Nr. 143 Erstes Blatt 186. Jahrgang Montag, 22. Juni 1936 Erscheint täglich, nutzer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Giehener Familienblatter Heimat im DUd - Die Scholle MonaiS'vezugrpreir: Ullt 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte e 1.80 Zustellgebühr.. * -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt ßernsprechanschlüsse unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen Postscheckkonto: Zranksurt am Main 11688 Eichener Anzeiger General-Anzeiger sür Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitats-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange in Sieben. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulftrahe 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis8'/,Uhrdes Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Textanzeigen von 70mm Breite 50 Rpf..Platzvorschrift nach vorh.Dereinbg.25°/a mehr. Ermäßigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzei- gen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche AnzeigenöRpf. Mengenabschlüsse Staffel B Oer Tag des RGKK. in Frankfurt Die Sonnwendfeier Die moiorsporilichen Veranstaltungen land! land!' Der Vorbeimarsch vor dem Korpsführer des Horst-Wessel-Liedes fand die Kundgebung ihr Ende. gewonnen, selber zu arbeiten und zu schaffen, bis das Oedland Frucht trägt und bis die Gemeinschaft der Deutschen sich in der gleichen ehrenvollen Arbeit für des Vaterlandes Zukunft fest und unzerreißbar verschworen hat. Und so stehen wir, Deutschlands Arbeitssoldaten, in dieser Stunde vor unserem Volk und vor der nordischen Welt, um aus unserem Geiste das Bekenntnis abzulegen, daß wir stark, tapfer und fleißig schaffend hinter unserem Führer stehen. Das Feuer der Sonnenwende soll in uns verbrennen, was schlecht, und läutern, was gut ist. Und seine Flamme soll in uns weiterbrennen als das Licht unseres Weges, den wir gehen zu Deutschland, unserem heiligen Vaterland. Arbeitsmänner mit großen Kränzen treten vor, die den im Weltkriege gefallenen Helden gewidmet sind und werfen sie in die Glut des Sonnenwendfeuers. Der Zapfenstreich beendete die Feier. Dann ordneten sich die grauen Kolonnen zum Vorbeimarsch, den Reichsarbeitsführer Hierl abnahm. — „Deutschland und immer nur Deutschantwortete die Mannschaft. Wieder Fan- Dann verpflichte fee Korpsführer Hühnlein die im Jahre 1935 neu dem Korps beigetretenen Männer und Junggenossen der HI. auf den echten und wahren Kameradschaftsgeist, den Geist der Front, den Geist des Zusammenstehens, den Geist des Einsatzes des einen für den anderen, den Geist der Pflichterfüllung über den Befehl hinaus, den Geist der persönlichen Einfachheit, den Geist der Hingabe zum Ganzen, den Geist der Liebe zu Volk und Vaterland und den Geist der Treue, der unerschütterlichen Treue zum Führer. Ein freudiges „Ja" der Vereidigten gab dem Willen Ausdruck, diese Pflicht zu erfüllen. Dann enthüllten sich auf Befehl des Korpsführer die neuen Stander und als erste Handlung senkten sich die neuen Fahnen zusammen mit den alten zu Ehren der Gefallenen der Bewegung, während die Musik das Lied vom guten Kameraden spielte. Dann sangen die 10 000 NSKK.-Männer noch auf Wunsch des Korpsführers das Panzerwagenlied und „Volk ans Gewehr" und mit einem brausenden Sieg-Heil auf Sonntagnachmittag führte die Motorgruppe Hessen auf dem Ausstellungsgelände an der Bismarckallee eine kraftfahrsportliche Veranstaltung durch, deren vielseitiges Programm den mitwirkenden NSKK.-Männern Gelegenheit gab, ihr Können unter Beweis zu stellen. Die Darbietungen eröffnete die Motorsportschule We st mark mit einem Figurenfahren auf Solo- und Beiwagenkrafträdern, wobei die außerordentliche Beherrschung der Maschinen durch die Fahrer und die exakte Ausführung der Figuren ausfiel. Eine Fuchsjagd zeigte in noch gesteigertem Maße die Geschicklichkeit der beteiligten Fahrer, die in atemberaubendem Tempo um die Bahn fegten. Vor allem fanden akrobatische Hebungen am fahrenden sowie Gleichgewichtsübungen am stehenden Motorrad Beifall. Eine der Hauptprüfungen des Nachmittags war die gemischte Staffelte — Läufer, Radfahrer, Motorradfahrer, Auto —, die eine Mannschaft der Standarte M 46 Hanau gewinnen konnte. Eine Körperschule von 100 Mänern der M 49 und Mo- tor-HJ. zeigte Stillauf und Freiübungen, endend in von den Teilnehmern gestellten Riesenbuchstaben: NSKK. farenklänge; lange Reihen von Fackelträgern tauchten unter den Quadern des Tores auf, die Spaten blitzten im Scheine der Fackeln. Dann erschallt Trommelwirbel und, von den Fackelträgern entzündet, lodern die Flammen des Sonnenwendfeuers hoch zum nächtlichen Himmel. Das Lied der Sonnenwende „Flamme empor" erklingt. Dann hält Generalarbeitsführer Dr. Decker- Berlin die Feuerrede, in der er ausführte: Der Führer hat den Arbeitsdienst die Schule der Nation genannt. In ihr soll jeder junne Deutsche zur Volksgemeinschaft und zur wahren Arbeitsauffassung erzogen werden. Wir sind verantwortlich für unser eigenes Handeln oder Versäumen, darum haben wir aus unserem Glauben den Willen dernisse überwinden. Sieger wurde die Mannschaft der Standarte M/49 Frankfurt vor M/147 Gießen und M/148 Wiesbaden. Die Motorsport- schule Helsa der Motorgruppe Hessen bewies in einem Fahrzeugexerzieren die ausgezeichnete Ausbildung ihrer Kursteilnehmer. Erstaunlich war vor allem, mit welcher -Sicherheit jetzt 14 Tage im Dienst der Schule sich befindende NSKK.-Männer, die vorher noch nicht im Besitz eines Führerscheins waren, ihre Maschinen beherrschten. Eine lustige Staffelte des Sturmes 2/M49 erfreute die Zuschauer. In dem heiteren Verkehrsspiel „Schreckliche Ereignisse zu Schillers Füßen" mußte der Dichter „persönlich" erscheinen und auf die verschiedensten Verkehrsunfälle herabblicken, die sich vor der auf dem Platz aufgebauten Frankfurter Hauptwache abspielten. Sogar ein Autozusammenstoß, bei dem die Feuerwehr mit Schaumlöschgeräten eingreifen mußte, fehlte nicht. Ein olympisches Schlußbild, dessen fünf Ringe durch NSKK.-Männer gestellt wurden, beendete die Veranstaltung. Am Abend spielte sich auf dem gesamten Ausstellungsgelände ein großes Volksfest mit Tombola, Tanz und Belustigungen aller Art ab. eihe der Stander und Vereidigung des Nachwuchses Schicksalsgemeinschaft zu formen, dann sei es die Aufgabe jedes kleinen Sturms, diese Aufgabe in kleinem Rahmen oorzuleben. Und das fei das Herrliche: diese Menschen stehen zusammen und geben sich innerlich die absolute Gleichberechtigung. Dort, wo höhere ßeiftungsftufen und höhere Verantwortlichkeitsstufen mit größeren Rechten aus- geftattet sind, da feien sie auch gleichzeitig mit höheren Pflichten ausgeftattet. Eine Gliederung sei nur dann berechtigt ein Sondergebiel zu betreuen, wie z. B. das NSKK. das Gebiet der Motorisierung, wenn sie weltanschaulich verläßlich und g e f e ft i g t ist. Das Nationalsozialistische Kraftfahrkorps sei stolz darauf, ein Ideengut betreuen zu dürfen, dem gerade der Führer so große persönliche Zuneigung und Hingabe widme. Der Korpsführer wies dann auf die große Bedeutung der motorsportlichen Veranstaltungen hin, wie sie erst am letzten Sonntag auf dem Nürburgring Deutschland einen so großen Erfolg gebracht haben, und fuhr dann fort: Es war mir eine besondere Freude, Gauleiter Sprenger mitteilen zu können, daß auch die Fahrt „Rund um Schollen" in Ordnung gehe. Gauleiter Sprenger hat bei dieser Gelegenheit sein Bedauern ausgesprochen, nicht unter den NSKK.-Männern weilen zu können. Zum Schluß wies der Korpsführer auf die Verkehrsordnung hm. Es verstehe sich von selbst, daß gerade das NSKK. und die gesamte Partei hinsichtlich der Ver- kehrsvorschriften und der Verkehrsordnung vorzüglich in der Oeffenllichkeit dastehen. „Je mehr wir vorbildlich in der V e r k e h r s d, s z i ° plin sind, mit um so größerem Erfolg werden uns dann andere Aufgaben zugewiesen werden können". Den Abschluß des ersten Tages bildete die S o n - nenwendfeier auf dem Ausstellungsgelände an der Bismarckallee. Dort halten um den großen Holzstoß die HI. mit Fackeln und dahinter alle Gliederungen der Partei sowie zahlreiche Volksgenossen Aufstellung genommen. Mit dem Liede „Flamme empor" fand die mitternächtliche Feier ihren Anfang. Ein chorisches Spiel leitete zu der Feuerrede des Gaupropagandaleiters Müller-Scheid über. Er sagte: Die Flamme sei ein Symbol für sehr verschiedene Gefühle. 1914 wurde in Europa ein gewaltiges Feuer entzündet, damit das deutsche Volk in den Flammen vergehen sollte. Und als 1918 die deutsche Armee zurückmarschierte, da schien es so, als ob Deutschland niemals wieder aus diesem furchtbaren Zustand sich herausringen würde. Dann wurde ein neues Feuer entzündet, das war das Feuer des Klaffenhasies, des Bruderkampfes. Es schien so, daß der Zerfall des deutschen Volkes von keiner Macht dieser Erde mehr aufzuhallen sei. Aber da kam einer und zündele ein Feuer an, von dem allmählich die Herzen von Tausenden, Hunderitausenden und Millionen ergriffen wurden. Er zündele das Feuer einer neuen Hoffnung und eines neuen Glaubens und der Zuversicht an. Das war Adolf Hiller. Er hat nicht nur ein Feuer des Glaubens und des Partei und Volk. Dr. Goebbels auf dem Gautag der Knrmark Potsdam, 21. Juni. (DNB.) Auf dem Appell aller Gliederungen des Gaues Kurmark der NSDAP, in Potsdam sprach Dr. Goebbels. Es ist eine Freude für uns, sagte Dr. Goebbels u. a., feststellen zu können, daß sich in Deutschland alles geändert hat, nur wir selbst nicht. Wir haben eine alle Well gestürzt und sind selbst die Alten geblieben! Und nur deshalb hatten wir die Kraft, ein Volk, das fast zu zerfallen drohte, In der folgenden Gefchicklichkeilsprü- Ein riesiges Feuerwerk beschloß den Tag des f u n g mußten die Fahrer die verschiedensten Hin-1 NSKK. in Frankfurt a. M. Die Mchssonneuweudseier des Arbeitsdienstes. LPD. Frankfurt a. M., 21. Juni. Unter großer Beteiligung der Frankfurter Bevölkerung beging am Samstag und Sonntag die Molorgruppe Hessen den „Tag des NSKK". lieber 10 000 Männer des Nationalsozialistischen Kraftfahr-Korps waren aus Hessen-Nassau und Hessen, aus den angrenzenden Teilen von Hannover und Thüringen sowie aus Unterfranken nach Frankfurt a. M. gekommen, um dem Korpsführer die Gewißheit zu geben, daß die Molorgrupppe Hessen treu, opferwillig und einsatzbereit ist. Der „Tag des NSKK." begann am Samstaa- nachmillag mit der feierlichen Flaggenhif- Der Tag der NSKK. wurde am Sonntag mit der Weihe von 26 neuen Standern und der Vereidigung der im Jahre 1935 neu dem Korps beigetretenen Männer und Junggenoffen der HI. fortgesetzt. Bei herrlichstem Sommerweller nahmen die Einheiten der Motorgruppe Hessen an der Bismarckallee Aufstellung. In einem großen offenen Viereck standen 10270 Männer der Molorgruppe Hessen, ferner hallen je ein Ehrensturm der SA. und SS. Aufstellung genommen. Korpsführer Hühnlein, in dessen Begleitung sich Obergruppenführer S e y d e l und Brigadeführer Prinz Richard von Hessen befanden, schrill die Front ab. Obergruppenführer Sey- d e l dankte dem Korpsführer dafür, daß er zum Frankfurter Tag des NSKK. gekommen ist. In der Molorgruppe Hessen sei fleißig und zielbewußt gearbeitet worden. Der Tag des NSKK. solle der Bevölkerung einen Einblick geben in den Geist, der in seinen Reihen herrsche, er solle seine Geschlossenheit und seinen Ausbildungsstand zeigen und die Einheiten einander näherbringen. Korpsführer Hühnlein sprach feine Anerkennung aus für die tadellose Aufstellung und wies dann auf den Wert eines Aufmarsches in größerem Verbände hin. Dadurch wachse der Blick und der Stolz des einzelnen Mannes. Er solle seinen Korpsführer sehen und von ihm hören, mit welcher Begeisterung und mit welcher Hingabe er von seiner Aufgabe spricht. Es gebe nur eine Aufgabe, die ewig neu und ewig alt ist, die Aufgabe des Zusammen st ehens im nationalsozialistischen Gemeinschafls- und Kameradschaftsgeist. Wenn der Führer sage: Meine Aufgabe ist, das gesamte deutsche Volk zu einer Volks- und Mutes entzündet, er hat auch ein Feuer der Liebe und der Kameradschaft entzündet. Und dieses Feuer der Kameradschaft soll nun das deutsche Volk immer mehr zu dem zusammenschweißen, was wir immer und immer wieder die neue deutsche Volksgemeinschaft nennen. Wenn der Holzstoß aufflammt, wollen wir geloben, daß wir die Eifersüchteleien und Nörgeleien von heute ab noch heftiger bekämpfen wollen, als wir es seither getan haben. Wir wollen in dieser Stunde uns erinnern, daß wir einmal an einem Abgrund gestanden haben, und uns erinnern, daß man uns einmal geöemütigt hat, wie selten ein Volk gebe« mütigt worden ist. Aber wir wollen uns heule erinnern, daß wir dennoch als Sieger aus all diesen Zeilen hervorgegangen sind. Unser großer Kriegsgewinn ist Adolf Hiller. Das müssen wir uns immer vor Augen hallen, damit wir nicht in den kleinen Widerwärtigkeiten des Alltags den Blick für die große Linie der Politik des Führers verlieren, daß wir mutig und standhaft bleiben. Unter dem Gesang des Liedes „Flamme empor" loderten nun die Flammen mächtig zum nächtlichen Himmel empor. Ein brausend in die laue Sommernacht hinausschallendes dreifaches Sieg-Heil auf den Führer, der dem deutschen Volk die Freiheit, die Waffen und die Ehre wiedergegeben hat, sowie der Gesang des Deutschland- und des Horst-Wessel- Liedes beendete die Sonnwendfeier. 0 9tad) der Paradeaufstellung wurde ein Propagandamarsch durch die Stadt durchgeführt. Die ganze Gruppe war in zwei Abteilungen gegliedert, die sich dann gemeinsam kurz vor dem Opernplatz trafen zum Vorbeimarsch vor dem Korpsführer Hühnlein, der sich mit dem Oberbürgermeister Staatsrat Dr. Krebs und dem Führer der Motorgruppe Hessen, Richard Prinz von Hessen, dort eingefunden hatte, um den Vorbeimarsch abzunehmen. Trotz der Mhenden Sonnenhitze marschierten die acht Standarten der Molorgruppe Hessen in stramm ausgerichteter Haltung an ihrem Korpsführer vorbei und ernteten für ihr forsches Auftreten den Beifall der trotz der außerordentlichen Hitze zahlreich erschienenen Volksgenossen. An dem Vorbeimarsch waren beteiligt die Standarten 49 Frankfurt, 50 Darmstadt, 148 Wiesbaden, 150 Mainz, 46 Hanau, 47 Kassel, 48 Mar- den Führer und dem Gesang des zweiten Verses I bürg und 147 Gießen. jung auf der Kuppel der Frankfurter Festhalle. Ein Konzert in der Festhalle leitete dann die Veranstaltung ein. Unter Leitung des Musikinspi- zienlen des NSKK., Brigadeführer Krümmel, zeigten 300 Musiker ihr Können. Inzwischen entwickelte sich auf dem Festhallengelände ein frohes Lagertreiben. 200 Zelle waren für über 4000 NSKK.-Männer errichtet worden. Der Korpsführer, Obergruppenführer Seydel, Brigadeführer Prinz Richard von Hessen und zahlreiche andere hohe SA.- und SS.-Führer ließen es sich nicht nehmen, dem Biwak einen Besuch abzustallen und an dem frohen Lagerleben teilzunehmen. Lübeck, 22. Juni. (DNB.) Vor dem H o l - stentor fand die Sonnenwendfeier des Reichs- arbeitsdienstes statt, zu der die Abteilungen der Reichsarbeitsdienstgruppe 70, Schleswig-Holstein, nach Lübeck gekommen waren. Reichsarbeitsführer Hierl war mit feinem gesamten Stabe erschienen. Auch Reichsminister Dr. Frick und Reichsleiter Rosenberg nahmen an der nächtlichen Feierstunde teil. Fanfarenstöße leiteten die Sonnenwendfeier ein, für die Oberst-Feldmeister Scheller die Worte und Obertruppführer Stein eck er die Musik geschrieben hat. Nach dem Fahneneinmarsch hallte die Stimme des Sprechers über den weiten Platz. Vom Süden bis zum Norden, vom Osten bis zum Westen gibt es nur einen Glauben und nur ein Bekenntnis: Deutschland und immer nur Deutsch- WM ■MW r a /Vs / • i LZ Der Vorbeimarsch am Korpsführer Hühnlein. (Aufnahme: Schwarz, Frankfurt a. M.) Motorstandorte 147 Gießen auf d-m Trieb vor dem Start nach Frankfurt a. M. (Aufnahme: Photo-Pfaff, Gießen.) zu einer neuen Gemeinschaft zusammenzuschweißen. (Stürmischer Beifall.) Dr. Goebbels rechnete unter der begeisterten Zustimmung der Zehntausende nun mit denen ab, die mit geringschätziger Miene sagen: „Der Führer! Jawohl! Aber die kleinen Hitler!" „Hier sind die .kleinen Hitler* des Gaues Kurmark aufmarschiert, und nun wage einer, den ersten Stein auf sie zu werfen! Genau so wie ihr euch zum Führer bekennt, bekennt der Führer sich zu euch! Er wird es niemals vergessen, daß es die ,kleinen Hitler* waren, die mit ihm die Stufen bauten, aus denen wir zur Macht emporsteigen konnten!" (Langanhaltende Heilrufe.) Auch den Besserwissern, die davon schwätzen, daß die Partei sich doch nun auch auflösen könne, es sei doch alles in schönster Ordnung, erteilte Dr. Goebbels eine eindeutige Antwort: „Man bricht auch die Kasernen nicht ab, wenn ein ganzes Volk soldatisch denkt, denn Kasernen sind nicht nur dazu da, ein Volk soldatisch denken, sondern soldatisch handeln zu lehren. Man bricht ja auch die Kirchen nicht ab, wenn in einem Lande alle Menschen katholisch oder evangelisch sind. Die Partei ist nicht dazu da, sich damit zu begnügen, daß das Volk nationalsozialistisch ist, sondern dafür zu sorgen, daß das Volk für alle Zukunft national- sozialistisch bleibt!" Dr. Goebbels beschäftigte sich nun mit dem Einwand, daß es in Deutschland keine Freiheit der Meinung mehr gebe. Es ist besser, das Volk wird gerettet, als daß ein paar Schwätzer das Recht haben, gegen das eigene Volk zu Hetzen. Wenn bie Besserwisser sagen: „Kritik tut not", so sagen wir: „Es ist not, daß wir arbeiten, daß wir den Armen zu essen, den Arbeitslosen Arbeit geben, daß wir eine Armee aufbauen, damit wir uns wehren können! Weil das mehr not tut als Kritik, deshalb haben wir die Kritikasterei abgeschafft und mit der Arbeit angefangen. Und ich i)abe den Eindruck, daß das deutsche Volk damit ganz einverstanden ist." (Langanhaltende stürmische Zustimmung.) Denen, die in Deutschland noch glauben, sich polemisch mit dem Nationalsozialismus auseinandersetzen zu können, rief Dr. Goebbels zu: sie möchten doch einmal einen Blick auf das außerdeutfche Europa werfen. Wir haben die Kirchen von der roten Gefahr befreit, und sie müßten dankbar sein, daß in Deutschland noch Altäre stehen. Allein die nationalsozialistische Bewegung hat sich dieses Verdienst erworben und das Land zu einer Zelle der Ordnung und der Disziplin gemacht. Deshalb steht und fällt das Reich mit der Partei. Sie ist die Lehrmeisterin unseres politischen Lebens. Sie erzieht Jugend und Volk und schenkt ihm in ununterbrochener Folge seine politischen Führer. Gtaatssekretär von Bülow gestorben. Berlin, 21. Juni. (DNB.) Der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Dr. Bernhard Wil- Hel m v o n B ü l o w , ist am Sonntag um 11 Uhr an den Folgen einer Lungenentzündung in Berlin g e ft o r b e n. Bernhard Wilhelm v. Bülow wurde am 19. Juni 1885 in Potsdam geboren. Sein Vater war der 1897 als ' Generalmajor und Kommandeur der 21. Kavalleriebrigade verstorbene Adolf v. Bülow, ein Bruder des späteren Reichskanzlers und Fürsten Bernhard von Bülow. Nach Abschluß seines juristischen Studiums wurde Bernhard Wilhelm von Bülow am 1. Januar 1912 als Attache in das Auswärtige Amt berufen und zunächst der Botschaft in Washington zugeteilt. Anfangs 1913 kehrte er ins Auswärtige Amt nach Berlin zurück. Dom August 1914 bis November 1915 stand er als R e - seroeoffizier im Felde. Dann wurde er zuerst der Botschaft in Konstantinopel und später der Gesandtschaft in Athen als Legations- jefretär zugeteilt. Anschließend war er dann wieder im Auswärtigen A m t tätig, bis er im Juni 1919 den Abschied nahm. Nach eingehenden Studien über Völkerbundsfragen, die er