& Mittwoch, 23. September 1956 186. Jahrgang Ur. 223 Erstes Blatt Gietzener Anzeiger ßrtro Fulda Grafeld SdiUkhtero Bad rtovArim -P )ber 5311 d 139 inn, mmi !röck, leibt. epler, Bill, ^P. hling, !iling, mg je Amn Anni •trüb 9 je :ack, 114 üng, Hto 07; tur kte. P-: 52; rnnt *rm= ck je ht er ter de. 'er len 'eit >nn mb ten ien ma Ser» 158 P-: 138 Hffjfrtd yQ> Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8*/.Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text- anzeigen von 70 mm Breite 50Rpf.,Platzvorschrift nach vorh.Vereinbg.25O/o mehr. Ermäßigte Grundpreise: Trryfa Morturg 55 eit beten Ike 1835 an, die auf dem weichen Wiesenboden fast lautlos vorwärts kommen. Nur bei plötzlichem Aussetzen des Schlachtenlärms hört man das Rasseln ihrer Gleitketten. Mit erstaunlicher Geschwindigkeit chieben sie sich an den Waldrändern entlang, um ie von feindlichen MG-Nestern zu säubern. Spielend überwinden sie die Unebenheiten des Bodens, rutschen sie in die Bachtäler, steigen am gegenüberliegenden Ufer empor, immer darauf bedacht, außer Sicht der Abwehrgeschütze des Feindes zu bleiben. Auf einem freien Abhang schwenken sie unter heft i g.e m Feuer der blauen Panzerabwehrkanonen in breiter Front zur Höhe ein. Nicht alle kommen durch das Abwehrfeuer; aber der ersten Welle folgt eine zweite und eine dritte und unmittelbar hinter ihr immer dichter d i e Schützen in langen Ketten. Soweit es sich mit dem Glas verfolgen läßt, scheint der Vorstoß gut voranzukommen. Berittene Dortruppen der bespannten und motorisierten schweren I n - fantriewaffen fegen vorüber, um neue Stellungen auszusuchen, in die sie fast nur Minuten später einwechseln. Die Eigenart des Geländes, aber auch der starke Einsatz aller Waffengattungen und nicht zuletzt der erbitterte Widerstand des Gegners verlangt von den Führern und Unterführern bei dem schnellen Nachrücken vielfach schnelle und selbständige Entschlüsse. In dieser Phase des Kamp- Im ganzen Manövergebiet herrscht bei der Bevölkerung große Freude über die Anwesenheit der Truppen. Immer wieder beobachtet man Bilder wie dieses, aus dem die herzliche Freundschaft aller Nolksqenollen zu unseren jungen Soldaten spricht. Eine Gruppe auf dem Marsch erhält von den Em- Wohnexn belegte Hrote als kleinen Imbiß, ^Preije-Bild-Hentrale-A^ 'Ql. Karte zu den Manövern des Gruppenkommandos II. (Scherl-Bilderdienst-M.) ger Kampf tobt und die blaue Artillerie, deren Stellungen durch vorzügliche, dem Gelände ange- paßte Tarnungen kaum zu erkennen sind, mit einheitlichem Feuer in den Kampf eingreift. „Die Stellung wird gehalten." Obwohl an die Truppen, Angreifer wie Derteidi- ger, am Vortage und zum Teil auch noch in der Nacht außergewöhnliche Anforderungen gestellt wurden, zeigen sie eine bemerkenswerte Frische, die nicht zuletzt dadurch erreicht worden ist, daß ihre Führer durch klugen und 1 verteilten Einsatz ihrer Truppe auch im „Bewegungskrieg" noch immer Zeiten der Ruhe zu verschaffen wissen. Nicht zuletzt aber trägt zu der guten Stimmung die Anteilnahme der Zivilbevölkerung bei, die nicht müde wird, den Soldaten der jungen deutschen Wehrmacht, soweit es in ihren Kräften steht, Erleichterungen zu verschaffen. Bezeichnend für den Geist der hier in schwerem Kampf liegenden Truppen ist die Antwort, die uns die in vorderster Linie kämpfenden Verteidiger der blauen Armee auf unsere Frage nach den Kampfaussichten zuriefen: „Die Stellung wird gehalten!" Der Führer bei den Truppen. Berlin, 22. Sept (DNV.) Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht verbrachte auch den heutigen Tag im Alanöver- gelände. Lr wohnte zunächst dem Angriff der roten Partei und später den Kampfhandlungen auf blauer Seite bei. Dank des II. Armeekorps. LPD. Kassel, 22. Sept. Das Generalkommando des IX. Armeekorps in Kassel 1 teilt mit: Der reibungslose Verlauf der Herb st - Übungen des IX. Armeekorps und der Feld- parade vor dem Führer und Obersten Befehlshaber der Wehrmacht verpflichtet das Generalkommando allen beteiligten Dienststellen ' der Partei, ihrer Gliederungen und angeschlossenen ‘ Verbände, des Staates und der kommunalen Behörden herzlich für ihre unermüdliche und verständ- 1 nisvolle Unterstützung bei der Vorbereitung und ' Durchführung der Herbstübungen und der Feld- ' parade z u danken. ' Der Dank des Generalkommandos gilt darüber hinaus der Bevölkerung im Manövergebiet und im Paradegelände. Sie hat die Truppen in der entgegenkommendsten Weise ausgenommen und gern manches Opfer gebracht, um der Truppe eine Erleichterung zu schaffen und den Ausbildungszweck der Herbstübungen sicherzustellen. Die Verbundenheit zwischen Volk und Wehrmacht konnte nicht schöner und sichtbarer zum Ausdruck kommen als durch die reiche Ausschmückung der Dörfer und Städte im Manövergebiet. Die Disziplin der Paradebesucher und das bereitwillige Eingehen auf jede Anordnung der Absperrmannschaften hat dazu beigetragen, daß die Feldparade ohne jeden Zwischenfall verlausen ist. Das Generalkommando sieht in diesem Verhalten der Bevölkerung und in der Begeisterung aller Volkskreise für die neue Wehrmacht den Ausdruck der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft. Ueber die Tage der Herbstübungen und der Feldparade hinaus wird sich diese Gesinnungsgemeinschaft und Tatbereitschast fruchtbar für Führer, Volk und Wehrmacht auswirken. Verkehrsregelung am 23. September. Moderne Waffen im Kampf. Der zweite Manövertag der Großen Herbstübung 1936 Die Uebungsleitung der Großen Herbstübung 1936 Gru.-Kdo. II, Schlüchtern, gibt bekannt: Der Uebungsraum hat sich nach Fühlungnahme der Parteien Blau und Rot wesentlich verkleinert. Er wirb nunmehr begrenzt durch die Orte: Hanau — Fulda — Hersfeld — Alsfeld — Bad-Nauheim. Dieser Raum unterliegt am 23. 9. folgender Verkehrsbeschränkungen: Für Durchgangsverkehr bleibt der g e - famte Raum völlig gesperrt. Die Straße Hersfel — Fulda — Hanau wird zeitweise auf längere Strecken gleichfalls völlig gesperrt. Kraftfahrzeugbesitzern, die diese Straße benutzen wollen, wird empfohlen von vornherein eine Umgehungsstraße zu wählen. Leitstellen für die mit Kraftfahrzeugen eintreffenden Zuschauer sind am September eingerichtet in: Gelnhausen, Bad Orb, Herolz, Rothemann (10 km südostwärts Fulda), Herbstein, Schotten und Ortenberg. Kraftsahr- zeuge werden an diejen Leitstellen nach Aushändi« .U» Weg Zs dH Skt UB>-' nmöbel ib« und i*t; scbrank' Mi) 'inuhle' rate- 1 Muud u-N Matte, ?.,w; Motte, - °Ä? reiset Bad-Nauheim, 22. Sept. (LPD) Die lacht zum Dienstag verlief im Kampfgebiet mhig Die Truppen beider Parteien hatten am Montag erhebliche Marschlei st u ngen vollbringen müssen, um sich in dem schwierigen Ge- ände günstige Stellungen zu sichern, die ihr: wei- eres Vorgehen erleichtern sollten. Die A u f - lärungsabteilungen blieben unter vollem Ansatz ihrer motorisierten und berittenen Streit- fräfte, ihrer Fußtruppen und ihrer Flugzeuge bemüht, die Stärke des Gegners und seine Bewegungen zu erkunden. Es war zu- erwarten, daß sich die „kriegführenden" Parteien bei ihrem Vormafch in das wege- arme Uebungsgebiet der alten natürlichen Ver- lehrsstraßen bedienen würden, die der Umgebung j>es Vogelsberges im Gesamtbild der geographischen Struktur Deutschlands ihre besondere Bedeutung verleihen und die den Norden und Nordosten des Deiches mit feinem Süden verbinden. Da die o t e Partei aus südwestlicher Richtung etwa über Franks urt—Hanau anmarschierte und dabei einen der beiden Verkehrswege, die „Hessische Senke", die zwischen Vogelsberg und Taunus die mitteldeutsche Gebirgsschwelle kreuzt, schon hinter sich gelassen hatte und endlich die Blaue Armee etwa' aus der Richtung Kasse l—H o m - b e r g—L auterbad) von Norden nach Süden vorstieß, näherten sich beide auch dem anderen großen Verkehrswege, der das Kinzigtal aufwärts Über den Vogelsberg und Rhön verbindenden Landrücken mit dem Lauf der Fulda ins Kasseler und Thüringer Gebiet führt. In der Tat standen sich die Spitzen beider Parteien am Abend des Montag auf diesem Landrücken in der Linie Lichenrod südöstlich des Vogelsberges und Schlüchtern am Südostabhang der Hohen Rhön etwa in der Mitte dieser Verkehrsstraße gegenüber. Rot zum Angriff entschlossen Der Kommandierende General des (roten) V. Armeekorps, General der Infanterie Geyer, her nach den Erkundungen feiner Aufklarungs- । ibteilungen den Eindruck gewann, dem Gegner an : Kräften überlegen zu fein, entschloß sich zum Angriff auf feinem linken Flügel, der für den P2 g 9 Uhr vormittags, angesetzt wurde. Der vT -lauen Armee befahl, die erreichte ,-nf allen Mitteln bis zum Eintreffen L : n noch in Marsch befindlichen Teile lein 2Irm.c zu behaupten, der durch den Angriff der roten Kampfgefchwader verzögert worden war. Die rote Division, bei der der Schwerpunkt des Angriffes lag, wurde m der Nacht durch Artillerie und Einheiten der Panzeytruppen verstärkt, um den Durchbruch in das Fuldatal zu er- ^Am Morq-N des zweiten Kampftages liegen di- Fronten in leichtem Nebel. Der tstmmel ist verhangen. Gegen den bleichfarbenen Horizont heben sich die waldbestandenen Höhen wie Scherenschnitte °b. In aller Frühe sind trotz des wenig freundlichen Wetters die Schlachtenbummler wieder in hellen Scharen hinausgee.lt und halten die das voraussichtliche Kampfgebiet umlagernden Aus- Isichtspunkte, aber auch die Anm°rMr°tz-n besetzt, um so mehr, als sie aus einem MaueranWagl erfahren haben, daß der Führer >m Manover- qelände weilt. Auf dem Wege zum linken Flügel der roten Partei, von dem der Angriff ausgeh^n soll, scheint alles in tiefstem FAden zu uegen. Ueber der Wolkendecke zieht ein Aufklarungsflieg seine Kreise. Plötzlich stößt er herab und streicht wie ein Habicht über die höhen, von wütendem Ab- wehrfeuer empfangen. Dann verstummt der X. . Wieder ist es |o still, daß man aus der Ferne den Jubel hört, mit dem der Führer in den Ortschaften begrüßt wird. Der Angriff beginnt. Punkt 9 Uhr setzt mit einem Schlag h e f ti ges Artilleri-feuer von R ° t auf die blauen Stellungen ein und sofort tragt 'N praz'fer Zusammenarbeit auch die In anterie der hier liegen den Division ihren Angriff °°,r. Steckt durch ein mörderisches M G-F euer. Ilitzschnell sich die Truppen unter dem Schutz der eigene Artillerie und der aus verdeckter Stellung schieße den schweren Infanteriewaffen unter g-sth Ausnutzung jeder sich im Gelände bietendeni Set kling gegen die von Blau besetzten W not8 Erft wenn sie beim Überqueren d» Ud-n wellen Feuer erhalten, greifen sie auch chrerstlts den Feuerkamps ein. Es ist -in wundervolles mll^ tärifches Schauspiel, das sich 6'" ben. S^‘a*rof"r bummlern bietet und von 'hnen Spannung verfolgt wird. Den Abschnitt beyerr^ bie dicht mit dunklen Tannen bestand«,- hohe Hundsloh im Südosten des Alsbergs und hier empfangt die Angreifer lchw»ftes Feuer aus den Waldrändern. Immer häufiger m 11 greifenden Schützen in Deckung gehen- Abe,.selbst ein geringes Nachlassen des Agne sch nützen sie sofort zu weiterem Dorgehen aus. G rode auf dem äußersten Teil des unk n. _ fl ier raten Partei ist der Widerstand besonders er bittert unr ein weiteres Vorwärtskommen an- lcheinend unmöglich. amvfwagen greifen ein. Da rollen plötzlich, durch die Mulden gedeckt i u>« ü tz n - & Wto.-her Unter Bild zeigt den Führer im Manövergelände. Rechts neben ihm^eneralfeldmarschall von fBlomber g. Links Generaloberst Freiherr vonFntfch sowie der Oberbefehlshaber der Gruppe II General der Artillerie Ritter von Leed. — (Prefse-Jlluftratwn-Hoffmann-M.) -eMm ^7*1 woch piel^ Stellen--, Vereins-, gemein- General-Anzeiger für Oberheffen Prudi uns Derlag: »MIM, UnWlu.Bnd,. uns SI.I.S..U«..I In «,»<». Sch-m-l<«, uns »ich-ilsi,,iin rch-m--!- fes bleibt wenig Zeit zu umständlichen Kombinationen, hier darf nicht gezaudert, hier muß gehandelt werden. Während eine neue Welle Der Panzerkampfwagen vorgeht, um die Waldränder aufzurollen, werden auch schon die Reserven nachgezogen. Eine halbe Stunde nach dem Beginn des Angriffs erscheint der Kommandeur der hier vorgehenden Division in der verlassenen Ausgangsstellung, um mit den Regimentskommandeuren bereits die neu entstandene Lage zu besprechen. Vlau rüstet zum Gegenstoß. Die Gäste-Gruppen, die von Generalmajor von Zeppelin betreut werden, verfolgen inzwischen die Entwicklung der Dinge bei der Blauen Partei. Durch den Einsatz der Panzerkampfwagen haben die roten Angreifer überraschend schnell Boden gewonnen und einige wichtige Höhenpunkte besetz en können. Das unübersichtliche Gelände scheint jedoch den beabsichtigten Durchbruch vereitelt zu haben, denn auf dem rechten Flügel der blauen Armee, der den Hauptstoß auszuhalten hatte, werden bei unserem Eintreffen schon die Kräfte für einen Gegenstoß bereitgestellt, während in den Waldungen noch immer ein hefti- tzrfcheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gietzener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monats-Vezugrpreis. Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr .. „ - 25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt 8ernfprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen Postscheckkonto: Srantfurt am Main 11686 Frankfurt Hanau Offen bam ^XAfcfiaffmbvrg. Land I O auch L"d-d-u gegangen W Tage seinem die Scholle legenheit, un nig fümmer! für den Seg einst Zwei S konnten uno Der Stadter leben tann, onbern bet seines Volkes Kein ander Im verflossen' der Erntedai haben es ve, aus eigener Leistung der deutend gro1 gang an gleichzeitig Verbrauch c Der Sinn -es spanischen Bürgerkriegs. Anstrengung einer Nation, den würgenden Griff des Bolschewismus abzufchütteln Die von den Gerichtsbehörden zur A u f d e ck u n g der revolutionären Umtriebe in Belgien geführte Untersuchung beschränkt sich auf die Tätigkeit einer linksrevolutionären Gruppe unter Führung des ehemaligen Linkssozialisten Walter D a u g e. Heber die Machenschaften der Moskauer Kommunisten sind noch keine näheren Angaben gemacht worden. Man hat einen Briefwechsel zwischen Sauge und Trotzki beschlagnahmt, aus dem hervorgeht, daß Trotzki die revolutionären Bestrebungen der genannten Gruppe unterstützt. Man hat Anweisungen Trotzkis zur Vorbereitung eines Generalstreiks, zur Anzettelung von Teilrevölten und zur Bewaffnung der Arbeiter gefunden. Das Bewuß Bauern aud Kraft und fe gesamten Boi darum, daß Höchstleistung Bauerntum i und intensiv' den. Der Bai nicht für ß( brauchen, mit Industrie un märe ohne St jung und b; die praktisch' sreiheit kaun So wird einem Festti Bolk dankt a der den beul Achtung bew Wchten geg «erden ließ, Lebens^ werden chn . Bewußtsein Arbeit uns tägliche Bri M London, 23. Sept. (DNB. Funkspruch.) Die „Morning Post" veröffentlicht einen Brief des früheren spanischen Botschafters in London, Marquis d e Merry del Dal. Er erklärt, daß der spanische Konflikt nicht ein Kampf zwischen dem Faschismus und der Demokratie fei, sondern ein Kampf zwischen allen denjenigen, die Recht und Ordnung verteidigen auf der einen Seite und dem Kommunismus oder der Anarchie auf der anderen Seite. Der Kampf in Spanien sei die verzweifelte Anstrengung einer Nation, den würgenden Griff des Bolschewismus abzuschütteln. Der Präsident des nationalen Verteidigungsausschusses, General Cabanellas, sei überzeugter Republikaner, General Franco und General Mola seien keine Faschisten. Ihre Anhänger setzten sich aus allen politischen Parteien, nämlich aus Republikanern, Royalisten, konservativen Arbeitern und Faschisten zusammen. Der nationalistische Verteidigungsausschuß sei der sichtbare Ausdruck einer Nationalpartei, die sich aus allen Faktoren mit Ausnahme der kleinen linksrepublikanischen, kommunistischen und anarchistischen Banden des Präsidenten Azana zusammensetze. WG. §j Nem flame: Hafenstab Fr seine Ej hjn weiter ur w stanben [ Wen mit ur Leiter, $ra Mause nu ? 'm ^°den. daß beie Und q ^nn un gekommen sei, wo er in einem Fliegerlager der Roten Armee tätig fei. Weitere Untersuchungen ergaben, daß in einer Kunstschmiedewerkstätte in Schaerbeck, einem Stadtteil von Brüssel, unter Leitung eines Holländers im Geheimen Waffen aller Art für die Rote Armee in Spanien angefertigt wurden. Die Polizei beschlagnahmte zahlreiche Zubehörteile aus der Wasfensabrikation und Schriftstücke, in denen der wahre Bestimmungsort der Lieferungen verschleiert ist. Als Bestimmungsort der Waffen sind die v e r s ch i e d e n st e n Länder, u. a. Mexiko und Litauen, aufgeführt. Die Polizei hat aber diese Täuschungsmanöver erkannt. Nm dieZulassung der abessinischenVertreter Genf, 22. Sept. (DNB.) Der Dollmachtenprü- fungsausschuß der Völkerbundsoersammlung beschloß einstimmig, die Frage der Zulassung der abessinischen Vertreter dem Haager Gerichts- b o f zur gutachtlichen Stellungnahme zu überweisen. Ein Juristenausschuß wird die Form der Anfrage festsetzen, die am Mittwoch der Versammlung unterbreitet werden soll. Die Versammlung wird zu entscheiden haben, ob das Haager Verfahren aufschiebende Wirkung haben soll, d. h. ob die abessinischen Vertreter bis zum Vorliegen des Gutachtens zur Teilnahme an den Arbeiten der Versammlung z u g e l a s s e n werden sollen oder nicht. Unter der Ueberschrift »Kommissar Litwinow trübt das Wasser" meldet die polnische Agentur Iskra aus Genf, daß nach allgemeiner Ueberzeugung Litwinow eine erhebliche Rolle bei dem Beschluß des Vollmachtenausschusses gespielt habe, das Haager Tribunal anzurufen. Litwinow solle sogar der Verfasser des entsprechenden Antrages gewesen sein. Das Spiel Litwinows bezwecke zweifellos, die Fünfmächte-Konferenz unmöglich zu machen oder jedenfalls zu er» schweren. Moskau fei sich darüber klar, daß seine Einladung zu dieser Konferenz immer weniger wahrscheinlich werde und fürchte, daß ein Erfolg dieser Konferenz eine weitere Schwächung der sow- jettussischen Einflüsse auf Frankreich herbeiführen werde. Die Verweisung der Frage der abessinischen Vollmachten an den Haag mache die Hoffnung auf eine baldige Wiederbeteiligung Italiens an den Dölkerbundsarbeiten zunichte, erschwere die Vorbereitungen der Fünfmächte-Konferenz und trübe damit die allgemeine internationale Lage. Das Spiel Litwinows in Genf lasse erkennen, daß die Wege der sowjetrussischen und der französischen Diplomatie in Genf s i ch getrennt hätten. Während Frankreich Italien den Weg nach Genf ebnen wolle, suche Sowjetrußland diesen zu verbarrikadieren. Es sei klar, daß Sowjetrußland mit allen Mitteln danach strebe, Frankreich zu isvlie- ren und damit in die bequemere Position des einzigen politischen Partners Frankreich zu kommen. — Auch das Pariser „Oeuvr e" unterstreicht die Haltung Litwinows in Genf. Anstatt England und Frankreich zu folgen, die ein Interesse an der Rückkehr Italiens nach Genf hätten und dafür sogar gewisse Grundsätze opferten, habe Litwinow flipp und klar erklärt, daß er sich an die Grundsätze des Völkerbundes zu halten wünsche, ohne sich um Sonderbelange zu kümmern. Marxistische Wühlarbeit in Belgien. Sozialistischer Parteisekretär vermittelt Waffen und Lnstruktionspersonal für die spanische Rote Armee. — Revolutionäre Agitation der Trotzkisten. Sine Warschauer Korrupllons- affare. Falschungsversuch zugunsten betrügerischen französischen Kapitals. Das „Deutsche Nachrichtenbüro" meldet: Kürzlich hatte in Polen eine Korrupttonsaffäre bei den Warschauer Elektrizitätswerken Aufsehen erregt. Das Warschauer Elektrizitätswerk, das im Besitz einer französischen G e - s e l l s ch a f t, der Sociöts Industrielle d'Energie Electrique, war, wurde daraufhin durch Gerichtsentscheidung in den Besitz der Stadt Warschau übergeführt, während die ftanzösischen Inhaber der Konzession aus Polen flüchteten. Neuerdings behauptet nun der „Krakauer Illustrierte Kurier", daß die französische Gesellschaft, die früher der Konzessionär des Warschauer Elektrizitätswerkes war, im Besitz des deutschen Elektro- Weltkonzerns Siemens sei. In Wirklichkeit sei also nicht französisches, sondern deutsches Kapi- „tal an der Korruptionsaffäre beteiligt. Diese Behauptung des polnischen Blattes, die auch in andere polnische Zeitungen überging, ist eine krasse Lüge. Der Siemens-Konzern steht, wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, der kompromittier- ten französischen Gesellschaft völlig fern. Keine der dem Hause Siemens gehörenden Gesellschaften besitzt Aktien der „Socists Industrielle d'Energie Electrique" und ebensowenig Aktien ihrer Kon- zessionsgesellschaft, der „Compagnie d'Electrique Darsovie". Es bestehen keinerlei unmittelbare oder auch nur mittelbare Verbindungen zwischen dieser französischen Gesellschaft und den Siemensfirmen. Welchen Zwecken der „Krakauer Illustrierte Kurier" mit dieser Lügenmeldung gedient hat, bleibt feit« zustellen." Auf die Frage, ob die zukünftige Regierung Spaniens eine Diktatur oder ein faschistisches Regime fein werde, sei zu antworten, daß das spanische Volk zur Zeit um sein Leben kämpfe, und daher keine Gelegenheit zu akademischen Erörterungen dieser Art vorhanden sei. Bis das Land wieder geordnet sei — aber nicht länger — sei ein militärisches Regime nach dem (Siege über die Marxisten unvermeidlich. Später könne wieder eine normale Lage hergestellt werden, in der die Autorität, das Volk, die Gerechtigkeit, die Freiheit und die soziale Gleichberechtigung unter modernen Formen zu einem wohlorganisierten und gesunden Ganzen zusammengefaßt würden. Portugal verteidigt seine Unabhängigkeit. London, 23. Sept. (DNB. Funkspruch.) Englische Blätter berichten, daß der an der Völkerbundssitzung in Genf teilnehmende Außenminister der Madrider Regierung del V a y o in einer Note an die am Nichteinmischungsabkommen beteiligten Mächte wegen angeblicher Verletzung des Abkommens durch gewisse Staaten protestieren wolle. Del Vayo habe damit gedroht, Sanktionen gegen Portugal zu verlangen. Der portugiesische Vertreter de Vasconcellos habe betont, daß Portugal das Waffenausfuhrverbot peinlich beachte. Seine Regierung befürchte jedoch im Falle eines Sieges der spanischen Marxisten, daß diese die Einverleibung Portugals in einen iberischen Staatenbund planten. Wenn die Kommunisten triumphier- Vrüffeler Kabinettsrat. B r ü s s e l, 22. Sept. (DNB.) Am Dienstagnachmittag fand unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten oan Zeeland ein Kabinettsrat statt. Justizminister Bovesse berichtete über die vorläu- igen Ergebnisse der Haussuchungen im ganzen Land, die noch nicht abgeschlossen sind. Der Justizminister legte eine Reihe von Verordnungen und Gesetzentwürfen zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung vor. Es wurde ein Ausschuß aus zwei sozialistischen und zwei katholischen Ministern sowie dem liberalen Justizminister eingesetzt, der die vorgesehenen Maßnahmen vorbereiten soll. Wie bereits gemeldet, hat kürzlich ein Beauftragter der Madrider Regierung, ein angeblicher Hauptmann Huesca, in der Eisenbahn zwischen Brüssel und Antwerpen seine Mappe mit sehr belastenden Schriftstücken verloren. Aus den Schriftstücken ergibt sich mit unzweideutiger Klarheit, daß der Generalsekretär der belgischen sozialistischen Partei, Jean D o 1 v i g n e, als Mittelsmann zwischen den roten Streitkräften in Spanien und belgischen Waffenlieferanten dient. Die flämische Zeitung „Standaard" meldet, daß der Generalsekretär entgegen den Klchteinmischungserklärungen