186. Jahrgang Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Nr. 250 Erster Blatt 186. Jahrgang Somstag, 24. Oktober 1956 Erscheint tflgItd), außer whmv _ Sonntags und Feiertags W A TÜT ® Annahme von Anzeigen ffi'S« FamiN-nblätt« 14a 4b Ä Kb AAA jA ▲▲ AA A A. A A, A AA ^s8-/,u^ des Vormittag- Heimat im Bild - Die Scholle ■ gW^M W JE fl v | fl w VH Ml Grundpreise für 1 mm höhe Ä3SB&. ÄMIFmFIIFI ZI IHJr Iller I ä"°" Ohne Illustrierte e 1.80 V ® H HB H ■ uk . H M W M W m W anzeigen von 70 mm Breite Zustellgebühr .. „ -.25 W W ■ H Wr ■ W 8B ML' 50 Rpf.,Platzvorschrift nach Auch bei Nichterscheinen ▼ ▼ ■ ■ ™ ~ ▼ ▼ ■ ▼ ■ ^F ▼ " vorh Vereinbg.25?/. mehr. von einzelnen Nummern WV ■ WEr jIBTaF infolge höherer Gewatt WLF Ermähigte Grundpreise: MM General-Anzeiger für Oberhesten MW Postscheckkonto: V ff • 1 r gen, Bäder-, Unterrichts-u. gTanffiirt am Main 11686 vruK uitö Verlag: Vrühl'sche UniverfitülsVuch- und SteindruSerei R. Lange in Gießen. Schriftieitung und Geschäftsstelle: Schulstratze 7 Mengmabschlüsi?staff^8 Die Durchführung des Vierjahresplans. Ministerpräsident Göring gibt die Organisation für die Bewältigung der Aufgabe bekannt. Berlin, 23.Okt. (DNB.) Im ersten Erlaß über die Durchführung des Vierjahresplanes bestimmt Ministerpräsident Generaloberst Göring folgendes: Der Führer und Reichskanzler hat mir die Durchführung des von ihm auf dem Parteitag der Ehre verkündeten neuen Vierjahresplanes übertragen. Ich werde den Auftrag allen etwaigen Hemmnissen und Schwierigkeiten zum Trotze ausführen. So wie ich dem Führer und Reichskanzler für das Gelingen des Planes im ganzen verantwortlich bin, tragen mir gegenüber die Personen, die ich zur Mitarbeit berufe, für das ihnen unterstehende Arbeitsgebiet die Verantwortung. Nur bei ernster Pflichterfüllung und bereitwilliger Zusammenarbeit aller Beteiligten kann das gesteckte Ziel erreicht werden. Die Bearbeitung der mir gestellten Aufgabe erfolgt unter weitestmöglicher Heranziehung der zuständigen Dienststellen, deren Verantwortung uneingeschränkt fortbe- steht. Tleue Aemter werden nur soweit als unbedingt notwendig eingerichtet. Alle am Vierjahresplan beteiligten Personen und Organisationen in Partei und Staat unterstehen meinen Weisungen. Meine Befugnisse werde ich unter der Amtsbezeichnung „Ministerpräsident Generaloberst Göring, Beauftragter für den Vierjahresplan", ausüben. Mtwirkung der Kachmmifter. Im zweiten Abschnitt des Erlasses bestimmt Ministerpräsident Generaloberst Göring, daß er für die zu treffenden grundsätzlichen Entscheidungen sich der Mitwirkung der in einem M i n i st e r r a t zusammengeschlossenen beteiligten Fachmini st er bedienen wird. Diesem Ministerrat werden der Staatssekretär und Chef der Reichskanzlei Dr. Lammers und Dr. Keppler als Generalsachverständiger für den Aufbau der deutschen Roh- und Werkstoffe angehören. An diesen Beratungen nehmen weiter teil: der Vertreter des Ministerpräsidenten in allen lausenden Geschäften, Staatssekretär Körner, und die Leiter der Geschäftsgruppen des Merjahreplanes. Verteilung der Geschäfte. Im dritten Abschnitt des Erlasses wird die Organisation geregelt, mit welcher Ministerpräsident Generaloberst Göring die Aufgaben bewältigen wird, die ihm durch die Vollmacht des Führers übertragen sind. Die Bestimmungen hierüber im einzelnen lauten: L In allen den Vierjahresplan betreffenden laufenden Geschäften werde ich durch den Staatssekretär Körner vertreten. Persönlicher Referent des Staatssekretärs ist Ministerialrat Marotzke. 2. Die Rohstoffverteilung bearbeitet Ministerpräsident Köhler, Baden, als Beauftragter für die Rohstoffverteilung in Verbindung mit dem Reichswirtschaftsministerium und der Reichsdeoisenstelle (unter Beibehaltung seiner Aufgaben im Lande Baden). Ministerpräsident Köhler ist mir für die sachgemäße Verteilung der Rohstoffe auf die verschiedenen Bedürfnisse unter Berücksichtigung ihrer Dringlichkeit und für eine entsprechende Arbeit der Ueberwachungsstellen verantwortlich; er arbeitet in meinem Auftrage und im Zusammenwirken mit den zuständigen Ressorts bzw. mit den Stellen, die ich mit der Durchführung besonderer Geschäfte zur Beschaffung ausländischer Rohstoffe einrichte, auch die mit der Einfuhr auslän - bischer Rohstoffe zusammenhängenden Fragen. 3. Den Arbeitseinsatz bearbeiten Ministerialdirektor Dr. Mansfeld als Beauftragter für den Arbeitseinsatz in Verbindung mit dem Reichs- arb ei tsmi niste rium sowie Präsident Dr. Syrup. (Beide unter Beibehaltung ihrer Aufgaben im Reichsarbeitsministerium bzw. in der Reichsanstalt.) 4. Die landwirtschaftliche Erzeugung, die mit dem Vierjahresplan in Zusammenhang steht, bearbeitet Staatssekretär Backe (unter Beibehaltung seiner Aufgaben im Reichsernährungsministe- rium). 5. Die Preisbildung bearbeitet Oberpräsi- dent und Gauleiter Josef Wagner, Breslau, nach Maßgabe des zu erlassenden Gesetzes (unter Beibehaltung feiner bisherigen Dienftgeschäfte). 6. Die De-visenangelegenh eiten leitet Ministerialdirektor Staatsrat Reumann. Er bearbeitet ferner die anfallenden Geschäfte allgemeiner Art, sorgt für die Aufrechterhaltung der Verbindung zwischen den einzelnen Gruppen und wirkt bei dem Erlaß von Gesetzen und Verordnungen mit. Ihm steht Ministerialrat G r a m s ch zur Verfügung. Der letzte Abschnitt des Erlasses regelt die Zusammenarbeit der einzelnen Geschäftsgruppen untereinander. Mit diesem Erlaß sind die organisatorischen Vorbereitungen für die Durchführung des Vierjahresplanes ab geschloffen. Die Arbeit wird nun ungesäumt ausgenommen werden. Heber den Inhalt und das Ausmaß der Sachaufgaben, die im Vierjahresplan zu lösen sind, wird Ministerpräsident Generaloberst Göring in kürze in einer öffentlichen Rede im Sportpalast, die über alte deutschen Sender übertragen werden wird, Mitteilung machen. Görings Marbeiierstab. Wenige Tage nachdem der Führer und Reichskanzler den Ministerpräsidenten Generaloberst Göring mit der Durchführung des Vierjahresplanes betraut hat, hat dieser den'organisatorischen Rah- meii für das Werk geschaffen. Es war klar, daß Ministerpräsident Göring seinen langjährigen vertrauten Mitarbeiter Staatssekretär Körner mit seiner Vertretung betrauen werde, lieber feine Persönlichkeit braucht nicht viel gesagt zu werden. Der jetzt im 43. Lebensjahr stehende Staatssekretär ist feit vielen Jahren der nächste Mitarbeiter Görings und kennt daher seine Gedankengänge wie kein anderer. Ingenieur Dr. Keppler ist der bisherige Wirtschaftsbeauftragte des Führers. Er ist geborener Heidelberger, studierte Maschinenbau und war später Leiter verschiedener Werke der chemischen Industrie. 1927 trat er der NSDAP, bei. Der badische Ministerpräsident Köhler kam aus dem Bankfach. Er hat den Feldzug als Kriegsfreiwilliger mitgemacht, trat 1925 in die NSDAP, und war als Stadtverordneter und Landtagsabgeordneter politisch tätig. Seit März 1933 leitet er das badische Finanz- und Wirtschaftsministerium. Oberstleutnant Löb steht im 41. Lebensjahr, er ist Pio- nier, stand während des Weltkrieges dauernd im Westen an der Front, machte dann die Generalstabsausbildung durch und war von 1926 bis 1930 im Reichswehrministerium. Seit 1934 ist er Chef des Beschaffungswesens im Reichsluftfahrtministerium. Ministerialdirektor Dr. Mansfeld hat ebenfalls den Weltkrieg mitgemacht und steht feit 1919 im Iustizdienst. Später war er Justitiar im Bergbau. Im Mai 1933 wurde er Ministerialdirektor im Reichsarbeitsministerium, wo er Fragen des Arbeitsrechtes, der Lohnpolitik und des Arbeitsschutzes bearbeitet. Der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung Dr. Syrup ist von Hause cus Diplom-Ingenieur. Er wurde 1920 Präsident der Reichsarbeitsverwaltung. Oberpräsident und Gauleiter Josef Wagner ist 37 Jahre alt. Als Kriegsfreiwilliger ist er schwer verwundet in französische Gefangenschaft geraten, aus der er Ende 1918 entfloh. Er ist ursprünglich Lehrer, wurde wegen nationalsozialistischer Betätigung entlassen und widmete sich seit 1927 ganz der Politik. In Schlesien hat Josef Wagner das durch den Krieg besonders hart betroffene Grenzland politisch und wirtschaftlich zur Gesundung geführt. Staatsrat Neumann ist Verwal-tungsjurist, feit 1923 Hilfsarbeiter im preußischen Handelsministerium und feit 1933 Ministerialdirektor. Staatssekretär Herbert Backe ist 46 Jahre alt, er war zunächst Schlosser, dann praktischer Landwirt, studierte in Göttingen, war später Assistent an der Technischen Hochschule Hannover, Verwalter, Do- mänenpächter und selbständiger Landwirt. Seit 1923 ist Backe in der SA. Er gehört zu den engsten Mitarbeitern des Reichsernährungsministers. II. Die Geschäfte werden in folgende Gruppen ein- ^^1.^ Erzeugung deutscher Roh- und Werkstoffe; 2. Rohstoffverteilung; 3. Arbeitseinsatz; . ., .. 4. landwirtschaftliche Erzeugung, soweit sie mit dem Vierjahresplan in Zusammenhang steht; 5. Preisbildung; 6. Devisenangelegenheiten. Die Vresseanaelegenheiten werden für sämtliche GeschäfNppen einheitlich durch den Ministerialdirigenten Dr. Gritzbach als Leiter meiner Pressestelle bearbeitet Die Geschäfte der Gruppe „Erzeugung deutscher Roh- und Werkstoffe" bearbeitet: S n , Amt für deutsche R 0 h - und mArFftnffe- Ihm liegt ob: 1. die Steigerung •• sMÄ'S ber zu d Anonn , Reichsstelle orte der Fabrikation i|i “ . L^ilinen- 3 x;e ^ör= h-'Msi Z»«S,S?"®S5. eingefaßter und N Oberst- planes gefertigter ® JL’ ß ö b. Die finanziellen leutnant des Generalstabes in Verbindung ’*• 1b. Dr.’-öng. «7 “ scrnhrifation in- nung und Durchführung der Favrirui'un gegangen sind, LU feinem ^aues der deutschen realer für die Fragen d und ihm als Roh - und Werks N Sonderausgabe ge- besonders wichtigen A f 0 .$ Erforschung ftettt, tne m“ zu organisieret d e s deutschen -ö xöröem. Die finanziellen und aufs tatkräftigst z sind ebenfalls in Portugal bricht die diplomatischen Beziehungen zu Madrid ab. Lissabon, 24. Oft (DRV. Funkspruch.) Die portugiesische Regierung gibt bekannt: „Der Minister des Auswärtigen richtete gestern eine diplomatische Rote an Don Claudio Albornoz, den spanischen Botschafter in Lissabon, in der er ihm mitteilte. daß die portugiesische Regierung sich gezwungen sieht, infolge der in dieser Rote dargelegten Gründe die diplomatischen Beziehungen zur Madrider Regierung abzubrechen. Am Morgen war an den portugiesischen Geschäftsträger in Alicante drahtlich der Befehl gegeben worden, sich sofort an Bord eines dort ankernden portugiesischen Kriegsschiffes zu begeben und nach Lissabon zurückzukehren. Die Regierung behält sich das Recht vor, die Rote im Wortlaut zu veröffentlichen, in der die Gründe für den Abbruch der Beziehungen aufgeführt werden, sobald sie es für angebracht hält." Reine Phantasie. Italien weist die leichtfertigen Beschuldigungen Madrids und Moskaus zurück. London, 24. Ott. (DNB. Funkspruch.) Die italienische Note, die am Freitag dem Nichteinmi- schungsausfchuß überreicht wurde, weist die fowjet- rufsifchen und die spanischen Beschuldigungen über eine angebliche Verletzung des Nichteinmischungsabkommens durch Italien in allen Einzelheiten zurück. Die Angaben der Madrider „Regierung" seien mit größter Leichtfertigkeit abgefaßt worden, sie seien äußerst phantastisch und entbehrten jeglicher Grundlage. Es lägen keine Beweise dafür vor, daß die in den Beschuldigungen erwähnten Flugzeuge und Waffen nach dem 28. August, dem Tage, an dem Italien dem Nichteinmischungspakt beigetreten ist, geliefert wurden. Daß die von Madrid und Moskau erhobenen Beschuldigungen völlig aus der Lust gegriffen sind, ergibt sich z. B. daraus, daß eine italienische Schiffahrtsgesellschaft „Fiscowitzh", die italienisches Kriegsmaterial nach Spanien befördert haben sollte, überhaupt nicht existiert. England stellt flagrante patt- vertehnngen durch Rostan fest. Sowjetrussische Kriegsmaterial in Spanien gelandet. London, 24. Oft. (DRV. Funkspruch.) Die Morgenblätter heben hervor, daß der Ausschuhvor- sihende Lord Plymouth zum ersten Male zuverlässige Informationen der britischen Regierung über flagrante Verletzungen des Paktes durch Sowjetrußland bekannt gab. Er führte drei Fälle an, in denen die marxisii- fchen Horden mit f o w j e t r u f f i f ch e n Waffen beliefert worden sind. 1. Das sowjetrussische Schiff „Komsomol- lieferte vor etwa 14 Tagen in Cartagena Geschütze und Minenwerfer sowie eine große Anzahl von Tanks f o w - jetrussischer Herkunft. Mit den Tanks find auch sowjetrussische Besatzungen eingetroffen. 2. Der sowjetrussische Dampfer „Lari V o l f h e - w i V traf mit 18 Militärflugzeugen und 15 Tanks in Cartagena ein. 3. Vor wenigen Tagen brachte der sowjetrufsische Frachtdampfer „Lruschewik" 8 5 Militärlastwagen nach Alicante. Diese Feststellungen sind in Form einer Rote bei den Mitgliedern des Richteinmischungs- ausschusses in Umlauf gesetzt worden. Grade diese Enthüllungen haben den sowjetrufsifchen Botschafter gestern im letzten Augenblick dazu bestimm», lieber nicht aus dem Ausschuß auszutrelen. Wer wird Präsident? Roosevelt oder Landon? Wer von den beiden wird für die nächsten vier Jahre das wichtigste Amt in den Vereinigten Staaten bekleiden? Das ist die Frage, die heute nicht nur die amerikanische Öffentlichkeit beherrscht, sondern auch bei uns begreifliches Interesse findet. Denn der Präsident der Vereinigten Staaten ist ja nicht bloß mehr ober minder repräsentatives Staatsoberhaupt wie z. B. fein Kollege in Frankreich, sondern auch Chef der Regierung, der mit dem von ihm gebildeten Kabinett als seinem engsten Mitarbeiterstab für die vier Jahre seiner Amtsdauer den politischen Kurs bestimmt, gleichgültig, ob sich inzwischen die Zusammensetzung des Kongresses infolge des eigentümlichen Wahlsystems ändert. Es ist also sehr wohl möglich, daß ein demokratischer Präsident während eines großen Teils seiner Amtszeit mit einem Kongreß arbeiten muß, der in dem einen oder andern oder gar in beiden Häusern eine republikanische Mehrheit aufweist. Denn der Senat wird zwar auf sechs Jahre gewählt, ergänzt sich aber alle zwei Jahre zu einem Drittel neu, und das Repräsentantenhaus wird überhaupt nur auf zwei Jahre gewählt. Für den politischen Kurs der Vereinigten Staaten ist also die Persönlichkeit des Präsidenten ausschlaggebend, wenn er auch, wie wir es bei Roosevelts Kampf um die Aufrechterhaltung des New Deal, des neuen Wirtschaftsplans, gesehen haben, durch mancherlei Instanzen, wie Parlament, Bundesstaaten und Oberstes Bundesgericht oftmals in feinen politischen Absichten ernstliche Hemmungen erfährt. Man findet bei uns überhaupt häufig die Neigung, den Staatsapparat der Vereinigten Staaten sich einfacher und übersichtlicher vorzustellen, als er tatsächlich ist. Die Amerikaner legen zwar Wert darauf, die älteste Demokratie der Welt zu sein und das Prinzip der Gewaltenteilung streng durchgeführt zu haben, aber die Demokratie kommt in Amerika aus dem Leben, nicht aus der Doktrin. Sie entwickelte sich aus dem Gemeinschaftsleben, und da sich dies in der Geburtsstunde der amerikanischen Verfassung so gut wie ausschließlich in den lokalen Zentren der dreizehn Kolonien abspielte, die sich im Unabhängigkeitskrieg vom englischen Mutterland gelöst hatten, so blieb der amerikanischen Demokratie dieser lokale Grundcharakter anhaften. Hieraus entspringt die bei uns trotz der schon im Begriff „Vereinigte Staaten" liegenden Andeutung des föderativen Charakters der Staats form oft übersehene Bedeutung der Bundes st aaten sowohl im staatsrechtlichen wie in praktisch-politischem Sinn. Wenn auch die Entwicklung der dreizehn Kolonien zur Weltmacht den Regionalismus zu Gunsten einer starken Bundesgewalt zurückgedrängt hat, so ist er immer noch lebendig genug, um namentlich bei den Wahlen einen großen Einfluß auf die Volksstimmung auszuüben. Unterstützt wird diese Tendenz noch dadurch, daß die Verfassung einmal den Bundesstaaten weitgehende Unabhängigkeit und Selbständigkeit in Gesetzgebung und Exekutive eingeräumt hat — wir erinnern uns noch aus der Zeit des Kampfes um das Alkoholverbvt, des Begriffs der trockenen und nassen Staaten — zum andern den Bundesstaaten im Wahlsystem auch für die Bundesorgane sehr wichtige Funktionen übertragen hat. Die Bundesstaaten entsenden z. B. je zwei direkt gewählte Abgeordnete in den Senat, sie regeln auch selbständig das Wahlrecht zum Repräsentantenhaus, und ihnen fällt auch bei der Wahl des Präsidenten eine besondere Rolle zu, denn der Präsident wird weder vom Volk direkt gewählt, wie es z. V. in Deutschland nach der Weimarer Verfassung der Fall war, auch nicht von der Volksvertretung, dem Kongreß, wie in Frankreich, sondern durch Wahlmänner, electors, von denen in jedem Staat soviel gewählt werden, wie der Staat Vertreter in beiden Häusern des Kongresses hat. Das find z. B. für den Staat Neuyork 2 Senatoren und 45 Repräsentanten, also insgesamt 47 Wahlmänner. An dem Präsidentschaftswahltage, nach der Verfassung ist es der Dienstag nach dem ersten Montag im November, diesmal also der 3. November^ wählen demnach die Amerikaner keineswegs schon den Präsidenten selber, sondern erst die Wahlmänner. Sie sollten ursprünglich als Treuhänder ihres Staates die Präsidentenwahl vornehmen. Hier hat sich nun der Apparat der Parteien, die die Bundesverfassung an sich gar nicht kennt, da- zwischengeschoben. Die Wahlmänner sind heute nur noch ausführendes Organ der Parteien, die auf ihren großen Nationalkonventen im Sommer ihre Kandidaten für die Präsidentschaft nominiert haben, die Demokraten in Philadelphia Franklin D. Roosevelt und die Republikaner in Cleveland den Gouverneur von Kansas, Landon. Der Wahlzettel (ballot), mit dem der amerikanische Urwähler am 3. November seinen politischen Willen zum Ausdruck bringt, enthält also nicht die Namen der eben genannten Kandidaten, sondern in mit den betreffenden Parteiemblemen, dem Hahn der Demokraten, dem Adler der Republikaner oder dem Hammer der Sozialistischen Arbeiterpartei geschmückten Spalten nebeneinander die Namen der Wahlmänner und darunter die Kandidaten für den Gouvereursposten und andere gleichzeitig zur Wahl stehende Aemter des betreffenden Bundesstaates. Nun ist es keineswegs selten, daß der Amerikaner sich zwar für dle Wahlmänner des demokratischen Präsidentschaftskandidaten entscheidet, aber für die Behörden des Bundesstaates den republikamschen Kandidaten seine Stimme gibt. So wählt Reuyork in der Regel in allen Angelegenheiten der Stadt und des Staates demokratisch, bei der Prasident- schaftswahl dagegen republikanisch. Die am 3. November gewählten Wahlmänner eines jeden Bum öesftaates treten am zweiten Montag im 3anuat Moskau torpediert die Nichteinmischungspolitik. Gowjetrußland kündigt in London die Absicht offener Unterstützung der spanischen Marxisten an Lleberlegter Sabotageakt Moskaus. Scharfe Kritik der englischen presse. Die pariser Presse rtilkt von der sowjetrussischen Hetze ab. Tätigkeit der dritten Internationale im Auslände umso nachhaltiger zu unterstützen, als Stalin versuche, sich im Jnlande von den Komintern freizumachen. Ls handele sich hier um das altbewährte Ablenkungsmanöver, aber es fei bedauerlich, dah gerade Frank- reich die Ko st en tragen solle. „Figaro" sagt, wenn es ein Land in Europa gebe, das soviel Anstand aufbringen müßte, um gerade in der Frage der Neutralität zu schweigen, so sei es das bolschewistische Rußland. Es habe auch den Anschein, als ob England dies im Londoner Ausschuß unverblümt ausgesprochen habe. Moskau wolle in Europa und besonders in Frankreich Unruhe stiften. Aber es täusche sich über die Rückwirkungen in der französischen Oeffentlich- keit. Das französische Volk habe zuviel gesunden Menschenverstand, um den Weg zu beschreiten, den Moskau weise. Frankreich habe im Rahmen des Völkerbundes einen Pakt mit Sowjetrußland abschließen können, um den Frieden zu festigen. Es habe aber keinen Pakt abgeschlossen, um die Revolution zu schüren und sich für Anarchisten zu verwenden, deren Ausschreitungen eine Schmach der Menschheit seien. Der sowjetrussische Vertreter wies auf seinen Vorschlag hin, die portugiesischen Häfen einer englisch-französischen Kontrolle zu unterstellen. Auf Vorschlag des Vorsitzenden trat der Ausschuß der Auffassung bei, daß ein derartiger Vorschlag nicht erwogen werden könne, solange nicht die Antwort der portugiesischen Regierung eingegangen sei. Der portugiesische Vertreter erklärte weiter, daß er einer Erörterung diese Angelegenheit nicht z u- stimmen könne. Der Unterausschuß wird am Samstagvormittag die Arbeitsmethoden überprüfen, ob das Nichteinmischungsabkommen wirksamer gemacht werden könne. Der Ausschuß nahm davon Kenntnis, daß die ihm übermittelten Dokumente der deutschen und der italienischen Vertreter, die Einzelheiten über gewisse „angebliche" (?!) Brüche des Abkommens (durch Sowjetrußland) enthalten, dem Vertreter Sowjetrußlands mit der Bitte weitergeleitet werden, die erforderlichen Erklärungen zur Feststellung des Tatbestandes abzugeben. Der sowjetrussische Vertreter erklärte, daß er auf diese Beschuldigungen umgehend antworten wolle, es wurde aber entschieden, daß seine Antwort schriftlich unterbreitet werden solle. Die nächste Sitzung des Hauptausschusses soll am Mittwoch stattfinoen. 3n letzter Zeit sei es Mode geworden, Sowjetruß- land mit freundlicheren Augen anzusehen. So fei behauptet worden, Moskau sei nicht mehr so revolutionär eingestellt, wie einst, weshalb man ihm jetzt ohne Furcht die Hand der Freundschaft entgegenstrecken könnte. In Wirklichkeit hätten die Bolschewiken lediglich ihre Taktik im 11n- heilstiften geändert. Die Neigung Moskaus, im Trüben zu fischen, sei genau so stark wie vorher, und sie bringe dieselbe Bedrohung des Friedens mit sich. Der gestrige Schritt Sorojef- ruhlands sei ein überlegter Sabotage- a k t. Zwar habe Sowjetrußland formell den Nicht- einmifchungsausfchuh nicht verlassen, aber dah es bleibt, fei nichts als ein diplomatischer Trick. Der Beweggrund sei klar: Nachdem die Sache der spanischen Marxisten so gut wie verloren fei, wünschten die Herren Sowjetruhlands ihre Anhänger zu überzeugen, daß sie alles getan hätten, um ihren Freunden zu helfen, wenn ihr Vorgehen „zufällig" die Folge hätte, zu Verwicklungen, zwischen den faschistischen und nichtfaschistischen Mächten zu führen, dann würde das nur den sowjetrusfifchen Absichten entsprechen. Die fowjekrussische Diplomatie fei in Mißkredit geraten und das Mißtrauen gegenüber Sowjetrußland fei verstärkt worden. des folgenden Jahres in ihrek Staatshauptstadt zusammen und geben hier ihre Stimme für den Präsidenten der Vereinigten Staaten. Das Ergebnis geht an den Präsidenten des Bundessenats nach Washington, wo es am zweiten Mittwoch des Februar in Gegenwart des Kongresses insgesamt bekanntgegeben wird. Wenn nun auch die Verfassung von dem Wahlmann nicht verlangt, daß er im Januar seine Stimme für den offiziellen Parteikandidaten abgibt, als dessen Vertrauensmann das Volk ihn im November gewählt hat, so ist das Gegenteil doch noch niemals der Fall gewesen. Wohl aber kann ein Präsidentschaftskandidat, der im November die Mehrzahl der Volksstimmen erhalten hat, im Januar durchfallen, weil nicht die Mehrzahl der Wahlmänner für ihn stimmte. Dieser Fall ist tatsächlich schon einmal eingetreten, weil der Partei, die die relative Mehrheit im Staate gewinnt, alle Wahlmännerstimmen zustehen, die Bundesstaaten also nur im ganzen demokratisch oder republikanisch wählen und fast die Hälfte aller Stimmen eines Bundesstaates bei diesem Zähl- system unter den Tisch fallen kann. Solche von einer Minderheit gewählte Präsidenten waren z. B. Lincoln 1861 und Wilson 1913. Wer uns bis hierher gefolgt ist, hat einen ungefähren Eindruck brciDon bekommen können, wie ungeheuer verwickelt die W^ihlprozedur ist, aus der ein neuer Präsident der Vereinigten Staaten hervor- geht. Die große Zeitspanne, die sie beansprucht, von den vorbereitenden Schritten der Parteien im Frühjahr bis zum Amtsantritt des neugewählten Präsidenten im März des nächsten Jahres, ist neben den zahlreichen andern Wahlen ein Moment der Unruhe und Unsicherheit im politischen Leben Amerikas, das oft lähmend auf die gesamten Staats- geschäste, ja auch auf die Außenpolitik der Vereinigten Staaten einwirkt, da der amtierende Präsident im letzten Jahre seiner Amtsführung meist ängstlich darauf bedacht ist, seiner Partei nicht durch unpopuläre Maßnahmen die Wahlaussichten zu verderben. So ist es auch um die großen Refvrmpläne Franklin Roosevelts mit dem Herannahen des Wahltermins immer ruhiger geworden, zumal große Telle des New deal als im Widerspruch mit den Rechten der Bundesstaaten vom Obersten Gerichtshof beanstandet und zurückgezogen werden mußten. Das konnte nicht hindern, daß der Gedanke der Wirtschaftsreform im Mittelpunkt des Wahlkampfes stand. Wer wie die Wahlprogramme der beiden traditionellen großen Parteien an sich keine große Verschiedenheit aufzuwei- fen pflegen, so hat man sich auch diesmal in der Frage der Wirtschaftsreform genähert. Roosevelt hat seinen Radikalismus gedämpft, um ängstliche, an der hergebrachten Freiheit der Wirtschaft und dem föderativen Versassungssystem hängende Gemüter nicht zu beunruhigen, und sein republikanischer Gegenkandidat Landon hat seinem im großen und ganzen auf die Verteidigung der hoch- kapitalistischen Wirtschaftsformen