186. Jahrgang Sietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Hr. 251 Erster Blatt 186. Jahrgang Montag, 26. Oktober 1936 G annalime oon Jlnjetgen ®S:FamLL' M A44 A <6 444^ A < A A<4 Heimat lm Bild Die Scholl' H ■HWk B A W ■ X g W B B ▼ B B BW Jr W jM "W pf Grundpreise für 1 mm höhe Monatr Bezugspreis: 8M RA W tfflLX Kw B B B B B B WiJr B B B H für Anzeigen oon 22 mm Mit 4 Beilagen RM.1.95 B V Ws W BT W BW B B BT B B B B Bf BI B BF B Breite 7 Rpf., für Text- Ohne Illustrierte , 1.80 Te&F jy M W läa W B B lHL_, Hl Ak >BSL B B MB ö!L Wö B B M anzeigen von70rnrn Breite Zustellgebühr .. . -.25 W V B H V< B W V ^SF Bt R W W 50Rpf.,Platzvorschriftnach Auch bei Nichterscheinen v ^F vorh.Bereinbg.25"/„ mehr. IvF V -rmäh.g,- ffirunöprcife: HZM General-Anzeiger für Oberhesfen WW Srantfurt am Main liess druck unö Verlag: Srühl'sche Unloerfitätsvllch- und Steindruckerei «.Lange in Gießen. Schristleilung und Geschästzftelle: Schulftrahe 7 M°n^-n°bschlüg-staW8 Die Feder muß dem Volke dienen wie Schwert und Pflug! Reichsminister Dr. Goebbels eröffnet die „Woche des Deutschen Buches" mit einer programmatischen Ansprache in Weimar. Das Such im Volke. In der klassischen Stadt des deutschen Geistes, in Weimar, ist gleichsam vor den Augen der gesamten Nation die Woche des deutschen Buches feierlich eröffnet worden. Was an dieser Buchwoche besonders wichtig und für das kulturelle Leben des Volkes von ausschlaggebender Bedeutung erscheint, ist in erster Linie der Umstand, daß heute das Buch als geistiges Erzeugnis nicht mehr als eine Sache von Privatleuten, als Angelegenheit einzelner Erwerbsgruppen betrachtet wird, sondern, wie Reichsminister Dr. Goebbels in seiner programmatischen Rede entwickelte, als eine Angelegenheit, um die der heutige Staat sich offiziell und ganz bewußt kümmert. Das begründet sich zunächst im Totalitätsanspruch des ^Nationalsozialismus, der grundsätzlich kein irgendwie geartetes Lebensgebiet des Volkes übersehen oder auslassen kann. Und es kann einer verantwortungsbewußten Staatsführung auch nicht gleichgültig fein, in welchen Formen, unter welchen Bedingungen und Voraussetzungen sich das geistige Leben der Staatsbürger vollzieht. Der Nationalsozialismus hat es sich von Anfang an zur Aufgabe gemacht, das gesamte kulturelle Leben der Nation in einem festen und übersichtlich gegliederten ständischen Aufbau einzuordnen, der heute im wesentlichen vollendet vor uns steht. Dr. Goebbels hat ferner in seiner Rede Gelegenheit gefunden, die Stellung des Schriftstellers und des Dichters im heutigen Staate abzugrenzen und innerhalb der Volksgesamtheit zu kennzeichnen. Der Minister wandte sich dann mit Nachdruck gegen gewisse, immer wieder gegen die nationalsozialistische Staatsführung, besonders gegen die oon ihr vertretene Kulturpolitik, vorgebrachte, unsachliche und ungerechtfertigte Angriffe. Wie töricht die vom Ausland noch zu vernehmenden Vergleiche mit dem Bolschewismus sind, wurde mit dem Hinweis auf die fundamentalen und unüberbrückbaren Unterschiede zweier Weltanschauungen wohl unmißverständlich genug gekennzeichnet. Unsere heutige deutsche Kulturpolitik dient dem inneren Aufbau, der geistigen und seelischen Festigung des Menschen im Staate, dient also im letzten und tiefsten Grunde dem deutschen Volke in seiner Gesamtheit. Die Eröffnung der Buchwoche legt es jedes Jahr aufs neue nahe, einen Blick auf den Stand der geistigen und künstlerischen Produktion zu werfen und daraus einen Schluß zu ziehen auf die Gesundheit und innere Beständigkeit unseres kulturellen Lebensstandards. ■ Die Ziffern der Buchproduktion geben hierfür stets einen empfindlichen Gradmesser ab; jedermann wird mit Genugtuung vernommen haben, daß die Zahlen der deutschen Buchproduktion eine verheißungsvolle Aufwärtsentwicklung anzeigen. Dr. Goebbels hat aber auch keinen Zweifel darüber gelassen, daß die beste Werbung für das Buch im Volke vergeblich sein muß, wenn das Buch für die breiten Massen im Durchschnitt noch immer zu teuer ist. Gerade auf die breiten Massen aber kommt es, wie immer wieder nachdrücklich unterstrichen würde, in erster Linie an. Das Buch soll nicht einer einzelnen bevorrechteten Schicht der Nation, sondern der Gesamtheit des Volkes gehören und innerer Besitz werden. Das setzt voraus, daß das Buch vom Volke als ein nicht zu entbehrendes Gut, als eine Notwendigkeit des Lebens empfunden werde. Und deshalb ist erforderlich, daß nicht nur einzelne sich zum Buche bekennen, sondern daß Staat und Partei sich offiziell darum kümmern und innerlich daran beteiligt sind. In solchen Gedankengängen dürfen wir den Sinn der alljährlich wiederkehrenden Woche des deutschen Buches erblicken. hth. Der Festatt in Weimar. Weimar, 25. Okt. (DNB.) Mit einem großen Festakt in der Weimarhalle wurde am Sonntag die diesjährige Woche des deutsche nBuches von Reichsminister Dr. Goebbels feierlich eröffnet. Schriftsteller, Verleger und Buchhändler hatten sich mit vielen bekannten Männern oon Partei und Staat, Kunst und Wissenschaft hier zusammengefunden. Reichsminister Dr. Goebbels hatte am Vorabend die Erstaufführung von Schillers „Fi es ko" im Deutschen Nationaltheater besucht und am Sonntagvormittag an den Särgen Goethes und Schillers in der Furstengruft einen Kranz niedergelegt. Den Festakt in der Weimardalle leitete die Staatskapelle des Deutschen Nationaltheaters mit Liszts „Preludes“ ein. Relchsstatthalter Sauckel dankte Reichsminister Dr Goebbels und Staatsrat I o h st dafür, daß sie die Hauptstadt des Gaues Thüringen auserkoren haben, daß tn ihren Mauern alljährlich die Woche des deutschen Buches eröffnet werden solle. Präsident derReichsschristturnskarnrner, Staatsrat Iahst, leitete seine Ansprache mit einem Wort des Führers vom Parteitag der Ehre em: „Ein christliches Zeitalter konnte nur eine christliche Kunst besitzen, ein nationalsozialistisches Zeitalter nur eine nationalsozialistische." Der Totalitätsanspruch unseres jungen völkischen und staatlichen Selbstbewußtseins wurde damit endgültig und unwiderruflich auch für das Gebiet der Kultur festgestellt. Die Grundelemente unseres geistigen Lebens wurden durch diese Worte geschieden und wer nicht für uns ist, ist wider uns. Noch gibt es deutsche Schriftsteller, die da sagen: Was heißt Partei, Bewegung, Staatsform; wir treiben keine Tagespolitik, wir sind die unsterblichen Dichter, denn unsere Kunst ist Ewigkeit an sich. Ich sage diesen Vergreisten, ewig Vorgestrigen: Wir kommen ohne euch wunderbar aus! Wir pfeifen auf den Hochmut von sogenannten Dichtern, die da glauben, auf dem Umweg von Innerlichkeit und den Phrasen von Ewigkeitswerten dem schlichten, eindeutigen Bekenntnis zum Nationalsozialismus und der Tatsache des Dritten Reiches ihre Wege gehen zu können. Dieser herrliche und herrschende Staat plant seinen kulturellen Willen auf ein tausendjähriges Reich! Er baut — er baut zunächst aus der neuen Ordnung der Massen heraus, die er von der bolschewisierten Straße riß und zum Volke adelte, die steinernen Manifeste seiner Disziplin, seiner gradlinigen Gesetzmäßigkeit, seiner völkischen Natur. Für diese neuerbauten Räume einer zauberischen Technik, eines veredelten Handwerks fordert er nun: Musik, Bild Plastik, Buch. Entweicht, Dichter, nicht in kalte Bedenken; stellt feurige Gedanken mitten hinein in die neuummauerten Kräfte eures Gestaltenvolkes! Es gibt keine geistige Volksgemeinschaft ohne das Buch. Schafft, deutsche Dichter und Seher, deutsche Aussage und Sage! Der Dank dieses Volkes über die Erhebung eines einzigen Augenblickes währt ewig, ist eure Unsterblichkeit. Die Entscheidung im Raum des deutschen Schrifttums über Vergangenheit und Gegenwart trifft die Reichsschrifttumskammer. Sie ist damit die Herzkammer des nationalsozialistischen Gewissens und Verantwortungsgefühls. Unter ihren Mitarbeitern find die Verleger und die Buchhändler. Wir können in dieser Stunde, in der wir über das Reich hin und in den europäischen Raum hinaus das deutsche Buch proklamieren, nicht hart genug und aufrüttelnd aggressiv genug von der Aufgabe dieses Berufes und Standes sprechen. Der Buchhändler ist der Treuhänder des Geisteslebens. Er darf den Gabentisch seines Umsatzes nie zum bloßen Warenmittler seines privaten Einkommens benutzen. Heber dem Umsatz muß ihm bei jedem Verkauf der Einsatz für die Zukunft des Dritten Reiches stehen. Zum Buchhändler gehört, wie zum künstlerischen Schaffen, ein tiefer Glaube. Es geht um einen Ruf, einen Beruf. Das Buch gehört in das Volk. Deutschland ist nationalsozialistisch, d. h.das nationalsozialistische Buch allein gehört in das deutsche Volk. Mit Ladenhütern von vergangenen Epochen ist kein Staat mehr zu machen. Unser Staat benötigt die Offenbarungen unseres Geistes, und unser Geist ist ein einziges Gelöbnis: für das Kommende, Werdende, Wachsende werbende Liebe zu sein! Dem Ueberlebten, dem Getarnten, dem Widerstand aber Dynamit! dekemitms zum deutschen Buchim deutschen Volke. Dann betrat unter dem Jubel der Festversammlung Reichsminister Dr. Goebbels das Podium. Seine programmatische Ansprache wurde immer wieder vom Beifall der Zuhörer unterbrochen. Dr. Goebbels begann seine Ausführungen mit einer Würdigung der geistigen und seelischen Werte des Buches. „Von ihm gehen", so erklärte er, „ungeahnte und nie gekannte Wirkungen nach allen Nichtungen aus, und zwar können diese Wirkungen sich im Guten wie im Bösen einstellen. Im Bösen dann, wenn ein Buch aus einseitig individualistischen Triebe entsteht und deshalb auch zur einseitig individualistischen Abwanderung seines Lesers führt, im Guten dann, wenn es dem Geiste des Volkes entstammt; denn so wie es aus dem Volke kommt, richtet es sich wieder an das Volk, i;uft es die Nation an und spricht des Volkes Sprache zu den Menschen selbst. Man habe dem Nationalsozialismus oft den Vorwurf gemacht, daß er den frei forschenden Geist knebele, ihm Fesseln anleg-e und damit seine ungehemmten Entwicklungsmöglichkeiten unterbinde. Dieser Vorwurf aber sei durch die Tatsachen zu eindeutig und frappierend widerlegt worden, als daß er überhaupt noch einer Beachtung wert wäre. Der Nationalsozialismus habe zum ersten Male den Versuch unternommen, die Politik, die in parlamentarischen Demokratien zum bloßen materiellen Geschäft entartete, in die Bezirke des Geistigen zu heben. Selbstverständlich habe er dabei der geistigen Betätigung gewisse Grenzen setzen müssen, die da verliefen, wo Wohl und Interesse des nationalen Bestandes anfingen. Diese Tendenzen seien aber nicht gegen den Schrift st eller gerichtet, sie wirkten sich vielmehr zu seinem eigenen Vorteil aus, das individuelle geistige Leben des Einzelnen gehe im Geistesleben der Nation auf. Die Feder müsse dem Volke ebenso dienen, wie Schwerk und Pflug. „Wie es dem Soldaten nicht erlaubt sein kann zu schlagen und zu schießen, wann und wie er will", so erklärte Dr. Goebbels, „wie man es dem Dauern nicht gestatten darf, zu säen und zu ernten, was und wo er will, so hat auch der schreibende Mensch nicht das Recht, die Grenzen des Volkswohles zu sprengen, um sein individuelles Eigenleben auszuleben. Diesen Grundsatz, der für die weitere Existenz des geistigen Schassens im autoritären Staate von entscheidender Bedeutung ist, hat der Nationalsozialismus zum ersten Wale wieder erkannt, ausgesprochen und gesetzlich fixiert, und wie wir heute rückschauend feststellen können, zum Segen von Volk und Buch." Man werfe im Ausland dem Nationalsozialismus vielfach vor, daß er sich in dieser Beziehung in nichts vom Bolschewismus unterscheide. Der Denkfehler, der hier begangen werde, liege im Grundsätzlichen. „Unsere Maßnahmen", so trat der Minister diesen Behauptungen entgegen, „richten sich immer auf die Nation in ihrer Gesamtheit, die Maßnahmen des Bolschewismus betreffen den Vorteil einer Clique, bestenfalls einer Kaste. Das Volk hat davon keinen Vorteil, wenn das Denken im bolschewistischen Staate in die Enge einer verworrenen und zerfressenen Parteidoktrin gepreßt wird. Hier ist der Schriftsteller nicht mehr Diener der Nation, sondern Kuli eines verworfenen, kulturfeindlichen Dogmas. Unsere Maßnahmen beziehen sich dagegen auf das Volk selbst. Der deutsche Schriftsteller wird in das große Werk des nationalen Aufbaues eingefügt, er hat wieder ein Ziel, dem er an feinem Platz mit allen ihm zur Verfügung stehenden Kräften dienen kann." Dr. Goebbels wandte sich dann den Problemen des ständischen Aufbaues zu. Die Organisation des deutschen Schrifttumes in der Reichskulturkammer sei nun endgültig zum A b - schluß gekommen. Der Bund reichsdeutscher Buchhändler sei aufgelöst und die buchhändlerische Organisation als Fachgruppe eingegliedert worden. Damit sei in der Reichsschrifttums- kammer der letzte und endgültige Schritt zur organisatorischen Vereinfachung und Vereinheitlichung getan. Die Wahrnehmung des Einzelinteresfes, die früher Sie Hauptaufgabe zu fein schien, sei als Pflicht dem Gesamtstand übertragen worden, der durch seine enge personale Bindung mit den zuständigen Stellen des Staates jedem Schaffenden die Gewähr dafür biete, daß berechtigte Forderungen nicht überhört, daß sie vielmehr Zug um Zug erfüllt werden, wenn das große, gemeinsame Interesse es zulasse oder verlange. „Was den Erfolg dieser Arbeit anbetrifft", so führte der Minister weiter aus, „so ist dazu folgendes zu sagen: Wir stehen mitten im Jahre. Abschließende statistische Ziffern lassen sich daher im Augenblick nicht geben. Das statistische Material, das über die letzten Monate vorliegt, läßt jedoch deutlich erkennen, daß die wirtschaftliche Belebung des Buchhandels anhält. Die verlegerische Produktion des Vorjahres lag mit 11,3 v. H. über der des Jahres 1934. Die Monatsstatiftiken dieses Jahres wiesen aus, daß die Produktionsziffern noch über denjenigen des Jahres 1935 liegen. Die Mehrproduktion beträgt zwischen 200 und 600 Büchern pro Monat. Da Produktionssteigerungen noch immer das Thermometer waren, an dem sich der Entwicklungsstand genauer als an irgendwelchen anderen Maßstäben messen läßt, dürfen aus diesen Ziffern durchaus erfreuliche Rückschlüsse gezogen werden. Ich weiß sehr wohl, daß zu irgendeinem übertriebenen Optimismus fein Anlaß besteht, daß auch heute noch der Buchhandel mit schweren Sorgen zu ringen hat. Ich weiß aber auch, daß die einzige Chance, die dem mit Sorgen Kämpfenden gegeben ist, in dem Vertrauen auf d i e eigene Kraft und auf die Kraft des Volkes und feiner Führung liegt. Aus den Produktionsfteigerungen der letzten beiden Jahren schließe ich, daß der Buchhandel dieses Vertrauen besitzt, und ich bin daher sicher, daß es ihm mit Hilfe seiner Standesführung gelingen wird, auch mit den noch bestehenden Schwierigkeiten fertig zu werden. Im weiteren kam Dr. Goebbels auf die Werbung für das deutsche Schrifttum zu sprechen, die in der „Woche des deutschen Buches" wieder mit voller Kraft an die Oeffentlichkeit getreten sei. Es fei aber nötig, immer wieder daraus hinzuweifen, daß die Wirkung der Werbemahnahmen durch unbedingt erforderliche preispolitische Maßnahmen ergänzt werden mühten. „Wie die Wonatsstatistiken dieses Jahres ausweisen", so stellte der Minister fest, „Hegt der Durchschnittspreis des deutschen Buches noch immer über 4 Mark. Dieser Durchschnittspreis ist, das muh offen ausgesprochen werden, zu hoch, um den breiten Massen des Volkes den Ankauf von Büchern zu ermöglichen. Wir Nationalsozialisten haben von jeher den Standpunkt vertreten, daß das Schrifttum nicht Angelegenheit einer belesenen und besitzenden Oberschicht des Volkes bleiben darf. Dieser Grundsatz ist oon zu entscheidender Bedeutung, als daß auf ihn über alle Schwierigkeiten hinweg nicht die letzten notwendigen Konsequenzen gezogen werden sollten. Eine dieser Konsequenzen ist aber die Schaffung oon Büchern, deren Preis jedem Volksgenossen erschwinglich ist. Aber es genügt nicht, daß das Volk auf diese Weise mit Einzelwerken und Novellen, Erzählungen, Skizzen und Romanen namhafter Autoren bekannt- gemacht wird. Es muß vielmehr erreicht werden, daß zu derselben Zeit, in der sich jene Oberschicht des Volkes mit bestimmten wichtigen Neuerscheinungen auseinandersetzt, daß zur selben Zeit oder wenig später auch breiten Schichten des Volkes Gelegenheit zu dieser Auseinandersetzung gegeben wird. Denn nur unter dieser Voraussetzung ist für das schaffende Schrifttum ein einheitlicher geistiger Raum gegeben, in dem sich die Schaffenskräfte voll entfalten und in der Entfaltung zur Bildung der Volksgemeinschaft beitragen können." Dr. Goebbels legte dann ein Bekenntnis oon Staat und Partei zum Buche ab, dem jedoch das Bekenntnis des Buches zum Nationalsozialismus als dem Schutze jeder Kultur gegenüberstehen müsse. Mit einem Appell an die Nation, zum Buch zu halten, damit das Buch bei ihr bleibe, schloß der Minister. Nach der Rede von Dr. Goebbels spielte die Staatskapelle die von Kapellmeister Sixt komponierte Festhymne. Mit den beiden Nationalliedern klang die eindrucksvolle Kundgebung aus. Reichsminister Dr. Goebbels erweitert die Schillerstistung. Im Anschluß an die große Kundgebung zur Eröffnung der Woche des Deutschen Buches veranlaßte Reichsminister Dr. Goebbels, daß der seitherige Fonds der Deutschen Schillerstiftung von heute ab verdreifacht wird. Die Erhöhung erfolgt aus Mitteln, die dem Reichsminister selbst zur Verfügung stehen, sowie aus Beiträgen der Reichsschrifttumskammer und des Buchhandels. Reichsminister Dr. Goebbels um- riß grundsätzlich bie' Aufgaben der Stiftung und veranlaßte eine dementsprechende Ueberarbeitung ihrer Satzungen. Ihr Verwaltungssitz bleibt wie bisher das Schillerhaus in Weimars Gleichzeitig verfügte der Minister, daß die gesamte soziale Betreuung der deutschen Dichter in Weimar zentralisiert, d. h. also in die Hände der Deutschen Schillerstiftung in der Reichsschrifttumskammer gelegt wird. Auf diese Art ist die Deutsche Schillerstiftung, Weimar, in die Lage versetzt, den Kreis der zu betreuenden Dichter wesentlich zu erweitern. Zu diesem Kreis gehören wie bisher die Dichter, die unverschuldet in Not geraten sind, aber der Nation durch ihr Werk hohe Werte gegeben haben. Diese Verfügung ist wieder ein Beweis für das hohe Verantwortungsgefühl der Führung des neuen Staates gegenüber den schöpferischen Menschen der Nation. Es ist darüber hinaus vorgesehen, die bestehenden buchhändlerischen Unterstützungsverbände unter der Bezeichnung „Palm-Stiftung in der Reichsschrifttumskammer zufam- menzufaffen. Ehrengabe des deutschen Buchhandels an Dr. Goebbels. Aus Anlaß der Woche des deutschen Buches überreichte der Präsident der Reichsschrifttumskammer, Staatsrat Hanns Iahst, vor der Fest- aufführung im Deutschen Nationaltheater Reichsminister Dr. Goebbels eine Ehrengabe der Reichsarbeitsgemeinschaft für deutsche Buchwerbung in Gestalt eines von der Weimarer kunstgewerblichen Werkstätte für Buchbinderei Professor O. D o r f n e r gefertigten kostbaren Buches, in dem 67 deutsche Autoren eigenhändige Eintragungen gemacht haben. Der Präsident der Reichssibrifftums- fAmmer Staatsrat Hanns Iohst zur „Woche des Deutschen Buches 19361'. 3n der „Woche des Deutschen Buches" ergeht an jeden einzelnen in unserem Volk der Ruf, im Schrifttum unsere Zeit, ihre Gaben, ihre Aufgaben und ihre großartige Schönheit zu begreifen. Für uns Deutsche waren seit jeher Werktage und Festtage auch Tage mit Büchern! Unsere neue Gemeinschaft hat uns gelehrt, die Liebe zum deutschen Buch gemeinsam zu bekennen; was nur noch Sache des einzelnen schien, wieder zum Erlebnis des ganzen Volkes zu machen! So ist unser Bekenntnis zum Buch zugleich ein Programm: Alle zum Buch Berufenen und alle vom Buch Gerufenen erneut zusammenzuführen! Gras L ano in der Hauptstadt der Bewegung deutschen __ , , , „ , , bezug auf Aethiopien geregelt, und die oerj , schwebenden Fragen werden zur gegenseitigen Zufriedenheit der beiden Länder gelöst werden. Alle diese Punkte wurden in einem Protokoll festgelegt, das beim Abschluß unserer Besprechungen abgefaßt sehen habe, macht auf mich einen lebhaften und unmittelbaren Eindruck, und die Fühlungnahme mit Ihren Staatsmännern, die Institutionen, die ich besuchte, die Kundgebungen, denen ich beiwohnte, vervollständigten in meinem (Seift das große Bild des nationalsozialistischen Deutschlands, dem ich meine tiefsten und aufrichtigsten Glückwünsche ausspreche. Die herzliche Fühlung- alten Parteisaal und anschließend das neue Verwaltungsgebäude besichtigte. Inzwischen leuchtet um den Konrgsplatz ein flammendes Band von Fackeln auf. Auf den mächtigen Toren der Propyläen lodert das Feuer aus Opferschalen und eindrucksvoll hebt sich der matt- gelbe Schein der schwelenden Feuer ab, die in der Ewigen Wache aus den Pylonen lodern. Nach dem Verlassen des Verwaltungsgebäudes begibt sich Graf Ciano in die Mitte der Ehrentempel und nimmt den Vorbeimarsch von vier Kompanien der SS.