ttr.M Erstes Blatt 186. Jahrgang Samstag, 20. Juni 1056 ÄS.'S'&S /vt * A e W„« *SKS™”E" 44Ä♦ Zk6* ** ▲ aa HsD AA▲ A4 a*4 Heimat im Bild - Die Scholle B Mw B Aw MX B ■ M Mk Hl l| ylwg w js| JW Grundpreise für 1 mm höhe Monatr-Vezugspreir: ■ Wz B HLr B4Äk H B HJr B Ar B B B ffi Jr B B B fly B für Anzeigen mm Mit 4 Beilagen RM.1.95 ■ V B B BT B ■ BT B B BF B / I ^l< B B B Bf B Breite 7 Rpf., für Text- Ohne Illustrierte 1.80 M M H ■ BL, fl B. Bk . B B B ■ W B ™ B Bk . B anzeigen von 70 mm Breite Zustellgebühr .. , ■ B B W B W< B WW< Bk 50Rpf.,Platzvorschrift nach Auch bei Nichterscheinen ■ B ~ ™ _ B vorh.Dereinbg.25°/o mehr, tf -rmätzlgt. ffiruntipreife: SM- Seneral-Anzeiger für tvberhefsen WZ d)CCttotttOe j bcborblidic ^In^iocn 6^Rpf Sranifurt am Main 11686 Prüft und Verlag: vrühl'sche UniverfilätsSuch- und Sleindruckerei «.Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 1 Mengenabschlüsse Staffel B Mittelmeersorgen. England hat durchaus nüchtern und sachlich aus einer veränderten politischen Lage die Folgerungen gezogen. Der britische Außenminister Eden, einst der Führer der Sanktionsfront des Völkerbundes gegen Italien in Genf, der noch unmittelbar nach der Eroberung und Besitzergreifung Abessiniens durch die italienischen Truppen im Unterhaus erklärt hatte, die Politik des Völkerbundes sei zwar gescheitert, da sie die Niederlage Abessiniens nicht habe verhindern können, aber die Sanktionen gegen den „Angreifer" gingen weiter, derselbe Eden erklärt heute, wenige Wochen später, sich der Gewalt der Tatsachen beugend, daß England auf die weitere Durchführung der Sanktionen verzichten werde, da sie ihren Zweck nicht erreichen könnten, solange weder das britische Volk noch die anderen Völker- dundsstaaten bereit wären, das Risiko eines Krieges im Mittelmeer auf sich zu nehmen. Angesichts des Schmeling schlägt Loms in der 12. 'Kunde. Reuyork, 20. 3uni. (DRV. Funkspruch.) Wax Schmeling besiegte im Vankeesladion vor 85 000 Zuschauern Joe Louis in der 12. Runde durch Niederschlag. Schmeling erwarb sich damit die Berechtigung, gegen Braddock um die Weltmeister- chaft im Schwergewicht zu kämpfen. — Reichsminister Dr. Goebbels sandte an Schmeling olgendes Glückwunschtelegramm: „Zu Ihrem wun- »erbaren Sieg, den wir heute Rächt am Rundfunk erlebten, meine allerherzlichsten Glückwünsche. Ich weih, dah Sie für Deutschland gekämpft i-aben, Ihr Sieg ist ein deutscher Sieg. Wir lind stolz auf Sie. Wit hitler-heil und herzlichen Grüßen Ihr Dr. Goebbels." Der Führer hat an Wax Schmeling folgendes Telegramm gefandl: „Rehmen Sie zu Ihrem großartigen Erfolg meinen herzlich st en Glückwunsch entgegen. Adolf Hitler." — An Frau Schmeling sandte der Führer folgendes Telegramm: „Zu dem wunderbaren Sieg Ihres Mannes, unseres größten deutschen Boxkämpfers, muh ich Ihnen aus ganzem Herzen gratulieren. Adolf Hitler." Der Führer übersandte nach Erhalt der Nachricht von Schmelings Sieg Frau Schmeling einen Vlumenstrauh. * Ausführlicher Bericht im Sportteil des heutigen Blattes. Heute abend noch einmal im Rundfunk Berlin, 20. Juni. (DNB. Funkspruch.) Der Reichssendeleiter hat angeordnet, daß die Uebertra- gung des deutschen Rundfunks -vom Boxkampf schmeling - Loüisk der mit dem k.o. - Sieg Schmelings endete, heute ab 19 Uhr über alle Sender wiederholt wird. * Eindrucks, daß die sensationelle Rede seines Ministerkollegen Chamberlain diese Wendung in der britischen Auffassung vom Sanktionsproblem vorbereitet und beschleunigt habe, legte Eden Wert auf die Feststellung, daß die Entscheidung des Kabinetts auf feinen Ratschlag hin erfolgt sei. Das war natürlich eine große Enttäuschung für die sanktionsfreunde im Lager der Opposition, die damit gerechnet hatten, daß Eden sich auf den Sank- tionsfurs allzu sehr festgelegt hätte, um noch zurück zu können, und deshalb sich auf eine Kabinettskrisis gespitzt hatten. Aber der Fall zeigt wieder einmal, wie ja überhaupt der ganze Verlauf der diplomatischen Geschichte des Abessinienkonflikts, wie ungemein elastisch die britische Außenpolitik ist und wie sie nicht ansteht, einen oder sogar mehrere Schritte zurückzumachen, wenn sie fürchten muß, in eine Sackgasse geraten zu sein. Edens Rede hat deutlich gemacht, daß England nun das Problem der Neuorganisierung des europäischen Friedens für vordringlich erachtet und daß ss sich von der Fortsetzung des Gesprächs mit Deutschland über ein neues Locarno für die Begründung einer neuen Friedensorganisation In Westeuropa am meisten verspricht. Eden hat dem Unterhaus noch einmal den Gang der bisherigen Verhandlungen, vom englischen Standpunkt aus natürlich^ im einzelnen dargelegt und die Frage wiederholt, die schon die Quintessenz des seinerzeit von Botschafter Sir Eric Phipps in Berlin überreichten Briefes war, ob nämlich Deutschland den gegenwärtigen politischen Zustand Europas anerkennt, vorbehaltlich'der Aenderungen, tue künftighin etwa durch freie Vereinbarungen getroffen würden. Die deutsche Antwort wird vermutlich nur längst Gesagtes bestätigen können und damit feie Fortsetzung der deutsch-englischen Aussprache fördern. Auch der Ministerpräsident Baldwin hat ja am Schluß der Debatte im Unterhaus noch einmal den aufrichtigen Wunsch der britischen Regierung mit warmen Worten unterstrichen, mit Deutschland und Frankreich zusammen für den Frieden zu arbeiten, und er hat hinzugefugt, datz er es auszuprobieren wünsche, wenn ein Mann wie der Führer ihm sage, daß er den Frieden wünsche. Bei solcher Einstellung auf beiden Seiten wird es nicht schwer sein, aus dem deutsch-englischen Friedensgespräch ein zukunftsträchtiges Ergebnis herauszuholen. , ... Eden hat nicht davon gesprochen^ wie man sich m London die Gestaltung des Verhältnisses zu Starker Ausbau der englischen Stellung imMttelmeer London, 20. Juni. (DRV. Funkspruch.) Die „Worning Post" beschäftigt sich mit der Mitteilung, daß die britische Regierung in Zukunft eine st ä r - kere Verteidigung im Wittelmeer unterhalten werde, als vor Beginn des abessinischen Krieges. Das Blatt, das britischen Flottenkreisen nahesteht, teilt mit, dah die Regierung zur Zeit die Frage löse, ob neue Flotten st ühpunkte im INittelmeer gebaut werden sollen. Ferner feine allgemeine lleberprüfung der britischen Ver- teidigungsmahnahmen im östlichen Wittel- meer vorgesehen. Die Regierung wolle die Welt wissen lassen, daß England keineElnmischung in seine Belange dulden werde. Der Beschluß, eine starke Verteidigung zu unterhalten, beziehe sich auf sämtliche Floltengaltun- gen. Die Regierung werde sich daher nicht beeilen, die Flotlen-, Heeres- und Richt-Waffeneinheiten aus dem Wittelmeer aufzuberufen. Der Flottenkorrespondent des Blattes teilt mit, daß in Zukunft 8 von den 15 britischen Großkampfschiffen im Wittelmeer ff a - Moniert sein werden. Ferner werde die Wittelmeerflotte durch kleinere Fahrzeuge besonders durch U-Boote verstärkt werden. Der Flottenmitarbeiter des „Daily Telegraph" berichtet, dah die Grohkampfschiffe „h o o d", „R e p u l s e" und „R e- n o w n" in Zukunft ständig dem Wittelmeergeschwader zugesellt werden. Wahrscheinlich werden auch die ersten vier Kreuzer der im Bau befindlichen „S o u t h a m p t o n"- K l a s s e (9000 Tonnen mit 12 15-Zentimeter-Geschühen) ins Wittelmeer gesandt werden. Ursprünglich war beabsichtigt, diese in die Heimatflotte einzureihen. Der Flotlen- ftühpunkt Walta werde besonders für die Flugabwehr weitgehend ausgebaut werden. Die Lrichtung eines neuen Flottenstützpunktes in Zypern werde folgen. Italien und der Mtelmeerpakl. Rom, 19. Juni. (DNB.) „Tribuna" begrüßt die „teilweise Evolution" Der englischen Auffassung, betont aber, daß für die übrigen Probleme wie Mittelmeer und Völkerbund die Lage vorerst unverändert geblieben sei, weshalb Italien „seine weitestgehenden und starke Vorbehalte anmelden müsse". Die von Eden behauptete Notwendigkeit der Beibehaltung der im vergangenen Winter für das Mittelmeer getroffenen Flottenvereinbarungen bilde ein wenn auch nur vorläufiges antiitalienisches Fl o t- t e n b ü n t) n i 5. Der Versuch Edens, zwischen diesem Bündnis und dem Völkerbund einen Zusammenhang herzustellen, sei eine seltsame Angelegenheit, die zu der Annahme berechtige, daß die englische Regierung in dieser Richtung gewisse Sonderziele verfolge. Es könne niemanden entgehen, daß dieses vorläufige Bündnis für die ganze Dauer der Konferenz von Montreux beibehalten werden könnte. Gleichgültig, ob man sich in Montreux auf eine Wiederbefestigung der Dardanellen beschränke, an der Italien noch weniger als jede andere Macht interessiert-sei, ober ob der Rahmen der diplomatischen Besprechungen auf den geplanten Mittelmeerpakt ausgedehnt werde, sei in beiden Fällen nicht zu verstehen, wie die gegen Italien gerichtete englischfranzösisch - spanisch - griechisch -türkisch-jugoslawische Front den Abschluß einer Verständigung erleichtern könne. Im großen und ganzen würde man im Mittelmeer eine ähnliche Lage schaffen wie im Rheinland, würde als für das Mittelmeer den gleichen politischen und psychologischen Fehler begehen, der die Krise des Locarno-Paktes hervorgerufen habe. Wolle London, so fragt die „Tribuna", Italien im Mittelmeer etwa einkreisen? Wenn dem so wäre, so müsse man trotz der Aushebung der Sanktionen feftstellen, daß die Staatsmänner aus der jüngsten Geschichte nichts gelernt hätten. Die Unruhen in Palästina. Oer britische Kolonialminister berichtet dem Unterhaus. Unannehmbare Forderungen der Araber. London, 19. Juni. (DNB.) Im Unterhaus nahm der Kolonialminister Ormsby-Gore zu der „gegenwärtig io beklagenswerten Lage in Palästina" Stellung. Der Minister wies u. a. auf die Verschlimmerung der Lage durch Streiks hin. Einige Stadtverwaltungen hätten zwar gemeinsame Sache mit den Streikenden gemacht, aber im wesentlichen sei der öffentliche Dienst aufrechterhalten worden. Er sei erfreut zu sagen, daß, während zweifellos Rassenauseinandersetzungen im Gange wären, solche in bezug auf die religiösen Gefühle nicht entstanden seien. Der Kolonialminister wies mit Bedauern auf die Anschläge auf Eisenbahnlinien, auf die Vernichtung der Ernte und Pflanzungen hin und gab bekannt, daß während der letzten beiden Wochen etwa 15 Feuerüberfälle auf Truppen und Polizei unternommen worden seien und idaß innerhalb 24 Stunden manchmal bis zu 1 0 Bombenanschläge auf Telephon- und Telegraphenleitungen zu verzeichnen gewesen seien. Die Verstärkung der militärischen Streitkräfte habe aber schon viel Schaden verhindert und für die Zukunft würden die stärksten Bemühungen gemacht, um Leben und Eigentum zu schützen. Nach Wiederherstellung des Friedens werde dem König die Ernennung einer Kommission zur gründlichen Untersuchung der Ursachen des Aufruhrs und der Beschwerden empfohlen werden. Hauptziel der britischen Regierung sei, einen unparteiischen Bericht zu erhalten, der sie in die Lage versetze, allen Teilen der Bevölkerung Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Ormsby-Gore sprach sein Bedauern über die getrübten Beziehungen zwischen der britischen Regierung und den Arabern in Palästina aus. Er hoffe jedoch, daß das vorübergehend sein werde. Die britische Regierung werde eingedenk des Vertrauens, das die Welt ihr als Mandatsmacht entgegenbringt, die Verwaltung Palästinas nach beiden Seiten hin gerecht durchführen. Auf die Anfrage des konservativen Abgeordneten Vizeadmiral Taylor, ob die Araber ihre Beschwerden schon formuliert hätten, antwortete Ormsby-Gore, daß sie eine völlige Einstel - lung der jüdischen Einwanderung, ferner eine Einstellung aller LandVerkäufe anJuden und eine Ueberleitung der Regierung aus der jetzigen Verfassung an eine n a - Monate Regierung forderten, die einer zu wählenden Volksvertretung verantwortlich sei. Solchen Forderungen könne er unmöglich 3 u ft i m m e n. Der Führer der Oppositionellen, Williams, stimmte den Darlegungen des Ministers zu. Die Arbeiteropposition ergreife Partei zwischen Juden und Arabern. Der Streik in Palästina richte sich eigentlich gegen das Mandatssystem. Die arabische Forderung sei ein Widerspruch zum Wert und Sinn des Mandats. Auf eine Zwischenfrage über die Bevölkerungszusammensetzung in Palästina gab Kolonialminister Ormsby-Gore bekannt, daß es sich um 759 000 Mohammedaner, 320 000 Juden und 103 000 Christen handele. Lloyd George erklärte hierauf, die arabische Forderung auf Einstellung der jüdischen Einwanderung könne Großbritannien nicht erfüllen, wenn es nicht feine Mandatsverpflichtungen verletzen wolle. Sowohl Lloyd George wie auch einige andere Abgeordnete fetzten sich für eine Art Selbstschutz der Bevölkerung in Palästina ein. Ormsby-Gore versicherte zum Schluß, daß die britische Regierung erschlossen sei, diesen Kampf für sich zu entscheiden, selbst wenn sich härtere Maßnahmen als unerläßlich erweisen sollten. Oer Kronprinz von Transjordanien Gefangener seines Daters. London, 20. Juni. (DNB. Funkspruch.) „Daily Herald" meldet, es sei zu ernstlichen Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Emir Abdullah von Transjordanien und seinem Sohn, dem 25jährigen Kronprinzen T a l a l gekommen. Kronprinz Talal soll versucht haben, einen Aufstand gegen bie britische Verwaltung in Transjordanien zu organisieren. Der Emir habe diesen Vorschlag ab- gelehnt und angeordnet, seinen Sohn im Königspalast von Amman gefangen zu halten. Italien denkt. Er hat die Besprechungen mit dem italienischen Botschafter Grandi nicht erwähnt, vielmehr wie es ja während des ganzen Abessinienkonflikts englische Taktik war, auch weiterhin eisern an der Fiktion festgehalten, daß England ausschließlich als Mitglied des Völkerbundes und Anhänger eines kollektiven Sicherheitssystems ein Interesse am Abessinienkonflikt gehabt habe und daher auch fetzt sich den Beschlüssen des Völkerbundes in Genf fügen werde. Die Opposition wittert, daß der Aufhebung der Sanktionen in nicht allzu ferner Zeit die Anerkennung der Einverleibung Abessiniens folgen werde. Man hält der Regierung vor, daß sie gerade in einem Augenblick das Rennen aufgebe, wo m Frankreich eine sanktionsfreundliche Regierung ans Ruder gekommen sei und also der Vorwand, daß England sich im Ernstfälle allein Italien gegenüber gesehen habe, da Frankreichs Hilfsver- sprechungen unzureichend und unbestimmt gewesen seien angesichts des Kabinettswechsels in Frankreich nicht'mehr zutreffe. Man hat trotzdem den Eindruck, daß auch die Regierung Blum trotz der antifaschistischen Neigungen der sie stützenden Parteien auf die so mühsam angebahnte italienische Freundschaft großen Wert legt und in Genf gerne anderen Machtenden Vortritt lassen wird, wenn es noch jemandem danach gelüsten sollte, für die verfahren^ Sache der Sanktionen eine letzte Lanze zu brechen Die Franzosen sind eher enttäuscht, daß es nicht ihrer Vermittlung bedurfte, um zwischen England und Italien die Voraussetzungen zur Versöhnung zu schaffen. Man verargt es Herrn Eden, daß er „aus eigene Faust" gehandelt habe, denn aus dem Vermittlungsgeschäft hätte sich sicher noch ein politischer Nutzen für die eigene Tasche herausschlagen lassen. Daß indessen nicht alles wieder so werden soll wie einst in der Blütezeit englisch-italienischer Freundschaft, daß vielmehr England entschlossen ist, aus dem Erstarken der neuen Mittel- meergroßmacht seine Folgerungen zu ziehen, erhellt aus dem einen Satz in Edens Unterhausrede, die Regierung habe angesichts der Erfahrungen der letzten Monate beschlossen, dauernd im Thttelmeer eine Derteidigungsstreitmacht zu unterhalten, die stärker sei als vor Beginn des Abesstmenkonfl.ktes Wir haben schon von dem Plan gehört, Kapstadt zu befestigen, um auf dem alten Seeweg nach Indien um den afrikanischen Kontinent herum einen Flottenstützpunkt zu erhalten, wenn der Weg durch das Mittelmeer und den Suezkanal durch irgendwelche Umstände der britischen Kriegsflotte verschlossen sein sollte. Aber auch der Ausbau Alexandriens soll in den letzten Monaten ungeheure Fortschritte gemacht haben und es ist gerade jetzt am wenigsten anzunehmen, daß England auf sein Besatzungsrecht in Aegypten verzichten könnte, das ja in den gegenwärtigen Verhandlungen des britischen Oberkommissars Sir Miles Lampson mit den ägyptischen Nationalisten die Hauptschwierigkeiten für eine Einigung über einen Bündnisvertrag bildet. Ein Blick auf die allgemeine Unruhe in der arabischen Welt empfiehlt ja nicht minder, die britischen Streitkräfte im mittleren Osten auf der Höhe zu halten. In dem britischen Mandatsland P a l ä st i n a kann man schon bald von einem Aufstand der Araber gegen die britische Herrschaft sprechen, die sich mit der Balfour-Dekla- ration vom 2. November 1917 insofern zwischen zwei Stühle gesetzt hat, als die Anerkennung des Rechts der Juden auf eine „nationale Heimstätte" in Palästina und die Durchführung dieses Grundsatzes in die Praxis durch Förderung der jüdischen Einwanderung und des Bodenerwerbs die Araber zu heftigstem Widerstand angeregt hat, der gerade eben wieder sich in blutigen Ausschreitungen gegen die Juden sowohl als auch gegen die britische Mandatsherrschaft Luft macht. Ein Ereignis der letzten Tage, das ebenfalls Englands Lage im mittleren Osten erschweren wird, ist die Erklärung des neuen französischen Kabinetts, den französischen Mandatsländern Syrien und Libanon unter dem gemeinsamen Namen Leoantestaat ihre Unabhängigkeit zu gewähren und für ihre Aufnahme in den Völkerbund einzutreten. England hat hierzu zwar den Präzedenzfall geschaffen, als es 1930 das Königreich Irak, das mit der Hauptstadt Bagdad und den vielbegehrten Oelquellen von Mofful den größten Teil von Mesopotamien umfaßt, aus feiner Mandatsherrschaft entließ, seine Unabhängigkeit anerkannte und seine Aufnahme in den Völkerbund veranlaßte. Das war damals eine Abschlagszahlung auf die viel weitergehenden Versprechen, die der britische Unterhänd- [er und Führer des panarabischen Aufstandes gegen die Türkenherrschaft Oberst Lawrence den arabischen Fürsten Scherif Hussein von Mekka und seinen Söhnen gemacht hatte, um sie zum Abfall von der türkischen Lehnsherrschaft und zum Zug nach Damaskus zu bewegen. Nur der Unterstützung der Araber verdankte es England, daß die türkische Palästinafront sich nicht halten konnte. Lawrence hatte den Arabern ein großarabisches Reich vom Indischen Ozean bis zum Mittelmeer versprochen, und der Scherif Hussein hatte sich bereits 1916 die Königswürde beigelegt und gehofft, als Großscherif eines national geeinten Arabiens in Damaskus einziehen zu können. Aber die britische Regierung desavouierte den Obersten Lawrence. Der berüchtigte Sykes-Picot-Vertrag zwischen Frankreich und England teilte insgeheim schon 1916 die zu erobernden arabischen Länder bis zur Levante hin zwischen beide Großmächte auf. Nach Veröffentlichung des Vertrags im Jahre 1920 mußte Hussein, der Sohn des alten Scherifen von Mekka, auf sein kurzes Glück als König von Syrien verzichten, er wurde mit dem Irak entschädigt und mußte Bagdad mit Damaskus vertauschen. Syrien wurde französisches Mandat, Palästina, Irak und Ostjordanland kamen unter britische Mandatsherrschaft. Das Teilungsprinzip wurde überhaupt zu einem der wichtigsten politischen Mittel beider Großmächte zur Beherrschung der um ihre nationalen Hoffnungen schmählich betrogenen Araber. Der von dem mächtigen Wahabitenfürsten Ibn Saud aus seinem an- geflammten Königreich Hedschas vertriebene Emir Abdullah wurde von den Engländern mit der Scheinherrschaft über das kleine Ostjordanland entschädigt. Sein Bruder Hussein, der ehemalige Syrerkönig, erhielt zwar ein der Form nach unabhängiges Königreich Irak, aber der britische Ober« kommisiar und die britischen Militärflugplätze im Lande mahnen an den wahren Beherrscher des Irak. Auch Frankreich ist in Syrien ähnlich vorgegangen. Unter dem Oberkommissar in Beirut standen die sogenannten Levante-Staaten Syrien mit der Hauptstadt Damaskus, der autonome Sandschak Alexandrette, die Republik Libanon mit der Hauptstadt Beirut, die Gouvernements Latakie und Dru- fien. Trotz dieser systematischen Zersplitterung ist auch in Syrien ebensowenig wie in den britischen Mandatsgebieten der panarabische Gedanke jemals zur Ruhe gekommen. Aufstände und Streiks wechselten einander ab, und die militärische Besetzung des Landes verursachte Frankreich weit mehr Kosten, als sich wirtschaftlich herausholen ließ. Die syrischen Städte wurden ein unsicheres Pflaster für Nie französischen Soldaten und im Hinterland war tne französische Herrschaft immer fragwürdiger geworden. Der Beschluß des Kabinetts Blum, das Mandat über Syrien aufzugeben, ist deshalb keine Ueberraschung. Die Parteien der Linken, die jetzt ans Ruder gekommen find, waren nie Freunde des syrischen Mandats. Freilich militärische Stützpunkte scheint nach dem englischen Beispiel im Irak auch Frankreich sich in dem unabhängigen Syrien sichern zu wollen. Ob diese Bemühung der beiden Großmächte, dem arabischen Freiheitsstreben zwar durch Gewährung gewisser Rechte entgegenzukommen, aber die tatsächliche Herrschaft durch Garnisonen und Flugplätze fest in der Hand zu behalten, auf die Dauer die unter dem magischen Einfluß des unabhängigen Wahabitenreichs Ibn Sauds gewaltig anschwellende panarabische Bewegung in ihrem Streben nach Einheit und Unabhängigkeit wird aufhalten können, das erscheint allerdings äußerst fraglich. Der mittlere Osten ist in Bewegung geraten und niemand weiß heute zu sagen, wie sich hier einmal das Weltbild unter dem Einfluß des panarabischen Gedankens verschieben wird. Dr. Schaches Balkanreise. Ein deutliches Wort an die Gläubiger Deutschlands. Budapest, 19. Juni. (DNB.) Reichsbankpräsident Dr. Schacht verlas der Presse eine Erklärung, in der er u. a. folgendes ausführte: Es scheint mir merkwürdig, daß jeder Versuch Deutschlands, die internationale Wirtschaftslage zu beleben, sofort mit irgendwelchen politischen Motiven verdächtigt wird. Ich möchte deshalb daran erinnern, daß Deutschland und andere Länder durch die Friedensdiktate und die darauf folgenden Ereignisse in eine internationale Schuldenlast verstrickt worden sind, die nur durch eine Erhöhung des Warenexports abgetragen werden kann. Wenn man nun jeden Versuch der Schuldnerländer durch einen gesteigerten Warenverkehr ihre und ihrer Gläubiger Lage zu verbessern, bekrittelt und verdächtigt, so darf ich die Gegenfrage stellen, ob denn die Gläubigerländer bereit wären, auf ihre Schuldenforderungen an Deutschland zu verzichten. Eines von beiden kann man nämlich nur tun. Man kann entweder nur sagen, du mußt bezahlen und deshalb verdienen, oder du darfst nicht verdienen und brauch st nicht zu bezahlen. Die Märkte unserer Gläubigerländer stehen leider Gottes uns in immer geringerem Maße zur Verfügung, obgleich diese Länder eigentlich das größte Interesse haben sollten, uns ihre Märkte zu öffnen. Wenn nun Deutschland sich nach solchen Wirtschaftsverbindungen umsieht, wo die wirtschaftlichen Interessen und Absichten sich mit seinen eigenen glücklich ergänzen, so kann nur Dummheit oder Bosheit ein solches deutsches Bestreben be/ argwöhnen. Wenn es aber in einer gewissen Presse übel vermerkt wird, daß möglicherweise die wirtschaftspolitischen Beziehungen, die uns mit diesem Teil Europas verbinden, auch in politischer Hinsicht -freundschaftlichere Einstellung herbeiführen könnten, so möchte ich diese Presse einmal fragen, ob ihr das unerwünscht ist. Ich weiß mich jedenfalls mit dem deutschen Volke einig in dem Wunsche, daß unsere politischen Beziehungen sich nach allen Richtungen hin freund- l i ch entwickeln, sogar zu den Ländern, deren Presse solche Unüberlegtheiten in die Welt setzt. D?e sudeiendeutsche Giaais- ouffassung Eger, 19. Juni. (DNB.) Auf der Hauptversammlung der Sudetendeutschen Partei erklärte Dr. Walter Brand, an Stelle der liberalen Demokratie muß die organische Demokratie treten, die die völkischen Gemeinschaften als über den einzenlen stehende Einheit anerkennt. Also müsse an Stelle des heutigen tschechoslowakischen Staatszentralismus, der zur Lösung der Nationalitätenfrage nicht fähig ist, einorganischerAuf. bau treten, der sich auf die Volkskörper- schäften stützt. Der Vorsitzende des Parlamentarischen Klubs der Partei, Karl Hermann Frank, wies darauf hin, daß die tschechoslowakische Außenpolitik sich eindeutig auf die Seite Sowjet r u ß l a n d s stelle. Eine Völkerordnung, auf Volksordnungen begründet, muß gefunden werden, die das heilige Lebensrecht der Völker wahrt, das die Völker leben und wachsen läßt, so wie sie gus Gottes Hand hervorgegangen sind: das ist der Traum vom Weltfrieden! Der Gitilichkeitsprozeß gegen dieFranziskanerbrüder. Koblenz, 19. Juni. (DRB.) In dem großen Sittlichkeitsprozeß gegen die Franziskanerbrüder stand der 29 Jahre alte Bruder Markus Auerbach (mit Brudernamen Constantin) vor der Großen Strafkammer Aus den Angaben des Angeklag- ten und aus der Vernehmung der drei Zeugen ergibt sich, daß Bruder Constantin bis zur Ablegung seines Gelübdes in mehreren Fällen mit anderen Ordensbrüdern Unzucht getrieben hat, wobei es sich jedoch um als verjährt geltende Delikte handelt. Weitere Fälle hingegen konnten dem Angeklagten nicht mit Sicherheit nachgewiesen werden. Das Gericht erkannte demgemäß auf Freispruch und sofortige Haftentlassung. Die zweite