gegen Eingriffe des Staates eingestellten Programm einige Tropfen sozialen Oels bei geb en müssen, um es den Leuten seiner Partei schmackhaft zu machen, denen die sichtbaren Erfolge der auf Wirtschaftsbelebung und auf Schutz des kleinen Mannes vor der Allmacht der Konzerne und Trusts gerichteten Politik Roosevelts in die Augen stechen. Und diese Erfolge sind natürlich auch das stärkste Argument Roosevelts im Wahlkampf. Er braucht nicht viel Worte zu machen. Das Land weiß, was er will: Bruch mit dem wirtschaftlichen Individualismus zugunsten einer das Wohl der Volksgemeinschaft voranstellenden Wirtschaftsgesinnung und Befreiung des öffentlichen Lebens von dem Druck der Dollarkönige, die allzu oft im freiesten Lande der Welt die Politik zur Sklavin ihrer Geldsackinteressen gemacht haben. Begreiflicherweise hat Roosevelt mit diesem Programm, dessen Durchführung er in den ersten vier Jahren seiner Amtszeit so energisch begonnen hat, bei den Massen der Arbeiter, Angestellten, kleinen Gewerbetreibenden und Farmern gewaltigen Eindruck gemacht. Aber es ist nicht minder verständlich, daß Roosevelts Staatssozialismus alle von ihm Betroffenen, und das sind ja keineswegs nur die Gewaltigen der Wallstreet, die Minenherren, Eisenbahnkönige und Jndustriemagnaten, in das republikanische Lager getrieben hat. Landon, dem durch solide Arbeit und persönliche Tüchtigkeit au Reichtum gelangten Farmerssohn aus Penn- sylvanien ist es als Gouverneur von Kansas gelungen, das Budget seines Staates durch eine vernünftige Verwaltungsreform und Sparsamkeit ohne Steuererhöhungen auszugleichen, während alle anderen Bundesstaaten tief in Schulden stecken. Seine Parole lautet: „Laßt uns wieder frei arbeiten, wie es unsere Väter taten, verbannt jede Einmischung der Zentralgewalt in Washington aus dem Wirtschaftsleben unseres Landes, werft alle Maßnahmen des New deal über Bord und Amerika wird wieder das Land der unbegrenzten Möglichkeiten werden!" Es ist kein Zweifel, daß seine Kritik an der Ausgabenpolitik Roosevelts auch über die festen Zirkel der Republikanischen Partei hinaus in Mittelstands- und Farmerkreisen ihren Eindruck nicht verfehlt hat. Die sog. „dritte" Partei spielt auch in diesem Wahlkampf eine Rolle. Wenn sie auch keinerlei Aussicht hat, ihren eigenen Kandidaten durchzubringen, so vermag sie doch ein paar Millionen Stimmen auf sich zu ziehen, die bann einem der Kandidaten der beiden großen traditionellen Parteien zur Erlangung der Mehrheit fehlen werden. Es ist diesmal die Union Party des republikanischen Senators William Lemke, eines Farmers aus Nord-Dakota, dem landwirtschaftlichen Notstandsgebiet des Mittelwestens, aus dem schon mehrfach eine dritte Partei ihre Wähler rekrutiert hat. Diesmal hat sie als Bundesgenossen jedoch ein merkwürdiges Dreigespann, das Anhänger in allen Teilen der Vereinigten Staaten zählt. Da ist einmal der irisch-amerikanische Pater C o u g h l i n aus Detroit, der durch seine religiösen Rundfunkvorträge bekannt wurde und eine große Gefolgschaft um sich sammeln konnte, als er gegen die Allmacht des Kapitals und die politische Korruption zu Felde zog. Aus einem Anhänger Roosevelts wurde er dessen erbitterter Gegner, da ihm die Maßnahmen des Präsidenten nicht radikal genug schienen. Zu ihm stieß der kalifornische Landarzt Dr. Downs- e n d, der die amerikanische Wirtschaft durch Zahlung einer staatlichen Altersrente von 200 Dollars an alle Sechzigjährigen mit der Verpflichtung sie wieder auszugeben, ankurbeln will. Die hierzu benötigten 24 Milliarden will der Wunderdoktor durch eine Verkaufssteuer von zwei Prozent aufbringen. Trotz des reichlich utopischen Charakters seines Heilrezeptes ist es ihm vor einem Jahr schon gelungen, bei den Kongreßwahlen in Michigan alle seine Konkurrenten zu schlagen. Aehnliche Pläne hegt auch der dritte im Bunde der Union Party, der Reverend Gerald Smith, der Nachfolger des im September 1935 erschossenen Diktators von Louisiana Hue Song in der Führung der „Share the wealth" - Bewegung (Teilung des Reichtums). Er nähert sich mit seinem Programm London, 23. Okt. (DNB.) Der Internationale Ausschuß zur Ueberwachung des spanischen Nichteinmischungsabkommens trat am Freitagnachmittag zusammen. Die Vertreter sämtlicher dem Ausschuß angehörenden 27 Staaten waren anwesend, darunter auch der Vertreter Portugals, der bekanntlich die letzte Sitzung aus Protest gegen das Verhalten der Sowjetrussen verlassen hatte. Deutschland war durch seinen Geschäftsträger, Botschaftsrat Für st Bismarck, vertreten. Besonders zahlreich war die sowjetrussische Abordnung vertreten, lieber die Sitzung wurde kurz vor Mitternacht e^ne amtliche Mitteilung ausgegeben, in der es heißt: Der Vorsitzende Lord Plymouth erinnerte den Ausschuß daran, daß die Hauptsorge der britischen Negierung, als sie der Einsetzung' des Ausschusses in London zustimmte, darin bestanden habe, emo Ausbreitung des Bürgerkrieges über die spanischen Grenzen hinaus zu verhindern und eine Zusammenarbeit der Mächte in einem Falle herbeizuführen, der sich zu einer höchst gefährlichen internationalen Lage zu entwickeln drohte. Lord Plymouth appellierte an den Ausschuß, seine schwierige Aufgabe durch eine im unparteiischen Geiste geführte Prüfung aller ihm unterbreiteten Informationen zu erfüllen. Die britische Regierung habe die in ihrem Besitz befindlichen Informationen sorgfältig studiert, um festzustellen, bis zu welchem Grade diese Informationen Beweismaterial dafür enthalten, daß ernste Verletzungen des Abkommens vorgekommen feien. Als Ergebnis habe sie Einzelheiten hinsichtlich gewisser Zwischenfälle den interessierten Regierungen vorgelegt, von denen sie hoffe, daß sie dem Ausschuß mit Informationen zur Hand gehen werden. Der Vorsitzende verlas hierauf folgenden Brief des Vertreters der Sowjetunion: „Durch den gemeinsam mit anderen Staaten erfolgten Beitritt Sowjetrußlands zum Nichteinmischungsabkommen glaubte die Sowjetregierung, erwarten zu können, daß das Abkommen von feinen Teilnehmern erfüllt werden und daß infolgedessen die Dauer des Bürgerkrieges in Spanien verkürzt und die Zahl der Opfer vermindert werden würde. Die seither verstrichene Zeit hat jedoch gezeigt, daß das Abkommen von einer Reihe seiner Teilnehmer systemattsch verletzt wird, und daß die Waffenlieferungen an die „Rebellen" ungestraft fortgesetzt werden. Einer der Teilnehmer des Abkommens, Portugal, ist der Hauptstützpunkt für Lieferungen an die „Rebellen" geworden, während die „ge- etzliche Regierung" Spaniens praktisch bog- fottiert und der Erleichterungen beraubt wird, außerhalb Spaniens zur Verteidigung des spanischen Volkes Waffen zu kaufen. Daher ist infolge der Verletzungen des Abkommens für die „Rebellen" eine bevorzugte Lage geschaffen worden, die nicht im Sinne des Abkommens lag. Als Ergebnis dieser anormalen Lage wird der Bürgerkrieg in Spanien verlängert und die Zahl seiner Opfer vermehrt. Die Bemühungen des Vertreters der Sowjetregierung, Oer Praxis der Abkommensoerletzungen ein Ende Zu bereiten, haben im Ausschuß feine Unterstützung gefunden. Der letzte Vorschlag des Sowjetvertreters hinsichtlich einer Kontrolle d e r Häfen Portugals, das ein Hauptstützpunkt für die Lieferungen der „Rebellen" ist, hat ebenfalls keine Unterstützung gefunden und ist nicht einmal auf die Tagesordnung der heutigen Sitzung gesetzt worden. Infolgedessen hat sich das Abkommen als ein leerer zerrissener Fetzen Papier erwiesen. Es hat prak- tischzubestehen aufgehört. (!) Da die Sowjetregierung nicht in der Lage von Personen zu bleiben wünscht, die wissentlich einer ungerechten Sache beistehen, sieht sie nur einen Ausweg aus der geschaffenen Sage, nämlich der spanischen Regierung die Möglichkeit des Waffenkaufes außerhalb Spaniens zu gewähren, ein Recht, dessen sich die Regierungen der ganzen Welt erfreuen, und den Teilnehmern des Abkommens das Recht zuzugestehen, Waffen an Spanien zu verkaufen oder nicht zu verkaufen. Auf jeden Fall ist die Sowjetregierung nicht gewillt, noch länger die Verantwortung für die offensichtlich ungerechte Lage in bezug auf die „legale" spanische Regierung uno das spanische Volk zu tragen. Sie ist daher jetzt gezwungen, zu erklären, daß sie in Uebereinftimmung mit ihrer Erklärung vom 7. Oktober sich durch das Nichteinmischungsabkommen in keinem größeren Ausmaße für gebunden erachtet, als die ü b r i g e n T e i l n e h m e r des Ab- kommens." Die Aussprache. Der portugiesische Vertreter widerlegte mit äußerstem Nachdruck die in diesem Brief schon den Kommunisten, deren eigener Kandidat Browder ebensowenig wie der Sozialist Norman Thomas auch nur die geringsten Aussichten hat, eine beträchtliche Anzahl von Wählern hinter sich zu bringen. Daß die „dritte" Partei ihre Hoffnungen auf die Farmer des Mittelwestens setzt, macht deutlich, daß hier das Zünglein an der Waage fein wird. Die vierzehn Staaten des Südens, die traditionelle Hochburg der Demokraten, werden geschlossen für Roosevelt stimmen, ebenso wie die Republikaner mit ziemlicher Gewißheit auf die Mehrheit in den Neu-Englandstaaten, von denen Maine bereits bei den Gouverneurs- und Kongreßwahlen soeben republikanisch gewählt hat, ferner in Neu- york, Pennsylvanien und einigen Küstenstaaten des Atlantik und Pazifik rechnen können. Unsicher für beide Parteien ist der Mittelwesten und deshalb gelten auch die letzten Wahlreisen beider Kandidaten den notleidenden Farmern am Mississippi-Missouri bis hinauf zu den kanadischen Seen. Hier wird vermutlich die Entscheidung fallen. Ob sie Roosevelt vier neue Jahre zur Durchführung seines Reformprogramms geben oder mit L a n - d o n einen neuen Mann ans Ruder bringen wird, vermag heute noch niemand mit einiger Sicherheit zu sagen. Die vielen Probeabstimmungen, die meist von Zeitungen schon seit Monaten veranstaltet werden, vermögen auch nicht annähernd ein zutreffendes Bild der wirklichen Volksstimmung zu geben. Dafür ist die Auswahl der zur Stimmab- aabe aufgeforderten Wähler aus Telefonbüchern, Adreßbüchern ober Abonnentenlisten viel zu willkürlich und meist auch die Fragestellung bewußt gegen sein Land erhobenen Beschuldigungen, die jeder Grundlage entbehrt en, was sich Herausstellen werde, sobald die Antwort feiner. Regierung eingetroffen fei. Der Ausschuß einigte sich darauf, daß der Brief des sowjetrussischen Vertreters dem Unterausschuß übergeben werden solle, und daß der Vertreter Sowjetruß ° lanbs von diesem Unterausschuß ersucht werden solle, gewisse Gesichtspunkte seiner Erklärung zu erläutern. Dem Ausschuß lag die Antwort der deutschen Regierung auf die Fragen vor, die sich auf gewisse angebliche Brüche des Abkommens beziehen. Der Vorsitzende gab der Ansicht Ausdruck, dah die deutsche Antwort mit Ausnahme von zwei Punkten, in denen er die deutsche Regierung um weitere Erklärungen bitte, in befriedigender Weife die erhobenen Beschuldigungen behandelt. Der deutsche Vertreter verwies auf die Antwort der deutschen Regierung, derzufolge alle aufgeworfenen Punkte behandelt worden seien. Er fügte jedoch hinzu, daß er bereit sei, die erbetenen zusätzlichenJnformationen zu beschaffen. London, 24. Okt. (DNB. Funkspruch.) An dem sowjetrussischen Schritt, der praktisch die Kündigung des Nichteinmischungsvaktes durch Sowjetrußland bedeutet, üben, mit Ausnahme der Oppo- sitionspresse, sämtliche Zeitungen schärfste K r i - t i k. „Daily Telegraph" stellt fest, daß die sowjet- russische Note die zukünfttge Politik Moskaus i m Dunkeln lasse. Auch fehle in der Note eine genaue Begründung. Sie nenne keine einzige Großmacht, sondern beschränke sich auf Anschuldigungen gegen Portugal, die nicht bewiesen seien und wahrscheinlich auch niemals bewiesen werden könnten. England müsse klar stellen, daß es nicht daran denke, sich in einen von Sowjetrußland entfachten Streit verwickeln zu lassen. Es müsse mit allen Großmächten in Fühlung bleiben und feinen vermittelnden Einfluß ausüben. Dabei dürfe aber kein Zweifel darüber gelassen werden, daß England, falls diese Einschlußnahme mißglückt, nicht im geringsten festgelegt sei. Englands einzige Pflicht sei die gegenüber die seinem eigenen Volke. — „Times" svricht von der Zweideutigkeit der sowjetrussischen Note. Die Sowjetregierung wolle durch ihr Vorgehen dem Nachweis zuvorkommen, daß Sowjetrußland selb st das Nichteinmischungsabkommen gebrochen hat. Die konservative „Hloming Poft" erklärt, das Vorgehen Sowjetrußlands habe wieder einmal die wahre Politik Moskaus enthüllt. Paris, 24. Okt. (DNB. Funkspruch.) Das Verhalten Sowjetrußlands im Londoner Ausschuß wird von der Presse scharf kritisiert. So schreibt der „Petit Parisien", es liege klar auf der Hand, daß Sowjetruhland sich in Zukunft nicht mehr genieren werde, die spanischen Marxisten mit Waffen und Munition zu versorgen. Dies könne jedoch zu ernsten Zwischenfällen führen. Es könne keine Rede davon fein, daß Paris den Moskauern auf diesem gefährlichen Wege folge, der von den Sowjets weniger eingefchlagen worden fei, um den spanischen Marxisten zu yelfen, als um in Katalonien einen ständigen revolutionären Herd zu unterhalten. Barcelona liege jedoch zu nahe bei Perpignan, als daß eine französische Regierung ein derartiges Manöver begünstigen könne. „Journal" erklärt, Frankreich würde unverzeihlich handeln, wenn es sich von dem forojef- russischen Dreh übertölpeln ließe. Das Vorgehen in London zeige wieder einmal sehr deutlich die Hintergedanken der sowjekrussi- fchen und bolschewistischen Politik, die darauf hinauslaufe, Konflikte in die Reihen der We st möchte zu tragen. Die Diktatur Stalins fei gezwungen, die revolutionäre suggestiv. Sie werden als politisches Barometer nicht ernsthaft gewertet werden können. Erst am 3. November wird sich ergeben, welcher Kandidat die Mehrheit der Wäblerstimmen auf sich vereinigen konnte, aber erst Anfang Januar bei der Abstim- muna der Wahlm nner wirb sich enticheiben, wer für die nächsten vier Jahre bas Weiße Haus in Washington beziehen wirb: Roosevelt ober Lanbon F. W. L. Der Rex-Aufmarsch in Brüssel. Scharfe Gegenmaßnahmen der Regierung. Brüssel, 23. Okt. (DNB.) Der Kriegsminister hat sämtlichen Truppenteilen Befehl erteilt, von Sonntag früh 9 Uhr bis Montag indenKaser- nen z u bleiben und sich marschbereit zu halten. Die 6 2 Sonderzüge, die die Rex-Be- roegung bei der Eisenbahn angeforbert hatte, sind auf Weisung ber Regierung nicht genehmigt worden. Der Oberbürgermeister von Brüssel hat die Maueranschläge der Bewegung überkleben lassen. Auch soll in ber ganzen Provinz Brabant am nächsten Sonntag ber Fahrzeugverkehr scharf kontrolliert werden. Auf sämtlichen Zufahrtsstraßen nach Brüs- fei werben Absperrungen vorgenommen werden. Gendarmerie wird den Zugang der Rexisten auf Fahrzeugen verhindern. Der Führer der Rex-Bewegung Lson De grelle hat in seinem Organ „Le Pays R6el" seinen Anhängern erneut die Weisung gegeben, zu der Versammlung trotz des Regierungsverbots in Massen zu erscheinen. Die Regierung fei dabei, unter Mitwirkung der Regierungsparteien alle verfassungsmäßigen Freiheiten zu verbieten. Gegen diese rote Diktatur, die das Land zu vernichten drohe, müsse ein gewaltiges nationales Aufbäumen entstehen. Der Aufruf Degrelles schließt mit den Worten: „Mut! Vertrauen! Vorwärts für unsere nationale Freiheit!" In ber Nacht kam es in der Umgebung ber Börse, wo sich bas Haus ber Rex-Bewegung befindet, zu einem Zusammenstoß zwischen Marxisten und politischen Gegnern. Die Polizei nahm 40 Verhaftungen vor. Degrelle hatte seine Anhänger zu einem „Gemeinschaftsempfang" der Rundfunkrede van Zeelands eingeladen. Die Zufahrtsstraßen zum Rex-Haus waren so stark von Polizei abgeriegelt, daß die Versammlung nicht st a 11 f i n b e n konnte. Verzweiflungsstimmung in Mdrid. Die rote Regierung muntert ihre „Kämpfer" auf. Saint Jean de Luz, 24.Okt. (DNB. Funkspruch.) Der rote „Mabrider Außenminister" Alvarez bei 23 a i) o hat im Mabriber „El Liberal" einen Aufruf veröffentlicht, ber interessante Schlüsse auf die verzweifelte Stimmung im roten Lager zuläßt. Vayo sagt u. a.: Man könne Mabrib nicht verteidigen, wenn man an ber Front schreie „wir werben umgangen" ober „wir werben auf den Schlachthof geführt" und auch nicht damit, daß man mehr Waffen .H 1?^ im Uo> i^en. alr vov dev e sich ti« ittet, aber Zrakik- lotle. in Europa mußte, um u schwel' ^ßland. Es i- dies im ochen habe. in Frank- t sich '* Oeffentllch' [ gesunden reiten, den chmen des ijetruh' jeden zu t abge- tu schüren jeren Aus« nschhelt owjekniß. l So fd so revo- man ihm chasi ent- hätten bit ' im Un* °tig Ülos- i so stark ohung des t Sowjet, botage- den Kchi- *t ba^ t5 Gotischer iachdew die it wie oer- fjefrn plante alles getan Denn ihr jo Bet- chen und nn würde Lbsich. Diploma- llißtrauen orden. 'M»« l n'4t .\ban9en Qm "Ichll v._ bi= «ruche '?) ent. ber "«unqen Der •«( dich '"Bolle, Antwort 016 nächste Mittwoch ierungspar' । iu verdre !r, »» gewalU 8 entstehen- en Dorten: rs nationale •fff-*: 0» t* SW seladen. „ F a ch v erwaltungen in einer einzig, Behörde. Soweit aus besonderen Gründen V> Aus aller Well e n ter- waltungszweige selbständig bleiben müssen, sind sie in enge Beziehung zur allgemeinen Verwaltung zu bringen, indem sie wenigstens einheitlicher politischer Führung unterstellt werden. In einem allgemeinen Reichsverwaltung s- g e s e tz mutz eine Zusammenfassung und Regelung derjenigen Bestandteile des Verwaltungsrechtes vorgenommen werden, die einer einheitlichen Gestaltung zugänglich sind.-Ziel der Regelung ist die Schaffung von einheitlichen Typen des Verwaltungswerkzeuges und ihrer Bereithaltung für den Bedarf der Verwaltungsbehörden und des Gesetzgebers. Erst dann sind die an das neue Verwaltungsrecht zu stellenden An- Künstler und Künstlerinnen und die Sachbearbeiter des Reichspropagandaministeriums. Rach dem Frühstück hatten Außenminister Graf Ciano und Reichsminister Dr. Goebbels Gelegenheit zu einer längeren angeregten Unterhaltung. Der Minister und feine Begleitung verließen am Freitagabend die Reichshauptstadt, um dem Füh- rer und Reichskanzler in Berchtesgaden den bereits angekündigten Besuch abzustatten. Im Sonderzug, der kurz nach 20 Uhr den Anhal- ter Bahnhof verließ, begleiteten Reichsminister des Aeußeren Freiherr von Neurath, der Chef des Protokolls, Gesandter von Bülow- Schwante, der deutsche Botschafter in Rom von H a ssell und der Staatssekretär der Reichskanzlei Lammers die italienischen Gäste, ferner noch der Kgl.-italienische Botschafter Attolico und Bot- schaftsrat Graf Magistrati. Auf dem Bahnsteig hatten sich zum Abschied Oingefunden der stell- vertretende Staatssekretär D i e ck h o f f, zahlreiche Herren des Auswärtigen Amtes, sowie fast sämtliche Mitglieder der italienischen Botschaft und der italienischen Kolonie. Jüdischer Händler wegen Steuerhinterziehung Der 41 Jahre alte jüdische Händler Georg Prinz aus Oliva bei Danzig wurde von Beamten der Fahndungsstelle des Steueramtes f e st - genommen. Seit langer Zeit stand er bereits im Verdacht der Steuerhinterziehung. Bei Prüfung seiner Geschäftsbücher stellte man fest, daß diese falsch geführt worden waren. Bei einer darauf erfolgten Durchsuchung fand man an mehreren Stellen versteckt für rund 50 000 Gulden Gold in ausländischer Währung sowie Pfund- unb Dollarnoten. Die Hausangestellte des Juden, die sich während der Durchsuchung unbemerkt mit einer Geldkassette auf und davongemacht hatte, konnte auf dem Danziger Hauptbahnhof festgenommen werden. In der Kassette fand man für weitere 50 000 Gulden Gold und Banknoten in ausländischer Währung. In einem Schrank versteckt fand man ferner einen Beutel, in dem sich 5000 Gulden in Silber befanden. Das Geld, das aus nicht versteuerten Einnahmen herrührt, wurde beschlagnahmt und sichergestellt. Der Jude wurde wegen Verdunkelungsgefahr in Hast genommen; er wird sich wegen Steuerhinterziehung zu verantworten haben. 350 Gramm Platin gestohlen. Jrn Chemisch-medizinischen Institut der Wiener Universität wurde ein Einbruch verübt, bei dem den Tätern 3 5 0 Gramm Platin und ein größerer Bargeldbetrag in die Hände fielen. Steuer Stern entdeckt. Wie aus Triest gemeldet wird, hat der Schwede Tamm, der am 18. September d. I. im Sternbild Gras Ciano besucht den Führer in Berchtesgaden und Material verlange als xu liefern möglich fei Auch die negative u n d f r u ch t l o s e K r i t i k muHe verschwinden. Um alle „Mißverständ- nisse zu beseitigen, habe man „die politischen Kommissare" eingeführt, die dem Kriegsministerium unterstünden und für die „Stärkung der Ver- teibigungsmittel" zu sorgen hätten. Alles müsse andieFront. Es hanbele sich um Stunden. Keine Minute dürfe verloren werden. Oie Hadikalsozialisien billigen die Außenpolitik Oelbos'. Paris, 24. Oft (DNB.) Der radikalfozialistifche ßanbesparteitag m Biarritz hat eine Entichließuna einstimmig angenommen, die eine Billiauna her Außenpolitik der Volksfrontregieruna enthält. Dem „Burger D e I b o s" werden für die Leitung der Außenpolitik Frankreichs die Glückwünsche des Landesparteitages ausgesprochen Das republikanische Frankreich werde sich nicht in die inneren Angelegenheiten anderer Länder einmischen aber auch keine Einmischung in die inneren französischen Angelegenheiten dulden. Die Schaffung eines bauernden Friedens setze nicht nur die Aufrechterhaltung der Freundschaften und die Einhaltung ber emgegangenen Verpflichtungen, fonbern auch po^wes Handeln zur B e s e i t i g u n g b e r m ö g - l'chen Ursachen europäischer Berwick- l u n g e n voraus. Die Partei erwarte, daß die französischen Bemühungen um die wirksame Au s - geftaltungbes Völkerbund sstatuts fortgeführt und Verhandlungen über die Rüstungskontrolle aufgenommen werden. Sie wünsche ferner die Ankurbelung der internationalen Wirtschaft und die W i e d e r h e r st e l l u n g normaler Handelsbeziehungen. Sie danke der Regierung dafür, daß sie durch den Pakt der Nichteinmischung in Spanien eine ernsthafte internationale Gefahr ausgeschaltet habe und erwarte vom Londoner Neutralitätsausschuß wirksame Arbeit. Bei der Neugestaltung des Derwaltungsrechts muß es sich daher vor allem darum handeln, die Verwaltung in allen ihren Teilen wieder zu einer politischen Funktion, zu einem schlagkräftigen Instrument in der Hand der Führung zu machen, und, soweit dies bei der Art der Aufgabe und nach Maßgabe der Bindung an Führerbefehl und Gesetz jeweils möglich ist, der schöpferischen Initiative des verantwortlichen Verwaltungsbeamten weiten Raum zu schaffen. Denn in Führung und Verwaltung ist die persönliche Verantwor- tungsfreubigfeit, bie es ablehnt, nach Paragraphen zu suchen, wo gehandelt werden muß, die letzte tragende Grundlage. Der Grunssatz der Rechtmäßigkeit in der Verwaltung Gast des Mchsmmisters Dr. Goebbels. Berlin, 23. Ott. (DNB.) Arn Freitagmittag gaben Reichsminister Dr Goebbels und Frau Goebbels zu Ehren des königlich italienischen Außenministers Grasen Ciano di Cortel- lazzo in den Gesellschaftsräumen des Reichs- propaganbaminifteriums ein Frühstück. Es waren u. a. Botschafter Attolico unb seine Gattin erschienen, bie Herren aus bem Gefolge bes italienischen Außenministers, Generalselbmar- schall von Blomberg, bie Staatssekretäre Dr. Meißner, Dr. Lammers unb Funk, ber stellvertretenbe Staatssekretär bes Auswärtigen Amtes Dieckhoff, Botschafter v. Ha ssell, bie Gesanbten von Bülow-Schwante unb Asch - mann, ber Präsibent ber Reichsfilmkammer, Staatsminister a. D. Professor Dr. L e h n i ch, bie (Beneralintenbanten Klöpfer unb Robe, ber Reichsbühnenbilbner Benno von A r e n t, ber Präsibent bes Reichsverbanbes ber beutfchen Presse, Hauptmann Weiß, sowie namhafte Berliner neuem Seifte erfüllt, beren Ausgabe b i e Hanbhabung bes Verwaltungsrechtes ist. Bei der Verwaltungsorganisation ist zunächst die Teilung der Verwaltungshoheit zwischen Reich und Länder beseitigt worden; eine einheitliche Spitze der Gesamtverwaltung ist in der Person des Führers geschaffen worden, desgleichen haben wir in den Reichsministern als Ressortchefs im Gesamtbereich der öffentlichen Verwaltung die Spitze der einzelnen Verwaltungszweige. Die Landeszentralbehörden find den zuständigen Reichsministern unterstellt. Neben der organisatorischen Seite stehen im Vordergrund die verfassungs- und verwaltungsrechtliche Verzahnung von Parteiorganisation unb Staatsverwaltung, sowie bie Schaffung von Grunbla - gen f ü r o e n st ä n b i s ch e n Aufbau. Die Aus- bilbung eines politisch unb fachlich qualifizierten Nachwuchses, bei bem es neben selbstverstänb- licher Rechtskenntnis vor allem auf politisches 23er- ftänbnis unb Einfühlungsvermögen, auf Kennt- n i s bes Lebens anfommt, ist von höchster Be- beutung. Das neue Verwaltungsrecht muß so gestaltet werben, baß es ber schöpferischen Persönlichkeit weiteste Auswirkungsmöglichkeiten gibt unb baß es die Vollzugsorgane des Staates durch die Gewährung ausreichenden Spielraums zu selbstverantwortlicher Entscheidung zwingt." Der Führergrundsatz in der Verwaltung Es fragt sich, ob und inwieweit der in der Ebene des Staatsrecyts verwirklichte Führer gebaute auch auf das Gebiet der Verwaltung übertragen werden kann. Wo ein Führer ist, muß auch eine Gefolgschaft, eine Gemeinschaft fein. Bei der Verwaltung ist die Gemeinschaft nur etwas Mittelbares. Ein Apparat wird bedient — und einen solchen Apparat