Nr. 2§7 Erster Blatt 186. Jahrgang Mittwoch, A. Oktober 1936 Erschein, rügtlch, autzei Sonntags und Feiertags Beilagen: Vie Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen NM 1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Hernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach» richten Anzeiger Siesten Postscheckkonto: fironlfurt am Main 11686 Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitatsvuch- und Steindruckerei R. Lange in Gießen. Schriftlettung und Geschäftsstelle: Zchulftrahe 7 Annahme von Anzeigen für die Millagsnummer bis 8'/,Uhr bes Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Brette 7 Rps., für Textanzeigen von 70mm Breite 50 Rps.,Platzvorschrift nach vorh. Dereinbg.250/„ mehr. Ermäßigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzei- gen 5 Rps .Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- tu behördliche Anzeigen 6Npf. Mengenabschlüsse Staffel B Ausruf zur Tat. Außer dem Widerhall in der gesamten deutschen Presse haben auch die Aeußerungen der ausländischen Blätter gezeigt, daß man Bedeutung und Tragweite der neuen Beauftragung Hermann Görings durch Adolf Hitler überall erkannt hat. Als 1933 der Führer seinen ersten Vierjahresplan bekannt gab, fand sich die beste Würdigung seines Vorhabens unter allen ausländischen Beurteilern i n einem italienischen Blatt, das kurz und sachlich feststellte: „Die Erfahrung hat gelehrt, daß nationalsozialistische Versprechungen erfüllt zu werden pflegen". Aus dem gleichen Lande wird jetzt die Betrauung Görings mit einer wirtschaftlichen Generalvollmacht, die zugleich von höchster politi- scher Bedeutung ist, mit vollem Recht als „M o b i - Ministerpräsident Generaloberst Göring. (Scherl-Bilderdienst-M.) ■ IKOtzBWMU i • MrZMM lisierung allerKräfte derNation" schon deshalb bezeichnet, weil ja jedes einzelne Mitglied der deutschen Volksgemeinschaft schon in Nürnberg vuf die Mitarbeit an dem zweiten Vierjahresplan verpflichtet wurde. Schon in seiner Proklamation auf dem Parteitag der Ehre hatte der Führer hervorgehoben, daß der Aufbau der deutschen Rohstoffwirtschaft ivohl dazu dienen solle, die Lebensgrundlagen der Nation ein für allemal sicher zu stellen, nicht -aber dazu, die Lebensinteressen an- Lerer Völker zu bedrohen und zu beeinträchtigen. Dasselbe ließ sich bereits von dem ersten , Wierjahresplan sagen. Der Führer fragte die demokratischen Kritiker der deutschen Erzeugungs- jschlacht und der deutschen Wiederaufrüstung iro - visch, was denn die Folge sein würde, wenn die Millionenmasse der deutschen Arbeiter, die heute für die inneren deutschen Bedürfnisse und damit auch für unsere Rüstung tätig ist, auf die Fabrikation von Exportartikeln angesetzt würde. Dieser Hinweis ist im Auslande damals sehr deutlich verstanden worden, wie es dann auch von der fremden Presse mit Genugtuung ausgenommen wurde, daß der zweite Vierjahresplan ebenfalls die nationale Produktion „im inneren Kreislauf unserer Wirtschaft" steigern Soll und damit eine neue Exportoffensive vermeiden wird. Der Führer hat immer wieder betont — und feder Blick auf unsere Umwelt bestätigt es —, daß der Arbeitsvorrat im eigenen Lande groß genug ist, um auf jede künstliche, Lmpetialiftische Ausdehnung unserer Leistungskraft verzichten zu können. Im Gegenteil, wir benötigen dringend den Einsatz aller vorhandenen Kräfte, um die großen Aufgaben des inneren Ausbaues zu erfüllen. Die Befürchtung, daß bei dem raschen Tempo der nationalsozialistischen Arbeitsweise eines Tages nichts mehr zu tun sei und die Arbeiter wieder zu Hause bleiben müßten, ist völlig grund- 05. Sie wiederspricht der alten Erfahrungstatsache, daß die wirtschaftlichen Bedürfnisse der Menschen umso mehr wachsen, je mehr sie befriedigt werden. Der nationalsozialistische Staat macht nur den Unterschied, daß die Vermehrung der nationalen Suter nicht der Alleinzweck wirtschaftlicher Beta- igung ist, sondern den Geboten der völkischen Ehre und Freiheit untergeordnet wird. Das heißt, daß im neuen Deutschland ,ede große Wirtschaftsaufgabe auch eine nationale und ozialistische Aufgabe ist. So war es bei ten großen Aktionen des ersten Vlerjahrespro- «ramms, bei der B e s e i t i g u n g d e r 21 r b e i t s - lofigkeit, bei der Erzeugungsschlach , bei dem Wiederaufbau der Wehrmacht, >°nd so ist es auch bei der Inangriffnahme des neuen U o h st o f f p l a n e s. Dieser Plan, welcher der Er- Itarkunq der deutschen Lebenskraft und des deutschen Wirtschaftslebens dient, erfordert daher die tätige Mitarbeit und die volle Hingabe aller Volksgenof- len. Die Persönlichkeit des Ministerpräsidenten Generaloberst Göring, der sich wie kaum ein ande- «r Gefolgsmann des Führers um den Sieg der nationalsozialistischen Revolution und um den Ausbau i-es Dritten Reiches verdient gemacht hat, der überall im deutschen Volk, in den Gliederungen der Par- 'ei, in der deutschen Arbeiterschaft und im deutschen Unternehmertum ein großes Vertrauen genießt, b ietet die Gewähr dafür, daß die Ausführung des leutschen Wirtschaftsplanes mit national- ! ozialiftifcher Energie und Tatkraft ^folgen wird, so wie der Führer es befohlen hat. Der italienische Außenminister in Berlin. Die Ankunft der Gaste. Herzliche Begrüßung auf dem Anhalter Bahnhof. Berlin, 20. Off. (DBB.) Am Dienstag gegen 20 Ahr trafen Seine Exzellenz der königliche italienische Minister des Aeußeren, Graf Eiano di Eortettazzo, zu einem offiziellen Besuch der deutschen Reichsregierung auf dem Anhalter Bahnhof in Berlin ein. 3n seiner Begleitung befanden sich die Gesandten B u t i, Graf B i t e t t i, G r a z z i, der stellvertretende Protokollchef Graf E i t t a d i n i, der Dizekabinettschef Eom- mendatore A n f u s o, sowie die Bizekonsuln Marquis Lanze d'Ajeta, Marquis S an felice di Monteforte, Lav. B ellia und Seine Exzellenz der königliche italienische Botschafter A t t o- lico, der dem Grafen Eiano nach München entgegengefahren war. 3m Auftrage des Führer und Reichskanzlers begrüßte der Staatssekretär und Lhef der Präsidialkanzlei Meißner den königlich-italienischen Minister des Aeußeren und seine Begleitung. Ferner hatten sich zur Begrüßung der italienischen Gäste eingefunden der Reichsminister des Aeußeren Freiherr von Reurath, der stellvertretende Staatssekretär D i e ck h o f f, der Lhef des Protokolls Gesandter von Bülow-Schwante, ferner im Auftrage des Oberbefehlshabers der Luftwaffe Generalmajor Dransfeld sowie der Kommandeur der Leibstandarte Adolf Hitler, Obergruppenführer Sepp Dietrich und der 3talienreferent im Propagandaministerium Dr. E. Willis. Bon italienischer Seite waren unter Führung des Botschaftsrats Graf M a g i st r a t i die Mitglieder der Botschaft erschienen, außerdem der italienische Generalkonsul B i o n d e l l i und zahlreiche Mitglieder des Fascio, der Balilla und der italienischen Kolonie. Eine Ehrenkompanie der Leibstandarte Adolf Hitler erwies den italienischen Gästen unter den Klängen der italienischen Ratlonalhymne die Ehrenbezeigung. fordernisse Deutschlands und Italiens fei der Hauptgrund für ihre Abkehr von der Genfer Einrichtung gewesen, die eine Beute der Freimaurerei und des Sozialkommunismus geworden sei. Rußland vervielfältige seine Anstrengungen, um Europa zu bolschewisieren. Frankreich scheine wie g e l ä h mt durch das Eindringen des Kommunismus. England hätte eine Politik der Bereinigung verfolgen können, aber es habe nicht gewollt. Auch heute fehle durchaus jene diplomatische Vorbereitung für einen Westpakt, die Italien und Deutschland als unerläßlich bezeichnet hätten. Belgien habe di?rch seine Rückkehr zur Neutralität der ganzen Ausstattung wie Völkerbund, Locarnopakt, Versailler Vertrag und Militärbündnis mit Frankreich einen Fußtritt versetzt. Es sei eigenartig feftzustellen, daß England und Frankreich, während sie Deutschland in Abmachungen zur Sicherung ihrer Gebiete hineinzwingen wollten, niemals die etwaigen Dispositionen aus den Augen verlören, um gegen Deutschland i n den Krieg zu ziehen. Das gehe klar aus dem gegenwärtigen Manöver hervor, mit dem man neue Verpflichtungen von Belgien herausfchlagen wolle. „Times" fordert Lleberprüfung der englischen Verpflichtungen. Regionale Gicherheitsabkommen statt kollektive. London, 21. Oft. (DNB. Funkspruch.) „Times" spricht sich für eine Politik der „regionalen Sicherheitsabmachungen" aus. Im Gegensatz zu einem kollektiven Sicherheitssystem im Sinne des Sanktionsartikels 16. England beginne der Stellungnahme Belgiens ein freundliches Verständnis entgegenzubringen. Auch wenn der König erklärt habe, daß Belgien eine ausschließlich belgische Politik wünsche, so müsse das nicht zur Folge haben, daß England seine bereits eingegangenen Verpflichtungen zurückziehe. Jedoch seien die allgemeinen Verpflichtungen der Dölkerbundssatzung unter Voraussetzungen übernommen worden, die von der jetzigen Lage völlig verschieden gewesen seien. Deshalb werde es für die britische Regierung immer wichtiger, ihren eigenen Anteil an diesen Verpflichtungen genauer festzulegen. Die Sicherheit gewisser Gebiete, wie besonders die Grenzen westeuropäischer Länder und die Mittelmeer-Durchfahrt, sei für England von unmittelbarer Bedeutung. Für diese Interessen müsse England bereit sein, e i n- z u t r e t e n und im Notfall 3 u m Krieg zu schreiten. Dagegen könne es nicht einen unveränderlichen Anteil an der Verantwortung für die Verfügung eines Angriffes in allen Teil« der Welt übernehmen. Wenn militärische Maßnahmen gegen einen Angriff notwendig würden, dann müßten sie in Zukunft in allererster Linie von denen getroffen werden, die sich am nächsten befinden und unmittelbar wirksam eingreifen könnten. Von anderen Nationen könne man nicht mehr erwarten, als daß sie sich irgend welcher Maßnahmen zugunsten des Angreifer- ftaates enthielten und im übrigen ihre Handlungsfreiheit bewahrten. * Die Aussichten der geplanten Fünfmächte- Konferenz werden übrigens von sämtlichen Morgenblättern besonders pessimistisch beurteilt. So schreibt „Daily« Telegraph", der erste Meinungsaustausch bestätige die Annahme, daß die Fünf- mächte-Konferenz, wenn sie umfassend vorbereitet werden solle, in weite Zukunft gerückt sei. Und „News Chronicle" schreibt, daß die Hoftnung auf einen Fünfmächte-Pakt in zunehmendem Maße abgeschwächt worden sei. Die belgische Antwort enthalte Vorschläge, die mit den Beistandsmaßnahmen der Völkerbundssatzung unvereinbar I seien. Gleiche Gesichtspunkte. JtalienischePressestimnren zurReiseCianos Mailand, 20. Oft. (DNB.) Die italienische Presse unterstreicht die große politische Bedeutung der Reise des italienischen Außenministers nach Berlin. Der „C 0 r r i e r e della Sera" erklärt: Das Zusammentreffen Cianos mit den Leitern der deutschen Politik habe weder platonischen, noch demonstrativen Charakter, sondern sei ein Element der Zusammenarbeit zwischen zwei Ländern, die in der Lage seien, verschiedene große und kleine Fragen des gegenwärtigen Europa unter dem gleichen Gesichtspunkt zu betrachten. Die italienischdeutsche Freundschaft sei einer der wenigen stark gebliebenen Stützen des europäischen Friedens, da sie zum Gleichgewicht dieses Kontinents beitrage. Weder Deutschland noch Italien sind Stellen, die Probleme ohne oder gegen die Gesamtheit der anderen europäischen Staaten zu lösen, aber sie müßten auch dem Willen Rechnung tragen, mit dem jene Staaten den wichtigsten Fragen gegenüber getreten seien sowie dem geringen Gerechtigkeitssinn, den sie bei den gescheiterten Lösungsversuchen gezeigt hätten. Letztere hätten Schiffbruch erlitten, da man weder die Rechte Italiens noch jene Deutschlands habe berücksichtigen wollen. Der Wiederaufbau Europas, den man nun seit 15 Jahren anstrebe, könne nicht begonnen werden, wenn man nicht mit realistischem Sinne Deutschlands und Italiens Stellung auf dem internationalen Gebiet anerkenne. „Gazetta del P 0 p 0 l 0" erklärt, das völlige Verkennen der natürlichen und lebenswichtigen Er- Erweiterung -er britischen Rüstungsindustrie. Acht neue Fabriken für den Flugzeug- und Motorenbau. London, 21. Oft. (DNB. Funkspruch.) Die B e - fdjleunigung und Erweiterung des englischen Aufrüstungsprogramms wird von der englischen Regierung Hand in Hand mit einer teilweisen industriellen Mobilmachung energisch vorwärtsgetrieben. Das neueste Glied in der Kette der Äufrüstungsmaß- nahmen ist die Schaffung einer „Schatten-Industrie" für den Bau von Flugzeugen und Flugzeugmotoren. Wie das englische Luftfahctministerium am Dienstagabend mitteilte, sind sechs englische Firmen mit der Errichtung von acht Fabriken beauftragt worden, die ausschließ- lich Rüstungszwecken dienen sollen. Es handelt sich um fünf befannte Autofirmen und um die Bristol-Flugzeuggesellschaft. Der Bau der Fabrifen wird von derRegierung finanziert. Nach ihrer Fertigstellung werden sie mit der Erzeugung beginnen und den für einen Kriegsfall notwendigen Angestelltenstab ausbilden. Sobald die unmittelbaren Erfordernisse der englischen Luststreitfrast erfüllt sind, werden die Werke wieder geschlos- s e n. Sie werden jedoch in ständiger Bereitschaft gehalten werden, um bei dem Ausbruch eines Krieges sofort in Tätigkeit treten zu können. Die von Lord Nuffielt kontrollierte Wolseley-Auto- firma hat es abgelehnt, an diesen Maßnahmen teilzunehmen. „Daily Mail" berichtet, nach der Wiederversammlung des Parlaments werde die Regierung die Ernennung eines Munitionsministers und die Erweiterung der Vollmachten des Ministers für die Zusammenarbeit der Verteidigung Sir Thomas I n s k i p erwogen. „Daily Telegraph" meldet, daß die englische Luftflotte zur Zeit mit Maschinen aus» gestattet werde, die durchschnittlich umlöOStun» denkilometer schneller flögen, als die bisherigen Typen. Die neuen im Bau befindlichen Kampfflugzeuge erreichten eine Stundengeschwindigkeit von 500 Kilometer, lieber Maßnahmen zur Verteidigung Londons und anderer Großstädte gegen Luftangriffe schreibt „Star", daß zu diesem Zweck Aufträge im Werte von vier Millionen Pfund vergeben worden seien. U. a. werde ein neuer Traktorentyp zur raschen Beförderung von Luftabwehrgeschützen von einer Stelle der Stadt zur anderen gebaut. Man habe ferner eine Vorrichtung erfunden, mit deren Hilfe es möglich sei, im Falle eines Luftangriffes für eine schnelle Verflüchtigung der Giftgase zu sorgen. Die Beauftragung des Generalobersten war auch schon dadurch vorbereitet, daß er schon mit der Kontrolle der Bewirtschaftung eines der technisch wichtigsten Gebiete, nämlich der Mineralöle, betraut wurde und daß ihm dann im April der Führer die Leitung sämtlicher Devisen- und Rohstofffragen übertrug. Beides ist für den neuen Auftrag insofern von großer praktischer Bedeutung, als Hermann Göring nun für die Verwirklichung feiner Generalvollmacht bereits einen ausgesuchten und geschulten Mitarbeiterstab mitbringt. Das ist um so nützlicher, als sich die umfassenden Vollmachten Görings nicht mehr auf Teilgebiete, sondern auf d i e Gesamtwirtschaft erstrecken und als diese Vollmachten besagen, daß er ermächtigt ist, „alle Behörden, einschließlich der obersten Reichsbehörden, und alle Dienst- steilen der Partei, ihrer Gliederungen und der ihr angeschlossenen Verbände anzuhören und mit Weisungen zu versehen". Sinn und Zweck des neuen Vieiyahresplanes ist ja ein rohstoffarmes Land bis zum äußersten Grade des menschlich überhaupt Möglichen von der Einfuhr lebenswichtiger Rohstoffe unabhängig zu machen. Die dadurch freiwerdenden Devisen werden uns dann umso leichter in die Lage setzen, einen letzten Rest solcher Rohstoffe, die im Jnlande auch durch den äußersten Einsatz von Wissenschaft, Chemie, Technik, Industrie nicht geschaffen werden können, im Auslande zu kaufen. Das entscheidende Merkmal dieser neuen Politik der Rohstoffwirtschaft liegt aber darin, daß wir dann nicht mehr unter allen Umständen kaufen müssen, sondern auf dem Auslandsmarkt als ein in seinen Entschlüssen völlig freier Käufer auftreten können. Es erübrigt sich, über die wirt-' schaftliche und politische Bedeutung einer solchen Wendung noch ein Wort weiter zu verlieren. Gerade der weise Sparcharakter des zweiten Vierjahresplanes ist bisher vielleicht noch nicht überall in dem notwendigen Maße im Volk erkannt worden. Es handelt sich dabei nicht nur um die Einsparung überflüssig werdender Einfuhr, sondern auch um die vernünftigerweise sparsame Bewirtschaftung aller uns verbleibenden oder sich neu erschließenden Rohstoffe. Dieser Gedanke erhält durch die Kampfparole, die sich gegen den Verderb von Lebensrnitteln und dergleichen richtet, eine wertvolle Unterstützung. Wie aber bei diesem Kampf gegen den Verderb die aktive Mitarbeit des einzelnen Volksgenossen ausschlaggebend ist, so wird auch bei der Durchführung des zweiten Dierjahresplanes jeder einzelne von uns einen Teil der Verantwortung insofern mitzutragen haben, als er feine Bedarfsdeckung nicht mehr einfach von der Gewohnheit oder der Bequemlichkeit, sondern von den nationalwirtschaftlichen und politischen Notwendigkeiten bestimmen läßt. In diesem Sinne werden wir alle unmittelbare Mitarbeiter Hermann Görings sein. So ist der Auftrag an Hermann Göring ein Aufruf zur T a t für uns alle. Und wir kommen diesem Appell des Führers um so lieber und selbstverständlicher nach, als wir damit unsere Treue zu Adolf Hitler, unsere Bereitschaft zum Dienst an der Nation erneut beweisen können, weil wir auch wissen, daß cs im nationalsozialistischen Staat feine Hindernisse irgendwelcher Art gibt, die nicht überwunden werden könnten, weil wir glauben, daß nach vier Jahren das Programm der deutschen Rohstoffindustrie ebenso vollständig erfüllt sein wird wie das Anfangsprogramm des Dritten Reiches erfolgreich abgeschossen wurde. Ev. lleue Beauftragung Kepplers. Berchtesgaden, 20. Oft. (DBB.) Der Führer und Reichskanzler hat, wie bereits bekanntgegeben, durch die Berordnung vom 18. Oktober 1936 den Ministerpräsidenten Generaloberst Göring mit der Durchführung des neuenBierjahresplanes beauftragt. Dieser Auftrag umfaßt auch die dem Beauftragten des Führers und Reichskanzlers für Wirtschaftsfragen, Ingenieur Keppler, seinerzeit übertragenen Aufgaben. Aus diesem Grunde hat der Führer und Reichskanzler die Beauftragungen des Ingenieurs Keppler mit Wirtschaftsfragen und mit der Sonderausgabe Rohstoffe zurückgenommen. Ministerpräsident Generaloberst Göring wird innerhalb feines neuen Arbeitsbereiches dem Ingenieur Keppler ein bedeutsames Sondergebiet zur Bearbeitung übertragen. Der Führer und Reichskanzler hat Jngnieur Keppler bei dem Ausscheiden aus seiner bisherigen Tätigkeit feinen besonderen Dank und Anerkennung ausgesprochen. Lebendige Verbindung zwischen Führung und Volk. Gauleiter Sprenger sprach in Offenbach-Bürgel. Offenbach-Bürgel, 20. Okt. (LPD.) Die Ortsgruppe Bürgel der NSDAP., die Gliederungen der Partei und die gesamte Bevölkerung Bürgels erwarteten am Dienstag den Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger. Nach dem Fahneneinmarsch erschien der' Gauleiter, von den Volksgenossen aus das herzlichste begrüßt. Eingangs sprach der Gauleiter davon, daß wir nur dann unseren Lebenskampf bestehen werden, wenn sich Führung und Volk stets als eine Ganzheit erweisen. Notwendig sei es daher, daß immer wieder die lebendige Verbindung zwischen Führung und Volk geschaffen werde. Der Führer sei immer volksnah geblieben und gehe selbst immer wieder ins Volk hinein. Er habe durch den Nationalsozialismus das Volk gelehrt, die Welt in allen Teilen vernünftig an- zufchauen. Es fei von Anfang an klar gewesen, daß diese Weltanschauung einen Weltkampf bedeute, gegen das Weltgift: den Bolschewismus, das Experiment jüdischer Gehirne zur Vernichtung aller Völker. Der Gauleiter schilderte die Zustände in Sowjetrnßland und die Aufbauarbeit der nationalsozialistischen Regierung. Gerade in den Industriestädten fühle doch jeder, wie viele Erwerbslose in Arbeit und Brot gekommen seien. Allerdings auf einmal gehe es nicht. Im Kreise Offenbach konnte die Lederindustrie nicht mehr blühen, weil es an Abnehmern fehlt. Deshalb fei es nötig, sich u m - z u st e l l e n, sich umschulen zu lassen. Es sei die Möglichkeit gegeben, sich in einen anderen Beruf umzuarbeiten. Schritt um Schritt gehe der Nationalsozialismus allen Zweiflern zum Trotz seinen Weg. Der Gauleiter beschäftigte sich dann mit dem Winterhilfswerk, das für diejenigen Kinderreichen bestimmt sei, die wegen ihres geringen Lohnes ihren Lebensunterhalt nicht ganz bestreiten können. In scharfen Worten rechnete dann der Gauleiter mit den versteckten Angriffen des politischen Katholizismus gegen unsere erd- Der alte Kurs in Norwegen. Das Ergebnis der Gtortingwahlen. Oslo, 21. Oft (DND. Funkfpruch.) Nach dem nunmehr vorliegenden amtlichen Ergebnis der Slorting-Wahlen haben die Arbeiterpartei 71 gegen bisher 69, die konservative Partei 36 (30), die Liberale Partei 23 (24), die Agrarpartei 18 (23) und die Christlich-soziale Volkspartei 2 (4) Sitze erhalten. Norwegen hat eine Rekordwahl hinter sich, die in der parlamentarischen Geschichte Skandinaviens einzig dasteht. Der Nordländer läßt sich im allgemeinen nicht aus der politischen Ruhe bringen, er hat es auch nicht nötig, sich aufzuregen und politische Kampfstellungen zu beziehen, weil er und sein Land von den Stürmen der Krisen und Kriege, die seit einem Menschenalter über die Erde dahinbrausen, kaum berührt worden sind. Auch Norwegen hat sich bis in