Ilr.226 Erstes Blatt 186. Jahrgang Samstag. 26. September 1936 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monatr-Vezugspreis: Mit 4 Beilagen NM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Hernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach» richten: Anzeiger Giehev Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686 Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheften vruck und Verlag: vrühl'sche Univerfitätr-Such- und Steindruckerei «.Lange In Stehen. Schriftleitung und SeschSftrftelle: Schulftrahe 1 Annahme von Anzeige« für die Mittagsnummer bis 8*/,Uhr des Dormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf.. für Text- anzeigen von70mm Breite 50 Rps.,Platzvorschrift nach vorh. Dereinbg.25"/„ mehr. Ermähtgte Grundpreise: Stellen-. Vereins«, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Npf., Familienanzei- gen, Bäder«, Unterrichts« u. behördliche Anzeigen6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Währungsentente zwischen Frankreich, England und den Vereinigten Staaten. Eine gleichlautende Erklärung der Regierungen erläutert den Wunsch, zur Wiederherstellung der Ordnung in den internationalen Wirtschaftsbeziehungen beizutragen. Paris, 26. Sept. (DNB. Funkspruch.) Der Ministerrat hat den Wortlaut einer Erklärung gebilligt, deren Inhalt nach freundschaftlichen Besprechungen zwischen der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika, der Regierung von Großbritan- nienund d e r fr a n z ö s i s ch e n R e g i e r u n g festgelegt worden ist. Diese Erklärung ist gleichzeitig von jeder der drei Regierungen am 26. September, 2 Uhr früh, veröffentlicht worden. Sie hat folgenden Wortlaut: 1. Die französische Regierung hat sich mit der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika und der Regierung Großbritanniens ins Einvernehmen gesetzt, um mit ihnen zusammen den gemeinsamen Willen zu bekunden, den Frieden zu wahren, die Schaffung von Bedingungen zu begünstigen, die am besten zur Wiederher- stellung derOrdnung in den internationalen Wirtschaftsbeziehungen beitragen können und eine Politik zu betreiben, die die Entwicklung des Wohlstandes in der Welt und auf die Besserung des Lebensstandards der Völker abzielt. Geteilte Meinung in der presse. Paris, 26. Sept. (DNB. Funckfpruch.) Die Abwertung des französischen Franken, mit der die Volksfront-Regierung innen- und außenpolitisch einen großen Schlag zu führen gedenkt, hat in der Oeffentlichkeit bereits einen heftigen Kampf der Meinungen ausgelöst. Ein Blick in die Blätter der verschiedenen Richtungen genügt, um zu erkennen, wie hoch die Wogen der Leidenschaft am Montag in der Kammer gehen werden. Nur drei Blätter, die Volksfrontorgane „Popu- laire" und „Peuple" sowie das „Petit Journal", suchen die Vorteile, die Finanzminister Vin- cent-Auriol von seinem Plan erwartet, in den leuchtendsten Farben heroorzuheben. Die gesamte übrige Presse verhält sich abwartend. Die kommunistische „hurnanitä" erklärt, daß die Kosten der Währungsoperation ausschließlich von den besitzenden Klassen getragen werden müßten. Dies scheint der Preis zu sein, mit dem die Kommunisten mit der Regierung gehen werden. lieber die Haltung der Radikalsozialisten heißt es, Kriegsminister Daladier habe auf die Frage Goldausfuhrverbot und Abwertung erklärt: „Als Minister bin ich mit der Regierung solidarisch, aber als Vorsitzender der radikalsozialistischen Partei und ihr Sprecher lehne ich die Abwertung ab." Die radikalsozialistische „Ere Nouoelle" stellt mit Verwunderung fest, daß die Volksfront-Regierung noch zu einem Zeitpunkt, als sie bereits Verhandlungen über die Abwertung ausgenommen habe, in der Oeffentlichkeit immer wieder die Unantastbarkeit des Franken beteuert habe. Ein anderes radikalsozialistisches Blatt, die „Republique", bezeichnet den Drittel st and als alleiniges Opfer der Abwertung. Man habe nichts für ihn getan und die neue Währungsmaßnahme werde nur ihn vernichten. Die Abwertung des französischen Franken. 2. Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika und die Regierung Großbritanniens müssen natürlich bei der internationalen Währungspolitik den Erfordernissen des inneren Wohlstandes der amerikanischen Republik und des britischen Imperiums vollauf Rechnung tragen, genau so wie die französische Regierung natürlich entsprechende Erwägungen bezüglich der Wirtschaft des Mutterlandes und der Ueberfeebesitzungen berücksichtigen wird. Sie ergreifen freudig die ihnen gebotene Gelegenheit, erneut zu versichern, daß sie die von ihnen im Laufe der letzten Jahre betriebene Politik fort- z u s e tz e n gedenken. Eines der ständigen Ziele dieser Politik ist, das größtmögliche Gleichgewicht auf dem internationalen Währungsmarkt zu erhalten und alles zu tun, um zu vermeiden, daß dieses Gleichgewicht auf Grund einer, amerikanischen oder englischen Währungshandlung' gestört werde. Die französische Regierung teilt mit der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika und der Regierung Großbritanniens die Ueberzeugung, daß die Fortsetzung dieser aufeinander ab gestimmten Politik den allgemeinen Zielen dienen wird, die sämtliche Regierungen verfolgen mühten. 3. Aus dieser Erwägung, daß die wünschenswerte Festigkeit der Hauptwährungen eine sichere Grundlage nicht erhalten kann ohne vorherige Wiederher st ellung eines dauerhaften Gleichgewichts zwischen den verschiedenen Wirtschaften, hat die französische Regierung zu diesem Zweck beschlossen, ihrem Parlament die „Anpassung" (Adjustement) ihrer Währung vorzuschlagen. Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika und die Regierung Englands haben diesen Beschluß günstig ausgenommen in der Hoffnung, daß damit festere Grundlagen für die Stabilität der internationalen Wirtschaftsbeziehungen geschaffen werden. Die Regierungen der Vereinigten Staaten von Amerika, England und Frankreich erklären es als ihre Absicht, durch Benutzung geeigneter ihnen zur Verfügung stehender Mittel im Rahmen des Möglichen zu vermeiden, daß die neuen aus der geplanten Angleichung sich e r 9 e b e n = den Währungsgrundlagen gestört roer= den könnten. Es ist nötig, daß die notwendigen Befragungen zu diesem Zweck mit den beiden anderen Regierungen und zwischen den zuständigen Notenbanken gesichert werden. 4. Die französische Regierung ist überdies, wie die Regierungen der Vereinigten Staaten und Englands, davon überzeugt, daß der Erfolg der oben umriffenen Politik mit der L n t w i ck l u ng d e s internationalenhandets verbunden ist. Insonderheit hätt sie es für höchst wichtig, daß unverzüglich etwas unternommen werde, um nach und nach mit dem Ziel der völligen Beseitigung das gegenwärtige kontingentie- rungs- und W ä h r u n g s k o n t r o l l- fystem zu milder n. 5. Wie die Regierungen der „Vereinigten Staaten und Großbritanniens, so wünscht unü fordert auch die französische Regierung d i e Mitarbeit derübrigenNationenzur Verwirklichung der mit vorliegender Erklärung gekennzeichneten Politik. Sie rechnet damit, daß ein Land den 93er udi machen wird, einen unoer nun f tiaenWährungsvorteilzu erlangen und dadurch die 'Bemühungen fiu bur^/r7en "(Fna6 Reaierunaen der Vereinigten Staaten, Englands imd Frankreichs zur Wiederherstellung stabilerer Wirtschaftsbeziehungen fortzufetzen ge denken. Paris, 26. Sept. (DNB.) Der französische Ministerrat hat die in Paris, London und Washington gleichzeitig veröffentlichte Erklärung zur Kenntnis genommen und daraufhin den Wortlaut einer Währungsgesetzvorlage gebilligt, die im wesentlichen eine Anpassung des Franken- wertes an die augenblickliche Wirtschaftslage bezweckt. Die Gesetzesvorlage bestimmt namentlich, daß der neue Goldwert des Franken zwischen 49 und 43 Milligramm bei 0,900 Feingehalt betragen soll. Sie sieht vor, daß bis guf weiteres ein mit 10 Milliarden Franken ausgestatteter Währungs-Stabilisierungsfonds die Regelmäßigkeit der Beziehungen zwischen dorn Franken und den ausländischen Devisen sichern wird, und zwar durch Erhaltung der vorgesehenen Goldparität des Franken. Bis zur Annahme der Gesetzesvorlage durch das Parlament trifft die Bank von Frankreich die notwendigen Maßnahmen zur Eindämmung von Spe- kulationsmanöoern. Der Franken markt wird scharf kontrolliert werden. Die Wertpapier- und Handelsbörsen bleiben einige Tage geschlossen. Finanzminister Äinceni-Anrio! erklärte der Presse: Das Abkommen bestätige die Gedankengänge, die die französische Regierung bereits dem Parlament dargelegt habe: Keine einseitige Abwertung, die nur eine Form des Währungskrieges fei, keine Angleichung ohne Sicherheit, denn dies fei lediglich eine andere Form der einseitigen Abwertung. Die abgeschlossene Entente stelle den Beginn eines Währungsfriedens dar, der die Bedingung fei für den Frieden der Wirtschaft und den Frieden der Menschheit. Er fei überzeugt, daß bald andere Mächte sich dem Abkommen anschließen würden. Auf nationalem Gebiete würden sich die neuen Maßnahmen in einer Belebung der französischen Wirtschaft auswirken. Um soziale Ungerechtigkeiten zu vermeiden und den sozialen Frieden zu festigen, werde die Regierung dem Parlament die Beschlagnahme des Goldes zum jetzigen Kurs, Maßnahmen zugunsten der Kleinrentner, der ehemaligen Frontkämpfer und der kleinen Ruhegehaltsempfänger sowie die Anpassung der Gehälter an die Lebenshaltungskosten Vorschlägen. Sie werde mit allen Mitteln eine ungerechtfertigte Preistreiberei verhindern unter Anwendung zollpolitischer Maßnahmen. Der Finanzminister erwartet, daß dieser Aufruf an den Wirtschaftsfrieden eine tiefe Rückwirkung in der Welt haben werde, und daß das Parlament und die öffentliche Mienung unter Hintanstellung politischer Streitigkeiten an der wirtschaftlichen Wiedergeburt tätig mitarbeiteten. „Das psiind Sterling bleibt eine freie Währung". Englische Stellungnahme zur Franken-Abwertung. London, 26. Sept. (DNB. Funkspruch.) Amtlich wird erklärt, daß die britische Regierung keine Verantwortung für die tatsächlichen Währungsmaßnahmen habe, die die französische Regierung vorgeschlagen habe. Die englische Regierung sei lediglich um ihre Stellungnahme im Falle einer Umwertung des Franken befragt worden. Die Erklärung bringe keinerlei Aenderung in der britischen Währungspolitik mit sich. Das Pfund Sterling werde eine freie Währung bleiben, die nicht mit den Goldwährungen ober irgendeiner anderen Währung verbunden fein werde. Der englische Währungsausgleichsfonds werde benutzt werden, um Schwankungen auszugleichen und damit den internationalen handel zu erleichtern. * Die Blätter find der Ansicht, daß die Frankenabwertung angesichts der wachsenden inneren Schwierigkeiten in Frankreich und der zunehmenden Goldflucht unvermeidlich war. Sie begrüßen es, daß der französische Schritt infolge der Abmachung mit England und Amerika keine ernstlichen Störungen der internationalen Finanzen mit sich bringen werde. Die „Times" sck)reibt, daß die englisch-französisch-amerikanische Währungsverstän- biegung wahrscheinlich ber erfte Schritt zu einer endgültigen Stabilisierung ber Weltwährungen sei. Der Zusammenbruch bes internationalen Goldstandards habe die alten finanziellen Grundlagen der zwischenstaatlichen Handelsbeziehungen zerstört, die Währungsunsicherheit und die Beschränkungen des Zahlungsverkehrs hätten den handel zwischen den einzelnen Nationen in einigen Fällen beinahe unmöglich gemacht. Das Abkommen zwischen England, Frankreich und Amerika vermeide die Gefahr eines nutzlosen Wettrennens der gegenseitigen Entwertung. — Die „Financial Times" zweifelt daran, daß sich die augenblickliche Ent- Wertung des Franken auf die Dauer als ausreichend erweisen werde. Die wirtschaftliche Lage Frank- reichs sei immer noch viel zu unsicher, um irgend- ein verläßliches Urteil über die Zukunft des Franken und feine Beziehungen zu anderen Währungen abgeben zu können. Der amerikanischeAmanzmimster zum Währungsabkommen. Washington 26. Sept. (DNB. Funkspruch.) Der amerikanische Finanzminister Morgenthau sagte, daß die finanzielle Lage ber Vereinigten Staaten völlig sichergeftellt fei. Das Abkommen sei unter dem Gesichtspunkt entstanden, dadurch den handel und den Frieden zu fördern. Eine Stabilisierung ber Weltwährungen sei bie Grundlage für einen bauernden Frieden und eine wirkliche Erholung im Welthandel. Der Pakt sei kein schriftliches Dokument. Falls eine der beteiligten Nationen das Abkommen verletzten sollte ober falls es sich unvorteilhaft für die einheimische Wirtschaft eines ber Partner auswirken sollte, so fei Rücktritt bes einen ober auch aller Partner möglich. Das Schatzamt sei jeboch sicher, baß bie Vereinbarung als bauernbe ©runblage für eine internationale Wäh- rungsftabiHfierung dienen könne. Schweiz und Holland halten an der Goldwährung fest. Bem, 26. Sept. (DNB.Funkspruch.) Der schweizerische Bundesrat ist zusammengetreten, um zu ber burch bie Abwertung bes französischen Franken geschaffenen Lage Stellung zu nehmen. Wie bie schweizerische Depeschen-Agentur au wissen glaubt, wirb ber schweizerische Bundesrat ebenso wie bie hollänbische Regierung ben Beschluß fassen, an ber Golbwährung festzuhalten. Im Zuge ber Stärkung des Wehrgedankens haben im Deutschen Reich lebende Offiziere der ehemaligen österreichisch-ungarischen Wehrmacht einen Verein (Geschäftsstelle: Berlin - Tempelhof, Ottokarftraße 13) gegründet. Voraussetzung für bie Mitgliedschaft ist bas Bekenntnis zum deutschen Volkstum und arische Abstammung. Litwinows Torpedo. Mit dem Beschluß ber Völkerbunbsoersammlung, die abessinische Delegation ohne Anhören des Ständigen Internationalen Gerichtshofs im Haag wenigstens für die gegenwärtige Tagung zuzulassen, hat sich in Genf ein Kulissenwechsel vollzogen, über dessen Auswirkungen man sich in Paris und London noch lange den Kopf zerbrechen wird. Nach der Eroberung und feierlichen Inbesitznahme Abessiniens durch bie Italiener lief bie französische Politik barauf hinaus, Italien für seine Rückkehr nach Genf als Vorstufe einer engeren Zusammenarbeit in Europa golbene Brücken zu bauen. Es galt, das durch die politischen Auswirkungen des Abessinienfeldzuges verlorene Terrain möglichst schnell wieder zu gewinnen. Lavals Pakt von Rom, der ja bie politischen Voraussetzungen für bie Eroberung Abessiniens geschaffen hatte, war in ber Folge burch bie von England in Gang gebrachte Sanktionspolitik des Völkerbundes, die Frankreich schweren Herzens hatte mitmachen müssen, nicht unberührt geblieben. Denn wenn auch die französische Politik sich in diesen kritischen Monaten emsig bemüht hatte, einer Option für den einen ober andern seiner beiben Freunbe England und Italien aus dem Wege zu gehen, und wenn Italien es auch im wesentlichen dieser schwankenden, hinhaltenden und bremsenden Politik des Quai d'Orsay verdankt, daß ber Sanktionspolitik bes Völ- kerbunbes ein jo kläglicher Mißerfolg befchieben war unb auch Englanb keine größere Aktion wagen mochte, so war in Rom boch bie Verstimmung über ben Vertragspartner, ber sich nicht eindeutig zum Inhalt des römischen Pakts hatte stellen mögen, als es hart auf hart ging, boch groß genug, um befonbere Anstrengungen der französischen Politik zur Aussöhnung mit Italien zu rechtfertigen. In Paris war zwar inzwischen eine Regierung ber Volksfront, ber eifrigen Befürworterin verschärfter Sanktionen, ans Ruber gekommen und ber Militärpakt mit Sowsetrußland hatte bie Lücken im französischen Bündnisnetz ausfüllen sollen, ober Italiens Mitarbeit blieb trotzdem unentbehrlich, das bewiesen die Verhandlungen über einen Neutralitätspakt aus Anlaß bes Bürgerkrieges in Spanien und die Bemühungen um bas Zustanbekommen eines neuen Westpakts. Auch der Wunsch Englands lief in gleicher Richtung, unbeschadet ber Aufrechterhaltung bes grundsätzlichen Standpunktes in ber Abesfinienfrgge unb aller militärpolitischen Folgerungen, bie bas britische Reich aus seinem diplomatischen Mißerfolg im Abessinienkonflikt gezogen bat. England war vor bie Wahl gestellt, ob es auf feine hundertjährige Vormachtstellung im Mittelmeer verzichten wolle unb den alten Verkehrsweg nach Jnbien um das Kap ber guten Hoffnung herum strategisch aus« bauen solle ober ob es bas Mittelmeer auch künftighin als Lebenslinie feines Imperiums betrachte, die gegen jeden Rivalen verteidigt werden müsse. In London hat man sich für letzteres entschlossen. Daraufhin deutete schon die Balkanreise König Eduards. Denn wenn auch England, um ben Italienern einen Beweis seiner Versöhnungsbereitschaft zu geben, die Absprachen über gegenseitige Hilfeleistung, die es mit ben kleineren Seemächten des östlichen Mittelmeers während des Sanktionsfeldzuges gegen Italien getroffen hatte, nach ber Einverleibung Abessiniens für erledigt erklärt hatte, so wünschte es doch, die damals gesponnenen Fäden noch fester zu knüvfen unb namentlich mit der Türkei, die inzwischen in Montreur bie Freiheit zur Wieberbefestigung ber Dardanellen erlangt hat, auch schon mit einem Blick auf die mögliche Gefahr eines Auftretens Sowietrußlands im Mittelmeer, fei es als Bundesgenosse Frankreichs ober in Verfolg einer Völkerbundsaktion, bie traditionelle Freundschaft zu erneuern. Gewiß sollte ber Besuch König Ebuards auch bie Anlieger bes östlichen Mittelmeers über bie militärischen Absichten Englands in diesen Gewässern ins Bild setzen. Diese laufen, wie der Erste Lord der britischen Admiralität Sir Samuel Hoare als Ergebnis seiner Inspektionsreise festgestellt hat. im wesentlichen darauf hinaus, die alten britischen Mit- telmeerftütznunkte Gibraltar und Malta in ihren Befestigungen ben Erfordernissen eines modernen Krieges anzupassen, sie also auch gegen Luftangriffe verteidigungsfähig zu machen. Darüber hinaus soll aber nun auch im östlichen Mittel- m--r eine stärk'- ?Vfottenhnfis errichtet werben. Während bes italienischen Abessinienfelbzuges schon hatte Englanb starke Flottenstreitkräfte in Aler- a n b r i e n zufammengezogen. Nach dem neuen Abkommen mit Aegypten wird ca zwar biefen Hafen in einigen Jahren räumen muffen, aber das Militärbündnis mit Aeanvten unb bie unbeschränkte Verfügung über die Kanalzone sind bafür ein voll- mertiaer Erfaß. Dazu werden nun Haifa, ber hauvthafen bes Palästina-Mandats, unb vor allem Envern als hauvtflattenstütznunkte kommen. Die Insel Eyvern. bie sich England 1878 non ben non Rußland bebränaten Türken hotte abtreten lassen, iü seit 1925 britische Kronkolonie Ihr Hafen Fa- mogusta bietet Voraussetzungen für eine stark beseitigt" Flottenbosis, die zusammen mit Haifa und Rort Said wohl in ber Lage ist, ben Zugang zum Suezkanal auch bann gegen feindliche Angriffe zu verteidigen, wenn bi- Verbinbung oiw dem m-ft« lichen Mittelmeer unterbrochen sein sollte. Sir Samuel hoore hat betont, boß bie gepinnten seestrate- ollchen Maßnahmen feine Drohung gegen Italien enthielten. Mon wird et auch England qfauften dürfen, baß es ben Frieden Im Mittel« m e e r so lange aufrechterhast-n mochte, wie es Irgendwie möglich ist, das Heißt solange bas Mit* temeer bie unbehinberte Verfehrsstraße des Britischen Imperiums bleibt, abr daß es allerdings auch entschlossen ist, künftighin seine Stellung im Mittel« Eden über die Reform des Völkerbundes. Das Rohftoffproblem und die Abrüstungsfrage sotten geprüft werden. Genf, 25. Sept. (DNB.) Die Dölkerbundsver- sammlung hat die Beschlüsse des Präsidiums gebilligt, wonach die Frage der Reform des Völkerbundspaktes bis zum Abschluß der allgemeinen Aussprache zurückgestellt wird. Als erster Redner der allgemeinen Aussprache erhielt hierauf der englische Außenminister Eden das Wort. Eden begann mit einer Schilderung der gegenwärtigen düsteren Weltlage, die durch die allgemeine Schwächung des Vertrauens und die steigenden Rüstungsausgaben zum Schaden von Wirtschaft und Lebenshaltung gekennzeichnet sei. Trotzdem seien keine zwangsläufigen Krisenursachen vorhanden, wenn jede Regierung unbeschadet ihrer eigenen Ideale Duldsamkeit und Zurückhaltung gegenüber anderen übe. Für England bekannte sich Eden zu den Idealen der Freiheit, der Individualität und des Friedens; man glaube in England an die Demokratie, wenn man diesen Glauben auch nicht allzu laut betone. Eine Aufspaltung der Nationen nach ihrem Regierungssystem in verschiedene Lager wäre verhängnisvoll. Die englische Politik werde sich weiter auf den Völkerbund gründen. Eden entwickelte dann ein ausführliches R e - form- und A k t i o n s p r o g r a m m , dessen Grundgedanken Erweiterung des Mitgliederkreises und Herstellung vertrauensvoller Loyalität der Mitglieder sind. Um den Völkerbund zu einem wirksamen Mittel der Friedenserhaltung zu machen, müsse man zwei Bedenken der abseits Stehenden überwinden, die den Eindruck hätten, daß der Völkerbund 1. sie auf allgemeine Verpflichtungen, die sie nicht übernehmen wollten, festlege, und 2. für eine Ordnung der Dinge eintrete, mit der sie nicht zufrieden seien. Daher müsse den einzelnen Ländern die Möglichkeit gegeben wenden, ihre Verpflichtungen genau zu umschreiben. Die englische Regierung erwarte große Vorteil von Regionalpakten. England sei bereit, über einen Pakt für Westeuropa zu verhandeln. Der Status quo werde herangezogen werden, wenn die Länder wüßten, daß es friedliche Mittel gebe, durch die gerechte Aende- rungen herbeigeführt wenden könnten. Artikel 19 biete eine Grundlage zu einer freien Aussprache und Prüfung, durch die zum mindesten ein moralischer Druck zur Abstellung von Ungerechtigkeiten ausgeübt wenden könne. Schließlich müsse auch Vorsorge für ein wirksames E i n g r e i - f e n des Völkerbundes im Frühstadium eines internationalen Konfliktes getroffen werden. Artikel 11, Absatz 1 biete hierzu Möglichkeiten. England würde seine Verantwortung voll übernehmen. Neben dieser Verbesserung der Völkerbundsmaschinerie strebe England aber auch nach einer Verbesserung der allgemeinen politischen Beziehungen. Auch für diese Ziele sei die Mitarbeit aller erforderlich. Man werde diese Mitarbeit aber nur gewinnen, wenn die Außenstehenden überzeugt seien, daß sie im Völkerbund Gerechtigkeit erlangen könnten, und daß es deshalb in ihrem Interesse sei, ihm anzu- gehören. Eden sprach sich schließlich für die Trennung der Völkerbundssatzung von denFrie- densverträgen aus. Reif zur Erörterung durch die gegenwärtige Versammlung sei die Frage des Zuganges zu den Roh st offen. Eine unparteiische Sachoerständigenuntersuchung werde von England unterstützt werden. London, 26. Sept. (DNB. Funkspruch.) „Daily I Telegraph" befaßt sich mit den praktischen । Auswirkungen der Rede Edens vor der Völ-1 kerbundsoersammlung. Es scheine sicher zu sein, daß * England d i e Ernennung eines Ausschus-! s e s zur Prüfung der Frage des Zugangs zu! den Rohstoffen vorschlagen werde. Ferner sei damit zu rechnen, daß die gegenwärtige Versammlung einen Sonderausschuß zur Prüfung der Völkerbundsreform einsetzen werde. England werde jedoch feststellen wollen, ob eine Fünfmächte-Konferenz einberufen werden könne. Die Völkerbundssatzung vom Versailler Vertrag zu trennen und als unabhängiges Abkommen auszuarbeiten, werde keine großen Schwierigkeiten mit sich bringen. Die Trennung würde den Eindruck beseitigen, daß der Völkerbund das Vollzugswerk zur Inkraftsetzung des Versailler Friedensdiktats sei. Aus dem Wortlaut der Satzung würde jede Anspielung auf die „alliierten und assoziierten Mächte" beseitigt werden. Frankreich frage sich bereits, wieweit England jetzt bereit sei, eine Neuverteilung der Kolonialmandate zu erwägen. Es sei sicher, daß die Regierung Blum nicht abgeneigt sei, einen Beitrag zu einer Neuregelung auf diesem Gebiete zu erörtern. Die „Times" schreibt, Eden habe darauf hingewiesen, daß eine demokratische Nation nicht nur Rechte, sondern a u ch P f l i ch t e n habe. Der Friede Europas werde gefährdet, wenn die Demokratien fortgesetzt fremde Regierungsformen schmähen. Die öffentliche Meinung Englands sei mit Eden darin, einig, daß zunächst Mittel zur Erzielung einer europäischen Regelung zu suchen und nicht eine „Front" zu errichten sei. In England werde man die erneute Versicherung Edens begrüßen, daß die Regierung entschlossen sei, einen Regional- p a k t für Westeuropa auszuhandeln. Ebenso begrüßenswert sei die Mitteilung, daß der Völkerbund nicht auf allen Seiten den Status quo aufrecht- Die englische A u f r ü st u n g sei eine nativ- nale Pflicht, die fortgesetzt werden müsse, bis ein internationales Abkommen über die Begrenzung und Herabsetzung der Rüstungen zustande- komme. Eine wirkliche Abrüstung hätte sich aber auch auf das geistige Gebiet zu erstrecken. Einen etwaigen Rüstungsstillstand, der nur das U e berge ro i t einzelner Hochgerüsteter festigen würde, könne England nicht mitmachen. Ein leicht zu erreichendes Ziel sei die O f f e n l e - gung der Rüstungsausgaben, worüber bereits ein Abkommensentwurf bestehe. erhalten könne. Wenn der Völkerbund wieder belebt werden und irgendeine Hoffnung auf Zurückgewinnung der ausgeschiedenen Nationen bestehen solle, müsse der Revisionsartikel 19 ebenso stark berücksichtigt werden, wie der Sanktions- a r t i k e l 16. Diese Aufgabe könne nur erfüllt werden, wenn der Völkerbund stark sei. pariser Vesürchtungen. Paris, 26. Sept. (DNB. Funkspruch.) Die Frühblätter stehen völlig im Zeichen der Frankenabwertung, wodurch die Genfer Völkerbundstagung fürs erste fast ganz in den Hintergrund getreten ist. „Echo de Paris" meint, um einen Westpakt mit Deutschland zu ermöglichen, habe die englische Regierung den Revisionismus ermutigt; eine Tendenz, sich den internationalen auf England lastenden Verpflichtungen zu entziehen, sei zu bemerken. Die von England vorgeschlagenen Methoden würden nicht zur allgemeinen Beruhigung beitragen. Kein Staat werde sich auf eine größere Amputierung seines Hoheitsgebietes einlassen — hier gebe es nur die Gewalt. England werde selber ein Beispiel in bezug auf sein Mandatsgebiet geben. Auch „Petit Parisien" sagt, Eden habe sich glattweg als Reoisionist gezeigt. Die Worte Edens brächten die Gefahr mit sich, dem Versailler Vertrag, dessen wesentliche Teile bereits „verletzt", dessen Gebietsklauseln aber immer noch in Kraft seien, den Gnadenstoß zu geben. Würden die Völkerbundssatzungen von dem Vertragstext getrennt, dann würde es sehr schwierig sein, die Gebietsklauseln, die doch die Grundlage des Nachkriegseuropas bedeuteten, uneingeschränkt aufrechtzuerhalten. Auch der „Figaro" nennt dies eine höchst gefährliche Politik, denn sie erwecke in den Revisionisten nicht zu verwirklichende Hoffnungen. Kein Volk würde sich im Frieden Teile seines Gebietes wegnehmen lassen. Die praktischen Auswirkungen der Eden-Rede. meer nötigenfalls auch mit Waffengewalt zu verteidigen. Aus dieser neugewonnenen klaren Grundstellung heraus hat England die französischen Bemühungen um eine Rückführung Italiens m die europäische Zusammenarbeit gebilligt, und es ist anzunehmen, daß die Enttäuschung echt ist, die man in London über das Scheitern schon des ersten Schrittes zu einem Ausgleich mit Italien empfindet. Es konnte natürlich von vornherein keine Rede mehr davon sein, den Italienern den Besitz Abessiniens irgendwie streitig zu machen, es kam lediglich darauf an, ein Arrangement zu finden, um Italien die Rückkehr in den Völkerbund zu ermöglichen, ohne bei den in Prestigefragen erwiesenermaßen besonders empfindlichen kleineren Mitgliedsstaaten das Gefühl einer moralischen Niederlage des Völkerbundes und einer Düpierung durch die Großmächte aufkommen zu lassen. Das ist nun trotz aller Erfahrungen, die man in Genf in solchen diplomatischen Kniffen hat, diesmal schmählich vorbeigelungen. Der Generalsekretär des Völkerbundes, der Franzose A v e n o l, war von seinen vorsichtigen Landsleuten mit Billigung Englands vorher schon nach Rom in Marsch gesetzt worden, um die Wünsche Mussolinis zu sondieren. lieber das Ergebnis ist zwar nichts bekanntgeworden, aber es scheint, als ob Italien sich damit begnügt hätte, wenn man die Abessinier von Genf ferngehalten und im übrigen den Fall stillschweigend ad acta gelegt hätte. Aber nicht einmal das sollte der Regie Frankreichs und Englands gelingen. In Genf erschien prompt eine abessinische Delegation und nun verhedderte sich der Ausschuß der Völkerbundsoersammlung zur Prüfung der Vollmachten schnell so unrettbar in einem Knäuel formaljuristischer Spitzfindigkeiten und wirklichkeitsfremder Betrachtungen, daß Vertreter einer „Regierung" zugelassen wurden, deren Land tatsächlich seit Monaten Kolonialbesitz einer europäischen Großmacht ist. Diese jedem politischen Wirklichkeitssinn hohn- sprechende Groteske ist bezeichnend für die ganze Genfer Atmosphäre, in deren Nebel die Völkerbundsdelegierten anscheinend jeden kritischen Abstand von den tatsächlichen politischen Gegebenheiten verlieren. Statt von ihnen ausgehend einen ehrlichen Ausgleich zwischen den nationalen Interessen der Völker zu suchen, lassen sich diese hilflosen Weltbeglücker, in ihren politischen Doktrinen befangen und ohne die Hintergründe des Spiels zu durchschauen, von skrupellosen internationalen Drahtziehern vor ihren Wagen spannen und für ihre machtpolitischen Zwecke mißbrauchen. Im Fall Abessiniens hat der Wortführer des Welt- bolschewismus im Genfer Völkerbund, der sowjetrussische Außenkommissar Litwinow-Fin- k elfte in, diese Rolle des Drahtziehers ge-fpielt. Ihm ist es gelungen, eine Reihe kleinerer Mitgliedsstaaten bei ihrer Grundsatztreue zur Völkerbundssatzung zu packen und damit zu erreichen, daß diese in völliger Verkennung der wahren Beweggründe der bolschewistischen Taktik diesem Herrn Litwinow zu einem großartigen Erfolg seiner skrupellos auf das politische Chaos und die Unterminierung jeder ehrlichen politischen Zusammenarbeit gerichteten Politik verhalfen. Dieser Genfer Schildbürgerstreich ist geradezu eine Gefahr für den Weltfrieden, denn er hält den Intriganten den Steigbügel, die keine ehrliche Zusammenarbeit der Völker wollen. Deutschland jedenfalls sieht wieder einmal, wie berechtigt es war, dieser Atmosphäre unwirklicher Phantastereien und gefährlicher Intrigen den Rücken zu kehren. Litwinows geschickter Taktik war es gelungen, auch Frankreich und England wider ihre bessere Ueberzeugung und entgegen ihren ursprünglichen politischen Absichten zu zwingen, dem jeder politischen Vernunft hohnsprechenden Beschluß des Prüfungsausschusses der Dölkerbundsversammlung zu- zustimmen. Aus dem Dilemma, das ihnen der Vorstoß Litwinows zugunsten der abessinischen Delegation eingebrockt hatte, wußten die Außenminister Frankreichs und Englands anscheinend keinen anderen Ausweg, als den von ihnen geforderten Beweis der Treue zur Völkerbundssatzung anzutreten, auch wenn er, wie in diesem Falle, nicht nur der eigenen politischen Linie zuwiderläuft, sondern auch für die Zukunft noch nicht abzusehende verhängnisvolle Folgen haben muß. Aber auf diese Folgen kam es ja Herrn Litwinow-Finkelstein an. Er wollte mit der Brüskierung Italiens durch den mit den Stimmen Frankreichs und Englands gefaßten Völkerbundsbeschluß einen neuen Keil zwischen die drei Westmächte treiben, die alle drei bemüht waren, die diplomatischen Wunden aus dem Abessi- nienkonslikt zu heilen. Er wollte eine weitere Zusammenarbeit im Hinblick auf das Zustandekommen der Fünfmächtekonserenz und den hier zur Verhandlung stehenden neuen Westpakt verhindern und damit den französischen Bundesgenossen, der nach einer Verständigung mit Deutschland und einer Erneuerung der englisch-italienischen Garantie vielleicht an dem bolschewistischen Gängelband den Geschmack verlieren könnte, bet der Stange halten. Das Echo der Pariser Presse zeigt, wie peinlich man in Frankreich die Genfer Tragikomödie und ihre Folgen für die französische Außenpolitik empfindet. Man hat in Paris sehr wohl erkannt, wem man diese Schlappe zu verdanken hat. „Litwinow hat den Völkerbund torpediert", schreibt z. B. das „Journal" und sagt, der Sendbote Stalins habe durch die Beleidigung Roms Italien von jeder europäischen Zusammenarbeit ausgeschaltet und damit erreicht, die bevor- stehende Zusammenkunft der Westmächte zum Scheitern zu bringen. Auch in Paris sicht man die Gefahr, wenn nun die Mechanik des Genfer Apparats, die bislang von den Westmächten für ihre eigensüchtigen politischen Zwecke in Betrieb gehalten wurde, nun von dem Vertreter des Weltbolschewismus gehandhabt wird, gegebenenfalls wie der Fall Abessinien bewiesen hat, auch gegen diejenigen, die diesen Apparat einst erfunden haben. Dabei sind es einst die Franzosen selber gewesen, die dem Bolschewismus in Genf die Tür geöffnet haben. Jetzt sind sie erschrocken über die Folgen einer Politik, die der Minterarbeit des Bolschewismus in Europa den Boden bereiten half und die Zerstörung aller Grundlagen vertrauensvoller Zusammenarbeit der Völker förderte. Die Haltung Englands und Frankreichs in Genf ist nicht bis zum letzten klar. In einigen französischen Blättern findet sich die Andeutung, daß nun, wo Italien für eine Fünfmächtekonferenz und eine Beteiligung an einem neuen Westpakt nicht zu haben sein werde, man England an den Briefwechsel erinnern müsse, in dem sich Frankreich, England und Belgien den gegenseitigen Beistand für den Fall zusicherten, daß kein neuer Westpakt mit Deutschland zustande kommen sollte. Ob man sich in London zu einer solchen einseitigen Festlegung, die England länger als ein Jahrzehnt hindurch allen französischen Liebeswerbungen zum Trotz strikt abgelehnt hat, heute bereitfinden wird, dürfte äußerst fraglich ßein. Wir werden es jedenfalls in aller Ruhe abwarten können. Weit bedenklicher erscheint uns die Hilflosigkeit der beiden Westmächte gegenüber dem bolschewistischen Torpedo, dessen Zweck klar auf der Hand liegt, in einem uneinigen, von Kriegsfurcht und Eifersucht zerrissenen Europa der Weltrevolution das Tor 3u öffnen. Das hat man nur in Genf nicht durchschaut, wo der Nebel wirklichkeitsfremder Doktrinen die Illusionisten unfähig macht, die tatsächlichen Zusammenhänge zu erkennen. F. W. L. Nationalistische Flugzeuge bombardieren Bilbao. Die Roten erschießen 90 Geiseln! St. Jean de L u z, 26. Sept. (DNB.) Nachdem die Aufforderung der Nationalisten an die Bevölkerung der Stadt Bilbao, sich zu ergeben, am Freitag früh um ein Uhr abgelaufen war, hat ein sehr heftiger Bombenabwurf auf die Stadt begonnen. Fünf dreimotorige Bombenflugzeuge und drei Jagdflugzeuge warfen 100 bis 150 Bomben ab. Der Nordbahnhof steht in Flammen, zahlreiche Wohnhäuser sind zerstört, das Regierungsgebäude und das Provinziallandtagsgebäude sind von den Bomben getroffen worden. Man spricht von 100 Toten und 300 Verwundeten. Die Bevölkerung befindet sich in höchster Erregung. Don linksgerichteten Kreise der Bevölkerung ist die Forderung gestellt worden, daß 4 0 00 Geiseln, die sich in Bilbao in Händen der Roten befinden, sofort hingerichtet würden (!!!). Sofort nach dem Bombardement sind von jedem der drei Geiselschiffe je zehn und aus den sechs Gefängnissen weitere je zehn Geiseln als „Vergeltungsmaßnahme" (!) erschossen worden. Es heißt, daß die baskischen Separatisten, die bisher das Uebergewicht hatten, dieses verloren und daß die Anarchisten die volle Macht an sich gerissen hätten. Marquis Merry del Val, der langjährige Botschafter in London, der sich in Biarritz aufhält, hat dem Evening Standard eine Schilderung des Schicksals vieler in den Händen der Roten befindlichen Gefangenen in Spanien gegeben. In dem Bericht heißt es, daß vor allem viele Mitglieder der Aristokratie auf Schiffen gefangen gehalten werden, deren Boden mit Dynamit gefüllt ist. Gelingt es den Nationalisten, Santander oder Bilbao zu nehmen, sollen die Schiffe in die Luft gesprengt werden. Auf den Schiffen müssen die Gefangenen schwerste Arbeit verrichten und teilweise auf Deck schlafen. Unter den Gefangenen befinden sich auch Frauen, darunter eine Rote-Kreuz- Schwester, die sich im marokkanischen Kriege so ausgezeichnet hat, daß sie einen Orden verliehen bekam. Ein Engländer berichtet, daß in Ronda über 800 wohlhabende Bürger innerhalb von zwei Wochen von den Regierungsanhängern htngerichtet worden sind. Ronda, das etwa 35 000 Einwohner habe, liege völlig verlassen ba. Die Bevölkerung habe sich aufs Land zurückgezogen. Diele Kinder seien vor Erschöpfung, Hunger und Durst gestorben. In den Straßen der Stadt sehe man zahlreiche verstümmelte Leichen. Die Kirchen seien völlig ausgeplündrt. OReidyettagung der deutschen Lichttechniker in Frankfurt In Frankfurt a. M. wurde die Reichs- tagung der deutschen Lichttechnik er eröffnet. Nach der Begrüßung wies der Reichsvorsitzende der Deutschen Lichttechnischen Gesellschaft, Prof. Dr. Ing. R. G. W e i g e l-Karlsruhe, auf die Bedeutung der Lichttechnik in kultureller und volkswirtschaftlicher Beziehung hin. „Kulturgut und Licht" war das Thema, mit dem Prof. Dr. Ing. K. Quasebart H-Berlin die Reihe der Festoorträge eröffnete. Licht ist der Anfang aller Schöpfung, der göttlichen wie der menschlichen, so führte der Redner aus. Als Lebensträger und Kulturschöpfer steht das Licht am Anfang und Ende aller Dinge. Professor Dr. meb. W. Meisne r-Köln, nahm bas Wort zu bem bedeutsamen Fragengebiet „L i ch t u n d A u g e", in bem er bte Richtlinien aufmies, nach denen vom Standpunkt des Augenarztes aus das natürliche und künstliche Licht Anwendung finden sollte. Dipl.