der sozialdemokratischen Minister, mit dem neuen Geschäftsträger der spanischen Regierung in Brüssel Vereinbarungen über die Rekrutierung und die Entsendung von Unteroffizieren der belgischen Armee als Jnstruktionspersonal für Spanien eingegangen ist. Das Kriegsministerium veröffentlichte eine lakonische Mitteilung, daß zwei Fliegerunteroffiziere seit einigen Tagen flüchtig seien, daß man aber nicht wisse, wohin sie sich begeben hätten. „L'Avenir de Luxembourg" meldet, daß der eine Fliegerunteroffizier in Spanien an- Belgische Abwehr. Die Volksfront-Spezialisten in Belgien möchten lieber heute als morgen ihr Vaterland im marxistischen Sinne umkrempeln. Es hat bereits recht bedenkliche Streiks gegeben, es ist auch mancherlei anderes zu verzeichnen gewesen, was namentlich die wachsamen Flamen immer wieder zu Demonstrationen gegen ein weiteres Hand-in-Hand-Arbeiten mit dem verbündeten Frankreich veranlaßte. Aber die Volksfront-Wühlmäuse haben nicht locker gelassen, sie behandeln Belgien bereits als ein Objekt ihrer menschheitsbeglückenden Politik. Einige lieber» raschungen, die die Oeffentlichkeit in diesen Tagen mit der belgischen Arbeiterpartei erlebte, bestätigten lediglich das, was Pessimisten schon seit einiger Zeit prophezeien. Da werden Waffenschiebun- gen für Spanien durchgeführt, da wird in den Bereich der Armee eingegriffen und einigen Unteroffizieren der Befehl erteilt, zur spanischen Luftwaffe zu „flüchten", da wird mit dem Sowjetbotschafter verhandelt, während noch weiter linksstehende Kreise, die allerdings noch nicht Hammer und Sichel als Knopflochschmuck tragen, B e - fehle Trotzkis entgegennehmen und sich in der Vorbereitung von (Streifs, der Anzettelung von Revolten und der Bewaffnung revolutionärer Elemente üben. Suchen die einen Belgien hin- und herzuschieben, so sind es die anderen, die fleißig am Werke sind, aus diesem Belgien eine kleine Räterepublik mit spanischem Vorgeschmack zu machen. Diese wenig erfreulichen Zustände bei unserem belgischen Nachbarn sind so gefährlich geworden, daß ich nun auch die Brüsseler Regierung zu Gegenmaßnahmen aufzuraffen beginnt, die, das wünschen wir im Interesse Belgiens und Europas, von Erfolg begleitet sein mögen. ten, werde Portugal möglicherweis gezwungen sein, , zum Kriege zu schreiten, um seine Unabhängigkeit zu bewahren. Es sei daher nicht überraschend, daß Portugal einen Sieg des Generals Franco wünsche. Kein anderes Land sehe sich derselben Gefahr gegenber wie Portugal. DasEndederroienVluthmschast ausdenValearen. Hendaye, 23. Sept. (DNB. Funkspruch.) Der Militärkommandant der Balearen-Inseln berichtete an General Franco telegraphisch Einzelheiten über die Wiedereroberung von Ibiza. — Die kommunistischen und separatistischen Horden aus Cataluna und Valencia haben die Insel in einem troff« losen Zustand hinterlassen. Die Hauptstadt war gänzlich verlassen. Die eingeschüchterte Bevölkerung war, erfüllt von Angst und Schrecken über den Anblick der von den roten Horden begangenen Morde, in d i e Berge geflüchtet. Ohne auf Frauen und Kinder Rücksicht zu nehmen, schändeten die Roten die Kirchen, zerstörten die Häuser der Bevölkerung und plünderten Banken und öffentliche Gebäude. Mit bestialischer Rohheit wurden Frauen zusammengetrieben und geschändet, nachdem man sie vorher ihrer Schmucksachen beraubt hatte. „Kapitän" Bayo gab den Befehl, die Befehlshaber und Offiziere des Heeres und die Unteroffiziere der Guardia Civil zu ermorden. Er selbst eignete sich dann über 2 Millionen Pesetas an. Die in der Festung untergebrachen Gefangenen wurden mit Handgranaten und Maschinengewehren ermordet. Nur wenige entgingen diesem traurigen Los. Einige der Eingekerkerten zerstörten in ihrer Verzweiflung, als sie die roten Mörder kommen hörten, die Gitter der Gefängnisfenster und stürzten sich aus 15 Meter Höhe auf die Straße. — Aus Mallorca flohen sie unter Zu- rütflaffuna ihres gesamten Kriegsmaterials. Mehr als 2 00 0 Ermordete waren das traurige Ergebnis ihrer Herrschaft. Eingezogen waren sie allerdings unter der Ankündigung: „Wir sind lieber» bringet der Kultur und Zivilisation, die Befreier der Städte". DieAationalistenkurzvorToledo. Paris, 23. Sept. (DNB. Funkspruch.) Wie das Hauptquartier des Generals Franco um 9.30 Uhr mitteilt, hat der Vormarsch der nationalistischen Truppen anderTalavera-FrontzurEin-! nähme der Ortschaft Torrijos, kurz vor( Toledo, geführt. Die Roten haben bei Torrijos wie- berum starke Verluste erlitten, unter denen sich auch der Kommandant Lopez Herrero befindet. Zahl' reiche Gefangene konnten gemacht werden. An bet baskischen Front haben die nationalistischen Truppen V e r g a r a eingenommen. Konsul erstattete darauf seiner Regierung Hoheitszeichens in Madrid bekanntgegeben. Konsul Rote Milizsoldaten hatten das Haus der „Afociacion I Bericht. nische das mit RUNDE SORTE l Spißen-Ernte 33 Der sofort = • S » ____ _ bietet die an Thbäk. Aber nicht nur das! E?ten macedonlfchen *Ihbake ’S aus gewählt und Hammen: Volksfrontgedankens die kommunistische Bewegung in Skandinavien etwas abbremst; aber sichtlich ist das nur Schonung auf Zeit, und über kurz aber lang bleibt der schwedischen Sozialdemokratie die Qual der Wahl nicht erspart. Linksmehrheit im dänischen Reichstag. Kopenhagen, 22. Sept. (DNB.) Am Dienstag fanden in Roskilde, herning und Rönne die Wahlen von 28 Abgeordneten des dänischen Landsting (Senat) statt. Die Wahlen ergaben, daß die Regierungsparteien (Sozialdemokraten und Radikale), die bereits seit Jahren i m Folketing (Abgeordnetenhaus) die Mehrheit haben, diese nunmehr auch im Landsting erreichten. Die Sozialdemokraten erhielten 12 (plus 3), die gemäßigte Linke 7 (minus 5), die Konservativen 6 (plus 2) und die Radikalen unverändert 3 Mandate, so daß im erneuerten Landsting 38 Vertreter der Regierungsparteien (31 Sozialdemokraten und 7 Radikale) *37 Abgeordnete der Opposition (22 Vertreter der gemäßigten Linken und 15 Konservative) gegenüberstehen. Schweizer Wirtschaftspolitik. Bern, 22. Sept. (DRB.) Im Nationalrat hielt Bundesrat Obrecht ein Referat über die Wirtschaftspolitik. Er lehnte sowohl die Deflation als auch die Devalvation ab und legte dar, daß die Lösung a u f dem „dritten Weg" gesucht werden müsse. Der Bundesrat wolle eine verstärkte staatliche Fürsorge für den Fremdenverkehr. Auch Notstandsarbeiten zur Belebung der Bauwirtschaft seien in Aussicht genommen. Die Aufwendungen, die der Bund im nächsten Jahr mit der Förderung der Warenausfuhr, mit den Notstandsarbeiten, mit den Aufträgen für die Armee und mit dem Ausbau der Alpenstraßen vorhabe, dürften auf annähernd 30 Millionen Franken veranschlagt werden. Dabei werde immer mehr versucht werden, die unproduktive Arbeitslosenfürsorge durch produktive Methoden zu ersetzen. iiooinezza )lieö und mn noch- Md unb M „Auf hatte die Als der mgen das ! von der und be> [bedang in Belgien die Tappe unter en Walter )er Mos- ne näheren en Bries- rohki be- Trotzki die ten ©nippe nyttelung x MÜitt 211 onf edibeo, 22. Sept. (DRB.) Die Regierung von Uruguay hat den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Spanien beschlossen. Die Archive der Gesandtschaft in 2Nadrid werden der englischen Botschaft übergeben. Die Regierung hat das Gefandtschaftspersonal in Madrid angewiesen, die Gesandtschaft zu schließen und sofort das spanische Hoheitsgebiet zu verlassen. Die spanische Gesandtschaft in Montevideo ist zur Zeit unbesetzt, da der Geschäftsträger und der Generalkonsul vor kurzem von der Madrider Regierung wegen Sympathisierens mit der Militärerhebung ihres Amtes enthoben worden sind. Der Abbruch der Beziehungen wurde beschlossen, nachdem am Montagabend in Montevideo bekannt geworden war, daß die drei Schwestern des uruguayanischen Konsuls Aguiar in Madrid von den Roten ermordet worden sind. Als ein weiterer Grund für den Abbruch der Beziehungen wird eine schwere Verletzung des uruguayischen Leichenschauhaus aufgefunden. Der Städter weiß, daß er ohne den Bauern nicht leben kann, und daß er nicht nur für sich da ist, sondern der Ernährer und der ewige Blutsquell seines Volkes. Kein anderer Tag eignet sich besser dazu, auf das im verflossenen Jahr Geleistete zurückzuschauen, als der Erntedanktag. Bauernfleiß und Bauernarbeit haben es vermocht, die Ernährung unseres Volkes aus eigener Scholle nahezu sicherzustellen. Die Leistung der deutschen Landwirtschaft ist aber bedeutend größer, als es der gewaltige Einfuhrrückgang an Nahrungsmitteln erkennen läßt. Denn gleichzeitig mit der Arbeitsbeschaffung stieg der Verbrauch an Nahrungsmitteln ganz beträchtlich. Das Bewußtsein dieses großen Erfolges wird den Bauern auch weiterhin anspornen, seine ganze Kraft und sein ganzes Schaffen in den Dienst des gesamten Volkes zu stellen. Denn es geht ja nicht darum, daß einzelne wenige Musterbetriebe nun Höchstleistungen erzielen, sondern das deutsche Bauerntum in seiner Gesamtheit muß zu rentablen und intensiven Wirtschafts'methoden erzogen werden. Der Bauer weiß, daß jeder Vfennig, den wir nicht für Lebensmittel ins Ausland zu geben brauchen, mithilft, um neue Arbeitsmöglichkeiten in Industrie und Wirtschaft zu schaffen. Anderseits wäre ohne Steigerung der landwirtschaftlichen Erzeugung und die dadurch erzielten Devisenersparnisse die praktische Durchführung der deutschen Wehrfreiheit kaum möglich gewesen. So wird der deutsche Erntedanktag wieder zu einem Festtag der ganzen Nation. Das deutsche Volk dankt an diesem Tage unserem Führer, der den deutschen Bauern vor der gänzlichen Vernichtung bewahrte und ihn sich wieder seinen hohen Pflichten gegenüber Volk und Vaterland bewußt werden ließ. Das Festabzeichen ist in diesem Jahre ein Erntekranz — das Symbol des ewigen Lebenskreislaufes — mit bunten Bändern. Wir werden ihn mit Stolz und Freude tragen in dem Bewußtsein, daß das deutsche Landvolk in zäher Livil bei Uruguay", an bem bas uruguayische kou- sulalsschilb unb bie uruguayische Flagge befesligl waren, burchsuchl unb babei bas Zchilb unb bie Flagge herunlergeriffen. Die Ermordung ber brei Schwestern des uru- guayischen Konsuls burch bie Roten in Mabrib Hal in Uruguay einen Sturm ber Ln t- rüffung ausgelöst. Ausführliche Berichte besagen, bah zwei Schwestern bes Konsuls Aguiar vor einigen lagen in Mabrib auf ber Straße ohne Angabe von Grünben verhaftet würben, obwohl sie burch Armbinben in ben Farben Uruguays als Auslänberinnen zu erkennen waren. Als bie britle Schwester bes Konsuls Nachforschungen nach bem Verbleib ihrer Angehörigen anstellte, würbe sie gleichfalls in haft genommen. Der Konsul erhielt trotz aller Bemühungen keinerlei Nachricht über bas Schicksal ber Verhafteten. Am Montag wurden nun bie Leichen bet brei Erschossenen im 2Habtibet Arbeit uns wieder bis zur nächsten Ernte tägliche Brot gesichert hat. Wegen eines Butterbrotes ins Gefängnis! Nn. und Poftet hhr dieser i!“ . "Still-; Aus- - ein brei, 1 kehlen gen. iS. 1 besuch unb et- e faschj. äußeren lse auch ie Größe fct hoffe, nbemben "rch hin. .Größe len. Eine ;ur Kraft bilbe ben e Geg. onalen NSG. Ein deutscher Seeman.n, der seinem Kameraden durch die bolschewistische Hafenstadt Archangelsk bummelte, berichtet über seine Eindrücke u. a. folgendes: .. Wir gingen weiter und kamen auf einen großen Marktplatz. Da standen Frauen, Kinder und Männer ... Wir haben mit unseren eigenen Augen gesehen, daß die Arbeiter, Frauen und junge Mädchen in der Mittagspause nur trockenes Brot essen. Uns tat das Herz im Leibe weh. Da sagte einer meiner Kameraden, daß er das nicht länger mitansehen könnte, holte belegtes Brot aus unserem Vorrat und gab es den Frauen. Diese sahen sich erst um (!), bann nahmen sie es und verschwanden. Es dauerte nicht lange, da kam ein G P U.- Mann und verhaftete unserenKame- r a b e n unb ein Mäbel. Unser Kamerad wurde erst wieber frei gelassen, als unser Schiff ben Hafen verließ. Was mit der Frau geschehen ist, wissen wir nicht." Das Wahlergebnis in Schweden. Bei den schwedischen Reichstagswahlen haben die Sozialdemokraten, wie wir schon gemeldet haben, von 230 Sitzen 112 gewonnen und damit zehn neue Mandate erobert; dagegen ist die konservative Partei von 53 auf 44 Sitze zusammengeschmolzen. Der Erfolg der schwedischen Sozialdemokraten erinnert in den Begleitumständen an den 20. Mai 1928 bei den deutschen Reichstagswahlen. Wie damals hier, so kommt auch in London, 22. Sept. (DNB.) lieber bie englische Mittelmeerpolitik erklärte ber soeben von seiner Inspektionsreise nach bem Mittelmeer znrückgekehrte Erste Lorb ber Abmiralität, Sir Samuel Hoare, auf einer Pressekonferenz u. a.: „Die Besichtigung unserer Schiffe unb unserer sehr wichtigen Stützpunkte im Mittelmeer ist für mich von größtem Wert gewesen. Von einer Aufgabe unserer Stellung im Mittelmeer ober von einem Verzicht auf Malta als Stützpunkt kann nicht die Rede sein. Dies stellt keinerlei Drohung gegen irgend jemand dar. Mir scheint es selbstverständlicher gesunder Menschenverstand zu sein, daß wir unsere dortigen Verbindungslinien sichern, wenn man sich daran erinnert, daß das Mittelmeer eine d e r lebenswichtigen Straßen des Britischen Reiches ist." Der Minister erklärte weiter, er habe in der italienischen Presse Artikel gelesen, daß England seine neue Mittelmeerpolitik klarstellen müsse, und daß er den anderen Mittelmeermächten, den Italienern und Franzosen, eine Erklärung hierüber abgeben solle. „Das Verlangen nach einer solchen Erklärung", so fuhr der Erste Lord fort, „beruht auf einem völligen Mißverständnis. Wir haben überhaupt keine neue Mittelmeerpolitik. Unsere Politik im Mittelmeer ist völlig unverändert, d. h. mit anderen Worten, wir hoffen, daß wir künftig mit allen Mittelmeermächten einschließlich Italien die be st möglichen Beziehungen unterhalten. Aber das entbindet uns nicht von der offenkundigen Notwendigkeit, unsere eigenen Verbindungslinien s o sicher wie möglich zu machen." Der Minister beschäftigte sich dann mit den Rückwirkungen der Entwicklung der Militärluftfahrt auf die Laae im Mittelmeer. England müsse sich auch in dieser Beziehung den neuen Verhältnissen anpajfen und von seiner eigenen Luftstreitmacht den bestmöglichen Gebrauch machen. Dom Standpunkt ber Militärluftfahrt sei Cypern wichtig. Er möchte behaupten, baß sich bie Krise insofern bezahlt gemacht habe, als sich bie englische Llnrguay bricht die Beziehungen zu Madrid ab Drei Schwestern des Konsuls von Uruguay in Madrid von CRofer Miliz feige ermordet. Englands Mittelmeer-Stellung Sir Samuel Hoare über feine Besichtigungsreise. Oie japanisch-chinesische Spannung. Schanghai, 22. Sept. (DNB.) Unter bem Schutz von sieben japanischen Kriegsschiffen, die im Hafen von Pakhoi ankerten unb ihre Geschütze auf biß Stabt richteten, lanbeten in Pakhoi japanische Konsularvertreter, begleitet von einem starken ßanbungsfommanbo, um ben vor 19 Tagen erfolgten Mord an bem japanischen Drogisten Nakano zu untersuchen. Zur selben Zeit traf an Bord bes chinesischen Dampfers „Fooan", ber von einem chinesischen Kriegsschiff begleitet war, eine chinesische Kommission zur Untersuchung bes Mordes ein. Die Japaner begründen ihr militärisches Aufgebot in Pakhoi damit, daß der Oberbefehlshaber der in Pakhoi liegenden chinesischen Kwantungtruppen, Generalleutnant Ian« j u i, und ein anderer früherer chinesischer Offizier im Jahre 1932 bei Schanghai gegen bie Japaner gekämpft habe. eg«. Mitteln Mgen sein, le Un ab- daher nicht ea des Ge- , Land sehe Portugal. * sprach) $er !n berichte « Seiten über tonnnunPi' l5 Cataluna xeni tröst' Mtstadt war Bevölkerung en über den begangenen >t Ohne aus M/er oer und offenb E ’e‘1 Die,n 5 $ i|e “ jitv traurig tfigä Ai) nht uch l q 30 W o u^ Mische" n-.-Ä t I-rrU au« 'M Erniedank. Der Sommer geht seinem Enbe entgegen! Wenn der Herstwind über die Felder weht, hat der deutsche Bauer die Haupternte größtenteils geborgen. Dann ist wieder die Zeit gekommen, in der sich das deutsche Volk zu seinem Erntedanktag rüstet. Während rings um uns in der Welt Unruhe und Sorge lastet, während in Spanien Zerstörung und Auflösung, Tod und Verderben triumphieren und die Menschen heimatlos der Verzweiflung ausgeliefert durch die Straßen irren, liegt Deutschland in tiefem Frieden. Die Hände der deutschen Arbeiter regen sich wieder, die Zahlen der Arbeitslosen vermindern sich unaufhaltsam, aus Sumpf und Moor, aus Sand und Meer entstehen neue fruchtbare Aecker, viele neue Bauernhöfe und Dörfer wachsen aus der Erde hervor und nehmen junge Bauernfamilien auf zu neuer verheißungsvoller Arbeit. In diesem Jahr wird am 4. Oktober das gesamte deutsche Volk zum vierten Male seit der Machtübernahme das schönste Friedensfest, das ein Volk überhaupt feiern kann, begehen. Im kerndeutschen Land liegt diese Weihestätte des deutschen Erntedankfestes. Wie im vorigen Jahre, so werden sich auch an diesem Erntedanktag wieder hunderttausende deutscher Menschen auf dem Bückeberg zusammenfinden. Gerade hierin zeigt sich auch die große Wandlung, die im deutschen Volke vor sich gegangen ist. Wenn früher der Bauer an diesem Tage seinem Herrgott dankte für den Segen, den ihm die Scholle gebracht hatte, so war das eine Angelegenheit, um die sich der Nichtlandwirt herzlich wenig kümmerte. Heute dankt ein ganzes Volk für den Segen des Himmels: Städter unb Bauern, einst zwei 'Berufsgruppen, die sich nicht verstehen konnten und wollten, feiern und danken gemeinsam. Durch Wirtschastsreformeu zum Weltfrieden. Die „Times" für Erleichterung des internationalen Güteraustauschs. London, 23. Sept. (DNB. Funkspruch.) Die „Times" fetzt sich für eine Bereinigung der wirtschaftlichen Beziehungen in Europa ein. Ein großer Teil ber politischen Spannung, bie in Europa herrsche, sei auf wirtschaftliche Ursachen zurückzuführen. Die gegenwärtige Behinderung bes internationalen Handels durch übermäßige Zoll- und Währungsbeschränkungen sei eine direkte Bedrohung des Weltfriedens. Eine dauerhafte europäische Regelung könne nicht nur auf einer rein politischen Grundlage erzielt werden. Das Blatt schlägt vor, daß England die Führung ergreifen und Vorschläge für die schrittweise Beseitigung der Währungs- und Zollschranken ausarbeiten solle. Es müsse die Gewähr bestehen, daß andere Länder zu Gegenleistungen bereit seien. Die britische Regierung habe schon ihre Bereitschaft ausgedrückt, die wichtige Frage des Zugangs zu den Rohstoffen zu erörtern. Die kürzlichen Besprechungen zwischen Dr. Schacht und dem französischen Handelsminister B a st i d hätten den gegenseitigen Wunsch nach engerer wirtschaftlicher Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern gezeigt. Aufmerksamkeit auf eine Reihe wichtiger Mängel gerichtet habe, die die Regierung jetzt a d st e l l e n müsse. Nach einem Lob für die Arbeit der britischen Flotte im Mittelmeer während der abessinischen Krise schilderte Hoare seinen Besuch in Haifa, das sich zu einem sehr wichtigen Punkt im Mittelmeer entwickelte, und erklärte zum Schluß, daß nach seiner Ansicht die britische Flotte heute so leistungsfäyig sei wie je zuvor. Italienische Besorgnisse. Rom, 22. Sept. (Dnb.) Anläßlich der Rückkehr Sir Samuel Hoares befaßt sich „Giornale d'Jtalia" mit der neuen englischen Mittelmeerpolitik. Das Blatt kommt auch auf bie Reise König Eduards zu sprechen. Unter „Vermeidung jeder Fühlungnahme mit Italien" sei ber König von Englanb von ber dalmatinischen Küste Jugoslawiens nach Griechenland und in bie Türkei gereift. England rüste im Mittelmeer und versuche unterdessen von neuem, nach bem Muster ber in ber Sanktionszeit getroffenen Mittelmeerabmachungen ein System politischer unb militärischer Vereinbarungen herzu- stellen. Es bediene sich dabei des unerklärlichen Mißtrauens, das man in einigen türkischen Kreisen gegenüber Italien wachhalten wolle. Diese Rüstungspolitik stelle eine jener wichtigen Tatsachen bar, über bie es wünschenswert sei, bei Beginn der Wiederaufnahme der europäischen Zusammenarbeit einige Klarheit zu erhalten. Italien sehe mit Ruhe, aber bestimmt nicht ohne Interesse, der fortschreitenden Entwicklung ber neuen englischen Politik entgegen. Ihren Ausgangspunkt, nämlich die Reaktion auf den abessinischen Konflikt, kenne Italien sehr wohl, wenn es ihn auch nicht gutheißen könne. Weniger bekannt seien die damit verfolgten Absichten. Italien frage sich deshalb, wo die unerfaßbaren unb kurzlebigen Elemente des englischen Grolls aufhören unb wo bie eigentlichen kaltberechnenben Absichten unb politischen Richtlinien beginnen. Schweben die eigentliche Problematik knüppeldick er st nach den Wahlen. Sozialdemokraten und Kommunisten haben im neuen schwedischen Reichstag 123 Mandate gegenüber 107 „bürgerlichen" Abgeordneten. Ihre Mehrheit ist also unzweifelhaft. Wird diese Mehrheit aber in Form einer Koalitionsregierung politische Wirklichkeit, so wird der demokratische Bauernbund, ber bisherige Derbünbete ber Sozialbemokraten, nach rechts hin abgebrängt; verbinbet sich dagegen bie Sozialdemo- kratie mit bem Bauernbunb, mit bem sie schon in früheren Legislaturperioden in berfelben Regierung gesessen hat, so täbt sie ben Vorwurf auf sich, „Verrat am Proletariat zu üben". Dieses schwere Dilemma wirb etwas dadurch gemilbert, baß bie Moskauer Komintern in Verfolgung bes bekannten AB Aus aller Welt. Das Ende einer gefährlichen Derbrecherbande. Vor einigen Tagen konnte in Fechingen (Hohen- zollern) auch der letzte der sechs Gebrüder Schüller, Erich Schüller, fe st genommen werden. Die Festnahme erfolgte so überraschend, daß der Verbrecher, nachdem er noch im letzten Augenblick einen Schuß abgegeben hatte, überwältigt werden konnte, ohne daß jemand verletzt wurde. Damit wurde eine der gefährlich st en Berbre ch e r- b a n d e endgültig zur Strecke gebracht. Die sechs Gebrüder Schüller, Erich, Willy, Fritz, Hermann, Walter und Max, haben nicht nur den Raubüberfall auf den Bahnpostwagen bet Rothwasser in der Nacht zum 12. Mai 1935 und dem am 8. Oktober 1932 in Löwen (Kreis Brieg) an dem Kaufmann Ludwig verübten Raubmord sowie den Tod des Gendarmeriewachtmeisters B u ch m a n n auf dem Gewissen; im letzten Jahr konnte von der Polizei auch umfangreiches Beweismaterial für zahlreiche weitere schwerste Straftaten zusammengetragen werden, das durch die Geständnisse der in Haft befindlichen Erich und Fritz Schüller voll bestätigt wurde. In den Jahren 1932 bis 1936 sind von dieser Verbrecherbande nicht weniger als 3 3 schwere Geldschrankeinbrüche verübt worden, bei denen in zwei Fällen von der Schußwaffe Gebrauch gemacht wurde. Weiter fallen diesen Volksschädlin- aen 115 Büro-, Geschäfts- und andere Einbrüche sowie Diebstähle zur Last, wobei gleichfalls in vier Fällen mit der Schußwaffe vorgegangen wurde. In Verbindung mit diesen Straftaten sind 2 4 Personen a l s Mittäter überführt worden. Sie konnten sämtlich festgenommen werden. Wegen Begünstigung der Gebrüder Schüller sind insgesamt gegen 42 Personen, 23 Frauen und 19 Männer, Verfahren in Gang gebracht worden. Erich Schüller, einer der gefährlichsten der Brüder, hatte vor seiner Festnahme eine Reise durch ganz Deutschland unternommen; er war in Bremen, Hamburg und am Rhein gewesen, hatte überall gezeltet und beabsichtigte, sich in Hechingen einiae Tage „aufzuhalten". Bei den seinerzeit erschossenen Willy und Hermann