die jüngste Gegenwart einer ruhigen Entwicklung erfreuen dürfen. Wenn sich trotzdem die Bevölkerung so außergewöhnlich stark an den Stortingwahlen beteiligte, so ist das wohl auf einige Ereignisse des letzten Sommers zurückzuführen, die auch den Norwegern zeigten, daß die Bewegungen und Begebenheiten der großen Welt schließlich an dem Schicksal des abgeschiedenen Bauern- und Fischervolkes nicht spurlos vorübergehen werden. Die Aufdeckung der Trotzki st ischen Umtriebe und die darauf folgende Auseinandersetzung mit Sowjetrußland wirkte wie ein Alarmruf. Dazu kam ein Streit mit England wegen des Walfanges, der die norwegischen Gemüter ziemlich erregte. Aber das gesteigerte politische Interesse der Norweger reichte nicht aus, um aus der Rekordwahl eine Entscheidung zu machen. Die marxistische A r - beiterpartei, die vorher der Hauptträger der Regierung war und gegen die sich die Mißstimmung weiter Volkskreise richtete, wird wahrscheinlich am Ruder bleiben. Ihre Hoffnung, die absolute Mehrheit im Parlament zu erringen, wurde Die rote Regierung bereitet die Flucht nach Barcelona vor. Moskaus Botschafter gibt den Widerstand gegen eine Räumung Madrids auf. biologischen Auffassungen ab. „Wir können nur durch Taten vorwärtskommen, und Adolf Hitler schafft Taten; daher gehen wir mit ihm und mit niemanden anders." — Die kleinen Nahrungsmittelsorgen ließen sich überwinden durch Klugheit und Geschick der Hausfrau. An die Hausfrauen richtete der Gauleiter den Appell: „Tut Eure Pflicht, dann seid Ihr Mitkämpfer Adolf Hitlers!" Deutschland sei das Volk der Arbeit. Wir in Deutschland gehen in Ruhe unserer Arbeit nach. Um uns herum aber entwickele sich bei anderen Völkern das Chaos. „Deutschland ist wieder außenpolitisch zu einem Machtfaktor geworden. Heute schon kommen führende Männer aus dem Auslande zu uns, um unsere neuen Einrichtungen kennenzulernen. Deutschland ist zum Vorbild auch nach außen hin geworden." Mit dem Ruf, dem Führer immer die Treue zu halten, damit Deutschland ewig bestehe, schloß der Gauleiter seine mit stürmischem Beifall aufgenommenen Ausführungen. Oer Gauleiter beim Kameradschasts- abend der Junker unseres Gaues. N S G. Das erste halbe Jahr ihres Aufenthaltes in der Ordensburg Vogelsang ist für die 20 Junker des Gaues Hessen-Nassau nun vorbei. Nach einem dreiwöchigem Urlaub in ihren Heimatorten wurden sie am Montag in der Gauhaupt- st a d t wieder zusammengezogen, wo der Gauleiter sie zu einem Kameradschastsabend eingeladen hatte. Zusammen mit mehreren Gauamtsleitern verbrachte der Gauleiter im Kreise der Junker den Abend, und immer wieder klang durch die persönlichen Unterhaltungen der Wunsch, daß einer der Männer, die zum Führernachwuchs Deutschlands befohlen sind, wieder den Weg zum Gau Hessen-Nassau zurückfinden möge, um hier, wo er sich die ersten Sporen verdiente, weiter für die Bewegung zu wirken. allerdings zunichte gemacht. Ja, wenn man die Zunahme der Wahlbeteiligung in Rechnung stellt, kann man wohl sogar einen gewissen Rückgang des marxistischen Einflusses in Norwegen annehmen. Denn wenn auch die Arbeiterpartei zwei Sitze gewonnen hat, so muß anderseits die Bauernpartei, die als Bundesgenosse der Marxisten im alten Storting fungierte, einen Verlust von fünf Sitzen verbuchen. Dagegen kann die bürgerliche Rechte 5 Abgeordnete mehr ins Parlament schicken, so daß im ganzen eine gewisse Verschiebung nach rechts stattgefunden hat, die jedoch nicht ausreichen dürfte, um eine Umbildung des Kabinetts im nationalen Sinne vorzunehmen. Die Langsamkeit und Schwerfälligkeit der politischen Bewegung in Norwegen hängt mit den ge- icherten Lebensverhältnissen der Bevölkerung zu- ammen, die deshalb im allgemeinen keinen Anlaß ieht, ihre politische Anschauung zu verändern. Nur o läßt sich auch das Beharrungsvermögen der Marxisten erklären, die in einem Augenblick die Regierungsgewalt ergriffen, als der Aufstieg der neuen Wirtschaftskonjunktur begann, die sich dann von dieser Welle hochtragen ließen und sie für ihre politische Agitation weidlich ausnutzten. So heimsen den Lohn der norwegischen Wirtschaftsgesundung eigentlich jene Parteien ein, deren Ideologie überall sonst nur soziale Krisen und wirtschaftliche Erschütterungen hervorgerufen hat. Bemerkenswert ist schließlich das schlechte Abschneiden der N a s j o n a l Sämling des Majors Quisling, der mit seinen insgesamt 21 000 Stimmen ein Mandat nicht gewinnen konnte. Diese nationale Sammlungspartei war anläßlich der Trotzki-Affäre besonders hervorgetreten, sie hat dann auch durch eine Asußerung Knut Hamsuns, der sich in einem Zeitungsaufsatz für Major Quisling aussprach, noch einmal die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Aber wie gefugt, die Norweger glauben einstweilen noch nicht an die Notwendigkeit eines politischen Kampfes ... Ev. Burgos, 21. Okt. (DNB.) Aus verläßlicher Quelle wird über einprivatesFunkgefpräch zwischen Madrid und Barcelona berichtet, das interessante Enthüllungen über die augenblicklichen Pläne der roten Madrider „Regierung" bringt. Der rote Minister P r i e t o benutzte die angebliche Erkrankung des Madrider „Ministerpräsidenten" Caballero, um seinen Plan, Madrid zu räumen und den Sitz der roten „Regierung" nach Barcelona zu verlegen, vorzubereiten. Diese Absicht Prietos wäre schon lange durchgeführt worden, wenn nicht der sowjetrussische Botschafter Moses Rosenberg bisher dagegen gewesen wäre. Nach der Niederlage von Oviedo habe, so wurde in dem abgelauschten Funkgespräch mitgeteilt, Moses Rosenberg seine Meinung geändert. Man glaubt in Burgos, daß die rote „Regierung" nun bald nach Barcelona übersiedeln wird, um dort eine „unabhängige Sowjetrepublik" auszurufen. In dem Funkgespräche wurde u. a. auch von einer wachsenden Panik angesichts des Vordringens der nationalen Truppen gesprochen. Sie Befreiung Oviedos. Eine Unterredung mit General Aranda. Luarca, 21. Okt. (Dom Sonderberichterstatter des DNB. Funkspruch.) Nach der Befreiung von Oviedo hatte der Sonderberichterstatter des DNB. eine Unterredung mit General Aranda, der die Stodt drei Monate lange verteidigt hat. General Aranda erklärte, er habe die Verteidigung nach den modernsten strategischen Grundsätzen in fünf stern- artig vorgeschobene Stellungen unterteilt, kleine Posten von 10 bis 12 Mann mit einem Maschinengewehr in gut getarnten Stellungen hätten die ersten Linien wirksam unterstützt. Da man ohne Reserven gewesen sei, habe man einen elastischen Rückzug teilweise bis zum Stadtrand vorgenommen. Die Roten hätten viele Tanks und Panzerwagen zur Verfügung gehabt, die Verteidiger jedoch nur zwei alte Tanks. Man habe die Tanks der Noten mit einem 7,5-Zentirneter-Berggeschütz aus 50 Meter Entfernung bekämpft, wobei es gelungen sei, beim letzten Angriff am 17. Oktober auf 20 Schritt Entfernung einen Tank der Roten völlig zu zerstören. Die Befreiung durch die marokkanischen Truppen sei in letzter Minute erfolgt, als fast keine Lebensrnittel und keine Munition mehr vorhanden gewesen seien. Die Roten seien bereits in einige Häuser der Dorstadt eingedrungen gewesen. Die Artillerie-Beschießung und die Flugzeugbomben hätten in Oviedo kein Haus mehr ganz gelassen. Die Bevölkerung, die stets in Kellern gelebt habe, habe sich nur von Reis und Bohnen ernährt und Wasser habe man nur aus Moosbrunnen schöpfen können. Trotz dieser großen Entbehrungen habe die Bevölkerung gut durchgehalten. Jetzt beginne der Vorstoß nach Norden und Osten sowie die Säuberung Asturiens von den Roten. Rationalistische Erfolge an der Aragon-Front DieBergkette östlich vonSaragossa erstürmt. Burgos, 21. Okt. (DNB. Funkspruch.) Augenblicklich sind die militärischen Operationen an der Front vonAragonien von großem Interesse. Seit einigen Tagen wurden die katalanischen roten Milizen in den Bergen östlich von Saragossa von den Truppen der Nationalisten immer mehr zurückgedrängt. Am Dienstag nahmen I nunmehr die Nationalisten die Bergkette von Alentisque im Sturm. Der Gegner hinterließ eine große Anzahl von Toten und Verwundeten sowie eine große Menge Kriegsmaterial. Die Nationalisten beherrschen nach der Eroberung dieser Stellung, die von den Roten stark befestigt war und von großer strategischer Bedeutung ist, das ganze Gebirge von Alcubierre an der Grenze von Hueska und Saragossa. Auch an der Biscaya-Front haben die nationalistischen Truppen einen Erfolg zu verzeichnen. Sie erstürmten am Montag den Berg Sus- quiza, der die Straße und Bahnlinie von Mondragon südlich von Eibar beherrscht. Die Roten wurden acht Kilometer zurückgedrängt. Diese Stellung war durch vorzüglich ausgebaute Schützengräben und zwölf Maschinengewehre gesichert. Mischer Schritt zur Rettung der Geiseln. London, 20. Okt. (DNB.) Nach einer Mitteilung des Außenministeriums hat die britische Regierung ihren Geschäftsträger in Madrid beauftragt, seine Aufmerksamkeit der Lage der spanischen Geiseln ^uzuwenden. Es bestünde die Gefahr, daß diese Geiseln angegriffen ober abgeschlachtet werben könnten. Die britische Regierung richte daher aus humanitären Gründen an die spanischen Behörden auf beiden Seiten den Appell, ein Abkommen über den Austauschaller Geiseln und die Entlassung aller Frau en aus der Geiselhaft abzuschließen. Die britische Regierung sei bereit, ihre Dienste beiden Parteien zur Verfügung zu stellen. Sie sei auch bereit, die britische Flotte zur Verfügung zu halten, falls Transporte erforderlich werden sollten. Der Geschäftsträger ist angewiesen worden, bei der Madrider Regierung auf baldige Antwort zu bringen. Ein gleiches Telegramm ist an den britischen Botschafter gerichtet worben, der sich zur Zeit in Hendaye befindet, mit dem Auftrag, bei der Militärgruppe in gleichem Sinne vorstellig zu werden. „Times" schreibt, der Appell des englischen Außenministers an die Parteien im spanischen Bürgerkrieg sei zu begrüßen. Die Festhaltung von Geiseln und noch mehr ihre Mißhandlung und ihre Ermordung sei ein Rückfall in d ie barbarischen Methoden der Vergangenheit. Die Nachricht, daß nunmehr auch Frauen als Geiseln verhaftet worden seien, habe in der zivilisierten Welt großen Ab scheu hervorgerufen. „Morning Post" greift die englische Arbeiterpartei scharf an. Sie wünsche eine Einmischung der englischen Regierung in den spanischen Bürgerkrieg nur deshalb, um der sogenannten „demokratischen" Regierung von Madrid zum Siege zu verhelfen. Sie denke aber nicht daran, eine Einmischung zu verlangen, um den Greueltaten der spanischen Marxisten ein Ende zu bereiten. Diese Haltung werde dann als „Pazifismus" bezeichnet. 0er Wahlkampf in USA. Landon entwickelt das republikanische Wirtschaftsprogramm. N e u y o r k, 20. Okt. (DNB.) Auf seiner Wahlreise nach Kalifornien hielt der republikanische Präsidentschaftskandidat Landon eine Rede in Albuquerque (Neumexiko). Er kritisierte heftig die Farm- und Handelspolitik des New Deal und führte aus: Die Anwendung des Grundsatzes gegenseitiger Handelsverträge zur Wiedereröffnung der Auslandsmärkte fei durchaus wünschenswert, falls er richtig angewendet werde. Die Regierung habe Zugeständnisse nur Nationen eingeräumt, die Amerika kaum anderes als Farmprodukte senden könnten. Die Republikaner würden Verhandlungen zum Abschluß von gegenseitigen Handelsverträgen so führen, daß die Auslandsmärkte ohne Schädigung des amerikanifchenFarmers, industriellen Erzeugers und Arbeiters wieder geöffnet würden. Die wichtigste Aufgabe fei, die von der jetzigen Regierung vernichteten Möglichkeiten für den Auslandsabsatz wiederherzustellen. Die Farmer der USA. wollten ihre volle Ernte zu angemessenen Preisen absetzen. Dieses Ziel könne jedoch nicht erreicht werden ohne Deff= nung der Auslandsmärkte. Auch dürfe die Erzeugung nicht eingeschränkt werden. Die von anderen Ländern errichteten wirtschaftlichen Schranken müßten beseitigt werden. Die Republikaner wollen zur Förderung des zwischenstaatlichen Handels die Zolltarife ändern. Landon bekannte sich zu dem Gedanken der Stabilisierung der Währungen und zur Herstellung eines angemessenen Gleichgewichtes zwischen Landwirtschaft und Industrie. Die Wiederherstellung nationalen Wohlstandes und die Sicherheit der Weltwirtschaft könnten nur erreicht werden, wenn sich die Nationen der Welt davon überzeugen ließen, daß der Weltfrieden auf der Wiederbelebung und Ausdehnung des internationalen Warenaustausches beruht. Kommunistischer prcisidentschasts- kandidat in Amerika mit fauien Eiern beworfen. Neu York, 21. Oft. (DNB. Funkspruch.) Der kommunistische Präsidentschaftskandidat B r o w d e r wollte in Zerre Haute (Indiana) eine Radiowahlrede halten. Als er vor dem Sendehaus eintraf, wurde er von einer erregten Volksmenge mit einem Hagel fauler Eier empfangen und mußte schleunigst in sein Hotel zurückkehren. Bereits vor drei Wochen hatte Browder versucht, in Zerre Haute zu reden. Er war damals von den Stadtbehörden verhaftet worden. Jetzt hatte er es verstanden, die Behörden zu zwingen, ihn noch einmal in die Stadt hineinzulassen. Er mußte aber die Erfahrung machen, daß die Bevölkerung im Mittelwesten von kommunistischen Lehren nichts wissen will. Oie Lage in Jerusalem. London, 20. Okt. (DNB.) Nach den letzten Berichten aus Jerusalem hat der Kampf der Araber gegen die Juden eine neue Wendung genommen. An die Stelle des abgesagten Streiks der arabischen Kaufleute und Händler ist ein Boykott der jüdischen Kaufleute durch die Araber getreten. Jugendliche arabische Boykottposten stehen vor den jüdischen Läden und warnen alle Araber davor, diese Kaufläden zu betreten oder sonst von Juden Waren zu kaufen. Die arabischen Kaufleute sind gleichzeitig bestrebt, den Großhandel mit Artikeln, die bisher ausschließlich von Juden geliefert wurden, neu zu organisieren, um sicherzustellen, daß die kleineren arabischen Kaufleute nicht mehr bei jüdischen Grossisten zu kaufen brauchen. Zusammenstöße zwischen Arabern und Juden sind nicht zu verzeichnen. In englischen Streifen ist man geneigt, dies als ein Zeichen der Rückkehr zu normalen Zuständen anzusehen. Erfolgreicher italienischer Vorstoß in Abessinien. Rom, 20. Okt. (DNB.) Die römischen Zeitungen bringen ausführliche Schilderungen aus Addis Abeba über den erfolgreichen Vorstoß der italienischen Zrup« pen unter Führung des Generals G e l o f o nach dem westlichen Abessinien. In erbitterten sechstägigen Kämpfen, die zuletzt mit blanker Waffe geführt worden seien, habe das Giabassere-Ge- birge besetzt werden können. Der Führer der abessinischen Rebellen, D e s ch a k A l a i, sei gefallen. Die italienische Infanterie und Artillerie sei wirksam von italienischen Bombern unterstützt worden, die den Zruppen des Deschak Alai große Verluste zugefügt hätten. Die Abessinier hätten einige hundert Zote auf dem Schlachtfeld zurückgelassen. Mehrere Kanonen und Maschinengewehre seien erbeutet worden. General Vydz-Smigly wird Marschall von Polen. Warschau, 20. Okt. (DNB.) Die polnische Regierungspresse bestätigt die seit einiger Zeit umlaufenden Gerüchte über die bevorstehende Ernennung des Generalinspekteurs der polnischen Wehrmacht, General Rydz-Smigly, zum Marschall. Wie „Kurjer Czerwonny" erfährt, wird diese Ernennung durch den polnischen Staatspräsidenten am Unabhängigkeitstage (11. November) erfolgen. An diesem Zage wird dem Oberbefehlshaber feierlich der Marschallstab überreicht werden. Die Würde eines Marschalls von Polen hat bisher außer Marschall Pilsudski nur der französische Marschall F o ch bekleidet. Vielfach wird vermutet, daß der 11. November auch der Zag der Verkündung des ideellen Programms sein wird, das der Kommandant des Legionäroerbandes Oberst K o c im Auftrage des Generalinspekteurs ausgearbeitet hat und das die Grundlage für die Neuordnung der inneren politischen Verhältnisse sein soll. Wirtschaftliche Zusammenarbeit der Kleinen Entente. Bukarest, 20. Okt. (DNB.) Die 8. Tagung des Wirtschastsrates der Kleinen Entente hat fest- umriffene Ziele für die Zusammenarbeit im Donauraum auf der Grundlage des Planes des tschechoslowakischen Ministerpräsidenten H o d za aufgestellt. Zwischen Rumänien und Jugoslawien und der Tschechoslowakei wurde die Aufhebung der Visa vom 1. Januar 1937 ab beschlossen. Weiter hat der Rat Pläne für eine Zusammenarbeit der Ausfuhrorganisationen sowie der Eisenbahnen ausgearbeitet, ebenso ein Arbeitsprogramm für ein noch engeres Zusammenwirken der Donau -Schiffahrtsunternehmen der Kleinen Entente. Der Rat hat ferner eine Post- union zwischen der Kleinen Entente und der Balkan-Entente, eine Herabsetzung der Telegraphengebühren und Briefmarken mit einem ©innbilb der Kleinen Entente beschlossen. Schließlich ist für November eine Zusammenkunft der Gouverneure der Notenbanken in Prag und eine Zusammenkunft von Luftfahrtsachverständigen vorgesehen. OaS Grauen in Sowjetrußland. Belgrad, 20. Okt. (DNB.) Zwei Russen, die vor kurzer Zeit aus Sowjetrußland nach Jugoslawien geflohen sind, halten in Belgrad Vorträge, in denen sie in erschütternder Weise die sowjetrussische Wirklichkeit schildern. Beim Bau des Kanals, der den Finnischen Meerbusen mit dem Weißen Meer verbindet, haben ungefährt 100 000 Menschen i h r Leben verloren. Der gesamte Personenverkehr über diesen Kanal betrug im vergangenen Jahre 800 Menschen. Der Sowjetbürger lebt in ständiger Angst, da er jeden Augenblick verhaftet werden kann. Man kann die Bevölkerung Sowjetrußlands in drei Klassen einteilen: Die eine habe in den Gefängnissen der GPU gesessen, die andere sitze und die dritte werde sitzen. In den Gefängnissen befinden sich 5 000 000 Gefangene. Für den Polizeidienst werden 35 v. H. der Staatseinnahmen verwendet. Bei der Unterdrückung des Georgier-Aufstandes wurden 40 000 Menschen erschossen. Kleine politische Nachrichten. Staatssekretär General der Flieger Milch besichtigte in Turin die Lingotto-Werke und unternahm in einer neuartigen italienischen zweimotorigen Maschine einen Rundflug über der Stadt. Sodann setzte er im Kraftwagen die Reise nach Mailand fort, umd ie 4. Bomberbrigade in Sonate Poz- zolo sowie die Flugzeugfabriken in Sesto Calende zu besuchen. Mittwoch werden sich die deutschen Flieger nach Desenzano am Gardasee begeben, wo sie die dort stationierte Fliegerabteilung besichtigen werden. * Die Abordnung der deutschen Poli- z e i wurde bei den Veranstaltungen zum Jahrestag der italienischen Sicherheitspolizei von Mussolini mit besonderer Aufmerksamkeit behandelt. Bei der Parade und bei den gymnastischen Hebungen des Corpo bei Metropolitani, rief Mussolini den Reichsführer SS. an seine Seite und unterhielt sich mit ihm angelegentlich über den Verlauf der Hebungen. Botschafter von Hassell gab zu Ehren der Abordnung einen Empfang auf der Botschaft. Anschließend folgte die Delegation einer Einladung des Propagandaministers zu einem Besuch der Film- ft a b t zwischen Rom unb Frascati, wo fie ben neuesten Aufnahmen für ben historischen Film „Scipio Africanus" beiwohnen konnte. * Der Regierungsausschuß zur Regelung der beutsch - jugoslawischen Wirtschaftsbeziehungen hat in Dresben seine dritte Tagung abgehalten. Da die Hanbelsbeziehungen sich befriedigenb entwickelt haben, konnte eine weitere Steigerung bes Warenaustausches in Aussicht genommen werben. Außerdem wurde ermöglicht, in gewissem Umfange die erforderlichen Zahlungsmittel für ben deutschen Reiseverkehr nach Jugoslawien bereitzustellen. * Die englische Fliegerin Amy Mollisons erlitt bei einer Notlandung in der Nähe von Orping- ton einen Nasenbeinbruch unb anbere Verletzungen. Sie teilte später mit, baß sie sich von ihrem Fliegergatten Jim Mollisons getrennt habe unb in Zukunft wieber unter ihrem Mäbchen-. namen fliegen werbe. Gebrochener Deich im Alten Lande. t\ Die Sturmflut richtete besonders an der Nordseeküste große Verheerungen an. Hier sieht man einen zerstörten Deich bei Mittelkirchen im Alten Lande bei Hamburg nach der Katastrophe. Mit Sandsäcken und Pfählen gelang es den Einwohnern, die durchbrochenen Stellen notdürftig wieder zu schließen. (Presse-Bild-Zentrale-M.) Alte Burgen und neue Kriegerheime. Eine Herbstfahrt zum Kyffhäuser. Obergebleksführer Axmann, vor seinen Mitarbeitern in unserem Gau. Der neue Reichsberufswettkampf steht im Zeichen des in Nürnberg verkündeten Vierjahresplanes und soll der große Gegensatz zu dem bolschewistischen Stachanow- System sein. Wir wenden uns an die gesamte werkstätige Jugend, insbesondere auch an die un- und angelernten Jungarbeiter. Die Punktwertung wird für die berufspraktischen Arbeiten mit 70, für berufstheoretische Arbeiten mit 30 und für die weltanschaulichen mit 20 durchgeführt. Die sportliche Bewertung, die sich lediglich auf Bestanden oder Nichtbestanoen bezieht, gibt bei der Gesamtbewertung den Ausschlag. Eine weitere Neuerung ist auch, daß die sportlichen Wettbewerbe bereits bei den örtlichen Entscheidungen einsetzen. Die Auswertung habe erneut gezeigt, daß die Arbeiten von Angehörigen der Hitlerjugend und des BDM. nicht nur in weltanschaulicher, sondern auch in berufspraktischer und berufstheoretischer Hinsicht besser waren, als die nicht organisierter Teilnehmer. Daraus ergibt sich klar, daß der Dienst in der Hitlerjugend und dem BDM. die berufliche Ausbildung keinesfalls ungünstig beeinflußt. Aus aller Wett. 72 Menschen beim Untergang eines holländischen Dampfers ertrunken. Der holländische Dampfer „Van der IBijf“ fenterte auf der höhe von Tandjong Pakts (Java). Das Schiff hatte einschließlich