-Jng. E. von der T r a p p e n-Berlin berichtete über „d i e lichttechnischen Ausgaben der neuzeitlichen Feiergestal- t u n g". Er zeigte, wie von jeher das Licht willkommene Gestalterin von Feierstunden war. In der Gegenwart hat die Lichttechnik bei der Festausgestaltung eine hervorraaende Beteiligung gefunden. Baurat Phil. Schmidt (Nürnberg) sprach über die Lichttechnik auf dem Reichsparteitag. Qunft und Wissenschaft Erster Deutscher Volksbüchereitag in Würzburg. Unter zahlreicher Beteiligung der Bibliothekare aus allen Teilen des Reiches wurde in Würzburg der erste Deutsche Volksbüchereitag eröffnet. In einer öffentlichen Kundgebung begrüßte der Leiter des Verbandes, Bibliotheksdirektor Dr. Schuster (Berlin) Tagungsteilnehmer und Ehrengäste. Seit der Danziger Tagung des Verbandes, so führte er u. a. aus, fei es dank der zielbewußten Aufbauarbeit des Reichserziehungsministers möglich geworden, den organisatorischen Aufbau des Volksbüchereiwesens so weit zum Abschluß zu bringen, daß nunmehr auch der langersehnte Zusammenschluß der Bibliothekare habe durchgeführt werden können. Die Voraussetzungen hierfür habe der Führer geschaffen, der die Standesunterschiede über- brückte und dafür gesorgt habe, daß Bildung nicht mehr als Vorrecht einer bestimmten Klasse gelte. Dadurch seien auch die öffentlichen Büchereien wieder zu einer neuen Würde gelangt. Der Führer habe sie zu Büchereien des Volkes gemacht. Professor Dr. Daehnhardt (Berlin) übermittelte die Grüße des Reichserziehungsministers, gab einen Rechenschaftsbericht über die diesjährige Arbeit des Verbandes und sprach über das Ziel des Volksbüchereiwesens. Die Tagung wird mit einer Reihe von fachlichen Vorträgen fortgesetzt. „Simplizlssimus" in neuen Händen. Der „S i rn p l i z i s s i rn u s", die bekannte satirische Wochenschrift, erscheint ab 1. Oktober im Verlag Knorr & Hirth G. m. b. H., München. Die Künstler Karl Arnold, Olaf Gulbransson, Erich Schilling, Wilhelm Schulz, Eduard Thony werden wie bisher am Blatte Mitarbeiten. Ideelle und praktische Ausgaben der deutschen Reisebüros. Reichsverkehrsminister Frhr. von Elh-Rübenach auf dem 1. Deutschen Reisebürotag in Frankfurt. Frankfurt a. M. steht in diesen Tagen im Zeichen des Er st en Deutschen Reisebürotages, zu dem aus dem In- und Ausland weit über 1000 Teilnehmer erschienen sind. Nach einer Begrüßung der Presse durch den Leiter der Reichsverkehrsgruppe Hilfsgewerbe des Verkehrs, Direktor Kipfmül- l e r, fand die Eröffnungssitzung statt, an der u. a. Reichs- und Preußischer Verkeyrsminister Frhr. v. Eltz-Rübenach, Staatsminister a. D. Hermann Esser, der geschäftsführende Präsident des Reichsausschusses für Fremdenverkehr und der Präsident des Werberats der Deutschen Wirtschaft Ministerialrat Reichard teilnahmen.. Zu Beginn der Kundgebung begrüßte Direktor Kipfmüller die Versammlung. Anschließend ergriff der Reichs-undpreußischeLerkehrsminister Frhr. v. Eltz-Rübenach das Wort. Nach Darlegung der Gründe, die für die Schaffung der Reichsverkehrsgruppe im organisatorischen Aufbau der deutschen Wirtschaft maßgebend gewesen seien, hob der Minister anerkennend hervor, daß es trotz des kurzen Bestehens der Reichsverkehrsgruppe möglich gewesen sei, durch grundlegende Anordnungen die Verhältnisse des Reisebürowesens auf einen festen Boden ZU stellen. Die Tätigkeit der Reiseunternehmer sei fest umschrieben, fest umgrenzt die des Reisemittlers, klargestellt der Begriff des Reisebüros. Nirgends in der Welt sei die Reisemittlertätigkeit so eindeutig umrissen worden. Der Minister behandelte in diesem Zusammen- bang auch die Frage des Reisebürogesetzes, dessen Derabschiedung er für die nächste Zeit glaubte in Aussicht stellen zu können. Das Gesetz werde die Handhabe bieten, die Bestrebungen der Reichsverkehrsgruppe auf Reinhaltung des Gewerbes von Schädlingen zu unterstützen. Sehr eingehend sprach der Minister über die hohen ideellen Aufgaben, die das Reisebürogewerbe zu erfüllen habe. Nur durch ständiges Suchen und Finden neuer Wege und Möglichkeiten könne das Gewerbe auf der Höhe bleiben, deshalb dürfe durch Schaffung eines Numerus clausus nicht der Zugang zu einem Gewerbe verwehrt werden, das Ausschau in die weite Welt ermögliche. Lediglich materielle Gesichtspunkte dürften für den wahren Reisemittler nicht ausschlaggebend sein, wenn er seine Aufgabe, Träger und Mittler des Verkehrs zu sein, richtig erfüllen wolle. Richtige Beratung der Oef- fentlichkeit sei Aufgabe der Reisebüros, und hierzu gehöre die Kunst der Einfühlung in die Wünsche des Reisenden und Menschenkenntnis. Der Minister ging auch auf die Frage des Auslandsreisens ein und bezeichnete es als fremdenverkehrspolitisch verfehlt, wenn ein Land aus Grundsatz den Reiseverkehr ins Ausland sperren würde. Wenn allerdings ein Land aus Selbst- erhaltungsgründen gezwungen wäre, die Mitnahme von Geldbeträgen ins Ausland zu verweigern, so könne dies nicht dahin gebeutet werden, als wolle es den Reiseverkehr ins Ausland unterbinden, dagegen aber selbst alle Vorteile des Reisestroms aus dem Ausland genießen. Die von Deutschland abgeschlossenen Reiseverkehrsab kommen bewiesen deutlich, daß Deutschland sich nicht gegen Auslandsreisen sperre. Der Minister begrüßte den Plan der Reichsver» kehrsgruppe durch Gründung einer Reisebüro« einen küchttgen Nachwuchs heranzu- bilden. Das Publikum würde stets diejenigen Büros bevorzugen, die es am besten bedienten. Der Minister schloß mit dem Appell, mitzuarbeiten an der Steigerung des Verkehrs. Die Reiselust der Deutschen gelte es in der Zeit des Wiederaufstiegs zu immer lebhafterer Betätigung anzuregen. Taufende würden dann die Freude des Reiseerlebnisses finden, und der deutschen Volkswirtschaft würden durch die Belebung des Reiseverkehrs neue Kräfte und Mittel zuströmen. Zum Schluß sprach der stellvertretende Geschäftsführer der Reichsverkehrsgruppe Hilfsgewerbe des Verkehrs Ientsch über „Die Arbeit unserer Reichsverkehrsgruppen". An den Führer und Reichskanzler wurde ein Gruß-Telegramm gesandt. Darauf begaben sich die Tagungsteilnehmer zur Eröffnung der Ausstellung „Reise und Fremdenverkehr" in den Frankfurter Römerhallen. Ueber die volkswirtschaftliche Bedeutung des Reisens im Lichte der deutschen Werbung sprach hier der Präsident des Werberats der deutschen Wirtschaft, Reichard. lieber die Ausgaben, die sich die Deutsche Reichsbahn in ihrer Werbung für ganz Deutschland gesetzt hat, sprach Reichsbahndirektor Geheimrat Knebel. Kleine politische Nachrichten. Am Sonntag, dem 27. d. M., vormittags 11 Uhr, findet in Anwesenheit der Spitzen von Partei und r^laat die Eröffnung der Reichsautobahnstrecke Breslau — Liegnitz — Krei - bau statt. Die Feierlichkeit wird aufalledeut- schen Sender übertragen. * Dr. Heinrich Mantler, der langjährige Direktor des ehemaligen Wolffschen Telegraphenbüros, begeht am Samstag feinen 7 5. Geburtstag. Dr. Mantler, der die Leitung des WTB. bis zum 1.10.1929 38 Führe lang innehatte, arbeitet jetzt im Ruhestand an der Aufzeichnung der Geschichte des Wolffschen Telegraphenbüros. ♦ Die finnländische Regierung erhielt im Reichstag bei der Aussprache über ein neues Gesetz zur Verschärfung der Strafen für Landes- und Hochverrat ein Mißtrauensvotum mit 94 zu 93 Stimmen. Gegen die Regierung dürften die Agrarpartei und die Sozialdemokraten gestimmt haben. Zweck des Gesetzesvorschlages war, die finnische Landesverteidigung besser gegen Spionage und kommunistische Umtriebe zu schützen. Aeußerer Anlaß zu diesem Mißtrauensvotum war eine irrtümlicherweise veröffentlichte Denkschrift der finm- schen Geheimpolizei, in der diese die kommunistischen Pläne zur Schaffung einer Volksfront auch in Finnland aufdeckte. Aus aller Welt. Jnkernalionaler Kongreß für Orthopädische Chirurgie. In Bologna wurde der 3 Internationale Kongreß für Orthopädische Ehirur- g i e eröffnet, an dem Wissenschaftler aus 18 Staaten Europas und Amerikas teilnehmen. Vor Beginn des eigentlichen Kongresses fand die Hauptversammlung der Internationalen Gesellschaft für orthopädische Chirurgie statt, in der als Präsident für den nächsten 1939 in Berlin stattfindenden Kongreß Prof. G o ch t, Direktor der Universitätsklinik für orthopädische Chirurgie in Berlin, gewählt wurde. Begabtenförderung bei Studenten. Die Reichsführung der deutschen Studentenschaft teilt mit: Zwischen dem Reichsstudentenwerk und der Reichsführung der deutschen Studentenschaft ist eine Vereinbarung zustandegekommen, nach der die Wettkampfleiter des Reichsleistungskampfes der D. St. an den einzelnen Hochschulen die Berechtigung erhalten, den zuständigen Studentenwerken solche mindebemittelten Studierenden für die Begabtenförderung im Wintersemester 1936/37 vorzuschlagen, die ihre Fähigkeit und den Willen zu freiwilliger Arbeit für die Gemeinschaft im ersten Reichsleistungskampf der D. St. bewiesen haben. Damit ist der Deutschen Studentenschaft die Möglichkeit gegeben, den Kameraden, welche sich in dem Reichsleistungskampf voll eingesetzt haben und einen Teil ihres Studiums für diese praktisch-politische Arbeit geopfert haben, auch auf diesem Gebiet eine Erleichterung in ihrem Berufs- und Studienweg zu schaffen. Es entspricht unserem Prinzip der Auslese, daß wir erst nach Vollbringung der Leistung diesen Weg zur Forde- rung der Wettkampfteilnehmer bekannt geben, da der Ursprung zu jeder politischen Mitarbeit die Freiwilligkeit fein muß. 50 Jahre Evangelischer Bund. Der Evangelische Bund hält zur Feier seines 50jährigen Bestehens vom 10. bis 12. Oktober 1936 in Erfurt seine Generalversammlung ab. Eme vorausgehende Arbeitstagung bringt Sitzungen des Präsidiums und des Zentraloorstandes, wobei Professor Lic. Stirn ein aus Berlin über Probleme evangelischer Erziehung sprechen wird. Die Haupttagung beginnt am Samstag mit einer Ab- geordneten-Versammlung im Stadthaussaal, in der nach einleitenden Worten des Bundesdirektors Lic. von der Heydt (Berlin), Pfarrer Dr. Bergsr (Darmstadt) über den „Evangelischen Bund im Aufbau" und Dr. O h l e m ü l l e r (Berlin) über „Römischer Katholizismus heute" sprechen wird. Bei einer Gedenkfeier am Nachmittag hält D. Fähre n h o r st die Ansprache. Jkh Stadthaussaal spricht bann Professor D. Dr. Beyer (Leipzig) über „Evangelisches und katholisches Verständnis der Kirche . An einem Volksabend in der Predigerkirche hält nach einer Ansprache Professor D. Schumanns (Halle) Superintendent Heinzelmann aus Villach einen Vortrag über die evangelische Kirche im neuen Oesterreich. Am Sonntag finden in allen evangelischen Kirchen der Stadt Festgottesdienste statt, wobei u. a. auch Landesbischof D. Wurm (Stuttgart), Domprediger Martin (Magdeburg, Bischof D. Zänker (Breslau), Professor Lic Stroh (Friedberg) und Professor Hoefler (Nürnberg) predigen werden. In einer Lutherfeier in der Kaufmannskirche spricht Landeskirchenrat i. R. D. W a i tz (Darmstadt). Nach einem Empfang durch den Oberbürgermeister der Stadt Erfurt und einem gemeinsamen Mittagessen sprechen in einer öffentlichen Versammlung D. Fahrenhorst (Berlin) über „Erinnerungsbilder aus 50 Jahren evangelischer Bundesgeschichte" und Konsistorialrat Lic. Semrau (Stettin) über „Wächterrufe des Evangelischen Bundes in unseren Tagen". In einer abendlichen Festversammlung hält der Präsident des Evangelischen Bundes Professor D. Bornkamm (Leipzig) die Hauptrede über den Evangelischen Bund im Dienst an Volk und Kirche. Am Montag findet eine Schlußfeier auf der Wartburg statt, bei der Professor D. Dr. Beyer (Leipzig) eine Ansprache auf dem Burghof halten wird. Entscheidungsschlacht im Riedbachtal als Abschluß der Großen Herbsiübung der Wehrmacht Sinter den Augen des Führers. Lpd. Die großen Herbstübungen der deutschen Wehrmacht, bei denen erstmalig seit 22 Jahren mehrere Armeekorps und alle Waffen einschließlich zahlreicher motorisierter Kampf- oerbände und der L u f t st r e i t k r ä f t e im engsten Zusammenwirken beteiligt waren, sind am Freitag mit einer gewaltigen Entscheidungsschlacht beendet worden. Um 10 Uhr vormittags griff das IX. (blaue) Armeekorps auf der ganzen Front die stark ausgebaute „rote" Hauptkampflinie an. Dieser frontale Angriff führte auf dem linken Flügel, wo die Geländebeschaffenheit den Einsatz starker Panzerwageneinheiten begünstigte, zu einem tiefen Einbruch in die gegnerische Front. An dieser Stelle, den Höhen westlich Illm- hausen, beobachtete auch der Führer und Oberste Befehlshaber das prächtige Schlußbild der großen Herbstübungen. Auch der Reichskriegsminister, die Befehlshaber der drei Wehrmachtteile, zahlreiche Reichs- und Staatsminister, führende Persönlichkeiten aller Gliederungen der nationalsozialistischen Bewegung, die Gauleiter und Dberpräfibent'en, in deren Gebiet sich die Uebungen abspielen oder die teilnehmenden Truppen in Garnison liegen, viele Offiziere der alten Armee und der Reichswehr, unter ihnen der früheren Chefs der Heeresleitung Generaloberst von S e e ck t, Chef des Infanterie-Regiments 67 Generaloberst Heye und Generaloberst von Hammerstein, die Militärattaches der in Deutschland vertretenen Länder und die übrigen Gäste der Manöverleitung erlebten die Endphase dieses „Krieges im Frieden". Der Angriff. In der Nacht zum Freitag hatte die blaue A r m e e die roten Gefechtsvorposten auf die Hauptkampflinie zurückgedrängt und unmittelbar vor dieser Linie angriffsbereit Stellungen bezogen. Das V. (rote) Armeekorps versuchte durch verstärkten Artillerieeinsatz und unter Verwendung von Gas die blaue Angriffsbereitstellung zu zerstören. Der Angreifer hatte den Schwerpunkt, der am Donnerstag auf dem linken Flügel lag, auf feinen rechten Flügel zur 9. Division verlegt, da hier das einigermaßen waldfreie, wenn auch hügelige Gelände den Einsatz der in der Nacht bereitgestellten Panzerwageneinheiten gestattete. Hinter dem Schwerpunkt hatte es zu gleicher Zeit seine Korpsartillerie konzentriert. Die 6. Division östlich von Birstein und die 19. Division in der Mitte der Front fanden weitaus weniger günstiges Gelände vor. Die Höhenzüge liegen in leichtem Nebel. Die blaue Armee hat auf dem äußersten rechten Flügel einen Sperrverband gebildet, der die Aufgabe hat, diesen Flügel zu sichern. In vorderster Linie der 9. Division liegen das 15. und 16. Infanterieregiment. Die Schützenlinien, die auf den Angriffsbefehl warten, sind mit Drahtscheren ausgerüstet, da Rot in der vergangenen Nacht seine Hauptkampflinie außerordentlich ft a r f b e f e ft i g t und zahlreiche Sperren und Hindernisse, Panzerwagenfallen und Maschinengewehrnester angelegt hat. Artilleriefeuer auf beiden Seiten kündet an, daß entscheidende Kampfhandlungen bevorstehen. Der starke Bodennebel verhindert zunächst den Einsatz der Luftstreitkräfte. Der Blick auf die sanften Höhenzüge, die von Mulden und Senken durchschnitten, mit Buschwerk und Waldstücken reich bestanden sind, zeigt ein geradezu ideales Kampfgelände. Kurz vor 10 Uhr brummen die Schlünde der blauen Batterien los, die die Artilleriestellungen der Gegner unter ein heftiges Feuer nehmen. Dabei werden die Beobachtungsstellen der roten Artillerie eingenebelt, um sie an der Sicht zu verhindern. Wenig später hämmern auch die leichten und schweren Maschinengewehre los, und d i e e r ft e n Schützenwellen des Angreifers gehen, soweit sie Deckung haben, in großen Sprüngen vor. Die rote Artillerie verlegt sofort ihr Feuer vor. Aus dem Nebel, der langsam über die rote Hauptkampflinie zieht, steigen Leuchtkugeln empor, die der Artillerie die vorderste Linie der eigenen Truppen zeigen sollen. Im Schutze des Nebels und gedeckt durch Buschwerk und dünne Waldstreifen brechen plötzlich Panzerwagen in mehreren Wellen vor, die überraschend schnell der gegnerischen Stellung zustreben und gedeckt durch das günstige Gelände und Nebel bald die Hauptkampflinie erreichen. Während ein Teil der Panzerkampfwageneinheiten in die gegnerische Artilleriestellung vor- bringt, rollen andere die rote Hauptkampflinie auf. Auch die Schützenwellen sind bis dicht an die feindlichen Stellungen herangekommen; nur in einem ostwärts liegenden Waldgelände behauptet sich der Gegner hartnäckig. Die Panzerkampfwagen, die in die Hauptkampflinien eingeschwenkt sind, werden hier von einem mörderischen Abwehrfeuer der P a n z e r w a g e n - A b w e h r - G e s ch ü tz e empfangen, die Rot hier eingesetzt hat, weil es auf dem engen, bewaldeten Gelände offenbar mit einem Einsatz von Panzerkraftwagen gerechnet hatte. Das Ganze hall! Etwa nach einer Stunde ist der Angriff auf diesem Frontabschnitt soweit oorgetragen, daß die leichten und schweren Infanteriewaffen und die Artilleriebeobachtungen vorgezogen werden können; gleichzeitig müssen natürlich auch alle Nachrichtenverbindungen voroerlegt werden, was sich mit bewunderungswürdiger Schnelligkeit vollzieht. Ein ohrenbetäubender Schlachtenlärm erfüllt das liebliche Tal; ununterbrochen rollen die Salven der leichten und schweren Artillerie, ein dröhnendes Echo erweckend, dazwischen klingt das scharfe Tack-Tack der Maschinengewehre, das Krachen der Infanteriegeschütze und das Knattern des Gewehrfeuers. Nach erbittertem, mehr als einftünbigem Kampf finb bie roten Verteibiger bes Waldstückes gezwungen, die Stellung dem Angreifer zu überlassen. Nun greifen auch bie Kampfgeschwader des IX. Armeekorps in den Kampf ein, die in Tiefangriffen die zäh verteidigten Schützenlöcher der roten Partei zu säubern versuchen. Jagdflieger st a f f e l n und Flakartillerie greifen in den Kampf ein. Die Entscheidungsschlacht, die auf diesem Frontabschnitt den Angreifern unverkennbare Vorteile gebracht hat, ist in vollem Gange, als zugleich mit den Kirchenglocken, die die Mittagsstunde anfünbigten, bas Signal „Das Ganze halt!" geblasen wirb. Rasch ebbt ber Schlachtenlärm ab. Nur bie Kampfgeschwaber in ber Lust kreisen noch über ber Stellung; bie Truppen sind abgeftanben unb haben ben Stahlhelm mit ber Feldmütze vertauscht. Jetzt erst unb auf dl>m Rückweae von ber Front feben bie Manövergäste unb bie Schlachtenbummler, welch starke Einheiten aller Waffen an biefer Hebung beteiligt waren, als bie Truppen fingenb unb guter Dinge auf ben Anmarschstraßen ben Quartieren ober ben Verlabestationen zustreben. Zum letzten Male jubelt ihnen bie Bevölkerung zu, bie bie jungen Svlbaten mit solcher Herzlichkeit empfangen und mit solcher Fürsorge betreut hat. D?e Prüfung bestanden. Fünf Tage unb vier Nächte haben bie Truppen auf bem Hebungsgebiet, bas mehr als 130 Quadratkilometer umfaßt unb dessen Bvdengestaltung unübersehbare Schwierigkeiten bot, bei Schwüle und empfindlicher Herbstkühle, bei Sonnenschein und Regen im Kampfe gestanden. Die Manöverleitung hatte in monatetanger, peinlicher Vorarbeit alle Vorbereitungen getroffen, die einen hochinteressanten Verlauf dieser großen Herbstübungen gewährleisteten, die zu einem Musterbeispiel neuzeitlichen Bewegungskrieges wurden, bei dem alle Kampfarten wechselnd zwischen den beiden Parteien in besonders interessanter Weise zur Darstellung kamen. Aufklärung und Aufmarsch, Bewegungsgefechte, das Heranführen rückwärtiger Kräfte, die Verlagerung des Krästeverhältnisses innerhalb der Frontabschnitte unb innerhalb ber Parteien, bas abschnittweise Zurückgehen unb am Schlußtage enblich die sorgfältig vorbereitete Verteidigung einer gut ausgebauten Stellung bzw. bie Bereitstellung zum Angriff unb bie Durchführung dieses Angriffes unter Einsatz aller modernen Waffen — das war das Programm dieser inhaltsreichen Tage. Wenn auch die Hebung in so großen Verbänden in erster Linie der Führerschulung diente, so entstanden doch bei der freien Durchführung der Manöver fortgesetzt Lagen, die selbständiges Handeln bis hinunter zur kleinsten Einheit der Truppe verlangten. Dabei haben die Träger unserer Wehrmacht alle soldatischen Tugenden in schönster Weise bewiesen. Sie zeigten einen eisernen Willen zum Aushalten, Entschlossenheit und Gewandtheit; sie ertrugen bie ihnen auferlegten Strapazen bewunderungswürdig, denn die Hebung wurde völlig kriegsmäßig durchgeführt. Die erste Prüfung nach der Wiedereinführung ber Wehrpflicht und nach einjähriger Dienstzeit hat den hohen Ausbildungsstand, die vorzügliche technische Ausstattung und den glänzenden Geist ber Truppen bewiesen. Die gezeigten Leistungen sinb nur badurch unb durch bie kameradschaftliche Verbundenheit zwischen Führung und Truppe möglich geworden. Alle, die Gelegenheit hatten, in diesen Tagen bie neue deutsche Wehrmacht zu beobachten, nahmen bie Heberzeugung mit heim, baß bas deutsche Volk unter ihrem Schutz beruhigt seiner friedlichen Arbeit nach^ehen kann. Mit stolzer Freude und unbegrenztem Vertrauen blickt es auf bie Träger seiner Wehr. Wetterbericht des Reichswetterdienstes. Ausqabeort Frankfurt S hon feit Tagen hat die Großwetterlage eine bedrohliche Entwicklung genommen, doch stellte sich die Witterungsverschlechterung bei uns zunächst nur zögernd ein. Die gestern noch einmal eingetretene kräftige Erwärmung löste jedoch in der vergangenen Nacht einen heftigen Einbruch kühlerer Luftmassen aus Norden aus, bei ber es zur Verdrängung der Warmluft kam und zu verbreiteten und vielerorts auch recht ergiebigen Niederschlägen, teilweise gewitteriger Natur. Bei Luftzufuhr aus West bis Nord bleibt der Witterungscharakter unbeständig, bie Temperaturen werben erheblich nichtiger sein als seither. Aussichten für Sonntag: Veränberlich mit gelegentlicher Aufheiterung, boch im ganzen unbeftänbig unb wieberholt Niederschläge, bei lebhaften nörblichen bis westlichen Winben kühl. Aussichten für Montag: Fortbauer ber fühlen unb recht unbeftänbigen Witterung. Lufttemperaturen am 25. September: mittags 21,2 Grab Celsius, abenbs 16,1 Grab; am 26. September: morgens 15,3 Grab. Maximum 21,7 Grab, Minimum heute nacht 15 Grab. — Erbtemperaturen in 10 cm Tiefe am 25. September: abenbs 17,3 Grab; morgens 15,7 Grab. — Sonnenscheinbauer 2,5 Stunben. Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik unb für bie Silber: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für ben übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für ben Inhalt ber Anzeigen: Theobor Kümmel. D. A. VIII. 36: 9350. Druck unb Verlag: Brühl'sche Hniversitäts-Buch- unb Steinbruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit ber Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzeloerkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. sw '.«I p.' UL- wer ihn besitzt, wer ihn fährt, der weiß, was er an ihm hat: • OPEL-Synchron-Federung, alle Unebenheiten der Straße werden aufgefangen, die Fahrt selbst auf schlechtesten Straßen wird zu einem sanften Dahingleiten. • Zugfreie Frischluftfenster der 4tür. Lim. und des 4fenstr. Cabr. Frischluft ohne Zugwind. • Starker 6 Zyl. Motor, leiser Lauf, einsatzbereite Kraftreserve, überlegene Leistung. • OPEL-Schnellstart-Fallstrom-Vergaser mit Beschleuniger-Pumpe — wirtschaftlichste Ausnutzung des Betriebsstoffs bei allen Geschwindigkeiten — überraschende Beschleunigung. • Formschöne Karosserie, gediegene Ausstattung, reichlicher Raum, bequeme Sesselsitze, großzügig bemessener Kofferraum. 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Weil die Kultur der letzten Epoche mehr durch den Geist des Alters bestimmt war als durch den der Jugend, darum hatte sich auch dieser Zusammenhang zwischen Leib und Seele zunehmend gelöst. Ein bekannter Philosoph dieser jüngst vergangenen Epoche (M. Scheler) pflegte zu sagen, der moderne Mensch betrachte seinen Leib „wie ein Hündchen, das er an der Leine führt"; das heißt, er lieht den Leib als eine Sache an, die von seinem seelisch-geistigen Wesen getrennt und mit ihm nur locker verbunden ist — verbunden durch eine Art von Seine. Auch ein wenig Verachtung des Leibes kommt in dem Gleichnis zum Ausdruck. Der Leib ist eben — ein Hündchen, auf das man von der Höhe seines Menschentums aus herabsieht. Dem- gegenüber wollen wir d i e harmonische Einheit zwischen Leib und Seele wiederherstellen, die in gesunder Jugend ganz selbstverständlich vorhanden und verwirklicht ist. Der Körper des jungen Menschen, wofern er nur in angemessener Weise geübt wird, ist ein vollkommen gefügiges Werkzeug der Seele und des Willens. Er folgt hierbei dem Gebot des Willens noch ohne Widerstand. Im jungen Menschen entsteht darum von selbst niemals der Gedanke einer Gegensätzlichkeit oder eines Widerstreits zwischen Leib und Seele. Nicht einmal das obige Gleichnis vom „Hündchen", das an der Leine geführt wird, paßt auf jugendliche Menschen, während es doch sehr zutreffend die Art zum Ausdruck bringt, wie viele Erwachsene von heute ihren Körper erleben. Alle diese Anschauungen von der Gegensätzlichkeit zwischen Leib und Seele haben letztlich darin ihren Grund, daß ein solcher Widerstreit fortwährend er» sahren wird, weil der Leib der Seele und dem Willen nicht mehr folgt. Das ist aber eben ein A l t-e vs z u st a n d, und die Tatsache, daß solche Erfahrungen und Anschauungen vorherrschend geworden sind, ist wiederum Ausdruck einer Alterskultur. Wir aber wollen heute, und darauf bringt unsere neue Erziehung in ganz besonderem Maße, zu der harmonischen Einheit zwischen Leib und Seele zurückkehren, die in gesunder Jugend immer und ganz selbstverständlicherweise verwirklicht ist. Die Jugendzeit soll von der Erziehung auch dazu ausgenutzt werden, diese Einheit zu festigen, damit sie in Zukunft auch bei den Erwachsenen bestehen bleibe. Es wird sich zeigen, wieviel für die Harmonie des Daseins, ja für die körperliche und seeliscke Gesundheit des Volkes davon abhängt. Wir wollen auch in dieser Hinsicht die Wesensart der Jugend an die Stelle derjenigen des Alters setzen und damit Jugendgeist in die noch vorherrschende Alterskultur hinemtragen. Doch von allen Eigentümlichkeiten des Jugend- geistes, die man so oft verkümmern ließ, sind uns diejenigen am wichtigsten, die die Menschen zu einer natürlichen Gemeinschaft, zu einem Volke zusammenschließen. Das vergangene Zeitalter dachte in mechanistischen, unorganischen Grundbegriffen. Demgemäß stellte man sich die Menschen wie isolierte Atome vor, die zwar Wirkungen aufeinander ausüben, aber keinen organischen Zusammenhang haben, fein echtes lebendiges Ganze bilden. Indessen ist das eine künstliche, der Wirklichkeit nicht entsprechende Anschauung, die an der toten Natur ober am gealterten Menschentum gewonnen ist. In gesunder Jugend wirken noch die organischen Gesetze des menschlichen Zu- sammenhangs. _________________ Gießener Stadttheater. Harald Bratt: „Gustav Kilian." Der vollständige Titel lautet: „Gustav Kilian, Manufakturwaren en gros & en detail, gegr. 1821, Obere Gasse 19" — er ging gar nicht in bie lieber» schriftzeile hinein, und es ist ein absichtlich altmodischer Titel, von einer Länge und Ausführlichkeit, wie man in früheren Zeiten eine Sache zu überschreiben pflegte. Und es handelt sich ja auch — Vratt sagt es selbst ausdrücklich — um em altmodisches Stück. Herrn Kilians Kattunladen stammt in der Tat aus dem vorigen Jahrhundert, er ijt gewissermaßen aus Versehen stehengeblwben; die scheppernde Ladenglocke und das Waldhorn, auf dem der greise Prinzipal (im Quartett) sich zu feinem 70. Geburtstage selber ein gefühlvolles Ständchen bläst — „Schön ist die Jugendzeit" — sind die romantischen Symbole einer Welt, in welcher der Held dieses Schauspiels groß geworden und alt geworden ist. Zwar ist der Kattun mittlerweile aus der Mode gekommen, und es hat sich überhaupt vieles geändert, aber der alte Kilian hat es dennoch zu etwas gebracht; seine Söhne sind drüben m Amerika, und sie haben es geschafft, sie fd^ffefa Geld, sie sind Geschäftsleute ganz großen Stils, sie sind von heute und denken in Fusionen und Transaktionen und nach den letzten Wallstreet-Kursen. Zwei Generationen — zwei Welten und Weltanschauungen. Der Großvater Kilian, so verschollen und so rührend unzeitgemäß sein Lädchen auch fein mag, ist wenn auch vielleicht fein „königlicher , so doch ein echter und ehrlicher Kaufmann vom alten Schrot und Korn: gute Ware, solide Preise, zufriedene Kunden — das sind die Grundsätze, nach denen er sein Geschäft betreibt. Weil er Freude dran hat, und weil es Vater und Gro nater auch schon so «haben. Deshalb kann er auch nicht begrei» 3 eines Tages ein sehr geschaftsgewandter Anwalt bei ihm erscheint und ihm als Bevollmächtigter eines nicht genannten Auftraggebers den ganzen Laden abkaufen will gegen gutes, bares Geld. Jener versteht nicht, warum Kilian fein Lad- chen als unverkäuflich bezeichnet. Kilian Einerseits glaubt dem andern den Schwindel, daß Kattun über Nacht wieder gi ße Mode mürbe; er farm ja nicht ahnen, daß es feine eigenen Sohne sind, die sich das als Ueberrajchung zu Vaters 70. Geburtstag ausgedacht haben: sie wollen ihn mit „nach ihn pflegen, um davon soviel wie möglich in die späteren Jahre hinüberzuretten; denn er ist die ftärtfte und wichtigste Wurzel aller höheren Tugenden. Wir müssen aber zugleich diesen starten jugendlichen Trieb der Hingabe an ein größeres und umfassenderes Sein vor Verirrungen bewahren, an denen es nicht fehlt. Wir richten ihn in unserer neuen Erziehung auf sein von der Natur gewolltes Ziel: auf die Gemeinschaft des Volkes und die großen Aufgaben, die ihr gestellt find. Weil dieser Idealismus in Hingabe und Opferbereitschaft für das Ganze besteht, ist er im wesentlichen eine Leistung des Willens. Unsere neue Erziehung legt auf die Pflege jenes jugendlichen Idealismus den allerstärksten Nachdruck und damit zugleich auf die Entfaltung und richtige Leitung des Willens. Das wird aber nicht nur der Festigkeit des Gemeinschaftslebens zugutekommen, sondern zugleich allen anderen Seiten der Kultur, die darunter gelitten hat, daß man über der einseitigen Pflege des V e r st a n d e s den Willen oft verkümmern ließ. Ja, das Erkennen selbst hat einen starken Willen und den Idealismus im eben geschilderten Sinn zur Voraussetzung. Nur eine Epoche, in der das volle und ganze Menschentum verkümmert war, konnte in den Irrtum verfallen, daß es möglich fei, den Verstand zu isolieren, gegen alle anderen Seiten des Menschenwesens reinlich abzugrenzen und für sich allein zu betätigen. Wegen dieses Irrtums verkümmerte in einer Epoche, die das Erkennen am höchsten schätzte, schließlich das Erkennen selbst, und als Folge davon erleben wir, trotz der einseitigen Kultur des Verstandes, heute in allen Gebieten eine Krisis der Wissenschaft". Echtes, fruchtbares, zur Wirklichkeit und Wahrheit oordringendes Erkennen ist aar nicht eine Leistung des Verstandes allein, sondern ebensosehr des Willens. Jeder grundlegende neue Schritt besteht hier, wie Galilei sagt, in einer „Hypothesis", d. h. einer vorläufigen Annahme, die dann später entweder verworfen oder bestätigt wird. Sie selbst aber ist immer ein Wagnis, ein Sprung ins Ungewisse, und die Leistung des Erkennens, das zu neuen Gesichtspunkten vordringt, ist darum zugleich immer diejenige eines Kämpfertums. Manche befürchten, die starke Betonung biologischer Gesichtspunkte in Kultur und Erziehung werde vom religiösen Glauben hinwegführen. Das Gegenteil ist der Fall. Die Entwicklung der nächsten Zukunft wird uns recht geben, wenn wir behaupten: das dekadente Menschentum des neunzehnten Jahrhunderts konnte auch auf religiösem Gebiet nur noch dekadente Erscheinungen hervorbringen. Die Erkrankung der Kultur mußte sich notwendig auch in diesem innersten Bereiche des Geisteslebens auswirken. Die allgemeine Wiedergenesung wird auch hier wie auf allen Gebieten dazu führen, das Kranke durch Gesundes, das Normwidrige durch Normgemäßes zu ersetzen. Auch hier ist uns die Jugend ein Garant der Zukunft; denn Jugend ist von Natur gläubig. Der franko-russische Zweibund. Wenn Paris und Moskau „Generalstabsbesprechungen" haben.