Ur. 501 Erstes Blatt 186. Jahrgang Donnerstag, 24. Dezember 1056 Erfchetni tügllch, autzer Sonntag» und Feiertag» Beilagen: Vie Illustrierte ©iefoener Familienblätter Heimat im Bild Vie Scholle Monatr-Vezugspreir: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. , -25 Auch bei Nichterschemen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Hernfprechanschlilffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach- richten Anzeiger Siesten. Postscheckkonto: Kranlsurt am Main 11688 Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vru» und Verlag: vrühl'sche Univerfitätsvuch- und Steindruckerei R. Lange in Stehen. Schristleitung und GeschSftrftelle: Schulstrahe 7 Annahme von Anzetgen für die Mittagsnummer bis 8l/,Ubr des Vormittags Grundpreise für 1mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rps., für Textanzeigen von 70mm Breite 50 Rpf.,Platzvorschrift nach vorh Dereinbg.25"/«, mehr. Ermähtgte Grundpreise: Stellen--, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rps, Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- il behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Am Weihnachtsbaum die Lichter brennen. Ein Weihnachtsfinnen. Don Pfarrer Marquardt In dem „Buch vom deutschen Vater" (von Reinhold Braun) wird auch ein von Arbeit reichlich überlasteter Großstadtpfarrer gezeichnet, wie er trotz allem Abgekämpftsein in der Advents- und Weihnachtszeit wie ein rechter „Weihnachtsvater" noch Zeit und Kraft findet, seinen Kindern allerhand lustige Geschenke zu schaffen oder alte, im Spielgebrauche müde gewordene wieder in neuem Glanze erstehen zu lassen, und wie er allen als ein rechter Wundermann darin erscheint. Ja, wie er sogar darüber hinaus noch in manchen Spätabendstunden mit seinem Freunde, dem Dichter, unter dem Schein der traulichen Hängelampe ost bis in die tiefe Nacht hinein unter nicht gewöhnlichen Gesprächen sitzen kann ... in seinem Auge lag's wie Kerzenschimmer; sein ganzes Wesen schien zu schwingen in dem alten „Siehe, ich verkünde euch große Freude!" Einmal redete er davon, wie er, wenn er so über'm frohen Werke säße, seine besonderen Gedanken hätte, wie sie oft magisch ihm aus dem alten Spielzeug flössen, als wenn das alles nun lebendig würde, was solch Kinderherz Üareingesreut, -gefühlt, -gesponnen hätte, und wies um diese Dinge wehte vom Odem wahren Glüsks.V om Weihnachtsgrund der Menschenseele sprach er als dem allerwunderbarsten unseres Innern, aus dem die wahre Kraft und unverwüstbar schöne Lichtheit kämen, wie aber nicht mehr Viele der Heutigen diesen Grund erreichen, viel weniger noch darin sich selbst zu ihrem und der andern Heil erfassen könnten. Und wie er diese wirklich, mit frohem Herzen seinem Tagewerke abgerungenen Stunden brauche, um durch den Verwaltungswust des eigenen Amtes, durch mancherlei Enttäuschung, durch den Irrgarten der hundertwegigen Meinung hindurch wieder sich selber in seinem Besten zu erobern, und wie er in diesen Stunden dann heimfände zu der Einfalt des Kindes tief in sich. „Weihnachtsgrund der Seele" — das ist vielleicht das tiefste Geheimnis der Weihnacht. Daß sie uns einmal bis dahin führt, wo wir noch „wir selb st" sind, wo wir noch einmal zum Kinde werden können und Heimfinden können zur Einfalt des Kindes in uns, dem Besten, was wir überhaupt haben. Dort, wo die verstimmte und verstaubte und verschraubte Harfe unserer Seele wieder auf den Grundton der Freude gestimmt werden kann, daß auch wir wieder etwas vernehmen von der großen Freude, die allem Volke widerfahren ist. Dann geschieht wohl auch an uns zur Weihnacht noch einmal das Wunder, daß wir für eine Weile eine Weihnachtsseele bekommen, in der es bis in die tiefsten Tiefen erklingt von heiliger Sehnsucht und Freude, wie es uns sonst nicht mehr begegnet und eben nur noch zur Weihnacht vorkommt. Weihnachtsgrund der Seele — ja, Weihnachten drängt nach innen wie kein anderes Fest unserer Seele, bis auf den tiefsten Grund, wie in einer kleinen Höhle, im kleinen Stalle, irrt kleinsten Raum das größte Wunder geschieht — „den aller Weltkreis nie beschloß, der liegt in Marien Schoß" — wie in der kleinen Brust eines kleinen Kindleins die große Zukunft zusammengedrängt ist in innerster Innerlichkeit, so ist auch Weihnacht das Fest der Innerlichkeit, der Zartheit, der Wärme, der Traulichkeit. Das Fest, das nur auf dem Grund der Seele verstanden und erlebt und gefeiert werden kann. Das ist der Weihnachtsgrund der Seele, zu dem sie sich zurückfinden muß, wenn sie einen Segen haberh will von Weihnachten. Dann aber gilt es auch für sie: „Dann machst du mich gar reich und rein, Zum sel'gen Gotteskinde ... Hilf mir, du liebes Jesulein, Daß ich dein Kripplein finde!" Und es gibt, Gott fei's gedankt, auch heute noch solche Menschen, die den Grund ihrer Seele erreichen und dort ihr Ausruhen und Feiern haben. Menschen, die in viel Arbeit, Sorge und Mühe stehen, das ganze, lange hindurch. Wenn aber die Weihnachtszeit kommt, dann wird es in ihrer Seele lebendig, dann singt und klingt es in ihnen von lauter Weihnachtsliedern. Die haben gut Weihnacht feiern! Sie sitzen mit den Kindern unter dem blitzenden Tannenbaum und singen mit ihnen von der stillen, heiligen Nacht und der fröhlichen, seligen, gnadenbringenden Weihnachtszeit! Und wenn wir das nicht mehr oder noch nicht können, dann wollen wir wenigstens eine Sehnsucht danach haben. Der uns die Sehnsucht ins Herz gegeben hat, der kann und wird sie auch stillen. Dann werden wir es vielleicht doch noch erleben, was Dichtermund von der heiligen Nacht sagt: „Ungezählte güld'ne Heimatbrücken, Baut die Sehnsucht in der heil'gen Nacht... Ungezählte Scharen seh' ich wandern Dorthin, wo das Glück der Kindheit lacht ... Einsam gehen sie aus goldnen Brücken, Die die Liebe baut durch Raum und Zeit. Wortlos schreiten sie auf weiten Wegen, In den Augen Licht und Seligkeit. Ungezählte Scharen seh' ich wandern, Treu geführt von Christkinds Segenshand. Lassen sich von seiner Liebe leiten, Bis wohl jede still zur Heimat fand. Aufnahme: E. Hase, Frankfurt a. M. M WM ’ 'd. V i ' * V: h * : I Kinder unferm Weihnachtsbaum. Nichts ist schöner, als das Weihnachtsfest mit Kindern zusammen zu feiern. Schon die Tage vorher sind von ihrer kindlichen und ungeduldigen Freude erfüllt, und es ist sehr lehrreich zu beobachten, wie sich die verschiedenen Temperamente der Kleinen in dieser Zeit äußern. Es gibt Kinder, die ihre Weihnachtsfreude in der Tiefe ihres Herzens verschließen, sie ruht wie im Kelch einer Blume, die ihre Blütenblätter über etwas Köstlichem zusammen- schließt. Diese Kinder gehen mit großen verträumten Augen umher, sie horchen auf das Kommende, ihre Gedanken wandern fort von ihren Spielen, sie sind nicht mehr bei der Sache. In andern Kindern aber weckt diese Zeit der Spannung und Erwartung ein gesteigertes Maß an Lebenskräften, ihre Freude, vielleicht nicht so tief wie die der kleinen Träumer, zeigt sich sehr bemerkbar. Aus lauter Seligkeit und glücklicher Ungeduld fallen ihre Vorsätze, „artig zu sein", zusammen wie ein Kartenhaus. Man ist unartig, höchst unartig: Lärmen und Streit beim Spiel, Umhertoben beim Schlafengehen mit der begeisterten Erklärung: „In drei Tagen, in zwei Tagen — morgen ist Weihnachten!" und der Versicherung, überhaupt nicht mehr schlafen zu wollen! Wohl uns, wenn schließlich Ruhe eintritt, wenn der kleine Racker endlich eingeschlafen ist, und wir ungestört an die Festvorbereitungen gehen können. Einen Augenblick aber müssen wir noch an seinem Bettchen stehen. Wie der wilde Bengel mit roten Backen und ruhig atmend daliegt, sieht er wirklich wie ein kleiner Cherub aus. Er lächelt. Sicherlich zeigen ihm, wie es so schön in dem von Brahms komponierten Wiegenliede heißt, „die Englein im Traum Christkindleins Baum". Obwohl er sich wachend als Skeptiker gibt und der kleinen Schwester gegenüber zu wissen behauptet, daß „Weihnachtsbaum und alles" von Vati und Mutti besorgt würden. Im Augenblick der Bescherung aber ist gerade er am meisten überwältigt vom Glanz der Stunde. Er steht ganz still, und horcht andächtig, mit leuchtenden Augen, auf die Klänge des alten Weihnachtsliedes, während es vorkommen kann, daß der kleine Träumer aus seinem Weihnachtstraum zur Wirklichkeit erwachend den Schluß des Gesanges gar nicht abwartet, aufjubelnd zu dem neuen Spielzeug springt, gänzlich unbekümmert um die Erwachsenen davon Besitz nimmt und sogleich mit Inbrunst zu spielen beginnt. Nur das Allerkleinste, noch unbeschwert von jedem Wunsch nach eigenem Besitz, jubelt vom Arm der Mutter in den Lichterglanz. Der Aelteste, der, obwohl schon Tertianer, sich doch genau wie die jüngeren Geschwister freut, hält anfangs gemessene Zurückhaltung im Ausdruck seiner Gefühle für würdiger, bis auch er seine Würde vergißt, bäuchlings auf der Erde liegt, das neue Buch und den bunten Teller vor sich. Denn auch er ist noch ganz Kind, glückseliges Weihnachtskind. M. v. O. Deutsches Christfest. Von Gustav Wittig. Wir grüßen das heilige Fest mit freudigem und gläubigem Herzen. Es ist so recht ein deutsches Fest, dieses Weihnachten, die hohe Feier des Friedens und der strahlenden Jugend unter dem grünen Lichterbaum! Wir werden auch diesmal wieder in tiefer Seele den Dank empfinden, den wir unserem Führer dafür schuldig sind, daß wir ein F r i e- d e n s s e st feiern dürfen, während um uns die Welt von Kämpfen und Unruhen erfüllt ist, große und mächtige Länder unter der Geißel des Bolschewismus Schrecken und Grauen erleben. Was aber hülfe uns aller Friedenswille und Freundschaftsglaube, wenn unser Land nicht durch die starke Hand unseres Führers die Wehr und Waffen erhalten hätte, die unsere Arbeit und unsere Heimstätte sichert! So aber können unsere Kinder mit Sicherheit und Vertrauen sich der Festfreude widmen, die ihnen der Weihnachtsmann bescherte, sei auch das Heim noch so klein und die Lebenshaltung noch so bescheiden. Es ist in Deutschland dafür gesorgt, daß in diesen frohen Tagen keiner grollend oder verschämt abseits stehen muß. Unser Staat, aufgebaut auf dem Gedanken der Bruderhilfe und des praktischen Christentums, will keinen vergessen, sondern diese Festeszeit zu einem Erlebnis der großen Gemeinschaft machen. Weihnachten wird mit solcher Einstellung zum rechten Feste der Großen wie der Kleinen, ein Ruhepunkt der Menschen im Hasten des Alltags, aber auch ein Sich-Besinnen auf die ewigen und unvergänglichen Werte unseres Volkes und seines Glaubens. Das Fest verkündet uns „große Freude, die allem Volke widerfahren soll!" Allem Volke, nicht nur den Glücklichen und Gesunden, sondern auch denen, die im Schatten leben, oder bei denen Frau Sorge lange genug ein trüber Gast war. Heute ist Arbeit und Hoffnung im Lande, ist frohes Lied und gesundes Selbstbewußtsein zu Hause, wo früher Schwermut und Elend sich breit machten. Mögen auch die Spuren der schweren Zeit in vielen Häusern noch längst nicht getilgt sein, so wissen wir doch alle, daß es wiederaufwär t s geht, daß wir mit vereinter Kraft schaffen werden, was die Zeit und die Staatsführung von der Gesamtheit fordern, daß aus gutem Gelingen schließlich auch der einzelne seinen gemessenen Anteil haben wird. Wir sprechen an unserem Weihnachtsfest wieder vom christlichen Glauben, ohne von Millionen verständnislos belächelt oder laut ausgelacht zu werden. Vor Jahren war in weiten Bezirken unserer Großstädte der Weihnachtsglaube nur ein Gegenstand des Spottes, die Gottlosenvereine ließen nichts unversucht, deutschen Kindern das hohe Gut des Gottesglaubens zu nehmen, es in der Öffentlichkeit verächtlich zu machen, ohne daß dagegen etwas schehen wäre! Niemand wird in Deutschland einen Glaubenszwang ausüben wollen, aber wir stellen mit innerer Freude fest, daß unser Volk sich in Ehrfurcht und Achtung vor dem echten Weihnachtsglauben beugt. Aeltere Generation und Jugend in kameradschaftlicher Zusammenarbeit auf allen Gebieten, das ist es, was uns beglückt und das Fest um so herrlicher werden läßt. Die alten Frontkämpfer, von denen der Führer in Nürnberg sprach, sind wieder froh geworden und denken am Weihnachtsabend an manche dunkle Nacht in Feindesland, aber doch mit dem Gefühl, daß das Opfer so vieler Kameraden nicht umsonst gewesen ist. „Wie soll ich dich empfangen und wie begegne ich dir!" Ein altes gläubiges Wort an das Christkind, das sich nun in alle Dörfer und Städte begibt! Nun, wir deutschen Menschen dieser Tage werden dem lieben Gast mit offenen Herzen begegnen. Wir werden unser Inneres ganz und gar dem Segen und dem Frieden des hohen Festes erschließen. Wir wollen das- Bild einer harmonischen und dankbaren Familie zeigen und damit wieder Kraft holen zu neuem Schaffen. Es ist das deutscheste aller Feste. Der grüne Baum, der es schmückt, ist deutsche Sitte. Deutsche Volkslieder geben ihm die Weihe, deutsche Kunst und Dichtung haben da» Fest vielfach verherrlicht. Inniger Volksglaube hat sich mit dem Weihnachtswunder vereint und so ein Fest gestaltet, das die Wintersonnenwende strahlend umgibt. Schließlich erfährt das Kostenrecht für das Verfahren vor den Änerbenbehörden eine umfassende und klare Regelung, wobei darauf Bedacht genom- I men ist, die Kosten möglichst niedrig zu halten. Berlin, 23. Dez. (DNB.) Der Reichsminister der Justiz, Dr. G ü r t n e r, und der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft, R. Walther D a r r ö, haben soeben gemeinschaftlich zwei wichtige Verordnungen zum Erbhofrecht erlassen, die in der neuesten Nummer des Reichsgesetzblattes, Teil I, verkündet worden sind: eine Erbhofrechtsverordnung und eine Erbhofverfahrensordnung. Die neuen Verordnungen bauen das Erbhofgesetz und die bisherigen Durchführungsbestimmungen in einigen Punkten unter Auswertung der Erfahrungen der feit dem Inkrafttreten des Gesetzes vergangenen drei Jahre weiter aus und regeln eine Anzahl von Zweifelsfragen, die sich bei der Anwendung des Erbhofrechts ergeben und in der Praxis keine eindeutige Klärung gefunden haben. Um im Bauernrecht eine Zersplitterung der Rechtsvorschriften zu vermeiden und die Klarheit und Volkstümlichkeit des Rechts zu sichern, hat man sich nicht darauf beschränkt, die neuen Vorschriften in der Form einer weiteren Vierten Durchfiihrungs- verordnung zu erlassen, sondern hat die neuen Bestimmungen mit den Vorschriften der bisherigen Verordnungen, soweit sie nicht als Uebergangsvor- schriften überholt sind, unter großen Gesichtspunkten zusammengesaßt. Neue Vorschriften der Reichsversicherungsordnung Rente werden vereinfacht und günstiger gestaltet. Wenn z. B tfri Versicherter am 15. Januar Invalide wird, oter stirbt, so muß nach jetzigem Recht der Antrag auf Invaliden- oder Hinterbliebenenrente noch bis zum 31. Januar gestellt werden, wenn die Rente mit dem 1. Februar — dem frühestmöglichen Zeitpunkt — beginnen soll. In Zukunft dagegen beginnt die Rente am 1. Februar auch dann, wenn der Antrag bis Ende Februar gestellt wird, der Berechtigte hat also genügend Zeit, sich die erforderlichen Unterlagen zu beschaffen, bevor er den Antrag stellt. Für alle, die einen Rentenantrag stellen wollen, ist wichtig, daß solche Anträge bei den Rechtsberatungsstellen der D A F. mit derselben Wirkung gestellt werden können, wie bei den Verlicherungs- trägern. Endlich wird die Geltungsdauer einer Sondervorschrift des Angestelltenversicherungsgesetzes über den 1. Januar 1937 hinaus verlängert, wonach Angestellte als berufsunfähig gelten, die 60 Jahre alt und feit einem Jahr ununterbrochen arbeitslos sind. Die Erbhofrechtsverordnung enthält die gesamten sachlich-rechtlichen Vorschriften zur Durchführung und Ergänzung des Reichserbhofgesetzes, die Erb- hofverfahrensordvung, die näheren Bestimmungen über die Einrichtung und das Verfahren der Anerbenbehörden einschließlich der Vorschriften über die Erbhöferolle und der Kostenvorschriften. Oie beiden neuen Verordnungen stellen damit neben dem Reichserbhofgesetz selbst nunmehr die feste und übersichtliche Grundlage des Erbhofrechts dar Als wichtige neue Vorschriften sind von Interesse: Die Neuentstehung von Erbhöfen wird künftig an die Voraussetzung geknüpft, daß die Schulden des Eigentümers eine bestimmte Grenze <70 v. h. des Einheitswertes) nicht übersteigen. Die Neubildung von Erbhöfen wird im übrigen dadurch gefördert, daß auch in Zukunft Höfe, i>ic noch nicht Erbhöfe find und Ehegatten gemeinschaftlich gehören, die Erbhofeigenfchast erlangen können mit der Folge, daß hier ausnahmsweise zunächst auch die Frau Anerbe werden kann; beim ersten Erbgang nach der Entstehung der Erbhofeigenschaft tritt bei diesen Höfen Alleineigentum ein. Auch die in den Jahren seit dem Inkrafttreten des Reichserb- hofgefehes in der Hand von Ehegatten entstandenen Höfe, die den übrigen Vorausfehun- Gau Hessen-Nassau weitere Arbeitsmöglichkeiten schaffen.- Eingehend nahm der Gauleiter dann zu dem Kernproblem der Siedlungsfrage Stellung und betonte: „Es ist mein besonderer Stolz, daß der Gau Hessen-Nassau mit der V i l b e l e r Siedlung dem Reich eines der ersten Beispiele praktischer Durchführung unserer Siedlungsgrundsätze gegeben hat. Es wurden bis jetzt in meinem Gau 5500 Siedler zugelassen, deren Heimstätten bereits fertiggestellt oder noch im Bau sind." Die weiteren Ausführungen des Gauleiters betrafen die Lei st ungen der Partei im Gau und die Derwaltungsreform im Lande Hesse n. Zum Schluß sprach Gauleiter Sprenger noch über die Rohstoffschlacht. Den Vierjahresplan auf einen einfachen Nenner zu bringen heiße: Ausrichtung der Gesamtwirtschaft auf das Ziel der völkischen Existenzfrei- h ei t. Arbeitsehre und Kameradschaft. LPD. Kassel, 23. Dez. Gauleiter Staatsrat W e i n r i ch erläßt aus Anlaß des diesjährigen Weihnachtsfestes einen Aufruf, in dem er u. a. mitteilt: Da vor allem der Führer einer Formation immer wieder zeigen muß, daß er Kamerad ist und daß er den gleichen Marschtritt zu halten weiß, den er von der Truppe verlangt, erhalten während der nächsten Wochen und Monate alle hauptamtlichen Politischen Leiter und Mitarbeiter, sowie Mitarbeiterinnen meines Gaues die Möglichkeit, ihre per- Sommer gegen Senat. Um obligatorische Schiedsgerichtsbarkeit. Paris, 24. Dez. (DNB. Funkspruch.) Die Kammer hat in einer Nachtsitzung den vom Senat neu gefaßten Wortlaut über das Gesetz zur obligatorischen Schiedsgerichtsbarkeit mit 361 gegen 233 Stimmen abgelehnt. Der Artikel 1 der neuen Regierungsvorlage, der eine sechsmonatige Vollmacht für die Schlichtung von sozialen Streitfragen für die Regierung vorsieht, wurde mit 374 gegen 224 Stimmen angenommen. Ministerbegegnung beim rumänischen König. B u k a r e st, 23. Dez. (DNB.) Wie von zuständiger Seite mitgeteilt wird, soll während der Weihnachtsfeiertage eine Zusammenkunft zwischen Kö - nig Carol, Ministerpräsident Tartarescu und dem jugoslawischen Ministerpräsidenten Sto- j a d i n o w i t s ch erfolgen. Die Zusammenkunft soll auf rumänischem Gebiet im Banat stattfinden. Rom setzt sich durch. Rom, 24. Dez. (DNB. Funkspruch.) Der belgi- che Geschäftsträger suchte am Mittwochabend den italienischen Außenminister Graf E i a n o auf und teilte ihm mit, daß die belgische Regierung beschlossen habe, die belgische Gesandtschaft in Addis Abeba zurückzuziehen und durch ein Generalkonsulat zu ersetzen. Die schweizerische Gesandtschaft in Rom erhielt den Auftrag, der italienischen Regierung zur Kenntnis zu bringen, daß der schweizerische Bundesrat die italienische Souveränität über das äthiopische Gebiet anerkenne und demzufolge das genannte Gebiet als zum Kon- ularkreis gehörig betrachte, das der Gesandtschaft direkt unterstellt sei .Die Mitteilung erfolgte am Mittwochabend durch den schweizerischen Gesandten Dr. R ü e g g e r an den italienischen Außenminister Gras Ci a n o. Japans Flottenbauprogramm. „Das größte seit 1921." London, 24. Dez. (DNB. Funkspruch.) Wie der Marinekorrespondent des „Daily Telegraph" meldet, wird das neue japanische Flottenbauprogramm — das größte feit 1921 — einen Kostenaufwand von 6 6 Millionen Pfund erfordern. Es umfasse eine Reihe von Schlachtschiffen, wahrscheinlich in der Größe von 35 000 Tonnen, ferner Flugzeugmutterschiffe, Kreuze^ Torpedoboote, U-Boote und eine Reihe von Hilfsschiffen. Das Programm soll innerhalb der nächsten fünf Jahre durchgeführt werden. Ferner ist dem Korrespondenten zufolge eine beträchtliche Erweiterung der japanischen Marineluftwaffe vorgesehen. eiterer Ausbau des Erbhofrechts Zwei wichtige Verordnungen. -a beit und den öffentlich-rechtlichen Körperschaften wirtschafts- und verkehrspolitische Zusammenschlüsse herbeigeführt, die die Möglichkeit einer großzügigen und wirkungsvollen Durchführung unserer Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und -pläne sicherstellten. Beim Bau der Reichsautobahn stieg die Anfangsbelegschaft von 700 Mann bei den verschiedenen Baustellen unseres Gebietes bereits Mitte vorigen Jahres auf 8000. Daneben ist weit über die Grenzen unseres Gaues hinaus unser Meliorationsprogramm bekannt geworden, welches Bodenverbesse- rungs- und Bodengewinnungsarbeiten für 91 Gemarkungen mit einem Gesamt-Flächeninhalt von 121300 Hektar vorsieht. Bei allen großen Arbeitsbeschaftungsmaßnah- men habe ich in erster Linie darauf gesehen, daß die zu vergebenden Aufträge der rhein- mainifchen Wirtschaft, vor allen Dingen aber unserem Handwerk zugute kamen. Ein besonderes Beispiel bildet hierfür auch die Errichtung des Flug- und Luftschifthafens Rhein-Main, die bisher einen Aufwand von 7,5 Millionen Mark erforderte. Auch diese Betrage sind, soweit es möglich war, gerade dem Handwerk zugute gekommen. Für den weiteren Ausbau, für den erneut 4,2 Millionen Mark zur Verfügung gestellt sind, wird nach den gleichen Grundsätzen verfahren Erfolgreich war auch die Jnstandsehungsaktion 1933/34. hier mobilisierten die Reichszuschüsse allein in unserem Gau für das Handwerk 115 Millionen Mark." Aus die Frage, welche R e i ch s m i 11 e l für die Durchführung dieser Arbeiten zur Verfügung standen, erklärte Gauleiter Sprenger: „In unserem Gaugebiet wurden vergeben: aus dem Papen-Programm für 18 Maßnahmen 486 000 Mark Darlehensmittel, aus dem Sofort- und Reinhardt-Programm für 92 Maßnahmen 4,3 Millionen Mark Darlehensmittel und rund 340 000 Mark Zuschüsse. Weiter wurden bewilligt 2 Millionen Mark Zuschüsse für Arbeitsträger. Verlorene Zuschüsse für Jnstandsetzungs- und Umbauarbeiten von Gebäuden wurden in 81869 Fällen in Höhe von 21,7 Mill. Mark gewährt. Die Zuschüsse betrugen nur 20 bzw. 50 v. H. der tatsächlichen Gesamtaufwendungen. An reinen Notstandsarbeiten mit Förderungszuschüssen des Landesarbeitsamtes wurden 1143 Arbeitsmaßnahmen mit 18,7 Millionen Mark Gesamtkosten finanziert, weiter erfolgte die Bewilligung von zweiten Hypotheken für Eiaenheimbau bei' 646 Bauaufträgen mit 899 000 Mark. Für die Errichtung