Nr. 90 Erstes Blatt 186. Jahrgang Keltag, 17. April 1956 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monatr-Vezugspretr: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahttmch- richten: Anzeiger Stehen Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686 Metzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Universitäts-Such- und Steinörudcrd R. Lange In Stehen. Zchristleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8*/.UHr des Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text« anzeigen von70mm Breite 50 Rpf.,Platzvorschrift nach vorh.Vereinbg.25°/„ mehr. Ermähigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemein« nützige Anzeigen sowie ein« spaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf.,Familienanzei« gen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche AnzeigenbRpf. Mengenabschlüsse Staffel B Die entschleierte „Sicherheit". Am Tage, nachdem die deutschen Truppen in der entmilitarisierten Zone des Rheinlandes ihre Frie- dcnsgarnisonen bezogen, hielt Frankreichs Ministerpräsident Albert Sarraut am Rundfunk eine Rede, die auf einen gereizten Ton gestimmt war. Man wird mit Befriedigung feststellen, daß seine jetzige Rede, die er vor den Vertretern der französischen Provinzpresse hielt, friedlicher klingt. Daß er sich zum Friedenswillen bekannte und eine Politik der Versöhnung nicht von sich wies, ist zu begrüßen. Wenn Sarraut sich aber darüber beklagte, daß das Ausland die internationalen Spannungen benutzt habe, um sich mit der französischen Innenpolitik zu beschäftigen, so kann dieser Vorwurf nicht auf Deutschland bezogen werden. Die deutsche Oeffentlichkeit lehnt es ab, sich mit den innerpolitischen Fragen der einzelnen Länder agitatorisch zu befassen und erwartet von ihrer Presse nur, daß sie Deutschland gegenüber die gleiche Zurückhaltung übe. Der französische Ministerpräsident hat unter Berufung auf die Autorität des Generalstabs festgestellt, daß Frankreich in seiner Rüstung durchaus auf der Höhe sei und gegenüber anderen Ländern eine Ueberlegenheit besitze. Diese Feststellung ist sehr wichtig, weil von gewisser Seite immer wieder mit dem Argument gearbeitet wird, das „mächtig gerüstete Deutschland" habe keine anderen Absichten, als über seinen französischen Nachbarn herzufallen. Zur weiteren Begründung der „deutschen Gefahr" wurde dann noch hinzugefügt, daß dieses Deutschland 67 Millionen Einwohner zähle, während Frankreich nur 40 Millionen aufzuweisen habe. Sarraut sprach in seiner Rede von dem Hundert-Millionen-Volk der Franzosen, weil er ganz richtig die Menschenzahl der französischen Kolonien in seine Kalkulatton einsetzte. Damit wäre auch dieser Einwand von der ungeheuren zahlenmäßigen Ueberlegenheit des deutschen Volkes gründlich abgetan. In der Rede S a r r a u t s befindet sich folgender bemerkenswerter Satz: „Das französische Frie- densideas findet seinen Ausdruck in der kollektiven Sicherheit. Die französische Regierung wünsche alle Gendarmen der Ordnung gegen d e n zu sammeln, der versuchen sollte, den Krieg vom Zaune zu brechen." Mit diesen Worten ist von maßgebender französischer Seite Klarheit darüber geschaffen worden, was man in Paris unter der Sicherheitspolitik versteht. Damit ist in erster Linie nicht an die Sicherheit des französischen Landes gedacht — denn diese ist durch die hohen Rüstungen reichlich garantiert —, sondern an die kollektive Sicherheit. Das heißt mit anderen Worten, daß es der französischen Politik daraus ankommt, unter Ausnutzung aller Friedensoerträge überall die Möglichkeit von Interventionen zu besitzen. Die Möglichkeit, in die Lebensrechte anderer Völker einzugreifen und das Spiel des einen Staates gegen den anderen zu treiben, soll in alle Zukunft fortgesetzt werden. Man wird für diese Aufklärung dankbar sein, wenn sie für uns auch nichts Neues darstellt. Wir haben immer gesehen, wie Frankreich den Völkerbund dazu benutzte, um ihn zum I n - strument der eigenen Politik und zu einer Waffe gegen Deutschland zu benutzen. Solange es sich darum handelte, vom Völkerbund aus Sanktionen gegen Deutschland zu erreichen, gab es keinen größeren Fürsprecher für diese Methoden als Frankreich. Jetzt aber, als die Waffe der Sanktionen nach einer anderen Seite angewandt wurde, erhebt man dagegen scharfe Bedenken und möchte am liebsten den Völkerbund verlassen. Diese Feststellung kann von deutscher Seite ganz objektiv getroffen werden, ohne daß wir Neigung hätten, uns in den Streit der Stresa-Mächte untereinander einzumischen. Auch die französischen Bemühungen zum Ausgleich des abessinischen Konfliktes haben ja keinen anderen Zweck, als Italien sobald als möglich für die europäischen Fragen frei zu machen und, wenn es nach Frankreichs Wünschen geht, gegen Deutschland einzustellen. Ebenso deutlich war die antideutsche Tendenz der Pariser Politik beim Abschluß des Bündnisses mit der Sowjetunion. Auch dort hat man den Völkerbund nur deshalb eingeschaltet, um seine