-polnischen Vertrages. „Expreß Poranny" hebt hervor, daß der deutsch-polnische Vertrag als eines der wichtigsten internationalen Ereignisse zur Herstellung eines friedlichen Zusammenlebens in Europa fei ne D a - seinsberechtigung erwiesen habe. Die gutnachbarlichen Beziehungen zwischen Polen und Deutschland entwickelten sich günstig zum Vorteil beider Länder und ganz Europas. Das verstehe man heute fast überall. Daher feien auch die Zweifler zum Schweigen gekommen. Im schwerindustriellen „K u r j e r P o l s k i" heißt es, der Schritt des Marschalls P i l s u d s k i fei angesichts des in Polen tief verwurzelten Mißtrauens gegenüber Deutschland und besonders gegenüber der preußischen Politik zweifellos eine mutige Tat gewesen, zumal damals das Mißtrauen gegen die nationalsozialistische Regieruna in gewissen europäischen Kreisen so stark gewesen fei, daß eine derartige Verständigung erheblich von der Denkart der gesamten damaligen Diplomatie abgewichen fei. Auch Hitler habe sich mit dem Vertrag z u einem mutigen Schritt entfchlossen, denn das Beschreiten des Weges der Verständigung mit Polen fei eine grundsätzliche Abweichung oom bis dahin üblichen deutsch-polnischen Denken gewesen Man habe sich überzeugen können, daß der Ausbau der kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Polen und Deutschland nicht gegen irgend jemand gerichtet fei, sondern der Idee des Friedens diene. ter nehmen den zweiten Jahrestag des deutsch- polnischen Vertrages zum Anlaß, um auf die große Bedeutung dieses Verständigungsabkommens hinzuweisen. Mit diesem zehnjährigen Derständigungs- pakt, so schreibt der „Völkische Beobachter", ist nicht nur eine grundsätzliche Aenderung in den Beziehungen zwischen Deutschland und Polen eingeleitet worden, sondern darüber hinaus der Welt ein Beispiel für friedliche Verständi- gungsmöglichkeiten bei allen sonst bestehenden Gegensätzlichkeiten gezeigt worden. Das Abkommen setzt die Politik des Friedens und der offenen Aussprache fort, die der Führer als fein außenpolitisches Programm vor dem deutschen Volke und der Weltöffentlichkeit ausgestellt hat. Adolf Hitler und Marschall Pilsudski, Deutschland und Polen, haben hiermit Wille und Kraft unter Beweis gestellt, praktische Friedenspolitik zu betreiben und darin liegt auch die europäische Bedeutung dieses Abkommens. Bei all den gen zu überwinden, dann wird die deutsche Hochschule nicht mehr lange neben dem deutschen Volke stehen, sie wird dann den Weg ins Volk fin- d e n. Und neben der Studentenschaft wird künftig auch die Dozentenschaft stehen. Wir können als Vertreter der heroischsten Weltanschauung aller Zeiten nicht verlangen, daß alle Menschen ohne weiteres den Weg zu uns finden. Diejenigen, die aus Zweckmäßigkeit oder aus materiellen Gründen kommen, taugen nichts und täuschen sich. Unsere Bewegung urteilt nur nach der ßeiftung und nach b er Arbeit b e s einzelnen. Es ist zu wünschen, daß einmal alle, die auf den deutschen Hochschulen studieren, Nationalsozialisten sind und die Tüchtigsten von ihnen im Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund stehen. Möge die Tagung in München den revolutionären Geist, der immer in dieser Stadt geherrscht hat, untermauern, damit auch die deutschen Hochschulen im Dritten Reich endgültig erobert werden. (Stürmischer Beifall.) Kommunistische Ausschreitungen in Mexiko. Mexiko-Stadt, 25. Jan. (DNB. Funkspr.) Aus Anlaß des Generalstreiks der Industrie- und Landarbeiter in Puebla ist es zu schweren Ausschreitungen gekommen. Die Streikenden überfielen die Milchwagen und die Kohle n- unb Gemüsehänbler, bie ihre Waren aus ber Umgebung nach Puebla bringen wollten. Auch bie Käufer von Lebensrnitteln, würben von ben Streikenben überfallen. Ferner würben an verschiedenen Stellen bie ß ä b e n erbrochen. Unter dem Schutz ber Polizei wagten es dann später die Geschäfte, ihre Läden wieder zu öffnen. Der Omnibusverkehr ist inzwischen innerhalb ber Stabt roieber ausgenommen worden. Der Ueberlandver- kehr ruht noch immer völlig. Der Streik war von dem marxistischen Regional-Verbanb ber 3nbu- strie- unb ßanbarbeiter verfügt worben. Es Han» belt sich babei um bie von ber Regierung ab- gelehnte ftorberung auf Enteignung bes Prioatbesitzes. friebliche Gesinnung zum Ausbruck gekommen, bie bie Voraussetzung f ü r eine Bereinigung ber europäischen Streitsragen überhaupt ist. Wenn man sich heute bemüht, bas System der kollektiven Sicherheit als alleinige Friedenssicherung hinzustellen, bann müssen wir baraus Hinweisen, daß die Nervosität und das Gefühl ber Unsicherheit trotz aller kollektiven Sicherungsversuche eher gesteigert als vermindert wurde. Und wäre es auch verfrüht 3U behaupten, daß heute, nach zwei Iahen des Abschlusses des deutsch-polnischen Verständigungsabkommens, alle Reibungsflächen zwischen Deutschland und Polen bereits abgeschliffen wären, so kann doch nicht bestritten werben, daß die in ben letzten Zwei Jahren geführten Verhandlungen zu einer merklichen Entspannung unb Annäherung selbst in ben heikelsten Fragen geführt haben. Rudolf Heß weiht die Fahnen des RED. Studentenbundes. „WehtvoraneinerstudentischenZugend,viewürdigistderZugendvonLangemarck" ten unb Völker a u f eine breite Ebene geben konnten. 1686 Kcmbibaten kämpften um 300 ft e l l t. — Das „Berliner Tageblatt" schließt feine Parlamentssitze. Der Wahlkampf mürbe zwi - Würbigung mit bem Satz: Das beufich-polnifche Ischen runb 15 Parteien ausgetraqen. Der Freundschaftsabkommen darf, soviel Arbeit noch er- Ä—-ia------E c *■ " forderlich fein mag, ehe alle Ziele erreicht sind, jedenfalls in höchst positivem Sinne jenem Phantom der Kollektivität gegenübergefteüt werden, das nicht auf» hört, die Völker mit Illusionen zu füttern. Berlin, 25.Jan. (DNB.) Die „Grüne Woche", die Ausstellung des deutschen Bauerntums unter Mitwirkung des Reichsnährstandes, peranftaltet oom Berliner Messeamt, wurde, wie wir «m Samstag bereits berichteten, in der Ehrenhalle der Halle I eierlich eröffnet. Nicht weniger als 2 000 ge a d e n e G ä ft e waren zugegen. Man sah die Bot fchafter von Italien, Polen, Sowjetruhlanb, Spa- nien und der Türkei, viele Gesandten und ^W^ts- träger. Besonders lebhaft begrüßt wurden Mmfiter» Präsident und Reichsjägermeister Hermann G o• • ring und ber Reichsbauernsuhrer Reichsmmifter R. Walter Darr6. Ferner waren u a. erschienen die Minister Freiher von Eltz-Rubenach Graf Schwerin von Krosigk und Dr. Schacht, Reichsleiter Rosenberg und Reichsstatthalter Ritter von EPP, mehrere Staatssekretäre sowie die .Vertreter Der Behörden, der Wehrmacht, ber Polizei, bie Rektoren aller Berliner Hochschulen. Besonbers bemerkt wur- )en 80 Berliner Träger bes Blutorbens sowie eine ranzösische Bauernaborbnung. Die Feier würbe mit ber Ouvertüre zur Dpei; „Rienzi" von Richard Wagner eröffnet. Die Begrüßungsansprache hielt der Staatstommiffar Der Hauptstadt Berlin, Dr. ß i p p e r t. Ministerpräsident Göring gab zunächst seiner großen Befriedigung über bas Zustandekommen dieser ersten großen Jagdausstellung seit der Machtergreifung durch den Nationalsozialismus Ausdruck, betonte Die Verbundenheit von Jagd und ßand- wirtschaft unb bekannte seine leibenschaftliche Anteilnahme an ber Entwicklung ber beutschen ßanbwirtschaft, mit ber er sich in allen, in Freud und ßeid. eng verbunden fühle. Diese Ausstellung zeige auch die innere Umgestaltung unb bie Geschlossenheit ber beutschen Jägerschaft. Sie ist auch ein Beweis, um selbst dem ßaien zu zeigen, daß die Jagd nicht nur eine große volkswirtschaftliche Bedeutung hat, sondern daß sie — worauf ich noch weit mehr Wert lege — wirklich von einem hohen ethischen Schwung getragen wird. Der Jäger soll Heger fein und gerade die Art und Weife, wie er den Wildbestand zu hegen hat, wie er alle Entartungen und alle Krankheiten fernzuhalten hat, wird in dieser Ausstellung eingehend bargestellt. Wenn wir die Erfolge betrachten, die das Winterhitfswerk im vergangenen Jahr gezeitigt hat, können wir deutschen Jager mit Stolz in ber Zahlenkolonne nachsehen, in ber bie Wildablieferungen ber beutschen Jägerschaft bie gleiche Höhe zeigen wie bie gesamte Zurverfügungstellung von frischem Fleisch. Die beutsche Jägerschaft wirb auch in biesem Jahr ihr gerütteltes Waß im WhW. zur Unterstützung ber Armen unb Notleidenden getan haben. Jagd unb Landwirtschaft gehören eng z u f a m m en und sind nicht voneinander zu trennen, und so ist es auch eine wesentliche Aufgabe der deutschen Jägerschaft, dafür zu sorgen, daß Jagd und Weidwerk nicht Selbstzweck werden dürfen und daß der Wildbestand im richtigen Verhältnis bleibt zur ß a n d w i r t s ch a f t unb Lanbeskultur. Es barf nicht vorkommen, baß durch die übermäßige Vermehrung des Wildes die Landwirtschaft getroffen wird, daß durch hohe Wildschäden die Ernteerzeugnisse gedrückt werden können. Die Jagd ist nicht mehr die Angelegenheit einiger Weniger, eine Sache des Geldbeutels, sondern es ist eine Angelegenheit der deutschen Jäger an sich, all der Menschen, denen im Blut die ßuft am Weidwerk gegeben ist unb bie in ihm eine Probe ihres Mutes unb Scharfblickes sehen unb bie sich besroegen auch verantwortlich fühlen, verantwortlich ihrem ganzen Die Ausgabe der europäischen Völkergemeinschaft. Unterredung des Führers mit einer französischen Journalistin. Paris, 25. Jan. (DNB.) Der Führer gewährte der Vertreterin des „Paris Soir" Madame T i t a y n a eine Unterredung, über die sie ihrem Blatt folgendes berichtet: „Gleichgültig, welche politische Meinung wir auch vertreten, immer wird die Persönlichkeit der Männer, die in die Geschichte ihres Volkes und damit in die Welt eintreten, wie in diesem Falle Adolf Hitler, unsere Anteilnahme erwecken. Keiner wird ihr entgehen können. Sobald ich wußte, daß der deutsche Reichskanzler mich empfangen und mir ein Interview für die Leser des Paris Soir geben würde, wurde meine Freude darüber, die ich schon rein beruflich empfand, sofort von dem Gefühl beherrscht, daß ich nun endlich wissen würde, wie „Er" ist, wie „Er" spricht. Vielleicht würde ich dann auch die Ursache seiner außergewöhnlichen Macht über die Massen verstehen und auch genau die Gedankengänge kennen lernen, die den Führer in den Fragen bewegen, die für uns Franzosen und für Europa überhaupt von vitalem Interesse sind. Das Palais in der Wilhelm st raße, in dem der Führer arbeitet und wohnt, ist von einer Einfachheit der Linie in der Architektur und der Ausstattung, die mit der völkischen Gradheit des neuen Deutschland übereinstimmt: Eine breite, Helle Treppe, eine Galerie, schlichte Räume und dann das Arbeitszimmer des Führers. Ich brauchte nicht lange zu warten. Fünf Minuten vor 11 Uhr kam ich an. Ich war für 11 Uhr angefagt. Staatssekretär Funk holte mich aus dem Vorzimmer, das mit modernen bequemen Sesseln ausgestattet ist. In dem Augenblick, als ich mich in einem von ihnen hineingesetzt hatte, mußte ich an den Empfang denken, den ich einige Monate früher bei Mussolini gehabt hatte. Damals hatte ich den Duce in einem Zimmer erwarten müssen, das reich ausgeftattet war mit harten gotischen Holzstühlen. Als ich bei dem Diktator Italiens eintrat, stand er etwa 30 Meter vor mir entfernt und durch ein endloses Parkett von mir getrennt zwischen einem Fenster und seinem Schreibtisch. heule ist der haupleindruck des Empfanges durch Hiller der einer großen Einfachheit. Der Führer kommt mir mit ausgestreckter Hand entgegen. Ich bin erstaunt und überrascht von dem Blau seiner Augen, die auf den Photographien so aussehen, als ob sie braun wären. Ich bemerke, daß er überhaupt ganz anders aussieht als auf den Bildern, und ich ziehe die Wirklichkeit vor, dieses Gesicht, das gefüllt ist von Intelligenz und Energie und das aufleuchlet, wenn er spricht. Ich begreife in diesem Augenblick den magischen Einfluß, den dieser Wenfchenführer ausübt und seine Wacht über die Waffen. Als ich telegraphisch nach Berlin gerufen wurde, machte ich mir nachts im Zuge etwa ein Dutzend Fragen zurecht, die ich entschlossen war, unter allen Umständen zu stellen. Uebrigens könnten nur die Antworten indiskret sein. Aber schon bei den ersten Worten sehe ich, daß der Führer sich nicht hinter diplomatischen Formeln verschanzt, sondern m i t völliger Offenheit zum französischen Volk spricht. In dem Zimmer ohne Nachhall scheint mir meine Stimme, die deutsche Worte spricht, unsicher. Ich versuche mich und damit uns zu erklären: „Der Franzose fürchtet mehr als alles andere den Krieg, und weil er ihn fürchtet und haßt, glaubt er leicht an feine Möglichkeit. Ich möchte gern aus Ihrem Munde hören, daß Deutschland seine äußere Politik auf pazifistischer Grundlage aufbaut." sterben lassen, um den Export zu sichern. Der Kommunismus hält sich in Rußland, weil er sich über einer bedürfnislosen Bevölkerung und auf einem ungeheuren und unaufgeschlossenen Gebiet eingerichtet hat. Aber wenn der Kommunismus nach Deutschland gekommen wäre, dann hätte es eine Katastrophe gegeben, die gar nicht abzufehen gewesen wäre, weil in Deutschland nur 25 v. h. auf die Landbevölkerung und 75 v. h. auf die Stadtbevölkerung entfallen, während in Rußland 92 v. h. auf dem Lande und 8 v. h. in den Städten leben und weil ein viel komplizierterer und größerer Apparat der Zerstörung anheimgefallen wäre." Da wir über politische Dinge gesprochen haben, wage ich noch eine delikate Frage: „Was denken Sie über den Anschluß?" „Das ist eine Frage, über die sich hier niemand aufregt. Dieses Schreckgespenst benötigt man in Wien aus innerpolitischen Gründen. Die Anschlußfrage ist in Berlin nicht akut." Auf meiner Uhr sehe ich die Zeit oorrücken, und ich fürchte, nicht mehr alle Fragen stellen und alle Antworten hören zu können. Ich frage rasch: „Und die Rolle der Frauen? Glauben Sie, daß sie wirklich nur dazu da find, um von den Männern Kinder zu bekommen?" Diesmal lacht der Führer. „Wer hat Ihnen das gesagt?" „Die Presse!" „Ich gebe den Frauen das gleiche Recht wie den Männern, aber ich glaube nicht, daß sie ihnen ähnlich sind. Die Frau ist die Lebensgefährtin des Mannes. Man soll ihr nicht eine Arbeit aufbürden, für die der Mann geschaffen ift. Ich stelle mir keine Frauenbataillone vor; ich glaube, daß sie besser auf die soziale Arbeit eingestellt sind. Aber in jedem Falle hat eine Frau, die nicht heiratet, und wir haben viele in Deutschland, da wir nicht genug Männer haben, das Recht, ihren Lebensunterhalt zu verdienen wie der Mann. Ich erinnere Sie übrigens daran, daß es eine Frau war, die den großen Parteitagfilm gemacht hat, und daß eine Frau den Olympiafilm drehen wird. Ein Wort noch zu den Olympia-Spielen. Wir find glücklich, wir freuen uns, hier Franzosen und möglichst viele begrüßen zu können. Wir werden alles tun, um Ihnen zu zeigen, daß sie willkommen sind, und daß das deutsche Volk ihnen mit voller Herzlichkeit gegenübersteht. Ich wünsche sehr, daß Ihre Reisenden nicht nur zu den sportlichen Ereignissen kommen, sondern daß sie auch uns er Land besuchen werden, das ganze Land. Sie werden hier keine Propagandareisen hergerichtet finden, die ihnen die Wahrheit verbergen. Wir werden ihnen nicht sagen, daß Deutschland das Paradies ist, denn so etwas gibt es auf dieser Erde nicht. Aber sie können in voller Freiheit hier herumgehen und selbst sehen, daß Deutschland in Ruhe und Ordnung in der Arbeit lebt. Sie werden unseren Aufschwung, unsere Anstrengungen, unseren Friedenswillen sehen." Der Führer erhebt sich. Ich habe feststellen können, daß er bei bester Gesundheit ist und daß alle Gerüchte über seine Krankheit falsch sind. Ich ziehe mich zurück, glücklich, seine Gedanken dem französischen Volk vermitteln zu können. Die Unterhaltung hat 50 Minuten gedauert." Or.Goebbels in seiner Vaterstadt Rheydt Das Lebensrecht der deutschen Ration Oer Friede kann nur ans dem Gleichgewicht geboren werden. Der Mann, der mir gebenüberfitzt und den ich eindringlich anfehe, denkt einen einzigen Augenblick nach, mcht länger, dann spricht der Führer: „Das Wort Pazifismus hat zwei Bedeutungen und hat in Frankreich nicht dieselbe Bedeutung wie bei uns. Mr können einen Pazifismus nicht anerkennen, der den Verzicht auf eigene Lebensrechte bedeutet." Er hält einen Augenblick inne, um feine Worte noch besser zu formulieren: „Für uns kann sich der Pazifismus nur verwirklichen, wenn er a u f der allgemein menschlichen Grundlage aufgebaut ist, daß ein jedes Volk das Recht hat zu leben. Ich sage zu leben und nicht zu vegetieren. Wer den Frieden aufrichten will, muß z u e r ft dieses Recht der Völker anerkennen. Mit anderen Worten: „Es gibt keinen einzigen Deutschen, der den Krieg wünscht. Der letzte hat uns 2 000 000 Tote und 7,5 Millionen Verwundete gekostet. Selbst wenn wir Sieger gewesen wären, so wäre doch kein Sieg es wert gewesen, diesen Preis dafür zu bezahlen." Hitler schweigt und ich denke an ein Wort, das ich in Berlin gehört habe: Unsere Politik wird nicht von Gefühlen, sondern vom logischen Verstände gemacht. Da spricht der Kanzler schon weiter: „Welcher europäische Staatsmann könnte denn heute durch einen Krieg eine gebietsmäßige Eroberung erreichen. Muß man denn zwei Millionen Menschen töten, um ein Gebiet von zwei Millionen Einwohnern zu erobern. Das würde im übrigen für uns heißen zwei Millionen bester Deutscher opfern, zwei Millionen in ihrer besten Kraft, die Elite der Nation, um dafür eine gemischte Bevölkerung zu bekommen, die nicht im vollen Umfange deutsch ist und deutsch fühlt. Die menschliche Logik ist gegen einen territorialen Krie g." „Ich weiß, wie sich der deutsche Geist gegen den Vertrag von Versailles aufgelehnt hat. Aber selbst zugegeben, daß jeder Mensch sich einig ist in der Notwendigkeit, daß dieser Vertrag revidiert werden muß — wie könnte das geschehen, ohne die Interessen anderer Völker zu verletzen." „Der Vertrag von Versailles Hal zwei Folgen gehabk. Lr bekräftigt einen territorialen Sieg und er stellt einen moralischen Sieg her. Jede territoriale Lösung hat ihre Schwächen. Bei Gebietsfragen sollte allein b i e Stimme des Volkes entscheiden und seine wirtschaftlichen Bedürfnisse. Aber unter dem Gesichtswinkel der W o r a l ist es unmöglich und unzulässig, ein Volk zu diskriminieren und es zu demütigen. 