—Oie neuesten französischen Aktenveröffentlichungen. Im Verlage der Akademischen Derlagsaesellschaft Athenaion in Potsdam erschien aus der Feder des durch seine grundlegenden Forschungsarbeiten auf dem Gebiete des Kriegsschuldproblems bekannten Obersten a. D. Dr. phil. h. c. Bernhard Schwertfeaer eine Schrift „Der neue franko-russische Zweibund im Lichte französischer Vorkriegsakte n". (Preis 1,00 RM. — 260) Seit einiger Zeit erscheint in Frankreich unter dem Titel „Documents d i - plomatiques f r a n £ a i s 1871 — 1914" die amtliche Dokumentenpublikation des französischen Außenministeriums zur Vorgeschichte des Weltkrieges. Im 8. Band der III. Serie des Werkes hat Dr. Schwertfeger wichtige Entdeckungen gemacht, die er in der erwähnten Schrift der deutschen Oef- fentlichkeit übergibt. Es ist das Schicksal der riesigen Dokumentenwerke aus den Archiven der am Weltkrieg beteiligt gewesenen Regierungen, daß sie sich durch ihre großen Umfänge dem Einblick der breiten Öffentlichkeit entziehen. Um so dankenswerter sind solche Veröffentlichungen wie die Schwertfegersche, die aus der Fülle des Aktenmaterials die dokumentarischen Nachweise zu einem wichtigen Sonderproblem herausheben. Die Schwertfegersche Schrift nimmt das Memorandum Adolf Hitlers vom 7. März 1936 anläßlich der Wiederbesetzung der entmilitarisierten Zone des Rheinlandes zum Anlaß, um an Hand französischer Dokumente der Vorkriegszeit die ungeheuren Gefahren des neuen französisch-sowjetrussischen Beistandspak- t e s vom 2. Mai 1935 in das Licht eines besonders hellen Scheinwerfers zu rücken. Der neue Beistandspakt sieht, nach dem Muster der Vorkriegszeit, zwischen Paris und Moskau „gegenseitige Beratungen über die zur Abwehr einer Angriffsdrohung ober Angriffsgefahr zu ergreifenden Maßnahmen" vor. Es unterliegt keinem Zweifel, daß für dieses Verfahren nur Generalstabsbesprechungen in Frage kommen. Damit wird ein Verfahren wieder ausgenommen, über dessen Mechanismus das französische Außenministerium selbst jetzt die Welt in seiner nicht ganz freiwilligen, weil durch die deutschen Publikationen erzwungenen Veröffentlichungen die Welt unterrichtet. Der letzte, schon bis zum Jahre 1913 führende Band der französischen Akten enthält nämlich die amtlichen Protokolle der im letzten V o r k r i e g s j a h r z e h n t alljährlich abgehaltenen „Generalstabsbesprechungen". Hier sei nur auf das Wichtigste hingewiesen. Das bedeutsamste Dokument ist das letzte Konferenzprotokoll, das dem Weltkriege vorherging. Es trägt die Unterschriften der Generalstabschefs Frankreichs und Rußlands, I o f f r e s und Shilinskijs, und wurde vom französischen Kabinett am 9. September 1913 „gelesen und gebilligt". Die Präambel lautet: „Die beiden General- stabschess erklären in gemeinsamer Uebereinftim- mung, daß die Worte ,Verteidigungs- K r i e g‘ nicht in dem Sinne des .Krieges, den man verteidigungsweise führen wird' ausgelegt werden wird. Sie betonen vielmehr die für die russische und die französische Armee bestehende zwingende Notwendigkeit, eine kraftvolle, und zwar soweit möglich gleichzeitige Offensive zu ergreifen, gemäß dem Texte des Artikels 3 der Konvention, nach dessen Wortlaut ,die Streitkräfte der beiden verbündeten Mächte mit allem Nachdruck und eiligst einzusetzen sind'". Am wichtigsten aber für die Erkenntnis der ein Jahr später einsetzenden Ereignisse ist die jetzt aus den neuen französischen Veröffentlichungen bekannt werdende Tatsache, daß sich auch England in die kriegerische Absprache des Zweibundes bereits vollständig eingeschaltet hatte. Im Artikel IV des Protokolls vom August 1913 heißt es wörtlich: „Die telegraphischen Verbindungen zwischen dem französischen und dem russischen Generalstabe (d. h. im Falle eines Krieges) können durch englische Kabel und unter Vermittlung Englands erfolgen. Die Abmachungen mit London sind soeben getroffen worden; die Vorbereitungen sind abgeschlossen, und die Uebermittlung der Nachrichten kann erfolgen." „Dieser Satz", schreibt Schwertfeger, „wiegt zentnerschwer in der Kette der Vereinbarungen. Jetzt war Deutschland wirtlich eingekreist, und an einer Beteiligung Englands an einem Kriege des Zweibundes gegen Deutschland war kaum mehr zu zweifeln. Das Jnfelreich hatte dem Zweibunde damit im gewissen Sinne eine BlankovollTas Kind besitzt, als ausgesprochenes Sinnes-1 wesen, gegenüber Der Umwelt eine ungeheure Aufgeschlossenheit, so daß es zu der Abschließung und Isolierung gegenüber der Umgebung, die die Theorie angenommen hatte, schon am Anfang der menschlichen Entwicklung gar nicht kommen kann. In der Kindheit besteht eine enge Verbundenheit mit der Umwelt und ein starkes Hingegebensein an sie. Der englische Dichter Shelley hat diesen Zusammenhang mit der Umwelt in folgenden Worten treffend geschildert: „Erinnern wir uns an unsere Empfindungen als Kinder. Wir unterschieden gewöhnlich alles, was wir sahen und fühlten, viel weniger von uns selbst." Wie alles im kindlichen Seelenleben, so stützt sich auch der Gemeinschaftssinn hier vor allem auf die Erlebnisse des Auges. Die Gemeinschaft muß hier, um wirksam zu werden, dem Auge gegeben sein. Auf räumliche Nähe und räumliche Verbundenheit kommt daher fast alles an; sehr viel auch auf eine gleiche Beschaffenheit für das Auge, z. B. gleiche Tracht und Uniformierung, sowie auf sinnliche, besonders sichtbare Symbole. Der Knabe, den man im Schulzimmer durch abstrakte Belehrung vergeblich zur Erfüllung seiner Pflichten gegenüber der Gemeinschaft anzuhalten sucht, zeigt eine restlose Hingabe an die Spielgemeinschaft, die ihm sinnlich-sichtbar vor Augen steht und der er selbst sinnlich-sichtbar eingegliedert ist. Die organische Erziehung strebt dahin, diese sinnlichen Grundlagen des Gemeinschaftserlebnisses in der frühen Jugend zu benutzen und auch noch etwas davon in die späteren Lebensjahre hinüberzuretten, weil gerade dem Elementarseelischen, besonders auch dem sinnlich Erlebbaren, im Gegensatz zu rein abstrakten Ideen, eine besonders starke Antriebskraft für das Handeln zukommt. Allmählich vertieft sich mit der Weiterentwicklung der Sinn für menschliche Gemeinschaft. Schon Ari- ft o t e I e s sagt, daß zur Freundschaft und Kameradschaft vor allem junge Menschen veranlagt seien, während sich bei den älteren oft Geschäftsinteressen störend und verfälschend einmischen. Auch sei für Freundschaft und Kameradschaft eine notwendige Voraussetzung, daß man mit anderen gern zusammen ist. Aber auch diese Neigung finde sich vor allem bei jungen Menschen, während sie bet älteren Personen selten anzutreffen sei; sie hätten wegen ihrer Griesgrämigkeit keine Freude aneinander. Der Sinn für Kameradschaft inuß somit in der Jugendzeit erweckt werden. Ist das hier versäumt worden, so wird es später niemals gelingen. Der wichtigste Zeitpunkt für die Erweckung und Pflege des Gemeinschaftssinns ist die spätere Jugend. Hier ist vor allem die Blütezeit des Idealismus, der zugleich die soziale Kernfunktion ist, die Grundlage, auf der die festesten und edelsten Formen des Gemeinschaftsbewußtseins erwachsen. Die Pubertätspsychologie der vergangenen Epoche, beherrscht von psychoanalytischen und ähnlichen Gedankengängen, wühlte vorwiegend im Sexuellen und unterschlug uns darum gänzlich das entscheidende Grunderlebnis dieser Jahre: den jugendlichen Idealismus. Worin besteht eigentlich sein Wesen? Es ist kurz gesagt, das starke und antriebskräftige Erlebnis, daß der Mensch nicht für sich selbst und sein eigenes Ich da ist, sondern für ein größeres, umfassenderes Ganzes, dem er zu dienen hat. Ich habe das gelegentlich eine „Achsenverlagerung im Bereiche des Ich" genannt. Nicht mehr das eigene Ich erscheint jetzt als der Mittelpunkt, sondern dieses Größere und U m f a s s e n d e.r e , dem man angehört. Aber indem man das eigene Ich preisgibt, scheint man es in einem tieferen Sinne gerade erst zu finden. Man identifiziert sich selbst mit dem größeren, umfassenderen Ganzen, dem man dient. Diese „Achsenverlagerung" ist wohl das entscheidenste Erlebnis der späteren Jugendjahre; sie ist zugleich der Ursprung aller Qpferwilligkeit und Dienstbereitschaft, aller soldatischen männlich-heroischen Haltung und adligen Gesinnung. Der Idealismus in diesem Sinne hat in der späteren Jugend seine Blütezeit. Hier müssen wir drüben" nehmen und das ganze Krämchen kurzerhand „liquidieren". Sie haben kein Gefühl dafür, daß man einen alten Baum nicht mehr verpflanzen kann. Zum Geburtstag kommen sie alle heim. Eine schöne Ueberraschung. ♦ Zwei Generationen — zwei Welten. Aber die dritte Generation ist auch schon da. Kilians Enkelin ist mit herübergekommen, und diese Gertie, die drüben im Geiste ihres Vaters erzogen wurde und nur ein bißchen geflirtet hat, verliert, kaum daß sie in Deutschland angekommen ist, ihrHerz ganz richtig und altmodisch — an den Sohn von Großvaters Jugendfreund. Der Junge ist zwar nicht Kaufmann, sondern ein Wissenschaftler; immerhin bringen die beiden Liebesleute es fertig, hinter Großvaters Rücken wenn nicht den Laden, so doch das ganze Lager zu verkaufen, den ganzen Kattun — zu einem Preis, daß der Alte bald umfällt, als er ihn erfährt — an jenen Rechtsanwalt mit der Vollmacht und also genau genommen an die mittlere Generation Kilian. * Das kann natürlich nicht gut gehen, und die schöne Geburtstagsfeier endet mit dem größten Krach, denn noch ehe die Söhne mit ihrer Lieber» rafchung herausrücken können, kommt ihnen Gertie mit der überraschenden Verlobung zuvor, die ihr Vater, der sich seinen Schwiegersohn ein bißchen anders gedacht hat, natürlich für eine ausgemachte Marotte erklärt ... Es kommt nicht so sehr daraus an, wie das Stück weiter läuft und endet, wie der große Krach geschlichtet wird, wie die jungen Leute den Kattun, der eine kleine wunderliche Rundreise gemacht hat, dem Alten zurückkaufen; es versteht sich, daß die beiden Jüngsten sich kriegen, daß der Alte daheim bleibt und seinen guten, alten, ehrlichen Handel weiterbetreibt in der Oberen Gasse Numero 19... Wesentlicher scheint uns, daß Harald Bratt, der ja schon mit der in einer ganz anderen Welt spielenden „Insel" dramatische Qualitäten und psychologisches Verständnis bewiesen hat, hier einen echten Konflikt zwar vielleicht nicht zu lösen, aber darzustellen verstanden hat: daß Spiel und Gegenspiel sich in der Tat, so idyllisch es meist zugeht, dramatisch entwickeln, weil Spieler und Gegenspieler in getrennten und im Grunde unüberbrückbaren Sphären leben, denken und handeln. Es ist ein Stück babylonischer Sprachverwirrung, wenn man es recht verstehen will, das sich da vor unseren Augen begibt, das mindestens in seinen Voraussetzungen folgerichtig und unangreifbar ist, und das uns in seinem Ablauf auch auf irgendeine Weise bewegt, mag es uns nun lächerlich, rührend, tragikomisch Vorkommen oder auch nur zum Nachdenken über die Dinge anregen, die hier verhandelt werden ... in einem zwiefachen Sinne, denn es geht ja nicht bloß um den Kattun, der natürlich noch immer genau so solide, so billig und so unmodern ist wie seit geraumer Zeit. — * Es ist das Verdienst der vom Intendanten Schultze-Griesheim in Szene gesetzten Aufführung, daß sie den Beschauer die Auseinandersetzung ganz persönlich mitzuerleben und daran teilzunehmen zwang. Die Regie hat das kleine Welttheater dieses Stückes sauber und scharf, doch ohne fälschende Uebertreibung in seine Bezirke geschieden und diese gegeneinander abgegrenzt; auch die Handelnden in all ihrer schroffen Gegensätzlichkeit und Zweisprachigkeit zu einem geschlossenen Spielkörper zusammengefaßt, so daß die Gewichte und Gegengewichte gerecht verteilt waren. Mit der nämlichen liebevollen Sorgfalt, welche die ganze Inszenierung widerspiegelte, hatte sich Herr Löffler in Aufbau und Ausstattung der biebermeierlidjen Firma samt Laden und „guter Stube" vertieft. * Herr Volck hatte lange nicht eine so ertragreiche und im besten Sinne menschliche Rolle wie hier als alter Kilian: er machte einen Charakter daraus, rund und herzhaft, ein wenig komisch, ein wenig rührend auch, aber noch in seinen Schwächen und Rückständigkeiten von unbezweifelbarer Wirklichkeit und Lebensnähe. Fräulein B i r t m a n n als Gertie aus Neuyork traf mit feinem Gefühl die besondere Mischung von Naivität und Ueberlegen- heit, von fremder Tünche und gutem Kern, von leiser Ironie und unverstellter Herzlichkeit, welche dieses Geschöpf kennzeichnet. * Sehr glaubhaft abgestuft in Wesen und Temperament erschien die mittlere Generation aus USA. Herr Hub mit der rücksichtslosen Betriebsamkeit und brutalen Geschäftlichkeit dessen, der „es geschafft hat" und für sein Geld alles haben zu können glaubt, dabei doch auch zu Zeiten nicht unempfindlich für „altmodische" Gefühlsregungen; eine recht markante Gestalt. Herr Geiger als Johannes daneben viel weicher, viel mehr noch der alten Heimat und der Sphäre des väterlichen Hauses verhaftet. Frau Stirl traf geschickt den oberflächlich-nervösen Parvenütyp der Tochter Dorothea. Auch Frau Schubert-Jüngling fand in der betulich ausgetüftelten Rolle der ehemaligen Erzieherin Minna allerlei Möglichkeiten komischer und rührender Herzensergießung. Sehr hübsch, natür- lich und ungezwungen gaben sich Herr Frick- h o e f f e r als Anwalt, Herr Schorn (Dr. Wehn) und Frl. Gerhardt als das unbekümmert lärmende und kichernde Mädchen Anna. — Es war ein klarer und verdienter Erfolg, der lebhaften Beifall fand. — Im Foyer war wahrend der Pause eine kleine Ausstellung junger Maler zu besichtigen: Aquarelle und Zeichnungen von Elsa Feld (Berlin) und Johannes Thiel (Ebner bei Freiburg). Wir empfehlen die Arbeiten der Aufmerksamkeit, glauben allerdings, daß sie bei natürlichem Licht und in ruhigerer Umgebung eher zur Geltung kommen würden. hth. Oie kleinsten Vögel der Welt. Der Londoner Zoologische Garten erwartet in Msen Tagen höchst interessante Gäste, für deren Empfang große Vorbereitungen getroffen werden mußten: Zwergelfen aus Brasilien, die kleinsten unter den 600 Arten der Kolibris, die kleinsten Vögel in der Welt überhaupt. Noch vor einem Jahr erklärten die leitenden Männer des Zoos, daß sie die Frage nicht lösen könnten, wie diese winzigen Geschöpfe am Leben und bei Gesundheit zu halten seien, die in ihrer Heimat den Honig im Schweben aus den Blüten saugen. Dann wurde ein besonderes Vogelhaus für sie gebaut. Es kann auf 27 Grad Celsius erwärmt werden und beherbergt viele tro- pische Gewächse und Bäume, unter denen die kleinen Kolibris heimisch sind. Um die schwierige Frage der Ernährung zu lösen, wurden Flaschen mit flüssiger Nahrung auf den Zweiaen angebracht. Von nun an verlor der Zoo keines dieser reizenden Lebewesen mehr. Auch die Neuankömmlinge werden sich wohl unter diesen idealen fiebensbcoingungen gut einleben und selbst im kältesten Winter gedeihen. Es ist ein interessanter Anblick, diese winzigen Vogel, die wie große Insekten anmuten, Nahrung ju sich nehmen zu sehen. Sie halten sich schwebend mit schnellem Flügelschlag in der Luft vor einer §ll"er^a^.c' mährend sie ihren langen spitzen Schnabel tief in den engen Flaschenhals tauchen b,e lange Zunge in die flüssige Nahrung vor- schießt. Dann fliegen sie pfeilschnell davon, und nun flattern die Flügel so rasch, daß sie fast unsichtbar werden. Während sie so auf und nieder fliegen, ist es, als ob jemand mit einer Handvoll Edelsteine Fangball spielte, nur daß diese leuchtend farbigen Edelsteine voller Leben und zauberhafter Anmut sind. „ u 4wi$$e. sagt der Prüfungskommissar,„nun wollen wir einmal sehen, wie es um Ihr All, gemeinwissen steht!" Er stellt ein paar Fragen, aber jetzt versagt der Prüfling bei den einfachsten Dingen. Die neuen Gesetze und Verordnungen kennt er nur oberflächlich. Über politische Wandlungen der letzten Zeit, über die Ereignisse In Spa, men, Abessinien oder Griechenland weiß er kaum etwas zu sagen. Wirtschaftliche Fragen sind ihm ein Buch mu sieben Sie, geln. - Der Prüfling fällt durchs Ex, amen! Auf ferne Beschwerde, er hätte das Fachliche doch beherrscht, während die allgemeinen Fragen im Umerricht gar nicht behandelt worden seien, bekam er zur Antwort: „Darüber weiß doch heutzutage tedes Kind Bescheid, das sieht ja jeden Tag ausführlich in der Zeitung!" JaracA,4*r sicZ, tue*4i* u*a*v ke**iß «U—»K,. macht gegeben, wobei nicht außer acht gelassen werden darf, was das für einen Entschluß der Zweibundmächte zum Kriege bedeutete, denn gerade die schlechte Verbindungsmöglichkeit zwischen Rußland und Frankreich in Kriegszeiten hatte bei allen früheren Generalstabsbesprechungen die Hauptsorge gebildet. Diese Sorge war behoben." Auch auf dem dornigen Gebiet des russischen Eisenbahnbau e s wurden nun, durch den Abschluß einer neuen großen Anleihe Rußlands in Frankreich in Höhe von 2,5 Milliarden Francs, bedeutende Fortschritte erzielt. Der Weltkrieg hat die russischfranzösischen Finanzpläne dann nicht zur Auswirkung kommen lassen, und gerade Rußland war es, das durch seine Gesamtmobilmachung von Heer und Flotte am 30. Juli 1914 den Mechanismus der Bündnisse, Ententen und Generalstabsabmachungen auslöste. „Wer ohne Voreingenommenheit auf die stanko-russischen Generalstabsbesprechungen von 1892 bis 1913 und auf die Marinekonoention vom 16. Juli 1912 zurückblickt, kann sich der Ueberzeu- gung nicht verschließen, daß in diesen Besprechungen für Deutschland bei seiner gefährdeten geopoliLetzte Erntetage. Von Karl Benno von Mechow. Roch in den letzten Erntetagen des Roggeneinfahrens begannen die Maschinen, die Gerste abzumähen und dann gleich anschließend den Hafer. Die Gerste wurde gar nicht erst aufgestellt, sondern aus breiten Schwaden in dicke Gebunde zusammengenommen und gleich auf den hinterdrein fahrenden Wagen geladen. Der Hafer stand in ganz kleinen Stiegen, die nicht höher waren als die niedrigen Borstenhindernisse einer Reitschule für Anfänger, über die man auch zu Fuß mit geringem Anlauf leicht hinwegspringen konnte, — was öfters geübt wurde. Es sah kläglich aus, und das Abräumen dieser Sommersrucht ging allzu schnell vonstatten. Die Lupinenfelder hatten ihr herrlich gelbes Blühen bis weit in den August hinein ausgedehnt und schienen nicht von ihrer Pracht lassen zu wollen. Die ganze Sommerluft war von ihrem süßen Blütenatem erfüllt, und der Abendwind wehte ihn weit über das Dorf hin und zu den Fenstern hinein. Er brachte auch schon zuweilen ein herbstliches Schaudern mit und die leisen Vorboten einer Sommerwende. Aus den Wiesen stiegen Dämpfe ins Mondlicht hinauf und breiteten sich empfindlich kühl über die Niederungen. In schier grenzenlose Weiten dehnten sich die kahlen Stoppelfelder, und mit ihrem Erscheinen war das Land von der so gewaltsamen Einteilung in regelmäßige Felder mit unnatürlich geraden Grenzen nahezu befreit. Im dichten Schilf des Seeufers plätscherten leise die kleinen Wellen, die der Nachtwind ans Ufer drängte. Das eifrige Geschnatter des Rohrschwätzers, der den ganzen Tag lang munter gewesen war, ließ sich auch nur noch selten hören. Statt dessen quarrten von überall her, aus allen Teichen und Pfuhlen auf den Feldern und in den stillen Seewinkeln die Frösche im Chor. Eine süße, schwermütige Verzauberung legte sich über das Land, dessen allzu strenge Kargheiten der silberne Mond mit weicher Güte überstrahlte und dem nüchternen mittäglichen Ausdruck entrückte. Die Wohlgerüche der Nachtblumen und des welkenden Heus der zweiten Ernte — der leise Derwesungsduft mächtiger Gewächse an den feuchten Ufern vermischten sich mit dem überall hindringenden Duft der Lupinen zu einem trunken machenden Atem der Nacht. Und durch die duftende Stille und Einsamkeit ging oft kein anderer Laut als der von unten nach oben hinziehende Ruf des großen Brachvogels, als wolle oer in Tönen laut werden lassen, was Farbe und Pinie den Augen, was der betäubende Duft dem Geruchsinn vermittelten. tischen Lage Im Innern Europas eine außergewöhnlich schwere Bedrohung gelegen hat". So faßt Schwertfeger zusammen. Die Kriegsoorbereitungen Frankreichs und Ruß- lanvs vor 1914 waren völlig auf Deutschland abgestellt. Das deutsche Memorandum vom 7. März 1936 sagt: „Es ist unbestritten, daß sich der französisch-sowjetrussische Vertrag ausschließlich gegen Deutschland richtet". Die neuen Generalstabsbesprechungen zwischen Frankreich und der Großmacht, die eingestandenermaßen die Weltrevolution anstrebt, setzen das Verfahren der Vorkriegszeit fort. Sie bedeuten also für Deutschland die gleiche Gefahr, ja, sie bedeuten eine noch vielfach größere Gefahr, denn die Gestaltung der staatlichen Grenzen im osteuropäischen Raum durch Versailles (die Abtrennung Ostpreu- ß e n s vom Reich und die Schaffung der neuerdings ebenfalls mit Moskau verbündeten T f ch e choslo- w a k e i) hat Deutschlands Lage gegen früher erheblich verschlechtert. Die Kenntnis der gemeinsamen franko-russischen Generalstabsarbeit vor dem Weltkrieg liefert der Haltung der neuen Außenpolitik Deutschlands wichtige neue Grundlagen. Der neue Beistandspakt zwischen Paris und Moskau hat dem Locarno-Abkommen von 1925 tatsächlich den letzten Sinn genommen. Besinnliche Weltreise. Von unserem E. M.-Sonderberichterstatier. ix. Eindrücke auf Sumatra. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Padang, im August 1936. Mit einem Ruck hielt plötzlich das Auto und neben mir fragte jemand: „Ziege oder Huhn?" Die Frage war berechtigt, denn insgesamt fünf dieser Tiere hatten wir seit Medan schon erlegt. Wir lehnten uns also pflichtschuldigst aus dem Wagen heraus. Nichts war zu sehen als ein gestikulierender Chauffeur, der mit „di kanan toewan“ — rechts, Herr —auf eine hohe weiße Säule zeigte. Die Aequatorsäule! Richtig, die hatten wir ja ganz vergessen. „Jetzt werden wir also langsam Antipoden", lautete die Frage, die gewissermaßen als Kommentar zu einem Spaziergang über den Aequator an mich gerichtet wurde. „Sehr langsam, denn bis Neuseeland ist noch ein weiter Weg!" antwortete ich allwissend. Kaum zwei Stunden später sollte ich aber darüber belehrt werden, wie schnell die Welt Kopf stehen kann. Zu diesem Zeitpunkt waren wir nämlich in Fort de Kock, dem Ferienort fast aller Europäer an der Westküste von Sumatra. Die Stadt liegt 900 Meter hoch zwischen den gewaltigen Vulkanen Merapi, dem Berg des Feuers, und dem S i n g a l a n g, die ehedem diese ganze Landschaft wild zerrissen haben und zwei traumhafte Seen von gewaltigen Ausmaßen, die von Manindjau und Singkarak hinterlassen haben. In der Stadt selber liegt das imposante K a r b a u e n a a t, riesige Canons, die unmittelbar von der Straße senkrecht 125 Meter in das Flußbett klarer Gebirgsbäche hinabfallen. Schön und kühl genug ist es hier, man braucht des Nachts sogar wieder Wolldecken, um Wochen bleiben zu können. Wir erreichen den Ort gerade zur Mittagszeit. Als wir im Speisesaal des Hotels erschienen, trafen uns mißbilligende Blicke. Ich konnte mir zunächst gar keinen Vers darauf machen und stutzte erst, als sich auf meinen Ruf „Boy" niemand meldete, obwohl der Saal von malayischen Bedienten nur so wimmelte. Ein Herr grinste mich schadenfroh an und rief dann laut und provozierend: „Djongos", ein Ruf, auf den hin sofort Bewegung unter den Malayen entstand. Ich musterte mein Gegenüber etwas genauer: Ein schmaler, schwarzhaariger Mann, der unverkennbar stark östliche Züge zeigte, ein I n d o - europäer. Es waren im Saal noch zahlreiche andere Rassegenossen anwesend. Urplötzlich tauchte vor mir die Aequatorsäule wieder auf. Ich begriff auf einmal, daß sie mehr als ein geographischer Punkt ist. Es wurde mir klar, daß sie Welten trennt. Nördlich von ihr herrscht englische Lebensweise und Einstellung vor. Dort sprechen die Europäer ganz offen von Halfcasts oder Gemengten, Wörter, die südlich von ihr, vor allem in Java, beleidigend sind. Hier kommt es häufig genug vor, daß die Jndoeuropäer die höchsten Stellen am Platze einnehmen, dort sind sie auch gesellschaftlich gemieden. Wie ist das möglich? Nun, die Westküste Sumatras ist wie Südsumatra und Java altes holländisches Kolonialland, während nördlich vom Aequator moderne, kaum fünfzigjährige Grohplantagenwirtschast vorherrscht, die noch dazu das englische Singapurs als Nachbarn und nur mit zugewanderten Kulis zu tun hat. Die Mischungen zwischen weiß und braun stammen fast ausnahmslos aus der alten Kolonialzeit, in der die europäische Frau nur ein Durchschnittsalter von knapp dreißig Jahren erreichte, was man auf dem Friedhof von Batavia immer wieder erschüttert feststellen muß. Hat ipan all diese Eindrücke schon in dem relativ neuen Fort de Kock, so zerstreut die nur rund 100 Kilometer von hier entfernt liegende Hauptstadt Padang den letzten Zweifel, daß man südlich vom Aequator ein anderes Land betreten hat. Ich wanderte eines Morgens über die Handelskade dieses Hafenplatzes. Dort bot sich mir ein überraschendes Bild. Die Straße zeigte eine nur lose zusammenhängende Front. Im wesentlichen besteht sie aus kleinen weißgestrichenen Häusern. Unmittelbar neben der asphaltierten Straße ziehen sich die Gleise der Eisenbahn entlang. Die andere Seite der Straße ist Flußufer mit einem breiten Grasstreifen davor. Vergeblich suchte ich nach modernen Schiffen, Lastautos, Kränen und was sonst noch zu den Häfen unserer Zeit gehört. Auf dem Fluß lagen nur malayische Hochseesegler, keine Diermastbarken, sondern einmastige Schoner. Sie kommen von den Inseln und bringen Kopra, Rotang und andere Produkte der Wälder. Neben den Schienen standen endlose Reihen von zweirädrigen Ochsenkarren, die aus dem Innern des Landes gekommen waren. Sie waren auHgeschirrt und die Karbauen mit ihren pflugschargroßen Hörnern grasten friedlich auf der Handelskade. Zwischen den Schienen lag Kopra und Rotang zum Trocknen in der Sonne; unter einem Baum flochten malayische Seefahrer Schiffstaue aus Pflanzenbast. Hier schienen die Jahrhunderte spurlos Darüber» gegangen zu sein. So wie heute handelten sicher auch die ersten Holländer, die sich an der Westküste von Sumatra niedergelassen haben. Nur ist an die Stelle von Tuch, Spiegeln und anderen den Bewohnern des Landes damals unbekannt gebliebenen Gegenständen das Geld getreten. Das alte Verhältnis zwischen den Europäern und den Minangia- bauern, wie die Malayen hier heißen, hat sich erhalten. „Ich muß auch einmal über dem Weltmarktpreis einkaufen können", sagte mir der nach Ansicht Padangs erfolgreichste Kaufmann der Stadt, der ein Deutscher ist. „Die Menschen leiden hier sehr unter der Krise, und das wichtigste ist, daß man ihnen auch bei geringen Preisen das Gefühl der sicheren Einnahme gibt." Die Verdienste sind gering. So erzielen die Minangkabauer für 60 Kilogramm (ein Pikol) Kaffee 10 bis 11 Mark! Die Kopraverdienste zählen nach Gulden für die Tonne und es ist ein Glück, daß auch der Reis der besten Sorte nicht mehr als 5 Pfennig das Pfund kostet. Trotzdem rechnet man in den hiesigen Handelskreisen mit der Ausfuhr von einer Million Gulden an Gold zum Ausgleich der kaum noch einzuschränkenden Bedürfnisse der Bevölkerung, obwohl diese längst wieder in verstärktem Maße zur Heimarbeit zurückgekehrt ist. Das ist wenigstens ein Glück, denn die Minangkabauer waren einstmals berühmt wegen ihrer Handwerkskunst. Man muh sich die alten Silberund Goldschmiedearbeiten, die geschmackvollen We- Jn diesem dreifachen Bemühen drang die Nacht in das empfängliche Menschenherz, öffnete es und legte die Seele bloß. Das Geschenk. Von 3- H Nösler. Mit einem Geschenk ist es ein eigenes Ding: Es gibt Geschenke aus dem vollen Herzen, Geschenke aus der leichten Hand, es aibt Geschenke, die man gern macht, und es gibt Geschenke, die man machen muß. Bruno Bauer muß ein Geschenk machen. Seinem Wohnungsnachbarn zum fünsundzwanzigstsn Hochzeitstag. Wenn es nach Bruno Bauer ginge, pfiffe er dem Nachbarn lieber eins. Denn erstens haben sie sich nie sonderlich gut vertragen, zweitens war immer der Krach, wer das Licht im Keller hatte brennen lassen ober wer von den Frauen das Waschhaus vorher benutzen durfte, und drittens war Bruno Bauer überhaupt kein Freund von Geschenken. Aber was blieb ihm übrig? Das Geschenk mußte gemacht werden. Nun kam es nur noch darauf an, daß es nach viel aussah und nicht viel kostete. Wer kennt diesen Wunsch nicht? In solchen Fällen kauft man bann meistens eine Kristallvase. Die sieht teurer aus, als sie ist, macht ein großes Paket, wird besonders gut verpackt und — wie gesagt — macht eben etwas her. So dachte auch Bruno Bauer, unö er dachte recht daran. Bruno Bauer betrat einen Kristallwarenlaben. „Was kostet denn das? Was kostet denn dies? Oder jenes?" Während Bruno Bauer baftanb und mit feinem Geiz kämpfte, fiel ihm ein Haufen Scherben in bie Augen. Nicht daß ihm eine Vase von oben herab ins Auge gefallen wäre, fonbern fein Blick fiel nach unten in eine Ecke, unb bort lagen sie, eine Menge schöner Kristallscherben. „Was ist denn bas?" fragte Bruno Rauer. Der Inhaber bes Kristallwarenladens sagte betrübt: „Eine große Vase ist uns gestern zerbrochen!" „Da werben Sie vielleicht einen schönen Schreck gekriegt haben", meinte Bruno Bauer, „war die Vase sehr teuer?" „Fünfundzwanzig Mark." „Fünfundzwanzig Mark? Eine Masse Geld! Und was machen Sie denn nun mit den Scherben?" „Wegwerfen natürlich!" Bruno Bauer stand eine Weile stumm. „Könnte ich sie nicht —", fragte er dann und es war ihm ein wenig peinlich, „ich meine, wenn Sie sie sowieso nicht brauchen, würden Sie sie mir schenken?" „Schenken?" „Ja. Umsonst. Sie nützen Ihnen doch nichts mehr." „Aber gern." Bruno Bauer ist entzückt. Bruno Bauer drückt dem Kaufmann die Hand. „Ich kaufe auch etwas anderes. Meine Frau braucht ein kleines Senfnäpfchen. Aber Sie müssen mir dafür die zerbrochene Vase für fünfundzwanzig Mark besonders schön einpacken und an diese Adresse senden." „Aber gern. Noch heute?" „Noch heute." Bruno Bauer ist seines Einfalles mächtig froh. Sein Nachbar wird das Geschenk mit Bruno Bauers Visitenkarte bekommen unb wirb glauben, die teure Vase sei auf bem Transport zerbrochen. Er wird sich aber genieren, dem noblen Spenber etwas von bem Unglück zu erzählen. Denn wenn schon einer für einen so viel Geld ausgibt, bann barf man ihn nicht betrüben. Das verlangt ber Takt unb das verlangt der Anstand. Am nächsten Morgen läutet Bruno Bauer an bes Nachbarn Türe. Er möchte noch einmal persönlich seine Glückwünsche aussprechen, die er gestern mit einer kleinen Aufmerksamkeit — Der Beschenkte schüttelt Bruno Bauer herzlich die Hand. „Herzlichen Dank, recht herzlichen Dank." „Hat Ihnen die Vase gefallen?" fragt Bruno Bauer scheinheilig. Der andere nickt: „Sehr. Nur eine Frage, mein lieber Herr Bauer: Warum haben Sie eigentlich jede Scherbe einzeln in Papier packen lassen?" Bad-Nanheimer Musikfest 1936. Das dieser Tage veranstaltete Bad-Nauheimer Musikfest 1936 war von dem Ringen deutscher Komponisten um eine neue Gestaltungsform getragen. Ein aus vier Sätzen bestehendes Streichquartett von Johann Friedrich Hoff verriet architektonische Geschlossenheit und Klarheit. Max Zipperers Sonate für Klavier und Violine ist in ihrer lebendigen Improvisation von frischer Wirkung. In drei Gesängen nach Versen von Hölderlin für mittlere Stimme, Klarinette und Harfe von Alfred v. Beckerath verbindet der Komponist zwar öfter gehaltvolle Formen mit etwa schwächeren, aber bas Ganze trägt auch eigengeprägte Züge, bie es hörenswert machen. Bruno Stürmer ist ein stark impulsiver Musiker, bas zeigte ein Concertino für zwei Klaviere, ein färben» schillernbes Spiel mit Tönen, bas ein gutes pia- bereien und die schön geschwungenen Häuser einmal ansehen, um zu begreifen, was hier unterzugehen drohte. Es wird noch lange dauern, ehe ber falsch verstandene europäische Einfluß wieder vek- schwanden ist: die Wellblechdächer, die Ersatzdecken, die Gold und Silber nur noch vortäuschen, aus denen sie einmal gewebt waren, und die modernen Silberarbeiten, die das Städtchen Kota Gadang heute anbietet. Merkwürdigerweise hat Padang selbst in den letzten vier Jahren der hoffentlich nur eine Episode vorstellenben Krise weitere Anstrengungen zur Modernisierung gemacht. Schabe, es wirkte damals noch so romantisch mit seinen auf Pfählen gebauten, vor vielen Jahren Schutz