von Kleinsiedlungen standen 3,6 Millionen Mark zur Verfügung, 1450 Siedlerstellen wurden berücksichtigt." Wie sind die Aussichten für die Zukunft? Zu dieser Frage erklärte der Gauleiter: „Die Massenarbeitslosigkeit der Krisenjahre ist nunmehr endgültig überwunden. Ja, auf vielen Gebieten wacht sich bekanntlich bereits ein empfindlicher Mangel an Fachkräften bemerkbar. Das Entscheidende ist aber nun, daß diese Entwicklung sich nicht sprunghaft vollzog, sondern daß die einzelnen Betriebe in einem allmählichen Wachstum ihren Beschäftigungsstand verstärkten und so dis an die Grenze der Vollbeschäftigung gelangten. Gerade das diesjährige Weihnachtsgeschäft hat gezeigt, daß die Wirtschaftsverhältnisse in diesem Jahr einen erfreulichen Grad von Stabilität erlangt haben. Der Zuwachs an Kaufkraft, den die staatliche Bekämpfung der Arbeitslosigkeit auslöste, Hal auch den Industrien des unmittelbaren Verbrauchs einen guten Gewinn gebracht und von dieser Seite her die Beschäftigtenlage gesichert. Ls ist bezeichnend, daß die saisonmäßige Zunahme der Arbeitslosigkeit in diesem Winter besonders gering ist. Dies zeigt, wie stark die wirtschaftlichen Auftriebskräfte sind, die vor allem von den staatlichen Maßnahmen ausgehen und alle Zweige der Wirtschaft ergreifen. Ich glaube, nicht zuviel zu versprechen, wenn ich sage, daß die Aussichten für das kommende Jahr recht günstig sind. Bereits heute läßt sich übersehen, daß das Baugewerbe im Jahre 1937 große Aufträge zu erledigen haben wird. Sodann wird die Durchführung des Vierjahresplanes auch im Hessen-Nassau kennt kein „Ltnmöglich"! Stolze und erfolgreiche Schlußbilonz eines vierjährigen Kampfes im Rhein-Main-Gebiei. gen des Reichserbhofgefehes entsprechen, sind somit auf Grund der neuen Verordnung jetzt Erbhöfe geworden. Die Steuer- und Kostenerleichterung für die Neubildung von Erbhöfen werden erweitert. Im Anerbenrecht ist eine Bestimmung geschaffen, auf Grund deren der Bauer durch Errichtung einer Hofsatzung die dauernde Vererbung des Hofes im Mannesstamm (über die im Gesetz getroffene Regelung hinaus) sichern kann: die Errichtung einer solchen Satzung ist jedoch völlig freiwillig. Die Genehmigungspflicht für die Verpachtung von Erbhöfen oder für Teilen von Erbhöfen wird auf alle Verpachtungen für einen Zeitraum von mehr als einem Jahr oder auf unbestimmte Zeit ausgedehnt. Die Zuständigkeit der Anerbenbehörden wird insofern erweitert, als diese nunmehr auch über Versorgungsstreitigkeiten von Abkömmlingen oder sonstigen Familienangehörigen zu entscheiden haben, die auf einem Vertrag oder auf einer Verfügung von Todes wegen beruhen. Besonders wichtig ist die Klärung der umstrittenen Frage, inwieweit Forderungen des Bauern aus dem Verkauf landwirtfchaft- licher Erzeugnisse, z. B. die Milchgelder, der Pfändung unterliegen. Die Verordnung gibt dem Vollstreckungsrichter die Befugnis, auf Antrag eine Pfändung dieser Forderungen insoweit aufzuheben, als der Bauer die Einkünfte notwendig für den Unterhalt der Familie und die Aufrechterhaltung des Wirtschaftsablaufs auf dem Hofe braucht. Die Verordnung trifft ferner Maßnahmen gegen vereinzelt aufgetretene Versuche, den für Erbhöfe vorgesehenen Vollstreckungsschuh durch unlautere Machenschaften herbeizuführen. Sehr ausführlich regelt die Verordnung das Verfahren gegen einen schlecht wirtschaftenden oder bauernunfähigen Erbhofeigentümer. Unter Beibehaltung der bisher allein zulässigen Entziehung der Verwaltung und Nutznießung oder des Eigentums (sogenannte Abmeierung) wird die Möglichkeit geschaffen, als mildere Maßnahme auch eine Wirtschaftsüberwachung durch einen Vertrauensmann als nächst schärferen Eingriff die Wirtschaftsführung durch einen Treuhänder anzuordnen. In diesem Zusammenhang werden zahlreiche Einzelftagen die mit der Abmeierung zusammenhängen, näher geregelt. sönliche Einsatzbereitschaft für das vom Führer gesteckte Ziel außer durch ihre sonstige Tätigkeit auch in praktischer Arbeit neben dem deutschen Werkmann und neben der schassenden deutschen Frau in den Betrieben unter Beweis zu stellen. Ich gebe hiermit von einer soeben erlassenen Anordnung Kenntnis, wonach alle hauptamtlichen Politischen Leiter des Gaues Kurhessen der NSDAP, einschließlich der hauptamtlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sämtlicher Gliederungen und angeschlossener Verbände der Partei in der nächsten Zeit einen achttägigen ehrenamtlichen Dienst an einem kurhessischen Werkplah zu leisten haben. Danach wird jeder schaffende Volksgenosse und jede werktätige Frau, an deren Stelle ein Politischer Leiter diesen achttägigen Arbeitseinsatz versieht, vom Betriebsführer einen bezahlten zusätzlichen Urlaub für die gleiche Dauer erhalten, den er mit „Kraft durch Freude" in unserer schönen kurhessischen Heimat verleben wird. Dieser Ehrendienst wird damit zugleich ein Weihnachtsgeschenk der Politischen Leiter einschließlich der Führer und Führerinnen der Gliederungen meines Gaues für die Schaffenden Kurhessens. Es ist dabei mein besonderer Wunsch, daß der abkommandierte Mitarbeiter im Betrieb keinerlei Ausnahmestellung erhalten darf, und daß er bestrebt sein muß, in echter selbstverst ä n d l i ch e r Kameradschaft zu den Werksangehörigen und in gewissenhafter Pflichterfüllung die ihm zugewiesene Arbeit zu leisten. Boliviens Freundfchast mit Deutschland. Ehrung für Gauleiter Bohle. Berlin, 23. Dez. (DNB.) Der bolivianische Gesandte in Berlin, General S a n j i n e s, überreichte im Rahmen eines Empfanges in der bolivianischen - Gesandtschaft dem Leiter der Auslandsorganisatlon ! der NSDAP., Gauleiter Bohle, den Orden Con» 1 dor de Los Andes. Die gleiche Auszeichnung wurde dem Auslandskommissar der NSDAP, für die südamerikanischen Staaten, Köhn, zuteil. In einer Ansprache betonte der Gesandte die Freundschaft zwischen dem deutschen Volk und dem bolivianischen Staat und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Herzlichkeit in den Beziehungen zwischen beiden Nationen sich noch vertiefen und auch in Zukunft weiter festigen möge. Der Gauleiter dankte zugleich im Namen des Parteigenossen Köhn für die erwiesene Ehrung. In Erwiderung der guten Wünsche hob der (Bauleiter hervor, daß es ihn freue, die Auszeichnung aus den Händen eines aufrichtigen Freundes des neuen Deutschland empfangen zu haben. Gauleiter Bohle bei Frau Gustloff. Berlin, 23. Dez. (DNB.) Gauleiter Bohle stattete gestern in Begleitung mehrerer Mitarbeiter der Auslandsorganisation der NSDAP. Frau Gustloff in Schwerin einen Besuch ab und überbrachte ihr als Weihnachtsgabe der Auslandsorganisation ein Oelbildnis Wilhelm Gustloffs, das von dem Maler Boefe ausgeführt wurde. Im Anschluß daran begaben sich Gauleiter Bohle und seine Mitarbeiter mit dem Kreisleiter von Schwerin-Stadt zum Ehrenhain, wo der Gauleiter einen Kranz an der Grabstätte Wilhelm Gustloffs niederlegte, dessen Schleife die Inschrift „Die Auslands- Organisation der NSDAP, ihrem großen Kameraden" trug. Dank hes Reichsschahnieifters. München, 23. Dez. (DNB.) Dem Reichsschatzmeister der NSDAP., der sich vor einiger Zeit einer schweren Operation unterziehen mußte, sind aus allen Kreisen der Bewegung, des Staates und der Volksgenossen so zahlreiche und herzliche Beweise der Treue und Anhänglichkeit anläßlich seiner Erkrankung zugegangen, daß es ihm nicht möglich ist, jedem einzelnen persönlich zu danken. Erfreulicherweise befindet sich der Reichsschatzmeister auf dem Wege der Besserung. Er bedarf aber vorerst noch dringend der Schonung, wird jedoch vermutlich Mitte Januar seine Amtsgeschäfte wieder aufnehmen können. Der Reichsschatzmeister bittet, seinen herzlichsten Dank auf diesem Wege entgegenzunehmen, und verbindet seinen Dank an jeden einzelnen, der seiner in Treue gedacht hat, mit einem herzlichen Glückwunsch für das kommende Jahr. Weihnachtssendung für Oesterreicher Wien, 23. Dez. (DNB.) Wie die Oesterreichische Radio-Verkehrs-AG. (Ravag) mitteilt, wird der Bundeskanzler Dr. Kurt von Schuschnigg am 24. Dezember um 21 Uhr zu den österreichischen Landsleuten im Auslande im Rahmen einer Sendung „Der Ruf der Heimat" sprechen. Die Uebertragung erMgt durch den Sender Bisamberg in der Zeit von 21 bis 22.10 Uhr, durch den holländischen Kurzwellensender PHOHI von 1 bis 2.10 Uhr. In einer Unterredung, die Gauleiter Sprenger dem Hauptschriftleiter Staebe vom „Frankfurter Volksblatt" gewährte, wird die Schlußbilanz eines vierjährigen Kampfabschnittes im Rhein-Main-Gebiet gezogen. Es sind Zahlen, die der Partei und dem Volk im Rhein-Main-Gebiet alle Ehre machen. In ihnen spiegelt sich die Tatkraft der Führung und der Einsatz jedes einzelnen Volksgenossen wider. (Bauleiter Sprenger behandelt in diesem Leistungsbericht zunächst den Kampf gegen die Erwerbslosigkeit und nimmt dann zur Wirtschaftspolitik der Partei und Fragen des Handwerks, der Siedlung und der Rohstoff- schlacht Stellung. Er führte dabei u. a. aus: ..Der Gau Hessen-Nassau hat die glänzenden Ergebnisse der Arbeitsschlacht hundertprozentig miterkämpft. Während Ende 1933 in unserem Gaugebiet noch 265 800 Erwerbslose gezählt wurden, betrug diese Zahl im Landesarbeits- amtsbezirk Hessen am 30. September d. I. nur noch 74 265. Noch deutlicher läßt sich der gewaltige Erfolg der Arbeitsbeschasfungsmah- nahmen aus der Milgliederstatistik der Krankenkassen entnehmen. Danach hat sich die Zahl der Beschäftigten von 420 000 im Januar 1933 auf 898 055 im November 1936 erhöht. Die Zahl der Dohlfahrlserwerbslosen und Notstandsarbeiter ist entsprechend dieser Entwicklung gesunken. In der Erkenntnis, daß die NSDAP, der Träger des Staates ist und damit auch Motor der politischen Fortentwicklung, gründete ich bereits im Juni 1933 das Kontrollamt für Arbeitsbeschaffung in der (Bauleitung, worauf bald die Einsetzung eines A r b e i ts b e sch a f f un g s a u s s ch u s s e s für das Rhein-Main-Gebiet folgte. Darüber hinaus wurden in Verbindung mit der Landesbauernschaft, der DAF., dem Treuhänder der Ar- Berlin, 23. Dez. (DNB.) Vor kurzem brachten die Zeitungen die Nachricht, daß für das diesjährige Weihnachtsfest eine Neuregelung beabsichtigt sei, wonach Weihnachtszuwenoungen bei der Berechnung der Beiträge zur Reichsversicherung im allgemeinen unberücksichtigt bleiben. Nunmehr hat die Reichsregierung das Gesetz beschlossen, das die Neuregelung enthält; es wird demnächst im Reichsgesetzblatt und im Reichsanzeiger verkündet werden. Künftig sind also Weihnachtszuwendungen als Entgelt nur dann noch anzusehen, wenn sie schriftlich oder in einer Tarif-, Betriebs- oder Dienstordnung festgelegt sind. Andere Weihnachtszuwendungen find nur insoweit Entgelt, als sie ein Monatsgehalt über ft eigen. Im übrigen sind alle einmaligen Zuwendungen bei der Berechnung der Betträge nicht mehr auf das Jahr zu verteilen, sondern nur noch in dem Zeitabschnitt (Woche, Monat) zu berücksichtigen, in dem sie gewährt werden. Außerdem bringt das Gesetz einige weitere Aende- rungen. Den Auslandsdeutschen wird der freiwillige Eintritt in die Invaliden- oder die Angestelltenversicherung unter denselben Bedingungen ermöglicht, wie im Inland. In Uebereinftirm mung mit der Devisengesetzgebung wird klargestellt, daß die freiwilligen Beiträge zur Invaliden- und zur Angestelltenversicherung beim Aufenthalt im Ausland in ausländischer Währung gezahlt werden müssen. Das nähere hierfür bringt eine besondere Durchführungsverordnung. I Ferner wird das Verfahren für die Einttel - lung von Renten bei staatsfeindlicher Betätigung geregelt. Wann staatsfeindliche Betätigung vorliegt, entscheidet der Reichsmmister des Innern im Einvernehmen mit dem Reichsarbeitsminister. Der Begriff staatsfeindliche Betätigung ist den enftprechenden Vorschriften des Beamtenrechts und des Rechts der Wehrmachtoersor- gung entnommen. Die Vorschriften über den Beginn der Aus aller Welt Die zwei Fazetten desselben Glases. »Zwischen Moskau und Westeuropa ist wettanschaulich keine Versöhnung möglich. Das deutsche Kolonialproblem Lord Cecil tritt erneut für Deutschlands Hecht ein. Die Linfuhrüberwachllng in Spanien. Nichtemmischungsausschuß sorgt sich um „gutes Verstehen der Völker Europas begonnen. Gegen alle Personen, die mit dieser Aktion in Zusammenhang stehen, werde nach dem Gesetze vorgegangen werden. Sie Tarnung in Amerika. N e u y o r k, 23. Dez. (DNB.) Große Beachtung fanden in der amerikanischen Presse die Ausführungen von Pfarrer Sheen, einem Professor der Philosophie, vor der St. - Johns - Universität in Brooklyn. Sheen machte dabei auf die neuen Wühlmethoden des Kommunismus in Amerika aufmerksam. „Dom Kommunismus hören mir jetzt auf einmal nichts mehr in diesem Lande", so sagte er, „sondern nur noch von ,Demokratie^. Solche Tarnung sei auch der Sinn der neuen sowjetrussischen Verfassung, die in der amerikanischen Presse in sehr naiver Weise als eine epochemachende Neuerung hingestellt wurde." Die Kommunisten versuchten jetzt, die Weltöffentlichkeit durch eine Täuschung für sich zu gewinnen, erklärte Professor Sheen, und führte dann in klarer Kennzeichnung die kommunistischen Methoden auf: „Sie können heute keinen einzigen Kommunisten in Amerika dazu bringen, zu sagen, was Kommunismus ist oder was er nicht ist. Denn wenn er sagen würde, was der Kommunismus i ft, dann würden die Amerikaner ihn a b l e h n e n. Aber zu sagen, was der Kommunismus nicht ist, das verbietet den Kommunisten wieder Sowjetrußlan d." Nach dem Weihnathfsessen nicht vergessen! Bullrieh -Sah TabLWPft $°nbon, 2ä. Dez. (DNB.) lieber die Sitzung Des Nichteinmischungsausschusses am Mittwoch wurde eine amtliche Mitteilung ausgegeben, in der zunächst Kenntnis von einer einstim- m i g angenommenen Entschließung gegeben wird. dieser Entschließung wird unter Hinweis auf die Notwendigkeit, die Entwicklung von Z u st ä n - den zu verhindern, die das gute Verste - h.en der Völker Europas beeinträchtigen könnten, darauf hingewiesen, daß es von höchster Bedeutung sei, die Anwendung des 11 e b erwachungsabkommens zum mög- llchft frühen Zeitpunkt durchzuführen. Der portugiesische Vertreter sagte, daß die Haltung seiner Regierung in der Frage des vorgeschlagenen Ueberwachungsplanes unverändert sei. Der Ausschuß erörterte weiter telegraphische Inhaltsangaben der aus Spanien eingegangenen Antworten auf den Vorschlag zur Errichtung eines Ueberwachungssystems, um die Beachtung des Nlchte>inmifchungsabkommens zu sichern. Dem Ausschuß lag weiter ein Bericht der technischen Berater vor, der sich mit den einschlägigen Arbeiten des vorzeschlagenen Ueberwachungsplanes beschäftigt. Dieser Bericht soll den Regierungen zur endgültigen Entscheidung zugeleitet werden. Vorbehaltlich dieser Entscheidung ermächtigte der Ausschuß den Vorsitzenden, die Bedingungen des vorgeschlagenen Planes der spanischen Ratio n a l r e g i e r u n g und der Leitung der R o - ten am 1.Januar 1937 zu übermitteln, falls nicht vor diesem Zeitpunkt von einer der im Ausschuß vertretenen Regierungen verlangt werden sollte, diese Frage noch einmal zu erörtern, bevor die Mitteilung nach Spanien abgeht. Die Mitteilung soll die Aufforderung enthalten, innerhalb von zehn Tagen eine Antwort auf die Frage zu gebtn, ob die Bereitwilligkeit vorliegt, an dem vor- geschlagenen Uederwachungsplan mitzuarbeiten. Dem Ausschuß lag ferner ein Bericht der technischen Berater über die Methoden vor, durch die ein System der Ueberwachung der Flugzeug einfuhr auf dem Luftweg nach Spanien hergestellt werden kann. Der obenerwähnte London, 23. Dez. (DNB.) In einer weiteren Zuschrift an die „T i m e s" setzt sich Lord D. Cecil erneut für eine Regelung des deutschen Kolonialproblems em. Er schreibt, seit dem Erscheinen feiner ersten Zuschrift in der „Times" sei er mit Briefen überschwemmt worden, von denen die meisten zustimmende und einige ablehnende Ansichten äußerten. Seine Gegner hätten im wesentlichen folgende vier Argumente vorge- bracht: 1. Es wird gesagt, die Kolonien würden den Deutschen wenig Nutzen bringen. — Cecil erklärt hierzu, daß dieses Argument dann auch für die andere Seite gelten könne bzw. müsse. Man müsse die Kolonien den Deutschen übergeben und abwarten, was sie daraus machen würden. 2. Man wendet ein, die Kolonien seien für England als Verbindungswege nützlich. Dieser Standpunkt, so schreibt Cecil, sei krankhaft selbst- süchtig. Mit einer derartigen Begründung wäre England berechtigt, jeden ausländischen Kolonialbesitz abzulehnen, wenn er auch nur im geringsten bas große Britische Reich beeinträchtige. Er bezweifle, ob Ausländer diese Beweisführung anerkennen würden. Im übrigen habe Großbritannien vor dem Kriege auch ohne die deutschen Kolonien seine Verbindungswege gehabt. 3. Man behauptet, ein Zugeständnis in der Ko- lomalfrage wurde nur zu weiteren deutschen For- derungen führen. Cecil versteht diesen Einwand nicht. Er erklärt, gebe man einem Hungrigen zu e||en, so brauche das nicht notwendigerweise damit Amsterdam, 23. Dez. (DNB.) Der „Tele- graaf" veröffentlicht einen durch „Opera mundi“ verbreiteten Artikel Andre Tardieus, in dem sich der französische Staatsmann sehr energisch gegen jeden Pakt mit Moskau ausspricht. Tardieu stellt fest, daß der Kommunismus eine ständige Bedrohung Westeuro- p a s bedeute. In einem großen Teil Europas habe er bereits die Staatsmacht in Händen. Der Kommunismus beherrsche das ganze ehemalige russische Kaiserreich und ein Drittel des ehemaligen spanischen Königreiches. Zwar habe er seine anfänglichen Erfolge in Ungarn, Deutschland und Italien nicht aufrechterhalten können, doch sei es ihm gelungen, mit Hilfe von Wahlurne und Gewerkschaften, eine schwere Hypothek auf die Zukunft Frankreichs zu legen. Der Verfasser weist dann eindringlich darauf hin, daß die sowjelrussische Regierung und die III. 3nfer- nationale ein und dasselbe seien. Sie seien die zwei Fazetten desselben Glases. Tardieu schildert weiter eingehend die politische Entwicklung Frankreichs in den letzten Jahren und die Bündnispolitik der französischen Regierung mit Moskau. Nach den Wahlen im Mai 1936 sei der Gewerkschaftsterror in Frankreich ausgebrochen. Damals sei das „Regime der Zellenbauer und Fabrikdelegierten" an Stelle der Staatsregierung getreten. Im französischen Mutterland und in den Kolonien herrsche Unordnung. Der „dauernde Aufstand", von dem Lenin gesprochen habe, sei ausgebrochen. Die Vorgänge in Spanien hallen die wahren Absichten Moskaus aufs neue enthüllt. Der Kommunismus zeige ein doppeltes Gesicht. Das Gesicht seiner Außenpolitik gebe sich den Anschein, ein Freund Frankreichs zu fein. Das innerpolitische Gesicht des Kommunismus zeige sich als Feind. Frankreich und die übrigen Staaten stünden nun vor der mühsamen Aufgabe, zwischen diesen beiden Er- nicht für ausgeschlossen, daß die Pariser Metallarbeiter bis zum General st reik gehen, um eine Regelung der Streitfragen in Nordfrankreich zu beschleunigen und zu beeinflussen. Kommunyusche Organisctzion in Jugoslawien aufgehoben. Belgrad, 24. Dez. (DNB.) Nach einer amtlichen Verlautbarung vom Mittwochabend ist in Jugoslawien neuerdings eine kornmunist i s ch e Organisation aufgehoben wor- den, in deren Mittelpunkt der Führer des linken Flügels der ehemaligen Landwirtspartei, Dr. Dra- goljub Jowanowitsch, stand. In der amtlichen Mitteilung heißt es, daß der Hauptausschuß der Kommunistischen Partei Jugoslawiens, der sich im Ausland befindet, nach der im Vorjahr erfolgten Aufdeckung eines kommunistischen Organisationsnetzes in Jugoslawien wiederum eine Anzahl von illegalen Parteifunktionären mit der Aufgabe nach Jugoslawien geschickt habe, die Reorganisation der illegalen Parteiorganisationen durchzuführen. Einige solche Organisationen seien auch schon in verschiedenen Orten aufgedeckt worden. Die Untersuchung habe weiter ergeben, daß zwischen den Kommunisten und dem Linkspolitiker Dr. Dragoljub Jowanowitsch ein Abkommen über eine gemeinsame Arbeit zustande- gefommen sei. Diese Arbeit, die eine illegale kom- > munistische Aktion zum Ziele hatte, habe auch schon I STrouerfeier für Geheimrat Wiegand. In Berlin-Dahlem fand die T r a u e r f e i e r für den im 72. Lebensjahr verstorbenen Präsidenten des Archäologischen Instituts des Deutschen Reiches, Dr. Theodor Wiegand, statt. Unter den zahlreichen Trauergästen sah man u. a. Reichserziehungsmini- fter Rust, der Ministerpräsident Göring vertrat, den preußischen Finanzminister Popitz, als Vertreter des Reichsführers SS. Prof. Langsdorf, die Herren des Archäologischen Instituts des Deutschen Reiches und Universitätsprofesfor R o - denwaldt, der der Vorgänger von Dr. Wiegand war. Bericht soll den Regierungen der im Ausschuß vertretenen Staaten zur Stellungnahme unterbreitet werden. Der Ausschuß erörterte schließlich die Frage der Notwendigkeit der Annahme einer einheitlichen Auslegung der Verpflichtungen, die die Regierungen durch den Beitritt zum Nichteinm schungs- abkommen übernommen haben. Die Ausschußmitglieder beschlossen, ihren Regierungen gewisse Vorschläge zu unterbreiten, die den Zweck haben, das wünschenswerte Maß von Einheitlichkeit zu sichern. SroßeVeute der Franco-Truppen Frankreich und die Sowjets beliefern weiter die Bolschewisten. Salamanca, 24. Dez. (DNB. Funkspruch.) Der Heeresbericht des Obersten Befehlshabers in Salamanca gibt einen Ueberblick über die Beute, die die nationalen Truppen während der letzten Operationen im Frontabschnitt Villa Real ge- macht haben. Erbeutet wurden 325 Gewehre, 25 Maschinengewehre, 2 Kleinkaliber-Kanonen, 1 Panzerauto, 300 000 Schuß Munition, 1000 Granaten, 2000 Handgranaten und 3 Lastwagen. Ferner wird nachträglich bekannt, daß die Truppen der Südarmee bei her Einnahme von El Carpio noch drei 10,5-Zentimeter-Geschütze, mehrere Lastwagen und ein Panzerauto erbeuteten. General Queipo de Llano berichtete am Mittwoch in feiner allabendlichen Rundfunkansprache über bie Erfolge der nationalen Truppen. Er teilte dann mit, daß er am Mittwoch von unterrichteter Seite Mitteilungen erhalten habe, wonach in dem roten Mittelmeer nach wie vor große Mengen sowjetrussischen Kriegsmaterials e i n t r e f f e n. Auch die sowjetrussischen Truppentransporte halten an. Der General erklärte, daß Frankreich Sowjetrußland nicht n a ch st e h e. Er wies hierbei auf die von der französischen Zeitung „Echo de Paris" mitgeteilten Flugzeuglieferungen an die Bolschewisten hin, die trotz der Dementis vorgenommen wurden. zu enden, daß er sämtliche Lebensrnittel im Hause verlange. Eine derartige Annahme zeuge von einer verhängnisvollen Geisteshaltung. Seien Deutschland und England Freunde, so würde die Regelung der Kolonialfrage ein kluger und großzügiger Akt der Freundschaft sein, seien sie aber Feinde, so würde es vielleicht eine Schwäche fein, Deutschland Zugeständnisse zu machen. 