-Derfügungstruppe ab. Die Fahrt geht dann durch ein Spalier brennender Fackeln durch die Briennerstraße zum Odeonsplatz. Der Wagen hält vor der Feldherrnhalle, in deren Mitte aus einer weißen Opferschale eine mächtige Flamme zum Himmel loht, während das Innere der Feldherrnhalle durch Tiefstrahler wirkungsvoll beleuchtet ist. Der Minister begibt sich in Begleitung des Gauleiters -um Mahnmal, vor dem er den ersten Blut» nähme zwischen unseren beiden Regierungen wir d fortgesetzt, und unsere Mitarbeit am allgemeinen Friedens- und Wiederaufbauwerk Europas wird in Rom wie in Berlin w e i t e r g e f u h r t werden in demselben Geist und mit derselben Entschlossenheit, wie wir sie in diesen Tagen begonnen haben." Graf Ciano ist am Sonntag kurz nach 13 Uhr wieder in Rom eingetroffen. In seiner Begleitung befand sich auch Botschafter v. H a s s e l l. Bastianini an der Spitze, ferner Botschaftsrat von Plessen mit Mitgliedern der Botschaft erschienen. Die Anerkennung des iialienischen Kaiserreichs Aeihiopien Berlin, 24. OH. (DBB.) Der königlich lta- lienische Minister der Auswärtigen Angelegenheiten, Graf Ciano, wurde (wie schon am Samstag in einem Teil der Auflage gemeldet) vom Führer und Reichskanzler empfangen. In der Unterredung hat der Führer und Reichskanzler dem Vertreter der faschistischen Regierung mitgeteilt, daß die Reichsregierung sich zur förmlichen Anerkennung des italienischen Kaiserreiches Aethiopien entschlossen Hal. Der italienische Außenminister brachte zum Ausdruck, daß die faschistische Regierung von dieser Mitteilung in voller Würdigung ihrer Bedeutung mit Genugtuung Kenntnis nehme. Das Ergebnis des italienischen Ministerbesuchs Gemeinsame Förderung des allgemeinen Friedens und Wiederaufbaus. Das Echo iu Italien. Aufrichtige Genugtuung über die Zusammenarbeit beider Böller. Mailand, 25. Oft. (DNB.) Die italienische Presse steht im Zeichen des Zusammentreffens zwi- scheu dem Führer und Graf Ciano und der Frie- densrede Mussolinis in Bologna. Die lauge Aussprache zwischen dem Führer und Ciano, so schreibt der Mailänder „Corriere della Sera", sei der Gipfelpunkt der Deutschlandreise des italienischen Außenministers gewesen. Die Au- erkennung des Imperiums durch Deutschland sei ein erstes konkretes Ergebnis der Be- sprechungen. Die Entscheidung des Führers sei em beredtes Zeichen für die Klarheit der Veen und wurde. Ich kehre each Italien zurück mit dem Gefühl der aufrichtigen Bewunderung für alles, was ich in Deutschland habe sehen können. Diese Gefühle gelten in erster Linie dem Führer, dem ich den Gruß des Duce und des faschistischen Italiens übermittelt habe. Ich kannte Deutschland noch nicht, obgleich ich, wie Sie es sich wohl denken können, in diesen Fahren fast täglich der nationalsozialistischen Bewegung und ihrem glänzenden nationalen Wiederaufleben unter der genialen und schöpferischen Führung des Führers gefolgt bin. Was ich ge- Auch das künftige Schicksal des Völkerbun- । des wurde in den deutsch-italienischen Besprechungen behandelt und es wurde als ein durchaus ; offenes Problem angesehen, dessen Lösung noch : keinerlei feste Umrisse erkennen läßt. Deutschland < und Italien sind sich aber in der grundsätzlichen : Forderung einig, daß ein wahrhafter Völkerbund, ; der ein echtes Friedenswerkzeug darstellen soll, nicht den Interessen irgendwelcher Sondergruppen dienen und auch nicht in irgendwelche Verbindung mit dem Versailler Diktat stehen darf. Die spanischen Ereignisse, die ja in gewisser Weise auch mit der Genfer Krise Zusammenhängen, wurden ebenfalls berührt. Es ist dabei von beiden Seiten der Hoffnung Ausdruck gegeben worden, daß die fortschreitende Besitz- und Machtergreifung der Nationalisten bald dazu führen möge, ge- regelte Z u st ä n d e auf der Iberischen Halb- insel wieder herzustellen. Graf Ciano hat darüber hinaus gewisse ausländische Gerüchtemacher an den Pranger gestellt, indem er in München öffentlich erklärte, daß man beiderseits die Aufrichtung Spaniens „in seiner absoluten sowohl nationalen wie kolonialen Integrität" wünsche. Es braucht kaum hinzugefügt zu werden, daß beide Staaten, Deutschland und Italien, bei der Behandlung der spanischen Frage nach wie vor auf dem Prinzip der Nichteinmischung beharren, weil sie nicht wünschen, nach dem Willen Moskaus aus einem lokalen Brandherd das fressende Feuer eines Weltkrieges sich entwickeln zu lassen. Wie im Westen, so wurde auch im Osten Europas die Gemeinsamkeit der Anschauungen in Berlin und Rom als ein festes Element des allgemeinen Friedens bestätigt. Mit Befriedigung konnte man feststellen, daß Oesterreich, das solange als Zankapfel der beiden autoritären Staaten und als europäischer Konfliktsherd überhaupt gegolten hatte, auf Grund des Abkommens vom 11. Juli bereits eine Reihe von Vorteilen erzielen konnte, die dieser deutsche Staat unter den früheren Verhältnissen nicht hätte erhoffen können. Die Normalisierung der politischen und wirtschaftlichen Beziehungen im Donauraum soll sich jedoch nicht nur auf Oesterreich erstrecken, sondern auch auf alle anderen Staaten, die in diesem mächtigen Stromgebiet die Schlagader ihres nationalen Lebens sehen. Die überragende Bedeutung, die Italien und Deutschland als große Absatzmärkte für die kleineren Donaustaaten haben, führte zu der Erkenntnis, daß eine enge Zusammenarbeit und Übereinstimmung in allen Wirtschaftsfragen des Donauraumes künftig für Deutschland und Italien notwendig sind. So rundeten sich die Gespräche, die in Berlin und Berchtesgaden geführt wurden, zu einem Bilde der europäischen Zukunft, in dem alle Völker gleichberechtigt ihren Platz einnehmen und ihre Friedensarbeit ungestört verrichten können. Ev. VegeisterierEmp'anginMnchen München, 24. Oft. (DNB.) Der italienische Minister des Aeußern, Gr a f C i a n o , der am Samstagvormittag dem Führer auf dem Obersalzberg einen Besuch abgestattet hatte, traf um 16.50 Uhr mit dem Sonderzug aus Berchtesgaden im Münchener Hauptbahnhof ein. Nach kurzer Begrüßung durch den Gauleiter Wagner begab sich Graf Ciano auf den Bahn- hofsplatz, wo eine Triumphpforte aus dunklem Tannengrün errichtet war, von der die italienische Nationalflagge mit dem Rutenbündel wehte. Eine Kompanie der SS.-Verfügungstruppe präsentierte, der bayerische Präsentiermarsch erklang. Graf Ciano schritt unter den Klängen der italienischen Königshymne und der Giovinezza, begleitet von Gauleiter Wagner, die Front der Ehrenkompanie und des Fascio ab. Dann trat Graf Ciano eine förmliche Triumphfahrt durch die Stadt an, wobei ihm die Bevölkerung äußerst herzliche Ovationen bereitete. Nach allen Seiten dankend, nimmt Graf Ciano freundlich lächelnd die Sympathiekundgebungen entgegen. Vor den Propyläen halten die Wagen. Graf Ciano schreitet über den Königsplatz den Ehrentempeln zu. Ein SS. - Mann folgt mit . einem mäch- zeugen der Bewegung ein minutenlanges, stummes Gedenken widmet. Nun geht es zum Hotel „Vier Jahreszeiten". In den Straßen hatte hinter den fackeltragenden SA.-Männern die nationalsozia- listische Jugend Aufstellung genommen, die den Gast stürmisch begrüßten. Vor dem Hotel standen Ehrenposten der SS.-Derfügungstruppe. Fünf schmucke BDM.-Mädels überreichten dem Außenminister einen Blumenstrauß. Am Samstagabend fand im Residenztheater eine Festaufführung der Oper „Don Giovanni" statt. Im Feuerschein der Fackeln leuchtete der Brunnenhof der Residenz und der Aufgang zum Residenztheater, wo Graf Ciano von Gauleiter Adolf Wagner begrüßt wurde. Auf der großen Freitreppe zur Führerloge bildeten k erzen- tragende Pagen und Ehrenjungfrauen Spalier. Als Graf Ciano die Führerloge betrat, wurde er mit begeistertem Händeklatschen begrüßt. Nachdem der Gast mit dem faschistischen Gruß ge- dankt. hatte, spielte die Kapelle die italienische Königshymne und die Giovinezza und anschließend das Deutschland- und das Horst-Wessel-Lied. Nach Beendigung der Festaufführung fuhr Graf Ciano durch ein Fackelspalier der SS. in das Hotel „Vier Jahreszeiten" zurück, wo im kleineren Kreise ein Abendessen stattfand. Nach einem Presseempfang begab sich Graf Ciano zum Flughafen Oberwiesen- feld. Graf Ciano wechselte mit Gauleiter Wagner herzliche Abschiedsworte. Nachdem sich der Minister auch von den anderen Herren verabschiedet hatte, bestieg er das Flugzeug. Die Schlußverlautbarung. „Uebereinstirnrnung der Auffassungen." Berlin, 25. OFL (DBB.) 3m Verlauf des Be- suches des italienischen Außenministers Graf Ciano in Deutschland sind in seiner Unterhaltung mit dem Führer und Reichskanzler sowie in verschiedenen Unterhaltungen zwischen ihm und den leitenden deutschen Persönlichkeiten die schwebenden politischen, wirtschaftlichen und sozialen Fragen von größerer Bedeutung erörtert worden, namentlich diejenigen, welche beide Länder unmittelbar betreffen. Die Unterhaltungen haben in einer Atmosphäre freundschaftlicher Herzlichkeit slattgefunden. Zur beiderseitigen Genugtuung ist die Uebereinstimmung der Auffas s u n g e n und die Absicht der beiden Regierungen festgeslellt worden, ihre gemeinsame Tätigkeit auf die Förderung des allgemeinen Friedens und Wiederaufbaues zu richten. Die beiden Regierungen haben beschlossen, zur Durchführung dieser Bestrebungen in Fühlung zu bleiben. Graf Elano empfangt die presse. „Die Fühlungnahme wird fortgesetzt werden." Sonntagvormittag empfing Graf Ciano die in München versammelte Presse und gab ihr folgende Erklärungen ab: „In diesen Tagen habe ich in Berchtesgaden mit dem Führer und in Berlin mit Freiherrn von Neurath einen gründlichen G e - dankenaustausch über d i e allgemeine politische Lage gehabt. Dieser Meinungsaustausch hat die feste Absicht unserer beiden Regie- rungen noch klarer hervortreten lassen, unsere gemeinsamen Bestrebungen auf das allgemeine Werk des Friedens und des Wiederaufbaues zu richten. Diese gemeinsamen Bestre- bungen haben ihre festen Grundpfeiler nicht nur in den Interessen beider Länder, sondern auch in der hohen Aufgabe, die Deutschland und Italien bei der Verteidigung der großen zivilisatorischen Einrichtungen Europas erfüllen. In diesen Rahmen fällt die durch uns vollzogene Ueberprüfung der jetzt schwebenden Verh-andlungen für die Ersetzung des Locarno-Vertrages. Wie Sie wissen, antwortete die deutsche Regierung ebenso wie die italienische bereits auf das britische Memorandum, und beide Regierungen betonten den klaren Willen, an einer Festigung der Grundlagen der Sicherheit mitzuarbeiten, wie sie aus einem Garantiepakt für Westeuropa sich ergeben können. Wir überprüften auch mit Freiherrn von Neurath verschiedene Seiten des Dölkerbundpro- b l e m s. Unsere beiden Regierungen werden, wie in der Vergangenheit, fortfahren, in einer engen und freundschaftlichen Fühlungnahme zu bleiben. Was die Lage im Donauraum betrifft, so kann ich sagen, daß die von uns vorgenommene Prüfung der Lage, die wir im Lichte der Römischen Protokolle und des deutsch-österreichischen Abkommens vom 11. Juli vorgenommen haben, uns erlaubt hat, zu unserer gegenseitigen Befriedigung die praktischen und positiven Vorteile zugunsten Oesterreichs festzustellen, die die Politik der beiden Länder schon gezeitigt hat. Die beiden , Regierungen werden die den Donauraum betreffenden Probleme in einem Geiste der ’ freundschaftlichen Zusammenarbeit Grundlagen des neuen Europa. Graf C i a n o , der in seiner Heimat als das Sinnbild der italienischen „Giovinezza" eine der populärsten Persönlichkeiten ist, hat sich auch wegen seiner jugendlichen Frische und Aufrichtigkeit sehr rasch die wärmsten Sympathien des deutschen Volkes erobert. Wir sehen in ihm einen Mann scheiden, der als Außenminister Mussolinis und zugleich als jüngster Staatsmann Europas eine der großen Hoffnungen unseres alten Erdteils ist. Wie stark gerade die persönlichen Wirkungen waren, die von dem Grafen Ciano trotz seines kurzen Aufenthaltes im Dritten , Reich ausgingen, das zeigten die herzlichen Kundgebungen, die vor allem während des Wochenendes die Bevölkerung Münchens, aber auch die Einwohnerschaft Berlins dem italienischen Gast bereitete. Und so wie die äußeren Formen dieser Besuchsreise von einer Atmosphäre gegenseitigen Vertrauens und gegenseitiger Zuneigung umgeben waren, fo rourbe auch die politische Aufgabe dieser Tage im Geiste freundschastlicherZusammenarbeit erledigt. Wie sehr unterscheidet sich doch diese Art internationaler Politik von den vielen Diplomatentreffen und Massenkonferenzen, die vordem im Nachknegs- europa Mode geworden waren. Hier die freie, vorbehaltlose Aussprache von Mann zu Mann, dort das intrigante Spiel des ewigen Mißtrauens. Hier die Feststellung der großen Gemeinsamkeiten ohne Beeinträchtigung fremder Interessen, dort das geheime Bündnisgeschäft gegen dritte Machte. Hier die kluge, realpolitische Abwägung der verschiedensten aktuellen Probleme ohne doktrinäre Einseitigkeit, dort das starre, unfruchtbare Festhalten an wesenlosen, längst vermoderten Ideologien. Wirklich, in Berchtesgaden und Berlin wurden m der vergangenen Woche die Grundlagen eines neuen lebenskräftigen, eines jugendlichen und vorwärtsdrängenden Europa wenn nicht gelegt, fo doch mit den starken Klammern gemeinsamen Wollens befestigt. . „ Es wurde kein Pakt, kein Vertrag, fern Bündnis abgeschlossen, wie gewisse andere Mächte es vielleicht erwartet haben, weil sie selber nicht anders gehandelr hätten. Schon aus diesem völligen Fehlen eines neuen machtpolitischen Instruments als einer möglichen Folge der deutsch-italienischen Annäherung geht zur Genüge hervor, daß die europäische Politik, wie sie vom Führer und vom Duce gestaltet wird, nicht auf die Verschärfung der Gegensätze zwischen den Volkern, sondern auf den Zusammenschluß aller zivilisierten Nationen abzielt. Es ist dabei auch zum Ausdruck gebracht worden, daß Sowjetrußland nicht unter die Kulturstaaten gerechnet werden kann, und die deutschen und italienischen Regierungsvertreter sind sich darüber einig geworden, daß u. a. auch der Abwehrkampf gegen den Bolschewismus eine gemeinsame europäische Aufgabe im Dienste des Friedens ist. Darüber hinaus ist eine Verständigung in vielen anderen Punkten erzielt worden, eine Verständigung, die, wie Graf Ciano in München erklärte, immer darauf ausging, das allgemeine Werk des Friedens und des Wiederaufbaues zu stützen. So gelang es, den Standpunkt der beiden Regierungen in allen aktuellen Problemen zu klären. Es ist bezeichnend für die weitgreifende, nicht nur auf die italienischen oder deutschen Interessen beschränkte Politik des Faschismus und Nattonalsozialismus, daß mit Bezug auf den künftigen W e st p a f t fest- gestellt wurde, daß dieser in erster Linie der Befriedung der deutsch-französischen Beziehungen ols dem Kernpunkt der ganzen europäischen Auseinandersetzung dienen soll, und zwar so, daß dieser künftige Kriegsverzichtspakt paritätisch durch Italien und England zu garantieren ist. Das bedeutet selbstverständlich feinen Ausschluß Belgiens aus dieser Friedensgarantie. Es wird nun von den übrigen Partnern des geplanten Fünf-Mächte-Dertrages mit abhängen, wie schnell die in Berlin bekundeten Absichten einer endgültigen Befriedung Westeuropas Wirklichkeit werden können. Der Begriff Abessinien, der noch vor einem Jahre das große Schlagwort der europäischen Politik, der Drehpunkt aller Geschehnisse war, ist eit der Ausrufung des römischen Imperiums durch Mussolini mehr und mehr aus dem Vokabular der Leitartikler und Militärschriftsteller verschwunden. Nur zuweilen tauchten die Gestalten und Ereignisse dieses Kolonialkrieges wieder in der Erinnerung auf, wenn etwa in Genf die Bolschewisten den Ras Tafari aus der Versenkung hervorholten, wenn einige Großmächte diese klägliche Figur noch auf dem Schachbrett ihrer Politik hin und her schoben. Deutschland hat sick an diesen unnützen Schattenspielen nie beteiligt, es hat seine neutrale Haltung in einer Angelegenheit, die unser Lebens- interefje nicht berührte, stets gewahrt. Wenn nun die Reichsregierung ihrer unverrückbaren Einftel- ung dahin Ausdruck gegeben hat, daß sie die ärmliche Anerkennung des italienischen Kaiserreiches Äthiopien ausspricht, dann ist das nur eine neue Bekundung unseres realpolitischen Denkens und unseres Willens zur gegenseitigen Zusammenarbeit der europäischen Völker, eine Anerkennung schließlich auch der Pionierarbeit, die das faschistische Italien im fernen Ostafrika für die Sache der Zivilisation, für die Bedürfnisse des eigenen Volkes wie für das Wohlergehen ber eingeborenen Völker schon geleistet hat und noch leistet. Erschließung und Aufbau Aethiopiens durch die Italiener nach dem Kriege sind wahrlich wichtiger zu nehmen und höher zu schätzen als die negativen Versuche gewisser Politiker, die juristische Erledigung des abessinischen Konfliktes immer weiter hinauszuzögern und damit einen Konfliktstoff künstlich zu erhalten, der doch nur den egoistischen und keineswegs friedlichen Zielen der roten und rosaroten Internationale dienen soll. Die Erschließung und Kultivierung eines so ungeheuren Landes wie Aethiopien, das den sechsfachen Umfang der Apennin-Halbinsel besitzt, erfordert natürlich eine Arbeit von vielen Jahrzehnten, erfordert riesige Mittel an Menschen und materiellen Werten, die eine Ratton, die sich einst die Proletarierin unter den europäischen Völkern nannte, nicht in unerschöpflicher Menge aufbringen kann. Was trotzdem in Abessinien in diesem Jahre schon geleistet wurde, ist aller Anerkennung wert. Der vom Duce als Dizekönig in Aethiopien eingesetzte Marschall B a d o g l i o hat die Grundlagen der Verwaltung bereits geschaffen, er hat für die Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung gesorgt und die Räuberbanden, die den Krieg auf eigene Faust glaubten weiterführen zu können, zum Teufel gejagt. Es wurde aber auch mit dem positiven Aufbau der neuen Kolonie begonnen. Es wurden neue Straßen gebaut, es wurden Flugplätze angelegt und Krankenhäuser errichtet. Die Hauptstadt Addis Abeba erhielt ein neues Aus- sehen, wissenschaftliche Kommissionen reiften durch das Land, um die Möglichkeiten einer kolonialen Industrie und Landwirtschaft zu untersuchen. Bei allen diesen Unternehmungen aber hat der Fa- schismus darauf gesehen, daß den Eingeborenen ihre Lebensmöglichfeiten, Sitten und Gebräuche, ihre religiösen Feiern und Kulte nicht beschnitten werden. Andererseits verlangt die römische Regierung von ihren Kolonisatoren, ihren Bauern und Soldaten, die drüben eine neue Heimat finden sollen, daß sie sich mit der farbigen Bevölkerung nicht vermischen. Der Dumce selbst hat erklärt: „Der Staat widersetzt sich energisch jeder Form sentimentaler Beziehungen zwischen weißen Italienern und farbigen eingeborenen Frauen". Die Reinheit der italienischen Raste in Abessinien aufrechzuerhalten, ist für den Faschismus eine Voraussetzung erfolgreicher Tätigkeit im neuen Kolonialland. Die Kultivierung Aethiopiens steckt naturgemäß noch in den Anfängen, aber wenn die geistigen und seelischen Grundlagen dieses Werkes gesund sind, so darf man erwarten, daß das ehemalige Negus-Reich kein unverdauter Brocken in der italienischen Suppe bleiben wird. Und wenn man von den groß angelegten Plänen hört, die Abessinien zu einem politischen und wirtschaftlichen Mittelpunkt ganz Ost- afrifas machen sollen, wenn man hört, daß hier zwei Millionen Weiße als Bauern angesiedelt werden sollen, daß hier eine große Industrie für die Verarbeitung von Mineralerzen und Baumwolle entstehen soll, die eines Tages der fernöstlichen Massenproduktion den Rang streitig machen wird, wenn man von allen diesen weitgreifenden Absichten hört, dann bürgt auch die erwiesene Tatkraft des faschistischen Italiens zu einem Teil dafür, daß aus solchen Plänen einmal Wirklichkeit wird. Der Heber- gang vom Kriegshandwerk zur Friedensarbeit ist erfolgreich begonnen worden. Wir glauben, daß Italien auch die Früchte seines Schaffens einst ernten wird. E. v. behandeln. Wir haben auch die Lage Spaniens erörtert, und es bestand Einverständnis in der Erkenntnis, daß die nationale Regierung des Generals Franco von dem festen Willen des spanischen Volkes in dem größten Teil des Staatsgebietes getragen ist, wo es ihr gelungen ist, Ordnung und bürgerliche Disziplin wiederherzustellen im Gegensatz zu den anarchistischen Zuständen, die dort geherrscht hatten. Gleichzeitig haben wir das Prainzip der Nichteinmischung in die spanischen Angelegenheiten von neuem bestätigt sowie die Aufrechterhaltung der in diesem Sinne eingegangenen internationalen Verpflichtungen erneut bekräftigt. Es ist überflüssig, hinzuzufügen, daß wir einer Meinung waren darüber, da Deutschland und Italien feinen anderen Wunsch haben, als daß Spanien — in seiner absoluten sowohl nationalen wie kolonialen Integrität — baldigst seine ihm im Leben der Nationen gebührende große Rolle wieder einnimmt. Gegenüber den ernsten die soziale Struktur Europas bedrohenden Gefahren haben der Führer, Freiherr von Neurath und ich andererseits den festen Entschluß des italienischen und des deutschen Volkes erneuert, mit allen Kräften das heilige Erbgut der europäischen Zivilisation in ihren großen, auf der Familie und der Nation aufgebauten Einrichtungen z u verteidigen, auf die sie gegründet ist. In diesem Geiste haben wir auch mit Freiherrn von Neurath beschlossen, die kulturellen Beziehungen zwischen Deutschland und Italien intensiver zu g e ft a 11 e n , und gleich nach meiner Rückkehr nach Rom werden wir die Besprechungen für den Abschluß eines Abkommens über den kulturellen Austausch zwischen beiden Ländern beginnen. Wie gestern angekündigt wurde, hat der Führer beschlossen, das italienische Imperium von Aethiopien anzuerkennen. Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, mit welcher Befriedigung ich diesen Entschluß ausgenommen habe. Bei dieser Gelegenheit haben wir die italienisch- Wirtschaftsbeziehungen in *■ stcyiedenen tigen Lorbeerkranz mit einer Schleife in den italienischen Landesfarben und der Aufschrift: „Den ge- faUenen Nationalsozialisten — Der Minister des Aeußer.en." Ehrfurchtsvoll grüßt Graf Ciano die Blutzeugen des Nationalsozialismus. Dann begibt sich der italienische Außenminister in das Braune Haus. Reicbsschatzmeister Schwarz geleitet ihn in den Senatorensaal. Dann wurde das Arbeitszimmer des Führers besichtigt. Die yicuuny «1«»« dort ausgestellte und von einer deutschen Künstlerin I Zur Begrüßung des Außenministers waren auf geschaffene B ü st e des Duce erregte die beson- ! dem Flugplatz zahlreiche Beamte des Außen- und dere Aufmerksamkeit des Gastes, der weiter den j des Propagandaministenums mit ©taatsferretar des realistischen Sinnes, der die deutsche Politik erfülle. Das Beispiel verdiene nachgeahmt zu werden, damit die Politik Europas und der Welt zu jenem grundlegenden Ernst zurückkehren könne, von welchem sie sich durch den Sanktionismus und das äthiopische Possenspiel weit entfernt habe. In Bologna sei der Friedenszweig noch ausdrücklicher und ohne Vorbehalte angeboten worden, aber im gleichen Wirklichkeitssinn müsse er angenommen und wieder vergolten werden. „Popolo d'Jtalia" schreibt, die Zusammenarbeit vom Obersalzberg sei ein Beweis dafür, daß es in dem Meer von Unruhe unseres Kontinents eine feste und gut verteidigte Insel der Eintracht gebe, die als Beispiel zur Ermutigung und als unzerstörbare Realität bestehen bleiben werde. Die offizielle Anerkennung des italienischen Imperiums bilde einen Akt der Freundschaft, der die politischen Beziehungen zwischen den beiden Staaten und die geistigen Verbindungen zwischen den beiden Völkern wesentlich versteifen werde. Diese Geste erfülle die italienische Seele mit Befriedigung, um so mehr als die Anerkennung von dem nationalsozialistischen Deutschland komme, mit dem gerade in diesen Tagen s o viele gemeinsame geistige Bande festgestellt werden könnten. Die Friedensbotschaft Mussolinis wird von „V o c e d ' I ta l i a" als der erste und authentische Kommentar der glücklichen Arbeitsgemeinschaft der beiden großen Mächte Italien und Deutschland bezeichnet. Zwischen den beiden Mächten gebe es kerne Komplotte und ebensowenig Einschüchterungs- oder Angriffsabsichten gegenüber Staaten oder politischen Ideen, sondern nur den gemeinsamen Willen, sich freimütig zur gegenseitigen Unterstützung und Abwehr die Hand zu reichen. Der Appell Mussolinis fordere zu der großen Zusammenarbeit unter den Völkern auf, zu der die herzliche und mächtige Vereinigung der italienischen und der deutschen Kräfte einen sicheren Beitrag bilden könne. Der Friedensappell Mussolinis ergehe in einem Augenblick, in dem Hunderttausende das Werk der Erschließung und Besiedlung Abessiniens beginnen und Italien, das man vereinsamt und geschwächt wähnte, mit seiner Aktion und mit seinen politischen Freundschaften auftreten könne. Dieser Appell müsse g e - hört und reiflich erwogen werden. Mussolini biete zum letzten Mal den großen Olioen- zweig an. Oelzweig über Bajonetten. Eine Friedensbotschaft Mussolinis. Rom, 24. Okt. (DRV.) Als Auftakt des Jahrestages des faschistischen Marsches auf Rom hat der italienische Regierungschef die neue Siedlung Corridonia eingeweiht und eine Reihe von öffentlichen Gebäuden in Macerata und Bologna ihrer Bestimmung übergeben. In Bologna sprach der Duce vor den Schwarzhemden der 10. Legion, „der Lieblingslegion von Julius Cäsar, dem Begründer des ersten römischen Imperiums". Mussolini gab einen Ueberblick über die letzten zehn Jahre des Faschismus, die er in drei Etappen einteilte, die Etappe der Versöhnung von 1926 bis 1929, die als „größtes Ereignis am 11. Februar 1929 den Frieden mit der Kirche brachte". In der zweiten Periode von 1929 bis 1934 fei der korporative Staat ausgebaut, ganz Libyen erobert und die Trikolore bis nach Kufra 1000 Kilometer von der Küste entfernt getragen worden. Die -dritte Periode beginne mit dem Jahr 1934 und trage den Stempel des Imperiums. Ein Volk ohne Raum müsse ersticken. In sieben Monaten haben wir ein Kaiserreich erobert gegen eine ganze Koalition, die ihr Hauptquartier an den Ufern des Genfer Sees aufgeschlagen hatte, wo eine Kongregation von politischen Fanatikern den Geist mit dem Buchstaben töten und das übermächtige Leben der Völker durch Paragraphen ersticken möchte. In diesem Augenblick rücken unsere Kolonnen in großen Märschen in die fruchtbarste Gegend der großen Seen i m Herzen Aequatorial-Afrikas vor. Eine andere Kolonne stößt gegen den Westen vor, um zu sehen, wo die Phantom-Regierung von Gore noch ausgehoben werden kann. Wenn diese Gebiete, die sechsmal größer sind als Italien, erobert sind, wird Arbeit und Platz für alle sein. Während der europäische Horizont im Durcheinander der Unsicherheit und Unordnung sich verdüstere, biete Italien der Welt ein bewundernswertes Beispiel der Geschlossenheit, der Disziplin, der alten römischen Bürgcrtugend. „Von diesem Bologna aus, das in den Jahrhunderten eine Leuchte menschlicher Weisheit war, will ich heute an die Welt eine Botschaft richten, die über die Alpen und Meere reichen soll, eine Botschaft des Friedens, des Friedens in der Arbeit und der Arbeit im Frieden. Seit 1929 leiden Millionen und Abermillionen von Männern, Frauen und Kindern unter einer Krise, die, wie jetzt zugegeben werden muß, eine Folge des S y - st e m s ist. An der Schwelle des 14. und 15. Jahres der faschistischen Zeitrechnung erhebe ich einen großen Olivenzweig. Dieser Olivenzweig wächst aber wohlgemerkt über einem dichten Wald von acht Millionen Bajonetten." Ungeheure Probleme seien zu bewältigen. Aber sie sollen mutig angefaßt und überwunden werden. Denn es sei der Ge i st, der die Materie meistere, der Geist, der hinter den Bajonetten und Kanonen stehe, der Geist, der die Heiligkeit und den Heldenmut verleihe, mit dem Völker wie das italienische Sieg und Ruhm erwerben. Portugal stellt Moskau als Anstifter des spanischen Bürgerkrieges bloß. Oie portugiesische Note an den Londoner Nichteinmischungs-Ausschuß. London, 26. Okt. (DNB. Funkspruch.) Die portugiesische Regierung hat dem Londoner Nichteinmischungsausschuß eine 21 Seiten umfaßende Note überreicht, die sensationelle Enthülungen über die Rolle der kommunistischen Internationale in Spanien enthält. — Die Feststellung, daß die blutigen spanischen Wirren von Sowjetrußland geplant und angeführt worden seien, wird mit zahlreichen Einzelheiten belegt. Eines der Ziele sei die Entfachung eines Krieges gegen Portugal gewesen. Im vergangenen März seien die bolschewistischen Agitatoren Dena- kum, Losovski, Janson, Riedel, Primac, Berzin und Neumann in Barcelona eingetroffen. Bald darauf seien große Mengen von Waffen und Munition auf sowjetrussischen Schiffen, die alle namentlich aufgeführt werden, in spanischen Häfen eingetroffen. Sowjetrußland versuche, eine Revolution in Portugal zu entfachen, um die portugiesische Regierung zu stürzen und damit die Möglichkeit zu schaffen, die Streitkräfte Francos vom Rücken her anzugreifen. Die Madrider Regierung werde von dem Sowjetbotschafter Josef Rosenberg beherrscht, dem drei Gehilfen von anerkannter revolutionärer Erfahrung zur Seite stehen, nämlich Sokolino, Bon- derenko und Winter, der Rüstungssachverständiger sei. Josef Rosenberg nehme an den soanischen Kabinettssitzungen teil, eine Tatsache, die wohl einzigartig in der diplomatischen Geschichte dastehe. Kurz nach seiner Ankunft in Madrid habe Rosenberg „eine Sitzung" einberufen, in der Caballero zum Ministerpräsidenten gewählt worden sei. Auch in Barcelona werde die Regierung von einem Sowjetvertreter beherrscht, dem Konsul Antonow-Owsejenko.. — 3m September seien in Barcelona 55 sowjetrussische Offiziere gelandet, die die Leitung der militärischen Dinge übernommen haben. In Katalonien seien zahlreiche sowjetrussische Flackgeschütze aufgestellt. Ende September seien 10 Kisten mit Flugzeugteilen und Munition aus Sowjetrußland eingetroffen. Es wird dann mitgeteilt, daß das Sowjetschiff „Newa" und das mexikanische Schiff „Jua- lisco" im gegenwärtigen Augenblick große Mengen sowjetrussischen Kriegsmaterials in Alicante ausladen. Unerhörtes Ansinnen Moskaus. Französische Häfen als Stützpunkte für die rote Kriegsflotte. Paris, 26. Okt. (DNB. Funksvruch.) „Echo de Paris" berichtet aus Biarritz, daß Außenminister D e l b o s vor feiner Rückkehr nach Paris eine lange telephonische Unterredung mit dem englisch e n A u ß e n m i n i st er gehabt habe über die gemeinsame Haltung gegenüber Moskau in der Frage der Neutralität. Die Moskauer Regierung beabsichtigt nämlich, Paris auf^ufordern, ihr auf Grund des französisch - sowjetrussischen Paktes d i e französischen Häfen für die sowjet- russische Kriegs- uund Handelsflotte zur Verfügung zu stellen, die bei ihren Fahrten in die spanischen roten Hafenstädte B r e n n st o f f oder Nahrungsmittel übernehmen wollten. (!) Der französische Außenminister halte diese For- berung für unannehmbar, weil der Sowjetpakt in diesem Falle keine Anwendung finden könne. Die „Depesche de Toulouse", das größte und einflußreichste Organ der radikalsozialistischen Partei, macht gegen das Ansinnen der Moskauer Regierung scharf Front. Es gebe hier nur eine klare Antwort. Frankreich habe mit Sowjetrußland einen Pakt abgeschlossen, um den Frieden zu festigen, aber nicht, um das Zeitalter der Kreuzzüge wieder ausleben zu lassen. Dies müsse man in Moskau gut verstehen. Die Umklammerung Madrids. Front vor Madrid, 25. Okt. (DNB.) Die strategischen Manöver des Generals Mola haben bewirkt, daß die bisher zerrissenen und untereinander kaum Verbindung haltenden Teilfronten nördlich, westlich und südlich von Madrid zu einer einzigen großen Angriffsfront zusammengeschmolzen sind, die sich einheitlich von drei Seiten gegen die Hauptstadt vorschiebt. Die Gesamtfrontlinie um Madrid erstreckt sich ungefähr auf 75 Kilometer und wird teilweise von der Gebirgskette der Sierra Guadarrama gedeckt. Die nationalen Streitkräfte beherrschen bereits vier auf Madrid führende Straßen: die von Toledo, auf der die Truppen bereits bis auf 30 Kilometer von Madrid vorgedrungen find, die Straße von Estremadura, deren letzter Stützpunkt Navalcarnero sich seit Tagen im Besitze der nationalen Truppen befindet, dae Straße von A v i l a sowie die Straße von Segovia, die über das Guadarrama-Gebirge führt, wo der Bergpaß in einer Entfernung von 35 Kilometer von Madrid bereits erobert ist. Von einem Dorfe drei Kilometer südlich von Escorial konnten die Operationen der nationalen Truppen deutlich übersehen werden. Eine 15-Zentimeter°Batterie schoß vom Ortseingang mit gutem Erfolg auf die stark befestigten Stellungen der Roten, die das Artilleriefeuer heftig erwiderten. Escorial ist von den nationalen Truppen erobert worden. Keine Fretlaffung von Gxiseln. Paris, 25.Okt. (DNB.) Außenminister del Vayo hat auf eine Anfrage der englischen Regierung wegen der in Madrider Gefängnissen als Geiseln fe st gehaltenen Personen geantwortet, daß von Geiseln keine Rede sei, sondern daß einige politische Gegner in Hast gehalten würden. Ihre Freilassung komme nicht in Frage. Weiter wiederholt del Vayo seine alte Behauptung wegen der Belieferung der nationalen Truppen mit ausländischen Waffen. Er appelliert an die demokratischen Regierungen Westeuropas, von deren Beschluß nicht nur das Schicksal Spaniens, sondern auch die Zukunft der Die Totenbura bei A^oh'. Für die deutschen Gefallenen der Mazedonienfront. Bitolj, 25. Okt. (DNB.) Bitolj, früher Mo- nastir, stand im Zeichen der Einweihung des deutschen Ehrenmals, das der Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge auf einem Hügel über der Stadt für die Gefallenen der mazedonischen Front errichtet hat. Die Totenburg liegt im Angesicht der Gebirge, auf denen vor zwanzig Jahren die Front verlief. Sie ist das schönste Ehrenmal, das Deutschland seinen Gefallenen bisher in der Fremde gebaut hat. 3000 deutsche Soldaten ruhen hier. Demokratie und Friede. Tendenziöse Propagandarede Blums. Paris, 25. Okt. (DNB.) Am Samstag hat Ministerpräsident Blum bei einer sozialdemokratischen Kundgebung in Toulouse eine an altbekannten Schlagworten reiche Propagandarede für die „Demokratie" gehalten. Zu Anfang stellte er die für die Bedeutung des sogenannten Experiments Blum wichtige Frage (und beantwortete sie vertrauensvoll mit: Ja), ob in Frankreich und in Europa der friedlichen Demokratie eine Chance bleibe. Wenn die allgemeine Weltherrschaft des Sozialismus hergestellt wäre, meinte Blum, würde der Krieg unvorstellbar sein. Welchen Grund könne das französische Volk haben, um Krieg zu führen? Lasse auch nur ein einziger Franzose den Gedanken an Krieg in seinem Geiste anders zu als um den besetzten Boden des Vaterlandes zu verteidigen oder den „zur Sicherung des Friedens" übernommenen Beistandspflichten (!) zu entsprechen? In besonders tendenziöser Weise den Tatsachen widersprechend fuhr Blum u. a. fort: Wenn über Europa Kriegsgefahren schweben, so sei einer der Hauptgründe dafür, daß die Demokratie nicht ungeteilt herrsche und der Krieg heutzutage vom Einzelwillen abhängen könne; daß die Kriegsmöglichkeit im Geiste allmächtiger Männer, die Herren der Geschicke ihres Volkes feien, lebendig werden könne, daß der Krieg einem Prestigebedürfnis, dem Bewußtsein einer geistigen Mission und der Notwendigkeit der Erhaltung einer Herrschaft oder eines als geschichtlich angesehenen Werkes entsprechen könne. Frankreich habe versucht, in der Praxis das System der kollektiven Sicherheit und das System der Sonderpakte miteinander in Einklang zu bringen. Als er die Regierung übernommen dabe, seien seine Grundsätze stark in Mitleidenschaft gezogen aewesen; das System der kollektiven Sicherheit durch den Mißerfolg der Sühnemaßnahmen und die Eroberung Abessiniens, das System der Sonderpakte durch die Aufrüstung Deutschlands und durch die Tatsache, daß Frankreich die anerkannte Vorherrschaft (!) seiner Militärstreitmacht verlor, ferner durch die „Kündi- gun$ Locarnos" und die Wiedermilitarisierung der Rheinlandzone. Frankreich habe versucht, wieder aufzubauen und als Zement dabei den demokratischen Geist, den Geist der friedlichen Zusammengehörigkeit der Völker benutzt. Ohne Unterlaß habe man sich bemüht, die Locarnoverhandlungen bis zu einer allgemeinen Regelung der europäischen Probleme auszuweiten. Die Menschen werden nicht denen einen ungerechten Vorteil zugestehen, die innerpolitisch über den bürgerlichen Freiheiten die Drohuna ihres Komplotts und auf den Weltfriedenswillen die Drohung des Kriegseistes lasten lassen. ♦ Die Beweisführung, mit der der französische Ministerpräsident Blum seine These von den angeblich friedensfördernden Kräften der Demokratie begründet, läßt sich mit der politischen Wirklichkeit nicht in Einklang bringen. Es genügt Spanien als Beispiel dafür anzuführen, daß eine führerlos gewordene Demokratie widerstandslos dem Kommunismus und damit dem Todfeind jeder Staats« und Gesellschaftsordnung anheimfällt. Wenn überall in der Welt Volk und Staatsführung in dem gleich engen Vertrauensverhältnis zueinander ständen wie in Deutschland, würden die Zeitungen heute nicht voll sein von der roten Schreckensherrschaft in Spanien, von der scharfen Kritik am Volkssront- experiment im demokratischen Frankreich oder dem Kampf zwischen Regierung und nationaler Opposition in Belgien. Ein besserer Zement für das europäische Friedensgebäude als blutleere Phrasen van der Heilkraft demokratischen Geistes ist eine Realpolitik, die die nationalen Interessen der Völker anerkennt und ihre Gleichberechtigung achtet. —e. Radikals ozialistischeFordemngen an Slum. Das Ergebnis von Biarritz. Paris, 25. Okt. (DNB.) Der Radikalsozialistische Parteitag in Biarritz hat eine Entschließung einstimmig angenommen, die vorn Parteivorsitzenden D a • lädier vorgeschlagen worden mar. In der Entschließung wird auf die Unverletzlichkeit des Eigentums verwiesen und erklärt, daß die Besetzung von Fabriken und sonstigen Wirtschaftsbetrieben eine unzulässige Beeinträchtigung der Freiheit darstelle. Die unaufhörliche Verhetzung der Straße, gleichgültig von welcher Seite sie komme, sei unvereinbar mit der Ankurbelung des Wirtschaftslebens. Als Grundsätze der radikalsozialistischen Politik werden dann die Wahrung des internationalen Friedens durch Erhaltung der Freundschaften, Achtung der eingegangenen Verpflichtungen und des Dölkerbundstatuts, wachsame Ausschaltung der möglichen Konfliktsursachen in Europa und allgemeine Initiative zur Milderung der Bürgerkriegsgreuel bezeichnet. Die Entschließung tritt ferner für d i e Verstärkung der nationalen Verteidigung sowie für die Verstärkung der nationalen Souveränität und der öffentlichen Ordnung unter Beachtung der gesetzlichen Vorschriften im Hinblick auf die Entwaffnung und Auflösung aller „f a s ch i st i s ch e n" Verbände ein. Die sozialen Streitigkeiten sollen durch ein obligatorisches Schiedsgerichtsverfahren einer Lösung zugeführt werden. Schließlich wird d i e Wahrung der Staatsautorität gegen alle Angriffe, insonderheit solche der großen Interessengemeinschaften, und der Ausgleich.des Staatshaushalts gefordert. Die radikalsozialiftifchen Vertreter im Parlament seien beauftragt, für die gewissenhafte Durchführung dieser Grundsätze zu sorgen, während die radikalsozialistischen Kabinettsmitglieder diese Grundsätze im Rahmen der Regierungstätigkeit zu verwirklichen hätten. Der kritische Sonntag in Belgien. Der Führer der Bexbewegung verhaftet. — Erregte Straßendemonstrationen in Brüstet. Brüssel, 25. Okt. (DNB.) Am Sonntagvormittag fand anläßlich des Jahrestages der Schlacht an der Pser, wie alljährlich, ein Vorbeimarsch der Kriegsteilnehmer und der Kriegsopferverbände vor dem König statt. — Auf der Ehrentribüne, auf dem Schloß platz, hatten außer dem König, der Ministerpräsident van Z e e l a n d, mehrere höhere Offiziere und die Militärattaches Frankreichs und Italiens Platz genommen. — Der flämische Frontkämpfer- bunt) und der Verband der Kriegsinvaliden nahmen an dem Vorbeimarsch nicht teil. Die Rexisten hatten von ihrer ursprünglichen Absicht, bei dem Vorbeimarsch Spalier zu bilden, A b st a n d genommen. Sie versammelten sich zu der gleichen Zeit in der Kathedrale St. G u - d u l e. Als die Messe vorüber war und eine zahlreiche Menschenmenge, darunter besonders viele Rexisten und frühere Frontkämpfer, das Gotteshaus verließen, hielt Begreife vom Balkon eines Hauses, gegenüber der Kirche, eine Ansprache. Als er das Haus verlassen wollte, wurden er und seine Begleiter von Polizeibeamten verhaftet. Die Massenversammlung, die um 13.30 Uhr trotz des Verbotes der Regierung statt- finden sollte, wurde daraufhin abgesagt. Die Nachricht von der Verhaftung Degrelles verbreitete sich in der Stadt wie ein Lauffeuer. Im Zentrum der Stadt war ein Heer von Polizei und berittenen Gendarmen aufmarschiert, um die Ordnung aufrechtzuerhalten. In starken Trupps zogen die Anhänger Degrelles durch die Straßen und forderten im Sprechchor die Freilassung ihres Führers. Ueberall hörte man den Ruf: „Es lebe Degrelle!" dazwischen wurden auch Hoch!