Nr.191 Erstes Blatt 186. Jahrgang Montag, 17. August 1936 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monatr.vezugrpreir: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. , -25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer (Bemalt Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach« richten: Anzeiger Siehe« Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686 Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vruck und Verlag: vrühl'sche Univerfitätr-Vuch- und Stetabnuferei R. Lauge in Siehrn. Schristlettung und SeschSftrstelle: rchulftratze 7 Annahme von Anzelgea für die Mittagsnummer bis 8*/,Uhr des Dormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Textanzeigen von 70mm Breite 50 Rpf.'Platzvorschrist nach vorh.Dereinbg.25O/a mehr. 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In einer feierlichen Schlußkundgebung haben sich noch einmal alle Nationen der Erde zusammengefunden, um ihr Bekenntnis zum olympischen Gedanken und zur olympischen Tat zu erneuern, so wie es der Wunsch und Wille des Wiedererweckers der Wettspiele war: „Möge die Olympische Flamme leuchten durch alle Geschlechter zum Wohle einer immer höher strebenden, mutigeren und reineren Menschheit." Die Hunderttausend im Stadion und die Millionen an den Lautsprechern in aller Welt, die den großen Festakt miterlebten, spürten wohl alle in diesen Augenblicken He seltsame, läuternde Kraft der roinen Idee, welche den Menschen manchmal sternenweit über Sorgen und Mühsal des Alltags emporhebt. Unfaßbar xlnb unbegreiflich stand minutenlang das ferne Traumbild eines goldenen Zettalters der Menschheit vor unseren Augen, und wir gelobten still in unseren Herzen, unser Leben dem Dienst am Guten und Schönen, dem Dienst am Frieden zu weihen. Müssen wir noch fragen, warum der festliche Abschluß der Olympischen Spiele so edle und tiefe Gefühle in unserer Seele erweckte? Schon der äußere Verlauf der XI. Olympiade gibt eine überzeugende Sfntroort. Kein störender Mißklang trübte die Freude dieses Festes. Darum waren die symbolischen Handlungen am Ende des sechzehntägigen Kampfes auch keine bloße Geste, keine leere Phrase, sondern der letzte wahre Höhepunkt der Berliner Spiele. Wohl selten hat die Flamme der olympischen Idee so rein gebrannt wie in den vergangenen Wochen, wohl selten ist sie so verehrt worden wie von dem deutschen Volk. Das entlegenste Dorf im Norden und Süden, im Osten und Westen des Reiches stand im Banne des olympischen Geschehens, und alle Volksgenossen in Stadt und Land haben sich reichlich bemüht, dem großen Völkerfest äußeren Glanz und innere Würde zu verleihen. Die Führung des Staates, schon durch ihr Dasein für den friedlichen Wettkampf der Völker eintretend, scheute keine Kosten und keine Mühen, um einen vollkommenen Rahmen für die Spiele zu schaffen. Die deutschen Sportler aber über sich selbst hinauswachsend, lieferten den schönsten und größten Beitrag zum Siege der olympischen Idee. Nicht die überraschende Zahl der von ihnen eroberten Goldenen, Silbernen und Bronzenen Medaillen, sondern der Geist, der sie beseelte und mit dem sie um den Sieg gekämpft haben, machte sie zu wahren Vorkämpfern eines unvergänglichen Ideals, eines Ideals, nach dem sich feit Jahrtausenden Geist, Leib und Seele in vollendeter Harmonie offenbaren soll. Dieses Bewußtsein, mit allen Kräften des Körpers und des Geistes ritterlich um ein gemeinsames Ziel gerungen zu haben, beherrscht auch alle anderen Mannschaften, die als Gäste aus fremden Ländern zu uns gekommen sind. Darin nur liegt der hohe und bleibende Gewinn dieser begeisternden Tage, daß sie der Welt gezeigt haben, wie jedes und auch das kleinste Volk sich ohne Waffen und Blutvergießen unvergänglichen Ruhm erwerben kann. ■r '' " Der Führer und Reichskanzler wohnte auch am letzten Tag den großen Schwtmmkämpfen im Olympia-Schwimmstadion bei. Links neben dem Führer Generalfeldmarschall v. M a ck e n s e n , rechts Reichsminister Dr. Frick und Brigadeführer Schaub. — In der zweiten Reche Stabschef Lutze, Staatssekretär P f u n d t n e r und Reichsminister Darrs; hinter dem Stabschef Lutze Relchsmintster Dr. Frank. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Der letzte kampstaa Die letzten Wettbewerbe. Große Erfolge der deutschen Reiter. Reichssportfeld, 16. Aug. (DNB.) Den Schluhtag der XI. Olympischen Spiele 1936 überstrahlte herrlichster Sommersonnenschein. Die letzten olympischen Wettbewerbe waren den Reitern Vorbehalten, die am Vormittag das Jagdspringen der Vielseitigkeitsprüfung und am Nachmittag das Ringen um den Preis der Nationen mit der Rekordbesetzung von 54 Reitern aus 18 Natw- nen austrugen. Die glücklichen Kartenbesitzer der Schlußfeier hatten sich schon in den frühen Morgenstunden fast vollzählig eingefunden, um auch nicht einen Augenblick des ereignisreichen Tages zu versäumen. So vollzog sich der Anmarsch der Hundert- tausend — am Nachmittag, als alle Stehplätze des Unter- und Oberringes Kopf an Kopf besetzt waren, wurden es sicher noch mehr — wie immer ohne die geringste Stockung. Zug auf Zug brachten Bahn und Untergrundbahn, Wagen auf Wagen, Omm- buffe und Straßenbahnen, in endloser Kette die Kraftwagen die Massen heran. Wie am Eröffnungstage harrten in den Toren der olympischen Stadt noch viele Hunderte auf Einlaß, in der Hoffnung, vielleicht doch noch eine Karte für das Stadion zu bekommen. Unter atemloser Spannung verfolgten die Besucher der olympischen fiampfftatte die einzige Prüfung des Vormittags, das Jagdspringen der Military, das den deutschen Helfern einen mit stürmischem Jubel aufgenommenen Doppelerfolg brachte. Mit 34,7 punkten holte sich Hauptmann Ludwig S t Ubbendorf auf der ostpreußischen Stute 71 urmi den Einzelsieg vor dem Amerikaner Kapitän Thomsen auf Jenny (£amp und dem Danen Kapitän L u n d l n g auf Jason. Mit großer Ueberlegenheit sicherte sich Deutschland auch den M a n n s ch a f l s s i e g vor Polen und England. In der Mittagspause glichen das Maifeld und die Nebensportplätze einem Feldlager, nur day es statt der Feldküche Rucksackverpflegung gab. Cmc Stunde vor dem Beginn marschierte e in 25 a - taillon der Leibstandarte in rneifeem derzeuq mit klingendem Spiele in den Hof des Suo- tores. Die olympische Kampfstätte hotte sich 'ozwl- schcn bis auf das letzte Plätzchen gefüllt. Auch die Ehrengäste, als einer der ersten Generaloberst Göring und die Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees in feierlichem Schwarz mit der goldenen Amtskette fanden sich ein. Der Präsident Graf B a i l l e t - L a t o ur trug den traditionellen Gehrock und Zylinder. Die Besucher ha - ten bei der sommerlichen Hitze meist ihre Ueberklei- der abgelegt, und so zeigten die steilen Range em überaus buntes und farbenfrohes Bild. Den Mit- telblock der Nordseite füllten in festlichem Weiß das Olympische Symphonieorchester und die 1000 Mitglieder der gemischten Chore. Auf dem Mai- feld fuhr die Artillerieabteilung mit den salutbat- terien auf. In elegantem Fluge umkreiste ein Segelflieger die Olympische Stadt. , . kurz vor 15 Uhr künden brausende Heilrufe das (Eintreffen bes Führers an, der am S Übtor die Front des Lhrenbataillons der Leibstandarte abschreitet und das Stadion gerade in dem Augenblick betritt, als am höchsten olympischen Siegesmast die deutsche Flagge bei der Siegerehrung für den Schwergewichtsboxer Runge emporsteigt. kaum sind die Nationalhymnen verklungen, begrüßen den Schirmherrn der XL Olympischen Spiele Jubelstürme des Willkommen, die erst abebben, als der nächste Wettbewerb der Spiele, das große Jagdspringen um den preis der Rationen, angekündigl wird. Im Olympia-Stadion wurde der Führer von dem Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees Graf Baillet-Latour und dem Präsidenten des Organrsationskomitees Dr. L e w a l d empfangen. Außer feiner ständigen Begleitung sah man neben dem Führer in der Ehrenloge König Boris von Bulgarien, den greifen General- feldmarschall v. M a ck e n s e n , der diesem schwierigen reiterlichen Wettbewerb als alter Kavallerist mit ganz besonderer Anteilnahme folgte, ferner den Stellvertreter des Führers Rudolf Heß. Dem feierlichen Schlußakt wohnten außerdem fast die gesamte Reichsregierung, das Führerkorps der Bewegung, die hohe Generalität und Admiralität, das Diplomatische Korps und die zahlreichen olympischen Gäste aus dem In- und Auslande bei. ^as Jcndsvringen. Auf die Minute pünktlich nahm um 15 Uhr das große Jagdspringen um den Preis der Nationen mit 54 Teilnehmern {feinen Anfang. Unter Mtemloser Stille verfolgten die Besucher die außer^ventlich schwierige Prüfung, deren Verlauf sie dank der ausgezeichneten Unterrichtung durch die Lautsprecher und das Programm sehr gut zu folgen vermochten. Erst nach absolviertem Kurs dankten mit schöner Unparteilichkeit die 100 000 für die hervorragenden Leistungen von Pferd und Reiter. Immer wenn sich nach der Bewälttgung eines der schwierigen Sprünge irgendwo eine Hand zum Beifall regte, schwirrte gebieterisch ein St! durch das gewaltige Oval, so daß es der Sprecher kaum einmal nötig batte, um Ruhe zu bitten. Aber wie mit einem Schlage setzte nach dem letzten Hindernis bei jedem Reiter prasselnder Beifall ein. Im ersten Durchgang schnitt am besten der belgische Hauptmann Ganshof van der Meersch auf „Ibrahim" mit nur 8 Fehlern ab. Im zweiten Durchgang wurde diese Leistung von Oberleutnant Kurt Hasse auf der wundervollen holsteinischen Fuchsstute „Thora" mit nur 4 Fehlern übertroffen. Ein Sturm des Jubels belohnte den hervorragenden Ritt unseres erfolgreichen Turnierreiters. Nachdem durch den rumänischen Oblt. R a n g auf ..Delphis" im dritten Durchgang noch einmal em großartiger und fast fehlerloser Ritt gezeigt den war, konnte die Entscheidung um die Gold- und Silbermedaille erst durch einen St i ch kamp s übererschwerteHinderniss e fallen. Oberleutnant Hasse auf „Thora" ritt „auf Zeit . hatte allerdings vier Fehler zu verzeichnen. Dadurch, daß dann der Rumäne sehr langsam ritt, »ehler vermeiden wollte, aber trotzdem vier Fehler machte und viel Zeit verloren hatte, fiel die Goldene Medaille auch in der Einzelleistung an Deutschland, jie Silberne an den Rumänen Die Bronzene Medaille fiel an den ungarischen Hauptmann von P l a 11 h y auf Selloe auf Grund der besseren Zeit vor Kapitän van der Mersch (Belgien), der den Schimmel Ibrahim im Stichkampf ebenfalls ohne Fehler über alles sechs Hindernisse gebracht batte, während Dakota unter Captain Raguse (USA.) vier Fehler im Stechen gemacht hatte. Die letzten Sieaercbrunoen. Langsam senkt die Abenddämmerung ihre ersten Schleier herab. Bluttot geht der Sonnenball hinter den Kiefern der Freilichtbühne unter. Im Sprunggarten haben die Reiter ihren Stichkampf um die Olympischen Medaillen beendet. 100 000 sind noch voll Freude und Stolz über den deutschen Doppelsieg in dem schwierigen Springen um den Großen Preis der Nationen erfüllt und stehen unter dem Eindruck der herrlichen Bilder, die Reiter und Pferde in diesem gigantischen Kampf boten, der den sportlichen Teil der XI. Olympischen Spiele abschloß. Scheinwerfer flammen auf und umspielen mit ihren Lichterbündeln noch einmal das olympische Tuch, das in schwachem Abendwinde flattert. Zum letzten Male stehen die Sieger der letzten Wettbewerbe auf dem Podium vor der Ehrentribüne und schauen leuchtenden Auges zu den Fahnen ihrer Länder an den alles überragenden Siegesmasten, während sich die 100 000 von den Plätzen erheben, um die Sieger und Siegerinnen und die Nationen, denen sie angehören, zu ehren. In mächttgen Akkorden brausen die Lieder der deutschen Nation bei der Ehrung der deutschen Reiter empor, die in allen Wettbewerben die Goldmedaille erringen konnten und nun hoch zu Roß vor der Ehrentribüne aufreiten. Aber auch den tapferen Unterlegenen zollen die Massen stürmische Anerkennung, und sie bekunden damit, daß sie den tieferen Sinn der olympischen Idee begriffen haben, nach der es wohl Sieger, aber keine Besiegten gibt. Mit einem Sonderbeifall wird dabei Oberleutnant Conrad Freiherr von Wanaenheim bedacht, der mit gebrochenem Schlüsselbein trotz eines erneuten Sturzes fein Springen zu Ende ritt und so den deutschen Mannschaftssieg sicherstellte. 33 mal stieg das deutsche Freibeitsbanner am höchsten Sieges- mast empor, und Damit ist zum erstenmal fest Drei Jahrzehnten Amerika in der Zahl der errungenen Goldmedaillen von Deutschland übertroffen worden. Die letzten Siegerehrungen galten besonderen Leistungen in der A l p i n i st i k; hier fielen sie dem Schweizer Professor Dyrenfurth und feiner Frau zu, sowie in der Aeronautik, und zwar hier gleichfalls dem Schweizer Schreiber. Die Schlußseier. Die Abschiedsstunde ist gekommen. Andächtiges Schweigen löst den lauten Jubel ab, als die olympischen Fanfaren sie ankündigen. Es wird auch schon im grellen Licht des Scheinwerfers die Fahne Deutschlands unter dem Marathontor sichtbar, den Zug der Sieger in die Kampfstätte zu führen. Ihnen folgen die Fahnen der Länder in den beleuchteten Jnnenraum, während der riesenhafte Block schon in tiefem Dunkel liegt und nur das Olympische Feuer seinen flackernden Schein auf die hohen Steinwände des Marathontores wirft. Um mehr als eine Stunde hat sich der auf 19.30 Uhr angefetzte Schlußakt durch den Kampf der Reiter verzögert, aber die Besucher haben das gern in Kauf genommen. Und nun spenden sie zum letzten Male den Fahnen und damit der Jugend der Wett und den Siegern der XI. Olympischen Spiele 1936 aus übervollem Herzen den Beifall, mit dem sie ihre Kämpfe dankbar begleitet haben. In umgekehrter Reihenfolge als beim Einzug marschieren die Fahnen vor die Ehrentribüne, Griechenlands Banner bildet diesmal den Schluß, es steht am linken Flügel, die deutsche Fahne am rechten Flügel, dazwischen in der Reihenfolge des deutschen Alpho bets die aller teilnehmenden Nationen. Dank an DenWand. Der Präsident des ZOK., Graf Baillet- Latour spricht die Schlußworte: ,,Nachdem wir im Hamen des Internationalen Olympischen Komitees dem Führer und Reichskanzler Adolf Hitler und dem deutschen Volke, den Oberhäuptern der Sfaöt Berlin und den Veranstaltern der Spiele wärm st en Dank ausgesprochen haben, erklären wir hiermit die Wettbewerbe der XI. Olympiade für beendet und laden nach alter Sitte die Jugend aller Länder ein, in vier Jahren s i ch in Tokiozu vereinen, um mit uns die Feier der XII. Olympiade zu begehen. — Wöge sie in Frohsinn und Eintracht verlaufen und so die Olympische Flamme leuchten durch alle Geschlechter zum Dohle einer immer höher strebenden mutigeren und reineren Menschheit." Zur gleichen Zeit erscheinen an der Anzeigetafel die Worte Pierre de Coubertins: „Möge die Olympische Flamme leuchten durch alle Geschlechter zum Wohle einer immer höher strebenden, mutigeren und reineren Menfchheit". Mädchen des Ehrendienstes taten in langer Reihe vor die Fahnen und heften den Siegeslorbeer und ein Erinnerungsband an die XI. Olympiade in Berlin daran. Das Lied „Die Flamme lodert" klingt auf, gefangen von mehr als 1000 Sängern und Sängerinnen. Dann erklingt das Kommando: „Hol nieder Flagge!", während Scheinwerfersäulen die Feierstätte in einen gewaltigen Dom verwandeln. Die Kanonen dröhnen, und langsam sinkt, während Chor und Orchester den Fahnenabfchied anstimmen, das Olympische Banner nieder, die heilige Fahne, die die Kämpfer zum Siege begeistert hat. Während die Fahnenträger unter der Ehrentribüne das Stadion verlassen und fünf weißgekleidete Fechter das Olympische Banner langsamen Schrittes vor die Ehrentribüne tragen, erlischt unter dem dumpfen Dröhnen der olympischen Glocke in der neunten Abendstunde das Olympische Feuer. Nach einer Minute stillen Gedenkens geleiten acht Fechter mit den blitzenden Säbeln in Der Rechten die Olympische Flagge vor das Rednerpult, wo der Vertreter des Bürgermeisters von Los Angeles, Gar land, dem Präsidenten des IOK., Graf Baillet-Latour, die Olympische Fahne überreicht, der sie dtzhn Staatskommissar der Reichshauptstadt, Dr. Lippert, zur Aufbewahrung übergibt. Unter Leitung von Professor Dr. H a v e - mann spielt das olympische Symvhonieorchester den Olympia-Ausklang, und ergriffen hören die Hunderttausend die machtvollen Klänge an, während an den Siegesmasten die Fahnen von Deutschland als dem Lande, das die letzten Spiele durchführte, von Griechenland als dem Lande der ersten Spiele, und von Japan, dem der XII. Olympischen Spiele, gehißt werden. Mit donnerndem Dröhnen der Pauken und gellen Fanfarenklängen bricht die Musik ab. In das Schweigen klingt von irgendwoher machtvoll eine Stimme: -Ich rufe die Jugend der Welt nach Tokio!" Die Hunderttausend erheben sich von den Plätzen, und während der Chor Methfessels herrliches Schlußlied anstimmt, reichen sich die Zuschauer als Zeichen der durch XI. Olympischen Spiele gefestigten Freundschaftsbande die Hand. Der Schlußakt ist vorüber. Kaum ist das Lied verklungen, wenden sich die Hundertausend unter dem erneuten Dröhnen der olympischen Glocke dem Schirmherrn der XI. Olympischen Spiele, dem Führer und Reichskanzler, mit einem Jubelsturm ohnegleichen zu, der der Dolmetscher ihrer Dankbarkeit, ihrer Liebe und ihrer Verehrung ist. Wie eine ungeheure Woge brausen Jubelrufe in allen Sprachen dieser Erde zu ihm empor, sie geleiten ihn beim Verlassen dieser Stätte und beim Abschluß dieses unvergeßlichen Festes, das nach seinem Willen und durch unermüdliche und tätige Anteilnahme zu einem Hochfest der menschlichen Kultur, zu einem wirklichen Feste des olympischen Friedens geworden ist. Spiele sind aus? Freudig in freudigem Schwarme stärkten wir Herzen und Arme, zieh'n jetzt nach Haus. Ehrung deutscher Olympiasieger. Berlin, 15. Aug. (DNB.) Gerhardt Gust- mann, der mit Adamski zusammen den Sieg im Zweier mit Steuermann erkämpfte, wurde zum Leutnant befördert. Gustmann steht im Regiment General Göring als Oberjäger. Der Berliner Emil S ch ö p f l i n, der in der deutschen Mannschaft im 100-Kilometer-Straßenrennen star- tete, ist als Anerkennung für seine Leistung vom Hilfsarbeiter zum B e t r i e b s a s s i st e n t e n der Reichspost befördert worden. Der ausgezeichnete Turner Conrad Frey, der während der Olympischen Spiele zwei Goldene, zwei Silberne und eine Bronzene Medaille für Deutschland errungen hat, wurde vom Reichserziehungsminister Rust als Turn - und Sportlehrer in Bad Kreuznach bestätigt. Deutsche Olympia-Mannschast beim Führer zu Gast. Berlin, 16. Aug. (DNB.) Die gesamte deutsche Olympia-Mannschaft und der deutsche olympische Ausschuß waren am Samstagabend Gäste des Führers in der Reichskanzlei. Der Führer dankte in überaus herzlichen Worten der deutschen Olympia-Mannschaft und ihrer Führung für ihre ausgezeichneten Leistungen und wies dabei auf die Zukunftsaufgaben des deutschen Sports und die Olympiade in Tokio hin. Er erklärte den jungen deutschen Olympia-Kämpfern und -Kämpferinnen, daß er den Sperrt deshalb so hoch einschätze, weil er in ihm ein Element im Völkerleben sehe, das erstens eine Uebrrzüchtung nach der intellektualistischen Seite hin verhindere und zweitens geeignet sei, in den Menschen und Völkern das gesunde Selbstbewußtsein zu stärken. Zahlen von der Berliner Olympiade. Berlin, 16. Aug. (DNB.) Die Olympischen Spiele haben etwa 1 200000 Fremde nach Berlin gebracht, Davon waren etwa 150 000 Ausländer. Die Reichsbahn hat zur Bewältigung des riesigen Verkehrs annähernd 1 0 00 Sonderzüge eingesetzt. Insgesamt sind 4,5 Millionen E i n- trittskarten verkauft worden. Diese Ziffer gibt zugleich ein Bild vom Gesamtgewinn der Spiele. 100000 Besucher hatten Dauerkarten. Der Kartenverkauf hat einen Ertrag von 7,5 Millionen Mark erbracht. Die Organisation hat zusammen etwa 6,5 Millionen Mark gekostet. In den Büros des Organisationskomitees arbeiteten zum Schluß 3 5 0 Ange- stellte. Rund 5000 Arbeiter waren beschäftigt. Etwa 2000 Fahnen sind allein vom Organisationskomitee angeschafft worden, und die Fahnen, die für die Ausschmückung der Stadt angefertigt worden sind, zählen abermals nach Tausenden. Des Führers Dank. Schreiben an Graf de Baillet-Latour und an Exzellenz Lewald. Berlin, 16. Aug. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler hat aus Anlaß der Beendigung der Olympischen Spiele an den Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees, Graf de Baillet-Latour, folgendes Schreiben gerichtet: „Sehr verehrter Herr Präsident! Nachdem die Kämpfe der XI. Olympiade Berlin beendet sind, drängt es mich, Ihnen und dem Internationalen Olympischen Komitee meinen und des deutschen Volkes Dank für die hervorragende Arbeit und die hingebende Mühewaltung auszusprechen, denen der so glückliche Verlauf der Spiele mit zuzuschreiben ist. Unsere b e - sondere Anerkennung und unser tiefempfundener Dank gilt den Kämpfern und Kämpferinnen aus aller Welt, deren herrliche Leistungen unsere Bewunderung erregten und deren Namen in der Geschichte des Sports weiterleben werden. Ich hoffe, daß die Berliner Olympiade zur Stärkung des olympischen Gedankens beigetragen und dadurch mitgeholfen hat, Brücken zwischen den Völkern zu schlagen! In diesem Wunsche grüße ich Sie, Herr Präsident, aufrichtig Ihr ergebener (gez.) Adolf Hitler. Aus gleichem Anlaß hat der Führer und Reichskanzler auch dem Führer des deutschen Organisationskomitees, Staatssekretär a. D. Dr. Lewald, das nachstehende Schreiben übersandt: „Sehr verehrter Herr Präsident! Das deutsche Organisationskomitee hat unter Ihrem Vorsitz in sorgfältiger Vorarbeit die Vorbereitung für die Berliner Olympiade getroffen und sie in mustergültiger Weise durchgeführt. Neben der Arbeit des Internationalen Olympischen Komitees ist es sein Verdienst, daß die nunmehr abgeschlossenen Wettkämpfe einen s o glücklichen und so harmonischen Verlauf nahmen. Ich spreche daher Ihnen, den Mitgliedern des Organisationskomitees und allen seinen Mitarbeitern meinen und des deutschen Volkes Dank und Anerkennung für feine große Leistung aus. Sie alle können auf die Wettkämpfe der XI. Olympiade in Berlin mit dem Gefühl zurückblicken, der körperlichen Ertüchtigung der Menschheit und Verständigung unter den Völkern einen wesentlichen Dienst geleistet zu haben. Der besondere Dank des ganzen deutschen Volkes gilt unseren Kämpfern und Kämpfer! n- n e n, die den deutschen Sport so ehrenvoll vertraten, und deren hervorragende Leistungen uns alle mit Stolz erfüllten. Ich bitte, ihnen allen meinen herzlichen Dank und meine hohe Anerkennung zu übermitteln. Mit besten Grüßen! (gez.) Adolf Hitler." Erste Auslandsstimmen. Dolle Anerkennung der deutschen Leistungen. London, 17. Aug. (DNB. Funkspruch.) Die englischen Blätter berichten voller Anerkennung über den glänzenden Abschluß der Olympischen Spiele und über die eindrucksvolle Feier am Sonntagabend. Die Tatsache, daß Deutschland die größte Zahl von Goldmedaillen gewonnen hat und damit an der Spitze der Nationen marschiert, wird überall hervorgehoben. Die „Times" schreibt u. a.: „Die XI. Olympischen Spiele waren ein großer Erfolg sowohl für diejenigen, die sie organisierten, als auch für ihre Gäste. In diesem Jahr war ein großer Fortschritt gegenüber Los Angeles zu verzeichnen, und viele der dort aufgestellten Rekorde sind in Berlin gebrochen worden. Die lange Reihe der deutschen Erfolge rechtfertigt den Anspruch Deutschlands als eine der ersten S p ort- nationen der Welt bezeichnet zu werden. Die deutschen Erfolge sind teilweise auf ein langes, auf wissenschaftlicher Grundlage beruhendes angestrengtes Training zurückzuführen. Dies wäre jedoch nicht möglich gewesen, wenn nicht die ganze Nation ein Interesse am Sport und eine Leidenschaft für körperliche Ertüchtigung erfaßt hätte, die vorher Deutschland unbekannt waren." Auch die Kopenhagener Blätter berichten ausführlich über die Schlußfeier der XI. Olympischen Spiele, die als ergreifend bezeichnet wird. Besonders hervorgehoben wird der Augenblick, als die 120 00(T Menschen im Stadion während des Gesanges der letzten Strophe des Schluß- Liedes sich zum Abschied die Hände reichen. In dem Bericht der „Politiken" wird festgestellt, daß bei früheren Olympischen Spielen der Besuch zum Schluß immer geringer geworden sei, in Berlin dagegen das Interesse immer mehr gewach- s e n sei. „National Tidende" betont, daß Berlin in ebenso festlicher Weise von den Olympischen Spielen Abschied genommen habe, wie es sie am 1. August begrüßt habe. Als eine der besonders bemerkenswerten Tatsachen dieser Olympischen Spiele wird hervorgehoben, daß der Führer fast täglich oft viele Stunden lang den Sportkämpfen beigewohnt habe. „Berlingske Tidende" stellt fest, daß man niemals eine ähnliche Veranstaltung erleben könnte, denn es sei unmöglich etwas zu übertreffen, was alle Grenzen zu sprengen scheine. Den Veranstaltern künftiger Olympischer Spiele werde es unmöglich sein, auch nur annähernd etwas zu schaffen, was mit den Olympischen Spielen in Berlin in Wettbewerb treten könne. * Alle amerikanischen Zeitungen erkennen an, daß Deutschland als einwandfreier Sieger aus den Olympischen Spielen hervorgehe. Einige Blätter sprechen dabei „von dem . Nationalismus der Deutschen und ihrer Bewunderung Adolf Hitlers, die allen deutschen Kämpfern einen inspirierenden Aufschwung gegeben habe, neben dem kein anderes Land habe aufkommen können". Besonders behandelt werden in den anschließenden Kommentaren über die Olympischen Spiele die glänzenden Siege der deutschen Ruderer und der deutschen Reiter, wobei besonders das „heldenhafte Verhalten" des Freiherrn von Wangenheim unterstrichen wird. Höchste Anerkennung und höchstes Lob, ja Begeisterung für die Durchführung der Olympischen Spiele in Berlin sind allen Artikeln über den Olnmpischen Spielen gemeinsam. Die „New Port Times" betont, daß man keine Kosten gescheut habe, um selbst die geringfügigsten Einzelheiten zu vervollkommnen. Die Besucher seien mit außerordentlicher Höflichkeit behandelt worden. An einer anderen Stelle lobt das Blatt das „ausgezeichnete Menschenmaterial" der Deutschen. „New York Tribüne" schreibt über die sportliche Seite der Olympischen Spiele: „Es gibt vielleicht nichts, was in den letzten zwei Wochen so eindrucksvoll war, wie die Entfaltung der sportlichen Kraft der Deut, schen in allen Hebungen. Selbst die Tatsache, daß die Deutschen auf ihrem Heimatboden um die Lor» beeren rangen, genügt nicht, um den Erfolg von 33 Goldmedaillen, 26 Silbernen und 30 Bronzenen zu erklären, gegenüber 3 Goldenen, 13 Silbernen und 4 Bronzenen Medaillen in Los Angeles." Olympische Kameradschaft. Fest der Olympioniken. Berlin, 17. Aug. (DNB.) Anschließend an einen schönen Brauch der antiken Olympischen Spiele hatte der Präsident des Deutschen Olympi. schen Ausschusses, Reichssportführer von Tscham. mer und Osten, die ruhmgekrönten Teilnehmer der XI. Olympischen Spiele 1936 in Berlin zu einem Fest in der Deutschlandhalle geladen, zu dem alle an den Spielen beteiligten Nationen ihre Mannschaften entsandt hatten. Der Präsident des IOK., Graf de Baillet. Latour, umriß in einer Ansprache das wahre Ziel aller Olympischen Spiele: die physische Ent. Wicklung der Völker, die Erhaltung der Gesundheit, die Zerstreuung nach vollendeter Arbeit. Sport treiben wolle Körper und Seele gleich nützlich sein. Die Olympischen Spiele müßten zu einem Binde, giieö zwischen den Nationen werden. Es sei Sache der Olympioniken, nach der Rückkehr in ihre Heimat dafür zu wirken, daß der Sport immer als ein ritterlicher Wettbewerb angesehen werde und daß der errungene Sieg nur dann einen morali- schen Wert habe, wenn er ehrlich erkämpft wurde. Der Reichssportführer begrüßte als Füh. rer des deutschen Sports die Kämpfer und Kämpferinnen, die glücklichen Sieger, aber auch die ehren- voll Unterlegenen. Das Olympische Feuer, das an der Stätte der Kämpfe nun erloschen sei, brenne als Flamme der olympischen Idee unverlöschlich weiter, immer von neuem entzündet von der Sehn- sucht nach dem wahren, ehrenhaften Zusammen- leben aller Völker. Die Teilnehmer der XI. Olympischen Spiele hätten vor aller Welt den Beweis angetreten, daß die Zusammenarbeit der Völker andern Werkdes Friedens fein leerer Wahn sei. Der Reichssportfübrer schloß mit einem Gedenken an die Kameradschaft, die das beste Bindeglied der Menschheit sei, den Fortschritt der Kulturvölker verbürge, den Wetteifer aller entfache, ohne zugleich den Haß zu wecken. Diese Kameradschaft sei der Bürge für eine gesegnete Zukunft. Ein ausgezeichnetes buntes Programm und die musikalischen Darbietungen des Musikkorps der Leibstandarte hielten die Teilnehmer noch viele Stunden in ungetrübter Fröhlichkeit zusammen. Gin SommerM auf derpfmWMsel. Berlin, 15. Aug. (DNB.) Arn Vorabend des Abschlusses der XI. Olympischen Spiele hatte i m Namen der Reichsregierung der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Dr. Goebbels, zu einem Sommerfest für die Ehrengäste der Olympischen Spiele eingeladen. Die Pfaueninsel, auf halbem Wege zwischen Wannsee und Potsdam in der dort seeartig verbreiterten Havel gelegen, war als Ort der Festlichkeit gewählt worden. Mit ihrem parkähnlichen Charak- ter, ihrem uralten Baumbestand, der zwischen W/> sen und leicht geschlungenen Wegen auf ein schwach bewegtes Gelände verteilt ist, und dem romantisch gelegenen Landhaus Friedrich Wilhelm III. bot sie die schönste natürliche Kulisse für ein einzigartiges Fest. Der Zauber, der von diesem ungewöhnlichen Rahmen ausging, war geschickt durch eine künstlerische Ausschmückung ausgenutzt und ver- stärkt worden. Reichhaltige künstlerische Tanzdarbietungen der Kräfte des Deutschen Opernhauses, zu später Stunde ein wirkungsvolles Feuerwerk, trugen dazu bei, daß der Abend auf der Pfaueninsel unter den zuletzt von Tausenden von Glühbirnchen grün angestrahlten riesigen Bäumen, zwischen denen die Gäste an Einzeltischen Platz genommen hatten, zu einem be- Das erste Schreibheft Friedrichs des Großen. Die Landesbibliothek zu Kassel verwahrt ein dünnes Heft, das seltenste Stück ihrer Handschriftensammlung, ein Unikum überhaupt, das e r ft e Schreibheft Friedrichs des Großen. Man weiß nicht, wie es in diese Bibliothek kam, die dis 1831 die Hofbibliothek des Hessischen Fürstenhauses war; sicher aber gehörte es ihr schon vor 1794 an. Wahrscheinlich übergab Landgraf Friedrich II. von Hessen-Kassel, ein Bewunderer des großen Königs, das Buch der Bbiliothek. Der Landgraf stand auch später mit dem Berliner Hof in enger Beziehung. Auf die erste Seite von Friedrichs Schreibbuch, das eine Decke aus buntem Papier umschließt und sechsundzwanzig Quartblätter enthält, setzte der Schreiblehrer, Hilmar Curas, den Titel: Jhro Königlichen Hoheit des Gnädigsten Cron-Printzen von Preußen Friedrich Schreibbuch, angefangen den 31. Martii 1717. Curas, der den Prinzen mit feinen beiden älteren Schwestern in den Elementarfächern unterrichten sollte, war auch für die gleichen Gegenstände Lehrer am Joachimsthalschen Gymnasium zu Berlin. Ob er sonderliche Freude an den kalligraphischen Fortschritten seines prinz- lichen Schülers gehabt hat, steht dahin. Er wird es nicht an Mahnen und Nachdruck haben fehlen lassen, aber der kleine Fritz konnte, auch bei gutem Willen, nicht mit feiner noch ungelenken Hand die nach allen Regeln der Kunst gezogenen lateinischen Buchstaben seines Meisters nachbilden; und so mußte er immer wieder, fünfzehn Seiten lang, nur kleine a schreiben, und man kann es begreifen, daß sie auf der letzten Seite immer noch nicht besser als auf der ersten sind. Der gute Curas hatte eben nicht mit dem jedem begabten Kinde natürlichen Widerwillen gegen stumpfsinnige mechanische Tätig, feit gerechnet. Wahrscheinlich hatte er nun auch von dem kleinen a genug, denn Fritz versuchte sich auf der sechzehnten Seite mit einem d. Aber das geriet ihm so schlecht, daß Curas schleunigst, vielleicht zur Strafe seines Schülers, zum a wieder für einige Zeit zurückkehrte. Daß Fritz an dieser Arbeit keinen Gefallen fand, nimmt nicht wunder, und so tat er denn auch, was jedes normale Kind an seiner Stelle getan hätte. Sobald Curas den Rucken gewandt hatte, unter- hielt sich der kleine Prinz nach feiner Art und brachte ein wenig Abwechselung in die Langeweile. Schon die zweite Seite des Schreibheftes zeigt eine Kritzelei, die über das ganze Blatt geht, eine erste Handzeichnung, so naiv und irimitiv, wie es eben ein fünfjähriger Junge zu- tande bringt: in der Mitte ein Turm mit Fenstern, auf den rechts ein Wagen zufährt und links ein Mann zugeht. Curas wird sicher seinen unaufmerksamen und faulen Schüler streng zurechtgewiesen und vielleicht sogar mit einem Bericht an den königlichen Papa gedroht haben, wenn sich derlei noch einmal wiederhole. Weitere Zeichenversuche unterblieben dann auch, Fritz mochte andre Wege gefunden haben, um sich die Schreibstunde etwas erträglich zu machen, Curas hatte ja, Gott Lob, auch die zwei Mädchen zu unterrichten, bei denen er wohl seine Mühe reicher gelohnt fand. Der kleine Fritz malte und malte mühselig und unlustig seine Buchstaben und brachte es endlich auch zu a, c, d, e, g, o und q, die leidlich ausschauten, und endlich auf der zweiundfünfzigsten Seite zur Nachbildung der vorgeschriebenen wichtigen Worte „ä mon eher papa“, die er auf dieser Schlußseite noch fünfmal wiederholen mußte. Wodurch sie übrigens auch nicht schöner wurden. Fritzens Fortschritte in Schönschreibkunst und Reichtschreibung, im Deutschen und Französischen blieben auch später reichlich dürftig. Der früheste bekannte, von dem Achtjährigen aus Wusterhausen am 19. September 1720 geschriebene Brief an einen Monsieur Canitz, vielleicht an jenen Hans Wilhelm von Canitz, der später als hoher Offizier die Feldzüge Friedrichs mitmachte und 1775 starb, ist nachlässig, unorthographisch, nach dem Gehör französisch geschrieben und beginnt: „Jesper de vous voer biento an bonsante ..." und schließt: „ge suis votre ami comm oparavan Fridrich.“ Was heißen soll: j’espere de vous voir bientot en bon sant£ ... je suis votre ami comme auparavant Friedrich.“ Auch die drei in der Kasseler Landesbibliothek auf- bewahrten, anseine MutterSophieDoro- t h e a gerichteten Briese aus den drei nächsten Jahren, von denen zwei französisch und einer deutsch ist, zeigen die gleiche Flüchtigkeit, fehlerhafte Rechtschreibung und Interpunktion, wenn auch die Handschrift sicherer, aber nicht besser geworden ist. Es find Pflichtbriefe, sogenannte Komplimente, die er auf Wunsch des Vaters der Mutter und den Schwestern machen mußte: er hofft, daß sie gefung seien, und daß er sie bald wiederzusehen erwarte usw. In dem Brief vom 1. Oktober 1721 meldet er, daß er am Geburtstag seiner Schwester Friederike die Kanonen geschossen und sich mit dem Europäischen Theater beschäftige. lieber das Kanonenschießen des kleinen Kronprinzen wird man sich nicht wundern, wenn man weiß, daß Fritz auf Befehl feines Vaters schon seit 1717, also feinem fünften Ja!,r, eine für ihn gebildete Kompanie Kadetten exerzierte, über die er dem König ordnungsmäßig Bericht zu erstatten hatte. Das Studium des Theatrum Europaeum, des großen feit 1652 in Frankfurt a. M. durch die Bemühungen des Merians erscheinenden geschichtlichen illustrierten Sammelwerks, das die Weltbegebenheit seit 1617 enthielt, sollte nach der Vorschrift des Königs für den Prinzen als Grundlage des geschichtlichen Unterrichts dienen. Die ältere Geschichte sollte er nur „überhin" lernen. Später wurde die griechische und römische sogar vom König als „zu nichts gut" völlig aus dem Lehrplan gestrichen, während eine genaue Kenntnis der Vorgänge der letzten 150 Jahre und besonders der Vergangenheit des brandenburgischen Hauses verlangt wurde. Um dem Kronprinzen das Durchlesen der dickleibigen Folianten des Theatrum Europaeum, von denen 1720 schon 18 Bände erschienen waren, zu ersparen, stellte der ausgezeichnete Lehrer Friedrichs, Duhan de Jandun, für ihn einen Abriß des in dem großen Werk Enthaltenen zusammen, der auch, wie Friedrich später noch dankbar anerkannte, vortreffliche Dienste tat. Friedrichs Vater las selbst gern in dem Manuskript, das noch weit über die Anfänge des Theatrum Europaeum zurückging und auch die Geschichte der Hohenzollern von der Zeit des Kurfürsten Friedrich I. bis auf die feinige behandelte. Der zweite Brief Friedrichs an feine Mutter ist sieben Monate später in deutschen Buchstaben und deutscher Sprache abgefaßt. Schon die schwerfälligen Buchstaben deuten darauf hin, daß schon der damals zehniährige Schreiber das Deutsche vernachlässigte. Friedrich schreibt: „Meine liebe Mama Ich bedanke mich untertänichgt vor die Gnade, die mich meine liebe Mama vor mich gehat hat die mich hat wolen gebrauchen den schönen kerrel an meinen lieben Papa in den namen meiner lieben Mama zu geben, mein lieber Papa befint sich recht wohl, heute hat das ganze Regimendt im Beisein des margrafen albrecht exersiret, Ich verbleibe so lange ich lebe meines lieben Papas Gehorsamster Diner und Sohn Friderich Brandenburg, d. 18. Meii 1722 Papa hat mich befohlen meine liebe Mama fein Kompliment zu machen. As diesem Brief geht hervor, daß die Königin, um ihren gestrengen Eheherrn in gute Laune zu versetzten, ihren Sohn dazu benutzte, um in ihrem Namen dem König einen auf ihre Kosten geworbenen „langen Kerl" für sein Leibregiment zu übergeben. Der im Brief erwähnte Markgraf Albrecht ist einer der Großonkel Friedrichs II., einer der Söhne des Großen Kurfürsten aus feiner zweiten Ehe mit Dorothea von Holstein-Glücksburg. Wie flüchtig der Brief geschrieben ist, geht, abgesehen von der mangelhaften Rechtschreibung, auch daraus hervor, daß der kleine Schreiber am Schluß den „Papa" statt der Mama, an die der Brief gerichtet ist, genannt hat. Den Papa, den er so fürchtete und der seinem Sohn bei aller strengen Erziehung doch nicht ein gutes Deutsch beibringen konnte. A. S. Die Misekifte. Von Max Inngnickel. In Sanssouci stehe ich vor der Reisekiste Friedrichs des Großen. Eine alte, vernagelte Kiste: grau, unansehnlich, hart, klotzig. Sieben lange, blutige Jahre hatte sie sich auf Schlachtfeldern Herumgetrieben. Sie stand in verqualmten Bauernhäusern, stand in Dreckpfützen, Ställen, Palästen, Kirchen und Blutlachen. Sie hörte Soldatengesang und die letzten Schreie der Sterbenden. Sie sah in das zerquälte, abgehärmte Gesicht eines Königs, hörte feine Flüche, fein schadenfrohes Lachen, feinen Jubel. Sah seine Hoffnungen blitzen, hörte ihn knirschen, flöten und phi- losophieren.--Aus ihr, der alten Reisekiste, saß er und grübelte, die Faust am Kinn. Auf ihr stand manches Kerzenlicht, das seine nächtlichen Gedanken bewegte. Mancher Tropfen Wein zerging auf ihr. Wie oft wurde sie gestoßen, geworfen. Sie sühlte Regen und Sonne, hörte den Wind pfeifen, die Geschütze krachen und die Kälte knirschen. Sie vergrub Geheimnisse: Die Gedichte eines Königs, Flo- tentompofitionen, Voltaire-Gedanken, Briefe an Minister, an Peter von Rußland, der ihn närrisch kopierte, Schnupftabak, Gerichte über Handelspolitik: alles hielt die Lade vernagelt fest und war so verbissen wie der alte königliche Soldat, dem sie gehörte.-- Sie sah ihn sieben Ihre lang, wie er manchmal wie an Abgründen entlang lief, wie er die ganze Stufenleiter der Verzweiflung durchmachte, wie seine Ruhe so starr wurde, daß er keinen Schmerz mehr fühlte. Sie erlebte seine Gleichgültigkeit, die bas äußerste Grauen in sich verschloß. Sie kannte seine verzweifelten Augen, sah sie bohren und niederschmettern. — Und nun streiche ich einmal mit der Hand über die alte Reisekiste, wie über etwas ganz Kostbares. Oer vorletzte Kampftag. Ungarn wnrde am Gamstag Sieger im Wafferball.-Ltalien gewinnt das Fußball-Turnier. Indien gewmnt die Goldene Medaille im Hockey. —Neuer amerikanischer Sieg im Turm- fprmgen. — Dritte Goldene Medaille für die holländische Schwimmerin 2Rie Mastenbroek. sonderen Erfolg wurde. Dom Nikolskoer Hafenufer hatten Pioniere in wenigen Stunden eine Pontonbrücke gebaut, die zu beiden Seiten mit den Fahnen der an den Olympischen Spielen beteiligten Nationen geschmückt waren. Auf der Pfaueninsel selbst geleitete die Gäste ein Ehrenspalier weißgekleideter Pagen zu dem großen F e st p l a tz einer Wald wiese, die auf das prachtvollste mit einfarbigen Lampions in gelbes Licht getaucht war. Auch sonst gab es noch manche überraschende und phantasieoolle Ausschmückung zu bewundern, so x B ein von vielfarbigen Lichtern umrahmter Durchblick von der Höhe der Pfaueninsel auf die weite Fläche der Havel, m der sich der Llchter- schein bunt spiegelte. Benno von A r e n t war für diese märchenhafte Ausgestaltung des Sommerfestes verantwortlich, während Oberregierungsrat Gut- terer die Gesamtorganisation vorbereitet hatte. Reichsminister.Dr. Goebbels, der zusammen mit seiner Frau den ganzen Abend in liebenswürdigster Weife um feine Gäste bemüht war, empfing die Teilnehmer des Festes. Unter den zahlreichen ausländischen Gästen sah man u. a. König Boris von Bulgarien, den Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees Graf Baillet-Latour, den früheren amerikanischen Botschafter Dr. Sh ur ma n, den amerikanischen Dorkämpfer für Freizeitgestaltung Mr. Kirby, die Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees, die Präsidenten der nationalen Olympischen Komitees und der internationalen Sportverbände sowie die Mitglieder des Organisations- komitees ftir die XI. Olympischen Spiele. Sämtliche Missionschefs der ausländischen Mächte waren zugegen. Don deutscher Seite waren erschienen fast die gesamte Reichsregierung, die Reichs- und Gauleiter der NSDAP., Vertreter der Wehrmacht sowie aller Partei- und Staatsdienststellen. Zu den Festteilnehmern gehörten ferner etwa 600 ausländische Olympiakämpferinnen und - k ä m p f e r. Die weibliche Olympiamannfchaft der Japaner, die in ihrer Nationaltracht erschienen war, überreichte Reichsminifter Dr. Goebbels ihr glückbringendes „Maskottchen" mit dem Wunsche, daß es ihm ebenfalls wie ihr Glück bringen möge. Auftakt zur Kieler Woche. Die Kieler Woche 1936 nahm am Sonntag ihren Anfang. Schönes sonniges Wetter schuf für die vielen Taufende Zuschauer, die sich auf die Begleitdampfer an die Hindenburg-Promenade und in die kleinen Badeorte zu beiden Seiten der Kieler Förde ergossen, die Feststimmung. 