gegen Tiere unb lieber» schwemmungen bietenben Holzhäusern. Diesmal fuhr ich sogar am Hause eines Bekannten vorbei, der sich eine zwar wunderschöne, aber moderne Villa an Stelle des blättergedeckten Hauses gebaut hatte. In ber Stabt sinb ihm andere und auch ein imposantes neuzeitliches Rathaus gefolgt. Man sagt, daß bie Stobt sich in ber Hoffnung Gouvernements- Hauptstadt von Sumatra zu werden, umgestellt habe. Aber bie Anstrengungen sollen vergeblich sein gegenüber Medan, das nie anders als modern war, riesige Mengen an tropischen Erzeugnissen ausführt und an der großen Schiffahrtslinie nach China und Japan liegt. Umsonst verweisen hier bie Menschen auf bie Solbatengräber, bie halb von ben Wassern ber Sübsee umspült sein werden, weil die Küste Westsumatras abbröckelt — man hört den Donner ber Brandung des Nachts bis in die Stadt hinein. Sie sind Zeuge dafür, baß man ehemals um diese Länder kämpfte und nicht um die Sümpfe Medans. Die Zeit hat das längst vergessen. Heute zählen die geschichtlichen Erinnerungen nicht mehr. Es geht um das Ganze und dafür kann Padang nur einen bescheidenen materiellen Beitrag geben. Ich bin lieber in Padang und feinem Hinterland als in Medan. Nie kann das Auge hier ermüden wie an der Ostküste, wo man nur auf Gummi» bäume, Delpalmen unb Tabak sieht, während an ber Westküste gewaltige Vulkane, einsame Pässe, riesige Seen, R i v i e r a k ü st e, Hitze und Kühle wechseln. Sicher werden kommende Generationen einmal ebenso denken und finden, daß sich Größe nicht mit Millionen von Schiffahrtstonnen deckt. Man wird an ber Westküste bie eigenen Grenzen erkennen lernen unb zufriedener leben alls je zuvor. „Man muß ben Menschen ihre Sicherheit geben", so sagte jener Deutsche, und das ist das Geheimnis hier, das noch entdeckt werden muß. Die Verteidigung der Philippinen Bisher war die militärische Sicherung der Philippinen Aufgabe der Vereinigten Staaten. Aber in USA. huldigte man schon lange der Ansicht, daß es bei einem Zusammenprall mit Japan unendlich schwer sein würde, diese Inseln zu halten. Sie sind auch mehr als einmal eine Mausefalle für die hier stationierten amerikanischen Kriegsschiffe bezeichnet worden. Denn jede vom amerikanischen Festland kommende Hilfe für das Philippinen-Geschwader müßte sich erst durch die Südsee Vorarbeiten und eine ganze Reihe japanischer Riegelstellungen passieren. Aber was gestern strategisch unvorteilhaft erschien, wird vielleicht morgen in den Vereinigten Staaten mit ganz anderen Blicken angesehen. Denn vorläufig haben die Amerikaner ihre Flottenbasis auf den Philippinen keineswegs zur Auflösung verurteilt, wenn auch die uneingeschränkte Unabhängigkeit 1944 vollzogen sein soll und inzwischen bereits bie Selbstverwaltung der Philippiners kaum noch nennenswerten Einschränkungen unterworfen ist. Diese Selbstverwaltung hat es mit sich gebracht, daß bie Philippinen nun auch aus eigenen Mitteln für ihren militärischen Schutz zu sorgen haben. Das hat für sie mancherlei finanzielle Belastungen im Gefolge gehabt, bereu Notwenbigkeit nicht bestritten wird. Denn niemand ist sich im unklaren darüber, daß es nur ein Volk gibt, das der neugewonnenen philippinischen Unabhängigkeit unter Umständen gefährlich werden könnte, und daß dieses nistisches Vermögen voraussetzt. Interessant war die Begegnung mit Karl Höller, dessen Quartett für Klavier, Violine, Bratsche und Violoncello von einem starken Hauch des Neuen und Problematischen umweht war. Vor allem werden in den beiden eine Verbindung von tänzerischer und figurierter Form darstellenden Außensätzen romanttsche Stimmungen mit modernen harmonischen Mitteln erzielt. Oscar H i e g e ließ mit fünf Stücken für Klavier zu zwei Händen eine beachtenswerte Inspiration erkennen. Ein Nachtstück und eine Romanze zeigten gesunde und solide Arbeit. Hans Fleischer drückte in einer mit schöner rhythmischer Vitalität gestalteten Sonate für Viola unb Klavier echtes musikalisches Empfinden aus. Hermann Ungers Versuche, in feinen Kammervariationen über ein eigenes Thema für zwei Klaviere die Verschiedenheit der beiden Spieler und Instrumente zu einer dialogischen Ausdrucksform zu verwenden, kann man als gelungen bezeichnen. In dem Streichquartett d-moll „Welt über Wolken" will Hermann E r d l e n mit realistischen Wirkungen ein musikalisches Erlebnis bei den Hörern erzielen. Die von wirksamen technischen Einfällen zeugende Musik ist durchaus interessant. In bem von Generalmusikdirektor Walter Stover geleiteten Kammer « Orchester - Konzert horte man zunächst eine Suite für Streichorchester von Emil Peeters, die klar und fortschrittlich disponiert ist. Nach den gut gearbeiteten, steilich manchmal etwas farblos erscheinenden Variationen über ein Menuett von Beethooen zeigte Cesar Bresqens Concerto großo für konzertante Flöte, Oboe, Trompete, Geige und Orchester die beste kompositorische Leistung des Abends. In diesem an Bach orientierten, thematisch glänzend durchgearbeiteten Werk bricht auch der Geist eigenen schöpferischen Strebens durch. Drei Gedichte von Carl Hauptmann waren der Vorwurf zu Liedern für Frauenstimme und Orchester von Ludwig L ü r m a n n , die zwar nicht neue Wege suchen, aber ganz gefällig sind. Den Abschluß bildete Ernst Gernot Klußmanns aus sinfonischen Vorspielen zum ersten, zweiten, dritten unb fünften Auszug der Goetheschen „Iphigenie" bestehende Musik. Mitwirkende waren das Kammerorchester des Hessischen Staatsbades unter Leitung von Generalmusikdirektor Walter Stover, das Lenzewski- Quartett Frankfurt. Henny Schmidt, Frankfurt (Mezzosopran), Elisabeth Kramer, Darmstadt (Violine unb Viola), Rose Stein, Frankfurt (Harfe), Georg Kuhlmann und Erich Flinsch, beide Frankfurt, Hans Fleischer, Wiesbaden, Max Zipperer, Heilbronn (alle Klavier), und Eduard L i e b h o l d, Frankfurt (Klarinette.). L. W i I K j il'f ........ WWM 111 fin ■ M -Ar-M- siMBr < WWW K |, V M >az7 E E 1 ” U -L/ KS « W D < ■■ i M kommm achtens! einmal' K XCs ;.W? mmm) MA ?^; M^M-1 LORENZ^ r v 8 < • '■ x W; . M Äx«rMs^M)U $ war artett । von ema* den en lip- en. An- ipan Hal. lufe* egs- rifa» lüip* 5üt>. scher l'tra« rgen ieren lme- 'nen uef) dqV >rtin iincr« hilip' i für itteln n sur e In- e 9to* Hans ythmx 2 unö . Her- naria* aoiers nstru' i oer» ibern jjiu ■n ein 2. Die > Mu« ovek > IN°N ' poniert der e>n sfl^5 5roM' itorW orie"' „ ®e(l „titH m«*“ tffin"118, ,h. »* i« o“s »ritf'Ü iS«’’" v. Gärtner. Liebigstrahe 41 PreisRM.6- Telephon 2802 Vogtsche Privot-Handelsschule Gießen, Goethesfr.32 Generalvertretung; 6OT8a H. Wagener, Gießen Frankfurter Straße45 -Huf tiSO Samstag, den26.Sevtember 1936 Winzerfest Anfang 8 Uhr Sonntag, den 27.Sevtember 1936 Nachfeier he* Wein und Tanz im (Bollöous .Zur deuilflien ßidje“ Siein-Einoen M27A Prächtige Herbstfahrten im Luxusautobus der „Rheinland"-Autobus-Gesellschaft Wiesbaden Wien-Budapest 3.-11. Okt. (9 Tage) RM. 158.96 Venedig, Meran, Gardasee 10.-19. Okt. ! 10 Tage» RM. 125.00 Bayrische Alpen und Seen, München 6OI7A 10.-17. Okt. (8 Tage» RM. 69.50 Hapag-Reisebüro Dr. Kreger, Gieße« SelterSwesLg DekephonLSSb „0 Der Verfasser, Hauptschriftleiter des „Me- meler Dampfbootes", ist in seiner Heimat besannt als ein ausgezeichneter Elchkenner. Sein Leben lang hat er dieses urwüchsige Tier der heimischen Landschaft auf der Ku- rischen Nehrung beobachtet und bietet nun aus seiner umfangreichen Lichtbildsammluug die schönsten Ergebnisse seiner jahrzehntelangen namerajagd in einer überraschenden « Vielseitigkeit. Martin Kakies hat wirklich das Intimste aus dem Leben der Elche zu allen Jahreszeiten mit seinem Iau- .hasten belauscht und kann uns nun so Jiemltd) alle Geschehnisse aus dem Elchgebiet Zwischen Meer und Memel in ganz ausge- zeichneten Lichtb'ldreihen vor Augen führen. m. «aber »ich, nur einer unserer besten ^lIbner' ländern auch ein außer, b-gc-bter Schriftsteller ist, der seine Erlebnisse spannend und unterhaltsam zu Mri$‘?larod^rolrb bie Freude am Deslh dieses schönen Buches verdoppeln. Alle Iügsr und Freunde der Natur müssen dieses schöne «Ichduch besitzen. Bestellungen nehmen alle Buchhandlungen und der Verlag entgegen. Hugo Bermühler Verlag Berttn-Lichterfelde Heute und morgen: Rheinische Stimmung zum Paten wein! 04391 Franz Soldan. Hg HM zwar find. Den wird planvoll, Stock für Stock, Zie»a nNS aus renoviert.. U n d Du??.. 2BenLprl / der Höhe" bist, bann mußt Du fyst^ ' . 1 . und nach, aus Deinem Körper eia l-dphlgeme Möbel Schöne Form Reiche Auswahl Niedrige Preise Treffer Möbelfabrik u. Einrichtungshaus Frankfurt a. M. Gr. Friedbergerstr. 33 ßleyle-JäckcheD i. d. Marb. Str. verloren. Abzugeb. [04405 Wiefeck, Gieh. Str. 166. Illlllllllllllllllllllllllllll Druckschriften In gefalzten Bogen In Heftform und gebunden klar In der Schrift, übersichtlich angeordnet und sorgfältig gedruckt, dienen den Belangen von Handel und Verkehr,Industrie und Gewerbe, Behörden, Landwirtschaft und Vereinigungen. Lieferung schnell,gut und preiswert durch Brühl’sche Druckerei Schulstr. 7. Ruf 2251 Illlllllllllllllllllllllllllll Vereine Ein herrliches Sommerbuch voll spannender Erlebnisse Elche zwischen Meer und Memel von Martin Kakies Insgesamt 120 Seiten mit 82 hervorragenden Naturaufnahmen des Verfassers auf 56 Kunstdruck'aseln. In Leinen gebunden RM. 3,6r». Aus dem Inhalt: Parade im Frühling- Ein Elchkalb torkelt ins Leben —Im Sommerglühen — Elk, der Schaufler vom Meer — Die hohe Zeit — Der Kapitalschaufler von Helenawerder - Der Starke und der Dolch, endige-Auf der Hochdüne-Elche im Schnee. Tanzunterricht Ab Montag, den 5. Oktober beginnen folgende Kurse: zzu d Abendkursus Schülerkursus Ehepaarkursus Fortschrittkursus Einzelstunden jederzeit Anmeldungen und Auskunft erbeten Tanzschule Bäulke Wolfstraße 31 Ruf 3835 ew* -s-E 6® Wanzen u. jedes Ungeziefer vertilgt gewissenhaft und diskret u. schriftlicher Garantie Schomber Kammerjäger u. Desinfektor, 04423 Gießen, Kirchstratze 26. Beh.Dankschreib. Herzlichen Glückwunsch ^achveUtänd. in Gerrchts- mein lieber »Licht«! angelegenheiten. »Sdiatten« wundert sich mit Recht Htjtlf 01* über die niedlichen Photos, die M/llllCl* »Licht« mit der neuen Kodak-Box für 5 Mark gemacht hat Tll■ Tll IIr lll Das ist eine Kamera für den An- länger, mit der er bestimmt gute in bester Qualit. Bilder erzielt. liefert [04415 Hanau am Main, Postfach Wesbaven, Unverb. Vorführung in asten med. Hachgeschästen,.ASS und Siemens Ileiniaer^^' TUn& Bekanntmachung. Betr.: Bebauungsplan über das Gebiet zwischen der Eisenbahn Gießen—Fulda, dem Alten Steinbacher Weg und dem Alten Friedhof. Die Ratsherren der Stadt Gießen haben in der Sitzung vom 10. August 1936 dem vorgelegten Bebauungsplan für das Gebiet zwischen der Eisenbahn Gießen—Fulda, dem Alten Steinbacher Weg und dem Alten Friedhof am Nahrungsberg sowie der zugehörigen Ortsbausatzung zugestimmt. Der Plan sowie die Ortsbausatzung liegen in der Zeit vom 1. bis 15. Oktober 1936 beim Städtischen Hoch- und Tiefbauamt, Asterweg 9, während der üblichen Dienststunden zur Einsicht offen. Einwendungen gegen den Plan oder die Ortsbausatzung sind beim Städtischen Hoch- und Tiesbauamt innerhalb der Offenlegungsfrist schriftlich oder zu Protokoll vorzubringen. 6000C Gießen, den 23. September 1936. Der Oberbürgermeister. I.V.: Dr. Hamm, Bürgermeister. Bekanntmachung. Dienstag, den 29. September 1936, findet in Gießen Rindvieh- (Nutzvieh-) Markt statt. Auftriebszeit von 7.30 bis 8.30 Uhr vormittags. Sämtliches Vieh wird gegen Maul- und Klauenseuche schutzgeimpft. 5999C Nächster Schweinemarkt: Mittwoch, den 28. Oktober 1936. Gießen, den 26. September 1936. Der Oberbürgermeister. 3. 23.: Sudheimer, Beigeordneter. Bekanntmachung. Dienststunden bei den städtischen Dienststellen. Mit Wirkung vom 1. Oktober 1936 ab sind die Dienststunden für die städtischen Aemter bis auf weiteres von 5995C 8 bis 13 Uhr und 14^ bis 18 Uhr, Samstags von 8 bis 13 Uhr festgesetzt worden. Die Sprechstunden bei den Dienststellen sind von 8 bis 12 Uhr. Gießen, den 23. September 1936. Der Oberbürgermeister: Ritter. _______________ —,, Frankfurt Strahlen u. der menschl.Körper" Iotoi7)nrmffnh* d-sc „Engadino Creme" sendet Mantel mit pei. 64 56 48 45. 39,50 29.75 »•eenmiotei aummitr, le-7S 15.75 10.90 °M?prä9n 38.- 29.75 Frauenmantel 64.- 52.— 46 - 39.50 66.- 29.75 26.50 &G. Ht.22b Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)Zamsiag, 26. September 1936 Lunge deutsche Nation. Zwei Zungen und eine Zeitungsnachricht. „Das Steigenlassen von Drachen auf den Feldern der Umgebung ist wegen der Nähe des Flughafens künftig nicht mehr gestattet und wird unter'Strafe genommen!" Da stand es schwarz auf weiß an auffallender Stelle im Lokalteil der Tageszeitung, rücksichtslos war das Todesurteil über die letzten papiernen Nachkommen der vorsintflutlichen Sagentiere veröffentlicht, schonungslos sollten von heute auf morgen die letzten Zeugen der „Lufteroberung" aus Großvaters Zeiten dem beinahe unheimlichen Luftverkehrsnetz weichen. „Ha", lachte Bob leicht zweifelnd und dann noch einmal lauter: „Ha, har Hast du das gelesen, Hansi, hat dein tränendes Auge schon den Bockmist wahrgenommen, den man hier verzapft?" Und damit knallte er dem um einige Köpfe kleineren Hansi (wenn man dessen merkwürdiger Kugel mit den beweglichen Wasseräuglein die Ehre der Bezeichnung ,Kopf" widerfahren lassen will), damit knallte er ihm das Blatt hin, knurrend wie ein angeketteter Hofhund. Aber er wartete gar keine Antwort ab (wie hätte sich Hansi auch unterstehen können, ihn in seinen verbitterten Betrachtungen zu stören), Bob war persönlich in seinen Rechten angetastet, der starke Bob, der Schrecken aller kleinen Mädchen und älteren Jungen dieses Straßenbezirkes, hatte einen Schlag bekommen, von dem er sich vorerst gar nicht erholen konnte. Eine Zeitungsnachricht warf ihn glattweg um. Als Außenstehender könnte man das nicht begreifen, wenn man ihn sähe, diesen gefürchteten Kerl mit dem trotz Butter, Schmalz und anderer duftender Pomaden nie sitzenden Haarschopf. Dieses Er, der unbestrittene König der Papierdrachenzunft, war entthront, das war unzweifelhaft. Denn was sollten sie tun? Jeden Nachmittag waren sie bisher auf die große Freifläche draußen im Vorort gezogen, jeder mit seinem Drachen unter dem Arm, großen und kleinen, schwierigen Konstruktionen und solchen, die nur aus vier Leisten, einem Stück bunten Papier und dem langen Schweife bestanden. Und der Herbstwind war durch die Bäume gefahren und hatte in ihr Haar gelangt, die Drachen hatten leise gezittert, als könnten sie ihren Höhenflug kaum erwarten und alles war einfach, nun — einfach herrlich gewesen: der Lauf gegen den Wind, das Hochschießen der Luftvögel und ihr Kampf mit dem Sturm, der sie zu Boden drücken wollte. Und ganz allmählich konnte dann die Schnur abgerollt 'werden, immer schön straff und elastisch, immer mehr, bis sie endlich hoch oben schwebten wie kleine dunkle Punkte, kaum zu erkennen und — ach, viele Häuser hoch. Auf den Rücken konnte man sich legen und sie beobachten. Auch ein wenig einbilden durfte man sich auf die Leistung seines Drachens, denn Bob hatte einige geniale Erfindungen gemacht, die er streng geheimhielt. Zum Beispiel hatte er längst nicht mehr nur eine kümmerliche Schnurrolle, die man in der Hand bebalten mußte, bis sie abgelaufen war, nein, er hatte sich eine „Drehorgel" gebaut, ein phantasti- sches Ding mit einer Kurbel und einer erstaunlichen Schaltoorrichtung. Er war schon „auf Draht", der Bob, das mußte man ihm lassen. Konnte man nicht seine Entrüstung begreiflich finden? Ich denke, ja! Und auch sein Kamerad und treuer Anhänger Hansi fand das und suchte nach einem Ausweg. Tatsächlich, er machte sich ernsthafte Gedanken; ob man es für möglich hält, oder nicht: er machte dabei jedenfalls kein dümmeres Gesicht als der Bob, der ihm gegenübersaß, verdattert und an der Welt verzweifelnd. Die Beschäftigung mit den technischen Verbesserungen an seinem Drachenwunder hatte bestimmt einen großen Teil seines elfjährigen Lause- jungendaseins ausgemacht. Was schon^daraus^her-^ vorgeht, daß fein Vater nicht gerade liebevoll, aber richtig bemerkte: „Wenn er bastelt, kann er wenigstens keine Fenster einschmeißen oder Zöpfe abschneiden!" Doch beide, wie sie da hockten, waren im Augenblick mit ganz anderen Dingen beschäftigt. „Mr müssen was anderes machen, du'" sagte der Kleine, und seine Aeuglein blicken erwartungsvoll auf den, der sonst die Ideen am laufenden Band fabrizierte. Aber genau so hätte er den Roland zu Bremen oder irgendein anderes Steinbild anglotzen können. Dem war nicht mehr zu helfen — so schien es. Und wer weiß, wie mies die ganze Karre gelaufen wäre, wenn nicht unversehens aus dem bewußten Kugelkopf des Hansi ein guter Gedanke gesprungen wäre. Es läuteten keine Glocken bei diesem festlich-seltenen Ereignis, und sogar Bob hatte von der überraschenden Geburt nichts gemerkt. Er sollte aber etwas merken, und zckar in kurzer Zeit — „Das ist der „Bauplan!" erklärte Hansi einige Tage darauf dem gespannt zuhörenden Bob, „Sache, nich?!" „Mensch, soone Sache ist das, eine blödsinnig pfundige Angelegenheit einfach!" Und Bob war gerettet, war befreit durch ein Wort: „M odel l". Daß er nicht früher auf den Gedanken gekommen war, ein Flugmodell zu bauen, war ihm unbegreiflich. Denn was ist ein richtiges, flugfähiges Modell im Vergleich zu einem mühsam geklebten Drachen. Und wenn er es sich richtig überlegte: eigentlich hatte er das Steigenlassen an der Strippe schon längst satt gehabt. Und hier konnte man ganz von vorn anfangen und hier war eg' nicht mehr nur Spielerei, sondern ernsthafte Vorübung. Das sah der Bob sofort und war nun wieder seinem Freund über, der nur an das Spiel gedacht hatte. „So etwas bauen können!" hatte Bob wohl gedacht, wenn er, ganz von fern, ein „richtiges" Flugzeug gesehen hatte. Und jetzt hatte er die Anleitungen wenigst-n« inm re- ernes verkleinerten Bruders jener Flugzeuge, die er so oft bewundert hatte: Unhörbar, mit den bewegungslosen Schwingen eines großen Vogels, zogen die Wolkensegler, die kühnen Segelflieger, über ihm dahin, rätselhaft die Höhe und die Geschwindigkeit und das Fliegen ohne Motor überhaupt. Aber er würde das alles ergründen, alles selbst ausprobieren und kennenlernen! Mit diesem Entschluß stürzte er sich wütend an die Arbeit an seinem Modell, dem ersten! Und es blieb nicht beim ersten, er baute ein zweites, drittes — ganz notgedrungen, weil eines nach dem andern feilt kurzes Leben durch einen „tödlichen" Sturzflug beschloß. Wenn andere sich über ihn lustig machten, gab es eine „Energieverwandlung" oder wie man sonst die übliche Ohrfeige physikalisch einordnen will. Wenn andere begeistert waren über halsbrecherische Loopings und Fallschirmabsprünge, wenn sie staunten über einen nfcuen Rekord auf der Rhön oder eine Neuüberquerung des Atlantik, dann nahm Bob Holz, Leinwand, Kleister und dazu Feile und Säge und ging an die Arbeit — ein neues Modell zu bauen. Es wird im Zimmer von Bob geleimt, geklebt, zusammengepaßt, auseinandergenommen, daß es nur so eine Freude ist! Man schneidet Rippen und Holme zurecht; Geschicklichkeit und Geduld, viel Geduld, gehören zu dieser Bauarbeit. Ganz von vorn müssen sie anfangen: von den Modelltypen aus Papier und Wellpappe, die sich nicht allzu sehr von den seligen Papiertauben unterscheiden,^ über einfache Stabmodelle geht der Weg allmählich zu den schwierigen Modellkonstruktionen, denen man schon einen anständigen Gleitflug zutrauen kann. Und es dauert nicht lange, da bauten auch alle anderen Jungen Modelle und stellten die Drachen in die Ecke. Bob war ihnen aber wieder weit voraus! 1 ü d d e. Wer größte Heitiag oes Zahres. Jungvolk aus dem Beweaungscyor, Der bet Der totaöionrunogeoung vor dem Führer zum Einzug der Bannsahnen aufgeführt wurde. — (Aufnahme: Hülsdell. — Reichsbildstelle der HI.) Der Kochpimps. So'n Bart, werden die meisten sagen. Kennen wir ja lange. Alte Sache! — Da werden ein paar Sterne aufgebaut, ein nasser Finger in die Lust gestreckt, um die Windrichtung festzustellen, möglichst trocke- nes Holz wird rangeschafft, ein bißchen Zeitungs- papier, Streichhölzer: Das Feuer brennt. — Em paar Mann müssen los, Wasser aus dem nächsten Tümpel holen. Einige niedliche Tierchen schwimmen darin. Die werden mitgekocht, geben der ganzen Sache erst die Würze. In die bouillonartige Brühe kommen Haferflocken, Hirse ober was sonst bei Muttern zu finden war. (Die Sage berichtet, daß der Brei auch einmal nicht angebrannt sein soll!) Salz, Zucker und — wenn ein Bauernhof in der Nähe ist _ Milch tut man später dazu. Kommt dann nicht noch irgendwas dazwischen, so hat man sogar Aussicht, etwas zu essen zu kriegen. Doch das nur als Einleitung. Wir wollen ja keine Kochschule aufmachen. Wir wollen von unfern Kochpimpf erzählen. Eigentlich war er ein ziemlich fauler Hund. Ins Jungvolk kam er nur durch einen Zufall. Einer von uns hatte ihn auf der Straße aufgefammett und einfach mitgebracht auf Fahrt — allerdings zu einer Zeit, wo noch nicht so viele organisiert waren. Von da an war er jeden Samstag mit uns draußen. Er stöhnte zwar bei jedem Kilometer über zehn. Er schimpfte auf Gott, die Welt und das Jungvolk, weil ihm das ganze Leben viel zu anstrengend war. Hatten wir dann aber unsere 25 Kilometer hinter uns gebracht, dann lachte er und sagte: „War sauber!" Wir nannten ihn alle Dickus. Wie er eigentlich hieß, das tut ja nichts zur Sache. Und Dickus gewohnte sich schließlich an alles. Die Mühseligkeiten des Jungenlebens erschienen ihm von Tag zu Tag erträglicher. 'Nur an eins konnte er sich nicht gewöhnen: Das Fahrtenessen. Wir kannten in unserer Jungenschaft keine große Kochkultur. Wir kochten uns, um satt zu werden, was wir gerade auftreiben konnten, immer viel und schlecht. Denn wir waren alle der Ansicht, baß ein mieser Nachgeschmack im Munb schneller zu vergessen ist als ein leerer Magen. Dickus war anberer Meinung. Er erklärte, bie Fahrt wäre bie einzige Gelegenheit, bem häuslichen Essenszwang („Das wirb gegessen, sieh boch, Junge, Vater ißt es boch auch!") zu entrinnen. Er hielt uns lange Vorträge, bis uns bas Wasser im Munbe zusammenlief und wir auch Lust bekämen, einmal etwas Besieres zu vertilgen. — So wurde Dickus an einem Heimabend feierlich zum Kochpimpf ernannt. Wir legten alle zusammen; es wurde ein neuer Hordenpott angeschafft, um der Sache von vornherein die richtige Weihe zu geben. Kaum waren wir auf der nächsten Tagesfahrt ein paar Kilometer gelaufen, als uns Dickus schon erklärte, er müßte jetzt anfangen mit Kochen. Wir waren viel zu neugierig, um zu widersprechen. Außerdem pflegen wir immer Hunger zu haben, wenn von Essen geredet wird. Eine Walbwiese mit einem Bach, viel trockenem Holz und Steinen war bald gefunden. Mehr konnten wir wirklich nicht verlangen. Dickus packte schon geheimnisvolle Pakete aus. Nachdem wir kunstvoll eine prächtige Kochstelle erbaut hatten und daneben einen riesigen Stapel Holz, hauten wir ab „in die Gegend". Aus lauter Langeweile machten wir ein Geländespiel. — Nach zwei Stunden fanden wir Dickus noch immer zwischen Tüten, Holz und Koch- geschirren. Das Feuer glühte nur schwach. Merkwürdige Dinge mixte unser Kochpimpf da. Aus den Kochgeschirren roch es mehr geheimnisvoll als schon. „Kann ja noch werden!" dachten wir. In den großen Hordenpott ließ Dickus keinen hineinsehen. Seine Augen strahlten hoffnungsfreudig aus einem völlig schwarzen Gesicht. „Zwei Stunden!" vertröstete er uns. So machten wir einen kleinen Klotz, fraßen einige Kilometer- Gespräch rund um den Hordenpon. Di- abtuenbe G-st° des I°°° . langen Bartes brauchst du erst gar nicht aufzutisch-n, überhaupt hat man ihn schon mittlerwerfe eingefargt den Bar^ Er sei vom vielen Gebrauch derart °.bge°>-ftt daß er zu einem spärlichen und kümmerlichen Härchen zusammengeschrumpelt sei, sagt man. Emen | ns Tod soll er außerdem noch gehabt haben. Gespräche rund um den Hordenpott..... kennen mir, ha, alte Sache und so. Handeln m der Hauptsache von ungebranntem Reis, von dabei 8”bro^e_ neu Fahrtenmessern, von .Aroma oder: »oni einer Brühe, die der Koch — meist sauler °ollgesre,,e ner Wanst - Kasse- nennt weil das ung-sahre Aussehen danach hat, aber nach N°ilchbru^e schmeckt, eventuell sogar nach Tee r echt und n Wirklichkeit Kakao ist. — Kennen wm Wenn es das nicht ist, ist es eben etwas anderes. Och, Mööonsch, was gibt es da für Sachen. Aber h°r mal. Kennst du eigentlich schon die Sache mit dem Mädchen? Mit dem kleinen medlichen Mädchen? Was, die kennst du nicht? Du tennp noch nicht bie Sache mit bem feinen, ZlerUchen Mao- chen, die doch da die tolle Angelegenheit m.t dem Seffek, unserem Fahrtenkoch, hattettt Na, ba paß mal auf: Bei meiner Seligkeit: der S-ss-k hatte mal wie- ber einen phänomenalen Fraß • L sich eigentlich schon von selbst. Gruner S° °t, Kar taneln in Fett unb gebratenes Hammelfleisch. -vas Mm Saint ist Sesseks >moustreibbarer aruner Koller, der sich auch s° intensiv, in se.ne^ Gehirn Du 'das°N°isch^war so° wsig, l° saftig und fo schon k kl« n »f» Rott was baran war, bas konn- test di noch^g-la^g in Sessels lechzenden Bart, slausen Di- Kartosseln hatten ,a ruhig auch noch ihre zwei Stunben kochen können, boch bas ging aus bem kühlen Grunbe nicht, weil auf ber Feuerstelle nur Platz für einen Topf war. Auch muht bu verstehen, baß bas Fleisch schon seit Stunben fertig war, für ben Salat hat ber Seffek nur zwei, brei Minuten gebraucht, unb weshalb sollten wir ba noch so lange warten, bis bie Kartoffeln enblich gar waren? He, warum sollten wir mit rollenbern Maaen bauernb bas Fleisch betrachten? Aber bu willst etwas anberes wissen. Du willst wissen, was bas kleine Mäbchen bei bem ganzen Kram zu tun hat. Nur langsam, bie Sache verhält sich fo:' Wir saßen so ba unb aßen. Die Sonne war hinter eine Wolkenbank geglitscht, als hätte sie ihre Nase voll von unserem Fraß. In ber Ptanne lagen noch zwei Stücke Fleisch, bie bem ©efref unb Quappe gehörten. Ein schönes, stolzes großes unb ein kleines Stück, mehr so ein Fetzen, so ein trauriges Nestchen. Seffek, unser Vielfraß, wollte sich boch einmal von seiner guten Seite zeigen unb reichte bem Quappe bie Pfanne herüber: „Nimm man zuerst, Quappe, bas Alter geht vor!" — „Och nee, banke", meinte ber, „brück bu ben Esel, Vater?" — „Nöhnöh, kommt nicht in Frage, ich weiß boch, was Anstanb ist." Aha, also ba hinaus wollte er. Der Quappe we- bclte freunblich mit seinen sünbhaft großen Ohren, bie bei uns ben Einbruck erweckten, als höre er ununterbrochen bas Gras wachsen, unb nimmt — bas größere Stück. Ohne mit ber Wimper zu zucken. Da fährt ber Seffek auch schon hoch: „Mensch, seht ihr, keinen Anstanb hat er, erst lasse ich ihm sogar bie Wahl, bin so anftänbig, unb ba... ba—!" „Na unb? bu oller Freßsack?! Was hottest bu genommen?" will Quavve wissen. „Wer? Ich? Ich, na, ich Hätte boch selbstverstänblich bas kleine genommen’" Quappe lachte los: „Ja M-nsch, bann Halt auch betne ausgefranste Klappe. Du Hast es boch?" Das Hat bem Seftek mächtig gefuchst. Er ißt schweigenb unb schluckt neb-n bem Fetzen Fleisch auch seine Wut herunter. Man veräppelt ihn ein bißchen unb als ber Quappe ihn fragt: „Haste schon mal so'n kleinen Schutzmann gesehen?", babei mit Daumen unb gekrümmten Zeigefinger bte Größe bes Fleischrestes anzeigt, bas ber Seffek abgekriegt hat brummt ber: „Glaub ich, steht in Frankfurt auf bem Römer unb wickelt feit Jahr unb Tag an feinem Bart - aber - hast du schon mal Jo’n kleenes Mädchen gesehen? -? Mit Hilfe seines Löffels klaubt er aus bem Salatblatt cme — Mabe. Der anbere sagt zu ihm, er solle sie ruhig auffressen, er hätte boch sowieso so wenig Fleisch gehabt. „Och", hüstelt ber Seffek, „weißt bu, ich mache mir nicht so viel aus Fleisch. Aber gemein finbe ich, baß bu erst bas größere Stück Fleisch nimmst, unb bann noch, wie ich ganz genau beobachtet habe, heimlich unb voller Freßgier brei von ben Mäbchen vertilgst, ohne ein Wort zu sagen, bas finbe ich gemein. Wenn bu mein Mäbchen auch noch haben willst — hier bitte!" Wir hauen uns auf bie Schenkel unb lachen, baß es so eine Art hat, währenb ber Quappe wie ein Deubel in bie Gegenb spukt unb sluchl, man hätte ben Seffek mit heißem Limburger erschießen müssen, ehe man auf Fahrt gegangen wäre. T. Mer Affe-?ebe wohl! Mein Affe ist weg, mein guter alter Affe: versackt in ben Wellen ber Donau. Ich stehe an ber Kaimauer im Passauer Hafen unb gucke feit Stunben trübe tümpelig in bas schwere, schmierige, vor lauter Oel unb Fett ganz bunt schimmernbe Wasser. Ein tschechischer Schiffer grient mir zu vom Heck feines Schiffes, spuckt im hohen Bogen über Borb unb breht sich zum x-ten Male eine Zigarette. Eigentümlicherweise sehe ich bas aber gar nicht. Ich sehe überhaupt nichts. Es ist mir alles später erst bewußt geworben, was für eine tragikomische Figur ba auf ber Kaimauer ge« stauben hat. Mein guter alter Affe, tjaja! Verbächtig oft ziehe ick) meine Nase hoch unb putze in Gebauten immer roieber mit bem Hanb- rücken barüber. Sonst baumeln meine Arme enblos lang vor bem Leib, ber Kops ist zwischen bie Schultern geklemmt. Menschen stolpern vorbei: Reisenbe, Schiffer, Frauen mit Kinbern an ber Haub, Kapitäne mit golbenen Schnüren an ben weißen Mützen, Nichtstuer unb Herumlungerer, träge, rauchenb, spuckeub. Unb alle benten sie gewiß: ber Kerl ba spinnt! Wie bas alles gekommen ist, mit mir unb meinem langhaarigen Dachsfellaffen? — Paß auf: es ist kornisch, baß feder Mensch irgenb etwas hat, mit bem er sich oerbunben fühlt. Das ist nun verschieben, an was sein Herz hängt. Des einen hängt an einer vertrockneten Blume, bie er — na ja, sagen wir, irflertbroo gefunben hat, bes einen an einem Bierfilz vom Münchener Hosbräu, bes anbern an einem alten Hut, unb meines Freunbes Herz hängt eben an seinem alten Trampeltier von Stahlroß. Unb was mein Herz betrifft, so hängt es an meinem guten alten Dachsaffen. Er ist ja auch schließlich kein belangloser Affe gewesen, nein, nein. Er war ein ganz außergewöhnliches Exemplar seiner Gattung, unb ich weiß nicht, was für ein Gesicht bu machen wirst, wenn ich bir sage, baß er mir lieber gewesen ist als ein ganzes Haus voll Leberwürste. — Du wirst nun sagen, baß bir ein orbinärer Affe auf bem Buckel lieber wäre als ein schöner, guter alter Dachsfellaffe auf bem sieben Meter tiefen Grunb ber Donau. Nun, nun, recht hast bu bamit ja schon — aber wenn bu wüßt-st, was für Sachen wir beibe uns schon geleistet haben, er, ber Affe, unb ich, bann würbest bu bestimmt nicht so reben. Vielleicht verstehst bu mich besser, wenn ich sage, baß mir mein Affe bas gewesen ist, was bem Habschi Halef Omar seine brei Barthaare gewesen sinb ober bir beine alten Fahrtenklotschen. — Unb nun ist er ersoffen, mein Affe; kein Hahn würbe mehr nach ihm Frühen. — Ach so, entschul- bige, wenn ich meinen Faben verloren habe. Du wolltest ja willen, wie sich bas mit meinem Affen verhalten hat. Nun, bas ist folgenbermaßen gewesen: Ich weiß nicht, wieweit bu in ber Geographie beschlagen bist, aber eigentlich müßtest bu boch wissen, baß Passau einen Hafen hat. Nun, im besagten Hafen sitze ich an ber Kaimauer, neben mir mein Affe, unb lasse bie Beine an ber Mauer her- unterbaumeln unb habe ganz einfältige Gebauten tm Hirn. Zwischenburch habe ich nachgebacht, wie man am besten auf einen Kahn kommen könnte. Ich weiß noch ganz genau,, wie babei in meiner rechten, ganzen Hosentasche mein Barvermögen von siebenunbbreißig beutschen Reichsmärkern sinnbetö- renberroeife geklappert hat. Wie bas nun alles gekommen ist, kann ich bir nicht so genau erklären. Auf einmal hat es einen Bums unb einen Klatsch gegeben — unb mein Affe ist weg gewesen. Ab- gesackt. Sieben Meter tief. Da kann man nix bran machen, benfe ich unb renne im Kreis auf ber Kaimauer herum. Haha, alles futsch, Affe, Zeltbahn, Kochgeschirr, Schlafsack, zwei prima Leberwürste, Hemben, Schuhe, eine Hose, haha, alles futsch? Dann bin ich stehengeblieben, unb habe bie Stelle im Wasser ins Auge gefaßt, worin er ersoffen ist, mein Affe. Unb so stehe ich auch setzt noch ba, eine Ausgeburt von Lächerlichkeit, unb trauere meinem guten alten Affen nach. Alte^ Affe — lebe wohl! F. L chen. Die letzten hundert Meter Laufschritt: Endlich würden wir Essen — und was füf ein Essen! — kriegen.