-Rufe auf den König und auf Belgien laut. In den späten Abendstunden versuchten die Rexisten, in einer der belebtesten Straßen eine improvisierte Versammlung abzuhalten, wurden aber von der Polizei daran gehindert. Besonders erregt war die Stimmung in der Nähe des Rexlokals an der Börse, wo Rexisten mit marxistischen Gegnern aneinander- gerieten. Berittene Gendarmerie mußte wieder in Tätigkeit treten, um die Bürgersteige und Straßen von den Kundgebern zu säubern. Der Vertreter Degrelles hat folgendes Manifest an die Bevölkerung erlassen: „Am 25. Oktober hat die Regierung unter Verletzung der Verfassung unsere große Volksversammlung verboten. Vertreter aller rexistischen Organisationen des Landes haben Leon Degrelle ihre tiefe Anhänglichkeit bekunden wollen. Gleichzeitig wollten sie der belgischen Bevölkerung ihre unerschütterliche Treue in die nationalen Einrichtungen bezeugen. Eine im Zeichen des Marxismus stehende Regierung fordert uns heraus. Wir werden stets die Legalität achten. Mitbürger! Fordert die Freilassung LeOn Degrelles, der verhaftet worden ist, weil er die Plünderer des Volks- vermögens und die skrupellosen Parteipolitiker demaskiert hat. Mitbürger! Widersetzt euch mehr denn je der drohenden roten Diktatur und den Gewalttaten der moskowitischen Diebe!" Degrelle auf freiem $u6. Brüssel, 26. Oft (DNB. Funkspruch.) Am Monlagmorgen um 1 Uhr ist der Führer der Rex-Bewegung, der am Sonntag nach einer Kundgebung mit politischen Freunden verhaftet wurde, mit diesen wieder freigelassen worden. Unter den wehenden deutschen und jugoslawischen Fahnen vollzog sich die Feierstunde, die beide Völker gemeinsam begingen. Rach der zeremoniellen Handlung sprach für den Volksbund der Bunde«- führer Dr. Eulen. Das neue Deutschland und das neue Jugoslawien hätten ihren Ursprung in dem heldischen Opfer der besten Söhne ihrer Völker. Er überbringe die Grüße des Führers und Reichskanzlers an die Gefallenen und deren Eltern, die ihre Söhne dem Vaterland gaben. Der Stadt Bitolj, die Deutschland den Hügel für das Mal schenkte, übergab er ein Glockenspiel, das vom Stadtturm aus neben der jugoslawischen Hymne da« Lied vom guten Kameraden spielen werde. Außer dem deutschen Gesandten und Dr. Eulen legten Oberst Reinecke im Auftrage des Reichs- kriegsminifters, Ortsgruppenleiter Mühlmann, Vertreter jugoslawischer Behörden, die Militärattaches von Oesterreich, Ungarn, Frankreich und Bulgarien, der rumänische Generalkonsul und verschiedene Verbände Kränze nieder Ein jugoslawischer Chor aus Bitolj sang das Deutschlandlied in deutscher Sprache. Kleine politische Nachrichten. Der Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn, D. Dorpmüller, Reichsbahndirektor Prang und der Direktor der Deutschen Reichsbahn Dr. Sommer sind in Begleitung des Generaldirektors der Österreichischen Bundesbahnen, Schöpfer, in Wien eingetroffen. Zu ihren Ehren gab der Generaldirektor Schöpfer ein Frühstück, an dem auch der Staatssekretär für Aeußeres, Dr. Schmidt, und der Präsident der Nationalbank, Dr. K n i e b ö ck, teilnahmen. * Der Reichsminister der Luftfahrt und Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Generaloberst Göring, traf zur Teilnahme an der Weihe des Kommandogebäudes des Luftkreifes VI (See), dem sämtliche deutschen Seefliegerhorste an der Nord- und Ostseeküste unterstehen, in Kiel ein. ♦ Botschafter von Ribbentrop hat Sonntag abend die Reise nach London angetreten, um dort die Geschäfte der deutschen Botschaft zu übernehmen. Zur Abfahrt hatten sich Mitglieder der Dienststelle des Botschafters eingefunden. Ferner Vertreter des Auswärtigen Amtes, der Geschäftsträger der britischen Botschaft. Immer abends a/s Letztes Chlorodont Grundsteinlegung zum Hause des Deutschen Rechts. Reichsminister Rust spricht vor der Akademie für Deutsches Recht. München, 24. Ott. (DNB.) Am Samstagvormittag fani) im Rahmen der dritten Jahrestagung der Akademie für Deutsches Recht in der Großen Aula der Münchener Universität ein F e st a k t statt, bei der Reichswissenschaftsminister Rust sprach. Dankbar gedachte der Minister des 75. Todestages des deutschen Rechtslehrers Friedrich Carl von S a v i g n y am 25. Oktober, der als erster zünftiger Rechtslehrer darauf hingewiesen habe, daß das Recht immer gebunden bleibt an ein lebendiges Volksdasein und daß es genau so die Züge seines Volkes trägt wie Sprache, Sitte und Verfassung. Der Minister verwies darauf, daß das Vertrauen zur Rechtsprechung gerade da schwinden muß, wo noch natürliche Rechtsformen lebendig sind, wie beim Bauern, daß sich aber auch der moderne Industriearbeiter ein echtes und leidenschaftliches Gefühl für Gerechtigkeit bewahrt hat. Auch die in einem modernen Großstaat erforderliche differenzierte Gesetzgebung müsse durchblutet sein von dem einheitlichen Strom des natürlichen Volksrechtes und daß der Gesetzgeber sich das Vertrauen seines Volkes versichern müsse. Als Aufgabe des Rechtswahrers bezeichnete es der Minister, immer wieder das technische Element mit dem politischen Element in Einklang zu bringen. Mittags fand dann in der Ludwigstraße beim Siegestor die Grundsteinlegung für das Haus des Deutschen Rechtes statt. Reichsminister Dr. Frank rief nochmals die Erinnerung an die Blutzeugen der nationalsozialistischen Bewegung wach. Wir Nationalsozialisten schreiben nicht Geschichte in Büchern, wir bauen Geschichte. Wir formen auch nicht das Recht in leeren Formeln und abgezirkelten Paragraphen, sondern wir bauen das Recht aus den unzerstörbaren Fundamenten unseres heiligen Volkes auf. Das Haus des Deutschen Rechtes soll aus der schöpferischen Kraft unserer Bewegung eine völlig neue nationalsozialistische deutsche Rechtsgeschichte symbolisch eröffnen. Das Haus des Deutschen Rechtes möge dienen der Einheit von Führer und Bewegung, der Einheit von Recht und Volk und dem Willensausdruck des nationalsozialistischen Rechtes. Gauleiter Adolf Wagner betonte, daß mit der Grundsteinlegung bie deutschen Juristen einen Wunsch des Führers vollziehen, der darin besteht, daß im Laufe der Zeit sämtliche Gliederungen und sämtliche Verbände der NSDAP, ihre Heimstätte und ihre Führung hier in München als der Hauptstadt der Bewegung bekommen sollen. Dr. Frank bat dann Reichsminister R u st als den Betreuer der deutschen Wissenschaft und damit auch der deutschen Rechtswissenschaft, den Grundstein zu dem neuen Werk zu legen. Während die Festgäste die Hand zum deutschen Gruß erhoben und Raketen krachten, versenkten die Steinmetze in ihrer alten Zunfttracht die Urkunde in das Gemäuer. Reichsminister Rust vollzog hierauf die feierliche Grundsteinlegung. Bergung der Hacksruchiernie. Göring ordnet den Einsatz des Reichsarbeitsdienstes an. Berlin. 24. Oft. (DJIB.) Ministerpräsident Generaloberst Göring hat in Verfolg der dringlichen Maßnahmen für die Durchführung des Vierjahreplanes den Einsatz des gesamten Reichsarbeitsdienstes zur Bergung der Hackfruchternte im Einvernehmen mit dem Reichsarbeitsführer Reichsleiter hier! angeordnet. Der Befehl, der sich notwendig gemacht hat durch den frühen Eintritt der kalten Witterung, hat bei der gesamten Bauernschaft lebhaften Widerhall gefunden. Die beschleunigte Bergung der Hackfruchternte ist bereits in vollem Gange. Die Anforderungen des Reichsarbeitsdienstes werden von den Ortsbauernführern für die einzelnen Betriebe gesammelt und an die Kreisbauernführer weitergeleitet. Diese geben sie an die Führer der Reichsarbeitsdienstgruppen weiter. Der Einsatz erfolgt für ein geschlossenes Arbeitsgebiet in Abteilungs- oder Zugstärke, im Rotfalle auch in Truppstärke. 3n jedem Arbeitsbereich wird dann die Verteilung der Arbeitsmänner zur Arbeit auf die einzelnen Betriebe vorgenommen. Der Einsatz erfolgt auch an Sonn- und Feiertagen. Es ist Vorsorge getroffen, daß in den Gebieten, in denen die Stärke des Arbeitsdienstes nicht ausreicht, Reichs- arbeitsdiensiabteilungen aus anderen Bezirken eingesetzt werden. Reichsdeutsche Crntedankfeier in Wien. Gauleiter Bohle und Botschafter v. Papen sprechen. W i e n , 24. Okt. (DNB.) Im Konzerthaussaal fand die große Erntedankfeier der reichsdeutschen Kolonie statt, die ihre besondere Note durch die Anwesenheit des Gauleiters der Auslandsorganisation, Bohle, und des österreichischen Bundesministers G l a i f e » Horftenau erhielt, lieber 4000 Personen begrüßten stürmisch den Gauleiter, als er in Parteiuniform den Saal betrat. Konsul Vernarb erklärte, bah sich bie Reichsbeutschen Oesterreichs niemals in die innerpolitischen Angelegenheiten des Gastlandes einmischen würden, aber diszipliniert und geschlossen hinter Adolf Hitler ständen. Dann sprach Gauleiter Bohle, immer wieder von jubelndem Beifall unterbrochen. Anschließend betrat Botschafter von Papen das mit Erntekränzen geschmückte Rednerpult. Uns, so sagte er, die wir außerhalb des Reiches Grenzen, aber doch in diesem wunderbaren kerndeutschen Land wohnen, packt das geschichtliche Geschehen dieser Zeit, der Umbruch der Geschichte, vielmehr noch ans Herz als die daheim. Männer, nicht Maßnahmen machen Geschichte. Das wird uns klar, wenn wir die Politik des Führers in ihren großen Linien sehen. Wie würde es möglich gewesen sein, die ganze starke gesammelte moralische Kraft des deutschen Volkes den zersetzenden nihilistischen Tendenzen, die Europa bedrohen, entgegenzustellen, hätten wir uns nicht an dieser geschichtlichen Wende größten Ausmaßes wieder in Einigkeit zusammengefunden. Daher muß man den mutigen und weisen Entschluß, den der Führer des Reiches und der Bundeskanzler Oesterreichs am 11. Juli in die Tat umsetzten, zuerst von dieser großen Perspektive aus betrachten. Es ist ein verheißendes Symbol, daß wir heute zum erstenmal in unserer Mitte Seine Exzellenz den Bundesminister Glaise-Horstenau begrüßen dürfen, den Waffengefährten aus großer Zeit, den Heimattreuen Oesterreicher und überzeugten Deutschen, den Garanten des neuen Weges, auf dem Oesterreich nach Geschichte und Berufung eine wichtige Sendung im Donauraum zufällt. Wir treiben eine Politik der nationalen Notwendigkeiten. Und deshalb wünschen wir, daß andere Nationen das Werk europäischer Rekonstruktion mit uns gemeinsam för- d e r n möchten, indem sie den Grundsatz durchführen, künstliche, nur aus machtpolitischen Gründen errichtete Interessensphären aufzugeben und sich auf das zu beschränken, was ihre wohlverstandenen nationalen Notwendigkeiten erfordern. Niemand hat allein Anspruch auf imperiale Beherrschung der Welt oder ihrer Güter, die für den Fortschritt der gesamten Menschheit unentbehrlich sind. Die Welt soll wissen, daß es neben dem britischen Weltreich, der großen französischen Nation und dem jung erstandenen italienischen Imperium im Herzen Europas ein deutsches Volk gibt, das in allen seinen Stämmen einer tausendjährigen Tradition getreu für den Frieden und die Wohlfahrt der Welt alle seine Kräfte einzusetzen gewillt ist. Ehrentag -er Hochseefischerei. GörmgweihtdasEhrenmalinGeestemünde- Wesermünde, 25. Okt. (DNB.) Unter großer Beteiligung der Bevölkerung fand die Grundsteinlegung des Hochseesischer-Ehrenmals in PZeser- münbe statt. Ministerpräsident Generaloberst G ö- r i n g würbe von Tausenden Volksgenossen mit jubelnben Zurufen begrüßt. An ber Geestemole würbe er vom Leiter des Verbandes der deutschen Hochseefischereien, Direktor A h l f, begrüßt. Nach dem Abschreiten der Front der Formationen führte der Ministerpräsident u. a. aus: Auch die Arbeit der Hochseefischerei, ihr Erfolg und ihre Leistung sind von Bedeutung für den Vierjahresplan, dessen Durchführung der Führer mir übertragen hat. Wenn manchmal Fett und Fleisch vorübergehend knapp werden, bann wirb bie Fischerei um so höhere Bebeutung gewinnen. Die Binnenfischerei unb auch bie ber Küste, so wichtig sie sinb, sinb babei nicht ausschlaggebend; bas Schwergewicht kann hier nur bei ber Hochseefischerei liegen. Die letzten vier Jahre haben der Hochseefischerei einen großen Aufstieg gebracht. Wir müssen jetzt erst recht beginnen, in den nächsten vier Jahren bis an bie Grenze bes Möglichen Zu gehen. Wir werben bie Hochseefischerei, zu ber nun neuerbings auch ber Walfang zu rechnen ist, mehr unb mehr ausbauen, bie Leistung unb ben Ertrag steigern. Worte des Dankes unb der Anerkennung fand der Ministerpräsident für die schwere Arbeit und Tätigkeit der Hochseefischer. Schon allein diese schwere Arbeit und der Leistungseinsatz sowie die mit der Hochseefischerei verbundenen Gefahren geben ein Recht, den Hochseefischern ei n Ehren- mal zu setzen. Den fast 2500 Opfern aus diesem schweren Arbeitsgebiet zum Dank und zur Erinnerung ein Ehrenmal zu errichten, ist uns eine Ehrenpflicht. Sodann fand der feierliche Akt der Grundsteinlegung des Ehrenmals statt. Im Anschluß daran fand im Rathaus zu Wesermünde die feierliche Uebergabe des Ehrenbürgerbriefes der Stadt Wesermünde an den Ministerpräsidenten statt. Aus aller Wett. Führer des Deutschen Sängerbundes in Graz herzlich begrüßt. Die auf einer Besuchsfahrt durch Oesterreich befindlichen Führer des Deutschen Sängerbundes sind aus Wien in Graz eingetroffen. Rach Besuchen beim Landeshauptmann Dr. Ste - pan und beim Bürgermeister der Stadt nahmen sie an einer ihnen zu Ehren gegebenen Festveranstaltung teil, zu der die Gesangvereine aus ganz Steiermark Vertretungen entsandt hatten. Auf die mit großem Beifall aufgenommene Begrüßungsansprache des Obmannes des Steierischen Sängerbundes erwiderte der Vorsitzende des Deutschen Sängerbundes, Oberbürgermeister Dr. Meister aus Herne i. W., indem er für den brüderlichen Empfang in der Steiermark dankte und auf die Kulturmission des Sängerbundes verwies, der überall dort, wo Deutsche wohnen, das deutsche Lied pflegen will. Großfeuer in einer englischen Munitionsfabrik. In einem großen Packraum der Munitionsfabrik der Vickers-Armstrong-Werke in Crayford brach ein Großfeuer aus, das in Anbetracht der großen Munitionsoorräte leicht hätte äußerst gefährlich werden können. Die Feuerwehren sämtlicher umliegender Städte sowie sämtliche Arbeiter und Angestellte beteiligten sich an den Löscharbeiten, und den gemeinsamen Anstrengungen gelang es, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Der Schaden ist erheblich. Zahlreiche Arbeiter wurden verwundet. Sonderbarerweise ist dies bereits die zweite Brandkatastrophe, die sich innerhalb eines halben Jahres in dem Werk ereignete, ohne daß man die Ursache feststellen konnte. — Ein zweiter Brand suchte den Flugplatz von Brookland heim. Das Feuer vernichtet 8 von 40 Flugzeugen, die sich in den Schuppen befanden. Brookland ist der älteste Zioilflughafen Englands, der während des Krieges zu Ausbildungszwecken benutzt wurde. Feuergefecht mit Schmugglern an der österreichisch-tschechoslowakischen Grenze. In einer der letzten Nächte kam es an der österreichisch-tschechoslowakischen Grenze bei Lunden- burg zu einem schweren Feuergefecht zwischen Schmugglern und Grenzwächtern. Drei Tabakschmuggler wurden von einem österreichischen Zollbeamten überrascht. Während der Beamte die tschechoslowakischen Grenzbehörden alarmierte, bestiegen die Schmuggler einen Kraftwagen und flüchteten über die tschechoslowakische Grenze. Die Verfolgung wurde sofort aufgenommen, doch gelang es den Schmugglern, sich durch ununterbrochenes Schießen die Verfolger vom Leibe zu halten und zu entkommen. Wetterbericht des Relchswelterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. Vom Atlantik her setzt sich die lebhafte Wirbeltätigkeit fort. Dabei werden mit heftigen westlichen Winden aus den verschiedensten Meeresgebieten stammende Luftmassen auf das europäische Festland verfrachtet; sie geben zu rasch wechselndem, aber auch regnerischem Wetter Anlaß. Aussichten für Dienstag: Nach verbreiteten Regenfällen wieder mehr wechselnd bewölktes Wetter mit einzelnen Schauern. Bei kräftigen, zeitweise westlichen Winden anfänglich mild, bann wieder frischer. Lufttemperaturen am 25. Oktober: mittags 13,6 Grad Celsius, abends 9,2 Grad; am 26. Oktober: morgens 4,5 Grad. Maximum 14,2 Grad, Minimum heute nacht 4,3 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 25. Oktober: abends 10,5 Grad; am 26. Oktober: moraens 7,7 Grad. — Niederschläge 2,2 mm. — Sonnenscheindauer 1,5 Stunden. Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. IX. 36: 9650. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Riesen-Rollmops 3 Stck. 28 Pf. Ernst und Heinz Vogt Gießen (Steinstraße 58), den 26. Oktober 1936 04939 Ferdinand Hofmann Heuchelheim, den 26. Oktober 1936. 04942 | Vermietungen | | Mietgesuche""| 1 Suche ab 1. No- 4-Zimm.-Wohnung 500 Gr. 60 Pf. 500 Gr. 60 Pf. 500 Gr 60 Pf. 125 Gr. 20 PL 125 Gr. 75 Pf. 50 Gr. 32 Pf. Stück 15 Pf. Bund 85 Pf. Schellfisch „ Makrelen „ Seelachs „ ff. Sprotten Rhein-Aal Räucherlachs Lachsheringe Bund Aale Am 25. Oktober früh 3^2 Uhr entschlief sanft im 65. Lebensjahre nach geduldig ertragenem Leiden, infolge Herzschwäche, unsere gute, treubesorgte Mutter, liebevolle Schwester, Schwägerin, Tante, Base und Nichte Die Trauerfeier findet am Dienstag, dem 27. Oktober, nachmittags 2% Uhr auf dem Neuen Friedhof statt. — Von Beileidsbesuchen bitten wir absehen zu wollen VornehmI Geschmackvoll! Persönlich! Diese wesentlichen Eigenschaften der guten Familien- Drucksache bietet Ihnen in zahlreichen neuzeitlichen Ausführungsarten und Papieren zu m&BigenPrelsen Brühl’sche Druckerei. 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Im Anfänge der neuen Entwicklung stand die nati- Neue Ziele in Sudosteuwpa Von unserem Sch.-Berichterstatier. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Der sprechende Kupferdraht Ium 75. Jubiläum des Telephons, n Hermann Ulbrich-Hannibal r. „ . Belgrad, 22. Oktober 1936. In Belgrad traf der rumänische Außen- Minister ein. Seine Ankunft war so überraschend und die Umstande waren so geheimnisvoll, daß allen Vermutungen Tur und Tor geöffnet wurde Besonders in der ausländischen Presse begann ein Rätselraten. In Paris sah man das französische Bündnis- ystem neuerdings bedroht, aber auch ein Kommen- Londoner Reuterbüros schlug in dieselbe Kerbe Er bezeichnete die Entwicklung im Südosten als ebenso wichtig, wie die jüngste Erklärung des belgischen Königs, weil a u ch die Kleine En- Vu 1 eJ?ranure Z" verlassen drohe. Rumänien habe nicht mehr die Absicht, seine strategischen Eisen- bahnlln.en an das Netz der Sowjetunion anzu- sch ließen, wie überhaupt die Furcht vor Moskau den politischen Stellungswechsel bewirkt habe. Was an diesen Vermutungen richtig ist, wird sich wohl in der nächsten Zukunft Herausstellen. Vorläufig kann man immerhin als Tatsache festhalten, daß die Sorge vor dem Kommunismus im Südosten in Öen letzten Monaten so stark zugenommen hat, daß eine weitgehende politische Umstel- l u n g erfolgt ist. Denn es haben nicht nur einzelne Symptome, sondern auch die Grundlagen der Politik eine Aenderung erfahren, die sich früher oder später auf einer breiten Linie auswirken muß. Bis vor einigen Jahren gab es im Südosten nur einen politischen Begriff, um den sich alle Dinge drehten, ob sie wichtig oder unwichtig waren: Den R l v i s i o n i s m u s , bzw. den Antirevisionismus. Die besiegten Staaten setzten ihre Kräfte em, um die durch die Pariser Verträge geschaffene Lage zu Mildern, während die Sieger st aaten nur daran dachten, das Gewonnene festzuhalten und es mit allen Mitteln zu verteidigen. Die Sieger waren daher leidenschaftliche Anhänger des Völkerbundes, der Bündnisse mit Frankreich und der Forderung nach kollektiver Sicherheit und unteilbarem Frieden. Außerdem traten sie für alle Strömungen ein, die geeignet waren, diese Politik zu verewigen. Der „Pazifismus" wurde von ihnen nicht nur zur beherrschenden Mode, sondern zur einzigen geistigen Möglichkeit erhoben. Nationale Regungen in den besiegten Staaten wurden nicht nur abgelehnt, sondern als durchaus verbrecherische Äußerungen gewertet und mit stärksten Ausdrücken des Abscheus („Vampyre") in Acht und Bann getan. Die Sowjetunion wurde um diese Zeit noch nicht als unmittelbare Gefahr empfunden. Es erhielt sich im Gegenteil erstaunlich lange die Ansicht, daß der Bolschewismus eine „Krankheit der besiegten Völker" sei. Jugoslawien hatte wohl die diplomatischen Beziehungen mit Moskau niemals ausgenommen, allein es hielt sich nicht aus Sorge vor dem Bolschewismus, sondern aus gefühlsmäßigen, panslawischen Regungen Zurück. Die verantwortlichen Manner Belgrads und Petersburgs waren so eng befreundet gewesen, daß auf die neuen Männer in Moskau der ganze Groll wegen der Ermordung der in Rußland damals führenden Schichten fiel. Später wurde wegen mehrerer Attentate auch die k o m m u - niftifche Partei Jugoslawiens verboten, aber man ging dabei genau in derselben Weise vor, wie einige Jahre später gegen alle übrigen Parteien, die aus denselben Gründen aufgelöst wurden. Der Versuch, mit anderen als organisatorischen und polizeilichen Mitteln dem Bolschewismus entgegenzuarbeiten, wurde nicht unternommen Auch blieb die Rolle des Judentums bis in die jüngste Zeit dem Südosten unklar. Dazu ka^i daß jener Teil der Bevölkerung in Jugoslawien und Bulgarien, der dem kommunistischen Gift erlag, darin eine Art slawischer Heilslehre erblickte, die in der Unend- Einige Jahre später stand als Vormund der Onkel des jungen Philipp Reis vor den Lehrern eines Institutes in Frankfurt a. M. „Die große Vorliebe Ihres Neffen", so sagte ein Lehrer zu ihm, „für die Mathematik und für die Naturwissenschaft verlangt es im Interesse der Menschheit, Philipp auf das Polytechnikum nach Karlsruhe zu schicken." Aber was ging den Onkel und Vormund das Interesse der Menschheit an. Sein Neffe Philipp sollte Kaufmann werden und nichts anderes. Und also wurde Philipp Reis Lehrling in einem Farbengeschäft in Frankfurt nale Erhebung tn Deutschland, die zu- erst einmal eine grundlegende Verschiebung der zwi- chenstaatlichen Kräfte zur Folge hatte. Dann ent- larvte sie auch so manche innenpolitische Zusammen- hange, die bis zu dieser Zeit im Leben der einzelnen Staaten unsichtbar gewirkt hatten. Die Juden verließen ihre gedeckte Stellungen, traten vielfach in den Vordergrund und bewiesen einen Einfluß, der starkes Unbehagen auslöste. Das Spiel mit' den verteilten Karten hörte auf und drängte offen auf die Bildung von einheitlichen „Volks- fronten" hin, die alles zusammenfassen sollten, was ja auch früher schon zusammengehört hatte, a°crrUnfenntnis der Zusammenhänge getrennt marschiert war. Wie anderenorts wurde auch hier bald klar, daß d e r radikale Flügel den Ton anzugeben hätte. Die veränderte Atmosphäre konnte den verantwortlichen Staatsmännern nicht verborgen bleiben. Allein die pazifistischen Schlagworte waren