186. Jahrgang Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Nr. 222 Erstes Blatt 186. Jahrgang Dienstag, 22. September 1036 . Annahme von Anzeige» Erscheint täglich, nutzer ■■■f Ä d für die Mittagsnummer az"S2: jTI ▲▲ a aaAI<* Gi-t-en-r Familienblättei M WÄ W j« WV KB WW ■■ W JW ■ A HM «▼ Erundpreile lür, mm hohe Heimat im Bild - Die Scholle ffl IHW M M 'W- fl ■Hfl H jy H H H X fl Jr H fl Hfl H für Anzeigen von 22 mm =s=fä VlkMIlkl ^lIlivlUvl -MUS von einzelnen Nummern IV^ Stellen- Vereins- gemein- MW General-Anzeiger für Oberhessen richten: Anzeiger Gießen V W I behördlicheAnzeigen6Rpf. $r«.ifurtMa*n 11686 Druck uitb Verlag: vrühl'sche Univerfitäts vuch- und Steindruckerei «.Lange in Stehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe r M-ng°nabschiüff-Staffel8 Aufmarsch zur Großen Herbstübung 1936 diesen neuen gesteigerten Aus- äfte und ihr Können steigern. Kriegs Von ihrem Stand- Der Führer im Alanövergelände so ist auch die Zivilbevölkerung mit dabei, zu helfen, wo sie nur helfen kann. Dabei ist es gleich, ob es sich um die kunstgerechte Anlage von Straßensperren oder um Luftschutzmaßnahmen handelt. Für die Behörden ist diese Hilfeleistung ebenso selbstverständliche Pflicht, denn sie müßten ja auch im Ernstfall in gleicher Weise handeln und so sind sie in gewissem Sinne aktive Teilnehmer dieses Manövers geworden. Am Rande des Manövergebietes sind alle Dörfer, die für einen Tag zur Garnison geworden sind, reich beflaggt. Wir sehen vielfach Ehrenpforten mit der Inschrift: „Wir grüßen unsere Wehrmacht!" und Sonntag gab es keinen Ort ohne Manöverball. Sonntag war noch Freude und Friede, aber schon sind die Ordonnanzen unterwegs, die mit den Befehlen der Hebungsleitung diesen Friedenszustand beenden. Die Generäle sitzen schon über ihren Karten, in wenigen Stunden wissen auch die Divisionen Bescheid und der wohl sie etwas ermüdet gewesen seien, eine glänzende Marschdisziplin an den Tag gelegt hätten. Ihre körperliche Verfassung und ihr Geist seien hervorragend. Der Berliner „Times"-Korre- spondent schreibt: In den Beziehungen der Wehrmacht zur Bevölkerung bestehe der unerschütterliche Grundsatz, daß es eine Ehre sei, zu dienen und ein Unglück, wenn man aus irgend einem Grunde dazu nicht in der Lage sei. licher Richtung durch die gesegnete Wetterau mit ihren prächtigen Obst-Chausseen hinunter in das liebliche Kinzigtal. Auf allen für die Schlachtenbummler freigegebenen Wegen eilten die Schaulustigen zu Rad und zu Fuß den wenigen Höhen zu, von denen sie einen guten Ueberblick erhofften. Diele von ihnen schlossen sich mit ihren Fahrrädern den Spähtrupps an, um gleich die erste Feindberührung mitzuerleben. An allen Straßenkreuzungen, vornehmlich aber in den Städten und größeren Dörfern, waren SA., Arbeitsdienst, Gendarmerie und Feuerwehr als Absperrmannschaften oder zur Verkehrsregelung hilfsbereit eingesprungen. In Steinau hieß der Oberbefehlshaber der Gruppe II, General der Artillerie Ritter von L e e b , die Manövergäste willkommen. Immer zahlreicher werden auf der Weiterfahrt die vorgehenden Abteilungen Reiter, Radfahrer, Panzerabwehrkanonen, die, vorzüglich gedeckt, die Straße sichern sollen. Panzerspähwagen und motorisierte Truppen brausen vorüber. In Bauernhöfen stehen Flugzeug-Abwehrkanonen unter weitausladenden Bäumen. An der Straße finden wir gar einen Panzer-Flugzeugpark mit hervorragend versteckter Tankstelle und ein Ersatzteillager, das einer Strohdieme zum Verwechseln ähnlich sieht. In der Ferne beobachten wir einen Tieffliegerangriff auf marschierende Kolonnen, und nun hören wir auch zum ersten Mal das Hämmern der schweren Maschinengewehre und das Dröhnen der Flugzeugabwehrkanonen. Allgemein zeigen die Aufklärungsabteilungen das Bestreben, sich nicht in einen Kampf einzulassen, zumal sie keine Artillerie mit sich führen, die der Infanterie den Weg bahnen soll. In der Nähe des Vogelsberges gewinnen wir einen prachtvollen Ueberblick über das Land. Bei einem Vorstoß in das Hinterland treffen wir größere Kolonnen aller Waffen, im voraus eine Vortrupp-Kompanie und später ein Vorhut- Bataillon mit allen Marschsicherungen in der Flanke, zum Teil in Fliegermarschtiefe als Schutz gegen Luftangriffe, um wenig später den Angriff des Kampfgeschwaders auf ein anscheinend stark von gegnerischen Kräften besetztes Fleckchen zu erleben. Immer stärker werden die Kolonnen, und immer zahlreicher die Waffengattungen, die an uns vorüberziehen. Die Truppen, die zum Teil schon schwere Uebungstage hinter sich haben, machen einen vorzüglichen Eindruck. Braungebrannt ziehen sie mit heiteren Scherzrufen vorbei. An den Straßen stehen die Bewohner, ihnen Erfrischungen anzubieten. „Ausklärung" die Ausgabe des ersten llebungsiages englische Journalisten von „Kampfgebiet" durchfahren. quartier Bad-Nauheim ging es zunächst in süd- rasch vorüberzog. Schon volle zwei Stunden haben die Ehrengäste der Manöverleitung und die „Kriegs- berichterstatte r", unter denen sich auch einige ~ Ruf befinden, das $ulba, 21. Sept (CpD.) Am ersten Tage dec großen Herbstmanöver besichtigte der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht an zahlreichen Punkten des Wanövergeländes dieTruppenbei ihremVormarsch nach den Ausgangsstellungen. In allen Dörfern, durch die der Führer kam, wurden ihm von der Bevölkerung begeisterte Kundgebungen zuteil. Guter Eindruck bei englischen Beobachtern. London, 22. Sept. (DNB.) Die englische Presse widmet den großen Herbstmanövern der deutschen Land- und Luftstreitkräfte lange Berichte. Mehrere Blätter haben auf Einladung der deutschen Regierung ihre militärischen Korrespondenten zu den Manövern entsandt. Generalmajor T e m p e r l e y, der militärische Korrespondent des „Daily Telegraph" schreibt in seiner ausführlichen Schilderung u. a.: Alle Dörfer im Manävergebiet haben durch die vielen Hakenkreuzflaggen festliches Aussehen erhalten. Alles macht Ferien und kommt in den Straßen zusammen, in der Hoffnung, den Führer und die Armee zu sehen, die überall mit Begeisterung begrüßt wird. Das ist ein klarer Beweis für den Stolz, den das Volk in feine Armee setzt. "— Der Korrespondent erklärt, daß die Truppen, wie er gesehen habe, ob- Giganten des Straßenbaus. Das gegenwärtig größte Bauunternehmen der Welt, die Reichsautobahnen, gehen einem wichtigen Abschnitt ihrer Vollendung entgegen. In wenigen Tagen werden die ersten t a u s e n d Kilo m e t e r Reichsautobahnen dem Verkehr übergeben sein. Wir erinnern uns aus diesem Anlaß, daß noch 1933 und 1934, ja selbst im vorigen Jahr noch, berühmte Fachleute des In- und Auslandes durch langwierige Berechnungen festgestellt haben, daß die Herstellung der Reichsautobahnen in der geplanten Zeit, in dem geplanten Umfang und in der geplanten Qualität ein Ding der Unmöglichkeit sei. Tatsächlich ist in diesen drei Jahren eine so ungeheure Arbeitsleistung vollbracht worden, hat das deutsche Straßenbauwesen in dieser kurzen Zeit eine so rapide Entwicklung durchlaufen, wie man es in früheren Zeiten und heute noch in anderen Ländern nie für denkbar gehalten hat. Als der Führer am Tag der nationalen Arbeit 1933 dem deutschen Volke den Plan dieses riesigen Straßenbaues verkündete, fehlten alle Hilfsmittel technischer, finanzieller und personeller Art, welche für ein so großes Projekt notwendig sind. Trotzdem wurde das unmöglich Scheinende möglich gemacht. Einige Daten mögen die Schnelligkeit des Unternehmens Wir freuen uns unserer neuen Waffen, die den Schutz unserer Heimat gewährleisten. Wir vergessen aber auch nicht, daß wir damit nur nachgeholt haben, was andere Länder schon seit langem schufen. Wir vergessen aber vor allem nicht, daß nach wie vor, bei der Reichswehrübung unter den Augen Hindenburgs wie bei der Großen Herbstübung des Jahres 1936, es die Infanterie ist, die immer und überall die Hauptlast des Kampfes zu tragen hat und der deshalb auch die Ehre zuteil wird, die Entscheidung erzwungen zu haben. Die militärische Bedeutung gerade dieser Hebung liegt aber auch darin, daß sie den Abschluß, ja man darf mit gutem Gewissen sagen, d i e Krönung des ersten Jahres der allgemeinen Wehrpflicht darstellt. Die Truppen sind nicht erst seit gestern aus ihren Ganisonen ausgeruckt, sondern sie haben zum größten Teil schon seit mehreren Wochen Geländeübungen hinter sich, bei denen stets das letzte an Kraft, Willen und Manneszucht verlangt wurde. Ob Regen, ob Sturm, ob blauer Herbsthimmel, das war gleich^Bei kriegsmäßigen Hebungen kann auf das Wetter keine Rücksicht genommen werden, und wegen eines Schnupfens ist noch nie ein Manöver abgeblasen worden. Im Regimentsverbande mußte der Soldat lernen, sich im Gelände zu bewegen, die Divisions- Übungen brachten schon kriegsahnliche Kampfbilder, die Hebungen des V. und IX Armeekorps, die zu ihrem Abschluß Paraden vor dem Obersten Befehlshaber der Wehrmacht brachten stellten wiederum neue Aufgaben und die Große Herbftübung stellt jetzt die beiden Armeekorps gegeneinander und Führung und Truppen müssen an diesen neuen gesteigerten -Ausgaben auch ihre Kräfte und ihr Können st^gern. Daß aber diese Aufgaben überhaupt gestellt werden fönhen, jetzt schon nach einem Jahre, das erfüllt uns alle mit besonderer Freude, denn das beweist allein schon, wie der Aufbau der neuen W h macht fortgeschritten ist. ... Wie bei allen militärischen Hebungen kämpft auch diesmal eine blaue Armee gegen eine rote. Eine Schilderung der Kriegsausgangslage ist deshalb sinnlos, weil der Leser und vielfach sogar der Zuschauer die taktischen und strategischen Emz - heiten doch nicht zu überblicken vermag. $auP ' fache ist die Ausbildung der TrupPe und der Führer in größeren Verbandey, das sagt genug. Betont werden soll aber noch, daß nut der angenommenen Kriegslage keinerlei sche Demonstrationsabsicht verknüpft ist. Im übrigen aber sind Einzelheiten der angenommenen Kriegslage überhaupt nicht festgelegt worden. E wird nämlich, im Gegensatz zürn Brauch in anderen Armeen, kein gestelltes Gefecht gezeigt, sondern die Führung von Blau und Rot ist r n^i h re n Beschlüssen völlig frei und die Hebungsleitung sorgt lediglich dafür, daß die Uebung tim allgemeinen Rahmen kriegsahnlich b T>a? uVbuV g sqdä n d e kommt den Absichten der Hebungsleitung entgegen. Der ^echtsraum der den Vogelsberg, den Spessart und die Hohe Rhön einschließt, ist ein militärisch äußerst interessantes Gebiet. Es enthält freies und bewegtes Gelände in vielfacher Abwechslung und. laßt so Raum für vielfache und wechselnde EntMießungen. Die Truppen werden es dabei nicht leicht haben, aber das ist ja auch nicht der Sinn der Sache. Auch für die Bevölkerung im Manövergebiet bringen die nächsten Tage Einschränkungen mancherlei Art, diese Einschränkungen sind uni so großer je knegs- echter das Bild sein soll. Daß diese Einschränkungen mit Selbstverständlichkeit getragen werden sott aber doch festgestellt werden. Die beste Ausbildung unserer Armee ist das ureigenste Interesse aller. Und Krieg im Frieden. Von unserem K. Br.-Sonderberichterstatter. Bad-Nauheim, 21. September 1936. Eine deutsche Landschaft hat über Nacht ein anderes Gesicht bekommen. Dort, wo eben noch schwere Ackerwagen die Ernte heimbrachten, marschieren lange graue Soldatenkolonnen, rollen die Räder der Heereskraftwagen. In langen Reihen schiebt alles sich vorwärts, um pünktlich zur festgesetzten Stunde am Ausgangspunkt zu stehen, am Ausgangspunkt des größten deutschen Manövers dieses Jahres, das den amtlichen Namen „Große Herb st Übung 193 6" trägt. Dieser Hebung kommt im mehrfachen Sinn Bedeutung zu. Es ist das größte deutsche Manöver der Nachkriegszeit überhaupt. Noch sehen wir in unserer Erinnerung den greifen Generalfeldmarschall von Hindenburg bei den Hebungen der Reichswehr. Sein Herz mußte ihm, der die großen Kriegsarmeen befehligt hatte, geblutet haben, als er sehen mußte, wie man sich bei dieser Hebung mit kümmerlichen Atrappen behalf und wie Kompanien Bataillone, ja Regimenter darstellen mußten. Wie anders ist das alles hier und heute! Hier gibt es keine Atrappen mehr, hier treten kriegsbrauchbare Panzerkampfwagen in Aktion, genau so wie bei den Manövern der anderen Staaten. Hier ergänzen Aufklärungsstreitkräfte der Luft und Kampfgeschwader das kriegsmäßige Bild, denn bei dieser Uebung wirken zum ersten Male Heeresteile und Verbände der Luftwaffe gemeinsam mit. Und trotzalledem darf gerade in diesen Tagen der großen Herbstübung die treue Arbeit der Reichswehr von einst nicht gering geachtet werden. Erst diese Arbeit hat das jetzt begonnene einzigartige Manöver vorbereitet, dazu kam des Führers Tat, der mit der Schaffung der Wehrfreiheit das Werk vollendete. Oer Reichsaußenminister in Budapest. Budapest, 21. Sept. (DNB.) Reichsaußenminister Freiherr von Neurath besuchte am Sonntaavormittag im Außenministerium den ungarischen Außenminister von Kanya, mit dem ihn langjährige persönliche Bande verknüpfen. Am Abend gab Außenminister von Kanya im Ungarischen Nationalkasino zu Ehren des Reichsauhenministers e i n ® ff e n in engem Kreise, an dem auch mehrere Mitglieder der ungarischen Regierung teilnahmen. — Reichsauhenminister von Neurath folgte am Montag einer Einladung des Reichsverwesers Admiral von Hort Hy nach dem in der Nähe von Budapest gelegenen Schloß Gödö11ö zur Teilnahme an einer Hirschjagd Am Samstagabend veranstaltete der Reichsverweser zu Ehren des deutschen Reichsaußenministers ein Essen, an dem tue Mitglieder der Regierung, der Generalität und der deutsche Gesandte von Mackensen teilnahmen. nächste Tag bringt den Krieg im Frieden. Bad-Nauheim, die Stadt der Herzkranken ist inzwischen zu einer Stadt der Herzgesunden geworden. Dort wo man sonst nur langsam und leise geht, knallen jetzt derbe eisenbenagelte Soldatenstiefel auf das Pflaster und wie herzgesund diese Soldaten sind, sieht man daraus, daß die beiden Mädchen, die fast jeder spazieren führt, ihnen auch nicht die geringsten Herzbeschwerden machen. Auf der Kurhausterrasse schaut ein deutscher Konsul aus Schanghai, der in Nauheim Erholung sucht, mit Staunen auf dies Treiben. Vor 15 Jahren hat er die Heimat verlassen und kann kaum glauben, was er jetzt vor Augen sieht. Damals Wirrnis und Hoffnungslosigkeit, — und heute? Auf fester Zuversicht gegründetes Vertrauen und Sicherheit. Diese Zuversicht und Sicherheit marschiert durch alle Straßen und in den nächsten Tagen wird in der Großen Herbstübung 1936 bewiesen werden, wie fest und sicher diese Zuversicht begründet ist. veranschaulichen. Knapp zwei Monate nach der Verkündung des Führers wurde in Frankfurt a. M. die erste Oberste Bauleitung eingerichtet, einige Tage darauf das Reichsgesetz über das Hnternehmen „Reichsautobahnen" veröffentlicht, wieder einige Tage später, am 30. Juni, Dr. Todt zum Inspektor für das deutsche Straßenwesen ernannt und dem Führer unmittelbar unterstellt. Am 23. September eröffnete der Führer durch den ersten Spatenstich den Bau der Strecke Frankfurt a. M. - Darmstadt. Diese Teilstrecke war bereits gut anderthalb Jahre später, am 19. Mai 1935, fertiggestellt und wurde dem Verkehr übergeben. Zum Bau freigegeben waren Weihnachten 1933 bereits 1000 Kilometer, März 1934 schon 1500 Kilometer und heute ind es rund 4000 Kilometer. Es ist klar, daß dieses gewaltige Hnternehmen nicht mit den alten Methoden der Wirtschaft, aber auch nicht mit den 1933 vorhandenen straßenbau- technischen Mitteln bewältigt werden konnte. Die gegenwärtig in München aufgebaute deutsche Straßenbauausstellung 1936 gibt auch dem Laien einen Einblick in die Fortschritte, welche die deutsche Straßenbautechnik in den letzten drei Jahren gemacht hat, sie zeigt ihm, daß der Straßenbau, früher ein Nebenfach des Ingenieurs, heute sich zu einer selbständigen Wissenschaft ent» wickelt hat, daß er zu einem Beruf geworden ist, wie jeder andere auch. Riesenhafte Maschinen, wahre Giganten des Straßenbaues, find entstanden, die man 1934 noch nicht einmal dem Namen nach, geschweige denn ihrem Arbeitsprinzip nach kannte. Sie mußten aber erfunden und gebaut werden, wenn überhaupt die Straßen Adolf Hitlers den vorgefchriebenen Richtlinien und den Erfordernissen des neuzeitlichen Verkehrs gemäß vollendet werden sollten. Zwei Voraussetzungen vor allem mußten in technischer Hinsicht beim Bau der Autobahnen erfüllt werden: Planebenheit und Dieselfestigkeit. Das heißt, die Ebenheit der Straßen mußte auf den Millimeter genau berechnet und ausgeführt werden, um eine höchste Fahrgeschwindigkeit für die Personenwagen, aber auch für die schweren Lastkraftwagen zu erlauben. Die Straßen mußten außerdem eine ungewöhnliche F e st i g k e i t aufweisen, um der Beanspruchung durch die schnellfahrenden Lastkraftwagen, meistens Dieselfahrzeuge, gewachsen zu sein. Letztere Forderung wird besonders verständlich, wenn man die Gewichts- und Geschwindigkeitssteigerung der Lastwagen in den letzten Jahren in Betracht zieht. Zum Beisipel hat der Fünf-Tonner-Lastwagen seit 1924 seine Geschwindigkeit von 35 auf über 60 Stundenkilometer erhöht. Die Tragkraft steigerte sich bei Lastwagen von 9000 Kilogramm auf 13000 Kilogramm, sie wird wahrscheinlich in der Zukunft, wenn die 7000 Kilometer Autobahnen dem Fernverkehr neue Aussichten eröffnet haben, noch weiter anwachsen. Die Straßen des Führers aber sollen Straßen der Zukunft fein, sie dürfen auch nicht nach ein paar Jahren reparaturbedürftig inerten, weil damit ihr wirtschaftlicher Nutzen erheblich an Wert verlieren würde. So wurden ganz neue Arbeitsverfahren und Maschinen durch den deutschen Ingenieur entwickelt, die sowohl eine äußerst schnelle als auch eine äußerst feste Bauweise gewährleisten. Da sind die neuen Stampf- und Hammerfertiger, riesige Hniversalmaschinen, die eine vollständige Straße, also Unterbau und Decke, allein ohne irgendwelche zusätzliche Maschinen- oder Handarbeit Herstellen können. Sie fahren auf Schienen über die Fahrstrecke und besitzen eine Skala zur Höheneinstellung, die eine auf den Millimeter genau berechnete Oberflächengestaltung eröglicht. Wichtiger als diese Maschinen, die früher auch schon in Amerika, wenn auch nicht in solcher Vervollkommnung gebraucht wurden, sind die großen R ü 11 e l m a s ch i - neu, die im Gegensatz zu den vorhin erwähnten Fertigern den Straßen'baustosf nicht durch Stomp- fen, sondern durch Rütteln bis zur äußerst möglichen Grenze verdichten. Auch diese „Hochfrequenzschwingungsverdichter", die int Laufe des letzten Jahres erst in Deutschland entwickelt wurden, arbeiten über die ganze Straßenbreite, also über 7,5 Meter. Die Nordamerikaner kannten das Prinzip der Rüttelmaschinen zwar auch schon, aber ihre Versuche waren nie befriedigend, und ihre Mas eignen gelangten über eine Breite von drei Meter nicht hinaus. Der Hochfrequenzschwingverdichter beruht auf der Erfahrung, daß lose geschüttete Bau- Der erste Tag der großen Herbstübungen brachte noch keine größeren Kampfhandlungen. Die Parteien, die in der Frühe des Montags zunächst ihre Aufklärungsabteilungen in das Hebungsgebiet entsandten, waren selbstverständlich über die Stellung und die Bewegungen des Gegners, seine Stärke und Bewaffnung völlig im unklaren. Das alles galt es zunächst einmal zu erkunden. Die Schwierigkeit der Aufgabe wuchs durch das außerordentlich zerklüftete, stark bewaldete, von vielen Senken durchzogene und wegearme Gebiet, das nur wenige Höhen aufweift, die einen größeren Einblick in das Gelände gestatten. Hinzu kommt die rein räumliche Ausdehnung des als Ope- ralionsbasis vorgesehenen Raumes, die etwa 130 Quadratkilometer betragen dürfte. Es leuchtet ein, daß in einem derartig gestalteten Gelände und bei einem Gegner, über dessen Stärke, Bewaffnung, Marschrichtung und Beweglichkeit nichts bekannt ist, die Führer vor Aufgaben gestellt werden, die schnelle Entschlüsse, gewandte Befehlsgebung und rasche Anpassung an die entstehende Lage erfordern. Beide Parteien haben zunächst versucht, den Gegner durch Aufklärungsabteilungen festzustellen. Dabei konnte in den frühen Morgenstunden Luftaufklärung fo gut wie gar nicht eingesetzt werden, da Bodennebel und wenig klare Sicht dies verhinderten. Um so eifriger waren motorisierte und berittene Spähtrupps an der Arbeit. War der Gegner ermittelt, dann galt es die wenigen Punkte des Geländes zu sichern, die eine gute Weiterentwicklung des Vormarsches oder die bessere Stellung zu gewährleisten versprachen. Von den zunächst erreichten Punkten aus wurden dann die Aufklärungsabteilungen weiter Dorgetrieben und das Gros unter entsprechender Sicherung nachgezogen. Aus den Ergebnissen dieser Aufklärungsarbeit und den Feststellungen, die bei der ersten Feindberührung gemacht wurden, wird sich die weitere Lage gestalten, über die am Abend des ersten Hebungstages noch nichts gesagt werden kann. Bis zum Abend waren die Hebungen vom schönsten Herbstwetter begünstigt. Dann kam ein schweres Unto etter mit außerordentlich heftigen Regengüssen auf, das aber erfreulicherweise einbarung mit ihnen kommen. Sie müssen eine Ricci ein neues großes kurz vor der Einweihung der italienischen Jugend großzügige Anlage. Mit einer großen Turnhalle, sowie Tages- und Schlaf- sam mit Staatssekretär Balilla-Heirn, das steht. Auch dieses Haus überraschte durch seine einem Schwimmbassin, Theater- und Filmraum den ihn nicht erhalten, wenn wir darauf bestehen, ot> andere Länder ihre Regierungsformen unserer Auffassung anpassen, bevor wir zu irgendeiner Verist, die gewaltige Mehrheit aller Klassen eine Rückkehr zu den alten Parteikämpfen verabscheut. Lloyd George ging dann zu den deutsch- englischen Beziehungen über und erklärte: „Hitler Hal eine tiefe Bewunderung für das britische Volk, die von den Deutschen aller Klassen geteilt wird. Ihr Wunsch nach Freundschaft mit uns ist unbestreitbar und wirklich. Immer wieder sagten Deutsche zu mir: „Wir haben nur einen Streit mit England gehabt. Wir dürfen keinen zweiten Streit mehr haben. Hitler wünscht unsere Freundschaft. Er verlangt keine Gegenleistungen, es sei denn Gleichberechtigung für sein großes Land. Der englische Fragebogen an Deutschland hätte niemals abgesandt werden dürfen. Wir haben auch Frankreich und Italien keinen Fragebogen vor- gelegt, warum denn Deutschland? Die Franzosen und Italiener sind viel mehr gerüstet als die Deutschen. Es waren alles Fragen, die auf der Konferenz selbst hätten gestellt werden sollen. Wir können mit Deutschland zu Vereinbarungen kommen, die nicht unehrenhaft für uns sein werden und die nicht nur den Frieden gegen Deutschland und Frankreich, sondern den Weltfrieden Herstellen. Wir wer- Ein neues Fundament in Europa Ward price fordert deutsch-englische Zusammenarbeit. Recht haben, ihre eigenen inneren Probleme auf ihre eigene Weise auszukämpfen. Die Wahrheit öder Seulstzland. London, 21. .Sept. (DRV.) In der „Daily Mail" veröffentlicht Ward Price einen Aufsatz über „Das neue Deutschland". Darin heißt es u. a.: „England ist noch nicht aufgewacht zu der Erkenntnis dessen, was in Deutschland vor sich ging. Dor 150 Jahren veränderte die Französische Revolution die Geschichte Europas. Heute werden sie von Hitler verändert. Er hat der Zivilisation einen neuen Weg gewiesen. Rationen, die sich an die alten Methoden festklammern, werden zurückbleiben." Vor dem Arbeitsdienst in Nürnberg habe der Führer erklärt, der einzelne habe nur als Glied der Gemeinschaft Bedeutung. Dieser Geist der Selbstaufopferung gegenüber der Ncüiyn, so fährt Ward Price fort, sei im englischen Volke nur in Kriegszeiten vorhanden. Das Ziel des einzelnen Engländers sei persönlicher Erfolg, das der Nationalisten sei Dienst am Vaterlande und die Befolgung des Leitsatzes „Gemeinnutz geht vor Eigennutz." Die Führung sei es, die die deutsche Seele verändert und die menschlichen Motive auf einen höheren Plan erhoben habe. Die persönliche Inspiration Hitlers habe das getan. Ihre Wirkung fei ungeheuer. Gewaltige Wacht, sowohl im militärischen wie im moralischen Sinne, werde in dieser Nation lebendig, die nach dem Programm des Führers umgewandelt sei. Der Führer setze unbegrenztes Vertrauen in die Macht des deutschen Volkes, und niemand, der den Tatsachen mit gesundem Menschenverstand ins Gesicht sehe, könne die Richtigkeit dieser Ueberzeugung leugnen. Das moderne Deutschland sei ein neues gegen Deutschland abwendet und sich rückhaltlos für Zusammenarbeit ausspricht. Betriebsprüfungen erziehen zur Steuerehrlichkeit Ein Vortrag des Staatssekretärs Reinhardt. Deutschland hat die Emigiett gewählt. Lloyd George über seinen Besuch beim Führer. London, 21. Sept. (DNB.) Die liberale „News Chronicle" veröffentlicht eine Unterredung mit dem rüheren englischen Ministerpräsidenten Lloyd George über dessen Eindrücke in Deutschland. Das Blatt schreibt einleitend, daß Lloyd George seinen Besuch außerordentlich genossen habe. Seine Be- prechungen mit Hitler, für den er offensichtlich eine ehrliche Bewunderung habe, hätten ihm große Freude