---Da sahen wir Dickus. Sein Gesicht glich einer großen runden Kohle. Doch seine Augen strahlten durchaus nicht mehr. Am linken Bein hatte er viel Gelbes sitzen, die schwärze Hose war ganz grün geworden und das Hemd bunt. Aus den Kochgeschirren kam ein Gesta..., na, also ein ganz unbeschreiblicher Geruch. Im Hordenpott aber schwammen merkwürdige Klumpen und Klüten. Dickus brummte nur kurz: „Schiet!" — Dann kniff er aus. Wir überlegten. Und da wir alle wütend und hungrig waren, Dickus aber ausgekniffen, kriegten wir untereinander das Hauen. — Daß wir diesen Tag nichts zu essen kriegten, war ja nicht so schlimm: Wir haben es alle zu Haus wieder aufgeholt. Doch von der „Eßkultur" hatten wir endgültig genug. Der Kochpimpf Dickus ißt jetzt alles, was ihm vorgesetzt wird — auch gekochte Regenwürmer und Wasserspinnen. will. Wirtschaft. Oie Beschäftigung der Industrie im August. Fwd. Die Tätigkeit namentlich der verarbeitenden Industrie pflegt nach der sommerlichen Atempause zur Vorbereitung des Herbst- und Winter- geschäftes wieder anzusteigen. Die Industrie hat im August weiter neue Arbeitskräfte eingestellt und ihr Arbeitsvolumen beträchtlich erhöht. Nach der Jn- dustrieberichterstattung des Statistischen Reichsamts ist die Zahl der beschäftigten Arbeiter von 71,2 v. H. der Arbeiterplatzkapazität im Juli auf 71,5 v. H. gestiegen. Die Zahl der geleisteten Arbeiterstunden hat von 65,8 d. H. der Arbeiterstundenkapazität im Juli auf 66,5 v. H. zugenommen. Dadurch hat sich die Arbeitszeit im August wieder von 7,45 auf 7,51 Stunden gehoben. Die Belebung der industriellen Tätigkeit wird im August überwiegend von den Verbrauchsgüterindustrien getragen. .In den Produktionsgüterindustrien ist der Auftrieb, saisonmäßig bedingt, schwächer als in den Verbrauchsgüterindustrien gewesen. In den Produktionsgüterindustrien ohne ausgeprägte Saisonbewegung war die Belebung demgegenüber stärker als im Juli. Insbesondere in den Jnvestitionsgüterindustrien hält der Auftrieb ununterbrochen an. Nhein-mainischer Getreidemarkt. Gegen Ende des Monats ist wieder eine Verzögerung in der Getreideanlieferung eingetreten, die sich um so mehr in der Mühlenversorgung bemerkbar macht, als mittel- und norddeutsches Angebot zur Zeit noch völlig fehlt. Die Qualität der Weizen-Anlieferungen aus unserem Gebiet ist ein wenig befriedigender geworden, aber das Gewicht liegt doch noch häufig unter dem Standard. Die Mühlen unseres Bezirks haben sich aus den Zufuhren der Wetterau, Starkenburgs und auch.Kurhessens versorgen können, während die Mahlguteindeckung bei den oberrheinischen Betrieben, hauptsächlich infolge des geringen Ernteausfalles in Bayern, immer noch zu wünschen übrig läßt. Futter-Weizen ist sehr gefragt, aber nur in kleinen Mengen nach den Freigaben erhältlich. Bei Roggen hat sich die Versorgungslage gebessert, nachdem die Mühlen an den Wasserstraßen ostdeutschen Roggen aufnehmen konnten. Für die Binnenmühlen genügen die ländlichen Zufuhren im allgemeinen, jedoch ist die Lagerhaltung immer noch unzureichend. Auch für Futter-Roggen besteht großer Bedarf. Der B r a u g e r st e n m a r k t hat seine feste Entwicklung beibehalten, da das Eindeckungsbedürfnis möglichst vor der Bekanntgabe der Höchstpreise gedeckt werden soll. Das Angebot ist der Zeit und dem Ernteausfall entsprechend normal. Die Preise halten sich auf 22,50 bis 24 Mark ab Station für den Erzeuger. I n d u st r i e g e r st e ist zur Zeit während der Nachfrage der Brauereien und Mälzereien kaum angeboten. Auch F u tter g erste ist nur in kleinsten Mengen erhältlich, um so mehr, als die Beschaffung von Gersten-Futtermehl und -Schrot nicht genügt. Hafer ist aus neuer Ernte kaum angeboten, jedoch stellt sich das Ernteergebnis in Nassau als ziemlich befriedigend heraus, während die Gewichte noch unter den Erwartungen blieben. Alter Hafer wird, soweit noch Bestände vorhanden sind, sehr gesucht. Der M e h l m a r k t ist unverändert. Weizen- und Roggenmehl steht für die laufende Versorgung der Bäcker ausreichend zur Verfügung, während man von den Mühlen auf größere Angebote rechnet. Am Futtermittelmarkt stand Kleie in diesem Monat ausreichend zur Verfügung, dagegen wurde Weizen-Futtermehl stark gesucht. Der Bezug von K ar t o f f e l fl o ck e n für die Mast hält an, und auch Biertreber werden laufend ausgenommen. Die Zuteilung der ersten O e l k u ch e n ist im Gange, so daß die Landwirtschaft bald in den Besitz dieses Eiweißfutters kommen wird. Die Industrie- und Handelskammer Gießen gibt Auskunft: 767: Sonderdruck der „Verarbeitungsvorschriften für Bekleidungsstoffe öffentlicher Stellen". Bestellungen können bei der Kammer aufgegeben werden. — 768: Verwendung des Vordrucks XII der Ueberwachungsftelle für Baumwollgarne und -gewebe; Antragsverfahren auf Sonderzuteilung zur Ausführung von Ausfuhraufträgen. — 769: Verlängerung des Wirtschaftsvertrags mit Polen. Nbein-Mainische Börse. TNittagsbörse etwas fester. Frankfurt a. M., 25. Sept. Die Börse war wieder etwas fester, nachdem keine Glattstellungen mehr erfolgten, vielmehr auf dem ermäßigten Stand einige Rückkäufe einsetzten. Die Aktienmärkte erfuhren bei etwas belebteren Umsätzen Aufbesserungen von etwa 0,50 bis 1 v. H. Sehr fest und lebhaft waren wieder Kunstseide Aku mit 82 (79,13); die Sonderausschüttung bei einer Tochtergesellschaft regte etwcks an. Etwas lebhafter waren ferner Montanaktien, fest lagen Rheinstahl mit 139,25 (137), auch Verein. Stahl 1,25 v. H. höher mit 106,50; Harpener gewannen 1 ü. Sy, die übrigen Werte 0,25 bis 0,50 v. H. IG. Farben erhöhten sich bei kleinem Umsatz auf 158 bis 158,50 (157,75). Am Elektromarkt kamen die ersten Notierungen überwiegend 0,25 bis 0,65 v. H. höher an, Gesfürel plus 1 v. H., nur Siemens 0,65 v. H. leichter. Von Autoaktien gingen Daimler auf 113,65 (114,75) zurck, während BMW. mit 131,50 behauptet blieben, Zellstoffaktien lagen etwa 0,50 bis 1 v. H. niedriger. Von Maschinenwerten Muag 115,25 (114,75), ferner West; deutsche Kaufhof 0,50 v. H., freundlicher. Am Rentenmarkt tratenAuslandsrenten nach der Abschwächung von gestern abend wieder hervor, besonders Ungarn Gold mit 12—12,05—11,95—12,05 (11,40) lebhaft, 1914er Ungarn 10,75 (10,25), ferner 4proz. Rumänen 7,25 (6,80), 5proz. do. 8,13 (8). Bosnier lagen unverändert. Im Freiverkehr Talon- Serben mit 14,40—14,65 behauptet. Oesterr.-ungar. Vorkriegswerte waren ebenfalls wieder etwas fester, 3proz. Steg 8,75—9 (8,25). Deutsche Anleihen lagen freundlich, Altbesitz 115,13 (115), späte Schuldbuchforderungen 98,13 (98), Kommunal-Umschuldung etwa 88,60, Zinsvergütungsscheine etwa 93,45. Im Verlaufe wurde das Geschäft am Aktienmarkt wieder sehr still. Kunstseide Aku auf Glattstellungen 80 nach 82,25. Von Montanwerten Stahlverein 106 nach 106,25, dagegen Mannesmann 106 nach 105,65, Otaoi Minen 34,65 nach 34,40. Im übrigen blieben die Kurse etwa behauptet. Die später notierten Werte lagen überwiegend 0,50 v. H. über gestern, Ilse Genuß plus 2,25 v. H., dagegen Holzmann 125 (126,50). Nach der Pause notierten Buderus 109,50 (111) und Deutsch-Atlanten 112,50 (115). Am Rentenmarkt wurde das Geschäft ebenfalls sehr ruhig. Ungarn Gold schwächer mit 11,50 nach 12,05. Rumänen blieben gut behauptet, 5proz. 8,25 nach 8,13. Der Pfandbriefmarkt brachte kaum Veränderungen, auch Stadtanleihen notierten überwiegend unverändert. Industrie-Obligationen lagen still. Im Freiverkehr nannte man Adlerwerke 100, Wayß & Freytag 120, Ufa 63, Growag 82,50, NSU. 146—148, Tagesgeld etwas gefragt und auf 2,75 (2,50) v. Sy erhöht. Abendbörse ruhig. Die Abendbörse war nahezu geschästslos. Die Kulisse übte starke Zurückhaltung, während das Publikum jede Beteiligung vermissen ließ. Die Kurse erfuhren gegen den Berliner Schluß nur geringfügige Veränderungen. Etwas schwächer waren Kunstseide AKU. mit 78,75 bis 79 (80). IG. Farben lagen mit 158,50 0,75 o. Sy über Frankfurt und 0,40 v. Sy über Berlin. Deutsche Renten lagen ruhig. Auch der Auslandsrentenmarkt hatte nur kleines Geschäft in Ungarn Gold, die sich weiter abschwächten auf 11,50 bis 11,40 (11,60), ferner bröckelten Rumänen leicht ab, während Mexikaner behauptet blieben. 4 v. Sy Steg von 1883 ermäßigten sich bei einigem Angebot auf 22,50 (23). U. a. notierten: 1914er Ungarn 10,13, 4 v. H. Goldrente 11,50 bis 11,40, 4 v. Sy Kronen-Rente 2,45, 5 v. Sy Rumänen 8, 4 v. Sy Rumänen 6,95, 5 v. H. Silber-Mexikaner 6,30, 3 o. Sy Silber- Mexikaner 5,70, Commerzbank 99,25, DD.-Bank 97,50, Reichsbank 181,50, Buderus 110, Harpener 133,25, Rheinstahl 138,25, Laurahütte 18,75, Verein. Stahl 106, AKU. 78,75 bis 79, Bemberg 86,75, Bekula 154,50, Daimler 114, ScheideanstaU 273, Deutsche Linoleum 161, Licht & Kraft 152, IG. Farben 158,50, Gesfürel 133, Goldschmidt 113,50, Junghans 100,25, Muag 114,50, Metallgesellschaft 130, Moenus 92,50, Schuckert 152,25, Reichsbahn- VA. 123,40, Hapag 14,65. Frankfurter Obst- und Gemüfemackt. Frankfurt a. M., 25. Sept. Am Gemüse- markt hielten die starken Zufuhren an, nur Bohnen und Gurken etwas schwächer. Absatz mit wenigen Ausnahmen schwächer. Preise nach wie vor sehr gedrückt. U. a. notierten: Blumenkohl, Stück 8 bis 30; Buschbohnen 8 bis 10, Stangenoder Wachsbohnen 12 bis 16; Eskarol 3 bis 7; Gewürzel, großes Bündel 25 bis 35; Salatgurken 12 bis 20; Karotten 3 bis 4; Kartoffeln: gelbe 2,80 bis 3,10, Juli-Nieren 5 bis 6, Mäuschen rot 6, do. gelb 7 bis 8; Oberkohlrabi 2Vr bis 5; Kopfsalat 4 bis 8; Lauch 2 bis 5; Meerrettich 45; Petersilie 15 bis 20; Pfifferlinge 30 bis 35, Steinpilze 35 bis 45; Rettich 3 bis 8; Rote Rüben 4 bis 5; Römischkohl 4 bis 5; Rotkraut 2V? bis 4; Sellerie je nach Größe 5 bis 30; Spinat (Blätter) 9 bis 10, do. (Wurzel) 10; Tomaten I 10 bis 14, II 5 bis 8; Weißkraut 2 bis 3; Wirsing 2‘A? bis 4; Weiße Rüben 6 bis 8; Zwiebeln 5,00, Einmachzwiebeln 8 bis 15. Ob ft und Südfrüchte: Aepfel, Nüsse, Zwet- schen und Birnen werden weiterhin reichlich angeboten, alle übrigen Obstarten genügend am Markt. Preise für bessere Früchte höher, im übrigen fest; für Nüsse und Quitten rückläufig. Geschäft ziemlich lebhaft. Angebot von ausländischen Trauben mengenmäßig gut, gütemähig nur teilweise befriedigend. Geschäft bei kaum veränderten Preisen flott. U. a. notierten: Ananas 90 bis 100; Aepfel I 20 bis 25, II 15 bis 18, Wirtschaftsäpfel 10 bis 12, Falläpfel 5 bis 6, Schafsnase 10 bis 12; Bananen, 12V2-k^-Kiste netto 4,00 bis 5,00 (Kamerun), 6,00 bis 6,50 (Westind.); Birnen I 20 bis 25, II 12 bis 18, Kochbirnen 8 bis 12, Gellert I 22 bis 25, II 18 bis 20, Gute Luise 15 bis 20; Brombeeren 20 bis 25; Kranzfeigen, 25 kg 10,50 bis 11,00; Pfirsiche 18 bis 25; Preiselbeeren 26 bis 30 (Schweb.); Quitten 12 bis 15; Trauben 24 bis 28 (ital.), 20 bis 24 (rumän.), 22 bis 26 (jugoslaw.); Walnüsse, gewöhnliche 20 bis 30, große 60 bis 65; Zwetschen 6V2 bis 8; Zitronen, 300 bis 460 Stück 17,20 bis 19,45. Frankfurter VuttergroßmarN. Frankfurt a. M., 25. Sept. Der Buttermarkt wurde wieder durch Zuweisungen von der Reichsstelle ausreichend beliefert, um so mehr als die Anlieferungen aus Hessen, vereinzelt auch aus Nord* deutschland eine kleine Zunahme aufweisen konnten. Ebenso waren aus Holland die bisherigen Mengen erhältlich. Landbutter wurde den Verbrauchern vielfach durch den ambulanten Handel zugeführt. — Der Bedarf in Schmalz und anderen Fetten konnte durch Zuweisungen der Reichsstelle wie auch aus hiesigen Schlachtungen, die infolge des ansteigenden Viehauftriebes etwas reichlicher anfielen, fast befriedigend beliefert werden. Es notierten in RM. per 50 Kilo frei Frankfurt a. M. (Großhandelsverkaufspreise an den Kleinhandel): Deutsche Markenbutter 148, Feine deutsche Molkereibutter 145, Deutsche Molkereidutter 140 bis 142, Landbutter 125, Holländische Butter 148. Deutsches Schmalz 100, Dänisches Schmalz 88, Margarine A 97, B 86, C 56. Frankfurter Eiergroßmarkt. Frankfurt a. M., 25. Sept. Zur Versorgung des Eierbedarfes standen Kühlhauseier und Frischware befriedigend zur Verfügung, so daß den Anforderungen der Verbraucher genügend entsprochen werden konnte. An Kühlhauseiern lagen östliche und Balkan-Herkünfte vor, während Frischware vorwiegend aus Estland und Schweden eingegangen waren. Die Zufuhren von Landeiern hielten sich in engen Grenzen. Das Geschäft wickelte sich zu den festen Preisen ab. Es notierten in Rpf. pro Stück frei Frankfurt a. M. (Großhandelsverkaufspreise an den Kleinhandel): Frischware: Deutsche Markeneier S 12% bis 13, A ll3/4 bis 12, B 103/4 bis 11, C 10 bis IO1/, D 9 bis 9%. Flandern S 12 bis 12%, A 11 bis 11 %, B 10 bis 10%, C 9%. Holländer S 12%, A 11%. Kühlhausware: Deutsche Markeneier A IO*/-, B 9%, C 9%; Chinesen 83A bis 10*/2; Jugoslawien 9% bis 9-Vt. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, 27. Sept. 16. Sonntag nach Trinitatis. Gießen. Zladlkirche. 8 Uhr: Gottesdienst fällt aus. 9.30: Studienrat Reinhardt; 11: Kinderkirche für die Markusgemeinde; Studienrat Reinhardt. — Jof)an- neskirche. 8: Pfr. Bechtolsheimer; verbunden mit der Christenlehre für die Neukonfirmierten der Lukas- gemeinde; 9.30: Pfr. Ausfeld; 11: Kinderkirche für die Johannesgemeinde; Pfr. Ausfeld; 18: Pfarrassistent Wolf; 20: Bibelbesvrechung im Johannessaal; Pfr. Trapp. — Kapelle oes Alten Friedhofs wegen Herrichtung geschloffen. — Luthersaal (Kaiserallee Nr. 1 H.). 10.45: Kinderkirche für die Luthergemeinde. 3eder Mieter muß von der Notwendigkeit eines Schuhraumes im Haufe überzeugt fein. — pelruskapelle (Wetzlarer Weg 59). 9.30: Pfr. Trapp; 10.45: Kinderkirche für die Petrusgemeinde; Pfr. Trapp. — Wies eck. 9.30: Beichte; 10: Gottesdienst; im Anschluß Feier des hl. Abendmahls; Kollekte. — Steinbach. 9.30: Beichte; 10: Gottesdienst; Kollekte; anschließend hl. Abendmahl. — Albach. 12.30: Gottesdienst; Kollekte. — Rödgen. 10: Gottesdienst. — Annerod. 12.30: Gottesdienst. — Klein- Linden. 9: Gottesdienst und Christenlehre für die gesamte Jugend; Kollekte; 10.15: Kinderaottesdienst. — Heuchelheim. 10: Hauptgottesdienst; Kollekte; 11: Kindergottesdienst (1. Abt.); 13: Kindergottesdienst (2. Abt.). — Kirchberg. 10: Gottesdienst; 11: Christenlehre für die weibliche Jugend. — Treis a. d. Lda. 10: Hauptgottesdienst; Kollekte; Feier des hl. Abendmahls. — Lich. 10: Stiftsdechant Kahn; Kollekte. — Rieder-Vefsingen. 8.30: Stiftsdechant Kahn; Kollekte. — Langsdorf. 10.30: Abendmahlsfeier für die Alten über 60 Jahre; 20: Predigtgottesdienft; Kollekte. — Dettenhausen. 8.15: Jugendgottesdienst; 9: Hauptgottesdienst. — Münzenverg. 10.30: Gottesdienst mit Beichte; hl. Abendmahl für die Jugend; Kollekte; 13: Christenlehre; 13: Abfahrt des Frauenvereins zum Kreistreffen in Garbenteich. — Trais-TNünzenberg. 8.30: Gottesdienst; Kollekte; Christenlehre. — Hungen. 10: Gottesdienst zur Kirchweih und zum Tag der Inneren Mission; anschließend Abschluß der Christenlehre. — Wirberg. 10: Gottesdienst; Christenlehre; Kollekte. — Veilsberg. 13: Gottesdienst; Christenlehre; Kollekte. — Allen-Vuseck. 10: Gottesdienst; 13: Gottesdienst. — Hausen. 10: Gottesdienst; Missionar Ruff. — Garbenlelch. 13.30: Festgottesdienst anläßlich des Kreistreffens der Ev. Frauenhilfe; Festprediger Missionar Ruff (Frankfurt); Mitwirkung des Frauenchors; 16: Nachversammluna im Saale der Wirtschaft Lotz. — Watzenborn-Steinberg. 13: Gottesdienst. Ehristliche Gemeinde Gießen (Zu den Mühlen 2). Sonntag, den 27. September. 9.30 Uhr: Erbauungsstunde; 15: Erntedankversammlung; Prediger Mon» ning; 20.30: Erntedankversammlung; Prediger Mon- ning. — Dienstag, den 29. September. 20.30: Bibel- und Gebetstunde. Reuapostolische Gemeinden (Händelstraße 1, Eder- straße 13). Sonntag, 27. September. 9.30 Uhr: Gottesdienst; 16: Gottesdienst. — Mittwoch, den 30. September. 20.30: Gottesdienst. Daplistengemeinde (Gartenstraße 13). Sonntag, den 27. September. 11: Kindergottesdienst; 20.30: Predigt. — Donnerstag, den 1. Oktober. 20.30: Bibelstunde. katholische Gemeinden. Samstag, den 26. September. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. Sonntag, 27. Sept. 17. Sonntag nach Pfingsten. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunion der Frauen; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 14.30: Andacht. — Echzell. 11: Hochamt mit Predigt. — Grünberg. 9.45: Hochamt mit Predigt. — Hungen. 9.30: Hochamt mit Predigt und Christenlehre. — Lich. 7.30: Hochamt mit Predigt; 20: Christenlehre und Andacht. — Lollar. 8.45: Messe mit Predigt. — Nidda. 8.15: Hochamt mit Predigt. Montag, den 28. September. Laubach. 7.30 Uhr: Messe. Oesfenlllcher Sonntagsdienst. Polizei: Telefon 2751, nur in dringende» Notfällen Telefon 01. Feuerwache: Telefon 2244/45, Notruf Telefon 02. Hauptpostamt: Beschränkter Schalterdienst 8 bis 21 Uhr. Stadtpostamt: Für Schließfachabholer 1 bis 13 Uhr. Sanitätskolonne: Telefon 2500. Falls behandelnder Arzt nicht zu erreichen: A e r z t e : Dr. Schäffer, Dr. Malech. Apotheke: Engel-Apotheke. Zahnarzt: Dr. Buchinger Autohilfe: Rufnummer 04 beim Postamt Gießen. Kurszettel -er Berliner un- Frankfurter Börse. Die hinter den Frankfurt a. M. | Berlin Schluß« kurs Schlußk. Abendbörse Schlußkurs Schlußk. Mittag« börse Dalum 24.9. 25-9. 24-9. 25.9. 5% Deutsche Retchsanlethe v. 1927 101,4 101,4 101,4 101,4 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 97,75 97,75 97,75 97,75 5yt% Doung-Anleihe von 1930 .. — 102,13 102,1 Deutsche Anl.-Ablös^Schuld mti Auslos.-Rechten ............. 115 115,13 115,25 115,2 4Vi% Deutsche Reichspostschahan Weisungen von 1934, I....... V/i% ehem. 8% Hessischer Volks- staut 1929 (rückzahlb. 102%) ... 100 — 100 100 98,75 98,75 98,75 4Yi% ehem. 8% Hessische Lande» bank Darmstadt Gold R.12.... 97 97 97 67i% ehem. 4/,% Hess. Landes Hypothekenbank DarmstadtLiau. 100,75 100,75 —- — 47i% ehem. 8% Darmst. Komm Landesb.Goioschuldverschr. R.6 93,5 93,5 — — Oberhessen Provinz.Anleihe mt> Auslos.-Rechten ............ 127,5 — 128 — Deutsche Komm. Sammelabl. An leihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten 121 121 121 121 47i% ehem.8% Franks. Hyp.-Banl Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935 97 97 _ 5y2% ehem. 47i% Franks. Hyp^ Bank-Liqu.«Pfandbriefe....... 100,55 100,55 — 5’/2% ehem. 47t% Rheinische Hyp.-Bank-Liqu.-Goldpfe. ... 101,13 101,13 101,1 101,13 47t% ehem. 8% Pr. Landespfandbriefanstalt, Pfandbriefe R. 19 97,5 97,5 97,5 97,5 47i% ehem. 7% Pr. Landespfand- briesanst., Gold Komm. Obl. 20 95 95 95 95 Steuergutsch.Berrechnungsk. 34-38 109,7 109,75 109,7 109,8 4% Oesterreichische Goldrente.... 4,20% Oesterreichische Silberrente 4 — 35,25 4,1 35,25 3,75 4% Ungarische Goldrente....... 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 11,4 10,13 11,4 10,5 11,8 10,7 11,6 10,13 4-4% desgl. von 1913.......... 11 10,9 14,4 10,9 10,25 5% abgest. Goldmerikaner von 99 14,75 14,7 14,5 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe Serie t..................... ■* ■■ OB» angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt Frankfurt a.M. Berlin Schlußkurs Schlußk. Abend« börse Schluß« kurs Schlußk. Mittag« börie Datum 24.9. 25.9- 24.9 25.9. 4% vesgc. Serie 11............ 5% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 4y,°/l>Rumän.vereinh.Rentev.l913 4% Rumänische vereinh. Rente .. 2'/.% Anatolier .............. Hamburg-Amertka-Paket .....o Hamburg-Südam. Dampfschiff. o Norddeutscher Lloyd .........o A G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 Berliner Handelsgesellschaft ... s Commerz, und Privat-Bank ... 4 Deutsche Bank und Disconw« Gesellschaft................ 4 Dresdner Bank........... 4 Reichsbank .................. A.E.G....................... Bekula...................... Elektr. LieferungSgesellschaft... e Licht und Kraft .............7 Felten & Guilleaume......... 4 Gesellsch.f.Elektr.Unternehmung. 6 Rheinische Elektrizität ........ 6 Rhein. Wests. Elektr.......... s Schuckert L Co............... g Siemens L Halske............g Lahmeyer L Co.............. 7 Buderus ................... < Deutsche Erdöl ..............4 Harpener................. 2J4 Hoesch Eisen—Köln-Neuessen .. 3 Ilse Bergbau ...............6 Kse Bergbau Genüsse........6 Klöcknerwerke ...............8 Mannesmann-Rühren........ 8 8 12,6 6,8 46,75 14,75 14,75 114 120 99,25 97,5 97,75 183 35 154 150 128 131,5 128,9 151 183 142,75 127 132 105,75 169 133,5 114 105,4 8 12,13 6,85 46 14,65 14,25 112,75 119,4 99,25 97,5 97,5 181,5 35,25 154,5 124,75 152 128,5 133 130 152,25 182,4 143,5 110 127,5 133,25 106,13 169 135,25 114,5 106 10 8,4 12,5 7,05 46 14,5 40 14,25 112,75 120 99,25 97,5 97,75 183 34,9 154,65 125 150,5 127,5 132,5 124,5 128,9 151 182 143,5 110,5 127,75 133 106,25 169,5 134,75 114,5 105,75 10,25 8,1 12 7,05 45,5 14,13 40,4 14,25 112,65 120 99,25 97,5 97,5 181,5 35,13 154,5 124,5 152,5 128,25 133,5 124,25 129,5 152,25 183,75 143,75 110,25 128 133,25 106 169,5 135,5 114,5 105,13 Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v.H., Frantfun 0. M. Berlin Schlußkurs Schlußk. Abmdbörse Schluß« kurs Schlußk. Mittagbörse Datum 24.9. 25.9- 24.9. 25.9. ManSselder Bergbau....... 6 7i — — 150,5 151 Kokswerke ................ .. 6 —— — 126 126,75 Rheinische Braunkohlen .... . 12 — 223,5 223 223,5 Rhetnstahl ................ .. 4 137 138,25 137,65 138,25 Bereinigte Stahlwerke...... 8 7i 105,25 106 105,75 105,75 Otavi Minen ......... ... .. 0 34,25 34,5 34 34,13 Kaliwerke Aschersleben...... .. 5 121,25 121,5 119,25 120,5 Kaliwerke Westeregeln...... .. 5 151 119 118,75 119,75 Kaliwerke Salzdetfurth..... I7i 177 177,5 176 3. G. Färben-Industrie..... .. 7 157,75 158,5 158,13 158,13 Scheideanstalt............. .. 9 272 273 — — Goldschmidt .............. .. 5 113 113,5 112,25 114 Rütgerswerke ............. .. 6 127 — 127 127,5 Metallgesellschaft........... .. 5 115,13 130 130 130 Philipp Holzmann......... .. 4 126,5 125 126,5 125 Zementwerk Heidelberg .... .. 7 144 143,5 - - Lementwerk Karlstadt....... .. 6 156,5 156,5 - - Schultheis Pahenhofer ..... .. 4 _ _ 102 101,4 Aku (Allgemeine Kunstseide) .. 0 79,13 79 81,25 80 Bemberg............ .. 6 87 86,75 87,9 87 Zellstoff Waldhof .......... .. 6 151 151,5 150,25 151,25 Zellstoff Aschaffenburg ..... .. 0 124,5 124 125 124,13 Dessauer Gas ............. Daimler Motoren.......... Deutsche Linoleum......... Orenstein & Koppel ........ Westdeutsche Kaufhof....... Accumulatoren-Fabrik...... Conti-Gummi............. .. 7 .. 0 .. 8 .. 0 .. 0 114,75 163 52,13 114 161 52,5 103,75 114,5 162,5 83,25 52,4 103,25 114,13 161 82,5 52,4 . 12 . 11 430 196 169 430 196 168 427 195,75 168,5 431 168 Gritzner.................. .. 0 33,75 33,95 33 Mainkraftwerke Höchst a.M.. .. 4 93,5 94 Süddeutscher Zucker ....... . 10 205 205 205 205 5 0. Sy Devisenmarkt Berlin - Frankfurt a. M. 24. September 25-September Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld I Brief Geld 1 Briet ducnoa Acre 0,708 0,712 0,707 0,711 Brüssel .... 42,03 42,11 42,06 42,14 Rio de Jan. 0,147 0,149 0,147 0,149 Sofia..... 3,047 3,053 3,047 3,053 Kopenhagen 56,30 56,42 56,19 56,31 Danzig,.... 47,04 47,14 47,04 47,14 London.... 12,61 12,64 12,585 12,615 HelstngforS.. 5,564 5,576 5,554 5,566 Paris ..... 16,38 16,42 16,375 16,415 Holland ... 168,28 168,62 168,06 168,40 Italien.... 19,55 19,59 19,55 19,59 Japan...... 0,736 0,738 0,735 0,737 Jugoslawien 5,654 5,666 5,654 5,666 Oslo..... ; 63,37 63,49 63,25 63,37 Wien...... 48,95 49,05 48,95 49,05 Lissabon... Stockholm... 11,455 11,475 11,435 11,455 65,00 65,14 64,89 65,01 Schweiz ... 80,96 81,12 80,95 81,11 Spanien... 28,72 28,78 28,72 28,78 Prag....... 10,28 10,30 10,275 10,295 Budapest .. —— — Reuyork ... 2,490 2,494 2,490 2,494 Banknoten. Äerlm , 25 - September , Geld Ärles - Amertkantsche Noten...... 2,442 2,462 Belgische Noten.......... 41,92 42,08 Dänische Noten ......... 55,99 56,21 Englische Noten ......... 12,54 12,66 Französische Noten....... 16,325 167385 Holländische Noten....... 167,64 168,32 Italienische Noten........ 19,21 19,29 Norwegische Noten ...... 63,03 63,29 Deutsch Oesterreich, i 100 Schilling Rumänische Noten....... — — Schwedische Noten....... 64,67 64,81 Schweizer Noten......... 80,77 81,93 Spanische Noten......... 27,69 27,90 Ungarische Noten........ Ur. 226 vierter Blatt - . - ..... —------------— Siebener MMer «Teneral-Mzelger für VberWen) Samstag, 26. September 1956 4 W I Apfelsaft, das flüssige Obst, ein köstliches Getränk. Kühlxaum in einer modernen Metzgerei. des Ernteertrages, sondern auch die Gewmnunß von Nahrungs- und Erftischungsmitteln, die lM Verlaufe des Winters oder im nächstjährigen Frühjahr sicherlich sehr willkommen sein werden. Wet dächte nicht mit Freude daran, wie prächtig ihm ein Getränk unter Verwendung von Fruchtsasten als Erfrischung bei anstrengender Arbeit oder nach einem ausgedehnten Marsche willkommen gewesen wäre! Allein schon dieser eine Hinweis erscheint vollkommen genügend, um die Wichtigkeit der rest« Im Geschäftsleben ist der Kampf gegen den Verderb ebenfalls eine der wichtigsten Pflichten des Geschäftsinhabers und aller seiner Mitarbeiter. Schon der wirtschaftliche Nutzzweck des Geschäftsbetriebs erfordert, daß alle Dinge und Rohmaterialien in einer Weise Verwendung finden, bei der nichts verloren geht, lieber das Eigeninteresse hinaus erfordert aber auch das höhere Interesse der Gesamtheit diese umsichtige Behandlung der Vorräte. Blicken wir beispiels- weise einmal in den Be- tieb einer Metzgerei. Derjenige Metzgermeister, der seine Fleischvorräte in weitgehendster Weise vor dem Verderb schützen mäßigerweise davor aufgebaut. Die Hausfrau hat weitere dringende Verpflichtungen. Die zuviel gekochten Kartoffeln werden vergessen und sind schließlich verdorben, wenn man sie einen weiteren -tag später wieder hervorholt. Wie gut wäre es gewesen, wenn sie baldmöglichst zu Bratkartoffeln verwandt worden wären! . . . Die Hausfrau bringt em Fischgericht auf den Mittaqstisch. Es wird nicht alles gegessen. Der Rest wird 'infolge Unachtsamkeit so zweckwidrig aufbewahrt daß er schon nach einigen Stunden ungenießbar ist. Wie gut wäre es gewesen, bei em wenig mehr Sorgfalt diesen Fifchrest mit E, tg und etwas Zwiebeln zu einem schmackhaften Fischsalat herzurichten, der beim Abendessen Verwendung ^Aist dem Gasherd steht die Milch Di- Flamme brennt mit voller Stärke. Die Hausfrau laßt sich durch andere Dinge ablenken und vergißt die kochende Milch. In wenigen Sekunden ist der vor- he? gefüllte Milchtops leer, di- Milch ist paz'eren- g-gang-n". Die Konzentrierung aller Aufmerksamkeit auf diesen Küchenvoraang hatte den Schaden verhütet, sie wäre ein wirksamer Beitrag im Kamps gegen den Verderb gewesen! Auf dem Bügelbrett steht das elektrisch geheizte Bügeleisen. Der Strom ist eingeschaltet. Die Hausmutter ober das Mädchen wendet sich zur Korridortür, denn es hat geschellt. Besuch ist gekommen. Man kann ihn nicht abweisen. Nur em kurzes Vier- Kampf dem Verderb! Tägliche Pflicht aller Volksgenossen in Stadl und Land und sich selbst vor wirt- schaftlichem Schaden bewahren will, hat sicherlich .. eine Kühlanlage mit modern gebauten Kuhlraumen. Dort hinein gehört das Fleisch, ebenso die Frischwurst, die nicht unmittelbar beim Verkaufsgeschast im Laden zur Hand sein müssen! Das behördliche Verbot der Hackfleischzubereitung auf Vorrat während der Sommermonate hat neben der hygienischen Seite auch noch einen starken wirtschaftlichen Him 1 tergrunb, denn Hackfleisch auf Vorrat ist natürlich iiKan rann ujn muji .. f[)ixfpr hem Verderb ausgesetzt, als Fleisch am zu steigern. * Aepfel, auf gute Hürden gebracht, halten den ganzen Winter. Durch die Obstpressen können viele Werte erhalten bleiben. WM« Buttererzeugung gestattet monatelange Aufbewahrung. Sachgemäße Das „Eingemachte" wird mit Etiketten versehen. mit Eis, gelangen die Fische zum Versand. Im Korb, verpackt losen Verwertung aller Obsterträge deutlich zü machen. * Niemand sage, daß es für ihn und seine Familie doch wohl nicht so bedeutungsvoll wäre, bei allen Arten der Verwendung von Nahrungsmitteln und Stoffen immer und immer wieder nach bester Möglichkeit dahin zu streben, jeden Verderb zu vermeiden. Die bequeme Ausrede: „Mein bißchen ist doch wirklich nicht so wichtig!" darf es unter keinen von sich ab. Ergebnis: Das Plättuch auf dem Bügelbrett fängt an zu sengen, dann beginnt es zu brennen Der Geruch macht die Hausfrau mobil. 3u spät. Der Schaden ist da. Verdorben ist der wertvolle Stoff des Plättuches, wenn nicht gar noch größerer Schaden entstanden ist! Die Schulkinder werden mit ihrem Fruhstucksbrot zum Schulhaus geschickt. Die Kinder vergessen über ihrem Spiel das Essen. Später schmeckt es ihnen nicht mehr, denn sie haben den Hunger übergangen. Das Brot wieder heimzubringen, getrauen sie sich oft nicht. Was tun? Entweder werfen sie es m den Müllbehälter oder sie legen es auf dem Heimweg an eine Hausmauer oder werfen es auf die Straße. Die Verpflichtung „K a m p f b e m Verderb! muß derartige Dinge, die man täglich im Leben beobachten kann, künftig unmöglich machen! Die Mutter muß ihre besondere Aufgabe darin sehen, Vorarbeit für die Apfelsaftbereitung. (Aufnahmen j8j: Neuner, Gießener Anzeiger.) die Kinder über den Wert des Frühstücksbrotes für die Kinder selbst und in der weiteren Auswirkung für die Volksgesamtheit zu belehren, die Kleinen anzuhalten, ihr Brot unter allen Umständen zu verzehren oder aber, wenn es einmal wirklich nicht geht, es wieder mit nach Hause zu bringen, damit es dort in richtiger Weise genützt wird. Altmstallabsälle, z. B. Konservenbüchsen usw., gehören nicht in den Mülleimer, sondern zur Altmaterialverwertungs- stelle, denn auch dieses darf nicht verderben. Die Erzeugungsschlacht der deutschen Landwirtschaft hat in ihrem bisherigen Verlaufe bereits zu sehr erfreulichen Ergebnissen geführt. Was. vor der Machtübernahme durch den Führer nie möglich gewesen war, wurde durch die Maßnahmen des Reichsnährstandes in kurzer Zeit bereits erreicht: eine ansehnliche Steigerung unserer landwirtschaftlichen Erzeugung und damit eine stärkere Versorgung der deutschen Verbraucherschaft aus Der eigenen Scholle, infolgedessen eine sehr erhebliche Ersparnis an Devisen, die wir früher zu Lebensmit- teleinkäufen im Auslande zum Nachteil unserer eigenen Wirtschaft aufwenden mußten. Die Erzeugungsschlacht geht aber unvermindert weiter. Unsere Bauern und Landwirte stellen alle Kräfte und ihr ganzes Können in den Dienst dieser großen, verpflichtenden Aufgabe. Die Fachwissenschaft und die Dienststellen des Reichsnährstandes fördern die praktische Arbeit des Landmannes mit stärkster Tatkraft. In finanzwirtschaftlicher Hinsicht geschieht von den Behörden alles Erforderliche, um die auswarts- strebende Linie der Erzeugungsschlacht noch weiter Eine notwendige und wirksame Ergänzungs- maßnahme zu den Arbeiten der Erzeugungsschlacht ist aber noch durchzusühren. An dieser Maßnahme müssen sich alle Volksgenossen beteiligen, da sie nur bann zu dem erhofften Ziele fuhrt, wenn sich die Gesamtheit des deutschen Volkes dafür emsetzt. Es handelt sich um den energischen und unermub- lichen, Tag um Tag immer neu zu führenden Kamps gegen den Verderb. Daß diese Seite unseres Ringens um die wirtschaftliche Freiheit und die ungeschmälerte Selbstbehauptung em zwingendes Erfordernis im gesamtdeutschen Kampf um den Platz an der Sonne inmitten der anderen Volker ist wird jedem ohne weiteres klar werden, der sich nur einmal in seinem engeren Lebens kreis umsieht und daraus die naheliegenden Schlußfolgerungen hinsichtlich der Gesamtheit des deutschen Volkslebens zieht. Dieser Kampf gegen den Verderb ist auch nicht etwa eine Aufgabe, die zeitlich begrenzt wäre und ihre Berechtigung nur wahrend einer gewissen wirtschaftlichen Enge hätte, sondern er muß als eine Daueroerpflichtung angesehen werden, auch in den Jahren, in denen alle Quellen der eigenen wirtschaftlichen Kraft mit^°Uer. stungsmöglichkeit spenden, denn bekanntlich gilt auch im übertragenen Sinne — der Groschen m der eigenen Tasche immer mehr als die Mark im Besitz 'eines Fremden. Deshalb mutz dl« ^arole Samv de m Verderb!" die tägliche D l l in Stadt und Land, im reichen wie km armen Haushalt, in allen Betrieben und be. allen Unternehmungen werden und bleiben! Beginnen wir bei einem Blick auf diei Notwendigkeit dieser Parole in dem engsten Kreist der Volksgemeinfchaft >n der F°m l S f « kommt es m der Küche, aoeruum Arbeit im fiaurtatt »«, Z^nsmitt-loder ^Hausfrau kocht zuviel Kartoffeln. Der IM«. eMsses Dom Metzger 3um Fischhändler ist nur ein kleiner Schritt. Welche große Mengen Fisch wurden jahraus und jahrein verderben — und zwar schon auf dem Transport, nicht erst im Laden des Fischhändlers —, wenn sie nicht bereits von der Fischauktionshalle her in den Körben reichlich mit Eis umgeben wären und in dieser kalten Nachbarschaft beim Fischhändler so lange aufbewahrt werden, bis sie von der Hausfrau zur Verwendung in der Küche mitgenommen werden! Weitgehende Kühlmaßnahmen sind aber auch für andere Fischarten erforderlich, nicht minder sorgsame Lüftungseinrichtungen, die ebenso in Nletzgereibetrieben und Gasthausküchen unbedingt am Platze sind, wenn dem Verderb von Waren von vornherein in umfassender Weise vorgebeugt werden soll. Mit großer Umsicht und unter Aufwand erheblicher technischer Mittel sind derartige Schutzmaßnahmen gegen den Verderb von Erzeugnissen namentlich auch in vielen M 0 l k e r e i b e t r i e- b e n eingeführt. Man denke nur einmal daran, welche große Mengen von Milch oder Butter in verhältnismäßig kurzer Zeit verdorben und ver- loren wären, wenn diese Vorbeugungsmaßnahmen nicht bestünden. Derartige Einrichtungen sollten ihre entsprechende Nachahmung mit den gegebenen Hilfsmitteln in allen Haushalten finden! Gegenwärtig wird vom Landvolk eine Zwet- sch e n e r n t e eingebracht, wie sie in gleichem Umfange feit langen Jahren nicht mehr zu verzeichnen war. Das Zwetschenmuskochen ist jetzt in vielen Haushalten in Stadt und Land, aber auch für gewerbliche Zwecke Trumpf. Angesichts dieser überaus reichen Ernte, nicht minder aber auch bei der Verwertung der übrigen Obstarten gilt ganz besonders die Ermahnung: „Kampf dem Verderb!" Wenn auch das Uebermah von Früchten gegenwärtig bei der Zwetschenernte mancherlei Beschwernisse bereitet, so sollte doch überall unbedingt darauf gehal- ten werden, daß nichts von der Ernte umfommt. Die Verarbeitung zu Fruchtsäften ist einer der geeigneten Wege zur Befolgung der Parole „Kamps dem Verderb! . Und das Ergebnis dieses Weges ist nicht allein die volle Nutzbarmachung M Aus der Provinzialhauptstadt Wer aber umgekehrt von der Idee des wahren Wetter- „Weshalb soll ich denn ausgerechnet zum Schweineschlächter gehen?" In diesem Moment griff Elvira in die Unterhaltung ein. Elvira, eine Art Kochgehilfin, hatte in der vergangenen Woche Herrn Keller einen freien Abend zu verdanken gehabt, und das war so gewesen: Als Herr Keller mit Fräulein Andersen in dem ein- samen Gastzimmer saß und plauderte, trat Elvira herein und fragte, ob sie „eine Stunde" fortgehen dürfe, ihr Bruder sei aus Jütland gekommen. Nun ist das mit den Brüdern, die nach Dunkelwerden aus Jütland kommen, in aller Welt dasselbe. Kein Fraulein Andersen, mag sie in Dänemark haushalten oder sonstwo, will davon hören. Herr Keller ah, wie sich das Gesicht in strenge Falten legte, er Die LeutW Arbeitsfront y - - n.9.