sich zum Spezialgebiet gewählt hatte, trat er 1923 wieder in den diplomatischen Dienst ein und übernahm die Leitung des Referates für Völkerbundsangelegenheiten im Auswärtigen Amt. Seit Oktober 1924 war er Vortragender Legationsrat und im Juni 1930 wurde er zum Staatssekretär im Auswärtigen Amt ernannt. Der Führer zum Ableben des (Staate sekretärs von Bülow. Berlin, 21. Juni. (DNB.) Anläßlich des Ablebens des Staatssekretärs von Bülow hat der Führer und Reichskanzler an die Stiefmutter des Verstorbenen, Frau von Bülow, das folgende Beileidstelegramm gerichtet: „Zu dem so schweren Verlust, der Sie i)urd) das unerwartete Hinscheiden Ihres Sohnes, des hochgeschätzten Staatssekretärs von Bülow, betroffen hat, bitte ich Sie, sehr geehrte gnädige Frau, und Ihre Tochter, den Ausdruck meiner aufrichtigen Teilnahme entgegenzünehmen. Ferner hat d e r Führer an den Reichsminister des Aeußeren, Frhr. v. Neurath folgendes Telegramm gerichtet: „Zu dem schweren Verlust, den das Auswärtige Amt durch das Ableben des Staatssekretärs, des Herrn von Bülow, erfahren hat, spreche ich Ihnen, Herr Reichsminister, und den Angehörigen des Auswärtigen Amtes mein aufrichtiges Beileid aus. Die hervorragenden Fähigkeiten und feine hohen menschlichen Eigenschaften sichern dem Verstorbenen ein dauerndes, ehrendes Gedenken. (Gez.) Adolf Hitler." Hohe Freiheitsstrafen im Kattowitzer Hochverratsprozeß K a 11 o w i tz, 20. Juni. (DNB.) Am Samstag sprach das Gericht im Kattowitzer Hochverratsprozeß das Urteil, das unerwartet hoch ausgefallen ist. Bon den 113 Angeklagten wurden 99 für schuldig befunden. In 14 Fällen erkannte das Gericht auf Freispruch. Drei Angeklagte erhielten je 10 Jahre schweren Kerker. Die Angeklagten Mordziol, Warzinek und Bednarski wurden zu je 8 Jahren Gefängnis verurteilt. Ein Angeklagter erhielt 7 Jahre Gefängnis. Sechs weitere, darunter der oft genannte Polizeispitzel Pielotz, erhielten je 6 Jahre Gefängnis. Gegen 13 andere Angeklagte wurde auf je vier Jahre Gefängnis erkannt, während 60 mit je zwei Jahren Gefängnis davon- kamen. Die 13 Angeklagten, die wehen Geheirn- bündelei verurteilt wurden, erhielten je ein Jahr sechs Monate Gefängnis. In der Begründung des Urteils wirb erklärt, von Stellen außerhalb der Grenze werde eine polenfeindliche Propaganda getrieben, die darauf hinauslaufe, in der Bevölkerung den Eindruck zu erwecken, als ob im Jahre 1937 eine Abstimmung über den Verbleib Ostoberschlesiens beim polnischen Staat durchgeführt werde. Es sei der Beweis erbracht, daß der Geheimbund sich zum Ziel gesetzt habe, Gebietsteile aus dem polnischen Staatsgefüge loszureißen. Es fei weiterhin erwiesen, daß Mitglieder des Geheimbundes zu Stellen dzw. Personen eines fremden Staates Verbindungen unterhalten hätten. Es käme nicht darauf an, wie sich die Personen des fremden Staates zu den Absichten der betreffenden Mitglieder des Geheimbundes gestellt hätten, sondern allein daraus, daß die Angeklagten sich bemüht hätten, Verbindungen mit gewissen Stellen des fremden Staates zu er- halten. Den Aussagen der Angeklagten, von dem Gründer und Leiter des Geheimbundes Maniura irregeführt zu sein, könne das Gericht keiner, Glauben schenken, weil die Angeklagten in der Voruntersuchung gerade das Gegenteil erklärt hätten. Zum Schluß der Urteilsbegründung erklärt das Gericht: „Die Entscheidung der Pariser Botschafterkonferenz hat nur einem Teil der Ansprüche Polens Genüge geleistet. Die Abstammung der Bevölkerung von Oberscklesien, ihre Sprache und Religion, ihre Kultur und Geschichte beweisen, daß dieses Gebiet polnischen Charakter trägt. Den Teil Oberschlesiens, der Polen zugespro- chen worden ist, wird Polen zu verteidigen wissen." Sonnwendfeier der deutschen Lugend // Ein Jener der Treue zu Führer, Volk und Fahne // Oie Reichstagung der Nordischen Gesellschaft Nordische Gedanken im nationalsozialistischen Staat. ruf der Bewegung „Es lebe der Führer — Adolf Hitler Sieg-Heilst' fand m dieser weihevollen Stunde ein vieltausendfaches Echo, das weithin über die bayerische Bergwelt hallte, und hmuberklang in das ganze Deutsche Reich, das aufgenommen wurde von Hunderttausenden deutscher Jugend, Die zur selben Stunde am Feuer vereint waren. Der Erfolg des IV. Deutschen Zugendfestes. Berlin, 21. Juni. (DNB.) Am Sonntag mürben die letzten sportlichen Wettkämpfe des IV. Deutschen Jugendfestes, das den Auftakt für die XL Olympischen Spiele bildete, durchgeführt. Im gesamten Reich gingen rund 10 Millionen Jungen und Mädel in die Wettkämpfe. Unzählige Zuschauer in Stadt und Land waren Zeuge der heißen Kämpfe. Nach den bisherigen Mitteilungen aus dem Reich sind die Ergebnisse überraschend gut; rund 35 v. H. a l l e r Teilnehmer erhielten die Siegernadel. Kaum anders sieht es aus bei den M a n n s ch a f t s- wettkämpfen der HI. und des BDM. Einige bis jetzt vorliegende Ergebnisse aus den Einzelleistungsprüfungen der Schulen und den Mannschaftswettbewerben des Jungvolkes und der Jung- mädel, die zugleich den durchschlagenden Erfolg des diesjährigen deutschen Jugendfestes erkennen lassen, mögen den Erfolg der Wettkämpfe veranschaulichen: Der 14jährige Wilhelm L e h r l e in Freiburg im Breisgau hat bis jetzt die höchste Punktzahl mit 3 5 2 Punkten erreicht. Die für die Siegernadel verlangte Punktzahl beträgt nur 180. Beste Schülerin nach den bisherigen Meldungen ist Alberta H e l l g e in Magdeburg mit 346 Punkten. Als bisher beste Jungenschaft erwies sich die Jungenschaft 2 im Fähnlein 20 des Jungbannes 1/42 in Weil a. Rh. aus dem Gebiet Baden der HI. mit einer Gesamtdurchfchnittspunktzahl von 298. Bisher beste I u n g m ä d e l s ch a f t ist die Jungmädelschaft 3, Jungmädelgruppe 38 im Untergau 30 des BDM. inMettlach, Obergau Saarpfalz. Glück und Leid. Möge uns diese Stunde lau- ten, daß wir die letzte Reinheit des Wo- lens gewinnen und die höchste Kraft, das zu vollbringen, was zum Wohle unseres Volkes und seiner Zukunft vollbracht werden muß. Was der Führer einst als einziger bekannte, es brennt heute m Den Herzen eines 70-Millionen-Volkes, und wir, die Jugend, geben die flammende Wahrheit weiter an die Jüngsten, damit sie als Hüter und Kampfer in Ehren bewahren, was unser Volk glücklich und stolz gemacht hat. Wir sehen unsere Ausgabe — das bekenne ich im Namen der deutschen 3ugenb — in der selbstlosen Hingabe aller Jugend des Reiches an das Werk des Führers und an die Lehre, die er dem deutschen Volke predigt. Von dieser Stelle senden wir durch den Aether unseren Schwur: Heber uns nichts als die ewigen Sterne, vor uns bas Feuer, bas weit hineinreicht nach unten in unser deutsches Land, hier, wo Deutschland dem Himmel am nächsten ist, öffnen wir unsere Herzen dem Allmächtigen. Erfüllt von ihm und hingegeben dem IHanne, den er uns schenkte als unseren Führer zu Ehre und Freiheit geloben wir Adolf Hitler die Treuesten der Treuen zu fein. So soll dieses Feuer, getreu dem Wahlspruch der Schuhstaffeln, mit denen wir diese Feier gemeinsam gestalten, e i n Feuer der Treue fein zu Führer, Volk und Fahne." Der Reichsjugendführer übergab nun symbolisch bas Feuer, bas ber Reichsführer-SS. bei ber letzten Wintersonnenwenbfeier auf bem Brocken der HI. „bis zum längsten Tage des nächsten Jahre" übergeben hatte, wiederum den Männern der Schutzstaffeln, daß sie es hüten mögen bis zum kürzesten Tage des Jahres, an dem die Jugend wieder an ihre Stelle tritt. Bei diesen Worten des Reichsjugendführers wurde die Feuerwache der HI. von der SS. abgelöst, und ein SS.-Mann übernahm mit knappen Worten das Feuer im Auftrag des Reichsführers Himmler in kameradschaftlicher Verbundenheit mit der Hitler-Jugend. Der alte Kampf- Aus der Zugspitze. Auf der Zugspitze, 22. Juni. (DNB.) Zum Abschluß des Deutschen Jugendfestes veranstaltete die Hitlerjugend in der Nacht vom Sonntag zum Montag in ganz Deutschland ihre Sommerson- nenwendfeiern. Auf den Höhen der deutschen Mittelgebirge, auf den Hügeln der norddeutschen Ebene, auf den Feierplätzen der Dörfer und vor den Toren der großen Städte, überall loderten in dieser Sommernacht die Flammen der Sonnenwendfeuer, um die sich die deutsche Jugend zu schlichten Feiern scharte. Im Mittelpunkt dieser Feiern stand auf der Zugspitze die gemeinsame Sonnenwendfeier der Hitlerjugend und der Schutzstaffeln, die sich auf der höchsten Stelle Deutschlands in der Hochgebirgsnacht auf 3000 Meter Höhe zu einem unvergeßlichen Erlebnis für alle Teilnehmer gestaltete. Brennende Fackeln der SS. und HI., Fanfaren des Jungvolkes, Feuersprüche und Lieder der HJ.-Spiel- scharen gaben dieser Feier das Gepräge. Während das alte Feuerlied „Flamme empor" über die deutschen Alpenberge erscholl, wurde der Holzstoß an- gezündet, dessen glühende Flammen weithin leuchteten über die deutschen Lande, als ein Zeichen der brennenden Flamme heißer Liebe in den Herzen Der deutschen Jugend. Ergriffen von dem Eindruck dieser Feier in der majestätischen Bergwelt sahen die Männer der SS. und die Hitlerjungen in die Flammen, während ein Feuerspruch vom Sinn dieser Feier kündete: „Du Feuer, stiege in jedes Haus — in jedes Tal, von Berg zu Berg — bis in das Meer. Reichsjugendsührer Valdur von Schirach nannte die Sonnenwendfeuer, in denen sich immer wieder die gesunde Kraft des deutschen Brauchtums stärker als die volkstumsfeindlich eingestellten Mächte erwiesen habe, einen schönen Beweis für bie Selbstbesinnung der Jugend. „Heute stammen die Sonnwendfeuer wieder auf, soweit Die deutsche Zunge klingt und verkünden die seelische Verbundenheit aller Deutschen in Lübeck, 21. Juni. (DNB.) Die Nordische Kundgebung auf dem Lübecker Marktplatz vereinigte die zahllosen Teilnehmer der Reichstagung der Nordischen Gesellschaft aus dem Reich und den nordischen Ländern zu einer eindrucksvollen Willenskund- gebung. Ehrenkompanien des Heeres und ber Kriegsmarine, Abteilungen der SA., SS., des Reichsarbeitsbienstes unb aller übrigen Gliederungen ber Bewegung waren aufmarschiert unb füllten mit den vielen Tausenden der Zuschauer und der Gäste der Reichstagung Den in strahlendem Sonnenschein liegenden und mit den Fahnen Deutschlands unb ber nordischen Länder umsäumten weiten Platz der Hansestadt. Reichsieiler Rosenberg nahm als erster das Wort. Wir haben gewußt, agte er u. a., daß das Entstehen Der nationalsozialistischen Revolution, die vieles, was andere glaubten, verehren zu müssen, beiseite schob, natur» notwendig zunächst auf Ablehnung stoßen mußte. Die Gelehrten und Politiker der anderen Staaten verehrten durch ein langes Leben hindurch, was wir als im Kampf um unser Dasein in der heutigen Welt als nicht mehr lebensstark kennengelernt hatten, und da es nun mal so ist, Laß ältere Gelehrte meistens lehren und nicht lernen wollen, so ist jetzt schon eine Anzahl von Jahren oorbeigegangen, ehe fidh die Notwendigkeit, das nationalsozialistische Phänomen wirklich zu studieren, als innere Erkenntnis durchzusetzen beginnt. Man hatte uns oft als einen ganz Europa bedrohenden Unruheherd hinzustellen versucht. Wir dagegen waren und sind Der festen Ueberzeugung, daß nirgends die innere Aufbauarbeit so ruhig vor sich geht wie im nationalsozialistischen Deutschland, angesichts dessen, dcktz der Bolschewismus nicht nur die politische Revolution erstrebt, sondern sämtlichen hohen Traditionen der europäischen Völker den Tod ankündigt, erscheint er schon heute vor der Geschichte als em Symbol eines ungeheuren, alle Gebiete umfassenden Weltzerfalls überhaupt. Wir sind der Heber« Zeugung, daß man angesichts dieser furchtbaren Tatsache das Wort vom kollektiven Frieden nur dann in den Mund nehmen dürfte, wenn man begriffen hat, daß hier das alte Europa von einer antieuropä» ischen, aber bereits in allen Staaten und allen Städten vielfach bestimmenden Kraft erschüttert wird. Während eine schwere Erschütterung nach der anderen die Staaten durchzittert, steht Deutschland heute innerlich gefestigter da als irgendein anderes Land. Wir sind der hefen Ueberzeugung, daß, entgegen allen anderen Behauptungen, Europa im weitesten Sinne in allererster Linie hier in Deutschland verteidigt wird! Der Nordostseeschicksalsraum hat begonnen, seine Wirksamkeit zu erweisen, und ich hoffe, daß die gesponnenen Fäden immer fester werden, und daß schließlich ein sich geschlossener Schick- falsraum, vielgestaltig im Inneren, aber doch in der Haltung gegenüber den Mächten der Weltzerstörung einig, einen neuen Kraftquell für Die Sicherung der eigenen Völker und für die Sicherung Europas schafft. Wir jedenfalls haben es als Pflicht empfunden, dieser Ausgabe zu dienen. Wir freuen uns, in immer stärkerem Maße geistige Führer des Nordens hier begrüßen zu können, und wir sind der Ueberzeugung, daß, wenn ähnlich willensstarke Mächte sich auf die Urquellen ihrer Kraft besinnen und unbekümmert um Gespött und Gelächter einer absterbenden Vergangenheit, ins Ruder des Schicksals greifen, aus den Verbindungen unserer Tage ein großes klares Denken und Wollen aus Dem Chaos unserer Politik ein neues vorwärts- strebendes Europa entsteht! Reichsminister Dr. Frick sprach dann über „Das nordische Gedankengut in der Gesetzgebung des Dritten Reiches". Der Mini- fter führte u. a. aus: Ich möchte betonen, daß unsere Auffassung von der Rasse für kein anbe» res ?8olf Der Erde etwas Aggressiv-Feindliches auf- weist. Wir vertreten lediglich die Auffassung, daß das nordische Rassegut für uns Deutsche das beste und reinste Element der Volkwerdung darstellt. Wir haben dem Volk Gesetze gegeben, die diesem nordischen Gedankengut entsprechen. Der nordische Lebensstil und Die Auffassung vom Leben zeigten sich im Recht Dieser Völker, in ihrer Einstellung zu den Grundfragen menschlichen Lebens: Freiheit und Ehre, Heimat und Arbeit, Brauchtum und Gesittung, Volk und Familie. Eine geschichtliche Betrachtung auf rassischer Grundlage zeigt uns, daß ein Volk sich selbst aufgibt, wenn es nicht ständig die in ihm vorhandenen Erbanlagen zur größtmöglichen Entfaltung zu bringen sucht. Freiheit und Ehre sind die Leitgedanken des Nationalsozialismus. Freiheit und Ehre sind Wesenseigenheiten, wie sie nur bei Völkern zu finden sind, die das Bauerntum als Urquell ihres Dokkes empfinden, sie haben stets den Boden nicht als eine Ware angesehen, über die jeder Einzelne nach freiem Belieben verfügen kann. Diesen Gedanken hat der Nationalsozialismus durch das Reichserbhofgesetz aufgegriffen und damit die Forderung von Blut und Boden verwirklicht. Der nordische Mensch weiß, daß das Leben Kampf bedeutet, und hat auch zur Arbeit eine andere Grundeinstellung als der Nomade. Deutlich wird das durch das Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit und durch das Arbeitsdienstgesetz. Das ist auch der Sinn der vom Führer geschaffenen Deutschen Arbeitsfront und der Nationalsozialistischen Betriebszellenorganisation, die die Aufgabe hat, das deutsche Arbeitertum im Sinne der nationalsozialistischen Weltanschauung zu erziehen. Brauchtum und Gesittung tragen dazu bei, die Zukunft unseres Volkes sicherzustellen. Erb- und Rassenpstege ist der Mittelpunkt der nationalsozialistischen Gesetzgebung geworden. Dem gleichen Zweck dienen die Bestimmungen über die Förderung der Eheschließungen im Gesetz zur Minderung der Arbeitslosigkeit, durch welche Hunderttausende von Eheschließungen ermöglicht wurden. Hand in Hand damit geht eine Erziehung des deutschen Volkes zu Rassenbewußtsein und Rasse n p f l e g e, wie durch das Gesetz zur Wiederher- stellung des Berufsbeamtentums, das Den verheerenden jüdischen Einfluß in unserem politischen Leben zurückgedrängt hat. Diese Gesetzgebung hat ihre Krönung erfahren durch das Reichsbürgergesetz und das Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und Der deutschen Ehre. Auch die Gemeinde- ordnung trägt der Tatsache Rechnung, daß Der nordische Mensch eine Freiheitsmensch ist, Der nicht nur nach Dem Grundsatz „Gemeinnutz vor Eigennutz" leben, sondern auch feine Angelegenheiten f e l b ft regeln will. Er fall beweisen, daß er solcher Freiheits- und Lebensauffassung würdig ist. Der kurze Ueberblick über die Verankerung nordischen Gedankengutes in Den nach Der Machtergreifung erlassenen Gesetzen zeigt, daß Die nationalsozialistische Regierung gewillt ist, eine sinnvolle Lebens- orDnung zu schaffen, wie sie früher bei unseren Vorfahren üblich war. Wir finD bereit, Das Recht anderer Völker zu achten und fühlen uns verbunden allen, die bereit sind, uns zu verteidigen Haus und Hof, Heimat und Volk und seine von der nordischen Rasse bestimmte Kultur. Einheitliche Uniform für die deutschepolizei (Presse-Jllustrationen-Hoffmann-M.) U Hü« UWW UM c> & ? I A. ■ 20. Juni. (DNB.) Der Reichs, und Preußische Minister des Innern Dr. Frick, der Chef der deutschen Polizei Reichsführer SS. Himmler und der General der Polizei D a - lue gc wurden vom Führer und Reichs, kanzler zum Vortrag empfangen, um u)m ihre Vorschläge für Die einheitliche Neuunifor- mierung der gesamten deutschen Schutzpolizei, Ge- melndepolizei und Gendarmerie zu unterbreiten und iljm gleichzeitig Die neuen Uniformen vorzuführen, an Deren Entwürfen Der Reichsbeauftragte für , Formgebung Pg. Schweitzer („Mjolnir ) beteiligt war. Die neuen Uniformen bestehen für alle Polizeiarten aus einem hellen grünmelierten Grundtuch, wie es bisher Die Landespoli- 3ei getragen hat. Um auch Die besondere Verbundenheit mit der Partei darzutun, sind Kragen, Aer. r unb dem Kriege in aufopfernder Arbeit in der Stellung als Chef der Marineleitung, besonders durch die Festiaung der Disziplin, wesentlichen Anteil an der Schaffung der Grundlage für den heutigen Aufbau der Kriegsmarine hat. die Privatpersonen. Oer Führer ehrt die Admirale von Trotha und Behncke. Ukrainische Reisebiwer unserem Or. E.G.