Verhandlung befaßte sich mit den Straftaten des Bruders Hovert Eisenhauer (Bruder Diedrich), der heute 30 Jahre alt ist und dem Orden noch angehört. Bruder Diedrich ist von Beruf Koch und kam am 17. April 1932 ins Kloster. Im Mai 1935 legte er die ewigen Gelübde ab. Er hat sich bereits vor seinem Eintritt ins Kloster des öfteren homosexuell betätigt. Bruder Diedrich hat sich in der scheußlichsten Weise an Klosterbrüdern vergangen. Der Staatsanwalt führte aus, wenn von gewisser Seite behauptet werde, es handele sich bei Den hier verhandelten Dingen um harmlose Sachen, die in den Klöstern längst abgestellt seien, bann sei diese Verhandlung der eindeutige Beweis für das Gegenteil. Roch in einer Zeit, da bereits feftftanb, daß in den Klöstern diese schmutzigen Dinge umfangreich betrieben wurden, haoe der Angeklagte sich in der scheußlichsten Weise an anderen Brüdern vergangen. Eine aroße Schuld trage hier der Orden, der den Angeklagten als Bruder einfach ausgenommen habe, ohne sich um fein Vorleben zu kümmern. Das Urteil lautete auf eine Gefängnisstrafe von 1 Jahr. Mit Rücksicht auf das Geständnis des Angeklagten wurde der größte Teil der Untersuchungshaft auf die Strafe angerechnet. Das deuisch-englische Gespräch. Oer Fragebogen. Don unserer Berliner Schriffleiiung. Berlin, 20. Juni 1936. Außenminister Eden und Ministerpräsident Baldwin haben sich in ihren großen Unterhaus- reben auch in erheblichem Ausmaß mit Deutschland beschäftigt. Es ist nicht ganz ersichtlich, was sie zu dieser Verkoppelung bewog: es sei denn die Ungeduld darüber, daß die britische Regierung noch immer nicht im Besitz der beutschenAnt- wort auf b en englischen Fragebogen vom 8. Mai 1936 ist. Ein großer Teil ber Rebe Ebens bezieht sich bann auch auf ben englischen Fragebogen unb d.e erwartete beutsche Antwort. Eben wieberholte babei bie bereits in bem Fragebogen gemachte Feststellung, baß bie britischen Fragen wegen einiger „Unklarheiten" in bem deutschen Friedensplan vom 31. März notwendig geworden seien. Auch das britische Blaubuch, auf das jetzt Deutschland mit einer Dokumentensammlung über den Locarnovertrag geantwortet hat, ist in ber Eben-Rede erwähnt worben, unb zwar als Zeugnis britischen Verständigungs- unb Ausgleichswillens mit Deutschlanb. Wir wollen mit den Engländern über den dokumentarischen Wert des Blaubuches nicht streiten, da es sich dabei doch mehr um eine historische Angelegenheit handelt. Was aber den Fragebogen anbetrifft, so möchten wir doch einige knappe Feststellungen machen. Dieser Fragebogen, ein nicht ganz glückliches Gemisch von positiven und negativen Feststellungen, ist das Ergebnis von Beratungen ber Locarnomächte, bie am 12. April in Genf ftattgefunben hatten. Damals würbe Eng- lanb von Frankreich unb Belgien beauftragt, einige Erhebungen über bas Ausmaß und über bie Bedeutung des deutschen Friebensplanes anzustellen. Fünf Wochen hat es bann gebauert, bis bas Foreign Office soweit mar, biefe Erhebungen in Form eines Schreibens bes britischen Außenministers an ben britischen Botschafter in Berlin fertigzustellen. Sir Eric P h i p p s würbe angewiesen, eine Unterrebung mit bem beutschen Reichskanzler nachzusuchen unb die in seiner Anweisung enthaltenen Erklärungen abzugeben. Da ber Reichskanzler aber erst später in Berlin eintraf, kam die Unterredung zwischen ihm und Sir Eric Phipps er st am 14. Mai zustande. Dennoch griff die britische Regierung zu bem ungewöhnlichen Mittel, ben Fragebogen bereits am 8. Mai zu veröffentlichen, ohne sich bie Zustimmung Deutschlanbs zu sichern. Deutschlanb blieb gar nichts anbere übrig, als nach ber gleichen Methode zu verfahren, da sonst die Oeffentlichkeit von Paris aus informiert worden wäre. Wir stellen also fest, daß von der Ueberreichung bes britischen Fragebogens an ben beutschen Führer unb Reichskanzler am 14. Mai bis heute noch nicht einmal volle fünf Wochen verstrichen sinb. also weniger Zeit, als bas Foreign Office zu feiner Fertigstellung gebrauchte. Alle Klagen ber englischen Presse über eine Verzögerung ber beutschen Antwort erscheinen demnach unangebracht. Aber von diesen technischen unb zeitlichen Umstänben ganz abgesehen, ist bie Methobe bes Fragestellens minbestens u n - zweckmäßig: hauptsächlich bann, wenn sie in Formen gekleibet wird, bie eine verzweifelte Ähnlichkeit mit denjenigen Formen haben, in denen d.e ehemaligen Sieger bes Weltkrieges bis 1933 mit Deutschlanb verkehrten! Daß man in Englanb selbst Darüber nicht einer Meinung ist, zeigt ein Aussatz ber „Times", in dem dargelegt wird, daß die Absicht keines Landes durch ein Kreuzverhör auf bem Papier zufriebenstellenb festgestellt werben könnte. Auch sei es niemanbem nützlich, öffentliche Versprechungen bes guten Benehmens als ein Vorspiel zu einer Konferenz zu verlangen. Ein solches Ersuchen würbe ben Wunsch nach Beratungen keineswegs fördern und die Versprechungen in diesem Fall entweder wertlos oder überflüssig sein. Nur Besprechungen selb st könnten beweisen, ob eine grundlegende Gegnerschaft zwischen den britischen unb ben beutschen Zielen vorhanben sei. Das sinb vernünftige Ausführungen, bie man auch gern von ber Ministerbank des Unterhauses gehört hätte. Es blieb bann Stanley Baldwin Vorbehalten, bie Worte Ebens burch seine urbane Sprache abzumilbern. Wir stellen gern fest, baß boch ein kleiner Unterschieb besteht zwischen bem Wort Baldwins, daß bie Grenzen Englanbs am Rhein lägen, unb ben Ausführungen, bie er am Donnerstag im Unterhaus machte. Balbwin will bie engste Zusam- Das Ende de ßonbon, 20. Juni. (DNB. Funkspruch.) „Mor- ning Post" meldet, sowohl die französische wie bie Sowjetregierung hätten mitgeteilt, daß sie mit bem britischen Beschluß überein ft immten. Man erwarte, daß bie meisten europäischen Staaten eine Aufhebung ber Sanktionen befürworteten. Auch von der Kleinen Entente werde kein ernstlicher Widerstand erwartet. „Daily Telegraph" meldet, wenn ber englische Beschluß von Den übrigen Dölkerbunbsstaaten a n - genommen werbe, bann werbe ber Genfer Verbinbungsausschuß einen Zeitpunkt für ein gemeinsames Vorgehen aller in Frage kommenden Regierungen festsetzen. England sei der Ansicht, daß die verschiedenen Ein- unb Ausfuhrverbote, sobald eine Vereinbarung dies zulasse, aufgehoben werden sollen. Wahrscheinlich könnten bie Sanktionen bis Mitte näch - ft en Monats völlig beseitigt sein. Jedoch werde es noch einige Schwierigkeiten geben, bevor Der normale englisch-italienische Häut'?! wieder ausgenommen werben könne. Die britische Regierung menarbeit zwischen England, Deutschland unb Frankreich. Nichts anberes hat Botschafter von Ribbentrop genau vor einem Jahre ben Vertretern ber Reuter» unb Havas-Agenturen erklärt. „DaltS Jliail" für sofortige »er- ffändigmg mit Deutschland. ßonbon, 20. Juni. (DNB. Funkspruch.) Unter ber Ueberschrist „Eine große Gelegenheit" forbert bas Rothermereblatt „Daily Mail" bie Regierung auf, sich nach Aufhebung ber Sühnemaßnahmen ber Wieberherstellung ber europais ch e n Stabilität zuzuwenben. Die Regierung bürfe die Gelegenheit, die sich jetzt biete, nicht verstreichen lassen, ohne energische Schritte zu einer umfassenden Verständigung mit Deutschland unb Italien zu tun. Es bürfe keine Zeit verloren gehen, bie Verbindung mit Berlin wieder herzustellen. Baldwin und Eden hätten in ber Unterhaus-Aussprache ihrem Wunsch nach einer Zusammenarbeit mit Deutschlanb für ben Frieben Ausbruck gegeben. Deutschland unb Italien seien bie Pfeiler ber Orbnung in Mittel- unb Sübeuropa. Ihr burchschlagen- ber Erfolg bei der Unterdrückung ber Bolschewisie- rung stehe in glücklichem Gegensatz zu ber Lage in Spanien, Frankreich, Belgien unb einigen anberen ßänbern. Sowohl Deutschlanb wie Italien würben mit äußerster Spannkraft unb Wirtschaftlichkeit regiert. r Sanktionen. habe zu diesem Zweck einen Plan ausgearbeitet ber u. a. große Anhäufung italienischer Schulden an britische Geschäftsleute berücksichtige. Auch Frankreich für Aushebung der Sanftionen. Paris, 19. Juni. (DNB.) Der Ministerrat tagte erneut unter bem Vorsitz bes Präsibenten ber Republik. Die amtliche Mitteilung barüber besagt, baß Außenminister Delbos seinen Kollegen einen Ueberblick über bie Probleme, bie auf ber kommenden Genfer Tagung zur Erörterung stehen werden, gegeben hat. Die Regierung, bie bem Prinzip ber kollektiven Hanblung treu bleibe, werbe sich j e b e r Entscheibung,bie von ben Staaten bes Völkerbunbes angenommen werben sollte, an« schließen. Unterrichtet über ben augenblicklichen Stand ber Sanktionen hält es bie Regierung für richtig, ihre Aufhebung anzunehmen. Ministerpräsident Blum hat den italienischen Botschafter C e r u 11 i über bie Entscheidung des Ministerrats unterrichtet. Dritte Reichsiagung der Nordischen GeseUschast. ß ü b e rf, 19. Juni. (DNB.) Die 3. Reichstagung ber Norbischen Gesellschaft würbe in ber ßübeder Stabthalle eröffnet. Zu ber Eröffnungsfeier hatten sich Vertreter bes Reiches unb ber ßänber, ber Reichsleitung, der Partei, die Mitglieder des lübeckischen Senats sowie zahlreiche führende Per- sönlichkeiten aus Staat, Partei und Wehrmacht, aus Kunst, Wissenschaft unb Wirtschaft eingefunben. Ferner bemerkte man Vertreter ber Gesandtschaften unb viele hervorragenbe Männer der norbischen ßänber sowie bie ßeiter ber Kontore ber Norbischen Gesellschaft aus bem ganzen Reich. Nach ber Aufführung ber „Saga" bes finnischen Komponisten Jean Sibelius burch das Symphonieorchester ßübetf hielt ber Präsibent bes lübeckischen Senats unb Vorsitzenbe ber Norbischen Gesellschaft, Bürgermeister Dr. Drechsler, Die Begrüßungsansprache. Er sprach bie Hoffnung aus, baß in der Anwesenheit der nahezu 700 Gäste aus dem Norden ein Zeichen bes fortschreitenben gegenseitigen Verstänbnisses gesehen werben könne. Der Leiter ber Abteilung Horb im Außenpolitischen Amt ber NSDAP.» Thilo von Trotha, sprach bann über „Das Persön- lichkeitsgefühl beim norbischen Menschen". Es Dürfte wohl nicht zu weit gehen, so führte er u. a. aus, wenn wir die Behauptung aufstellen, daß bas Bewußtsein bes Einzelhoss jedem norbischen Menschen im Blute liege, unb baß bem« zufolge durch Rassenanlagen, Umwelteinflüsse unb Ueberlieferungen in allen norbischen Menschen, nicht nur der skandinavischen ßänber, ein Selbstänbig- keitsbewußtsein, ein Herrengefühl unb auch ein E i n s a m k e i t s b e b Ü r f n i s vorhanben fei, bas stärker als bei sämtlichen anderen Völkern unb Rassen ausgeprägt sei. Wahre Demokratie habe ben norbischen Menschen stets bie Gleichheit der Persönlichkeiten bedeutet innerhalb einer freiwilligen, selbstgeschaffenen, aber bindenden Gemeinschaft. Das Persönlichkeitsgefühl bes nordischen Menschen habe, unterstützt von seinem außerordentlichen Dr» ganijationsoermögen, alle jene freiheitlichen Gemeinschaftsformen heroorgebracht, die die germanischen Völker auf den so hohen Stand ihrer Kultur hinaufgeführt haben. Ministerialdirektor Dr. med. Gütt vom Reichsministerium des Innern sprach sodann über „Ausartung burch Familienpflege". Alle norb- unb westeuropäischen Völker, so betonte er, gehen, volksbiologisch gesehen, bem Abgrunb entgegen. Währenb um bie Jahrhundertwende noch jebe vierte Ehe an ber jährlichen Geburtenzahl beteiligt war, war es im Jahre 1933 nur noch jebe 14. Ehe. Die Zahl ber ßebenbgeborenen sank von 1900 bis 1933 in Deutschlanb von runb zwei Millionen auf unter eine Million ab. Der Nationalsozialismus sieht es baher als feine größte Aufgabe an, bie Ausartung unb Bestanberha11una ber deutschen Familie zu gewährleisten. Volk unb Rasse haben im Mittelpunkt ber Staatspolitik zu stehen! Der Staat kann aber nicht alles tun. Familienpflege unb Familiensinn sind Probleme, bie nur von ben Einzelnen selbst gelöft werben können. Familienpflege läßt sich aber nicht ohne bie Frau treiben. Gerade bie Frau werde sich wieder auf sich selbst besinnen müssen. Sie werde selbstbewußt zu ben Erkenntnissen unserer germani» ichen Vorfahren von ber Heiligkeit ber Ehe unb ber bofjen Auffassung ber Sittlichkeit zurückfinben müssen. Es müsse unser Streben fein, unsere Jugenb zur Achtung der Geschlechter vor einander und zur Reinerhaltung bes Erb- unb Rassengutes zu erziehen, benn eine Ausartung ist nur durch geeignete Gattenwahl möglich. Wähle du deinen Gefährten und Gatten aus gleichgearteter unb erbgesunder Sippe! Die Rassenpflege bes Staates bebeutet lediglich Schutz vor Vermischung mit frembem Blut. Rassenpflege des einzelnen dagegen bedeutet „Aufstellen eines Rassenideals" eines „Schönheitsideals", bem er nachzustreben gewillt ist. Die rasseverwanbten Völker, befonbers bes norbischen Kulturkreises, sollen wissen, daß sie miteinanber verwanbt unb neue Banbe erwünscht sinb. Nie wieber barf es einen Kampf zwischen norbisch - germanischen Völkern geben. Heber ben norbischen Gebanken in ber beutschen Wohlfahrtspflege sprach Hauptamtsteiter hilgenfelbt. Norbisches soziales Denken geht, wie alle anderen ßebensäufjerungen nordischer Kultur, von bem Primat ber Ehre, von ber Verantwortung unb ber Pflicht zur Selbsthilfe aus. Die nationalsozialistische Wohlfahrtspflege will ben nordischen Gebanken ber Selbsthilfe wieber als Grunbsatz ber beutschen Wohlfahrtspflege anerkannt wissen. Sie verlangt, daß ber einzelne erst bann bie Stellen ber Wohlfahrtspflege um Hilfe angeht, wenn seine Familie ihm nicht mehr zu helfen vermag. Die nationalsozialistische Wohlfahrtspflege Hilst als Vertreter ber beutschen Volksgemeinschaft durch befonbere Maßnahmen baran mit, bie Grund- lagen für eine gesunde und leistungsfähige Familie der Zukunft zu schaffen. Die nordische Erkenntnis von der Bedeutung der Frau hat zur Errichtung des Hilfswerkes „M utter und Kind" geführt. In der gleichen Richtung einer Stärkung ber deutschen Familie liegt bie gesunbheitsfürsorge- rische Maßnahme ber Verwanbtenverschickung. Dem beutschen Kinbe, seiner Gesunbheit unb seiner Verwurzelung mit ber beutschen Heimat soll bie Kinberlanbverschickung bienen. Der Betreuung erziehungsbebürftiaer unb gefährdeter Jugendlicher gilt bie Jugendhilfe. Daneben stehen unzählige anbere gesundheitsfürsorgerische Einrichtungen wie Tuberkulose-Hilsswerk, Bettenbeschaffung unb Erwachsenen-Verschickung. So ist das Grundprinzip neuer deutscher Wohlfahrtspflege bie Stärkung ber Volkskraft, nicht bie Fürsorge. Vier Jahrtausende nordischer Baukunst In ber 7OO-Jahrhalle am Holstentor würbe die Ausstellung „Haus unb H o f im nordisch- germanischen Ku-lturkreis" — „Vier Jahrtausende nordischer Baukunst" des Reichsbundes für deutsche Vorgeschichte und der Nordischen Gesellschaft durch den Leiter des Reichsbundes, Professor Reinerth (Berlin), in Anwesenheit von Vertretern bes Staates, ber Partei, der Wehrmacht unb ber Wissenschaft sowie zahlreicher Tagungsteilnehmer aus bem In- und Auslände eröffnet. Professor Reinerth betonte, daß ber Holzbau den gediegensten Ausdruck nordischen Kulturschaffens und zugleich bas Kennzeichen bes norbischen Vorstoßes nach dem Süden darstelle. Die alte Volkskunde sah im Holzbau nur Das „gesunkene Kulturgut" eines lediglich aus lateinischen unb griechischen Quellen schöpfenden Humanismus. Wir wissen, baß es zur Zeit Der alten Römer in Deutschlanb große Gehöfte gab, bie mit ihren breischiffigen Hallen dem niedersächsischen Bauernhaus in nichts nachstanden, unb daß bie indogermanischen Väter ihre zweiräumigen, rechteckigen Giebelhäuser als Zeichen sicherer Landnahme in Süddeutschland unb weit barüber hinaus errichteten. In überzeugender Schau, ohne die Brille ber Völkerkunbe unb Dem Humanismus wirb unser Blick in die früheste Zeit zurückgelenkt unb ruht im Norden, in der Urheimat des Holzbaues. Nordleute errichteten auf griechi- schem Boden das Haus mit der säulengestützten Vorhalle, die älteste Form bes griechischen Tempels. Der neue Kurs in Schweden. Das Programm des Stockholm, 19. Juni. (DNB.) Die neue schwedische Regierung ist gebildet unb würbe von König Gustav bestätigt. Sie ist bie e r ft e Regierung bes Bauernbundes. Don ben elf Regierungsmitgliebern gehören fünf bem Reichstag an. Die übrigen Minister finb Beamten- unb Fachkreisen entnommen. Ministerpräsident unb ßanbwirtschaftsminister ist Axel Pehr- s o n - Bramsstorp. Minister bes Aeußeren Prozessor Westman, Verteibigungsminister Janne Nissan. „Stockholms Tibingen" erklärt bie neue Regierung als einen persönlichen Erfolg bes Staatsministers, zumal es seiner vorsichtigen unb energi» fdjen Politik in ber letzten Zeit gelungen sei, seinen Vorgänger zu stürzen unb sich selbst in bie Bresche 3u schlagen. Staatsminister Pehrsson, ber im ^en5iaf,r steht, ist Besitzer im süblichen Teil Schwebens. 1924 würbe er zum erstenmal von ben Agrariern in den Reichstag entsandt. Er hat sich besonders auf bem Gebiete ber Stützungspolitik für Die ßanb wirtschaft hervor- getan. Der neue Außenminister, Professor W e st - man, ist 60 Jahre alt unb ist seit 29 Jahren Bauem-Kabinetts. Professor für Rechtsgeschichte in Upsala. 1914 war er kurze Zeit Kultusminister. Aus seiner Feber stammt eines ber besten Geschichtswerke über bie ■8erfa[fung Schwebens. Da er wiederholt fein ßanb im Völkerbund vertreten hat, gilt er auch als be- fonberer Kenner ber Genfer Politik. Er ist seit vielen Jahren Vorsitzenber bes Bauernbundes in ber Ersten Kammer des Reichstages. Als stärkster Mann bes Kabinetts wirb ber 1885 geborene neue ■rt?r57i.Lifter Bischof Anbrae angesehen. Er ist seit 1927 Professor für Religionsgeschichte unö würbe im vergangenen Jahr Bischof von ßin- foping. 1913 hat er in ber schwedischen Akabemie bie Nachfolge von Bischof Soderblom angetreten. Er hat mehrere hervorragenb religionsgeschichtliche Werke geschrieben unb gilt befonbers als Derfech- ter einer Reform bes Unterrichtswesens, namentlich ber höheren Anstalten. Er ist einer Der besten Redner bes ßanbes. Die Regierung hat in ihrer ersten Sitzung die Reg l e r u n g s e r k l ä r u n g festgelegt. Darin y/ßt n5 $u B^inn, daß bie gespannte p o H* titje Lage, in der sich die ganze Welt wie auch Schweden befinde, eine Beunruhigung füf Fran' Das Rie Paris, Hirte Fin° fiaanzpE Lobe h°b Jeamien, ‘ fcjioere ß «ch sei das« mU'/L* Wiarden v ranMn- tobe von ou Die Regien «listiger Schm liefet 3* ton Frankren labe nicht bie vlisieren, ab Sanken ui leiten. Auch ' Aelbsatze zteuerre ter Steuerbt Eintreibung itnauslaufen. Nrberte fta; kapital tötei Sie Regierur ÄN< Paris. Bewegung i| »mz weiter ren Proi Streiks Irbeiter be Iizza be| nen im Sti ftn Geschcifi Wen besetz ri(er Wa feute beigele ferkelt' kn. vdM zKrrn noch ianbe getoi Massenversc |eber aner auf eine bt i etzen. Mdeiter prooinj Ost »OGebur 'anzler j l-olgenbes j“1-. Tkburts «iückwünsch »SL- putscht frral Co SN in l £tutte[bQrer Als her" i bleibt. 1 iJrfl $crIi '"Mler im Lj D^men üb( Gamlen öe tau* ilÄ'W S.' & n ■''nie E«i( l«l)r SÄ. Klein, Der Fjjh Seheimral Dunschlelegrl l'l- Geb ui run9 an gern Neuerung wische. W MW gBWi . .•3V-;v:?<.:.'.-.V . ‘ ■ fi’S «feil» • V ■ '. an- stehen ■ dem weck >e Welt wirtschaft darstelle. Schweden werde |ne Kräfte in einer Gemeinschaft aller Bürger isammenfassen, um den Wohlstand des Landes neu. t tagte er Re- st, M einen Frankreichs Schuldenlast. Das Riesenausmatz der Kapitalflucht. Paris, 19. Juni. (DNB.) In der Kammer erklärte Finanzminister Vincont - Auriol das Fnanzprogramm der voraufgegangenen Legislaturperiode habe den ehemaligen Frontkämpfern, den samten, den Gemeinden und den Rentnern schwere Einschränkungen auferlegt. Dennoch sei das erhoffte Gleichgewicht nichther- g?stellt worden. Der Fehlbetrag könne für 1936 Äif sechs bis sieben Milliarden beziffert werden. He schwebende Schuld sei um 20 Milliarden auf 66 Milliarden gestiegen. Der Betrag, der von den Franzosen seit Januar 1935 nach drm Ausland verbrachten Kapitalien Herbe auf 26 Milliarden geschätzt. Der Betrag der gehorteten Banknoten dürste sich auf 30 Milliarden belaufen. Im ganzen fehlten also der französischen Wirtschaft französische Kapitalien in Höhe von 60 Milliarden Franken. Die Regierung werde Sparer zur Zeichnung kurz- sristiger Schuldscheine aufrufen. Bis zum Abschluß dieser Zeichnung werde die Regierung bei der Bank von Frankreich ihr Konto überziehen. Die Regierung Hobe nicht die Absicht, die privaten Banken zu nationalisieren, aber sie werde die Kontrolle der Banken und der Aktiengesellschaften in die Wege leiten. Auch denke sie an die Herabsetzung des Eeldsatzes zur Belebung der Wirtschaft. Die Steuerreform werde auf eine Vereinfachung btr Steuerbestimmungen und aus eine Strenge Eintreibung der übersichtlich geordneten Steuern hinauslaufen. Die von kommunistischer Seite geforderte Kapitalabgabe würde das blutarme Kapital töten. Das Land müsse sich selbst retten. 2ie Regierung könne nur den Weg angeben. Der Streik flaut weiter ab. Paris. 20. Juni. (DRB. Funkspr.) Die Streikbewegung ist sowohl in Paris als auch in der Provinz weiter im Abflauen begriffen. Rur in eini- aen Provinz st ädten sind am Freitag neue Streiks ausgebrochen. So haben in B r e st die Arbeiter der Stadt die Arbeit niedergelegt; in Nizza befinden sich sämtliche Derkehrsunterneh- Jen im Streit. In Straßburg haben die gro- rn Geschäfte geschlossen und sind von den Ange- ?Ilten besetzt worden. Der Aufstand in den P a - ckser Warenhäusern soll angeblich noch beute beigelegt werden. Die Streikgefahr im Pariser Elektrizitätswerk konnte behoben werden. Obgleich zwischen Arbeitnehmern und Arbeit- aebern noch keine endgültige Uebereinstimmung zustande gekommen ist, haben die Arbeiter in einer Massenversammlung den guten Willen der Arbeitgeber anerkannt und beschlossen, in der Hoffnung auf eine baldige Einsicht die Arbeit fortzusetzen. Kleine politische Rachrichten. Der Führer und Reichskanzler hat an Geheimrat Dr. Hugenberg folgendes Glück- llunfchtelegramm gesandt: „Zu Ihrem heutigen 71. Geburtstage sende ich Ihnen in Erinnerung an gemeinsame Arbeit im Dienste der Wieder- erneuerung des deutschen Volkes herzlichste Glückwünsche. Adolf Hitler." * Gauleiter Erich Koch, der Oberpräsident der Provinz Ostpreußen, beging am Freitag seinen 40 Geburtstag. Der Führer und Reichskanzler sandte dem Gauleiter aus diesem Anlaß folgendes Glückwunschtelegramm: „Zu Ihrem 4". Geburtstage sende Ich Ihnen meine herzlichsten Glückwünsche. Ich hoffe, daß Ihre bewährte Arbeitskraft noch lange Jahre der Partei und dem Paterland zur Verfügung steht. In alter Kampf- o-rbundenheit Ihr Adolf Hitler." * Am Freitagvormittag traf das Panzerschiff „Deutschland" mit dem Chef der Linienschiffe Admiral Carls an Bord zu einem sechstägigen Besuch in der dänischen Haupt st adt ein. das Schiff machte an der Langelinie-Mole in unmittelbarer Nähe des englischen Kreuzers „F r o - bisher" fest, der bis Sonntag in Kopenhagen bleibt. * In Berlin wurde von dem französischen Botschafter Francois Poncet und dem Ministerialrat im Reichsfinanzministerium Vogels ein Abkommen über die Versorgungsbezüge der ehemaligen Beamten der Regierungskommission des S a a r g e b i e t s mit französischer Staatsangehörigkeit unterzeichnet. * Im Zuge der vorgesehenen periodischen deutsch- polnischen Pressebesprechungen hatte die polnische Regierung den Abteilungsleiter im panischen Außenmini terium, S k i w s k i, sowie den Ministerialrat Zale ki nach Berlin entsandt, um d e sich aus den deut ch-polnischen Presseabkommen gebenden laufenden Fragen zu besprechen. Beider- ffits wurde mit Befriedigung festgestellt, daß der e ngescklagene Weg zu g u t e n E r g e b n i s s e n ge- fl hrt habe und beide Teile es weiterhin als ihre Aufgabe betrachten werden, ihren Einfluß im Sinne dlr Fortentwicklung des gegenseitigen Verständnisses arch fernerhin nachdrücklich geltend zu machen. * Die Internationale A r b e i t s k o n f e- rsnz in Genf hat den Abkommensentwurf über die Einführung der40-Stunden-Woche i n der Textilindustrie gegen die Stimmen der Arbeitgeber und einiger Regierungsoertreter darunter Englands und der Schweiz, angenommen. erhalten und zu entwickeln und die nationale !lbständigkeit zu schützen. Infolgedessen sei die entrn Negierung entschlossen, den kürzlich vorn Reichstag lern.; angenommenen Beschluß über die Verstärkung ' der Landesverteidigung, den die Regierung als Ausdruck des bestimmten Willens des schwedischen Volkes zur Verteidigung seiner Unabhängigkeit ansehe, durchzuführen. Die Erklärung betonte ferner, daß die Regierung eine ihrer ersten Aufgaben darin sehe, alle Bemühungen zu fördern, die die nationale Wirtschaft stärken und entwickeln und den Warenaustausch mit den anderen Ländern erleichtern könnten. Die Regierung sehe fernerhin in der Hebung der Landwirtschaft den Hauptbestandteil ihrer wirtschaftlichen und sozialen Politik unö alle zu diesem Zweck getroffenen Maßnahmen |eien das einzige Mittel, der Entvölkerung d s Landes Einhalt zu gebieten. Aus aller Well. Lin neuer Stern auch auf dem Königstuhl festgestellt. Zu der aus Potsdam gemeldeten Entdeckung eines neuen Sterns wird von der Sternwarte auf dem Königstuhl bei Heidelberg mitge- teilt: Am Donnerstag, um 22.10 Uhr Weltzeit — 23.10 Uhr MEZ. — wurde auf der Königstuhlsternwarte bei Heidelberg durch den Astronomen Kurt H i m p e l ein heller neuer Stern im Stern- bild L a c e r t a entdeckt. Der Stern befand sich ungefähr drei Grad südöstlich des Sterns Delta im Sternbild Cepheus. Er war zur Zeit der Entdeckung zwischen dritter und vierter Größe. Die Meldung wurde von der Sternwarte Körfigstuhl sofort telegraphisch an die astronomische Zentrale in Kiel weitergegeben. Dritter Deutscher Apothekertag in Stuttgart. Die deutsche A p o t h e k e r s ch a f t veranstaltet in diesen Tagen in Stuttgart ihren 3. Kongreß seit der Machtübernahme. Die Reihe der Veranstaltungen und Fachtagungen wurde mit einer Feier auf dem Hohen Staufen eröffnet. Der württembergische Innen- und Wirtschaftsminister Dr. Schmid eröffnete die Apothekermesse. Reichsapothekerführer Schmierer-Berlin begrüßte die Teilnehmer und gab einen Ueberblick über die Entwicklung des deutschen Apothekerstandes und insbesondere über dessen Vereinheitlichung nach der Machtübernahme. Anschließend wurde die Ausstellung „Aus deutschen Apotheken" eröffnet, die einen vielfältigen Ueberblick über Wesen und Entwicklung der deutschen Apotheke in den letzten 700 Jahren gibt. Unter den Ausstellungsgegenständen befindet sich auch ein schwerer eiserner Mörser aus der Feldapotheke Friedrichs des Großen, den die deutsche Apothekerschaft dem Führer geschenkt hat. Die deutsche Apothekerschaft hat die Absicht, in Zusammenarbeit mit Universitäsprofessor Dr. H ä f l i g e r - Basel, dem Begründer der pharmazeutischen Museumskunde, ein deutsches Apotheken-Museum zu gründen, um damit die Erhaltung wertvoller Gegenstände zu sichern. Eine Frau durchschwimmt den Großen Belt. Der früheren dänischen Meisterschwimmerin, der jetzigen Schwimmlehrerin Lilly Andersen, gelang es, den Großen Belt zu durchschwimmen. Um 4.30 Uhr ging sie am Freitag bei Korsoer ins Wasser und stieg um 12.45 Uhr bei Knudshoved an Land. Sie hat die etwa 18 Kilometer lange Strecke zwischen den Inseln Seeland und Fünen in etwa 7 Stunden 45 Minuten durchschwommen. LZ „Hindenburg" nach Nordamerika gestartet. Das Luftschiff „Hindenburg" ist am Freitag um 21.50 Uhr in Frankfurt mit vollbesetzten Kabinen zu seiner dritten Nordamerikafahrt gestartet. Die Adolf-Baude völlig vernichtet. Am Freitagvormittag war der bereits gemeldete Brand der Adolf-Baude im Riesengebirge infolge des Wassermangels noch immer nicht gelöscht. Die Baude selbst ist nicht zu retten. Nur der neue Anbau konnte vor großem Schaden bewahrt werden. Unfälle ereigneten sich nicht. Der Schaden wird auf etwa 1,5 Millionen Kronen geschätzt. »Herzogin Cecttie" wieder flott. Das berühmte Segelschiff „Herzogin Ceci l i e", das ursprünglich unter deutscher Flagge fuhr und vor einigen Jahren nach Finnland verkauft wurde, wurde am Freitag, nachdem es zwei Monate lang auf einem Felsen in der Nähe von Salcomba an der Südküste von Deoonshire (Südengland) festgesessen hatte, wieder flottgemacht und in den Hafen von Salcomba geschleppt. Dreizehn amerikanische Schulkinder bei einem Ausflug ums Leben gekommen. Eine Schulklasse der Städtischen Schule von Ma- chiag im Maine-Staat (USA.) hatte eine Motorbootfahrt auf dem Gardener-See unternommen. Aus noch nicht geklärten Gründen kenterte plötzlich das Boot, so daß 15 Schulkinder in das Wasser stürzten. Ein großer Teil der Kinder konnte nicht schwimmen. Viele versuchten, sich an dem gekenterten Boot über Wasser zu halten. Ehe Hilfe zur Stelle war, waren jedoch 13 der jungen Menschen in den Fluten untergegangen. Den vereinten Bemühungen sofort alarmierter Rettungsmannschaften gelang es in kurzer Zeit, sämtliche Kinder an Land zu schaffen. Wiederbelebungsversuche hatten jedoch nur bei zweien Erfolg. 