bereitet. Lloyd George habe auf die Frage, ob er Deutschland als eine Gefahr für den Frieden Europas betrachte, geantwortet: „Das hängt davon ab, wie Deutschland behandelt wird. Wenn es angegriffen und fein Gebiet überallen wird, wie im Jahre 1923 durch PoincarS, dann wird es nicht mehr friedfertig u n - ter den Peitschen niederkauern. Wenn Sie wollen, können Sie diese neue Stellungnahme der Selbstverteidigung und der Selbstachtung eine Gefahr für den Frieden nennen. Ich bin als ein Liberaler nach Deutschland gekommen. Ich betrachte Deutschland durch liberale Augen und ich bin als Liberaler zurückgekommen. Aber Liberale, die sich weigern, den Tatsachen ins Gesicht zu sehen, sind der Fluch des Liberalismus. Wenn wir den Frieden unter den Nationen wollen, dann müssen wir es als eine unzweifelhafte Tatsache hinnehmen, daß die meisten Länder Europas von Diktatoren regiert werden. Es gibt zwei Arten von Diktatoren. Der eine ist der Herrscher, der weiß, wieseinLand ambesten regiert werden kann. Der andere ist derjenige, der sich anmaßt, einem anderen Lande zu diktieren, wie es regiert werden sollte. Das letztere ist nicht Liberalismus. Es ist einfach Frechheit." Auf die Frage, ob Lloyd George an die G e - fahr des „deutschen Wilitarismus" glaube, antwortete dieser u. a.: „Deutschland hat nicht den Wunsch, irgendein Land in Europa anzugreifen. Hitler rüstet für die Verteidigung und nicht für den Angriff." Ls folgte die Frage: „will Hitler nicht Sowjetruhland bekämpfen?" „Nein. Er hat einen fanatischen Haß gegen den Bolschewismus, und er hat in' jahrelanger Propaganda eine antikommunistische Front in Deutschland geschaffen, aber lächerlich ist die Behauptung, daß er nach Woskau marschieren wolle oder daß er die Ukraine begehre." Lloyd George fuhr dann fort: „Hitler hat große Dinge für sein Land getan. Er ist ohne Zweifel ein großer Führer. Er hat eine bemerkenswerte Derbeßerung in den Arbeitsbedingungen der Männer und Frauen herbeigeführt. Darüber kann überhaupt kein Zweifel bestehen. Hitler ist eine d y - namische Persönlichkeit. Die Schwäche o* r Demokratie hat Italien zum autoritären ötaat gemacht. Die Unfähigkeit der deutschen demokratischen Parteien, ihre Möglichkeiten wirksam auszunutzen, und die Tatsache, daß sie Deutschland a u f dentiefstenPunktherabgebracht haben, machte die Revolution Hitlers oder eine andere Revolution unvermeidbar. Deutschland hat in einer Stunde großer nationaler Not zwischen der Einigkeit und der „Freiheit" entscheiden müssen. Es hat die Einigkeit gewählt und betrachtet sie immer noch als die einzige Mög- । lichkeit. Ich bin überzeugt, daß angesichts der feind- seligen Nationen, pog denen Deutschland umgeben Reichsmimster Dr. Goebbels in Athen. Athen, 21. Sept. (DNB.) Am Montagvormittag besichigte Reichsminister Dr. Goebbels zunächst das Athener Stadion und den Tempel des Zeus. Danach stattete er, begleitet vom deutschen Geschäftsträger Dr. Kordt, dem griechischen Ministerpräsidenten Metaxas einen Besuch ab. Im Verlauf der Unterhaltung gab der Reichsminister seiner herzlichen Freude Ausdruck, nun Gelegenheit zu haben, das Land kennenzulernen, in dem sich die griechische Kultur entwickelt hat. — Der griechische Ministerpräsident erklärte Vertretern der griechischen Presse, daß sein Gast sich eingehend nut dem Studium Griechenlands, seiner Geschichte und seiner Kultur befaßt habe, was in der Unterredung in mannigfacher Form zum Ausdruck gekommen sei. Nach einem kurzen ersten Gang auf die Akropolis machte Dr. Goebbels dem Presseminister N i k o l u d i s und dem Kommunalmini- fter Kotzias, der kürzlich in Deutschland weilte, seine Aufwartung und begab sich darauf auf b i e deutsche Gesandtschaft, wo ihm die Mitglieder der Gesandtschaft vorgestellt wurden. Um die Mittagszeit erfolgte eine gemeinsame Fahrt nach dem Stauwerk von Marathon. Nach dem Mittagessen wurde das Schlachtfeld besichtigt. Am Nachmittag begab sich Ministerpräsident Metaxas in das Hotel „Grande Bretagne", um den Besuch des Reichsministers zu erwidern und gab dort am Abend zu Ehren von Dr. Goebbels einen großen Empfang, an dem die Minister Nikoludis und Kotzias und Herren des Außenministeriums teil- nahmen, von deutscher Seite der Geschäftsträger, Landesgruppenleiter der NSDAP, und die Begleitung des Reichsministers. Ueberall, wo sich Reichsminister Dr. Goebbels bei seinen Gängen und Besuchen zeigte, brachte die Bevölkerung durch lebhafte Zurufe ihre Freude über die Anwesenheit des deutschen Gastes zum Ausdruck. Deutsche Fugend in Nom. Rom, 21. Sept. (DNB.) 452 Hitlerjungen weilen in Rom. Am Vormittag besuchten sie unter \ad)-- funbiger Führung von in Rom ansässigen reichsdeutschen Parteigenossen und Hitlerjungen das Ruinenfeld der Antike: sie weilten im Colosseum, schauten vom Palatin auf das Forum Romanum herab und wanderten durch die Basilika und die Säulenhallen der alten Kaiserpaläste. Der R e i ch s- jugendführer besuchte in der Mittagszeit mit dem Stabsführer Lauterbacher die beiden Schulen, in denen die 452 Jungen untergebracht sind. Er konnte sich davon überzeugen, daß die Ba- lilla in großzügigster Weise für das Wohl der deutschen Jungen gesorgt hat und Verpflegung, Unterkunft usw. mustergültig geregelt sind. Hierfür sprach der Reichsjugendführer den Offizieren der Balilla seinen besonderen Dank aus. Am Nachmittag veranstaltete der Minister für nationale Erziehung d e D e c ch i einen Empfang, der im Zeichen der freundschaftlichen Verbundenheit der deutschen und italienischen Jugend stand. Minister de Vecchi betonte, daß das faschistische Italien außerordentlich erfreut sei, die deutsche Jugend in den Mauern Roms begrüßen zu können. Er erklärte, daß die Zukunft beider Länder auf der Freundschaft der Jugend der beiden Völker aufgebaut sein müsse. In herzlichen Worten grüßte er Adolf Hitler, den Führer des neuen Deutschlands, und Benito Mussolini, den Führer des neuen Italiens. Reichsjugendführer von S ch i r a ch dankte dem Minister im Namen seiner Kameraden für die große Ehre des Empfanges. „Die Freundschaft zwischen der deutschen und der italienischen Jugend", so sagte er u. a., „ist eine Tatsache geworden, die wir vor allem unserem Freunde Vecchi zu danken haben." Er schloß mit einem Sieg-Heil auf den König, Mussolini, das italienische Volk und den Faschismus. Im Anschluß daran besichtigte der Reichsjugendführer gemein- ftoffc, wie z.V. Beton, durch ein schnellschwingen- des Werkzeug eine Verdichtung erfahren können, wie sie durch Stoßen und Stampfen niemals erreicht wird. Der Beton, der durch 4000 Schwingungen in der Minute gerüttelt wird, sackt ganz schnell und gründlich zusammen und erhält dadurch eine kaum zu zerstörende F e st i g k e i t. Außerdem kann er in einer Stärke von 20 Zentimeter auf die Straße gelegt, also In einem Zuge verdichtet werden, während früher Oberbeton und Unterbeton getrennt verdichtet wurden. Mit diesen neuen Maschinen, zu denen auch Fertiger für den Bau von Teerstraßen und Radfahrwegen, riesige Betonmischer mit einem Fassungsvermögen von 2000 Liter, Teer- und Asphaltmischanlagen von größter Arbeitsfähigkeit und andere technische Wunder gehören, läßt sich eine Dauerbauweise ermöglichen, die den neuen deutschen Straßenbauwerken ein langes Leben sichert. Die wirtschaftliche Bedeutung dieser neuen Maschinen erhellt schon aus der Tatsache, daß man von der früher üblichen zweischichtigen Bauweise zur einschichtigen Bauweise übergehen konnte. Daß die Maschine auch im Straßenbauwesen den Arbeiter verdrängt, ihn vielleicht wieder erwerbslos macht, braucht angesichts des noch vorhandenen ungeheuren Aroeitsvorrates und der ständig neu entstehenden Arbeitsaufgaben in Deutschland nicht befürchtet zu werden. E. V. London, 21. Sept. (DNB.) Im „Sunday Chronicle" berichtet Beverley N i ch o l s , daß er mit seinem Artikel über Deutschland in ein Hornissennest gestochen habe. Er habe Hunderte von empörten und zahlreiche andere Briefe erhalten, die deutlich zeigten, wie überraschend für die Leser des „Sunday Chronicle" die Wahrheit über Deutschland sei. Beverley Nichols weist mit Recht darauf hin, daß die ablehnenden Briefe auf bloßer Lektüre beruhten, während die zustimmenden auf persönliche Besuche in Deutschland zurückgingen. Im übrigen überwiege die Zahl der zustimmenden Briefe. Mit Schärfe weist er sodann die vielfachen in der britischen Presse aufgestellte Behauptung zurück, daß der Führer in einer Nürnberger Rede geäußert habe, er wolle Rußland haben. Das sei eine Lüge: Hitler habe nichts derartiges gesagt. Wenn er alle Lügen totschlagen wolle, die in Großbritannien über Deutschland gedruckt würden, würde er bis an sein Lebensende zu turt haben. Er schildert dann einen Besuch in einem Arbeitslager, in dem er heroorhebt, welchen ausgezeichneten Eindruck dies auf ihn gemacht habe. Was er dort gesehen habe, iser- sei das vollkommenste Beispiel eines gesunden Sodas I zialismus, das die Welt bisher kennengelernt habe. sälen ist hier ein geradezu ideales Jugendheim entstanden. Am Abend folgte der Reichsjugendfüh- rer mit seiner Begleitung einer persönlichen Einladung des Staatssekretärs Ricci und seiner Gattin. 2Rcid)6miniftcr Dr. Frank als Gast des italienischen Außenministers. D i a r e g g i o , 21. Sept. (DNB.) Reichsminister Dr. Frank besichtigte mit seiner Begleitung am Samstag das Haus des Meisterkomponisten Puc- c i n i in Torre del Largo. Am Abend folgte der Minister einer Einladung des italienischen Außenministers C i a n o zu einem Abendessen, an dem führende Persönlichkeiten teilnahmen. Am Sonntag waren Reichsminister Dr. Frank, Hauptstellenleiter Dr. Dresler und sein Adjutant Froboese Gäste des italienischen Außenministers Ciano in dessen Villa. Hierbei sand eine zweistündige Unterredung zwischen dem Reichsminister und dem italienischen Außenminister statt. Am Abend gab der italienische Außenminister zu Ehren des Reichsministers Dr. Frank ein Bankett. Die deutschen Gäste blieben bis Montagabend in Viareggio und begaben sich dann nach Rom. Fundament in Europa. Die Grenzen feiner Macht und feiner Leistung seien unübersehbar. Es sei der größte Faktor, mit dem eine britische Regierung jemals habe rechnen müssen. Diesen Gesichtspunkt der nationalsozialistischen Politik zu kritisieren, sei zwecklos. Ihr Ergebnis stände in der ganzen gewaltigen Wirklichkeit vor uns. Von dem Verhalten Englands gegenüber diesem neuen Deutschland hänge der Frieden Europas und vielleicht die eigene nationale Existenz Englands ab. Nur eine grundsätzliche Linie könne für den Kurs Englands einen sicheren Anhalt geben, und das sei: Zusammenarbeit, nicht Konflikte. Wenn England in einem guten Verhältnis zu Deutschland stehe, dann brauche es niemals neue Kriege in Europa zu geben. Wenn England jedoch gegen Deutschland Stellung nehme, dann würde es einen Krieg unvermeidlich machen. Der Aufsatz schließt mit den Worten: „Wo ist das Risiko einer Zusammenarbeit mit Deutschland? Hitler ist nicht ein Mann, der feine Ziele verheimlicht. In Nürnberg hat er Deutschland mobil gemacht, um dem bolschewistischen A n - griff, sei es durch Aufklärung oder durch Gewalt, W i d e r st a n d z u l e i st e n. Gibt es irgendein britisches Interesse, diesen Entschluß zu entmutigen? Der Bolschewismus ist eine noch größere Gefahr für das britische Weltreich als für Deutschland. Wenn Hitler nicht existieren würde, dann würde wohl Westeuropa bald nach einem solchen Vorkämpfer rufen. Eisenach, 21. Sept. (DNB.) In Eisenach begann am Montag eine fachwissenschaftliche T a - gung für Betriebsprüfer der Reichsfinanzverwaltung, zu der sich über 1000 Teilnehmer aus dem Reich eingesunden haben. Die Tagung wurde mit einer Rede des Staatssekretärs Reinhardt eröffnet. Die Betriebsprüfung ist, so führte Reinhardt aus, das wirkungsvollste Mittel zur Herstellung und Wahrung der steuerlichen Gleichmäßigkeit und zur Erziehung der Steuerpflichtigen zur Steuerehrlichkeit und Steuergewissenhaftigkeit. Ein Steuerwesen ist nur dann gesund, wenn durch eine auf höchster Leistungsfähigkeit stehende Betriebsprüfung die restlose Erfassung aller dem Steuergesetz unterworfenen Gegenstände in der Besteuerung gewährleistet wird. Die Betriebsprüfung richtet sich nicht gegen verdächtige Steuerpflichtige, sondern sie ist in der Hauptsache dazu da, alle Wirtschaftsbetriebe in bestimmten Zeitabständen nach bestimmten Plänen zu prüfen. Führe die Betriebsführung zu einem Mehr an Steuern und demnach zu einer entsprechenden Nachzahlung, so sei damit nicht ohne weiteres gesagt, daß eine strafbare Steuerhinterziehung gegeben wäre. In den meisten Fällen ergebe sich lediglich eine Ergänzung ober Berichtigung der Veranlagung, die in Wahrung der steuerlichen Gleichmäßigkeit und Gerechtigkeit notwendig sei, aber keine Bestrafung zur Folge habe. Bei Verstößen gegen die Steuerpflicht, die noch aus der Zeit vor dem 30. Januar 1933 festgestellt würden, solle von einer Bestrafung grundsätzlich abgesehen werden, wenn der Steuerpflichtige in der Zeit nach dem 30. Januar 1933 sich strafbare steuerliche Verfehlungen nicht habe zuschulden kommen lassen und er auch nicht in der Liste der säumigen Steuerzahler erschienen sei. Den Kleingewerbetreibenden und Handwerkern, die nicht von der Fü!)rung des Wareneingangsbuches befreit sind, soll Straffreiheit für Steuer- Zuwiderhandlungen gewährt werden, wenn sie vor dem 1. Oktober 1935 liegen, jedoch unter der Voraussetzung, daß diese Steuerpflichtigen das Wareneingangsbuch einwandfrei führen. Den Steuerpflichtigen kann nicht dringend genug empfohlen werden, steuerliche Verfehlungen, deren sie sich bewußt sind, dem Finanzamt unter Berufung auf § 410 der Reichsabgabenordnung s o - fort m i 13 u t e 11 e n und die hinterzogenen Steuern nachzuzahlen. Staatssekretär Reinhardt schloß mit dem Hinweis: Das Aufkommen an Steuern und Zöllen im Reich ist im Jahre 1934 um 1,2 Milliarden RM. und 1935 um 2,6 Milliarden größer gewesen als 1933, es werde im Jahre 1936 um minbeftens 4,6 Milliarden höher fein als im Jahre der Machtergreifung. Dies würde bedeuten, daß im gegenwärtigen Rechnungsjahr ein Mehr von mindestens 2 Milliarden gegenüber dem Vorjahre erzielt werde. Bereits in der ersten Hälfte des laufenden Rechnungsjahres ist ein Mehraufkommen von rund 1 Milliarde RM. festzuftellen. Der Aufstand in Palästina. Die englischen Truppen treffen ein. London, 22. Sept. (DNB. Funkspruch.) In Palästina sind alle Vorbereitungen für die Verteilung der neuen Truppenverstärkungen aus England getroffen. Die ersten Ergänzungsbataillone werden heute in Haifa erwartet, das den Charakter eines großen Militärlagers in Kriegszeiten angenommen hat. Die Eisenbahnlinien stehen unter der Kontrolle der Militärbehörden und werden fast ausschließlich für Truppentransporte verwendet werden. Ueberall find Vorsichtsmaßnahmen getroffen worden, um Anschläge arabischer Aufständischer auf die Züge zu verhindern. Im Gebiet von Jerusalem werden zwei Infanterie-Brigaden untergebracht werden. Vier weitere Brigaden werden auf die Gebiete von Jaffa, Nazareth, Haifa und Nablus verteilt. Zwei Infanterie-Bataillone haben die Bewachung der Eisenbahnen zu übernehmen. Das britische Hauptquartier wird vorläufig in Jerusalem bleiben. Der syrische Aufständischen-Führer Fauzi Bey hat sich in dem Gebiet zwischen Tulkaram und Jenin festgesetzt. Die Londoner Blätter veröffentlichen eine Erklärung Fauzi Beys, in der er die Araber Palästinas auffordert, jedes Zugeständnis an die britischen Behörden zu verweigern. Nur mit Gewalt könne England gezwungen werden, die arabischen Forderungen zu erfüllen. Hunderte von Arabern kämen täglich aus den anderen arabischen Staaten über die Grenze stach Palästina, um die Forderung nach einem vereinigten arabischen Volk mit den Waffen zu unterstützen. Die irakische Freiwilligen-Ab- teilung sei militärisch ausgebildet uno mit den modernsten Waffen, darunter Maschinengewehren, Bomben und hochexplosiven Granaten, ausgerüftei. Er hoffe, daß seine Truppen, die sämtlich als mm« tärjsche Instrukteure ausgebildet seien, bald der Kern einer arabischen Revolutions« armee jein würden. „Zusammenarbeit- nicht Konflikte!" In diesen Tagen haben drei englische Politiker zum Thema Deutschland erneut das Wort ergriffen. Der eine ist der frühere englische Ministerpräsident Lloyd George, der andere Ward Price von der Rothermerepresse und der dritte Beverley Nichols vom liberalen Sunday Chronicle. Alle drei haben in seltener Übereinstimmung Auffassungen vertreten, die wir als ein Plus verbuchen können. Denn bei aller Betonung ihres Engländer- tums zögerten diese Männer keinen Augenblick, das auszusprechen, was im Interesse Englands und Europas aefagt werden muß. Bei mehr als einem britischen Leser dieser Meinungen dürften sich innere Widerstände bemerkbar gemacht haben. Aber Beverley Nichols hat auch gleich die Ursache dieser Ablehnung oder einer abfälligen Kritik an Deutschland herausgearbeitet: Die ablehnenden Zuschriften, die er bisher zum Thema Deutschland erhielt, beruhten auf her Lektüre, die 3 u ft immensen dagegen auf persönlichen B e - obachtungen. Diese Lektüre ist nun um einige nicht unbedeutende Steuerungen über Deutschland bereichert worden. Man darf wohl hoffen, daß sie von jenen Engländern, die noch immer an die über Deutschland verbreiteten Lügen glauben, beachtet und verarbeitet werden. Denn schließlich ist Lloyd George einer jener liberalen Politiker, von dem kein Engländer behaupten kann, daß er eine besondere Vorliebe für den Nationalsozialismus als Staatsform besäße. Er hat aber Deutschland mit offenen Augen studiert und hat die Tatsachen als Tatsachen behandelt, er hat sich auf deutschem Boden umgesehen und auf Grund seiner zahlreichen Beobachtungen und Gespräche die Ueberzeugung gewonnen, daß Deutschland nichts anderes als Ruhe für seinen inneren Aufbau wünscht und nicht im geringsten Kriegspläne schmiedet. Er hat Worte der Bewunderung für Adolf Hitler und die Leistungen des Nationalsozialismus gefunden und den Demokraten ins Stammbuch geschrieben, daß ihre Führer in Europa nur herumtappen, während die „Diktatoren" handeln. Genau so hat sich Ward Price geäußert, der untersucht, was für England dienlich sei. Er kommt dabei zu dem Schluß, daß England gut daran tue, sich mit Deutschland zu verständigen und auf jede beleidigende Haltung zu verzichten — den gleichen Standpunkt hat auch Lloyd George vertreten —. „Zusammenarbeit — nicht Konflikte!" so ruft Ward Price aus, weil er der festen Ueberzeugung ist, daß England in Europa nur dann eine vorteilhafte Stellung behalten kann, wenn es sich von dem Kurs einer Gegnerschaft Hitler wünscht Englands Freundschaft. Lloyd George auf Grund seiner Eindrücke von Deutschlands Friedenswillen überzeugt. 05^ )0ls ' den 'Ql), che ege rfe )en der ibt, ültr i er nien bis ldert dem dies iahe, So- labe. So ist rutsch- Ziele nobil »n- ynb* . ent« grö« ils für mürbe, inem ; Wl- t im i a r • jryet- irkgen Mar« e. Le« inunas; 1 Vll' na. in. 0 3” , Der« ; Eng' aillone Stjarat- W i st-h-" rte »«• J*." e-Driga' Zrigad.^ h, toillone über' Tb i B-Y > »- K- s £ d» J . führte aus, daß die biologische Erkenntnis als der einzelnen Völker abzuschwächen und zu überzeugen, daß der Fortschritt eines sie davon jeden nur Politik Grundlage auch der wissenschaftlichen Medizin anerkannt sei. Aufgabe der Biologie sei es, in die ungeheure Mannigfaltigkeit ihrer Objekte und deren Verrichtungen System zu bringen. Nach Besprechung Der dazu vorhandenen Methoden in der Induktion und Intuition stellte er gegenüber der vielfachen Auffassung, daß diese beiden auf dem Kausalprinzip beruhenden Methoden nicht ausreichten, sondern erst die Zweck- oder Ganzheitsbetrachtung zum richtigen Verständnis wohl notwendig, aber weder eine neue Methode sei noch im Gegensatz zur Kausalforschung stehe. Professor Aschoff-Freiburg behandelte das Thema „Pathologie und Biologie". Nach einem geschichtlichen Rückblick auf diese beiden Gebiete wurde die Frage nach der Grenzbeziehung zwischen belebter und unbelebter Substanz erörtert. Der Unterschied zwischen theoretischer und praktischer Medizin wird anerkannt, jedoch ist die Pathologie als Zweig der Biologie reine Naturwissenschaft im Sinne der Physik der Chemie. Prof. G. v. Bergmann schilderte in seinem Vortrag über „Leistungen und Ziele der Medizin" die beispiellosen Erfolge der Chirurgie seit der Erfindung der Narkose, Der keimfreien Wundbehandlung und B l u t st i l l u n g. So oft man von der Volksmedizin ausging, hat man doch immer wieder mühselig und systematisch forschen müssen, denn die wissenschaftliche Erforschung begründet erst das schlichte Erfahrungsgut. So ergibt sich das Zusammenwirken der Medizin als Wissenschaft mit der natürlichen Heilweise zur Gesundheitspflege desVolkes. Die wissenschaftliche Medizin auf Grundlage der biologischen Forschung wird sich leicht mit der Erfahrung natürlicher Heilweisen, die sich bewährt haben, vereinigen lassen. Die neue Einstellung zu diesen Fragen vertrat Prof. Kö tschau (Jena) in seinem Vortrag „Biologisches Denken im Rahmen der neuen deutschen Heilkunde". Die oorsorgerisch - biologische Heilkunde will den Organismus durch Hebung an und in der Natur stark und leistungsfähig machen. Natürlich kann entwickelt und gesteigert werden, was erb- und rassenmäßig im Organismus vorhanden ist. Es darf nicht dazu kommen, daß der Leistungszustand des Volkes absinkt. Darum Vorsorge statt Fürsorge. Es gilt, die Kranken gesund zu machen, die Schwachen zu stärken, und die Leistungsfähigkeit für Gesunde zu steigern. Diese vorsorgerisch-biologische Heilkunde steht nicht im Gegensatz zur fürsorgerischen Schulmedizin. Das deutsche Volk fordert Gesundheitshäuser, in denen Schulung und Kräftigung planmäßig betrieben wird. Professor Grote (Dresden) ergänzte den Vortrag von G. von Bergmann, indem er „die Stel- geminne durch eine Zusammenarbeit. und Wirtschaft seien eng miteinander „Deutsche und zweite Internationale Schau der Amateurphotographen." Dom 26. September bis 11. Oktober wird in Frankfurt a. M. die „Deutschs und 2. Internationale Schau der Amateurphotographen" durgeführt. Diese Ausstellung ist eine Leistungsprüfung der Arbeiten der Mitglieder des Verbandes Deutscher Amateurphotographen-Der- eine, die durch eine umfangreiche internationale Schau, an der 22 Länder beteiligt sind, ergänzt wird. Die hier gezeigten Bilder werden durch ein Preisgericht geprüft, wobei besonders gute Arbeiten mit Preisen ausgezeichnet werden. Neben goldenen, silbernen und bronzenen Plaketten, sowie Verbandsurkunden werden mehrere Ehrenpreise zur Verteilung gelangen. So hat u. a. Reichsminister Dr. Goebbels einen großen Ehrenpreis des Reichspropagandaministeriums für diese Ausstellung zur Verfügung gestellt. Die Prämiierung der Bilder erfolgt vor Eröffnung der Ausstellung, so daß jeder Besucher Gelegenheit hat, die vom Preisgericht ausgezeichneten Aufnahmen einer eingehenden Besichtigung zu unterziehen. Edwin Fischer spielt beim Gießener Konzertverein. Edwin Fischer, der geniale Meister des Klaviers, der Philosoph unter den Pianisten, ist für ein Abonnementskonzert des Gießener Konzertvereins in diesem Winter gewonnen worden. Das Konzert wird für Gießen ein ganz besonderes Erlebnis sein. Dramen von Theodor haerten in der neuen Spielzeit. Die beiden Werke von Theodor Haerten, dem Oberspielleiter des Stadttheaters Gießen, „Der tolle Christian" und „Die Hochzeit von D o b e ft i" gelangen in der kommenden Spielzeit in den Stadttheatern Bonn, Gera, Kassel, Köln, Lübeck, Mainz, Schwerin, Wuppertal und Zwickau zur Aufführung. Kriegsbriefe werden gesucht. Ein Buch des Stolzes und der Verpflichtung soll das im kommenden Jahr erscheinende Werk „Der Soldat — deutsche Kriegsbriefe" sein, das Briefe von gefallenen und lebenden Frontsoldaten des Weltkrieges aus allen Ständen in reicher Auswahl enthalten wird. Zur Veröffentlichung geeignet sind alle Briefe, die für den Geist des Soldatentums, so wie er sich tatsächlich im Weltkrieg an allen Kampffronten geäußert hat, in besonderer Weise aufschlußreich sind. Um eine wirklich vollstän- dige Sammlung zu gewinnen, ergeht an alle, die für diesen Zweck in Frage kommende Briefe und Schriftstücke besitzen, die Bitte, sie Professor Dr. Rudolf Hoffmann, Hannover, Lavesstraße 56, dem Herausgeber des Buches, oder dem Verlag Albert Langen/Georg Mueller, München 19, Hubertusstraße Nr. 4, in Abschrift zur unverbindlichen Einsichtnahme vorzulegen. verbunden. Solange man keinen dauerhaften Frieden sichere, könne man sich nicht von den Zollschranken befreien und die Währungsanarchie beseitigen. Man könne den Dölkerbundspakt juristisch abändern, seine Wirksamkeit werde aber vor allem von dem Schwergewicht der moralischen Kräfte abhängen, aus denen er in einem Augenblick hervorgehe, in dem die Zivilisation sich zu einem Schlag gegen den Krieg aufraffe. Das pariser Echo. Paris, 22. Sept. (DNB. Funkspruch.) In der Presse