Nr. 95 Erstes Blatt 186. Jahrgang Donnerstag, 25. April 1956 Erscheint täglich, nutzer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monats Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr .. „ - 25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüsse unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach- richten Anzeiger Gießen Postscheckkonto: Sranffurt am Main 11686 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnick und Verlag: vrühl'sche Univerfitätsvuch- und Steindruckerei «.Lange in Stehen. Schristleitung und Seschästrftelle: Schulftrahe 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8^/,Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Textanzeigen von 70mm Breite 50 Npf.,Platzvorschrift nach vorh.Dereinbg.25°/„ mehr. 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Die britische Oeffentlichkeit hat mit großem Bedauern von dem Scheitern der Genfer Verhandlungen Kenntnis genommen. Schließlich war es ja Großbritannien gewesen, das mit seinem ganzen Prestige für die Sanktionen gegen Italien eingetreten war und das jetzt zugeben muß, daß die Sanktionspolitik gescheitert ist und daß jede Sanktionspolitik scheitern muß, wenn sie auf die letzten Mittel, Blockade und Gewalt, zu verzichten gezwungen ist. An Angriffen auf die Regierung und namentlich den Außenminister Eden hat es nicht gefehlt, und es bedurfte erst einer Erklärung des britischen Ministerpräsidenten, um der Oeffentlichkeit klarzumachen, daß die Außenpolitik Edens die Politik der gesamten britischen Regierung sei. Frankreich versucht, nach dem Zusammenbruch der Genfer Verhandlungen wieder die europäischen Fragen in den Vordergrund zu schieben. Der Franzose Paul-Boncour hatte dies schon während der Genfer Besprechungen getan, und zwar, nach den Andeutungen in der Rede des britischen Ministerpräsidenten zu schließen, nicht ohne Erfolg. Eigenartig berührt jedoch Baldwins Bemerkung, „niemand könne in diesem Augenblick mehr tun, um den dunklen Schatten der Furcht von Europa zu nehmen als Hitler; er habe die Macht dazu, und Gott möge ihm den Willen dazu geben". Das hört sich beinahe so an, als ob man in England über den abessinischen Fragen den deutschen Vorschlag völlig vergessen hätte, der — nicht nur nach deutscher Ansicht — wie kein anderer in der Nachkriegszeit gemachter Vorschlag geeignet ist, „den dunklen Schatten der Furcht" von Europa zu nehmen. Die britische Regierung hat nun in der vergangenen Woche endlich beschlossen, ihre angekündigte Liste von Gegenfragen an Deutschland abzusenden. Hoffentlich wird durch diese Gegenfragen einigermaßen klar, wie sich England wirklich zu dem deutschen Vorschlag stellt. Frankreich hat, wie in der vergangenen Woche bekannt wurde und wie es von vornherein das Ziel der französischen Politik war, den deutschen Vorschlag zusammen mit dem französischen Gegenvorschlag auf die Tagesordnung der nächsten Genfer Ratssitzung setzen lassen. Mit großem Optimismus kann man diesen Verhandlungen nicht entgegensehen, denn gerade die letzten Genfer Verhandlungen haben wieder einmal auf das deutlichste gezeigt, daß der Genfer Apparat in seiner jetzigen Form zu entscheidenden Lösungen nicht fähig Jft. In der Frage der Befestigung der D a r d a n e l- l en,hieß cs in der vergangenen Woche, daß die Türkei bereits in das entmilitarisierte Gebiet ein- marschiert sei. Dieses Gerücht wurde dementiert. Es scheint auch, daß die Türkei einen solchen Schritt nicht nötig hat, denn in - den diplomatischen Verhandlungen zeigt sich anscheinend kein ernsthafter Widerstand gegen die Wünsche der Türkei. Auch England, das zunächst mit seinen Dominions über die Frage beraten will, ist offenbar grundsätzlich zur Zustimmung bereit. Das ist um so erstaunlicher, als Lord Curzon, der damalige britische Außenminister in der Konferenz von Lausanne, mit allen nur denkbaren diplomatischen Mitteln die Wiederbefestigung der Dardanellen verhindert hat. Daß die Sowjetunion nach wie vor die Türkei unterstützt, erklärt sich daraus, daß die Sowjetunion selbst nur Vorteile von der Meerengenbefestigung hat. Schon auf der erwähnten Konferenz von Lausanne waren die Sowjets für die Befestigung eingetreten. * Der Wahlkamps in Frankreich ist in sein letztes Stadium eingetreten. Am 6. Mai wird die neue Kammer gewählt fein. Eine Rekordzahl von Kandidaten — 5000 — hat sich gemeldet: dem Franzosen wird also die Kammerwahl nicht leicht gemacht. Es ist bezeichnend, daß schon in den W«hl- plakaten der mittleren und rechten Parteien zum Ausdruck kommt, eine wie große Rolle in der Wahlkampagne der Sowjetpakt spielt. Aber selbst wenn die Linksparteien, die sogenannte Volksfront, in der Kammer nicht die Mehrheit oder eine regierungsfähige Stärke erhalten, ist an dem Pakt als solchem nichts mehr zu ändern. Auch was Italien anbelangt, ist mit einer Aenderung der französischen Haltung nach der Wahl nicht zu rechnen, wie es überhaupt wohl allzu optimistisch wäre, an eine Neuorientierung der französischen Außenpolitik zu glauben. Oankovfer her Ration. Berlin, 22. April. (DNB.) Reichskriegsminister Generalfeldmarschall von Blomberg zeichnete sich am Mittwochnachmittag in die Ehrenliste des Sturmes 1/2 ein. Oer deutsche Feiertag am 1. Mai. Oer Verlauf der großen amtlichen Veranstaltungen in her Veichshauptstaht. Berlin, 22. April. (DNB.) Das amtliche Programm für die Feier des Nationalfeiertages des deutschenVolkes in der Reichshauptstadt liegt nunmehr vor und sieht folgende Veranstaltungen vor: 8.30 llhr bis 9.30 Uhr Zugendkundgebung im Poststadion. Programm: Fanfaren; Eröffnungsansprache durch den Reichsjugendführer Baldur von Schirach: Lied: „Tritt heran, Arbeitsmann" von Heinrich Lersch, Melodie von Fritz Sotke, gesungen von 3000 Angehörigen der Hitlerjugend; Rede: Reichsminister Dr. Goebbels; Lied: „Aushebt unsere Fahnen" von W. Zorg, Melodie von Fritz Sotke; Ansprache des Führers; Gemeinsames Lied: „Vorwärts, vorwärts". An der Kundgebung nehmen 80 000 Jugendliche, zu drei Vierteln Angehörige der HI. und des BDM. teil. Aus einem Umkreis von drei Kilometer vom Poststadion marschieren sie, darüber hinaus werden sie im Bahntransport heranbefördert. Aussteige- bahnhöse sind bei der 8-Bahn: Lehrter Bahnhof und Bahnhof Puttlitz-Straße, bei der 0-Bahn: Wedding und Reinickendorfer Straße. Die künstlerische Ausgestaltung liegt in den Händen des Architekten Speer. Die Feier wird über alle deutschen Sender übertragen. Im ganzen Reich finden zur selben Zeit ähnliche Feiern mit Übertragung von Berlin statt. 10.30 llhr bis 11.30 llhr Kestsihuna der Beichskulturkammer im Deutschen Opernhaus Eharlottenburg. Es spricht der Präsident der Reichskulturkammer, Reichsminister Dr. Goebbels; Verkündung des Buch- und Filmpreises 1936. 12.30 Llhr bis-13.30 Llhr Staatsakt. Da das Tempelhofer Feld durch den Ausbau des Flughafens nicht mehr zur Verfügung steht und ein anderer geeigneter Platz in Berlin nicht vorhanden ist, findet die Hauptkundgebung des Tages in diesem Jahr in folgender Weise statt: Vom Deutschen Opernhaus über Bismarckstraße—Knie—Charlottenburger Chaussee—Brandenburger Tor—Pariser Platz —Straße Unter den Linden—Schloßbrücke bis zum Lustgarten werden nördlich und südlich der Fahrbahn die Schassenden Berlins Aufstellung nehmen. Sie marschieren in 25 Säulen teils aus den nördlichen, teils aus den südlichen Gegenden der Reichshauptstadt in die einzelnen für sie bestimmten Aufmarschabschnitte. Auf der ganzen Strecke werden Lautsprecheranlagen errichtet. Am Lustgarten werden Abordnungen aller Kreise Aufstellung nehmen, Front nach dem Alten Museum. Im Lustgarten werden auf der Dom- und auf der Spree-Seite Tribünen errichtet, die mit monumentalen Fahnen abgeschlossen sein werden. Auf den Stufen des Alten Museums werden die Fahnen der Berliner Gliederungen der Partei Aufstellung nehmen. Programm: Fanfaren. Eröffnungs - Ansprache: Reichsminister Dr. Goebbels. Rede des Führers. Deutschlandlied, Horst-Wessel-Lied. Schlußworte: Dr. Ley. Die Kundgebung wird über alle deutschen Sender in die Parallelkundgebungen, die überall im ganzen Reiech zur selben Zeit stattsinden, übertragen, außerdem über die Lautsprecheranlage, die vom Lustgarten auf den vorbezeichneten Straßen bis zum Deutschen Opernhaus errichtet sind. 17 llhr Empfang der Arbeiterdelegationen im Palais des Reichspräsidenten. Aus allen Gauen des Reiches werden insgesamt 160 Arbeiter aller Berufe und die Sieger des Reichsberufswettkampfes 1936 von der Reichsregierung als Gäste nach Berlin geladen, wo sie im Laufe des 30. April eintreffen und um 16 Uhr im Kaiserhof von Dr. Goebbels, Dr. Ley und Baldur von S ch i r a ch begrüßt werden. Die Delegierten nehmen sowohl an der Jugendkundgebung, als auch am Staatsakt im Lustgarten teil und werden am Nachmittag des 1. Mai dann vom Führer empfangen. Anfahrt erfolgt vom Kaiserhof über Wilhelmstraße zum Palais des Reichspräsidenten. 20.15 llhr bis 21.45 llhr Iackelzug der Wehrmacht und der Verbände der Bewegung. Von Bülowstraße über Potsdamer Straße—Potsdamer Platz—Leipziger Straße— Friedrichstraße- Unter den Linden—Schloßbrücke zum Lustgarten. 22 Llhr bis 23 Llhr Abendkundgebung im Lustgarten. Es spricht der preußische Ministerpräsident Generaloberst Göring. Großer Zapfenstreich. Die Kundgebung wird über alle deutschen Sender übertragen. Ab 21 Llhr Maifeier der Reichskulturkammer in Krolls Westfalen. An dieser Maifeier werden die Kulturschaffenden teilnehmen und die Arbeiterdelegierten aus dem Reich als ihre Gäste bei sich sehen. Außerdem werden in Berlin und im ganzen Reich von den späten Nachmittagsstunden ab und abends in allen Sälen, die seit langem vorbestellt sind, fröhliche Maifeiern mit Tanz der einzelnen Betriebe durchgeführt. Die Polizeistunde ist in der Nacht zum 2. Mai aufgehoben. Am 2. Mai werden die Arbeiterdelegierten aus dem Reich um 12 Uhr vom Staatskommissar der Hauptstadt Berlin empfangen. Anschließend unternehmen sie eine Ausflugsfahrt an den Templiner See und werden abends der Vorstellung des Deutschen Opernhauses „Die Lustige Witwe" beiwohnen. Der Führer ehrt von Geeckt. Ernennung zum Ehef des Z.R.67.— Die Glückwünsche der Wehrmacht. - • - v 3 v.-.v ?<3 - -\s , • - -T - -> ; ■ ? - ... M W Reichskriegsminister Generalfeldmarschall v. B l o m- b e r g bei Generaloberst v. Seeckt vor dem Vorbeimarsch der Ehrenkompanie des J.-R. 67 vor dem Generalobersten. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Berlin, 22. April. (DNB.) Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht hat an Generaloberst von Seeckt anläßlich dessen 70. Geburtstages ein Glückwunschschreiben gerichtet und damit mit Dank und Anerkennung der großen Verdienste gedacht, die sich der Generaloberst um den Aufbau des Reichsheeres erworben hat. In Würdigung dieser geschichtlichen Tat, durch die die Grundlage zum heutigen Volksheer geschaffen wurde, hat der Führer den Generaloberst von Seeckt zum Chef des Infanterieregiments 67 ernannt. Am heutigen Vormittag überbrachte der Reichskriegsminister dem Generaloberst, vor dessen Wohnung Doppelposten einer Ehrenwache aufgezogen sind, die Glückwünsche der Wehrmacht. In Begleitung des Reichskriegsministers befand sich General der Infanterie o. R u n d st e d t als Vertreter des durch einen Unfall verhinderten Oberbefehlshabers des Heeres, Generaloberst Freiherr von Fritsch. Mittags erfolgte die Paradeaufstellung und der Vorbeimarsch oes Musikkorps und einer Ehrenkompanie des Infanterieregiments 67 vor Generaloberst von Seeckt. Glückwunsch von Fritsch. Der Oberbefehlshaber des Heeres, Generaloberst Freiherr von Fritsch, hat an den Generalobersten von Seeckt nachstehendes Glückwunschtelegramm gerichtet: „Durch einen Unfall leider verhindert, heute in Berlin zu sein, darf ich Herrn Generaloberst meine herzlichsten und aufrichtigsten Glückwünsche zum heutigen Tage übermitteln. Das deutsche Heer gedenkt heute besonders in Dankbarkeit und Verehrung seines Schöpfers in der Nachkriegszeit und begrüßt mit Freude und Stolz die Ernennung Eurer Exzellenz zum Chef des Infanterieregiments 67." Botschafter Graf Welczek in Paris. Paris, 22. April. (DNB.) Der neue beut- s ch e Botschafter in Paris, Graf Welczek, ist am Mittwoch, aus Madrid kommend, in der französischen Hauptstadt eingetroffen. England wünscht ein besseres Medenssystem. Fragen der „Times" an Frankreich.—Englische Abkehr „vom Völkerbund in seiner jetzigen Form". London, 23. April. (DNB. Funkspruch.) Unter der Ueberschrist „E i n besseres Friedens- s y st e m" befaßt sich die „Times" in einem Leitaufsatz mit der Stellung Frankreichs zum italienisch-abessinischen Streitfall und mit dem bevorstehenden internationalen Verhandlungsabschnitt. Das Blatt sagt, man müsse hoffen, daß die französische Stellungnahme zu den wichtigsten internationalen Grundsätzen durch die Neuwahlen geklärt werde. Die Frage an Frankreich laute, ob ein nicht herausgeforderter Angriff besonders von feiten eines völkerbundsmitgliedes gegen ein anderes Mitglied mit den Satzungen vereinbar sei oder nicht, und ob Frankreich bereit fei, sich an wirksamen Widerstandsmaßnahmen zu beteiligen. Oder gebe es vielleicht Umstände, unter denen es angebracht fei, die umfaßende Vernichtung von Verträgen hingehen zu lassen, die unbequemerweise die Zerstörung und das Blut- vergiehen, den Bombenabwurf, die Benutzung von Giftgasen und die Besetzung von Gebieten einschränkten? Auf diese Fragen wolle die englische Oeffentlichkeit klare Antworten erhalten. Ein keineswegs geringer Teil der französischen öffentlichen Meinung sei anscheinend entrüstet, daß England so energisch an der Völkerbundssatzung festhalte. Auf der anderen Seite habe Frankreich die Treue Englands zu den in den General st abs- besprechungen ausgedrückten Verpflichtungen sozusagen als Garantie angenommen. Das letzte Wort habe jetzt der französische Wähler. Weder Frankreich, noch irgendein anderes Land habe Anlaß, die Stärke und den Umfang des britischen Eingreifens bei einem unverschuldeten und so gut wie unentschuldigten Angriff zu bezweifeln. Die „Times" zieht aus diesen Betrachtungen den Schluß, daß England an feiner bisherigen Stellungnahme gegenüber Italien im abessinischen Streitfall festhalten müsse. Auf jeden Fall habe England aus dem abessinischen Abenteuer wertvolle Erfahrung geschöpft. Daran würde sich auch nichts ändern, wenn es notwendig sein sollte, sich vom Völkerbund in seiner jetzigen Form ab^uwenden, um die Grundsätze des Völkerbundes zu retten. E i n besseres Friedenssystem werde der Leitsatz der öffentlichen Meinung und nationalen Politik Englands bleiben. Neben der abessinischen Frage fei noch ein anderes Werk für den Frieden in größerer Nähe Englands zu leisten, an dem England ein unmittelbares und unzweifelhaftes Interesse besitze. Eine Erläuterung sowohl des deutschen Friedensplanes, wie der französischen Gegenvorschläge sei erforderlich. Beide pläne müßten einer Prüfung unterzogen werden. Die öffentliche Meinung Englands habe ebenso wie die Regierung den Wunsch, bald energische Schritte zu sehen, um die allergrößte Gelegenheit für eine Neuregelung in Europa auszu- nützen, die es je gegeben habe. Verständnis für die deutschen Gicherheitsforderungen Gerechte Urteile eines Engländers über Deutschlands Stellung in Europa. London, 22. April. (DNB.) In einer in der Zeitung „News Chronicle" erscheinenden Artikelserie befaßt sich der bekannte englische Publizist Prof. Conwell Evans mit verschiedenen Fragen, die die Stellung Deutschlands in Euro- p a betreffen. Er weist zunächst darauf hin, daß Deutschland infolge seiner geographischen Lage sowohl im Osten, als auch im Westen eine leichte Angriffsfläche für einen Einmarsch biete. Conwell Evans kommt dann auf den französischen Ruhreinmarsch von 1923 zu sprechen, der Deutschland eine fast schlimmere Niederlage als Versailles bereitet habe; denn die darauf folgende Inflation habe den deutschen Mittelstand zugrundegerichtet und aus Deutschland eine Nation von Proletariern gemacht. Er erinnert hierauf an die Besetzung Memels durch die Litauer und an die Versuche der Franzosen, im Westen eine Abtrennung des Rheinlandes herbeizuführen. Dies seien nur einige der schweren Prüfungen, die Deutschland seit dem Waffenstillstand durchgemacht habe. Deutschlands Geschichte bestehe aus durchgeführten Einmärschen oder angedrohten Einmärschen von Osten oder Westen her und manchmal auch von Norden. Das hauplelement der seelischen Einstellung Deutschlands fei die INöglichkeit eines Krieges auf zwei Zeiten, die durch die Entwicklung der Ereignisse bis zum heutigen Tage genährt war- den sei. Rach deutscher Ansicht gebe der fran- zösisch-sowjetrussische Pakt dieser Entwicklung läge, so führte der Minister aus, ist erfolgreich geschaffen worden. „Wir haben in einer schwierigen Ernährungslage neuartige Maßnahmen mit einer nahezu verzweifelten Landwirtschaft nach der Machtübernahme ergriffen, die die NSDAP, einmal vor dem Urteil der Geschichte wird bestehen lassen. Ernährungskatastrophen werden wir in Deutschland unter dem Rationalsozialismus nicht wieder erleben. Deutschland wird durch hunger nicht mehr in die Knie zu zwingen sein. Wenn wieder, wie im letzten Herbst, bei der Butter vorübergehend Schwieriokeiten auftauchen sollten, bleibt immer festzustellen: es i st besser, Deutschland wird stark, als daß es fett wird. Die wiedergeschaffene Wehrhoheit wäre ohne die durch den Nationalsozialismus durchgeführte Ernährungssicherheit in ihrem Wert sehr beschränkt worden. Darum galt die ganze Aufgabe dem Ziel, der politischen Führung den Brotkorb der Nation für alle Zukunft fest tn die Hand zu geben." Oiplomaten-Empfänge bei Flandin. Paris, 22. April. (DNB.) Der französische Botschafter in Berlin, Francois Poncet, der am Mittwoch auf Urlaub in Paris eintraf, wurde am Vormittag von Außenminister F l a n d i n empfangen. Außerdem hatte der Außenminister eine Besprechung mit Kriegsminister Maurin. F l a n d i n hatte am Mittwochnachmittag eine Besprechung mit dem apostolischen Nuntius Kardinal Maglione und dem amerikanischen Botschafter in Paris. Anschließend hatte er eine Unterredung mit dem Vorsitzenden des auswärtigen Ausschusses des Senats, Henri Verenger. „Egoistisches Ränkespiel." Amerikanische Wahrheiten für Frankreich. Washington, 22. April. (DNB.) „W ashing- t o n P o st", die führende Morgenzeitung der Bundeshauptstadt, verurteilt am Mittwoch das Verhalten Frankreichs in Genf als „egoi- st i f ch e s R ä n k e s p i e l". Frankreich, so erklärt das Blatt, habe dem Völkerbund, den es selbst immer als lebenswichtig bezeichnet habe, den bisher schwersten Schlag zugefügt. In der Absicht, Italien zum Bundesgenossen gegen Deutschland zu gewinnen, untergrabe es die Autorität und den Sinn des Völkerbundes. Frankreich sei in erster Linie dafür verantwortlich, daß in der ganzen Welt allmählich jegliches Vertrauen zu der Genfer Einrichtungdahinschwinde. Nach den französischen Wahlen, so schreibt das Blatt weiter, werde es wahrscheinlich zu spät sein, Abessinien vor der völligen Unterwerfung durct; Italien zu retten. Dann werde Frankreich es sich aber selbst zuzuschreiben haben, wenn man seine seit dem Jahre 1919 ständig wiederholten Beteuerungen von der Zweckmäßigkeit einer kollektiven Sicherheit unter der Aegidie des Völkerbundes nicht mehr ernst nehme. „Verständnis vor Verständigung." Gin französischer Journalist spricht vor Studenten in Würzburg. einen neuen und unwiderstehlichen Antrieb. Das Rußland von heute sei ungeheuer viel leistungsfähiger als das zaristische. Es sei von einer explosiven Kraft getrieben und besitze machtvolle Werkzeuge in den kommuni st ischen Zentren, die in jedem Staat auf dem Festland vorhanden seien. Die Tschechen seien mit Rußland durch eine Militärkonvention verbunden. Dadurch könnten die russischen Bombenflugzeuge in eine Stellung gebracht werden, die nur eine halbe Stunde von Berlin entfernt sei. Frankreich und seine militärischen Verbündeten könnten zusammen (nach britischen Schätzungen) Frontarmeen von 1,5 Millionen Mann und 3400 Frontflugzeugen aufstellen, diese Armee werde durch Sowjetrußland um weitere 1,3 Millionen Fronttruppen und 3000 Flugzeuge verstärkt. Die Koalition könne also — ohne England — insgesamt 2,8 Millionen Fronttruppen und 6400 Flugzeuge gegenüber Deutschland 550 000 Truppen und 1500 Frontflugzeugen ins Feld führen. Conwell Evans kommt weiter auf die Unter- drückuna der deutschen Minderheiten nach dem Kriege zu sprechen und fährt dann fort: Ein weiteres Element der deutschen Einstellung sei das starke Gefühl der Unsicherheit, das von dem Druck der Wilsonschen Friedenspunkte und dem Strafcharakter des Versailler Vertrages herrühre. Die entmilitarisierte Rheinlandzone fei bei den Deutschen nicht nur deswegen unbeliebt gewesen, weit sie den Deutschen die volle Oberhoheit über ihr Land vorenthielt; diese Unbeliebtheit habe etwas enthalten, das viel tiefer gewesen sei. Rach deutscher Ansicht sei die Zone nämlich geschaffen worden, weil Deutschland als Angreifer im letzten Kriege betrachtet wurde und deshalb daran verhindert werden müsse, diese üble Tat zu wiederholen. Jedermann, der in Deutschland gelebt habe, wisse aber, welche katastrophalen Folgen die Kriegsschuld- Würzburg, 23. April. (DNB.) Auf Einladung des Rektors und der Studentenschaft der Universität Würzburg sprach am Mittwochabend im großen Huttensaal in Würzburg vor ca. 4000 Menschen der französische Journalist Michel B o s - s a n, der sich gegenwärtig auf einer Studienreise durch Deutschland befindet, über das Motto: „Verständnis vor Verständigung". Der Vortrag wurde oft von minutenlangem Beifall unterbrochen. Einleitend erklärte der Redner das deutsch- französische Problem als eine psychologische Angelegenheit. Man dürfe nie vergessen, daß die drei letzten Kriege, die Befreiungskriege, der Krieg 1870/71 und der Weltkrieg auf französischem Boden ausgetragen wurden. Hieraus allein könne die Einstellung des französischen Volkes erklärt werden. Weder territoriale, noch wirtschaftliche Gegensätze stehen einer Verständigung der beiden Völker entgegen. Hieran schloß sich eine Erörterung der politischen Probleme, wie sie Frankreich schon immer sah und wie B o s s a n sie am Beispiel der französischen Kolomalpolitik erörterte, die keine organisierte Expansionspolitik der Regierung darstelle, sondern vielfach durch einzelne militärische Persönlichkeiten an Ort und Stelle, wie I o f f r e und Liauthey, veranlaßt wurde. Die Mentalität der französischen Politik von heute sieht ihre Aufgabe in der Verwirklichung des Schlagwortes vom Frieden durch die Sicherheit. Jeder Franzose stellt nun die Frage, was man einem 65-Millionen-Volk im Verfolg dieser Richtlinien bieten müsse, damit es sich zufrieden gebe. Der Redner beantwortete diese Frage aus der Kenntnis der deutschen Psyche: Realpolittsch ist nichts nötig, da keine realen Gegensätze vorliegen. Ulan brauche nur Verständnis beiderseits zu geben. Erreicht man das, das heißt das Verständnis, so stehe der Verständigung auch in der Kolonialfrage kein besonderes Hindernis im Wege. Der Vortrag fand begeisterte Aufnahme. Den Gefühlen der Versammlung gab der Rektor der Universität Dr. R e i n m ö l l e r erhebenden Ausdruck, indem er unterstrich, daß dem Friedenswillen der Franzosen derjenige des deutschen Volkes tief entspreche. Die beiden Völker hätten auf den Schlachtfeldern gegeneinander genügend Ehren gesammelt, um sich endlich den großen nationalen Friedensaufgaben widmen zu können. Der stellvertretende Führer der Studentenschaft, Hans Heinrich Rieth, bekundete die Verständigungsbereitschaft der deutschen Jugend. Der Rektor schloß darauf die Kundgebung mit einem Siegheil auf den Führer, Deutschland, sowie auf den Redner und sein Vaterland. Fragen an Eden. Eine interessante Aussprache im Unterhaus. lüge für die deutsche Seele gehabt habe. Es sei die Auflehnung gegen diese unfaire Beschuldigung, die das gesamte deutsche Volk veranlasse, jeden Vefreiungsakl seines Führers mit einer Begeisterung zu begrüßen, die einen beinahe religiösen Charakter habe. Rach deutscher Auffassung habe es zwei verschiedene moralische Maßstäbe für Deutschland und die Alliierten gegeben. Der Ausschluß Deutschlands von lebenswichtigen Konferenzen, die seine Interessen berührten, sei lebhaft empfunden worden und werde noch lebhafter empfunden. Die neuesten Fälle seien die Zusammenkunft der Mächte auf der Abrüstungskonferenz in Paris im Juni 1933 und die Stresa-Konferenz 1935, schließlich der Ausschluß Deutschlands von den kollektiven Erwägungen der Locarno-Mächte im gegenwärtigen Augenblick, obwohl Italien, das im Gegensatz zu Deutschland die Völkerbundssatzungen und den Kellogg-Pakt verletzt habe, zu Besprechungen mit den Mächten über das Abessinienproblem eingeladen werde. Sei es fair, wenn man Deutschland verurteile, weil es gegenseitige Veistandsverträge in Osteuropa ablehne? Solle man nicht anerkennen, daß eine Verpflichtung, keine Gewalt zur Aende- rung der Grenzen anzuwenden, das höchste ist, was man von der menschlichen Ratur verlangen kann? Richtangriffspakte? Dann wiederum werde die deutsche Freundschaft mit England als ein Versuch ausgelegt, Frankreich