stellt die nach unzähligen Gesichtspunkten aufgespaltene öffentliche Verwaltung dar. Auf sie kann daher nicht ohne weiteres angewendet werden, was sich für die Führung von Menschen und zur Verwirklichung weltanschaulicher Ideen als richtig erwiesen hat. Was uns in der Verwaltung als Führergedanke gegenübertritt, ist in Wirklichkeit nichts anderes als die monokratische Entscheidungsform, das E i n - mannsystem, gegenüber dem Kolleaialsystem. Die Entscheidung des monokratischen Behördenleiters beruht nicht auf der aus Führer und Gefolgschaft bestehenden Gemeinschaft, sondern hat die Ae'mterapparatur mit Vorgesetztenverhältnis und mit Kompetenzenabgrenzung zum Zweck des präzisen Funktionierens des Verwaltungsapparates zur Voraussetzung. Selbstverständlich gibt es dabei in der Verwaltung auch echte Elemente ber Führung. Die Schaffung eines solbatischen, politischen Beamtentums, eines in Willen, Gesinnung unb Haltung einheitlichen nationalsozialistischen Beamtenkorps macht es notwenbig, daß jeder Behördenleiter zugleich Führer dieser seiner Gemeinschaft ist. Im übrigen gilt im Grundsätzlichen das Prinzip der Trennung der politischen Führung von der Verwaltung in dem Sinn, daß Verwaltung unb Organisation ■ nie Selb st zweck sein bürfen, fonbern baß sie j unentbehrliches Hilfsmittel unb Voraussetzung der < politischen Führung zum erfolgreichen Bestehen des Lebenskampfes der Nation sind. Die Grenzen zwischen politischer Führung und verfassungsmäßigen Vollzugs sind dabei durchaus flüssig. - Der Nationalsozialismus in der Verwaltung Reichsminister Dr. Frick spricht in der Akademie für Deutsches Recht. bem einzelnen als Rechtsverhältnis zu begreifen, forberungen erfüllt, wenn es die Gewähr gibt, daß Stellen wir jedoch den einzelnen als lebendiges I jeder Verwaltungsakt nationalsozialistisches Fühlen Glied in das Verhältnis zur Gesamtheit, zur Volks» und Denken und damit dem Willen dessen entspricht, gememschast, dann ist die Frage, ob Maßnahmen ber allein in Deutschlanb Ziel und Richtung gibt und des öffentlichen Verwaltungsapparates auf Recht-1 damit auch die deutsche Verwaltung führt. „Kamps um n Billiarden." FeierlicheEröfsnungderKölnerAusstellung. Ä ö l n, 23. Okt. (DNB.) Jrn Roten Saal der Kölner Messe wurde die reichswichtige Ausstellung ,Larnpf um IV2 Milliarden" feierlich eröffnet. Nach musikalischen Darbietungen einer Arbeits - dienftkapelle begrüßte Oberbürgermeister Dr. Riesen die Ehrengäste. Der Staatssekretär des Reichsernährungsministeriums, Backe, eröffnete dann in Vertretung des infolge seines Unfalles verhinderten Reichsernährungsministers Darrs die Ausstellung mit einer Ansprache, in der er u. a. ausführte: Trotz aller Anstrengungen der deutschen Landwirtschaft kann bei dem heutigen Stand der Erzeugung nicht mehr als 83 v. H. unseres Bedarfs aus der eigenen Scholle gedeckt werden. Wie gewaltig diese Leistung ist, wird klar, wenn wir uns demgegenüber vor Augen halten, daß im Jahre 1927 nur 65 v H. unseres Bedarfs im eigenen Land erzeugt wurden, daß seit der Machtübernahme mehr als 6 Millionen arbeitslose Volksgenossen wieder Arbeit bekommen und dadurch ihre Kaufkraft vergrößert haben und daß außerdem die jährlich steigende Bevölkerungszahl allein für die gleichbleibende Deckung des Bedarfs des einzelnen eine beträchtliche Erzeugungssteigerung notwendig gemacht hat. Die Beschaffung der uns jetzt noch fehlenden Lebensrnittel durch Einfuhr aus dem Ausland ist aber bei den begrenzten Ausfuhrmöglichkeiten eine schwierige Aufgabe. Die uns zur Verfügung stehenden Rahrungs- güler werden nicht nur von 68 Millionen Deutscher verzehrt, sondern auch von dem großen Heer der Feinde unserer Nahrung: Frost, Hitze, Bakterien, Insekten, Ratten, Mäuse und wie sie alle heißen mögen. Diese vielen Feinde fressen jährlich Rah- rungsgüter im Werte von rund 1,5 Milliarden Mark, was fast genau dem Wert unserer Rahrungsmittelelnfuhr im Jahre 1935 entspricht. Wir machen also Jahr für Jahr einen ungeheuer gefräßigen, aber völlig unnützen Verbraucher mit satt, der e t w a ein Achtel des gesamten Wertes der heutigen landwirtschaftlichen Erzeugung für sich in Anspruch nimmt. Wenn aber in jeder Küche, in jedem Keller, in jedem Gewerbebetrieb und jeder Gaststätte, auf jedem Speicher, jedem Kühlhaus und nicht zuletzt auf jedem Bauernhof der Kampf gegen den Verderb energisch ausgenommen wird, und es damit nur gelingt den Verderb um vielleicht ein Drittel zu senken, so ist damit schon ein Erfolg erzielt, der sich auf unsere Außenhandelsbilanz bereits recht günstig auswirken mu6. Diefe Ausstel- lung ruft nicht nur zum Kampf gegen den V - r - d ° r b a n N a h r u n g - g ü t e r n auf, andern sagt aleiidreitia dem Äerderb und der Derfchleude» ? ü n a 0 ° n industri ° ll - n W ° rkst ° s, en den Kampf an, durch den in Verfolg des Vierjahreplanes auch auf dem Gebiet der gewerblichen Wirt, schäft zu einer befferen Ausnutzung des Borhan- d-nen und zu einer Verringerung der Einfuhr be,- aetraaen werden fall. Diefe Erweiterung der Aus- ft-llung auf das industrielle Gebiet muß ,m chin. Mlrt nnf hie araßen Aufgaben des neuen Vier- j a h r ° p l ä n - s besonders dankbar begrüßt werden. Ein- vom Unt-rrichtsminist-rium an den Rektor i>er P r a g e r d -u tf ch ^kult-it ®u P* H e k ^°eifX sich die Kundgebungen gegen A.e n ' t y . Kelsen wiederholten, den indischen Hochschullehrer n ' Ife b ■ SSIS-lÄlIvBÄ *■ um einen leeren H0rsaal Mäßigkeit oder Zweckmäßigkeit dann nachgeprüft werden können, wenn der einzelne als kleinste Einheit sich durch eine solche Maßnahme beschwert fühlt. Die Verwaltungsgerichtsbarkeit in diesem Sinne wird nicht tätig, um im Hinblick auf verletzte Interessen des einzelnen Rechtsschutz zu gewähren, sondern sie greift ein, wenn und soweit durch einen Verwaltungsakt infolge der Beeinträchtigung der Belange einzelner zugleich die Volksordnung gestört ist. Probleme des Verwaltungsaufbaues. des Adlers einen neuen Stern gefunden hatte, im selben Sternbild einen weiteren neuen Stern siebenter Größe entdeckt. Wetterbericht des Reichswetterdienstes. Ausqabeort Frankfurt Die vom Atlantik ausgehende lebhafte Wirbeltätigkeit setzt sich fort, führt jetzt aber in größerer Entfernung von uns vorüber. Da die Zufuhr feuchter Meeresluft auf das Festland noch fortbauert, ist niederschlagfreies Wetter noch keineswegs gesichert, doch wird sich mehr als bisher in den Zwischengebieten etwas freundlicheres Wetter durchsetzen können. Aussichten für Sonntag: Vielfach dunstig oder neblig, sonst zunächst zeitweilig aufheitemd, dann wieder unbeständig und einzelne Regenfälle, bei südwestlichen Winden tagsüber mild. Lufttemperaturen am 23. Oktober: mittags 15,3 Grad Celsius, abends 12,2 Grad; am 24. Oktober: morgens 10,7 Grad. Mximum 15,3 Grad. Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. IX. 36: 9650. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. Die wichtigste Forderung für die gesamte Verwaltungsreform ist die Wiederherstellung der Einheit der Verwaltung. Der Volksgenosse hat kein Verständnis für die Vielheit der Behörden; aus gleichem Anlaß muß er oftmals die verschiedensten Dienststellen angehen. Auch die Verwaltung selbst leidet unter der Vielheit der unabhängig voneinander bestehenden Behörden. Die Forderung der Verwaltungsreform hat daher zu lauten: radikale Wieder- München, 23. Okt. (DNB.) Zur Vollsitzung der dritten Jahrestagung der Akademie für Deutsches zahlreiche Ehrengäste zusammengekommen. Präsident Reichsmimster Dr. Frank richtete seinen Dank an alle Stellen von Partei Reich und Wissenschaft, die die Arbeit der Akademie gefordert haben. Mit herzlichen Worten wandte sich Dr. Frank sodann an die Vertreter des faschistischen Staates, deren Anwesenheit er als Ausdruck der auch auf dem Gebiete des Rechtes bestehenden freundschaftlichen Bezichungen zwischen den beiden Nationen nahm. Der italienische Justizminister Solmi überbrachte die Grüße der italienischen Juristen und ging dann auf die tiefgehende rechtliche Umwandlung ein, die an die Stelle des Individualismus die auf Autorität und Totalität beruhende Organisation des faschistischen Staates gesetzt habe. Der Rektor der Universität München betonte, daß öas Haus des Deutschen Rechts in der unmittelbaren Nachbarschaft der Universität stehen werde, bedeute auch eine arbeitsmäßige Verbindung zwischen den beiden Instituten. Der Rektor überreichte bajin die Ernennungsurkunde zu Ehrenbürgern der Universität München dem Präsidenten der Akademie für Deutsches Recht, Reichsminister Dr. Hans Frank, dem Vizepräsidenten der Akademie, Geheimrat Dr. Kisch, dem Schatzmeister der Akademie, Generaldirektor Arendts. Dann begannen die Fachvorträge mit einem Vortrag des Staatssekretärs Reinhardt über die steuerlichen Tatbestände der nationalsozialistischen Weltanschauung. Professor Dr. San Nicolo gab bann einen Ueberblick über „Grundlagen, Wesen und Ziele der antiken Rechtsgeschichte". Reichsminister Dr. Frick hielt dann einen Vortrag über „Probleme des neuen Verwaltungsrechtes". Der Minister führte u. a. folgendes aus: Wir haben nach der Machtübernahme die schärfsten Kanten des unter anderer Weltanschauung geschaffenen Verwaltungsrechts abgeschliffen, soweit es unseren Staats- und verwaltungsrechtlichen Neuaufbau störte, haben der Verwaltung ganz allgemein einen neuen G e - halt, ein neues Ziel gegeben und haben — dies ist das Wichtigste — Diejenigen mit Der nationalsozialistische Staat beschränkt sich nicht darauf, die Verwaltung an bloße Rechtsnormen zu binden; die Bindung ist vielmehr dadurch, daß die Verwaltung allenthalben im Dienst einer Weltanschauung steht und bis in die letzten Ausläufer auf, lungmqunn yai uager zu lauten: raoiraie insieoer- die Politik der Staatsführung ausgerichtet ist, weit Herstellung der Einheit der öffentlichen Verwaltung enger, als wenn sie nur auf formellen Rechtsnor-! durch Zusammenfassung möglichst aller men beruht. Das der Erhaltung und Gestaltung der 01 ~ -4* ------1 *•----- - 2 - -2----- - ! Gemeinschaft dienende Recht bestimmt auch die Grenzen der Verwaltung, die ihrerseits kein anderes Ziel hat als die Erhaltung und Entfaltung des Lebensrechtes der Nation. Eine sich in diesen Grenzen bewegende und nach diesem Ziel ausgerichtete Verwaltung ist zwar nicht mehr in dem engen gesetzesstaatlichen Sinn „gesetzmäßig", aber sie ist in einem höheren völkischen Sinn „rechtmäßig". Für eine dem liberalistischen und individualistischen Denken entsprechende Zweiteilung, Staat und Individuum, fehlen in der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft des Dritten Reiches die Voraussetzungen; es ist daher auch nicht möglich, das Verhältnis zwischen dem Staat und Die LORENZ-SUPER mit dem RADIO-HERZ Lorenz-Rundfunkgeräte in den Preislagen von RM 76,— bis RM 395,— in allen guten Fachgeschäften. Werfen Sie bitte einmal einen Blick unter die Motorhaube eines alten und eines modernen Automobils. 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Forschungsreisen und Abenteuer hth. drückliche Anerkennung. ich- i Erscheinungen als ungemein anregtno unu em- !. drucksooll, aber niemals trivial und oberflächlich l hervor. —e- Wir denken beispielsweise an Unterwelt", .Brüllender Monat", Seine eingehende Beschäftigung mit den Quellen und ein persönlicher Besuch auf St. Helena ermöglichen ihm, seinen Lesern das Milieu nahe zu bringen wie wohl niemand vorher. Die Schilderung der letzten Tage ist von erschütternder Unmittelbarkeit. —e. toten Feindes entfalten, um sich der ihnen entgleitenden Bolksstimmung noch einmal zu versichern, kündigt schon die neue Aera an, die den Neffen des Korsen zum Herrscher Frankreichs machen wird. Das Buch Aubrys ist trotz der vielen Details von großer Geschlossenheit und Eindruckskraft. —Richard E. Byrd: Mit Flugzeug, Schlitten und Schlepper. Meine zweite Expedition nach dem Sechsten Erdteil 1933/35. 283 Seiten. Mit 89 Abbildungen und 2 Karten. Geh. 8.— RM, Ganzleinen 9.50 RM. F. A. Brockhaus Verlag, Leipzig 1936 — (287.) — Seinem früher erschienenen Buche „Flieger über dem Sechsten Erdteil", der seinen ersten Vorstoß nach dem Südpol (1928/30) schilderte, läßt Admiral Byrd nunmehr den großzügigen und vortrefflich ausgestatteten Rechenschaftsbericht von seiner zweiten Forschungsexpedition in die Antarktis aus den Jahren 1933 bis 1935 folgen: es ist ein famoses, lebendig, anschaulich und mit Humor geschriebenes Buch geworden, das den Wissenschaftler gleicherweise anregen und beschäftigen wie den Liebhaber abenteuerlicher und höchst ungewöhnlicher Reisebeschreibungen fesseln muß Das Buch liest sich bei aller Sachlichkeit, mit der die Dinge angesehen und beschrieben werden, so spannend und gelegentlich aufregend wie ein Roman. Das wissenschaftliche Ergebnis wird mit den allerletzten Sätzen in ein paar nüchternen Zahlen knapp zusammengefaßt: „Das durch Einsicht oder Peilung erschlossene Gebiet deckt 1125 000 Geviertkilometer. Davon waren 725 000 bisher unbekannt. Zur See ergaben sich rund 400 000 neue Geviertkilometer. Wir kommen Vom deutschen Schicksal. — Sigmund Graff: Unvergeßlicher Krieg. Ein Buch vom deutschen Schicksal. 146 Seiten. Mit farbigen Tafeln von Herbert Schnürpel. Verlag von Breitkopf & Härtel in Leipzig. — (361) — Der Dramatiker Sigmund Graff, dessen Schauspiel „Die endlose Straße" an vielen deutschen Bühnen (auch bei uns in Gießen) aufgeführt worden ist, unternimmt es in diesem Buche, „als Angehöriger der jüngsten und darum dem heutigen Deutschland am nächsten stehenden Kriegsgeneration ... das Volks- und Fronterlebnis des Weltkrieges weniger darzustellen als zu deuten, mehr zukunftweisend als historisch zurückschauend zu behandeln ..." Er unternimmt dies aus einer tief innerlichen Verpflichtung und sieht, dem Sinne der Darstellung entsprechend, den Krieg nicht in der Spiegelung eines Einzelschicksals oder eines Sonderfalles, nicht von einer Schlacht, einem Kriegsschauplatz, einer Waffengattung aus oder sonstwie als Teilerscheinung und Sonderproblem, sondern den Krieg als Totalität, als gemeinsames Schicksal und Gesamterlebnis einer, seiner Nation; er sucht als Mann, der selber vorne und mittendrin war, sich noch einmal, von höherer Warte gleichsam, Rechenschaft zu geben, die Summe zu ziehen und den Sinn zu finden, der allein gefunden und fruchtbar und zukunftweisend sich auswirken kann. Denn „es ist nicht wahr und es darf nicht wahr sein, daß die Geschichte nur beweist, daß die Menschen aus der Geschichte nichts lernen." In solcher Ueberzeugung wollen die Kapitel dieses Buches, das „nur für das Volk und für das Vaterland" geschrieben wurde, gelesen und verstanden sein. Und es lohnt sich nicht nur für die, welche damals an der Front gestanden haben, sondern auch für alle andern, für die jüngste Generation vornehmlich, zu erfahren, was ein Mann wie Graff sich für Gedanken darüber macht. Es ist da die Rede von der großen Stunde des 1. August 1914, der uns heute längst in mehr als einem Sinne historisch geworden ist; von den Kriegsfreiwilligen und von Lange- marck; von der Front — wie sie wirklich gewesen ist. Graff spricht darüber mit der Schlichtheit und Sachlichkeit, mit dem Ernst und mit dem Ingrimm des Feldsoldaten, der das Trommelfeuer und auch den Papierkrieg erlebt hat, der den Schützengraben kennt und nicht vergessen hat, daß weit dahinter die Etappe kam und ganz hinten der Stammtisch. Das Buch gibt eine kleine Wesensgeschichte des Frontsoldaten, seiner Haltung, seines Denkens und seiner Sprache, und Graff weiß auch Bescheid, was es mit den Worten Verwundung, Lazarettzug und Genesendenkompanie auf sich hat. Auf ein paar Seiten wird beschrieben, in welch grauenhafter Gestalt der Tod dem Manne an der Front entgegentrat. Man sollte das lesen, dies und anderes noch, wovon Graff berichtet, vom freiwilligen Heldentum und vom Nebenmann, von der Verwandlung zur Gemeinschaft, von der tragischen Wendung zum Untergang, von der Heimkehr anno 18 und vom Wiedersehen mit der Front. Ein männliches „Bekenntnis" faßt zum Schluß in beherzigenswerten Sätzen das Vermächtnis der Kämpfer und der Gefallenen des Weltkrieges zusammen. — Die Bildtafeln sind geeignet, die Anschaulichkeit des Textes „Am Rande des Irrsinns", „Vorstoß ins Unbekannte", um nur einiges herauszugreifen. Die knappe Schilderung jener denkwürdigen Märznacht mit ausbrechendem Feuer und einer wahrhaft improvisierten Blinddarmoperation bei minus 29 Grad Außentemperatur ist uns etwa als kleine Kostprobe noch in frischer Erinnerung. Wer in der Geschichte der arktischen und antarktischen Forschungsreisen ein wenig Bescheid weiß, wird finden, daß dieses Buch von Admiral Byrd sich jenen Aufzeichnungen und Berichten, die heute zum Teil schon als klassisch gelten dürfen, nicht unebenbürtig an die Seite stellt. Die solide Ausstattung und das gute Bild- und Kartenmaterial verdienen aus- Held des Kubanischen Krieges war, der sich allein auf einen langen und gefahrvollen Weg durch Feindesland machte und dem General Garcia eine wichtige Botschaft überbrachte. Der Mann und seine Tat selbst werden nur gestreift; nur in paar knappen, wiewohl eindringlichen Sätzen ist davon die Rede. Und Rowan wie Garcia sind heute tot und vergessen. Nicht zu vergessen ist aber die Tat, ist die Art, wie hier ein Auftrag gegeben und ausgeführt wird. Dies erscheint beispielhaft, und für Hub- bard wurde jene verschollene Botschaft zu einem Sinnbild und einem Leitmotiv, das nicht bloß im Kriege, sondern auch im täglichen Leben, auch heute noch aufzurichten und anzuwenden ist. Vielleicht konnte nur ein Amerikaner darauf verfallen, gerade dieses Beispiel so zu deuten. Jedenfalls ist es sehr lesenswert und zum Nachdenken anregend, welche Folgerungen Hubbard aus der winzigen Geschichte ableitet. Die Lektüre hält nicht lange auf — ein paar Minuten; aber es lohnt sich schon. Man begreift dann den unglaublichen Erfolg und die riesige Verbreitung, welche die „literarische Kleinigkeit" aus dem Jahre 1899 gefunden hat. Ihr Motto lautet: Ein Gramm Treue wiegt ein die Geschichte, der kleine Roman eines großen, rassigen und klugen Tieres. Eine vorbildliche Geschichte, wie man hinzufügen darf, denn sie ist nicht zum Zeitvertreib oder zum privaten Vergnügen ausgeschrieben, sondern mit dem Herzen, aus einem starken Gefühl. Das Gefühl aber, das den Mann mit dem Tier verbindet, wird nie enttäuscht; es ist eine Freundschaft und Gemeinsamkeit, aus die sich beide Partner verlassen können. Denn das Tier ist der Freundschaft wert, ist treu und klug, voller Anhänglichkeit und Vertrauen zu dem Menschen, dem es zugehört. Eippers Buch gibt nicht nur einen feinfühligen, oft von liebenswürdigem Humor erfüllten Bericht „vom äußeren Leben" Tag für Tag, sondern zugleich ein Stück ganz unsystematischer, aber erlebter Tierpsychologie. Eine Fülle von Eindrücken, Beobachtungen, Erlebnissen, die man lange nicht vergißt, und über die es sich lohnt, ein wenig nachzudenken. Die Schilderungen von der Reise nach Berlin, vom Glück der Mutterschaft, vom Paradies der Doggenkinder, vom Abschied und vom letzten Geschenk werden, um nur einiges herauszu- areifen, den Leser lange begleiten und bewegen. — Der Photograph Gorny hat das Buch mit Bildern geschmückt, die schlechterdings mustergültig sind; es ist ein ästhetischer Genuß, diese Aufnahmen zu betrachten, die eine beseelte Wirklichkeit widerspiegeln und nicht bloß Bilder, sondern wahrhaftig Tier- Bildnisse sind, in die man sich vertiefen kann wie in ein Menschenporträt. Wir wünschen recht vielen Lesern die Freude der Bekanntschaft mit dem Buche, das überdies vorzüglich ausgestattet und sehr wohlfeil ist. hth. Erlebtes Leben. — B 0gisla0 von Selchow: Hundert Tage aus meinem Leben. Preis in Ganzleinen 6,50 Mark. Verlag Koehler und Amelang, Leipzig. — (302) — In hundert Episoden aus einer Ueberfulle des Erlebens zieht deutsches Schicksal der letzten fünf Jahrzehnte an uns vorüber, gesehen von einem Manne, der, bester Typ des deutschen Marineoffiziers, den klaren Blick für Menschen und Dinge, die harte Unbedingtheit der Lebensauffassung, aber auch den jedem echten Seemann eigenen Sinn für Humor mit einer unstillbaren Sehnsucht nach Vertiefung verbindet. Schon aus der Schule hatte er das Glück, die Grundlagen einer nicht alltäglichen Bildung zu erhalten, im Kreise der Kameraden fand er dann Gleichgesinnte genug, die trotz Erfüllung höchster Anforderungen im Dienst nicht müde wurden, ihren geistigen Horizont auch nach Seiten hin zu erweitern, die dem Seemannsberuf an sich fernliegen. Kaum wird man die Lektüre griechischer Klassiker, englischer Romanttker, moderner deutscher Philosophen neben eifrigen Studien der Sprache und Kultur fremder Völker an Bord unserer Kriegsschiffe vermutet haben. Und doch war es so, und wir danken Bogislav von Selchow für diese unbewußte und ungewollte Ehrenrettung unseres früher oft einseitig gescholtenen Offizierskorps. Freilich bot das Leben eines deutschen Seeoffiziers — die ja auch heute wieder — der Anregungen auch sonst genug, auch wenn man nicht das Glück gehabt hat, wie Selchow in Begleitung eines Kaisersohns eine zweijährige Weltreise nach Dftafien, Indien und Afrika zu machen, später lange an der Goldküste stationiert zu sein und unter Führung bester Kenner die Stätten altgriechischer Kultur kennen zu lernen. Selchow hat aber auch außerhalb des Dienstes mit für die damalige Zeit erstaunlicher Vorurteilslosigkeit danach gestrebt, seinen Gesichtskreis zu erweitern. So ist eins der interessantesten Kapitel in seinem Lebensbuch das Gespräch, das er in der Tarnkappe eines wandernden Seemannes 1902 in einem kleinen böhmischen Städtchen mit dem ihm unbekannten russischen Revoluttonär Fürst Peter Kropotkin hatte. Im Weltkrieg kämpfte Selchow in Flandern, später in der Skagerrakschlacht, von der er eine zwar durchaus unromantische, aber durch die harte Nüchternheit der Tatsachen besonders packende Schilderung entwirft. Auch zum Ausbruch der Revolution auf den großen Schiffen der Flotte weiß er wichtige Zeugnisse beizubringen. Nach kurzer aufschlußreicher Tätigkeit im Reichsmarineamt in den schmählichen Novembertagen 1918 nimmt — Richard N. Wegener: Zum Sonne n- tor durch altes Jndianerland. Erlebnisse und Aufnahmen einer Forschungsreise in Nordargentinien, Bolivien, Peru und Pukatan. Zweite, neu bearbeitete Auflage mit 226 Abbildungen, Preis geb. 9 Mk. Verlag L. C. Wittich in Darmstadt. — (276) — Die Reise des bekannten Frankfurter Forschers hatte den Zweck, vergleichend-anatomisches Material zur Rassenentwicklung südamerikanischer Völker in ihrer so verschiedenartigen, vom Hochlande zur tropischen Tiefebene wechselnden Umgebung zu erlangen. Die Reise führte in den Jahren 1927/29 durch Einöden und fernste Urwaldwinkel in Brennpunkte südamerikanischer Kultur. Wegeners Schilderung ist alles andere als ein trockener Bericht eines Gelehrten, der nur seine Wissenschaft im Auge hat. In farbenreichen, eindrucksvollen Bildern ersteht vor unseren Augen die in ihren extremen Gegensätzlichkeiten besonders grandiose Natur dieses seltsamen Erdteils, der Chaco, die Kordilleren, die Salzsteppe, der Urwald Boliviens, das peruanische Hochland und die pazifische Küste. Aber wichtiger sind für Wegener die Menschen. Mit seinen geschulten Augen lernen wir die Jndianervölker in ihrer Verschiedenheit in Rasse, Tracht, Gebräuchen kennen. Wir werden vertraut mit den altindianischen Hochkulturen der Inkas und Mayas, deren Monumentalbauten selbst noch in den auf uns überkommenen Resten merkwürdig genug abstechen von dem dürftigen Leben ihrer Nachfahren. Ein erstaunlicher Reichtum an Abbildungen zeichnet das auch drucktechnisch mustergültig ausgestattete Buch aus. Landschaft, Volksleben, Bauten, besonders aber eine Fülle verschiedener Jndianertypen sehen wir in durchweg vorzüglichen eigenen Aufnahmen des Verfassers und seiner Mitarbeiter. Eine Bereicherung gegenüber der ersten Auflage bedeuten die dem Charakter des Buches gut angepaßten — Paul Eipper: Die gelbe Dogge Senta. Die Geschichte einer Freundschaft. Mit 32 Bildern von Hein Gorny. Brosch. 