1870 hat der Friedensvertrag sich mit einem materiellen und territorialen Siege begnügt, ohne die Ehre Frankreichs anzutasten. Jeder Beschluß, der die Versöhnlichkeit eines Volkes herabmindert, schafft nur Bitterkeit und haß bei den Unterdrückten und Wißtrauen bei den anderen. Der Wensch hat das Recht zu leben, fei es als Ration, fei es als einzelner!" „Was also soll man nun im Falle des Versailler Vertrages tun?" „Das menschliche Gewissen sollte die Gerechtigkeit über Interessen und Parteien stellen. Jedes Volk hat das Recht, auf feinem Boden zu leben, mit feinem Glauben, feiner Geschichte, seinen Gewohnheiten und seinen wirtschaftlichen Möglichkeiten. Die einen zum Schaden der anderen zu bevorzugen, ist absurd, weil das das Gleichgewicht der menschlichen Gesellschaft z e r st ö r t. Ich will Ihnen einen Vergleich geben: Ein Gesetz, das die Arbeiter auf Kosten der Bauern bevorzugt, ist ebenso falsch wie eines, das die Bauern auf Kosten der Arbeiter bevorzugt. Man darf weder Stellung nehmen zugunsten der Verbraucher, noch zugunsten der Händler, weder für die Arbeiter, noch für die Unternehmer, fanden man muß das Gleichgewicht aufrechterhalten zwischen den widerstrebenden Interessen aller. Wir haben eine einzige Doktrin, nämlich die, daß es in der Wirtschaft keine Doktrin gibt. Wenn die Privatindustrie versagt, muß sie durch die Staatsinitiative ersetzt werden. Soziale Spannungen werden bei uns nicht durch Streiks und Aussperrungen ausgeglichen. Eine höhere Staatsführung, die das Wohl aller im Auge hat, muß andere Wege finden, den sozialen Frieden zu sichern. Auch der Friede kann nur aus dem Gleichgewicht geboren werden, also aus der Gerechtigkeit. Was die einzelnen Waßnahmen angeht, um diesen Frieden aufzurichten, so sind sie leicht zu finden, wenn jeder mit menschlichem Gefühl, Verständnis und Klugheit an sie herangeht." Zusammenarbeit ohne Hintergedanken. Hitler wartet einen Augenblick, um mir Zeit zu lassen, mir meine Notizen zu machen. Als ich wieder aufblicke, trifft mich die Stärke seines Blickes, die keine Legende ist. Er lächelt: „Wir haben in Deutschland 68 Millionen Einwohner, 68 Millionen Wesen, die essen, sich kleiden, wohnen und leben wollen. Kein Vertrag der Welt kann daran etwas ändern. Das Kind, das zur Welt kommt, weint, um Milch zu bekommen. Und es hat ein Recht auf Milch. Auch ein Staatsmann muß feinem Volk das geben, was es braucht." „Sicherlich. Wir berühren eine sehr ernste Frage. Die, Bevölkerungspolitik, die in Deutschland propagiert wird, schafft notwendigerweise einen E x p a n s i o n s d r a n g aus dem Bevölkerungszuwachs, also Krieg. Sie beklagen sich, nicht genug Brot zu haben und wollen doch noch mehr Menschen!" »Es gibt talentierte und nichttalentierte 23öl- ker auf der Welt. Die ersteren haben vorwiegend einen Wangel an Lebensraum, während den anderen eine große und vielfach unausgenützte Lebensftäche zur Verfügung steht. Die europäischen Staaten gehören zur ersteren Kategorie. Wan muß sich bewußt werden, daß sie in dieser Hinsicht eine Völkergemeinschaft darstellen, wenn sie auch manchmal eine streitsüchtige Familie sind. Ich schweige einen Augenblick, weil ich genau so denke, und weil mich meine Reisen die Ungleichheit der Rasse und den Sinn des Wortes Europäer gelehrt haben. Unglücklicherweise ist das Wort Europäer noch ein Begriff der Zukunft. Eingespannt in unsere Nationalismen, muß man an heute denken. Ich fahre also fort: „Sie brauchen also wegen der wachsenden Volkskraft Deutschlands Kolonien?" „Meinen Sie das nicht auch?" „Wie wollen Sie dieses Ziel in der Praxis erreichen?" „Wenn das Gewissen der übrigen Völker den Gedanken des Ausgleiches und der Gerechtigkeit zuließe, dann würden die materiellen Einzelheiten leicht zu regeln fein. Was mich augenblicklich am meisten beschäftigt, ift das E r - wachen der Einsicht der Welt, daß der gute Wille der Völker eine Zusammen- arbeit ohne Hintergedanken schaffen muß, um jedem einzelnen Volk ein besseres Leben zu gestalten. Im übrigen, ich wiederhole es, ist es für das Leben Deutschlands und Frankreichs und für das Wohl der Wenschheit notwendig, daß der WohlstandEuropas gesichert wird." „Ich reise in den nächsten Tagen gerade nach China, weil der Ferne Osten ..." „Was für ein Glück", unterbricht mich Hitler, „ich. kann leider keine Reisen machen. — Sie werden Japan sehen, wo man zu ganz anderen Arbeitsbedingungen die Waren herstellt, die den Weltmarkt überfluten. Das wird eines Tages auch auf Rußland zutreffen. Die Machthaber Moskaus werden notfalls einen Teil der Bevölkerung München-Gladbach, 25. Jan. (DNB.) Reichsminister Dr. Goebbels weilte am Samstag in seiner Heimatstadt Reydt im Kreise seiner Angehörigen. Es ist für die kleine Industriestadt immer ein besonderer Tag, wenn der Minister in ihren Mauern weilt. Eine beschwingte Stimmung liegt in den Straßen, und wo sich eine Gelegenheit bietet, den Minister aus nächster Nähe zu sehen, ihm ein Grußwort zuzurufen und einen frohen Geaengruß von ihm zu erhalten, ballen sich immer aufs neue Menschenmassen zusammen. In der Volksgartenhalle in München-Gladbach sprach Dr. Goebbels am Abend vor den Partei- und Volksgenossen feiner Heimatstadt. Schon lange vor Beginn herrschte hier beängstigender Hochbetrieb. Im ganzen dürften rund 12—15 000 Menschen zusammengekommen sein. Bald nach 20 Uhr erschien der Minister mit seiner Begleitung. Seine Ankunft kündigten laute Heilrufe an, die von draußen in den Saal drangen und von der dicht gestauten Masse spontan ausgenommen wurden. Die Freude und die Zurufe steigerten sich, als der Minister langsam durch den Saal schritt und freundlich nach allen Seiten grüßte und besonders herzliche Worte für alte Bekannte fand. Ein Kind überreicht dem Minister, als er sich durch die Menge einen Weg nach vorn bahnt, einen Blumenstrauß. Dann spricht Dr. Goebbels. Ruhig, gelassen beginnt er, und man merkt, daß es ihm eine tiefe innere Befriedigung ist, zu Menschen seiner Vaterstadt zu sprechen, den Kontakt zu ihnen herzustel- len, die aus einer Landschaft hinausgewachsen sind, die ein und demselben Volksektor mit all den Eigentümlichkeiten in Lebensart und Sprache angehören, mit denen er von Jugend an verbunden ist, die den Raum seiner Jugenderinnerungen ausfüllen. Eine Vertrautheit öder gar Vertraulichkeit bricht hier und da in seiner Rede hervor, die eben nur in diesem, man möchte fast sagen, freundnachbarlichen Kreise denkbar ist, Oftmals macht sich diese unsichtbare Beziehung zwischen Redner und Zuhörerschaft durch stürmischen Beifall oder Heiterkeit bemerkbar. Aufmerksam folgen die Tausende den bildhaften Vergleichen, die der Redner findet, den messerscharfen, beweiskräftigen Satzkonstruktionen und den anfeuernden und mitreißenden Appells Dr. Goebbels, die immer wieder den Applaus der Zuhörer herausfordern. Nach jedem Satz, den der Redner in die Massen schleuderte, ob er nun mit beißender Ironie den ewiggestrigen Spießer der Lächerlichkeit preisgibt —", in hundert Jahren wird man nicht mehr davon reden, ob der Spießer immer genug Sutter auf dem Tisch hatte, aber vielleicht wird man einmal davon reden, ob Deutschland in der Lage war, seine Grenzen zu verteidigen" — oder ob er mit dem Völkerbund ins Gericht geht, ob er die frühere Systemgrößen charakterisiert oder ob er die Emigranten der allgemeinen Verachtung preisgibt, — „in Amerika müssen die großen Männer ihr Land verlassen, weil sie vor den Gangsters nicht mehr sicher sind, was bei uns über die Grenzen geht, das ist Ausschuß" — wie die Wogen eines. Aehrenfeldes, über das der Wind geht, so gehen die Wogen der Begeisterung geradezu sichtbar über die Versammlung hin, wenn sie mit besonders zündenden Worten entflammt wird. Da sitzt in einer der ersten Reihen eine alte abgearbeitete Arbeiterfrau. Wie leuchtet es in ihrem Gesicht auf, als der Minister erklärt: „Wir sind nicht durch Protektion groß geworden, unsere Wiege stand nicht in Palästen, sondern meistens in Hütten". Neben ihr sitzt ein älterer Mann mit straffer Haltung und scharf geschnittenem Gesicht, Typ des früheren Offiziers. Wie leuchten feine Augen auf, wenn Dr. Goebbels von der Wiedererringung der Wehrfreiheit spricht oder Worte findet wie folche: „Friedrich der Große ist nicht am größten gewesen bei Roßbach oder Leuthen, sondern wahrhaft groß ist er gewesen bei Kunersdorf, als alles verloren schien und er dennoch den Mut nicht verlor". Daneben sitzt vielleicht ein Handwerker, eine Mutter oder ein Bauer aus der Umgegend oder ein Beamter. Und sie alle werden Zusammengeführt von der großen Begeisterung, von jener wahren Volksgemeinschaft, um die das ganze Ringen des Redners geht, und dem er Ausdruck gibt, als er zum Schluß in ergreifenden Worten alle aufs neue zum Dienst an dieser Volksgemeinschaft aufruft. Zahlreiche Ehrungen zum 50. Geburtslage von Wilhelm Furtwängler. Der Führer und Reichskanzler hat Dr. Wilhelm Furtwängler zu seinem 50. Geburtstage fein in Silber gerahmtes Bild mit folgender Widmung zum Geschenk gemacht: „Herrn Wilhelm Furtwängler, dem großen deutschen Meister zum 50. Geburtstag in aufrichtiger Bewunderung. Adolf Hitler." Ministerpräsident Göring hat Staatsrat Dr. Wilhelm Furtwängler durch seinen Adjutanten Major Conrath mit seinen persönlichen Glückwünschen ein künstlerisches Etui zu seinem 50. Geburtstag überreichen lassen und an den verdienstvollen Jubilar das nachstehende Telegramm gerichtet: „Dem großen deutschen Meister übermittle ich in dankbarer Anerkennung herzliche Glückwünsche. Möge auch in den kommenden Jahren Ihr hohes künstlerisches Können dem deutschen Volk erhalten bleiben. In aufrichtiger Verbundenheit Ihr Hermann G ö r i n g." Reichsminister Dr. Goebbels hat an Dr. Furtwängler zum 50. Geburtstag folgendes Schreiben gerichtet: „Sehr verehrter Herr Dr. Furtwängler! Zu Ihrem heutigen 50. Geburtstag übermittle ich Ihnen in meinem eigenen Namen sowohl wie im Namen aller deutschen Künstler und kunstbegeisterten Menschen meine herzlichsten und aufrichtigsten Glückwünsche. Ich verbinde damit meinen tiefen und ehrlichen Dank für die großen Verdienste, die Sie sich um die Entwicklung der deutschen Musik sowie um die höchste Verlebendigung und Vollendung der deutschen Dirigentenkunst in den vielen Jahren Ihrer musikalischen Tätigkeit erworben haben. Ich bitte Sie, dabei auch meinen persönlichen Dank entgegennehmen zu wollen für die vielen Stunden reinsten und edelsten Kunstgenusses, die Sie mir durch die unvergleichliche Wiedergabe der Meisterwerke der Tonkunst vermittelt haben. Ich bringe damit den Wunsch zum Ausdruck, daß Ihre geniale Begabung allen musikliebenden Menschen in Deutschland und weit über die Grenzen unseres Vaterlandes hinaus in der ganzen Welt noch viele Jahre erhalten bleiben möge. Mit herzlichen Grüßen und Heil Hitler! Ihr ergebener gez. Dr. Goebbel s." Gleichzeitig hat Reichsminister Dr. Goebbels Herrn Wilhelm Furtwängler einen künstlerisch ausgestatteten Dirigenten st a b aus Elfenbein und Gold mit Widmung überreichen lassen. Im Auftrage des Führers und Reichskanzlers sowie des Reichsminifters für Volksaufklärung und Propaganda überbrachte Staatssekretär Funk Herrn Dr. Furtwängler in seinem Potsdamer Heim diese Geschenke und Schreiben und übermittelte ihm zum 50. Geburtstag die Glückwünsche des Führers, des Reichsministers Dr. Goebbels sowie der gesamten Reichsregierung in einer kurzen Ansprache, die den Gefühlen der Verehrung für den großen Meister und des Dankes für feine unvergleichlichen Leistungen für das deutsche Musikschaffen und die deutsche Kulturarbeit im In- und Auslande Ausdruck verlieh. Staatssekretär Funk sprach ferner in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Verwaltungsrats des Berliner Philharmonischen Orchesters Herr Dr. Furtwängler noch besonderen Dank für die'langjährige herooragende Leistung dieses anerkannt führenden deutschen Kon- zertorchesters aus, die jahrelang mit den größten äußeren Schwierigkeiten verknüpft gewesen ist. Die nationalsozialistische Regierung habe dieses Orchester zum Ersten Reichsorchester erhoben und seine Existenz absolut sichergestellt. Das Philharmonische Orchester hat seinem Dirigenten und langjährigen Führer zum 50. Geburtstag das Faksimie der 5. Symphonie von Beethoven zum Geschenk gemacht und durch den Ersten Geschäftsführer Herrn Irren Ist menschlich ffiÄ ganz stolz, daß er feine Zähne jeden Morgen mit Chlorodont pflege. Als ich ihn fragte, ob er diesen löblichen Dienst an seiner Gesundheit auch jeden Abend verrichte, meinte er, das wäre des Guten wohl doch zu viel. Er war ganz erstaunt, als ich ihm klar machte, wie wichtig gerade die abendliche Zahnpflege mit Chlorodont fei um der Zersetzung der gefährlichen Speisereste in der Nacht zu begegnen. Hoffentlich handell er jetzt auch danach. -SS- Hans von Benda in Gegenwart aller Orchester-' Mitglieder überreichen lassen. Der Präsident der Reichsmusikkammer, Generalmusikdirektor Prof. Dr. Raabe, hat an Furtwängler folgendes Telegramm zum 50. Geburtstag gesandt: „Dem hochverehrten Meister, dem Sucher und Förderer deutscher Musik wünscht die Reichsmusikkammer, daß alle seine eigenen Wünsche für die deutsche Kunst in Erfüllung gehen, gez. Peter Raab e." Auf ausdrücklichen Wunsch von Herrn Dr. Furtwängler ist von irgendwelchen größeren Veranstaltungen aus Anlaß seines 50. Geburtstages Abstand genommen worden. JNeldeschlußsürHeeressreiwillige 31. Januar 1936. Berlin, 25. Jan. (DNB.) Vom Reichskriegsministerium wird darauf hingewiesen, daß die Meldefrist für junge Leute, die i m H e r b st dieses Jahres freiwillig in das Heer e i n t r e t e n wollen, in einer Woche, am 31. Januar abläuft. Später eingehende Meldungen können nicht mehr berücksichtigt werden. Allen Bewerbern kann deshalb umgehende Einreichung ihrer Meldung nur dringend empfohlen werden. Meldungen sind von den Bewerbern schriftlich zu richten: In der entmilitarisierten Hone an die untere Ersatzbehörde, im übrigen Reichsgebiet an den Truppenteil, bei dem der Bewerber dienen will. Der Meldung ist beizufügen: 1. a) Von bereits gemusterten Bewerbern des Jahrgangs 1915: Der Musterungsaus- w e i s, b) Von bereits gemusterten Bewerbern des Jahrgangs 1914: Der Musterungsausweis und der E r s a tz r e s e r v e I - S ch e i n. c) Don noch nicht gemusterten Bewerbern: Der Freiwilligenschein, dessen Ausstellung bei der polizeilichen Meldebehörde des Wohnorts des Bewerbers zu beantragen ist. 2. Von allen Bewerbern: a) ein selb st geschriebener Lebens- l a u f, b)zwei Paßbilder. Die zuständigen Wehrbezirkskommandos, in der entmilitarisierten Zone die unteren Ersatzbehörden, erteilen auf Anfrage weitere Auskunft. Kunst und Wissenschaft. Verdun-Preis für den INünchene»- Historiker Professor v. Muller. Der Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung hat, wie RSK. meldet, auf Grund eines Beschlusses des preußischen Staatsministeriums dem Münchener Historiker Professor Karl Alexander v. Müller für sein Werk „Deutsche Geschichte und deutscher Charakter" den Verdun- Preis verliehen. Der Verdun-Preis wurde 1843 von König Friedrich Wilhelm IV. geschaffen zur Erinnerung an den Vertrag von Verdun im Jahre 843, in' dem er sich zum erstenmal die deutsche Hälfte des Frankenreiches von der romanischen Hälfte schied. Der Preis sollte in Abständen von fünf Jahren das jeweils beste Buch über deutsche Geschichte krönen. — Das preisgekrönte Werk ist 1925 erschienen. Es stellt eine Auswahl historischpolitischer Aufsätze dar, in denen sich Karl Alexander v. Müller mit dem großen Ereignis des Zusammenbruches von 1918 auseinandersetzt. Professor v. Müller ist voriges Jahr vom Reichswissenschaftsminister zusammen mit Erick M a r ck s und Heinrich v. Srbik zum Ehrenmitglied des Reichsinstituts für Geschichte des neuen Deutschland ernannt worden. Trauergottesdienst für König Georg. Die Vorbereitungen für das Begräbnis. London, 26.Jan. (DNB.) Zu Ehren des verstorbenen Königs fanden am Samstag in ganz Großbritannien Gedenkgottesdienste statt. Ebenso wurden Feldgottesdienste in den Garnisonen und Trauerparaden in den Marinestationen abgehalten. Die königliche Fa- m i l i e nahm an einem Gottesdienst imBucking- h a m p a l a st teil. Auch die ausländischen Gemeinden veranstalteten Trauerfeiern. So fanden in den deutschen Kirchen in London Trauerfeierlichkeiten statt, an denen sich die deutsche Kolonie zahlreich beteiligte. Der deutsche Botschafter v. H o e s ch und Freiherr von Schroeder nahmen an der Feier in der Christuskirche teil. Ein sichtbarer Ausdruck der Volkstrauer war weiter der Besuch des Katafalks in der Westminster- abtei. An den ersten beiden Tagen der Aufbahrung sind über eine Viertelmillion Menschen an dem Sarg vorübergeschritten. Auch die Mitglieder des Diplomatischen Korps beteiligten sich an dieser Ehrung des Königs. Der Trauerzug, der am Dienstagmorgen von der Weftminsterhall nach dem Bahnhof Paddington geht, wird eines der eindrucksvollsten Ereignisse werden, denen die Bevölkerung Londons jemals beigewohnt hat. 1 10 0 0 Mann briti - s ch e Truppen, Abteilungen der Flotte und der Luftstreitkräfte, sowie Abordnungen der Armeen Indiens und der britischen Dominions werden an der sechs Kilometer langen Strecke Spalier bilden. Am Hyde-Park werden 600 Mitglieder des englischen Frontkämpfer-Verbandes British Legion und Vertretungen der Frontkämpfer-Verbände des Auslandes Aufstellung nehmen. Von der Geschützlafette, auf der der Sarg ruht, werden Abteilungen aller Regimenter, deren Oberbefehlshaber der verstorbene König war, in einer Stärke von insgesamt 1500 Mann marschieren. Hinter dem Sarg wird die Königs st andarte getragen. Ihr folgt König Eduard in Marineuniform; er wird die ganze Strecke zu Fuß gehen. Dem König folgen die übrigen Fürstlichkeiten. Den Abschluß des Zuges bilden mehrere Staatskarossen für d i e Königin und andere Damen der königlichen Familie. Während der zwei Stunden, die der Trauerzug durch die Straßen Londons geht, werden im Hyde-Park und am Tower jede Minute Geschützsalven abgefeuert werden. lieber dem großen Turm des Schlosses von Windsor weht die englische Nationalflagge auf halbmast. Am Dienstag wird der Union Jack in dem Augenblick durch die Königs st andarte ersetzt werden, in dem König Eduard mit dem Trauergefolge den Hof des Schlosses betritt. Das Eintreffen des Begräbniszuges wird durch das Abfeuern einer Kanone angekündigt. Hierauf wird die sog. Moskauer Glocke ihr Geläute beginnen, das so fang? anbauerf, kffs Me feierliche Handlung vorüber ist. Diese Glocke, die von britischen Garderegimentern bei der Erstürmung Se- bastopols im Krimkriege 1855 erobert wurde, wird nur geläutet, wenn ein regierender König gestorben ist. Nach Beendigung des Trauer- qottesdienstes werden sämtliche Glocken des Schlosses in das Geläute einstimmen. Das Glockengeläut wird dann von Kirche zu Kirche weitergetragen über das ganze Land. Das Spalier in der Stadt wird aus Seeleuten bestehen, wie auch die Lafette, auf der der Sarg des Königs ruht, von 150 Matrosen gezogen werden wird. Der Gedächtnisaottes- dienst in der Kapelle wird vom Erzbischof von Canterbury gehalten werden. Oie englischen Fußballspieler ehren den toten König. London. 25. Jan. (DNB.) Eine Ehrung, die man wohl in besonderem Sinne als nationalenglisch bezeichnen kann, wurde dem verstorbenen König G e o r g V. durch den Fußballsport zuteil. Der König war der Schutzherr des Fußballverbandes. Auf Taufenden von Fußballplätzen wurden zu seinen Ehren Feiern abgehalten, zu denen die Fußballspieler in voller Sportbekleidung erschienen waren. Auf dem Fußballplatz in Tottenham, auf dem auch der englisch-deutsche Fußballkampf ausgetragen worden ist, hatten sich über 50000 Menschen versammelt. Zunächst wurde der Trauermarsch von Chopin gespielt und dann gemeinsam die Lieblingshymne des Königs gesungen. Hierauf stellten sich die Mannschaften zum Spiel auf. Zwei Minuten lang verharrten sie und die riesige Menschenmenge in ehrfürchtigem Schweigen. Nach dem Absingen der Nationalhymne begann das Spiel. Amerikanische Anerkennung für Eckener. Die Verwendbarkeit der Luftschiffe zu Kriegs- und Friedenszwecken. Washington, 27. Jan. Der Marineminister veröffentlichte den Bericht eines Ausschusses prominenter Wissenschaftler, Ingenieure und Marineoffiziere, der im März 1935 nach dem Verlust der „Macon", des zweiten und letzten amerikanischen Luftschiffes, von Roosevelt eingesetzt wurde, um die Brauchbarkeit und die Sicherheit von Luftschiffen eingehend zu prüfen. Der Bericht stellt fest, daß die Luftschiffe brauchbar und wertvoll feien. 1. für Kü st enpatrouillenf ährten, besonders zur Aufspürung von Unterseebooten und Minen, 2. zur sicheren Leitung von Truppentransporten und Kriegsschiffen durch Minenfelder, 3. — und hierfür kämen naturgemäß nur ganz große Luftschiffe in Frage — für Aufklärungsflüge und als Flugzeugträger, 4. für die Zivilluftfahrt, wie das das Luftschiff „Graf Zeppelin" so hervorragend gezeigt habe und wie die Luftschiffbau Zeppelin G. m. b. H. durch den Bau des LZ 129 und die Ankündigung weiterer Bauten deutlich bewiesen habe. Bezüglich der Sicherheit müsse gesagt werden, daß kein Verkehrsmittel absolut sicher fei. Mit den gewonnenen Erfahrungen fei das Luftschiff eine fr* wohl notwendige wie durchaus sichere Einrichtung, deren Entwicklung von den Vereinigten Staaten unbedingt gefördert werden sollte. Der Bericht er klärt, daß sich die Bauart des deu ten Zeppelm als den amerikanischen und englischen Luftschiff- planen überlegen erwiesen habe. Der Bericht d a n kt D r. Eckener für feine Freundlichkeit, die er durch die Erlaubnis zum Mitfliegen und Studieren des „Graf Zeppelin" bewiesen habe. Flaschenpost aus dem Eismeer . Nach einer Meldung der „Berlingske Tidende" in Kopenhagen ist an der Westküste des Oexarfjords im Nordland eine Flaschenpost gefunden worden, von der man glaubt, daß sie aus Sibirien oder Nowaja Semlja stammt. Die Flaschenpost enthielt eine Karte des Eismeeres, auf der verschiedene Striche eingetragen sind, von denen einer auf die Inselgruppe Nowaja Semljas hinweist. Auf der anderen Seite der Karte finden sich zwei Notizen in Sprachen, die den Bauern des Nordlandes unbekannt sind. Man weiß daher noch nicht, welche Expedition die Flaschenpost ins Meer geworfen hat, hält es jedoch für möglich, daß sie von den mit der „Italia" verschollenen Begleitern Nobiles stammt. Die Flaschenpost wird nach Reikjavik gebracht werden, wo sie entziffert werden soll. Weiterbericht des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. Die vom Atlantik ausgehende Wirbeltätigkeit hat sich erneut verstärkt. Ein starkes Störungsgebiet zog dabei in der Nacht zum Montag über unser Gebiet und brachte verbreitete Regenfälle. Ein erneutes Regengebiet wird uns voraussichtlich in der Nacht zum Dienstag erreichen. Anschließend kann zunächst bei lebhaften westlichen Winden mit etwas frischerem und daher freundlichem Witterungscharakter gerechnet werden. Die Gesamtlage bleibt jedoch auch weiterhin unbeständig und das Wetter für die Jahreszeit zu mild. Aussicht en für Dienstag: Nach erneuten verbreiteten Regenfällen mehr abwechselnd bewölkt mit einzelnen Schauern, bei lebhaften, nach West drehenden Winden etwas kühler. Aussichten für Mittwoch: Bei Luftzufuhr aus Süden bis Westen unbeständiges und zu Niederschlägen geneigtes Wetter. Lufttemperaturen am 26. Januar: mittags 7,6 Grad Celsius, abends 3,6 Grad; am 27. Januar: morgens 3,8 Grad. Maximum 7,9 Grad, Minimum 2,9 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 26. Januar: abends 2,2 Grad; am 27. Januar: morgens 2,3 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 1,3 Stunden. — Niederschläge 1,7 nun. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel D.A. XII. 35: 11300. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., fämtlidh in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. Im 74. Lebensjahre. Gießen (Lieber Straße 15 I», den 25. Januar 1936. 555 D Lichtspielhaus Bahnhofstraße 554 A Eine Seefahrt Watzenborn, Leihgestern, Friedberg, den 26 Januar 1936. 