zu isolieren. Er wisse, daß dieses Mißtrauen vom deutschen Kanzler tief bedauert werde. Der Kanzler habe ihm gesagt, er habe von Ribbentrop gewählt, weil es dieser sich au seiner Lebensaufgabe gemacht habe, eine Aussöhnung zwischen Deutschland und Frankreich durch die Vermittlung Englands herbeizuführen. Lord L o t h i a n habe in einer kürzlichen Rede erklärt, wenn man nicht zu dem Eingeständnis bereit märe, daß Deutschland einen berechtigten Standpunkt vertrete, würde ein neuer Krieg unvermeidlich fein. Jedermann werde mit der abschließenden Bemerkung Lord Lothians übereinstimmen, daß aller Friede auf wirklicher Gerechtigkeit begründet fein müsse. Der Brotkorb Deutschlands ist gesichert. Reichsminister Darrs vor den Kreisleitern. Berlin, 23. April. (DNB.) Auf der A r b e i t s- ta-gung der Kreisleiter in der Ordensburg Crössinsee sprach, der NSK. zufolge, am Mittwoch Reichsbauernführer Walter Darr 6. Er entwarf ein umfassendes Bild der deutschen Ernährungslage und der nationalsozialistischen Agrarpolitik. Die Ernährungsgrund- London, 22. April. (DNB.) Im Unterhaus wurde am Mittwoch an Außenminister Eden eine Reihe von Fragen gerichtet, die sich auf die aktuellen außenpolitischen Fragen bezogen. Zunächst wünschte der konservative Abgeordnete Divian Adams zu wissen, ob der Minister weitere Einzelheiten über den Fortschritt der General- stabsbesprechungen mitteilen könne. Eden lehnte jedoch unter Hinweis auf die Erklärung Baldwins eine Mitteilung ab. Adams verlangte darauf zu wissen, ob Eden es nicht für zweckmäßig halte, dem Völkerbund eigene englische Vorschläge zu unterbreiten, damit die ganze Welt sehe, wer die kollektive Sicherheit wirksam machen wolle, und wer durch Verzögerung dies nicht wolle. Eden gab hierauf keine Antwort. Auf die weitere Frage Adams, was der Völkerbund im italienisch - abessinischen Streit zu tun gedenke, nachdem Italien seinen Angriff neuerlich verstärkt habe, antwortete Eden sodann in einer längeren Erklärung, in der er zunächst auf die Ergebnisse der letzten Ratstagung einging. Der Dreizehnerausschuß, so erklärte er weiter, habe festgestellt, daß der Appell zur Einstellung der Feindseligkeiten wirkungslos geblieben fei und daß der Krieg dafür unter Bedingungen fortbauere, die als im Widerspruch mit den Verpflichtungen des Völkerbundes stehend bezeichnet worden seien. Der 18er-Ausschuß sei daraufhin in Gens zusammengetreten, um den Bericht über die Wirkung der bisherigen Sühnemaßnahmen zu beraten in der Absicht, diese wirksamer zu gestalten. Die Berichte zeigten, daß die Sühnemaßnahmen immer wirksamer würden. Des weiteren sei man übereingekommen, daß der Achtzehnerausschuß ungefähr gleichzeitig mit dem Völkerbundsrat wieder zusammentreten solle. Der Vorsitzende dieses Ausschusses könne jedoch auch unter Umständen auf allgemeinen Wunsch und, falls die Umstände es erforderten, den Ausschuß wieder früher einberufen. Adams wollte darauf wissen, ob er nicht glaube, daß die gegenwärtigen Sühnemaßnahmen einen völligen militärischen Erfolg des Angreifers verhindern könnten. Eden erklärte, das fei Ansichtssache. Wedgwood (Unabhängige Arbeiterpartei) fragte dann, warum Eden nicht auf weitere Sühnemaßnahmen gedrungen habe, und welche Mächte im Völkerbund bereit feien, weitere Sühnemaßnahmen zu ergreifen. Eden erwiderte, seine Erklärung vor dem Dölkerbundsrat gebe klar die Ansichten der britischen Regierung wieder. Er glaube, daß es zur Zeit nicht im Interesse der kollektiven Aktion oder des Völkerbundes oder im Interesse irgendeines anderen liege, wenn er über sie hinausginge. Mander (liberal) fragte hierauf, ob Eden der Ansicht sei, daß Frankreich die gegenwärtigen Sühnemaßnahmen loyal durchführe. Eden erwi- derte, daß Fragen, die andere Regierungen angingen, doch nicht im Hause gestellt werden sollten. Mander wollte darauf wissen, ob denn die Regierung tatsächlich nicht daran interessiert fei, in welcher Weise andere Völkerbundsmitglieder ihre Sühnemaßnahmen durchführten, worauf Eden erwiderte, daß das keinesfalls der Fall sei. Er könne aber nicht für fremde Regierungen antworten. Eine weitere Reihe von Fragen bezog sich auf die italienischen oder angeblich italienischen Angriffe auf am Kriege nicht beteiligte Personen und Organisationen, wie z. B. das Rote Kreuz. Der Abgeordnete Cocks fragte, ob die britische R e - g i e r u n g nicht die Absicht habe, ihren Botschafter aus Rom ab 3 über ufen. Eden erklärte, daß eine derartige Absicht v*i ch t bestehe. Eine derartige Maßnahme würde nicht mit der Politik der britischen Regierung im italienisch- abessinischen Streit übereinstimmen, die auf dem Grundsatz der kollektiven Handlung durch den Völ- terbuno beruhe. Boothby (konservativ) verlangte hieraus eine Zusicherung, daß die Gerüchte über eine Entfremdung zwischen Frankreich und England wegen der abessinischen Frage unzutreffend seien — eine Aufforderung, auf die Eden jedoch nicht antwortete. Als Cocks sodann weiter fragte, ob die britische Regierung nicht den Ausschluß Italiens aus dem Völkerbund beantragen wolle, erklärte Eden, das sei nicht der Fall. Er sei der Ansicht, daß unter den gegenroärtigen Umständen mit einer derartigen Maßnahme nichts Zweckmäßiges erreicht werde. Auf eine Reihe von Fragen wegen der Verwendung von Giftgas durch die Italiener schilderte Eden die vom Völkerbund dieser Tage getroffenen Maßnahmen. Der italienischen Regierung sei mitgeteilt worden, daß die Anwendung von Giftgasen als Strafe für Ausschreitungen nicht gestattet sei. Eden unterrichtet das Kabinett über Genf. London, 22. April. (DNB.) Das englische Kabinett trat am Mittwochfrüh zu feiner üblichen Wochensitzung zusammen, in deren Verlau Außenminister Eden über die letzten Ereignisse in Genf berichtete. Die italienische Südoffensive. Rom, 22. April. (DNB.) Der Heeresbericht Marschall Badoglios besagt: An der Somalifront setzten unsere Truppen den Vormarsch auf der ganzen Linie fort und haben Ortschaften erreicht, die etwa 15 0 Kilometer v 0 n den Ausgangsstellungen entfernt fmb. Unsere Abteilungen besetzten gestern Ducun im Tal von Nacata, nachdem sie die feindlichen Nachhuten zerstreut hatten. Wir hatten einen verwundeten Offizier und etwa 50 tote und verwundete Soldaten. An der Nordfront bietet die Bevölkerung immer weiterer Gebiete ihre Unterwerfung an. Das neueste deutsche Flakgeschütz. Nach der Uebergabe der neuen Truppenfahnen an die Luftwaffe besichtigte Generaloberst Göring auch dieses neue Flugzeugabwehrgeschütz. (Presse-Jllustration-Hoffmann-M.) ParlümenfsauÜöfung in Belgien. Neuwahlen am 24. Mai. Trüffel, 23. April. (DNB. Funkspruch.) Durch eine am Donnerstag im „Staatsanzeiger" erschienene Verordnung des Königs sind Kammer und Senat aufgelöst worden. Die Neuwahlen wurden endgültig auf den 24. Mai festgesetzt. Das neue Parlament tritt am 23. Juni in Brüssel zusammen. Kommnnisten-Organisaiionen ansgehoben. K a t t 0 w i tz , 22. April. (DNB.) Wie erst jetzt bekannt wird, konnte die polnische Polizei am Dienstag eine weitverzweigte kommunistische Geheimorganisation aufdecken, deren Mitglieder als „Bezirksgruppe der kommunistischen Partei Polens" geführt wurden. Bei zahlreichen Haussuchungen in Lipine wurde die leitende Stelle der Geheimorganisation, die sich „Reichskomitee der Kommunistischen Partei Polens" nannte, ausgehoben. Dieses Komitee entwickelte in ganz Ostoberschlesien lebhafte Tätigkeit. Der Polizei fielen mehrere tausend Flugblätter und Flugschriften in die Hände. Außerdem wurde eine betriebsfertige Druckerei beschlagnahmt. Bisher wurden 24 Personen verhaftet. Die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen. Wien, 22. April. (DNB.) Im oberöster- reichischen Salzkammergut wurde eine große Kommuni st enorganisation aus- gehoben. Zentralsitz dieser Organisation war die Ortschaft Heisenrat bei Ischl. Zweigstellen bestanden in den Salzkammergutorten Ebensee, Ischl, Rettenbach, Golfern, Laakirchen und Gmunden. In allen diesen Ortschaften wurden Verhaftungen vorgenommen und zahlreiches Material beschlagnahmt. In Heisenrat war auch ein Schulungskursus der kommunistischen Partei eingerichtet, den ein Wiener Kommunist leitete. Juden in Palästina unerwünscht. Araber-Unruhen in Palästina in den letzten Tagen haben bisher 19 Tote und, 130 Schwerverletzte zur Folge gehabt. Trotz englischer Truppenkonzentrationen ist nicht ein Abflauen der Protestbewegung gegen d i e jüdische Einwanderung und ihre Auswüchse, sondern eine Verschärfung zu verzeichnen. Die arabische Bewegung, die nur scheinbar in diesem Falle keine direkte Beziehung zur panislamitischen Bewegung hat, hat den ©eneralftrei! beschlossen, um ihre Forderungen des Verbotes der Landerwerbung der Juden ferner die Einstellung der jüdischen Einwanderung durchzusetzen. In führenden arabischen Kreisen betont man, daß die massenhafte jüdische Einwanderung noch in diesem Jahr das Land in eine Wirtschaftskrise hineintreiben und außerdem die immer engere Verbindung des Arabertums mit der islamitischen Einheitsfront nur noch stärker beschleunigen werde. Vor dem Krieg roaren bei 800 000 arabischen Einwohnern nur 40 000 Juden vorhanden, die sich dem Charakter der arabischen Bevölkerung und des Landes völlig angepaßt hatten. Die alljährliche Einwanderung von 60 000 Juden hat das Verhältnis zwischen den beiden Bevölkerungsteilen bereits auf 2:1 verschlechtert. Die arabische Führung unterstreicht besonders, daß der Jude im allgemeinen von der Landbebauung nichts wissen will; von 4 0 0 0 0 0 Juden sitzen nur 25000 auf dem Lande! Und das, obwohl den jüdischen Organisationen nicht weniger als 5 0 0 0 0 Morgen beackerbares Land völlig ungenutzt zur Verfügung stehen! Auch von dem erwarteten wirtschaftlichen Aufschwung des Landes ist nichts zu merken, da beispielsweise in kurzer Zeit fast 20 erst in diesem Jahren gegründete Fabriken wegen Mangel an Absatz wieder stillgelegt werden mußten. Nicht zuletzt verweist die arabische Führung auf die drohende Gefahr der B 0 l s ch e w i s i e r u n g durch das Judentum. Während es früher in Palästina keine kommunistische Frage gegeben hat, werden jetzt infolge der jährlichen Masseneinwande, rung von Juden bereits über 10 0 0 0 Kommunisten als bekannt verzeichnet. Die Türkei will ir Äon unserem H. H (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Ist a n b ul, 20. April. Als nach dem Weltkrieg die Staatsmänner der Siegermächte zusammentraten, um ihren Fuß auf den Nacken der ehrenvoll Unterlegenen zu stellen, als man glaubte, Deutschland auf ewig in die Ketten des Versailler Vertrages schmieden können, als man Oesterreich in St. Germain zerstückelte und Ungarn und Bulgarien in Trianon und Neuilly unter dem Druck der Bajonette um ihren Lebensraum betrog, sollte nach dem Vertragsentwurf von Sevres auch die Türkei sich einen Schandfrieden aufzwingen lassen. Das Friedens- diktat, das man sich zu Sevres ausdachte, war unter all diesen Verträgen das Härteste und Unmenschlichste: Nicht nur die unorganisch zur alten Türkei gehörigen arabischen Landesteile sollten von ihr abgetrennt, sondern auch Anatolien, das eigentlich Stammland der Türken, zum größten und besten Teile unter die Siegerstaaten aufgeteilt werden, während der türkischen Souveränität im Inneren um die große Salzsteppe nur eine Art Indianerreservation verblieb. Als die Türken die Absicht erkannten, sie völlig von der Landkarte auszuradieren, als sie begriffen, daß- es um Sein oder Nichtsein der Nation ging, griffen sie noch einmal mit dem Todesmut der Verzweiflung zu den Waffen und konnten unter der Führerschaft Kemal Atatürks und Ismet Jnänüs, die heute noch an der Spitze des Volkes stehen, den Freiheitskampf zum glücklichen Ende führen: Die griechische Jn- vasionsarmee, die in Anatolien für England die Exekutive übernahm, wurde nach blutigen Schlachten in das Meer geworfen, die Franzosen aus Kilikien, die Engländer aus den Schwarzmeerhäfen und die Armenier nach Russisch-Armenien vertrieben. Nach diesen Ruhmestaten eines Volkes, das sein Letztes an seine Freiheit gesetzt hatte, sprach niemand mehr von Sevres, sondern man kam erneut und diesmal in Lausanne zu Beratungen zusammen, an denen die Türkei aber nicht mehr als ein um Gnade bettelnder Besiegter, sondern als gleichberechtigter Verhandlungspartner teilnahm. So wurde der Lausanner Vertrau zum einzigen Verständigungsfrieden nach dem Weltkriege und zu der einzigen Abmachung zwischen ehemaligen Gegnern, gegen die in späteren Fahren niemals von einem Teil territoriale Revisionsansprüche erhoben wurden, denn alle von Türken bewohnten Gebiete blieben unter türkischer Oberhoheit. Gewiß stellte auch der Vertrag von Lausanne wie alles von Menschen Erdachte keine unbedingte Ideallösung dar. Einer der Schönheirsfehler dieses Abkommens war das sogenannte Meerengen st atut, das die türkische Souveränität an Dardanellen und Bosporus bis zu einem gewissen Grade einschränkte. So wurde vor allem bestimmt, daß die Türkei die Meerengen in Friedenszeiten nicht befestigen dürfe, indem an beiden Ufern ein fünfzeyn Kilometer breiter Streifen als entmilitarisierte Zone erklärt wurde. Aber auch für den Fall, daß die Türkei in einen Krieg verwickelt werde, ist ihre Handlungsfreiheit insofern eingeengt, als sie ihre Verteidigungsmaßnahmen so einzurichten gehalten ist, daß diese die Durchfahrt neutraler Kriegs- und Handelsschiffe nicht beeinträchtigen. Es erhebt sich die Frage, warum die Türkei glaubte, sich auf diese Bestimmungen einlassen zu dürfen. Dabei ist zu bedenken, daß die politische Welt 1923 eine völlig andere war als heute. Die Aussicht auf Abrüstung schien damals allen Gutgläubigen greifbar nahe. Außerdem schien nach dem damaligen Stande der Rüstung ein derart überraschender Angriff, dem nicht innerhalb kürzester Zeit durch Heranschaffung von Verteidigungsmitteln aus der nicht neutralisierten Zone hätte wirksam begegnet werden können, höchst unwahrscheinlich. Noch dazu hatten die am Vertrage beteiligten Großmächte England, Frankreich, Italien und Japan die Bürgschaft übernommen, im Falle einer Bedrohung gemeinsam den Schutz der Meerengen nach den Richtlinien des Völkerbundes zu gewährleisten. Schließlich darf auch nicht Übersehen werden, daß es der Türkei zwar gelungen war, Kleinasien vsm Feinde zu säubern, daß aber die Dardanellen und I n st a n b u l von starken alliierten Truppenteilen besetzt waren und ein Nachgeben in diesem Punkte ratsam erschien, wenn neue, ungerechtfertigt schwere Opfer an Gut und Blut vermieden und eine möglichst schnelle Räu- muntz erreicht werden sollte. Wie sehr sich die gesamte Lage im Orient seit der Vorkriegszeit verschoben hatte, bewies am deutlichsten die Tatsache, daß gerade Großbritannien sich nunmehr mit seinem ganzen Schwergewicht für die Freiheit der Meerengen einsetzte, woran die Sowjetunion kein vitales Interesse mehr nahm, ganz im Gegensatz zum zaristischen Rußland, das vor dem Kriege eine Entfestigung der Meerengen zu einem der Hauptpunkte seiner Politik im Nahen Orient erhob. Während England in früheren Zeiten an der Türkei nur soweit Interesse nahm, als es sich um ihre arabischen Besitzungen handelte, die England zwecks Sicherung des Landweges nach Indien unter feine Kontrolle zu bringen trachtete, war Rußland mit seinen Absichten auf Konstantinopel und die Meerengen, die das Schwarze Meer zu einem Binnensee machten, und seinem Ausdehnungsdrang nach dem Osten der Türkei der eigentliche Erbfeind des Osmanischen Reiches. Nach der kommunistischen Revolution erfuhr jedoch die russische Außenpolitik bezüglich des Orients eine entscheidende Schwenkung. Sowjetrußland wünschte mit Hilfe der islamischen Völker die englischen Machtstellungen in Asien zu untergraben und nahm deshalb gegenüber dem Freiheitskampf Mustafa Kemals eine höchst wohlwollende Neutralität ein, die nicht unwesentlich zu seinem siegreichen Ende beitrug. In der Folgezeit wurde das neue türkisch-russische Verhältnis, allerdings ohne daß die Türkei ihre Grenzen kommunistischen Gedankengängen auch nur im mindesten öffnete, durch Freundschaftsverträge immer solider untermauert, so daß der Sowjetstaat schließlich sogar ein Interesse daran hatte, daß eine militärisch starke Türkei für das ihr befreundete Rußland die Torwartspflichten an den Meerengen übernehme. Dagegen entsprach es durchaus nicht mehr Englands Belangen, daß sein großer Gegenspieler in Asien im guten Einvernehmen mit der Türkei nach Belieben die Pforte zum Schwarzen Meere schließen könne, wo Rußland im Ernstfälle unweit der großen Oelvorkommen im Kaukasus höchst verwundbar wäre. In diesen Tagen ist nun das Problem der Meerengen wieder in den Brennpunkt des allgemeinen Interesses gerückt worden, nachdem die türkische Regierung allen Mächten, die seinerzeit das Meer- engenabkommen unterzeichneten, eine Note überi Sicherheit leben. . A.-Berichterstattei reichte, in der sie ihren Wunsch ausdrückt, sie von den oben erwähnten Einschränkungen ihrer Hoheits- rechte im Meerengengebiet zu befreien. Mit anderen Worten: Die Entmilitarisierung aufzuheben und der Türkei das Recht der B e f e st i g u n g z u z u g e st e h e n. Schon seit über einem Jahr hat die türkische Presse immer wieder darauf hingewiesen und auch von amtlichen Stellen ist in Genf deutlich zu verstehen gegeben worden, daß sich seit 1923 die Verhältnisse grundlegend verändert hätten und angesichts der heutigen Lage die türkische Sicherheit durch das alte Meer- engenstatut durchaus nicht mehr gewahrt erscheint. Auf dem Schwarzen Meer — gedacht ist an den russischen Freund und Nachbar — fei die Entwick- lung zwar friedlich gewesen, dagegen habe im Mittelmeer eine wachsende Unbeständigkeit Platz gegriffen. An Stelle positiver Resultate der See- abrüstungskonferenzen habe die maritime Aufrüstung ständig zugenommen, die Vermehrung der Luftstreitkräfte der meisten Mittelmeerstaaten sei ins Unvorstellbare gestiegen, und die der Türkei naheliegenden Inseln — hier hat man den italienischen Dodekanes im Auge — seien immer stärker befestigt und als Stützpunkt ausgebaut worden. Noch dazu habe die durch den Völkerbund gegebene Kollektivsicherheit sich als ein sehr schwerfälliger Mechanismus erwiesen, der Bürge Japan sei inzwischen überhaupt ausgetreten und Italiens Verbleiben in Genf noch durchaus nicht sicher, so daß wahrscheinlich im Ernstfall ein positiver Entschluß des Völkerbundes zur Sicherung der Meerengen erst zur Ausführung komme, wenn es längst zu spät sei, um so mehr, als heute bewaffnete Konflikte ohne die herkömmlichen Formalitäten des Kriegszustandes und der Kriegserklärung im Bereich des Möglichen lägen und eine verantwortungsbewußte Regierung bestrebt fein müsse, ihr Volk vor jeder Ueberraschungsgefahr zu schützen. Bei einer eingehenden Betrachtung und unparteiischen Prüfung ergibt sich, daß die Ueber- legung, die schließlich zur Absendung der türkischen Note führte, durchaus stichhaltig ist. Ganz abgesehen davon, daß jedes freiheitsliebende Volk eine in fein Gebiet eingesprengte entmilitarisierte Zone als eine schmachvolle Schmälerung seines Hausherrnrechtes ansehen muß und daß man der Türkei nicht verdenken kann, daß sie von dem heutigen Zerrbild eines Völkerbundes sich im Notfall Papier anstatt Eisen verspricht, erscheinen besonders die praktisch-militärischen Befürchtungen berechtigt. Erschien es noch vor zehn Jahren möglich, durch schnelle Heranschaffung schwerer Geschütze im Kriegsfälle eine vorerst ausreichende provisorische Befestigung der Engen in der kurzen Zeit von etwa 24 Stunden zu bewerkstelligen, so sind heute angesichts der ungeahnten Entwicklung, die allenthalben die Luftwaffe erfuhr, die Anlage bomben- und gassicherer Unterstände, der Einbau aetarnter Flugabwehrkanonen und dergleichen erforderlich. Schließlich würde eine Konvention über die Abschaffung beweglicher schwerer Geschütze, wie sie auf der Abrüstungskonferenz vorgesehen wurde, felbst eine nur provisorische Verteidigung wirksamer Art illusorisch machen. Die Dardanellen st el- lung ist aber erst in zweiter Linie das Eingangstor zum Schwarzen Meer, vielmehr in erster Linie der bequeme Zugang nach Kleinasien, also zur Türkei, zu ihrer größten Stadt I st a n b u I, zu der wichtigsten Bahnlinie nach der Hauptstadt Ankara, dem Kriegshafen von I z m 11 und den reichen Kohlenvorkommen im Pontusgebiet. Ein Blick auf eine Geschichtstafel verdeutlicht den strategischen Wert der Meerengen. Hier lag Troja, um das Götter und Menschen kämpften, hier zogen des Terxes Heere nach Griechenland und hier, wo Kemal Atatürk zum ersten Male seine Feldherrn- begabung unter Beweis stellte, haben im Weltkriege über eine halbe Million Toter und Verwundeter in unvergleichlichem Heldenmut den Boden mit ihrem Blute genetzt, weil die Angreifer und die siegreichen Verteidiger sich gleicherweise der überragenden strategischen Bedeutung dieser Schlüsselstellung bewußt waren, an der sich Europa und Asien die Hand reichen. Es ist deshalb besonders begreiflich, daß ein türkisches Blatt der Ansicht Ausdruck gab, solange in der heutigen Zeit der gefährlichsten Spannungen im östlichen Mittelmeerbecken die Türkei durch Wehrlosigkeit an den Meerengen jedem überraschend geführten Ueberfall schutzlos preisgegeben sei, gleiche sie einem Manne, der bei offener Türe schlafe, ohne daß ein Polizist über seine Sicherheit wache. Erst nach Wiederherstellung der türkischen Wehrhoheit an Bosporus und Dardanellen könne das Volk wieder ruhig schlafen. Für Deutschland gilt heute noch das Bismarcksche Wort, daß es „keinen Giebel zum Mittelmeer" habe, deshalb werden wir, die uns mit der Türkei eine enge und herzliche Geschäftsfreundschaft sowie ein lebhafter Austausch kultureller Güter verbindet, von einer Aenderung des Meerengenstatuts nicht unmittelbar betroffen. Trotzdem wird gerade Deutschland, das am eigenen Leibe lange genug das Niederdrückende empfand, das eine eingeschränkte Wehrhoheit für ein stolzes Volk bedeutet, dem aufstrebenden Staate an der Schwelle Europas und Asiens von Herzen wünschen, daß der diplomatische Schritt der Türkei von schnellem Erfolg begleitet sei. Auf alle Fälle ist aber auch dieser türkische Vorstoß ein neues Symptom für die Tatsache, daß die Zeit anbrach, in der die den Völkern einseitig aufgezwungenen Verträge — nicht zuletzt durch die Schuld der einstigen Diktatoren selbst — ihre Lebensberechtigung verlieren. Griechenland will die Türkei unterstützen. Athen, 23. April. (DNB.) Die Athener Zeitung „Kathimerini" nimmt in einem Aufsatz Stellung zur türkischen Meerengennote. Das Blatt schreibt, daß die griechische Regierung in Genf den Antrag der Türkei unterstützen werde, da Griechenland auch vom Standpunkte seiner eigenen Sicherheit das türkische Vorgehen nur wohlwollend betrachten könne. Durch die Annahme des türkischen Antrages erhalte Griechenland das Recht, die Inseln Samothrake und L e m • n o s zu b e f e ft i g e n. Dagegen werde die am Sonntag von amtlicher Seite abgegebene Erklärung über einen vielleicht bevorstehenden griechischen Antrag auf Aushebung des Artikels 13 des Lausanner Vertrages, der die Befestigung der Inseln Mytilene, Samos, Chios und Jkaria verbietet, zurückaenom- men. Man sei der Ansicht, daß eine Befestigung dieser Inseln im Hinblick auf die Aufrichtigkeit der griechisch-türkischen Freundschaft durchaus überflüssig märe. Aber abgesehen davon sei Griechenland antirevisionistisch eingestellt, und deshalb wolle es keine Revision des Lausanner Vertrages beantragen. Andernfalls würden nämlich andere Staaten, die revisionslustig seien, auch ihrerseits Antrag auf Revision stellen, was den Friedensbau zum mindesten auf dem Balkan gefährden könnte. Ministerpräsident Metaxas roeroe, vorausaefetzt, daß er am Freitag das Vertrauen der Kammer erhalte, diesen Standpunkt auf der Tagung der Balkanstaaten in Belgrad erläutern und die Haltung darlegen, die Griechenland in Gens einnehmen werde. Man einverstanden. Tokio, 22. April. (Ostasiendienst des DNB.) Die japanische Regierung wird am Freitag durch ihren Botschafter in Ankara offiziell mitteilen lassen, daß sie gegen die Aufhebung der Entmilitarisierung der Dardanellen nichts einzuwenden habe. Japan erwarte jedoch, daß durch die demnächst einzuleitenden Verhandlungen zwischen den beteiligten Mächten eine alle Teile befriedigende Lösung gefunden werde. Die Agentur Deutsche ir Beobachtungen eines itali Don unserem Or. Ho.