4,20 RM., Ganzleinen 5,50 RM. Verlag Ullstein, Berlin. — (354) — Was für ein schönes, warmherziges und nachdenkliches Buch! Es ist entstanden wie alle oder doch die meisten guten und dauernden Bücher zu- ftandekommen — aus Zufall, wenn man das viel mißbrauchte Wort recht verstehen will. Paul Eipper, der Tierfreund, der mit feinen Büchern, Geschichten und Bildern schon so vielen Menschen in Deutschland Freude bereitet hat, erzählt selber, er habe dieses Buch der Freundschaft mit einem Hunde „gar nicht mit Vorsatz geschrieben; ja, ich glaube, man kann auf solche Weise überhaupt keine richtigen Tierbücher schreiben". Eigentlich war es nämlich nicht auf die gelbe Dogge Senta abgesehen, sondern auf die Gemsen in den bayerischen Alpen: zwischen zwei Pirschgängen mit der Filmkamera machte Eipper in einem Forsthause Rast, sah dort die Dogge, „und als ich das Tier sah, war's um mich geschehen: Ich spürte, daß wir zwei für alle Zukunft zusammengehörten". So reift die große Dogge eines Tages nach Berlin, hält ihren Einzug in Eippers Haus am Hegewinkel, wird fein Hund, gehört von nun an zur Familie, macht Bekanntschaft mit der Schildkröte Mikra, mit dem Kanari Johannes und mit dem blauen Wellensittich Zacharias: so beginnt die Geschichte einer Freundschaft, einer Gemeinschaft mit dem Tier, die etwas Ergreifendes und Großartiges hat, weil es eine ganz reine, edle, uneigennützige und ungetrübte Kameradschaft ist; aus Tagebuchblättern wächst ein Buch, somit auf insgesamt 1 125 000 Geviertkilometer neuer Oberfläche. Das entspricht ungefähr einem Neuntel von Europa." Ein paar Zahlen bloß, aber eine imponierende Sache. Uebrigens sollte man nicht am Schluß anfangen, sondern vorne, wie es sich gehört: Das Buch entrollt ein ungemein reizvolles Bild des langen, abenteuerlichen und gefahrvollen Weges, der schließlich zu den mitgeteilten Endergebnissen geführt hat. Das beginnt gleich mit der Schilderung von Plan und Vorbereitung der Expedition. Man bekommt einen Begriff davon, was so ein Unternehmen bedeutet, was das kostet, was alles gebraucht wird, was zusammengetragen und bedacht werden muß, ehe sie ausbrechen können: mit 120 Mann (darunter fünf blinden Passagieren), 153 Hunden, zwei Schiffen, vier Flugzeugen und sechs Raupenschleppern. Wir können natürlich in einem knappen Referat wie diesem nicht annähernd eine Inhaltsangabe geben; das ist auch nicht der Zweck der Besprechung. Wir möchten vielmehr den Leser dazu anregen, sich selbst in Byrds Buch zu vertiefen; er wird sich nicht enttäuscht finden, er wird einen Begriff vom täglichen Leben auf dieser Expedition bekommen, vom Arbeitsplan, von der Lebensweise, von der Unterkunft. der Kleidung den täglichen Mahlzeiten Selchow den Abschied, von dem Drang erfüllt, durch geistesgeschichtliches Studium zur Erkenntnis vorn letzten Sinn des Geschehens zu kommen. Aber Kapp-Putsch und Spaitttzkusaufstand fordern von dem alten Soldaten noch einmal vollen Einsatz. Als Führer des Marburger Studentenkorps erwirbt er sich hohe Verdienste um die Rettung der Nation vor >m Zerfall in Kommunismus P.'ir^er^'i.'g. Das Buch Selchows ragt aus der Flut ädnhcher — Elbert Hubbard: D i e Botschaft an Garcia. 2. Auflage. Poeschel & Trepte Verlag, Leipzig. — (392) — Das ist kein Buch, nicht einmal ein Büchelchen, sondern ein kleines, schmales Heft von insgesamt 15 Seiten Umfang. Aber diese „literarische Kleinigkeit", wie der Verfasser sie nennt, die 1899 an Washingtons Geburtstag in einer Stunde niedergeschrieben wurde und im gleichen Jahre zuerst als Aussatz in einer amerikanischen Zeitschrift erschien, hat mittlerweile Auflagen von mehr als 40 Millionen erlebt. Eine merkwürdige kleine Schrift. „Fürst Hilakoff, der Präsident der russischen Eisenbahnen, . . . ließ sie ins Russische übersetzen und zur Verteilung an sämtliche Angestellten der zaristischen Eisenbahnen bringen. Während des Russisch-Japanischen Krieges fanden sie die Japaner in den Tornistern der russischen Kriegsgefangenen, übersetzten sie ins Japanische und verteilten sie an alle Staatsbeamten und Soldaten ... In der Tat: ein erstaunlicher und ganz außergewöhnlicher Erfolg. Was hat es damit auf sich? Was das Gegenständliche dieser Betrachtung angeht, so handelt es sich um eine Episode aus dem Kubanischen Kriege zwischen Spanien und den Vereinigten Staaten, um die Geschichte eines Mannes namens Rowan, der der eigentliche * Geschichte — Werner Beumelburg: Kaiser und Herzog, Kampf zweier Geschlechter um Deutschland. Preis geb. 8,50 Mk. Verlag Gerhard Stalling Oldenburg i. O. — (336) — Der Kampf um Sie Idee des Reichs füllt diese Blätter. Der Staufer Traum ist das weltumspannende Imperium das den Besitz Italiens voraussetzt, der Staufer Erkenntnis ist aber auch, daß in Deutschland und über Deutschland nur herrschen kann, wer stark genug ift, der römischen Kirche seinen Willen aufzuzwingen und daß dies nur in Rom geschehen kann. Der Welfen Ziel aber ist ein geschlossener Staat deutscher Art und deutschen Blutes, der nicht im fernen Italien jenseits der Alpenkette, sondern im angrenzenden ostelbischen Raum seine natürliche Ergänzung sucht. F r i e d r i ch B a r b a r 0 s s a und Heinrich der Löwe waren berufen, nach langer Rivalität ihrer beiden so eng miteinander versippten Geschlechter die beiden Grundprinzipien deutscher Politik des Mittelalters als Einheit zu begreifen. Aber das Schicksal hatte es mit Deutschland nicht so gut gemeint. Der Traum des Staufers, eine kaiserliche Macht in unangefochtenem Besitz Italiens, im Rücken gedeckt von der allen Territorialfürsten und ihren parttkularistischen Gelüsten weit überlegenen Macht eines welfischen Herzogtums von den Alpen bis zum Meer, er blieb ein Traum. Keiner von beiden, die vom Schicksal bestimmt waren, die Einheit zu schaffen, die den Kampf zwischen geistlichem und weltlichem Imperium hätte beenden und unendliches, bis in unsere Tage nachwirkendes Unglück von Deutschland hätte abwenden können, konnte trotz besten Willens nicht im guten, aber auch nicht im bösen die Anlagen ändern, die ihr Geschlecht ihnen vererbt hatte und mit ihnen den Keim der verhängnisvollen Zwietracht, die nach jahrzehntelangem Zusammenstehen in persönlicher Freundschaft und politischem Hand- in-Hand-Arbeiten in Stunden letzter Entscheidung beide in klarer Erkenntnis der fernwirkenden Folgen und doch wie gelähmt nur auf das Nächste starrend voneinander riß zu furchtbarem gegenseitigem Vernichtungskampf. In schlichtem, wohltuend sachlichem Stil alter Chroniken entrollt Beumelburg dieses spannungsreichste und folgenschwerste Pergament deutscher Geschichte. In weiser Zurückhaltung läßt er die Tatsachen selber sprechen, wo jeder Versuch einer Kritik müßiges Unterfangen wäre. Aber die Kunst Beumelburgs vermag mit sparsamsten Mitteln die großen politischen Linien dieses schicksalvollen Jahrhunderts deutlich zu machen, wie auch eine Fülle großartiger Gestalten eindrucksvoll herauszuarbeiten: Neben Friedrich und Heinrich die greise Kaiserin Richenza, die dem Wunsch der beiden Jungen nach Versöhnung der beiden Geschlechter mit prophetischem Blick die unabwendbare Schicksalsbestimmung ewigen Kampfes entgegenhält, der große Gegner des Kaisers Papst Alexander III., unbeugsam und hart bis zum endlichen Siege, Reinald von Dassel, des Kaisers kluger Kanzler, Gunzelin von Hag en, Heinrichs getreuester Gefolgsmann auch in Unglück und Verbannung, und schließlich ein hoffnungsloser Ausblick auf die Fortsetzung des Kampfes in kommenden Generationen, der junge Staufenkaiser Heinrich VI., der eiskalt und brutal die letzte Demütigung des großen Welfen befiehlt. So schuf Beumelburg hier als Geschichtsschreiber und Dichter ein Werk, das sich seinen besten roütbig anreiht. —e. _ £) c t a d e Aubry: Sankt Helena II Band. Der Tod des Kaisers mit 14 Bildtafeln. Preis in Seinen geb. RM 7.50, Verlag Eugen Rentsch Erlenbach-Zürich und Leipzig C 1 390 —). In der furchtbaren Einöde dieses Felseneilandes im Weltmeer, fern aller großen Handelsstraßen, vollendete sich das Drama des Mannes, dessen Entschlüsse einst eine ganze Welt erzittern ließen. Mit peinlicher Genauigkeit hat der Verfasser auch die letzten Quellen erschlossen, die über die letzten Lebensjahre des Kaisers und den Tod in der Gefangenschaft Auskunft geben können. Die Natur Sankt Helenas, dessen ungesundes tropisches Klima Europäer langsam zermürbt, die Menschen in den beiden Lagern, müde, gereizt, argwöhnisch ein jeder den Augenblick herbei- sehnend wo ihm der Tod des Kaisers die Freiheit zurückgibt, diese Atmosphäre voller Spannungen, Eifersucht, Mißtrauen, Habgier und Niedertracht, all bas wird bis ins kleinste deutlich, em graufiges und niederdrückendes Rankwerk um das Kolossalgemälde vom Untergang eines Helden. Es waren feine ritterlichen Kerkermeister, die Engländer, die im Auftrage Europas den furchtbaren Gegner von einst auf der trostlosesten Insel ihres wetten Kolonialreiches in Verbannung hielten, weder der britische Minister in London Lord Bathurst noch der kleinliche ewig mißtrauische und bis zur Grausamkeit zAsch^ ^^te^He^ens Größe ihrer Ausgabe. Sie haben kalten Herzens den ihrer Obhut anvertrauten Gefangenen langsam seelisch sterben lassen, lange bevor der von dem ö u^nd dem Mangel an Ereichend^rBewe- LstÄm°Eife?Iucht Mißgunst vttgist°^ d°- machte. Der besiegte Gemus kann mch °°rges n, was er gewesen ist, die bem <5obn die Sehnsucht nach Frankreich und nach ^m^oyn, den er in den Händen der Habsburg r weitz ^.m ten ihn aufrecht, aber je mehr d H Gefangenschaft detz/daß seine mildern oder gar die Nuckkeyr nuuj Erlischt statten werden, verzehrt ihn das H $ampf der Lebenswille, zerbricht feine /tischen Gou- mü d-n kleinlichen W" » verneurs und den Jnlrigueu 1 Qpupn ;n Begleiter. Immer wonotoner Ed^,^^ dieser schauerlichen f^o/' ^we/ teiIcn im, von Maschen die seine Gef^ g sch^s Wunsch mer offener steht auf ihren Krankheit, nach Erlö ung. So fommt me wo Don bem von unfähigen Aerzt bis zunehmende Gouverneur nicht ernst genom■ • f «prc gegen dte 2 Alesias un empfing 1 brachte, kc fangen na Kerker, nu Siegeswao ! dann muri erwürgt. Dies ift lorix. Die h bungen fir gesetzt war dem Mont j und 800 M höchsten Pr Muern ist sar rings t werte sind äußere Lii 15 Kilomel Schanzen ISS? »SÄ * l , . S Ä’^Ä'ü*** ... ■w ■ Su-r^***T* Bildet V iria ihre das ibigt das ifen, n." mit iden' ihre inent rsten am die nde. men ung; Sius« g°n- lein, jeiftig raus* >nd, eine e all' deren itDor* d be* -stro-' pt gut tdem t Um i M. ruhl9' t un- nal. Men charse- Aom gkgen' ,, ih"1 gb? «« |Un z-eniN tf °°« er oZ n n'-ht SO Jahre deutsche Hochseefischerei ter gegen Süden, den Teilen Frank- ß Das heutige Burgund gehört zu 1... ________ v_____ reichs, in denen viele Jahrhunderte lang der Einschlag von germanischem Blut noch stark war. Zur Zeit des Burgunderkönigs Gundobad, im 5. Jahrhundert n. Ehr., schrieb ein Römer, der Bischof Sidonius Apollinaris, der ein Untertan Gun- dobads hatte werden müssen und dem, wie anderen Vornehmen in Gallien, germanische Einquartierung auferlegt war, zur Hochzeit eines Freundes einen sors Jules Toutain, mil dem Titel: „Ün Grand Höros National, Vercing^torix.“ Der Gallier ist französischer Rationalheld, und Professor Toutain macht eine bitterböse Bemerkung über Mommsen, der in seiner Römischen Geschichte die Gallier und Vercingetorix mit den Worten charakterisiert hat: „Es ist nicht möglich, ohne geschichtliche und menschliche Teilnahme von dem edlen Arvernerkönia zu scheiden, aber es gehört zur Signatur der keltischen Nation, daß ihr größter Mann doch nur ein Ritter war." Toutain nennt das eine zynische Phrase, wie sie sich nur ein Mann der Rasse leisten könne, zu der Mommsen gehörte! Man lese die Stelle bei Mommsen im Zusammenhang, und man wird finden, wie richtig er den Mann und sein Volk charakterisiert hat. Toutain hat seinen gedruckten Vortrag vor einem Publikum gehalten, zu dem auch der Admiral Gu6- pratte gehörte, der Befehlshaber der in den Dardanellen durch deutsche und türkische Kanonen und Minen zusammengeschossenen französischen Flotte, und er schließt mit den Worten: „Sie beide, mein Admiral, Vercingetorix und Sie, haben, beinahe zwanzig Jahrhunderte auseinander, unter gleich tragischen Umständen den Adel, die Vornehmheit, die Standhaftigkeit verkörpert, die der Seele unserer Rasse, die von den Kelten stammt, die sich im Lauf der Zeit mit griechischer Schönheit, römischem i Verstand und christlicher Moral durchtränkt hat und ' die endlich in der Gestalt unseres geliebten Frank- 1 reich aufgeblüht ist." | Sicher sind die Franzosen ihrem Blute nach Ab- I kömmlinge vom Volk des Vercingetorix. Ebenso dür- i fen sie die Griechen, die Römer und das Christen- i tum in Anspruch nehmen — wiewohl ja der Römer < Cäsar mit dem besiegten Vercingetorix übel genug Volk dasselbe zu leisten, wie zwei Menschenalter später Hermann der Cherusker den Germanen. Gallien war volkreicher und viel stärker angebaut als Germanien, daher konnte Cäsar, anders als die Römer in ihren Germanenkriegen, sein Heer aus dem Lande verpflegen. Vercingetorix hatte den rich- tigen Gedanken gefaßt, durch Verwüstung aller Wohnplätze und Vernichtung aller Vorräte, auch der Ernte auf dem Halm, den Feind in Bedrckngnis zu bringen. Er befaß aber nicht die Macht oder die Energie, es in allen Gauen zu erzwingen. So gelang es Cäsar, sich in einem kritischen Augenblick noch einmal gut zu verproviantieren. In einer Rei- terschlacht nahe dem heutigen Dijon sprengten seine germanischen Soldreiter das berittene gallische Aufgebot auseinander, und Vercingetorix warf sich mit seinem Fußvolk in das etwa 50 Kilometer entfernte Alesia. Den Rest seiner Reiter schickte er von dort aus, um noch einmal ein großes Entsatzheer zusammenzuholen, den er wußte, daß Cäsar ihn einschließen und belagern würde. Weil der Proviant in Alesia knapp war, wurden alle alten Frauen und Kinder erbarmungslos hinausgetrieben. Die Römer ließen sie aber nicht durch ihre Linien, und so ain- gen die Unglücklichen allesamt zwischen den beiden feindlichen Fronten zugrunde. Cäsar umschloß Alesia mit festen Verschanzungen und als das große Entfahheer nahte, ließ er eine zweite Circumvallation, mit der Front nach außen gegen die Angreifer anlegen. Sie wurden geschlagen' Alesias und Galliens Geschick erfüllte sich. Casar !mpJAnQ vercingetorix, der ihm die Ueberqabe brachte, kalt und schweigend und schickte ihn gefangen nach Rom. Dort saß er sechs Jahre im Kerker, mußte in Cäsars Triumphzug hinter dem «iegeswaaen des Imperators. einhergehen, und dann wurde er nach der grausamen römischen Sitte erwürgt. Dies ist die Geschichte von Alesia und Vercinqe- torix. Die unter Napoleon begonnenen Ausgra- vungen sind, mit langem Pausen, bis heute fortgesetzt worden. Der feste Platz der Gallier lag auf dem Mont Auxois, einem zwei Kilometer langen und 800 Meter breiten isolierten Rücken Auf dem höchsten Punkt steht die Statue. Von den gallischen Mauern ist nichts mehr zu sehen, aber die von Cä- sar rings um den Berg angelegten enormen Erd- werke sind durch die Ausgrabungen festgestellt. Die f“6ere Linie hat einen Umfang von mehr als 15 Kilometer, aber beide Linien, die Gräben, die Schanzen und die vorgeschobenen Redouten, sind fttzt im Gelände schwer zu erkennen. Auf dem Plateau hat spater eine kleine gallisch-römische Stadt gestanden, mit Theater und Forum. An der Aufdeckung wird gearbeitet. Am Fuß des Berges liegt das aroße Dorf Alife Samte Reine, das den Namen des alten Alesia bewahrt hat. Ein kleines Museum enthält viele interessante Funde. Vom Dorf führte eine lange Treppenflucht, die Stufen alle aus Eichenbalken, zum Denkmal hinauf. Dort ist ein Platz zum Nachdenken über gallische, römische und und germanische Geschichte. von Alesia wurde Gallien römisch und blieb es fünfhundert Jahre lang, bis auf den Franken Chlodwig, den Sohn jenes Childerich, dessen Schwert, Wurfaxt und Köniqsring in der Pariser Nationalbibliothek liegen. Casar hat über den großen Gallieraufstand im Grunde durch seine ger- manischen Reiter gesiegt. Auch den entscheidenden Endkampf um die Alleinherrschaft, die Schlacht gegen Pompejus bei Pharsalus in Thessalien, haben fte ihm gewonnen. Dem wilden Ansturm dieser Reiterei — sie hatte leichtfüßige Fußkämpfer, die sich an den Mähnen der Pferde festhielten, zwischen sich — konnte nichts widerstehen. Ein halbes Jahrtausend später brach das kraftlos gewordene Römerreich vor dem Andrang der Germanen auseinander. Den Norden Galliens nahmen die Franken für sich, den Süden die Westgoten, den Osten die Burgunder. Burgund, Bourgogne, heißt noch heute das Land um Alesia und Dijon und weiter gegen Süden. die Entsendung eines Flugzeuges zur Weiterreise an. Das Angebot wurde angenommen, andernfalls hätte der Bischof den ganzen Winter auf der einsamen Insel zubringen müssen. In Aklaoit in der Arktis wird ein neues Hospital gebaut, das zu Weihnachten eröffnet werden soll. Das bisherige Haus war im April dieses Jahres durch einen Brand zerstört worden. Bischof Fleming, ein Schotte, verbrachte die letzten 27 Jahre in Kanada. Mit einem andern jungen Mann war er 1908 als Missionar nach Baffin- land ausgezogen, wobei sie Lebensrnittel für einen zweijährigen Aufenthalt sowie Materialien zum Bau eines Hauses mitnahmen. In jedem Winter unternahmen sie Schlittenfahrten über 2000 Meilen weit, bei denen sie den Eskimos auf ihren Jagdfahrten folgten und wie diese, in Schneehütten wohnten. Jetzt reift der Bischof zumeist per Flugzeug von seiner Residenz in Toronto aus. Mit dem Pfeil, dem Bonen... (ns) Montreal. Seit einiger Zeit wird in Kanada die Tierjagd mit Pfeil und Bogen wieder von gewissen Jägern gepflegt. Eine Jagdgesellschaft, die aus zwei Man- nern und zwei Frauen besteht, hat Montreal ver- lassen und will in Nordkanada mit Pfeil und Bogen aus Bären jagen. Sie hat vorher bei einem Kanadier, der als Kind von Indianern das Bogenschießen lernte, Unterricht genommen. Jener Kanadier hat übrigens in letzter Zeit auch einige andere Groß- wildjäger unterwiesen, die heute in Afrika bzw. in Asien oder Südamerika auf Jaguare, Löwen und Tiger Jagd machen. Zwillings-Geschichten. (th) Neuyork. Zwei Zwillinbsgeschichten machten dieser Tage die Runde durch die amerikanische Presse — auf der ersten Seite selbstverständlich — mit einem Haufen von Bildern, Interviews usw. Die erste behandelte die auffällige, aber darum nicht weniger erfreuliche Tatsache, daß in Buffalo im Staate Neuyork zwei Zwillingsschwestern, die Ehefrauen Virginia Rexin- ger und Margaret MacLoud, zur selben Stunde und im selben Hause einem gesunden und kräftigen Knaben das Leben geschenkt haben. Beide hatten auch am selben Tage geheiratet — weshalb wohl auch der Storch sich verpflichtet fühlte, ihnen zur gleichen Stunde einen Besuch abzustatten. Die an- verfuhr. Der von den Franzosen so geliebten und gepriesenen „lateinischen" Kultur wollte sich ja der Galliersürst mit aller Macht erwehren. Solche Widersprüche berühren bas französische Denken nicht. Weniger ehrlich ist es, wenn man vom Stammbaum des geliebten Frankreich die Germanen einfach unterschlägt. Daß die fränkisch-germanischen Merowinger und Karolinger den Staat gebaut haben, aus dem später Frankreich als eins der Karolingischen Teilreiche hervorging, daß Franken, Burgunder und auch Normannen dem mittelalterlichen Frankreich die Blüte seines Adels geliefert haben, daß erst die Guillotine der Revolution unter diesem Blut tödlich gewüstet hat — von alle dem will der heutige Franzose nichts wissen. Der Durchschnittsfranzose weiß in der Tat nichts davon, aber den Gelehrten sollte es bewußt sein. In Versailles ist Karl der Große als Franzose annektiert, und daß er die Sachsen unterworfen hat, wird als ein Sieg Frankreichs über die Germanen dargestellt. Ein Seitenstück dazu ist Toutains Rede über Vercingetorix. Auf dem Sockel der Statue des Vercingetorix hat Napoleon die Worte anbringen lassen, die Cäsar in seinen Kommentarien über den gallischen Krieg den Vercingetorix zu seinen Landsleuten sprechen läßt: Wenn sie ein einiges Volk würden, so würden sie stark genug sein, um die Herren der Welt zu werden! Auch das war im Sinne Napoleons eine Anspielung auf die dem einigen Frankreich vom Schicksal zugedachte Rolle, das herrschende, zum mindesten das „erste" Volk der Welt zu sein. Das ist auch heute noch dem Franzosen so in Fleisch und Blut übergegangen, daß er glaubt: Für Frankreich gibt es kein Unrecht, Frankreich ist nichts anderes, als ein abkürzendes Synonym für die Menschheit! (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Chao Kung zieht um. J.Z. Schanghai. Eine der seltsamsten Gestalten verläßt Schanghai, die hier sorgsam von den chinesischen und internationalen Polizeibehörden überwacht und seit Jahren lebte. Seine Papiere sind auf feinen Wunsch auf den Namen Chao Kung ausgestellt worden, aber jeder Eingeweihte weiß, daß es sich um den berüchtigten Abenteurer Trebitsch-Lincoln handelt, der in jedem Teil der Erde im Laufe feines Daseins von sich reden machte. Nach seiner Ausweisung aus Europa, nach seinen verschiedenen Versuchen, in Europa wieder Fuß zu fassen, nach seinen Angeboten, auf Madeira ein Buddhistenkloster einzurichten, hatte er sich zuletzt entschieden, in Schanghai zu bleiben und hier mit einer Handvoll Schüler eine Buddhistenmission für Europäer und Amerikaner zu unterhalten. Die Buddhisten in Schanghai mißtrauten dem Abenteurer jedoch so sehr, daß sie ihm jetzt bereit- willigst das Reisegeld aushändigten, als er ihnen seinen Entschluß mitteilte, nach Nordchina zu verziehen. Tatsächlich sollen die Buddhistengemeinden in Nordchina auf Grund irgendwelcher Lehrvor- schriften bedeutend freigebiger fein als die Buddhisten von Schanghai. Auf diese Freigebigkeit und Gastfreundschaft spekuliert offenbar Trebitsch-Lin- cofn, wenn er jetzt das unfreundliche Schanghai im Stich läßt. Der „fliegende Bischof'- E. Bl. Toronto Dr. Archibald Fleming, der Bischof der Arktis, hat seine Diözese, die 2,5 Millionen Quadratmeilen umfaßt, verlassen und hält sich zur Zeit in London auf. Recht interessant ist die Schilderung der Verwaltung seines Riesensprengels. Im Sommer hatte der „fliegende Bischof , wie er genannt wird, eine Reihe von abenteuerlichen Fahrten unternehmen müssen, als er auf einer Besichtigungsreise durch die Diözese war. 9480 Meilen, davon 4580 Meilen im Flugzeug, wurden zurückgelegt, lieber zwei Wochen mürbe der Bischof auf der Hoeschelinsel, einem kleinen Eiland im Arktischen Meere, aufgehalten, da der Dampfer, der ihn abholen sollte, auf der Viktoria- mfel eingeschneit war. Ein Funktelegramm der Pelz-Handelsgesellschaft der Hudson-Bay bot ihm Dom 23. bis 26. Oktober feiert die deutsche Hochseefischerei unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten Generaloberst Göring ihr 50jähriges Bestehen. In den vergangenen Jahrzehnten hat die deutsche Hochseefischerei einen großen Aufschwung genommen. Heute fahren 350 Fischdampfer auf den Meeren, und rund 100 000 Menschen finden in diesem harten Beruf ihren Lebensunterhalt. Hier sieht man Fischer bei der Arbeit an der Küste von Island. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Geschichten aus aller Welt. bissigen Brief: „Wie soll ich, wenn auch sonst wohl befäyigt, zum Liebesfeste dichten, während ich unter dem Haufen der Langhaarigen germanische Worte mit anhören, mit ernsthafter Miene die Lieder loben muß, dir der gefräßige Burgunder singt, das Gelock mit ranziger Butter gesalbt! Brauche ich zu sagen, was meinem Gedicht die Kehle zuschnürt? Flüchtend vor der Barbarenleier mag Thalia, feit sie die siebenfüßigen Herren um sich sieht, vom Hexameter (dem sechfüßigen Versmaß) nichts mehr wissen. Glücklich darf man deine Augen und Ohren, glücklich deine Nase preisen, der nicht schon am frühen Morgen zehn Apparate (Kochtöpfe?) ihren Knoblauch- und Zwiebelduft zuströmen lassen, lieber dich fallen nicht schon vor Tagesanbruch eine Anzahl von Giganten her, wie sie kaum die Küche des Alcinous (der Phäakenkönig, bei dem Odysseus zu Gaste war) durchfüttern könnte. Aber schon schweigt die Muse und zügelt ihre wenigen Scherzoerse, damit man es nicht etwa gar eine Satire nenne!" Diese Stelle kam mir im Vercingetorix-Denkmal mitten im Burgunderland in den Sinn. Hans Del- brück hat sie in seine Kriegsgeschichte ausgenommen, und er sagt dort zu ihr: Mag der wohlerzogene Römer spotten, wir freuen uns doch der siebenfüßigen Recken, die beim Gelage ihre Lieder fingen, und wir würden gern auf Verskünste des Sidonius Apollinaris verzichten, wenn der Dichter sich herabgelassen hätte, ein einziges von jenen germanischen Liedern aufzuzeichnen, über die er höhnt, ober auch nur eine von ben Erzählungen seiner Gäste über ben Tob ihres Königs Gunther ober über ihre Teilnahme an ber großen Schlacht auf ben Katalaunischen Felbern gegen Attila! Ein Deutscher kann nicht durch Frankreich reisen, ohne der Schöpferrolle zu gedenken, die auf diesem Boden das Germanentum gespielt hat. Für das französische Gefühl ist sie — ausgelöscht! Auf der Bahnstation, von der es noch ein paar Kilometer bis Alise Sainte Reine ist, gibt es allerlei Material über die historische Stätte. Ich kaufte mir einen Vor- trag des Direktors der Ausgrabungen des Profef- dere Zwillingsgeschichte klingt indes etwas amerikanischer als diese, die ja auch irgendwo anders ebenso gut hätte geschehen können. Im Städtchen Edina im Staate Missouri erklärten eines Tages die beiden Zwillingsschwestern Alta und Alice Mit» chell, beide im hoffnungsvollen Alter von 18 Jahren, sie möchten für zwei Tage zu Freunden auf das Land fahren. Die Eltern in ihrer Ahnungslosigkeit kiößen sie auch gehen — wer beschreibt aber deren Überraschung, als beide am selben Abend wieder heimkamen, jede einen grinsenden jungen Mann am Arm, und erklärten, sie hätten sich vor einigen Stunden in aller Stille mit diesen ihren Geliebten trauen lassen. Und während die Eltern aus allen Himmeln fielen, begaben sich die beiden Zwillinge mit ihren Ehemännern in den „siebenten Himmel" der Flitterwochen ... Todesschreck eines Pferdes. (th) Washington. Eine Tiergeschichte, die wohl zu den größten Seltenheiten gehört, wird aus der Stadt Panguitch im Staate Utah berichtet. Der Rancher Nelse Jpson hatte auf feinem einsamen Gehöft gehört, daß ein großer Zirkus in die Stadt gekommen sei, und um sich einmal eine Zerstreuung in seinem einsamen Farmerleben zu gönnen, sattelte er seinen kräftigsten Rappen und ritt nach Panguitch. Als er dort ankam, veranstaltete der Zirkus gerade in den Straßen der Stadt einen Werbe-Ümzug, an dem auch eine Reihe feiner Menagerietiere teilnahm. Als in diesem Zuge ein riesiger' Elefant erschien, stieg das Pferd Jpsons mit einem entsetzten Wiehern in die Höhe, brach nieder und war sofort tot. Der Anblick des indischen Riesen hatte das Tier derart erschreckt, daß es einen Herzschlag erlitt. Der Rancher trug infolge des Sturzes schwere Verletzungen davon. Der Knigge für Hollywood. C. K. Hollywood. Frank Morgan veröffentlicht in einer bekannten Zeitschrift acht Sätze, wie ein Anfänger in Hollywood sich allgemein beliebt machen kann. 1. Lobe nie die eindrucksvollen Liebesszenen eines Schau- Pielers, wenn feine Frau dabei ist. 2. Sage einer Schauspielerin nie, daß sie wohl aussieht, sie wird es immer als Anspielung auffassen, daß sie dick wird. 3 Gestehe niemals ein, daß du den letzten Film eines Helden nicht gesehen hast. 4. Vermeide den Ausdruck „letzter" Film. Er gemahnt zu sehr an Das Ende der Laufbahn. 