4. Es heißt, die Rückgabe entspreche nicht den Interessen der eingeborenen Bevölkerung. Diesen Einwand bezeichnet Lord Cecil als eine Frage, über die Enaland sich nicht selbst zum Schiedsrich- ter bestellen dürfe. Sie müsse von einer neutralen Stelle untersucht werden. Lord Cecil meint zum Schluß seiner Zuschrift, daß vielleicht der Völkerbund die gegebene Einrichtung für die Behandlung der deutschen Kolonialfrage sei. England werde vor dem Völkerbund erklären, daß es das Recht Deutschlands auf Kolonien anerkenne und daß es gewillt fei, in dieser Beziehung ein Zugeständnis zu machen. England müsse zeigen, daß es den Deutschen etwas Konkretes mit friedlichen Methoden anbieten könne. Cecil schließt auch seine heutige Zuschrift mit der Feststellung, daß außer der Kolonialfrage kein Grund vorliege, der ein Zusammenleben von England und Deutschland in vollkommener Einigkeit hindere. Universitätsprofessor D. Litzmann hielt die Gedenkrede und führte u. a. aus, daß das Leben des Verstorbenen ein Leben des Kampfes gewesen sei. An seinem Sarge könne aber auch von frohem Schaffen und stolzem Gelingen gekündet werden. Seine Ausgrabungen seien typisch deutsche, Wie- gandsche Arbeit: Sauber und umfassend. Was er bei seinem Sckaffen angestrebt und erreicht habe, sei die Darstellung des Gesamtkulturbildes Vorder- asiens von der prähistorischen Zeit bis in die Gegenwart. Seit Dr. Wiegand gezeigt habe, wie man Städte ausgraben müsse, könne es niemand mehr wagen, Raubgrabungen vorzunehmen. Seine Arbeit aalt nicht nur humanistischer Aesthetik, sein Schaffen aalt dem deutschen Volk. Ein klarer Beweis dafür sei der Aufbau des Pergamon-Museums. Sein Leben habe der Verstorbene restlos für Deutschland eingesetzt. Im Auslande, im Kriege, im Vaterland selbst, überall habe er diesen Kampf gefochten. Er habe ein heldisches Leben im Dienste der Wissenschaft, im Dienste des Volkes gelebt. Clemens Krauß übernimmt die künstlerische Leitung der Bayerischen Staatsoper. Am 1. Januar 1937 übernimmt Professor Clemens Krauß als Bayerischer Staatsoperndirektor und Generalmusikdirektor die künsllerische Leitung der Bayerischen Staatsoper. Zum ersten Male in dieser Eigenschaft wird Clemens Krauß am 6. Januar eine Aufführung von Richard Wagners „W a l k ü r e" dirigieren. Ehrung eines 100jährigen. Der Führer und Reichskanzler hat dem ehemaligen Schneidermeister Heinrich Spanner in Berlin-Schöneberg aus Anlaß der Vollendung feines 10 0. Lebensjahres ein persönliches Glückwunschschreiben und eine Ehrengabe zugehen lassen. Deutschland an der Spitze der europäischen Rundfunkländer. Die soeben bekannt gegebene vorläufige englische Hörerzahl beträgt 7 898 750. Deutschland zählte am 1. Dezember 1936 7 9 3 7 9 0 7 Rundfunkteilnehmer. Damit hat Deutschland den seit langem von aller Welt mit Interesse verfolgten Kampf um die Höch sie europäische Hörerziffer mit einem Mehr von rund 40 000 im Augenblick für sich entschieden. Schon einmal hat der Deutsche Rundfunk diese führende Stelle innegehabt, und zwar vom Januar 1929 bis Juni 1931. Es zeigte sich aber, daß der Systemfunk außerstande war, diesen Vorsprung zu halten. England übernahm die Führung und behielt sie ünbeftritten bis zum heutigen Tage. Als 1983 die Nationalsoziali- sten den Deutschen Rundfunk übernahmen, war die Kurve der deutschen Hörerzahlen im Begriffe, eine rückläufige Bewegung anzunehmen. England zählte damals gegenüber Deutschland über eine Million mehr. Deutsches Weihnachtskonzert in Rio de Janeiro. Die Musikkapelle des Linienschiffes „Schlesien" wird am Heiligen Abend in Rio de Janeiro in der amtlichen Funkstunde ein Konzert veranstalten, das auf kurzen und langen Wellen gesendet wird. Feierliche Beerdigung eines deutschen Seekadetten in Rio de Janeiro. In Rio de Janeiro erfolgte die Beerdigung des im Deutschen Krankenhaus von Rio plötzlich gestorbenen Mitgliedes der Besatzung der „Schlesien", des Seekadetten Dietrich Machwirth. Von der Kapelle des Krankenhauses, wo der deutsche Botschafter Schmidt-Elskop und Kreisleiter Schagen namens der Reichsregierung und der Partei am Sarge Kränze niederlegten, geleiteten der brasilianische Marineminister Admiral G u i l - hem, der Kreisleiter der NSDAP., der Kommandant der „Schlesien" mit den engeren Kameraden des Verstorbenen und Mitgliedern der Botschaft den Trauerzug bis zum Friedhof, wo ihn Ehren- abteilungen der „Schlesien" und der brasilianischen Marine unter Gewehr erwarteten. Darauf wurde der Sarg unter Geleit von Abordnungen der Partei und vielen Hunderten deutscher Volksgenossen zu Grabe getragen, während die Ehrenabteilungen einen Trauersalut abgaben. Neben dem brasilianischen Marineminister waren bei dem Trauerakt Vertreter des brasilianischen Generalstabes und hohe Offiziere der brasilianischen Flotte zugegen. Nach scheinungsformen des Kommunismus zu wählen. Jeder Pakt mit S o w j e t r u ß l a n d sei falsch. Ein Vertrag werde für die III. Internationale niemals ein Hindernis fein, den Umsturz, selbst bei feinen Bundesgenossen, vorzubereiten. Die Vorbereitung der Weltrevolution sei der einzige Lebenszweck der III. Internationale. Zwischen Moskau und D e st e u r o p a sei weltanschaulich keine Versöhnung möglich. Der Kommunismus werde sich entweder eines Bündnisses mit uns oder eines Krieges gegen uns bedienen, um unsere Weltanschauung zu vernichten, wenn hier von Westeuropa gesprochen werde, so sei damit nicht nur Frankreich gemeint. Dasselbe gelle genau für England, Belgien, die Schweiz und Holland. Die L"bensgrundlagen dieser Völker schlossen jedes Paktieren mit Moskau, in welcher Form auch immer, aus. hier gelle es, entweder Gegenwehr zu leisten, oder zu verschwinden. Erfolge diese Abwehr kraftvoll und ohne Zögern, so werde der Kommunismus wieder aus Europa verschwinden. Stoße der Kommunismus jedoch auf Schwachheit, dann bezeichne dies den Untergang der westeuropäischen Kultur und Gesittung. Metallarbeiterstreik in Frankreich Aktion in Paris- Paris, 24. Dez. (DNB. Funkspruch.) Der M e - tallarbeiterftreiE in Nordfrankreich beginnt nunmehr weite Kreise zu ziehen. Man befürchtet, daß sich die Streikgefahr auch auf Paris ausdehnen wird. Die Arbeitnehmervertreter der Pariser Metallindustrie haben jedenfalls beschlossen, am Samstagvormittag zusammenzutreten, um sich mit der Lage in Nordfrankreich zu beschäftigen. In gewissen Kreisen spricht man von der Möglichkeit weittragender Beschlüsse und hält es der Predigt des Schiffspfarrers sprach Kapitän von Seebach Abschiedsworte für den Kameraden, dessen Leben in HI., SS. und Marine dem neuen Deutschland gewidmet gewesen sei. Die brasilianische Marine gab ihrer von ehrlicher Freundschaft und Verbundenheit mit der deutschen Marine zeugenden Mittrauer auch dadurch Ausdruck, daß sie die Fahne auf dem Marineklub halbmast hißte. Arbeilsloser Familienvater gewann 50 000 Mark. Ein arbeitsloser Familienvater in Lüneberg ist der glückliche Gewinner des Haupttreffers der 8. Reichslotterie für Arbeitsbeschaffung geworden. Auf seine Losnummer 2 7 8 6 6 2 9 fiel der Hauptgewinn in Höhe von 5 0 0 0 0 Mark. Das unerwartete Glück, das der bedürftigen Familie zuteil geworden' ist, hat unbeschreibliche Freude ausgelöft. Die Schneeverhällnisse im schlesischen Gebirge. Die S ch n e e l a g e hat sich im schlesischen Gebirge in den letzten Tagen nur wenig verändert. Sie beginnt etwa bei 800 Metern und steigt in Kammlagen bis auf 35 Zentimeter an. Am Mittwoch ist etwas Neuschnee aufgetreten, so daß über der alten verharschten Schneedecke etwas Pulverschnee liegt. In den Höhenlagen ist F r o ft eingetreten. Die Sportverhältnisse, die teilweise noch ziemlich gut sind, werden zunächst keine Verschlechterung erfahren. Die genaue Menge des Neuschneefalls, der am Mittwoch niederging, läßt sich zur Zeit im einzelnen noch nicht genau übersehen. Ein fünftes Flugzeugunglück in USA. Bei Dallas (Texas) stürzte kurz nach dem Auf- stieg zu einem Dersuchsflug ein Passagierflugzeug ab. Zwei Besatzungsmitglieder, sowie drei Fluggäste, darunter der Generaldirektor der Flugzeuggesellschaft, der die verunglückte Maschine gehörte, wurden getötet. Dieser Unfall ist der fünfte, von dem die amerikanische Luftfahrt innerhalb ganz kurzer Zeit betroffen wurde. Furchtbares Lxplosionsunglück in einer mexikanischen Kohlengrube. In dem mexikanischen Ort Nuevo Rosita ereignete sich in dem Schacht einer dortigen Kohlenzeche eine schwere Explosion. Bisher wurden 39 Leichen geborgen. 35 Bergmänner sind zum Teil schwer verletzt worden. Kommunistenverhasiungen in Polen. Warschau, 23. Dez. (DNB.) Vier Posener Kommunisten sind auf Anordnung der Polizei in das Jsolierungslager von Bereza Kartuska gebracht worden. In S t a n i s I a u hat die Polizei eine achtköpfige kommunistische Gruppe verhaftet, an deren Spitze ein Rechtsanwalt steht. Wetterbericht des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. Mit der Verlagerung des Hochdruckzentrums vom Festland auf den Dftatlantif hat die atlantische Wirbeltätigkeit, die sich bisher in höheren Breiten hielt, südwärts an Raum gewonnen. Während jedoch Nord- und Ostsee hierbei wieder von kräftigen Stürmen heimgesucht sind, macht sich bei uns ihr Einfluß vorerst nur gelegentlich in dem Aufkommen etwas unbeständigerer Witterung bemerkbar. Leichtere Niederschläge, die bei ziemlich niedrigen Temperaturen im Gebirge als Schnee fallen, werden deshalb nur in Norddeutschland und den nördlicheren Gebirgen zu erwarten sein. Aussichten für Freitag und Samstag: In den Niederungen vielfach Nebel, sonst bewölkt, mit zeitweiliger Aufheiterung und geringfügigen Niederschlägen, im Gebirge Schnee, bei schwachen Winden, Temperaturen um 0 Grad, nachts Frost. Lufttemperaturen am 23. Dezember: mittags 4,2 Grad Celsius, abends 2 Grad: am 24. Dezember: morgens —0,3 Grad. Maximum 4,2 Grad, Minimum, heute nacht —1,2 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 23. Dezember: abends 1,1 Grad: am 24. Dezember: morgens 1,0 «Grad Celsius. — Niederschläge 0,1 Millimeter. — Sonnenscheindauer 3,4 Stunden. Wintersport-Wetterbericht. Schwarzwald, Feldberg: Heiter, — 5 Grad, 30 Zentimeter Gesamtschnee, verharscht, nur Skimöglichkeiten. Hauptschriftleiter Dr. Fr. W. Lange (verreist). Stellvertretender Hauptschriftleiter: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: i. V. Ernst Blumschein; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigen- (eiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. XI. 36: 11 000. Druck und Verlag: Brühl'sche Unioerfitäts» Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Emzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. nrniiW | Verkäufe | Empfehlungen | •66T» 0 Photo Kreuzplatz 9 Briefpapier von Gießen | Mietgesuche [ SS. Kleinanzeigen preis von s Pf. I für dieMllimeler- reile veröffentlicht I SWklWWgelWlÜlk | Vereine 8381 D Stellenangebote Platzinspektors 1881-1930 Am [8406D [05859 NUNg Telephon 2486. 8420A werden zum er. mäßigten Grund- Anmeldungen für das neue Schuljahr und Auskünfte in Gießen jederzeit im Schulgebäude Goethestraße Nr. 32, 28 Pf. am Tage in die Sparbüchse So bequem ist der Erwerb der Mercedes - Prima-Kleinschreibmaschine, des treuen, zuverlässigen Mitarbeiters fürs ganze Leben. Denn Sie können schon bei einer Anzahlung von RM 16.80 und 24 Monatsraten zu je RM 8.30 einer von den vielen tausend glücklichen und zufriedenen „Prima-Besitzern" werden. — Der Kassapreis beträgt netto RM 186.* 6 Zimmer Bad u. Mädchenzimmer, ab 1. 8. ober 1. 4. 1937 zu vermieten. H. Reinschmidt, Horst-Wessel- Wall 511. Zweijährige Handelsklasse für Schulentlassene mit 8jähr. Schulbildung. 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Bei einer solchen Betrachtungsweise verliert man sich leicht ins Geologische, rechnet unbewußt und unklar mit Lagerschichten und Zeitaltern, als gehöre auch der Mensch zu Mineralien und Fossilien. Der Naturphilosoph wird hier überhaupt kein „als ob" gelten lassen, sondern einfach entschieden bejahen. Wir wollen aber nicht die Gattung Homo biologisch ins Auge fassen, sondern das, was man gemeinhin unter Volk versteht. Dann nähern wir uns der geschichtlichen Anschauung und damit Oswald Spengler, der heute mit einiger Augenfälligkeit behaupten könnte, er habe also mit seiner Prophezeiung von der Wiederkehr eines cäsarischen Zeitalters Recht behalten: Mussolini! Hitler! Atatürk! Gäbe es nun in diesen drei Völkern nicht noch denkende Kräfte, wären wir zeitlich schon so weit abgerückt, daß wir die Tatsachen nicht mehr nach eigenem Erleben, sondern nach rückschauenden Ueber- lieferungen zusammenstellen müßten, oder wären wir lediglich auf die Meinung der anderen angewiesen, der Gegner, so würde dieser vermeintliche Cäsarismus tatsächlich bald gedruckte Geschichte werden (wie etwa, um ein Beispiel zu nehmen, die germanische Geschichte der Römerzeit einseitig durch den Feind überliefert und doch bis in unsere Tage hinein von den Deutschen selbst als richtig hingenommen worden ist). Man würde als Beweis anführen, daß jene Männer — Alleinherrscher, Diktatoren, Cäsaren, wie man will — noch weit mehr Macht hatten als die römischen Kaiser, und die erstaunte Frage unserer Enkel, wieso sich das aufgeklärte Völker gefallen ließen, mit einem Achselzucken abtun. Wir Lebenden wissen, daß und inwiefern es anders ist. Wir haben das Glück, das Entstehen, die Bildung der gewaltigsten Geschichte seit der Völkerwanderung und der Reformation Tag für Tag beobachten, zu können, wir erleben den Titanenkampf zweier Weltanschauungen, wir stehen mitten im Geschehen. Da sieht alles anders aus als auf der Schulbank. Wir merken, wo die Speng- lerfche vergleichende Geschichtsphilosophie ihre Risse und Brüche hat, wir sehen, daß selbst das Dogma von den aktiven und passiven Völkern nicht stimmt. Die Türkei war uns immer der „kranke Mann", China der Inbegriff einer erstarrten, tatenlosen Nation, die Schweizer schienen uns derart befriedet, daß sogar der Ausdruck Verschweizerung für das gesättigte, in Selbstzufriedenheit erlahmte, keine Bewegung mebr wünschende Volkstum aufkommen konnte, und Spanien ist das Musterbeispiel für ein altes, absterbendes und langsam verfaulendes Volk — gewesen. Mit einem Schlag aber stand es im vordersten Graben und der Alkazar von Toledo hat die ganze Verlogenheit der Operettencarmen erwiesen. Ist England wirklich verkalkt, Frankreich rückständig, Indien in sinnlosem Fakirschlaf versunken? Nein, der Schein trügt, es gibt vielleicht ruhende Völker, wie es latente Dolkskräfte gibt, aber kein Vulkan darf als erloschen betrachtet werden, solange er nur untätig ist. Was hat man nicht über das Vorkriegsitalien gesvöttelt und plötzlich greift es zum Liktorenbündel Hoheitszeichen; wie tief darnieder lag Deutschland und im Verlauf weniger Jahre konnte es ein schlichter Volksführer kraft eines unerschütterlichen Glaubens an das unsterbliche Volkstum wieder unter die Großmächte einreihen! Gewalten, die ungeachtet aller vorausgegangenen Revolutionen noch niemand vor zwanzig Jahren ahnen konnte, erschüttern gegenwärtig Europa, alles ist in Bewegung geraten, nichts steht mehr fest. Es flutet in den Köpfen der Menschen und zuckt in ihren Beinen. Schwache gleiten ab und dahin wie Treibholz, wozu Widerstand, denken sie, es kommt ja doch alles, wie es kommt. Andere werfen sich den entfesselten Elemente entgegen, suchen einzudämmen, Richtung zu geben. Viele glauben sich zum Führer berufen, wenige sind auserwählt. Gottlob, daß es noch Führer gibt! Wunderbar aber, eine göttliche Fügung, daß es so wenige sind. Viele wären ein liebel. Dank ihrer Zügelführung haben fast alle von der großen Flut ergriffenen Völker schon eine klare Blickrichtung gewonnen: es zeichnen sich für jeden, der sehen will, scharf genug zwei Sturmrichtungen ab, die niederreißende und die aufbauende, die bolschewistisch ins Maßlose greifende und die planmäßig auf die Volksrettung beschränkte, wobei uns die Trachtenunterschiede zwischen Faschismus und Nationalsozialismus nicht stören sollen. Nur Unvernunft kann einen Unterschied machen zwischen gemäßigtem und radikalem Nationalsozialismus; der Faschismus, der sich bei der Beseitigung der Parteien weit mehr Zeit ließ, zeigt ebenso deutlich wie der Bolschewismus, daß sich für die heutigen Glaubensbewegungen jeder Kompromißgeist verbietet. Entweder — oder. Dafür oder dagegen. Kleine kosmetische Verschönerungen, wie sie der eine oder der andere für tunlich oder „unbedingt nötig" hält, kann sich ein Völkersturm nicht gestatten. In dem Augenblick, wo diese Erkenntnis Allgemeingut wird, müssen auch die letzten Hemmungen und Vorbehalte, wie sie zwischen Deutschland und Italien noch vor zwei Jahren zielhindernd auftraten, fallen, die geistesverwandten Strömungen vereinigen sich ohne Rücksicht auf die Grenzpfäyle, der Durchbruch der neuen Kräfte scheidet Wasser von Land, Bolschewismus und Nationalismus. Es ist der Atem der Reformation, der heute durch die Völker weht und jeden einzelnen zu einem Gewissensexamen zwingt aber wohlverstanden nicht für sein persönliches Seelenheil, sondern in Ansehung des Volksganzen. Man muß über feinen Hausaltar Hinausfühler können, das ist das Neue an unserer Zeit. Es muß so weit kommen, daß auch der Außenseiter sich sagt: Ich persönlich würde mich ja unter einem liberalen Regime wohler fühlen, meine Geschäftsinteressen lägen eigentlich auf einer anderen Ebene, aber das Volk geht vor, höher steht die Nation, ich folge freudig dem Führer! Und dieser Geist greift um sich, das ist das Geheimnis des Erfolges der neuen Weltanschauung. Er hat im Saargebiet gesiegt, er setzte sich an den neuerungsabholden deutschen Stammtisch, er hat den profitlichen italienischen Händler überwältigt und dringt sogar durch die Schlüssellöcher des spanischen Alkoven, in den zerflatternden Harem des Orients. Nicht von sinnlosen, zufälligen Naturgewalten wird Europa geschüttelt, es befindet sich vielmehr in einer Erneuerungskrisis, die jeder gesunde Organismus überwinden wird. Deutschland und Italien haben die gefährliche Wende schon hinter sich, fühlen beglückt die neue Kraft in ihren Adern. Spanien wird sich ebenfalls durch- ringen und auch in den sogenannten demokratischen Westmächten, England und Frankreich, die konservativ sein wollen, pocht der wahre Geist von Europa schon an die Pforten. Verhaften läßt er sich nicht, nicht einmal abweisen, man wird ihn also wohl oder übel hereinlassen müssen. Weihnachten in alter Wett. Was unsere ständigen Berichterstatter davon erzählen. (Nachdruck verboten, auch mit Quellenangabe.) WeihliachMlsion in Oesterreich Dr. G. A., Wien. Weihnacht ist der Tag der Besinnung auf das, was man liebt; ob es uns mit lebendigem Atem umgibt oder ob es gewesen und dennoch unvergessen jetzt in der kalten Wintererde friert. Und als sichtbarer Ausdruck wehmütig-süßen Erinnerns brennen an manchem Grab die Heiligabend-Kerzen im Tannengrün. Ich weiß ein Grab von zwei Menschen, die arm gelebt und arm gestorben, uns alle so reich gemacht haben. Das Grab, das ich meine, liegt in dem Land, das sich zwischen Böhmerwald und der Donau erstreckt. Ward der Boden von dem Blut, das er getrunken hat, so schwer und fruchtbar? Ist es nicht, als ballten sich die Dezembernebel, die wie ein milchiger Brei über die Hügel kriechen, zu phantastischen Gestalten? Die Adlerfeder am schwarzen Barett, die Hand am kurzen Stoßdegen, steht nicht so Oesterreichs Florian Geyer auf, der christliche Gcneralobrist Stefan Fahdinger und sind dort nicht seine kaiserlichen Widerparte, der Pappenheim und der finstere Herbersdorf, den Becher schüttelnd zum großen Würfelspiel unter der Haushamer-Linde zu Frankenburg? Ja, solche große Gestalten geistern um den kleinen Ort, zu dem wir heute in Gedanken wandern wollen. Da ganz in seiner Nähe war es, wo sie aneinandergerieten, die deutschen Bauern, groß im Glauben an Gott und ihr Volk und die kaiserlichen Soldaten aus Kroatien, Welschland und Böhmen. Hier war es, daß ihrer Tausende in einem Taumel von Mut und Besessenheit ihr Leben einer Idee opferten, daß selbst der strenge Pappenheim seinen Degen in Ehrfurcht senkte und seinem kaiserlichen Herrn die Zeilen schrieb: „Es war ein wunderbares Fechten, fein Bauer warf die Waffe meg". Ja, das ist ein Land, wo die Ideen erst sterben, wenn die Ceibtr und Hirne der Menschen, die sie bargen, auf die Walstatt sinken. Das ist ein starkes Land, im Glauben stark und stark im Mut, ihn zu verfechten. Die Schatten der Heiligen Nacht sind völlig herabgesunken. Wir wollen dem Küster folgen, der seine Schritte jetzt aus der kleinen Dorfgasse zum Friedhof lenkt, über den sich wie die knöchernen Finger des Sensenmanns dürr die Aeste der Ulmen strecken, lieber die gezinkte Brüstung seiner Mauern streicht ein leiser Wind wie durch Aeolsharfen. Er singt ein Lied von der Geschlechter ewigen Ruhe, er final davon ein Lied, wie erst hundert starke, harte Ahnen leiden, kämpfen und hinsinken müssen, ehe einer unter ihnen aufsteigt und sich übermächtig lösend aus dem Verhaft von Sippe, Landschaft und Stamm zum Titan wird seines ganzen Volkes, der Welt. Der Küster drückt die Klinke der eisernen Friedhofstüre auf, die hartgefrorenen Schollen knirschen unter den Tritten. Mit dem Wachslicht entzündet er an einem Grab die Lichter eines Weihnachtsbaumes, den fürsorgliche Hände dort aufgestellt haben. Der Kerzenschein übergoldet den Namenszug: Alois und Klara Hitler. Die Glocken von Leonding aber läuten die Weihnacht ein. Julfest im Aorden. B.