-Kriegsber (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Asmara, Mitte April. Der italienische Hauptmann Vecchi, ein alter Kolonialmann, hat im Verlag „Bietti-Mailand" ein Buch mit dem Titel „Equatore-Romanze" veröffentlicht, das nicht nur als Bekenntnis zu Afrika lesenswert ist, sondern auch wegen der folgenden Stellen, die mir der Verfasser freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. „Ich fahre von M o m b a s s a mit der ,Ufam6ara< ab (die Vorgänge spielen sich 1933 ab). Eine Menae von Deutschen, reich und arm, Handwerker, Landleute, Offiziere, Künstler mit ihren Frauen, Kindern und Bediensteten befinden sich an Bord. Deutsche, die voller Erwartung und Hoffnung auf das einstige Deutsch-Ostafrika sich eingeschifft haben. Sansibar: ein Traum aus Grün, Blumen und Duft gewoben! Das Paradies auf Erden kann man sich kaum anders vorstellen. Sansibar: Insel der Träume! Die bevorstehende Ankunft in einem Land, das für sie immer noch deutsch ist und wo viele von ihnen nach Jahren beschlagnahmten Besitz, Freunde und Erinnerungen an bessere Zeiten suchen, hat die Svannung unter meinen deutschen Reisegefährten aufs höchste gesteigert. Mit besonderem Vergnügen beobachte ich durch das Fenster meiner Kabine, wie hübsche, blonde Frauen im Walzerschritt sich den Bewegungen des Schiffes hingeben. Eine Gruppe junger Mädchen, die mich durch's Bullauge beobachtet, bestürmt mich: „Sie sind Italiener, also Deutschenfreund; warum machen Sie nicht mit? Hätten wir früher gewußt, dann wären Sie nicht allein geblieben! Wir hielten Sie aber für einen Engländer!" Erst spät konnte ich mich von der freundlichen Gesellschaft, die von unverbrüchlich vaterländischem Glauben beseelt war verabschieden. — Am nächsten Morgen liegen wir auf der Rede von Daressalam. Der Name bedeutet „Stätte des Heils". Daressalam liegt in einer Bucht, umgeben von Mangi-, Tamarinden- und Baobabbäumen. Die die Stadt überragende ausgesprochen deutsche Kirche beherrscht die Gegend. Sie rufen, chreien, von links nach rechts, sind auf Rand und Band. Die alten Kolonialleute zeigen sich mit be» Aus all Gesandter von Stohrer gefunden. Der vermißte deutsche Gesandte von Stohrer ist aufgefunden worden. Er ist im Flugzeug nach Kairo unterwegs, wo er heute, Donnerstag, gegen Mittag erwartet wird. — Der Landesgruppenleiter für Aegypten und Vertreter des DNB. von Homeyer, der hervorragend an der Suche des Gesandten beteiligt war, ist bereits in der Nacht in Kairo eingetroffen. Durch einen schweren Sandsturm war am Mittwoch die Suche ins Stocken geraten. Seit Tagesanbruch waren rund 60 Flieger, 60 Lastkraftwagen, 30 Privatkraftwagen und etwa 100 Kamelreiter unterwegs. Da die nähere Umgebung Kairos im Norden und die Baharijas im Süden eingehend abgesucht worden sind, konzentrierte man sich auf das riesige Mittelgebiet mit seinen großen Dünen. Der ungarische Graf A l m a s s i ging dabei einer Einzelspur nach, die er etwa 180 Kilometer seitwärts der gewöhnlichen Strecke verfolgte. Die gleiche Fahrt hat Almassi zu Ostern mit Stohrer unternommen. Das Berliner Baugrubenunglück vor Gericht. Im Prozeß um das Berliner Bauunglück wurden die Schwierigkeiten erörtert, die Bauleiter Noth mit dem Holzeinkäufer feiner Firma gehabt hat. Es feien zu schmale Bohlenhölzer eingekauft worden; der Holzeinkäufer habe sich darauf berufen, daß es fein anderes Material gebe und das von ihm bestellte Holz zudem je Kubikmeter 3 bis 5 Mark billiger fei. Noth will aber aus den vorhandenen Vorräten Bohlen von der erforderlichen Stärke ausgesucht und nur einwandfreie Stücke eingebaut haben. Hoffmann gibt zu, daß er Noth zur Berechnung der erforderlichen Bohlenstärke nicht hinzugezogen habe. Der Vorsitzende ging dann auf die Fragen der U-Eisen ein, die nach den Bauvorschriften an den Rammträgern als Widerlager für die Holzsteifen angebracht werden müssen. Hat Noth nicht gesagt, so fragte der Vorsitzende den Angeklagten Hoffmann, er brauche O-Eisen? Sie kamen aber erst am 20. August, dem Einsturztage, in Wagenladun- gen an. Hoffmann: Das waren Lieferungen, die erst für einen späteren Zweck gebraucht wurden. Vors.: Ist Ihnen bekannt, daß man auch Rückfragen wegen der Profilierung angestellt hat, daß man weiter erörterte, ab man sie beim Althändler beziehen kann und wo man sie am billigsten ein» kauft? Hoffmann: Der zuständige Ingenieur unserer Firma hat selbstverständlich immer versucht, wirtschaftlich einzukaufen. Ich habe aber Anweisung gegeben, daß Noth mit seinen Forderungen bevorzugt behandelt wurde. Die Verhandlung wird fortgesetzt. Domei erläutert diese Einschränkung dahin, daß Japan alle diesbezüglichen Verhandlungen über den Völkerbund ablehne, weil es nur die Lausanner Dertragsmächte für zuständig halt«. Dank an England. Berlin, 22. Avril. (DNB.) Der Reichsminister des Auswärtigen, Freiherr v. Neurath, hat in einem Schreiben an den britischen Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten, Herrn Anthony Eden, zum Ausdruck gebracht, daß die ehrenden und eindrucksvollen Veranstaltungen, die bei der Ueberführung der sterblichen Hülle des deutschen Botschafters in London, Dr. Leopold v. H o e s ch , von London bis nach Wilhelmshaven von der britischen Regierung durchgeführt worden sind, in Deutschland einen tiefen Eindruck hinterlassen haben. Freiherr von Neurath hat Herrn Eden gebeten, auch den Dienststellen der britischen Wehrmacht, der Armee, sowohl wie der Marine, den herzlichen Dank der Reichsregierung für die ehrende Teilnahme an den Trauerfeierlichkeiten und für ihre Durchführung zu übermitteln. i Ofiasrika. mischen Kolonialpioniers. chterstatter auf italienischer Seite. wegter Stimme die ihnen feit Jahren bekannten Punkte. Keiner von ihnen sieht die über den Regierungsgebäuden wehende englische Flagge. Nach und nach steigt ein Sang auf: „Deutschland,' Deutschland über alles" klingt es über Bord und die weite Bucht. Die englischen Reisegefährten bleiben regungslos, mich aber packt die Erregung!" — — Folgt eine Schilderung der Zollformalitäten-- „Auf Wiedersehn, auf Wiedersehn!" ruft man mir von allen Seiten zu.-- Daressalam ist eine herrliche Stadt von etwa 30 000 Einwohnern. Sie hat überall unverkennbar Spuren einstiger deutscher Herrschaft bewahrt. Angefangen von der Sauberkeit der Straßen bis zu den Uniformen der Polizisten und der in sämtlichen Läden herrschenden peinlichen Ordnung, ja bis zur Architektur der europäischen Bauten! Einfach wunderbar! Von der Mentalität der Eingeborenen gar nicht zu reden! Sie erklären sich heute noch den „G e r m a n" ergeben und betrachten die Engländer als „Usurpatoren". Auch mein Gastgeber — ein Italiener mit einer griechischen Frau — sprach mit mir mit Bewegung von den vergangenen deutschen Zeiten. Diel zu dieser allgemeinen Stimmung hat beigetragen der sagenhafte Kvlvnialfeldzug ßettoro- Vordecks. Diese geniale und zähe Verteidigung Tanganjikas ist in Ostafrika zu einem Epos geworden, das bei den Eingeborenen wie ein übernatürlicher Heldensang fortlebt. Auf dem Grunde der Bucht von Daressalam ruhen drei große deutsche Dampfer, die lieber versinken als in die Hand der Engländer fallen wollten. Drei unzerstörbare Denkmäler der Widerstandskraft und des Opfergeistes des teutonischen Volkes, das heute noch, trotz allem, diese herrliche Gegend von Aequatorialafrika beherrscht!" Oer abessinische Kronprinz in Addis Abeba. Addis Abeba, 22. April. (DNB.) Der abes. sinische Kronprinz traf in der vergangenen Nacht in Addis Abeba ein. Er wird während der Abwesenheit des Kaisers die Leitung der Re» gierungsgeschäste übernehmen. ?r Wett. ..Graf Zeppelin" über Sevilla. Das Luftschiff „Graf Zeppelin" hat am Donnerstag um 2.45 Uhr MEZ. die südspanische Küste erreicht. Um 8.05 fuhr es nach der letzten bei der deutschen Seewarte eingegangenen Meldung gerade zur Landung in Sevilla ein. Segelflug mit Fahrgast. Am Todestage R i ch t h o f e n s , den die deutsche Luftwaffe als ihren Ehrentag würdevoll beging, Ührte der Segelflug-Hauptlehrer Piet van H o u • e n von der Reichssegelflugschule (Brunau in Schleien einen Segelflug von (Brunau nach Breslau aus. Van Hausen benutzte ein zweisitziges Segelflugzeug vom Typ (Brunau VIII und flog m i t einem Passagier während IVz Stunden zunächst bis zur Oder nordwestlich Breslau und dann stromaufwärts zur schlesischen Hauptstadt in durch- schnittlich 700 Meter Flughöhe unter Ausnutzung einer Schlechtwetterfront. Die Luftlinie (Brunau— Breslau beträgt 82 Kilometer, der tatsächlich zurückgelegte Flugweg war bedeutend länger. Mit dem neuen Slreckenslugzeug nach Madrid. Auf dem Madrider Flugplatz Barajas trafen neun deutsche Journalisten mit dem neuen fahrplanmäßigen Streckenflugzeug der Deutschen Lufthansa Berlin — Madrid ein. Die Teilnehmer, w deren Empfang sich außer Vertretern der deutschen Botschaft und der deutschen Kolonie auch einige spanische Pressevertreter ein» gefunden hatten, sprachen voller Begeisterung über ihre Eindrücke während des Fluges. Zu Ehren der deutschen Gäste sind mehrere Veranstaltungen vorgesehen. Spanische Pressevertreter besuchen Deutschland. Als Gäste der Deutschen Lufthansa sind anläßlich der neueingerichteten Luststrecke Madrid—Berlin in Madrid acht spanische Pressevertreter zu einem kurzen Besuch Deutschlands gestartet. Die spanischen Journalisten, die die spanische Nachrichtenagentur Fabra und die Madrider Zeitungen „Epoca", „Ahora", „El Debate", „In- (D J 11 seht gern In v Schule. Vr I* d Oas Lernen strengt \ -en kleinen, kräftigen Kerl gar- nicht an. jjeöen Morgen eine Oetker-Puddingsuppe — gibt mumm. Sind nacht» lchläst Zritz wie ein Murmel- — tier, so prächtig bekommt ihm sein Oetker-Puöölng. Achtung - ausschneiöen! Preisausgabel die BITIX mio.75 alles mit dem Kastenwagen, Leiterwagen oder । ' müder Schiebkarre! ausgeschie- ammlung geschlossen. Aus den preußischen Nachbargebieten Sreis Wetzlar Betracht kommt. öeiiuun luiimu. * Kinzenbach, 22. April. Die hiesige S p a r- 1 u n b Darlehenskasse hielt im Saalbau SiBMÜgHin Tüchtiges t2582O S-Z m -Wflhnn tn^fun fleiu*t. 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Das dreimotorige belgische Flugzeug, das den regelmäßigen Nachtpostdienst zwischen Paris, Brussel und Köln mit Anschluß nach Berlin versieht, hat zwischen Bussy und Baron (im französischen Departement Oise) infolge noch nicht geklärter Umstände den Boden berührt und verbrannte, wobei die Besatzung, bestehend aus dem belgischen Flugzeugführer Fecherolles und dem Bordfunker Bloots ums Leben kam. Die Post- ladung wurde zerstört. Landesverräter verurteilt. Der 30 Jahre alte Aloysius B ö h m aus Plautzig ist vom Volksgerichtshof in Berlin wegen L a n - desverrats zu lebenslänglichem Zuchthaus und zur Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit verurteilt worden. Hinrichtung in Stuttgart. Der vom Schwurgericht in Ravensburg wegen Mordes zum Tode verurteilte Johann B i e h l e r ist in Stuttgart hin gerichtet worden. Biehler, Arbeitsvergebung. Auf Grund der Reichsoerdingungsordnung sollen im öffentlichen Wettbewerb vergeben werden für die Fahrbahnverbreiterung auf der Reichsstratze Jlr. 3 Abt. Lollar—Sichertshausen Ausführung von: 1 oder 2 schöne I mbl. Zimmer mit zwei Betten, Schreibt., separ. (Lina., 1. Etage, MitteSeltersw., sof. od.l.Mai zu verrn.Zu erfr.in derGeschäftsft.d. Gien. Anz. oism | Mietgesuche"] Gesucht für 10 bis 14 Tage mr ältere Dame tn derNähe d.Heeg- strauchwegesein ruhiges sonniges Zimmer evtl. rn. Morgenkaffee. Ang. an Beeßstrauchweö 14. [Verschiedenes] +tai alle läüia.Haare, Leberflecken Pickel, Sommer- svrosf. usw. entf. u. Gar. L immer Fran B. Gulden Sprechst.Freitag Reichsarbeitsminister. Sie ist so festzusetzen, daß sie zur Deckung der Betriebskosten und der Kosten für notwendige Jnstandsetzungsarbeiten ausreicht und eine angemessene Verzinsung des Fremd- und Eiqenkapitals ermöglicht. In Artikel 2 werden die Bestimmungen des Gesetzes über den Geldentwertungsausgleich bei bebauten Grundstücken und die darauf beruhenden landesrechtlichen Anordnungen mit Wirkung vom 1 Mai 1936 außer Kraft gesetzt, soweit sie die Bildung des Mietzinses betreffen. Ebenso treten die auf Grund der Bestimmungen über Preisüberwachung erlassenen Anordnungen über die Regelung der Mietzinsbildung außer Kraft. Nach Artikel 3 kann der Reichsarbeltsmmlster bestimmen, daß in einer Gemeinde die Umwandlung von Wohnungen in Räume anderer Art. z. B. in 'Fabrikräume, Lagerräume, Werkstätten, Dienst- räume oder Geschäftsräume der Genehmigung der Gemeinde bedarf. Die Genehmigung kann davon abhängig gemacht werden, daß für den beanspruch- MELDET GASTPLÄTZE ' BEI AUEN NSTLIEDERMENI Eintagsküken arnerik. Leghorn vonIaLeistungs- zucht abzugeben. Käs, Bergwerk, Unterbot, oisea AMAnier Gießen. 24ooD Freit., 24. Avr. 20-22.30 Uhr 27. Freitag °IAb. Preise von 1.20-5 RM. Tiefland. Over von Eugen d'Albert. Munk. 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Viele hundert Nothelfer sind hier vorwiegend zum Freimachen von Hauptausfallstraßen, Wiederinfahrtbringen steckengebliebener Lastzüge auf den Hauptverkehrsstraßen, zum Freimachen von Weichen, zum Wie- deraufrichten und Auswechseln zerstörter Leitungsmaste der Ueberlandleitungen und zur Wiederherstellung von Telephonverbindungen eingesetzt. Schwerer Unfall in einer Glasbläserei. In dem heimindustriebetrieb des Glasbläsers Werner Fenn in Neustadt am Rennsteig explodierte ein Gasolinbehälter, der das Geblase speiste. Der Besitzer Fenn und der 15jährige Helm. A m m, der der' Arbeit des Glasbläsers zusah, erlitten schwere Brandwunden, an deren Folgen sie im Krankenhaus gestorben sind. Die Leichen der verunglückten englischen Schüler in London. Die Leichen der fünf im Schwarzwald ums Leben gekommenen englischen Schüler trafen am Mittwoch in London ein, wo sie von ihren schmerz- gebeugten Eltern sowie von Vertretern der Stadt London und der städtischen Schulbehörden in Empfang genommen wurden. Auch die Schulkameraden der Verunglückten hatten sich emgefunden. Kunst und Wissenschaft 1000 Reichsmark für eine Novelle. Den Novellenpreis des Jahre 1935 in höhe von 1000 Mark haben die Leser von Velhagen Klasings Monatsheften der jungen ostpreußischen Dichterin Ruth K r i st e k a t zuerkannt, die hier ihre Erstlingsarbeit „E n d e e i n e s S o m- m e r s" veröffentlichen konnte. denW 3um Reichsor der feierlic berufswett! berufss leicht schor werden joL Welt" erha lieget des J Wt „zu d- gebilbet we « gleid Methoden bi Ein groß i°ngreichen wirb. Die AusbiLunl enben. Da Lnstungsf xuppe ih Stativ bis bringen u befähigt, l erreichbare °uch die ^rfchwindi eben, mer bei allen g Die Reil Erstm fe i|t n, hattet ltn J^Nertit O «S Wetterbericht des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. Die Ueberflutung des europäischen Festlandes mit polarer Kaltluft hat rasch Fortschritte gemacht. Da vor allem wieder in der höhe große Kalte ein« getreten ist, bestehen die Niederschlage im Gebirge durchweg aus Schnee und haben besonders im 211» penqebiet sehr starke Ausmaße angenommen zunächst kommen wir stärker unter den Einfluß des zur Zeit über Frankreich liegenden hochdruckgebte» tes, doch bringt vom Atlantik her bereits ein neuer Wirbel vor. Aussichten für Freitag: Nach heiterer und recht kalter Nacht neue Bewölkungszunahme, doch im wesentlichen noch freundlich und trocken, tagsüber wieder wärmer, abflauende Winde. Aussichten für Samstag: Kein bestän« diges, aber im wesentlichen freundlicheres und wärmeres Wetter als bisher. Lufttemperaturen am 22. April: mittags 7,7 Grad Celsius, abends 4 Grad: am 23. April: morgens 2,8 Grad. Maximum 7,8 Grad, Minimum heute nacht 1 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 22. April: abends 7,1 Grad; am 23. April: morgens 4,9 Grad Celsius. — Niederschläge 0,6 mm. . 0 Krofdorf-Gleiberg, 22. April Der langgehegte Wunsch der Mehrheit unserer Dorfbevölkerung, ein eigenes Schwimmbad zu besitzen, geht nunmehr in Erfüllung. Träger des Unternehmens ist die Gemeinde. Nach reiflicher Ueber- legung wird ein von dem hiesigen Architekten Haas ausgearbeiteter Plan dem Bau zu Grunde gelegt. Die Auswahl des Platzes, einer großen, der Gemeinde gehörigen Bleichwiese am Fohnbach, einige hundert Meter von dem westlichen Dorfausgang der Straße nach Fellingshausen zu gelegen, ist als denkbar günstig zu bezeichnen: bequem erreichbar liegt die Stelle den ganzen Tag in der Sonne, mit einem reizenden Blick auf die Burgen Gleiberg und Vetzberg. Man hofft, durch Stauung des Fohnbaches genügend Wasser zur Verfügung und gtonien-BetWnw- linrffnfnr Men-GeseMlisl Dulltlu sucht vertrauenswürdigen Gutes Adressenmaterial vorhanden. — Schriftliche Angebote unter 01856 an den Gießener Anzeiger. zu haben. Die Größe des Beckens ist auf 38 Meter Länge und 16 Meter Breite vorgesehen. Als Baumaterial soll Eisenbeton verwendet werden. Die Bauausführung und die gesamte Einrichtung der Badeanlage gestaltet sich ihrem Zweck' entsprechend möglichst einfach. Seit einigen Tagen sind die Arbeiten, die dem Baugeschäft K. Drescher von hier übertragen wurden, im Gange. Durch weniges Gefälle ist die Entleerung des Beckens etwas schwierig. Deshalb legt man zunächst parallel zum Bach von der Entleerungsstelle aus einen 230 Meter langen Kanal, für' dessen Ausrichtung zum Teil beträchtliche Ausschachtungen notwendig sind. Die Arbeiten werden so beschleunigt, daß noch zur kommenden Badesaison die Benutzung der Anlage in mit groß. Garten (zirka 1100 qm) im Schiffenberg. Weg zu verkauf. Näber. A. Becker Keplerstraße 9 Tel. 3804. LssaD mehreren, durch eine Kleinanzeige sagen Sie e§ allen! Peusch ihre dtesiahrtge Generalversammlung a . Direktor Mandler gedachte stoffenen Geschäftsjahr durch den Tod ausgeschie denen Mitglieder. Dann erstattete er den Wahres bericht der in allen Teilen eine günstige Entwtck luna der Kaffe erkennen ließ. Rechner Medebach erläuterte die Bilanz. Der Reingewinn betragt 1019,97 Mark und wird zum Teil dem Re erv fonds zugeführt, außerdem werden den Müglle dem mit Geschäftsguthaben 5 vH- Dividende zu geschrieben. Der Rechner gab darüber hinaus oer schiedene Zahlen bekannt, bte dte starke Swarts entwicklung der Genossenschaft erkennen ^hen. De^ Gesamtumsatz der Kasse betrug tm Jahre 1935 875 349 Mark. Die Spareinlagen K^gen gegenüber dem Jahre 1934 um rund 37 000 Mar! auf 252569 Mark. Nach der Genehmigung der Bilanz bur^ die Versammlung wurde dem Vorstand und bem Aufsichtsrat Entlastung erteilt. Reingewinns würbe in ber vom Vorstand vog sehenen Weise gutgeheißen. Ein turnusmäßig aus- cheidenbes Mitglied des Vorstandes.und zwei Mit glieder des Aufsichtsrates wurden emstlmmig miß dergewählt. Im weiteren Verlause, der lung wurde die bereits genehmigte Uniwandlung der Genossenschaft aus einer G- MU.H- tn etn Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht oorge nommen. Oberrevisor Berg- Wetzlar legte die Vorteile dieser Umwandlung dar und bezeichnete sie als zeitgemäß im Sinne natlonalsoziallst,scher Wirtschaftsführung. Er mahnte zu guter Zusammen arbeit und zur weiteren Steigerung der gesunden Grundlage der Kasse. Er wies besonders darauf hin, daß der bargeldlose Zahlungsverkehr m noch größerem Maße als bisher gepflegt werden müsse. Mit dem Gruß an den Führer wurde die Ver« AUeinsteb. ältere Dame sucht klein, sonnigettnniig (1-2 Zimm, mit Küche). Schrift!. 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März 1935". — (Scherl-Bilderdienst-M.) Aenderung des Reichsmietengesehes und des Michsmieterschuhgesehes. [Stellenangebote] Keine Zeugnisse in Urschrift wndern nur Zeugnts» abjchrtsten dem Bewerbungsschreiben beilegen i — Lichtbilder undBewerbungsunter- logen mühen zur Herrn eibung von Verlusten auf der Rück)eite Warnen und 'Anschrift des Bewerbers tragen! Jünger ordentl. Betiflüferin die in der Gar- dinen-u. Bettenbranche bewandert ist, per sofort gesucht. Schriftl. Angeb. unter 2584D an , den Gieß. Anz. Zwangsversteigerung. 37K34 Am Montag, dem 27. April 1936, vormittags 9 Ahr, werden im Amtsgerichtsgebäude in Gießen, Zimmer Nr. 221, die der Witwe des Frauenarztes Dr. med. Julius Mack, Bertie, geb. Delfosie, jetzigen Ingenieur Karl Hoffmann Ehefrau in Nürnberg zu- geschriebenen Grundstücke versteigert: 22840 Grundbuch für Gießen, Band 29, Blatt 1338: Flur IV, Nr. 1741/1O, Grabgarten am Kleinen Steinroeg, rechts, 3330 qm, Betrag der Schätzung .... 16650 RM. Flur IV, Nr. 175, hofreile daselbst (Gartenstrahe 10), 1169 qm, Betrag der Schätzung .... 46150 RM. Summa 62 800 RM. Einheitswert (1.1.1931) 63 400 RM. Gießen, den 6. März 1936. Für das Amtsgericht Gießen: Karle, Ortsgerichtsvorsteher. Mnelteiio sucht Heimarbeit jeder Art. Sckr. Angebote unter 01855 a.d.Gieß. Anzeiger erbet. Mündlich können Sie esnur wenigen sagen, schrifllich jttrrf AÄ L°E hie Lehrer- stQ fr* «T, br-ch-" * Darum. bient -st [je W J «w bat & KJ arbeit m der »eil r«M hinter ihr 1* Leben ist un- Leben zu Da liegt fü vor allem n rigkeit die gi dem Schuler eine Sat Stück des gestaltet wer denn in der der Blick st Desto wicht'! ten, dah au ertannt wiri der Unletrb mer wieder wird und I Bewährung Persönlichkl Bau: jede ( sie auf d und ihm! Bau. Ts Schülern m träger, miet wieviel Gla> ben Plan i diese Einzelh (Erlebnis de- erreichen uni finnig, wenn sie etwa mv nen lassen r Gebäude su auch falsch, lange Dist' des Führe scheinen zi nach ihm Es ist i alte Leid ersten lei Und eben] nach dem bei der A rn.Badezimmer, Bleiche und Gartenanteil in rub. Lage der Liebrg- straße per 1. Juli zu vermieten. Schriftl. Anfrag, unter 01858 a.o. Gießen. Anzeig. F-reundlich loisse möbl. 3immer preisw. z. verm. Lirber Str 83. Sprechstunden der Redaktion. 1130 bis 1230 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstagnach- mittag geschlossen. ________________________________ -auptschristleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertretenderchauptschristleiter: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder tn Ver- tretuna: Ernst Blumschein; für Feuilleton Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschem. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D.A. III. 36: 10270. Druck und Verlag: Brühl'sche Unwersttats- Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. I Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. Dosflci. 1 Pld „ - 2 * 1.40 . _ qm Gossenherstellung. Angebote sind, soweit Vorrat reicht, ab Donnerstag, den 23. d. 21L, nur vormittags, auf unserem Büro, Gießen, Hitlerwall 371, Z. 6, erhältlich, woselbst Bedingungen und Pläne einzusehen find. Angebote sind verschlossen mit der Aufschrift „Submission Lollar—Sichertshausen" bei uns bis zum Mittwoch, dem 6. Mai d. 3., oot> mittags 10 Uhr, portofrei einzureichen. Ein zweites Formular kann auf Wunsch gegen Zahlung von 1,50 RM. in bar abgegeben werden. Bei evtl. Zusendung per Post ist dieser Betrag im voraus einzusenden. 2574D Zuschlagsfrist 8 Tage. Provinzialdirektion Oberhessen. [ Kaufgesuche"| Gebrauchter IlgWiii gut erhalten, ca. 2 Meter breit, zu kaufen gesucht. Angeb.rn.Pr. an Maler, Darnrn- straße 37. 2s?sv Aacdläffevonzbts 20 v. S. erhalten Sie bei wiederholten Aus. nahmen einer Anzeige Verkäufe | Fwd. Im Reichsgesetzblatt wird nunmehr das angekündigte Gesetz über Mieten und Mieterschutz veröffentlicht. Danach können der Relchsarbeits- minifter und der Reichsjuftizminister zur Verhinderung ungerechtfertigter Mietzinssteigerungen das Reichsmietengefetz und das Mieterschutzgesetz, sonne die dazu erlassenen reichs- und landesrechtlichen Vorschriften ändern und dabei die bisherige Regelung vereinfachen und klarstellen. Die für die Geltung dieser Gesetze zur Zeit maßgebenden landesrechtlichen Mindestsätze der Friedensmiete sollen m Kraft bleiben, soweit nicht die besonderen Verhältnisse in einer Gemeinde eine Aenderung erfordern. Freigewordene und freiwerdende Räume, die nach den bisher geltenden Vorschriften im Falle einer Neuvermietung den Schutz des Reichsmietengesetzes und des Mieterschutzgesetzes verlieren wurden, behalten diesen Schutz. Soweit sie ihn infolge einer Neuvermietung bereits verloren haben, treten Die Vorschriften des Mieterschutzgesetzes alsbald, die m7-t?n^L-r"n'Krall'Eint Berufung auf I STK'S Lähnraum gSaffen, °der der gesetzliche Miete ist künftig nur ausgeschlossen, wenn Gemeinde em entsprechender Geldbetrag für diesen Mem Lchnn der Mietzeit ein W verstrichen Zweck S^erW ist. Die Festsetzung der gesetzlichen Miste regelt ber I Das Gesetz tritt sofort in Kraft Nr. 95 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Donnerstag, 23.April(9Z6 Betrachtungen zum Schulbeginn. Von Dr. Willi $r. Könitzer. Iahzehntelasg schon führt die Lehrerschaft einen unausgesetzten Kampf gegen die Meinung der Schüler, im ersten Halbjahr, das nun wieder mit dem neuen Schuljahr beginnt, komme es nicht so sehr auf die ernsthafte Bemühung an. Lange glauben die Schüler und oft nicht minder die Lehrer, das Ziel des neuen Schuljahres fei das Jahrespensum, ein in den Lehrplänen gedrucktes Klassenziel. Die Gestaltung seines Lebens, zu der die Schule den Schüler führen soll, die Bildung zum deutschen Menschen — das ist nicht ein in mehrere (acht oder dreizehn) Schuljahre zu gliedernder Borgang, das ist ein organisches Wachsen, das sich nicht künstlich durch Daten unterbrechen läßt. Darum kann die Arbeit der Schule niemals in erster Linie jenem festgesetzten Pensum gelten. Dieser Sinn ist vielmehr ein größerer und tieferer. Die Arbeit an sich kann ja überhaupt nie der Sinn des Daseins sein. Sie braucht stets ein Ziel, dem sie dient. Sie muß immer eine Erfüllung finden, sonst ist sie nicht wertvoller als auch das Vergnügen um des Vergnügens willen. Wenn sie aber ein Ziel hat, dann ist sie mehr als Arbeit, dann ist sie Werk, das geschaffen wird. Wie oft ist nicht die Arbeit in der Schule schon als Last, Zwang und Fron empfunden worden, und zwar eben deshalb, weil sie selbst als das Letzte galt, weil nichts mehr hinter ihr stand, zu dem sie führen sollte. Das Leben ist uns gegeben, daß wir wirken und unser Leben zu einem Werk gestalten. Da liegt für den Beginn eines neuen Schuljahres vor allem im Hinblick auf die genannte Schwierigkeit die größte Aufgabe für Lehrer und Eltern: dem Schüler klarzumachen, daß die Schule nicht eine Sache an sich ist, sondern ein Stück des Lebens, das wie das ganze Leben gestaltet werden will. Oft wird das nicht leicht sein, denn in der Alltagsarbeit muß notwendig bisweilen der Blick für das Große, Ganze verloren gehen. Desto wichtiger ist diese Aufgabe, darauf hinzuwirken, daß auch die Einzelheit als Stück des Ganzen erkannt wird. Fruchtbringend in diesem Sinn kann der Unterricht nur sein, wenn er immer und immer wieder auf das letzte, höchste Ziel bezogen wird und bezogen bleibt: Bildung des Menschen, Bewährung des Menschen in der Gemeinschaft als Persönlichkeit. So ist es im Unterricht wie bei einem Bau: jede Einzelheit hat nur Sinn und Zweck, wenn sie auf das Ganze bezogen ist, sich einfügt und ihm dient. Ein Schuljahr ist wie ein solcher Bau. Es wäre unsinnig, wollte der Lehrer den Schülern aufzählen, wieviel Steine, wieviel Eisenträger, wieviel Kubikmeter und Quadratmeter Holz, wieviel Glas für diesen Bau nötig seien, ohne ihnen den Plan des Baues zu zeigen. Verständnis für diese Einzelheiten werden die Schüler nur aus dem Erlebnis des Gesamtbildes dessen haben, was sie erreichen und schaffen sollen. Es wäre ebenso unsinnig, wenn er sie an die Arbeit heranführen und sie etwa mit dem Bau einer Seitenmauer beginnen lassen würde, ohne daß sie wissen, an welchem Gebäude sie überhaupt bauen. Natürlich wäre es auch falsch, wollte der Lehrer sich über das Ziel in lange Diskussionen mit ihnen einlassen. Aber Pflicht des Führenden ist es, das Ziel immer wieder erscheinen zu lassen, es zu zeigen und das Streben nach ihm zu wecken. Es ist wohl keine Frage, daß von hier aus das alte Leid einer gewissen Gleichgültigkeit im ersten Teil des Schuljahres behoben werden kann. Und ebenso leicht regelt sich nun auch die Frage nach dem Verhältnis von Lehrer und Schüler. Wer bei der Arbeit an einem Bau nur die Mauer Berufsausbildung in Lehrwerkstätten. 