waren Aufzeichnungen gefunden worden, die darauf hinwiesen, daß weitere schwere Straftaten geplant waren, wobei sich die Täter eine Beute von 90 000 Mark erhofften, eine ähnliche Summe wie bei Rothwasser. In aller Stille und Gründlichkeit konnten von der Polizei die entsprechenden Maßnahmen getroffen werden. In den letzten anderthalb Jahren hatten zwölf besonders ausgesuchte Beamte nur den Fall Schüller zu bearbeiten. Von den Behörden wurde alles getan, um diese Volksschädlinge zur Strecke zu bringen, was denn auch dank der mustergültigen Zusammenarbeit aller Stellen gelungen ist. Die Beweisaufnahme im Bauprozeß wird noch einmal eröffnet. Im Berliner Bauunglücksprozeß verkündete die XI. Strafkammer des Berliner Landgerichts den Beschluß, daß neun von den von der Verteidigung gestellten zwölf neuen Beweisanträgen stattgegeben wird. Der Gegenstand der restlichen drei Beweisanträge wird als wahr unterstellt. Die von der Verteidigung genannten Zeugen und Sachverständigen sollen in den nächsten Tagen geladen werden. Dieser Beschluß des Gerichts bedeutet eine nicht unwesentliche Verlängerung des Verfahrens. — Der Vorsitzende gab hierzu folgende Erklärung ab: Das Gericht ist zwar der Auffassung, daß die teilweise mehrdeutigen Beweisanträge der Verteidigung zum Teil eine Wiederholung der Beweisaufnahme zur Folge haben, die hätte verw'"den werden können. Da das Gericht aber ebenso wie bisher alles tun will, um etwa noch mögliche Unklarheiten zu beseitigen, ist es zu dem Beschluß gekommen, neun von den zwölf gestellten Beweisanträgen stattzugeben. Meuterei auf einem französischen Dampfer. Nach Funksprüchen von mehreren auf See befindlichen Dampfern soll der französische Dampfer „Belle Jsle", der „Chargeurs Reunts auf hoher See unter roter Flagge fahrend gesichtet worden sein. Angeblich hat die meuternde Mannschaft den Kapitan gefangen gesetzt. Die Agentur der „Chargeurs Reums" m Buenos Aires gibt gewunden zu, daß mit dem Schiff etwas nicht in Ordnung fei. Der Dampfer ist nachts im Hafen von Montevideo ohneFlaggeeingelaufen. Da an Bord alles ruhig war, gestattete die Behörde das etnstwetltge Anlegen des Schiffes. Kunst unO Wissenschaft. Die Naturforschertagung in Dresden. Auf der Naturforschertagung in Dresden sprach am Dienstag in der naturwissenschaftlichen Hauptgruppe zurächst Professor Gerl ach, München, über „Theorie und Experiment in der exakten Wissenschaft." Die exakte Wissenschaft strebt, wie Professor Gerlach ausführte, nach der Aufstellung eines Weltbildes, d. h. nach der Erforschung der Begebenheiten der Natur und der zwi- F r a n k f u r t a. M., 22. Sept. (LPD.) Im Stadtwald parken ost zu nächtlicher Stunde Autos. Die Lichter sind abgeblendet und die Insassen halten eine Aussprache im Flüsterton, als ging es um eine ganz geheime Sache. Meist sind sie in ihr Schicksal so vertieft, daß sie nicht bemerken, was um sie herum vorgeht, und schon manchmal hat es später ein Erstaunen gegeben, wenn man feststellen mußte, daß die Handtasche oder Aktenmappe, die im Wagen lag, verschwunden war. So groß der Verlust war, so traute man sich aus einem gewissen Schamgefühl heraus nicht, eine Anzeige zu machen, denn dadurch hätte die Mitwelt erfahren, daß Herr X und Fräulein Y eine nächtliche Spazierfahrt unternommen hatten. Immerhin gab es auch Ausnahmen, wie man jetzt in einer Schöffengerichtsverhandlung zu hören bekam. In den letzten vier Jahren sind in dem verhandelten Fall sechs solcher Diebstähle angezeigt worden, die begangen wurden, als die Bestohlenen sich entweder im Wagen befanden oder im Walde spazieren gingen und der Wagen verlassen dastand. Die Anzeigen veranlaßten die Kriminalpolizei, sich auf die Suche nach dem Täter zu begeben. Nach mühevoller Beobachtungstätigkeit gelang es im Juli, drei verdächtige Leute festzunehmen, von denen jetzt der A r t u r H e r z i g aus Neu-Isenburg sich wegen fortgesetzten Diebstahls vor Gericht einfinden mußte. Die Ermittlungen der Polizei ergaben, daß sich seit Jahren Einwohner von Neu-Isenburg, insgesamt mindestens 35 Personen, ein Vergnügen daraus machten, sich nachts in den Wald zu begeben und Liebespärchen zu belauschen. Es wurden Banden gebildet, die sich durch Pfiffe verständigten und sich strahlenförmig, wie auf ein Wild zugehend, den Pärchen näherten. Zu diesen „Guckern" zählte auch Herzig, ein verheirateter Mann in gesicherter Stelle, der ein Doppelleben führte. Tagsüber füllte er bieder seinen Posten aus und nachts trieb er sich im Wald herum, um mit gestohlenen Handtaschen und anderen Gegenständen wieder heimzukommen. Der in glück- schen chnen herrschenden Zusammenhänge. Es ist heute nicht mehr richtig, von zwei verschiedenen Forschungsmitteln, dem Experiment und der Theorie. zu sprechen, vielmehr läßt sich an der Entwicklung einiger besonders bedeutsamer Probleme zeigen, daß erst die innere Vereinigung der experimentellen und theoretischen Forschungsarbeit die exakt wissenschaftliche Methode ergibt, die zur naturwissenschaftlichen Erkenntnis führt. Die folgenden Vorträge führten in das Reich der Physik. In einem Referat über die kosmische UI - trastrahlung zeigte Professor Regener, Stuttgart, ihren außerirdischen kosmischen Ursprung. Professor Tomaschek, Dresden, bench- tete über Schwerkraftmessungen, die eines der wesentlichen Hilfsmittel sind, um die Eigenschaften und den Aufbau des Planeten, auf dem wir leben, zu erforschen. Sie beschäftigen sich mit der Feststellung der räumlichen Verteilung und der zeitlichen Aenderungen des Schwerefeldes, wozu verschiedene Methoden ausgebildet worden sind. Die Untersuchung der örtlichen Schwerkraftverteilung über kleinere Gebiete, die z. B. in Deutschland im Auftrag des Reiches mit großer Sorgfalt durchgeführt wird, bildet ein wichtiges Hilfsmittel beim Aufsuchen der Bodenschätze, da sich diese durch ihre spezifische Masse, die Dichte, unterscheiden und dadurch die Schwerkraft beeinflussen. An praktischen Beispielen wurden diese Ergebnisse sowohl der Großraumforschung als auch der der Lagerstättenforschung verdeutlicht. licher Ehe lebende Angeklagte, der nun seine Familie ins Elend gestürzt hat, ging so keck bei seinen Streifzügen vor, daß er in Situationen kam, wo er stahl und der Eigentümer nur handbreit von ihm weg saß. Etwa zehn Fälle gab der Angeklagte zu, leugnete im übrigen aber hartnäckig. Bei drei Haussuchungen, die bei ihm gehalten wurden, fand sich Material vor, das in bezug auf Umfang die Annahme rechtfertigt, daß der Angeklagte etwa fünfzig Diebstähle begangen hat. Bei der Haussuchung fand man Geldbörsen, Lippenstifte, Puderdosen, Kämme und sonstige Dinge, wie sie die Dame in der Handtasche zu tragen pflegt. Dem Angeklagten war es wohl im wesentlichen stets nur darum zu tun, Geld in die Hand zu bekommen, und nach dieser Seite waren seine Diebstähle manchmal recht ergiebig. Daß er keinen Wert auf die Handtaschen und deren sonstigen Inhalt legte, geht daraus hervor, daß er in seinem Ferienurlaub solche Sachen auswärts verschenkte. Das Gericht verurteilte den unbestraften Angeklagten antragsgemäß zu anderthalb Jahren Gefängnis. Aus dem Krankenhaus — ins Krankenhaus. Auf der Fahrt von Gießen nach Mainz verunglückt. Lpd. Frankfurt a. M., 21. Sept. Ein Mainzer Autobesitzer hatte am Sonntag seine Braut aus der Klinik in Gießen abgeholt, um sie zu ihren Eltern nach Mainz zu bringen. In seiner Begleitung befanden sich die Mutter der Braut und eine Verwandte. Auf der Landstraße zwischen Weißkirchen und Eschborn am Taunus kam der Wagen ins Schleudern. Er überschlug sich zwei- m a l seitlich in die Felder, stand dann aber wieder auf den Rädern. Sowohl die Braut wie die beiden älteren Frauen erlitten ziemlich schwere Verletzungen, vor allem Knochenbrüche und Quetschungen der inneren Organe. Der Fahrer selbst kam mit unbedeutenden Hautabschür- fungen davon. Die verletzten Frauen wurden in das Höchster. Krankenhaus gebracht. Blitzschlag in einen Bergfried. LPD W e tz l a r, 22. Sept. Bei dem gestrigen Gewitter schlug der Blitz in den 25 Meter hohen 800- jährigen Bergfried b4e r BurgKleeberg im Kreise Wetzlar. Das dürre Gras in den Mauer- > fugen des Turmes geriet in Brand, doch entstand kein Schaden. Eine in der Nähe der Burg arbeitende < Frau wurde vom Blitz leicht betäubt. Zwischen Wagen und Scheune totgedrückt. Lpd. Dillenburg, 22. Sept. Der Einwohner Gustav T h i e l m a n n aus dem benachbarten D o n s b a ch wollte einen Wagen mit Grummet in seine Scheune fahren, als plötzlich die Deichsel vom Wagen abriß und das Fahrzeug zurückfuhr. Die hinter dem Wagen stehende Ehefrau wurde da- ; bei von dem zurücklaufenden Wagen mitgeriffen und derart gegen die Scheune gedrückt, daß der Tod auf der Stelle e.intrat. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) h. L. in A. Da zwischen Ihnen und dem Metzger, wie aus Ihrer Darstellung geschlossen werden muß, ein fester Kaufvertrag zuftandegekommen ist, sind Sie verpflichtet, dem Metzger das Kalb zu dem vereinbarten Preise zu 0,64 RM. pro Pfund zu überlassen. Würden Sie ohne Beachtung Ihrer gegenüber diesem Metzger bestehenden Verpflichtung an einen anderen Metzger verkaufen, so hätten Sie ersterem den durch Ihr von Ihnen zu vertretenes Unvermögen zur Leistung entstehenden Schaden zu ersetzen. Mindestpreise für Vieh, die auf jeden Fall von dem Käufer gezahlt werden müssen, bestehen nicht. Es sind lediglich Richtpreise, festgesetzt von der Vereinigung für Schlachtviehverwertung, vorhanden, deren Höchstgrenze sich zwangsläufig aus den von den Preisüberwachungsstellen festgesetzten Fleischpreisen ergibt. Wetterbericht des Reichswetterdienstes. Ausgabeork Frankfurt. Nachdem es am Dienstag noch zu vereinzelten leichten Schauern gekommen war, setzte sich bei absteigender Luftbewegung Aufheiterung durch. Sie brachte in der vergangenen Nacht stärkere Aus- , strahlung und Abkühlung, die in den Niederungen mit weiterer Nebelbildung verbunden war. Bis in die deutschen Küstengebiete hinein macht sich bereits der Einfluß der kräftigen, über Skandinavien hinwegführenden Wirbeltätigkeit in lebhaften Westwinden und zunehmender Unbeständigkeit bemerkbar, die langsam von Norden her auch auf unser Gebiet übergreifen wird. Aussichten für Donnerstag: Morgens vielfach dunstig oder neblig, sonst anfänglich noch heiter, dann Bewölkungszunahme und besonders nach Norden und Osten hin aufkommende Niederschlagsneigung, meist südliche bis westliche Winde. Aussichten für Freitag: Bei Luftzufuhr aus Westen voraussichtlich durchweg unfreundliches Wetter. _________________________ Hauptfchriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hays Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. VIII. 36: 9350. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. Oie „Gucker" von Neu-Zsenburg. Banden zur Belauschung und Beraubung von Liebespärchen. Verkäufe der frühere Brauereibesitzer Herr Rentier Heinrich Heller IV, nach vollendetem 69. Lebensjahr. Die trauernden Hinterbliebenen; irere andere Lieh, den 22 September 1936. [Verschiedenes] Die Beerdigung findet am Freitag, dem 25. September, nachmittags, um 3 Uhr statt. Von Beileidsbesuchen bittet man höflichst absehen zu wollen. 59350 [Vermietungen Frau Anna Kröck, geb. Watz Mittwoch w im Alter von 28 Jahren. Heuchelheim, Münchholzhausen, den 23. September 1936. Die Beerdigung findet Donnerstag, 24. September, nachmittags 2y2 Uhr statt 5937V Stadttheater gungen abzugeb. 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Näheres 04334 Bindenbnrgw.4111. ttr.225 zweites Blatt Eichener Anzeiger (Seneral-Anzeiger für Vbecheffen) Mittwoch. 2".5cp!ember I45b Lustverkehrsweg Tlordatlantik. Eine neue Aufgabe für die Verkehrslustfahrt. Don Peter Burg. Seit England seine Fernost-Luftverkehrsstrecke bis nach Australien vortrieb, sind alle fünf Erdteile durch die Handelsluftfahrt miteinander verbunden. Auch der Pazifik, den die Vereinigten Staaten als ihre ureigene Domäne betrachten, kann nach den Flügen mit den Großflugbooten vom Clipper-Typ als luftverkehrsmäßig erschlossen gelten. Einzig und allein fehlt immer noch die Brücke über das verkehrsreich st e Weltmeer, den Nord- a t l a n t i k, um den — und das ist bezeichnend für die großen Schwierigkeiten, die das Nordatlantikflugproblem birgt — bereits seit Jahrzehnten von allen interessierten Nationen gerungen wird. Sehen wir von den mehr oder weniger phantastischen und auch erfolglosen Versuchen früherer Zeiten ab, und beginnen wir erst im Jahre 1919, als A 1 c o ck und Brown von Neufundland nach Irland flogen, so ist es eine endliche lange Kette wagemutiger und opferbereiter Taten gewesen, die zur Lösung dieses wichtigsten Luftverkehrsproblems beitragen sollten und doch nichts anderes waren, als einmalige Husarenstücke, Einzelleistungen, Pionierwagnisse, die zwar viel dazu beitrugen, bisher nicht geklärte Fragen zu beantworten, für die Schaffung eines Luftverkehrs jedoch ohne entscheidende Bedeutung blieben. Drei Flüge waren es vor allem, die das Interesse auf den Nordatlantik hinlenkten: 1927 flog Charles Lindbergh von Neuyork nach Paris, 1928 bewältigten Köhl, Hünefeld und F i tz m a u - r i c e als erste den Flug von Osten nach Westen, 1930 folgte Wolfgang v. Gronau, der über Island und Grönland nach Amerika flog. L i n d- b e r g h s Verdienst ist es zweifellos, durch seine schneidige Leistung bahnbrechend gewirkt zu haben, Köhl, Hünefeld und Fitzmaurice, die mit einem deutschen Verkehrsflugzeug, das nur über einen 325pferdigen Motor verfügte, das große Wagnis unternahmen, durften schon das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, etwas Entscheidendes für den Luftverkehr getan zu haben. Wolfgang v. Gronau dagegen führte bereits 1930 (deutlicher noch 1931 und 1932) mit einem Verkehrsflugboot einen Flug durch, der nach Anlage und Vorbereitung ein reiner Verkehrsflug war. Trotzdem find Jahre vergangen, ohne daß der planmäßige Luftverkehr zwischen Europa und den Vereinigten Staaten Wirklichkeit geworden ist. Warum. .? Flog 1933 nicht Luftmarschall B a l- b o mit einem ganzen Geschwader von Flugbooten nach Amerika? Folgten den ersten Pionieren nicht viele glückliche Nachahmer? Ja! — aber der planmäßige Luftverkehr, dessen Grundlagen Regelmäßigkeit, Sicherheit und Pünktlichkeit sind, braucht andere Voraussetzungen als Einzelflüge, selbst wenn sie im Verbände durchgeführt werden Und die einzige Route, die schon lange als luftverkehrsr'eif anzusehen ist, — der Weg über Island und Grönland, ist keineswegs das ganze Jahr hindurch zu betreiben, sondern immer nur ein paar Monate hindurch, ganz zu schweigen von den Schwierigkeiten, die der Nachschub und die Organisation in Grönland und in Labrador bereiten würden. Das ist auch der Grund weswegen es still geworden ist um die sogenannte „Gronau-Route". Man hat erkannt, daß für den planmäßigen Dienst nur zwei Wege nämlich der direkte, der etwa dem Schnelldampfer-Kurs folgt, oder der von Portugal über die Azoren und die Bermudas-Inseln nach den Vereinigten Staaten führende, in Betracht kommen. Nach Ablauf des Monopolvertrages mit Frankreich, das jedoch während der ganzen Vertrags- daue'r keinerlei praktische Versuche unternommen hat, sind die Azoren als Srungbrett für die interessierten Nationen frei. England, das sich bemüht, das Kanadische Dominion durch eine Luftverkehrsstrecke näher an das Zentrum Großbritanniens zu rücken, und Deutschland, das durch seinen planmäßigen Luftverkehr nach Südamerika auf rund 200 planmäßigen Ozeanflügen den überzeugenden Beweis für seine führende Stellung auf dem Gebiet des transatlantischen Luftverkehrs erbracht hat, haben darum mit Portugal Abkommen getroffen, die es ihnen gestatten, Versuchsflüge unter Verwendung der Azoren durchzuführen. Beide Länder haben auch mit den Vereinigten Staaten ähnliche Verträge geschlossen, die auf Gegenseitigkeit beruhen, da auch Nordamerika die Absicht hat, in Kürze Versuche zur Schaffung eines planmäßigen Dienstes nach Europa aufzunehmen. Der am günstigsten unterteilte Weg führt von den Azoren zu den englischen Bermudas-Inseln und erst dann weiter nach Neuyork. Für England und die USA. bestehen also keine Schwierigkeiten, wohl aber für Deutschland. Es ist jedoch zu hoffen, daß England in seiner geradezu sprichwörtlichen Fortschrittlichkeit die Genehmigung für deutsche Versuchsflüge nicht verweigern wird. Es liegt auf der Hand, daß die durch die neiden Inselgruppen unterteilte Route dem nur über Seestrecken führenden Dampferweg vorzuziehen ist. Für den Luftverkehr kommt es ja auch nicht darauf an, Strecken mit „fliegenden Tanks" zu überwinden, sondern vor allem Nutzlast zu befördern. Aus diesem Grunde — auch wegen der größeren meteorologischen Schwierigkeiten — scheidet daher zunächst die direkte Strecke aus und alles Interesse konzentriert sich auf den „Azorenweg". Auf ihm werden wir bereits in den nächsten Wochen die ersten Versuche erleben, denen hoffentlich Erfolg beschieden sein wird. Während sowohl die Vereinigten Staaten als auch England die Absicht haben, den Nordatlantik mit Großflugbooten zu überfliegen, will Deutschland diese Strecke mit Flugbooten, wie sie auch im Südatlantik-Dienst Verwendung finden, unter Einsatz der bekannten schwimmenden Flugstützpunkte überwinden. Bekanntlich verfügt die Deutsche Lufthansa bisher über drei Flugstützpunkte, die „W e st - f al e n", die „S ch w a b e n l a n d" und die „Ost- mar k". Das zuletzt genannte Schiff, das erst kürzlich in den Dienst gestellt wurde, ist der erste reine Flugstützpunkt, während die anderen Fahrzeuge als eh-malige Frachter erworben und entsprechend umgebaut worden sind. Die „Ostmark" als reines Küstenfahrzeug versieht ihre Aufgabe an der westafrikanischen Küste in der Mündung des Gambia- Flusses. Die „Westfalen" liegt bei der Insel Fernando Noronha vor der brasilianischen Küste. Der größte bisher vorhandene Flugstützpunkt, das Motorschiff „Schwabenland", ist durch die Indienststellung der „Ostmark" für die Nordatlantik-Versuche freigeworden. Wie im Südatlantik wird auch im Nordatlantik die Aufgabe der Flugstützpunkte hauptsächlich darin bestehen, dem schwerbeladenen Flugboot den Start zu erleichtern, indem es die Maschinen mit Hilfe der an Bord befindlichen Großflugzeugschleuderanlage in die Luft schießt. Dadurch wird der gefährliche und bei grober See meist sogar unmögliche Wasserstart vermieden. Als Flugboot wird das mit zwei Junkers-Schwerölmotoren ausgerüstete Flugboot Dornier Do. 18 eingesetzt, das während der letzten Monate einer harten Erprobung unterzogen wurde. Wie leistungsfähig der einzig im deutschen Luftverkehr verwendete Junkers-Dieselmotor ist, hat erst vor wenigen Tagen der großartige Ohnehaltflug einer Junkers Ju 86 von Dessau nach Brathurst (Britisch-Gambien), der afrikanischen Basis des Südatlantikdienstes der Deutschen Lufthansa gezeigt, bei dem 6000 Kilometer ohne Zwischenlandung in nur 18 Stunden zurückgelegt wurden. Der große Vorzug des Schwerölmotors ist sein geringer Betriebsstoffverbrauch. Er erhöht dadurch einmal die Reichweite des Flugzeugs, zum anderen steigert er aber auch die Zuladungsmöglichkeiten. Das lst für einen Verkehr nach den Vereinigten Staaten von größter Wichtigkeit. Uebrigens wird das Flugboot Dornier Do 18 mit Dieseltriebwerk auch auf dem Südatlantik den zu langsam gewordenen alten Dornier-Wal ersetzen. Wollen England und Amerika auf der Nordatlan- tik-Route neben der Luftpost auch Fluggäste befördern, so beschränkt sich Deutschland einzig und allem auf den Luftpo st verkehr, soweit Dienst mit Flugzeugen in Frage kommt. Dadurch, daß sowohl unsere Verkehrsflugzeuge als auch die Luftschiffe „Hindenburg" und „Graf Zeppelin" die Zeichen des neuen Deutschland über die Weltmeere tragen und in aller Welt unseren Willen bekunden, in friedlicher Zusammenarbeit mit den anderen Nationen Aufbauarbeit zum Segen von Wirtschaft und Verkehr zu leisten, ist eine natürliche und selbstverständliche Arbeitsteilung geschaffen worden. Solange die heutigen technischen Voraussetzungen bestehen, das heißt: solange das Flugzeug nicht in der Lage ist, dem Fluggast diejenige Bequemlichkeit zu bieten, die er auf längeren Strecken von einem neuzeitlichen Verkehrsmittel verlangen darf, gebührt das Vorrecht der Beförderung von Passagieren im Uebersee-Lustverkehr dem Luftschiff, das diesen Vorzug in reichstem Maße aufweist. Die Post dagegen, das eilbedürftigste Gut, muß das Luftschiff wiederum dem ihm in bezug auf die Geschwindig-Lit weit überlegenen Flugzeug überlassen. Aus diesem Grunde haben die bevorstehenden deutschen Versuche zur Schaffung eines Luftverkehrs über den Nordatlantik allein einen Luftpoftdienst zum Ziel. Als wir vor ganz nicht langer Zeit von den „Hochstraßen der Luft" sprachen, also denjenigen Verbindungen, auf denen das Verkehrsflugzeug feine ureigene Aufgabe erfüllen sollte, dachten rott an Strecken wir Berlin—London, Berlin—Paris, vielleicht auch schon an Berlin—Athen. Die stürmische Entwicklung des Luftverkehrs, die das Verkehrsflugzeug in knapp anderthalb Jahrzehnten olle Erdteile erobern ließ, hat diesen Begriff verschoben. Nachdem das Flugzeug die weiten Wasser- wüsten, die trennend zwischen den Erdteilen liegen, überwand, kann man eigentlich nur noch die Ätlantikstrecken so bezeichnen. Probleme müssen reifen; sie brauchen ihre Zeit. Uns scheint, daß das Nordatlantikflugproblem j'tzt endlich soweit ist, daß es gelöst werden kann. Schon die nächsten Monate werden uns Klarheit bringen. Wir wollen wünschen und hoffen, daß unsere deutsche Handelsluftfahrt, die im Südatlantik Schweres gemeistert hat, die auch im Nordatlantik als erste durch den Schleuderflugdienst von Bord der Dampfer „Bremen" und „Europa" schon eine Teillösung erreichte, erfolgreich in Front steht, wenn es jetzt gilt, mit dem Flugzeug die Brücke von b er Alten zur Neuen Welt zu schlagen, und mit- zuhelfen, das verkehrsreichste Weltmeer zu einer „Hochstraße der Lust" zu machen. SJL-'fpont Herberger Nachfolger von Or. Ner». I k 1 Herberger, den unser Bild zeigt, ist ein in ganz Deutschland bekannter und geschätzter Fachmann. (Schirner-M.) Durch die Verpflichtung des langjährigen Sportlehrers des Fachamts Fußball Dr. Otto Nerz an die Reichsakademie für Leibesübungen, an der Dr. Nerz feinen Dienst bereits am 1. April d. I. antrat, war der Posten des Fachamtstrainers frei geworden. Zum Nachfolger für Dr. Nerz wurde Seppi Herberger verpflichtet, der den Poften offiziell am 10. Oktober d. I. übernimmt. Herberger ist ein geschätzter Fachmann. Er spielte lange Zeit beim VfR. Mannheim, ging dann zur Berliner Tennis-Borussia und trainierte hier als Spieler der ersten Mannschaft unter Dr. Nerz, der zu dieser Zeit noch Sportlehrer der „Veilchen" war. Dr.Nerz nahm sich um Herberger besondes an, da er dessen Talent als Fußball-Lehrer schnell erkannte. Herberger wurde nach Aufgabe des aktiven Sports Fußball-Lehrer des DFB. und tritt nun als Nachfolger von Dr. Nerz die verantwortungsvolle Stelle al=> Reichstrainer des Fachamtes Fußball an. Neichsbund für Leibesübungen, Hochamt Fußball. verdiente Ehrung für kreisfachamtsleiker henkel. Im Rahmen der am Sonntag, 20. September, in Kassel vom Gaufachamtsleiter einberufenen Arbeitstagung der Kreisfachamtsleiter wurde verdienten Männern der Fußballbewegung die silberne Ehrennadel des DFB. verliehen. Unter ihnen befand sich auch unser Kreisfachamtsleiter Hugo Henkel, Gießen. Durch diese Verleihung sind die Verdienste des Fachamtsleiters des Sportkreises Gießen auch an höchster Stelle anerkannt worden. Es dürfte auch interessieren, daß die gleiche Ehrung dem Gau-Schiedsrichter-Mitarbeiter W i n g e n - seid (Fulda), der in Gießen gut bekannt ist, zuteil wurde. Sportverein 1920 Lollar. Wetzlar (Liga) — Lollar (Liga) 3:1 (2:1). Die Lollarer Elf fuhr ohne Klinke! und Römer nach Wetzlar. Wetzlar war komplett. Der Kampf wogt auf und ab. Ein Elfmeterball wurde von Wohlgemuth sicher verwandelt. Lollar drängte dann auf Ausgleich. Gabriel schoß wuchtig auf das Wetzlarer Tor. Der Tormann wehrte schwach ab und der Ball überschritt die Linie. Der Torhüter wehrt abermals ab, doch der Schiedsrichter entschied Tor. Gute Möbel bei Koos Giessen SchuIstn6 Gießener Gtadtiheater. Heinrich Zerkauten: „Der Sprung aus dem Alltag." Das dritte Lustspiel dieser Spielzeit, im Programm als Komödie in drei Akten bezeichnet, wacht eher einen volksstückmäßigen Eindruck. Es begibt sich an zwei aufeinanderfolgenden Tagen einer rheinischen Kirmes und beginnt unb eni)etnI^!