- Kopenhagen. Das Eigentümliche an der Art, in der die Schweden ihr „Julfest" feiern, liegt vor allem darin, daß die schwedischen Weihnachten sozusagen im Sommer beginnen. Wird schon eine kleine Familienfeier in Schweden mit einem Höchstaufwand an Mitteln begangen, so müssen natürlich für Weihnachten besondere Vorbereitungen getroffen werden. Monate vorher werden alle Einzelheiten besprochen und bestimmt, und dabei ist die Zusammensetzung der umfangreichen Tafel ebenso wichtig wie die Auswahl der Geschenke und die Herrichtung des Tannenbaums, für den nur die schönsten Exemplare des schwedischen Baumreichtums gut genug sind. Je weiter man in Skandinavien nach Norden kommt, desto stärker offenbart sich die Verknüpfung des Weihnachtsfestes mit den alten heidnischen Begriffen. In vielen Gegenden Schwedens heißt Weihnachten noch heute „Mittwinterfest" im Gegensatz zum Mittsommerfest, und diese beiden Abschnitte des Jahres sind immer noch für den Schweden die Hauptfeiertage. Als Auftakt für die Weihnachtszeit wird im ganzen Land der 13. Dezember, der Lucia- Tag gefeiert, an dem eine junge Schwedin als Lucia gefrönt und geschmückt, Stadt und Dorf in Besitz nimmt. Es ist tatsächlich so, daß in vielen schwedischen Familien das ganze Jahr hindurch für Weihnachten gespart wird. Diese Konzentration auf das „Mittwinterfest" bringt es ganz natürlich mit sich, daß schon die Tage vorher mit festlicher Atmosphäre gefüllt sind, und daß in den Weihnachtstagen selbst alles Tun und Denfen auf „Jul" abgestellt ist. Während in den Städten die Feiertage manchmal mit etwas karnevalsmäßiger Lustigkeit begangen werden, ist das Weihnachtsfest auf dem Lande, auf dem riesenhaft ausgebreiteten schwedischen Lande von einer tiefen Innerlichkeit erfüllt, die durch die Einsamkeit der verschneiten Landschaft unterstrichen wird. In tiefer Nacht brechen die Bauern auf, um mit ihren Schlitten in die oft weitabgelegenen Kirchen zu fahren, deren Weihnachtsgottesdienste um Die/ Uhr früh beginnen. Ihre Fahrt führt sie durch eine Gasse brennender Kerzen, denn jedes Haus stellt in der Heiligen Nacht Lichte in die Fenster, damit die Kirchgänger den Weg besser finden können. — Stockholm, die Hauptstadt ist an den Weihnachtsfeiertagen wie ausgestorben. Das Fest ist eine Familienfeier, und wie auch in Norwegen, bringt man am liebsten die Festtage im engsten Kreise der Familie zu. Von dieser Sitte weicht vollkommen der Kopenhagener ab, für den der1 erste Feiertag die große Gelegenheit ist, Freunde und Nachbarn und Verwandte aufzusuchen und ausgedehnten „Kaffeeklatsch" zu halten. Frau Hansen verfällt in Entzücken über den Pelz, den Frau Nielsen vom Gatten bekommen hat, während die Kinderchen gemeinsam erproben, ob die neuen Spielsachen auch „hart im Nehmen sind". Im übrigen verstehen es die Dänen, ihre Häuser und Plätze in der reizendsten Weise für Weihnachten herzurichten. Mit dem spielerischen Trieb, der den Kopenhagener auszeichnet, schmückt er feine Stadt Phantasie- und geschmackvoll aus, über die Hauptstraßen ziehen sich Girlanden aus silbrigen Glocken und blitzenden Sternen, und es gibt fast keinen Laden, der nicht feine Waren mit einem weihnachtlichen Schimmer verklärt hat. Natürlich spielen in allen nordischen Ländern Essen und Trinken an den Weihnachtstagen eine besondere Rolle. Gans- und Schweinebraten zieren die Tafel, und die meist beschäftigten Leute in Kopenhagen sind in dieser Zeit die Bäcker, weil sie sich nicht nur um Kuchen und Torten bemühen, sondern auch den — Weihnachtsbraten Herstellen müssen. Merkwürdigerweise hat sich in Kopenhagen die Gute Möbel bei Koos Giessen Schulstn 6 Das Naumenluischerchen. Eine Weihnachisgeschichie oon Helene Christaller Das Herz des Menschen fühlt ein Recht in sich zur Freude. Nie wird einem das bewußter als zur Weihnachtszeit, wenn aus ferner Kinderzeit her der Tannenbaum glänzt und man sich an die überströmende Freude erinnert, die das Herz überwältigte. Nie wieder kann der alte Mensch sich so freuen, wie es das Kind getan t)at, und doch sehnt man sich nach diesem Augenblick, wo die Seele wie getragen war von goldenen Lichtwogen. Gern kehrt man dann wenigstens in der Erinnerung zurück, und da leuchtet mir ein fernes Weihnachten in hellem Glanz. Ich war wohl achtjährig, jedenfalls ging ich schon zur Schule. Wir feierten stets das Fest in der Familie, unverheiratete Tanten, die man damals alte Jungfern nannte, fanden an diesem Abend Heimatrecht und warme Freundlichkeit, verdorrte Junggesellen wärmten sich die Herzen an fremdem Kinderglück. Und nun muß ich eine etwas beschämende Beichte vorausschicken. Ich war als Kind ein Daumen- lutscherchen. Sobald ich abends müde wurde — wupp war das Däumchen im Mund, das davon ganz dünn und blaß war. Alles Necken, Verspotten und Ermahnen half nicht. Selbst die Drohung, die Daumen abzuschneiden, wie man es dem Konrad aus dem „Struwwelpeter" getan, blieb fruchtlos. Mit dem Instinkt eines Naturtriebs und gegen meinen Willen fing ich an zu lutschen, wenn Müdigkeit oder Langweile mich überkam. Es war sechs Wochen vor Weihnachten, ich hatte im Großelternhaus den selbstgeschriebenen Wunschzettel abgegeben, wo zu oberft stand: „Ein Glieder- püpchen mit blonden Loggen." Damals nämlich waren die Gliederpuppen letzte Neuheit; ich kannte nur die Puppen mit Stoffleib. „Ja", sagte die älteste der Tanten, „ein Gliederpüppchen ist etwas sehr Schönes-; aber das gehr nicht zu einer Mama, die noch lutscht." Traurig senkte ich die Augen, ich fühlte mich wie eine Frau, der der Arzt Kinderlosigkeit voraussagt. Mein Kummer rührte der Tante Herz. „Es könnte ja aber sein", sagte sie bedächtig, „daß du dir das Lutschen abgewöhnst? Für so ein großes Mädchen ist es doch eine Schande." Sie hob mir dabei das Kinn hoch und sah mir liebevoll überredend in die Augen. Da fuhr etwas Stählernes in mein Herz. Mein Wille erhob sich zum erstenmal zu vollem Bewußtsein. der Geist siegte über den Trieb. „Don hcure ab lutsche ich nicht mehr", sagte ich fest. Und ich hielt das Versprechen. Der erste Abend im Bett war der schwerste. Ich wickelte den Strumpf um die Hand und legte mich fest mit dem Rücken drauf. „Du brauchst dir's ja nicht auf einmal abzugewöhnen", lockte der Trieb. „Heute ein bißchen und morgen ein bißchen, dann hört es von selbst auf." „Nein", sagte der Geist, „ich habe es versprochen." Der Schlaf wollte nicht kommen. Ich wußte, den Daumen in den Mund, und ich schlief in fünf Minuten. Aber ich blieb fest. Im Geist lächelte mich mein blondes Gliederpuppenkind an und schließlich schlief ich doch ein. Nach acht Tagen dachte ich gar nicht mehr daran zu lutschen, die Kindergewohnheit war vollständig versackt, und ich konnte nicht mehr begreifen, daß ich es je getan und nicht lassen gekonnt hatte. Ich hatte aber mit diesem eigenen Entschluß den ersten schweren Schritt auf dem Wege zur Selbsterziehung getan, und es hat sich mir kein anderer so tief eingeprägt wie dieser, denn mit ihm hatte ich begonnen, ein Mensch und ein Charakter zu werden. Nun war also der . Weihnachtsabend da; ich schwebte zwischen Hoffen und Bangen. Wohl hatte ich mein Versprechen gehalten, aber ich fyatte kein bindendes Wort vom Christkind, daß nun zur Belohnung auch wirklich mein heißer Wunsch Erfüllung finde. Die Tante hatte sich in zurückhaltendes Schweigen gehüllt, als ich einmal antippte, und das kam mir ziemlich hoffnungslos vor, denn ich kam in meiner Kinderharmlosigkeit nicht darauf, daß sie sich absichtlich verstellte. Wir saßen im Wohnzimmer, ich hatte ein weißes Schürzchen an und mein kleines Brüderchen sonntägliche Stiefel mit hohen Lackschäften. Die Tanten unterhielten sich vom Makronenbacken und daß man die Mandeln ein wenig mit Grieß strecken könne, man merke es gar nicht. Einer von den Hausfreunden, der ein lyrischer Dichter war, aber von seinen Renten lebte, hatte das Fenster geöffnet, so daß man das feierliche Geläut der Stadtkirche hören konnte und das Blasen vom Turm. In das Geläut hinein scholl ein Silberglöckchen, die Türe zum Weihnachtszimmer sprang auf, Lichtströme fluteten uns entgegen. Meine Augen suchten nach der Puppe. Nichts zu sehen. Ein buntes Sonntaqskleidchen lag auf dem Tisch, ein weißer Pelzmuff, ein Bilderbuch. Während des Gesanges durchforschte ich von ferne alles. Auch ein brauner Holzkasten, wie ein Köfferchen anzusehen, stand zwischen bunten Stiften und einem Pack Schulheften. Das Lied war zu Ende. Langsam trat ich an meinen Tisch und suchte tapfer die Enttäuschung zu verbergen. Da sah ich auf dem braunen Holz- I kästen einen Zettel liegen, da drauf stand geschrie- I ben: „Meine Mama lutscht nicht mehr." Ich wagte nicht zu verstehen und drehte mit zitternden Händen den Schlüssel. Die ganze Familie stand plötzlich um mich her. Der Deckel fiel zurück und da lag es, das heiß ersehnte Puppenkind und war noch tausendmal schöner als meine Phantasie es sich ausgedacht hatte. Und bei ihm lagen Kleidchen und Mäntelchen, Wäsche und Schürzen, eine ganze Puppenausstattung. Ich brachte kein Wort hervor. Das spitze kleine Vogelgesicht der Tante lächelte, und sie hatte feuchte Augen, als sie meine stumme Seligkeit sah. „So, so", sagte der Großvater, ein hagerer strenger Mann, und las den Zettel. „Wer hat es dir denn abgewöhnt?" „Ich selber", sagte ich leise. „Und das blonde Helenchen", meinte die Tante und deutete auf die Puppe. „Ja, unsere Kinder erziehen uns", sagte der Großvater und strich mir mit karger Gebärde über die Haare, für mich ein ungeheurer Beweis seines Wohlwollens. „So wird man ein Charakter." Wie es dann weiter am Abend ging, weiß ich nicht mehr. Vermutlich mußte sich das arme Pup- penhelenchen zwanzigmal an- und ausziehen lassen, vermutlich aßen wir so viel von dem festlichen Essen, bis wir nicht mehr konnten und mußten mit Widerspruch zu Bett gebracht werden. Mein Erinnern setzt erst wieder ein, als es dunkle Nacht um mich war. Der Vater schnarchte ein bißchen, Brüderchen lag im Nachbarbett auf dem Bauch und umklammerte mit dicken Händen eine Messingtrompete. Das Oelschwimmerchen des Nachtlichts, auf dem ein knisterndes Flämmchen tanzte, erhellte spärlich den großen Raum. Da dachte ich an mein Püppchen, und mein Herz brannte von Liebe und Freude. Ich konnte nicht mehr schlafen, Sehnsucht zog mich zu meinem Kind. Leise kletterte ich aus dem Gitterbett und tastete mich durch das Nebenzimmer in die Weihnachtsstube. Hier war es nicht ganz dunkel, eine Straßenlaterne warf ihr Licht durchs Fenster. Es roch nach Tannenbaum und süßem Backwerk. Dann sah ich das Püppchen, es saß mitten unter seinen Kleidern und blickte mich mit offenen Augen an. „Kannst du auch vor Freude nicht schlafen, Helenchen?" flüsterte ich und drückte das kalte Körperchen an die warme Brust. Barfuß und im Hemdchen stand ich unter all der Weihnachtsherrlichkeit und fühlte das Glück des Mutterseins in unaussprechlicher Seligkeit, die fast weh tat. „Liebes, Kleines", stammelte ich und schmiegte I mein Gesicht an die Puppe. Ihre Locken kitzelten | mich. Ich lachte leise, dann schlich ich mich mit der Puppe im Arm ins Bett zurück. So war ich in wenigen Wochen ein Charakter (worunter ich mir aber gar nichts vorstellen konnte) und eine Mutter geworden. Und deshalb leuchtet der Glanz dieses Weihnachtsabends bis in mein kommendes Alter herüber und die Weihnachtsfreude dieses fernen Tages ist der Maßstab für alles Weihnachtsglück geblieben. Ach — ein Maßstab, der spätere Freude oft zu kurz fand. Denn hinter Kinderseligkeit und ihrem Weihnachtsbaum glänzte noch ein geheimnisvolles, strahlend helles Leuchten, das aus schmalen Spalten brach und von dem Licht hinter den Dingen verriet. Wie aber ist der Mensch vom Licht der Erde gesättigt, der von dem verborgenen Licht dahinter weiß. Oie Christrose in Sage und Dichtung. Die Christrose, die mit ihrem botanischen Namen weniger poetisch Nieswurz und auf lateinisch Helleborus niger heißt, ist unsere frühest blühende Blume. Auf ihrem natürlichen Standort, in lichten, sonnigen Alpentälern und -wäldern, beginnt sie im allgemeinen im Februar zu blühen, doch erscheinen einzelne Blüten auch schon im Dezember und Januar. Manche Gartensorten blühen sogar noch etwas früher, und man kann bei dieser Blume buchstäblich den Anblick von frischen Blüten mitten im Schnee haben. Diese seltene Eigenschaft hat der Blume den Namen Christrose eingetragen und hat sie von Dichtung und Sage umgeben lassen. So berichtet die Sage von der Gründung der Stadt Hildesheim an einer Stelle, wo Rosen im Schnee erblühten, zahlreiche Legenden erzählen von Rosen, die in der Christnacht aufblühen, so zum Beispiel die Rose von Marienstein im Elsaß. Der kräuterkundige Brunfels, einer der deutschen „Väter der Botanik", sagt im Jahre 1530: „Die Pflanze wird Christwurz genannt, darumb, das sein Blum, die gantz gryen ist, uff die Christnacht sich uffthut und blüet. Welches ich auch selbst wahrgenommen und gesehn, mag für ein gejpötte haben, wer da will." Im Volksglauben gilt die Christrose auch als ein Heilmittel gegen allerlei Seuchen, wenn sie in der heiligen Nacht gepflückt wird. Die „weißen gilgen" eines Volksliedes aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts find wahrscheinlich unsere Christrosen und nicht weiße Lilien. Auch das Weihnachtslied „Es ist ein Ros entsprungen", das von dem Blümlein mitten im kalten Winter spricht, läßt uns an diese rührend zarte, grünlich-weiße oder rosarote Blüte denken, deren Anblick auf frostharter ober schneebedeckter Erde uns ergreift. Sitte herausgebildet, die „Weihnachtsgans" zum Bäcker zu geben, der sie liebevoll betreut und zart brät. Am Spätnachmittag ziehen dann die Hausfrauen in langen Reihen vor die Bäckereien, um Las Festmahl abzuholen. Im hohen Norden Schwedens liefert das Renntier einen leckeren Braten. Lange vor Weihnachten treiben die Lappen ihre Herden auf den Märkten zusammen, die schlachtreifen Tiere werden ausgewählt, verkauft und gleich an Ort und Stelle geschlachtet. Ueberall aber, von Stockholm bis Haparanda, wie von Kopenhagen bis Hammerfest würzt dasselbe Getränk die Festspeisen und die Festtage: der kalte Schnaps. Wir hören Königswusierhausen! Noe. — Paris. Wenn der Postbote in den ersten Dezembertagen das erste Päckchen aus Deutschland mit einer Backprobe brauner Kuchen gebracht hat, beginnt sich jene leichte Unruhe zu regen, die in der Heimat köstliche Vorfreude ist, die aber in Paris nach etwas Fehlendem Ausschau halten läßt. Millionen von Watt übergleißen allabendlich die Lichtstadt. Die Fassaden der weltberühmten Warenhäuser bieten Wunderwerke an lichtqemalten Märchenbildern. Ungezählte Mütter stehen mit ihren Kindern Schlange, sich vor den Schaufenstern an lebenden Puppenspielen zu freuen, während der Hausvater zwischen zwei Aperitifs überlegt, in welchem Restaurant in diesem Jahr Reveillon, der 24. Dezember, gefeiert werden soll. Denn nicht wahr, in der bar basque war im Vorjahr der Puter nicht ganz reif genug, auch hätten die Austern eine Viertelstunde länger auf Eis liegen müssen. Diesmal muß für die Kinder wohl auch solch Tannenbaum beschafft werden, wie es seit einigen Jahren Mode zu werden beginnt. Aus dem Elsaß ist diese Neuerung gekommen, von der die Deutschen und die Engländer so viel Wesens machen. Sie nennen ja auch den 24. Dezember feierlich den Heiligen Abend. Bleiben wir lieber bei unserem heiteren Reveillon im Restaurant, mit Champagner und schönen Frauen. Die Flurnachbarn hingegen gehen zur Mitternachtmesse. Einhundert Franken kosten in Notre Dame die guten Plätze. Frankreichs beste Sänger und Chöre machen die Messe zu einer geschätzten musikalischen Feierstunde. In den Gängen drängt sich das gläubige Volk, und vor den Pforten der Kathedrale strecken Dutzende verhärmter Bettter ihre Hand. Die Deutschen haben ihre Weihnacht aus der Heimat mitgebracht. Sie streifen, auch wenn sie Junggesellen sind, durch die Spielzeugabteilungen der Warenhäuser. Sie packen im Deutschen Haus Festpakete für bedürfttge Volksgenossen. Die evangelische und katholische Kirche bringen mit Weihnachtsbazaren freudige Vorstimmung. Einige Tage vor dem Fest trifft man viele Bekannte auf dem Blumenmarkt an der Seine, wo für teures Geld kleine Tannenbäume gekauft werden. Und am Heiligen Abend stehen alle unsere Rundfunkapparate auf „Königswusierhausen", und wir lauschen auf „Stille Nacht, heilige Nacht". Deutsche Weihnacht in den Staaten. KGS. — Washington. Weihnachten wird auch in Amerika von Jahr zu Jahr dem deutschen Festgebrauch ähnlicher. Das ist um so bedeutsamer, als ja die amerikanische Nation sich aus vielen verschiedenen Rassen und Nationalitäten zusammensetzt. In der Hauptsache jedoch, das heißt gefühlsmäßig, hat die nordische Rasse sich als die wirkungsvollste und als ausschlaggebend erwiesen. In seinem Denken und Fühlen, besonders zur Weihnachtszeit, steht das amerikanische Volk der nordischen Rasse viel näher als anderen Völkern. Die Sitte der Weihnachtsfeiern ist jetzt in ganz Amerika verbreitet, während zu Beginn der Kolonisierung in Virginia (1607) und in Neuengland (1620) die englischen Einwanderer, insbesondere die sogenannten „Pilgerväter", die Puritaner, die sich in Massachusetts und im übrigen „Neu-England" ansiedelten, ein Weihnachts- sest überhaupt nicht gefeiert haben. Es dauerte bis 1856, also bis nach der ersten großen Welle deutscher Einwanderung, daß Weihnachten ein gesetzlich anerkannter Feiertag wurde, den man dann in den verschiedenen Staaten der Union recht verschieden feierte. Zum Beispiel in „New Amsterdam" (jetzt Neuyork), das zuerst von den Holländern besiedelt wurde, herrschten die Weihnachtssitten der Niederlande. Im Mittelwesten und im Staate Pennsylvania, wo die Deutschen unter Pastorius ihre noch heute berühmten Siedlungen begründeten, feierte man deutsche Weihnachten. In den weiter westlich gelegenen Staaten Minnesota, Nord- und Süd-Dakota usw. erhielten sich die skandinavischen Gebräuche, da dort die Einwanderer meist aus Skandinavien stammten. In den Südstaaten wurde ebenfalls Weihnachten gefeiert (in New Orleans nach französischer Sitte, da Louisiana früher den Franzosen gehörte), und zwar als eine ganze Woche voller Fröhlichkeit und Gesang. Im Westen war nach Berichten aus jener Zeit in den frühen Tagen der skandinavischen Kolonisierung der Stockfisch der „Festbraten" zur Wech- nachtszeit, nicht der Puter, der sonst überall in Amerika zu Weihnachten wie zum Erntedankfest auf die Tafel kommt. Und statt des Sankt Nikolaus oder, wie man hier sagt, des „Santa Claus" hatte man dort kleine Wichtelmänner, die schöne Gaben brachten. Außerdem hatte man das „Yule Log'', den großen Holzscheit im Kamin; und solange der brannte, durften die Dienstboten an der Feier teilnehmen. Man behauptet, daß besonders geriebene Dienstboten den Holzscheit vorher anfeuchteten, damit er recht lange brennen oder glimmen bleibe. Morgens zwischen 4 und 5 Uhr ging es in die Kirche, wo im Anschluß an den Gottesdienst für die hungrigen und müden Kirchgänger Kaffee und Pfannkuchen serviert wurden. An der kalifornischen Küste des Stillen Ozeans, in dem Städtchen Pasa- dena bei Los Angeles und Hollywood, gibt es eine mehr als sechs Kilometer lange Alle von lebenden Tannenbäumen, die zur Weihnachtszeit erleuchtet werden. Es ist ein bezaubernder Anblick, wenn man am Heiligen Abend durch diesen leuchtenden Weihnachtswald fährt. Tannenbäume sind in Amerika zuerst durch die deutschen Einwanderer eingeführt und zu Weihnachtsbäumen verwendet worden. Man berichtet, daß ein Deutscher in Chikago den ersten Großhandel mit Weihnachtsbäumen betrieb. In Chikago und Umgebung wohnen bekanntlich viele Hunderttausende Amerikaner deutschen Blutes. Die deutsche Sitte des Weihnachtsbaumes in der Wohnung hat sich erst in den letzten Jahrzehnten allmählich im Lande verbreitet. Wegen der Feuersgefahr hat man bis auf den heutigen Tag noch vielfach die Sitte, den Weihnachtsbaum vor dem Haufe aufzustellen und vom 24. bis 31. Dezember mit elektrischen Birnen zu schmücken. Wenn man jetzt in der Weihnachtswoche durch die Straßen fährt, so sieht man überall elektrisch erleuchtete Bäume vor den Häusern oder erleuchtete Girlanden aus Tannenzweigen über den Türen sowie Kerzen in den Fenstern. Die Sitte der erleuchteten Bäunze soll hier wie in Europa aus der Zeit stammen, wo man sich vor den bölen Geistern des Winters fürchtete und sie durch Lichter von dem Betreten des Hauses abschrecken wollte. Mehrere Tage vor dem Heiligen Abend singt man bereits die alten Weihnachtslieder der Deutschen, die alle ins Englische übersetzt worden sind. Am Heiligen Abend gegen 6 Uhr, wenn es ganz dunkel geworden ist, geht Präsident Roosevelt mit Kindern und Kindeskindern vor das Weiße Haus und drückt auf einen Knopf, durch den ein riesenhafter Weihnachtsbaum auf dem freien Platz vor dem Palais des Präsidenten erleuchtet wird. HunderttMsende drängen sich im Kreis, gemeinsam werden die Weihnachtslieber gesungen. Abends vorm Schlafengehen hängt man sodann einen möglichst großen Strumpf an den Kamin in der Hoffnung, daß der Weihnachtsmann ihn nachts recht freigebig fülle. Im Weißen Haus tun das alle Familienmitglieder, und Präsident Roosevelt sorgt dafür, daß sie nicht leer bleiben. Am Nachmittag des ersten Feiertags sind alle Angestellten des Weißen Hauses bei Roosevelt zu Gast und erhalten ihre Geschenke. Roosevelt liebt und versteht noch heute jedes deutsche Wort und erinnert sich gern an die Weihnachten, die er als Junge in Nauheim erlebt hat. Das schwäbische Menspiel. C. S. Budapest. Eigentlich müßte man sagen: Deutsche Weihnachten in Ungarn. Denn so wie auch sonst das heutige Ungarn in seinem kulturellen Leben überall starke deutsche Einflüsse aufweist, so ist auch die Art, in der der Ungar das Weihnachtsfest begeht, durchaus deutsch. Wie bei uns in der deutschen Heimat, so ist der Christbaum mit seinem Lichterschmuck vom Weihnachtsfest überhaupt nicht zu trennen. Desgleichen gehört auch für den Ungarn, wenigstens für den Städter, am Heiligen Abend ein Karpfen auf den Tisch, der aber nicht nach Berliner Art zubereitet wird, sondern der äußerst schmackhaft gebacken wird. Ganz anders draußen in den Dörfern der ungarischen Tiefebene. Dort ist Mittelpunkt des Weihnachtsfestes das Hirtenspiel. In den deutschen Siedlungen, in den vielen hundert deutschen Gemeinden Ungarns ist es das Christkindl-Spiel, das Alt und Jung in festlicher Stimmung vereint. Hier draußen, besonders in den schwäbischen Dörfern ist eben das Weihnachtssest nicht nur ein Fest der Familie, sondern darüber hinaus auch ein Fest der ganzen Dorfgemeinschaft. Ein Fest, an dem auch der Ma- gyare, der unter diesen deutschen Bauern wohnt und lebt, mit Anteil nimmt. Zum Christkindl-Spiel, das heute auch in vielen nichtschwäbischen Dörfern heimisch geworden ist, versammelt sich die ganze Dorfgemeinschaft. In weißen Kleidern, mit zierlichen Häubchen und bunten Bändern geschmückt wandern — je nach den örtlichen Bräuchen — sechs oder acht oder noch mehr junge Mädchen, nur selten auch Knaben, von Haus zu Haus, um am Christabend das Christkindl-Spiel, das aus Wech. selrede und Gesang besteht, aufzuführen. Ist das Spiel zu Ende, so verteilen die das Christkindl begleitenden Engel die Geschenke, die die Eltern der betreffenden Familie ihren Kindern zugedacht haben. Ehe die Spielerschar das Haus betritt, in dem die Kinder erwartungsvoll ihrer harren, werden ihnen von der Mutter heimlich die Geschenke zugesteckt, die dann ausgeteilt werden. Da rollen dann Aepfel und Nüsse durch die Stube, da jubeln Jungen und Mädels über ihre vielen großen und kleinen erfüllten Wünsche. Und dann zieht die Spielerschar weiter, begleitet und gefolgt von der ganzen Dorfeinwohnerschaft, denn ein jeder nimmt immer wieder gern mit teil an der Freude in jedem einzelnen Haus. Um Mitternacht aber, zu Beginn der Christmette führt die Schar noch einmal ihr Christkindl- Spiel auf, diesmal vor der ganzen andächtig lauschenden Gemeinde. In größeren Dörfern übrigens sind oft mehrere Spielscharen unterwegs, die von Familie zu Familie wandern. Da klingt es dann aus den verschiedenen Häusern: Drum lobet und praiset ain jeder Christ, Mail Christus der Herr gebuaren ist, Oh, Josef main, so kumm herain, Wiag miar das zarte Jesulain! So ist Mittelpunkt und Inhalt der deutschen Weihnachten in Ungarn die religiöse Feier, die alt und jung auf das eigentliche Wesen dieses größten christlichen Festes hinweist. Natürlich fehlt es dabei auch nicht an dem, schließlich aus keinem deutschen Hause, und läge es auch im ganzen Erdteil wegzudenkenden äußeren Beiwerk. An den Näschereien, die nach der Gewohnheit und dem Brauch der einzelnen Familie nach der Herkunft und der Heimat ihrer Vorfahren oft große Verschiedenheiten in den einzelnen Dörfern aufweisen. Undenkbar aber ist ein Haus ohne Christbaum. Seine Lichter erglänzen, wenn die Englein des Christkindlspiels durch das Dorf ziehen und sie strahlen in der Kirche bei der Christmette. Symbol der Verbundenheit aller Deutschen in der ganzen Welt. Mder„Sch1eswig Holstein Don Friedrich Karl Birnbaum, Kapiiänleuinani. v. Limentause zwischen Zußtag und Emkehr. Bußtag. Von der Einkehr spricht unser Pfarrer beim Gottesdienst auf der Schanz in soldatisch ernsten Worten und von dem bevorstehenden Toten- gedenktag, der für uns unmittelbar auf ein Fest der Freude und der Lebensbejahung folgen soll — denn am Samstag, 21. 