schon zu tief in den eigenen Organismus eingedrungen, als daß sich nicht schon ihre üblen Folgen gezeigt hatten. Ursprünglich waren die Phrasen dazu bestimmt gewesen, die ehemaligen Kriegsgegner zu betören, sie hatten aber, als sie diesen Zweck verfehlten, die eigenen Reihen zu zersetzen begonnen. So kam es, daß ein erheblicher Teil der Intelligenz, besonders des akademischen Proletariats, den Juden auf den Leim ging. Da außerdem die Wirtschaftskrise furchtbar auf den breiten Massen lastete, drang die kommunistische Lehre rasch in die verarmte Bevölkerung ein, die vielfach auch noch unter einem mangelhaften Derwal- tungsapparate sehr zu leiden hatte. Der Widerstand gegen den Bolschewismus wurde weiter durch den Tod so mancher bedeutender Staatsmänner und Parteiführer geschwächt, an die die Völker gewöhnt waren und zu denen sie aus Ueberüeferung standen So sanken in Jugoslawien der greife Paschitsch und der energische König Alexander ins Grab, die der Entwicklung zu ihren Lebzeiten das Gepräge gegeben hatten. In Griechenland starben hintereinander Kondylis und T s a l d a r i s. In Bulgarien aber war die Partei der Mazedonier, die an den Kämpfen gegen den Bolschewismus entscheidenden Anteil gehabt hatte, aus außenpolitischen Gründen aufgelöst worden. Diese Lage suchten selbstverständlich die Agenten Moskaus, insbesondere die Juden auszunützen. Sie unterstützien zuerst insgeheim mit reichen Geldmitteln die linksradikale Bropa- Am 26. Oktober 1861 führte Philipp Reis in einer Sitzung des Physikalischen Vereins zu Frankfurt a. M. seine Erfindung des Telephons vor, mit dessen Konstruktion er sich schon seit mehreren Jahren, während er Lehrer an einer Privatschule in Friedrichsdorf war, beschäftigt hatte ganda und bemühten sich mit Erfolg um die ,-große" Presse, dann aber traten sie auch selbst hervor und gründeten, wie z. B. in Sofia eigene Blätter, die im Emigrantenstile wüteten und zum unmittelbaren Angriff vorgingen. In Rumänien allerdings waren diese Kampfvorbereitungen weniger notwendig, weil dort die Politik litu- le sc us den Sowjets eine reiche Ernte auf geradem Wege zu versprechen schien. Das erste äußere Anzeichen eines heftiger einsetzenden Widerstandes gegen diese Entwicklung war der Sturz Titulescus. Damit verschwand zugleich ein Politiker, der unablässig bemüht war, die Blicke der süosteuropäischen Staaten ganz durch den Gegensatz Reoisionismus-Antireoisionismus gefangen zu halten In Sofia raffte sich die Regierung auf und oervot mit einem Schlage 17 Blätter, die linksralikale Propaganda getrieben hatten. In Griechenland wurden die Parteien aufgelöst und die Parlamentstore versiegelt. Die Verantwortung wurde von General Metaxas übernommen. In Jugoslawien setzten Vorträge gegen den Bolschewismus ein, und die Regierungsblätter begannen mit ausführlichen Schilderungen des neuen Deutschland Es drängte sich im allgemeinen der Eindruck auf, daß die Grundlagen der Politik ausgetauscht wurden und daß nicht mehr die Niederhaltung ehemaliger Gegner, sondern die gemein- same Be kämpf ung der gemeinsamen kommunischen Gefahr an die erste Stelle der politischen Programme gerückt ist. Die enksetzlichen Greuel in S p a n i e n mögen wohl genug Anlaß zur Nachdenklichkeit gegeben haben und die belgische Neutralitätserklärung mag geeignet sein, weitere Entschlüsse zu erleichtern. Es fällt zumindest auf, daß in Südosteuropa keine empörten Ruse gegen Brüssel zu vernehmen waren, die z. B. noch gegen Warschau geschleudert wurden, als sich dieses aus der Unbedingtheit des französischen Bündnissystems gelöst hatte. Der Südosten befindet sich zweifellos im Umbruch. Ob schon der derzeitige Besuch Antone s c u s in Belgrad weittragende Folgen gezeitigt hat, muß dahingestellt bleiben. Es wäre- ja schon bedeutungsvoll, wenn Rumänien und Jugoslawien eine gemeinsame Stellungnahme in der Bolschewikenfrage gegenüber Prag vertreten würden, für welchen Schritt der kurz bevorstehende Besuch des Königs Karol beim Staatspräsidenten Benesch den Anlaß geben konnte Der Bäckermeister Reis aus Gelnhausen wartete im Flur der Volksschule ungeduldig auf den Lehrer feines Sohnes. Er hatte ihn rufen lassen, um mit ihm über seinen Sohn Philipp zu sprechen Sollte sein Fleiß und feine Aufmerksamkeit zu wünschen übrig lassen ober gar sein Betragen? Nein, dort kam schon der Lehrer: „Ihr Sohn zeigt so ungeheure Begabung, Herr Reis, daß es Ihre Pflicht ist, ihn später auf eine höhere Schule ZU schicken" Bäckermeister Reis versprach es dem Lehrer in die Hand und ging stolz von bannen. Er würbe alles Gelb voll Freube opfern, um aus feinem Sohn einen großen Mann werben zu lassen. Aber als es so weit war, war ber Bäckermeister Reis schon seiner Frau in bie Erbe gefolgt pon Tönen unb Geräuschen auf elektrischem Wege herzustellen. ^^ogefang, wochenlang jaß er einsam in feiner -ffierfjtätte hinter seinem Hause unb bastelte alle möglichen Apparate zusammen Im Jahre 1861 glückte ihm bie Erfindung. Er nannte den geheimnisvollen Apparat, den er ge- baut Ijatte, „Telephon". — Er zog einen Kollegen ins -Vertrauen unb bat ihn, mit ihm zusammen lerne Jbee auszuprobieren, ber ber Gebanke zu- 9ru"beJa9' durch einen isolierten Draht die Töne musikalischer Instrumente und der menschlichen Stimme fortzupflanzen. Der Kollege nahm an dem einen Ende der Telephonleitung Aufstellung, Philipp Reis am anderen. Dann sprach er einzelne Worte in den Draht, unö fein Kollege horte, wie tatsächlich Worte wie: „Gewiß, warm, kalt" aus dem eigenartigen Apparat herauskamen. Das waren die ersten Worte, die auf unserer Erbe telephonisch gewechselt würben. Dann folgten bie ersten kurzen Sätze: „Guten Morgen, Herr Fischer. Ich komme gleich. Passe auf. Wieviel Uhr ift es? Wie heißt bu?" * Neben einer Leitung von seiner Werkstatt in bie Wohnung legte Philipp Reis nun noch eine zweite Telephonleitung vom Physikzimmer bes Garnier- schen Institutes über einen Spielplatz hinweg in einen Klassenraum bes Schulinstitutes. Dann' saß er mit seinem Kollegen oft ftunbenlang am Telephon unb unterhielt sich mit ihm. Allerbings ging das manchmal noch etwas schwierig unb förderte auch manchen Spaß zutage. Einmal sprach ber Kollege in ben Geber: ,Die Sonne ist von Kupfer." Philipp Reis aber hörte: „Die Sonne ist von Zucker." Unb als Philipp Reis bann einmal seine '23 er- rounberung barüber ausbrückte, baß seine Schüler jetzt so still und artig waren, wenn er noch nicht im Schulzimmer war, entdeckte er, daß sie sich fürchteten Lärm zu machen, in ber Annahme, er könnte es burch seine geheimnisvollen Apparate hören. * Ein Jahr später fanbte Philipp Reis eine Schrift über seine Erfinbung an ben Professor Poggen - darf unb bat um Veröffentlichung in ben Annalen ber Physik. Poggenborf aber fanbte ihm bie Arbeit über seine Erfindung zurück, ba er bie Uebertragung ber Sprache auf elektrischem Wege für eine Erbichtung halte. Inzwischen hatte Philipp Reis seine Erfinbung schon ber Physikalischen Gesellschaft in Frankfurt am Main unb bem Freien Deutschen Hockiftift in Frankfurt vorgeführt. Nun hatte er auch Geleaen» beit, sie ben in Frankfurt zu Besuch weilenben Herrschern Oesterreichs unb Bayerns zu zeigen, währenb ber Professor Röttger ihr auf ber beutschen Naturforschertagung in Stettin ben Weg ebnen wollte. Aber erst bie beutsche Naturforschertagung m Gießen im Jahre 1864 brachte bem Erfinber bie Anerkennung ber gelehrten Welt Er führte sein Telephon persönlich vor, sprach Worte unb Sätze in ben Apparat unb sang ben gelehrten Herren bann auch ein Lieb burch bas Telephon vor unb Zwar: „Ach, bu lieber Augustin, alles ist hin" Die Mitglieber ber Versammlung waren begeistert, ja fast ausgelassen vor Freube unb gratulierten bem Erfinber herzlich. * Nachbem Philipp Reis nun schon seine Telephon- apparate an bie Physikalischen Laboratorien in München, Erlangen, Wiesbaben, Wien, Köln, Dublin unb Tiflis gef'anbt hatte, unb Telephonapparate Zum Preise von zwölf unb acht Talern, je nach ber Ausstattung, burch ben Mechaniker Wilhelm Albert in Frankfurt a. M. in ben Hanbel bringen ließ. Josef Weinheber. 3um Vortragsabend im Goethe-Bund Josef Weinheber ist 1892 in Wien geboren. Seine früheste Kinbheit verbrachte er in Purkers- dorf, einem damals noch ganz ländlichen Ort. Der Vater, ein gelernter Fleischhauer, war ein immer heiterer Mann mit einer wohlklingenden Stimme; er übersiedelte später wieder an die Peripherie von Wien und übernahm ein Gasthaus in Ottakring. (Aufnahme: Jlsebild, Wien.) t J >:K Die Mutter war eine stille, schöne Frau, deren Bild ber Dichter in Terzinen der „Heroischen Elegie" ergreifenb schlicht beschworen hat. Von ben Vor- fahren her, die im niederösterreichischen Weinlande seßhaft waren, hat Weinheber ein kräftiges Teil bäuerlicher Substanz mitbekommen. Aber er romantisiert dieses Erbe nicht, er bekennt sich zu Wien „nut all seinem Holden unb Häßlichen": „Ich liebe Wien, weil hier mein Werk gewachsen und gereift ist, aus kindlichen Anfängen herauf, um schließlich Über hie betörende, aber and) lähmende Aura dieser Stadt hinauszuwachsen in eine strengere Welt ber Kunst..." Kinbheit unb Jugenb finb von schweren Schicksalen überschattet. Früh verliert Weinheber ben Vater, wenig später stirbt bie Mutter. Das büftere Waisenhaus nimmt ben Knaben auf; nach sechs Jahren harter Aufzucht kommt er zu einer Tante roieber hinaus nach Ottakring, wo er schon einige glückliche Kinberjahre verlebt hatte. Hier entftanben die ersten Gebichte, in benen bie Problematik ber Werbejahre eingefangen ist, bas Suchen unb Grübeln, bas Hineintasten in bie Welt ber Kunst, in ber bes Dichters einsame Seele Trost unb Stärkung fand. Viele bittere Jahre, während deren er verkannt unb einsam gegen seine Zeit ftanb, versah er bann seinen Dienst bei ber Post- unb Telegraphenverwaltung in Wien, wo er über bie Vierzig hinaus bis vor kurzem beamtet geblieben ist. In brei längst verschollenen Büchern finb seine ersten Gebichte gesammelt: „Der einsame Mensch" (1920), „Von beiben Ufern" (1923) unb „Boot in ber Bucht" (1926). Sie vermochten ebensowenig wie der Roman „Das Waisenhaus" den Namen bes Dichters bekannt zu machen. Das Echo blieb aus. Erft der Band „Abel und Untergang" brach 1934 den Bann des Schweigens und brachte bie verdiente Anerkennung im gesamten beutschen Sprachgebiet. In seinem burch Jahrzehnte hinburch zu adliger Reise geläuterten Schaffen bedeutet sein neuestes (im Albert Langen-Georg Müller Verlag in München erschienenes) Gedichtbuch „Späte Krone" eine künstlerische Vervollkommnung, wie sie nur einem Dichter von höchstem Rang beschieden sein kann. Weinhebers dichterisches Werk wurde vor einiger Zeit mit dem Mozart-Preis sehr ehrenvoll ausgezeichnet. Oberhefsischer Kunstverein. Oelgernälde, Aquarelle. Tempera Mit ber gestern vormittag eröffneten Ausstellung hat ber Oberhessische Kunstverein seine Winterarbeit 1936/37 begonnen. Es handelt sich um eine vielseitige Kollektion überwiegend malerischer Arbeiten von verschiedenen Künstlern unb in Der» schiebenen Techniken, Del, Aquarell unb Tempera; eine bunte, abwechslungsreiche Schau von erfreulicher motivischer Mannigfaltigkeit; ein Angebot, worauf befonbers aufmerksam gemacht werben barf, auch von wünschenswert unterschieblicher Preisgestaltung, wie man sich burch einen Blick in bie aufliegenben Listen überzeugen kann: es hanbelt sich ja hier nicht nur, woran sreunblich erinnert sei, um eine Ausstellung zum Betrachten, sondern auch zum Erwerb von Kunstwerken Die Arbeiten von Elsa Feld (Berlin-Halensee) und Johannes Thiel (Ebnet bei Freiburg) finb jetzt z. T. aus ben Wanbelgängen bes Stabttheaters (wo sie kaum zur Geltung kommen konnten) in bas Turmhaus am Branbplatz übernommen worben. Thiel hat eine ganze Serie von Aquarellen ausgestellt, überroiegenb lanbschaftliche Motive, auch ein paar Blumenstücke unb Figürliches. In einer lockeren, aber keineswegs verschwimmenben Mal- weise, bie auch bem impressionistischen Einbruck eme gewisse Festigung, Plastik unb Umrißschärfe gewährt, gelingen ihm — in vielerlei Nuancen und behutsamen Uebergängen — so zart-koloristische und empfindsame Wirkungen wie etwa das „Drei» samtal" oder das sehr feine „Dorf vor den Bergen". Eine andere Seite feiner Begabung spiegeln die Federzeichnungen, Illustrationen zu „Tyll Uilenspiegel", ein bewegtes und figurenreiches, dankbares und nahezu unerschöpfliches Motiv. Im lockern Spiel der nachbildenden Phantasie ent» stehen Blätter, die gelegentlich an berühmte Vorbilder etwa aus der Feder des großen Illustrators Slevogt erinnern. Elsa Felds Bilder wirken neben Thiels Aquarellen noch zarter im Ton. weicher hingegeben an bie bläulichen Schneeschatten ber winterlichen Berg- lanbschasten; allerbmgs war in biefer Folge von Blättern eine gewisse Einförmigkeit bes Einbrucks nicht völlig zu oermeiben. Außerbem sieht man eine Gruppe von Rötelzeichnungen: Tiermotive, ganz auf bie zarte Kontur hin versammelt Ferner gibt es eine Reihe von größeren Oel- bilbern zu sehen, bie von verschiebenen, meist älteren, zum Teil sehr bekannten Künstlern stammen. Gleich am Eingang begegnet bem Besucher ein auslabenbes in kräftiger unb hanbfester Realistik aufgebautes Hafenbilb „Geestemünbe" von Rubolf Wille Lockerer in Auffassung unb Wiebergabe, in ber impressionistischen Verteilung von Licht unb Schatten wirkt ber „Wiesenbach" von Hans Licht. Eine stimmungsvolle Rieb-Lanb'chast sieht man von Prof. Earl K ü st n e r bem wir vor einiger Zeit eine ausführliche Würbigung in unserer „Heimat im Bilb" haben zuteil werben lassen Mit tüchtigen Lanbschaften sehen wir weiterhin Hans von Hayeck („Fischerboote auf Java"), Wolf Kapshammer („Ziehenbe Wolken"), Erich Martin Müller („Märztag tn Schwaben"), Alfreb Mailick („Abenbstimmung tm Gebirge") unb Richard Kayser („Pappeln im Werratal") vertreten Hans Hassenteufel bringt einen sauber unb korrekt gemalten liegenben Akt; interessant, seine sachl'che Anschauung mit ber viel mehr auf bie farblichen Kontraste unb bie rein malerischen Möglichkeiten bes gleichen Motivs betrachten Arbeit von Hugo von Habermann zu vergleichen Die „Venetianischen Fischerboote" von Lubwig Dill ergeben einen malerischen, in ber Farbgebung für ben Künstler sehr charakteristischen Einbruck. Von intimerer, z. T. fast genremäßiger Auffassung zeugen bie Interieurs von Ernst Liebermann unb Viktor Schramm, auch Professor W Geffckens „Gesellschaft im Schloß", bie um ihrer weichen Pastellwirkung willen zu beachten ist. Em anziehendes, vielfältige Probleme bes Lichtes unb ber Farbe andeutenbes Thema behanbelt Friebrich Gur litt in bem Gemälbe „Inneres ber Wies- nrc^e . Alexanber Koester bringt ein anmutiges Tierstuck („Enten unter Weiben"), bas nur leiber nicht befonbers vorteilhaft gegen bas Licht gehängt ist. Mit brei Bilbern ist ber bekannte Maler-Roman- tifer H. Grabl vertreten; das mertroürbig flache Spitzweg-Motiv „Nach dem Frühstück" sticht übrigens auffallenb von bem feinen ganz altmeisterlich an« mutenben Ammersee-Bilb unb ber „Jbealen Laub» |d)aft" ab. Die beutschen Stäbtebi’ber von Rubolf Poeschmann, Dresben, eine Sammlung farbenfroher sonniger Tempera-Blätter, runden das Gesamtbild der ersten Ausstellung dieses Winters freundlich ab hth „König Lear" im Frankfurter Schauspielhaus. Man hatte eine Festvorstellung angekündigt, unb bas Publikum war in überraschenb großer Zahl diesem Rufe gefolgt. Nicht nur das Parkett, sondern auch die obersten Ränge waren mit einer festlich ge- kleideten Menge dicht besetzt. Shakespeares „König Lar , der 25 Jahre hindurch von den Frankfurter Buhnen verschwunden war, sollte die Spielzeit des Frankfurter Schauspielhauses würdig eröffnen Wir muffen gestehen, und der etwas dünne Beifall des Publikums am Schluffe der Vorstellung schien dies zu unterstreichen, daß das Vorhaben nicht ganz geglückt ist. Wohl sahen mir eine im großen unb ganzen abgerunbete Vorstellung mit einigen ganz hervorragenben Leistungen (Taube holte sich in der Rolle bes Lear nach bem sechsten Bilb einen starken Sonberbeisall), aber unser heutige Zeit steht ben grausigen Vorgängen boch mehr ober weniger ablehnenb gegenüber, unb bie wunbervollen Weisheiten, bie Shakespeare auch in biefes Werk eingestreut hat, finb von ber Regie nicht wirkungsvoll genug herausgearbeitet worben. Darunter litt befonbers bie von Kiesler verkörperte Rolle des Narren, bie uns mit lebhaftem Bebauern an Ber» hoeven (jetzt in Berlin) zurückbenken ließ Hervor- gehoben feien noch bie ausgezeichneten Leistungen von Ellen D a u b als Goneril unb Marie Wimmer als Regan sowie bie einbrucksoollen Bühnen- bilber von Caspar N e h e r. Dr. A. wandte sich der Professor Poggendorf an den Erfinder, ihm jetzt einen Aufsatz über sein Telephon zur Verfügung zu stellen. Aber der schwer gekränkte Philipp Reis schrieb zurück: „Ich danke Ihnen recht sehr, Herr Professor, es ist zu spät. Jetzt will ich nicht ihn schicken. Mein Apparat wird ohne Beschreibung in den Annalen bekannt werden." * Und er ist es geworden. Aber Philipp Reis hat es nicht mehr erleben dürfen. Er starb als ein Märtyrer der Wissenschaft, nachdem er seine Apparate dem Garnierschen Institut vermacht und dabei geschrieben hatte, daß er zwar der ganzen Welt den Weg zu einer großen Erfindung gewiesen habe, aber daß er die Weiterführung einem anderen überlassen müsse. Der unermüdliche Kampf für seine Ideen hatte seinem Leben schon mit einundvierzig Jahren ein Ende gemacht. Das Winterhilfswerk für Hessen-Nassau eröffnet. Oer Gauleiter sprach in der überfüllten Festhalle.—Oie bisherigen Leistungen und die neuen Richtlinien. Frankfurt«. M., 25. Okt. Am Sonntagmittag wurde im Rahmen einer eindrucksvollen Feier in der Festhalle durch Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger das Winterhilfswerk 1936/37 des Gaues Hessen-Nassau eröffnet. Den Auftakt zu dieser Veranstaltung bildete am Vormittag eine Sondertagung im Bachsaal, in deren Verlauf führende Vertreter des Hauptamtes für Volkswohlfahrt zu den Amtswaltern der NSV. sprachen. Reichsamtsleiter A l t - haus (Berlin) betonte, daß die Sorge um die Wohlfahrt des deutschen Volkes im nationalfozia- listtschen Staate ein Gesetz gewordener Wunsch sei. Jahr für Jahr steigen die Ergebnisse der Sammlungen und beweisen damit, daß die während des Sommers neu in den Arbeitsprozeß Eingegliederten sich opfernd an die Seite derer stellen, die aus ihrer sicheren Lebensposition heraus in der Opferbereitschaft eine der wichttgsten Aufgaben ihrer völkischen Verpflichtung sehen. Sie opfern nicht vom Ueberfluß, sondern sie opfern mehr noch. Sie würden es sich verbitten, wollte man sie von der Opfer- aemeinschaft des Volks ausschlietzen. Dem ganzen Volk eine solche Haltung anzuerziehen, ist die Aufgabe der NSV., wenn sie das mahnende sozialisttsche Gewissen des Volkes darstellen soll. Pg. Böttcher sprach dann über die organisatorischen Aufgaben der NSV. Es sei eine große Aufgabe, ein Volk für seine heroische Gegenwart zu begeistern und es dahin zu führen, daß es an dieser Gegenwart gestaltend teilnehme. Der einzelne bleibe nicht mehr in seinem individualistisch ausgerichteten Lebenskreis, sondern er erhalte durch seine Pflichterfüllung seine persönlichen Werte für sein Volk. Gauamtsleiter Haug wies in seinen abschließenden Ausführungen darauf hin, daß die NSV. immer mehr zu einer geschlossenen Schicksalsgemeinschaft werden solle. Hier frage man nicht nach den Schwierigkeiten, die sich der Arbeit entgegenstellten, sondern man diene durch unbeirrbare, zähe Arbeit der Volksgemeinschaft. Die Eröffnung am Nachmittag gestaltete sich zu einer außerordentlich eindrucksvollen Kundgebung. Die riesige Halle war bis auf den letzten Platz besetzt. Zu den 15 000 Amtswaltern, die aus allen Teilen unseres Gaues nach Frankfurt gekommen waren, hatten sich Tausende von Volksgenossen aus Frankfurt und seiner Umgebung gesellt. Auf den Ehrenplätzen sah man die führenden Vertreter der Partei und ihrer Gliederungen, der Wehrmacht, der Behörden und Wirtschaft. Eing-eleitet wurde die feierlich von Konzertstücken und einem Sprechchor der Hitlerjugend umrahmte Kundgebung durch eine Ansprache des Gauamtsleiter Haug. ,Zch danke Ihnen allen für Ihr Erscheinen", so erklärte er, „und sehe darin einen Beweis, daß man auch in unserem Gau bereit ist, dem Rufe des Führers freudig Folge zu leisten. Es wird unsere Aufgabe sein, die bisherigen Leistungen noch zu verbessern. Mit dieser Kundgebung erkläre ich gleichzeitig die Gauarbeitsgemeinschaft aller Verbände und Organisationen für gebildet." Gauamtsleiter Haug meldet dann dem Gauleiter, daß eine einheitlich ausgerichtete Organisation von über 20 000 ehrenamtlichen Amtswaltern und Helfern bereitstehe, ihre Pflicht zu erfüllen. Gauleiter Sprenger dankte im Namen der vom WHW. Betreuten all denen, die zur Durchführung dieses großen Werkes nationalsozialistischer Sozialpolitik beigetragen haben. Alle die Männer und Frauen hier sind, so stellte er fest, aus dem ganzen Gaugebiet als Vertreter des deutschen Volkes gekommen. Ihnen allen gebührt Dank, daß sie ihre Kräfte in den Dienst der großen Aufgabe gestellt haben, vor allem aber dem Gauamtsleiter der NSV. Haug, der die NSV. im Gaugebiet vorbildlich ausgebaut hat. Infolge der Gebefreudlgkeil der Bevölkerung an Rhein und Blain war es möglich, weit über das Gaugebiet hinaus Blenfchen in Rot zu helfen. Früher gab es ein Wohlfahrtswesen mit Wohltätigkeitsveranstaltungen usw. Manchmal klingt diese Auffassung auch heute noch durch. Klar und deutlich sprach es der Gauleiter aus, daß er dies auf keinen Fall duldet. Wir sind heute eine Volks- aenossenschaft geworden. In Hessen-Nassau hat die NSV. ihre Probe bestanden. Das zeigte der Gauleiter an Hand eindeutiger Zahlen. Heber 7 000 000 RBl. brachten im letzten Jahr die Sammlungen. Dabei ist es schon eine häufige Gewohnheit geworden, die künstlerischen Abzeichen zu sammeln, so daß sie dereinst im Familienarchiv ein Zeichen der Opferfreudigkeit der Ahnen sind. In dem Hilfswerk „M utter und Kind" marschiert unser Gau an der Spitze. Die Zeltlager der HI. geben der Jugend Erholung, Kameradschaftsgeist und Verständnis für den Begriff der Treue. Hier sprach der Gauleiter die Bitte an die Reichsleitung aus, die Zeltlager auf noch breitere Grundlage zu stellen, oder wenigstens die Zeit auf das Doppelte zu verlängern. Was wir so tun an der Jugend, ist bestangelegtes Kapital. Auch in der Kinderlandverschickung konnte unter Gau außerordentliche Erfolge verzeichnen. 