wird festgestellt, daß in dem Kampf zwischen den großen Mächten, die den Wunsch haben, die Rückkehr Italiens in den Völkerbund zu erleichtern, und den kleinenMäch- t e n, die die Grundsätze des Völkerbundsstatuts energisch verteidigen, der erste Abschnitt von den kleinen Ländern gewonnen Medizin und Biologie. Der erste Arbeitstag der Naturforscher- und Aerzteversammlung in Dresden. f e r e n 3, die dem gleichen Friedensideal diene wie der Völkerbund. Es handle sich in beiden Fäl-, eines ipuuanienw u len darum, das Aufeinanderprallen der Interessen j g i e r u n g s k r is e. gesprengt, unsere Frauen vergewaltigt und unsere Volksgenossen mitleidlos abgeschlachtet werden. Die Regierung muß um jeden Preis d i e Unabhängigkeit ihres Landes retten. So leistet sie dem allgemeinen Frieden große Dienste. Diese Tatsachen rechtfertigen unsere Vorbehalte. Der ÄeguS erscheint in Genf. Genf, 21. Sept. (DNB.) Die Nachricht, daß der Negus im Flugzeug von London nach Genf unterwegs fei, hat hier die Sensation um die abessinischen Mandate noch erhöht. Als Hauptzweck seiner Reise wird ein erneutes Auf- treten in der Völkerbundsversamm- lung angenommen, wo er bei der Erörterung des Berichtes des Vollmachtenausschusses gegen d i e tung der Therapie xu den Grundsätzen der allgemeinen Kranheitslehre" untersuchte. Zwischen der Lehre van der Entstehung der Krankheiten, chrem Wesen und ihrer Behandlung müssen enge B— Ziehungen bestehen. Die Ganzheit des menschlichen Wesens, die in jedem Krankheitsfall als erstes und letztes dem 2lnt zur Beurteilung gegen- übersteht, ist der rein austösenden und zergliedernden Farschungsart nicht zugänglich. Am Schluß der ersten allgemeinen Sitzung ergriff Geheimrat Professor Sauerbruch das Wort. Er stellte zusammenfassend fest, daß die neue deutsche Heilkunde auf die Mitarbeit der Naturwissenschaft und ihre bewährten Arbeitsmethoden unter keinen Umständen verzichten kann. Geheimrat Sauerbruch betonte, daß man sich davor hüten müsse, die beiden nicht selten miteinander verwechselten Begriffe Heilkunde und Heilkunst miteinander zu verquicken. Heilkunde sei unter entsprechenden Voraussetzungen für jeden erlernbar, Heilkunst dagegen nicht, da sie auf dem irrationalen Gebiet der persönlichen Begabung des Arztes liege. Kunst und Wissenschaft. Internationaler Kongreß für Krebsforschung und Krebsbekämpfung. In Brüssel wurde der Z w e i t e Internationale Kongreß für Krebsforschung und Krebsbekämpfung eröffnet. An der Eröffnungssitzung nahmen König L e o p o l d , der Fürstprimas von Belgien, Kardinalerzbischof van Roey, und der deutsche Gesandte Freiherr von Richthofen teil. Am Tisch des Präsidiums hatte Prof. B o r ft (München) Platz genommen. Der Präsident des Kongresses Dr. L e r a t (Belgien) hob die tätige Anteilnahme des belgischen Königshauses an der Krebsbekämpfung rühmend hervor. Der Minister für das belgische Gesundheitswesen, Vander- velde, wandte sich an diejenigen, die allen Schwierigkeiten zum Trotz im Zeichen der Wissenschaft und der Barmherzigkeit an der internationalen Zusammenarbeit wirkten. Er schloß mit einem Worte Pascals, daß die Wissenschaft und der Friede über die Unwissenheit und Den Krieg triumphieren würden und daß die Zukunft denen gehöre, die alles getan hätten, um der leidenden Menschheit Erleichterung zu verschaffen. An dem Kongreß nehmen mehr als 500 Gelehrte und Aerzte aus 42 Länder teil. Genfer Kalamitäten. Dor der Entscheidung zwischen Italien und dem Negus. — Der Bürgerkrieg in Spanien Genf, 21. Sept. (DNB.) Die 17. ordentliche Völkerbundsoersammlung ist von dem amtierenden Ratspräsidenten Rivas D i c u n a (Chile) eröffnet worden. Die Beteiligung von Delegierten ist auch diesmal sehr stark. Alle europäischen Länder, mit Ausnahme von Ungarn und Griechenland, sind durch ihre Außenminister vertreten, ferner von den überseeischen Staaten Argentinien und Kanada. Die Plätze der italienischen Delegation sind bisher leer geblieben. Der Vollmachtenprüfungsausschuß hat die Angelegenheit der abessinischen Vertretung wegen der damit verbundenen Schwierigkeiten zurückgeste111. Demgemäß nehmen Die Abessinier bis auf weiteres an Der Verhandlung teil. Sie beteiligten sich an der Wahl Des Präsidenten. Gewählt wurde mit 44 von 49 abgegebenen Stimmen der argentinische Außenminister S a a« cebra Lamas. Er erklärte in seiner Antrittsrede: Für die jetzt zu losende Aufgabe der Vervollkommnung Des Völkerbundes bilDe Das i m Chaco-Streitfall erfolgreich Durchgeführte Schlichtungsverfahren einen wertvollen Präzedenzfall. Das Hauptmerkmal jener Losung sei Die nützliche Mitarbeit von ßünDern gewesen, Die Dem DolkerbunD nicht angehören. Er wolle Darin neue Möglichkeiten einer Friedenspolitik erblicken, Die verallgemeinert roerDen müßten. Neben Der MethoDe Der Auslegung unD Der AenDerung Der VolkerbunDssatzung bilDe Die Gewinnung Der Mitarbeit außen st ehenDer ßänDer einen Dritten Weg Der Völkerbundsreform. Diese Mitarbeit müsse im Voraus festgelegt unD juristisch unterbaut werben. SaaveDra ßamas erinnerte an Die bevorstehende panamerikanische Kon - Ungültigkeitserklärung Der abessinischen ManDate protestieren mürbe. Neue Verwicklungen drohen aber baburch, baß ber Negus selbst nicht als Delegierter angemelbet ist, unb ihm bie Schweiz bei ber vorigen Versammlung nur unter ausdrück- licher Beschränkung auf biefe Eigenschaft bie Einreise gestattet hat. Im Vollmachtenprüfungsausschuß ber Völkerbundsversammlung hat ber holländische Vertreter Dr. ß i m b u r g vorgeschlagen, ein Gutachten des Haager Ständigen Gerichtshofes über bie Frage Der Zulassung der abessinischen Vertreter einzuholen. Dabei soll auch grundsätzlich geklärt werden, ob Abessinien noch die Voraussetzungen der Mitgliedschaft im Völkerbund erfülle. Der Vorschlag wurde im Einvernehmen mit den skandinavischen Ländern gemacht, die diese Frage auf streng juristischer Grundlage geregelt wissen mochten. Am Rande des Ledens. Schon um einen reibungslosen Ablauf Der Er- öffnungsformalitäten bei Der jetzigen Völkerbunds- tagung zu ermöglichen, mußten erhebliche Schwierigkeiten überrounDen roerDen. Diese Vorspiele stehen wie ein böses Omen am Beginn Der Genfer Ver- IjanDlungen. Zunächst erforDerte Der Ausschluß Der abessinischen Vertreter aus Der Vollversammlung unD ihre Ersetzung Durch Die italienische Delegation Das ganze Geschick Der Diplomaten, Die sich von Der Zurückführung Der Italiener in Die Völkerbundsarbeit einen großen Genfer Prestige-Erfolg unD einen Vorteil auch für ihre politischen SonDerziele versprechen. Die Italiener, Denen nach Der Erledigung Des abessinischen Unternehmens an einer weiteren Zuspitzung Der internationalen Lage nichts gelegen ist, tarnen Den englischen unD französischen Bemühungen insofern entgegen, als sie Darauf verzichteten, auf ber Anerkennung Der italienischen Souveränität über Abessinien als einer Bedingung ihrer Rückkehr nach Genf zu bestehen. Sie verlangten aber nach wie vor Die Nichtzulassung Der Negusleute in Der Versammlung. Tatsächlich war aber Die abessinische Ab- orDnung am Sonntag in Genf erschienen, hatte nach einigen Schwierigkeiten auch ein Hotel gefunden unb im übrigen ganz so getan, als ob sie sich auf ein langes Bleiben, b. h.. auf eine unge= hinberte Teilnahme an Den Sitzungen Des Völker- bunbes einrichtete. Das Verhalten vieler Bundes- mitglieDer schien Den Vertretern Des Negus Recht zu geben, Denn Der Vollmachtenprüfungs- auss chuß, Der Darüber zu befinDen hat, ob Die anroefenDen Diplomaten zur Vertretung eines Staates ausreichend legitimiert sind ober nicht, hatte große Mühe, Die zur Entscheidung dieser Frage notwendigen acht Kandidaten zu finDen. Vor allem weigerten sich Die Vertreter Der nordischen und südamerikanischen Staaten, entgegen ihrer Haltung bei Den Sommertagungen, nun plötzlich den Abessiniern ihre Vollmacht abzuerkennen. Auf Derselben ßinie verharrte, wenn auch aus anderen GrünDen, Sowjetrußland. Die allgemeine Weigerung Der Delegierten, als Mandatsprüfer über Das Vertretungsrecht für Abessinien zu entscheiden, war auch daDurch begründet, Daß niemand sich Der Gefahr aussetzen wollte, als KandiDat dieses Ausschusses möglicherweise in Der geheimen Abstimmung wegen Des Verdachtes proitalienischer bzw. pro- abessinischer Sympathien abgelehnt zu roerDen. Dieses Hin unD Her um Die BehanDlung Des abessinischen Problems kennzeichnet so recht Die Verlegenheit, in Die Der VolkerbunD durch seine eigene Unfähigkeit, eine wirklich auf bauende Politik zu unterstützen, gebracht worden ist. Daneben waren noch andere Hindernisse zu beseitigen, deren allzu scharfe Betonung das Ansehen Der Liga beDroht hätten. Der Außenmini st er Der spanischen Volksfront nämlich, Del Vayo, war mit Der festen Absicht nach Genf gekommen, um vor Dem Forum Des VölkerbunDes gegen Portugal Den Vorwurf zu erheben, Daß es Die spanischen Nationalisten moralisch und materiell unterstütze. Man kann sich leicht vorstellen, welch ein Rattenschwanz von Reden unD Gegen- reDen, Beschuldigungen unb Gegenbeschulbigungen ein solcher Vorstoß zur Folge haben mürbe. Solche Aufregung aber paßt gar nicht zu ber gebämpften Sprache Der Genfer Diplomatie, Die alle ernsteren Fragen hinter verschlossenen Türen im Flüsterton erleDigt. Die Vertreter Frankreichs unD Sowjetruß- lanDs, Denen Die Aufrollung Der Neutralitätsfrage befonDers unangenehm fein mußte, hatten alle Mühe, um Del Vayo von feinem Vorhaben abzubringen. Wie leicht hätten Die Moskauer unD Pariser Einmischungssünden zur öffentlichen Aussprache kommen können, ausgerechnet in einer Umgebung, Die Den Rahmen abgeben soll für Die Politik Der kollektiven Sicherheit. Auch bie Unterbrüdung ber spanischen Frage unb ber Neutralitätsproblematik zeigt, baß Genf tatsächlich schon am Rande d e r Ereignisse lebt, daß es vor jedem Ernstfall des Lebens ausweicht und keine Fähigkeit mehr besitzt, für eine gerechte Ordnung der Dinge zu sorgen. Portugal begründet seine Politik. Genf, 21. Sept. Der portugiesische Außenminister Monteiro läßt durch das „Journal de Geneve" eine Begründung der Haltung seines Landes gegenüber dem spanischen Bürgerkrieg veröffentlichen. Es heißt Darin u. a.: Die portugiesische Regierung hat mit unerschütterlicher Genauigkeit Das Abkommen über Die Nichteinmischung in Den spanischen Bürgerkrieg beachtet. Aber wir konnten unsere Meinung nicht aufgeben, Daß ein Sieg Des Kommunismus oDer Der Anarchie in Spanien für uns Den Krieg bedeuten würde. Wir haben keine Lust, einen Einfall in unser Land zu erleben, zu sehen, wie unsere Städte ge° brandschatzt, unsere alten Denkmäler in Die Luft Die VöikerblmdsversammilW zusammengelrelen Oer argentinische Außenminister rum Präsidenten gewählt. roorDen fei. So schreibt Der „Matin", Die Beratungen Des VölkerbunDes hätten in einem Fieberzu- ftanD begonnen. Falls Die abessinische AborDnung nicht ausgeschlossen roerDe, sei d i e A b k e h r I t a - liens von Genf unausbleiblich, was sich auf Die Vorbereitung Der Fünfmächtekonferenz unD Die zukünftige Ordnung in Europa auswirken werde. Der Sonderberichterstatter des „Petit Journal" hebt hervor, daß diesmal die Dölkerbunds- taguna in einer Atmosphäre Der Unruhe unD des Kampfes eröffnet worden fei. Die Wandelgänge Des Völkerbundspalastes glichen Den Wandelgängen eines Parlaments am Vorabend einer R e - Der erste Arbeitstag der 94. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte stand unter dem Leitwort „M edizin und Bio- l o g i e". Hinter dieser Formel verbirgt sich eine der großen Streitfragen unserer Tage auf dem Gebiet der Heilkunde, die Frage nach der Stellung der sogenannten „Schulmedizin" zur „Naturheilkunde". Die Naturforscherversammlung machte diese Frage zum Gegenstand allseittger Erörterungen. Die theoretische Grundlage dieser Erörterung gab Professor Max Hartman n-Berlin in seinem Vortrag „Wesen und Weg zur biologischen Erkenntnis". Er ^efeucfitungs -Rezept Nr. 1 OSRAM LAMPEN pariser Plakate gegen den Bolschewismus. IL F*U G ■- yt M A Auch inFrankreich beginnt man die große Gefahr einzusehen, die von Moskau ausgeht Bemerkenswert ist dieses große Plakat, das man in diesen Tagen in Paris sehen konnte. In der Uebersetzung lautet es: „Mobilisierung! - Franzosen! Wollt ihr diesen Aufruf wieder auf euren Mauern sehen? Wollt ihr in den Krieg ziehen, den Moskau vorbereitet? Ihr wollt den Frieden für euer Heim und das Glück eurer Kinder. Moskau bedroht es! Wir müssen es g e g e n M os k a u d e r- teidigen. Folgt la Rocque, sammelt euch in der Partei der,Sozial-Franzosen'! — (Scherl-M.) Tagung der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine in Karlsruhe. Zweck und Ziel des Gesamtvereins.-Zur Geschichte der Zudenfrage. Der Gesamtverein der deutschen G e - schichts - und Altertumsvereine hält zur Zeit in Karlsruhe seine Hauptversammlung ab. Mit der Tagung sind wie üblich die Fachtagungen der deutschen Archivare und der deutschen Landesgeschichtlichen Publikationsinstitute verbunden. Der Gesamtverein, vor fast 85 Jahren gegründet, hat in den Jahren nach dem Weltkrieg eine steigende Bedeutung erhalten und besonders seit der nationalsozialistischen Revolution, durch die die Bedeutung gerade der landesgeschichtlichen und Heimatforschung im Bewußtsein auch der nichtfachlich interessierten Volksgenossen gebracht wurde, eine führende Stellung auf diesem Gebiet erlangt. Der Vorsitzende, Unioerfitätsprofessor Dr. Hoppe (Berlin) umriß in seiner Begrüßungsansprache Zweck und Ziel des Gesamtvereins. Professor Wilhelm Engel (Berlin) überbrachte die Grüße des Reichsministers Dr. R u st. Es sprach zunächst Universitätsprofessor Dr. Fehrle (Heidelberg) über „Geschichtliche Bedeutung des alemannischen Volkstums". Der Leiter des Reichsinstituts für ältere deutsche Geschichtskunde, Universitätsprosessor Dr. Wilhelm Engel (Berlin) sprach über „Aufgaben und Aufbau der geschichtlichen Forschungsinstitute im neuen Deutschland". Aus wissenschaftlichen und politischen Notwendigkeiten heraus könne heute nur eine gesamt- deutlche Geschichtsauffassung den Weg der Geschichtsforschung bestimmen. Die Einheit der deutschen Geschichtswissenschaft bedeute nicht eine Mißachtung oder Verkennung der allgemeinen Weltgeschichte und der Geschichte fremder Staaten und Völker, nur müsse in aller Schärfe gefordert werden: solange die deutsche Geschichte noch genug ungelöste Probleme bietet, steht sie uns am nächsten und verpflichtet den Forscher zu seinen Arbeiten. Im zweiten Teil gab Professor Engel einen ausführlichen Bericht über den Ausbau und die Arbeiten der geschichtlichen Forschungsinstitute. Der geschäftsführende Leiter der Forschungsabteilung „Judenfrage" des Reichsinstituts für Geschichte des neuen Deutschlands in München, Dr. Wilhelm Grau, sprach über „Die Geschichte der Judenfrage und ihre Erforschung". An bedeutsamen Beispielen zeigte Grau, daß zu allen Zeiten, seit die Juden unter die Völker verstreut sind, die Fremdheit des jüdischen Wesens von den Wirtvölkern empfunden wurde und daß die Begegnung mit dem Judentum immer zu tiefgehenden Auseinandersetzungen geführt hat. Nach ausführlichen Hinweisen auf die ewige Verbundenheit des Judentums mit der Entwicklung des Kapitalismus und mit dem undeutschen Hehlerrecht stellte Grau fest: Kapitalistische Geldanhäufung in den eigenen Händen und Führung des nichtjüdischen Proletariats war dem Judentum weder vor noch nach der Emanzipation fremd. Die Idee des Klassenkampfes ist tal- mudisch begründet. Die deutsche und europäische Geschichte der Neuzeit und der neuesten Zeit kann nicht geschrieben werden ohne Berücksichtigung der Geschichte der Judenfrage. Trotzdem ist die Forschung nur vereinzelt auf diese Probleme gestoßen. So unglaublich es ist, so wahr ist es, die Quellen zur Geschichte der Judenfrage wurden bewußt beiseite gelassen. Die Gründe hierfür liegen außerhalb der Wissenschaft. Jene Gelehrten konnten das Problem des Juden in der Geschichte nicht beschreiben und nicht beschreiben lassen, weil sie damit in persönliche Konflikte gekommen wären, weil sie ihre liberale Weltanschauung innerlich zerstört hätten. Diese Wissenschaft hat daher am wissenschaftlichen Wahrheitsideal schwersten Verrat begangen. Sie hat es auf dem Gewissen, wenn die Geschichtswissenschaft in eine ungeheure Vertrauenskrise zum Volk geraten ist. Grau bekannte: Weil wir nicht zu jenen gehören, die der Politik verhaftet sind, in der Oeffentlichkeu aber behaupten, sie seien freie Menschen der Erkenntnis, gibt es für uns kein inneres Hemmnis, laut zu bekennen, daß wir trotz unseres rein wissenschaftlichen Weges und Zieles wissen, daß unsere Forschung zur Geschichte der Judenfrage auch politische Aktion ist. Wo die Dinge so vernachlässigt wurden wie auf diesem Forschungsgebiet, bedarf es Zuerst einmal der Zubereitung der Werkstätte, zunächst einer den wissenschaftlichen Erfordernissen entsprechenden Bibliothek, mit deren Aufbau in München bereits begonnen wurde. Aus aller Welt. Rekordleistung der Deutschen Lufthansa im Südamerika-Postverkehr. Die am letzten Donnerstag, 17. d. M., mit Flugzeugen der Deutschen Lufthansa von Frankfurt a. M. nach Südamerika beförderte Post erreichte am Sonntag bereits Buenos Aires. Damit haben die Luft- hanfa-Flugzeuge die große Entfernung von 14000 km wieder in wenig mehr als brei lagen bewältigt und etwa 42 000 Sendungen über den Atlantik geschafft. Luftschiff „Hindenburg" bekommt eine Stewardeß. Wenn das Luftschiff „Hindenburg" am 26. September seine 9. Nordamerikafahrt antritt, wird zum ersten Male eine Stewardeß die an Bord befindlichen Frauen und Kinder betreuen. Da sich Frauen und Familien mit Kindern in steigendem Maße des schnellsten und bequemsten Beförderungsmittels über den Ozean bedienen, ist diese Erweiterung des Kundendienstes an Bord des Luftschiffes sehr zu begrüßen. Während die sechs Stewards des Luftschiffes „Hindenburg" um das Wohl sämtlicher Fahrgäste besorgt sind, wird sich die Stewardeß besonders der allein reisenden Frauen und Kinder annehmen, wie dies auf Seeschiffen der Fall ist. Die reichen Erfahrungen, die die erste deutsche Luftstewardeß während ihrer langjährigen Tätigkeit auf den Überseeschiffen deutscher Reedereien gesammelt hat, bieten die Gewähr dafür, daß selbst die verwöhntesten weiblichen Fahr- aäste des Luftschiffes ihre Ansprüche befriedigt sehen werden. Zwei Kinder in den Flammen umgekommen. Ein furchtbares Brandunglück ereignete sich in dem Ort Hänichen bei Apolda; im Anwesen des Bauern Hermann Reimann brach ein Feuer aus, das die Scheune einäscherte. Bei den Aufräumungsarbeiten wurden aus den noch rauchenden Trümmern die beiden völlig verkohlten Leichen der 3- und 6jährigen Töchter des Schwiegersohnes von Reimann geborgen. Die Kinder hatten in der mit Stroh gefüllten Scheune mit Streichhölzern gespielt. Der Tod im Futtersilo. Ein schweres Unglück ereignete sich auf dem Rittergut Plohmühle im schlesischen Kreise Strehlen. Beim Einsäuern von Häcksel stürzte die 17jäh- rige Gutsarbeiterin Meta Rudolf aus Strehlen, durch ausströmende Dämpfe bewußtlos geworden, in den geöffneten, vier Meter tiefen Futtersilo. Der 25jährige Gutsassistent Ewald Herzig versuchte, das Mädchen zu retten, blieb aber ebenfalls bewußtlos im Silo liegen. Das gleiche Schicksal ereilte den Gutsarbeiter Paul Stöber, der ebenfalls einen Rettungsversuch unternahm. Der Streh- lener Feuerwehr gelang unter Anwendung einer Frischluftausrüstung die Bergung, doch kam die Hilfe zu spät. Wiederbelebungsversuche blieben e r - folglos. Einer der bei dem Rettungsversuch verunglückten beiden Männer, der Arbeiter Stöber, hinterläßt Frau und sechs Kinder im Alter von 1 bis 14 Jahren. Furchtbares Aulobusunglück bei Marseille. An einem Bahnübergang bei Cbateauneuf-les- Martigues in der Nähe von Marseille ereignete sich ein folgenschwerer Zusammen st oßeines Omnibusses mit einem Zug. Der Omnibus wurde dabei völlig zertrümmert. Bisher wurden vier Tote und 26, zum Teil schwer V e r l e tz t e geborgen. Von den in das Marseiller Krankenhaus eingelieferten Verletzten ist ein zehnjähriges Kind inzwischen gestorben. Eine 40jährige Frau schwebt in Lebensgefahr. Sieben Verletzte konnten nach Anlegung von Verbänden entlassen werden. Der Fahrer des Wagens blieb unverletzt. Der Zusammenstoß ereignete sich an einem unbeschutzten Bahnübergang, an dem sich vor einiger Zeit ein ähnliches Unglück abgespielt hat. Der Lokomotivführer, der den Omnibus im letzten Augenblick auf den Schienen sah, gab sofort Gegendampf, aber es war schon zu spät. Der Zusammenprall war furchtbar. Der Omnibus wurde umgeworfen, ein Stück mitgeschleift und vollständig zertrümmert. Das Vorderteil der Lokomotive wurde ebenfalls schwer beschädigt. Man vermutet noch weitere Tote unter der Lokomotive. Schwindel mit allen Fünfzigmarkscheinen. In Biebrich wurde ein Gastwirt dadurch geschädigt, daß er einem Schuljungen aus Gefälligkeit einen Fünfzigmarkschein wechselte, der sich bei näherer Prüfung als eine außer Kurs gesetzte alte Note erwies. Die Ermittelungen haben ergeben, daß der Junge in nicht weniger als sieben Gastwirtschaften den gleichen Betrug versucht hat. In einigen Fällen wurde er sofort abgewiesen, weil die Wirte nicht genügend Kleingeld zum Wechseln hatten, in einem Falle wurde ihm der Jnflations- schein abgenommen. Der Junge erklärte hier, daß er den Schein gefunden habe. Es ist jedoch anzunehmen, daß er von Erwachsenen zu seinen Taten angehalten wird. Vier Maurer abgeskürzl. Am Oberlahnsteiner Krankenhaus ereignete sich ein Unfall, bei dem vier Maurer etwa zwölf Meter tief a b ft ü r g t e n. Einer wurde mit gebrochener Wirbelsäule ins Krankenhaus eingeliefert, während die anderen leichter verletzt wurden und mit Prellungen und Hautabschürfungen davonkamen. Wetterbericht des Reichswellerdiensles. Ausgabeort Frankfurt. Unsere Witterung wird trotz des hohen und inzwischen noch weiter angestiegenen Luftdrucks durch die mit südwestlichen bis westlichen Winden erfolgende Zufuhr feuchter Meeresluft bestimmt. Dabei kam es am Montag im Bereich feuchtwarmer Mittelmeerluft bei warmschwüler Witterung infolge Aufheiterung vielerorts zu Gewitterbildung, die teilweise recht ergiebige Niederschläge brachte. Die Wirbeltätigkeit über Skandinavien hat sich verstärkt und wird die Zufuhr feuchter, vom Atlantik stammender Luft auf das Festland beleben, so daß die Unbeständigkeit Mitte der Woche noch zunehmen wird. Aussichten für Mittwoch: Vielfach dunstig oder neblig, sonst wolkig bis heiter, nur vereinzelt Regen, tagsüber ziemlich warm, südliche bis westliche Winde. Aussichten für Donnerstag: Bei lebhaften westlichen Winden etwas frischer. Lufttemperaturen am 21. September: mittags 23,8 Grad Celsius, abends 13,9 Grad; am 22. September: morgens 13,2 Grad. Maximum 23,8 Grad, Minimum heute nacht 10,7 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 21. September: abends 17 Grad; am 22. September: morgens 14,3 Grad. — Niederschläge 20,2 mm. Sonnenscheindauer 5,1 Stunden. Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. VIII. 36: 9350. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. (Qetifedem usw. bei 5911A Walther im 16, Lebensjahre. Wieseck, Heuchelheim, Beuern, den 21. September 1936. 5903 D für mögl. bald.Mao gesucht. ssiM Die Beerdigung findet Mittwoch, den 23. September, nachm. 4 Uhr statt. Pritschenwagen billig zu verkauf. gesucht. 5904D unt.5902Da.den Gießen. Anzeig. > Laden. FLAMMER SEIFE v~ Familiendrucksachen Verlobungsanzeigen Vermfthlungsanzelgen Geburtsanzeigen bei Brühl. Schulstr. 7 Ludwig Haas Gießen Plockstr.7 Gießen füllkräftige Qualitäten y2 kg 0.90, 1.50, 2.75, 3.90 Tüchtiger Verkäufer und Dekorateur für Herren-Bekleidung und Stoffe sofort nach Gießen gesucht. Schriftl. Angeb. unt. 5894D an d. Gießen. Anzeig. sucht, für diesen aussichtsreichen Beruf befähigt. Die Beerdigung findet in Wieseck. am Mittwoch, dem 23. September, um 1516 Uhr, von Ludwigstraße 22 aus statt Gott der Herr hat am 21. September meinen lieben Mann und guten, treuen Vater Jünger.,ordentl. Laufbursche per sofort oder spät. gesucht.^v Ludwig Saas Ausstattungsgeschäft für Gardinen, Betten, Weißwaren Plockstraße 7, Vermietungen"! 31|2-Zimni.-Wohn. 1. 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Anzeigers. össsD gsisD Nitterg. 23 FeineTalel-n. Wirtsdialts- AepeU terlsjetztschonge- nußreif, gibt ab Bauer Marb. Str. 119. Junges Mädchen m. Handelsschulbildung sucht per 1. Oktober pass. Lehrstelle auf Büro. Schriftliche Angebote u. 04319 an d. Gieß. Anz. Verkäufe | 10 sehr gut erh. Feldbetten m.3teil. Matratz. 5 Dovpeisplnde Waschschüsseln, Seifenschalen, Schemel und Decken nur zusammen preiswert zu verkauf. 1 (ompiett. Bett IM 1 «ltM unö 3 Stühle zu verkauf. 04325 LöberstraßeSV. Geschirre 1= und 2-spännig Pritschenwagen Landauer, Break,Halbver- deck usw. zum Umbauen für Pritschenwagen evtl, gegen Futtermittel zu verkaufen. Daselbst 10 30 N. A.G.