11., passiert unser Schiff, zum ersten Male auch in seinem 30jährigen Leben, den A e q u a t o r, und Neptun wird, wie er uns durch Unterwassertelegrafie schon Tage zuvor hat mitteilen lassen, höchstselbst Schiff und Besatzung vom Schmutz der nördlichen Halbkugel reinigen und denen, die sein südliches Reich noch nicht betreten haben, seine heilige Linientaufe zukommen lassen. Hart stehen Freude und Leid, Glück und herber Schmerz im Leben beieinander — niemand von uns allen ahnt, daß um dieselben Tage in der Heimat acht Kameraden vom U-Boot 18 in treuer Pflichterfüllung ihr junges Leben mit dem Tode besiegeln mußten. Wir hätten ihnen keinen Gefallen mehr getan, wenn wir, nachdem die erschütternde Nachricht uns durch die Antenne erreichte, um ihretwillen still und ohne gesunden Frohsinn die Linie passiert hätten. Eine schlichte Trauerfeier vereinigt am Tage nach dem Fest, am Totensonntag, die Besatzung auf der Schanz, und mit dem uralten Lied der Kameradentreue „Ich hat' einen Kameraden" steigt das Gelöbnis aus unserem Herzen, ihrer stets würdig zu sein in frohen und ernsten Stunden. — 19. November. Fieberhaft wird gearbeitet, um die Vorbereitungen für den Empfang feiner feuchten Majestät zu Ende zu bringen. Als am Vorabend des großen Ereignisses der Admiral Triton mit Gefolge und Trabanten den Fluten entsteigt, um die Ankunft seiner Majestät für den kommenden Tag offiziell zu bestätigen, sind Schiff und Besatzung bis ins Kleinste bereit. — 21. November. Der große Tag bricht strahlend an! Im ersten Morgenlicht erscheint, als festlicher Auftakt, unser großer Bruder „Graf Zeppelin" wieder am Horizont, steht kurz darauf mit gewaltigem Gebrumm nur 100 Meter über uns und gibt uns den freundlichen Signalspruch: „Guten Rutsch über die Linie. In Pernambuco erwartet man Sie schon sehnsüchtigst!" — und entschwindet, unter heftigem Tücherschwenken und Winken beiderseits, in Richtung auf die einsamen Sankt-Pauls- Klippen, die auch wir ansteuern. Ein unvergeßliches Bild, wie das silberne Schiff der Lüfte über dem zackigen Felsengebilde steht, das sich einsam und verlassen aus dem unendlichen Blau des Ozeans erhebt. Pünktlich um 9 Uhr entsteigt der Gewaltige triefenden Bartes, am Arm die geliebte Gattin Thetis, mit zahlreichem phantastischem Gefolge den blauen Fluten und betritt über das Steuerbordfallreep das Schiff, begleitet vom ohrenbetäubenden Lärm seiner Hofkapelle. Das Fest beginnt, nachdem feine Majestät die Front der Divisionen abgeschritten, Lob und Tadel reichlich verteilend — wehe den Getadelten! — mit der großen Rede und der Ordensverleihung an die Glücklichen, die sein Reich schon einmal als ehrliche Seeleute befahren und die heilige Taufe bereits empfangen haben. Während die holde Thetis mir das Sinnbild meiner Waffe, die Mine und Granate, gekreuzt vom heiligen Dreizack, am roten Bande um den ehrfürchtig gebeugten Hals legt, denke ich, wie meine Kameraden von der „Ham- bura" zurück an unsere Taufe vor zehn Jahren zwischen Borneo und Zelebes! Die Tribüne ist besetzt, Kommandant und die schon getauften Offiziere haben sich in bunter Reihe unter das Gefolge des Herrschers gemischt. Man ruft mit lauter Stimme den ersten Täufling: Unfern wohlbeleibten Stabsarzt! Mit launigen Worten be- Ein Wechnachisbäumchen fingerhoch. Don Wilhelm Schmidtbonn. Nie werde ich vergessen ein kleines Erlebnis, das ich an einem Weihnachtsabend in Berlin hatte, vor vielen Jahren, es gab noch nicht einmal Autos. Ich befand mich allein auf meinem Zimmer, lachte über die Sentimentalität, hie an diesem Abend die Menschen ergriff und zusammentrieb. Meine Studienkameraden waren nach Hause gereist, ich war in Berlin geblieben. Aber fast heimlich vor mir selbst sah ich dann doch nach den Lichterbäumen hinter einzelnen Fenstern der anderen Straßenseite. Und endlich mußte ich mit Zaubergewalt auf die Straße hinaus, um wenigstens unter Menschen zu fein. Da würde es ja noch viele geben, die einsam wie ich herumgingen und einander mit versteckten Augen die Sehnsucht vorn Gesicht ablasen. Es hatte mehrere Grad Kälte, keinen Schnee, aber ein schneidender Wind bewegte die hängenden Firmenschilder. Sehr wenige Menschen gingen da, es war 9 Uhr abends, und es gab fast mehr Verkäufer und Verkäuferinnen: von kleinen Zehn- pfennig-Weihnachtsgefchenken, die an den Häuserreihen ausgestellt waren, als vorbeipafsierende Fußgänger. Noch um diese Stunde hatten sie die Hoffnung nicht aufgegeben, etwas zu verkaufen. Sie stampften mit den Füßen, bliesen in die Hände, es waren Greise darunter, abgehärmte Frauen. Sie traten manchmal in einen Hausflur, um vor dem Eiswind Schutz zu finden, aber nicht lange, nur eine halbe Minute, damit ihnen nur ja kein Geschäft entwische. Fast alle redeten mich an, sie riefen mir schon von weitem zu, sie riefen noch hinter mir her. Ich war verwundert, sie nicht einmal verbittert zu finden, sondern diese Menschen waren so bemütig geworden von ihrem armen Leben, daß sie sogar, hier auf der Straße, um 9 Uhr abends, im Frost, mit allergeringster Aussicht auf Verdienst, von einer Art innerer Weihnachtsfreude erfüllt waren — und das war das Ergreifendste. Line sehr dicke Frau stand da, das heißt, sie hatte wohl nur so viele Röcke übergezogen wegen der Kälte, denn ihr Gesicht, das oben aus einem blauen Wollkragen heraussah (ich weiß die Farbe noch), war klein und mager. Sie hatte Unkosten gewagt, um den Geschäftsgang zu beschleunigen, und ein künstliches Weihnachtsbäumchen, fingerhoch, aus grüngestrichenem Blech, vor sich hingestellt, das sechs winzige, brennende Kerzen trug. Damals waren die Straßen im Verhältnis zu heute dunkel, darum wirkte das brennende Bäumchen schon von weitem wie ein kleines Wunder. Ich stand davor, um es anzusehen, in einem unvermutet hochkommenden Kindheitsgefühl. Ich lächelte spöttisch, um mein wahres Gefühl zu verbergen. Natürlich wollte ich nur einen Augenblick stehen bleiben, aber die Frau redete mir so lebendig zu einem Ankauf zu, nicht etwa heftig, flehend, klagend, anklagend, sondern vielmehr in einer so witzigen Gesprächigkeit, daß ich länger halt machte und , mich auf eine kleine Unterhaltung einließ, dabei allen Ernstes, magisch hingezogen, einen Ankauf erwog — nicht daß der Preis von zwei Groschen mir Bedenken gemacht hätte, sondern nur die Lächerlichkeit des Kaufes. Doch ich sah mich schon (und das Herz wurde mir seltsam warm) in meinem Zimmer sitzen, das brennende Bäumchen auf dem Tisch vor mir. Da bewegte sich der Rock der Frau wie von einem unvermuteten Windstoß, und zu meinem Entsetzen kroch unter dem Rock ein Kind h-mvor. Es war warm angezogen mit Schal und Wollmütze, war aber doch der Kälte wegen unter den natürlichen Wärmespender, den Rock der Mutter, geflüchtet. Es kam nur mit Gesicht, Schultern und Aermchen hervor, sah mit einem schnellen Lachen zu mir auf, verschlagen und verträumt zugleich, betrachtete wie ich selbst einen Augenblick das Wunder des brennenden Bäumchens, griff bann, die Gesprächigkeit der Mutter benutzend, schnell nach einem solchen Bäumchen von ben drei Dutzend, bie etwa dastan- den, zog es geschwind unter den Rock und verschwand selbst wieder darunter. Der Atem stand mir still, angesichts dieses Elends, das nur um so mehr anpackte, als es ohne Klage war. Ich überlegte schon, alle Bäumchen mit einmal zu kaufen, und wieder war es weniger der geringe Betrag, der dafür auszuwmden gewesen wäre, als die Furcht vor Selbstspott, derartig lächerliche Dinge zu tun. Ich kaufte also der Frau nur ein einziges Bäumchen ab und zahlte es ihr gut. Sie gab es mir sorgfältig wie einen wertvollen Gegenstand in bie Hand, nachdem sie noch einmal mit den verfrorenen Fingern die Festigkeit der winzigen Kerzen versucht hatte. Sie bedauerte dabei, daß sie kein Papier habe zum Einhüllen, aber es sei sogar besser mit dem unverhüllten Bäumchen zu gehen, damit die Kerzen nicht abbrächen. Wir wünschten uns beide fröhliche Weihnachten, als hätten wir zuhause wer weiß was für einen Geschenktisch zu erwarten, und ich ging. Aber nach drei Schritten kehrte ich zurück, um noch eine Schachtel Streichhölzer zu kaufen. Im selben Augenblick fängt die Frau unter dem Rock zu brennen an. Jrn nächsten Augenblick kletterte die Flamme an einer Stelle schon zu ihren Knien hoch. Ich stehe angewurzelt, habe das schnelle Gefühl, die Frau mache sich selbst zu einem brennenden Weihnachtsbaum, mir zur Freude ober zu Geschäftszwecken — bei dem ungewöhnlich schlagfertigen Witz, den sie bisher gezeigt hatte, war das in der fiebrig spukhaften Stimmung dieses einsamen Abends eine fast nicht einmal verwunderliche Annahme. Aber schon hob bie Frau mit einem Tierschrei ihre Röcke hoch, zog das Kind hervor, schleuderte es mit einer lächerlich blitzschnellen Geschwindigkeit fort, daß es mehrere Meter über die Straße glitt wie auf einer Eisbahn, und schlug dann erst die Flammen unter sich aus. In Zeit einer Sekunde geschah bas alles. Das Kind, im Gleiten, hatte noch ein brennenbes Bäumchen in ber Hand behalten, sah erschreckt, verwundert und auch wieder ein wenig lachend zur Mutter hoch, aus der es beinahe einen lebendigen Weihnachtsbaum gemacht hätte. Und während ich die Frau umdrehte und ihr von allen Seiten ben verbrannten und hie und da noch glühenden Saum abriß, mußten wir beide Erwachsenen auch schon mit dem Kinde lachen und nach seinem Bäumchen Hinsehen. Ein Kind, frierend, hatte sich in feiner kleinen, warmen, dunklen Welt unter dem Rock der Mutter sein eigenes kleines Weihnachtsfest aerichtet, das nur einen Augenblick dauern konnte. Aber vielleicht hatte es in diesem Augenblick mehr Wunderglanz erlebt als taufend glücklichere Kinder der Stadt. Die Weihnachtskrippe aus Rothenburg. In allen christlichen Ländern wird Weihnachten gefeiert, aber in jedem anders. Kein anderes Fest ist so stark durch die besondere Ueberlieferung der einzelnen Völker geprägt worden wie gerade das Weihnachtsfest. Wir glauben, daß kein Volk das Weihnachtsgeschehen so tief und innig gestaltet hat wie wir Deutschen mit brennendem Lichterbaum und mit der Weihnachtskrippe, deren älteste Darstellungen ins Mittelalter zurückreichen. Wie eine deutsche Weihnachtskrippe auch amerikanischen Kindern zum ersten Male das Ereignis der Christ- geburt wahrhaft lebendig gemacht hat. erzählt „Reclams Universum" nach den Erlebnissen ber Amerikanerin Frau Helen Perry Curtis. Diese hatte lange nach etwas gesucht, um ihren Töchtern ben Sinn bes Weihnachtsfestes nahezubringen. Auf einer Guropareife entbeckten sie unb ihr Mann in Rothenburg ob ber Tauber zufällig eine Weihnachtskrippe einer jungen norbdeutfchen Bildhaue- rin, die in Rothenburg wohnte. Don dieser Krippe war das Ehepaar so ergriffen, daß sie sie sofort kauften. „Wir baten", so schreibt die amerikanische Mutter, „die Figuren so abzusenden, daß sie einen Monat vor dem Feste bei uns einträfen. Nie werde ich die Aufregung vergessen, mit der ich' die Sendung öffnete, ich fürchtete, daß die Krippe, losgelöst von^ ber Rothenburger Umgebung, ihren größten Reiz verloren haben könnte. Aber merkwürdig, da ftanb sie nun immer noch ganz so munberbar unb lieblich in unserer mobernen, ach so prosaischen Wohnung. Vor einem Stück alten Brokates bürsten bie Kinder nun mit uns die Krippe aufbauen. Vom ersten Augenblick an war bie Krippe ganz ihr Eigentum, unb jebes Jahr ist es ein Fest, und mit Jubelrufen wird jede Figur begrüßt, menn’s um die Weihnachtszeit erneut an die Aufstellung ber Krippe geht. Die Freude ist immer die alte, obgleich nun an bie sechs Jahre vergangen finb, daß diese Krippe ihren Einzug bei uns hielt. Jedes Jahr wird ein anderer Schauplatz gewählt, zum Hintergrund etwas anderes erfunden und Beiwerk dazu angefertigt. Anfangs hatten wir die Heiligen Drei Könige nicht mit ausgewählt und erst voriges Jahr uns entschlossen, diese noch anzuscha fen, und welch ein Wunder! Nach ihrer langen Rei e von Deutschland über ben Ozean waren sie grabe am Heiligen Adenb bei uns angelangt, mitten in einem Weihnachtsliebe. Das erste Weihnachten mit dieser Krippe wurde so ganz anders als jedes, das wir bisher gefeiert hatten. Schon tagelang wollten bie Kinber innrer unb immer roieber bie Weihnachtsgeschichte erzählt haben, streichelten babei andächtig die kleinen Figuren, ja sprachen mit ihnen vertraut. Ich weiß noch, wie ich eines Morgens ein Flüstern aus dem Wohnzimmer vernahm, und als ich durch die Türspalte sah, erblickte ich meine siebenjährige Tochter, bie in einem großen Lehnstuhl vor ber Krippe kauerte unb mit dem kleinen Jesuskinde sprach, als wäre es ihr vertrautester Freund. In der Advents- zeit zünbeten bie Kinder jeden Abend eine kleine Kerze neben ber Krippe an, bazu sangen sie bann ein Weihnachtslieb, unb bas war ihre Äbendandacht. Es würben auch bie Nachbarskinder eingelaben, sie fangen zusammen Weihnachtslieber; und immer dämpften bie Kinber ihre Stimmen, sie waren in einer liebevollen Anbacht, ohne eine Ermahnung! von unserer Seite, keine Spur von Sentimentalität war babei, es war einfach ber tiefe öinbrurf dieser sichtbaren Darstellung der alten Weihnachtsmär, die die Kinder bannte..c. K. Unsere Weihnachis-Preisausgabe 1936 Liede Äuben und Mädels! Flugoeranstaltung. 9 2 5 3 3 2 Sommer ist mit je 3 2 1 5 2 3 5 Weihnachtsfeiern in Gießen Zukunft die SA.-Männer umfassen, es Jechtverein „WaisenKbutz". Der Leiter des Zweigoereins, Derwaltungsamt- 8 8 5 2 5 5 2 5 2 2 9 2 8 6 10 8 5 8 3 2 9 5 8 2 1 6 9 10 2 6 2 8 3 1 2 8 2 6 10 5 6 3 6 2 7 3 9 5 7 5 9 5 4 5 9 1 7 9 4 5 1 4 4 2 10 2 2 2 2 1 3 8 10 2 5 1 1 5 7 2 7 3 8 3 3 5 8 3 1 9 5 7 3 9 7 10 9 1 5 6 7 8 2 Aal Egel Reger Wanne Asche Hose Korn Aller Raub Leder Wonne Kind Onkel Bad Sohle I. ©oft Wein Land Radel Boden Dom Butter Hebel Wall Schmelz Speise HL Arbeit Kranz Bogen Blüte Fisch Uhr Mann Brust Schale Rohr Lauf Bauer Bahn Ziel einem ein- oder Brückenrätsel. II sichert. — 2 2. November. Totensonntag. Dem Gedenken unserer U-Bootskameraden gilt der Gottesdienst unter der tropischen Sonne. „Eure Namen sind in dem Buche des Lebens verzeichnet", so lautet • das Bibelwort dieser ernsten Feierstunde der Ein- Beim Pionier-Sturmbann IV/116. Zn den Räumen des Cafe U. C., Plockstraße, fand am Dienstagnachmittag eine Nilolausfeier statt für die Kinder der SA.-Männer, die dem Pioniersturmbann IV/116 angehören. In Anwesenheit des Führers des Sturmbannes, Obersturmbannführer Münker, ging das Fest flüssig von- statten. In dankenswerter Weise hatte sich die Inhaberin des U. C., Frau Wörner, um die Veranstaltung bemüht. Diesmal kam auch ein besonderer „Nikolaus" in Gestalt einer Hexe. Die Hexe war bei ihrem Tanz nicht nur von der Kapelle des Cafes begleitet, sondern prompt auch von der „Musik einiger Aengstlicher. Als die Hexe sich mit ihrem Besentanz beruhigt hatte, erhielt jedes Kind eine bunte Tüte. Die Hexe wurde von Frl. Kern sehr schön dargestellt. melten galt. Oie Feier der llmversitäts - Hautklinik. Für den Mittwochabend hatte die Universitäts- Hautklinik ihre Patienten, Angestellten und Aerzte zu einer Weihnachtsfeier eingeladen. Eine reiche Vortragsfolge hielt die Besucher über zwei ©tun- den im Bann. Ein Chor von Schwestern und Haus- angestellten leitete mit dem Liedvortrag „Winter- nächtiges Schweigen hüllet rings die Fluren em... von Sonnet, die erbauliche Feierstunde em. Der Chor sang im Laufe des Abends noch ein weiteres Lied „Ehre sei Gott in der Höhe..." von Danto- nello. Ein Weihnachtsstück wurde dann gut wieder- gegeben und war geeignet, echte Weihnachtsmm- munq auszulösen. Das Programm brachte noch em weiteres größeres Weihnachtsspiel. Alle Mitwirken- den, Patienten, Angestellte und Kinder von Ange- stellten waren eifrig um das Spiel bemüht, so daß der Erfolg nicht ausblieb. Pfarrer Corvinus kehr. 25. November. Zwei Tage vergehen wie im Flug. Beständig weht der Südostpassat und pustet die hitzige Luft aus den Eisendecks. Am schönsten! ist es unter dem Sonnensegel an Deck, und hierhin flüchtet alles aus der drückenden Atmosphäre der Wohnräume und Kammern, sobald der ersehnte Pfiff des Bootsmannsmaaten der Wache klar Deck und Freizeit verkündet. Wundervoll sind die Nächte unter dem sternenklaren Tropenhimmel, an dem das Kreuz des Südens strahlend steht. Und wieder erscheint, kaum faßlich in seiner Selbstverständlich-! feit, die nächtliche Silhouette des Luftriesen „Graf I Zeppelin", bereits auf dem Rückweg von Bathurst! nach Rio de Janeiro, über uns. „Auf Wiedersehn! in Pernambuco!" Die einsame Insel Fernando! Noronha wird passiert, die Sträflingskolonie Brasiliens, wo man zur Zeit den Großteil der kommunistischen Aufrührer von 1934, gefangengesetzt hat. Immer drückender wird die Hitze, da wir die Kalmenzone passieren, bis am 25. früh die brasilianische I Küste aus dem Horizont auftaucht. Ganze Rudel von Tümmlern und Schweinsfischen tauchen auf,! und die eigentümlich floßartigen Boote aus federleichtem Hölz, werden passiert. Immer naher ruckt die Küste, und als der Lotse an Bord genommen ist, erscheinen bald die markanten Punkte der alten Bischofsstadt Olinda im Norden, die lange, auf! einem Korallenriff errichtete Mole, die den natürlichen Wellenbrecher des langgestreckten Hafens von Recife bildet, vor dem Panorama der Hauptstadt P e r n a m b u c o s. Um 13 Uhr sind wir fest vertäut an der Jnnenmole, und händeschüttelnd drängen unsere Landsleute an Bord! Dor vier Jahren war zum letzten Male einer unserer Kreuzer, die „Karlsruhe", hier. Es scheint ihnen eine Ewig- feit, gemessen an den gewaltigen Ereignissen, die mann Keitzer, sprach eingangs freundliche Begrüßungsworte an groß und klein. Es ist das Bestreben des Fechtvereins, auch weiterhin in dem durch die Jahrzehnte bewährten Sinne zu wirken. Amtmann Keitzer verband mit den Dankesworten für die Treue der Mitglieder den Dank an alle Mit- wirkenden, an das WHW., in dessen Rahmen diese Feier durchgeführt wird, und an die NS.-Frauen- schaft, die dem Verein die Aufgabe der Bescherung abgenommen hat. Pfarrverwalter D a m e r a u erzählte den Kindern zwei schöne Weihnachtsgeschichten vom Schäfer in den bayerischen Bergen, zu dem trotz seiner Abgeschiedenheit die Weihnachtsfreude kam, und von den Weisen aus dem Morgenlande, die alles zu schenken bereit waren im Glauben an das Christus- Der Mädchenchor sang das Adventslied „Leise rieselt der Schnee". Eine große Freude bereitete die 9jährige Edith Hengst den Versammelten durch einige auf der Ziehharmonika vorgetragene Weih- nachts- und Kinderlieder. Eine englische Schülerin der Gesangspädagogin Frau Heermann sang unter Begleitung "ihrer Lehrerin das schöne Weihnachtslied „Vom Himmel hoch, da komm ich her". Die Bescherung der Kleinen, die außer einem Paar Schuhen ein nützliches Geschenk? Puppen für die Mädels und Bastelhandwerkszeuge für die Jun- gen, auch Bilderbücher u. a. und dazu einen Beutel mit Weihnachtsgebäck erhielten, rief Freudenrufe hervor. Nach einem gemeinsamen Lied sang der Mädchenchor das Lied von der stillen Nacht Amtmann Keitzer faßte allen Dank an die Mithelfer, besonders die NS.-Frauenschaft, zusammen in der Dankesbezeugung für den Mann, der das Winter, bilfswerk ins Leben gerufen und so unendlich viel Freude in die Kinderherzen gebracht hat, den Führer und Reichskanzler, dem der Gruß der Versam- 3 10 Iugendformation Bauernland Säugetier Seidenstoff Altes Maß Deutscher Dichter Sagengestalt Naturerscheinung Hoheitszeichen Rasenspiel Säugetier Freiheitsstrafe Landwirtschaftliches Gerät Haustier Teil des Rades Was wir alle brauchen Gefäß Behälter Weiblicher Vorname Was der Bauer braucht Deutsche Stadt Deutscher Philosoph Das geht uns alle an. Die ersten beiden (doch Ihr müßt sie trennen) Wird jedes Kind aus Mutters Küche kennen; Eine schöne Weihnachtsfeier bereitete der Zweig- verein Gießen des Hessischen Fechtvereins „Waisenschutz" am Dienstagabend etwa 35 Halbwaisen im „Burghof". Im anheimelnden Licht der auf den Tischen aufgebauten Kerzen lauschten die zahlreich l erschienenen Großen und Kleinen dem von einem Mädchenchor der Goetheschule unter Leitung von Lehrer Dietrich sinnig vorgetrogenen Kanon: Armes. 16. Wasserpflanze. 17. Gestalt der deutschen Heldensage. 18. Berühmter Einsiedler. 19. Stadt am Rhein. — Die Anfangsbuchstaben von 1 bis 19 nennen, von oben nach unten, eine bekannte deutsche Alle Einsendungen müssen mit dem Vermerk „Weihnachtspreisausgabe" bis zum 4. Januar 1937 bei der Schriftleitung des Gießener An- zeiqers, Gießen, Schulstraße 7/9, eingegangen fein. Jeder Einsender muß Vor- und Zunamen, Alter, Wohnort und Straße angeben und die letzte Bezugs quittung des Gießener Anzeigers beifügen. Lösungen und Preisträger werden am d. Januar veröffentlicht. Für die junge Mannschaft. Die ersten drei sind mannigfalt: Sind Berge, Felder, Fluß und Wald, Landschaft in mancherlei Gestalt. Die vierte treiben groß und klein In Gruppen oder auch zu zwei'n Im Schulhof wie im Sportverein. Das Ganze ist ein schöner Brauch Und Dienst der jungen Mannschaft auch. HI. und Jungvolk treten an Zu einsbisvierim ganzen Bann — „Unsere Fahne flattert uns voran ..." Aufbau des Staates und damit für unserer Kinder. Das Band, das uns umschließt, soll auch unsere Familien . . soll uns alle immer fester zusarnmenschließen, je größer unsere Aufgaben werden. Das ist der Sinn, der uns hier zusammengeführt hot. Unseren Kindern wollen wir heute eine Freude bereiten, sie sollen Äunb munter (ein, und dabei wollen ihnen ütter helfen. Waagrecht 1, 5 und 9: Dienst bei HI., JV., BDM. 2 und 8: Südamerikanische Inselgruppe. 3 und 7: Hessische Stadt. 