=ucmeinf(haft „firaft Durch freuDe" Sommers ausgeht und daraus die fällige leistung erwartet, kann das, was sich seit Wochen und Monaten zwischen Himmel und Erde bei uns SteineS legte mehr ein Gi..« Sie waren alle mausetot, 8 schöne weiß« „Leghorn" und ein stolzer Hahn! Hases waren untröstlich. Dann kam der Tierarzt und sagte: Vergiftet! Wieso? Warum? Das Rätsel wurde bald gelöst: Nicht weit ab von Hases Hühner-Auslauf liegt du Feld, das Piepenbrink gehört. Piepenbrink klagt über Maus«, Piepenbrink streut Giftweizen und macht in der Zeitung darauf aufmerksam. Alle Nachbarn richte« fich enO sprechend ein und flicken ihre Zaune. Bloß Hase weiß von nichts. Und wer soll sonst dit Hühner warnen? Tja — hätte er Zeitung gelesenl Die schützt vor Schaden und Verdruß,, weshalb sie feder haben muß! Aprilsommer. Das eine steht fest, daß wir in diesem Jahre zu keinem richtigen ausgewachsenen Sommer haben kommen können. Daran vermögen auch einige schöne Altweibersommertage, die sich zur Derao- scyiedung etwa noch einfinden sollten, nichts mehr zu ändern. Wochenlang konnten unsere Arbeitskameraden vom Wetterdienst aus ihren meteorologischen Beobachtungen als Tagesmischung nichts anderes in Aussicht stellen als „häufig aufheiternd" und „zu Niederschlägen geneigt". Darüber hinaus aber soll gleichzeitig ihre sprachliche Leistung nicht übersehen werden, die aus den langweilig gewordenen Stickworten immer wieder neue, fein abgestufte und nie ganz hoffnungslose Formulierungen zu gestalten wußte, während entsprechend z. B. die Hausfrau und ihr Metzgermeister sich kurzerhand auf „durchwachsen" zu verständigen pflegen. zwischen den Fingern knetete, und er mußte lachen. Es war ein ansteckendes Lachen. Fräulein Andersens Miene wurde plötzlich weich, das Mädel biß sich auf die Lippen. Schließlich haben sie alle drei aus vollem Halse gelacht, Elvira durfte ihren aus Jütland gekommenen Bruder begrüßen, wozu sie sich den Wald aussuchte, und an diese schöne Stunde dachte sie voll Dankbarkeit, als Herr Keller in der Küche nach dem mysteriösen Gris forschte. „Passen Sie auf", rief Elvira, „ich mache Ihnen vor, wie ein Gris ist." Auf allen Vieren kroch sie über den Fußboden und grunzte derart genial, daß mancher VarietS- direktor sie sofort als Tierstimmenimitatorin engagiert haben würde. „Also doch ein Schwein!" schrie Herr Keller. ,-,Naeh", sagte Elvira, „ein Schwein nicht, aber so ähnlich." Da leuchtete es auf in Herrn Kellers grauer Gehirnrinde. „Sollte", fragte er Fräulein Andersen, mit einem verschämten Seitenblick auf Elvira, „sollte ein Gris eine Sau sein?" Sau heißt im Dänischen „So", das kann man in allen Wörterbüchern nachsehen: dieses Wort gebrauchte Herr Keller. Und Fräulein Andersen atmete auf und sagte: „Ja! Ja!" Und Elvira tat einen Quietscher und schrie: „Ja! Ja!" Und Kathrine Pedersen kam die Treppen herabgepgltert und nahm Anteil an der Freude, daß Herr Keller herausge- funden hatte, was ein Gris ist. „Aber", erlaubte sich Herr Keller zu bemerken, „wann und warum sagt man ,Gris' und nicht ,So' — werden da bestimmte Unterschiede gemacht?" Fräulein Andersen schüttelte eine große Tüte Mandeln auf den Küchentisch und begann sie abzu- Ziehen. Dabei sah sie Herrn Keller lächelnd an, und der verstand. Bitte, sagte dieses Lächeln des Fräu- n -r. ^herfen, renn mir den Bratspieß durch den i-eib und röste mich über dem Herdfeuer, aber laß mich mit deinem Gris in Frieden! Da Herr Keller kein Kannibale ist, ging er still auf sein Zimmer, glücklich im Besitz einer schwer errungenen Vokabel. Wie schade, daß man sie nicht zum Kosewort erheben kann, „mein kleiner Gris" klingt so niedlich — aber Kathrine Pedersen würde unweigerlich zum Besen greifen, und Herrn Keller ist sein Leben ueb. Also muß es schon bei einer akademischen Ver» uebtheit in diese Vokabel bleiben, noch die Enkel des Herrn Keller werden sie träumerisch in die Sommernacht flüstern. Umständen geben. Wie derartige „bißchen" sich auswirken, zeigt ein einziger Satz. Statistiker haben ausgerechnet, daß 4 Pfennige, die täglich in jedem deutschen Haushalt durch den Verderb von Nahrungsmitteln verloren gehen, sich in einem Jahre, für das aanze Volk gerechnet, auf die Summe von 977 Millionen Mark auswirken. Nach stichhaltigen Zahlen gehen alljährlich auf dem Weg zum Der- braucher durch Verderb und vermeidbaren Schwund Nahrungsmittel im Werte von rund 750 Millionen Mark verloren. Beobacktungen und Erfahrungen zuständiger Stellen beziffern die Verluste, die allein in privaten, gewerblichen und öffentlichen Küchen und den dazu gehörigen Vorratsräumen entstehen, auch auf 750 Millionen Mark. Das sind insgesamt rund 3 v. H. des Verbrauchswertes der Nahrungsmittel in den Händen der Verbraucher, also ebenso- 3 ^r™ 1935? ber Nahrungsmitteleinfuhr im * Durch die Hände unserer Hausfrauen gehen alljährlich Milliardenbeträge — schätzungsweise jähr- lich 20 Milliarden Mark — für die Ernährung der Familien. Wenn alle Hausfrauen in der rechten Erkenntnis der Wichtigkeit des Kampfes gegen den Verderb immer nur zur richtigen Zeit stets nur Für die erste „Kraft durch Freude"-Vorstellung im Stadttheater Gießen am Samstag, 26. September, 20 Uhr, „Donna Diana"", Lustspiel in 3 Akten, sind Karten zum Preise von 50, 70 und 90 Pf. auf der Kreisdienststelle „Kraft durch Freude", Schanzenstraße 18, noch erhältlich. Die Kreisdienststelle ist für den Kartenvorverkauf am Samstag von 8 bis 13 Uhr und von 15—18 Uhr geöffnet. Die Omnibusfahrt am Sonntag, 27. September, nach der Edertalsperre, Waldeck und Bad Wildungen findet bestimmt statt. Abfahrt 8 Uhr Haus der Deutschen Arbeit, Schanzenstraße 18. Es können sich noch einige Teilnehmer bis Samstag 13 Uhr zu dieser schönen Fahrt melden. Fahrpreis beträat 4,70 RM. y ♦ ** Sechzig Jahre alt Am morgigen Sonntag, 27. September, kann der Lehrer an der Kaufmännischen Berufsschule August Wehrheim, Steinstraße 51 wohnhaft, seinen 60. Geburtstag bestehen. Lehrer Wehrheim wirkt seit 1901 als Schulmann in Gießen, zunächst an der Stadt- Knabenschule, seit einem Jahrzehnt an der Kaufmännischen Berufsschule. Im öffentlichen Leben ist er besonders durch seine Tätigkeit als langjähriger Vorsitzender der Männer- und Frauenvereiniguna der Matthäus-Gemeinde, als Mitglied des Kirchenvorstandes und des Roten Kreuzes hervorgetreten. In weiten Kreisen der Gießener Bevölkerung wird dem Jubilar große Wertschätzung entgegengebracht. ** Die Dienststunden der städtischen Behörden sind vom 1. Oktober ab auf die Zeit von 8 bis 13 Uhr und 14.30 bis 18 Uhr, Samstags Abenteuer in Dänemark. Uon Waldemar Keller. Die Sache begann, als Katharina Pedersen abends um halbacht das Wasser aufs Zimmer brachte. Nickt wahr, man hat nachts gern eine gefüllte Wasserflasche am Bett stehen — oder sollte das nur eine dumme Angewohnheit des Herrn Keller sein? In diesem Fall würde sich Herr Keller belehren lassen, aber kaltes Wasser ist nun einmal seine Leidenschaft, und wenn er es nicht trinken darf, dann will er sich wenigstens darin waschen. Das wird, nimmt er an, keine dumme Angewohnheit sein. Kathrine Pedersen brachte nicht nur die Flasche, sondern auch eine große Kanne, bis an den .Ranö gefüllt; die Einrichtung des „fließenden Watzers kennt man in diesen dänischen Städtchen nicht. Wozu auch? Jeder hat die Badewanne, das Meer, sozusagen vor der Tür. Darin plätschert man, solange es Sommer ist, und im Winter wartet man, bis es wieder Sommer wird. Leider ist Herr Keller ein verschrobener Mensch. Er hat eine Abneigung dagegen, vor dem Frühstück Proben als Tiefsee- taudjer abzulegen, und da er tagsüber mehrmals Wasser aus der Kanne gießt, um sich die Hände zu reinigen, mußte Kathrine Pedersen, obwohl es im Monat August war, dafür sorgen, daß die Morgenwäsche in bescheidenem Ausmaß vorgenommen werden konnte. Soviel über den Beruf Kathrine Pedersens als Wassertragerin. Sie hatte noch einen anderen. Das Zimmermädchen war gleichzeitig Servierfräulein. Aber dabei wollen wir uns nicht aufhalten. Wenn einer die Feder ansetzt, um ein dänisches Mittag- oder Abendessen zu beschreiben, dann kommt, will er genau sein, eine Abhandlung von 375 Seiten Zustande und Herr Keller hat nicht die Absicht, dem Brillat-Savarin nachzueifern. Also: Kathrine Pedersen brachte das Wasser und fand Herrn Keller in einem Buche lesend. Es war die dänische Uebersetzung des grandiosen Ro- mans „Die Mutter" der Amerikanerin Pearl S Buck. Herr Keller saß mit gerunzelter Stirn, hatte die Lesebrille vorn auf die Nase geschoben und muß absolut den Eindruck eines Menschen gemacht haben, der geistig ins Stottern geraten ist. Kathrine hat eine ungemeine Hochachtung vor Büchern; von gei- stkgem Stottern versteht sie nicht viel. Sie schielte einfach neugierio herüber, und da kam Herrn Keller ein Gedar'e dere sind der in Nacht und Nebel versinkende Herbst und der zu Licht und Wärme drängende Frühling solche kosmischen Kampfzeiten. Und so mögen auch jene stürmischen Frühlingstage die besondere Eigentümlichkeit unseres Sommers geprägt haben aus „häufig aufheiternd" als Durchbruch echt sommerlicher Grundhaltung in Mischung mit „zu Niederschlägen geneigt" als Rest schicksalhafter Vorbelastung. Dieser Aprilgeist aber erhielt unseren Sommer auch jung, selbst über die Höhe seiner Tage hinaus, und in jugendlichem Uebermut machte er sich aus seinem Schicksal gelegentlich sogar ein Fest. So hatte er kürzlich die Aufheiterung den ganzen Vormittag durchgehalten, vermutlich als Tarnung seiner un- glückseliaen Neigung zu Niederschlägen. Denn als er um Die Mittagszeit so ziemlich alle Lebensalter auf einer der verkehrsreichsten Straßen unserer Stadt beisammen hatte, belegte er plötzlich das friedliche Bild mit dicken, klatschend aufspritzenden Regentropfen, die sich in kurzem Uebergang zu finsteren Strähnen mit nachdrücklichster Fallwirkung verfilzten. Die Szene wurde zu einer Regenschutz. Übung größten Formats. Die wenigen Regenschirme und Gummimäntel schritten mit überlegenen Mienen durch die Menge, Ungerüstete machten Sturm auf die Elektrische, Kurz- und Langstreckenläufer, Radler mit durchnäßtem Rücken und plastisch ge- wordene Radlerinnen schwirrten in olympischen Rekorden belebend durch das düstere Straßenbild, während hundert andere im Schutz der regensicheren Türnischen vieler Geschäftshäuser sich mit olympi- scher Ruhe den kurzen, aber eindrucksvollen Film betrachteten, der noch mit vielen humorvollen und besinnlichen Einzelbildern ausgestattet war. Plötzlich ging der Schalk aus der Höhe mit der unschuldigsten Miene von der Welt, als ob gar nichts geschehen wäre, wieder zu „Aufheiterung" über, sicherlich, um die Vertrauensseligen wieder reif zu machen für seinen nächsten Ueberfall. — Aprilsommer! R. ß. Vornoiizen. Tageskalender für Samstag. 10 bis 20 Uhr: Ausstellung „Braune Messe" in der Volkshalle. — Stadttheater: 20 bis 22.15 Uhr „Donna Diana" (Sondervorstellung von „Kraft durch Freude"). — Gloria-Palast (Seltersweg): „Mädchen- Pensionat". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Das Schloß in Flandern". Tageskalender für Sonntag. 10 bis 20 Uhr: Ausstellung „Braune Messe" in der Volkshalle. — Stadttheater: 15 bis 17.30 Uhr „Krach im Hinterbaus"; 19 bis 21.30 Uhr „Towarisch". — Gloria-Palast LSeltersweg): „Mädchen-Pensionat".— Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Das Schloß in Flandern . — Ankörung deutscher Schäferhunde: 8.30 Uhr in der Pulvermühle. : Stadttheater Gießen. Heute abend von 20 bis 22.15 Uhr als 1. Vor- stellung für NSG. Kraft durch Freude „Donna haben könnte! — „ein Gris ist ein Gris und keine Kuh." Ihr Blick strahlt jetzt freundliches Mitleid. Da sitzt nun einer und schreibt und lieft den ganzen lag, und doch weiß er nicht einmal, was ein Gris ift... „Herr Keller klopft Kathrine Pedersen väterlich, sehr väterlich auf die Schulter und sagt Gutenacht. Die stramme Kleine hat eine hübsche Naturstimme, wo sie geht und steht, singt sie: „Kannst du pfeifen, Johanna" ... und es macht Spaß, ihr zuzuhören, wenngleich die pfeifende Johanna die Veranlagung zu einem schrecklichen Hausgespenst in sich trägt. Singen kann Kathrine Pedersen ausgezeichnet. Aber das Erklären von Vokabeln soll man ihr ersparen. Was mag ein Gris sein? überlegte Herr Keller. Er lag im Bett, das Fenster stand offen, ein Falter schwirrte im Zimmer. Alle Tiernamen, die in Bekrocht zu ziehen waren, hat der unglückliche Mann hergesagt, angefangen beim Wasserbüffel und endend beim Perlhuhn, aber zu einem Ergebnis gelangte er nicht. Glücklicherweise schlief er ein. Am anderen Morgen, gleich nach dem Frühstück ging er in die Küche zu Fräulein Andersen, die das kleine Hotel leitete. Grau fielen ihr die Locken in die Stirn, also ein Fräulein, mit dem man ohne jebe Ablenkung über einen Gris sprechen konnte. Sie war bereits unterrichtet. „Tja", sagte Fräulein Andersen, „wie soll ich Ihnen das klarmachen? Vielleicht gehen Sie mal zu dem Schweineschlächter nebenan..." „Also ist ein Gris ein Schwein?" fragte Herr Keller hastig. Fräulein Andersen schüttelte wehmütig den Kopf „Das kann man nicht sagen, daß es ein Schwein Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Sonntag, 27. September, findet die Aufführung des großen Lustspielerfolges „Krach im Hinterhaus ' von M. Böttcher statt. Da das Stück aus der vergangenen Spielzeit übernommen wird, ist eine neue Besetzung notwendig geworden. Die Spielleitung hat wieder Heinrich Hub. Mitwirkende Damen: Birkmann, Karden, Krause, Keltzer, Petri, Stirl, Schubert-Jüngling; Herren: Frickhoeffer, Geiger, Hub, Kühne, Nieren, Schorn, Seitz, Dolck, Walter, Winkel. Anfang 15 Uhr, Ende 17.30 Uhr. Außer Miete. Am Abend geht „Towarisch" von Jacques Deval in Szene. Das Stück steht, wie statistisch festgestellt ist, mit „Krach im Hanterhaus" an der Spitze der mit größtem Erfolg an den deutschen Theatern gespielten Stücke. Für die deutsche Bühne wurde „Towarisch" von Curt Goetz bearbeitet. Wolfgang Kühne inszenierte das Stück in neuer Besetzung. Mitwirkende Damen: Birkmann, Gerhardt, Krause, Prinz, Schubert-Jüngling, Stirl; Herren: Frickhoeffer, Geiger, von Gsckmeidler, Hub, Rosenthal, Schorn, Volck, Walter. Anfang 19 Uhr, Ende 21.30 Uhr. Außer Miete. — Dienstag, 29. Sept., Anfang 20 Uhr, Ende 22.15 Uhr. „Donna Diana" Lustspiel von Moreto. Spielleitung: Der Intendant. Dienstag-Miete. 2. Vorstellung. — Mittwoch, 30. Sept. Anfang 19.30, Ende 22.15 Uhr, „Gustav Kilian". Ein altmodisches Stück von Harald B r a 11. Spielleitung: der Intendant. Mittwoch-Miete. 2. Vorstellung — Freitag, 2. Oktober: Anfang 20 Uhr, Ende 22 Uhr, Erüaufführung „Reims", Drama von Friedrich Bethge. Spielleitung: Theodor Haerten. Freitag-Miete. 3. Vorstellung. — Samstag, 3. Oktober, Anfang 20 Uhr, Ende 22 Uhr, „Die XL Olympischen Spiele in Bild und Ton". Sprecher Rolf Wernicke, Sportreferent des Olympia-Weltsenders Berlin. Außer Miete. — Sonntag, 4. Oktober, Anfang 11.30 Uhr, Ende 12.30 Uhr, 2. Morgenveranstaltung „Erntedankfest". Das Volkslied in Gesang, Rezitation und Tanz. Für Vlatzmieter ist der Eintritt frei. Anfang 19 Uhr, Ende 21.30 Uhr. „Der Sprung aus dem Alltag", Lustspiel von Heinrich Zerkaulen. Spielleitung: Fritz Walter. Außer Miete. Vorlrag: Die Berliner Ausstellung „Deutschland". Heber die große Berliner Ausstellung „Deutschland" hält Frau Else Pelz-Langenscheidt, Kassel, am kommenden Dienstag einen Vortrag. Auf die heutige Anzeige sei hingewiesen. Diana". Lustspiel von Moreto. Spielleitung: Der I Intendant Der Spielplan des Stadttheaters Gießen vom 27. September bis 4. Oktober. „Kathrine", sagte er, „Sie müssen mir mal was "^ren. Ich kann doch ganz gut dänisch, nicht wahr? Aber da find" ich in dem Buch ein Wort, Das ich noch niemals gehört habe. Was ist ein Gris?" Kathrine Pedersen, siebzehnjährig, starrt Herrn Keller überrascht an. In ihren Augen steht geschrie- den: Was mag das für ein Buch fein, das Der Mensch liest? Dann fängt sie an zu lachen und antwortet: „Em Tier". „Jawohl", nickt Herr Keller, „soviel seh' ich selbst x muß ein Tier sein. Aber es gibt mancherlei Kathrine Pedersen aus Otterup denkt, und wenn sie das gelegentlich mal tut, ist es, als rede sie laut Man braucht sie nur ein wenig zu beobachten und alles ist offenbar. Diesmal denkt sie: Kann es Dir nicht gleichgültig sein, was das für ein Vieh ift?... Herr Keller kommt ihrer (Entgegnung zuvor. „Verstehen Sie, Kathrine, mich interessiert Das. Ich könnte ja im Wörterbuch nachschlagen; leider hab' ich keins da. Beschreiben Sie mir ungefähr, wie ein Gris aussieht." „Kennen Sie eine Kuh?" fragt Kathrine Pedersen. Herr Keller muß gestehen, daß ihn diese Frage hart getroffen hat. Ob er eine Kuh kennt? Du lieber Gott, welche Meinung muß Kathrine Pedersen von ihm haben! Aber halt — vielleicht ist „Gris" ein anderer Ausdruck für Kuh? Für eine Kuh in gewissem Lebensalter? Es gibt da die merkwür- Dlgsten Bezeichnungen, die viele Leute in ihrer eigenen Sprache nicht kennen. Bitte, fragen Sie deutsche Stadtbewohner, was eine dcr|e ist oder was Das Wort „Walpe" beDeutet u,ber Antworten, falls Sie über- Daupt welche kriegen, erstaunt fein. Bei der Ferse werden sich Die meisten an Die Achillesferse erinnern ober d'e Ueat nicht auf der Wiese und käut wide? ^lch, sagt sich Herr Keller, und kommt sich ober- schlau vor, womöglich ist Gris gleichbedeutend mit u«r|e. „(Es ist also eine Kuh, eine kleine Kuh?" fragt er, entzückt über Den Erfolg. y „Naeh", sagt Kathrine Pedersen, „eine kleine Kuh nennt man em Kalb." von 8 bis 13 Uhr festgesetzt worden. Sprechstunden von 8 bis 12 Uhr. (Siehe Bekanntmachung der Stadtverwaltung.) ** Viehmärkte in Gießen. Am nächsten Dienstag findet hier Rindvieh- (Nutzvieh-) Markt statt. Der nächste Schweinemarkt wird am 28. Oktober abgehalten. **DerBebauungsplanamNahrungs» berg ift zum Gegenstand einer Bekanntmachung der Stadtverwaltung im heutigen Anzeigenteil gemacht worden. Auf Die Bekanntmachung fei befon« Ders hingewiesen. ** Aufgehobene Straßensperre. Die Straßensperre auf Der Landstraßenstrecke Ober- Eschbach — Ober-Erlenbach ist wieder aufgehoben worden. ** Der Verein Hundesport Gießen und Umgebung hielt im Gasthaus Henkel seine Generalversammlung ab. Der Vereinsobmann Dr. van Bentheim begrüßte die Erschienenen. Der Schriftführer erstattete den Jahresbericht. Hieran schloß sich ber Bericht des Rechners, der die Entwicklung und den Stand der Kasse darlegte. Die Abrechnung wurde geprüft und die Kassenverhältnisse in bester Ordnung gefunden. Dem Kassierer wurde Entlastung erteilt. Die Gesamtentlastung des Vorstandes schloß sich an. Dann erfolgte einstimmig die Wiederwahl des Vereinsobmanns, der seinerseits wiederum seine alten Mitarbeiter bestimmte. Anschließend wurden noch verschiedene Vorschläge hinsichtlich einer regeren Werbetätigkeit für Den Verein gemacht. Es wurde betont, wie wichtig es für jeden Hundebesitzer ist, dem Verein anzugehören. Das Ziel aller Hundevefitzer müsse Dabin- gehen, einen reinrassigen Hund auf Grund seines Stammbaumes zu besitzen, weil hier Die Gewähr geboten sei, Daß nur bestes Zuchtmaterial zur Vererbung gelangt. die sachlich gebotene Menge von Nahrungsmitteln kaufen, sie in haushälterischer Weise unter bestmöglichster Vermeidung von Verlusten aufbewahren und verwenden, wenn ferner in allen Kreisen Der Wirtschaft nach Den gleichen Gesichtspunkten mit allen übrigen Materialien verfahren würde, so könnte daraus für unsere Volkswirtschaft und Damit für Den Aufbau des deutschen Volkes alljährlich ein Gewinn erzielt werden, der sicherlich in Die Mil - liarDen gehen unD unsere finanzielle Kraft gegenüber Dem Auslande durch Ersparnis an Devisen in ungeheurem Maße stärken würbe! Wie ein kleines Rinnsal zum Bach, Dann zum Fluß und endlich zum Strom werden kann, so vermag auch die Tat des einzelnen Volksgenossen an jedem Tage sich immer wieder in vielfältigster Stärke auszuwirken zu Der unschätzbar gewaltigen Leistung, die aus Der millionen- fachen Summierung aller dieser Einzeltaten als Werk der Gesamtheit zutage tritt. Daran wollen wir alle Denken, an jedem Tage und in jeder Stunde, jeder an seiner Stelle! Und in dieser Erkenntnis wollen wir alle unsere Kraft und all unser Können täglich einreihen in den Kampf gegen den Verderb, damit er immer ende mit einem Siege unserer Volksgemeinschaft! B. herumtreibt, kaum anders als einen charakterlosen Gesellen nennen. Wie übel hat er, ganz abgesehen von allen übrigen Verpflichtungen, insbesondere unseren um die Nahrungsfreiheit des deutschen Volkes kämpfenden Bauern mitgespielt! Die Ernte mußten sie, oft mit kameradschaftlicher Hilfe aus den Formationen der Bewegung, zwischen „Aufheiterungen" und „Niederschlägen" von ihren Feldern und Wiesen geradezu „heimstehlen"! Und dennock hat auch ein solcher Sommer Anspruch auf „Charakter", wenn wir mit diesem griechischen Wort gleichzeitig einmal feine eigentliche Bedeutung lediglich als „eingeprägte Eigentümlichkeit" gelten lassen wollen. Diese aber glaubt Der in den Kreislauf von Saat und (Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht ewig verflochtene Bauer gerechterweise nach wie vor in feinen altüberkommenen Wetterregeln zu finden. Mit seinem „Wintert's nicht, dann sommert's nicht!" Deutet er belastend auf Den Vorgänger zurück. Und in der Tat hat sich Der vergangene Winter schon im Januar lieber mit Der einwandfreien Ausgestaltung von Gewittern befaßt, als pflichtmäßig Schnee und Eis für feine Sportler zu besorgen, die doch erst nach langen Bemühungen feine bärbeißige Sippe gemeinschaftsfähig gemacht haben. Mit „Schaltjahr — Kalts ahr^ will er auf geheimnisvolle kosmische Hintergründe Hinweisen, Denen auch dieser Sommer schicksalhaft unterliegt. Schon immer hat ja Die deutsche Volksseele in der stillen Klarheit und dem stürmischen Brausen Des Luftmeeres mehr gesehen, als nur Das nüchtern mechanische Wechselspiel von Hoch- und Tiefdruckgebieten. Schaudernd und berounbernD erlebte sie Die majestätischen Wunder des Luftraumes als Kampf, Sieg oder Niederlage beseelter Naturgewalten, und gestaltete sie zu Sagen und Märchen. Jnsdeson- . Das weiß ich", erlaubt sich Herr Keller zu be- merfen, „aber Sie fragten mich doch, ob ich eine Muh kenne. Ist ein Gris eine Kuh?" '.Wie kann ein Gris eine Kuh fein!" lacht sie 3W-‘ we’nn K wie 'W M £ 7 4 "Denkt vX 'Schellbachi 5-Kurven! ■Ziel Kurve v. Oh ■ SZ^u Khm MAW^Y WWWW N SJl.-tfport schlutz hen wurden bei herrlichem Spielwetter am vergan- Handball im Sporlkreis Gießen S-K-WSSWH »ÄWÄsr«? KLSAZL"^"' '""""-IrSd»-urKS”*'" Besonders interessante ?arkpLa/z.Z Die ball zuholen. — Katzenfurt hat in Dorlar keine Aussichten. Sommerkampfspiele der hessischen Schulen. Kreismeisterschaften im Grenz- der 1—3 klassigen Schulen des Kreises Gie- Am Sonntag empfängt die I. Elf des TV. die gleiche von Londorf zum fälligen Berbandsspiel. Wieseck gehörte früher der I. Kreisklasse an und wurde nach der Wiederanmeldung der II. Kreis- Nosemeyer bricht Stuck-Rekord. Das Training zum diesjährigen Feldbergrennen im Taunus, dem diesmal besondere Bedeutung auch in seiner Eigenschaft als dreifacher Meisterschaftslauf zukommt, nahm am Freitag bei gutem Wetter einen vielversprechenden Beginn. Zunächst waren die Wagen an der Reihe. Bernd Rose meyer (Auto-Union) legte die 12 Kilometer lange Strecke in 5:46.0 Minuten zurück und sorgte mit dem kaum glaublichen Stundenmittel von 124,85 Kilometer gleich für einen neuen Rekord. Hans Stuck, sein Stallgefährte, hatte im Vorjahr als Schnellster 6:22,3 (112,91 km/st) herausgcholt. Auch Ernst von Man geht wohl nicht fehl, wenn man Allendorf in seinem ersten Spiel keine großen Chancen einräumt. Die Mannschaft ist noch nicht so in Fahrt, wie das eigentlich erforderlich wäre. — Lich hat sich am letzten Sonntag sehr gut gehalten, so daß es auch in Wetzlar Aussichten hat. — Interessant dürfte die Begegnung auf dem Mtv.-Platz werden. Lang-Göns hat sich als eine Mannschaft erwiesen, die in allen Teilen gleich gut besetzt rst und die über eine außerordentliche Durchschlagskraft verfügt. Demgegenüber hat Mtv. im ersten Spiel schon versagt. Der Ausgang kann unter diesen Umständen nicht unklar sein. — In Wißmar ist mit einem ausgeglichenen Spiel zu rechnen. Jugendklasse. Mtv. Gießen I — Tv. 1846 Gießen, Mtv. Gießen II — Spv. 1900 Gießen, Tv. Dutenhofen — Tv. Krofdorf, Tv. Grüningen — To. Holzheim, To. Garbenteich — Tv. Lich, Tv. Cleeberg — Tv. Ebersgöns, Tv. Lützellinden — Tv. Hochelheim, Tv. Oberkleen — Tv. Groß-Rechtenbach, Tv. Wetzlar — Tv. Garbenheim, Tv. Niedergirmes — Tv. Münchholzhausen, Tv. Nauborn — Tv. Burgsolms, Tv. Lollar — Tv. Beuern. Zwei Lokaltreffen an einem Tage liefern sich die Jugendmannschaften der drei Gießener Handballvereine. Daß dieses Zusammentreffen zu einem Erlebnis werden wird, darüber bestehen wohl keine Zweifel. Denn die vier Mannschaften, die hier aufmarschieren, werden als ernsthafte Anwärter um die Tabellenführung in Frage kommen. Mtv. I und 1900 räumt man wohl nicht zu Unrecht einige Chancen ein. Alle übrigen Spiele, die hinter diesen beiden Treffen etwas in den Hintergrund treten, sollten ohne Ausnahme mit Siegen der Platzmannschaften enden. Mit dem morgigen Tage greift die 1. Mannschaft des VfR. in die Verbandsrunde der 1. Kreisklasse ein und wird gleich vor eine schwere Aufgabe gestellt. Empfängt sie doch in der 1. Elf des Sportvereins Leihgestern eine Mannschaft, welche bestimmt zu den besten dieser Klasse gezählt werden kann. Lich sollte sich den eigenen Platz zum Siege ausnützen können. — Die 1. Jugend wellt bei der gleichen des Sportvereins Garbenteich. Hier stehen sich gleichwertige Mannschaften gegenüber. Fußballabteilung des Turnvereins Wieseck. Hindernislauf usw. Nach der Flaggeneinholung um 15.45 Uhr erfolgt ein Marsch durch Wieseck mit anschließendem Vorbeimarsch vor dem Führer der Brigade 147. Im Saale der Gastwirtschaft Scheper findet dann eine Kundgebung statt, in der u. a. auch Brigadeführer Schmidt (Bad-Nauheim) sprechen wird. Den Abdes Sporttages bildet ein Manöverball. Das Feldbergrennen im Taunus üebersicht der Streckenführung. Fahrer zu größter Vorsicht zwang. Bei den Sportwagen war der Münchener K o h l r a u s ch mit seinem MG. mit 7:46,2 und 92,7 km/st der Schnellste. Nicht viel langsamer fuhr Schwede (Adler) mit 92,3 km/st (7:48,2). In der Rennwagenklasse bis 1100 ccm schaffte Bäumer, Bünde (Austin) 100,2 km/st (7:11,0) und bei den Rennwagen von 1500 bis 3000 ccm brauchte Buderus, Breslau (Bugatti) 7:01,2 Minuten (102,5km/st). Kahrmann verletzt. Leider ereignete sich beim anschließenden Training der Motorräder gleich ein Unfall, der jedoch glücklicherweise glimpflich verlief. Einer unserer besten Beiwagenfahrer, der Fuldaer K a h r m a n n (DKW.), kam in der Bctonkurve — etwa 100 Meter vor dem Ziel — zu Fall und stürmte auf einen an der Strecke gelegenen Rasen. Mit nicht sonderlich schweren Verletzungen wurde der Fuldaer sofort ins Frankfurter Krankenhaus gebracht. Arn genen Freitag auf dem Unioersitätssportplatz durchgeführt. Bei den Knaben war es der vorfahrige Meister Grüningen, der sich nach schönen Spielen verdient an die Spitze setzte. Bei den Mädchen unterlag wider Erwarten Holzheim den flinkeren und taktisch besser spielenden Mädels aus Allertshausen. Die Ergebnisse: Knaben: Ruttershausen—Grüningen 0:12; Obbornhofen—Odenhausen 12:3; Ettingshausen— Grüningen 3:9; Grüningen—Obbernhofen 15:1. Kreismeister 1936: Volksschule Grüningen: Mädchen: Allendorf/Lahn—Holzheim 0:11; Bellersheim—Allertshausen 1:8; Ettingshausen- Holzheim 3:5; Allertshausen—Holzheim 7:0. Kreis- meister 1936: Volksschule Allertshausen. Deutscher Ooppelsieg beim Wiener Reitturnier. Das Wiener Reitturnier erreichte am Freitag mit der Entscheidung des großen Mannschafts- sprinqens um den Preis der Nationen seinen sportlichen Höhepunkt. Trotz des schlechten Wetters — während des ersten Umlaufes ging ein heftiger Regen nieder — hatten sich zahlreiche Zuschauer eingefunden. Die deutschen Reiter konnten auch diesen Preis der Nationen mit 24 Fehlern vor Rumänien mit 393/4, Italien mit 41V4, der Türkei mit 42, Oesterreich mit 48 und Ungarn mit 593/4 Fehlern gewinnen und stellten zugleich in Rittmeister Momm aus „Baccarat" den besten Einzel- reiter. Frohnhausen II. — 1900 II. Die Reserve der Blau-Weißen wird diesmal wohl nicht wieder enttäuschen. Die Mitwirkung von Ranft t und Lehrmund dürfte sich jedenfalls (o, auswirken, j daß die Mannschaft zu einem glatten Sieg kommt. , Jugendspiele der Spielvereinigung 1900. Die Juqendpflichtspiele werden am kommenden Sonntag 'fortgesetzt. Die 1. Jugend empfangt aus eigenem Platze die gleiche Mannschaft von Watzenborn. Es sollte bei diesem Spiel einen schonen Kampf um die wertvollen Punkte geben. Wenn weiter Aussichten aus eine gute Stellung bestehen sollen, müssen entdlich einmal Punkte gesichert werden. Die Gäste haben in ihrer Spielstarke gegenüber den letzten Jahren nachgelassen. Der Gegner der 2. Jugend ist Großen-Linden Wenn die 2. Jugend ihr gewohntes Spiel zeigt, kann das Spiel gewonnen werden, zumal auch dieft Mannschaft den Vorteil des eigenen Platzes für sich in Anspruch nehmen kann. Auch zum fälligen Pflichtspiel empfängt die 3. Jugend die 2. Jugend Lollars. Die Spielstarke der Gäste ist weniger bekannt. Von den Schülermannschaften tritt voraussichtlich nur eine Mannschaft auf den Platz, und Zwar die 1. Schülermannschaft. Der Gegner ist Alten-Buseck. Sportverein 1920 Lollar. Am kommenden Sonntag empfängt die Liga die gleiche von Reichsbahn Dillenburg. Beide Mannschaften standen sich noch nicht gegenüber. — Beim Spiel der Reserven liegen die Dinge fast genau so, wie bei den Ligen. Vielleicht gibt auch hier der eigene Platz den Ausschlag. Die erste Jugend spielt in Daubringen und hat dort einen schweren Stand gegen die spielstarke Jugendmannschaft der Daubringer. Die zweite Jugend spielt in Gießen gegen 1900 3. Jugend. Fußball der Kreisklaffen. Sportverein 1920 Heuchelheim. Die erste Mannschaft des Sportvereins Heuchelheim hat am morgigen Sonntag die erste Mann schäft von Grünberg zu erwarten. Die 2. Els yar, ebenfalls auf eigenem Platz gegen Watzenborn Steinberg zu spielen. Beide Spiele sind verband spiele und werden von Heuchelheim m starrsten Aufstellungen bestritten. „ FC.Teutoma" Watzenborn-Steinberg Am morgigen Sonntag treten die beiden ersten Mannschaften von Watzenborn-Steinberg und Steinbach auf dem Platze der Teutonen zum zweiten ct* bandsspiel an. Den Gästen aus Steinbach wiro nach den bisherigen Resultaten nicht allzu viel Erfolg in Watzenborn-Steinberg beschieden sein, zumal der Gastgeber eine technisch bessere Mannschaft stellt. Vorher treffen sich die beiden Jugendmannschaften von Watzenborn-Steinberg und Grotzen- Linden. Die Jugendmannschaft von Großen-Linden ist durch viele schöne Resultate gegen achtbare Gegner bekannt und man rechnet mit einem interessanten Spiel. Spielvereinigung 1926 Leihgestern. Am morgigen Sonntag starten wieder drei Mannschaften der Spieloereinigung Leihgestern zum Punktekampf. Die 1. Mannschaft muß die Reise nach Lich antreten, um gegen den VdR. das fällige Verbandsspiel auszutragen. — Die Zweite Elf erwartet zu Hause die erste des Tv. Bieber (ebenfalls zum Verbandsspiel). Hier dürfte wohl der Vorteil des eigenen Platzes ausschlaggebend sein. — Die Jugend empfängt, ebenfalls zum Pflichtspiel die gleiche des Tv. Großen-Linden. V. f. 3L Lich. SA.-Sporttag des Pi.-Sturms 15/116 in Wieseck. Am morgigen Sonntag veranstaltet der Pi- Sturm 15/116 einen Sporttag, der um 7.45 Uhr mit Kleinkaliberschießen der Fünfkämpser im Schützenhaus zu Gießen beginnt. Nach Beendigung des Schießens geht der Marsch nach Wieseck, wo auf dem Festplatz die Flaggenhissung erfolgt. Der Vormittag ist den Mannschaftskämpfen gewidmet. Die Wettkämpfe versprechen nach den seitherigen Leistungen der einzelnen Kämpfer bei sportlichen Veranstaltungen recht gute Ergebnisse, die einen guten Besuch der Bevölkerung rechtfertigen. Ganz besonders hingewiesen sei no chouf die Pioniertechnischen Wettbewerbe des Nachmittags, wie Wett- bauen eines Beseler Steges, Pionier-Mannschafts- Steinberg—Steinbach (Post, Wieseck); Lich—Leihgestern (Offenbacher, Gießen); Hungen—Kll Linden (Keller, Lich); Rodheim—TV. 1846 (Nesseldreher, Heuchelheim); Gr. Buseck—A. Buseck (Deis, Nauborn); Hermannstein—N. Girmes (Zitzer, Gießen); Ehringshausen—Aßlar (Gutmann, Atzbach); Steindors—Spft. Wetzlar (Kaletsch,Wetzlar); Burgsolms—Philippstein (Volkmar, Wetzlar); Albshau- sen—Oberbiel (Zutt, Wetzlar); Grüningen—Gr. Linden (Hofmann, Wieseck); Leihgestern 2—Bieber (Happel Steinberg); Launsbach — Staufenberg (Seitz, Heuchelheim); Rüddingshausen—Wißmar (Körber, A. Buseck); Wieseck—Londorf (Grote Lollar)- Sp.V. Wetzlar 3—N. Girmes 2 (Bill, Plätze 1 Km Jelefon. bei jedem JDenn, - kilometer Zeit eine Jugendmannschaft, die nur in technischer Hinsicht den Gießenern etwas unterlegen sein sollte. Ein Sieg ist für beide Mannschaften möglich. DfB.-R. 2. Jugend — Steinbach 1. Jugend. Trotz des Vorteils des eigenen Platzes wird die 2. Jugend gegenüber Steinbach schwer zu einem Sieg kommen. VfB.-R. 3. Jugend — Staufenberg 1. Jugend. Die 3. Jugend müßte an sich über den Neuling Staufenberg einen Sieg erringen können. DfB.-R. 1. Schüler — Garbenteich 1. Schüler. Da die Schülermannschaft in den seitherigen Spielen ihre konstante Form bewiesen hat, so fährt sie nicht ohne Aussichten auf Spielgewinn nach Garbenteich. VfB.-R. 2. Schüler — Großen-Buseck 1. Schüler. VfB.