der Besatzung etwa 250 Personen an Bord. Der Dampfer war von Soerabaja nach Semarang unterwegs. Die „Van der Wijk" hatte noch SOS-Rufe ausgesandt. Dann verstummte der Sender des Schiffes plötzlich. Zu Hilfe gesandte Dornierflugzeuge der niederländisch- indischen Marine konnten an der Unfallstelle zahlreiche Schiffbrüchige in den Wellen wahrnehmen. Darauf eilten mehrere Schiffe zur Hilfe. Diese Die amtlichen Wetterpropheten hatten tags zuvor Regen und Kälte vorausgesagt. Man hatte sich daher etwas mißmutig in die Falle gelegt, aber am Morgen schlug die Nadel des Barometers nach oben, und als die beiden großen Reiseautobusse mit den Presseleuten über die Glienickerbrücke bei Potsdam rollten, da grüßte uns schon vom westlichen Horizont viel verheißend ein blauer Himmelstreif. So begann die diesjährige Herbstfahrt nach dem Kyffhäuser, die vom Deutschen Reichskrieger- b u n d für eine Reihe von Zeitungsvertretern unternommen wurde, bereits in zuversichtlicher Stimmung. Die zweite Ueberraschung ließ nicht lange auf sich warten. Der Reiseweg sollte über die Reichsautobahn Berlin — Magdeburg, über Halberstadt nach Schierke im Harz, von dort über Nordhausen zum Kyffhäusergebirge, und am nächsten Tage zurück über Halle nach B e r- l i n führen — insgesamt eine recht beachtliche Strecke, wenn man die zahlreichen Aufenthalte und Besichtigungen in Rechnung stellt. Um es vorweg zu nehmen: das Programm wurde mit soldatischer Pünktlichkeit eingehalten. Wenn trotzdem der „Fahrplan" einige unvorhergesehene Erlebnisse in sich barg, so lag das nicht etwa an einem Mangel der Organisation, sondern im Gegenteil an der Umsicht der Reiseleitung. In der Nähe von Brandenburg geht es auf die Autobahn. Erster Eindruck: Zwei helle Teppichläufer sind nebeneinander über die Landschaft gelegt. In sanften Kurven oder geradeaus, bergauf und bergab, in langen Wellen zieht sich die Straße. Nirgends eine starre Linie, nirgend ein Gewalt- streich gegen die Heimat. Wo große Erdbewegungen vorgenommen wurden, da scheinen sie die ursprüngliche Bodengestaltung nur zu betonen. Wenn Du aber als ahnungsloser Wanderer über die Felder seitlich auf die Autobahn zugehst, so wirst Du ihrer nicht viel eher ansichtig, als bis du unmittelbar davorstehst. So wenig künstlich, so sehr künstlerisch ist dies Werk gemacht. Und den Insassen des Kraftwagens wiederum beherrscht die Bahn nicht so stark, als daß er nicht Zeit und Muße genug fände, ungestört das herrliche Wechselspiel der vorübergleitenden Landschaft, der heimlichen Wiesenwinkel, der endlosen Getreidefelder, der beschaulichen Dörfer im Grunde, der erhöht stehenden Windmühlen, der weidenden Herden und der im Dunst der Ferne aufragenden Jndustriebur- gen zu genießen. Der Film der deutschen Landschaft rollt in' natürlichen Farben vorüber. Der Traum aller Reiseenthusiasten ist Wirklichkeit geworden. Kein Telegraphendraht, keine Rauchfahne stört die Sicht Nur, wenn Querstraßen unterfahren werden, dann lassen die Brücken, alle verschieden und doch in gleichem Stil erbaut, ahnen, wie eine nüchterne verkeyrspolitische Zweckbestimmung kunstvoll erfüllt wurde, und wenn das Auto über Eisenbahnlinien hinweg eilt, dann ist des Staunens kein Ende, wieviel harmonischer im Aussehen, aber auch wieviel gewaltiger im Ausmaß diese neuen Reichsstraßen sind als die alten rauchgeschwärzten Schienenwege des Dampfrosses. Das holprige Straßenpflaster hinter Magdeburg wirft uns um ein Jahrhundert zurück, und bald tauchen noch ältere Zeugen der Geschichte unseres Volkes auf: die Burgen und Städte am Nordharz. Die Bauten des alten und des neuen Reiches stehen von nun an immer abwechselnd am Rande unserer Reiseroute vereinigen und ergänzen sich zum großen Heldenlied der deutschenGeschichte. Nach windungsreicher Fahrt durch die schon herbstlich buntgefärbten Bergwälder stehen unsere Autobusse do? der Terrasse des .KyNhauser-Er- holungsheims in Schierke. Vierzig wls- sensdurstige Journalisten lassen sich durch die prachtvollen Räume dieses früheren Sanatoriums leiten, sprechen mit den Kriegsveteranen die es sich m der geräumigen Diele bequem gemacht und doch nur ein geringes oder gar kein Entgelt für ihren "Kuraufenthalt" zu zahlen haben bewundern die schone Aussicht auf die dunklen Hohenzuge des Wurmberges, lauschen den Erklärungen bfe5.f ®en^ra;! e^' nants a.D. von Fabeck, dessen Äscher und humorvoller Vortrag nicht ahnen laßt daß em ast Achtzigjähriger die gesamten Wohlfahrtselnrichtun- gen des Reichskriegerbundes leitet Und was leistet die e Krieqerwohlfahrtsgememschaft nicht„alles- Sie verteilt jährlich an 45 0 00 al e Kameraden und Kriegerwitwen Unterstützungen, die den Betrag von einer Million Reichsmark noch um einige Hunderttausend übersteigen sie unterhält fünf Krieger-Warfe n h e i m e, m de nen bisher 4000 'elternlose Kinder erzogen wurden sie schickt jährlich Tausende von er ho - lungs'bedürftigen Kindern in £)eilbaber oder ländliche Haushalte, sie sammelt durch die „F e ch t s ch u l e n" Bekleidungs- und Nahrungsmittel Altmetalle und sonstige gebrauchte Gegenstände, die mittelbar auch unserer Roh st o ff, ch nicht Zugute kommen, sie unterhält schließlich auch die C v • holungsheirne, in denen alle Mitglieder des Reichskriegerbundes ohne Unterschied des militärischen Ranges, des Berufes oder Einkommens gemeinsam ihre Ferien verleben. In Schierke befindet sich seit 1935 eins dieser Heime, im benachbarten Kyffhäusergebirge ein anderes: Schloß Rathsfeld. Wir besuchen es am nächsten Tag. Aber zuvor führt uns der Kraftwagen in der frühen Dämmerung des Abends durch die Goldene Aue, den fruchtbaren Landstrich zwischen Harz und Kyffhäuser, und in zahllosen Kehren hinauf zur Rothenburg, wo in dem neuerbauten Unterkunftsheim dem müden Fahrtgenossen das Nachtquartier bereitet ist. Mit gestärkten Sinnen gewahren wir am kommenden Morgen die einzigartige Lage dieser historischen Wehranlagen auf dem Kyffhäusergebirge, der Rothenburg und der alten Reichsfeste Kyffhusen. Auf unzugänglichem, vorspringendem Bergrücken gebaut, beherrschten sie einst die Lande zu ihren Füßen, bildeten sie starke Stützpunkte der kaiserlichen Gewalt im ersten Deutschen Reich. Aber nachdem sie ihren Zweck erfüllt, verfielen die Burgen in den kommenden Jahrhunderten, und bald spann das Volk seine Sagen um die alten Gemäuer. Der schöne Glaube, daß Kaiser Barbarossa hier in des Berges Tiefe schlafe, bis eines Tages die Herrlichkeit des alten Reiches wieder auferstehen würde, gab dem Deutschen Kriegerbund den Anlaß, dem greifen Kaifer Wilhelm I., als dem ersten Herrscher der durch den Krieg von 1870/71 wieder geeinten Nation das gewaltige Denkmal zu errichten, das, im Jahre 1896 ein geweiht, heute von der Ewigkeit des Reiches künden soll. Das riesenhafte Monument wurde auf jener Bergeshöhe errichtet, die einst die Burg Kyffhusen trug und von der sich sichtbar nur ein Bergfried erhalten hatte. Heute beginnt man, tiefer nach den Spuren der Geschichte zu schürfen. Auf Anordnung des Führers des Deutschen Reichskriegerbundes, Oberst a. D. Reinhard, ist seit dem Herbst 1934 ein großes Ausgrabungswerk im Gange, und bewundernd erleben wir, wie die Vorgeschichtsforschung aus dem haushohen Schutt der Jahrhunderte eine ganze Burg herausschält, deren Befestigungswerke und Wohnräume sich 500 Meter lang über den ganzen Höhenrücken erstreckten. So wird eine der größten Burgruinen Deutschlands freigelegt. Es fehlt der Raum, um alle Einzelheiten, es fehlen die Worte, um den unverlöfchlichen und weihevollen Eindruck dieser lebendigen Geschichtsschreibung zu schildern, die das im Dunkel eines halben Jahrtausends versunkene Lebensbild der Vorfahren wieder an das helle Licht unserer Tage hebt. Unverlierbar aber bleibt für jeden, der einmal an historischer Stätte auf der Rothenburg oder auf dem Kyffhäuser gestanden hat, die Erinnerung an diesen Dreiklang deutschen Wehrgeistes: Heber den verfallenen Schutzwällen des Ersten Reiches das ragende Denkmal des Zweiten Reiches und daneben die Kriegerheime, die im Dritten Reich den alten Soldaten zur Erholung und Sammlung dienen. Der Wandel der Zeiten und Anschauungen mag daran schuld sein, daß die Harmonie dieser Idee zuweilen getrübt erscheint, daß man beispielsweise die Zerstörung des alten Burgbildes durch neue Denkmäler bedauert, daß man die enge räumliche Verbindung der Ruinen mit modernen Gaststätten und Parkplätzen unangenehm empfindet, aber diese Schönheitsfehler verblassen doch vor dem idealen Schwung, mit dem hier deutsche Geschichte verwaltet wird. Dann entläßt uns der Kyffhäuser zur Heimfahrt. Ein kurzer Abstecher wird noch nach dem ehemaligen Jagdschloß Rathsfeld gemacht, wo sich die Fürsorgetätigkeit des Reichskriegerbundes in der schönsten Weise entfaltet. Am späten Nachmittag nehmen wir endlich Abschied. Stunden um Stunden rollt der Wagen nordwärts über nächtliche Straßen, seinen Weg begleiten die Melodien alter und neuer Soldatenlieder ... Ev. Der 4. Reichsberufsweittampf im Gau Heffen-Nasiau. Obergebieisftthrer Axmann in Rüdesheim. N S G. Bereits seit einiger Zeit sind die Vorbereitungen für den 4. Reichsberufswettkampf auch in unserem Gau in Angriff genommen. Die Gauwettkampfleitungen der verschiedensten Wettkampfgruppen haben ihre Vorschläge für die praktischen und theoretischen Aufgaben an die Reichswettkampfleitung gesandt. Nachdem alle Vorbereitungen, wie die Festlegung der Arbeiten, die Aufstellung der Mitarbeiter und der Wettkampforte getroffen worden sind, konnte der Gaujugendwalter der DAF., Unterbannführer Sauer, die Kreisjugendwalter und Kreisjugendreferentinnen der Deutschen Arbeitsfront zu einer Wochenendtagung in die Jugendherberge zu Rüdesheim zusammenholen. Hier sprach der Leiter des Reichsberufswettkampfes, konnten bisher 14 europäische Fahrgäste, zwei Kinder, den europäischen Kapitän, alle Offiziere, den Steward, drei Angestellte und 121 Eingeborene aus der See retten. Acht Europäer, drei europäische Kinder, der Funker, zwei Büroangeftetlte und etwa 59 Eingeborene werden noch vermißt. Bei dem Untergang des Dampfers, bei dem nach den letzten Meldungen 72 Personen, darunter 14 Europäer, ums Leben kamen, wird aus Batavia gemeldet, daß sich während der Katastrophe entsetzliche Szenen abgespielt haben. Das Schis fei fo schnell gekentert, daß die Rettungsboote nicht mehr hätten zu Wasser gelassen werden können. Stundenlang haben die Schiffbrüchigen, an Ein- richtungsgegenstände, Rettungsringe und treibende holzftücke geklammert, in der offenen See getrieben. Mütter hätten verzweifelt nach ihren Kindern gerufen. Nachdem das Schiff gesunken war, habe sich auf der Wasserfläche schnell eine dicke Oelschicht gebildet. Diesem Umstande sei es nach Aussagen des Kapitäns allein zu verdanken, daß die Haifische der Unglücksstelle fernblieben. Sonst wäre der Umfang der Katastrophe noch viel größer geworden. Die „Van der Wijk" hielt den Verkehr im nieder- ländifch-indifchen Archipel aufrecht. Das Schif wurde 1921 gebaut und hatte eine Wasserverdrängung von 2633 Bruttoregistertonnen. Es gehörte der Küniglich-Holländischen Paketsahrtgesellschast. „Aeolus" und „Zephir" kehren heim. Mit der Rückkehr des Dornier-Flugbootes „Zephir" nach Lissabon sind die Nordatlantik-Er- kundungsslüge der Deutschen Lufthansa in diesem Jahre beendet worden. Die beiden Flugboote „Aeolus" und „Zephir" haben insgesamt achtmal den Nordatlantik überflogen. Jede Maschine hat je zwei Hin- und Rückflüge über die Bermudainseln und unmittelbar von Herta nach Neuyork ausgeführt. Mit einer Planmäßigkeit, wie sie vom regelmäßigen Südatlantik-Postverkehr der Lufthansa her bekannt ist, wickelte sich auch der Nordatlantikdienst ab. Die Gesamtleitung lag in den Händen des Atlantik-Flugbetriebsleiters der Lufchansa, Freiherrn v. Buddenbrock, der den ersten Ost- West-Flug mit dem „Aeolus" ausführte. Auch der schwimmende Flugstützpunkt „Schwabenland" der Lufthansa war an den Versuchen beteiligt. Die beiden Flugboote „Aeolus" und „Zephir" haben mit ihren Besatzungen, den Flugkapitänen Blankenburg, v. Engel, Graf Schack und Mayr, Freiherrn v. Buddenbrock, Direktor Freiherrn v. G a b l e n z sowie den Flugzeugfunkern Stein und E h l b e r g , Oberflugmaschinist Gruschwitz und Flugmaschinist Eger insgesamt 33 000 Kilometer über den Nordatlantik zurückgelegt, wofür etwa 170 Stunden benötigt wurden. Während dieser ausgedehnten Erkundungsflüge haben sich, wie im Südatlantik-Lustjwstdienst, alle technischen Einrichtungen des schwimmenden Flugstützpunktes bewährt und ihre Brauchbarkeit auch für die besonderen Verhältnisse auf dem Nordatlantik bewiesen. Ausgezeichnet erwiesen sich auch die neuen Dornier DO 18 — Flugboote und die Junkers-Schwerölmotoren Jumo 205, die auf allen Flügen einwandfrei gelaufen sind. Nach kürzerem Aufenthalt in Lissabon sollen die Flugboote mit ihren Besatzungen nach Deutschland zurückkehren. „Queen Mary" im Sturm. Gewaltige Stürme wüten zur Zeit noch über dem Nordatlantik und den britischen Inseln. Der englische Riesendampfer „Queen Mary" geriet auf der Fahrt nach Neuyork so stark ins Rollen, daß zehn Fahrgäste durch Stürze verletzt wurden. Einer von ihnen mußte bei der Ankunst in Neuyork ins Krankenhaus gebracht werden. — Au der einsamen Shetlandinsel Poula wurde eine Filmexpedition mit 30 Schauspielern und Schauspielerinnen infolge des Sturmes zwei Tage von der Umwelt vollkommen abgeschlossen. Erst jetzt gelang es einem Fischdampfer, mit Nahrungsmitteln die Insel zu erreichen. Hochzeitsreise mit dem Luftschiff. An Bord des Luftschiffes „Hindenburg", das am Mittwoch vom Flug- und Luftschiffhafen Rhein- Main aus seine erste Südamerikafahrt im Rahmen des wöchentlichen Ueberseedienstes der deutschen Zeppeline antritt, wird sich erstmalig auch ein junges Paar befinden, das den „Hindenburg" zur Hochzeitsreise benutzt, um drüben in Südamerika die Flitterwochen zu verleben. Zwei Todesopfer bei einem Zugzufammenstoh in Frankreich. Dicht hinter dem kleinen Bahnhof Foulain in der Nähe von Chaumont fuhr der Schnellzug Paris- Belfort auf den Schellzug Paris—Basel auf, der wegen eines Schadens an dec Bremse auf offener RICHTER von die j keil Prüfen Sie die Höchstleistung wahre. Geschwindig- t mit einer Toleranz i 3 bis 5%. Keine »üblichen« Angaben! Der OPEL »6« hat nach der Stpppuhr eine Spitzengeschwindigkeit von echten 105 km/Sid. OPEL-Tachometer zeigen Prüfen Sie die nüchternen Zahlen, die mehr bedeuten als jeder Nimbusl Denn diese Zahlen sind der höchste Ausdruck einer klaren, unbestechlichen Beweisführung für Überlegenheit von Leistung und Preis. XOPEL »6« mit dem geschmeidigen Sechszylindermotor von 2Ltr. Inhalt X Bergsteigefähigkeit im 1. Gang 37% Bergsteigefähigkeit im 2. Gang 23% Bergsteigefähigkeit im 3. Gang 14% Bergsteigefähigkeit im 4. Gang 9% XOPEL Synchron-Federung — gleich ideal für gute oder schlechte Straßen XExakt wirkende hydraulische Oel- druckbremsen X Großer Kofferraum für reichliches Gepäck XBenzinförderung durch zuverlässige Membranpumpe aus hinten liegendem Kraftstofftank Jetzt von RM 3100 ana.W. Strecke halten mußte. Bei dem Zusammenstoß fanden zwei Personen, darunter der Maschinist des gerammten Zuges, den Tod, drei weitere trugen Verletzungen davon An dem Aufkommen eines Schweizer Fahrgastes, des Industriellen Pauli aus Basel, dem beide Beine gebrochen wurden, wird gezweifelt. Die Schuld an dem Zusammenstoß trägt der Lokomotivführer des Schnellzuges Paris —Belfort, der sich um die Haltesignale an dem Bahnhof Foulain nicht gekümmert hatte. Er ist bereits in Haft genommen worden. Bestrafter Devisenschmuggel. Der aus Schaidt stammende Rudolf Bogel und seine Ehefrau in Kandel (Pfalz) hatten wiederholt Geld über die deutsche Grenze geschafft, ohne im Besitz einer Genehmigung der Devisenstelle zu sein. Einen Betrag von 450 Mark hatte Vogel teils in der Leibbinde, teils im Rahmen des Fahrrades versteckt, angeblich, damit ihm das Geld auf der Fahrt durch den Wald nicht gestohlen würde. Beide Angeklagten erhielten je einen Monat G e - f ä n g n i s , außerdem 1700 Mark Geldstrafe. Das Rad und die beschlagnahmten 450 Mark wurden eingezogen. Heuer Winlerelnbruch im Allgäu. Nach orkanartigem Sturm setzte am Dienstag in den ersten Nachmittagsstunden, nachdem es schon am Vormittag in den Allgäuer Berger geschneit hatte, starkes Schneetreiben auch im Tal ein, das bis zum Abend anhielt. Auf den Bergen betrug am Dienstagabend die Höhe des Neuschnees 10 cm. Die Temperaturen lagen im Tal um den Gefrierpunkt. 100 000 Reichsmark auf Rümmer 3162. In der gestrigen Ziehung der Preußisch-Süddeutschen Klassenlotterie fiel der 1 0 0 0 0 0 - M a r k - G e- w i nn auf die Nummer 316 2, die in der ersten Abteilung in Achteln im Rheinland, in der zweiten Abteilung in Vierteln in Westfalen gespielt wird. 50 000 Mark auf die Nr. 170 730. In der Vormittagsziehung der Preußisch- Süddeutschen Klassen-Lotterie fiel am Mittwoch ein Gewinn zu 50 000 Mark auf das Los Nr. 170 730. Das Los wird in der ersten Abteilung in Achteln in Niederschlesien, in der zweiten Abteilung in Achteln in 23 er I in gespielt. Neues für den Büchertisch. — Michael Freund: Weltrüstung, Geschichte der Umwälzungen des Wehrwesens der Nationen im Jahre 1934/35 in Dokumenten. Essener Verlagsanstalt in Essen. Preis 5,20 RM. — (234) — General von Rabenau, der zu dieser Veröffentlichung das Vorwort geschrieben hat, stellt fest, daß der Konstituierung des Grundsatzes von der allgemeinen Abrüstung im Versailler Diktat die Umwelt um uns eine wehrpolitische Umwälzung sah, die sich überall als Ziel ein Maximum an Entfesselung kriegerischer Kräfte der Gesamtnation im totalen Kriege setzte. Diese Entwicklung geschah völlig unabhängig von den Ereignissen in Deutschland, das selber noch in den Fesseln der Versailler Entwaffnungsbestimmungen lag. Die hier beigebrachten Dokumente erläutern eindeutig diese Feststellung für jede der großen Nationen, die sich in Versailles noch feierlich zur Abrüstung verpflichtet hatte. — Prof. Dr. Guido Fischer: Wehrwirtschaft. Ihre Grundlagen und Theorien. In Leinen 4 Mark. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. — (321) — Unter dem Begriff Wehrwirtschaft faßt man alle die Einrichtungen und Maßnahmen zusammen, die dazu bestimmt sind, die Friedenswirtschaft so zu entwickeln und auszubauen, daß sie in allem der Wehrhaftmachung und der Wehrkraft eines Volkes dienen kann. Diese neue Zielstellung wird daher nicht von der Wirtschaft allein verlangt. Auch alle anderen Teilgebiete des menschlichen Lebens und alle übrigen Wissensgebiete wie Geschichte, Geographie, Naturwissenschaften und Technik sind an der gleichen Aufgabe beteiligt. Den Bedarf des Heeres in Krieg und Frieden zu sichern und eine wirtschaftliche Mobilmachung ungeahnten Ausmaßes sicherzustellen — diese Aufgabe der Wehrwirtschaft entwickelt der Verfasser. Zum Vergleich zieht er den Stand der Wehrwirtschaft in USA., England, Frankreich und Italien heran. Gerade das Beispiel Italiens, das soeben im abessinischen Feldzug den Beweis geliefert hat, wie Militär und Wirtschaft trotz der Sanktionen mustergültig zusammenarbeiteten, ist außerordentlich lehrreich. Zeigt es doch, wie be- rechtigt und notwendig es ist, uns vom Ausland möglichst unabhängig zu machen, eine der wichtigsten Aufgaben unserer deutschen Wehrwirtschaft. — Karl Pintschovius: Die seelische W i e d e r st a n d s k r a f t im modernen Kriege. Gerhard Stalling Verlag, Oldenburg i. O. Kartoniert RM 4.