4 und 6: Teil des Kehlkopfes. Sind alle Quadrate richtig ausgefüllt, ergebt auch die Diagonalen von links oben nach rechts unten und von links unten nach rechts oben, gleichlautend mit waagrecht 1, 5 und 9 die Hauptlösung. Die mittlere Reihe II ... ..... . zweisilbigen Wort auszufüllen, das sowohl mit den unter I als auch mit den unter III stehenden Wörtern zusammengesetzt ein neues Hauptwort ergibt. Die Anfangsbuchstaben der unter II gefundenen Wörter ergeben, von oben nach unten gelesen, eme militärische Veranstaltung, an der unsere Jugend als Zuschauer regen Anteil nimmt. „Alle Jahre wieder" kommt der Rätselonkel in der , Weihnachtsnummer des Gießener Anzeigers zu Wort ; und schüttet, wie der alte Nikolaus, (einen Sack aus. Damit (ich aber (eine Gaben und Aufgaben nicht jedes Jahr ähnlich (ehen, zur Aowechflung und Anregung jugendlichen Scharfsinns und jugendlicher Phantasie, hat er sich diesmal was anderes aus- gebacht: heute gibt es keine Bilder, nicht ein einziges, dafür acht schone Rätsel. Die müssen alle acht geraten sein, und keins darf fehlen; wer sie richtig geraten hat, bekommt noch keinen Preis, so billig macht's der Rätselonkel nicht, sondern die Weih- nachtspreisausgabe hat ihre zwei Seiten, und tpenn die acht Rätsel geraten sind, dann geht s erst richtig los. Das ist nämlich so: jede Ratsellosung besteht aus einem Wort, und jedes dieser Worte ist heute jedem deutschen Jungen und deutschen Madel em bekannter und vertrauter Begriff; jedes kommt m Euerm jungen Leben vor und spielt eine JioUe bann. Und weil Ihr damit Bescheid wißt, sollt Ihr um eines dieser Worte herum ober um mehrere davon ober am Enbe sogar um alle acht auf einmal eine hübsche kleine Geschichte erzählen, nicht zu lang lieber kurz und gut, wie Euch bcr Schnabel gewachsen ist, wie Zhr's gesehen unb erlebt habt. Wer Lust bazu hat unb meint er kann's, bars auch ein Gebicht braus machen. So hat sich ber gute Rätselonkel bas gebacht, unb er hofft, bah es Euch so viel Freube macht rote ihm selber. Die Aufgabe besteht also, damit wir uns recht verstehen, aus zwei Teilen: jede Einsendung muß enthalten erstens die a d) t (R a tf el I o Ju n- g e n, zweitens eine Geschichte ober em Gebicht, bereu Thema sich aus einer, aus mehreren ober aus allen acht Lösungen zusammen ergibt. Die schönsten Geschichten werben mit einem Preis bedacht unb sollen in ber Beilage „Junge beutsche Nation ab- ' gedruckt werben. Also ben Bleistift gespitzt unb frisch Ians Werk! Es ist nicht ganz leicht, aber auch bestimmt nicht zu schwer. Unb iiu.i Gott befohlen; em gesegnetes Weihnachtsfest unb ein glückliches neues Jahr wünscht Euch allen Euer Ratselonkel. nriiftt fteiat er zum Ergötzen ber Menge zur Tauf- G 'empor °° ihm.-um befonberen JUergnugen lahlteitben Patienten, bas erste Pracht- eremvlar der traditionellen Tauspitt- zwischen feie Sätoe «efdioben wirb. Ptautz sitzt ihm der Raster- mniel fprich Teerkwast, im G-stcht, und gewaltig ktmbt' der Sofbarbier! Schon jaust er mit gewalti- öem Plump- rücklings ins graste Taufbecken. von den grinsenden schwarzen Trabanten mit Freuden- aeheul in Empfang genommen, schon verschwindet er idmaufenö am anberen Enbe in bem gähnenden Mindiackichlund, von munteren Männern mit Feuer- löiästchläuchen getrieben. Prustend kraucht er schlieh- licki aus bem schmalen Schlauch unb erhalt ben Tauftrunk in gewaltigem Gemäß. — Heil bem alten Pjlasterkasten! . Es folgten ber kleine brahtige Artillerieoffizier, Der leitende Ingenieur und noch manch ein (eebe- fahrener alter Kämpe, dem die Kriegsjahre ben Rutsch über die Linie versagt hatten, ben wir „jungen Marschierer", bank ber planmäßig durch- geführten Auslanbreisen unserer Kabettenschulschifse seit bem beginnenden Aufoau unserer Reichsmarine, ihnen voraus hatten. Zahlreich sind auch die Unteroffiziere, die schon „getauft" sind, mit bem Dreizack ausgezeichnet werben. Unb jetzt folgen, vom brillen- dewehrten Aktuarius namentlich verlesen, bie über 700 Täuflinge: Unteroffiziere, Kabetten unb Mannschaften. Wehe benen, bie ba vor Tagen schon höhnende Reden oder gar Majestätsbeleidigungen gewagt hatten! Sie sind als „Sonderfall ersten, zweiten oder dritten Grades", oder gar als „Vogelfrei erklärte" die erbarmungswürdigen Opfer ber Trabanten; da gibt es kein Pardon! Hoch branden die Wogen ber Stimmung, wenn auch bie Sonne noch so heiß auf Tritonen unb glücklich Getaufte herniederbrennt. Gewaltig ist die Leistung des Hofstaates und Gefolges, gewaltiger sind bie Mengen guten heimatlichen Exportbieres, bie burch bie burftiaen Kehlen rinnen, bis ber letzte Täufling ben W ind sack passiert unb bie Stimmung bacchantische Gipfel erstiegen! Mit Hornsignal unb allen militärischen Ehren wirb ber Meergewaltige im hereinbrechenben Abenb wieder über bas Steuerborb-Fallreep von Bord kom- pümentiert, nachbem er Schiff unb Besatzung glück- gebrückt hafte Fahrt aus seiner süblichen Halbkugel zuge- > jreifag, 25. Dezember, 1. Weihnachtstag. 6 Uhr: Hafenkonzert. 9: Katholische Morgenfeier. 9.30: Fröhliche Morgenmusik. 10: Den Müttern. 10 30: Wie schön geschmückt ber festliche Raum.! Weihnachtliche Hausmusik. 11.15: ßubroig vanBeet- hoven. 12: Mittagskonzert. 14: Kinberstunbe. „Dornröschen", Märchenspiel nach Grimm von E sie Schmidt. 14.45: Pimpfe fingen. 15: „Flockenleicht , eine heitere Schallplattenplauberei. 16: Musik aus Dresben. 18: Musik in ber Dämmerung. Dazwischen erzählen Theobor Branbt unb Albert Bozenharbt. 19 30- Aus unserem Märchenbuch. 20: „Wie es euch gefällt." Das große bunte Konzert des Reichs- fenbers Stuttgart. 22: Nachrichten. Anschließend Schallplatten. 22.30: Barnabas von Geczy spielt zur Unterhaltung. 24 bis 2: Nachtmusik. Schubert- Zyklus, 4. Abenb. Samstag, 26. Dezember. 15- Volk unb Wirtschaft. „Raumorbnung" im Vier- jahresplan. 15.15: Kinderfunk. 15.45: Unterhaltungskonzert. 16.45: Erzähler unserer Zeit. "Das Jahr klingt aus." Von Helene Voigt-Diederichs. 17: Musik für Violine und Klavier. 17.30: Neujahrsbrauch in der Eifel. Von Robert Legrand. 18: Fröhlicher Alltag. Ein buntes Konzert. 19: „Und was haben Sie bekommen?" Eine heitere Funkfolge. 19-40:. per Zeitfunk bringt ben Tagesspiegel. 20: Nachrichten. 2010: „Hänsel und Gretel", Märchenspiel m drei Bildern. Musik von Engelbert Humperdinck. 22.10: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 22.20: Don Washington: Kurt G. Sell: „Worüber man m Amerika spricht". 22.30: Tanzmusik der Kapelle Burkart. 24 bis 2: Nachtmusik. schäft..." Bäuerliche Weihnacht. 16: Musik zum Nachmittag. 18: Weihnachtsbaum — Weltenbaum! 18.30: Zwischen den Jahren. „Lichtwende''. Drei feit, gemessen an den gewaltigen Ereigniffen, Dte i Erzählungen von Lily Biermer. 19.50: Sportbericht, sich inzwischen im großen, fernen Vaterland voll- 20: Unterhaltungskonzert. 22.30: Wir bitten zum zogen habLN und als deren lebendige Zeugen wir ^anz. 24 bis 2: Nachtmusik. heute zu ihnen kommen dürfen. Groß und ehrlich 28 Deiember ist die Begeisterung und eindrucksvoll sind die Tage, wonlag, 28. Dez m . die wir mit ihnen in der gastlichen Stadt verleben 6 u^r: Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Fruh- soll.en und deren Erinnerung noch lange in uns fon5ert $n der Pause, 7: Nachrichten. 8.10: Gym- fortteben wird. nastik. 8.30: Musik zur Frühstückspause. 11: fyms- --------— frau hör zu! 11.30: Landfunk. 11.45: Sozialdienst. 12: Schloßkonzert. 13: Nachrichten (auch aus dem ^unofumpfogramm kenbebeA- 13.15: Schloßkonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Bunter Kehraus 1936 im Wunschautomat. Die ganze Veranstaltung war umrahmt von den Weisen ber Kapelle, bie, bem Charakter bes Festes entsprechen!), Weihnachtslieber unb Kinberlieber außer anberen Stücken eifrig vortrug. Die Kinder fühlten sich so wohl, daß sie frei und ungeniert überall herumfpazierten, wenn einmal im Programm eine Pause eintrat. Alles in allem war bie Nikolausfeier recht fchön gelungen. ba — bat — bei — berg — berg — bin — bo — bo — cha — der — der — do — don — e — e — el — el — en — er — la — fal — Ian — leid — gen — gen — gen — grü — gu — ke — le — [ei _len — li — li — Ion — ma — na — nen — nin — rach — re — rieh — rie — ro — ro — sa — se — see — ser — si — son — tan — te — ten — ter — ter — to — un — wa — wan — was — we — zi 1. Insel im Mittelmeer. 2. Sckillersche Dramengestalt. 3. Stadt in Hessen. 4. Deutscher See. 5. Europäische Hauptstadt. 6. Musikinstrument. 7. Ländliches Fuhrwerk. 8. Militärischer Dienstgrad. 9. Deutscher Erfinder. 10. Raubvogel. 11. Gestalt einer Wagner- Oper. 12. Stadt in Spanien. 13. Berühmter Schlachtort im Weltkrieg. 14. Truppenteil. 15. Teil des Die Organisation und Durchführung lag in den Händen des Sozial-Referenten des Sturmbannes, Scharführer K r a u f e. Zur Eröffnung sprach die er , . einige Worte, die im besonderen an die Mutter 2. Weihnachtslag. gerichtet waren. Er führte etwa folgendes aus: 6 Uhr: Frühkonzert. 8.10: Übertragung nach Wir stehen in der SA. mit in vorderster Reihe als Stuttgart- Schuberts Forellenquintett. 9: Göange» Kämpfer für die Idee des Führers. Wir muffen liidie Morgenfeier. 9.45: Weihnachten im Felde. 10: immer bemüht (ein, dafür Sorge zu tragen bah Chorgefana. 10.45: Weihnachtliche Welt. 11: Deutsche bic Richtlinien, die ber Führer erteilt, durch die Weihenacht-Musik. 12: Mittagskonzert. 14: Kinder- ^t in die Praxis umgesetzt werden. Wenn wir funk Kasperle hat Pech! Von Adolf Frey. 15: Un= un|ere Freizeit für die SA. opfern, scheint es oft term Lichterbaum. 16: Froher Funk siir alt und ^m Außenstehenden, als ob wir tue öamilie, bie jung 18: Dietrich Eckart zum Gedenken. Anläßlich Keimzelle be5 Volkes, vernachlässigen wurden Datz seines Todestages. 18.15: Im Sauseschritt^durch nicht so ist, sprach gelegentlich einer ferner beliebte Operetten. 19: „Fahrender Leute Christ- ^eden der Führer auf dem Reichsparteitag der nacht". Ein Weihnachtsspiel. 19.50: Sportbericht ^hre aus, wenn er sagte: „Es gibt zwei Welten 20- Wir bescheren: Fröhliche Musik aus Oper und Leben eines Volkes: die Welt der Frau und Operette 22: Nachrichten. 22.15: Nachrichten aus ^elt des Mannes. Die Natur hat den Mann dem Sendebezirk 22.30: Tanz unterm ßidjterbaum. nod) DOr bie Familie gestellt und bürdet 'hm noch 24 bi? 2: Nachtmusik. eine weitere Aufgabe auf, den Schutz des Volkes Sonntag, 27. Dezember. der Gesamtheit. Die Welt der Frau ist Famlli . 6 Uhr Bremer ^'enk°nzer. GymnMk. b» L- 8.45: Morgenmusik. ^d Äopa- mag. Wir wollen diese gemeinsame Welt aufbauen." 6 45: Bekenntmsie 3ur 3 tL -,ÄuUur unb ^ropaJ mag. »ns ber Führer auf biefern ganba." Von R^ner Schlosser. 10. Un'er J'L0.1!9 übertragen- Wir wollen für bie Zukunft Land, dieses heilige Land! 10 30: Chargesang. 11.18^tn, ür die Zukunft ..Gefährlich leben!" von Br. Raymund Schnndt. 12. U das Leben dereinst nicht nur ™mra(taen Ad^rüß-n das neue Jahr". /Ehr- feV Gat, in der W' ®!49e9u^toeetSe95.f,®irnfm6 Tie I Riefer Feier:'Vereinigung der Arbeit für den -er - 3—re„ Vertauschter Kopf. Aus jebem biefer Wörter - ist burch Vertauschung bes Anfangsbuchstabens ^. . . . e i n neues Haupt- • - - - wort zu bilben. Die ' ' . ' . neuen Anfangsbuchstaben .... ergeben, von oben nach unten gelesen, ein Wort, .... bas heute im Zeichen ber ..... Volksgemeinschaft in aller ..... Munbe ist. Silbenrätsel. Sinb beide aber nur ein einzig Wort —: Das gibt es heut in jebem deutschen Ort; Doch freilich nur zur Winterszeit, Wenn's gtimmig kalt ist, wenn es friert und schneit. Alle Tage ist kein drei — vier Alle Tage gibt's kein Wein, Aber jeder soll am Ganzen Recht hilfsbereit fein! Zahlenrätset. Verwandlung. Er stand im Wald den ganzen Sommer lang, Ein Freund der Vögel, die mit ßobgefang^ Ihm dankten für die Wohnung und bas Brot, Das er bem kleinen Volke willig bot. Heut aber füllt er, bunt verwanbelt ganz, Die Kinberaugen fromm mit golbnem Glanz, Unb statt ber Vögel junge Menschen fingen Im ganzen ßanb, ihm Gruß unb Dank zu bringen. Magisches Quadrat. 2 1 3 4 5 6 7 8 9 m m m m m n n von der evangelischen Gemeinde verlas die Weih' nachtsbotschaft und sprach von der Liebe, die allen Menschen helfen wolle; er erzählte von dem Kind, das vom Himmel kam, um der Welt das Heil zu bringen. Diese Liebe weiterzutragen, so führte der Redner u. a. aus, sollten wir alle bemüht sein. Pfarrer Dr. H e m m e s von der katholischen Gemeinde dankte zunächst allen Mitwirkenden für die schönen Darbietungen. Er erinnerte an öofe Licht der Welt, das allen in Liebe scheine. Die schöne Weihnachtsfeier wird allen, die ihr beigewohnt haben, unvergeßlich bleiben. Nach der Feier fand in den Krankenstuben die Bescherung statt. Vogtsche Handelsschule. Eine Nikolausfeier hielt die Vogtsche Privat-Han° delsschule Gießen im „Katholischen Dereinshaus" ab, das von Schülern und Eltern bis auf den letzten Platz gefüllt war. Glitzernde Lichtersterne, schlichte Kerzenhalter und kleine Adventskränze, die unter Anleitung der Lehrerin Nußbaumer selbst gefertigt waren und die Tische schmückten, gaben einen Einblick in die kunstgewerbliche Betätigung in der Schule. Die musikalische Ausgestaltung besorgte die Kapelle Daubertshäuser. Der Leiter der Schule, Diplom-Handelslehrer H. Hey der, sprach freundliche Worte der Begrüßung für Eltern und Schüler und die Gäste, Berufsberater Leucht vom Arbeitsamt, Unterbannführer T a e ß l e r und den Vertreter des Bannführers 116, Adjutant Völzing. Insbesondere sprach er sich erfreut aus über die innige Verbundenheit zwischen Lehrern und Eltern, die diese Gemeinschaftsfeiern der Schule immer wieder zu persönlicher Aussprache benutzen, die notwendig ist zur Erfüllung der den Schulen im Dritten Reich gestellten Aufgaben. Es wird immer die vornehmste Aufgabe auch der privaten Handelsschulen sein, ihre Schüler zu den tüchtigsten und tapfersten Mitarbeitern im neuen Reiche zu erziehen. Der Ernst dieser Worte wurde unterstrichen durch ein lebendes Bild „Briefe gefallener Studenten", das eine beherzigenswerte Mahnung an die Jugend war. Nach einem gemeinsam gesungenen Weihnachtslied erfreute die Jugend mit einem zweiaktigen weihnachtlichen Theaterstück, das sowohl durch seine Nutzanwendung, als durch den großen Eifer, mit dem Schülerinnen und Schüler bei der Sache waren, gut gefiel. Den Mittelpunkt des Abends bildete natürlich der Nikolaus, der ganz zünftig aus dem Hauptbuch das Sündenregister vorbrachte. Dem Inhaber der Schule und seiner Frau überbrachte er den Dank für die Förderung des kameradschaftlichen Verhältnisses zwischen Schule, Schüler und Eltern, und er gab auch der einzigen chinesischen Schülerin eine Erinnerung an ihren Gießener Aufenthalt mit. Seine großen und kleinen Geschenke riefen große Ueberraschungen hervor. Nach einer kurzen Pause leitete ein von dem Schüler Kratz mit Geschick vorgetragenes Klaviersolo zu dem zweiten, den praktischen Uebungen gewidmeten Teil des Abends über. Jungen und Mädel bewiesen an tänzerischen und turnerischen Uebungen die Vielseitigkeit der erzieherischen Aufgaben einer zeitgemäßen Handelsschule. Besonderen Beifall fand die Schülerin H u d e l für ihre Darbietungen auf den Rollschuhen. Herr Paulus beschloß mit einem Tylophonvortrag den frohen Abend. Oberhessen. Landkreis Gießen. * Garbenteich, 24. Dez. Bergmann Wilhelm Schnitt I. und Frau Anna, geborene Fink, können am heutigen Donnerstag, 24. Dezember, das Fest der silbernen Hochzeit feiern. 00 Klein-Linden, 23. Dez. Am ersten Weihnachtsfeiertug kann unser Ortsbürger Ludwig Feisel, Eisenbahnwagenputzer i. R., wohnhaft in der Frankfurter Straße, seinen 7 8. G e b u r t s -' tag feiern. Der hochbetagt Mann ift noch recht rüstig und betätigt sich eifrig und fleißig in der Landwirtschaft seiner Tochter. — Am zweiten Feiertag begeht der älteste Mann unserer Gemeinde, Wagnermeister i. R. Konrad Lotz I. in der Kirchstraße, seinen 8 9. Geburtstag. Herr Lotz, der aus Ober-Hörgern stammt, ist trotz seines hohen Alters noch recht rüstig und vermag bis zum heutigen Tag noch leichte Arbeiten zu verrichten. — Am kommenden Sonntag, 27. Dezember, ist es Frau Marie Langsdorf, geborene Weigel, Wetzlarer Straße, vergönnt, ihren 8 6. Geburtstag zu begehen. Bis zum heutigen Tage ist sie bemüht, sich durch Verrichtung leichter Haus- und Küchenarbeiten nützlich zu machen. In ihrem Gedächtnis sind ihr noch viele Erinnerungen aus längst vergangenen Zeiten erhalten. s. Lang-Göns, 23. Dez. Eine schlichte, sehr schön verlaufene Weihnachtsfeier veranstalteten am Dienstagabend die hiesige NSV. und die N S. - F r a u e n s ch a f t. Unter dem Weihnachtsbaum in dem geschmückten Saal saßen an gedeckten Tischen die vom Winterhilfwerk betreuten Volksgenossen und empfingen ihre Weihnachtspakete. Weihnachtslieder, Gedichte und Erzählungen wechselten miteinander ab, daß der Abend allen in angenehmer Erinnerung bleiben wird. Von der NS.- Frauenschaftsleiterin, Frl. S ch w i n n, wurden drei Frauen, die schon seit 1932 bei der Frauenschaft Mitglied sind, besonders ausgezeichnet. 3 Daubringen, 24. Dez. Am heutigen Donnerstag, 24. Dezember, können die Eheleute Werkmeister Karl Opper und Frau, geb. Wagenbach, das Fest der Silbernen Hochzeit begehen. I J) Daubringen, 23. Dez. Die hiesige Schulsparkasse schloß beim Jahresende mit einem Guthaben von annähernd 10 000 Mark ab. Die meisten Kinder besitzen bereits ein Sparbuch. Eingelegt wurden in diesem Jahre 2420 Mark, die Gutschrift an Zinsen betrug 333 Mark. Ausgezahtt wurden an die an Ostern 1937 aus der Schule entlassenen Kinder 2204 Mark. § Harbach, 23. Dez. Von schweren Schicksals« schlügen wurde die Familie des Landwirts Heinrich Döring betroffen. Im Zeiträume von drei Monaten starben die Eltern und die Großmutter. Man bringt der schwergeprüften Familie große Anteilnahme entgegen. — In den beiden letzten Wochen trat auch in unserem Orte die Grippe sehr st a r k auf. In der vorigen Woche mußte der Unterricht in der Volksschule für acht Tage ausgesetzt werden, da von 73 Schülern 49 erkrankt waren. Neuerdings treten zahlreiche Krankheitsfälle unter den Erwachsenen auf, die mitunter ernster Natur sind. A Harbach, 23. Dez. Am Dienstagabend fand im tannengeschmückten Gotteshaus unsere diesjährige Lichterkirche statt. Sie wurde für die Besucher zum tiefen Erlebnis. Alle Mitwirkenden gaben ihr Bestes. Die Feier wurde mit dem Ad- ventslied „Wie soll ich dich empfangen" und einem Adventsspiel eingeleitet. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand das Krippenspiel „Bethlehem" von Hans Rüdiger, das ungeteilten Beifall fand. Sehr ansprechend und sinnvoll war auch das Weihnachtsspiel „Des Christkinds Herberge in Bethlehem" von Hermann Vortisch. Beide Spiele waren sorgfältig durchgearbeitet und inszeniert. Die Kostümierung paßte ausgezeichnet in den schlichten Rahmen der weihnachtlichen Stücke. Von den zahlreichen Weihnachtsliedern gefielen besonders die altdeutschen Krippenlieder. Gemeindelieder und Gedichtvorträge fügten sich zwanglos in das Programm ein. Kreis Alsfeld. - Deckenbach, 23. Dez. Frau Anna Katharine Maus Wwe., geb. Reuter, von hier kann am ersten Feiertag im Kreise von fünf Kindern, zehn Enkeln und zwei Urenkeln ihren 8 2. Geburtstag feiern. Wer feine Kundschaft, feine Freunde und Äekarmten zum Iahreswechsel beglückwünschen will, wählt dazu am zweckmäßigsten eine Glückwunsch-Anzeige im Gießener Anzeiger Bestellungen der Anzeigen für die Silvesternummer möglichst frühzeitig erbeten Verlag des Gießener Anzeigers 8428 V Ihre Verlobungen geben bekannt Paula Dem Otto Don-Eiff Erika Dem Hans Steinmüller Gießen Rodheimer Str. 36 Gießen Älsmarckfiraße 14 Gießen Rodheimer Str. 36 Heuchelheim Gießener Sir. 18 Weihnachten 1936 05847 Ihre Verlobung geben bekannt Luise Giel Georg Heumüller Gießen Dolfhagen, IK.A.O. 4/221 Dernerwall 27 Linsingen Weihnachten 1936 05831 Statt Karten Ihre Verlobung geben bekannt Elsbeth Kneipp Erich Rix Oiplomlandwirt Gießen ,, , , Gießen «b°rstr-ß° 5 ® e > f> n a dj f e n 1936 ^-rsch-ld 05821 Statt Karten Lotte Köhlinger Ehristian Haller Verlobte Gießen, Weihnachten 1936 Detzstemstraße 4 Landgrafenstraße 7 -- - . 