- Keine Zeugnisse in Urschrift lonbem nur Zeugnisabschriften bem Bewerbungsschreiben beilegen 1 — Lichtbilder unaBewerbungsunter- lagen müssen zur Vermeidung von Verlusten aus der Rückseite Namen und Anschrift de« Bewerbers tragen! Tüchtiger Wflflen- Wrek per sofort oder später gesucht. 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Motorflugmodelle wurden vorgeführt manchen Gebieten sind die Rußlanddeutschen ausschlaggebend bei der Bildung kirchlicher und kultureller Körperschaften. Sie besitzen mehrere politische Zeitungen, sind treudeutsch und weitblickend. Das Deutschtum in Argentinien wird zum Teil durch die 150 000 Rußlanddeutschen bestimmt. Ihre Einwanderung geht auf das Jahr 1878 zurück und konzentriert sich auf einzelne Bezirke der Provinz Entre Rios mit gutem Weizenboden. Reben Wolgadeutschen sind es Schwarzmeer-, Bessarabien- und Kaukasusdeutsche. Sie haben kürzlich durch das Wirken Pastor Riffels („Deutscher Bolksbund für Argentinien") die Anerkennung auch der Reichsdeutschen als Deutsche erlangt. Während sich i n Uruguay die rußlanddeutschen Kolonien nur auf Ulmenau und Piedras Colorados beschränken, hat Brasilien die meisten Rußlanddeutschen in Südamerika. Sie werden auf 250 000 Die Siedlungen der Wolgadeutschen geschätzt, aus den mit der G r o s s a Grande Jahren) in manchen Gegenden die Mehrheit der Bevölkerung. Zuzug von Deutschen aus der Krim, der Ukraine, vor allem aber aus Sibirien, ist bis in die letzten Jahre erfolgt. — Auch in Santa C a t a r i n a haben sich zahlreiche Rußlanddeutsche, so Wolhynier, unter Führung von Adolf E i ch - l e r, niedergelassen. Roch wichtiger ist die Tätigkeit der „Arbeitsgemeinschaft der Deutschen aus Rußland und Polen" unter Adolf Eichler für die Auswanderung in den Staat Sao Paulo. Hier arbeiten die Kolonisten zuerst ein Jahr in den Kaffeepflanzungen, wobei sie sich Erfahrungen und Mittel erwerben und sich dann selbständig machen können. 1927 wurden 300 Familien hinübergeschafft und haben sich gut eingelebt. Seit 1935 wird an der Uebersiedlung weitergearbeitet. Vor dem Weltkriege gab es etwa zwei Millionen deutscher Bauern in Rußland. Diese aus Deutschland eingewanderten Kolonisten in Bessarabien, Wolhynien, dem Schwarzmeergebiet, dem Wolgagebiet, Kaukasien und Sibirien, deutsche Urbauern, kamen schon, als man ihnen 1874 die zugesicherte M i l i t ä r f r e i h e i t nahm, in eine gewisse Unruhe. Sie wurde durch starke Vermehrung, Landmangel und panslavistische Hetze genährt.' Schon vor dem Kriege gab es in R o r d - und Südamerika mehrere hunderttausend rußlanddeutscher Auswanderer. Die baltischen Gutsbesitzer siedelten wolhynischen Bauern an. Ein furchtbares Schicksal senkte sich während des Weltkrieges besonders auf die in Westrußland siedelnden Kolonisten hernieder. Sie wurden von Haus und Hof vertrieben und in die Gebiete östlich der Wolga unter schrecklichen Menschenopfern verschickt. Desto bereitwilliger folgten die Kolonisten den Lockungen nach Deutschland, wo aber den meisten statt der in Aussicht gestellten eigenen Scholle ein dauerndes Knechtdasein beschie- den blieb. Der Zustrom aus der russischen Bauernhölle hat bis jetzt nicht aufgehört. Während aber die Zahl der rußlanddeutschen Kolonisten im Reich Anfang 1919 hunderttausend überstieg, wird sie jetzt auf nur 55 000 geschätzt. Wie vor dem Kriege nie eine geschlossene Siedlung rußlanddeutscher Rückwanderer im Reich gelang, sind, abgesehen von einer Siedlung Pfarrer Winklers in Tirpitz (bei Frankfurt a. £).), nur Einzelsiedlungen wohlhabender Rückwanderer bis auf den heutigen Tag festzustellen. Aus dem „Drei- Millionen-Fonds für kriegsgeschädigte Rußlanddeutsche" vom Jahre 1928 konnten einige hundert angesiedelt werden. Daher drängten die Kolonisten ständig hinaus in die neue Welt. Es entstanden Auswanderungsstellen und Selbsthilfeaktionen, wie die des Berliner „Vereins der deutschen Wolhynier", die im Jahre 1924 zur Gründung der Siedlung Nueva Wolhynia in Mexico führte. 1924 faßten auch die religiös strengen Mennoniten, die sogenannten „Altkolonier", in Kanada den Beschluß, weiterzuwandern, da man ihnen während des Krieges die ihnen im Jahre 1871 eingeräumten Privilegien geraubt und besonders durch das „Einsprachengesetz" die deutsche Schule genommen hatte. Eine Gruppe entschloß sich für Mexiko. In ganz großem Stil, in Extrazügen wurde das gesamte tote und lebende Inventar in die Provinz Durango siebziger Jahren in Parana „rußlanddeutschen Stadt" P o n t a gehören zu den ältesten. Im Staat R i o do Sul bilden die Schwarzmeer- und Polendeut- Die in Rußland zurückgebliebenen Kolonisten sind, roefin nicht ein Wunder geschieht, dem Untergang preisgegeben. Es liegt ein gewisser Trost darin, daß über eine Million Rußlanddeutscher, also etwa die Hälfte des Rußlanddeutschtums der Vorkriegszeit in der neuen Welt siedelt. Denn während sich die Rußlanddeutschen im engen Raum des Deutschen Reiches, falls sie nicht auf eigener Scholle fitzen, nicht halten können, leisten sie Außerordentliches in den breiten Verhältnissen der Neuen Welt. Sie schaffen Kulturwerte und vermehren sich als deutsche Bauern, treu ihrer Sprache, ihrem Sitten ihrer Väter. Wanderzüge rußlanddeutscher Kolonisten Bon (£. von Kügelgen. Mesltng-Natur! Wo der grüne Fichtenstrauß zur Einkehr lockt. übergeführt. Heute wohnen hier 4000 „Altkolonier", in zahlreichen Dörfern. Da aber hier ihren Ansprüchen nicht Genüge geschieht, wird eine Weiter- wanderung, wahrscheinlich nachParaguay, erwogen. Nach Paraguay, und zwar in das wilde Chaco, waren von 1926 bis 1930 etwa 1800 Altkolonier aus Kanada hinübergewandert. Anfangs wurden sie durch Klima und Typhus dezimiert. Zahlreiche Nachzügler, vor allem 6000 Mennoniten, die sich 1929 in Moskau versammelt und ihre Auswanderung durchgesetzt hatten, hatten es im Chaco viel leichter. Auch der Krieg hat den in 27 Dörfern siedelnden 4000 Mennoniten nicht geschadet, und sie sehen mutig in die Zukunft. Dk> in Kanada entstandenen Lücken sind reichlich durch Zuzug aus Sowjetrußland ausgefüllt worden. Mit Hilfe der amerikanischen Glaubensgenossen sind allein aus der Sowjetukraine von 1923 bis 1928 18 000 Mennomiten, der vierte Teil ihrer Gesamtzahl, nach Kanada ausgewandert. Bei wirtschaftlich guten Verhältnissen droht allmähliche Entnationalisierung. Auch zahlreiche Reihendörfer nach alter Rußlandsitte legen von der Einwanderung lutherischer und katholischer Kolonisten Zeugnis ab. Insgesamt rechnet man in Kanada mit etwa 200 000 'Rußlanddeutschen. Die Vereinigten Staaten haben das stärkste Rußlanddeutschtum mit einer Bevölkerung von etwa 400 000 Farmern und Gewerbetreibenden. Ihr wirtschaftliches Gewicht hat sich bei den Hungerhilfeaktionen für Europa und besonders für Rußland gezeigt. In An einem prächtigen Frühlingssonntag wanderten wir hinaus ins freie Feld, um den grauen All- tagsftaub von der Seele abzuschütteln und uns neue Lebenshoffnung im leuchtenden Lenz zu holen. Schon strichen die Rebenknospen ihre sammetweichen Kapuzen zurück, die Obstbäume standen im vollen Blütenschmuck, und die weißen Sterne der Maßliebchen lugten aus dem zarten Grün der Wiesen und Raine Aus bergwärts geneigten Pfählen sah ein übermütiges Finkenpaar in der wärmenden Mittagssonne und ließ sein Lied gen Himmel emporsteigen. Wald und Tal und Strom umhüllte ein feiner Dunstschleier, gleich als ob sich das rheinische Paradies noch nicht ganz dem suchenden Auge offenbaren dürfe. Langsam stiegen wir bergan; schneller schlug das Herz, tiefer atmeten die Lungen die herbe reine Taunusluft. Wie wohl das tat! Und in uns Stubenmenschen wollte etwas wie Neid wach werden auf jene, die auch im arbeitsreichen Werktag von Gottes Wunderwelt umgeben find. Da fiel unser Blick wie von ungefähr auf ein zusammengeballtes Zeitungsblatt am Wegesrand; es hatte wohl vor kurzem einem Winzer als Einwickelpapier für das 3-Uhr-Brot gedient. Gerade noch lesbar war die Mahnung unserer Weinbauern: „Trinkt deutschen Wein!" Gefunden war plötzlich das Zauberwort, das wir inmitten der lachenden Natur vergessen hatten; beflügelt wurde mit einem Male der müde Schritt; drüben im Weindorf winkte der grüne Fichtenstrauß und lockte zur Einkehr. Nur ein Viertelstündchen wollten wir rasten, um „einen Halben mitzunehmen"... es kam ganz anders! Und wer war schuld daran? „Das war der Wein, der liebe, gute Wein!" Eine recht gemischte Gesellschaft war's, die um den mächtigen Eichentisch in der kleinen gemütlichen Gaststube saß, und doch eine gleichgesinnte Tafelrunde, da jeder einen feinen Tropfen zu schätzen wußte. Der ihr aber vorstand, war ein Berliner Kind. Und ausgerechnet ein „Spree-Athener" sollte etwas...? Jawohl er verstand schon etwas vom Wein, auch vom Rheingauer Wein, mehr sogar als seine Zechgenossen. Wie blitzten seine Blauaugen unter den buschigen Brauen, wie wippte der weiße Spitzbart auf und ab, als er den ersten Schluck einer späten Beeren-Auslese „schlapperte". Und die Hände beschrieben, während das köstliche Nah langsam über die Zungenwurzel glitt, seltsam magische Figuren ^erhunaert... Ein erschütterndes Bild aus Sowjetruhland, wo eine Hungerkatastrophe im Anzug ist, weil im Wolga- und Ukrainegebiet eine Mißernte eintrat und die Mißwirtschaft bei der Ernteeinbringung größte Ausmaße angenommen hat. Unser Bild zeigt zwei Brüder in Sowjetrußland. Der eine ist bereits verhungert, während der zweite mit hoffnungslosen Augen demselben Schicksal entgegensieht. (Scherl-M.) und Kreise. — „Nun?" — fragten die Blicke der Freunde. „Sie möchten mein Urteil wissen? Hier finde ich bestätigt, was ein edler Rheinwein haben muh: ,COS'. Sie wissen nicht, was das heißt? Er muß haben: Color, das ist Farbe, Odor, das ist Geruch, Sapor, das ist Geschmack, diese drei aber in vollendeter Harmonie." „Das findet man aber nur beim rhein-mainischen Wein", meinte mein Nachbar zur Linken und blähte erneut die Nasenflügel über dem dünnwandigen Glas. „Bitte, mein Herr, nur nicht so dicknäsig, auch an der Elbe gibt es feurige und rassige Weine. Haben Sie schon einmal einen „Meißener" getrunken? Noch nicht, dann lassen Sie sich nur einmal vom Rate dieser Stadt zu einer Kostprobe einlaben." Die Zurechtweisung wollte der „Fachmann" nicht ohne weiteres auf sich sitzen lassen; ich winkte ihm verweisend zu und fragte den Alten: „Sie kennen wie kein Zweiter die weinbautreibenden Gebiete Deutschlands und die Eigenart ihrer Erzeugnisse. Sagen Sie uns doch, nach welchem Gesetz bestimmt sich denn der so erstaunlich verschiedene Preis der Weine?" — „Nicht nach der Süßigkeit, denn sonst stünden die Griechenweine obenan; nicht nach dem Feuer, denn sonst erhielten die schweren spanischen und französischen Weine die Krone; nicht nach der leichten, feinen Würze, dem zarten Geschmack und der flüchtigen heiteren, durch die Nerven zitternden Aufregung, denn sonst wäre der Champagner der teuerste. Die höchste Stufe des Preises entspricht vielmehr — und dies ist das gesuchte Gesetz — der niedersten des nach dem Genuß des Weines eintretenden Katzenjammers. Das Minimum des letzten und folglich des Maximum des ersten findet sich aber bei den edelsten Sorten firnen rhein-mainischen Weines." Lächelnd hob er sein Glas gegen den „Opponenten"; der tat ihm Bescheid, lehnte sich behaglich zurück und sagte: „Nun kommen wir der Sache Bismarck und Katharina Orloff. Von Geheimrat Or Eugen Kühnemann, em. o. Professor für Literaturwisienschast an der Universität Äreslau Es mar längst bekannt, daß Bismarck unmittelbar, ehe er die Berufung zum Ministerpräsidenten von Preußen empfing, in Biarritz feine Strafte sammelte in einer letzten Erholung, und daß er dort im tiefsten Entzücken sich dem Reiz einer seltenen Frau hingab. Es war ferner bekannt, daß er in der ersten Sitzung der Budgetkommlssion einen Oelzweig aus Avignon aus seiner „Brieftasche zog und wieder einsteckte, weil die Zeit für diesen Boten des Friedens noch nicht gekommen war. Run aber legt der Enkel der glücklichen Frau, der gegeben war, dem künftigen Gestalter Europas vor dem Aufbruch zu seinem Nie enwerke Wochen des vollbefriedigten Glücks zu schaffen, nicht nur Die 16 Briefe Bismarcks an die junge Fürstin oor (bie drei letzten find vielmehr Briefe an ihren Gatten, Bismarcks aufrichtig verehrten Freund), und zwar in einer deutschen Uebersetzung, die sich Uest,. als wären sie deutsch geschrieben, und danach m ihrem französischen Urtext. Sondern er tragt auch aus Eigenem eine meisterhafte Einleitung bey die den Enkel der Großmutter würdig, erweist. Es ist Die gleiche Höhe der Bildung. Es ist die gleiche Feinheit der Seele. Es ist die gleiche schlichte Vornehm heit eines über alles Geträtsch des Alltags und feine albernen Wertungen erhabenen Herzens. Du Einleitung ist das Muster einer Unterrichtsstunde. Sie gibt eine Vorbereitung, die erst zum »echten Lesen befähigt. Das deutsche Volk erhalt mit_Mem Buch ein Geschenk von ungewöhnlichem Wert und Man roiirbe Bismarck nicht wahrhaft kennen, wenn bieses Zeugnis nicht von elnerneuenun entscheibenben Seite fein Wesen enthüllt Senn es ist ja offenbar, baß bie Dinge, bie hier scheinbar geschieben sind, in Wahrheit in untrennbarem Zusammenhänge stehen. Das auf die große Lebens^ entscheibung gewaltig gespannte Wesen Bismarcks bedurfte der großen Liebe, um unter dem kaum erträglichen Druck die Schwungkraft zy bewahren oder vielmehr zu ihrer „höchsten Betätigung zu bringen. Anders ausgedruckt: Bismarck war Kunst, ler in seiner innersten Anlage, so sehr er selber sich diese Benennung gelegentlich verbat. Wie den größten Künstlern immer wieder die Liebe die Schmm- Uch Nikolai Orloff: Bismarck und Katharina Orloff. Ein Idyll in der hohen Politik. C.H.Becksche Verlagsbuchhandlung. München 1936. gen der Erfindung entfaltete, so geschah es ihm. Die Großen kennen alle den Sehnsuchtszug in di,e Idylle, dem Faust in Gretchens Kammer erliegt. Indem Bismarck für feine größten Kämpfe fein Inneres rüstete, erschuf seine Seele sich das köstliche Idyll. Sonnige Tage nie unterbrochener Gemeinschaft, das Meer und die. Klippen und die Heide, drolliges Menschenvolk als Gegenstand des in ironischer Fröhlichkeit bewegten Gesprächs, Picknicks in den Schluchten über der See, kleine Erlebnisse gemeinsamen Wohltuns an einem armen Kinde, alles der Stoff zu gemeinschaftlichen Erinnerungen, die ein Trost sind im kommenden Alltag mit seiner allzu schweren Last. Und immer vor Augen die geliebte Frau, zart und unendlich fein, geistreich, von edler Bildung, genug übermütiges Kind, um nie die Männer sich in trocfnem Ernst verlieren zu lassen, die Frau, dem im Kriege entsetzlich zerschossenen Gatten heroisch in großer Treue gesellt, und um das alles die große Luft, die ewige Sonne. Da wachsen die Kräfte in der Stille, die in der Welt der großen Politik das Werk vollenden sollten, und mitten in den Kchnpsen mit ihren aufreibenden Anspannungen und ihrer trüben Alttagslast kehren die Gedanken zu der Idylle zurück und schöpfen die Spannkraft aus ihrer Seligkeit. Die Fürstin hat ihm in dem Augenblick des Abschieds den Oelzweig in Avignon geschenkt. Da er zum erstenmal dem tödlich gehaßten inneren Feind gegenübersteht, ist es wie ein Zwang, der ihn nach dem kostbaren Symbol greifen läßt wie nach einem Versprechen der späteren Vollendung. Er ist wieder ganz er selber, der Schöpfer, der Genius in seiner Freiheit, die kein Alltag bindet und bricht, da er nach dem ermüdenden Gerede ihr Geschenk in den Fingern hält und wohlweislich nicht aus den Fingern läßt. Das Reich der Liebe ist weiter, als der kümmerliche Alltagsmensch herkömmlicher Begriffe sich träumen läßt. Sie herrscht in ihrem Reich und nimmt kein Gebot gewollter Festsetzung an. Geniales Schaffen stammt aus der Liebe, weil es Liebe ist. Es ist nur selten möglich, daß die angetraute Frau allein allen den schöpferischen Regungen entspricht. Und dann kann freilich der alte Dämon göttlich zugleich und teuflisch tausendfältige Gefahr bereiten, aber er braucht es nicht zu tun. Denn dem hochstehenden Manne ist die Gattin immer die Gattin, deren Stellung in seinem geistig seelischen Sein einzig und unverrückbar ist. Dann kommt die Prüfungsstunde für die Frau, ob sie in kleinlicher und kindischer Eifersucht dem Manne die Freiheit des Lebens zerknicken will oder ob sie die Bedürfnisse nicht nur duldet, sondern in ihrem unweigerlichen Recht versteht. Es ist das Beglückende an diesem schönen Buch, Daß es uns alle beteiligten Menschen als wahrhaft adlige Naturen erweist, alle auf der Höhe einer Aufgabe, in der kleine Seelen hoffnungslos versagt hätten. „Die reizendste Frau außer einer" — Bismarcks Frau war nur aufrichtig froh, daß ihr Mann in feinem schweren Leben etwas so Wunderschönes erlebte. Katharinas Gatte hatte wie sie selber vermutlich eine dunkle Vorstellung davon, daß hier etwas Heiliges und wahrhaft Großes sich vollzog und der kleine Mensch zu schweigen hatte, wo Gott sprach. Sie waren beide beglückt, und auch der Fürst Orloff dankte in einer unverbrüchlichen Freundschaft, die erst mit dem Leben endete. Bismarck aber rückte zwar mit Stolz in die Stellung des Onkels ein, aber feine Worte in allen Briefen bleiben immer gehalten. Nichts tritt den Rechten feiner Gattin noch ihres Gatten zu nahe. Wer hören kann, hört freilich überall den Ton einer großen, unendlich dienstbereiten Liebe. Es liegt mehr darin als eine zarte Höflichkeit, wenn er so gern in seinen Briefen ihre schönen Hände küßt. Die Fürstin Katharina Orloff starb, erst 35jährig, am 4. August 1876, nachdem sie dem Gatten nach lange kinderloser Ehe drei Kinder geboren hatte. Bismarck schrieb ihr die wundervolle Totenrede. „Der Verlust einer Frau wie Katharina ist das Erlöschen eines Sonnenstrahls, an dem Gottes Güte einen teil» nehmen liest, und der alle erfreute, die das Glück feiner Berührung empfingen. Die Erinnerung, die mir an die Zeit bleibt, wo ich diesen Zauber empfunden habe, hat mich durch alle Erregungen und Widrigkeiten der Politik begleitet wie der letzte Widerschein eins schönen Tages, der nicht mehr ist." Die Verbindung mit dem Gatten erhielt sich bis zum Tode ohne jede Trübung. Wir aber blicken hier wie nie vorher bei dem ehernen Kanzler, dem Mann von Blut und Eisen, in seine tiefe, überaus zarte und feine Menschlichkeit. Es gab auch für ihn nur einen einzigen letzten Quell großen Schöpfertums, den Quell der Liebe. Oer des Besiegten. Von den früheren Olympischen Spielen werden in „Reclams Universum" zwei interessante Episoden erzählt: Bei einem Schwimmwettbewerb in Los Angeles lag ein Inder weit zurück an letzter Stelle. Die großen Krauler beendeten lange vor ihm das Rennen. Als der Inder aus dem Wasser stieg, rief der Mann am Lautsprecher: „Ladies and Gent leinen! Dieser Mann ist 10 000 Kilometer weit gereift, um bei den Olympischen Spielen zu schwimmen. In seiner Heimat schwimmt man noch nicht so gut wie hier, aber er hat tapfer gekämpft, darum give him a hand!“ Und Tausende von Zuschauern brachen in tosende Beifallsrufe aus, als der Inder feine Umkleidekabine aufsuchte. Gewiß, er war kein Sieger und brachte auch keine Medaille mit in seine Heimat. Aber er verkörperte die Idee Olympias: nicht der Sieg, sondern allein der ritterlich ausgetragene Kampf — so heißt es in dem Olympischen Eid — ist die Hauptsache, zur Ehre der Länder und zum Ruhme des Sports. Ein ähnliches Bild bei der Entscheidung des 5000» Meter-Laufs in Los Angeles. Anderthalb Runden hinter den beiden Siegern, den Finnen Lehtinen und dem Amerikaner Hill, erreichte der schmächtige Japaner Takenaka das Ziel. Mit letzter verzweifelter Verbissenheit kämpften die jungen Söhne Nippons um den Sieg, und wo er ihnen versagt blieb, da rangen sie wengstens um die Anerkennung der Zuschauer. Takenaka wußte schon nad) wenigen Meter, daß"er gegenüber der großen Klasse seiner Gegner machtlos war, aber er stand das Rennen bis zum Schluß durch. Wenige Schritte hinter dem Ziel brach er erschöpft zusammen. Auch ihm wurde rauschender Beifall zuteil, als er die Arena verließ. Eine Wunderuhr. Besamen, das Zentrum der Uhrenindustrie Frankreichs, kann sich rühmen, die komplizierteste und kostbarste Uhr der Wett zu besitzen. Nicht zufrieden damit, die gewöhnlichen Pflichten eines örtlichen Zeitmessers zu erfüllen, zeigt diese Uhr auf nicht weniger als 27 Zifferblättern folgende Dinge: Die genaue Zeit in 16 verschiedenen Gegenden der Welt, die Länge jeden Tages, die Länge jeder Nacht, den Tag der Woche, den Tag des Jahres, die Jahreszeit, die Zeichen des Tierkreises zu ihren bestimmten Zeiten, den Planeten, der dem Tag der Woche zugeordnet ist, die Stunden von Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, den Stand der Sonne, die genauen Bewegungen der Planeten. Als ob es damit noch nicht genug wäre, zeigen weitere Zifferblätter in den Seiten der Uhr berühmte franzöfisck)e Häfen und künden ihre Zeit von Ebbe und Flut, lieber den Zifferblättern auf der Vorderseite sind Figuren der zwölf Apostel errichtet, die Glocken anschlagen, um jede Stunde zu verkünden. An ihrer Spitze trägt die Uhr ein Bild der Auferstehung. Die Uhr wurde im Jahr 1857 auf Veranlassung des Kardinals Mathieu bergeftellt mit einem Kostenaufwand von 860 000 Mark. Sie ist beinah 6 Meter hoch, 2'/, Meter breit und fast 1 Meter tief. Mit ihren reichen Verzierungen bildet sie das kostbarste Schaustück und den Schatz der Kathedrale von Befanden. Wirtschaft am Frankfurt a. M. Berlin Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. ZIL ®W- SSE- börle IS.9 21 9. 120,65 120,65 Banknoten. 101,5 97,75 115,1 100,4 100,9 97,5 95 109,7 101,5 97,75 102,25 115 100 101 97,5 95 109,7 101,4 97,75 102,25 115 100 101,5 97,75 102,25 115 100,25 97 100,75 93,5 127,5 120,4 97 100,55 100,75 97,5 95 97 100,75 93 127,5 120,4 97 100,5 100,75 97,5 95 109,7 nen- । be° 33,5 3,2 9,9 9,45 9,5 13,65 Reichskuratorium für Wirtschaftlichkeit herausgege» denen Lieferbedingungen für Möbel und Innenausbau aus Holz (Gütebedingungen) RAL 430 B. — 761: Einschränkung privater Verrechnungsgeschäfts mit Belgien-Luxemburg. — 763: Asbestverarbeitung im Monat Oktober 1936. — 764: Ueberwachungs- stelle für Wolle und andere Tierhaare; Verarbei- tungssatz IV. Vierteljahr 1936. — 765: Anordnung 27 der Ueberrvachungsstelle für Lederwirtschaft (Hochstzulässige Preise für rohe Falle und Häute der Zolltarifnummer 153.) — 766: Neuregelung der rumänischen Kompensationsordnung. 33,5 3,3 10,4 9,7 10 14,13 9,1 Frankfurt a. M., 21. Sept. Auftrieb: Rinder 326 (gegen 303 am letzten Montagsmarkt), darunter 25 (21) Ochsen, 59 (55) Bullen, 178 (186) Kühe, 64 (41) Färsen; zum Schlachthof direkt: 56 (29) Ochsen, 3 (—) Bullen, 22 (12) Kühe, 41 (42) Färsen. Kälber 519 (604), Hämmel und Schafe 219 (387), Schweine 2140 (1515). Notiert wurden pro 50 Kilogramm Lebendgewicht in Mark: Ochsen a) 42 bis 45 (am 14.9. 42 bis 45). Bullen a) 40 bis 43 (40 bis 43), b) 39 (—). Kühe a) 40 bis 43 (40 bis 43), b) 34 bis 39 (34 bis 39), c) 33 (33), preise für die deutsche Weinernte 1936. — 759: Mißbräuchliche Vordrucke für Mahnschreiben (Zah- 3,13 9,65 9 9,4 13,5 NSG. Im vorbolschewistischen Rußland war um diese Zeit im Nord-Kaukasus, der mit zu den fruchtbar st en Gebieten Rußlands gehört, und in Transkaukasien, im jetzigen Sowjetaserbeidschan, die Ernte eingebracht und überall auf den Märkten und in den Städten großer Ueberfluß an Getreide und Brot vorhanden. Heute, im neunzehnten Jahr der bolschewistischen Herrschaft, müssen die Getreidespeicher der Sowjets durch GPU. - Truppen vor „st e h - lend en" Bauern bewacht werden, und die „befreiten" Sowjetbürger — von denen die jüdisch- marxistische Propaganda behauptet, daß sie em „fröhliches und sorgenloses Leben" führen — sind gezwungen, in langen Schlangen ihre Freizeit vor ausverkauften Brotladen zu verbringen, den Kopf immer voller Sorgen um das in der Sowjetunion so schwer zu erschwingende Brot. Daß es sich um keine Uebertreibung handelt, beweist ein Bericht des bolschewistischen Organs des Äsow- Schwarzmeer-Gaues „M o l o t" vom 28. August 1936 (Nr. 4574), der folgendes Eingeständnis über die Ernährungsverhältnisse der Gebietshauptstadt Krasnodar (Jekaterinodar) im Nord-Kaukasus enthält: „... Während der letzten Tage (der katastrophale, in der Sowjetunion ununterbrochen herrschende Lebensmittelmangel wird von der Sowjet- presse immer nur für die „letzten Tage" zugegeben, ü. Red.) sammeln sich vor den Brotläden der Stadt ungeheure Menschenschlangen an. Die Menschen, die sich schon früh am Morgen anstellen, müssen mehrere Stunden lang warten und aehen häufig mit leeren Händen nach Hause. Sehr oft ist in der ganzen 3,4 10,4 9,65 9,75 14,13 gen nur wenig Kundschaftsaufträge vor, so daß der berufsmäßige Börsenhandel nach seinen lebhaften Käufen vom Samstag realisierte. Die Kursbildung war uneinheitlich, im allgemeinen ergaben sich jedoch nur kleine Abweichungen. Besonders ruhig lagen Montanaktien, die unregelmäßig eröffneten und später zumeist leicht nachgaben. Rhein- stahl verloren 2,25 v. H., Hoesch 0,25 v. H., dagegen zogen Verein. Stahl 0,75 v. H., Mannesmann 0,65 vH. und Harpener 2,50 v. H. an, Klöckner blieben mit 116 unverändert. Der günstige Abschluß blieb infolge des stillen Geschäftes fast ohne Wirkung. Maschinenaktien auf den Lagebericht etwas fester, Moenus 92,90 (92), Daimler 116,65—116,25 (115,75). IG. Farben weiter etwas angeboten und auf 160,75 (161,50) ermäßigt, andererseits Deutsche Erdöl 1 v. H., Metallgesellschaft 0,25 v. H. freundlicher. Im einzelnen eröffneten Reichsbank 1 v. H., Zellstoff Aschaffenburg 0,50 v. H., Aku 0,40 v. H. Industrie laufend statt. Der Beschäftigungsgrad trägt etwas über 82 v. H. Rbein-Mainifche Börse. Mtlagsbörse still. 