037S werden zum ermäßigten Grundpreis von 5 Pf. für die Mlllimeterzeile veröffentlicht! Beiprogramm u. Ufa-Ton-Woche Anfangszeiten täglich 4,6 und 8.30 Uhr Ab heute Montag Der große Lachschlager | Einspaltige Kleinanzeigen Unsere liebe, gute Annemarie ist uns im blühenden Alter von 16'/, Jahren am 23. d. M. durch den Tod plötzlich entrissen worden. In tiefer Trauer: Familie Paul Plage. Gießen (Schiffenberger Weg 24), den 27. Januar 1936. Die Beerdigung hat in aller Stille stattgefunden. Beileidsbesuche dankend verbeten. die ist lustig.. Ida Wüst / Paul Henckels Paul Heidemann / Hilde Krüger / Isa Vermehren Fr. Genschow / E. Fiedler Regie: Dr.Alwin Eiling Ein Film mitdeftigem Humor, witzig und einfallsreich und so zwerchfellerschütternd, daß zweifellos auch der ärgste Griesgram aus vollem Herzen lacht. wasche I deite, , Persil P 116,^0 ______________' Vermietungen | Achtzimmer- Wohnung zum l.Mai oder 1. Juni 1936 zu vermieten. Angeb.unt.549D andenGieß.Anz. Stellenangebote Ordentliches Mädchen für halbe Tage gesucht. Bahn- hofstr. 42II. 66iD Im Namen der Hinterbliebenen: Käthe Henkel, geb. Scherer Heute früh verschied sanft nach kurzer Krankheit mein lieber Mann, unser treusorgender Vater, Schwiegervater, Großvater und Bruder Die Beerdigung findet Dienstag, den 28. Januar, nachmittags 31/* Uhr in Watzenborn statt Die Beerdigung findet Dienstag, den 28. Januar, nachmittags 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt Heeresunterkunftamts-Direktor i R. Johannes Henkel Nach langem, mit großer Geduld ertragenem Leiden ist unser lieber Bruder, Schwager und Onkel Georg Hämisch VIII. im Alter von 58 Jahren heute sanft entschlafen. In tiefer Trauer im Namen der Hinterb iebenen: Familie Harnisch 552 D| Es ist uns nicht möglich, jedem (Einzelnen, wie wir es gerne möchten,unseren Dank auszusprechen für diewarme Anteilnahme bei unserem Autounfall. Wir möchten deshalb auf diesem Wege allen sagen, wie wohltuend uns die vielen Beweise treuer Gesinnung und Freundschaft waren. Sanitätsrat Or. Schliephake und Frau Gertrud Schliephake Gießen, den 27. Januar 1936. MiMMueM In Cleeberg. Mittwoch, den 29.Ianuar, kommen auf dem Rathause zu Cleeberg vormittags 11 Uhr anfangend aus den Distrikten 28 b Kühunner 33. a. Altenwald, 35. c. Schorn. 38. b. Mohrwald u. 48. Strichberg nachfolgendes Holz zur Versteigerung. Nutzholz Eichenscheitnutzholz 13 Rm. 2,40 Mir. lang. 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Nr. 22 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen) Montag, 27.ZanuaN9Z6 Amerikas Schicksalsjahr Von unserem K G. S.-Äenchterstatier. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Der Silvester-Lärm in Amerika hat sich als lautes politisches Kampfgetöse fortgesetzt. Anfang kommenden Novembers wird hier gewählt, und eine kläffende Meute will Roosevelt aus dem Weißen Haus aufscheuchen und zurück in die von ihm geliebten Wälder jagen. Roosevelt aber möchte gern noch weitere vier Jahre in Washington bleiben. Und deswegen setzt er sich zur Wehr. So fing denn das neue Jahr gleich sehr geräuschvoll an. Am 3. Januar hielt er die übliche jährliche Ansprache an den am gleichen Tage zur diesjährigen Sitzung zusammengetretenen Bundeskongretz (das aus Senat und Abgeordnetenhaus bestehende Bundesparlament). Am 6. Januar sandte er dem Kongreß seine Budget-Botschaft, und zur gleichen Stunde erklärte der Oberste Gerichtshof (das Amerikanische Reichsgericht) Roosevelts landwirtschaftliche Gesetzgebung für verfassungswidrig. Am 8. Januar begann die Tagung der Führer der Demokratischen Partei, und am gleichen Abend hielt ihnen Roosevelt eine große innenpolitische Rede, in der er den Gegnern scharfen Kampf ansagte. Also: es ging Schlag auf Schlag, und man muß sich die Erwiderungen der Gegner dazu denken, um zu ermessen, wie schwer der Kampf hier tobt. Es sind Kämpfe, mit denen wir daheim im Reich glücklicherweise aufgeräumt haben: Streitigkeiten übelster Art mit persönlichen Verunglimpfungen und egoistischen Motiven. Diese Charakterisierung ist dabei nur eine milde Widergabe dessen, was anständige Amerikaner und viele Zeitungen hier in viel schärferen Worten über ihr eigenen Zustände äußern. Mark Twain, der große amerikanische Humorist, hat einmal gesagt, als jemand über das schlechte Wetter klagte: „Jedermann beschwert sich über das Wetter, aber niemand tut etwas dagegen." Ebenso ist es mit den politischen Zu- stärchen in Amerika. Man sieht ein, daß die meisten Abgeordneten nur für sich oder ihre lokalen Interessen sorgen, daß mal die eine, mal die andere Partei an die Futterkrippe drängt, daß die Wähler hilflos vor eine lange Stimmliste gestellt wrden und trotz aller angeblichen Aufklärung durch die Presse nie wissen, wer wirklich am besten für das Gemeinwohl eintreten wird; aber man hält fest am System der beiden großen Parteien, die sich wirklich nur dadurch unterscheiden, daß die einen zur Zeit drinnen sind und drin bleiben wollen und daß die anderen zur Zeit draußen sind und herein wollen. Ebenso ist er mit dem Obersten Bundesgericht. Nur wenige verstehen die Entscheidungen; eine ganze Anzahl fühlt dunkel, daß das starre Kleben an den Buchstaben einer im Jahre 1787 beschlossenen Bundesverfassung den Fortschritt und die nationale Wohlfahrt aufhalte, aber fast jedermann schaudert vor dem Gedanken, die Verfassung zu ändern. Das geheiligte Dokument sichert angeblich die „Freiheit". Und deswegen darf Roosevelt, dem man wohl kaum unehrliche und selbstsüchtige Motive unterstellen kann, die Landwirtschaft des Landes nicht organisieren! Man verwechselt die sogenannten „Grundrechte" (Schutz des Einzelnen vor dem Gericht, Schutz vor Enteignung ohne Entschädigung usw.) mit den Bestrebungen, die willkürlich entstandenen und wirtschaftlich durchaus unselbständigen 48 Einzelstaaten zu einer wohlgeordneten Planwirtschaft zusammenzufassen. Roosevelt hat seinem Amtsantritt im März 1933 versucht, diese Planwirtschaft auf nationaler Grundlage einzuführen. Er hat die Industrie und die Landwirtschaft organisiert, hat das Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern geregelt und großzügige Sozialversicherung durchgesetzt. Seine Ziele waren im einzelnen: Schutz der Arbeitgeber vor unlauterem Wettbewerb; Schutz der Arbeiter vor Ausbeutung; Verminderung der Arbeitslosigkeit durch Einführung von Höchstarbsitszeit; Abschaffung der Kinderarbeit und der Sklavenbetriebe in den Textil- und anderen Branchen; Hebung der landwirtschaftlichen Preise durch Einschränkung der bebauten Flächen und Geldentschädigung an die Bauern zusammen mit Erhebung von Sondersteuern seitens der die Farmerzeugnisse verarbeitenden Industrien; Vermeidung von größeren und oft blutigen Streiks; Schutz des Verbrauchers durch Hebung der Kaufkraft und Stabilisierung der Preise; Steigerung der Ausfuhr durch Wertoerminderung des Dollars; Entvölkerung der großen Städte mit ihren Elendsvierteln durch ein System von Kleinsiedlungen; Sanierung des Bodens durch dringend benötigte Aufforstung (Amerika ist — wenn man Jo sagen will — in den meisten Gegenden „ein Vmk ohne Baum"). Ein großzügiges Programm, das Roosevelt wiederholt in folgende Worte zusammengefaßt hat: ein besseres und glücklicheres Leven für den Durchschnitts-Amerikaner! In vielen Punkten können wir Deutsche sein Programm vollinhaltlich unterschreiben: Roosevelt versucht das, was bei uns unter der Regierung des Führers seit 1933 »geschaffen worden ist. Nur geht das eben hier nicht, wenigstens jetzt noch nicht, jedenfalls nicht unter einem System von Parlamenten und achtundoierzig sich souverän fühlenden Einzelstaaten, deren Souveränität ein zum Teil aus Gegnern moderner Ideen bestehender Oberster Gerichtshof wohlwollend beschützt, wenn auch darunter das Land von Krise zu Krise wankt. Der Gerichtshof hat Roosevelt das System der Organisierung der I n d u st r i e im vorigen Jahr zerschlagen, uno vor wenigen Tagen hat er den wichtigsten Pfeiler des „Neuen Kurses": das gesamte landwirtschaftliche Programm umgestürzt. Aehnliche Todesurteile drohen der sozialen Gesetzgebung, kurz jeder Phase nationaler Planwirtschaft. Roosevelts Budget, sein großes Programm gesunder Reformen sind über den Haufen geworfen, und mit diesem Trümmerhaufen soll er nun den Wahlkampf bestreiten. So geht Amerika in die letzte Parlamentstagung vor den großen Wahlen: Ein Budget, das fast sieben Milliarden an Ausgaben beanspruchen und die Staatsschuld auf etwa 32 Milliarden Dollar bringen wird; völlige Ungewißheit auf dem Gebiet der Landwirtschaft; das Problem der Arbeitslosen; Einmütigkeit nur auf dem Gebiet der Neutralität, die so geregelt werden soll, daß Amerika aus fremden Kriegen herausbleibt und nicht wieder, wie die Vernehmungen von I. P. Morgan jetzt so deutlich zeigen, sich zum Lieferanten und Finanzier alliierter Staaten herabwürdigt. Wie Roosevelt alle diese Schwierigkeiten meistern wird, bleibt abzuwarten. Gegen ihn arbeiten d i e Republikaner, die wie die Bourbonen nichts gelernt und nichts vergessen haben; die zum individualistischen System zurückkehren wollen; die Angst haben vor den Steuern, welche aus den sozialen Maßnahmen Roosevelts drohen; die mit viel Geld und vielen Zeitungen weitgehende Propaganda gegen den ihnen verhaßten Roosevelt führen. Aber bisher haben sie noch keinen Gegenkandidaten, für den über die Hälfte der Wähler stimmen würden. Hoover hat als Führer des Volkes abgewirtschaftet, und B o r a h paßt der „Alten Garde" nicht wegen seiner Einstellung gegen Monopole; die Jüngeren aber mögen ihn nicht wegen seiner starr konservativen Ideen. Die andern Republikaner haben bisher keine das ganze Land umfassende Gefolgschaft; und vor allem haben die Republikaner kein positives Programm, das sie der Planwirtschaft Roosevelts gegenüberstellen könnten. Kandidaten dritter Parteien haben keinerlei Aussichten in diesem auf zwei Parteien eingeschworenen Lande, und selbst der „Radio-Priester" Coughlin begnügt sich mit der Bekämpfung einzelner Abgeordneter. Wie wird sich der „unabhängige" Wähler entscheiden? Das ist zurzeit die große Frage in Amerika. Berlin im Zeichen der Grünen Woche. Unpolitischer Brief aus der Reichshauptstadt. pflanzt als ganze Länder, daß die Berliner Anbaufläche für Kohlrabi mit 382 Hektar größer ist als die von Braunschweig, Mecklenburg, Thüringen, Baden, Württemberg und Sachsen zusammen. Auf 366 Hektar wird in Berlin Wirsingkohl gebaut. In der großen Provinz Ostpreußen wird nicht so viel Salat gebaut wie in der Reichshauptstadt, nämlich 133 Hektar, und was Spinat anbetrifst, so kann gegen die 238 Hektar nicht einmal Bayern an. Wir bitten, bei diesen Zahlen zu beachten, daß die Ernten der Schrebergärten nicht mitgerechnet sind. Vielleicht werden unsere Freunde von der Landwirtschaft doch staunen, wenn sie hören, daß es in Groß-Berlin rund 8 7 0 0 0 Haushaltungen mit Viehhaltungen gibt, die in der Hauptsache natürlich Kleinvieh, wie z. B. 886 000 Hühner, 181000 Kaninchen, aber auch 23 000 Kühe, 22 000 Pferde und 27 800 Schweine. Daß es dabei nur noch 53 Pferdedroschken gibt, liegt an der Motorisierung des Verkehrs. Wo aber, fragen wir unsere Landwirte, gibt es eine Brutanstalt wie die in Neukölln, in der gleichzeitig 6 5 0 0 0 Eier gebrütet werden können? Diese Massenbrüterei wendet die Eier dreimal täglich auf mechanischem Wege und hat gut zu tun. In der Hauptsache handelt es sich um sogenannte Lohnbrüterei. Man gibt die gekennzeichneten Eier ab und holt sich nach drei Wochen die Küken. Die Hauptkunden sind die Kleingärtner. So ließe sich noch manches über Berlin sagen, was die Landwirte und Forstleute und Gärtner aufhorchen lassen würde. Es läßt sich auch gar nicht absehen, zu welchen landwirtschaftlichen Folgen die „Auflockerung" Berlins, wenn sie in dem begonnenen Tempo weitergeht, führen wird. Auch in einem wichtigen Punkte, wo uns die Landbewohner, bei weitem über waren, auf dem Gebiete der Bevölkerungspolitik, wird es in Berlin besser. Die Standesämter haben mit den Anmeldungen von neuen Berlinern tüchtig zu tun. In manchen Straßen sieht man schon mehr Kinderwagen als Autos. Es können gar nicht so viel Kleinwohnungen gebaut werden, als die jungen Ehepaare benötigen. So hoffen wir, daß sich unser Besuch vom Lande in der Reichshauptstadt wie zu Hause fühlen wird und die besten Eindrücke ge- Berlin im Zeichen der Grünen Woche! Wieder geben die gebräunten Männer und Frauen von der deutschen Land- und Forstwirtschaft der Reichshauptstadt auf kurze Zeit ein besonderes Gepräge. Landwirtschaftliche Fragen interessieren auch jeden Berliner, und so wird man unter den Besuchern der Ausstellungshallen am Kaiserdamm auch sehr viele „Bleichgesichter" bemerken, die mit nicht minder großem Interesse sich über die großen Aufgaben der Landwirtschaft und die Maßnahmen, sie zu meistern, unterrichten wollen. In kleineren oder größeren Trupps sehen wir die Landwirte mit ihren Familien auf den Straßen. Man will auf die andere Seite, man hat Hemmungen, doch schon naht der Retter mit weißem Helm und weißen Handschuhen. Natürlich darf bei einem Bersiner Besuch ein Bummel Unter den Linden nicht fehlen. Wie sieht das hier aus! Doch auch hier finden sich Berliner, die für die nötigen Erklärungen sorgen und beruhigt vernimmt die Landwirtschaft, daß die Silberlinden aus Holstein schon angekommen seien und im Frühjahr eingepflanzt würden. Dafür macht der L u st g a r - t e n in seiner neuen Form um so mehr Eindruck. Wie viel Neues gibt es doch in Berlin zu sehen! So ist die eine Grüne Woche von früh bis spät mit Aufgaben und Pflichten reichlich ausgefüllt und wer am Reit - und Fahrturnier teilnehmen will — der Preis der Nationen am 1. Februar ist schon ausverkauft — muß allein schon für die Schau der rund tausend Pferde 10 Tage rechnen. Die G e- flügel- und Rassehundeschau interessiert auch viele Städter. In der I a g d a u s st e l l u n g sind 7000 Geweihe untergebracht. Die Gast- und Vergnügungsstätten sind gerüstet und wissen, was von ihnen erwartet wird. „Stadt und Land — Hand in Hand" ist in diesen Tagen eine häufig zu beobachtende Erscheinung. — * Es darf nicht vergessen werden, daß Berlin schließlich den größten landwirtschaftlichen Betrieb aufzuweisen hat, der mustergültig geführt wird und auch mancherlei abwirft. Die 150 000 Kleingärtner Berlins wollen auch beachtet werden und dann gibt es in Dahlem, einem schönen, westlichen Vorort, Dinge zu sehen, die an Märchen glauben lassen. In den stattlichen Bauten der „Kaiser - Wilhelm - Gesellschaft" wird unablässig daran gearbeitet, neue ertragreichere Pflanzen, die auch auf magerem Boden gute Ernten geben, zu züchten. Man verlangt von ihnen noch außerdem Unempfindlichkeit gegen Seuchen und Frost. Tropische Pflanzen gewöhnt man allmählich an unser Klima, ebenso werden an die Tierzucht immer höhere Anforderungen gestellt und erfüllt. Man zeigt den Landleuten u. a. auch die viele Kilometer langen Berieselungsanlagen im Tiergarten, die notwendig geworden waren, weil durch die Senkung des Grundwassers zahlreiche Bäume zu vertrocknen drohten. Das Grundwasser mußte aber gesenkt werden, damit die neuen Untergrundbahnbauten, die bis 20 Meter und noch tiefer hinabführen, durchgeführt werden können. Wer weiß z. B., daß Berlin mehr Gemüse wonnen hat, wenn er wieder zur heimatlichen Scholle zurückkehrt. Amtsgericht Gießen. Der H. F. aus Allendorf (Lumda) erhielt durch Strafbefehl eine Geldstrafe von 10 0 Mark, hilfsweise 20 Tage Gefängnis, da er den Bürgermeister, einen Beigeordneten und zwei Gemeinderatsmitglieder beleidigt hatte. Gegen den Strafbefehl verfolgte der Angeklagte Einspruch. In der gestrigen Hauptverhandlung wurde die Strafe auf 12 0 Mark erhöht. Wegen Bettelns wurde der R. N. aus Breslau mit 6 Wochen Haft belegt, unter Anrechnung von 2 Wochen Untersuchungshaft. Sodann befaßte sich das Gericht mit dem einschlägig vorbestraften Fr. W. wegen Uebertretung der Reichsstraßenverkehrsordnung in zwei Fällen und verurteilte ihn zu insgesamt 70 Mark Geldstrafe, eventuell 14 Tagen Gefängnis. Der Angeklagte fuhr zunächst im März v. I., von Steinbach kommend, die Licher Straße entlang. Hinter Steinbach wurden Straßenausbesserungsarbeiten verrichtet, und die Fahrbahn war nur zur Hälfte dem Verkehr freigegeben. Trotzdem sich bereits ein in entgegengesetzter Richtung kommendes Fuhrwerk an der beschränkten Durchfahrt befand, fuhr der Angeklagte in scharfem Tempo an der Baustelle vorüber, so daß die Arbeiter gefährdet waren. Im Juni v. I. verursachte der Angeklagte durch unvorschriftsmäßiges Fahren einen Derkehrsunfall an der Kreuzung Horst-Wessel-Wall — Bahnhofstraße. Der Sietenritt nach Jägerndorf. 3um 150. Todestage des Husarengenerals am 27. Januar. Die Bedeutung hervorragender Soldaten ist nicht nur von ihren militärischen Leistungen bestimmt. Ost spielt bei der Bewertung das Urteil des Dolks- mundes ebenfalls eine recht gewichtige Rolle. Die Ueberlieferung, die sich in Dichtung und Erzählung mit Hans Joachim von Zieten befaßt, zeigt, daß er ähnlich wie D e r f f l i n g e r und Blücher zu den im besten Sinne volkstümlichen Gestalten des preußischen Heeres zählt. Mit keinem der Generale des großen Königs — mochten sie militärisch bedeutender gewesen sein als Zieten — hat sich der Volksmund so befaßt, wie mit dem kleinen und äußerlich unscheinbaren Husarengeneral. Und wenn auch viele der über ihn in Umlauf gesetzten Anekdoten einer genauen Prüfung nicht standhalten, so zeigen sie doch, welcher Liebe und Verehrung sich der schlichte und bescheidene Mann, der er immer geblieben ist, erfreuen durfte. Die breite Oeffentlichkeit kennt ihn als verwegenen und erfolgreichen Reiterführer und Liebling des großen Königs. Daß er eine harte Schule durchlaufen und viele Enttäuschungen erleben mußte, ehe es ihm gelang, sich durchzusetzen, ist weniger bekannt. Als löjähriger Junker trat er bei einem Infanterieregiment in dem seinem elterlichen Gut Wustrau benachbarten Neuruppin ein. Seine kleine Gestalt und seine schwache, zum Kommandieren schlecht geeignete Stimme erschwerten aber unter Friedrich Wilhelm!., dem Freund der ,langen Kerls", sein Fortkommen. Als er nach zehnjähriger Dienstzeit immer noch nicht Offizier geworden und bei Beförderungen mehrmals übergangen worden war, wurde er beim. König vorstellig. Aber dieser verfügte kurzerhand, man solle Zieten die „Demission" geben. Zwei Jahre mußte er zu Hause warten, bis es ihm endlich gelang, bei einem in Insterburg stehenden Dragoner-Regiment als Leutnant eingestellt zu werden. Aber auch hier verfolgte ihn sein Mißgeschick. Ein Streit mit seinem Ritt- meister führte zu einer Duellforderung, die für beide Kontrahenten Festungshaft und für Zieten zudem noch Dienstentlassung nach sich zog. Als 1730 in Preußen die erste selbständige Husarenformation aufgestellt wurde gelang es Zieten, dessen kleine Gestalt für diese neue Truppe sehr geeignet war, dank der Hürsprache zweier Generale bei ihr als Leutnant angenommen zu werden, und jetzt war er in seinem Element. Im polnischen Erbfolgekrieg befehligte er am Oberrhein bei einem den Oesterreichern zur Verfügung gestellten preußischen Hufs- korps eine Husarenabteilung, die dem österreichischen Oberst Baranyay unterstellt war, um bei den kriegserprobten östereichischen und ungarischen Husaren Erfahrungen zu sammeln. Der Krieg verlief zwar ohne nennenswerte Ereignisse, er bot aber den preußischen Husaren Gelegenheit, sich im Erkundungs- und Sicherungsdienst auszubilden. Zieten bewährte sich hierbei ausgezeichnet, und sein König beförderte ihn auf Grund günstiger Berichte im Hinblick auf die „in vorjähriger Campagne am Oberrhein rühmlichst bezeigten Vigilantz und Tapferkeit" zum Major. Schon wenige Jahre später — es war im ersten Schlesischen Krieg — konnte Zieten seinem Lehrmeister Baranyay zeigen, was er bei ihm gelernt hatte. Im Gefecht bei Rothschloß nahm er den Oesterreichern einen Lebensmitteltransport sowie eine Kriegskasse mit 7000 Talern ab, brachte ihnen erhebliche Verluste bei, und hätte um ein Haar Baranyay zum Gefangenen gemacht. Für diese Tat bekam der kühne Husar den Orden pour le märite, wurde zum Oberst befördert und erhielt ein neu aufgestelltes Husarenregiment, das seinen Namen führte. Eine der glänzendsten Waffentaten Zietens war sein vollkühner Ritt nach Jägerndorf, der ihn mitten durch die feindlichen Truppen führte, und dessen Gelingen man kaum für möglich gehalten hatte. König Friedrich II. hatte 1745 seine Armee in der Gegend von Neisse zusammengezogen und den Markgrafen Karl von Schwedt zum Schutze Oberschlesiens mit 10 000 Mann nach Jägerndorf vorgeschoben. Die Oesterreicher störten dauernd die Verbindung, und schließlich war es Friedrich nicht mehr möglich, sich mit dem Markgrafen zu verständigen und ihn an sich heranzuziehen, der wachsame Feind fing alle Befehle ab. Schließlich bekam Oberst von Zieten den Auftrag, „alles daran zu wagen, was es auch kosten möge, mit feinem Regiment bis Jägerndorf durchzukommen, um dem Markgrafen den Befehl zu überbringen, daß er sogleich aufbrechen, die Magazine von Troppau und Jägerndorf, was davon | nicht fortzuschaffen wäre, zu ruinieren, sich mit den Feinden in nichts Ernstliches einlassen und mit for- ' eierten Märschen nach Frankenstein marschieren sollte, um zum König zu stoßen". Dieser Befehl wurde dem ganzen Regiment bekanntgegeben, damit er, sofern auch nur ein einziger Husar durchkomme, an den Markgrafen gelange. Wie man aus 1 einem von Ranke und D r oyfen angeführten Bericht eines gefangenen österreichischen Hauptmanns entnehmen kann, scheint Zieten eine Kriegslist angewandt zu haben. Er ließ seine Husaren, die den Oesterreichern durch ihre roten Attilas bekannt waren, für das Unternehmen die Winterpelze aus blauem Tuch anziehen, wodurch sie dem auf feindlicher Seite stehenden ungarischen Husarenregiment Spleny glichen. Auf dem Marsch kam das Regiment dazu, als die Oesterreicher das von preußischen Truppen besetzte Städtchen Neustadt angriffen. Um nicht erkannt zu werden, führte Zieten, ohne m den Kampf einzugreifen, seine Reiter in Deckung und schloß sich, nachdem der Angriff abgeschlagen war, der feindlichen Marschkolonne an. Unerkannt zogen die preußischen Husaren an einem ihnen begegnenden österreichischen Dragonerregiment und an vielen feindlichen Posten und Wachen vorbei. Ein dem Regiment entgegenreitender österreichischer Offizier wurde gefangen und mitgenommen. Als die Spitze nach dem österreichischen Lager abbog, wurde die Lage kritisch. Zieten marschierte zunächst ruhig weiter und fing schließlich an zu traben. Da wurde man aufmerksam und schlug Alarm. Aber die Preußen hatten bereits einen guten Vorsprung. Feldwachen, auf die man stieß, wurden einfach überrannt. Jetzt ging es ums Ganze! Etwa eine Stunde vor Jägerndorf sperrte eine größere feindliche Abteilung einen Paß, es kam zu einem heftigen Gefecht. Im Verein mit Truppen des Markgrafen, die auf das Gewehrfeuer hin herbeigeeilt waren, gelang es, die Oesterreicher zurückzufchlagen. Die Vereinigung mit dem Korps des Markgrafen Karl war gelungen und der Befehl des Königs ausgeführt. Jetzt kam der schwierigere Teil der Aufgabe, der Rückmarsch angesichts des weit überlegenen Feindes. Zielen war mit seinen Husaren bei der Nachhut und es gelang ihm, zusammen mit Dragonern und Kürassieren in die feindliche Infanterie einzubrechen und sie bis zur Artilleriestellung zurückzuwerfen. Mit nicht unerheblichen Verlusten gelang es, den Rückmarsch, dem man den ehrenvollen Namen eines „Rückzugs nach vorwärts" gab, durchzuführen und die Vereinigung mit der bei Frankenstein stehenden Hauptarmee Friedrichs zu vollziehen. Der König war über den Erfolg hoch erfreut und geizte nicht mit Lob und Auszeichnungen. Alle Stabsoffiziere des Regiments Zieten bekamen den Pour le mdrite, und Zieten selbst einen anerkennenden Brief, worin der König feiner Zufriedenheit mit der „klugen Conduite sowohl als von der Bravour, so er auf dem Marsch nach Jägerndorf ertzeiget habe" Ausdruck verlieh. Trotz feiner großen Erfolge, vor allem später im Siebenjährigen Krieg, blieb Zieten ein einfacher, biederer und bescheidener Mann. Wie sein König und die Prinzen des königlichen Hauses keine Gelegenheit vorübergehen ließen, um dem alten Haudegen Anerkennung und Ehre zu erweisen, so zeigte, wenn er sich auf den Straßen Berlins bewegte, auch die Bevölkerung, wie sehr sie ihn ins Herz geschlossen hatte. Bis in sein hohes Alter blieben ihm seine geistigen und körperlichen Kräfte erhalten, und noch als 85jähriger nahm er an einer Paroleausgabe im Berliner Schloß teil, freudig begrüßt von feinem könglichen Herrn. Als feine Kräfte nachließen, fah er als echter Soldat dem Tod gefaßt ins Auge. „Ich bin bereit, ich bin fertig, wenn Gott will". Ruhig und friedlich ist der alte Husar in den Morgenstunden des 27. Januar 1786 zur großen Armee eingegangen. Dr. Wilhelm Rehmann. Wintersport bei Ausländsdeutschen. Auch jenseits der Reichsgrenzen sind es deutsche Volksgenossen, die auf den Winterbesuch der Bin- deutschen warten. Hunderttausende von Volksgenossen müssen in den auslandsdeutschen Reisegebieten vom Verkehrsgewerbe leben. Sie im Winter aufzusuchen, ist etwas anderes als — beliebig „Geld ins Ausland tragen". Die Anhänglichkeit der Auslanddeutschen an das Reich fordert von uns Binnendeutschen praktische Solidarität. An fast allen Grenzen des Reiches liegen auslandsdeutsche Wintersportgebiete. ■ Alvatergebirge und Teßtal sind von Oberschlesien aus günstig zu erreichen. Auch in den Beskiden liegen auf der polnischen und tschechoslowakischen Seite deutsche Wintersportplätze. Jenseits der Westgrenze der Grafschaft Glatz erstreckt sich das deutschbesiedelte Mlergebirge in 800 bis 1000 Meter Höhe. Mit seinen runden Kuppen ist das Mlergebirge für Ski und Rodel gleich gut geeignet. Gute deutsche Pensionen und Hotels finden sich an vielen Orten. Riesen- und Jsergebirge sind von jeher auch auf der böhmischen Seite von Reichsdeutschen gern besucht. Die überwiegende Mehrzahl aller Bauden ist auch heute noch deutsch und wird es bleiben, wenn — die Reichsdeutschen wiederkommen. Riesen- und Jsergebirge sind beiderseits der Staatsgrenze einheitlich deutsches Erholungsgebiet. Daß auch das böhmische Erzgebirge beiderseits der Grenze von Volksgenossen bewohnt ist, wissen oft nur die Grenzbewohner. Auch der Böhmerwald ist jenseits der Grenzpfähle so deutsch wie die bayerische Ostmark. Für den Wintersport kommen hier fast alle deutschen Ortschaften in Frage, in denen man sich wohlfühlen kann und außerordentlich billig lebt. Weiter im Osten liegt eine interessante deutsche Winterlandschaft am Südabhang der Hohen Tatra, die Ober- und Unterzips. Wem Zeit und Geldbeutel eine längere Winter- reife gestatten, der findet in Siebenbürgen an den Abhängen der Transsylvanischen Alpen eine einzigartige deutsche Wintersporterholung. Südtirols Ruf als W'ute "sportgebiet bedarf keiner besonderen Erwähn mg. Wohl aber ist zu sagen, daß man auch heute unbekümmert die Südtiroler deutschen Häuser aufsuchen kann und daß von Einschränkungen wegen der Sanktionen nichts zu spüren ist. Der Reichsdeutsche, der nach Südtirol fährt, soll darauf achten, daß er fein Geld in deutschen Häusern ausgibt. Der VDA. hat in seiner Bundeszeitschrift „Der Volksdeutsche" ausführlich beschrieben, wie man am günstigsten in die hier genannten Gebiete reift tzr ist jederzeit zu Auskünften bereit. Kommunalpolitische Tagung in AlSseld. Alsfeld, 25. Jan. Hier fand im Gasthaus „Vaterland" die erste Schulungstagung im neuen Jahre der Kreisabteilung Alsfeld des Deutschen Gemeindetags unter dem Vorsitz von Bürgermeister Dr. D ö l s i n g statt, an der fast alle Bürgermeister des Kreises Alsfeld teilnahmen. Erster Gegenstand der Tagesordnung war die Durchführung der Vereinheitlichung der deutschen Gemeindepotizei. Hierüber sprach Regierungsassessor Seibert (Alsfeld). Er wies auf die am 1. Januar 1936 in Kraft getretene gundfätzliche Neuregelung der Gemeindepolizei hin, auf Grund deren in den Gemeinden unter 2000 Einwohnern eine eigene Gemeindepolizei nicht mehr zulässig ist. In diesen Gemeinden wird der Polizeidienst von der Gendarmerie mit versehen. Die seitherigen Polizeidiener in den Gemeinden verbleiben in ihrem Dienst, soweit sie Beamte sind. Sie sind aber lediglich nur noch Gemeindediener, ohne polizeiliche Funktion. Auf Vorschlag des Kreisamts sollen sie die allgemein gebräuchliche Bezeichnung „Ortsdiener" erhalten. Der Redner sprach sodann über das Gaststättengesetz und die Mitwirkung der Bürgermeister in dem Konzessionsverfahren. Als wichtig wurde hervoraehoben, daß auch der Pächter einer Wirtschaft Inhaber einer förmlichen Konzession sein muß. lieber den Begriff des „Zäpfers" wurde Belehrung dahin gegeben, daß hier entscheidend fei, auf wessen Rechnung der Betrieb ausgeübt werde. Assessor Seibert sprach dann noch über das Einzelhandelsschutzgesetz. Er erläuterte dazu die hauptsächlichsten Bestimmungen und wies insbesondere darauf hin, daß auch jeder lieber« gang einer bereits betriebenen offenen Verkaufsstelle, sowie deren Verlegung in einen anderen Ortsteil genehmigungspflichtig sei. Den Bürgermeistern wurde empfohlen, bevor sie eine Anord- treffen, die Interessenten an das Kreisamt oder an die Industrie- und Handelskammer zu verweisen. Als zweiten Gegenstand der Tagesordnung behandelte dann Bürgermeister Dr. V ö l s i n g das Thema Der Finanzausgleich zwischen Reich, Ländern und Gemeinden. Einleitend wies der Vortragende darauf hin, daß es sich hier um eine schwierige Materie handele, die er nur in den hauptsächlichsten Grundzügen darlegen wolle. Dr. Völsing ging von der Entwicklung dieses Problems auf Grund der Erzberger- schen Reichsfinanzreform im Jahre 1919 aus und gab alsdann eine Darstellung des steuerlichen Heber« Weisungssystems zwischen Reich und Ländern hinsichtlich der einzelnen, nach dem Finanzausgleichgesetz in Betracht kommenden Steuerarten. Im zweiten Teile seiner Ausführungen erläuterte er den inneren Finanzausgleich zwischen Ländern und Gemeinden (Gemeindeverbänden) für das Land Hessen auf Grund des Hessischen Ausführungsgesetzes zum Finanzausgleichgesetz und erklärte das Verfahren, wie die hierfür In Betracht kommenden Steuermassen aus den Heberweisungen an das Land nach Abzug des auf das Land entfallenden Anteils geblldet werden, nämlich die Kommunalmasse, die Kreismasse und die Gemeindemasse, und wie sich aus ihnen die Anteile der Gemeinden und Gemeindeverbände im einzelnen errechnen. Im Zusammenhang mit dem Finanzausgleich hob der Vortragende die große volkswirtschaftliche Bedeutung der Reinhardtschen Steuergesetze vom 16. Oktober 1934 hervor, unter besonderem Hinweis auf das Steueranpassungsgesetz. Der Vorstand des Hochbauamtes Alsfeld, Regierungsbaurat O h e n s , behandelte in einem Vortrag die Reichszuschüsse für die Schaffung neuer Wohnungen. Er machte darauf aufmerksam, daß nach den neuen Bestimmungen für Jnstandsetzungsarbeiten Zuschüsse nicht mehr gewährt werden, sondern nur noch für Schaffung neuer Wohnungen oder Erweiterung von Wohnungen. Zur Zeit seien die vom Reiche hierfür zur Verfügung gestellten Mittel erschöpft. Anträge nach dem 1. Januar 1936 seien zwecklos. Oberstudiendirektor Dr. Hainer (Alsfeld) als Leiter der Ortsgruppe Alsfeld des Reichsluftschutzbundes sprach über die Aufgaben bei der Durchführung des Luftschutzes unter besonderer Berücksichtigung des Landes im Vergleich zu den Städten. Er bezeichnete zunächst als Hauptaufgabe die Schulung und Aufklärung der Bevölkerung über die Bedeutung des Luftschutzes, der im Zeitalter der Steigerung der Luftflotten aller Länder erhöhte Bedeutung erhalte. Die Luftschutzfrage sei in erster Linie eine Brandschutzfrage, und es gelte, in einem Ernstfälle auch hier gerüstet zu sein. Dr. Hainer bat die Bürgermeister um tatkräftige Hnterstützung der Bestrebungen des Luftschutzes. Die zweite Hauptaufgabe, die in Angriff genommen werden müsse, sei die Erbauung von Schutzräumen mit Hilfe von staatlichen Mitteln. Die arbeitsreiche und lehrreiche Tagung wurde dann von dem Vorsitzenden in der üblichen Weise geschlossen. Wittschast. Wochenbericht vom Frankfurter produktenmarkt. Auf den südwestdeutschen Getreidemärkten blieb das Angebot in Brotgetreide klein, da die Landwirtschaft wieder mehr mit Feldarbeiten beschäftigt ist, außerdem erst allmählich die letzten Kontingentsmarken erhält. Die Mühlen nahmen das herausgekommene Weizen angebot schlank auf, bewilligten dabei auch eine erhöhte Handelsspanne bis zu 5 Mk. Am Oberrhein lag ein nicht unbeträchtliches Angebot aus Norddeutschland vor, die Mühlen begehrten aber nur bessere Qualitäten. Das Weizenmehl geschäst verlief stetig. In Roggen sind die Zufuhren weiter zurückaegan- gen. Während die größeren Mühlen sich hauptsächlich mit norddeutschem Roggen auf dem Wasserwege versorgen können, sind die Landmühlen bestrebt, ihre Vorräte noch möglichst aus der näheren Umgebung aufzufüllen, da der Bezug aus Nord- deutschlano für sie zur Zeit noch nicht rentiert. Das Roggenmehl geschäft ist im Rahmen der seitherigen Entwicklung normal verlaufen. In Braugerste geht das Geschäft mehr und mehr seinem völligen Abschluß entgegen. Die Brauereien treten kaum mehr als Käufer auf, da sie sich vielfach mit Malz versorgen: auch die Mälzereien nehmen Eindeckungen nur sehr zögernd vor und bevorzugen dabei noch die besten Qualitäten, die aus unserem Gebiete angeboten sind. Infolgedessen sind die Preise der verstärkt angebotenen norddeutschen Herkünfte zurückgegangen. Auch I n - dustriegerste ist nicht mehr so begehrt, um so mehr als auch das Angebot aus Norddeutschland zugenommen yctt. Futter gerste ist dagegen nicht angeboten, wird aber dringend gesucht. In Hafer mangelt es an Ware, so daß die Versorgung des nächsten Bedarfes immer nur zögernd erfolgen kann. In Futtermitteln wird der Markt genügend aus Zuteilungen von Oelkuchen durch die RfG. versorgt. Auch Schnitzel werden zugewiesen, aber in Kleie ist die Versorgung völlig unbefriedigend, da die Bezugsmöglichkeiten vom Ober- und Niederrhein zur Zeit völlig abgeschnitten sind. Am R a u h f u 11 e r markt ist die Haltung für Stroh stetig, während Heu bei kleinen Hmsätzen eine weitere Ermäßigung auf 8,50 (8,50 bis 8,75) erfuhr. Wochenbericht vom Frankfurter Schkachtviebniarkt. Der Frankfurter Schlachtviehmarkt zeigte in dieser Woche fast durchweg geringere Zufuhren. Da aber der Fleischbedarf im Januar uno in gewissem Maße auch im Februar immer wesentlich geringer als zu anderen Zeiten ist, reichten die Auftriebe für die Nachfrage völlig aus, zumal auch die Qualität im ganzen gut war. Soweit sie den Anforderungen nicht entsprach, kam dies preismäßig deutlich zum Ausdruck. Am Großviehmarkt blieben die vorwöchigen Notierungen im wesentlichen bestehen, Bullen befestigten sich noch etwas auf 42 bis 43 (40 bis 43), dagegen ließen Kühe 1 bis 2 Mark nach, und auch geringe Ochsen und Färsen waren schwächer, so die Klasse d) mit 35 bis 42 (40 bis 43) bzw. mit 38 bis 42 (40 bis 43). Geringe Kühe tarnen nicht zur Notiz. Die Zufuhr von 923 (1156) Tieren wurde geräumt, nur in geringen Kühen verblieb Ueberftanb. Dem Markt standen außerdem 71 la österreichische Rinder zur Verfügung, die über den Höchstpreisen abgesetzt werden konnten. Am Schweinemarkt beträgt die Versorgung zur Zeit 85 v. H. im Vergleich zum Vorjahr. Der Auftrieb betrug 3582 (3185) Stück und konnte zu den geltenden Höchstpreisen reichlich verteilt werden. Die Qualität war weiter etwas verbessert. Am Kälbermarkt ergab sich Ende der Woche ein erneuter Rückschlag, der besonders bei mittleren und geringen Tieren die Preise merklich ermäßigte, beste Qualitäten konnten sich dagegen ziemlich be- haupten. Der Bedarf nach Kalbfleisch ist .zur Zett besonders schwach, die Zufuhr von 1230 (1331) Tieren konnte nur mit Mühe geräumt werden. Die Notiz stellte sich auf 24 bis 68 gegeni 29 bis 68Mk. Am Schafmarkt erhielt sich die gute Nachfrage, so daß die weiter etwas verringerte Zufuhr 144 gegen 185) bei lebhaftem G-ftchaft und um 2 bis 3 Mark höheren Preisen ausverkauft wurde. Oie Zndustrie- und Handelskammer Gießen gibt Auskunft: 66: Neubestimmungen über die Bezahlung von UN- garischen Warenschulden an das Ausland in 67: Polnische Vorschriften zur Heberwachung des deutsch-polnischen Warenverkehrs. 68: Bekanntmachung X? 93 der Heberwachungsstelle für unedle Metalle betr. Kurspreise. 69s Postanweisungen nach Fmnland. 70: Sonderzug zur Leipziger Messe am 29. 2.1936. Gießen ab 12.13 Hhr, Leipzig an 18.12 Hhr. Fahrpreisermäßigung für einfache Fahrt 50 vom Hundert für Hin- und Rückfahrt je 40 v. H. 71: Die Verwertung von Reichsbankanteilen und deren Erträgnisse durch Auswanderer. 72; Nachweise über die Eigenverarbeitung von Gold. — Erleichterungen für den Erwerb von Gold durch Zahnärzte und Dentisten. 73: Bekanntmachung K? 94 der Heberwachungsstelle für unedle Metalle betr. Kurspreise. Durch Sparen zum Eiaenheim. Zu Jahresbeginn pflegen die Menschen rückschauend sich über das im vergangenen Jahre Geleistete und Erreichte Rechenschaft abzulegen. Dabei werden viele Volksgenossen zu der Feststellung gelangen, daß manche Wünsche noch unerfüllt sind. Um ihre Verwirklichung herbeizuführen oder in greifbare Nähe zu rücken, wird im kommenden Jahre weitere unablässige Arbeit und auch manches Opfer notwendig sein. Zahlreiche deutsche Volksgenossen haben den sehnlichen Wunsch, mit ihren Familien im eigenen Heim und Garten zu leben. Sie werden daher, angeregt durch die vielen Maßnahmen der Reichsreaierung zur Förderung des Eigenheimgcdankens, sich mit dem Plan der Errichtung eines Eigenheims befassen. Schwierigkeiten werden immer wieder bei der Finanzierung auftreten: denn bei aller Unterstützung und Erleichterung dieser Bestrebungen ist eine gewisse finanzielle Basis, über die der angehende Bauherr verfügen muß, unerläßlich. Dieser Grundstock kann in den meisten Fällen nur durch zähe Sparsamkeit gebildet werden. Die fleißige Spartätigkeit stellt im übrigen bei der später notwendig werdenden Dar« lehnsgewährung durch Kreditinstitute einen nicht zu übersehenden Faktor für die Beurteilung der Kreditwürdigkeit bar. Wer ein Heim auf eigener Scholle erstrebt, um seiner Familie eine sichere Lebensgrundlage und seinen Kindern eine Heimat zugeben, muß also sparen. Das Sparen wird erleichtert durch die stete Dienstbereitschaft der deutschen Sparkassen, die gerade auf dem Gebiete der Wohnungsbaufinanzierung auf langjährige Erfahrungen zurückblicken können. * Bereits 98 v. H. auf die Reichsbahnschatzanweisungen eingezahlt. Wie der DHD. hört, sind bis zum ersten Pflichtzahlungstag, dem 24. 1. 1936, auf die begebenen 500 Mill. RM. 4,5proz. Reichsbahnschatzanweisungen von 1936 bereits über 490 Mill. RM., das sind 98 v. H., eingezahlt worden. Hhein-Mainische Börse. 3m Verlauf fester. Frankfurt a. M., 25. Jan. Die Börse lag am Wochenschluß sehr ruhig, da Aufträge nur in geringem Maße Vorlagen und auch die Kulisse Zurückhaltung zeigte. Am Aktienmarkt ergaben sich unter dem Eindruck des Rückganges des Reichsbank-Anteils auf 182,50 bis 181 (184,65) auf die neue Anordnung über die Verwertung des Anteils durch Auswanderer meist leichte Abschwä« chungen um Bruchteile eines Prozentes. Trotzdem war die Grundtendenz nicht unerfreulich, da der Krupp-Abschluß trotz der Dividendenlosigkeit angesichts der flüssigen Bilanz etwas ^nregte, außerdem die Börse in Erwartung eines günstigen Ergebnisses der Sitzung bei Siemens bleibt und auch für die Aktien der Verein. Stahlwerke mit einer Ausschüttung rechnet. Montanwerte blieben daher auch durchweg gut gehalten, nur Klöckner bröckelten 0,40 v. H. ab. Don chemischen Papieren eröffneten IG. Farben mit 150,75 (151), Deutsche Erdöl mit 107,50 (107,75) und Th. Goldschmidt mit 111,25 (110,50). Am Elektromarkt lagen Siemens noch mäßig fester mit 176,65 (176), dagegen büßten Schuckert 1,25 v. H. auf 128 ein, die übrigen Werte blieben etwa behauptet. Maschinen- und Motoren- aktien wichen nach beiden Seiten nur um Prozentbruchteile ab. Sonst setzten im einzelnen u. a. ein: Deutsche Linoleum 146,75 (145,50), Allg. ^kal8r Westdeutsche Kaufhof 32,50 (32,90). Der Rentenmarkt war fast ohne Geschäft und kursmäßig kaum verändert. Altbesitz 109,65 (109,75), Kommunal-Hmschuldung ca 87,13 (87,20) Zinsoergütungsscheine 92,90 (unv.) und fp e Schuldbuchforderungen uno. 96,40, sowie 6 v. H. Verein. Stahlwerke 103,40 (103,50). Im Verlauf wurde die Haltung, vom Montanmarkt ausgehend, überwiegend fester, da Rückkäufe und Deckungen erfolgten. Bei etwas größerer Hm- satztätigkett lagen die zweiten Kurse etwa 0,25 bis 0,50 vH. über dem Anfang. Lebhafter waren IG. Farben mit 151 nach 150,75, ©taljlDerein mit 79,50 nach 78,75, Hoesch mit 88,50 nach 88 außer- dem stiegen Goldschmidt auf 112,50, AG. für Verkehr auf 104,25, Schlickert auf 128,75, Kaufhof auf 32,75, Deutsche Erdöl auf 108,25, Hapag auf 16 nach 15,50. Auch Reichsbank konnten sich mastig erholen auf 182 nach 181. Der Rentenmarkt blieb sehr still und unverändert. Am Pfandbriefmarkt ergaben sich nur bei einigen ßiquibationspfanbbriefen geringfügige Abweichungen, Stadtanleihen notierten zumeist unverändert, teilweise 0,25 bis 0,50 v. H. höher. Im übrigen lagen Renten sehr still. Ausländsanleihen waren nahezu geschäftslvs. — Tagesgeld unverändert 2,50 v. H. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 27. Jan. (Dorbericht.) Um 10 Hhr war folgende Marktlage: Doraustrieb: 689 Rinder, davon 32 Auslandsrinder, (141 Ochsen, 45 Bullen, 388 Kühe, 115 Färsen), 409 Kälber, 58 Schafe, 2983 Schweine. Es kosteten: Rinder: Ochsen 40 bis 43 Mark, Bullen 43, Kühe 25 bis 43, Färsen (Kalbinnen) 40 bis 43, Kälber 30 bis 68, Hämmel 47 ths 51, Schweine 51 bis 57 Mark. — Marktver- lauf: Rinder sehr lebhaft, Kälber, Hämmel, Schafe mittelmäßig. Schweine wurden zugeteilt. Landwirte verurteilt. Wegen Verstoßes gegen die Vlilchlieferungspfticht. LPD. Limburg, 24. Jan. Vor dem Amts- gericht in Limburg hatten sich elf Landwirte aus der Kreisgemeinde Niederbrechen wegen Vergehens gegen die Verordnung über den Zusammenschluß der deutschen Milchwirtschaft vom 27. März 1934 zu verantworten. Trotz wiederholter Aufkläruna durch den Milchversorgungsverband, die - Gemeindebehörde und die Presse hatten die Landwirte die über den eigenen Bedarf hinaus erzeugte Milch verbuttert und die Butter verkauft sowie teilweise auch Trinkmilch an Verbraucher direkt abgesetzt. Die Angeklagten versuchten sich damit zu entlasten, daß ihnen die Bestimmungen über die Milchlieferungsstflicht nicht genügend bekannt gewesen seien. Das Gericht stellte jedoch fest, daß allen An- , geklagten die durch den Milchversorgungsverband angeordnete Milchlieferungspflicht bekannt war und verurteilte die Angeklagten zu Geldstrafen von 10 bis 40 Mark. Damit hat sich auch das Amtsgericht Limburg der bereits von anderen Gerichten vertretenen Auffassung angeschlossen, daß nach Anordnung der Milchpflichtlieferung durch den Milch- versorgungsverband das Inverkehrbringen von selbsterzeugter Butter und von Trinkmilch gesetzlich unzulässig ist und neben der Verhängung von Ord- nungsftrafen durch den Milchversorgungsverband auch durch das Gericht bestraft werden könne. Rundfunkprogromm. Dienstag, 28. Januar. 6 Hhr: Choral: O daß doch bald dein Feuer brennte. Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Früh- konzert. In der Pause, 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 10.15: Schulfunk. 11: Nachrichten. 11.30: Bauernfunk. 11.45: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert I. 13: Nachrichten. Anschließend: Nachrichten aus dem Sendebezirk — Schneebericht. 13.15: Mittagskonzert II. 14: Nachrichten. 14.10: Allerlei von Zwei bis Drei. 15: Wirtschaftsbericht. 15.15: Die deutsche Frau. Rund um die Ofenbank. Hörfolge. 16: Nachmittagskonzert. Aus Hessens musikalischer Vergangenheit. Ein Hauskonzert bei Rat Goethe. 16.50: Das Musikkorps der Leibstandarte Adolf Hitler spielt. 17.30: Im Dienste der Volksgesundheit. Eine Hörfolge. 18: Musik ^um Feierabend. 19.50: Die olympischen Winterdisziplinen und ihre Wertung. 20: Nachrichten. 20.10: „Sanssouci". Ein König musiziert. Hörbild. 21.10: Richard Strauß, sein sinfonisches Schaffen (II). Symphonische Fantasie Werk io „Aus Italien". 22.15: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 22.20: Kleine Abendmusik. 23: Hnterhaltungs- und Volksmusik. 24 bis 2: Nachtmusik. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. 150,9 150,9 4| 7 81 95 951 124 - I 128 | - 95 27 27 199 I 198,75 7 9 5 8 94,75 124 128 96,25 145,5 5 5 0 98,75 55,25 90,75 118,13 82,5 120,9 96,75 145,5 77,75 112,75 120,25 117,5 54,75 91,25 118,5 82 151 215 110,5 120,75 117 55 90,25 118,5 82,5 32,9 282 173 163,25 151 213,75 112,75 120,25 117,9 110,75 120,25 117,5 96 146,75 98,75 55 91,4 118,65 82 121,5 96,5 146 78,5 32,65 283,5 172 165,5 32,65 283,5 172,5 165 ©rüjnet_____ mafntiafttoerte Höchst a.M. Süddeutscher Zucker...... 32,5 283,5 172 163,5 I G ffarben.Industrie Schetdeanstalt........ Goldschmidt ......... RütgerSwerke ........ Metallgesellschaft...... Schulthett Patzenhofer .......4 Wu (Allgemeine Kunstseide) .. 0 . 0 . 8 . 0 . 0 7'/. Bembcrg.......... Zellstoff Waldhof .... Zellstoss Aschaffenburg Dessauer Ga4 ....... Daimler Motoren.... Deutsche Linoleum... vrenstetn & Koppel .. Westdeutsche Kaufhof. Thade ............. Accumulaloren.Fabrst Conti-Gummi “I 101 Lrankfurt a. M. Berlin Schluß- kurs Schlußl. Abend« börse Schluß« kurs Schlußk. Mittag- börse Datum 24-1 25-1 24.1- 25 1 Man-felder Bergbau .. ......5 125,5 125,5 125,75 125,5 Kokswerke........... ......8 —— — 119,25 119,25 Rheinische Braunkohlen ..... 12 217,5 — 217,5 218 Rheinstahl ........... ......4 109,75 110 110 111 Bereinigte Stahlwerke. ......0 78,9 79,5 79 79,5 Ltavt Minen ........ ......0 17,5 17,5 17 5 Kaliwerke Aschersleben. ......5 127,13 126 127 Kaliwerke Westeregeln. ......5 119,5 119 119 120 Kaliwerke Salzdetfurth .....? y» 189,5 190 189,75 190 Jranriuri a. JJL -Berlin Frankfurt a.M. Berlin Schluß« kurs Schlußk. Abendbörse Schluß« kurs Schlußk. Mitlagbörse Schluß« kurs Schlußk. Abendbörse Schluß« kurs Schlußl. Mittag, börse Datum 24 1 25 1 24-1 25 1. Datum 24-1 25.1 24.1. 251 6% Deutsche Retchsanlethe v. 1927 100 4 100 5 100 5 4% vesgt. Serie 11 ............. 9,65 9,65 9,75 4% Deutsche ReichSanl. von 1934 97,75 97,9 97,75 97,9 6% Rumän. veretnh. Rente v. 1903 6,55 6,5 — 6%% Doung-Anleihe von 1930 .. 102,75 102,75 4y,%Rumön.vercinh.Rentev.l91S 9,1 9,13 9,13 9,05 Deutsche Anl.-Ablös.«Schuld mit 4% Rumänische veretnh. Rente .. 5,2 5,2 5,25 5,25 AuSlos.-Rechten ............. 109,75 109,65 109,75 s y.% Anatolier .............. 37,5 37,5 37,5 38 4*/i% Deutsche RetchSpostschatzaw Weisungen von 1934. I....... 6% e^cm.8% Hess. Bolksstaat 1929 99,9 99,9 99,9 100 Hamburg-Smerika-Paket .....0 15,25 16,25 15,4 15,9 (rückzahlb. 102%)............ Hamburg-Südam. Dampfschiff . 0 — ——- 27,25 —— 4%% ehem.8% Hessische Lande»- Norddeutscher Lloyd .........0 16,75 17,65 16,9 17,25 banl Darmstadt Gold R. 12.... 96,4 96,4 _ 96,4 A G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 103 —— 103 104,25 6K% ehcm. 4^% Hess. Lande-. Berliner Handelsgesellschaft ... 6 116,5 115 115,5 115,25 Hypothekenbank DarmstadtLiaui 101,4 101,4 — — Commerz, und Privat-Bank... 0 86,75 86,75 86,65 86,75 dy2% ehem. 8% Darmst. Komm. Deutsche Bank und Disconto« LandcSb.Goldschuldverschr. R.6 93 93 _ — Gesellschaft................0 85,75 85,5 85,75 85,5 Oberhessen Provinz-Anleihe mit Dresdner Baak............ 0 86 86 86 86 Auslos.-Rechten ............. Reichsbank ....... W 184,65 182 184,75 182,25 Deutsche Komm. Cammelabl. An- leihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten 113,75 113,5 113,75 113,7 4%% ehem.8% Franks. Hyp.-Bank AS.»......................0 36,65 36,75 36,5 36,65 'Betula................ ... io 138,5 i 38,5 138,65 138,5 5Yi% ehem. 4VZ% Franks. Hyp. Elektr. LteferungSgeselltchaft... 6 115,5 115,5 115,25 114,65 Bank-Ltgu.»Pfandbriefe....... Licht und Kraft ........... ßy. <30,5 130,5 130,5 130 k»y,% ehem. 4 y,% Rheinische Felten & Guilleaume......... 4 111,5 112,25 112,13 112,9 Hyp.-Bank-Ltqu.-Goldpse..... 101,5 101,5 101,65 101,75 Gesellsch.f.Elektr.Unternehmung. 6 128,25 128,5 128,25 129 4%% ehem. 8% Pr. Landespfand- Rheinische Elektrizität .......6 129,25 130 128,25 130 briefanstalt, Pfandbriefe R. 19 97 97 97 97 Rhein. Wests. Elektr..........g 126,75 126,75 126,75 126,25 4y»% ehcm. 7% Pr. Landespfand« Schuckert L Co...............4 129,25 128,75 129,65 128,75 briesanst., Gold Komm. DDi.v 97 97 97 97 Siemens L Halske............7 176 176,65 176 175,5 Steuergutsch.BerrechnungSk. 34-38 108,4 108,5 108,5 108,5 Lahmeoer LEo..............7 125,5 125,25 125,5 125 4% r:esterretch1iche Goldrente... 30 30 _ _ Buderur ................... 4 96 96,95 96,5 96,75 4 20% Lesterretchische Stlberrente 1,2 1,2 1,25 1,25 Deutsche Erdöl ..............4 107,75 108,13 108.13 107,9 ,95 8,9 8,95 8,9 Harpener...................0 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 8,9 8,8 8,9 8,75 Hoesch Elsen—Köln-Reuessea .. 8 88 *88 " 88 88,13 8,9 8,9 9 8,9 Ilse Bergbau ............... t _ 6% abgest. Goldmexikaner von 99 13,5 13,5 13,4 Ilse Bergbau Genüsse........fl 128,5 128,5 129 129 4% Türkische Bagdadbahn-Anlethe Klöcknerwerke ............... 84 84,5 84 84,4 Serie 1..................... 9,65 9,65 — Mannes mann-Röhreu........0 82,5 83,25 82,65 83,25 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt O.2IL 24.Januar 25.Januar Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld I »rief Geld ' Brief Buenos Atre 0,676 0,680 0,676 0,680 Brüssel .... 41,95 42,03 41,98 42,06 Rio de Jan. 0,136 0,138 0,138 0,140 Sosia ...... 3,047 3,053 3,047 3,053 Kopenhagen. 54,87 54,97 54,91 55,01 Danzig..... 46,80 46,90 46,80 46,90 London ..... 12,285 12,315 12,295 12,325 HelstngsorS.. 5,415 5,425 5,42 5,43 Paris ...... 16,375 16,415 16,375 16,415 Holland .... 168,58 168,92 168,63 168,97 Italien..... 19,85 19,89 19,85 19,89 Japan ...... 0,718 0,720 0,718 0,720 Jugoslawien 5,654 5,666 5,654 5,666 OSlo..... : BI, 69 61,81 61,74 61,86 Wien....... ^48,95 48 95 Lissabon.... 11,15 11J7 11,15 11,17 Stockholm... 63,34 63,46 63,39 63,51 Schweiz ... 80,74 80,90 80,73 80,89 spanten... 33,93 33,99 33,93 33,99 Prag....... 10,275 10,295 10,275 10,295 Budapest ... — Reuyork ... 2,466 2,470 2,461 2,465 Vanknoten • Berlin, 25 Januar Geld Artei Amerikanische Roten.............. Belgische Noten.................. Dänische Noten ................. Englische Noten ............. ... Französische Noten............... Holländische Noten............... Italienische Noten................ Norwegische Noten .............. Deutsch Oesterreich, 4 100 Schilling Rumänische Noten............... Schwedische Noten............... 2,413 41,84 54,70 12,26 16,325 168,21 61,58 63,22 80,55 33,57 2,433 42,00 54,92 12,30 16,385 168,89 61,82 63,48 80,87 33,71 Schweizer Noten................. Spanische Noten................. Ungarische Noten................ , späte 3 v.h. •103, ö> und äeto .109,65 iontan, tftaufe !E Um. bis waren E'n mit „außer, ur Der. M auf auf 16 woßig nverän. aur bei ‘He Ab- ist um '«■ 3m mleihen unver- W Um leb: 689 chsen, 45 über, 58 >' Achsen *- Färsen Hümmel tertlner« , Schafe lgspslichf. m Amts« dwirte n menen den Zu- «ft vom verholter boni>, die - iie Land« erzeugte ift fowie mekt ab-, damit zu über die it gewesen allen An- zsverband : war und in von 10 Mtsgericht chten oer» nach An» «n Milch' lgen von ) gesetzlich von Drd« soerband inne. n. Sein Feuer 30: Früh- .10: Sym- en. 1130: Rittagston- Nachrichten [3.15: Mit- [derlei von 15.15: Die !. Hörfolge, nusikalifcher lat Goethe. barte Adolf Zolksgefund' Feierabend, n und ihre rfouci". Em ib Strauß, nifche W Nachrichten lbendmusik. 24 bis 2: 2,46$ ■*o> 42,06 0,140 3,053 SA 'Ä 16,415 168,97 19,89 ,720 5,66 61-86 49, 5 11,11 63,5 80,89 33.99 10,295 54,92 2,30 16385 168,89 61^ nr.22 Dritter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefien) Montag, 27. Zanuar 1936 Gießener Schützen feiern Wiedersehen. Eine eindrucksvolle Feier des Ergänzungs-Bataillons 53. Die alte Soldatenftabt Gießen, in der vielerlei Feiern alter Soldaten eine würdige Tradition geschaffen haben, war am Samstag wiederum der Platz eines Soldaten-Treffens, wie man es sich schöner und würdiger der Tradition nicht denken kann. Die kameradschaftliche Verbundenheit der Männer, die einst Träger des Ehrenkleides des deutschen Soldaten gewesen waren, mit den Kameraden, die im aktiven Dienst unter der Waffe dem deutschen Volke dienen, und der gleichgerichtete, prächtige Geist der Wehrfreudigkeit fänden bei dieser Veranstaltung wiederum überaus beredten Ausdruck. Es handelte sich diesmal um eine Wied erseh e n s f e i e r der einstigen und der aktiven Soldaten des Ergänzungs-Bataillons 5 3, die im Rahmen der gemeinsamen festlich-frohen Stunden Rückschau halten wollten auf ihre schöne und freudig erfüllte Soldatenzeit während des Jahres 1935, die aber auch darüber hinaus das Band der treuen kameradschaftlichen leidigen zu können, habe der Führer und Reichskanzler dem deutschen Volke die Wehrhoheit wiedergegeben. Der Redner lenkte sodann die Aufmerksamkeit seiner Hörer auf die beiden weltgeschichtlichen Januartage: den 18. Januar 1871 als Tag der Reichsgründung in Versailles und den 30. Januar 1933 als Tag der Machtübernahme durch den Führer. Jenem 18. Januar 1871 habe ein junger Leutnant beigewohnt, der nach einem Menschenalter, über ein halbes Jahrhundert später, die feste Säule unseres Volkes wurde, nachdem er im Weltkrieg größten Ruhm um das deutsche Volk erworben hatte. Dieser Mann, unser Feldmarschall v. Hindenburg, war der Mittler zwischen der alten und der neuen Zeit, und er konnte ruhig seine Augen schließen, nachdem er am 30. Januar 1933 dem Herold des neuen Deutschen Reiches, dem Führer Adolf Hitler, die Macht und die Verantwortung für dieses Reich übergeben hatte. Wir hätten nun das Vorrecht von der Geschichte erhalten, am Aufbau des NUS < . i N i, 4 tz Huldigung und Treugelöbnis für den Führer im Anschluß an das lebende Bild „Volk ans Gewehr": Der Bataillonskommandeur Major Junker bei seinen Huldigungsworten unmittelbar vor dem Sieg-Heil. Zusammengehörigkeit für die Zeit des Lebens und Wirkens nach der Dienstpflicht noch fester knüpfen und in seiner Wirkung vertiefen wollten. Wer .leuge dieser Wiedersehensfeier der alten mit den ungen Soldaten gewesen ist, wird bestätigen müs- en, daß der hohe ideelle Zweck dieses Treffens in vollem Ausmaß erreicht wurde und die gemeinsame freudige Hingabe an den Dienst unter der Waffe zum Nutzen des deutschen Volkes eine wei- irre, sehr erfreuliche Steigerung erfahren hat. Den Anstatt M Wiederfehensfeier lildete der Marsch der ehemaligen und der aktiven Kameraden des Ergänzungs-Bataillons 53 von der Unterkunft in der Gailschen Fabrik nach der Volkssalle. Um 19 Uhr marschierten die Kameraden von ter Gailschen Fabrik ab. An der Spitze schritten in löschlossenem Verband in Dreier-Reihen die einstigen Angehörigen des Bataillons in ihrem Zivilkleid, ober mit strammem, militärischem Schritt. Dann stlgten, die Musik des Bataillons voraus, unter Führung von Hauptmann Ritter, die aktiven Kompanien in schneidigem Marsch. Die Truppe durchschritt von der Gailschen Fabrik aus den kchifsenberger Weg, die Gnauthstraße, die Bleich- s'raße, Hindenburgwall, Seltersweg, Kreuzplatz, konnenstraße, Neuen Bäue, Gartenstraße, Ludwigs- patz und Kaiserallee zur Volkshalle, vor der der bataillonskommandeur, Major Junker, den Vor- brimarsch feiner Männer abnahm. 3n her Volkshalle. Schon geraume Zeit vor der Ankunft des Bataillons hatten in der Volkshalle viele Angehörige und Freunde der ehemaligen und der aktiven Soldaten dieser Formation, ferner eine Anzahl geladener Gäste sich eingefunden. Nach dem Einrücken der Marschierer und dem anhaltenden weiteren Zustrom oon Besuchern aus allen Kreisen der Bevölkerung mar die Volkshalle im Handumdrehen besetzt. Die mue Reichskriegsflagge und zahlreiche Hakenkreuz- jcchnen als Hoheitszeichen des Reiches gaben der Lalkshalle einen würdigen Schmuck. um diesen Frieden zu erhalten und das Land ver- Dritten Reiche^ mithelfen zu dürfen und den Geist pflegen zu können, den der Führer vollstrecke und uns vorlebe: den Geist der Volksgemeinschaft. Sodann begrüßte der Bataillonskommandeur zahlreiche Gäste, darunter den Vertreter des am Erscheinen verhinderten Kommandierenden Generals, Oberst Hüter — der Divisionskommandeur Generalleutnant Lüdke war zu seinem Bedauern ebenfalls am Erscheinen verhindert und hatte dem Bataillon seine Grüße mit Worten der Anerkennung schriftlich übermittelt —, ferner den Kommandeur des Infanterie-Regiments 36, Oberst V i e r o w , der dem Bataillon immer in großzügiger Weife zur Seite stand, weiter die Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften; als Vertreter des Reichsstatthalters Gauleiter Sprenger begrüßte er herzlich den Gauinspektor Heyse, der auch als Schütze im E.-Bataillon gedient hatte, Oberbürgermeister Ritter, dessen großzügige Unterstützung des Bataillons bei dieser Gelegenheit besonders betont wurde, die Vertreter der übrigen Behörden, u. a. vom Kreisamt Gießen Oberregierungsrat Dr. S ch o e n h a l s , von der Universität Professor Dr. K ü st, von der Landesstelle Hessen-Nassau Gauamtsleiter Lehr, den Vertreter der Gauleitung von Koblenz, Vertreter aller Gliederungen der Partei, als Vertreter der alten Armee Generalmajor a. D. Gros, ferner Dr. Gail als Eigentümer des Gebäudes der Bataillonsunterkunft. Hierauf wandte sich Major Junker an feine Soldaten, zu denen er u. a. sagte: Euch Schützen gehört der heutige Abend, lieber euer Wirken wurde am heutigen Samstag in den beiden hiesigen Zeitungen geschrieben. Ihr seid freiwillig zum Bataillon gekommen, weil ihr es nicht ertrugt, zehn Jahre zu spät geboren zu sein und nun wehrfähig werden wolltet. Euer Alter und euer bürgerliches Leben waren für euch kein Hindernis für den Eintritt in die Wehrmacht. Ihr seid zum großen Teil auch bereits verheiratet, und so danken wir auch eueren Frauen dafür, daß sie euch für die achtwöchige Dienstzeit ziehen ließen. Eure Vorgesetzten konnten euch auf Grund eurer Leistungen lobende Anerkennung zollen. Ihr könnt das Gefühl haben, durch euren Dienst Kampfsoldaten geworden zu sein. Ihr leistet wertvolle Mitarbeit für Deutsch- lands Wiederaufbau. Wir richten unseren Blick in die Zukunft und folgen dem Manne, der uns aus Erniedrigung und Ohnmacht den Weg gebahnt hat zu dem Ziel, das Deutschlands Größe heißt. Dafür wollen wir immer unsere Kraft einsetzen unter der Losung: Dem Führer nach für Deutsch- lands Frieden, Größe und Stärke. (Starker Beifall.) Ein eindrucksvoller Sprechchor der Schützen der 2. Kompanie „Vom Ich zum Wir", die von der Regimentsmusik ausgezeichnet gespielte Vaterlän- dische Festouvertüre und ein trefflicher Dorspruch des Schützen Humpf von der 3.Kompanie leiteten über zu den Ansprachen der Ehrengäste. Der Kommandeur des Jnf.-Regts. 36 Oberst V i e r o w wies in feiner Ansprache u. a. auf die mancherlei Schwierigkeiten hin, die beim Aufbau des E-Bataillons zu überwinden waren, betonte aber auch die große Freude, die man an den Leistungen der Truppe dank der hingebenden Tätigkeit ihrer Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften haben konnte, denen mit Recht alle Anerken- iiiing gebühre. Er rühmte weiter die gute soldatische Kameradschaft in dieser Truppe und erinnerte sodann an den großen Preußen-König Friedrich II., der als Schöpfer des besten Preußentums unsterbliche Verdienste erlangte. Dieser große König, der die höchste staatsmännische Weisheit mit dem genialen Feldherrntum in sich vereinigte, der den preußischen Pflichtbegriff schuf, der sagte: „Es ist nicht nötig, daß ich lebe, wohl aber, daß ich meine Pflicht tue", und der auch das Wort aussprach: „Ich bin der erste Diener meines Staats", soll uns allezeit ein Vorbild sein, dem wir nachstreben wollen in heißem Bemühen. Weil dieser Mann war, weil sein Werk unvergänglich ist, darum ist Preußen nicht untergegangen. Preußentum und Sozialismus sind eins. Das Gedankengut jenes Mannes führt in gerader Linie hin zu d e m Manne, der das neue Reich und die neue deutsche Wehrmacht schuf. Gauinspektor Heyse überbrachte die herzlichen Grüße und Wünsche des durch anderweitige Verpflichtungen am Erscheinen verhinderten Gauleiters und Reichsstatthalters Sprenger, von dem jedermann wisse, daß er als alter Frontoffizier für die Dinge des soldatischen Lebens immer das lebhafteste Interesse habe. Weiter sprach der Redner als früherer Angehöriger des Bataillons, in dem er als Schütze diente, als Bataillonskamerad zu seinen Kameraden, der dabei den Offizieren und Unteroffizieren des Bataillons herzlichen Dank für die militärische Ausbildung aussprach und besonders betonte, daß gerade die alten Kämpfer der Bewegung gerne und freudig ihrer militärischen Dienstpflicht genügt hätten und weiterhin ebenso freudig nachkommen werden. Der Redner wies sodann darauf hin, daß der neue Staat auf den beiden starken Säulen Wehrmacht und Partei ruhe und über beiden als oberster Befehlshaber der Führer Adolf Hitler stehe, daß in der Wehrmacht der gleiche Geist herrsche wie in der Bewegung und Wehrmacht, Partei und Volk unter der Führung Adolf Hitlers eine geschlossene, unlösliche Einheit bilden. Jeder junge deutsche Mensch könne stolz sein, in dieser Wehrmacht dienen zu dürfen, denn hier erlebe er die wahre Volksgemeinschaft der Soldaten, Arbeiter und Bauern. Oberbürgermeister Ritter, Gießen, sprach für die Garnisonstadt, zugleich auch für den verhinderten Kreisleiter der Kreise Gießen und Friedberg Dr. Hildebrand, ferner für die übrigen Vertreter der Behörden. Er betonte, daß die Stadt Gießen und ihre Bevölkerung stets mit Freude dem Bataillon zur Seite gestanden hätten und auch weiterhin helfen würden, weil sie wüßten, daß sie auch dabei an dem Werke des Führers mitarbeiten. Gießen wünsche dem Bataillon, daß es, so wie bisher, auch weiterhin in glücklicher Weise Dienst für Volk, Führer und Vaterland und damit für die gesamte Heimat leisten möge. Als Vertreter der Universität sprach Professor Dr. Küst, der dabei die innige Verbundenheit von Universität und Wehrmacht betonte und ferner begrüßte, daß in dem Bataillon auch den älteren Jahrgängen der deutschen Jugend die Möglichkeit der militärischen Ausbildung geboten sei. MdR. Dreyer, Koblenz, ebenfalls ehemaliger Schütze im Bataillon, sprach in warmen Worten von seiner Ausbildungszeit in der Truppe und von den starken Eindrücken, die er und alle feine Kameraden bei dieser Gelegenheit empfangen haben. Er rühmte weiterhin die hohen ideellen Grundlagen des deutschen Soldatentums und dankte zum Schlüsse den Offizieren, Unteroffizieren und Ausbildern des Bataillons für ihre Mühe und Arbeit mit einem von den einstigen und aktiven Kameraden Das Mufikkorps des Infanterie-Regiments 36 unter Leitung von Dbermufifmeifter Krauße eröffnete die Wiederfehensfeier mit einem schneidigen Militärmarsch, dem dann ein Sängerchor von Schützen des Bataillons unter Begleitung der Regi- msntsmufif den wuchtigen Chorgesang von Ernst Moritz Arndts Lied „Der Gott, der Eisen wachsen li-.h" folgen ließ. Oer Bataillons-Kommandeur Major Junker b-zeichnete in feiner nunmehr folgenden Eröffnungsansprache das soeben gehörte Lied als Ausdruck der c'immung dieses Abends, und er gab dabei dem sündigen Empfinden aller deutschen Männer und ö'auen darüber Ausdruck, daß unser Volk nunmehr bird) den Führer das Wehrrecht und damit die Möglichkeit zur Verteidigung der Grenzen des Va- te-lanbes wiedererhalten hat. Er wies weiter bar- yf hfti, daß der Weltkrieg auch heute noch feine uisroirfungen in unserem Volke habe und daß in ut lerer durchaus friedlichen Volksgemeinschaft fein Mensch auf den Gedanken komme, einen Krieg zu Frischen. Er erinnerte daran, daß der Führer fflbst wiederholt erklärte, daß das deutsche Volk fernen Krieg zu führen brauche, um ein neues blatt des Ruhmes zu erwerben, weil es durch die e denhafte Haltung der Armee im Kriege feine fol« Jatifcfje Ehre in vollem Umfange gewahrt habe. Dos deutsche Volk wolle den Frieden in Ehren, und Frohgestimmte Unterhaltung beim Glase Bier. U I Der Kommandeur des Infanterie-Regiments Nr. 36 Oberst V i e r o w (links) dankt dem Kommandeur des Ergänzungs-Bataillons Nr. 53 Major Junker (rechts). — (Aufnahmen [3]: Photo-Pfaff.) des Bataillons freudig aufgenommenen Sieg-Heil auf das Bataillon, dessen Kommandeur, Offiziere und Unteroffiziere. Oie Unterhaltungsdarbietungen. Von Schützen des Bataillons wurden sodann eindrucksvolle lebende Bilder mit Musikbegleitung gezeigt, und zwar „Lützows Jäger 1813", „Welt- krieg 1914/18 Araonnerwald", „Jetztzeit: Volk ans Gewehr", bei diesem letzten lebenden Bild, in dem man Wehrmacht, SA. und Arbeitsdienst in einem eindrucksvollen Aufmarsch vereint sah, gedachte, als die Formationen auf der Bühne geschlossen ftan- den, der Bataillons-Kommandeur, Major Junker, mit dankbaren Worten der Treue des Führers und Obersten Befehlshabers der Wehrmacht Adolf Hitler, dem die mit großer Begeisterung aufgenommenen dreimaligen Sieg-Heil-Rufe mit anschließendem Gesang der ersten Verse des Deutschland- liebes und bes Horst-Wessel-Liebes galten. Sodann konnte man sich an hervorragenden sportlichen Vorführungen von Schützen bes Bataillons im Bodenturnen erfreuen, ferner gelangte ein vom Photographenmeister Pfaff (Photo- Pfaff) hergestellter Film vom „Erg.