13 Kinder waren bereits t o t. Lin Sind am Eisenzaun aufgespießl. In Idar Oberstein fiel ein zehnjäbriger Junge beim Spiel in einen eisernen Staketenzaun, der auf einem tieserliegenden Grundstück an der Straße entlangläuft. Dem Jungen drang eine Eisenspitze in die Bauchhöhle und verletzte ihn schwer. Wetterbericht des Belchswetterdiensles. Ausgabeort Frankfurt. Die starke Erwärmung des europäischen Fest- landes, die sich in größere Höhen herauf bemerkbar macht, hat jetzt den Abbau des hohen Luftdrucks eingeleitet. Durch die entstandene schwache und gleichförmige Luftdruckverteilung wird bei Fortdauer der 'heißen Witterung die Ausbildung von Wärmetiefs und damit das Auftreten gewittriger (Störungen mehr als bisher begünstigt. Letzteres wird aber vorerst den Schonwettercharakter noch keinen nachhaltigen Abbruch tun. . Aussichten für Sonntag: Noch vielfach heiter, dann zunächst Auftreten gewittriger (Störungen, sehr warm und schwül, noch vorwiegend östliche Winde. „ . Aussichten für Montag: Warmes und schwüles Wetter mit gewittrigen Storungen Lufttemperaturen am 19. Ium: mittags 30,4 Grad Celsius, abends ".3,6 Grad; am 20. Juni: morgens 17,1 Grad. Maximum 31 Grad, Minimum heute nacht 13,1 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 19. Juni: abends 23,4 Grad; am 20. Juni: morgens 19,8 Grad. — Sonnenscheindauer 14,4 Stunden. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil i. 93.: f). Q. Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. V. 36: 9760. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch-und Steindruckerei R. Lange,K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. 3 Hausmittel Men Hitze Restaurant 4001D Oberhessischer Adreßbuchverlag • Gießen 3479D 3973A Bekanntmachung beim Zur Kirchenweihe um 3980D in Wes 7/ e gasse. [02839 Kirdistrafoe Nr. 13 verlegt Empfehlungen"! Frau Kath. Arndt Wwe., Leichenkleiderin 02852 Gießen - Schulstraße 5 fiommerjäger [Verschiedenes! vertilgt jedes Un- ~ ... 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Südafrika wie andere Teile Afrikas, die überhaupt noch Aussicht haben dauernd „weißen Mannes Land" zu bedeuten, können nicht m unbedingter Unabhängigkeit von den Mutterländern ihr Heil suchen, wohl aber in einer solchen 'öerid)= tiqung einer verkehrten überlieferten Kolonialpolitik, die die für Weiße geeigneten Siedlungsraume gegen festlandeuropäische Kraftüberschüsse an Menschen und Kapital zu sperren und die „Volker ohne Raum" von den Vorteilen der Ausnutzung natürlicher Hilfsquellen in kolonialen Gebieten auszu- schließen trachtet. Entdeckungen und Ersahrungen in Aordchina. Von unserem H.Tr.-Äm'chterstatier. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) II. Tienlsin-Vunimel. Tientsin, Anfang Mai 1936. „Master!... Master!... Motor-Car... Motor- Car!... Won Dollar!... mit hochgerecktem Daumen umringen mich 27 chinesische Chauffeure auf dem Hauptbahnhof Tientsin, 17 versuchen mir das Gepäck zu entreißen und 7 versuchen mich mit allen Kniffen ihrer unverständlichen Überredungskunst zu den nichtkonzessionierten „Motor-Cars" ihrer unsichtbaren Auftraggeber zu locken, die irgendwo versteckt in irgendeiner Seitengasse stehen und die angeblich zu konkurrenzlos billigen Preisen bis ans Ende der Welt zu fahren bereit sind. Wum!... Bum!... Bu-bu-bum!--ein paar Kanonenschüsse. — Waas? Es schießt? Sollte etwa? ... ratatatattatat... Maschinengewehrfeuer! — Ich werfe dem ersten besten Kuli mit dem dicksten Daumen den Handkoffer zu: „Da! nimm! Und jetzt Marsch-Marsch ins P-Hotel!" — Mit ein paar Püffen wird Bahn in die Schar der Chauffeur-Konkurrenten gebrochen, rein in den Wagen, der Motor springt an... Wum! — wieder ein Kanonenschuß... fernes Maschinengewehrfeuer ... ratatatatatat...: Dicke Luft, Heber den „Weißen Fluß" rast der Wagen in die „Französische Konzession", vor irgendeinem Hotel ein starkes Polizeiaufgebot: baumlange chinesische Polizisten in französischen Uniformen mit dem charakteristischen Käppi auf dem Kopf. „Was ist denn nun hier schon wieder los?" Der Chauffeur dreht sich um, fletscht grinsend die Zähne und macht mit der Hand die Bewegung des Pistolenschießens. Gleich darauf hält der Wagen vor dem wohlbekannten „Stamm-Hotel". Herzliche Begrüßung durch den ebenso wohlbekannten „Mänädscher". „Tag! Tag! Jawohl! Wieder mal im Lande... warum schießt es denn bei Ihnen? Warum die Polizeiabsperrung in der Französischen Konzession?" „Ach! nichts weiter! Heute mittag ist dort der chinesische zweite Bürgermeister in feinem H o - tel ermordet worden!" „So! So! Ermordet! War wohl ein Japaner- freund?" „Gewiß. Deswegen! Irgendein chinesischer Nationalist hat die Sache sehr geschickt gemacht: Im Auto vor dem Hotel vorgefahren, ohne Anmeldung rauf, angeklopft, den Mann mit fünf Schüssen über den Haufen geknallt, Treppe im Marsch wieder runter, rein ins Auto und ab in die Chinesenstadt ... da soll ihn mal einer finden! Ach ja!... sind schon bewegte Zeiten!... Darf ich Ihnen Ihr Zimmer vom vorigen Male geben? „Ich bitte sogar darum..." Das, was in Deutschland die Begriffe „Bremerhaven", „Weser" und „Bremen" sind, sind in Nordchina die Namen „Taku", „Weißer Fluß" (chinesisch Peiho) und „Tientsin". Mit anderen Worten: Taku — aus dem Boxerkrieg wohlbekannt und durch die Beschießung der Taku-Forts durch den „Iltis" berühmt geworden — ist der eigentliche Hafen von Tientsi n, das man von hier aus mit der Bahn in zwei Stunden erreicht. Hier legen die großen Überseedampfer an, deren Waren dann mit Schleppern oder kleinen Dampfern auf dem Peiho nach Tientsin weiterbefördert werden, weil die „großen Kästen" über die „Barre von Taku" — Sandablagerungen der Peiho-Mündung — nicht Hinwegkommen. Dieses Taku ist übrigens von den sogenannten „Nordchinesischen Autonomisten", die sich von der Nanking-Zentralregierung losgesagt haben und die mit den Japanern auf das engste „Zusammenarbeiten", besetzt worden, so daß also de fakto heute Japan die Aufsicht über die Mündung dieser wichtigen Wasserstraße ausübt und damit nicht nur Tientsin, sondern auch Peking kontrolliert. Denn Taku und Tientsin waren von jeher die eigentlichen Sprungbretter für Peking ... das hat bereits der Boxerkrieg von 1900 bewiesen, als die Truppen der verbündeten Mächte auf dem gleichen Wege marschierten, den heute Japan allein eingeschlagen hat. Das Hauptquartier der Japaner befindet sich bereits seit Jahr und Tag in Tientsin, und zwar in der „Japanischen Konzession", wo jene weitgesteckten Pläne geschmiedet werden, die das Gesicht der Fernöstlichen Welt von Grund auf verändern sollen. Das Wesen einer „Konzessiv n" läßt sich ebenfalls wieder am besten an einem deutschen Beispiel erläutern: Nehmen wir einmal an, wir hätten irgendeinen Krieg restlos verloren. Darauf kommen Chinesen, Engländer, Japaner, Russen, Franzosen und andere nach Hamburg und beschlagnahmen dort alles bebaute und bewohnte Gelände rechts und links der Alster, wo es am schönsten ist und richten sich dort häuslich ein. Das heißt: „ziehen" dort eine eigene Stadtverwaltung auf, in der die deutschen Behörden in keiner Weise etwas zu sagen haben, Stadtviertel mit eigener Bürgermeisterei, eigener Polizei, eigener Post und anderen Einrichtungen, die nun eben einmal zu einer „autonomen Stadt in der Stadt" gehören. Diese „Autonome Stadt" hat dann noch eine eigene militärische Schutztruppe, sie erhebt Steuern und Abgaben — kurzum, ist eine fremde Stadt auf deutschem Boden, und zwar dort, wo er am teuersten und am besten ist ... das ist eine „Konzession". Soll heißen, eine Konzession, die die machtlosen Chinesen nach dem Boxerkrieg den Engländern, Franzosen, Deutschen, Italienern, Russen, Japa- nern und Oesterreichern machen mußten. Alle diese sieben Staaten haben sich damals aus der über eine Million Einwohner zählenden Stadt Tientsin das ihnen am geeignetsten erscheinende „Stuck heraus- geschnitten und es im Laufe der letzten dreißig Jahre zu einer mnbevien Stadt ausgestaltet, die in jeder Hinsicht den Charakter des jeweiligen „Okkupationslandes" trägt. Diese fremden Konzessionen ziehen sich unmittelbar am Peiho hm und schöpfen dessen „wirtschaftlichen Rahm' ab, man* rend dahinter, sozusagen im „©angemertet die Chinesen wohnen „dürfen", was im Zeichen des erwachenden chinesischen Nationalismus erklärlicherweise die „Beliebtheit" der „Fremden" ms Un- gemessene steigert. Auch wir Deutschen haben in Tientsin eine solche „Konzession", aber leider — oder soll man sagen: Gott sei Dank — führt sie heute die amt- liche Vorsilbe „E x" und heißt mit ihrem vollstan- digen Namen „Ex-German-Concession". Genau so ist es der ö st e r r e i ch i s ch e n Konzession ergangen. Beiden Ländern wurde seinerzeit auf Betreiben Englands die Konzession von den Chinesen fortgenommen und alle deutsch-österreichischen Sonderrechte aufgehoben. Das haben sich die Engländer wohl damals genau so wenig überlegt, wie die Sache mit dem „Selbstbestimmungsrecht der Völker", denn schon jetzt stellen japanische Zeitungen hier und da Betrachtungen darüber an, daß es eines Staates unwürdig sei, solche fremden Konzessionen auf seinem Grund und Boden weiterhin zu dulden. Infolgedessen ist in Tientsin die große Frage heute die: was wird aus der englischen, der französischen und der italienischen Konzession, wenn Japan tatsächlich sein großes Nordchina- Programm verwirklichen sollte? Daß dann auch die Stunde der Konzessionen dieser Mächte in Tientsin (und auch in anderen chinesischen Städten) geschlagen haben dürfte, darf man wohl als sicher annehmen — — sehr schmerzlich für die davon Betroffenen. Machen wir gleich mal einen Bummel durch die Ex-German-Concession, die in jeder Hinsicht ein unverfälschtes Stück Deutschland ist. — Stellen sie sich also zunächst mal den Pei-Ho wie einen normalen deutschen Fluß, etwa die Elbe bei Magdeburg vor. Am Kai liegen die großen Handelsfirmen, hier legen die Dampfer, Schlepper und Leich- ter an und dort, wo in Magdeburg — parallel zur Elbe — der wohlbekannte „Breite Weg" läuft, zieht sich in Tientsin — ebenfalls parallel zum Pei-Ho — eine unendlich lange, breite asphaltierte Straße hin, die, in der französischen Konzession beginnend, durch die englische Konzession laufend in der Ex-German-Concession endet und die — obwohl ein Ganzes — in jedem der drei Stadtviertel einen anderen Namen führt. „Kaiser-Wilhelm- ' Straße" hieß diese Verlängerung „Viktoria-Road" einst, heute ist sie in „Woodrow--Wilson-Street" umgetauft worden ... der ganze lange „Boulevard" rechts und links von pompösen Hotels, Bankpalästen, Geschäftshäusern und anderen Monumentalbauten eingerahmt, ein „Prospekt" der sich in nichts von irgendeiner Luxus-Geschäftsstraße in irgendeiner City des fernen Westens , unterscheidet. Ein kleiner Unterschied besteht allerdings doch, und das sind die Polizisten: alles baumlange Schantung-Boys, die in der französischen Konzession die wohlbekannten „Käppis", in der englischen Tropenhelme und in der Ex-German natürlich keine Pickelhauben oder Tschakos, son- die Schirmmütze, die übliche Kopfbedeckung der chinesischen Standpolizisten tragen. Mittelpunkt dieser deutschen Konzession ist das pompöse Gebäude des „Deutschen Klub", das eigenartig an die Kaiserpfalz in Posen erinnert und der, wie in allen anderen deutschen Kolonien, den Uniformen«; Wehrmacht SA., SS., PO., RLB., Forstbeamte nsw. in feinster Maßarbeit 3878A Erste Spezialkräfte, Garantie f. tadellosen Sitz - Reparaturen - Effekten Herren-Bekleidungshaus Gießen G. m. b. H. Marktplatz Vertragslieferant der Heereskleiderkasse Höhe des Jahres. Sonnwend Betrachtung von Wilhelm von Scholz. Schon als Junge habe ich mir darüber Gedanken gemacht, wie seltsam es doch ist, daß der Sommer beginnt, wenn die Tage anfangen, kürzer zu werden, und der Winter, wenn endlich die Sonne ihren tiefsten Stand erreicht hat und es von Tag zu Tage mit dem Licht und der Helligkeit bergauf geht. Mir erschien das unlogisch. Eigentlich, so sagte ich mir, müßte doch der längste Tag gerade mitten im Sommer und der kürzeste mitten im Winter liegen! Freilich gaben Hundstagshitze hier, Schlittfahrten und Eisbahn dort dem Kalender, der vom 21. Juni an den Sommer und vom 21. Dezember an den Winter angesetzt, durchaus Reckt. Allmählich reifte die Erkenntnis in mir, daß die sichtbare Auswirkungen eines erreichten Höhepunktes offenbar noch nicht mit ihm zugleich da fein kann sondern ihre Zeit braucht, sich zu entwickeln: daß also die wirklich eintretende Höhezeit eigentlich den unmerklich bereits begonnenen Abstieg überdeckt. In der Welt des Schrifttums, der Kunst, der Wissenschaft taucht ein neuer Name auf — ich meine nicht so sehr ein einzelnes Sensationswerk als vielmehr einen Namen, der, bisher wenig oder gar nicht bekannt, von einem gewissen Zeitpunkt an öfter als der eines achtunggebietenden Mannes genannt wird. Da bin ich als junger Mensch genau so erstaunt gewesen, wie als Kind über den Sommeranfang nach dem längsten Tage, daß solch ein neuer Name, wenn er zu mir drang, meist einem Manne zugehörte, der Höhe oder wenigstens Mitte des Lebens und wahrscheinlich auch des Schaffens schon überschritten hatte und ein älterer Mann war. Natürlich: er konnte ja erst mit feiner besonderen Schöpfung in die Weite bringen, nachdem er in der Stille ein ordentliches Stück Arbeit geleistet und ein großes oder doch' irgendwie bedeutsames Werk hingestellt hatte. „Ruhm und Ehren sind die Zeichen", sagt der Apberist, daß wir anfangen, alt zu werden!" „So weit im Leben ist zu nah am Tod" lautet ein Vers in Hebbels „Sommerbild", einem seiner schönsten Gedichte: von der wundervoll aufgegangenen, in der höchsten Vollendung des Blühens leuchtenden Rose. Es ist die Tragik des erreichten Höhepunktes, daß der Weg von ihm nur wieder abwärts führen kann, das Ziel zugleich Ende eines bestimmten Strebens bedeutet. Im Sinnbild zwar umgekehrt, ist sachlich doch etwas ganz Achnüches in dem drolligen Eulenspiegelstück ausgesprochen: daß der närrische und vielleicht gar nicht so närrische niederdeutsche Schalk sich beim Bergaufgehen freut, weil bann ein bequemes Bergabgehen folgt; beim bequemen Bergabgehen traurig ist, weil die Mühe des neuen Steigenmüssens schon wieder nahe gerückt ist. Und es soll sogar Leute geben, die sich nicht nur im Sommer vor dem nächsten Winter fürchten, sondern schon im Winter vorher nur an den nächsten Winter und gar nicht an den vorher erst noch kommenden Sommer denken. Das sind wahrlich keine Lebenskünstler, denen es sich empfiehlt, nachzutun. Aber doch erlebt man selten einen Höhepunkt im Dasein ohne einen kleinen Schuß Wehmut und Wermut darin, baß er mit dem Erreichten auch schon überschritten ist. Man soll sich bas nicht verheimlichen! Und den- noch soll man sich freuen unb glücklich f»in, baß wir nun einmal — unb der Tüchtigste, tungs- fähigste am allermeisten! — vom innersten Innern heraus gezwungen ist zu blühen. Frucht zu tragen unb dann rasch zu welken. Wir müssen uns entwickeln, entfalten, obwohl auch uns bann das Welken droht. Aber es gibt im Menschenleben glücklicherweise nicht nur einen einzelnen Höhepunkt, wie ihn die Pflanze im Blühen und Fruchttragen hat. Die Lebensalter, die der Mensch durchläuft, sollen jedes auf eine besondere, gerade diesem Lebensalter eigentümliche Höhe führen; und ist sie erreicht, darf der Mensch wieder von vorn beginnen und muß eine neue Höhe erklimmen. Oft halten Hindernisse, über die er klagt unb schilt, ihn länger vor bem Ziel fest, als ihm lieb ist, und haben zuletzt nur sein Leben voller, reicher gemacht. Die Jugendkraft und -leidenschaft erreicht ihren Höhepunkt für sich, die männliche ruhigere Ueberlegenheit und der nicht mehr stürmische doch entschlossenere und unbeirrtere, festere Willen einen anderen; und zur Weisheit des Alters ist noch einmal das Ersteigen vieler Stufen möglich. Im Leben jedes, auch des einfachsten Menschen, ist es so. Sichtbar zu machen ist es freilich bei dem bedeutenden Menschen, dessen Leistung der Allgemeinheit gehört, am leichtesten. Wir denken, wenn wir ein sinnvoll gelebtes Leben als Beispiel aufstellen wollen, gern an Goethe. Es ist klar, daß ein Leben, bas sich in gültigen Werken ausgebrüdt hat, auch uns anberen zur Einsicht offen steht, während mir bei den Leben, die still und ungesehen ihre Entwicklung durchlaufen, nur zufällig einmal davon erfahren, ob sie Höhezeiten gehabt 'haben ober erhebungslos hingegangen finb. Bei Goethe ist es für jebes Auge zu sehen, daß der Jüngling schon zu einer Höhe aufstieg, wie sie nicht jeder Dichter selbst in späteren Jahren erreicht, unb als sie überschritten war, der noch tmrenbe Stürm-r unb Dränger wieder zu einem Höhepunkte gelangte, wie er selten Sterblichen beschieden ist. Hatte er "einen Gipfel verlassen müssen, stand der nächste schon vor seinem inneren Auge, und Goethe eilte reifend ihm entgegen. Immer noch einmal erreichte er in der Gipfelkette seines Lebens einen Punkt, von dem es für ihn kein Höherhinauf gab, geschweige denn für andere. Aber er erkannte fern wieder einen Gipfel. Das kann uns allen Ansporn sein, in jedem Jahrzehnt unseres Lebens das Tüchtigste und Beste zu leisten, bas jedem Jahrzehnt an Möglichkeiten gegeben ist. Wenn wir das einmal erkannt haben, daß es im Leben nicht mit einer Höhezeit vorüber sein muß, dann ist auch bas Erreichen eines Gipfels nicht mehr mit Wehmut gezeichnet; bann sinkt man ohne Kummer, neue Höhen im Blick, erst wieder ins Tal hinab. Längst habe ich mich im Laufe des Jahres daran gewöhnt, wenn mit dem 21. Juni der längste Tag gekommen ist und die Tage sich wieder zu kürzen beginnen, mir zu sagen, nun, was schadet es? Der schönste Teil des Jahres mit feiner Wärme und den Sommerfreuden kommt ja erst! Und Ende Dezember, wenn die Kälte unb das schlechte Wetter anheben wollen, dann tröste ich mich: ach, die Tage werden schon wieder länger, da ist es mit bem Winter nicht mehr so schlimm. Ich glaube, daß bas keine sehr tiefsinnige aber eine gut brauchbare Philosophie ist. Beginnen mir also mit froher Hoffnung den Sommer, der jetzt anfängt! Man merkt es ja noch lange kaum, baß bie Tage abnehmen! ßin stereoskopischer Film. Ein stereoskopischer Film ist kürzlich in London einem geladenen Publikum vorgeführt worden und wird demnächst im Programm des Empire-Theaters erscheinen. So neu und aufsehenerregend die Anwendung des Stereoskops für den Film auch sein mag, so ist die Sache selbst doch im Grundsatz keineswegs neu. Sie beruht auf dem altbekannten unb irütjer für Scherzbilder oft angewandten Verfahren, die beiden Bildteile in zwei verschiedene Farben auf weißes Papier zu drucken und durch eine Brille mit Gläsern entgegengesetzter Farbe zu betrachten. Wenn ein Svda-Syphvn dem Publikum ins Gesicht spritzt ober ein Fußball aus sie zuftiegt, so ist bie Wirkung außerordentlich und wird mit Kreischen und Lachen beantwortet. Während des ersten Films dieser Art, der je gezeigt wurde, ergriffen öie Zuschauer die Flucht vor einem Zug, der gerade auf sie zuzukommen schien. Die Wirkung des "neuen Films ist genau dieselbe. Er heißt „Aüdioscopiks", wurde von Peter Smith für bie Metro-Goldwyn- Mayer hergestellt unb endete mit einer haarsträubenden Autofahrt. Der angewandte Kunstgriff ist der, daß verschiedene Aufnahmen von zwei Punkten in ganz kurzen Abständen gemacht werden, die die Szene so barstellen, als mürbe sie von jedem einzelnen Auge gesehen. Die gewonnenen Bilder werden übereinanoergedruckt, je in Rot unb Grün. Man nennt das „Anaglyph". Schaut man nun durch eine Brille mit grünen unb roten Gläsern, so kommen bie zwei Bi Iber heraus, unb zwar in Schwarz-Weiß. Der Nachteil ist, baß nach zehn bis fünfzehn Minuten eine Überanstrengung der Augen eintritt, durch welche die stereoskopische Wirkung verloren geht. Oie ältesten Schiffe. Da bie ältesten erhaltenen Funde von Schiffen sehr spärlich sind und aus verhältnismäßig junger Zeit stammen, sind wir auf bie bildlichen lieber- lieferungen angewiesen, wie sie die Malereien in den ägyptischen Tempeln, die Skulpturen in den Palästen der assyrischen Könige oder auch die nordischen Felszeichnungen zeigen. In der ägyptischen Kunst sehen mir bereits auf Wandbildern der vierten Dynastie, etwa 2500 v. Ehr., eine reiche Auswahl von Booten, die aus Papyrus gebunden sind, und in Assyrien steht am Anfang ein vollendet geformtes silbernes Bootsmodell aus Ur. In all bie- fen Bildern, auch in den nordischen Felsenbildern, tritt uns schon eine hohe Stufe der technischen Verwendung entgegen, so daß eine längere Entwicklung Dorausgegangen sein muß. Es läßt sich, wie Dr. H. A. B e r n a tz i k in der Monatsschrift „Atlantik ausführt, feststellen, daß sd)on in der Stein- 3eit seetüchtige Schiffe vorhanden waren, bie die Besiedlung ferner Inseln ermöglichten. In der Bronzezeit gab es schöne Boote, bie von einer zahlreichen Mannschaft gepaddelt wurden und doppelten Vordersteven hatten. Im Aegäischen Meer finbet man zur früheren Bronzezeit Ruderschiffe mit hohem Bug, andere wieder mit hohem Heck unb Achterkajüte. Die Schiffe der Völker Mesopotamiens dienten schon im fünften Jahrhundert v. Chr. dem Verkehr. Die Phönizier waren Jahrhunderte hindurch die berühmtesten Schiffbauer, und sie waren auch die Lehrmeister der Griechen. Außerordentliche Leistungen waren die Schiffe der Römer, die 4000 Tonnen Ladefähigkeit und bis zu 4000 Ruderer hatten. Aus ihnen sind die Kriegsruderschiffe des Mittelalters, bie Galeeren, hervorgegangen. Dis Schiffe der Wikinger waren vorzüglich geklinkerte Kielboote, vorn und hinten spitz, mit einem Steuerniber und zum Segeln unb Rudern eingerichtet. gesellschaftlichen Mittelpunkt der eigentlichen „Ko- lonie" bildet, die vielleicht aus 500 Köpfe geschätzt wird. An dieser Hauptstraße liegen an weiteren deutschen „Spezialitäten" der deutsche W u r st- laden (sehr sinnig „Deutsche Ecke* genannt, eine Frühstücksstube, deren Wand die tiefsinnige Auf- schrist „fual redo fuas" ziert, was man rückwärts lesen muß), die deutsche Konditorei, die aus dem einfachen Grunde Weltruhm im ganzen Fernen Osten genießt, weil der Besitzer „a Wiener is", und als drittes das deutsche Hotel. In dieser Konzession liegen weiterhin die deutsche Schule, die deutsche Kirche, das deutsche K ranke n- haus, und last not least der deutsche Friedhof, ^n schattigen, großen Gärten rechts und links der Woodrow-Wilson-Street die Billen der deutschen Kaufmannschaft, die beredtes Zeugnis ablegen von dem Wohlstand, der einst in dieser Kolonie ge» herrscht hat. Billen, Gärten und ein großer Fluß — wie merkwürdig das Ganze dock) an die Alster erinnert... aber leider! Die goldenen Zeiten von Tientsin sind heute vorüber, überall ist Frau Sorge cinaekehrt, und mit dem Europa-Handel geht es wohl langsam, aber sicher auf der ganzen Linie bergab. Denn heute schon regiert Japan unsichtbar m Tientsin. Die Sonnenfinsternis im Fernrohr. - -O' Bi Feberall beobachteten in der Frühe des Freitag zahlreiche Menschen das Schauspiel der Sonnenfinsternis die in unseren Breiten allerdings nur partiell zu sehen war. Diese interessante Aufnahme zeigt die ein- gebuchtete Sonnenscheibe auf der Mattscheibe des Fernrohres der T r e p t o w e r S t e r n w a r t e wie sie sich dort um 4.55 Uhr darstellte. Während der Beobachtungen gelang die Entdeckung eines neuen Sternes im Sternbild des Cepheus. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Wandern und Reisen. Fahrt über den Bodensee. Paradies der Jaltbootwanderer. Wer das Zeua zum Wandern in sich hat, der wird am Bodensee unfehlbar zum Faltbootfahrer. Im Faltboot kann man sich den See „erwandern", im Faltboot nur ist man ganz frei, unabhängig beweglich draußen im See. Man sitzt mitten darinnen in seinen Wassern, nur durch eine dünne Stoffhaut von ihnen getrennt, und fühlt ihre Kühle, ihre Welken. Die zukünftigen Paddler lieben am Faltboot- wandern die kräftige Ruderarbeit, die den ganzen Menschen aktiv einbezieht in das Erlebnis Der Fahrt. Wenn ihnen die Sonne heiß ins Gesicht brennt, wenn ihnen der frische Ost die nackte Brust kühlt, dann erst fühlen sie sich richtig wohl. Ein Stürmchen kommt ihnen immer gerade recht, weil es lustig ist, wenn die Wellen kräftig auf die Spritzdecke klatschen, und unterhaltend, über ihre Rücken wegzureiten, einmal richtig hineinzulangen und sich als Herr des Elements zu fühlen. Sie haben stets das Zelt bei sich und schlafen die Nacht zum Sonntag irgendwo an einem schönen Uferplatz, wo nur die Sterne und die klatschenden Wellen ihnen Gesellschaft leisten. Jeden Sonntag tauchen die „Unentwegten" woanders auf. Heute treiben sie sich vor lieber- linken herum, bummeln rund um die Insel Mainau oder fahren die Seefelder Aach hinauf, um neue, köstliche Wasserwinkel zu entdecken. Ein andermal kreuzen die Dampfer ihren Kurs vor Meersburg ober weit draußen im Obersee, wo sie in ihren Nußschalen einsam zwischen Wasser und Himmel wie tollkühne Waghälse erscheinen. Aber am liebsten fahren sie in den Unterfee. In aller Frühe steuert der Wasserwanderer den Rhein hinab, durch die grüne klare frische Morgen landschaft. Die Münsterglocken von Konstanz läuten hinter ihm drein und begleiten ibn durch hie „Fachen" in den Unterfee hinaus. Wie in ein Paradies gleitet das Boot in die spiegelglatte friedliche Landschaft des Seerheins, dessen himmelblaue Was ser ganz ertrinken in der Lichtfülle der Morgensonne. Dor dem Ermatinger Lanbesteg zünbet ber „Zünftige" sich ein Pfeifchen an. Der Seewind trägt bie Nauchwölkchen fort. Es ist so still, bie Welt ist so schön unb neu, wie eigens für einen gemacht. Unb bann geht es zur Insel Reichenau hinüber, ihren Ufern entlang, von einer Land- zunge, einer Bucht zur anberen, bis ganz hinunter zur Weltspitze bes Eilanbs, wo irgendwo am pappelbesäumten Strand ein erfrischendes Bad, ein kräftiger Imbiß unb ein erquickendes Mittagsschläfchen fällig sind. Ganz gemächlich wirb weiter gebummelt, hinüber in ben Gnabensee. Das Schlößchen am Wasser, das alte Kirchlein und bie Fischerhäuser am llf^r, das ist noch echte Insel, stiller, versonnener Insel- friede. Drüben am Ufer sitzt in einem Fischerkahn ein Bursche und orgelt ganz unbekümmert auf einer Handharmonika in den strahlenden Sommertag hinaus, unb Kinber spielen um ihn her. Die Sonne glüht unb funkelt in ben See herab aufs junge Schilf. Langsam treibt bas Boot burch bie klare, heiße, träumerische Sonnenstunbe, bie wie ein lebenbiges Gebicht ist, unb hinterher kommen bie Märsche unb Walzer der Handharmonika über bie Wasser getanzt. Das Münster von Mittelzell zieht vorüber. Kein Laut, nur das Kratzen des Schilfes am Boots- ranb. Die Zeit scheint still zu stehen. Drüben vom Kirchlein St. Georg vom Hügel herab klingt leise Kirchengesang; gedämpft unb innig schwingen die Töne in den heißen Seemittag hinaus: die Vesper hat begonnen. Dann kommen die Schilf- dickichte um ben Bruckgraben, und plötzlich glanzt unb leuchtet vor dem Bug ber weite glatte Spieqe des Seerheins auf. Das Boot streicht bem Schilf entlang, hinüber zum Rieb, zu ben grundelnden Schwänen, zu ben Fachen im Rhein. Ein fröhliches Lieb erklingt, unb im Gleichtakt gehen die Ruder, wie fröhliche Wanderfchritte dem Abend eines herrlichen Tages entgegengehen. Hr reist auch zu den Tieren! Ein $erien apektJa.VollvorpflegungM.'PjVtP Conöoufeniönif Im herrl. Dlehhöljtnl 400mü.d.M.inmitt.Laub- n.Nadel- wäld.,gr.Strand-n.Schwimm bad, G nt e,rei chl. V ernst.i. G ast-o. P riu.« Haus.4Rtahlzeit^p.Tagß-.'i.!)0 k.Nehenkvst.Auök.kostenl.d.Vcrk.» u. Verschön.-Ber. Stratzebersbach, Dilltr.Bahn-u.Onmibuöstr.Dillen- hurg-Stratzebet.-bmb. Prosv ans. Auf ins schöne Maintal Freudenberg Perle deS Maintalö u>nqeb.v.Laub-u.Tannenw.,fchött. Freib.biet.herrl.Sommerausentl). Oasth. u. Pens. „Zur Rose“. Sch.Frem dz. st.Wasser, gute Vervsl.Pens.-P reis vL.8l)an.>»«-Gugo Rill. Prosv.b.GA« Zur 750-Iahrfeier der Stadt Grünberg Ner große historische Jestzug. + Grünberg, 19. Juni. Wenn am Festsonntag (28. Juni) sich ein großer historischer Festzug mit zahlreichen Gruppen und 150 Darstellern in historischen Kostümen durch die Straßen und Plätze der Stadt Grünberg bewegt, dann sehen wir all die bedeutenden Männer, die im Laufe der Zeit aus der Masse ihrer Zeitgenossen Herausragend, mitbestimmend auf die Geschicke der Stadt Grünberg waren ober draußen in der weiten Welt zu Ehr und Ruhm ihres Volkes sich und ihrer Vaterstadt einen Namen gemacht haben. Der Verlag des „Grünberger Anzeigers" hat für das Fest eine reichhaltige Festschrift herausgegeben. In einem längeren Aufsatz unter dem Titel „M an - ner und Frauen Grünbergs imSchritt der Jahrhunderte" haben hier die beiden Studienassessoren Dr. Fühler und Dr. Vaubel von der hiesigen Oberrealschule an Hand zahlreicher Urkunden eine Menge geschichtliches Material zu den einzelnen Gruppen des Festzuges zusammengetragen. Mit einigen Aenderungen werden auch die meisten Gruppen des Festzuges bei den lebenden Bildern am Festakt in der Turnhalle am Samstagabend (27. Juni) und bei der Wiederholung am Sonntagabend (28. Juni) gezeigt. Mit Erlaubnis des Verlages geben wir in Folgendem einen kurzen Auszug von den einzelnen Gruppen: Der erste Durgvogl, Guntram von Marburg, 1216. Wie wir schon kürzlich berichteten, leitet das bekannte althessische Adelsgeschlecht der Schencke von Schweinsberg seine Abstammung von diesem Guntram von Marburg her. Ein Glied dieser Familie, Freiherr Fritz von Schenck zu Schweinsberg in Kirtorf (Kreis Alsfeld), wird seinen Ahnherrn im Festzug darstellen. Der erste bekannte Antoniterpropst Nikolaus von Lindenstruth. Neben dem Barfüßerkloster, dem Augustinerinnenkloster und einer Tertianerklause besaß Grünberg als wichtigste geistliche Niederlassung das Antoniter- kloster. Es befand sich in dem heute mit dem Namen „Schloß" bezeichneten Gebäude und ist schon vor dem Jahre 1222 gegründet worden. Es war ein sehr reich begütertes Kloster. Die Brüder trugen auch den Namen Töngesherren, der an der Spitze stehende Vorsteher entstammte einem adeligen Geschlechte. Der Grünberger Dappenreiter, 1222. Das älteste Grünberger Wappen befindet sich auf dem Siegel einer Urkunde des Klosters Arnsburg aus dem Jahre 1222. Dieses besteht in einem Schild mit dem thüringisch-hessischen Löwen. Den heute als Stadtwappen fungierenden „Wappenreiter" treffen wir auf Siegeln zwischen 1244 und 1366. Landgraf Hermann nach einer Jagd im Grünberger Ltadlwald, 1386. Hessische Landgrafen haben oft in Grünberg Aufenthalt genommen, in den ältesten Zeiten in der „Burg", späterhin in dem zum „Schloß" gewordenen Antoniterhaus. Neben der Regelung politischer Angelegenheiten war es vor allen Dingen die hohe Jagd, vor allem auf Hirsche und Sauen, die sie hierher führte und der sie in den ausgedehnten Waldungen rings um Grünberg oblagen. Johannes Rhau aus Grünberg, der erste Lulherdrucker, 1516. Luthers erste Schrift „Die deutsche Theologie" vom Jahre 1516, sowie zahlreiche weitere Schriften von ihm sind nach Ausweis der Druckoermerke von einem Johannes Grunenberg (Grunen- bergk) gedruckt. Der Familienname des Druckers „Rhau" weist in unsere Gegend, da in der Zeit zwischen 1494 und 1573 nicht weniger als 6 Grünberger diesen Namen tragen. Bürgermeister Rabe und seine Ralsherren, 1594. Die Geschicke der Stadt im Mittelalter wurde von den Schöffen geleitet. Aus ihren Reihen wurde der Bürgermeister erwählt. Das Amt eines Bürgermeisters wird zum ersten Mal 1341 urkundlich erwähnt. Wohl der bedeutendste, der dieses Amt in unserer Stadt inne gehabt hat, ist Bürgermeister Caspar Rabe. Sein Andenken wird noch heute durch die nach ihm benannte „Rabegasse" festgehalten. Des Landgrafen Witwe Maria von Mansfeld, im Schloß zu Grünberg, ihrem Wohnsitz, 1605. Das im Jahre 1526 aufgehobene Antoniterkloster wurde landgräflicher Besitz und hieß von da ab Schloß. Mehrmals diente es für die Wltwe eines Landgrafen als Witwensitz. So finden wir auch obengenannte Maria von Mansfeld, die zweite Gemahlin Ludwigs IV. von der Marburger Linie, die nach dem Tode ihres Gemahls (1604) im folgenden Jahr das hiesige Schloß als Witwensitz bezieht, da sie Stadt und Amt Grünberg, sowie das benachbarte Schloß Merlau als Wittum erhalten hat. Pfarrer Eervinus mit Detkerfelder Flüchtlingen. 1635. Diese Gruppe erinnert uns an die traurige Zeit des Dreißigjährigen Krieges mit ihren vielfachen Kriegsnöten. Flüchtlinge, Bauern aus dem benachbarten Wetterfeld, geführt von ihrem Pfarrer, einem geborenen Grünberger, suchen hinter den Mauern Grünbergs Schutz. Generalwachtmeister Hartmann Samuel Hoffmann von Löwenfeld als Hauptmann vor Wien, 1683. Als Sohn eines Grünberger Amtmannes hat er sich sowohl in den Türkenkriegen, als auch in den Kriegen gegen den französischen Sonnenkönig Ludwig XIV. einen Namen gemacht. Der Kaiser belohnte seine Verdienste mit der Ernennung zum Generalwachtmeister und der Verleihung des erblichen Adelstandes. Erst 54jährig, starb er infolge von Gift, das ihm wahrscheinlich von Franzosen im Wein beigebracht wurde. Konrad Justus der Kalendermann vom Veitsberg, 1744. Als Sohn eines Grünberger Hutmachers wurde er nach mancherlei Schicksalen Schulmeister aus dem Veitsberg bei Saasen. Durch seine astronomischen und mathematischen Studien erhielt er den Namen „Kalendermann". Bekannt ist er auch durch Glaubrechts Erzählung „Der Kalendermann vom Veitsberg." Leutnant Ebel und Sekondeleutnant Ebel im Heere Napoleons auf dem Rückzug aus Rußland, 1812. Diese Gruppe versetzt uns in die Zeit der tiefsten Erniedrigung unseres Vaterlandes. Deutschlands Söhne kämpften und verbluteten unter fremden Fahnen. Auch aus unserer Stadt hat diese schlimme Zeit schwere Opfer gefordert. Ein Gedenkstein im Brunnental bewahrt die Namen von 22 Grünbergern, die für Napoleons Sache kämpften und dabei den Tod erlitten. Professor Friedrich Gottlieb Welcker bei einer Ausgrabung in Griechenland, 1841. Professur Welcker, als Sohn eines Pfarrers 1784 in Grünberg geboren, ein Zeitgenosse Wilhelms v. Humboldt, dessen Kinder er als Haus, lehrer in Rom unterrichtete, fretrotllrger Jager 1813, wirkte erst in Gießen und später m Bonn als Philologe und Altertumsforscher. Er unternahm größere Forschungsreisen nach den klassischen statten in Griechenland und Klein-Asien. Professor Dr. Koch-Grünberg bei den Indianern Nord-Vrasiliens, 1913. Unser Theo Ko ch, der als Pfarrerssohn hier geboren, auf Wunsch der Eltern Neu-Philologie stu- vieren mußte, folgte später seinem inneren Drange, der ihn schon früh auf das Forschungsgebiet der Jndianerstämme der neuen Welt hinwies. Seine be- sondere Befähigung, mit diesen Naturmenschen um- zugehen, ließ ihn wertvolle Forscherarbeit über Lebensweise, Sitten und Gebräuche der Jndianerstämme im Inneren Brasiliens leisten. Noch im besten Schaffen stehend, raffte ihn ein tückisches Fieber im Alter von 52 Jahren an der Stätte seiner Forschungsarbeiten dahin. Generalleulnanl Steinmetz, Artilleriekommandeur vor Lüttich, Namur und Maubeuge, 1914. Der Name dieses Mannes ist mit den ersten Ruhmestaten der deutschen Armee in den August- und Septembertagen des Jahres 1914 untrennbar verknüpft. General Steinmetz wurde 1860 als Sohn des hiesigen Pfarrers Steinmetz geboren. Er hat als Leiter der Belagerungsartillerie hervorragenden Anteil an der raschen Niederkämpfung dieser drei starken feindlichen Festungen. Leider fand er schon am 15. September an der Marne einen allzufrühen Tod. Auch sein Gedenken wird durch einen Gedenkstein im Brunnental wachgehalten. Finden wir in den historischen Gruppen einen Auszug aus der Geschichte unserer Stadt im Laufe ihres 750jährigen Bestehens, so zeigen uns im An- schluß daran noch eine Anzahl Gruppen die Geschichte der Einigung unseres deutschen Volkes, wie sie von 1813 über 1870/71 und den Weltkrieg zur nationalen Erhebung und Gründung des Dritten Reiches 1933 führt. 750-Jahrfeier der Stadt Grünberg! Samstag, den 27. Juni, 20 Uhr, in der Turnhalle: Festakt (Ansprachen, geschichtlicher Festvortrag, lebende Bilder mit 120 Darstellern in historischen Kostümen unter Musik- und Chorbegleitung. Sonntag, den 28. Juni, 13.15 Uhr, auf dem Marktplatz: Großkundgebung mit Gauleiter Sprenger. — 14.30 Uhr: Großer historischer Festzug mit allein 18 Gruppen (150 Darstellern) in historischen Kostümen. Anschließend auf dem Festplatz Volksfest bei Tanz- und oberbayrischer Stimmungsmusik. — 20.30 Uhr in der Turnhalle: Wiederholung der lebenden Bilder des Festaktes. — 22.45 Uhr: Großes Feuerwerk. Montag, den 29. Juni, 10 Uhr: Konzert der Stimmungskapelle im Festzelt — 14 Uhr: Jugend- und Volksfest. Reichsbahn-Sonderdienst: Sonntagskarten im Umkreis von 75 km, verstärkte Züge aus allen Richtungen. Sonntag, 24 Uhr: Sonderzug in Richtung Gießen. zssev Reichspost-Sonderdienst: Omnibusverbindung mit Laubach und Decken hach (Her- und Rückfahrt), utid in Richtung Mücke nach Bedarf. IBIEIRGSCHIE1NKIE Sonntag, den 21. Juni, von 16 —19 Uhr: Großes Militär-Konzert Ausgef. vom Musikkorps MG.-Batl. 2 unter Musikleiter Feldwebel Nickel Eintritt 30 Pfennig Militär 20 Pfennig 02815 Bad?Nauheimer Woche 1936 21. bis 28. Juni Sonntag, den 21. Juni: Der Tag des Volksliedes. 1000 Sänger singen z. T. nachmittags 49/4 Uhr auf der Kurhaus-Terrasse im Rahmen eines Konzertes des Kurorchesters und nachmittags 67. Uhr auf dem Johannisberg. Abends 9 Uhr im Sprudelhof: „Das deutsche Lied in vier Jahrhunderten.“ Montag, den 22. Juni: Kudi-Stephan-Fcier (1887-1915). Kammermusik-Abend im kleinen Bühnensaal d.Kurhauses. Mitwirkende: Henny Trundt(Sopran), Ernst Fleischhauer (Bariton), Lenzewski- Quartett, Heinz Schroeter (Klavier), Dr. Karl Holl (Ansprache und Klavier). w Dienstag, den 23. Juni: Bluinen-Tag. Jeder Gast und Einwohner trägt eine Blume. Prämiierung des schönsten Blumenschmuckes in Vorgärten, Balkons und Hausfronten. Abends bei ein tretender Dunkelheit: Illumination des Kurparkes. Mittwoch, den 24. Juni: Oper und Ballett im Rokoko abends 8*/«Uhr im kleinen Bühnensaal des Kurhauses: ,,La Servapadrona“ (Die Magd als Herrin). Komische Oper in 2 Akten von Giovanni Pergolese mit Kammersänger Theo Herrmann iStaatstheater Hambg.) und Ingeborg Burmester (Hambg.X „Eine kleine Nacht- Tnusik“ von W. Ä. Mozart. Ballett d. Landestheaters Darmstadt. Donnerstag, 25. Jnni: Konzert des Musikkorps mit Spielmannszug der Leibstandarte „Adolf Hitler“, nachmittags 4—6 Uhr und abends 8-10 Uhr auf der Kurhaus-Terrasse. Freitag, den 26. Jnni: Bad-Nauheim in Licht. Bei beginnender Dunkelheit werden alle besonderen Merkmale und Gebäude in hellstem Licht erstrahlen. Auf der Kurhaus -Terrasse, abends 8 Uhr: Doppelkonzert. Samstag, den 27. Jnni: Bad -Nauheimer Rosen - Fest. Abends 87a Uhr, im Rahmen eines Balles im großen Bühnensaal des Kurhauses wählt das Publikum die „Rosenkönigin von Bad- Nauheim 1936“. Sonntag, den 28. Jnni: Salzgrafentag (Fest der Salssöder um 1750). Nähere Auskunft durch die Kur verwaltung Bad-Nauheim. 3962d Herzliche Eieladnng zum Mssioflsiesl der Lute-Gemeinde am Sonntag, den 21 Jnni, um 14/z Uhr, auf dem Schiffenberg. Anmeldung zur Sonderfahrt (14 Uhr ab Ludwigsplatz) i. Pfarr- baus, Ludwigsplah 2.______ Familien-Genealogie Rumpf Oberhessen Hr. Rumpf, Fabrikant in Zürich, sucht in Oberhessen Familien Rumpf, deren Vorfahren ums Jahr 1700 herum in Leihgestern ansässig waren. Er interessiert sich vor allem um solche, die ums Jahr 1750 von Leihgestern nach Friedberg verzogen. — Bitte etwaige Auskunft per Karte an Professor Dr. Kraemer, Bad-Nauheim, Hitlerstr. 11, zu senden. 3955V Am Montag, dem 22. Juni abends 20 c. t. spricht auf Einladung des Englischen Seminars und der Auslandstelle der Universität Im Hörsaal des Kunstwissenschaftlichen Instituts (Lud- wigstraße 34) der Germanist der Londoner Universität 3951D Professor L. A. Willoughby in englischer Sprache über Wordsworth and Goleridge in Germany. Eintritt frei. Gäste willkommen. THÜRINGER HOF Hammstraße 7 UM- Heute TAXNZ t Ihre Vermählung zeigen an Asterweg 1 3945p Ihre Vermählung geben bekannt Bahnhofstraße 34 02845 3959D Sommerveranda Bei dieser Hitze sind otwifmg TANZ 3989Ö Es ladet ein Franz Rathenow. f, Pren RM I JO i* ApolKeL «. Oo^. /S • ■ /V'ob« Herme«. München. Güllitr 7 WlUlCft mit Lezithin Or. med. vet. Walter Loh und Frau Margret, geb. Göh Gießen, den 21. Juni 1936. Med. Delerinärklinlk Helmut Schneider Emmy Schneider, geb. Schmidt Gießen, den 21. Funi 1936. Mühlstraße 8 Rheingold Samstag, «len 2V. Jnni 1936 Sommerfest Fe- tliche Räume — Quid, und Dr. Ernst Eichten Frühttückikräutertee - lu^ine^uelle WIESECK Sonntag, den 21. Juni 1936 •TANZ• »Zum kühlen Grund« Adolf Schepers 3947D •Ibil aber komm! des nicht, denn die Nerven 1 ’«9»über genügend aulgerieben. Aber Quid Lezithin erweckt die Lebensgeister, stellt die Spenn. I wieder her und wirkt uverlessig ,hne auhupul- en. Quick, der wissenschaftliche AulbausloH für 1 und Nerven, unschädlich für die Organe, aber belebend lur Körper und Geist Versuchen auch Sie LMWIgShAW bei Wieseck Sonntag, den 21. Juni 1936 L«; im Grünen und im Saal Anfang 4 Uhr 3942D Gasthaus „Zur deutschen Eiche“ Klein-Linden Obltlafte ein köstliches und gesundes Erfrischungsgetränk. Lorcher Traubensaft... Fl. -.95 Ingelh. Traubensaft, rot Fl. 1.15 Niersteiner Traubensaft Fl. 1.25 Apfelsaft (feines Aroma) Fl. -.75 Machen Sie mal einen Versuch bei Drogerie Elges __________Seltersweg 66. 3976A Ar vKvuc cutPete uuifie juS Kochen heute leichter ... als vor 750 Jahren! Nicht nur, weil die Hausfrau heute mit Kohle und Elektrizität kochen kann, nein, heute besitzt sie viel mehr als vor 750 Jahren. Denken Sie an Kartoffeln, an Reis, an Teigwaren, an Konserven, denken Sie an Kaffee, Kakao,Tee, all das kannte die Hausfrau damals nicht. Und noch ein weiterer Vorzug heute gegenüber ,üer guten alten Jett": Heute hat die Hausfrau Schott, d. h. sie hat eine denkbar günstige Bezugsquelle für Lebensmittel aller Art Schott ist das moderne Lebensmittelgeschäft, das in Grünberg und Umgebung den sparsamen Hausfrauen hilft, mit wenig Wirtschaftsgeld viel und gut zu kochen. Schott Grünberg, Londorf, Ettingshausen, Saasen, Beuern, Nieder-Ohmen, Rüddingshausen ----- --- 3984D ♦ Dachziegel aller Art Dach- und Isolierpappe liefert prompt und billigst B. Blatters Sohn Toi. 3144 233sO Frankfurt. Str. 19 Mtthlstraße 18. Hotel Hessischer Hof,Grünberg Fließendes Wasser Zentralheizung — Garage Eigene Metzgerei Bekanntes Reisehotel — ______3990 D AUSFLUGSORT BADENBURG Samstag Sonnenwendfeier 39610 Sonntag ab 15 Uhr KONZERT Leibniz-Keks für Wiederverkäufer •» ERNST MUTH Ludwigstraße Nr. 42 Das Haus öei Wei Schuhe Sumans Bonn» Mn« ■------E Nr. 142 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Samstag, 20. Juni 1036 Aus der Provinzialhauptstadt. Sommersinfonie! Nun hat der Sommer doch noch in das Land gefunden. Um die Mittagszeit flammt die Sonne wie ein goldenes Feuer über der Stadt. Der Verkehrslärm klingt verhaltener, und in den Anlagen brütet die Stille. Im Schatten der Bäume hält ein Eiswagen. Seine farbige Aufschrift leuchtet wie ein grelles Plakat. Die Stadt hat ein eigenes Gesicht in diesen Sommertagen. Hell und luftig sind die Kleider der Frauen. Beschwingt ist ihr Gang und in ihren Augen liegt ein verträumtes Sinnen. Die nüchternen Straßenzeilen schmücken sich mit bunten Klecksen: Blumen blühen am Fensterbord. In den Vor- ?ärten sprießt dunkles Grün, und auf den abgezir- elten Wegen blitzen die Kiesel wie lauter Silber. Die große Sommersinfonie schwingt in hellen Akkorden. ** * Dor der Stadt sind tausend farbige Lichter angezündet. Die Landschaft prangt im Kleide der Lust und der Wind, der über die Halme streicht, hat etwas von der Schwere und Süßigkeit des Weins. Weite Bezirke der Schönheit haben sich aufgetan und mir wandeln in freien Stunden darin wie in paradiesischen Gärten. Vogelgezwitscher erfüllt die Luft, bunte Fliegen fiedeln und schwirren und zarte Falter haschen einander im frohen Liebesspiel. Die Liebe ist auf die Erde gekommen wie ein gnadenreiches Geschenk. Um jedes Blatt, um jeden Grashalm spannt sie ihre goldenen Brücken. * Ganz im stillen reifen die Felder. Die Kraft der Sonne vollbringt geheime Wunderwerke, welche ihr Feuer sacht entzündet und der Reife entgegenführt. Hoch stehen die Halme, und zwischen ihnen brennt Klatschmohn wie eine Freude. An den Apfelbäumen runden sich die Früchte. Am Feldrain verwehen die Samen des Löwenzahns und im Schatten der Hecken beugen sich auf saftig schweren Stengeln die weißen Dolden der Schafgarbe. Sommer hält das Land gefangen. * Das Lied der Jahreszeit klingt weit durchs Land. Es hallt im sonntäglichen Glockenton und jubelt im Murmeln des Wiesenbaches. H. W. Sch. Bornotizen. Tageskalender für Samstag. Gloria-Palast, Seltersweg: „Flitterwochen". — Lichtspielhaus, Bahnhofstr.: „Ich liebe alle Frauen". — Oberhessischer Kunstverein: Ausstellung „Frauenbildnis mit Schmuck" 16 bis 19 Uhr im Foyer des Stadttheaters. Tageskalender für Sonntag. Gloria-Palast, Seltersweg: „Flitterwochen". — Lichtspielhaus, Bahnhofstr.: „Ich liebe alle Frauen". — Oberhessischer Kunstverein: 11 bis 13 Uhr und 16 bis 19 Uhr, Ausstellung „Frauenbildnis mit Schmuck" im Foyer des Stadttheaters. — Obstund Gartenbauverein Gießen: 9 Uhr an der Persiluhr zum Garten-Rundgang. — 14.30 Uhr, Missionsfest der Luthergemeinde auf dem Schiffenberg. — 16 bis 19 Uhr, Militärkonzert auf der Bergschenke vom Musikkorps des MG.-Bataillons. Missionsfest der Luthergemeinde. Die Luthergemeinde weist nochmals auf ihr diesjähriges Missionsfest hin und lädt dazu ein. Pfarrer K. G. Steck, Dozent am Predigerseminar der bekennenden Kirche in Frankfurt a. M. spricht über den missionarischen Auftrag der Kirche. Schon vormittags um 10.45 Uhr erzählt er in der Kapelle des Alten Friedhofs im Missionsgottesdienst der Kinderkirche von der Arbeit in Neu-Guinea, wozu alle Kinder der Gemeinde herzlich eingeladen sind. Auf dem Schiffenberg wird der Kirchenchor im Wechsel mit der Gemeinde fingen und gemeinsam mit ihr das alte Liedgut der evangelischen Kirche erarbeiten und zum Erklingen bringen. Neben Instrumentalmusik und anderen Darbietungen werden Gießener Theologie-Studenten ein eigenartiges Apostelspiel von Max Mell aufführen. (Siehe heutige Anzeige.) LandschastsbundÄolkstum undHeimat. Morgen, Sonntag, 21. Juni, um 11.30 Uhr, Auszeichnung der in Gießen noch vorhandenen Kriegspferde durch das Fachamt „Tierschutz" m der Universitäts-Reitbahn am Brandplatz. Alle Tierfreunde sind willkommen. Oberbürgermeister Witter zum Leiter des Landesfremdenverkehrsverbandes Mein Main ernannt. Die presse stelle der Stadtverwaltung teilt mit: 3n diesen Tagen wurde die Leitung des Landesfremdenverkehrsverbandes Rhein-Main neu beseht, und zwar wurde diese Stelle dem Oberbürgermeister unserer Stadt Ritter mit folgendem Schreiben übertragen: 3m Rainen des Reiches! Auf Grund des § 5 des Gesetzes über den Reichsfremdenverkehrsverband (RGB. I S. 271) ernenne ich entsprechend dem Vorschlag des Herrn Reichsstatthalters von Hessen Herrn Oberbürgermeister Ritter zum Leiter des Landesfremdenverkehrsverbandes Rhein-Main, worüber diese vorläufige Urkunde erstellt wird. Berlin, den 13. 