3um plan einer Reichsberussschule Reichsorganisationsleiter Dr. Ley hat anläßlich der feierlichen Eröffnung des diesjährigen Reichsberufswettkampfes den Plan einer Reichsberufsschule verkündet. Diese Schule, die vielleicht schon zum 1. Mai dieses Jahres eröffnet werden soll, wird „tue besten Lehrwerkstätten der Welt" erhalten, sie soll in jedem Jahre die Reichssieger des Reichsberufswettkampfes aufnehmen, die hier „zu den besten Arbeitern Deutschlands" ausgebildet werden sollen. In der Reichsberufsschule sollen gleichzeitig die „Arbeitsmethoden und die Methoden der Lehrlingsausbildung erprobt werden". Ein großartiger Plan, der die Krönung des umfangreichen neuen Berufsausbildungswerkes sein wird. Die Reichsberufsschule wird den Arbeitern der einzelnen Berufe die Möglichkeit geben, ihre Ausbildung bis zum höchstmöglichen Stand zu vollenden. Damit wird der einzelne das Höchstmaß an Leistungsfähigkeit erreichen, die gesamte Berufsgruppe ihren Leistungsstand qualitativ und quantitativ bis an die Grenze des Überhaupt Möglichen bringen und die Gemeinschaft aller Berufe wird befähigt, der Ration bei ihrem Aufbau das Höchsterreichbare zu geben. Damit werden gleichzeitig auch die „ungelernten Arbeiter" ganz von selbst verschwinden. Es wird nur noch „Facharbeiter" geben, wenn schon die Breite der Ausbildung nicht bei allen gleich zu sein braucht. Die Reichsberufsschule stellt etwas völlig Neues und Erstmaliges dar. Ihre wesentlichste Arbeitsform ist nach der Ankündigung von Dr. Ley die Lehrwerk st ätte. Lehrwerkstätten haben sich in den letzten Jahrzehnten eine ganze Anzahl von Jndustrieunternehmungen für ihre besonderen Zwecke aufgebaut. Schon hier zeigten sich die großen Vorteile dieser Ausbildungsart, obwohl der Wirkungskreis der Industrie-Lehrwerkstätten natur- notwendig beschränkt und die Zahl der Ausgebildeten begrenzt war und sich nicht über den Kreis der Werksangehörigen hinaus erstreckte. In der Reichsberufsfchule sollen jetzt zum erstenmal Muster- Lehrwerkstätten aller Berufe nebeneinander und miteinander arbeiten. Sie sollen die b est e n Formen des Lehrlingsausbildungswesens und der Arbeitsmethoden überhaupt entwickeln und weiterbilden. Sie werden damit — ähnlich wie die deutschen Hochschulen — neben dem reinen Lehrbetrieb gleichzeitig Forschungsstätte sein. Don ihnen aus wird das gesamte Lehr- und Aus- dildungswesen entscheidend beeinflußt und, wenn nötig, um- und neugestaltet werden. Die ersten Lehrwerkstätten entstanden vor und Jugeiro uno Hochschule kennt, die er aufführt, ohne das ganze Werk zu sehen, an dem er mitwirkt, der hat einen Aufseher neben sich nötig, da er in seiner Arbeit erlahmen wird. In der heuttgen Schule aber steht der Lehrer nicht mehr wie ein solcher Aufseher drohend neben dem Ziel, er steht vielmehr als Helfer neben dem Schüler. Er geht mit ihm. Er dient dem Ziel, und er dient damit dem Leben. Die Schule ist nicht mehr eine Welt neben einer anderen, ,on- dern gehört zum Dasein des Schülers und ist ein Stück seiner Erfüllung. Sie beweist das dadurch, daß sie an seinem Leben tätigen Anteil nimmt. Und zu welcher Zeit wäre das wohl besser möglich gewesen als jetzt, da in der HI. dem jungen deutschen Menschen die Aufgabe seines Lebens enthüllt und auch in der Schule ihm ein Werkzeug zu ihrer Erfüllung gegeben wird? Es waren bisher nicht die schlechtesten Schüler, die es sich gern im ersten Halbjahr bequem machten, weil sie genug Atem für einen rechten Endspurt mitbrachten. Und es waren leider oft die weniger wertvollen Menschen, die Strebertypen, die gern durch anfänglichen Fleiß oder gar Ueberfleiß auffallen mochten. Aber nun wird auch darin eine Wandlung eintreten können: das Wachstum der Klaffe ist nur als Wachstum der Gesamtheit möglich und echt. Wer sich als Streber im Eifer, möglichst viel einzelnes zu erwerben, ausschließt, begreift niemals das große Ziel, zu dem alle sich entwickeln, und schließt sich damit aus der Klassengemeinschaft aus. So wird am Anfang des Schuljahres eine g e - fchlossene Gemeinschaft stehen, die ihren Weg gehen wird, weil sie das Ziel kennt und bere^ ist, ihre Aufgabe zu erfüllen. Einzelwissen läßt sich wohl erjagen, aber ein Werk, das man aufbaut, muß wachsen. Und die Schule dient diesem Werk. Wie der Hauptschulungsleiter Pg. Dr. Wagner ausführte, wurde das Seminar der DA F. an der Deutschen Hochschule für Politik errichtet, damit die aus den Reihen der Walter der DAF. Heranwachsende Führerschicht eine wissenschaftliche und politische Unterbauung ihrer bisherigen Berufspraxis erhält. Teilnehmer kann nur werden, wer der DAF. anaehört, und wer mit Erfolg einen Gau-Schulungskursus oder eine Reichs- bzw. Landesführerschule besuchte. Immer wird ein bestimmtes Maß geistiger Reife sowie unbedingte nationalsozialistische Charakterstärke der Teilnehmer verlangt. Das Seminar hat einen in sich geschlossenen Lehrplan. Von durchgehenden Vorlesungsreihen etwa über mehrere Semester ist abgesehen. Im Mittelpunkt stehen Themen aus der Sozial- und Wirtschaftspolitik. Natürlich nimmt auch die Behandlung von weltanschaulichen, rassischen und bevölkerungspolitischen Fragen einen breiten Raum ein. Die Vorlesungen finden an zwei Abenden der Woche statt. Mittwochs werden außerdem Hebungen und Arbeitsgemeinschaften abgehalten. Daneben läuft noch eine Reihe von Sondervorträgen aus den Gebieten der Ostpolitik, der Wehrmacht, der Weltpolitik ufw. Der Besuch des Seminars sichert den Teilnehmern keinerlei berufliche Berechtigung. Das Ziel ist ja nicht, die in das Seminar aufgenommenen Männer ihrem Beruf zu entfremden, sondern sie so weit politisch vorzubilden, daß sie als Prediger des Nationalsozialismus in den Betrieben wirken und aus einer gründlichen Kenntnis aller Probleme jedem Kameraden die richtige Auskunft auf die vielfältigen Fragen der Weltanschauung, der Wirtschafts- und Sozialpolitik geben kön- Studentinnen arbeiten für „tlrlaubssrauen". Von der Universität Heidelberg wurde eine ausgewählte Anzahl von Studentinnen in Betriebe der umliegenden Städte Mannheim, Schwetzingen, Hockenheim eingesetzt, um für zwei oder drei Wochen einer Arbeiterin dieses Betriebes einen bezahlten Urlaub zu ermöglichen. Die Studentinnen arbeiten ohne jede Entschädigung und ohne dabei irgendwelche Bevorzung zu genießen. Da es sich meist um Akkordarbeit handelt, die an ungelernte Kräfte besonders hohe Anforderungen stellt, ist dieser freiwillige Einsatz doppelt hoch zu werten. Nachstehend bringen wir den Bericht einer stud. rer. pol., die in einer Dynamofabrik auf drei Wochen eingesetzt war. Dienstag ... Der Vertreter der DAF. und die Führerin der Heidelberger Studentinnen sind heute früh mit mir hinausgefahren zu meiner Arbeitsstätte. An der Straße nach Neckarau liegen zu beiden Seiten unzählige große und kleine Betriebe, ich bin gespannt, wo wir landen werden. Ein unscheinbares Gebäude, eine Fahrrad-Dynamofabrik, das ist unser Ziel. Der Betriebsführer empfängt uns, er ist einer von den wenigen, die sich für unseren „Versuch" einsetzen. Ein bißchen rücksichtsvoll sprechen die Herren von „nach Möglichkeit einarbeiten", ich fühle, sie sind mißtrauisch, ob es mir als Studentin, die nach ihrer Meinung zeitlebens nur mit Büchern zu tun hat, gelingen würde, eine jahrelang geübte Arbeiterin des Betriebes zu einem wesentlichen Teil zu ersetzen. Dann wird die Arbeiterin gerufen, die ich nen. Indem aber das Seminar der DAF. der Deutschen Hochschule für Politik angeschlossen ist, eröffnen sich dem Teilnehmer dennoch große Möglichkeiten. Der Teilnehmer hat das Recht, in der Akademischen Abteilung der Hochschule Vorlesungen zu hören und sich so eine umfassende Bildung zu sichern. Zunächst werden die Männer, die das Seminar der DAF. mit Erfolg, d. h. nach Ablegung einer Prüfung, besucht haben, 14 Tage auf eine Landesführerschule geschickt, wo sie in gemeinsamer Arbeit die erworbenen Kenntnisse festigen. Darüber hinaus wird dann die „eiserne Schulungsgarde" immer wieder im Abstand von sechs Wochen zusammengefaßt und in Vorträgen erster Männer der Wirtschaft, Weltanschauung und der Politik lausend weiter geschult. Die Eingliederung des Seminars der DAF. in die Hochschule für Politik ist jedoch aus einem anderen Grunde noch von wesentlicher Bedeutung. Wer nämlich die Abschlußprüfung der Seminaristischen Abteilung bestanden hat, erwirbt sich das Recht, als ordentlicher Studierender in die Akademische Abtei- lung ausgenommen zu werden. Hier kann er das Hochschuldiplom erwerben. Es ist also jetzt nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch möglich, daß ein Arbeiter über das Seminar der DAF. zu einem modernen Hochschulstudium gelangt. Es ist durchaus denkbar, daß auch anderen Hochschulen solche Seminare der DAF. angeschlossen werden. Wenn von hier aus eine Erneuerung der Hochschule aus dem Geiste des deutschen Arbeitertums angebahnt und einmal erreicht wird, haben die Seminare der DAF. über ihre unmittelbare Bestimmung hinausgehend einen wesentlichen Beitrag allgemein volkskultureller Art zur geistigen Erneuerung der Nation geleistet. vertreten soll. Ich glaube, ich werde nie vergessen, wie diese Frau — Mutter von sieben Kindern, der Mann erwerbslos zu Hause — auf mich zuging und mir die Hand schüttelte. Ich habe noch selten ein so ehrlich-glückliches Leuchten in einem ^erarbeiteten, von Sorgen verkümmerten Gesicht gesehen. Es ist ihr beinahe unfaßbar, einmal ganze vier Wochen ausspannen zu können, daheim bei den Kindern einmal richtig Mutter zu sein, den ganzen Tag. Ohne weitere Umstände habe ich bann meine Schürze aus der Mappe geholt. Wir gingen zum Arbeitsplatz, und ich ließ mir meine Verrichtung zeigen. Es find in vorgebohrte Dynamohalter Gewinde zu schneiden und dann die Halter aus ihren zwei Teilen zusammenzuschrauben. An und für sich erschien mir das nicht besonders schwer, aber ich bemerkte doch, daß hier Schnelligkeit und Fingerfertigkeit vor allem nötig waren. Mittwoch. Früh um 3/<7 beginnt die Arbeit. Da ich gerade am anderen Ende der Stadt wohne, muß ich über eine halbe Stunde mit dem Rad fahren und deshalb schon gleich nach fünf Uhr ausstehen. Es ist für mich etwas Neues, ich bin richtig stolz darauf, morgens in der langen Kolonne der Arbeiter mitzufahren. Punkt 3/4? Uhr sausen die Motoren an, fangen die Treibriemen an zu knallen. Jeder steht an seinem Platz, Hand arbeitet in Hand. Während wir hier oben noch Halter verschrauben, geht unten Kiste um Kiste mit Fahrradlampen und Dynamo zur Bahn. In der Pause sah ich mir einmal die Aufschriften der Kisten an. Außer Australien sind alle Erdteile vertreten. Unser Vorarbeiter ist ehrgeizig, er mochte, daß wir für alle Fälle immer einen tüchtigen Vorrat für die Stanzerei übrig haben. Er hat sicher befühlet, daß meine Kräfte nicht ausreichen, um die übliche Menge fertigzustellen. Aber ich habe mich doppelt angestrengt und eine Kiste mit Vorrat unter Packpapier versteckt, die er erst kurz vor Arbeitsschluß sah. Ich hatte mich so auf ein Lob gefreut, aber er ist wirklich sehr sparsam damit. Um so mehr haben mich meine Kolleginnen gelobt; sie sind auch sonst sehr nett zu mir. Die Zeit des Anstaunens, vor der ich am meisten Angst gehabt habe, ist schnell vorbeigegangen, ich bin Kameradin unter Kameradinnen. Ueberhaupt ist die Zusammenarbeit so reibungslos, wie ich es mir in einem guten Betrieb immer vorgestellt habe. Jeder einzelne weiß, daß von feiner Mitarbeit die Gesamtleistung des Betriebes abhängt. Pflichtgefühl und Verantwortungsbewußtsein spornen eher zur Arbeit an, als ein mahnender Vorarbeiter. Meine Arbeit macht mir Freude, der Arbeitsplatz ist hell und sauber. Zwischen neun und zehn Uhr scheint die Sonne durch das Glasdach gerade auf meine Bohrmaschine. Die Späne, die ich bohre, blitzen wie edles Metall, feine Eisenftäubchen schießen durch die Luft und glitzern wie Wasserttopf- chen im Gegenlicht. Wenn die Sonne dann über meinen Platz weitergewandert ist, läutet es zur halbstündigen Mittaaspause. Thermosflaschen klappern, Papiere mit Brot, Tüten mit Obst rascheln, eine gemütliche Rühe herrscht nach dem Sausen und Brummen der Maschinen. Wenn unten im Keller der große Stanzer wieder brummt, ist unsere halbe Stunde vorüber, und die Arbeit geht weiter bis vier Uhr. Dann ist es ein eigenartiges Gefühl, wenn man zuhört, wie die Maschinen langsam auslaufen, wenn das letzte Hundert eingepackt wird, ein Besen über den Tisch fegt und alle die Eisen- stäubchen des Tages, die als unscheinbare schwarze Körner Herumliegen, mitnimmt. Eine halbe Stunde später liegt der Betrieb wie ausgestorben. Samstag ... Samstag — Wochenende. Heute geht die Arbeit nur bis ein Uhr. Den freien Nachmittag wollen wir Hochschule und DAF. schaffen gemeinsam. Das Seminar der Deutschen Arbeitsfront an der Deutschen Hochschule fürpolitik. besonders auch während des Weltkrieges, als die Notwendigkeit besonders stark in Erscheinung trat, einen hochwertigen Handwerker- und Facharbeiternachwuchs heranzuziehen. Es wurden, meist auch räumlich abgetrennt vom Produktionsbetrieb, Werkstätten eingerichtet, die mit allen für die Berufsgruppe notwendigen Maschinen und Einrichtungen ausgerüstet waren. Derartige Lehrbetriebe stehen unter der Leitung erfahrener Handwerksmeister, die besonders in der Unterrichtung und Führung junger Menschen befähigt sind. Die Lehrlinge werden meist in Abteilungen, die unter Leitung eines Lehrmeisters stehen, eingeteilt und rücken nach bestimmten Zeiten, im allgemeinen halbjährlich, in die nächsthöhere Stufe auf. Im ersten Lehrhalbjahr werden sie mit den Grundlagen der Bearbeitungsmethoden vertraut gemacht, sie lernen die Werkstoffe, Werkzeuge und einzelnen Werkzeugmaschinen kennen. Wert wird in dieser ersten Zeit besonders auf peinlich genaue und saubere Ausführung gelegt, die Arbeit muß gegebenenfalls so oft wiederholt werden, bis sie in jeder Weise einwandfrei ist. Es wird selbstverständlich darauf geachtet, daß die Anforderungen nicht überspannt werden, besonders wird zu dieser Zeit noch nicht auf die Einhaltung einer bestimmten Arbeitszeit gedrungen. In den folgenden Lehrhalb- jabren steigt der Lehrling auf zu schwierigeren Arbeitsmethoden, zur Kenntnis verwickelterer Arbeitsvorgänge und Maschinen. Nach einem, meist erst nach zwei in der Lehrwerkstatt verbrachten Jahren wird dann der junge Berufstätige in d i e Obhut des Meisters einer Produktionswerkstätte gegeben. Nachdem er die Grundlagen seines Handwerks erlernt hat, wird er also nun vor die Forderungen und Notwendigkeiten des praktischen Wirtschaftslebens gestellt. Nicht mehr wird er mit Arbeiten beauftragt, die nur zu dem Zweck erdacht waren, ihn zu schulen. Hier wird er in den Ablauf des Produktionsprozesses gestellt, muß die Tätigkeiten verrichten, die sich aus ihm ergeben, muß sich dem Tempo des Arbeitsganges anpassen. Es ist also dafür gesorgt, daß der Lehrling die notwendige Fühlung mit der Praxis des Berufes bekommt, daß er möglichst vielseitig unterrichtet wird und den Rhythmus des tätigen Arbeitslebens in sich aufnimmt. — Nachdem der Lehrling mehrere Werkabteilungen durchlaufen bat und dadurch einen Ueberblick über den gesamten Betrieb erhalten hat, kommt er für den Rest feiner Lehrzeit, während der er das Gesellenstück anfertigt, zweckmäßigerweise in die Lehrwerkstatt zurück. Neben den Lehrwerkstätten haben größere Betriebe diesen noch eine W e r k s ch u l e angegliedert, die ähnlich wie die öffentliche Berufsschule auf- gebaut ist und die Lehrlinge meist vom Besuch der Pflichtschule befreit. — Wie der Name der Reichs- Berufs-Schule vermuten läßt, wird ihr ebenfalls neben den Lehrwerkstätten ein Unterrichtsbetrieb angegliedert, der der theoretischen Unterrichtung dient, der Hebung im technischen Zeichnen und selbstverständlich auch der weltanschaulichen, politischen und sozialrechtlichen Schulung. Durch die Errichtung der Reichsberufsschule wird die gesamte Jugendarbeit entscheidend beeinflußt. Die Entwicklungslinie, die mit der von der Hitler- Jugend und der Deutschen Arbeitsfront durchgeführten zusätzlichen Berufsschulung, den wirtschafts- kundlichen Fahrten und — nicht zuletzt — mit dem Reichsberufswettkampf bisher verfolgt wurde, wird hier fortgeführt und zu einem Höhepunkt gebracht. Das gesamte Berufsausbildungswesen wird durch diese Tat eine völlig neue Ausrichtung erfahren, die Ausrichtung auf den nationalsozialistischen Staat und seine Forderungen. Aus der Sphäre privater Initiative und privater Jnter- essenverfolgung wivd der Gedanke der Lehrwerkstattausbildung hinausgehoben und der gesamten berufstätigen Jugend und damit dem Staats nutzbar gemacht. Jedem Jugendlichen soll die Möglichkeit zur Berufsausbildung, Berufsausübung und restlosen Vervollkommnung gegeben werden. Damit werden die schweren Unterlassungssünden einer vergangenen Zeit wieder gut gemacht, die wertvolle Jugend auf den Straßern herumstehen ließ. Jeder soll eingesetzt werden und jeder soll an der richtigen Stelle eingesetzt werden. Denn jeder einzelne wird gebraucht, damit die Gemeinschaft die gewaltigen Aufgaben bewältigen kann, die der Führer gestellt hat. Karl Kempkens. Student in WA. Aus einem Brief von „drüben". Von 1933 bis Juli 1935 besuchte ich die „Univer- sity of Illinois“ in Urbana. Urbana ist eine kleine Stadt, 250 Kilometer von Chikago entfernt. Sie wird hauptsächlich von Professoren und Studierenden be- wohnt. Das Leben gleicht hier fast dem in deutschen Universitätsstädten, — allerdings fehlt jede Romantik. Der riesige Häuserblock der Universität umfaßt 30 Gebäude, die in typisch amerikanischem Stil aufgeführt sind. Auch die übrige Stadt trägt in ihrer Bauweise den Stempel der nordamerikanischen Großstädte. Nur Parkanlagen und Sportplätze, die vorwiegend die Gegend rings um die Universität beherrschen, lassen vermuten, daß diese Stadt vom nervenzermürbenden Hasten des weltstädtischen „Busineß" verschont bleibt. Ich verbrachte hier eine schöne Zeit. Es ist doch etwas ganz anderes, mit den Mttstudierenden zusammen zu wohnen und in enger Gemeinschaft zu leben, als in einer Großstadt ins „College“ zu gehen. Hier kommt man nur für die kurze Zeit der Vorlesungen zusammen, dann zerstreut sich die ganze Studentenschaft nach allen Himmelsrichtungen. Obendrein verliert man auch unendlich viel Zeit, die man auf der Straßen- oder Hochbahn verbringen muß. Hier in Urbana werden dagegen die Stunden des Tages rationell eingeteilt. Die Zeit von morgens 8 Uhr bis 17 Uhr wird von den Vorlesungen und Arbeiten im Laboratorium ausgefüllt. Mein Studienfach war in erster Linie Chemie, dazu noch einige allgemeine Gebiete, die ich zum „Chemical Engeneer“ brauchte. Nebenbei nahm ich noch Bakteriologie, Oekonomie und ähnliche in meinen Berus einschlägige Fächer. Außer den Vorlesungsbesuchen hatten wir immer viel im Labor zu tun. Dies nahm auch abends noch ein bis zwei Stunden in Anspruch. Dann aber konnten wir über unsere Zeit frei verfügen und unserem Privatvergnügen nachgehen, was der amerikanische Student besonders schätzt. Zu jedem Mittwochabend Der» sammelt sich z. B. die gesamte Universitätsbesucherschaft, und die Kapelle der „U.of I.“ gibt ein „Bandkonzert" im Freien. Vor sechs Wochen bekam ich mein Diplom als „Chemical Engeneer“. Die Studentenzeit ist also vorbei; sie war zwar schon, aber auch schwer, denn die finanziellen Verhältnisse sind hier nicht so glänzend. Man braucht für Studium und Lebensunterhalt jährlich ungefähr 600 Dollar. Glücklicherweise bekam ich an der Universität Arbeit im Labor und verdiente dadurch in der Woche 10 Dollar. Dazu kam noch die Entschädigung für das „Military Training“, im Jahr 100 Dollar. Das „Military Training“ der studierenden Jugend muß jeder Besucher der Universität mitmachen, denn die Wehrausbildung ist Unterrichtsfach in den höheren Klaffen der „Highschool“ (Mittelschule) und an der Universität. Nach Absolvierung von vier Jahren „Military Training“ bekommt man ein Patent als Leutnant der Reserve. Die freiwillige militärische Schulung muß von den Ausbildungslagern, zur Hauptsache also von den höheren Schulen, übernommen werden. Nach Beendigung des Studiums ist Gelegenheit geboten, alle zwei bis drei Jahre in „Reserve-Officers-Camps“ die erworbenen Kenntnisse aufzuftischen. Es ist sehr schwer, Arbeit zu finden, obwohl sich die Verhältnisse etwas gebessert haben. Die Firmen werden so bestürmt, daß wenig Aussicht vorhanden ist, unter den vielen Bewerbern genommen zu werden. Die Vereinigten Staaten haben jährlich 100 000 „College Graduates“ (Jungakademiker). Ich hoffe aber, daß ich mich trotzdem durchsetzen kann. d) tiger Beleg- Wirtschaft Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. Sranffun a. UL Berlin Benin g-ranilun a. JÜL Datum 21-4. 6 140,25 ,1 116 I. 115,5 1 116,25 I 1 141,5 J 141 ^5 | - | 115,25 114,75 Banknoten. I 29,5 i 29,5 I 93,75 94 A -I 1991 6% abfleit. Goldmertkaner von 99 13,4 i 4% Türkische Bagdadbahn-Anlethe Ccrte I •»♦,»•♦♦••«•»•»••»•4 ft 1 118,25 114,75 165 112 129,25 124 230 86,5 22,3 129,25 128,5 138,5 230,5 123 86,25 21,5 128,13 128,5 189 165,5 231 112 129,4 124,5 140,75 128,5 230 123,9 86,5 21,65 129 128,75 190 139 128,9 230.25 123,4 86,25 21,5 128 127 189 106 50,13 85,5 128,25 91,75 131,25 105,4 171 81 36,9 353,5 184,75 180 29,9 200 50 85,13 128,25 91,5 105,5 170,75 37,25 352,75 185 179 106,13 50,75 84,5 128,5 91,9 132,25 104,13 170,9 80,75 37 353 191,75 100,75 | 97,3 102,75 111,5 100,1 98,25 96,5 101 92,25 120,5 114,75 96,5 101,13 101,13 97 97 108,8 101,65 97 97 108,9 50 83 129,75 91,75 104 170,75 37 352 192,5 180 30,75 200 1 alt 36 165,5 111,5 128,65 124,5 erarbeiten und haben auch bald wieder eine Kiste Vorrad. Es wäre schön, wenn wir der Frau, wenn sie aus ihrem Urlaub wiederkommt, einige Kisten Vorrat. Es wäre schön, wenn wir der Frau, wenn sicht wird nichts, denn der Vorarbeiter, der die Aufsicht über die Halle führt, hat sie uns gleich weggenommen. Ich habe mich jetzt schon völlig eingearbeitet, dafür sind meine Fingerspitzen ganz zerschunden vom Schraueneindrehen, und mein Rücken schmerzt vom dauernden Antreiben der Bohrmaschine. Der Sonntag wird für mich ein richtiger Ausruhetag. Allmählich habe ich die ganze Belegschaft tennengelernt, mit meinen Kolleginnen spreche ich über alles mögliche, über Schnittmuster für ein Sommerkleid, über Bestimmungen des Frauenarbeitsrechts, über die DAF., über Möglichkeiten 4% Ungarische Goldrente ....... 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 4J4% Deofll. von 1913.......... 