-Berichierstatter. Der Konflikt kam mit der Hungersnot von 1932/33, die im Gefolge der Kollektivierung der Bauernschaft die Ukraine besonders schwer heimsuchte. Die örtlichen, ukrainischen Funktionäre wehrten sich dagegen, daß der verhungernden Bevölkerung die letzten Getreideoorräte auf Befehl Moskaus abgenommen werden. Die Moskauer Zentrale, mit Stalin an der Spitze, entscheidet sich für eine energische Aktion. Ass Vertrauensmann Stalins erscheint 1932 Pawel Petrowitsch Postyschew in Charkow als Statthalter Moskaus. Ihm wrrd das Organ der ukrainischen Regierung, der Rat der Volkskommissare, untergeordnet. Er rottet mit eiserner Energie die „Nationalisten", denen Moskau nun Staatsverrat und Separatismus vorwirft, aus. Skripnik, der Freund Lenins, endet mit Selbstmord. Die alte Garde der ukrainischen Botschewiki wird erschossen, verbannt, darunter auch einige Dutzend hohe Offiziere. Die ukrainische Ukraine war vernichtet. Von den 30 bis 33 Millionen ihrer Bevölkerung find 1932/33 nach den objektivsten Schätzungen em Fünftel, nämlich sechs Millionen, am Hungertod gestorben. Jetzt war das Volk mürbe genug, um die letzten Schläge des Moskauer Zentralismus zu ertragen: Abschaffung des bis dahin bestehenden ukrainischen Sprachexamens für Beamte und Angestellte, „Reorganisierung" der ukrainischen Akademie der Wissenschaften, „Reinigung der Hochschulen, Vernichtung von Millionen von Büchern und Druckerzeugnissen der Vor-Postyschew- Aera Wie ist die Lage heute in der Ukraine, nachdem der Statthalter Stalins schon zweieinhalb Jahre am „Aufbau der ukrainischen Sowjetkultur zu arbeiten Zeit gehabt hat? In den Städten hort man fast nur russisch. Wer ukrainisch spricht, zeigt damit, daß er vom Lande kommt und nur* ständig ist. Weder in Kiew noch in Sto rno, noch in Charkow konnte ich ein russisch-ukrainisches oder ukrainisch-russisches Wörterbuch bekommm. „So etwas gibt es nicht mehr'. Die uk ' Presse wird wenig gekauft. Russische Zeit. sind rm Nu vergriffen. Ukrainische Literatur gw. es. Aber es gibt kaum ein ukrainisches Buch, das nicht eine Ucbersetzung aus dem Russischen wäre Es gibt kein ukrainisches Geschichtsbuch mehr. An ben Um, versitäten von Kiew und Charkow wird russisch doziert Daß heute immer noch der größte Teil sogar der städtischen ukrainischen Bevölkerung für ihre Kinder trotz der sichtbaren Benachteiligung des Ukrainischen, die ukrainische Unterrichtssprache wählt, ist ein Zeichen, wie tief das Bewußtsein der sprachlichen und kulturellen Besonderheit doch noch im Volke verwurzelt ist. . rf Der Sowjetukräine, über die heute der Grohrusse Postyschew als Statthalter des Kreml m unbeschränkter Machtvollkommenheit gebietet, droht aber auch noch eine andere Gefahr, die nicht unerwähnt bleiben soll. Es ist d i e j ü d i s ch e G e f a h r. Wenn Postyschew schon 1932 davon sprach, daß an die Stelle der sogenannten „Nationalisten „erprobte, bolschewistische Elemente in sämtlichen Gebieten treten müßten, so hat das Judentum diese Konjunktur sofort begriffen. An die Stelle der alten Garde der ukrainischen Bolschewiki, die Postyschew zertrümmert hat, sind die Juden getreten. Die Juden sind in der Bevölkerung der Ukraine an sich schon mit 7 bis 8 v. H. (ungefähr zwei Millionen) vertreten, aber ihr Anteil am Partei- und Staats- Aus aller Welt. Weltbund christlicher Zungmännervereine. Anläßlich des Empfanges, den die Stadt Kassel den Teilnehmern der Tagung des Weltbundes christlicher Jungmännervereine gab, äußerte sich der Präsident des Weltbundes und Vorsitzende des Weltmissionsrates D. John Mott (Amerika), in Worten der Bewunderung über das Deutschland von heute, daß so wundervoll die reichen Traditionen der Vergangenheit einer neuen Zukunft entgegenführe. Deutschland sei ein Volk großer neuer Möglichkeiten. „Es ist unser Wunsch", so schloß D. Mott, „daß unsere Tagung ein wenig dazu beitrage, daß die Verständigung des deutschen Volkes mit den anderen Völkern der Erde zunehme. Gott segne das deutsche Land." Die Kasseler Tagung des Weltbundes christlicher Jungmännerver- eine ist die erste derartige Tagung auj deutschem Boden. Unter den etwa 60 offiziellen Delegierten waren Vertreter fast aller nationalen Zweige der christlichen Vereine junger Männer. Eine besonders starke Abordnung schickte Schwe- den unter der Führung des Prinzen Oskar Bernadotte von Schweden, der an der Spitze des schwedischen Jungmännerwerkes steht. Eröffnung der „Deutschen Luftfahrtsammlung- in Berlin. In Berlin eröffnete der Staatskommissar der Reichshauptstadt Dr. Lippert die „Deutsche Luftfahrtsammlung", die einen um assen- den Ueberblick über die Entwicklung der Luftfahrt gibt Der Direktor der Berliner Flughafengefell- schäft, Major a. D. Böttcher begrüßte unter zahlreichen Ehrengästen fast sämtliche Militärattaches der ausländischen Mächte und Staatssekretär Milch in Vertretung des Reichsministers der Luftfahrt Generaloberst Göring. Dr. Lippert erwähnte in feiner Eröffnungsansprache, daß Berlin es seit jeher als seine Ehrenpflicht angesehen habe, die Luftfahrt nach besten Kräften zu fördern. Die apparat übertrifff um das Zehnfache ihren Anteil an der Bevölkerung. Medizin, Justiz, Theater, Film, Radio, Presse und Wissenschaft ist in jü. discher Hand. In Verwaltungs- und Wirtschaftsbehörden, Fabrik- und Grubendirektionen, im Post- und Eisenbahnwesen, in den Buchhaltungen der Trusts, wie in den Bauhmtern der Städte sind die Juden das vorherrschende Element geworden. Sie sind Moskaus sicherste Stütze. Die Okkupation der Ukraine durch das Judentum ist so offenkundig, daß vielleicht selbst dem vielgeprüften ukrainischen Volk die Augen darüber einmal aufgehen können. Einstweilen aber ist die „ukrainische Ukraine" tot. Gestorben mit den verhungerten Millionen, erdrückt vom Machtwillen des Moskauer Zentralismus. Eine „ukrainische Autonomie" gibt es nach dem beschränkten, kulturpolitischen Sinne nicht mehr. Berlin, 20. Juni. (DNB.) Der Führer Reichskanzler hat aus Anlaß des 20. Gedenktages der Skaqerrakschlacht dem Vizeadmiral a. D. Staatsrat von Trotha (ein Bild mit folgendem persönlichen Handschreiben gewidmet: Sehr geehrter Herr Admiral! Am 20. Jahrestag der Skagerrakschlacht ist es mir eine Freude, Ihnen mein Bild zu überreichen als Zeichen des Dankes dafür, daß Sie, der erste Berater des Admirals Scheer, nach dem Kriege mit größter Hingabe in der Stellung als Chef der Admiralität, insbesondere durch die Gründung des Offizierskorps der Reichsmarine, wesentlich dazu beigetragen haben, die feste Grundlage zu schaffen auf beiJ)ie Kriegsmarine nunmehr erfolgreich aufgebaut werben tann. Mein Dank gilt Ihnen auchdafür, daß Sie als Führer des Reichsbundes deutscher See geltung unermüdlich daran arbeiten, die Bedeu- tung deutscher Seegeltung dem deutschen. Volke näher zu bringen. Gez. Adolf Hitler. Aus^dem gleichen Anlaß hat der Fichrer und Reichskanzler auch dem Admiral a. D. , eh fein Wmit einem Schreiben übermitteln las n, in dem er zum Ausdruck bringt, daß Ad mir Dehncke, einer der Führer in der Schlacht, nach melaufschlage und Mützenband in brauner Farbe ausgeführt. Die Vorstöße, Kragenspiegel und Aermelabzeichen sind für die Schutzpo - liflei grün, für die Gemeindepolizei rot pnd für die Gendarmerie orange gehalten. Auf dem linken Aermel wird unter der Namensbezeichnung der Polizeiverwaltung das Hoheitszeichen getragen. Die Hofenf arbe ist bei der Schutzpolizei und der Gemeindepolizei schwarz, während sie bei der Gendarmerie braun gehalten ist. Der Tschako erhält in seinem mittleren Teil einen Ueberzug in der Farbe des Grundtuches, und an die Stelle des früheren Polizeisternes tritt das R e i ch s Hoheitsabzeichen im Eichenkranz. DieWafserfchutzpollzei erhält eine Jackett- uniform nach dem Schnitt der Reichskriegsmarine aus marineblauem Tuch mit dem Abzeichen der Polizei. Die Gendarmeriebereitschaften (motorisierte Straßenpolizei) tragen die olivgrüne Uniform des früheren Feldjägerkorps mit den 2lb- zeichcn der Polizei weiter. Die Verkehrsbeamten der Polizei versehen ihren Dienst in weißer Mütze; hierzu wird im Sommer zum Braunhemd mit schwarzem Binder ein weißer Rock und im Winter ein weißer Mantel getragen. Außerdem sind auch für heiße Sommertage allgemein für den Sttaßendienst weiße Röcke in Aussicht genommen. Die Einheitsuniform der Polizei bringt durch bte Vereinfachung der Beschaffung erhebliche Erpar- niffe für Länder und Gemeinden mit sich und bedeutet auch für die Polizeibeamten selbst in mancher Hinsicht eine Erleichterung. So wird die Einheit des Dritten Reiches auf dem Gebiete der Volkspoli- Versammlungsverbot m Danzig. Danzig, 20. Juni. (DNB.) Der Danziger Se- natspräfident Greifer erklärte bei einer Sonnenwendfeier der Danziger Hitler-Jugend: In ihrer direkten und freimütigen Zusammenarbeit mit den Instanzen des Völkerbundes sei es der Re- sierung gelungen, eine ruhige Atmosphäre zu d)affen und die mühevollen, vom Geist gegenseitiger Achtung und gegenseitigen Verständnisses getragenen Verhandlungen mit Polen ließen absolut günstige Schlüsse für eine weitere, wenn auch langsame, so doch stetige Entwicklung in Danzig zu. Präsident Greiser erinnerte, daß die zersetzenden Kräfte, die in ihrem Haß Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! i Mos kau, Ende Mai 1936. । Wanderndes Rnßlanv. Jassinowataja ist ein bedeutender Eisenbahnknotenpunkt der Südostukraine. Hier treffen die großen Linien Moskau — Charkow — Rostow am Don—Kiew und Millerowo—Stalino, Mariupol zusammen. Vorbei an dem großen Stationsgebäude, das noch aus dem vorigen Jahrhundert stammen dürfte, rollen die endlosen Güterzüge, die die Donez- kohle nach Westen und Norden und das Erz der Sudukraine in die metallurgischen Werke des Donez- bcckens bringen. Der Bahnhof gleicht einem Heerlager. Die eine Hälfte des Gebäudes mit dem Wartesaal I (für Reisende mit Aktentasche und in Uniform) ist wegen Reparatur geschlossen. Der Wartesaal II (für Reisende ohne Aktentasche und ohne Uniform) ist zum Bersten voll. Jeder Stuhl ist besetzt, auf den langen Bänken an der Wand hocken dösende Männer, Frauen mit Brustkindern auf dem Arm, schnarchende Funktionäre, schwatzende Soldaten. Langsam latschen die Kellnerinnen in schwarzgrauen, ehemals weißen Schürzen umher, die hungrigen Reisenden mit Tee in schmutzstarrenden Gläsern, übelriechender Kohlsuppe und Brot versorgend. Hier findet sich nur eine „Elite" der Reifenden ein, nämlich solche, die entweder schon Fahrkarte und Platzkarte oder wenigstens die sichere Anwartschaft darauf besitzen. Der eine Teil der reisenden „Unterwelt" haust auf dem Bahnsteig. Immer wieder von den Patrouillen der Bahnhofs-GPU. aufgescheucht, verdrücken sich die verdreckten, zerlumpten Muschiks dann für ein paar Minuten, um sich sofort wieder häuslich mit ihren Säcken und Beuteln, die ihre ganze Habe darstellen, niederzulassen, sobald die Kontrolle vorüber ist. Vor dem Bahnhof ist ein kleines Heerlager der Neuangekommenen entstanden. Sie haben noch eine lange, mehrtägige Wartezeit vor sich und richten sich dementsprechend ein. Die meisten führen einen ExtrasackmitBrotmit sich, ihre einzige Nahrung, wozu sie ab und zu vor einem großen Kessel nach heißem Wasser anstehen. Die Fahrtartenausgabe ist in einem Schuppen untergebracht. Sie wird von Hunderten von Menschen buchstäblich belagert. Diese zerlumpten, armen Menschen sind in der überwiegenden Mehrzahl Kolchosbauern und Angehörige von solchen, die hier, wie an unzähligen Bahnhöfen der Sowjetunion die Fahrkartenschalter belagern. Bauern, die zum allergrößten Teil dem Kolchos entrinnen wollen, Bauernfrauen und -kinder, die ihrem Vater nachreisen, der irgendwo in einer Fabrik ober Grube Arbeit gefunden hat. Ab und zu öffnet sich das Schiebefensterchen des Schalters, dann gerät die wartende Menge in Bewegung. Die struppige Genossin am Schalter wird bestürmt, gebeten, gebettelt. Wie wunderbar dieses Volk bitten kann! „Seelchen, du liebes, gib ein Billetchen bis Gorlowka!" „Meine Taube, meine liebe Bürgerin, Genossin, ein Billetchen nach Rostow gib mir und den Kindern!" „Siehst du, Geld habe ich, ach, gib's für's gute Geld!" Aber nur ganz, ganz selten gibt man das „Billetchen". Denn nur die wenigsten haben ein „Papierchen", das etwas wert ist. Bei anderen reichen die schmutzigen Geldscheine nicht aus. Und Plätze gibt es wenig in den Zügen, die meisten sind für die Reifenden mit „Kommandirowka" („Abkommandierte") freigehal- ten. Morgen, übermorgen, kann es vielleicht so weit ' sein, denken dann die bärtigen Bauern und die zer- 1 lumpten Frauen und kauern sich wieder auf die „Das wahre Frankreich." Demonstrationen der Rechtsverbände. Paris, 21. Juni. (DNB.) Die Rechtszeitungen schließen sich in großen Aufrufen dem von dem Führer der Feuerkreuzler Oberst de la Rocque ergangenen Aufruf zum Flaggen mit der Trikolore an. Im „Ami du peuple" erlaßt der Führer der früheren vaterländischen Jugend, Taittinger, ebenfalls einen Aufruf zur Beflaggung mit der Trikolore. Sie müsse bis ins kleinste Dorf durchgeführt werden als ruhige und würdige Antwort des wahren Frankreichs gegnüber den unerträglichen Auswüchsen der Revolution und gegenüber den Versuchen der Diktatur einer Minderheit. Seit einigen Tagen veranstalten auf Veranlassung einer Zeitung mehrere Militärkapellen in Paris Konzerte. Als am Sonntag eine dieser Kapellen über den Concordia- Platz zog, riefen Tausende von Zuschauern: „Frankreich den Franzosen!" und sangen die Marseillaise. Auch auf dem Platz vor dem In- validendom hörte man den Ruf: „Nieder mit den Sowjets!" 200 rechtsstehende Kundgeber riefen: „Frankreich den Franzosen, nieder mit den Juden!" Hier wurden vier Personen festgenommen, darunter einer, der ausgerufen hatte: „Nieder mit Blum, hoch lebe der K ö» ni g!" Nachmittags befanden sich auf dem Platz vor dem Jnvalidendom über 2000 Personen. Als etwa 700 in den Ruf ausbrachen: „Hoch lebe Oberst de la Rocque!" griff die Polizei energisch ein und nahm 15 Personen fest. Das Innenministerium hat am Sonntagabend eine Aufstellung über die Befolgung des Flaggenaufrufes des Obersten de la Rocque herausgegeben. Danach ist in 11 von 20 Pariser Arrondissements an kaum 20 v. H. der Häuser die Trikolore sichtbar gewesen, in den übrigen 9, in erster Linie von Arbeitern bewohnten Wohnvierteln sei dem Trikolorenaufruf überhaupt nicht Folge geleistet worden. In drei Departements ist zum Teil geflaggt worden, in drei Departements wurde erheblich geflaggt, dagegen ist in den meisten Departements überhaupt nicht geflaggt worden. Marschall petain über den Ausgleich mit Deutschland. falten Steinfliesen. . , . Seit 18 Jahren fluten so die Menschen durch den unendlichen russischen Raum. Millionen werden von der GPU. verschleppt, nach dem arktischen Norden,, nach den Bergwerken Kasakstans, nach den Goldfeldern und Gruben Sibiriens. Hunderttausende von Beamten des Partei- und Staatsapparates werden von einem Ende dieses Reiches in das andere geworfen. Nach ungefährer Schätzung sind 14 bis löMillionen Bauern in d l e I n d u ft r i e - untren abgewandert. Steppennomaden der sibirischen Einöden hauen die Kohle un neuen Industriegebiet Sibiriens, dem Kusnetzer Gebiet, Tataren aus der Krim und von der Wolga arbeiten im Donezqebiet, deutsche Wolgabauern sind zu Tausenden nach Kasakstan verschleppt, Ukrainer nach dem Fernen Osten, sibirische „Kulaken und ehemals „freie Kosaken" bauen die Kanäle der GPU. ... Und noch immer ist Rußland das Land des unsteten, unfreiwilligen Wanderns. Ukrainische Ukraine? Kiew die neue Hauptstadt der Ukrainischen Räterepublik, ist die letzte Station meiner Reise durch die Ukraine. Ich habe in vierzehn Tagen fast dreitausend Kilometer zurückgelegt ich bin verfloht und verwanzt seit Charkow habe ich nicht mebr gebadet, in den Hotels", in denen ich Unterkunft suchte, war nie eine Waschschüssel zu haben, und da wo es fließendes Waller auf der Toilette ab, wurde der Behälter sicherlich als Pissoir benutzt. Ich habe tagelang oft nur ®rot gegeffen meil bie Kohlsuppe ober bcs sähe übelriechende Fleisch mir widerstand. 3 Um fo grützer ist mein Erstaunen über Siem. fRein diese herrliche Stabt auf ben 5)ugetn des rechten Dnseprufers, mit ihren prächtigen Gebauben unb Palästen, meist zu Ende, des vor gen Jahr hunderts errichtet, ihren fchonen Anl°g n unb Parks erinnert kaum mehr an bte ärmlichen, haß lichen Städte Nordrußlands. Kiew, an der Schwelle Europas, des wirklichen Europas, gelegen ist schon eine europäische Kulturstadt. Sie drei- gegen das Dritte Reich kein ruhiges Danzig gebrauchen könnten, nach ihren Mißerfolgen bei den internationalen Instanzen versucht hätten, Unruhen hervorzurufen. Man habe sich bekannte kommunistische Messerstecher engagiert und anständige und ruhig arbeitende Nationalsozialisten überfallen. Wenn dann Nationalsozialisten sich zur Wehr gesetzt hätten, so habe man sich über einen Terror der Nationalsozialisten beschwert. Verwunderlich sei es nur, daß man von nationalsozialistischem Terror spreche, die Nationalsozialisten dabei aber drei Tote und einige Schwerverletzte zu beklagen haben. Zur Vermeidung weiterer Zwischenfälle forderte Präsident Greiser die Danziger Nationalsozialisten auf, beim Marsch durch die Stadt auf den Gruß der Fahne zu verzichten, wenn er nicht freiwillig gewährt werde. Im Interesse einer ruhigen Entwicklung der Wirtschaft und des Fremdenverkehrs fei der Polizeipräsident angewiesen, ein politisches Versamm- lungs - und Demonstrationsverbot auszusprechen. Eingeschlossen in das Verbot seien auch die Mitgliederversammlung der Oppositionsparteien, zu denen großzügig Karten an alle möglichen verbrecherischen Elemente ausgegeben worden seien. Iß ar i 5, 21. Juni. (DNB.) Auf der 20-Jahrfeier des Kampfes um Verdun hielt Marschall P 6 t a i n in Verdun eine Rede. Er ging von den Versprechungen aus, die der Versailler Vertrau den Franzosen gemacht habe und von denen bald nur noch Schatten geblieben seien. Volker, die durch den Sieg der französischen Waffen im Welt- krieg befreit worden seien, stellten sich auf andere Gesichtspunkte ein als auf die französischen. Das beweise, daß die Völker nur auf s i ch selbst zählen könnten. Deutschland habe nicht nur seine militärische Macht wiederhergestellt, sondern die Rheinland-Neutralisierungsklausel des Versailler Vertrages verleugnet und damit die letzte französische Sicherheitsbürgschaft befei- tigt. Ein außenpolitisches Problem beherrsche alle anderen, das der Beziehungen Frankreichs zu seinem Nachbarn im Osten. Gegenüber diesem Nachbarn sei die Kriegserinnerung noch zu frisch, als daß sie einer vorbehaltlosen Annäherung Platz machen könnte, und doch erkenne man nicht, weshalb zwei Völker mit großer Kultur nicht den Weg einer Verständigung entdeckten, ohne deshalb irgendwie ihre nationalen Ueberlieferungen zu ver- fälschen. Könnte man die Hände nicht sogar über eine zugeriegelte Tür hinweg einander entgegen» strecken? Gleichviel, welche Politik die Umstände erfordern, Frankreich habe die Pflicht, seine milita- rischen, maritimen und Suftftreittrafte auf das Höchstmaß zu bringen, denn die Macht sichere Unabhängigkeit, ziehe Bündnisse nach sich und halte Freundschaften aufrecht. zei, die ihre nationalsozialiftscke innere Form im Anschluß an die Machtübernahme bereits erhalten hat, auch äußerlich in Erscheinung treten. Führerschulung der NSDAP. Dr. Leh kündigt die Errichtung neuer Schulungsburgen an. W a l b b r ü l, 21. Juni. (DNB.) Reichsorganisationsleiter Dr. Ley nahm hier an der Feier des 75jährigen Bestehens der Hollenberg-Schule, die Dr. Ley einst besucht hat, teil. Er kündigte an, daß in Waldbrül demnächst mit dem Bau einer Kreisschulungsburg der NSDAP, begonnen werde. Neben dieser Kreisburg solle die Ortsgruppe Marienberghausen in seiner oberbayerischen Heimat eine O r t s b u r g der NSDAP., die erste im Reich, als Musterburg erhalten. In der Kreisschulungsburg soll die Hollenberg-Schule weitergeführt werden. Die Kreisschulungsburg werde der Führung des Kreisleiters unterstehen. Der junge Mensch komme zunächst drei Jahre in die Volksschule. Hier suche sich der Ortsgruppenleiter die rassisch und körperlich wertvollen Jungen aus, die dann Aufnahme auf der Ortsburg fänden, wo sie zu Kameradschaft und soldatischem Wesen erzogen würden Don der Ortsburg erfolge die Einweisung der Schüler für einige Jahre zur Kreisburg und dann zur G a u b u r g. Den Abschluß dieses Ausbildungsganges bilde eine Reifeprüfung. Danach hätten die jungen Menschen, von denen jeder einen Beruf erlernen müsse, sieben Jahre ins harte Leben einzutreten und ihrer Pflicht im A r b e i t s d i e n st, im Heer und in der Partei zu genügen. Die Orts-, Kreis- und Gauburgen feien das Reservoir für d i e Ordensburgen. Dr. Ley kündigte weiter an, daß zu den bereits bestehenden Ordensburgen in Cröfsinfee, Vogelfang und Sonthofen noch zwei weitere, und zwar in Marienburg und im Frankenland, kämen. Die Richter tragen das Hoheitszeichen. Berlin, 26. Juni (DNB.) Der Führer und Reichskanzler hat auf Vorschlag des Reichs- minifters der Justiz Dr. Gärtner durch Erlaß vom 13. Juni 1936 den Richtern, S t a a t s a n - wälten und sonstigen zum Tragen einer Amtstracht verpflichteten Beamten der Reichsju ft iz Verwaltung das Hoheitszeichen verliehen, das auf der rechten Brust feite der Robe anzubringen ist. In dem Erlaß