200 Yachten erschienen Sonntagvormittag am Start. Infolge Flaute mußten die Starts jedoch bis zum Eintritt, einer leichten Brise verschoben werden. Es ist ein einzigartiges Bild: die weißen Falter auf dem satten Blau des Wasserschlauchs der Förde zu beobachten. Waren es bei der Segelolympiade nur vier Klassen, in denen gestartet wurde, so ist jetzt bei der Kieler Woche das Bild wieder vielfältiger; denn täglich erfolgen rund zwei Dutzend Starts, jo zahlreich sind die vertretenen Klassen. Eine Reihe von wertvollen Preisen winken den Siegern, darunter der „Preis des Reichskanzlers", der berühmte „F e l c a - P r e i s", Preis des Reichs- Ministers für Dolksaufklärung und Propaganda, des Reichskriegsministers, des Reichsministers der Luftfahrt, des Innenministers, des Reichsführers SS. und des Stabschefs der SA. Schach-Olympia München 1936. Seit Samstag weilen in München 210 Schach- nr e i st e r aus 21 Nationen, die an dem am Montag beginnenden Schach-Olympia teilnehmen. Am Montagfrüh treffen sich Dänemark und Island, Oesterreich und Lettland, Holland und Deutschland, Frankreich und Polen, Jugoslawien und die Schweiz, Schweden und die Tschechoslowakei, Bulgarien und Rumänien, Norwegen und Italien, Estland und Ungarn, Brasilien und Finnland. Litauen ist spielfrei. Oie Unruhen in Palästina. Jerusalem, 16. Aua. (DRB.) Aus dem Zuge Iakfa — TelAviv —Lydda, der mitten m Tel Aviv die Hauptstraße überquert, wurde eine Bombe aufdie Straße geworfen, wodurch ein Kind getötet und 20 Personen verletzt wurden. Der Täter konnte nicht ermittelt werden. Allein in den letzten zwei Tagen wurden bei verschiedenen Anschlägen rund 20 Personen ge- tötet, darunter zwölf Juden; zahlreiche Personen wurden verletzt. Unter den Opfern der Anschläge steigt der britische Anteil. Trotzdem sind keine ver- schärften Abwehrmaßnahmen von Regierungsseite festzustellen. Die Stadt Saphe wurde wegen eines Mordes mit einer Kollektiostrafe belegt. Die Häuser der Verdächtigten wurden niedergerisien. Dermittlungsvorschläge Emir Abdullahs. Der vorletzte Kampftag der XI. Olympischen Spiele zu Berlin brachte nocheinmal Hunderttausende auf die Beine, die auf den verschiedenen Kampfstätten Olympias den spannenden Entscheidungs-Wettbewerben um die Goldenen Medaillen zusahen. Nach dem deutschen Rekord-Freitag hatte unsere Olympia-Mannschaft diesmal etwas mit Pech zu kämpfen. Dor allen Dingen im Wasser- ball-Turnier. Deutschland und Ungarn spielten am Freitag 2:2 Unentschieden und standen damit punktgleich an der Tabellenspitze der Endrunde um den ersten bis vierten Platz. Die Spiele des Samstags mußten die Entscheidung bringen. Deutschland schlug Frankreich sicher mit 4:1 (3:0), hatte aber dabei unter verschiedenen Fehlentscheidungen des Schiedsrichters zu leiden. Anschließend fertigte Ungarn Frankreich mit 5:0 (4:0) ab und hatte nun das „bessere" Torverhältnis, da sich das deutsche durch den einen Gegentreffer der Belgier etwas verschlechterte. Damit war Ungarn Olympia-Sieger und Deutschland Gewinner der Silbernen Medaille vor Belgien, das die Bronze-Medaille erhielt. Am Vormittag des Samstags wurde das Turm- springen der Männer mit den Kürspringen abgeschlossen. Die amerikanische Springergarde feierte auch hier einen großen Erfolg, es gelang ihr, durch Marshall Wayne und Elbert A. R o o t vor dem deutschen Europameister Hermann Stork die beiden ersten Plätze zu belegen, Vierter wurde Erhardt Weiß vor dem dritten Amerikaner Kurtz. Auch V i e b a h n belegte mit dem siebten Rang hinter dem Japaner Shibahara noch einen anständigen Platz. Die erste Entscheidung des Nachmittags im Schwimmstadion war der E n d - lauf über 200 Meter Brust der Mün- nach wurde Gamelin mit dem großen Band zum Orden „P o l o n i a Restituta" ausgezeichnet. Diesem feierlichen Akt wohnten bei der Generalinspekteur der Armee General Rydz-Smigly, Außenminister Beck, General S o s n o w s k i und andere. Am Abend begab sich General Gamelin nach K r a k a u, wo er am Grabe des Marschalls P i l s u d s k i einen Kranz niederlegen wird. Die litauische Regierung hat das Anfang August unterzeichnete deutsch-litauische W i r t • chaftsabkommen bestätigt und die Durchführung der Einzelverträge zu den festgesetzten Zeiten zugelassen. Damit tritt das Handelsabkommen am Berlin, 15. Aug. (DNB.) Das Mitglied des Vollzugsausschusses des Internationalen Olympi- chen Komitees Lord Aberdare erklärte dem Vertreter des „Hamburger Fremdenblattes" u. a.: Meine ganze Hochachtung gilt der Reichshaupt- tadt in den 16 olympischen Tagen. Es schien, als ob alles nur noch in echtem kameradschaftlichen Geiste dieses Weltfestes der Jugend lebte. Meine Hoffnung ist es, daß die Olympische Idee ganz Deutschland für alle Zeiten erobert hat und daß dem deutschen Sport ein weiterer Aufschwung be= chieden sein wird. Es gab einen Weltkrieg, der die Deutschen und Engländer zeitweilig trennen konnte. Zwischen den beiden Völkern hat er eine dauernde Scheidewand nicht aufzurichten vermocht. Uns Engländern ist das Gefühl der nahen Verwandtschaft mit dem deutschen Volk viel zu vertraut, als daß wir nicht di e Der- ständigung mit i h m wünschen würden. Und dies eine hat man festzuhalten: das deutsche Volk hatte während der Olympischen Spiele im Angesicht der gesamten Welt Gelegenheit, sich als „good Sport“, als sportkameradschaftlich in jedem Sinne zu erweisen. Es hat die Gelegenheit wahrgenommen, und wir sind gern bereit, dies freimütig anzuerkennen. Wenn ich auf die politischen Eindrücke meines hiesigen Aufenthaltes zu sprechen kommen n e r. Der Japaner Hamuro und Erwin Sie - t a s (Deutschland) lieferten sich einen heißen Kampf, den der Japaner schließlich in 2:42,5 Minuten knapp für sich entscheiden konnte. Sietas schwamm 2:42,9 Minuten und ließ damit den zweiten Japaner Koike um fast zwei Sekunden hinter sich. Die dritte Goldmedaille für Rie Mastenbroek gab es im 400-Meter-Frei st il-Schwimmen der Frauen, bei dem die Holländerin ihre Rivalin Ragnhild H v e g e r (Dänemark) überraschend sicher schlug. „Rie" benötigte 5:26,4 Minuten, während die Dänin in 5:27,5 Minuten nur durch Handschlag die Amerikanerin Wingard besiegte. Im 1 5 00- Meter-Frei st il-Schwimmen der Männer feierte der Japaner Terada einen ganz überlegenen Sieg in 19:13,7 Minuten, über den Amerikaner Jack Medica, der 19:34,0 Minuten benötigte. Dritter wurde U t o (Japan). Der Deutsche Heinz Arendt wurde in diesem Rennen der schnellsten und ausdauerndsten Crawler der Welt zwar nur Siebter, erzielte aber in 19:59,0 drei neue deutsche Rekorde, und zwar außer über 1500 Meter noch über 800 Meter in 10:31,6 und über 1000 Meter in 13:14,6 Minuten. Heinz Arendt ist damit der beste Deutsche, der über 1500 Meter Freistil die 20-Minuten-Grenze unterbieten konnte. In der Hauptkampfbahn des Reichssportfeldes wurde vor 100 000 Zuschauern der Endkampf des Olympischen Fußball-Turniers zwischen Oesterreich und Italien entschieden. Italien siegte mit viel Glück in der Verlängerung mit 2:1 und gewann damit die Goldmedaille, während Oesterreich die „Silberne" erhielt. Bei der Pause stand der Kampf noch torlos und beim Schluß der regulären Spielzeit 1:1. In der 2. Minute der zwei- 15. August und das Abkommen über den kleinen Grenzverkehr am 25. August in Kraft. In Leningrad finden Manöver der roten Luftflotte in Verbindung mit großen Luftschutz- und Derdunkelungsübungen der ganzen Stadt unter Teilnahme des ÄZehroerbandes „Osfoaviachim" und unter weitester Heranziehung der Zivilbevölkerung statt. In Leningrad trafen der Derteidigungskom- miffar Woroschilow, der Generalstabschef Marschall Jegogow, Marschall Budjonny und der Chef der Luftschutzabteilungen der Roten Armee Armeekommandant Kamenew ein, um den Hebungen beizuwohnen. soll, dann möchte ich vor allem unterstreichen, daß nach meinen Beobachtungen das deutsche Volk in wirklichem Sinne des Wortes hinter feinem Führer steht. Bei der Begegnung mit Adolf Hitler habe ich die Nähe eines großen Mannes gefühlt. Vor allem aber habe ich mich in meinen hiesigen Gesprächen davon überzeugen können, daß Deutschland ehrlich bestrebt ist, gemeinsam mit England für den W eltfrie - d e n zu arbeiten. Es läßt sich nicht übersehen, daß die allgemeine Lage Deutschlands unter feiner Regierung mächtige Fortschritte gemacht hat, und daß auch die Verhältnisse der Arbeiter sich wesentlich gebessert haben. Bei einer Fahrt durch den Berliner Osten hatten wir die Möglichkeit, auch jene Teile der Reichshauptstadt näher kennenzulernen, die früher in dem Rufe standen, ausgesprochen kommunistischer Denkart zu sein. Es strömte uns aber bie gleiche Freude aus der Bevölkerung entgegen, wie auch anderswo, wo immer wir uns gerade befanden. Es ist ein unbestrittenes Verdienst der nationalsozialistischen Regierung, sich mit den zersetzenden Wirkungen des Kommunismus auseinandergesetzt und ihn i n Deutschland erledigt zu haben. Auch für den gesamteuropäischen Aspekt war dies von hoher Bedeutung. mal 15 Minuten dauernden Verlängerung erzielte dann F r o s s i für Italien den fiegbringenoen Treffer. Frossi hatte auch schon den ersten Treffer der Italiener geschossen, während Kainberger für Oesterreich ausgleichen konnte. 25 000 Zuschauer wohnten am Vormittag im überfüllten Hockey- Stadion dem Endspiel um den ersten Platz zwischen Deutschland und Indien bei. Lange konnte Deutschlands Mannschaft den indischen Wunderspielern standhalten, in der zweiten Halbzeit kam aber doch der Zusammenbruch. Bei der Pause führte Indien erst 1:0, aber am Schluß hieß es 8:1 für die Inder. Deutschland hat aber die Genugtuung, den Indern das einzige Tor beigebracht zu haben, das sie während des ganzen Olympischen Hockey-Turniers hinnehmen mußten. Kurt Weiß, der ewig-junge Mittelstürmer unserer Elf, war der Schütze dieses Treffers. Deutschland gewann damit die Silberne Medaille des Hockey-Turniers, während Indien nun schon zum dritten Male Hockey-Olympia-Sieger wurde. Amsterdam, Los Angeles, Berlin, das ist die stolze Erfolgserie der indischen „Wunderspieler". Im Säbel-Einzelfechten wurde der Olympia-Sieg von dem Ungarn Endre Kobes errungen. Marzi - Italien holte sich die Silberne Medaille, und G e r e y - Ungarn bekam die Bronzene Medaille. Die deutschen Fechter waren in dieser Waffe schon nach der Zwischenrunde ausgeschieden. Im Boxen errang am Samstagnachmittag der Breslauer Miner durch einen Punktsieg über Frigyes- Ungarn die Bronzene Medaille. Am Abend war es der Gladbecker Kaiser, der als erster deutscher Boxer eine olympische Gold-Me- daille erringen konnte. Kaiser schlug den Italiener Matta im Fliegengewicht sicher nach Punkten. dura übernommen habe und den B e l a gern n g s z u st a n d in der Provinz erkläre. Gewerkschaftsführer, die ihre Gewerkschaftsmitglieder zum Streik aufrufen wollten, würden st a n d r e ch t l i ch erschossen, sowie alle jene, die bis Montagfrüh nicht ihre Arbeit wieder aufgenommen hätten. Innerhalb von vier Stunden seien sämtliche Waffen abzugeben. Leute, die dann noch Waffen besäßen, sowie Räuber, Brandstifter und Mörder würden standrechtlich erschossen. Nach 21 Uhr dürfe sich niemand mehr auf den Straßen der Stadt zeigen. Feierliche Mung der alten Nationalflagge in Sevilla. Lissabon, 15. Aug. (DNB.) Mit großen Feierlichkeiten wurde in Sevilla die Fahne der Nationalisten, die frühere spanische Nationalflagge gelb-rot gehißt. Der Kommandierende General Queipo de Llano schritt, begeistert begrüßt, die Front der Ehrenkompanie der Fremdenlegion und aller anderen Formationen ab. Als General Queipo de Llano dann den Kardinalerzbischof von Sevilla begrüßte, brach die Menge in nicht endenwollende Iubelrufe aus. Der Bürgermeister erklärte in einer Ansprache, daß man sich versammelt habe, um die Fahne wieder zu hissen, die den Generationen der Vorfahren als Allerheilig st es vorangeschwebt sei. Die republikanische Regierung habe es nicht verstanden, die neue Flagge dem Volke nahe zu bringen. Diese Flagge sei daher immer nur die einer politischen Partei gewesen. Die Fahne, die nun wieder über Spanien wehen werde, sei das Sinnbild der Einigkeit und des Stolzes der ganzen spanischen Nation. Anschließend hißte General Queipo de Llano unter den Klängen der 5)i)mne der spanischen Fremdenlegion die Fahne, die vom Kardinalerzbischof geweiht worden war. Weitere Ansprachen hielten General Franco und der Schöpfer der Fremdenlegion General Millan A st r a y. Nimmt die katalanische Regierung Fühlung mit Burgos? Hendaye, 16. Aug. (DNB.) In Hendaye wurde ein Funkspruch der katalanischen Regierung aus Barcelona an das Oberkommando der aufständischen Truppen in Burgos auf- gefangen. Darin fragt die katalanische Regierung bei den Nationalisten an, ob die Generäle Franco Deutschland arbeitet ehrlich für den Weltfrieden. Aberdare über seine Eindrücke bei seinem Besuch der Olympischen Spiele. Amman, 17. Aug. (DNB. Funkspruch.) Aus zuverlässiger Quelle verlautet, daß Emir Abdullah von Transjordanien dem englischen Oberkommissar in Palästina zur Beilegung des Konfliktes mit der arabischen Bevölkerung Palästinas folgende Dermittlungsvorschlage unterbreitet hat. Die Mandatsregierung soll die in Konzentrationslagern festgehaltenen Häftlinge f r e t- lassen, die politischen Gefangenen außer den wegen Kapitalverbrechen Verurteilten entlaßen und bie weitere Einwanderung oon Juden ohne Ausnahme unterbrechen, wobei nicht gesagt wird, ob dies dauernd oder vor- übergehend gedacht ist. Emir Abdullah werde als- dann Garantie für sofortiges Einstellen aller terroristischen Aktionen übernehmen so daß die englische Studienkommission anschließend das Land vereisen könne. Diese JBorfdflage des Emirs sind nach vorheriger verbindlicher Fühlungnahme mit den maßgebenden Parteien hmausge- gangen, nur die Muftipartei, die jedoch unmaßgeblich ist, steht ihnen fern. Kleine politische Nachrichten. Se. Kgl. Hoheit E r z h e r z o g A l d r e ch t stattete in Begleitung des königlich ungan^en Gesandten von Sztojay dem Führer u n d R e i ch 1 3 ’ I e r einen Besuch ab. — Der Führer und Reichskanzler empfing ferner den königlich ungarischen Minister des Innern von Kozma sowie Herrn Nikolaus Horthy von Nagybanya, den Sohn des ungarischen Reichsverwesers, der als tf^rer bet ungarischen Schwimmermannschaft an den Olympischen Spielen teilnimmt. Weiter empfing der Führer und Reichskanzler den auf Heimaturlaub besrndlichen deutschen Gesandten in La Paz (Bolivien) König. Der polnische Staatspräsident empfing am Sonntag den französischen Generalstabsche General Gamelin in besonderer Audienz. Da- Jrun und Gan Sebastian von den Nationalisten eingeschlossen. Hendaye, 17. Aug. (DNB.) Jrun und San Sebastian sind von den nationalistischen Truppen völlig eingeschlossen. In Jrun hat die Räumung des Ortes durch die Zivilbevölkerung bereits begonnen. Das der Militärgruppe gehörige Kriegsschiff „A l m i r a n t e Cervera" erschien am Sonntagabend vor der Einfahrt nach Bilbao und beschoß den nur 20 Kilometer vor Bilbao liegenden Küstenort Santurce sowie Portuga- I e t e mit solchem Erfolg, daß sämtliche Benzintanks der spanischen Monopolgesellschaft hn Hafen explodierten. Ein zweimotoriges Douglas-Flugzeug überflog am Sonntag um 20 Uhr Jrun und das französische Gebiet östlich von Hendaye. Nach mehreren Schleifen warf das Flugzeug über dem französischen Dors B i r i a t o u fünf Bomben ab, wovon eine ein Kaffeehaus zerstörte, zwei nicht explodierten und die restlichen beiden aus unbewohntes Gelände fielen. Verwundet wurde merkwürdigerweise niemand, obwohl das Dorf und die Zugangsstraßen mit neugierigen Schlachtenbummlern vollgepfropft waren. Nach den bisherigen Feststellungen handelt es sich um ein Marxistenflugzeug. Die Erregung im französischen Grenzgebiet über diesen Zwischenfall ist außerordentlich groß. General Franco in Vargos. Paris, 17. Aug. (DNB. Funkspruch.) Havas meldet, daß General Franco mit vier Generalstabsoffizieren am Sonntag in Burgos eingetroffen und von General Mola und General Cabanellas sowie den übrigen Mitgliedern der nationalen Junta begrüßt worden fei. Die drei Generäle hätten darauf eine mehrstündige Besprechung im Regierungsgebäude der Junta gehabt, über Die vollkommenes Stillschweigen bewahrt werde. Anschließend habe in der Kathedrale eine Messe stattgefunden. Die Generäle seien von der Bevölkerung mit ungeheurem Jubel begrüßt worden. Gleich nach der Messe sei General Franco wieder mit dem Flugzeug nach Sevilla abgeflogen. 3m erstürmten Vadajoz. Lissabon, 16. Aug. (DNB.) Der Berichterstatter des Diario de Manha berichtet aus Badajoz: Die Stadt bietet ein trauriges Bild, ein großer Teil der Stadt ist v o l l st ä n d i g z e r ft ö r t. Diele Häuser brennen noch, und nur langsam gelingt es den Nationalisten, wieder Ordnung zu schaffen. Verstreut auf der Straße konnte ich 24 Leichen von Kommunisten zählen. Bei der Erstürmung des Forts San Pedro, das von den Marxisten zäh verteidigt wurde, fielen bei den Nationalisten von 152 Legionären 56. Auch die Erstürmung der Kaserne Menacho kostete die Nationalisten viele Tote. Ein großer Teil der Kommunisten ist in letzter Minute geflohen. Die Kommunisten, die in die Hände der Stürmenden fielen, wurden erschossen. Unter ihnen befinden sich der marxistische Oberst Cantero, Leutnant Deiga und alle Führer des anarchistischen iberischen Kampsverbandes und der Dolkssront. 4000 Mann Nationalisten traten am Samstag den Weitermarsch in Richtung Madrid an. Oberst Yague, der Befehlshaber der nationalen Truppen, teilte in einem Aufruf der Bevölkerung mit, daß er die Leitung der Provinz Estrema- Wetterbericht des Relchswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. Bei absteigender Luftbewegung hat sich in ganz Deutschland das heitere und sommerlich warme Wetter gehalten. Immerhin konnte jedoch in der Höhe eindringende frische Meeresluft vornehmlich in Norddeutschland zu vereinzelten gewittrigen Störungen Anlaß geben. Ein starker Wirbel zwischen Island und Finnland wird zwar die Zufuhr feuchter Meeresluft auf das Festland verstärken, ohne jedoch dadurch den Schönwetter-Charakter nachteilig zu beeinflussen. Aussichten für Dienstag: Heiter bis wolkig und vereinzelt Auftreten von gewittrigen Störungen, tagsüber warm und schwül, Winde aus vorwiegend südlicher Richtung. Aussichten für Mittwoch: Fortdauer der im ganzen freundlichen und warmen, aber nicht durchweg störungsfreien Witterung. Lufttemperaturen am 16. August: mittags 27,4 Grad Celsius,.abends 19,8 Grad; am 17. August: morgens 15,4 Grad. Maximum 28 Grad, Minimum heute nacht 13,9 Grad Celsius. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 16. August: abends 24,1 Grad; am 17. August: morgens 18,9 Grad. — Sonnenscheindauer 10,7 Stunden. Und immer erst Leckrem - dann in die Sonne ! Die Neutralität der Mächte. Französisch-englisches Einverständnis. London, 15. Aug. (DNB.) Nach einer Preß Association-Meldung ist vom Foreign Office amtlich bekanntgegeben worden, daß jetzt völligesEin- verständnis zwischen der britischen und der französischen Regierung über den Wortlaut der französischen Vorschläge zur Verhinderung der Ausfuhr von Kriegswaffen und Munition nach Spanien herrsche. Die Noten seien in Paris unterzeichnet und zwischen den Regierungen ausgetauscht worden. Das Abkommen werde sofort nach Empfang der Zustimmung der deutschen, italienischen, portugiesischen und sowjetrussischen Regierung in Kraft treten. „Journal" schreibt: Man dürfe das bisher erzielte Ergebnis der französischen Initiative n i ch t u n t er- sch ätzen. Es gebe keinen Krieg und keinen Bürgerkrieg, der nicht ernste internationale Verwicklungen durch persönliche und amtliche Eingriffe nach sich ziehen könnte. Was man erreichen müsse, sei die Verhinderung eines allgemeinen Brandes. Die Tatsache, daß bisher alle Regierungen grundsätzlich der französischen Aufforderung zugestimmt hätten, sei bereits ein wesentlicher Erfolg. Man dürfe die Mächte nicht in zwei Blocks einteilen, in solche, die ohne Vorbehalt ihre Zusage erteilt hätten und solche, die sich weigerten. Die Unterscheidung liege lediglich in der V e r s ch i e d e n- beit der Formulierung der Vorbehalte, Vorbehalte aber seien von allen Sei- t e n gemacht worden. — Die Radikalsozialistische „Ere Nouvelle" begrüßt Englands Zustimmung zum französischen Neutralitätsvorschlag und wendet sich gegen die Kreise in Frankreich, die aus Unkenntnis der Gefahr und der internationalen Lage ein amtliches Eingreifen Frankreichs Zugunsten der Madrider Regierung fordern. Dank der französisch-englischen Zusammenarbeit könne man der Zukunft ruhiger entgegen sehen. Diese Kreise aber schienen blind zu sein für die unabsehbaren Folgen, die die Losung „Flugzeuge und Kanonen nach Spanien" in die Tat umgesetzt haben wollten. Die wahnsinnigen Schreier solle man jedoch überhören und weiter den Frieden verteidigen. Llruguay regt Vermittlung an. Montevideo, 16. Aug. (DNB.) Die Regierung von Uruguay hat sich telegraphisch an alle amerikanischen Staaten mit der Anregung gewandt, im Rahmen der Panamerikanischen Union einen gemeinsamen Vermittlungsschritt zur Beendigung des spanischen Bürgerkrieges zu unternehmen. „Botschafter des französischen Proletariats/'' Madrid, 17. Aug. (DNB. Funkspruch.) Als „Botschafter des französischen Proletariats" sind am Sonntag der Generalsekretär des französischen Gewerkschaftsverbandes Leon I o u h a u x sowie der Sekretär dieses Verbandes B u i s s o n in Madrid eingetroffen. Die Madrider Blätter heben hervor, daß dieser Besuch von höchster Bedeutung sei und eine Sympathieerklärung des französischen Proletariats darstelle. • und Mola bereit wären, im Falle ihres endgültigen Sieges die Autonomie Kataloniens zu achten. Falls dies zugesagt würde, wäre die Generalidad bereit, sofort alle Kampfhandlungen gegen die nationalistischen Tuppen einzustellen und bis zur Beendigung der Kämpfe strengste Neutralität zu bewahren. Aus aller Wett. Großer Auto-Union-Sieg in Italien- Bernd Rofemeyer gewinnt die „Coppa Acerbo“. Zum ersten Male gelang der Auto-Union der große Wurf, in einem Rennen alle drei gestarteten Wagen auf die drei ersten Siegerplätze zu bringen. Bei der „Coppa Acerbo“, die am Samstag auf einer 20 Kilometer langen Rundstrecke bei Pescara in Italien entschieden wurde, buchte die Auto- Union diesen überragenden Erfolg: Bernd Rose- meyer siegte in 2:57:57,4 Std. mit einem Stundenmittel von 139,174 in dem über 400 Kilometer langen Rennen vor feinen Markengefährten Ernst von Delius (3:04:18 Std.) und Achille Varzi (3:05:01,3 Std.). Vierter wurde der Scuderia- Ferrari-Fahrer Marchese Tonino Brivio mit seinem neuen 12-Zylinder-Alfa-Romeo. Wie schwer das Rennen war, geht daraus hervor, daß von 12 gestarteten Wagen nur fünf das Ziel erreichten. Um so größer ist der Sieg der Auto-Union, die damit im Motorsport einen glänzenden Rahmen für die XL Olympischen Spiele geschaffen hat. Dor Beginn der Berliner Spiele gewann Bernd Rofemeyer auf dem Nürburgring den „Großen Preis von Deutschland", und einen Tag vor der Schlußfeier im Reichssportfeld holte sich nun der junge und zur Zeit wohl beste europäische Auto-Rennfahrer den wertvollen Acerbo-Pokal. Das Rennen wurde auch schon im Vorjahr von der Auto- Union gewonnen, und zwar siegte damals Achille Varzi vor Bernd Rofemeyer. Deutscher Reichskriegerbundeslag in Argentinien. Der Deutsche Reichskriegerbund (Kyffhäuserbund) Landesverband Argentinien beging am Samstag seinen „Soldatentag 1936" verbunden mit einem Volksfest, an dem die deutschen Verbände Argentiniens teilnahmen. Im Verlauf des Festes sprachen der Landesoerbandsführer Keser und der zum Ehrenführer des Landesverbandes ernannte deutsche Botschafter Freiherr von Therman n. Bombenanschlag auf eine argentinische Klosterschule. Aus die Salesianerschule in Cordoba, der Hauptstadt der gleichnamigen argentinischen Provinz, wurde von unbekannten Tätern em Bombenanschlag verübt. Die Explosion zerstörte das Eingangsportal und beschädigte die Einhangshalle und die Vorderfront des Gebäudes. Sämtliche Fensterscheiben der Schule und der umliegenden Häuser wurden durch die Gewalt der Explosion zertrümmert. Es wurde niemand verletzt, obwohl sich in dem Internat der Schule 250 Kinder befanden, die zur Zeit des Bombenanschlages noch schliefen. Argentinisches Motorschiff auf dem Parana gesunken. Das argentinische Motorschiff „S i l a b a 2" erlitt auf dem Paranastrom in der Nähe des Hafens Gaboto aus bisher ungeklärten Gründen Schiffbruch und sank. Die elfköpfige Besatzung konnte gerettet werden, während die aus 397 Stück Rindvieh bestehende Ladung verloren ging. Ein sibirisches Flugzeug mit 13 Insassen verschollen. Ein Flugzeug der Nordsibirischen Gesellschaft, das am 7. August in Dudinka gestartet ist, ist bisher nicht an seinem Bestimmungsort angekommen. An Bord befinden sich außer der dreiköpfigen Besatzung 10 Personen, um deren Schicksal große Besorgnis herrscht. In die Tundra, wo das Flugzeug eine Notlandung vorgenommen haben könnte, ist eine Suchexpedition entsandt worden. Taifun über Hongkong. Ein schwerer Taifun richtete große Verwüstungen in Hongkong an. In dem armen chinesischen Viertel stürzten viele Häuser ein und begruben ihre Einwohner unter sich. Der englische Personendampfer „S u n n i n g" lief bei dem Sturm vor dem Hafeneingang auf Grund. Auf dem Schiff befinden sich 40 Fahrgäste. Es ist in großer Gefahr. Ein Berliner im Gebirge abgeslürzt. In Vicosoprano im Bergell-Tal (Kanton Graubünden) versuchten zwei Deutsche ohne Führer eine Besteigung in der Sciora-Gruppe durchzuführen. Dabei stürzte der 30jährige Dr. ehern. Hofmann aus Berlin tödlich, ab. Sein Begleiter holte Hilfe aus dem Tal, die den Toten unter großen Schwierigkeiten nach Promontogno brachte. Büchertisch. — „W aswillst du wisse n?" Volkstümlicher Ratgeber für Geschäft und Haus mit gemeinverständlichen Belehrungen und wertvollen Ratschlägen aus der Wirtschafts- und Rechtskunde von Walter Johnson. 950 Seiten. Geb. 12.— Mk. Verlag Hesse und Becker, Leipzig. — (214.) — Dieses Buch gibt Antwort auf alle Fragen, die mit dem öffentlichen Leben zu tun haben, gleichgültig ob es sich um geschäftliche oder private Dinge handelt. Ein Stichwortregister sorgt dafür, daß das jeweils Gesuchte ohne Zeitverlust gefunden wird. Das Buch berücksichtigt z. B. Geschäftsführung, Buchführung, Werbung, Rechts- und Wirtschaftskunde (Verjährung, Schmiergelder, Selbsthilfe, Verlobung, Heirat, Ehegut, Testament, Erbgut); in dem Abschnitt „die beweglichen Sachen" erhält man Auskunft über alles, was mit Geschäft (offene Handelsgesellschaft, GmbH., Prokura, Haftpflicht u. a.), zu tun hat. Ferner sind zu nennen die Abschnitte über Steuern und Zölle, Devisenrecht, Sozialversicherung, Prioatoersicherung, Post, Eisenbahn usw. Im Abschnitt „Das Gerichtswesen" gibt es Auskunft über Mahnverfahren, Vollstreckungsschutz, Wechsel-, Scheck- und Patentwesen, übet Strafrecht und Strafverfahren und vieles andere. Außerdem gibt das Buch Erläuterungen über Begriffe, die nicht allgemein verstanden werden, und vermittelt Vorteile beim Messen und Rechnen im täglichen Leben. — Im ewigen Rom ... Nack den Auszeichnungen eines Unverkümmerten verfaßt von Hans H e y ck. 128 Seiten. Breitkopf & Härtel in Leipzig, 1936. — (226.) — Die ewige Stadt mit ihren Palästen und Kirchen, die Campagna und die Albaner- berge bilden den fast erdrückenden Hintergrund für eine Liebesgeschichte, das stellenweise em wenig salopp berichtete Erlebnis eines jungen Deutschen in der Vorkriegszeit. Das mit hübschen Zeichnun- gen geschmückte Büchelchen scheint uns die richtige Lektüre für eine Ferienreise zu sein, besonders für verliebte Leute. — Entensegelflugmodell. Ausführliche Bauanleitung mit Bauplan- von Otto Micha- l i ck a. 12 Seiten Text, Bauplan 90 :120 cm. Preis 1,20 Mark. Otto Maier Verlag Ravensburg. — (227.) — Mit der Herausgabe dieses Bauplanes wird ein langgehegter Wunsch der immer größer werdenden Modellbauergemeinde erfüllt und eine Lücke in der deutschen Modellbauliteratur ge- schlossen. Eine ausführliche Baubeschreibung und eine Anleitung über das Einfliegen der „Enten" macht es jedem wissensdurstigen Modellbauer leicht, in dieses „Geheimnis" einzudringen. — Volksbrauch im Liede. Eine Sammlung. Herausgegeben vom Archiv deutscher Volkslieder, Berlin. 31 Seiten, kart. —.50 Mark. Ludwig Voggenreiter Verlag, Potsdam, 1936. — (213.) —< In unserer Zeit, die bewußt wieder zum Volkstum als Quelle unserer Kraft zurückfindet, bedeutet die kleine Schrift eine wertvolle Bereicherung unfern Kenntnis über Volksbräuche. Was das Volk zur Hochzeit und zum Tode, an Pfingsten und an Ostern, im Kreis des Jahres und des Lebens singt, ist hier zusammengetragen und ausgezeichnet. Bei diesen Liedern handelt es sich fast immer um die Untermalung alter Bräuche, und dabei erweist es sich, wie eng Volksbrauch und Volkslied zusammengehören. Das zeigen z. B. die Ansingelieder, die von Kindern gesungen, Glückwünsche oder Segnungen aussprechen und durch Dankesgaben vergolten werden. Oder das alte Hochzeitslied, mit dem noch der symbolische heilige Brauch des Herganges verknüpft ist. Die Lieder, gewachsen am Niederrhein, in Schlesien, in Baden und im Elsaß, lassen uns erkennen, mit welcher Kraft und Tiefe das Brauchtum unseres Volkes sich äußert. Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: i. V. Dr. Fr. W. Lange; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. 2). 21. VII. 36: 9350. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts- Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2;05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. ] PQLOST Giessen ■ Ab heute Montag: 5096a der Film der Winter-OMade in Garmisch-Partenkirchen 1936 JUGEND DER WELT Dazu: I Sport u. Soldaten! I I Ein Film von der körperlichen Erziehung K I zum Soldaten, und Wochenendzauber, B ein entzückendes Lustspiel. j Wochenschau - Olympiade 1936. | ManhlaOOQ von 3 bis 20 v-H-erhalten Sie bei wieder- ndtnidübu holten Veröffentlichungen einer Anzeigei Cchiebkarren v Kastenwagen sind bei den Gartenoder Feldarbeit nicht zu entbehren Auch Ihnen ist diese Anschaffung möglich, denn billig ist damit Borrmann 5 Gießen - Neustadt 5 - Ruf 4165 _____________________________________5101A [Vermietungen | Schönes Zimmer mit Küche zu vermiet. 03732 Lahnstraße 3 vt. verzehren die besten Kräfte Drum vernichte die Parasiten ^SPÜLMAKO | Mietgesuche | 2-Zimmer- Wohnung mit Küche in Gießen ober nächster Umgeb, per sofort ober 1. Septbr. 1936 zu miet, gesucht. Schr. Ang. unter 5100Da.b.G.A. Gesucht auf 1. 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Gießen, im August 1936. 03733 Mündlich können Sie es nur wenigen sagen, schriftlich mehreren, durch । eine Kleinanzeige i sagen Sie e§ allen Gewinnauszug 5. Klasse 47. Preußisch-Süddeutsche (273. Preuß.) Klassen-Lotterie Ohne Gewähr Nachdruck verboten Aus jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 7. Ziehungstag 15. August 1936 3n der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 150 RM gezogen 237502 250524 275098 78351 172746 195065 4053 103584 104 Gewinne zu 500 RM. ?1093 81468 84508 84662° 88302 91198 195783 371368 5183 6312 7928 46589 149339 268640 344195 230457 272578 344984 13860 125763 243056 330295 20997 28084 46049 60637 82417 88031 22870 34834 53186 76506 83626 106946 200386 240013 285919 345868 I 8491 21764 30661 48112 61385 83185 89009 114462 130942 137270 150306 165407 175276 181948 199790 208413 229310 233951 252066 265489 278321 292052 298635 314031 329642 337711 345396 362914 371106 384723 394338 225759 269550 322108 361452 116395 134340 140828 153306 167391 178879 189242 201748 211971 230168 241744 256138 270593 281709 293264 303763 314988 330211 341266 351667 366718 372181 391602 395528 185092 221237 250274 302929 351827 391997 108169 193002 225310 250777 315136 357035 18638 27025 38188 57268 80572 84153 179236 210068 240770 293111 351003 376543 19493 27757 42940 59404 81907 84179 107363 122730 135761 143652 156542 167802 179141 190446 202390 214396 230387 246001 256445 271089 283696 293736 304331 321437 332755 341942 354719 368101 375773 393207 395988 108569 126452 136606 147053 157466 172815 179696 193913 202567 223137 231476 249679 258935 274634 287099 296542 304651 322557 335981 342489 361348 368184 375776 393244 109470 130586 137029 149118 164444 173214 181580 196765 203272 227621 233663 251805 262743 276409 । 290145 298252 310859 328687 337433 । 342565 361572 370075 383465 • 394066 18312 23694 36803 54304 80004 83844 281115 152429 372775 30746 49054 62835 83587 94237 114752 134239 139328 152797 167310 178797 183496 200211 211340 230008 238983 256006 269017 278485 293129 299157 314504 329657 339931 346401 365800 371624 385404 395167 91 non omm aoS2$kÄait- 13134 13683 15728 ?inq§ oi7^? 33533 40273 41991 46764 56921 2 Gewinne zu 10000 RM. 4 Gewinne zu 5000 RM. 10 Gewinne zu 3000 RM. 283204 311055 12 Gewinne zu 2000 RM. 213914 259966 328760 129314 150193 155303 innnon !97905 -----° ___ ,vvu 376302 386 Gewinne zu 300 RM 10859 14767 ----- ~ 22615 ----- 44 Gewinne zu 1000 RM 69629 74767 101024 182371 195632 200708 239688 290066 291720 302380 317816 oy<2do nur^Mff gibt Henko 5 Eimer Einweichlauge von stärkster schmutzlöftnüer Wirkung! In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 150 RM gezogen 4 Gewinne zu 5000 RM. 30674 107954 6 Gewinne zu 3000 RM. 70940 287853 357724 20 Gewinne zu 2000 RM. 57182 74656 163233 230781 235656 253853 314805 378445 383380 383979 48 Gewinne zu 1000 RM. 45796 47006 47376 62244 64986 84060 103959 118618 139794 1408571 161796 162116 196079 200503 247370 29034» I 292569 316115 322598 325956 331711 338887 365381 399523 88 Gewinne zu 500 RM. 723 10072 12697 17980 32361 39000 48978 84235 91648 103660 135416 138977 141279 160120 164669 168519 1713261 183989 190174 198890 199762 206961 2076681 220143 222991 230993 246525 248250 254232 254787 262377 267671 269716 281441 281559 286906 311560 321635 342406 343418 365062 365236 379796 382694 302 Gewinne zu 300 RM. 330 821 9026 9156 18566 20087 20913 22487 25220 29735 29998 31814 33870 36378 41102 43381 45773 50191 52776 53439 53836 57793 57840 60170 65656 69139 74047 76610 77616 78085 79182 83999 88233 92162 94460 95158 99904 101146 103321 10335» 107079 109244 114216 115441 115830 116501 119080 127409 128226 128384 129512 132012 133802 136088 138750 139537 140384 141052 144153 145930 147469 149422 160806 163186 164206 167158 173189 190984 191347 194451 200670 204097 204174 206474 207643 208156 211671 212291 214888 221766 222809 223099 223994 226870 227531 230699 231669 233685 235467 235824 237933 238261 240139 241230 241923 243093 245561 250527 250748 254619 255970 256180 262690 266400 266824 268881 271280 271414 274483 276838 276899 278700 280149 281631 290976 294653 294894 297920 300267 300560 301192 307244 307718 312441 314793 322122 327213 329583 331597 332232 333091 333278 347217 348788 353462 356639 357708 359967 360347 364052 365836 366619 377912 387530 387818 392747 394668 396510 397420 398995 399681 Im Gewinnrade verblieben: 2 Gewinne zu je 1000000, 2 zu je 300000, 2 zu je 100000, 2 zu je 75000, 4 zu je 50000, 6 zu je 30000, 10 zu je 20000, 80 zu je 10000, 140 zu je ÖOOO, 270 zu je 8000, 746 zu je 2000, 2238 zu je 1000, 3758 zu je 500, 15104 zu je 300 RM. Kr. 191 Zweiter Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)Alontag, zr.August (956 Zwar die „Brandburgischen Konzerte" des nachmaligen Thomaskantors noch aus seiner Cöthener Zeit haben nichts mit Friedrich dem Großen zu tun, sondern sind dessen Großoheim, dem Markgrafen von Schwedt, jüngstem Sohn des Großen Kurfürsten, gewidmet. Wohl aber hat Johann Sebastian 1747 Berlin und Potsdam ausgesucht, wo sein zweitältester Sohn, der Sonatenkomponist und berühmte Klavierlehrer Carl Philipp Emanuel Bach, als des Königs Kammercembalist wirkte. Von seinem Aeltesten Friedemann Bach begleitet, kam der nlte Tonmeister in Potsdam an. Dem König wurde während des allabendlichen Flötenkonzerts der Tor- zettel mit dem Verzeichnis der eingetroffenen Fremden überbracht, er brach ab und sagte bewegt: „Meine Herren, der alte Bach ist angekommen" — und der Meister mußte im Reisekleid vor ihm erscheinen, um des Königs Silbermannklaviere zu probieren. Der König spielte ihm ein eigenes Thema vor, über das Bach erstaunlich aus dem Stegreif fantasierte; dann improvisierte er über ein eignes Thema eine sechsstimmige Fuge, die das Staunen des Königs erregte. Es ist eine der Sternstunden der Menschheit gewesen, als der größte Künstler und der größte Fürst des Jahrhunderts sich in die Augen blickten und sich erkannten. Buch hat später, in die stille Leipziger Kantorenklause heimgekehrt, an einem Tonwerk erkennen lassen, wie er diese Begegnung selbst gewertet hat, dem „Musikalischen Opfer" aus Kanons, Fugen und einer Triosonate mit Flöte, alle über das „königliche Thema", geschrieben und mit lateinischen Wahrsprüchen auf den König segenwünschend begleitet. Es spricht aus diesem Werke, das von höchster musikalischer Altersweisheit getragen wird, das Glück, von einem Gleichgroßen anerkannt worden zu sein. Und er muß gerade dies dem Meister, der sonst nicht mehr viel nach Anerkennung durch Menschen fragte, wie ein Gottesgeschenk gekommen sein, denn er erfuhr damit, was jeder Große im Geistesreich immer wieder erfährt: daß er den nur Mittelwertigen der diesseitigen Welt mehr Haß und Störung als Erbauung schafft. Wenn es einer Probe darauf bedurft hätte, daß König Friedrich nicht nur ein trefflicher Musiker, sondern ganz allgemein über seine begnadete Fürsten- und Feldherrnnatur hinaus ein „großer Mensch als solcher" gewesen ist, so wird sie dadurch glänzend bestätigt, daß er begriffen hat, wer der alte Kantor gewesen ist, der die tönende Sprache der Sphären wie kein zweiter je gehört hat. Und noch eines ist schön: aus jenem Thema regium des Musikalischen Opfers hat Bach schließlich durch Vereinfachung jenes Thema gewonnen, das zu feinem obersten Mysterium geworden ist: zur „Kunst der Fuge". Am Freitag beginnen wir in den Familienblättern mit dem Abdruck eines neuen Aomans. Aon dem flämischen Dichter F e l i x T i m m e r m a n S, der in diesem Sommer 50 Fahre alt wurde und der nicht erst seit seinem Besuch in Gießen gute Freunde und Verehrer bei uns hat, bringen wir die wohl am wenigsten bekannt gewordene, aber vielleicht dichterischste unter allen seinen Erzählungen, „Die Delphine": eine Geschichte „aus der guten, alten Zeit", deren Handlung heiter und schmerzlich, zart und leidenschaftlich zugleich, ein Helgen anmutiger, kurioser und liebenswerter Gestalten durchzieht. Friedrich der Große. Don £>r. Paul Schmitthenner, Professor an der Univers. ßcibelberg, Äadischem Staatsminister. 