6% abfleit. Goldmertkaner von 99 der Verbesserung und Verschönerung des Betriebes, über Ausflugspläne. Dieses Vertrauen macht mich besonders froh, und ich habe erkannt, daß gerade hier die besondere Aufgabe der Studentin in den Betrieben liegt. Die Aussprache von Mensch zu Mensch ist viel wertvoller als schulmeisterliche Vorträge und Erziehungsversuche. Eine Woche Arbeit habe ich nun hinter mir, eine Woche ungewohnter Anstrengung. Aber dafür das Bewußtsein, durch meinen Einsatz ein Doppeltes bewirkt zu haben: die Freude einer berufstätigen Mutter über ihre Freizeit und die Ueber- zeugung meiner Kameradinnen, daß unser Wort vom Sozialismus der Tat nicht Phrase, sondern ehrliche Wahrheit ist. Tengistan. Er hielt Südpersien in Atem. Im Frühjahr 1915 erhoben sich die Perser zum erstenmal gegen die britische Vorherrschaft in dieser Land- chast. Es kam zu regelrechten Kämpfen, die Engländer wagten es nicht, ihre indischen Truppen aus der Gegend von Buschir und Schiras zurückzuziehen, und so konnte Marschall von derGoltz- Pascha die englisch-indische Armee bei K u t e l - A m a r a gefangen nehmen. Die Engländer wußten, daß hinter allen diesen Ereignissen der Konsul W a ß m u ß stand. Sie verfügten über Mittel genug, feinen Einfluß zu schmälern und versuchten es immer wieder. Waßmuß hatte nichts für. sich als das Vertrauen, das die Scheichs dieser Gegend einen Versprechungen schenkten. Lawrence in Arabien hatte immerhin 200 Millionen Mark in Gold zur Verfügung, um die ewig geldgierigen Stammesführer an sich zu fesseln. Es kamen genug chwere Tage über Waßmuß und seine wenigen Männer. Aber 1918 erhoben sich die Stämme noch einmal gegen England. Niedermayer schreib! über den Kameraden abschließend: „Mit ihm hat ich der feindliche Nachrichtendienst und die feind- Wochen alt 23 bis 27 Mark, 8 bis 10 Wochen 27 bis 31 Mark, 10 bis 12 Wochen alt 31 bis Mark. Marktverlauf: schleppend. Erweiterung der synthetischen Treibstoffherstellung. 4% Oesterreichksche Goldrente... 4,20% Oesterreichische SUberrenke ManSselder Bergbau .. Kokswerke ........... Rheinische Braunkohlen Rheinstabl ........... Bereinigte Stahlwerke. Otavi Minen ........ Kaliwerke Aschersleben. Kaliwerke Westeregeln. Kaliwerke Salzdetfurth 1,6 8,3 8,25 8,4 13,65 ft. 1,65 8,35 8,4 13,6 18 . 4 . 0 . 0 5 . 5 Wi Der deutsche Außenhandel im März. Fwd. Die Einfuhr betrug im März 355 Mill. Mark. Gegenüber dem Vormonat ist sie damit um 21 Millionen Mark, d.h. 6,4 v. H., gestiegen. Dem Volumen nach war die Zunahme noch etwas stärker, da die Durchschnittswerte, insbesondere irt der Einfuhr von Nahrungs- und Genußmitteln, etwas gesunken sind. Die Steigerung der Einfuhr im März ist z. T. wohl saisonmäßig zu erklären. Sie entfällt überwiegend auf die Ernährunaswirtschaft. Innerhalb dieser Hauptgruppe ist die Einfuhr von Nahrungs-, Genuß- und Futtermitteln pflanzlichen Ursprungs um rund 10 Millionen Mark gestiegen. Zugenommen hat hier insbesondere der Bezug von Oelfrüchten und Oelsaaten. Aber auch die Einfuhr von lebenden Tieren und Erzeugnissen tierischen Ursprungs hat gegenüber dem Vormonat eine verhältnismäßig beträchtliche Steigerung erfahren. Im Bereich der gewerblichen Wirtschaft betrug die Zunahme 3 Millionen Mark. Gestiegen ist der Bezug von Rohstoffen und von Fertigwaren. Die Einfuhr von Halbwaren ist dagegen leicht gesunken. Die Ausfuhr hat von 374 Millionen Mark im Februar auf 379 Mill. Mark zugenommen. Diese Steigerung beruht im wesentlichen auf einer Zunahme der Ausfuhrmengen. Die Ausfuhrdurch- fchnittswerte waren gegenüber Februar kaum verändert. Die Zunahme, die ausschließlich jahreszeitlich bedingt ist, bleibt nicht unbeträchtlich hinter den Steigerungen in den vergangenen Jahren zurück. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, daß der jahreszeitliche Rückschlag in den Monaten Januar und Februar, gemessen an der Entwicklung in früheren Jahren gering war. Die Ausfuhr liegt sowohl mengen- als auch wertmäßig über dem Märzergebnis 1935. Von einer leichten Erhöhung in der Gruppe „Ernährungswirtschaft" abgesehen, entfällt die Steigerung im wesentlichen auf die Gruppe „Fertigwaren". Die Ausfuhr von Rohstoffen hat auch im März wieder leicht abgenommen. Die Handelsbilanz schließt im März mit einem Ausfuhrüberschuß von 24 Millionen Mark, gegenüber 40 Millionen Mark im Februar ab. Für die ersten drei Monate dieses Jahres ergibt sich damit eine Aktivität von 82 Millionen Mark, während der Außenhandel im ersten Vierteljahr 1935 noch mit einem Einfuhrüberschuß von 150 Millionen Mark abschloß. Gchweinemarki in Gießen. Auf dem gestrigen Schweinemarkt in Gießen standen 217 Ferkel zum Verkauf. Es kosteten Fer- !kel 5 bis 6 Wochen alt 20 bis 23 Mark, 6 bis 8 Fwd. Die Wintershall-AG. ist im Begriff, die Herstellung synthetischen Treibstoffes zu erweitern. Sie hat sich in Mitteldeutschland den Bezug von Rohbraunkohle von den Bergwerken der Anhalti- schen Kohlenwerke in Halle gesichert. Dabei ist sie von der Ueberzeugung ausgegangen, daß es vorteilhafter ist, einen weniger wertvollen Brennstoff zur Grundlage der Treibstofffynthefe zu nehmen, als den an und für sich hochwertigen und bereits aus einem Veredelungsoerfahren hervorgegangenen Steinkohlenkoks. Ein einfaches Verfahren zur unmittelbaren Vergasung von Rohbraunkohle ist in langjähriger Arbeit von der Wintershall-AG. hierzu bereits entwickelt worden. Dieses Braunkohlengas wird nach dem Verfahren von Fifcher-Tropfch bei der Mitteldeutschen Treibstoff- und Oelwerke - AG. mit dem Sitz in Kassel verarbeitet werden. Diese Gesellschaft ist zunächst mit einem Grundkapital von 500 000 RM. in Kassel gegründet worden. Mit dem Baubeginn der neuen Vergasungsanlage ist schon in nächster Zeit zu rechnen. Der Grunderwerb hierzu ist bereits getätigt. Nbein-Mainische Börse. rMttagsbörse uneinheitlich. Frankfurt a. M., 22. April. Da der Ordereingang aus dem Publikum im Vergleich zu den Vortagen wesentlich kleiner war, begann die Börse mit sehr ruhigem Geschäft und in nicht ganz einheitlicher Tendenz. Auf Grund der wieder vorliegenden vorteilhaften Wirtfchaftsnachrichten blieb die Grundtendenz aber fest. Nach den ersten Notierungen bahnte sich bei leichter Geschäftszunahme eine meist festere Tendenz an. Am Aktienmarkt wichen die Anfangskurse aber Feldmühle gut behauptet. Größere Nachfrage fanden auf Abschlußerwartungen Autoaktten: Daim- ler 104,13 bis 104,75 (104), BMW. 130,75 bis 131 (130), Auto-Union im Freiverkehr 106 50 bis 107 (106), Adlerwerke Kleyer 103,50 bis 104 (103,50). Bankaktien lagen bis 0,65 D Sj. |ät)er ferner ge- mannen Westdeutsche Kaufhof 0,50, Hapag 0,40, Deutsch-Atlanten-Telegraph 1,25 und ^hütgefeU- schäft 1,25 v. H. Etwas niedriger angeschneben wurden AG. für Verkehr, Muag und Holzmann. Don Kunstseideaktien Bemberg etwa 2,25 fester. Auch im Verlaufe war die Kursbildung am Aktienmarkt nicht ganz einheitlich, bei sehr kleinen Umsätzen Überwogen aber 2lb3 schwächungen. IG.-Farben 165 nach 165,50, AEG. 36,50 nach 37, Verein. Stahl 86 nach 86,50. Weiter rückläufig Otavi Minen mit 21,50 nach 22 (22,30). Aschaffenburger Zellstoff etwas schwankend mit 91,40 bis 91,25 nach 91, mäßig hoher notierten Reichsbank mit 184,75 nach 184,50, Gesfurel mit 133,50 nach 133,13. Von den später notierten Werten kamen Kaliwerte 1 o. H. schwächer zur Notiz, ferner verloren Harpener 1 v. H. Akkumulatoren Hagen erzielte eine Dividende von netto 7,20 v. H. Belgische Noten.. .......... Dänische Noten Englische Noten Französische Noten Holländische Noten Italienische Noten Norwegische Noten Deutsch Oesterreich, 4 100 Schwing Rumänische Noten............... Schwedische Noten Schweizer Noten .......... Spanische Noten ..... Ungarische Noten Kurszettel der Berliner und frankfurter Börse. Die hinter Den Papieren angeführten Ziffern geben die tz-che der zuletzt beichloffeaen Dividende an. - Retchsbaakdiskani 4 d. y., Lambardzinssutz 5 ». y. „Oer deutsche Lawrence." Ein Mann kämpft gegen ein Weltreich. 101,4 । 97 I 97 I 108,9 | 29 1,7 8,35 8,25 8,2 13,4 1,75 8,4 8,25 8,15 I üenm, 22-April Amerikanische Roten liche Presse während des Krieges viel beschäftigt. Um ihn i)at sich manche Sage gewoben. Nur e i n Urteil aus Feindesmund sei hier wiedergegeben, das 1919 in der „Daily Mail“ zu lesen war: Waß- muh blieb den ganzen Krieg hindurch eine beständige Bedrohung, eine politische Macht, mit der wir rechnen muhten, ein Faktor, der Tausende von britischen Soldaten festhielt und beschäftigte. Seme Aufgaben löste er mit einem Erfolg, der für einen einzigen Mann fabelhaft ist." Oa6 Ende. Waßmuß kam erst im Herbst 1919 aus der Gefangenschaft in die Heimat zurück. Im Auswärtigen Amt war er alsdann in der Dftabteilung tätig. Aber — und nun zeigt sich wieder der deutsche Idealist —, er hatte den Stämmen am Persischen Golf Geld versprochen und er wollte es zahlen. Deutschland war arm und konnte es nicht. Waßmuß reifte nach Persien, um mit seinem eigenen Gelde, dem Vermögen seiner tapferen Frau und einer Reichsunterftützung einen Musterbetrieb zu eröffnen, aus dessen Erträgen er die Stämme entschädigen wollte. Diese gingen darauf ein, sabotierten aber die neue Farmwirtschaft in jeder Hinsicht. Die alten Stammesführer waren nicht mehr da, die Söhne suchten den ehrlichen Mann zu betrugen. Erschüttert mußte Waßmuß einsehen, daß dieses Unternehmen gescheitert war. Er kehrte nach Deutschland zurück und ist hier 1931 gestorben. Nur wenige wußten, was er für sein Vaterland tat und litt. .. . Der englische General, der für die schlechte Behandlung der deutschen Gefangenen in Buschir verantwortlich war, hieß Sykes. Der Verfasser des englischen Buches zum Ruhme derselben Deutschen heißt ebenso. Seine Familie soll lange Zeit in Persien ansässig sein und die Geschichte des Konsuls Waßmuß gut kennen. Er schreibt: „Männer m Persien, die Waßmuß kannten, umarmten mich, wenn sie hörten, daß auch ich ihn gekannt, und brachen in Tränen aus, daß sie nach langer Zeit diesen zaubervollen Namen hörten." — Das Lob im Munde des ehemaligen Gegners wiegt doppelt und dreifach. 6. W. 185 (192,50). . m Der variable Rentenmarkt erfuhr keine Veränderungen. Goldpfandbriefe, Kommunal- und Industrie-Obligationen notierten meist wie gestern, Liquidationspfandbriefe lagen uneinheitlich. Abendbörfe behauptet. Nach dem ruhigen und uneinheitlichen Verlauf der Mittagsbörfe zeigte sich auch abends keine Belebung, und auch die Kurse wiesen weiterhin keine einheitliche Linie auf. Im allaemeinen beschränkten sich die Veränderungen auf Bruchteile eines Prozentes. Weiteres Interesse erhielt sich für Autoaktien, wobei die 8proz. Ausschüttung bei Wanderer und die Nähe der Bilanz-Sitzung bei Adler Kleyer anregten. Daimler 105,65—105,50 (105), BMW. unv. 131, Auto-Union 107,50 (107), Adlerwerke unv. 104. Weiter befestigt waren auch Laurahütte mit 25,65 (25), dagegen ließen Muag 0,40 v. H. auf 89,50 und Conti Gummi 1 v. H. auf 179 nach. IG. Farben notierten mit 165,25—165,50 behauptet. Am Rentenmarkt lagen zertif. Dollar-Bonds etwa 0,25 v. H. fester, 6proz. Preußen 66,40. Far- ben-Bonds höher mit 133,40 (133). Von Stadtanleihen 28er Mainzer 93,50 (93,25). Am Auslands- rentenmartt bestand größere Nachfrage nach Mexikanern, 5proz. äußere Gold 13,65 (13,30), 5proz. innere Silber 5,65 (5,55), 5proz. Tehuantepec 6,90 (6,75). Im Freiverkehr VDM. weiter gesucht mit 130 (129,50). 11. a. notierten: Altbesitz 111,65, 4,5proz. Mainz v. 28 93,50, 6proz. Verein. Stahl 103,90, 6proz. IG. Farben 133,40, 6proz. Krupp 104,25, 5proz. innere Mexikaner 5,65, 5proz. äußere Gold 13,65, 3,5proz. Schweiz. Bundesbahn 189,50, 4proz. Schweiz. Bundesbahn 206,50. 3,5proz. Gotthard 180, I. u. II. Anatolier 40, Aku 50, Aschaffenburger Zellstoff 91,50, BDM. 131, Bekula 145,25 bis; 145,50, Büderus 103,25, Cement Heidelberg E 141,50, Conti Gummi 179, Daimler 105,65—105,50, Deutsche Erdöl 119,25, Dt. Eisenhandel 127,75, IG. Farben 165,25—165,50, Gesfürel 133,25, Harpener 123,25, Holzmann 115,50, Laurahütte 25,65, Man-- nesmann 86,90, Muag 89,50, Moenus 89,50, Rheinstahl 123, Schlickert 139,50, Verein. Stahl 86,25, Westdeutsche Kaufhof E 37,25, Weag 92,50, Commerzbank 91,25, Deutsche Ueberseebank 99,75, AG. für Verkehr 115, Hapag 14,50, Nordd. Lloyd E 15,50, Große Kasseler Stamm 66, Gritzner 29,50. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 22. April. Der Frankfurter Großmarkt für Getreide und Futtermittel zeigte gegen den Markt vom vergangenen Montag keine Veränderung der Lage. Es notierten (Getreide ie Tonne, alles übrige je 100 Kilogramm) in Mark: Weizen W13 213, W 16 216, W 19 220, W 20 222, Roggen R12 176, R15 179, R18 183, R19 185 Großhandelspreise der Mühlen der genannten Preisgebiete. Futtergerste —, Hafer —. Weizenmehl W 13 28,45, W 16 28,70, W 19 28,70, W 20 29,05, Roggenmehl R12 22,45, R15 22,80, R18 23,30, R 19 23,50 plus 50 Pf. Frachtausgleich. Weizennachmehl 16,75 bis 17, Weizenfuttermehl 13 bis 13,25. Weizenkleie W13 10,65, W16 10,80, W19 11, W 20 11,10. Roggenkleie R 12 9,95, R 15 10,15, R18 10,40, R19 10,50 Mühlenfestpreise ab Müh- lenstation. Soyaschrot m. M. 16,20, Palmkuchen m. M. 16,30, Erdnußkuchen m. M. 17,85. Treber 17 bis 17,25, Trockenschnitzel 9,28 ab südd. Fabriken, Heu 7, Weiten- und Roggenstroh drahtgepreßt 3 bis 3,30, do. gebündelt 2,80 bis 3. Frankfurter Schlachtviehmarkk. Frankfurt a. M., 23. April. (Vorbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Vorauftrieb: 42 Rinder (2 Ochsen, 3 Bullen, 33 Kühe, 4 Färsen), 569 Kälber, 109 Schafe, 657 Schweine. Es kosteten: Kälber 45 bis 76 Mark, Hämmel 46 bis 48, Schafe 36 bis 46, Schweine 50 bis 57 Mark. — Marktverlauf: Kälber, Hämmel und Schafe lebhaft, Schweine Konsul Waßmuß. In England ist ein Buch erschienen, das dem Heldenmut und den Taten eines deutschen Mannes gilt: Christopher Sykes schrieb es und gab ihm den Titel „Waßmuß, der deutsche Lawren c e." Man muß wissen, daß T. E. Law - rence „of Arabia“ fast ein englischer Nationalheld ist. Sein berühmtes Werk vom Aufstand in der Wüste ist nach seinem Tode in vollständiger Fassung erschienen und nennt sich „Die sieben Säule n." Wenn nun ein Engländer einen Deutschen, der im Weltkrieg auf einem Nebenkriegsschauplatz gegen die englische Weltpolitik aufzutreten hatte, mit Lawrence und seinen sagenhaften arabischen Wüstenzügen vergleicht, so muß es sich um eine Leistung und eine Persönlichkeit ganz besonderer Art handeln. Leider haben wir Deutschen nur wenig von Waßmuß und seinen Kameraden gewußt, und diese selbst haben in Bescheidenheit geschwiegen über das, was sie vollbracht und erduldet haben. Auch von Lawrence wüßte man in England und in der Welt nicht viel, hätte dieser Mann nicht über eine glänzende Feder verfügt, die ihm den literarischen und geschichtlichen Ruhm zugleich verschaffte. 3m „heiligen Krieg". Vor etwa zehn Jahren erschien in Deutschland das viel zu wenig bekannte Buch „Unter der Glutsonne Irans" des Hauptmanns Oskar von Niedermayer. In diesem Buche, das in ansprechender Klarheit das Schicksal der deutschen Außenposten in Persien und Afghanistan während des Krieges schilderte und gegen die Angriffe der englischen Presse verteidigte, finden sich einige Angaben über den Konsul Waßmuß. Er beteiligte sich an der Expedition, die Ende 1914 auszog, um in den Ländern des Islam den Aufruf des Kalifen zum heiligen Krieg zu verbreiten und für die Sache der Mittelmächte zu wirken. Diese Schar bestand in der Hauptsache aus solchen Männern, die den Orient und seine Menschen schon kannten. Die Leitung hatte Hauptmann von Niedermayer. Oestlich von Bagdad wurde eine erste Trennung beschlossen: Konsul Waßmuß ging mit einer größeren Begleitung nach Persien, das heutige Iran. Niedermayer schreibt zu diesem Abschied: „Wer hätte von uns damals gedacht, zu welchem „Engländerschreck" sich dieser wackere Mann, der länger als wir alle viel Schweres durchzumachen hatte, auswachsen sollte! Von eigenen Landsleuten manchmal verkannt, ward ihm aus Feindesmund höchstes Lob zuteil." Am persischen Golf. Der Zug der Gruppe Waßmuß ging in südöstlicher Richtung zum Persischen Golf, in das Hinterland von Buschir (hier war er deutscher Konsul gewesen). Dort in der Gegend von Schiras kannte er die eingeborenen Stämme und ihre Scheichs, ihre Sprache und ihre Gewohnheiten; er besaß das Vertrauen dieser sonst sehr mißtrauischen Leute. Südpersien war englische Jnteressenzone, und nach der Neutralität des Landes fragten die Engländer wenig, jedenfalls nicht mehr, als die Russen in Nordpersien. Dort und im mittleren Teile des Landes war es Niedermayer, der für die deutsche Sache wirkte. Er zog quer durch das Land bis nach Afghanistan hinein und wieder zurück, ver- geblich verfolgt von den Russen und ihren Hilfstruppen. Waßmuß hatte im Hinterlande des Perfischen Golfes einen ganz selbständigen Posten zu halten und auszubauen, erst weiter östlich streifte Professor Z u g m e y e r bis nach Belutschistan hinein. Alle diese Expeditionen waren au sich selbst angewiesen, mußten sich Freunde sichern und gegen Ueberfall und Verrat wachsam sein. Ein Mann gegen eine Armee. Keiner hat seine Aufgabe bester erfüllen können als Konsul Waßmuß mit seinen Getreuen im fernen Schluß!. Mittag« börse 22.4- 100,9 97,4 102,9 111,7 100,2 Philipp Holz mann *1 Zementwerk Heidelberg 7 Lementwerk Karlstadt.........6| Schluß!. Abend« börse 22 4- Schluß- turs 21 4- Schluß!. Mittag« börse 22 4. börse 22-4. 100,65 97,4 102,75 111,65 100,13 98,25 96,5 101 92,25 120,5 114,75 96,5 101,45 101,5 97 97 108,8 Schultheis Payenhoser 4 Aku (Allgemeine Kunstseide) .. o Bemberg................... 5 Zellstoff Waldhos 6 ZeUstofi Aschaffenburg O Dessauer GaS . ...........7 Daimler Motoren......... O Deutsche Linoleum 8 Orenstein & Koppel O Westdeutsche Kaufhof..... O Cbade....................TU Accumulatoren-ffabrü ...... 12 Conti-Gummi...............8 Gripner....................O| Mainkraftwerke Höchst a.M-... 4 Süddeutscher Zucker .<*#•*.. 101 Schluß, kurs 21.4. 100,75’ 97,75 102,9 111,65 100,2 98,25 0,50 bis 1 v. H. nach beiden Seiten ab. Montanaktien waren überwiegend etwas gedrückt, Mans- felder Bergbau erneut matt mit 138,50 (140,25), auch Otavi Minen 0,30 Mark niedriger, Ilse Genuß lagen 0,50 v. H. freundlicher. Von chemischen Werten gewannen Farbenindustrie 0,65 v. H., während Rütgerswerke 0,50 v. H. verloren, Scheideanstalt lagen mit 231 unverändert. Elektroaktien notierten meist bis 1 v. H. fester, Schuckert gewannen 1,25 v. H. auf 139,25, etwas lebhafter AEG. mit 36,50 bis 37 (36,75), Bekula leicht rückläufig mit 145,25 bis 145 (145,25). Zellstoffaktien lagen schwächer, . , Waldhof 128,50 (129,75), Aschaffenburger 91 (91,75), 1 wurden zugeteilt. •Datum 8% Deutsche Reichsanleihe v. 1927 ' 4% Deutsche Retchsanl. von 1934 6/1% Doung-Anleihe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit AuSlos.-Rechten ............. 4*/i% Deutsche Reichspostschatzan. Weisungen von 1934, i....... 6% ehem.8% Hess. Bolksstaat 1929 (rückzahlb. 102%)............ 4Yi% ehem.8% Hessische Landes- bani Darmstadt Gold R. 12.... 6/i% ehern. 4H% Hess. Landes- Hypothekenbank DarmstadtLiaui 4Vi% ehem. 8% Darmsi. Komm. Landcsb.Goldschuldverschr. R.« Oberhessen Provinz-Anleihe mtl Auslos.-Rechten ............. Deutsche Komm. Sammelabl. An leche Serie 1 mit Auslos.-Rechten *y1% ehem.8% Franks. Hyp.-Ban! Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935 6y,% ehem. 4Vi% Franks. Hyp. Bank-Liqu.-Psandbrtese....... 6y,% ehem. 4%% Rheinische Hyp.-Bank-Ligu.-Goldpse 4%% ehem. 8% Pr.LandeSpsand- briefanstalt, Pfandbriefe R. 19 4y,% ehem. 7% Pr. Landespfand- briefanst., Gold Komm. Cbl.VI Steuergutsch.BerrechnungSk. 34-38 Schluß« kurs 21-4- I. G. Farben-Jndustrte 7l 164,75 EcheideanstaU............... 9 231 Goldschmidt ................61 112 Rütgerswerke ............... 6, 129,9 Metallgesettlchaft 4| 123,25 Frankfurt a.M. | Berlin Schluß« kurü Schlußt. Abendbörse Schluß« kurs Schluß!. Mittag« börte t'dhim 21.4- 22-4 21.4. 22 4- 4% vesgl. Eene 11............ 5% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 4!4%RumLn.vereinh.Rentev.lS13 4% Rumänische vereinh. Rente .. 2%% Anatolier .............. Hamburg-Amerika-Paket .....O Hamburg-Südam. Dampfschiff. O Norddeutscher Lloyd .........O A.G. für Verkehrswesen Akt. .. O Berliner Handelsgesellschasl ... 6 Commerz- und Privat-Bank ... O Deutsche Bank und Dtsconto« Gesellschaft................0 Dresdner Bant.......... O Reichsbank ................ 12 A.E.G......................0 Bekula................... 10 Elektr. LieferungSgesellschast ... 5 Licht und Kraft ...........6% Felten & Guilleaume......... 4 GeIellsch.s.Elektr.Unteruehmung. 6 Rheinische Elektrizität ..... 6 Rhein. Wests. Elektr..........6 Schuckert L Co...............4 Siemens L HaUke............7 LahmeyerLCo. .............7 Buderus ................... Deutsche Erdöl .............. Harpener...................C Hoesch Eisen—Köln-Reuessen .. Ilse Bergbau ............... Ilse Bergbau Genüsse........1 Klöcknerwerke ...............1 Mannesmana-R^ren........ 9 6,75 9,35 5,4 39,9 14,75 15,75 115,5 111 91,25 88,5 89,5 184 36,,75 145,25 129,5 142 125,25 132,5 132 129,65 138 185 133,25 104,25 119 124 98,5 134,5 94 87,9 9 6,65 9,4 5,4 40 14,5 15,5 115 91,25 88,5 89,25 185,25 36,5 145,5 129,9 142 124,5 133,25 131,5 129,65 139,5 185,75 133 103,25 119,25 123,25 98,25 135 94,25 1 86,9 6,55 9,4 5,45 39,75 14,65 28,5 15,65 115,25 111,5 91,25 88,5 89,5 184,5 36,5 145,5 130,75 142 124,65 132,65 131,75 129,5 138,5 185,75 132,5 104 119,25 124 98,5 173 135,25 94,25 87,75 6,65 9,5 5,45 39,9 14,5 28,5 15,25 115 111,75 91 88,5 89,25 185,13 36,9 145,65 130 142,13 124,75 133,75 131 129 139,75 185,5 133,25 103,5 119,65 123,65 98,4 171 134,75 1 94 1 86,9 21 .April 22 -April Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Brief Geld 1 Brief Buenos AM 0,682 0,686 0,682 0,686 Brüssel .... 42,07 42,15 42,04 42,12 Rio de Ian. 0,139 0,141 0,138 0,140 Sofia ..... 3,047 3,053 3,047 3,053 kovenhagen. 54,86 54,96 54,82 54,92 Danzig..... 46,80 46,90 46,80 46,90 London ..... 12,285 12,315 12,275 12,305 HelstngsorS.. 5,415 5,425 5,415 5,425 Paris ...... 16,385 16,425 16,38 16,42 Holland .... 168,76 169,10 168,71 169,05 Italien..... 19,60 19,64 19,60 19,64 Iavan ..... 0,717 0,719 0,717 0,719 Jugoslawien 5,654 5,666 5,654 5,666 Oslo..... : 61,73 61,85 61,68 61,80 Wien...... 48,95 49,05 48,95 49,05 Lissabon ... 11,145 11,165 63,44 11,15 11,17 Stockholm.. 63,32 63,27 63,39 Schweiz ... 81,03 81,19 81,00 81,16 Spanien.... 33,97 34,03 33,95 34,01 Prag....... 10,275 10,-295 10,27 10,29 Budapest .. —— — — — Neuyork ... 