wird ferner bestimmt, daß die Amtstracht des Volksgerichtshofes der des Reichsgerichtes entspricht. Die Richter des Volksgerichtshofes tragen daher eine rote Robe; der Präsident trägt eine Amtskette in Gold, die das Hoheitszeichen trägt. Zugleich hat der Führer und Reichskanzler den Reichsminister der Justiz Dr. Gärtner ermächtigt, die Amtstracht der Beamten der Justizverwaltung und der Rechtsanwälte für das ganze Reich zu vereinheitlichen. Flaggenhisiung durch Privatpersonen. Berlin, 20. Juni. (DNB.) Nachdem durch die Bestimmung der Hakenkreuzflagge zur alleinigen Reichs- und Nationalflagge die Einheit und Geschlossenheit des deutschen Volkes ihren sinnfälligen Ausdruck gefunden hat, muß erwartet werden, daß auch von Privatpersonen bei feierlichen Anlässen ausschließlich die Hakenkreuzflagge gezeigt wird. Es widerspricht daher dem Geiste des Reichsflaggengesetzes und dem Wesen der Volksgemeinschaft, wenn von ihnen neben ober a h Stelle der Hakenkreuzflagge andere F l a g g e n z. B. die bisherigen Landesflaggen oder Kirchenfahnen gehißt werden. Unzulässig ist auch das Setzen und öffentliche Zeigen der alten Kaiserlichen Kriegsflagge und der schwarz-weißroten Kriegsflagge mit dem Eisernen Kreuz durch ten Straßenzüge, ine saubere, wenn auch ärmlich gekleidete Bevölkerung, der dunklere, schönere Menschenschlag, alles schafft eine andere Atmosphäre. Ich weile Stunden in der einzigartigen Sophienkathedrale, einem der schönsten Denkmäler byzanttnischer Baukunst, mit Mosaiken, die zu den größten Kunstwerken der Welt zählen, ich erlebe Jahrhunderte ukrainischer Geschichte nach der Besichtigung des berühmten Höhlenklosters, der „Lawra , das die bolschewistische Regie vergeblich versucht, in ein anttreligiöses Museum zu verwandeln. Auf der Höhe des Wladimirhügels stehend, lasse ich den Blick über den majestätisch hinfließen- den Dnjepr, den Lieblingsstrvm der altrussischen Dichtung und Volksmusik, schweifen. Es war natürlich, daß auch das Ukrainerin m in den Stürmen der Revolution von 1917 sich seiner nationalen Eigenart wieder stärker bewußt wurde. In den Formen der Leninschen Nationalitätenpolitik wurde auch die Ukraine nach langen, erbitterten Kämpfen ein „selbständiger" Bestandteil des Rätebundes, sie wurde zur „Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik". Die Sowjetukraine hat, vor allem dank der führenden Stellung des Freundes Lenins, des ukrainischen Volkskommissars für Volksbildung, Skripnik, bis zum Jahre 1932, also während der ersten zwölf Jahre ihres Bestehens, tatsächlich eine weitgehende kulturelle Autonomie besessen. Es war die Zeit, wo die alte Garde der ukrainischen Bolschewiki im Lande herrscht, zweifellos Vollkommunisten, aber eben Kommunisten eines besonderen, ukrainischen Typs, die mit den nationalen Bestrebungen der kleinen Intelligenz im Lande Fühlung hielten, da sie sowohl wie die nichtkommunisttschen ukrainischen Patrioten in der neuen föderativen Konstruktton des Sowjetstaates einen bedeutenden Fort- chritt gegenüber dem alten zaristischen Zentralismus sahen. Es hatte sich eine Art Dualismus zwischen nattonalukrainischen Bestrebungen und anatio- naler kommunistischer Ideologie herausgebildet, der bei dem ersten ernsten Konflikt mit Moskau, wo man die Entwicklung zur ukrainischen Eigenart, Sprache und Kultur mit größtem Mißtrauen beobachtete, zum Bruch führen mußte. Kandidat Roosevelt. Don unserem K.G.S.-Äenchterstatter. (Stabt werbe alle Kräfte daransetzen, die «Sammlung stets auf der Höhe zu halten. Ein Rundgang beschloß die Eröffnungsfeier. Auf dem Freiplatz stehen drei der ersten neuzeitlichen Verkehrsflug- tytuge, ein Dornier-„Komet", ein Dornier-„Merkur" und ein Junkers G 24. In einer Halle beherrscht das Riefenboot Do X das ganze Blickfeld. Die Geschichte der deutschen Fliegerei zeigen die Originalflugzeuge von Lilienthal, Jatho, Wright und Hans Grade. In einem anderen Raum stehen das Originaljagdflugzeug Manfred o. Richt- Hofens und zahlreiche andere Kriegsflugzeuge. Schweres INolorradunglück in Stuttgart. Am Sonntagabend ereignete sich auf der Solitude- Rennstrecke in «Stuttgart ein schwerer Unglücks- falt, dem drei Tote und zwei Schwerverletzte zum Opfer fielen. Beim Ueberholen eines Lieferwagens fuhr ein mit zwei Personen besetztes Motorrad auf ein entgegenkommendes Motorrad mit Beiwagen auf, die beide in über- mäßigem Tempo fuhren. Die Fahrzeuge stießen mit solcher Gewalt zusammen, daß Fahrer und Beifahrer der Maschinen zu einem unlösbaren Knäuel zusammengedrückt wurden. Ein im Beiwagen der einen Maschine sitzender Mann wurde sofort getötet, während der Lenker der Solomaschine und ein zweiter Mann von der Beiwagenmaschine gleich nach ihrer Einlieferung im Krankenhaus gestorben sind. Zwei weitere Personen mußten schwerverletzt ins Krankenhaus gebracht werden. Französischer Autobus vom Zuge überrannt. — Acht Tote, zwölf Schwerverletzte. In der Nacht zum Montag ereignete sich auf der Bahnstrecke Paris—Cherbourg in der Nähe des Ortes Boucheville ein schweres Unglück, bei dem acht Personen den Tod fanden. Ein Autobus mit Sonntagsaueflüglern wurde auf einer Ueberfüh- rurtg von einem Zug erfaßt, wobei der vordere Teil des Wagens in Trümmer ging. Von den 28 Fahrgästen fanden acht den Tod. 12 andere erlitten schwere Verletzungen. Zwölf Tote bei einem Grubenunglück in Spanien. In Villanueva de las Minas bei Sevilla ereignete sich in einem Grubenschacht eine Sch lag - wetterkotastrophe. Bei den sofort aufgenommenen Rettungsarbeiten wurden die Leichen von zwölf Bergleuten geborgen. Schwere Gewitter in Bulgarien. — 52 Menschen vom Blitz erschlagen. Der plötzliche Hitzeeinbruch in Bulgarien hatte in den letzten drei Tagen zahlreiche schwere Gewitter zur Folge, die in ganz Bulgarien viele Menschenleben forderten. Bisher wurden 52 durch Blitzschlag getötete Personen gemeldet. An zwei Tagen sind 37 Personen umgekommen. Die Zahl der Opfer dürfte sich noch erhöhen, da aus den verkehrsentlegenen Gebirgsorten noch keine Nachrichten vorliegen. Dreister Raubüberfall in Paris. Einen Raubüberfall auf zwei Beamte der Stadtkaffe von St. Quen (Paris), die 120 000 Franken Arbeitslofenunterftützungsgelder in Säcken und Koffern in das Unterftützungsbüro im Rathaus trugen, verübten zwei Unbekannte. Die Angreifer schlugen die beiden Beamten nieder, entrissen ihnen die Geldsäcke und entkamen in einem Auto, das sie einige Zeit später in einer Straße in Paris stehen ließen. Von den Tätern fehlt jede Spur. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Washington, Juni. 1936. Franklin D. Roosevelt arbeitet im Weißen Haus an den großen Aufgaben, die den Bestand der Nation und der von ihm geführten Partei sichern sollen. Daß seine Arbeit nickt leicht ist und ihm zudem durch reaktionäres Kleben gewisser Richter am Buchstaben der Verfassung sowie durch groteskes Jonglieren seiner Gegner mit den zeit- gebundenen nationalökonomischen Tatsachen sehr erschwert wird, ist wohl allgemein bekannt. Roosevelt hat in den drei Jahren unter dem hier herrschenden parlamentarischen System und unter der Herrschaft eines unabsetzbaren Obersten Bundes- gerichts so viele Verzögerungen und Entstellungen seiner Reformpläne, so viele Fußtritte gegen sein Regierungsprogramm über sich ergehen lassen müssen, daß man zuweilen sich fragt, wie er diese Schläge noch aushält. Sieht man sein freundlich lächelndes Gesicht, so ist feine Energie offenbar ungebrochen. Immerhin zeigen die tiefen Furchen auf feiner Stirn die Einwirkungen des politischen Kampfes, der kaum in einem Land der Welt so aufreibend und so undankbar ist wie in den Vereinigten Staaten. Und er hat im Lause der letzten Monate manche der ihm liebgewordenen Gewohnheiten aufgegeben; er plaudert nicht mehr zwanglos mit Journalisten oder Politikern. Er hat nicht mehr das „Lever" morgens in feinem Schlafzimmer, wo feine „amtliche Familie" sich um fein Bett zu intimer Rücksprache zu versammeln pflegte. Er bleibt mehr allein, als es je feine Art war. Roosevelt läßt sich morgens um 8 Uhr wecken und frühstückt in seinem Schlafzimmer, worauf er die Morgenzeitungen liest. Gegen 9.30 Uhr kommen seine Sekretäre, mit denen er die wichtigsten und dringlichsten Dinge durchspricht, darunter d i e Li st e der Besucher, die stets sehr lang ist und oft zusammengestrichen werden muß. Vor 11 Uhr gelangt er selten an seinen Schreibtisch in der an das Weiße Haus anschließenden Reichskanzlei, außer Freitags, wenn er um 10.30 Uhr d i e Presse empfängt. Bald nach 11 Uhr beginnt der «Strom der Besucher. Um 13 Uhr frühstückt er mit Mrs. Roosevelt an feinem Schreibtisch, über den dann ein Tischtuch gebreitet wird. Täglich hat er ein oder zwei Gäste; mehr läßt der rechteckige Schreibtisch nicht zu. Keine Ruhepause nach dem einfachen Mittagessen (das stets alkoholfrei ist; abends wird nur Bier und vielleicht Sherry serviert; nie gibt es schwere Spirituosen im Weißen Haus), sondern weitere Unterredungen bis in den späten Nachmittag; dazwischen kurze Zettel an diesen oder jene» Minister oder Bürochef mit Weisungen oder Anfragen. Um 18 Uhr geht's in das Schwimmbassin, das ihm amerikanische Schulkinder gestiftet haben, und um 19.45 Uhr wird zu Abend gegessen. Nach dem Abendbrot, sofern keine Gäste zugegen sind oder feierliche Bankette ihn in Anspruch nehmen, beginnt die schwere Arbeit der Aufarbeitung von Aktten, Studium von Berichten. Diktate von Briefen. Samstagnachmittags und Sonntags versucht er stets auf das von ihm heiß geliebte Wasser zu entfliehen, hinunter den Potomac-Fluß zum Meer aus einem kleinen Regierungsdampfer, umgeben von Stößen amtlicher Berichte und Entwürfe, die er mit seinen Prioatsekretären das ganze Wochenende durch bearbeitet. Manchmal gönnt er sich am Samstagabend die Lektüre der B r i e f m a r k e n-Zeitschrift, denn er ist eifriger und begeisterter Sammler und stellt seine Kollektion bei den Jckhres- tagunqen der Philatelisten regelmäßig aus. Er hebt Wagners Musik und hörte sich kürzlich an einem Samstagnachmittag über sein Radio „Götterdämmerung" aus der Metropolitan Oper an. Dann mußte er zu einer Besichtigung der Feldartillerie-Reitschule fahren. Als er zuruckkam, ging er sofort ans Radio, hörte zu feiner Freude, daß die Oper noch im Gange war und blieb bis zum Ende ein andächtiger Zuhörer. Seine Geburtstage verbringt er stets im engsten Kreise der alten Mitkämpfer, die nach seiner ersten schweren politischen Niederlage 1920 zu ihm hielten und die ihn auch bei seiner tragischen Erkrankung an spinaler Kinderlähmung nicht verließen. Loyalität gegenüber alten Parteigenossen und Freunden ist eine feiner heroorstehenden Eigenschaften. Er mag ihr Auftreten, ihre Betätigung mißbilligen; aber er stößt sie nicht von sich, selbst wenn sie seiner eigenen Laufbahn abträglich sind oder seinen Maßnahmen zuwiderhandeln. Mrs. Roosevelt stellte einmal fest, daß ihr Gatte offenbar nicht an Illoyalität glaube, sondern die ihn schmerzenden oder schädigenden Handlungen alter Freunde mit deren Dummheit entschuldige. General Johnson, Professor Moley und viele andere sind Beispiele für das lange Zögern Roosevelts, sich von alten Freunden zu trennen, selbst wenn sein eigenes Ansehen unter der Fortsetzung dieser Freundschaft leidet. Im Falle Peek, der lange Zeit die Handelspolitik des Außenministers Hüll scharf kritisierte, entschloß sich Roosevelt erst nach wiederholten Warnungen, ihm den Laufpaß zu geben. In seinem politischen Feldzug hat Roosevelt, einer aus Holland eingewanderten, aber feit Generationen in Amerika ansässigen typisch nordamerika- nischen Familie entstammend, teils aus der Atmosphäre seiner Kindheit, teils aus bitteren Erfahrungen im parteilichen Kampf die Lehre gezogen, daß man zwischen Idealen und der rauhen Wirklichkeit einen Kompromiß schließen müsse. Ueberzeugt sozial versucht er, die amerikanische Gemeinschaft allmählich aus den individualistischen, konservativen Anschauungen zu moderner Erfassung volksgenvssi- scher Schicksalsoerbundenheit überzuleiten. Sein Kompromiß besteht in dem Tempo dieser Ueber- leitung, nicht in irgendwelchem Paktieren mit veralteten Ideen privater Vorherrschaft vor Erfordernissen des Gemeinwohls. «Seine großen Reformwerke Nira, die Sozialversicherung, die Erhebung der Arbeiter zu gleichberechtigten Verhandlungsgegnern mit den Arbeitgebern, die zwangsweise Abfindung widerspenstiger Gläubiger, Herabsetzung des Zinsfußes bei Hypotheken und Kommunal- anlerhen, Regelung der landwirtschaftlichen Erzeugung und Preisgestaltung, gleiche Maßnahmen für die arg verfahrene Kohlenindustne, fein schwerer Schlag gegen die Kriegsgewinnler in dem Neutrali» tätsgesetz, feine Maßnahmen im Falle lockender Geschäfte mit Italien während des abessinischen Feldzuges u. a. mehr zeigen dies ganz deutlich. Seine Vorliebe für die amerikanische Jugend und feine Sorge um ihr Wohlergehen zeigen ferner den neuen Geist, mit ihm in das Weiße Haus gezogen ist. Er kämpft, ganz allein, einen schweren Kampf um ein neues, besseres Amerika, und manchmal ist er sehr einsam und recht niedergeschlagen. Roosevelts Gegner stehen, wie aus Vorhergehendem ersichtlich, nicht auf der linken Seite. Große Massen der Arbeiter treten geschlossen für feine Wiederwahl ein. Es gibt sogenannte Sozialisten und auch eine kommunistische Partei, aber beide haben keine Bedeutung für die Wahlen zum Parlament oder zum Weißen Haus. Roosevelt wird von seinen Gegnern, darunter von feinem früheren Mitkämpfer „Al" Smith, als Sozialist ober gar als Kommunist bezeichnet. Smith hat sich mit dieser Beschimpfung unsterblich blamiert. Was Roosevelt will, würde Karl Marx in seinem Grabe rotieren lassen; Roosevelt denkt weder an Nationalisierung der Erzeugung noch an Beseitigung des Unternehmertums. Er lehnt es ab, von Menschen als wirtschaftlichen oder sozialen „Einheiten" zu reden. Für ihn sind alle Amerikaner Perjonen und Menschen, nicht Individuen, mit denen der Staat Versuche anstellen darf. Das hat er kürzlich erst wieder in einer Ansprache an den Kongreß für Sozialwohlfahrt deutlich ausgesprochen. Wetterbericht des Relchsweiterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. Begünstigt durch das Eindringen kühlerer Luft- massen kam es am «Sonntag bereits zum Auftreten vereinzelter Wärmegewitter. Inzwischen ist auch am Boden kühlere Meeresluft nach Deutschland eingedrungen und hat heute früh unter teilweise gewittrigen Niederschlägen die Rheinlinie überschritten. Anschließend setzt sich rasch wieder Besserung durch, doch noch Neigung zu gewittrigen Störungen. Aussichten für Dienstag: Vielfach heiter, doch Auftreten einzelner, meist gewittriger Schauer, Mittagstemperatur bei 25 Grad, ziemlich schwül, vorwiegend süd- bis südwestliche Winde. Aussichten für Mittwoch: Fortdauer der teilweise heiteren und ziemlich schwülen Witterung mit Neigung zu gewittrigen «Störungen. Lufttemperaturen am 21. Juni: mittags 30,3 Grad Celsius, abends 21,4 Grad; am 22. Juni: morgens 18,9 Grad. Maximum 30,5 Grad, Minimum heute nacht 14,2 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 21. Juni: abends 27,8 Grad; am 22. Juni: morgens 22,1 Grad. — Sonnenfcheindauer 14,2 Stunden. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil t. D.: H. L. Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlick für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. V. 36: 9760. Druck und Verlag: Brühl'fche Universitäts-Buch-und Steindruckerei R.Lange,K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. Die trauernden Hinterbliebenen Gießen, Neuyork, den 22. Juni 1936. es 1010D 10140 Heuchelheim Storndorf, den 22. uni 1936. 4003 d 02875 | Einspaltige Kleinanzeigen Grundpreis von 5 Pf. für die Millimeterzeile veröffentlicht! in bester Qualität Die Beerdigun, findet Dienstag, den 23. Juni, nachmittags 4 Uhr vom Sterbehause, Kirchstraße 3. aus statt Die Beerdigung findet am Dienstag, dem 23. Juni, nachmittags 3 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt dem Buche, und wer versteht, mit emp» Rosel Zimmer, geb Benner Heinz Zimmer Gießen, Kreuzplatz 1, den 20. Juni 1936 länglichen Sinnen die biidgeword. Naturschönheiten in sich aufzunehmen, dem fingen u. klingen die Tafeln tausend (Erinnerungen wach an einstmals leibhaft Erschauter." Reclams Universum Verlangen Sie kostenlos unsere bebilderten Werbeblätter Zu beziehen durch jede Buchhandlung! Hugo Bermühler Verlag Berlin-Lichterfelde llllllllllllllllllllllllllllll Klein Anzeigen richten sich an die Bevölkerung der engeren Heimat! Damm: Kleinanzeigen in die Heimatzeitung, den BieÄenerAnxeiger Nach schwerer Krankheit nahm uns der Tod meinen herzensguten Mann, meinen lieben Vater Heinrich Zimmer im Alter von 43 Jahren jliin Jede Mutter, der eine gesunde, naturgemäße Ernährung ihres Kindes am Herzen liegt, kauft schnell, ehe er vergriffen, den kleinen .neuform-Klndergarten* 00 Selten stark für nur 10 Pfg, Bitte fragen Sie auch nach dem lehrreichen, schönbebllderten Sonderheft .Blutter und Kind* Kräuterhaus Jung Fachgeschäft für Gesundkost in der Mäusburg. 4005D Richtige, naturoemaoe KinderernahrunQ! Aber wie., sagt Ihnen das wertvolle Rezeptbüchlein,der kleine ] werden zum ermäßigten Optiker Magnus Seltersweg 33 3124a \ bringt alle _ '^W^rschönlten I VrR O"< llllllllllllllllllllllllllllll Für bett Naturfreund ! MM Die Lebensgemeinschaft des deutschen Waldes in Bildern 150 Naturaufnahmen aus dem Tier- und Pflanzenleben des heimatlichen Waldes auf 128 Kupfertiefdruck« tafeln, mit lebendigem und auffchlubreichem Einführungstext von K Gerhard u.G.Wolff. Preis RM. 4,80. „Es lebt und webt bt Kerientage auf-Sylt Don Margarete Bote. Mit 20 Abbildungen nach geich. nungen von Helene Barges. a w ° Cin frohe» Ferienbüchlein für alle, die auf der wunder- reichen Insel Sylt Erholung und Freude suchen. Die be- kannte Heimatschriftstellerin erzählt im Plauderwn für jung und alt von Dünen und Strand,Wattenmeer «Dflanaen. und Tierwelt, Dogelfretstätten und Naturschutzge^«t«n^auf Sylt. Für die Jugend, die ihre Ferien am Strande der Nordsee °"^bt,'st diese» Büchlein ein reizendes Geschenkt Preis kartoniert Reichsmark 0.90. Durch jede Buchhandlung zu beziehen! Hugo Bermühler Verlag, Vln.-Lichlerfelüe Heute morgen 10% Uhr entschlief sanft nach kurzer Krankheit unsere liebe unvergeßliche Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante nach längerem, mit Geduld ertragenem Leiden durch einen sanften Tod von uns zu nehmen. Die trauernden Hinterbliebenen: Famibe Theodor Herr Familie Hermann Henkelmann In tiefer Trauer: Ludwig Heep Ottilie Heep. Samstag morgen gegen 7 Uhr entschlief sanft unsere liebe Grobmutter und Schwiege-mutter Frau Maria Luise Henkelmann Wwe im Alter von 85 Jahren. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 24. Juni, nachmittags 3 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt Heuchelheim, Offenbach, Lauterbach, Berlin-Mariendorf, Düsseldorf, den 21. Juni 1936 Die Beerdigung findet Dienstag, den 23. Juni, nachmittags 5 Uhr vom Sterbehause aus statt Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unsere Hebe, treusorgende, herzensgute Mutter Frau Marie Heep, geb. Horn Margarete Gilbert Wwe geb. Volkmann im fast vollendeten 75. Lebensjahre 02874 In tiefer Trauer: Karl Laux, Rgf. i. R. Tochter Else und Angehörige Leihgestern, Gießen, Offenbach, Großen-Linden, den 22. Juni 1936 Die Beerdigung findet am Dienstag, dem 23. Juni, nachmittags 31/, Uhr vom Sterbehause, Bahnhofstraße 16, aus statt Todesanzeige Gestern abend 7x/t Uhr verschied unerwartet meine liebe Gattin und gute Mutter, unsere Schwester, Schwägerin und Tante Katharina Laux, geb, Spies im 59. Lebensjahre tiDarti Nr. 143 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Montag, 22. Juni 1936 Querschnitt durch die zeitgenössische Msik. ISLahre AllgemeinerOeutscherMusikverein.