21m 17. August kehrt zum 150. Male der Tag wieder, an dem im Jahre 1786 Friedrich der Große im 72. Jahre seines Lebens zu Potsdam einsam in den Armen seines Kammerhusaren verschied. Mit ihm ging der größte preußische König dahin und einer der größten Deutschen zugleich. Sein Lebens- werk war zwar rein preußisch gedacht und gewollt. Er war der Erfuller einer jahrhundertealten preußischen Ueberlieferung. Er war der begnadete Mensch, in dem die edelsten Leistungskräfte des Hohenzollernschen Hauses und des preußischen Vol- kes sich zu höchster Fülle verdichteten. Er war der von der Vorsehung ausersehene Held, der das preußische Lebenswerk seines Ahnen, des Großen Kurfürsten, und seines Vaters Friedrich Wilhelms!, krönte. Und dennoch trug sein Leben das deutsche Schicksal in der Seele. Als der preußische Prinz, der einst der größte Kö- nig werden sollte, in seiner Jugend fast noch ein halbes Kind aus dem ihm hart dünkenden Joch des preußischen Staates ausbrechen und in die in» dioidualistische Bahn einmünden wollte, da erwog im Zorne der Vater, der Fels, auf dem später der größere Sohn weiterbaute, den Gedanken, den ungehorsamen Knaben aus dem Leben au löschen und er sprach das Wort: Es wäre besser, daß einer stürbe, als daß die Gerechtigkeit aus der Welt käme. Und als sich das königliche Leben eben dieses Prinzen erfüllte, sprach er selbst etwa das andere Wort: Es sei nicht nötig, daß man lebe, wohl aber, daß man seine Pflichten tue. In der Spanne dieser Worte ruht das gewaltige Dasein des Königs mit all seinen Stürmen, Verzichten, Erfolgen, Einsamkeiten, bewußten preußischen und unbewußten deutschen Leistungen. Friedrich war den zeitlichen Verhältnissen gemäß ein absoluter König. Aber er war mehr. Er war die Verkörperung eines ewigen menschlichen Wortes: Er war Führer in des Wortes bestem und wahrstem Sinn. Die ganze Staatsgewalt fand in feiner Person nicht nur die formale, sondern auch die wirkliche Einheit. Er verfügte über alle Kräfte des Staates. Diese waren einheitlicher, leistungsfähiger und organischer als irgendwo sonst in Europa zu bestmöglicher Gesamtleistung in sich verbunden. Der totale Staat in den Grenzen, mit welchen er im 18. Jahrhundert entstehen konnte, war in Preußen herangereift, und e i n Mann war sein allmächtiger Führer. Mit harter Folgerichtigkeit war dieser Staat in langer Friedensarbeit auf feine höchste Kriegsleistung hin organisiert, nicht weil er im Geist der ludovicianischen Kriegsverrohung den friedlichen Gedanken aus der Politik verbannte und diese militarisierte, sondern weil er ohne genügende Wehr am Leben gefährdet war und oh^ie räumliche Ausdehnung verkümmern mußte. Preußens Politik war im übrigen dem Friedensgedanken geweiht. Fredrich Wilhelm I. führte so gut wie keine eigenen Kriege. Friedrich der Große wahrte in 46 Regierungsjahren 33 Jahre lang den Frieden. Er führte keinen Krieg, der nicht der sittlichen Notwendigkeit seines States entsprochen hätte. Er war seiner Führeraufgabe in meisterhafter Weise gewachsen. Sein Vater und er selbst hatten das Beispiel Gustav Adolfs und des Großen Kurfürsten ausgenommen und sahen im Feldherrn- amt die höchste Weihe und eine sittliche Pflicht ihr-s Königtums. Sie waren nicht nur, wie die meisten anderen Fürsten ihrer Zeit, die Inhaber der Militärhoheit, sondern auch deren fachliche M e i st e r. Was Ludwig XIV. und seine Nachfolger im französischen Hofkönigtum begruben, soldatisches Empfinden und feldherrliches Können, war der Kern ihres Wesens und Vermögens. Sie waren Soldatenkönige, aber Staatsmänner zugleich. Denn das politische' Handwerk war ihnen ebenso geläufig. In gleicher Stärke lebte in Friedrich neben dem Machttrieb des Herrschers die Begeisterungsfähigkeit für die menschlichen Ideale. Sein Leben lang rang er um Aussöhnung der Gegensätze zwischen Moral und Politik. Dieser unablässige innere Kampf schenkte ihm sein Lebensziel: Den über den naiven Machtgenuß hinaus vergeistigten Machtstaat als Rechtsstaat und Kulturstaat zugleich. Der ordnete sein Königtum als dienendes Glied dem Staate ein, dessen Würde die seine wurde. Er verschmolz die gebänbigte kriegerische Leidenschaft mit dem vernunftmäßigen, politischen Instinkt zu einer Einheit, die die Staatsräson über den Ehrgeiz stellte. So wurde Friedrich der Meister seiner Staatsmänner und Generale. Das soldatische und das politische Gefühl, das militärische und das staatsmännische Können verband er zu einem unlösbaren Ganzen, dem sein Genius den Stempel des Einzigartigen verlieh. Der Staat aber wurde unter feinen Händen zur großen soldatischen Kameradschaft. Mit Preußen aufs innigste verwachsen, war Friedrich das Herz seines Staates und mit dessen Lebensinteressen unlösbar verknüpft. Er opferte sich seinem Volke. Was in ihm wirkte, waren preußische Wachstums- kräfte. Darin bestand seine Größe, daß er das Riesenmaß seines Geistes mit den preußischen Notwendigkeiten verschmolz und feine universale Seele ganz und gar den preußischen Ideen dienstbar machte. So schuf er fein großes Werk, den preußi- schen Gemeinschaftsstaat und die preußische Groß- macht in Europa. Beides verteidigte er im Siebenjährigen Kriege. Am gewaltigsten zeigte sich seine Größe nach der fast vernichtenden Niederlage von Kunersdorf. Alles schien verloren zu fein. Doch das „Mirakel des Hauses Brandenburg" rettete den Staat. In Wahrheit bestand dies Wunder in der nach kurzem seelischen Niederbruch neu erstehenden Charakterstärke des Königs und in der mythischen Geltung seines Namens. Nicht der Tod der russischen Kaiserin Elisabeth rettete ihn und feinen Staat, sondern seine Seelengröße, fein Wille und fein Glauben. Diese preußische Leistung war ein deutsche zugleich. Friedrich lebte in einer Epoche des Umbruchs, in jener Zeit, in der die Interessen des habsburgischen Kaiserstaates die Reichsinteressen aufzuzehren begannen, in der das Erste Reich sinnlos und wesenlos zu werden begann. Hatte noch Oesterreich vor anderthalb Menschenaltern durch die Taten des Prinzen Eugen das Reichsgefühl aus der Herzschwäche des Westfälischen Friedens in das 18. Jahrhundert herübergerettet, so wurde nunmehr Preußen das Ackerland, in das sich die Reichsidee als neues Samenkorn der Zukunft versenkte. Gewiß war Friedrich der große Reichszerstörer-, aber der Aufbau seiner starken norddeutscken Militärmacht war für Deutschland unendlich heilsamer als alles, was er als gehorsamer Reichsvasall hätte leisten können. Denn ohne dieses Werk wäre die Neugründung eines modernen deutschen Nationalstaates niemals möglich gewesen. Wohl förderte er den französischen Kultureinfluß; doch nicht als Endziel deutscher nationaler Erziehung, sondern als ein Hilfsmittel zur Weckung und Kräftigung des deutschen Geistes. Er verlieh, ohne es zu wissen und zu wollen, der preußischen Wurzel die Kraft, ins Reich zu wachsen, und er legte das Fundament der deutschen Zukunft. Aus der staatserhaltenden Kraft des in ihm vollendeten preußisch-deutschen Soldatentums ist die Wiedergeburt Preußens nach 1806, die Begründung des Zweiten Reiches nach 1860 und die Schaffung des Dritten Reiches durch den Frontsoldaten Adol Hitler hervorgegangen. Diese deutsche Sendung Friedrichs ist oft verkannt worden. Das Dämonische seines Wesens erzeugte neben der Bewunderung einen inneren Abstand, der zwar unter der heiteren Wirkung der hundertfältigen Anekdoten vom Alten Fritz zu verschwinden schien, aber im geistig-politischen Gefühl der Nation bestehen blieb. Die deutschen Patrioten der Erhebungszeit von 130 Jahren empfanden feine Regierungsmethode als undeutsch. Der Weg, den das 19. Jahrhundert in Richtung auf den Liberalismus einschlug und energisch verfolgte, führte weitab von dem autoritären Staate, den einst Friedrichs starke Hand gelenkt hatte. Auch als Bis- marck in friberizianifchem Geiste das Zweite Reich errichtete und führte, vermochte die Nation kein inneres Verhältnis zu dem großen Preußenkönig zu gewinnen. Ja, die Ausschaltung Oesterreichs chien Friedrich zu dem eigentlich Schuldigen zu tempeln an der neuerlichen Zerreißung des dut- chen Raums. Man sah in manchen Kreisen in ihm den Reichsverderber. Konfessionelle und marxisttsche Interessen wirkten mit, daß seine überzeitliche Sittlichkeit nicht zur politischen Lebenskraft des Reiches wurde. Nur im Heere war fein Geist lebendig. Als das deutsche Volk nach dem Weltkriegszu- ammenbruch in das Elend des Weimarer Zwischen- taates geriet, schien mit der Ausstoßung aller sol- basischen Werte auch der letzte Faden zu reißen, der das Reich mit dem Potsdamer König verbun- den hatte. Als ein tiefer schauender Reichspostminister den Kopf Friedrichs auf eine Briefmarke zu bringen wagte, erhob sich ein gewaltiger Lärm, und im Reichstag und in vielen Landtagen rückte man ab von diesem preußischen „Macchiavelli" und „Despoten". Erst unsere Zeit konnte zu diesem vielleicht Größten unserer geschichtlichen Heroen das rechte Verhältnis gewinnen. Noch in den Wirren der Weimarer Zeit tauchte seine machtvolle Figur auf der Leinwand auf und rief die großen Gedanken vom Glauben, von der Ehre, von der Zucht, von der Aufopferung, von der Pflicht in die entartete Zeit. Das Dritte Reich aber erkannte in ihm den ewigen deutschen Wert. Der wechevolle Akt in Potsdam im März 1933 war die erste Feier des neuen Reichs. Dieses stellte sich damit nicht nur auf den festen Boden der deutschen Ueberlieferung, sondern reichte über ein Jahrhundert hinweg gerade auch dem großen Preußenkönig die Hand, um seinen Geist, seine Kraft, feine Seele als Helfer am Werke zu beschwören. Dieses Bekenntnis des Dritten Reiches zu Friedrich dem Großen galt und gilt nicht irgendwelcher Äußerlichkeit feines Lebens, feines Werkes und feines Staates. Was zeitlich war an ihm und feinem Werk ist dahin und ruht mit ihm in feiner Gruft und in den Tiefen der Geschichte. Was aber ewig an ihm war und ist und ewig deutsch zugleich, es lebt in unserer Zeit: die selbsllose Eingliederung in die Gemeinschaft, der rücksichtslose Einsatz der Person für das Volk, die unbeirrbare Pflichterfüllung, der unerschütterliche Glaube an sich selbst und an die Zukunft, die realpolitische Nüch- ternheit des Denkens, die soldatische Kameradschaft des Lebens, die wehrpolitifche Entschlossenheit zum Frieden und zur Verteidigung der Ehre und die heroische Lebenshaltung, die unser deutscher Lebensraum erfordert. Im Berliner Königsschloß steht die altfränkische Wiege, in der der kleine Prinz die dunkle Frühe seines Daseins verträumte, in der Garnisonkirche in Potsdam steht der einfache Sarg, in dem der | große König nach heroischem Kampf den ewigen Schlummer schläft. Zwischen beiden liegt sein Le- den, liegt Deutschland. Von Rheinsberg bis Sanssouci. Don Dr. Hermann Oreyhaus. Der Weg der großen Opfer schien beendet. Kronprinz Friedrich hatte gesühnt durch die „Galeeren"- Arbeit in Küstrin, durch seine Vermählung mit Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern, durch Eingehen auf die Eigenart des Vaters. Als Ziel stand nun Rheinsberg vor ihm. Seit zwei Jahren wurde der etwas in Verfall geratene Herrensitz wieder hergerichtet und das Schloß in feinem Äußeren dem Geschmack der Zeit angepaßt. Der Bau war zwar noch nicht ganz fertig, aber er reichte aus, um eine behagliche Wohnstätte zu bieten. Deshalb drängte Friedrich, daß im Sommer 1736 die Heber« fieblung erfolgte. Gleich nach der Rückkehr von einer gemeinsamen Reise nach Ostpreußen gestattete der Vater dem Sohne die Durchführung feines Wunsches. So erlebte das stille Rheinsberg im August 1736 den Einzug des Kronprinzenpaares. Ein kleiner Hofstaat nur, und doch welche Lebensfülle! Friedrich brachte Freunde mit. Zunächst den Maler Pesne mit feinem Schüler, dem Architekten Knobelsdorfs. Sie sollten den Mängeln des Schlosses abhelfen. Gestalten wollte Friedrich nach seinem eigenen Ermessen. Schnell einigte er sich mit Pesne über die Ausmalung der Räume. Die Art des Meisters fühlte sich leicht in das beschwingte Temperament des Prinzen ein. Schwieriger stellte sich Knobelsdorfs. Soeben war er von einer Reise aus Italien zurückgekehrt. Das Erlebnis der antiken Kunst glaubte er zur Geltung bringen zu müssen. Friedrich gab schließlich im wesentlichen nach. Er gestattete, daß der klassizistische Charakter des Schlosses durch einen Derbindungsgang zwischen den beiden Seitenflügeln nach antikem Dorbilde betont wurde. Nur die abschließenden Rundtürme blieben, wenn sie auch nicht den Kunstregeln entsprachen. In den einen von ihnen legte Friedrich seine Arbeitszimmer, das ihm einen herrlichen Blick auf Wald und See gewährte. Ein Saal sollte der Musik dienen. Als er noch mit Knobelsdorff um den Ausbau des Schlosses rechtete, erschienen die Brüder Graun und der Geiger Benda. Für das Eröffnungsfest erwartete man den Meister Quantz aus Dresden, Friedrichs alten Lehrer. Es wogte von festlich gestimmten Menschen in Park und ^Eir? warmer Augustabend. Nach dem Festmahl sammelte sich eine kleine Flottille von Gondeln an der Anlegestelle des Schlosses. Venetianische Nacht. Die Damen und Herren fuhren auf den lichtergeschmückten Fahrzeugen auf den See. Friedrich fuhr mit feiner jungen Gemahlin. Zum erstenmal seit ihrer dreijährigen Ehe fühlten sie sich auf sich selbst abgestimmt. Ein unnennbares Glucks- aefühl durchströmte Elisabeth Christine. Die Stunde schien gekommen, auf die sie so lange gehofft. Wirklich fand sich Friedrich zu ihr, wenigstens seine Blicke suchten sie zu begreifen. Wie das beglückte. Wenn diese Minuten doch ewig währten ... in Rheinsberg war eine Stätte des Glücks, hier muhten sie einander gehören, im Schoße einer starken Freundschaft-- Nach Beendigung des Festes saß Friedrich noch lange in seinem Turmzimmer. Der Sinn der erträumten Freiheit sollte ihm klar werden. Als der Morgen graute, schrieb er in sein Tagebuch: „Ich werde meinem Vater ähnlicher werden, als die meisten glauben. Die Stimme der Natur waltet allzu stark in mir." Tatsächlich hatte sich Friedrich ein Schlößchen erbaut, an dessen Fassade das für Rheinsberg geprägte Wort „Sanssouci" stand. Draußen vor Potsdam schaute es auf die Havelseen. Heber ernste Terrassen stieg man aus dem Vorland empor. Gelegenheit zu Serenaden, wie sie die Rheinsberger Zeit verschönten, war hier nicht mehr. Der Fluß blieb zu fern, aber kühnes, zeitliches Heberholen schlug. Wer wie er sich in Tönen auszusprechen wußte, wo er als Fürst sich sonst zu verschließen gewohnt war, dem glaubt man die Stelle in einem seiner Briefe, „die Musik kommt in ihren Wirkungen der gewaltigsten und leidenschaftlichsten Beredtsamkeit gleich, gewisse Akkorde rühren und erregen die Seele in wunderbarer Weise. Sie spricht zum Gemüt, und wer da- von Gebrauch zu machen versteht, der vermag seine Gefühle den Hörern mitzuteilen." Nun, er hat das vermocht und verstanden? Das zeigen nicht zuletzt auch seine sechs Armeemär s ch e, die sich teils in Originalskizzen erhalten, teils durch innere Verwandtschaft mit diesen und durch sonsttge sichere Beglaubigung als von seiner Hand rührend im Gebrauch der preußischen Armee bis in unsere Reichswehrmusik hinein fortgeerbt haben: der Hlanenmarsch, der vom König an den Konzertmeister Benda zwecks Ausschreibung gesandte Parademarsch, der Marsch 1756, der „Marsch in G-dur" vom gleichen Jahr, jener aus dem Lager von Mottwitz 1*741 und vor allem der in seiner Urgeftalt doch wohl auf niemand als den König zurückgehende „Hohenfriedberger", der zu den schönsten Militärmärschen überhaupt gehört. Allerdings muß man die friederizianischen Märsche auch im richtigen Zeitmaß spielen, nicht im heutigen Geschwindtempo von 114 Schritt, sondern in dem pomphaft breiten von nur 72 in der Minute. Hute wird er auch wieder auf den hübschen Text „Auf Ansbachdragoner, auf Ansbach-Bayreuth" gesungen. Doch des Königs tonkünstlerische Auswirkungen beschränken sich nicht auf die Flöte und das eigene Schaffen, sondern trafen auch organisatorische Dinge, die Berlin nach langen Jahren des Ausgeschiedenseins unter dem sparsamen Vater des Königs wieder zu einer Kunststadt von hohem Rang haben werden lassen. Schon in der lieblichen Einsamkeit der Rheinsberger Jahre hatte der Kronprinz sich eine vorzügliche Kapelle geschaffen, m der etwa der von Friedrichs Braunschweiger Hochzeitsoper her in seine Dienste getretene Kapellmeister Karl Heinrich Graun eigne italienische Kammerkantaten fang, fein Bruder als Schüler lartinis geigte unb ebenfo dessen Zögling Franz Benda .toftfmre Biolinabagios strich. Aus biefer kranprmzl.ch-n Hausmusik entwickelte sich bte Berliner kgl Kapell bie ja beute noch in unserer Staatsoper fpieft J“ einem Klangkörper pon 56 Künstlern mit benen 1743 der Knobelsdorffbau Unter den Linden eröffnet wurde. Sanger wie <5 alimb ent und nachmals die Sopranistin Elisabeth Schmehling Mara, die Tänzerin 21 ft r u a und der Ballett- dichter Noverre glänzten hier, ebenso drei Ka- pellmeister wie nacheinander der genannte Graun Musik um den alten Fritz. Don Professor Dr. Hans Joachim Moser. Daß gekrönte Häupter gedichtet und komponiert haben, ist seit den Minnesängern König Konrad dem Jungen und König Wenzel von Beheim, seit dem spanischen König Alfons dem Weisen und dem portugiesischen Johann IV. mit seinen Palestrma- motetten nichts Seltenes. Hat man doch sogar mehrere Bände „Kaiserwerke" der barocken Habsburger Leopolds I., Josephs I. und Karls VI. fyerausge« geben. Trotzdem hat kein großer Fürst so stark als ausübender Musiker sich hervorgetan, der Musik soviel Einfluß auf sein Innenleben gegönnt und zugleich so bedeutsame Wirkungen auf das Musik« leben seiner Zeit und seines Landes ausgeubt wie Friedrich d e r Große. Das sei nicht nur zum Lobe des Preußen-Königs, sondern auch zu dem der Tonkunst ausgesprochen; denn wenn gelegent- lich immer noch behauptet werden sollte, daß d e Musik den Menschen weichlich mache so bürgt ja wohl die Gestalt des heroischsten Hodenzollern dafür, daß dem nicht so sein kann — und der zweit- größte Musikus des gleichen Fürstenhauses, P Z Louis Ferdinand, hat ja auch nicht über dem Phantasieren und Komponieren am Klavier die Fähigkeit eingebüßt, als Held vor dem Feinde den edlen Reitertod zu sterben. Ganz Deutschland hat dem königlichen Schuler des Johann Joachim Quantz, der es vom f- kontrabaßgesellen aus der Lüneburger He z gefeierten Dresdener und bann Berliner Kammer- virtuosen gebracht hatte, die Flute trax' $' geblasen, wie es heute noch jedes Schulkind an Adolf Menzels Konzertbild aus Sanssouci kennt und weiß — freilich können sie nicht wissen, daß bie bort im Kerzenlicht begl-itenben Musiker Phistpp Emanuel Bach, Grau n unb B e n b a fmb. Äie uns kritische Zeitgenossen berichtet haben war des Königs Flötenspiel keineswegs SS"* S.WEV" K- fi* aur U&erraWung der Hörer daß 'N manchem Adagio Friedrichs sich em porter, f^merrnutigcr sehnsüchtiger Geist ausschwarmt, der nichts mit bloßer empfindsamer Zeitmode zu tun hat, sondern ganz ei7mattg-persönttch anmutet unb jedenfalls nicht mit dem Bilde jenes Satamsten zu ne nnen ist, als den moderne Geistreichelei hat zeichnen wollen, der bie Große Cvalitton durch (dessen Passionskantate „Der Tod Jesu" noch ein Lieblingsstück Kaiser Wilhelms I. gewesen ist), der Bachschuler Johann Friedrich A g r i c o 1 a und zuletzt Joh. Friedrich Reichardt, der erste große Goetheverioner. Für diese Oper hat der König auch selbst Texte gedichtet, so einen neuerdings wieder als Partitur gedruckten „Montezuma", den Graun vertont hat — ein Werk, das nicht nur durch den Mut zur Tragik, sondern auch durch Kürzung der weitläufigen Arienwiederholungen bedeutsam neuartig auf die kommende musikdramatische Reform Glucks vorbereitet. Im übrigen soll dieser Teil der friederizianischen Musikpolitik nicht ganz vorbehaltlos gerühmt werden. Zwar war es löblich, daß der König seine Opernpartituren nicht gleich andern dutschen Potentaten im Ausland, sondern von deutschen Komponisten Herstellen ließ, was nicht nur aus Patriotis- mus, sondern auch aus Sparsamkeit geschehen zu sein scheint. Im Grunde jedoch mußten sie auf des Königs Befehl, vor allem Haffe und Graun, nach den damaligen neapolitanischen Schablonen arbeiten. Daß Friedrich gelegentlich auch seine geliebte Opernwelt unter vaterländischen Gesichtspunkten gesehen haben wird, scheint daraus hervorzuaehen, daß er sich wenige Tage nach dem Kesselsdorfer Siege von den bestürzten Dresdener Dperiften den Armino" des von ihm bewunderten wetttnischen Hofkapellmeisters Johann Adolf 5 affe aus Bergedorf vorspielen ließ — er hat sich wohl selbst damals als einen zweiten Befreier Germaniens empfunden. Aber fein zähes Festhalten an dem einmal erwählten Opernideal noch in Jahrzehnten, al« die lebendige Kunstentwicklung längst in der Mozartzeit stand, hat die Berliner Hofoper dann wachsend rückständig werden lassen; der König hat sogar einmal den Kapellmeister Reichardt, als dieser gewagt hatte, eine alte Oper mit neuen Arien zu modernisieren, vor dcm ganzen Hoforchester arg heruntergekanzelt. Seine mufbegeifterte Schwester Prinzeß Amalie ist übrigens in ihren Kunst- urteilen nicht viel gelinder gewesen, da sie in einem noch erhaltenen Brief an ihren Hausmusikus Kirnberger über die Kunst Glucks geradezu vernichtende Meinungen von sich gegeben hat. Doch man darf über des Königs Standpunkt nicht aus der Perspektive eines Stilwandels urteilen, bre wesentlich bei einer späteren Generation gelegen hat. Der König hat eben in einer Altersgruppe gestanden, die jünger als die großen Barock- meister Bach und Händel, aber ebensoviel älter auch als die Haydns und Mozarts gewesen ist. Da wirkt es umso rühmlicher, wie Friedrich doch aus dem Instinkt des Genies für das Genie die Bedeutung Johann Sebastian Dachs erkannt hat. Baugenossenschaft 1894 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. ZIL Jrantfurt a.M. Berlin 120 120,13 Vanknoten. Berlin, 15-Auaust 0 8 98,25 102,65 112,75 100,25 98,75 Durchschnitt wie folgt: 36 Mark. Dreizimmer- Vierzimmerwohnungen 98,25 102,2 112,65 100,25 6 6 6 8 7 64,51 81,20 31,65 64,25 80,88 31,53 A.E.G. Bekula wohnlichen Zustand und gehalten. Die Miete stellt sich im Zweizimmerwohnungen 101,25 97,5 95 109,6 29,75 3,15 9,25 8,6 9 14,4 101,25 97,5 95 109,6 29,75 3,05 9,15 8,7 9 14,3 Kraft angespannt wird, dann leistet die Baugenossenschaft auch hier einen sehr wesentlichen Beitrag ür Deutschland und durch die Sehhaftmachung deutscher Familien auch für die Sicherung der Zukunft des deutschen Volkes. Nach der Verlesung der Niederschrift über die Versammlung schloß nunmehr der Versamm ungs- leiter den Abend mit dem Gruß und Treugelodms an den Führer. 