2,487 2,491 2,487 2,491 Geld Bnt, 2,439 2,459 41,92 42,08 54,56 54,78 12,24 12,28 16,33 16,39 168,29 1 U .97 — ——- 61,47 61,71 — — — —— 63,05 63,31 80,82 81,14 33,61 33,75 — —* Nr. 95 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Donnerstag, 2Z. April 1956 Aus der Provinzialhauptstadt. Idyll in der Dachrinne. Inst in der Dachrinne haben sie sich eingenistet. Als ob es um alles in der Welt keine andere Bleibe gäbe. Aber vielleicht paßt ihnen das gerade und außerdem ist der Platz für eine Sommerwohnung vortrefflich luftig. Für eine Sommerwohnung, gewiß. Aber vorläufig sieht es noch wenig nach Sommer aus, und wir haben für unseren Teil gerade jetzt wieder den Wert eines warmes Ofens schätzen gelernt. Spatzen scheinen in dieser Hinsicht weniger empfindlich zu sein. Sie haben keine warme Stube, können abends nicht mit Pantoffeln in der Nähe des Ofens sitzen und sind trotzdem frühlingsfroh und vergnügt. Jedenfalls läßt sich das aus ihrem fortwährenden Schilpen und ihrer munteren Geschäftigkeit schließen. Die Geschäftigkeit besteht auch darin, daß sie seit Togen in eben dieser Dachrinne eine eifrige Sied- lungstätigkeit entfalten. Dom Fenster meiner Wohnung aus kann ich diese Arbeit ausgezeichnet verfolgen. Und das Sympathische ist, daß sie sich dabei nicht einmal stören lassen. Ob ich die Gardine bewege, oder selbst das Fenster öffne: sie bauen fortgesetzt weiter an ihrem Werk und scheinen mich regelrecht als einen Nachbarn anzusehen, gegen den weiter nichts einzuwenden ist. Es sind selbstverständlich ihrer zwei. Eine niedliche Frau Spätzin und ein temperamentvoller Sperlingsehemann, der stolz sein schwarzes Vorhemdchen zur Schau trägt. Sie vertragen sich prächtig und sind nicht sparsam mit Beweisen gegenseitiger Zuneigung. Nur manchmal haben sie Ursache, ärgerlich zu werden, aber nur dann, wenn irgendein Besuch erscheint. In einer jungen Ehe werden Besuche nie sonderlich geschätzt, bei meinen gefieberten Nachbarn erregen diese Besuche aber förmlich Anstoß. Herr Spatz sträubt jedenfalls sein Gefieder, sobald ein Genosse seiner Gattung auf die Dachrinne zusteuert, und ist sofort bereit, ihm wie ein ritterlicher Held zuleibe zu gehen. In der Siedlungstätigkeit entfalten meine Nachbarn eine erstaunliche Routine. Nicht gerade mit den Maßstäben der Aesthetik, aber offenbar nach uralten, von zahllosen Sperlingsgeschlechtern erprobten Methoden wird der Bau errichtet. Dabei gibt es nichts im Bereich der Dachpfannensphäre, was nicht auf feine bauliche Verwendbarkeit untersucht würde So bringen es meine Nachbarn fertig, aus tausendfältigen Dingen einen weichen, einigermaßen runden Bau zu fügen, der als Wiege kommender Spatzengenerationen dienen soll. Aber hier fängt die Sache an, bedenklich zu werden. Wir Menschen bauen nach baupolizeilichen Vorschriften und sind angehalten, weitgehende Sicherheitsmaßnahmen zu treffen. Was aber geschieht bei den Sperlingen? Sie pfeifen offenbar auf solche Sicherheitsmaßnahmen und vertrauen ihre Nachkommenschaft leichtsinnig einer Rinne an, deren Ueberschwemmungsgefahren nicht zu unterschätzen sind. Weshalb ich der weiteren Entwicklung mit einiger Sorge entgegensehe. Bleibt das Idyll in der Dachrinne von einer Katastrophe verschont? H. W. Sch. Vornotizen. Schachspiel im Unterricht. Eine Neuerung der Schule Großen-Linden. Das Schachspiel in der Schule ist nichts Alltägliches! Es sind sicherlich nur sehr wenige Schulen in unserem Vaterlande, die es pflegen und fördern. Eine dieser wenigen Schulen aber, in der das „Königliche Spiel" eine Pflegestätte gefunden hat, ist Großen-Linden. In regelmäßigen Uebungs- stunden werden die Schülerinnen und Schüler, soJm Banne des königlichen Spiels. jff" * ■ I weit sie nach ihrem Alter dazu in der Lage sind, von einem der Lehrer in das Schachspiel eingeführt und die Jugend ist auch mit großer Begeisterung dabei. Die Schachbretter sind zu jenen Stunden stets umlagert von der lernbegierigen Jugend. Den Jungens macht es besonderen Spaß, und der Ehrgeiz, gewinnen, den anderen „matt" setzen zu wollen, wird sehr rasch in ihnen wach. Daß in der Schule zu Großen-Linden Schach gespielt werden kann, ist allerdings einem besonderen Umstand zu danken. Die Schule hat nämlich einen Freund in Amerika! Karl Keßler, ein gebürtiger Großen-Lindener, der im Jahre 1912 nach Amerika auswanderte und sich dort eine geachtete Stellung erwarb, hat seine Heimatgemeinde nie vergessen. Es macht ihm dabei besondere Freude, durch die Vermittlung über den Altbürgermeister Lang, die Jugend seiner Heimatgemeinde in mancherlei Hinsicht durch Stiftungen zu fördern. Vor kurzer Zeit hatte er nun einen größeren Betrag gestiftet, der von ihm zur Anschaffung von Spielfeldern und Schach-Figuren bestimmt worden war. Insgesamt konnten für diese Stiftung nicht weniger denn 2 5 ganze Schachspiele beschafft werden, so daß sich stets zu gleicher Zeit eine große Anzahl von Schülern ober Schülerinnen an diesem schönsten aller Spiele beteiligen kann. Als Spielbretter wurden Wachstuchspielfelder angeschafft, die sich ja allgemein als sehr zweckmäßig erwiesen haben. Die Holzfiguren sind sehr stabil. Neben dieser Stiftung der Schachspiele hat sich aber der amerikanische Freund der Großen-Lindener Schule auch um die Gründung einer Schul- bibliothek verdient gemacht und mit einer großen Anzahl von besten Büchern und Jugendschriften einen Grundstock geschaffen, um den die Schule mit Recht zu beneiden sein dürfte. Auch von den schönen Büchern macht die Jugend regen Gebrauch. Da man bei der Auswahl der Bücher besonders sorgfältig vorging, ist leicht zu ermessen, daß die Auswirkung einer solchen Bücherei auf die Jugend Großen- ßinbens eine in vieler Hinsicht sehr gute sein muß. Herr Keßler, der Stifter so mancher wertvollen Anschaffung für die Schule feiner Heimatgemeinde, ist ein treuer Verfechter der deutschen Sache. Auch während des Krieges hat er Deutschland durch sein Auftreten und durch feine geistige Haltung immer verteidigt, obwohl ihm daraus mancher Schaden erwuchs und er oft in schwierige Lagen kam. Vor einigen Jahren weilte er mit sei-1 ■ Auch die Mädchen interessieren sich für die Kunst des vielseitigen Spiels. (Aufnahmen [4]: Neuner, Gießener Anzeiger.) ner Frau — einer gebürtigen Amerikanerin — in Deutschland und vor allem auch in Großen-Linden, um seiner Heimat wieder einmal einen Besuch ab» zustatten. Die Kinder, die jetzt durch die Schule dem Manne vieles zu danken haben, werden dereinst auch als Erwachsene des Mannes nicht vergessen, der in Treue zu seiner angestammten Heimat steht, auch wenn Tausende von Kilometer Wasser und Land zwischen ihm und seinem Heimatorte liegen. > W/ / Ur- - Tageskalender für Donnerstag. NSG. „Kraft durch Freude": 20—21 Uhr und 21 bis 22 Uhr fröhliche Gymnastik und Spiele (nur für Frauen) im Lyzeum. — Gloria-Palast, Seltersweg: „Savoy-Hotel 217". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Schloß Vogelöd". — Oberheffischer Kunstverein: 17.30 Uhr im Turmhaus am Brand Jahresversammlung. IHiderverein Gießen. Der Mieterverein Gießen hält am morgigen Freitag in der Gastwirtschaft „Zum kühlen Grund" (Neuen Bäue) seine Jahreshauptversammlung ab. (Siehe heutige Anzeige.) Aus parteiamtlicheuDekanutmachungeu Der NS.-Lehrerbund des Kreises Gießen teilt seinen Mitgliedern mit, daß alle, die als Politische Leiter anderer Draanifationen, die in der SA., SS., im NSKK. usw. Führer (vorn Sturmführer aufwärts) sind, ferner als HJ.-Führer oder BDM.-Führerinnen wirken, und Mitglieder der NSV. find, dies umgehend durch Postkarte ihren Bezirks- bzw. Schulgruppenobleuten zu melden haben. Die Meldungen müssen bis zum 25. April erstattet sein. j|Ä'- Die beutfdie Arbeitsfront Av? n.9.=6emeinf(haft „Kraft durch freuöc" kreis Wetterau. Am Sonntag, 10. Mai, fährt die NSG. „Kraft durch Freude" mit einem Sonderzug nach Heidelberg. Der Fahrpreis für diese Fahrt beträgt für den Teilnehmer einschließlich einer Schlohbesichti- gung in Heidelberg 4,20 Mk. Anmeldungen müssen auf dem Anmeldeformular in dem Monatsprogrammheft erfolgen und umgehend mit dem Fahrpreis auf der Kreisdienftstelle, Gießen, Schanzenstraße 18, abgegeben werden. Anmeldeschluß 4. Mai. Am Sonntag, 26. April, findet ab 10 Uhr im Caf6 Leib in Gießen ein Appell sämtlicher Warte der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" statt. Alle Wanderwarte des Kreises Gießen haben daran teilzunehmen. Pünktliches Erscheinen ist Pflicht. Am Sonntag, 26. April, wird eine Wanderung durchgeführt. Abmarsch 8.30 Uhr ab Lahnbrücke nach dem Gleiberg, Besichtigung der Ruine und geschichtlicher Vortrag. Don dort über Krofdorf durch das Gleibachtal, Wißmar, Launsbach und Wettenberg. Rucksackoerpflegung. Führung: Wan- derwart Peter. Unsere nächste Radwanderung wird am Sonntag, 3. Mai, durchgeführt. Wir fahren zunächst nach Butzbach, Besichtigung von Rockenberg, dann Mun- zenberg, Kloster Arnsburg, Llch Die Abfahrt erfolgt um 7.30 Uhr ab Katholisches Deremshaus. Führung: Wanderwart N e b e. Die Teilnehmer melden sich jetzt schon in der Kreisdienststelle, Schanzenstraße, für diese Fahrt an. ©porfomf „Kraft durch Freude". heute folgende Kurse: fröhliche Gymnastik und Spiele, Frauen. Von 20 bis 21 und von 21 bis 22 Uyr, Lyzeum, Dammstraße 26. Achtung! Tenniskurse! Die K. d. F.-Tenniskurse beginnen ab 1. Mai. Die Kosten betragen für den sechsstündigen Kursus Die Jungen sind begeisterte Schachspieler. Bücher aus der gestifteten Schulbibliothek sind viel gefragt. für Mitglieder der DAF. 6 Mark, für Nichtmitglieder 9 Mark. In diese Gebühr ist Platzbenutzung, Schläger, Bälle und Balljungengebühr einbegriffen. Anmeldungen nimmt die Geschäftsstelle, Schanzenstraße 18,' entgegen. Für die Kurse Reiten, Fechten, Schach, Kindergymnastik, Rollschuhlaufen werden noch Anmeldungen auf der Geschäftsstelle, Schanzenstraße 18, angenommen. Für die Kurse Allgemeine Körperschule, Fröhliche Gymnastik und Schwimmen ist keine vorherige Anmeldung erforderlich. Das neue Vierteljahres-Sportprogramm, welches über alles Wissenswerte der K. d. F.-Sportkurse unterrichtet, ist kostenlos erhältlich. Helfer im feldarauen Rock NSG. Vom 1. Oktober 1935 bis 31. März 1936 sind von den Angehörigen der Wehrmacht im Bereich des IX. Armeekorps -abgeliefert worden: RM. Barspenden...... 119 487,66 Eintopfsammlungen . . . 30 924,64 Erträgnisse aus Konzerten und sonstigen Sammlungen 44 194,57 Unter Verzicht auf die ihnen zustehende Verpflegung wurden Essensportionen und Lebensrnittel im Werte von 43 621,56 RM. zur Speisung bedürftiger Volksgenossen gespendet. 1703 Fahrzeuge und Feldküchen sowie 4061 Soldaten wurden zum Abfahren von Lebensmitteln, Holz und zu Sammelzwecken zur Verfügung gestellt. Durch freudige und opferbereite Hingabe von Offizier und Mann konnte dieses hervorragende Ergebnis erzielt und der große Gedanke des nationalsozialistischen Hilfswerkes für unsere notleidenden Brüder und Schwestern durchgeführt werden. Die enge Verbundenheit der Wehrmacht mit dem nationalsozialistischen Staat ist damit erneut bewiesen und bekräftigt. HZ.-Führertagm»g Am Dienstagnachmittag fand im Hause der Gebietsführung der Hitlerjugend in Wiesbaden in Anwesenheit des Stellvertreters des Reichsiugendfich- rers, Stabsleiter Hartmann Lauterbacher, eine interne Bann- und Jungbann-Führertagung statt, die von Gebietsführer P o 11 h v f f geleitet wurde. Einzelbesprechungen über die Sommerarbeit der Hitlerjugend beschlossen die Tagung. Die Pimpfenkarte. Um den neu eingetretenen Pimpfen eine bleibende Erinnerung an den Tag zu geben, an dem sie als junge politische Soldaten in den Dienst ihres Volkes getreten sind, hat die Gebietsführung eine Karte herausgegeben, die auf der Vorderseite ein schönes Führerbild trägt mit der Unterschrift: „der ... (folgt Name) ist am 20. April 1936 als Anwärter m das Deutsche Jungvolk eingetreten unb hat Damit geholfen, dem Führer eine große Geburtstagsfreude zu duf ter Rückseite der Karte stehen fünf Punkte, die für die Probeaufnahme gültig find, sowie Die Ankündigung, wann der Pimpf zum Dienst anzutreten hat. Eltern, kümmert euch mit Darum, daß eure Jungen in den Besitz der Karte kommen. Jungvolkanwärter, hebt euch dieses Erinnerungszeichen auf, ihr werdet in späteren Jahren dieses Blatt als stolze Erinnerung vorweifen können. Oer Provinzialausschuß als Verwaltungsgericht. In der Sitzung des Provinzialausschuffes am vergangenen Samstag kamen folgende Verwaltungs- ftreitfachen zur Verhandlung: Punkt 1 der Tagesordnung wurde abgesetzt, nachdem der Müller Heinrich Ludwig Frey in Allen- dorf-Lda. seine Berufung gegen das Urteil des Kreisausschusses des Kreises Gießen vom 18. No- vomber 1935 betreffend den Ausbau der Wasserkraft in der Masermühle zu Allendorf-Lda. zurückgenommen hatte. Die Klage des August Weidling in Lindheim gegen den Bescheid des Kreisamts Büdingen vom 24. Januar 1936 wegen Versagung der Legitimationskarte für 1936 wurde mit Rücksicht auf die Vorstrafen des Klägers als unbegründet kostenpflichtig zurückgewiefen. Auf die Klage des Ludwig Stern m Gießen gegen den Bescheid des Kreisamts Gießen vom 3. Februar 1936 wegen Versagung des Wandergewerbescheins für 1936 soll zunächst Beweis durch Einziehung der Steuerstrafakten des Klägers erhoben werden. Die Klage des Moritz Stern in Nieder-Ohmen gegen den Bescheid des Kreisamts Alsfeld vom 28. Januar 1936 wegen Versagung der Legitimationskarte für 1936 wurde als unbegründet kostenpflichtig unter Festsetzung eines Streitwerts von 500 Mark zurückgewiesen. Oer Betrieb von Mangelstuben und Waschküchen. Von der Polizeidirektion Gießen wird auf die Beachtung und Befolgung der am 19. April in Kraft getretenen Polizeiverordnung über die Einrichtung und den Betrieb von Mangelftuben und Waschküchen hingewiesen. Darnach hat, wer durch elementare Kraft betriebene Wäschereimaschinen ober Mangeln gegen Entgelt Dritten zur Benutzung überlassen will, ober wer berartige Maschinen in Miethäusern ober Sieblungen burch Hausangestellte ober Mieter benutzen läßt, spätestens zwei Wochen nach ber Inbetriebnahme Anzeige hiervor bei ber Ortspolizeibehörbe (Polizeibirektion Gießen) zu erstatten. Die Polizeibirektion Gießen wirb bemnächft burch ihre Beamten entsprechenbe Kontrolle burch- führen lassen. Wer sich vor einer empfinblichen Gelbstrafe schützen will, tut gut baran, ber An- melbepflicht alsbalb zu genügen. Gießener Dochenmarktpreise * Gießen, 23. April. Auf bem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, bas Pfunb 1,55 Mk., ßanbbutter 1,42 Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mk., Matte 20 bis 25 Pf., Käse, bas Stück 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse S 11, Klasse A 10^, Klasse B 10, Klasse C9%, Klasse D 9, ungezeichnete 8, Enteneier 9 bis 11, Gänseeier 30, Weißkraut, bas Pfunb 15 bis 18, Rotkraut 18 bis 20, gelbe Rüben 10 bis 12, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 10 bis 15, Römischkohl 12, Unterkohlrabi 8, Grünkohl 15, Felbsalat 80 Pf. bis 1 Mk., Tomaten 45 bis 50, Zwiebeln 12 bis 14, Meerrettich 35 bis 70, Schwarzwurzeln 20 bis 35, Rhabarber 20 bis 25, Kartoffeln 5, 10 Pfunb 45 Pf., ber Zentner 3,70 bis 3,90 Mk., Aepfel, bas Pfund 25 bis 35 Pf., Nüsse 48, Suppenhühner 85 bis 90, Tauben, bas Stück 50 bis 60, Blumenkohl 45 bis 65, Salat 20 bis 25, Salatguten 60, Oberkohlrabi 20 bis 22, ßauch 5 bis 10, Rettich, alte 5 bis 20, neue, das Bündel 40, Sellerie 10 bis 30, Radieschen, das Bund 15 Pf. ** 93 o n der Universität. Von der Pressestelle der Universität wird mitgeteilt: Professor Dr. Hugo Stintzing ist durch Verfügung des Reichsministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung beauftragt worden, an der Universität Gießen die Röntgen-Spektroskopie in Vorlesungen unb Hebungen zu vertreten. Mit Wirkung vom 1. April 1936 ab ist Prof. Dr. ßothar Hock aus ber Philosophischen Fakultät, zweite Abteilung ber Universität Gießen in bie Naturwissenschaftliche Fakultät ber Universität Halle übergetreten unb beauftragt worben, bort bie Technische Chemie in Vorlesungen unb Hebungen zu vertreten. ** Beförberung beim Hauptzollamt Gießen. Der Vorsteher bes Hauptzollamts Gießen, Zollrat Jensen, würbe am Geburtstage bes Führers zum Oberzollrat beförbert ** A1 s Austausch-Gärtner nach Norwegen fährt bieser Tage ber Gärtnergehilfe Aböls D ö n g e s. Er hat bei feinem Vater, bem Gärtnereibefitzer A. Dönges in ber Marburger Straße, gelernt, war bann eine Zeitlang bei Hannover in Stellung unb wirb sich nun in Drammen, nahe Oslo, meiterbilben. Abolf Dönges, ber SA.-Mann ist, wirb gegen einen norwegischen Gärtnergehilfen aus- getaufcht, ber bann hierher nach Gießen kommt. Die Beschäftigung im Aurlanb ist für bie Dauer eines halben Jahres festgesetzt. Dönges geht nach Drammen in einen Großbetrieb, ber 15 Gehilfen beschäftigt unb eine ausgesprochene Blumengärtnerei ist. ** Arbeitsvergebungen werben von ber Tiefbauverwaltung ber Provinzialbirektion Ober» Hessen unb von bem Hoch- unb Tiefbauamt ber Stabt Gießen im Anzeigenteil unseres heutigen Blattes zum Wettbewerb ausgeschrieben. Interessenten seien besvnbers herauf hingewiesen. ** E i n Probealarm berFeuersirenen findet am fommenben Samstag um 15 Hhr (3 Hhr nachmittags) statt. Wenn man bas Alarmsignal hört, ist also keinerlei Grunb zur Beunruhigung vor- hanben. ** Der Verkehrsunfall an ber Goethe- ft r a ß e. Zu bem gestrigen Bericht über ben Verkehrsunfall an ber Ecke Goethestraße—Hinbenburg- roall ist nach einer Darstellung bes Beifahrers bes verunglückten Motorrabfahrers berichtigenb festzustellen, baß nicht bie Motorrabfahrer, fonbern ber Kraftwagen aus ber Goethestraße vom Seltersweg ber kam. Die Motorrabfahrer kamen vom Cafe Hettler her ben Hinbenburgwall entlang gefahren. Diese Feststellung würbe uns von zustänbiger be- hörblicher Stelle bestätigt Allgemeine Richtlinien für den I.Mi 1936 An den Nachwuchs in der HZ Eizac Die NSV. ruft zur Sommerarbeit. Stellt Frei- plähe für Erholungsbedürftige der jüngeren und älteren Generation zur Verfügung? Vom Neubau des deutschen Theaters. Oer Aufgabenkreis der Neichötheaterkammer Vollzieht sich die Wirksamkeit der Reichskulturkammer im allgemeinen schon so, daß die meisten Volksgenossen wenig davon spüren, so gilt das von einem Teil dieser Organisation — der Reichskulturkammer — ganz besonders: er scheint wirklich nur die „Leute vom Bau" etwas anzugehen. Wirklich nur? Werden wir nicht alle davon betroffen? Denn was auf organisatorischem Gebiete beschlossen wird, wirkt naturgemäß auch auf die Bühne und auf die Darsteller, es wirkt auf das Drama selbst und auf seine Verfasser, denen es nicht gleichgültig sein kann, wie der theatralische Nachwuchs beschaffen ist: es wirkt weiter auf uns, die wir als Zuschauer vor dem Vorhang sitzen. In diesem Jahre fallen der Reichstheaterkammer besonders wichtige Aufgaben zu. Der M ü n ch e - ner Reichstheaterwoche folgen die Heidelberger Festspiele und die Bayreuther Festwochen; während der Olympiade werden den BDM. überwiesen werden. Nein, es soll für jedes Mädel eine heilige Verpflichtung sein. Wir sind stolz in der Jugend des Führers zu sein, aber wir wissen auch, daß wir einmal so werden müssen, wie er uns haben will. Zeigt nun, liebe Kameradinnen, die ihr jetzt zu uns gekommen seid, daß ihr mit großem Ernst und mit viel Freude in unseren Reihen steht. Heil Hitler! Die Obergau-Jungmädelführerin. Gez.: Erika De sch. 950000 Gier für die NSD. gesammelt Hessische I u n g m ä d e l sammelten zum Abschluß des Winterhilfswerkes in allen Städten und Dörfern Hessen-Nassaus Eier zum Osterfest. Wie die nunmehr vorliegende Abschlußzählung ergeben hat, konnten von den Jungmädeln insgesamt 950 000 Eier an die NSV. zur weiteren Verteilung übergeben werden. _________ Das Verbot für Sonberfeiern anläßlich des 1. Vlai für irgendwelche Organisationen. Verbände. Vereine gilt nicht für die Kamerad- schaftsf eiern der Betriebe. Die Kameradschaftsfeiern der Betriebe werden wie alljährlich am 1. Mai durchgeführt. Den genauen Zeitpunkt snach dem Staatsakt) bestimmt der Vetriebsführer. Es wird erwartet, daß dabei auf die Gefolgschaft Rücksicht genommen wird, so daß alle an diesen Feiern teilnehmen können. Wir erwarten von allen Betrieben, daß sie am 1. Vlai eine Kameradschafts- feier durchführen. In kleineren Orten und Dörfern wer- den jedoch Feiern für die gesamte Bevölkerung von der zuständigen Ortsgruppe der NSDAP, durchgeführt. Betriebe in solchen Dörfern und Orten schließen sich, falls sie nicht zu groß sind, dann diesen örtlichen Feiern für die gesamte Bevölkerung an. In Zweifelsfällen haben sich die zuständige Ortsgruppe und der zuständige Betriebsführer vorher zu verständigen. In größeren Städten wird es zweckmäßig sein, die Betriebe die Kameradschaftsfeiern für sich durchführen zu lassen. Kleine Betriebe schließen sich zusammen. Wir bitten solche Betriebe, die be- treffenden Vereinbarungen rechtzeitig zu treffen. Die Entscheidung darüber, ob eine gemeinsame Feier für die gesamte Bevölkerung, ober bie Feiern von ben einzelnen Betrieben burchgesührt werben, hat bie zustänbige Ortsgruppe ber NSDAP. In Gießen werben Kamerabschafts- feiern nur von ben Betrieben durchge- führt. Die Betriebe wollen sich rechtzeitig für geeignete Lokale. Musik unb Unterhaltung sorgen, kleinere Betriebe wollen sich zusammenschliehen. batnit bie Feiern auch roürbig ausgestaltet werben können. In biesem Jahre führt j e b e O r t s g r u p p e die Veranstaltungen bes 1. Mai für sich burch. Es bleibt ben einzelnen Ortsgruppen überlassen, ob sie die einzelnen Dörfer im Bereich ihrer Ortsgruppe zu zentralen Veranstaltungen zusammenziehen, oder jedes Dorf den Tag für sich durchführen lassen. Die Ortsgruppen sind allein für die Durchführung des An die in den BMM. überwiesenen Zungmädel. Meine lieben Kameradinnen! Durch euren freiwilligen, treuen Dienst in der Jungmädelschaft habt ihr bewiesen, daß ihr wißt, was es heißt, in der Jugend des Führers zu stehen. Mit dem 20. April, dem Geburtstag des Führers, eit ihr nun aus eurer Jungmädelschaft in die ernstere BDM.-Arbeit getreten. Froh und stolz sollt ihr sein, daß ihr nun noch mehr als bisher schaffen und arbeiten dürft. Bleibt das, was ihr verspracht, als Jungmädel zu sein, als ihr zum erstenmal die Kluft trugt: offene, gerade saubere Mädel, denen gute Kameradschaft, Gehorsam und frohe Einsatzbereitschaft Selbstverständlichkeit ist. Heil Hitler! Die Obergauführerin. Gez.: Else Riese. Den neuaufgenommenen Zungmädeln zum Geleit. Liebe Kameradinnen! Am Geburtstage unseres Führers seid ihr nun probeweise ausgenommen in die Hitlerjugend. Ihr sollt nun in den ersten drei Monaten zeigen, ob ihr wirklich würdig seid, einmal Jungmädel genannt zu werden. Mädel, die meinen, man braucht nur seinen Beitrag ordentlich zu zahlen, und ab und zu einmal zum Dienst zu gehen, und dann wäre man ein ordentliches Jungmädel, die werden dann schon bald merken, daß auch von den Jüngsten, den leistet, hat diese Prüfung nicht zu scheuen; der Nachweis aber wird so von den fragwürdigen Kräften befreit, die ihrer Unzulänglichkeit wegen ohnehin niemals ein Engagement finden würden. Wer sich dieser Leistungsprüfung nicht unterziehen will, muß sich schon selbst um eine Stellung bemühen; er ist also nicht aus dem Beruf gewiesen, er bleibt auch weiterhin Mitglied der Reichstheaterkammer und kann vielleicht darauf rechnen, eine der Stellen zu erhalten, die für die Nichtverrnitt- lungsfähigen offengehalten werden. Die gleichen Grundsätze gelten bei der Pflege des Nachwuchses: die wirklich Berufenen und Hoffnungsvollen sollen gefördert, die Schwachen und Aussichtslosen sollen von einem Berus abgehalten werden, der ihnen nur Enttäuschungen brächte. Daher hat die Reichstheaterkammer die Berufsberatung eingerichtet, eine sehr segensvolle Institution, die manchen Anfänger vor der Ausbeutung durch gewissenlose Lehrer und Theaterschulen bewahren kann: alle Obmänner der Fachschaft Bühne, die durch ganz Deutschland verstreut sind, geben darüber Auskunft. Einstweilen sind diese Beratungsstellen freilich bei den Eltern beliebter als bei den Söhnen oder Töchtern, denen hier jeder romantische Traum vom Theater genommen wird. Wer sich berufen glaubt, kann sich einer Eignungsprüfung unterziehen, die ihn vor schweren Zeitverlusten und Schädigungen bewahren wird. Das ist, in knapper Darstellung, das Gerüst, das die Reichstheaterkammer in den letzten zehn Monaten aufgerichtet hat. Es handelt sich dabei scheinbar nur um organnisatorische Einrichtungen und Bestimmungen. Wie aber alles Organisatorische auch auf den Menschen, feine Anfänge und feine Entwicklung übergreift, so werden sich auch diese Maßnahmen an allen Beteiligten und Betroffenen segensvoll auswirken, denn ihre Grundsätze sind einfach und natürlich. Es handelt sich überall darum, die wirklichen Kräfte zu fördern und die Nichtkönner allmählich auszuschalten ober überhaupt von einem Beruf fernzuhalten, dem sie nicht gewachsen wären. Es geht also darum, eine n a - türliche Auslese vorzunehmen, dem Theater nur die Menschen zuzuführen, die ihm gewachsen sind und allmählich eine Erscheinung der Vergangenheit auszumerzen: das Künstlerproletariat. Erst die Reichstheaterkammer hat es ermöglicht, die Fülle der Fragen, die damit zusammenhangen, zu lösen und so die Bühne zu einem wirksamen Werkzeug deutschen Wesens im nationalsozialistischen Sinne zu gestalten. bo. Wieder werden die Werbetrommeln der einsatzbereiten Hitlerjungen, neben denen der Gliederungen der Bewegung, dich aufsuchen, um einen Freiplatz von dir geschenkt zu erhalten. Wir werden auch diesmal auf deine erprobte Opferwllllg- feit vertrauen, im besonderen deshalb, weil dir dadurch Gelegenheit gegeben wird, dem Führer einen Teil des Dankes abzutragen, den du ihm schuldest. Der Führer des Gebietes 13 Hessen-Nassau: Potthoff, Oberbannführer. Oberhessen. Landkreis Gießen. * Annerod, 23. April. Am heutigen Donnerstag können die Eheleute Heinrich Haas und Frau Marie, geb. Dörr, das Fest der silbernen Hochzeit begehen. * Lollar, 23. April. Am morgigen Freitag, 24. April, gelangt hier in zwei Vorstellungen der Film „Volk in Gefahr" zur Aufführung. Den zahl- reichen arbeitenden Volksgenossen soll damit Gelegenheit gegeben weiden, sich den Film ebenfalls anzusehen. . CD Staufenberg, 22. April. Der dieser Tage hier abgehaltene Mütterschulungskursus beendete seine Arbeit mit einer Abschlußfeier. Die Frauenschaftsführerin Mittermeier hieß die Teilnehmerinnen willkommen. Die Frauenschaft und die Frauenhilfe trugen mit einigen Liedern zur Verschönerung des Abends bei. Die Theatergruppe von Alten-Bufeck wartete mit lustigen Vorführungen auf. Bei Kaffee und Kuchen nahm die Feier einen schönen Verlauf. — In unserer Gemeinde wurden sieben Knaben und acht Mädchen in die Schule neu ausgenommen. Zwei Kinder wurden zurückgestellt. ch Daubringen, 22. April. Beim ersten S ch u l g a n g wurden die Kinder nach altem Brauch mit einer Brezel bedacht. Der füngfte Schuljahrgang besteht aus 12 Knaben und 8 Mädchen. Für bewiesenen Sparsinn schenkt die Genossenschaftskasse der Schule 20 Mark. Unsere hiesige Schule erhielt ferner als Ehrengabe vom Deutschen Fußball-Bund für die errungene Kreis- meisterschaft eine schöne Plakette. V Watzenborn-Steinberg, 22. April. Aus der Schule wurden hier 26 Knaben und 24 Mädchen entlassen. 