-Rückblick zum Weimarer Musikfest. Lon unserem Berichterstatter Dr. Erwin «roll Zum sechsten Male tagte Deutschlands wichtigster Bund zur Pflege zeitgenössischer Musik, der Allgemeine Deutsche Musikverein, in der Musenstadt Weimar und feierte hier nicht nur sein 75jähriges Bestehen, sondern auch den 50. Todestag seines geistigen Vaters Franz Liszt. Das Tonkünstlerfest des ADMV. oder, wie man es jetzt wieder nennt, die „Tonkünstlerversammlung" will nichts sein als eine musikalische Warenschau. Nach sorgfältiger Auslese wird die Jahresernte des Neuen den Kauflustigen (Dirigenten, sonstigen ausübenden Künstlern, Verlegern usw.) unterbreitet: Diesmal mehr als 30 Werke lebender Komponisten, denen noch ältere Schöpfungen beigesellt sind. Um mit diesen zu beginnen: einen schöneren Auftakt der Tontünstlerversammlung als des Lisztjüngers Peter Cornelius komische Oper „Der Barbier von Bagdad" kann man sich nicht denken. Unter Leitung von Paul Sixt erlebte dieses mit lyrischen Schönheiten und sinnigem Humor bis zum Rande gefüllte Werk im Deutschen Nationaltheater eine Aufführung, an der Liszt, dem der Skandal bei der Uraufführung 1858 Anlaß wurde, die musikalische Leitung der Weimarer Bühne niederzulegen, seine Freude gehabt hätte. Man hatte dabei auf die in ihrer instrumentalen Schlichtheit doppelt köstliche Urfassung des „Barbiers" zurückgegriffen, hatte Bühnenbilder und Spiel dem Geiste der Musik unaufdringlich angepaßt, hatte sich für die Rolle des Nurredin Kammersänger Julius P a tz a k aus München geholt und konnte die übrigen Rollen mit tüchtigen heimischen Kräften besetzen, von denen der Vertreter der Titelrolle, Taver Mang, im feinkomischen Spiel, aber auch in der reichen Abschattierung eines treffenden Gesangsvortrages Hervorragendes leistete. Es spricht für Liszt, daß er, der unentwegte Kämpfer für eine „Zukunftsmusik", sich für ein Werk einsetzte, dessen Wesensart ihm innerlich vielleicht gar nicht so nahe war. Denn das Jtttime war seine Sache nicht. Nur wenn der Kirchenkom- p o n i st Liszt vor seinen Gott trat, hatte sein schwärmerisches Nazarenertum einen versonnenen mystischen Anstrich. Dessen wurde man sich wieder bewußt, als Prof. Dr. F. Oberborbeck eine schöne Auswahl geistlicher Tonschöpfungen des Meisters mit allen ihren zarten Klangreizen in Erinnerung brachte. Man spürte den Abstand der Zeiten, wenn nach dieser Liszt-Feier in der nämlichen Stadtkirche Weimars moderne Orgel- und C h o r m u s i k erklang. Ist Liszt zuletzt auf die Gregorianik zurückgegangen, so knüpften unsere zeitgenössischen Tonsetzer ans musikalische Barock an. Passacaglien, Fugen, Variationen sind ihre Lieblingsformen, und wenn etwa Wolfgang Fortner eine „Deutsche Liedmesse" schreibt — sie kam unter Leitung des Eisenacher Kirchenrates Mauers- b e r g e r klangschön zu Gehör — so handelt es sich hier um kultische, gottesdienstliche Musil, die — ganz im Sinne der protestantischen Meister des 17. Jahrhunderts, wenn auch in der „Linien"°Füh- rung und Akkordgebung durchaus modern — aus dem Choral entwickelt ist. Die Musiksprache der Gegenwart geht dem „Schönklang" nach Möglichkeit aus dem Wege. Sie meidet die Akkorde und Akkordbeziehungen der Romantik. Statt der Terz bevorzugt sie die härtere Quart. In den sich durch die „Linien"-Führung ergebenden Zusammenklängen herrscht größte Freiheit. Um so strenger sind aber die durch die genannten beliebten Barockformen bedingten Bindungen des „Ablaufs". Freiheit dort, Strenge hier haben, das zeigt sich in Weimar deutlich, schon eine typische Manier der heutigen deutschen Tonsprache geschaffen. Sie herrscht nicht nur im Orchester- und Chorschaffen konzertmäßigen Gepräges, sondern auch in der sogenannten „Gebrauchsmusik", die dem ckeuen Gemeinschaftswillen dient und in Weimar bei einer würdig durchgeführten Feierstunde der Hitlerjugend und in der Gestalt öffentlich dargebotener „Festmusik"-Prob en für politische und kulturelle Veranstaltungen in Erscheinung trat. Erst wenn sich der Gesinnung die schöpferische Leistung paart, wird es hier einen ganz harmonischen Zusammenklang geben, Andererseits gibt es unter den Jungen immer wieder schöpferische Persönlichkeiten, die von der Manier des neuen Stils zu neuer Wesenhaftigkeit Vordringen. In Weimar begegnete man bei den ersten Konzerten nicht vielen, aber doch einigen solcher verheißungsvoller Neutöner. Unter ihnen muß vor allem des Süddeutschen Karl Höller gedacht werden, dessen symphonische Fantasie für Orchester über ein Thema von Frescobaldi (opus 20) ein Werk von starken, eigenen Farben, von Stimmung und kernigem Gehalt ist. Der Allgemeine Deutsche Musikverein wird weiter die Hand über solchen jungen schöpferischen Mu- iikern halten. Denn Peter Raabe, der neue Vor- itzende des Vereins, der ja auch zugleich Präsident »er Reichsmusikkammer ist, bekannte sich in einer Eröffnungsansprache zum Recht der schöpferischen Persönlichkeit auf künstlerische Eigenentfaltung (bei selbstverständlicher Einordnung in die errungene große Volksgemeinschaft) und sagte jenen Dunkelmännern Kampf an, die sich als kunstpolittsche Gralshüter aufspielen, um ein ihnen unbequemes Werk, wie das des ADMV., zu verunglimpfen oder gar vernichten zu können. * In der Heerschau der jungen deutschen Komponisten gebührt dem Schwaben Hermann Reuttcr besondere Beachtung, weil er mit seiner (kürzlich in Frankfurt a. M. uraufgeführten) Oper „Doktor Johannes Faust" erneut auf den Plan trat. Reutter hält sich hier textlich an das alte Puppenspiel, das er ideemäßig aber wieder in ein Drama von Schuld und Sühne umbiegt. Der Komponist bietet dabei eine rezitatorisch verknüpfte Nummernoper mit Liedern, Arien und Ensemblesätzen, deren fraglos einfallreiche, nur noch mit geringen Resten „atonaler" Freizügigkeit behaftete Musik sich dort am glaubhaftesten entfaltet, wo es um die Puppenkomödie geht. Im übrigen trägt sie aber nicht immer das passende instrumentale Gewand und büßt durch absichtsvolle Anwendung verschiedener Stilsprachen (zur Verdeutlichung der verschiedenen Schauplätze und Vorgänge) an unmittelbarer Wirkung ein. Das sehr beifällig aufgenommene und liebevoll inszenierte Werk erschien unter der musikalischen Leitung von Dr. E. N o b b e. Was das Dutzend Konzerte und sonstiger musikalischer Veranstaltungen im Rahmen der Tonkünstlerversammlung angeht, so hob sich aus den freundlichen Belanglosigkeiten der beiden Kammermusikoeranstaltungen K. v. W o l f u r t s Streichquartett durch gediegene Arbeit und männliche Haltung hervor. Bei den Choraufführungen gilt es, nochmals auf Heinz Schuberts „Verkündigung" als das Werk eines der Mode abholden, innerlich ergriffenen Musikers hinzuweisen. Herrschte bei den dargebotenen nationalen Festmusiken das Kampflied der Bewegung, so brachte ein schöner Nachmittag am Römischen Haus im Weimarer Park alte deutsche Volkslieder in der Bearbeitung zeitgenössischer Tonsetzer. Von hier bis zu den Gemein- schastsmusiken Ludwig Webers, die man in Jena unter der Leitung von Professor R. V o l k m a n n hörte, ist noch ein weiter Schritt. Handelt es sich hier um das archaisch-moderne Ueberspinnen einer festen volkstümlichen Gesangsmelodie, so überraschte Felix Raabe bei einem abschließenden Konzert auf der Wartburg in Eisenach durch eine etwa in Händelscher Manier gehaltene Handwerker- Kantate nach Worten Hans Sachsens, die des Komponisten Begabung für kurzweilige Charakterisierung im Wechsel von Soli und Chor erwies. Bei einer Rückschau auf die geistlichen Konzerte muß neben Wolfgana F o r t n e r s und seiner „Deutschen Liedmesse^ noch zweier junger Talente gedacht werden: Fritz Büchtgers und seiner schlicht eindrucksvollen ^.-cappella-Chöre sowie Max Martin Steins und seiner polytonal-gebündelten Motette. Unter den von Generalmusikdirektor Dr. E. Robbe, Professor Dr. F. Oberborbeck und Musikdirektor Walter A r m b r u st (Eisenach) dar- gebotenen Orchesterwerken ist nach Karl Höllers wertvoller sinfonischer Fantasie über ein Thema von Frescabaldi noch auf Talentproben wie Karl Schäfers spielfrohes Klavierkonzert, das herbere Konzert für Orchester von E. v. B o r ck und die vielverheißende Sinfonie des Trappschülers I. Przechowski hinzuweisen. Gereifter als diese Werke und weit persönlicher in der Haltung erscheint Hugo Distlers an die Stilmanieren de» Barock und Frührokoko selbständig anknüpfende Musik für Streichorchester und Cembalo, während die beiden beim „Unterhaltungskonzert" auf der Wartburg vertretenen Orchesterkomponisten, Hans Gebhard und Hans P e t s ch, Talent für groteske Genremalerei verraten. Problematisch bleibt der Versuch Harald Genz - m e r 5, ein Konzert f u r Trautonium und Orchester zu schreiben. Es klang wie ein — nicht sehr vorteilhaft ausgedehntes — Saxophon, wogegen man bei dem unfertigen Partiturophon Jörg Magers mehr den Eindruck einer (in der tiefen Stimme verwischten) Kinoorgel hatte. Gegen die Zukunftsmöglichkeiten solcher elektroakustischen Instrumente soll mit dieser Feststellung natürlich nichts gesagt sein. Nur dürften sie schwerlich eine „Weltwende der Musik" herbeiführen. Kriegspferd—Kriegskamerad. Schöne Ehrung für Veteranen des Weltkriegs. Sieben Kriegspferde wurden als Kriegskameraden geehrt. (Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.) w u7:/ - <■ V - Mens ä * * Wenn Kriegspferde erzählenkönnten, dann wüßten sie wohl kaum weniger zu sagen denn mancher Frontsoldat. Die Pferde waren ja ebenso überall dabei. Sie erlebten alle Strapazen mit, litten, bluteten, starben — viele starben! Sie hatten alle ihr Teil dazu beigetragen, Schlachten zu gewinnen, waren meist dicht hinter den Fronten und im gefährdeten Land. Kamen Granten, konnten sie nicht oder nicht so schnell in Deckung gehen, wie der raschere menschliche Kamerad. So starb manchesPferd einen ehren- vollen Tod! Wie viele Tiere taten gehorsam ihre Pflicht unter dem Reiter, vor den Geschützen, vor den Munitions- und Bagagewagen?! So wie jeder Frontsoldat, so hatte jedes Pferd sein Schicksal. Für alle Mühe hatte kein Pferd anderen Dank, als die mögliche gute Behandlung. * Die Ueberlebenden kehrken zurück, traten in friedlicheren Dienst, viele aber überwanden das Leid und die Strapazen nicht und starben trotz Pflege und gutem Futter mehr oder weniger bald. Diejenigen Kriegspferde, die noch unter uns sind, dienen heute noch ihrem Herrn, oder essen Gnadenbrot. Als Kriegskameraden wurden sie nicht vergessen, und gestern widerfuhr den in unserer Stadt noch lebenden Pferden gar eine besondere Ehrung: sie wurden im Rahmen einer kleinen, von allem Ernst getragenen Feier ausgezeichnet, mit einem Kranz von frischem Tannengrün geschmückt und außerdem mit einem Porzellanschildchen bedacht, auf dem das Eiserne Kreuz abgebildet ist und das die Aufschrift trägt: „Kriegskamera d". Wer je ein Pferd mit diesem Schildchen sieht, wird sich dessen erinnern, daß dieses Tier mit den Helden unseres Volkes gegen die Front der Feinde stand ... Die Feier, von der hier die Rede ist, fand gestern mittag in der Reithalle des Universitäts-Reitinsti- tuts am Brandplatz statt, die für diesen Zweck von Reitlehrer S ch ö m b s aus eigener Initiative prächtig ausgeschmückt worden war. lieber 150 Tierfreunde hatten sich zur Feier eingefunden. Behörden, Stadtverwaltung, Tierzuchtamt, Universität, Soldatenkameradschaften usw. hatten Vertreter entsandt: die Reiter-SA. stellte sich praktisch in den Dienst der edlen Sache. Jedermann war angenehm überrascht, als die Pferde in die Halle geführt wurden. Nicht das, was man „Klepper" nennt — wenn dieser Ausdruck hier je angebracht wäre — war hier zu sehen. Nein? Sondern Pferde, die sich in einem ausgezeichneten Futterzustand befinden, glattes Fell haben und ihren Herren noch zu dienen vermögen. Sieben Pferde wurden in die Halle geführt! Alle über 20 Jahre alt! Veteranen des Weltkrieges! Zwar: die Militärpässe der Tiere sind unvollständig. Es konnte sich ja auch niemand die Mühe machen, ihren Lebensweg zu verfolgen. Fest steht nur, daß sie alle den Weltkrieg mitmachten. Immerhin seien ihre Personalien, soweit sie zu erfahren waren, festgehalten: Das älteste Pferd ist Herrn Schömbs Wallach Fritz. Er ist 32 Jahre alt. Er diente beim Feldartillerie-Regiment 25 als Adjutantenpferd: 1925 ging er in den Besitz feines jetzigen Herrn über und tut noch heute als Reitpferd Dienst. Herr Georg Sauer kaufte den Wallach Hektor im Jahre 1919 beim Abwicklungskommando in Rödgen. Der Wallach Hans ging im Jahre 1918 bet der Demobilmachung in Gießen in den Besitz von Herrn L y n ck e r über und fand damit eine schöne Heimat auf dem Schiffenberg. 28 Jahre alt ist die Stute Hella, die heute noch im Dienst bei Herrn Ernst Niemann steht. Sie wurde 1919 in Frarstsurt gekauft. Dann sind noch die beiden Stuten Hilde und Anna zu nennen, die noch heute als Kutschpferde bei Herrn Marburger Festspiele. Shakespeare: „Der Sturm". Die Marburger Festspiele, in zehn Jahren zu einem festen und geläufigen Begriff geworden, eröffneten ihre Jubiläumsspielzeit im Schloßpark mit dem „Sturm" und ließen damit die Reihe ihrer Shakespeare-Aufführungen in die absonderliche Welt eines Spätwerkes münden, wo die beschwingte Heiterkeit mancher seiner Vorläufer ins Mystische und eine gleichnishafte Unwirklichkeit sich verliert, und ihre illusionistische Sphäre stellenweise geradezu opernhafte Züge annimmt. Die Gestalten und Begebenheiten einer dramatischen Fabel, die unter anderen Vorzeichen zu einer Staatsaktion im Stile der Zeit oder zu einer mehr oder minder historischen Chronik hätte führen können, werden in diesem spätesten Shakespeare-Stück, über dessen Datierung wie auch dessen Sinn und tiefere Bedeutung viel und widerspruchsvoll geschrieben worden ist, ganz ins Unwirkliche, Märchen- Haft-Uebersinnliche und Symbolische gesteigert. Eine einsame Insel im weiten Meere, nicht näher bezeichnet, bildet den Schauplatz einer barocken Robin- sonaüe, wo sich die eigentliche Kernfabel, das Drama, das in der Vorgeschichte nur erzählt wird, samt seinen sehr irdischen und realen Wirrnissen und Konflikten auf eine zauberhafte und ttaumhafte Weise schlichtet und löst. * Prospero, rechtmäßiger Herzog von Mailand, hat sich seines Thrones und Reiches begeben, um sich der Magie und den schönen Künsten zuzuwenden, wird vom eigenen, den irdischen Dingen beflissener ergebenen Bruder verraten und mit Hilfe des Königs von Neapel samt seinem unmündigen Kinde auf dem Meere ausgesetzt: auf dem einsamen Eiland ist Prospero gelandet und hat sich da em neues, mit Naturwesen und Elementargelstern bevölkertes Reich geschaffen, das er mit Za Übermacht beherrscht. Nach Jahren werden Prosperos frühere Widersacher in einem Sturm schiffbrüchig an Den gleichen, unwirtlichen Strand verschlagen, wo der rechtmäßige Herzog einsam herrscht. * Zwar sind die Gescheiterten nun völlig in Prosperos Macht gegeben, aber Der mißbraucht sie nicht zu einer späten und unedlen Rache, sondern bedient sich ihrer mit Hilfe der ihm ergebenen Geisterwelt zur Läuterung und Lösung Der Verzauberung und Verwirrung des Gefühls, welcher die Schiffbrüchigen zunächst anheimfielen. So endet alles ganz lustspielhast oder vielmehr wie im Märchen auf eine natürlich-übernatürliche Weise, und die anfangs verwirrenden und nicht ohne weiteres begreiflichen Vorgänge auf Der Insel finden in ihrem Verlaufe Raum sowohl für eine mit Dem zarten Zauber Shakespearescher Phantasie umgebene Liebesgeschichte als auch für Den saftigen und überquellenden Humor seiner Narren- und Rüpelszenen, Die hier rauschhaft und märchenhaft verwandelt und so dem Stil des ganzen Stückes organisch einge- fügt sind. So entstand freilich nicht em Drama tm eigentlichen Sinne; Das, was wir Den „Gang Der Handlung" zu nennen gewohnt sind, bleibt immer, bis zuletzt, unwirklich, fragwürdig, transparent und gleichsam verschleiert, auf eine andere, höhere oder fernere Ebene Der Erscheinungsformen gehoben und an den Höhepunkten aufgelöst und sozusagen verflüchtigt in Bewegung und Klang, in Musik und Tanz, in Oper und Ballett. — ♦ Der Spielleiter Dr. Fritz Budde hat sich im Programmheft zur Romantik bekannt, zu einem auf bühnenmäßige Versachlichung bewußt verzichtenden Stil, Der Die Zauber- und Märchenwelt mit Phantasie und zarter Menschlichkeit, mit Musik und Tanz und schwingender Bewegung einzufangen und darzustellen sich bemüht. Damit erhielt die Ausführung ihren Charakter und ihr eigentümliches Gesicht,' ihre szenische Form, die ganz auf Lockerung, Bewegung und Stimmung eingestellt war. ♦ Dieses Bewegungselement war den Ballett-Einlagen der Tanzgruppe Günter Heß anvertraut. (Ariel: Günter Heß und Friedel Heizmann.) Ihre Figuren trugen zur Auflockerung des an sich schon stark durchbrochenen Szenenbildes im angedeuteten Sinne wesentlich bei, wirkten übrigens in den mittleren und ausgehenden Partien einheitlicher und tänzerisch geschlossener als 3“Jöegmn. Der darstellerisch lebendigste und persönlichste Eindruck der Aufführung ging merkwürdigerweise von einer Nebenfigur aus: Ludwig Linkmann (früher am Gießener Stadttheater) spielte den Stephano mit der prallen Fülle und dem sättigen, übrigens jederzeit liebenswürdigen und gutmütigen Humor einer echten Shakespeare-Gestalt. Eine noble, charaktervoll umriffene, auch sprachlich erfreulich ausgearbeitete Erscheinung war der Prospero von Karl Z i ft i g. Ein zartes, empfindsames Liebespaar — Ferdinand und Miranda —: Hans von Uslar und Hansi Nässte. Seppl Liffch als Caliban: ein wüstes Ungeheuer mit tierischen Gebärden, aber auch nicht ohne einen gewissen Märchenhumor. Don den übrigen seien noch die Herren Firmbach, Brefin/Täufel, Forsch und S ch r ö e r genannt. ♦ Die Erstaufführung fand in Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste bei starkem Besuch einen vollen Erfolg. Das Wetter war so günstig, wie man sich's nur wünschen konnte. Der Feuerschein der Schloßbeleuchtung um Mitternacht und der feierliche Anblick der hell angestrahlten Elisabethkirche waren die letzten Eindrücke aus dem Heimweg in der gastlichen Festspielstadt. hm. Ein Chinese über unsere Kleidung. Wenn wir uns über manche Eigenarten in den Sitten und Bräuchen sowie in der Kleidung anderer Völker belustigen, so sollen wir uns ja nicht einbilden, daß wir von den anderen nun als Vorbild von Würde und Ernsthaftigkeit hingenommen werden. Beispielsweise erscheint Den Chinesen an Der abendländischen Kultur manches so seltsam, um nicht zu sagen widersinnig, daß sie aus dem Kopfschütteln überhaupt nicht herauskommen können. Ein .chinesischer Besucher Londons, Herr Han Schi Li, hat seine Eindrücke in folgenden Worten geäußert: „Seit ich im Spätsommer ankam, hat sich die Kleidung dieser sehr ehrenwerten Bevölkerung nicht verändert und doch ist es jetst Winter, so etwas muß als höchst sonderbar erscheinen, denn sogar die Tiere wechseln ihre Kleidung mit der Jahreszeit. Warum tragen die Männer überhaupt schon im Sommer solche harten und dicken Stoffe, die jeder bessere Chinese verschmähen würde? Warum haben sie nicht genug Seide für den Sommer nicht genug Pelze für den Winter, um je nach der Witterung schön und angemessen gekleidet zu gehen? Selbst die Schienbeine, die der Wärme doch so sehr bedürfen, werden in den unfreundlichen Wintermonaten nicht geschützt. Die Mäntel sind