4% Oesterretchische Goldrente... 4,20% Oesterretchische Silberrente 4% Ungarische Goldrente....... 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 4Yt% desgl. von 1913.......... 6% abgest. Goldmexikaner von 99 4% TÄkische Bagdaobahn-Anleche Serie l..................... Hungersnot in Gowjetrußland Menschenschlangen vor leeren Lebensmittelgeschäften. höhen. Neueinstellungen in den Werkstätten und Büros finden in fast allen Gruppen der Maschi Frankfurt a. M., 21. Sept. Die Börse lag Aktienmarkt wider Erwarten sehr still. Es la- Hohe Liquidität in den August-Bilanzen der Banken. Wie das Institut für Konjunkturforschung in einem seiner letzten Wochenberichte festgestellt hat, erklärt sich die länger anhaltende Anspannung auf dem Geldmarkt aus dem Rückgang der Überschüsse, die für eine Anlage am Geldmarkt zur Verfügung stehen. Diese Tatsache wird durch die soeben erschienenen August-Bilanzen der Banken im vollen Umfange bestätigt. Ganz offensichtlich verbindet sich mit der gegenwärtigen hohenWirtschaftstätigkeit in immer stärkerem Maße ein größerer Geldbedarf der gewerblichen Unternehmungen, der sowohl saisonmäßiger Natur ist, als auch besonderen Investitions- Bedürfnissen entstammt. Dieser Geldbedarf macht sich nun in den Bankbilanzen einmal in der Form von Einlagenabzügen, denn aber auch in erhöhten Kreditansprüchen geltend und bringt so Einlagen- zuslüsse, wie weitere Rückflüsse aus Schuldentilgungen zum Ausgleich. Dank ihrer umsichtigen Anlage- Politik ist es jedoch den Banken ein leichtes, den gegenwärtig verstärkten Finanzierungsansprüchen, ohne den hohen Stand ihrer Flüssigkeit einschränken zu müssen, zu entsprechen, vielmehr find Liquidität und Kreditkapazität bei allen Gruppen der berichtenden Kreditinstitute von unverminderter Stärke. Steigende Beschäftigung der deutschen Maschinenindustrie. Fwd. Don der Wirtschaftsgruppe Maschinenbau wird uns geschrieben: Die Jnlandskonjunktur hielt in den letzten Wochen in unverminderter Stärke an. Während sich in den Hauptferienmonaten gewöhnlich ein mehr oder weniger starkes Nachlassen der Geschäftstätigkeit bemerkbar macht, war in diesem Jahre auch während der Urlaubszeit noch eine weitere Steigerung der Anfragetätigkeit der Jn- landskundschast zu verzeichnen. Auch in den Anfragen des Auslandes zeigte sich kein Rückgang. Der Auftragseingang ergab bei den Jnlandsauf- trägen ebenfalls eine leichte Zunahme, bei den Auslandsaufträgen wurde der Julistand gehalten. Der Auftragsbestand sichert der Maschineninduftrie in feinem gegenwärtigen Umfang eine durchschnittliche Beschäftigungsdauer von mehr als vier Monaten und nimmt weiter zu. Die Betriebe sind daher bemüht, ihren Gefolgfchaftsftand entsprechend zu er- schon etwas nckher. Aber muß es erst ein Kabinett- Hein sein, um für die Güte des Weines zu zeugen? Ob er hart ist oder weich, harmonisch oder spritzig, voll oder fett, schmalzig oder brandig, feurig oder rassig, trocken oder firn — die Hauptsache ist Loch, er bleibt so, wie er vom Rebstock kommt, naturrein! Dann ist jeder Ausschankwein den sich jeder Volksgenosse leisten kann, bekömmlich, vorausgesetzt, daß er mit „Verstand" getrunken wird. Ich gebe zu, daß es auch im Rheingau und am unteren Main Weine gibt, die, wie mans im Volksmund nennt, so „arem sei, daß se nit allaans im Faß leise könne", Weine, die ohne Zusatz von Zucker keine brauchbare Handelsware abgeben. Aber das find Ausnahmen, und die Erfahrung hat leider gezeigt, daß neben der Weinverbefferung auch die Weinfälschung hergeht." — „Gegen die Auswüchse", fiel ihm der Gast rasch ins Wort, „haben wir heutzutage endlich das, was auch die sogenannten Weinparlamente früherer Zeiten nicht erzwingen konnten: eine Verschärfung der Strafen für bis 64 (60 bis 68). Hämmel b2) 60 bis 63 (62 bis 65), Schafe e) 58 bis 62 (55 bis 58), f) 52 bis 57 (52 bis 54), g) 45 bis 50 (42 bis 48). Schweine al) 57 (57), a2) 57 (57). bl) 56 (56), b2) 55 (55), c) 53 (53), d) 51 (51). Sauen gl) 56 (56). Marktverlauf: Rinder und Schweine wurden zugeteilt. Kälber mittelmäßig, ausverkauft. Hämmel und Schafe flott, ausverkauft. Fleischgroßmark. Beschickung: 830 Viertel Rindfleisch, 904 halbe Schweine, 76 ganze Kälber, 43 ganze Hämmel, 35 Kleinvieh. Notiert wurden pro 50 Kilogramm in Mark: Ochsenfleisch a) 80. Bullenfleisch a) 76. Kuhfleisch a) 77, b) 65, c) 54. Färsenfleisch a) 80 (alles Höchstpreise). Kalbfleisch b) 110 bis 120, c) 105 bis 110. Hammelfleisch b) 105 bis 120. Schweinefleisch b) höchster Preis 74. Fettwaren nicht notiert. Marktverlauf: flott. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt, 21. Sept. Die Weizenanlieferungen bleiben während der Bestellungsarbeiten, wie auch auf den nahen Monatswechsel hin weit hinter der Nachfrage zurück. Besonders die oberrhein. Mühlen sind auf laufende und spätere Deckung bedacht, da nord- und mitteldeutsches Angebot trotz der allgemein bewilligten höheren Handelsspanne kaum vorliegt. Roggen können die Binnenmühlen aus ihrem Erzeugergebiet langsam erwerben, während die größeren Mühlen an den Wasserstraßen meist oftdeuschen Roggen aufnehmen. Braugerste bleibt bei kleinen Zufuhren sehr fest, während Industrie- und Futtergersten bei lebhafter Nachfrage nicht erhältlich sind, ebenso Hafer. In Mehl kann der laufende Konsumbedarf gedeckt werden, während das Angebot für später der Nachfrage nicht genügt. Am Futtermittelmarkt finden neben Futtergetreide Kleie, Kartoffelflocken und Biertreber Interesse. Rauhfutter still. Es notierte (Getreide je Tonne, alles übrige je 100 kg) in Mark: Weizen W 13 199, W16 202, W 19 206, W 20 208, Roggen R 12 162, R 15 165, R 18 169, R 19 171. Futtergerste —, Braugerste 2j,5 bis 230, Futterhafer —. Weizenmehl Type 790 ÄZ13 27,90, W 16 28,00, W 19 28,00, W 20 28,35, Roggenmehl Type 997 R 12 22,45, R 15 22,80, R 18 23,30, R19 23,50 plus 0,50 Mk. Frachtausgleich. Weizenfuttermehl 13,60. Weizenkleie W13 10,75, W16 10,90, W19 11,10, W20 11,20. Roggenkleie R12 9,95, R15 10,15, R18 10,40, R19 10,50 Mühlenfestpreife ab Mühlenstation. Soyaschrot —, Palmkuchen —, Erdnußkuchen —, Treber 16,25 bis 16,50, Trockenschnitzel —, Heu 4,50 bis 5,00, Weizen- und Roggenstroh 2,00. Kartoffeln: gelbfleischige hiss. Gegend 2,80 Mark, weißschalige hies. Gegend 2,50 Mark per 50 kg bei Waggonbezug Frachtparität Frankfurt a M. Tendenz: ruhig. Die Industrie- und Handelskammer Gießen gibt Auskunft: 758: Bekanntmachung der Richt- Rundfunkprogramm ZNittwoch, 23. September. 6 Uhr: Choral. Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Werkskonzert. 10: Schulfunk. 11: Hausfrau, hör zu! 11.30: Gaunachrichten. 11.45: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Der Zeitfunk bringt den Tagesspiegel. 14.20: Das Phänomen der Stimme (XVII). Gerhard Hüfch. 15: Volk und Wirtschaft: „Die Kannebäcker" im Westerwald. 15.15: „Genius am Pranger — Das Schicksal des Veit Stoß". Es spricht Karl Kaltwasser. 15.30: „Lenzbacher Idylle — Schinkenburger Biedermeier." Ein Hörbild um das Tagebuch eines hessischen Romantikers vor 100 Jahren. 16: Klaviermusik. 17.30: Unter hellem Himmel. Eine Funkfolge mit Dichtungen von Agnes Miegel und Otto zur Linde sowie vier Gesängen von Johannes Brahms, Max Reger, Richard Strauß und Max von Schillings und einem Satz aus den Klaviervariationen „Landsommertage" von August Reuß. 18: Heute etwas ganz Besonderes! 19.45: Kampf dem Verderb! 20: Nachrichten. 20.15: Stunde der jungen Nation. „Wir sind die junge Bauernschaft." 20.45: Beethoven-Konzert. 22: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 22.30: Sonate für Klavier in E-dur von Armin Knab. 23: Nachtmusik und Tanz. 24 bis 2: Nachtkonzert. Donnerstag, 24. September. 6 Uhr: Choral. Morgenfpruch. Gymnastik. 6.30: Fruhkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 9.30: Musik am Morgen. 10: Schulfunk.: Volksliedfingen. Liederblatt 12. 11: Nachrichten. 11.30: Bauernfunk. 11.45: Sozialdienft. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Kleine liebe Erinnerungen. 15: Volk und Wirtschaft. Die Wasserkräfte Bayerns. 15.15: Kinderfunk. 16: Unterhaltungskonzert. 17: Kammermusik. 17.30: „Von der Donau bis zum Jordan", Kriegsbücher. 17.45: „Ein ganzer Kerl", Erzählung von I. Kwella. 18: Konzert. 19: So leben wir ... Fröhliches Feierabend-Singen. 19.15: Der Zeitfunk bringt den Tagesspiegel. 19.55: Sonderwetterdienst für die Landwirtschaft, Wirtschaftsmeldun- gen, Programmänderungen. 20: Nachrichten. 20.10: Schon die Abendglocken klangen, Heimatklänge aus dem alemannischen Land. 22: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). Nachrichten der DAF. 22.30: Tanzmusik. 24 bis 2: Nachtkonzert. und Westdeutsche Kaufhof 0,65 v. H. höher. AG. für Verkehr verloren 0,50 v. H., Hapag 0,25 v. H. Am Rentenmarkt zeigte sich erhöhte Nachfrage nach amtlich notierten Auslandsrenten, besonders Ungarn und einige Mexikaner waren gefragt, da man diese Werte als zurückgeblieben bezeichnet im Verhältnis zu der seither lebhaften Aufwärtsbewegung der im Freiverkehr gehandelten Vorkriegs-Prioritäten. Ungarn Goldrente 10,40 (9,65), 1914er Ungarn 9,75 (9,40), 1910er Ungarn 9,90 (9). 5proz. Silber-Mexikaner 6,25—6,40 (6), 5proz. äußere Gold 14,30 (13,50), ferner 5proz. Rumänen 7,90 (7,55). Von deutschen Werten blieben Altbesitz mit 115 unverändert, etwas fester lagen Kommunal-Umschuldung mit 88,55 (88,40). Im Verlaufe lag der Aktienmarkt schwächer, da weitere Abgaben der Kulisse erfolgten. Gegen die Anfangsnotierungen gaben Montanwerte etwa 1—1,25 v. H. nach, ferner IG. Farben auf 159,50 nach 160,75, AEG. auf 35,50 nach 36, Daimler auf 115,50 nach 116,65, Kunstseide Aku unter Schwankungen wieder 75,50 bis 74,50 nach 75 und 75,40. Die später zur Notiz gekommenen Werte lagen meist 0,50—1 v. H. unter dem letzten Kurs, Südd. Zucker minus 1,50 v. H. Der Freiverkehr lag sehr ruhig, fest waren auf die Dividendenverdoppelung Humboldt-Deutz mit 119 (114,50). Tagesgeld uno. 2,50 v. H. Abendbörfe abbröckelnd. Bei starker Zurückhaltung und demzufolge sehr kleinen Umsätzen bröckelten die Kurse an den Aktienmärkten im Anschluß an den Mittagsverkehr weiter etwas ab. Die Rückgänge betrugen gegen den Berliner Schluß 0,25 bis 0,75 v. H. Etwas stärker ermäßigt waren Aschaffenburger Zellstoff mit 126 (127,25). Von Montanwerten gingen Rheinstahl auf 137,50 (139, Berlin 137,90) zurück, Buderus blieben mit 113 behauptet. IG. Farben lagen mit 159,50 (159,75) knapp gehalten, von Schiffahrtspapieren Nordd. Lloyd 15,65 (16). Daimler Motoren waren zu 115 (114,75) etwas höher gefragt. Der Rentenmarkt lag sehr ruhig. Von Auslandsrenten konnten sich Rumänen, Ungarn und Mexikaner bei wesentlich kleiner gewordenen Umsätzen behaupten. 4 v. H. Steg von 1883 ermäßigten sich auf 23 (23,75), 3 v. H. von 1895 im Freiverkehr 9 (9,50), Oesterr.-Ungar. Bankpfandbriefe 4,65 bis 4,60 (4,90). U. a. notierten: 6 v. H. IG. Farben 126,75, Reichsbahn-VA. 123,40, 1913er Ungarn 9,75, 1914er do. 9,75, 4 v. H. Ungar. Goldrente 10,40, 4 v. H. Ungar. Kronenrente 2,35, 5 v. H. Rumänen 7,75 4 v. H. do. 6,45, 5 v. H. äußere Goldmexikaner 14,13, 4,50 v. H. Irrigation 9,75, 4 v. H. Schweiz. Bundesbahn 252, 3,50 v. H. do. 241, Commerzbank 99,25, DD.-Bank 97,75, Buderus 113, Mannesmann 106,40, Rheinftahl 137,50, Verein. Stahl 106,50, AKU. 74,50, Betula 154,50, Daimler 115, Deutsche Erdöl 127,50, Scheideanstalt 273, Deutsche Linoleum 162,50, Licht & Kraft 151,50, IG. Farben 159,50, Gessürel 132,50, Holzmann 126, Jung- Hans 102, Muag 116,50, Aschaffenburger Zellstoff 126, Nordd. Lloyd 15,65. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Stadt kein Brot zu finden. Auch auf dem Bahnhof ist keines vorhanden. Die „Stadtoäter" verhalten sich diesen Mißständen gegenüber gleichgültig. Vom Stadtsowjet und vom Stadtkonütee der Partei werden zur Abstellung dieser Mißstände keinerlei Maßnahmen ergriffen." Bezeichnend für die Lage iy dem von den Sowjetmachthabern unterdrückten und ausgebeuteten Aferbeidfchan ist ein Bericht des in Baku erscheinenden Sowjetblattes „B a b i n s k i j Ratz otschij" vom 26. August 1936 (Nr. 198), in dem u. a. folgendes zugegeben wird: „...Schwerfälligkeit und oberflächliche Planung sind für zahlreiche Handelsorganisationen Aserbeidschans charakteristisch. Das beweisen auch die täglich bei der Redaktion einlaufenden Klagebriefe aus dem Leserkreis, in Krasnoselskoje im Sadirabadsker Bezirk gibt es Grütze, Makkaroni, Konserven und Zigaretten nicht zu kaufen. In Kussary (Bezirkszentrum) sind Salz, Wurst und geräucherter Fisch seit Monaten nicht vorhanden. In Sakataly (Bezirkszentrum) gibt es keinen Tee. Im Bezirk von Sangelan herrscht völliger Mangel an Lebensmitteln und Bedarfsartikeln, wie Tee, Zucker, Zigaretten, Streichhölzer, Waschseife, Kleidungsstücken, Schuhzeug und Wäsche. Mit der Verteilung von Backwaren ist es in Kuba, Schucha und Sakataly (größere Städte von Sowjetaserbeidschan. D. Red.) äußer ft schlecht bestellt. Brot wird in unzureichenden Mengen gebacken. Vor den Brotläden stehen Menschenschlangen." — Das sind die Segnungen, die das Sowjetsystem den „b e - freiten" Völkern des ehemaligen Rußland gebracht hat. Schlußk. Mittag« börse 21.9- die Panischer und Einführung einer strengen Kellerkontrolle. Und vergessen Sie nicht, daß die Werbearbeit um den „Wein als Dolksgetränk" nicht wenig, vielleicht das meiste dazu beigetragen hat, dem Erzeugnis unserer Winzer auf dem deutschen Weinmarkt die unbedingte Vorherrschaft zu sichern und durch eine großzügige Aufklärungsarbeit die deutsche Zunge wieder für die herbe Schönheit des naturreinen deutschen Weines zu gewinnen. Und im Endziel dieses Kampfes um ein überaus wertvolles Gut unserer Volkswirtschaft, um die Früchte der mühsamen Arbeit deutscher Menschen steht wie im vergangenen Jahr so auch 1936 die Beschickung einer „Patenstadt" mit einem guten deutschen Wein, dessen „Kraft" den Brüdern und Schwestern im Norden und Osten des Reiches auch „Freude" geben soll und wird. Und nun ist genug geredet worden! Herr Wirt, noch eine Flasche! Eine, die zutiefst im Keller liegt, von Spinngeweb umsponnen — eine .Riesling-Natur'!" Schluß« furd 19-9. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v.H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Datum 8% Deutsche Retchsanleche v. 1927 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 6¥i% Doung-Anlethe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablüs.-Schuld mt, Auslos.-Rechten ............ *Va% Deutsche Retchspostschatzan Weisungen von 1934, 1....... *Vi% ehem. 8% Hessischer BolkL float 1929 (rückzahlb. 102%) ... <%% ehem. 8% Hessische Landes banl Darmstadt Gold 91.12.... 6Yi% ehem. 4^,% Hess. Landes Hypothekenbank DarmstadtLiqu. 4Yt% ehem. 8% Darmst. Komm Landesb.Goldschuldverichr. $R. 6 Oberhessen Provinz-Anleihe mi> Auslos.-Rechten ............ Deutsche Komm. Sammelabl. Aw leihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten *%% ehem.8% Franks. Hyp.-Banl Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935 6*4% ehem. 4%% Franks. Hyp. Bank-Liqu.-Pfandbriese....... 6%% ehem. 4*4% Rheinische Hyp.-Bank-Ltqu.-Goldpfe. ... 4Y»% ehem. 8% Pr. Landespfand. briefan statt, Pfandbriefe fft 19 i%Rumän.vereinh.Rentev.l913 4% Rumänische vereinh. Rente .. 2%% Anatolier ............ Hamburg-Amertka-Paket 0 Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 Norddeutscher Lloyd .........o A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 Berliner Handelsgesellschaft ... « Commerz, und Privat-Bank ... 4 Deutsche Bank und Disconto. Gesellschaft................ 4 Dresdner Bank............... Retchsbank ................j-, A.E.G............. 0 Bekula...................... Elektr. Lieferungsgesellschaft... « Licht und Kraft ............. 7 Felten & Guilleaume......... 4 Gesellsch.f.Elektr.Unternehmung. 6 Rheinische Elektrizität ........ g Rhein. Wests. Elektr..........6 Schuckert L Co............... g Siemens L Halske............g LahmeyerLCo............ 7 BuderuS ................... 4 Deutsche Erdöl ..............4 Harpener................. 2% Hoesch Eisen—Köln-Neuessen .. 3 Ilse Bergbau ............... 6 Ilse Bergbau Genüsse........6 Klöcknerwerke ...............8 Mannesmann-Röhren........ 8 7,55 11,65 6,4 44,75 15 16 114,9 121 99,25 97,5 97,75 181,5 36,13 154,5 129,75 154 128,75 134,5 129 153 185,4 143 113 129 133 108,75 134,5 116 107,25 7,75 12 6,45 44,25 14,75 15,65 114 121 99,25 97,75 97,75 182,5 35,5 154,5 129 151,5 129 132,5 128,75 152,5 184,5 144 113 127,5 135 107,5 134,75 115 106,4 7,7 11,65 6,35 44,25 15 40 15,65 113,65 120,75 99,25 97,5 97,75 181,5 36,25 154,65 129 154 128,5 133,25 125,75 128,25 153 185,5 144 113 129,5 133 108,9 169 134 116,25 107,4 9,3 7,9 12,13 6,55 44,9 15,25 41,5 16 113,13 120,5 99,25 97,75 97,75 181 35,25 154,75 126,5 151,5 128,65 132,25 128 151,5 185 143,5 112,75 127,75 135 107,75 169 132,75 114,75 106,25 Mansselder Bergbau.......6% Kokswerke.................. 6 Rheinische Braunkohlen .....12 Rheinftahl ..................4 Vereinigte Stahlwerke......8% Otavt Minen ...............0 Kaliwerke Aschersleben........b Kaliwerke Westeregeln........5 Kaliwerke Salzdetfurth.....7% I. G. Farben-Industrie.......7 Scheideanstall...............9 Goldschmidt ................ 5 Rütgerswerke ............... 6 Metallgesellschaft.............5 Philipp Holz mann...........4 Zementwerk Heidelberg ...... 7 Cementwerk Karlstadt.........6 Schultheis Patzenhofer .......4 Aku (Allgemeine Kunstseide) .. 0 Bemberg................... 6 Zellstoff Waldhof ............ 6 Zellstoff Aschaffenburg .......0 Dessauer Gas ...............7 Daimler Motoren............0 Deutsche Linoleum........... g Orenstetn & Koppel ..........0 Westdeutsche Kaufhof.........0 Chade...................... 9 Accumulatoren-Fabrtk.......12 Contt-Gummt............. 11 Grttzner....................0 Mainkraftwerke Höchst a.M.... 4 Süddeutscher Zucker........10 152,5 225,13 140,75 107,5 33,13 177,5 161,5 273 113 132 127,5 145 156 75 87,75 156 127,5 115,75 163,5 52,4 416 169,5 34,25 95 205 152 226 137,5 106,5 33 120,75 118 178 159,5 273 113,25 132,25 126 145,5 156 74,5 87,65 155 126 115 162,5 52,5 418 196,25 169,5 95 203,5 152,5 128,5 226 140,5 107,65 33,25 121 117,5 178 161,5 113 128,9 130,25 128,13 103,25 74,9 87,5 155,65 127,65 104,25 115,5 163,13 83,25 52,9 415 196,25 170 34,25 205 151 127,5 226 137,9 106,9 32,75 120,75 117,5 178,75 159,75 113,75 126 132 126 102,5 74$7 153,5 127,25 104 114,75 162,25 83,5 51,75 419 169,25 34,13 205 19. September 21 - September Amtliche Geld Notierung ! Brief Amtliche Notierung Geld | Brief Buenos Arre 0,706 0,710 0,707 0,711 Brüssel .... 42,01 42,09 42,03 42,11 Rio de Jan. 0,147 0,149 0,147 0,149 Sosta..... 3,047 3,053 3,047 3,053 Kopenhagen 56,23 56,35 56,26 56,38 Danzig .... 47,04 47,14 47,04 47,14 London.... 12,595 12,625 12,60 12,63 HelsingforS.. 5,554 5,566 5,554 5,566 Paris ...... 16,37 16,41 16,375 16,415 Holland ... 168,83 169,17 168,89 169,23 Italien..... 19,57 19,61 19,57 19,61 Japan...... 0,736 0,738 0,738 0,740 Jugoslawien 5,654 5,666 5,654 5,666 Oslo..... : 63,30 63,42 63,32 63,44 Wien....... 48,95 49,05 48,95 49,05 Lissabon... 11,44 11,46 11,45 11,47 Stockholm... 64,94 65,06 64,95 65,09 Schweiz ... 80,99 81,15 81,02 81,18 Spanien.... 28,97 29,03 28,97 29,03 Prag....... Budapest .. 10,27 10,29 10,27 10,29 Reuyork ... 2,488 2,492 2,488 2,492 Berlin, 21 - September Geld Brief Amerikanische Noten.............. 2,44 2,46 Belgische Noten.................. 41,88 42,04 Dänische Noten ................ 56,06 56,28 Englische Noten ................. 12,555 12,615 Französische Noten............... 16,325 16,385 Holländische Noten............... 168,47 169,15 Italienische Noten.............. Norwegische Noten .............. Deutsch Oesterreich, ä 100 Schilling Rumänische Noten............... 63 J0 63,36 Schwedische Noten............... 64,74 Schweizer Noten................. Spanische Noten................. Ungarische Noten.............. 80,84 27,94 8 b 16 28,06 200 Zahre Schönbornkapelle. Ein Kleinod des fränkischen Barocks. Wer Würzburg kennt und liebt, wird auch die S ch ö n b o r n k a p e l l e am Dom in den Schatz seiner unverlierbaren Erinnerungen ausgenommen haben, schon weil sie den Namen einer Familie trägt, die wie keine andere die lnam- fränkische Bischofsstadt zu einer Pflanzstätte des deutschen Barocks gemacht hat, und deren bauliche Hinterlassenschaft in und um Würzburg so groß ist, daß man von dem ganzen Gebiet zwischen Bamberg und Würzburg noch heute als von Den „Schönbornschen Landen" spricht. Außer den genannten Städten sind es vor allem die Schlösser in Werneck und V e i t s Hoch- Heim, Gaibach und P o m m e r s f e l d e n, die den Ruhm dieses gräflichen Geschlechts, das während der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts dem südwestlichen Deutschland seine größten geistlichen Bauherren und Mäzene geschenkt hat, unüberhörbar verkünden. Denn nicht nur m den beiden Bistümern am Main, auch in Mainz und Speyer, ja in Trier und Konstanz saßen damals Sprößlinge dieses Hauses, dessen Famillenpolltik dahin zielte, möglichst viele Bischo.swurden auf einem Haupte zu vereinigen und damit Dem Begünstigten eine Macht zu verleihen, die ihm aucy gestattete eine Bautätigkeit allergrößten Stils au entiob ten. War doch der „Bauwurmb" bet den Schon- borns eine erbliche Leidenschaft, die Zwaroft ms Maßlose ging und keine Kosten scheu e..aberauch immer durch echten Schönheitssinn und Kenntnis des Bauwesens veredelt wurde. Wenn die Italieni- scheu Architekten, die am Ausgang des li. jagr» hunderts noch überall im Würzburgischen die Führung hatten, in den folgenden A^hrzehnten immer mehr von hervorragenden deutschen Kräften verdrängt wurden und ein wurzelechter deutscher Barock von europäischem Rang entstehen konnte, so ist das in erster Linie das Derdlenst dieses Hauses. Denn es war mehr als ein glücklicher Zufall es war die geheimnisvolle Anziehungskraft des Grw ßen auf das fflroße, der es Zu danken -st, wenn sich mit den großen Bauaufgaben auch der große Bau meister fand, der neben dem einzigartigen Residenzbau auch das übrige Bauwesen des Bistums aus- führend oder beratend bestimmte: Johann Balthasar N Neumanns Werk ist auch die reizende kleine Grabkapelle der Familie Schönborn am nördlichen Querschiffarm des romanischen Domes zu dessen rauher Größe sie einen so kapriziösen und zweifellos beabsichtigten Gegensatz bildet. Es ist ein durchaus „barocker" Gedanke, durch Kontraste zu wirken, das Große durch das Kleine, das Dunkle durch das Helle, das Ungeteilte durch das Fein- gliedrige, den rechten Winkel durch die Kurve nicht auszuheben, sondern zu steigern, damit aber auch sich selbst zur Geltung zu bringen. Niemand kann die Schönbornkapelle, die sich mit einer Selbstverständlichkeit, als sei das Problem gar nicht vorhanden, an das düstere Gemäuer des Doms heranschmeichelt, übersehen. Aber auch niemand wird den mit Händen zu greifenden Gegensatz als störend, das Nebeneinander, so unvermittelt es ist, als taktlos empfinden. Nur die größte Sicherheit der Regie, verbunden mit dem feinsten Gefühl für das Zusammenwirken von Baukörper und Platzraum, konnte freilich ein solches Wagnis unternehmen und eine Lösung finden, die mit theoretischen Gründen unwiderlegbar ist. Dabei harmoniert der Bau, so sehr er sich im Schatten des Domes als ein Fremdling zu erkennen gibt, doch aufs schönste mit seiner weiteren Umgebung, namentlich der benachbarten Neumünsterkirche, deren Hauptakzente, Turm und Kuppel, er aufnimmt und in seiner Weise bereichert und steigert. Eine Wohnung der Toten! Aber wie heiter und anmutig, wie wenig — trotz der überall angebrachten Symbole der Vergänglichkeit — das Gemüt mit Gedanken beunruhigend, die es von der freundlichen Gewohnheit des Daseins abdrängeu können. Prunkbau eines Geschlechtes, dem der geistliche Stand nur ein Mittel mehr war, das Leben von seiner fröhlichsten Seite zu nehmen! Bischof Philipp Franz hat Neumann 1721 den Bauauftrag erteilt, doch wurde die Arbeit daran nach dem Tode des Fürsten (1724) für einige Jahre unterbrochen, bis 1729 wieder ein Schönborn, und zwar einer der größten Bauherren des 18. Jahrhunderts, der Wiener Neichsvizekanzler Friedrich Karl, den Bischofsstuhl des heiligen Kilian bestieg