05842 Dina Schäfer Heinrich Wagner Verlobte Gleßen Marburg (Lahn) Horst-Wessel-Wall 51 Gifselbergstraße 51 --------- 05844 3t?re Verlobung geben bekannt Lina Hock Walter Buß Holzheim Watzenborn-Steinberg Weihnachten 1936 05811 Ihre Verlobung geben bekannt Mainz Gießen Meustadt io), Weihnachten 1936 8362 D 8404 D LiebigstraBe 83 Bleichstraße 11 Gießen, Weihnachten 1936 05832 24. Dezember 1936 8437 D Statt Karten! Dollar / Weihnachten 1936 05843 05826 Für Verlobte icnsrjiail Fahrschule 840& A Elli Weis Ludwig Schneider ♦ Ihre Vermählung geben bekannt FRITZ BELITZ, Malermeister und FRAU GRETEL, geb.Zeiß-Best Ihre Vermählung geben bekannt Architekt Emst Ludwig Krueger und Frau Martha Krueger, geb. Schneider Wieseck Mbenauer Straße 36 WMÜllpr Gießen ■ ”1111151 Friedrichstraße 1 Gießen, Walltorstraße 32 Weihnachten 1936 Eine zwanglose Führung durch unser großes Einrichtungshaus 5 Stockwerke, 16 Schaufenster, gibt Ihnen Anregungen für Ihre Heimgestaltung Ihre Verlobung geben bekannt Lina Benner Karl Rohm, Bauleiter Erna Dau Franz Keller geben ihre Verlobung bekannt Ihre Verlobung geben bekannt Else Füller Karl Dolkmann spart d. Hausfrau Arbeit. Schon für wenig Geld gibt es eine bei J. B. Häuser Gießen 7909 a am Oswaldsgarten Fernruf Nr. 2145/46 Familien- Drucksachen Verlobungsanzeloen bei BrUhl.SchulstraBe 7 S* HIHI HIHI Darmstadt Gießen Dlllenkolonle Gberstabt Kaiserallee 83 den 26. Dezember 1936 Wichtig für botanische Vereine! Wichtige Neuerscheinungl MM» MMN «.lieren nach der Naturschutzverordnuna vom 18. März 1936 Seite 181) und den ergänzenden Bestimmungen, ausführlich erläutert von Professor Dr. W. Weber, o. S. Prof, der Rechte und Referent im Reichs- und Preußischen Ministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, und Prof. Dr. Waltber Srhoenichen, Leiter der Reichsstelle für Naturschutz. Gebunden RM. 3,60. Bestellungen durch alle Buchhandlungen, öußo Bermüöier Verlag, verilli'Mlett. früher Brück Wieseck, Ludwigstraße 26 Mansbach CRl)cm) Ecke Wetzlarer Weg, Fernruf 2674 Anfang und Abholung jederzeit Geheizte Schulwagen 6379d Gute Betten Bettwäsche usw. Schöne Gardinen immer billig 842eA im Ausstattungsgeschäft Ludwig Haas Blockstraße 7 Annahme v. Ehestandsdarlehen und Kinderbeihilfen Nr. M Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheflen) Donnerstag, 24. Dezember 1956 Schwere Zuchthausstrafen für Volksschädlinge. Die Llnierschleife beim städtischen Hoch- und Tiefbauamt vor Gericht. behielten aber die überfchüfsigen 100 Mark für sich und teilten den Betrag unter sich. Die Straftaten der Angeklagten, die durch einen Zufall entdeckt wurden, kamen in der achtstündigen und kaum unterbrochenen Sitzung zur Verhandlung. Den Vorsitz führte Landgerichtsdirektor Dr. Speck- Hardt, die Anklage vertrat Staatsanwalt Dr. Hofmann, die Verteidigung des Neeb hatte Rechtsanwalt Dr. Krämer, die Verteidigung des Angeklagten Dürr Rechtsanwalt Dr. Kinzenbach. Als Zeugen waren zur Verhandlung lediglich zwei Beamte geladen, die die Verfehlungen an Hand der Bücher zu überprüfen hatten, ferner der Amtsvorstand des Hoch- und Tiefbauamtes und ein Polizeibeamter, der einen Teil der Voruntersuchung geführt hatte. Die Vernehmung der Angeklagten. Zeugenvernehmung. Die Verhandlung brachte zunächst die Vernehmung des Angeklagten N e e b , der im einzelnen die Form schilderte, in der die Verfehlungen begangen wurden und sich dabei, wie auch schon in der Voruntersuchung, g e st ä n d i g zeigte. Bei der Erörterung seines Vorlebens kam zur Sprache, daß er kein ganz unbeschriebenes Blatt ist und schon wegen Unterschlagung und Betrug verurteilt worden war, die verhängte Strafe von einem Monat Gefängnis aber nicht anzutreten brauchte, da sie unter Amnestie fiel. Der Angeklagte glaubte lediglich, den durch die Führung von nichtbeschäftigten Arbeitern, sowie den durch die Zu- und Absetzungen an Arbeitsstunden entstandenen Betrag von 7193,30 Mark nicht in vollem Ausmaß anerkennen zu müssen. Wesentlich anders verhielt sich der Angeklagte Dürr, der sich erst zwei Monate nach seiner Verhaftung zu einem Geständnis bequemte und nun in der Hauptverhandlung verschiedentlich dieses G e- ständnis einzuschränken versuchte. Darüber hinaus versuchte er, jede Frage des Vorsitzenden, des Staatsanwaltes, selbst die Fragen seines Verteidigers, ausweichend zu beantworten. Seine Angaben machten auf das Gericht einen schlechten Eindruck. Er versuchte vor allem glaubhaft zu machen, daß er sich einer eigentlichen strafbaren Handlung nicht schuldig gemacht habe und nur ein „Opfer der Verhältnisse" und des schlechten Beispiels, das Zimmer gab, geworden sei. Durch die sachverständigen Zeugen der Stadtkasse Gießen, Verwaltungsinspektor Brücke! und den Angestellten Bode, wurden an Hand der Bücher die Verfehlungen in ihrem ganzen Umfang Jas Weil In der gestrigen Sitzung der Großen Strafkammer Gießen wurde gegen zwei Volksschädlinge verhandelt, die sich in ihrer Eigenschaft als Büroangestellte des städtischen Hoch- und Tiefbauamtes der Stadt Gießen in Gemeinschaft mit einem Dritten schwerer Untreue und Amtsunterschlagungen schuldig gemacht hatten. Es handelt sich um den 36jährigen aus Staufenberg gebürtigen Heinrich R e e b, zuletzt wohnhaft in Großen-Linden, und um den 46jährigen aus Lindenfels (Kreis Bensheim) stammenden Jean Dürr, zuletzt in Gießen wohnhaft. Der dritte im Bunde war der im Beamtenverhältnis stehende Verwaltungsassistent Karl Zimmer von Gießen, der sich durch Selbstmord im Untersuchungsgefängnis der irdischen Gerechtigkeit entzogen hat. Beide Angeklagte sind verheiratet. Neeb hat sechs Kinder. Er war gelernter Schlosser, arbeitete während des Krieges in einer Munitionsfabrik. Nach dem Kriege war er kurze Zeit Kraftdroschken- fuhrer, machte sich als solcher auch selbständig, konnte sein Geschäft aber nicht halten, war dann drei Jahre lang arbeitslos und wurde schließlich als Notstandsarbeiter bei der Stadt im Außendienst beschäftigt. Mit Rücksicht auf seine Gesundheit wurde er 1933 aus der Arbeit im Außendienst (Gartenbauarbeit auf Friedhöfen) in den Bürodienst des Hoch- und Tiefbauamtes übernommen und wurde hier zur Hilfe dem Verwaltungsassistenten Zimmer im Lohnbüro beigegeben. Der Angeklagte Jean Dürr hat die Realschule besucht, war dann Bankangestellter, kam nach vierjährigem Kriegsdienst nach Gießen an eine Bank und nach einer kurzen Unterbrechung seiner beruflichen Tätigkeit im Jahre 1928 zur Stadt. Oie Anklage. Nach der Anklageschrift — und wie sich aus dem Lauf der Hauptverhandlung ergab — wurden beide beschuldigt, in Gemeinschaft mit Zimmer Gelder, die sie in amtlicher Eigenschaft erhalten und zu verwalten hatten, gemeinschaftlich und fortgesetzt unterschlagen zu haben. Ferner wurden sie beschuldigt, Bücher unrichtig geführt zu haben. Außerdem wurde Neeb insbesondere zur Last gelegt daß er unrichtige Abschlüsse aus diesen Büchern vorgelegt Habe. Zimmer, als Leiter des Lohnbüros, hatte Neeb mit der Errechnung der Löhne für Notstands- und Fürsorgearbeiter beauftragt, die in den Jahren von 1 933 bis 1936 bei der Stadtverwaltung sehr zahlreich beschäftigt wurden. Neeb hatte bald nach seinem Eintritt in das Lohnbüro (im Iahre 1933) bemerkt, daß die Führung der Geschäfte durch Zimmer durchaus unordentlich und untreu geschah und Zimmer sich aus Geldern, die als Löhne für die Notstands- und Fürsorgearbeiter durch seine Hände gingen, unrechtmäßige Vorteile verschaffte. Neeb hat nun seine Entdeckung nicht etwa einer vorgesetzten Dienststelle gemeldet, angeblich „aus Furcht vor einer Entlassung-, sondern er hat sich bald mitschuldig gemacht und teilgenommen an den unrechtmäßigen Bereicherungen. Die Unterschleifen wurden in erster Linie und zunächst dadurch möglich, daß die Löhne für die Notstandsarbeiter früher errechnet werden mußten, als die Arbeitswoche an sich abgeschlossen war. Für den sich ergebenden Differenztag wurden meist normale Arbeitsstunden angenommen und berechnet. Da sich aber durch Krankheit oder durch andere Ursachen .Ausfälle ergeben konnten, mußten nachträglich Zu- und Abverrechnungen erfolgen, die die buchungsmäßige Behandlung von Arbeitszeiten und Löhnen erschwerten und nachträgliche Buchungen notwendig machten. Diese Gelegenheit benutzten Zimmer und Neeb, um sich unrechtmäßige Vorteile zu verschaffen. Die Möglichkeiten hierzu wurden darüber hinaus erweitert insofern, als Neeb im Einvernehmen mit Zimmer Falschbuchungen vornahm, indem er in vielen Fällen Arbeiter, die gar nicht mehr beschäftigt wurden, oft bis zu einem Monat in den Büchern weiterführte und dadurch auch für diese Arbeiter Löhne angefordert wurden. Die sich dadurch im Lohnbüro ergebenden überschüssigen Gelder flössen fast ausschließlich in die Taschen der Angeklagten und des aus dem Leben geschiedenen Zimmer, verschiedentlich wurden auch bei Arbeitern mehr Stunden eingesetzt, als sie eigentlich geleistet hatten. Auch diese Gelder blieben im Lohnbüro hängen. Auf diese Weise wurde ein Betrag von 7197,30 Mark veruntreut. Der größte Teil dieses Betrages konnte mit Sicherheit als veruntreut nachgewiesen werden. Neeb fand im Laufe der Zeit eine weitere Technik, um sich und den beiden Kollegen Geld zu verschaffen. Er addierte absichtlich falsch, und zwar so, daß die eigentlichen und nach tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden sich ergebenden Lohnbekräge um 100, 200, 300 und bis zu 400 Mark je Lohnwoche (meist also um runde Summen) überzeichnet wurden, dann auch in dieser höhe von der Stadlkasse angefordert und bezahlt wurden. Erheblich höher als der durch die falschen Buchungen erreichte Betrag von 7193,30 Mark war der Betrag, den sich die Angeklagten aus den Additionsfälschungen des Neeb verschaffen Tonnten, hier wurden von 1933 bis 1936 insgesamt 19 630,93 Mark „beschafft-. Der Angeklagte Dürr hat, wie sich aus dem Gang der Vernehmung der Angeklagten ergab, um die Veruntreuungen und um die Formen, in denen sie geschahen, gewußt, obwohl er mit der Errechnung der Löhne nicht eigentlich zu tun gehabt hat. Er nahm aber offensichtlich teil an den geldlichen Vorteilen, denn nach dem Geständnis Neebs wurde unter den drei Angestellten des Lohnbüros ziemlich „redlich" geteilt. Dürr hat zu den Vorgängen g e - schwiegen und Neeb nur verschiedentlich auf die möglichen Folgen, wie sie sich aus einer Entdeckung der Veruntreuungen ergeben könnten, aufmerksam gemacht. Im übrigen hat sich auch Dürr der Untreue schuldig gemacht, indem er aus der von ihm verwalteten Jnvalidenmarken- k a s s e Beträge a u s l i e h , die bis zu 80 v. H. seines Kassenbestandes ausmachten. Bei diesen „Ausleihungen" aus der Jnvalidenmarkenkasse will Dürr lediglich auf Anweisungen von Zimmer gehandelt haben. Am Freitag seien diese Beträge durch Zimmer wieder ausgeglichen worden. Neeb und Dürr verschafften sich in einem weiteren, besonders plastischen Fall einen Vermögensvorteil. Durch einen Rechenfehler der Friedhofsverwaltung war einmal der Betrag von 100 Mark zuviel von der Sladl- kasse angefordert worden. Neeb und Dürr bemerkten diesen Fehler, der von anderer Stelle gemacht worden war, leiteten an die Friedhofsverwaltung den regulären Lohnbetrag weiter. Nach etwa dreiviertelstündiger Beratung des Gerichts wurde folgendes Urteil gefällt: Die Angeklagten Neeb und Dürr werden wegen fortgesetzter gemeinschaftlicher Amts- unkerschlagung in Tateinheit mit gemeinschaftlicher schwerer Untreue sowie einer gemeinschaftlichen Amlsunterschlagung zu einer Ge- famtzuchthaus strafe von je.zwei Jahren und acht Monaten verurteilt. Ferner muhten, entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen, die beiden Angeklagten zu einer Geldstrafe verurteilt werden, die auf je nachgewiesen und dargestellt. Der Amtsvorstand des Hoch- und Tiefbauamtes, Baurat G r a v e r t, gab eine Darlegung der Arbeitsteilung und der Zuständigkeiten innerhalb des Bauamtes und gab dabei besonders Aufschluß über das Ausmaß der Verantwortung, das von den Angestellten des Lohnbüros zu tragen war. Das Plädoyer des (Staatsanwalts. Der Vertreter der Anklage, Staatsanwalt Dr. Hoffmann, legte in straffer Zusammenfassung die Gesamtlage des Falles dar und betonte besonders die Eigenschaft der Angestellten im Lohnbüro, die durch ihre Tätigkeit in bestimmtem Sinne des Gesetzes als Beamte anzusehen seien, da ihre Tätigkeit durchaus nicht von so untergeordneter Bedeutung war, wie es vielleicht aus der sachlichen Bezeichnung ihrer Berufseigenschaft als Büroangestellte geschlossen werden könnte. Beide Angeklagte hatten die Aufgabe, selbständig Bücher zu führen und mußten sich damit ihrer Verantwortung bewußt sein. Der Staatsanwalt sah den Tatbestand der schweren Amtsunterschlagung, der schweren Untreue und der vorsätzlichen Fälschung von Büchern als gegeben an und betonte auch die Gemeinschaftlichkeit der fortgesetzten strafbaren Handlungen. Er beantragte für jeden der beiden Angeklagten eine Zuchthausstrafe von je zwei Jahren und acht Monaten, ferner die Verhängung einer Geldstrafe von je 200 Mark und die Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte für die Dauer von fünf Jahren. Oie Verteidigung. Rechtsanwalt Dr. Krämer gab in seinem Plädoyer unumwunden der Meinung Ausdruck, daß gegen die Angeklagten auf eine Freiheitsstrafe erkannt werden müsse, bat aber darum, zu untersuchen, ob es nicht möglich wäre, seinen Mandanten Neeb lediglich mit einer Gefängnisstrafe zu belegen, von einer Zuchthausstrafe also abzusehen. In seinen Darlegungen bemühte sich der Verteidiger, üarzutun, daß es sich bei dem Angeklagten Neeb nicht um einen Beamten handeln könne, da er als Fürsorgearbeiter eingestellt worden sei, keinerlei Verpflichtung unterschrieben und auch nie eine besondere Dienstanweisung erhalten habe. Er wies ferner darauf hin, daß die Vorbildung des Angeklagten nicht dazu angetan fei, feine Verantwortlichkeiten ganz zu ermessen, daß er naturgemäß weniger starke Hemmungen haben konnte, als man es bei einem für seine Tätigkeit gut vorgebikdeten Manne annehmen durfte. Dr. Kinzenbach schloß sich in einigen Punkten den Ausführungen des anderen Verteidigers an und wies für feinen Mandanten darauf hin, daß er an den eigentlichen Falschbuchungen nicht beteiligt gewesen sei und durch das schlechte Beispiel des Zimmer auf eine abschüssige Bahn gedrängt worden sei. 2000 Mark festgesetzt wurde, jedoch durch die Untersuchungshaft als verbüßt gilt. Den Ange- Nagten werden ferner auf die Dauer von fünf Jahren d i e bürgerlichen Ehrenrechte aberkannt. Die Angeklagten haben außerdem, soweit fie verurteilt find, die kosten ^Steinhäger »Urquell Die Eisenbahn ans Holz. Von Günther Schab. Dr. Reimer ist ein vielbeschäftigter Anwalt, aber wenn der Junge Geburtstag hat — morgen wird Gerhard zehn, nein, wie die Jahre dahinfliegen! — dann nimmt sich der Vater einen ganzen Nachmittag Zeit, um Geschenke einzukausen. Er hat schon allerlei hübsche Dinge beisammen, Bilderbücher, Süßigkeiten, einen Stoffhund, einen Tuschkasten, ein Würfelspiel: Autorennen mit verwegenen Kurven, einen Metallbaukasten — da sieht er im strahlend erleuchteten Schaufenster, inmitten von Ritterburgen, elektrisch betriebenen Karussells, Hühnerhösen und Puppenwagen eine Eisenbahn. Lokomotive, Kohlenwagen, Gepäckwagen und zwei Personenwagen. Alles aus Holz, aus ganz schlichtem Hellen Tannenholz. Denkbar einfach und dauerhaft. Ohne Schienen. Das Ganze zum Zusammensetzen und Auseinandernehmen eingerichtet. Höchst sinnreich. Fertig verpackt ist die ganze Herrlichkeit in einem netten Holzkistchen unterzubringen. Es steht links. Aufgebaut aber wird aus den Brettchen, Rädchen und Bolzen, die sonst, fein säuberlich übereinander-. geschichtet, des Tatendranges junger Architekten harren, eine wunderschöne Kleinbahn. Sie steht rechts. Doktor Reimer geht hinein und fragt nach dem Preis. Drei Mark! „Ja richtig", sagt er versonnen vor sich hin, „getiau wie früher." „Bitte schön", sagt die kleine blonde Verkäuferin, die seine Bemerkung nicht recht versteht, schreibt einen Zettel aus, und an der Auslieferung nimmt Reimer das neue und für heute letzte Paket in Empfang. Als er nach Hause fährt, bepackt wie ein Weihnachtsmann, denkt er immer an dieses Früher. Nach dem Abendessen, als die Kinder zu Bett gebracht sind — erst die kleine sechsjährige Friedel, dann der große Gerhard, der vor lauter Aufregung und Erwartungsfreude schwer einschlafen kann —, deckt Frau Ute den Geburtstagstisch, und Reimer kramt seine Schätze aus. Sie werden gebührend bewundert. Die Eltern sind sehr glücklich dabei. Alles hat seinen Platz. „Nur hier muß eine ganze Ecke freibleibend verlangt Reimer, „denn jetzt kommt noch etwas Besonderes!" Frau Ute rückt den Stoffhund und das Zuckerzeug beiseite, auch der Tuschkasten wird verschoben: „Reicht's jetzt, Fritz?" „Danke, ja, es wird gehen." Und dann beginnt der Mann, die Eisenbahn zu- sammenzusetzen, langsam, mit Liebe und Sachkenntnis. „Das kannst du aber noch gut." „Noch?" Der Mann fchaut auf: „Du denkst sicher, ich hab' früher auch diese Brettchen und Rädchen ineinandergeschoben, und nun fahre ich einfach da fort, wo ich vor Jahren aufgehört habe." „Es sieht so aus, Fritz." „Nein, Utekind, das muß ich dir erzählen. Es ist ganz anders. Darum war ich heute nachmittag richtig ein bißchen gerührt, als ich daran denken mußte." Und Peimer berichtet, während er weiter — behutsam, genießerisch und doch wieder ein wenig sentimental, alles in allem — Wagen für Wagen zusammenbaut: „Diese Eisenbahn hier, genau die gleiche, für drei Mark, ich weiß es ganz genau, war der Traum von vier meiner Jugendjahre. Ich sah sie einst bei Ritter in Halle, einem Geschäft, vor dessen Schaufenstern wir als Kinder stundenlang herumlagen. Ich schrieb sie ganz oben auf den Wunschzettel, zum Geburtstag, zu Weihnachten, zum Geburtstag, zu Weihnachten und noch viermal. Jedesmal, beim ersten Blick auf das, was meine Eltern mir zurechtgemacht hatten, merkte ich, diesmal war sie nicht dabei. Es gab andere schöne Dinge, gewiß — ich konnte nicht klagen. Mein Vater kaufte, genau wie ich heute, mit viel Sorgfalt ein. Doch einmal waren die Turnringe mit der Schaukel, beim zweitenmal das Kegelspiel das Hauptgeschenk. Beim nächsten Fest hatten die Großeltern „die Eisenbahn" übernehmen sollen und sich nachher doch für einen, gewiß sehr schönen Rodelschlitten entschieden. Kurz: es klappte nie. Da ging ich zum Generalangriff vor und unterstrich auf dem nächsten Wunschzettel ganz dick rot das Ziel meiner Sehnsucht und schrieb daneben: „Hauptwunsch". Das war fünf Wochen vor dem Heiligen Abend. In den Adventswochen hatte ich keine Ruhe mehr. Es wäre zuviel behauptet, wollte ich sagen, daß sich die Sehnsucht von drei Jahren in diese paar Wochen zusammengedrängt hätte, aber irgend etwas stimmt daran doch. Weil ich immer und immer hatte warten müssen auf die Erfüllung gerade dieser Bitte, während meine Eltern gewiß nicht kleinlich waren, mußte nun die Überraschung ganz besonders herrlich werden. Mein Herz klopfte, wenn ich daran dachte, wie ich die ganzen Feiertage über nur mit den Holzwägelchen spielen würde. Ich weiß heute selbst näht, warum ich so versessen war darauf... Der 24. Dezember kam, ich stürzte atemlos ins Zimmer. Die Eisenbahn war da: ein Prachtexemplar, gewiß, mit O-Zugwagen, Schienen, Weichen, Drehscheibe, Bahnhof, Tunnel, Wärterhäuschen, Schranken, Signalmast. Alles aus Stahl. Großartig, genau der Natur nachgebildet und sicher sehr, sehr teuer ... Ich i)ab’ mir das alles angesehen, pflichtschuldigst damit gespielt, hab' mich sogar, als ich die Erwartung meiner Eltern sah, pflichtschuldigst gefreut — und war doch einen Abend lang und noch ein paar Tage so sehr unglücklich, daß ich mich vor mir selbst und auch vor Vater und Mutter schämte, weil sie doch wohl etwas gemerkt hatten, und weil ich selbst fand, ich fei ein schrecklich undankbares Kind... Ein Jahr später habe ich's dann nochmal versucht. Ich war ja eigentlich schon zu groß für fo etwas. Aber als mich ein Bruder meines Vaters, der den Weihnachtsabend bei uns verlebte, fragte, was ich von ihm haben wolle, beschrieb ich ihm genau, mit Preis, drei Mark, worauf er lachte, meine Eisenbahn. Er kam kurz vor der Bescherung und trug in der Hand die Holzkiste, meine Holzkiste, mit meiner Eisenbahn. Ich sah es dem verschnürten Paket schon von weitem an. Nachher war eine Windmühle drin. „Es tut mir leid", sagte Onkel Gustav, „die Bahnen waren ausverkauft, aber die Windmühle ist auch sehr schön, übrigens von derselben Firma.." Ich bedankte mich und freute mich, fo gut es ging. Der Schmerz war übrigens nicht mehr fo groß wie im Jahre zuvor. Ich hatte den größten Kummer zwölf Monate vorher überwunden. So richtig gehofft hatte ich ohnehin nicht mehr. Ja, und nun habe ich zum ersten Male in der Hand, was ich immer nur aus dem Schaufenster kannte. Bißchen spät, Ute, nicht?" Reimer stellte seine Kleinbahn sorgfältig auf und sagte zu seiner Frau, die an ihn herangetreten war und die Arme um ihn geschlungen hatte: „Ob sich Gerhard auch freut?” „Gewiß, Lieber." Sie küßte ihn: „Gute Nacht, schlaf wohl, mein großer Junge Fritz!" * Der kleine Junge Gerhard aber, der am nächsten Morgen mit seinem fast ebenso neugierigen Schwesterchen ins Geburtstagszimmer tobte, bewunderte in lauter Freude den Stoffhund, stopfte sich den Mund voll Süßigkeiten, machte gleich Schokoladenfinger auf die Bilderbücher, bastelte an seinem Metallbaukasten herum, bekleckste seine alten Schulhefte mit sämtlichen Farbtupfen, die der Tuschkasten her- gab und spielte mit Mutti, Papa und Friedel — es war Sonntag und daher besonders feiner Geburtstag — Autorennen mit drei Würfeln und vielen roten, grünen und gelben „Kompressors", wie er sich fachmännisch ausdrückte. Auf die Frage Reimers, wie er denn die (bisher merklich vernachlässigte) Eisenbahn finde, sagte er mit den Resten von Selbstbeherrschung, die einem guten Kinde geziemt: „Och, schön, Vater, aber fie ist ja aus Holz und hat keine Schienen." Darauf wandte er sich ohne Gewissensbisse wieder dem Metallbaukasten und dem Autorennen zu. Vater und Mutter sahen sich lächelnd an. Dann gab’s Flammeri mit Himbeersoße, schon zum Frühstück ... Weihnachten auf der Landkarte. Wenn man in fernen Breitengraden weilt, wo die Jahreszeiten einen von dem unseren völlig verschiedenen Ablauf haben, kann es leicht geschehen, daß man auch mit dem Kalender durcheinander kommt. Weihnachten aber ist ein Tag, an dem auch unter fremdem Himmel der europäische Mensch sehnsüchtig an die Heimat denkt. Es ist daher begreiflich, daß Männer, die an diesem Tage ein unbekanntes Land entdeckten, ihm einen Namen gaben, der mit Weihnachten in Zusammenhang steht. Die Leipziger „Jllustrirte Zeitung" untersucht in einer anregenden Plauderei, wie oft und in welchen Gegenden das Wort Weihnachten auf unserer Landkarte vorkommt. In den meisten Fällen handelt es sich um die englische Bezeichnung „Christmas", was bei der überragenden Rolle, die England feit Jahrhunderten zur See spielt, erklärlich ist. Es gibt auf der Landkarte vier Christmas=3nfeln, eine zwischen der Gruppe der Philippinen und den Palau-Inseln; eine zweite liegt beim Kap Breton, zwischen Neuschottland und Neufundland, die dritte, von Kapitän Cook entdeckt, im Stillen Ozean dicht nördlich des Aequators, im Bereich der Fcm- ning-Jnfeln, die vierte im Indischen Ozean, vierhundert Kilometer südlich von Java. Diese letzte wurde zum ersten Male vor beinahe 300 Jahren, am 25. Dezember 1643 von einem europäischen Schiff angelaufen, das hier im geschützten Hafen feine im Sturm erlittenen Schäden ausbefferte. Außer diesen Weihnachtsinseln gibt es noch eine ganze Reihe Weihnachtshäfen, Weihnachtsflüsse, Weihnachtsseen und Weihnachtshügel auf der Landkarte. So liegt zum Beispiel auf den Kerguelen der wegen seiner geschützten Lage gern aufgesuchte Christmas-Harbour (Weihnachtshafen). Ein anderer gern gesuchter Ankerplatz ist der Christmas-Sund an der Südwestküste des Feuerlandes. In Queensland in Australien gibt es den Ort Christmas Creek (Weihnachtsfluß), in Kanada einen Fluß gleichen Namens, in Britisch-Guayana die Christmas Falls, im Staate Oregon der Vereinigten Staaten von Amerika die Christmas Lakes (Weihnachtsseen) und im Staate Viktoria in Australien den Ort Christmas Hill (Weihnachtshügel). Aber nicht nur Weihnachten, sondern auch das Christkind ist auf der Landkarte vertreten, und zwar mit einem Ort in der Nähe der oberösterreichischen Stadt Steyr. Der eigenartigste der geographische» Weihnachtsnamen gehört jedoch Sachfen. Es ist dir Berggrube „Christbescherung mit Ursula Erbstollen" im Bezirk Freiberg, die eine eigene Poft- und Bahnstation hat. ” C. K. öe» Verfahrens zu tragen: im übrigen trägt sie die Staatskasse. Die Urteilsbegründung. 