-Batl. 53 im Dienst" zur Aufführung, wobei es zu zahlreichen Bekundungen der Freude und Begeisterung der ehemaligen und der aktiven Schützen kam. Die Re- gimentsmufif unter Obermusikmeister Krauße erfreute mit den gewohnten prächtigen Darbietungen, im übrigen herrschte bann für ben Rest ber Feier mancherlei gesellige Unterhaltung mit Tanz. Zusammenfassend ist zu sagen: Diese Wieder- sehensfeier verlief in allen Teilen so prächtig und zeugte von einem so hervorragenden soldatischen und kameradschaftlichen Geist in dem Ergänzungs- Bataillon 53, daß man es dazu nur beglückwünschen kann mit der Versicherung, daß diese Feier noch lange in bester Erinnerung bleiben wird. Aus der Provinzialhauptstadt. Seefisch und Gemüse. Eine der Allgemeinheit noch nicht geläufige Zusammenstellung räumt mit ber althergebrachten Sitte, zu einem Seefischgericht nur Kartoffeln mit Tunken unb Salaten zu reichen, enbgültig auf. Für bie ungerechtfertigterweise eintönig erscheinende Seefischkost gibt es heute ungeahnte Verwendungsmöglichkeiten. Die Verbindung von Seefisch unb Gemüse ist in lebet Hinsicht wertvoll. Das nach neuzeitlichen Ge- sichtspunkten x\x bereitenbe Gemüse schafft auf Grunb seines hohen Basenüberschusses einen guten Ausgleich für ben an Eiweißstoffen reichen See- fifd), währenb biefer nneberum mit feinem hochgradigen Nähr- und Sättigungswert das nährstoff- arme Gemüse ergänzt. Das läßt sich zwar auch durch Zugabe von Fleisch erreichen. Man soll aber öfter ein Seefischgericht wählen. Bekanntlich besitzt der Seefisch wichtige gesundheitliche Vorteile, die in ber überaus leichten Bekömmlichkeit unb 23er- baulichkeit bes Seefisches liegen, ber ben Magen, ohne ihn zu belasten, schnell unb gründlich verdaut, wieder verläßt, so daß er auch von Kranken gut vertragen wird. Ferner weist ber Seefisch einen hohen, Gehalt an lebenswichtigen Mineralsalzen unb Vitaminen auf. Denken wir nur an den Leber- tran ber als vitaminreichstes Probukt gilt unb aus her lieber bes Kabeljaus gewonnen wirb. Seefische enthalten auch Job, Phosphor, Kalk unb Eisen. Das mb nndjhge Stoffe für unsere Nerven unb Gehirn- jubstanzen unb für bie Knochenbilbung. Hinzu kommt noch, baß es auch kochtopf- unb pfannen- fertiges Seefischfleisch — Fischfilet — gibt, wovon ßch «ehr rasch eine Mahlzeit bereiten läßt, was be- sonders für bie berufstätige Frau wertvoll ist. Außerdem durften die preiswerten Seefische in der heutigen Zeit wo man mit geringen Mitteln eine nahrhafte Mahlzeit Herstellen will, besonders willkommen sein. - Die Zusammenstellung von Gemüse unb Fisch [teilt aber auch in geschmacklicher Beziehung eine gute Bereicherung bes Speizezettels bar. Sehr wohl- •51e“en^ fit 3- B. ein Gericht von grünen Bohnen, ni.Gt nur in ber bekannten Zusammenstellung mit cr-lJen ^ringen, fonbern mit jeglichem gebratenen Fisch. Unb gebackene Flunbern schmecken ganz ausgezeichnet zu jungen grünen Bohnen. Auch Spinat fsi nicht nur eine äußerst gefunbe, fonbern auch sehr schmackhafte Zugabe zu gebratenem, wie auch gedampftem ober gebünftetem Seefisch. Die frischen Heringe, mit reichlich Suppengrün bebecft angesetzt, ober eben gebraten, schmecken sehr belikat zu Spi- nat unb finb entschieben ben hierzu üblichen Setzeiern ober schwer oerbaulichen hartgekochten Eiern oorzuziehen. Auch bei Kohlwickeln, gefüllten Tomatefl usw. kann bie übliche Fleischfullung sehr vorteilhaft durch eine pikante Farce aus übriggeblie- Generalversammlung der Gießener Imker V an- M 193 Deutsche Sj Männern der Frauen Hilde Männerdoppel Gentien den 5 Frau Sperling, gemischten Dop sich am Tage selbst keine geeignete Zeit, so soll der Gottesdienst am Vorabend, also am 29. Januar, veranstaltet werden. Sitzung des provinzialausschuffes. In der öffentlichen Sitzung des Provinzialausschusses der Provinz Oberhessen am Samstag kamen folgende Derwaltungsstreitsachen zur Verhandlung: 1. Die Klage des Friedrich Gerl ach in Wieseck gegen den Bescheid des Kreisamts Gießen vom 11. November 1936 wegen Versagung des Wandergewerbescheines wurde als unbegründet kostenpflichtig abgewiesen. 2. Die von der Schäfereigenossenschaft Heinrich Erbes und zehn andere in Bollnbach erhobene Klage gegen den Ratsbeschluß der Gemeinde Saasen vom 26. November 1934 wegen Gründung einer Gemeindeschäserei wurde unter Aufhebung des Urteils des Kreisausschusses des Kreises Gießen vom 19. März 1935 kostenpflichtig unter Zugrundelegung eines Streitwertes von 2000 Mark abgewiesen. 3. Auf die Berufung der Gemeinde Mainzlar gegen das Urteil des Kreisausschusses des Kreises Gießen vom 24. April 1935 wurde der Einspruch des Polizeidieners Heinrich Vogel VI. in Mainzlar gegen den Voranschlag der Gemeinde Mainzlar für 1934 Rj. unter Aufhebung vorgenannten Urteils und Belastung des Einsprucherhebers mit den Kosten beider Instanzen abgewiesen. 3. Der Juliane Beck in Gelnhaar wurde auf ihre Klage gegen den Bescheid des Kreisamts Büdingen vom 4. Juli 1935 die nacbgesuchte Erlaub- Oers Die neuen Hs Deutsche N den bei den in bei den Männe, imb bei den; bau 04. Die Öhjmpi wohlbehalten bis Sonntag wo sie für wird. Für t von Potsdam Die fast 600 dauerte neun Vorbildlicher „Hamlet". Die neue Inszenierung am Berliner Gtaatstheater. Die „H a m l e t"-Aufführung, seit Monaten Wer ist die Braut? Bei einer großen Hochzeitsgesellschaft in England ist kürzlich von den Hochzeitsgästen fast gleichzeitig die erstaunte Frage gestellt worden: „Wer von den Anwesenden ist denn nun eigentlich die Braut?", Brautjungfer und Braut waren nämlich Zwillinge, und sie sahen einander zum Verwechseln ähnlich; da sie überdies fast gleiche Kleider trugen, so wußte kaum jemand, welches Betty und welches ihre Schwester war. Die einzigen, die nicht mit ihrer Ansicht ins Wanken gerieten, waren der Pastor und der Bräutigam, und gerade auf diese beiden kam es entscheidend an. So wurde denn die richtige Braut glücklich vermählt und von nun an, so versichert man, soll es mit den Verwechselungen zu Ende sein; denn nun trennen sich die Lebenswege der beiden Schwestern. Zudem werden sie in Zukunft wohl auch nicht mehr gleichgekleidet sein. Oie Nacht am Waterberg. Von Marie Jetta. Die Verfasserin hat ihre Kindheit und Jugend in Deutsch-Südwest-Afrika verlebt und ist noch heute dort ansässig. Stunden ziehen wir durch grauen, dornigen, niedrigen Busch. Dor uns das Vieh, und dann wir, zwei kleine Menschen auf müden Pferden. Stunden? Nein, seit Tagen, seit einer Woche ziehen wir so, und Tage, vielleicht Wochen geht es noch weiter, fremde Wege, fremde Farmen, fremde Menschen, aber eins bleibt gleich: das Land, auf das wir treten. Es bleibt immer unser Land, in dem wir sind, jetzt und immer. Unsere Körper, unsere Seelen sind mit dieser Erde verwachsen, alles ist wie ein Ganzes; gehört zusammen, wie von Gott gewollt. Viel habe ich gesehen von diesem Land, das ich Heimat nenne, und es ist ein heiliges Wort; Steine und Wüste, Land und Berge, grausame Dürre und grüne, lebende Erde. Ich kann noch nicht satt werden, jedes Neue, jedes Alte erfüllt mich neu, wie ein ersehntes Geschenk. Aber heute ist es noch anders als sonst. Vor uns blitzt ab und zu das Wellblechdach eines Hauses in der grellen Sonne und jedesmal, wenn ich es sehe, werde ich unaufmerksam und zerstreut, tiefes Sinnen nimmt mich gefangen, und ich weiß nicht mehr, was ich fühle: Neugierde, Angst, Schmerz, oder Andacht. Dort, wo das Haus durch die Berge sieht, liegt der erste deutsche Soldatenfriedhof, den ich sehen soll: Wo Menschen liegen, unseres Blutes und unserer Sprache, die für dieses Land starben, das ich so liebe. Dann sind wir da, durch die wenigen Bäume kann man eine weiße Mauer sehen und irgendein dummes Gefühl schnürt mir den Hals ab. Ich will das Vieh mittreiben und mache nur Unsinn. Reite sinnlos hin und her, treibe hier an und schlage dort mit der Peitsche hin, bis es glücklich durch meine Dummheit so weit ist, daß die Rinder direkt auf dieses geweihte Stückchen Erde zulaufen und wir durch laute Rufe und Peitschenknallen die Stille der Toten stören müssen. In der Nähe des Kraales, in dem unser Vieh schläft, brennt unser Lagerfeuer. Frierend machen wir unsere Decken zurecht und legen uns hin. Nun ist jeder mit sich ganz allein, kein Tier läuft von der Pad, kein Pferd stolpert, kein Dorn zerreißt die Haut, Ruhe, liebe, gute afrikanische Nachtruhe. Leise flackert das Feuer, dumpf und dröhnend hört sich das Hoppeln der gefesselten Pferde an. Schräg über uns steht der halbe Mond und rechts von der überhastet gespielt. Die Einleitung — Geistererscheinung auf der Terrasse — wird langsam und nachdrücklich wie eine Ballade von nordischer Winternacht vorgetragen; ausführlich wird die Tragödie im Hause des Polonius (Ophelia, Laertes) behandelt. Wenn dann in dieser drohenden, unheilvollen Stimmung die Schauspieler erscheinen, wirkt ihr phantastisch bunter Haufen mit seinen Masken, tänzelnden Auftritten, gespreizten Pantomimen wirklich wie ein „Theater" im Theater; eine fremde Welt bricht in die nordische ein. Der berühmte Hekuba- Monolog, sonst immer nebenher gesprochen, wird eine besondere Szene auf der Szene. Sein Sprecher (Paul Bildt) steht auf erhöhter Empore und wirkt hier in seinem schleierartigen Gewand wie ein Mime des antiken Theaters. Der langsame Vortrag der Auftritte schließt gleichwohl höchste Spannungen und Erregungen nicht aus: das Schauspiel im Schauspiel und der jähe Aufbruch des Hofes sind Augenblicke, die mit Siedehitze geladen werden. Beginnt das Drama als nordische Winternachtsballade, so klingt es in heroischem Finale feierlich aus. Nachdem Fortinbras (Paul Hartmann) Hamlet den Nachruf gesprochen hat, öffnet sich ein unendliches Spalier von Gewappneten, zwischen deren gesenkten Speeren der tote Dänenprinz, auf einen Schild gebettet, hinausgetragen wird. Gustaf Gründgens ist Hamlet, ein blonder, geschmeidiger Jüngling in Schwarz. Gründgens spielt keine „Auffassung", man möchte glauben, daß er keinen der „Hamlet-Kommentare" kennt, durch die der Dänenprinz die umstrittenste Rolle geworden ist, er bemächtigt sich seiner Aufgabe, als sei noch nie ein Hamlet gespielt worden, nur aus seinem theatralischen Instinkt, aus seiner komödiantischen Besessenheit heraus; er stellt eine Gestalt von fiebernder Elastizität, von höchster geistiger Beweglichkeit und Schwungkraft bar. Käthe Gold als Ophelia: unendlich rührend und lieblich, die Wahnsinnsszenen haben wir noch nie so gesehen, noch nie kamen sie so unmittelbar aus einem zerstörten Gemüt. Walter Franck, als König ein verbrecherisches Urbild, und die Königin Hermine Körners, der Polonius Hans L e i b e l t s, der Laertes Claus Clausens, sie fügen sich alle als werktreue Diener dem Ganzen ein.' Der stürmische Beifall galt wohl dem Hamlet Gründgens', daneben aber auch dem vielseitigen Künstler und dem Jtendanten, der am Staatstheater — jede neue Aufführung beweist es wieder — ein großes Aufbauwerk vollbracht hat, und dem Unermüdlichen, der dieses Haus auf einer würdigen Höhe gleichbleibend erhält. G. B. burger Chau Unter den L entbieten, di, mit Fahnen «m Kaisei "per fand d Wesenheit M Don Partei C.j ^chumer P- aoclifaNMetoie! ____________________________________________271 D aekündigt, ist zu einem großen Ereignis des Berliner Staatstheaters, des Theaters überhaupt, geworden. Sie war zuerst zu Weihnachten versprochen, sie ist um einen ganzen Monat verschoben worden; diese Tatsache zeigt die Mühe an, die auf das Werk Shakespeares verwandt wurde, sie erläutert auch die Lage des Hauses. Das Staatstheater ist so glücklich, sich eine solche Verlegung gestatten zu können, dank eines wirklich klassischen und erfolgreichen Spielplans, der sich aus lauter repräsentativen Aufführungen zusammensetzt. — Diese letzte, die Hamlet-Aufführung, geht den vielen Problemen, die sich im Laufe der Jahrhunderte um die Dichtung kristallisiert haben, nicht aus dem Wege, sie packt sie herzhaft an, und löst sie entschlossen. Begnügten sich andere Darbietungen des Werks damit, Schauplatz und Menschen in ein unbestimmtes „mittelalterliches" Land zu verlegen, gefielen sie sich darin, die Dichtung zu verzerren, und modisch aufzuputzen, so rücken Spielleiter Lothar Müthel und Bühnenbildner Rochus Gliese den äußeren Rahmen der Vorgänge gebührend zurecht. Der Palast von Helsingör steht da wie ein Riesenblock zwischen zwei urzeitlichen Kulturen; neben mächtigen Türmen, zyklopischen Mauern, gewaltigen Säulen, finden sich eingebaute Holzhallen, in deren Balken Runen geritzt sind, und der Wind, der scharf und schneidend über die Schloßterrasse weht, kommt vom Meere her; das ist Dänemark, das ist eine nordisch-mythische Urwelt, deren Bilder — wenn König Claudius mit seinen Mannen auf hölzernen Bänken an einem klobigen Holztisch sitzt — an die Welt des Nibelungenliedes erinnern. Hier gehen Geister um, hier herrschen Brudermord, Blutschande, Blutrache. Die Aufführung, die sich der Schlegelschen Ueber- setzung bedient, enthält siebzehn Bilder; sie dauerte am ersten Abend über vier Stunden, obwohl die Bühne mit den besten technischen Einrichtungen ausgestattet ist. Das ist nicht unwichtig, denn daraus erhellt, daß hier ein ungewöhnlich ausführlicher und vollständiger „Hamlet" dargeboten wird. Wenn in anderen Aufführungen die Nebenhandlungen zu Gunsten des eigentlichen „Hamlet- Dramas arg beschnitten werden, so bringt hier der Spielleiter die Gewichte der einzelnen Handlungen wieder ins Rechte. Es wird nirgends unklar und Stelle, an der ich liege, schimmert weiß und geheimnisvoll der Friedhof. Sie lassen mich nicht schlafen, die Toten, die auch für mich starben. Wie gebannt hängen meine Augen an der Mauer. Am liebsten ginge ich jetzt dorthin, aber mein lieber, guter Padkamerad würde lachen oder mich für verrückt halten. Ich muß mich aufsetzen. Ein Gedanke durchjagt mich — Herrgott! — ob da, wo wir liegen, ob da vielleicht vor vielen Jahren ein junger, junger Mund sein letztes: „Mutter" gerufen hat? Ist hier, gerade hier auf dieser Stelle vielleicht schon einmal deutsches Blut langsam in den glühenden Sand getropft? — Ich rauche eine Zigarette und starre in die Glut vom Feuer, aber auch daraus wachsen Gestalten in braunen Uniformen und ich erlebe in dieser Nacht das Ringen um meine Heimat, so tief und so erschütternd, als ob ich dabei gewesen wäre. Ich sehe die stolzen Schwarzen, ihren Kampf um ihr ganzes Sein, ihr Volkstum und ihr Land. Ich sehe junge und alte Weiße, ihr Ringen um neuen Boden, da die Heimat zu eng wurde, — und ihre Rache gegen die Mörder ihrer Frauen und Kinder; und über allem fühle ich, trotz kalter Nacht, die glühende heiße Sonne. Und bann durch- zieht mich ein tiefes Dankgefühl gegen bie, die sterben mußten, damit ich und all' die andern eine Heimat hattten, ich gehe in Gedanken an jedes Grab und streiche leise über harte Erde und dürres Gras. Dqs ist die Nacht am Waterberg. Am nächsten Morgen bin ich an den Gräbern. Es ist ein kurzer stiller Gang, ich war ja in der Nacht viel länger bei ihnen gewesen, bei den Toten vom Waterberg. ii" AtW’b» Äf W oorausg dn Sofort W NH*" ' hL NW "Jine niersheiln eine denen Fischresten erseht werden. Desgleichen lassen sich Gemüseaufläufe mit Fischeinlage billig und schmackhaft Herstellen. Behandelt man vollends den Seefisch wie Braten, indem man ein entsprechend großes, festes, möglichst grätenfreies Mittel- oder Schwanzstück, z. B. von Kabeljau, Schellfisch oder Seelachs spickt und mit Zitronensaft beträufelt, in brauner Butter ober Fett unter fleißigem Beyießen gar brät, so erhält man auf diese Weise für jedes Gemüse die Verwendungsmöglichkeit zu einem schmackhaften, nahrhaften und gesunden Seefischgericht. „ Die Meinung, daß Seefisch und Gemüse keine schmackhafte Verbindung ergäbe, beruht, ähnlich der längst überholten Ueberlieferung, daß man in den Sommermonaten keine Fische essen solle, auf rückständiger Ansicht. Wer sich selbst durch einen Versuch von der Schmackhaftigkeit und guten Bekömmlichkeit eines kombinierten Seefisch- und Gemüsegerichtes überzeugt hat, wird mit diesem Vorurteil endgültig aufräumen. Aornotizen. Tageskalender für Züonfag. NS.-Frauenschaft, Ortsgruppe Ost und Süd: 20 Uhr im Kunstwissenschaftlichen Institut Licht- bilder-Dortrag „Bäuerliche und städtische Heimkultur". — NSG. „Kraft durch Freude": 21 bis 22 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs. — NSLB., Kreis Gießen: 15,30 Uhr Kreisoersammlung in der neuen Pestalozzischule. — Jungmädel: 20 Uhr Elternabend im Caf6 Leib. — Stadtheater (Ring Deutsche Bühn«): 20 bis 22.30 Uhr „Der Stern von Sevilla". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Unsterbliche Melodien". — Lichtspielhaus, Bahnhof- straße: „Eine Seefahrt, die ist lustig". — Goethe- Bund, Gießen: 20 Uhr liest Rudolf G. Dinding aus eigenen Werken in der Neuen Aula. Sladllhealer Gießen. Heute zum letzten Mal von 20 bis 22.30 Uhr als Vorstellung der NS.-Kulturgemeinde Ring Deutsche Bühne „Der Stern von Sevilla" von Lope de Vega. Uebersetzt und frei bearbeitet von Hans Schlegel. Spielleitung: Der Intendant. Freier Kartenverkauf zu Tagespreisen an der Abendkasse. Symphoniekonzerl des Konzertvereins. Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Am Dienstag, 28. Januar, findet im Stadttheater Gießen das 3. Symphonie-Konzert d e s Konzertvereins unter Leitung von Professor Stefan Temesvary statt. Als Solistin wurde die hier schon bekannte und geschätzte Altistin Lore Fischer (Stuttgart) verpflichtet, deren Ruf sich seit ihrem letzten Auftreten in Gießen noch weit über die Grenzen Deutschlands verbreitet hat. Lore Fischer wird bei dieser Gelegenheit die Arie „Ah Perfido" von Beethoven, sowie das Lied „An die Hoffnung" von Max Reger zum Vortrag bringen. Mit der Aufführung dieses feierlichen und bedeutenden Werkes gedenkt der Konzertverein zugleich des 20. Todestages Max Regers. Am Anfang der Dortragsfolge steht Brahms' 2. Symphonie in D-dur, den Beschluß macht Haydns 7. Symphonie in C-dur. Das Konzert ist das 5. Abonnements- Konzert des Konzertvereins und 16. Vorstellung im Dienstag-Abonnement. Kartenverkauf nur Musikalienhandlung Challier, Neuenweg 10. Dauer des Konzertes 20 bis 22 Uhr. Oer 30. Januar in den Schulen. Die Landesregierung — Abt. II — hat an sämtliche Schulen in Hessen folgende Verfügung gerichtet: Der Herr Reichs- und Preußische Minister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung hat in seinem Erlaß vom 21. Januar 1936 angeordnet, daß am 30. Januar als dem Tage der Machtübernahme durch den Führer und Reichskanzler an allen Schulen der Unterricht ausfällt. An diesem Tage sind in allen Schulen würdige Feiern zu veranstalten, bei denen die Schüler und Schülerinnen durch ein Mitglied des Lehrkörpers auf die überragende Bedeutung des 30. Januar 1933 als des Gründunastages des Dritten Reiches hingewiesen werden. Dabei werden vor allem nachdrücklich die großen innen- und außenpolitischen Erfolge zu betonen sein, die seit dem 30. Januar 1933 zu verzeichnen sind. Auch des 18. Januars als des Tages „Die Pflege der Bienenweibe und Wege zu ihrer Verbesserung." Wenn sich, so führte der Vortragende aus, in normalen Jahren die Tracht verringert, so ist dies vor allem auf die Rasseverschlechterung der Bienen zurückzuführen. Erst muß die Bienenrasse verbessert werden, um zu höheren Erträgnissen zu gelangen. Die Landwirtschaft kann durch Entwässerung der Wiesen und reichliche Gaben an Kalk, Superphosphat und Kali den Futterwert des Grünlandes steigern und gleichzeitig der Imkerei dienen, weil durch solche Maßnahmen süße Gräser und verschiedene Kleearten herbeigezogen werden. Es gilt vor allem die Trachtlücken auszufüllen. Neben Reiz- und Entwicklungstracht muß auch für Honigtracht gesorgt werden durch Anpflanzung von Riesenhonigklee, Natterkopf, Schneebeeren und Akazien. Die durch die Reichsregierung in Gang ge- setzte Eiweiß- und Fettschlacht wird eine Verbesserung der Bienenweide im Gefolge haben. Obstund Gartenbauvereine müssen mit der Jmkerorga- nisation Hand in Hand arbeiten. Dem zum Teil auf eigner Beobachtung beruhenden Ausführungen wurde reicher Beifall gezollt und eine rege Aussprache klärte vor allem die Frage, ob die in Durchführung begriffenen planmäßigen Baumspritzungen mit Obstbaumkarbolineum und Kupferarsenmitteln der Bienenzucht zum Schaden gereichen. Obmann Bodenbender sprach dann noch über das Thema ».Königinzucht als Wittel zur Honigvermehrung" und führte dabei aus, daß jedes Gebiet einen bo- benftänbigen Zuchtstamm hochzuzüchten habe. Für bas Gießener Becken fei der Stamm Sklenar von der Reichsfachgruppe bestimmt. Von besonderer Wichtigkeit ist die Auswahl der Datertiere. Die Einrichtung der K ö n i g i n b e l e g st a t i o n im Krosdorser Forst gewährleistet die Reinerhal - tung des Zucht st ammes. Bei Bienen werden durch Inzucht die guten Erbanlagen noch gefördert. die Versammlung dankte mit reichem Beifall. Nachdem noch die Teilnahme an der diesjährigen Reichsnährstandsschau in Frankfurt, die Maßnahmen zur sachgemäßen Auswinterung der Völker und verschiedene innere Vereinsangelegenheiten besprochen worden waren, wurde die Tagung mit dem Gedenken an Führer, Volk und Vaterland geschlossen. Europameiste Gesamtergebnis [angrub mit sen-Mwegei sen-Dwege kämpfe fanden Europame Bei den Ti fen, die in Be die Titel im 6 bei den Frauei nern. Die zwei bzw. Sharpe I 3m Paar Europameister die in sie gesei durch eine voll den Titel. Deutsche 5'N^ung. ytii »« .. ^eüer * N ~gfS m JSnöe J?1 'knallt flen iirnAf ^ii^eft iW „Oioff Die Ortsfachgruppe Imker im Reichsoerband deutscher Kleintierzüchter hielt gestern nachmittag im „Hopfeld" ihre diesjährige Jahreshauptversammlung ab, die sich eines sv starken Besuches erfreute, daß bei Saal die erschienenen Mitglieder und Freunde des Vereins nicht zu fassen vermochte. Der Vereinsobmann Gotth. Bodenbender erstattet nach herzlichen Worten der Begrüßung den Jahresbericht, dem u. a. folgendes entnommen sei: Die Ortsfachgruppe Gießen ist nicht nur die größte, sondern auch die rührigste der ganzen Landesfachgruppe. Das Jahr 1935 war für die Bienenzüchter ein Jahr der Enttäuschung, es war ein Jahr völliger Mißernte im Honig- und Wachsertrag. Obwohl der klingende Lohn ausblieb, bleiben die Imker bestrebt, ihr ganzes Können daranzusetzen, um das deutsche Volk aus eigener Ernte mit dem Lebens- und Arzneimittel Bienenhonig zu versorgen. Die Königinzucht wurde ein gutes Stück vorwärts getrieben. Die Zahl der Mitglieder ist auf 255 gestiegen, die 1698 Bienenvölker überwiegend im beweglichen Bau betreuen. Das bedeutet ein Mehr von nahezu 300 Stöcken gegen das Jahr 1933, aber immer noch nicht genug, um bte wertvolle Befruchtungsarbeit in Obst- und Samenbau durchführen zu können. Interessant waren die statistischen Aufstellungen über Alter und Beruf der Bienenzüchter der Fachgruppe sowie die durch,chnitt- liche Volkszahl der einzelnen. Im abgelaufenen Geschäftsjahre wurden 12 gut besuchte Versammlungen abgehalten. Außerdem fand em Bienen- seuchenkursus und ein Lehrgang für Königinzucht statt, die sich auch eines regen Besuches erfreuten. Sämtliche Stände des Vereins- gebietes wurden durch ausgebildete Seuchensachverständige nach Faulbrut untersucht. Mit der Mahnung, die Bienenzucht als Dienst am Vaterlande anzusehen, beschloß der Vorsitzende fernen Jahresrückblick. Rechner H ö b l e r (Gießen) trug die Jahresrechnung vor, die bei 2321,37 Mark Einnahme und 1939,60 Mark in Ausgabe einen Ueberschuß von 381,77 Mark ergibt, der für das neue Rechnungsjahr vorgetragen wird. Es traten 21 neue Mitglieder bei, während durch Tod und Wegzug 7 abgingen. Rechnungsprüfer H. Dem (Gießen) hob die klare und einwandfreie Rechnungsführung lobend hervor und sprach den Dank der Versammlung aus. Im Mittelpunkt der Tagung stand ein Vortrag von Jmkerkamerad Maul (Heuchelheim) über der Gründung des zweiten Deutschen Reiches soll gedacht werden, ohne daß dabei das Schwergewicht der Betrachtung vom 30. Januar 1933 verschoben wird. Die Schulleiter und Schulleiterinnen haben auf eine möglichst würdige Ausgestaltung der Feier Bedacht zu nehmen. Den Jungvolk-, Hitlerjugend- unb BDM.-Angehörigen der Schule ist Gelegenheit zu geben, bei der Umrahmung und Programmgestaltung der Feier (Lieder, Sprechchöre usw.) mitzuwirken. Die Schulleiter und Schulleiterinnen werden sich daher zweckmäßig mit den Dertrauens- lehrern und Vertrauenslehrerinnen der Hitlerjugend bzw. des BDM. ins Benehmen setzen. Die Verantwortung für die Feier tragen die Schulleiter und Schulleiterinnen. An den Berufsschulen sind die Schüler und Schülerinnen, die an der Feier am 30. Januar nicht teilnehmen, an dem dem 30. Januar vorausgehenden Unterrichtstage über die Bedeutung des 30. Januar eingehend aufzuklären. Gottesdienstliche feiern des 30. Januar in der Evangelischen Landeskirche Nassau-Hessen. In einem Ausschreiben an die Evangelischen Propsteien, Dekanate und Pfarrämter hat der Landeskirchenausschuß zum Gedächtnis der Geburtsstunde des Dritten Reiches Gottesdienste mit Dank und Fürbitte angeordnet. Unter Berücksichtigung der Parteiveranstaltungen des Tages soll die Gottesdienststunde so gewählt werden, daß möglichst alle Gemeindeglieder teilnehmen können. Findet nis zum Betriebe einer Gastwirtschaft erteilt. Die Kosten des Verfahrens find von der Klägerin zu tragen. Freiwillige für den Heeresdienst. Die N a ch r i ch t e n - Abteil ung 9, W e tz I ar, z. Zt. Hofgeismar, stellt bis zum 3 11. 19 36 noZ Freiwillige der Geburtsjahrgange 1918-1911 ein. Die Bewerber dürfen am Emstellungstage nicht über 25 oder unter 18 Jahre fein- 1936). Bevorzugt werden eingestellt Bewerber mit technischer Vorbildung (Elektriker) Kraftfahrer und Kaufleute. Bewerbungsgesuche sind an die Nach- richtenabteilung 9, Hofgeismar, zu richten. Hört alle einmal her! Heute ist der Elternabend der Gieße- ner Jungmädel, an dem niemand fehlen darf. Jede Mutter und jeder Vater kommt zu uns ms Cafe Leib. Es spricht die Obergaujungmädelführerin. Wir fangen pünktlich um 8 Uhr an. Heil Hitler! Die Jungmädel-Untergauführerin. Gießener Meteorologen im Dienste der Landwirtschast. Beobachtungsstellen im hessischen Ried. Die Agrar-Meteorologische Forschungsstelle Gießen des Landwirtschaftlichen Instituts unserer Universität beabsichtigt, im hessischen Ried und zwar an verschiedenen Stellen, Beobachtungsstationen einzurichten. Die Beobachtungen sollen sich auf Bvden- temperaturen in verschiedenen Tiefen, Grundwasserstandsmessungen und Temperaturmessungen des Grundwassers, ferner auf Temperaturen der Luft in 50 Zentimeter und 2 Meter Erdnähe erstrecken. Auch Messungen des Feuchtigkeitsgehaltes der Lust werden durchgeführt. Die Beobachtungsstelle wird in Kürze ihre Arbeit innerhalb des bisher meliorierten Gebietes aufnehmen. Weiterbildung von Baumwärtern, Baumpflegern und Obstgärtnern. Die Landesbauernschaft Hessen-Nassau veranstaltet am Samstag, 1. Februar, in Gießen, im Kath. Vereinshaus, Liebigftraße, vorm. von 11—13 Uhr, für die Vorsitzenden der örtlichen Gartenbauvereine (Fachgruppe Obstbau), die örtlichen Fachwarte der Landesbauernschast für Obstbau und für alle Baumwärter, Baumpfleger und Obstgärtner im Kreis Gießen einen Schulungslehrgang. Landwiri- schaftskammerrat Pfeiffer, Leiter der Unterabteilung Garten, wird den Lehrgang abhalten. Nachmittags findet die Hauptversammlung des Bezirksobstbauoerbandes, des früheren Kreisobst- baunereins, mit Vortrag von Kreisobstbauinspektor Horn, Hofheim i. Ts. über „Die Erzeugungsschlacht im Obstbau" statt. Zu der Hauptversammlung sind alle Freunde des Obstbaues eingeladerj. ♦♦ Arbeitsjubiläum. Fräulein Ottilie Kreß, Schanzenstraße 16 wohnhaft, ist heute 25 Jahre in der Großwäscherei Edelweiß Gießen tätig. Während dieser Zeit konnte sich die Jubilarin, die heute eine leitende Stellung in der Firma innehat, das vollste Vertrauen der Firmeninhaber und aller Mitarbeiter erwerben. *♦ E i n Appell der RBG. 8 Druck findet am morgigen Dienstag, 28. Januar, 18 Uhr, im Saale des Hauses der DAF. statt. Es sprechen die Pg. Pflug und Sepp Raed er. ** Ergänzung und R i ch t i g st e l l u n g. In unserem Bericht über den Vortrag des Oberbürgermeisters Ritter bei dem Kameradschaftsabend der Fachschaft „Gemeindeverwaltungen" (Gieß. Anz. Nr. 20 vom 24. Jan., 3. Blatt, Seite 2) muß es in der ersten Spalte in der 6. Zeile von unten richtig heißen: „Unter diesen Separatisten befanden sich viele katholische Geistliche", usw. wie zu lesen war. ' uns ins 1 w.iuno. ftlid) um uhrerin. enst. 2^1911 tQ9e nicht °g 1. 10. ?-r mit Mr und ' Nach. Ot' äu * St, 9etl« 8U irkrn, fnettt Uung. 3n es Dberbür» dschaftsabend " (Gieß.Anz. !) muß es in unten richtig befanden sich wie zu lesen aff. Web. Mit Sie. Mn Uni. ° W°r w uen einzu. >uf Boden. Andwasser, ingen des ' der Luft erstrecken. 5 der Lust stelle wird her melio« i veranstal- eßen, im von 11-13 Tartenbau- ichen Fach, au und für tgärtner im Landwirt» der Unter. ! abhaltey. mlung des Kreisobst, rauinspekt« Lrzeuaungs« lptverfamm- eingeladeij. [ein Ottilie ist heute 25 Edelweiß nnte sich die llung in der der Firmen« >en. ruck sindet 18 Ufyc, im sprechen die Mil 2710 oeiß und ge» n mich nicht starben. Wie ■ Mauer. Am mein lieber, mich verulke durchs^ >ir liegen, ° unger, junger lat? Sft V' f W» «5 ihendenE^ e und sta^e raus wachse" -S.'S ■te? er tafter . Am. nK * «lch i ref en «*f, be®'” ui 1ML n* all, I» ion nZchiNg-' die ri, lN o J2i> Schwere Bluttat im Oberurseler Rathaus. Ein Polizeibeamter im Wachtlokal niedergestochen und getötet. KnapperSandbaWegderlyoüergegenEschwege 1900 Sauliga - Tv. 61 Eschwege Sauliga 7:6 (2:1). Oberursel, 26. Ian. (LPD.) In den Abendstunden des Sonntags ereignete sich auf. der Polizeiwache im Oberurseler Rathaus eine schwere Bluttat. Der Polizeihauptwachtmeister h o m m, der sich allein in Bereitfchaftsdienst auf der Polizeiwache befand, wurde von einem Mann, der offenbar mit irgendeinem Anliegen das Dienstzimmer betreten hatte, durch acht Stiche in die V r u st e r m o r d e t. Der Tat muh wohl ein Kampf vorausgegangen sein. Auf die Hilferufe des Hauptwachtmeisters wurde der Hausmeister aufmerksam, der sofort einen anderen noch im Hause befindlichen Polizeibeamten verständigte. Diesem gelang es schliehlich, mit Hilfe seines Revolvers den Täter in Schach zu halten und f e st z u n e h m e n. Es handelt sich bei dem Täter um den 38 Jahre alten Friedrich Georg aus Oberurfel-Bommers- heim. Der Mörder hatte bereits vor der Tat im Rathaus im Haufe seiner Braut im Stadtteil Born- mersheim eine Auseinandersetzung mit seinem zukünftigen Schwiegervater, in deren Verlauf er diesem mit dem gleichen Messer, das später zu dem Mord benutzt wurde, einen Stich in das rechte Handgelenk beibrachte. Der getötete Polizei-Hauptmachtmeister ist 48 Jahre alt und seit dem Jahre 1919 im Polizeidienst. Er hinterläßt eine Frau und fünf Kinder. Der Getötete weist insgesamt neun Stiche in die Brust auf, von denen fast jeder einzelne tödlich wirken mußte. Bei der Verhaftung des Täters durch einen Polizeibeamten und drei Passanten setzte sich dieser zur Wehr und konnte nur mit Gewalt an der Flucht gehindert werden. Der Mörder wurde von der Mordkommission in das Frankfurter Untersuchungsgefängnis eingeliefert und wird im Laufe des Montag verhört werden. Das Motiv der Tat ist noch nicht bekannt. Bei seiner Verhaftung behauptete der Täter, daß der Polizeibeamte ihn beleidigt habe. Der Getötete war jedoch als ein außerordentlikch ruhiger und pflichttreuer Beamter bekannt. OJL-fport Lleberall Misterschaflskämpfe. Die neuen Hallenmeister im Kunstspringen. Deutsche Hallenmeister im Kunstspringen wurden bei den in Dresden abgewickelten Titelkämpfen bei den Männern Werner G r e u s i n - Spandau 04 und bei den Frauen Hertha Schieche- Spandau 04. Ballangrud Europameister imEisschnellau Europameister im Eisfchnell-Laufen wurde im Gesamtergebnis wieder der Norweger Ivar Ballangrud mit 189,956 Punkten vor Eh. Mathi- s e n - Norwegen mit 190,790 und Harry Harald- sen-Norwegen mit 191,767 Punkten. Die Titelkämpfe fanden in Oslo statt. Europameisterschaften im Eiskunstlauf. Bei den Europameisterschaften im Eiskunstläufen, die in Berlin zur Durchführung kamen, fielen die Titel im Einzellaufen wieder an Sonja Henie bei den Frauen und Karl Schäfer bei den Männern. Die zweiten Plätze belegten Cecilia Colledge bzw. Sharpe (beide England). Im Paarlaufen erfüllten die deutschen Europameister Maxi Herber-Ernst Baier die in sie gesetzten Erwartungen und sicherten sich durch eine vollendete Vorführung zum zweitenmal den Titel. Deutsche Hallentennismeisterschaften entschieden. Deutsche Hallentennis-Meister wurden bti den Männern der Schweizer E l l m e r und bei den Frauen Hilde Sperling-Krahwinkel. Im Männerdoppel holten sich die Franzosen Boussus- Gentien den Titel und im Frauendoppel errangen Frau Sperling - Frl. Horn den Endsieg. Meister im Gemischten Doppel wurden Frl. Horn-Henner Henkel. Oie Einholunq der Olympia-Glocke in Berlin. Die Olympiaglocke ist am Samstag gegen 10 Uhr wohlbehalten in Berlin eingetroffen. Sie machte bis Sonntag früh unweit des Reichssportfeldes Rast, wo sie für die feierliche Einholung aufgeschmückt wird. Für das Zurücklegen der letzten Wegstrecke von Potsdam ab benötigte sie nur zwei Stunden. Die fast 600 Kilometer lange Fahrt Bochum-Berlin dauerte neun Tage. Zehntausende bildeten Spalier in der Charlottenburger Chaussee, Am Brandenburger Tor und Unter den Linden, um der Glocke ihren Gruß zu entbieten, die ein Festzug von 6000 Jugendlichen mit Fahnen als Gefolge aufwies. Am Kaiser-Franz-Jofeph-Platz an der Staats- vper fand die feierliche Uebergabe statt. In Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste und Vertretern von Partei und Staat übergab Generaldirektor D.-Jng. E. H. W. Sorbet im Namen des Lochumer Vereins die Glocke dem Präsidenten des Organisationskomitees der XI. Olympischen Spiele, Exzellenz L e w a l d. Exzellenz Dr. Lewald übernahm die Glocke und dankte dem Bochumer Verein für den gelungenen Guß und für die hochherzige Spende und schilderte, wie es kam, daß zu den bisherigen Symbolen der Olympischen Spiele noch ein weiteres augefügt wurde, die Glocke. Reichssportführer von Tschammer und Osten übernahm die Glocke als der verantwortliche Reichssportführer und als Vertreter des Bauherrn, in einer Ansprache führte er u. a. aus: Die Glocke soll die Jugend der ganzen Welt nach Deutschland rufen, eine Jugend, die den Kampf liebt, nicht um Kulturwerte zu vernichten, sondern um sie in friedlichem Wettstreit neu zu erschaffen. Immer wird ihr Ruf der Jugend der Welt gelten, der deutschen Jugend, die ihren Schall hört und ihre Botschaft versteht. Sie wird uns Deutschen mehr als die Olympia-Glocke, sie wird zum ewigen Mahner an den Opfertod unserer Helden und an die Verpflichtung aller derer, die durch das Opfer der Gefallenen leben. Das vom Reichssportführer auf das deutsche Volk und seinen Führer ausgebrachte Sieg-Heil schallte machtvoll über den weiten Platz. Vereinsführerta gung des VfL. in Gießen. Gestern vormittag fanden sich im Katholischen Dereinshaus zahlreiche Vereinsführer der Vereine des Reichsbundes für Leibesübungen in Stadt und Kreis Gießen ein, um dort die Anweisungen über die Durchführung der Bestandserhebung des Deutschen Sportes entgegenzunehmen. Der Obmann für den Hilfsfonds des Deutschen Sportes im Kreise Gießen, Herr P i tz (Watzenborn-Steinberg) hielt eine kurze Ansprache, in der er den Sinn der Bestandsaufnahme darlegte und anschließend einen Ausruf des Reiechssportsührers verlas, in dem dazu aufgefordert wurde, sich energisch für diese neue Großtat des deutschen Sportes einzusetzen. Anschließend wurden die Formulare verteilt, in denen die Erhebungen über die Mitgliederzahlen, über die Altersklassen der Mitglieder und über deren sportliche Betätigung einzutragen sind. Den Abschluß der Versammlung bildete die Verteilung der zum Verkauf ausgegebenen Olympia-Briefmarken. Kurze Gportnotizen. Auf der Pariser Winterbahn startete in einem 80-Kilometer-Dauerrennen auch der Deutsche Lohmann. Er wurde hinter G. Wambst und Reynaud guter Dritter. I n Ulm fand ein Boxkampf zwischen einer württembergischen Mannschaft und einer italienischen Auswahlstaffel statt. Die Italiener siegten vor 2000 Zuschauern mit 10:6 Punkten. Deutschlands Olympia - Eishockey- Mannschaft spielte am Samstag in Düsseldorf zum zweiten Male gegen eine Mannschaft kanadischer Lehrer. Die Kanadier siegten mit 4:2 Das wäre beinahe eine unangenehme Heber* raschung geworden! Ums Haar hätte der Tabellenletzte den Siegeszug der Spielvereinigungsleute unterbrochen! Das überraschende Moment lag zum weitaus größten Teil bei den Eschweger Gästen, die mit einer Mannschaftsleistung aufwarteten, die Achtung abzwingen mußte. Andererseits darf natürlich auch nicht übersehen werden, daß die Platzbesitzer bis zu einem gewissen Grade diese Leistung zuließen, indem sie sich dem Gegner nicht früh genug anpaßten. Vor allem ließ der Sturm das flüssige Spiel vermissen. Das Fehlen Göings machte sich eben stark bemerkbar. Die Blauweißen traten an mit: Enders; Cremers, Funke; Reift, Knop, Hofmann; Wlodarek, Steines, Hamman, Krüger, Schüler. Auf beiden Seiten wurde sofort sehr forsch gespielt. Die Eschweger bestätigten ihren Ruf als eine der schnellsten Mannschaften des Gaues. Allerdings wirkte ihr Spiel manchmal etwas überhastet. Beide Tore kamen in Gefahr. Es war jedoch festzustellen, daß die 1900er die besseren Torchancen hatten. Fast jeder der Gießener Fünferreihe bekam einmal den Ball in aussichtsreicher Wurfstellung. Aber entweder wurde zu weich oder zu unplaziert geworfen. Zugute muß allerdings gehalten werden, datz Wiegland im Eschweger Tor mit glänzenden Paraden aufwartete. Der Bann wurde durch Krüger gebrochen, der einen Strafwurf zum ersten Tor für die blauweißen Farben verwandelte. Die Gäste forcierten nun das Tempo immer und mehr und 1900s Hintermannschaft mußte schwere Arbeit verrichten. Ein verschuldeter Strafwurf führte zum Ausgleich durch den ausgezeichneten Eschweger Stürmer Lüttge. Der Kampf wogte hin und her. Die Hintermannschaft der Gäste arbeitete so geschickt und schnell, daß der im Gegensatz zu früher fast schwerfällig wirkende Gießener Sturm nicht recht zur Entfaltung kam. Bis zur Halbzeit konnten die Gießener auch nur noch ein Tor anbringen (Strafwurf Krüger). In der zweiten Spielhälfte traten die Blauweißen mit verändertem Sturm an. Wlodarek wurde in der Mitte eingesetzt, Hamman und Steines stürmten halbrechts bzw. rechtsauhen. Bevor sich jedoch diese Umstellung auszuwirken vermochte, hatten die Eschweger Turner ausgeglichen. Enders war ein bereits gefangener Ball über die Hand ins Tor gerutscht. Aus beiden Seiten wurde nun mit allem Einsatz, jedoch stets im Rahmen des Erlaubten, gekämpft. Schüler gelang im Anschluß an einen Alleingang eine 3:2-Führung. Die Freude dauerte nicht lange. Die Gäste setzten den gefährlichen Luttge geschickt ein, der nicht nur den Ausgleich schuf, sondern auch seine Mannschaft durch einen 20-Meter-Wurf in Front brachte. Dann spielte sich Krüger, obwobl scharf bewacht, schön durch und stellte den Gleichstand von 4:4 her. Wieder rannten die Eschweger Stürmer gegen die Hintermannschaft der Blau- Am 1. und 2. Februar sammeln SA., SS., RSKK. und RSDSlB. gemeinsam für das Winlerhilsswerk. Opfert an diesem Tage, ein jeder nach Kräften! weißen an. Diese wehrte sich so gut es ging, konnte jedoch nicht verhindern, daß die Gäste zwei weitere Tore oortegten. Acht Minuten vor Spielende war das! Der größte Teil der Zuschauer hatte sich schon mit einer Niederlage der Spieloereinigungsleute abgefunden, als diese sich noch einmal zu einer bewun- derswerten Energieleistung aufrafften. Nachdem Krüger auf 5:6 verkürzt hatte, spielte sich der Läufer Hofmann geschickt durch und stellte den stark bejubelten Ausgleich her. Und zwei Minuten vor Schluß war es Wlodarek vergönnt, den Siegestreffer anzubringen. Schiedsrichter Walter (Marburg) war ein korrekter Leiter. Wetzlarer Spv. 05 Iugd. — 1900 Iugd. 3:12 (3:4). Daß sich die Jugend in aufsteigender Form befindet, zeigte schon das am vergangenen Sonntag gegen Tv. 1846 Gießen errungene Unentschieden, oaß sie aber aus Wetzlar mit einem Sieg, und gar einem von 12:3 Toren, heimkehren würde, hatte niemand erwartet. Mit ausgezeichneten Leistungen warteten der Torwart und der Mittelläufer auf, die übrigen verdienen ein Gesamtlob. Fußball der heimischen Mannschasten. Oer Stand der Spiele der Bezirksklasse Gruppe Gießen - Oill. Die Ergebnisse des Sonntags. Spiele Gew. Unentsch. Verl. Pkte. Naunheim 14 9 3 2 21: 7 Bissenbera SV. 05 Wetzlar 15 15 10 9 1 2 4 4 21: 9 20:10 Frohnhausen 15 8 1 6 17:13 BC. Sinn 17 8 1 8 17:16 VfB.