4% Oesterreichische Goldrente... 4,20% Oesterreichische Silberrente 4% Ungarische Goldrente....... 4% Ungarisck)e Staatsrente v. 1910 4'/i% desgl. von 1913.......... b% abgest. Goldmextkaner von 99 4% Türkische Bagdadbahn-Anlethe Serie .................... 112,75 100,2 98,75 97 100,9 93,75 125 119,9 97 101,05 101,25 97,5 95 109,6 29,4 3,25 9,2 8,6 8,9 14,2 gegen ihn hin wuchs mehr und mehr ein Park heran, i in dem sich spazierengehen ließ. überdies, Serenaden dürften an dem Hofe des - neuen Sanssouci wohl schwerlich zustande kommen. Sanssouci war fast frei von Frauen. Die schlesischen Kriege hatten den König seiner Gemahlin entfremdet. Seinen Hofstaat bildeten Gelehrte, auch Offiziere mit gelehrten Neigungen. Sanssouci war zustande gekommen wie Rheinsberg: Friedberg gab die Anregungen, Knobelsdorfs und Pesne verliehen ihnen Wirklichkeit. Ein Stück Rheinsberg wurde unmittelbar nach Sanssouci übernommen: das runde Bibliothekzimmer entsprach dem Rheinsberger Turmgemach, die Bücher selbst waren hinübergeholt worden. Noch mehr. Die Worte Friedrichs nach dem Eröffnungsfest in Rheinsberg hatten sich immer mehr verfestigt. Er verließ die Stätte seines ersten und einzigen Glücks mit den Worten: „Große Herrscher haben noch stets ihr eigenes Ich hinter den Gedanken an das Staatswohl zurücktreten lassen!" Er bewährte sie in zwei Kriegen, die eine staunende Mitwelt veranlaßte, ihm die Auszeichnung „der Große" zu verleihen. Friedrichs Umgebung bildeten Gelehrte von Weltruf, vorwiegend Franzosen wie Voltaire, Mauper- tuis, d'Argens. Seinem Herzen am nächsten jedoch standen zwei schottische Edelleute, die Brüder James und George Keith, die als Anhänger der Stuarts landslüchtig waren. James nahm dauernd in Potsdam Aufenthalt, George trat als Diplomat in Fried- richs Dienst. Als George den Wunsch äußerte, von dem Posten eines preußischen Gesandten in Paris enthoben zu werden, entgegnete Friedrich mit tiefem Ernst: „Sie wollen es also jetzt schon besser haben als ich?" „Ich verstehe nicht, Sire!" „Glauben Sie, daß ich einmal meines Alters wegen die Regierung niederlegen darf?" Erstaunt blickte Keith den erst zweiundvierzig- jährigen Monarchen an: „Sire, ich habe die Sechzig überschritten." „Da kann man noch recht viel leisten. Aber Sie beantworten meine Frage nicht. Doch lassen Sie mich Ihnen sagen: ich finde alle die glücklich, die in einem gewissen Alter sich von den Geschäften zurückziehen dürfen. Dieses Glück erscheint mir um so teurer, da ich es wohl niemals genießen, werde. Immer neue Pläne, Sorgen und Schwierigkeiten, das ist alles, was die Größe uns einträgt. Ein großer Teil unserer Arbeit wird damit verbraucht, Leute glücklich machen zu wollen, die es gar nicht sein mögen, und Einfluß auf eine gewisse Zukunft zu gewinnen, die unsere Pläne über den Haufen wirst." Andächtig lauschte Keith den Worten des Königs. Ein Lächeln ging über seine abgeklärten Züge: „Wenn der Philosoph von Sans—souci" — er sprach mit Betonung die Wörter getrennt, um ihren Sinn besser hervorzuheben — „wenn der Philosoph von Sanssouci so reich mit Sorgen beladen ist, dann muß ich unter ihm aushalten, bis er mich selbst abruft. Ich bitte Ew. Majestät wegen des geäußerten Wunsches um Verzeihung." Friedrich reichte Keith die Hand: „Durch die beiden Keiths gewinnt man den Glauben an die Menschheit zurück!" „Nur, Sire, nachdem Sie ihn uns Landfluchtigen zuvor gegeben. Wir haben noch nicht vergessen, was Sie bei unserer Ankunft einmal sagten und später in einem Briefe versicherten: „Nur wer im Innern kämpft und ringt, Nur wer im Leben sich gewann Gewissensfrieden, Nur dem ist Glück und Lohn beschieden. Auf den Tag waren fünfzig Jahre verflossen, daß Friedrich in Rheinsberg begonnen, sein Leben zu gestalten. Ein halbes Jahrhundert schier unfaßbaren Reichtums war über ihn gekommen. Trotzdem zeigte sich am vernehmlichsten die große Einsamkeit, die keinen Führer verschonte. „Ich arbeite, ich gehe spazieren und sehe keinen Menschen. Aber ich unterhalte mich mit den Toten, indem ich ihre guten Werke lese", gestand sich Friedrich siebzigjährig. Ein neues Zeitalter brach dem deutschen Volke an! Die Dichter verkündeten es, er wußte nicht davon. Die Welt der Aufklärung hielt ihn der Aufklärung verlangte. Er weiß sich keinen an- dern Ausweg, als schließlich in seinem letzten Ge- dicht gegenüber der aufklärerischen Lebensweisheit zu erklären: „... anzunehmen, daß die blinde Kraft, Der Stoss, der Ursprung aller Dinge sei, Ist widersinnig, eitle Deutelei. Sinnlos ist eins, das andere unerklärlich: Zwei Klippen starren, beide gleich gefährlich. Da gilt die Wahl: Sinnloses gibt es schwerlich: Drum wend' ich lieber mich zum Dunkeln hm Und überlasse euch den Widersinn." Daß ihm das Dunkle nicht Entsagung und Pessimismus bedeutete, beweist seine Tatkraft bis zur letzten Stunde. Nach am 15. August 1786 gab er alle Anordnungen für das am nächsten Tage m Potsdam beginnende Manöver. Am 16. August befahl er abends elf Uhr, ihn am andern Morgen um vier Uhr zu wecken. Sein Wille glaubte, den kranken und gebrechlichen Körper zwingen zu können. Da kam in der Frühe des 17. August ein sanfter Tod und ließ den Nimmermüden in den Armen eines Kammerhusaren ftiedlich entschlummern. Sechszimmerwohnungen 110 TNark; in diesen Preisen sind die Abgaben der Müllabfuhr, Strahenreinigung und Wassergeld bis zu 20 Kubikmeter eingeschlossen. Die Wohnungen der Genossenschaft werden nur an Genossenschaftsmitglieder vermietet, in der Bevölkerung vorhandene Meinungen, daß auch Nichtmitglieder Wohnungen der Baugenossenschaft haben könnten, sind irrig. Aus der M i t g l i e d e r b e w e g u n g ist folgendes zu berichten: am Anfang des Geschäftsjahres 1935 zählte die Genossenschaft 726 Mitglieder, im umfangen. Doch befriedigte sie ihn nicht mehr. Als Grundlage seiner Regierungskunst ließ er sie wohl gelten. Auf diesem Gebiete glaubte er, der von ihr geforderten Sittlichkeit Genüge getan zu haben, wie er in seinem letzten Testament bekennt: „Unser Leben führt mit raschen Schritten von der Geburt bis zum Tode. In dieser kurzen Zeitspanne ist die Bestimmung des Menschen, für das Wohl der Gemeinschaft zu arbeiten, deren Mitglied er ist. Seit dem Tage, da mir die Leitung der Geschäfte zufiel. war es mein ernstes Bemühen, mit allen meinen Kräften und nach Maßgabe meiner schwachen Einsicht den Staat glücklich und blühend zu machen." Darüber hinaus aber stieß er auf immer mehr Hindernisse bei der vernunftmäßigen Erfassung der Dinge und Handlungen, wie das die Philosophie 112,75 100,2 98,75 97 100,9 93,75 125 120 97 101,2 101,4 97,5 95 109,6 29,4 3,25 9,1 8,6 8,9 14,4 Elektr. Liefsrungsgeselllchaft ... 6 Licht und Kraft .............7 Felten & Guilleaume 4 Gesellsch.f.Elektr.Unternehmung. 6 Preußen. Landkreis Gießen. Q Aus dem Kreise Wetzlar, 15. Aug. Der Landrat hat die diesjährigen Sommer- ferien für die ländlichen Mädchen- und Knabenfortbildungsschulen des Kreises wegen des. bisherigen schlechten E r n t e w e t t e r s bis auf weiteres verlängert. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) G. 100. Der Bürge kann die Einrede der Verjährung nur insoweit geltend machen, als dieselbe auch dem Hauptschuldner zusteht. Die Pfändungsgrenze für Arbeits- und Dienstlohn liegt zur Zeit bei monatlicher Auszahlung bei 150,— RM., bei wöchentlicher Auszahlung bei 35,— RM., bei täglicher Auszahlung bei 5,80 RM. Soweit diese Beträge überstiegen werden, ist ein Drittel des Mehrbetrags ebenfalls pfändungsfrei. Unter der Leitung des Aufsichtsrats-Vorsitzenden, Verwaltungsamtmann Martin, hielt die Baugenossenschaft 1894 am Samstagabend im Saale der „Stadt Wetzlar" chre Jahreshauptversammlung ab. Der Versammlungsleiter begrüßte zunächst den Vertreter der Deutschen Arbeitsfront und die Vertreter der Presse, wobei er in kurzen Worten auf die Bedeutung des genossenschaftlichen Gedankens hinwies und den Wunsch aussprach, daß in gemeinsamer Arbeit zwischen Baugenossenschaft und Presse der G e n o ss e nscha fts g ed an k e immer mehr in die Bevölkerung hinein- getragen werden möchte zum Wohle des deutschen Volkes. Sodann machte er die Mitteilung, daß das ehrenamtliche Vorstandsmitglied Architekt Hamann nach über vier Jahrzehnte langer wertvoller Mitarbeit zum Wohle der Baugenossenschaft sein Vorstandsamt niedergelegt habe. Namens der Baugenossenschaft sprach Herr Martin dem zurückgetretenen Herrn Hamann herzlichsten Dank für seine wertvolle Mitarbeit aus. Nunmehr erstattete der Vorsitzende des Vorstandes, H. Schneider, den Geschäftsbericht für 1935. Darin wird nach Hinweis auf die segensreichen Auswirkungen des nationalsozialistischen Aufbauprogramms auf die Tätigkeit der Baugenossenschaften im allgemeinen hinsichtlich der Baugenossenschaft 1894 u. a. folgendes hervorgehoben: Line Statistik noch der sozialen Gliederung der Genossenschaft weist aus, daß in den Genossenschaftshäusern die Familien von 128 Beamten 59 Angestellten, 49 Arbeitern, 23 Witwen und 11 Gewerbetreibenden wohnen. Weiter wird mit ^Befriedigung erwähnt, daß zwischen den Mitgliedern und der Verwaltung der Baugenossenschaft im allgemeinen ein gutes volksgemeinschaftliches und genossenschaftliches Verhältnis besteht. Hinsichtlich des Bau Programms für dieses Jahr wird mitgeteilt, daß die Baugenossenschaft 1894 an der im Eichgärtenviertel gelegenen Jahnstraße auf einem rund 6000 Quadratmeter umfassenden Gelände zehn Einfamilienhäuser, bestehend aus 3 bis 5 Zimmern, Küche, Bad und Bodenkammer mit dazugehörigem Garten von durchschnittlich je 350 Quadratmeter Größe errichten läßt. Nach den Anordnungen des Stadtbauamtes sind diese Wohnhausbauten als l'/egefchoffige Giebelhäuser zu errichten, deren Gesamtheit den Ausbau einer vollständigen Straßenseite darstellt. Der gesamte Besitzstand der Genossenschaft an Häusern b;w. Wohnungen belief sich nach dem Stand vom 31. Dezember 1935 auf 131 Ein- und Mehrfamilienhäuser mit zusammen 270 Zwei- bis Sechszimmerwohnungen in einem buchmäßigen Werte von 2 207 144,22 Mark und einer hypothekarischen Belastung von 1 914 599,44 Mark. 101,4 I 101,4 98,25 I 98,13 102,25 | 102,25 BuderuS < Deutsche Erdöl .......... * Harpener................. Hoefch Eisen—SSln-Neuessea .. 8 Ilse Bergbau ...............6 Ilse Bergbau Genüsse 6 Klöcknerwerke ...............8 Mannesman n-Rbhren 3 üueno-3 äitt Brüssel .... Rio de Jan. Sofia..... Kopenhagen Danzig.... London.... Helstngfors. Paris ..... Holland ... Italien.... Japan ..... Jugoslawien Oslo..... Wien...... Lissabon... Stockholm.. Schweiz ... Spanien... Prag...... Budapest .. Reuyort ... Kurszettel der Berliner und Frankfurier Börse. angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v.H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Rheinische Elektrizität Rhein. Wests. Elektr. Schuckert L Co...... Siemens L Halske.,. Lahmeyer & Co..... Bon diesen Häusern entfallen auf die Vorkriegszeit neun, auf die Zeit der Jnflationsbauten 74, auf die Zeit des 1. Januar 1924 bis 31. Dezember 1935 insgesamt 48. Die Häuser und Wohnungen befinden sich ausnahmslos in gutem baulichen und "' ~ " * 1 werden laufend instand Wohnungen 46 Mark, 49 Mark, Fünfzimmerwohnungen 73 Mark, Amerikanische Roten Belgische Noten.................. Dänische Noten Englische Noten Französische Noten Holländische Noten .......... Italienische Noten Norwegische Noten Deutsch Oesterreich, 4 100 Schilling Rumänische Noten............... Schwedische Noten Schweizer Noten Spanische Noten ... Ungarische Note« .......... Schluß! Abend- börse 15-8. Gelt) 2,44 41,80 55,63 12,47 16,33 168,54 62,62 Wirtschaft. Rhein-Mainische Börse. Ltwas freundlicher. Frankfurt a. M., 15. Aug. Zum Wochen- schluß war die Haltung der Börse etwas freund- lieber. Am Aktienmarkt erfolgten kleine Ruck- käufe und Deckungen der Kulisse, wahrend vom Publikum kaum Aufträge Vorlagen. Das Geschäft hielt sich in sehr engen Grenzen. Etwas Anregung boten die Ausführungen auf der Generalversammlung der Rheinstahl. Montanwerte waren zeitweise etwas lebhafter und lagen durchschnittlich, 0,5—1 v. H. höher. Buderus lagen fest mit 116,90 (113,50), auch Klöckner plus 2 v.H. mit 115,50, Mannes- mann 108—109 (107,50); Harpener, Hoefch, Rhein- stahl und Verein. Stahl zoaen bis 0,75 vH an. Am Chemiemarkt lagen IG. Farben (164,50), Scheideanstalt (272), Deutsche Erdöl (127 50) un- verändert, Metallgesellschaft gewannen 0,50 vH. auf 134,50. Elektroaktien lagen vorerst sehr still, AEG. 38,25 (38). Maschinen- und Motorenaktlen lagen 0,5—1 v. H. fester, MAN kamen nach mehrtägiger Pattse mit 122,50 (126) wieder xur Notiz. Schwächer lagen nochmals Reichsbank-Anteile mit 190 (192), auch Zellstoff Aschaffenburg nur knapp gehalten. Westdeutsche Kaufhof setzten 0,75 hoher ein. Auf den übrigen Marktgebieten lagen nach Ablauf der ersten halben Stunde noch keine Notierungen vor. Renten lagen still. Altbesitz mit 112,65 (112,75) nur knapp gehalten, ebenso spate Schuldbuchforderungen mit 98,13 (98,25). Stadte-Altbesitz blieben zu 113,50 gefragt. Zinsvergütungsscheme unverändert 93,20, Kommunal-Umschuldung ca. 88—88,10. Im Verlaufe erfuhr das Geschäft am Aktienmarkt keine Belebung, die Haltung war aber weiter etwas fester. Montanwerte zogen erneut durchschnittlich 0,50 v. H. an, ferner erhöhten sich IG. Farben auf 165,50 nach 164,50 und, Schelde- anstatt auf 272,50 nach 272. Verein. Stahlwerke schwankten zwischen 109,75—110,25 nach 109-50- Von später notierten Werten gewannen Zellstoff Waldhof 1,5 v. H. auf 150, Schuckert 1,25 v. H. auf 156,75. Muag waren zu 120,50 gesucht (119,50). Der Rentenmarkt blieb sehr still. Von Kassarenten blieben Goldpfandbriefe und Kommunal- Obligationen unverändert. Liguidationspfandbriefe wichen nach beiden Seiten 0,13—0,25 v. H. ab, auch Stadtanleihen schwankten im gleichen Ausmaß. Auslandsrenten lagen still und wenig verändert. Im Freiverkehr zogen Quoten zu früheren österreichischen Eisenbahnanleihen leicht an. Der Freiverkehr war ruhig, Adlerwerke 115,50 (115), Pokorny etwa 111, Dyckerhoff Gement etwa 131. Tagesgeld um). 2,75 v. H. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 17. Aug. (Vorbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Voraüftrieb: 249 Rinder (94 Ochsen, 80 Bullen, 179 Kühe, 50 Färsen), 477 Kälber, 95 Schafe, 1210 Schweine. Es kosteten: Rinder: Ochsen, 36 bis 45 Mark, Bullen 39 bis 43, Kühe 25 bis 43, Färsen (Kalbinnen) 35 bis 44, Kälber 60 bis 90, Hümmel 30 bis 54, Schafe 45 bis 50, Schweine 51 bis 57 Mark. — Marktverlauf: Rinder und Schweine wurden zugeteilt, Kälber, Hümmel und Schafe lebhaft. 2,46 41,96 55,85 15,51 16,39 169,22 62,88 Schlußkurs 14-8- Schluß- kurs 14-8. Hamburg-Amerika-Paket 0 Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 Norddeutscher Lloyd .........0 61.®. für Verkehrswesen Akt. .. 0 Berliner Handelsgesellschaft ... 6 Commerz- und Privat-Bank ... 4 Deutsche Bank und Disconto. Gesellschaft................ 4 Dresdner Ban! 4 Reichsbank ................12 Schluß!. Mittag- börse 15-8. Dalum 4% oesgi. Serie 11 5% Rumän. Vereinh. Rente 0.1903 414°/aRttmän.vereinh.Rentev.i913 4% Rumänische vercinh. Rente . 2 y4% Anatolier.......... Verlaufe des Geschäftsjahres traten 92 neue Mitglieder ein, 73 schieden aus, jo daß am Schlüsse des Geschäftsjahres 1935 ein Bestand von 7 45 Mitgliedern verblieb. Die Bilanz schließt nach dem Stand vom 31. Dezember 1935 in Aktiva und Passiva mit 2 276 840.66 Mark ab. Der Gewinn einschließlich Vortrag aus 1934 in Höhe von 4256,10 Mark beziffert sich nach dem Stand vom 31. Dezember 1935 auf 9583,99 Mark. Die Gewinn- und Verlustrechnung schließt mit 170 999,17 Mark ab. Den Bericht des Aufsichtsrats gab dessen Vorsitzender, Verwaltungsamtmann Martin, der u. a. das gute Zusammenarbeiten zwischen Aufsichtsrat und Vorstand betonte, weiter mitteilte, daß eine gründliche Bereinigung der Genossenliste durchgeführt und nunmehr auch der jn der Baugenossenschaft 1894 vielbesprochene Fall Wölfer erledigt sei. Dem Vorstand wurde für feine ausgezeichnete Geschäftsführung der Dank des Aufsichtsrats ausgesprochen. Aus den Reihen der Mitglieder wies Dr. Kruse darauf hin, daß sich die beiden Berichte sehr wesentlich von den früheren unterschieden und daß man aus den Darlegungen erkennen könne, mit welchem starken Derantwortungsbewußtsein die jetzigen Männer an der Spitze der Genossenschaft ihre Aemter erfüllen. Beschlüsse. Die von Vorstand und Auftichtsrat vorgelegte Bilanz vom 31. Dezember 1935 und die Gewinn- und Verlustrechnung, deren Abschlußziffern oben berichtet sind, sowie die Vorschläge der Verwaltung über die Verteilung des Reingewinns wurden einstimmig genehmigt. Auf Antrag des Aufsichtsratsvorsitzenden wurde dem Vorstand einstimmig Entlastung erteilt. Eine Anzahl Satzungsänderungen, die durch eine neue Mustersatzung des Hauptverbandes der Wohnungsbaugenossenschaften erforderlich wurden, fanden einstimmige Annahme. Die turnusgemäß aus dem Auftichtsrat ausfchei- denden Mitglieder Karl Schneucker und Otto Werner wurden durch Zuruf einstimmig wieder- gewählt. Oer Eigenheimbau. Anschließend sprach das Aufsichtsratsmitglied Dipl.-Berging. Cronjaeger kurz über die Bedeutung des Eigenheimbaues. Er betonte die besondere Wichtigkeit gerade dieses Gebietes der Dau- wirtfchaft, das als ein .bedeutsamer Faktor des deutschen Wiederaufbaues unter der Regierung Adolf Hitlers sich in Zukunft viel stärker durchsetzen müsse als früher. Jedem Volksgenossen, der leistungsfähig und leistungswillig sei, solle nach bester Möglichkeit dazu verhalfen werden, zu eigenem Grund und Boden zu kommen. Er wies weiter auf die große Bedeutung der Gemeinschaftsleistungen hin, die bisher schon im Dritten Reich in vielfacher Weise vollbracht wurden, und er stellte in diesen Rahmen der gedeihlichen Gemeinschaftsarbeit auch die Eigenheimbauten der Baugenossenschaft 1894 hinein, die gegenwärtig an der Jahnstraße im Eich- gärtenviertel im Entstehen begriffen sind. Zur Verwirklichung eines derartigen guten Bauplanes ist es aber erforderlich, daß die Interessenten für solche Häuser aus eigenen Ersparnissen sich den Anfang zu eigenem Grund und Boden schaffen, da ein solches Bauwerk natürlich nicht allein auf die Finanzierung aus fremden Mitteln gestellt werden kann. Mit Genugtuung hob der Rebr:r hervor, daß die öffentlichen Kaffen heute weit verständnisvoller und in großzügiger Weife gerade auch auf dem Gebiete des Eigenheimbaues finanzielle Hilfe leisten. Ein Viertel des Baukapitals muß in der Regel aber von den 93 augenoffen der Eigenheime er- i wartet werden, wenn ohne Schwierigkeiten an die : Verwirklichung eines solchen Vorhabens herange- - gangen werden soll. Vorstand und Aufsichtsrat wer- i den immer gerne behilflich fein, wenn Genossenschaftsmitglieder sich auf diesem Wege eignen Grund = und Boden verschaffen möchten, insbesondere wird > diese Genossenschaftshilfe für kinderreiche Familien i eingesetzt werden. Wenn auf diesem Gebiete alle Dalnm 6% Seutlctie Reichsanlethe v. 1927 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 S'/r°o Doung-Anleihe von 1930 .. Deuljctie Anl.-Ablös.-Schuld mil Au-lo,.-Rechten ............ 4y2% Deutsche Reichspostschatzau Weisungen von 1934, I 4’/2% ehem. 8% Hessischer Volks staat 1929 (rückzahlb. 102%) ... 4yz°/o ehem. 8% Hessische Landes baut Darmstadt Gold N. 12... 5yz% ehem 4tz% Hess. Landes Hypothekenbank DarmstadtLiau. 4%% ehem. 8% Datmst. Komm Lanvesb.Goldschuldverschr. R.t> Oberhesjen Provinz-Anleihe mt> Ausloi.-Rechten ............ Deutsche Komm. Sammelabl. An leihe Serie 1 mit Auslos.