und neben dem Residenzbau auch den der Kapelle eifrig förderte. Aber erst 1736 konnte sie geweiht werden. Beide Bauherren, Philipp Franz und Friedrich Karl (1746), liegen in ihr begraben. Der Bau ist im Inneren nicht ganz nach dem Wunsche des ersten Auftraggebers ausgeführt worden, doch zeigt sich auch hier wieder Neumann auf der Höhe seiner Raumverschlingungskunst. Die kreisrunde Laternenkuppel, die von ausgeschwungenen Gurten emporgehoben wird und reichliches Licht spendet, läßt einen einfachen Zentralbau erkennen, der aber in querovale Nebenarme ein- schneidet und mit diesen zu einer komplizierten, vielfach gebrochenen, nirgends eine gerade Wand zulassenden Einheit zusammenfließt. Säulen^aare aus blauviolettem Marmor, die anspruchsvolle Grabplastik und ein großes Auferstehungsbild von B y ß beleben und gliedern die Raumschale. Schwarz und Gold werden in den oberen Teilen des Raumes von lichten, triumphierenden Farben abgelöst: nicht das Grab, sondern die Hoffnung hat das letzte Wort. Unser Leben war ein Fest — so scheinen diese Toten zu sprechen —: möge uns ein Himmel werden, der uns noch größere Freuden verspricht! Ernst von Niebelschütz. Kriminalistisches Meisterstück. Zur Bekämpfung der amerikanischen Gangsters ist vor einiger Zeit ein besonderes Polizeikorps gebildet worden, das als „G-Men“ bekannt ist. Der Name ist, wie erzählt wird, von einem der de- rüchtigsten Gangsters, „Gun" Kalley abgeleitet, dessen Festnahme ein Meisterstück dieser Polizei war. Am 23. Juli 1933 teilte die Frau eines Finanzmannes in Oklahoma, Charles Urfchel, dem damals aus wenigen Mann bestehenden Polizeiposten durch den Fernsprecher mit, daß ihr Gatte soeben von Verbrechern entführt worden sei. Sie forderten 200 000 Dollar Lösegeld. Die Polizei riet ihr, um ihren Mann zu retten, diesen großen Betrag zu zahlen, und so wurde der Finanzmann am 31. Juli wieder frei. Während der Tage seiner. Gefangenschaft hatte er nicht sehen können, weil die Räuber ihm die Augen mit gummiertem Papier geschlossen hatten^ Er konnte nur berichten, daß er zweimal am Tage ein Flugzeug über das Haus hatte fahren hören, in dem er gefangen faß: nur an einem Tage hatte er nichts gehört. Ferner hatte man ihm zum Trinken zu einem Brunnen bei dem Haufe geführt, und das Wasser hatte einen stark mineralhaltigen Geschmack. Diese beiden Angaben wurden der Untersuchung zugrunde gelegt. Man prüfte genau die Fahrpläne aller in Betracht kommenden Luftlinien und stellte fest, daß die America Airways einen Dienst hatten, der zweimal am Tage über Forth Worth in Texas flog, und der an einem Tage wegen schlechten Wetters hatte aussetzen müssen. Ein Polizist fuhr nun diese Linie zu der Stunde, in der der Gefangene das Flugzeug gehört zu haben glaubte, ab und stellte fest, daß er sich zu der Zeit über dem Dorf Paradies in Texas befand. Ein zweiter Beamter verkleidete sich darauf als Arbeitet und begab sich nach Paradies, wo er von einem Haus zum anderen ging, um nach Arbeit zu fragen und um ein Glas Wasser zu bitten. Dabei stellte er ein Haus fest, dessen Brunnen ein Wasser mit mineralhaltigem Geschmack gab. Am nächsten Morgen wurde dieses Haus umstellt, und bei der Durch- Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Ur. 222 Dritter Blatt ZweigstellegaiseraüeederVezirkssparkaffeeröffnei Die Bezirkssparkasse Gießen, die vor zwei Jahren dos Jubiläum ihres 100jährigen Bestehens feiern konnte, hat in diesen Tagen einen neuen Abschnitt ihrer Entwicklung zu verzeichnen: die Schaffung einer Zweigstelle in der Kaiserallee. Diese Zweigstelle im ehemaligen Merowinger-Haus Wurde gestern in Gegenwart von Vertretern der Behörden ihrer Bestimmung übergeben. Am heutigen Dienstag wurde der Geschäftsbetrieb in den neuen Räumen ausgenommen. Die Zweigstelle hat eine sehr zweckmäßige Gestaltung erfahren. Durch die Niederlegung von Wänden wurde im Erdgeschoß ein einziger Raum geschaffen, in dem sowohl die Abfertigung des Publikums, wie auch die Erledigung der bürotechnischen Arbeiten geschieht. Keine Mauer und keine Milchglasscheibe hemmen den Ueberblid über den Arbeitsraum, der lediglich durch einen Schaltertisch unterteilt ist. Selbstverständlich wurden von der bautechnischen Seite her alle Maßnahmen getroffen, die bei einer Sparkasse als Sicherung vorausgesetzt werden müssen. Das Portal wurde völlig neu geschaffen und ihm ein repräsentativer Charakter gegeben. Die wesentlichen Formelemente und die Stufen wurden aus Travertine hergestellt. Für den Schaltertisch wurde Marmor aus Brüchen an der Lahn verwandt. Im ersten Obergeschoß wurden zwei Räume als Geschäftszimmer für den Gau- und Kreisjägermeister hergerichtet, ferner eine Wohnung für einen Beamten der Bezirkssparkasse, der mit der Leitung der Zweigstelle betraut wird. Im ausgebauten Dachgeschoß ist eine Wohnung für den Hausmeister hergerichtet worden. Die Umbau- und Einrichtungsarbeiten wurden fast ausnahmslos von Gießener Handwerkern ausgeführt. Entwurf und Bauleitung lagen in Händen von Architekt Schumacher (Gießen). Für die schlichte Feier der Uebergabe der Zweigstelle an ihre Zweckbestimmung hatten sich u. a. als Vertreter des Reichsstatthalters (Landesregierung) und der Aufsichtsbehörde Oberregierungsrat Dr. S ch ö n h a l s vom Kreisamt Gießen eingefunden, für die Landeskommunalbank, Girozentrale Hessen, nahm Direktor Seipp teil, als Vorsitzender des Aufsichtsrates der Bezirkssparkasse und Vertreter der Stadt war Oberbürgermeister Ritter anwesend, ferner konnte der Direktor der Bezirkssparkasse, Dr. Hopfenmüller, die Vorstandsmitglieder Sudheimer und Nikolaus begrüßen. Direktor Dr. Hopfenmüller hielt eine kurze Ansprache, in der er zunächst die Gäste herzlich willkommen hieß und dann u. a. ausführte, die Uebernahme der Macht durch die nationalsozialistische Staatsführung habe an alle Teile unseres Wirtschaftslebens gesteigerte Anforderungen gestellt, und stelle sie im Interesse der Volksgemeinschaft immer wieder. Den Sparkassen seien ebenfalls zahlreiche Aufgaben zugefallen, vor allem die Anregung der Bevölkerung und insbesondere auch der Jugend zu erhöhter Spartätigkeit, die Finanzierung des Bauwesens, die Begebung von Krediten und die Belebung der Geschäftstätigkeit unseres gesamten Wirtschaftslebens. Den über das Normale hinaus gesteigerten Anforderungen habe die Bezirkssparkasse durch entsprechende Erweiterungen Rechnung tragen müssen. So habe sich 1934/35 manche Erweiterung der Räumlichkeiten der Sparkasse als dringend erwiesen. Mit der Errichtung der Zweigstelle hoffe man dem Kundenkreis erneut ein Stück näherzukommen. Der Beschluß für die Schaffung dieser Zweigstelle sei nach eingehenden Erwägungen des Vorstandes und des Verwaltungsrates in die Wirklichkeit umgesetzt worden. Die Aufsichtsbehörde habe die Schaffung der Zweigstelle in jeder Hinsicht befürwortet und unterstützt. Nachdem Direktor Dr. Hopfenmüller noch herzliche Worte des Dankes an die Aufsichtsbehörde gerichtet und ebenso dem Architekten Dank für seine ausgezeichnete Arbeit abgestattet hatte, sprach er noch kurz über die ideellen Aufgaben der Sparkasse. Er betonte, daß die Aufgabe der Bezirkssparkasse nicht die einer reinen Erwerbstätigkeit sei, deren Streben lediglich auf Gewinn gerichtet sei, sondern sie habe das stetige Ziel vor Augen, der Volksgemeinschaft und der Wirtschaft zu dienen. Sie sei bemüht, die Sparsamkeit zu fördern, sie wolle dazu beitragen, die Jugend zur Sparsamkeit zu erziehen, sie wolle Treuhänder für den sparenden Volksgenossen und durch billige Darlehen der heimischen Wirtschaft förderlich sein. Die Leitung der Bezirkssparkasse hoffe, mit der Schaffung der Zweigstelle gleichzeitig einen weiteren Beitrag zum Aufbau unseres Vaterlandes gegeben zu haben, der für die Volksgemeinschaft täglich von Nutzen sein solle. Oberregierungsrat Dr. Schönhals sprach im Auftrage des Reichsstatthalters (Landesregierung) sowie im Namen des Kreisamtes Gießen der Bezirkssparkasse herzliche Glückwünsche zu dieser Erweiterung aus und betonte, daß die Schaffung dieser Zweigstelle sowohl von der Bevölkerung als auch von der Aufsichtsbehörde begrüßt werde. Die Einrichtung dieser Zweigstelle sei ein Zeichen für die aufstrebende Entwicklung der Stadt Gießen. Mit der Schaffung dieser Zweigstelle sei ein neuer Weg beschritten worden, den man um so freudiger habe einschlagen können, als darin zum Ausdruck komme, daß in unserem Volke der Spargedanke festen Fuß habe. Mit dem Wunsche, daß den Beamten und Angestellten in diesem Raume eine reiche Tätigkeit beschieden sein und das Sparen mehr und mehr zur Sache des ganzen deutschen Volkes werden möge, schloß Oberregierungsrat Dr. Schönhals seine Ansprache. Direktor Dr. Seipp-Darmstadt übermittelte die besten Wünsche der Landeskommunalbank und der Girozentrale. Er umriß in kurzen Sätzen den Sinn der Sparkasse, gab gleichzeitig einen kurzen geschichtlichen Ueberblitf über die Entwicklung im Sparkassenwesen und kennzeichnete die Bedeutung der Sparkassen in unserem Daterlande. Er forderte zu eifriger Arbeit auch in diesen neuen Räumen auf und gab seiner Genugtuung darüber Ausdruck, daß die Bezirkssparkasse Gießen im Giro- verband Hessen an dritter Stelle stehe. Mit dem Wunsche, daß der Sparkasse dieser Rang, den sie in den vergangenen drei Jahren erreichen konnte, erhalten bleiben möge, schloß der Redner. Oberbüraermeifter Ritter gab seiner Freude über die Unterstützung der Aufsichtsbehörde für die Einrichtung dieser Zweigstelle Ausdruck und betonte, daß dieser Ausbau der Bezirkssparkasse Gießen vor zehn Jahren kaum vorstellbar gewesen sei. Inzwischen habe sich aber auch manches gewandelt, und der Führer habe bestimmt, daß das Geld Diener des Volkes und seiner Wirtschaft sein und bleiben solle. Diesem Willen wolle auch die Bezirkssparkasse dienen und zur Durchführung verhelfen. Uns seien große Ziele gesteckt und große Möglichkeiten gegeben worden, so betonte der Redner, das, was zu erreichen Ziel sei, müsse als gewaltig bezeichnet werden! Aber der Führer habe auch den Weg gezeigt, und diesen vorgezeichneten Weg werde die Bezirkssparkasse Gießen gehen. Mit dem Wunsche, daß auch diese Zweigstelle möge Schritt halten können, schloß der Oberbürgermeister seine Ansprache. Mit einem dreifachen Sieg-Heil auf den Führer Adolf Hitler fand die schlichte Feier ihren Abschluß. Fristverlängerung für gebührenfreie Testament«! -Zurücknahme. LPD. Die Justizpressestelle Frankfurt a. M. teilt mit: Der Reichsjustizminister hat durch Verordnung vom 11. Mai 1936 darauf hingewiesen, daß sich bei den Amtsgerichten (ober Notaren) noch zahlreiche Testamente in Verwahrung befinden, die vor dem 1. Januar 1924 errichtet worden sind, und anordnet, daß die Errichter dieser Testamente aufgefordert werden sollen, sich wegen etwaiger Rücknahme des Testaments bei der verwahrenden Stelle zu melden. Für den Fall, daß der Errichter das * K - W W o W - Links: Die neueingerichtete Zweigstelle der Bezirkssparkasse in der Kaiserallee. — Rechts: Der Kassenraum der Zweigstelle. (Aufnahmen [2]: Neuner, Gießener Anzeiger.) Dienstag, 22. September (936 Peng! sagte das Glücksschwein und zersprang in lausend Stücke. Drei Jahre hatte sich's vollgcsreffen, nun langte es wohl für ein Klavier. Herr Hase hatte mit Bedacht gespart: Jedes Dreimark- Stück verschwand im Schlitz des Sparschweins. Dann wurden die Taler zwar rar und rarer, er mußte auch zu andrem Silber greifen ... Der zweite Teil spielt beim Klavierhändler: Rasch war man handelseinig, stolz zählte Hase seine Dreimark- Stücke vor. Der Händler lachte bloß: „Gelungner Scherz! Die sind ja nicht mehr gültig! Das hätten Sie doch lesen muffen — vor über einem Jahr!" — Nein, Hase weiß von nichts... Tja — hätte er Zeitung gelesen! Da lieft man zeitig stets, was nützt, und wie man sich vor Schaden schützt. Testament bis zum 30. September 1936 zurücknimmt, sollte von der Erhebung der Gebühr abgesehen werden. Es hat sich nun herausgestellt, daß in vielen Fällen die am 30. September 1936 abgelaufene Frist nicht eingehalten werden kann. Mit Rücksicht hierauf hat der Reichsjustizminister genehmigt, daß von der Erhebung der Gebühr auch dann abzusehen ist, wenn das Testament bis zum 31. Dezember 1936 zurückgenommen wird. Die Te- stamentserrichter, die ihr Testament auf Grund vorerwähnter Bestimmung zurücknehmen, werden darauf hingewiesen, daß eine neue letztwillige Verfügung nicht nur beim Amtsgericht, sondern ohne Mehrkosten auch bei einem Notar beurkundet werden kann. Zur Beachtung bei der Durchfahrt des Führers. Die Bevölkerung wird dringend gebeten, bei der Durchfahrt des Führers die Kinder zurückzuhalten, damit sie nicht in den fahrenden Wagen laufen, ferner keine Blumen in den Wagen des Führers zu werfen und endlich auf allen Straßen Ordnung und Disziplin zu halten, damit sich die Fahrt des Führers nicht verzögert. suchunq wurde tatsächlich einer der Gangsters schlafend überrascht, der ein Maschinengewehr neben sich stehen hatte. Man fand noch 700 Dollar von der Beute bei ihm. Nach diesem guten Anfang gelang es, im Laufe von drei Monaten die ganze Bande von 16 Mann mit ihrem Haupt „Gun" Kalley aufzuspüren und hinter Schloß und Riegel zu setzen. Abzug der Störche aus England. Nun sind endlich die letzten englischen Storche (über die hier kürzlich berichtet wurde) von der Insel Wight aufgebrochen, um ihre große Reise nach dem Süden anzutreten. Sie machten zuerst den üblichen mehrstündigen Uebungsslug, dann flogen sie immer hoher, bis sie außer Sicht kamen. Sie waren dank der guten Pflege, die ihnen in Bembridge zuteil wurde, in bester Verfassung, so daß man hoffen kann, daß sie die Schwierigkeiten des weiten Fluges überstehen werden und daß man später noch einmal von ihnen hört. Nur der Einzel- gänger, der sich immer von den übrigen abgesondert gehalten hatte, ist zurückgeblieben. Die Dorf- bewohner haben ihm den Nam,en „Eustach" gegeben und schicken sich an, ihn gehörig zu verwohnen; es kommt ja auch bei uns wohl vor, baß einmal ein Storch im Dorfe zurückbleibt unb bann der verhätschelte Liebling aller h)irb. Eustach fühlt sich in dieser Rolle sehr wohl; er ist roieber sehr lebhaft geworben unb hat ben bekümmerten Ausdruck verloren, ben er währenb bes Besuches ber ganzen Familie zur Schau trug. Zeitschristen. — „Die Kun st", Monatsschrift für Malerei, Plastik unb Wohnkultur. (Verlag F. Bruckmann AG. München) bringt in ihrem Septemberheft u. a. folgende Aufsätze: „Ludwig von Hofmann" von A. Graichen, „Piloty unb bie Münchner Kunst" von Hans Eckstein, „Die Olympia-Ausstellung — Sport ber Hellenen — im Deutschen Museum, Berlin" von Friebnch von Oppeln-Bronikowski, „Friedrich der Große als Bauherr" von Ernst von Niebelschütz. Eine wahre Fundgrube von Beispielen unb Anregungen für schone Heimgestaltung bietet ber ,weite Teil bes Heftes. Eigenheime, Hausgärten, chäne Wohnräume unb Möbel, Dekorationsstoffe, chönes Hausgerät, Gläser, praktische Wohnvor- chläge unb vieles andere mehr werden in Text und prächtigen Bildern behandelt. Eine umfassende Rundschau über künstlerische Zeitereignisse und Nachrichten von Ausstellungen, Auktionen, Buch- erscheinungen usw. vervollständigen den Inhalt. Aus der Provlnziatyauptstadt. Letztes Farbensprel. Es ist ein eigen Ding um die Zeit. Sie ist da und sie ist doch nicht da. Denn kaum hat der Sekundenzeiger der Uhr einen Strich auf dem Ziffernblatt erreicht, ist er schon ückend beim nächsten und ebenso rasch beim übernächsten. Und gleiten wir ntcyt auch in erstaunlicher Eile durch die Jahreszeiten? Nicht gerade sekundenschnell, aber immerhin in bemerkenswert raschem Tempo. War nicht vor kurzem noch der Hochsommer im Lande, die Zeit des sommerlichen Segens, wo der Kuckuck ries und die Drossel schlug? Jetzt fegt der Wind über kahle Stoppeln, am Waldrand hocken die Nebelfrauen, und wo die Spinne noch ihre Netze zieht, blitzt morgens ein funkelndes Gespinst neben dem anderen. Der Sommer ist von dannen gezogen, der Kuckuck ist verstummt, und in den Wiesen zeigt sich in violettem Kleid die Herbstzeitlose. Eine andere Jahreszeit kündigt sich an, jene dunklere, die mit stürmischen Nächten kommt, die die Kühle bringt und die das Land erschauern läßt unter regenfeuchten Wetterschlägen. Noch sind freilich die verwehenden Spuren des Sommers sichtbar. Und seine Werke entzünden sich zum letzten prächtigen Farbenspiel. Ein Garten steht an meinem täglichen Wege, ein Garten, wie man ihn häufig findet, mit Blumenbeeten und Rasenflecken. Aber in diesen Tagen geht ein wahres Leuchten von ihm aus: das wogt und rauscht und jubiliert in bunten Farben, das strahlt und zündet wie die auf- und absteigenden Garben eines nächtlichen Feuerwerks. Es ist, als hätten sich alle Farben zu einem glanzvollen festlichen Spiele vereinigt. Dahlien zeigen in jenem Garten eine Pracht, wie sie märchenhafter nicht erdacht werden kann. Dom brennenden Rot bis zum köstlichen Weiß und zur zärtlichen Elfenbeinfarbe leuchten alle Farb- .töne, wie sie nur die Palette eines Malers heroor- zaubern kann. Daneben zeigen die bescheideneren Astern ihre bunten, zierlichen Rosetten, und an der Kulisse des Gartenzaunes schimmert das Gelb einer Staudenpflanze wie gediegenes Gold. Im Vordergründe aber wachsen auf hochgezüchteten Stämmen die letzten Rosen, ihre Schönheit vergeht wie der letzte Traum einer großen Liebe. So schickt der Sommer seine Abschiedsgrüße aus diesem Garten, wie aus den vielen Gärten ringsherum. Es ist ein farbenfrohes Abschiednehmen, ein Jubelsang der Farben gleichsam. Doch inmitten dieser brausenden Hymnen hallt dumpf der dunkle Akkord, der an die Vergänglichkeit gemahnt. H. W. Sch. Dornotizen. Tageskalender für Dienstag. Stadttheater: 20 bis 22.30 Uhr „Der Sprung aus dem Alltag". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Das Hermännchen". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Mädchenjahre einer Königin". Stadttheater Gießen. Heute abend findet die Erstaufführung des rheinischen Volksstücks „Der Sprung aus dem Alltag" statt. Ein Lustspiel 'von Heinrich Zerkauten. Spielleitung: Fritz Walther. Mitwirkende: Damen: Gerhardt, Krause, Schubert-Jüngling, Stirl; Herren: Frickhoeffer, Geiger, Hub, Kühne, Nieren, Rosenthal, Schorn, Volck, Walter. Anfang 20 Uhr. Ende 22.30 Uhr. 1. Vorstellung in der Dienstag-Miete. Die deutsche Arbeitsfront A.9^Gemeinf(haft „ßraft durch frcuöc" Urlaubsfahrten. Zur Urlaubsfahrt vom 1. bis 6. Oktober nach München, vom 10. bis 18. Oktober nach Thüringen, vom 21. bis 27. Oktober nach Berlin können täglich noch Anmeldungen auf der Kreisdienststelle, Schanzenstraße 18, abgegeben werden. Omnibusfahrt. Am Soontag, 27. September, findet eine Omnibusfahrt nach der Edertalsperre statt. Die Fahrt geht ab in Gießen um 8 Uhr und führt über Marburg—Frankenberg nach dem Edersee (Schloß Waldeck) und zurück über Bad Wildungen. Die Fahrt kostet 4,70 RM. Das Mittagessen (1, —RM. einschl. Bedienung) kann von hier aus vorbestellt werden. Anmeldungen müssen bis Donnerstag, 24. Septem- Was das Lustwaffenkonzert bietet! Das Amt für Dolkswohlfahrt, Kreisamtsleitung Wetterau, schreibt uns: Das Programm für die Konzerte der Luftwaffe im Cafä Leib am Mittwoch und Donnerstag liegt jetzt vor. Es ist für diese vier vorgesehenen Konzerte das gleiche. . Im ersten Teil werden Werke von Lortzing, Grieg, Richard Strauß und Johann Strauß geboten, darunter der Sinfonische Tanz Nr. 4 von Grieg und Liebesszene aus „Feuersnot" von Richard Strauß. Der zweite Teil des Konzerts bringt echte deutsche Marschmusik. Besonders die Märsche der Luftwaffe werden in Gießen zum ersten Male zu Gehör kommen. ~ v . Genannt sind außer vier Märschen Friedrichs des Großen, außer Präsentiermärschen der Fliegertruppe, der Flakartillerie und der Luftnachrichtentruppe, die Fliegerparade von G. Roth, Fanfarenmärsche: „Ministerfanfare" und „Fliegerfanfare" vom Luftwaffenmusikinspizient Pros. H u s a d e l, der dem Konzert beiwohnen wird. Den Abschluß des Konzerts, das unter der Leitung von Obermusikmeister K n a u t h stattfindet, bildet der „Große Zapfenstreich". Karten zu den Veranstaltungen sind bei den NSV.-Dienststellen und an der Tageskasse zu erhalten. Der Preis beträgt für die Nachmittagsveranstaltung 25 Pf., für die Abendveranstaltungen 50 Pf. und 1 Mk. Da die Musiker der Luftwaffe kostenlos spielen, steht zu erwarten, daß auch in Gießen eine nennenswerte Summe an die NSV. für ihre Arbeit abgeführt werden kann. Zwei Menschen vom Blitz erschlagen. Schwere Gewitter über Gießen. — Starke Regengüsse. Am gestrigen Montagnachmittag, etwa von 15.30 Uhr ab, entluden sich über Gießen und Umgegend mehrere Gewitter, die sich bis gegen 18 Uhr hinzogen. Die Gewitter, die mit kurzen Pausen einander folgten, brachten starke Regengüsse mit sich, die ihren Höhepunkt etwa gegen 16.15 Uhr erreichten. Die Wetterdienststelle meldet eine Niederschlagsmenge von 20,2 Millimeter. Die elektrischen Entladungen waren zum Teil außerordentlich stark. Zahlreiche Schläge waren zu verzeichnen, glücklicherweise blieben sie aber, bis auf einen katastrophalen Fall, ohne schlimme Wirkung. In diesem Sonderfalle folgte drei Schläge kurz hintereinander, von denen der zweite Schlag der schwerste war. Offenbar auf diese heftige Blitzwirkung ist leider der Tod zweier Menschen zurückzuführen, die in nächster Nähe von Gießen dem Unwetter zum Opfer fielen. Es handelt- sich dabei um den 46 Jahre alten Schlosser Heinrich Deibel und um den 16 Jahre alten kaufmännischen Lehrling Walter Volzel, beide aus Wieseck. Deibel befand sich von Wieseck her unterwegs nach seinem Acker, um seiner dort weilenden Frau anaefichts der Gefahr des Gewitters zur Seite zu stehen. Volzel und der Zigarrenfabrikant Bi er au von Wieseck, die beide beim Zwetschen- pflücken beschäftigt gewesen waren, befanden sich mit ihren Fahrrädern auf der Heimkehr nach Wieseck, um sich so rasch als möglich vor dem Unwetter in Sicherheit zu bringen. Als die drei, Sier au und Volzel in Richtung Wieseck und Deibel auf dem Wege zu seinem Acker, sich in dem freien Feld zwischen der Wellersburg und dem Bahndamm der Main—Weser-Bahn auf gleicher Höhe des Feldwegs befanden, schlug der Blitz in die Gruppe der drei Menschen ein. Deibel und Völ - zel wurden dabei aus der Stelle getötet, während hieran zu seinem Glück mit einigen Brandwunden und einer • Betäubung davonkam, jedoch bald wieder zu Bewußtsein gebracht und bann mit dem väterlichen Fuhrwerk nach Hause gefahren werden konnte. Der furchtbare Blitzschlag war von so großer Gewalt, daß die getroffenen drei Männer einige Meter weit voneinander geschleudert wurden. Die Kunde von dem tragischen Vorfall wurde schnell der Gendarmerie übermittelt, die sich mit Beamten der Kriminalpolizei Gießen sofort an die Unglücksstelle begab. Nach den behördlichen Feststellungen wurden die beiden bedauernswerten Opfer des Unwetters zur Bestattung freigegeben. Deibel hinterläßt eine Frau und zwei Kinder. Ein weiterer Unglücksfall, der mittelbar ebenfalls auf das schwere Unwetter zurückzuführen ist, ereignete sich in der Walltorstraße. Dort war die in der Walltorstraße 7 wohnende Frau V ö l p e l während des Gewitters bemüht, ihr außer dem Hause weilendes Kind zu suchen. Dabei lief die Frau auf der Straße unglücklicherweise direktvoreinAuto. Sie wurde von dem Kraftwagen angefahren und trug Kopfverletzungen davon, die ihre Ueberführung nach der Chirurgischen Klinik erforderlich machten. Erfreulicherweise scheint die Verletzung der Frau verhältnismäßig glimpflich zu sein, denn ihr Befinden kann, wie wir heute früh auf Anfrage bei der Chirurgischen Klinik hören, als verhältnismäßig gut bezeichnet werden. Blitzschlag in Klein-Linden. OO Klein-Linden, 22. Sept. Beim gestrigen schweren Gewitter schlug der Blitz in das kleine Türmchen des alten Schulhause s in der Wetzlarer Straße. Holzteile, Dachziegel und die Schieferbekleidung des Türmchens wurden heruntergerissen und zum Teil bis über zwanzig Meter weit fortgeschleudert. Da das Gebälk des Türmchens vom Regenwasser stark angefeuchtet war, begannen die Balken nur zu glimmen und wurde durch hilfbereite Hände aus der Nachbarschaft in kurzer Zeit mit einigen Eimern Wasser zum Auslöschen gebracht. Der Sachschaden ist nicht sehr bedeutend. „Des Schoulhaus es stih gebliwe, mr hu moan (morgen) doch Schoul", so äußerte enttäuscht ein kleiner Achtjähriger, als er sah, daß das Feuer nur wenig Schaden angerichtet hatte. ber, auf der Kreisdienststelle Gießen, Schanzenstraße 18, abgegeben werden. Wanderung. Am Sonntag, 27. September, findet eine Wanderung von Gießen über Annerod—Schiffenberg— Klein-Linden—Gießen statt. Abmarsch 8 Uhr Lud- wigsplatz. Rucksackverpflegung. „kraft-durch'Freude"-Vorstellung im Stadttheaker. Im Laufe der Spielzeit 1936/37 führen wir eine größere Anzahl geschlossener Vorstellungen durch. Als erste Vorstellung bringen wir am Samstag, 26. Septeniber, 20 Uhr, „Donna Dian a", ein entzückendes Lustspiel von Moreto, das allen