54 ABC-Schützen (26 Knaben und 28 Mädchen) nahmen den Schulbesuch auf. □ Harbach, 22. April. Gegenwärtig stehen auf dem Kirschberg die Bäume in Blüte. Die kalten Aprilschloßen der vorigen Woche haben die Entfaltung der Kirschblüten gehemmt und zum Teil völlig unterdrückt. Von einer Vollblüte, wie wir sie so schön vor zwei J-ahren erlebt haben, kann in diesem Jahre leider keine Rede sein. Aller Voraussicht nach wird deshalb der Ernteertrag nicht besonders ausfallen, zumal die Nächte viel zu kalt find. Immerhin lohnt sich auch jetzt noch der Anblick der Kirschbaumanlagen. Das Weiß der Baumblüte wett- eifert mit dem Blütenschnee der Schlehenhecken, die , sich am Rande des Atzwaldes hinziehen. Einen stim- । mungsvollen Hintergrund dieses einzigartigen Land- : schaftsbildes boten seither die verschneiten Hänge des Taunus. Auf der Fugend! Aufruf zum Erholungswerk des deutschen Volkes! Ein gesunder Geist entwickelt sich nur in einem gesunden Körper! Tausende von Familien forderten verganJenen Jahre ein persönliches Opfer von sich, mbem sie für etliche Wochen erholungsbedürftige Kinder zu sich nahmen, und damit zur Stählung und Gesunderhaltung des Körpers und Geistes unserer Jugend beitrugen! Dies war ein Zeichen echten nationalsozialistischen Geistes! Tausende von Kindern warten auch in diesem Jahr wieder auf einige Tage oder Wochen Sonnenfreude. Hunderte von Volksgenossen m unserem Gau, die tagtäglich neben der Erfüllung ihrer beruflichen Pflichten sich für das Werk des Führers aufopfern, an dem du teilnehmen darfst, bedürfen einer Ausspannung. Deutsche Arbeitsfront. Ortsgruppe Giehen-Nord. Die Mitgliedsbücher können während der Dienststunden Dienstaas und Freitags von 20 bis 21 Uhr auf der Geschäftsstelle Gießen, Bahnhofstraße 46 pari, gegen Vorlage der Steuerkarte und Rückgabe der gelben Ersatzmitgliederkarte in Empfang genommen werden. Kein Lohnausfall der Heimarbeiter am 1. Mai. Der Reichs- und Preußische Arbeitsminister teilt mit: Auch der deutsche Heimarbeiter soll den 1. Mai, den Feiertag des deutschen Volkes, feiern können, ohne daß seine Festfreude durch Entgeltausfall getrübt wird. Es wird daher erwartet, daß alle Auftraggeber, Zwischenmeister und Hausgewerbetreibenden die von ihnen beschäftigten Heimarbeiter so stellen, daß sie keinen Entgeltausfall erleiden. Im Interesse der einheitlichen Behandlung soll jeder Heimarbeiter 4 v. H. der im Monat April verdienten Entgelte erhalten. Selbstverständlich darf der den Heimarbeitern für den 1. Mai zuftehende Entgelt nicht etwa dadurch geschmälert werden, daß die Ausgabe von Heimarbeit für den Rest des Monats April entgegen den geschäftlichen Erfordernissen unterlassen wird. Ein derartiges Verfahren wurde dem Gedanken der Arbeitsoerbundenheit, dem der 1. Mai gewidmet ist, völlig widersprechen. Da es für die Zwischenmeister und auch für die Hausgewerbetreibenden, die selbst wesentlich am Stück arbeiten, wirtschaftlich meistens nicht erträglich ist, wenn ihnen der Arbeitsausfall zur Last fällt, ist es auch Pflicht aller Auftraggeber, den Zwifchenmei- stern und den genannten Hausgewerbetreibenden die von ihnen gezahlte Entgeltsumme zu ersetzen. Schöffengericht Gießen. Sechs junge Leute aus Nieder-Ohmen wurden wegen Sachbeschädigung zu Gefängnisstrafen von drei Wochen bis zwei Monaten verurteilt. Das Gericht beschäftigte sich sodann mit dem Juden Meier Mühlstein aus Gießen. Der Angeklagte, der in Gießen eine Sackfabrik betreibt, kaufte von August 1934 bis Mai 1935 zur Herstellung von Säcken Faserstoffe, die um diese Zeit besonders knapp waren, zu höheren Preisen ein, als gesetzlich vorgeschrieben. Ebenso war der Verkaufspreis der fertigen Säcke, entgegen den gesetzlichen Bestimmungen der Faserstoffverordnung, höher bemessen. Der Angeklagte verzichtete außerdem sowohl auf eine ordnungsmäßige Buchführung, als auch auf die Führung eines Lagerbuches. Er entschuldigte seine Vergehen mit nicht vermeidbaren Umständen, die in ber Knappheit der Säcke gelegen und eine Preiserhöhung erforderlich gemacht hätten. Das Gericht erkannte auf eine Geldstrafe von 600 Mk., eventuell 60 Tage Gefängnis. die meisten Berliner Theater geöffnet fein, und die Dietrich-Eckart-Bühne wird mit einem Schauspiel und einer Oper bespielt werden; alle diese Ereignisse werden sich in diesem Jahre mehr denn je unter dem Urteil des Auslands abwickeln. Was hat die Reichstheaterkammer in ihren organisatorischen Arbeiten — sie wurden vor zehn Monaten begonnen und haben jetzt ihren Abschluß gesunden — geleistet, was wurde erstrebt, was erreicht? Die Reichstheaterkammer besteht heute aus drei Fachschaften: der Reichssachschast Buhne der jeder angehören muß, der heute am deutschen Theater in irgendeiner Weise mitarbeiten will; der Reichsfachschaft Artistik, die alle Gruppen der ehemaligen Artistenverbände erfaßt hat; der Reichsfachschaft Tanz, die alle tänzerischen Organisationen umschließt. Die zweifache Aufgabe der Reichstheaterkammer besteht darin, die künstlerischen W e r t e zu entdecken und zu steigern, zugleich aber ist sie bemüht, alle sozialen Härten zu vermeiden und auszugleichen. Auf diesem Gebiet ist der Zustand heute so: auf 22 000 bis 23 000 Mitglieder der Kammer kommen nur 13 000 Plätze, die überhaupt verfügbar sind, so daß etwa 8 000 bis 9 000 Menschen stellenlos wären und nicht beschäftigt werden könnten. Das sieht zunächst böse aus, erscheint aber nicht mehr so bedenklich, wenn man hört, daß von den Unbeschäftigten 70 bis 75 v. H. wegen künstlerischer Unzulänglichkeit ohnehin aus- fallen. Die tatsächliche Lage ist heute so, daß die Nachfrage auf manchen Gebieten —bei den Chorsängern und den jungen Darstellern und Darstellerinnen — schon nicht mehr befriedigt werden kann. Auf welche Weise kann der Schauspieler eine dieser Stellen erhalten? Durch den Buhnen- n a ch w e i s der Reichstheaterkammer, die die monopolisierte Nachweisstelle für das ganze Reich ist und über Zweigstellen in Preslau, Frankfurt, Köln, München und vom 1. Oktober ab auch in Dresden verfügt. Die bisher tätigen Agenten sind abgeschafft worden — warum? Weil sie weniger einen Beruf und mehr eine Konfession darstellten. Hätte man sich einen Nachwuchs arischer Agenten heranbilden wollen, so wäre darüber viel Zeit vergangen; außerdem gewährt der Bühnennachweis der Kammer die Möglichkeit strenger Überwachung und sofortigen Eingreifens. Freilich, nur der Schauspieler darf sich an den Bühnennachweis wenden, der zuvor die Prüfung auf seine Vermittlungsfähigkeit bestanden hat. Wer wirklich etwas Welt in sich birgt. Was um diesen Kern sich nun herumkristallisiert, ist schon unterschiedlicher. Die persönliche Neigung beginnt mitzuschwingen. Aber das ist kein Fehler. Denn gibt es etwas Persönlicheres als unser Verhältnis zu unfern Büchern? — wenn wir von dem Verhältnis zu lebendigen Menschen absehen. . Will man daher einem Menschen beim Ausbau einer kleinen eigenen Bücherei behilflich fein, fo geschieht es am besten durch Hinweis und Anregung, wozu das eigene Beispiel vielleicht den besten Beitrag zu geben vermag, und durch Warnung, damit nichts Entbehrliches angeschafft werde. Sonst aber sollen wir ihm, gerade wenn es sich um einen jungen Menschen handelt, nicht die Freude des eigenen Findens nehmen, wenn wir ihn auch gelegentlich behutsam lenken können. Nicht iy jedem Lebensalter erscheint uns dasselbe Buch „unentbehrlich", wenn es uns auch in weiterem Sinne unentbehrlich war, weil wir durch es hindurchgehen mußten. Auch unser Bestand an Büchern, mag er groß oder klein sein, ist etwas, was mit uns wächst und sich wandelt — gut, so lange es so ist und er und wir nicht erstarren und verstauben! Eine kleine Reihe von Büchern aber werden wir nie erschöpfen, so weit wir auch wachsen werden. Und dies sind dann die wirklichen unentbehrlichen Bücher. B- Kn. Die Bibel, „Faust" und Homer. Mit zehn Büchern auf einsamer Insel. Im Scherz pflegt man wohl manchmal die Frage zu stellen: Welche Bücher würden Sie auf eine einsame Insel mit sich nehmen? Die Antwort wird meist je nach der Liebhaberei des Befragten verschieden ausfallen; auf tiefe persönliche Neigung wird ja zunächst mit der Frage gezielt. Aber über das Persönliche hinaus spielt dabei doch noch ein anderes Moment mit. Aus jene sagenhafte einsame Insel nehmen wir nicht dies oder jenes Buch mit, das uns gerade gefällt, sondern Bücher, die so gehaltvoll sind, daß sie uns immer wieder etwas zu geben vermögen, daß sie unausschöpfbar scheinen. Solche Bücher würden wir mit uns nehmen. Aber wenn wir wirklich eine Auswahl - in dem gedachten Sinne vornehmen sollen— wie schwer wird dann die Entscheidung! Besonders wenn es sich um eine beschränkte Anzahl Bände handelt. Sollten wir Goethe wählen, den „Faust" und die Gedichte, und dafür auf Hölderlin verzichten? Oder müssen wir Keller aufgeben, wenn wir uns für Stifter entscheiden? Der ungeheure Reichtum unserer Dichtung wird mit einem Male offenkundig, ja geradezu bedrängend. Kein Werk ist durch das andere ersetzbar, kein Dichter gegen einen andern auswechselbar. Dabei haben wir noch nicht berücksichtigt, wie viel dichterisches Gut der Weltliteratur so vollkommen eingedeutscht worden ist, daß wir fast nicht mehr das Gefühl haben, uns einer lieber» setzung gegenüber zu sehen. Shakespeare und Homer, gehören sie nicht auch zu unserer deutschen Dichtung? Und wie steht es mit dem Buch der Bücher, der Bibel? Dazu müssen wir noch das Nibelungenlied nehmen, das ja auch wenige in der Ursprache lesen werden, und manches aus ber nordischen Dichtung. So wird unsere Bücherreihe immer länger und die Wahl immer schwieriger. Sie wird aber zu einem fast unmöglichen Kunststück, wenn mir uns auf nur zehn Bücher beschränken sollen. Wie es eine westdeutsche Zeitung in einer Rundfrage vorschlug. Der Gedanke dabei war, festzustellen — oder wenigstens zur Diskussion zu stellen — welche Bücher als Grundstock einer kleinen Bücherei dienen können, Bücher, die ein Leben lana standhalten und niemals zur Last werden, kurz Die unentbehrlich sind Es ist interessant, daß in den Antworten, ine veröffentlicht werden, drei Bücher fast nirgends fehlen: die Bibel, „Fausts und Homer. Das sind allerdings Bücher, von denen jedes eine 10- und 11jährigen schon mehr verlangt wird. Wir wollen Mädel haben, die treu, kameradschaftlich, zuchtvoll und gehorsam sind, und so in großer Liebe zu unserem Führer gern und freudig ihren Dienst tun. r Es ist kein Zufall, daß wir Jungmadel am Geburtstag des Führers aufgenommen und auch tn 1. IHai zuständig unb dafür verantwortlich. Es sind sofort festzulegen: bie Aufmarschplähe, die Anmarschwege unb die notwendige Ueberlragungsmög- lichkeit für den Staatsakt und die Jugendkundge- bung. Die Uebertragung der Iugendkundge- b u n g und des Staatsaktes wird unter allen Umständen und bei jeder Witterung im Freien durchgeführt. Die Vlaiplakelle wird von den Ortsgruppen verkauft. Diejenigen Ortsgruppen, die die Plaketten noch nicht auf der Kreisleitung abge- hott haben, wollen das umgehend nachholen. Genauere Einzelheiten über die einzelnen Veranstaltungen gehen den Ortsgruppen noch zu. Die Kleidung am Tag der nationalen Arbeit ist der Fesianzug der DAF., Zivil- oder Berufskleidung. In Uniform marschieren lediglich die Beauftragten der NSDAP., die Abordnungen der Partei und ihrer Gliederungen. Festwagen ständischer Organisationen oder Festwagen mit historischen Darstellungen usw. können bei den Festzügen mitgeführt werden. Kitsch ist zu vermeiden. In Gießen werden keine Fe st wagen mitgeführt. Grün sch muck für Häuser, Fenster, Lokale, Verkehrsmittel, Fahrzeuge ist rechtzeitig zu bestellen. Kreisleitung Wetterau der NSDAP. Seflellung von 8i(f)tengrün für den l.Kai. Am 1. Vlai sollen Fenster, Türen und alle öffentlichen Lokale und Gasthäuser mit frischem Grün geschmückt werden. Es werden geliefert Fichten- reiser in Wellen und Bäume in beschränkter Anzahl. Die Bestellungen sind spätestens bis Vlontag, 27. April, 16 Uhr, bei der Stadtverwaltung, Bergstraße, Zimmer 8, abzugeben, damit diese ordnungsgemäß erledigt werden können. Kreisleitung Wetterau der NSDAP. Nundfunkprogramm. Freitag, 24. April. 6 Uhr: Choral, Morgenspruch. 6.30: Frühkonzert. In ber Pause, 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 10: Schulfunk. 11: Hausfrau hör zu! 11.30: Bauernfunk. 11.45: Sozialdienst. 12: Mittagsmusik. 100 Minuten musikalischer Frohsinn! Hörer, schaltet euch ein, jetzt startet Frankfurt a. M.! 13: Nachrichten. Anschließend: Nachrichten aus dem Sendebezirk, Wetterbericht. 13.15: Mittagsmusik. 14: Nachrichten. 14.10: Wunschkonzert. 15: Wirtschaftsbericht. 15.15: Volk und Reich. Ein Blick in deutsche Zeitschriften. 15.30: Das aktuelle Buch. 15.45: Wer kennt die Meister deutscher Erzählkunst? Ein literarisches Preisrätsel. 16: Unterhaltungskonzert. 17.30: Werner von Siemens. Ein Bahnbrecher im Zeitalter ber Elektrizität. Eine Hörfolge. 18: Musik am Nachmittag. 19: Die Peitsche. Ein ergötzliches Funkkabarett. 19.45: Der Tagesspiegel bes Reichssenbers Frankfurt. 20: Nachrichten. 20.10: Aus bem Hor- fpielpreisausschreiben bes Reichssenbers Breslau. 1. Preis: Sohlen unb Absätze. Hörspiel von V. B. Schwerla. 21.20: Das Liebesbuett. 22: Nachrichten. 22.15: Nachrichten aus bem Senbebezirk. 22.20: Aus Washington: Worüber man in Amerika spricht. Von Kurt G. Sell. 22.30: Sportschau ber Woche. 22.45: Unterhaltungskonzert bes Rundfunkorchesters # Ettingshausen, 22. April. Die hiesige Freiwillige Feuerwehr hielt bei Gastwirt Karl Stein II ihre Generalversammlung ab. Der Führer der Wehr gab einen kurzen Rückblick auf das vergangene Jahr. Der Rechner erstattete den Kassenbericht. Die Rechnung wurde in Ordnung befunden und dem Rechner Entlastung erteilt. Im weiteren Verlaufe der Versammlung wurde beschlossen, den Herbstoerbandstag in Lollar au besuchen. Bürgermeister Opper sprach über bte Tätigkeit der Wehr und dankte zum Schluß allen, die dazu beitrugen, die Wehr zu organisieren. Die Versammlung wurde in der üblichen Weise geschlossen. — In die Schule wurden 5 Knaben und 8 Mädchen neu ausgenommen. (J) Hungen, 22. April. Die NS. - Frauen - schäft hatte die Einwohnerschaft von Hungen und Umgebung zu ihrem alljährlichen Unterhaltungsabend im Saale des „Darmstädter Hofes" eingeladen. Der Einladung war so zahlreich Folge geleistet worden, daß der Saal kaum in der Lage war, die Menschenmenge zu fassen. Nach flott gespielten Weisen der hiesigen Musikkapelle begrüßte die Führerin der NS.-Frauenschaft Frau Hesse die Besucher. Der gemeinschaftlich gesungene zweite Vers des Deutschlandliedes beschloß die Begrüßungsworte. Drei vorzüglich gespielte Theaterstücke dienten im Anschluß hieran der besonderen Erheiterung der Besucher. Flott gespielte Weisen der Musikkapelle sowie die in feinsinniger Weise zu Gehör gebrachten Vorträge des Gesangvereins „Eintracht" unter dem Chorleiter Dietrich und des Gesangvereins „Liederkranz" unter dem Chorleiter Lenz vervollständigten die Darbietungen. Reicher Beifall lohnte Spiel und Gesang. Nach Abschluß des ersten Teils vereinte Tanz die Besucher noch einige Stunden in froher Stimmung. Kreis Schotten. * Aus dem Vogelsberg, 22. April. Dieser Tage gingen zwei junge Fahrochsen, die ihren Besitzer gewechselt hatten und auf dem Wege nach dem neuen Stall waren, in Schotten ihren Begleitern durch und machten sich nach dem Oberwald zu auf und davon. Sie fanden dort aber den Aufenthalt nicht gemütlich genug, so daß sie schließlich wieder die Nähe von menschlichen Behausungen aufsuchten. Dabei machte einer der Ochsen in einem Bauernhof in Nösberts Besuch, wo man ihn aber nicht wieder fortließ, sondern in gute Verwahrung nahm. Der andere Ochse fand das nicht schön und machte sich allein weiter auf die Walze durch die Wälder des Vogelsberges. Auf dieser Wanderung sah er sich die Welt dort oben an und wurde dabei auf allerlei neugierig. Schließlich erweckte ein Steinbruch in der Nähe von La u b ach sein besonderes Interesse, bei dessen Besichtigung er aber unvorsichtig war und ab stürzte. Mit gebrochenem Genick blieb der Ochse im Steinbruck liegen. So fand die Ochsentour durch den Vogelsberg ein tragisches Ende. I I Rudingshain, 22. April. Gegenwärtig ist man damit beschäftigt, die Straße von Rudingshain nach der Poppenftruth auszubauen. Die Straße wurde verbreitert und wird nun neu betoniert. Die Rennstrecke wird innerhalb unseres Ortes verlegt. Im hiesigen S t e i n b r u ch herrscht Hochbetrieb. Innerhalb des Ortes sind verschiedene Umbauten, sowie Neubauten von Stallungen im Gange. Die Maurer sind voll beschäftigt. Krofdorfs älteste Einwohnerin 90 Jahre alt. (D Krofdorf, 22. April. Heute wird unsere älteste Einwohnerin Frau Witwe Katharine Kauß, geborene Schäfer, 9 0 Jahre alt. Sie ist in Erda geboren und hat sich nach hier verheiratet. Ihrer Ehe entsprossen vier Kinder, ein Sohn und drei Töchter. Der Sohn ist in Köln verstorben. 13 Enkel und die hohe Zahl von 15 Urenkeln werden unter den Gratulanten sein. Das hochbetagte Großmütterlein hat ein gut Stück Dorf- und Volksgeschichte gesehen und erlebt und vieles in ihrem guten Gedächtnis behalten. Die ganze Gemeinde gedenkt in Ehrerbietung der Jubilarin und wünscht ihr einen weiteren lichten Lebensabend. Sie deutsche Hindukusch-Wedilion 1935. Lichtbildervorirag der Universität. — Ein Sach- und Erlebnisbericht. Rektor, Dozenten- und Studentenschaft unserer Universität hatten für den gestrigen Mittwochabend zu einem großen Lichtbildervortrag eingeladen. Viele Freunde der Universität leisteten der Einladung Folge. Wohl niemand wurde enttäuscht. Der Abend brachte, in seiner Gesamtheit gesehen, das Erlebnis einer großen deutschen Leistung. Professor Or. Seffous hieß die Zuhörer willkommen. Er urnriß in wenigen Sätzen das Ziöl, das der Deutschen Hindukusch- Cxpedition zu erreichen aufgegeben war. Er wies darauf hin, daß die Expedition die Aufgabe hatte, Material aus einem Ursprungsland vieler unserer Kulturpflanzen zu beschaffen, das der Höherentwicklung unserer Kulturpflanzen dienen soll, Samen mitzubringen, der zur Forschung und Züchtung verwandt werden kann, während das Gesamtergebnis der Forschungsreise mit dazu beitragen soll, daß die Erzeugungsschlacht gewonnen und die Nahrungs- freiheitxdes deutschen Volkes gesichert werden kann. Die Expedition in das Hindukusch-Gebirge führt die deutschen Wissenschaftler in ein „Genenzentrum" vieler unserer Hülsenfrüchte. Das Material, das die Expedition mitbrachte, wird in einer umfangreichen Sichtungsarbeit in den wissenschaftlichen Instituten unseres Vaterlandes dem deutschen Volke nutzbar gemacht werden. Die Expedition hat ihre Aufgaben in vollem Umfange erfüllt und die Universität Gießen darf darauf stolz sein, daß sie den Leiter dieser Expedition stellen konnte. Dann ergriff Or. Scheibe das Wort, der als Leiter der Deutschen Hindukusch- Expedition einen umfangreichen, aufschlußreichen Sach- und Erlebnisbericht vermittelte, wie er anschaulicher und lebendiger wohl kaum gegeben werden konnte. Er dankte zunächst dem Rektor der Universität und allen, die dazu beitrugen, daß er diese Expedition miterleben und leiten durfte, er dankte ferner Prof. Dr. S e s s o u s für die Anerkennung, die er ihm in seinen einleitenden Worten hatte zuteil werden lassen. Im Nachfolgenden sei ein Ausschnitt aus den Schilderungen des Redners gegeben, der an Hand von Lichtbildern und aus der Fülle der Erlebnisse heraus erzählte. Die große Reise. Die Expedition ging von München aus. Eine elftägige Seereise führte die deutschen Wissenschaftler auf dem Dampfer „Viktoria" von Genua aus nach Bombay. Auf der Reise nach dem Forschungsgebiet erlebten sie die klassischen Stätten indischer Kultur: Taschipur, Delhi, Agra, Lahore usw. Sie stießen vor in die äußerste Nordwestecke Indiens und kamen schließlich in der Hauptstadt Afghanistans, in Kabul an. Viel Zeit verging mit den Vorbereitungen. Umfangreiche Vorbesprechungen mit den afghanischen Ministern gingen voraus, denn es gab auch Schwierigkeiten politischer Art, und zwar von den Russen! Rußland wollte die deutsche Forschungsarbeit im 6 Grenzgebiet von Turkestan hindern. Und gerade dort hofften die deutschen Wissenschaftler besonders wertvolle Arbeit leisten zu können! Rußland sah in der deutschen Expedition ein verkapptes militärisches Unternehmen (!). Die afghanischen Würdenträger mußten sich damals dem politischen Drucke beugen, obwohl sie die Deutschen auch dort zu unterstützeen bereit waren. Aber die Deutschen halfen sich selbst. Nach dem Abschluß ihrer Arbeit im Hindukusch lösten sie die Expedition offiziell auf. und setzten ihre Forschungsarbeit gewissermaßen als Privatleute auch im Grenzgebiet von Turkestan fort. Im Hochland Kafiristan. Mitte Mai brach die Expedition von Kabul aus nach Kafiristan auf, einer Hochgebirgslandschaft im Hindukusch, die vorher nur zweimal von Europäern betreten worden war: von einem Engländer namens Robertson und dem deutschen Lehrer Martin Vogel in Kabul. Schwer war, so erzählte Dr. Scheibe, der Anmarschweg in das Hochland, das fast unzugänglich ist. Es liegt von der Welt abge- fchnitten, und erst vor kurzer Zeit fiel es politisch an Afghanistan. Selbst die Afghanen kannten das Land kaum. Es existiert keine Karte von Kafiristan, das eine Landschaft von etwa 10 000 Quadratkilometer darstellt und sehr dünn, insgesamt mit nur 42 000 Menschen besiedelt ist, die in viele Stämme zerrissen sind, verschiedensten Rassen angehören und elf grundverschiedene Sprachen sprechen. Aus den Sprachoerschiedenheiten gab es für die Expeditionsteilnehmer viele Schwierigkeiten, für den teilnehmenden Sprachwissenschaftler Dr. Lenz (Berlin) war das Land ein Dorado. Er machte viele Aufnahmen von Sprache und Liedern auf Wachsplatten. Die afghanische Regierung gab eine Schutzeskorte von zwei Offizieren und 16 Mann mit, die der Expedition wertvolle Dienste leisteten. Eine wunderbare Bergwelt nahm die Forscher auf, als sie sich der Landschaft Kafiristan näherten. In tiefen Taleinschnitten, unter ständigem Wechsel des Vormarsches in verschiedenen Talsystemen drangen sie vor und empor, Zedernholzwälder umrauschten sie, oft ging es in raschfließenden Flüssen vorwärts, über primitive schwanke Brücken führte der Weg, viel Mühe gab es mit den Trägerkolonnen, manche Strapaze mußten die Wissenschaftler auf sich nehmen im Dienste ihrer Forschungsarbeit. In den tieferen Lagen herrschte subtropische Hitze, auf den Höhen und Pässen gab es Eis und Schnee. Aber überall begegnete den Forschern auch eine großartige Pflanzenwelt, eine Fülle der wilden Pflanzen und solche, die wir als Kulturpflanzen ansprechen, so daß der Botaniker auf Schritt und Tritt große Freude erlebte. Sie begegneten den wilden Mandeln, von denen sie Früchte kiloweise als Samen für Züchtungszwecke mitnehmen konnten; noch in 3200 Meter Höhe trafen sie prächtige Gerste, ja auch noch Weizenkulturen an. Das Volk der Kafiren. Ein seltsam fremdartiges und romantisches Bild boten ihnen die Siedlungen der Kafiren, deren Hütten wie Schwalbennester an den steil aufragenden Feldwänden kleben. Hier fanden sie auch das Land einer urzeitlichen Grabstockkultur, denn auf den oft nur wenige Quadratmeter großen Anbauflächen an den Felsenwänden hatten die Eingeborenen keine Möglichkeit, den Holzhakenpflug oder gar einen anderen Pflug mit dem Tier als Zugkraft zu verwenden. Und doch, so sagte Dr. Scheibe, erzielen die Eingeborenen gute Ernten, insbesondere von ihrer Hauptfrucht, der Hirse. Mit kilometer- langen Wasserleitungen, die die Felsenhänge entlang geführt werden, ebenso primitiv, wie sinnvoll, bewässern die Kafiren ihre Felder, die sich in Terrassen ebenso steil an den Felsen aufbauen wie ihre Häuser. Dr. Scheibe erzählte aber auch von den hochinteressanten anthropologischen Forschungsergebnissen, die der Arzt und Etnograph der Expedition'*Dr. Herrlich an vielen Eingeborenen vornehmen konnte. Die deutschen Wissenschaftler trafen Menschen von arischem Typus und das Ergebnis, daß von all den Eingeborenen, die mit Hilfe von anthropologischen Messungen und Vergleichen erfaßt wurden, nicht weniger denn 40 v. H. blauäugig und 26 bis 30 o. H. blondhaarig waren, ließ die Annahme aufkommen, daß es sich hier um Vertreter der arischen Rasse ältester Vergangenheit handeln könnte. Die Bilder, die man im Zusammenhang mit diesen überraschenden Darlegungen des Redners sah, ließen auch dem Laien diese Annahme verständlich erscheinen. An den Abenden gab es für die Wissenschaftler nach anstrengenden Märschen, nach Auf- und Abstiegen, immer noch viel Arbeit im Zelt. Das Material mußte gesichtet, geordnet, mit Nummern und Zeichen versehen werden. Die Abende wurden auch viel dazu benutzt, mit der Bevölkerung in Verbindung zu treten und dabei noch manches zu erfahren, was für die Erreichung des gesteckten Zieles von Wert war. Es lohnte die monatelange Arbeit in Kafiristan. Auf ihrem Weg durch das Land genossen sie manchen herrlichen Ausblick auf das zentrale Hindukusch« gebirge, sie wanderten über Kämme und Pässe, sanden in versteckten Felswinkeln den wilden Rhabarber, interessante Zwiebelarten, wunderbare Blumen und auf sanften Almen auch den gelben Enzian. Sie bewunderten die Hausbauten der Eingeborenen, die Schnitzkunst aus grauem Altertum, die trotz der Jahrhunderte noch wunderbar erhalten waren, sie bewunderten aber auch die hohe Grabkultur der Kafiren, die ein stolzes und freies Leben führen. In der Landschaft Tschitsal. Der Redner berichtete dann von der Fortsetzung der Expedition auf indischem Gebiet in der Landschaft Tschitsal, in der sie wiederum anderen Arten von Menschen begegneten, mit anderer Kultur, anderen Gewohnheiten — dem Menschen indischer Prägung. Auch in der Landschaft Tschitsal war das Forschungsergebnis außerordentlich befriedigend, denn sie stießen unter vielem anderen auch auf verschiedene wertvolle Oelpflanzen und eine milchsastliefernde Pflanze, die eventuell als Kautschukersatz Bedeutung gewinnen kann. Sie versuchten eine Besteigung des höchsten Berges im Hindukusch, des 7800 Meter hohen Jritsch-mir, klärten auch die Anstiegsrouten, trieben Hochlager für Hochlager vor — der Sieg war ihnen aber nicht befchieden, denn ein Schneesturm und eine Lungenentzündung eines Kameraden zwangen sie in Eilmärschen in die Täler zurück. An der Grenze von Pamir. Dann aber stießen die deutschen Forscher noch bis in das Grenzland von Pamir vor, begegneten dabei auf dem Wege zur Gletscherwelt wertvollen Getreidepflanzen, drangen weiter vom Pamir- Grenzland aus bis in das Karakorum vor und kehrten schließlich nach langen Ritten zurück nach Afghanistan, nach Kabul. Unterwegs hatten sie noch einen heidnischen Volksstamm, die Kalasch's mit ihrem merkwürdigen Götzenkult kennengelernt. Das Gesamtergebnis der Forschungsexpedition. In seinen abschließenden Worten gab Dr. Scheibe noch einen gedrängten Ueberblick über die Ergebnisse der Forschungen der gesamten Expedition. Es wurden 4500 Nummern verschiedener Sämereien aller möglichen Kultur- und Wildvilan- zen mitgebracht. 