Ur. 141 Erstes Blatt 186. Jahrgang Keltag, 19. Juni 1936 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monatr-Vezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüffe unterSammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen Postscheckkonto: STonffurt am Main 11686 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitats-Vuch- und Ztemdruckerei R. Lange in Sieben. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulftrahe 7 Annahme von Anzeigen für die Miltagsnummer bis 8^/,Uhr des Dormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text» anzeigen von70mm Breite 50 Rpf.,Plahvorschrist nach vorh.Vereinbg.25O/a mehr. Ermäßigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B MWsche Sozialpolitik in Frankreich. Von Or. Carl Wellthor. England sucht eine neue Plattform. Edens Erklärung im Unterhaus. — Oie Folgerungen aus der tatsächlichen Lage. Die Kritik der Opposition eine allgemeine.Regelung zum Zwecke der Befriedung Europas zu erzielen. Es handelt sich um ein umfangreiches Uebereinkommen für eine Anzahl europäischer Staaten, einen Luftpakt, ein Uebereinkommen über die Rüstungen, das die Rüstungsklausel des Vertrages von Versailles ersetzen sollte. Sehr bald hiernach führte Deutschland die allgemeine Wehrpflicht ein und die Lage wurde kompliziert, aber wir haben während des ganzen letzten Jahres in unseren Anstrengungen nicht nachgelassen, einen Luftpakt in Westeuropa zu sichern, sowie ein Abkommen über die Begrenzung bestimmter Formen der Rüstung. Aus bestimmten Gründen halten es die Deutschen für richtig, ihre Antwort aufzuschieben. getroffen wurden die Kleinunternehmungen (Handwerk). Die deutsche Ausfuhrfähigkeit wurde stark vermindert und dadurch die Beschäftigungsmöglichkeit für die vorhandenen Arbeitskräfte verringert. Die Beziehungen der einzelnen Volksgruppen untereinander wurden vergiftet, besonders das Verhältnis zwischen Unternehmern und Betriebsführern auf der einen, Angestellten und Arbeitern auf der anderen Seite. — In die gleiche Entwicklung ist jetzt Frankreich eingelenkt: es erhöht die Löhne und Gestehungskosten, ohne zu prüfen, ob dabei die Rentabilität und die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft gewahrt bleiben. Es ahmt die Arbeiterräts (Betriebsräte) nach, die Deutschland in den ersten eineinhalb Rachkriegsjahrzehnten den sozialene Frieden gekostet haben. Es dekretiert Arbeitszeitverkürzungen ohne Rücksicht auf die Arbeitsbilanz und auf die Ausfuhrinteressen. Allerdings fehlt in Frankreich die Tributbelastung gegenüber dem Ausland, nachdem man sich in Paris entschlossen hat, die Schuldverpflichtungen gegenüber den angelsächsischen Ländern zu ignorieren. Ob das jedoch genügt, die heutige französische „Sozialreform" erfolgreich zu machen, ist die Frage. Die Regierung nehme an, daß die anderen Völker auf der Vollversammlung Ende dieses Monats bereit seien, das wichtige Problem der Z u k u n s t des Völkerbundes zu behandeln. Sie sei der Ansicht, daß es klüger sein würde, wenn bie Behandlung dieser Frage b i 5 311 r normalen Vollversammlung tm September zurück a e st eilt würde. Er sei der Ueberzeugung, daß em universeller Völkerbund als we- Als ich das Auswärtige Amt übernahm, wies ich unseren Botschafter in Berlin an, dem Reichskanzler zu sagen, daß ich seine Ansicht über die Bedeutung einer engen Zusammenarbeit zwischen Großbritannien und Deutschland teilte. Am 7. März kam der deutsche Botschafter in das Auswärtige Amt, um mich davon zu unterrichten, daß deutsche Truppen an diesem Morgen in die demilitarisierte Zone gegangen waren. Die Plötzlichkeit der Handlung der deutschen Regierung erregte die größte Besorgnis in Belgien und Frankreich sowie in einem großen Teil Europas. Unter diesen Umständen bestand die Politik der Regierung darin, die Besorgnisse zu beschwichtigen, um so eine Lage zu schaffen, in der wohlerwogene Ueberlegungen möglich sein sollten. Wir nahmen nicht an, daß die Handlung der deutschen Regierung rückgängig gemacht werden könnte und haben dies auch nicht verlangt. Wir ersuchten aber die deutsche Regierung, einen freiw illi- gen Beitrag zur Wiederherstellung des Vertrauens zu leisten. Die deutsche Regierung fühlte sich leider hierzu nicht in der Lage. Wir haben alles getan, was wir konnten, um das Vertrauen wiederherzustellen, und die Besorgnisse zu beschwichtigen. Das war der Grund, warum wir am 19. März unsere Verpflichtungen gemäß dem Locarno-Vertrag erneut bestätigten. Aus diesem Grunde stimmten wir Besprechungen zu, um die technischen Bedingungen festzulegen, unter denen unsere Verpflichtungen im Falle eines u n p r 0 0 0 z i e r t e n Angrif- f e s durchgeführt werden sollten. Darüber hinaus stellten wir klar, daß wir bereit waren, mit Deutschland, Frankreich und Belgien über neue Nichtangriffspakte und Z icher h eits ab k0 m men in Westeuropa zu verhandeln. Darüber hinaus war es für uns und Europa wichtig, dessen versichert zu sein, daß Deutschland glaubt, daß ein Punkt erreicht worden ist, an dem es erklären kann, daß es den politischen Status Europas anerkennt, abgesehen davon natürlich, wie dieser späterhin durch freie Verhandlungen und Uebereinkommen abgeändert wird. Eine offene und beruhigende Antwort auf diese Fragen, dessen bin ich sicher, würde ein Signal für die Rückkehr des Vertrauens fein. Wenn eine Versicherung über diesen Punkt gegeben werden könnte, würden alle Elemente gegeben sein, die uns gestatten würden, den Versuch zu unternehmen, eine dauerhafte Regelung in Europa abzuschließen, die auf dem Verschwinden der entmilitarisierten Zone beruht. Aus diesem Grunde glaubt die Regierung dazu berechtigt zu sein, eine baldige Antwort der deutschen Regierung zu erwarten, eine Antwort, die, wie wir hoffen, einen Fortschritt der Verhandlungen bedeutet, die wir in erster Linie erfolgreich verwirklicht zu sehen wünschen. Die Aussprache mit Verlm nun im Vordergrund des politischen Zniereffes. Lloyd George fuhr fort, die Gesamtheit der Mittelmeermächte sei bereit, Großbritannien zu unterstützen und die Regierung laufe fort. Der auswärtige Handel Italiens sei um über dis Hälfte zurückgegangen. Valdwms Antwort. Die heftigen Angriffe Lloyd Georges riefen eine so starke Erregung hervor, daß stürmisch nach Baldwin gerufen wurde. Baldwin erhob sich. Nach Auffassung der Regierung sei die kollektive Sicherheit gescheitert, und die Regierung habe danach zu trachten, die Nationen in Genf zusammenzuführen. Für die kollektive Sicherheit müßten die Vollmachten des Völkerbundes zu jeder Zeit derart fein, daß eine Sicherung und sofortige Ueberlegen- heit gegen d i e Angreifer gegeben wäre. Die Mehrheit der europäischen Bevölkerung habe eine Auffassung vom Kriege, die mit Furcht nichts zu tun habe, sondern mit ihrer Kenntnis des wirklichen Krieges. Diese Völker würden kaum in den Krieg ziehen, wenn sie nicht glaubten, daß ihre eigenen Grenzen bedroht seien. Lloyd Seme erklärte, Eden gehe nach Genf, um den Völkerbund zu zerstören. Von diesem Augenblick an werde es nur noch internationale Anarchie geben. Als man die Sanktionen begonnen habe^ sei d i e Flotte nicht bereit gewesen. Sie habe keine ausreichende Munition unter dieser patriotischen Regierung gehabt. Er glaube es einfach nicht, wenn gesagt werde, daß die große britische Flotte den Italienern nicht hätte entgegengestellt werden können. Jetzt aber sei die Flotte voll ausgerüstet. Die Haltung der beiden wichtigsten Mittelmeermächte habe sich geändert. Blum habe dem britischen Außenamt mitgeteilt, daß Frankreich bereit fei, Großbritannien bei jedem Schritt zu unterstützen, den es zur Durchführung der Völkerbundssatzungen ergreife. Ob das wahr fei? Eden stellt fest, die französische Regierung habe erklärt, sie sei nicht bereit, die Initiative zur Aushebung der Sanktionen zu ergreifen. Sie fei aber bereit, mit der britischen Regierung zusammenzuarbeiten. internationale gepflegt. Im Weltkriege schieden sich die gemäßigten von den radikalen Marxisten an der Frage der Bewilligung der Kriegskredite. Als nach dem Kriege die marxistischen Parteien in Deutschland nahezu die Mehrheit in den Parlamenten errangen und in den Stadtverordnetenversammlungen zahlreicher großer Gemeinden die Macht eroberten, nahm die Aushöhlung der Privatwirtschaft tn schnellem Tempo zu. Dieser im Innern tobende Klassenkampf im Verein mit der Unfähigkeit, das Volk zu einer Selbstbehauptungsfront nach außen zusammenzuscharen, hat den Marxismus in Deutschland so gründlich disqualifiziert, daß er m den ersten Monaten nach dem nationalsozialistischen Umschwung über den Haufen geworfen, außer Landes getrieben, ausgetilgt werden konnte. Die stark marxistisch beeinflußte deutsche Sozialund Wirtschaftspolitik der ersten Nachkriegszeit enthielt viel von den Elementen der heutigen französischen Sozialreform. An erster Stelle stand die Eroberung von Rechten und materiellen Vorteilen, wie Arbeitszeitverkürzung und Lohnerhöhung, ohne Rücksicht daraus, ob dabei die Rentabilität der Wirtschaft erhalten blieb. Aus Popularitätsgründen I wurden hierbei die großen Unternehmungen beson- I her* aufs Korn genommen: aber am schwersten Die Sanktionen. London, 18. Juni. (DNB.) Das Unterhaus begann die Aussprache über die Aufhebung der Sanktionen. Das Haus war nur mäßig gefüllt. Die Galerien für die Diplomaten und das Publikum waren allerdings bis auf den letzten Platz besetzt. Wenige Minuten vor 16 Uhr erhob sich Außenminister Eden unter ironischen Zurufen der Opposition: „Steh fest!" Seit Beginn des italienisch-abessinischen Streites, 0 führte Eden u. a. aus, habe die Regierung bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt stets ihren vollen Anteil an der Kollektivhandlung übernommen. (Beifall der Regierungsmehrheit und Nieder!-Rufe der Opposition.) „Wir werden auch in Zukunft unseren vollen Anteil bei jeder Ent- cheidung übernehmen, die der Völkerbund auf der Vollversammlung Ende dieses Monats etwa ergreifen wird." Man müsse zugeben, daß der Zweck, zu dem die Sanktionen auferlegt worden seien, s i ch nicht verwirklicht habe. (Lauter Beifall der Regierungsmehrheit und Gegenrufe der Opposition.) Man habe sich eben schwer verrechnet. Der italienische Feldzug habe Erfolg gehabt. Die Hauptstadt und der wichtigste Teil Abessiniens seien von den Italienern militärisch besetzt und, soweit bekannt, sei keine abessinische Regierung in irgendeinem Teil des Gebietes des Negus bestehen geblieben. „Das ist eine Lage, die nicht anders als durch eine militärische Aktion von draußen geändert werden kann. Gibt es irgendein Land, das bereit ist, eine solche militärische Aktion zu ergreifen? Oder ist ein Teil der öffentlichen Meinung dieses Landes bereit, eine solche militärische Handlung zu ergreifen? (WacGo- vern, linker Flügel der Arbeiterpartei, ruft darauf: „Die Arbeiterpartei!" — konservative Zurufe: „Antworten!", worauf sich jedoch niemand von den Bänken der Opposition erhebt.) Ich bin der Ansicht, daß diese Tatsachen, obwohl sie unwillkommen sind, uns zu einer endgültigen Schlußfolgerung zwingen. Es ist klar, daß der Völkerbund, wenn er die Absicht hat, in Abessinien einen Frieden zu erzwingen, den er von Rechts wegen billigen kann, dann zu einer Handlung schreiten muß, die unvermeidlich zum Kriege im Mittelmeer führt. (Beifall der Regierungsmehrheit.) Ich glaube kaum, daß der Völkerbund eine solche Entwicklung oder eine solche Handlung begünstigt. Ich glaube auch nicht, daß dieses Land, das bei einem solchen Krieg d i e größte Last zu tragen hätte, ihn seinerseits wünscht." (Beifall.) Die britische Regierung sei auf seinen Ratschlag nach reiflicher Aeberlcgung zu dem Schluß gekommen, daß sie keine Wacht habe, noch länger diese Waßnahmen fortzu- sehen, um einen Druck auf Italien auszuüben. (Zurufe: „Schande!" bei der Opposition und Beifall der Regierungsanhänger.) Angesichts der Erfahrungen der letzten Wonate habe die Regierung weiter beschlossen, dauernd im Wittelmeer eine Verleid!- gungsstreitmacht z u unterhalten, die stärker sei als die vor Beginn des Streites. Der Völkerbund. ist, fo hat eine Aeuherung des französischen Wirtschatsministers S p i n a s se, die gehärteten Gelder würden heraorgeholt und für ine Belebung der heimischen Wirtschast verwendet werden, doch in sran- zösischen Sparerkreisen und an den ausländischen Börsen starken Eindruck gemacht . , , rm Art und Inhalt der französischen Sozialreform erinnern stark an die Entwicklung, die sich vor dem Weltkriege und in den ersten Nachkriegslahren inDeutschland vollzog. Die marxistische Sozml- demokratie organisierte die Massen der Industriearbeiter, um den sozialen Umsturz herbeizufuhren und das eigene Land als dienendes Gliet. m die Internationale einzubnngen. Man stntt sich lange und erbittert darüber, ob man stch mlt der Umsturzpropaganda begnügen ober der Ar beUerscha f t auch im „Gegenwartsstaat etwas bieten . olle Damals setzten sich in Deutschland die „Revisionisten (Re- ormisten) durch. Sie eroberten Zugeständnis au Zugeständnis und trösteten die Unentwegten mit der Erklärung, jede neue Errungenschaft der Arbeiterklasse schwäche ben Kapitalismus und moralisch und diene daher dem „enbfieg der marxistischen Sozialdemokratie. Der Internationa- üational"und auf den TaMng°n d'lr Gewerkschaft--1 de^aus-' Korn genommen; aber' am "schwersten Die erste Serie von Sozialgesetzen hat die f r a n- zösische Deputiertenkammer passiert und liegt dem Senat zur Entscheidung vor. Während der Formulierung dieser Gesetze sowie während ihrer Beratung und Verabschiedung in Kabinett und Kammer lastete der Druck des Streiks auf den Männern, die es unternommen hatten, Frankreich aus der sozialpolitischen Rückständigkeit zu „erlösen". Man muß zu einem der ältesten marxistischen Requisiten zurückkehren, um zu begreifen, daß während der Verwirklichung der Mas- fenforberungen durch eine Arbeiterregierung gestreikt unb die Versorgung des Vierzigmillionenvolkes gestört wurde. Dieser marxistische Satz lautet, daß dem Proletariat keine „Errungenschaft" fromme, die nicht dem Klassengegner mit Gewalt abgetrotzt werde. Es ist nicht recht verständlich, wie die französischen Gewerkschaften nach der Annahme der ersten Sozialgesetze in der Kammer Siegeshymnen anstimmen konnten. Die durch die Parlamentswahlen im Mai zur Macht gelangten Parteien der Volksfront hatten diese und andere Sozialforderungen auf ihre Fahne geschrieben und haben auch nach errungenem Siege nicht versucht, sich von ihren Zusicherungen loszusagen ober auch nur ihre Verwirklichung zu verschleppen. Es kann nicht ausbleiben, baß in der französischen Arbeiterschaft eine gewisse Begriffsverwirrung eintritt, — daß sie nämlich bie Verabschiedung der Sozialgesetze durch die Kammer als einen Erfolg ihrer Streiks ansieht. Immerhin müssen die Gesetze noch den Senat passieren und könnten dort stärkerem Widerstand begegnen als in der Kammer. Das auf seine „Demokratie" so stolze französische Volk hat zum überwiegenden Teil gar nicht gemerkt, w i e wenig demokratisch das erste Stück Sozialreform erledigt worden ist. Das Schicksal der vom Kabinett Leon Blum eingebrachten Gesetze war vor der Einbringung entschieden. Die Forderungen waren in Verhandlungen vom 7. Juni als Zugeständnisse der Regierung an die Vertreter der Streikenden bewilligt worden. sentlicher Garant abgerüsteter Staaten der Welt den Frieden aufrechterhalten könnte. Leider glaube er jedoch, daß ein solcher Völkerbund niemals existiert habe Deutschland. Die Mitarbeit Deutschlands ist für den Frieden Europas nicht zu entbehren und wir wünschen nichts besseres, als mit Deutschland zu diesem Zweck zusammenzuarbeiten. Das ist der Zweck, der dem Vertrag von Locarno zugrundelag. Im Februar dieses Jahres hat die gemeinsame britisch-französische Erklärung, die hier in London erzielt wurde, den Versuch gemacht, Die Unternehmerschaft hatte die zum Teil tief einschneidenden und die nationale Erzeugung auf eine völlig neue Grundlage stellenden Zugeständnisse mit grundsätzlichem Widerspruch, aber ohne viel Gegenwirkung hingenommen. Erst nach der Annahme der Gesetze in der Kammer haben sie die Kostenrechnung aufgemacht. Sie haben die Genugtuung festzustellen, daß die Regierung Blum nicht nur zur Durchsetzung der ersten Reihe von Gesetzen unter Druck gesetzt, sondern zwecks Fortführung des Reformwerks weiter unter Druck gehalten wird. Sonst hätte am 12. Juni nach Verabschiedung der Gesetze in der Kammer der Streik mit sofortiger Wirkung abgeblasen werden müssen. Ein französisches Wort lautet: „l’appetit vient en mangeant". Stellt sich dem französischen Arbeiter erst einmal der Streik als erprobtes Mittel zur Durchsetzung auch der überspanntesten Forderungen dar und sind damit nicht einmal Maßregelungen oder auch nur empfindliche Einkommensausfälle verbunden, so erscheinen die Arbeitsniederlegungen als wirksame und ungefährliche Mittel im sozialen Kampf. Dabei war der Streik vom Juni 1936 noch mit den wenig mächtigen Gewerkschaften der früheren Zeit durchgeführt worden. Künftige Streiks werden unter der Führung von Arbeiteroerbänden stehen, die unter der Wirkung der jetzt durchgeführten Koalitionsfreiheit erstarkt sein werden, und die in allen größeren Betrieben auf k l a s s e n kämpfe r i s ch e Arbeiterräte rechnen können. Das Gros des französischen Volkes sind nicht Industriearbeiter, sondern Bauern und Rentner, das heißt bourgeoise Elemente. Steigt infolge Lohnerhöhungen das Arbeitseinkommen und bleibt das Renteneinkommen unverändert, so vollzieht sich eine Verschiebung in der Lebensha11ung dieser beiden Bevölkerungsgruppen. Ministerpräsident L6on Blum ist der Ansicht, daß die Lohnerhöhung um durchschnittlich 12 v. H. keine Preis st eigerung zur Folge zu haben brauche. Er meinte, der Kapitalertrag ließe sich kürzen und die Steuerlast vermindern. Es ist unwahrscheinlich, daß sich die Lohnerhöhung durch Verringerung des Kapitalzinses und des Unternehmergewinns ausgleichen läßt, zumal der Nutzeffekt der Arbeit durch Arbeitszeitverkürzung bei unveränderten Wochenlöhnen und durch bezahlten Arbeiterurlaub herab- ae drückt wird. Für die große Gruppe der landwirtschaftlichen Unternehmer ist eine Senkung der Einnahmen ausgeschlossen. Im Gegenteil werden die französischen Bauern, deren Lage bereits seit Jahren recht gedrückt ist, auf die höheren Preise für Jndustriewaren mit Preiserhöhungen für landwirtschaftliche Erzeugnisse an - warten müssen. Findet sich aber die Dolksfront- Reqierunq mit einer solchen Preiserhöhung ab so schrumpft der Erfolg der Lohnerhöhung für die Industriearbeiter in nichts zusammen. Die letzten Leidtragenden aber, die ihre Last nicht mehr auf andere abbürden können, werden dann die kleinen Rentner sein, deren Abschwenkung zu den Sozialisten und Kommunisten die Volksfront erst in den Sattel gesetzt hat. Lohn- und Preissteigerung sind jedoch lediglich em anderer Name für Geldentwertung. Em Land mit Devisenfreizügiqkeit wie Frankreich kann auf ote Dauer zwischen inländischer Kaufkraft der Landes Währung und ihrer Bewertung durch das Ausland keinen haltbaren Damm errichten. Wenn auch das Gerücht, die Regierung Leon Blum plane die Abstempelung der gehorteten Banknoten und damit ihre Mobilisierung, ausdrücklich dementiert worden Wäre Großbritannien bedroht, so würde jeder Brite zu den Waffen greifen. Aber es brauche noch ein gutes Töll Erziehung, bis es sich zur Uebernahme aller der Verpflichtungen verstehen würde, die aus den Völkerbundssatzungen entstünden. Es sei von außerordentlicher Bedeutung für Europa, wenn Deutschland, Frankreich und Großbritannien Seite an Seite in Lurpa für den Frieden arbeiten würden. Deutschland habe den Krieg verloren und in den Friedensverträgen einen großen Preis bezahlt. Man habe Deutschland nur sehr geringe Rüstungen belassen und hätte gehofft, daß dies zu einer allgemeinen Abrüstung in Europa führen werde. Deutschland habe einen Blick in den Abgrund tun können, als der Kommunismus in Deutschland sein Haupt erhoben habe. „Der Reichskanzler Adolf Hitler Hal uns gesagt, daß er Frieden wünscht", und wenn mir das ein Mann sagt, so wünsche ich das auszuprobieren. Die Rolle, die Deutschland in Europa spielen kann, ist ungeheuer. Denn sich die Gelegenheit dafür ergibt, fo laßt uns tun, was möglich ist, um die Dinge zum Guten JU wenden. Der Friede ganz Europas ist es. dem Tag und Nach! hindurch unsere Sorge ge- gölten hat." Der Führer der Opposition, Attlee, brachte dann den Mißtrauensantrag gegen die Regierung Baldwin ein. Der Mißtrauensantrag ber Dienstag zur Debatte steht, besagt, daß die Regie rung mit ihrem Mangel an Entschloss enhett un Stärke im Hinblick auf die auswärtige Politik das Ansehen Großbritanniens untergraben, den Völkerbund geschwächt, den Mieden gefährdet und dadurch das Vertrauen des Unterhauses erschüttert habe. England hat feine Entschlußfreiheit wieder. Englische preffestimmen zur Llnterhaus-Erklärung Edens. London, 19. Juni. (DNB. Funkspruch.) Mit Ausnahme der Oppositionsblätter, die ihre Angriffe gegen die Regierung weiterhin verschärfen, stellt sich die Presse hinter die Erklärung Edens. „Time s" schreibt, die öffentliche Meinung billige Vie Stellungnahme der Regierung, wenn auch mit äußerster Zurückhaltung. Gleichzeitig verlange die öffentliche Meinung jedoch von der Regierung einer energische Führung der Geschäfte, deren Ziel es sein müsse, den Friedensgedanken am Leben zu erhalten. England- Minister hätten seit gestern erst recht die Pflicht, eine positive Außenpolitik zu betreiben. Wenn man in Paris ebenso von dem Wunsch beseelt gewesen wäre, wie in London, der Völkerbundssatzung zum Siege zu verhelfen, dann hätte unzweifelhaft auch ein Völkerbund, der nicht vollzählig war, noch sein Ziel erreichen können. Aber die Pariser Friedensoorschläge seien der sichere Anfang vom Ende gewesen. Es bedeute kein Makel für das britische Volk, daß es noch sechs Monate lang an der Fortsetzung der Völkerbundsbemühungen festgehalten habe. Eine ganze Kette von Versprechungen sei in einer Weise gebrochen worden, die in der neueren