—, in Ganzleinen gebunden RM. 5.50. — (247) — Pintschovius geht von der Feststellung aus, daß die früheren beweglichen Kriege mit ihren großen strategischen Operationen vom Soldaten seelisch „M u t" forderten, daß aber der im Weltkrieg einsetzende Stellungskrieg und überhaupt der Verteidigungskampf im Materialkrieg etwas anderes und neues verlangen: seelische Widerstandskraft." Die These basiert auf der Voraussetzung, daß die Verteidigung in der Strategie der Zukunft die überragende Stellung einnimmt. Eine Annahme, mit deren Bejahung oder Verneinung der Grund - gefronte des Buches steht und fällt: an die Stelle des „Mutes" tritt in Zukunft im wesentlichen „seelische Wider- st and s kraft". lieber diese beiden Begriffe sagt Pintschovius: „Mut als Frühform gipfelt im Handeln, Mut ist aktiv, bedenkensrei, unverkrampft, impulsiv, entweder einfach durch Lebensschwung oder durch sittliche Phantasie ausgelöst. Seelischer Widerstand hingegen ist kompliziert, bildet sich erst aus Selbstbeherrschungs- und Angstbekämpfungsoorgängen." Der Mut gründet auf" dem natürlichen Erlebnis, der seelische Widerstand dagegen basiert auf dem „Pflichterlebnis", er wird durch Einsicht und sittliches Wollen gegen das Erlebnis erzwungen, er ist im wesentlichen Angstüberwindung. Von der 21 n g ft wird sehr richig gesagt, daß sie ein Zeichen des Krieges, ober" fein' Zeichen soldatischer Minderwertigkeit sei. „Angst ist durchaus anständig." Es kommt nur darauf an, sie zu überwinden. In einem weiteren Abschnitt wird die Frage der Disziplin im Kriege verständnisvoll erörtert. „Die Kraft des Wortes verrauscht schnell, wenn die Granaten krachen." Dor einer Überschätzung der Ethik für die Front wird gewarnt.: „Die Front selbst lebt viel zu vital, zu sehr an der Grenze von Sein und Nichtsein, um die sittliche Begriffswelt des Philosophen als eine lebenstiftende Gegebenheit anerkennen zu können." Und im gleichen Sinne heißt es später: „Ich warne immer wieder vor der Ueberschätzung einer soldatischen Ethik, der Ueberschätzung von theoretischen Wertbegriffen und Wertbelehrungen. Als es kritisch wurde, half kein vaterländischer Unterricht mehr." Die echten Widerstandskräfte wachsen auf der Sohle der Kultur, wir sagen: Weltanschauung. Wesentliche und fruchtbare Folgerungen für die Praxis der Truppenführung und ein wertvolles Schrifttumsverzeich - nis erhöhen den Wert des Buches, das sich von vielen Veröffentlichungen auf diesem Gebiet vorteilhaft unterscheidet. — Dr. W. Schröder: Der Operationshelfer. Verlag Offene Worte, Berlin W 35. — (253) — Der Verfasser ist Chirurg und leitender Arzt des Kreiskrankenhauses Arnswalfre. Er gibt eine Ergänzung der bereits früher besprochenen Sanitätsfibel auf technisch-chirurgischem Gebiet, die für den Sanitätsdienst im Feldoperationssaal an-- leiten soll. Das kleine Buch enthält auch zahlreiche 2lbbildungen, die die klare und knappe Darstellung ergänzen. Oie Narrenkappe. Die Spinne. Als der berühmte Humorist Marc Twain in den Anfängen seiner schriftstellerischen Tätigkeit in einem amerikanischen Prooinznest ein Blättchen mit dem stolzen Titel „Die Flagge des Westens leitete, fragte einmal ein abergläubischer Abonnent bei ihm an, ob es ein glückliches ober unglückliches Vorzeichen sei, daß er zwischen den Zeitungsblattern eine Spinne gefunden habe. Marc Twam gab ihm im Briefkasten seines Blattes die folgende eindringliche Antwort: „Alter Abonnent. — Das Finden einer Spinne in der Zeitung bedeutet weder Glück noch Unglück für Sie. Die Spinne las lediglich unser Blatt, um zu erkennen, welcher Kaufmann darin nicht inseriert, um dann zu dem Laden dieses Mannes zu gehen, ihr Netz über seine Tür zu weben und fortan ein Leben ungestörten Friedens zu verbringen. Abenteuer im Urwald. „Da waren wir nun im dicksten Urwald", erzählte der Forschungsreisende, „wir hatten feinen Tropfen Alkohol mehr, und wir famen beinahe um vor Durst ..." — „Hatten Sie denn auch kein Wasser? — „Das schon, aber wer denkt denn in solcher Lage an ein Bad?" Wetterbericht des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. Ordnung muh sein. Der Marburger Zivilprozeßlehrer Robert, der bis 1933 an der Universität wirkte, liebte Ordnung und Systematik; vor allem war „Symmetrie" seine Leidenschaft. Man erzählte, er habe einst einige Buben in seinem Garten beim Stachelbeerennaschen erwischt und ihnen wütend zugerufen: „Ihr Schlingel, nun freßt mir wenigstens den anderen Busch auch kahl!" Schüttelreim. In der Universität B. wurden in den kleineren Hörsälen Nernstlarnpen zur Beleuchtung eingeführt. Das begeisterte einen der Hörer, wie es die Studenten leider oft tun, auf einer Bank höchst kunstvoll einen Vers einzugravieren: „Ob du auch sitzt beim Schein des Nernstlichts, Es hilft dir nichts, mein Sohn, du lernst nichts." Das fchtechtgetüftete Labor. Der berühmte Chemiker Robert Bunsen hatte, als er noch Lehrer an der höheren Gewerbeschule in Kassel war, einen Arbeitsraum, der ganz unzureichend war und vor allem jeder Entlüftung entbehrte. Bunsen war schon wiederholt bei der Behörde eingekommen, daß der Raum zweckentsprechend eingerichtet werden möchte, aber man hatte ihn stets wegen Geldmangels abschlägig beschieden. Nun besuchte der Minister des Innern, Freiherr von Han st ein, bisweilen das Laboratorium. Eines Tages erfuhr Bunsen, daß der Minister wieder kommen werde, und schnell legte er in den Arbeitsraum ein Rohr mit Kakodyl, das einen äußerst widerlichen Geruch verbreitet, und ließ Fenster und Türen fest schließen. Der Minister kam, und Bunsen brachte das Gespräch auf den Mangel an Entlüftung und forderte schließlich mit den Worten: „Wollen Exzellenz sich selbst überzeugen!" den Gast auf, in den angrenzenden Arbeitsraum zu gehen. Kaum hatte der Minister seine Nase hinein- gesteckt, als er schon entsetzt zurückfuhr; schon am nächsten Tage kam ein Baumeister, der mit Bunsen den Umbau nach seinen Wünschen besprach. Nach dem raschen Abzug des mitteleuropäischen Tiefdruckwirbels, der gestern noch zu verbreiteten Niederschlägen Anlaß gab, machte sich zunächst das Zusammensinfen der nachgestoßenen Kaltluft in Aufheiterung und stärkerer westlicher Abkühlung geltend. Inzwischen hat ein neuer, im Nordseegebiet vorgestoßener Wirbel die Zufuhr feuchtmilder Meeresluft auf das Festland ausgenommen Sie kommt an der vorgelagerten Kaltluft zum Aufgleiten, so daß bei uns am Mittwoch verbreiteter Regen em« trat; auch anschließend setzt sich die Zufuhr feuchtmilder Meeresluft und mit ihr das recht unbeständige Wetter fort, doch wird der Witterungscharakter nicht durchweg regnerisch sein und weiter auch für kurze Zeit freundliches Wetter bringen. Aussichten für Donnerstag: Nach verbreiteten Regenfällen wieder mehr veränderliche Bewölkung mit einzelnen Niederschlägen, bei lebhaften westlichen Winden mild. A ussichten für Freitag: Bei Luftzufuhr aus West Fortdauer der milden und zu Niederschlägen geneigten Witterung. Lufttemperaturen am 20. Oktober: mittags 7,1 Grad Celsius, abends 6,8 Grad; am 21. Oktober: morgens 5,0 Grad. Maximum 8,3 Grad, Minimum heute nacht 3,8 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tief am 20. Oktober: abends 7,6 Grad; am 21. Oktober: morgens 6,2 Grad. — Niederschläge 0,1 mm. Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. IX. 36: 9650. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. Junger fttergÄ ges. Demselben ist Gelegenh. geboten, sich in der Slonfritorei auszubilden. Sehr. Angeb. u.6685D an d. Gieß. Anz. Junges Mädchen in kleinen ge- vstegten Haushalt für tagsüber gesucht. Schriftliche Angeboten. 04828 and. Gieß. Anzeiger lerbet. Schöne 6682D Frau Margarethe Hofmann Seltersweg 83. Gewinnauszug geb. Hofmann im 65. Lebensjahr. Nachdruck verboten Ohne Gewähr Die trauernden Hinterbliebenen: Ferd. Hofmann nebst allen Verwandten Heuchelheim, den 21. Oktober 1936. 4-5-Zimni.-Wohn. 20. Oktober 1936 L Ziehungstag der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne In über 100 RM. gezogen 201452 102458 6689 D 3'/Zimmer Am 20. Oktober verschied nach qualvollem Leiden 694 2284 2387 Frau Marta Grünewald 67602 68801 71979 73290 86312 99468 99785 im Alter von 42 Jahren. Sie war die treusorgende Mutter ihrer Kinder. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Karl Grünewald Gießen, den 21. Oktober 1936. In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 100 RM. gezogen 04835 {Vermietungen | 8055 7-Moliog. Unser lieber, treuer Bruder, Schwager und Onkel Herr Adolf Hexamer ttctann Im Namen der trauernden Hinterbliebenen 1173 11693 16767 15932 SHie Karl Hexamer. Gießen (Roonstraße 10), 20. Oktober 1936. filelnmoW Die Trauerfeier findet am Freitag, 23. Oktober, 14 Uhr, in der Kapelle des Neuen Friedhofs statt 6678V für tagt. 2 Std f. alleinstehende Frau,p.1.11.36 z. gesucht. Schrift!, vermieten. 04839 Ang. unt. 04814 a. d. Gieß. Anz Tonnenstraße 6. 186077 334478 192256 346774 183620 303321 369402 65920 66164 81289 82466 33157 206881 389674 21701 260901 66537 294243 128822 305090 138838 314307 160330 206886 315797 383083 163745 209585 322589 113425 174357 262074 323757 124058 161184 180606 200475 230681 255683 279503 304198 332776 386339 394896 20656 254065 22994 276653 144386 184326 244542 289069 302186 345777 366655 382921 124428 161356 183029 204260 234425 256261 283795 308913 341500 386418 399186 102737 127504 161463 187094 207523 244971 264148 288522 320338 360565 386433 44309 139192 188277 288518 347426 111881 166783 278790 367580 ' 6875 33276 65885 75392 107436 134941 172101 187604 207544 248824 266809 300970 324403 370365 388103 27587 361139 60368 145237 192681 298374 356591 131061 169627 221360 263190 290629 308603 357919 376878 394285 143663 182307 243014 265819 299904 332736 365218 382790 960 62826 66594 161668 166433 238895 243868 363826 367367 153465 212694 246934 289780 302689 347573 368965 334269 112548 152517 172758 188139 218011 251244 267060 303296 327663 377658 388462 116913 159925 173819 188828 226185 251945 271586 303961 329485 381902 389250 20819 134596 179716 265861 347368 165332 219572 254711 290505 306763 356269 373214 393369 131887 179639 239807 265274 298351 316755 361779 381018 2 Gewinne zu 100000 RM. 3162 2 Gewinne zu 10000 RM. 241994 4 Gewinne zu 6000 RM. 121549 386077 369650 22 Gewinne zu 800 RM. 178838 212285 227346 319502 369345 Näh.: A. 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Es liegt uns gerade in der Dolksbildungsarbeit nicht daran, immer nur von oben her Redner zu bestimmen, sondern lieber sind schon Anforderungen aus eigener Initiative, noch besser, wenn Arbeitsgemeinschaften entstehen, die von dem Willen beseelt sind, Gegenwart und Vergangenheit tiefer verstehen zu lernen. Letzten Endes hängt das Fortkommen der Nation sowie jedes einzelnen davon ab, ob wir nur stur und kleinlich auf unseren Alltagssorgen Herumreiten oder ob wir es fertig bringen, aus einem erweiterten Gesichtskreis heraus uns große Ziele für die Zukunft zu stecken. Wir wollen dem schaffenden Menschen nicht nur Vorträge halten, sondern auch tun st handwerkliche und technische Neigungen und Liebhabereien anregen und weiterentwickeln. Mit diesem Laienschaffen wird in unseren Volksseine Eier in die Fruchtknoten der Yuccapflanze ab; die sich entwickelnden Räupchen leben von den allmählich Heranwachsenden Samen. Ist ein Weibchen der genannten Motte aus der Puppe geschlüpft, so fliegt es alsbald, nachdem es sich mit einem Männchen gepaart hat, zu einer Yuccablüte, entnimmt ihr etwas Blutenstaub, formt ihn zu einem kleinen Ballen und fliegt davon, um eine zweite Blüte aufzusuchen. Hier ist aber ihre Tätigkeit eine gänzlich verschiedene: sie sticht mit ihrem Legestachel den Fruchtknoten an, legt ein Häufchen Eier hinein, klettert dann auf die Blütennarbe und hinterläßt dort den kleinen Ballen zuvor gesammelten Blüten- staubs. Danach fliegt sie davon. Durch ihre Tätigkeit hat sie in geradezu raffinierter Weise für ihre junge Brut gesorgt: der mitgebrachte Pollen befruchtet die Yuccablüte, so daß sich nunmehr die als Nahrung benötigten Samen zu entwickeln beginnen. Die Zahl der abgelegten Eier aber hat sie gerade so bemessen, daß die jungen Räupchen bis zu ihrer Verpuppung reichlich zu fressen haben und trotzdem noch eine ganze Anzahl Samen unversehrt bleiben. So hat auch die Pflanze ihren Vorteil: denn ohne das Eingreifen der Yuccamotte wäre sie wahrscheinlich unbefruchtet geblieben. „Gelernt" kann die Yuccamotte dies Verfahren niemals haben, denn ihre Eltern hat sie ja nie gekannt. Sie folgt einem angeborenen Triebe, einem dunklen Instinkt. losen Zusammenpralls mit den Weißen abzuwehren, den Stamm in seiner Eigenart zu schützen und vor dem Ausgerottetwerden zu bewahren. Die bei den Worora in jahrzehntelanger Arbeit gesammelten Erfahrungen hat Love jetzt in einem Buche niedergelegt. In vieler Beziehung leben die Worora heute noch im Steinzeitalter. Die Hauptsorge für die tägliche Nahrung fällt den Frauen zu. Jeden Morgen ziehen sie vom Lager aus, begleitet von den Hunden, die darauf abgerichtet sind, kleineres Wild wie Ratten und Opossum zu jagen. Selten kehren sie vor Einbruch der Nacht zurück, wenn ihre großen Rindenkörbe gefüllt sind mit Eidechsen, Yamswurzel, wildem Honig und allerlei anderem, was ihrem unwählerischen Geschmack als eßbar erscheint. Währenddessen ist die Hauptbeschäftigung der Männer, Steinspeerspitzen herzustellen, die das kunstvollste Erzeugnis des Stammes sind. Sie haben ungefähr die 'Größe und Gestalt eines Rosenblattes mit scharf ausgesägten Ecken und werden mit Stein-, Holz- und Knochenwerkzeugen hergestellt. Manche der verwendeten Steine sind Halbedelsteine wie Achat oder Quarz, und die fertigen Speerspitzen sind tatsächlich wahre Kunstwerke, nadelscharf und von vollkommener Regelmäßigkeit. Dennoch wird all diese hochentwickelte Kunst nur für einen einzigen Speerwurf verwendet, denn fast immer brechen die Spitzen ab, wenn sie ihr Ziel erreichen. Mit ihren Speeren jagen die Männer hauptsächlich Känguruhs, die als Wild sehr begehrt sind. Kein Knabe, der noch nicht unter die Männer ausgenommen ist, darf auch nur den Versuch machen, eine Speerspitze herzustellen, obwohl er schon damit jagen darf. Es kann sogar kein Knabe ausgenommen werden, bevor er nicht ein Känguruh erlegt hat und bevor nicht sein Körper mit den Narben des Stammes bedeckt ist. Wenn er diese Bedingungen erfüllt hat, wird er zu dem heiligen Männerplatz geführt, den er bisher noch nie betreten hat, und dort unter bestimmten, uralten Zeremonien feierlich zum Manne geweiht. Die Worora leben in Horden zusammen, die entweder aus einem Mann, seinen Frauen und Kindern oder aus einer Gruppe von Männern be - stehen. Ein Mädchen wird bei ihrer Geburt schon einem Freund ihres Vaters versprochen, der aber im richtigen Verwandtschaftsverhältnis für eine Heirat stehen muß. Den angesehensten Mannern werden die meisten Mädchen versprochen, so daß sie immer die jüngsten Frauen haben. Das ist hart für die jungen Männer, da es nicht genug Frauen für alle gibt. Wenn ein Mann älter wird, kann unseren heimischen Teichen und Bächen sehr häufig anzutreffenden Tierchens. Es baut sich normalerweise aus Steinchen eine schützende Hülle, vermag aber im Experiment auch ungewohnte Baustoffe, die man ihm anbietet, in völlig zweckentsprechender Weise zu verwerten. Setzt man ihm beispielsweise nur wenig Baumaterial vor, so verwendet es diesen in sparsamer Verteilung usw. Der Instinkt ist also hier nicht völlig „blind", die Erfahrung kann ihn korrigieren. Vielfach ist ein solches Miteinander von Instinkt und Erfahrung geradezu eine ße * bensnotwendigkeit für das Tier. Das eben geschlüpfte Kücken besitzt den Instinkt, nach kleinen Körner zu picken. Aber es trifft zuerst sehr oft daneben, und erst nach drei Wochen ist es so weit, daß etwa 80 „Trefferprozente" erzielt werden. Es ist also durchaus nicht so, daß Instinkt und Erfahrung sich gegenseitig ausschließen. Auch die von uns mitgeteilten Fälle tierischer „Dummheiten" können nicht als. Gegenbeweis gelten. Erfahrungen find eben nur möglich in einem Umkreis, der durch die natürliche Lebensweise des Tieres umschrieben wird. Sicher wird ein Zug von Prozessionsspinner-Raupen in freier Natur niemals in die Lage kommen, daß das voranmarschierende Tier plötzlich auf nächste Entfernung das letzte Tier des Zuges vor sich sieht. Man darf also den Tieren nicht allzu viel „zumuten". Der Mensch, der sich plötzlich aus etwa den Mars versetzt sähe, würde sich wahrscheinlich nicht minder hilflos benehmen. Außerdem ist zu bedenken, daß viele niedere Tiere bei ihrem kurzen Leben gar nicht in die Lage kommen, überhaupt viele Erfahrungen zu machen. Die Natur hat also, wie gerade die neuesten Forschungsergebnisse wieder zeigen, den meisten Tieren eine für ihr Leben völlig ausreichende „Intelligenz" mitgegeben. Nur dürfen wir nicht, wie das fo oft geschieht, das Tier vermenschlichen und falsche Maßstäbe an seine Handlungen anlegen. Tiere können „denken" — aber nicht im menschlichen Sinne, sondern aus ihren ganz anders gearteten Lebensbedingungen heraus. Instinkt und Erfahrung: das find die beiden Grundlagen, auf denen sich die Handlungsweise des Tieres aufbaut. Deutscher Volksgenosse! Unterstütze die Pimpfe bei ihrer Vrotsammtung des deutschen Volkes am 24. Oktober. gemacht. Da wurde im Grunde dieselbe Schulweisheit verzapft wie in allen höheren Schulen, nur mit dem Unterschied, daß sie mit dem Gift liberal- marxistischen Ideen behaftet war. Mit größter Enttäuschung wandte sich der bildungshungrige Teil der Arbeiterschaft von dem blassen Gerede ab. So konnte denn die Meinung entstehen, daß die Bildung eine vollkommen zwecklose Angelegenheit sei, die den Kopf belastet und den gesunden Menschenverstand verbiegt. Aber warum sollen wir denn dieses wundervolle Instrument der menschlichen Seele, u n - sere geistigen Fähigkeiten verkümmern lassen? Ist es nicht etwas Großes, daß wir das allmächtige Geschehen auf dieser Erde als einzige Lebewesen bewußt erleben und erforschen dürfen? Es wäre ein Verbrechen, wenn wir unseren Körper verkommen lassen würden mit dem Hinweis, daß man doch nie Olympiasieger werde. Genau so wahnsinnig wäre es, seine Begabungen einrosten zu lassen mit der Begründung, man wolle ja nicht Professor werden. Die Entwicklung der letzten drei Jahre ist ein Beweis dafür, wieviel schöner das Leben ist, wenn alle Talente zur Entfaltung kommen können. Arbeitskameraden! Ihr seid jetzt schon auf eueren Reisen durch viele Gaue unsres Vaterlandes gekommen. Staunend habt ihr die Denkmäler und Zeugnisse unserer großen Vergangenhit gesehen. Ergriffen habt ihr an der West- oder Ostgrenze von dem opferbereiten Einsatz deutscher Volksgenossen, im Norden vom jahrtausendalten Kampf gegen das Meer gehört. Mit unbekümmerter Freude habt ihr im Süden das Singen, Tanzen und Jodeln erlebt. Aber wenn ihr das deutsche Volk'ganz begreifen wollt, dann müßt ihr seine wechselvolle G e - schichte und seine gewaltigen kulturellen und wirtschaftlichen Leistungen kennenlernen. Wer weiß, wie dieses Volk gewachsen ist, und wie es gekämpft hat, der kann den Glauben nie verlieren. Daneben werden wir uns natürlich genau so mit der Gegenwart zu beschäftigen haben. Aus allen Lebensgebieten wollen wir das Wissenswerte und Wesentliche vermitteln. Alle schöpferischen Kräfte sollen mobil gemacht werden für das schönere Deutschland. Höchstleistungen sind nur möglich bei Weitsicht und innerer Harmonie. Dafür ist das Dolk^bildungswerk geschaffen worden. Die Schule der Vergangenheit hat viel versäumt. Aus eigener Initiative kann heute jeder sein Blickfeld erweitern. Nun noch etwas vom Aufbau des Deutschen Dolksbildungswerkes. In allen größeren Städten unseres Gaues bestehen Volksbildungsstätten. So z. B. auch in Friedberg, Gießen und Wetzlar. Neben allgemein interessierenden Vorträgen werden dort auch Vortragsreihen und A r b e i t s g e m e i n s ch a f - t e n durchgeführt, die den Hörern eine wirklich gründliche "Bildung über ein bestimmtes Gebiet, eine Epoche oder Persönlichkeit geben. Der gesunde Menschenverstand und Wille zur Mitarbeit genügen bei uns vollkommen. Universitätsvorlesungen werden keine gehalten. Weiterhin werden natürlich auf Anforderung in Städten, Orten und Betrieben Vorträge aller Art mit Hilfe unseres Gauvortragsdienstes veranstaltet. In kleineren Städten und größeren Betrieben werden Volksb'ildungs- Unter dem Eindruck solcher und ähnlicher Entdeckungen hat die Wissenschaft lange Zeit geglaubt, die niederen Tiere seien in allen ihren Handlungen an ganz starre, unabänderliche, aus Urzeiten ererbte Regeln gebunden. Bestimmte Geschehnisse in der Außenwelt^- so meinte man — sollten „automatisch" bestimmte Handlungen des Tieres auslösen, ähnlich wie etwa ein bestimmter Handgriff am Hebel einer Maschine eine genau vorauszusagende Wirkung auslöst. Diese Theorie hat unter anderen der bekannte deutsche Naturforscher Dof- l e i n für den Ameisenlöwen zu beweisen versucht. Auf bestimmte „Reize", etwa herunterrollende Sandkörnchen, die ihm in freier Natur die Nähe seiner Beutetiere, der Ameisen, anzeigen, antwortete er stets mit genau den gleichen Bewegungen. In der Tat kennt man auch sonst zahllose Fälle, in denen keine Erfahrung die Tiere veranlassen kann, anders als nach dem durch den Instinkt festgelegten Schema zu verfahren, auch wenn dies für den „Normalfall" durchaus zweckdienliche Schema in einer gegebenen Sonderlage zur Sinnlosigkeit, ja zum Verderben führt. So hat man eine körnersammelnde Ameisenart beobachtet, die in bestimmter Entfernung vom Nest auf besonderen „Kehrichthaufen" die Abfälle zusammenzutragen pflegt. Aus; nahmsweise siedelten sich Ameisen dieser Art einmal in den Ritzen einer Mauer an. Sie kamen aber niemals darauf, daß sie sich hier die Arbeit außerordentlich erleichtern konnten, indem sie die Absall- stosfe einfach vom Nesteingang aus yerunterfallen ließen. Mit rührendem Fleiß schleppten sie ihre Last immer wieder um ein Stück von gewohnter Länge vom Nest fort und „legten" sie dort nieder — wobei sie natürlich zu Boden fiel. Ein anderes Beispiel, das für die Unfähigkeit von Tieren zeugt, Erfahrungen zu machen, erzählt Fabre, der berühmte Altmeister der Insektenforschung. Die Raupen des Prozessionsspinners haben die Gewohnheit, am Abend ihren Ruheplatz zu verlassen und auf Nahrungssuche zu gehen. In großen Heerscharen schließen sie sich zusammen, jedes Tier hat „Tuchfühlung" mit dem Vordermann. Fabre lenkte nun das vorderste Tier einer Kolonne jo, daß es mit dem letzten Tier des Zuges in Berührung kam. Es folgte jetzt diesem, und die Raupen liefen infolgedessen sieben Tage lang ununterbrochen in geschlossenem Kreise herum, ohne zu merken, daß hier etwas nicht „stimmte". Sie gehorchten einfach einem blinden Instinkt. Das ist wirklich ein erstaunlicher Gegensatz: Infusorien, die aus Erfahrung lernen, und hochentwickelte Tiere, wie Ameisen, die „versagen"! Wie ist es zu erklären? * Die neueste Forschung zeigt uns nun mehr und mehr, wo die Lösung dieses Rätsels zu suchen ist. Die frühere Annahme der Wissenschaft, der Instinkt sei völlig starr und gehe unabänderliche Wege, hat sich bei genauem Zusehen doch nicht als zutreffend erwiesen. Ein gut analysiertes Beispiel ist der Gehäusebau der Köcherfliegenlarve, eines in Daß Raubtiere, Pferde, Vögel und andere höhere Tiere imstande find, aus Erfahrungen zu