5. Sei immer liebenswürdig gegen die Büroangestellten. Einer von ihnen kann vielleicht einmal dein Chef werden. 6. Gehe niemals zweimal mit derselben Frau aus, wenn du vermeiden willst, daß man von deiner baldigen Heirat spricht. 7. Frage niemals jemanden, ob sein — ober ihr — Vertrag erneuert ist. 8. Vermeide alle Unterhaltungen über die Neuyorker Börse. — Wenn du, so schließt der wohlwollende Ratgeber, diese Sätze befolgst, wirst du für einen wohlerzoge- nen jungen Mann gelten und überall eingeladen werden. Das hat er wirklich nicht verdient! (ky) Bukarest. Georg Pavel, ein braver Waldarbeiter in dem rumänischen Orte Negresci, hatte sich in ein junges Bauernmädchen verliebt, deren Eltern, wenn auch nicht reich, so doch immerhin vermögend waren. Da der junge Pavel arm wie eine Kirchenmaus war, so erschien eine Heirat zwischen den beiden fast aus- sichtslvs. Doch Pavel gab die Hoffnung nicht auf. Um sich ein kleines Vermögen zu erarbeiten, Zog er sich ein ganzes Jahr in ben Walb zurück, wo er als Holzfäller unb Köhler schwer arbeitete, ohne auch nur ein einziges Mal nach Negresci ober ein anberes Dorf zurückzukehren. Nach Ablauf bes Iah- res hatte er sich 6000 Lei erarbeitet. Diese Summe steckte er in seinen Gürtel unb zog roieber bem Dorfe zu, wo er um bie Hand seiner Angebeteten anhalten wollte. Schon hatte er ein gut Stück Weges zurückgelegt, als er an einem kleinen Waldbach ein Rehkälbchen erblickte, das sich an dem Wasser des Bachleins erquickte. Pavel trat hinzu, doch erschrak das Rehkälbchen nicht, sondern blieb ruhig stehen. Da bemerkte Pavel, daß sich das Rehkälbchen mit einem Lauf in einer Gesteinsspalte gefangen hatte. Pavel wollte das Rehchen aus feiner qualvollen Lage befreien unb es feiner zukünftigen Braut als Geschenk mitbringen. Er beging bie Unvorsichtigkeit, das Reh mit seinem Gürtel am Halse festzubinden. Kaum hatte er jedoch das Tier befreit, als es mit einem kräftigen Satz sich losriß und mit dem Gürtel um den Hals davonstob. Nun stand der arme Pavel da, beraubt feines Gürtels, feiner Erspar- niffe... und damit vor allem der Aussicht auf eine baldige Heirat. Vier Saba-Geräte von musterhafter Qualität! Ihr Radiohändler führt sie Ihnen gerne und unverbindlich vor! Hller Reichtum im Luch Der Alltag versinkt, du bdltft Huntfprad-f mit öfintr riqrnftrji QVrltf ^Dclch qrohrp Erleben brtn- qtn |ir - die stunden froher tfiuffbr in denen du 5 stille uiid treue Freunde gewinnst! Aeich ist, wer die Unermrfilichen.Schäge deutschen Fühlens, Denkens und Wollens im guten Vuche sucht - und findet-. V//>^8 m-FEimU-SERIE 193 3703 /3? erklären sie sich bereit, mit ausländischen Verlegern und Buchhändler, die vom gleichen Geiste der Verantwortung getragen sind, in einen Meinungsaustausch über eine internationale Vereinbarung zu treten. Wilhelm Bauer, Leiter des Bundes reichsdeutscher Buchhändler. Karl Baur, Leiter der Fachschaft Verlag. S). L. Sippel, Leiter des deutschen Sortimentsbuchhandels. Felix G a r t m a n n, Fachschaft Zwischenhandel (Kommissionsgeschäft). Kleine politische Nachrichten. Die deutsche Frontkämpferabordnung unter Führung des Herzogs von Koburg traf in Southampton zu einem einwöchigen Besuch in England ein. Das Mitglied des Landesrates der British Legion, Oberst Sir John Brown, begrüßte die deutschen Frontkämpfer. General Sir John C a p p e r erklärte, daß der Besuch zu größerer Freundschaft zwischen den beiden Ländern führen würde. In seiner Antwort erklärte Stabsleiter Stahmer, daß alle deutschen Frontkämpfer zur Zusammenarbeit bereit seien. * Der Leiter der Auslandorganisation der NSDAP., Gauleiter Bohle, besuchte in Wien in Begleitung des Botschafters von Papen den österreichischen Staatssekretär für Aeußeres, Dr. Schmidt, und erörterte in freundschaftlicher Weise mit ihm Fragen der Reichsdeutschen in Oesterreich. Am 2. November wird der Chef der Ordnungspolizei, SS.-Obergruppenführer General der Polizei D a l u e g e, den im Mai 1936 erfolgten Besuch des Hauptkommandanten der polnischen Staatspolizei General Z a m o r s k i erwidern und mit einer Abordnung der deutschen Polizei zu einem / viertägigen Aufenthalt nach Warschau starten. Am 22. Oktober ist in Montreal ein vorläufiges deutsch-kanadisches Handelsabkommen und zugleich ein Abkommen zur Erleichterung der Zahlungen im Warenverkehr unterzeichnet worden. ♦ Der Schweizer Bundesrat beschloß, die W e h r - anleihe im Gesamtbetrags von 335 Millionen entgegenzunehmen. Mit den etwa 100 Millionen, die über die 235 Millionen hinausgehen, soll ein Fonds für besondere Bedürfnisse der Landesverteidigung geschaffen werden. Oie Narrenkappe Der Aufschneider. Der russische Fabeldichter Krylow war einmal Gast eines Gutsbesitzers, der während des Essens von einem erfolgreichen Fischfang berichtete. „Ich zog einen Stör aus dem Wasser", so erzählte er, „der ungeheuer lang war. Sie werden es mir vielleicht nicht glauben, aber ich versichere Ihnen, er reichte von hier bis ..." Der Erzähler streckte seinen Arm in der Richtung des entgegengesetzten Tafelendes aus, wo Krylow saß. Höflich rückte der Dichter mit seinem Stuhl beiseite und sprach: „Einen Augenblick, ich mache nur Platz, um Ihren Stör durchzulassen .. komische Lache. „Die Menschen sind doch ein komisches Volk!" „Warum?" „Na, wenn du behauptest, am Himmel stünden 987 856 784 Sterne, -das glauben sie; aber wenn du an deine Tür schreibst: „Frisch gestrichen!", dann probieren sie alle mal, ob es auch stimmt!" (Neue I. Z.") Kunst und Wissenschaft. Filmball der Reichsfilmkammer in Frankfurt. Wie auf einer Pressebesprechung der Reichsfilm- kammer in Frankfurt mitgeteilt wurde, wird am 5. Dezember der offizielle FilmballderReichs- f i l m k a m m e r in Frankfurt stattfinden. Die Veranstaltung soll ein gesellschaftliches Ereignis ersten Ranges für den ganzen Gau Hessen-Nassau bilden. Außer namhaften Persönlichkeiten aus Partei und Staat werden eine Reihe der bekanntesten deutschen Filmschauspieler in Frankfurt anwesend sein. Eine wandernde Kunstausstellung für Heffen-Naffau. Am 31. Oktober d. I. wird Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger in den Römerhallen zu Frankfurt in Anwesenheit von Vertretern der Partei, der Wehrmacht, des Staates, sowie des Wirtschaftsund Kulturlebens eine Kunstausstelliung der Reichskammer der bildenden K ü n st e eröffnen. Es handelt sich bei dieser Schau um eine neuartige Ausstellung, die mit Werken der bildenden Kunst und der Malerei einen Querschnitt durch das Kunstschaffen unseres Gaues und darüber hinaus einen Querschnitt unserer Zeit geben will. Um die Verbundenheit der Kunst mit dem neuen Reich zu dokumentieren, sind zum ersten Male den Künstlern Themen zur Bearbeitung gestellt worden, die an die Werke und Ereignisse des nationalsozialistischen Staates anknüpfen. Reichsautobahn, Flug- und Luftschiffhafen Rhein-Main, Ried- rode, Industriebauten und vieles andere mehr führte die Künsller bei ihren Arbeiten in die gewünschte Richtung, sich mit dem Neuaufbau künstlerisch auseinanderzusetzen. Da die Ausstellung als Niederschlag des Kunstschaffens im ganzen Gau gedacht ist, muß sie auch dem ganzen Gau zugänglich gemacht werden. Aus diesem Grund ist sie als Wanderausstellung geplant. Sie wird bis 30. November in Frankfurt gezeigt, kommt dann nach Mainz, Darmstadt, Wiesbaden und vom 25. April bis 25. Mai 1937 nach Gießen. Hier ist vorgesehen, daß der Oberhessische Kun st verein eine große Werbewoche für Künstler mit der Eröffnung der Ausstellung verbindet. Schluß mit der Hetzliteratur! Der Bund reichsdeutscher Buchhändler als die Gesamtorganisation des deutschen Buchhandels und Verlages hat zur „W oche des deutschen Buches" in Weimar folgende bedeutungsvolle Entschließung gefaßt: In der augenblicklichen Verwirrung der Welt versuchen gewissenlose Hetzer, Europa in eine Entwicklung hineinzutreiben, die unvermeidlich zur Katastrophe und damit zu einer Gefährdung der abendländischen Kultur führen muß. Während die Verantwortungsbewußten aller Nationen den Frieden erstreben, wird jede Kunst der Lüge und Verdrehung angewandt, um die Völker Europas gegeneinander zu hetzen. In dieser Schicksalsstunde des Abendlandes gedenken die in der Goethestadt Weimar anläßlich der „Woche des deutschen Buches" zusammen- aetretenen Vertreter aller deutscher Verleger und Buchhändler der großen Verantwortung, die sie als Mittler unvergänglichen Geistesgutes tragen. Sie verpflichtet sich, keine Bücher zu verlegen und zu vertreiben, die unter böswilliger Verzerrung der historischen Wahrheit das Staatsoberhaupt eines Landes oder ein Volk beleidigen, oder die Einrichtung und lieber« lieferungen, die einem Volke heilig sind, verächtlich machen. In der Gewißheit, hierdurch dem europäischen Frieden einen Dienst zu erweisen, Ihre Trauung geben bekannt Ihre Vermählung geben bekannt Wetzlar, Römerstr. 17 Gießen, Schanzenstr. 6 den 24. Oktober 1936 6727 D 6755V Statt Karten! Ihre Vermählung geben bekannt 7om 6758D Ihre Vermählung geben bekannt NS.sKulturgememde-Thealerring Gießen, den 25. Oktober 1936 Wilhelmstraße 28 Rodheimer Straße 41 04902 Statt Karten! was Ettlingen (Äaden) Ihre Verlobung geben bekannt Johanna Sohl Hans Kolb/Ingenieur Gießen, den 24. Oktober 1936 Tudwigstraße 46 Georg-Philipp-Gail-Straße 16 In sämtlichen dekorierten Räumen Im niedrigen Preise zu gewähren. 6750D I. A. der XS.-Knlturgemeinde: Dr. R. Börner. 6780V Ihre Verlobung beehren sich anzuzeigen 6798 D Die Führerschaft. v77rv Vermählungs-Anzeigen 674(10 Frans Rathenow* liefert BrUhl'sche Druckerei kommen koetentofi, swD+siatA Lotte Richter Willi Schäfer Or. phi'l. Fritz Hohnschild Gertrud Hohnschild, geb. Aulmann Gerichtsassessor Willy Deidt Erika Deidt, geb. Scheppelmann Willi Eichenauer Josefine Eichenauer, geb. Ampt bei Konzert und Tanz Verlängerte Polizeistunde Gießen, Wolkengasse 21 6728V Dauer der Ausstellung: 25. Oktober bis 22,November. Besuchszeiten: Sonntags von 11—1 Uhr, werktags von 17—18 Uhr Eintritt für Mitglieder frei, > für Nichtmitglieder 0.30RM. Samstag und Sonntag Großes Winzerfest Gießener Besucher Auswärtige Besucher Gruppe A: 1.— RM. Gruppe A: - .90 RM. abzügl. der jeweilig. Gruppe B: 1.20 RM. Gruppe B: 1.10 RM. Sondervergütung f. Gruppe C: 1.40 RM. Gruppe C: 1.30 RM. große Entfernungen Es darf erwartet werden, daß die Gießener Bevölkerung geschlossen dafür eintritt und es ist eine selbstverständliche soziale Tat, wenn die ortsansässigen Mitglieder einen kleinen Anteil mehr tragen, damit auch der entfernt wohnende Volksgenosse in der Lage ist, sich an den schönen dichterischen und musikalischen Schöpfungen unseres Volkes zu erfreuen. Zeigt wieder euren Gemeinschaftssinn wie damals bei der Erbauung des Theaters. Helfe jeder einzelne mit, diese wertvolle Institution, die allen Volksgenossen etwas zu geben vermag, zu erhalten. Werbe jeder neue Freunde unseres Theaterrings, dann wird es auch eines Tages eher möglich sein, diese HatWfojiome Seme Meilermlei Ortsgruppe MßeuOst Große Kunstausstellung a) Oelgemälde Professor W. Geffken Professor Hermann Gradl Professor Hans von Hayeck Professor Pichard Kayser Professor Ernst Liebermann Professor Victor Schramm Hans Licht u. a. b) Aquarelle Jobs. Thiel, Ebnet bei Freiburg Elsa Feld, Berlin-Halensee c) Tempera Deutsche Städtebilder von Rudolf Pöschmann, Dresden Äerlin / z. Z. Gießen, Am Itahrungsberg 2 den 24. Oktober 1936 Ihre Vermählung geben bekannt Karl fetter, Ufffo,(Stab in^xR. 109 und Frau Lina, geb. Steinbach Piano (Schiedmayer) nur ganz wenig gespielt,in tadellosem Zustand, absolut neuwertig, v. hervorragen- derTonschön- heit und großer Haltbarkeit, preiswert abzugeb.,evt. auch g.Raten. Pianohaus UMwrai Bahnhofstr.76 Kein Sch auf. 6781 v „KUHLEN GRUND“ Oberhessischer Kunstverein Turmhaus am Brand Oskar Winzer SS.-llntersturmführer, Derwaltungsführer des Reichsführers-SS. Ursula Winzer, geb. Grünow Montag, den 26. Oktober 1936, abends 8 Uhr, sprechen bei der Kundgebung anläßl. der „Woche des Deutschen Bnches 1938" im Stadttheater Gießen zwei auslandsdeutsche Dichter Robert Hohlbaum und Josef Weinheber Wir bitten alle unsere Mitglieder, an dieser Kundgebung teilzunehmen. Der Ortsleiter des VDA. 6749 D Ski-Klub Gießen Beginn der Trockenskikurse am Mittwoch, 28. Oktober, in der Beithalle am Brandplatx von 21 bis 22 Uhr. Auch für Nichtmitglieder vo#- z. Z. Flugwetterwarte Äerlin-Tempelhof Gießen, Marktstr. 15 25. Oktober 1936 Watzenborn-Steinberg Sonntag, den 25. Oktober 1936: Bachttvmes Gasthaus «Zur Ludwigshtth* Anfang 4 Uhr. oms Klein-Linden Sonntag, den 25. Oktober: TANZ Anfang 4 Uhr nachmittags Einladung an die Gießener Bürgerschaft! Wir laden hiermit die Bürgerschaft von Gießen für Montag, den 26. Oktober 1936, abends 8 Uhr, in das Stadttheater zu, einer GROSS-KUNDGEBUNG aus Anlaß der „Woche des Deutschen Buches 1936“ ein. Der Oberbürgermeister der Stadt Gießen spricht zur Eröffnung. ROBERT HOHLBAUM und JOSEF WEIN HEBER lesen aus eigenen Werken. Platzkarten zum Preise von 30 Pfennig sind ab Mittwoch in der Musikalienhandlung Challier zu haben. Mitglieder des Goethebundes und des Kaufmann. Vereins haben gegen Einlösung des Gutscheines Nr. 1 aus der neuen Gutscheinkarte 1936)37 bis zu 2 Plätzen freien Eintritt. 6688 v Der Oberbürgermeister Goethe-Bund Der örtliche Arbeitsausschuß der Stadt Gießen. Kaufmännischer Verein. zur Buchwoche. Schwarzenberg Erzgebirge) Wieseck/Äerlin Oktober 1936 Wieseck 04857 Sonntag, 25. Oktober 1936: Tanz bei Gastwirt Wilhelm Dorfeld Am lO.Okt. 1936 hat*die NS.-Kulturgemeinde mit „Gustav Kilian“ ihre Spielzeit eröffnet und heute Samstag, 24. Oktober, folgt als zweiteVorstellung Millöckers unsterbliche Operette ;zDer Bettelstudent“. So ist es weiter geplant, nach Möglichkeit in jedem Monat je ein Schauspiel oder Lustspiel und ein musikalisches Werk - also eine Oper oder Operette bzw. Singspiel zu bringen. Die seitherigen Freunde der NS.-Kulturgemeinde haben sich auch dieses Jahr wieder geschlossen gemeldet. Die Zahl der Mitglieder ist sogar gegenüber den Vorjahren noch größer geworden. Und trotzdem ist es nicht möglich unter den seitherigen Bedingungen den Theaterring aufrecht zu erhalten. Da sich die Mehrzahl aller Besucher in der niedrigsten Gruppe gemeldet hat und entsprechend die auswärtigen Freunde noch weniger auf bringen können, da sie ja z. T. über 2 RM. Fahrtkosten noch aufbringen müssen, ist es nicht möglich, auf dieser Basis die Vorstellungen weiter durchzuführen. Unter dem Gesichtspunkt, daß die NS.-Kulturgemeinde allein in der vorigen Spielzeit ca. 400 RM. nebenher an die Bahn abliefem mußte, da sonst die Sonderzüge nicht hätten eingelegt werden können, daß sie auch jetzt in der neuen Spielzeit der Bahn gegenüber für eine Garantiesumme der Sonderzüge haften muß, und____ besonders wichtig ist, daß die seitherige Durchschnitt seinnahme so gering war, daß die Vorstellungen nicht voll bezahlt werden konnten, hat es sich nach langen Verhandlungen nicht ermöglichen lassen, zu den gleichen Sätzen weiter zu spielen. Deshalb sehen wir uns leider gezwungen, die Eintrittspreise um einen kleinen Betrag zu erhöhen. Die Gießener Besucher zahlen 20 Pf. und die auswärtigen Freunde 10 Pf. pro Karte mehr, so daß jetzt nur noch folgende Preise Gültigkeit haben: Kiegerkameradschaft 1874 Gießen Am Sonntag, 25. Okt., vormittags um 11 Uhr Lichtbilder-V ortrag von Kapitän Schmehl im Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, über: Fahrt des Hilf skreuzerWolf Auf Ersuchen der Stadtverwaltung Gießen wird die Beteiligung den Kameraden sehr empfohlen. Dienstag, den 27. Oktober 1936,20.15 Uhr isn Eafö Leib Maki ES spricht: Gauredner und Kreisobmann der DAF. U Gilenitfloö. WW/U. Die Parteigenossen, die Opferringmltglieder, alle Gliederungen, die Mitglieder der OAF., sowie alle übrigen Volksgenossen sind hierzu eingeladen. 6748d Eintritt frei! Fahrräder RM. 10,- An- zahlg., Wochenrate RM. 2,50, Spezial-Räder RM. 38,- an. 6775V Fahrrad- Seuffert, Frankfurt a.M., Mertonstratze29 Mäim jeder Art. Günst. Einkaufsauelle f. Wiederverkäufer. 04822 Dreh.GruberSSohn Baumschulen Alten-Buseck. Postkarten bei Brühl, Gießen Der ment 3 riften inneru an die und ju Dermal xokr Cchn bene' bas gelscl ment bund mit mitte es 1 We Hobe und hier i Mo Serail' bedeuti uns ne spatere richtun er es । der (j kutsch. vorder, unö QQ toare j Ur. 250 Dritter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Samstag, 24. Oktober 1956 Gruß an Gießen. Die Ausstellung „Das Buch". i HtKetfung Ku alle Brettener! i. TlbUilam l’u» Wkjo »k 1 Der Kommandeur der I. Abteilung Artillerie-Regi- ment36, Major Welte, der mit seinen Artilleristen bei der Gießener Bevölkerung in bester Erinnerung steht, hat uns den vorstehenden Gruß an die Gießener Bevölkerung zur Veröffentlichung und zur Weiterleitung des Dokuments an die Stadtverwaltung übermittelt. Das Original ist ein künstlerisch angefertigtes Dokument, das mit schwarzweißroter Umrandung versehen ist, handgeschriebene Schrift mit roten Initialen trägt, den selbstgeschriebenen Namenszug des Kommandeurs enthält und das Siegel der Abteilung an schwarzweißroter Siegelschnur aufweist. Wir haben das schöne Dokument, das ein beredter Ausdruck der engen Verbundenheit unserer früheren Gießener Artilleristen mit der Gießener Bevölkerung ist, heute Vormittag dem Herrn Oberbürgermeister zugestellt, um es dem Besitz der Stadt einzuverleiben. Major Welte und seine Soldaten dürfen die Gewißheit haben, daß ihre herzliche Verbundenheit mit Gießen und ihre Grüße an die Gießener Volksgenossen von hier aus in gleicher Weise erwidert werden. Oie Vertretung der Wehrmacht bei Veranstaltungen. Vom Standortältesten der Garnison Gießen wird uns mitgeteilt: Die Regelung der Vertretung der Wehrmacht im Standort Gießett bei allen Groß-Veranstaltungen, wie nationalen Feiertagen, Aufmärschen, Sportfesten, Feiern, Festen und gesellschaftlichen Veranstaltungen in geschlossenen Räumen u. a. m. obliegt ausschließlich dem Standortältesten, Generalleutnant O ß w a l d. Alle Behörden, Dienststellen der Partei und alle ihre Gliederungen, sowie alle sonstigen Verbände werden gebeten, Einladungen oder Aufforderungen zur Teilnahme des Standorts an solchen Veranstaltungen ausschließlich zu übersenden: „An den Standortältesten, Gießen, Zeughauskaserne." Die Truppenteile des Standortes haben Anweisung erhalten, Aufforderungen und Einladungen dieser Art, die ihnen unmittelbar zugehen, unbeantwortet dem Standortältesten vorzulegen. Am kommenden Montag, 20 Uhr, findet im Gießener Stadttheater zur Eröffnung der „Woche des deutschen Buches 193 6" eine Kundgebung statt, zu welcher der Oberbürgermeister, der Goeche-Bund und Kaufmännische Verein, sowie der örtliche Arbeitsausschuß für die Buchwoche einladen. Nach einem Musikvortrag und der Eröffnungsansprache des Oberbürgermeisters werden die beiden auslandsdeutschen Dichter Robert H o h l b a u m und Josef Weinheber aus ihren Werken lesen. Zwischen den Lesungen ist den Besuchern Gelegenheit geboten, eine A u s st e ll u n g „Das B u ch", die im Foyer des Stadttheaters hergerichtet wird, zu besichtigen. Sodann steht die Ausstellung bis zum Sonntag, 1. November, täglich zum Besuch offen. In dieser Buch-Schau hat man es mit Erzeugnissen der Gießener Buchherstellung und der hiesigen Buchhandlungen zu tun, so daß also die Ausstellung einen durchaus eigenen, lokalen Charakter trägt. Die Ausstellung ist in drei Gruppen eingeteilt. Die erste Gruppe, betitelt „Vom Manuskript zum Buch", ist den verschiedenen Arbeitsvorgängen des Satzes und Druckes gewidmet. Hier wird man Anhaltspunkte für die Herstellung des Papiers und der Druckfarben sehen können, ferner wird die Entstehung des Satzes gezeigt werden, sodann erhält man einen Einblick in den Seitenumbruch und die Korrektur. Als weiteres interessantes Kapitel wird der Werdegang einer Bildseite auf dem Wege vom Photo über das Rasternegativ, die Zinkkopie und die Aetzuna bis zum fertigen Druckstock zu sehen sein. Den Arbeitsvorgang des Druckes zeigt eine interessante Gruppe, in der man sehen kann, wie die Druckseiten in dem Schließrahmen behandelt werden, die verschiedensten Arbeitsleistungen beim Zurichten der Druckzylinder in den Druckmaschinen zwecks einwandfreien Druckes sich abwickeln, bis schließlich der fertige Druckbogen vorliegt. Als nächste Etappe auf dem Werdegang des Buches sieht man Ausschnitte aus der Werkstatt der Buchbinderei unter dem Geleitwort „B u ch b i n • Öen, ein Kunsthandwer k". Die Arbeit eines maschinellen Buchbinderbetriebs wird dabei an einer Reihe von Einzelheiten dargestellt, z. B. durch Vorarbeiten mit den Druckbogen, die Falzarbeit, das Zusammentragen der gefalzten Bogen zu ganzen Buchblocks, die Zubereitung der Buchdecken, die Herrichtung der Schutzumschläge und schließlich die weitere Behandlung bis zum fertigen Buch. Neben diesem Einblick in eine mit Maschinen arbeitende Großbuchbinderei hat man durch die Buchbinderinnung Gelegenheit, auch den Werdegang des handwerklich gebundenen Buches zu sehen, sowie eine Anzahl schöner, z. T. künstlerisch und materialecht gearbeiteter Einbände in Augenschein zu nehmen, bei denen als Werkstoff Pappe, Leinen, Leder, Pergament usw. verarbeitet werden. Man sieht aber nicht nur die Herstellung des künstlerischen Bandes, sondern auch die Anfertigung des Gebrauchsbandes und des Einbandes für Bibliotheken. In der dritten Gruppe unter dem Motto „D a s Volk lebt im Buch" zeigen die Gießener Buchhandlungen den Weg des Buches in das Volk. In dieser Abteilung sind drei Untergruppen vorgesehen, und zwar eine für Bücher über „Politik und Weltanschauung", eine andere für Werke über „Dichtung und Erzählung" und eine dritte für Bücher über „Kultur und Natur". Die ganze Abteilung ist gedacht als Leistungsschau des Buchhändlers, welche die wichtigsten Bücher des Jahres 1936/37 zeigen soll und die Neuerscheinungen des Herbstes 1936 auch bereits in Ausnahmestücken berücksichtigt. „Wieder geht es um das eine große, sich immer gleichbleibende Ziel" — so lautet der Aufruf des Reichsministers Dr. Goebbels — „das Volk dem Buche und das das Buch dem Volke zuzuführen, damit das aus der Gemeinschaft geschöpfte dichterische Werk in der Gemeinschaft und für die Gemeinschaft seine seelischen und geistigen Kräfte entfalten kann. Möge jeder, der es vermag, auch in diesem Jahre Helfer am Werk sein!" Jungvolk sammelt Vrot! -Jungvolk lindert Aot! Die Jüngsten unseres Volkes, das Jungvolk, stellten sich gestern wieder mit der ihnen eigenen Begeisterung der großen Sache des Winterhilfswerkes zur Verfügung. Sie traten an zu ehrenvollstem Dienst, dessen vorbildliche Erfüllung vollste Anerkennung verdient. Mit Landsknechtstrommel und Fanfaren zogen sie durch die Stadt und sangen ihre Lieder, sie lösten sich auf und waren, je zwei Mann stark, bald in den Häusern verschwunden, um an allen Türen anzuklopfen. Die Brotsammlung des Jungvolks wurde diesmal in einer etwas anderenForm und sichtlich zweckmäßiger durchgeführt, als während der Jahre vorher. Die Be- ■0 i jrjgi völkerung in der Stadt hatte diesmal nicht den Laib Brot an sich bereitzuhalten, sondern war vom Bäcker mit Gutscheinen versehen worden, die von den Jungen des Jungvolks eingesammelt wurden. Durch diese Erleichterung kam es denn auch, daß das Jungvolk sehr bald die Brotgutscheine in allen Häusern gesammelt hatte und heute Morgen nur noch dort gesammelt werden soll, wo Hausbewohner gestern nicht angetroffen wurden. Zum Abschluß der gestrigen Sammelarbeit zog das Jungvolk am Abend durch die Stadt und erinnerte durch Sprechchor und Fanfarenruf auch die letzten Volksgenossen an das Opferwerk. Gießener Gtadtiheaier. Mozart: „Figaros Hochzeit". Mozart hatte mit seiner „Entführung aus dem Serail" der Entwicklung der deutschen Oper neue bedeutungsvolle Wege Vorgezeichnet. Da wird es uns verwunderlich erscheinen, daß er sich in seinen späteren Jahren wieder der italienischen Opernrichtung zuwandte, obwohl er es bekannt hatte, daß er es mit der „teutschen Oper" halte. Das Interesse der Gesellschaft des kaiserlichen Hofes für die deutsche Singspielproduktion war aurüdgegangen, um so mehr war die italienische Oper in den Vordergrund getreten. Entweder hätte Mozart ganz und gar dem Opernschaffen entsagen müssen (das wäre ihm nach seiner dramatischen Veranlagung schlechthin unmöglich gewesen) oder er mußte sich der italienischen Oper