_ allem zugehörigem Betrieb: mit Karussell und Luftballons, mit Blasmusik und Schoppenschwenken, mit Krach und Verlobung zum Schluß. ♦ Den Höhepunkt der nicht übermäßig straften, von Milieuschilderung, humoristischen Einlagen, aber auch philosophischen Betrachtungen durchbrochen Handlung bildet eine ziemlich turbulente nb^»t5' sitzung am zweiten Kirrnestag. Don ner aus asst" sich die durcheinanderlaufenden Faden der Aktion am übersichtlichsten ordnen. Auf der ^^sordnun^ steht als wichtigster Punkt die Vergebung einer Fährkonzession. Um die bewirbt sich der Rhein- schifter Matje Schmitz, ein junger Mann der sich nicht nur auf dem Rhein, sondern auch sonst in der Welt umgetan hat und gerade zur Kirmes recht gekommen ist, um sich in die Tochter des Amts Vorstehers zu verlieben. ♦ Sie mag ihn auch gern, und die beiden sind sich einig. Aber das Lieschen ist leider schon so gut w e verlobt mit dem Stadtsekretär Hummel emem eingebildeten und autoritätswütigen Paragraphenritter. Der Amtsvorstand ein etwas griesgrämiger Mann mit att"Renten, Zm°is°>n und ^un Morgen (nicht eben strotzend von rheinischem Temperament) glaubt leine Tochter auch bei Dem b'enJt(beJn1S;5n Untergebenen am besten auf gehoben, d I I * ahnungsvoll und eifersüchtig, die Heilung der Korn Zession an den draufgängerischen Nebenbuhler nach Kräften zu hintertreiben sucht. * Ehe die Sitzung beginnt, knallt es zweimal, das wa^der Am?svo?stan^: er bat eigener Hand & s wenigen Freuden seines sorgenschweren Daseins. Wend noch der Streit um die Konzession im jwagrenu iiuuj Schnutgen mit der An- ^g7d°^°u^fm°?d-7dkAi,ch?n. was für d-n schuldigen Amtsvorstand mitten in der Hel)* veinlÄ ist Der Schiffer Schmitz, der plötzlich an seiner Konzession keinen Spaß, mehr zu- haben scheint, bereinigt die Situation, mdem er die Tat, die er gar nicht begangen hat, auf sich nimmt, um Zweifel zu beseitigen, ein paar Löcher ins Lokal schießt und dem Sekretär an den Kragen fährt, der ihm, um ihn recht zu treffen, aus den Akten seine uneheliche Abkunft vorgehalten hat. Danach bleibt nichts anderes übrig, als die gemütlich begonnene, stürmisch endende Sitzung zu vertagen Aber dem Amtsoorslano, Der pH |u unvermutet entlastet sieht und wenig später von einem ganz philosophisch angehauchten Luftballonverkäufer mit allerhand Lebensweisheit gestärkt wird, sind denn doch mittlerweile verschiedene Lichter aufgegangen. Dem Sekretär nützt es nichts mehr, daß er sich mit durchsichtigen Praktiken das Ansehen eines bedeutenden Mannes, eines kleinen Napoleons, zu verleihen sucht. Der Alte hat gemerkt, daß Mut und Glauben, frisches Zupacken und Zuversicht mehr wert sind als Sparen und Altersversorgung; er weiß jetzt, wer der richtige Mann für das Lieschen ist, und der Matje bekommt seine Konzession und das Mädchen dazu. Hoch soll er leben; die unbedenkliche Jugend und das richtige Gefühl haben über das griesgrämige Alter und die Paragraphenkorrektheit gesiegt Das Ganze ist etwas locker geschürzt und kommt etwas umständlich in Gang; und wo der Gedanke, welcher dem Stück zugrundeliegt, nicht dramatisch in vortreibende, zusammenraffende Handlung umgesetzt ist, tritt reflektierendes Gespräch ober handfeste Situationskomik an die Stelle. Die Spielleitung hatte Fritz Walter; er fand, von den gemütlich realistischen Dekorationen Löfflers wirksam unterstützt, eine dankbare Aufgabe in der behäbigen Ausmalung, in einem bunten, mit allerhand Musik und Hallo in Szene aesetzten Kirmes- betrieb, aus dem sich die entscheidende Szene zwischen den Liebesleuten und die aufgeregte Gemeinderatssitzung als Höhepunkte abhoben. Eine gewisse Schwierigkeit bildete, wie bei allen derartigen Stücken, die rheinische Mundart, doch tat jeder, auch wem nicht der Schnabel danach stand, sein Bestes. — Herr Hub als Gemeindevorstand mußte seinem angeborenen Temperament zunächst von der Rolle aus einige Dämpfer aufsetzen, entwickelte sich aber aus der anfänglichen melancholischen Verdüsterung seines Gemüts allmählich zu immer herzhafteren Tönen. Herr Rosenthal gab den Schiffer Schmitz mit dem unbekümmerten Draufgängertum eines weitbefahrenen Mannes, der sich in allen Stücken auf sich verlassen kann, recht aus dem Vollen. Fräulein Krause spielte keck und unbeschwert, in her richtigen Gefühlslage, die junge Tochter. Herr Kühne als Sekretär strotzte von Würde und Autoritätsbewußtsein, geriet aber gegen Ende der nicht gerade dankbaren Rolle hart an die Grenze der Karikatur. Die gemütlichen Gemeinderäte in Kirmeslaune: Nieren, Schorn, Frick höf- f e r und V 0 lck , der seinen Mann am gediegensten und menschlich ergiebigsten zu entwickeln vermochte. Fräulein Gerhardt als schnippische Kellnerin, Frau Schubert-Jüngling als resolute Madame Schnütgen. Dazu die Episodengestalten vom Kirmesplatz: Frau Stirl und die Herren Geiger und Walter, hübsch abgestuft in Humor und Gemütsverfassung. Freundlicher Beifall nach allen drei Akten, hth. 3d) bade „finnisch". 33on Cbnstian Bock In Berlin wurde das erste finnische Sauna- Bad der Oefsentlichkeit übergeben. Unser Mitarbeiter Christian Bock begab sich dorthin und schildert hier seine Bade-Erlebnisse Du kriegst em paar derbe Holzpantinen in die Hand gedrückt, das ist das Erste. In einer Kabine hängst du alle städtische Nobelkeit, die du hast, an einen Nagel, Hose, Rock und Hemd, und kommst in nichts als den Holzpantinen herausgeschlurft. Der Bademeister wartet schon auf dich. In die Sauna geht's. Wenn er die Tür aufmacht, schlägt's dir böllenheiß entgegen, als pustete dir des Teufels Großmutter ihren Atem in die Nasenlöcher, so ist es. Aber es dauert nicht lange, dann bist du es schon gewohnt, die warme feuchte Luft streicht dir um den Leib — in den Vorzimmern der Hölle muß es sich schon leben lassen. Wenn man da bleiben kann und nicht ernstlich in den Brühtopf gesteckt wird. Da steht der Ofen, mit Birkenholz gefeuert. In ihm liegen Steine, die glühheiß werden. Der Bademeister schüttet Wasser drauf und nun steigt die feuchte Luft herauf. An der Decke des Raumes, wo es am heißesten ist, da liegst du auf einer Bank und kannst die Decke über dir betrachten. Du bist durch und durch gewärmt, du wirst hier gedämpft sozusagen. Die Poren öffnen sich, und wenn du nun einmal die Knie anziehst, da hörst du es von dir heruntertropfen, es sickert dir rundherum vom Leibe, es rinnt, trieft, läuft, es riefelt dir herunter, und wenn du atmest, dann hast du nun selbst schon den heißen Atem der Hölle in dir, es schmeckt nach Birkenholz und feurigem Ofen. Eigentlich soll man nicht allein ins Sauna-Bad gehen, man soll sich eigentlich zu drei, vier Freunden dazu verabreden und zusammen 'hingehett, da könnt shr oben auf euren Bänken liegen und könnt sokratische Gespräche führen, wenn ihr wollt. In Finnland oben macht man es so. Man geht in Gesellschaft baden, man verabredet sich dazu wie zu Tanz und Kaffeetrinken. Wenn du oben liegst, dann kommt nun der Bademeister mit einem Kübel Wasser in der einen und einem Busch voll Birkenreisern in der anderen Hand. Jetzt gibt es Hiebe, mein Junge. Auf den nackten Leib gibt es die. Und dahin, wo du sie lange nicht mehr kriegtest, du weißt schon, was ich meine. En'n- nerft du dich noch, wie es schmeckte, als dir dein Vater den Hosenboden schön rund und stramm zog — du hattest hinterm Haus in einem alten hohen Baumstamm gepafft, daß dir schlecht und schlechter wurde, aber du hattest vergessen, daß fo ein Zigarrenrauch nach oben hinausraucht, dein Vater hatte den Baumstamm Zigarre rauchen sehen, und da hatte er dich! Aber fürchte dich nicht, diese Hiebe hier mit den Birkenreisern tun dir gut, du kannst sie auch selber in die Hand nehmen, in den Wasserbottich tauchen und die Exekution mit eigener Hand aufführen. Gib dir, soviel du verdient hast! Zu allerletzt wird es dir hier doch etwas zu warm. Wenn du also denkst, du hast genug — es waren schließlich 70 Grad Hitze da oben — dann steigst du die Treppe wieder hinunter. Aus der Sauna in den Brauseraum mit dir' Da gibt es wieder so eine Bank, auf die legst du dich. Der Bademeister kommt mit einem Riesenschwamm und wäscht dich herauf und herunter, wie dich deine eigene Mutter noch nicht gewaschen hat. Vorne und hinten, auf allen Seiten, die du haft. Geseift und geschrubbt bis du nun Steh jetzt auf, es geht unter die marine Brause, die Seife rinnt in Bachen von dir herunter, aber dann gibt es, kaum eineiH Meter weit von dir, noch eine zweite Brause, die eiskalt die Haut erschreckt. So oft es dich gelüftet, läufst du von der marinen unter die kalte Brause, hin und rnieder zurück. Sieh, jetzt wirst du wieder quicklebendig, das Blut springt in den Adern, die Lungen hüpfen in all der nassen Frische. Du hättest jetzt den Mut, mitten ins Nordpol Loch zu tauchen, wenn es hier wäre. Oben in Finnland gehen sie auf dem Lande vom Sauna-Bad geradewegs ins kälteste Wasser oder tummeln sich im dicksten Winterschnee, es schadet nichts nach einem solchen Bad, es ist wunderbar erfrischend. Trockne dich nun ab, steig in die Holzpantinen und schlurfe in deine Kabine zurück. Wenn du magst, kannst du hier auf einer weichen Pritsche eine Weile liegen, ehe du deine Nobelkeit vom Nagel wieder herunternimmst und dich anziehst. Wenn du auf die Straße kommst, haft du rote Backen vor purer Gesundheit und Frische, und kommst dir vor, als wolltest du nun noch einmal bei deiner Konfirmation wieder anfangen. 1:1! Nun war Lollar abermals stark im Angriff; jedoch die Wetzlarer Hintermannschaft war auf der Hut. Wetzlar machte fich allmählich wieder frei. Eine Viertelstunde vor Halbzeit gingen die Gastgeber durch seinen Mittelstürmer abermals in Führung. Lollar wollte den Ausgleich erzielen, aber die Schüsse der Innenstürmer waren stets zu schwach. Nach Halbzeit setzten die Lollarer alles auf eine Karte. Eine sichere Chance Löhrs wurde hart vereitelt. Dann kamen die Wetzlarer wieder durch. Der Lollarer linke Läufer wehrte schlecht ab. Der Ball kam zum Rechtsaußen, der schön hereinflankte und der Kopfball des gegnerischen Mittelstürmers ließ K. Ziegler keine Chance mehr zum Eingreifen. Wetzlar (Referve) — Lollar (Reserve) 6:1. Die Reserven beider Vereine kämpften nicht so hart. Bei Halbzeit stand der Endsieg schon fest. In der zweiten Hälfte erzielten die Lollarer den längstverdienten Ehrentreffer, während die Gastgeber zum sechsten Tore kamen. Gpielvereinigung 1900 Gießen. 1900 1. Jugend — Leihgestern 1. Jugend 1:3. Die 1. Jugend weilte am vergangenen Sonntag zum fälligen Pflichtspiel in Leihgestern. Eine Niederlage war leicht möglich, da die Fahrt mit viel Ersatz angetreten werden mußte. Ueberraschend gingen die Blau-Weißen in Führung und zeigten vorerst eine leichte Ueberlegenheit. Aber der nasse Boden hatte seine Tücken. Einmal fiel der nasse Ball dem Tormann aus den Händen und ein nachsetzender Stürmer konnte zum Ausgleich einschieben. Ein andermal sprang der Ball einem Spieler vom Fuß in das eigene Tor. Dadurch ermutigt, wurden die Leihgesterner leicht überlegen und konnten die Führung behaupten. — Das Spiel der dritten Jugend gegen Lollar fiel aus. 1900 2. Schüler — Großen-Vufeck 1. Schüler 2:1. Die zweite Schülerelf konnte ihren Sieg gegen Großen-Busecks Schüler wiederholen, wenn auch nicht in der Höhe des Vorspiels. Die Gäste gingen in Führung und erst nach Halbzeit gelang der Ausgleich. Gegen Ende des . Spieles wurde gegen die Gäste ein Elfmeter verhängt, der den Sieg ergab. Faustballspiele des Tv. v. 1846 Gießen. Tv. 1846 Sieger im Turnier zu Philippstein. Als endgültigen Abschluß der diesjährigen Sommerspielzeit besuchte die ersatzgeschwächte erste Mannschaft des To. 1846 Gießen am vergangenen Sonntag das Faustballturnier des Tv. Philippstein. Die Mannschaft trat nur mit vier Mann gegen Tv. Wetzlar in Philippstein an und konnte trotzdem überlegen die beiden Spiele für sich entscheiden. Sie errang damit den Wanderpreis des Tv. Philippstein, ein Oelgemälde von Philippstein. Die Gießener Turner zeichneten sich durch eine größere Sicherheit in der Ballbehandlung und ein besseres System in der Spielweise vor den anderen Mannschaften aus und lagen vom Beginn an klar in Führung, die sie bis zum Schlußpfiff mit weitem Dorsprung behielten. Das Tennisturnier des Tv. 1846. Das Tennisturnier, das der Turnverein 1846 am vergangenen Sonntag im Zusammenhang mit seinen Vereins-Wettkämpfen veranstaltete, endete, wie wir berichteten, mit einem Siege der Gastgeber, die mit 7:3 Punkten das Turnier für sich entschieden. In dem Bericht, den wir darüber am Montag veröffentlichten, ist durch ein Mißverständnis leider eine unrichtige Darstellung des Turniers gegeben worden. Der Sieg wurde nicht durch die Herren des Turnvereins, sondern in erster Linie durch die Damen gewonnen. Die Damen konnten drei Einzelspiele und zwei Doppelspiele für sich entscheiden^ ferner brachten zwei Gemischte Spiele die Punkte für den Turnverein 1846. Zwei Herren-Einzelspiele dagegen gewannen die Gäste aus Butzbach. Um die Gaumeisterschast im ler-Strrckenfahren. Bei der Austragung der Gaumeisterschaft im ler Streckenfahren, die am 26. Juli 1936 in Gießen abgehalten wurde, kam es im Endspurt zu einem Sturz des Gießener Fahrers Hch. Preis. Der Wettfahrausschußvorsitzende, Hauck, distanzierte s. Zt. den Fahrer W. Neumann vom Gießener Radfahrer-Verein von 1885 wegen angeblicher Behinderung des Fahrers Preis. Gleichzeitig wurde der Vorfall von dem Wettfahrausschußoorsitzenden sowie Gauwart Eggert (Kassel) zur Entscheidung an den Sportausschuß des Deutschen Radfahrer- Verbandes nach Berlin gemeldet. Die Angelegenheit wurde nun von dem Sportausschuß nach nochmaliger Stellungnahme der beiden Fahrer dahingehend entschieden, daß Hch. Preis an dem Sturz selbst die Schuld trage. Nachdem W. Neumann im Spurt die rechte Straßenseite eingehalten hätte, durfte Preis niemals noch rechts sondern nur links überholen. W. Neumann wurde daher der zweite Platz in diesem Rennen zugesprochen. Fußball gegen Tschechoslowakei und Luxemburg. Belastungsproben für die Oeutschland-Fußball-Nepräsentanten. Zum ersten Male in der neuen Spielzeit geht der deutsche Fußballsport daran, am gleichen Tage zwei Reichsmannschaften in Länderkämpfe zu schlk- ken. Am 27. September trifft die deutsche ^-Mannschaft in Prag auf die Berufsspieler-National-Els der Tschechoslowakei, während in Krefeld eine zweite deutsche Vertretung gegen die Amateur-Lan- dermannschast von Luxemburg antritt. Dieser Kampf nach zwei Fronten bedeutet natürlich sur den deutschen Fußballsport eine Belastungsprobe, zumal ja gerade die Tschechoslowakei neben Oesterreich zur Zeit der schwerste Gegner auf dem Festlande ist, mit dem es eine deutsche Nationalmannschaft zu tun bekommen kann. In den letzten Jahren — in der Zeit, da unsere Nationalspieler gegen die größten Gegner ehrenvoll bestanden und Siege herausholten — da gingen solche Zweifrontenkämpfe zumeist in beiden Fällen günstig für uns aus. Ob aber auch diesmal alles gut gehen wird, das muß sich erst erweisen. Denn — die Vorzeichen für die Kämpfe des 27. Septembers sind nicht sehr günstig. Man muß immerhin bedenken, daß der Schock der Olympia-Schlappe noch nicht ganz überwunden ist und daß auch das Polenspiel mit seinem l:l-Unentschieden nicht gerade alle Hoffnungen erfüllte. Dazu kommt noch, daß zahlreiche Spielerverletzungen die Aufstellung der beiden Mannschaften dem Fachamt Fußball sehr erschwerten. Prag als Schauplatz des dritten Kampfes mit der Tschechoslowakei macht die Ausgabe für unsere Mannschaft noch schwerer, als sie so schon ist. Zu einem großen Können muß unsere Elf auch noch Mit der 6. Tatzesstrecke und einer auf einer Dreiecksstrecke bei Fussen ausgefahrenen Schnelligkeitsprüfung ging die Internationale Motorraü-Sechs- tagefahrt am Dienstag zu Ende. Der deutschen National-Mannschaft auf BMW. gelang dies vier Tage lang in hervorragendem Maße; da hatte Ernst Henne bei der Bergprüfung am Montag das Pech, mit blockiertem Motor liegen zu bleiben und durch diesen Zeitverlust zwei Strafpunkte einstecken zu müssen. Am Dienstag wurde das Rätsel dieses Mißgeschicks unseres Weltrekordfahrers gelöst. Ein Kolben seiner BMW. hatte sich festgefressen. Henne dachte aber nicht daran, deshalb die Weiterfahrt ganz einzustellen; sein Ausscheiden hätte der deutschen Nattonal-Mannschaft 100 Strafpunkte eingebracht. So machte er sich am Dienstagmorgen vor dem Start daran, einen anderen Kolben in seine Maschine einzubauen, und in fieberhafter Tätigkeit gelang ihm dies in Rekordzeit von 32 Minuten. Mit 17 Minuten Verspätung — eine Viertelstunde steht den Fahrern laut Wettfahrtbestimmungen vor dem Start zur Verfügung zur Vornahme von Reparaturen — jagte Henne dem Felde nach. Eine zweite große Ueberraschung gab es auch am Dienstagmittag noch. Ein schwerer Gebirgsregen und Hagelschlag hatten im Ammergebirge einen Bergrutsch verursacht, der die Verlegung der vorgesehenen Strecke notwendig machte. Bis zum Eintreffen der Fahrer hatten NSKK.-Männer in mustergültiger Weise die Markierung der neuen Strecke vorgenommen. Eine Glanzleistung deutscher Organisattonskunst! War die letzte Etappe mit 190 Kilometer bis Füssen auch sehr kurz, so bot. sie doch wieder zahlreiche Schwierigkeiten, da sie in der Hauptsache über verschlammte Waldwege und schlechte. Bergstrecken führte. Dazu kam, daß die Zeitkontrollen sehr dicht auseinander folgten und daher Fahrern, die Defekte zu beheben hatten, kaum Gelegenheit geboten wurde, die nächste Zeitkonttolle anzufahren, ohne Strafpunkte zu erhalten. Bei Hindelang war noch eine 5 Kilometer lange Bergprüfung eingelegt und dann ging es auf einer gefährlichen Abfahrt, die alle Teilnehmer zur größten Vorsicht zwang, nach Füßen, wo nach einer halbstündigen Zwangspause die schwierige Prüfung in Angriff genommen wurde. Als erste Gruppe gingen auf der 8,750 Kilometer langen Dreicksstrecke die Beiwagen-Gespanne ins Rennen, und hier erwies sich der Münchener Fahrer Steinberger, der zur strafpunktfreien DDAC.-Ortsgruppe gehörte, als der Schnellste. In der Wertungsgruppe II gingen 16, in der Wertungsgruppe I 31 Fahrer über den Kurs. Pech hatte die einzige deutsche Teilnehmerin Ilse Thouret, die sechs Tage lang straf- punktfrei alle Schwierigkeiten gemeistert hatte. Beim Start zur Schlußprüfung riß ihr Gas-Bowden-Zug, und sie benötigte zwölf Minuten, bis sie den Schaden behoben hatte. Damit ging ihr die schon sicher scheinende Goldene Medaille verloren. Doch Nerven von Stahl mitbringen, wenn sie 90 Kampfminuten lang dem Ansturm der Gegner und der Leidenschaft von 45 000 Zuschauern standhalten will! Die beiden Ländermannschaften werden sich dem schwedischen Schiedsrichter Ohlsson in folgender Besetzung stellen: Deutschland: Jakob; Münzenberg, Munkert; Rodzinski, Goldbrunner, Kitzinger; Elbern, Gellesch, Siffling, Lenz, Kobierski. Tschechoslowakei; Planicka; Ctyrocky, Burger; Ludl, Boucek, Bouska; Rulc, Nejeüly, Sobotka, Czech, Faszinek. Sieg gegen Luxemburg? Um ganz sicher zu gehen, hat das Fachamt Fußball für den Krefelder Länderkampf gegen Luxemburg eine Mannschaft gestellt, die als sehr stark angesprochen werden muß. Darum sollte ein Sieg nicht allzu schwer fallen. Immerhin — auch dieser Gegner darf nicht auf die leichte Schulter genommen werden, denn wenn er auch gegen uns in der Weltmeisterschaft 1934 und beim Olympia 1936 mit 1:9 bzw. 0:9 verlor, so kam er zwischendurch doch einmal zu einem recht achtbaren Resultat. 1935 konnte in Luxemburg eine gute deutsche Mannschaft nur knapp mit 1:0 zum Siege kommen. Den vierten offiziellen Länderkampf gegen Luxemburg beftreitet in der Krefelder Grotenburg- Kampfbahn folgende deutsche Elf: Jürissen; Sold, Sievert; Zielinski, Rohde, Tibulski; Melecki, Billen, Pörtgen, Kuzorra, Günther. war auch die zweite Teilnehmerin, Frau Cottell (England), auf der Schluhetappe noch ausgeschieden. England holt die Trophäe zurück. Drei Jahre lang gewann eine BMW.-National- Mannschaft die Jnternattonale Trophäe der schwierigsten Zuverlässigkeits-Prüfung. Beim vierten Male ereilte sie das Pech. Drei Jahre lang war das Glück bei den deutschen BMW.-Maschinen und ihren Fahrern, diesmal wandte es sich den Engländern zu. Mit England hat der stärkste Gegner Deutschlands die Trophäe errungen und damit das Recht erworben, im kommenden Jahre die Sechstagefahrt durchzuführen. Zum neunten Male können die Briten ihre Namen in der Trophäe verewigen. B r i 11 a i n (348 ccm Norton), Rowley (346 ccm AJS) und Waycott (495 ccm Triumph-Beiwagen) waren die Fahrer, die die Trophäe nach England zurückholten. Nicht minder tapfer aber schlug sich unsere deutsche Mannschaft: Henne, Stelzer und Kraus in den 500-ccrn-BMW., Solo-Maschinen und dem 600 ccm Beiwagen-Gespann. Vier Tage lang hatten sie sich durch hervorragendes Fahren strafpunktfrei gehalten. Dann ereignete sich zum erstenmal seit vier Jahren ein Defekt an einer der Maschinen, und dieser Defekt kostete den Deutschen den Sieg. Das vorläufige Ergebnis. Internationale Trophäe für Nativ- nal-Mannschaften: 1. England (Brittain auf Norton, Rowley auf AJS und Waycott auf Triumph) 0 Strafpunkte. 2. Deutschland (Henne, Kraus, Stelzer auf BMW.). 3. Frankreich, 4. Italien. 5. Tschechoslowakei. Internationale Silbervafe für Ländermannschaften: 1. England B (Rudge), 2. Holland A, 3. England A, 4. Oesterreich B, 5. Deutschland B (NSU=£eam), 6. Schweiz. Goldmedaille der FICM für Fabrik- Mannschaften: 1. Rudge (England), 2. DKW. Auto-Union (Deutschland), 3. Puch (Oesterreich), 4. Triumph England. Preis des Führers des Deutschen Kraftfahrsportes für KlubMannschaften: 1. Kraftfahr-Lehr- und Versuchsabteilg. der Wehrmacht Wünsdorf 2. Mannschaft (Deutschland), 2. The Rudge-Club (Schottland, 3. NSKK.