«Rechten 4yt°/o ehem.8% Franks. Hyp.-Banl Goldpse. 15 unkündbar bis 1935 b-/r% ehem. 4V2% Franks. Hyp. Bank-Liqu.-Psandbriese....... 6%% ehem. 4yt% Rheinische Hyp.-Bank-Ltqu.^Noldpsc. ... 4>/r% ehem. 8% Pr. Landespsand- brtefanstalt, Pfandbriefe R. 19 4%% ehem. 7% Pr. Landespsand oriesanst., Gold Komm. Obl. 20 Steuergutich.Verrechnungsk. 34-38 Frankfurt a. M. Berlin Schlußkurs Schlußk. Abendbörse Schluß- kurs Schlußk. Mittagbörse 14.8- 15.8- 14-8 15-8. Frankfurt a. Ul. Berlin Gchluß- kurs Schlußk. Abend- börse Schlußkurs Schlußk. Mittagbörse Datum 14.8. 15.8. 14.8. 15.8- Manssetver Bergbau....... 6Vi — — 150 152 Kskswerke ................ . 6 —— — 130,5 131 Rheinische Braunkohlen .... 12 — — 220 218 . 1 145,5 146 145,5 145,75 Vereinigte Stahlwerke...... 8% 108,9 110 109,13 109,65 . 0 32,5 32,5 32x25 32,5 Kaliwerke Aschersleben...... .. 5 125 *125 122,5 Kaliwerke Westeregeln...... .. 5 121,5 119 119 118,75 Kaliwerke Salzdetfurth..... — — 171,25 I. G. Farben-Jndustrte ..... .. 7 164,5 165,5 164,65 165 Scheideanstalt............. .. 9 272 272,5 — — Goldschmidt .............. .. 5 115,75 116,25 115,5 116,25 Rütgerswerke ............. .. 6 131 131 130 130,25 Metallgesellschaft........... .. 5 134 134,5 134,5 135 Philipp Holz mann......... .. 4 128 127,75 128,25 128,75 Zementwerk Heidelberg .... .. 7 146,25 146,25 । ~ Cementwerk Karlstadt....... .. 6 154 154 - Schultheis Patzenhofer ..... .. 4 — — 107 109,75 Aku (Allgemeine Kunstseide) .. O 61,5 61,5 61,65 61,75 .. 5 85,5 85,25 85,25 84,5 Zellstoff Waldhof .......... .. 6 148,5 150 148 150 Zellstoff Aschaffenburg ..... .. O 120,5 120,25 121 121,5 Dessauer Gas ............. .. 7 — — 109,75 110,25 Daimler Motoren .......... .. ( 126 127 126,5 127 Deutsche Linoleum......... .. 8 168 167,5 167,75 168 Orenstein & Koppel ........ .. O —— — 85,5 86,75 Westdeutsche Kaufhof....... .. O 53,5 54,25 53,65 54,13 Ehade.................... .. 9 390 394 392,5 397 Accumulatoren-Fabrik...... . 12 203,5 202 204 202 Eonti-Gummt............. . i: 180 180,5 180,5 178,5 Gritzner.................. .. 0 1 35 I 34,75 1 34,75 35,5 Mainkrastwerke Höchst a.M.. .. 4 95 95 — - Süddeutscher Zucker ....... . IC 1 214 I 212,5 - 14.August 15.August Amtliche Geld Notierung Brief Amtliche Notierung Geld | Briet 0,688 0,692 0,687 0,691 41,92 42,00 41,94 42,02 0,146 0,148 0,146 0,148 3,047 3,053 3,047 3,053 55,83 55,95 55,83 55,95 46,80 46,90 46,80 46,90 12,505 12,535 12,505 12,535 5,514 5,526 5,514 5,526 16,38 16,42 16,38 16,42 168,39 169,23 168,96 169,30 19,57 19,61 19,57 19,61 0,730 0,732 0,731 0,733 5,654 5,666 5,654 5,666 62,84 62,96 62,84 62,96 48,95 49,05 48,95 49,05 11,36 11,38 11,36 11,38 64,47 64,59 64,47 64,59 81,05 81,21 81,06 81,22 31,86 31,92 31,86 31,92 10,27 10,29 10,27 10,29 2,488 2,492 2,488 2,492 — — 9,3 9 6,75 6,9 6,9 6,75 10,1 10,1 — 10,1 5,65 5,5 5,65 5,65 46,25 45,5 45,75 45,4 14,65 14,4 14,4 14,65 — — 42 42 15,5 15,5 15,4 15 116,5 116,75 116,4 116,4 124,75 124,75 124,9 124,5 100,25 100,13 100,25 100,13 102,25 102 102,25 102 102,5 102,25 102,5 102,25 192 190 192 190 38 38,25 37,9 37,9 155 155 154,75 154,75 127,5 127,5 127 127,5 150 150 149,5 150,5 131,75 132,5 131,5 132,5 137,5 138 138,25 137,65 — 130 — 130,5 131,75 132 131,25 132,25 155,5 156,75 156 156,75 196,25 195 196,25 195,5 141 141 141,25 141,25 113,5 116,9 113,5 115,5 127,5 127,5 127,25 128 127 127,75 127,5 128 109,5 111,25 110,25 111 135 135 134,5 136,5 113,5 115,5 113,75 115,5 107,5 108,9 108 108,13 Nr. 191 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Montag, (7. August M6 XL OLYMPISCHE SPIELE Der gestrige Sonntag, der letzte Tag der XI. Olympischen Spiele Berlin 1936, brachte noch einmal vor 120000 Zuschauern viel bejubelte deutsche Erfolge. Deutschlands Reiterelite stellte in allen Reitwettbewerben die Sieger. Nicht nur in den Einzel-, sondern auch in den Mannschaftskämpfen konnten die Goldenen Medaillen gewonnen werden. Die Schlußfeier war der weihevolle Ausklang aller Kämpfe, in denen die Jugend der Welt die Kräfte gemessen hatte. BERLIN 1936 Deutschlands Reiter in vorderster Krönt. Alle Goldmedaillen der Reifwettbewerbe gewonnen. Deutscher Doppelsieg in der „Mitary". Hauptmann Ttubbendorf Olympiasieger. Am Schlußtage hielten die Reiter ihren Einzug ins Olympiastadion und gaben, nachdem sie bisher nur auf den Nebenkampfstätten, dem Maifeld und im Döberitzer Gelände, um den olympischen Sieges- lorbeer gestritten hatten, der großen Schlußfeier die sportliche Untermalung. Schon am Vormittag, als die letzte Teilprüfung der „Military", das Jagdspringen, abgewickelt wurde, war das Stadion bis auf den letzten Platz gefüllt. Mit Spannung ver- 1< I w M 1 ■ xW <*-* 'Ein Musterbeispiel olympischen Kampfgeistes gab in ider Military Oberleutnant Freiherr v. ©an« genheim. Durch Sturz holte er sich beim Geländeritt einen Schlüsselbeinbruch, hielt jedoch die Prü- ungen durch und verhalf damit der deutschen Mann- chaft zur Goldmedaille. Im Bilde der Reichssport- ührer von Tschammer und Osten im Ge- präch mit Oberleutnant Freiherrn v. Wangenheim folgte die Menge unter atftilofer Stille jeden einzelnen Parcours. Laut brauste jedesmal der Beifall 'der Hunderttausend auf, wenn einer der Teilnehmer sämtliche Hindernisse glatt und ohne jeden Fehler genommen hatte. Die eigentliche Entscheidung in der aus Dressur, Geländeritt und Jagdspringen bestehenden Diel- eitigkeitsprüsung war schon am Vortage gefallen. Auf dem 36 Kilometer langen Geländeritt in Döbe- ritz am Samstag war den Pferden das Letzte abverlangt worden. Das Jagdspringen sollte nur noch zeigen, ob die Pferde nach den Anstrengungen des Vortages noch über die notwendige Sicherheit, Geschmeidigkeit und Energie verfügten, die die Vorbedingung für ein gutes Militär- und Jagdpferd find, lieber insgesamt 12 Hindernisse bis zu einer Höhe von 1,15 Meter führte der Kurs. Fehler ergaben sich zumeist aus Müdigkeit. Mit als einer der ersten erschien Rittmeister Lippert auf „Fasan" in der Bahn. Rach dem Geländeritt noch an dritter Stelle in der Gesamtwertung liegend, warfen ihn hier 20 Springfehler auf den 6. Platz zurück, da die noch hinter ihm liegenden Kaptl. Lunding (Dänemark) auf „Jason", Hptm. Endrödy (Ungarn) auf „Pandur" ihr Konto nur mit zehn Fehlem belasteten. Lt. Grandjean (Dänemark) brachte seinen Schimmel „Grey Friar" sogar fehlerlos über alle Klippen. Unter atemloser Spannung startete fast zum Schluß „Nurmi" unter Hptm. Stubbendorf. Nur zehn Fehler unterliefen ihm durch Flüchtigkeit am vierten Sprung, aber dennoch war sein Sieg nie gefährdet. Der Ostpreuße machte von allen Pferden den weitaus frischesten Eindruck. Spielend leicht setzte er über die Hindernisse hinweg, die in gar keinem Verhältnis zu den Anforderungen vom Vortage standen. Bravo, Oberleutnant Zrhr. von Wangenheim! Eine neue Bravourleistung vollbrachte Oblt. Freiherr von Wangenheim auf „Kurfürst". Am Tage zuvor war er im Gelände bös zu Fall gekommen und hatte dabei das linke Schlüsselbein gebrochen. Oblt. v. Wangenheim beendete nicht nur den Geländeritt trotz der äußerst schmerzhaften Verletzung, sondern trat mit angeschnalltem Arm zum Jagdspringen an, um für Deutschland den Mannschaftssieg und die Goldene Medaille zu retten. Der deutsche Reiter tat im Jagdspringen, durch seinen Arm behindert, an einer schwierigen Wende nochmals einen Sturz. Trotz unsäglicher Schmerzen bestieg Oblt. von Wangenheim den braven Fuchs erneut und beendete unter dem Beifall der Massen den Parcours. Der amerikanische Capt. Thompson auf „Jenny Camp" behauptete mit nur zehn Fehlern den zweiten Platz und die Silberne Medaille. Auf den nächsten Plätzen landeten die beiden Dänen Kptl. Lunding und Lt. Grandjean. __ Sieg auch in der Mannschaftswertung Neben der Goldenen Medaille in der Einzelbewertung, die Hptm. Stubbendorf auf „Nurmi" holte, gelang es Deutschland auch in der Mann- fchaftsbewertung die Goldene Medaille an sich zu reißen. Mit 676,75 Punkten siegte Deutschland gegen Polen mit 991,70 Punkten vor Polen mit 991,70 und Großbritannien mit 1195,50 Punkten. mona" hatte einen ganz schlechten Tag und wurde nach dreimaligem Verweigern ausgeschlossen. Damit war die belgische Mannschaft ganz aus dem Wettbewerb. Deutschland hatte damit die Goldene Medaille im Mannschaftsspringen gewonnen. Die Rumänen, die durch das Versehen von Oblt. Tudoran aus der Mannschaftswertung gekommen waren, entschädigten sich dafür im Einzelwettbewerb, in dem sie sich für den Stichkampf mit Deutschland qualifizierten. Der in Rumänien gezogene Vollblüter „Delphis" unter Oblt. Rang prang zur allgemeinen Ueberraschung nahezu alles ehlerlos. Erst am vorletzten Hindernis nahm er mit der Hinterhand eine Stange mit und lag somit mit „Tora" gleich. Für den Sieg um den ersten Platz und die Goldene Medaille war somit ein Stechen über erhöhte Hindernisse notwendig, ebenso im Kampf um die Bronzemedaille, den Ibrahim (Belgien), Dakota (USA.) und Sollö (Ungarn) mit je acht Fehlern bestritten. Die Mauern wurden zu diesem Zweck auf 1,70 Meter erhöht, der Graben auf 5,50 Meter verbreitert. Deutschland auch 6in$elfieger. Eine wahre Nervenprobe nicht nur für die Reiter, sondern auch für die Zuschauer wurde der entscheidende Stichkampf. Zuerst wurde der Gewinner der Goldmedaille ermittelt. Durch die hereinbrechende Dunkelheit wurde die Aufgabe der Pferde noch erheblich erschwert. „Tora" erschien zuerst in der Bahn. Oblt. Hasse ging mit ihr sofort „auf Zeit". Wiederum sprang die Stute die ersten fünf Hindernisse fehlerlos und verursachte nur am letzten Sprung vier Fehler. Oblt. Rang dagegen ging mit „Delphis" auf 0 Fehler aus und ritt in übertrieben langsamem Tempo über den Kurs. „Delphis" machte aber trotzdem im vorletzten Sprung vier Fehler. Die verlorene Zeit war bis zum Ziel nicht mehr einzuholen und mit 59,2 Sekunden war dieser letzte olympische Wettbewerb im Stichkampf zugunsten Deutschlands und Oblt. Kurt Hasse entschieden. Die Zeit von „Delphis" betrug 72,8, die Zeit „Toras" 59,2. Ein wahrhaft stolzer Triumph für den deutschen Turniersport und die deutsche Warmblutzucht am Schlußtage der XI. Olympischen Spiele. Deutschlands Giegestafel. Gold Silber Bronze Leichtathletik (29 Wettbewerbe) a) Männer (23) 3 2 4 b) Frauen (6) 2 2 3 Ringen: a) Freistil (7) — 1 2 b) griechisch-römisch (7) — 2 2 Gewichtheben (5) 1 2 2 Radsport (6) 2 — 1 Schießen (3) 1 2 — Moderner Fünftkampf (1) 1 — — Kanu (9) 2 3 2 Fußball (1) — — — Handball (1) 1 — — Hockey (1) — 1 — Wasserball (1) •— 1 Basketball (1) — — — Polo (1) — — — Segeln (4) 1 1 1 Rudern (7) 5 1 1 Turnen (9) a) Männer (8) 5 1 6 b) Frauen (1) 1 — — Schwimmen (15) a) Männer (8) — 1 1 b) Frauen (7) — 2 2 Fechten (7) — 1 2 Boxen (8) 2 2 1 Reiten (6) 6 1 — Zusammen 33 26 30 Die deutschen Erfolge. Um den deutschen Erfolg dieser Olympischen Spiele ganz erfassen zu können, genügt es, nur die Zahl der von den deutschen Kämpfern und Kämpferinnen in Los Angeles errungenen Medaillen gegenüberzustellen. Damals errang Deutschland drei goldene (diesmal 33), 13 silberne (26) und 4 bronzene (30) Medaillen. Die übrigen Nationen folgen mit weitem Abstand. Jagdspringen um den Großen preis der Rationen. Auch am Nachmittag war das Olympiastadion Ibis auf den letzten Platz gefüllt. Nach Siegen .errungen begann das Jagdspringen um den „Preis iber Nationen", das die Elite der Turnierretter der Welt am Start sah. Schon gleich nach dem Abschluß iber „Military" erschien der Bahndienst im Jnnen- iraum und baute einen vollkommen neuen Parcours Der japanische Hausttmann Jnanami auf „Asa- • fuji" eröffnete als erster Reiter das Springen. !Dann folgten jeweils der erste Vertreter der übrigen 17 gemeldeten Nationen. Noch völlig ungewiß war Iber'Ausgang, als die 18 Retter über den Kurs .gegangen waren. Keiner hatte es bis dahin mit iS Fehlern geschafft. Für Deutschland startete als «erstes Pferd „Nordland" unter Hauptmann von Warnekow. 20 Fehler unterliefen der Holsteinerin. -Für die Mannschaftswertung schieden hier bereits lOesterreich, Polen, Großbritannien und Rumänien .aus, deren Reiter den Parcours nicht beendeten. Immer mehr stieg die Spannung, als gum .zweiten Male die Reiter der einzelnen Nationen 'über den Kurs gingen. Norwegen und Die Türkei schieden zunächst aus der Mannschaftswertung aus, so daß nach der Hälfte des Wettbewerbs für diese 'Goldmedaille nur noch ein Dutzend Nlannschasten iin Frage kam. Als zweites Pferd für Deutschland Iftartete „Tora" unter Oberleutnant Kurt Hasst- ttrittr «atemloser Spannung nahm die Stute spielend leicht 'Sprung um Sprung. Schon glaubte man an den «ersten 'fehlerlosen Ritt, da unterlief ihr am dreifachen Sprung ein kleiner Flüchtigkeitsfehler, un im nächsten Augenblick rollte eine Stange zu -öoöen 4 Fehler! Sogleich hatte aber der jamofe Reiter -K. Hasse die Fuchsstute wieder beisammen, und 'ohne jeden weiteren Fehler beendete „Tora unter 'dem Beifall der Hunderttausend den Parcours. Mit 'vier Fehlern tag damit „Tora" in der Emzelwer- itung an der Spitze vor dem belgischen Schimmel .„Ibrahim" und dem Vertreter der Türkei,,Sapklni . -In der Mannschaftswertung behauptete allerdings ! Belgien durch das gute Abschneiden von Cpt. Moniten de Home auf '.Musaphiki" noch einen knappen Worsprung. Schweden, Tschechoslowakei und Ungarn wurden wegen dreimaligen Verweigerns ebenfalls »aus dem Mannschaftswettbewerb st^oNen. Nach dem zweiten Durchgang aller Retter er- . gab sich folgender Zwischen stand: 1. Belgien 23 Fehler, 2. Deutschland 24, 3. Italien 38-/1, 4. Holland 39V-, Portugal 44 Fehler — Einzel- Wertung:!. Tora 4 Fehler, 2. Ibrahim 8 Feh- Iler, 3. Bagatelle 12 Fehler, 4. Sapkm. Den Beginn des dritten Durchganges machte wieder ein Japaner, der Olympiasieger von 1932, Hptm. Baron Nis hi, auf dem schon 16jährigen „Uranus". Allgemein fürchtete man schon um den deutschen Sieg, als der aus tausend Schlachten bekannte „Nasello" unter dem italienischen Kapitän Filiponi in der Bahn erschien. Fehler über Fehler unterliefen ihm. Die drei Pferde Englands kamen sämtlich nicht über den Kurs. Die deutschen Hoffnungen ruhten noch auf „Alchimist" unter Rittmeister Brandt. Der noch junge Hannoveraner enttäuschte jedoch etwas. Durch seine teilweise flüchtigen Sprünge zog er sich 20 Fehler zu. Damit schien Deutschlands Sieg in der Mannschaftswertung schon nicht mehr möglich, denn der letzte belgische Reiter hätte 21 Fehler machen müssen, ehe Deutschland mit 44 Fehlern an die Spitze gelangt wäre. Das Mißgeschick der Belgier war aber noch viel größer. Die schon 17jährige „Ra- Unser Bild zeigt Hauptmann Stubb en darf auf feinem siegreichen Pferd .-Nurmi" beim Nehmen eines Hindernisses bei dem Jagdspringen am Sonntagvomuttag. — (Scherl-Bllderdienst-W.) RA i> . gewonnen, bah Sie nn Ihre Milchjchulden denken, h-rr Lorenzen?" Sie spöttelte mit süb-saurer Miene; aber Fred Lorenzen -ntwafsnete sie mit Vft-nh-it. „3d) habe ein Bild verkauft", gestand er „Ganz gut vertäust" Er war von rührender Ausrichtigkeit, „Und da habe ich allen meinen Gläubigern etwa- abaeaeben" Er lachte wieder und strahlte sie an, Wa/ sollte Frau Nickels machen, sie «nutzte zuruck, lächeln, „Und dann hatte id) eine *’**«■ • W' “ fort und holt- tief Lust, „Darf ich Fraulein Ant,e heute abend zu einem Spaziergang absiolen ■ fVrau Berta sah ihre Arche an, „Heute, meinte sie aNehn nd „Antje war erst Donnerstag au-. Ich dachte nur, Frau Nickels, heute ist so em schöner Samstag, und ich bin allem Fraulem Aiche st allein und zwei Einsamkeiten sind keine Einsam- k°.t mehr Da wollten wir Sie bitten, ob es nicht "‘sra^Berto mar? nicht bartherzig Man mußte sie nur richUg nehmen. Sie rsar, w.e « fchen Bitten durchaus zugänglich. Etwas gewayren war eine Art Machtbestätigunx, „W,r gehen heu^ 7bend aus, Antje", Mann und ich sind eingeladen. Wenn Sie rechtze hg mit Der Küche fertig werden, soll es mir recht lcin- . «... .. .Zielen Dank, Frau Nickels das -st wirklich nett von Ihnen. Ich darf dann also so gegen acht Uhr vorbeikommen?" e Er sah Frau Berta Nickels ins Gesicht, als wollte er sie abholen und erbitte ihr Ja. Frau Nickels nickte denn auch gewichtig. Antje stand stumm. Sie war soeben verabredet worden und keiner hatte sie gefragt. Aber zum Abschied kam Fred Lorenzen heran. Er gab ihr zuerst die Hand. „Auf Wiedersehen, Fräulein Antje." Dann erst ging er zu Frau Nickels. Und dann war er hinaus. Antje starrte die Zahlkasse an. Frau Nickels ging vor den Butterfässern zweimal auf und ab. „Kennen Sie ihn schon lange?" erkundigte sie sich dann. „Nur von der Tür her, wenn ich morgens die Milch bringe." Frau Nickels schien mit dem Bescheid zufrieden. „Na", sagte sie, „dann sehen Sie ihn sich man mal an. Er scheint ja ganz nett zu sein/ Mit diesem kameradschaftlichen Satz, der mehr über sie aussagte als alles vorher Gesprochene, verließ sie den Ladenkeller wieder und begann im Wohnzimmer das gute Krepp-Georgette-Kleid für die Gesellschaft bei Beckers aus dem Schrank zu holen und die Druckknöpfe nachzusehen. Sie hatte in letzter Zeit leider wieder etwas zugenommen und würde die Knöpfe stärker beanspruchen. Sie mußten besonders fest sitzen. Antje stand im Laden und starrte die Zahlkasie an. Die Kasse war aus Nickel oder wenigstens vernickelt. Sie blitzte blank und strahlend wie eine Der- heißung. .. , Die Zeit ging rasch hin. Nie war Antje bisher sos pielend mit ihrer Küche fertig geworden wie an diesem Samstag. — Herr und Frau Nickels ver- ließen um 7.30 Uhr die Wohnung. Frau Berta gab ihr die Schlüssel. „Aber nicht zu spat, Antje, seien Sie vernünftig, wenn er es nicht ist! „Wer denn?" wollte Peter Nickels wissen, aber seine Gattin zog ihn erst einmal erklarungslos mit hinaus. „ , , Um 8 Uhr kam Fred Lorenzen. Er sah ihr blaues Kostüm einen Augenblick prüfend an und schien zu- frieden. Hatte er nachttäglich Bedenken gehabt, sich mit ihr sehen zu lassen? Männer sind ganz unberechenbar in ihrer Eitelkeit auf die Frau, die sie ausführen. r Sie saßen in der Straßenbahn, dann stiegen sie in den Omnibus um. Geredet wurde wenig. Antje beobachtete ihn. Sie hatte während dieser Fahrt zum erstenmal Gelegenheit, ihn sich richtig anzusehen. Seine Augen lagen tief, sie mochten grau oder hellblau sein. Die Nase war kräftig geformt und sprang vor. Das Kinn war fest, ein bißchen eckig; sie nahm es für Männlichkeit. Der Mund mit Den vollen Lippen war ausgesprochen hübsch. — Fred Lorenzen beobachtete sie genau so unauffällig. Meinte er. Aber plötzlich geschah es ihnen ohne Anlaß äußerer Art, daß sie sich ansahen, einander fest in die Augen schauten. Sie senkten zwar beide sofort, wie ertappt, die Blicke, aber in der Herzgegend kam ihnen so eine angenehme Wärme auf, und es war plötzlich sehr schön, mit dem hellen Omnibus durch die Straßen zu fahren, den andern neben sich zu spüren und das Gefühl zu haben: heute gehe ich nicht allein aus. Die Scala empfing sie mit strahlenden Lichtern, Lärm von vergnügt sich drängenden Menschen, und dann spielte Musik. Der Zuschauerraum versank in mattes Licht, die Bühne leuchtete. Sie saßen nebeneinander. Antje sah viel Neues, Niegesehenes. Aber es war schon sonderbar, wesentlicher als das, was sie zu schauen bekam, schien ihr, daß da ein Mensch neben ihr saß, der — dessen warme Hand so zärtlich die ihre berührte — „Gefällt es Ihnen? — „Sehr schön." Das Geflüster verstummte wieder. Als sie nach Schluß der Vorstellung auf die Sttaße traten, regnete es. Antje hatte keinen Schirm. Es galt, sich rasch zu entscheiden. „Nach Hause?" fragte er. Antje zuckte einen Augenblick die Mahnung her guten Frau Berta Nickels durch den Kopf; sie dachte auch daran, daß sie morgen sehr früh werde aus- stehen müffen. Um 5 Uhr kam der Milchwagen vom Gut und brachte die Kannen. Aber dann siegte die Verlockung, noch eine Weile neben Fred Lorenzen sitzen zu können und mit ihm zu plaudern. „Wie Sie wollen", sagte sie unbestimmt, durchaus bereit, sich überreden zu lassen. Er machte denn auch sofort ein paar Vorschläge; wie es wäre, den Regen in einem kleinen Cafe drüben auf der anderen Straßenseite abzuwarten... Antje nickte willfährig und sie gingen hinüber. Der Raum, der sie empfing, war nur klein, dazu rechk niedrig. Er wurde von einem guten Dutzend Papierlampions mit einem gelblichen Licht erhellt. Am Klavier in der Ecke saß ein junger Mann und betätigte sich überaus fleißig. Manchmal fang er den Text einer Melodie näselnd mit. — Sie fanden eine Ecke, wo sie ungestört blieben und sich etwas erzählen konnten. Der zurückhaltende Kellner kam ein einziges Mal, fetzte die Kaffeekännchen