Geschichte einzig dastehe. Die Stresa front bleibe ein Trümmerhaufen; ferner verpflichte die Aufhebung der Sanktionen England nicht zur Anerkennung der Unterwerfung Abessiniens. Das britische Volk höre mit Freuden, daß die normalen englischen Verteidigungsanlagen im Mittelmeer fortlaufend verstärkt werden sollen. Die englische Oef- fentlichkeit erwarte von der Regierung aber auch umgehend die unzweideutige Versicherung, daß die Pläne Italiens keine finanzielle Hilfe in England finden werden. Die konservative „M o r n i n g Po st" begrüßt die Erklärung Edens mit größter Genugtuung. Die Saktionspolittk gegen Italien sei eine Beleidigung des gesunden Menschenverstandes und eine Bedrohung des europäischen Friedens. Durch ihre mutige Entscheidung, diese Politik zu beendigen, habe die britische Regierung ihre Entschlußfreiheit wieder gewann en. Sie habe viel dazu beige- tragen, das Ansehen wieder herzustellen, das England bei seinen vergeblichen Versuchen, den Völkerbund wirksam zu machen, verloren habe. — Das Rothermere-Blatt „Daily Mail" erklärte, daß der Völkerbund, nachdem die Sühnemaßnahmen begraben seien, verschwinden werde. Niemand werde das bedauern. Der Völkerbund habe die internationalen Reibungen und Feindseligkeiten verschärft. Seine Maßnahmen seien mit die Ursachen der heutigen unglücklichen Lage Europas. Das Organ der Arbeiteropposition „Daily 5) er alb' schreibt, die Regierung plane anscheinend eine vollständige und bedingungslose Kapitulation. Die feierlichen Dölkerbundsverpflichtungen der englischen Regierung von ehedem seien zu Papierfetzen geworden. Das englische Volk sei öffentlich entehrt. Mehrere Morgenblätter heben auch die Erklärungen Edens über die Notwendigkeit der deutschen Mitarbeit für den Frieden Europas hervor. „Times" schreibt: die künftige britische E.u r o- p a p o l i t i k wird der entscheidende Faktor in der Zukunft des Völkerbundes, d. h. in der Zukunft der wirtschaftlichen und politischen internationalen Zusammenarbeit sein. Ihr greifbares Ziel kann nur durch Verhandlungen mit Deut s ch l an d gesucht und erreicht werden. Die Gelegenheit ist jetzt gegeben, sowohl für England wie für Deutschland. Papierne Kreuzverhöre sind umständlich und unergiebig. Man könne von jemanden, mit dem man verhandeln wolle, nicht verlangen, daß er zunächst vor aller Oeffentlichkeit Zusicherungen über sein künftiges Wohlverhalten gibt. Ein solches Ersuchen werde den Wunsch nach Beratungen nicht fördern. Die Versprechungen seien entweder wertlos oder überflüssig. Besprechungen allein und nur Besprechungen könnten erweisen, ob es grundlegende Gegensätze zwischen britischen und deutschen Zielen gebe. Mißfallen in Gens. Nach ver- London, 19. Juni. (DNB. Funkspruch.) einer Reutermeldung aus Genf wird der britische Beschluß zugunsten einer Aufhebung der Sankttonen in Völkerbundskreisen als „u n v e r st a n d lich u nd beinahe unglaublich" bezeichnet.Es werde erklärt, daß England weitgehend unterstützt worden wäre, wenn es sich für die Aufrechterhaltung oder Verstärkung der Sanktionen entschieden hatte. Durch die Aufgabe der Sanktionen verliere der Völkerbund seine einzige Waffe, und England werde durch seine Initiative an Ansehen lieren. Mißvergnügen in Paris. Paris, 19. Juni. (DNB. Funkspruch.) Die Unterhaus-Aussprache gibt der Pariser Presse noch einmal Gelegenheit festzustellen, daß die französische Politik sich die Früchte habe entgehen lassen, die ihr von Rechts wegen zukämen. Man bedauere es, daß Frankreich die Gelegenheit verpaßt habe, von sich aus die Aufhebung der Sanktionen vorzu- schlagen. Pertinax wundert sich über die Behauptung Edens, daß Frankreich in der Sankttonsfrage seine Ansicht nie geäußert habe. Außenminister Delbos habe gerade darüber eine sofortige Unterredung mit Eden herbeisühren wollen. Aber das englische Außenamt habe es vorgezogen, auf eigene Faust zu handeln. Für die Zukunft könne man hoffen, daß sich die britische Regierung auf die deutsche Frage konzentriere. D'Ormesson erklärt im „Figaro", Baldwin und Eden hätten es verstanden, aus der Lähmung der französischen Politik und aus ihren Mißgriffen Nutzen zu ziehen. Die diplomatische Operation sei auf dem Rücken Frankreichs ausge- tragen worden und ausgerechnet auf dem Rücken derjenigen französischen Regierung, die am stärksten nach England hin neige. Reichsführer-GG. Himmler in sein Amt eingeführt. Berlin, 18. Juni. (DNB.) Der Reichs- und Preußische Minister des Innern, Dr. Frick, führte den durch den Erlaß des Führers und Reichskanzlers mit der einheitlichen Zusammenfassung der polizeilichen Aufgaben im Reich beauftragten Reichssührer°SS. Himmler in sein Amt ein. Auf dem Hof des Preußischen Innenministeriums Unter den Linden hatten die Offiziere, Beamten und Angestellten der Polizeiabteilung vor dem Hoheitszeichen des Reiches Aufstellung genommen. Reichsminister Dr. Irick führte u. a. folgendes aus: „Es ist das erste M a l während der tausendjährigen Geschichte Deutschlands, daß für das ganze Reich eine einheitliche Polizeiabteilung eingesetzt wird, ein Führer der gesamten deutschen Polizei, der die Einheitlichkeit der Exekutive in Deutschland verbürgt. Das ist wieder ein gutes Stück Reichsreform, an der wir seit drei Jahren mit Erfolg arbeiten." Dr. Frick dankte General Da l u e g e für das, was er für die Schlagkraft der Polizei getan habe. Insbesondere wird die Wehrmacht dankbar anerkennen, daß er ihr in der Landespolizei einen so gut ausbildeten Truppenkörper zur Verfügung stellen konnte. Zu Reichsführer-SS. Himmler gewendet, fuhr Reichsminister Dr. Frick u. a. fort: „Ich setze Sie hiermit in Ihren neuen Wirkungskreis als Chef der gesamten deutschen Polizei ein. Es ist eine ungeheuer große und schwere, aber auch schöne und dankbare Aufgabe, die Sie damit übernommen haben. Sie haben von Anfang an dem Führer treu und hingebend gedient, und Sie besitzen sein volles Vertrauen. Sie haben in der Politischen Polizei ein Instrument aufgebaut, das die Stabilität der inneren Sicherheit in Deutschland absolut garantiert. Die gesamte uniformierte Polizei sowie die Kriminal« und Derwaltungspolizei steht nunmehr unter Ihrem Befehl. Damit ist endlich der Zustand hergestellt, der staatsrechtlich und staatspolitisch auf die Dauer allein möglich ist. Ich bringe Ihnen, mein lieber Parteigenosse Himmler, mein volles Vertrauen entgegen, und bin überzeugt, daß Sie die gesamte deutsche Polizei so formen und führen, daß sie in guten wie in schlimmen Tagen allen Eventualitäten gewachsen ist." Reichsführer-SE. Himmler sagte hierauf u. a.: Wir sind ein Land im Herzen Europas, umgeben von offenen Grenzen, umgeben von einer Welt, die sich mehr und mehr bolschewi- siert. Wir haben damit zu rechnen, daß der Kampf gegen den alles zerstörenden Bolschewismus ein Kampf von Menschenaltern sein wird. Darauf ein ganzes Volk einzustellen, und, wie die Wehrmacht zum Schutz nach außen ist, die Polizei zusammengeschweißt mit dem Orden der Schutzstaffeln zum Schutz des Reiches nach innen aufzubauen, darin sehe ich meine Aufgabe. Auf die Treue, den Geist und die Pflichterfüllung dieses soldatischen Korps kommt es an. Ich weiß, daß ich mich auf Sie verlaßen kann. General der Polizei Dalnege erklärte: Wir können stolz darauf fein, daß in diesem Augenblick ein Traum in Erfüllung geht, den ich als SS.-Führer vor der Revolution geträumt habe, nämlich zu verbinden die Polizei der Bewegung mit der Polizei des Staates durch die Person des Reichsführers-SS. Himmler. Es ist ihm endlich möglich, zwei Teile, die zusammenge- hören, zunächst einmal organisatorisch zusammenzufügen, um sie dann auch ideell zu einem Korps nationalsozialistischer Ueberzeugung zusammenzuschweißen. Diese Aufgabe zu erfüllen dürfen wir stolz sein. Reichsführer-SS. Himmler am Grabe der von Kommunisten erschoffenen Danziger SS.-Mcinner. Danzig, 18. Juni. (DNB.) Auf dem Garnisonfriedhof in Danzig wurden in Anwesenheit des Reichsführers-SS. Himmler und unter ungeheurer Teilnahme der Bevölkerung die beiden von kommunistischen Verbrechern erschossenen Danziger SS. - Männer Ludwig und Fres- sänke von ihren Kameraden zu Grabe betragen. Der Reichsführer, der zwei große Kränze des Führers überbrachte, richtete am Grabe dieser beiden jüngsten Opfer des roten Terrors einen ernsten Warnruf an die Welt. Er sagte u. a.: Ihr seid ein Opfer des unseligen Verhältnisses eines Staates in Europa, dem die Hände gebunden sind im Kampf gegen die Pest, die fast einmal Europa über den Haufen gerannt hätte. Danzigs Volk hat das Opfer eurer Kameraden von der SA. und euer Opfer verstanden. Ihr seid zu Grabe geleitet worden, wie früher Fürsten nicht zu Grabe getragen wurden, und damit hat euer Tod einen tiefen Sinn. Ihr habt dazu beigetragen, daß Danzig deutsch bleibt, und tragt dazu bei, allen die Augen zu öffnen für die Gefahr, in der Europa lebt. Die beiden Namen und die beiden Heldengräber mahnen euch, Kameraden von Danzig, es den beiden gleich zu tun an Tapferkeit und Anständigkeit, und damit: Lebt wohl! Wir werden uns ja wiedersehen in einer anderen Welt. Wie sieht es in der Wirtschaft aus? Durch die Reife des Bankpräsidenten Dr. Schacht nach Südosteuropa und seine Besuche in Belgrad, Athen, Sofia und Budapest ist unser Augenmerk auf die deutschen Beziehungen zu den Staaten Südofteuropas gelenkt worden. Dr. Schacht unterstreicht mit seinen Besuchen die Bedeutung der deutschen Wirtschaftsbeziehungen zu den südosteuropäischen Staaten. Wenn wir uns den Außenhandel Deutschlands mit den vier Staaten, deren Hauptstädte Dr. Schacht besucht hat, ansehen, so können wir unschwer feststellen, daß sich hier wirtschaftliche Fäden angesponnen haben, die zu besten Hoffnungen für die Zukunft berechtigen. Das System, das durch die Pariser Vorortvertrage aufgerichtet worden ist, und das die Wirtschaft im Donauraum vollkommen ruiniert hat, ist durchbrochen worden. Die nationalsozialistische Wirtschaftstheorie die geleitet ist von dem Willen, sich selbst zu helfen, hat sich allen Widerständen zum Trotz hier durchgesetzt. Beginnen wir zunächst mit den deutsch-jugoslawischen Wirtschaftsbeziehungen. Deutschland ist der stärkste Handelspartner Jugoslawiens geworden. Allerdinbs haben sich die Handelsbeziehungen etwa einseitig entwickelt, indem nämlich Jugoslawien mehr nach Deutschland ausführte, als es in Deutschland gekauft hat. Dadurch hat sich im Vorjahr eine Clearing- Spitze ergeben, die eine bedeutende Höhe erreicht hatte und Schwierigkeiten in dem Handel zwischen den beiden Ländern nach sich zog. Aber auch hier ist ein Ausweg gefunden worden. Um sich ein Bild von den deutsch-jugoslawischen Handelsbeziehungen zu machen, genügen ein paar Zahlen: 1935 führte Jugoslawien nach Deutschland waren im Werte von 751,5 Millionen Dinar aus und führte dagegen von Deutschland für 598,1 Millionen ein. Im Januar dieses Jahres ergab sich eine Rekordausfuhr nach Deutschland im Betrag von 104,8 Millionen Dinar, das ist mehr, als Deutschland und Italien im Januar des Vorjahres gekauft hatten. Aehnlich sieht das Bild des deutfch-griechi- schen Handels aus. Deutschland und Griechenland ergänzen sich in handelspolitischer Hinsicht aus- aezeichnet, Deutschland ist Käufer der griechischen 1-undeserzeugnisse, während Griechenland die deutschen Jndustrieerzeugnisse abnimmt. Ein paar Der- gleichszahlen beleuchten auch hier deutlich die Entwicklung der deutsch-griechischen Handelsbeziehungen In den ersten Monaten d. I. führte Griechenland für 636 Millionen Waren nach Deutschland aus, gegenüber 567 Millionen in dem gleichen Zeitraum des Vorjahres. Uni) es kautte in Deutschland für 623 Millionen Drachmen gegenüber 407 Millionen in den ersten drei Monaten des Jahres 1935. Die Handelsbeziehungen nehmen eine stetige Entwicklung und der weitere Ausbau der durch die freundschaftlichen Beziehungen mit dem Gouverneur der Bank von Griechenland gewährleistet ist, wird auch an Schwierigkeiten nicht scheitern. Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Bulgarien sind eine Fortsetzung der Waffenbrüderschaft, die beide Volker in dem Weltkrieg miteinander verband. Beide Länder haben im Laufe der Jahre ihre Ein- und Ausfuhr gegenseitig derart gesteigert, daß heute etwa die Hälfte der bulgarischen Ausfuhr nach Deutschland geht und daß Bulgarien ebenso die Hälfte seiner Einfuhr in Deutschland deckt. In der Einfuhrliste Bulgarien steht Deutschland an erster Stelle. Bulgarien selbst hat es besonders verstanden, sich geschickt an die Bedürfnisse Deutschlands anzupassen. So hat es z. B. den Anbau der Sojabohne erheblich gefördert und, wie der Dolkswirtschaftsminister Mochanoff einmal mitteilte, die Anbauflächen für Sojabohnen in wenigen Jahren von 150 Hektar auf 16 000 Hektar gesteigert. Auch die Anbaufläche für Baumwolle steigt ständig. Baute Bulgarien in früheren Jahren nur wenige tausend Hektar an, so waren es im Jahre 1935 schon 40 000 Hektar. Ebenso wird der Anbau von Hanf gefördert. Da der Staat den Handel Bulgariens weitgehend beeinflußt, wird die bulgarische Einfuhr aus Deutschland entsprechend der Ausfuhr nach Deutschland geregelt. Der deutsch-ungarische Warenaustausch befindet sich seit dem Jahre 1934 im Aufschwung. Ungarn ist daran interessiert, für seine Agrarprodukte Absatz zu finden, als da sind- Vieh, Fett und Fleisch, Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte und gewisse Rohstoffe, die auch für Deutschland wichtig sind, wie Leinsam und Wolle. Dafür führt es aus Deutschland Maschinen, Automobile, Kohle Koks, Kunstseide, Chemikalien, Farben u. a. m ein' Der Warenaustausch zwischen den beiden Ländern ift der wirtschaftlichen Struktur Ungarns und Deutschlands weitestgehend angepaßt worden Die Daten der deutschen Statistik für 1935 beweisen, daß sich Ungarn als Aufnahmeland für deutsche Waren eine beachtenswerte Stellung erobert fjat. Im vergangenen Jahre führte Deutschland Waren im Werte von 62,9 Millionen Mark aus, d. h. mehr als z B. nach Polen, Finnland, Griechenland und Jugoslawien, sowie anderen Staaten. Damit wurde eine Gegenseittgkeit und gesunde Belebung des Warenaustausches herbeigeführt, die all-^Nachteile aufwogen, die sich in Zeiten der gebuirtenen Sirt- schäft natürlich auch im deutsch-ungarischen Geschäft einstellten. Alle vier Staaten zusammengenommen beweisen die These, daß Deutschland aus dem So- nauraum nicht sartzudenken ift. Es gibt feine L->. funq des Donauproblems ohne Deutschland. Das unterstreicht die Handelsftatistik besonders deutlich. In seiner Sofioter Rede wies Dr. Schacht auf die Ungereimtheit hin, in der sich die Wirtschaftler vor allem Amerikas, Englands und Frankreichs bewegen. Er sagte, daß wir nicht vergessen durften, daß die Zerstörung der internationalen Weltwirtschaft von denselben Mächten ausgegangen fei, die sich heute über die Verletzung der Wirtschaftstheorien beklagten. Der Reichsbankpräsident wies auf den durch England im Weltkrieg begangenen völkerrechtswidrigen Eingriff in Privatverträge hin, auf die Beschlagnahme und Verschleuderung deutschen Kapitals und deutscher Besitzungen im Aus» lande, auf die willkürlichen Währungsabwertungen, die jede Kalkulation vernichten, kurzum, auf die Wiking-Politik in der Wirtschaft, die versucht, durch raubähnliche Selbstsucht andere Völker niederzuhalten. Diese Feststellung war um so notwendiger, als sich gerade in den Wirtschaftsauslassungen des Auslandes hin und wieder eine abgrundtiefe Heuchelei zeigt, die ganz vergißt, was man tat. Wenn wir demgegenüber nur dort kaufen, wo man unsere Waren abnimmt, bann ift bas Selbstbehauptung, ist burchaus gerechtfertigt und kann mit Vorkriegstheorien nicht entwertet werden. Wenn sich unsere Ausfuhr verlagerte, vor allem nach Südofteuropa und Südamerika hin, dann ist das erklärlich, weil diese jungen und aufstrebenden Länder einen großen Bedarf an deutschen Fertigwaren haben, die z. B. in unserer Außenhandelsbilanz für den Monat Mai mit einem Ausfuhrüberschuß von 35 Millionen Reichsmark fast ausschließlich das Plus für uns ausmachen. Arbeitstagung des HZ -Führerkorps. NSG. Noch zu Beginn der Zeltlagerzeit wurden die Bann- unb Jungbannführer des Gebietes 13 (Hessen-Nassau) der Hitler-Jugend zu einer längeren Arbeitstagung auf öie Gebietsführerschule „C h r i st i a n Crößmann" im Rheingau befohlen. Außer den Besprechungen Über die Durchführung der 22 Sommerzeltlager, die Sporttage, Dann- und Jungbannsportfeste und das Gebietssportfest, die Heimbeschaffung, die Grenz- und Auslandfahrten, der Adolf Hitler-Marsch der Bann- und Jungbannfahnen usw. galt die Tagung einer ziel-- bewußten Ausrichtung der Führerschaft und einer Klärung der organisatorischen und kulturellen Aufgaben, des inneren Dienstbetriebs unb der Führerschulung. Der stellvertretende Gebietsführer,, Stabsleiter Oberbannführer Brandt unb Gebiets- jungvolkführer Paul Wagner gaben bie Richtlinien bes Einsatzes. Zum weiteren Ausbau ber Lager, zur Regelung ber Verpflegung unb ©eftal-' tung des Lagerbetriebs gab Bannführer Dille- mutt) bie nötigen Anweisungen. Schulleiter Jung- bannführer M a g s a m berichtete aus ben Erfahrungen mit ben auf ber Führerschule ausgebilbeten jungen Führern, beren Auswahl nach strengen Richtlinien erfolgen muß, soll ihre Arbeit in ben Einheiten von Erfolg sein. Immelmann-Gedenkfeier in Dresden. Arn 20. lobestage bes 1916 auf bem westlichen Kriegsschauplatz gefallenen sächsischen Kampffliegers Max Immelmann fand am Grade bes Fliegerhelben in Dresden eine Gedächtnisfeier statt. Daran nahmen die Angehörigen des Fliegerhelben, Staatsminister Dr. Fritsch, Vertreter ber ftäbti» sehen Behörben, zahlreiche Offiziere ber Wehrmacht, höhere Offiziere bes alten Heeres sowie Vertreter ber Behörben, ber Partei unb ihrer Glieberungen teil. Der Kommandant von Dresden, Generalmajor von Kaiser, erinnerte daran, daß Immelmann während feiner ganzen Dienstzeit die Uniform ber ruhmreichen sächsischen Armee getragen habe, in ber er auch gefallen fei. Namens ber Offiziere bes IV. Armeekorps legte er einen Kranz nieber. Dann hielt Staatsminifter Dr. Fritsch bie Gebächtnis- rebe, in ber er u. a. ausführte: Der Geist Jmmel- manns war ber Geist seines sächsischen Stammes» brubers Fichte, ber hunbert Jahre zuvor aus starkem Deutschgefühl heraus feine Reben an bie deutsche Nation mitten unter französischen Bajonetten hielt. Es war derselbe Berge versetzende Glaube, der einst die Sachsen Ferdinand von Schill und Theodor Körner im Glauben an Deutschland sterben ließ. Es war der Glaube, der nach keiner Ueberlegung fragt, der einen Menschen ganz für die Sache seines Herzens leben, aber auch freudig fein Leben dafür hingeben läßt. Mit dem Schwünge solchen stolzen Erbes konnte Jrnrnel- mann seine Luftsiege erringen und sich zu Lebzeiten an die Spitze des unvergänglichen Dreigestirns „Immelmann — Boelcke — Richthofen" stellen. Minister Dr. Fritsch legte im Auftrage des Reichsstatthalters in Sachsen einen Kranz nieder. Der Reichskriegertag in Kassel. Der diesjährige R e i ch s k r i e g e r t a g, der in Kassel stattfinden wird, gewinnt an Bedeutung dadurch, daß dem Hauptfesttag (Sonntag, 5. Juli) erstmalig Arbeitstagungen voraufgehen. Der Bun- desführer SS.-Oderführer Oberst a. D. Rein- da r d trifft zur Teilnahme an ber Tagung bes Deutschen Reichskriegerbunbes (Kyffhäuferbunb) e. 15. m Kassel ein. Ein großes historisches Mili- tarkonzert bildet den Auftakt zu ben Veranstaltungen bes Rnchskriegertages 1936, ber im Zeichen bes 150jährigen Bestehens bes Bundes begangen roi5,\®icybarer Ausdruck dieser Jubiläumsfeier ist auch bie Teilnahme von 30 Kameraden aus Sängerin wo 1786 friderizianische Füsiliere durch Gründung der ersten Kriegskameradschaft den Grund- uem legten zu dem heutigen stattlichen Bau des Kysfhauserbundes mit feinen 36 000 Kameradschaf, ten. Die Wangeriner erscheinen auf dem Reichs- friegertag Kassel in ihren friderizianischen Unifor- men. Aus der Karlswiese gelangt das Festspiel ,450 A°^-.