3n der Begründung des Urteils umriß der Vorsitzende noch einmal die Form und das Ausmaß der Verfehlungen, die sich die Angeklagten zu Schulden kommen ließen, und betonte besonders, daß hier ein besonders schweres Vergehen geg^en die Volksgemeinschaft v o r l i e g e, obwohl von beiden Angeklagten nicht gesagt werden konnte, daß sie sich in schwerer Notlage befanden. Insbesondere Neeb hätte allen Anlaß gehabt, sich bei seiner Arbeit aller Sorgfalt 3U befleißigen, da gerade auf ihn und seinen Gesundheitszustand weitgehend Rücksicht genommen worden war. Die Angeklagten hätten jede Gelegenheit benutzt, die Stadtverwaltung eryebllch zu schädigen, sie im Komplott arglistig zu schä- bißen und die ihnen übertragenen Pflichten gröblich zu verletzen. Auch in der Begründung des Urteils wurde betont, daß sie in bestimmtem Sinne des Gesetzes und aus der Art ihrer Funktion heraus als Beamte anzusehen gewesen seien und dementsprechend bestraft werden mußten. Den Angeklagten konnten strafmildernde Gründe nicht berücksichtigt werden. Besonders schwer zu verurteilen sei die Raffiniertheit des Vorgehens gewesen, ferner daß sich der Treubruch über den Zeitraum von über zwei Jahren erstreckte. Das Gericht habe aus allen diesen Gründen zu dem vorliegenden Urteil kommen müssen. Aus -er provinzialhauptsta-t. Gedanken zur Weihnacht. Dünkt es euch nicht heilsam, einmal das Wort vom Wohlgefallen unter das Licht der Weihnacht zu stellen, zumal es aufklang in jener Verkündigung über Bethlehems Flur? . und den Menschen ein Wohlgefallen .. Richt von ungefähr ist es, daß es vom Himmel zur Erde niederklang. So wurde es zu den Schatzworten der Christenheit, und es will Geilt und Seele immer wieder in jene höheren Bezirke hinauslocken, daß es uns zeige, wo wir die letzten und höchsten Ziele unseres Wohlgefallens suchen sollen. Würde, Schönheit und Glück unseres Lebens bemessen sich nach der Ebene, auf der wir die Erscheinungen unseres Wohlgefallens finden. Der innere, seelische Ort ist das Entscheidende. Je höher er liegt, desto wertvoller wird alles sein, nach dem unser Herz Verlangen trägt. Es kann einer im Alltag wandern; aber die Dinge, die ihm Kraft und Erhellung schenken, liegen weit über seinem Alltag. Diese Gedanken sollen uns nicht verleiten zu meinen, daß wir keine Freude an den Dingen der Erde haben sollen. Sie sind dazu da, daß wir Freude daran empfinden. Aber schon die Art unserer Wahl kann und soll für uns eine Erhöhung bedeuten. Fröhlich den Bogen geschlagen vom Irdischen zum Himmlischen und wieder zurück zum Irdischen! Die Hauptsache bleibt der Glanz auf dieser Bahn. Wo aber die Erkenntnis der Seele, wo Liebe waltet, da i st dieser Glanz. Ein Wohlgefallen, das nicht zu tätigem Leben führt, hat keinen Sinn. Zu welchen Erscheinungen aber will uns die Weihnacht leiten? Rur drei seien genannt: Die Stille, das Licht und das Kind. Wohlgefallen an der Stille! In ihr fällt uns vieles zu, was uns nimmer auf den Straßen des Weltlärms und des Zufalls — zufallen würde. Freilich gehört zum Wohlgefallen an der Stille, daß wir zunächst einmal den guten Willen aufrufen. Es gehört dazu die Kunst, sich von dem Draußen weg begeben zu können hin zu sich selbst. Wer in das Kraftfeld der heiligen Stille treten will, muß alles Unheilige draußen lassen. Wem nicht zur Weihnacht eine echte und rechte Sternstunde wird, der weiß nichts vom Wunder der Seele. Mancher würde weniger schnell aufgerieben werden, wenn er feinen Kern besser zu bewahren wüßte. Die Erfüllung dessen, das not tut, nimmt immer ihren Anfang im Unsichtbaren. Wohlgefallen am Licht! An dem leisen, lebendigen, dessen Sinnbild die Kerze ist, jenem Lichte, das sich verschwistert mit dem Leuchten, dessen Sinnbild der Stern der Weihnacht ist. Manch Großer, der oft in der Grelle der Tage stand, suchte von Zeit zu Zeit die Bezirke des stillen Lichtes auf, gleichviel, wie und wo es sich ihm offenbarte, wohl auch des Lichtes, das aus einer reichen Menschenseele in seine floß. Wohlgefallen am Kinde! Das heißt: am Ursprung und Ursprünglichen, wie es aus Gottes Hand kommt. Kein Sinnbild der Erde ist beglückender und wunderbarer als dieses. Wer in diesem Sinnbild Heimat hat, dem dienen alle Sinnbilder der Erde mit ihren Geheimnissen und Kräften. Er schreitet fort vom Gleichnis zum Wesen. Er handelt aus der Freiheit und Schönheit des Ursprünglichen. Seine Taten sind reife und gesunde Früchte seines Wesens. Die Einheit mit Stille, Licht und Gotteskind wird zu einem Erlebnis, das all die anderen deines Herzens nähren und verklären kann. R. B. Dornotizen. Tageskalender für Donnerstag. Johanneskirche: 17 Uhr musikalische Abendfeier. — Stadtkirche: 20.30 Uhr Weihnachtsfeierstunde. Tageskalender für den 1. Weihnachlsfeierlag. Stadttheater: 19 bis 22.15 Uhr „Figaros Hochzeit" (Gastspiel von Anny von Stosch). — Gloria- Palast, Selterswea: „Burgtheater." — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Unter heißem Himmel." Tageskalender für den 2. Weihnachtsfeiertag. Stadttheater: 15 bis 17.15 Uhr „Prinzessin Allerliebst." — 19 bis 22 Uhr „Prinzessin Nofretete" (Ausstatt.-Operette). — Gloria-Palast, Seltersweg: „Burgtheater." — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Unter heißem Himmel." — Turnverein von 1846: 20 Uhr Familienfeier in der Turnhalle, Steinstraße. — Fünfziger-Vereinigung 1880/1930: Zusammenkunft im Hotel „Prinz Carl". Tageskalender für Sonntag. Stadttheater: 15 bis 17.15 Uhr „Prinzessin Allerliebst." — 19 bis 21.45 Uhr „Der Zarewitsch." — Gloria-Palast, Selterswea: „Truxa." — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Unter heißem Himmel." Der Spielplan des Gießener Stadttheaters an den Weihnachtsfeiertagen. Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Am ersten Weihnachtsfeiertag findet ein einmaliges Gastspiel der bekannten Sopranistin Anny von Stosch, von der Preußischen Staatsoper und den Bayreuther Festspielen, als Gräfin in der heiteren Oper „Figaros Hochzeit" von W. A. Mozart statt. Die musikalische Leitung liegt in den Händen des Kapellmeisters Paul Walter. Die Spielleitung führt der Intendant. Für die Einstudierung der Tänze und choreographische Leitung zeichnet Irmgard Zenner. Die Bühnenbilder schuf Karl Löffler. Die übrige Besetzung der Oper besteht aus den Mitwirkenden der Erstaufführung: Friedel Fornallaz, „Susanna"; Hildegard Jachnow, „Marcellino"; Ilse ßasfus, „Cherubino"; Gustav Bley, „Graf Almaviva"; Alfons Forstner, „Bartolo"; Wilhelm Greif, „Figaro"; Paulus Kuen, „Basilio"; Max Schneider-Oest, „Antonio"; Ernst-August Waltz, „Don Curzio"; ferner der Chor und die Tanzgruppe. Die Vorstellung beginnt um 19 Uhr und endet 22.15 Uhr. Außer Miete. Am zweiten Feiertag nachmittag findet die Anführung des Märchenspiels „Prinzessin Allerliebst" oder „Der wundersame Regenschirm" von Friedrich Forster statt. Die musikalische Leitung führt Kapellmeister Ernst Bräuer. Die Spielleitung hat Karl Volck. Tänze und choreographische Leitung: Irmgard Zenner. Mitwirkende: das gesamte Schauspielpersonal. Die Vorstellung beginnt um 15 Uhr und endet 17.15 Uhr. Außer Miete. — Am Abend findet die Erstaufführung der neuen großen Ausstattungs-Operette „Prinzessin Nofretete" von Nico Dostal statt. Die musikalische Leitung liegt in den Händen des Kapellmeisters Hans H. Hampel. Die Spielleitung führt Paul Wrede. Einstudierung der Tänze und choreographische Leitung: Irmgard Zenner. Die in eigener Werkstatt her- gestellten Kostüme sind angefertigt nach Entwürfen von Sophie Buchner. Karl Löffler schuf die Bühnenbilder. Die Leitung der Chöre hat Ernst Bräuer. Mitwirkende: Maria Gerhardt, Friedel Fornallaz, Ilse Castus, Rose Stirl; Alfons Forstner, Gerhardt Frickhoeffer, Gert Geiger, Hans Geißler, Paulus Kuen, Karl-Ludwig Lindt; der verstärkte Chor und die Tanzgruppe. Die Vorstellung beginnt um 19 Uhr und endet 22 Uhr. Außer Miete. Am dritten Feiertag nachmittag geht das Märchenspiel „Prinzessin Allerliebst" oder „Der wundersame Regenschirm" von Friedrich Forster in Szene. Die Spielleitung führt Karl Volck. Die musikalische Leitung hat Ernst Bräuer. Tänze: Irmgard Zenner. Anfang der Vorstellung 15 Uhr, Ende 17.15 Uhr. Auß«: Miete. — Am Abend findet die Aufführung der großen Erfolgs - Operette „Der Zarewitsch" von Franz Lehar statt. Die musikalische Leitung liegt in den Händen des Kapellmeisters Hans H. Hampel. Die Spielleitung führt Paul Wrede. Für die Einstudierung der Tänze und choreographische Leitung zeichnet Irmgard Zen - n e r. Die Bühnenbilder schuf Karl Löffler. Mit- wirkende: Friedel Fornallaz, Ilse ßasfus; Gustav Bley, Gerhardt Frickhoeffer, Wolfgang Frohherz, Hans Geißler, Korl-ßudwig ßinbt, Ottmar Meyr, Max Schneider-Oest, Ernst-August Waltz; der Chor und die Tanzgruppe. Anfang der Vorstellung 19 Uhr, Ende 21.45 Uhr. Außer Miete. Wechsel in der Leitung des Postamts Gießen. Der ßeiter des Postamts Gießen, Postrat Graefe, ist vom 1. Januar 1937 ob unter Beförderung zum Oberpostrat zum Postamt Heidelberg versetzt worden. Als Nachfolger wurde Postrat Z o l l 's r a n k vom Postamt Sangerhausen bestimmt. Professor Engel 75 Jahre alt. Am zweiten Weihnachtsfeiertag, 26. Dezember, kann der langjährige Mathematiker unserer Univer- sstät, der jetzt im Ruhestand lebende Prof. Dr. Friedrich Engel seinen 75. Geburtstag feiern. Prof. Dr. Engel wirkte seit 1913 an unserer Universität und konnte am 26. Oktober 1935 das seltene Fest des 50jährigen Dozentenjubiläums be° gehen. Die wissenschaftliche Arbeit des Jubilars fand in Deutschland und auch im Ausland hohe Würdigung. Er ist Ehrendoktor der Universität Oslo, auswärtiges Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften in ßeipzig korrespondierendes Mitglied der Russischen Akademie der Wis- enschaften, auswärtiges Mitglied der Mathematisch- Naturwissenschaftlichen Klaffe der Norske Viden- skaps-Akademi in Oslo. NSDAP. - Amt für Voltswohlfahrt. kreisamlsleilung Welterau. Das Amt für Volkswohlfahrt, Kreisamtsleitung Wetterau, Gießen, ist von Donnerstag, 24. Dezember, mittags 12 Uhr, bis Sonntag, 3. Januar 1937 einschließlich, für jeden Publikumsverkehr geschlafen. Heute Weihnachts-Platzkonzert des SA.-Musikzuges. Der Musikzug der SA.-Standarte 116 spielt am heutigen Heiligen Abend ab 15.30 Uhr auf dem Kreuzplatz. Die Vortraasfolge bringt: 1. „Es ist ein Ros entsprungen". 2. „Die Himmel rühmen" (ß. van Beethoven). 3a. „O du Fröhliche. 3b. „Stille Nackt, Heilige Nacht". 4. Friedensmarsch aus Rienzi (Wagner). Die Regelung des Kettbezugs. Fwd. Der Milchwirtschaftsverband Hessen-Nassau teilt mit: Die Regelung der Butterversorgung wird nach der Anordnung der Hauptversammlung der deutschen Milchwirtschaft auf Grund des Oktoberbezuges durchgeführt. Hiernach dürfen Großhändlern, Kleinhändlern, sowie Verbrauchern nur bis Zu etwa 80 v. H. ihres Oktoberbezuges zugeteilt werden. Die Auflegung der Kundenlisten hat teilweise bei den Verbrauchern zu der irrtümlichen Meinung geführt, daß sie nur dort Butter erhalten können, wo sie gleichzeitig Oele und sonstige Fette kaufen würden. Dies ist keineswegs der Fall. Maßgebend für den Kauf von Butter ist die Zuteilung, die über Groß- und Kleinhandel gemäß dem Oktoberbezug vorgenommen wird. Infolgedessen raten wir den Verbrauchern dringend an, sich nur in ben Geschäften in die Kundenlisten für Butter eintragen Zu lassen, wo sie bisher ihre Butter bezogen haben, andernfalls sie in Gefahr kommen, geringere Mengen Butter zugeteilt zu erhalten. Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß die Eintragung in die Kundenlisten entsprechend den bisherigen tatsächlichen Beziehungen zwischen Kunden und Liefer- geschaft durchzuführen sind. Es wird energisch ba= gegen eingeschritten werden, wenn die Eintragung in der Kundenliste von Unberufenen zum' Kundenfang ausgenutzt wird. Gießener Vochenmarktprelse. * Gießen, 24. Dez. Auf dem heutigen Wochen- markt kosteten: D. f. Molkereibutter, % kg 1,57 Mk., f. Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60, ßanbbutter 1,42 Mk., Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse A 13, Klasse B 12, ausländische, Klasse B 11%, Klasse C 10 %, Wirsing, % kg 6 bis 10, Weißkraut 6 bis 8, Rotkraut 8 bis 10, gelbe Rüben 8 bis 12, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 20 bis 25, Unterkohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 12 bis 15, Rosenkohl 25 bis 30, Feldsalat 80 bis 90, Tomaten 60, Zwiebeln 8 bis 10, Meerrettich 30 bis 70, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kartoffeln, % kg 5 Pf., 5 kg 40 Pf., 50 kg 3 bis 3,40 Mk., Aepfel, % kg 15 bis 20 Pf., Tafeläpfel 25 bis 30, Birnen 15 bis 20, Dörrobst 15 bis 20, Nüsse 45 bis 60, Hähne 1 bis 1,10 Mk., Suppenhühner 80 bis 90 Pf., Gänse 80 Pf. bis 1,10 Mk., Enten 90 Pf. bis 1 Mk., Tauben, das Stück 50 Pf., Blumenkohl 30 bis 70, Salat 5 bis 8, Endivien 5 bis 8, Lauch 5 bis 8, Sellerie 10 bis 30, Rettich 5 bis 15 Pf. ♦ ** Ernennung beim Versorgungsamt. Der Reichs- und Preußische Arbeitsminister hat den Verwaltungsinspektor ^Georg Ebener vom Versorgungsamt Gießen mit Wirkung vom 1. November 1936 zum Verwaltungsoberinspektor ernannt. ** Straßensperrungen. Wegen Ausführung von Gleisumbauarbeiten wird die Reichsstraßs am Bahnübergang bei Butzbach vom 29. bis einschließlich 30. Dezember für jeglichen Verkehr ge» sperrt. Die Umleitung erfolgt örtlich über die sog. Nußallee bei Butzbach. — Wegen Ausführung von Reichsautobahnarbeiten wird die Landstraße R e i n« hardshain — Winnerod vorn 21. Dezember ab für jeglichen Verkehr gesperrt. Die Umleitung folgt über Lindenstruth—Göbelnrod—Beltershain. ** Umgestaltung km O b e r h e s si sch e » Museum. Das Oberhessische Museum, das einigt Zeit geschlossen war, weil der Treppenaufgang ne* hergerichtet worden ist, wird an den Weihnachts« feiertagen wieder geöffnet sein. Das Treppenhaus hat in seiner Ausgestaltung mit Museumsstücken eine grundlegende Wandlung erfahren, und zwar insofern, als man sich darauf beschränkt, erheblich weniger Dinge auszustellen und gründliche Auslese zu halten. Das Treppenhaus, wie es sich jetzt darbietet, gereicht dem Museum zur Zierde, und sicherlich werden viele Einwohner unserer Stadt Gelegenheit finden, während der Feiertage auch einmal unserem Heimatmuseum einen Besuch abzustatten. . ** Die Bekämpfung der Schnaken- plage betrifft eine Bekanntmachung des Städtischen Hoch- und Tiefbauamtes im heutigen Anzeigenteil. Es fei besonders darauf aufmerksam gemacht. Sporiami „Krass durch Kreude". Am 24. Dezember fallen sämtliche Sportkurse der NSG. „Kraft durch Freude" aus. Gemäß dem neuen Sportprogramm Januar—März 1937 beginnen die Sportkurse am 7. Januar wieder. Zusammenstoß zwischen Lastauto, Motorradler und Milchfuhrwerk. * ß i cf), 23. Dez. Auf der Landstraße zwischen Nieder-Bessingen und Ober-Bessingen ereignete sich heute vormittag ein schwerer Verkehrsunfall, bei dem ein Lastauto, ein Motorrad und ein Milchfuhrwerk zusammen st ie- ßen. Das Lastauto der hiesigen Firma Köhler und der Milchfuhrmann Bocher von Nieder-Bessingen mit seinem Fuhrwerk befanden sich in gleicher Höhe in der Fahrtrichtung nach Ober-Beffin- aen, als ihnen zwischen diesem Orte und Nieder- Bessingen der Motoradfahrer Karl Trapp aus Wetterfeld in dem Augenblick begegnete, da das Lastauto den Milchwagen überholen wollte. Die Folge dieser Begegnung der drei Fahrzeuge auf gleicher Höhe war der Zusammenstoß zwischen dem Lastauto, dem Motorradler und dem Milchfuhrwerk. Dabei wurde der Motorradler Trapp schwer verletzt, während das Sattelpferd des Milchwagens einen Beinbruch erlitt. Der Motorradler mußte nach Laubach in das Krankenhaus gebracht werden. Der Milchführmann und die Insassen des Lastautos blieben unverletzt. Der Materialschaden ist erheblich. Das fremde Gesicht. ' Vornan von Caren. 1. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!) Automatisch, in einer Art von stumpfer Betäubung, ließ er noch den zweiten Akt über sich ergeben. Bei jedem Geräusch, das sich der Logentür näherte, gab es ihm einen Riß, und er lauschte mit verhaltenem Atem, bis der Lärm draußen verebbt war. Schließlich litt es ihn nicht länger im Theater. Er beschloß, nach Hause zu fahren. Das Warten daheim dünkte ihm weniger qualvoll als hier unter all diesen Menschen, vor denen man eine gefaßte Miene zur Schau tragen muhte. Daheim war es besser. Man konnte noch etwas arbeiten. Nach der operierten Patientin sehen. Mit irgendeinem Buck die Zeit totschlagen ... Aber er hatte sich getäuscht. Daheim fiel ihm die Stille, die Ausgestorbenheit der Wohnung nur noch mehr auf die Nerven. Nur um etwas Lebendiges um sich zu haben, machte er im Vorbeigehen den Dobermann von feiner Kette los und nahm ihn mit hinauf in fein Zimmer, unbekümmert um die schmutzigen Spuren, die das Tier auf dem blank gebohnerten Parkettboden hinterließ. Die Schreibtischuhr zeigte drei Viertel auf elf. Bis zwölf warte ich noch, dann rufe ich bei der Polizei an, nahm Alland sich vor. Automatisch ver- tauschte er den Smoking gegen seine Hausjacke. Ein Klopsen an der Tür ließ ihn erschrocken zusammen- fahren. Es war nur das Stubenmädchen, das roif- fen wollte, ob der Herr Doktor noch etwas zu essen wünsche. Alland verneinte. Nur etwas Tee wollte er haben, starken Tee, sonst nichts. Nachdem das Mädchen das Gewünschte gebracht hatte, nahm er ein Buch aus dem Bücherschrank und setzte sich damit an den Schreibtisch. Aber er tarn nicht weiter. Die Druckzeilen verschwommen ihm vor den Augen, und er ertappte sich dabei, pofr er statt des Textes den Uhrzeiger verfolgte, der unerbittlich vorwärts rückte. Unerbittlich ... Auf einmal spitzte der Hund, der zusammenge- rollt neben seinem Herrn auf dem Teppich lag, die Obren und gab ein kurzes Bellen von sich. Die Haustür war gegangen, irgendjemand mußte gekommen sein, irgendwer vom Hause, weil Argus nicht zu bellen anfing. Wenn es Evelyn wäre ...! Alland hielt vor Spannung sekundenlang die Luft an. Er wagte nicht aufzustehen und nachzuschauen, aus Angst vor Enttäuschung. Da sah er, wie der Hund sich erhob und leise wedelnd zur Tür lief. Und im selben Augenblick hörte er draußen auf dem Gang, noch entfernt, den raschen und leichten Schritt seiner Frau. Sein Herz überschlug sich in einem irrsinnigen Glücksgefühl. Im ersten Impuls wollte er aufspringen und ihr entgegeneilen. Aber er hielt sich zurück. Es war schöner, sie hier zu erwarten und diese köstliche Spannung noch um ein paar Sekun- den zu verlängern. Lächelnd beugte er sich über fein Buch und nahm eine scheinbar vertiefte Haltung an. Gleich darauf hörte er Evelyn eintreten. Argus sprang mit einem winselnden Freudenlaut an ihr hoch- Die junge Frau stieß einen kleinen Schrei aus und versuchte mit beiden Händen den Hund von sich abzuwehren. „Pfui, Argus — nicht! Mit deinen Schmutzpfoten! Was tust du denn überhaupt im Zimmer?^ Ihre Stimme hatte etwas Atemloses, Gestörtes, das dem Ohr des Arztes nicht entging. Langsam drehte er sich nach ihr um. Als erstes fiel ihm auf, daß sie kein Abendkleid anhatte, sondern ihr Straßenkostüm. Ihre samtbraunen Augen hinter dem kleinen Halb- schleier kamen ihm größer vor als sonst, und ihr zartes Gesicht hatte diese seltsame Blässe, die er nach großen Erregungen zuweilen an ihr bemerkt hatte. Eine besorgte Frage drängte sich ihm auf die Lippen, aber er sprach sie nicht aus. Irgendetwas wie eine plötzliche innere Hemmung verschloß ihm den Mund. Er ließ Evelyn auf sich zukommen und streckte ihr über die Stuhllehne hin die Hand entgegen. Sie beugte sich zu ihm hinab. Ihre kühlen Sippen berührten flüchtig die seinen. Aus ihrem Haar stieg em fremder Geruch, ein Geruch nach kaltem Zigarettenrauch. „Guten Abend, Liebster — noch nicht zu Bett?" fragte sie leichthin. „Du solltest dich früher schlafen- legen bei der vielen Arbeit, die du hast." „Ich wollte doch auf dich warten. Man sieht sich tagshin ohnehin so wenig. Er hielt ihre Hand fest, die sich durch den Wildlederhandschuh hindurch eisig falt anfaßte. „Ist dir nicht gut, Evy?" Ihre Lider gerieten unter seinem besorgt forschenden Blick ins Flattern. Mit gezwungenem Aus- lachen befreite sie ihre Hand. „Aber ja — durchaus. Warum denn? Ein bißchen durchfroren bin ich, das ist alles ... Hast du noch einen Schluck Tee?" Sie griff nach der neben ihm stehenden Taffe und trank fie auf einen Zug aus. „Sie sollten endlich das Theater heizen. Wir haben doch chon Mitte September und ..." Sie brach mitten im Satze ab und spielte sich mit kleinen nervösen Schritten in den Hintergrund Alland folgte ihr starr mit den Augen. Ihm war, als habe er einen Schlag auf den Kopf bekommen. Das ganae Zimmer schwankte um ihn wie bei einem Erdbeben. „Oas Theater ...?" hörte er sich mit schwerer Zunge fragen. „Wie war es denn?" „O, herrlich! Schade, daß du nicht mitkommen konntest ... Sie blinzelte unsicher. „Was schaust du mich denn so an?" „Weil du kein Abendkleid anhast — fällt mir eben auf." „3a — ich ..Frau Alland errötete jäh. Mit nervösen Fingern riß sie sich die kleine Filzkappe vom Kopf und begann vor dem Kaminspieqel ihr Haar zu ordnen. Ihre sonst so anmutigen Bewegungen bekamen etwas sonderbar Fahriges, Unharmonisches. Sie schluckte ein paarmal, bevor sie weitersprach. „Nämlich — es regnete so, und ich konnte nicht den Wagen nehmen. Der Scheinwerfer funktionierte nicht. Da zog ich einfach mein Kostüm an, öamit ich nicht klitschnaß ins Theater komme. Es war mir zuerst ein bißchen peinlich, weil alles in Abendtoilette war. Aber dann war ich doch ganz Frank Alland beschattete mit beiden Händen sein Gesicht. „Um halb acht hat es nicht mehr geregnet", kam es schwer hinter seinen Fingern hervor. Evelyn streifte ihn im Spiegel mit einem unruhig sickernden Seitenblick. „Nein", erklärte sie hastig, „aber ich ging schon frutjer weg, schon um halb sieben. Weil ich nämlich vorher noch zu Landings mußte. Ich wollte Gma statt deiner mit in die Oper nehmen, damit das Billett nicht verfällt." „Und ...?" „Gina konnte leider nicht weg. Ihr Kleiner hat die Masern. So mußte ich allein ..." Der Satz brckch ihr mitten entzwei. Ihr lächelnder Mund bekam langsam etwas maskenhaft Star- res, und eine gläserne Blässe überzog ihr Gesicht. Alland hatte plötzlich die Hände sinken lassen und blickte ihr gerade ins Gesicht. Und dieser Blick, in dem sich ein tödlicher Schmerz mit Vorwurf und Verachtung paarte, hatte etwas Vernichtendes. „Warum lügst du mich an, Evelyn?" fragte er in die quälende Stille hinein. Seine Stimme klang ganz ruhig, unheimlich ruhig. Evelyn gab keine Antwort. Mit kindlich hochgezogenen Schultern lehnte sie am Kamin, unbeweglich, und ein schmerzlich verstockter Zug trat in ihr Gesicht. „Warum belügst du mich — sag?" fragte er noch einmal. „Du bist ja gar nicht bei Gina Landing gewesen. Ich weiß es, well ich selbst mit ihr telephoniert habe. Und auch im Theater warst du nicht. Jedes Wort, das du sprichst, ist gelogen." Er sprang plötzlich auf und kam in drohender Haltung auf sie zu. „Um halb sieben bist du von zu Hause weggegangen. Jetzt ist es drei Viertel zwölf. Willst du mir sagen, wo du in dieser Zeit gewesen bist? Ich will es wissen — hörst du!" Wieder kam keine Antwort. Der verstockte Zug um Evelyns Mundwinkel trat nur noch deutlicher hervor, und zwischen ihren Brauen vertiefte sich eine kleine steile Falte. Dieses hartnäckige Schweigen versetzte Alland plötzlich in tobsüchtige Wut. „Antworte!" schrie er Evelyn an. „Wo hast du dich die fünf Stunden herumgetrieben?" Keuchend flog fein Atem. Er packte ihre zarten Handgelenke und schüttelte sie wie von Sinnen. Da sah sie ihn an. Hilfloses Entsetzen weitete chre Pupillen, ihre Augen füllten sich langsam mit Tranen. Mit einem wimmernden Laut ließ sie sich aus den nächsten Sessel fallen und vergrub aus- chluchzend ihr Gesicht in den Händen. (Fortsetzung folgt!)