15 000 Kinder wurden bei uns ausgenommen; 5000 verschickt. Das Tuberkulose- Hilfswerk erfaßt und betreut 400 Familien. Die Braunen Schwestern seien bei uns zahlenmäßig am stärksten. Hier gelte es noch weiter aufzubauen. Kein Dorf sollte ohne Braune Schwester sein; denn der Kranke brauche nicht nur Krankenpflege, sondern auch seelische Erbauung. Dazu sei aber niemand so befähigt, wie Nationalsozialisten. Das deutsche Volk ist durch den Führer zu einer Opfergemeinschaft zusammenge- fchweißt. Als der Führer die Macht übernahm, hatte man ihm zur Regierung nichts übriggelassen. Rur eins konnten sie uns nicht nehmen: das war das deutsche Volk! Aber auch dieses war geschwächt. Sichtung und Hebung dieses Wertes war notwendig. Der Führer gab daher dem Volke 2Lr b e i t. So wurde es gesund und gesünder. Wir wissen, daß die breite Masse keine Reichtümer nach hause trägt. Wo eine große Familie vorhanden ist, wird es sogar etwas knapp, und hier springt die Gemeinschaft ein, indem sie dafür sorgt, daß niemand unserem Volk verloren geht. Das Volk will keine Almosen, genau so, wie unser gesamtes Volk nicht betteln ging. Unsere Aufgabe ist es daher, ihm sein Recht zukommen zu lassen, ohne seinen Stolz zu verletzen. Der Aufbau wird planmäßig weitergeführt. Der Vierjahresplan zieht endgültig einen Strich unter die wirtschaftliche Denkungsart, die der Vergangenheit angehören muß. Es herrscht nicht mehr der Rechenstift. Was wir in Deutschland haben, das beziehen wir nicht vom Ausland. Die anderen, die uns nichts verkaufen wollten, sollet auf ihren Devisen und Rohstoffen fitzen bleiben. Den notwendigen Austausch lehnen wir dabei nicht ab, soweit er möglich ist. Das Sozialismus ist, ist heute durch den Rationalismus bewiesen: eine wahre Genossenschaft des Volkes. „Es kommt nicht darauf an, ob der oder jener will, er wird müssen", so hat der Führer in Nürnberg gesagt. In scharfen Worten rechnete der Gauleiter dann mit den Leuten ab, die glauben, daß sie nicht zu sammeln oder nicht zu helfen brauchten. „Ich will, daß gesammelt wird bei allen deutschen Volksgenossen. Es darf kein Volksgenosse im Zweifel gelassen werden, daß er behandelt wird, wie er es verdient." Der Gauleiter führte aus, daß es darauf ankommt, zu opfern. Die Gabe zählt nur, wenn sie eine fühlbare Einschränkung für den Geber bedeutet. Glänzendes Ergebnis der Brotsammlung im Gau. Als Gauleiter Sprenger geendet hatte, meldete ihm Gebietsführer Brandt das Ergebnis der Brotsammlung im Gau Hessen- Nassau. Die Jugend, so betonte er, wolle nicht nur Rechte, sondern verlange auch Pflichten. Die Jüngsten unseres Gaues, die Pimpfe, hätten am 24. Oktober insgesamt 312 766 Brote, d. h. 1 037 861 Pfund Brot, im Gau gesammelt. Damit sei das Ergebnis der vorjährigen Sammlung noch um 32 108 mehr Brote übertroffen. In herzlichen Worten dankte Gauleiter Sprenger für dieses Ergebnis und den schönen, vorbildlichen Einsatz der Jugend, die auf diese Weise zum Gelingen des gewaltigen Werkes beitrage. Wirtschaft. Keine inländischen Arpfel für die Marmeladen-, Obstgelee- und Obstkrautindustrie. Fwd. Der Vorsitzende der Hauptoereinigung der deutschen Garten- und Weinbauwirtschaft hat unter dem 22. Oktober folgende Anordnung Nr. 104 erlassen: I. Die Lieferung von Aepfeln inländischer Herkunft an Mitglieder der Verarbeitergruppe der Garten- und Weinbauwirtschaftsoerbände (Wirtschaftsoerbände) zur Herstellung von Marmeladen, Obstgelees und Obstkraut und deren Halbfabrikaten ist untersagt. H. Der Bezug und die Verarbeitung von Aepfeln inländischer Herkunft zu Marmeladen, Obstgelees und Obstkraut und deren Halbfabrikaten sind den Mitgliedern der Verarbeitergruppe der Garten- und Weinbauwirtschaftsoerbände untersagt. III. Der Vorsitzende der Hauptoereinigung der deutschen Garten- und Weinbauwirtschaft kann zur Vermeidung unbilliger Härten Ausnahmen von den Bestimmungen dieser Anordnung zulassen. IV. Mitglieder der Wirtschaftsverbände, die dieser Anordnung zuwiderhandeln, können in Ordnungsstrafe genommen werden. Als Zuwiderhandlungen sind auch Maßnahmen anzusehen, die, ohne gegen den Wortlaut dieser Anordnung zu verstoßen, eine Umgehung darstellen. V. Diese Anordnung tritt mit dem Tage der Verkündung in Kraft. Rhein-Mainische Börse. Aktien schwächer. Frankfurt a. M., 24. Okt. Die Börse lag zum Wochenschluß sehr ruhig. Am Aktienmarkt gingen die Kurse auf einige Realisationen seitens der Kundschaft weiter etwas zurück, während Kaufneigung nur noch in ganz geringem Umfange vorhanden war. Der berufsmäßige Börsenhandel übte Zurückhaltung. Schwächer lagen besonders wieder Bergwerkswerte, voran Harpener mit 158 (161), Rheinstahl verloren 2 v. H. auf 154, Klöckner, Mannesmann und Mansfelder ließen bis 1,50 v. H. nach, Hoesch 118,25 (119,25), Verein. Stahl mit 124 (124,50) besser gehalten. Chemische Papiere blieben behauptet, so IG. Farben mit 179,13 und Metallgesellschaft mit 150. Von Elektroaktien setzten Siemens 1,25 v. H., Gesfürel 1 v. H. und AEG. 0,40 v. H. schwächer ein, Mainkraft uno. 100. Zellstoffaktien lagen schwach, Aschaffenburger 140,50 (143), Feldmühle 147 (149), Waldhof etwa 169 (171,50). Kunstseideaktien bröckelten weiter ab, AKU. auf 90,75 (92), Bemberg auf 111 (111,50). Von Maschinenwerten notierten Moenus mit 100,25 bis 100 (100,50), Daimler mit 125,50 (125). Im einzelnen verloren Reichsbank 1,75 v. H., Westdeutsche Kaufhof 1,13 v. H., Rheinmetall 1,50 v. H. und Zement Heidelbera 1 v. H. Schiffahrtsaktien blieben unverändert. Nach den ersten Kursen ergaben sich größtenteils weitere Rückgänge von etwa 0,25 bis 0,50 v. H. Bei weiterhin sehr kleinen Umsätzen war der Aktienmarkt im Verlaufe im großen und ganzen wenig verändert. Weiteren kleineren Abschwächungen von etwa 0,25 bis 0,50 v. H. standen ebensolche Besserungen gegenüber. AKU. erholten sich auf 91,50 nach 90,75 bis 90,50. Die erst später zur Notiz gekommenen Werte lagen schwächer, so BMW. mit 138,25 (141), Muag mit 127,13 (129), Goldschmidt mit 126,90 (128) und Deutsch-Atlanten nach Pause mit 124,50 (128). Am Rentenmarkt erhöhten sich Kommunal- Umschuldung auf 90,10 nach 90,05, zertif. Dollar- Bonds bröckelten etwas ab. Goldpfandbriefe blieben unverändert, Liquidationspfandbriefe lagen uneinheitlich, von Kommunal-Obligationen Pfalz. Hyp. 95,50 (95,25). Stadtanleihen lagen zumeist unverändert, 4,50 (6) v. H. Frankfurt 94 (94,50). Am Auslandsrentenmarkt herrschte Geschäftssttlle, Mexikaner lagen durchweg 0,25 bis 0,50 v. H. leichter, auch Rumänen knapp gehalten. Im Freivertehr nannte man: Adlerwerke 105, Pokorny 119, Ufa 68,50, Wayß & Freytag 126,75 Brief, VDM. 145, Kali Wintershall 141,50. Tagesgeld uno. 2,50 v. H. Frankfurter Obst- und Gemüfemackt. F r a n k f u r t a. M., 23. Okt. Die Zufuhren von Gemüsen aller Art blieben sehr stark, besonders von Kohlgemüse. Nachfrage bei unveränderten Preisen nur teilweise befriedigend. 11. a. notierten: Blumenkohl 20 bis 45, Eskarol 5 bis 10, Feldsalat 35 bis 80, Karotten 4 bis 5, gelbe Kartoffeln 3.00 bis 3,20, Kohlrabi 4 bis 6, Kopfsalat unter Glas 5 bis 10, Meerrettich 40 bis 45, Pfifferlinge 60, Römischkohl 5 bis 6, Rosenkohl 22 bis 25, Rote Rüben 3’/2 bis 6, Rotkraut 2 bis 4, Sellerie je nach Größe 8 bis 35, Spinat 10 bis 15, Schwarzwurzeln 18 bis 25, Tomaten Freiland 18 bis 30, do. Haus 35 bis 45, Weißkraut 2 bis 3, Wirsing 21/« bis 4, Weiße Rüben 78, Zwiebeln 5 bis 6, Pfälzer 4Va bis 5. Das Obst angebot blieb im Verhältnis zur Nachfrage reichlich, Preise neigen nach unten, reichliches ausländisches Traubenangebot. 11. a. notierten: Aepfel I 30 bis 40, II 20 bis 28, Wirtschaftsäpfel 16 bis 20, Goldparmänen I 30 bis 40, Boskoop I 30 bis 35, Renetten 22 bis 25, Birnen I 22 bis 28, II 15 bis 20, Kochbirnen 8 bis 12, Mollebusch I 20 bis 22, II 15 bis 18, Vereins Dechant I 25 bis 30, Bananen, Kiste 12V2 Kilogramm 4,50 bis 5,00 Kam., Westin. 6,00, Kranz-Feigen 25-Kilogramm- Sack 10 bis 12, Haselnüsse 30 bis 38, Kastanien 18 bis 25, Preiselbeeren 28 bis 30, Quitten 20 bis 25, Trauben 15 bis 18, holl. 41 bis 45, bulg. 28 bis 35, ital. 17 bis 25, Walnüsse 32 bis 40, 42 bis 50 ital., Zwetschen 18 bis 22, Zitronen Kiste 300 und 360 Stück 10,50 bis 13,00. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 26. Okt. (Vorbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Seit dem letzten Markt dem Schlachthof direkt zugeführt: 86 Ochsen, 51 Kühe, 54 Färsen; Vorauftrieb: 1087 Rinder (340 Ochsen, 103 Bullen, 382 Kühe, 262 Färsen), 344 Kälber, 82 Schafe, 2242 Schweine. Es kosteten: Rinder: Ochsen 36 bis 45 Mark, Bullen 39 bis 43, Kühe 25 bis 43, Färsen (Kalbinnen) 35 bis 44, Kälber 40 bis 65, Hämmel 45 bis 50, Schafe 40 bis 45, Schweine 51 bis 57 Mark. Marktverlauf: Rinder, Kälber und Schweine zugeteilt, Hämmel und Schafe ruhig. Rundfunkprogramm Dienstag, 27. Oktober. 6 Uhr: So nimm denn meine Hände. Morgen« fpruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnasük. 8.30: Werkskonzert. 9.30: Lieder und Klavierstücke von Albert Loesch. 10: Schulfunk: Von Volk zu Volk. Volkslieder und Volkstänze aus allen Ländern der Erde. 11.30: Landfunk. Unsere Landwirtschaftsschulen in der Erzeugungsschlacht. Ein Zwiegespräch. 11.45: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert. 13: Nachtrichten (auch aus dem Sendebezirk). 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Nach Tisch gönnt euch ein wenig Rast, seid bei Frau Mu- sika zu Gast! 15: Volk und Wirtschaft: Merkwürdige und seltene Metalle. 15.15: Die deutsche Frau. Die gute Stiefmutter. Eine Funkfolge. 16: Unterhaltungskonzert. 16.45: Südwestdeutsche Erzähler. „Begegnung im Sanatorium." Eine Geschichte von Fr. Carl Butz. 17: Unterhaltungskonzert. 17.30: Von der Darmstädter Musikwoche 1936: Kammermusik. 18: Unterhaltungskonzert. 19: Von der Darmstädter Mu- sikwoche 1936: Musik für Jugend und Feiergestal» hing. 19.40: WHW. geht an die Arbeit. Ein Winterhilfsabzeichen wird geschaffen. Funkbericht aus den Edelsteinfchleifereien in Jdar-Oberstein. 20: Nachrichten. 20.10: Großes Unterhaltungskonzert. Musik von Ludwig Siede. 22: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). Nachrichten der DAF. 22.30: Unter- Haltungs- und Volksmusik. 24 bis 2: Nachtmusik. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v.H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Sranffurt a.M. | Berlin Schlußkurs Gchlußk. Abendbörse Schlußkurs Schluß!. Mittag, börse Datum 23 10 - 24 10 23 10 24-10- 5% Deutsche Reichsanleihe v. 1927 101,4 101,5 101,5 101,5 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 97,8 97,8 97,8 97,8 57t% Doung-Anleihe von 1930 .. 102,75 102,75 102,5 103 Deutsche Anl.-Mlös.-Schuld mii Auslos.-Rechten ............ 118,65 118,65 118,5 119 4 7t% Deutsche Relchspostschatzan Weisungen von 1934, 1....... _ 100,1 — 471% ehem. 8% Hessischer Volks float 1929 (rückzahlb. 102%) ... 98,75 98,75 98,75 98,75 47i% ehem. 8% Hessische Landes bank Darmstadt Gold R. 12... 97 97 _ b'/r% ehem. 4H% Hess. Landes Hypothekenbank DarmstadtLiau. 47t% ehem. 8% Darmst. Komm Landesb.Goldschuldverschr. 8t.6 100,4 __ — 93 93 __ _ Oberhessen Provinz-Anleihe mti Auslos.-Rechten ............ 128,75 _ — Deutsche Komm. Sammelabl. An leihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten 122,75 122,75 123 123 47i% ehem.8% Franks. Hyp.-Ban! Gvlopse. 15 unkündbar bis 1935 97 97 — 6’/,% ehern. 4’/?% Franks. Hyp. Bank-Liqu.-Pfandbriefe...... 100,55 100,55 _ 67i% ehem. 47i% Rheinische Hyp.-Bank-Liqu.-Goldpfe. ... 100,75 100,75 101 101 471% ehem. 8% Pr. Landespfand. briefanstalt, Pfandbriefe f)L 19 97,5 97,5 97,5 97,5 47i% ehem. 7% Pr. Landespfand briefanft, Gold Komm. Obi. 20 95 95 95 95 Steuergutsch.Verrechnungsk. 34-38 109,8 109,8 109,9 109,9 4% Oesterretchische Goldrente... 32,5 32,5 — 32,25 4,20% Lesterreichische Silberrente 3,2 —- 3,35 3,25 4% Ungarische Goldrenie ....... 13,85 13,95 13,9 13,9 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 11 11 11,13 11,1 4'/r% desgi. von 1913.......... 11,25 11,25 11,5 11,4 6% abgest. GoldMxikaner von 99 15,75 •— 15,65 15,5 4% Türkische Bagdadbahn-Anlethe Serie I......... .......... — — — — Frankfurt o.M. Berlin Schlußkurs Schlußl. Abend- börse Schluß, kurs Schlußk. Miltag. börse Datum 23-10- 24 10 23-10 24-10 4% oesgi. Serie n ............ — — — — 6% Numan, vereinh. Rente v. 1003 8,4 8,4 8,5 8,5 4^2%Rumän.vereinh.Rentev.l913 12,95 12,9 12,5 4% Rumänische vereinh. Rente . 7,65 7,5 7,7 7,55 2y4% Anatolier ............. 40,9 40,9 40,9 Hamburg-Amerika-Paket .....0 Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 Norddeutscher Lloyd-.........0 21.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 Berliner Handelsgesellschaft ... 6 Commerz, und Privat.Bank ... 4 Deutsche Bant und Disconto- Gesellschaft................ 4 Dresdner Ban!.............. 4 Reichsbank ................n- 16,75 16,75 16,65 16,4 — — 39 39 16,13 16,13 16,5 16,4 125,5 125 126 126 — 127 127,25 126,5 105 105 105 105 107,5 107,5 107,5 107,5 107 106,5 107 106,5 — 192,25 194,75 193 21.(5.®...................... o Bekula.................. 8 Elekrr. LieierungSgesellschaft... 6 Licht und Kraft ............. 7 Seitens Guilleaume......... 4 Gesellsch.f.Dektr.Unternehmung. 6 Rheinische Elektrizität ........6 Rhein. Wests. Elektr.......... 6 Schlickert L Co............... 6 Siemens S Halske............ 8 Lahmeyer S Co.............. 7 Buderus .................. Deutsche Erdöl .............. 4 Harvener................. 27i Hoesch Eisen—Köln-Reuessen .. 3 Ilse Bergbau ...............6 Ilse Bergbau Genüsse........ 6 Klöckncrwerke ............ 8 Mannesmann-Röhren........8 40,65 40,5 40,9 40,75 166,75 166,25 167,75 167 134,25 134 133,75 132,75 162,5 161,5 163,25 162,25 141 139 140,25 138,4 145,75 144,75 145,75 144,25 137,5 —-- 137,25 137 140 140 140,5 140 163 162 163,65 162,75 210,75 209,5 210,25 209 155 154 154,75 155,75 125,5 123 125,25 123,65 148 145 148,5 146,25 161 158 162 158 119,25 118 120 118,4 — —— 219 214 157 154 156,5 154 128,25 127 128,75 127,5 119 117,75 119,25 117,75 Frankfurt a. M. Berlin Schlußkurs Gchluyk. Abend- börse Schluß- kurs Schlußk. Mittag- börse Datum 23-10- 24 10. 23.10 24-10. Mansselver Bergbau....... 67t 161,25 159,75 161 159,25 Kokswerke ................ .. 6 — — 143,75 141,25 Rheinische Braunkohlen .... 12 —— 237,5 237 237,5 Rheinstabl ................ .. 4 156 154,5 157,4 154,5 Vereinigte Stahlwerke...... 67i 124,5 124,4 125,5 124 .. c 45 44,25 45,25 44,4 Kaliwerke Aschersleben...... .. 5 146 146,75 147,5 145 Kaliwerke Westeregeln...... .. b 140,75 139 139,5 137,5 Kaliwerke Salzdetfurth..... ?y, 200 197 199 196 Z. G. Farben-Jndustrie..... .. 7 179 178,9 180 178,75 ScheideanstaU............. .. V 280 280 — —— Goldschmidt .............. .. 6 128 126,9 127,5 127 Rütgerswerke ............. .. 6 — 139,5 139,25 139,13 Metallgesellschaft........... .. 5 150 149,75 150,5 149,5 Philipp Holzmann......... .. 4 134,5 133,5 135,25 132,75 Zementwerk Heidelberg .... .. 7 160 159,5 Cementwerk Karlstadt....... .. « 158 158 Schultbeis Payenhoser ..... .. 4 _ — 105,75 105 Aku (Allgemeine Kunstseide) .. 0 92 92,5 92,75 92,25 Bemberg................. .. 6 111,5 112 113,25 111,25 Zellstoff Waldhof .......... .. 6 171,5 168 170 167 Zellstoff Aschaffenburg ..... .. O 143 142 143 143 Dessauer Gas ............. .. 7 — — 112,25 112,4 Daimler Motoren.......... Q 125 125,5 125,5 124,75 Deutsche Linoleum......... .. 8 171,5 171 171 170 Lrenstein & Koppel ........ .. O — —— 93,25 91,5 Westdeutsche Kaufhof....... .. O 60,5 59,75 61,65 60 Cbade.................... .. £ 450 449 450 445 Accumulaloren-Fabrik...... . 12 207,5 —— 206,5 207 Conti-Gummi............. . 11 177 177 177 176 Grttzner.................. .. o 32,5 I 32,75 32,5 32,75 Mainkraftwerke Höchst a-SJL, .. 4 100 100 Süddeutscher Zucker....... . io 208 1 207 207 208 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. ZIL 23-Oktober 24 Oktober Amtliche Geld Notierung Brief Amtliche Notierung Geld | Briet oueno» Vlitt 0,691 0,695 0,691 0,695 Brüssel .... 41,91 41,99 41,93 42,01 Rio de Jan. 0,145 0,147 0,145 0,147 Sofia .....• 3,047 3,053 3,047 3,053 Kopenhagen 54,32 54,42 54,32 54,42 Danzig .... 47,04 47,14 47,04 47,14 London.... 12,165 12,195 12,165 12,195 Heiiingfor». Paris ..... 5,37 11,575 5,38 11,595 5,37 11,585 5,38 11,605 Holland ... 134,23 134,49 134,08 134,34 Italien..... 13,09 13,11 13,09 13,11 Jaoan...... 0,711 0,713 0,711 0,713 Jugoslawien 5,654 5,666 5,654 5,666 Oslo.....: 61,14 61,26 61,14 61,26 Wien....... 48,95 11,055 49,05 48,95 11,055 49,05 11,075 Lissabon.... 11,075 Stockholm... 62,73 62,85 62,73 62,85 Schweiz ... Spanten.... 57,18 22,48 8,771 57,30 22,52 9,789 57,22 22,48 8,771 57,34 22,52 8,789 Budapest .. — — Reuyork ... 2,489 2,493 2,489 2,493 Banknoten. Berlm,24.Oktot>cr Geld Brief Amerikanische Raren.............. 2,451 2,471 Belgische Roten.................. 41,80 41,96 Dänische Roten ................. 54,16 54,38 Englische Roten ................. 12,14 12,18 Französische Roten............... 11,535 11,575 Holländische Roten............... 133,74 134,28 Ztalientsche Roten................ — Norwegische Noten .............. 60,98 61,22 Deutsch Lesterreich, ä 1OO Schilling —— Rumänische Noten............... — —— Schwedische Noten............... 62,56 62,82 schweizer Noten................. 57,07 57,29 Spanische Noten.------- UngÄche Noten w d» ttr.251 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Montag, 26. Moder 1936 Verkehrserziehung Als vor wenigen Tagen der Führer des Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps, Hühnlein, auf einer großen Führertaguna zu den Leistungen des Korps im zurückliegenden Jahr Stellung nahm und Zugleich Richtung und Weg für das kommende Jahr wies, da befaßte er sich ganz besonders eingehend mit dem Gebiet des Verkehrserziehungsdienstes bei dem das NSKK. hinfort im Einvernehmen mit'dem Chef der deutschen Polizei, Reichsführer SS. Himmler, eingesetzt wird und damit in aller Oeffentlichkeit eine Tätigkeit ausüben wird die Füh- rer^unb Mann vor gewiß nicht leichte Aufgaben Gerade angesichts der so unbedingt notwendigen Hebung der Verkehrsdisziplin, bei der noch immer so erschreckend hohen Zahl von Unfällen, die Woche um Woche Tote und Verletzte fordern, kommt diesen programmatischen Ausführungen des Korpsführers Hühnlein besondere Bedeutung zu. Es liegt auf der Hand, daß bei der Entwicklung unseres Verkehrs, der gerade angesichts der vom Führer so zielbe- wußt geförderten Motorisierung einen immer stärkeren Aufschwung nimmt, auch d i e Gefahrenmomente eine Zunahme erfahren, so daß es der Zusammenfassung aller Kräfte bedarf, um bei dieser für das Volksganze so wichtigen Frage endgültigen Wandel zu schaffen. Wir haben auch in früheren Jahren jene Bemühungen verfolgen können, die darauf abzielten, die Verkehrsdisziplin zu verbessern. Die Praxis hat jedoch gezeigt, daß diesen Anstrengungen der Erfolg versagt geblieben ist und zwar vor allem deshalb, weil man diese Dinge nicht von oben herab lediglich befehlsgemäß regeln kann, sondern vor allem bestrebt sein muß, die Notwendigkeit der Hebung der Verkehrsdisziplin in alle Kreise des Volkes zu tragen. Das kann aber nur geschehen, wenn die Polizei so fest im Volke wurzelt, wie es jetzt der Fall ist, da wir von einer wahren Volkspolizei sprechen können, und weiter ist dabei die Unterstützung all der Organisationen erforderlich, die sich die Lösung dieser Aufgabe besonders angelegensein lassen. Und daß dabei das NSKK. eine überaus wichtige Rolle spielt und bereits Erfolge aufzuweisen hat, das hat der planmäßig durchgeführte Einsatz des NSKK. bei der Olympiade gezeigt, wo in den Straßen der Reichshauptstadt die für diesen Sonderdienst eingesetzten NSKK.