^lMuserbunb" mit 4000 Mitwirkenden zur Aufführung, bas einen Ueberbhcf über bie Geschichte bes Reichskriegerbunbes gibt. Das Berliner Bangrnbennngiück vor Gericht. Im Berliner Baugrubenprozeß würbe bis Vernehmung des Baumeisters Rath fortgesetzt. Er schilberte, wie er in ber Nacht nach bem Einsturz den stellvertretenden Generalbirektor der Reichs» Kleinmann burch bie Baugrube geführt ijabe. Dabei habe man auch Weyher getroffen. Auf eine Frage nach den Gründen des Einsturzes habe Weyher erklärt, daß man darüber noch vollkommen im Unklaren fei. An der Bauausführung könne es aber nicht liegen, denn noch vorgestern sei er durch die Baugrube gegangen und habe alles durchgeprüft und in Ordnung befunden. Weyher bestreitet diefe nächtliche Zusammenkunft und meint, der Zeuge müsse sich irren. — Die Klärung dieser Frage ist von großer praktischer Bedeutung, weil sich Weyher bisher damit verteidigte, daß er zum letzten Male vor dem am Dienstag erfolgten Ein- stürz am Freitag auf der Grubensohle und am Samstag in der dritten Steifenlage gewesen sei, so daß er gar nicht habe bemerken können, daß hinterher tiefer als zulässig ausgeschachtet worden sei. Die Verhandlung wurde vertagt. Ausnahmezustand in Kowno. Schwere Ausschreitungen streikender Arbeiter. Kowno, 18. Juni. (DNB.) Die Arbeiter sämtlicher privaten Betriebe einschließlich der Zeitungsdruckereien haben die Arbeit für 24 Stun- ben niedergelegt. Als Protest gegen das Verhalt-en der Polizei bei dem Begräbnis eines Arbeiters, bei dem es, wie gemeldet, zu blutigen Zusammenstößen gekommen war. In der Kownoer Innenstadt kam es zu Zusammenrottungen der Streikenden, die mit Gartenbänken und Müllkästen Barrikaden errichteten und den gesamten Verkehr unterbanden. Die Polzei ging mit Maschinengewehren, Karabinern und Gummiknüppeln vor. Die Ausschreitungen dauerten bis gegen 19 Uhr. In den ersten Nachmittagsstunden drohten sie den Charakter einer Revolte, anzunehmen. Die meisten Geschäfte hatten g e s ch l o s s en, weil Heber« fälle zu befürchten waren. Trotzdem durch Schreckschüsse und den Gebrauch von Tränengasbomben immer wieder Menschenansammlungen in den einzelnen Straßen zerstreut wurden, rottete sich die Menge sofort wieder an anderen Stellen zusammen. Die Straßenbahnverwaltung versuchte, einige Wagen für den Verkehr einzusetzen, mußte dies aber aufgeben, da die Streikenden die Wagen mit Steinen bewarfen. Das Stadtviertel, in dem sich der Palast des Staatspräsidenten befindet, ist ab- qeriegelt. Genau vor zehn Jahren spielten sich kommunistische Kundgebungen in Kowno ab. Während es aber damals zu keinen tätlichen Ausschreitungen gegenüber den Sicherheitsorganen kam, nahm die 'Menge diesmal eine drohende Haltung an. Der Kownoer Kriegskommandant hat durch Anschlag bekanntgegeben, daß er über die Stadt Kowno den Ausnahmezustand verhängt habe. Personen, die der Polizei Widerstand leisten, werden vor das Feldgericht gestellt. Vorläufig streiken die meisten Arbeiter noch weiter. Hauptversammlung des Allgemeinen Deutschen Alusikvereins. Im Rahmen der 6 7. Tonkünstlerversammlung hielt derAllgemeineDeutsche Musikverein in Weimar seine Hauptversammlung ab. Prof. Dr. Peter Raabe, der Vorsitzende des Vereins und zugleich Präsident der Reichsmusik- kammer, wies unter eingehender Beweisführung die in letzter Zeit gegen den Verein erhobenen Angriffe eindeutig zurück, wobei er u. a. Prof. Haas (München) gegen verschiedene Angriffe in Schutz nahm. Ferner wurden Satzungsänderungen genehmigt, nach denen das Recht der Stellungnahme der Mitglieder in der Hauptversammlung gewährleistet ist. Der Verein hat seine Mitgliederzahl innerhalb von 2 Jahren von rund 500 Mitgliedern auf fast 800 erhöhen können. Neben vielen Komponisten und Dirigenten gehören ihm jetzt auch zahlreiche Musikbeauftragte der Städte an. Die 67. Tonkünstlerversammlung hat, so kann man rückblickend sagen, einen wertvollen und wichtigen Vorstoß zur Gestaltung und Förderung eines neuen zeitgenössischen Musikschaffens völkischer Prägung unternommen. Insgesamt sind für die diesjährige Versammlung fast 600 Kompositionen aller Art eingereicht worden. Don ihnen wurden 33 aufgeführt. Maxim Gorki f. In Moskau starb nach längerer Krankheit der sowjetrussische Schriftsteller Maxim G o r k i im Alter von 68 Jahren. Der Führer im Olympischen Dorf. Am Mittwoch stattete der Führer dem Olympischen Dorf in Döberitz einen Besuch ab. Unser Blld zeigt den Führer mit Generalfeldmarschall von Blomberg bei der Unterhaltung mit der deutschen Sprinterkernmannschast vor dem Haus „Helgoland". — (Presse-Jllustration-Hofsmann-M.) M i « | ESA ÄI «M I M A i , mi / Die Auflösung der Kampfbünde etwas anders geworden ist. Es war mehr als interessant zu beobachten, wie sie auf die Einnahme von Addis Abeba reagierten. Sie zuckten die Achseln und — sagten gar nichts! Aber jeder Mensch kann sehen, wie tief es in ihnen arbeitet. Der Kontrast wird ja auch vielleicht erst uns so deutlich sichtbar, die wir eben Italien kreuz und quer durchfuhren. In unseren Ohren ist noch der Jubelruf einer vor Freude hingerissenen Nation, die sich am Ziel ihrer Wünsche sieht. Und hier auf dem Schiff hat jeder Engländer auch das gleiche Gefühl, daß diese vollendete Tatsache der Einnahme von Abessinien gegen den bislang allmächtigen Willen Old Englands geschaffen worden ist. Und jetzt fahren sie durch G i b r a l t a r. Der junge Südafrikaner, der in die Royal Airforce, die Luftflotte, eintreten wird, der Polizeioffizier, der vierschrötige Farmer aus Kenya, der mit seinem Nachbarn zusammen hier an Bord schon um sieben Uhr den ersten Drink Zu sich nimmt und vor Mitternacht zuletzt die Bordbar verläßt, der Kaufmann aus Durban und Firmenvertreter aus Mombasa. Ungeheuer groß die Weite, die sie in Afrika trennt. Wie unglaublich einheitlich aber ihr Typus, festgefügt Sitten und Anschauungen. Sie tragen alle tagsüber die scheußlichsten Manchesterhosen, Pullover mit demselben Schnitt und Hemden in den gräßlichsten Farben. Sie ziehen sich alle abends sorgfältig um. Sie sind immer fröhlich, zu Scherzen aufgelegt, spielen unermüdlich dieselben Schlager und deutschen Volkslieder, die ihnen ihre Bordfreunde beibrachten feit sieben Wochen. Nirgendwo kommt diese festgefügte Einheit dieser zähen Rasse vielleicht uns eindrucksvoller zum Bewußtsein als hier an Bord eines großen Schiffes mit so bunt durcheinander gewürfelten Passagieren: Deutschen, Kolonialdeutschen, Feriengästen, Portugiesen, Dänen, Schweden, Schweizern. Noch sehen diese Engländer auch an Bord eines deutschen Schiffes Afrika, das Mittelmeer und über« Haupt die Welt als ihren Herrschaftsbereich an. Sie treten überall mit einer Selbstverständlichkeit auf, selbst in Italien, die uns verblüfft. Aber irgend- wie ist diese festgefügte Welt ins Wanken geraten. Sie sehen mit gemischten Gefühlen zum letzten Male für lange Zeit nach den Bergen von Afrika hinüber. Ihre Augen heften sich mit um so größerer Zärtlichkeit auf den kahlen Doppelfelsen. Augen voller Zuversicht! Immer noch weht der Union Jack dort. „Wait and see", sagen ihre Augen. Wir hat- ten immer einen längeren Atem als die anderen. Wir konnten warten, wo die anderen es nicht mehr konnten. Aber hoch im Aether summt ein Flugzeug von Spanien nach Tetuan hinüber. Hoch über Gibraltar. Schiffe können diese Festungswerke mit den ver- borgenen Batterien nicht ohne ihre Zustimmung passieren. Aber Flugzeuge?... Kann man noch warten und zusehen. Wer Italien in den letzten Wochen erlebte, weiß, daß die Welt doch irgendwie anders wurde. Trotz Gibraltar und Malta! in Frankreich zweitägiger das Gesetz 182 zu 84 Der französische Senat hat über die 40-Stundenwoche mit Stimmen verabschiedet. Paris, 18. Juni. (DNB.) Im Ministerrat wurden dem Präsidenten der Republik vom Innenminister die Verordnungen zur Unterschrift vorgelegt, die die Auflösung der im Gesetz vom 10. Januar vorgesehenen Kampfbünde und privaten Milizen vorsehen. Betroffen werden davon dieSolidariteFran- caise, die Faschisten, die Feuerkreuz- l e r und die Vaterländische Jugend. Die bürgerliche Presse wundert sich, daß nur d i e rechtsgerichtet en Verbände davon betroffen sind, n t d) t a b e r auch die kommuni st ische und sozialistische Jugend, sowie die Vereinigung der „Roten Adler", die alle in ihrem Ausbau und ihrer Organisation nach Auffassung der gemäßigten und Rechtskreise zumindest den gleichen Charakter haben, wie die vier aufgelösten Verbände. „Echo de Paris" wirft der Regierung vor, in beschämender Weise das Gesetz zu mißbrauchen, das unter der Regierung ©ar» raut gegen die halbmilitärischen Verbände verabschiedet worden war. Man dürfe sich nicht darüber täuschen, daß die Regierung dem Druck der äußersten Linken nachgegeben habe. Die vier von der Auflösung betroffenen Verbände haben sofort beim Staatsrat Einspruch eingelegt. Die Führer dieser Verbände erklärten der Presse, daß man den nationalen Geist nicht durch In Remagen starb der Arbeiterdichter Heinrich L e r s ch. Er erreichte ein Alter von nur 47 Jahren. (Scherl-Bilderdienst-M.) Die Internationale Arbeitskonferenz in Genf hat die Abkommensentwürfe über die Einführung der 40-Stundenwoche in der Textilindustrie und im Hoch- und T i e f- b a ü gegen die Stimmen der Arbeitgeber und einiger Regierungsoertreter angenommen. Nach der Geschäftsordnung muß im nächsten Jahr eine e r - n e u t e Aussprache und Abstimmung stattfinden, ehe die beiden Abkommen zur Ratifizierung aufgelegt werden können. Kleine politische Nachrichten. DerFührerundReichskanzlerhat Sei- ner Durchlaucht, dem Reichsoerweser des Königreiches Ungarn, von Horthy, zu seinem Geburts- tage herzliche Glückwünsche übermittelt. * Reichsbankpräsident Dr. Schacht verbringt den Donnerstag, einer Einladung des Reichs- vvrwesers v. Horthy folgend, der seinen 68. Geburtstag feiert, auf dem dem Reichsverweser gehörigen Landsitz Kenderes. Der Reichsoerwefer überreichte dem Reichsbankpräsidenten die Insignien des Ungarischen Verdienstordens 1. Klasse. Der polnische Sejm nahm nach „ Aussprache das neue Dollmachtsgesetz für den Staatspräsidenten nahezu einstimmig an. Das Gesetz ermächtigt den Staatspräsidenten, Verordnungen mit Gesetzeskraft auf. wirtschaftlichem Gebiet und den Fragen der Landesverteidigung zu erlassen. ein Gesetz zerstören könne. Oberst d e l a Rocque, der Führer der Feuerkreuzler, sagt in einer längeren Erklärung, daß seine Organisation, die etwa eine Million Mitglieder zähle, sofort in eine „Sozialistische französische Par- t e i" u m g e t a u f t werde; er gab seiner Verwunderung Ausdruck, daß der Präsident der Republik, der ehemaliger Kriegsteilnehmer sei, ein solches Gesetz gegengezeichnet habe. Drohender Elekttizilalssireik in Paris Paris, 19. Juni. (DNB. Funkspruch.) Die Arbeiter und Angestellten des Pariser Elektrizitätswerks haben am Donnerstag gegen die Haltung des Verwaltungsrates protestiert, da sie Öen Vereinbarungen nicht Rechnung getragen habe. Sie haben den Innenminister gebeten, eine allgemeine Aussprache zwischen den Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern unter feiner Leitung herbeizuführen. In einer Versammlung der Arbeitnehmeroertreter wurde beschlossen, Angestellte und Arbeiter inAlarmbereitschaftzu halten. Am Freitagabend findet eine Massenversammlung statt, auf der die Streiklage endgültig ent» I schieden werden soll. An Bord „Ahambara", im Mai. „Look Sharp. It’s the last sight on Africa.“ Der noch junge Polizeioffizier des rhodesischen Korps reicht das scharfe Glas seiner jungen Frau, Deren zartes Gesicht noch deutlich Spuren der schweren Fieberanfälle trägt, von denen sie sich in England erholen will. Und so wie die beiden stehen hundert andere Kolonialengländer längs der Reling unseres deutschen Dampfers, der eben rund um Afrika gedampft ist und schauen mit gemischten Gefühlen zum letztenmal zu dem Erdteil hinüber, der ihr Schicksal geworden ist, der ihre Heimat geworden ist, und von dem sie nie mehr in ihrem Leben loskommen werden. Steil und unnahbar ragen die Festen des Rifs 3U uns herüber, von Wachttürmen drohend bestückt. Nirgendwo ist die Scheidung zwischen Europa so deutlich und so scharf wie an dieser Stelle, bei der Durchsahrt durch die Straße von Gibraltar Es siebt aus der Karte schon imponierend genug in seiner unglaublich günstigen strategischen Lage aus, diese kleine Halbinsel, die kurz hinter der schmälsten Stelle der Meeresstraße hegt. Aber um wie vieles eindrucksvoller wirkt Gibraltar in Wirklichkeit. Der kahle Doppelfelsen der nach dem Osten zu steil abfällt und sich gegen Westen zu sanft neigt, sieht aus wie ein ungeheurer, von der Natur hm- gesetzter Wachtturm. Kolonialenglan- fährt durch Gibraltar Bon unserem Sonderberichterstatter Or Vogel. Englands Flagge weht auf Zypern, M a l ta und Gibraltar. Aber es gibt kaum einen wichtigen Platz im Mittelmeer, kaum eine Insel von strategischer Bedeutung, auf der sie nicht einst für eine kurze oder lange Zeit geweht hätte. Und die vielen tausend Engländer, die alljährlich das Mittelmeer bereisen, lesen in ihrem Baedeker mit stolzer Genug- tung, die zu verbergen ihnen selten gelingt, ob sie in Korfu, auf Capri, auf Palma, auf Menorca, Lissa weilen mögen, daß die wuchtigen Festungswerke über den Hauptstädten dieser Inseln von Engländern ein st gebaut wurden, daß englische Schiffe hier einst kämpften, und seine Seesoldaten um sie rangen. Dieses Meer erschien ihnen immer als das Ihre. Sie sperrten seine Zugänge bei Gibraltar und Port Said. Und jetzt, seit der Einnahme von Addis Abeba, sieht alles mit einem Male so viel anders aus. An Bord dieses Schiffes lesen die Engländer jeden Tag die Niederschrift oes drahtlosen Dienstes von Nauen und Rugby in England. Sie fahren nun schon feit sieben Wochen von Kapstadt auf diesem Dampfer. Sie fuhren an Djibouti vorbei, das nicht mehr angelaufen wird. In Port Sudan, dem riesenhaft aus- gebauten Hafen, sahen sie wie in Aden und Mombasa ihre grauen Kreuzer und Zerstörer liegen. Ihre Flagge wehte noch an allen den vielen Stützpunkten, und doch haben sie alle das Gefühlt, daß Oerlleberfall auf Minderheitendeutsche in Rydultau. K a t t o w i tz, 18. Juni. (DNB.) Im Zusammen- hang mit einem UeberfaU von Aufstän - ; dischen auf eine Versammlung von Minder- 1 heitendeutschen im Mai in Rydultau, bei । dem 60 Minderheitendeutsche verletzt wurden, hat der Senator W i e s n e r , der Vorsitzende der Jung- । deutschen Partei in Polen, bei der zuständigen ■ Staatsanwaltschaft in Rybnik «Strafantrag gegen die an dem Ueberfall beteiligten Mitglieder des Aufständischenoerbandes gestellt. — Gleichzeitig hat Senator Wiesner den polnischen Ministerpräsidenten, General Skladkowski, sowie den schlesischen Wojewoden G r a z y n s k i von diesem Schritt in Kenntnis gesetzt und ihnen gegenüber die Hoffnung ausgesprochen, daß der Gerechtigkeit Genüge getan werde. Kunst und Wissenschaft. Ausklang der Reichstagung der 71SKG. in München. Der letzte Tag der R e i ch s t a g u n g der N S.- Kulturgemeinde 19 3 6 in München galt der Betrachtung gestalteter Kulturwerte. Mit einer Morgenfeier des Studentenringes der NSKG. in der Universität begann der Tag. Im Maximilaneum wurde die Urkunden- und Buchausstellung „Wehrhaftes Deutschland — Glückhaftes Reich" eröffnet. Diese Ausstellung, die ursprünglich in Berlin unter der Schirmherrschaft von Reichskriegsminister Ge- neralfeldmarschall von Blomberg von der Reichsstelle zur Forderung des deutschen Schrifttums zusammengestellt wurde und durch eine Reihe deutscher Städte ging, wurde jetzt, wesentlich bereichert durch Bestände der bayerischen Bibliotheken nnb Archive, des Hauptarchivs der NSDAP, und des Eher-Verlages, zu einer unvergleichlich wertvollen Schau ausgebaut. Die Eröffnungsfeier in Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste, darunter Reichsleiter Rosenberg und Amtsleiter Stang, begann mit einem Vortrag des Quartetts der Studierenden an der Akademie für Tonkunst. Der Nachmittag brachte noch eine heitere .Laienspielstunde, bei der „Eine Spitzbubenkomödie" von Margarethe Cordes unter Leitung von Walther Eckart aufgeführt wurde, ferner eine Aufführung der Hohnsteiner Handpuppenspiele der NSKG. mit der „Sage vom Freischütz". ♦ Die Teilnehmer an der Reichstagung versammelten sich zum Abschluß ihrer fünftägigen segensreichen Arbeit im Alten Rathaussaal. Oberbürgermeister Fi eh 1 er begrüßte die Gäste namens der Hauptstadt der Bewegung und teilte mit, daß die Reichstagungen der NSKG. künftig regelmäßig in München stattfinden werden. In einer Ansprache ging Reichsleiter Alfred R o s e n b e r g aus die Bedeutung Münchens als Stadt der deutschen Kunst ein. Die abgeschlossene Reichstagung habe den Beweis erbracht, daß die liberalistisch-marxistische Epoche der Vergangenheit angehöre. Der Abend war von ernsten Darbietungen kulturgeschichtlicher Art umrahmt. CARL SOMMER, GIESSEN Caso-Kleidung ist formvollendet und nicht teuer I _ , , . . r, q- Q4,» finHen hei mir öanz was Sie suchen. Hauptpreislaßen: Sport-Kombinationen, einzelne Sakkos, Tennishosen, Bevor Sie kauten, sehen Sie sich bitte meine Fenster an, Sie finden bei mir ganz wa^oie p v Janker. Waschjoppen. Lüster-u. bessere Kleidung für die 29 50 38 50 49*00 59*00 69*00 warme Jahreszeit in einer Auswahl, die Sie staunen läßt HA^JS_d.er GUTEN Die Sonnenfinsternis.-Ein neuer Siern entdeckt an Marmeladeindustrie sieht sich vor eine vier Monaten etwa dem Vorjahr noch lagern, so daß die zu finden. Der W e i n m a r k t große Aufgabe gestellt, da in die neue Ernte anfällt und aus große Mengen in den Kellern Frage der Unterbringung der neuen Ernte akut wird. Vom Weinwirtschaftsoerband wurden zwei Wege gezeigt, die dem Mangel an Einlagerungsmöglichkeiten abhelfen sollen, einmal eine Absatzsteigerung der Jahrgänge 1934 und 1935 durch Weinwerbewochen und Patenweinaktionen wie im Vorjahr, in der nur Weine aus den letzten beiden Jahren geschenkt werden dürfen. Zum anderen wird es Aufgabe der Kreisbauernführer fein, alle Lagermöglichkeiten in ihrem Gebiet ausfindig zu machen. Außerdem werden die dazu berufenen Institute mit einer Kreditaktion einspringen müssen, um das Einbringen der Ernte sicherzustellen. Im Anschluß an die sehr ausführliche Aussprache über diese Fragen sprach Kreispraktische Arbeit , , , zuständigen Stellen der Hauptabteilung III (Markt) und der ihr angeschlossenen Wirtschaftsverbände Leiter der Abteilung Sonnenberg der Babelsberger Sternwarte, entdeckt wurde, in Potsdam sehr genau beobachtet und sein Spektrum ausgenommen werden. Sofort gehen nun die Telegramme in alle Welt hinaus, um alle Sternwarten der Erde zur weiteren Beobachtung aufzurufen. Pünktlich um 4.23 Uhr trat der Anfang der Sonnenfinsternis ein. Der Anblick der Sonne war dabei durch eine große Sonnenfleckengruppe besonders eindrucksvoll. Der weitere Verlauf der Finsternis konnte am Fernrohr genau verfolgt und am Turmteleskop in einer Reihe von photographischen Aufnahmen festgehalten werden. Um 5.12 Uhr war die Sonne bis auf ein Drittel ihrer Fläche bedeckt. Die ganze Landschaft-schien in em fahles Dämmerlicht getaucht. Dann gab der Mond die Sonne wieder frei. Kurz nach 6 Uhr Uhr war alles wieder, als ob nichts gewesen wäre. betrafen. Landesbauernführer Dr. Wagner eröffnete die Sitzung und machte grundlegende Ausführungen über den Grundstücksöerkehr sowie über Fragen der Siedlung, der Bauernschule u. a. Ueber die Getreidekontingentierung im Jahre 1936 sprach der Geschäftsführer des Getreidewirtschaftsoerbandes, P e t s ch. Es wurde das Getreidesoll, die Festpreisgestaltung, sowie Schlußfcheineinzelheiten behandelt. Der Geschäftsführer des Viehwirtschaftsverbandes, Haack, erörterte die Lage am Nutzvieh- und Schlachtviehmarkt in Hessen-Nassau. In diesem Zusammenhang klärte er Zweifelsfragen über den Pferdeexport. Die Nachmittagssitzung beschäftigte sich mit der Milchwirtschaft und sehr eingehend mit der Eierwirtschaft. Es wurden die Maßnahmen durchgesprochen, die für die Zeit des nachlassenden Eieranfalls im Herbst und Winter zu einer restlosen Versorgung der Verbraucher führen sollen. Die Ver- forgungslage wurde verschiedentlich eingehend beleuchtet. Der Bericht über die Lage am Obstmarkt ergab ein sehr günstiges Bild dieses Teilgebiets. Es ist gelungen, die Preise stabil zu halten und einen gerechten Ausgleich zwischen den Erfordernissen des Frischobstmarktes und dem Bedarf der Der Streik in Belgien. Feuergefecht zwischen streikendenArbeitern und Gendarmerie. Brüssel, 19. Juni. (DNB.) Zu einem Feuergefecht zwischen streikenden Arbeitern und Gendarmerie ist es im Bezirk Berinage gekommen. Die Arbeiter hatten die Zufahrtsstraßen durch Barrikaden verspert und zur Behinderung der Gendar- Oie Kreisbauernführertagung in Frankfurt a. M. NSG. Frankfurt a. M., 19. Juni. Am gestrigen Donnerstag wurde unter dem Vorsitz des Landesbauernführers Dr. Wagner die Arbeitstagung der Kreisbauernführer im Hause der Landesbauern- Aus aller Wett. merke Glasscherben ausgestreut. Als der Truppen anrückten, wurden sie mit Sttmwurfen empfang^u Dann fielen von feiten der Arbeiter Sch u f s e. Es entwickelte sich ein regelrechtes Feuergefecht. Die Arbeiter mußten schließlich die Flucht^greifen und liefen in das nahegelegene sozialdemokratische Volks- haus. Die Gendarmerie drang mit schußbereiten Karabinern nach und verhaftete alle Insassen. Später wurde vor dem kommunistischen Parteilokal em 26jähriger Arbeiter tot aufgefunden. Elk hatte einen Bauchschuß. Aus Erregung über dke Vorfälle fiel auf der Straße kurz darauf eme 51jährige Frau tot nieder. Büchertisch. — Paul Eugen Sieg: „Detatom". Roman. Ganzleinen 2,50 Mark. (Verlag Scherl, Berlin SW 68. — (49). — Detatom ist ein geheimnisvolles Jndustriewerk im Westen Deutschlands. Aber das Werk wird bedroht durch eine feindliche Finanzgruppe. Dem mächtigen Gegner gelingt es, in die Fabrik einzudringen. Die Katastrophe kann den Tatendrang der Forscher nicht hemmen. Eine neue Fabrik bauen sie auf, völlig unterirdisch, und in ihr entsteht ein neuer Stoff, härter als Stahl, leichter als Luft. Der Menschheit erschließen sich neue Möglichkeiten: mit einer Rakete fliegen die Forscher zum Mond — und dann gelingt auch das größte Wagnis: die Entfernung zum Mars — 75 Millionen Kilometer — wird durch das Helan- Weltraumschiff überwunden. Das alles schildert Sieg mit außerordentlicher Phantasie in diesem Zukunftsroman. — D i e Waldschule. Ein luftiges Bilderbuch von Fritz Baumgarten. Verse von C. F. von Schlichte groll. Verlag A. Anton & Co., Leipzig. — (121) — Bei der Entstehung dieses Bilderbuches hat offenbar die bekannte und beliebte „Häschen-Schule" von Koch-Gotha Pate gestanden, und wenn die Bilder in der „Waldschule" auch die zeichnerische Meisterschaft und den Humor der Häschen-Bilder nicht ganz erreichen, so wird das Büchlein doch vielen Kindern (so um das erste Schuljahr herum) manche fröhliche Viertelstunde bereiten. Potsdam, 19. Juni (DNB. Funkspruch.) Die Sonnenfinsternis konnte heute in aller Frühe bei schönstem Wetter vom Potsdamer Astro-physikali- schen Observatorium beobachtet werden. Einen ganz besonderen Reiz gewann diese Finsternis durch ihr völlia zufälliges Zusammentreffen mit dem Auftreten eines seyr Hellen neuen Sterns. Gegen 1 Uhr nachts kam plötzlich von der Sternwarte Berlin-Babelsberg folgende Alarmnachricht: „Ein Heller neuer Stern dritter Größe ist i m Sternbild des Cepheus entdeckt worden." Wer nun einigermaßen weiß, was eine solche Entdeckung bedeutet, wird ermessen können, in welcher Aufregung sämtliche Instrumente des Observatoriums sofort klar gemacht wurden, um die kurze Zeit bis zum Hellwerden noch für die Beobachtung des neuen Sterns auszunutzen. In der Tat konnte dieser Stern, der von Dr. H o f f m e i st e r, dem jägermeister Roth mann über Wildschäden und die Möglichkeit ihrer Behebung durch Zusammenarbeit von Landwirtschaft und Jägerei. Brandstiftungen am laufenden Band. Volksschädlinge vor Gericht. LPD. Mainz, 17. Juni. Vor der Großen Strafkammer Mainz wurde am Mittwoch gegen den 31 Jahre alten Johann Joczinski, den 73 Jahre alten Ludwig Hils, den 42 Jahre alten Ludwig Bender II, den 38 Jahre alten Friedrich Rahn II, den 66 Jahre alten Friedrich Rahn I und den 32 Jahre alten Hugo Bender, sämtlich aus Bechtheim bei Worms, wegen Brandstiftungen am laufenden Band verhandelt. Die Angeklagten hatten i n n e r - halb von vier Wochen einen Schaden von 100000 RM. crngerichtet. Der Haupttäter Ludwig Bender II stiftete den Ludwig Hils an, seinen Heuschober in Brand zu stecken. Für den Schaden erhielt er 1931 von der Versicherung 1167 RM. Außerdem hatte er seinen Knecht, den Angeklagten Joczinski, dazu verleitet, die Fruchtschober der Angeklagten Hugo Bender und Rahn II an* zustecken. Für den Schaden waren von einer Versichrung eine Summe von 3000 RM., von einer weiteren Versicherung eine Summe von 911 RM. ausgezahlt worden. Dem gedungenen Täter hatte Bender eine Belohnung von 150 RM. versprochen, dieser erhielt aber nur 10 RM. Die ganze Angelegenheit blieb lange Zeit verborgen und kam erst jetzt zur Kenntnis der Oeffentlichkeit. Das Gericht verurteilte den Haupttäter Ludwig B e n d er II zu drei Jahren Zuchthaus, abzüglich sechs Monaten Untersuchungshaft, fünf Jahren Ehrverlust und zweimal 500 RM. Geldstrafe, ersatzweise für je 500 RM. zehn Tage Zuchthaus. Joczinski erhielt IV2 Jahre Gefängnis abzüglich acht Monate Untersuchungshaft, Rahn II zwei Jahre Gefängnis abzüglich acht Monate Untersuchungshaft, Rahn I vier Monate Gefäng - n i s und 2000 RM. Geldstrafe, ersatzweise für je 20 RM. einen Tag Gefängnis. Hils und Hugo Bender wurden mangels Beweises freigesprochen. Familienlag Blumenschein. Am 12. Juli treffen sich alle Angehörigen der Familien Blumenschein in Reichelsheim im Odenwald. Hier und in zahlreichen anderen Orten des Odenwaldes und feiner Umgebung wohnten schon im Mittelalter ihre Angehörigen, zumeist als Handwerker oder Bauern. Blühende Familienzweige finden sich noch heute dort, ferner in Darmstadt, Frankfurt, in Sachsen und in Amerika. Nach mühsamen Forschungen hat Studienrat Blumen- sch ein-Bautzen eine große Sippentafel ausgearbeitet, die alle im Odenwald beheimateten Familien Blumenschein zeigt. Auf einer zwölf Meter schäft Hessen-Nassau fortgesetzt. Vornehmlich wurden diesem Tage Fragen durchgesprochen, die die llische Arbeit Der Kreisbauernschaft mit den Wetterbericht des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. Die Erwärmung über dem Festland hat weiter Fortschritte gemacht, so daß am Donnerstag im Flachland bei uns allgemein Temperaturen über 30 Grad erreicht wurden; der Tagesdurchschnitt lag um 17 Grad über dem jahreszeitlichen Regelwert. In Südwest- und Süddeutschland war es auch gestern wieder vereinzelt zur Ausbildung örtlicher Gewitter gekommen. Der Schönwettercharakter bleibt vorerst erhalten, doch nimmt jetzt die Neigung zu, Gewitterbildung zu. Aussichten für Samstag: Meist heiter, recht warm, Auftreten örtlicher Wärmegewitter. Aussichten für Sonntag: Fortdauer des warmen Wetters bei zunehmender Gewitterbildung. Lufttemperaturen am 18. Juni: mittags 30,9 Grad Celsius, abends 19,8 Grad; am 10. Juni: morgens 18,1 Grad. Maximum 31,3 Grad, Minimum heute nacht 14,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe ' am 18. Juni: abends 26,3 Grad; am 19. Juni: morgens 19,7 Grad. — Sonnenscheindauer 13,4 Stunden. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil i. V.: H. L. Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. V. 36: 9760. Druck und Verlag: Brühl'fche Universitäts-Buch-und Steindruckerei R. Lange,K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. rangen Zeichnung finden sich ,859 A bisher 1178 Namen, worüber in Reichelsheim ve richtet werden soll. Verkehrsverbesserung zu den Olympischen Spielen in Berlin. Am 28. Juli wirb nach knapp 2V-jährigerBauzeit, also gerade rechtzeitig zu den Olympischen Spielen der nördliche Streckenabschnitt d e r N 0 r d - S ü d - S - B a h n dem , allgemeinen Verkehr übergeben werden. Hiermit wird msbeson d-r- ftr die ^-wahner des Berliner Nordens und der nördlichen Vororte, die bisher mit der Reichsbahn ausgehoben und sämtliche Zuge der drei N strecken von Bernau. Dramenburg unö Belten werden in den v-Bahntunnel -mg-suhrt. Böhmische Riesengebirgsbaude in Flammen. In der bekannten Adolf-Baude im böhmischen Riesenqebirge entstand ein Brand, ber infolge Wassermangels große Ausdehnung annahm. Der Brand ist wahrscheinlich infolge En^undung alter Farben an den Fensterrahmen der Baude entstanden. Unter dem Dach gerieten Hobestpane in Brand, und bald darauf stand die Adolf-Baude in Hellen lammen. An der Brandstätte hatten sich die Feuerwehren aus Spindlermühle und Umgegend emge- sunden Es gelang ihnen, die Einrichtungsgegen- stÄe zu retten, trotzdem ist der Schaden sehr groß. Verletzt wurde niemand. Blutige Streikunruhen in Amerika. In Kent (Ohio, USA.) kam es vor der Werkzeugfabrik, die seit zwei Monaten bestreikt wird, zu einem blutigen sechsstündigen Gefecht zwischen ungefähr 3000 Streikposten, die mit Gewehren bewaffnet waren, und ebenfalls bewaffneten Streikbrechern. Bei dem lebhaften Kugelwechsel wurden insgesamt 14 Mann verwundet, darunter einige schwer. Die Unruhen begannen, als die Streikposten versuchten, zwei Lastkraftwagen mit Streikbrechern an Der Einfahrt in die Fabrik zu hindern. Die Arbeitswilliaen auf dem Lastkraftwagen eröffneten ein heftiges Gewehrfeuer und warfen Tränengasbomben, um sich die Einfahrt zu erzwingen, woraus die Streikposten das Feuer erwiderten. Die Streikposten gaben später die Belagerung der Fabrik auf. Schweres Unweiler über Neuyork. Die schweren Gewitter und Wolkenbrüche, die bereits zur Verschiebung des Boxkampfes Schme - l i n g gegen Joe Louis geführt haben, haben im Stadtbezirk Neuyork sowie in den mittleren Teilen des Staates Neuyork erheblichen Sachschaden verursacht. Vielfach ist die Ernte völlig vernichtet. In der Umgebung von Neuyork wurden durch Blitzschlag drei Personen getötet und zahlreiche weitere mehr ober weniger schwer verletzt. Unweller'In Algerien fordert sechs Todesopfer. Ueber Tebesfa und Umgebung (Algerien) ging ein ungewöhnlich schweres Gewitter, begleitet von sintflutartigem Regen, nieder. In wenigen Minuten stand das ganze Eingeborenen-Viertel unter Wasser. Zwei Eingeborenen-Baracken wurden vollkommen überfluttet und ihre Einwohner, drei Frauen und drei Kinder, kamen ums Leben. Zwei andere Eingeborene, die in einer Hütte schliefen, wurden von den Wassermassen fortgeschwemmt. Der Sachschaden ist bedeutend. Frisches Obst und Gemüse! Wir empfehlen: 3935A Italienische Bohnen..........500 g 22 Deutsche Erbsen (Schoten)....500g 14 Karotten in Bündeln..........3 Bündel 20 Salatgurken holländische i......stück 32 Kopfsalat.....................3 Köpfe 18 Spargel II........................500 B 32 Neue Kartoffeln...............1% kg 38 Jamaica-Bananen.............500 g 28 Erdbeeren, 1. Sorte...........500 g 48 RABATT eingenommen einige Artikel Die führende natnrknndliche Monatgschrift! „Der Naiursorscher" 52 S w ^-bilderte Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Naturwissenschaften und ihre Anwendung In Naturschutz, Unterricht, Wirtschaft und Technik Herausgegcbcn von Oberftudienrat Or.R.Rein und prof.Dr.W.Schoenichen. .Der Naturforscher' unterrichtet fortlaufend In Sllb und Wort über die Ergebnisse der neuesten Beobachtungen und Forschungen au« allen Gebieten der Naturwissenschaften und Technik, dr ist die verständliche, aber hochwertige naturwissenschaftliche Monatsschrift für geistig Anspruchsvolle, die bel hervorragender Ausstattung nicht auf oberflächlichen Aufputz, sonbcm auf Gehalt eingestellt ist. Vierteljährlicher Bezugspreis: XDL 2.50. - Derlangen Sie kostenlos ein Probeheft. — Oer Bezug kann durch jede Buchhandlung erfolgen. 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Dabei zeigte sich zur allgemeinen Ueber« raschung, daß Joe Louis' Kampfgewicht nur um sechs englische Pfund schwerer als das Max Schrne- lings ist. Schmeling brachte 192 englische Pfund auf die Waage, Joe Louis 198. Anschließend nahm der Vertrauensarzt der States-Athletik-Union die ärztliche Untersuchung der beiden Boxer vor. Dr. Walker stellte fest, daß sich beide Boxer in einer außerordentlich guten physischen Verfassung befinden. Schmeling zuversichtlich. Der Boxkampf zwischen Schmeling und Joe Louis drückt selbst einer so riesigen Stadt wie Neuyork seinen Stempel auf. Der Zustrom der zahlreichen Boxenthusiasten aus allen Staaten Amerikas, der am Mittwoch schon einsetzte, war deutlich zu spüren. Ueberall sah man die „Jagd" nach der Eintrittskarte und den letzten Trainingsberichten, die in allen Verkehrsmitteln und auf Straßen und Plätzen das Gesprächsthema bildeten. Die Wettabschlüsse — Joe Louis ist nach wie vor Favorit — haben dagegen erheblich nachgelassen, da man anscheinend allgemein doch nicht so überzeugt von einem schnellen Siege des Negers ist. 800 Journalisten waren bereits am Mittwoch anwesend. Schmeling und Louis beendeten ihr Training schon am Dienstag. Der Deutsche äußerte sich so zuversichtlich wie noch nie. Schmeling erklärte, daß er während seiner ganzen Vorbereitung insgesamt 95 Rund en mit seinen Sparringspart- nern geboxt habe und sich in der besten Form seiner Boxerlaufbahn befinde. Obwohl er den Stil seines Gegners genau kenne, habe er sich keinen Angriffsplan zurechtgelegt, er werde aber keineswegs auf die Tricks des Negers hereinfallen. Kurze Sportnotizen. Immer schneller wird die amerikanische Kurzstreckenläuferin Helen Stephens. Nach einer neuen amerikanischen Meldung soll sie jetzt ihren eigenen 100-Meter-Weltrekord von 11,6 auf 11,3 Sekunden verbessert haben. ♦ Die englische Touri st-Trophy auf der Insel Man wurde am Donnerstag mit dem Rennen der „Leichtgewichte", der 250-ccm-Klasse, fortgesetzt. Bei schönstem Wetter fuhren die drei Ersten neue Rekordzeiten heraus. Sieger wurde der Engländer A. R. Forster (New Imperial) in 3:33,22 Stun- ellrekordleistung eines Seaelfluazeugmodells. ?• Einen bemerkenswerten Rekord stellte das Segelflugmodell eines 14jährigen Hamburger Schülers auf. Bei einem Wettbewerb auf der Fischbeker Heide bei Hamburg ließ der Junge sein Modell mit dem Gummizug starten. Das Flugzeug erreichte eine Höhe von 1000 Meter und verschwand in den Wolken. Später kam aus dem kleinen holsteinischen Dorf P r e e tz bei Kiel die Meldung, daß das Flugzeug dort niedergegangen sei. Es hatte für die Entfernun^von 92 Kilometer 3 Stunden 14 Minuten gebraucht. — den (119,451 Stdklm.) vor Tyrell Smith (Excel- sior) und dem DKW.-Fahrer Arthur Geiß. Die beiden übrigen DKW.-Fahrer Stanley Woods, der fünf Runden lang führte, und Oskar Steinbach mußten wegen Maschinenschadens ausscheiden. Sportamt „Kraft durch Freude". heule folgende Kurse: Allgemeine Körperschule, Frauen und Männer: Don 20.30 bis 21.45 Uhr, Lyzeum, Dammstraße 26; von 19.45 bis 21.45 Uhr, Grohen-Buseck, Neue Schule. Schwimmen, Anfänger und Fortgeschrittene: Don 20.30 bis 21.30 Uhr, Frauen und Männer, Volksbad; von 21.30 bis 22.30 Uhr, Frauen und Männer, Volksbad. Reiten: Don 20 bis 21 Uhr, Universitäts- Reitinstitut, Brandplatz. Morgen folgender Kursus. Reichsspor t a b z eichen, Frauen und Männer: Von 17.30 bis 19 Uhr, Universitätssportplatz am Kugelberg. Verlegung eines Sportkursus. Der Kursus Allgemeine Körperschule, welcher bisher Mittwochs von 20.30 bis 21.45 Uhr im Lyzeum, Dammstraße, stattfand, wird nunmehr als Kursus für Allgemeine Körperschule und Schwimmen Mittwochs von 20 bis 21.15 Uhr in die Müllersche Badeanstalt verlegt. Sicher werden viele Volksgenossen diese Verlegung während der Sommermonate begrüßen, da hier Gelegenheit gegeben ist, neben der Körperschule auch das Schwimmen zu pflegen. Die Kosten für den Uebungsabend betragen 20 Pf. Neuanmeldungen nimmt die Geschäftsstelle, Schan- zenstraße 18, entgegen oder kann vor Beginn der Uedungsstunde beim Sportlehrer erfolgen. i' Beim Sportfest in Wünsdorf erreichte der Deutsche Meister und Rekordinhaber im Kugelstoßen Hans Woellke (Polizei-Sportverein) 16,54 Meter. Er erzielte damit die größte Weite, die in diesem Jahre überhaupt von einem Kugelstoßer erreicht wurde. — (Schirner-M.) er wird Deutscher Fußball-Mister? 6 A Zwei Mannschaften werden om Sonntag im Berliner Poststadion vor fußballbegeisterten Zuschauern um die höchste Ehre kämpfen, die der deutsche Fußballsport zu vergeben hat, um die Deutsche Meisterschaft. Aus 163 Gauliga-Mannschaften, die im Herbst des vergangenen Jahres die Jagd nach den Punkten aufnahmen, sind zwei — eine süddeutsche und eine westdeutsche Elf — an das Ziel gelangt, das allen 163 Vereinen zu Beginn der neuen Spielzeit vorschwebte: Teilnahme am Endspiel um die „Viktoria". Der Weg, den diese beide Mannschaften gehen mußten, um dieses Ziel zu erreichen, war hart und schwer, aber der nächste Sonntag wird dem 1. FC. Nürnberg und der Düsseldorfer Fortuna alle Mühen mehr als reich- lich lohnen. Etwas Geschichte . . . Spiele um die deutsche Fußball-Meisterschaft aibt es schon seit 33 Jahren. Insgesamt wurden in Die« sen 33 Jahren 28 Endspiele durchgeführt, es gab aber nur 26 Meister, da im Jahre 1922 der Hamburger SD. und der 1. FC. Nürnberg zweimal Unentschieden spiellen und der HSV. auf den ihm am grünen Tisch zugesprochenen Titel in sportlicher Weise verzichtete. 1904 und in den Kriegsjahren 1914 bis 1919 wurde die Meisterschaft ebenfalls nicht vergeben. 1904 sollten VfB. Leipzig und Sri* tannia Berlin um den Titel kämpfen, das Spiel fiel jedoch aus, da nach dem Dorschlußrundenspiel Karlsruher FD. gegen Britannia ein Protest eingelegt und angenommen wurde. In diesem Jahre wird nun der 29. Endkampf ausgespielt und der 27. deutsche Meister ermittelt. Die Geschichte der deutschen Meisterschafts-Endkämpfe ist reich an schönen und spannenden Begegnungen. Die Art der Ermittlung der Endspielgegner ließ fast immer die wirklich besten und erfolgreichsten Mannschaften eines Jahres ins Finale kommen. Der ruhmreiche „Club". Der 1. FC. Nürnberg verkörpert beste deutsche Fußball-Tradition. Seine Geschichte ist mit der Geschichte des Fußballsportes in Deutschland auf das Engste verbunden. Nicht allein deshalb, weil der „Club" fünf deutsche Meisterschaften einheimsen konnte und weitere dreimal im Endspiel stand, sondern weil er einer der Vereine ist, die mitgeholfen haben, dem deutschen Fußballsport seine heutige Größe und Popularität zu verschaffen. Wo immer der „Club" auch spielte, überall wurden Tausende durch sein Können begeistert und viele neue Freunde dem Fußballsport gewonnen. Wenn in den vergangenen Jahren die Nürnberger Meistermannschaft etwas in den Hintergrund gedrückt wurde, so kam das daher, weil sie einen inneren Umwandlungsprozeß durchmachen mußte. Die großen „Alten" wie Stuhlfauth, Träg, Böß, Riegel, Kalb, Sutor, Schmidt, Strobel und wie sie alle heißen, traten ab und mußten ersetzt werden. Es dauerte natürlich eine Weile, bis sich der „Ersatz" das Können und die Routine angeeignet hatte, die zur Beherrschung des Nürnberger Stiles unbedingt nötig sind. In dieser Zeit aber entstand aus dem reichhaltigen und talentierten Spielermaterial, das dem „Club" zur Verfügung stand, eine Mannschaft, die heute im technischen Können, in der Genauigkeit der Kombination, im taktischen Einfühlungsvermögen und im unermüdlichen Kampfgeist den großen Klubmannschaften der Meisterschafts- Jahre kaum mehr nachsteht. In Stuttgart machte sich die „neue" Clubelf den Weg zur sechsten deutschen Meisterschaft frei. Fortuna, die Klasseelf des Westens. Fortuna Düsseldorf war der erste deutsche Meister, den Westdeutschland herausbrachte. Im Jahre 1933 Ernst von Beling. Dem Andenken eines bedeutenden deutschen Rechtslehrers Am 19. Juni ziemt es uns, eines Mannes zu gedenken, der für die deutsche Rechtswissenschaft Großes und Bedeutendes geleistet hat: An diesem Tage würde Ernst von Beling sein siebzigstes Lebensjahr vollendet haben. Schon rüsteten sich im Jahre 1932 seine Schüler, dem Lehrer zum siebzigsten Geburtstag eine würdige Festschrift zu bescheren — die gewidmet zu bekommen nach einer scherzhaften brieflichen Aeußerung Belings ihn „ein solcher Lebenshochgenuß dünkte, wie dem Sancho Pansa Statthalter einer Insel zu sein" —, als ein allzufrüher Tod am 18. Mai 1932 dem Schaffen des nie rastenden Gelehrten eine schmerzliche Grenze setzte. Arbeit und Pflichterfüllung waren der Inhalt seines Lebens, das er, Sohn eines Juristen und wie selbstverständlich zum Juristen bestimmt, nach Ablegung seiner Examina mit 27 Jahren in die akademische Laufbahn einlenkte. Er habilitierte sich 1893 an seiner schlesischen Heimatuniversität Breslau unter B e n n e ck e, dessen Nachfolger er fünf Jahre später wurde. Bald führte ihn der Weg weiter nach Gießen (1900), nach Tübingen (1902, Rektor dort 1912/13) und schließlich nach München, wo er als eine Zierde der Universität und seiner Fakultät bis zu seinem Lebensende wirkte und einen großen Kreis in- und ausländischer Schüler tief und nachhaltig beeinflußte. Gehörte er doch zu jenen nicht eben zahlreichen Hochschullehrern, die mit hervorragender wissenschaftlicher Begabung ausgezeichnetes Lehrtalent und inneren Beruf zur Hingabe an die akademische Jugend verbinden. Es war ihm gegeben, unter seinen Schülern gemeinschaftsbildend zu wirken, fte m seinem Geiste zu einen. Belings reiches vielverzweigtes wissenschaftliches Lebenswerk gipfelt in zwei Leistungen: der Lehre vom Verbrechen (1906) und dem Lehrbuch des Deutschen Reichs straf- prozeßrechts (1928). Mit dem ersteren Werke begründete Beling die Lehre vom Tatbestand, Die ein Kriminalist der jüngeren Generation als Die „grundlegende Rechtswahrheit der modernen Strafrechtsdogmatik" bezeichnet hat. Der „Tatbestand ist wirklich der Eckpfeiler aller im strengsten Sinne strafrechtsdoqmatischen Erörterungen der letzten Jahrzehnte geworden, und ich glaube, dieser Begriff wird auch neuerlich gegen ihn gerichteten 21n* griffen standhalten. Daß die Lehre vom Tatbestand freilich kein starres unabänderliches Dogma, sondern ein entwicklungsfähiges Gedankengebilde ist, hat Besuch bei Annke von Tharau Empfindsame Ostpreußen-Reise Königsberg i. Pr., im Juni. Ueber Deutschlands Grenzen hinaus ist das Lied vom „Aennchen von Tharau' bekannt, man hort seine lebhafte frohe Melodie ebensogut m Sud- deutfchland wie an der Waterkant. Und manch einer, der in der heutigen Zeit Ostpreußen bereift, von der Stadt Kants aus, südwärts nach Masuren fahrt und die manchmal etwas sonderbar klingenden Namen der Ortschaften an den Stationsgebäuden studiert fühlt sich bei einem Namen plötzlich angenehm berührt. Ja: Tharau, das klingt bekannt, und gleich fällt ihm das Aennchen em. Vielleicht wird dann ein Mitreisender daraus aufmerksam machen, daß dies in der Tat der Heimatsort jenes vielbesungenen Aennchens ist, und daß dort weiterhin im Land — zwischen alten Bäumen steht man den Turm einer Ordenskirche aufragen — ihr Geburtshaus steht. Ä , .. Mehr als dreihundert Jahre sind vergangen, feit Simon Dach das Tharauer Pfarrerstochterlein geliebt und der heimlich Verehrten ein Lied zur keiner besser gewußt als Beling selbst, der im Jahre 1930 seine frühere Lehre einer tiefgreifenden Revision und Neugestaltung unterzog. Das „Reichs- strafprozeßrecht vom Jahre 1928 ist sicher die originellste und juristisch am tiefsten eindringende Bearbeitung, die. das Strafverfahren in den letzten Jahrzehnten in Deutschland erfahren hat. Dieses Buch hat uns wieder einmal gezeigt, was ein Denker von Rang einer den Meisten toten und stummen Materie am geistigen Leben und rechtsbegrifflicher Beredsamkeit abzugewinnen vermag. Ueber dem Gelehrten und Lehrer darf nicht der Mensch vergessen werden: der reine, warmsühlende, liebenswürdige, hilfsbereite, aber gegen sich selbst strenge Mann, dessen Wesen vielleicht am schönsten offenbar wird darin, daß er manchen ihm am Herzen liegenden wissenschaftlichen Plan zurückstellte hinter der Arbeit für seine Studenten, deren Uebungsarbeiten Stück für Stück noch einmal selbst durchzufehen er sich nicht nehmen ließ, die er persönlich um sich sammelte und beriet, und für die er in den letzten Jahren seines Lebens auch die Betreuung der Stipendienangelegenheiten übernommen hatte, im Innersten durchdrungen von dem edlen Bewußtsein, daß über die Monumente, die er sich in den Hallen der Wissenschaft errichtet hat, zu stehen kommt, was nur die Überlieferung des Herzens bewahrt: die lebendige Tat im Dienste der Gemeinschaft. Prof. Engisch, Heidelberg. Hochzeit — mit einem anderen, gedichtet hat, eben jenes Lied, das Aennchen unsterblich gemacht. Denn schwerlich wäre sonst das Gedächtnis des frühverwaisten Mädchens, das von seinem Onkel, einem Mälzenbrauer in Königsberg, vom elften Jahre an erzogen wurde, erhalten geblieben. Mich wandelt nun bei einem Aufenthalt in Ostpreußen die Lust an, die Geburtsstätte der ewig jungen und in dem Lied von so kraftvoller Liebe Umstrahlten aufzusuchen. Nichts leichter als das! Eine eifrig bimmelnde Kleinbahn pustet durch das flache Land dem Dorfe Tharau zu, das wie eine altmodische Idylle um den Kirchberg gelagert ist, mit schindelgedeckten Häusern und einem Flüßchen, dem Frisching, der sich munter durch buntblühende Wiesen schlängelt. Die Dorfstraße geht in anmutiger Windung gerade auf das Schulhaus zu Birken stehen am Eingang, steil führt der Weg zu der alten backsteinernen Ordenskirche empor, um die herum unter bunten Blumen und mächtigen Bäumen die Toten schlafen. Ein hübsch geschwungenes hölzenes Gitter grenzt den Friedhof vom Pfarrgarten ab. Dort liegt, von uralten Linden fast verborgen, das Pfarrhaus, die Geburtsstätte Aennchens. Ein terrassenförmiger Garten führt mit schmalen Holz* treppen zu dem blaßrosa getünchten steinernen Haus mit dem braunroten geteilten Ziegeldach und hoch* aufragenden Giebel. Eine Tafel verkündet, daß Aennchen von Tharau, Anna N e a n b e r , hier 1619 das Licht der Welt erblickt und bis zu ihrem elften Jahr gelebt hat. Die Haustür steht weit offen, man tritt in eine kühle Halle, Sonne flutet durch eine weiße geöffnete Zimmertür hinein, im Lichtstreif tanzen Sonnenstäubchen, rechts gelangt man in das von den alten Linden verfchattete