zuwenden. Zwei Opernpläne, „L’oca del Cairo“ und „Lo sposo deluso“, hatten ihn wohl zur Arbeit angeregt, waren aber nicht zur Vollendung gelangt wegen der Schwächen des Textes. Die darauf verwandte Arbeit ist im Hinblick auf die Entwicklung Mozarts nicht zu unterschätzen als ein reiches Feld zur Uebunq im Gebrauch seiner Ausdrucksmittel. Schon bevor Mozart die kleine Gelegenheitsarbeit „Der Schauspieldirektor" vollendet hatte, war er mit Lorenzo da P o n t e in Verbindung getreten, der schon verschiedentlich Texte für die Wiener Opernbühne geschrieben hatte. Mozart selbst schlug als Stoff Beaumarchais' „Le manage de Figaro ou la tolle journee“ vor. Die Komödie von Beaumarchais geißelte in ihrem Intngenspiel mlt äußerster Schärfe die gesellschaftlichen Zustande Frankreichs in den Jahren vor dem Ausbruch der Revolution. Die politischen Pointen mutzten bei der Bearbeitung einmal aus Zensurruckfichten, zum andern aber, weil sie mit dem Wesen der Musik schlecht in Einklang zu bringen waren, fallen. Die szenisch reichlich verzwickte Handlung wurde im Interesse der Klarheit und Verständlichkeit: des Aufbaues vereinfacht, und so entstand durch die „Nac^ ahmuna" des sranzasischen Vorbildes, nicht durch bloße U-b-rsetzung, jenes geloste heitere Spiel für Mozarts Oper, das bis heute I-men Reiz für den Hörer noch nicht eingebüßt hat und das eine „fast neue Art des Schauspiels", wie da Ponte m der Vorrede betont, darstellt. Wie wert Mozart selber an der Durchbildung des Textes beteiligt war, läßt sich nicht mehr feststellen. Die Annahme erscheint aber berechtigt, daß Mozart ebenso wie er beim Texte der „Entführung" etwas „unzugeben wußte", auch hier für die endliche Gestaltung des Librettos bestimmenden Einfluß geltend gemacht hat. Wenn man den Eindruck, den man beim bloßen Lesen des Textes von da Ponte bekommt, mit dem der Gesamtoper vergleicht, so tritt aufs schärfste hervor, wie Mozart durch seine Musik erst die Handlung und die Entwicklung der Charaktere bis in den letzten Winkel hin erschließt. Das, was Richard Wagner vom musikalischen Drama ausgesprochen hat, das kennzeichnet auch Mozarts Arbeitsweise in dieser Oper. Nicht der Text allein ist ihm Anreger, fpnöern er erlebt die Handlung bis zu ihren letzten Beweggründen, und aus dieser Wurzel sprießt seine Musik hervor, schlaglichtartig jeder Situation folgend und sie mit sorgsamer Zeichnung betonend. So erhebt sich seine „Figaro"-Musik weit über die in der Opera buffa übliche. Für ihn sind die einzelnen Gestalten nicht bloße Theaterfiguren, sondern mit starkem Einfühlungsvermögen erlebt er jede Person als seinesgleichen, und auf der Basis dieser innerlichen Gleichstellung muß der in der Opera buffa betonte Kontrast zwischen der Wirklichkeit und der theaterhaft gefärbten Abbildung für Mozart fallen. Darum finden wir weder ausgeprägte parodistische Züge, noch solche überspitzter Uebertreibung, noch das gewollt Komische. Er erfaßt und wertet eben jeden als Menschen, der in feinem Denken und Handeln ernst genommen sein will, und in diesem menschlichen Durchfühlen bringt er bis zu der gemeinsamen Wurzel für das Tragische und das Komische vor. Dadurch aber erreicht seine Musik eine innere Einheitlichkeit und Wahrhaftigkeit und schwankt nicht wie die vieler seiner Zeitgenossen zwischen den grundverschiedenen Stilformen der Opera buffa und der Opera seria hin und her. Dieser organisch durchgebildete neue Stil gab seiner Oper eine Geltung, die bisher alle Zeiten überdauert hat und die „Figaros Hochzeit" auch in heutiger Zeit als die am meisten aufgeführte Oper Mozarts erweist. Zu einem solchen eindringenden Stil hatte sich Mozart auch die praktischen Fähigkeiten erworben. Nicht der Sänger allein ist ihm führender Träger in der Oper, sondern das Orchester erhält mit einer bis ins Feinste abgestimmten Charakterisierungskunst ebenso bedeutsamen Anteil. Und gerade wir, deren Ohren durch Richard Wagners symbolge- sättigte Orchestersprache geschult sind, werden immer wieder aufs neue die geniale Ausdrucksfähigkeit in Mozarts Musik bewundern. Wenn sich beispielsweise die Gestalt der Gräfin in ihrer Reinheit der Liebe durch die beiden Arien bis zum Innersten aufschließt, so vermag Mozart eben gleichfalls schlagfertig und klar die einzelnen Charaktere in ihrem Gegenspiel durch das Ensemble zu beleuchten. Wir sind ebenso über die Denkungs- weife des Grafen, der in seiner Liebesleidenschaft zwischen Standespflicht und Menschlichkeit hin und her geworfen wird, orientiert wie über die anmutige, herzhafte, tatbereite, ja, schelmische Susanne, ehe diese beiden in einer Arie Aufschluß über ihr Inneres gewähren; denn Mozart hat zumal diese beiden Gestalten zunächst nur im Ensemble gezeichnet. Besondere Höhepunkte Mozartscher Ensemblekunst sind das Terzett im ersten Akt und die beiden großen Finale, die in ihrer Bewegtheit ihrer Handlungen schärfste dramatische Gestrafftheit erweisen durch die Schlagfertigkeit und eindeutige Treffsicherheit von Mozarts Inspiration. Den in allen Sätteln gerechten, jeder Situation gewachsenen Figaro stellt Mozart in den Eingangsduetten der Susanne gegenüber. Hier das temperamentvolle weibliche Wesen, dort der von Liebespessimismus, der sich zur Eifersucht steigert, getragene Figaro. Eine Gestalt von besonderem Ausdruck für die Geistesentwicklung seiner Zeit ist der Cherubin. Kaum dem Knabenalter entwachsen, wird er zum Träger schwärmerischen Natur- und Liebeserlebens; in quellender Empfindsamkeit überfließend in der impulsiven Arie des ersten Aktes, galant in der Kanzone des zweiten Aktes, die zu der Streicherbegleitung den Bläsern einen individuell ausgeprägten Anteil gibt. Der weitere Kreis der Personen folgt mehr oder minder den gebräuchlichen Typen der Opera buffa, ohne dabei die Einheit des Stiles zu gefährden und nicht ohne Einblicke in ihr inneres Wesen. * Wie sehr der Spielleitung der entscheidende Anteil bei der Inszenierung der Oper zufällt, bewies die gestrige Aufführung, die Intendant Schultze- Griesheim in Szene gesetzt hatte. Die Handlung wurde mit sprühendem Leben durchpulst, mit feinem Takt und mit weisem Mahhalten menschlich durchlebt und nahegebracht, ohne Uebeririebenheit in ungekünstelter und dadurch so unmittelbarer Natürlichkeit. Die Seccorezitative, vom Cembalo gestützt, waren scharf pointiert der Situation folgend. Bis zum einzelsten waren die Ensembles durchgearbeitet und charakteristisch selbst im kleinsten Zuge. Dieses Lebensvolle der Handlung fand in den sehr gewählt ausgestatteten Bühnenbildern (Karl Löffler) den Hintergrund, die musikalisch gut durchgearbeiteten Chöre (Ernst Bräuer) waren bewegt in sich; die erscheinende Volksmenge ohne Gezwungenheit gelockert. Die Einstudierung des Fandango im 3. Att mar Irmgard Zenner zu danken. Im Vordergrund des Interesses stand Wilhelm Greif als Figaro, bei weitem die am stärksten wiegende Leistung des Abends. Wie er die inneren Kämpfe des Figaro bis zum letzten Zuge ausdeutete und sichtbar erleben ließ, wie er der Situation gemäß folgte und ihr nichts schuldig blieb, das unterstreicht die Eindringlichkeit des Gesamteindrucks. Sänger und Gestalter waren untrennbare Einheit und bestätigten hohes Können und starkes Wollen. In Beweglichkeit, sich im Handeln von sicherem weiblichen Instinkt leiten lassend, ein klein wenig kokett und doch natürlich, gesund, zugreifend — so war Friedel For null az als Susanne; durch äußerste Lebendigkeit und ein abgestimmtes musikalisches Mitgehen unterstützt. Maria Perry gab der Gräfin Gestaltung und Haltung durch verhaltene Vornehmheit und vermochte damit ein leichtes Flackern des Stimmklanges und die Behinderung in der dynamischen Auswertung auszugleichen. Voll Würde, als selbstbewußte Standesperson, zeichnete Gustav Bley den Grafen Almaviva, mit feinem, schon oft bewährten Stilempfinden feine musikalischen und darstellerischen Aufgaben meisternd. — Der weitere Kreis der Mitspieler stellte sein Können erstmalig vor das Publikum; jeder zu seinem Teile, mit voll bereitem Einsatz das Werk fördernd: Ilse Laskus als schwärmender Cherubin mit feiner Vortragsnuancierung; Hildegard Iachnow mit leuchtend aufquellenden Tönen der Mütterlichkeit; Irene D u i 11 in aufblübenbem Jungmädchentum; Paulus Kuen als Bafilio läßt nach dem, was man heute von ihm hörte, für feine weitere Tätigkeit Bedeutsames erwarten; Alfons Forstner als Bartolo konnte durch feine Rachearie für sich gewinnen; Ernst August Waltz als Don Curzio und Max Schneider-Oe st als Antonio fügten sich dem Ensemble mit individueller Note ein. Das Orchester, unter Leitung von Kapellmeister Paul Walter, führte mit der überaus schwunghaften und temperamentvollen Ouvertüre in bas Werk ein unb beseelt burchsühlter Klanglichkeit. In sorgsamer Abtönung schmolzen Orchesterklanq und bie Stimmen auf ber Bühne zur bramatisch ge- bunbenen Klangeinheit. Die Erwartungen, bie man nach ben sich stei- gernben Erfolgen ber vergangenen Spielzeit haben konnte, würben bei weitem übertroffen. Berechtigte Hoffnungen begleiten ben weiteren Verlauf bes Gießener Opernwinters. Das gut besetzte Haus brach bei offener Szene unb besonders zum Schluß in begeisterten Beifall aus. D&&& Aus der Provinzialhauptstadt. Der stille Freund. Freundschaften haben ihre Schicksale. Nicht jeder Freund erweist sich im Wechselspiel des Lebens als guter Freund. Die sprichwörtliche Freundestreue ist oft genug ein leerer Wahn, und mancher, der in der Bedrängnis darauf gebaut, hat eine bittere Erfahrung buchen müssen. Anders ist es mit jenem Freund, von dem hier die Rede ist. Er ist unwandelbar in seiner Treue, niemals wird er dich enttäuschen, und zu keiner Stunde deines Lebens erscheint er dir ungelegen. Denn er ist ein stiller Freund, der nur dann kommt, wenn du ihn rufst. Hast du ihn aber zu dir gebeten, dann kannst du sicher damit rechnen, daß er dir Gutes bringt und daß deine Unterhaltung mit ihm zu einer anregenden und besinnlichen Zwiesprache wird. Es ist etwas Köstliches um diese Zwiesprache in den dunklen Wochen, die wir jetzt durchleben, wo das Tageslicht schon am Nachmittage zu schwinden beginnt und das künstliche Licht zeitig aufflammen muß. Dann holst du den stillen Freund in den Bannkreis deiner Lampe, deren ruhiges Licht dem magischen Schein einer Zauberlaterne gleicht, und vernimmst mit Bedacht, was der Freund zu sagen hat. Er weiß viel $u erzählen, das ist ganz gewiß. Es gibt kein Gebiet menschlichen Wissens und Könnens, von dem der stille Freund nicht Kunde zu geben vermöchte. Er berichtet dir von den Großen im Reiche des Geistes, breitet ihre Schätze vor dir aus, läßt die Werke ihres Schaffens vor dir lebendig werden und begeistert dich an dem Schwung ihrer kühnen Gedanken, an dem Feuer ihrer unvergänglichen Sprache. Die Größe kraftvoller Ideen ist ihm ebenso vertraut wie der Märchenbrunnen poetischer Gestaltung, der unermüdlich in den Tiefen der Volksseele rauscht. Aber auch von fernen Ländern hörst du durch diesen Freund, von fremden Völkern und Reisen in neuerschlossene Gebiete. Er kann davon spannend und eindringlich berichten und ist auch bereit, dich sachlich zu belehren. Denn die Gebiete der Wissenschaften weiß er dir ausgezeichnet nahezubringen, falls dich danach gelüstet, wie er überhaupt imstande ist, dir jeden Stoff vorzutragen, der dein Interesse erregt Ob es die farbige Welt des Abenteuers, die Romantik der Märchen und Sagen, ob es die Ergebnisse exakter Forschungen ober die Problematik des Lebens an sich ist: immer kann dir der Freund Auskunft geben in der ihm eigenen Weise, die ebenso ruhig wie unaufdringlich ist. Und darum verdient er dieses Lob, das ihm dargebracht sei. In dieser Woche gedenkt man seiner in allen Gauen Deutschlands, und man tut recht daran. Einmal im Jahre soll auch der stille Freund die allgemeine Beachtung finden, auf die er seiner Kulturmission zufolge Anspruch hat. Denn was wären wir ohne das Buch, eben jenen stillen Freund, der Zeugnis gibt vom Besten, was Menschengeist in allen Zeiten schuf. H. W. Sch. Vornoiizen. Tageskalender für Samstag. NS.-Lehrerbund, Kreis Gießen, Abt. Mädchen- erziehung (techn. Fächer), 15 Uhr, in der Mädchenberufsschule Gießen: 1. Die volkswirtschaftliche Bedeutung des hauswirtschaftlichen Unterrichts (Frl. Köhler, Grünberg). 2. Der Handarbeitsunterricht im 7. Schuljahr (Frl. Kopp, Gießen). — Stadttheater (Theaterring der NS.-G. KdF.) 20 bi<5 22.30 Uhr, „Der Bettelstudent". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Moskau — Schanghai". — Lichtspielhaus: „Maria, die Magd". — Deutsche Glaubensbewegung, Ortsring Gießen, 20.15 Uhr, Vortrag von Wilh. Scholz (Stuttgart) im „Burghof" (früher Caf6 Ebel). — Deutsche Stenografenschaft, 20.30 Uhr, großes Oktoberfest auf der „Karlsruhe". Tageskalender für Sonntag. NSG. „Kraft durch Freude", Radwanderung (Sie- benmühlental — Braunfels), Treffpunkt 8 Uhr, Ecke Frankfurter Straße und Liebigstraße. — Stadttheater, 19 bis 21.30 Uhr, „Der Bettelstudent". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Moskau — Schanghai". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: 11 Uhr, Licht- bilderoortrag von Kapitän Schmehl: „Wolf mit dem Flugzeug Wölfchen"; „Maria, die Magd". — Musikalische Abendfeier in der Iohanneskirche; 18 Uhr: Orgelfeierstunde (Werke alter Meister). — Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brand, 11 bis 13 Uhr, große Kunstausstellung (Oelgemälde, Aquarelle, Tempera). Verdunkelung in Gießen. Oie restlichen Stadtteile kommen am Donnerstag, 5. November, dran. Die Polizeidirektion Gießen teilt uns folgendes mit: Die Verdunkelung der restlichen Stadtteile, die am 9. September 1936 und 16. Oktober 1936 nicht in die Verdunkelung einbegriffen waren, einschließlich der Stadtteile jenseits der Lahn, wird am Donnerstag, 5. November, in dec Zeit von 20 bis 21 Uhr durchgeführt. Es gelten dieselben Bedingungen, wie bei den seitherigen Verdunkelungen. Bei der letzten Verdunkelung, die von der Bevölkerung mit Ausnahme von einzelnen Fällen sehr gut durchgeführt wurde, mußte leider die Feststellung gemacht werden, daß sich die Jugend trotz Verbots sehr zahlreich auf der Straße befand und allerlei Unfug trieb. Es wird nochmals darauf hingewiesen, daß während der Verdunkelung der Aufenthalt auf der Straße verboten ist. Verstöße gegen die Anordnung werden für die Zukunft strafrechtlich verfolgt. Da in nächster Zeit mit einer großen Verdunkelungsübung für das gesamte Stadtgebiet einschl. der Nachbarorte zu rechnen ist, wird dringend empfohlen, sich schon jetzt das erforderliche Verdunkelungsmaterial zu beschaffen. Kraftfahrzeuge ohne Verdunkelungskappen werden bei solchen Hebungen angehalten und erst nach Schluß der Verdunkelung weitergelassen. An Anbetracht des Luftschutzgedankens dürfte es für jeden Kraftfahrer eine Selbstverständlichkeit fein, stets d i e Derdunkelungskappen im Fahrzeug mitzuführen, da ihm dadurch viel Zeitverlust erspart bleibt. Stadttheater Gießen. Aus dem Stadtcheaterbüro wird uns geschrieben: Heute abend findet die zweite Vorstellung für den Theaterring der NS.-Kulturaemeinde statt. Der erste große Operetten-Erfolg der neuen Spielzeit: „Der Bettelstudent", Operette von Earl Millöcker. Musikalische Leitung: Hans H. Hampel. Spielleitung: Paul Wrede. Anfang 20 Uhr, Ende 22.30 Uhr. Freier Kartenverkauf zu Tagespreisen. Am Sonntag, 25. Oktober, der große Ersolg „Der Bettelstudent", Operette von Ccttl Millöcker. Paul Wrede führt die Spielleitung seiner szenischen und textlichen Neubearbeitung. Musikalische Leitung: Hans H. Hampel. Tänze und choreographische Leitung liegt in den Händen der neuverpslichteten Ballettmeisterin Irmgard Zenner. Ansang 19 Uhr, Ende 21.30 Uhr. Außer Miete. — Montag, 26. Oktober, 20 Uhr, findet eine Großkundgebung der „Woche des deutschen Buches" statt. Nach den Eröffnungsworten des Herrn Oberbürgermeisters lesen die Dichter Robert Hohlbaum und Josef Wein- Heber aus eigenen Werken. Die Ausgabe der Platzkarten erfolgt in der Musikalienhandlung Challier. — Dienstag, 27. Oktober, Anfang 20 Uhr, Ende 23 Uhr: „Fiaaros Hochzeit", Oper von W. A. Mozart. Musikalische Leitung: Paul Walter. Spielleitung: der Intendant. Dienstag-Mete. 6. Vorstellung. — Mittwoch, 28. Oktober, Anfang 19.30 Uhr, Ende 22 Uhr: „Der Bettelstudent", Operette von Carl Millöcker. Musikalische Leitung: Hans H. Hampel. Spielleitung: Paul Wrede. Mittwoch-Miete. 6. Vorstellung. — Freitag, 30. Oktober, Anfang 20 Uhr, Ende 23 Uhr, Erstaufführung „Don Karlos", dramatisches Gedicht von Schiller. Spielleitung: Dr. Fr. Hellmund a. G. Freitag- Miete. 7. Vorstellung. — Samstag, 31. Oktober, Ansang 20 Uhr, Ende 22.30 Uhr, geschlossene Vorstellung NSG. „Kraft durch Freude": „Der Bettelstudent", Operette von Carl Millöcker. Musikalische Leitung: H. Hampel. Spielleitung: P. Wrede. Versammlung in der Ortsgruppe Giehen-Osl. Am kommenden Dienstagabend veranstaltet die Ortsgruppe Gießen-Ost im CafL Leib eine Versammlung, in welcher der Gauredner und Kreisob- mann der DAF. Pg. E i s e n t r a u b aus Frankfurt sprechen wird. Alle Volksgenossen sind zum Besuch der Versammlung eingeladen. Man beachte die heuttge Anzeige. Vortrag von Kapitän Schmehl lm Lichtspielhaus. Im Rahmen einer Morgenfeier wird Kapitän a. D. Schmehl, bekanntlich ein geborener Gießener, der in dankbarer Anerkennung seiner großen Verdienste um die deutsche Sache im Ausland auch mit der Ehrenplakette der Stadt Gießen ausgezeichnet wurde, am morgigen Sonntag im Licht- spielhaus Bahnhofstraße einen Lichtbildervortrag über seine ISmonatige Kreuzerfahrt mit dem Hilfskreuzer „Wolf" mit dem Flugzeug „Wölfchen" halten Auf die Veranstaltung sei besonders hin- geroiefen. Von der Universität. Von der Pressestelle der Universität Gießen wird uns mitgeteilt: Mit der Vertretung des durch das Ausscheiden von Professor Herzog freigewordenen Lehrstuhls für klassische Philologie an der Universität Gießen wurde der Staatsbibliothekar und Dozent an der Universität Würzburg Dr. H. Hommel beauftragt. Professor Dr. Cermak in Gießen ist beauftragt worden, auch im Wintersemester 1936/37 die Vorlesungen über allgemeine synoptische Meteorologie an der Universität Gießen zu übernehmen. Mit der Vertretung des durch das Ausscheiden von Professor Zwick freigewordenen Lehrstuhls für Veterinärhygiene und Tierseuchenlehre wurde Regierungsrat Professor Dr. Karl Beller beauftragt. Mit der Vertretung des Lehrauftrags für Forstzoologie und Schädlingsbekämpfung am Forstin- ftitut der Universität Gießen wurde Professor Merker in Gießen beauftragt. Der nordische Lektor an der Universität Mar - bürg, Fil. lic. Ture Johannisson wird im Wintersemester 1936/37 auch an der Universität Gießen Lehrgänge für schwedische Sprache ab - halten. Tagung der Arbeitskammer Hessen. NSG. Unter der Leitung des Gauobmanns der DAF. Becker fand im Plenarsitzungssaal der Börse zu Frankfurt a. M. am Freitagnachmittag eine Tagung der Arbeitskammer Hessen statt. Zum Thema stand diesmal die Frage der für Werk und Gefolgschaft günstigen Lohnauszahlung. Nach der Eröffnung durch Gauobmann Becker gab der Direktor eines westdeutschen Hüttenwerkes interessante Einblicke in die Versuche dieses Werkes, die wöchentliche Lohnauszahlung, dem Wunsch der Gefolgschaft entsprechend, auf monatliche Aus- Zahlung umzustellen. Im Anschluß an diese Ausführungen sprach der Direktor der Stadtsparkasse Dortmund über die praktische Durchführung der neuen Lohntechnik. An die beiden Referate schloß sich eine interessante Aussprache an. Immer wieder klang aus den Worten aller Redner die Sorge des nationalsozialistischen Deutschland, jedem schaffenden Menschen sein Recht zukommen zu lassen. Wechsel in der Sauwerkscharführung $2L-Sfanbarfenfüfjrer Holzappel Gauwerkscharführer Hessen-Tlassau. NSG. Der Gauobmann der Deutschen Arbeitsfront Hessen-Nassau, Willi Becker, gibt bekannt: „Auf Grund des neuen Abkommens zwischen dem Reichsorganisationsleiter Dr. Robert Le n und dem Stabschef der SA. Lutze ist der bisherige Führer der Standarte 81, Holzappel, zum Gauwerkscharführer Gau Hessen-Nas- s a u ernannt worden. Der Gaureferent für „Schönheit der Arbeit", David Müller, der bisher kommissarisch das Amt des Gauwerkscharführers mitversah, hat die Geschäfte dem neuen Gauwerkscharführer Holzappel übergeben, und ich benutze die Gelegenheit, dem Gaureferenten für „Schönheit der Arbeit" David Müller für die verdienstvolle und aufopfernde Tätigkeit als kommissarischer Gauwerk- scharsührer zu danken. Parteigenosse David Mül - l e r wird weiterhin als Referent für das Amt „Schönheit der Arbeit" tätig fein, wo ihn neue und größere Aufgaben erwarten." Oeffentliche Sitzung -es Kreisausschusses. In einer öffentlichen Sitzung des Kreisausschusies unter dem Vorsitz von Oberregierungsrat Dr. Schönhals, am gestrigen Freitagnackmittag, wurde in zwei Verwaltungsklagen entschieden. Das Kreisamt Gießen hatte am 30. Juli 1936 dem Otto B ö ch e r in Hungen den Führerschein entzogen, wogegen dieser Einspruch erhoben hatte. Der Tatbestand ergab, daß B. am 8. 1. 1936 gegen 21 Uhr in der Kaiserstraße in Hungen einen Verkehrsunfall verursachte, bei dem ein Menschenleben zu Schaden und ein weiteres zum Tode gekommen war, sodaß er hierfür rechtskräftig verurteilt wurde. Der Kläger setzte die Zufälligkeit dieses Verkehrsunfalles auseinander und hob hervor, daß er schon 10 Jahre einen Führerschein besaß und sich verkehrsrechtlich noch nie vergangen hatte. Als Geschäftsführer einer Genossenschaft brauche er einen Führerschein. Sein Verteidiger, Rechtsanwalt Zimmer, begründete die Notwendigkeit eines Führerscheines für den Kläger und erläuterte die schicksalhafte Verkettung von Umständen die in diesem Falle, da dem Verurteilten keine Zeugen zur Verfügung standen, zu seinen Ungunsten ausgefallen waren. Er führte die bisherige Unbescholtenheit dieses Fahrers, der 10 Jahre kein Vergehen begangen hatte, an und belegte durch einige Zeugnisse die Persönlichkeit des Mannes. Der Vertreter des Kreisamtes forderte die Abweisung der Klage mit dem Hinweis auf die hohe Zahl der Unglücksfälle und die Bestrebungen der Reichsregierung zum Schutze des Verkehrs. Nach längerer Beratung wurde die Klage des B. als unbegründet kostenpflichtig abgewiesen. In einem weiteren Falle war dem Friedrich A l t h a u s in Gießen, Kläranlage, der Antrag auf Ausfertigung eines Führerscheines abgewiesen worden. In der Verhandlung kam zum Ausdruck, daß die Vorstrafen des Klägers, unter denen sich auch solche auf verkehrsrechtlichem Gebiet befinden, es nicht für geraten erscheinen lassen, diesem den Führerschein zu gewähren. Der Vorsitzende verwies den Kläger auf die führerscheinlosen Fahr- zeuge. Nach kurzer Beratung wurde auch diese Klage als unbegründet und kostenpflichtig abgewiesen. Damit war nach dreistündiger Dauer die Sitzung geschlossen. Schulgottesdienst am Veformationsfest LPD. Gemäß Vereinbarung der zuständigen Stellen findet, wie EPD mitteilt, auch in Nassau- Hessen am 31. Oktober, am Tage der Reformation, ein allgemeiner Schulgottesdienst statt. Die Gebietsführung 13 der Hitler-Jugend hat auf Antrag der Kirchenbehörde angeordnet, daß die Angehörigen des Deutschen Jungvolks, die am 31. Oktober 1936 anläßlich des Reformationsfestes an einem Gottesdienst teilnehmen wollen, an diesem Tage für die Zeit von 8 bis 11 Uhr vom Staats- jugenbtag befreit sind. ** D i e Verlosung von Auslosungsrechten der Gießener Ablösungsanleihe betrifft eine Bekanntmachung des Oberbürgermeisters in unserem heutigen Blatte, auf die wir besonders Hinweisen. ** Eine öffentliche Mahnung zur Zahlung von Rückständen erläßt die Stadtkasse in unserem heutigen Blatte. Säumige Zahler mögen die Bekanntmachung beachten. EPNH. Evangelische Pfarrpersonalien. Ernannt wurden: der Pfarramtskandidat Lic. Fritz Hahn zu Hopfmannsfeld, Dek.Lauterbach, zum Pfarrverwalter dieser Pfarrei ab 16. 9. 36; der Pfarrvikar Willi Feix zu Gießen zum Pfarr- verwalter der Pfarrei Wenings, Dek. Büdingen, vom 16.9.36; der Pfarrverw. E.Betten zu Langd, Dek. Hungen, zum Pfarrverwalter der Pfarrei Horrweiler bei Mainz ab 1.10.36; der Pfarrer Hermann Trautwein zu Holzhausen, Dek. Gladenbach, zum Pfarrer der Pfarrei Rodheim a. d. B., gleiches Dekanat, ab 1. 10. 