-Männer ihre Pflicht und Schuldigkeit getan und sich durch ihr höfliches und freundliches Auftreten rasch die Sympathien aller gewonnen haben. Wir haben oben ausgeführt, daß bei der Verkehrserziehung es vornehmste Aufgabe sein muß, olle Bevölkerungskreise von dieser Notwendigkeit zu überzeugen. Daß dabei auch vor allem die Jugend erfaßt werden muß, wird besonders einleuchten und wird noch erhärtet durch die Tatsache, daß lc^der der Moloch Verkehr sich unter den Kindern, die den Gefahren der Straße unacht- sam gegenüberstehen, besonders zahlreich seine Opfer holt. Bei den Bemühungen, die Heranwachsende Jugend zur Verkehrsdisziplin anzuhalten, hoben schon die Schulen wertvolle Aufklärung geleistet und Belehrung erteilt. Nicht nur, daß die Kinder im Unterricht vom Lehrkörper besonders eindringlich darauf hingewiesen werden, beim Straßenverkehr größte Aufmerksamkeit walten zu lassen, man hat darüber hinaus durch Anlage von kleinen Modellstraßen die Kinder selbst mit ihren kleinen Fahrzeugen, wie Holländer, Roller usw. praktisch belehrt, wie sie sich in diesem und jenem Falle zu verhalten haben. Der Erfolg gerade dieser Aufklärungsarbeit, bei der, was jedermann einleuchten wird, die Jungens und Mädels mit besonderem Eifer bei der Sache sind, hat bereits reiche Früchte getragen und wird sich auch weiterhin günstig auswirken'. Wenn man die Zahlen überprüft, die regelmäßig über die Verkehrsunfälle herausgegeben werden, dann kommt man, ob es nun Kraftfahrer, Radler oder Fußgänger betrifft, immer und immer wieder zu dem betrüblichen Ergebnis, daß der weitaus größte Teil der Unfälle hätte vermieden werden können, wenn die Betreffenden mehr Vorsicht und Aufmerksamkeit hätten walten lassen. Hält man sich vor Augen, daß in jedem Jahr der Verkehr allein mehrere tausend Todesopfer fordert, so wird die Notwendigkeit, alle Kräfte bei dieser Volkserziehung einzusetzen, so recht offensichtlich. Gewiß ist in den letzten Jahren schon manches besser geworden. Wir haben ober auch die Feststellung treffen können, daß die Fortschritte, die hier erzielt worden sind, nicht überall gleichmäßig sind, sondern daß sich beachtliche Unterschiede ergeben, die doch zeigen, daß die Notwendigkeit der Hebung der Verkehrsdisziplin immer noch nicht überall erkannt wird. Uebereinstimmend konnte jedoch ermittelt werden, daß die Verkehrsdisziplin in den Großstädten erheblich besser ist als in der Provinz. Im Interesse des großen Ganzen steht dringend zu hoffen, daß dieses Beispiel möglichst rasch überall Nachahmung findet. Die Männer, denen die Hebung der Verkehrsdisziplin besonders am Herzen liegt, der Reichsverkehrsminister und der Chef der deutschen Polizei, haben in den letzten Monaten in mehreren Verlautbarungen mit aller Deutlichkeit darauf hingewiesen, daß, um diesen erschreckend hohen Unfallziffern Einhalt zu gebieten, in Zukunft scharf durchge- griffen werden würde. Neben der rein erzieherischen Aufgabe, Aufklärung in die Bevölkerung zu tragen, müssen nun diejenigen, die sich allen Bestimmungen zum Trotz verkehrsfeindlich zeigen, durch einschneidende Maßnahmen dahingehend belehrt werden, daß keine falsche Milde mehr am Se ist, sondern daß Exempel statuiert werden m, wenn das Leben und die Gesundheit der Bevölkerung es erfordern. Wir wissen, daß diese Worte, die für jeden einzelnen eine ernste Mahnung darstellen, nicht Worte bleiben, sondern im gegebenen Augenblick in die Tat umgesetzt werden. Die Tatsache nun, daß in der kommenden Zeit bei dem Kampf gegen die Verkehrsunfälle das NSKK. eingesetzt werden wird, läßt zur Genüge erkennen, daß an die Lösung dieses so brennenden Problems mit einer Energie und Zielbewußtheit herangegangen wird, die frei von irgendwelchen bürokratischen Hemmungen ist. Es ist klar, daß es zur Durchführung dieses Zieles intensiver Vorarbeiten bedarf, um all' die Führer und Männer des NSKK., die bei dem Verkehrserziehungsdienst eingesetzt werden, so zu schulen und mit besten Kenntnissen auszustatten, daß sie mit einem guten Rüstzeug sich dieser neuen Aufgabe ihrer Formation widmen können. Aufklärung und Belehrung auf der einen Seite, scharfes und energisches Durchgreifen auf der anderen Seite, das sind die beiden Grundpfeiler all der verkehrspolizeilichen Maßnahmen, die zur Anwendung gelangen werden. Die Verkehrserziehung ist eine brennende Tagesfrage und geht so sehr jeden einzelnen an, daß wir nicht an der freudigen Mitarbeit aller zweifeln. Wenn einjederseinTeil dazu beiträgt und alle Kräfte angespannt werden, dann kann auch der Erfolg nicht ausbleiben und dann werden aus der täglichen Zeitungschronik auch jene Unzahl von Meldungen verschwinden, die von immer neuen Unfällen mit Toten und Verletzten berichten. Und um hier endgültig Wandel zu schaffen, darf keine Anstrengung zu groß sein, darf keiner abseits stehen. Zunge Deutsche im Dienst an deutscher Erde. Vereidigung im Arbeitsdienstlager »Justus von Liebig". Vereroigung im Aroeusolen,uager liegen, unierfeiomeqter Weigel verliest die Eidesformel. Im Vordergrund die Ehrengäste. — (Aufnahme: Pfaff, Gießen.) In einer von ernster Stimmung getragenen Feier fand am gestrigen Sonntagoorrnittag im A r - beitsdien ft lager 5/222 „I ustus von Liebig" die Vereidigung der jungen Arbeitsdienstkameraden statt, die vor kurzer Zeit im hiesigen Lager Einzug hielten. Auch diesmal waren es frische 19- und 20jährige aus der Trierer Gegend, aus der Eifel und dem Hohen Venn, die die Eidesformel sprachen und Treue der deutschen Erde, dem deutschen Volke und dem Führer gelobten. Den Blickpunkt des Saales der Unterkunft, in dem die Feier stattfand, stellte ein plastisches Bildwerk, ein Porträt des Führers Adolf Hit- l e r dar, vor dem die Mannschaften im offenen Viereck angetreten waren. Zur Feier hatten sich zahlreiche Gäste aus dem Kreise der Partei und ihrer Gliederungen, der Wehrmacht und der Behörden unserer Stadt teil. Die Einbringung der Fahne bildete den würdigen Auftakt der Feier. Dann wurde gemeinsam das Lied gesungen „Heilige Flamme brennt überm Land". — Die Rezitation eines Wortes des Füh- rers folgte. Dann hielt der Führer des Lagers Oberfeldmeister Lösch. eine kurze Ansprache an die jungen Kameraden. 2lm heutigen Tag sind, so sagte er u. a., überall in den Lagern des Reichsarbeitsdienstes die neuen Arbeitsmänner angetreten, um auf den Führer Adolf Hitler und die Fahne des Reichsarbeitsdienstes vereidigt zu werden. Vereidigt auf die Fahne, die uns vorangetragen wird und die die Zeichen des Arbeitsdienstes und der Bewegung trägt! Im Kampf um die Fahne und für die Fahne fetzten schon immer die Besten unseres Volkes ihr Leben ein. An Euch, junge Kameraden, tritt nun auch die Frage heran, ob Ihr Euch einsetzen wollt für die Fahne. Mutig und ernst werdet Ihr im Dienst an der deutschen Erde stehen, die Euch zum Menschen macht und Euch auch den Glauben an die Fahne gibt. Ihr werdet im wahrsten Sinne des Wortes Nationalsozialisten sein, wenn Ihr alle Kraft in Führer und Volk zu geben bereit seid. Mit dem Bekenntnis zu Führer, Volk und Vaterland schloß Oberfeldmeister Lösch seine Ansprache. Gemeinsam und kraftvoll wurden das Deutschland- und das Horst-Wessel-Lied gesungen. Der Ansprache des Lagerführers folgten zwei Ge- dichtoorträge von Kameraden des Arbeitsdienstes, die in Reih' und Glied stehen blieben, und damit zu überpersönlichen Sprechern wurden, die aus dem Geiste einer Gemeinschaft heraus für die Gemeinschaft sprachen. So bekamen die Worte, die mit großer Überzeugungskraft gesprochen wurden, tieferen Sinn und lösten starkes Miterleben und Mitbeken- nen aus. Dann wurde die Vereidigung vorgenommen. Dor die gesenkte Fahne traten einzelne Kameraden als Abordnung der Mannschaft zum Schwur an. Unterfeldmeister Weigel sprach die Eidesformel vor, die von allen Arbeitsmännern nachgesprochen wurde. Mit folgenden Worten wurden die jungen Arbeitsdienstmänner vereidigt: „Ich schwöre: ich will dem Führer des Deutschen Reiches und Volkes Adolf Hitler in unverbrüchlicher Treue dienen, ihm und den von ihm bestellten Führern des Reichsarbeitsdienstes unbedingten Gehorsam leisten, meine Dienstpflichten gewissenhaft erfüllen und allen Angehörigen des Arbeitsdienstes ein guter Kamerad fein!" Mit dem Ausbringen der Fahne des Arbeitsdienstlagers fand die denkwürdige Feier ihren Abschluß. Aus der provinzialhaupistadt. Weshalb nicht alles zeigen? ZdR. Wir gewöhnen uns in Deutschland wieder daran, daß in immer stärkerem Maße der Ausländer sich für Deutschland interessiert. Gesellschaftsreisen, Besuche führender Persönlichkeiten und Vertreter der Presse häufen sich. Wir nehmen das mit einer gewissen Freude zur Kenntnis, denn es beweist, daß eine alles herabsetzende Gräuelpropaganda langsam ihre Wirkungen zu verlieren beginnt. Das Interesse an dem gewaltigen Wiederaufbau und an dem beispiellosen Meistern der vielen Probleme muß die Menschen von draußen nach Deutschland ziehen. Sie wollen sehen, was Wahres daran ist, wie es möglich ist, einen so schnellen Umschwung auf allen Gebieten des öffentlichen und täglichen Lebens herbeizusühren. Was sie dann zu sehen bekommen, dürfte in den meisten Fällen seine Wirkung nicht verfehlen. Gerade die Olympischen Spiele haben gezeigt, wie ein Volk, das auf ein gleiches Ziel ausgerichtet ist, ohne bewußte Propaganda treiben zu wollen, für sich wirbt. Die selbstverständliche Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft, die das ganze Volk während der Spiele durchflutete, hat überall bei den Ausländern, mit denen man sprach, Anerkennung gefunden und Aussehen erregt. Und wie hier bei einer großen internationalen Idee, wie sie die Olympischen Spiele darstellen, so ist es auch auf den anderen Gebieten. Das nationalsozialistische Deutschland hat es nicht nötig und lehnt es bewußt ab, Potemkinsche Dörfer zu zei- Wer älter wird... Von Julius Kreis. Das Aelterwerden geht so an: Die Leute konstatieren, daß man sich gar nicht verändert hat; oder sie sagen: Sie sehen aber gesund aus; oder: In Ihren Jahren macht so was noch (noch!) keine Beschwerden. Oder sie fragen: Sind Sie noch immer unverheiratet? Oder: Sie wohnen noch immer in der Heugasse? — Sie geben Ratschläge: Machen Sie jeden Morgen fünfzehn tiefe Kniebeugen. Unser Schneider: Nehmen Sie keinen tarierten Stoff. Er trägt auf. Nehmen Sie den dunklen, das macht schlanker. * Wer älter wird, hört mit Interesse zu, wenn jemand von seinem Rheumatismus erzählt oder von einer Badekur ober von einem wirksamen Nerven- ^Wer älter wirb, liest im , Aerztlichen Hausfreunb" den Artikel über „Pflege der Arterien" ober „Bekämpfung des Senkfußes". Er liest in der Literaturgeschichte voll Befriedigung, daß Liliencron mit 40 Jahren das Dichten anfing und Fontane mit Siebzig feine besten Romane schrieb. Er unterstreicht' in der Statistik, daß die Staatsmänner durchschnittlich zwischen 50 und 60 die größten Erfolge aufweisen. Da hat man also noch lange hm! ♦ Eines Tages gibts dann in der Trambahn den ersten fühlbaren Knacks. Ein kleines, nettes, artiges Schulmädel steht knicksend auf unb bietet dem Herrn, der älter wird, den Platz an .. - Aber der Abend legt Balsam auf die Wunde. Die Sechzigjährigen im Verein klopfen ihm nach der Debatte gütig auf die Schulter und sagen. Ja, wie wir so jung waren wie Sie, da haben wir auch ... Und als ihn gar bei einem Zusammenstoß der Gegner einen Lausbuben nennt, da mochte er dem am liebsten ein Flasche „Perle der Pfalz spendieren. * Wer älter wird, entdeckt voll Rührung über sich und sein Schicksal die. ersten grauen Haare und streicht sie unter die dunklen, er nimmt manchmal zur nächtlichen Heimkehr ein Auto, auch wenn er allein ist, er zieht bei sedem repräsentativen Anlaß feinen Bauch ein bißchen ein, er redet gern von vergangenen Zeiten, wie schon es früher war, unb er rneibet Menschen mit Schnupfen unb Husten, entgiftet seinen Tabak und Kaffee mit allerhand Patenten, unterscheidet mit Sachkenntnis unter den Rotweinen. Ein Haus mit einer guten Köchin ist ihm lieber als eines mit einer schönen Tochter. Er ist ein Herr in den besten Jahren. * Ein Herr in besten Jahren! Gewiß, er räumt manches Feld, aber dann tauscht der Herr, der älter wird, doch allerhand ein: Verständnis für die realen Freuden des Daseins, wenn er glücklich veranlagt ist, eine heitere Resignation Er wird nicht mehr zornig um des Kaisers Bart. War das Lächeln im „Uebergang" manchmal ein bißchen krampfhaft unb bitter, nachher wirb es echt unb löfenb. Unglücklich burch eine große Liebe — glücklich burch eine große Liebe? (Wenn er ganz klug geworben ist, will er ba nichts vergeben) —, vorläufig ist er im schönen Gleichgewicht. Aber bas bekommt er nicht umsonst. Da mußte er zwanzig Jahre „Sturm unb Drang" brangeben unb alles Glück unb Beben halber Torheit unb alles Reizvolle unb Schöne, bas in ber Trunkenheit junger Jahre liegt. Wer älter wirb, hat feine reiferen, feine „besten Jahre" bezahlt. — Sanfte unb weife Hanb bes Schöpfers, daß man dann mit dem Tausch zufrieden ist! pholosraphieren im Herbst Bon Walther Appell Zu allen Jahreszeiten muß der Photographierende eine sehr wesentliche Tatsache beachten: daß die bunten Farben der Natur in der photographischen Wiedergabe auf ein viel bescheideneres Maß von Schwarz, Weiß unb ihren Zwischentönen zurückgeführt werben. Ein Meister in feinem Fache ist hier, wer trotz dieser auferlegten Beschränkung so photographieren kann, daß seine Bilder alles Licht kontrastreich und alle Tiefe plastisch wiedergeben. Beides ist im Herbst nicht schwerer als in den andern Jahreszeiten. Aber im Herbst kommen wir öfter in Versuchung, eine Aufnahme um der Farbwirkungen willen zu machen, die im natürlichen Motiv enthalten find. Deshalb gibt es in diesen Monaten die meisten Enttäuschungen. Die Sonne scheint weicher, wie im Frühling, doch dessen Einfachheit der Linien und Ruhe im Gesamtbild fehlt. Dem starkfarbigen Blühen in den Gärten entspricht das bunte Laub ber Bäume, und noch ein Stoppelfeld ist in der Wirkung oft lebendiger als ein Feld mit sprießenden Halmspitzen. Im Kahlerwerden sind Hecken und Alleen, Baumgruppen und Waldränder meist noch eindrucksvoller als im ersten Knospen. Das braucht nicht „schöner" zu bedeuten, sondern nur: herbstlicher. Darauf aber kommt es an: dieses Abklingen dieses vollen Sommers, das freilich nicht ohne leise Wehmut ist, bildhaft einzufangen. Kartoffelfeuer in der Landschaft ober bie bazu- gehörigen arbeitenben Gruppen finb wie die Obstpflücker genau so willkommene Staffage wie ein pflügender ober säender Bauer im Frühjahr. Aber sie sind ebenfalls mit Vorsicht, das heißt mit kluger Beschränkung zu verwenden. Leere Flächen, weite und womöglich noch dazu ebene Felder werden durch sie belebt — aber in reicheren landschaftlichen Motiven führen sie leicht zu Ueberladung und Verwirrung, ba dem Silbe bie einheitliche Klarheit fehlt. Das Auge soll nicht suchenb unb immer aufs neue überrascht von einem Bildinhalt zu anberen gehen müssen. Wir stellen also berartige Motive menschlicher Tätigkeiten im allgemeinen nicht in herbstliche Landschaften, die für sich allein genug gegliedert unb in sich typisch sinb. Anbers mag es gerechtfertigt fein, wenn weidende Schafherden ober bergl. ganzen Fluren nach ber Ernte ihren besonderen, herbstlichen Charakter geben. Das T i e r I e b e n wird im Herbst sowohl ärmer als auch in mancher Hinsicht reicher an Motiven. Vögel und Schmetterlinge, bie sowieso für bie meisten als photographische Motive zu schwer finb, verschwinben mehr unb mehr aus ber Lanbschaft. Aber bas einheimische Grvßwilb bietet dafür günstigere Möglichkeiten. Es wird zur Nahrungssuche öfter aus dem Walde herauskommen auf die Wiesen unb Felber. Da biefe aber abgemäht, abgemeibet ober erst roieber im neuen Keimen finb, ist bas Wilb gut sichtbar. Doch haben wir babei zu be- benken, baß wir eine günstige, also nicht zu weite Entfernung von unferm berartigen Motiv haben müssen, — unb baß auch die Farbe des braunen Felles sich gut von der des Untergrundes abheben soll. Da das Braun eine Schutzfarbe ist, ergeben sich heraus oft Schwierigkeiten — zumal wenn das Tier auf einem frisch gepflügten Acker ober an einem herbstbraunen Walbranbe steht. — Diele Motive von Mensch ober Tier in ber Lanbschaft sind photographisch nicht anders als sonst zu behandeln, wenn jetzt die Heide blüht und die Vogelbeeren reifen. Aber die Belichtungs - zeiten müssen der verminderten Leuchtkraft der Sonne entsprechen und gegen den Höhepunkt des Sommers schon fast verdreifacht werden. Daraus ergibt sich eine Bevorzugung „offener" Motive, die indessen nicht ängstlich übertrieben zu werden braucht. Da alles „lichter" geworden ist, haben auch manche Objekte mehr photographisch verwertbares Licht bekommen. Nur gilt für sie noch mehr als für andere, daß bei Objektiven ober Abblenbungen bis in die mittleren Werte immer mehr die Stunden von 10 bis 16 Uhr bevorzugt werden müssen. Und rasch drängt sich diese Zeit immer enger zu- lammen. Rechtsstreit um eine Krankengeschichte. Ein eigenartiger Schadenersatzprozeß gegen einen Arzt wurde vor einem Wiener Gericht verhandelt. In dem Rechtsstreit dreht es sich, wie die „Deutsche Medizinische Wochensrchift" berichtet, um die lieber- laffung einer Krankengeschichte an den Kranken selbst. Dieser war in einer Heilanstalt wegen Schlafmittel- Vergiftung behandelt worden und wollte den Arzt, der ihm das Mittel verschrieben hatte, auf Schadenersatz verklagen. Er verlangte nun von der Anstalt die Ausfolgung der Krankengeschichte ober wenigstens Einsichtnahme in bie Aufzeichnungen. Als dies verweigert würbe, forberte er es im Klagewege. Die Anstalt erklärte, daß die Krankengeschichte ihr Eigentum sei und daher nur dem Arzt zur Verfügung gestellt werden könne. Das Zivillandesgericht wies ebenfalls die Klage mit der Begründung ab, daß der Kranke über fein Leiden keine volle Aufklärung zu erhalten brauche, da er sonst unter Umständen noch mehr gefährdet werden und in feiner seelischen Ruhe gestört werden könne. Zeitschriften. — Luftschutz unter dem Sowjetstern heißt ein großer Bild-Bericht im neuen Heft der „S i r e n e" Er gibt Aufschluß über die Riesenorganisation der „Ossoaviachim", ihre Kleinarbeit unb ihre groteske Propaganda. Die Aufnahmen zeigen eine Operation unter ber Gasmaske, Entgiftungstrupps, Pro- paganba - Märsche von Frauen mit Hunben unter Gasmasken. — In Anschluß baran gibt eine bilb» liche Gegenüberstellung ein gutes Beispiel für „Tarnung im länblichen Luftschutz." Von den übrigen interessanten Artikeln seien genannt „Krieg im Ameisenstaat" — mit schönen Fotos —, „Unser Haus wirb luftgeschützt", „Städte in Flammen" — Zur Woche bes beutschen Buches roibmet die neueste Nummer der „I11 u ft r i r t e n Zeitung Leipzig" (I. I. Weber, Leipzig) ber Buchhandelsstabt Leipzig einen reich illustrierten Beitrag, mit ben Büchermessen vor 100 Jahren beginnend bis zum mobernen, reich pulfierenben Buchhanbel, ber Leipzigs wichtigsten Wirtschaftsfaktor barstellt. — Als Künber beutscher Kultur in Grenzlanbgebieten treten uns ber Neubau bes Rathauses in Oppeln sowie bas neuerbaute Zittauer Grenzlanbtheater im Silbe entgegen. gen. Was zeigt man denn z. B. ausländischen Be- suchern über die durchgreifenden Umwälzungen, die in der Landwirtschaft vor sich gegangen sind? Sie bekommen nicht nur Musterbetriebe zu sehen, londern man zeigt ihnen auch gerade das Gegenteil. „Da ist eine Molkerei, wie sie nicht aus- fehen soll und wie wir sie heute beseitigen werden." Das sind Worte, die auf dem Gebiete der Molkereiwirtschaft mancher Ausländer zu hören bekommt, wenn er einen schlechten, unhygienischen Betrieb besichtigt. Nicht anders bei der Besichtigung von Höfen. Es sind Durchschnittsbetriebe, wie sie zu hunderttausenden in Deutschland vorhanden sind, und die einen Einblick geben von dem Stand der deutschen Landwirtschaft. Da braucht man keine „Giganten" und Atrappen, wie man sie in anderen Ländern, die wohl auch von einer einheitlichen Gesinnung ihren Staatsaufbau herleiten, zeigt Was noch nicht gut ist, wissen wir und geben wir zu. Aber wir können mit gutem Gewissen dabei gleichzeitig erklären, daß es in Kurze besser werden wird. Das ist die neue Gesinnung, die heute charakteristisch für die Leistungen und die Aufbauarbeit ist. Aus dieser Gesinnung heraus brauchen wir auch keine ausgewählten Menschen den ausländischen Besuchern vorzusetzen. Jeder in Deutschland weiß heute, daß alle Maßnahmen nach den Notwendigkeiten der Volksgemeinschaft getroffen werden. Dafür ein kleines Erlebnis, das neulich ein Ausländer hatte, als er sich in einem Dorf bei einem einfachen Bauern an der Straße nach der Lage feines Hofes erkundigte. Vielleicht hoffte er, etwas Anderes zu hören. „Wie die Preise sind? Wissen Sie, es gibt immer Leute, die, wenn sie das Doppelte bekommen, nach dem Dreifachen schauen". Aus dieser Antwort spricht die Bescheidung des deutschen Menschen, weil er weiß, daß dies für den Wiederaufbau des Staates nötig ist. H. D. Äornotizen. Tageskalender für Montag. Stadttheater, 20 Uhr, Groß-Kundgebung zur „Woche des Deutschen Buches", Josef Weinheber und Robert Hohlbaum lesen aus eigenen Werken. — Gloria-Palast, Seltersweg: „Maria, die Magd". — Lichtpielhaus, Bahnhofstraße: „Ein Lied klagt an". — Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brand, 17—18 Uhr, Große Kunstausstellung von Oelgemälden, Aquarellen und Tempera. Sladtlheaker Gießen. Heute abend findet eine Großkundgebung der „Woche des deutschen Buches" statt. Die Eröffnungsworte spricht der Herr Oberbürgermeister. Die Dichter Robert H o h l b a u m und Josef Wein- heber lesen aus eigenen Werken. Ausgabe der Platzkarten in der Musikalienhandlung Challier. Beginn der Kundgebung um 20 Uhr. Evangelische Frauenhilfe Gießen. Kommenden Mittwochnachmittag im Cafe Leib Verbandsversammlung mit Vortrag von Gerda Lukas, Potsdam. (Siehe heutige Anzeige.) Deutsch«» Arbeitsfront. Gießen - Off. Am Dienstag, 27. Oktober, 20.15 Uhr, findet im E a f 6 Leib, Walltorstraße, eine große Orts- gruppen-Mitgliederversammlung statt. Ls spricht der Gauredner pg. Lifenlraud, Frankfurt a. IN., Kreisobmann der DAF. Kreis Groß-Gerau, hierzu haben sämtliche DAF.