3uni 1936. (Gez.) Lsser. Polizeibericht. Die Kriminalpolizei Gießen teilt mit: Am 7. Juni näherte sich ein Unbekannter zwei Schülerinnen gegen 19 Uhr auf der Straße Groß- Karben—Kloppenheim und gegen 20 Uhr einer Frau auf der Straße Klein-Karben—Rente! in äußerst unsittlicher Weise. Bei der Flucht im ersteren Falle soll sich der Täter einen schwarzen Bart angemacht haben. Beschreibung des Mannes: etwa 25 bis 35 Jahre alt, schlank, ovales Gesicht, schwarzes Haar, bartlos, trug Brille und sprach schriftdeutsch. Kleidung: Braune Halbschuhe, Sportstrümpfe mit Streifen, schwarzes Polohemd, dunkelgrünen Umhang. Der Täter führte ein fast neues Damenfahrrad mit sich, an bessern Lenker ein Rucksack und auf dem Gepäckträger anscheinend ein brauner Umhang befestigt war. Um Mitfahndung und Mitteilung an nächste Polizeibehörde wird ersucht. "Radfahrwege muffen benutzt werden! Der Reichs-und PreußifcheVerkehrs- minimer weist in einem Erlaß im Reichsverkehrsblatt B Nr. 22 darauf hin, daß vorhandene Radfahrwege von den Radfahrern benutzt werden müssen. Das gilt auch da, wo nur e i n Radfahrweg vorhanden ist; er dient dem Radfahr- verkehr in beiden Richtungen. Nicht erhöhte Seitenstreifen (Bankette) neben der Fahrbahn außerhalb geschlossener Ortsteile stehen dem Radfahrverkehr offen, soweit der Fußgängerverkehr nicht behindert wird. Ist nur ein Seitenstreifen (Bankett), also nur in einer Fahrtrichtung vorhanden, so darf er auch f ü r b i e Gegenrichtung benutzt werben, wenn ber Zustand ber Fahrbahn selbst ihre Benutzung in bieser Richtung erheblich erschwert. Aufruf der Obergousührerin Else Riese zum Zugendfest. Mäbel, Jungmäbel, es geht um bie Ehren- urfunbe bes Führers. Am Samstag unb Sonntag steigen im ganzen Reich bie Ausscheibungskämpfe ber beutschen Jugenb. Ihr alle habt fleißig bazu geübt, unb jebes Mäbel unb Jungmäbel wirb sich bemühen, in ihrer Schaft bie Beste zu sein. Wie im vergangenen Jahr bekommen bie besten Mäbel unb Jungmäbel bie silberne Nabel, unb jebes Mäbel unb Jungmäbel wirb sich anstrengen, bie meisten Punkte zu haben. Mäbel, Jungmäbel, ber Führer tjat für bie beste Mäbel- unb Jungmäbel- schaft in unserem Obergau eine Ehrenurkunbe gestiftet. Welche Mäbel- unb welche Jungmäbelschaft wirb sie erwerben? Heil Hitler! Else Riese, Obergauführerin. Warum Sozialarbeit in der 63? Am vergangenen Sonntag hatte ber Bann 116 sämtliche Mitarbeiter ber Sozialstelle zu einer Arbeitstagung im hiesigen Stubentenheim befohlen, um den vielen neuhinzugekommenen Jungens unb Mäbels Sinn, Zweck unb Bebeutung ber grunbjätz- lichen Fragen in ber Sozialarbeit vertraut zu machen. Der Leiter ber Sozialstelle eröffnete bie Tagung unb führte u. a. aus, baß bie restlose Lösung ber sozialen Frage nur möglich sei burch Zusammenfassung unb kamerabschaftliche Zusammenarbeit bes ganzen Volkes. Sache ber Hitler-Jugenb sei es, entstandene Schöben an ber Jugenb, bie leiber viel zu früh bie Not ber Zeit zu spüren bekam, zu beseitigen bzw. gemeinsam zu tragen. Gleichzeitig f)abe jeber burch Steigerung ber Leistung feiner Arbeit mitzuhelfen am Wieberaufstieg unseres Volkes. Die Hitlerjugenb habe sich jeberzeit um biese Belange zu kümmern und schon frühzeitig bas erhebenbe Gefühl, einem Kameraben zu helfen, ben jungen Menschen einzuhämmern. Daß eine restlose Lösung nur in Zusammenarbeit aller Stellen möglich ist, ging klar aus ben Ausführungen bes Berufsberaters bes Arbeitsamtes Gießen hervor, ber ebenfalls ber S.-Stelle angehört. Er schilberte bie Schwierigkeiten ber Unterbringung ber schulentlassenen Jugend in „geeignete Lehrstellen". Mangelnde Leitung der Jugend habe dazu geführt, daß nur noch Berufe erstrebt werden mit möglichst „sauberer" Arbeit, z. B. wollte plötz- Jm Gießener Anzeiger vom 22. Mai 1936 ist auf bie unserem Mitbürger Louis Frech wiberfahrene Ehrung aufmerksam gemacht worben, bie barin besteht, baß ihn bie Stabt wegen seiner Ver - bien st e um bie Erforschung ihrer Geschichte von bem Kunstmaler Hans Hagenauer in Lebensgröße (Brustbilb) hat porträtieren lassen. Das Bild soll in bem bemnächst entstehenben städtischen Museum auf ber Liebigshöhe zusammen mit anberen seinen Platz finben. Wenn jemanbem eine berartige Auszeichnung zuteil wirb, muß schon ein triftiger Grunb bazu vorliegen. Es sei mir baher, als einem langjährigen Freunb Frechs unb genauen Kenner seines Werbeganges gestattet, an bieser Stelle einen Abriß aus bem Leben unb Wirken eines ber treuesten Söhne seiner Vaterstadt zu geben. Louis Frech wurde als Sohn des Kaufmanns Hch. Frech und dessen Ehefrau, einer geb. Pugge, am 24. Oktober 1858 in dem schönen großelterlichen Fachwerkhause am Kreuzplatz-Neuenweg zu Gießen geboren. Er gehört einem alten Geschlecht an, das, als in Gießen ansässig, bis zum Jahre 1559 nachweisbar ist. Seine früheste Jugend verlebte er auf dem „Kreuz" (Kreuzplatz), bas ber Tummelplatz zahlreicher Jungen war, bereu Angehörige ihre Wohnung in ben umliegenden Häusern hatten. Im „Sonntagsgruß" hat Frech in eingehenben Schilberungen nicht nur bas Tun unb Treiben ber „Kreuzer Buben" geschilbert, sondern auch wertvolle Einblicke in bie Lebensweise unb Gepflogenheiten ber Gießener Bürger unb in bie mehr als primitiven hygienischen Verhältnisse ber Stadt gegeben, von denen sich die heutige Generation kaum einen Begriff machen kann. Waren doch zur Zeit seiner Geburt kaum 50 Jahre seit der Schleifung der Festungswälle vergangen, und außerhalb der an ihrer Stelle entstandenen Anlagen (den Schoren) kaum ein Dutzend Häuser errichtet worden, so daß sich Handel und Wandel in den alten, engen und schmutzigen Gassen und Straßen und in ben altmodischen unb eingepferchten Häusern mit ihren beschränkten Räumen, wie ehebem, abwickelte. Diese Schilberungen sinb für bie Geschichte ber Stabt um so wertvoller, als sie bie einzigen dieser Art aus Gießens Vergangenheit bilden. Aus ihnen spricht nicht nur eine gute Beobachtungsgabe, sondern auch die große Liebe bes Verfassers zu seiner Vaterstabt, unb es mutet ben Leser geradezu feierlich an, wenn er z. B. bie Wiebergabe ber kinb- lichen Einbrücke um bie Weihnachtszeit liest. Alter Brauch in ber Familie, längstvergessene Spiele ber Jugenb auf ber Straße unb bie einfache hausbackene Lebensweise ber Gießener mit allem, was brum unb bran hing, sinb genau so, wie sie ber Junge erlebt hat, in treuherziger Weise geschilbert. weitere solche Aussätze von Frech sind: „Alt-Gießen", Erinnerungen aus meiner Jugendzeit: „Vom Bahnhof bis zum Selterstor"; „Das alte Stabt- tbeater"; „Das Haus Sonnenstraße Nr. 32"; „Das Fürftenbrünnchen", ein Streifzug durch die Gießener Trinkwafferverhältniffe in alter Zeit"; „Die Gie- lich jeder Kaufmann ufw. werden! Jeder Beruf fei es wert, ergriffen zu werden, denn nur so bestehe die Möglichkeit, sämtliche schulentlassenen Jll» gendlichen unterzubringen. Der aus Wiesbaden erschienene stellvertretende Sozialabteilungsleiter verstand es besonders gut, bie Jungens unb Mäbels zu interessieren, so baß seine Ausführungen über grundsätzliche Richtlinien ihrer Arbeit mit großer Aufmerksamkeit verfolgt wurden. Er betonte besonders, daß es unbedingte Pflicht ber Sozialwarte fei, bie anoertrauten Jungen unb Mäbel in jeber Hinsicht zu betreuen. Schwierigkeiten zu beseitigen, bei ber Beschaffung von geeigneten Lehrstellen zu helfen, Erholungsplätze unb Urlaub zu beschaffen, alles in engster Fühlungnahme unb Zusammenarbeit mit bem Elternhaus ist bie große Aufgabe ber Sozialarbeit in ber HI. Nach bem gemeinsamen Mittagessen gab ber anroefenbe Rechtsstellenleiter bes Bannes u. a. einen Ueberblick über bie Eommenbe rechtliche Entwicklung ber Jugenbarbeit, ihre Bebeutungen unb Forderungen. Nach einer regen Aussprache über alle aufgetauchten Fragen endete bie Tagung mit bem Gruß an ben Führer unb bem Fahnenlieb ber HI. ßener Bürgergarbe 1848"; „Der Heuchelheimer Brand 1866"; „Der Nahrungsberg und feine Geheimnisse". Der feine Humor, ber Frech eigen, spricht be- fonbers aus folgenben Aussätzen: „Die Leiter"; „Seine Durchlaucht ber Graf von Lichtenfelbe"; „Am Lügentisch Ins Lotze"; „Ein bunfles Erlebnis am Anfang ber 80er Jahre"; „Die Danbe in Frankfurt"; „Erinnerungen an Fritz Kühn"; „Die Spatzejagb", „Die Kracheburg" ufw Seine Vorbilbung für bie Realschule erhielt Frech in ber Privatschule von Karl Fran-z, benn staatliche Vorschulen kannte man bamols noch nicht. Was alles in ihr passierte vom Abc bis zum Latein, hat Frech ausführlich im „Sonntagsgruß" in liebenswürdiger und humorvoller Weife geschildert. Obwohl man Frech nicht gerade einen braven Buben nennen konnte, waren ihm doch alle Lehrer gewogen, namentlich aber Professor Buchner, der in dem Jungen eine besondere Liebe zu den von ihm gelehrten Fächern Botanik, Zoologie, Mineralogie, Geologie und Chemie entdeckte; ber auch einen Scherz ertragen konnte. Schon bamals zeigten sich bei bem zu allen Lumpenstreichen stets bereiten Jungen bie Anfänge unb Anlagen zum Verse- machen. Die Poeterei hat Frech fortgesetzt bis auf ben heutigen Tag. Nach beftanbenem Schulexamen war fein Wunsch, Chemie zu ftubieren. Das Schicksal machte ihm aber einen Strich burch bie Rechnung, er würbe krank. Das Einjährigen-Jahr machte er barum erst im 23. Lebensjahre ab unb würbe bann Kaufmann. 48 Jahre lang betätigte sich Frech in einer Gießener Firma als erster Prokurist, Kassierer unb Korresponbent, auch in fremben Sprachen; leiber hat ihn ber Zusammenbruch ber Gesellschaft um bie reblich oerbienten Früchte seiner Arbeit gebracht unb ihm nicht ben versprochenen ungetrübten unb sorgenfreien Lebensabend bereitet. Frech sind im Laufe der Jahre viele Ehrungen zuteil geworden. Er ist Ehrenmitglied einer Reihe von Vereinigungen, Inhaber von Ehrenzeichen der Deutschen Turnerschaft, der Gießener Rudergesellschaft unb anberen mehr. In einer Versammlung von etwa 1000 Fünfzigern würbe Frech vor brei Jahren zum Ehrenvorsitzenben sämtlicher 50er Vereinigungen einstimmig ernannt. Eine Sammlung ber von Louis Frech verfaßten stimmungsvollen Lieber, zu benen er auch stets bie passenbe Melodie zu finben wußte, ist in Buchform vor Jahren erschienen. Daß sich Frech auch auf bem Gebiet ber Malerei mit großem Erfolg betätigt hat, ist bekannt. Mögen bem nunmehr 78jährigen, immer jugendlich frischen und in allen Kreisen der Bürgerschaft beliebten unb hochgeachteten Mitbürger noch viele Jahre glücklichen Lebens unb Wirkens befchieben fein. O. B. Louis Frech und die Geschichte der Stadt Gießen Verfluchtes Gold! Vornan von I. Schneider-Foerstl. Urheberrecht: Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa. 4. Fortsetzung. Nachdruck verboten! Rolf lachte, holte fein Fahrrad aus dem Schuppen und pumpte die Reifen auf. Vor dem Haufe stehend, sahen die Frauen ihm nach, wandten bann die Gesichter einanber zu unb lasen sich gegenseitig die Sorae aus ben Augen. „Es wirb ihm nichts zustoßen , tröstete Frau Steffen unb nahm bie kühlen Mäbchenfinger zwischen bie ihren. „Er ist sehr ruhig unb bebacht, mein großer Bub. Ich zeige Ihnen nun noch bie anberen Räume, Fräulein Terry, obwohl es eigentlich nicht viel zu sehen gibt bei mir." Seite an Seite gingen sie ins Haus zurück. Heber ihnen glänzten hell unb frieblich bie ersten Sterne. * Der weitläufige Gebäubekomplex ber Dyfoltwerke war grell erleuchtet. In ber großen Halle waren bie Kleiberstänber von Hüten unb Mänteln überfüllt. Immer roieber kam noch einer ber Aktionäre, ließ sich vom Diener bie Garberobe abnehmen, unb schritt bann, je nach Art unb Temperament rasch ober bebächtig, bie läuferbelegte Treppe zum ersten Stock hinauf. „Hören Sie nur", roanbte sich Kommerzienrat An- solt an ben hageren Herrn, ber neben ihm bie Stufen nahm. Von oben kam Gewirr von Stimmen, aus bem nur ab zu ein verstänbliches Wort herausklang. „Glauben Sie überhaupt noch, baß die Werke zu halten sinb? — Jöa haben wir uns eine schöne Suppe eingebrockt." Die Antwort beftanb in einem Achselzucken, bas von einem Räuspern begleitet war. Hinter ihnen kam ein bicker, asthmatischer Mann heraufgekeucht trocknete mit seinem Taschentuch bie Stirne unb ließ es bann wie eine Fahne über sein Gesuyt wehen. „Abenb, meine Herren! — Saubere Geschichten, was? — Ein nettes Sümmchen, bas Da im Feuer steht. — Schöne Wirtschaft bas! Unb davon erfährt man nichts! Kein Sterbenswort erfährt man bavon. Alles Machenschaften ber Herren Löwenfelb unb Terry. — Aufsichtsratssitzung, benfe ich mir, jetzt mitten im Vierteljahr! Da tut sich was!" Es kann Ihnen boch nicht ganz unbekannt geblieben fein," fiel ihm ber schlanke Herr ins Wort unb suchte bem asthmatischen Atem auszuweichen. „Unbekannt! Ha! — Unbekannt sagen Sie! Skan- balös ist bas! Kauft biefer Terry einfach barauf los! Häuser, Grunbstücke, Baugelände, Geschäftsanteile von Firmen, von denen es bie Spatzen fchon pfeifen, baß sie am Abfaulen sinb. — Wo hat er benn feine Augen gehabt unb feine Ohren? — Wo denn, frag ich Sie? — Unb warum hat ihm benn niemanb auf bie Finger gesehen? Gar keiner, ber ihm Einhalt geboten unb ihm bas Hanbwerk gelegt hat." „Wir haben boch alle bavon gewußt", sagte Kommerzienrat Ansolt. Man kann boch jetzt bem Terry nicht einfach vorwerfen, wir hätten keine Ahnung bavon gehabt. Das ist boch gerabezu lächerlich!" „So? Lächerlich ist bas! Lächerlich! Das Lachen wirb Ihnen schon noch vergehen! Unb uns auch!" Das große Taschentuch trat roieber* * in Tätigkeit. „Sie werben Augen machen, wenn bie Passiven herauskommen! — Morgen können mir Stiefel putzen gehen, meine Herren, unb meine Sohne werben ben Leuten in ben Hinterhöfen etwas Vorsingen." „Na, so schlimm wirb es nicht sein", meinte Dr. Singer, ber als letzter ben breiten Vorplatz bes ersten Stockes betrat. „Wenn wir alle so außer Ranb unb Banb wären, wie Sie, müßte sich jeber von uns glatt weg eine Kugel burch ben Kopf jagen." „Müßten mir auch! Jawohl! Müßten wir. Sie haben eben keine Familie, Doktor, für bie Sie sorgen müssen." Der Asthmatiker fiel erschöpft m einen ber Leberstühle, bie bereitgefteüt waren unb winkte um ein Glas Wasser zu bestellen. „Sie sollten etwas für Ihre Gesunbheit tun," meinte Dr. Singer, ber ein kleines Mitleib, mit bem Keuchenben verspürte. „Sie können sich s boch leisten." , ,, o , „Jawohl! Als Aktionär einer solchen Firma! Ich bin froh, wenn ich morgen noch eine Knackwurst zu essen habe. Unb Sie benfen wahrscheinlich an Ma- rienbab." „$abe ich gebacht, ja!" Dr. Singer roanbte ihm schroff ben Rücken unb trat burch bie Flügeltür, bie ein Bebienter offenhilt. Stimmengewirr schallte ihm entgegen. Eine Welle von rauch- unb hitzegeschwängerter Luit strömte auf ihn zu. „Macht boch bie Fenster auf!" rief er einem Bebienten zu, ber Limonabe unb Selters hereinbrachte. „Die Herren wünschen es nicht", war bie höfliche Erwiberung. „Na, bann nur immer erstickt in bem Trubel!" Dr. Singer knifft ben Munb zusammen unb ging nach einem ber hochlehnigen Stühle, von benen nur noch wenige frei waren. Ohne baß jemand Notiz von ihm nahm, setzte er sich. Das Bild hier glich bem einer Börse. Man hatte sich schon bis zum Siebepunkt erhitzt. Hänbe flogen krachenb auf ben Tisch. Lachen klang auf. Scharfe Worte, bie eine Explosion in Aussicht stellten, schwirrten über bie lange Tafel hin. Das war ber richtige Boben für ben bicken Asthmatiker braufeen. Er brauchte nur noch hereinzukommen, bann würben bie eineinhalb Millionen Passiven zum Ruin. Dr. Singer sah nach Kommerzienrat Terry hinüber. Armer Kerl! Der war nun ber Sünbenbock für alle Fehlschläge, bie ben Konzern getroffen hatten. Ein bißchen mit Schulb war er ja schon. Man mußte bei allen Transaktionen auch etwas Gefühl für bie Zeit in ben Fingerspitzen haben. Unb bie Zeit begann einen großen Wanbel zu schaffen, ftanb im Begriffe, alles, was unsauber war, wegzuschroemmen, alles auf Lug unb Trug gestellte zu stürzen, war barauf bebacht, roieber ge- funbe Verhältnisse zu schaffen unb Treu unb Glauben, bie längst in bie Brüche gegangen waren, roieber aufzurichten Wer einigermaßen Sinn unb Blick bafür hatte, mußte bas vorausgesehen haben unb sich freuen, baß bas nun enblich eintraf, wonach bas Sehnen bes Volkes ging. Freilich nicht ohne Opfer. Unb bie waren jeweils verschieben groß. Für bie Dyfoltwerke insbefonbere. Aber ber bicke Amselmann nahm bie Sache jeben- falls tragischer als tragisch. Man brauchte ihm nur einen Hammer in bie Hanb zu geben, zerschlug er bas ganze Gebäube. Es war schrecklich, solche Männer als Mitaktionäre zu haben. Eben roanben sich Amselmanns zweieinhalb Zentner durch die Tür. Man sollte ihn eigentlich gar nicht hereinlassen, erwog Singer. Er erhitzte sich womöglich bis zur Weißglut. Ein kleiner Schlaganfall, unb Terry hatte auch bas noch auf bem Gewissen. Dessen Gestalt hob sich eben aus bem Stuhl. Ein Diener hatte ihm etwas zugeflüstert. „Ich bitte bie Herren um einen Augenblick Gebulb." Damit ging er nach ber Telephonzelle im Nebenraum. „Wie, mein Herr?" fragte er in ben Apparat. „Ach so, meine Tochter ist in Klein-Ellbach unb bleibt zur Nacht bei Ihrer Frau Mutter. Das ist sehr liebens- roürbig, mein Herr! Ich banke Ihnen vielmals. Grüßen Sie, bitte, meine Tochter unb sagen Sie ihr, sie möchte nicht zu lange wegbleiben. — Noch einmal herzlichen Dank!" „Schluß", sagte bas Fräulein in ber Zentrale. Als Terry roieber in ben Saal zurückkam, schwankte er für einen Augenblick. Dann hatte er sich roieber in ber Gewalt. Wenigstens um Maria brauchte er sich jetzt nicht mehr zu sorgen, fonbern konnte seine ganze Aufmerksamkeit auf bas anbere richten, bas ebenso gut Hoffnung wie Ruin bedeuten konnte. — Schon eher Ruin, bachte er, vom Lärm ber Stimmen umbranbet. Amselmanns grelles Organ, bas fo schlecht zu seinem massigen Körper paßte, beherrschte jetzt bie Lage. Die eineinhalb Millionen Passiven mögen zehnmal so schwer, als sie noch vor einer Stunbe gewogen hatten, unb es war bas schon genug gewesen. „Wozu auch nach Hayens unb Kräling hineinfressen, wenn wir so schon zu würgen hatten?" schrie er über die Tafel hin. „Jede Katze hat gewußt, wie es um sie steht! Jede Scheuerfrau hätte Auskunft über sie geben können. Nur wir haben ben Braten nicht gerochen, ober nicht riechen wollen, obwohl er weiß Gott schon kilometerweit gestunken hat. Jetzt haben roir’s! Jetzt sitzt uns ber Knochen in ber Kehle unb geht nicht 'rauf mehr und nicht'runter. Und wir werben bran ersticken? Jawohl! Das werben mir. Ober wissen Sie vielleicht, wie man ihn am Enbe noch herausbringen kann, Herr Generalbirektor." Terrys Gesicht war grau, unb bie kaum verharschte Schramme leuchtete. „Sie müssen die Um- stänbe berücksichtigen, Herr Amselmanns „Ha, bie Umstände! — Alles bie Umstände! Dann müßte es allen anberen auch so gehen." l Fortsetzung folgt!) Bitte, keine Voreingenommenheit! ZdR. ,LLas, deutsches Gemüse"?! sagt Frau Schulze zu der Äprtäuferin im Gemüseladen, „das nehme ich nicht, das ist sicher schlecht. Und woher stammen die Erdbeeren? Aus Baden? Nun, da lie- (jen sicher wieder die guten obenauf und unten die chlechten, wie wir es sa bei der deutschen Ware chon kennen!" — Und so wie Frau Schulze, so den- ken leider heute noch immer zu viele deutsche Hausfrauen. Sie zehren von den Erinnerungen an frühere, vergangene Zeiten, als es wohl vorgekommen fein mag, daß die ausländische Ware besser als die deutsche war. Aber heute ist diese Voreingenommenheit wirklich unbegründet. Deutsches Obst.ist nicht nur ebenso gut, sondern in Geschmack und Frische ost sogar besser als das ausländische, das — häufig unreif geerntet — ohne Sonne während des Transports reift. Und die Gewähr, daß die deutsche Ware heute wirklich einheitlich angeliefert wird, ist auch da. Erst vor einigen Tagen hat der Reichsnährstand genaue Anordnungen über die einzelnen Güteklassen bei Stein- und Beerenobst erlassen. Alles Obst, das zum Verkauf gelangt, muß genau nach diesen einheitlichen Gütevorschriften sortiert, verpackt und geliefert werden. Damit ist auch den Außenseitern, die immer noch schlechte unsortierte Ware anboten und damit den Ruf des deutschen Angebotes herabminderten, ein Riegel vorgeschoben. Also hinweg mit der Voreingenommenheit gegen deutsches Obst und Gemüse! lMrenamtliche Tätigkeit vnd Aufwandsentschädigung. LPD. .Der nationalsozialistische Staat zieht seine Bürger in großem Umfang zur ehrenamtlichen Mitarbeit an dem Aufgaben der allgemeinen Wohl- fahrt heran. Da verdient die rechtliche Begriffsbestimmung des Ehrenamtes, wie sie das Reichsgericht in einer neuen Entscheidung (II 284/35) gegeben hat, allgemeine Beachtung: Der Begriff 'des Ehrenamtes bildet den Gegenfatz zu entlehnter Tätigkeit. Wer ehrenhalber einen Dienst versieht, soll nach der allgemeinen Auffassung für die Tätigkeit als solche eine Vergütung nicht bekommen. Wenn dem ehrenamtlich Tätigen eine Aufwandsentschädigung zugesagt ist, so wird darunter ve rstanden, daß ihm der Aufwand, d. h. die besonderen Ausgaben, die die Tätigkeit mit sich bringt, ersetzt werden sollen, also nicht etwa Ausgaben, die auch ohne die ehrenamtliche Tätigkeit entstanden wären. Don diesem allgemeinen Begriff der Aufwandsentschädigung geht § 670 BGB. aus. Er hat nicht einen neuen Begriff geschaffen. Wenn die Rechtsprechung der Fassung des § 670 entnimmt, daß der Beauftragte Entschädigung für geleistete Arbeit und entgangenen Arbeitsverdienst nicht als Aufwendungen in Rechnung stellen könne, so entspricht das nur dem Grundsatz der Unentgeltlichkeit des Auftrags unter Auslegung des Vertragsinhalts nach den maßgebenden Bestimmungen von Treu und Glauben. Wenn trotzdem in verschiedenen Gesetzen dem ehrenamtlich Tätigen eine Entschädigung für Zeitaufwand bewilligt wird, so handelt es sich dabei um Ausnahmen von der Regel. Ihr Ausnahmecharakter wird gerade dadurch betont, daß die betreffenden Gesetzesbestimmungen eine Entschädigung für Zeitaufwand besonders einräumen. Nach § 107 Abs. 3. des Gerichtsverfassungsgesetzes erhalten die Handelsregister, die ihren Wohnsitz am Sitz der Kammer für Handelssachen haben, nur die notwendigen Fahrtkosten erstattet. Und wenn die Handelsrichter, die chren Wohnsitz und ihre gewerbliche Niederlassung nicht am Gerichtssitz haben, Tage- und Uebernachtungsaelder nach der Reisekostenverordnung für die Reichsbeamten erhalten, so ist das nicht eine Entschädigung für die Arbeitsleistung und den Zeitaufwand, sondern die nur der Einfachheit der Berechnung halber geleistete Gesamtentfchädigung für die Mehraus- gaben, die mit der Tätigkeit außerhalb des Wohnsitzes erfahrungsgemäß verbunden find. Auch die Bestimmungen der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 über die Höhe der Bürgermeister usw. zu gewährenden Aufwandsentschädigungen haben keine Aenderung des Grundsatzes der Unentgeltlichkeit des Ehrenamts gebracht. Gießener Wochenmarktpreife * G i e ß e n , 20. Juni. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, A kg 1,55 Mark, Landbutter 1,42, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse S 11, Klasse B 10, Enteneier 9 bis 10, Wirsing, XA kg 10 bis 12, Weißkraut 15 bis 18, gelbe Rüben, das Bündel 10 bis 12, Spinat 15 bis 20, Bohnen, grün, 35 bis 40, Spargel 25, 40 und 50, Erbsen 25, Mischgemüse 10 bis 12, Tomaten 45 bis 50, Zwiebeln 14 bis 15, Rhabarber 10, Kartoffeln, A kg 5 Pf., 5 kg 45 Pf., 50 kg 3,95 Mark, neue, V> kg 15 bis 20 Pf., Pfirsiche 60, Aepfel 30 bis 70, Kirschen 30 bis 45, Stachelbeeren 25, Erdbeeren 30 bis 50, Aprikosen 55, Hähne 90 Pf. bis 1 Mark, Suppenhühner 80 bis 90 Pf., Tauben, das Stück 50 bis 60, Blumenkohl 25 bis 60, Salat 5 bis 8, Salatgurken 30 bis 40, Oberkohlrabi 8 bis 12, Rettich 5 bis 15, Radieschen, das Bündel 10 Pf. ** Jubiläum im Städtischen Elektrizitätswerk. Am heutigen Samstag kann der Lagerarbeiter und Bote August Hofmann aus Rodheim an der Bieber auf eine 25jährige Tätigkeit im Dienste des Städtischen Elektrizitätswerks Gießen zurückblicken. Der Jubilar erfreut sich sowohl bei der Leitung des Werks wie auch bei seinen Arbeitskameraden wegen feines Fleißes und feiner Gewissenhaftigkeit allgemeiner Wertschätzung. Heute morgen wurde dem Jubilaren durch den Direktor des Werks ein Dank- und Anerkennungsschreiben des Oberbürgermeisters unserer Stadt überreicht. Die Arbeitskameraden übergaben ihm ein schönes Geschenk. Zahlreiche Glückwünsche wurden dem verdienten Manne zuteil. ** Arbeitsjubiläum. Am gestrigen Freitag konnte Herr Karl Nonnenbroich, Buchhaltungsleiter bei der Firma Bänninger G. m. b. H. auf eine 25jährige Tätigkeit für fein Werk zurückblicken. In einer schlichten Feier, zu der sich die Leiter der Firma und die Arbeitskameraden zusam- mengefunden hatten, wurde Herrn Nonnenbroich durch den Betriebsführer Dank und Anerkennung für die in 25 Jahren der Firma geleisteten Dienste ausgesprochen. Von verschiedenen Vertretern der Gefolgschaft wurden ebenfalls Glückwünsche bärge- bracht. Firma und Gefolgschaft ehrten ihn durch Ueberreichung von Geschenken. ** Gin Fünfundsiebzigjähriger, ©einen 75. Geburtstag konnte Uhrmacher Johannes Harlos, Bahnhofstraße 65 begehen. Der aus Sterkrade im Rheinland Gebürtige, diente bei den Iler Artilleristen in Kassel und tarn um die Jahrhundertwende nach Gießen. *♦ Feier der goldenen Konfirmation. Dieser Tage begingen zum erstenmal in unserer Stadt Gießener Frauen den Tag ihrer Konfirmation vor 50 Jahren als Fest Der Erinnerung. Die Feier wurde mit einem gemeinsamen Kirchgang und dem Empfang des heiligen Abendmahls würdig begonnen. Studienrat Unverzagt hielt eine Ansprache in Erinnerung an die erste Konfirmation die — auf den Tag genau — vor 50 Jahren stattfand. Er vermochte auch noch einige Stellen aus der Predigt des damaligen Pfarrers Neumann zu wiederholen. Die Feier wurde verschönt durch Vorträge des Kirchenchors und das Orgelspiel von Lehrer Simon. Am Tage darauf wurde die Feier im „Schützenhaus" in kameradschaftlicher Weise begangen. Frau Jrle fand herzliche Worte der Begrüßung und hieß besonders die von auswärts gekommenen Konfirmandinnen willkommen. Der Verstorbenen wurde durch Erheben von den Plätzen gedacht. Propst Knodt hielt eine längere Ansprache. Die Erinnerungsfeier war für alle Teilnehmerinnen ein schönes Erlebnis. ** Freiwillige Gail' sche Feuerwehr. Dieser Tage hielt die Wehr ihre dritte Hauptübung ab. Bei dieser Gelegenheit überreichte der Führer der Wehr, Oberbrandmeister Münch, dem Oberfeuerwehrmann Bender den Ehrenbrief der Wehr für 25jährige aktive Dienstzeit und hob die besonderen Verdienste dieses eifrigen Feuerwehrmannes hervor. Zugleich führte Oberbrandmeister Münch noch aus, daß es ihm eine ganz besondgere Freude sei, im Laufe des Rechnungsjahres 1936 fünf solcher pflichtbewußten Kameraden den Ehrenbrief für 25- jährige aktive Tätigkeit überreichen zu dürfen. Beim anschließenden Kameradschaftsabend überreichteLösch- meister Goß dem Jubilar Bender im Auftrag des Steigerzuges eine wertvolle Taschenuhr mit entsprechender Gravierung. ** Unfälle. Ein 14jähriges Mädchen, in der Ederstraße wohnhaft, kam unglücklich zu Fall, erlitt einen Unterarmbruch sowie Hüstprellungen und mußte in die Klinik gebracht werden. — Der hiesige Oberzugschaffner i. R. Georg Müller stürzte eine Treppe hinab und mußte mit Rippenquetschungen in die Klinik übergeführt werden. ** Wieder ein Unfall anderEcke Sie- bi gst raße — Sudwigst raße. Am gestrigen Freitag kam es an der gefährlichen Kreuzung Liebig- straße—Ludwigstraße bereits wieder zu einem Unfall. Ein Motorradfahrer stieß mit einem Auto zusammen. Glücklicherweise fuhren beide Fahrzeuge mit geringerer Geschwindigkeit, so daß der Zusammenstoß nicht zu heftig ausfiel. Immerhin erlitt der Motorradfahrer eine Verletzung an der Stirn, die seine Ueberführung in die Klinik notwendig machte. ** Sterbefälle in der StadtGießen. In der Zeit vom 1. Juni bis 15. Juni verstorben in unserer Stadt: am 4. Juni: Wilhelm Wysk, Eisenbahn-Obersekretär i. R., 76 Jahre alt, Gnauthstr. 1; Margarete Erb, 27 I., Rittergasse 18, und Wilhelm Reitz, Rentner, 80 I., Wiesenftraße 1. Am 7. Ium: Wilhelmine Elisabeths Stumpf, geborene Demes, 83 I., Am Nahrungsberg 37. 11. Juni: Regine Bogel, geb. Deufter, 61 I., Rodheimer Straße 34 und Friedrich Krömmelbein, Kaufmann, 55 I., Bleichstraße 14. 12. Juni: Otto Friedrich, Hausmeister, 39 I., Kirchftraße 16. 14. Juni: Johann Friedmann, Arbeiter, 58 I., Licher Straße 74. 15. Juni: Georg Gebhardt, Bauhilfsarbeiter, 40 I., Kaiserallee 121. ** Die Allgemeine Ortskrankenkasse für den Kreis G i eßen mahnt im heutigen Anzeigenteil die Beiträge für Monat Mai 1936"an und macht darauf aufmerksam, daß diese Beiträge noch bis zum 25. Juni ohne Kosten bezahlt werden können. Auf die Bekanntmachung fei besonders hingewiesen. ** Der nächste Rindvieh °(N utzvieh °) Markt findet am kommenden Dienstag, 23. Juni, statt. Der nächste Schweinemarkt wird am Mittwoch, 24. Juni, abgehalten. Näheres siehe heutige Anzeige. ** DerJunikäfer fliegt. Wer am sonnigen Iunimorgen den schmalen Wiesenpfad hinwandert, sieht verwundert in das hundertfältige Schwirren, Auf- und Niedersteigen der schwärmenden Junikäfer. Im Graswald der hochgewachsenen Wiese zwischen Kraut und Blumen ist ihr liebster Aufenthalt. Weil die Junikäfer in den Monaten- Juni und Juli, also um die Sommersonnenwende fliegen, werden sie auch Sonnwendkäferchen genannt. Bei starkem Auftreten werden die kleinen Verwandten des Maikäfers schädlich, befallen Kohl, Bohnen und Ersen und tun sich auch im Erdbeerbeet gütlich. Die das Erdreich durchwühlende Larve nährt sich von Gemüsewurzeln und ist deshalb dem Gärtner und Landmann verhaßt. ** Sonntagsrückfahrkarten aus b e- sonderem Anlaß. Zu den Marburger Festspielen vom 20. Juni bis 19. Juli 1936 werden von allen Fahrkartenausgaben im Umkreis von 75 km von Marburg Sonntagsrückfahrkarten nach Marburg (Lahn) und Süd ausgegeben. Die Karten gelten in der Zeit vom 20. Juni bis 20. Juli jeweils zur Hinfahrt von Samstag, 12 Uhr, bis Sonntag und zur Rückfahrt von Samstag bis Montag, 12 Uhr (spätester Antritt der Rückfahrt). Oberheffen. Diamantene Hochzeit. Q] Lauterbach, 20. Juni. Im Kreisort H e b - l o s feiern am kommenden Montag, 22. Juni, die Eheleute Wilhelm Möller, Landwirt, und Frau Kacharine, geb. Rockel, das seltene Fest der diamantenen Hochzeit. Der Jubilar steht im 86., seine Lebensgefährtin im 78. Lebensjahr. Die Ehe war mit vier Kindern gesegnet, von denen aber drei früh starben, während der letzte Sohn 1914 in Rußland fiel. Der Jubilar betätigte sich in früheren Jahren in hervorragendem Maße im öffentlichen Gemeindeleben. Aufstellung des Lauterbacher Altars im Lauterbacher Heimatmuseum. CO Lauterbach, 20. Juni. Der aus der früheren Lauterbacher Kirche stammende alte Marien- altar, ein spätgotisches Kunstwerk, das für die oberhestische Malerei des ausgehenden 15. Jahrhunderts von Bedeutung ist, wurde nun im Heimatmuseum aufge ft eHt; während des Winters war der Altar in Darmstadt restauriert und dann im Landesmuseum ausgestellt worden. Am morgigen Sonntag findet aus diesem Anlaß eine Festsitzung der beiden hiesigen Heimatgeschichte und Heimatkunst fördernden Vereine statt; damit wird der Marienaltar zur Besichtigung freigegeben. Tödlicher Sturz vom Heuwagen. Dorf-Gill, 20. Juni. Gestern nachmittag ereignete sich ein schwerer Unfall. Die Ehefrau des hiesigen Landwirts Heinrich Leidich, die 56jährige Frau Annemarie Leidich, stürzte vom Heuwagen auf die Erde und erlitt einen Bruch d e r Hals- Wirbelsäule. Die bedauernswerte Frau erlag der schweren Verletzung. ^egen einen Naum gerast. LPD. Büdingen, 19. Juni. Ein schwerer Unfall ereignete sich auf der Büdinger Landstraße. Ein Kraftwagen kam in rascher Fahrt den Berg vor Büdingen herunter, als ihm in einer Kurve unerwartet ein schwerer Buldogg mit zwei Anhängern entgegenkam. Der Kraftwagen fuhr in vollem Tempo gegen einen Baum und wurde schwer beschädigt. Dem Fahrer wurde das Steuer in die Brust gedrückt; die beiden Mitfahrer erlitten Rippenquetschungen und innere Verletzungen. Die drei Verunglückten mußten in das Büdinger Krankenhaus eingeliefert werden. Landkreis Gießen - Mainzlar, 19. Juni. Vorgestern kamen aus Schwelm im Gau Westfalen-Süd 18 Kinder durch die Kinderlandverschickung der NSV. in der hiesigen Ortsgruppe an. Mainzlar erhielt zu den bereits hier befindlichen zwei Kindern noch vier hinzu; ferner erhielten Staufenberg vier und Daub- ringen zehn Kinder. * Lollar, 20. Juni. Gestern ereignete sich hier an der Ecke Hauptstraße-Bleichstraße ein Der - kehrsunfall. Eine Radfahrerin fuhr gegen einen Personenkraftwagen, kam zu Fall und erlitt dabei leichtere Verletzungen. § Beuern, 20. Juni. Im hohen Alter von 77 Jahren verstarb am Donnerstagnachmittag, betrauert von einer reichen Kinderschar, Enkeln und Urenkeln, der weit über unser Dorf hinaus bekannte Schreinermeister Wilhelm Ranft. Mit ihm ist ein alter Handwerksmeister von echtem Schrot und Korn, der wegen seiner gediegenen Arbeit in Land und Stadt geschätzt war, zur letzten Ruhe eingegangen. Y Watzenborn-Steinberg, 20. Juni. 2lm heutigen Samstag begehen die Eheleute Landwirt Johannes Philipp und Frau Marie geb. Häuser, Gießener Straße, in seltener geistiger und körperlicher Frische das Fest dergoldenenHoch- zeit. Chr., wurde das Gotteshaus von dem Griechen Herostratos cm» gezündet, und der Name dieses Ehrgeizigen hat dadurch unverdiente Unsterblichkeit erhalten. Der Neubau, der mehr als viermal so groß war als das athenische Parthenon und ganz aus weißem Marmor bestand, wurde von Konstantin dem Großen zerstört. Einen Ueberreft dieses Wunderwerkes besitzt das britische Museum in einer Säulenbasis und am gleichen Ort finden sich auch die. Reste des fünften Weltwunders, des Grabmals des K ö n ig s M a uf o l os zu Halikarnaß, das durch die Erdbeben erschüttert und von den Johannitern völlig vernichtet wurde. Immerhin ist es der modernen Archäologie möglich gewesen, diesen mächtigen Pyramidenbau zu rekonstruieren. Der Koloß von Rhodos, die neben dem Hafeneingang errichtete, 34 Meter hohe Kolossalstatue Apolls, ist schon 50 Jahre nach der Vollendung durch ein Erdbeben gestürzt worden. Auch das siebente Wunderwerk der Alten, die Statue des Zeus zu Olympia, das Meisterwerk des Phidias, das acht Jahrhunderte lang im heiligen Hain der Tempelstätte stand, wurde durch eine Feuersbrunst zerstört. Einsiedler der Polarwelt. Ein wenig bekannter Kulturvorposten im hohen Norden sind die Stationen der Dukon-Telegraphen- Gesellschaft in Nordkanada, die sich über ein Gebiet von 3000 Kilometer erstrecken. Die Aufgaben der Beamten werden im Winter durch Schneeverwehungen, die sich manchmal bis 10 Meter auftürmen, außerordentlich erschwert. Außer der Hauptstation zu Ashcroft in Britisch-Kolumbien gibt es im Polarkreis zahlreiche Unterstationen, die als Hütte Nr. 1, Nr. 2 usw. bezeichnet werden. Wie aus Vancouver ^richtet wird, hat der vor einigen Jahren verstorbne I. T. Phelan den Rekord eines 3Ojährigen Wirkens in diesem Gebiet ausgestellt. Wenn auch der Dienst sehr anstrengend ist,' so ist doch das Klima gesund, und unter den Pukon- Telegraphisten ist noch fast niemals ein Krankheitsfall vorgekommen. Dafür leben die Männer hier als Einsiedler in der Polarwelt, und ihre einzige Zerstreuung besteht darin, dem Rundfunk zu lauschen ober telegraphisch miteinander Bridge zu spielen. Bei der Jnstanderhaltung des Netzes fehlt es nicht an aufregenden Abenteuern, besonders bei In den letzten Monaten hat der Produktions- Index in England stark zugenommen. Allerdings läßt er sich nicht mit dem Jahre 1929 vergleichen, da sich England infolge der Ueberhöhung der Preise in einem kritischen Stadium befand, jedoch lag der Produktions-Index des Jahres 1935 noch um rund 20 v. H. unter dem Stand von 1929. Inzwischen ist d i e Aufrüstung dazu gekommen, die viele Betriebe voll ausnutzt, und ferner sind die Sern e i n ö e n zu umfangreichen Vergebungen geschritten. So werden überall in der Provinz Straßen erneuert, Flugplätze angelegt, öffentliche Anlagen errichtet, Schwimmbäder gebaut usw Die Summen, die hierfür ausgegeben ober bereitgestellt worben sinb, sinb bei ber Zersplitterung der britischen Gemeindeverhältnisse zwar unbekannt, aber sie müssen sich doch in einer bisher ungewohnten Höhe bewegen. In den Industriestädten herrscht lebhafte Beschäftigung. Es gibt industrielle Unternehmungen, die, wie der „Daily Telegraph" sich ausdrückt, „unter Volldampf arbeiten, viele von ihnen Tag und Nacht und bei dreifacher Arbeitsschicht". Die Rückwirkungen auf die Umsätze des Kleinhandels sind sehr günstig. Er hat seit Jahren nicht ein so gutes Geschäft gemacht wie gegenwärtig, da in der Zeit der Arbeitslosigkeit Neu- bzw. Ersatzanschaffungen zurückgestellt wurden, die jetzt nachgeholt werden. Nur in ber Kohleninbustrie sieht es noch ziemlich trübe aus. Zwar hat bie Mehrbeschäftigung ber Jnbustriewerke ben Kohlenabsatz gesteigert, aber die Kohlenzechen selbst arbeiten unter den verschiedensten Wirtfchaftsbedingungen. Zu einem Teil sind sie veraltet. Man hat die modernen technischen Errungenschaften nicht eingeführt, und die polens Vierjahresplan. Lon unserem Dr. ^.-Berichterstatter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Warschau, Juni 1936. Es war schon mehr als eine parlamentarische Sensation, als der polnische Finanzminister Kwiat- kowski vor dem Warschauer Sejm die bevorstehende Ingangsetzung eines Dierjahres- planes verkündete, es war wie das Spannen eines Bogens, dem das Abschießen des Pfeiles folgen muß, dessen Ziel man noch nicht kennt. Wirtschaftspläne sind in Polen schon oft aufgestellt worden, und auch Kwiatkowski hat sich daran bereits namhaft beteiligt, aber ebensoviele Pläne sind u n - erfüllt geblieben, teils weil sie von Geburt an lebensunfähig waren oder weil die Meute der Wirtschaftsführer, der Großgrundbesitzer, ber Groß- inbustriellen unb der Kartelle sie zu Tode hetzte, ehe die Regierungen überhaupt die ersten Schritte getan hatten. Daß es diesmal anders kommen wird, dafür spricht die allgemeine Erkenntnis, daß für die Stärkung der Landesverteidigung und die Einschränkung der Arbeitslosigkeit entscheidende Opfer gebracht werben müssen. „Polen in Not", ist bie einzige Parole, bie im Lanbe keinen Wiberspruch finbet. Wie konnte ein zu Dreioiertel agrarischer Staat in solche Not geraten? Polens Wirtschaftskrise ist e i n e Agrarkrise. Um 66 o. H. sinb bie Preise für Agrar- probukte seit 1928 gefallen, währenb bie Zinslasten fliegen unb bie Preise für lanbwirtschaftliche Bedarfsartikel nur um 33 v. H. zurückgingen. Dazu vermehrt sich die bäuerliche Bevölkerung in Rekordziffern und beträgt jährlich 14 auf 1000 Einwohner, während das über Ueberbeoölferung klagende Italien nur 10 auf Tausend aufweist. Auf kleinem Areal sitzen die Bauern dicht beieinander und sehen kein Land, auf dem sich ihr Fleiß betätigen könnte. Es gibt keine Saisonarbeit mehr in Nachbarstaaten, keine Auswanderung zu Hun- derttausenden nach Frankreich oder Ueberfee. Diese Wege sind verbarrikadiert, und die Hoffnungslosigkeit, die gefährliche Nährmutter des Kommunismus, greift weiter um sich. Der inneren Kolonisation sind ebenfalls enge Grenzen gesetzt. Ein Drittel aller landwirtschaftlichen Betriebe sind Z w e r g w i risch a f t e n von weniger als zwei Hektar, ein weiteres Drittel verfügt über fünf Hektar, es wäre überhaupt fein Ausweg sichtbar, wenn die Latifundien der polnischen Magnaten in Kongreßpolen unb Galizien nicht wären. Hier soll der Vierjahresplan — die „Czterolatka" — ansetzen. Und noch andere Ansatzpunkte bieten sich da, so in der gewaltigen Kluft zwischen der herrschenden, vermögenden Schicht und dem kleinen Manne im Lande, dessen Schicksal so leicht vergessen wurde, wenn der äußere Anschein nur einen glatten Ablauf des öffentlichen Lebens zu gewährleisten schien. Jetzt aber, da die Verzweiflung oft die Schranken der Gesetze sprengt, da — wie bürokratische Bequemlichkeit versichert — die „Kriminalität" wächst und der politische Radikalismus an den Fundamenten des staatlichen Gefüges rüttelt, jetzt erinnert man sich des kleinen Cannes und sinnt auf Mittel, seinen Magen satt und damit seinen Kopf wieder klar zu machen. Aber Arbeit unb Brot können nicht burch Präsidialverord- nungen herbeigezaubert werben, befonbers bann nicht, wenn die, die im Wohlstand sind und damit den Schlüssel zur Arbeitsbeschaffenheit in der Hand halten, aus kurzsichtiger Gewohnheit und im Froh- aefülj[ der Unoerantwortlichkeit, sich jener privaten Initiative versagen, auf die Kwiatkowski seinen Dierjahresplan aufbauen zu wollen erklärte. Der Plan ist noch voller Geheimnisse, das kann gewollt sein, um ihn nicht sofort der zerpflückenden Arbeit der Opposition auszusetzen, ober auch, um ihn elastisch zu halten, falls es an bem mehr ober weniger Harken Wiberhall sich ermessen ließe, baß die Widerstände zu stark sind, also radikalere Mittel zur Anwendung kommen müssen. Solche Pfeile halten Skladkowski-Kwiatkowski bereits im Köcher verborgen, unb ein Artikel bes offiziösen unb dem Armeeinspektor Rydz-Smigly nahestehenden „Kurzer Poranny", der in diesen Tagen wie ein Blitz in das Lager der Großen von Industrie und Landwirtschaft einschlug, zeigt, daß es auch im Wirtschaftskampfe Polens eine „ultima ratio" gibt. Darin wird angekündigt, daß das von Kwiatkowski im Sejm entwickelte Wirtschastspro- aramm nur bie Einleitung zu einer viel oreiteren Aktion barstelle. Man werbe zur Enteignung ber Großgrundbesitzer unb zur Kürzung ber Gewinne ber großen Unternehmungen auf bem Wege einer entsprechenben Besteuerung schreiten. Das trifft einmal bie Magnaten, bie im „Czas" verzweifelte Versuche unternehmen, bie Un- Haltbarkeit bes Planes barzulegen, unb bas trifft die monopolartigen Unternehmungen, die es bisher immer verstanden haben, ihre übermäßigen Gewinne zu verheimlichen. Daneben sollen die Bauern voll entschuldet werden, wobei man unter ihren Gläubigern nur den Besitzern kleiner Ersparnisse gewissen Rechtsschutz zu- ertennen will. Diese Ankündigung kann zunächst nur eine Drohung sein, ein Druckmittel, um die Geldbeutel ber Besitzenben zu lockern, aber bie Grenzen ber Entschlossenheit unb Tatkraft Sklabkowskis sinb noch nicht erkennbar. Fraglich bleibt es, ob mit solchen Programmen schon bie Masse ber Millionen ber Regierung noch fremb gegenüberstehender Bauern gewonnen ist. Das bäuerliche Kampfblatt, der „Zielony Sztandar" jedenfalls kündigt an, die Bauern würden ihrem emigrierten Führer Witos die Treue halten und verlangten schließlich nicht nur Brot unb einen vollen Bauch, fonbern auch politische Rechte. Am Donnerstag weilte der Bundessportlehrer Gabriel des Fachamtes Fußball aus Berlin in unserer Stadt zu Gast und widmete sich in erster Linie dem Schulfußball. Am Vormittag zeigte er in einem kurzen Lehrgang den Schülern, wie man Fußball richtig spielt, unb am Nachmittag erteilte er ber Arbeitsgemeinschaft ber Fachschaft „Körperliche Erziehung" in ber neuen Pestalozzischule einen theoretischen unb praktischen Unterricht im Fußballspiel. Gabriel kommen bei seinen Lehrgängen neben seiner Körperbeherrschung besonders seine rhetorischen Fähigkeiten zustatten, so daß es interessant ist, ihm zuzuhören. Es war eine stattliche Anzahl von Junglehrern unter der Leitung von Sportlehrer Mohr, die sich zu diesem Lehrgang eingefunden hatten und auch praktisch betätigten. Daneben waren auch einige ältere Herren erschienen, die sehr aufmerksam zuhörten. Bundessportlehrer Gabriel erzählte, wie er sich entwickelt hat und zum Sport kam und nun überall für den Fußball Freunde wirbt. Dabei verstand er es, das Verständnis für diese Sportart zu wecken. Mit Unterstützung von praktischen Beispielen zeigte er, welch günstigen Einfluß das richtige Fußballspiel auf die körperliche Erziehung des Jugendlichen ousübt, weil es den ganzen Körper in Bewegung seht und den ganzen Kerl beansprucht. Nur wer seinen Körper ganz beherrscht unb sich geistesgegenwärtig allen Situationen anpassen kann, wirb auch einmal ein tüchtiger Fußballspieler werben. Wie kein anberes Spiel ist ber Fußball bazu angetan, bie Freude am Kampf zu wecken unb zu förbern. Zu bem Wettkampf um bie Leistung gesellt sich ber Kampf Mann gegen Mann, ber seine besondere Note baburch erhält, baß bei ihm jede Schärfe fehlt und baß er mit erlaubten Mitteln unb anftänbig ausgetragen werben muß. Auf solche Weise bilden sich Sportgeist und Rit Nr. 142 viertes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Samstag. 2V. Juni 1036 ■""'M. * w Äi < w ■■■• * H ■ M M* VtM UW ■'*k ■ «aitA I i D । sk jS * KM 'V? TT WU * C -LÄ Das „Deutsche Iugendfest 1936" 3ugenb im sportlichen Leistungskampf. Das Sonnwendfeuer, der Höhepunkt des Deutschen Jugendfestes. schärfster Kritiker.. Ehre erachten Übungen Schulen. stoße aufgerichtet haben. Die Jugend wird sich um die Holzstöße scharen, in die das Feuer der Fackeln fahren soll, daß die Flammen im Nu hell auflodern und weit in das Land leuchten. Und es werden jene schönen gläubigen Lieder erklingen, die in ihrem Rhythmus und mit ihren ernsten Worten im Geiste zurückführen in die Zeit der Altvorderen, deren schönen Brauch die deutsche Menschheit der Gegenwart übernahm als ein Vermächtnis, das den Blick in die Vergangenheit zurückschweifen läßt, wie es ihn auch in die Zukunft führt. Mit den Sonnwendfeiern wird die Siegerehrung verbunden fein, die sich in der weihevollen Stunde am Feuer besonders würdig gestalten dürfte. führt. Innerhalb unserer Stadt konnte man die Schüler der Berufsschulen öfters auf Oswaldsgarten im Wettkampf beobachten. Mehrere Schulen kämpften auf dem Mtv.-Platz, andere auf dem Unioerfi- tätssportplatz usw. Die Sieger in den Einzelwettkämpfen werden mit Siegernadeln bedacht. Leistung ist das Lebensgesetz der Hitler-Jugend! Kaum ist der Reichsberufswettkampf verrauscht, treten sie alle wieder an, Jungen und Mädel. Das Deutsche Jugendfest 1936 soll beweisen, daß geistige und körperliche Erziehung in innigem Zusammenhang stehen, soll beweisen, daß die HI. mit Recht die Schule der Nation genannt wird. Das Deutsche Jugendfest schließt sich würdig dem Bekenntnis des deutschen Volkes vom 29. März an. Die Welt .......> im Reichsbund für Leibesübungen. Die Mannschaften, die als die besten aus den Wettbewerben hervorgehen, werden mit Ehrenurkunden ausgezeichnet, die die Unterschrift des Führers tragen. Um diese Urkunden zu kämpfen und kämpfen zu dürfen, werden jeder Junge und jedes Mädel als mäßig wenig in Erscheinung. Aber auf den Sportplätzen unserer Stadt herrschte reges Leben und sportliches Treiben. Die Klassen und Schulen rückten meist geschlossen an und trugen auf den Wett- kampfplätzen bie Emzelwettbewerbe aus. Von jedem Schüler und jeder Schülerin wurden drei Uebungen verlangt: ein Lauf, ein Ball- bzw. Keulenwurf und ein Weitsprung. Den Kampfrichtern waren umfangreiche Leistungstabellen an die Hand gegeben, in denen jede erzielte Sekunde im Lauf und jeder erzielte Zentimeter mehr oder weniger in Punktbewertung umgesetzt war. Sorgfältige Vorarbeit war hier geleistet worden (einheitlich für das ganze Reich). Die Kampfrichter, in der Hauptsache die Lehrkräfte der Schulen, konnten so auf das genaueste die Leistungen werten und verzeichnen, o daß jedem Kinde, jedem Mädel und Jungen Gerechtigkeit widerfuhr. Keine Frage, daß die Jugend mit Begeisterung bei der Sache war! Kaum konnte man erwarten, den Ball oder die Keule in die Hand zu bekommen, zum Lauf über 60 Meter (die Aelteren über 100 Meter) oder zum Weit- sprung zu starten. Es ist etwas Schönes und Großartiges um das „Deutsche Jugendfest". Das Fest, das weniger ein Fest als solches sein soll, denn eine Leistungs- Prüfung. Großartig deshalb, weil die ganze deutsche Jugend im Alter von 10 bis 18 Jahren daran beteiligt ist, weil das Bewußtsein, daß auf allen deutschen Sportplätzen, oder auf allen Schulhöfen, sofern sie geräumig genug sind, Wettkämpfe ausaetragen werden. Stolz machen muß, daß etwas Hitler-Jugend treibt Leibesübungen; überall auf den Sportplätzen herrscht in diesen Tagen reges Leben. Unter der Fahne schreiten wir ... (Aufnahmen: 4 Reichsbildstelle der HI., 1 Scherl-Bilderdienst, 1 Neuner, Gießener Anzeiger.) Im gemeinsamen Zusammenwirken aller Kräfte wird auch das „Deutsche Jugendfest 1936" allen Teilnehmern ein Erlebnis werden in dem Bewußtsein, mit der eigenen Leistung beigetragen zu haben und mit dem tieferen Bewußtsein, Glied zu sein in der großen Gemeinschaft und in der Kette der Generationen, aus der der einzelne nicht zu lösen ist. Darüber hinaus und gerade im Jahre 1936, dem Jahre der Olympischen Spiele in Deutschland, erhalten die Kämpfe der Jugend besondere Bedeutung. Aus dieser Jugend sollen und werden dereinst Olympiakämpfer heranwachsen, und zwar sicherer als in der Vergangenheit, da den Leibesübungen in unserem Vaterland noch nicht jene sorgsame Pflege der Leibesübung zuteil wurde, wie es heute der Fall ist. So ist auch hier, so wie überall, Deutschlands Jugend die deutsche Hoffnung! mag diesen Wettkampf als Beweis unseres Friedenswillens hinnehmen. Darüber hinaus ist das Deutsche Jugendfest ein sichtbares Zeichen der Einigkeit und mit Stolz stellen wir fest, daß in keinem anderen Land der Erde die Jugend so geschlossen anzutreten imstande ist. Nicht zuletzt aber erzieht das Deutsche Jugendfest zum Einsatz für die Gemein- f ch a f t. Deshalb wurde auch die Form des M a n n • jchaftsmehrkampfes gewählt. Jeder Junge, jedes Mädel soll sich zur höchsten Leistung aufraffen für seine Mannschaft. Die neun Jungen und ihr Führer, die jeweils als Mannschaft im Wettbewerb stehen, müssen eins sein. Keiner darf sich auf die Leistung des anderen verlassen. Den höchsten Preis, die Ehrenurkunde des Führers, trägt die Mannschaft davon, und nicht der einzelne, Junge oder Mädel. Für besondere Einzelleistungen gibt es freilich die Siegernadel. Darum muß es höchstes Ziel der Mannschaft sein, Urkunde und Siegernadel zu erringen Die HI. stellt sich immer größere Aufgaben und erfüllt sie mit derselben Zähigkeit wie die, die uns das Leben selbst anferlegt. Jungvolk zeltet — derartiges überhaupt möglich ift Möglich dank der großen Initiative, die immer vom Führer ihren Ausgangspunkt hat und ungeheuer in die Breite zu wirken vermag. Es lohnt, sich die Mühe zu machen und sich vorzustellen, daß in ganz Deutschland jeder Junge und jedes Mädel deutschen Bluts in den Tagen vom 8. bis zum gestrigen 19. Juni zum Wettkampf antrat, einen Lauf, einen Wurf und einen Weitsprung bestritt und jede einzelne Leistung, schriftlich festgehalten, in Punkte umgewertet wurde, um schließlich zur Feststellung des leistungsfähigsten Jungen oder Mädel gesichtet und verglichen zu werden. Unendliche Fülle der organisatorischen Arbeit, der Schreibarbeit! Hundert, tausend, Zehn- und Hunderttausend ja Millionen der Einzelleistungen im ganzen Reich! Wo sonst auf der Welt findet man diese Konzentration der Kraft, wo auch nur den Willen 311 einer solchen Ueberschau?! Wohl nur in Deutschland! Wo diese Exaktheit der Planung und Durchführung? Sicherlich auch nur in Deutschland! Keine Arbeit, wenn sie der Jugend des Dritten Reiches dient, durch die die deutsche Jugend gefördert wird, ist jemals vergeblich geleistet! Die berufenen Helier an diesem großen Werk — Ns"er- 2ugend Schule und Reichsbund für Leibesübungen — haben bisher alle Tatkraft eingesetzt und werden es auch für die letzten und bedeutsamsten Tage des „Deutschen Jugendfestes tim — ohne Forderung nach Dank und Anerkennung! So wie am Samstag das Jungvolk und die Jungmädel, so bestreiten am Sonntag Hitler-Jugend und BDM. die Mannschastsrnehrkämpfe. Die Wettkämpfe der Mädchen werden durchweg auf dem Unioersitätssportplatz ausgetragen. Die männliche Jugend bestreitet ihre Kämpfe auf den anderen Sportplätzen. Voraussichtlich werden mit den Mannschaftsmehrkämpfen auch Sondervorführungen einzelner Kameradschaften verbunden sein. Das Kampfgericht für den Sonntag stellen die Wer Gelegenheit fand, diesen Wettkämpfen in der Gemeinschaft der Schulklasse beizuwohnen, wird bemerk haben, daß einer dem anderen es zuvor zu tun bemüht war. Der gesunde Gedanke des Kampes trat in den Vordergrund. Die Jugend selbst war dabei ihr eigener und schärfster Kritiker. Interessant zu beobachten, wie rr1- oroeit sie nicht im Sportverein auf den rationellen Lauf, Wurf und Sprung trainiert ist, jeder Wettkämpfer anders läuft, anders zum Wurf oder zum Sprung ansetzt und springt. Die Ergebnisse waren infolgedessen ebenso unterschiedlich wie das äußere Bild, das sich bot. Immerhin: die Ergebnisse in der Gesamtheit waren gut. Manches angenehm überraschende Ergebnis wurde auch von der Landjugend erzielt. Im Vorteil dürften aber zweifellos immer jene Jugendlichen fein, die neben Der Leibesübung in der Schule, in ihren Kameradschaften der HI oder in den Sportvereinen trainieren. Ein endgültiges Urteil über die Ergebnisse in den Einzelkämpfen ist noch nicht möglich. Die Emzel- wurden von den Volks- und Höheren wie auch in den Berufsschulen durchge- Der heutige Samstag und der morgige Sonntag stellen den Höhepunkt der gesamten Veranstaltung und die eigentlichen Tage des Jugendfestes dar. Heute treten das Jungvolk und die Jungmädel zu Mannschaftswettbewerben an, die von allen Einheiten bis zum Abend abgeschlossen werden sollen. Der einzelne kämpft dabei nicht für sich, sondern für seine Kameradschaft, für sein Fähnlein. Jeder hat seine Leistung in den Dienst der Gemeinschaft zu stellen. Das Kampfgericht stellt zu dem Tage des Jungvolks die Schule. Das Deutsche Jugendfest wird einen Abschluß finden, wie er schöner und glücklicher nicht gedacht werden kann. Die Juaend wird auf die Höhen unserer schönen oberhessischen Heimat marschieren, auf denen fleißige Hände schon zuvor hohe Holz- Die Einzelwettkämpfe als ein Teil der gesamten Veranstaltung traten nach außen hin Verhältnis- Das beliebte Römische Rennen, eine schöne Geschicklichkeitsübung. Ein lustiger, immer wieder von den Jungvolkpimpfen gern geübter Sport. Kür den Bücheriisch von teressant illustriert. Lehrjahre eines deutschen Journalisten wertvolle Lehre sein. —e. Gedichte in unserer Zeit — Gottfried Benn: Ausgewählte Gedichte. 