1800 Nummern Herbarium-Material, ferner 1500 Nummern Kulturpflanzen, sowie eine umfangreiche Jnfektensammlung. Die anthropologischen Messungen stellen ein wertvolles wissenschaftliches Material dar. 10 000 photographische Aufnahmen wurden gemacht und werden die zukünftige Forschungsarbeit unterstützen. Auf Wachs- platten wurden viele Lieder, Sprachen- und Spruchproben ausgenommen. Die Expedition hatte außerordentliche physische Leistungen hinter sich gebracht. Nicht weniger denn 30 Pässe wurden überschritten. Manche Erstbesteigung wurde durchgeführt, die Aufstiegs- route auf den Jritsch-mir wurde geklärt. Aber nicht nur der Forschung und Sammlung waren die Wissenschaftler zu dienen bemüht, vielmehr waren sie sich auch dessen bewußt, daß sie draußen in fremden Landen lebendige Zeugen für das neue Deutschland im besten Sinne fein mußten. Sie führten ihre Expedition reibungslos durch, knüpften wert- mild, leicht schäumend, ganz wundervoll im Geschmack Die Tippgräfin. Roman von Klothilde v Gtegmann Urheberrechtsschutz: Aufwärts-Verlag, Berlin, SW 68. 44 Forttetzung Nachdruck verboten! „Noch eine Ueberraschung, Jlaro'? Dies Luftschiff scheint mir unerschöpflich im Spenden seiner Gaben", lachte Mariella, als sie eine Viertelstunde daraus zurechtgemacht und erfrischt wieder in dem winzigen Speisesaal der „Speranza" stand und sich neugierig umsah. „Sogar eine große. Gedulde dich nur ein paar Minuten, Mariella! Ich sehe inzwischen nach Vater!" Mit welch seligem Stolz sie dies Wort betont!, dachte Mariella glücklich. Wie herrlich, daß ich Ikaros Herzchen so schnell gewonnen habe! Nun ist erst mein Glück vollkommen. Vollkommen? — Sie träumte vor sich hin. Jlaro hatte doch von noch einer Ueberraschung gesprochen? Was mochte ihr jetzt noch Gutes bevorstehen an diesem so Über- frohen Tage, der ihr des Glücks beinah zuviel gebracht hatte? Walter Heßling hatte niemals mit Jlaro über feine Gefühle für Mariella gesprochen. Er hielt Jlaro für ein reines Kind. Und das war sie auch. Aber er hatte vergessen, daß bei den Naturvölkern, zu denen Jlaro durch ihre Umgebung ja ein wenig gehörte, der Instinkt viel wacher ist als bei den kultivierten Völkern. Ohne daß Doktor Heßling mit Jlaro je über seine Gefühle für die kleine Princi- pessa gesprochen hatte, wußte Jlaro, wie es um ihn stand. Zu oft während der Zeit ihrer Bekanntschaft hatte sie in feinen Augen gelesen, was Mariella ihm bedeutete. Leise klopfte sie an seine Kabinentür. Er stand am Fenster und fat) in die Ferne, als sie eintrat und ihm zuflüsterte: „Sie ist allein, amico mio, und Jlaro wird euch jede Störung fernhalten." Fort war sie wie ein Wirbelwind. Walter Heßling wollte erst empört ausfehen. Aber dazu kam er gar nicht mehr. Jlaro war schon auf und davon. Sie mußte immer noch in Erinnerung an Walter Heßlings betroffenes Gesicht lachen. Jetzt eilte sie hinaus und fiel Bonaglia, der bereits auf sie wartete, mit einem Jubelschrei um den Hals. „Mariella hat zu tun, Vater!" Der Schelm blitzte aus ihren Augen. „Können wir uns inzwischen Berlin ansehen? Es wird wohl ein bißchen dauern." Dann aber wurde sie ernst. „Jetzt habe ich einen Vater und eine Schwester", sagte sie still und lehnte ihr glühendes Antlitz an seine Schulter. Doch schnell war es mit der beiderseitigen Rührung vorbei, denn der Prinz brannte darauf, Jlaro mit Renate bekannt zu machen. „Mit der Lehrmeisterin der Tippgräfin", wie der Prinz lachend sagte. * Während Mariella neugierig der angekündigten zweiten Ueberraschung harrte, lief Heßling wie ein gefangener Löwe in feiner Kabine auf und ab, die fürwitzige Jlaro von Herzen verwünschend. „Schön", murmelte er vor sich hin, „also ich sehe sie wieder. Und was dann? Sicher hängt sie bestimmt noch immer an ihrem Verlobten. ,Guten Tag, Doktor', wird sie zu mir sagen, ,wo haben Sie denn so lange gesteckt?' Das wird alles sein. Und ich, ich werde in allen Kummer wieder hineingerissen, den ich jetzt ein wenig vergessen hatte. Solange ich noch etwas für Mariella tun konnte, war es für meine Sehnsucht nach ihr ein gewisser Trost. Aber jetzt — werde ich die Kraft haben, sie wiederzusehen und zu entsagen? Die Kraft, oft mit ihr zusammen zu sein, wie es noch nötig ist? Ihr Prozeß muß neu aufgenommen werden. Man muß die wirklich Schuldige finden und verurteilen. Erst wenn kein Stäubchen mehr auf Mariellas Namen liegt, ist meine Aufgabe erfüllt. Sv lange muß ich Kraft bewahren." Er richtete sich auf und ging dem kleinen Speise- faal des Luftschiffes zu. Er klopfte an. Glut bebte durch sein Herz. „Herein!" rief Mariella. Und schon der erste Ton ihrer geliebten Stimme verzauberte ihn ganz und gar. Wie durch einen Schleier hindurch sah er jetzt ihr süßes Antlitz, ihre strahlenden Augen, ihre zarte Figur. „Doktor, Sie?" Hatte er sich geirrt ober lag wirklich ein warmer, glücklicher Ton in den wenigen Worten, mit denen sie ihn begrüßte. Ein warmes Rot lag auf ihrem holden Antlitz, ihre Stimme zitterte. „Wie wunderschön, daß Sie am Leben sind, Herr Doktor! So hat sich mir noch einer meiner Wünsche erfüllt. Doch wie um alles in der Welt kommen Sie hierher?" Erstaunt musterte sie sein tiefgebräuntes, männlich schönes Antlitz. „Fragen Sie das den Herzog, Mariell... Prinzessin!"'sagte er stockend. Er war vollkommen verwirrt. Mariellas Gegenwart betäubte ihn geradezu vor Glück, so daß er "sich nur mühsam fassen konnte. Aber wie selbstsüchtig war er! Er hatte ja im Augenblick ganz vergessen, welch schweren Verlust Mariella erlitten. Oder hatte er es vergessen wollen? „Verzeihen Sie, Prinzessin", es klang reuevoll, „daß ich nicht gleich... Lassen Sie mich Ihnen sagen, wie sehr ich mit Ihnen fühle und um Ihretwegen den schweren Verlust beöaure, den Sie erlitten haben." Da hob Mariella ihr Gesicht. Frei und offen sah sie Heßling an: „Ich danke Ihnen, Doktor. Doch seit heute weiß ich, wie sehr ich diesen Verlust überschätzte. Sie sind der erste, zu dem ich darüber spreche. Ich habe mich in einer Täuschung über den Charakter meines Verlobten befunden. Und vielleicht auch in einer Selbsttäuschung über mein eigenes Gefühl. Ich war noch sehr jung und sehr einsam, als ich Erhard von Hagen fand. Nur so kann ich es mir heute erklären, daß ich so blind zu ihm hielt, obwohl mich in der letzten Zeit oft genug eine innere Stimme warnte Aber ich wollte diese innere Stimme nicht hören, Doktor Heßling. Denn wenn ich Erhard von Hagen nicht hatte, war ich ja ganz allein auf der Welt mit Tante Annina, die mich haßte." „Allein auf der Welt?" Sehr leise wiederholte es Doktor Heßling. „Oh, Mariella, wenn Sie nur früher die Wirklichkeit gesehen hätten, dann hätten Sie gewußt, daß Sie niemals allein waren, daß es einen Menschen gab, der--Aber verzeihen Sie, daß ich jetzt in diesem Augenblick von mir sprechen will." Da sah Mariella Heßling innig an: „Es gibt nichts, was Sie nicht dürfen, Doktor Heßling' Lassen Sie mich Ihnen nur eins sagen: Ich freue mich von ganzem Herzen, daß Sie hier find." „Sie — Sie freuen sich darüber, Mariella?" Wie ein Jubelruf kam es von Heßlings Lippen. Er preßte feinen Mund auf Mariellas zarte Hand, die sie ihm nicht entzog. „Mariella, lassen Sie mich noch schweigen von dem, was ich wünsche und träume! Doch wenn es mir einmal gelungen sein wird, das Unrecht Annina von Gellerns und seine Folgen von Ihnen zu nehmen, wenn kein Schatten mehr auf Ihnen ruht, darf ich dann sprechen?" Unendliche Liebe lag in seinem Blick. Aber es war nicht jene betäubende Flamme, die ihr aus Erhard von Hagens Augen so oft entgegenge- fchlagen. Hier stand ein Mann, demütig und doch seiner selbst sicher. Ein Mann, der sich nicht von einer Frau helfen ließ, sondern der dazu geschaffen war, die Frau seiner Liebe zu schützen und zu halten Da wich der letzte Schatten der Liebe zu Erhard von Hagen von Mariella. Unwillkürlich verglich sie ihn den sie bis zum heutigen Morgen noch für einen Helden gehalten, mit Heßling. Das Piedestal, auf das ihre kindliche Schwärmerei Erhard von Hagen gestellt, war zertrümmert und mit ihm die Erinnerung an ihn selbst. Ein Gefühl der wunderbaren Befreiung kam über sie. Heßling hatte ihre alles gegeben. Er hatte ihr den Vater wiedergebracht. Sie mußte ihm dankbar fein wie niemandem auf der Welt. Doch diese Dankbarkeit war kein Müssen, war kein Zwang — sie war ein tiefes Verlangen ihrer Seele. Und noch niemals war Mariella di Bonaglia undankbar gewesen. So sagte sie heiß errötend: „Warum wollen Sie solange warten, Doktor? Ich — ich wußte feit langem, daß Sie mir als Freund nahestanden. Unter Freunden darf man alles sagen, was man fühlt ..." „Auch — auch, wenn man feiner Sache nicht ganz sicher ist, Principessa?" Sie nickte. „Und wenn ich Ihnen sagen würde, daß Sie für mich das Teuerste auf der Welt sind — daß das Leben für mich in den letzten Monaten nur Sinn hatte, weil ich es für Sie in die Waagschale werfen durfte — was würden Sie dann antworten? „Das ...", erwiderte Mariella und legte ihre Arme um Heßlings Hals. „Mariella!" In seliger Erschütterung nannte er ihren Namen. Er glaubte zu träumen. Aber es war Wirklichkeit. Das waren Mariellas Arme, die er sühlte! Das war ihr geliebtes, zartes Gesicht dicht vor ihm. Sie ließ es zu, daß er sie küßte. „Wie gut, daß Vater Jlaro hat!" sagte sie zwischen Heßlings leidenschaftlichen Liebkosungen. „So ist er doch wenigstens nicht allein, wenn ich Frau Doktor Heßling werde." 28. Kapitel. Das Ende vom Lied. Das Kriminalgericht hatte feinen großen Tag. Die Affäre „Bonaglia kontra von Gellern" stand zur Verhandlung. Schon feit drei Tagen waren alle verfügbaren Karten zu diesem sensationellen Prozeß ausgegeben. Man hatte Annina von Gellern nicht oergeffen — und nicht den ersten Prozeß gegen Mariella, in dem Annina so hart gegen ihre Pflegetochter aufgetreten war. Die Sympathien waren noch immer, obgleich eine lange Zeit dazwischen- lag, bei Mariella Wenige Tage nach Mariellas erstem Prozeß war Annina wieder auf Reisen gegangen. Was sollte sie hier aus noch!, hatte sie gedacht. Sie konnte es nicht begreifen, daß fast alle ihre ehemaligen Freunde von ihr abgerückt waren, nachdem sie Mariella hatte fallen lassen. Gut, lebe ich in Zukunft auf Reisen!, hatte Annina sich selbst gesagt. Nach und nach wird man sich hier beruhigen — die Welt ist schnellebig. Andere Sensattonen werden kommen — man wird die Anteilnahme für Mariella vergessen. Also werde ich in Ruhe abwartenk (Schluß folgt.) volle Beziehungen an, und waren sich stets als Träger friedlicher Ideen ihrer Verantwortungen bewußt. Dr. Scheibe schloß seinen Vortrag mit den Worten, daß alle Mühe und alle Lasten von den fechs jungen deutschen Menschen freudig getragen worden seien unter dem einen Gedanken: „Für Deutschland!" Anhaltender Beifall wurde dem Redner zuteil. Seine Magnifizenz der Rektor unserer Universität, Prof. Dr. Pfähler, sprach Dr. Scheibe mit besonderem Nachdruck den Dank und die Anerkennung der Universität für seine Dienste, die er dem Vaterland und der Ludwigs-Universität geleistet hat, aus. Als äußeres Zeichen der Anerkennung überreichte er ihm eine schöne Vase. Kirche und Schule. Landkreis Gießen 00 Nonnenroth, 22. April. Einer Anregung der hessischen Schulbehörde folgend, erhält der Beginn des neuen Schuljahres eine besonders würdige Form durch die kirchliche Feier, die der Einführung der Kleinen in die Schule vorausgeht. Im geschloffenen Zuge marschierte hier am ersten Schultage die Klasse mit ihrem Lehrer, an der Spitze die Mütter, die Abcschützen an der Hand führend, unter dem Geläute der Glocken hinauf zur Kirche. Die Gemeinde, insbesondere die Angehörigen der Kleinen und ihre Paten, nahmen an der schlichten, eindrucksvollen Feierstunde teil. Dieser kirchlich-religiöse Auftakt zur Arbeit an den Kindern im neuen Schuljahr ist ollen Beteiligten bereits zum inneren Bedürfnis geworden und Hal sich als feststehender Brauch im Leben der Schule und der Gemeinde herausgebildet. Nach Beendi- aung des Gottesdienstes ging es im Zuge zur Schule. Stolz, den großen Ranzen auf dem kleinen Rücken, und voller Erwartung schritten sie — zwei Buben und drei Mädchen — durch das Tor zu ihrer schönen Schule. Der Brezelmann hatte heimlich und unbemerkt auf den Rasen im Schulgarten gewaltig große Brezeln, mit bunten Seidenbändern geschmückt, abgelegt, bei deren Anblick sofort ein Wettrennen mit dem klappernden Ranzen nach dem ersehnten Ziele einsetzte. Und als die Kleinen dann im Gebüsch noch die Zuckertüten entdeckten, da wurden ihre kleinen Herzen von der Erfüllung all ihrer Wünsche, von denen sie schon seit Wochen redeten und träumten, fast überwältigt. Daß die Schule nicht nur Freuden, sondern auch Hebung in stiller Geduld fordert, mußten sie bald hernach erfahren, als die Kamera die Bedeutung des ersten Schulganges im Bild festhalten wollte. Schier verzweifelt würden aber die Mienen in dem Augenblick, da die Brezel unter den Armen infolge ihrer Güte zu zerbrechen drohte und das Vögelchen immer noch nicht aus dem schwarzen Kasten herausgeflogen kam. Schlußstand der pstichlspiele im Handball im Kreis8 Lahr-Dill. Nachdem in der Zwischenzeit alle noch restlichen Spiele erledigt und die Aufstiegspiele in der II. Kreisklasse in vollem Gange sind, ist es an der Zeit, die endgültigen Tabellen in den einzelnen Klassen bekanntzumachen. Dazu ist zu sagen, daß der Schlußstand der I. Kreisklasse bereits veröffentlicht wurde. Sieger wurde die Turn- und Sportgemeinde Wetzlar-Niedergirmes mit einem Punkt Vorsprung vor To. Hörnsheim. Die Spiele der II. Kreisklasse haben spannende Endkämpfe gebracht, die meisten Staffelsieger konnten nur ganz knapp ihre Führung behaupten. II. Kreisklasse: Staffel 1: Dutenhofen Mendorf (Lahn) Nauborn Wetzlar II 45:21 Tore 33:36 „ 31:39 „ 28:49 „ 10: 2 Punkte 8: 4 „ 2: 4 „ 2:10 „ Allendorf, das die besten Aussichten hatte, fiel durch starke Schwächung seiner Mannschaft zurück. Es wäre interessant geworden, die beiden Spitzenreiter Dutenhofen und Allendorf im Entscheidungs- fpiel zu sehen. Staffel 2: Allendorf (Lumda) Londorf Wißmar Beuern Treis 50:37 Tore 29:26 „ 39:37 „ 37:32 „ 24:43 „ 12: 4 Punkte 10: 6 „ 10: 6 „ 8: 8 1: 7 „ Auch hier ist der Unterschied nur ganz knapp. Besonders Londorf und Wißmar haben sich tapfer gehalten. Beuern und Treis waren gegen Ende der Runde stark geschwächt. Mit Allendorf hat wohl die beständigste Mannschaft die Spitze erkämpft. Staffel 3: Grüningen 66:35 Tore 11: 1 Punkte Hausen 45:37 „ 9: 3 „ Spvg. 1900 Gießen II 32:37 „ 4: 8 „ Ebersgöns 22:56 „ 0:12 „ Lich und Garbenteich schieden vorzeitig aus, so daß der erwartete spannende Endkampf nur zwischen Grüningen und Hausen stattfinden konnte. Hausen hatte etwas Pech. Staffel 4: Alsfeld 66:17 Tore 18: 2 Punkte Burg-Gemüngen 64:34 15: 5 „ Romrod 68:27 13: 7 „ Homberg 59:33 ■ t 12: 8 „ Nieder-Ohmen 20:83 ■1 2:18 „ Bernsfeld 7:81 0:20 „ Der Unterschied zwischen dem ersten und zweiten Platz ist hier schon etwas deutlicher. Turn-Verein Alsfeld ist verdienter Staffelsieger geworden. Die Mannschaft geht mit den besten Aussichten in dem Kampf um den Aufstieg. Untere Mannschaften. Hochelheim II 18:15 Tore 6:2 Punkte Heuchelheim II 19:17 „ 5:3 „ Erda 11:18 „ 1:7 „ Der Sieg Hochelheims lst verdient, obwohl Heuchelheim zum mindesten ebenbürtig war. Münchholzhausen hatte seine Mannschaft vorzeitig zurückgezogen. Jugendklasse. Gerade die Jugendklasse hat bewiesen, daß sie zu spielen versteht und daß vor allem der Handball bei der Jugend marschiert. Die Zahl der Jugendmannschaft hat sich inzwischen noch vergrößert. Staffel 2: Lang-Göns II Lützellinden Holzheim Grüningen Lich Garbenteich 74:35 Tore 18: 2 Punkte 66:31 „ 16: 4 „ 58:26 „ 12: 8 „ 33:53 „ 8:12 „ 26:53 „ 6.14 „ 16:75 „ 0:20 „ lieber welche Kräfte die Juqendabteilung des Tv. Lang-Göns verfügt, beweist der Sieg der zweiten Jugendmannschaft in dieser starken Gruppe. Aber auch Lützellinden ist nicht schlechter. Die Mannschaft hat sich sogar in der letzten Zeit sehr gut entwickelt und wird in den Entscheidungsspielen wahrscheinlich noch ein Wort mitsprechen. Staffel 3: Lang-Göns I 1846 Gießen Mtv. Gießen Spvg. 1900 Gießen 49: 8 Tore 34:30 „ 21:33 „ 19:47 „ Auch hier hat sich Lang-Göns mit sprung die Spitze erkämpft. Gerade gend wird zu beweisen haben, ob der besten Jugendmannschaften zu sein, steht oder nicht. Gut gehalten haben gens von 1846 Gießen. 12: 0 Punkte 8: 4 „ 4: 8 „ 0:12 „ großem Vor- die erste Ju- Ruf, eine der zu Recht be- sich die Jun- 60:16 Tore 14: 2 Punkte war 8: 8 6:10 6:10 6:10 35:33 23:24 25:45 30:45 Staffel 4: Ruttershausen Londorf Staufenberg Krofdorf Wißmar Ruttershausen sar seinen Gegnern weit überlegen, so daß es die Spitze unangefochten erreicht hat. Interessant ist die ungefähr gleiche Spielstarke der übrigen Mannschaften. Der erste Start Irankfurt-Südamerika. I ---- ■' ■ ■ Die Heinkel-Maschine „He 70" startete heute morgen vom Frankfurter Flughafen aus zum ersten nach Südamerika. — (DNB.-Heimatbilderdienst. Photo: Schmidter.) Flug LPD. Frankfurt a. M., 23. April. Heute früh gegen 5 Uhr startete auf dem Flughafen Rebstock die Heinkelmaschine „He 7 0" zum ersten Transatlantikflug nach Südamerika. Dieser Flugdienst, der bisher von Stuttgart aus erfolgte, dient bekanntlich ausschließlich der Postbeförderung und ist somit in Ergänzung des Luftschiffverkehrs besonders für die rhein-mainische Wirtschaft von außerordentlicher Bedeutung. Die Strecke führt zunächst nach Marseille, wo ein kleiner Betriebsaufenthalt vorgesehen ist. Dann geht es weiter bis nach Sevilla. Hier wird die Post in dreimotorige Dornier-Wasserflugzeuge umgeladen, die längs der afrikanischen Küste bis Bathurst fliegen, von wo aus nun die eigentliche Ozean- Überquerung nach Rio de Janeiro bzw. Buenos Aires unter Benutzung der schwimmenden Flugzeugstützpunkte „Westfalen" und „Schwabenland" erfolgt. Dort trifft die Maschine am Sonntag ein. Die für die Flugstrecke Frankfurt a. M.—Sevilla vorgesehene Heinkel-Blitzmaschine „He 111" wird erst vom kommenden Donnerstag ab eingesetzt. Ihre Reisegeschwindigkeit liegt bei 360 km/st, so daß sie in etwa 3Vs Stunden in Marseille und nach dem hier vorgesehenen Aufenthalt etwa 8 Stunden nach dem Start in Frankfurt bereits in Sevilla eintrifft. Unerwarteter Ausgang der Adter-Rekordschrten. Der Wagen verbrannt.—Sechs internationale Klaffenrekorde. Die Prüfungsfahrten des 1,7 Liter-Adler-Trumpf- Stromlinienwagens, die im Hinblick auf das bevorstehende 24-Stundenrennen von Le Mans auf dem Autobahn-Abschnitt Frankfurt a. M.-Viernheim durchgeführt wurden, mußten in der Frühe des Mittwochs abgebrochen werden. Infolge eines Kurzschlusses fing der Wagen Feuer und brannte ab. Der Fahrer konnte sich noch rechtzeitig in Sicherheit bringen. Die Untersuchung des Wagens auf die Brandursache hin hat ergeben, daß die Entlüftungsmechanik der stromlinienförmigen Karosserie einer Nachprüfung bedarf. Man nimmt an, daß bei der Geschwindigkeit von 190 Stundenkilometer ein Staudruck im Motorraum entstanden ist, der durch Auswerfen von Del aus der Wanne und durch die Erschütterung während der Fahrt sich mit einem Oeldunst anfüllte. Dieser Deldunst wurde durch Funkenauswurf, der durch Bruch eines Kabels entstand, entzündet und verursachte so den Brand des Wagens. Bekanntlich hat die stromlinienförmige Karosserie keinen Sehschlitz, sodaß die Entlüftung durch eine besondere Mechanik durchgeführt werden muß. Bis zu dem tragischen Abschluß der Fahrten waren von den Fahrern folgende neuen internationalen Klassenrekorde aufgestellt worden: 12 Stunden: 1913,812 Kilometer = 159,484 Stundenkilometer (alter Rekord 148,247), 2000 Kilometer: 12:30:40,4 Stunden = 159,856 Stundenkilometer (158,247 Stundenkilometer), 3000 Kilometer: 18:35:25,5 Stunden = 161,373 Stundenkilometer (157,326 Stundenkilometer), 2000 Meilen: 19:55:18,6 Stunden = 161,565 Stundenkilometer (157,318 Stundenkilometer), 24 Stunden: 3854,356 Kilometer — 160,597 Stundenkilometer (157,239 Stundenkilometer), 4000 Kilometer: 24:56:28 Stunden — 160,377 Stundenkilometer (155,907 Stundenkilometer). Während der ersten Runden störten Schneetreiben und die dadurch bedingte Glätte des Kurses die Geschwindigkeit. Bei günstigen Voraussetzungen hätten, wie sich im weiteren Verlauf der Fahrt ergab, weitaus bessere Zeiten herausgeholt werden können. Gegen Schluß der Rekordfahrt kam der Wagen auf Durchschnittsgeschwindigkeiten bis zu 190 Stundenkilometer. Ihre Verlobung geben bekannt Otty Wagner Heinrich Seibert Gießen, am 23. April 1936 Derastraße 3 Leihgefterner Weg 19 oi w 2567 V MW Wir laden ein zur Besichtigung unsrer SCHLEPPER KARAWANE Vorführung in Gießen am 25. April, ab 9 Uhr vorm., in der Plockstraße Humboldt- Deutzmotoren g. Frankfurt a.M., Adolf-Hitler-Anlage 2 Pauline Richtberg Arthur Kilo Gießen Mühlstraße 32 Verlobte Löhnberg/Pfannerhof Gießen 23. April 1936 2566 D Für die vielen Glückwünsche und Geschenke anläßlich der Vermählung und Konfirmation in unserer Familie sprechen herzlichen Dank aus Lollar, April 1936 Familie Georg Seih Familie Karl Seth 2576 L) -Schleier • modehaus ■ Ä: Schaeherstr I • SCHULSTR. 4 | lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll Ala Alizeigen-Attiengesellschafl Annahme von Anzeigen für alle Zeitungen und Zeitschristev Gletzen / Stbulttvatze Z IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIHIIIIHIIll | Verschiedenes Eich.-Gartenpfost. rund und kantig Eich.-Schwarten Eich.-Brennholz kurz oder lang weg. Mangel an 'Jlautn billig abzugeben. 2060D J. Wellhöfer Sägewerk Marburg. Str.24 Samstag, 40.30Uhr im C*af6 Leib LichWderWrag des Kameraden Bnit.-ProLSessous Siehe Anzeige d. Arbeitsgemeinschaft Giehener Soldaten- kameradschaften. Der Vorstand. 2571D Erzeugnissen. Man stellt eich die Beschaffenheit Ihrer Waren so vor. wie man Briefbogen, Briefumschläge, Postkarten, Rechnungen, Geschäfte karten Ihres Hauses beurteilt. Legen Sie deshalb Wert auf gepflegte Drucksachen I Wir bieten sie Ihnen Brühl’sche Druckerei, Schulstr. 7, Ruf 2251 Auffovdevrrng. Hiermit fordern wir letztmals alle diejenigen Inhaber von Aufwertungssparbüchern mit Aufwertungsbeträgen unter Nm. 25.— auf, die Bücher zwecks Auszahlung bei unserer Kasse inGroßen- Linden, Frankfurter Ltr. 68, bis zum 31. Mai 1936 vorzulegen, andernfalls die Aufwertungsbeträge unter Nm. 25.- am 1. Juni 1936 verfallen. 2575V Großen-Linden, 22. Avnl 1936. Spar- und Vorschustvcrein 51(9. Grosten-Linden. Keßler, Dir. Keßler, Rechn. Nachlässe von 3 bis 20 v. H. erhalten Sie bei wiederholten Veröffentlichungen einer Anzeige! Geschäftsstelle: I ohannesstr.16 v.L Geschäftszeit täglich ü. 15-17 Uhr, außer SamstagS. Telephon 4176. Ihre Geschäftsdrucksachen Mimin Sieden e.V. Einladung zur Jahreshauptversammlung am Freitag, dem 24. April 1936, um 20V2 U6r, im Kühlen Grund, Reuen Bäue 5. Kein Trinkzwang! Bekanntmachung. Für den weiteren Ausbau der Schlageler-Allee sollen die Erdarbeiten vergeben werden. Angebotsvordrucke, die bei uns erhältlich, sind bis zum Verdingungstermin am 2570D Mittwoch, dem 29. April 1936, vormittags 10 Uhr bei uns abzugeben. Zuschlags- und Bindefrist 3 Wochen. Gießen, den 22. April 1936. Städtisches Hoch- und Tiefbauamt. G r a v e r t. -Ostermayr- nisse. voller bezwingender Konflikte, voller dramat. Höhepunkte. Kulturfilm —- Ufa-Ton-Woche Heute Donnerstag: Erstaufführung 2568 A Lichtspielhaus ♦ Gießen F Ein Kriminal - Schauspiel von außerordentlicher Spannung nach dem vielgelesenen Roman von Rudolf Stratz mit: Carola Höhn, Hans Stiiwe Käthe Haack, Walter Steinbeck Hans Zesch-Ballot, K. Hellmer Sie« eine so Es1«-” E Äsrüstuna sln K-Jäö »di- Jfinii C,( 3* c. $ 1* l,- Ö«1 Will ft* Wds, ist. r Wggebend siir die tung mar damals d kn, bie von der gt .'.dadurch erhöhten § ; joUten. Es ist obi ! platter behaupten, Ifür die Rüstung Mr heeresauszab' lirauiilid). Die englische Z Ides Vorjahres gl ßllhamberlain eilt I nach war die inb: illtiegen, die Ausf gegenüber dem 5 Leitungskosten la ij|d931, die Erzeugu 1 Fohres um 30, d I '{liegen. Die Qpai I Mhme von 50 Mi i Budget des Jahre i; ion 7,5 Millionen ■ Mden die Gesan i; lie Gesamtausaal ' k^ätzt. Chambei i s'lMteten Uebei I ^leuerveränderuni I !e Nnügungsf ,i.9reigrende bei < Damals sac {eines L I »»7™ *rs. £ gestiegen, u prte Aftunaen aber i ei« geh £ »Ä J« 776,6 3J S °°° 753 M wovon ir ft d°r (Einfi SK- ^1?llIlonen 1 Ä LK» ld» Ä? M ti '«Itegeftft übe W. SIS ^cnkungen Mcrdings I Fffi am 17. kiille Lhmb-ilm | En „Erholungsbud! »/«MW . 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