36. — Der Pfarrer und Prof. Lic. Wilh. Neufer zu Herborn ist auf feinen Antrag mit Wirkung vom 25. Oktober 1936 ab aus dem Dienst der evangelischen Landeskirche Nassau- Hessen entlassen worden. Er ist zum Landessuperindenten der Lippischen Landeskirche. MmlsesesveWe» JRoman von Zlse Schuster. Copyright 1936 by Aufwärts«Verlag G. m. b. H., Berlin SW 68 32 Fortsetzung. Nachdruck verboten! So lange Hanna Brandes vor der Hütte steht und die Nacht fast unbemerkt ihre Schatten über gleißendes, üppiges Tagesleuchten legt, ist auch ihr Herz still und voller Ruhe. Aber die unruhigen Schatten des offenen Feuers, das leise Summen im Wasserkessel, das Knarren der Dielen und Wände wecken ihren Jammer wieder auf, und ehe sie noch mit brennenden Augen auf ihrem Lager liegt, hat das Gesicht Herbings wieder Besitz von ihr ergriffen. Ihre Gedanken suchen ihn in den Ländern des Balkans, sie sieht ihn in den Hallen der großen internationalen Hotels, hört ihn mit Frauen sprechen und lachen, und es unterscheidet sich nur wenig von dem, was er auch ihr gesagt hat — vielleicht sind es nur die Namen, die anders klingen.. wie Gift ätzt es ihr Herz und ihren Stolz. Die drei Tage der Einsamkeit sind ein Wechsel vom Frieden zur Qual, und als der letzte mit Schnee und verdecktem Himmel anbricht, ist sie froh, fort zu können, es ist wie eine Flucht, die Stimmen von Schnee und Wind sind wie Hohn hinter ihr her. In Buchwald gibt es einen unfreiwilligen Aufenthalt. Sie läuft einer Absperrmannschaft in die Arme, und die lassen sie nicht weiter. Die Straße nach Greiding sei abgesperrt, sie müsse über Wöding. Auf ihre erstaunte Frage, weshalb denn das notig fei, sagten die drei Männer nur: „Winter-Gebirgs-Prüfungsfahrt!" Richtig. Aber über Wöding nach Greiding ist ein großer Umweg, und Hanna ist so müde. „Wie lange sperren sie denn ab?" „Lang kann dös nimmer dauern. So viel kommen gar net durch, wer is denn a so a Gelände gewohnt mit seinem Wagen. Hinter Buchwald wirds ja besser, da treffens auf die Reichsauto, straße, aber bis sie halt dort fin —" orakelt der Mann. Da kommt wieder ein Trupp — zwei — naa, drei sans —" Der erste Wagen knallt an ihnen vorbei, der zweite jagt hinter ihm her — bleibt plötzlich stehen. Aus. Er hockt mitten auf der schmalen Straße, rückt weder vor noch zurück. Fluchen, Gestikulieren, aber das nützt auch nichts. Da kreischen Bremsen äuf — der dritte Wagen kommt ein, hupt zweimal kurz. Der Mann vom zweiten schreit etwas zurück, was niemand versteht, der dritte Wagen steht nun auch. Hanna sieht einen Mann in Uniform aufsprin- gen, sieht auch deutlich sein Gesicht. Dann tut er etwas ganz Unmotiviertes. Er springt in den Wagen zurück, schreit „Weiter! Links vorbei am Haus lang!" Und das Unmögliche glückt, sie quetschen sich zwischen Haus und Wagen vorbei und verschwinden in der Kurve. Schwarzrot war er, der Wagen. Schwarzrot —?, überlegt Hanna, aber sie weiß selbst nicht recht, warum ihr die Farbe ausgefallen !st . . . „Mensch, Leonhardt!", sagt Herdegen und wischt sich den Schweiß von der Stirn „Das ist nochmal gut gegangen!" „Was denn? Das bißchen Vorbeidrängeln," wundert sich Leonhardt über den Kameraden, „ich finde, daß unser fabelhafter Start eine viel bessere Leistung war, die ganze Nacht hat der Wagen frei herumgesprungen, und wie brav ist er angesprungen —" ,Hhr sollt euch nicht immer unterhalten!", schimpft ©Untermann strahlend von hinten. „Jetzt kommt doch die Autostraße, Jungens, wir müssen noch ein paar Punkte herausholen — wir werdens ihnen allen schon zeigen, was wir in Berlin für tüchtige Kerle haben —" Glücklich quetscht er seine Leibesfülle wieder in die Ecke; das war die gescheiteste Idee seines Lebens, daß er mitgefahren ist, außerdem fei er eine so schöne Belastung, hat der Teufelsjunge auch noch gesagt — seine gute Emmy hat ja nicht schlecht gezetert, und allesamt mit Wagen in tiefsten Schneewehen vergraben gesehen — er wird sich nicht lumpen lassen, wenn die Jungens einen anständigen Platz belegen, er wird was springen lassen — aber Himmelwetter, da legen sie ja wieder Tempo vor, daß man sich festklammern muß —? trotz der schneidenden Kälte steigt es ihm heiß ins Gesicht — sie jagen auf der verharschten Straße, die schnurgerade ins Land hineinführt, als sei die Hölle selber hinter ihnen her — das Horn holt auf, der weiße Wagen, schon lange dem Manne am Steuer ein Dorn im Auge, scheint näher zu kommen — weicht zur Seite, wird glatt überholt — ©Untermann knetet seine Hände vor Aufregung und starrt wie hypnotisiert auf Leonhardt, der regungslos hinter dem Steuer hockt. Es denkt jetzt keiner mehr an Unterhaltung — Herdegen hat die Straße im Auge, sieht einmal verstohlen zu dem Kameraden hin. Das Gesicht ist Wille, Konzentration — das Kinn hat sich vorgeschoben — er fährt auch heute wieder ohne Brille, die Augen sind zusammengekniffen — Herdegen erwischt sich dabei, daß er nervös auf den Klang der Maschine hört — nur durchhalten — die Straße hat noch zehn Kilometer für sie in Bereitschaft, und die müssen geschafft werden — trotz der erhöhten Inanspruchnahme des Motors auf diesen unglaublichen Strecken vorher dem armen Ountermann werden sich hinten die Haare langsam sträuben — aber das Herz des Wagens arbeitet exakt, kein Klopfen, kein fremdes Geräusch. — „Brav, brav, —" sagt Herdegen vor sich hin und redet mit dem Wagen wie mit einem Menschen, der tapfer und zuverlässig seine Pflicht tut. Leonhardt hat es gehört, er sieht den Freund zwar nicht an, aber er lächelt stolz. „Du — das ist einer der schönsten Tage meines Lebens, Ludwig —" Dann erkennen sie das Ziel. An den Masten flattern die deutschen Farben, bunte Wimpel heben sich von dem eintönigen Weiß der Landschaft ab, Menschen winken — sie rasen auf sie zu. — Dann ist es geschafft. Der Wagen steht — im Nu sind sie umringt, Hände werden geschüttelt, von denen man nicht weiß, wem sie gehören — ©Untermann ist als erster aus dem Wagen herausgeklettert — er reißt sich die Ledermütze vom Kopf und hat weiter nichts zu tun, als zu strahlen. Er haut erst Leonhardt und dann Herdegen auf die Schulter — aber die haben ganz andere Sorgen. Erst kommt die Zigarette — sie ist ©old wert. Sie werden geknipst, von hinten und von vorn und merken es kaum. Die Presse will allerhand wissen und hat gezückte Bleistifte und Notizbücher — was sie schreiben, begreifen Herdegen und Leonhardt vorläufig überhaupt noch nicht — „Beim Wagen bleiben, Herr ©Untermann!" Dann streben sie nach dem Hotel, in dessen bäuerlicher Behaglichkeit die wichtige Kommission sitzt und rechnet. Sie nicken den Beiden zu und schütteln ihnen beglückwünschend die Hände. „Bis jetzt zweitbeste Leistung, meine Herren. Vor Ihnen liegt ein Mercedes - Sport neuesten Typs." Herdegen und im Wolde sehen sich an, und dann geben sie sich auch die Hand, das gehört einfach dazu, alles gibt sich dauernd die Hand — Sie halten Ausschau nach ©Untermann, und dabei entdecken sie etwas Rührendes. Der Freund und Gönner hat eine Decke aus dem Wagen genommen und legt sie, wie einem braven Tier, sorgsam über den Kühler — es ist fast beschämend für sie. „Bis jetzt zweitbester Platz, Herr ©Untermann!", ruft Leonhardt. „Kommen Sie herein, wir passen schon durch das Fenster auf." Dann sitzen sie befriedigt um den großen runden Tisch und erwarten die letzten Wagen. Leute vom Bau lassen ihnen wenig Ruhe. Man staunt über die Leistung des neuartigen Typs, den noch kein Mensch gesehen hat. Leonhardt sagt gar nichts, er lächelt nur. ©Untermann ergeht sich in Andeutungen und tippt nur immer auf seine Stirn. „Käppchen, meine Herren! Käppchen!" Ein Mann ist unter ihnen, dessen Interesse sich nicht in ungeschickten und lauten Fragen äußert. Er beobachtet den Fahrer im Wolde sehr scharf. Dann nimmt er auch Herdegen aufs Korn. Die Beiden gefallen ihm. Verschwiegen, bescheiden. Der dicke Berliner ist nicht ernst zu nehmen, er freut sich, er weiß auch viel, aber er versteht nichts davon. „Nun, Herr im Wolde, ich vermute, Ihr erster guter Sieg," leitet er das Gespräch ein. Dann stellt er sich vor. Dr. MitteUtädt aus Nürnberg. Der Name fährt Herdegen wie ein Schock durchs Gehirn, er stößt den Kameraden mit dem Fuß an, aber der kapiert nicht, weil ihm der Name Mittel- städt nichts lagt. „Vielleicht haben Sie recht, Herr Doktor," sagt er ruhig. „Wenigstens mein erster sichtbarer Sieg, so weit ich es feststellen kann." (Fortsetzung folgt) Tradition ist. Es müsse wieder Vorteil des eigenen Platzes haben kom- Sommertage aus der Wasserkuppe, scheint gutes kennen aufeigender Warmluftmassen. Hoch Kernel GJl.-fpont Mein Zielsegelflug Wasserkuppe—Gießen Don Dr. Zanke, Gießen. Volksbildungswerk dient allen. Eröffnungsfeier für die Winterarbeit. - Der Weg der deutschen Kultur. Streckenwetter zu bringen. Es gibt im Sommer kaum eine Wetterlage, bei welcher der Segelflieger nicht den zum Fluge nötigen Aufwind findet, es sei denn, daß eine geschlossene Wolkendecke oder Regen und Nebel jeden Flugbetrieb verhindern. Bei leichtem Ostwind kann wohl Oberhessen, die Wetterau und der Taunus das Hauptziel der Streckenflüge werden. Nachdem gegen 10 Uhr der Start von der Sportleitung freigegeben, setzt sogleich am Südhang lebhafter Startbetrieb ein, doch alle Piloten landen wieder in der Nähe der Kuppe, da die Sonneneinstrahlung noch nicht ausreicht, um genügend Wärmeaufwinde zu erzeugen. Inzwischen wird es ein Uhr, und erst jetzt gelingt es einem Plloten weit draußen über dem Tal bei Gersfeld etwas Höhe zu gewinnen. Schneller hintereinander folgt nun Start auf Start, und bald ziehen etwa Zehn Maschinen lautlos, riesigen Raubvögeln gleich, über dem Tal ihre Kreise. Während einige genügend) Höhe erreichen und bei dem herrschenden leichten Ostwind in westlicher Richtung über Land gehen, gelingt es einzelnen Piloten nicht, Anschluß zu finden und sie müssen weit unten im Tal landen. Start zum Zielflug Wasserkuppe—Gießen. Gegen zwei Uhr bin ich an der Reihe und melde Gießen als Ziel an. Die Mehrzahl der Piloten hat ebenfalls Gießen als Landeort angegeben. Inzwischen haben meine Kameraden unseren Rhön- adler „I. B. Häuser" zum Startplatz gebracht. Diese Maschine, von Gießener Segelfliegern zum großen Teil selbst erbaut und von I. B. Häuser mit allen erforderlichen Instrumenten ausgestattet, ist ein hochwertiges Leistungsflugzeug. Nachdem ich mich schnell noch einmal auf der Karte über meinen Fluyweg orientiert habe, werde ich mit dem Gummiseil ms Tal hinausgeschleudert. Weit vor mir kreisen gerade zwei Maschinen, sie haben dort etwas „Thermik", d. h. Wärmeaufwind gefunden, und ich fliege dasselbe Aufwindgebiet an. Es ist jedoch sehr mühsam, hier Höhe zu gewinnen. Kaum mehr als V« Meter Steigen in der Sekunde zeigt mein Steiggeschwindigkeitsmefser an der günstig- sten Aufwindstelle an. Der Steigmesser, für die Feststellung der Auf- und Abwärtsbewegungen des Flugzeuges das wichtigste Instrument für den die als spielstark bekannt war. Ob nun die neue Mannschaft ebenso stark ist, bleibt abzuwarten. 1900 bestreitet den Kampf in der stärksten Aufstellung. Die zweite 3ugenb empfängt die erste von Lich. Auch in dieser Mannschaft der Blauweißen mußten Aenderungen vorgenommen werden. Die Mannschaft sollte an Stärke gewonnen haben. Lich stellt eine erfahrene Mannschaft, die den 1900ern den Sieg schwer machen wird. Die schwerste Aufgabe steht der dritten Jugend bevor, die gegen die erste Wiesecks auf deren Platz antreten muß. Die Wiesecker haben schon manche Mannschaft mit einer schweren Niederlage nach Hause geschickt, und werden auch in diesem Kampfe den Sieger stellen. Die Blauweißen werden iljre Aufgabe darin sehen, den stärksten Widerstand zu leisten. Ebenfalls gegen Wieseck spielt die erste Schülerelf. Die junge Mannschaft des Gastgebers hat sich schon schöne Siege erkämpft, werden sich aber gegen die große Spielerfahrung der kleinen 1900er nicht durch- setzen können. Gutes Melde-Ergebnis für die Gau-Waldlauf-Meisterschaff. Die deutschen Gaue ermitteln am morgigen Sonntag ihre Gaumeisterschaft. Die Besten des Gaues Hessen messen in Gießen ihre Kräfte. Wie bereits berichtet, ist in der Hauptklasse eine Strecke von 10 Kilometer zu durchlaufen. Wenn nicht alles trügt, wird es hartnäckige Kämpfe geben, und man kann öte Frage stellen, wird die Metropole Kassel dem Ansturm der „Provinz" standhalten können. Im vergangenen Jahre mußten die Kasseler den Gebrüdern Neidet (Tv. Heuchelheim) in der Einzel- und Mannschaftswertung den Vortritt lassen. Es sieht zunächst nicht danach aus, als ob der Spieß umgedreht würde, aber Leute wie Walpert (Hessen- Preußen), der neugebackene Gaumarathonmeister Former (Hessen-Preußen), Simon und Schachtler (beide ET.) können schon Ueberraschungen bringen. Don den übrigen Teilnehmern sind zu nennen der Meister des Kreises Friedberg, Hillgärtner (Germania Schwalheim), Traud (Viktoria Nidda), Pfaff (VFB.-Reichsbahn Gießen), Barth (VfB. Marburg). In der Iuniorenklasfe, die nur fünf Kilometer zu bewältigen hat, ist die Beteiligung schwach. Der Sieg sollte hier dem talentierten 1900er Kleemann nicht zu nehmen sein. Die Veranstaltung wird unmittelbar vor dem Fußballspiel 1900 — VfB. abgewickelt. Trocken Gkikurse, die Vorbereitung für den Skilauf. Die in den früheren Jahren bereits mit großem Erfolg durchgeführten Trockenski- und Gymnastik- Kurse des Ski-Klubs Gießen werden auch in diesem Jahr unter Leitung geprüfter Lehrwarte in der Reithalle am Brandplatz stattfinden. Diese Uebungs- abende sind nicht nur für Anfänger, sondern auch für Fortgeschrittene eingerichtet. Durch ausgesuchte Hebungen werden bereits jetzt die Muskelpartien geschult, die beim Skiläufen im weißen Gelände die Hauptarbeit zu leisten haben. Als einzigartig dürfte wohl die bereits im vorigen Jahre vorgenommene Neuerung in Form von Darstellungen der Skiübungen durch Projektion von Lichtbildern in Verbindung mit dem praktischen Ueben sein. (Siehe heutige Anzeige.) Das Lokalireffen 1900-Sf3. Tag der Lokalderby, so könnte man den 25. Ok- ’ tober nennen. Denn neben den Spielen Nürnberg— , Fürth und Eintracht — Sportverein finden in den anderen Gauen und Bezirken weitere Begegnungen von ftarfem örtlichem Einschlag statt. In unserem Bezirk ist es das Treffen 1900 — VfB.-R., das die Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Früher nannte man es „das Spiel der Spiele", denn da hing der Aus- gang meistenteils mit der Meisterschaft ober einem der vorderen Plätze im Zusammenhang. Diesmal liegen die Verhältnisse etwas anders. Selbe Mannschaften haben bis jetzt nicht sonderlich abgeschnitten in den Verbandsspielen und btt weiterer Punktver- lust mit ber Placierung am Tabellenende in Verbindung steht, wird natürlich jede bestrebt sein, das bessere Ende für sich zu behalten. Von beiden La- gern wurden deshalb die stärksten zur Verfügung stehenden Mannschaften aufgeboten. Einzelheiten über den Ausgang wollen wir uns schenken, denn wie oft wurden die kühnsten Erwartungen und die sorgfältigsten Betrachtungen über das evtl. Ende über den Haufen geworfen und gerade das Gegenteil von dem trat ein, was man vorher als sicher prophezeit hatte. Die Lokalspiele ind nun einmal die Spiele, die es am meisten „in sich" haben. Eins wollen wir nicht vergessen und das ist das, daß sich alle Beteiligten von dem einen Gedanken leiten lassen: Nicht um des Sieges willen, sondern um des Sportes willen, geht der Kampf. 1900 II — DfB.-R. II. Hier könnte man geneigt fein, der Reserve der Blau-Weißen einen kleinen Vorteil einzuräumen In der Aufstellung Fischer; Herf, Müller; Weiß, muller, Jäger. Hain; Ranst, Günther, Jäckel, Schmitz, Rinderknecht sind Spieler vorhanden, die chon mit Erfolg in der Ligamannschaft ausgeholfen haben. Doch auch hier gilt das gleiche wie bei dem Spiel der ersten Garnituren. Die Bezirksklaffe am Sonntag. Lollar — Bissen berg: Dieses Spiel soll- ten eigentlich die Lollarer, zumal sie den Vorteil des eigenen Platzes haben, gewinnen. Allerdings werden die Bissenberger alles daran setzen, um den Anschluß an die Spitzengruppe nicht zu verlieren. V u r g — N a u n h e i m : In diesem Spiel er- warten wir Naunheim als knappen Sieger. Frohnhausen — Sinn: Eine einseitige Angelegenheit der Frohnhäuser. Fußball her Kreisklassen. Klein-Linden — Ruppertsburg (Mohr, Gießen)- Steinberg — Lich (Schneidmüller, Niedergirmes)' Steinbach — Leihgestern (Marscheck, Wetzlar); Tv'. 1846 — Daubringen (Drescher, Wetzlar); Heuchelheim — Großen-Buseck (Küster, Berghausen); Hun- gen _ Garbenteich (Böcher, Gießen); Ulm gegen Niedergirmes (Weber, Altenkirchen); Ehringshausen gegen Holzhausen (Keller, Naunheim); Spfr. Wetz- lar — Philippstein (Zitzer, Gießen); Leun — Ober- biel (Cofc, Launsbach); Burgsolms — Albshausen (Ruspeler, Gleiberg); Nauborn — Steindorf (Dörr Werdorf); Steinberg II — Großen-Linden (Hofmann, Wieseck); Heuchelheim II — ©rüninqen Philipp, Gießen); Launsbach — Rüddingshausen (Kreiling, Gießen); Wieseck — Staufenberg (Offenbacher, Gießen); Londorf — Treis (Decker, Garben- teich); Schmalbach — Spv. Wetzlar III (Spies, Nauborn); Büblingshausen — Aßlar II (Knapp, Werdorf); Münchholzhausen — Spfr. Wetzlar II (Kasperski, Wetzlar). „KE.Teuionia^ Watzenborn-Steinberg Am morgigen Sonntag treten drei Mannschaften oer Teutonen auf den Plan. Die 1. Mannschaft empfangt die gleiche vom VfR. Lich zum fälligen ' Verbandsspiel. Wenn sich auch die Licher in der Kreisklasse gut durchzusetzen vermögen, so werden ihnen am morgigen Sonntag in Watzenborn-Stein- 1 berg nicht viel Chancen übrig bleiben zu einem Sieg. Trotzdem rechnet man mit einem etwas 1 chöneren Spiel, als wie am Vorsonntag gegen den 1 Sportverein Hungen. Die 2. Mannschaft spielt vorher gegen die erste I Mannschaft von Großen-Linden. Wenn die Gäste )ier einen Sieg erringen wollen, dann müssen sie ich sehr anstrengen, zumal auch die Teutonen den Das Deutsche Volksbildungswerk in der N S - G e m e i n s ch a f t „Kraft durch Freude" (DAF.) eröffnete gestern Abend in der Aula des Gymnasiums mit einer feierlichen Veranstaltung die Winterarbeit 1936/37. Der Saal bot der Feier den würdigen Rahmen. Flaggen mit dem Zeichen der Arbeitsfront und Hakenkreuz- fahnen schmückten die Wände. Ein prächtiges Führerbildnis war Blickpunkt des Saales Zahl- reiche Gäste aus dem Kreise der Partei und ihrer Gliederungen, der Wehrmacht, der Praainzial- direktion, der Kreisdirektion, sowie auch der Stadtverwaltung und viele Volksgenossen nahmen teil. Kameraden des Mustkzuges der SA-Standarte Nr 116 leiteten den Abend mit einer ausaeÄ neten Wiedergabe der Ouvertüre zu Beter Schmoll" (G. M. von Weber» ein. Der Streik referent für das Deutsche Volksbildungswerk Oberstudiendirektor Or. Wolkewitz begrüßte die zahlreichen Gäste, betonte, daß das Än’9“«rt 6ie Aufgabe habe, jedem deut- jchen Volksgenossen, auch dem weniger Begüterten eme Möglichkeit zu geben, sein Allgemeinwissen zu erweitern. Die Weiterbildung des erwachsenen Menschen sei unbedingt notwendig. Bildung sei nicht nur das Vorrecht bestimmter Kreise, sondern müsse Gemeingut des ganzen Volkes fein. Mit der großen Einigung unseres Volkes durch den Na- tionalsozialismus und dessen Forderung zur Ganz- Helt sei auch die Forderung der Bildung für die Allgemeinheit eine Selbstverständlichkeit geworden. Die Arbeit des Volksbildungswerkes solle eine all- gemein-verständliche Arbeit sein. Die Stunden die ^r Volksgenosse im Volksbildungswerk verbringe, feilten für iljn su Feierstunden werden. Eine wei- tere Aufgabe des Volksbildungswerkes sei es, zur Volksgemeinschaft, zum Nationalsozialismus, zu unö dum Bekenntnis zum beut- ktjen Solfstum 3u erziehen. Die Arbeit gehe vom deutschen Menschen aus und sei für den deutschen Menschen. Der Wille sei auf das Gute und Edle gerichtet. So wolle das Volksbildungswerk auch der Charakterformung dienen. Jedermann, der berufen [et muffe sich in den Dienff dieser Arbeit stellen. Erfreulicherweise hätten sich wieder viele Wissen- jchaftler und Gelehrte zur Mitarbeit bereit erklärt, >voaß es möglich fei, mit allen Lebens- und Er- fcheinungsformen unseres Lebens vertraut zu machen. An der Bevölkerung liege es, sich rege an oer Arbeit des Volksbildungswerkes zu beteiligen, damit dereinst das Ziel — aus Bürger, Bauer uud Arbeiter: ein Volk! — erreicht werde. . Ur den dienstlich verhinderten Kreisleiter Dr. Hildebrandt sprach im Auftrag der Partei und des Kreisleiters Kreisamtsleiter Heß. Er überbrachte herzliche Glückwünsche zur Eröffnung des Volksbildungswerkes und sagte der Ar- beit im Namen der Partei alle Unterstützung zu. Die Partei sehe nicht allein die politischen Aufgaben als ihr einziges Tätigkeitsfeld an, vielmehr wolle fie dem deutschen Menschen überall dienen, wo es irgend möglich sei. Die Partei wisse wohl, daß es nicht nur darauf ankomme, dem deutschen Volke die Existenz zu sichern, wichtig sei, ihm auch das zu geben, was der Seele neue Kraft zu schaffen vermag. Die kulturellen Güter unseres Volkes dürften nicht nur Eigentum „oberer Zehntausend" sein, sie muhten allen Volksgenossen gleichermaßen zugute kommen. Eine weitere musikalische Darbietung, das Andante aus der Sonate PatlMgue (L. van Beethoven), welches das Streichorchester zu einem hohen künstlerischen Genuß zu gestalten wußte, leitete über zum Hauptvortrag des Abends. Der Gauhauptstellenleiter für Volksbildung, Handwerk - Frankfurt a. M. sprach über das Thema „Deutsches Volkstum — Deutsche Größe." In über 50 Orten unseres Gaues, so begann er, seien in diesen Tagen, Volksbildungs- aemeinschasten eröffnet worden. Das sei ein erfreuliches Zeichen des Bildungshungers in unserem Volke. Es fei aber auch ein Zeichen des Glaubens an die Zukunft, die nicht lediglich von der bewaffneten Faust her zu sichern fei. Die geistigen Fähigkeiten unseres Volkes dürften nicht vernach- läffigt werden. Leider fei in vergangenen Jahrzehnten am erwachsenen Menschen viel versäumt worden. Der Nationalsozialismus habe die Aufgabe erhalten, auf geistigem, kulturellem Gebiet ein neues Jahrtausend zu beginnen. Aus dem Fundament der Jahrtausende unserer Geschichte müsse aufgebaut werden. Das Volksbildungswerk habe neben der Behandlung der großen Probleme unserer Zeit auch die Aufgabe, beste deutsche Traditionen lebendig zu machen. Das setze voraus, daß jeder Deutsche um die Wesenheiten unserer Kultur wisse. Unser Volk müsse erhärtet werden im deutschen Nationalgedanken. Es müsse sich zurückfinden zu wahrhaftem deutschen Volkstum, das uns immer über eine schwere Zeit hinweggeholfen habe. Leider habe sich die bisherige „gebildete Schicht" unseres Volkes allzu stark i von den Werten unseres Volkstums entfernt. Leider ' aber feien auch immer wieder fremde Weltanschau- ' ungen in unser Volk hineingetragen worden, wäh» ; rend Kraft und Stärke des eigenen Volkes oergef- i fen wurden. Aber gerade und nur aus den tiefsten l Kräften unseres Volkes feien die herrlichsten Kunstwerke entstanden (nicht, wie manche meinen, aus einer allgemeinen christlichen Weltanschauung). Im- mer wieder die großen Schöpfungen, geboren aus der nordischen rassischen Kraft, hielten unser Volk ! aufrecht. Wir als Deutsche dürsten und könnten deshalb nie Besseres tun, als all das erhalten, was Vor vier Jahren gelang es erstmals deutschen Segelfliegern, ohne Hangaufwind lediglich unter Ausnutzung von Wärme- und Wolkenaufwinden motorlos weite Strecken über Land zu fliegen. Heute schon bereiten Fernsegelslüge bei günstiger Wetterlage keine wesentlichen Schwierigkeiten mehr. Zahlreiche Streckensegelflüge über Hunderte von Kilometern wurden besonders in den beiden vergangenen Jahren ausgeführt, und längst find die Zeiten in der deutschen Segelfliegerei vorbei, da weite Ueberlanbflüge etwa Zufallstreffer waren. Grundsätzliches über den Segelflug. Der Segelflug ist vorläufig noch nicht am Ende [einer Möglichkeiten. Wurden Fernflüge bisher fast immer ohne Zielangabe ausgeführt, sodaß die Flugrichtung unterwegs den zufällig angetroffenen günstigsten Flugbedingungen entsprechend jederzeit geändert werden konnte, so verlangt man heute von einem geübten Segelflieger, daß er nach vorheriger Beurteilung der Wetterlage und des Geländes vor Antritt des Fluges fein Ziel bestimmt. Der Pilot wird damit gezwungen, sich in der Orientierung, die durch die besondere Art des Segelfluges ziem- lief) erschwert ist, zu üben. Außerdem muß er versuchen, auch mit ungünstigen Wetterbedingungen auf dem Wege zu seinem Ziel fertig zu werden. Für die Verwirklichung der Fernzielflüge hat da- her wie im vorigen Jahre so auch im diesjährigen Rhonsegelslugwettbewerb der Deutsche Luftsport- Verband als Veranstalter namhafte Summen ausgeschrieben, weiterhin wurden bei der Punktwer - tung Zielflüge um 100 Prozent besser gewertet, als Streckenflüge ohne Zielangabe. In der ersten Woche des diesjährigen Wettbewerbes gelangen mehrere Fernzielflüge, und bei Winden aus meist nördlicher Richtung waren besonders die Flugplätze im Süden das Ausflugsziel. Nürnberg, Würzburg, Frankfurt und Wiesbaden wurden wiederholt angeflogen. Nachdem mir Ziel- fluge nach Würzburg und Darmstadt gelungen waren, hatte ich natürlich die Absicht, auch einmal meiner Heimatstadt Gießen im Segelflugzeug einen Besuch abzustatten. Der vorletzte Wettbewerbstag sollte mir die Gelegenheit dazu geben. Schlechte Aussichten. men, daß jedermann an den kulturellen Schöpfun- aen unseres Volkes innigsten Anteil nehme. Das Volksbildungswerk wolle hier wieder Verbindungen Herstellen. Der Nationalsozialismus werde dafür sorgen, daß sich unser deutsches Volkstum — befreit von der Zementdecke fremder Ideologien — wieder frei entfalten könne. Es gehe nicht um große Probleme, sondern um das Erkennen der Wahrhaftigkeiten in unserem Volkstum, denen wir im faustischem Drang näherkommen müßten. Der Nationalsozialismus weise den Weg für das deutsche Geistesleben und echte deutsche Kultur. Der deutsche Mensch werde aus dem Bewußtsein einer großen Vergangenheit heraus innere Geschlossenheit und Selbstsicherheit roieberge- minnen, wie sie dem Volke in früheren Jahrhunder- ten äu eigen waren. Das deutsche Volk werde zu sich selbst zurückfinden, im Bewußtsein der in der nordischen Rasse bedingten Kräfte. Stolz und glücklich dürften wir sein, daß wir jetzt wieder zu unserem ureigensten Wesen zurückgefunden haben. Die nationalsozialistische Weltanschauung wolle aber nicht nur Kräfte und Größe der Vergangenheit herauirufen, andern auch dazu beitragen, daß sich alle schöpfen chen Kräfte unseres Volkes zu höchster Blüte ent alten. lieber die seelische Gesundung unseres Volkes wird der Weg auch wieder zur Heimat führen, zu neuer Gesittung, zu neuer Lebenshaltung. Der Gestal- tungswille unserer Zeit lasse erkennen, daß sich eine neue große kulturelle Entwicklung anbahne. Das komme schon in den Bauten von Nürnberg, München und Berlin zum Ausdruck. Der deutsche Mensch müsse sich zu einer großen, reinen, völkischen Lebensauffassung bekennen. Nicht das Gesetz, sondern die Gesittung müsse das Volk zu neuen Taten begeistern. Das Volksbildungswerk wolle den deutschen Menschen hineinstellen in ein Schaffen für Deutschlands Zukunft. Er solle oer- traut gemacht werden mit dem Erbgut unseres Volkes, aber auch seelisch mobilisiert werden für die gewaltigen Aufgaben unseres Volkes. Aus dieser neuen Gesinnung wachse der neue Typ, der kämpferische deutsche Mensch, der die Nation als ewige Tatsache erkenne. (Lebhafter Beifall.) Die Raymund - Ouvertüre von Thomas beschloß den Abend, der mit dem Bekenntnis zum Führer Adolf Hitler und dem gemeinsamen Gesang der beiden Nationallieder ausklang. Am Vormittag treffen sich die Jugendmannschaf- ten von Leihgestern und Watzenborn-Steinberg auch auf dem Gelände der Teutonen. Man kann ohne weiteres sagen, daß die Gäste, die zur Zeit eine gute Jugendmannschaft stellen, den Sieg mit nach Hause nehmen werden, wenn nicht die Einheimischen eine gute Gesamtleistung aufbringen. Sportverein 1920 Heuchelheim. Die I. des Sportvereins Heuchelheim spielt am Sonntag gegen die I. von Großen-Buseck auf eigenem Platze. Großen-Buseck war schon immer ein gleichwertiger Gegner der Heuchelheimer. Der Ausgang des Spieles ist nicht vorauszusagen. Heuchelheim ist wohl technisch überlegen, doch die Großen- Busecker sind schußfreudiger. — Die 2. Mannschaft erwartet die 1. von Grüningen. Heuchelheims 2. wird dieses Spiel wohl für sich entscheiden können. Fußball im Tv. Allendorf (Lahn). Am morgigen Sonntaa ist die zweite Jugend» Mannschaft von Großen-Linden in Allendorf zum fälligen Verbandsspiel zu Gast. Die Gästemannschaft, die sich z. Z. in einer sehr guten Form befindet, und bis jetzt noch kein Punktspiel verloren hat, wird sich auch die Punkte aus diesem Spiel nicht nehmen las- sen. Die einheimische Mannschaft muß leider ersaß- geschwächt antreten. Zuqendspiele der Sp -Vg. 1900. 