lernen, erscheint uns fast selbstverständlich. Schon die Möglichkeit, solche Tiere etwa an bestimmte Futterplätze zu gewöhnen und sie zu mannigfachen Kunststücken abzurichten, ist ja ein hinreichender Beweis dafür. Dagegen galt es bis in die neueste Zeit hinein als fraglich, ob auch niedere Tiere, etwa Krebse oder Würmer, ein „Lernvermögen" besitzen. Kürzlich sind aber von verschiedenen Forschern ganz überraschende Versuche auf diesem Gebiet angestellt worden, bei denen sich unter anderem herausstellte, daß man sogar Infusorien, also einzellige Lebewesen „dressieren" kann. * Als Versuchsobjekt diente hierbei das bekannte Pantoffeltierchen, das sich in Heuaufgüssen in großer Menge einzustellen pflegt. Die Forscher machten sich die Tatsache zunutze, daß diese kleinen Wesen warmes Wasser nicht lieben. Sie setzten eine größere Anzahl von Pantoffeltierchen in einen Wassertropfen, dessen eine Seite belichtet, die andere Hälfte beschattet wurde. Den Infusorien war es zunächst gleichgültig, ob sie sich im Hellen ober Dunkeln befanden; sie verteilten sich gleichmäßig im ganzen Tropfen. Nun wurde der erhellte Teil des Tropfens erwärmt: er leerte sich rasch, alle Tierchen flüchteten sich ins Dunkle. Nach zwei Stunden wurden zwei Seiten wieder auf gleiche Temperatur gebracht, und man hätte erwarten können, daß sich die Infusorien nunmehr, wie am Beginn des Versuchs, wieder gleichmäßig über den ganzen Tropfen verteilten. Ueberraschenderweise war dies aber nicht der Fall. Die gesamten Infusorien hielten sich vielmehr nach wie vor ängstlich im dunklen Teil des Wassertropfens. Geriet doch einmal ein Tier zufällig ins Helle, so fuhr es sogleich mit deutlicher Schreckbewegung zurück und schwamm in den schützenden Schatten zurück. Die Tiere hatten gelernt, daß Helligkeit mit der schädlichen Wärme verbunden war. Somit scheint der Beweis erbracht, daß alle Lebewesen, von den höchsten bis zu den niedersten, imstande sind zu „lernen". Die Erfahrung, so sollte man also meinen, ist die große Lehrmeisterin, die den Tieren hilft, sich in den mannigfaltigen Fährnissen ihres Lebens zurechtzufinden und vor Gefahr zu schützen. Dies ist aber merkwürdigerweise nicht der Fall. Im Gegenteil: gerade die kompliziertesten und sinnreichsten Handlungen, die zuweilen den Anschein erwecken, als seien sie das Resultat klügster Ueber- legung, werden oft genug in der vollendetsten Weise ausgeführt, ohne daß das betreffende Tier die Möglichkeit gehabt hätte, die Verrichtungen zu „lernen". Als besonders erstaunliches Beispiel unter vielen anderen sei hier der Fall der sogenannten Yucca- motte angeführt. Dieser Kleinschmetterling legt Wie in der Steinzeit... Vom (Stamme der Worora. Immer seltener werden in den tropischen Ländern die eingeborenen Stämme, die sich unberührt von weißer Kultur ihre alten Sitten und Lebens- gewohnheiten in voller Ursprünglichkeit bewahrt haben. Einer der letzten dieser Stämme sind die Worora an der Nordwestküste von Australien, die es bis zum Anfang unseres Jahrhunderts verstanden haben, sich von den Weißen vollkommen fern zu halten. Die wenigen weißen Forscher, denen es gelang, den unzugänglichen Busch zu durchdringen, wurden von den Worora entweder so feindlich empfangen, daß sie sich schleunigst und unter Lebensgefahr zurückziehen mußten, ober sie bekamen von den Eingeborenen überhaupt nichts zu sehen, die zwar den Weißen auf unsichtbaren Schleichwegen folgten, sich jedoch ihrerseits nicht blicken ließen. Auch die ersten Missionsversuche scheiterten. Erst der englische Missionar I. R. B. Love brachte es fertig, das Vertrauen des Stammes zu gewinnen und unter ihnen festen Fuß zu fassen. Freilich faßte er seine Ausgabe so auf, den Eingeborenen in der auf die Dauer unvermeidlichen Auseinandersetzung mit der europäischen Zivilisation beizustehen, die meistens verheerenden Wirkungen des Übergangs- Können Tiere denken? Nene Forschungsergebnisse zu einer alten Frage. Von Dr. p. Förster. ich Ihnen nachher auf demselben Weg hinüber. Sie nickt, ist rot bis in die Schläfen und entwischt in ihr Zimmer, — es ist die Minute, wo vorn die Tür geht und die Eltern die Wohnung betreten." Adalbert Steyer nagte an der Unterlippe. „Hm..." meinte er nachdenklich, „das ist ganz nett, aber es fehlt sozusagen doch die Pointe." „Aber Du kannst ja sagen, es sei eine wahre Geschichte. Die wahren Geschichten haben nie Pointen." — Stilch brach ab. Es sprang ein Geräusch in den Raum, als habe jemand einen kleinen Stein oder Sand gegen die Scheiben geworfen. Adalbert erblaßte. „Es ist jemand auf dem Balkon", flüsterte er erschauernd, daß ihm endlich auch im Leben ein Kriminalfall begegne. . „Unfug", sagte Stilch. Er erhob sich, schloß seinen Kleiderschrank auf und nahm einen graugrünen Seidenmantel vom Haken und den im Ton dazu passenden Hut. Mit diesen beiden Dingen trat er furchtlos auf den Balkon. Adalbert Steyer saß vorgebeugt. Er lauschte. Und er vernahm die beiden leisen, fast zärtlichen Worte, die eine Mädchenstimme sagte: Vielen Dank... er daraus rechnen, die Witwen eines Stammesbruders zu erben. Ein merkwürdiger Brauch der Worora heißt „rambadba", und verbietet jedem Manne aufs Strengste, seine Schwiegermutter, ihre Schwestern und Brüder anzusehen, mit ihnen zu sprechen oder nur ihren Namen zu nennen. Sie müssen sich gegenseitig meiden. Wenn zwei Menschen, die in dem erwähnten Verhältnis zueinanderstehen, sich begegnen, bedecken sie beide ihre Gesichter, bis die Gefahr vorüber ist. Der Ursprung der Sitte ist dunkel, mag aber auf noch strengere Gesetze zu- rückgehen, die einst zur Erhaltung des Stammes notwendig waren. Aus diesem Grunde wird „rambadba" auch von den Missionaren geachtet, und die dort jetzt errichtete Kirche ist so durchgeteilt, daß die Gläubigen den Priester, aber kein verbotenes Gesicht sehen können. Wenn ein Mann stirbt, wird sein Leichnam auf eine einfache Bahre gelegt und mit Blättern und Zweigen bedeckt. Sobald nichts anderes als die Knochen mehr übrig sind, werden sie von seinen Stammesbrüdern einaefammelt. Einige davon werden manchmal der Mutter des Mannes gebracht, die meisten aber werden in eine Totem-Höhle in dem Landgebiete des Bruders feiner Mutter gebracht. Der Leichnam einer Frau dagegen wird ohne jede Zeremonie eingegraben. Die Totem-Höhlen werden eifersüchtig bewacht und selten darf ein Fremder sie betreten. Der Missionar schildert eine davon in seinem Buch folgendermaßen: in der Mitte war ein großer Haufen menschlicher Gebeine jeden Alters, alle mit rotem Ocker bemalt, an den Wänden Zeichnungen von Känguruhs, Fischen, menschlichen Händen, Füßen und Gesichtern, und die ganze Decke nahm die Zeichnung eines Krokodils ein, alle Zeichnungen mit Holzkohle, rotem und gelbem Ocker und weißem Ton bemalt. Die menschlichen Darstellungen gelten als „wondjuna", das sind die ersten Menschen, und jede Horde hat ihren besonderen Wondjuna. Die anderen Bilder bedeuten die Totem-Tiere der Horde, von denen eins das mächtigste ist — in diesem Fall das Krokodil. Alle diese Bilder werden von Zett zu Zeit srisch gemalt, denn so lange ein Tier oder eine Pflanze ihr Bild in der Höhle haben, fo lange soll die Art in der Gegend gedeihen. C. K. Hochscburnactznchten Der außerordentliche Professor an der Universität Marburg, Dr. Egmont Z e ch l i n, ist mit der Vertretung der Professur für neuere Geschichte der Hansischen Universität Hamburg für das Wintersemester 1936/37 beauftragt worden. bilbungsftätten ein frohes Werken am Feierabend einziehen. Geschmack soll nicht eine Angelegenheit der oberen Zehntausend bleiben, sondern gerade in unseren Alltag und in die Gebrauchsgegenstände hineingebracht werden. Photo- und Schachkurse werden auch abgehalten. Durch Führungen, Besichtigungen und Lehrwanderungen wird eine anschauliche Bildungsarbeit geleistet. Besonderen Wert legen wir auf die Besichtigung von Kunststätten, Baudenkmälern und Museen. Die Büchereien in den Betrieben und Feierabendheimen sollen von uns betreut und später ausge- bcrut werden. Wenn der Reichsleiter der DAF. Parteigenosse Dr. Ley einmal sagte: „Wir wollen Herrenmenschen züchten", dann wird neben der Erziehung zum Charakter die Bildung von großer Bedeutung sein. Oie Pointe. Von Frank F. Braun. Es ging schon auf Mitternacht. Der Schriftsteller Adalbert "Steyer saß bei seinem Freund Stilch. Ich habe eine wunderbare Geschichte für Dich , sagte der, „es ist gut, daß Du noch kamst". Steyer hob den Kopf. Er war immer um Motive verlegen „Na ...", meinte er ermunternd. Und Stilch lehnte sich zurück in das grüne Ripssofa feines möbliert gemieteten Zimmers und jagte: Stelle Dir vor, es kommt em junger Mann 'abends nach Hause, er merkt unten im Hausflur, daß der Fahrstuhl nicht geht und steigt ärgerlich die Treppen in den zweiten Stock, da erreicht ihn xmilchen dem ersten und zweiten Stockwerk em S« und er sieht, der F-chKuhl ist teckenqeblieben, ein reizende- junges Mädchen, eine Wohnungsnachbarin, sitzt dann fest Er bereit sie, Du weißt, in Geschichten gelingt das immer Sie stehen auf dem Flur und wissen Nicht nchi, was sie sagen' sollen. Das Mädchen bedankt sich errötend und wendet sich Zur Tur, da stellt es entsetzt fest, daß es seine Schlussel drinnen m der Wohnung vergessen hat." tw „Aber, Stilch, das ist doch kerne Geschichte. Das reizende Mädchen klingelt, und ihm wird auf- Adalbert. Das Mädchen ist heimlich, während die Eltern ein Konzert b^suchen, tns Klno entwischt. Es kann nicht klmgeUl,denn^nienianb ift in der Wohnung. Und die Ges^chte erfahrt m die fern Augenblick eine dramatische Steig^ung es werden nämlich unten tm Hausflur Schritte und Stimmen laut; das Mädchen beugt sich über das Geländer und flüstert bebend: Die El ern „ Das ist gut. Wenn Du jetzt eine Pointe hast... rk -TW iltnae Mann erkennt die Lage. & Baukin Trude, Sie müssen Mut ^aben^und mir^vertrauew Unsere Ballone stoßen an der "rückwärtigen tzaussront gegeneinander: nur eine stolzwand kennt fie. Ich weiß, daß die Ba - kontür in Ihr Zimmer °b°nd- 'mrn-r «-öffnet .st, entschuldigen Sie, ich weiß das zufällig . Und «eesabe®aÄ Ün/zstht es die Wohnung machen? .. " ."Weiter? Nun, er sagt: Aut und Mantel reiche Volksbildung. Von Fritz Handwerk, Gameferenten für das Deutsche Voiksbildungswerk. N S G. Das Wort Bildung hat einen schlechten Klang bekommen. Unter ihm wurde die Hohlheit und Kraftlosigkeit von Generationen verdeckt, unter ihm behauptete das Bürgertum, zur Führung berufen zu sein. Der Anspruch wurde nicht herge- leitet aus der Leidenschaft eines geistigen Ringens, noch weniger aus der Kraft einer neuen, frischen Idee, sondern aus einer schülerhaften Gewohnheit, durch eifriges Lernen, gutes Abgucken und Aufpassen ein Wissen anzueignen, mit dem man sich bei der Pöstchenoerteilung immer gut nach vorne schlängeln kann. Wenn wir heute die Volksbildung neu a u f b a u e n wollen, dann lächeln so manche und bilden sich ein, sie hätten es früher viel besser Wirtschaft war Frankfurter Obff- und Gemüsemackt. Frankfurt a. M., 20. DEL Gemüse: Rotkraut, Weißkraut und Wirsing werden nach wie vor stark angeboten; übriges Gemüse ausreichend vorhanden. Geschäft schleppend, Preise unverändert. U. a. notierten: Blumenkohl, Stück 25 bis 50; Eskarol 5 bis 10; Feldsalat 40 bis 70; Salatgurken 15 bis 30; Karotten 4 bis 5; Kohlrabi 4 bis 6; Kopfsalat unter Glas 5 bis 8; Meerrettich 40 bis 45; Römischkohl 5 bis 7; Rosenkohl 23 bis 26; Rote Rüben 5 bis 6; Rotkraut 2 bis 4; Sellerie je nach Größe 10 bis 35; Spinat 12 bis 15; Schwarzwurzel 20 bis 25; Tomaten (Freiland) 18 bis 30, do. (Haus) 35 bis 45; Weißkraut 2 bis 3; Wirsing 2V2 bis 4; Zwiebeln 4V2 bis 6. Obst und Südfrüchte: Weiterhin gutes Angebot von Aepfeln und Birnen; von Rüssen und Zwetschen nachlassend. Nachfrage bei unveränderten Preisen lebhaft. U. a. notierten: Aepfel I 30 bis 40, II 22 bis 28, Edel I 30 bis 40, Goldparmänen I 30 bis 40, Boskop I 28 bis 35, Schafsnase 16 bis 20; Birnen I 22 bis 30, II 15 bis 20, Kochbirnen 6 bis 12, Mollebusch I 18 bis 24, II 14 bis 16, Vereins Dechant 25 bis 30; Bananen, Kiste 12,5 Kilogramm netto 5,00 bis 6,00 (Kam.), 6,00 (West- ind.); Kranzfeigen, 25-Kilogramm-Sack 10 bis 12; Haselnüsse 30 bis 40; Kastanien 22 bis 25; Quitten 18 bis 25; Trauben 45 bis 50 (holl.), 28 bis 35 (bulq.), 24 bis 28 (ital.); Walnüsse, gewöhnliche 35 bis 45, ital. 42 bis 50; Zwetschen 12 bis 18. Die Industrie- und Handelskammer Gießen gibt Auskunft: 850: Wir bitten die Firmen, die Ausfuhr nach Australien haben, um gefl. Mitteilung. — 852: Schwache Stimmung für Javatabak. — 853: Italienische Bestimmungen über den Ursprungsnachweis der Einfuhrwaren. Commerzbank 103,50 (103). . Von Renten stiegen Altbesitz auf 118,25 nach 118,05, Kommunal-Umschuldung auf 89,50 nach 89,45, Ungarn Gold schwächer mit 13,90 nach 14,30. Goldpfandbriefe blieben unverändert, Liquidationspfandbriefe waren gesucht und 0,13 bis 0,25 v. H. fester. Von Stadtanleihen 4,5 Hanau 91,25 (92), 4,5 (6) Frankfurter 94 (94,25), die übrigen unveran- Der F r e i v e r k e h r war fest. Adlerwerke 105,50 bis 106, Pokorny 120, Wayß & Freytag 128,50, Growag 89,50 bis 90, Kali Wintershall 140. Tagesgeld unverändert 2,5 v. H. Abendbörse uneinheitlich. Die Abendbörse nahm bei verhältnismäßig lebhaften Umsätzen keinen einheitlichen, vorwiegend aber festeren Verlauf. Während das Publikum kaufte, trat die Kulisse, besonders im Verlaufe, als Abqeber auf, so daß die Kurse im Vergleich zum Berliner Schluß um 1 v. H. nach beiden Seiten schwankten. Fest waren Scheideanstalt mit 277 bis 278 (276), auch IG. Farben mit 179,75 (179)^ waren gesucht. Lebhaft waren Montanpapiere, AKU. und Daimler Motoren, sowie Westdeutsche Kausyof. Am Einheitsmarkt gaben D-Banken je 0,50 v. H. nach auf 106, Commerzbank 0,25 v. H. höher mit 103,75. Am Rentenmarkt wurden zertif. Dollar- Der Fettbedarf unserer Volkswirtschaft kann nicht ganz durch Eigenerzeugung gedeckt werden; wir sind daher zu seiner Befriedigung noch auf Einfuhr aus dem Auslande angewiesen. Das bedeutet Devisenverbrauch und eine Belastung für unsere Wirtschaft. Daran hat noch vor wenigen Tagen der Stellvertreter des Führers, Reichsmim- ster Rudolf Heß, in seiner vielbeachteten Rede über das Ernährungsproblem des deutschen Volkes erinnert. „Sparsame Wirtschaft" und „Kampf dem Verderb" lautet daher die Parole des Tages. Andererseits hat der Führer alle Kräfte aufgerufen, durch Steigerung der Rohstofferzeugung im eigenen Lande zur Ueberwindung zeitweiliger Schwierigkeiten beizutragen. 3n dieser Lage erwächst uns eine wenn auch bescheidene, aber darum nicht weniger wertvolle Hilfe in den ölhaltigen Früchten unserer Buchenwälder, den Bucheckern. Vicht jedes Jahr reifen sie in solcher Fülle, daß der Forstmann von einem „TNastjahr" sprechen kann. Wie aller Segen der Natur uns nur von Zeit zu Zeit in seiner ganzen Fülle überkommt — man denke an die berühmten Weinjahrgänge —, so sind auch die Buchenmastjahre ein selteneres Geschenk, dafür in Notzeiten doppelt wertvoll. In dem letzten Kriegsherbst des Jahres 1918 kam uns die damalige starke Buchenmast sehr zu statten. Aus den Bucheckern läßt sich bekanntlich ein sehr gutes Speiseöl gewinnen. Besonders die Schulkinder halfen damals ein gut Teil mit, diese zusätzliche Ernte zu bergen. Seitdem hat dank der aufrüttelnden Tat unseres Führers das deutsche Volk in seiner Gesamtheit verstehen gelernt, was geschlossener Einsatz zu leisten vermag. Gerade dem Wald, der seit unserer Urväter Tagen den Deutschen ans Herz gewachsen ist, galt erst in jüngster Zeit eine von allen Formationen und Gliederungen freudig unterstützte Gemeinschaftstat, als es darauf ankam, in einem Teil unserer westdeutschen Waldgebiete die drohende Borkenkäfergefahr durch Aufräumung der von Schnee- und Windbruch betroffenen Nadelwälder zu bannen. Diesmal braucht der Wald nicht unsere Hilfe, er spendet uns von seinem Ueberfluß. Wieder ist eine reiche Buchenmast vorhanden. Wenn auch im Bereich des Regierungsbezirks Wiesbaden nicht von einer ausgesprochenen Vollmast gesprochen werden kann, so ist doch vielerorts genug, um eine Sammlung lohnend werden zu lassen. Besonders Frauen und Jugendliche können hier helfen. Wendet euch an die Forslämler, die Sammelausweise ausslellen und geeignete Sammelplätze anweisen. Um eine einheitliche Verwertung des gesammelten Saatgutes zu gewährleisten, werden örtliche Sammelstellen eingerichtet, die die Bucheckern zum preise von 18 Mark je 100 Kilogramm auskaufen. 10 v. h. Bestrafte „Bibelforscher". Frankfurt a. M., 19. Ott. (SPD.) Die Der- Handlung gegen die vierzehn Angeklagten vor dem S 0 nd e r g e r i cht, die beschuldigt waren, sich gegen die 'Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze von Volk und Staat vom 28. Februar 1933 in Verbindung mit der Verordnung des Preußischen Ministers des Innern vom 24. Ium 1933 vergangen zu haben, wurde beendet. Den Angeklagten wurde zum Vorwurf gemacht, daß sie in Wiesbaden für die Internationale Bibelforschervereinigung, eine staatsfeindliche und verbotene Organisation, Propaganda machten. In der Verhandlung betonte der Staatsanwalt, der Gefängnisstrafen bis zu einem Jahr beantragte, daß die An- geschuldigten trotz Kenntnis des Verbotes die Ta- tigkeit fortsetzten, und daß einzelne Angeklagte dies sogar taten, nachdem sie einschlägig vorbestraft waren. Abgesehen davon, daß die Angeklagten durch ihre Tätigkeit eine erhebliche Beunruhigung in die Wiesbadener Bevölkerung trugen, wirkten sie durch ihr staatsfeindliches Verhalten ftaatsfchädi- gend. Das Sondergericht sprach fünf Angeklagte frei und verurteilte die übrigen zu Gefäng - nis st rasen von drei bis sieben Monaten. Kreis Dehlar. G Dutenhofen, 16. Okt. In diesen Tagen ereignete sich im hiesigen Bahnhof ein Unfall. Eine Einwohnerin unferes Ortes stürzte aus dem fahrenden Zuge und wurde bewußtlos auf dem Bahnsteig aufgefunden. Nach erster Hilfeleistung wurde die Verunglückte in die elterliche Wohnung gebracht. Wie'sich der Unfall ereignete, konnte bisher nicht völlig geklärt werden. — Die hiesige Schule hat eine gründliche Wiederher st el- lung erfahren. Der Verputz wurde erneuert, Gesimse,' Fenster und Türen wukden neu gestrichen. Die Arbeiten wurden von hiesigen Handwerkern ausgeführt. Das Gebäude in feinem neuen Kleid gereicht dem Orte zur Zierde. — Dieser Tage fand hier in der Gaststätte „Zum Gambrinus" durch die Filmstelle der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude "eine Filmvorführung statt, bei der zwei Kulturfilme mit schönen Landschaftsaufnahmen und dann der Hauptfilm „Kirschen aus Nachbars Garten" zur Aufführung gelangten. Die Darbietungen des Abends gefielen sehr gut. 141,50 (138), Zement Heidelberg 160 (159,75). Von Kunstseideaktien Aku 0,50 höher, dagegen Bemberg auf die Verwaltungserklärung auf 115,50 bis Hb (117) ermäßigt. Am Zellstoffaktienmarkt gewannen Aschaffenburger 2,50 v. H. auf 146,50, Waldhof unverändert 172,65. Von Einzelwerten hatten Westdeutsche Kaufhof mit 65 bis 64,75 (64) lebhaftes Geschäft, ferner gewannen Reichsbank 2 v. H., AG. für Verkehr und Rheinmetall je 1 v. H. und Nordd. Lloyd 0,50 auf 16,65. Auch der Rentenmarkt war fest und lebhaft. Altbesitz 118,05 (117,85), späte Schuldbuchforderungen 98,50 (98,40), Zinsoergütungsscheine 93,75, Kommunal-Umschuldung 89,45. Zertif. Dollar-Bonds gewannen bei lebhaften Umsätzen 0,25 bis 0,50 v. H. Auslandrenten wurden vernachlässigt, Ungarn Gold 14,30 (14,25), 4proz. Rumänen 7,80 (7,85). Unter Schwankungen war die Börse auch im Verlaufe am Aktienmarkt fest und recht lebhaft. Die zwischendurch verschiedentlich eingetretenen leichten Rückgänge wurden mehr als ausgeglichen, besonders Montanwerte waren höher, ferner Daimler mit 126,25 nach 124,75, Muag mit 127 nach 125,50, Reichsbank 197 nach 195, sonst betrugen die Erhöhungen etwa 0,25 bis 0,75 0. H. Aku gingen bis 93 nach 95 zurück, später 93,50, Bemberg 116,50 bis 117 bis 114,50 nach 115,50 bis 116. Kali Salzdetfurth kamen mit 202 (195) zur Notiz, ferner gewannen Felten 2,25 v. H., Elektr. Lieferungen 1,50 v. H, Rheinstahl 1,50 v. H, während Südd. Zucker auf 209,25 (211) nachgaben. Am Kassamarkt Gebr. Roeder 105 (101,75), Dresdner Bank 106,50 (105,50), Der Wald als Hilfsquelle unserer Ernährung. Sammelt Bucheckern zur Oelgewinnung! - Ein Aufruf für den Regierungsbezirk Wiesbaden. Zellstoff-Fabrik der LG.-Farbenindustrie AG. Fwd. Die IG. Farbenindustrie AG., Frankrurt am Main, hat seit einiger Zeit mit dem Bau zur Errichtung einer Zellstoff-Fabrik begonnen. Dre Werke werden in Wolfen bei Bitterfeld errichtet und dürften im Februar 1937 betriebsfertig sein. Wie der Fwd. erfährt, liegen der Arbeit der neuen Zellstoff-Fabrik zwei Verfahren zugrunde, die auf der Verarbeitung von Buchenholz beruhen. In der einen Abteilung wird nach dem Sulfit-Verfahren 9e 0^21= tet, hier ist eine Leiststungsfähigkeit von täglich 100 Tonnen vorgesehen, in der zweiten Abteilung findet das Salpetersäure-Verfahren Anwendung, hier ist eine Leistungsfähigkeit von täglich 25 Tonnen m Aussicht genommen. Nach dem letzteren Verfahren wird ein besonderer Edelzellstoff hergestellt, der für bestimmte Seiden in der gleichen Weise wie z. B. Die einzuführenden Baumwoll-Linters Verwendung finden kann. Rhein-Mainische Börse. Wittagsbörse fest. Frankfurt a. M., 20. Okt. Die Börse weiterhin sehr fest. Die Publikumsnachfrage hielt uiwermindert an, während die Kulisse größtenteils als Abaeber auftrat. Auch kamLN auf dem erhöhten Stand Kundschaftslimite zur Ausführung. Infolgedessen war das Geschäft sehr lebhaft und die Nachfrage konnte überwiegend befriedigt werden. Am Aktienmarkt ergaben sich durchschnittliche Steigerungen von 1 bis 1,5 v. H. Montanaktien lagen nach anfangs lebhaften Umsätzen 1 bis 2 v. H. höher, später etwas ruhiger und nicht immer voll behauptet. Verein. Stahl 122,25 bis 123,50 bis 123 (121,50), Mannesmann 118,90 (116,75), Hoesch 121 bis 121,75 (120), Klöckner ausschl. 