- Gruppe Hochland (Deutschland), 4. Krastfahr-Lehr- und Versuchsabteilung der Wehrmacht Wünsdorf 1. Mannschaft (Deutschland), 5. Birmingham MCC. (England). An der Internationalen Motorrad-Sechstagefahrt nahm auch ein Angehöriger der Wehrmacht unseres Standortes teil. Oberschirrmeister Frey von der hiesigen Panzerabwehrabteilung brachte die harte Prüfung gut hinter sich und konnte sich in die Liste der Goldmedaillenträger einschreiben. Er fuhr eine 800 ccm „Zündapp" mit Beiwagen. Im Beiwagen saß Unteroffizier Pelzer, ebenfalls von der hiesigen Panzerabwehr. Wirtschaft. Oie deutsche Erdölgewinnung im Juli und August. Fwd. Die deutsche Erdölgewinnung betrug nach den vorläufigen Ergebnissen der amtlichen Statistik im Monat Juli 38 958 Tonnen und im August 36 837 Tonnen. Im Monatsdurchschnitt waren im Jahre 1935 in Deutschland 35 807 Tonnen gewonnen worden. In den produktiven Bezirken und bei Aufschlußarbeiten außerhalb der produktiven Bezirke waren am Ende des Monats Juli 4551 und Ende August 4540 Arbeiter und Angestellte beschäftigt. Oie Lage des deuM en Bergbaus im August. Fwd. Unter dem Einfluß eines kleinen Anstiegs im Ruhrbezirk hat sich die Steinkohlenför- berung im Durchschnitt des Reichs gehalten. Das mengenmäßig geringere Ergebnis (der August hatte einen Arbeitstag weniger) konnte nicht ausgeglichen werden. Auch der leichte arbeitstägliche Anstieg der Rohbraunkohlenförderung genügte nicht, den durch die geringere Zahl der Arbeitstage verursachten mengenmäßigen Ausfall auszugleichen. Die Preßkohlenerzeugung wurde auch arbeitstäglich nicht ganz gehalten. Nhein-Mainische Börse. Schwächer. Frankfurt a. M., 23. Sept. Bei Fortdauer der starken Zurückhaltung lag die Börse auch heute überwiegend weiter schwächer. Die Unternehmungslust der Kulisse wurde durch das Fehlen von Aufträgen gehemmt. Kleines vorliegendes Angebot fand nur bei ermäßigten Kursen Ausnahme. Am Aktienmarkt eröffneten die ersten Kurse zumeist 0,50 bis 1 v. H. unter gestern. Eine gewisse Verstimmung ging von der nur 4prozentigen (uno.) Dividendenerklärung bei MAN. aus, da man mit mindestens 5 v. H. gerechnet hatte. Das Rechnungswert von Klöckner bot den Montanwerken nur wenig Stütze, gedrückt waren Hoesch mtt 106,40 bis 106,25 (107,50), Klöckner verloren 1 v. H. auf 115, Mannesmann 0,50 v. H. und Verein. Stahl nach unverändertem Beginn ebenfalls 0,50 v. H. auf 106. Weiter etwas schwächer lagen IG. Farben mit 159,40 bis 159 (159,50). Elektropapiere lagen sehr ruhig, Siemens verloren 1,13 v. H., AEG. 0,25 v. H. Von Autowerten zogen Daimler 0,25 d. H. an, BMW. gaben 0,25 v. H. nach. Im einzelnen eröffneten Westdeutsche Kaufhof 1,13 v. H., Feldmühle Papier 1 v. H., Reichsbank 0,50 v. H. niedriger, Kunstseide Aku 0,25 v. H., Conti Gummi ebenfalls 0,25 v. H. freundlicher. Von Schiffahrtswerten Hapag 15,25 (14,75), Nordd. Lloyd 15 (15,65). Nach den Anfangsnotierungen bröckelten die meisten Werte noch leicht ab, später ergaben sich verschiedentlich mäßige Besserungen. Der Rentenmarkt lag sehr ruhig. Etwas Nachfrage fanden Kvmmunal-Umschuldung zu 88,50 bis 88,55, während Altbesitz auf 114,80 (115) nachließen. In der zweiten Bvrsenstunde waren einzelne Aktienwerte etwas erholt, so Verein. Stahl auf 106,50 nach 106. Fest waren Kunstseide Aku bei größeren Umsätzen mit 75,75 bis 75,50 bis 76,50 nach 74,75, dagegen gingen IG. Farben auf 158,75 nach 159, Reichsbank auf 181,65 nach 182, Hapag auf 15 nach 15,25 und Conti Gummi auf 169,50 nach 169,75 zurück. Von den später zur Notiz gekommenen Werten verloren Licht & Kraft 2,25 v. H. auf 149,25, Harpener 2,50 v. H. auf 132,50, Schuk- fert, Mainkraft, Muag und Cement Heidelberg je 1 v. H. Südd. Zucker dagegen 1,25 v. H. höher mit 204,75. Deutsche Anleihen lagen ruhig. Gold Pfandbriefe, Staats- und Stadtanleihen sowie Liquidationspfandbriefe waren fast unverändert. Der Freiverkehr lag ruhig, Adlerwerke 101, Wayß & Freytag 120, Kali Wintershall 123. — Tagesgeld uno. 2,50 v. H. Abendbörse still. Die Geschäftsstille von heute mittag übertrug sich auch auf den Abendbörsenverkehr. Die Kurse erfuhren nur sehr geringe Abweichungen gegen den Berliner Schluß. Etwas Geschäft erhielt sich für Kunstseide Aku zu 78,25 bis 78,50 bis 78,40 (77,90). Deutsche Renten lagen ebenfalls sehr still und behauptet. Am Auslandrentenmarkt blieben Ungarn bei noch etwas erhöhten Kursen gefragt, auch einzelne Mexikaner etwas fester. Schweizer Bahnanleihen setzten ihre Aufwärtsbewegung um 4 bis 6 v. H. fort 4prozentige Steg von 1883 gewannen 0,75 v. H. auf 24,25. Im Freiverkehr lagen österreichisch-ungarische Vorkriegswerte ruhiger bei behaupteten Kursen. Neue Türken waren im Einklang 1 mit Paris weiter fest. Internationale Mtorrad-Sechstagesahrt beendet Sechste Etappe. — Oie Engländer siegreich. Kurszettel der Berliner und Krankfurier Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v.H., Lombardzinsfuß 5 v.H. Frankfurt a. M. Berlin Schiuß- kurs Schlußk. Abendbörse Schlußkurs Schlußk. Mittag- börse Dalum 21.9- 22.9. 21.9. .22.9. 6% Deutsche Reichsanlethe 0.1927 101,5 101,5 101,5 | 101,5 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 97,75 97,75 97,75 1 97,75 6y.% Doung-Anleihe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablos.-Schuld mti 102,25 102,25 102,75 Ausloj.-Rechten ............ *Vi% Deutsche Reichspostschatzan 115 114,9 115,1 114,9 Weisungen von 1934, I....... *Vi% ehern. 8% Hessischer Volks 100 100 100,4 100 staut 1929 (rückzahlb. 102%) ... <’/2% ehem.8% Hessische Landes — 98,75 — 98,75 bunt Darmstadt Gold R. 12... 6yt% ehem. 4y,% Hess. Landes 97 97 — — Hypothekenbank DarmstadlLiqu. 4l/i% ehem. 8% Darm st. Komm 100,75 100,75 — — Landesb.Goldschuldverschr. R.b Lberhessen Provinz-Anleihe mb 93 93,5 — — Auslvs.-Rechten ............ Deutsche Komm. Sammelabl. An 127,5 127,5 — — leihe Serie 1 mit Ausloj.-Rechten 4’4% ehem.8% Franks. Hyp.-Banl 120,4 120,4 120,65 120,9 Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935 6y2% etjem. 4*/2% Franks. Hhp. Bank-Liqu.-Pfandbriese...... byz% ehem. 414% Rheinische 97 97 — — 100,5 100,65 — — Hyp.-Bank-Ltgu.-Goldpfe. ... 4yt% ehem. 8% Pr. Landespfanl» 100,75 101 100,9 100,9 briefanstalt, Pfandbriefe R. 19 ' man.vereinh.Rentev.191L 12 11,75 12,13 12 4% Rumänische vereinh. Rente .. 6,45 6,45 6,55 6,55 2y*% Anatolier............ 44,25 44,5 44,9 45 Hamburg-Amerika-Paket .....0 14,75 15 15,25 15 Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 41,5 41 Norddeutscher Lloyd .........0 15,65 15 16 15,13 A G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 114 119 113,13 112,75 Berliner Handelsgesellschaft ... 6 121 120,5 120 5 Commerz- und Privat-Bank ... 4 Deutsche Bank und Disconto- 99,25 99,25 99,25 99,25 Gesellschaft................. Dresdner Bank............... Reichsbank .......... ]■, 97,75 97,75 182,5 97,75 97,75 182 97,75 97,75 181 97,75 97,75 182 A.E.G...................... 0 35,5 35,4 35,25 35,13 Bekula...................... 154,5 154,5 154,75 154,65 Elektr. Lieferungsgesellschaft... 6 129 128,25 126,5 127 Licht und Kraft ............. 7 151,5 140 151,5 149 weiten & Guilleaume......... 4 129 128,75 128,65 128 Gesellsch.f.Elektr.Unternehmung. 6 132,5 131 132,25 131 Rheinische Elektrizität ........ 6 — 123,75 Rhein. Wests. Elektr.......... 6 128,75 129 128 128,75 Schuckert L Co............... e 152,5 151,5 151,5 151 Siemens L Halske............8 184,5 183,4 185 183 Lahmeyer L Co........ 7 144 143,5 143 Buderus ................... 4 113 111 112,75 110 Deutsche Erdöl ..............4 127,5 126,5 127,75 126,75 Harpener................. 2% 135 132,5 135 132,5 Hoesch Eisen—Köln-Reuessen .. 3 107,5 106 107,75 106,25 Ilse Bergbau ...............6 — — 169 167,5 Ilse Bergbau Genüsse........6 134,75 135 132,75 135,25 Slöcknerwerke ......... S 115 114 114,75 114 Mannesmann-Röhre» 8 106,4 105,75 106,25 105,75 Frankfun a. M. Berlin Schlußkurs Schlußk. Abendbörse Schluß, kurs Schlußk. Mittagbörse Datum 21-9. 22-9. 21.9. 22-9. Manssetver Bergbau .. .....6K 152 151,5 151 151 Kokswerke........... .......6 —— 127,5 126,5 Rheinische Braunkohlen .....12 226 224,5 226 224 Rheinstahl ........... ....... 4 137,5 138 137,9 138 Bereinigte Stahlwerke. .....BK 106,5 106 106,9 106 Otavi Minen ........ .......O 33 — 32,75 32,75 Kaliwerke Aschersleben. .......6 120,75 120,75 120,75 120,75 Kaliwercke Westeregeln. .......5 118 118 117,5 118,5 Kaliwerke Salzdetfurth .....?y, 178 178 178,75 178 3- G. Farben-Industrte 7 Scheideanstalt...............S Goldschmidt 5 Rütgerüwerke 6 Metallgesellschaft 6 159,5 273 158,75 273 159,75 158,65 113,25 112,5 113,75 112,25 — — 126 126,13 132,25 130,5 132 130 Philipp Holzmann 4| Zementwerk Heidelberg 7 Cementwerk Karlstadt......... e| Schultheis Patzenhofer 4 Aku (Allgemeine Kunstseide) .. 0 Bemberg................... Zellstoff Waldhof g Zellstoff Aschaffenburg 0 Dessauer Gas ............... Daimler Dlotoren Deutsche Linoleum Orenstein & Koppel ..........0 Westdeutsche Kaufhof.........0 Chade...................... 9 Accumulatoren-Fabrik.......iz Conti-Gummi.............. 11 126 145,5 156 126 144,75 156 r= 126 — — 102,5 10i,9 74,5 78,4 74,9 77,9 87,65 87,5 87 87,5 155 152 153,5 152,5 126 126 127,25 126,5 —- — 104 104 115 115,25 114,75 115 162,5 158,65 162,25 159 — — 83,5 83,5 52,5 51,65 51,75 51,75 418 421 419 425 196,25 196 — 195,75 169,5 169,25 169,25 169,25 Gritznec o| — | 34 i 34 iq 1 30 7c Mainkraftwcrke Höchst a.M.... 4 95 94 - Süddeutscher Zucker »—•««« 1D| 203,5 I 204,75 1 205 I 205 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt O.2H. Banknoten. 21 .September 22-September Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Brief Geld Briet duenoä iZlire 0,707 0,711 0,707 0,711 Brüssel .... 42,03 42,11 42,02 42,10 Rio de Jan. 0,147 0,149 0,147 0,149 Sofia..... 3,047 3,053 3,047 3,053 Kopenhagen 56,26 56,38 56,24 56,36 Danzig .... 47,04 47,14 47,04 47,14 London.... 12,60 12,63 12,59 12,62 Helsingfors.. 5,554 5,566 5,55 5,56 Paris ...... 16,375 16,415 16,37 16.41 Holland ... 168,89 169,23 168,81 169,15 Italien..... 19,57 19,61 19,57 19,61 Japan...... 0,738 0,740 0,736 0,738 Jugoslawien 5.654 5,666 5,654 5,666 Oslo.....; 63,32 63,44 63,30 63,42 Wien....... 0 Cj 49,05 11,46 Lissabon.... 11',45 11,47 11,44 Stockholm... 64,95 65,09 64,94 65,06 Schweiz .... 81,02 81,18 81,01 81,17 Spanien.... 28,97 29,03 28,97 29,03 Prag....... Budapest .. 10,27 10,29 10,27 10,29 Reuyork .. 2,488 2,492 2,488 2,492 Berlin, 22. September Geld Brief Amerikanische Noien.............. 2,44 2,46 Belgische Noten.................. 41,88 42,04 Dänische Noten ................. 56,04 56,26 Englische Noten ................. 12,55 12,61 Französische Noten............... 16,325 16,385 Holländische Noten............... 168,39 169,07 Italienische Noten................ 19,21 19,29 Norwegische Noten .............. 63,08 63,34 Deutsch Oesterreich, ä 1OO Schilling -— Rumänische Noten............... _ Schwedische Noten............... 64,72 64,98 Schweizer Noten................. 80,83 81,15 Spanische Noten................. Ungarische Sloten Ur. 225 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen) Mittwoch, 23. September (956 Een in Berlin W 30 bezogen werden. Di- Stadttheater: 19.30 bis 21.45 Uhr „Donna g: „Das Her- Bahnhofstraße: 3ahne putzen ist viel, Zähne pflegen alles. Z41 Nachdruck verboten! 5. Fortsetzung. fließt. Die Zuschläge sind in kleinen Ziffern im Bildrahmen der Wertzeichen angegeben. Als Gebühr für die Freimachung von Postsendungen güt nur der im Markenbild stehende Nennwert der Wert- Zeichen. An den Schaltern der Postanstalten werden vom 21. September an zunächst nur die Wertzeichen zu 3, 6, 12 und 25 Rpf. und die Postkarte ausgegeben. Der Verkauf der übrigen Winterhilfswertzeichen beginnt zu einem späteren Zeitpunkt, der noch bekanntgegeben wird. Der Vertrieb bei den Postanstalten dauert bis Ende Februar 1937, dagegen wird der Verkauf bei der Versandstelle für Sammlermarken solange fortgesetzt, bis der Vorrat aufgebraucht ist. Gültig zur Freimachung von Postsendungen sind die Winterhilfswertzeichen bis Ende Juni 1937; sie sind auch im Verkehr mit dem Ausland zugelassen. Neben den Postanstalten wird auch die NS -Dolkswohlfährt einen Teil der Wertzeichen vertreiben. Es werden ferner zum Verkaufspreis von 2 RM. Freimarkenheftchen mit Winterhilfswertzeichen ausgegeben werden, die 4 Wertzeichen t zu 3 Rpf. und je 5 Wertzeichen zu 5, 6 und 12 Rpf. ana". — Gloria-Palast, Selterswe, Männchen". — Lichtspielhaus, „Mädchenjahre einer Königin". Stadttheater Gießen. Nicht darauf kommt es an, mit welcher Kraft Sie die Zähne putzen, sondern darauf, daß auch der äußerste Winkel der Zahnreihen erfaßt wird. — Nivea- Zahnpasta wirkt auch dort, wo die mechanische Reinigung nicht hinreicht Das ist dann Zahnpflege. dies und jenes, was in der Welt vorgeht, aber das kann man nur, wenn man „mitreüen" kann, und das wiederum kann man nur, wenn man ein aufmerksamer Zeitungleser ist. Und ist nicht die Erholung und Entspannung oft genug so wichtig wie die Arbeit? Die Zeitung unterrichtet Sie über die neuesten Opern, Theater- und Kinostücke. Sie werden vor Enttäuschungen bewahrt, Sie werden auf wertvolle oder amüsante Darbietungen hingewiesen. Sie haben einen Roman zur Entspannung, auf dessen Fortsetzung Sie sich jeden Tag freuen. Sie haben eine Schach-Ecke, an deren Aufgaben Sie sich tüftelnd erholen und ihr Gehirn üben können. . Und vergessen Sie schließlich nicht den Anzeigenteil. Wer ihn richtig und fortlaufend liest, hat barm eine unerschöpfliche Quelle des Gewinns. Irgendein interessantes Objekt sinket sich in jeder Nummer der damit die Häuser geschmückt und die Fahnen ange-1 bracht. Ueberall konnte man die große Liebe und Verehrung erkennen, die dem Führer allenthalben entgegengebracht wird. Erst später wurde in den verschiedenen Orten bekannt, daß mit einem Besuch des Führers in den fraglichen Dörfern am gestrigen Tage nicht mehr gerechnet werden könne. Beurkundung der Militärdienstzeit. Das Oberkommando des Heeres teilt mit: Das Zentralnachweiseamt für Kriegsverluste und Kriegergräber (ZAK.), Berlin SW 68, Lindenstraße 37, kann nur Militärdienstzeit bis 31. Dezember 1920 beurkunden, weil bei ihm keine Stammrollen für die Zeit vom 1. Januar 1921 ab vorliegen. Anträge auf Ausstellen von Dienstzeitbescheinigungen der nach dem 31. Dezember 1920 aus einem Militärdienstverhältnis Entlassenen sind deshalb nicht an ZAK abzugeben, oder dem Antragsteller mit dem Hinweis zurückzusenden, daß er sich an das ZAK wenden möge. Wenn der ersuchte Truppenteil nicht zuständig ist ober ihm bie Unterlagen zur Beurkundung fehlen, sind die Anträge dem Wehrkreiskommando zuzuleiten, dem der Truppenteil des Antragstellers für die angebliche Dienstzeit unterstellt war, oder zu dessen Bereich sein Standort gehörte. Nach Vorlage der Stammliften — Dezember 1936 — können die Generalkommandos (Kommando der Panzertruppen) die zuständigen Dienststellen ermitteln, bei denen die Stammrollen und Personalakten der nach dem 1. 1. 1921 aufgelösten Truppenteile lagern. Durch genaue' Beachtung wird unnötiger Schriftwechsel und viel Zeit gespart. Ein Unglück kommt selten allein Omnibusfahrt nach dem Edersee. Arn Sonntag, 27. September, findet eine Omni- bussahrt nach der Edertalsperre statt. Die Fahrt geht ab Gießen über Marburg—Frankenberg nach dem Edersee—Schloß Waldeck (Besichtigung). Die Rückfahrt erfolgt über Bad Wildungen. Die Fahrt kostet 4,70 RM. je Teilnehmer. (Das Mittagessen kann vorbestellt werden und kostet dann mit Bedienung 1,— RM.) Anmeldungen müssen umgehend auf der Kreisdienftstelle Gießen, Schanzenstraße 18, erfolgen. Die öeutfdie Rrbcitofront 7 n.9.=0emcinf(haft ..firaftöurdi frcuöc'' Heute abend findet die erste Wiederholung von „Donna Diana" statt, Lustspiel von Moreto. Spielleitung: Der Intendant. Anfang 19.30 Uhr; Ende 21.45 Uhr. Mittwoch-Miete. 1. Vorstellung. Zn Erwartung des Führers. Am gestrigen Dienstag lebten in Gießen und in zahlreichen Orten der Gießener Umgebung viele Volksgenossen in Erwartung des Besuches des Führers. Zahlreiche Anfragen an uns waren darauf gerichtet, möglichst genau die Zeit zu hören, zu der man den Führer in Gießen wohl erwarten könne. Da über die Fahrten des Führers im Manövergelände und in den angrenzenden Bezirken nichts bekannt geworden war, konnten wir den Fragestellern die erhofften Auskünfte leider nicht geben. In zahlreichen Orten des Kreises Gießen wollte man dagegen den Zeitpunkt der Durchfahrt des Führers genau kennen. Infolgedessen wurde zum Teil die Ortsschelle zur Ankündigung des Führerbesuches in Bewegung gesetzt, in anderen Orten wieder ging die Kunde wie ein Lauffeuer von Mund zu Mund. In allen Orten war die Vorfreude über den Besuch des Führers sofort außerordentlich groß. Schnell wurden aus | Tannengrün und Herbstblumen Girlanden geflochten, klaren Augen, die unter einer weitoorfpringenden Stirn wie unter einem schirmenden Dach liegen unö dem ganzen Gesicht das äußere Gepräge des Herrenmenschen geben, werden unruhig. „Vor drei Jahren hat ihn mir einer der sichs leisten kann, geschenkt, weil ich ihm den Jungen aus dem Teich zog. Seinen Einzigen, verstehste. Erst hat er mich zum Essen eingeladen und mich gewohltätert, daß mir das Koppel nicht mehr paßte. Dann mußte ich mit ihm spazieren fahren und dabei kriegte er nun weg, daß ich was vom Motor verstand, mehr als er und sein eleganter Schofför zusammen. Ich erzählte ihm nebenbei etwas von meiner stillen Leidenschaft und als ich eine Stunde älter war, besaß ich den schwarz-roten Wagen. Na, aber, die Geschichte fennfte ja auch. Ich hätte nun die größte Lust, dem Mann mal heute den Wagen vorzuführen, ich habe so allerhand daran geändert, ich habe jetzt Tempo auf dem Karren, ich habe —" „— deinen alten Fimmel haste, das ist es. Statt, daß de die Karre verkaufst und dir von dem Geld was Vernünftiges zulegst, steckste noch jeden verdienten Groschen hinein." „Stimmt ja nun nicht ganz, auf den Laden hier habe ich runde 1000,— angezahlt, was allerdings meine letzte Reserve und das Sparkassenbuch meiner Mutter — sie — ist übrigens — vor drei Monaten gestorben. Fritz — jetzt habe ich nichts weiter als den Wagen und — die Kameraden. Wie weit ich mich mit den Büchern anfreunde, weiß ich heute noch nicht. Knapp wird's erst mal zugehen, denn ich muß jeden Monat 100,— abzahlen und das ein ganzes Jahr lang, aber ich hoffe ja, daß ich bis dahin meinen Wagen so weit habe, daß —" Leonhardt im Wolde ist aufgestanden, hat sich noch eine neue Zigarette angezündet und schweigt. Es ist nicht nötig, daß man zuviel verrät, wenn es so weit ist, ist immer noch Zeit. Fritz Ladegast macht sich seinen Vers und fragt nicht weiter, er ist müde vom Bier und sehnt sich nach dem Bettzipfel. Aber weil ihn von dem noch eine gute Stunde Fahrzeit trennt, steht er jetzt auch auf. „Jetzt beziehen wir noch deine Knautsch und bann nichts wie rin. Mensch — sogar nen Bettkasten hat die! Der Bezug ist auch noch ganz anständig, da legste dich gefälligst nid) mit den Stic- Oie neuen Winterhilfs-Wertzeichen der Deutschen Reichspost. „Fängst du schon wieder mit Mädchen an, Fritz? Aber schonen Dank! Besser konnte es meine Mutter auch nicht gemacht haben. Bist ’ne gute Haut, Fritz!" „Quatsch nid). Essen mußte gleich ordentlich, sonst gehts verkehrt. Was wird denn nun aus dem Wagen? Der kostet dich doch bloß ’ne Stange Geld und regt die Nachbarschaft uff. llebrigens das Milchmädchen. Die lieft nämlich auch hier und kommt mal mit vorbei. Dann mach aber ein freundliches Gesicht und guck nicht immer, wie du das so an dir hast, nach inwendig. Außerdem ist das 'ne recht hübsche Person. Halt die dir mal warm, von wegen die Milch und die Wurstzipfel." „Ja," sagte Leonhardt und ist mit seinen Gedanken gar nicht mehr hier. Fritz hat das sofort spitz, er kann sich auch denken, was los ist. So beugt er sich weit über den Tisch und sieht seinen Freund aus guten Augen an. „Du sollst nicht immer in das schwarze Loch gucken, worin das so duster is. Kieck in die Sünn, feggt der Hamborger! Früher warst du ein so schneidiger Kerl, Leonhardt, ganz verbiestert biste wiedergekommen." Ein schneidiger Kerl, sagtest du. Vielleicht haste Recht, Fritz. Ich hab kein Geschick zum Spießbürger, ich bin so in die „Hau und wehr dich Zeiten' hineingewachsen. Den Vater hat mir der Krieg genommen und wie der aus war, bin ich von der Penne weg in die Einwohnerwehren, na, und dann kam die Freikorpszeit, und dann eben die SA. Und jetzt sitz ich hier in ’ner Leihbücherei." „Sei froh, daß de überhaupt was hat, Leonhardt Wir können uns jetzt in Deutschland mal in Gemütlichkeit auf die Stühle setzen und das haben wir uns doch wohl reichlich verdient. Ick bin zufrieden. Leonhardt. Ick habe wieder meine Arbeit, zwischendurch mach ick Dienst im Sturm, Mutter hat wieder was im Kochtopp und jetzt bist du auch wieder da — damals biste fort — weißte das noch — mit fast nichts in der Tasck-e und mit der Uniform auf dem Leibe, aber den pfundigen Wagen, den haste damals schon gehabt, grab rote jetzt. An dem haste den Narren gefressen, was?" „Einen ordentlichen Narren, Fritz." Leonhardt im Wolde wird lebhafter, er fährt sich mit beiden Händen durch die blonden Haare, feine blauen, beln drauf. Halt mal die Zipfel fest, — das riecht ordentlich nach Seife und Wasser und Landluft — mit dem Kopfkissen werde ich schon allein fertig — die Decke brauchste nid), is ja warm draußen, eine genügt. So. Waschen?" Fritz guckt sich um und zeigt dann auf den kleinen, abgestoßenen Ausguß. „Sogar fliehendes Wasser, janz feudal, runter mit dem Kopp unter den eiskalten Strahl, ist jut für die Nerven." Leonhardt lacht, ihm tut die rauhe, aber gut gemeinte Fürsorge herzlich gut, er drückt dem Kameraden noch eine Schachtel Zigaretten in die Hand und sagt zum Abschied: „Beim nächsten passenden Wochenende fahr ich dich nach deinem geliebten Hamburg, Fritz. Grüß die Kameraden, sie sollen mal vorbeikommen." Dann schließt er die Ladentür zu und geht ohne weiteren Aufenthalt bei Büchern und Gedanken — in die „Knautsch". Er schläft wie ein Toter. — Aber gegen Morgen wacht er von einem klirrenden Klopsen auf. Er weiß nicht gleich, wo er ist, springt dann mit beiden Beinen gleichzeitig hoch, hängt sich seinen hellen Automantel um, fährt sich mit der Hand über die Haare, die wie ein Schopf senkrecht in die Hohe stehen und saust an die Tür, weil es schon wieder klopft. „Halber Liter und vier Brätchen!", ruft es da von draußen, „nehmen Sie es lieber gleich weg, sonst findet es Liebhaber!" „Danke schon, Fräulein!" Aber ehe Leonhardt richtig aufmachen kann, ist Liefet Gottschalk schon in der nächsten Haustür verschwunden. „Fritzes Milchmädchen," denkt Leonhardt und drückt befriedigt Flasche und Tüte an seine breite Brust. „Der Junge denkt an alles." Dann überlegt er sich, ob er nicht doch noch mal lh bie Klappe kriechen soll, entscheidet sich aber angesichts der Sonne, die auf das Hausdach gegenüber einen kleinen Strahl schickt, zum Aufstehen. Er ist zwar nod) hundemüde von der langen Fahrt, aber dar kalte Wasser weckt sämtliche Lebensgeister. Um sieben Uhr macht er schon seinen Laden auf und läßt erst mal frische Luft herein. Frau Habermann ist auch schon auf und hat anscheinend Wichtiges auf der Straße zu tun. (Fortsetzung folgt.) enthalten. Die für die Markenheftchen gedruckten Bogen, die u. a. Kehrdrucke und auf einem Leerfeld den! Aufdruck „Werde Mitglied der NS.-Dolkswohlfahrt" Akienmsckc. enthalten, können von der NS.