21m Sonntaa werden die Pflichtspiele der Jugend- mannhaften fortgesetzt. In Klein-Linden muß die erste Jugend antreten. Die Mannschaft Klein-Lin- dens ist der Gruppe neu zugeteilt worden. In der vergangenen Spielserie stellten sie eine Mannschaft Uralte TtaOUion nt mit dm Zrüchten deutscher es rÄ .»-*• *;•69 •"hän veflcres. ___ mir kreisen zwei Rhönsperber, während unten im Tal bereits viele Maschinen gelandet sind. Hoffentlich finde ich den Anschluß, um nicht auch landen zu müssen! Der schwache Aufwind hält zum Glück an, und allmählich erreiche ich nach endlosem Kurven etwa 700 Meter über Grund. Inzwischen versetzte mich der Ostwind etwa 2 km in westlicher Richtung. Die erreichte Höhe genügte mir nun, um mit Kompaßkurs „West" den Streckenflug anzutreten. Vor mir liegt das weite, nach Westen freie Tal, und im 80-km-Tempo geht es jetzt über weite Felder und kleine Rhöndörfer hinweg, halbrechts vor mir Fulda, im Dunst eben erkennbar. Ich beurteile sorgsam das Gelände vor mir und erwäge, wo etwa neuer Aufwind zu erwarten ist, und ändere dementsprechend, jedoch nur wenig meinen Kurs. Nach etwa 5 km Flugstrecke treffe ich in 300 Meter Höhe auf einen ziemlich kräftigen Aufwindschlauch, der mich schnell wieder hebt. Von einem ausgedehnten trockenen Ackerfeld unten im Tal mochten» sich diese Warmluftmassen abgelöst haben. Mit einem Meter Steigen in der Sekunde geht es aufwärts und bei 800 Meter ist die Aufwindenergie allmählich erschöpft. Bald überfliege ich südlich Fulda die Bahnlinie nach Schlüchtern, und nun liegt auf meinem Weg nach Westen zu ein riesiges Waldgebiet, über dem erfahrungsgemäß die Luft sich nur sehr langsam erwärmt und meistens abwärtsgerichtete Luftströmungen zu erwarten sind, ich weiche daher nach Südwesten aus. Bald ist im Geradeausflug meine kostbare Höhe wieder verloren und vergeblich warte ich darauf, daß mir irgendwo die Häusermassen eines der Dörfer, die ich überfliege, neuen Aufwind spenden. Kurz vor Flieden bin ich höchstens noch 150 Meter hoch und schaue bereits nach einem geeigneten Landeplatz aus, versuche jedoch noch einmal, ob nicht über den breiten Gleisanlagen oder über dem Dorf selbst „Thermik" zu finden ist. Ich suche überall vorsichtig, falle aber gleichmäßig mit 1 m/sec. Von Aufwind ist nichts zu spüren! Auf den Dorfstraßen stehen Menschen und schauen herauf zu dem Segler, der dort lautlos seine Kreise zieht. Ueberall flattern Tauben ängstlich auseinander, sie fürchten sich vor dem großen Adler, der hier über ihnen schwebt. Dreimal, viermal kurve ich über den Häusern und habe mich bereits damit abgefunden, landen zu müssen. Endlich ein Aufwindschlauch! Wohl 60 oder 70 Meter Höhe habe ich noch, da wird auf einmal die Luft unruhig, ich merke, daß ich gehoben werde, und schon hört mein Steig - Messer auf, „Fallen" anzuzeigen, sein Zeiger klettert, ich kurve weiter und sprughaft gibt der Zeiger einen Meter, schließlich sogar fast zwei Meter Steiggeschwindigkeit an. Endlich! Das Spiel ist gewonnen, jetzt gehts wieder aufwärts. Sehr eng nur ist der Aufwindschlauch so dicht über dem Boden, ich muß also ganz steil kurven, um nicht herauszukommen. Die rechte Flügelspitze scheint über dem Boden stillzustehen, so steil liegt der Adler in der Kurve. Eine ergiebige Warmluftblase hat sich hier über den Häusern abgelöst und wahrscheinlich habe ich selber dadurch, daß ich mehrmals drüber hinweaflog, die Ablösung bewirkt bezw. beschleunigt. Ich kurve immer weiter und die Steiggeschwindigkeit hält an; wohl hundert Kreise werden es, die ich hier ziehe. Bald liegt Flieden weit unter mir, die Häuser sind winzig klein und die Menschen kaum zu sehen. Erstaunt werden die Dorfbewohner zugeschaut haben, wie aus so niedriger Höhe das Flugzeug plötzlich sich wieder lautlos hochschraubte. Sie sehen nicht die Energien im Luftraum, die der Segelflieger auszunutzen gelernt hat. Mein Höheneben hinter mir. Eigentlich mußte Gießen in der Feme jetzt schon zu sehen sein, ich schaue voraus, doch der Dunst versperrt die Sicht. Die Konturen des Dünsberges find zu erkennen. Halblinks vor mir entdecke ich einen Rhönsperber, anscheinend über Nidda kreisend, die einzige Maschine, die ich auf dem weiten Wege treffe, seit ich mich von den gleichzeitig mit mir an den Hängen der Wasserkuppe segelnden Flugzeugen trennte. Bald liegt Hungen vor mir. Auf langer Strecke war keine Thermik zu finden, und viel Höhe habe ich auch nicht mehr zu verlieren! Wider Erwarten nirgends neuer Aufwind, dazu kurz vor Hungen auch noch ein Ab - » Ein „Rhönsperber" über der herrlichen Landschaft der Rhön. (Aufnahme: Winterhoff, Gießen.) meffer klettert immer noch, fast 1200 Meter beträgt die hier zu erreichende größte Höhe, und weiter gehts mit Kompaßkurs nach Westen im Gleitflug. Hoch über dem Vogelsberg. Tief unter mir ziehen die Südhänge des Vogelsberges langsam vorbei, herrlich ist der Rundblick aus die vielen, winzig erscheinenden Dörfer. Freien- Steinau überfliege ich in großer Höhe, rechts vor mir liegt der Hoherodskopf. Man erkennt dort unten keine Berge, nur flache, bewaldete Hügel scheinen es zu sein. Häufiger als zu Beginn meines Fluges treffe ich jetzt Aufwindgebiete an und kann daher meine Höhe einigermaßen halten. Immer wieder orientiere ich mich nach Kompaß und Karte, um richtigen Kurs zu halten. Gedern, erkennbar an der engen Bahnschleife und den Teichen, liegt windgebiet, mit zwei Metern in der Sekunde geht es bergab. Direkt vor Hungen ist fschon eine Maschine gelandet, viel' Menschen stehen herum. Kaum hundert Meter unter mir erkenne ich jetzt den blaugelben Rhönsperber des bekannten Flugkapitäns der Lufthansa Helm, der hier landen mußte. Neuer Auftrieb über Hungen. In der Erwartung, über den Häusern von Hungen wieder Aufwind zu finden, habe ich mich nicht getäuscht, denn knapp über den ersten Häusern schon beginnt meine Maschine zu steigen, zunächst langsam, bald werden es bann aber ein und schließlich zwei Meter. Steil muß ich wieder kurven, da der Aufwindkamin sehr eng ist. Die Zuschauer bdrf unten bei Ser gelandeten Maschtns kommen um das Vergnügen, auch mich landen zu sehen. Vielmehr kurve ich mich sehr schnell hoch. Der Weiterflug über Langsdorf und Lich bietet keine Schwierigkeiten mehr. Wiederholt sind auf dieser Strecke noch Aufwindgebiete zu finden und in 1600 Meter Höhe komme ich über dem Schiffenberg an, überfliege den Bergwerkswald und bin gegen fünf Uhr über Gießen. Jetzt Jeder hilft dem WHW.! Opferspenden vom Lohn oder Gehalt sind an das Dinterhilfswerk des Deutschen Volkes, Kreisführung Vetterau in Gießen. Postscheckkonto Jlr. 23 633, oder auf dessen Bankkonto 6100 bei der Bezirkssparkasse Gießen zu überweisen. bleibt mir Zeit genug, mich über der Stadt auf» zuha^en und den Rundblick zu genießen. Ueber dem Südteil der Stadt finde ich zufällig noch ein ziemlich starkes Aufwindfeld, das mich auf 1800 Meter trägt, und damit erreiche ich die größte Höhe des ganzen Fluges. Fast eine Dreiviertelstunde kann ich unter Ausnutzung von Wärmeaufwind en, die das Häusermeer unten ausstrahlt, segeln, bis die Sonneneinstrahlung allmählich nach- läßt und mich zur Landung zwingt. Landung im Flughafen Gießen. Auf dem Flughafen sind schon vier Kameraden von der Wasserkuppe gelandet und beginnen bereits die Maschinen zum Rücktransport abzumontieren. Auf verschiedenen Wegen erreichten fünf Piloten im Zielflug von der Wasserkuppe aus den Flughafen Gießen und legten damit — in Luftlinie gemessen — eine Strecke von 87 Kilometern zurück. Kernihough fuhr Weltrekord. Der Engländer Fernihough, der zusammen mit Ernst Henne am vorletzten Wochenende auf der Reichsautobahn bei Frankfurt a. M. Rekordversuche unternahm und dabei nicht sehr vom Erfolg begleitet war, hat sich nach Ungarn begeben und seine Versuche auf der bekannten Rekordstrecke, der Betonstraße von Gyon in der Nähe von Budapest fortgesetzt. Dabei gelang es dem Engländer, in der 1000* Kubikzentimeter-Klasse mit feiner Brough» Superior-Maschine mit 1 7 4,270 Kilometer« stunden einen neuen Weltrekord für die Meile mit stehendem Start aufzustellen. Der Engländer verbesserte damit den Weltrekord von Ernst Henne, den b?r Münchener auf BMW. am 21. Septemoer 1930 mit 171,21 Kilometerstunden in München auf- i stellte. w ftefjgec innigsten Dank. Im Namen der Hinterbliebenen: 04931 Wilhelm Menges. Großen-Linden, den 24. Oktober 1936. DANKSAGUNG Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme, sowie für die zahlreichen Bl um en spenden bei dem Hinscheiden unseres lieben Entschlafenen Herrn Joh. Menges, Steiger i. R. sage ich allen Verwandten und Bekannten, insbesondere Herrn Pfarrer Schultheis für seine trostreichen Worte und der Gemeindeschwester für ihre treue Pflege Immobilien ■ Hypotheken , Versicherungen jeder Art durch H. REINSCHMIDT Gießen • Horst-Wessel-Wall51 «Tel.3267 __________________________________________04918 Aufnahme für das Winterhalbjahr in die l-uJ/2-iähr. Klassen. Beginn 20. Oktober 1936 Anmeldungen und Auskunft i. Gießen, Goethestraße 32, jederzeit. Lindner-Lastanhänger ab Lager Frankfurt/Main lieferbar General-Vertretung für Hessen und Hessen-Nassau Fritz Keunecke, Frankf./M. Schneidhainerstraße 13, Tel. 76746 42640 Am 22. d. M. entschlief sanft nach schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Großvater, Urgroßvater, Schwager und Onkel Philipp Menges VI. Güterbodenarbeiter i. B. im 76. Lebensjahr. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Christine Menges, geb. Menges nebst Angehörigen Großen-Linden, den 22. Oktober 1936. Die Beerdigung findet Sonntag, 25. Oktober, nachmittags 2.30 Uhr, vom Sterbehaus Bahnhofstr. 56 aus statt 09054 Todesanzeige. Unser treuer Zuchtkollege Wilhelm Fuchs wurde uns durch den Tod entrissen. Beerdigung: Sonntag, den 25. Oktober, nachmittags 27z Uhr. Kleintierzuchtvereln Daubringen. _____________________________________6770V Möbelfabrik und Einrichtungshaus 6ebr.Irefzger, Frankfurt a.M„ Gr.Friedbergerstr, 33 Kbmliwn? ob. sonstige Reparaturen werb, erstkl. u. preiswert ausgesübrt burch [6768D E. Zollinger Klaviertechniker unb Stimmer Gießen, Wilsonstraße 5, Tel. 3119. Haribrennholz, a Wagen 5 Mk.. Anmachholz ä Wagen 6 Mk., 1 Sack Anmachholz 1 Mk frei Keller. 38hD J. Wellhöfer, Telephon 2313, Marb.Str.24. Kataloge bei Brühl, Gießen Hier ^änd«tw- und da die neue Linie — ergibt: Angenehmsten Sitz, hochgesetzte Ohrbügel stören den seitwärtig. Blick nicht mehr. Das ist die neue Vollsicbtbrille von Optikei Magnus Seltersweg 33 Kassenllelerant Umschuldung von Aufwertung» - Hypotheken und sonst, hochverz. Hypotheken durch unkündbare 5%ige Tilg.- Hypotheken (Bankgelder). 6407V Agentur: Broeckelmann sen. und Grund, Kassel, Ständeplatz 18. Nervös-Erschöpfte Spezialkuranstalt Hofheim 7 (Taunus) Mäßige Preise. 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Schnlze-Kahleyss, Nervenarzt «fe 1 1 fege?» 1 Vogtsche Prlvat-Handelsschuie Gießen, Goethestr.32 Sahrrptan der GtädüsOero StvaSsnbahn, GieSen Gültig ab 4.November 1936 Grüne Linie Bahnhof - GEevsweg - Marktplatz - LViesetLev weg - (Srtedhof) - Wiesers Bahnhof........... — — 6-37 — 7-00 7-07 715 7-22 7.37 7-46 12-52 13-15 13-22 13-50 13-57 15-37 15-46 15-62 1A 1 6-07 16-15 16-22 16-50 16-57 16-45 19-52 20-oo 20-22 20-57 20-52 21-07 21-22 21-37 22-07 22.37 Marktplatz.......... 5.45 6.16 6-45 7.00 7-07 7.15 7-22 7-30 7.37 7.45 7-62 13-00 13-07 13.15 13-22 13-50 13-37 13-45 15-46 15-62 16-oo 16-07 16-15 16-22 16-30 16-57 16-45 16-52 20-oo 20-07 20-15 20-30 20.45 21-00 21-15 21-30 21.46 22-15 22.45 Wiesecker Weg ...... 5-60 6-20 6-60 7-06 713 7.20 7-28 7-35 7.43 7-60 7-68 'S 13-05 13-13 13-20 13-28 13.55 13-45 13-60 s 15-60 15-68 16-06 16-15 16-20 16-28 16-55 16-45 16-50 16-58 s 20-os 20-15 20-20 20-55 20-60 21-06 21-20 21-56 21.60 22-20 22-50 Friedhof............ — —— — —— — — — — — — — —— 13.17 — 13-52 — 13-47 — —— 16-02 —— 16-17 — — — —— — — — —— —— — —— — — —— — — — Feuerbachstraße..... 5-62 6-22 6.52 7-07 — 7-22 — 7.37 — 7-62 — 13-07 — 13-22 — 13-37 — 13-62 15-62 — 16-07 — 16-22 — 16-57 — 16-52 — 20-07 — 20-22 — 20-52 — 21-22 — 21-52 22-22 22.52 Wieseck............. 6.00 6-30 7-00 7.15 — 7-30 — 7.45 — 8.00 — 0 13-16 — 13-30 — 13-45 — 14-oo 0 I6-00 — 16-15 — 16-30 — 16-45 — 17-oo — Q> 20-15 — 20-30 — 21.00 — 21-30 — 22-00 22-30 23-00 Äieseck............. 6-00 6-30 7-oo — 7.15 — 7-30 — 7.45 — 8.00 2 — 13-16 — 13-50 — 13-46 — 2 — 16-oo — 16-16 — 16-30 — 16-45 — 17oo 2 — 20-15 20-so — 21.00 — 21-50 — 22-00 22-30 23-00 Feuerbachstraße..... 6.07 6-37 7-07 — 7-22 — 7.37 — 7-62 — 8-07 0 — 13-22 — 13-57 — 13-62 — Q — 16-07 — 16-22 — 16-57 — 16-52 — 17-07 Q — 20-22 20-37 — 21.07 — 21.37 — 22-07 22-37 23-07 Friebhof............ — — —- — — — — —- — — — — 13-28 — 13-43 — 13-68 15-68 — 16-15 — 16-28 — — — — — uQ — — — — — — — — — — — Wiesecker Weg....... 6-09 6.39 7-09 7.17 7-24 7.32 7.39 7.47 7-54 8-02 8-09 c 13-17 13-24 13-32 13.39 13-47 13-64 14-02 e 16-02 16-09 16-17 16-24 16-52 16-39 16-47 16-54 17-02 17-09 e 20-17 20-24 20-39 20.45 21-09 21-16 21.39 21-46 22-09 22.39 23-09 Marktplatz.......... 6.16 6-46 7-16 7-22 7-30 7.37 7-46 7-62 8.00 8-07 8-16 13-22 13-30 13.37 13-46 13-62 14-02 14-07 16-07 16-15 16-22 16-30 16-37 16-45 16-52 17.00 17-07 17-15 20-22 20-30 20-45 20-52 21-15 21-22 21-46 21-52 22-15 22.45 23-15 Bahnhof ........... 622 6-52 7.22 7-30 7-37 7-46 7-52 8-oo 8-07 8.16 8-22 13-30 13-37 13-45 13-52 14-00 14-07 14-15 16-16 16-22 16-50 16-37 16.45 16-52 17-00 17-07 17-15 17-22 20-30 20-37 20-52 21-00 21-22 21-50 — 22.00 22.22 — — Rote Linie Bahnhof - Bahnhofstvaüe - Marktplatz - Lndtvigsvlatz - vrovinzial vflegeanstalt - volkshalle - Llvtillerie-^asevne Bett. Friedhofsverkehr: An Sonn-unb Feiertagen fahren die Wagen 10.45, 11-00, 11-15, 11-20, 13.30 usw. wie an Werktagen ab Gießen, den 1. November 1936. Bahnhof zum Neuen Friebhof. Ferner wirb im Sommerfahrplan der Friebhofsverkehr bis 18.1a Uhr ab Neuen Friedhof verlängert. „ Städtische Betriebe Gletzen. Bahnhof................................ — 6-37 6-45 6-52 7-oo 7-07 7-16 7-22 7-30 7-37 7-46 7-62 8-oo 20-oo 20.07 20-16 20.30 20.45 21-00 21-16 21-30 21.45 22.00 22-15 22.37 Horst-Wessel-Wall ........................ 6-41 6-49 6-56 7-04 7.11 7-19 7-26 7-34 7-41 7.49 7-56 8-04 20-04 20-11 20-19 20-34 20.49 21-04 21-19 21.34 21.49 22.04 22-19 22.41 Marktplatz............................... — 6-07 — — — 6.37 — 6-45 6-52 7-oo 7-07 7-15 7-22 7-30 7.37 7.45 7.54 800 8-07 unb so weiter 20-07 20-16 20-22 20.37 20-52 21-07 21-22 21.37 21-52 22.07 22.22 22.45 Lubwigsplatz............................. — 6-n — —— —— 6-41 —— 6-49 6-56 7-04 7.11 7-19 7-26 7-54 7-41 7-49 7-66 8-04 8-11 alle 7 Vi Minuten 20-11 20-19 20-26 20.41 20-56 21-11 21-26 21.41 21-56 22-11 22-26 22.49 Provinzial- Pflegeanstalt................... — 6-15 — — — 6-45 — 6-52 7-00 7-07 7-16 7 22 7-50 7-37 7.45 7-62 8-00 8-07 8-15 bis 20-15 20-22 20-30 20-45 21-00 21-16 21-30 21.45 22.00 22-16 22-50 22-62 Bolkshalle............................... — 6-16 — — — 6-46 — 6-54 7-02 7-09 7-17 7.24 7-32 7-59 7.47 7-54 8-02 8-09 8-17 20-17 20-24 20-32 20.47 21-02 21-17 21-32 21.47 22.02 22-17 22-32 22.54 Artillerie-Kaserne ........................ — 6-17 — — — 6-47 — 6-57 7-05 7-12 7-20 7-27 7-35 7-42 7-50 7-57 8-06 8-12 8-20 20-20 20-27 20-36 — — — — — — — — Artillerie-Kaserne ........................ — 6-17 — — — 6-47 — 7-00 7-09 7-16 7.24 7-31 7-39 7-46 7.54 8-01 8-09 8-16 8-24 20-24 20-31 20.39 _ _ — _ — — — _ _ Volkshalle............................... — 6-20 — — — 6-60 — 7-04 7-12 7.19 7-27 7.54 7-42 7-49 7-57 8-04 8-12 8-19 8-27 unb so weiter 20-27 20.34 20.42 20-60 21.05 21.20 21-35 21-50 22-06 22.20 22.36 22-68 Provinzial-Pflegeanstalt................... — 6-23 — — — 16.53 — 7-07 7-15 7-22 7.30 7.37 7-46 7-62 8-oo 8-07 8.16 8-22 8-30 20-so 20.37 20-46 20-52 21.07 21-22 21-37 21-62 22-07 22.22 22.37 23-00 Lubwigsplatz............................. — 6-27 — —— — 6-57 — 7-11 7.19 7-26 7.34 7.41 7-49 7-56 8-04 8.11 8-19 8-26 8-34 alle 7 1/r Minuten 20.34 20.41 20-49 20-56 21.11 21-26 21-42 21-66 22-11 22.26 22.42 23.04 Marktplatz............................... — 6-30 — — — 7-00 — 7-15 7.22 7.30 7.37 7-46 7-52 8.00 8-07 8-16 8-22 8-50 8-37 bis 20.57 20.45 20-52 21-00 21-16 21.30 21-45 22-00 22-15 22.30 22.45 23-or Horst-Wessel-Wall........................ 6-26 6-33 6-41 6-48 6.56 7.05 7-n 7-19 7.26 7.34 7.41 7-49 7-66 8.04 8-11 8.19 8-26 8-34 8-41 20.41 20-49 20.5- 21-04 21.19 21.34 21.49 22-04 22-19 22.34 22.49 23-ie Bahnhof................................ 6-30 6-37 6-45 6-52 7-oo 7-07 7-15 7-22 7-50 7.37 7.45 7-52 8-00 8.07 8-16 8-22 8-30 8-37 8-45 20-46 20-62 21-oo 21.07 21-22 21.37 21-62 22-07 22.22 — — — Nr. 250 vierter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Samstag, 74. Oktober 1936 L , < ASSISI v vx", V. /.<*.<> RLi ID IM M : L -• V), * NE * ' • - - M --'ÄW» V' ■ ■ i^KMMW^^^^WWNW I I ■"■■ 1/ :c4jx 'en stumpf? ?U ... Schärf' Deine Kräfte: frische Kraft bringt frohen Mut!... Sonne gibt Kraft und Mut! Sonne bringt Kreude in den grouea Alltag!! ...Drum bestrahl' Dich regettnäßt- mit „Hanauer Höhensonne^ Die kostenfreie vrucksawe 71r. 843 oder pegett 60 pf. in Marken d. Rachschlagebuch „Ultraviolett- Strahlen o. der menschl. Körper" sowie eine probK dose »Sngadina Ereme v • V M IW eine Kleinanzeige H«rwepat» der beste« Omokeaehai «i» Ist die bOHgsted foaen&e es allen OrOlrtWie OrmAwcrtr Schnistraöe 1, Anraf ÄXfi Drogerie Karl Klein. .HÖHENSONNE“ Mündlich können (Sie eS nur wenigen Wir beraten SH Wir entwerfet* Wir drucken S* Viktoria-Drogerie E. Guth Central-Drogerie E. Kam Germania-Drogerie C. Seibel Drogerie Winter hoff Verlosung von Auslosungsrechten der Ablösungsanleihe der Stadt Gießen. VII. Ziehung: 20. Oktober 1936. Auszahlung: 2. Januar 1937. Gezogen wurden: Gruppe A zu nom. 1000 RM. — 2 Stück: Nr. 3,52. Gruppe B zu nom. 500 RM. — 2 Stück: Nr. 26,70. Gruppe C zu nom. 200 RM. = 14 Stück: Nr. 15, 30, 97, 104, 145, 250, 252, 285, 291, 324, 338, 348, 350, 356. Gruppe D zu nom. 100 RM. = 29 Stück: Nr. 56, 81, 101, 106, 119, 129, 186, 207, 212, 246, 252, 284, 304, 312, 407, 454, 459, 478, 556, 559, 606, 609, 630, 633, 639, 648, 650, 784, 796. Gruppe E zu nom. 50 NM. = 64 Stück: Nr. 19,75, 83, 195, 197, 203, 215, 218, 268, 344, 420, 442, 469, 535, 590, 643, 665, 666, 766, 809, 850, 861, 889, 900, 903, 958, 1020, 1044, 1047, 1055, 1087, 1104, 1125, 1177, 1240, 1247, 1250, 1253, 1306, 1326, 1335, 1338, 1363, 1387, 1405, 1427, 1440, 1453, 1466, 1503, 1505, 1509, 1513, 1539, 1542, 1605, 1694, 1744, 1808, 1812, 1838, 1878, 1881, 1919. Gruppe F zu nom. 25 RM. — 98 Stück: Nr. 45, 84, 105, 108, 132, 138, 239, 244, 257, 281, 311, 326, 370, 399, 428, 514, 582, 607, 632, 697, 771, 810, 907, 916, 969, 985, 994, 1005, 1037, 1042, 1088, 1118, 1164, 1211, 1212, 1306, 1346, 1377, 1393, 1399, 1451, 1528, 1533, 1553, 1588, 1590, 1593, 1613, 1644, 1662, 1696, 1710, 1738, 1742, 1782, 1812, 1823, 1838, 1844, 1858, 1881, 1921, 1934, 1944, 1964, 1996, 2005, 2024, 2053, 2070, 2097, 2217, 2227, 2249, 2275, 2282, 2308, 2373, 2384, 2385, 2409, 2415, 2425, 2449, 2480, 2486, 2523, 2542, 2550, 2639, 2683, 2773, 2780, 2823, 2828, 2861, 2894, 2917. Gruppe G zu nom. 12,50 RM. = 80 Stück: Nr. 43, 101, 166, 207, 211, 228, 247, 257, 258, 310, 352, 373, 395, 429, 440, 454, 455, 497, 538, 581, 594, 638, 666, 689, 697, 715, 735, 792, 818, 835, 839, 863, 948, 983, 988, 1023, 1031, 1056, 1059, 1100, 1123, 1248, 1263, 1289, 1304, 1343, 1347, 1371, 1400, 1483, 1504, 1505, 1519, 1554, 1579, 1657, 1667, 1673, 1686, 1717, 1783, 1791, 1839, 1852, 1861, 1896, 1938, 1939, 1963, 1987, 2088, 2129, 2196, 2225, 2255, 2277, 2345, 2358, 2365, 2376. Die ausgelosten Stücke werden zum sechseinhalb« fachen ihres Nennbetrages eingelöst. Außerdem werden bei der Einlösung Zinsen in Höhe von 5 v. H. des Einlösungsbetrages für die Zeit vom 1. Januar 1926 bis 31. Dezember 1936 vergütet. Beispiel: Bei der Einlösung werden gezahlt für je 100 RM. Nennwert der Auslosungsscheine .............. 650,— RM. dazu 5 v. H. Zinsen für 11 Jahre -- 55 v. H....... 357,50 RM. zusammen: 1007,50 NM. Die Einlösung erfolgt bei der Stadtkasse Gießen, und zwar vom 2. Januar 1937 ab gegen Rückgabe der gezogenen Auslosungsrechte nebst Schuldverschreibungen der Ablösungsanleihe im gleichen Nennbeträge. Gleichzeitig wird noch bemerkt, daß von früheren Ziehungen die nachstehenden Stücke bisher nicht eingelöst worden sind: Gruppe C, Nennwert = 200 RM.: Nr. 81, 140, 292. Gruppe D, Nennwert = 100 RM.: Nr. 15, 79, 342, 420, 827. Gruppe E, Nennwert = 50 RM.: Nr. 52, 178, 183, 216, 653, 995, 1012, 1379, 1456, 1706. Gruppe F, Nennwert = 25 RM.: Nr. 71, 83, 118, 165, 262, 270, 276, 278, 296, 322, 336, 345, 642, 708, 850, 1173, 1333, 1449, 1566, 1594, 1595, 1660, 1667, 2280, 2304, 2504, 2652, 2903, 2921, 2937. Gruppe G, Nennwert = 12,50 RM.: Nr. 74, 144, 152, 165, 172, 177, 179, 181, 185, 187, 192, 197, 202, 220, 223, 244, 1369, 1411, 1614, 1719, 1723, 1785, 1937, 2371, 2383, 2385, 2391, 2395, 2404, 2418. Gießen, den 21. Oktober 1936. Der Oberbürgermeister: I. V.: l)r. Hamm, Bürgermeister. Bekanntmachung. Die nächsten Viehmärkte in Gießen finden statt: Dienstag, den 27. Oktober 1936: Rindvieh- (Nutz- Pieh-) Markt. Auftriebszeit von 7.30 Uhr bis 8.30 Uhr vormittags. Mittwoch, den 28. Oktober 1936: Schweinemarkt. Auftriebszeit von 8 bis 9 Uhr vormittags. Auf dem Rindviehmarkt wird sämtliches Vieh gegen Maul- und Klauenseuche schutzgeimpft. G i e ß e n, den 24. Oktober 1936. 6732 C Der Oberbürgermeister: I. V.: Sudheimer, Beigeordneter._______ Bekanntmachung. Oüngemitiellieferung. Die Lieferung des zum Düngen der städt. Wiesen benötigten künstlichen Düngers, und zwar: 150 Zentner Thomasmehl 16—17%ig, 50 Zentner Kali 38—40%ig, 70 Zentner Düngekalk (Aetzkalk) ist zu vergeben. Die Lieferung hat bis zum 15. Stovember 1936 ui erfolgen. Mit entsprechender Aufschrift versehene Angebote sind bis zum 5. 9!ovember 1936 im Stadthaus, Bergstraße 20, Zimmer 3, einzureichen. Es wird noch darauf hingewiesen, daß sämtliche Angebote frei Bahnhof Gießen in Kilogramm und Prozent einzureichen sind. Angebote, die diese Angaben nicht enthalten, können keine Berücksichtigung finden. 6733 C Gießen, den 20. Oktober 1936. Der Oberbürgermeister: I. B. Dr. Hamm. cAuawael&ttiekn-tfilcui. 4 4 CARLNowfirx Baumwollwaren GIESSEN SELTERSWEG 81 Die Brille nach Maß! für Herbst und Winter Brillen Beller Lieferant aller Krankenkassen 6038A GIESSEN STOFF S PEZIALHAU S 6751 A Gießen, den 22. Oktober 1936. 6731C Stadtkasse Gießen. N Milchkühe Monster i. Westf., Eogelstrafee 281, Fernruf 24101. 6738V Geschmackvoll Druckerei. Schulstraße 7. Anruf 2251 Obstbäume HU 6765 D ■ M Wi JNHABER: CARL HEINZ SCHLÜTER Unsere Abteilung Baumwoll-und Leinenwaren ist für die kommende Herbst- und Wintersaison gerüstet: Wir verkaufen gute Qualitätswaren zu unseren bekannt niedrigen Preisen Vornehm Persönlich BrOhl'sche -ach wie. 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