4,05- prozentige Netto-Dividende 130 (132,50). Sehr fest lagen erneut Kaliaktien, Aschersleben 151,65 (146,25), Westeregeln 146 (142), Salzdetfurth erschienen mit „Plus-Plus"-Zeichen. Von chemischen Werten hatten JG.-Farben mit 179,75 bis 180,75 (178,40) lebhafte Umsätze, auch Deutsche Erdöl 2,2a v H., Scheideanstalt und Goldschmidt je 1,75 v. H. und Metallgesellschaft 1 v. H. höher, Rütgerswerke 0,50 v. H. leichter. Elektroaktien wurden etwas vernachlässigt, l-agen aber ebenfalls meist etwas fester, Bekula plus 1,25 v. H. auf 167,25. Maschinen- und Motorenaktien fliegen um 1,50 bis 2 v. H., BMW. unverändert 138,50. Von Bauwerten Jul. Berger Preußen. Das ehemalige Reserve-Regiment 87 errichtet in Limburg ein Denkmal. LPD. Limburg, 20. Okt. In: den AuM^en 1914 wurde aus je einem Bataillon m Frankfurt am Main, Siegen und Limburg das Reserve- Infanterie -Regiment 87 gebildet. Es hat sich im Weltkrieg auf vielen Schlachtfeldern großen Ruhm erworben und sein Kommandeur von iyi? bis Januar 1918, Oberst Bering, meldete beispielsweise in den entscheidenden Tagen der Cyam pagne-Schlacht 1915 dem Großen Hauptquartier kurz und bündig: „Das Regiment halt die Stellung!" Diele Namen gefallener Kameraden verzeich- net das Ehrenbuch des Regiments. Für sie soll nun auch ein Denkmal errichtet werden, das aus dem Bahnhofsplatz in Limburg seine Aufstellung finden wird. Entsprechende Beschlüsse wurden auf einer Tagung in Limburg, die unter dem Vorsitz von Generalmajor Bering stattfand, gefaßt. der gesammelten Wenge verbleiben zur Verfügung des Waldbesihers, um das von der Forstwirtschaft benötigte Saatgut sicherzustellen. Dafür werden die Sammelausweise unentgeltlich ausgegeben. „Wildes" Sammeln, d. h. ohne Erlaubnis und Anweisung, ist verboten. Die Sammelstellen sind angewiesen, nur gegen Vorzeigen des Erlaubnisscheines Bucheckern anzu- nehmen. Das Saatgut muß vor der Ablieferung von groben Beimengungen gereinigt werden. Die zuerst abfallenden Bucheckern sind auch meist faul und daher wertlos. Erst nachdem die ersten Nachtfröste die Samenhülle zum vessnen gebracht haben, sollen die reisen Ducheckern, bie man mit der Hand auslesen oder bei starker Mast auch zusammenkehren und dann durch- sieben kann. Wer also helfen kann und einen kleinen Zusatz- lichen Verdienst nicht verschmäht, der reche sich em in die Front der Kämpfer m der Erseugungs- fchlacht, viele „Wenig" machen ein "^l . Das Ziel aber lohnt den Einsatz, denn es heißt Deutschlands Wiederaufbau zu festigen! Der Preußische Landsorstmeister, Regierungsforstamt Wiesbaden: gez. Rechtern. Septemberbilanzen im Zeichen des Quartaisgeldbedarfs. Wie regelmäßig zum Quartalsultimo, so zeigen auch diesmal die Septemberbilanzen die Bereitstellung von Mitteln für die Finanzierung des zu diesem Termin auftretenden Geldbedarfs. So flössen den Berliner Großbanken zirka 96 Millionen an Bankengeldern zu, die mit dazu dienen, z. B. die Zahlung des Zinsendienstes der Hypotheken, Renten usw. zu bewerkstelligen. Die Entwicklung der Kundschaftseinlagen verlief nicht einheitlich, doch zeigt sich auch für September eine Fortsetzung der Zunahme der Spareinlagen, sowohl bei Großbanken, wie bei Provinzbanken. Kreditbedürfnissen der Großwirtschaft wurde dadurch Rechnung getragen, daß die Großbanken ihr Akzept um 30 Millionen erhöhten. Indem ferner die Banken über 70 Millionen in längerfristigen Sonderwechseln anlegten, stellten sie sich für besonders wichtige öffentliche Finanzierungsaufgaben zur Verfügung, die jetzt in immer größerem Maße an die Stelle der früheren Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen treten. Die Banken schaffen sich gleichzeitig mit dieser Anlage eine wertvolle Liquiditätsreseroe, die ihren kreditpolitischen Dispositionen eine starke Beweglichkeit verleiht. Regelmäßige Veröffentlichung der Lebensmittelpreise. Fwd. Im Zusammenhang mit der Preisgestaltung auf verschiedenen Gebieten des Lebensmittelmarktes herrscht in Verbraucherkreisen oft Unklarheit über die vom Reichsnährstand bezw. von den Preisüberwachungssiellen festgesetzten Preise. Auf einer in diesen Tagen stattgefundenen Arbeitstagung der Landeshauptabteilungsleiter III des Reichsnährstandes kündigte nach einer Meldung der „Landware" der Reichshauptabteilunasleiter III im Reichsnährstand Dr. Korte an, daß im Interesse einer wirklichen Preisklarheit die in den einzelnen Gebieten festgesetzten Preise demnächst in regelmäßiger Folge veröffentlicht werden, damit die Derbraucherschaft die Preise für die einzelnen Nahrungsgüter genau kennenlernt und sich bei etwaigen Ueberschreitungen an die zuständigen Stellen wenden kann. Bonds bei voll behaupteten Kursen lebhaft umgesetzt auch Kommunal-Umschrldung blieben mit 89 50 gefragt, ferner hatten Pfandbriefe etwas Geschäft. Bon Auslandswerten gaben 4 v. H. Schweiz. Bundesbahn auf 208 (212) nach. U. a. notierten: 4,5 v. H. Reichsbahn-Schatz von 1936 98,50, 6 v. H. IG. Farben 133,75, 5,50 v. H. Franks. Hyp. Liquid. 100,40, 4,50 Franks. Psond- brie bank Gold R 17 97, 4,50 v. H. do. KO VI 94,25, 5 v. H. Rumänen 8,65, 4 v. H. Rumänen 7,80 bis 7,75, 4 v. H. Schweiz. Bundesbahn 208, 4 v. H. Ungarn Gold 13,75, AKU. 91,25 bis 91,50, AEG. 40,75, BMW. 138,50, Bemberg 114,50, Buderus 124,40, Cement Heidelberg 160, Daimler 125,90 bis 125 40, Deutsche Erdöl 148,75, Scheideanstalt 277 bis 278, Eßlingen Maschinen 101,50, IG. Farben 179,75, Gesfürel 148, Goldschmidt 124,50, Harpener 158, Hoesch 121, Junghans 104,50 bis 104,75, Klöckner 130 bis 130,75, Mannesmann 119 bis 118,75, Rhein- stahl 157 bis 156,75, RWE. 142,50, Rütgerswerke 140,50, Schuckert 162,50, Verein. Stahl 124 bis 123,50, Westd. Kaushos 63,50 bis 63, Commerzbank 103,75, DD-Bank 106, Dresdner Bank 106, Reichsbank 197, AG. für Verkehr 125, Hapag 16,90, Norddeutsche Lloyd 16,90 bis 17, Otavi Minen 45,25, Allianz & Stuttgarter Verein 252. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a.W. Berlin Frankfurt a. M. Berlin Frankfurt a.M. 5ranffurt a. M. | Berlin Schlußk. Schluß!. Schlußt. kurs 19.10 Dalum 19.10- 8,4 7,85 118,13 117,9 118,25 117,85 100 100 99,9 16,5 16,9 98,65 98,75 98,8 98,75 178,25 179 97 97 97 97 100,5 100,4 93 128,5 128,5 123 123 97 97 Elektr. Lieferungsgeiellfchaft... 6 7 Licht und Kraft 100,4 100,4 101 101 100,75 101 97,5 97,5 97,5 31,9 Ol Gritzner Mainkraftwerke Höchst a.M...« 4 210 Süddeutscher Zucker 10] in,20- 16,13 124,5 127,5 103 105,5 105,5 193 157 130,5 119,75 123,5 148,75 158,5 120,75 211,5 157 130 119 162,5 208 154,5 125,4 169,75 135 160 157 3,35 13,8 11,25 11,75 14,3 0 8 6 6 6 8 7 46,65 166 134,5 160,25 139,75 147,5 141,75 162,7k 207,9 154,5 153 132,5 116,75 106 106 197 16,9 39 16,9 125,25 128,5 103,5 106,5 106,5 197 7 9 5 6 5 123,5 169,5 64 470 202,5 174,5 63 456 206 175,5 121,25 139,75 147,9 124,75 139,5 148,5 178,4 274 121,5 140,5 148 91,5 114,5 172,65 146,75 106 92,25 113,25 172,5 147 113,5 124,9 170 92,25 63,75 450 206 175,5 95 109,8 95 109,8 122 146,75 158 120 17 125 128 103,75 105 105,25 193,5 101,4 98 124,4 148,75 158 121 Schlußkurs 122 146,4 157,5 119,75 204 153,75 132 116,13 179,75 278 124,5 140,5 149 A.E.G. Bekula 16,4 38,75 16,13 124,65 128 103 40,4 165,75 134,5 161,25 140,5 147,25 135 141,4 237 155,5 121,5 45,75 146,25 142 195 94,5 117 172,75 144 245 156,75 123,5 45,25 151,65 145 202 Rheinische Elektrizität Rhein. Wests. Elektr. Schuckert L Co...... SiemensL Halske... Lahmeyer & Co..... 40,75 167,25 136 161,5 142,5 148 135,5 142,5 162,5 209 154,75 95 109,75 106,5 94 118,5 171,5 143,4 112 122,5 169,75 91 64,13 470 203 174,5 40,75 167,25 134,5 161,75 142,25 147,5 135 141,75 32 3,4 14,25 11 11,75 14 4% Oesterreichifche Goldrente... 4,20% Lesterreichische Silberrente 4% Ungarische Goldrente....... 4% Ungarische Staaterente v. 1910 4 ’/j % desgl. von 1913.......... 5% abgest. Goldmerikaner von 99 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe Serie ................... Felten & Guilleaume 4 Gesellsch.f.Elektr.Unternehmung. 6 3,4 13,75 11,65 12 14,25 4% oesgi. Serie n 5% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 4^r%Rumän.vereinh.Nentev.l913 4% Rumänische vereinh. Rente . • 2y4% Anatolier ............. 162 । 206,5 154,5 I 8,65 13,13 7,8 40 8,75 13,1 7,9 40 8,4 13 7,9 40,75 32 3,4 14,3 11,4 12 14,13 Amerikanische Noten Belgische Noten.................. Dänische Noten ....... Englische Noten Französische Noten Holländische Noten ......... Italienische Noten Norwegische Noten -------• Deutsch Oesterreich, ä 1OO Schwing Rumänische Noten........... Schwedische Noten Schweizer Noten............... Spanische Noten Ungarische Note» I. G. Farben-Jndustrte Scheideanstalt........ Goldschmidt Rütgerswerke Metallgesellschaft । 134,75 । 134,5 41135,25 7 159,75 6\ 156 | Buderus < Deutsche Erdöl 4 Harpener................. 2’/2 Hoesch Eisen-Köln-Neuessen .. 8 Ilse Bergbau ...............6 Ilse Bergbau Genüsse 6 Klöcknerwerke ...............3 Mannesmann-Röhreo 8 Schultheis Patzenhoser 4 Wu (Allgemeine Kunstseide) .. O Bemberg...................6 Zellstoff Waldhof 6 Zellstoff Aschaffenburg 0 Dessauer Gas ...............7 Daimler Motoren 0 Deutsche Linoleum 8 Orenstein & Koppel O Westdeutsche Kaufhof 0 Chade................... 9 Accumulatoren-Fabrü 12 Conti-Gummi.............. 11 Hamburg-Amerika-Paket O Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 Norddeutscher Lloyd .........O A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 Berliner Handelsgesellschaft ... 6 Commerz- und Privat-Bank... 4 Deutsche Bank und Disconto- Gesellschaft................ 4 Dresdner Bank .......4 Keichsbank ................12 Auslos.-Rechten ............ Deutsche Komm. Sammelabl. An leihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten 4-/r% ehem.8% Franks Hyp.-Banl Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935 b'/r°/° ehem. 4y2% Franks. Hyp. Bank-Ligu.-Pfandbriefe..... . 6%% ehem. 4'/-% Rheinische Hyp.-Bank-Ligu.-Goldpfe. ... 4%% ehem. 8% Pr. Landespfand briefanstall, Pfandbriefe R. 19 414% ehem. 7% Pr. Lanbespfand briesanst., Gold Komm. Obl. 20 Steuergutsch.Berreckmungsk. 34-38 6,y Philipp Holzmann .... Zementwerk Heidelberg Cementwerk Karlstadt.. 19-10 162,25 143,5 241,5 155 121 45,5 147,5 141,5 196 19-10 101,4 98 103,25 börse 20 10- 162,5 börse 20 10 börse 20-10- Schluß. Schlußk. CD-07IUB Mittag» 97,5 95 109,8 I Datum Mansselver Bergbau....... 6)4 Koköwerke ..................6 Rheinische Braunkohlen 12 Rheinstahl.................. 4 Vereinigte Stahlwerke 814 Otavi Minen ...............0 Kaliwerke Aschersleben .. .... b Kaliwerke Westeregeln........5 Kaliwerke Salzdetfurth 7% 19-10- | 20 10- 101,4 1 101,4 98 ! 98 103,25 i 103,25 Kurszettel der Berliner und Krankfurier Börse. Die hinter den Papieren angeführten Zistern geben die Höhe der zuletzt b°fchi°sten°n Dividend- an. - Reich-bankdi-kon. 4 Lambardzin-futz^p^. 30,25 | 31| 30 I 211 I 209,25 1 210 I ®w- AÄ börse 19.10. 161,25 Datum 6% Deutsche Retchsanleihe v. 1927 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 514% Doung-Anleihe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mil Auslos.-Rechten ............ 414% Deutsche Reichspostschatzan Weisungen von 1934, I 414% ehem. 8% Hessischer Volks staat 1929 (rückzahlb. 102%) ... 4)4% ehem. 8% Hessische Landes bank Darmstadt Gold R. 12... 6y2% ehem. 414% Hess. Landes Hypothekenbank DarmstadtLigu. 414% ehem. 8% Darmst. Komm Landesb.Goldschuldverichr. R.e Oberheilen Provinz-Anleihe mti Schlußk. Mittag- börse 20-10. börse 20-10. 162,5 144,5 244 156,5 123,75 45,5 152 144 200,5 19 .Oktober 20 .Oktober Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Brief Geld Brief Buenos Aire 0,691 0,695 0,691 0,695 Brüssel .... 41,87 41,95 41,89 41,97 Rio de Jan. 0,144 0,146 0,145 3,047 0,147 Sosta..... 3,047 3,053 3,053 Kopenhagen Danzig .... 54,27 47,04 54,37 47,14 54,30 47,04 54,40 47,14 London.... 12,155 12,185 12,16 12,19 Heljingfors.. Paris ..... 5,365 5,375 5,365 5,375 11,585 11,605 11,58 11,60 Holland .... 133,82 134,08 132,87 133,13 Italien..... 13,09 13,11 13,09 13,11 Japan...... 0,710 0,712 0,710 0,712 Jugoslawien 5,654 5,666 5,654 5,666 Oslo..... : 61,08 61,20 61,11 61,23 Wien....... 48,95 49,05 48,95 49,05 Lissabon ... 11,045 11,065 11,05 11,07 Stockholm... 62,67 62,79 62,70 62,82 Schweiz ... 57,08 57,20 57,13 57,25 Spanten.... 22,48 22,52 22,48 22,52 Prag...... 8,761 8,779 8,761 8,779 Budapest .. — — — Neuyork ... 2,489 2,493 Banknoten 2,488 I 2,492 2,45 2,47 41,76 41,92 54,14 54,36 12,135 12,175 11,53 11,57 132,48 133,02 ■ ■ 60,95 61,19 —— —— — — 62,53 62,79 56,98 57,20 — —— —— Nr. 247 Dritter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen) Mittwoch. 2l. Oktober 1936 Aus der Provinzialhauptstadt. Der „Dickwurzkopp". Eine der letzten Erntearbeiten vor Anbruch der kalten Jahreszeit ist das Einholen der Runkelrüben oder, wie es auf dem Lande heißt, der Dickwurz. Wagen auf Wagen mit diesen gelben und roten, dicken und dünnen, runden und länglichen Feld- früchten rollt vom Acker hinein ins Dorf. Buben und Madels legen beim Auf- und Abladen tüchtig mit Hand an. Drei, vier und mehr Helfer sitzen auf dem vor dem Kellerfenster angefahrenen Wagen und „schlbbeln mit wahrer Lust eine Dickwurz nach der anderen über den „Lauf" (Laufbrett) in den dunklen Keller hinunter. Von nichts anderem reden sie als von ihrem „Dickwurzkopp". Längst schon liegt eine der Runkelrüben für ihn auf der Seite, eine schöne, rote. Und ist dann die Arbeit getan, so sieht man die Kinderschar auf irgend einem Hof in geheimnisvoller Tätigkeit. Der auserwählten Dickwurz wird an ihrem oberen Ende das „Deckelchen", eine fingerdicke Scheibe, mit einem Messer abgeschnitten. Dann geht es ans Aushöhlen. Hei, wie die Brocken und Stückchen fliegen! Richt schnell genug können die Hühner zupicken, oder aber die Geiß oder die Kuh kriegt das zarte, saftige Fruchtfleisch. Ist die Höhlung groß genug, so kommt die Hauptsache: Eine „Fratze" wird eingeschnitten, ein Gesicht. Mit mehr oder weniger Phantasie, mit gutem oder weniger gutem Geschick entstehen zwei Schlitzaugen, eine meist dreieckige Rase und ein breiter Münd, dem zuweilen kunstgerecht modellierte Zähne ein fürchterlich grinsendes Aussehen verleihen. Zuletzt findet ein von letzter Weihnacht her eigens für diesen Zweck sorgfältig bewahrtes Wachskerzenstümp- chen seine befestigte Stellung im hohlen Kopf. Run noch das Deckelchen, gehalten von Dornen oder Nägeln, drauf, und das Ganze kommt auf einen Besenstiel oder eine Stange zu thronen. Langsam, nur langsam verstreichen den Kindern die letzten Tagesstunden. Doch endlich ist es soweit: Die Dämmerung hat sich übers Dorf gesenkt. Die Straßen sind ruhig geworden. Jetzt! Schnell — ehe die ersten Lichter in den Stuben aufflammen — das Kerzlein im hohlen Rübenschädel entzündet und hinaus, der Fensterfront der Häuser entlang. Wie in der Luft schwebend, hin und her, rauf und runter, tanzen die leuchtenden „Dickwurzköpp". Ganz gespen- sterhaft sieht das aus. Dort huschen sie am Fenster vorbei, einem andern schauen sie hinein, verschwinden, tauchen wieder auf, Hüpfen zum Fenster um die Hausecke. Schauerlich grinsen sie in dunkle Stuben. Welch ein Schreck für die Kleinen dort! Auch die Großen packt einen Augnblick das Gruseln, aber dann lachen sie in Erinnerung an eigene Jugendzeit mit diesem Ulk. Mitunter steht auch so ein leuchtender „Dickwurz- kopp" den ganzen Abend über dem Hoftor oder vor dem Fenster und stiert durch herbstliche Nebelschleier, die an i7-m vorüberziehen, in seiner unheimlichen Maske auf die Gasse, bis schließlich sein Licht erlöscht. P. Vornotizen. Tageskalender für Mittwoch. NS.-Lehrerbund, Kreis Gießen, Fachschaft „Körperliche Erziehung", Arbeitsgemeinschaft für Mädchenturnen, 16 Uhr, in der Neuen Pestalozzischule. — Winterkampfspiele 1936, Besprechung der Bezirksspielwarte vor dem Kurzlehrgang, 14.30 Uhr, in der Neuen Pestalozzischule. — Stadttheater, 19,30 bis 22.15 Uhr „Ein idealer Gatte". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Moskau—Schanghai" — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Standschütze Bruggler". Stadttheater Gießen. Heute abend findet die erste Wiederholung des Gesellschaftsstückes „Ein idealer Gatte", Schauspiel von Oscar Wilde, statt. Spielleitung: Wolfgang Kühne. Anfang 19.30 Uhr, Ende 22 15 Uhr. Die Vorstellung findet als 5. Vorstellung der Mittwoch-Miete statt. Hitler-Zuqend. Dann 116. Morgen, Donnerstag abend, 20.15 Uhr, findet im Bannheim, Wartweg 19, eine wichtige Bann-Stabssitzung statt, zu der alle Stellenleiter und Mitarbeiter im Bann zu erscheinen haben. Es wird in Uniform angetreten. Unsere Pimpfe sammeln Brot! Ende dieser Woche ist es wieder so weit, daß unsere Jüngsten, die Pimpfe des Deutschen Jungvolks in der HI., ihre ganze jugendliche Begeisterung und ihren größten Tatendrang in den Dienst des Winterhilfswerks stellen. Sie sammeln, wie in den Vorjahren, Brot! — Brot für die Volksgenossen, für die selbst dieses erste Nahrungsmittel bei der Beschränktheit ihrer Mittel und oft bei der Zahl der hungrigen Mäuler am Familientisch noch knapp und teuer ist. Die kleinen schwarzen Kerle, unsere Pimpfe, die selbst wissen, wie gut das tut, sich mal an Stullen so richtig rund satt zu essen, wollen da helfen und unsere Volksgemeinschaft wieder einmal auf die Probe stellen. Wer wird da versagen?! Wer wird da dem Pimpf die Tür nicht öffnen und ihm verweigern, worum er für die Brüder und Schwestern bittet? — Keiner! Darum, deutsche Hausfrau, deutsche Mutter, dich geht es diesmal besonders an, gib am kommenden Freilagnachmittag, gib am Samstag früh den sammelnden Pfimpfen Brot! Die Durchführung dieser Sammlung im Gebiet des Kreises Wetterau ist grundsätzlich dieselbe, wie im Vorjahre. Aber während in den ländlichen Gemeinden wieder das Brot selbst gesammelt wird und jeder Volksgenosse für jeden gespendeten Laib Brot eine Plakette von dem sammelnden Pimpf erhält, ist in diesem Jahr in den Städten Gießen, Friedberg, Bad-Rau- heim und Buhbach erstmalig ein Gutschein- system eingeführt. Die Bäckereien, die Verkaufsstellen und die Verbrauchergenossenschaften dieser Städte haben Brot- spenden-Quittungen vorrätig, die zum Tagespreis für das 2-kA-Roggenbrot von den Bäckern an die Bevölkerung dieser Städte abgegeben werden. Diese Gutscheine sammeln in Gießen, Friedberg, Bad- Nauheim und Butzbach am Freitag und Samstag die Pimpfe gegen Rückgabe einer Türplakette für jeden Gutschein ein. Die Gutscheine selbst werden von den NS.-Dienststellen des WHW. zusammengezogen und die Brote von den Stadtbäckern geschlossen abgeholt — das ist bei den Tausenden von Broten einfacher und hygienischer. Darum versorge sich jeder auf dem Land mit Brot und -in den Städten Gießen, Friedberg, Bad-Rauheim und Buhbach mit einer Brot- spenden-Quittung. Wettbewerb für die Unfallverhütung. NSG. Im Rahmen der Unfallverhütungsaktion der Reichsbetriebsgemeinschaft „Eisen und Metall" wird ein Betriebs- und Reichswettbewerb durchgeführt, der den Zweck hat, das Interesse der Gefolgschaftsmitglieder der beteiligten Betriebe zu wecken und zu erhöhen Dieses Preisausschreiben wird in dem Aufruf an die Gefolgschaft mit Angabe der ausgesetzten Preise und der gewünschten Vorschläge verkündet Als Preise sind KdF -Fahrten, Geschenke in Gestalt von Büchern, Werkzeugen und Geldpreise vorgesehen. Die praktischen Vorschläge für die Abstellung auf allen Gebieten der Unfallverhütung werden schriftlich niedergelegt, und dem Vertrauensrat mit Angabe des Stichwortes „Wettbewerb für Unfallverhütung" eingereicht. Es kommt darauf an, praktische und gute Vorschläge für alle Lebenslagen, in denen der Unfallteufel fein Spiel treiben kann, zu machen Die von der Gefolgschaft eingereichten Vorschläge werden unter Leitung des Betriebsführers von einem für diesen Zweck eingesetzten Prüfungsausschuß geprüft, die besten Vorschläge ermittelt und die Preisträger am Tage des Schlußappells für die Großaktion der Reichsbetriebsgemeinschaft „Eisen und Metall" bekanntgegeben Besonders gute Vorschläge die über den Rahmen des Betriebes hinaus von grundsätzlicher Bedeutung sind, werden durch den Betriebsführer der zuständigen Gaubetriebsgemeinschaft „Eisen und Metall" mit dem Stichwort „Reichswettbewerb für Unfallverhütung" weitergegeben Zur Teilnahme an dem Wettbewerb ist jedes Gefolgschaftsmitglied berechtigt. Ausgeschlossen sind die Mitglieder des Betriebsprüfungsausschusses, die hauptamtlichen DAF.