Studierzimmer des Pfarrers, der mich freundlich hereinbittet und in die Kirchenchronik des Orts, einen dicken Schweinslederband, aus dem Jahre 1691, hineinsehen läßt. Da erfahre ich denn: daß der Pfarrer Neander, gestorben 1630, von feiner Gattin, einer Sperberin, eine von „Gestalt angenehme" einzige Tochter, namens Anna, hinterlassen hat, welche die Annke von Tharau ist, von der das bekannte Lied oder Aria — „Annke von Tharau is, di mn gefölt", herrührt, und von dem bekannten preußischen Poeten Simon Dach bei derselben Hochzeit gemacht worden ist. Mit 18 Jahren hat sie den Pfarrer Johannes Portati us geheiratet. Aber auf den Hochzeitstag, den das liebesfrohe Lied des Simon Dach verschönte, ist, so scheint es mir, ein recht trübes Leben für Annke gefolgt. Den geliebten Mann verlor sie früh, und heiratete dann noch zweimal. Und zwar, wie es damals so Sitte, nacheinander des ersten Gatten „Successores im Amt", die mit der Pfarre die verwitwete Pfarrfrau mit übernahmen. Aber sie hat auch diese und einen erwachsenen Sohn überlebt, der sie zu sich genommen, und ist schließlich, arm und vereinsamt, im 74. Lebensjahr verstorben. Nachdenklich schließe ich das dicke Buch und trete wieder in den jonnigen Garten hinaus. Die Worte der Chronik klingen mir nach und das hochzeitsfrohe Bild des bräutlichen Aennchen ist verschaltet. Sinnend bleibe ich stehen und blicke auf das alte Haus zurück. Da kommt aus der Haustür ein kleines Mädchen gesprungen, hellblond und von „angenehmer Gestalt". Lachend und leichtfüßig springt es über die mit Kastanienblüten bestreuten Wege und verschwindet in einer Geißblattlaube. Ist dieses des Pfarrers Töchterlein oder Annke von Tharau selbst, die mich auslacht, weil ich enttäuscht über ihren Lebensweg bin, der ihr mehr Sorgen und Leid als Glück gebracht hat? „Krankheit, Verfolgung, Betrübnis und Pein", wie es in dem Lied heißt, find lange vergangen und vergessen. Das Annke von Tharau aber lebt in bräutlicher Freude im unsterblichen Volkslied ewig jung, wie der Frühling, der das ostpreußische Land heute wie vor dreihundert Jahren erfüllt..4 M. v. O. Uraufführung im Frankfurter Schauspielhaus. Es geht in dem Märchenspiel „D e r goldene Klang" von Josef Mühlberger, einem jungen Sudetendeutschen, um das Unbegreifliche in unserem Leben, das dem Verstand Unfaßbare, das Wunder. Es mag diesem Dichter besonders nahegelegen haben, das Riesengebirge mit seinen abgeschlossen lebenden Menschen und seinem reichen Sagenschatz um Rübezahl als Ort seines Spieles zu wählen, sind wir doch geneigt, nach manchen Vorgängen in unserer Geistesgeschichte dort die Stätte sich immer erneuernder Geburt mystisch gefärbter Weltbetrachtung zu suchen. Ein Märchen, ausgewachsen in einer Umgebung, die auf die scheinbar unbedeutenden Dinge etwas gibt, auf das Klopfen des Wurmes im Holz, auf das Stehenbleiben der Uhr, auf unheilwehrende Zeichen an den Türbalken des Hauses, verfällt durch den Klang eines Namens in eine traumhafte Liebe zu einem nie gesehenen Mann. Auch ein philosophisch sich gebendes Vorspiel vermag das Stück nicht über die Ebene einer dramatisierten Rübezahlgeschichte zu erheben, deren Stärke in der glücklichen Erfassung des Milieus liegt. Das Frankfurter Schauspielhaus hat das Wagnis unternommen, zu ungewohnter Zeit mit dieser Uraufführung herauszukommen, und hat überdies dem Stück in der Besetzung (Georg Lengbach, Fritz S a a l f e l b , Cläre Kaiser sind hervorzuheben) und Inszenierung (Heinz Haufe als Gast) viel Sorgfalt angedeihen lassen, die das Publikum beifällig anerkannte. Dr. W. holten sich die Düsseldorfer den Titel gegen Schalke, nachdem in der Vorschlußrunde die beiden süddeutschen Vertreter, Eintracht Frankfurt und 1860 München, klar ausgeschaltet worden waren. Fortuna konnte aber den Titel nur ein Jahr lang behaupten. 1934 schon reichte es nicht einmal mehr zur Gaumeisterschaft, die in diesem Jahre und dann auch 1935 der VfL. Benrath gewann. In diesen zwei Jahren hatte die Fortuna-Mannschaft eine Forrn- krise durchzumachen, die erst zu Beginn dieser Saison ganz behoben werden konnte. Nun aber ist die Elf wieder glänzend in Form, wie der mit vielen Längen errungene Gaumeistertitel und der verhältnismäßig leichte Gougruppensieg bewiesen haben. Fortuna Düsseldorf wird dem 1. FC. Nürnberg ein würdiger Gegner sein. * Die Mannschaften. Folgende Mannschaften werden sich dem Berliner Schiedsrichter Alfred Birlem zum Kampf stellen: 1. F C. Nürnberg: Köhl Billmann Muntert Uebelein Carolin Oehrn Gußner Eiberger Friedel Schmidt Schwab Kobierski Zwolanowsti Nachtigall Wigold Albrecht Czaika Bender Mehl Bornefeld Janes Pesch Fortuna: „ wer siegt? Nach dem großen Spiel gegen Schalke wurde der 1. FC. Nürnberg zum Favoriten auch gegen die Fortuna gestempelt. In der Stuttgarter Form sollten die Nürnberger den Düsseldorfern ledenfalls überlegen sein. Das kann man ruhig behaupten, ohne damit die westdeutschen Gefühle zu verletzen. Die Nürnberger müssen jedoch wirklich in bester Form spielen, wenn sie die Fortuna besiegen wollen. Denn auch Fortuna Düsseldorf ist eine Klassemannschaft und gegen solche Mannschaften gejuinm man nur mit dem besten Können und dem letzten Einsatz. Der „Club" hat durch den Sieg über Schalke einen großen moralischen Rückhalt bekommen er wird ihm in diesem schweren Kampf von großem Nutzen sein. r . . Ganz Deutschland schwört aus den ^eg des 1. FCN. (und der Westen baut auf „seine Fortuna) und hofft, daß die „Viktoria" nach dreijähriger Abwesenheit wieder in die süddeutschen Gefilde zuruck- kehrt. Leichtachletik-Kreismeisterschasten der Kauen fern wurde Frl. Röhmig Siegerin in 14,4 Sek vor Fr. Lö s ch (1900) 14,9, Sek. und Frl. W eher (VfB.-R.) 15,1 Sek. Mit den gezeigten Leistungen der Damen kann man zufrieden sein. Wie sehr aber noch Verbesserungen erzielt werden können, kam beim Speerwerfen deutlich zum Ausdruck. Einigen Teilnehmerinnen waren die grundlegenden Bestimmungen nicht bekannt und sie sielen, trotz besserer Leistungen, im Vorkampf aus. Erste wurde dann, ohne, daß eine Entscheidung ausgetragen werden konnte, Frl. S ch o l l vor Frl. S l e ck und Frl. Luh, alle vom VfB.-R. Die Meisterin wurde nicht ermittelt. Den Schluß bildete die 4X100-MeterStafsel, die von den Damen des MTV. in 58,5 Sekunden vor VfB.-R., 58,7 Sekunden, und 1900, 59,2 Sekunden, gewonnen wurde. Die Ergebnisse: Hochsprung: 1. Röhmig, MTV., 1,38 Meter (nicht ausgesprungen); 2. Dapper, VfB.-R., 1,28 Meter; 3. Luh, DsB.-R., 1,25 Meter (durch Stechen entschieden). Diskuswerfen: 1. Röhmig, MTV., 32,43 Meter; 2. Dapper, VfB.-R., 22,50 Meter; 3. Schmidt, VfB.-R., 22,49 Meter. lOO-Meter-Lauf: 1. Röhmig, MTV., 14,4 Sek.; 2. Lösch, 1900, 14,9 Sek.; 3. Weber, VfB.-R., 15,1 Sek. _ „ 4X lOO-Meter-Stafsel: 1. MTV. 58,5 Sek.; 2. VfB.-R. 58,7 Sek.; 3. Spvg. 19OO 59,2 Sek. Am gestrigen Donnerstagabend wurden auf dem Platz der Spieloereinigung 1900 auch die Kreismeisterschaften der Frauen zum Austrag gebracht. Herrliches Sportwetter und einige Zuschauer verhalfen dieser Veranstaltung zu gutem Gelingen. Wenn auch den Frauen große Wettkämpfe im allgemeinen nicht liegen, fo waren doch die gezeigten Leistungen befriedigend und geben die Hoffnung, daß es auch in Gießen im Frauensport vorwärts gehen wird. Gemeldet hatten: der MTV. Gießen, der VfB.-R. Gießen und die Spieloereinigung 1900. Leider wurden die abgegebenen Meldungen nicht von allen erfüllt. Die Kämpfe wurden mit dem Hochsprung begonnen. Einwandfreie Siegerin wurde Frl. Röhmig vom MTV. mit der Leistung von 1,38 Meter. Sie sprang diese Höhe glatt und verzichtete in Anbetracht der noch folgenden Kämpfe auf das Weiterspringen. Die zweite Siegerin wurde Frl. Dapper vom VfB.-R. mit 1,28 Meter. Um den dritten Platz mußte eine besondere Entscheidung durchgeführt werden, den sich dann Frl. Luh im Kampf gegen vier andere Springerinnen holte. Im nachfolgenden Diskuswerfen siegte ebenfalls Frl. R ö h- m i g (MTV.) mit 32,43 Meter vor Frl. Dapper (VfB.-R.) 22,50 Meter und Frl. Schmidt (VfB.-R.) 22,49 Meter. Hierbei zeigte Frl. Röhmig, daß sie bei sachgemäßem Training in der Lage ist, ihre Wurfleistung noch wesentlich zu verbessern. Im lOO-Meter-Lauf kamen nach zwei Dorläufen die sechs Besten in den Entscheidungslauf. Auch in die- Wirtschaft. Senkung der preise für Stickstoff-Düngemittel. In Verfolg des zwischen dem Reichsnährstand und dem Stickstoffsyndikat im Februar 1935 abgeschlossenen Vertrages haben jüngst Verhandlungen über oie Stickstoffpreise stattgesunden; sie haben zu einem neuen Abkommen zwischen Reichsnährstand und Stickstoff-Syndikat mit Gültigkeit bis zum 30. Juni 1940 geführt, das die Reichsregierung gebilligt hat. Die Stickftoffpreise werden sich in Zukunft nach der jeweiligen Höhe des Jnlands- abfatzes des Stickstoff-Syndikats im vorhergegange- nen Düngejahr richten. Entsprechend der im Düngejahr 1935/36 erzielten Absatzsteigerung werden im kommenden Düngejahr (1. Juli 1936 bis 30. Juni 1937) die Preise für Stick st offdüngemittel gesenkt werden. Das Ausmaß der Senkung ist bei den einzelnen Düngemitteln nicht das gleiche. Es ist am größten bei den Salpeter- und den Ammoniaksalpetersorten; bei diesen Erzeugnissen werden außerdem die bisher verhältnismäßig engen Spannen zwischen den Anfangs- und Endpreisen (Juli bzw. Februar) an die Preisspannen bei anderen Düngemitteln an- geglichen werden. Hierdurch soll die im Rahmen der Erzeugungsschlacht besonders wichtige Düngung des Grünlandes und der Zwischenfrüchte, für welche die salpeterhaltigen Düngemittel in erster Linie in Frage kommen, erleichtert werden. Im Preise der Kalkstickstoffsorten ist in Zukunft der Preis für den gewöhnlichen 75-Kilogramm- Papiersack enthalten. Die Spannen zwischen Anfangs- und Endpreisen betragen bei allen Düngemitteln einheitlich 10 Pf. * Gesteigerte Kohlenproduktion in Hessen. Die seit Beginn des Jahres festzustellende Steigerung der Kohlenproduktion im Lande Hessen hat auch im Berichtsmonat Mai angehalten. Es wurden im Monat Mai gefördert 88 881 Tonnen Rohbraunkohlen, von denen 85 814 Tonnen weiterverarbeitet worden sind. * Pflichteinlagerung von Roggen. Durch eine Anordnung Nr. 38 der HV. der deutschen Getreidewirtschaft ordnet der Vorsitzende folgendes an: Die für Mühlen mit einem Grundkontingent an Roggen und Weizen zusammen von mehr als 750 Tonnen vorgeschriebene Pflichteinlage- rungsmenge von Jnlandsroggen in Höhe eines Monatskontingents wird hiermit bis auf weiteres auf die Hälfte des Monatskontingents der Mühle herabgesetzt. Die Anordnung ist vom 13. Juni 1936 datiert. Kbein-Mainische Börse. INillagsbörse überwiegend fester. Frankfurt a. M., 18. Juni. Die Börse lag recht ruhig. Anfangs überwogen die Kurssteigerungen auf allen Märkten. Neue Anregungen lagen nicht vor, auch sind die Publikumsaufträge etwas geringer geworden. Später erfolgten unter Führung einiger Werte, wie Kaufhof, Verein. Stahlwerke leichter Rückgang, der durch eine erneute Erholung wieder abgelöst wurde. IG.-Farben schwankten zwischen 173,25 (172,75) bis 172,90, Scheideanstalt lagen 3 v. H. höher. Die übrigen Chemiewerte gut gehalten. Am Elektromarkte waren Siemens um 2,50 v. H. fester, daneben Gesfürel 2, RWE. 0,75, AEG. 0,13, Mainkraft 0,50, Chade 2 Mark. Auch Montanwerte zumeist freundlicher, so Hoesch um 0,90, Ilse Genuß 0,90, Otavi 0,50. Stahlverein zunächst behauptet 96,65, dann 96. Eisenhandel 0,75 o. H. höher. Don Motorenwerten BMW. gehalten, Daimler 0,75, Muag 0,50 v. H. bestigt. Am Baumarkt Holzmann abzüglich 5,4 v. H. Dividende Erheblicher Anstieg der Spareinlagen in Heffen-Aassan. Der ununterbrochene Spareinlagenanstieg, der in Hessen-Nassau seit über drei Jahren anhalt, setzt sich unvermindert auch im neuen Jahre fort. Die von den 57 öffentlichen Sparkassen der Pro- oin» Hessen-Nassau am 30. April 1936 verwalteten Sparguthaben stellten sich auf 567,86 Millionen Mark gegen 537,57 Mill. Mark Ende April 1935. Der Zuwachs innerhalb der letzten 12 Monate beträgt mithin 33,20 Millionen Mark einschließlich der gutgeschriebenen Zinsen. Die reine Spareinlagenzunahme in Hessen-Nassau stellt sich von Ende Dezember 1935 bis Ende April 1936 auf 1,56 v. H. des ursprünglichen Bestandes und liegt damit recht wesentlich über dem für die preußischen Sparkassen errechneten Durchschnittssatz von 1,29 v. H. Der Monat April 1936 war für die hesien- nassauischen Sparkassen besonders günstig. Bei einem prozentualen Spareinlagenanstieg von 0,45 v. H. wurde der für Preußen festgesetzte Durchschnittssatz von 0,21 v. H. sehr erheblich übertroffen. Die Zahl der bei den heffen-nasfauifchen Sparkassen geführten Sparkonten erhöhte sich von Ende April 1935 bis Ende April 1936 um rund 77 500 auf 1 585 000 Stück. Demnach sparen heute in Hessen-Nassau von 100 Einwohnern 60 bei einer der 57 mundelsicheren Sparkassen. Auf den Kopf der hessen-nassauischen Bevölkerung kam Ende April 1936 ein durchschmtt- liches Sparguthaben von 219,68 Mark gegen 206,80 Mark im gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Die Depositen-Giro- und Kontokorrenteinlagen der hefsen-nasfauischen Sparkassen erhöhten sich innerhalb der letzten 12 Monate ebenfalls wesentlich. Der Gesamtbestand stieg um 8,30 Mill. Mark auf 81,90 Mill. Mark, d. h. um mehr als 11 v. H. Auch hier war der letzte Monat bei einem Zuwachs von 3,80 Mill. Mark besonders günstig. Die Zunahme betrug 4,88 v. H. und liegt sowohl ganz erheblich über dem preußischen (1,69 v. H.) als auch über dem für das Reich (1,86 v. H.) errechneten Durchschnittssatz. um 1,50 v. H. erholt, Heidelberger Zement nur knapp gehalten. Don Zellstoffwerten Aschaffenburger gegenüber ihrem gestrigen Rückgang um 1 v. H. erholt. Schiffahrtswerte, Reichsbahn-DA. ohne Veränderung. Im einzelnen bröckelten AKU. mäßig ab, Westd. Kaufhof lagen in Nachwirkung des Abschlusses um 1,65 v. H. schwächer, Deutsche Linoleum in Erwartung einer höheren Dividende und Erleichterung der Dioidenden-Transferfrage um 2,50 v. H. erhöht. Arn Rentenmarkt lagen deutsche Anleihen sehr ruhig und kaum verändert. Nachfrage blieb für Kommunal-Umschuldung, Altbesitz war 0,25 v. H. schwächer. Von Auslandrenten zogen auf die Zinszahlung Rumänen stärker an, so 4proz. Rumänen um 0,30, 5proz. Rumänen um 0,5, 4/^proz. Rumänen um 0,50 v. H. Sonstige Auslandrenten sehr ruhig. Der Verlauf lag außerordentlich ruhig, mangels Kundenaufträge war der berufsmäßige Börfenhan- del zu Positionslösungen geneigt, so daß die Kurse eher noch abbröckelten. JG.-Farben etwa 173 (173,25), Verein. Stahlwerke 96 nach anfangs 96,65. Umsätze von Belang fanden nirgends statt. Auch deutsche Anleihen sehr still. Von Auslandrenten lagen die kleinen Ostwerte erneut schwächer, Rumänen konnten ihre ersten festeren Kurse etwa behaupten. Stadtanleihen fast ohne Umsatz, Pfandbriefe unverändert. Im Freiverkehr Ufa 63 (63,50), Adler-Kleyer 107,50 (107,50), Pokorny 108 (109), Wayß & Frey- tag ex Dividende 117,50 (121,50), Growag 88,50 (89). Die übrigen Werte unverändert. Tagesgeld wieder 2,75 v. H. Abendbörse still. Die Abendbörse verlief ohne Anregung und Sonderbewegung. Die Mittagsschlußkurse waren etwa gehalten. IG. Farben 172,50 (172,25), Mannesmann 100,50, Reichsbank 195,50, ebenfalls unverändert. Gut gehalten waren Daimler mit 124,50 zu 125, auch Kaufhof behauptete ihren Mittagsschlußkurs. Verein. Stahlwerke lagen um 0,40 v. H. schwächer. Deutsche Anleihen sehr ruhig, auch Auslandsrenten fast umsatzlos. 4 v. H. Rumänen 6,20 nach 6,30 zu hören. Der Verlauf der Börse blieb bei äußerst geringen Umsätzen unverändert. IG. Farben 172,50 (172,50), Altbesitz 113. Von Auslandsrenten ungarische COWerte auf höhere Pariser Kurse 0,13 bis 0,25 v. H. höher. Die Nachbörse war umsatzlos. Es notierten: 6 v. H. Verein. Stahlwerke 102,75, 4 v. H. Ungarn-Kronen 3,50, Lissabon Stadt 74,50, 4 v. H. Rumänen 6,20, Commerzbank 93,50, DD.- Bank 94,75, Deutsche Ueberseebank 114,50, Dresdner Bank 95, Buderus 105, Harpener 129, Mannesmann 100,50, Hvesch 109,65, Rheinstahl 133,50, Verein. Stahlwerke 95,25, Aku 57, AEG. 36,25, Berl. Kraft & Licht 151 B, Bemberg 86, IG. Chemie volle 246, dto. 5Oprozentige 169,75, Conti Gummi 192,50, Daimler 124,40, Erdöl 131,50, Scheideanstalt 269, Deutsche Linoleum 181,25, El. Licht & Kraft 154,50, IG. Farben 172,50, Gesfürel 141,50, Goldschmidt 115, Gritzner 33,25, Holzmann 126, Junghans 101, Lahmeyer 140, Muag 111,50. Moenus 91, Montecatini E 75,75, RWE. 135,50 Schuckert 158, Westdeutsche Kaufhof 46,50, Schös- ferhoss-Binding 183,25, Deutsche Reichsbahn-Vorzugsaktien 123,25, AG. für Verkehr 123, Hapag 14,50, Nordd. Lloyd 15,90. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 18. Juni. Der Frankfurter Schlachtviehmarkt war gegen die Vorwoche in feinen Grundzügen kaum verändert. Wiederum war der Auftrieb an Rindern mit 225 Stück, also 11 Stück weniger als in der Vorwoche, nur unzureichend. Rindfleisch ging also sehr schnell ab. Der Ausgleich erfolgte wiederum mit anderem Fleisch der Reichsstelle. Der Schweinemarkt hatte diesmal einen um 875 geringeren Auftrieb mit 4983 Stück. Die schon zuletzt beobachtete Saisonerscheinung der stoßweisen Beschickung aus Bayern hielt noch an. 250 Tiere konnten z. B. am Donnerstag von den Metzgern nicht ausgenommen werden. Die Qualität war gut, im übrigen erfolgte wieder Zuteilung. Der Verkauf erfolgte zu den Festpreisen. Der Schafmarkt zeigte ein freundlicheres Bild, die Qualität war gut bis mittelmäßig. Bei gleichbleibenden Preisen wurden die 111 (85) Tiere glatt ausverkauft. Der Kälbermarkt lag auch in dieser Woche noch unter Preisdruck. Die Qualität der anfallenden Tiere ist gut gewesen. Obwohl 160 Stück gegen letzten Donnerstag weniger aufgetrieben waren, verlief auch in der zweiten Hälfte der Woche der Kälbermarkt nur schleppend. Wiederum gaben die Preise von Donnerstag'zum Montag um 4 bis 5 Mark, von Montag bis Donnerstag um weitere 3 Mark je 50 Kilogramm nach, so daß der Kälberpreis gegenüber der Vorwoche etwa 7 bis 8 Mark weiter zurückfiel. Der Gesamtauftrieb war um 269 Tiere mit 1311 geringer beschickt. Entsprechend der Diehmarktlage waren wiederum sämtliche Fleischsorten, also Kalb-, Schaf- und Schweinefleisch sehr ausreichend vorhanden, nur Rindfleisch unzureichend, aber dafür erfolgte flotter Ausgleich durch Gefrierfleisch. Auftrieb: 29 Rinder (gegenüber 11. 6. 23), darunter 2 Ochsen (—), Bullen 3 (1), Kühe 19 (20), Färsen 5 (2), Kälber 684 (843), Schafe 74 (56), Schweine 1157 (1882); es notierten (je 50 Kilogramm Lebendgewicht) in RM.: andere Kälber a) 61—65 (68—75), b) 54—60 (62—67), d) 45—53 (52—61), d) 35—44 (40—51), Lämmer und Hämmel b2) Weidemasthämmel 47—49 (48—50), Schafe e) 40 bis 43 (42—47), c) 34—37 (36—40), Schweine al) 57 (57), a2) 57 (57). bl) 56 (56), b2) 55 (55), c) 53 (53), d) 51 (51), Rest nicht notiert. Es verblieben 242 Schweine Ueberstand. Marktverlauf: Kälber schleppend, ausverkauft, Hämmel und Schafe mittelmäßig, ausverkauft; Schweine zugeteilt. Großhandelspreise für Fleisch und Fett- waren: Beschickung 534 Viertel Rindfleisch, 170 ganze Kälber, 13 ganze Hämmel, 438 halbe Schweine. Es notierten (für 50 Kilogramm) in RM.: Bullenfleisch a) 76, Kuhfleisch a) 77, b) 65, c) 54, Färsenfleisch a) 80, Kalbfleisch b) 9.5—105, c) 85—95, Hammelfleisch b) 90—95, Schweinefleisch b) 74 höchster Preis; Fettwaren: roher Speck, unter 7 cm 60—65, Flomen 80. Marktverkauf: ruhig, außer Rindfleisch. Schweinemarkt in Grünberg. 4- Grünberg, 18. Juni. Der heutige Schweine« markt hatte einen Auftrieb von 358 Ferkeln. Folgende Preise wurden erzielt: bis sechs Wochen alte Ferkel 20 bis 25 Mark, sechs bis acht Wochen alte 26 bis 29, acht bis dreizehn Wochen alte 30 bis 34 Mark. — Marktverlauf: Es verblieb Ueberstand, da wegen des guten Heuwetters nur wenig Käufer erschienen waren. Schweinemarkt in Butzbach. * Butzbach, 18. Juni. Der heute hier abgehaltene Schweinemarkt verzeichnete einen starken Besuch. Die Händler konnten ihre Ferkel restlos ab» setzen. 4 bis 6 Wochen alte Ferkel kosteten 20 bis 24 Mark, 6 bis 8 Wochen alte fofteteten 26 bis 28 Mark, 8 bis 10 Wochen alte Tiere 32 bis 33 Mark. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v.H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Frankfurt a. UI. Berlin Frankfurt a.Ul. Berlin Frankfurt a. M. Berlin Schluß- kurS Schlußl. Abend» börse Schluß« kurS Echlußk. Mittag, börse Schluß« kurö Schlußt. Abendbörse Schluß- kurS Gchlutzk. Mittag- börle Schlußkurs Gchlußk. Abend- börse Schluß- kurS Gchlußk. Mittag» börse Lainm 17-6 18 6. 17.6 18-6 Datum 17.6 18-6 17-6. 18.6- Datum 17-6. 18-6. 17-6. 18-6 6% Deutsche Reichsanleihe o. 1927 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 byt% Boung-Anleihe von 1930 Deutjche Anl.-Ablöl.-Schuld mti AuSlos.-Rechten ............ *Vi% Deutsche ReichSpostschahan Weisungen von 1934, 1....... Wo ehem. 8% Hessischer Solls staut 1929 (rückzahlb. 102%) ... *Vi% ehem. 8% Hessische Lande« bant Darmstadt Gold R. 12... bVi% ehem. 4y,% Hess. Lande» Hypothekenbank DarmstadtLiau. 1 12,49 16,36 168,10 Englische Noten .............. Französische Noten.............. Holländische Noten.............. Italienische Noten................ Norwegische Noten .......... 62,53 62,79 Deutsch Oesterreich, ä 100 Schilling Rumänische Noten............... Schwedische Noten.............. 64,15 80,08 33,52 64,41 80,40 33,66 Schweizer Noten................. Spanische Noten................. Ungarische Noten................ Nr. 141 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Zreitag, 19. Zuni 1936 LZ. 129 „Hindenburg" über Gießen. Ein überraschender Besuch. .1 I *. ' * »SM*** —MÄ« MW Die Bevölkerung unserer Stadt erlebte gestern kurz nach 18 Uhr eine angenehme Ueberraschung. Der langersehnte Besuch eines der beiden Luftschiffe wurde Wirklichkeit. Das Luftschiff LZ 129 „Hindenburg" erschien, aus der Richtung von Marburg her, über unserer Stadt und flog in majestätischer Ruhe seinem Heimathafen Frankfurt a. M. zu. Mit großer Geschwindigkeit verbreitete sich die Kunde in allen Straßen und Häusern. Im Nu war jedermann am Fenster oder auf der Straße, um das Luftschiff zu sehen. Allgemein fiel auf, daß das Motorengeräusch verhältnismäßig gering war, und dadurch das Luftschiff auch später bemerkt wurde, als es sonst vielleicht der Fall gewesen wäre. Das Luftschiff bot im Schein der hellen Spätnachmittagssonne einen prächtigen Anblick. (Aufnahme: Photo-Pfaff.) Aus der Vrovinzialhauptfiaot. Oie Jiafur bittet um Schonung! Die Urlaubs- und Reisezeit der Städter hat begonnen. Da erscheint es auch bei uns angebracht, die „zwölf Bitten der Bäume an die Menschen" weiterzugeben. Sie lauten: „Klettere nicht unnötig auf uns herum. Hänge keine Schaukel oder Turngeräte an unseren Aesten auf. Schneide nicht Buchstaben in unsere Rinden. Schone die schwachen Zweige; je weniger Knospen auf dem Boden liegen, um so besser können wir blühen und Früchte tragen. Verletzt uns nicht mit Beilen, Messern, Hammer Stöcken und Steinen — wir spüren jeden Schlag als Schmerz. Schlage keine Nägel in unsere Rinde, um Wäscheleinen oder ähnliches daran aufzuhängen. Umspanne Stamm und Aeste nicht mit Eisen- oder Drahtfesseln, die sich mit jedem Jahr tiefer in unser Fleisch schneiden, da Stamm und Aeste beständig an Umfang zunehmen. Laßt uns nicht verdursten, wenn ihr Freude und Nutzen von uns haben wollt. Reiht keine Aeste ab, das gibt böse Wunden und entzieht uns viel Kraft. Pflückt nicht unreife Früchte ab, sie bekommen Euch nicht und unsere Zweige werden beschädigt. Ueberlasse die Baumernte denen, die uns das ganze Jahr pflegen und nähren, sie haben sie sich mühsam verdient. Wir atmen durch die Blätter, deshalb reiße keine ab." — Don Vogelzüchtern und Vogelfreunden wird allen Ernstes behauptet, daß manche Singvögel nicht mehr so schön singen wie früher. Das ist z. B. bei der Mönchgrasmücke festgestellt, die den sogenannten „Überschlag" sich ganz abgewöhnt hat. Die Sprosser Ostpreußens und auch die Singdrossel in dieser Provinz haben ihren Gesang vereinfacht. Ebenso hat der Buchfinkenschlag nicht mehr die schöne frühere Melodie. Man steht hier vor einem Rätsel, dessen Lösung bisher nicht gelungen ist. Man hat ferner festgestellt, daß Vögel ihre Ernährung wechseln. Wenn in Afrika die Heuschrecken zu schwärmen begannen, folgten ihnen Millionen von Vögeln, die einen erheblichen Teil vertilgten. Jetzt ist das nicht mehr der Fall. Pflanzen sind Lebewesen, die somit auch manchen Krankheiten unterliegen. Jeder Landwirt kann ein Lied davon singen, und die Gärtner erst recht. Ein italienischer Gelehrter hat kranke Geranien geimpft und zwar mit gutem Erfolg. Man hofft durch Impfen — ähnlich wie bei Menschen — die Pflanzen gegen gewisse Krankheiten unempfindlich zu machen. Da ist die deutsche Methode entschieden vorzuziehen, die Pflanzen züchtet, die von vornherein von gewissen Krankheiten nicht befallen werden können. Zu den schönsten Vögeln Deutschlands gehören die Eulen. Sie und die Uhus sind schon sehr selten geworden und es besteht die Gefahr, daß sie aussterben, wenn die Menschen ihre bisherige Einstellung zu ihnen nicht ändern. Die Eulen und Uhus gelten als Unglücksvögel und ihre seltsamen Rufe in der Nacht werden nicht gerne gehört. Das ist natürlich schwärzester Aberglaube. Es wird den Vögeln nachgesagt, daß sie sehr viele Kleinvögel vertilgen, aber die Eulen und Uhus ziehen Feldmäuse entschieden vor und nützen damit dem Land- wirt Man hat jetzt in Westdeutschland Uhus aus Ostpreußen eingebürgert und man hofft auch die deutschen Eulen erhalten zu können. Wer einen zoologischen Garten besucht, versäume es nicht, sich auch die Nachtvögel anzusehen, die weit besser als ihr Ruf sind. Außerdem sind es ausgesprochen schöne Tiere die wirklich nichts Unheimliches an sich haben. Das gilt für das Wildkäuzchen, die Schleiereule, Steinkäuzchen, Sumpfohreulen und die anderen Eulenarten. Dornotizen. Tageskalender für Freitag. NS.-Lehrerbund, Geschichtliche Arbeitsgemeinschaft, 17.30 Uhr am Museum, Führung durch die Fränkische Abteilung. — Gloria-Palast, Seltersweg: „Flitterwochen" — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Ich liebe alle Frauen". — Oberhessischer Kunstverein, 16 bis 19 Uhr, Ausstellung „Frauenbildnis mit Schmuck" im Foyer des Stadttheaters. Motorstandarte 147 Gießen startet nach Frankfurt. Ml über 300 Fahrzeugen! Am morgigen Samstagnachmittag startet die Motorstandarte 147 mit 900 Mann und über 300 Fahrzeugen zu dem Tag des NSKK. in Frankfurt a. M. Die Mannschaften treten um 15 Uhr auf dem Trieb an und fahren dann (ab 16.15 Uhr) in langer Kolonne durch viele Straßen der Stadt. Die Fahrzeuge werden dabei folgende Straßen passieren: Kaiserallee, Gartenstraße, Neuen Weg, Seltersweg, Frankfurter Straße, Alicestraße, Lud- wigstraße. Nach einer Vorbeifahrt am Führer der Standarte werden die Fahrzeuge ihren Weg über den Ludwigsplatz, durch die Gutenbergstraße, über Nahrungsberg, Gnauthstraße, Bismarckstraße, Ste- phanstraße, Goethestraße, Gnauthstraße, Bleichstraße, Ludwigstraße und Wilhelmstraße nach der Frankfurter Straße sortsetzen. Die Wagenkolonne wird eine erhebliche Länge haben. Die Auffahrt dürfte sich sehr eindrucksvoll gestalten. Wie wir hören, werden auch die Standarten von Marburg und Kassel am morgigen Samstag unsere Stadt mit vielen Kraftfahrzeugen auf dem Weg nach Frankfurt passieren. Aufruf zum „Tag des NSKK.". In einem Aufruf zum Tag des NSKK. wendet sich der Führer der Motorgruppe Hessen an alle Arbeitgeber im Gau Hessen-Nassau: „Die NSKK.-Männer der Motorgruppe Hessen begehen am Samstag, 20. Juni, und Sonntag, den 21. Juni 1936, den „Tag des NSKK." in Frankfurt a. M. Korpsführer Hühnlein will sich von der Einsatzbereitschaft und Schlagkraft seines Korps überzeugen. Zum erstenmal marschiert die Motorgruppe Hessen geschlossen auf. Ich bitte die Arbeitgeber, die bei ihnen beschäftigten NSKK.-Männer, die sich ohnehin in freiwilliger Opferbereitschaft in den Dienst des Kraftfahrkorps stellen, am Samstagnachmittag so frühzeitig frei zu geben, um ihnen die Teilnahme an diesem Treffen zu ermöglichen. NSKK., Motorgruppe Hessen, Richard Prinz von Hessen, Brigadeführer." Kulturfest im Forstamt Schiffenberg. Nachdem die Frühjahrspflanzarbeiten — auch Kulturarbeiten genannt — beendet sind, feierte das Forstamt Schiffenberq in Anlehnung an einen alten Brauch und zur Pflege der Betriebsverbundenheit kürzlich in der Gastwirtschaft Schaum zu Großen-Linden sein diesjähriges Kulturfest Ein Moosteppich am Saaleingang, Bäumchen und Girlanden an den Wänden und grüne Sträuße an der Saatdecke boten einen prächtigen Schmuck und ließen die Teilnehmer fast vergessen, daß man sich nicht im Walde befand. Außer den Kulturarbeiter- innen und den Kulturarbeitern nahmen auch öie Bürgermeister der waldbesitzenden Gemeinden und die Forstbeamten sowie deren Angehörige teil. Die politischen Leiter, die gerade zu einem Schulungskursus im Großen-Lindener Schulungslager wellten, fanden sich zur allgemeinen Freude auch em. Nachdem die Teilnehmer — etwa 220 Personen — an den ebenfalls schön geschmückten Kaffeetafeln Platz genommen hatten, leitete ein von den Forstern des Forstamts Schiffenberg gesungenes Lied oie Feier ein. ~ , Der Amtsvorstand des Forstamts Schiffenberg, Oberforstmeister Nicolaus, konnte schon deshalb eine gegenüber den Vorjahren erheblich größere Teilnehmerzahl begrüßen, weil sich auch das Forstamt Gießen mit seinen Gefolgschaftsmitgliedern dem Feste angeschlossen hatte. Es sey so führte Oberforstmeister N i c o l a u s m ferner Begrüßungsansprache aus, sehr erfreulich, daß sich das foge- nannte Kulturfest immer mehr zu einem wahren Fest der Volks- und Betriebsgemeinschaft auswachse, zu einem Fest, zu dem ein jeder gerne komme und an das sich jeder gerne erinnert. Es könne auch für den Wald nur in hohem Maße förderlich fein, wenn die Bürgermeister als Vertreter der waldbesitzenden Gemeinden, mit den Forstbeamten, die ihre größten Vermögenswerte verwalten, auch einmal außerdienstlich zusammenkommen. Manche dienstliche Frage lasse sich dann viel leichter klären. Das Kulturfest solle dann weiterhin in erster Linie Dank uno Anerkennung für die Kulturarbeiterinnen und Kulturarbeiter sein, die in fleißiger und gewissenhafter Arbeit die jungen Pflänzchen der Mutter Erde überantworteten, auf daß dereinst mächtige Bäume daraus würden, unter deren Schatten einmal die Urenkel gehen würden. Denn alle, die wir uns mit dem Walde und darüber hinaus mit unserem Volkstum und unserer Heimat verbunden fühlten, sorgten ja nicht dafür, daß die gegenwärtige Generation mit dem Rohstoff Holz beliefert werde, sondern es sei auch unsere stetige Sorge, daß diese Bedarfsdeckung auch für fernere Zeiten gesichert werde, und der deutsche Wald als Jungborn für unser Volk erhalten bleibe. Mit einem Sieg-Heil auf den Führer beschloß Oberforstmeister Nicolaus seine Ansprache. Gesangsvorträge der Beamten sowie der Kulturarbeiterinnen und Kulturarbeiter wechselten mit Theaterstücken, mit Gedichten und Vorträgen in oberhessischer Mundart ab. Bei der Fülle des Gebotenen, und da eine Kapelle noch flotte Weisen zum Tanz aufspielte, war es nicht verwunderlich, wenn der offizielle Schluß erst gegen 21 Uhr war. Als Dberforjtmeifter Nicolaus am Schlüsse nochmals allen dankte, die mit dazu beitrugen, das Fest so schön zu gestalten, insbesondere Herrn Degen (Großen-Linden), Förster Seipp und den anderen Beamten des Forstamts, den Großen- Lindener Theaterspielern, den Kulturarbeiterinnen und Kulturarbeitern und den Mädchen aus Dorfe Gill, da waren wohl alle der Ueberzeugung, ein wohlgelungenes Fest der Betriebsverbundenheit gefeiert zu haben. Der Absatz der Frühkartoffeln in Oberheff^n. Um den Absatz von Frühkartoffeln, die vor dem 15. August 1936 in den Verkehr gebracht werden, zu regeln, hat der Kartoffelwirtschaftsverband Hessen-Nassau eine Anordnung erlassen. Diese Anordnung erklärt die Hauptanbaugebiete für Frühkartoffeln zu geschlossenen Anbaugebieten; es handelt sich um sechs Gebiete, darunter auch um Oberhessen. 76 verschiedene Gemeinden gehören zu diesem geschlossenen Anbaugebiet, für das die Bestimmung gilt, daß die Erfassung der Frühkartoffeln durch Ortssammelstellen vorgenommen wird. Dorthin müssen alle Frühkartoffeln angedient werden, die nicht im eigenen Betrieb verwendet oder am Ort der Erzeugung dem Verbraucher zugeführt werden. Heugeflatiung des Gießener Ghrensriedhoss. Der Friedhof unserer aefaüenen Helden innerhalb des neuen Friedhofs am Rodtberg hat eine neue gärtnerische Ausgestaltung erfahren. Frische Rasenflächen wurden angelegt, die jetzt in zartem Grün leuchten. Die Tafeln, auf denen die Namen der Gefallenen und der Tag ihres Heldentodes für das Vaterland verzeichnet sind, find mit niedrigen Buchsbaumhecken eingefaßt worden und bieten einen freundlichen Anblick. Die Gräber wurden außerdem mit einer durchgehenden langen Blumenrabatte geschmückt. Die Anlage bietet gerade jetzt, da alles in sommerlicher Pracht prangt, einen schönen Anblick. Es ist immer wieder erfreulich zu i Gedenkstätte eine so sorgfältige Pflege erfährt, sehen, wie durch die Stadt Gießen diese würdige I (Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.) Vereidigung des ASDSiV. und Llebernchine des „Sommer"-Häuschens. Geheimrat Prof. Dr. Sommer übergibt dem Gau-Studentenbundsführer die Schlüssel zum Wochenendhäuschen. — (Aufnahme: Photo-Pfaff.) ZM.. Gestern nachmittag trat die Gießener Hoch - schulgruppe des NSDStB. vordem Studentenhaus amLeihgester- ner Weg an und marschierte unter frohen Marschliedern in die Nähe des Unteren Hardthofes, vor das Grundstück, das Geheimrat Sommer dem Studentenbund zum Geschenk gemacht hat. Die Zeit bis der Gau - Studentenbundsführer eintraf, wurde durch den plötzlichen Besuch des Zeppelinluftschiffes „Hindenburg", der freudig begrüßt wurde, verkürzt. Mittlerweile hatten sich auch die eingeladenen Gäste am „Sommer"- Häuschen eingefunden und gegen 18.30 Uhr konnte Hochschulgruppenführer Frank die Meldung des angetretenen Studentenbundes erstatten. Nach der Einbringung der Gau-Studentenbunds- fahne fangen die Angehörigen des Kameradschaftshauses ein Lied, und während eines Fahnenspruches wurde die Fahne des NSDStB. am Mast des „Sommer"-Häuschens gehißt. Dann nahm der Gau-Studentenbundsführer Eonrad das Wort und kam auf die Bedeutung dieser Feierstunde zu sprechen. In diesem nun zu Ende gehenden Semester sei es das erste Mal, daß die Mannschaft des NSDStB. im ganzen Reich a u f den Führer vereidigt werde. Immer müsse sich der Studentenbund seiner Berufung als n a - tionalsozialistische Erziehungsmacht bewußt sein und die Mannschaft des Studentenbundes müsse eine auf Gedeih und Verderb zusammengehörige Kernmannschaft bilden. Die Kameraden, die jetzt vereidigt würden, ständen am Anfang einer neuen Tradition, sie seien der Zukunft gegenüber verpflichtet, eine sinnvolle Tradition zu formen, wie sie keine studentische Jugend früher besaß. Die gefallenen Kameraden von Langemarck und die Namen der Kameraden, die für den Führer das Leben gaben, müsse man sich einprägen und im Blick auf sie müsse jeder Bannerträger der Zukunft werden. Schon 1928 habe der Führer den NSDStB., eine Organisation zur Verbreitung der nationalsozialistischen Weltanschauung und eine Führerschule genannt. Als Beauftragter und Treuhänder des deutschen Volkes für die Zukunft müßten die Studenten als geistige Menschen Schöpfer neuer Überlieferungen sein. Jeder einzelne Studenlenbundskamerad müsse sich durch Vekennermut und kompromißlosen Einsatz auszeichnen. Der Führer habe dem Studentenbund eine Fahne gegeben und im Anblick dieses neuen Symbols einer Gliederung der Partei würde nun jeder dem Führer geloben, in Ehre, Treue, Gehorsam und Opferbereitschaft den gestellten Auftrag in aller Zukunft zu erfüllen. Nachdem der Redner nochmals auf die Bedeutung der nun stattfindenden Verpflichtung eingegangen war, sprach er die Eidesformel vor, die die angetretene Mannschaft wiederholte. Die Verpflichtung wurde mit dem Sieg-Heil auf den Führer und dem ersten Vers des Horst-Wesfel-Liedes beendet. Nach der Dereidiaung begrüßte vor dem Gartenhäuschen der Gau-Studentenbundsführer Herrn Geheimrat Sommer und dankte ihm dafür, daß er dem NSDStB. dieses Grundstück zum Geschenk gemacht habe und sagte, daß ordentlich von diesem Erholungsort Gebrauch gemacht würde. Geheimrat Prof. Or. Sommer führte dann u. a. aus: Die Uebergabe des Häuschens an eine junge Kameradschaft der Universität sei für ihn die Erfüllung eines feiner größten Wünsche. Durch seinen Beruf als Psychiater sei er darauf gekommen, daß dem arbeitenden Menschen ein Platz zur Ruhe gegeben werden müsse. Er streifte dann in kurzen Zügen die Geschichte und Entstehung dieses Häuschens, wobei er besonders an die Zeit kurz vor dem Kriege und an seine Rektoratszeit erinnerte. Dieses Häuschen mit der angrenzenden Fläche von 5000 Quadratmeter gebe er nun in feste Hände und sei froh, daß er heute noch trotz seines Alters eine gute Verbindung zur studierenden Jugend habe. Mit dem Wunsche, daß der Studentenbund dieses Häuschen treu verwalten möge, übergab er d i e Schlüssel dem Gau-Studentenbundsführer, der sie dem Hochschulgruppenführer aushändigte. Anschließend war den Gästen und Studenten Gelegenheit gegeben, die Jnnenräume und den Terrassengarten mit seiner schönen Aussicht auf die Universitätsstadt Gießen zu besichtigen. Nach dem Rundgang durch das Gelände traten die Mannschaften wieder an und marschierten in die Stadt zurück. Die öcutfthc flrbcirofront n.9.=0cm£inf(haft „(traft öurth freuöc" Omnibusfahrt nach dem Nürburgring. Am Sonntag, 26 Juli 1936, fährt wieder zu dem Autorennen auf dem Nürburgring um den „Großen Preis von Deutschland" ein Omnibus. Der Fahrpreis beträgt 7 Mark. Wir bitten alle Interessenten, sich möglichst umgehend anzumelden (bei Anmeldung ist der Fahrpreis zu bezahlen), damit sich jeder Teilnehmer seinen Platz rechtzeitig sichert. Sonderzug nach Hamburg zu dem Weltkongreß für Freizeit und Erholung vom 22. bis 27. Juni. Während obiger Zeit fährt ein Sonderzug nach Hamburg zu dem Weltkongreß. Der Fahrpreis beträgt einschl. Verpflegung 27,50 Mark. Anmeldungen hierfür müssen umgehend auf der Kreisdienststelle Gießen, Schanzenstraße 18, abgegeben werden. * ** E i n Fünfund siebzigjähriger. Schreinermeister Georg Adam Hainer wird am Montag, 22. Juni, 75 Jahre alt. Bereits im Jahre 1889 gründete er in der Kaplaneigasse eine Bau- und Möbelschreinerei. 40 Jahre lang wirkte er in dieser Werstatt, bis er dann im Jahre 1929 nach der derzeitigen Werkstatt, Am hitlerwall 7, übersiedelte, heute noch hilft er seinem Sohn, der den Betrieb übernommen und auf eine beachtliche höhe gebracht hat. Herr Hainer, ein alter Handwerksmeister von echtem Schrot und Korn ist von seinen Berufskollegen und darüber hinaus von allen Bekannten hoch geachtet. Fast 50 Jahre ist er Leser seiner Heimatzeitung des Gießener Anzeigers. ** Sonntagsrückfahrkarten aus b e - fonberem Anlaß. Zu dem am 20. und 21. Juni in Frankfurt a. M. stattfindenden NSKK.° Treffen der Motorgruppe „Hessen" werden von der Fahrkartenausgabe Gießen Sonntagsrückfahrkarten mit verlängerter Geltungsdauer ausgegeben. Die Karten gelten zur Hinfahrt am 20. Juni von 0 Uhr bis 21. Juni und zur Rückfahrt vom 20. Juni bis 22. Juni 12 Uhr (spätester Antritt der Rückfahrt). ** Eine Lichtbilder-Aus st ellung im Schaufenster des Papiergeschäftes Hans Krauch im „Haus Schwarz" in der Bahnhofstraße zeigt vier Aufnahmen Gießens und seiner Umgebung, die die Stadtverwaltung aufgekauft hat. Die Bilder stammen von Hans Krauch selbst, der sich als geschickter Lichtbildner erwies. Der Landgraf- Philipp-Platz, der Eingang zum Alten Schloß, eine Landschaftsaufnahme mit dem Gleiberg im hinterarund und ein Bild vom Schiffenberg sind Beweise seiner Lichtbildkunst und haben auch die Stadt zum Ankauf bewogen. Neben diesen Bildern sieht man aber auch eine große Anzahl schöner Aufnahmen von Motiven und Landschaften aus der näheren und weiteren Umgebung, wie z. B. Münzenberg, Wetzlar, Alsfeld, Gelnhausen und Hersfeld. ** Gartenrundgang am Nahrungsberg. Der hiesige Obst- und Gartenbauverein veranstaltet am Sonntag, 21. Juni, unter Führung von Gartenbautechniker Wasewitz für die Gärten am Nahrungsberg einen Gartenrundgang. Der am vorigen Sonntag stattgefundene Rundgang in den Anlagen des hiesigen Gartenbauvereins hatte in den Kreisen unserer Kleingärtner regstes Interesse gesunden. Die Teilnehmer konnten wichtige Anregungen und Erfahrungen aus dem Gebiete des Kleingartenbaues mit nach Hause nehmen. Die praktische Beratung im Kleingartenbau ist nicht nur eine wichtige Maßnahme zur Förderung des Gartenbaues überhaupt, sondern trägt auch bei, die Erzeugung unseres Volkes aus eigner Scholle zu steigern. Sie stellt sich somit in den Dienst der Erzeugungsschlacht. (Auf die heutige Anzeige sei besonders aufmerksam gemacht.) ** Der Bund heimattreuer Schlesier (Deutscher Ostbund) hielt am Donnerstag im „Pfälzer Hof" seine Monatsversammlung ab, zu der der Bundesgruppenleiter wiederum einige neue Landsleute begrüßen konnte. Nach Erledigung organisatorischer Fragen wurde beschlossen, an Stelle der nächsten Monatsversammlung einen Abendspaziergang nach der Rindsmühle zu unternehmen. Die Omnibus-Rheinfahrt am 19. Juli soll gleichzeitig der praktischen West-Ost-Arbeit dienen. Zu dem Feriensonderzug am 10. Juli nach Berlin und Ostpreußen gingen einige Meldungen ein. Der Bundesgruppenleiter sprach noch über die in nächster Zeit zu leistende Heimatarbeit, wie u. a. für den Reichstrachtentag in Hirschberg und die Fahrt zum Sängertag nach Breslau. „Volkssender 1936/' Sine unterhaltsame Veranstaltung im Lass Leib. Unter diesem Stichwort hatte die NSG. „Kraft durch Freude" für gestern abend zu einem Rundfunksprecher-Wettbewerb in das Caf6 Leib eingeladen. Schon einiae Wochen zuvor waren durch den Rundfunk die unbekannten Kräfte, seien es Sänger, Sprecher oder singende oder sprechende Gruppen, aufgerufen worden, sich zum Wettbewerb zu melden. Die Meldungen liefen zahlreich ein; erfreulicherweise waren unter den Meldenden auch einige Vertreter vom Land, die ihr Können unter Beweis stellen wollten. Die Veranstaltung sollte aber auch für die Mitglieder der NSG. „Kraft durch Freude" eine anregende Abwechslung bilden. Dieser Zweck wurde voll erreicht. Man freute sich der abwechslungsreichen Darbietungen und lachte aus vollem Herzen. Als Ansager des Abends wirkte Paul Nieren vom Stadttheater, der gleich mit seinem ersten Auftreten und seiner Begrüßung die rechte Stimmung unter die Zuschauer brachte. Eine schneidige Eröffnung fanden die Darbietungen mit dem Auftreten Des Jungvolks vom Jungbann 116 Gießen. Die erstklassigen Vorträge der Trommler und Pfeifer wurden abgelöst von den schmetternden Fanfarenklängen der Bläser, die gegenüber auf der Empore Aufstellung genommen hatten. Den starken Beifall hatten sich Die Jungen redlich verdient. Nun wurden in bunter Reihenfolge Einzeldarbietungen und Gruppendarbietungen jeglicher Art geboten. Die Mitwirkenden traten den Besuchern von Mund zu Ohr gegenüber, nicht etwa durch das Mikrophon, wie viele geglaubt hatten. Alle gaben ihr Bestes, um sich die Gunst der Zuhörer zu erringen, die denn auch stark Beifall klatschten. Zuerst erschien Heinrich Erb-Wieseck auf der Bühne und erfreute mit dem Lied „Wer uns getraut" aus dem Zigeunerbaron. Am späten Abend gab er noch eine Zugabe. Lieder zur Laute von Löns sangen Fritz Müller-Hungen und Hans Schmitz-Gießen, letzterer noch ein heiteres Volkslied. Ein Mitglied der Laienspielschchar von der NSG. „Kraft durch Freude"-Gießen, Rudi Rub- famen, konnte sich wie die vorgenannten nut seinen Liedern zur Laute die Gunst der abstimmungsberechtigten Zuhörer erfreuen. Als Einzel- fprecher wartete Ludwig Mosbacher vom Stadttheater mit einer Funk-Reportage „Neues aus aller Welt" auf. Der gestrige Besuch des Luftschiffes „Hindenburg" und der immer näher kommende Zeitpunkt, daß Gießen Großstadt wird, standen im Mittelpunkt feiner heiteren Ausführungen. Auch einige Gruppen beteiligten sich an der reichen Ausgestaltung des Abends. Die Werkschar Bänninger- Gießen fang das hohe Lied der Arbeit, nationalsozialistisches Volksgut bester Art: „Wir sind des Werktags Soldaten" und gab damit ihrem Wollen zum Aufbau des Dritten Reiches Ausdruck. Für die Werkfchar Buderus- Lollar legte Johannes Will- Lollar mit dem Gedicht „Die Hirne erdenken" ein Bekenntnis zum Staat Adolf Hitlers ab. Eine Szene heiterer Art, so recht aus dem Leben gegriffen, bot die Arbeitsdienstabteilung 5/222 „Justus von Liebig" mit dem Stegreifspiel „Abends beim Kartoffelschälen". Der gute unverdorbene Mutterwitz, der dem Stück eigen war, fand stärksten Beifall. Einen schönen Abschluß der Dortragssolge bot eine Abteilung des NS.