Arbeitskameraden und -kameradinnen Freude und künstlerischen Genuß bringen wird. Die Eintrittspreise sind 50, 70 und 90 Pf. Karten sind durch alle Betriebswarte zu haben. Vorverkauf für Einzelmitglieder und Personen auf der Kreisdienststelle, Schanzenstraße 18. Die Betriebswarte reichen die Vorbestellungen bis spätestens Donnerstag, 24. September, 12 Uhr, ein. Die Karten können ab sofort gegen Barzahlung in Empfang genommen werden. Bon „Hochzeiten" und „Zwiebelfischen" Unsere Leser seien noch einmal auf die Rundfunkreportage aus Gießen aufmerksam gemacht, die am heutigen Dienstag von 16.45 bis 17 Uhr im Frankfurter Sender zu Gehör gebracht wird. Es handelt sich um eine Sendung unter dem Titel „Von ,Hochzeiten< und ,Zwiebelfischen^", die wegen ihres heimatlichen Charakters für die Bevölkerung von Gießen und Oberhessen besonderes Interesse hat. Bier Sonderzüge aus Hessen-Nassau fahren zum Bückeberg. Die Landesbauernschaft Hesfen-Nassau teilt mit: Am 3. Oktober werden tzie Hessen-Nassauer, die an der Erntedankfeier auf dem Bückeberg teilnehmen, in vier Sonderzügen nach Hameln fahren. Die Beförderungstarife find so günstig, daß es den meisten Volksgenossen möglich gemacht ist, dem Festakt beizuwohnen. Die Sonderzuge werden von Eber- bad), Weinheim, Wiesbaden und Worms aus gefahren und bieten allen Bewohnern der Umgegend beste Gelegenhekk, auf einer ber zahlreichen Haltestellen zuzusteigen. Da der Le- samtfahrpreis je nach Entfernung zwischen 6r— und 11 RM. liegt, wird der Andrang zu den Sonderzügen wieder sehr stark werden. Wer also an der Emedankfeier des deutschen' Volkes am Bückeberg teilnehmen will, melde sich sofort beim Ortsbauernführer seiner Heimatgemeinde. Gießener Wochenmorktpreise. * © i e 6 e n , 22. Sept. Aus dem heutigen Wochenmarkt kosteten: D. f. Molkereibutter, % kg 1,57 Mark, f. Molkereibutter 1,52, Landbutter 1,42, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse S 14, Wirsing, Vi kg 8, Weißkraut 5 bis 8, Rotkraut 8 bis 10, gelbe Rüben 5 bis 8, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 10 bis 15, Römischkohl 5 bis 8, Bohnen, grün 15 bis 20, gelb 15 bis 20, Unterkohlrabi 8 bis 10, Erbsen 25 bis 35, Tomaten 10 bis 15, Zwiebeln 8 bis 10, Meerrettich 30 bis 35, Kürbis 5 bis 6, Pilze 15 bis 20, Kartoffeln, 5 kg 40 Pf.. 50 kg 3,50 bis 3,70 Mark, Frühäpfel, % kg 10 bis 15 Pf., Falläpfel 3 bis 6X Birnen 10 bis 15, Zwetschen 6 bis 8, Brombeeren 30 bis 35, Preiselbeeren 38 bis 40, Blumenkohl, das Stück 10 bis 50, Salat 8 bis 10, Salatgurken 5 bis 20, Einmachgurken 1 bis 3, Endivien 5 bis 12, Oberkohlrabi 4 bis 10, Lauch 5 bis 8, Sellerie 20 bis 25, Rettich 5 bis 10, Radieschen, das Bündel 10 Pf. * ** Silberne Hochzeit. Am Mittwoch, fetm 23. September, begehen die Eheleute August Westrupp und Frau Christine, geb. Keller, Gießen, Schützenstraße 8, das Fest der silbernen Hochzeit. " Die Provinz Oberhessen verstei- gert 1 10 0 0 Zentner Ob ft. Im Laufe der beiden Wochen läßt die Straßenbauverwaltung der Provinz Oberhessen die diesjährige Obsternte von den Bäumen der oberhessischen Landstraßen, die in der Verwaltung der Provinzial-Straßenabteilung stehen, versteigern. Nach der amtlichen Ausschreibung handelt es sich um einen geschätzten Ernteertrag von rund 11 000 Zentner. Bei sämtlichen Versteigerungen sind Juden von der Versteigerung ausgeschlossen. ** Wohnungsbauten am Nahrungs - berg. Die an der neueröffneten Straße südlich der Friedhofsmauer am Nahrungsberg in Angriff genommenen Neubauten sind im Rohbau nahezu vollendet, teilweise wird das Dachwerk gerichtet, teilweise wird am ersten Stock gearbeitet. Inzwischen ist auf der Südseite der verlängerten Bergstraße, dem ehemaligen Klebergäßchen, mit der Erbauung eines weiteren Einfamilienhauses begonnen worden. Weitere Bauinteressenten für den Nahrungsberg sind vorhanden. Betrügerische Zigeuner. LPD. Frankfurt a. M., 21. Sept. Vor kurzem berichtete die Landeskriminalpolizeistelle in Frankfurt a. M. über betrügerische Zigeuner, die angeblich mit echten englischen Stoffen im Lande umherreisen und deutsche Volksgenossen betrügen. Auf Grund der Presseberichte sind inzwischen noch weitere Anzeigen und Mitteilungen aus dem Publikum eingegangen. So sind in letzter Zeit in Düsseldorf und Umgebung weitere Zigeuner mit Kraftwagen aufgetreten, die englische Stoffe angeboten und verkauft haben. In Wirklichkeit handelt es sich um ganz minderwertige Stoffe, die von jüdischen Geschäften bezogen und mit hohem Gewinn an den Mann gebracht werden. Die Zigeuner sind mit drei Personenkraftwagen von Düsseldorf in Richtung nach dem Siegerland weitergefahren und üben dort ihr schmutziges Gewerbe weiter aus. In der Magdeburger Gegend sind Zigeunerfrauen mit angeblich handgeklöppelten Tischdecken, angeblich aus dem Erzgebirge, aufgetreten und haben diese zu hohen Preisen verkauft. In Wirklichkeit handelt es sich um Maschinenarbeit, deren Preis weit unter dem Verkaufspreis liegt. Die Kriminalpolizei in Frankfurt a. M. hat den bestimmten Eindruck, daß die bisher eingegangenen Anzeigen nur einen Bruchteil der tatsächlichen Betrügereien darstellen. Weitere Geschädigte werden aufgefordert, ihre Wahrnehmungen unverzüglich der nächsten Polizeidienststelle zu machen, die diese Mitteilungen sofort an die Landeskriminalpolizeistelle Frankfurt a. M. weiterleiten wird. Vor dem Auftreten dieser betrügerischen Zigeuner wird nochmals gewarnt. Bei der Bekämpfung der Zigeunerplage ist die Polizei auf die Unterstützung des Publikums angewiesen. BiiitileiBietW jRoman von Ilse Schuster. Copyright 1936 by Aufwärts - Verlag G. m. b. H., Berlin SW 68 4 Fortsetzung. Nachdruck verboten! 3. Kapitel. Zn der unmittelbaren Nachbarschaft des Hauses Würzburger Straße 20 liegt man neugierig in den Fenstern. Die Portierfrau Habermann hat die Arme in die ausladenden Hüften gestemmt und schüttelt den Kopf. „Hamse sowas schon jesehn, Frau Lüddike? In den Pleiteladen zieht eener mit Auto und pikfeinen Klamotten in. Der Mann jehort ja direkt uff den Jehirnskasten untersucht!" „Oder er weeß nicht von dem Laden, Frau Habermann," sagt Frau Lüddike, ihres Zeichens Putzfrau vom ersten Stock. „Täten Se ja een jutes Werk, wenn Se's ihm schonend beibringen!" Dann verschwindet sie mit ihren Bettvorlegern im Hof. Frau Habermann hat aber Zeit, sie geht sogar aus ihrem Hoheitsgebiet ein paar Schritte heraus auf die Straße und spitzt die Ohren. Unsympathisch sind ihr die beiden jungen Männer nicht, die da vor dem feinen Wagen stehen. „Na, Mutter? Auch mithelfen? Könnten noch ein paar Hände gebrauchen!" lacht der lange Blonde. „Nimm mal den Stuhl, Fritz." Mensch, wie konnteste bloß mit dem ganzen ollcn Kram von Friesland bis nach Berlin gondeln! Kateridee!" Aber bereitwillig packt sich Fritz den Stuhl auf die Boxerschultern, zerrt noch einen schweren Koffer aus dem Wagen und geht in den Laden. Viel mehr ist da nicht mehr verstaut. Leonhardt greift sich den Rest, schließt ab und verschwindet nun seinerseits auch im Laden. Drinnen sieht er sich noch einmal um. Sein Kamerad wirkt mit viel Getöse nebenan in der kleinen Kammer, die dazu gehört, und wuchtet die wenigen Möbel auf den Platz, den er für sie ausgesucht hat. „Die Uhr und den Schrank friegfte hier nicht rin, Leonhardt, die mußte uff den Boden tun, ober, wenn der Luftschutz meckert, in den Keller," ruft er. Und als er keine Antwort bekommt, steckt er den Kopf durch die Tür. „Pfundig, was? Dann kommt er ganz zum Vorschein. Zu zweien besehen sie sich nun die langen, hohen Regale, die voll Bücher stehen. Auf kleinen weißen Täfelchen ist säuberlich geschrieben: „Unterhaltungsromane — Abenteuerromane — Technische Romane — Frauenromane." „Daß ich noch einmal Besitzer einer Leihbücherei werden würde, das hätte ich mir in meinen verworrensten Träumen nicht träumen lassen, Fritz! Leonhardt irm Wolde hat sich ein Buch wahllos herausgegriffen und blättert darin. „Hör dir das mal an, Fritze! „Er nahm eine mollige Ueppigfeit in den Arm und sah ihr lange in die blauen Augen". Was sagst du dazu?" „Ich lese so was nicht gern, ich mache das lieber gleich selber. Wenn du lauter solche Limonade hier hast, kannste dir deine Stammkunden zuletzt nur noch unter den ganz kleinen Mädchen suchen!" Fritz Ladegast setzt sich vorsichtig in den großen Stahlsessel mit den breiten, blanken Gurten, wippt ein bißchen, saßt Vertrauen und lehnt sich nun behaglich zurück. Dann fingert er nach der letzten Zigarette. Eigentlich hat er Hunger, aber in diesem Laden sind nur noch die Brotkrumen des vorigen Besitzers zu finden. Leonhardt im Wolke ist seinerseits in das kleine Zimmer gegangen und steht sich auch da um. Das soll also nun die neue Heimat werden. Ein bißchen anders, als vorher. Da wehte der Wind von der See, die Sonne schien auf eine saubere Dorfstraße, die Schwalben flogen einem direkt am Kopf vorbei. Und hier — der junge Mensch zieht die Schultern hoch, stopft die Fauste m die Taschen und schließt auf Sekunden bie Augen. Weg — aus — vorbei. Nur nicht an Gefühlsduseleien leiden, wieder mal hart anpacken, wenn man selber in die Zwickmühle kommt — und Berlin kennt er ja eigentlich aus der besten Zeit seiner jungen Jahre. Aus der Kampfzeit. Wedding — Kommune — verdammt nochmal, das waren Zeiten! Leonhardt im Wolde geht wieder zu Fritz Ladegast hinein, der besieht sich tiefsinnig feine Langschäfter und fragt, ohne seinen braunen Wuschet- kopf zu heben: „Wenn ich bloß mal dahinter kommen konnte, warum du wieder nach Berlin gekommen bist. Natürlich haben wir uns alle mächtig gefreut, klar, Mensch! Ist es denn da oben auch wieder schief gegangen?" „Ja, auch wieder schief, Fritze. Ich sollte nämlich das Mädchen mit dem Schifferkahn heiraten, da bin ich eben —" getürmt. Klar, Mensch, Mädchen mit 'nem Schifferkahn kannst du auch hier uff der Spree haben! Und wie bist du zu der Bücherkiste gekommen?" „Verklöhn ich dir ein andermal, Fritz. Mir ist das selber noch rätselhaft. Ich muß mich jetzt mal um den Wagen kümmern. Sie du mal zu, ob du irgendwo was zu futtern auftreiben kannst, es ist noch nicht sieben Uhr. Haste noch Geld?" „Vier Mark zwanzig. Langt dicke!" Die beiden knipsen sparsam das .Licht aus und treten auf die Straße. Leonhardt steuert auf feinen schwarzroten Sportwagen los. Fritz Ladegast erwischt grab noch einen Zipfel von Frau Habermanns Rock. „Liebe Dame, wo gibts denn hier einen nähr- haften Laden, wir schieben Kohldampf und sind in dieser Jejend unbekannt." „Hab ich mir schon jedacht. Sagense mal, wer hat denn den Laden, Sie oder der Andere?" „Mein Kamerad." „Js ooch fremd natürlich." „Klar, wir sind nicht viel aus dem Wedding her- ausgefpmmen. Aber man fanns ja auch mit 'nem andern Stadtteil versuchen." „Det hätten Se bleiben lassen sollen, junger Mann, wenigstens mit dem Pleiteladen," sagte Frau Habermann, befriedigt, ihre Weisheit so schnell an den Mann zu bringen. Sie macht auch Eindruck damit, denn Fritz Ladegast macht ein langes Gesicht. „Pleiteladen? Nu hören Sie aber uff!" „3n einem Jahr drei Inhaber und jeder pleite. Ern Wunder, daß überhaupt noch Bücher ohne Kuckuck da sind!" .. "Aff Sie haben wir ja grabe noch gewartet. Sie Unke! Behaltense gefälligst Ihre Weisheiten vor memem Kameraben im Sack! Ich will nischt sehört haben! N Abend." „Grobian!" Frau Habermann knallt die Tür hinter sich zu, und Leonhardt im Wolde hat den ersten Feind, noch ehe er ein Auge voll Schlaf bekommen hat. Fritz Ladegast biegt um die nächste Straßenecke. Kommt gerade dazu, als Liefe! Gottschalk ihre Tür abschließen will. Fritz hebt die Hand und lacht. „Ne hungerige Seele, Fräulein! Ich will sogar bezahlen! 's ist ja auch kein Schupo weit und breit!" Liefet Gottschalk schaut sich den späten Kunden belustigt an. Soll er nur reinkommen, der Tag war schlecht gewesen, jede Mark fällt ins Gewicht. Sie baut sich hinter ihrem blitzblanken Ladentisch auf und folgt Fritz Lad eg ast vergnügt mit den Augen. Er studiert jeden Wurstzipfel, besieht sich die Käsesorten und bleibt an dem saftigen gekochten Schinken mit große "Augen haften. „Halbes Pfund davon. Viertel Schweizer Käse. Halbes Butter. Ein Landbrot und — na, geben Sie noch vier Eier, von den großen." Das Aepfelchen schneidet auf und wiegt ab und hört ernsthaft auf das, was Fritz Ladegast noch zu melden hat. „Hübsches Lädchen bei Ihnen? Werde ich meinem Kameraden sagen. Bringen Sie auch Milch und Brötchen ins Haus? Großartig! Gleich um die Ecke, Würzburger Straße, Leihbücherei. Halben Liter Milch und vier Brötchen. WoÄen- ^echnung." „Leihbücherei? Neuer Inhaber?" fragt da auch Liefet Gottschalk. „Da wünsche ich viel Glück!" Sie nikt freundlich und packt die Sachen zusammen. Da fällt dem Fritz die Habermann wieder ein, und weil das saubere Mädchen auch was von einem neuen Inhaber sagt, wird ihm doch auf einmal angst. „Sagen Sie mal, Fräulein, hats was mit dem Laden? Geht jeder pleite, was?" Liefet Gottschalk wirft einen raschen Blick auf den jungen Mann. Seine plötzliche Unruhe ist ihr nicht entgangen. „Warum sollte die Bücherei nicht gehen, wenn sie geschickt geführt wird? Der letzte Inhaber war ein sehr unfreundlicher Mann. Er schien es außerdem nicht so recht nötig zu haben. Mir hat er jedenfalls nicht gefallen und anderen auch nicht." „Lesen Sie denn da, Fräulein?" „Schon lange. Hier ist Ihr Paket. Drei Mar? sechzehn, bitte." (Fortsetzung folgt.) Oberheffen. Schulungsfahrt des Bezirksobstbauverbandes Gießen. Am vorigen Sonntag unternahm der Bezirks- obstbauverband Gießen (früher Kreis- Obst- und Gartenbauverein Gießen) unter Leitung seines Vorsitzenden Ferdinand Bopp-Bellersheim eine Schulungs- und Lehrfahrt nach dem Kreis Büdingen, um dort die unter Leitung von Obstbauinspektor Metternich durchgeführten Sortenanbau-, Düngungs - und Spritzoersuche im Obstbau in ihren Ergebnissen zu besichtigen. In zwei Postautobussen fuhren die Teilnehmer nach O r t e n b e r g, wo sich auch die Mitglieder des Friedberger und des Oppenheimer Kreisverbandes eingefunden hatten. Zunächst wurde die etwa 7000 Bäume umfassende Obstplantage des Grafen Stolberg-Rohla auf der Schönau besichtigt. Obstb'-ruinspektor Metternich betonte in seinem Dortrag einleitend, daß diese Pflanzung bereits als unrentabel entfernt werden sollte, als die neuzeitlichen Baumpflegemaßnahmen als letztes Mittel zum Einsatz kamen. Die Einführung planmäßiger Spritzungen in Verbindung mit reichlicher Nährstoffzufuhr in Form von Ammoniak, Kali und Superphosphat sowie Kronenzurücksetzungen haben eine Menge Jungtriebe erzeugt, die nun Mittelerträge allerbesten Obstes liefern. Gerade die Goldparmäne, die hier in mehreren tausend Bäumen vertreten ist, ist für solche Maßnahmen besonders dankbar. Bei richtiger Durchführung der Winter-, Vorblüten-, Nachblüten- und Sommerspritzung werden alle Schädlinge und Baumfeinde vernichtet, bis auf den Apfelblütenstecher, gegen den bis jetzt noch kein Bekämpfungsmittel gefunden ist. Strahlenförmig angelegte Fanggürtel sollen nun Licht in die Lebensweise dieses Baumschädigers bringen, da angenommen wird, daß er im Walde überwintert. Die Düngung der in Grasland stehenden Bäume wird in folgender Weife getätigt: Alljährlich wird ein Teil der 132 Normalmorgen großen Pflanzung geackert, zur Haferansaat auf jeden Baum mit 2 kg Kali, 3 kg Superphosphat, 4 kg Kalk und 2 kg Stickstoff gedüngt, ein Jahr darauf Leguminosen ausgestellt und dann wieder mit Grassamen besät. Auch die Reihendüngung wird vorgenommen. Ein weiterer Obstschlag zeigte, wie trotz hoher Kältegrad während der Blütezeit gute Ernten zu erzielen sind. Hier wurde in der kritischen Maifrostnacht der ganze Hang durch Räucherung mit grünem Fichtenreisig eingenebelt, das mit Karbolineum getränkt wurde. Die verschiedenartige Wirkung der Kupfer- und Schwefelkalkpräparate konnte hier durch Dersuchsspritzungen dargetan werden. Daß in solch großen Pflanzungen die Bienen als die treuesten Mithelfer bei der Befruchtung nicht fehlen, ist selbstverständlich. Drei Bienenstände haben dauernde Aufstellung gefunden. Zuletzt wurde noch eine Buschobstanlage besichtigt, die als mißlungen anzusprechen war. Der Rundqangleiter konnte hier den Beweis erbringen, daß für Formobst auf schwachwüchsiger Unterlage nur warmer, tätiger, humoser Boden auszuwählen ist, soll Gedeihen tn der Anlage sein. Nach dem gemeinsamen Mittagessen wurden die Obllpflanzungen der staatlichen Domäne Kon- r a d s d o r f einer Besichtigung unterzogen. Alle Teilnehmer waren erstaunt über den schönen Behang mit schorffreien, gesunden Früchten von mittlerer Größe. An der aus fast 700 Bäumen bestehenden geschlossenen Anlage wurde die Wirkung der verschiedenen Baumspritzmittel der in Frage kommenden Pflanzenschutzmittelfabriken gezeigt, so daß sich die Teilnehmer selbst ein Urteil über die Wirksamkeit der Versuchspräparate bilden konnten. Allgemein fiel ein fast völlig Versagen der kombinierten Mittel auf. Obstbauinspektor Metternich stellte am Schlüsse zusammenfassend fest, daß uns der Weinbau als Vorbild dienen müsse, wo die Spritzmaßnahmen eine Selbstverständlichkeit seien, auch im Obstbau müsse es so kommen. Die Gemeinschaftsspritzungen müßten in Zukunft durch Spritzmaßnahmen der einzelnen Besitzer mit eigenen Geräten ersetzt werden, denn es komme nicht darauf an, daß gespritzt werde, sondern daß das Spritzen im richtigen Augenblick geschehe. Eine ' lebhafte Aussprache klärte noch manche Frage aus den verschiedensten Zweigen des Obstbaues. Den Dank der Versammelten brachte der Vorsitzende, Bauer F. B o p p,Bellersheim, zum Ausdruck. Um den Fahrtteilnehmern auch noch ein Stück deutscher Heimat zeigen zu können, wurde am späten Nachmittag noch Büdingen ein Besuch abgestattet, wo unter Führung von Gewerbelehrer N i e ß vom Derkehrsverein die Schönheiten der „oberhessischen Rothenburg" allgemeine Bewunderung fanden. Zusammenstoß zwischen Motorrad und Auto. + Pohl-Göns (Kreis Friedberg). 21. Sept. Heute gegen 7.30 Uhr ereignete sich auf der Landstraße nach Kirch-Göns zu ein schwerer Der- k ehr s Unfall. Ein Motorrad mit Beiwagen, das mit dem Motorradfahrer und einem Begleiter besetzt war und von Gießen kam, fuhr im dichten Nebel mit großer Wucht gegen einen Personenkr^t- wagen, den der Motorradfahrer infolge der Slcht- behinderung durch den Nebel erst zu spät bemerkte. Bei dem schweren Zusammenprall erlitt der M o - torrad-Beifahrer mehrere B e i n - brüche, der Motorradler trug einen A r m - bruch davon. Der Autofahrer erlitt leichte Verletzungen. Das Motorrad wurde völlig zertrümmert, an dem Auto entstand ansehnlicher Sachschaden. Die verunglückten Motorradler wurden nach Gießen in die Klinik überführt. ‘Oer Lauterbacher „Echlagmüller" gestorben. * Lauterbach, 21.Sep. Am Sonntag ver- starb der in weitem Umkreis bekannte Oel- und Schneidmüller Karl Heinrich Vollmöller I., der „Schlagmüller", wie er im Dolksmunde hieß. Der Verstorbene stand im 9 9. Lebensjahr und war der älteste Lauterbacher Einwohner und wohl auch der Aelteste in der ganzen Provinz Oberhessen. Noch bis vor kurzem konnte er regen Anteil an all den Geschehnissen unserer Zeit nehmen; erst in jüngster Zeit hatte sich sein Gesundheitszustand etwas verschlechtert. Dem alten „Schlagmüller" wird in unserer Stadt ein bleibendes Andenken bewahrt werden, denn er ist den Heimatforschern ein Helfer gewesen, denen sein vorzügliches Gedächtnis manche wertvolle Nachricht aus vergangener Zeit bewahrt hat. Der Verstorbene erlebte ein großes Stück deutscher Geschichte und schloß die Augen im Bewußtsein, daß der deutsche Weg vorwärts und aufwärts führt. Landkreis Gießen £ Wieseck, 20. Sept. Die erste Verdunkelungsübung, die durch den Reichsluftschutzbund mit der Polizei durchgeführt wurde, hat in allen Teilen dank der regen Arbeit der Leitung des Reichsluftschutzbundes und der Blockwarte gut geklappt. Punkt 21 Uhr lag das ganze Dorf im Dunkel. Bei der Zusammenkunft nach der Hebung auf der Bürgermeisterei kam dies auch zum Ausdruck. OO Klein-Linden, 20. Sept. Am Samstag, 19. September, konnten die Eheleute Gemeinderechner Johannes Germer I. und Ehefrau Marie, geborene Größer, in geistiger und körperlicher Frische, im Kreise ihrer Kinder und Enkel das Fest der goldenen Hochzeit begehen. Neben vielen Glückwünschen aus nah und fern war auch ein Glückwunschschreiben des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler eingelaufen, das dem Jubelpaar besondere Freude bereitete. Herr Germer betätigt sich, trotzdem er schon im 74. Lebensjahre steht, noch eifrig im Dienste der NSV., namentlich bei der Kinderlandoerschickung. Die Ehefrau Marie Germer steht im 73. Lebensjahre. Zwei Kindern und drei Enkeln war es vergönnt, das Fest mitzufeiern. Für die Kirchengemeinde und die Landeskirche überbrachte der Ortsgeistliche, Pfarrer König, herzliche Glückwünsche und Überreichte dem goldenen Hochzeitspaar je ein Glückwunschschreiben der örtlichen Kirchengemeinde und des Landeskirchenausschusses. Am Abend des Hochzeitstages erschienen der Männergesangoerein „Arion" und die Kriegerkameradschaft Klein-Linden, zu deren Mitglieder der Jubilar gehört, um ihre Glückwünsche zu übermitteln. Der Männergesangverein „Arion" sang unter Leitung von Ehrenchormeister Konrad Nicolai (Großen-Buseck), seinem ehemaligen langjährigen Vorsitzenden und jetzigen Ehrenvorsitzenden, einige Lieder. Herr Nicolai würdigte auch für den verhinderten Bereinsführer die Verdienste des Jubilars um das deutsche Lied. Für den Kriegerverein sprach Kameradschaftsslzhrer Friedrich Schimmel. Im Auftrag des Kyffhäüser- bundes überreichte er Herrn Germer die goldene Ehrennadel für 50jährige treue Mitgliedschaft. Der Jubilar und feine Frau dankten gerührt für die: vielen Ehrungen. ! Großen-Linden, 21. Sept. Trotz des Regens am letzten Sonntag ließen sich die wanderlustigen Mitglieder des VH C. - Zweigvereins „H ü t t e n b e r g" nicht abhalten, die geplante Wanderung zu unternehmen. Sie wurden auch nicht enttäuscht, denn dos Wetter klärte sich auf. Die Wanderung durch die herbstnaffen, mit Nebeln dicht behangenen Taunuswälder war einzig schön. Im Butzbacher Forsthaus wurde Rast gehalten, ebenso auf dem Rückweg in dem reizvoll gelegenen kleinen Dorfe Hausen. s. Lang-Göns, 21. Sept. Das von der hiesigen NSG. „K r a f t d u r ch Freude" am Samstagabend veranstaltete Winzerfest zu Ehren des deutschen Weines und der deutschen Traube nahm einen schönen Verlauf. Es hatten sich zahlreiche Besucher in der Turnhalle eingefunden. Unsere beiden Gesangvereine „Frohsinn" und „Germania" brachten durch den Vortrag entsprechender Rhein- und Weinlieder eine schöne Abwechslung in das Programm. Gemeinsamer Gesang und Tanz hielten die Teilnehmer bis in die frühen Morgenstunden beisammen. * Lang-Göns, 21. Sept. Auch in diesem Jahre beging unsere Gemeinde das F e st des deutschen Volkstums in einer besonderen Feierstunde, die in der Turnhalle stattfand. Nach einleitenden Musikstücken der hiesigen Kapelle trugen Schüler der beiden Oberklassen passende Gedichte über die deutschen Brüder im Auslande vor. Daran schlossen sich mehrstimmige vaterländische Lieder der Schulkinder an. In einer Ansprache wies sodann Lehrer Hofmann auf die Bedeutung des Tages des deutschen Volkstums hin, erinnerte daran, daß wir auch über die Grenzen schauen und unserer Brüder im Auslande gedenken müßten, und wie sie ihrem deutschen Volkstum und ihrem alten Vater- lande die Treue hielten, so müßten auch wir zu jeder Zeit zu ihnen stehen und sie fühlen lassen, daß wir im Reiche sie niemals vergessen. Der Redner wies ferner auf den blutigen Bürgerkrieg in Spanien hin und betonte, daß wir in Deutschland mir deshalb ungestört und froh ünferer Arbeit nachgehen könnten, weil unser Führer Adolf Hitler das deutsche Staatsschiff leite. Alle Darbietungen fanden reichen Beifall. Ein dreifaches Sieg-Heil auf den Führer und der Gesang der Nationallieder beschlossen die Feier. * Lang-Göns, 21. Sept. Bei der jüngsten Schweinezählung wurden in unserer Gemeinde 1304 Stück festgestellt, davon waren 99 Zuchtsauen und 46 Zuchteber. Gegenüber der letzten Zählung (1319) ist der Stand fast unverändert. Nur die Zahl der Zuchtsauen ist von 145 auf 99 gesunken. (fl Lollar, 21. Sept. Nächsten Sonntag wird die Kriegerkameradschaft Lollar ihr diesjähriges Preisfchießen, welches vor einigen Wochen begonnen hat und rege Beteiligung aufwies, mit der Ermittelung der besten Schützen und der Verteilung der wertvollen Preise zum Abschluß bringen. ch Mainzlar, 21. Sept. Gestern machte die hiesige Evang. Frauen Hilfe unter Leitung von Pfarrer Metzler mit einem Omnibus eine Fahrt nach Braunfels, die allen Teilnehmern gut gefiel. # Daubringen, 21. Sept. In der Gemeinderatssitzung wurde ein Antrag auf Erweiterung der Baulinie in dem Gelände „Auf den Dreivierteln" nicht genehmigt, da noch genügend Bauland in der Gemeinde vorhanden ist. Die Verlängerung des Mittelwegs und der oberen Waldstraße macht die Herstellung von zwei weiteren Beleuchtungsstellen