-Bolkswohlfahrt und B-> Haft melde. sich em ferner Herr m.t che. unter den üblichen Bedingungen auf schriftliche Er komme wegen Kriegsanleihe, sie wird - welch Gluck, Bestellung bei der VerscmdMe für Sarnrnlerrnar- benn ßftre t>ot „och welche! - auf Antrag jetzt zu hcih'rem Kurse ausbezahlt. Bloß 11 Mark 5*0 kostet die Gebühr, was Hase noch bescheiden findet im Hinblick auf die Summen, die da winken... ' Hase wartet viele Wochen umsonst. Dann schlägt er Krach. „Um Gottes willen", sagt man ihm, „Sie können wohl nicht lesen? Vor diesem Schwindler war doch langst gewarnt!" Nein, Hase weiß von nichts, obwohl es überall gestanden hatte! Die schönen 11 Mark SO... Tja - hätte er Zeitung gelesen! Die warnt beizeiten: Sieh dich vor, sonst hau'« dich Gauner übers Ohr! Zugunsten des Winterhilfswerks 1936/37 gibt die Deutsche Reichspost eine Reihe neuer Wertzeichen heraus, die auf neun verschiedenen Werten Abbildungen von Straßen und Bauten des Dritten Reiches zeigen. Die Entwürfe der Freimarken, deren Farben denen der gewöhnlichen Freimarken der gleichen Werke ähnlich sind, stammen von dem Graphiker Georg Fritz in Berlin- Zehlendorf. Im einzelnen sind auf den Wertzeichen wieder- gegeben: Reichsautobahn München—Reichsgrenze (3 Rpf.), Reichsluftfahrtminifterium (4 Rpf.), Luit- poldhain, Ehrenmal in Nürnberg (5 Rpf.), Reichs- autobahn-Brücke über die Saale (6 Rpf.), Deutschlandhalle Berlin (8 Rpf.), Deutsche Alpenstraße, Am Mauthäusl (12 Rpf.), Führerhaus in München (15 Rpf.), Reichsauto-Brücke über die Mangfall (25 Rpf.), Haus der deutschen Kunst in München (40 Rpf.). Hinzu kommt eine Postkarte (6 Rpf.), die von dem Graphiker Erich Stahl in Berlin-Steglitz nach Aufnahmen des Verlags Heinrich Hoffmann entworfen ist. Sie ist gleichzeitia als Festpostkarte aus Anlaß der mit der Fertigstellung der ersten 1000 Kilometer der Reichsautobahnen verbundenen Feiern gedacht. Die Postkarte zeigt auf der linken Hälfte der Vorderseite eine Photomöntage mit der Unterschrift „23. 9. 1933 Erster Spatenstich. 23. 9. 1936 1000 km Autobahn fertig"; als Wertstempel trägt sie die auf einem Spaten stehende Zahl 6. Zu allen Wertzeichen und der Postkarte wird ein Zuschlag erhoben, der dem Winterhilfswerk zu- Aus Oer provinzialhauptstadt. Ks ist rentabel! Wer Zeitung lieft, ist klug und vorsichtig. Wer Zeitung lieft, schwingt mit im Gemeinschaftsleben des Volkes, er ist unterrichtet über das Weltgeschehen kurz, er ist ein moderner Mensch im besten Sinne des Wortes. Aber es sind nicht nur diese Gründe die als einen seltsamen Kauz erscheinen lassen, wer auf die Zeitung verzichten wollte. Es qibt zudem auch noch aewissermahen egoistische Motive, die das Zeitunglesen außerordentlich „rentabel" machen. Nur einige wenige Beispiele feien herausgegrif- fen. Da ist das Gebiet der Kriminalistik. Irgendeine Schwindlerin treibt in einer Stadt ihr Unwesen. Die Zeitung bringt die Warnung der Polizei mit der Personalbeschreibung. Bei Herrn Schulz erscheint eine Frau und erklärt, sie wolle das angekündigte möblierte Zimmer mieten. Arglos läßt der Mann sie ein, sie besichtigt das Zimmer lange und gründlich, es strengt sie so an, daß sie zwischendurch ein Glas Wasser zur Stärkung braucht. Als sie weg ist, entdeckt der Vermieter, daß außer der Besucherin verschiedene Wertsachen entschwunden sind. Abends erzählt er die Sache todunglücklich feinen Stammtischfreunden. „Ja, hast du denn vorgestern die Zeitung nicht gelesen?" wird ihm gesagt. „Da stand doch alles drin! Die Beschreibung der Person, ihr Trick mit dem Glas Wasser, das war alles genau beschrieben---" Im Herbst kommt die Zeit der Pilzsuche und mit ihr leider auch die Zeit der Pilzvergiftungen. Die Zeitung warnt, klärt auf, die Zeitung weist immer wieder daraus hin, daß der in das Pilzgericht gesteckte silberne Löffel, der bei Giftstoffen anlaufen soll, purer Aberglaube ist, der schon vielen Menschen das Leben gekostet hat. Herr Müller macht einen Ausflug mit Auto, Motorrad oder Fahrrad. Aber, o Jammer, die Straße zu seinem Ausflugsziel ist gerade gesperrt. Er muß einen riesigen Umweg machen, der unnötig gewesen wäre, wenn er seine Zeitung aufmerksam gelesen hätte, wo nämlich die Straßensperrungen angegeben standen. Der Kleingärtner will seinen Garten bestellen, will seine Obstbäume vor Ungeziefer schützen, will aus engem Raum das größtmögliche Ergebnis herauswirtschaften. Die Zeitung hilft ihm auch da, sie empfiehlt ihm Düngemittel, Chemikalien für Insektenbekämpfung, die günstigsten Pflanzenarten für feinen Boden. Dem Landwirt hilft sie durch ihre Wetterberichte, durch ihre Notierungen der Marktpreise. Sie gibt ihm wichtige Vorgänge in feiner Berufs- oder Standesorganisation kund. Sie unterrichtet ihn über die neuen Bestimmungen der Wehrpflicht und über tausend Dinge, die man als Mitglied der Gemeinschaft wissen muß. Sie interessieren sich für Sport! Die Zeitung meldet das Ergebnis der letzten Autorennen, der letzte große Fußballkampf ersteht in einem lebendigen Bericht vor Ihren Augen, Sie können die Leistungen der Schwimmer beurteilen. Bald kommt der Winter mit feinen Ski- und Bobrennen — überall sind Sie dabei, überall sind Sie im Bilde. Vergessen Sie auch nicht den geschäftlichen Nutzen des Zeitunglesens. Bei unzähligen Geschäften ist es doch so, daß man nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen und sagen kann: „Herr Müller, mochten Sie mir nicht diesen Posten hier abkaufen?" Gerade bei der Erschließung neuer Kundenkreise kommt es darauf an, daß man zunächst mit dem Kunden warm wird. Man plaudert mit ihm über „Fabelhaft! Wollen Sie mir einen Gefallen tun, Fräulein? Sie sind doch auch Geschäftsfrau, — können Sie sich nicht ein bißchen um meinen Kameraden kümmern? Der hat im Leben noch m keinem Laden gestanden, ich glaub jetzt fast, daß e hier auch wieder schief geht, erst lauft mir bas olle Weib über den Weg, und nun sagen Sie auch noch ..." „Jetzt gehen Sie erst mal nach Hause und essen Sie. Ich komme in den nächsten Tagen sowieso vorbei, weil ich noch ein Buch habe. Milch und Brötchen schicke ich morgen frich herum. Gute Nacht, sonst erwischt uns der Schupo doch noch. Gehen Sie hinten heraus, nicht zum l-noen. Fritz Ladegast klemmt sich seine große Tüte unter den Arm und geht. Er hat au einmal große gen. Leonhardt wartet schon, lkr hat Zwei Flaschen Bier auf den Tisch gestellt und Glaser. Sogar em Tischtuch hat er aus dem Koffer gekramt. „Da hast du ja schwer angefahren, Fritz! Donnerwetter, ist das ’ne Angelegenheit! Sie essen mit Bärenhunger und reden dabei feinen Ton, erst als kein Eckchen Schinken mehr übrig ist, lehnen sie sich auf den Hochlehmgen Stuhl zurück - Fritz Ladegast macht den Gürtel auf, holt tief Luft. „Jetzt legst du dich bald aufs Ohr, Leonhardt. Wo hast du denn dein Bettzeug? „Im Wäschesack. Mach ich mir schon selber." Schweigen Die Zigaretten klimmen auf. Dann: „Morgen früh friegfte einen halben Liter Milch und vier Brötchen." „Nen halben Liter?" „Milch natürlich. Von 'nem netten Mädchen um die Ecke." Fußwanderung. Am Sonntag, 27. September, findet eine Fußwanderung von Gießen über Annerod—Schiftenberg—Klein-Linden—Gießen statt. Abmarsch erfolgt um 8 Uhr ab Ludwigsplatz. Rucksackverpflegung. „Kraft durch Freude" - Vorstellung im Sladtthealer. Im Laufe der Spielzeit 1936/37 führen wir eine größere Anzahl geschlossener Vorstellungen durch. Als erste Vorstellung bringen wir am Samstag, 26. September, 20 Uhr, „Donna Diana", ein entzückendes Lustspiel von Moreto, das allen Arbeitskameraden und -kameradinnen Freude und künstlerischen Genuß bringen wird. Die Eintrittspreise sind 50, 70 und 90 Rpf. Karten sind durch die Betriebswarte zu haben. Vorverkauf für Einzelmitglieder und Personen auf der Kreisdienststelle, Schanzenstraße 18. Die Betriebswarte reichen die Vorbestell-Listen bis spätestens Donnerstag, 24. September, 12 Uhr, ein. Die Karten können ab sofort gegen Barzahlung in Empfang genommen werden. MMMMlslW Vornan von Ilse Schuster. Copyright 1936 by Aufwärts - Verlag G.m. b.H., Berlin SW 68 Zeitung, und schließlich kommen auch Sie mal in die Lage, irgend etwas verkaufen zu müssen. Sv sind Sie nicht auf zufällige Gebote aus Ihrem engsten Freundes- und Bekanntenkreise angewiesen, und Sie wissen ja, je näher man mit einem bekannt ist, desto billiger will er es haben. Sie kommen in eine befreundete Familie und erkundigen sich harmlos, wie es der Tochter geht. Befremdetes Schweigen, das arme Kind ist vor kurzem gestorben. Ja, hätten Sie die Familienanzeigen gelesen! Fast ebenso unangenehm ist es, wenn man nicht zur Verlobung oder Heirat gratulieren kann, weil man nichts davon weiß. So ist die Zeitung auf allen Gebieten des Lebens Führer und Berater. Ohne sie wäre man nur ein halber Mensch, der überall im Hintertreffen ist und unwissentlich überall aneckt. Dornotizen. Tageskalender für Mttwoch. Hase, Schwurgericht in Gießen als OreiIahreZuchthaus wegen Meineids. Unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors Dr. Speckhardt fand die erste Schwurgerichtsverhandlung der zweiten Sitzung im Jahre 1936 am Montag und Dienstagmorgen statt. Die Anklage vertrat Staatsanwalt Dr. Rumpf. Die Derteidi- tzeil Hitler! Dr. Hildebrandt, Krelsleiter. an unseren Führer und Reichskanzler Adolf Hitler, dem wir unser neues, herrliches Deutschland verdanken. Aus nahezu 150 Kehlen erscholl ein donnerndes Sieg-Hell auf den Führer. Damit war die feierliche Verpflichtung der Gießener Feuerwehrmänner be- endet. Oie Zuständigkeit in Patentstreitsachen. Die Iustizpressestelle Darmstadt teilt mit: Am 1. Oktober 1936 tritt eine Verordnung des Reichs- ministers der Justiz vom 10. September 1936 über die Zuweisung der Patentstreitsachen an die Landgerichte in Kraft. Rach § 1 dieser Verordnung ge- hören Patentstreitsachen des Oberlandesgerichtsbezirks Darmstadt nunmehr zur Zuständigkeit des Landgerichts Frankfurt a. M. Am 1. Oktober 1936 bereits anhängige Patentstreitsachen werden von An die Bevölkerung derStadtGießen heute nachmittag treffen die Musiker unserer jungen Luftwaffe in Gießen ein, um auch hier zu Gunsten des Erholungswerkes des deutschen Volkes und der Linderlandverschickung eine Reihe von Konzerten zu veranstalten. Ich heiße die Vertreter des jüngsten Teiles unserer Wehrmacht auss herzlichste willkommen und bin gewiß, daß ich damit im Kamen der gesamten Bevölkerung spreche. Ich bitte die Partei- und Volksgenossen, der Luftwaffe den Dank für ihren Einsatz zu Gunsten der NSV. durch restlosen Besuch der Konzertveranstaltuugen auszudrücken. Am 5. Dezember 1932 kaufte der Angeklagte, i hinter dem Rücken des Angeklagten ein Verhältnis gesetzlicher Vertreter seines minderjährigen I mit dessen Ehefrau unterhielt. Auch hier mußte der gung des Angeklagten lag in Händen des Rechtsanwalts Krüger, Gießen. Angeklagt war der am 15. Dezember 1899 in Wernswig, Bezirk Kassel, geborene und zuletzt in Ober-Ohmen wohnhaft gewesene Heinrich hucke. Die Anklage legte ihm zur Last, am 3. Dezember 1934 vor dem Landgericht in Gießen als Partei in einem Zivilprozeß, den ein Ober-Ohmener Einwohner gegen ihn führte, wissentlich eine falsche Aussage mit einem Eide bekräftigt zu haben (Verbrechen nach § 153 StGB.). Sohnes Karl Nicolaus, in Ober-Ohmen von einem Mann namens Philippi ein Haus. Als Kaufpreis war der Betrag von 2000 Mark (zweitausend Mark) im Kaufvertrag angegeben. In Wirklichkeit betrug der Kaufpreis nicht 2000 Mark, sondern 3100 Mark. Um Kosten zu sparen, wurde jener Betrag angegeben. Die Zahlung sollte durch lieber» nähme einer auf dem Anwesen bereits eingetragenen Sicherungshypothek erfolgen, hucke, der sich zur Zahlung der Steuern, Zinsen usw. verpflichtet hatte, zahlte diese nicht, außerdem erhielt der Verkäufer des Hauses nur einen Betrag von 1100 Mark, den hucke ihm, da er ihm von einer Bank zustand, abgetreten hatte. Nach Ablauf von zwei Jahren erhob der Verkäufer des Hauses gegen den Angeklagten, nachdem ein größerer Betrag für Zinsen und rückständige Steuern zu zahlen war, Klage auf Zahlung bei dem Landgericht in Gießen, hier beschwor der Angeklagte, daß der Kaufpreis nicht, wie von dem Verkäufer Philippi behauptet, 3100,— RM, sondern nur 2000,— RM. betrage und daß er am Tage des Kaufabschlusses dem Verkäufer 1100,— Reichsmark in bar persönlich ausgehändigt habe, die der Verkäufer zur Bezahlung von Schulden habe verwenden wollen, während der ihm zustehende Betrag einer Sparkasse in höhe von 1100,— RM. in der gemeinschaftlich mit dem Verkäufer Philippi zu betreibenden Druckerei, insbesondere zum Ankauf einer Druckmaschine, hätte Verwendung finden sollen. Nicht er, sondern der Verkäufer habe Zinsen, Steuern, Kosten usw. zu zahlen. Das Landgericht Gießen wies hierauf die Klage des Philippi ab, der noch vor der Urteilsverkündung Strafantrag gegen den Angeklagten wegen Meineids stellte. In der Hauptverhandlung vor dem Schwurgericht wurden 28 Zeugen vernommen. Die Beweisaufnahme erstreckte sich von Montagfrüh bis in die Abendstunden des Montag und noch in den Dienstagvormittag hinein. Der hauptbelastungs- zeuge Philippi, der Verkäufer des Hauses, bestätigte unter Eid die Richtigkeit seiner Strafanzeige, insbesondere, daß die Behauptung des Angeklagten, er (Philippi) habe 1100,— RM. am 6. Dez. 1932 in bar von dem Angeklagten erhalten, unwahr fei. Nach längerer Beratung verkündete das Schwurgericht folgendes Urteil: Der Angeklagte Heinrich * hucke ist schuldig eines Verbrechens gemäß § 153 StGB, und wird daher zu einer Zuchthausstrafe von drei Jahren und zur Tragung der Kosten des Verfahrens verurteilt. Auf die erkannte Strafe wurden zwei Monate und zwei Wochen der Untersuchungshaft angerechnet. Dem Angeklagten werden die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren aberkannt, und es wird auf die dauernde Unfähigkeit des Verurteilten, als Zeuge oder Sachverständiger eidlich vernommen zu werden, erkannt. Ein Cpcer feiner Frau. 21m gestrigen zweiten Verhandlungstag fand auch eine zweite Meineidssache ihren Abschluß. Der am 26. Februar 1897 zu Ranstadt (Kreis Büdingen) geborene, zuletzt in Vetzberg (Kreis Wetzlar) wohnhafte Karl Schmieder stand unter der Anklage des Meineids. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Öffentlichkeit statt. Den Vorsitz führte wiederum Landgerichtsdirektor Dr. Speckhardt. Anklagevertreter war Gerichtsassessor K e y s e r. Als Verteidiger war Rechtsanwalt Dr. Kinzenbach (Gießen) tätig. Das Schwurgericht verkündete in den Abendstunden folgendes Urteil: Der Angeklagte ist schuldig eines Verbrechens nach §§ 154, 157 StGB, und wird daher unter Einbeziehung der durch Urteil der Strafkammer in Bochum ausgesprochenen Zuchtversammelt. Als vorgesetzte Amtspersonen waren erschienen in Vertretung des Oberbürgermeisters der Dezernent für das Feuerlöschwesen der Stadt Gießen, Bürgermeister Prof. Dr. Hamm, als Vertreter des Landesverbandes hessischer Freiwilliger Feuerwehren der vom Landesfeuerwehrführer Eugen < Müller (Mainz) für den Kreisfeuerwehrverband Gießen neu ernannte Kreisfeuerwehrführer Bouffier. Brandinspektor Lenz eröffnete die Versammlung, begrüßte besonders Bürgermeister Prof. Dr. Hamm und bat ihn, die Leitung zu übernehmen. Bürgermeister Prof. Dr. Hamm verwies in feiner Ansprache an die Feuerwehrmänner auf die Wichtigkeit dieser Stunde und die nunmehr erhöhte , Bedeutung der Freiwilligen Feuerwehren. Die Mitglieder können als aktive Feuerwehrmänner darum nur bleiben, wenn sie voll und ganz ihre Pflicht tun und allezeit einsatzbereit sind. Nach den neuen Satzungen können über 60 Jahre alte verdiente Mitglieder nur dann ihren Posten weiter versehen, wenn Ersatz nicht möglich ist. Zufolge einer am Nachmittag oorausgegangenen Vorbesprechung mit dem Herrn Oberbürgermeister schlage ich, so führte Bürgermeister Prof. Dr. Hamm weiter aus, zu Wehrleitern vor: für die Freiwillige Gail' sche Feuerwehr deren bisherigen Kommandanten Oberbrandmeister Arthur Münch, für die Gießener Freiwillige Feuerwehr den Brandmeister Emil Koch. Die Versammlung wurde von Bürgermeister Professor Dr. Hamm befragt, ob ein Einspruch dazu erfolge. Das geschah nicht, und daraufhin bestätigte und verpflichtete Bürgermeister Dr. Hamm diese beiden altbewährten Feuerwehrmänner zu Wehrleitern. Anschließend dankte Bürgermeister Professor Dr. Hamm dem bisherigen Kommandanten der Gieße- ne’- Freiwilligen Feuerwehr, Brandinspektor Fritz Wenzel, der nach nahezu 50jähriger Dienstzeit infolge seines vorgerückten Alters gemäß der neuen Saßunaen das Amt einem jüngeren Kameraden überlassen mußte. In der Stadtverwaltung sehen wir diesen alten bewährten Kameraden ungern scheiden, mit dem es sich gut zusammenarbeiten ließ, da er stets opferbereit und vorbildlich mit seinen Kameraden uns in der Stadtverwaltung mit Rat und Tat zur Seite gestanden hat. Im Namen der Stadt und für sich persönlich dankte Bürgermeister Prof. Dr. Hamm dem scheidenden Brandinspektor Fritz Wenzel für alles das, was er der Stadt Gießen geleistet hat. In derselben Dorversammlung am Nachmittag haben sich die neuen Wehrleiter folgende Mitglieder in den Führerrat bestimmt: Wehrleiter Koch für die Gießener Freiwillige Feuerwehr: Anton Betz (stellvertr. Wehrleiter), Josef h e i ß l e r (Kassenwart), Heinz D ö l l e (Schriftwart), Karl Schneider (Zeug- und Gerätewart) und Rudolf R ö d i g e r und Hein- rich Renth (Beisitzer): Wehrleiter Münch für die Freiwillige Gail' sche Feuerwehr: Franz Schmück (stellv. Wehrleiter), O. Wahl (Schriftwart), Albin Klein (Kassenwart), Ludwig W a cf (Zeug- und Gerätewart) und Dr. Gail und Fritz Bender (Beisitzer). Anschließend erfolgte die vorgeschriebene Verpflichtung sämtlicher Feuerwehrmänner durch Bürgermeister Prof. Dr. Ham m. Zum Schluß betonte der Bürgermeister, daß jeder Kamerad sich dieser Stunde bewußt bleiben muß, wenn sein geleisteter Eid nicht leerer Schall fein soll. Die Feuerwehren sind einer neuen großen Organisation, dem Lust- schütz, mit angegliedert. Da heißt es erst recht kameradschaftlich Zusammenarbeiten, sich in gegebenen Fällen unterordnen, wenn auch einmal ein anderer Kamerad mit niedrigerer Funktion von der anderen Organisation die Anweisungen erteilt. Dabei wird sich die innere Größe und die wahre Kameradschaft der Mitglieder zeigen. Denken wir immer **DerheffischeAlice-Frauenverein, Ortsverein Gießen, weist in unserem heutigen Anzeigenteil darauf hin, daß die Tagung der Mitglieder des Reichsfrauenbundes des Deutschen Roten Kreuzes vom 11. bis 13. November in Berlin stattfindet. Der Ortsverein Gießen empfiehlt den Mitgliedern rege Beteiligung. Für die Reisekosten kommt eine Ermäßigung in Betracht. Auf die heutige Anzeige sei besonders hingewiesen. ** Sonntagsrückfahrkarten demnächst länger gültig. Durch Nachtrag zum Deutschen Eisenbahn-Personen-, Gepäck- und Expreß- auttari"- fallen ab 4. Oktober 1936 die Anqestellten- Wochenkarten fort. Dafür werden die steuerfreien Arbeiterwochenkarten auch an Angestellte usw. mit einem Rohemkommen von nicht mehr als 200 RM. ausgegeben. Vom gleichen Tage ab wird die Geltungsdauer der Sonntagsrückfahrkarten am Montag bis 24 Uhr erweitert und die der Mittwoch-Rückfahrkarten bis Donnerstag 3 Uhr. Eröffnung der Autobahnstrecke Frankfurt—Naubeim Lod. F r a n t f u r t a. 5»., 22. Sept. Am 27. Sep- tember findet um 16 Uhr an der Stelle des ersten Spatenstichs durch Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger die feierliche Eröffnung der Reichsautobahn - Teilstrecke Frankfurt a. M. — Bad-Nauheim statt. Dem Verkehr übergeben wird die Strecke jedoch erst am 28. September um 6 Uhr. dieser neuen Zuständigkeitsregelung noch nicht Betroffen. Amtsgericht Gießen Wegen Uebertretung des § 25 der Reichsstraßenverkehrsordnung verurteilte das Gericht den P. h. aus Hvf-Güll zu einer Geldstrafe von 10 RM. Der Angeklagte hatte am 21. April 1936, etwa 19.15 Uhr, in Gießen mit feinem Personenkraftwagen aus der Plockstraße und die Johannesstraße in die Goethestraße fahrend, einen Zusammenstoß mit einem Motorradfahrer. In der Urteilsbegründung wurde festgestellt, daß eine Verletzung des Vorfahrtsrechts durch S). nicht vorliege, daß Der Verletzte den Unfall ganz allein verschuldet und verursacht habe und daher S). für die Schadensfvlgen nicht verantwortlich sei, also auch nicht wegen fahrlässiger Körperverletzung be- straft werden könne. Angeklagte, vollkommen unter dem Einfluß seiner Frau stehend, dieses Verhältnis dulden. Nachdem sich später seine Ehefrau von ihm entfernte und zu ihrem Liebhaber Neumann zog, reichte der Angeklagte Scheidungsklage ein. Die Ehe wurde geschieden und die Ehefrau Schmieder für den allein schuldigen Teil erkannt. Nach der Scheidung richtete der Liebhaber Neumann einen Drohbrief an den Angeklagten, in welchem er diesen um Rückgabe des Geldes, das er dem Angeklagten geliehen hatte, aufforderte. Der Angeklagte erstattete hierauf Anzeige gegen Neumcknn wegen Erpressung. In diesem Verfahren wurde der Angeklagte als Zeuge vernommen. Er bestritt unter Eid, daß er einen Zettel, auf dem er den Neumann um den Betrag von 2,50 RM. angegangen fjatte, geschrieben habe. Außerdem stellte er unter Eid in Abrede, daß er geduldet habe, daß seine Ehefrau mit anderen Männern intime Beziehungen unterhalten. Diese Angaben waren jedoch unrichtig. Der Angeklagte wurde bereits von der Strafkammer Bochum wegen Kuppelei zu einer Zuchthausstrafe von einem Jahr verurteilt, die er zur Zeit verbüßt. Die Beweisaufnahme ergab, daß der Angeklagte, wie er nunmehr auch zugab, den fraglichen Zettel an den Zeugen Neumann geschrieben hat, und daß er von dem Verkehr des Zeugen Neumann mit seiner Frau wußte. Nicht als erwiesen sah das Schwurgericht an, daß die seinerzeit unter Eid gemachten Angaben bzgl. des Kellners unrichtig gewesen sind. Sämtliche Zeugen, so führte der Vorsitzende aus, hätten dem Angeklagten, der Frontkämpfer war und im Weltkriege das Eiserne Kreuz II. Klasse, sowie die Hess. Tapferkeitsmedaille erhalten hat, das denkbar beste Zeugnis ausgestellt. Der willensschwache Angeklagte sei ein Opfer seiner Ehefrau geworden, die nunmehr mit ihrem früheren Liebhaber Neumann verheiratet ist. Aus allen diesen Umständen sah sich das Schwurgericht veranlaßt, dem Angeklagten in weitgehendstem Maße mildernde Umstände zuzubilligen. ein 45jähriger Ernst Schunk aus Mülheim a. d. Ruhr und seine Begleiterin, eine Else Rog - genborfer aus Berlin-Charlottenburg, die er als seine Frau ausgibt, wegen dauernder Betrügereien seit einem Jahr gesucht. Beide reisen seit langer Zeit in Deutschland umher und leben nur von Betrügereien. Schunk sucht Personen der Lederbranche auf oder solche, die Maschinen für die Lederbranche Herstellen und macht für seine angebliche Lederfabrik in Mülheim große Bestellungen. Wenn er auf diese Weise das Vertrauen der Lieferanten gewonnen hat, läßt er sich unter schwindelhaften Vorspiegelungen — u. a. führt er auch augenblickliche Geldverlegenheit an — kleinere und größere Darlehen geben. Um die Geldgeber in Sicherheit zu wiegen, stellt er Wechsel mit einer höheren Summe aus, als er bekommt. Als Akzeptanten bezeichnet er stets einen M. Winkler aus Godesberg, den es 'dort aber gar nicht gibt. Zu spät bemerken die Opfer, daß sie einem Betrüger in die Hände gefallen sind. Ferner besucht Schunk bekannte Familien und läßt sich unter dem Vorwand, nach Hause reisen zu müssen, aber im Augenblick kein Reisegeld zu haben, Darlehen geben. Auch diese Leute wurden unter schwindelhaften Vorspiegelungen zur Hergabe von Beträgen bewogen. In letzter Zeit ist