aus so viel verschiedenen Teilen zusammengesetzt, daß sie mich an die Tracht unserer Bettler erinnern. Warum haben die Herren denn nicht genügend große und breite Stoffstücke, um sich ihren Anzug aus einem Stück schneiden zu lassen? Und bann diese schreckliche Enge! Wie kann sich ein Mensch in einem solchen engen Sack bequem auf dem Rücken kratzen? Rümpfet nicht die Nase, o Fremde, wenn ich die Freuden des Sichkratzens hervorhebe. Es gibt keine unschuldigere urtb angenehmere Beschäftigung. Und nun die Hüte der Herren! Da fragen sie schwarze Töpfe oder Kästen in der gleichen Farbe, die so furchtbar hart sind, daß nur ein ausgemachter Dickschädel sie erdulden kann. Ich verstehe erst jetzt, wie stark und kräftig die Köpfe der weißen Männer fein müssen, nachdem ich ihre Hüte gesehen habe. Aber in diesem Lande ist alles möglich. Warum sind die weichen Hüte so vieler Leute grau? Haben sie denn alle Trauer? Und dann das schlimmste! Wie kann ein Mensch des Abends, wenn er sich dem Vergnügen hingeben will, ein steifes Brett über seine Brust ziehen? Dazu tragen sie eine Jacke, die hinten zwei Schwänze hat, so daß man glauben könnte, ein Tiger habe ihm vorn alles abgefressen, lieber die Kleidung Der Frauen wage ich kaum zu schreiben. Zuerst wollte ich meinen Augen nicht trauen und dachte an ein Mißverständnis, etwa, daß die Damen vergessen hätten, sich richtig anzuziehen. Vielleicht waren sie in besonderer Eile! Aber ich sah in den elegantesten Restaurants Frauen, von denen ich mein Auge in Scham abwenden mußte. Ich schwöre bei meinen verehrungswürdigen Ahnen: sie hatten fast überhaupt nichts an. Meisterwerk der Goldschmiedekunst. Ein reizvolles Werk der Kleinkunst des 18. Jahrhunderts, eine Tischuhr von Melchior D i n g \ i n ■ ger, dem Hofgoldschmied Augusts des Starken, veröffentlicht Johann Georg, Herzog von Sachsen, im Juniheft der bei F. Bruckmann in München erscheinenden Monatsschrift „Pantheon". Das Werk, das aus dem Besitz feiner Familie stammt, stellt einen kleinen Neger dar, der in Goldemail ausgeführt ist. Das goldgewirkte Gewand läßt Arme und Beine frei und hat vor der Brust einen Schmuck von grünem Glasfluß, der wie ein Smaragd wirkt. Die erhobenen Arme und der Kopf tragen eine goldene stilisierte Ananas, von deren Email nur noch Spuren erhalten sind: sie ist eigentlich zu groß für den Neger, hat aber dadurch einen besonderen Reiz. Wenn man die Ananas öffnet, zeigt sich eine waagrecht liegende kleine Uhr, deren Ziffern auf weißem Email angebracht sind. Auf einer kleinen goldenen Rundscheibe in der Mitte stellen sehr feine farbige Emailblumen dar. Die ganze Arbeit, besonders auch der Kopf, die Beine und die Arme sind mit großer Zierlichkeit ausgeführt. Es ist anzunehmen, daß das kostbare kleine Werk als Geschenk Augusts des Starken ober des Kurprinzen für die damalige Kurprinzessin, die spätere Kurfürstin Marie Josepha, die älteste Tochter Kaiser Josephs I., ausgeführt ist. Ernst Fleck in gutem Stalle stehen. Sie wurden beide im Jahre 1933 vom Jnf.-Regt. 15 gelaust und haben auch nebeneinander den Weltkrieg mitgemacht. Besonderer Erwähnung bedarf noch der H e n g st S) a n s , ein ausgezeichnetes und schönes Tier, das seinen Besitzer Herrn Zülch schon im Weltkrieg trug, mit ihm zurückkehrte und ihm auch heute noch als Reittier dient. Hans ist über 22 Jahre alt und sieht aus wie ein Sechsjähriger! ♦ Zur Ehre und Würdigung der vierbeinigen Kriegskameraden hielt Direktor Dr. Keller eine Ansprache. Er schilderte die Leistungen der Pferde, die auf Vormärschen in Rußland und auf anderen Kriegsschauplätzen bei jedem Wetter Reiter oder Wagen oft hundert Kilometer am Tage vorwärts zu bringen hatten, die Geschütze durch den Schlamm in Flandern oder auf die Pässe der Karpathen zogen und dabei ihre ganze Kraft gaben. Pferd und Mann wuchsen draußen zusammen, hielten zusammen in mancher Schlacht. So manches Pferd mußte hun- oern und kam von allen Kräften. Das Jahr 1918 habe aber, so führte der Redner weiter aus, das Drama des Kriegspferdes in ganzem Ausmaß erkennen lassen: über 1J4 Millionen Pferde dienten dem Heer im Weltkrieg, etwa 600 000 wurden unmittelbare Opfer des Feldzugs, über 300 000 konnten nicht in die Heimat zurückgebracht werden und nur etwa 300 000 Pferde sahen das Vaterland und die heimatlichen Fluren wieder. Heute leben von den 300 000 Pferden nur noch etwa 3200. Sieben davon in Gießen! Direktor Dr. Keller wies darauf hin, daß gute Behandlung das einzige Ziel sei, was den Tieren in dankbarem Gedenken werden könne. Erfreulich fei es, daß Tierfreunde durch Haferspenden und U e b ein a j m e von Patenschaften für Kriegsp7?tde den wirtschaftlich weniger leistungsfähigen Besitzern die gute Haltung eines Kriegs- pferdes ermöglichen. Für das Verständnis, das dem Tier in der Gegenwart entgegengebracht werde, |ei man nicht zuletzt auch dem Dritten Reiche und denr Führer Anerkennung schuldig. Deutschland sei mit seinem neuen Tierschutzgesetz vorbildlich für eine ganze Welt geworden. Das Tier sei nicht mehr nur Sache. Tierschutz sei keine Gefühlsduselei, sondern kulturelle Aufgabe eines hochstehen- den Volkes. Die Pferde wurden dann mit Tannenkränzen geschmückt und den Besitzern die Porzellanschilder zur Befestigung am Geschirr der Pferde überreich^ Em Kamerad aus den Reihen der Reiter-SA. machte sich zum Schluß zum Wortführer der Pferde und sagte in ihrem Namen herzlichen Dank für Ehre und Anerkennung. Wir Menschen können nicht wissen (viele werden es verneinen!) ob den Pferden in dieser Stunde bewußt war, daß alle Gedanken der Teilnehmer an dieser Feier ihnen galten; sie können es vielleicht auch nicht wissen, empfunden und erfühlt haben sie aber sicherlich, daß der Tag für sie ein besonderer war. Mehr zu tun, als gute Pflege zu geben und dem Tiere Liebe fühlen zu lassen, wird dem Menschen nicht möglich sein. Wichtig für uns Menschen selbst ist aber, daß unser Verhältnis zum Tier immer besser und inniger wird! Oberheffen. Oie Zugendwettkämpfe in Wieseck. W i e s e ck, 21. Juni. Die Jugendwettkämpfe der hiesigen Volksschule wurden in der vergangenen Woche unter Leitung von Turnlehrer Heller ausgetragen. Insgesamt nahmen 216 Schüler und Schülerinnen der in Frage kommenden Schuljahre teil. Davon erhielten 87 die Siegernadel, allo über 40 vom Hundert. Dieses außerordentlich günstige Ergebnis ist vor allem auch auf die fleißige Arbeit des Turnvereins zurückzuführen, der auch auf dem Gebiet des Schülerturnens, eine segensreiche Tätigkeit entfaltet. Die Höchstpunktzahl errang in der Altersstufe 1 (von 10 bis 11 Jahren) Walter Loth mit 270 Punkten. Es folgen Rudolf Schäfer 246 P.; Walter Stolzenauer 239 P., Kreiling 232 P.; Herbert Luh 225 P. Von den Mädchen waren in gleicher Alters- stufe Sieger Gertrud Sommerlad mit 231 P., Emmi Völzel 197 P., Anni Schäfer 187 P., Hildegard Dölzel 187 P. In Altersstufe 2 (11- bis 12jährig): Erwin Mank 253 P., Karl Balser 216 P., Otto Pausch208 P., Helmut Wißner 206 P., Kurt Völzel 203 P; von den Mädchen Anni Deibel 227 P., Hilde Sommerlag 221 P., Emmi Haas 211 P., Hedwig Müller 202 P., Beatrix Augstein 201 P. In Altersklasse 3 (12- bis 13jährig): Ernst Will 250 P., Erwin Bernhardt 239 P., Karl Hofmann 218, Hans Luh 216, Helmut Döringer 210 P.; vvn den Mädchen Elfriede Velten 198 P., Emmi Seibert 197 P., Emmi Bierau 196 P., Elfriede Stephan 185 P. und Marta Noll 180 P. In Altersklasse 4 (13- bis 14jährig): Herta Euler 223 Punkte; Liselotte Kling 205; Else Schneider 202 Hildegard Seibert 201; Emmi Spuck 198; von den Knaben: Erwin Schreiner 255; Otto Schäfer 248; Rudolf Größer 240; Hermann Wacker 197 und Willi Mohr 195 Punkte. Von den 53 angetretenen Fortbildungsschülerinnen blieben 7 Sieger, nämlich Anneliese Döbus mit 216 Punkten; Hilde Dapper 209; Gertrud Dech 199; Else Lotz 184; Lina Rodenhausen 180; Irma Braun 185 und Gerda Frey 180 Punkte. Am Samstag fanden unter Leitung von Fähnleinführer T a e s l e r (Gießen) die Mannfchafts- tämpfe der HI. statt. Es «ergab 67 Sieger im Einzelwettkampf. Es kamen also gegenüber den Schü- lerwettkäwpfen noch 17 hinzu, die 180 Punkte erreichten. Die Wettkämpfe der BDM. am Sonntagmorgen ergaben 10 Sieger Schwimmbad-Einweihung in Bad Vilbel. LPD. B a d D i l b e (, 20. Juni. Bad Vilbel weihte am Sonntag sein neues Schwimmbad ein, das ein Schmuckstück im Kranze der rhein-mainischen Bäder und eine wertvolle Abrundung der Bade- und Erholungsanlagen der Stadt Vilbel darstellt. Um das Schwimmbecken, das eine Länge von 50 und eine Breite von 20 Meter hat, gruppieren sich neben einem 10 Meter hohen Sprunaturm ein Planschbecken für Kinder, ein Becken für Nichtschwimmer und eine große Liegewiese. Da sich an das Schwimmbad der Sportplatz einschlieht, verfügt Bad Vilbel jetzt über Anlagen, die ein Mittelpunkt sportlicher Ereignisse zu werden versprechen. Die Einweihungsfeier fand am gestrigen Sonntag statt. Zahreiche auswärtige Vereine und Sportler wirkten mit. Wiederherstellungsarbeiten an einer oberhessischen Burg. LPD. Alsfeld, 21. Juni. Im Laufe der kommenden Wochen werden umfangreiche Wiederherstellungsarbeiten an der Burg Herzberg durchgeführt werden. Zunächst wird es sich um die Freilegung weiterer Burgteile handeln, wodurch insbesondere die Wendeltreppe nach dem Verlies des im inneren Burghof gelegenen Rittersaalturmes freigelegt werden soll. Ferner ist. geplant, an oem Mauerwerk der Burg dringliche Ausbesserungsarbeiten vorzunehmen. Landkreis Gießen. * Großen-Buseck, 20. Juni. Der Erbhofbauer Oskar Stephan, 24 Jahre, erkrankte nach einem Insektenstich und erlittenem Sonnenbrand so schwer, daß er im bedenklichen Zustand nach Gießen in Krankenhausbehandlung eingeliefert werden mußte. = Wirberg, 19.Juni. Die Sammlung für dieJnnereMissionaml3. und 14. Juni hatte in der hiesigen Pfarrei folgendes Ergebnis: Rein- hardshain 10 RM., Göbelnrod 14,65 RM., Beltershain 19,91 RM., Harbach 8,50 RM. und Veitsbera- Saafen mit Bollnbach 19 RM., zusammen also 72,06 RM. * Garbenteich, 20. Juni. Der 24jährige Bergmann Ludwig Feuster zog sich bei der Arbeit eine erhebliche Kopfwunde zu, die seine Aufnahme in die Chirurgische Klinik nötig machte. s. Lang-Göns, 21. Juni. Am 24. Juni feiert Frau Katharine Förster Wwe., geb. Müller, ihren 8 3. Geburtstag. Frau Förster ist im Haushalt noch äußerst tätig und beaeht ihren Geburtstag in größter geistiger und körperlicher Frische. Kreis Friedberg. Lpd. Friedberg, 21. Juni. Ein Schweinehändler aus Lampertheim erlitt mit feinem Personenwagen, dem ein Anhänger angehängt war, in Friedberg eine Panne. Durch dos Schreien der Tiere wurde die Polizei aufmerksam und unterzog den Wagen einer Durchsicht. Man entdeckte dabei in zwei Kisten mit einer Bodenfläche von etwa vier bis fünf Quadratmeter 55 Ferkel eingepfercht. Acht Tiere waren bereits erstickt, zwei weitere Ferkel verendeten unmittelbar nach der Ausladung. Gegen den Händler wurde Anzeige wegen Tierquälerei erstattet. Kreis Schotten # Groß-Eichen, 19. Juni. Zur letzten Schicht eingefahren ist heute der verstorbene Bergmann Mathias Seibert. Die Führung und die Gefolgschaft der Gewerkschaft Louise war dazu in ihrem Knappenkleid erschienen, um ihrem toten Arbeitskameraden das letzte Geleit zu geben. Die Bergwerkskapelle unter Leitung von Dirigenten Biedenkopf spielte am Trauerhaus das Lied „Jesus, meine Zuversicht". Nach den Worten des Pfarrers Samerau setzte sich der stattliche Zug Inl Bewe- qunfl. Auf dem Friedhof spielte die Musik das Lied vom guten Kameraden. Pfarrer Dame rau schilderte das Leben des Verstorbenen, der über 30 Jahre hindurch als Bergmann gearbeitet hat, der feiner Familie ein sorgender Vater war und während des Weltkrieges fein Vaterland an der Westfront verteidigte. 1918 in französische Gefangenschaft geriet und 1920 wiederkehrte. Als Führer der Gefolgschaft der Gewerkschaft „Louise" sprach Direktor Sorg sich lobend und anerkennend über den Verstorbenen aus. Ganz besonders lobte er dessen fachliches Wissen. Dann rief der Direktor dem Entschlafenen ein letztes „Glück auf" zu und. legte im Namen des gesamten Bergwerksvorstan-1 des einen Kranz nieder. Sodann gab der Krieger- verein feinem Kameraden die letzte Ehre. Kreis Alsfeld. — — Homberg, 21. Juni. Aus Anlaß der Sommersonnenwende veranstaltete der Arbeitsgau XXII des Reichsarbeitsdienstes heute einen Sternstaffellauf, der die Herchen- Hainer Höhe als Endpunkt hatte. Gegen 17.30 Uhr kam der Läufer mit den Urkunden aus Lagern des Gauqebietes, die in einer Kassette sorgsam verwahrt waren, in Homberg an. An der Adolf-Hitler-Linde überreichte Feldmeister Schmück im Auftrag der Arbeitsdienstabteilung 1/223 Homberg dem Überbringer eine Urkunde. Dann setzte der Läufer seinen Weg fort. Diese Urkunde brachte das Treuebekenntnis und die Verbundenheit der Führer und Arbeitsmänner mit dem Reichsarbeitsführer zum Ausdruck. Wirtschaft. Werbung für den deutschen Wein. LPD. Mainz, 17. Juni. Die im vorigen Jahr durchgeführte Weinwerbung durch Weinfestwochen, Weinpatenschaften und dergl. hat einen derart guten Erfolg auf den Weinabsatz gehabt, daß man in diesem Jahr die Veranstaltungen in verstärktem Maße durchführen wird. Die Werbung wird in diesem Jahr erstmalig zentral in Verbindung mit dem Weinfach im Reichsnährstand durchgeführt. So ist Gewähr für eine ebenso wirkungsvolle wie planmäßige Weinwerbung gegeben. Unter den Weinwerbungen nehmen die Studien- und Vergnügungsfahrten eine besondere Stelle ein. So sind zu nennen die Fahrten der NSG. „Kraft durch Freude" nach der Deutschen Weinstraße, sowie die Studienfahrten der Deutschen Arbeitsfront, die für die Angehörigen des Gaststätten- und Beherber- gungswefens ab 6. Juli in den Rheingau und nach Rheinhessen durchgeführt werden. Diese Fahrt ist besonders wichtig, weil hier die Volksgenossen, die als Gastwirte, Hotelbesitzer, Kellner oder Köche beruflich dauernd mit Wein zu tun haben, mit dem deutschen Qualitätswein an Ort und Stelle durch Besichtigungen von Weingütern, Kellereien, Weinbrennereien und Sektkellereien, sowie durch Weinproben bekannt gemacht werden. Die Vergnügungsfahrten in deutsche Weinbaugebiete dagegen gewinnen dem deutschen Weinhandel viele neue Freunde. Unter den größeren Weinwerbungen im Herbst sind vor allem der Mainzer Weinmarkt vom 29. August bis 1. September und das Rheingaufest in Wiesbaden vom 4. bis 6. September zu nennen. Rhein-Mainische Börse. Tendenz ruhig. Frankfurt a. M., 20. Juni. Da wenia Kundschaftsaufträge Vorlagen, bewegte sich die Umsatztätigkeit an der Wochenschlußbörse in engsten Grenzen. Am Chemiemarkt notierten Farben 172 bis 172,25 (172,25), Goldschmidt wurden mit 114,50 (114,75) genannt. Elektrowerte lagen uneinheitlich, Siemens konnten 0,75, Lahmeyer 0,50 v. H. gewinnen, während Schuckert 1 v. H., RWE. 0,40 v. H. verloren. Am Montanmarkt waren durchweg leichte Kursrückgänge zu verzeichnen, mit Ausnahme von Mannesmann, die mit 101,25 v. H. behauptet lagen, und Rheinstahl, die 0,13 v. H. gewinnen konnten, dagegen Vereinigte Stahlwerke um 0,65 v. H. auf 95,25 v. H. ermäßigt, Klöckner minus 0,75 v. H., Hoesch minus 0,40 v. H. Verkehrswerte wiesen leichte Befestigungen auf, Hapaa und Norddeutscher Lloyd konnten sich um je 0,25 v. H .erhöhen. Bauwerte uneinheitlich, Julius Berger plus 1 v. H., Holzmann minus 0,50 v. H. Von sonstigen Werten Daimler abzüglich Dividendenabschlag mit 122 um 0,5 v. H. erhöht, Reichsbank um 1,75, Reichsbahnoorzugsaktien 0,25 v. H. ermäßigt. Der Rentenmarkt lag sehr ruhig bei im wesentlichen unveränderten Kursen, Altbesitz unverändert 112,65, Kommunalumschuldung Taxe 89,30 (89,50), späte Schuldbücher unverändert 98. Auch Auslandrenten ohne nennenswerte 23eränberungen, 5-o.H.- Goldmexikaner 14,10, 4-v. H. do. unverändert 8,75, Ungarn Gold 9,90, 4-v. H.-Rumänen mit 5,85 behauptet. Im Verlauf der Börse bröckelten die Kurse auf Glattstellungen hin eher noch etwas ab. Vvn den später zur Notiz gekommenen Werten verloren BMW. 1,50 v. H. auf 138, dagegen konnten sich Zement Heidelberg um 0,25 v. H. aus 140,25 erhöhen, AEG. 36,75 (36,13). Metallgesellschaft wurden mit 136 (136,25) genannt. Süddeutsche Zucker um 2 v. H. auf 235 erhöht. — Der Rentenmarkt lag auch im Verlauf ruhig. Meininger Hyp. K. O. um 0,25 v.H. schwächer mit 94,50 (94,25). — Im Freiverkehr Frankfurter Handelsbank auf 46 (40) erhöht, Wayß & Freytag um 0,75 v. H. schwächer, Kali Wintershall 123,50 (123), Kleyer unverändert 107, ebenso Pokorny unverändert 107. — Tagesgeld unverändert 2,75 v. H. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 22. Juni. (Vorbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Vorauftrieb: 160 Rinder (26 Ochsen, 22 Bullen, 83 Kühe, 27 Färsen), 400 Kälber, 39 Schafe, 3557 Schweine. Es kosteten: Rinder: Ochsen 45 Mark, Bullen 43, Kühe 25 bis 43, Färsen (Kalbinnen) 42 bis 44, Kälber 38 bis 70, Hümmel 43 bis 49, Schweine 51 bis 57 Mark. Marktoerlauf: Rinder und Schweine zugeteilt, Kälber, Hämmel und Schafe mittelmäßig. Die Industrie- und Handelskammer Gießen gibt Auskunft: 509: Aenderung der Gebührensätze des niederländischen Clearinginstituts für den Verrechnungsverkehr mit Deutschland. — 510: Befreiung von sämtlichen Beschränkungen der Devisengefetzgebung für Olympiareifende. — 511: Bekanntmachung KP 151 der Ueberwachungsstelle für unedle Metalle, betr. Kurspreise. — 512: Einfuhrzollbehandlung von Papier und Papierwaren in Bntisch-Jndien. — 513: Tarifordnung für das Kraftfahrzeug-, Vulkanisier-, Zylinder- und Kurbelwellenschleifer-, Kraftwagenelektriker-, Kraftfahrzeugklempner- und Kühlerreparatur-Handwerk in den Kreisen Friedberg, Gießen und Hanau a. M. — 514: Anordnung über Tallöl. — 515: Tarifordnung zur Regelung des Urlaubs für die Metallindustrie itn Wirtschaftsgebiet Hessen. — 516: Die Umstellung auf genormtes Papier. Erläuterungen und Ergänzungen der Ueberwachungsstelle.— 517: Ergänzung der Devisenbestimmungen über den Versicherungsverkehr. — 518: Der bulgarische Tabak- außenhandel 1935 und Anfang 1936. — 519: Die türkische Einfuhrkontingentierung für die Zeit vom 1. 7. bis 31.12. 36. 520: Anordnung Nr. 2 der Ueber- wachunysstelle für Papier (Herstellung von Papiererzeugnissen in Normformaten). — 521: Bekanntmachung KP 152 der Ueberwachungsstelle für unedle Metalle, betr. Kurspreise. — 522: Lettische Einfuhr- kontingente für das 3. Vierteljahr. Hehler- und Diebesnest ausgehoben. LPD. Frankfurt a. M., 19. Juni. Die Polizei teilt mit: Ende April nahm die Frankfurter Kriminalpolizei den 55jährigen Invaliden Philipp Acker aus der Ludwigstraße fest, weil er damals von einem Lieferauto 30 Kilogramm Hefe gestohlen und an Frankfurter Bäckereien verkauft hatte. Außer Acker wurden die 50jährige Walpuraa Daum, geschiedene Mächler, und ihre beiden Söhne verhaftet. Acker hatte in einer Mansarde der Daumschen Wohnung gewohnt. Nach seiner Festnahme hatte Frau Daum mit ihren Söhnen eine Menge Diebesbeute, die sie in ihrer Wohnung aufaeftapelt hatte, weggeschafft. Frau Daum war offenbar die Hehlerin Ackers. Welch guten Fang die Kriminalpolizei dabei gemacht hatte, stellte sich erst heraus, als es nach langwierigen (Ermittlungsarbeiten gelungen war, den größten Teil des Diebesgutes, das in der Stadt untergestellt war, wieder herbeizuschaffen. Die.Wohnung der Daum muß ein richtiges Hehlernest gewesen sein. Acker hat nun im Laufe der Vernehmungen auch gestanden, daß er viele Autoberaubungen, 21 Kolli-Diebstähle und mehrere Warenhaus-Diebstähle auf dem Kerbholz hat. Sein Haupttätigkeitsfeld war die Innenstadt, das Bahnhofsviertel und die Mainzer Landstraße. Er beraubte dort Personenautos, Speditionsfuhrwerke, Drückkarren und sogar die Kasten und Tragkörbe der Ausläufer. Es wurde noch festgestellt, daß die Diebstähle schon seit Sommer 1935 erfolgten: alles was nicht niet» und nagelfest war, wurde von Acker mitgenommen. Er hat feine Beute größtenteils in Caf6s in der Nähe der Kleinmarkthalle, in Wettbüros und in Wirtschaften in Sachsenhausen crbgesetzt. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v.H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Frankfurt a.Ul. | Berlin Frankfurt a.M. Berlin Frankfurt a. M. Berlin Schluß« kurS Schlußl. Abend« börse Schluß« kurS Schlußl. Mittag« börse Schluß« kurS Schlußl. Abend« börse Schluß« kurS Schluß». Mittag« börse Schluß« kurS Schlußk. Abendbörse Schluß« kurS Schlußk. Mittagbörse Datum 18-6 20.b 18.6 20.6 Datum 18-6 20.6 18.6. 20.6. Datum 18-6- 20.6. 18.6. 20.6 6% Deutsche Retchsanleihe v. 1927 101,13 101,13 101,13 101,13 4% oesgi. Serie H ............ — — — — ManSselder Bergbau....... 6 y2 136 137 137 137,25 4% Deutsche Reichoanl. von 1934 99,13 99,13 99,13 99 5% Rumän. vercinh. Mente v. 1903 7,4 7,13 7,4 7,15 Kokswerke ................ .. 6 — 137,9 131,5 b*/i% Boung-Anleihe von 1930 .. 103 103 103,25 103,13 4'/-%Rumän.vereinh.Rentev.lgi3 10,05 9,9 9,8 9,9 Rheinische Braunkohlen .... . 12 247 246 247,75 246,5 Deutsch Anl.-Ablös.-Schuld mH 112,65 4% »rumänische vercinh. Rente .. 5,85 5,85 5,9 5,8 Rhetnstahl ................ .. 4 133,13 133,5 133,25 133,25 Auslos.-Rechten ............ 112,65 — 112,5 2 V4% Anatolier............. 44,25 44,5 Bereinigte Stahlwerke...... 8 54 95,75 95 95,5 95 454% Deutsche Retchspostschatzan 100,25 Otavt Minen ............. .. 0 22,65 22,5 22,65 22,65 Weisungen von 1934, 1....... 100,25 100,25 100,25 Hamburg-Amertka-Paker .....o 15,25 15,5 15 14,75 Kaliwerke Aschersleben...... .. 6 130,5 454% ehem. 8% Hessischer WolM- Kaliwerke Westeregeln...... .. 5 130,5 129,5 131,4 129,5 slaat 1929 lrückzahlb 102%) ... 454% ehem. 8% Hessische Lande« 98,75 98,75 98,9 98,75 Hamburg.Südam. Dampfschiff. 0 Norddeutscher Lloyd .........0 16,5 16,75 28,5 16,13 16,5 Kaliwerke Salzdetfurth..... 7% 184,5 184,9 bant Darmstadt Goto 8t 12... 97 97 _ A G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 123,5 123,25 123,65 123,13 654% ehern. 454% Hess. Lande« Berliner Handelsgesellschaft ... 6 117 115,75 117,25 116,25 3. G. Farben-Industrie..... .. 1 172,25 172 172 172 Hypothekenbank DarmstadtLiou. 101,25 101,25 — Commerz- und Prtvat-Bank ... 4 93,25 93 93,25 93 Scheideanstalt............. .. 9 270 270 —— 454% ehem. 8% Darmst. Komm Deutsche Bank und Disconto- Goldschmidt .............. .. 5 114,75 114.5 114,5 114,5 LandeSb.Goldschuldverlchr. R.b 93,5 93,5 —— _ Gesellschaft........... 4 94,5 94 94,75 94 RlUgerswerke ............. .. 6 129,25 136 129.5 129,5 128,75 Oberhessen Provinz-Anleihe mit Dresdner Bank.............. 4 94,75 94,25 94,75 94,25 MetällgeleUschaft........... .. 5 135,25 136 136 Auslos.-Rechten ............ 123,5 123,5 — _ Reichöbank ................ iy 196 195 195,5 194,65 Deutsche Komm. Cammelabl. An Philipp Holzmann......... 124,5 123,5 leihe Serie 1 mit AuSlos.-Rechten 119,25 119,5 119,25 120 •• * 124 124 454% ehem.8% Franks.Hyp.-Banl A.E.«...................... 0 36,13 36,65 36,4 36,5 Zementwerk Heidelberg .... - ' 40 140,25 - Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935 97 97 —- _ Bekula............... s 151 151,4 151,25 151,65 Cementwerk Karlstadt....... .. 6 150 150 — 654% ehem. 454% Franks. Hyp. Elektt. Lieferungsgesellschaft ... 6 134 134,25 135,13 134,13 Bank-Liqu.-Psandbriese....... 654% ehem. 454% Rheinische Hyp.-Bank-Liyu.-Goldpfe. .. 101,4 101,75 101,45 101,65 101,75 101,75 Licht und Kraft ............. 7 Felten & Guilleaume......... 4 Gesellsch.f.Elektr.Unternehmung, e 155 133,25 142,5 155 133,5 141,5 154,75 134,25 142,5 155,5 132,5 140,25 Schultheis Pahenhofer ..... Aku (Allgemeine Kunstseide) Bemberg................. .. 4 .. 0 56 86 56,5 111,25 56,4 111,9 56,65 454% ehe in. 8% Pr. L andeSpfand- Rheinische Elektrizität ........ g 136,25 136,5 85,75 85,13 85,25 briefanstalt, Pfandbriefe 8t 19 454% ehcm. 7% Pr. Landespfand oriefanft., Gold Komm. Obi. 20 97,5 95 97,5 95 97,5 95 97,5 95 Rhein. Wests. Elektt..........6 Schuckert LCo.............. g Siemens L Halske......... « 135,5 158 206 135,13 157 206,75 135,5 157,75 207 135,25 157 205,25 Zellstoff Waldhof .......... Zellstoff Aschaffenburg ..... Dessauer Gas ............. Daimler Motoren.......... Deutsche Linoleum......... • • 6 .. 0 .. 7 141 105,25 141 105 141,5 106 120,13 141 105,5 120,5 Steuergutich.BerrechnungSk. 84-38 109,5 109,5 109,5 109,5 Lahmeyer L To.............. 7 139,5 140 139,5 139,5 .. 0 -- 8 126 190 122 191 126 188,5 121,4 190 Orenstein & Koppel ........ .. 0 — — 82,4 4% Oesterreichtfche Soldrente... — —* 35 34,75 Buderus ........... 105 105 104,5 105,5 Westdeutsche Kaufhof....... .. 0 46,4 46,5 46,65 46,5 446 4,20% Oesterreichische Silberrentr 2,75 2,8 2,85 2,75 Deutsche Erdöl ............... 132 132,5 132 132 Chade................ .. 9 447 447 447 4% Ungarische Äoidrente....... *% Ungarische Staatsrente v. 1910 454% desgl. von 1913.......... 10 9,55 9,75 9,9 9,5 9,6 10 9,5 9,75 9,85 9,4 Harpener................. gy" Voesch Eisen—Köln-Neuessen .. 3 Ilse Bergbau ............... e 128,5 108,5 108,13 129 109,4 170,5 137,5 105 101,4 127,9 108,25 170 Accumulatoren-Fabrü...... Tonti-Gummt............. . 12 . 11 203,75 192 203 190 204 192,25 202,5 190,25 5% abgest. Goldmexikaner von 99 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe Serie 1..................... 14 14 I - 14,1 - Ilse Bergbau Genüsse........e Klöcknerwerk ............... 3 Mannesmann-Röhren........y 138,25 104,75 101,25 138,25 104 101,25 137,75 104 101,25 Grttzner.................. Mainkrastwerke Höchst a.M>. Süddeutscher Zucker ....... a 0 .. 4 . 10 33,4 99,25 233 33,4 99,25 235 33^5 236 33,65 236 Banknoten. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. 18.Juni 20.Juni Amtliche Jlollerung Amtliche Notierung Geld Brief Geld Srlef Buenos Aire 0,688 0,692 0,686 0,690 Brüssel .... 42,01 42,09 42,08 42,16 Rio de Jan. 0,139 0,141 0,139 0,141 Sofia ..... 3,047 3,053 3,047 3,053 Kopenhagen. 55,79 55,91 55,63 55,75 Danzig..... 46,80 46,90 46,80 46,90 London ..... 12,495 12,525 12,46 12,49 Heljingsor».. 5,504 5,516 5,49 5,50 Paris ...... 16,35 16,39 16,38 16,42 Holland .... 167,93 168,27 168,35 168,69 Italien..... 19,53 19,57 19,53 19,57 Japan ...... 0,731 0,733 0,730 0,732 Jugoslawien 5,654 5,666 5,654 5,666 Oslo..... : 62,80 62,92 62,62 62,74 Wien....... 48,95 Lissabon.... 11,35 1L37 11,32 11,34 Stockholm... 64,42 64,54 64,24 64,36 Schweiz ... 80,37 80,53 80,82 80,98 Spanten.... 33,87 33,93 33,95 34,01 Prag....... 10,255 10,275 10,27 10,29 Budapest .. — Reuyork ... 2,486 2,490 2,485 2,489 25erlin,20.junl | (Selb Mes Amerikanische »Jioten.............. 2,437 2,457 Belgische Noten.................. 41,96 42,12 Dänische Noten ................. 55,38 55,60 Englische Noten ................. 12,425 12,465 Französische Noten............... 16,33 16,39 Holländische Noten............... 167,93 168,61 Italienische Noten................ — Norwegische Noten ............. 62,40 62,66 Deutsch Oesterreich, ä 1OO Schilling — Rumänische Noten............... — Schwedische Noten............... Schweizer Noten................. 64,02 80,64 64,M 80,96 Spanische Noten................. 33,61 33,75 Ungarische Noten................ Nr. 143 Drittes Blaff Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Montag, 22. Juni 1936 Heimatfest auf dem Staufenberg. Reigenaufführung des BDM. verschönten das Heimatfest. (Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.) * Staufenberg, 21. Juni. Die Heimatvereinigung Staufenberg feierte heute bei herrlichem Wetter und starkem Besuche ihr diesjähriges Heimatfest. Es nahm einen schönen Verlauf und förderte ganz gewiß die rechte deutsche Volksgemeinschaft, die letztes großes Ziel der Bestrebungen der Vereinigung ist. Nach einem Musikstück begrüßte der Vorsitzende, Dekan a.D. G ußm a nn (Gießen) die stattliche Versammlung, besonders die Gäste. Er wies auf die Bestrebungen der Vereinigung hin, auf das im letzten Jahre Geleistete, auf den nun staatlich garantierten Naturschutz, dem auch die von der Heimatvereinigung mit Genehmigung des hessischen Ministeriums vorgenommenen Absperrung der oberen Burgruine dienen solle, ferner auf die in acht Tagen stattfindende Tagung des Landschaftsbundes für Volkstum und Heimat in Bad-Nauheim mit vielen instruktiven Vorträgen, und brachte zuletzt ein begeistert aufgenommenes dreifaches „Sieg-Heil" auf den Führer unseres Volkes aus, der mit starker Hand durch Schaffung unseres Volksheeres uns Freiheit und Ehre, und damit- unsere Heimat uns zurückgab und dadurch gesegnete Arbeit an ihr erst ermöglichte. Der Heimatdichter Ludwig Becker- Ruttershausen war leider durch Krankheit am Erscheinen verhindert. Da die Sonne unbarmherzig niederbrannte, konnte das Spiel der Alten-Busecker Spielschar leider nicht auf dem sonnigen, großen Platz der oberen Burg aufgeführt werden. Hier war eine Bühne aufgeschlagen und für Sitzplätze gesorgt. Diese große Arbeit war das Verdienst des Schriftführers L. Stephan II - Staufenberg. Die allzu heiße Witterung zwang die Versammlung, die Aufführung auf der Bühne des großen Festsaales vorzunehmen, der im Augenblick überfüllt war. Hier sprach Frau Sarg (Alten-Buseck), die Leiterin der dortigen bäuerlichen Spielschar, über die Entstehung und die Absicht der Spielschar. Die Aufführung des Doppelakters „S. M. Nr. 265" hatte wie immer vollen Erfolg und führte in überaus wirkungsvoller Weise in das bäuerliche Leben des Dorfes ein. Nach der Aufführung begann sich nun in den Räumen der unteren Burg ein buntes Leben zu entfalten. Die Kapelle M ö b u s (Gießen) konzertierte. Der Staufenberger BDM., der wie immer unter Leitung der Führerin Elli Schmidt zur Stelle war, erfreute die Anwesenden durch Reigen. Nach der Abendessen-Pause, wo viele Gäste bei Staufenberger Heimatfreunden eingeladen waren, setzte auf der Burg der gemütliche, inoffizielle Teil ein. Bei beginnender Dunkelheit wurde die Burg illuminiert. Viele Fackeln leuchteten vom Turm in das Lahntal weithin. Magnesiumlicht ließ die obere Ruine in phantastischem Lichte zu den vielen Beobachtern der Umgebung aufleuchten. Der Turnverein Staufenberg, verstärkt durch eine Turnerriege Lollar zeigte nachmittags sehr schöne Hebungen am Barren. Eine ganz besonders freudige Ueberraschung bedeutete der Besuch des Führers des Landschaftsbundes für Volkstum und Heimat, Ministerialrat Ringshausen (Darmstadt), mit Begleitung, der von Saasen her gegen 18 Uhr eintraf und über eine Stunde mit Interesse die schöne Burg und die Aussicht in das Lahntal bewunderte. Fröhlicher Tanz hielt die Jugend noch einige Zeit zusammen. Aber alle waren voll der Freude und des Dankes, ein schönes Sommerfest, ein rechtes Heimatfest verlebt zu haben. Aus der Proviuzialhauptstadt. Jetzt ist Rosenzeit. Der Dichter Hermann Claudius, Urenkel des Matthias Claudius, den wir alle als den „Wandsbecker Boten" lieben und verehren, erzählt eine Erinnerung an feinen Vater. Da heißt es: „ ... Wieviel Sehnsucht nach Acker und Garten und Vieh und Wald und grüner Weide mag in dem armen verhutzelten Büroläufer verschüttet gewesen sein! Einmal gingen wir, die Eltern und vier langbeinige Jungen, an einem Sonntagnachmittag spazieren und kamen bei einem kleinen Vorgarten mit Rosen vorbei. Da blieb der ,Alte' stehen, schlug laut die Hände zusammen und rief mit seiner Bärenbaßstimme, die gar nicht zu ihm gehören schien: Kinder, die Rosen, die Rosen! Seht doch die schönen roten, roten Rosen!< Und er stand in Gedanken und hielt immer noch die hageren Hände erhoben, und Tränen rollten ihm über die gefurchten Wangen. Und die Leute sahen ihn spöttisch an. Und wir brängton ihn weiter ..." Dieses kleine Erlebnis stieg vor mir auf, als ich in diesen Junitagen auf einer Wanderung kurze Rast draußen am Abhang eines Berges hielt. Ich hatte eben den Wald verlassen und stieg durch Obstanlagen abwärts. Im Schatten einer Linde lud eine alte Holzbank zur Ruhe ein. Die Aussicht auf die im Tale gelegenen Dörfer und die in weiter Ferne blauenden Berge war wunderschön. — Ich hatte schon den Stock in der Hand und wollte weiterwandern, da sah ich, daß hinter der Linde, ganz versteckt im Grünen, die Wände eines Wasserwerkes hervorschauten. Ich trat näher herzu, und unwillkürlich kam mir der Ausspruch des alten Claudius in den Mund: Die Rosen! Die Rosen! Da hatte der Wasserwärter, ober wer es sonst auch gewesen war, den guten Gedanken gehabt und rings um das in die Erde eingebaute Wasserhaus Rankrosen gepflanzt. Diese Rosen verdeckten das Mauerwerk fast vollkommen und standen nun in vollster Blüte. Aus der einen Seite waren es hochrote, leuchtende Rosensträuße, während auf der anderen Seite schneeweiße Blüten in großen Trauben herabhingen. Eine Rosenpracht in solcher Fülle und Ausdehnung hatte ich noch nie gesehen. Ungehemmt und frei hatten sich die Sträucher hier oben entwickeln können. Ganz überwältigend war der Blütenreichtum. Die Inschrift auf dem Mauerwerk war vollständig verdeckt und kaum noch zu erkennen. Ich hatte auch kein Verlangen, die paar Buchstaben zu entziffern. Fassungslos und immer wieder staunend stand ich vor dem Rosenwunder. Die Rosen! Die Rosen! — Ja, sie zaubern und locken Quellen hervor, die im Herzen der in der Stadt verbannten Menschen unbewußt und heimlich rauschen. Sie rühren an die tiefsten Tiefen unsrer Seele und wecken mit ihrem Duft die uralte Sehnsucht aller Menschen nach den Schönheiten der Natur. Es ist wie im Märchen, wenn wir vor den Rosen stehen. Die Natur hat ihre ganze Liebe, ihren ganzen Duft für die Herrlichkeit der Rosen aufbewahrt. Aus der schlichten Schönheit des Heckenröschens hat der Mensch mit unendlicher Liebe und Muhe Die wundervollen Formen und Farben der Gartenrosen gezüchtet. Und es gibt zur Sommerszeit nichts Schöneres als einen Gang durch einen Rosengarten am frühen Morgen. Da hängt noch der lau an den dunkelgrünen Blättern, und bescheiden lallen die Rosenknospen ihre Köpfe hängen. Aber der Duft aus den sich öffnenden Blüten erfüllt die Lust ringsum. Im Sonnenschein entfalten sie ficf) gan^. Auch bei Regenwetter sind sie schön, unsere Rosen. Da stehen sie tief gebeugt und demütig, um ihren Blütenstaub und die zarten Blättchen zu schützen. Wir Menschen möchten uns umgeben mit Rosen. Wir bringen sie der glücklichen Mutter, die einem jungen Erdenbürger das Leben schenkte, wir gehen zur Liebsten mit einem Rosenstrauß in der Hand, und mir schmücken unser Heim mit Rosen. Wie freuen wir uns, wenn uns am frühen Morgen auf dem Tisch ein Rosenstrauß begrüßt! Solch ein Strauß hat Gewalt über uns. Er kann uns trösten und erheitern, und das Alltagswort „Laßt Blumen sprechen!" enthält einen tiefen Sinn und eine große Wahrheit. Das wollen wir nicht vergessen. Auch die weißen Trauerrosen auf dem Friedhof sprechen zu uns, mahnen und erinnern. — Bei uns soll „auch die Rose fleißig vom Morgen bis Abend dabei sein, und hat zum Danke nichts als das Verblühen, dafür ist sie dann aber auch eine leibhaftige Rose gewesen". (Gottfried Keller.) Die Rof ist ohn' Warum; sie blühet, weil sie blühet; sie acht't nicht ihrer selbst, fragt nicht, ob man sie siehet. (Angelus Silesius.) L. Bornotizen. Tageskalender für Montag. Gloria-Palast, Seltersweg: „Natascha, Moskauer Nächte". — Oberhessischer Kunstverein, 16 bis 19 Uhr, Ausstellung „Frauenbildnis mit Schmuck" im Foyer des Stadttheaters. — Englisches Seminar und Akademische Auslandsstelle: 20.15 Uhr, englischer Vortrag von Professor L. A. Willoughby „Wordsworth and Coleridge in Germany“ im Kunstwissenschaftlichen Institut (Luhwigstraße 34). Das Miffionssest auf dem Gchlffenberg Die Luthergemeinde feierte gestern auf dem Schiffenberg ihr Missionsfest. Infolge der günftigen Witterung war der Besuch außerordentlich stark. Unter schattigen Bäumen, in der Nähe der altehrwürdigen Kirche lauschten Hunderte andachtsvoll den vielseitigen Darbietungen und Ansprachen Nach einem Lied der Gemeinde erfreute zunächst der Kirchenchor durch Vortrag mehrerer Lieder, die ebenso wie die sonstigen Darbietungen des Chors auf beachtlicher Höhe standen. Ein besonderer Genuß wurde den Besuchern durch die Musikvorträge eines Trios (Cello und zwei Flöten) geboten Pfarrer Anthes wies in feinem Grußwort u. a. daraufhin, daß der Schiffenberg ein Stück alter deutscher Vergangenheit sei. Unter Betonung des Heimatgedankens brachte er zum Ausdruck, daß man sich überall heimisch fühlen könne, wenn man fest im Glauben stehe. So wie bei dem herrlichen Wetter draußen in der Natur alles vorwärts gehe, so trage auch die Missionsarbeit reiche Früchte. Nach einigen weiteren Liedern des Kirchenchors, die teilweise von diesem allein, teilweise mit der Gemeinde gesungen wurden, sowie einem weiteren Jnstrumentalvortrag sprach Pfarrer K. G. Steck, Dozent am Predigerseminar der bekennenden Kirche in Frankfurt a. M., von der Missionsarbeit in Neu- Guinea. Der Redner, der zwar nicht selbst ist Neu- Guinea war, schilderte die dortigen Verhältnisse und zeigte dann die Erfolge der in Bayern ausgebildeten und nach Neu-Guinea entsandten Missionare. Die Kirche sei dort eine wirklich lebendige Gemeinde. Die bekehrten Christen seien dafür daß man ihnen das Evangelium gebracht habe, dankbar. Sie unterstützten die Arbeit der Missionare durch Stellung und Entsendung junger Gehilfen in neu zu bearbeitende Gebietsteile. Das laufende Kirchen- und Christenleben werde nicht durch die Missionare, sondern durch die Gemeinden selbst bewegt. Zum Schluß betonte der Redner noch, daß da, wo eine wirkliche Kirche und wirkliches Evangelium sei, auch eine wirklich lebnbige Gemeinde entstünde. Anschließend sprach Pfarrer Steck noch zu den anwesenden Kindern über die Missionsarbeit in Neu-Guinea. Nach einem weiteren Lied des Kirchemhors versammelten sich die Festbesucher in der geräumigen alten Kirche, wo zunächst der Chor, teilweise zusammen mit einem Kinderchor, herrliche Choräle zum Vortrag brachte. Es folgte dann ein von Max Mell verfaßtes Apostelspiel, aufgeführt von Gießener Thevlogiestudenten. Dieses Stück, das seine Wirkung nicht verfehlte, zeigte, was starker Glaube zu leisten vermag. Ein weiteres Lied des Kirchen- chors, ein kurzes Schlußwort des Gemeindepfarrers, sowie Gemeindegesang, bildeten den Abschluß der schön verlaufenen Veranstaltung. Treuestaffel für denAeichsarbeitsführer Gießener Arbeitsdienst bestritt die Strecke Gießen—Nieder-Florstadl. Gestern nachmittag zwischen 3 und 4 Uhr waren die Angehörigen des Gießener Arbeitsdienstlagers Justus von Liebig" zu einem Staffellauf unterwegs. Auf der Kaiserallee, am Hindenburgwall und auf der Frankfurter Straße konnte man den kräftigen Gestalten des Arbeitsdienstes begegnen. Sie standen in ihrem schönen Sportdreß an der Straße und erwarteten jeweils den Läufer, der ihnen die Urkunde in einer stattlichen Metallhülse zu übergeben hatte. Jeder der Läufer hatte eine Strecke von hundert Metern zu bewältigen. Die Läufer schlugen ein ungemein rasches Tempo an und hatten, vom Lager aus, in wenigen Minuten die Stadt hinter sich, um in der Richtung nach Klein- und Großen-Linden weiterzueilen. Führer des Arbeitsdienstes begleiteten die Staffel im Kraftwagen und auf dem Motorrad. Die Staffel des Gießener Arbeitsdienstes hatte den Köcher mit Urkunden aus dem Marburger Land und dem Hinterland von Biedenkopf und Dillenburg in Gießen übernommen und führte von hier aus die Staffel bis Nieder-Florstadt weiter; dort übernahm das Arbeitsdienstlager Wickstadt den Köcher und brachte ihn bis Nidda. Von dort aus führte der Weg der Staffel über Schotten zum Hoherodskopf, wo im Rahmen einer Sonnwendfeier der Köcher mit den Treueurkunden dem Gauarbeitsführer übermittelt wurde, der sie nach Berlin an den Reichsarbeitsführer weiterleitete. Auffahrt der Motorstandarte 147. Eine eindrucksvolle Kundgebung stellte die Fahrt der Motorstandarte 147 von Gießen nach Frankfurt dar. Am Samstagnachmittag sammelten sich die Mannschaften, etwa 1200 NSKK.