-Dalter und Warte von Giehen- Ost zu erscheinen. Die Mitglieder der DAF. sind hierzu eingeladen. Vollzähliges Erscheinen wird erwartet. Hitler-Jugend Dann 116 Gießen. Vetr.: Besuche von Scharabenden. Bannstabsrnitglieder werden am Mittwoch, 28. Oktober, die Scharen Großen-Linden, Leihgestern, Heuchelheim, Hungen, Steinheim, Trais-Horloff, Watzenborn-Steinberg; am Donnerstag, 29. Oktober, Klein-Linden und Haufen besuchen. Vetr.: Stärkemeldungen. Wir machen darauf aufmerksam, daß bis zum 27. d. M. von allen Gefolgschaften und Sondereinheiten die Stärkemeldungen abzuliefern sind. 23 000 Laib ätoi für das WHW. Das Sammelergebnis im Kreis Wetterau der NSDAp. Die große Sammelaktion des Jungvolks für das Winterhilfswerk 1936/37, die Vrotfammlung, die am Freitag und Samstag mit großem Eifer durchgeführt wurde, brachte im gesamten Kreisgebiet des Kreises Wetterau er RSDAp. das Ergebnis von rund 2 3 0 0 0 Broten. Innerhalb der Stadt Gießen wurden davon insgesamt 4500 Brote aufgebracht. Die Brote gingen an die Kreisamtsleitung der NSV. Groh-Frankfurt. Das Sammelergebnis wurde noch am Samstagnachmittag mit Hilfe von Laftlkraft- und Lieferwagen nach Frankfurt a. M. verbracht und dort verteilt. D enstweg einhalten! LPD. Das Generalkommando des IX. Armeekorps in Kassel teilt mit: In der letzten Zeit mehren sich die Fälle, daß gegen Entscheidungen der Wehrbezirkskommandos Beschwerden unmittelbar bei dem Generalkommando IX. A.-K. in Kassel vorgelegt werden. Es wird darauf hingewiesen, daß sich die Beschwerdeführer an die Kreispolizeibehörde zu wenden haben. Jeder andere Weg verzögert nur die Entscheidung. Warenausgangs-Verordnung und Großhändler. Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß am 1. Oktober 1936 die Verordnung über die Verbuchung des Warenausgangs in Kraft getreten ist. Von diesem Zeitpunkt ab müssen Großhändler für steuerliche Zwecke den Warenausgang (Liefertag, Erwerber, Warengattung, Warenpreis) verbuchen. Es ist nicht nötig, wenn auch erwünscht, daß der Warenausgang in Buchform verbucht wird. Es genügt beispielsweise, wenn Belege erteilt und die Urschriften oder Durchschriften der Belege von dem Großhändler zurübehalten und geordnet aufbewahrt werden. Weiter ist vorgeschrieben, daß jedem Abnehmer ein Beleg (z. B. eine Rechnung, eine Quittung, ein Kassen- oder Lieferzettel) ausgehändigt werden muß. Bei Nichtbeachten der Verordnung setzen sich die betroffenen Großhändler erheblichen Nachteilen aus, da für diese Fälle Ordnungsstrafen unb Schätzungen vorgesehen sind. Die Steuerbehörden werden sich in der nächsten Zeit davon überzeugen, ob die Vorschriften über die Warenausgangsoerordnung eingehalten werden. Das zuständige Finanzamt gibt über etwaige Zweifelsfragen bereitwillig Auskunft. „Oie Gefolgschaft des Glaubens marschierte Eine Feierstunde mit einer Aufführung unter dem Titel „Die Gefolgschaft des Glaubens marschiert" wird für den kommenden Sonntagvormit- tag im Gloria-Palast vorbereitet. Veranstalter und Träger dieser Morgenfeier sind die berufenen Stellen der Partei, nämlich die Kulturabteilung des Gaues und „Kraft durch Freude". Das Manuskript der Aufführung stammt von H. A. Weber. Der musikalische Teil ist von Bruno Hellberger, der auf Dem von ihm geschaffenen neuen elektro- akustischen Musikinstrument „Hellertion", das anfangs dieses Jahres fertiggestellt und Ende April dem Reichsminister Dr. Goebbels vorgeführt wurde, sodann an einer Reihe von bedeutsamen Veranstaltungen der Partei hervorragend mitgewirkt hat, die Aufführung bereichern wird. An der Gestaltung der Feierstunde wirken Politische Leiter, NSBO.-Bereitschaft,. SA., SS., HI., BDM., Werkscharen, Arbeitsdank, Jungvolk, Wehrmacht und eine Trachtengruppe mit. Heiter der Aufführung ist Pg. Rüffer, der durch seine frühere Tätigkeit in der Gießener HI. hier bekannt ist. Am gestrigen Sonntagvormittag fand in stundenlanger Arbeit im Saale des Gloria-Palastes eine erste Gemeinschaftsprobe aller Mitwirkenden statt, in der mit viel Fleiß und mit allseitigem besten Streben die bisherige Einzelarbeit der Vorbereitung in den verschiedenen Gruppen aufeinander abgestimmt und zur Gemeinschaftsleistung verschmolzen wurde. Man konnte bei dieser Arbeit den Eindruck gewinnen, daß mit dieser Aufführung den Besuchern eine Feierstunde bevorsteht, die durch ihren tiefen, ergreifenden Gehalt die Herzen der Zuhörer gewinnen und weit über den Tag der Aufführung hinaus in Bann schlagen wird. Man erlebt bei dieser Feier im Geiste erneut das überwältigende Wunder der Neugestaltung des deutschen Volkes, den Sieg der Volksgemeinschaft über den Klassenhaß und den Einzug des strahlenden, schöpferischen und veredelnden Geistes des Nationalsozialismus und fein fegenvolles Wirken in unserem Volke. Mit einem Wort gesagt: der neue und bessere deutsche Mensch, das erneuerte und von früheren Schlacken befreite herrliche deutsche Volk kommen in dieser Ausführung in packender und begeisternder Art zur Darstellung und sprechen in einer Weise zu allen Gliedern unserer Volksgemeinschaft, die jeden angrht und auch jedem viel zu sagen hat. Die Aufführung steht unter den Symbolen des schaffenden und wehrhaften deutschen Volkes: Pflug, Hammer und Schwert. Man darf nach dem Einblick bei der gestrigen Gemeinschaftsprobe sagen, daß die Aufführung ein Erlebnis im besten Sinne des Wortes werden wird. Kapitän a. D. Schmehl erzählt. Einen schönen Sonntagvormittag erlebten die überaus zahlreichen Besucher des Lichtbildervortrages von Kapitän a. D. Korvettenkapitän d. R. a. D. Schmehl. Mit der ihm eigenen Art wußte der Vortragende feine Zuhörer in Bann zu ziehen und bald die Verbindung zu schaffen, die weitgereiste Menschen von sich auf eine große Menschenmenge schaffen können. Bürgermeister Prof. Dr. Hamm als Bezirksführer des Derkehrsverbandes widmete dem Inhaber der Ehrenplakette der Stadt Gießen herzliche Begrüßungsworte. Er würdigte feine Verdienste um die Vaterstadt und die bewegte und ruhmreiche Vergangenheit dieses Mannes, der achtfacher Lebensretter ist und der noch im späten Lebensalter feine außerordentlich vielseitigen Erfah- runaen dem Vaterlande zur Verfügung stellt. Die Stadt Gießen ist stolz auf ihren großen Sohn. In humorvoller Art plauderte der Kapitän von feinen Kriegserlebnisfen auf dem Hilfskreuzer „Wolf" und führte einige Lichtbilder vor. In anschaulicher Weise und ohne jede Ueberhebung sprach er von den Anstrengungen und Gefahren, die eine kleine Schar, stets vom Tode umlauert, mutig überwand. Als echter Sohn Oberhessens würzte der Kapitän seinen Vortrag mit manchem vertrauten Ausspruch. * ** D i e Miliiärversorgungsgebühr- nisse für November werden beim Postamt 1 (Bahnhofstraße) am 29. Oktober, die Sozialrenten am 31. Oktober gezahlt. ** Sterbefälle in Gießen. Es verstorben Gießener: am 16. Oft.: Anna Schön, geb. Göbel, ohne Beruft 83 Jahre, Johannesstraße 9. — 17. Oft.: Joseph GeGck, Kanzlei-Oberassistent, 79 Jahre, Bleichstraße 36; Elisabeth Martin, geb. Schwan, ohne Beruf, 60 Jahre, Gr. Steinweg 23. — 18. Oft.: Wilhelm Hamel, ohne Beruf, 77 Jahre, Bleichstraße 7. — 20. DEL: Emilie Geiß, geb. Bender, ohne Berus, 58 Jahre, Hammstraße 8; Adolf Hexamer, Buchbindergeselle, 56 Jahre, Roonstr. 10. — 21. Oft.: Helene Kronenberg, geb. Sieglinger, ohne Beruf, 71 Jahre, Johannesstraße 9; Robert Jmhäuser, ohne Beruf, 72 Jahre, Ludwigsplatz 9. — 22. Oft.: Ludwig Schneider, ohne Beruf, 78 Jahre, Licher Straße 31. — Auswärtige: 19. Oft.: Heinrich Karl Johann Häuser, Reichs- bahn-Oberschaffner, 60 Jahre, Allendorf (Lahn); Elise Ulrich, geb. Bach, ohne Beruf, 64 Jahre, Ranstadt. — 22. Oft: Anna Kaspar, geb. Althaus, ohne Beruf, 40 Jahre, Niederbreidenbach; Wilhelm Fuchs, Former, 39 Jahre, Daubringen. ** Winterhilfswertzeichen. Für das diesjährige Winterhilfswerk werben neun Wertzeichen der Deutschen Reichspost, auf denen sich Abbildungen von Straßen und Bauten des Dritten Reichs befinden. Am 21. September hatte an den Postschaltern die Ausgabe der einen Hälfte dieser Wertzeichen (3, 6, 12 und 25 Pf.) begonnen. Nach einer Mitteilung der Deutschen Reichspost werden die restlichen Markenwerte bei allen Postanstalten vom 26. Oktober an ausgegeben. Es handelt sich dabei um die Wertzeichen zu 4 Pf. (Reichsluftfahrtministerium), 5 Pf. (Luitpoldhain, Ehrenmal in Nürnberg), 8 Pf. (Deutschlandhalle, Berlin), 15 Pf. (Führerhaus in München) und 40 Pf. (Haus der Deutschen Kunst in München). Zu allen Wertzeichen wird ein Zuschlag erhoben, der in kleinen Ziffern auf der Umrandung des Markenbildes steht und dem Winterhilfswerk zufließt. Der Verkauf der Freimarkenheftchen mit Winterhilfswertzeichen beginnt erst am 2. November. ** Mit dem Auto gegen einen Baum. Am Samstag zwischen 20 und 21 Uhr ereignete sich in der Marburger Straße in der Nähe des Avzweigs der Friedhofsallee ein ernster Derkehrs- unfall. Dort kam ein Kraftwaaen, der von Hanno- Der kam und nach Süddeutschland unterwegs war, infolge der regennassen und durch Laubfall schlüpfrig gewordenen Straße ins Schleudern, er fuhr erst auf der rechten und dann, da er nicht schnell genug zum Stehen gebracht mert)en konnte, quer über die Straße hinüber auf die linke Seite, wo er gegen einen Baum rannte. Die beiden Insassen, ein Herr und eine Dame, trugen bei dem heftigen Anprall Quetschungen, Prellungen und Gehirnerschütterungen davon. Die Sanitätskolonne vom Roten Kreuz brachte die Verunglückten nach der Chirurgischen Klinik. Der Wagen wurde schwer beschädigt. Briefkasten der Redaktion. (*Hed)tsgutad)ten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) „Wie ist die Rechtslage." Das Erbrecht des Ehegatten ist von dem Güterftand der Ehe unabhängig. Bei kinderloser Ehe erbt der überlebende Ehegatte zunächst den sog. Voraus, d. h. die zum ehelichen Haushalt gehörenden Gegenstände, soweit sie nickt Zubehör eines Grundstückes sind, sowie die Hochzeitsgeschenke. Von der übrigen Erbschaft, gleich, ob sie zum eingebrachten Gut, ober einer anderen Gütermasse des verstorbenen Ehegatten gehörte, erbt der überlebende Ehegatte, wenn die Eltern des verstorbenen Ehegatten oder deren Abkömmlinge noch leben, die Hälfte. Die andere Hälfte fällt an die Eltern des verstorbenen Ehegatten bzw. deren Abkömmlinge. Ein guter Leser. Da Ihr Grundbesitz rron zwan- zig Morgen eine Ackernahrung nicht darstellt, unterliegt er nicht den Bestimmungen des Reichserbhofgesetzes. Sie sind daher in der Verfügung über Ihr Eigentum nicht beschränkt und können Ihr Land an Ihre Kinder verteilen. O-erheffen. Hege Bautätigkeit in Wieseck. £ Wieseck, 25. Oktober. Hatte bereits im vergangenen Jahre in unserem Orte die Bautätigkeit stark eingesetzt, so übertraf sie in diesem Jahre alle Erwartungen. Wurden doch drei im vergangenen Jahre begonnene Neubauten bezugsfertig hergestellt, weitere 15 Wohnhäuser wurden in diesem Jahre vollkommen errichtet und werden spätestens am 1. November bezogen, weitere 6 Wohnhäuser sind im Bau begonnen, davon ist eins inzwischen unter Dach gebracht. Zu den Wohnhausneubauten gesellten sich noch 2 Neubauten von Werkstätten, die bereits ihrer Bestimmung übergeben sind. Ferner wurden noch verschiedene An- und Umbauten durchgeführt. Eine Anzahl Häuser erhielt ein neues Kleid. Durch die überaus starke Belebung des Baumarktes waren in diesem Jahre alle heimischen Handwerker sehr gut beschäftigt. Wenn auch der Ausbau der Straßen mit den Neubauten nicht Schritt hielt, so wurden doch von der Gemeinde alle Anstrengungen gemacht, um das Straßennetz in Ordnung zu bringen. Im Frühjahr wurde die Niederfeldstraße neu her gerichtet, während jetzt die Horst-Wefsel-Straße ausgebaut wird und demnächst eine der schönsten Straßen des Ortes sein wird. Durch die rege Bautätigkeit wird es nicht mehr allzulange dauern, bis Wieseck vollkommen bis zur Gemarkungsgrenze Gießen aus geb aut ist, wo bereits an der Marburger Straße durch die Firma H. W. Rinn und ein älteres Wohnhaus die Verbindung mit der großen Nachbarin hergestellt ist. Durch weitere Wohnhausneubauten im Stadtgebiet an der Marburger Straße rückt auch die Stadt Gießen immer näher an Wieseck heran, und es wird nicht mehr allzufern fein, wo die beiden Gemeinden, die bereits durch Wasser, Gas, Beleuchtung und Straßenbahn miteinander verbunden sind, vollkommen aneinander gebaut sind. Landkreis Gießen § Alten-Buseck,25. Okt. Nachdem am Donnerstagnachmittag unser Jungvolk durch Sprechchöre für die Vrotfammlung aufgerufen hatte, fuhren die Jungen am Freitag singend mit geschmückten Handwagen durchs Dors, um die Brote zu sammeln. In der Ortsgruppe Alten-Buseck wurden insgesamt 195 Brote gespendet; davon entfallen 76 auf Alten-Buseck, 29 auf Trohe und 90 auf Rödgen. # Daubringen, 24. Okt. Die in unserem Orte durchgeführte Verdunkelungsübung hat in allen Teilen ein sehr befriedigendes Ergebnis gebracht. Am 29. Oktober beginnt hier ein auf sieben Abende festgesetzter Kursus für Luftschutzhauswarte. = Steinbach, 24. Okt. Die Nachtfröste, die diesen Herbst besonders früh und sehr hart auftraten, haben der Maisernte ein vorzeitiges Ende bereitet. Der Mais wird hier als Grünfutter angepflanzt und kann keinen Frost vertragen. Aber auch den W e i n ft ö ck e n , die hier im Orte an Süd- und Westwänden in ziemlicher Anzahl zu finden sind, haben diese frühen Nachtftöste geschadet. Der Blattfall trat vorzeitig ein, und die Weintrauben waren noch nicht reif. Da der sehr ungünstige Sommer nicht nur die Reifezeit verzögert hatte, sondern auch zum ersten Male seit Jahren das Auftreten der Perenospora brachte, so sah und sieht man, nachdem die Blätter abgefallen sind, da und dort noch die Trauben hängen. Nächstes Jahr muß eine energische Bekämpfung jener Krankheit einsetzen, um die Verseuchung der Weinstöcke zu beseitigen, außerdem ist die Lehre aus der diesjährigen Ernte dahin zu ziehen, daß bei Neuanpflanzungen nur allerfrühste Sorten in Frage kommen. = Steinbach, 26. Okt. Der 900 Zentner schwere L ö f f e l b a g g e r, der — wie von uns berichtet — am Freitagnachmittag neben dem künftigen Reichsautobahnhof in den moorigen Wie- fen eingesunken war, widerstand allen Bemühungen, ihn heraus zu bekommen, bis zum Sonntagnachmittag. Von nah und fern waren schon Samstag und besonders Sonntag Neugierige herbeigeströmt, um das Riesengerät zu besehen. Am Sonntag wurde der andere Löffelbagger, der viel leichter ist als der eingesunkene, zum Herausziehen herangebracht. Natürlich mußte erst, um ein Einbrechen dieses Baggers an der kritischen Stelle zu verhindern, der Weg dahin hergerichtet werden. Diese Stelle war übrigens allen Steinbachern wohl bekannt, denn auch in trockenen Jahren sind dort früher schon Heuwagen eingesunken. Die Steinbacher befuhren deshalb diesen Wiesenweg niemals. Der herangeschaffte zweite Bagger, ebenfalls auf Raupenschleppern sich fortbewegend, brachte das fertig, was sonst unmöglich schien: er zog das Ungeheuer aus dem Loche, in dem es mit dem schweren Teile steckte. Nun steht er auf dem Knüppeldamm, fortberoegen kann er sich jedoch nicht, vor der Abfahrt sind noch einige Reparaturen an der Maschine erforderlich. (t) ©rüningen, 24. Okt. Bei der Brot- s a m m l u n g für das WHW., die durch das Jungvolk Dorgenommen wurde, konnten 70 Laib Brot an die örtliche Sammelstelle abgeliefert werden. Eberstadt, 24. Ott. Bei der Reichsstra - ßensammlung für das WHW., die hier von den Handwerkern durchgeführt wurde, gingen in unserem Orte 36,70 Mark ein. Die Brots amm- lung des Jungvolks erbrachte hier 55 große Bauernbrote für das WHW. Bei der Hon i g • f a m m I u n g für die Winterhilfe konnten fünf große Eimer Honig zusammengebracht werden. I) Lich, 25. Okt. Eine weitere Vermittlungsstätte deutschen Kultur- und Kunstschaffens hat unsere Stadt durch das von dem Besitzer der Licher Lichtspiele neuerrichtete Lichtspielhaus erhalten, dessen Eröffnung gestern abend ftattfanb. Zu der Eröffnungsfeier hatten sich die Freunde der Lichtspielkunst so zahlreich eingefunden, daß der über 300 Sitzplätze aufweisende Saal bis auf den letzten Platz besetzt war. Nach einer Ansprache des Besitzers der Licher Lichtspiele, Pg. August H i s g e n, übermittelten Ortsgruppenleiter Kuhn im Namen der Ortsgruppe Lich der NSDAP., Bürgermeister Geil als Vertreter der Stadt Lich und ein Vertreter der Gauabteilung Frankfurt a. M. der Reichsfilmkammer ihre besten Wünsche zur Eröffnung der neuen Kulturpflegestätte. Nach verschiedenen Musikvorträgen der Kapelle Schmidt gelangte der Film „Standschütze Bruggler" zur Vorführung. § Quecfborn, 24. Okt. Die Sammlungen für das Winterhilfswerk 1936/37 brachten bis jetzt in unserer Gemeinde guten Erfolg. Die Eintopf- spende ergab 32,85 Mark, die R e i ch s st r a - fcenfammlunq für das Webobzeichen 25,60 Mark. Heute sammelten unsere Jüngsten Brot. Gestern machten sie durch einen Sprechchor die Einwohner auf ihre wichtige Arbeit aufmerksam. Der Erfolg war gut, heute Morgen konnten 106 Laib Brot nach Ettingshausen an die Ortsgruppe der NSV. abgeliefert werden. Don dort aus treten sie den Weg zur Sammelstelle Gießen an und werden in unseren Nachbarstädten den bedürftigen Volksgenossen zugeteilt. Auch die Frauenschaft durfte ein schönes Ergebnis ihrer Sammeltätigkeit buchen. Wurden doch von den Frauen 240 Pfund Honig gesammelt, der noch einmal aufgekocht wurde, um dann der NSV. zugeführt zu werden. Kreis Schotten. # Groß-Eichen, 24. Oft. Die Reichs- straßensammlung der Deutschen Arbeitsfront für das Winterhilfswerk ergab hier die erfreuliche Summe von 25,20 Mark. Ebenso war die Brotsammlung des Jungvolkes ein guter Erfolg. Die Pimpfe sammelten im Laufe der Woche in unserer Zelle 45 Laib Brot. Aus Den preußischen Nachbargebreien. Güterzug gegen Milchfuhrwerk. <£ Wißmar (Kreis Wetzlar), 26. Okt. Das Milchfuhrwerk der hiesigen Milchabsatz - genossenschaft, das an jedem Morgen die Milch von hier nach Gießen zur Molkerei bringt,, wurde am Samstagmorgen gegen 9 Uhr an dem schrankenlosen Bahnübergang vor unserem Orte von dem aus Lollar kommenden Güterzuq angefahren. Bei dem starken Klappern der Milchkannen und der ungünstigen Windrichtung, sowie durch die schlechte Sicht über die Strecke hatte der Lenker des Fuhrwerks die Warnsignale des Zuges nicht gehört und ihn auch nicht gesehen. Der auf dem rückwärtigen Teile des Wagens sitzende Beifahrer konnte noch rechtzeitig vor dem Zusammenstoß a b - springen, dagegen wurden der F u h r rn a n n und zwei aus Offenbach a. M. stammende Mädchen, die gegenwärtig hier weilen und mit dem Fuhrwerk unterwegs waren, um von Gießen aus eine Besuchsfahrt nach Offenbach anzutreten, von dem Wagen herabgeschleudert Alle drei "am n i ©'•"• •* m't leichten Verletzungen ; davon. Das Milchfuhrwerk mitsamt den Kannen muri)? zur S'ite geschleudert, wobei sich eine Anzahl Kannen öffneten und bie Milch auf die Strotze fto6. Ins Messer gestürzt. LPD. Gladenbach, 24. Okt. Einem schrecklichen Unfall fiel ein Knabe aus Rüchenbach zum Opfer. Mehrere Jungen aus diesem Orte hatten in Gladenbach Brote für das Winterhilfswerk abgeliefert. Auf dem Heimweg aßen sie einige Aepfel. Einer von ihnen wollte sich im Gehen eine Frucht schälen, dabei stolperte er und stürzte in das offene Messer, das ihm in die Brust drang. Durch den Stich war das Herz verletzt worden, so daß der Tod eintrat. Kreis Wetzlar Heute Montag letzte Vorstellung Maria die Magd 6808A Ein Ufa-Film von Weltformat Beiprogramm u. Ufa-Ton-Woche Täglich 4, 6, 8.30 — Sonntags 3, 5.30, 8.30 Uhr Herren-Bekieidungshaus Gießen G.m.b.H. Marktplatz Vertragsscheeiierei der Heerei-Klelderkaeee 6663A Rahn Zeiler, Lippert Erhardt, Manck, Lehrmund Aukomobilrekord von Und. Earacciola. Auf der Reichsautobahn zwischen Frankfurt und Darmstadt begannen am Montag in früher 2ttort genstunde die Daimler-Benz-Merke mit Versuchsfahrten zur Erprobung neuer Reifen. Die Fahrten waren recht erfolgreich, denn schon bei der ersten hin- und Rückfahrt hatte Earacciola in der Klasse B (5000 bis 8000 ccm) den Italiener Ryoolari den bestehenden Automobil-Klassenrekord für den fliegenden Kilometer und die fliegende. Meile abgenommen. Bei einer weiteren Fahrt wurde die neue Best« leistung noch einmal übertroffen. Earacciola erreichte für den fliegenden Kilometer ein Stundenmittel von 351,00 Kilometer und für die fliegende Meile ein solches von 354,00 Kilometer. Die Ver suche dauern in der Mittagsstunde an. Äuftufdes^ftabs