108 Seiten. Leinen 2,75 Mark. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart und Berlin. — (133) — Benn ließ zu seinem 50. Geburtstage diese Auswahl seiner Gedichte erscheinen, die als sein lyrisches Werk angesprochen werden will. Auf dem Titelblatt stehen, als zeitliche Begrenzung dieser Auslese, die Jahreszahlen 1911—1936. Freilich wirkt die überwiegende Mehrzahl der Gedichte so, als ob sie etwa um 1920 entstanden wären, wie ein später Nachhall des Expressionismus. Dies und der Umstand, daß Benn „eigentlich", in seinem Beruf, Arzt ist, scheint uns für die Auswahl charakteristisch zu seine. Benn ist, biologisch geschult, ein kritisch bohrender, zweifelnder und grübelnder Denker, wie schon etwa an seinem früher erschienenen, sehr fesselnden Essai-Bande „Fazit der Perspektiven" zu merken war. Auch seine Gedichte scheinen alle oder fast alle mehr aus dem Intellekt als aus dem Gefühl geboren zu fein, was ein Widerspruch in sich wäre, wenn Benn nicht zugleich unbestreitbar über Phantasie und visionäre Eingebung verfügte. Kein Zweifel, daß viele seiner Gedichte sich dem durchschnittlichen Leser nicht erschließen oder einfach feinem schlichten Verständnis entziehen werden. Wahrscheinlich werden manche auch begründeter Ablehnung begegnen; mit dem gebräuchlichen und üblichen Maß sind diese lyrischen Gebilde — sofern man den Namen gelten lassen will — kaum zu fassen sein. Doch ist wiederum zu bedenken, daß es mit dem einfachen, verstandesmäßigen Begreifen von Satzbau und Inhalt bei einem Gedicht auch noch nicht immer getan ist; dafür gibt und gab es unbezweifelbare Belege. Und daß sich in diesem Bande auch — jenseits jeder intellektua- listischen Hemmungen — durchaus dichterische Dinge aufspüren lassen, wird ebenfalls nicht geleugnet werden können; etwa in der „Kretischen Vase" oder in einem so empfundenen Gedicht wie „Der junge Hebbel"; auch „Osterinsel", „Die Schale" und „In memoriam Höhe 317" seien genannt. Diese Gedichte werden das Buch und den Autor freilich nicht volkstümlich machen; aber volkstümliche Lyrik ist an sich schon selten und nicht immer gut. Benn jedenfalls wird mit allem, was er schrieb — in Vers und Prosa — wohl immer auf einen esoterischen Leserkreis beschränkt bleiben. —y— — Friedrich Bischoff: Schlesischer Psalter. Ein Dank- und Lobgesang mit einem Epilog: Werkstatt zwischen Himmel und Erde. Mit zwei Holzschnitten von Bodo Zimmermann. 106 Seiten. Geb. 2,60 Mark. Propyläen-Verlag, Berlin. — (187) — Wir haben vor Weihnachten vorigen Jahres den großen schlesischen Roman „Die goldenen Schlösser" an dieser Stelle angezeigt, mit dem Friedrich Bischoff sich auf die nobelste Weise bekannt gemacht hat, und wir sagten wohl damals, daß mit diesem Buche die Dichtung aus der südöst- - lichen Provinz, wie sie in unseren Tagen vor allem . in den Werken von Hauptmann und Stehr be- 1 rühmt geworden ist, einen schönen und reichen Zu- Deutsche Erzähler. — AlbrechtSchaeffer: Cara. 298 Seiten. Rütten und Loening Verlag, Frankfurt a. M., 1936. — RuppertRecking: EinJournalist erzählt, Abenteuer und Politik in Afrika. Mit zwei Karten in Leinen geb. Preis 7,50 Mark. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart. — (92) — Ern junger deutscher Journalist, ein richtiges Greenhorn, gerät in die Hände eines der großen amerikanischen Zeitungskönige, die mit öffentlicher Meiung nicht nur Geld gemacht haben, sondern mit ihrem echt journalistischem Spürsinn, mit Wagemut und gestaltender Phantasie der großen modernen amerikanischen Presse ihr Gesicht gegeben hat. Uns mutet es gewiß nicht schön an, aber der Welt des immer noch jugendlichen Amerika ist es auf den Leib zugeschnitten und wenn diese moderne amerikanische Presse auch dem europäischen Journalismus etwas hat lehren können, so ist es die Schnelligkeit der Berichterstattung, den Wettlauf um die Nachricht. Der moderne „Reporter" ist in den Zeitungshäusern Neuyorks und Chikagos eigentlich erst geboren worden. Und einer der begabtesten und erfolgreichsten von ihnen sollte der junge Deutsche Ruppert R e ck i n g werden, der in diesem Buch von seiner Entdeckung durch den Zeitungskönig Gordon B e n - n et, der einst Stanley auf die Fährte Livingstones setzte, und seinen journalistischen Lehrjahren in ebendemselben Afrika, der auch seinem Kollegen Stanley Schicksal geworden war. Reckings erste journalistische Tat ist sein Interview des eben aus der Gefangenschaft des Mahdi geflohenen Slatin Pascha. Dann geht er mit dem zu Beginn des Weltkrieges als Gouverneur von Paris berühmt ge- woroenen General G a l l i e n i nach Madagaskar. Wir lernen die Tragödie der letzten Königin von Madagaskar, der schönen Ranavalona, kennen, der die skrupellose französische Kolonialpolitik ihre reiche Insel aus den Händen windet und die dann nach einer kurzen Ehe mit einem Schutzmann in dem kleinen südfranzösischen Städtchen Uzes an der Schwindsucht zugrunde geht. Reckings Fahrt - Ernst Cordes: Das j ü n g st ea i s er - reich schlafendes — wachendes Mandfchukuo^Mtt 32 Bildern. Verlag Franfkurter Socletatsdruckerel, Frankfurt a. M., Preis geb. 5,40 RM. — 167 Der Verfasser ist als Sohn eines deutschen -Diplomaten in China geboren und ist daher, er auch chinesisch spricht, besser gerüstet, Land und Leute zu studieren, als die vielen flüchtigen weisenderi und Reporter, die sich heute mit Mandschukuo befassen, das als Stützpunkt japanischer Festlandsmacht gegen Norden und Westen, im Augenblick größtes Interesse verdient, wo die Regierung des Landes, hinter den Kulissen von Japanern beraten und geleitet, mit außerordentlicher Energie daran geht, jahrhundertelang Versäumtes mit einem Schlage nachzuholen und aus Mandschukuo einen wirtschaftlich und fub turell durchaus modernen Staat zu machen, der auch imstande ist, die ihm von seinem japanischen Schutzherrn zugedachte Rolle eines Bollwerks gegen Ruß- land und eines Magneten für die chinesischen Nord- Provinzen zu spielen. Aber was das Büchlein besonders anziehend macht, sind die Einblicke in das Volksleben dieses merkwürdigen Landes, die einen bunten Querschnitt durch die an Widersprüchen und Gegensätzen so reiche Welt des Fernen Ostens geben. Das Buch ist ungemein fesselnd geschrieben und m- wachs erfahren habe. Aus dem gleichen Geiste und aus dem gleichen Raum ist nun dieses Gedichtbuch hervorgegangen, von dessen Erscheinen wir mit der nämlichen Freude und Befriedigung Kenntnis geben dürfen: unter den zahllosen lyrischen Bänden einer mit ganz eigenem Gesicht schon um deswillen, weil hier ein Dichter etwas unternahm, was — soweit wir sehen können — bisher noch niemand in solcher Weise versucht hat, nämlich nicht d i e Landschaft zu besingen, sondern eue allein, eine einzige, unverwechselbare, heimatliche — die schlesische Landschaft. Wir möchten gleich hinzufügen: es soll ja niemand denken, daß dergleichen nun beliebig nachgemacht, nachgedichtet, nachempfunden werden könnte; es ist mindestens zweifelhaft, ob man sich wünschen soll, daß dem schlesischen nun alsbald ein bayerischer, ostpreußischer oder rheinischer Psalter und Lobgesang folge. Bischoff hat die in der Konzeptton seines Buches liegende Gefahr erkannt und überwunden; das ist eine Sache des Herzens und des dichterischen Fingerspitzengefühls. Wenn er „Auskunft" gibt zu Beginn und das Folgende überschreibt mit den schönen, schlichten Worten „Heimat in Ewigkeit", — dann sieht man bald, wie es gemeint und gefühlt ist: wenn hier eine Landschaft dichterisch verklärt wurde, so wurde zugleich der Begriff im weitesten räumlich-geistigen Sinne gefaßt, und in dem ewigen Heimatwort Schlesien ist für Bischoff alles beschlossen: Natur und Kultur, Geschichte und Sage, Menschen und Dinge. Seine Vision ist gleichsam unbegrenzt, schweifend durch Räume und Zeiten; seine Phantasie umspannt die Gestaltenfülle der alten Provinz von den Vandalen, Hussiten und Diasten bis zu den Webern, Bildschnitzern und den Annabergkämpfern unserer Tage; ober im Epilog, der die schlesischen Geistes- Helden und Berühmtheiten Revue passieren läßt, vom mystischen Schuster Jakob Böhme, von Opitz und Gryphius bis zu Gustav Freytag und Carl Hauptmann. Auch wer nie in Schlesien war und Land und Leute dort selbst erlebte, wird bekannte ober merkwürbig vertraute Gestalten finden: in der Schindelmacher-Berta etwa eine Schwester der Pippa, im Lumpenmann Ruppelt (dem eines der schönsten Gedichte des „Psalters" gehört) einen Bruder des alten Hornig aus den „Webern". Und auch die toten Dinge selbst: wer hätte daran gedacht, etwa eine Bunzlauer Kaffeekanne zum lyrischen Motiv zu erheben? Siehe, auch das gelang, und es entstand ein wirkliches, echtes Gedicht — aus dem gleichen, alles umfassenden Heimatgefühl und aus der gleichen magischen Fülle der Gesichte wie das benachbarte vom alten Oderkahn, der in die Ewigkeit fuhr. Noch vieles ließe sich herausgreifen; wir hoffen mit diesen Andeutungen schon dem Leser Lust gemacht zu haben, sich selbst in den „Schlesischen Psalter" zu verttefen: er wird sich um em schönes, dichterisches und ganz deutsches Buch bereichert finden. — y __ — (179) — Wir haben in einer früheren Besprechung darauf aufmerksam gemacht, daß wir Albrecht Schaeffer eine der schönsten Liebesgeschichten in deutscher Sprache verdanken: sie heißt „Lux in teneoris" und steht in dem Bande „Das Prisma" aus dem Jahre 1926; inzwischen sind zwei andere Erzählungen von ihm erschienen, die man in die Nachbarschaft jener erstgenannten stellen möchte: die große Novelle „Der General", die auch seinerzeit hier angezeigt worden ist, und nun die Erzählung „Cara", die, obwohl innerlich und äußerlich Maß und Begrenzung der Novelle sprengend, doch nicht ausdrücklich als Roman bezeichnet wurde, wenn sie auch gewiß diesen Namen mit größerem Recht trüge, als manches andere Buch, welches solche Einordnung als etwas Selbstverständliches für sich in Anspruch nimmt. Hier hckben wir den in jedem Wort dichterischen Bericht vom Leben zweier Menschen, die das Schicksal unausweichlich zur Gemeinsamkeit bestimmt hat; es wird hier berichtet Ebenezer Rudorfs und seiner Ehefrau Cara Elisabeth, geborenen Monthioer — von ihrer Kindheit und Jugend, von ihrer ersten flüchtigen, ihrer zweiten endgültigen und für immer entscheidenden Begegnung, vom tiefen und stillen Glück ihrer Ehe, von der bitter schmerzlichen Trennung durch den Krieg und von ihrer Wiedervereinigung nach der Heimkehr des Mannes und der Geburt ihres Kindes. Es hätte nicht des feinen und, wie uns scheint, in mancher Hinsicht für Albrecht Schaeffer charakteristischen Kunstgriffes bedurft, mit dem die Vorgeschichte ins Gefüge des Ganzen eingewebt ist, um zu spüren, mit welcher leidenschaftlichen und dennoch meisterlich beherrschten Kraft und Kunst der Verdichtung und Beseelung hier die entscheidenden Stationen in den erst sich überschneidenden, dann völlig und innig gleichgerichteten Lebensbah- nen zweier Menschen aufaespürt, erfühlt und gestaltet wurden. Schaeffer oesitzt, wie er oft zuvor bewiesen hat, jene Gabe der Verzauberung, welche die klaren und Hellen Dinge des täglichen Lebens ohne eine falsche Geste ober romantisierende Geheimniskrämerei in einen Bereich echter Magie versetzt, der Ausstrahlung sich der Leser nicht entziehen kann, wenn er gewahr wird, wie auf solche Weise Worte, Handlungen und Beziehungen der Menschen zueinander sich in ihrer geheimsten Seelentiefe, in ihrer ganzen menschlichen Fülle entschleiern und offenbaren. Und das Motto von Gottfried Keller, das jener „Prisma"-Novelle vorangestellt war — ist Niederländisch-Jndien weggekommen. Hier überwiegt die Schilderung der reizvollen Landschaft und ihrer liebenswürdigen Bewohner. Immerhin wird deuttich, daß auch hier Javan bei seinem Drang nach Raum auf die Interessen einer anderen Weltmacht, diesmal England, stößt. Die vielen und ausgezeichneten Bilder fördern ebenso wie die sehr anschaulichen Kartenskizzen den Zweck des Buches, von den politischen Kräften des Fernen Ostens em zutreffendes Bild zu vermitteln. — HansHelfritz:Japan-China, Ewigkeit und Wandel im Fernen Osten. Mit 96 Abbildungen. Preis geb. 3,80 Mark. Deutsche Verlagsgesellschaft Berlin. — (172) — Das ist ein richtiges Bilderbuch, der Ertrag einer Reise des Verfassers durch China und Japan. Aber nicht Kultur und Kunst des klassischen Ostasiens, wie wir es aus unseren Museen und vielen Veröffentlichungen kennen, wird uns hier noch einmal bargeboten. Der Verfasser t)at vielmehr bezeichnende Ausschnitte aus dem Alltagsleben des Ostens mit feiner Leica ein- gefangen, aber auch sehr schöne Landschaftsaufnahmen sehen wir, eine jahrtausende alte Tradition in Wirtschaft und Volksleben und in aller Kraßheit daneben sich Schritt für Schritt Boden erobernd der moderne Geist des Westens. Den kurzen verbindenden Text und eine gute Einführung zu den Bildern schrieb Dagobert von Mikusch. — Der Ferne Osten. — Hans Brosius: Fernost formt seine neue Gestalt mit 55 Abbildungen und 11 Kartenskizzen. Preis geb. 5,50 RM. Deutsche Verlags-Geellschaft m. b. H., Berlin. — (171) — Der Verfasser gibt eine eindrucksvolle Schilderung seiner Reiseeindrücke aus den Ländern des Fernen Ostens, von den Eiswüsten Sibiriens bis zum Paradies der Südsee. Aber was wesentlicher ist, der Verfasser versteht es auch, seinen Impressionen einen historisch-politischen Rahmen zu geben, so daß sein Buch als Ganzes eine ausgezeichnete leicht lesbare Einführung in die großen Probleme des Fernen Ostens gibt. Besonders interessant waren uns seine Darlegungen über Sibirien, über die Rolle Wla- diwostocks in der Auseinandersetzung zwischen Japan und Rußland und den Wettlauf beider Großmächte in der Mongolei, dem Aufmarschgelände im äußersten Westen. Auch die Aufbauarbeit im neuen Staat Mandschukuo wird fesselnd geschildert und die Problemhaftigkett der chinesischen Einigungsbe- ftrebungen aus der gesellschaftlichen Struktur des chinesischen Volkes einleuchtend erklärt. Etwas kurz Politik und Geschichte. — Alfred Thoß: Heinrich I. (919 bis 936). Der Gründer des ersten Deutschen Volksreiches. 226 Seiten. Leinen 4,50 Mark. Blut und Boden Verlag G. m. b. H., Goslar 1936. — (192) — Der Verfasser hat sich die dankenswerte Aufgabe gestellt, Heinrich I., dessen Todestag sich am 2. Juli d. I. zum 1000. Male jährt, dem deutschen Volke nahezubringen. Die Geschichtsschreibung hat ihn in seiner Bedeutung als Gründer des Ersten Reiches nie ganz erkannt. Er ist dem deutschen Menschen bisher allein durch das Lied „Herr Heinrich sitzt am Vogelherd" vertraut geworden, ohne daß sich jeder dessen bewußt war, wie gerade in diesem Liede die Volkstümlichkeit Heinrichs I. zum Ausdruck kommt. Das leider so spärliche Quellenmaterial wurde durch den Verfasser in hingebender Arbeit erforscht und durch die jüngsten archäologischen Ausgrabungs- ergebnifte bereichert. So entstand ein lebendiges Bild dieses Volkskönigs. Als Führer seines Volkes, mit ihm durch Sippe, Blut und Boden verbunden, hat Heinrich I. aus angeborener, besonders dem nordischen Menschen eigener, staatsbildender Kraft die Einigung der deutschen Stämme zum Ersten Reich herbeigeführt. Rein gefühlsmäßig sah Heinrich eine seiner Hauptaufgaben in der Wiedergewinnung und Sicherheit ehmals germanischen Bodens im Osten, dadurch weiteren Lebensraum für sein Volk schaffend. Staatspolitisch hat er so die Grundlagen für das Zweite und Dritte Reich vorbereitet. — Das Werk ist, wie bereits aus dem ersten Kapitel über das Karolingische Vermächtnis zu ersehen ist, durchaus geeignet, in eine dem Empfinden und Denken des Deutschen Reiches gemäße Geschichtsauffassung einzuführen und diese folgerichtig auf die Anfänge unserer mittelalterlichen Kaisergeschichte anzuwenden. Auch sonst finden sich in dem, übrigens selbst für den Laien durchaus lesbaren Buche, eine Menge höchst interessanter Ergebnisse und Betrachtungen. Die Gesamtdarstellung wird im Anhang durch eine Zeittafel, Anmerkungen, sehr ausführliches Quellen- und Bücherverzeichnis, Verzeichnisse der Abbildungen, der Ortsnamen und Personen in willkommener Weise er» aänzt und unterstützt. Nicht zu vergessen eine Zusammenstellung der Urkunden Heinrichs L, die Stammtafel und die Karte der deutschen Herzogtümer und Gaue. — Johannes Haller: Tausend Jahre deutsch-französische Beziehungen. Dritte, durchgesehene und ergänzte Auflage. 23er-" lag der I. G. Cottaschen Buchhandlung in Stuttgart. Preis geh. 4,50 Mark., geb 7 Mark. — (32) — Obwohl dies Reich des bekannten emeretierten Tübinger Historikers aus Vorträgen erwachsen ist,, die wohl vor annähernd zehn Jahren gehalten sein mögen, ist es heute von höchster Aktualität. Denn gerade jetzt stehen ja die deutsch-französischen Beziehungen wieder auf der Tagesordnung der, Politik. Sie zu „entgiften" und zu normalisieren hat sich der deutsche Friedensplan zur wesentlichsten Aufgabe gestellt. Die französische Antwort hat bereits erkennen lassen, wie schwer es allein psychologisch schon ist, die Grundlage für eine gemeinsame Aussprache mit dem Ziel der politischen Verständigung beider Völker zu finden. Warum das so ist, darauf gibt das Buch Hallers treffend Antwort. Es geht zurück auf die Entstehung der beiden Nattonen aus der Auflösung des fränkischen Reiches und arbeitet nun in großartigem Ueberblicf aus der Fülle geschichtlicher Erscheinungen die für das Thema wesentlichen und merkwürdigen heraus. Wer, wie die deutsche Generation unserer Tage aufrichttg und sehnlich die deutsch-französische Versöhnung wünscht, weil er weiß, daß nur auf einer verständnisvollen Zusammenarbeit beider Völker sich ein wahrer europäischer Friede errichten läßt, der muß auch die Schwierigkeiten einer solchen Bemühung in ihrem vollen Umfang kennen. Dazu gehört bei der Volkspsyche unserer Nachbarn in erster Linie die Vergangenheit. Das Schlagwort von Frankreichs bedrohter Sicherheit, mit dem heute die französische Politik ihr Mühen um „zusätzliche" Garantien, um ein kollektives Sicherheitssystem begründet, ist in Wahrheit so alt, wie die Vorstellung von Frankreichs „natürlichen Grenzen". Es ist gut und notwendig, an der sicheren Hand eines Historikers vom Rang Johannes Hallers diese tief in der Vergangenheit beider Völker wurzelnden, aber die Politik der Franzosen heute sogut wie einst beherrschenden Vorstellungen kennen zu lernen. Nur dann werden wir ganz die Größe der Aufgabe erfassen können, die wir uns gestellt haben. — e — Friedrich Lützow, Konteradmiral a. D., „Sieger auf sieben Weltmeeren". Lebensbilder großer Admirale mit vielen Bildern. Kartoniert 2 RM., Ganzleinen 2,85 RM., Verlag Ullstein, Berlin. — (117) — Das Buch will im deutschen Volke die Liebe zur See wachhalten, und die Notwendigkeit einer wehrhaften Seefahrt an Beispielen aus der Weltgeschichte zeigen. Die Männer, die hier geschildert werden, gehören verschiedenen Völkern an und dienten verschiedenen Ländern. Aber ihnen allen war eigen die Wirkungskraft der großen Persönlichkeit, die sie allein zu Führern im Seekrieg befähigten. Das Buch beginnt mit dem Danziger Hanseaten Paul B e n n e ck e , der in der Zeit ärgsten Daniederliegens der Reichsgewalt die deutsche (Seegeltung gegen die nordischen Mächte, gegen Frankreich und England erfolgreich verteidigte. Ganz anderer Art war Don Juan d'Austria, der Sohn Karls V., der in der Seeschlacht bei Le- panto mit Spaniern und Venezianern die Christenheit vor der Türkenflut rettet. Hollands Seeherr- schast erreichte ihren Höhepunkt unter seinem großen ^miral Michael d e Ruyter, der ein Beispiel bafür ist, was durch Zähigkeit und Klugheit aus einem einfachen holländischen Schiffsjungen werden kann. Die englische Marine ist neben Nelson, heften ruhmreiche Geschichte jedermann kennt, mit Edward Hawke vertreten, der ohne glänzende Anlagen durch seine im harten Dienst erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten, seine Rechtschaffenheit und nüchterne Urteilskraft bahnbrechend wurde für Öen Aufbau der englischen Flotte, wie für die moderne englische Kriegskunst. Ganz anderer Art ist der „Sieger aus Ruhmbegier", der Franzose Pierre Andre de Sufsren, der unter großen Schmie- rigfeiten Ostindien gegen die Engländer verteidigte. : Aus dem amerikanischen Bürgerkrieg lernen wir Admiral Farragut kennen, ganz ein Selfmade- man, der durch Zufall aufs Wasser kommt und hier i seinen Mann steht, bis ihm der Bürgerkrieg di« । große Gelegenheit gibt, seine glänzenden Filhrer- eigenschasten unter Beweis zu stellen. Die moderne Seekriegsgeschichte beginnt mit der glänzenden ©«• statt des Österreichers T e g e 11 h o f f, der mit „Süße Frauenbilder zu erfinden, wie die bittre (Erbe sie nicht hegt" — könnte mit gleichem Recht auch über diesem neuen Buche stehen, dessen Heldin, mancher ihrer Vorgängerinnen in Schaeffers früheren Erzählungen geschwisterlich verwandt, für viele Leser bald zu den unvergeßlichen Frauengestalten zeitgenössischer deutscher Dichtung gehören wird. —y— — Gerhard Ellert: Der König, Erzählung. F. G. Speidelsche Verlagsbuchhandlung, Wien IX. Preis in Leinen geb. 4,60 Mk. — (132) — Der Verfasser hat sich schon durch eine Reihe großangelegter historischer Romane einen Namen gemacht. Diese kleinere Erzählung ist ein Ausschnitt aus der überaus farbig schillernden Welt der Kreuzzüge. Das Aufeinanoerprallen von Orient und Okzident, das Zusammentreffen so vieler abenteuerlustiger, von religiösem Fanatismus, aber auch von Eroberungslust und Machtgier ergriffener Elemente schuf eine Atmosphäre der Spannungen, die sehr wohl den Vorwurf zu dichterischer Behandlung geben kann, und es ist eigentlich verwunderlich, wie selten dies tatsächlich der Fall gewesen ist. Ellert hat aus der Fülle des Geschehens in der Zeit der Kreuzzüge die wenig bekannte episodenhafte Gestalt des Markgrafen Konrad von Montserrat herausgegriffen, eines oberitalienischen Ritters, der während des dritten Kreuzzuges, als das Christenheer nach dem Tode Friedrich Barbarossas im Flusse Saleph daran verzweifelte, gegen Saladin die heili- gen Stätten zu behaupten, dank seiner starken Persönlichkeit und seiner Verbindung mit Elisabeth, der Erbin des Königreichs Jerusalem, zum Führer erkoren wurde. In der Gestatt Konrads, in dessen Brust Herrschsucht und persönlicher Ehrgeiz die religiösen Motive des Kreuzfahrers weit überwiegen, ist Ellert ein geschlossenes Charakterbild von starkem Eindruck gelungen. Nicht minder scharf gezeichnet ist die machthungrige Elisabeth. Sie beide wollen für sich im Heiligen Lande ein Reich aufbauen, das, gesichert gegen die wechseloollen Stürme der Kreuzzüge, in einer der damaligen Zeit weit vorauseilenden Toleranz Christ und Muselmann gleicherweise Wohlfahrt und Sicherheit bringen sollte. Aber- Konrad hatte geglaubt, sein Ziel ohne die Freundschaft der Assassinen erreichen zu können, einer strenggläubigen islamischen Sekte, die das Randgebirge beherrschte. Der Stahl eines vom beleidigten Assassinenscheich ausgesandten Mörders streckte den eben mit der Königskrone von Jerusalem geschmückten Montserrat nieder. Ein kühner Traum, dessen Verwirklichung die Geschichte des Heiligen Landes anders hätte gestalten können, war nur Episode geblieben. Die Erzählung Ellerts ist überaus spannungsreich, auch die Nebengestal- ten, wie Richard Löwenherz und Philipp August, sind gut charakterisiert, die Stimmung der Zeit ist gut eingefangen. —e. von Madagaskar nach Südafrika, der nächsten Sta- tion seines Reporterlebens, geht durch die Pest- baracken von Durban und ein Arbeitslosenasyl der Heilsarmee. Nur ein Zufall rettet den durch Mißverständnisse gänzlich Verschollenen vor dem Untergang, Dann aber kommt er in den Kreis des großen Cecil Rhodes. Es ist die Zeit äußerster Spannungen zwischen dem Jamesonraid und dem Beginn des Burenfeldzuges. Recking lernt alle Leute kennen, die zu dem Problem hüben wie drüben irgend etwas zu sagen haben. Er ist zum Wochen- end auf der herrlichen Besitzung von Cecil Rhodes, er trinkt Kaffee bei Ohm Krüger, er hat ein Interview mit Dr. Leyds, dem geistigen Inspirator der den Burenpräsidenten beherrschenden holländischen Clique, die keine Versöhnung mit England will und zum äußersten treibt. Als Soldat der M. M. P., der Polizei des Mashonadistrikts, zeick- net Recking sich dann im Kampf gegen aufständische Eingeborene aus. Offizierspatent und Medaille offnen dem Deutschen nun in London alle Türen. Er tritt in die Dienste des Reuterbüros und lernt die englische Soziety ebenso kennen wie die diplomatische Welt. Seine Schilderung englischen Lebens um die Jahrhundertwende gehört zu dem interessantesten und aufschlußreichsten seines Buches, wenn auch freilich das spannendste Kapitel die Teilnahme am Mahdi-Feldzug Kitcheners und an der Eroberung von Omdurman behandelt. Eine Fülle von Gestalten der modernen Politik und des gesellschaftlichen Lebens, ein Wirbel der Ereignisse und doch ist es nicht dieses Kaleidoskop der Geschichte, das den Reiz dieses Buches allein ausmacht, sondern die Persönlichkeit dieses jungen Deutschen, der es versteht, in der großen Welt der Politik und Gesellschaft so ganz seinen Mann zu stehen. Die vielen kritischen Streiflichter auf die deutsche Außenpolitik dieser Jahrzehnte können uns auch heute noch eine Hl Mark. mit hatte Frankfurt a. M., 19. Juni. Die Börse Wirtschaft I Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 2U. Berlin Frankfurt a.M. Berlin Frankfurt a.M. Schlußt. börse 18.6 119,25 119,5 Banknoten. 