erforderlich. ch Daubringen, 22. Sept. Frau Elisabethe Stecker Witwe, geb. Hofmann, feiert heute in körperlicher und geistiger Frische ihren 7 5. Geburtstag. I Daubringen, 21. Sept. Am Samstagabend hielt in der Wirtschaft von Erb der Männerturnverein eine außerordentliche Generalversammlung ab. Auf der Tagesordnung stand die Gestaltung der Feier des dreißigjährigen Bestehens des Vereins am 7. November. Einleitend konnte der erste Dereinsftihrer auf die guten Erfolge unserer Turner bei den diesjährigen Wettkämpfen in Wiefeck, Kinzenbach und auf dem Hoherodskopf Hinweisen. Bei der Feier werden nach der Ehrung der Gründer des Vereins die aktiven Turner ihr Können beim Schauturnen zeigen. Reiskirchen, 22. Sept. Am Samstagabend fand im Saale Gundrum die Grund ft ücksver- Pachtung des Kaspar Damm III. Erden statt. Es wurden nur sehr wenige Angebote abgegeben. Für einen Acker in 2043 qm Größe wurden 16 RM. geboten; für eine Wiese von 659 qm Größe 6 RM. für das Jahr. Zumeist blieb auch das Angebot ganz aus. * Lindenstruth, 21. Sept. Am Sonntag fand in unserem Orte eine Kundgebung der NS. -Frauen schäft statt. Nach der Eröffnung der Veranstaltung durch die hiesige Frauenschafts- leiterin sprach die Kreisfrauenschaftsleiterin Frau W r e d e (Gießen) über die Aufgaben der Frau im Dritten Reich. Ortsgruppenleiter Hofmann sprach anschließend über die Reden des Führers während des Reichsparteitages und über feine eigenen Eindrücke in Nürnberg. Volkstänze des BDM. und Theateraufführungen („Die Weiber von Weinsberg" und „Das Brot") bereicherten die Veranstaltung. Abschließend dankte die Ortsfrauenschaftsleiterin allen, die sich um die Ausgestaltung bemüht haben. Mit dem Sieg-Heil auf den Führer und den beiden Nationalliedern klang die Kundgebung aus. Lich, 21. Sept. Die für morgen angefetzte Verdunkelungsübung mußte aus besonderen Gründen um acht Tage verschoben werden. )( Lich, 21. Sept. Die Frauenschaft hatte in den letzten Wochen im Rahmen des Reichsmütter- dienstes einen 1 4 t ä g i g e n Schulungslehrgang für Erziehungsfragen und Beschäftigungsspiele veranstaltet. Es nahmen daran 28 Frauen und Mädchen teil. Der Schulungslehrgang fand am gestrigen Abend im Gasthaus „Zum Löwen" durch einen wohlgelungenen Abend, zu dem neben den Teilnehmerinnen und ihren Männern auch einige Gäste erschienen waren, einen schönen Abschluß. Nach einem gemeinsam gesungenen Lied begrüßte die Leiterin, Frl. Faust (Neuenhain bei Bad Soden), die Erschienenen, stellte den Abend unter ein Wort des Führers und der Reichsfrauenführerin vom Parteitag der Ehre in Nürnberg, gab noch einmal einen kurzen und interessanten Rückblick über die an den verschiedenen Abenden besprochenen Fragen (das Kleinkind und seine Erziehung, Beschäftigungsspiele, Kinderlieder, Bastelarbeiten usw.) und überreichte den Kursusteilnehme- rinnen die entsprechenden Diplome. Die Leiterin der hiesigen Frauenschaft, Frau Luzie Schäfer, dankte der Leiterin für ihre Arbeit und Mühe und gedachte in üblicher Weise des Führers. Rektor Sarnes sprach im Namen der Schule, der Eltern und der Gäste F5l. Faust ebenfalls den verdienten herzlichen Dank aller aus. Während der folgenden Kaffeetafel unterhielten verschiedene gesangliche, musikalische und mundartliche Darbietungen sowie kleinere Aufführungen die Teilnehmer so gut, daß die Stunden des Zusammenseins, von echter Volksgemeinschaft getragen, nur zu rasch vergingen. Mit Befriedigung blicken die Teilnehmerinnen auf den Kursus und seinen Schluhabend zurück. Man hat nur Ärger, wenn man die amtlichen Bekanntmachungen nicht kennt. So wurde zum Beispiel 1934 im Siegkreis der Anbau von „Industries- Kartoffeln verboten, weil sie Krebsbefall zeigten. Der Kleinbauer S. im Bröltal wußte nichts davon, weil er keine Zeitung las, und baute weiter „Industrie". Bei der Ernte entdeckte er den Krebsbefall und benachrichtigte die Polizei. Das wäre ganz in Ordnung gewesen, wenn der Anbau von Industrie-Kartoffeln nicht ausdrücklich verboten gewesen wäre. In diesem Falle aber hatte der Bauer nicht nur den Ernteausfall zu tragen, sondern erhielt obendrein noch eine hohe Strafe. So zahlt man drauf, 9 wenn man keine Zerrung liest •eeeeeeee®fr•••••••••#••##•••••••••••••#•••••••• c>d Langsdorf, 21. Sept. Seit einigen Tagen wird in unseren Waldungen Schwarzwild gespürt. In den Brühlwiesen vor dem Walde links der Kreisstraße nach Nieder-Bessingen haben sis große Flächen nach Engerlingen gebrochen. So sehr der Weidmann sich freut, daß unsere Forsten wieder die wehrhafte Sau des germanischen Waldes bergen, so wenig ist der Landmann beglückt von der nächtlichen Wühlarbeit dieser seltenen Gäste. Alle Versuche unserer Jäger, die Tiere zur Strecke zu bringen, hatten bisher keinen Erfolg. — Die Kartoffelernte hat in vollem Umfang eingesetzt. Soviel man bis jetzt urteilen kann, hat der nasse Sommer besonders auf die Industrie" nachteilig gewirkt. oo Bettenhausen, 21. Sept. Die Erben der in diesem Sommer verstorbenen Eheleute Johann Heinrich Roth I. versteigerten dieser Tage aus dem Nachlaß etliche B a u m st ü ck e. Der Verkauf zeitigte folgende Ergebnisse: Ein Grundstück von etwa 1950 Quadratmeter, das mit zahlreichen Obstbäumen in bester Kraft bestanden ist, kostete 1600 RM., eines von 1100 Quadratmeter kam auf 910 RM., eines von etwa 350 Quadratmeter auf 130 RM., eines von etwa 670 Quadratmeter auf 238 RM., eines von etwa 770 Quadratmeter auf 425 RM., eines von etwa 300 Quadratmeter auf 100 RM., eines von 325 Quadratmeter auf 70 RM. Das ergibt im Gesamtdurchschnitt auf den Quadratmeter etwa 63 Pf. Ein Preis, der bei unserem guten Gelände nicht zu hoch genannt werden kann. Kreis Friedberg. 4- Butzbach, 21. Sept. Der hiesige Arbeiter Alfred Lindner, der an der Autobahn zwischen Gambach und Griedel beschäftigt ist, erlitt bei dem Stampfer einen Unfall. Es wurde ihm der linke Vorderfuß völlig abgequetscht. Der Verunglückte wurde sofort ins Johanniter-Krankenhaus in Nieder-Weifel eingeliefert. — Die ftädti - f ch e Zwetfchenernte, wie auch die der katholischen Kirche, kamen zur Versteigerung. Trotz des großen Angebotes wurden recht befriedigende Preise erzielt. Durchschnittlich galt der Zentner am Baum 3,00 bis 3,50 Mark. — In den letzten Tagen wurde der Wetterauer Ob st markt immer stärker mit Obst aller Art beschickt. Besonders stark sind Zwetschen gefragt, die meist von Händlern dus Starkenburg und Rheinhessen aufgekauft werden. Die Preise der jüngsten Tage bewegten sich zwischen 6 und 7,75 Mark pro Zentner. Die Anfuhr hält weiter an. — Die Verdunkelungsübungen, die in drei Abteilungen durchgeführt wurden, sind allgemein zur Zufriedenheit ausgefallen. Gleichzeitig damit wurde eine Feuerwehrübung verbunden, die ebenfalls einen befriedigenden Verlauf nahm. — Im Saale des „Hessischen Hofs" wurde gestern abend die Wein-Werbewoche durch eine großangelegte Veranstaltung eröffnet. Neben der Feuerwehrkapelle wirkte der Humorist Balser-Backes aus Frankfurt mit. Bürgermeister Dr. Mörschel sprach kurz über den Zweck der Werbewoche. Gemeinsame Rheinlieder, Lieder des Gesangvereins „Orpheus-Eintracht", Volkstänze u. a. m. füllten die Vortragsfolge aus. Naubüberfall in Frankfurt. Eine alte Frau in einem Bäckerladen mit einem Kartoffelstampfer niedergeschlagen. LPD Frankfurt a. M., 21. Sept. Am Montagmittag gegen 13 Uhr betrat ein junger Mann einen Bäckerladen in der Kronprinzenstraße und kaufte bei der allein im Laden tätigen 62 Jahre alten Schwägerin des Inhabers ein paar Keks. Dann bat er die alte Frau, die Toilette auffuchen zu dürfen, was chm auch gestattet wurde. Als er zurückkam, blieb er im Hinterzimmer des Ladens stehen und verlangte von der Frau noch ein Glas Wasser. Der alten Frau kam zwar der Wunsch des jungen Mannes verdächtig vor, doch gab sie ihm eine Tasse zum Wassertrinken. Als der Käufer erklärte, die Tasse sei ihm zu groß, man möge ihm doch eine kleinere geben, wollte die Frau ihm auch diesen Wunsch erfüllen und tat einen Schritt in das Hinterzimmer. In diesem Augenblick stürzte sich der junge Mann auf die alte Frau und warf sie zu Boden. Aus einer Tasche zog er einen hölzernen Kartoffel st ampfer, den er vorher heimlich aus einer Ladenschublade entnommen hatte. Mit diesem Stampfer brachte er der alten Frau mehrere wuchtige Schläge auf den Kopf bei und drohte bann der um Hilfe rufenden Frau noch weitere Schläge an, falls sie nicht sofort ruhig fei. Dann würgte er sie und versuchte schließlich, die Ladenkasse zu öffnen. Trotz ihrer schweren Verletzungen stand die alte Frau in diesem Augenblick auf und versuchte durch den Laden auf die Straße zu flüchten. Als der Täter dies bemerkte, ergriff er die Fluch t. Die alte Frau rief nun noch mehrmals um Hilfe, so daß Passanten auf den Räuber aufmerksam wurden, ihn festhielten und dem kurze Zeit später eintreffenden Ueberfall- kommando Übergaben. Es handelt sich bei dem Täter um den erst 21 Jahre alten Ernst D. aus Offenbach a. M., der vor einigen Tagen von zuhause weggegangen war und sich seitdem in Frankfurt umhergetrieben hatte. Bei seiner Vernehmung gestand er, Ende der vorigen Woche bei einem hiesigen Trödler einen Photographenapparat gestohlen zu haben, den er gleich wieder versetzte. Außerdem war er am Montag bereits in mehreren Geschäften gewesen, um eine passende Gelegenheit für einen Raubüberfall auszukundfchaften. Den Schwiegersohn niedergeschossen. 2 Jahre 6 Monate Gefängnis wegen Totschlag. Lpd. Offenbach, 21. Sept. Von dem in Offen- bach tagenden Schwurgericht der Provinz Starkenburg wurde der 47 Jahre alte Hch. Ludw. H e r b i g aus Offenbach wegen Totschlags unter Zubilli- gung mildernder Umstände zu zwei Jahren sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Her- big hatte am 26. März 1936 in der Friedrichstraße in Offenbach feinen 26 Jahre alten Schwiegersohn Ludwig Mistel noch vorausgegangenen Familienzwistigkeiten niedergeschossen. Die Tat des Verurteilten war auf die Ehe seiner Tochter zurückzuführen, die alles andere als ideal gewesen ist. WtMMUfr -Kzi/UzH, ptlfl/tt'whl. Hoflw MAGGI5 Bratensoße Gedämpfte. Nieren. Für 4 Personen. 3/4 Pfund Schweinenteren, 2—3 Eßlöffel Fett, 1 Zwiebel, 1 Würfel Maggl'S Zratensoße, 1 Eßlöffel Mehl, 1/2 Liter Wasser. Die feiügeschnistene Zwiebel im Fett goldgelb dünsten, die gewässerten und Nein- geschnittenen Nieren dazugeben und ziemlich garschmoren. Den Würfel Maggi'S Lratensoße fein zerdrücken, mit dem Mehl zu den Nieren geben, kräftig durch- dünsten, dann erst baS Wasser zuschütten, gut durchrühren und völlig garkochen. föb 1«MV*»*. laut. MAGGI - 3 5 öJ.-i’pori Vierte Etappe der Internationalen Motorrad-Sechstagefahrt. Die vierte Tagesstrecke der Internationalen Sechstagefahrt gestaltete sich für die Teilnehmer verhältnismäßig günstig, da es weniger Ausfälle als an den Vortagen gab. Don den 191 Fahrern, die am Sonntagmorgen in Garmisch-Partenkirchen starteten, schieden nur elf aus. Endgültig ausgeschieden sind bei den Fabrikmannschaften Deutschlands Auto-Union DKW B-Team und die englischen Matchleß-Fahrer. Im Wettbewerb der Klubmannschaften wurde noch die zweite englische Sun- beam-Dertretung gesprengt. Bei schönem Wetter erfolgte am Montagmorgen der Start zur fünften Etappe, die bei einer Länge von 362 km über Mittenwald, Rain, Wiessee, Kreuth, Enterrottbach, Josefsthal, Stadelberg (Zwangspause), Smiesbach, Dietramszell, St. Heinrich, Ammerbrücke (1,4 km Bergprüfung), Schoeffau und Murnau nach Garmisch-Partenkirchen zurück führt. 180 Fahrer, darunter 98 straf- punktsreie, bestritten am Montag diese fünfte Etappe. Davon schieden 7 aus, 173 gelangten ans Ziel. Die deutsche BMW-Rational-Mannschaft hatte im Kampf um die internationale Trophäe Pech, Ernst Henne wurde durch Oelverlust zweimal zum Halten gezwungen und konnte Garmisch-Partenkirchen in der Sollzeit nicht mehr erreichen. Strafpunktfrei blieb dagegen wieder das englische Natio- nal-Team. Gießener Erfolge bei den Gaumeister- schasten der Schwerathleten. Am Sonntag fanden die diesjährigen Gaumeisterschaften der Schwerathleten in Immenhausen bei Kassel statt. Auch der 1. Kraft- und Sportklub beteiligte sich mit neun Sportlern, die sich fast alle placieren konnten. Leider konnte der ausgezeichnete Gießener Federgewichtler Alois Funk wegen einer Knieverletzung nicht teilnehmen. Auch Unteroffizier Vetter war dienstlich verhindert. Aber trotzdem kann der Verein mit seinen Erfolgen zufrieden sein. Besonderes Lob gebührt dem Jugendlichen Robert s^ck e r, der in der Jugendklasse bis 140 Pfund Körpergewicht mit drei Schultersiegen 1. Sieger wurde. Becker beteiligte sich anschließend auch noch in der aktiven Weltergewichtsklasse und belegte hier den 2. Platz. Er unterlag im Endkampf dem Immenhausener Kroll nur nach Punkten. Der Jugendliche Kornmann erzielte im Gewichtheben (Dreikampf) eine Leistung ^n 295 Pfund und wurde damit 1. Sieger in der Klasse bis 110 Pfund. Im Ringen wurde Kornmann 3. Sieger. Außerdem kam Heller im Ringen (Klasse bis 120 Pfund) auf den 4. Platz. Sehr aut kämpfte im Ringen (aktiv) der Leichtgewichtler Adolf Klotz, der 2. Sieger in seiner Klasse wurde. Im Kampf um den 2. oder 3. Platz besiegte Klotz den mehrfachen Gaumeister Steinbach (Alsfeld) klar nach Punkten. Im Endkampf lieferte Klotz dem Kasseler Bauer einen vollständig gleichwertigen Kampf. Der Kasseler wurde Punktsieger. Außerdem beteiligte sich Klotz im Rasen- kraftfport (Dreikampf: Hammerwerfen, Gewichtwersen und Steinstoßen) und wurde ebenfalls 2. Sieger in der Klasse bis 130 Pfund hinter Bauer „Kassel 1891". Auch der Bantamgewichtsringer Alois K n a u p p konnte gut gefallen. Er besiegte den Wanfrieder Rexrod durch Armzug und unterlag gegen den späteren 1. Sieger Schuchmann (Alsfeld) durch Schulterdrehgriff. Damit wurde Knaupp 3. Sieger in seiner Klasse. Emmerich hatte im Halbschwergewicht weniger Glück, denn er kam gleich mit dem schweren Kasseler Brill zusammen und unterlag nach anfänglicher Führung überraschend durch Armzug am Boden. Im Rasenkraftsport Schwergewicht wurde Emmerich 3. Sieger. Auch im Gewichtheben (ebenfalls Schwergewicht) kam Emmerich auf den 3. Platz mit 490 Pfund Gefamtleistung (Drücken 135 Pfund, Reißen 150 Pfund, Stoßen 205 Pfund). Im Gewichtheben Federgewicht erzielte der Gießener Fritz Funk 400 Pfund Gesamtleistung (Drücken 120 Pfund, Reißen 120 Pfund, Stoßen 160 Pfund) und kam damit auf den 3. Platz hinter Hochmann (Kassel) und Schott (Alsfeld). Leider zog sich der Leichtgewichtler Schrader beim beidarmigen Reißen eine Verletzung zu, so daß er aufgeben mußte. Handball im Sporlkreis Gießen. Gestern setzte im Handball auf der ganzen Linie der Kampf um die Punkte ein. Der erste Tag bereits brachte eine ganze Reihe spannender Spiele. Es fehlte auch nicht an Ueberraschungen. Unerwartet kommt die Klage über den schlechten Besuch einzelner Treffen. Bezirksklasse. 2iUo. I — Wehlar-Tliedergirmes I 8:7 (4:6). Beinahe hätten die Verbandsspiele der Bezirksklasse mit einer Ueberraschung angefangen, denn um ein Haar wäre es Niedergirmes gelungen, Gießen zu schlagen. Fünf Minuten vor Schluß stand das Spiel noch 7:6 für Niedergirmes, und die Zuschauer gaben ihre Mannschaft schon verloren; doch die Mtoer rafften sich in diesen Minuten zu einer Energieleistung auf, und es gelang ihnen, obwohl nur mit zehn Mann spielend, weil Seipp wegen einer Sehnenzerrung ausscheiden mußte, noch zwei Tore zu werfen und damit die Punkte zu retten. In den ersten Minuten vermißte man jedes Zusammenspiel und Ballbehandlung. Es dauerte auch nicht lange, und Niedergirmes führte 4:1. Erft gegen Ende der ersten Halbzeit konnten Hüfner und Barth gleichziehen, aber bis zur Pause lag der „Neuling" wieder mit Zwei Toren vorne. Die zweite Halbzeit wurde eingeleitet durch ein Tor Hüfners, der aus 20 Meter Entfernung unhaltbar in die rechte untere Ecke schoß. Niedergirmes kam wiederum zum Erfolg und führte bis kurz vor Schluß, wo dann Barth und nochmal Hüfner den Sieg für Mtv. sicherstellten. Die Tore schossen Barth (2) und Hüfner (6). Die besten Leute bei Gießen waren Scheuermann und Hüfner. Die zweite Mannschaft konnte in Lich nicht so abschneiden, wie man es von ihnen erwartet hatte. Sie stand nicht komplett und spielte außerdem nur mit zehn Mann. Die Elf verlor mit 2:5 Toren. Die erste Schülermannschaft siegte mit 4:2 nach ansprechenden Leistungen gegen die gleiche von 1900. Spvg. 1900 Gleßen — Tv. Lützellinden 9:7 (3:2). Wenn auch Lützellinden gestern schon wesentlich bessere Leistungen zeigte, so gelang es nicht, den vielleicht im geheimen erhofften Sieg zu landen. Die 1. Hälfte sah ein vollkommen verteiltes Spiel, während ein kurzes Nachlassen der Platzbesitzer nach der Pause genügte, um 1900 deutlich in Front zu bringen. Der Endspurt, der von Lüllellinden in der bekannten Weise eingelegt wurde, half nichts mehr. Die Gäste verteidigten ihren Vorsprung geschickt und verließen als glückliche Sieger den Platz. 1. Kreisklasse. Tv. Holzheim — To. Herborn 10:3 (5:0). Daß Herborn ein nicht zu unterschätzender Gegner ist, beweist das Ergebnis, das die Mannschaft m Holzheim herausgeholt hat. Wohl waren die Platzbesitzer in der 1. Hälfte klar überlegen, mußten aber, nachdem sich Herborn gefunden hatten, doch drei Tore gefallen lassen. Bei Holzheim klappte es nicht ganz so wie sonst. Man vermißte vor allem die gewohnte flüssige Spielweise der einzelnen Mannschaftsteile. Tv. Ahbach — Tv. Dorlar 8:6 (4:3). Das Lokaltreffen nahm einen spannenden Verlauf bei beiderseitig guten Leistungen. Das Ergebnis entspricht dem Spielverlauf. TV. Dutenhofen — TV. Garbenheim 5:6 (1:3.) Die große Ueberraschung kommt aus Dutenhofen. Niemand hätte angenommen, daß Garbenheim eine Chance hätte. Trotzdem konnte es einen zwar knappen aber verdienten Siea landen und zwei wertvolle Punkte buchen. Die Niederlage hat sich Dutenhofen selbst zuzuschreiben, das weit von der gewohnten Leistung ein Spiel ohne System zeigte. Tv. Groh-Rechtenbach — Tv. Grüningen 8:9 abgebr. (Brimingen überraschte nach der angenehmen Seite. Es legte ein Spiel vor, das zu den besten Hoffnungen Anlaß gibt. 2. Kreisklasse. Tv. Lang-Göns — Tv. Wehlar II 10:3 (3:0). Lang-Göns hat einen Teil seiner ausgezeichneten vorjährigen Jugend zu einer aktiven Mannschaft zusammengefaßt, die gestern erstmals auf den Plan trat. Die Gäste hatten dem ausgereiften Können nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen, so daß also der Sieg der Lang-Göyser in jeder Beziehung verdient war. Io. Beuern — To. Londorf 4:2 (1:0). Es dauerte einige Zeit, bis sich beide Mannschaften gefunden hatten. Als gegen Schluß dann Beuern mächtig aufkam, war es um Londorf geschehen. Wenn der Sieg auch nur knapp ausfiel, so ist er immerhin verdient. Jugendklasse. Spvg. 1900 Gießen — Mtv. Gießen 2:14 (2:8). Tv. Krofdorf — Mtv. Gießen II 2:4 (1:2). Tv. 1846 — Tv. Dutenhofen 10:1 (3:1). Tv. Holzheim — Tv. Garbenteich 9:1 (4:0). Tv. Groß-Rechtenbach — Tv. Hochelheim 9:10 (6:5). Tv. Atzbach — Tv. Wetzlar 3:4 (1:2). Tv. Lützellinden — Tv. Cleeberg 20:2 (9:2). Tv. Burgsolms — Wetzlar-Niedergirmes 3:6 (0:4). Tv. Beuern — Tv. Londorf 1:10 (1:6). Abturnen der heimischen Turnvereine Turnverein Heuchelheim. Am Sonntag veranstaltete der Turnverein Heuchelheim sein Abturnen. 200 Jugendliche, Schüler und Schülerinnen waren zum Wettkampf angetreten. Nach einer kleinen Morgenfeier, bei der Dietwart Albert Rinn über die Bedeutung von Volk und Vaterland sprach, entwickelte sich auf dem Sportplatz und in der schönen Turnhalle ein reges sportliches Leben. Mit großem Eifer maßen sich die jugendlichen Kräfte am Gerät und im volkstümlichen Kampf. Die guten Leistungen zeigte^ die rege Arbeit des vergangenen Turnjahres unter Leitung der unermüdlichen Turnwarte. Am Nach, mittag bewegte sich ein stattlicher Turnerzug unter Musik durch die Straßen zur Turnhalle. Dort begrüßte der 2. Vereinsführer Albert Rinn bie Turner und Gäste. Er betonte u. a., daß der Eifer der Jungen und Mädchen der beste Dank für alle Arbeit sei. Die Jungen- und Mädchengruppen zeigten dann Ausschnitte aus ihrem turnerischen Können und fanden wegen ihrer guten Leistungen lebhaften Beifall. Abends boten die Turner und Turnerinnen gut durchgearbeitete Vorführungen. Die Ergebnisse. Turner, Sechs-Kampf im Volksturnen: 1. Otto Henkelmann 111 Punkte; 2. Ludwig Ulm 107; 3. Alb. Kreiling 94; 4. Wilh. Schmidt, Artur Kehr 89; 5. Erw. Neidel, Phil. Weller 86 Punkte. Jugend-Oberstufe: 1. Erich Rinn 181 P.; 2. Walter Rinn 153; 3. Helmut Stückrath 152; 4. Walter Siegel 144; 5. Willi Hahn 131 P. Jugend-Unterstufe: 1. Artur Sack 122 P.; 2. Adolf Rinn 119; 3. Ludwig Franz 110; 4. Walter Kreiling 101; 5. Werner Schneider 99 P. Turnerinnen, Jugend-Oberstufe: 1. Erna Sack 162 P.; 2. Anna Sack 158; 3. Erna Hofmann 135; 4. Emmi Rinn 133, 4. Anna Germer 126 P. Turnerinnen - Jugend-Mittelstufe: 1. Irmgard Neidel, 139 Punkte; 2. Gretchen Sack, Anni Volkmann je 125 P.; 3. Anni Mandler, 114 P.; 4. Anni Freitag, 112 P.; 5. Elli Bepling, 110 P. Turnerinnen - Jugend-Unter st ufer 1. Gerda Volkmann, 144 P.; 2. Erna Hahn, 139 P.; 3. Luise Henkelmann, 135 P.; 4. Elfriede Rinn, 118 P.; 5. Elli Hofmann, 117 P. Schülerinnen - Oberstufe: 1. Emmi Kröck, 123 P.; 2. Anni Kreiling, 111 P.; 3. Irmgard Wobker, 107 P.; 4. Hilde Jung, Else Kröck je 104 P.; 5. Hilde Harbach, 100 P. Schülerinnen-Mittelstufe: 1. Emmi Freitag, 95 P.; 2. Elli Lang, 92 P.; 3. Hilde Kröck, 86 P.; 4. Lotti Germer, 85 P.; 5. Waltraud Reidt, 79 P. Schülerinnen - Unterstufe: 1. Anni Volkmann, 51 P.; 2. Anni Hahn, 50 P.; 3. Anni Müller, 48 P.; 4. Leni Weigand, 46 P.; 5. Gertrud Schmandt, Thea Nesseldreher, Elfriede Kreiling je 45 P. Schüler-Ober st ufe: 1. Albert Rinn, 158 P.; 2. Werner Kreiling, Adolf Menges je 149 P.; 3. Richard Krieger, 140 P.; 4. Alfred Henning, 138 P.; 5. Otto Hofmann, 134 P. Schüler-Mittelstufe: 1. Ludwig Bepler, 95 P.; 2. Erwin Steinmüller, 89 P.; 3. Willi Will, 86 P.; 4. Otto Richter, 85 P.; 5. Karl Bath, 84 P. Schüler-Unter st ufe: 1. Hans Reuschling, 80 P.; 2. Otto Dechert, 65 P.; 3. Helmut Kreiling, 62 P.; 4. Hans Emil Reuschling, Reinhold Jung je 58 P.; 5. Paul Seipp, 54 P. Kirchliche Nachrichten. Mittwoch, den 23. September. Gießen. Sladlkirche. 20.30 Uhr: Abendandacht. Donnerstag, den 24. September. Gießen. Zohannessaal. 20 Uhr: Bibelstunde. Geschäftsstelle und Verlag des Gießener Anzeigers Brühl’sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei Oberhessischer Adreßbuch - Verlag 5900 D Bitte Prospekt anfordern! 5435D Geschäftskarten befBrühl,Gießen Beginn der Kurse Ende September Der Eingang zu unseren Geschäftsräumen befindet sich von heute an wieder in der SCHULSTRASSE Mittwoch 19.80 - 21.45 Mittw.-Miete 1. Vorstellung Donna Diana Lustspiel von Moreto Spielleitung: Der Intendant Preise von 0.60 - 3.00 RM. Möbelhaus Koos Gießen. Schulstraße 6 Telefon 3904. Gegründet 1894 Tanzschule Mers-Meusel Sonnenstr. 19 / GIESSEN / Fernruf 3393 Sprechstunden täglich 11—1%, 3 — 4 Uhr Vetter Qualitäts- Möbel und Preise sind Leistgs.-Beweise Verkauf und großes Lager nur GIESSEN Wiesenstr. 6. Ehestands.-Darl. Zahl.- Erleichter. 1 MM.- I. Hypothek a. Geschäftshaus inbest.Verkehrs- lage in mittlerer Stadt der Umgebung gesucht. Schrift!. 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Oktober beginnen folgende Kurse: 5311 d Abendkursus Schülerkursus Ehepaarkursus Fortschrittkursus Einzelstunden jederzeit Anmeldungen und Auskunft erbeten Tanzschule Bäulke Wolfstraße 31 Ruf 3835 Landhaus-Gardinen, Meter 0.55, 0.25, 0.18 Stores, neue Muster, Meter 2.00, 1.50, 0.80 Dekorationsstoffe,ca.120 cm br. Meter 2.20, 1.20, 0.95 Spannstoffe, 150 cm breit, bßi Meter 0.95, 0.55, 0.45 Ludwig Haas Gießen Plockstr.7 Gießen Für wenig Geld geschmackvolle 5910a Sardinen BMMeniehiöt Mittwoch, 23. Sevt., 20 /4 Uhr, im Iohannessaal: Pfarrverwalter Herm. Hickel, Ober-Roßbach (Dillkreis), svricht über: 5913D Die Heiligung Heute 20 - 22.30 DerSprung aus dem | Alltag 0.60 — 3.00 RM. Für die Winterspielzeit 1936/37 ist das 6895D Restaurant des Stadttheaters. neu zu verpacht. Bewerbungen sind zu richt, an die Intendanz. 1AJPDRF DRUCKSACHEN '------- ” GfxDC Brühl, Gießen Mäusburg 15 MmmiWMk Seelachs ohne Kopf... 500 g 38 -5 Kabeltau ohne Kopf . .500 g 40 4 A^ltau-Ftlets.....500 g 55 4 Lebende Karvfen .. 500 g 1.00 Grüne Heringe, Schotten,Rotzungen ACHTUNG! ACHTUNG! Ich kaufe jedes Quantum Falläpfel (und Schüttelävfel) Vink, Gietzen Frankfurt.Str. 36, Ecke Friedrichstr. Telephon 2103 5905D Schlafzimmer Eiche mit Nußbaum. Schrank 180 cm mit Wäscheabteil und polierter Mitteltür, 2 Bettstellen. 1 Frisierkommode, zwei Nachtschränkchen, 2 Stühle fertig bezogen 5915A 395.- Mk. Statt Karten Gießen, den 21. September 1936 04326 Unsere ZRctlüfc ist heute angekommen Staatsanwalt Or. Hans Finke und Frau Else, geb. Mechow Baumpfähle Rosenstäbe Latten Dachpappe Karbolineum Happel&Co. Kl.Mühlgasse 4 u.6 Ruf 3925 5917A J. B. 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