-R. 3. Schüler — Garbenteich 2. Schüler. Spielvereinigung 1900 Gießen. Frohnhausen — 1900 Liga. Am Sonntag muß die Spieloereinigung 1900 ein weiteres Mal nach auswärts. Ihr Gegner ist Oranien Frohnhausen und damit steht den Blauweißen ein oesonders schwerer Gang bevor. Im vergangenen Jahre konnte lediglich der Meister Naunheim zu einem Erfolg auf dem Platze der „Dränier" kommen. Alle anderen mußten mehr oder weniger hohe Niederlagen hinnehmen. In diesem Jahr scheint es nicht anders der Fall zu sein. Ein großes Plus besitzen die Gastgeber m ihrem eignem Platz, der ziemlich schräg ist und dadurch stark auf die fremden Mannschaften einwirkt. Manche Elf, die bei der Platzwahl glaubte, daß erst bergauf zu spielen ein Vorteil sei, sah sich am Ende schwer enttäuscht. Die Frohnhäuser haben nämlich hier ihre besondere Taktik, und mehr wie einmal bewiesen, daß sie gerade bergauf zu ihren Erfolgen kommen. Für die Blau-Weißen besteht daher nur die eine Möglichkeit, alles aus sich herauszugeben, um so günstig wie nur möglich abzuschnei- den; denn jeder am Beginn errungene Punkt fallt bei der Endausscheidung doppelt in die Waagschale. 1900 tritt gegenüber dem Spiel in Lollar in anderer Aufstellung an, denn die Arbeitsmänner Schäfer und Mank werden aller Wahrscheinlichkeit nach wieder dabei fein. Auch steht noch eine den Sturm verstärkende Neuerwerbung in Aussicht. Leiter des Spieles ist Niersbach (Wetzlar). 2. Kreisklasse. Tv. Allendorf (Lahn) — Tv. Hausen, Tv. Wetzlar II — Tv. Lich, Mtv. Gießen II — To. Lang-Göns, To. Wißmar — Tv. Beuern. Begegnungen der Dezirksklaffe. Lollar — Dillenburg. VfB.-R. — Burg. Raunheim — Bissenberg. Frohnhausen — 1900 Gießen. Alsfeld — Wehlar. Die ßollarer werden auf eigenem Platze gegen Bä»® werden auch gegenüber d°n E°rn alles daran i-hen um einen weiteren Sieg ZU erringen, Alsfelder nach "n die Bezirksklasie heremgekammen, treten zum ersten Male aus eignem Platze gegen Wetzlar in Erscheinung. , DfB.-Aeicksbalm (Hießen. Burg auf dem Waldsportplah. Die Burger, die schon einmal vor Jahren der Bezirksklasse angehörten ^be.n^^r?/^ery^et3kt5: einen Tormann, der ihnen d» jet>» i ; > Punt rettete. Var ihm stehen zwei sch agsicher^Ver. leidiger. Die Läuserreihe hat m ihrem Mittet läufer den besten Mann. Der gefahrlichste Teil der BSsWSs der Gießener Jnnensturm wird mit anderen Leistungen aufwarten müssen VfB.-R. II - Burg II. Da keine Anhaltspunkte für das gönnen ber Spieles als offen zu bezeichnen. Jugendfutzbatt. VfB °R 1. Jugend — Großen-Buseck 1. Äugend, mit frei M°nn Ersatz fahrt dte 1 Jugend nach Delius setzte mit seinem Auto Union alles in Erstaunen und blieb ebenfalls unter der Sechs-Minu- ten-Grenze, ein Kunststück, das man bisher nicht für möglich gehalten hatte. Er benötigte 5:57,2 (120,94 km/st). Beide Zeiten verdienen um so größere Bewunderung, als der letzte Teil der Strecke durch Die Holzheimer werden, gemessen an ihrer derzeitigen Form, auch in Hörnsheim gewinnen, denn die Platzbesitzer sind immer noch nicht vollständig und haben auch in der letzten Zeit noch keine überragende Leistungen gezeigt. — Atzbach wird nur mit äußerster Anstrengung gegen Herborn gewinnen können. — Dutenhofen hat einen schlechten Start gehabt, der sicher nicht ohne Wirkung auf die Mannschaft geblieben ist. Es wird deshalb, wenn Grüningen auf der Hut ist, nicht viel Können aufzubringen (ein, um einen sicheren Sieg heraus- Fußball -er heimischen Mannschaften. tuuuuciuiiy, ui= uti ligil «V. —..V Sonntag wird der Fuldaer jedoch kaum am Start Nebel naß und glatt geworden war und somit die ! erscheinen fönnexi. Der erste Spielsonntag hat im Lager der Handballer noch kein klares Bild ergeben. Mannschaften, von denen man hohe Siege erwartet hatte, enttäuschten in jeder Beziehung- andere dagegen waren entgegen allen Erwartungen gut. Dieses Bild wird sich auch einstweilen noch nicht ändern. Es ist vielmehr mit weiteren unvorhergesehenen Überraschungen zu rechnen. Es werden am morgigen Sonntag stattfinden: Bezirksklasse. Spv. 1900 Gießen — Tv. Münchholzhausen, Tuspo Marburg — Mtv. Gießen. Münchholzhausen ist gerade in letzter Zeit stark nach vorne gekommen, und 1900 muß sich schon strecken, um die Oberhand zu behalten. Nach den Leistungen vom letzten Sonntag zu urteilen — man muß dabei allerdings auch den eingestellten Ersatz berücksichtigen — dürfte das selbst auf eigenem Platz außerordentlich schwer sein. Nur eine ausgesprochene Kampsmannschaft, die auch innerlich zufammen harmoniert, wird zu Erfolgen kommen. ..... Auch der Mtv. fährt mit gemischten Gefühlen nach Marburg. Denn seine Mannschaft konnte bis jetzt ebenfalls noch nicht restlos begeistern. Wenn auch über die Spielstärke der Marburger nichts bekannt ist, so wissen wir aus den vergangenen Jahren doch, wie gefährlich sie stets auf eigenem Platze sind. Die Mtv.er müssen sich deshalb schon zusammenreihen, wenn sie gewinnen wollen. 1. Kreisklaffe. Tv. Hörnsheim — Tv. Holzheim, Tv. Herborn — Tv. Atzbach, Tv. Grüningen — Tv. Dutenhofen, Tv. Dorlar — Tv. Katzenfurt. Bei MnnenhecrhwerdenuSodbrennen Bullrich - Sali SW Danksagung Herr Paul Eim Frau Auguste Reusch, geb. Merkel Gießen, den 25. September 1936 04368 Gießen (Posener Straße 3), Alzey, den 25. September 1936. Zurück Dr. Schliemann 6068V Wieseck, den 26 September 1936. 6078 D 6055 D Otto Faber Allendorf a. d. Lahn, den 25 September 1936 04367 60560 Im Namen der trauernden Hinterbliebenen; Ida Faber und Kinder. Gießen. 25. September 1936. 6067 D Bitte Prospekt anfordern! 5435V Großen-Linden, den 25. September 1936. 04417 Kaiserallee 49 Ruf 4067 Die Direktion. 5990V Wolle Walter Handarbeiten Frankfurt am Main Frankenallee 81 Telephon 73254/56 Strickwaren »a Strümpfe Wieseck, den 26. September 1936 im Spezialgeschäft 6020 D Nur eo können Sh enz.lgen durch ze.tgemäße, gepf.egte QailitärC Allla^Cl! Werbedrucksachen gut unterstützen. Nur eo berät und Gießen Seilers weg 52 Sonntag geöffnet! 6071A NSIS: Motorräder D KW: Motorräder Wanderer «Fahrräder 6045 A AUTO UN IO N Familie Ludwig Weiß V. und Helene Volk Wwe. Am 25. September entschlief nach schwerem Leiden unser lieber Vater, Schwiegervater, Großvater, Urgroßvater, Bruder und Onkel Beginn der Kurse Ende September Für die überaus zahlreichen, wohltuenden Beweise herzlicher Anteilnahme bei dem Heimgange unseres teuren, hoffnungsvollen Sohnes Familie Adolf Völzel und Hinterbliebene Praxis wieder aufgenommen Straft im Text Einprägsam in der Form Wirksam in der Farbe Am Donnerstag, dem 24. September 1936, verschied mein geliebter Mann, unser treusorgender Vater und Großvater Magdalena Eim Dr. Paul Eim Minna Vaubel Peter Diehl u. Frau Helene, geb. Vaubel. Nach Gottes unerforschlichem Ratschluß, wurde heute unser lieber, treuer Vater, unser Schwager sowie für die vielen Kranz- und Blumenspenden sagen wir hiermit unseren tiefgefühlten Dank. Besonders danken wir Herrn Dekan Sattler für die trostreichen Worte, der Hitler-Jugend, den Schul- und Arbeitskameraden und der Deutschen Stenografenschaft für den ehrenden Nachruf am Grabe nach kurzem, schwerem Leiden im Alter von 53 Jahren. — Auf Wunsch des Verstorbenen findet die Beerdigung in aller Stille statt. Von Bei-eidsbesuchen bittet man abzusehen. im vollendeten 73. Lebensjahr, von kurzem schweren Leiden durch einen sanften Tod erlöst. Allen, die uns beim Hinscheiden unseres lieben Entschlafenen ihre Teilnahme bewiesen haben, sagen wir hiermit herzlichen Dank llllllllllllllllllllllllllllll Ihre Geschäfts- Drucksachen •teilen dleVerblndung her zu Ihren Erzeugnissen.Man stellt sich die Beschaffenheit Ihrer Waren so vor, wie man Briefbogen, Brief umschläge.Post- karten, Rechnungen, Geschäftskarten Ihres Hauses beurteilt. Legen Sie deshalb Wert auf gepflegte Drucksachen I Wir bieten sie Ihnen preiswertI Brühl’sche Druckerei Schulstr. 7. 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Die Wagen stehen zu einer eingehenden Besichtigung und Probefahrt jederzeit, auch Sonntags, zur Verfügung. 6003d Tanzschule Berners-Meusel Sonnenstr. 19 / GIESSEN / Fernruf 3393 Sprechstunden täglich 11—1* 2, 3 — 4 Uhr Dr. med. H.W. Kranz Augenarzt Frankfurter Straße 24 STAND NR.87 EIN BEISPIEL MEINER PREISWURDI6KEIT Ludwig Hofmann Schaffner i. R. JtlZTMIT 5ANZSTAH L- AU FBAUTEN VIDAl6S0HH.TEMP0-WERK.HARBURG-WllH£tnjByRGl nur bei Witholf Selters weg 63 Telefon 2037 Möbel-Schau vom 26. September bis 4. Oktober in den Ausstellungsräumen Goethestraße 6 und in dem Hauptgeschäft Löberstraße 17 Wir laden zur zwanglosen Besichtigung höflichst ein MOTORRÄDER SIND DAUERLEISTUNGSMASCHINEN General-Vertretung: WILLI APPEL-GIESSEN Gute Betten u. sämtliches Zubehör Bettstellen. Gr. 90/190 18.50 Seegras-Matratzen Gr. 90/190 19.50 3teilig und Kopf keil Bettfedern ...x/*kg 3.90, 2.75,150, 0.90 füllkräftige Qualitäten bel Ludwig Haas Gießen Plockstraße 7 Gießen FR. 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Sie zeugt darüber hinaus von einem gesunden Gemeinschaftssinn, da alle kreise der Wirtschaft in einmütiger und opferbereiter Zusammenarbeit diese Ausstellung ermöglichten. Möge die „B r a u n e M e s s e" im Jahre 1936 in Wehen nicht nur zu einer Belebung der heimischen Wirtschaft führen, sondern darüber hinaus allenthalben das Verständnis für nationalsozialistische Wirtschaftsauffassung vertiefen und fördern. heil Hitler! Or. Hildebrandt, Kreisleiter. schaffen wie aus einem Guß, die der Aufgabe der Stadt Gießen oerecht werde. Besonders dankte der Redner dem Oberbürgermeister Ritter und dem Kreisleiter Dr. Hildebrandt, sowie allen ihren Mitarbeitern, die sich für das Gelingen dieser Veranstaltung seit Wochen besonders eingesetzt haben. Sodann begrüßte er alle geladenen Gäste, sowie die Interessenten an dieser Schau. Anschließend sprach der Redner über einige grundsätzliche Gedanken in Verbindung mit der Tätigkeit des Instituts für Deutsche Wirtschaftspropaganda. In diesem Zusammenhänge sagte er u. a.: Das nationalsozialistische Deutschland hat auf allen Lebensgebieten einen Umbruch herbeigeführt. Ich betone ausdrücklich, auf allen Lebensgebieten, denn unsere Weltanschauung kennt keine Gemeinsamkeit mit dem, was vor unserer Zeit war, sondern sie schafft etwas grundlegend Neues. Die Umwälzung Das neue Deutschland hat sich von der früheren Politik abgewendet. Als die Sorgen und Nöte immer größer wurden, haben sich die früheren Wirtschaftspolitiker darum gestritten, wie man die Weltwirtschaftspolitik in Ordnung bringen könne, ohne aber an die eigene Nationalwirtschaft zu denken. Im neuen Deutschland gingen die neuen Dirt- fchafisführer sofort daran, die deutsche Wirtschaft wieder gesund zu machen. Und an dieser Aufgabe wollen wir Mitarbeiten und auch durch diese Ausstellung dazu beitragen, indem wir unser Handwerk, unsere Industrie und unseren handel fördern. Während die anderen sich streiten, werden wir in Gemeinschaft arbeit en, und wir sind sicher, daß der Sieg bei Deutschland sein wird, wie ihn das herrliche deutsche Die heutige „Br a u n e Messe" hat gezeigt, daß sowohl handel als auch Gewerbe, Landwirtschaft und Industrie den Geist der Zeit richtig erfaßt und sich einmütig zu frohem Schaffen und gemeinsamem Aufbau zusammengefunden haben. Die Bevölkerung Gießens und seiner Umgebung hat Gelegenheit, sich von der Leistungsfähigkeit der ausstellenden Firmen zu überzeugen. Wer die „Braune Messe" im Jahre 1934 erlebt hat, muß mit besonderer Freude feskskellen, wie gewaltig der Aufschwung und die Zusammenballung aller Kräfte sich ausgewirkt haben. Unter Ablehnung früherer theoretischer Auffassungen geht auch hier die Wirtschaftsführung gemeinsam an den Aufbau unserer Nationalwirtschaft und hält mindestens gleichen Schritt im Gesamtaufbau des deutschen Der Ziergarten an der Volkshalle mit reizvollen Wasserspielen. Führer Oberbürgermeister Ritter und das die- ,,Braune alle ner» Gruß an Die Grenzland- und Auslandschau der NS.-Frauenschaft. morgen sei das komplizierte Räderwerk unserer Wirtschaft anzukurbeln und umzustellen. Aber es war für uns immer eine Gewißheit, daß die Wirtschaft nicht dazu da ist, um Volk und Staat zu regieren, sondern daß es die Aufgabe der Wirtschaft ist, dem Volke und dem Staate 3 u dienen und ihre Lebensbedürfnisse zu sichern. Diese Erkenntnis ist einer der wichtigsten Grundsätze nationalsozialistischer Weltanschauung. Der Nationalsozialismus würde sich selbst aufgeben, wenn er davon absehen würde, diesem Grundsatz Geltung zu verschaffen. Der Führer hat auf dem diesjährigen Parteitag in Nürnberg den Weg gewiesen, den wir in den nächsten Jahren zu gehen haben. Ich möchte heute noch einmal betonen, daß das deutsche Volk in den letzten Jahren innerlich so groß geworden ist, und auch gewillt und bereit ist, die Schwierigkeiten in Kauf zu nehmen, die vielleicht in den nächsten Jahren der Uebergangszeit noch auftreten werden. Denn wir die Freiheit und den Bestand unseres Volkes nicht nur auf Jahrzehnte, sondern auch auf Jahrhunderte hinaus erhalten und sichern wollen, dann müssen wir Opfer bringen, und wir werden auch alle bereit sein, die Opfer für das deutsche Volk und Vaterland freiwillig auf uns zu nehmen. Daran müssen wir auch in unserer Wirtschaft denken. Jeder muß sich darüber klar sein, daß hinter dem Dillen und dem Interesse der gesamten Nation das Interesse des Einzelnen zurückstehen muß. So müssen wir uns zu den heutigen Dingen einstellen. Wir müssen freudig bereit sein, auch auf manche Annehmlichkeiten des'Daseins zu verzichten, weil wir wisfen, daß wir dadurch eine bessere und glücklichere Zukunft für unser Volk erringen können Ich freue mich, daß ich diese zweite „Braune Messe" in Gießen nach der Machtübernahme eröffnen darf. Ist doch diese „Braune Messe" eine schöne Gemeinschaftsleistung, die von allen Teilen unserer heimischen Wirtschaft in aufopfernder Zusammenarbeit geschaffen wurde. Wir alle erwarten von der „Braunen Messe", daß sie nicht nur den Ausstellern einen erfolgreichen Verlauf bringt, sondern daß sie auch ' uns gestellt Hut. Ich erkläre hiermit die diesjährige Messe" in Gießen für eröffnet. Wir einigen uns in diesem Augenblick in dem in der Volkshalle zu Giefeen vom 25. September bis zum 4. Oktober 1936 Ausstellung für Industrie. Handwerk, Handel und Landwirtschaft 603Ii> Eintrittspreise Erwachsene 30. Kinder n. Militär 20 PL Aus einem neuen Tätigkeitszweig der Städtischen Betriebe. — (Aufnahmen (3J: Pfaff, Gießen.) Nach diesen Veranstaltungen ist viel gerufen worden. Wir wünschen nun, daß ebenso stark auch Interesse sein möge, wie vorher der Ruf nach ser Ausstellung erklungen ist. entbot hierauf die Grüße der Stadt Gießen ____ hieß besonders alle diejenigen Volksgenossen willkommen, die von auswärts nach Gießen kamen, um an dem Aufbau der Braunen Messe mitzuarbeiten. Dann sagte er u. a. weiter: Bei der ersten Braunen Messe im Jahre 1934 haben wir die große Leistungsfähigkeit unseres Handwerks, Handels und der Industrie feststellen das neue wirtschaftliche Denken in unserem Volke vertiefen und fördern hilft, um damit die Aufgaben lösen zu helfen, die der Volk verdient. In diesem Glauben an unser neues Deutschland, an das herrliche deutsche Volk und an den deutschen Menschen wünsche ich der Ausstellung besten Erfolg. Kreisletter Dr. Hildebrandt betonte, daß er als Kreisleiter vom Standpunkt der Bewegung aus kurz zu der „Braunen Messe" Stellung nehmen wolle. Er sagte u. a.: Wir wissen, daß das gewaltige Erneuerungs- und Aufbauwerk des Nationalsozialistischen Reiches nur dann erfolgreich durchgeführt werden kann, wenn tatsächlich auf allen Lebensgebieten nach nationatsoziali- stifchen Grundsätzen gehandelt wird. Wenn hier und da noch Unstimmigkeiten auftreten, dann liegt das daran, daß es bisher noch nicht überall möglich war, diesem Grundsatz restlos Geltung zu verschaffen. Gerade auf dem Gebiete der Wirtschaft hat es an verschiedenen Stellen in dieser Hinsicht noch an der Mitarbeit gefehlt. Der deutsche Mensch war durch die geistigen Kräfte der Vergangenheit und durch das liberalistische Denken 3um Teil noch so beeinflußt, daß er zu den Geschehnissen nicht immer die richtige Einstellung finden konnte, auch wenn er an sich den guten Willen dazu hatte. Wir können als Nationalsozialisten mit Stolz sagen: wenn heute die deutsche Wirtschaft wieder einen so glänzenden Aufschwung genommen hat, so ist dieser Aufschwung nicht etwa auf die deutschen Dirtschaftsführer zurückzu- führen, sondern er ist in erster Linie als verdienst unserem Führer Adolf Hitler zuzuschreiben. (Starker Beifall.) Wir haben auch nie angenommen, von heute auf können. Auch jetzt wieder können wir die gleiche erfreuliche Tatsache der Leistungsfähigkeit unserer heimischen Wirtschaft vermerken. hat fid) nicht beschränkt auf staatspolitische, wehrpolitische und sonstige Fragen, sondern sie hat auch die Wirtschaftspolitik betroffen. Dir betreiben heute in Deutschland die Volkswirtschaft nach ganz anderen Gesichtspunkten als vor 1933 Deutschlands wirtschaftspolitische Tendenzen staatlicherseits vertreten wurden. Dir sehen die Notwendigkeit, daß das deutsche Volk, um selbständig und unabhängig auf dieser Erde leben zu können, sich wirtschaftspolitisch einen Rahmen schaffen muß, der dieser Unabhängigkeit angepaßt ist. Wir können uns in unserer Versorgung mit dem lebensnotwendigen Bedarf nicht auf Gebiete außerhalb unseres Machtbereichs stützen, sondern wir müssen uns aus den Gebieten versorgen können, die uns zur Verfügung stehen. Wir können auch nicht in diesem Bereich für unsere eigenen Lebensnotwendigkeiten Preise gelten lassen, die auf dem Welt- markt, oder in Amerika, oder China oder Japan maßgebend sind, sondern wir müssen bei uns Preisverhältnisse haben, die unseren eigenen Lebensnotwendigkeiten gerecht werden. Dies grundsätzlich zu erkennen und sich danach einzustellen ist eine Notwendigkeit, auf die wir das deutsche Volk auch durch die'Dinge führen wollen, die ihm in den Veranstaltungen des Instituts für Deutsche Wirtschaftspropaganda nahegebracht werden: den Lebensbedarf einzustellen auf das, was wir in unserem Lebensraum für das deutsche Volk selbst zu erzeugen vermögen und zur Verfügung stellen können, den Bedarf so umzuändern, daß wir ihn befriedigen können aus dem, was unsere eigene Heimat, unser Fleiß und unsere Leistungsfähigkeit zu erzeugen vermögen. Das ist ein besonderer Appell an d i e Hausfrau, und deshalb ist es auch für die Hausfrau wichtig, sich dieser Veranstaltung zuzu- wenden, ihr alle Aufmerksamkeit zu schenken und ihre Beobachtungen dann im eigenen Haushalt praktisch zur Auswirkung zu bringen. Die Ausstellung „Braune Messe — Deutsche Woche" vermittelt die Erkenntnis, daß es notwendig ist, der deutschen Ware den gebührenden bevorzugten Platz im deutschen haus und im deutschen Verbrauch zu geben. Die von dem Institut für Deutsche Wirtschaftspropaganda veranstaltete und unter der Ausstellungsleitung von Gustav Hinte errichtete „Braune Messe — Deutsche Woche" vom 25. September bis 4.Oktober in der Gießener Volkshalle und auf dem angrenzen- gen Freigelände ist am gestrigen Freitagnachmittag mit einer Eröffnungsfeier im Tagungszelt auf dem Freigelände von dem Schirmherrn der Ausstellung, Kreisleiter Dr. Hildebrandt, der Oeffentlich- feit Übergeben worden. Zu der schlichten Eröffnungsfeier hatten sich mit dem Kreisleiter und den Angehörigen der Kreisleitung zahlreiche weitere Vertreter der Partei und ihrer Gliederungen, Oberbürgermeister Ritter als Vertreter der gastgebenden Stadt, ferner der stellv. Standortälteste der Wehrmacht, Major Junker, sowie Vertreter von wirtschaftlichen Körperschaften usw. und zahlreiche Aussteller im Tagungszelt eingefunden. Der Musikzug der SA.-Standarte 116 unter Leitung des Musikzugführers Herrmann leitete die Feier mit der ausgezeichneten Wiedergabe der Ouvertüre aus „Wilhelm Tell" ein und brachte anschließend den Finnländischen Reitermarsch zu Gehör. Hierauf sprach als erster Redner das 23er» waltungsratsmitglied des Instituts für Deutsche Wirtschaftspropaganda. Diplomlandwirt Elsner von Gronow Er bezeichnete einleitend die Tatsache, daß innerhalb verhältnismäßig kurzer Zeit zum zweiten Male eine Braune Messe in Gießen stattfinde, als ein Zeichen für die wirtschaftliche Kraft und den wirtschaftlichen Lebenswillen der Bevölkerung dieser Stadt, als Ausdruck des starken Willens, die Leistungsfähigkeit und Tüchtigkeit der heimischen Wirtschaft auf den verschiedensten Gebieten den anderen Volksgenossen zur Kenntnis zu bringen. Als weitere besonders bemerkenswerte Erscheinung bezeichnete er die Eigenart der Beziehungen zwischen einer benachbarten Großstadt und einer Mittelstadt von der Größe Gießens.. Jede Großstadt werbe schon durch ihre Art bevölkerungs- und wirtschaftspolitisch wie eine Säugpumpe auf den näheren und größeren Umkreis. Die Städte in der Nachbarschaft einer solchen Großstadt mühten daher auf dem Posten fein, ihre Kraft lebendig zum Ausdruck zu bringen, um selbst und mit Ihrer natürlichen Umgebung nicht aufgesogen zu werden von dieser Saug- purnpen-Tendenz der großen Stadt. Da sei es immer wieder eine zwingende Notwendigkeit für solche Städte, daß sie sich ihrem natürlichen Umkreis in ihrer Leistungsfähigkeit in Gewerbe, Handwerk, handel und Industrie von Zeit zu Zeit vorstellen. Das fei die Bedeutung auch dieser „Braunen Messe — Deutschen Woche" für die Stadt Gießen und ihre Umgebung. Das Institut für Deutsche Wirtschaftspropaganda habe es als feine Aufgabe betrachtet, wie in anderen gleichartigen Städten auch in Gießen den vorerwähnten Gesichtspunkten entsprechend Geltung zu verschaffen. Das Institut fei ollen denen dankbar, die sich in den Dienst dieser Aufgabe gestellt haben, um eine Braune Messe zu Volkes. Ich beglückwünsche das Institut für Deutsche Dirt- schastspropaganda zu seinem hervorragenden Erfolg und wünsche, daß die Bemühungen der einzelnen Firmen ebenfalls vollen Erfolg haben mögen. hell Hitler! Witter, Oberbürgermeister. ». Braune Messe - Deutsche Woche Ein Rundgang Aus -er Provinzialhauptstadt 5975A Edgar Gießen, Neustadt 5 • Telephon 4165 SONDERSCHAU der Äraunen Messe CARL BECKER III Lederfabrik 6036V Lederwaren Mm an W em Haus- und Küchengeräte in großer Auswahl! Gartengestalter Eberhard Schwarz Gießen / Am Nahrungsberg 2 / Fernsprecher 4082 Rinn- Lebensmittel Dammstraße 41 Ecke Steinstraße Allesbrenner neue, geschmackvolle Formen Herde für Gas, Kohle und Elektrizität unseren geliebten Führer, dem allein wir diesen Aufschwung zu verdanken haben, dem wir folgen für alle Zeit in unserem festen Glauben, mit aller Liebe und in unvergänglicher Treue. Wir grüßen den Führer mit unserem Sieg-Heil! Begeistert stimmte die Versammlung in den dreimaligen Ruf ein, dann folgte der gemeinsame Ge- Besonderer Erwähnung bedürfen die Kojen, die die NSV. bzw. das W H W. ausrichteten und dabei interessante Ausschnitte aus ihrer vielfältigen sozialen Arbeit zeigen. Die Stadt Gießen und der Verkehrsverein haben für die Verkehrswerbung und für eigenen repräsentativen Zweck den Pavillon eingerichtet, der Liebigs erstes Laboratorium darstellt. Bildmaterial, Schriften usw. vervollständigen diese Schau, die von dem Leiter des Städtischen Verkehrsamtes und dem Bühnenbildner des Stadttheaters geschaffen worden war. Das Stadttheater selbst zeigt in liebenswürdiger Manier Kostümskizzen der Gewandmeisterin, Modelle von Dekorationen und ausgezeichnet gesehene photographische Wiedergaben von Szenen aus Aufführungen des Theaters. In einer sehr ansprechenden Weise haben sich die Innungen unserer Stadt beteiligt. Jede der Innungen hat einen eigenen Stand hergerichtet unh dabei die Eigenart des jeweiligen Handwerks, zum Teil in symbolischen Darbietungen, zum Ausdruck gebracht. Mit einfachen Mitteln werden dabei schöne Wirkungen erzielt. Mit einer Fülle des aufschlußreichsten Materials wenden sich verschiedene wissenschaftliche I n st i t u t e unserer Universität an die ländliche Bevölkerung. Anschauungsmaterial, Skizzen, graphische Darstellungen und Bilder, sowie auch praktische Einrichtungen geben dem Landmann Vorschläge zu höheren Leistungen. Um diese Lehrschau machten sich das Pflanzenschutzamt Gießen, die Landwirtschaftsschule Gießen, der Obere Hardthof und das Veterinärhygienische und Tierseuchen-Jnstitut verdient. Wer zum Besuch der Braunen Messe die Volkshalle betritt, wird seinen Rundgang beginnen unter Gedanken an den Aufbau in unserem Vaterlands. Dieser Gedanke wird wohl in jedermann ausgelöst, der den Ehrenhof in der Vorhalle mit der Büste des Führers und den an den Wänden wieder- gegebenen Worten des Führers einige Aufmerksamkeit schenkt. Und die Schau selbst bestätigt die Tatsache des Aufbaus tausendfach. Aus vielen Dingen, die zur Schau gestellt find, spricht aufbauender Wille und ist zu erkennen, daß sich viel deutsche schöpferische Kraft für den Fortschritt einsetzte. Kaum ist es möglich, die große Fülle der Erscheinungen mit den Augen zu erfassen, geschweige denn im geschriebenen Wort eingehend zu würdigen. Fast verwirrend wäre die Fülle der hier gezeigten deutschen Werkmannsarbeit zu nennen, wenn sie nicht völlig klar und übersichtlich gegliedert wäre. Als ein besonders erfreuliches Moment kommt hinzu, daß das äußere Bild der Ausstellung auf den ersten Blick einen angenehmen Eindruck vermittelt. Frisches Grün und Blumen begrüßen den Besucher und bald wird er von der Schau selbst in Bann gezogen sein. In erster Linie ist die Industrie, repräsentiert durch den Händler, vertreten. Die metallverarbeitende Industrie steht mit ihren Erzeugnissen im Vordergrund und es fehlt in den umfangreichen Kojen der hiesigen Eisenwarenhandlungen nichts von dem, was Interesse verdient. Besonders der Hausfrau werden viele Anregungen gegeben, wie sie sich die Arbeit in Haus und Küche erleichtern kann. Neuzeitliche Herde und Oefen, Geschirre, Werkzeuge, Maschinen für den Haushalt, all das ist in reicher Auswahl zu sehen. Die Spezialfirmen für Bestecke, Waffen usw. wissen ebenfalls vielerlei zu zeigen. Ueberall in diesen Kojen blitzt und blinkt es. Breiten Raum nahm die Bekleidungsindustrie für sich in Anspruch. In schönster und unverbindlicher Form kann sich jedermann über den Stand der Mode, bzw. der Bekleidungskultur unterrichten. Stark ist vor allem die Herrenbekleidung vertreten. Interessant ist in diesem Zusammenhang den Entwicklungsgang einer deutschen Spinnfaser vom Urprodukt (Holz) bis zum fertigen Kleidungsstück zu verfolgen. Außerordentlich reichhaltig ist die Möbel- Abschlußprüfungen an der Heeres- fachschule für Verwaltung u. Wirtschaft. Man berichtet uns: Am 21. und 22. d. M. fand im Liebigbau (Liebigstraße 16) die diesjährige mündliche Abschlußprüfung I und am 25. d. M. die Abschlußprüfung II unter dem Vorsitz des Truppenunterrichtsleiters Fachstudiendirektor B o u ch - Holtz statt. Dem Prüsungsausschuß gehörten ferner an: Major Junker als Vertreter des Standortältesten, ein Fürsorgeoffizier, die an der Prüfung beteiligten Fachlehrer und die Vertreter der Anstellungsbehörden. Nachstehende Behörden waren vertreten: Reichsfinanzverwaltung Darmstadt; Reichsbahndirektion Frankfurt a. M.; Reichspostdirektion, Abteilung Darmstadt, Frankfurt a. M.; Hessische Landesregierung Darmstadt (für die Staats- und Gemeindebehörden.) Als Gast war ein Ortsgruppen* Vorstand des Reichstreubundes Gießen zugegen. Kugellager „FAG" fang der beiden ersten Verse der Nationallieder, ^er Musikzug der SA.-Standarte 116 beschloß die Feierstunde mit dem schneidigen Spiel des Marsches „Deutschlands Ruhm". Im Anschluß an die Eröffnungsfeier begaben sich die Teilnehmer auf einen Rundgang durch die Ausstellung. B. 3% Messe-Rabatt Sonntag Stadtgeschäft geschlossen, Verkauf auf der Braunen Messe Besondere Beachtung verdient ferner ein Stand, der von der Ortsgruppe Gießen des Reichskolonialbundes ausgestattet wurde und in übersichtlicher Weise die Bedeutung der Kolonien für die Rohstoffwirtschaft unseres Vaterlandes erkennen läßt. Gleichzeitig wird in dieser Schau die deutsche Kulturarbeit in den Kolonien veranschaulicht. Eine große Anzahl von Spezialfirmen stellte ihre Erzeugnisse aus. Nahrungsmittelfabriken, der Handel technischer Gummiwaren, Möbelfabriken, die Lederindustrie, der Schuhhandel, Ausstattungsfirmen, Handwebereien, die Tabakbranche, die Töpferei heimatlicher Art, Spezialgeschäfte für Elektrotechnik, die Kraftfahrzeugindustrie, die Näh- maschinen-Jndustrie, die deutsche Bernstein-Industrie aus Ostpreußen, Photo- und Radio-Firmen, Landmaschinen-Jndustrie usw. tragen in buntem Nebeneinander zu dieser universellen Wirtschaftsschau bei. Eine schöne Bereicherung hat die Ausstellung im Freigelände durch die Anlegung eines prächtigen Ziergartens gefunden; jedermann, der diese Anlage sieht (sie entstand in einer verhältnismäßig kurzen Zeit), wird lebhaft bedauern, daß sie mutmaßlich nach der Ausstellung wieder entfernt werden muß. Wasserbecken mit Springbrunnen beleben eine schöne gleichmäßige Rasenfläche, Blumen begrenzen den Rasen, Plattenwege sind gelegt, eine Pergola wurde erstellt, ein Gartenhäuschen wurde in einem schönen natürlichen Stil erbaut. Mehrere Firmen haben an diesem Werke mitgeschaffen und folgten dabei den Plänen eines hiesigen Gartenarchitekten. N. Bomnanns ,Oer Garten" — Diel Freude durch Grün und Älumen - Werkzeuge für sämtliche Berufe Ersatzteile zu Herden und Oefen Kesselöfen emailliert und verzinkt industrie mit ihren geschmacklich und technisch hochentwickelten Erzeugnissen vertreten. Wer hier zu wählen hat, dem würde der Entschluß sicherlich nicht leicht fallen. Keine Mühe umfangreicher Transporte war von den Seiten des Handels gescheut worden. Starken Anteil nahmen die Firmen, die Büromaschinen und bürotechnische Einrichtungen zur Schau zu stellen haben. Viele der hochwertigen Buchungs-, Schreib- und Rechenmaschinen können den Besuchern gezeigt werden. Feuerfeste Aktenschränke sind da, Vervielfältigungsmaschinen in hoher Vollendung sind in Betrieb zu sehen. Noch manche andere Neuerung fordert Aufmerksamkeit heraus. Für die Frau gibt es gleichermaßen viel zu sehen. Die Ausstellungen der NS. - Frauenschaf t erweisen sich als außerordentlich aufschlußreich und in vieler Hinsicht als beispielgebend. Keine Frau sollte achtlos vorübergehen. Manche wertvolle praktische Anregung ist hier zu gewinnen. Gleichermaßen sind Hauswirtschaft und Volkswirtschaft in ihren engen gegenseitigen Verbindungen dargestellt. Mit besonderer Aufmerksamkeit dürften von Mädchen und Frauen jene Ausstellungsräume besucht werden, die der S ch m u ck i n d u st r i e vorbehalten wurden. Kunstgewerbliche Erzeugnisse, die viel Kultur verraten, verdienen ebenfalls alle Beachtung. Sehr schöne Dinge werden aus Gegenden, in denen es eine sogenannte Heimindustrie gibt, gezeigt. Eine Reihe von Ständen wurde jenen Firmen Zur Verfügung gestellt, die mit Hilfe von Kostproben ihre verschiedenartigen Würzebrühen, geistigen Getränke, Fruchtsäfte usw. anboten. In einem Wirtschaftsbetrieb ist die Möglichkeit zur Stärkung gegeben. Alle Beachtung fanden die umfangreichen Schauen der Gasgemeinschaft und der Elektro- gemeinschaft in unserer Stadt. Hochentwickelte Geräte werden in beiden Abteilungen gezeigt und damit in mancher Hausfrau Wünsche ausgelöst. Allgemein imponieren die Einrichtungen für Großküchen. Noch viele andere Spezialzweige unserer heimischen bzw. deutschen Industrie, mehr oder weniger den bereits hier erwähnten Industrien verwandt, stellen aus und wissen die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich zu lenken. Die neuesten HERBSTMODELLE in allen ILIED1EIRWA\IR)EM zeigt Ihnen auf der Braunen Messe und in den Schaufenstern Bahnhofstraße 16 Hartbrennholz/ ä Wagen 5 Mk. Anmachholz ä Wagen 6 Mk., 1 Sack Anmachholz 1 Mk. frei Keller. asaD J. Wellhöfer, Telephon 2313, Maür.Str.24. Der Abschlußprüfung I (Berechtigung zum Eintritt in den einfachen mittleren Bürodienst) unterzogen sich 21 Unteroffiziere im 12. Dienstjahr und ein Versorgungsanwärter. Diese 22 Prüflinge haben alle bestanden: Feldwebel Becker, Feldw. Eisenhauer, Oberfeldw. Gebhardt, Feldw. Geiger, Feldw. Hahn, Feldw. Klapp, Feldw. Knobloch, Feldw. Landefeld, Feldw. Q u i r rn b a ch , Oberfeldw. Schulz, Feldw. Spahr, Feldw. Weigand, Feldw. B o l l a n d, Oberfeldw. Bremser, Feldw. C a s s e l m a n n, Feldw. Fischbach, Feldw. Freitag, Feldw. Hebbel, Feldw. H u s m a n n, Feldw. Scheuch, Versorgungsanwärter Supp, Uffz. Will. Der Abschlußprüfung II (Berechtigung zum Eintritt in den gehobenen mittleren Beamten- oienft) unterzogen sich zehn Prüflinge. Sie haben ebenfalls alle bestanden: Oberfeldwebel Bax, Oberfeldw. Beitter, Feldw. Burkart, Oberfeldw. ö. I | w*Z i Nahmaschine 115.- äitesie deutsche Weltmarke, fabrikneu. Auch aul Teilzahlg. m. 94 Wochenr. ä RM L50. Anzahl g. eine Mte.-Rate. Liele- rung frei. Annahme v. Bedarf8d.-8cheinen und Altmaschinen. Verlangen Sie »ot.nnverbindl. Besuch des zuständigen Vertreters,Postkarte genügt, durch Chr. Otto Schuch Gutleutetr. 1 (dir. am SchauspielhausI Besucht den Wlrauf*denr Ul’«! UH CH JJfcSSC Stand Nr. 23 - 30 (auf der Bühne) eine große Auswahl NEUER MODELLE zu wirklich günstigen Preisen u. bitten um Ihren Besuch 59Z4A JMZdhau^Zd Marktstraße 29/30. 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Gie Schwurgericht in Gießen 40 Pf., 50 kg 3,50 bis 3,70 Mark, Frühäpfel, H kg 10 bis 20,Falläpfe! 