-Männer der Standarte mit über 350 Fahrzeugen auf dem Trieb. Nachdem Standartenführer Nagel die letzten Fahranweisungen und -befehle ausgegeben hatte, machten sich die Kolonnen auf den Weg. Durch viele Straßen der Stadt führte die Fahrt; vor der Universität hielt der Standartenführer Ueberschau über die teilnehmenden Mannschaften und Fahrzeuge. Der Musikzug der Motorstandarte spielte für die große Auffahrt schneidige Märsche. Bald darauf verließen die Kolonnen in der Richtung nach Frankfurt unsere Stadt. Die Einwohnerschaft brachte der imposanten Auffahrt alle Aufmerksamkeit entgegen. Wiedereinstellung bedingt nicht das Aufleben einer erlassenen Schuld. Eine Entscheidung des Wiesbadener Arbeitsgerichts. Mit einer nicht alltäglichen Rechtsfrage hatte sich das Wiesbadener Arbeitsgericht in einer Sitzung der Angestelltenkammer zu befassen. Der Klage lug folgender Sachverhalt zugrunde: Das Arbeitsverhältnis eines Angestellten einer Wiesbadener Firma war in gegenseitigem Einverständnis gelöst worden. Zu diesem Zeitpunkt hatte nun die Firma an ihren ehemaligen Angestellten noch eine Forderung, die sie aber als Entschädigung für die Auflösung des Arbeitsverhältnisses ansah und deshalb dem Arbeitnehmer die Schuld erließ. Kurze Zeit nach seinem Aus- ttitt wurde aber der Arbeitnehmer wieder von derselben Firma eingestellt und vertraglich weiterbeschäftigt. Bei dem neuen Zustandekommen des Ar- beitsverhältnisses wurde weder von feiten der Arbeitgeberin, noch von feiten des Angestellten dieser Schulderlaß erwähnt. Die erneute Beschäftigung dauerte nahezu 15 Monate, als es abermals zu einer Auflösung des Arbeitsoerhältnisses kam. Eine Forderung der einen oder anderen Partei bestand nicht mehr. Trotzdem beschritt die Firma den Klageweg und forderte von dem Arbeitnehmer die Rückzahlung der Schuldsumme, die ihm bei Auslösung des ersten Dienstverhältnisses als Entschädigung angerechnet und demzufolge erlassen war. Die Firma begründete nun vor Gericht ihren Anspruch damit, daß die Wiedereinstellung auch das Wiederaufleben der alten Schuld aus dem ersten Dienstverhältnis zur Folge gehabt habe. Dieser Ansicht konnte jedoch die Angestelltenkammer des Arbeitsgerichtes nicht beitreten; sie vertrat vielmehr die Ansicht, daß die Schuld des Arbeitnehmers aus dem ersten Dienstverhältnis auf Grund der damals gesoffenen Vereinbarung erloschen war. Torh harter Arbeit fröhlicher Tan,. ZdR. Wenn man an Sonn- und Feiertagen abends durch ein deutsches Dorf geht, so hört man vielleicht aus dem Saale der Gastwirtschaft sröh- liche Musik. Da ist die junge Dorfgemeinschaft aus irgendeinem Anlaß zum Tanz zusammengekommen. Was tanzen diese Bauernkinder? Nun, in sehr vielen Fällen nichts anderes als was der Großstädter in seinen Vergnügungslokalen auch tanzt. Auch in der Kleidung besteht hier oft kein Unterschied. Man kann selbst zu einer offiziellen Veranstaltung kommen, wenn zum Tanz aufgefordert wird, erlebt man häufig das gleiche Bild. Die Landjugend scheint ihre Eigenart verloren zu haben. Nur hier und da erleben wir es heute, daß sich ganz allmählich aus der jungen Dorfgemeinschaft heraus eine neue Form herausbildet. So war es kürzlich auf einem Kreisbauerntag in einer deutschen Kleinstadt. Wenig bäuerliche Eigenart in Tracht und Tanz haben sich in diesem Bezirk im Wandel der Zeiten erhalten. Aber als nach der Arbeitstagung, nach den Vorträgen über die wirtschaftlichen und völkischen Fragen unseres Volkes am Abend Freude und Tanz zu ihrem Recht kamen, da gab es zwischen den verschiedenen Trotts immer wieder eine wunderbare Abwechslung. Die Landjugend eines einzelnen Dorfes hatte sich dis sowohl von der Hitlerjugend wie vorn Reichsnährstand herausgegangenen Anregungen zur Pflege des deutschen Volkstanzes zu eigen gemacht. Jede Woche waren sie schon lange vorher zusammengekommen und hatten miteinander getanzt. Sie lernten die schönen stilechten Gemeinschaftstänze. Diese tanzten sie nun auch hier auf dem Kreisbauerntag und die gleiche, kleidsame Tracht tat das ihre, um den Eindruck noch erfreulicher zu machen. Machte dieser Tanz ihnen nun mehr Freude als z. B. die auch bei dieser Gelegenheit unvermeidlichen „Regentropfen"? „Und ob!" sagt der Führer der Gruppe: „Wir tanzen am liebsten die Gruppentänze und haben viel mehr Spaß daran als an anderen Vergnügungen." Auch die übrigen Gäste des Abends hatten ihre Freude an dieser Gruppe gesunder, lachender Burschen und Mädel und ihrem Tanz, und es klang von manchem wie ein Bedauern, daß er nicht mitmachen konnte. Es ist gar nicht daran zu zweifeln, daß der Gemeinschaftstanz oder sagen wir ruhig, der Volkstanz, allmählich weit über die Gegenden hinaus, wo er heute noch bodenständig lebt. Anklang finden wird, wenn nur ein tatkräftiger und fröhlicher Kerl da ist, der die Sache anfängt. Sinn und Denken unserer deutschen Dorfjugend sind gesund genug, um das Gute vom Geringeren auch beim Tanz unterscheiden zu können. Was sagt mein älterer Nachbar? „Gerade jetzt, wo die Arbeit im landwirtschaftlichen Betrieb alle Kräfte erfordert und kein Mensch Zeit hat, an anderes als an Arbeit zu denken, sprecht ihr vom Das „Deutsche Lugendsest" in Gießen. Der Tag des Jungvolkes und der Lungmädel In Gießen standen der Jugend für die Durchführung ihrer Pflichtübungen für das „Deutsche Jugendfest" so ausgezeichnete Sportplätze zur Verfügung, wie der der Universität, auf dem die Jungmädels übten und der Waldsportplatz des VfB.- Reichsbahn sowie der Trieb-Sportplatz der 1900er, die von den Jungen belegt waren. Die große Anzahl der Lehrer und Lehrerinnen waren der Jugend wertvolle Helfer, die nicht nur bei den Messungen halfen, sondern anschließend auch die Bewertung meisterten, die sich zum Teil bis in den Nachmittag hinauszog. In Anbetracht der vielfach weiten Anmarschstrecken und der drückenden Sommerwärme wurden doch verhältnismäßig günstige Ergebnisse erzielt. Die Wettkämpfe der HZ. Die Mannschaftsmehrkämpfe der HI. einschließlich der Marine-HI. wurden am gestrigen Sonntagvormittag durchgeführt und konnten verhältnismäßig rasch abgeschlossen werden. Auf zwei Plätzen wurde gekämpft. Auf dem Platz der Spielvereinigung 1900 und auf dem Waldsportplatz des VfB.- Reichsbahn waren viele Mannschaften, je ein Führer und neun Mann, angetreten, um im 100-Me- ter-Lauf, im Keulenweitwurf und im Weitsprung die Kräfte zu messen. Von einem Kampfplatz gingen die Mannschaften zum anderen und brachten die Wettkämpfe mit mehr oder weniger guten Ergebnissen hinter sich. Die herrschende Hitze drückte allerdings nicht unerheblich auf die Leistungen. Daher mag es auch kommen, daß manche die Zeit und Weite unter den in den Einzelwettkämpfen erzielten Ergebnissen lag. Das Kampfgericht lag in bewährten Händen der in dieser Hinsicht häufig und mit Erfahrung tätigen Mitglieder der Vereine des Reichsbundes für Leibesübungen. BDM. auf dem Llniversitcitssportplatz. Der BDM. trug die Mannschaftsmehrkämpfe auf dem Universitätssportplatz aus, wo sich das gleiche Bild einer eifrigen sportlichen Betätigung bot. Auch die Mädchen hatten die 100-Meter-Strecke zu laufen und dabei eine ausgezeichnet beschaffene Bahn zur Verfügung. Ferner war auch von ihnen der Ballweitwurf und der Weitsprung zu bestreiten. Eine große Gruppe von Mädchen war außerdem in eifrigem lieben für gymnastische Darbietungen zum nächsten BDM.-Sportfest begriffen. Die Wettkämpfe waren ebenfalls bis gegen Mittag beendet. Eine umfangreiche Arbeit galt es bei den gesamten Wettkämpfen des Deutschen Jugendtages auf dem Papier zu leisten. Die Berechnungsausschüsse hatten alle erzielten Leistungen an Hand umfangreicher Tabellen in Punktwertung umzusetzen. Doch auch diese Arbeiten konnten im Laufe des Sonntags und zum Teil noch während der Wettkämpfe abgeschlossen werden. Für den notwendigen Sanitätsdienst hatte die Sanitätskolonne Gießen Wachen gestellt, die glück- licherweise in keinem ernsteren Fall einzugreifen brauchte. Kämpfe der Hitler-Jugend auf Dem Waldsportplatz. (Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.) --/VT- Aus den preußischen Tlachbargebieten zu können. Als Schreinerlehrling vermißt, als Landhelfer wiedergefunden. im .Katholischen Vereinshaus" vereinte trotz der drückenden Hitze unter den Klängen der Kapelle K r e n g e l die 390er mit ihren Angehörigen zum ) alter Erinnerungen und der Festigung die Person des Bademeisters und die Höhe der Badepreise wird in Kürze entschieden. Man hofft, am 5. Juli die Einweihung des Bades vornehmen i Bill die Grütze an>Krenae die 9./116 aufgegangen Austausch stets guten Beziehungen der kameradschaftlichen Bande, hip Kameradickaft und I -------- * “später hielt Dr. Mothes (Darmstadt) einen Lichtbilderoortrag über das Regiment, bei der aus der Fülle umfangreichen Bildmaterials nur ein Auslcknitt gezeigt werden konnte. Für die Regimentskameradschaft der IIBer überbrachte deren Führer Hans Bill die Gruße an die 390er, in deren Reihen b;° 0 ,11fi nnfnpoanaen und mit denen dte 116er in stets gestanden haben. Er feierte die Kameradschaft und wünschte dem ersten Auftakt eine nachhaltige Wirkung in den Ortsgruppen. Besondere Grütze übermittelte auch der Fried- berger Kameradschaftsführer der 390er, Kamerad Tönges, der auf den guten Zusammenhalt in seiner Kameradschaft zur Aufmunterung an die ankeren Kameraden verwies. Unter den forschen Soldatenweisen der Kapelle K r e n g e l blieben die 390er mit ihren Angehörigen noch lange Zeit zusammen. Am Sonntag wurde morgens die Waldka- s e r n e b e s i ch t i g t, die Bewunderung hervorries. Anschließend traten die Kameraden im Bataillons- Verbände zur Gefallenenehrung am LL6er-Oenkmal zusammen, an der als Vertreter der Stadt Gießen auch Beigeordneter Sudheimer teilnahm. Leutnant d. R. a. D. Ad. Schad, Gießen, sprach aufrüttelnde Worte der Erinnerung. Rach der Kranzniederlegung marschierten die alten Soldaten in bester Haltung an ihrem alten Regimentskommandeur, Oberstleutnant a. D. Radolny vorbei. Das Mittagessen wurde gemeinsam im Bataillons- Verbände eingenommen. OieKameradschastsfeieramNachmittag Am Sonntagvormittag findet gleichzeitig eine Sitzung der in der Gaufachstelle für Landsmannschaften und Trachtenpflege vereinigten Beirate und Dereinsleiter statt, in der Georg Heß und der Leiter der Reichsfachstelle, K a p l a n e ck, sprechen werden. . v .. , .. Eine Filmmorgenfeier wird tue Arbeitstagung abschließen. * ** Schwerer Derkehrsunfall. Gestern vormittag ereignete sich an der Ecke Bismarckstraße und Ludwigstratze ein schwerer Verkehrsunsall. Ein mit drei Personen besetzter Kraftwagen stteß mit LPD. Limburg, 19. Juni. Der am Donnerstag durch den Rundfunk als vermißt gemeldete 16- jährige Schreinerlehrling Theodor Kolter aus Lindenholzhausen, der am 15. Juni seinem Lehrherrn durchgebrannt war und seitdem vermißt wurde, konnte durch die Vermißtenmeldung des Rundfunks schnell wieder aufgefunden werden. Kurz nach der Durchgabe der Vermißtenmeldung teilte der Bürgermeister von Waldmannshausen (Westerwald) den Eltern des Vermißten mit, daß der Aus-, reißer sich in Waldmannshausen aufhalte. Da er für Landwirtschaft und Pferde eine besondere Vorliebe habe, habe er sich bei dortigen Landwirten zu verdingen versucht und helfe ihnen bei der Arbeit aus. Oie Jubiläums-Hundeausstellung im Gau Westmark-Heffen. LPD. Frankfurt a. M., 19. Juni. Der Jubiläums-Hundeausstellung am 3. und 4. Juli in der Fefthalle zu Frankfurt a. M. kommt sowohl für die Kynologen als auch für die gesamte Oeffentlichkeit eine größere Bedeutung zu. Polizeipräsident Gruppenführer B e ck e r l e hat die Diensthunde der Frankfurter Schutzpolizei mit ihren Führern zur Verfügung gestellt, ebenso werden sich die SA. und die Reichsbahndirektion mit einem Teil ihrer Diensthunde an den Polizei- und Schutzhundevorführungen beteiligen. Sämtliche Rasse-Fachschaften des Gaues Westmark-Heffen wetteifern miteinander, in den 24 Sonderausstellungen ihr bestes Hundematerial zu zeigen. Der große Zuchtgruppenwettstreit, zu dem Gauleiter Sprenger, Reichssportführer v. T s ch a m • mer und Osten, der Verkehrsverein, die Messegesellschaft und andere Körperschaften wertvolle Ehrenpreise gestiftet haben, wird Leistungen hervorbringen, wie sie bis jetzt noch nicht aesehen wurden. Interessant dürften sich auch die Länderausscheidungskämpfe sowie die Ermittlung bzw. Prämiierung der zwei besten Hunde in der Ausstellung gestalten. Das Krofdorfer Schwimmba d vollendet (D Krofdorf-Gleiberg, 21. Juni. Inner- halb kurzer Zeit sind die Arbeiten an unserem Schwimmbad unter Leitung von Architekt Haas, hier, und in Ausführung von Baugeschäft K. Drescher hier soweit fortgeschritten, daß es in diesen Tagen in Betrieb genommen werden kann. Die Verwirklichung des Projektes darf als glücklich gelöst angesehen werden. Zu der Bodenfläche und den Seitenwänden, die aus gutem Beton bestehen, waren viele Lastwagen vorn besten Splitt und weit über 1200 Sack Zement nötig. Die Einrichtung ist so angefertigt, daß Schwimmwettkämpfe in vorschriftsmäßigen Entfernunasmaßen stattfinden können. Die Zuleitung des Wassers aus dem unmittelbar am Bad fließenden Fohnbach, der aus dem Krofdorfer Wald kommt, geschieht mit 15- Zentimeterrohren, die in 12,5-Zentimeterrohre übergehend, das Kinder-Planschbecken, das Fußwasch- Becken speisen und in zwei Einflüssen im großen Becken enden. Der Abfluß regelt sich infolge des geringen Bachgefälles in einer etwa 150 Meter langen Rohrleitung, die ein Stück südlich der Fel- lingshäuser Straße in das Bachbett mündet. Man hat am Samstag zum erstenmal das Becken voll Wasser laufen lassen und dabei die sehr erfreuliche Feststellung gemacht, daß die Füllung in etwa 18 Stunden vor sich ging. Naturgemäß herrschte am Sonntag hn Bad Hochbetrieb. Neben den zahlreich von hier und auswärts erschienenen Badenden ließen sich viele Neugierige das neue Bild nicht entgehen. Es herrschte allenthalben Freude und Lob über das geschaffene Werk, das ein großer Fortschritt dörflicher Kulturarbeit bedeutet und eine vielbesuchte Stätte zu werden verspricht. Ein vrovisorisch hergerichteter Sprungturm fand lebhafte Benutzung. Alt und jung sonnte sich auf dem das Bad umgebenden Gelände, das natürlich noch pfleglicher Instandsetzung bedarf, mit Rasen eingesät wird und die notwendigen Aus- und Ankleideräume erhält, zu denen bereits das Fundament gelegt ist. Die Kabinen werden vorwiegend an der Nordseite liegen, um durch sie gleichzeitig eventuelle Tal-Nordwinde abzuhalten. Ein betonierter Laufsteg umzieht das Becken, das somit von allen Seiten bequem erreichbar wird. Der Eingang zum Bad kommt so zu liegen, daß der noch anzustellende Bademeister vom Schalter bzw. von seinem nebenan liegenden Zimmer alles überblicken kann. Ueber Tanz? Damit müßt ihr bei Wintersanfang kommen, wenn man Muße und Luft dazu hat." — Nein, gerade jetzt sprechen wir vom Tanz, denn der Tanz in der Hauptarbeitszeit ist ein mindestens so gutes Kriterium für Art und Wert unserer Jugend wie die Arbeit selbst. Wer bei der Arbeit faul und unlustig ist, wird nach Feierabend und an Feiertagen Küße und Augen schonqn und höchstens nach irgendeiner beliebigen Melodie im Stil des Einheitsschiebers durch den Saal schlenkern. Gerade die fleißigsten und gewecktesten Burschen und Mädel aber werden eben dann ihre Freude zeigen an einer besseren Art des Tanzens. Denn der Tanz ist ja auch nur ein wenn auch äußerlicher Ausdruck unserer durch Blut und Rasse bedingten Lebensgestaltung. S i e f k e n. ;?ör Volkstum und Heimat. Arbeilslagung des Landschaftsbunbes Volkstum und Heimat. NSG. Diese Arbeitstagung des Landschaftsbundes Volkstum und Heimat, die in Bad-Nauheim am 27. und 28. Juni stattfindet, soll einen umfassenden Querschnitt durch die Arbeit der Volkstums- und Heimatbewegung im Gau Hessen-Nassau geben. Neben organisatorischen Besprechungen werden zahlreiche Vorträge mit Lichtbildern und Filmen erläutert, die das ganze Aufgabengebiet des Landschaftsbundes Volkstum und Heimat behandeln und einen Ueberblick geben über die Wege, die zu gehen sind, um eine echte deutsche Volkskultur wieder zu erwecken und im Sinne der nationalsozialistischen Weltanschauung der Kulturarbeit Richtung und Führung zu geben. Der Samstagvormittag steht im Zeichen des Fachamtes Naturschutz. Der Leiter dieses Fach- amtes, der Beauftragte für Naturschutz im Bereich des Landes Hessen, Professor Dr. Schmidtgen, Mainz, spricht über die Ausgaben des Naturschutzes. Der weiteren Vertiefung des Verständnisses für die Natur- und Heimatschutzbestrebungen dienen die Vorträge: Tier- und Vogelschutz von Studienrat Veith, Darmstadt, Der Heimatboden und seine Beziehungen zu Pflanzen, Tier und Mensch von Professor Wagner, Darmstadt; Reichsautobahn und Landschaftsgestaltung von Architekt Hirsch, Wiesbaden. . L £ Im Anschluß an diese Vorträge wird eine Fahrt nach Wisselsheim zum Kennenlernen der Salzflora durchgeführt. Am Nachmittag kommt die wissenschaftliche Volks- kundesorschung und die praktische Dolkstumsarbeit zu Wort. Nach einem Vortrag des Fachamtsleiters, Kreisschulrat Schäfer, Dieburg, über die Aufgaben und Ziele werden die Referenten für Brauchtum, Volkstanz und Volksmusik in die praktische Volkstumsarbeit einführen und den Zuhörern die Erforschung des alten Brauchtums und dessen Verlebendigung und Erhaltung im heutigen Lebensraum zeigen. Dr. Winter, Heppenheim, spricht über Symbol- und Brauchtumsforschung, Oberreallehrer Mössinger, Darmstadt, behandelt einen Brauch der Landschaft: „Pfingstreiten und Laub- Männchen", Studienrat v. d. Au spricht über Volkstanz und Lehrer Händchen, Mörfelden, über das Volkslied. Am Abend behandelt Ober- ftudiendirektor Philipps, Friedberg, der Refe- rcnt für Volksbühnen und Laienspiel, in Gemeinschaftsarbeit mit unserem oberhessischen Heimatdichter Georg Heß, Leihgestern, und Lehrer Händchen, die Gestaltung des Dorf- und Heimatabends mit praktischen Beispielen. Am Sanntagvormittag kommt das Fachamt für Heimatgeschicht? und Denkmalpflege zu Wort. Nach einem Einführungsvortrag von Professor M i n d n e r, Darmstadt, über Denkmalpflege und Heimatschutzarbeit im Landschaftsbund reihen sich Kurzvorträge an: Bausteine zur Heimatgeschichte, „Das . Dorf und Hausbuch" von Lehrer Gail, Lixftlb; Die Bedeutung der Vorgeschichte für die Volkstums- und Heimatsorschung von Professor Dr. Richter, Gießen; Rassen- und Rassenseelenkunde, die Grundlage aller Dolkstumsarbeit und Dolkskundeforschung, von Studienrat Dr. Paul, Darmstadt. Besonders hervorzuheben ist noch ein Vortrag über die Gestaltung der Fest- und Feierplätze im dörflichen Lebensraum von Professor Mindner, Darmstadt. einem Auto zusommen. der Kroltwagen wurde dabei umgeworfen, und die Jnfotzen kam unter das Auto zu liegen. Emer der Verung uai wurde schwer verletzt, er erlitt e>n-n komM^erten Schenkelbruch und mußte sofort in d'eMin g bracht werden. Außerdem entstand einiger