-Stu- dentenbundes, hochschulgruppe Gießen, mit Liedern des neuen Deutschland, und einer Lesung, die den Willen der Studentenschaft, mitten im Volk für das Volk zu stehen, Ausdruck verlieh. Paul Nieren dankte zum Schluß allen Mitwirkenden und forderte zur namentlichen Abstimmung auf den ausgegebenen Stimmzetteln auf. Die Sieger des Abends, die erst später sestgestellt werden, werden am kommenden Sonntag in Marburg erneut auftreten und sich der engeren Wahl unterziehen müssen, bis sie schließlich nach Berlin berufen werden. Anschließend fanden noch heitere Rundfunkübertragungen statt. Oberhessen. Landkreis Gießen. * Stausenb erst, 17. Juni. Am nächsten Sonntag findet hier ein Heimatfest der Heimatoereinigung Staufenberg statt. Der erste Teil wird sich auf der oberen Burgruine abspielen. Ferner wird die „Bäuerliche Spielschar Alten-Buseck" unter Leitung von Frau Sarg einen Zweiakter zur Ausführung bringen. An diesen ersten Teil wird sich dann in den Räumen der unteren Burg Konzert, Tanz, Reigenvorführungen des BDM. anschließen. Am Abend nach Eintritt der Dunkelheit wird eine Beleuchtung der Burg stattfinden, ferner werden die Turnvereine von hier und Lollar turnerische Darbietungen bringen. - Saubringen, 18. Juni. Bei der hier durchgeführten Schweinezwischenzählung wurden einschließlich hofgut heibertshausen gezählt: 4 Zuchteber und über 300 Ferkel, ferner 527 Schweine, davon 66 Zuchtsauen, die Anzahl der Schafe betrug 174 Stück. + Mainzlar, 18. Juni. Die hier durchgeführte Schweinezwischenzählung brachte folgendes Ergebnis: 401 Schweine; geboren wurden im März 14, im April 13 und im Mai 16 Schweine. An nicht beschaupflichtigen Schweinen wurden geschlachtet im März 26, im April 4 und ein Schaf. Gezählt wurden in unserem Ort an Schafen 279 Stück. wg. Großen-Buseck, 18. Juni. Dieser Tage trafen die beiden ersten SA.-Männer aus Rostock (SA.-Gruppe Hansa) hier ein, um einige Wochen der Erholung in Großen-Buseck zu genießen. Desgleichen trafen auch einige Kinder aus der Duisburger Gegend ein, um hier für einige Zeit bei hiesigen Familien Aufnahme zu finden. Demgegenüber reiften zwei Jungen und ein Mädchen von hier in die Mark Brandenburg ab. Die Kinder lernen bei dieser Gelegenheit ein Stück unseres Vaterlandes kennen und kehren sicherlich auch erholt zurück. 4- Grünberg, 18. Juni. Das Sammelergebnis am letzten Sonntag betrug hier insgesamt 280,84 Mark. Davon entfielen auf das Rote Kreuz 147,55 Mark, auf die Innere Mission 86,28 Mark und auf den Caritasverband 47,01 Mark. (D Lauter 18. Juni. Gestern trafen in unserer Gemeinde die ersten Ferienkinder ein. Sie fanden alle liebevolle Aufnahme und werden Gelegenheit haben, sich gut zu erholen. Dors-Güll, 16. Juni. In letzter Zeit mar es zwei Ehepaaren in unserer Gemeinde vergönnt, ihre goldene h o ch z eit zu feiern, nämlich die Jubelpaare Heinrich Kutscher und Frau und dem früheren Gast- und Landwirt Wilhelm Jakob Bender und Ehefrau. Ersterer hat über 40 Jahre lang der Gemeinde als Schäfer treue Dienste geleistet. Dem anderen Jubelpaare waren zu ihrer Jubelfeier Glückwunschschreiben vom Herrn Reichsstatthalter Sprenger, sowie vom Kreisdirektor Dr. Lotz (Gießen) zugegangen. In feierlicher Weise wurden diese Schreiben am Sonntagabend durch Bürgermeister Knöpper in Gegenwart der politischen Leiter und der SAR. überreicht. (xd Langsdorf, 18. Juni. Nun ist die Heuernte in vollem Gange, viel später als seit langen Jahren. Der Graswuchs verspricht eine gute Mittelernte. Die Bekämpfung des Hederichs nahm Heuer viel Zeit und Kraft in Anspruch. Trotz aller Mühe, auch trotz der Anwendung chemischer Mittel, greift diese Wucherpflanze immer mehr um sich und hat jetzt auch schon im sog. „Roten Feld", nördlich der Bahnlinie Gießen—Gelnhausen gelegen, Fuß gefaßt. Auch gegen das Frühlingskreuzkraut mußte energisch Dorgegangen werden. Mit dem Stand der Getreidefelder sind unsere Bauern sehr zufrieden. — Die Gemeinde versteigerte ihre Kirschen auf der „Remise", einer Trift, die vordem ein kleines Wäldchen trug, jetzt aber mit Obstbaumanlagen versehen ist. Vor Jahren wurde dort Bauxit abgebaut. Der Ertrag an Kirschen ist mäßig. Darum bewegten sich die Preise pro Stamm zwischen 1 bis 4 Mark. —Durch die fleißige Werbung der NSV. und der NS. -Frauenschaf t konnten auch in diesem Jahre wieder Stadtkinder zur Erholung bei uns untergebracht werden. Etwa 12 Kinder aus dem westfälischen Industriegebiet und aus Verfluchtes Gold! Roman von 3. Schneider-Foerstl. Urheberrecht: Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa. 3. Fortsetzung. Nachdruck verboten! Noch immer lag Frau Steffens Hand mit leichtem Druck auf der ihren. „Irgend jemand haben wir alle zu beweinen, mein Kind, und die Toten haben es gut. Viel besser als wir. Wir sollten ihnen die Ruhe nicht mißgönnen. — Aber Sie haben wirklich verschwendet", sprang sie vom Thema ab. „Nun wird mein Sohn immer solch ein üppi- ges Mahl erwarten, wenn er abends nach Hause kommt." Die Stimmung war gerettet, bie jungen Gesichter wieder von Frohsinn erhellt. Man aß mit Genuß und Behagen. Als Rolf Marias Glas zum zweiten Male füllen wollte, deckte sie rasch die Hand darüber. „Nicht mehr, Herr Steffen. Ich glaube, es ist schon mehr als genug." „So schnell geht das bei Ihnen?" lachte er. „Ja--und ich hätte so gerne noch einen kleinen Spaziergang durch den Ort gemacht. So etwas sehe ich nicht alle Tage." „Ja, nicht wahr?" meinte Frau Steffen. „Man rast immer nur durch. Das Dorf ist wirklich idyllisch und wird Ihnen gefallen. Während ich noch alles für die Nacht zurecytrichte, kann mein Sohn Sie führen." — Es war ein wundersames Gehen in den blauen Dämmer hinein. Als ob morgen Sonntag wäre, dachte Maria Terry und streichelte im Äorüber- gehen einen Zweig, der sich zu ihr Herabboa. Ein Schubkarren knarrte in die Stille, und verspätete Hennen gackelten aufgeregt ihrer Behausung zu. War man, wenn man im Auto angehetzt kam, verärgert über die winkeligen Straßen, so bedeutete das zu Fuß eine wundervolle Abwechslung und Entspannung. hier in Klein^Ellbach waren die Gassen nicht angelegt, entworfen, abgeftedt, die Plätze nicht nach Länge und Breite fein säuberlich abgezirkelt. Sie wuchsen ganz einfach wie das Geäst eines Baumes, wunderlich verschlungen, ineinander verstrickt, um icn ungefährdet über den dann mitten aus aller Verwirrung wieder einen Ausweg zu finden und an einer Haustür, einem Gartenzaun ober im freien Felde zu landen. „Nur den, daß ich nach der nächsten Stabt hinüberfahre und von bort aus anrufe." „Wie weit ist bas?" „Eineinhalb Stunden zu Fuß." „Allmächtiger!" „Das ist doch gar nicht weit", meinte er gleichmütig. „Mit dem Rad ist es keine fo große Strecke, und heimwärts kann ich mir ja Zeit lassen. Wenn Sie mir die Telephonnummer angeben, hat Ihr Herr Vater in längstens einer Stunde Bescheid." Maria zögerte, hatte einen nachdenklichen Ausdruck in den blauen Augen und schien zu überlegen. „Kann ich nicht mitkommen?" „Nein", sagte er ernst, bemerkte ihre Enttäuschung und lächelte: „Dann dauert es viel länger. Außerdem habe ich nur ein Rad. Für Sie müßte ist erst eines leihen und das möchte ich nicht gerne." Sie gab sich sofort zufrieden. „Wann werden Sie wieder zurück sein? Er sah nach der Uhr und überschlug die Zeit. „Wenn ich sofort wegfahre, bin ich m fünfviertel Stunden wieder da. Vorausgesetzt, daß ich nicht übermäßig lange auf den Anschluß warten muß. Warum sind Sie denn plötzlich so kleinmütig?" fragte er, während sie einen schmalen Weg benutz- ten, um wieder nach Frau Steffens Haus zurück- zukommen. „Ich habe Angst." „Daß Ihr Vater zankt?" „Ach nein! Papa zankt überhaupt nicht. Er bittet immer. Aber ich sorge mich, daß Ihnen unterwegs etwas zustöbt." _Das machte ihn fröhlich. „Wo denken Sie hin' Ach fahre doch nicht das erste Mal mit dem Rad Sie sind beinahe wie meine Mutter. Die hat auch smmer Angst, wenn ich fortgehe und breitet am Abend die Arme nach mir aus, als wäre ich Der« lorengegangen und käme nun endlich wieder zu 'dr Zurück. Ich habe schon gebeten, gezankt, sie aus« gelad)t, es hilft alles nichts. Ich kann es ihr nicht abgewohnen." ' „^f) würde es ebenso machen", sagte Maria Terry versonnen. -in-r Antwort, hott- Rots Steffen feinen ?rm in den ihren: „Frauen sind doch so ganz an- bers als mir Wenn ich da- Semester Über ch ^tünchen bin, immer nur unter meinen Komilitonen hm ich genau wie sie: burschikos, ungebunden, kauny „Sie studieren doch sicher in München"? fragte Maria Terry ihren Begleiter, der eben ihre Hand ergriff, um das Mädchc.. o/22,-2_l 22.. 2.. schmalen Steg zu führen, der den brausenden Mühlbach überbrückte. „Ja", sagte Rolf. Sie ahnte es mehr, als ihr Dhr es vernahm, denn das Wasser rauschte und lärmte. Feinnebliger Staub sprühte ihnen über Gesicht und Kleider, und den Wellen machte es scheinbar Spaß, die Sohlen ihrer Schuhe zu netzen. „In vier Wochen ist wieder Semesterbeginn." „Dann be uchen Sie uns!" Er schwieg. „Nicht?" fragte sie enttäuscht, hielt mitten auf dem Steg inne und versuchte in seinem Gesicht zu lesen. „(Sott, wenn Sie auch eine Freundin haben, fo würde fie doch sicher nichts daran finden, wenn Sie sich einmal zu uns verirren." «Ich habe keine Freundin!" „Verzeihen Sie." Maria fühlte, wie ihr Arm schroff von feiner Hand umfaßt wurde. „Sie dürfen nicht soweit nach dem Rand hin gehen," mahnte er. „Der Mühlbach ist tief." Die Schultern leicht nach vorn geneigt, setzte sie die Schritte vorsichtiger, „hupp!" machte Rolf Steffen, faßte sie um die Mitte und hob sie nach dem Wiesengrund hinunter. „So, da wären wir also! — Schön, nicht?" Der Lärm, den die Mühle verursachte, war überlaut. Doch alles war hier voll lauschiger Winkel und Ecken, und das Wasser schäumte und spritzte, zog Wirbel und Kreise und weitete sich plötzlich zu einem großen glitzernden Becken. In Marias Gesicht kam plötzlich ein fassungs- ioser Ausdruck. „Ich habe vergessen, meinen Vater zu verständigen! Glauben Sie, daß es jetzt noch geht? „Die Post schließt schon um sieben Uhr." „Mein Gott", sagte sie erschrocken, nach ihrer Armbanduhr sehend, „und jetzt ist es einhalb neun! — Was mache ich da? Mein Vater tut kein Auge zu, wenn er nicht weiß, wo ich bin. Zu leichtsinnig von mir! Wissen Sie keinen Ausweg, Herr Steffen?" hessischen Industrieortsn wetten jur Zett M ttns, um sich in gesunder Luft und bei kräftiger Nahrung zu erholen. — Die Sammlungen des letzten Sonntags zeitigten befriedigende Ergebnisse. Das Rote Kreuz konnte aus Langsdorf und Bettenhausen 38 Mark verbuchen. Die Sammlung für ine Werke, der Inneren Mission, durchgesuhrt von der evangelischen Frauenhilfe, ergab 107 Mark, in Bettenhausen 24 Mark. Kreis Friedberg. ... Butzbach, 18. Juni. Gestern nachmittag ereignet sich auf der Cleeberger Straße ein U n f a l L Aus der Umgehungsstraße nach Gießen kam im Auto ein hiesiger Kaufmann in mäßigem Tempo gefahren und streifte eine Radfahrer, der aber mit dem Rade unter den Wagen geriet. Während das Rad völlig zertrümmert wurde, kam der Radler wie durch ein Wunder mit dem Schrecken davon. Die Polizei stellte sofort den Tatbestand fest. Kreis Schotten. + Schotten, 19. Juni. Die am 13. und 14. Juni erfolgten Sammlungen für die Innere Mission und für das Deutsche Rote Kreuz hatten in unserem Kreise wiederum recht gute Ergebnisse und legten Zeugnis von dem lebhaften Interesse, das die Kreisbevölkerung diesen wichtigen Wohlfahrtsorganisationen stets entgegenbringt, ab. * Laubach, 19. Juni. Am morgigen Samstag, 20. Juni, kann Frau Dorothee Lang in voller aeiftiger und körperlicher Rüstigkeit ihren 70. Geburtstag feiern. # Groß-Eichen, 18. Juni. Matthias Seibert von hier, der, wie bereits vor vierzehn Tagen berichtet wurde, auf der Grube in Lardenbach verschüttet wurde, ist den Verletzungen im Krankenhaus zu Laubach erlegen. Der Verblichene ist erst 49 Jahre alt und hinterläßt eine Frau und vier Kinder. Er war, wo immer er auch gearbeitet hat, ein geachteter, fleißiger und guter Arbeitskamerad. 4- Groß-Eichen, 18. Juni. Am Sonntagmorgen fand hier in der Turnhalle eine Vorturnör- ftunde des Turnkreises Schotten statt. Aus allen Kreisvereinen waren die Turnwarte und Vorturner erschienen, um unter Leitung von Kreisführer und Kreisturnwart Deubel (Rainrod) noch einmal die Hebungen sämtlicher Turnstufen zum Kreis- turnfeft Lurchzuturnen. Es ist das erstemal, daß dem Turnverein Groß-Eichen eine solche Veranstaltung zufällt. — Wingershausen, 19. Juni. Unser seit Dezember 1932 hier wirkender Ortsgeistlicher Pfarrverwalter Dr. Philipp Engel wuroe^urch den Landeskirchenausschuß mit Wirkung vom 1. Juli 1936 zum definitiven Pfarrer der Pfarrei Wingershausen-Eichelsachsen ernannt. Meine Girafkammer Gießen. Der I. K. aus Gießen wurde vorn hiesigen Amtsgericht wegen Betrugs zu einer Gefängnisstrafe von 9 Monaten verurteilt. Der Angeklagte war für eine Versicherungsgesellschaft tätig. Als solcher besuchte er eine Anzahl Handwerker in Oberhessen. Diesen gegenüber gab er sich als Beauftragter der Handwerkskammer aus, die jedem Handwerker die Mitgliedschaft bei der Versicherungsgesellschaft zur Pflicht mache. Die Handwerker wurden auf diese Weise geschädigt. Die Berufung des Angeklagten wurde verworfen. Wegen Diebstahls wurde der H. Br. aus Alsfeld vom dortigen Amtsgericht zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt. Der Angeklagte war als Knecht bei einem Landwirt beschäftigt. Im Laufe des vorigen Jahres entwendete der Angeklagte nach und nach eine erhebliche Menge Frucht, die er wieder verkaufte. Trotzdem der Angeklagte einschlägig vorbestraft ist, billigte ihm das Amtsgericht noch einmal mildernde Umstände zu. Die Berufung des Angeklagten wurde zurückgewiefen. Der W. Schm, aus Elbenrod wurde vom Amtsgericht Alsfeld wegen Jagdvergehens zu 3 Monaten 1 Woche Gefängnis verurteilt. Der Angeklagte tötete am 21. Dezember vorigen Jahres im Jagdrevier feines Vaters mit vergiftetem Fleisch zwei Füchse, die ihnen etwa 20 Hühner zerrissen hatten. Außerdem stellte er ein Tellereisen auf, um ein Wiesel zu fangen. Auf die Berufung des Angeklagten wurde das vorinstanzliche Urteil abgeändert und er wegen Uebcrtretung des Reichs- jagdgefetzes in zwei Fällen zu insgesamt 180 RM. Geldstrafe verurteilt. Gute Möbel bei Koos Giessen Schülstn 6 daß ich mir über irgend etwas Skrupeln mache. Die Ferien über verfeinere ich mich dann immer wieder. Und das verdanke ich meiner Mutter. Man kann neben ihr einfach nicht anders." Maria zögerte, ehe sie die Frage ausfprach, die sie schon feit ihrem Hiersein beschäftigte: „Wie kommt Ihre Mutter überhaupt hierher?^ „Wieso?" meinte er verwundert. „Ach, sie paßt doch eigentlich gar nicht in diese Umgebung herein. Ich kann mir gar nicht verstellen, daß sie hier zufrieden fein konnte." „Aber doch", meinte er, immer mehr in Verwunderung geratend. „Ich habe wenigstens noch nie den Eindruck gewonnen, als ob sie irgend etwas vermisse. Ich weiß es gar nicht anders, als daß wir nach Klein-Ellbach gehören. Vor Jahren — ich kann mich nur mehr dunkel darauf entsinnen — haben mir in Wien gewohnt. In einer großen breiten Straße. Mein Vater war doch Schauspieler am Burgtheater. Aber das weiß ich auch nur von meiner Mutter. Ich kann mich seiner nicht mehr entsinnen. Er starb an einer Blutvergiftung. Pen- ion hat meine Mutter keine bekommen. Sie lebt fettber oon dem Rest ihres Vermögens. Deshalb muf3 ich auch den Großteil meines Studiums selbst bestreiten. Das Angebot meiner Mutter, das Haus zu verkaufen, kann ich nicht annehmen. Es ist doch unser letztes, unsere Heimat." Sie waren mittlerweise wieder an die Gartentür des Häuschens gekommen und schritten Seite an tocite den schmalen Kiesweg hinauf. Der junge Steffen rief nach feiner Mutter und sagte ihr, daß er noch nach der Stadt hinüber müsse, um Kommerzienrat Terry von dem Verbleib seiner Tochter 5u unterrichten. Sie hatte nichts dagegen einzu- Maria Terry schrieb ihm Nummer und Adresse auf. „Grüßen Sie meinen Vater", sagte sie bittend „er könne ganz außer Sorge sein. Falls der Wagen morgen noch nicht in Ordnung sei, würde ich Diel- leicht noch einen Tag zugeben." _"??"/ rückte Rolf. „Ich werde alles bestellen. Sonst haben Sie keine besonderen Wunsche? „mern, banfe! Nur daß $apa mich um Himmels rodien nicht holen lassen soll. Ich komme schon von selber wieder. (Fortsetzung folgt 1) Deutsche kehren heim... nach ISO Jahren Ehemalige deutsche Kolonisten aus Rußland siedeln in Mecklenburg. Von K. von Philippoff. Es ist schwer, Suckwitz zu erreichen, diese Ortschaft überhaupt ausfindig zu machen. Man muß erst die ausführliche Generalstabskarte zu Hilfe nehmen, um festzustellen, daß das Dorf Suckwitz etwa 12 Kilometer südlich von Güstrow in Mecklenburg liegt. Vor wenigen Jahren war diese Gemeinde noch ein Gut, so daß sie nicht besonders bezeichnet wurde. Dann aber liegt Suckwitz so weit weg von jeglichem Verkehr, und die nach Suckwitz führenden Straßen sind so schlecht, daß man dorthin nicht kommt, ohne daß man etwas Wichtiges vor hat. Ich hatte etwas Wichtiges vor. Suckwitz ist nämlich eine Ortschaft, die von ehemaligen deutschen Kolonisten besiedelt ist, und diese Siedler zu besuchen, war eben meine Aufgabe. Zunächst etwas Geschichtliches über die Leute: vor etwa 150 bis 180 Jahren boten manche ßan« bestelle Deutschlands ein trostloses Bild: Oesterreicher, Franzosen, Russen, hatten die deutschen Lande zu einem Tummelplatz für ihre Kriegszüge gemacht. Der Siebenjährige Krieg war eben zu Ende, Dutzende von Dörfern waren zu Trümmern geworden, deutsche Bauern wurden ihrer letzten Habe beraubt und an den Bettelstab gebracht In Rußland herrschte damals die große Kaiserin Katharina, die als Prinzessin Sophie- Auguste-Friederike von Anhalt-Zerbst gekommen war und den späteren Kaiser Peter III. geheiratet hatte. Die machthungrige Frau stürzte ihren Gemahl vom Thron und wurde selbst alleinherrschende Zarin aller Reußen. Glückliche Feldzüge erweiterten die Grenzen Rußlands im Westen,'Süden und Osten. Im Süden wurden von den Tataren-Chanen riesige Steppengebiete abgenommen, die völlig menschenleer waren, obwohl sie den furchtbarsten Boden aufwiesen, den es gibt, die berühmte „Schwarzerde". Kaiserin Katharina hörte von dem Elend, das ihre Landsleute in der Heimat leiden mußten und wußte, daß die Steppen erst dann fest an das übrige Reich gekettet werden konnten, wenn der Pflug des Ackerbauern sie zum ersten Male aufwühlen würde. Sie gestattete den freien Bauern aus Teilen Rußlands, die Steppen zu besiedeln, sie gab riesige Ländereien an ihre Höflinge und Generale, aber immer noch gab es freies Land in Ueberfülle. Deshalb rief sie deutsche Bauern aus Preußen, aus Bayern, aus dem Rheinland und aus Sachsen, sie sollten mit Vieh und Geräten kommen, sich auf den sehr reich bemessenen Grundstücken ansiedeln und dreißig Jahre frei von jeglichen direkten Abgaben bleiben. Tausende von deutschen Bauern folgten dem Rufe dieser deutschen Herrscherin und zogen in riesigen Karawanen nach Südrußland, nach der Wolga und nach Sibirien. Fleiß, technisches Können und Privilegien brachten bald die deutschen Kolonisten zu beträchtlichem Reichtum, lieber Hunderte, ja manchmal über Tausende von Morgen fruchtbarsten Bodens verfügte ein jeder Hof; trotz russischer, sogar mongolischer Umgebung blieben sie ihrem Volkstum treu. Fern von der alten Heimat erklangen in Sibirien und an der Wolga deutsche Lieder, das Wort Gottes wurde in deutschen Kirchen gepredigt, deutsch waren auch die Schulen, welche die Kinder besuchten. Der Weltkrieg verlief ziemlich schmerzlos für die deutschen Kolonisten, man ließ sie feinen Militärdienst leisten, aus Angst, daß sie überlaufen würden, und sie lebten ja auch zu weit weg von der Front, um in Spionageverdacht zu stehen. Erst das bolschewistische Regime brachte Unglück über sie. Die kommunistische Doktrin verlangt die Vernichtung des selbständigen Bauernstandes. Zunächst versuchte man die Bauern, und vor allen anderen die deutschen Kolonisten, durch Steuerdruck sich gefügig zu machen. Aber als die Bauern es immer wieder verstanden, der eisernen Steuerzange zu entkommen, verfügte die Regierung, eine allgemeine Kollektivierung der Bauernwirtschaften durchzuführen, jede „Dorfkollektive" sollte einem oder mehreren kommunistischen Agenten unterstehen, welche die vollständige Ablieferung von Ernl^rträgen — außer dem sehr sparsam bemessenen Existenzminimum — und die regierungstreue Gesinnung der Bauern überwachen sollten. Wer sich nicht fugen wollte, der wurde den Millionen anderer zugeteilt, die unter unmenschlichen Verhältnissen im hohen Norden Exportholz bereitstellen. Während die russischen Bauern schutzlos der Tyrannei der Kommunisten preisgegeben waren, flehten die deutschen Kolonisten die deutsche Regierung um Schutz an. Durch Vermittlung des Auswärtigen Amtes gelang es, einige Tausend von der insgesamt mehr als eine Million betragenden deutschen Kolo- niftenbeDÖIferung aus Rußland zu befreien, und man fangt jetzt an, sie in Mecklenburg anzusiedeln. Die erste Siedlung dieser heimgekehrten deutschen Siedler ist m Suckwitz, eine andere heißt Schossin und befindet sich unweit Wittenburg ebenfalls in Mecklenburg. .Ach begab mich zum Gemeindevorsteher, damit er mich bei den Siedlern einführe. Er erklärte sich gern dazu bereit und betrat die Wohnung des angesehensten Siedlers, eines ehemaligen Volksschullehrers, die wie die meisten anderen