und das Geschirr hin, um nicht wieder zu stören. „Leben Sie nun wirklich so ganz allein in dem großen Berlin?" fragte Lorenzen träumerisch und rührte in seiner Tasse. Antje nickte bestätigend. ..Ich bin schon lange allein", antwortete sie. „Meine Eltern leben nicht mehr. Geschwister habe ich nicht." „Keinen Freund?" meinte er. Sie schüttelte den Kopf. Der Gedanke an Rudolf Terbrügge war da, aber sie verscheuchte ihn. An Rudolf Terbrügge wollte sie jetzt nicht erinnert werden. Aber sie war nicht gerade die Schüchternheit selber, und so warf sie ein: „Soll ich Sie das auch einmal fragen?" dabei lächelte sie ihn an. „Bitte", er ging auf einen Scherz ein, „ich habe mehrere Freunde." „Und wie ist es mit den Freundinnen?" „Fehlanzeige. Mangels Masse hier!" Er schlug gegen seine Brust, meinte aber nicht das Herz, sondern die Brieftasche. Sie verstand ihn nicht, er merkte es und machte erklärend erst noch mit Daumen und Zeigefinger die Gebärde des Geldzählens. „Weshalb gehen Sie denn dann, um Himmels willen, mit mir in ein teures Theater und jetzt noch in dieses Kaffeehaus." „Einmal ist keinmal. Ich hab ein Bild verkauft." „Sie find leichtsinnig." Sonderbarerweise schmeichelte ihm diese Bemerkung. Er zeigte seine Zähne. „Das liegt bei uns in der Familie. Mein Bruder zum Beispiel, er lebte in Schottland und war am Gericht tätig, ist gerade jetzt wegen einer dummen Sache, Leichtsinn werden Sie es nennen, um Amt und Würden gekommen, wie man so schön sagt. Er fährt jetzt zur^See. Ich bekam einen Brief aus Island von ihm." „Es muß schön fein, so die ganze Welt zu sehen. Aber ich möchte nicht unter fremden Menschen leben. Verstehen Sie, es ist nicht allein die Sprache, denke ich mir, es fehlt auch sonst noch vieles. Warum lebte er in Schottland?" (Fortsetzung folgt!) Der Gießener Goldaieniag 1936. Die Soldatenkameradschaften in Gießen, in denen sich die einstigen Träger des Ehrenkleides der deutschen Soldaten zur gemeinsamen Pflege ihrer soldatischen Ideale zusammengeschlossen haben, stehen hinsichtlich chrer Soldatentage offenbar mit dem Herrgott auf gutem Fuße, soweit dabei dos Festwetter in Betracht kommt. Denn wie im Vorjahre, so hatten auch am gestrigen Sonntag die alten Soldaten für ihren Feiertag das schönste Sommerwetter, das man sich nur denken kann, und das um so vorteilhafter in Erscheinung trat, wenn man daran dachte, wie sehr wir gerade in den letzten Wochen nach dieser Richtung hin von dem Wettergott vernachlässigt worden sind. Es war daher auch nur natürlich, daß bei diesem schönen Wetter der diesjährige Gießener Soldatentag, der wiederum V * A Die Veteranen von 1870/71, Herren Bourgeois (rechts) und Stumpf (links). (Aufnahmen [2]: Pfaff, Gießen.) von dem Kameraden Reitz (ehemaliger 116er) vorbereitet worden war, nach jeder Richtung hin einen sehr schönen Verlauf nahm. Gemeinsamer Gottesdienst. Am Vormittag begaben sich die in der Arbeitsgemeinschaft der Gießener Soldatenkameradschaften vereinigten alten Soldaten aller Waffengattungen, ihre Fahnen an der Spitze, zum gemeinsamen Gottesdienst in die Stadtkirche. Hier hielt Pfarrer Becker den liturgischen Gottesdienst, während die Kameraden die Predigt von Pfarrer Sucker, der einst als Studentenpfarrer in Gießen wirkte, und sich gegenwärtig hier zu Besuch aufhält, hörten. In der Predigt, die sich besonders an die alten Soldaten wandte, wies der Geistliche in feinen Gedankengängen auf Grund des Bibelwortes „Wachet, steht im Glauben, seid männlich und seid stark" auf die innigen Beziehungen hin, die zwischen dem lebendigen und starken Gottesglauben einerseits und dem echten Soldatentum und einer weisen Staatsführung anderseits bestehen, und machte in eindrucksvoller Weise die tiefgehenden Wirkungen deutlich, die von dieser innigen Verschmelzung des starken Gottesglaubens mit dem soldatischen Denken und Handeln in der Geschichte des deutschen Volkes allezeit bei den geschichtlichen Taten unserer großen deutschen Männer zum Segen des deutschen Volkes sichtbar wurden und bleibenden Wert zum Wohle des Volkes haben. Oefallenen-Ehrung. Im Anschluß an den Gottesdienst marschierten die Kameradschaften geschlossen zu den Gefallenendenkmälern, nachdem bereits am Samstagnachmittags auf dem Neuen Friedhof einige Kameraden im Auftrage der Arbeitsgemeinschaft Kränze auf den dortigen Soldaten-Ruhestätten niedergelegt hatten zum Zeichen dessen, daß die einstigen Frontsoldaten in Gießen sich in Treue verbunden fühlen mit den Kameraden des Krieaes, die im Kampfe für ihr Vaterland ihr Leben Hingaben. Zu der Gefallenen-Ehrung vereinigten sich mit den Kameraden als Vertreter der Gießener Stadtverwaltung Beigeordneter Sudheimer, als einstige Truppenführer im Kriege Generalmajor a. D. Mohr, Generalmajor a. D. Gros, Oberst a. D. K l e i n h a n s, ferner zwei Offiziere des aktiven Offizierkorps unserer Garnison als Vertreter der neuen deutschen Wehrmacht. Der gemeinsame Marsch der Kameradschaften ging zunächst zum Kriegerdenkmal von 1870/71 a u f dem Marktplatz, wo der Leiter der Arbeitsgemeinschaft der Gießener Soldatenkameradschaften, Kamerad Iah. Müller, einen Kranz niederlegte, während die Kameraden in geschlossener Kolonne um das Denkmal herummarschierten und weiter zu dem 116er-Denkmal auf dem Landgraf-Philipp-Platz zogen. Die schlichte Gedenkfeier am 116er- D en km al wurde von der Musik mit der Melodie des Gießener Artilleristenliedes, nach der Weise des Argonnerliedes, eingeleitet. Darauf hielt der Leiter der Arbeitsgemeinschaft, Kamerad Müller, eine kurze Ansprache, in der er hervorhob, daß überall da, wo alte Soldaten zusammenkommen und alte Soldaten marschieren, im Geiste in ihren Reihen auch die gefallenen Kameraden weilen und mitmarschieren, die draußen an den einstigen Fronten oder auf dem Boden des Meeres ruhen. Wie diese gefallenen Kameraden den nach dem großen Kriege in die Heimat zurückkehrenden Kämpfern für das deutsche Vaterland viel zu sagen hatten, so haben sie den alten Soldaten auch heute noch und in aller Zukunft aus ihrem großen Opfer heraus viel zu sagen, sind sie doch immer die ewigen Mahner zu treuer Erfüllung deutscher Mannespflicht im Dienste des deutschen Vaterlandes, in der steten Bekundung und Bewährung der soldatischen Gesinnung, die besonders auch die alten Soldaten zu Männern geprägt hat, die unserem neuen deutschen Staat mit aller Hingabe dienen wollen im Geiste der gefallenen Kameraden. Der Redner wies weiter auf eine Sammlung von Kriegsbriefen gefallener Soldaten hin, die von Professor Bernbeck in Gießen herausgegeben wurde, und aus der er eine Stelle aus einem Briefe eines gefallenen Kameraden als Beispiel dafür zitierte, mit welcher Opferfreudigkeit und selbstloser Hingabe die Kämpfer des großen Krieges sich einsetzten und auch ihr Leben Hingaben für das deutsche Volk und Vaterland, damit es auf ewia in Freiheit und Ehre in der Welt bestehe. Am Schlüsse seiner Ansprache gab der Sprecher der alten Soldaten dem Wunsche Ausdruck, daß es in Deutschland immer Männer geben möge, die von der gleichen hohen soldatischen Gesinnung, der gleichen Bereitwilligkeit zur Selbstaufopferung im Dienste des deutschen Volkes und von dem gleichen starken Pflichtbewußtsein des deutschen Soldatentums erfüllt sein möchten. Dafür mögen die gefallenen Kameraden dem deutschen Volke allezeit Mahner sein! Während die Musik die Weise vom guten Kameraden spielte, erfolgte nunmehr die Kranzniederlegung am Denkmal. Weiter ging nun der Marsch zum Gefalle- nen-Denkmal von 18 7 0/7 1 a u f dem Alten Friedhof. Dort leitete die Musik die kurze Gedenkfeier mit dem Liede „Ich hab' mich ergeben" ein. Dann sprach wiederum der Sprecher der alten Gießener Soldaten, der besonders darauf hinwies, daß wir Lebenden in der Gestaltung des deutschen Schicksals aufbauen auf dem Grund, den unsere im Kriege für Deutschlands Einheit 1870/71 gefallenen Vorfahren und deren damals in die Heimat zurückgekehrte Kameraden errichtet chaben, daß die deutschen Soldaten unter Wilhelm I. und seinem Paladin Bismarck für die gleichen Ziele kämpften, die uns beseelen und die auch unsere Nachkommen immer erfüllen müssen, nämlich einzutreten für ein einiges, starkes Deutschland der Freiheit und der Ehre. Der Redner wies weiter darauf hin, daß die alten Frontkämpfer für die Gebote der nationalen Ehre und der Freiheit des Vaterlandes aller Völker besonderes Verständins hätten und von dieser Erkenntnis aus auch die wirksamste Arbeit für die Verständigung von Volk zu Volk auf der Grundlage der nationalen Ehre und der Respektierung der Eigenart und der Unversehrtheit jedes Volkes leisten können. Er betonte weiter, daß aufrechtes Soldatentum niemals gekämpft habe und niemals kämpfen werde für Geld und Gut, sondern immer nur für das eigene Volk und Vaterland, in selbstloser Hingabe des eigenen Ich, um allezeit einzutreten für das Glück und die Größe des eigenen Volkes. Das größte jedoch fei das Einsetzen der Kraft und der Macht nicht etwa für den Kampf der Waffen gegeneinander, sondern für den friedlichen Wettstreit der Völker um die höchste Leistung auf dem Gebiete der kulturellen Werke jeder Nation und für die Aufbauarbeit im Frieden. Das Andenken der gefallenen deutschen und französischen Kämpfer von 1870/71, die beide für ihr Vaterland stritten und starben, wurde sodann durch die feierliche Kranzniederlegung geehrt. Marsch durch die Stadt. Vom Alten Friedhof aus begaben sich die Kameradschaften hinüber zur Licher Straße, von wo aus ein Marsch durch die Stadt angetreten wurde. Zu Beginn dieses Marsches fand in der Licher Straße ein Vorbeimarsch vor den einstigen Truppenführern, Generalmajore a. D. Mohr und Gros, Oberst a D. Kleinhans, vor den Vertretern der neuen deutschen Wehrmacht und vor den beiden bei den Gedenkfeiern anwesenden Veteranen von 1870/71, den Herren Bourgeois und Stumpf, statt. Der Marsch ging dann durch die Kaiserallee, Ludwigs- platz, Gartenstraße, Hindenburgwall, Horst-Wessel- Wall, Bahnhofstraße, Kaplansgasse, Sonnenstraße zum Brandplatz, wo das Kommando „Weggetreten" kam. Kameradschaftliche Geselligkeit am Nachmittag. Zn den Nachmittagsstunden vereinigten sich die Mitglieder der Soldatenkameradschaften mit ihren Familienangehörigen, ferner viele weitere alte Soldaten aus unserer Stadt mit ihren Frauen und Kindern, Kameraden von der aktiven Truppe und viele Volksgenossen von auswärts auf dem Wald- wiefengelände bei der früheren Waldeslust zu einigen Stunden froher kameradschaftlicher Geselligkeit. Auf dem Festplatze waren große Zelte aufgefchla- gen, die gute Unterkunft boten, ferner hatten viele Besucher an den Tischen unter den Bäumen Platz genommen. Eine Musikkapelle, bestehend aus Kameraden des Musikzugs der SA.-Standarte 116, die schon bei den Gefallenen-Gedenkfeiern und auch bei dem Marsche durch die Stadt ihre guten musikalischen Leistungen wieder bekundet hatten, erfreute auch hier durch ausgezeichnete Unterhaltungsmusik, die allen Besuchern mit Recht große Freude bereitete. Für gesellige Unterhaltung war unter der umsichtigen Organisation von Kamerad Reitz in vielfältiger Weise bestens gesorgt; die Erwachsenen konnten sich an mehreren Schießständen unterhalten oder sie konnten auf einem großen Tanzboden das Tanzbein schwingen, für die Kinder war ein reichhaltiger Zuckerstand vorhanden, und die Festwirtschaft hatte sich die ausgezeichnete Verpflegung der Besucher und Speise und Trank sehr angelegen sein lassen. Am Abend fand noch ein schönes Feuerwerk als wirkungsvoller Ausklang des schönen Soldatentages statt. Am Nachmittag vor Beginn des geselligen Teils traten die Mitglieder der Kameradschaften zu einer kurzen Feier zusammen, bei der Kamerad Mül- l e r zunächst allen Besuchern kameradschaftlichen Gruß entbot und dann mit Worten der Genugtuung auf den starken Besuch dieses zweiten Gießener Soldatentages hinwies. Er erinnerte weiter kurz an die auch für die alten Soldaten schwere und schmerzliche Zeit in den Nachkriegsjahren unter dem überwundenen System, und er gab der Freude der alten Soldaten darüber Ausdruck, daß durch die nationalsozialistische Revolution und den tatkräftigen und glücklichen Aufbau unter der Leitung unseres Führers das Deutsche Reich wieder stark und mächtig geworden ist im Kreise der Völker und ein im Denken und Fühlen einheitliches deutsches Volk heute wieder in glücklicher Weise an seinem Schicksal arbeitet. Er huldigte sodann dem Frontkameraden Adolf Hitler und feinem Werk zum Segen des deutschen Volkes und grüßte den Frontkameraden, den deutschen Führer und Reichskanzler Adolf Hitler mit dem von den alten Soldaten in treuer Verbundenheit freudig aufgenommenen dreimaligen Sieg-Heil. Der gemeinsame Gesang der ersten Verse des Deutschland- und des Horst-Wessel- Liedes folgte. Nach diesem Gruß und Treugelöbnis an den Führer gab Kamerad Müller bekannt, daß Professor Bernbeck eine Sammlung von Kriegsbriefen gefallener Gießener Soldaten herausgegeben hat, womit der Herausgeber nicht nur diesen gefallenen Kameraden, sondern dem deutschen Soldaten des Weltkrieges überhaupt ein schönes und ehrenvolles Denkmal für alle Zeit fetzte. In dankbarer Würdigung dieser Tat wurde Professor Bernbeck von der Arbeitsgemeinschaft der Gie- Wie an den Vorsonntagen, so war auch am gestrigen Sonntag wieder die SA. zu den Bauern gegangen, um bei der Einbringung der Ernte zu helfen. Gegen Mittag, als die Sonnenstrahlen den Tau von den Feldern genommen, fuhren Erntewagen auf Erntewagen, begleitet vom Bauer und seinen ihm zugeteilten SA.-Männern, hinaus auf die Felder. Bald merkte man nichts mehr von der sonst üblichen Sonntagsruhe. Soweit man schauen konnte, wurde fleißig gearbeitet. Wagen um Wagen wurde geladen, und zu zweien und dreien zusammengekoppelt schwankten sie schwer beladen dem Dorfe zu. Auch hier war für Hilf, gesorgt, denn auf Tennen und in Scheuern standen Helfer der HI., um die hereinkommenden Erntewagen fo rasch wie möglich abzuladen. Es war wirklich eine Lust zuzusehen, mit welcher Freude jeder einzelne seinen Arbeiten oblag. Aber auch der Bäuerin sollte Hilfe werden, auf ihr allein durfte die erhöhte Arbeit in der Hauswirtschaft nicht ruhen. Für sie war der BDM. eingesetzt. Geschäftig und mit großem Fleiß verrichteten auch die Mädels ihre Arbeit bei der Bäuerin. Durch den Einsatz des BDM. wurde manche schaffende Hand noch für die Erntearbeit frei. Auf größeren Gutshöfen ist sogar der Arbeitsdienst für längere Zeit eingesetzt. Die gesamte Erntehilfe ist nicht etwa für die SA., HI. oder den BDM. eine Abwechslung ihrer sonstigen Arbeitstage in Fabrik, Büro, Werkstatt oder Geschäftsräumen, sondern sie ist einzig und allein geboren aus echter Kameradschaft, Volksverbundenheit, Hilfs- und Einsatzbereitschaft. Selbst abgearbeitet durch ihr oft schweres Tagewerk gehen sie dennoch freiwillig mit Freude und Schaffensgeist an die für sie ungewohnten Erntearbeiten in dem Bewußtsein, durch ihren Einsatz Ehrendienst für das gesamte deutsche Volk zu leisten. Ein Volk, dessen Jugend von so großem Verantwortungs- ßener Soldatengemeinschaften als erster zum Ehrenmitglied ernannt. Darüber wurde ihm eine Ehrenurkunde ausgestellt, die ihm von Kam. Müller vor den versammelten Kameraden überreicht wurde. Professor Bernbeck brachte in einer kurzen Ansprache seinen Dank für diese Ehrung zum Ausdruck und betonte, daß er die Auszeichnung mit Stolz und herzlicher Dankbarkeit annehme, nicht etwa in erster Linie für sich, sondern vor allem als eine pietätvolle Ehrung der teuren Toten und der ihnen gleichgearteten noch lebenden Frontkämpfer. Bei der Veröffentlichung dieser Kriegsbriefe, die oft unter dem Donner der Geschütze geschrieben wurden, sei er von der Erwägung ausgegangen, daß Kind und Kindeskinder nie vergessen sollten, wie der deutsche Soldat gegen eine Welt von Feinden in mehr als vierjährigem gigantischen Ringen gestritten habe, den Lebenden und den Zeitgenossen zum bleibenden Gedenken und der Jugend zum mahnenden Vorbild. Kam. Müller überreichte sodann dem Kam. Reitz als äußeres Zeichen der besonderen Anerkennung der vielfachen Verdienste, die sich Kam. Reitz um die Gießener Soldatenkameradschaften und um die Vorbereitung der Gießener Soldatentage im besonderen erworben hat, ein Bild, das die drei großen Deutschen Friedrich den Großen, B i s m a r ck und Adolf Hitler als die größten Führer der deutschen Nation vereinigt zeigt. Kam. Reitz nähme diese Ehrung mit Worten herzlichsten Dankes an und betonte, daß er seine Arbeit immer gern getan habe zur Ehre der alten Soldaten, die im Kriege jahrelang draußen vor dem Feind gelegen, gehungert, gelitten und gestritten haben, und die ihren höchsten Stolz darin sehen, daß sie gemeinsam mit dem Frontkameraden und Führer der Deutschen Adolf Hitler arbeiten am Wiederaufbau eines herrlichen Deutschen Reiches und die durch ihre Taten immer bekunden wollen, daß unser Führer Adolf Hitler sich stets auf die alten Soldaten stützen und verlassen kann. Er schloß mit einem begeistert aufgenommenen dreimaligen Hurra auf die alten Soldaten und die deutschen Soldaten« kameradschaften. gefühl beseelt ist, hat an ihr eine große Stütze in allen Lagen. ♦ Vom Bann 116 der Hitler-Jugend wird uns berichtet: Wochen ungünstiger Witterung liegen hinter uns. Schon seit vielen Tagen hofft der Bauer auf einen Umschwung des Wetters, hofft, daß es ihm gelingen möge, die diesjährige Ernte gut unter Dach und Fach zu bringen. Beinahe fah es danach aus, als sollte Deutschland eine gleich ungünstige Ernte beschert werden, wie 1934, da endlich kam zu rechter Zeit noch das richtige Erntewetter auf. Nun hieß es für den Bauer, alle Hände zu rühren, die Ernte schnell einzubringen, die Ernährung des deutschen Volkes zu sichern. Ueberall fehlte es jedoch an Arbeitskräften. Die innere Gesundung des Reiches ist soweit vollzogen, daß fast keine Arbeitslosen mehr zur Verfügung stehen, dem Bauer bei der Einbringung der Ernte zu helfen. In klarer Erkenntnis dieser Sachlage und durchdrungen von dem Pflichtbewußtsein, mit verantwortlich zu sein für den Gang der Dinge in Deutschland, hatten der Bannführer und die Untergauführerin von Gießen den Befehl gegeben, daß am Sonntag, 16. August, der Standort Gießen der HI. und des BDM. gemeinsam mit dem Bauer auf dem Felde arbeiten, um fo raschestens die Ernte zu sichern. Schon am frühen Morgen zogen denn am gestrigen Sonntag die Jungen und die Mädel durch die Straßen der Stadt, fuhren dann gruppenweise auf die einzelnen Dörfer und stellten sich den Ortsbauernführern zur Verfügung. In vielen Dörfern hat der' Einsatz von HI. und BDM. vorzüglich geklappt. Während einige Gruppen bei der Einbringung der Frucht beschäftigt waren, ernteten andere den Flachs. So wurde in Annerod einer Gruppe von 18 Hitler-Jungen und BDM.-Mädeln ein ganzes Flachsfeld zur Verfügung gestellt, das sie abernten konnten. Zunächst bereitete es ja einige Schwierigkeiten, den Flachs von dem Unkraut zu scheiden, zumal dann, wenn man Flachs noch gar nicht gesehen hatte. Aber mit etwas Uebung klappte die Sache ganz gut, und bei frohen Liedern und fröhlichen Scherzen schritt die Arbeit auch ganz munter fort. Zum Mittagessen hatten die Bauern einige riesige Eierpfannkuchen zur Verfügung gestellt, die ganz „pfundig" schmeckten, wie die Mädels versicherten. Leider hat der Einsatz nicht überall so vorzüglich geklappt, wie in Annerod und in einigen anderen Orten. Die Jungen und Mädel wurden abgewiesen mit dem Hinweis, daß Sonntag nicht gearbeitet würde. Wir Hitler-Jungen und BDM.-Mädel sind der Meinung, daß unser Einsatz zuerst Deutschland ist, daß dies unser oberster Glaube sein muß. Dahinter haben sich alle anderen Meinungen zu verstecken. Erst haben wir an Deutschland zu denken und für die Sicherheit seiner Ernährung zu sorgen, dann kommen erst alle anderen Gesichtspunkte. Hk. Canöfrpta Gießen 4- Grünberg, 17. Aug. Am heutigen Tage vollendet unsere Mitbürgerin, die Witwe Friederike Maier, geb. Schmidt, ihr 90. Lebensjahr. Sie ist die älteste Frau unserer Stadt. Der älteste Mann, Weichenwärter i.R. Johannes Görnert, wurde im Dezember. 1935 bereits 90 Jahre alt. Gefallenen-Ehrung auf dem Alten Friedhof. 1OOOO Liter Patenwein für Gießen. . »sf S 'VA Am Samstag traf, wir berichteten bereits darüber, die erste Sendung Patenwein für Gießen aus Oppenheim a. Rh. in unserer Stadt ein. Festlich waren Lastkraftwagen und Anhänger geschmückt. In der Schulstraße wurde das „Stöff- chen" probiert. (Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.) SA.,HI. und BdM. helfen hei der Ernte.