das Schwindelpaar in Westdeutschland in einer Anzahl Orten bei Geistlichen aufgetreten, denen die beiden unter Vorspiegelung, daß die plötzlich zu den Eltern nach Mülheim reifen müßten, aber augenblicklich kein Reisegeld besäßen, Geld abschwindelten. Das Verfahren emgestektt. LPD. Sinn (Dillkreis), 22. Sept. Im Jahre 1932 wurde durch eine Kassenrevision in der Gemeinde Sinn ein Fehlbetrag von rund 1 5 4 0 0 Mark festgestellt. Da der damalige Gemeinderechner für diesen Fehlbetrag verantwortlich war, mußte er sich vor der Großen Strafkammer Siegen wegen schwerer Amtsunterschlagung und wegen gewinnfüchtiger Urkundenfälschung verantworten. In der Verhandlung konnte der Angeklagte für den Verlust des Geldes keine hinreichende Erklärung abgeben. Lediglich auf Überlastung und auf Fehlbuchungen wollte er den Fehlbetrag zurückführen. Der Staatsanwalt kam auf Grund des Ergebnisses der Beweisaufnahme zu der lieber» zeugung, daß sich der Angeklagte im Sinne der Anklage der schweren Amtsunterschlagung in Tateinheit mit gewinnsüchtiger Urkundenfälschung schuldig gemacht hat und beantragte eine Zuchthausstrafe von einem Jahr und sechs Monaten. Das Gericht kam zur Einstellung des Verfahrens. Es konnte die Frage nach dem Vorliegen schwerer Amtsunterschlagung nicht bejahen. Sicherlich spräche eine Reihe von Gründen für das Vorliegen einer solchen, ein einwandfreier Beweis dafür habe sich nach der Ueberzeugung des Gerichts aber nicht erbringen lassen. Insbesondere habe nicht festgestellt werden können, ob die vorgenommenen Fälschungen mit etwaigen Veruntreuungen des Angeklagten in Verbindung ständen. Die Möglichkeit, daß es doch so sei, bestehe zwar, im Zweifelsfalle sei jedoch für den Angeklagten zu entscheiden. Zweifellos habe sich der Angeklagte der Urkundenfälschung schuldig gemacht, und er habe auch von diesen Urkunden Gebrauch gemacht. Es habe sich aber nicht einwandfrei nachweisen lassen, ob dies zum Zwecke der Verdeckung begangener Unterschlagungen geschehen sei. Da wegen der Urkundenfälschung nicht auf eine höhere Strafe als sechs Monate erkannt worden wäre, habe das Verfahren eingestellt werden müssen. Oie neue Opferliste des Verkehrs. Der Reichs- und preußische Verkehrsmlnister gibt bekannt: 148 Tote, 4305 Verletzte sind die Opfer des Straßenverkehrs im Deutschen Reich während der vergangenen Woche. Deutsche Arbeitsfront. kreiswaltung Wetterau. Abteilung für Berufserziehung und Betriebsführung. Am Donnerstag, 24. September, spricht um 20 Uhr im Haus der Deutschen Arbeitsfront, Gießen, Schanzenstraße 18, Saal, Oberingenieur Alvensleben (Berlin) von der Berufsgenossenschaft „Feinmechanik und Elektrotechnik" in einem Lichtbildervortrag über „Ursachen der elektrischen Unfälle und deren Bekämpfung". Eintritt frei! Abschiehsfeier her Arbeitshienstmänner Am heutigen Mittwochabend vereinigen sich die nach Erfüllung ihrer Arbeitsdienstpflicht aus dem Reichsarbeitsdienft ausscheidenden Gießener Arbeitsdienstmänner im Saale des Arbeitsdienstlagers „Justus von Liebig" (Philosophenwald) zu einer Abschiedsfeier. Der Abend soll bei geselligen Darbietungen mancherlei Art und Tanz die Kameraden des Arbeitsdienstes sowie die Gäste, dabei Insbesondere die zum Tanz erwarteten Mädchen, für einige Stunden zu froher Geselligkett vereinigen. Die Deranstal- tung soll um 20 Uhr beginnen. Das Arbeitsdienstlager rechnet, im Hinblick auf die guten Beziehungen zwischen den Arbeitsdienstmännern und der Gießener Bevölkerung, auf zahlreichen Besuch. ^Verpflichtung der FrerwMigen Jeuerwehren in Gießen. Durch Runderlaß des Reichs- und Preußischen Ministers des Innern vom 8. Mai 1936 ist bekanntlich eine Vereinheitlichung des gesamten deutschen Feuerlöschwesens bestimmt worden. Neben der angeordneten einheitlichen Gliederung, Ausrüstung und Uniformierung sind durch den Runderlaß auch einheitliche Satzungen von Reichs wegen eingeführt worden, in denen die Verpflichtung der Mitglieder der von der Regierung anerkannten Freiwilligen Feuerwehren mit vorgefchrieben ist. Die beiden Freiwilligen Feuerwehren in Gießen, die Freiwillige Gailsche Feuerwehr und die Gießener Freiwillige Feuerwehr, haben die Formalitäten als anerkannte Freiwillige Feuerwehren vor Wochen bei ihrer vorgesetzten amtlichen Stelle, beim Kreisamt Gießen, eingereicht. Die Anerkennung ist ausgesprochen worden, so daß nunmehr die neuen Satzungen anzunehmen und die Mitglieder zu verpflichten waren. Dazu waren beide Wehren am Montagabend im oberen Saale des Burghofes (früher Cafö Ebel) Jieichskriegsminister von Blomberg besichtigt die Barbaroffabnrg. Lpd. Gelnhausen, 22. Sept. Arn Montag besichtigte Reickskriegsminister Generalfeldmarschall von Blomberg auf der Durchfahrt mit seinem Stabe die Barbarossaburg. Der Bürgermeister der Stadt Gelnhausen begrüßte den Reichskriegsminister am Eingang zur Burg und machte den Minister mit der wechselvollen Geschichte der allen Burg bekannt. Mit dem Auto gegen einen Baum. * Hochheim a. M., 22. Sept. Am Sonntag- vormittag verunglückte durch einen Autoun - fall der Orgelbaumeister Ernst Nikolaus aus L i ch. Beim Ueberholen in einer Kurve wurde der Wagen von einem überholenden Fahrzeug gestreift. Beide Wagen kamen ins Schleudern und rannten gegen einen Baum. Orgelbaumeister Nikolaus, der sich auf einer Fahrt nach Bermersheim (Rheinhessen) befand, um dort der Einweihung einer von ihm erbauten Orgel beizuwohnen, erlitt eine schwere Gehirnerschütterung, mehrere Verletzungen am Kopf und an den Knieen, die feine sofortige Ueberführung ins Krankenhaus nach Hochheim nötig machten. Das Befinden ist den Umständen entsprechend zufriedenstellend. Die Bewußtlosigkeit, die einen Tag anhielt, ist inzwischen wieder geschwunden. Fahndung nach einem reisenden Betrügerpaar. LPD. Frankfurt a. M., 22. Sept. Von den Staatsanwaltschaften und Polizeibehörden von Frankfurt a. M., Berlin, Dresden, Duisburg, Kassel, Erfurt, Osnabrück, Diepholz, Mühlheim, Oberhausen und anderen Städten Deutschlands werden Hausstrafe zu einer Gesamtzuchthausstrafe von einem Jahr zwei Monaten verurteilt. Auf diese Strafe wird dem Angeklagten die durch das Bochumer Urteil angerechnete Unter- fustungshaft sowie die verbüßte Strafhaft aus dem Urteil der Strafkammer Bochum angerechnet. Die Kosten des Verfahrens trägt der Angeklagte. . In der Urteilsbegründung führte der Vorsitzende aus, daß der Angeklagte nach anfänglich glücklicher, kinderloser Ehe später ein Mädchen an Kindesstatt angenommen habe. Seine vergnügungssüchtige Frau knüpfte später mit einem Mann ein Verhältnis an. Der zur damaligen Zeit kranke Angeklagte brachte nicht die Kraft auf, hiergegen einzuschrei- ten. Weiter nahm der Angeklagte, obwohl zur damaligen Zeit selbst arbeitslos, einen gewissen Neumann aut der die Gastfreundschaft des Angeklagten in der gröblichsten Weise mißbrauchte, indem er " ‘ *• " "agten ein Verhältnis •?. OKTOBER 26. SERIF*' Das Recht im täglichen Leben Die psändbarkeit des Schweins alle Fälle offenzuhalten. Es hieße daher nicht den minderbemittelten Volkskreisen helfen, wollte man die Rechtswirksamkeit der Sicherungsübereignung unpfändbarer Sachen verneinen, sondern im Gegenteil sie ihrer letzten Kreditunterlage berauben. Es würde ihnen dadurch, wenn sie unverschuldet in Rot geraten sind, von vornherein unmöglich gemacht, den Kampf um die eigene nackte Existenz, der nicht nur in ihrem eigenen, sondern auch im Gesamtinteresse notwendig ist, mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln erfolgreich durchzuführen. Das Urteil ist daher zu dem Ergebnis gekom- men, daß die freiwillige Verpfändung unpfandbarer Sachen rechtswirksam ist und ebenso deren Uebereignung im Wege der Sicherungsübereignung. gesetzt werden. Der letzte Satz liegt im Zuge früherer Rechtsprechung, die jedenfalls dann unrichtig ist, wenn „jede Kreuzung" ganz allgemein gelten soll. Solche Regeln kennt das neue Straßenverkehrsrecht nicht. Es macht das richtige Fahren zu einer Gewissenssache des Fahrers. Welche Vorschriften gibt das neue Straßenverkehrsrecht uns für das Befahren von Kreuzungen oder Einmündungen? 1. Du sollst keinen anderen schädigen oder mehr als unvermeidbar behindern oder belästigen, § 25 RStrVO. Damit erkennt das neue Verkehrsrecht dich, Kraftfahrer, als freien und verantwortlichen Teilnehmer im Verkehr an. Du sollst dich im Sinne des kantischen Imperativs so benehmen, wie du selber es von allen anderen erwarten würdest. Keiner will geschädigt, behindert oder belästigt werden! 2. An völlig übersichtlichen Kreuzungen und Einmündungen kannst du deine Geschwindigkeit beibe- halten. 3. Beim Befahren von nicht völlig übersichtlichen Kurven und Einmündungen mußt du wissen, ob deine Straße dir die Vorfahrt gewährt. Wenn ja, besteht kein Anlaß zur Fahrtverlangsamung. Will ein Nichtbevorrechtigter dein Vorfahrtsrecht brechen, mußt du die Fahrt verlangsamen oder halten: § 25 RStrVO.: du darfst ihn nicht schädigen. Näherst du dich einer Hauptverkehrsstraße — sie braucht nicht als solche kenntlich zu sein — so fahre langsamer: Kreuzung und Einmündung ist hier Gefahrenstelle. Du mußt dich an die Hauptstraße heran- tasten. 4. In geschlossenen Ortsteilen — es sind solche, die den Eindruck der Zusammengehörigkeit machen — mußt du besonders sorgfältig nach Ziffer 3 ver- fahren: lieber zehnmal zuviel und unnötig auskuppeln, Fuß an Bremse, als ein einzigmal zu wenig. 5. Andere Gefahrumstände, wie Dunkelheit, Nebel, schlechte Wegebeschaffenheit machen Kreuzungen und Einmündungen selbstverständlich zu besonderen Gefahrenquellen. Richte dich danach ein! Die Frage ist zu verneinen. Aus der Recht- prechung zum früher geltenden Kraftfahrrecht lie- ;en sich genügend Entscheidungen beibringen, wo msere Frage bejaht wurde. Der Grundgedanke olcher Urteile war: Das Gericht sagte sich, an Stellen, wo aus anderen Richtungen Verkehrsteilnehmer auf die Fahrbahn auftreffen konnten, bestand eine allgemeine Gefahrenstelle, ohne Rücksicht auf die jeweilige örtliche Beschaffenheit oder Verkehrslage. Das war der Grundsatz abstrakter Gefährlichkeit, der dazu führte, die Sorgfaltspflicht des Kraft- ahrers zu Überspannen und den fließenden Schnellverkehr unmöglich zu machen. Daß eine derartige Rechtsprechung nicht richtig ein konnte, lehrt die tägliche Erfahrung. Es gibt viele Kreuzungen und Einmündungen von Straßen, die vollständig einzusehen, also übersichtlich sind. In diesem Falle stellen sie als Kreuzungen oder Einmündungen keine Gefabrenstelle dar. Man kann auch nicht sagen, dort sei die Wegebeschaffenheit häufig chlecht, es gebe oft Querrinnen in Kreuzungen und dergleichen mehr. Dafür sind besondere Warnzeichen vorhanden, die uns hier nichts angehen, weil wir lediglich die ordnungsgemäß beschaffene Kreuzung oder Einmündung betrachten. Ob sie eine Gefahrenquelle für den Fahrer bedeuten und daher ein langsameres Fahren von ihm fordern, kann nur für den Einzelfall entschieden werden. Das hat die frühere Rechtsprechung zur KOV. auch mitunter klar ausgesprochen: In einem Reichsgerichtsurteil vom 17. 12. 28 DAR. 29, 67 heißt es z. B., Einmündungen feien nicht stets Gefahrenstellen. Nicht jede Abweichung des Weges von der geraden Linie verpflichte zu so langsamem Fahren, daß das Fahrzeug auf kürzeste Entfernung zum Halten gebracht werden könne. Ferner treffe es nicht zu, daß jede Kurve eine Gefahrenstelle sei. Ein bemerkenswert verkebrsirenndlicbes Reims- gerichts-Urteil datiert vom 15.12. 30, IW. 31, 3367. Dort finden wir den Satz: „Nicht jede Wegekreuzung ist völlig unübersichtlich." Weiter führt das RG. aus: Selbst wenn Straßen ganz bebaut seien, könne ein beschränkter Ueberblick dadurch istöglich sein, daß der Kraftfahrer etwa in der Straßenmitte fahre und Bürgersteige vorhanden seien. Auch in einer verkehrsreichen Straße dürfe der Fahrer Sind Straßenkreuzungen oder -einmündungen stets Gefahrenquellen? Don Rechtsanwalt Or. Sauer II, Köln. Rechiswirlsame Verpfändung unpsändbarer Sacken. Nach § 811 der Zivilprozeßordnung ist eine Reihe von Gegenständen der Pfändung nicht unterworfen. Es ist nun die Frage aufgetaucht, ob der Eigentümer auch unpfändbare Sachen rechtswirksam verpfänden oder im Wege der Sicherungsübereignung übereignen kann. Mit dieser für das Wirtschafts, leben bedeutsamen Frage hat sich vor kurzem das Landgericht Berlin befaßt (Juristische Wochenschrift, 65. Jahrgang, Heft 33, S. 2365). Der Sinn der Vorschrift des § 811 der Zivilprozeßordnung ist lediglich der, durch die Zwangs- Wie ist es aber nun, wenn ein Bauer nur Töchter und keine Söhne hat. Hier sieht das Gesetz vor, daß der Hof wieder an den Vater des Erblassers zurückfällt, falls dieser noch lebt. Damit soll erreicht werden, daß der Hof dann beim nächsten Erbfall an einen anderen Sohn, also an einen Bruder des erstoerstorbenen Erblassers fällt, und so im Mannesstamm der Familie erhalten bleibt. In zweiter Linie, also wenn der Vater des Erblassers nicht mehr lebt, geht der Hof direkt an den Bruder des Erblassers, oder an dessen Söhne über. Um in einer Uebergangszeit dem bisherigen Brauch Rechnung zu tragen, ist jedoch bestimmt, daß beim e r st e n Erbfall, der nach der Erklärung eines Anwesens zum Erbhof eintritt, auch eine Tochter Erbe sein kann, wenn keine Söhne oder Enkel vorhanden sind. Unter der Zahl seiner Töchter kann der Bauer in diesem Falle eine beliebige wählen. Aber auch sonst kann in Ausnahmefällen und beim Vorliegen wichtiger Gründe das Anerbengericht die Erbfolge von Töchtern oder deren Söhnen zulassen. "iel Unklarheit besteht noch hinsichtlich der Stellung der unehelichen Söhne. An sich ist ein unehelicher Sohn nicht erbberechtigt. Sind jedoch eheliche Sohne oder Sohnessöhne nicht vorhanden, so kann das Anerbenaericht beim Vorliegen billiger Umstände die Erbfolge des unehelichen Sohnes gestatten. Das wird besonders in dem Falle möglich fein, wenn der uneheliche Sohn bisher auf dem Hofe des Erblassers mitgearbeitet hat. Auch hier wird für das Anerbengericht in erster Linie der Umstand maßgebend fein, daß der Hof in dje Hand eines gesunden, tüchtigen Bauern kommt. Zu betonen wäre noch, daß das Vorhandensein des Erbhofgesetzes die Aussetzung eines Testamentes oder eines Uebergabevertrages nicht überflüssig gemacht hat, ganz gleich, welche Regelung der Erbfolge in Kraft treten soll. Nur dürfen natürlich die Bestimmungen des Testaments ober des Uebergabevertrages mit denen des Erbhofgesetzes nicht m Widerspruch stehen. Solche Ausnahmen kann, wie schon gesagt, nur das Anerbengericht genehmigen. Man erkennt also deutlich, wie der Gesetzgeber bemüht war, die Anwendung der Erbbestimmungen des Erbhofgesetzes so elastisch zu gestalten, daß besonderen Verhältnissen, die die gesetzliche Regelung als unbillige Härte erscheinen lassen könnten, Rechnung getragen werden kann. Der oberste Grundsatz dabei ist und bleibt allerdings, daß das Gesamtinteresse der Nation, das die Erhaltung eines tüchtigen Bauernstandes und den ungeschmälerten Bestand der bäuerlichen Scholle erfordert, keine Einbuße erleidet. Das Erbhofgesetz hat bestimmt, daß immer nur ein Erbe ein zum Erbhof erklärtes bäuerliches Anwesen erben kann. Diese Bestimmung soll ver- hüten, daß ein Bauernhof zerstückelt wird, oder der Hofübernehmer durch allzuhohe Belastung durch die Anteile anderer Erbberechtigter in die Gefahr kommt, den Hof nicht mehr halten, oder nur mehr mangelhaft bewirtschaften zu können. Daß diese gesetzliche Regelung im nationalen Interesse unbedingt erforderlich war, wird heute wohl überall eingesehen, um so mehr, als diese Art der Erbfolge ja in weiten Gebieten des Reiches von jeher als Brauch galt. , . Soll aber ein Gesetz auf die Dauer den Anfor- derungen des Lebens gerecht werden und nicht zu einem toten Paragraphenwerk erstarren, so muß es Bestimmungen enthalten, die die Angleichung an besondere Verhältnisse, die eintreten können möglich machen. Zu diesem Zwecke wurden durch das Erbhofgesetz die Anerbengerichte eingesetzt, bie tn gewissenhafter Prüfung Sonberfalle nach bestem Wissen unb Gewissen erlebigen sollen Der Regelfall wirb unb soll bie Erbfolge nach ben Bestimmungen bes Erbhofgesetzes sein. Danach erbt in erster Linie ben Hof — je nachbem es bisher in ber Gegenb ber Brauch war — bei älteste oder der jüngste Sohn des Bauern. Wo em solcher Brauch nicht üblich war, kann der Erblasser frei unter seinen Söhnen wählen. In Streitfällen entscheidet das Anerbengericht, ob in einer Gegend eine bestimmte Erbfolge als Brauch angesehen werden muß, oder nicht. Von der durch anerkannten bäuerlichen Brauch geregelten Erbfolge kann das Anerbengericht nur in wichtigen Fällen Abweichungen gestatten. Welche wichtigen Gründe können aber hiesur m Frage kommen? Einer ber häufigsten wirb wohl sein, baß ber nach bem Brauch zur Erbfolge berechtigte Sohn keine Neigung zum bäuerlichen Derus unb sich bemzusolge einer anberen Berufsart zu- gewanbt, ober hierfür eine entsprechende Ausbildung genossen hat. Dieser Fall wird überall da gegeben sein, wo ein Sohn sich dem Studium (außer dem landwirtschaftlichen) gewidmet hat, tn einem Handu-erk ausgebildet wurde, ober sich etwa dem geistlichen Stanb zugewanbt hat. Em anberer Grunb kann sein, baß ber erbberechtigte Sohn ob- wohl schon im vollen Mannesalter stehenb, keine Lust zu heiraten zeigt, ober auch, bah bereits em anberer Sohn seit längerer Zeit verheiratet ist und mehrere Kinber besitzt. In einem solchen Falle kann bas Anerbengericht bem Wunsche nach einer anderen Regelung der Erbfolge Rechnung tragen, ba ber Staat ja ein hohes Interesse baran hat, rinder- reiche Bauernfamilien auf ben Erbhöfen zu haben. Es kann auch vorkommen, baß ber erbberechtigte Sohn troar bereits eine Frau geheiratet hat, bah biete sich aber offensichtlich als ungeeignet für ben landwirtschaftlichen Beruf erweist, ober baß sie sich gegenüber ber Familie bes Mannes in besonderem Maße feindselig einstellt. Unb schließlich kann bem Anerbengericht als triftiger Grunb auch der Umstand erscheinen, bah einer ber nichterbberechtigten Söhne vielleicht jahrelang auf bem väterlichen Anwesen mitgearbeitet hat, während ber eigentlich erbberechtigte sich anbersroo betätigt hat. Es gibt aber auch Fälle, wo das Anerbengencht bestimmt nicht die Genehmigung zur Abweichung von ber normalen Regelung erteilt. So etwa, wenn ein Vater den erstberechtigten Sohn von der Nach- folge auf feinen Hof ausschließen möchte, weil er ein armes Mädel, oder ein Mädel anderer Kon- feffion geheiratet hat. Vollstreckung, also durch staatliche Zwangsakte, eine Vernichtung der wirtschaftlichen Existenz des Schuldners und feiner Familie zu vermeiden. Es würde mit den sozialpolitischen Anschauungen der Gegenwart unverträglich sein, wenn bem Schuldner burch die staatlichen Vollstreckungsorgane die ihm unentbehrlichen Sachen genommen werben könnten. Etwas anberes ist es aber, wenn ber Schulbner selbst solche Sachen veräußert ober verpfänbet. Das Gesetz kennt ein allgemeines Veräußerungsverbot bezüglich solcher Gegenstänbe nicht. Die Möglichkeit ber freiwilligen Veräußerung ober Verpfänbung ber gemäß § 811 ber Zivilprozeßorbnung unpfänb- baren Sachen muß den Schuldnern in ihrem eigenen Interesse belassen werden. Nur auf diesem Wege kann sich oft ber Schulbner, ber anbere als unpfändbare Gegenstänbe nicht mehr besitzt, noch ben für ihn notwendigen Krebit beschaffen. Zudem gibt der Schuldner durch eine freiwillige Verpfändung ober Veräußerung unpfänbbarer Gegenstänbe auch zu erkennen, baß biefe für ihn eben boch nicht unentbehrlich finb. Ist aber sogar bie freiwillige Verpfänbung unpfänbbarer Sachen rechtswirksam, um wieviel mehr muß es bie Sicherungsübereignung solcher sein. Die rechtliche unb wirtschaftliche Notwenbigkeit ber Sicherungsübereignung ist allgemein anerkannt. Auch unter Berücksichtigung ber geläuterten Rechtsauffassung kann sie trotz ber ihr anhaftenden Mangel nicht als sittenwibrig und beshalb nichtig erklärt werben; benn sie ist unentbehrlich, solange es — wie jetzt — kein besseres Sicherungsmittel gibt. Das gilt auch, soweit es sich um bie Sicherungsübereignung unpfänbbarer Sachen hanbelt, bereu Besitz nach § 811 ber Zivilprozeßorbnung für ben Schulbner notwenbig ist. Die Sicherungsubererg- nung ist bie Krebitunterlage für bie minberbernittel- ten Dolkskreise. Das Pfandrecht an beweglichen Sachen mit ber Notwendigkeit der Einräumung des tatsächlichen Besitzes ober Mitbesitzes für ben Gläubiger ober ber früher übliche Sicherungskauf finb heute für ben großen unb kleinen Gewerbe- treibenben ober sonstigen Gelbsucher praktisch meist beshalb nicht mehr burchführbar, weil ihnen ber gewährte Kredit ohne bas gleichzeitige Belassen des Besitzes ber zu übereignenben Warenvorräte, Laden- ober Wohnungseinrichtungen ober sonstigen Gegenstänbe nichts nützt. Es ist zu berücksichtigen, baß ben kleinen Hanbwerker, Gewerbetreibenben, Künstler ober bgl. bie Not ber Seit zwingt, sich nur bie notwendigsten unb unentbehrlichsten Sachen für seinen Existenzkampf anzuschaffen, so baß ihm eben auch nur solche als Krebitmittel zur Verfügung stehen. Gerade er ist daher, um fein Kreditbedürfnis befriedigen zu können, auf das Mittel der Siche- rungsübereignung unpfänbbarer Sachen angewiesen, weil heute regelmäßig kein Gelbgeber auf Sicherheiten verzichten kann. Wer noch anbere Krebit- möglichksiten hat, wirb bie Sicherungsübereignung kaum anwenden, um sich diesen letzten Ausweg für lieber diese Frage verbreitet sich Ministerialrat Dr. Jonas in der Zeitschrift „Deutsche Justiz" in beachtenswerten Ausführungen. Es fei vorausgeschickt, baß natf) § 811 Nr. 3 ber Zivilprozeßorbnung ber Pfändung nicht unterworfen finb eine Milchkuh, ober nach ber Wahl bes Schulbners statt einer solchen zwei Ziegen, ober zwei Schafe nebst ben für vier Wochen erforberlichen Futter- unb Streu- Vorräten (bzw. entsprechenbe Gelbbeträge), wenn bie bezeichneten Tiere für bie Ernährung bes Schulbners, seiner Familie und seines Gesindes unentbehrlich sind. Ist das Schwein Zubehör eines Grundstücks, so ist es an sich schon unpfändbar, desgl. wenn es zu dem zur Fortführung eines landwirtschaftlichen Betriebs erforderlichen Vieh gehört, desgl. wenn es, z B. auf einem Gutshofe, Deputatvieh ist, d. h. von einem landwirtschaftlichen Arbeitnehmer mit Futter aufgezogen wirb, bas als Naturalvergütung gewährt wird. Wie steht es nun mit der Pfändbarkeit eines Schweins bei einem Arbeitsmann in den Landgemeinden eines Industriegebiets und in den in der Jetztzeit an Zahl immer mehr zunehmenden Kleinsiedlungen, in denen bekanntlich häufig em Schwein von Wirtschaftsabfällen der eigenen oder benachbarten Haushaltungen gehalten wird, das bei hinreichendem Gewicht verkauft oder für den eigenen Haushalt geschlachtet zu werden pflegt? In einem solchen Falle handelt es sich um eine kleine Nebenproduktion durch Ausnützung ber Arbeitskraft in ber Freizeit unter Aufwenbung geringfügiger Mittel. Die Erzeugnisse einer solchen Tätig- feit sollten billigerweise bem Pfänbungszugnff entzogen sein. Jonas hält es nach bem Sinne ber Vorschrift bes oben zit. § 811 Nr. 3 ber Zivil- Prozeßordnung für burchaus unbebenklich, em Schwein einer Kuh bei der Zwangsvollstreckung rechtlich gleichzustellen, und er weist rechtsgeschicht- lich nach, daß die zitierte Gesetzesbestimmung nur einen gewissen Minimal bestand an