95 109,5 100,25 98,9 101,75 97,5 95 109,5 0 8 6 7 2,75 10 9,55 9,75 14 101,75 97,5 95 109,5 15 28,5 16,13 123,65 117,25 93,25 94,75 94,75 195,5 36,4 151,25 135,13 154,75 134,25 142,5 135,5 157,75 207 139,5 Schlußk. mittag» börse Schlußkurs gen., Ser«' Stutt» - (32), ierten.' A.E.G ......................••••• Elektr. Lieferungsgesellschaft... Licht und Kraft ............. 104,5 132 129 109,4 170,5 137,5 105 101,4 einem Reingewinn von 98 705 (67 372) Nbein-Mainische Börse. rNittagsbörse knapp gehalten. 33,5 2,8 9,8 9,35 9,55 14,1 11,8 Iten )ein= trge. Bo» für die vordem tnis mp- olge. >chen 'M Haus unter rstel» imer» rver» Orts» e er» ., die ■W 35 2,85 10 9,5 9,75 33,25 9,75 9,3 9,45 14 Die Edeka zentrale, die Zentraleinkaufsgenossenschaft der örtlichen Edeka-Genossenschaften erzielte im Jahre 1935 einen Umsatz von 156,5 (154,3) Millionen Mark. Die Gesamtunkosten stellten sich auf 1,3 v. H. (1,44 o. H.) vom Umsatz. Das Geschäftjahr 1935 konnte mit einem Gewinn von 95 350 (61590) Mark abgeschlossen werden. Die an die Edeka-Genossenschaften im letzten Jahre ausgeschütteten Rückvergütungen betrugen 633 000 (502 000) Mark. Die Edekabank, das zentrale Finanzinstitut der örtlichen Edeka-Genossenschaften, konnte im Jahre 1935 ihren Umsatz auf einer Seite des Hauptbuches auf 1280,8 (1193,4) Mill Mark erhöhen. Der Mehrumsatz betrug also rund 87 Mill. Mark. Die Spareinlagen sowie die sonstigen Einlagen haben sich auch im letzten Jahre wieder erhöht. Die Edekabank schließt ihr Geschäftsjahr 1935 7,4 9,8 5,9 44,5 Felten & Guilleaume 4 Gesellsch.f.Elektr.Untemehmung. 6 Rheinische Elektrizität ........ ® Rhein. Wests. Elektr 6 Schuckert L Co...............® Siemens S Halske ® Lahmeyer L Co 7 1 *% Oesterrelchische Goldrente... 4,20% Oesterreichische SUberrente 4% Ungarische Goldrente....... 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 414% deSgl. von 1913.......... 5% abgest. Goldmexikaner von 99 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe Serie ..................... einer devisenrechtlichen Derfügungsbeschränkung. Diese Befreiung gilt ebenfalls für ihre freien Wäh- rungs- und freien Reichsmarkguthaben. Sie gilt jedoch nicht für solche Personen, die sich polizeilich zu dauerndem Aufenthalt im Inland angemeldet haben oder bei den Finanzämtern als unbeschränkt steuerpflichtig geführt werden. Ich weise darauf hin, daß diese Freistellung nicht für Sperrguthaben gilt, die etwa zu Lasten der freigestellten ausländischen Werte erworben sind. Die vorstehende Befreiung ermöglicht dem freigestellten Reisenden auch ein längeres Verweilen in Deutschland, ohne daß eine Fühlungsnahme des Reisenden mit der Reichsbank oder den Devisenstellen wegen der Klärung seiner devtsenrechtlichen In- oder Ausländereigenschaft notwendig wäre. Jahresbericht der Edekazentralorganisationen für das Zahr1S3S. Der Jahresbericht der Edekazentralorganisationen, der Spitzenorganisation der Selbsthilfeunternehmen des deutschen Kolonial- und Feinkosteinzelhandels, hebt einleitend die Aufwärtsbewegung im deutschen Wirtschaftsleben hervor. Dem Bericht des Edeka-Berbandes ist zu entnehmen, daß am 1. Ja- nuar 1936 die Organisation 461 Mitglieder zählte, darunter 456 Einkaufsgenossenschaften, vier Zentralorganisationen und 1 Handelskammer. Einem Zugang von 14 Einkaufsgenossenschaften stand ein Abgang von 8 gegenüber, und zwar 5 infolge Verschmelzung mit anderen Genossenschaften, zwei infolge Auflösung und 1 infolge Kündigung. Von den Genossenschaften führen 372 die Bezeichnung „Edeka" (zumeist in der Verbindung „Edeka-Groß- handel") in ihrer Firma, um ihre Zugehörigkeit zur Organisation offen zu zeigen. In Ausübung der ihm als Prüfungsoerband obliegenden Aufgaben hat der Edekaverband im abgelaufenen Jahre das schon lange angestrebte Ziel der einjährlichen Prüfung erreicht. Als Zeichen wirtschaftlicher Gesundung kann hervorgehoben werden, daß die Zahl der skandierenden Genossenschaften Ende 1935 auf rund 440 angestiegen ist, also das Prinzip der Barzahlung der Edeka-Genossenschaften fast 100prozen- tig erreicht wurde. . Die Spar- und Arbeitsgemeinschaft der Jungkaufleute des deutschen Kolomal- und Feinkost-Einzelhandels (Spara) wies Ende 1935 146 Ortsgruppen und 1 Reichssammelgruppe auf, die 5380 Mitglieder (davon 4078 ordentliche und 1302 fördernde) umfaßt. Die Sparkonten haben gegen das Vorjahr um 369 mit einer Sparsumme von 125 000 Mark zugenommen. Insgesamt wurden 1935 rund 200 000 Mark gespart. Unter Zuhilfenahme von Sparkrediten konnten sich bis Ende 1935 insgesamt 115 Jungkaufleute selbstständig machen. Hierbei wurden rund 400 000 Mark Spar-Kredite zusätzlich zur Verfügung ge- *6). 226 Jer» !er> eilt, 3. che- lei» nie bis» am -her die imt. urch und tigsc iges Iles, den, dem halten" alität- sischen. 9 der, gieren. Wen. at be- W , emein» i $er» n bas M- • bei» ischen erbV'.A ie für i her- inferer zösilche ur aus beider dichten er sol- tennen. Warn Schlag- iit dem m „zu- irheits- vie die en^en". i Hand rs diese mrzeln» gut wie ,u Itr- iß- d-r «chellt eren. Silbern. Verlag n beut» ietJlot» fpielen ie hier foltern ihnen n P"- jeetrieg »anziger ,eit V deutsche gegen üeidig^' dtrio, bei Le- Christen Seeherr' n groß?", teil f“5 I9 gerne« ; e 11««,1 ■nnt, «!' «ende [oti erie« urhe su die m. r Art 's '■s* tricgI 5 5 BuderuS ; Deutsche Erdöl • 4 Harpener............. Hoesch Eisen—Köln-Neuessen .. 3 Ilse Bergbau ............... ® Ilse Bergbau Genüsse ® Klöcknerwerke ......... ® Mannesmann-Röhren 8 weiterhin wenig Umsätze bei zumeist abbröckelnden Kursen. Trotz des kürzlichen Widerspruches tauchten erneut Anleihegerüchte auf, die besonders einen leichten Kursrückgang am Anleihemarkt nach sich zogen. Altbesitz 112,60 nach 113, Kommunal-Um- schuldung bei anhaltender Nachfrage 89,50 (89,65). Aktien bedeutend ruhiger, IG. Farben gaben insgesamt 1,25 v. H. nach. Am Elektromarkte war die Kursentwicklung uneinheitlich, aber nach oben und unten nur um Bruchteile eines Prozentes verändert. Etwas bemerkenswertes lag hier nicht vor. Deutsche Linoleum auf die 2prozentige Dividendenerhöhung zunächst 0,75 o. H. höher, Deutsche Linoleum gewannen insgesamt 6 v. H. auf 187,50. Kaufhof gut gehalten. Bau- und Zementwerte lagen eher schwacher, so Berger um 2,50, Holzmann um 1, Zement Heidelberg um 1 v. H. Auch Zellstoffwerte noch leicht gedrückt, Aschaffenburger 1 v. H. niedriger. Anfangs bröckelten Montanwerte durchweg ab, wobei Hoesch 0,65, Rheinstahl 0,40, Mannesmann 0,50, Verein. Stahlwerke 0,25 v. H. verloren. Schiffahrtswerte im Nachklang der HV.- Ausführungen erholt und zwar Hapag um 0,50, Nordd. Lloyd um 0,65. Im einzelnen stellten sich Daimler auf die Ausführungen in der HV. 0,65 d. H. niedriger, im übrigen lagen Motoren- und Maschinenwerte etwa gehalten. Reichsbank verloren 1,13, Reichsbahn-Vorzugsaktien 0,13 v. H. Aku. um 0,40 v. H. schwächer. Auf den Abschluß lagen Jetter & Scherer 0,75 o. H. freundlicher. Auslandsrenten im allgemeinen ruhig, aber ungarische EE-Werte 0,25 bis 0,50 v. H. freundlicher, desgleichen serbische Anleihen. Auch Rumänen unter Berücksichtigung des Zinsabgangs bis 0,13 v. H. fester. Im Verlaufe wurde die Haltung bei nach wie vor kleinstem Geschäft etwas fester, IG. Farben wieder 171,75 (171,25), Mannesmann 100,50 (100), Daimler 125,40 (125), Verein. Stahlwerke 95,25 (95). Deutsche Anleihen ohne Veränderung, von Auslandsrenten blieb die Haltung für Ungarn und Serben freundlich. 14er Oesterr. Schätze 45 (44). Der Pfandbriefmarkt weiterhin unverändert, Stadtanleihen wieder fast umsatzlos. — Tagesgeld 2,75 v. H. Abendbörse behauptet. Die Abendbörse wies gegenüber den Mittagschlußkursen teilweise eine leichte Befestigung auf, da von der Kundschaft kleinere Kaufaufträge vorlagen. Deutsche Linoleum wurden auf die Dividendenerhöhung mit 189 genannt. Etwas Interesse erhielt sich für Schiffahrtsaktien, Hapag gut behauptet. IG. Farben 172,25 nach 172. Der Rentenmarkt hatte keine wesentlichen Veränderungen. Altbesitz 112,65 (112,65). Auch Auslandsrenten ruhig. 4proz. Rumänen unverändert 5,90. D€x Verlauf der Abendbörse blieb ruhig, nur Deutsche Linoleum bei kleinen Umsätzen 190 nach anfangs 189, dagegen südd. Zucker 3 v. H. schwächer mit 233 (236). Auch der Rentenmarkt war weiterhin ruhig bei unveränderten Kursen, Altbesitz wurden 112,65, 6proz. Verein. Stahlwerke 102,75, 4proz. Ungarn-Gold 10, 4proz. Ungarn-Kronen 3,35, Lissabon Stadt 75, 4proz. Rumänen 5,85, Reichsbank 196, DD.-Bank 94,50, Commerzbank 93,25, Dresdner Bank 94,75, Adca 77, Buderus 105, Harpener 128,50, Mannesmann 121,25, Verein. Stahlwerke 95,75—95,90, Aku 56, MAN 125, BMW. 139,50, Betula 151, Chemie Basel volle 246, dto. 5proz. 171, Conti Gummi 192, Erdöl 132, Scheideanstalt 270, Deutsche Linoleum 190, IG. Farben 172,25, Gesfürel 142,50, Goldschmidt 114,75, Gritz- ner 33,40, Holzmann 124,50, Junghans 100,75, Lahmeyer 139,50, Metallgesellschaft 136, Moenus 91, RWE. 135,50, Schuckert 158, Stollwerk 114,75, südd. Zucker 233, Schöfferhof-Binding 183, Deutsche Reichsbahn-Vorzugsaktien 123, AG. für Verkehrswesen 123,50, Hapag 15—15,25. Hamburg-Amerika-Paket ..... 0 Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 Norddeutscher Lloyd ......... 0 A.G. für Verkehrswesen Alt. .. 0 Berliner Handelsgesellschaft ... 6 Commerz- und Privat-Banl... 4 Deutsche Bank und Disconto- Gesellschaft................ 4 Dresdner Bank 4 Reichsbank ................ seiner kleinen Flotte in der Seeschlacht von Lissä 1866 unvergänglichen Ruhm errang. Die neue Weltmacht der Moderne trat recht eigentlich in den Kreis der Weltgeschichte mit der Seeschlacht von Tsuschima, in der Admiral Togo die Russen schlug, und damit seinem Lande das Anrecht auf die Vorherrschaft in Ostasien erkämpfte. Die Reihe der Seehelden schließt mit unserem unvergeßlichen Admiral Scheer, dem Führer der jungen deutschen Flotte in der Schlacht am Skagerrak. Daß der Verfasser jedem seiner Lebensbilder einen kurzen historischen Abriß zur Einführung und Erläuterung vorangestellt hat, macht das Buch auch für unsere Jugend besonders wertvoll. —e Aeues vom Infel-Vmag. — Goethes schönste Briefe. 103 Seiten. Insel-Bücherei Nr. 487. Im Jnsel^Verla-g, Leipzig. — (160.) — Von dem Frankfurter Dankschreiben des jungen Studenten an die Familie Schönkopf in Leipzig bis zu dem Weimarer Brief des greifen Dichters (fünf Tage vor seinem Tode) an Humboldt faßt das Bändchen aus der riesigen Fülle des Goetheschen Briefwechsels eine Auslese jener persönlichen schriftlichen Zeugnisse zusammen, die als „die schönsten" bezeichnet werden können in einem ganz bestimmten Sinne: aus denen nämlich die Sprache des Herzens vernehmbar wird und die als unmittelbarste, ganz menschliche Aeußerungen eines berühmten Mannes und Weltgenies empfunden werden können. Natürlich wird sich jeder Kenner und Liebhaber allenthalben seine eigene Auslese schönster Briese, schönster Gedichte, schönster Erzählungen selbst zusammenstellen wollen, und das Nachwort weist schon von sich aus einsichtig genug auf die Relativität eines derartigen Unternehmens hin und räumt ein, daß der Kenner manchen Brief vermissen oder andere Briefe für die schönsten hal- EZluß. Absahregelung für Frühkartoffeln in Hessen-Nassau. Für den Absatz von Frühkartoffeln, die vor dem 15. August 1936 in Verkehr gebracht werden, ist durch den Kartoffelwirtschaftsverband Hessen-Nassau am 16. Juni eine umfassende Regelung be- kanntgegeben worden. Innerhalb der Landesbauernschaft Hessen-Nassau werden die Hauptanbaugebiete für Frühkartoffeln zu geschlossenen Anbaugebieten erklärt; es handelt sich um die Gebiete Main-Taunus, Oberhessen, Rheinhessen, Starkenburg, Rodgau, Bergstraße. Für den Absatz von Frühkartoffeln in diesen geschlossenen Anbaugebieten gilt die Bestimmung, daß die Erfassung der Frühkartoffeln durch Ortssam- mel stell en vorgenommen wird; jeder Anlieferer muh zu Beginn der Ernte in eine Liste ausgenommen werden, wonach er eine Er - jeugernummer erhält. Soweit die Frühkartoffeln nicht im eigenen Betrieb verwendet oder am Ort der Erzeugung dem Verbraucher zugeführt werden, müssen sie restlos der Ortssammelstelle abgeführt werden. Als Bezirksabgabestelle ist die Bäuerliche Hauptgenossenschaft Rhein-Main-Neckar, Frankfurt am Main, Hermann-Göring-Ufer 12 (Fernsprecher Nr. 20401), eingesetzt worden. Die Verteiler melden dort ihren Bedarf an. Zum Kauf im nicht- angeschlossenen Anbaugebiet sind nur diejenigen Verteiler berechtigt, die im Besitz des vorgeschriebenen Frühkartoffelschlußscheinheftes sind. OevisenanbietungSpflicht für Olympiareisende. 19.6. 101,13 99,13 103 112,65 100,25 98,75 97 101,25 93,5 123,5 119,25 97 101,4 101,75 97,5 95 109,5 18.6 101,4 99,13 102,5 113 100,3 98,75 97 19-6 101,N 99,13 103,25 18.6 101,65~ 99,13 103 113 100,25 98,75 97 101,13 93,5 123,5 119,25 97 101,6 101,75 Amerikanische Noren Belgische Noten Dänische Noten .......... Englische Noten Französische Noten Holländische Noten Italienische Noten Norwegische Noten Deutsch Oesterreich, t 100 Schilling Rumänische Noten............... Schwedische Noten Schweizer Noten Spanische Noten ..... Ungarische Noten .......... ten werbe. „Aber diese Auswahl wendet sich sa in erster Linie nicht an die Kenner, ... sondern vor allem an die, denen die Gesamtheit der Briese Goethes ... nicht zugänglich ist — sie sollen sich dem Menschen Goethe öffnen, wenn sie hier die Sprache eines Herzens vernehmen..." Und wer vernähme ie nicht schon in jenem erwähnten ersten Brief an )ie Schönkopfs, in einem andern an Charlotte vom September 1772, an Karl August (Leipzig 1776), an Charlotte (Geburtstag 1781; Weihnachten 1786), ober an Christiane aus dem Lager vor Verdun, 1792, um nur einige besonders charakteristische herauszugreifen. — Die Gießener Leser des Bändchens dürfte aus gewissen Gründen der Brief an Johann Georg Christian Kestner (Frankfurt, 25. Dezember 1772) interessieren. —y— — Anton Kippen berg: Geschichten aus einer alten Hansestadt. Im Insel- Verlag, Leipzig. Preis gebunden 3,80 Mark. — (182) — Wir haben hier vor einiger Zeit die ganz ausgezeichnete Stadtgeschichte Bremens von Georg Bessel angezeigt, von der wir wünschen möchten, daß sie auch für andere deutsche Städte von Rang Schule machen möchte. Anton Kippenberg, der Inhaber des Jnselverlags und selber bedeutender Sohn der Stadt Bremen, hat uns zu dem Buch von Bessel gleichsam das Rankwerk geflochten. Die Eigenart dieser Stadt im Nordwesten des Reiches, das Ausfalltor in die große Welt und trotzdem so exklusiv wie keine andere, hat Kippenberg in altem Brauchtum und geschichtlicher Tradition deutlich ge- gemacht. Ein Kranz von Anekdoten spinnt sich um viele sonderbare Menschen, in denen wir den bremischen Volksstamm besser kennenlernen als in weitschweifigen Abhandlungen. Es sind Gestalten, die haften bleiben. Kippenberg versteht es, den Geist dieser Stadt in so anmutiger Weise lebendig werden zu lassen, daß auch der Nicht^Bremer gern zu diesem anziehenden Büchlein greifen wird. —e Frankfurter Obst- und Gernüsernarkk. Frankfurt a. M., 19. Juni. Am Obst- und Südfrüchtemarkt waren die Zufuhren der Nachfrage entsprechend reichlich; in Kirschen zunehmend. Himbeeren und Johannisbeeren waren erstmalig am Markt, allerdings noch in geringen Mengen. Bei schleppendem Verkauf lagen die Preise kaum verändert. Ausländische Aprikosen gut, Pfirsiche in genügenden Mengen am Markt. Die Nachfrage war nicht befriedigend. Gemüse hatte starkes Angebot. Ueberangebot bestand in Kohlrabi und Wirsing. Die Preise waren durchweg etwas rückläufig; Nachfrage war aüaemein befriedigend. Deutsche Frühkartoffeln waren erstmalig am Markt. Ausländische Bohnen, Tomaten gut, Kartoffeln gering angeboten. Bei lebhaftem Verkauf hatten Bohnen und Tomaten fallende Preise. U. a. notierten: Blumenkohl 15 bis 50, Bohnen, börse 19.6. Körbchen etwa 5 Kilo brutto, 1,50 bis 1,60, ital., dieselben, Treibhaus, 50, Erbsen 12 bis 15, Gewürzel, großes Bündel, 30 bis 50, Gurken 8 bis 45, dieselben, holl. 23 bis 25, Karotten 4 bis 6, gelbe Kartoffeln, alte 4,05 bis 4,10, Erstlinge 11,—, Kohlrabi 2 bis 6, Kopfsalat 4 bis 7, Petersilie 30 bis 35, Rettich, Stück 5 bis 12, Spargel 8 bis 34, Spinat 10 bis 13, Weißkraut 8 bis 10, Wirsing 4,5 bis 7, Zwiebeln mit Schlotten, Bündel 5 bis 12, dieselben, Aegypt., 10,5 bis 11,5, dieselben, ital., 9, Aepsel, Kiste, etwa 18 bis 19 Kilo netto, austr., 17 bis 20, Aprikosen, brutto 32 bis 35 span., Erdbeeren la 42 bis 48, dieselben I 35 bis 40, II 30 bis 32, III 24 bis 26, dieselben Monats, 60 bis 65, Garten-Himbeeren 50, Johannisbeeren 30 bis 34, Kirschen 22 bis 38, Sauerkirschen 26 bis 30, Pfirsiche, ital., 35 bis 45, Stachelbeeren 14 bis 15. Frankfurter Eiermarkt. Fr ankfurt a. M., 19. Juni. Die Eiererzeugung hat, der Jahreszeit entsprechend, bereits den Höhepunkt überschritten und -eicht unbeträchtlich abgenommen. Die Versorgung von Frankfurt und den anderen größeren Verbrauchsplätzen ist besonders dadurch recht knapp, daß im Hinblick auf die Vorratswirtschaft die Eier aus den deutschen lieber» schußgebieten in größerem Umfange eingekühlt werden mußten. Auch die Zufuhren von ausländischen Eiern aus Dänemark und Holland lassen in diesem Monat zu wünschen übrig. Es ist aber nach Beendigung der Vorratseinlagerung mit etwas besserer Versorgung des laufenden Bedarfs im nächsten Monat zu rechnen. Es notierten: Deutsche Markeneier S 10, A 9V2, B 9, C 8V2, D 8. Frankfurter Buttermarkt. Frankfurt a. M., 19. Juni. Die Buttererzeugung im Rhein-Maingebiet vermag den der Jahreszeit und dem Kurbetrieb entsprechenden recht hohen Bedarf zur Zeit vollständig zu decken. Da auch Butterlieferungen aus anderen Teilen des Reiches und Auslands-Kontingente hereinkommen, kann die im Gebiet erzeugte lagerfähige Butter im Umfange der Zufuhr von außerhalb noch bis voraussichtlich Anfang Juli in Kühlhäusern zu Vorratszwecken eingelagert werden. Auch die Großverteiler nehmen zur Zeit auf eigene Rechnung Einlagerungen vor. Es notierten in RM. per 50 Kilogramm frei Frankfurt a. M. (Großhandelsoerkaufspreise an den Kleinhandel): Deutsche Markenbutter 148, Feine deutsche Molkereibutter 145, Deutsche Molkereibutter 140—142, Landbutter 125, Holl. Butter 148. Bausparkasse Gemeinschaft der Freunde Wüstenrot. 233 Millionen Reichsmark Gesamtzuleilungen. Fwd. Frankfurt a. M., 17. Juni. Die ständige Steigerung der Neuzugänge habe sich auch in 1935 verstärkt fortgesetzt. Die Kasse berichtet über 7313 Neuaufnahmen mit 74,8 Millionen Reichsmark Vertragssumme; das find 60 v. H. mehr als im Vorjahr. Zu Ende 1935 ergibt sich ein Gesamtbestand von 43 626 Bausparverträgen mit 544,6 Millionen RM. Bausparsumme und von 1112 Vermögensbüchern mit 2,3 Mill. RM. Vermögensbuchsumme. Die Geldeingänge der Bausparer sind von 21,1 Mill. RM. um 25 v. H. auf 26,5 Mill. RM. gestiegen. Ein Beweis für die zunehmende Sparkraft weiter Kreise. Trotz der erheblichen Rückzahlungen von 6,6 Mill. Reichsmark auf den Wechselkredit konnte die Bausparkasse aus Mitteln des Berichtsjahres 1105 Bausparern 12,7 Mill. RM. zuteilen. Ende 1935 sind nunmehr insgesamt 16 346 Bausparern 232,8 Mill. Reichsmark Bausparsumme zugeteilt. Ein Viertel aller beteiligten Bausparer sind Arbeiter und mehr als 70 v. H. Lohnempfänger. Die Bilanz schließt (alles in Millionen Reichsmark) mit 101,6 ab. Der Gewinn in 1935 beträgt 0,72 (0,70) und wird restlos den geschäftsplanmäßigen Rückstellungen zuge- führt._____________________________________________________ Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstagnach. mittag geschloffen. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die (.inter den Papieren angeführten Zisf°rn geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividend- an. - Reich-bankdi-kont 4 v.H, Lombardzin-fuß 5 °.H. Dalum 4% oeMl. Serie ii ............ 5°^ Rumän. veretnh. Rente v. 1902 4'/r%Rumän.vereinh.Rentev.l913 4% Rumänische vereinh. Rente . 2%°/° Anatolier .............. Schluß« turs 18.6. Nachdem der Reichsminister der Finanzen durch Erlasse vom 18. April 1935 und 13. März 1936 angeordnet hat, daß Olympiareisenden durch Gewährung steuerlicher Erleichterungen einen Anreiz zum längeren Derweilen im deutschen Reichsgebiet gegeben werden soll und die Finanzämter angewiesen sind, alle Personen aus außereuropäischen Ländern, die seit dem 31. Oktober 1935 zugereist sind, für die Dauer eines Jahres, beginnend mit dem Tage der Einreise, nicht zu den direkten Steuern heranzuziehen, bestimmt der Leiter der Reichsstelle für Devisenbewirtschaftung in einem neuen Ruyderlaß folgendes: „Aus dem gleichen Grund befreie ich hierdurch auf Grund des § 1 Abs. 4 des Devisengesetzes im Einvernehmen mit dem Reichsbank-Direktorium alle Personen aus außereuropäischen Ländern, die zwischen dem 1. Februar 1936 und dem 1. August 1936 ins Inland eingereift sind oder einreisen, für die Dauer eines Jahres, beginnend mit dem Tage ihrer Einreise, hinsichtlich ihres ausländischen Vermögens und Einkommens von sämtlichen Beschränkungen der deutschen Devisengesetzgebung. Während dieser Zeit unterliegen sie daher mit ihrem auslan- bischen Vermögen weder der Anbietungspflicht noch stellt. Datum s% Deutsche Retchsanleihe v. 1927 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 5y2% Young-Anleihe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablöl.-Schuld mti Auslos.-Rechten ............ Auslvi.-Rechten .....------ Deutsche Komm. Sammelabl. An leihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten *y2% ehem.8% Franks. Hyp.°BanI Goldpse. 15 unkündbar bis 1935 6%% ehem. 4-/r% Franks. Hyp. Bank-Liqu.-Pfandbriefe •••••■■ 6y2% ehem. 4>/t% Rheinische Hyp.-Bank-Liqu.-Goldpfe. ... 4%% ehem. 8% Pr. Lanbespfand- briefanstalt, Pfandbriefe R. 19