-Obmänner und die Mitglieder der Gau- und Reichsprüfungsausschüsse für den Reichswettbewerb. Letzter Termin für die Einreichung der Vorschläge in den Betrieben ist der 15. Dezember 1936 toeine’ZirDeitsrraTt t|t uni er Reichtum. (Aufnahme: Presseamt DAF.) W ■ Amt für Äolkswohlsahrt Ortsgruppe Gießen-Nord. Lebensmiltelopferring. Am Donnerstag, 22., und Freitag, 23. d. M., wird die Pfundsammlung durchgeführt. Die Mitglieder werden gebeten, die Pfundpäckchen bereitzuhalten und die Mitgliedskarte zur Eintragung vorzulegen. Die Päckchen find inhaltlich durch eine klare Aufschrift kenntlich zu machen. Es wird darauf hingewiesen, daß die Pfundsammlung im Winterhalbjahr bei allen Volksgenossen, also nicht nur bei den Mitgliedern des Lebensmittelopferringes, durchgeführt wird! Deutsche Arbeitsfront. RS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude". Abteilung Deutsches Volksbildungswerk. Am Freitag, 23. Oktober, 20.30 Uhr, findet d i e Eröffnung des V o l k s b i l d u n g s w e r k e s 1 9 3 6 / 37 in der Aula des Gymnasiums statt. Es sprechen Kreisleiter Pg. Dr. Hildebrandt und Gauhauptstellenleiter Pg. Handwerk (Frankfurt am Main). Eintritt frei. Alle Parteigenossen und Volksgenossen sind hierzu eingeladen. Prof. Bechtel spricht am Donnerstag, 22. Okt., 20.15 Uhr, im kunstwissenschaftlichen Institut (Lud- wigstraße 34) über: „5R au m fragen im Lahn- t a l" mit Lichtbildern. Eintritt frei. Montag, 26. Oktober, 20 Uhr, im Stadtthater, Kundgebung aus Anlaß der „W oche des Deutschen Buckes", veranstaltet vom Goethebund. Karten 30 Pfennig im Vorverkauf nur im Musik» Haus Challier. Radwanderung. Arn Sonntag, 25. Oktober, wird eine Radwanderung über Butzbach — durch das Siebenmühlental — nach Braunfels und zurück nach Gießen durchgeführt. Die Abfahrt erfolgt vünktlich um 8 Uhr Frankfurter Straße — Ecke Liebigftraße. Rucksackverpflegung. Führung: Wanderwa'rt Richter. Das Betreten der Militärschietzstände ist verboten. Der Standortälteste der Garnison Gießen teilt uns folgendes mit: Es wird darauf hingewiefen, daß das Betreten der Militärfchießstände und das Sammeln von Ge- fchoßblei strengstens verboten ist. Uebertretungen werden unnachsichtlich zur Anzeige gebracht. Dank an die Spender. In der Geschäftsstelle des „Gießener Anzeigers" hatten wir eine Sammelliste für Opferspenden zur Unterstützung Hilfsbedürftiger deutscher Flüchtlinge aus Spanien aufgelegt. Die bisher gezeichneten Beträge haben wir dieser Tage dem Hilfsausschuß für die Spanien-Deutschen in der Leitung der Auslands-Organisation der NSDAP, in Berlin zugesandt. Daraufhin ist uns von dieser Zentralstelle ein Schreiben zugegangen, in dem allen Spendern herzlicher Dank für ihre opferwillige Teilnahme an dem Schicksal der aus Spanien geflüchteten deutschen Volksgenossen ausgesprochen wird. Großkundgebung zur„Woche desDeutschenBuches1936" in Gießen. Vom Goechebund wird uns geschrieben: Zum vierten Male begeht das deutsche Volk die „Woche des Deutschen Buches". Am kommenden Sonntagvormittag wird Reichsminister Dr. Goebbels in einer Großkundgebung der Reichsschrifttumskammer in der Weimarhalle zu Weimar die deutsche Buchwoche 1936 eröffnen. In zahlreichen deutschen Städten werden deutsche Dichter aus ihren Werken lesen und zu unserem Volke sprechen. In 70 deutschen Städten werden große Buchausstellungen den Volksgenossen lebendige Anschauung über den Stand des deutschen Buches vermitteln. Elf Millionen Aus- wahlverzeichniffe werden zur Verteilung kommen, um den deutschen Volksgenossen den Weg zum guten deutschen Buch zu weisen. Diese Tage mit Büchern sind Tage mit der Seele des Volkes, sind Tage innerer Besinnung und frohen Bekenntnisses zu den geistigen Gütern unseres Volkes. Auch in unserer Stadt wird am kommenden Montag, um 20 Uhr, im Stadttheater eine Großkundgebung stattfinden, zu der der Oberbürgermeister der Stadt Gießen, der Goethe-Bund und Kaufmännische Verein, sowie der örtliche Arbeitsausschuß zur Buchwoche alle Volksgenossen unserer Stadt einladen. Nach Eröffnungsworten des Herrn Oberbürgermeisters werden die beiden hervorragenden aus- landsdeutfchen Dichter Robert Hohlbaum und Josef Weinheber aus eigenen Werken lesen. Die Wahl gerade dieser beiden Dichter hat eine besondere sinnfällige Bedeutung: Zur „Woche des deutschen Buches" gehen namhafte deutsche Dichter hinaus zu unseren deutschen Volksgenossen im Ausland. Wir rufen dafür unsere auslandsdeutschen Dichter zu uns ins Reich. Vielfach lebt Oesterreich Ruppertsburg, 20. Off. Zur Erzielung qualitativ besserer und mengenmäßig höherer Ernten ist es nötig, daß nur erstklassiges Saat- g u t gesät wird. Denn es sind unumstößliche Wahrheiten im Menschen- und Naturleben, wie sie in den beiden Sprichwörtern „Was der Mensch sät, das wird er ernten" und „Wie die Aussaat, so die Ernte" zum Ausdruck kommen. Wer sie gleichgültig unbeachtet läßt, schädigt sich und fein Volk. Er sät Samen, der gar nicht keimt, ober der günstigenfalls nur ganz geringen Ertrag bringt, der aber als Futtermittel noch gut zu verwenden gewesen wäre. In richtiger Erkenntnis dieser Tatsache hat unsere Landwirtschaftliche Genossenschaft eine Saatgutreinigungsmaschine mit Beizanlage angeschafft, die zur Zeit von unseren Bauern und Landwirten stark benutzt wird. Die Anschaffungskosten dürften durch die große Ersparnis in kurzer Zeit gedeckt sein. Kreis Alsfeld Homberg, 20. Oft. Dieser Tage trat die neu ernannte technische Lehrerin Frl. Fanny Helm- reich ihren Dienst in Homberg und den Orten der näheren Umgebung an. Sie war früher im Bezirk Kirtorf mit Erfolg tätig. Außer dem Handarbeitsunterricht erteilt sie auch Turnunterricht bei den Mädchen der beiden Oberklassen. — In der zweiten Hälfte des Schuljahres 1936/37 beginnt in den Orten Nieder-Ohmen, Ruppertenrod, Nieder-Gemün- den und Homberg ein hauswirtschaftlicher Kursus für die Mädchen des 3. Fortbildungsschuljahres, bestehend in Kochen und Handarbeit. Die Kurse an den genannten Orten werden von Frl. G i e s ch e geleitet, die sechs Jahre lang an dem Elisabeth en stift in Darmstadt tätig war. — Bisweilen sieht man auf unserer Bahnstrecke Güter- 3 ü g e von 60 bis 100 Achsen dahinrollen. Sie besorgen die Lieferung von Basaltsplitt, der von dem Nieder-Ofleidener Basaltwerk der Rheinischen Hartstein-Jndustrie zum Bau der Reichsautobahn geliefert wird. £ K e strich, 20. Oft. Einen schweren Un- gl ü cf s f a 11 erlitt die Fra u des hiesigen Bürgermeisters Seim. Als die Kühe von der Weide tarnen, wurde sie von einem Tier u m gerannt und erlitt einen schweren Beinbruch oberhalb des Knöchels. In die Wunde muß Schmutz aefommen sein, so daß eine Vereiterung eintrat. Nun mußte das Bein unterhalb des Knies abgenommen werden. Große Strafkammer Gießen. Die Strafsachen der gestrigen Sitzung mürben unter Ausschluß der Oeffentlichfeit verhandelt. Die Angeflagtssn Emil Uhl, 57 Jahre alt, und dessen Tochter Emma Uhl, beide aus Ranstadt, standen unter der Anklage, in den Jahren 1929 bis 1935 Blutschande miteinander getrieben zu haben. Dem Angeklagten Emil Uhl wurden außerdem unzüchtige Handlungen an einem Mädchen unter 14 Jahren zur Last gelegt. Wegen dieser beiden Verbrechen wurde der Angeklagte Emil Uhl zu einer Gesamtstrafe von vier Jahren Zuchthaus und zur Kostentragung verurteilt. Außerdem wurden ihm die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren aberkannt. Auf die Strafe wurden dem Angeklagten zehn Monate Untersuchungshaft angerechnet. Die Angeklagte Emma U h l wurde auf Grund des § 51, 1 des Strafgesetzbuches frei- gesprochen. Der am 16. März 1895 in Lederdorn i. B. geborene Joh. I., wohnhaft in Dorf-Gill, war angeklagt, mit einem Mädchen unter 14 Jahren anfangs d. I. unzüchtige Handlungen getrieben zu haben. Die Große Strafkammer verurteilte den Angeklagten zu einer Gefängnisstrafe von sieven Monaten. Dem Angeklagten wurden zwei Monate der Untersuchungshaft angerechnet. Die Kosten des Verfahrens wurden ihm auferlegt. Gute Möbel bei Koos Giessen Schulstn6. Volkswirtschaftliche Zeitsragen. preis und Angebot auf dem Lebensmittelmarlt. NSG. Die Aufgabe, die Ernährung des Volkes zu sichern, wurde beim beginnenden Neuaufbau des Deutschen Staats- und Wirtfchaftswefens dem Reichsnährstand gestellt, der rein organisatorisch zunächst einmal dem vorhandenen Gegeneinander von Interessen bei Erzeugern, Verbrauchern und Handel dadurch begegnete, daß er alle Personen, die an der Herstellung, Verarbeitung und Verteilung eines Produktes beteiligt sind, nach dem Prinzip der Selbstverwaltung in einheitlichen Verbänden, die jeweils nur für ein Erzeugnis, z. B. Getreide oder Schlachtvieh, zuständig sind, ^usammenfaßte. Weiter mußte ein festes Preisgefüge auf der Grundlage eines gerechten Preises den Belangen von Erzeuger, Verbraucher und Verteiler in gleicher Weise Rechnung tragen, wobei als Verbraucher der Bezieher eines geringen Einkommens anzusehen war. Diese Gedanken enthalten die völlige Abkehr von der Methode, den Lebensmittelpreis, ähnlich so wie es bei den Preisen für alle anderen Güter der Fall war, sich durch das Verhältnis von Angebot und Nachfrage selbst bestimmen zu lassen. Das „freie Spiel der Kräfte" hatte sich in den Nachkriegsjahren totgelaufen, indem in vielen Er- zeugerge'bieten ungeheuere Mengen Lebensmittel vernichtet werden mußten, um das Verhältnis von Angebot und Nachfrage in Ordnung zu bringen und dem im Lebensmittel investierten Kapital eine ausreichende Rente zu sichern. Der volkswirtschaftlich wertvollste Prozeß, die Erzeugung, wurde dadurch zerschlagen, denn der Erzeugerpreis mußte ins Bodenlose absinken, eine wirtschaftlich lohnende Betriebsführung war nicht mehr möglich, die Landwirtschaft der betroffenen Gebiete mußte in eine ungeheuere Verschuldung geraten. Das ist auch mit unerbittlicher Konsequenz eingetreten. In Deutschland z. B. standen im Jahre 1933 etwa 30 000 landwirtschaftliche Betriebe vor der Zwangsversteigerung, die Verschuldung der deutschen Landwirtschaft betrug noch am 1. Juli 1934, obwohl damals die Entschuldung bereits eingeleitet war 11,6 Milliarden Reichsmark. Sie sank bis zum 1. Juli 1935 auf 11,3 Milliarden Reichsmark, ein Rückgang, der sich bei der Zinsbelastung zu einem höheren Hundertteil auswirkt, als die Verminderung der Schuldsumme von 11,6 auf 11,3 Milliarden von vornherein vermuten läßt. Der Ruin des Sektors „Erzeugung" ist jeder wirtschaftlichen Vernunft zuwider und kann nur als der beginnende Zusammenbruch einer Wirtschaft angesehen werden, während volkswirtschaftliche Werte durch gesteigerte Erzeugung, die sich den vorhandenen Bedürfnissen anpaßt, geschaffen werden- Deshalb ging die nationalsozialistische Staatsführung bei der Wiederherstellung vernünftiger Verhältnisse auf dem Lebensmittelmarkt, wie sie durch das Gesetz der Marktordnung angestrebt werden, einen grundsätzlich neuen Weg, der bewußt die Erzeugung steigert und an Stelle des freien Spiels der Kräfte die Gebundenheit der Wirtschaft setzt. In erster Linie mußte den Bedürfnissen von Erzeuger und Verbraucher Rechnung getragen werden, in zweiter Linie konnte der Handel Berücksichtigung finden, der aber auch vor dem Zusammenbrucb geschützt werden mußte, weil er für ine geordnete Verteilung der vorhandenen Güter notwendig ist und darüber hinaus Hunderttausenden eine Lebensgrundlage abgibt. Der Erzeugerschutz, den die Marktordnung in erster Linie anstrebt, erfordert ein festes Preisgefüge für alle Waren, die den landwirtschaftlichen Betrieb verlassen, unabhängig vom Ausfall der Ernte, und die Garantie des Absatzes. Heute, da in Deutschland die Ueberschwemmung des Lebensmittelmarktes auf irgend einem Gebiet nicht zu befürchten ist, scheint die Absatzgarantie wenig zu bedeuten, aber im Jahre 1933 z. B., als wir bei vollen Scheunen verhungern konnten, war die Garantie des Absatzes eine revolutionäre Forderung. Auch für den Schutz des Verbrauchers ist der feste Preis, der auch bei einer Mangelklage nicht steigt, von ausschlaggebender Bedeutung. In den vergangenen Monaten hatten die Lebensmittelpreise auf den Gebieten, in denen Verknappungen eintraten, die Tendenz nach oben, aber es konnte doch festgestellt werden, daß für die Erzeugnisse, bei denen die Marktordnung restlos durchqeführt ist und sich eingespielt hat, wie z. B. bei Getreide (Brot), Milch und Butter die Preise gehalten wurden, trotzdem der An,all bald hoch, bald weniger reichlich ausfiel. Dagegen stieg der Preis für Kalbfleisch, der nicht gesetzlich gebunden war, erheblich. Die Schwierigkeit, einen festen Preis anzusetzen, liegt darin, daß zu dem festen Preis notwendig genaue Oualitätsvorschriften treten muffen. Geschieht das nicht, dann leidet die Qualität auf kosten des festen Preises, oder es erscheinen auf dem Markt vorher nie gekannte Warensorten, wie es jungst bei der Schweineknappheit mit den Wurstsorten der Fall war. Oualitätsvorschriften zu erlassen ist dann sehr schwer, wenn, wie es bei Kalbern der Fall ist die Qualität mitunter von einem oum anberen Tage wechselt. Auch hatte man beim Kalb,letsch gehofft, daß bei dem geringen Anteil der Kalber auf dem Schlachtviehmarkt sich der Preis ohne weiteres nach den übrigen Schlachtviehprelfen ausrichten wurde. Diese Erwartung hat sich indeß nicht als richtig erwiesen, so daß nunmehr auch für Kalbfleisch der Festpreis eingeführt wurde. . Freilich hat auch eine Anzahl Erzeuger und Verteiler die allgemeine Mangellage dazu ausgenutzt um für sich einen Vermögensvorteil heraus- zuschlagen. Es kann aber nach den Ankündigungen des Führers auf dem Bückeberg und feines Stellvertreters in Hof kein Zweifel uiehr darüber bestehen dak diese Auswüchse eines krassen Egois MUS in Zukunft mit aller Schars- des Ges-tzes^geahndet werden. Die Preise auch bei Ver knappung unter allen ^wstanden geh ~ ' da sonst der Erfolg der Arbeltsschlachi.in Frage gestellt ist Es gibt wohl noch eine Anzahl Preise, di- Nicht allen berechtigten Er°rdermst-N ent. sprechen. Hier Ordnung zu RteUen nächsten Wochen Aufgabe der zuständigen Stellen ^Für den Verteiler bedeutet der feste Preis daß ein Risiko weitgehend ausgeschaltet ist, was bei der F etzung der Verdienstspanne berücksichtigt werden muß. Die Schwierigkeiten, denen sich der Lebensmittelhande! flellenmei|e gegen rj b, < nen nicht durch eine schematiche H- aussetzung der Verdienstsoanne gelöst werden, weil dadurch das ganze Preisgefüge ins Wanken geraten wurde. Sie liegen letzten Endes in ungesunden Verhältnissen von Erzeuger und Verteiler begründet, indem auf nur fünf Erzeuger ein Verteiler kommt. Daher sind diese Fragen von der Berufsüberwachung und vielleicht der Beschränkung des Nachwuchses zu lösen. Die Marktordnung kann nicht eine in der Erzeugung oder der Zufuhr begründete Mangellage abstellen, aber gerade in Zeiten der Verknappung ist es erforderlich, daß die vorhandenen Güter gerecht verteilt werden und nicht durch ein ungehemmtes Ansteigen der Preise nur denen erschwinglich sind, die über ein höheres Einkommen verfügen. Auf diesem Gebiete hat die Marktordnung für Lebensmittel, bei denen sie restlos durchgefuhrt ist, zweifellos den gewünschten Erfolg gehabt. Wohin mit den Angelernten? Die große Auszählung der Arbeitslosen ist im Gange. Man weiß allerdings jetzt schon die Zahl der arbeitslosen ungelernten Arbeiter ziemlich genau. Am 30. September 1936 gab es 311843. Gegenüber dem Stande vom 30. Sept. 1935 be - deutet diese Ziffer eine Abnahme von 180 800, d. h. um 36 Prozent. Die starke Abnahme im September ist in erster Linie auf die Masseneinstellung von Hilfskräften in der Landwirtschaft zurückzuführen, wo die Einbringung der Kartoffel- und Rübenernte den größten Arbeitseinsatz des Jahres erheischt. Eine Arbeit, die jeder Arbeitslose, wenn sie ihm zugewiesen wird, verpflichtet ist, anzunehmen, will er nicht den Anspruch auf die Vermittlung besserer Stellen verlieren. So ist denn heute das Problem der Umschulung beinahe schwieriger geworden, als das Problem des Arbeitseinsatzes an sich. Es muß mit allen Mitteln versucht werden, ungelernte Arbeiter in Facharbeiter zu verwandeln. Unter den 311000 Ungelernten befindet sich sicherlich eine starke Reserve durchaus leistungsfähiger, intelligenter Menschen, die, an den richtigen Platz gestellt, mit Hilfe entsprechender Umschulung und Geduld in sehr brauchbare Fachkräfte verwandelt werden können. Es muß jetzt meistens in reiferem Alter nachgeholt werden, was die Eltern durch Unvernunft — vielfach ist es allerdings auch Armut — an ihren Kindern gesündigt haben, indem sie sie zu rasch in den Broterwerb schickten, ohne ihnen durch eine Lehrzeit eine sichere Grundlage für die Zukunft zu geben. Die Robert Bosch AG., die in sozialen Problemen bahnbrechend vielen Werken vorangegangen ist, hat bereits ein bestimmtes System für die Umschulung von Ungelernten entwickelt. Der Ungelernte wird zuerst mit dem Betrieb vertraut gemacht. Man läßt ihn dann eine gewisse handwerkliche Fertigkeit mit der Gewöhnung an einen bestimmten Teilbetrieb durch die Anfertigung von Handarbeiten erreichen. In einer dritten Stufe der Umschulung wird der Ungelernte an eine Arbeitsmaschine angesetzt, wobei er einem Spezialisten als Hilfskraft zur Hand geht. Er wird dann langsam mit der Maschine selbst vertraut gemacht, um schließlich in einer letzten Stufe die Kenntnis der Maschine selbst und ihrer Pflege zu erreichen. Ein solcher Prozeß setzt naturgemäß den guten Willen des Arbeitgebers voraus, Zeit und Geld in diesen Umschulungsprozeß zu investieren. Es scheint jedoch im heutigen Deutschland kaum eine bessere Kapitalanlage zu geben, rein kaufmännisch gesprochen, als diese. Arbeiisdienst des Geldes. Von Staatsrat Neinhart, Leiter der Wirtschastsgruppe privates Äankgewerbe. Der Neubau des deutschen Staates und der deutschen Wirtschaft ist mit verschiedenen festen Trägern untermauert worden. Zu diesen gehört die Arbeitsdienstpflicht, deren Symbol der Spaten geworden ist. Zweierlei bezweckt der Arbeitsdienst: Gemeinschaftserziehung durch Gemeinschaftsarbeit ist das ethische Ziel; Schaffung neuer Werte aus dem Boden deutschen Landes der reale Zweck. Bewundernswertes und Großes ist bisher durch diese Gemeinschaftsarbeit des Arbeitsdienstes geleistet worden. Freudigen Widerhall fand daher das Gelöbnis, das der Reichsarbeitsführer auf dem letzten Nürnberger Parteitag ab gab: „Unser ganzes Leben soll ein großer Arbeitsdienst für Deutschland sein". Der Nationale Spartag, der sich am 30. Oktober wieder jährt, legt den Gedanken nahe, in dieses Gelöbnis auch den Spardienst einzubeziehen. Wie Arbeit und Sparsamkeit die Grundlagen für den Wohlstand und das Glück jedes Einzelnen und feiner Familie und darüber hinaus der Nation find, so kann auch der Arbeitsdienst für Deutschland im weitesten Sinne des Wortes nur dann auf die Dauer von Erfolg gekrönt fein, wenn sich zum Spaten der Spargroschen gesellt und mit ihm gleichen Schritt und Tritt hält. Wenn von Sparen die Rede ist, so wird landläufig zunächst nur an den Betrag gedacht, der in der Sparbüchse, oder als Sparbucheinlage bei den Kreditinstituten erscheint. Diese Sammeltätigkeit im Kleinen ist für den Einzelnen, wie für die Nation von grundlegender Bedeutung. Sie dient zunächst dem Sparer als „eiserne Ration", wenn Alter, Not oder sonstige Wechselfälle des Lebens einen Rückgriff auf den Notgroschen erfordern. Sie entlasten gleichzeitig den Staat oder die Allgemeinheit, indem der Sparer nicht der allgemeinen Fürsorge anheimfällt. Die Notwendigkeit, für Alter und Invalidität rechtzeitig Vorsorge zu treffen, hat daher auch in verschiedenen Sozialversicherungen ihren gesetzlichen Niederschlag gefunden, die gewissermaßen eine zusätzliche Zwangssparkasse darstellen. Bildet diese Spartätigkeit in ihren verschiedenen Formen die Zukunftssicherung des Einzelnen und seiner Familie, so muß darüber hinaus auch die Allgemeinheit, der Zusammenschluß der Einzelnen als Nation, durch Sparen ihre Existenz und Zukunft zu sichern suchen. Hierfür ist das notwendig, was wir als S p a r d i e n st oder Arbeitsdienst am Gelde bezeichnen wollen. Wie muß dieser Dienst ausgeübt werden? Greifen wir zur Erläuterung auf den Arbeitsdienst zurück. Würde in diesem die Arbeitskraft jedes Einzelnen nur nach dessen Gutdünken und seinem Eigenwillen eingesetzt, so hätten nicht die großen Kulturleistungen entstehen können, die bisher erzielt worden'sind. Eine sinn- und zwecklose Verzettelung der Arbeitskraft wäre die Folge gewesen. Hier war aber die einzelne Arbeitskraft zur Gemeinschaftsarbeit zusammengefaßt. Und nur in dieser konnten nach Anweisung der Führung Schöpfungen von dauerndem Wert entstehen. Auf unseren Arbeitsdienst am Gelde übertragen bedeutet das, daß die an unzähligen Stellen und in verschiedenen Formen vorhandenen Ersparnisse einheitlich und geschlossen für die großen Ziele verwandt werden müssen, die uns gesetzt sind. Banken, Sparkassen und sonstige Kreditinstitute stehen bereit, die ihnen anvertrauten Gelder nach bestem Wissen und Gewissen im Sinne dieser großen Zielsetzung zu verwenden. Jede Summe, die in der Schublade, im Strumpf oder in der Kasse eines Ladens oder Betriebes ungenutzt verwahrt wird, bedeutet sowohl für den Einzelnen, wie für die Volkswirtschaft einen Verlust. Dem Einzelnen entgeht der Zinsgenuß, der Allgemeinheit die Nutzung dieser Gelder für die Produktion und den Güterumschlag. Jede Beschäftigung der Wirtschaft, jede Erweiterung der Produktion ist nur möglich, wenn das vorhandene Geld nicht „feiert", sondern arbeitet, d. h. in immer wiederkehrendem Umsatz neue Werte mitschaffen hilft. „Rast' ich, so rost' ich", ist eine alte Weisheit. Rost bedeutet aber Wertminderung. So gesehen bedeutet das Sparen im erweiterten Sinne' nicht ein ruhendes Verwahren von Kapitalien bis zu dem Augenblick, wo sie vom Einzelnen für seine persönlichen Zwecke gebraucht werden, sondern ein ständiges Indien st st eilen für die vielen großen Aufgaben, die es zu lösen gilt. Darum, ist auch der Arbeitsdienst