-R. Gießen 15 7 2 6 16:14 1900 Gießen 15 3 8 4 14:16 Dillenburg 15 5 2 8 12:18 W.-Steinberg 16 3 2 11 8:24 Niedergirmes 15 2 2 11 6:24 Dillenburg — Watzenborn-Steinberg 0:3. Frohnhausen — Sinn 3:1. Niedergirmes — 1900 Gießen 1:1. VfB.-Reichsbahn Gießen — Bissenberg 4:0 Die Teutonen aus Watzenborn haben wieder einmal erneut bewiesen, daß sie die Ueberraschungs- mannschaft der Klasse sind. Dillenburg wurde trotz des Vorteils des eigenen Platzes klar geschlagen. Durch diesen Sieg ist die Abstiegsfrage zwischen Dillenburg und Watzenborn-Steinberg wieder offen. Frohnhausen siegte erwartungsgemäß gegen die tapfer sich wehrenden ©inner. Das Unentschieden der Blau-Weißen in Niedergirmes bedeutet eine Ueberraschung, da man bestimmt die Gießener als Sieger erwartet hatte. Die VfB.er waren gut in Form und ließen die Bissenberger nie zum Zuge kommen. DfB.-Reichsbahn Gießen. Viffenberg 4:0 geschlagen. Die Mannschaften fanden sich gestern erstaunlich gut mit den denkbar schlechten Platzverhältnissen auf dem Waldsportplatz ab. Trotz des grundlosen Bodens bot sich den etwa 800 Zuschauern ein anregendes Spiel. Das Ergebnis, das der Kampf brachte, überraschte in angenehmer Weise. Der Sieg der Grünweißen war nie gefährdet und vollauf verdient. Von den Gästen, die an zweiter Stelle der Tabelle stehen, hätte man weitaus mehr erwartet. Die Platzbesitzer traten in der angekündigten Aufstellung, also mit Helcher; Leutheuser I, Leutheuser II; -Hauptfeld, Mundt, Lehrmund; Fehling, L. Schmidt, Schorge, Heß und Szponick an. Die Mannschaft spielte ausgezeichnet zusammen; ein schwacher Punkt war lediglich der Mittelstürmer. Der Kampf begann sehr ausgeglichen, und lief meist über die Flügel, da in der Platzmitte der Ball kaum vorwärtszubringen war. Die Gäste schienen zunächst bemüht, die Grünweißen mit einem wuchtigen hohen Spiel aus dem Konzept zu bringen. Es gelang ihnen aber nicht. Die VfBer verließen sich trotz des schlechten Bodens auf ihre flache Kombination und taten daran gut. Immerhin verging die Hälfte der ersten Halbzeit, bis Heß zum ersten Torerfolg kam. Er jagte den Ball mit einem scharfen Schrägschuß an die Latte und der Ball sprang in das Tor. Der Tormann war machtlos. Kaum eine halbe Minute später erzielten die Stürmer der Platzbesitzer in einer begeisternden Manier das schönste Tor des Tages. Mundt hatte klar vorgelegt, Sponick nahm den Ball mit dem Kopf auf und gab ihn erstaunlich exakt Heß vor den Fuß. Heß verwandelte mit großer Geschicklichkeit den Ball aus der Luft zu feinem zweiten Erfolg. Auch hier blieb dem Tormann nichts zu tun übrig. In der 35. Minute wurde der Sieg bereits sichergestellt. Einen Eckball vermochte Fehling sehr entschlossen und unter vielen Beinen hindurch zum dritten Tor zu verwandeln. Da die Stürmer der Gäste gegen die schlagsichere Verteidigung der beiden Leutheuser nichts auszurichten vermochten, außerdem auch mimMMii. Roman von H. von Hellennann. Copyright 1936 by Aufwärts-Verlag G. m. b. H., Berlin SW 68. 5. Fortsetzung. Nachdruck verboten! „Ja, liebstes Mamachen, ich muß gehen, soll Teddy um halb eins auf der Bank treffen. Ich kam nur, um euch alle zu Donnerstag abend zu uns zu bitten. Nachher können wir uns gerade „och den letzten Akte deines geliebten ,Tristan' an* tzören, Gretelein. Nicht wahr, ihr kommt doch?" Weder Mutter noch Schwester verspürten die geringste Lust, Theodor Stallings Gäste bei einem jener üppigen Diners zu fein, die sie in ihrer auf* »ringlichen Aufmachung schon genügend kannten. In den „Tristan" ging man nicht so nebenbei nach t»em Mokka, sondern innerlich gesammelt, hochgestimmt, wie zu einer hehren Feier. So unmusikalisch Grete persönlich war, so leidenschaftlich liebte [ie gute Musik. Aber sollten sie Elfe enttäuschen? — Sie sagten zu, dankten. Begleiteten ihren Gast Roch bis zur Treppe. Unten fand Frau Stalling ihren Bruder vor, der »oller Bewunderung um das wunderhübsche, elegante kleine Opelkabriolett herumstrich. „Halloh, München! Gefällt er dir? Fein, nicht wahr? Teddy frat ihn mir neulich geschenkt. Willst du mich zur Deutschen Bank fahren? Dann kannst du den Wa- $en für den Rest des Tages behalten, Teddy nimmt mich in feinem nach Haufe." Der große blonde Junge bejahte begeistert, setzte scch ans Steuer, prüfte mit Kennermiene die Feinheiten der Konstruktion und fuhr stolz wie ein König die schöne Schwester zur Bank, den Weg absichtlich durch alle Hauptstraßen nehmend. „Die Elfe ist doch ein tadelloses Frauenzimmer- Hen," dachte er und wandte heimlich schnuppernd «in wenig den Kopf nach ihr. Wie gut sie roch — irgenbfo ein zarter Dufthauch umschwebte sie immer. Fein, daß er den Wagen haben konnte -vielleicht fährt Kurt Hartmann ein bissel mit, und Lisa," überlegte er und hatte schwärmerische Augen. Die Lisa fuhr für ihr Leben gern Auto. „Aufpassen, Hänschen, wir sind schon da," lachte Frau Elfriede. Schuldbewußt zuckte er zusammen, lenkte den Wagen an die Bordkante, bremste. Als er herausgesprungen und seiner Schwester gerade beim Aussteigen behilflich war, blieb ein vorübergehender Herr stehen und zog den Hut. „Servus, schönste Frau," grüßte er vergnügt, „daß ich Sie gerade hier treffe, ist ein gutes Omen! Gestatten Sie mir, an Ihrer Seite ins Allerheiligste des Oberbonzen zu schreiten — wenn dem die Huld Ihres Lächelns blüht, pumpt er mir glatt alle gewünschten Summen!" Elfriede Stalling lachte. „Ein schöner Wahn — der Ihnen wohl gleich grausam zerstört werden wird, Sie Armer! Aber was ich tun kann, geschehe. Kennen Sie schon meinen Bruder? Doktor Sekunder —" Die Herren begrüßten sich. Dann wandte Selan- ber sich wieder Elfriede zu. „Schrecklich lange hab ich Sie nicht gesehen, gnädige Frau, seit dem famosen Silvesterabend bei Brucks." Ein zartes Rot huschte über das reizende Gesicht. Die junge Frau hob die Brauen. „Bei Brucks wohl, aber nicht am Silvesterabend," korrigierte sie liebenswürdig unbefangen, „da lag ich bald nach Mitternacht schon mit Migräne im Bett." „So —? Nein, verzeihen Sie, das — —" er stockte. Die tiefblauen Augen strahlten ihn so groß und befehlend an--„Aber das werden Sie natürlich am besten wissen", vollendete er gewandt. „Wenn man so viel herumkommt, wirft man die Daten leicht mal durcheinander." Ein bezauberndes Lächeln dankte ihm. Dann wandte Elfriede sich zum Bruder. „Danke für deine Ritterdienste, Hänschen! Amüsiere dich gut heute nachmittag und grüße Mama und Grete nochmals? Auf Wiedersehen bei uns am Donnerstag, Lieber —" Zärtlich strich sie über feinen Arm. Aber der Junge nickte nur, schluckte, murmelte ein paar nur halbverständliche Abschiedsworte, stieg in den Wagen, knallte den Schlag zu und fuhr davon. „Ein schlaksiger Bengel", dachte Selander. Elfriede Stalling aber erkannte die Ursache feines seltsamen Benehmens. Und ebenso zornig auf Teddy, der ihr die Sache eingebrockt, war sie ungerechterweise auf den Bruder, der sie, ohne es zu wollen, auf der Lüge ertappt hatte. — Hans Meroius aber fuhr auf dem schnellsten Weg nach der Stallingschen Villa, lieferte den heißbegehrten Wagen in der Garage ab und lief dann mit verkniffenem Mund nach Hause. Mochte Elfriede denken, was sie wollte? Die ganze Freude an dem so schön geplanten Nachmittag war ihm verdorben. Pfui Deubel, die Mutter so'anzulügen — Ob er's der Grete sagte? Die konnte dicht halten. Aber nein, besser nicht. Am Ende merkte Mutti dann doch etwas. Natürlich hatte Teddy Stalling Elfriede dazu gebracht, aber — daß die Schwester es getan, das wurmte so. Sehr grimmig sah das blonde, etwas schmale Jünglingsgesicht aus. Aus der Freude war Bitternis geworden. 7. Kapitel. Dieses elende Wetter? Joachim Drau warf in weitem Bogen den Pinsel in den äußersten Winkel des Zimmers und starrte oerzweiflungsvoll zum Fenster hinaus. Das man nicht mit der Faust hineinschlagen konnte in diese graue Nebelmasse, die seit Tagen wie die Hoffnungslosigkeit selber auf der Erde lastete? Alle Farbigkeit tötete sie, täuschte das Auge, lähmte die Hand, und kroch wie Todesstarre durch die Glieder. Fröstelnd bewegte der Maler die Schultern, zog den Mantel unter dem weißen Kittel fester über die Brust zusammen. Eiskalt war's in diesem Loch, erst jetzt spürte er es. Der glühende Maleifer der letzten Stunden hatte ihn alles um sich her vergessen lassen — wie immer, wenn der Schaffensdrang ihn packte. Ader nun, da er, vom Porträt auf der Staffelei zurücktretend, seine Arbeit kritisch prüfte, überfiel ihn tiefe Mutlosigkeit. Geradezu kränklich wirkten die Farbentöne, die doch nur überaus zart, gleichsam hingehaucht erscheinen sollten. Und hier der Fleischton — viel zu gelb, wo blieb das Blut, das durch die Haut schimmerte? Rosenblattzart war die doch ... Ein seufzendes Atemholen. Der Svachtel trat in Tätigkeit. Dann nahm Drau die Palette wieder auf, griff nach einem anderen Pinsel, mischte von neuem die Farben und trug sie vorsichtig auf mit feinen, fast zagen Strichen. Aber der Eifer von vorhin war verschwunden. Verbissen, unlustig pinselte er drauf los, als es bei ihm anklopfte. „Herein!" Es klang nicht ebert freundlich. Trotzdem empfand der Maler es als willkommene Unterbrechung, daß feine Wirtin in der Tür erschien. „Ich störe doch nicht?" Ohne die Antwort abzuwarten, trat sie näher. Ein appetitlicher Duft von gebratenem Fleisch drang hinter ihr in die Stube. „Ich wollte nur mal fragen, ob Sie heute nicht mit mir zu Mittag essen wollen" — kleine fett» umpolsterte Jettaugen glänzten ihn vergnügt an. „Morgen ist nämlich mein Geburtstag, und da hat mein Bruder, was der Fleischer in Rockwitz is, ein feines Kalbsfilet geschickt, zart wie Butter, sag ich Ihnen, das zerschmilzt einem auf der Zunge! Aber viel zu groß für mich allein, und da dacht ich mir — es gibt Rotkraut und Kartoffeln dazu, und essen Sie auch gern Bratäpfel?" Wieder eine kleine aufmunternde Pause. Nun wollte Joachim Drau seinen Stolz hervorkehren, den Sieg des Geistes über die Materie beweisen. Freundlich wollte er danken für die gütige Einladung, er habe jedoch dieser Tage schon des öfteren Kalbsbraten genoffen und leide an unüberwindlicher Abneigung gegen Bratävfel. Er straffte auch die Schultern und hob den Kopf ein wenig, um feiner Absage möglichst durch Haltung und Gebärde den Anschein der Wahrheit zu geben. Er öffnete auch den Mund, um zu sprechen. Aber da stieg ihm der Duft des Bratens, des Kohls und der brotzelnden Aepfel stark und verführerisch in die Nase — und da geschah es, daß sich die Worte auf seiner Zunge ohne jegliches Zutun wandelten Aus der stolzen Absage wurde ein verlegenes Lächeln: „Ach, danke vielmals, Frau Müller, Sie sind ja sehr freundlich —" Was die kleine Dicke ohne weiteres als Zusage auffaßte. „Na, also", nickte sie befriedigt, über das ganze Gesicht strahlend, „in ’ner Viertelstunde is fertig." Die Tür knallte zu, in der Eile aus der Hand gerutscht. „Sie hat sie absichtlich affenstehen gelassen", dachte Drau, erbittert über seine Schwäche und doch auch wieder froh, aus seinem trübseligen Alleinsein an diesem grauen Tag herausgerissen zu werden. Es war nun einmal so im Leben die hohen Feierstunden der Seele waren von kurzer Dauer, und der Alltag lang. (Fortsetzung folgt!) Helcher im Tor sehr gut hielt, blieb es trotz aller Anstrengungen der Bissenberger bei dem Halbzeit- ergeonis von 3:0. In der zweiten Halbzeit verlief der Kampf nicht weniger anregend. In unvermindertem Tempo, soweit es die Platzverhältnisse gestatteten, wurde weilergespielt. In der 8. Minute der zweiten Halbzeit wurde einer der Stürmer der Platzbesitzer im Strafraum heftig gelegt und der Elfmeterball wurde von Szponick so kraftvoll verwandelt, daß sich der Torhüter gar nicht erst zu bemühen brauchte. In der 15. Minute verloren die Gießener den rechten Läufer Lehrmund durch Herausstellung, der mit seiner Kritik am Schiedsrichter seiner Mannschaft einen Bärendienst erwies. In der 19. Minute wurde abermals ein Elfmeter fällig, den Szponick diesmal aber darüber schoß. Kurz vor Schluß hatte auch noch ein Gästespieler das Feld zu verlassen. Es blieb beim 4:0-Sieg der Grün- weißen. In der Mannschaft der Platzbesitzer gefiel vor allem der Mittelläufer Mundt, der den Sturm immer gut mit Vorlagen bediente. Der Sturm harmonierte ausgezeichnet. Die Verteidigung war sehr sicher. Bei den Gästen ragten einige Leute durch ihre gute Ballbehandlung hervor. Im Sturm war nicht viel zu sehen. Die Gäste enttäuschten geradezu. Schiedsrichter Krug nahm es sehr genau und war gerecht. VfB.-R. II — 1900 Gießen II 1:1 (1:0). Dieses Spiel blieb trotz des Lokalkampfes immer im Rahmen des Erlaubten. Die 1900er waren in den ersten 10 Minuten tonangebend, mußten aber dann den Rest der 1. Halbzeit spielerisch den Leuten vom Waldsportplatz überlassen. Der Sturm der Grünweißen verstand es aber nicht, diese Ueberle- Öit in Toren auszudrücken. Ein einziges Tor en sie nur erzielen. In der zweiten Halbzeit war zuerst verteiltes Spiel und dann waren die 1900er 20 Minuten lang groß in Fahrt, und zwar durch hervorragende Deckungsarbeit ihrer Hintermannschaft. Aber auch sie verstanden es nicht, Tore zu schießen. Die 3. Mannschaft und die 1. Jugend kamen durch Nichtantreten ihrer Gegner kampflos zu den Punkten. (Spielvereinigung 1900 Gießen. Nieder-Girmes — 1900 1:1 (0:0). In diesem Spiel merkte man, daß über Meisterschaft und Abstieg entschieden ist. Beide Mannschaften waren sich ziemlich gleichwertig. Bei Nie- der-Girmes war das größere Stehvermögen vorhanden und die Blauweißen waren in technischer Hinsicht im Vorteil. Auf Grund dessen hatte 1900 auch etwas mehr vom Spiel. Auf dem kleinen und vor allem ziemlich grundlosen Platz konnten sie sich jedoch nicht richtig zur Entfaltung bringen. Das Geschehen der ersten Hälfte war nicht besonders anregend. 1900 hatte sich in des Gegners Hälfte festgesetzt und verschiedene klare Chancen herausgearbeitet, die aber in der Hitze des Gefechts neben oder über das Tor gingen. Die Platzbesitzer kamen verschiedentlich durch verschiedene Vorstöße ihrer Außenstürmer etwas zu Wort. Auch hier fehlte es im gegebenen Augenblick an der nötigen Uebersicht. Nach der Pause wurde das Spiel etwas farbiger. Als die Blauweißen durch Heilmann in Führung gegangen waren, kam mehr Leben in die Elf. Nieder-Girmes versuchte mit aller Macht zum Ausgleich zu kommen, verdarb sich jedoch durch zu hartes Spiel manche Chance. Den Blauweißen entgingen zwei klare Chancen durch den ausgeweichten Boden. Beidemal blieb der Ball im Morast hängen. Durch einen Elfmeter kamen die Platzbesitzer zum Ausgleich. Lippert, der bei einer Abwehraktion zu Fall kam, fiel mit dem Arm auf den Ball und das war der Anlaß hierfür. Also Pech! Fischer hatte gegen den plaziert geschossenen Ball keine Abwehrmöglichkeit. Nieder-Girmes drängte nun etwas und bei einem Schuß des Halbrechten, der an den Pfosten ging, hatten die Blauweißen Glück; denn der Nachschuß aus kürzester Entfernung ging hoch darüber. Bald darauf war das Siegestor für 1900 fällig. Heilmann und Wilhelmi hatten sich durchgespielt und standen nur noch dem Tormann gegenüber, als der Schiedsrichter „abseits" pfiff. Nieder-Girmes war äußerst eifrig, aber zu hart. Die Blauweißen dagegen zu zaghaft. Bei einigem etwas energischerem Einsetzen (Mank) wäre der Sieg sicher gewesen. Länderkämpse im Fechten und Radfahren. Iechtländerkampf Deutschland - Frankreich. Der Fechtländerkampf zwichen Deutschland und Frankreich, der am Sonntag im Frankfurter Palmengarten auf Florett und Säbel ausgetragen wurde, hatte mit rund 500 Besuchern einen guten Besuch. Am Vormittag waren beide Ländermannschaften im historischen Römersaal von der Stadt Frankfurt offiziell empfangen worden. Dr. Krebs hatte die Gäste im Namen der Stadt willkommen geheißen. Mit den Florett-Gefechten begannen kurz nach 6 Uhr abends die Kämpfe. Beide Verbände hatten ihre stärksten Fechter aufgeboten; die Franzosen besonders waren mit allen klangvollen Namen ihrer bekannt erstklassigen Schule erschienen. Da jeder gegen jeden zu fechten hatte, mußten insgesamt 25 Gefechte durchgeführt werden. Die Franzosen gewannen diesen Teil des Länderkampfes erwartungsgemäß sicher, wenn auch ihr Sieg mit 15—10 Einzelsiegen und 87:102 erhaltenen Treffern nicht ganz so überlegen ausfiel, wie man ursprünglich annahm. Der Sieg der Franzosen allerdings ist unzweifelhaft völlig verdient. Bei den Deutschen war Reichsfachamtsleiter Erwin C a s m i r, der erstmals seit langer Zeit wieder in Frankfurt focht, der beste Mann. Er gewann vier von seinen fünf Gefechten und wurde nur mit 2:5 von Bougnol geschlagen. Französischer Sieg auch im Degenfechten. Kurz vor Mitternacht ging der Fechtländerkampf Deutschland gegen Frankreich in Frankfurt a. M. zu Ende. Wider Erwarten vermochten die Franzosen auch im Degenfechten zu einem Erfolg zu kommen; sie schlugen die deutsche Degenmannschaft mit 18:6 Siegen, 37:13 Punkten und 40:61 erhaltenen Treffern. Deutschland schlägt Belgien im Radländerkampf. In der von 7000 Zuschauern voll besetzten Stuttgarter Stadthalle ging am Samstagabend ein radsportliches Ereignis ersten Ranges vor sich. Die Radsportler Deutschlands und Belgiens lieferten sich einen Länderkampf, der sich aus fünf Wettbewerben zusammensetzte, und zwar aus Fliegerkampf, Punktefahren, Omnium und Steherrennen für Berufsfahrer und aus einem Fliegerkampf für Amateure. Die Belgier konnten zwar drei der fünf Rennen für sich entscheiden, aber Deutschland hatte 25 gegen 21 Punkte der Belgier aufzuweisen und wurde damit Gesamtsieger. Ausschlaggebend für den deutschen Sieg waren die vorzüglichen Leistungen von Amateur-Weltmeister Toni Merkens und den Stehern Metze und Lohmann. Dabei wurde im Amateurtreffen noch auf zwei Punkte verzichtet, als der Belgier Collard infolge Verletzung nicht mehr antreten konnte. Beim letzten Lauf des Steherrennens stand der Kampf noch 20:20, aber Metze und Lohmann belegten dann die beiden ersten Plätze und stellten Deutschlands Gesamtsieg sicher. Das Berliner Reitturnier. Deutscher Sieg im Großen preis der nationalsozialistischen Erhebung. Der Große Preis der nationalsozialistischen Erhebung, der am Sonntagabend entschieden wurde, endete mit einem großen deutschen Siege. Von 59 Startern endeten deutsche Pferde auf den ersten drei Plätzen. Erster wurde Oberleutnant Kurt Hasse auf „Thora", 2. Rittmeister v. Barne kow auf „Olaf", 3. Oberleutnant Brandt auf „Alchimist" und 4. Leutnant Bonivento (Italien) auf „Ronco". Kranzniederlegung ausländischer Turnierreiler am Ehrenmal. Am Sonntagmittag ehrten polnische, italienische, schwedische und dänische Reiteroffiziere, die zum Reitturnier in Berlin anwesend sind, die Toten des Weltkrieges durch eine feierliche Kranzniederlegung im Ehrenmal. Wintervergleichsschießen der Kleinkaliberschützenvereine Kreis Gießen-Rord. Die Kleinkaliber - Schützenvereine des Kreises Gießen-Nord hielten ihr diesjähriges Winterschießen ab. An dem Schießen nahmen neun Mannschaften mit insgesamt 35 Schützen teil. Es wurden neun Schuß in den drei Anschlagsarten abgegeben und recht gute Durchschnitts- sowie Einzelergebnisse erzielt. Den ersten Platz belegte der Schützenverein Steinbach (I. Mannschaft) mit 396 Ringen. Es folgten dann der Schützenverein Allendorf (Lumda) mit 377 Ringen, Schützenverein Steinbach (II. Mannschaft) mit 367 Ringen, Postsportverein Gießen mit 364 Ringen, Schützenverein Leihgestern mit 343 Ringen und Schützenverein Harbach mit 278 Ringen. Bester Einzelschütze wurde H. Ludwig Haas (Steinbach) mit 88 Ringen. ottoMacp, \ ' den 27. Jan.freien die ■ billigen Preise । aller Saisonartikel in I Damenkleidung L in kraft. Darum 1| Montag gleich zum INVENTUR I V E R K A U F CARLNnwflnK IJNHAOER- Carl heinz schiüter| GIESSEN SELTERSWEG 81 «.„Wie Neu“ l Ihren Anzug „ und Damen • Kleidungs- Stücke xjx bügeln, dämpfen u. auffrischen a perAnzugüeichsmark 1.80 ® Reparaturen billigst. Abholen g und Zusenden kostenl. TeL2503 * „Wie Neu1* Bügelanstalt Gießen, Wolkeng .23, Inh.: L. Pitz, Schneider VLhatitjU Und die Wanne dazu, ganz gleich ob für ein Volloder Sitzbad, Kinder-oderFuß- bad, bekommen Sie In guter Ausführung preiswert bei J. B. Häuser Am Oswaldsgarten 131 Gießen - Ruf Nr. 9145/214 Bürobedarfshaus Franz Vogt & Co Gießen . Seltersweg 44 Ruf: 2464 Masken-Anzüge und alle karneoal-Attlkel öllllgfi öd Karnbach/Kaplansg. 29 I Fischte „Maten“, Marhtslr.23 Richard Grünewald, Bahnhoislr.27 C. G. Kleinhenn, Bahnholslrahe 61 Auch Dienstags frische Fische!!! 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