Siedl^rwohnungen aus einer ehemaligen Scheune umgebaut worden ist. Ich stand vor einem schmächtigen alten Herrn mit weißem Kinnbart. Seine Familie, eine Frau und sechs Mädchen, befand sich gerade beim Essen. Ich redete ihn russisch an. Unbeschreiblicher Schrecken zeichnete sich auf seinen abgezehrten Zügen, er dachte wohl, ich sei ein bolschewistischer Spitzel — selbst im nationalsozialistischen Deutschland haben die verschüchterten, armen Kolonisten ihre Angst vor dem kommunistischen Terror bewahrt. Erst nach langem Zureden des Gemeindevorstehers machte er auf mein Befragen einige Angaben über sich. Er wurde seines Amtes in einem kleinen sibirischen Dorfe deshalb enthoben, weil er der Aufforderung, sich vorn Christentum loszusagen, selbst unter Bedrohung mit einer Pistole nicht Folge geleistet hatte. Man warf ihn in ein furchtbares Gefängnis, wo es von Ungeziefer wimmelte. Seine schwangere Frau wurde mit den sieben Kindern nach Nordsibirien verbannt, wo sie in einem Gefangenenlager Holz fällen mußten. Dort, in der Verbannung, wurde die jüngste Tochter geboren. Endlich wurde durch Vermittlung des Auswärtigen Amtes der größte Teil der Familien wieder vereinigt und ihr freier Auszug nach Deutschland gewährt. Freilich sind die beiden Söhne dieses körperlich zusammengebrochenen Menschen in der Verbannung als Geiseln geblieben. Jedes Siedlungshaus offenbart eine Tragödie, wie sie noch kein Dichter beschrieben hat. In einem Hause lebt ein Ehepaar, das seine eigenen Kinder durch Hungersnot verloren hat, und fremde Kinder an sich genommen hat, deren Eltern wegen „Verheimlichung von Getreidevorräten" erschossen worden sind; in einem anderen Hause lebt eine Frau mit Kindern, deren Mann noch immer in der Verbannung schmachtet ... Beinahe nackt sind diese Leute nach Mecklenburg gekommen, ihnen wurde das Notwendigste zur Verfügung gestellt. Der Gemeindevorsteher muß sich aber wundern, mit welchem Fleiß und welchem Eifer sich die Siedler auf ihre Arbeit geworfen haben, denn sie wissen, daß die Scholle, die sie bearbeiten, ihnen und den Kindern gehört und gehören wird, und daß keine „Exekutivabteilung" der Roten Armee oder der GPU. ihnen die Früchte ihrer Arbeit wegnehmen wird. Noch immer hört man ihrer Sprache an, woher ihre Vorfahren stammen, denn die Kolonisten hatten vor 150 Jahren ihre Wohnsitze landschaftlich aufgeschlagen, hier die Sachsen, dort die Rheinländer usw. Manche haben sogar Verwandte in Deutschland gefunden, denn unter den Kolonisten wurde seit jeher Tradition und Familienkunde gepflegt. Morgens, kaum hat sich der Horizont gerötet, eilen sie alle, Mann wie Frau, auf ihre Felder, um das Tagespensum zu schaffen, man muß viel arbeiten, weil man noch vieles anzuschaffen hat, neue Kleider, welche die jetzigen Lumpen ersetzen sollen, Holz für die neu zu bauenden Scheunen, neue Geräte, um die Scholle besser zu bebauen ... Und inzwischen ziehen sie ihre aus Rußland mitgebrachten Pelze an, um sich vor feuchten Nachtfrösten zu schützen. Wenn sie abends müde nach Hause kommen, laben sie sich an einer guten Tasse Tee, der mit einem echten „Samowar", einer russischen Teemaschine, zubereitet wird, und bis in die Nacht hinein umgeben sie den rührigen Gemeindevorsteher, der ihnen gewissermaßen Unterricht in praktischer Siedlungskunde erteilt. Diese armen Siedler, die so viel Trauriges hinter sich haben, müssen in ihrer neuen und zugleich Reichssendeleiter Hadarnovsky spricht im Gau Hessen-Nassau. NSG. Arn Montag, 22. Juni, spricht Reichssendeleiter Hadarnovsky in dem Werk Höchst der IG.-Farben auf einer Großkundgebung vor. über 8000 Arbeitern über den Volkssender 1936. Reichs- sendeleiter Hadarnovsky wird in dieser Kundgebung über all die Erfolge, die bisher in der Volkssender- aftion erreicht wurden und über die Kultur im Volk sprechen. Die Kundgebung, die um 16.30 Uhr beginnt, wird vom Werkorchester und dem Werks- chor der IG.-Farben umrahmt. Hochbetrieb auf dem Flughafen Rhein-Main. LPD. Frankfurt a. 5J1., 18. Juni. Am Don- nerstaa herrschte draußen auf dem neuen Flug- und Luftschiffhafen Hochbetrieb, da zum ersten Male beide Luftschiffe in Frankfurt weilten. Morgens um 7.25 Uhr traf zunächst das Luftschiff „Hindenburg" aus Friedrichshafen mit 77 Passagieren an Bord auf dem Luftschiffhafen ein und machte am Ankermast fest. Nach kurzem Aufenthalt startete es jedoch schon wieder um 8.10 Uhr mit neuen Passagieren zu seiner Deutschlandfahrt, von der es um 19.08 Uhr wieder in Frankfurt eintraf. Um 17.40 Uhr landete dann „Graf Zeppelin" auf feiner Rückfahrt von Südamerika auf dem Flughafen, nachdem er zuvor längere Zeit über der Stadt des deutschen Handwerks und seiner Umgebung gekreuzt hatte. Bereits um 17.55 Uhr verließ er schon wieder Frankfurt zu einer Werk- stättenfahrt nach Friedrichshafen. Von hier wird das Luftschiff bekanntlich am 23. Juni wieder nach Frankfurt kommen und am 24. Juni nach Südamerika starten. Die Tatsache, daß die beiden Luftschiffe am gleichen Tage nach Frankfurt kamen, hatte dazu ge- führt, daß schon vom frühen Morgen an ein starker Verkehr nach dem Luftschiffhafen einsetzte, der sich am Nachmittag noch erheblich steigerte. Tausende von Volksgenossen strebten dem Flughafen zu, um die Luftschiffe zu sehen. Auch die Reichsbahn hatte dem starken Verkehr nach dem Flughafen dadurch Rechnung getragen, daß sie den Zugverkehr auf der Strecke Frankfurt—Mitteldick verstärkte. Autofchau des RSKK. NSG. Frankfurt a. M., 18. Juni. Im Hause Technik auf dem Ausstellungsgelände in Frankfurt eröffnete Brigadeführer Prinz Richard von Hessen eine Ausstellung, die von dem Wunsch getragen ist, der Bevölkerung und den NSKK.- Männern, die zum Tag des NSKK. nach Frankfurt kommen, einen Ueberblick über den Stand des Kraftfahrbaues zu geben. Mit Hilfe der Behörden und der Händler dürfte dies auch vollauf gelungen sein. Eine Zusammenstellung historischer Fahr- zeuge zeigt Wagen der Frankfurter Adlerwerke seit 1900 und der Opelwerke in Rüsselsheim a. M. seit 1886 bis zum heutigen Tag. Eine Auswahl aus dem städtischen Fuhrpark bringt die Motorstraßenkehrmaschine mit Staubsauger, wie wir sie bisher nur aus Witzblättern kannten, Wagen der Kehrichtabfuhr mit inländischen Treibstoffen, einen vielseitigen Hilfsgerätewagen und außerordentlich gut ausgerüstete Kraftfahrzeuge der Feuerwehr. Die Deutsche Reichsbahn zeigt ihren schnellen Autobahnschnellomnibus und geländegängige Lastalten Heimat sehr viel lernen und müssen sich den neuen Verhältnissen gemäß völlig umstellen, angefangen mit den Maßen und Gewichten, bis zur Badendüngung, dem Rechtsleben und dem Mecklenburger Platt. Manche von den Kindern besuchen trotz ihrer zwölf und dreizehn Jahre noch die erste Volksschulklasse, denn in Sowjetrußland, dem „Paradies der Arbeiter", mußten sie, statt die Schule zu besuchen, den Eltern helfen, im Urwald Bäume zu fällen. kraftwagen mit bestbedachter Ausrüstung. Der Culemeyer-Ueberlandtransportwagen trifft ein, sobald er seine Transporte für die beiden zur Zeit in Frankfurt a. M. weilenden Zeppelinluftschiffe beendet hat. Ganz in Rot leuchtet die Schau der Deutschen Reichspost. Da finden wir einen Rundfunksförungs« wagen, der dem Störschutz dient. Ein gelände- gängiger Kraftomnibus erregt besondere Aufmerksamkeit, weil er für den Fahrdienst auf der Strecke Berchtesgaden—Obersalzberg eingesetzt wird. Das fahrbare Postamt ist schon von anderen großen Veranstaltungen her bekannt. Postkurswagen kannten wir bisher nur im Reichsbahnverkehr; im Zeitalter der Reichsautobahnen wurde auch der Kraftpostkurswagen geschaffen. Pläne, Bilder und Modelle zeigen den Stand des Baues der Straßen des Führers. Im weiten Rund finden wir dann die Ausstel- hing der Personenkraftwagen und Motorräder, wie wir sie uns wünschen. Mancher Wunsch wird hier geweckt, manche Wahl unter den verschiedenen gezeigten Modellen getroffen werden. Des Interesses der motorbegeisterten Bevölkerung ist die Ausstellung sicher. Oie erste „ReichSaufobahn-Gaststäife'" Deutschlands eröffnet. LPD. Mannheim, 17. Juni. In Mannheim wurde in unmittelbarer Nähe der Reichsautobahn die erste „R e i ch s a u t o b a h n - G a st st ä 11 e" eröffnet. In der Gaststätte ist gewissermaßen ein kleines Verkehrsmuseum eingerichtet. Man sieht dort in Vitrinen Modelle des ersten Fahrrades des Freiherrn von Drais und des ersten Autos von Carl Benz (beide Erfinder lebten in Mannheim), eines alten römischen Weinschiffes und der ersten Eisenbahn. Auch der „Jäger aus Kur Pfalz" sowie alte Zinngeräte, geschnitzte Leuchter, Ampeln und anderes Handwerksgut fehlen in dieser Schau nicht. ITundfunkprogramm. Samstag, 20. Juni. 6.00 Uhr: Choral. Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Fröhlich klingt's zur Morgenstunde. Bunte Morgenmusik des Rundfunkorchesters. 8.10: Gymnastik. 8.30: Zum Staatsjugendtag: „Pimpf, hör zu!" Die sieben Schwertworte: 3. Jungvolkjungen sind treu. 10.00: Schulfunk. 11.00: Hausfrau hör zu! 11.30: Nur Frankfurt: Gaunachrichten. 11.45: Sozialdienst. 12.00: Buntes Wochenende. 13.00: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk), Wetterbericht. 13.15: Buntes Wochenende. 14.00: Nachrichten. 14.10: Liebe, du Himmel auf Erden! Heitere Schallplattenplauderei. 15.00: Volk und Wirtschaft. 15.15: HJ.-Funk. 16.00: „Froher Funk für alt und jung". Allerlei Allotria zum sommerlichen Wochenende. 18.00: Militärkonzert. 19.30: Zeitfunk. 19.55: Ruf der Jugend: 20.00: Nachrich- ten — Der Volkssender 1936 ruft! 20.10: Volks- sender 1936. IV. Sendung des Reichssenders Frankfurt. 22.00: Nachrichten (anschließend aus dem Sendebezirk). 22.20: Bericht vom Vorabend des Tages des NSKK. 22.30: Aus der Festhalle zu Frankfurt am Main: Großkonzert (2. Teil) der zusammengefaßten Musikzüge des NSKK. 23.30: „Sonn- wendfeier an Oberschlesiens heiligem Berg, dem Annaberg". 24.00 bis 2.00 Uhr: Nachtkonzert. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr. 16 bis 17 Uhr. Samstagnachmittag geschlossen. Aus -en preußischen Rachbargebieten. Obst-und Gartenbamrein Gießen Q Am Sonntag, dem 21. Juni 1936 Garten-Rundzang Führung: Gartmbautechn. Wasewitz Treffpunkt vorm. 9 Uhr „Persil uhr“ Gäste willkommen i 3 = El 8 fiföi „Unkraut-Ex“ vertilgt radikal Unkraut auf Gartenwegen, Sportplätzen USW. 3850 A Samenhaus Hch.Hahn Bahnhofstraße, Teleph. 3403 Wntero MM Fl. W FKJurtuI uc- 252 Wlederherslellef Ludwigsplatz 393fiP —GroB. Eia.ehe R.M 5.4? bsiwft"*.*«’- Löwen-Drog. Kilbinger, Seltersw. SS. Die öeimatoereinioung Staufenberg feiert Sonntag, den 21. Juni, von 723 Uhr nachmittags an auf der oberen Burgruine ihr diesjähriges Seimaskest unter Mitwirkung des Heimatdichters L. Becker, Ruttershausen, der bäuerlichen Spielschar Alten-Bu- seck, des B. D. M. Staufenberg.— Konzert. Illumination der Burg am Abend */29 Uhr. Turnerische Darbietungen am Barren durch Turnverein Staufenberg und Turnerriege Lollar. — Tanz. — Eintritt zur Deckung der Kosten pro Person 20 Pfg. 3931D Es ladet herzhch em: Der Vorstand. Morgen, Samstagabend sonnmwmS-stier auf Schiffenbergs Altan Um 21 Uhr fährt ein Omnibus ab IDrog. WinterhoH, Kreuzplatz 10 Fris.-Salon Wahl, Bahnhofstr. 63 Ibmmer? proneni Wo nichts holl — . hilft immer Fracht b MH Schwanenweiß Die Hout reinigt. # belebt und erfrischt u . Schönheitswasser Aphrodite haben Sie es schon versucht? Wäscheschmuh herausklopfen llltnll? Gutschein a 44139 Än Kugust Jacobi K.-G. Darmstadt Lenden Sic mir kostenlos eine Dersuchs- Packung Burnus. 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Er war gegen Ende des vorigen Jahrhunderts beauftragt worden, eine neue chinesische Briefmarke zu entwerfen, die zur Feier des 60. Geburtstages der Kaiserin herausgegeben werden sollte. Aber der Zeichner hatte sich zu wenig in die Anschauungen der Chinesen vertieft und durch einige Dinge, die ihm als „Kleinigkeiten" erschienen, ihr Empfinden aufs Tiefste verletzt. So beging er eine Majestätsbeleidigung, indem er die kaiserliche Purpurfarbe für die Zeichnung benutzte und die Worte „Kaiserliche Post" abkürzte. Der Kaiser war über diese Zeichnung so empört, daß er die sofortige Absetzung des Beamten veranlaßte und ihn nach einer wüsten Gegend von Tibet verbannte, eine Maßnahme, die eigentlich ein Todesurteil war. Der unglückliche Beamte ist denn auch auf dieser Expedition nach Tibet umgekommen. Große Besorgnis soll einst bei den russischen Bauern eine neue Briefmarke erregt haben, die ein Porträt des Zaren zeigte. Die russischen Bauern glaubten, daß „Väterchen" durch diese Briefmarke „behext" werde und daß ihm das größte Unheil drohe. Als dann der Zar ein so furchtbares Ende fand, tauchte vielfach in russischen Dörfern die Erklärung auf, daß die Briefmarke an allem schuld sei. Im Sudan ist sogar einmal um einer fehlerhaften Marke willen ein schwerer Aufstand ausHeute nacht 1 Uhr entschlief plötzlich und unerwartet unsere liebe Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Urgroßmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Margarete Wagenbach Ww. im Alter von 83 Jahren. Die trauernden Hinterbliebenen. Heuchelheim, Kinzenbach, Formosa, den 18. Juni 1936. Die Beerdigung findet Samstag, den 20. Juni, nachmittags 4 Uhr, vom Trauerhause, Gartenstr. 21, aus statt ------------------3930V Ein jäher Unglücksfall hat uns meinen über alles geliebten, herzensguten Mann, unseren lieben, unvergeßlichen Sohn, Bruder, Schwager und Onkel Statt jeder besonderen Anzeige. Nach kurzem, schweren Leiden entschlief sanft heute nachmittag unser lieber Vater, Schwiegervater, Großvater und Urgroßvater Wilhelm Ranft, Schreinermeister im 77. Lebensjahre. Garbenteich, den 18. Juni 1937 Die Beerdigung findet Samstag, 20. Juni, nachmittags um 21/, Uhr statt ---- ---------------- 3929V Mattkrepp-Drucks ca. 95 cm breit, schöne neue Dessins 3.60, 2.95, 2.45, 2.25, 1.95 Georgette-Pepita ca. 95 cm breit, für das schöne, leichte Frauenkleid in dezenten Farben 2.95, 2.75, 2 65 2.10, 1.95, 1.65, 1.25 Cloque-Karo 70 cm breit, in vielen Farbstellungen 1.95 Dirndlstoffe ca.8O cm breit, in sehr großer Auswahl 1.45 1.25, 1.10, .95, -.85 Vistra-Musselin ca. 80 cm breit, für praktische Kleider 1.65, 1.45, 1.25 Woll-Musselin ca. 80 cm breit, dankbares Tragen tersuchungsschisten erfolgt, von höchster Wichtigkeit. Nach der Ansicht hervorragender Meeresforscher wird man bald genügend Material besitzen, um Karten für die Fischer herauszugeben, die ihnen zeigen, wo die an Diatomeen reichsten Strömungen zu finden sind, und hier liegen dann auch die reichsten „Weideplätze" für die Heringe. Briefmarken, die verschwinden. Im Britischen Museum in London wird gegenwärtig die berühmte Tapling-Briefmarkensammlung ausgestellt. Ein Sachverständiger, P. M a l o n e , der Vorsitzende einer überseeischen Briefmarkengesellschaft, der die Sammlung bei einem Besuch in London besichtigte, war überrascht über den Zustand, in dem eine Anzahl von Marken sich darboten, und er teilt seine Beobachtungen nun der Öffentlichkeit mit. Diese Marken werden, wenn sie nicht fachmännisch behandelt werden, früher oder später ihren Wert vollständig verlieren. In einer Reihe von Fällen ist die ursprüngliche Farbe der Marken bereits vollständig verschwunden. In solchen Fällen ist es jedoch möglich, bei sorgfältiger Behandlung den Marken ihre Originalfarbe wiederzugeben und sie so auf lange Zeit zu erhalten. Den Grund für diese Entfärbung der kostbaren Marken erblickt der Sachverständige darin, daß man sie mit den ursprünglichen Umschlägen, auf denen sie vor vielen Jahren aufgeklebt wurden, erhalten hat. In vielen Fällen sind die Umschläge damals aus blauem Papier gemacht worden, das Chemikalien enthielt, die die Oxydation der aufgeklebten Marken verursachte. Um weiteren Schaden zu verhüten, rät er, daß die Marken von den Umschlägen abgenommen werden; man kann diese ja dann daneben aufbewahren. Da die Sammlung von einzigartigem historischem Werte ist, weist er nachdrücklich darauf hin, daß von den Beamten des Museums alles getan werden müßte, sie in ihrer anfänglichen Schönheit zu erhalten. 6 teilweise im Preis zurückgesetzte Schlafzimmer Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meinen herzensguten Mann, unseren lieben, treusorgenden Vater, Schwiegervater, Großvater, Schwiegersohn, Bruder, Schwager und Onkel Heinrich Luh IV., Landwirt nach kurzer, schwerer Krankheit im 51. Lebensjahre zu sich in die Ewigkeit abzurufen. Einzelmöbel • Polstermöbel in großer Auswahl Möbelhaus Koos Gießen, Schulstraße 6 Telefon 3904, Gegründet 1894 3941A Männerturnverein Giefeen. Die Beerdigungunseres lieben Tumbruders Rudolf Spuck findet am Samstag, dem 20. Juni, vormittags 11 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt Um zahlreiche Beteiligung bittet der Vereins führ er. 3939D Photoapparate Bedarfsartikel / Entwickeln / Kopieren / Vergrößern schnell, gut und billig Die trauernden Hinterbliebenen: Maria Luh, geb. Menges Familie Heinrich Luh Paula Luh Walter Luh. Großen-Linden, den 18. Juni 1936. Modell „Renate“ 180 cm,Eiche,mitNuß- baum.........nur Modell „Edith“ ISO cm, Eiche, mit geschweifter, polierter Mitteltür.......nur Modell „Inge“ 180 cm, Mahagoni, mit Waschkomode (zurückgesetzt) ... .nur Modell „Lotte“ 180 cm, Nußbaum, po- liert(zurückges.), nur Modell „Irene“ 200 cm, Mahagoni mit Rosenholz (zurückgesetzt)........nur Modell „Hilde“ 220 cm, gebeizt. 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Der Schleppnetzfang, der vor dem Kriege nur ausnahmsweise angewendet wurde, hat in den letzten Zähren durchschnittlich etwa 1,5 Millionen Zentner geringe geliefert, die mit den tn schneller Fahrt gesteppten sackartigen Netzen erbeutet wurden. Da Deutschland jetzt etwa ebensoviel fnsche Heringe wie früher Salzheringe und außerdem noch die gleiche Menge Salzheringe verbraucht, so hat sich der gesamte Heringsoerbrauch in Deutschland fast verdoppelt. Wann kann man nun mit emern auten Herinqsjahr rechnen? Obwohl dieser Fisch stit uralten Zeiten eins der wichtigsten Nahrungsmittel Europas ist und obwohl sich die Dolksphan- tasie mit ihm in unzähligen Sagen und Brauchen beschäftigt hat, so wußte man bis vor kurzem doch sehr wenig über die Lebensweise des Fisches, vor allem über die Entstehung und die Wanderung der großen Heringsschwärme. Durch die Arbeiten. der Meeresforschung sind hier inzwischen.große Fortschritte erzielt worden, ja man ist letzt sogar im stände, ziemlich sichere Grundlagen für eme Vorhersage der Heringsernte zu gewinnen. Die Grundursache für gute und schlechte Heringsiahre ist natürlich in der Nahrung der Fische zu suchen, die wieder in hohem Maße von den wechselnden Meeresströmungen abhängt. Heringe Hessen zwar vielerlei aber die Grundlage ihrer Ernährung besteht wie die vieler anderer Meerestiere tn den riesigen Mengen von winzigen Organismen, die wir Diatomeen nennen. Diese einzelligen Algen bilden das erste Glied in dem verwickelten System der „Nahrungsketten", die das Steigen und Fallen aller Lebensformen im Meer beherrschen. Innerhalb dieser verwickelten Verhältnisse gewinnt man jetzt mehr und mehr Klarheit, und zwar ist für die Vorhersage der Heringsfänge die genaue Beobachtung der Diatomeen, die mit Hilfe von besonderen Un- Heute vormittag um 11 Uhr entschlief sanft nach langem, schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden meine liebe Tochter, Schwester, Schwägerin, Gote und Tante Fräulein Katharina Schwarz im Alter von 37 Jahren. gebrochen. Es wurden nämlich Briefmarken gedruckt, die ein Ornament in Kreuzform hatten, und dadurch fühlten sich die Mohammedaner schwer beleidigt. Unruhen brachen aus, deren Ursache man zunächst nicht ergründen konnte, und erst allmählich stellten die englischen Beamten fest, daß die Unzufriedenheit durch die neuen Marken heraufbeschworen wurde. Natürlich wurde sofort die ganze Ausgabe eingezogen und durch eine Zeichnung mit dem Halbmond und den Sternen ersetzt. Aehnliches hat sich im Jahre 1911 in Indien zugetragen. Aber in diesem Fall benutzten Revolutionäre die Marken, um einen allgemeinen Aufruhr anzuzetteln. Es wurde nämlich eine blaue 2V-- Annas-Marke ausgegeben, die als Schmuck das Bild eines Elefanten trug. Wo aber die Marke hinkam, da entstanden Unruhen, und man fürchtete einen ungeheuren Aufstand. Schließlich bekam man heraus, daß der Elefant so schlecht gezeichnet war, daß man darin eher ein Schwein sehen konnte. Das Schwein aber ist ein unheiliges Tier, das dem Hindu verhaßt ist, und dieses Zeichen diente gleichsam als Parole des Aufstandes, der bereits von langer Hand vorbereitet war. Natürlich wurde die Marke sofort eingezogen. Wann kommt ein gutes Heringejahr? Die Bedeutung des Herings für die Volksernährung wird immer mehr erkannt, aber während man früher dieses „Brot des Meeres" eigentlich nur in gesalzenem Zustand verzehrte, hat bei uns in den Vorkriegsjahren auch der Frischhermg starke Verbreitung gefunden. Früher wurden frische Heringe, die nicht der Konservierung durch Einsylzen unterworfen waren, nur in ganz geringen Mengen auf den Markt gebracht. Doch mit dem Schlepp- 25JNOWACK JNH.: CARL HEINZ SCHLÜTER GIESSEN SELTERSWEG 81 Keine Zeugnisse in Urschrift lonbetn nur Zeugnisabschriften dem Bewerbungsschreiben bet» legen l — Lichtbilder undBewerbungsunter» lagen müssen zur Ver» meibung von Verlusten aus der Rückseite Ra» men und Anschrist des Bewerbers tragen! Verkäufe AufdemAulweg (hint. d. Weiher) Bauplätze zirka 600 Meter zu verkaufen. Schrift!. Angeb. unt.02ß05anben Gieß. Anzeiger. Die trauernden Hinterbliebenen. Beuern, den 18. Juni 1936. Bedruckte Sommerstoffe schön - tlWW und so billig! permietungen"||| Herrschaftliche 4-Zimmer- Wohnung sofort ob. später zu vermieten. Näheres 3928 seltersweg 69 l| | Mietgesuche"|| Dame I sucht gut möbl. Zimmer (Part.) in gutem Hause in o. Stadtmitte au mieten. Schr. Angeb. u. 02800 an d. Giesi. Anz. (Stellenangebote]! 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Gräf Familie Karl Spuck Familien Gräf Christ, Geller Die Beerdigung findet am Samstag, dem 20. Juni, 11 Uhr vormittags auf dem Neuen Friedhof statt. Rudolf Spuck Kaufmann