Haus- vieh hat schützen wollen, andernfalls der Gerichts- Vollzieher auf dem platten Lande der Gefahr einer „Lynchjustiz" ausgesetzt gewesen wäre. Seit Erlaß jener Gesetzesvorschrift haben sich die wirtschaft- lichen Verhältnisse sehr geändert, da die auf die Verwertung von Wirtschaftsabfällen eingestellte Schweinehaltung in zahlreicheren Fällen erst eine Begleiterscheinung ber Industrialisierung weiter Gegenden des Reiches ist. In neuester Zeit ist die Frage der im Gesetzeswortlaut nicht untersagten schnell sahen, wenn sich der Verkehr fließend und oyne Störung abwickele. Dor jeder Kreuzung müsse die Geschwindigkeit aber angemessen herab- Pfändbarkeit des Schweines wieder zur Diskussion gestellt worden, weil viele Arbeiterfamilien, die in den Jahren der Arbeitslosigkeit Mangel litten, jetzt wieder in der Form ber Viehhaltung eine gewisse Spartätigkeit engsten Ausmaßes entfalten können. Hiernach muß man zu dem Schlüsse kommen, daß bie Auszählung bes Hausviehs in § 811 Nr. 3 nicht als abschließend), sondern nur als beispielhaft aufgefaßt werden kann. Sie muß sinngemäß auch auf bas Schwein ausgebehnt werben, ober ebenso auf etliche Kaninchen ober Hühner. Bezüglich bes Erfordernisses ber Unentbehrlichkeit kann selbstverständ- lich beim Schwein nichts anberes gelten, als bei ber Kuh, ben Ziegen ober Schafen. Unentbehrlichkeit im Sinne bes § 811 Nr. 3 ist ohne weiteres überall ba anzunehmen, wo bie Einnahmeverhältnisse bes Schulbners bie Grenze bes Existenzminimums nicht übersteigen. Praktisch wirb also bem Ardeits- man, besten Lohn unterhalb ber Pfändungsgrenze liegt, bas Schwein ebensowenig wie bie Kuh ober bie beiben Ziegen ober Schafe roeggepfänbet werben können. Zur Verrneibung einer Zweifelsfrage für ben Vollziehungsbearnten muß sie zweckmäßig bei sich bietenber Gelegenheit burch eine entsprechenbe Fassungsänberung ber Gesetzesvorschrift bereinigt werben. Für bie Praxis aber, bie ben Bedürfnissen bes Lebens Rechnung zu tragen hat, besteht kein Anlaß, auf eine berartige Gesetzesänderung zu warten. Die im Strafrecht erreichte Anwenbung gesetzesanaloger Vorschriften kann im oorliegenbcn Falle auch bem Zivilrichter unb bem Gerichtsvollzieher einen Fingerzeig für eine volksverbunbene Gesetzesauslegung geben. Die Verlobung. Don Landgerichisrai Dr. jur. Fritz Ther. Zur rechtlichen Wirksamkeit ist nicht nötig, daß die Verlobung schriftlich geschieht, baß Ringe getauscht werben, ober daß sie in ber Zeitung veröffentlicht wirb. Es genügt bas gegenseitige mündliche Versprechen der Brautleute, sich heiraten zu wallen. Es wirkt, auch wenn zunächst von diesem Versprechen unb der Heiratsabsicht niemand etwas erfährt. Doch sind Ringtausch und Anzeige in der Zeitung im Streitfälle natürlich wichtige Beweismittel dafür, daß eine Verlobung stattgesunden hat. Ein Vertrag ist also bie Verlobung. Freilich kann man $um Unterschieb von anberen Verträgen nicht bie Hilfe des Gerichtes anrufen, um die Erfüllung eines solchen Vertrages durchzusetzen, wenn bie Braut ober der Bräutigam nachträglich sich die Sache anders überlegt. Gleichwohl kann man dem Cheversprechen nicht die rechtliche Wirksamkeit absprechen. Sie zeigt sich im Wesentlichen allerdings erst bei der Auslösung eines Verlöbnisses. Ein Verlobter, der grundlos von dem Verlöbnis zurückge- treten ist, hat dem anderen Verlobten und dessen Eltern ben Schaben zu ersetzen, der daraus entstanden ist, daß sie mit Rücksicht auf die bevorstehende Heirat Aufwendungen gemacht haben, oder Verpflichtungen eingegangen sind. So sind z. B. zu ersetzen die Aufwendungen für eine Aussteuer, für Möbel, die nicht verwendet werden können unb mit Verlust verkauft werben müssen. Dazu gehören auch die Kosten, die z. B. einem Bauern dadurch entstanden ist, daß er in Kaufoerhandlungen über ein Anwesen eingetreten ist, das er seiner Tochter mitgeben wollte, die Rechtsanwalts- und Vermittlungskosten, bie babei bereits entstanden waren, ober der Verlust, der bei dem notwendigen Wiederverkauf eintritt. Dazu gehört auch eine Vergütung für Kost und Wohnung, die einem Verlobten ohne Gegenleistung im Hause ber Schwiegereltern gewährt worden waren. Dem anderen Verlobten muß weiter der Schaden ersetzt werden, ben dieser dadurch erleidet, daß er mit Rücksicht auf die bevorstehende Heirat Maßnahmen getroffen hat, bie fein Vermögen ober seine Erwerbsstellung berühren. Wenn die Braut eine gute Stellung aufgegeben hatte unb eine gleich gute überhaupt nicht ober nicht sofort nach ber Auflösung ber Verlobung roieber finden kann, besteht der Schaden in der Verdienstminderung. Arbeitete ber künftige Schwiegersohn auf dem Hofe bes Bauern nur gegen Kost unb Wohnung, ent- weber um bem künftigen Schwiegervater zu helfen, oder um sich einzuarbsiten, weil er das Anwesen einmal übernehmen soll, ober weil lhn bet Schwiegervater auf seine Eignung prüfen will, unb tritt bann die Tochter grundlos zurück, so kann der bist herige Bräutigam nachträglich den angemeffenea Lohn für seine Dienste verlangen. Denn wenn et nur für die Kost ober für Kost unb Wohnung arbeitete, so tat er das doch eben mit Rücksicht auf die künftige Eheschließung. Ebenso ijfp patürftrtfc Sie LandeMnemschast ist eine Behörde. Diese Frage ist in einer Entscheidung des l.Se- nates des Reichsgerichts gelegentlich eines Urteils in einer Strafsache bejaht worden. Die Landesbauernschaft wird geleitet und vertreten durch den Landesbauernführer. Nach § 11 der ersten Verordnung über ben vorläufigen Aufbau des Reichsnährstandes vorn 8. Dezember 1933 ist sie als Glied und Organ des Reichsnährstandes dazu be- stellt in ihrem örtlichen Bereich nach den Vorschrift ten des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft unb bes Reichsbauernfuhrers bie Ge- schäfte bes Reichsnährftanbes zu führen. Letzterem aber sind vom Staate außerordentlich umfangreiche unb wichtige Aufgaben übertragen, bie ber Reichsnährstand unter eigener Verantwortung auf der Grundlage der Staatsmacht für die Zwecke des Staates zu erledigen hat. Hieraus ergibt sich die Behördeneigenschaft ohne weiteres. Ueberdies haben die Landesbauernschaften neben neuen Aufgaben im wesentlichen diejenige Geschäfte übernommen, die früher den Landwirtschasts- kammern oblagen; das ist in § 6 der 1. Verordnung über den vorläufigen Aufbau des Reichsnährstandes vorn 8. Dezember 1933 angeordnet worden. Die Landwirtschaftskammern aber waren schon Behör- den im Sinne des Strafgesetzbuchs, ebenso wie es die preußischen Handelskammern waren. Hiermit stimmt überein, daß die Beamten der Landwirt- fchaftskammern als mittelbare Staatsbeamte angesehen wurden und daß jetzt nach der Verordnung über das Dienststrafrecht für die Beamten des Reichsnährstandes vom 8. Juni 1935 auf diese Beamten das Dienststrafrecht der Reichsbeamten sinngemäß anzuwenden ist. Zu den Geschäften, die der Landesbauernschaft als Behörde obliegen, gehört insbesondere auch die Tätigkeit auf dem Gebiet der Ueberwachung des Saatguthandels, innerhalb dessen ein Angeklagter eine eidesstattliche Versicherung abgegebeen hatte. Die Zuständigkeit der Landesbauernschaft zur Abnahme dieser eidesstattlichen Versicherung ergibt sich aus § 5 der oben angeführten Anordnung des Reichsbauernführers vom 31. Dezember 1934 unmittelbar. Diese Anordnung selbst, einschließlich der Bestimmung, daß zugleich mit jeder zur Anerken- nung des Saatgutes eingereichten Probe eine eidesstattliche Versicherung eingesandt werden müsse, ruht ihrerseits auf der reichsministeriellen Verfügung vom 26. März 1934; nach ihr ist der Reichsnähr- stand ermächtigt, vorzuschreiben, daß als Saatgut bestimmter Kulturpflanzen nur noch anerkanntes Saatgut in den Verkehr gebracht werden darf, und das Änerkennungswesen, also auch bas Anerkennungoerfahren und die förmlichen Voraussetzungen einer Anerkennung, zu regeln. Wann reaest da-ÄnerbengenHt die Erbfolge? I5pn H. 3. Ehrmann. wenn die Braut ihren künftigen Schwiegereltern oder ihrem Bräutigam Dienste ohne das übliche Entgelt leistete. Ersatzpflichtig ist der Verlobte, der vom Verlöb- nis zurücktritt, ohne einen wichtigen Grund dazu zu haben. Ersatzpflichtig ist aber auch der Verlobte, der dem anderen schuldhaft einen wichtigen Grund zum Rücktritt gibt. Was ist nun ein wichtiger Grund? Das kann im allgemeinen nur von Fall zu Fall entschieden werden. In erster Linie ist da natürlich Untreue zu nennen, weiter aber auch schwere, insbesondere ansteckende Erkrankung (z. B. Lungentuberkulose), Täuschung über persönliche Verhältnisse, die für den anderen Verlobten wesentlich waren, so über Dermögensverhältnisse usw. Hat eine unbescholtene Verlobte ihrem Bräutigam in Erwartung späterer Ehe den Beischlaf gestattet, so kann sie eine angemessene Entschädigung in Geld fordern, wenn später der Bräutigam ohne wichtigen Grund zurücktritt, oder ihr einen wichtigen Grund zum Rücktritt gibt. Das gilt auch, wenn die Braut den Geschlechtsverkehr schon vor der Verlobung gestattet hatte. Die Höhe dieser Entschädigung richtet sich völlig nach den Umständen des Einzelfalles. So wird vom Richter im Streitfälle nach freiem Ermessen geschätzt. Oberhessen. JieLB.z Bezirk Lollar. I Ruttershausen, 22. Sept. Am Samstag hielt der Bezirk Lollar des R S L B. in der Wirtschaft Schön seine Monatsversammlung ab. Nach den einleitenden Worten von Bezirksobmann E m m e l, Staufenberg, über das Weltgeschehen der Gegenwart ergriff in der anschließenden Arbeitstagung Lehrer Brasch, Lollar, das Wort zu einem Vortrag über „Das Deutschtum in Chile". Als Lehrer an deutschen Schulen hat der Vortragende selbst 8 Jahre in Chile gelebt und wußte aus seinen eigenen Erlebnissen eine Menge lehrreicher Dinge zu berichten. Seuer durch Blitzschlag. * Alsfeld, 22. Sept. In dem Dorfe B i l - lertshausen schlug am Montagnachmittag während eines schweren Gewitters der Blitz in die Scheune des Landwirts und Gemeinderechners Heinrich R i ch t b e r g ein und zündete. Im Nu stand die Scheune in hellen Flammen. Der Brand nahm rasch an Ausdehnung zu, so daß die Feuerwehren und die zur Hilfeleistung herbeigeeilten Arbeitsdienstmänner von Zell viel zu' tun hatten, um die anstoßenden Gebäude zu retten. Der eifrigen Arbeit aller Helfer gelang es, das Wohnhaus zu retten, das allerdings von den Flammen und den Wassermassen stark beschädigt wurde. Ebenso konnte das Vieh rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden. Dagegen wurde die Scheune mit der Heu - und Strohernte und einer Anzahl landwirtschaftlicher Maschinen von den Flammen voll st ändigver- nichtet. Die im Augenblick des Blitzschlages in der Scheune weilenden drei Angehörigen der Familie Richtberg und ein weiterer Mann aus dem Dorfe kamen wie durch ein Wunder unversehrt davon. Die von den Flammen ebenfalls stark bedrohte Hofreite des Nachbarn konnte von den Feuerwehren wirksam geschützt werden. Der Brandschaden ist groß. Der Blitz schlug außerdem noch in das Transformatorhaus ein und verursachte dort erheblichen Schaden, so daß das Dorf während der Nacht völlig im Dunkel lag. Canöfreis Gießen - Steinbach, 23. Sept. Am Dienstag fand die Versteigerung des Gemeindeobstes statt. Während bei der Versteigerung des Frühobstes nur geringe Preise erlöst wurden und sogar ein Teil des Obstes unverkäuflich war, wurden bei der gestrigen Versteigerung sehr gute Preise erzielt. Das liegt andergeringenAepfelernte. Die Gemeindekasse hat eine gute Einnahme in Aussicht. Anschließend an die Versteigerung des Gemeindeobstes wurde das Obst der Pfarrei versteigert. Hier war die Ernte gering, trotzdem wurden auch hier gute Preise bezahlt. Der Ertrag belief sich auf zirka 260 Mark. + Grünberg, 22. Sept. Dieser Tage hielt die Kriegerkameradschaft im „Hessischen Hof" eine außerordentliche Hauptversammlung ab, die zugleich Abschiedsfeier für den seitherigen Kameradschaftsführer, Veterinärrat Dr. Fuchs, war. Nach Erledigung einiger geschäftlicher Angelegenheiten richtete Bezirksführer Lehrer Roth herzliche Abschiedsworte an den Scheidenden, während für die hiesige Kameradschaft der stellvertretende Führer Gg. Schütz den Dank für die geleisteten Dienste aussprach. Veterinärrat Dr. Fuchs dankte den beiden Rednern und versprach, die Kriegerkameradschaft Grünberg, an deren Spitze er während seines achtjährigen Hierseins stand, in gutem Andenken zu behalten. Ein gemütliches Beisammensein, in dem noch manches alte Soldaten- und Abschiedslied erklang, schloß sich an. Den scheidenden Kameradschaftsführer begleiten die besten Wünsche nach seinem neuen Wirkungsorte Worms. (D Lauter, 22. Sept. Wenn man durch unseren Ort geht, kann man jetzt überall die Leute mit dem H o n i g k o ch e n beschäftigt sehen. Diese Arbeit wird noch vor dem Kartoffelausmachen erledigt. Auch die bei der Gemeindezwetschenversteigerung übriggelassenen Zwetschenbäume sind von den Schulkindern gepflückt worden. Die N S. - F r a u e n s ch a f t hat sie zu Honig verkocht, der ifn kommenden Winter durch das WHW. bedürftigen Volksgenossen zugeteilt werden kann. * H u n g e n, 22. Sept. Die auf Grund der Alters- grenze aus dem Dienst ausscheidenden Untererheber Berk in Steinheim und Ruppel in Obbornhofen wurden von dem Präsidenten des Landesfinanzamts Darmstadt für ihre treuen Dienste mit Ehrenurkunden ausgezeichnet. Die Ehren- urkunden wurden den beiden Männern von dem Vorsteher des Finanzamts Hungen überreicht. Kreis Friedberg. = Butzbach, 22. Sept. Gegenwärtig wird die Flachsernte aus allen Nachbardörfern auf dem hiesigen Bahnhofe verladen und zur Flachsrosterei nach Stockheim versandt. Im allgemeinen war der Ertrag gut; der Preis beträgt 3,00 bis 5,50 Mark pro Zentner. Zumeist wurde der Flachs mit Samen abgeliefert. Einzelne Dörfer konnten zwei und mehr Waggonladungen abliefern. — In den letzten Sitzungen der Ratsherren wurde u. a. zur Steu e- rung der Wohnungsnot beschlossen, im Rechnungsjahre 1937 etwa 18 b i s 2 0 Kleinwohnungen zu errichten. Sie sollen in die bereits begonnene Peter-Gemeinder^Siedlung zu liegen kommen. Alsbald sollen bei der Landesregierung die von dem Reiche zu gewährenden Darlehen in Höhe von 1000 Mark je Einzelwohnung beantragt werden. Die Vorarbeiten zu der Siedlungserweiterung sollen im Laufe des Winters gefördert werden, so daß die eigentlichen Bauarbeiten im Frühjahr begonnen werden können. + Butzbach, 22. Sept. Im großen Saale des „Hessischen Hof" fand gestern abend die Monats- versammlung der Partei statt. Zunächst sprach Dr. Rupp (Friedberg) über die gegenwärtige außenpolitische Lage. Anschließend berichtete Medizinalrat Dr. Z i n ß e r über die Eindrücke auf dem diesjährigen Reichsparteitag. Ortsgruppenleiter Dr. Mörschel sprach sodann in eindrucksvollen Worten über „Unsere Aufgabe". — Der hiesige Zweigverein des VHC. unternahm am Sonntag eine Wanderfahrt in das herrliche Lahntal. Der Weg führte zunächst mit der Eisenbahn über Wetzlar nach Stockhausen. Von dort aus ging es über Biskirchen, durch das schöne Wiesental des Ulmbaches, nach dem Kreuzberg und damit tn den Vorwesterwald bis zur Burg Greifenstein. Kreis Schotten. O Schotten, 20. Sept. Innerhalb ber_ Rot - kreuz-Organisationen des Kreises Schotten finden zur Zeit die Vereidigungen auf den Führer, den Schirmherrn des Deutschen Roten Kreuzes, statt. Bis jetzt wurden die Kolonnenmitglieder in Gedern und in Schotten durch den Kreiskolonnenführer Medizinalrat Dr. I o ck e l (Schotten) vereidigt, während die Vereidigung der weiblichen Hilfskräfte (Helferinnen und Samariterinnen) durch die Kreisgruppenleiterin Schwester Ella Puth (Schotten) genommen wurde. H-Groß-Eichen, 23. Sept. Am Sonntagnachmittag fand hier in der Turnhalle das Fest der deutschen Schule statt. Zahlreich hatten sich Eltern und Jugend eingefunden. Die Oberklasse zeigte zunächst Freiübungen. Sodann wechselten in bunter Zusammenstellung Gedichte, Volkstänze und Lieder miteinander ab, wobei sich die Musik der Kleinen unter Leitung von Lehrer Oppenheimer immer wieder den Beifall der Anwesenden erwarb. Der Gesangverein stellte sich ebenfalls in den Dienst der deutschen Volkstumsarbeit. Als Höhepunkt der Veranstaltung galt der Vortrag von Lehrer Robert Becker über die Deutsche Dolkstums- arbeit. Er wußte vielerlei zu berichten über den Kampf und das Leid der deutschen Brüder jenseits der Landesgrenzen. Um diesen Deutschen helfend beizustchen, forderte Lehrer Becker den Beitritt zum Volksbund für das Deutschtum im Ausland, der hier im Orte bereits 13 Mitglieder zählt. Das Deutsch- landlied und das Horst-Wefsel-Lied gaben der Kundgebung den würdigen Abschluß. > Ruppertsburg^ 22. Sept. Zu einem wahren Schulfest gestaltete sich die Feier des „Tags des deutschen Volkstums" in unserer Gemeinde. Wie im vorigen Jahre, so feierten auch diesmal die Schulen von Gonterskirchen, Wetterfeld und Ruppertsburg gemeinsam auf dem schön gelegenen Ruppertsburger Turnplatz. Trotzdem anfangs leichter Regen niederging, hatten sich außer den etwa 170 Schulkindern auch ungefähr 200 Erwachsene eingefunden. Nach dem gemeinsam gesungenen Liede „Ich hab mich ergeben" begrüßte der Leiter und wies auf die große Bedeutung des Tages hin. Sodann sprach Pfarrer Wirtz von hier über das Deutschtum im Ausland und auslandsdeutsche Not. Umrahmt waren die Ansprachen von passenden Gedichten, vorgetragen von Wetterfelder und hiesigen Kindern, sowie entsprechenden Liedern beider Schulen, von denen besonders die von Lehrer Deubel, Wetterfeld, mit seiner Klasse gut ausgearbeiteten 3stimmigen Chöre große Bewunderung heroorriefen. Der 2. Teil begann mit der Deklamation von recht gut unter Lehrer (Süden mit seinen Kleinen eingeübten heiteren Gedichten. Den Glanzpunkt in der Reihe der weiteren Darbietungen bildete dann die Aufführung des Märchenspiels „Rumpelstilzchen", gespielt von Schülern aus Gonterskirchen, eingeübt unter Leitung von Lehrer Demmer. Die Anerkennung blieb nicht versagt. Nun wechselten in bunter Reihenfolge Reigen, turnerische Uebungen, Gesänge und Deklamationen heiterer mundartlicher Gedichte miteinander ab. Erst gegen 18 Uhr wurde die Veranstaltung mit Sieg-Heil auf den Führer und das deutsche Volk geschlossen. > Eichelsdorf, 22. Sept. Trotz der für Kartoffeln zu nassen Witterung dieses Sommers sind die Erträge der Kartoffelernte sehr hoch. Neben „Ackersegen" ist „Edeltraut" die Sorte, diq am wenigsten unter der Nässe gelitten hat. Kreis Alsfeld. ’g? Alsfeld, 21. Sept. Ein ungewohntes 'Schauspiel bietet sich gegenwärtig in der hiesigen Gemarkung. Bei den Erdarbeiten zur Ausschachtung der Fahrbahn der Reichsautobahn im Raume von Alsfeld in dem Gelände am Hegenrod stieß man auf starke Felsdlöcke, hauptsächlich Sandstein, die gesprengt werden müssen. Tagsüber und noch bis spät in die Nacht hinein hört man Gießener Herbst-Pferdemarki. Heute morgen wurde auf den Marktanlagen att der Rodheimer Straße der Gießener Herbst. Pferde markt abgehalten. Der Markt war nicht so gut beschickt, wie der Frühjahrspferdemarkt. Es waren 68 Pferde und 21 Fohlen aufgetrieben. Auch der Auftrieb für die Prämiierung war etwas geringer, das vorgeführte Material gehörte jedoch zu dem Besten, das in den Ställen unserer Heimat steht. Besonders fielen die guten Oldenburger Stuten auf, die sich mehr und mehr den von der Landes- bauernschast geforderten Zuchtzielen nähern. Der Handel vollzog sich in den ersten Stunden sehr schleppend. Nur wenige Tiere wechselten bis dahin den Besitzer. Für Saugfohlen wurden bis zu 400 Mark gefordert, ältere, geringere Tiere wurden mit 200 bis 400 Mark gehandelt, jüngere Pferde, mittlerer Qualität, und gute Gebrauchspferde wurden mit 800 bis 1000 Mark genannt, für beste Tiere wurden 1000 bis 1500 Mark gefordert. Auf den Marktanlagen bot sich auch heute wieder das übliche Bild. Die bäuerliche Bevölkerung nahm wieder regen Anteil. Die Vorführungen in den Prämiierungsringen wurden mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Eine Musikkapelle unterhielt mit guten Darbietungen. den Donner der Sprengschüsse, die in dem hügeligen an den Wald angrenzenden Gelände ein vielfaches Echo erwecken. Einen ungewohnten Anblick bietet dabei auch die Beleuchtung der Baustelle mit den zahlreichen Scheinwerfern, deren Lichterglanz bereits in großer Entfernung wahrzunehmen ist. Die an dieser Stelle entstehenden großen Bauwerke erregen allgemeines Interesse und locken insbesondere Sonntags viele Neugierige an, welche die Baustelle besichtigen. —.— Homberg, 21. Sept. Im Saale des Rathauses sand die Vereidigung des Sanitätshalbzuges vom Roten Kreuz durch den Kreiskolonnenführer Bellinger (Alsfeld) statt. Der Feier wohnten der Kolonnenarzt Dr. Luft, der Ehrenvorsitzende und Gründer Allen- Dörfer und der frühere Kolonnenführer Heinrich Strauch I. sowie die Sameriterinnen bei. Kreiskolonnenführer Bellinger gab zunächst die entsprechenden Verfügungen bekannt und nahm dann die Vereidigung der Sanitätsmänner auf den Führer vor. Anschließend wurden einige praktische Uebungen gezeigt, die die volle Anerkennung des Kreiskolonnenführers fanden, der sich auch über die tadellose Unterbringung des Inventars lobend aussprach. — Am Samstagabend fand hier eine Veranstaltung von „Kraft durch Freude" statt, in deren Verlauf die Spielschar durch mancherlei Darbietungen erfreute. Im übrigen stand der Abend im Zeichen der Werbung für den deutschen Wein. Kreis Büdingen. th. Mittleres Niddatal, 22. Sept. Wie im Vorjahr, so wurde auch diesmal von den Kreis- obstbau-Jnspektionen der früheste Erntetermin für Aepfel in den klimatisch günstig gelegenen Orten auf den 25. September, in den klimatisch ungünstig gelegenen Orten auf den 1. Oktober festgesetzt. Infolge Anregung der Kreisämter führen die Gemeinden die Versteigerungen auch nicht vor diesem Termin durch. Von den Privat-Obst- züchtern erwartet man auch diesmal die Befolgung dieser Anordnung, um dadurch reifes und gesundes Obst zur Verfügung zu stellen. Mengenmäßig kann mit einer geringen Mittelernte gerechnet werden. In auffälliger Weise haben Wirtschaftsäpfel, wie Schafsnase, Rheinischer Bohnapfel, Trierscher Weinapfel und Lokalsorten mit wenig Ausnahmen einen starken Behang, während die Tafelsorten, wie Goldparmäne, Goldrenette von Blenheim, Kaiser Wilhelm, Rheinischer Winter-Rambour überhaupt keinen, oder einen nur sehr dürftigen Behang aufweisen. Der in großem Ausmaß aufgepfropfte Schöner von Boskop versagt fast völlig, so daß man solche Bäume schon vielfach wieder zu ertragsreicheren Sorten umgepfropft hat. in all ihrer I ! Mi Ihnen gern, meine Damen. Bitte besuchen Sie uns; die Schönheit und die Kleidsamkeit der neuen Formen werden Sie restlos begeistern, und nicht zuletzt unsere mässigen Preise. Man erwartet Sie gern bei CARLlMnwaru [JN HABER •• CARL HEINZ SCHLÜTER GIESSEN SEUERSWEG8I Zentral-Heizungen, Sanitäre Anlagen, Reparaturen HoUWtnetMf. Ludwigstratze 40 Fernruf 8355 „ .und zum Bauen A b e r m a n n We;ischeike Naai's lauschen Rheinwein (Natur) 20 Pi« das Glas, 5583 l) Ein neues O Fahrrad y Mer Miele Zu haben im Fahrradhaue ABmann Gießen. Neustadt 80 Nächsten Sonntag, den 27. September, von 12 bis 18 Uhr geöffnet 5923A Für wenig Geld geschmackvolle Sardinen bei 5921D Ludwig HAAS Gießen P lock sfr. 7 Gießen Wichtige Neuerscheinung! 5MonMen liieren nad) der Naturschuhv-rrordnung vom 18. Mürz 1936 (RGBl. 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