des Geldes notwendiger Arbeitsdienst am Volke, dem nur bann große Erfolge befchieden fein werden, wenn er mit dem gleichen freudigen und tatkräftigen Einsatz getan wird, wie dies bei den Bataillonen des Spatens der Fall ist. Sie Kosten im Slener-Rechismistelverschren. Von Dr. jur. et rer. pol. K. Wuih Bei der Einlegnng von Rechtsmitteln (Einspruch, Berufung, Rechtsbeschwerde), insbesondere gegenüber Einkommensteuerbescheiden, spielt für den Steuerzahler auch die Kostenfrage eine Rolle. Es fragt sich zunächst, ob in jedem Falle Kosten durch die Einlegung des Einspruchs entstehen und wie es sich mit den Kosten verhält, wenn statt des Einspruchs sofort Berufung (Sprungberufung) erhoben wird. Allgemeine Grundsätze. Kosten entstehen nur, wenn die Einlegung des Rechtsmittels keinen Erfolg hat. Ist dem Rechtsmittel stattgegeben, so hat der Steuerpflichtige einen Anspruch auf Erstattung etwaiger notwendiger Auslagen. Hierher gehört z. B. die Erstattung von Reisekosten für die Wahrnehmung von Terminen; dagegen besteht ein Anspruch auf Entschädigung für Zeitversäumnis nicht. Auch die durch die Hinzuziehung eines Steuerberaters oder sonstigen Bevollmächtigten entstehenden Ausgaben werden nicht erstattet. Nur soweit der Steuerpflichtige die dem Steuerberater ersetzten Auslagen an Porti, Schreibmaterial, Reisekosten usw. andernfalls selbst gehabt hätte, kann er sie ersetzt verlangen (RFH. vom 9. Juli 1932 RStBl. S. 699). Legt der Steuerpflichtige statt des Einspruchs Sprungberufung ein, so erwachsen ihm im Falle des Unterliegens grundsätzlich doppelt so hohe Kosten, als im Einspruchsverfahren. Berücksichtigt man außerdem den größeren Zeitaufwand bis zum Ergehen der Entscheidung sowie den Verlust der Einspruchsinstanz beim Finanzamt, so muß vor der allgemeinen Einlegung der Sprungberufung gewarnt werden, wenn sie auch bei Aussichtslosigkeit des Einspruchs in vielen Fällen zweckmäßig fein kann. Dem Steuerpflichtigen werden die Ko st en des gesamten Rechtsmittel verfahrens, also für sämtliche Rechtsmittelstufen auferlegt, sofern er nicht in letzter Instanz durchdringt. Die Verpflichtung zur Tragung der Rechtsmittelkosten wird in der Entschiedung selbst feftgelegt; lediglich wegen der Kosten ist eine weitere Anfechtung nicht zulässig. Von der allgemeinen Kostentragungspflicht bestehen gewisse Ausnahmen. So bleiben Kosten außer Ansatz, die „infolge unrichtiger Behandlung der Sache ohne Schuld der Beteiligten" entstanden sind, B. wenn eine nicht zweifelhafte Rechtsfrage in früherer Instanz unrichtig entschieden wurde. Man denke an den Fall, daß der Steuerpflichtige in der Berufung vor dem Finanzgericht obgesiegt hat, der Reichsfinanzhof aber auf die Rechtsbeschwerde des Finanzamts hin anders entscheidet, so daß der Steuerpflichtige an sich die Rechtsmittelkosten für das ganze Verfahren zu tragen hat. Stellt hier der Reichsfinanzhof fest, daß das Finanzgericht sich in einer unzweifelhaften Rechtsfrage geirrt hat, so können die Kosten der Rechtsbeschwerde entfallen. Möglich ist in derartigen Fällen auch, daß die Rechtsmittelkosten ganz oder teilweise aus Billigkeitsgründen erlassen werden. Als Gründe hierfür sind vorgesehen, daß das Rechtsmittel aus entschuldbarer Unkenntnis der Verhältnisse oder aus Unwissenheit eingelegt ist oder die Erhebung aus sonstigen Gründen unbillig erscheint (A. O. § 319). Umgekehrt können dem Steuerpflich- tigen trotz Erfolgs im Rechtsmittelverfahren die Kosten ganz oder teilweise auferlegt werden, wenn er Angaben schuldhaft verspätet derbringt. Die Höhe der Rechtsmittelkosten. (Gebühren und Auslagenersatz.) Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens setzen sich aus den Gebühren und dem Ersatz der Auslagen der Rechtsmittelbehörden zusammen. Bei der Be- rechnung der Gebühren wird von dem streitigen Steuerbettage, bei Einheitswertbescheiden von 1 v. H. des streitigen Einheitswertbetrages, in anderen Fällen dem sonstigen Streitgegenstand ausgegangen. Einspruch (Beschwerde, Rechts- Streitgegenstand Anfechtung) Berufung beschwerte 20,— 1,— 2,— 3,— 60,— 2,— 4,— 6,— 100,— 3,— 6,— 9,— 200,— 6,— 12,— 18,— 300,— 9,— 18,— 27,— 400,— 12 — 24,— 36,— 500,— 15,— 30,— 45,— 600,— 18,— 36,— 54,— 700,— 21,— 42,— 63,— 800,— 24,— 48,— 72,— 900,— 27,— 54,— 81 — 1 000,— 30,— 60,— 90,— 1100,— 32,— 64,— 96,— 1 200,— 34,— 68,— 102,— 1300,— 36,— 72,— 108,— 1 400,— 38,— 76,— 114,— 1 500,— 40,— 80,— 120,— 1 600,— 42,— 84,— 126,— 1700,— 44,— 88,— 132,— 1800,— 46,— 92,— 138,— 1 900,— 48,— 96,— 144,— 2 000,— 50,— 100,— 150,— 2100,— 51,— 102,— 153,— für jede weiteren 100,— + 1 — + 2,— + 3,— 10 000,— 130,— 260,— 390,— 10 100,— 130,50 261,— 391,50 für jede weiteren 100,— + —,50 + 1 — + 1,50 20 000,— 180,— 360,— 540,— 21 000,— 185,— 370,— 555,— für jede weiteren 1000,— + 5,— + 10,— + 15,— $u den Gebühren tritt zur Abgeltung der allgemeinen Auslagen der Rechtsmittelbehörden ein Pauschbetrag von 15 v. H. der Gebühren, mindestens 1 RM. und höchstens 50 RM. Wird die Steuersache vom Reichsfinanzhof an das Finanzgericht zurückverwiesen, so wird für das doppelte finanzgerichtlicbe Verfahren die Berufungsgebühr nur einmal erhoben; der Streitwert wird nach dem höchsten beim Finanzgericht anhängig gewesenen Anspruch bemessen. Die Höhe der Kosten des Rechtsmittelverfahrens wird Dom Finanzamt festgesetzt, ohne Rücksicht darauf, ob das Verfahren vor dem Finanzamt, dem Finanzgericht, Landesfinanzamt oder dem Reichsfinanzhof durchgeführt ist. Zuständig ist regelmäßig das Finanzamt, das über den Einspruch entschieden hat. Gegen den Kostenbescheid der Geschäftsstelle des Finanzamts kann innerhalb von zwei Wochen Erinnerung eingelegt werden. Das gleiche Verfahren gilt für die Festsetzung der Kosten, die dem ©teuer« pflichtigen für notwendige Auslagen erstattet werden. psychologisch richtige Verbrauchslenkung. V. A. Eine Erkenntnis hat sich nach einer dreijährigen Entwicklung im ganzen deutschen Volke durchgesetzt: Die Frage neuer Werkstoffe ist kein Rohstoffproblem, sondern ein Problem des Konstrukteurs und des Verkäufers. Die Frage der neuen Werkstoffe ist ein Problem volkspolitischer Art im besonderen Sinne, eine Frage der „Arbeitsfreiheit" und Arbeitsbeschaffung. Das leuchtet ohne weiteres ein, denn wenn wir in der Lage sind, auf chemischem, elektrolytischem oder sonstigem Weae neue Werkstoffe in Deutschland selbst zu schaffen, wobei die Herstellungskosten in überwiegendem Maße deutschen Arbeitern als Lohn zufließen, dann ist damit der doppelte Zweck erreicht, nämlich der der Arbeitsfreiheit einerseits (Unabhängigkeit von Rohstoffquellen des Auslandes) und der der Arbeitsbeschaffung andererseits. Damit wurde aber auch aus dem Problem der neuen Werkstoffe eine Erziehungsaufgabe großen Stils, nämlich eine Aufgabe der Derbrauchslenkung des deutschen Volkes. Und hier lag die eigentliche Schwierigkeit! Die Technik ist nämlich heute in der Lage, die schwierigsten Aufgaben zu lösen, der Verbraucher jedoch ist durch lange Gewohnheiten derart auf die ihm bekannten und erprobten Dinge des täglichen Bedarfs „eingeschworen", daß die Verbrauchslenkung und -umlenkung zu einer hohen Kunst entwickelt sein muß, wenn Schaden für das Ganze verhütet werden soll. Deutschland ist in der glücklichen Lage gewesen, das Problem der neuen Werkstoffe für den Käufer organisch wachsen lassen zu können. Trotz der Schwierigkeiten, in die uns die Weltkrise des Kapitalismus gebracht hat, war unser Atem lang genug, ohne Experimente irgendwelcher Art uns nach einer gründlichen und trag fähigen Lösung des Werkstoffproblems umzusehen und sie auch verkäuferisch behutsam durchzusetzen. Anstatt eines Rückfalls in die Kriegswirtschaft von 1914/18 erlebten wir eine Epoche sensationellen technischen Fortschritts, dessen Auswirkungen heute längst international sind. Die Augen aller ernsthaften Techniker und Kaufleute der Welt schauen heute auf Deutschland, sie sehen, daß hier auf Grund neuer Werkstoffe ein technischer Fortschritt im Gange ist, der das Beharren auf „alte erprobte Methoden" zur Dummheit stempeln würde. Es wäre wichtig, wenn alle Branchen einmal überlegten, was sie aus den großen, erfolgreichen Beispielen deutscher Verbrauchslenkung lernen könnten. Man sollte die Dinge nicht nur unter dem Gesichtspunkt neuer Werkstoffe sehen. Die psychologisch richtige Behandlung des Käufers gilt nämlich ebenso für feine Umstellung vom Kitsch auf sinnvolle, formschöne Gebrauchsgegenstände ober, um noch ein anderes gerade in diesem Jahre beachtliches Beispiel $u nennen: sie gilt auch für die Umstellung der Männerwelt auf den Gebrauch von Material, das in der Frauenmode international feit Jahren eine Selbstverständlichkeit ist. Das Beispiel, das mir als Musterbeispiel für Verbrauchslenkung anführen möchten, betrifft eine ber größten Metallwerkstätten Deutschlands. In dieser Werkstatt werden für alle wichtigen Industrien insgesamt etwa 20 000 verschiedene Metallteile gepreßt, ob das nun Kühlerkappen für Automobile, Türgriff* ober Fensterrahmen für Eisenbahnwaggons sind, ist gleichgültig. Lange bevor eine „Notwendigkeit* zur Umstellung auf neue Werkstoffe bestand, be< faßte sich diese Fabrik mit den neuen Werkoffen. Jede Bestellung, die eintraf, wurde in folgender Weise beyandell: Man fertigte dem Kunden Muster an, und zwar eins in der gewünschten Metallart und eins in einem neuen Werkstoff, den das Laboratorium der Fabrik auf Grund sehr eingehender Versuche für den bestellten Werkteil am geeignetsten hielt, geeignet nicht nur unter dem Gesichtspunkt des Verwendungszweckes, sondern auch in Bezug auf die Kostenfrage, das Gewicht usw. Es kam hierbei vielfach vor, daß statt Metall Preßstoff aus Kunstharz usw. empfohlen wurden. Stellte sich bei den Versuchen heraus, daß das vom Kunden gewünschte Metall, z. B. Kupfer oder Bronze, für den vorgeschriebenen Verwendungszweck das einzig Gegebene war, dann wurde selbstverständlich der Auftrag ohne weiteres in diesem Metall ausgeführt. Bemerkt sei noch, daß dieses Verfahren nur bei In« landsbestellern zur Anwendung kam, während der Ausländer ohne weiteres in der gewünschten Metallsorte bedient wurde, wie das auch heute noch gehandhabt wird. Sonst bekam der Kunde die Muster in den verschiedenen Ausführungen mit einem Begleitbrief, in dem er gebeten wurde, die Muster in der Praxis auszuprobieren, und für den Fall, daß seine Wünsche bei der Verwendung des neuen Werkstoffes in jeder Weise befriedigt würden, sich für das neue Material zu entscheiden. Wie schon gesagt, wurde auf die Kostenfrage ebenfalls größter Wert gelegt, denn es liegt weder im Interesse der Industrie, noch der Volkswirtschaft, daß der Käufer durch die Preisfrage enttäuscht wird, wenn die Materialfrage gelöst ist (eine Tatsache, auf die bei der Verbrauchslenkung oftmals zu wenig Wert gelegt wird, wodurch viele Möglichkeiten von vornherein verbaut werden). Diese Methode des Kundendienstes, im besten Sinne des Wortes, der gleichzeitig ein Dienst am Volke war, wirkte Wunder! Es wurde der Käufer nicht nur psychologisch richtig umgelenkt, sondern im Verlaufe eines einzigen Jahres waren auch in einer einzigen großen Fabrik alle Erfahrungen darüber gesammelt, welche Austauschmöglichkeiten zwischen alten und neuen Werkstoffen bei dem derzeitigen Stande der Technik überhaupt bestehen. Die auf diese Weise gesammelten Erfahrungen gaben den später eingesetzten Metallüberwachungsstellen und dem Gesetzgeber wertvolle Anhaltspunkte für ihre Arbeit auf handelspolitischem Gebiet. Die Erfahrungen dieser Werkstätte haben also gelehrt, daß bei der Möglichkeit freier Wahl und der vorherigen persönlichen Ueberzeugung von Güte und Qualität des Werkstoffes durch eigenes Ausprobieren sich fast jeder einsichtige Käufer für die Wahl neuer Werkstoffe entschied, wo es nur irgendwie anging. Die Post- und die Eisenbahn-Verwaltung haben dankenswerterweise sich voll und ganz in den Dienst dieser Verbrauchslenkung eingeschaltet und ihrerseits Beispiele modernen Denkens in der Werkstofftechnik geliefert. Wenn heute Ausländer, die nach Deutschland kommen, des Lobes voll find über die Eleganz, die Zweckmäßigkeit und Formschönheit unserer modernen Fahrzeuge, bei deren Bau neue deutsche Werkstoffe weitgehend Verwendung finden, dann sollte jeder Volksgenosse daran denken, daß auch er persönlich seine Beobachtungsgabe und sein Denken einzuschalten hat für den großen volkswirtschaftlichen Prozeß, den wir oben als Arbeitsfreiheit und Arbeitsbeschaffung kennzeichneten. E. Sch. G.Jl.-fport gut. oer« von Elan durchgeführt wurde.' Vom Anstoß an drängte auch die parteiamtlichen Stellen ergeht schon die Steinbach, doch wurden die Angriffe von der Ver-s Aufforderung, sich den 8. November 1936 frei zu FußbaNabteilung des Turnvereins Wieseck. wieseck I. — Launsbach I. 4:1. Viele Zuschauer sahen einen Kampf um die Punkte der von Anfang bis Ende mit großem Die von dem Gaufachamt nach Kassel einberufene Sitzung, die dazu dienen sollte, den in den Kreisen arbeitenden Männern die Richtlinien zu übermitteln. die für das neue Spieljahr richtungweisend sind, war gut besucht. Die Tagung, die unter Leitung von Gaufachamtsleiter Denn (Kassel) stand, ergab volle Uebereinstimmung in bezug auf die Ziele des Reichsfachamtsleiters und bedingungslose Anerkennung der von diesem getroffenen Anordnungen. Don dem reichhaltigen Programm, das sich auf zwei Tage erstreckte, sei nur kurz folgendes gesagt: Die Meldegelder für die Pflichtrunden sind in Zukunft an den „Deutschen Reichsbund für Leibesübungen, Fachamt Handball, Berlin-Charlottenburg, Reichssportfeld, Postscheckkonto: München 42386 zu überweisen, während die öprozentige Spielabgabe und die in Zukunft anfallenden Strafgelder der an die Deutsche Sporthilfe Berlin (Postscheckkonto: Berlin 78388) abzuführen sind. Damit fließen also in Zukunft vor allem die Strafgelder dem Fonds zu, der zur Unterstützung verunglückter Sportkameraden ins Leben gerufen worden ist. — Die Pässe herausgestellter Spieler werden in Zukunft, in Abänderung der seitherigen Anordnungen, in der Folge den in Frage kommenden Vereinen ohne weiteres zugestellt, sobald die verhängten Strafen abgelaufen sind. Eine umfangreiche Aussprache ergab sich über die diesjährigen Winterhilfsspiele. An alle Vereine, Mannschaften und vor allem Am Sonntag standen sich die Mannschaften des TV. Wieseck und des TV. Launsbach in Wieseck gegenüber. Das Spiel endete mit einem 4:1 Sieg für Wieseck (Halbzeit 3:1). Nach anfänglicher lieber« Eine erfreuliche Bereicherung hat das deutsche Stiprogramm durch die Ausschreibung eines Reichs-Jugend-Skitreffens erfahren. Die erste Der- anstaltung dieser Art soll vom 26. bis 28. Februar in Neuhaus (Thüringen) durchgeführt werden. teidigunq abgestoppt. Auf beiden Seiten sah man schöne Äombinationszüge, die aber zu keinem Erfolg führten. Nach dem Wechsel war es Steinbachs Mittelstürmer, der eine schöne Flanke seines Rechtsaußen aufnahm und den Ball für den Licher Tormann unhaltbar verwandelte. Lich drängte nun mächtig auf Ausgleich, doch verloren sich alle Angriffe der Licher Stürmerreihe in den Strafraum der Gäste. Lich nahm dann eine Umstellung vor und nun folgte ein Torschuß dem anderen. Jedoch alle Bälle wurden eine sichere Beute des guten Gästetormanns. 15 Minuten vor Schluß war es den Platzbesitzern vergönnt, durch einen Prachtschuß des Mittelläufers Kaiser den Ausgleich zu erzielen. Schiedsrichter Z i tz e r (Gießen) leitete sehr sehr gut. Das Spiel der Reserven gewann Lollar kampflos, da Naunheim keine Mannschaft stellen konnte. Die Schülermannschaft spielte in Staufenberg mit fünf Ersatzleuten, konnte aber trotzdem einen dienten 4:3-Sieg erringen. Fußball in Daubringen. Daubringen I. — Heuchelheim I. 4:2. Am Sonntag hatte die erste Mannschaft legenheit der Gäste übernahm Wieseck das Kom- mando, um es während des ganzen Spieles zu behalten. Der Launsbacher Torwart verhinderte für feine Mannschaft eine größere Niederlage. Die anderen spielten zu Beginn sehr gut, um nachher durch Uneinigkeit und Reklamationen das Spielen zu vergessen. .. . Vorher standen sich Wiesecks Schüler und eine kombinierte Schülermannschaft vom VfB.-Reichsbahn Gießen gegenüber. Da die Gießener unvollständig antraten, mußten sie eine 5:0 Niederlage hinnehmen. Kurze Sportnotizen. Exzellenz D r. Lewald, der Präsident des Organisationskomitees für die XI. Olympischen Spiele, startet am Mittwoch von Frankfurt a. M. aus nfit dem Luftschiff „Hindenburg" nach Rio de Janeiro, um in einer Dortragsreise durch die süd- amerikanischen Länder Argentinien, Brasilien, Chile und Uruguay Olympia-Filme vorzuführen und den genannten Ländern den Dank für ihre rege Beteiligung in Berlin auszusprechen. HandbaMmssachamlsieiiertagimg Sau 12 Gießen erhält wieder sein Hallen-Handballturnier. halten und die Bestrebungen des Fachamts Handball zu unterstützen, damit der Erfolg für das WHW. in diesem Jahre gesichert wird. Daneben soll zu gleicher Zeit für das Handballspiel geworben werden. Jugendliche können in Zukunft auf besonderen Antrag hin zu Senioren erklärt werden. An- träge laufen über die Kreisfachamtsleiter. Einen breiten Raum der Besprechungen nahm die neue Handballordnung ein. Wichtig ist vor allem die Aenderung über die Abmessung der Tore: jetzt 7,44 X 2,42. Der Lehrgangsarbeit wird m Zukunft mehr als seither wieder volle Aufmerksamkeit gewidmet. So wird noch im Laufe dieses Winters ein Lehrgang für Schiedsrichterobleute stattfinden, dem sich ein Wochenendlehrgang für Vereinsübungsleiter des Kreises am 14. und 15. November wahrscheinlich in Großen-Linden anschließt. Daneben werden die talentierten Spieler des Gaues vom 7. bis 13. Dezember in Marburg geschult, um zur Aufstellung der Gaumannschaft vom 8. bis 14. Februar 1937 erneut zusammengezogen zu werden. Die Lehrgänge sind, entgegen aller Meinungen, für die Teilnehmer vollkommen unentgeltlich. Neben diesem in großen Zügen abgewickelten Programm wurden eine Reihe weiterer Fragen behandelt u. a. auch das Gießener Hallen- Handball-Turnier. Zur Freude aller Handballer kann mitgeteilt werden, daß man bereit ist, die Genehmigung zu erteilen und daß es nur eine Frage der Zeit ist, wann die Veranstaltung steigt. Sportverein 1920 Lollar. Lollar unterliegt nur knapp in Naunheim. Eine ansehnliche Zahl Schlachtenbummler begleitete die Lila-Weißen nach Naunheim. Durch den starken Wind kam nicht das gewünschte schöne Spiel zustande. Beide Mannschaften traten in stärkster Besetzung an. Von Beginn ergab sich eine leichte Überlegenheit der Platzbesitzer, aber es dauerte bis zur 26. Minute, bis Naunheim die Führung an sich reißen konnte. Nach weiteren zehn Minuten kommt Naunheim zum zweiten Tor. Eine Bombe von Keusch hält der Lollarer Hüter nicht fest und der nachsetzende Mittelstürmer schießt ein. Lollar antwortet mit energischen Gegenangriffen, kann aber außer zwei Ecken nichts Zählbares erreichen. Nach der Pause war Lollar dauernd leicht überlegen. In der vierten Minute gelang es Geißler, einen schönen Schuß anzubringen und stellte somit schon das Endresultat her. In den letzten zehn Minuten spielten die Platzbesitzer auf Sicherung des knappen Vorsprunges. Die Naunheimer waren um etwas schneller als die Lollarer und haben dadurch verdient gewonnen. Schiedsrichter Küster-Berghausen leitete Daubringen die gleiche Elf von Heuchelheim zu Gast. Heuchelheim hatte Platzwahl, spielte mit dem Wind und zog sofort mächtig los. Der Daubringer Tormann bekam sofort Arbeit. Allmählich tarnen die Platzbesitzer auf und es gab einen harten Kampf. In der 25. Minute setzte sich der Linksaußen als Gastgeber durch und erzielte für seine Mannschaft das Führungstor. Die Mannschaft ging daraufhin weiter aus sich heraus, und in der 30. Minute stand das Spiel bereits 2:0 für Daubringen. Bei einem schönen Durchbruch gelang es jedoch den Gästen kurz vor Halbzeit wieder ein Tor aufzuholen. Bald daraus und noch vor dem Halbzeitpfiff stellten die Daubringer die Tordifferenz wieder her. Mit 3:1 für Daubringen ging es in die Pause. Nach Wiederanstoß drängten die Gäste heftig auf Ausgleich. Es gelang ihnen auch, ein zweites Tor zu erzielen, die Daubringer erhöhten jedoch dann auf 4:2. Schiedsrichter Kaletsch - Wetzlar, amtierte gut. V. f. N. Lich. Lich I. — Steinbach I. 1:1 (0:0). i zum Herbst-! | Flotte Sportmäntel aus Noppen-. Diagonal-u. 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Für Allesbrenner, eiserne Ofen, Kachelöfen mit Einsatz, Kachelöfen mit Rost Darum brennt Einladung an die Gießener Bürgerschaft! Wir laden, hiermit die Bürgerschaft von Gießen für Montag, den 26. Oktober 1936, abends 8 Uhr, in das Stadttheater zu einer GROSS-KUNDOEB UNO aus Anlaß der „Woche des Deutschen Buches 1936“ ein. Der Oberbürgermeister der Stadt Gießen spricht zur Eröffnung. ROBERT HOHLBAUM und JOSEF WEINHEBER lesen aus eigenen Werken. Platzkarten zum Preise von 30 Pfennig sind ab Mittwoch in der Musikalienhandlung Challier zu haben. Mitglieder des Goethebundes und des Kaufmann. Vereins haben gegen Einlösung des Gutscheines Nr. 1 aus der neuen Gutscheinkarte 1936/37 bis zu 2 Plätzen freien Eintritt. 6688 D Der Oberbürgermeister Goethe-Bund Der örtliche Arbeitsausschuß der Stadt Gießen. Kaufmännischer Verein. zur Buchwoche. Bekennlnisgemeiiisclian Gießeo Die Bibel- und Bekenntnisstunde am Mittwoch, 21. Oktober 1936 fällt dU5 68170 Nächster Abend am Mittwoch, dem 28. 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