3 bis 6, Birnen 10 bis 15,Zwetschen 7 bis 8, Nüsse 40, Brombeeren 35, Preiselbeeren 32 bis 40 Pf., Hähne 1 bis 1,10 Mk., Suppenhühner 80 bis 90 Pf., Enten 1 bis 1,10 Mark, Blumenkohl 10 bis 30, Salat 5 bis 15, Salatgurken 10 bis 30, Ein- machgurken 2 bis 5, Endivien 5 bis 10, Oberkohlrabi 4 bis 8, Lauch 5 bis 8, Sellerie 20 bis 25, Rettich 5 bis 16, Radieschen, das Bündel 10 Pf. Der am 26. April 1894 in Borsdorf geborene, zuletzt dort wohnhaft gewesene Ludwig Belzer II., stand gestern unter der Anklage des Meineids. Der Angeklagte hatte im Jahre 1935 vor dem Amtsgericht Nidda unter Eid abgestritten, daß er der Zeugin M., die einen Prozeß gegen ihn an-s Nachspiel zum Mordprozeß Vogler. Iran Rocker wegen Beihilfe zum Mord angeklagl. Lpd. Frankfurt a. M., 25. Sept. Der Presse» dezernent beim Landgericht Mainz teilt mit, daß die Staatsanwaltschaft Mainz am 18. September gegen die im G i f t rn o rd p r o z e ß Bögler häufig genannte Ehefrau Rocker aus Wiesbaden, die sich in Mainz in Haft befindet, Anklage weyen Beihilfe zum Mord beim Schwurgericht Mainz erhoben hat. gestrengt hatte, ein Eheversprechen gegeben habe bzw. mit ihr verlobt gewesen sei. Die Zeugin M., die verwitwet ist, erhielt eines Tages einen anonymen Brief, in dem ihr der Briefschreiber mitteilte, daß der heutige Angeklagte, der ebenfalls zur damaligen Zeit Witwer war, an ihr Interesse habe und daß der Angeklagte evtl, daran denke, mit ihr zwecks Ehe in nähere Bezie- Hungen zu treten. Eine Zeugin, die von diesem Briefe erfuhr, teilte den Inhalt dem Angeklagten mit, der den Wunsch äußerte, den Brief einmal zu sehen mit einer Stellungnahme der Zeugin M. Die Zeugin M. war, da sie ein Kind hatte und ihrer Landwirtschaft nicht in vollem Umfange vorstehen konnte, nicht abgeneigt, den Anaeklagten kennen- zulernen. In der Folgezeit verkehrte der Angeklagte, nachdem sich das Verhältnis zwischen ihm und der Zeugin M. angebahnt hatte, öfters im Hause der Frau. Dabei kam es auch zu einem intimen Verhältnis zwischen ihm und der Zeugin M. Die Zeugin gab an, daß sie sich nur deshalb mit dem Angeklagten eingelassen habe, weil ihr dieser die Ehe versprochen habe. Als sich eines Tages der Angeklagte von ihr zurückgezogen hatte, erhob sie Klage bei dem Amtsgericht in Nidda wegen Verlöbnisbruch. In diesem Prozeß wurde der Angeklagte als Partei eidlich vernommen. In dem diesem Prozeß vorangegangenen Güteoerfahren wurde der Angeklagte eingehend belehrt, roa? er rechtlich unter dem Begriff „Verlöbnis" versieben müsse. Der Angeklagte stritt unter Eid ab, mit der Zeugin M. verlobt gewesen zu sein bzw. dieser das Eheversprechen abgegeben zu haben. 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse B 11, ausländische 11%, Wirsing, grün, % kg 7 bis 8, Weißkraut 5 bis 8, Rotkraut 8 bis 10, gelbe Rüben 8 bis 10, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 10 bis 15, Römischkohl 8, Bohnen, grün 18 bis 25, gelb 18 bis 25, Unterkohlrabi 8 bis 10, Erbsen 25 bis 35, Feldsalat 80, Tomaten 15, Zwiebeln 8 bis 10, Meerrettich 30, Kürbis 5 bis 6, Pilze 15 bis 20, Kartoffeln, 5 kg Die Verhandlung gegen den Anaeklagten Karl Möser aus Eichelsdorf, über dessen Meineids- verfahren wir in unserer gestrigen Ausgabe bereits berichteten, wurde am Freitagvormittag mit den Plädoyers des Staatsanwaltes und der beiden Verteidiger fortgesetzt. Das Schwurgericht erkannte gegen den Angeklagten nach längerer Beratung auf eine Gefängnis- ftrafe von einem Jahr und 1 Monat. Außerdem wurden dem Angeklagten die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von drei Jahren aberkannt. Zur Begrüdung des Urteils führte der Vorsitzende aus, daß das Schwurgericht es als erwiesen erachte, daß sich der Angeklagte der Zeugin O. nicht nur in unsittlicher Weise genähert, sondern auch unerlaubten Verkehr mit ihr gehabt habe. Dieser Beweis sei durch die beeidigte Aussage der Zeugin O. einwandfrei geführt, zumal das Schwurgericht nicht die geringste Veranlassung hätte, an der Glaubwürdigkeit dieser Zeugin zu zweifeln. Sowohl der Bürgermeister als auch eine Reihe weiterer Zeugen hätten der Zeugin O. das denkbar beste Zeugnis ausgestellt. Im übrigen wurden die Angaben der Zeugin O. durch die Aussagen der ebenfalls eidlich vernommenen Zeuginnen M. und St. unterstützt. Strafmildernd wurden die seitherige Unbestraftheit und der gute Leumund des Angeklagten berücksichtigt. Strafschärfend, so führte der Vorsitzende aus, kam in Betracht, daß der Angeklagte, wie die Hauptoerhandlung ergeben habe, ein egoistischer Mensch lei. Die Verteidiger des Angeklagten waren die Rechtsanwälte Dr. Wämser (Gießen) und Spa- m e r (Nidda). Gegen den Angeklagten erließ das Schwurgericht mit Rücksicht auf die Strafhöhe Haftbefehl. . Die Beweisaufnahme, die sich bis in die gestrigen Abendstunden erstreckte, konnte noch nicht zu Ende geführt werden und wird am Samstagvormittag fortgesetzt. Amtsgericht Gießen. Der Angeklagte K. V. aus Trohe, der wegen Diebstahls im Rückfall und Betrugs unter Anklage steht, war zum Hauptverhandlungstermin nicht erschienen. Auf Antrag des Staatsanwalts erließ das Gericht Haftbefehl gegen den Angeklagten. Fohr, Feldw. Hain, Uftz. Klix, Oberfeld«. M o g k, Feldw. Ronneburg, Oberfeld«. Weiß, Oberschirrmeister Z a i ß. Wintersemester der Gewerbeschule Gießen. Von der Stadtverwaltung wird uns geschrieben: Am 2. November beginnt, wie alljährlich, die Gewerbeschule Gießen mit ihrem Wintersemester. Da auf Grund der erhöhten Anforderungen im Handwerk und Industrie und infolge der Wiederbelebung der Wirtschaft, insbesondere des Baumarktes, eine außerordentliche Nachfrage nach tüchtigen Fachkräften besteht, kann dem Handwerker, wie dem künftigen Techniker nur dazu geraten werden, sich neben der praktischen Erfahrung die theoretischen Kenntnisse für seinen Beruf durch den Besuch einer entsprechenden Fachschule zu erwerben. Hierzu besteht an der Gewerbeschule Gießen die beste Gelegenheit. Außerdem bietet sich die Möglichkeit, sich das für die Meisterprüfung geforderte Maß an Kenntnissen anzueignen oder mit der staatlichen Abgangsprüfung gleichzeitig den theoretischen Teil der Meisterprüfung abzulegen. Befähigte Schüler können mit Anrechnung der an der Gewerbeschule Gießen absolvierten Semester auf die höheren technischen Staatslehranstalten für Hoch- oder Tiefbau, Maschinenwesen usw. übergehen. Die Schule bietet also in ihren zahlreichen Abteilungen für Maurer, Zimmerer, Schreiner, Maler, Schlosser, Elektriker, Schuhmacher usw. vertiefte theoretische Ausbildung, Zugang zu den Prüfungen, damit fachliche Weiterbildung und beruflichen Aufstieg. Prospekte und Auskunft durch die Direktion der Gewerbeschule Gießen, Liebigstraße 16. Man beachte die heutige Anzeige. Motorradunfall auf nächtlicher Straße. Gestern gegen 23 Uhr ereignete sich auf der Straße zwischen Gießen und Lich unweit der Kasernen ein Verkehrsunfall. Heinrich Rohn von Gießen und Karl Wahl von Lich, die sich auf dem Motorrad unterwegs nach Lich befanden, fuhren in den Straßengraben, da sie, nach der Erklärung eines Mitfahrers, von einem entgegenkommenden Auto geblendet waren. Rohn stürzte schwer, blieb bewußtlos liegen und wurde von einem Lastkraftwagen, der bald nach dem Unfall die Straße passierte, zunächst zur ersten Hilfeleistung zur Sanitätskolonne gebracht und von dort aus in die Chirurgische Klinik eingeliefert; er ist noch nicht vernehmungsfähig. Der Beifahrer Wahl erlitt leichtere Verletzungen. Gießener Wochenmarktpreise. * G i e ß e n, 26. Sept. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: D. f. Molkereibutter, % kg 1,57 Mark, f. Molkereibutter 1,52, Landbutter 1,42, Markenbutter Iwndfunkprogramm. Sonntag, 27. September: 6 Uhr: Hafenkonzert. 8.05: Gymnastik. 8.45( Morgenmusik für Violine und Klavier. 9: Katho» lische Morgenfeier. 9.45: Bekenntnisse zur Zeit. Volkstum als Erbe (II). Von Dr. Hermann Reischle. 10: „Der Bauer hebt den Sensenschaft..." 10.30t Chorgesang. 11: Unterhaltungskonzert. Dazwischen: Funkberichte vom Motorradrennen „Rund um den Feldberg". 14: Kinderfunk. 14.45: „Halten Sie mal die Luft an!" Eine erlauschte Begegnung. 15: Deutsche Scholle. 16: Nachmittagskonzert. Als Einlage 17.25—17.40: Länderfuhballspiel Deutschland- Tschechoslowakei. Funkbericht. 18: HJ.-Funk. Ge- bietssporttrefsen der HI. 18.30: Konzert. 19.45: Sportbericht. 20: Geschichten aus dem Wiener Wald. Ein historisches Funkbild im Dreivierteltakt. 22: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 22.15: Sportspiegel des Sonntags. 22.30: Nachtmusik. 24 bis 2: Siegfried-Wagner-Gedächtnis-Konzert. Montag, 28. September: 6 Uhr: Choral — Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In der Pause, 7: Nachrichten, 8.10: Gymnastik. 8.30: Musik zur Frühstückspause. 9.30: Nur Kassel: Nachrichten. 10: Schulfunk. „Die Bremer Stadtmusikanten" Märchenspiel frei nach Grimm bearbeitet von Erika Geldern-Salzmann. 11: Hausfrau, hör zu 11.30: Bauernfunk. 11.45: Sozialdienst. 12: Schloßkonzert. 13: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 13.15: Schloßkonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Was Euch gefällt! 15: Volk und Wirtschaft. Was kostet ein gebrauchter Wagen? Aus der Arbeit der Schätzstellen. Wirtschaftsmeldungen. 15.15: Kinderfunk. Was können wir im Freien spielen? 15.45: Nachmittagskonzert. 16.45: Südwestdeutsche Erzähler. Roland Betsch. 17: Von Kassel: Klaviermusik. 17.30: Herbstsonne über Strom und Wald. Ein Streifzug durch das Land der jungen Weser. 18: Fröhlicher Alltag. 19: Von Freiburg: In der Dreiländerecke. 19.40: Der Zeitfunk bringt den Tagesspiegel. 20: Nachrichten. 20.10: Unterhaltungskonzert. 22: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 22.30: Musik zur „Guten Nacht". 24—2: Nachtkonzert. Kleine Anzeigen richten sich an die Bevölkerung der engeren Heimat! Daran: Kleinanzeigen in die Heimatzeitung, den BieBenerAnzeiger Moderne Möbel in großer Auswahl RUD. SOMMERLAD Möbelwerkstätte Beuern d. Gießen, Tel. Gr.-Buseck 53 Auf der BRAUNEN MESSE Stand 22 (vor der Bühne) 6037 D . 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Jhnmomafc für Blumen u.Garten Feld und Wiesen für Hausbrand und Zentralheizung für Landwirt und Siedler Gärtneru.Blumenfreund der kraftvolle Natur-Humusdünger Stand 4 und Mustergarten Städtische Betriebe Gießen Ur. 226 Sechster Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesten) Samstag, 26. September 1936 Um anderthalb Milliarden jährlich. Der Kampf gegen Verderb und Vergeudung ist Sache des ganzen Volkes. Berlin, 25. Sept. (DNB.) Ungeheure Werte gehen jährlich der deutschen Volkswirtschaft verloren. Durch falsche Lagerung und unwirtschaftliche Behandlung ergibt sich für die deutsche Volkswirtschaft allein an Nahrungsmitteln und Genußmitteln, Futtermitteln usw. ein jährlicher Verlust von schätzungsweise lVz Milliarden Reichsmark. Bei einem Gesamtwert der verkauften Nahrungsmittel usw. von 8V2 Milliarden Reichsmark ist das ein erschreckend hoher Hundertsatz. Die Verluste, die durch das fehlende Interesse an der Wiedergewinnung von Roh- und Hilfsstoffen in der Industrie, im Gewerbe und in den öffentlichen Betrieben entstehen, sind kaum abzu- schätzen. Einen Begriff von den wirtschaftlichen Verlusten- kann man sich am besten machen, wenn man sich veraegenwärtigt, daß diese Verluste die Einfuhr von Lebensmitteln übersteigt. Etwa 750 Millionen Reichsmark gehen auf dem Weg vom Erzeuger zum Verbraucher verloren, davon entfallen 195 Millionen Reichsmark auf Kartoffeln, 215 Millionen Reichsmark auf Gemüse und O b st, 135 Millionen RM. auf Getreide, 110 Millionen RM. auf Futtermittel und 81 Millionen RM. auf Milch, Milcherzeugnisse und Eier. Der Verlust in den Haushaltungen und Küchen wird ebenfalls auf etwa 750 Millionen RM. geschätzt. Seit Jahren ist es deshalb das Ziel der führenden Stellen des Reiches und der Partei, alle Fehlerquellen zu erforschen, um für die Abstellung der Schadenursachen Sorge zu tragen. Um das deutsche Volk darüber aufzuklären, daß die Erzeugungs- schlacht, zu der der deutsche Bauer im Herbst 1934 aufgerufen worden ist, nur dann durchgeführt werden kann, wenn auch der Verteiler, der Nahrungsmittelverarbeiter und die deutsche Hausfrau im Kampf gegen Verschleuderung und Verderb von Nahrungsmitteln m i t h i l f t, haben die zuständigen Stellen und viele Organisationen zu einem intensiven Werbefeldzug unter dem Wahlspruch „Kampf dem Verderb" aufaerufen, der am Freitag mit einer großen Kundgebung im Landwehrkasino am Zoo einsetzte. Staatssekretär Backe begrüßte in Vertretung des erkrankten Reichsernährungsministers Darrs die Erschienenen. Wenn seinerzeit zur Erzeugungsschlacht aufgerufen wokden sei, so sei das Ziel gewesen, die bis dahin vollständige Abhängigkeit vom Ausland möglichst weitgehend xu beseitigen. Während nun der Kampf gegen die Verknappung eine Aufgabe des Staates und der dafür eingesetzten Organisationen sei, sei der Kampf gegen die Vergeudung und den Verd erb Sache der ganzen Bevölkerung. Abgesehen davon, daß der Konsum in einzelnen Nahrungsmitteln auf den Kopf der Bevölkerung heute erheblich höher als vor dem Kriege fei, lägen die besonderen Einsparungsmöglichkeiten auf dem Gebiet des Kampfes gegen den Verderb. Durch diesen Kampf könnten Bedarf und Bedarfsdeckungsmöglichkeiten weitgehend ins Gleichgewicht gebracht und die festgesetzten Preise durchgehalten werden. Man sei sich darüber klar, die vorerwähnten eineinhalb Milliarden Reichsmark nicht auf einen Schlag einsparen zu können. Aber es müsse jedes Jahr von neuem eingesetzt werden, um zu einem immer höheren Hundertsatz der Einsparung zu kommen. Oie Heichsfrauenführerin Frau Scholz-Klink wies darauf hin, daß die Frau ja nicht nur Mutter der Kinder und der Familie sei, sondern vor allem auch Mutter der deutschen Nation. Heute werde die Haushaltsarbeit der Hausfrau erheblich höher eingeschätzt. Gerade der Hausfrau komme im Kampf gegen den Verderb eine tragende Rolle zu. Die Schulung der Frau gehe dahin, den Küchen- zettel an die Ernte des Jahres anzugleichen, die Aufbewahrung der Lebensmittel und eine gewisse Vorratswirtschast zu lehren und durch sachgemäße Zubereitung der Nahrungsmittel die entsprechende Ausnutzung der Nährstoffe zu erreichen. Hier liege es besonders an der Stadtfrau, richtig zu wirtschaften. Allein die Ersparung einer einzigen sonst verdorbenen Scheibe Brot in der Woche in den 17,5 Millionen Haushalten des Reiches ergebe eine unvorstellbar große Menge an Brot und Brotgetreide. In den Menschen müsse wieder die Ehrfurchtvor dem Brot hineingetragen werden als einem Er- zeugnis der Erde, und damit müsse in ihn auch die Ehrfurcht vor der Erde überhaupt wieder kommen. Wenn dem Volk wieder beigebracht werde, die ursprünglichen Gaben der Erde als Nahrungsgrundlage für Gesunderhaltung des Menschen zu achten, dann würde bestimmt der Kampf um die Nah- rungsfreiheit des deutschen Volkes erheblich erleichtert werden. K-Vad-Aauheim Vor der Eröffnung. -V--> W' Reichsautobahn. — Blick über einen Teil der Strecke, die morgen ihrer Bestimmung übergeben wird. (Aufnahme: Neuner,' Gießener Anzeiger.) Der morgige Sonntag bringt unserer oberhessi- chen Heimat ein Ereignis besonderer Art: d i e eierliche Einweihung der fertigte st ellten Reichsautobahn st recke zwi- chen Frankfurt a. M. und Bad-Nauheim! Tausende von Volksgenossen werden sich an der Strecke einfinden oder auf den vielen Brücken stehen und sie sollen es auch, sie sollen Zeugen einer geschichtlichen Stunde sein. Tausende von Volksgenossen schufen an der Autobahn, halfen mit an diesem Werk des Führers, der sich mit dem Netz der Reichsautobahnen durch Deutschland für alle Zeiten ein Denkmal setzt, wie kaum ein Staatsmann zuvor. Immer weiter vorwärts schwingen sich die silbergrauen Bänder der Autobahn durch das Land; sie steigen langsam empor an den östlichen Höhen des Taunus, fallen sanft ab in die fruchtbaren Täler Oberhessens; die Autobahn führt in ruhigem und weitem Schwung um Höhen, die vermieden werden können und schwingt über klar gegliederte Brücken hinweg über Straßen, Eisenbahngleise, über Fluß und Bach. Sie führt unter vielen Brücken hindurch, deren fast jede in Form und Konstruktion von anderen verschieden ist. Breit liegt die Bahn unmittelbar vor dem Beschauer und wenn der Blick den Linien der gigantischen Straße folgt, dann wird er in weite Fernen geführt, dorthin, wo das Silbergrau der Straße am Horizont an das Blau des Himmels grenzt oder wo im Tal die Bahn vom dunklen Grün des Waldes oder von dem lichteren Grün der Wiesen gesäumt wird. Die Ferne wird aber auf dieser Bahn für den Menschen im Kraftfahrzeug zur erreichbaren greifbaren Nähe werden, denn hie Zeit zur Raumüberwindung auf Entfernungen, die unser Auge zu erfassen vermag, kann durch diese Straßen des Führers in Minuten ausgedrückt werden. Unsere oberhessische Provinz, die hauptsächlich in ihrem nordöstlichen Teil manchmal wie weltverloren erschien, wird durch das fortschreitende Werk der Reichsautobahn einbezogen in die Sphäre eines Verkehrs, der transkontinental genannt werden darf, wenn man sich dessen entsinnt, daß diese gleiche Straße, die nun von Frankfurt her bis Bad-Nauheim fertiggestellt wurde, in ihrer Fortsetzung nach Süden an den Weltflughafen Rhein-Main führt. Der morgige Sonntag ist in dieser Entwicklung ein Markstein und ein Tag, der uns bewußt werden lassen muß, daß durch die fleißige Arbeit vieler Hände das Werk des Führers um ein beachtliches Stück der Vollendung entgegengeführt wurde. Proklamation des Führers über alle deutschen Sender. Berlin. 25. Sept. (DBB.) Am 28. September 1936 um 16.30 Uhr findet über alle deutschen Sender eine Uebertragung der Proklamation des Führers bei der Eröffnung des 8. Reichsparteitages der RSDAP. in Nürnberg statt. Einführende Worte spricht der Reichsleiter der Deutschen Arbeitsfront, Pg. Dr. Ley. Der Empfang der für die gesamte wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands grundlegenden Proklamationen des Führers und der Worte Dr. Leys wird als Gemeinfchaftsempfang in allen beuffd)eti Betrieben, in TS rfamm- lungsräumen, auf freien Plätzen ftatt- finben. Durch biefe umfassende Gestaltung des Empfangs der Sendung soll allen deutschen Volksgenossen die Möglichkeit gegeben werden, die wegweisenden Worte des Führers zu hören. 100 Zahre evangelische Diakonie. Das 19. Jahrhundert, das in seiner äußeren Entwicklung für Deutschland so glanzvoll verlief, zeitigte im Raume der evangelischen Kirche zwei ganz entgegengesetzte Entwicklungen, von Denen aber doch die eine aus der anderen hervor- ging. In diesem Zeitraum geschah eine Entkirch- lichung in einem bis dahin nie erlebten Umfang. Schon längst waren die Bindungen des mittelalterlichen Menschen gesunken. Humanismus und Renaissance mit ihrer Wiederbelebung der so unendlich fruchtbaren und reichen, aber doch auf heidnischen Grundlagen beruhenden Antike hatten oorge- arbeitet. Das 16. und 17. Jahrhundert mit ihren schweren Glaubens- und Konfessionskämpfen hatten trotz aller Größe, die sie erzeugten, viele Menschen sozusagen „glaubensmüde" gemacht. Das 18. Jahrhundert mit seiner Aufklärung setzte den menschlichen Verstand als absolute Größe auf den Welten- thron. Die große französische Revolution, ganz aus dem Geiste der Aufklärung geboren, faßte in ihren Gedanken die ganze bisherige Entwicklung gewaltig zusammen und setzte das Ende aller seitherigen Bindungen auf ihr Programm, also auch der christlich-kirchlichen Bindungen. Es ist bekannt, wie sieghaft und erobernd ihre Ideen den europäischen Kontinent durcheilten, den Heeren Napoleons vorausziehend, ihnen den Weg bahnend. Den Versuch der Restauration, politisch verkörpert in der „Heiligen Allianz", dieser Entwicklung sich entgegenzuwerfen, mußte scheitern. Vielmehr brachte das 19. Jahrhundert mit seinem ungeahnten Aufschwung in Naturerkennen und Technik, kurz in allen exakten Wissenschaften, einen Sieg des menschlichen Geistes, daß es wie ein Rausch der eigenen Kraft über Menschen der weißen Rasse kam. Es schien keine Schranken und keine Grenzen des menschlichen Könnens mehr zu geben. Bei solcher Geistesverfassung schien kein Raum mehr zu sein für den an die Offenbarungsurkunden der Bibel gebundenen christlichen Glauben. Ja, je mehr das Jahrhundert vorrückte, um so mehr schien es, als würden durch die deutsche Forschung nicht nur die Glaubenssätze der Bibel unhaltbar, als sei jegliches Glauben im christlichen Sinne für den modernen Menschen unmöglich. Da wandten sich breite Schichten des Volkes von der Kirche und dem christlichen Glauben ab. Das war am meisten der Fall bei den beiden Kreisen, die von der modernen Entwicklung am unmittelbarsten getroffen wurden: Die intellektuelle Bildungsschicht und die industrielle Arbeiterschaft. Jene fand für die mit dem Christenglauben verlorene seelische Erhebung Ersatz im deutschen Idealismus, dessen Heller Glanz von Weimar her das ganze Jahrhundert überftrabfte; diese warf sich der Gedankenwelt des Marxismus in die Arme, von dem sie nicht nur soziale Hebung erwartete, sondern auch einen Religionsersatz in ihm suchte. Was tat die Kirche angesichts dieser Entwicklung, die über sie zur Tagesordnung überging, sie höchstens noch als Dekorationsstück für des Lebens Feierstunden duldete, d. h. eben die Kirche nicht mehr ernst nahm? Sie tat das einzige, was sie in dieser Lage und als Kirche Christi tun durtte: Sie tat Buße! Sie erkannte, daß sie an der für sie so unheilvollen Entwicklung im deutschen Copyright 1936 8. Fortsetzung. „Glauben Sie by Aufwärts - Verlag G. m. b. H., Berlin SW 68 Nachdruck verboten! denn ernstlich daran?" Es klingt fast wie Spott. „Dann hätte ich dies Heft nii nen kann." Es ist ein bißchen viel auf einmal, was Hanna da hört. John Herbing sieht nicht aus tote em Mann, der Hefte, vielleicht auch Bucher schreibt, und sie sagt ihm das auch. ~ . „Ich bin auch kein Sstriststeller. Fräulein channa. Ich bin, recht besehen, ein Hans Dampf in allen Gassen. Ich habe über die Kunst geschrieben, die menschliche Hand und ihre Geheimnisse zu kennen und sich dienstbar zu machen. Ich habe früher einmal in Wien ein Buch über Zigeuner herausge- 6r"ueber Zigeuner, aber was in ,aller Well haben Sie denn darüber sagen können? „Unendlich viel. Das Elli M-M°- Großo°t°rs lag im Ungarischen, und in unmittelbarer Nahe war ein Zigeunerlager. Uebngens ein seßhafter Stamm, bei denen di- nomadisierenden viel zu Gast waren. Ich habe da viel ff-sehen und gehört manch- gute Weisheit dort erfahren, und oft muh ich an den klugen, alten B°dl° denken, der sie mir in langen Mondnächten vermittelte. Sie sollten sich an den Endiviensalat halten, er ist gesund und ausgezeichnet zubereitet. Trinken Sie, Fraulein Hanna —" , „Und was tun Sie sonst? „Richt viel," bekennt Herbrng ossen Ich lebe von meinen Ein,allen. Vor einer Woche sah ich mit dem Rektameches einer sehr großen Parsumerie. sabrik zusammen, er sollte eine Serie guter Bild. Motten mM Roman von Ilse Schuster. cht selbst geschrieben. Daß es ein Geschäft war, wußte ich vorher gar nicht. Außerdem hat es Laverenz verlegt. Cm Mann, der nur ernsthafte Dinge m Die Hand nimmt und keine Halbheiten, mit denen man auf die Dummheit und Sensationslust der Masse rech- texte für Kopfwasser, Seife und Parfüm herausbringen. Es ist ihm schwer geworden, und weil er ein netter Kerl ist, half ich ihm auf die Sprünge. Er war sogar so anständig, meine Entwürfe der Direktion vorzulegen, die hat zugegriffen und mir das sehr nett bezahlt. Das langt nun wieder für eine Zeit. „Ich habe bei dieser Gelegenheit übrigens Melanie Morholt kennen gelernt." Herbing sagt das mit Absicht und fügt sehr schnell dazu: „Auch die Schriftstellerin Holdmann. Die eine bat ich um ihre Handschrift, die Morholt nämlich, und die Holdmann sah ich reiten, ich habe ein Bild von ihr gemacht, und nun wird sie demnächst mit einem Bonmot über dem Lavendelwasser der Firma Hühne- mann prangen, gute Reklame für sie, sie weiß das auch." „Und was hat die Morholt dazu gesagt?" Hanna Brandes fragte es wie nebenher und greift nach ihren Zigaretten. Herbing legt seine Hand auf das schmale silberne Etui. „Noch nicht, Fräulein Hanna, Sie müssen den Käse versuchen, ich habe Frau Hanke mein Rezept gegeben — echt ungarisch bis auf den Schafkäse, auch nicht soviel Paprika, weil ich nicht wußte, ob Sie ein Freund scharfer Gewürze sind. Also Fräulein Morholt, wissen Sie, was sie getan hat? Mich ausgelacht, mit demselben Koloraturlachen, das sie auf der Bühne hat. Sie wäre Sängerin an der Berliner Staatsoper und kein Reklameplakat, wenn sie auch gern zugesteht, vom Lavendelwasser der Firma Hühnemann im Monat allerhand zu verbrauchen. Eine intelligente Frau, viel Charme, viel Kultur. Beste Familie." Herbing weiß genau, daß Rechtsanwalt Brandes und die Morholt da und dort Gesprächsstoff find, dazu kommt er selber in allen Kreisen zuviel herum, bei der Industrie, bei der Presse und vielen Künstlern, aber er tut jetzt so, als habe er keine Ahnung. Er will nur selber sondieren und fühlt sehr deutlich die Absicht der jungen Brandes gegen die Künstlerin. „Ja, ich habe sie einmal als „Zerbinetta" gehört. Sie kann sehr viel," sagt Hanna und will das Gespräch beendet wissen, aber Herbing tut ihr nicht den Gefallen. „Sie kann nicht nur fingen, sie ist auch ein grund- anständiger Kerl. Wenn ich Schriftstellerin wäre. würde mich ihr Schicksal reizen. Der Roman in Reinkultur." „Wieso" Es klingt sehr interessiert, und Herbing wird ausführlich. „Sie ist als blutjunges Ding mit ihren Eltern nach Südamerika ausgewanderl, der Vater war jahrelang in englischer Gefangenschaft in Indien gewesen und vertrug dann das deutsche Klima nicht mehr. Drüben saßen sie dann fest, das Geld, das die deutsche Regierung den Siedlern versprochen hatte, blieb aus, dafür gab es eben dann kein Brot, aber Not. Von selbst gerodetem Land kann man nicht verlangen, daß es Früchte trägt, wenn nicht gesät und gepflanzt wird, man kann auf Baumstümpfen sitzen und Trübsal blasen, aber die junge Morholt hatte dafür nicht lange die Nerven. Sie ritt mit deutschen Jungens, denen es ähnlich ging, einen halben Tag lang bis zur nächsten Stadt und wurde bei einem reichen Mexikaner Kinderfräulein. Mit dem Gehalt hielt sie sich und die Eltern hoch, bis die Mutter starb. Der hat sie noch versprechen müssen, nach Deutschland zurückzukehren und den Vater bei einer befreundeten Farmerfamilie unterzubringen. Das hat sie getan. Bei ihrem Onkel, der ein Bankhaus in Schlesien hatte, sollte sie erst mal arbeiten, aber bis sie nach Deutschland zurückkam, gab es eine Inflation, und der war gründlichst zum Opfer gefallen eben jener Onkel und feine Bank. Dann kam das, was Tausende junger Menschen eben auch mitgemacht haben. Arbeitssuche, Stempelgänge und —" „Wie gut Sie Bescheid wissen, es ist ja eine Reportage, die der großen Künstlerin wunderbar die Reklametrommel rührt," wird Herbing unterbrochen. Der Spott ist scharf, die Stimme klingt hoch und hell. „Haben Sie das irgendwo gelesen, Herbing? Und wenn nicht, warum bringen Sie es nicht in die Presse?" „Weil ich mir dann bestimmt Den Zorn der Künstlerin aufs Haupt laden würde," sagt Herbing sehr ruhig, er lächelt dabei und sieht Hanna Brandes an. „Mir hat das aber eine alte Dame erzählt, die schon manchem Talent an die Oefsentlich- feit geholfen hat, eben auch der Morholt. Die hat im Hofzimmer über ihr gewohnt und mit Dem Kanarienvogel um die Wette gesungen. Da ist sie denn eines Tages hinaufgegangen und hat sie sich an Den Flügel geholt. Von diesem Flügel weg hat sie München als Aennchen verpflichtet. Ich habe Achtung vor jeder ehrlichen Leistung, noch dazu, wenn sie sich ohne sogenannte Beziehungen durchsetzt. Ich glaube, daß Sie genau so denken. Aber so interessant ist ja nun der Fall Morholt auch wieder nicht, daß wir uns den ganzen Abend darüber unterhalten sollten. Ich wollte Ihnen noch etwas ganz anderes erzählen. Nehmen Sie erst eine Zigarette, selbst gedreht. Orienttabak. Leicht." Hanna Brandes' Hände zittern leicht, in ihrem schmalen Gesicht kommt und geht das Blut. Was ihr dieser fremde Mann erzählt hat, sitzt fest wie mit Widerhaken. Sie will über Melanie Morholt nichts Gutes hören, sie will sie klein und häßlich wissen? „Spielen Sie das Klub-Turnier mit?", fragt sie nervös, sie nimmt sich vor aufzustehen, falls Her» bing wieder von der Morholt anfängt. „Wenn Sie mit von der Partie find, sofort." Ueberrascht sieht sie ihn an. „Ich? Warum denn gerade ich? Außerdem habe ich es Brunner schon versprochen." „Dann sagen Sie ihm ab, er holt nicht genug aus Ihnen heraus, er spielt neben Ihnen, nicht mit Ihnen. Kommen Sie morgen zum Training, ich bin pünktlich um sechs Uhr hier. Ich melde Sie bei Brunner ab, er kann mit Thea Brand spielen." Seine Augen gleiten von ihrem Gesicht ab, er steht auf. „Entschuldigen Sie mich bitte einen Augenblick, Fräulein Brandes — ich sehe dort Haller, ich muß ihn unbedingt sprechen." Hanna bleibt allein Es ist dunkel geworden, der Klubdiener bringt die ersten Lampions und hängt sie in den Bäumen auf. Dort leuchten sie wie zarte, kleine Vollmonde, leise schaukelt sie Der Wind hin und her — hin und her. An Den kleinen Tischen, Die im Garten zwischen Hecken und Blumenrabatten stehen, herrscht Gelächter und Frohsinn, vor allem Thea Blands heller Sopran ist au hören, Hanna Brandes hat keine Ahnung, daß das John Herdina gilt, der davon gar keine Notiz nimmt „Da sitze ich mit einem ganz fremden Mann und weiß gar nicht wozu," denkt sie müde. „(Is tft sinnlos, hierher zu gehen, Die meisten sind mir ss gleichgültig, und im Grunde ja dieser Herding auch. Ich will heimgehen, vielleicht —* (Fortsetzung iülflQ Geistesleben selbst einen großen Teil der Schuld trage. Der Geist der Verweltlichung war in breiten Strömen in sie selbst eingedrungen. Damit hatte sie sich aber allzuweit von ihrer unveräußerlichen biblischen Grundlage entfernt. Da nun alle geistigen Größen nur erhalten werden durch dieselben Kräfte, die bei ihrer Begründung maßgebend waren, besann sich die Kirche auf ihre urchristlichen Fundamente, die in den Offenbarungsurkunden der Bibel für alle Zeiten gegeben sind. Schlichter gesagt: Sie kehrte zu der Glaubenshaltung und den Glaubensbefehlen Jesu Christi zurück. S i e wurde wieder Missionskirche! Abgesehen von der bescheidenen Arbeit der Herrenhuter Brüdergemeinde hatte die evangelische Kirche in drei Jahrhunderten die Kraft zur Heidenmission noch nicht gefunden. Jetzt besann sie sich auf einen der wichtigsten Befehle ihres erhöhten Herrn: „Gehet hin in alle Welt und lehret alle Völker." Das 19. Jahrhundert, die Epoche des großen Abfalls, wurde zum Missionsjahrhundert. Die Kirche tat noch mehr: angesichts des Massenelends und des Massenabfalles erkannte sie ihre missionarische Pflicht in der Heimat selber. Sie trat unter das Wort ihres Herrn: „Da Jesus das Volk sah, jammerte ihn desselbigen, denn sie waren verschmachtet und zerstreut wie die Schafe, die keinen Hirten haben." Wie ein zündender Blitz fuhr es in die Männer der Kirche, daß es ihr obliege, „Heil zu bringen dem heillosen Volke." Hie und da und dort zündete dieser Blitz: im deutschen Norden in Johann Heinrich Wichern zu Hamburg, in Theodor Fliedner zu Kaiserswerth a. Rh., in Wilhelm Löhe zu Neuendettelsau im bayrischen Frankenland, in dem Seelsorger der hessischen Straßenkehrer zu Paris, Friedrich von Bodelschwingh u. v. a. Einmal zur biblischen Grundlage aller kirchlichen Arbeit zurückgekehrt, erkannten diese Männer und Frauen der „Inneren Mission" sehr bald den Weg, auf dem die missionarischen Aufgaben der Kirche zu lösen waren: in der Erneuerung des urchristlichen, biblischen Amtes derDiakonie. Die Urgemeinden hatten ohne das Diakonat nicht auskommen können: die Kirche Luthers hatte lange geglaubt, trotz des „allgemeinen Priestertums aller Gläubigen" ihre Aufgaben nur durch einen Stand, den der Geistlichen, lösen zu können. Jetzt aber kehrte man zu der wertvolleren Erkenntnis der Urzeit zurück — es entstanden in Deutschland die ersten Diakonissenhäuser. Wohl ging ein großes Staunen an, als man die ersten Diakonissen sah, die „evangeli- schM Nonnen"; aber dies Staunen legte sich sehr rasch, als man die Notwendigkeit dieser Frauen erkannte. In überraschend kurzer Zeit vollendete die Diakonie ihren Siegeszug durch das evangelische Deutschland. Jeder weiß, daß sie sehr bald auch in Hessen festen Fuß faßte. Sie ist nicht mehr wegzudenken aus dem kirchlichen Leben, auch nicht aus dem gesamten Geistesleben der Nation. Ja, es bedeutet einen Sieg ursprünglich christlicher Gedanken, daß auch der Staat feit Jahrzehnten das Amt der Diakonie in seinen Bereich übernommen hat, natürlich seinem Wesen entsprechend in säkularen Formen und mit säkularen Aufgaben. Zu einem gewaltigen, weithinschattenden Baume ist die evangelische Diakonie geworden. Um nur einige wenige Zahlen zu nennen: im „Kaiserswerther Verband deutscher Diakonissen-Mutterhäuser" sind heute 69 Häuser mit 28 027 Schwestern und 3 753 diakonischen Hilfskräften zusammengeschlossen. Zur „Kaiserswerther Generalkonferenz" gehören außerdem noch 36 Mutterhäuser mit etwa 8000 Schwestern im Ausland. Was die evangelische Kirche im 19. Jahrhundert an Breite verlor, das gewann sie an Tiefgang, damit aber an Wert ihrer Arbeit, indem sie zu den ihr von Gott gesetzten Quellen der christ- lichen Kraft zurückgriff. Darum begeht morgen die gesamte evangelische Kirche Deutschlands die 100-J a h r f e i e r des Wiedererstehens der Diakonie mit Dank und Stolz. Sie ist dabei der frohen Gewiß, heit, daß sie auch unserem deutschen Volke damit einen guten Dienst leistet, daß sie um die ihr ur- tümlich gegebenen Glaubenskräfte sich müht. , — He. — Landkreis Gießen * Leihgestern, 26. Sept. Am morgigen Sonntag, 27. Sept, begeht der Schuhmachermeister Johann Heinrich Velten in körperlicher und geistiger Frische seinen 77. Geburtstag. Der rüstige Alte versieht heute noch sein Schuhmacherhandwerk und hat dieses Jahre sogar noch bei der Dreschmaschine geholfen.________________________________ ____________ Sprechstunden der Redaktion 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bl» 17 Uhr Somstagnoch» mittag geschloffen. MODEHAUS BIECKER vorm. I. Pfeffer Die vorteilhafte Bezugsquelle für Damen-und Kinderbekleidung * Stoffe Besichtigen Sie bitte unverbindlich unsere neuesten Herbst-Modelle! 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