Bestimmungen umso sicherer zu umgehen, den Locarno-Vertrag zu zerstören und Deutschland zu isolieren. Der Schleier dieser Politik ist nun zerrissen worden. Klar und deutlich ist nun geworden, daß Frankreich niemals bedroht war und daß seine Politik der kollektiven Sicherung sich gegen Deutschland richtet, um die Vormacht in Europa um so fester zu behaupten. Ministerpräsident Sarraut hat in seiner Rede ein hohes Lied auf den französischen G e - genplan angestimmt. In diesem Schriftstück befindet sich auch folgender Satz: „Die Entmilitarisierung des Rheinlandes war nichts anderes als eine Sicherheitsgarantie, die Europa gegen neue Unternehmungen Deutschlands gegeben wurde." Würde der Satz besagen, daß die Entmilitarisierung eine Garantie für die französische Inte r'v e n t i o n s p o l i t i k in Europa sein sollte, dann würde er das Richtige treffen. Wie man sieht, hat Sarraut manche dankenswerte Klarheit geschaffen, wenn wir auch alle positiven Gedanken für die Befriedung Europas in dieser Rede vermissen. Immerhin sollte es niemanden mehr geben, der nach diesen Eröffnungen von dem bedrohten Frankreich sprechen kann. Hinter seiner Maginot-Linie mit einer „Deckung" von 160 000 Mann steht eine Militärmacht, die die materielle Ueberlegenheit, vor allen anderen Staaten beansprucht. Diese Macht ist gesichert und verstärkt durch Militärbündnisse und sie möchte darüber hinaus durch eine kollektive Politik den Gendarmen Europas spielen. Das ist alles deutlich genug, so daß wir keines weiteren Zeugnisses bedürfen. Warum Frankreich Frieden in Afrika wünscht. Paris, 17. April. (DNB. Funkspr.) Die Pariser Presse gibt sich große Mühe, die am Donnerstag in Genf aufgetauchte Möglichkeit hervorzuheben, in kurzer Zeit vielleicht ein Ende des italienisch-abessinischen Krieges herbeizuführen. Man strengt sich dabei aber nicht an, zu verhehlen, daß die Genugtuung über eine solche Entwicklung weniger der — in diesem Falle sehr umstrittenen — Rettung der Völkerbundsgrundsätze gilt, als der Aussicht, die Rheinsrage wieder in den Vordergrund schieben zu können. Diesen Standpunkt bringt am klarsten der dem fran = zösischen Außenministerium nahestehende „Petit P a r i s i e n" zum Ausdruck, der in seinem Bericht aus Genf erklärt: 2Han mutz in Afrika schnell zum Frieden kommen, damit Italien seine europäischen Pflichten wieder übernehmen kann. Dem Blatt scheint die Gefahr der Sühnemaßnahmen trotz der neuesten Genfer Entwicklungen noch nicht völlig beseitigt. Falls die Bemühungen des 13er-Ausschusies scheitern und der 18er- Au s schuß am Montag seine Arbeit aufnehmen sollte, würden die Dinge sofort ihren Lauf nehmen. Die Stellung Frankreichs würde dann sehr heikel sein, da die englische Regierung nichts unterlassen werde, um die Verantwortung für eine Fortsetzung des abessinischen Krieges Frankreich zuzuschieben, wenn Frankreich sich erneut gegen die gegenwärtigen Sühnemaßnahmen sträuben sollte. Jedermann wisse, ob zugegeben oder nicht, dah die Sühnemahnahmen den Friedensschluh nicht beschleunigen, sondern im Gegenteil die Gefahr, den Konflikt zu verallgemeinern, heraufbe- schwören. Die außenpolitische Mitarbeiterin des „O e u v r e" schreibt aus Genf, man müsse feststellen, daß die Nationen anscheinend geneigt seien, sich zum erstenmal vor der vollendeten Tatsache z u beugen. Das Interesse der Delegierten, mit Ausnahme der Engländer, sei bereits woanders als bei Abessinien. Es sei an den Rhein zurückgekehrt. Auf f r a n z ö s i s ch e r Seite wünsche man vor allem die Einstellung der Feindseligkeiten in Afrika. Zugleich glaube man jedoch, daß es von größter Bedeutung sei, Zeit zu gewinnen, damit die Abessinier und die Engländer sich an das Unvermeidliche gewöhnen könnten. Frankreich werde am Montag im 18er Ausschuß seine Absichten barlegen, die in der Pariser Ministerbesprechung zwischen Sarraut, Flandin und Paul- Boncour festgelegt worden seien. Darüber wisse man bereits, daß Frankreich die Notwendigkeit einer Wahl zwischen Italien und England vermeiden wolle und deshalb entschlossen sei, sich an neuen Sühnemahnahmen nicht zu beteiligen, da diese die Wirtschaftskrise in Europa nur verschärfen würden. Sollte England jedoch auf Grund des Artikels 16 des Völkerbundspaktes die Durchführung scharfer Maßnahmen fordern, so werde Frankreich sich dem nicht sofort widersehen, es werde vielmehr zunächst die endgültigen Entscheidungen Englands über die Verantwortung kennen zu lernen wünschen, die England in Wittel- und Osteuropa übernehmen wolle, vor allem für die Tschechoslowakei, Oesterreich und Rumänien. Auherdem verstehe es sich, dah England zuvor auf das ihm von Flandin auf der letzten Zusammenkunft der tocarnomächte überreichte vertrauliche Memorandum günstig geantwortet haben müsse. Bisher sei aber noch keine Ant- Oie Dardanellen. Don Konteradmiral a. O. Brüninghans. Als vor etwa Jahresfrist die türkische Absicht, die Entmilitarisierung der Dardanellen rückgängig zu machen, in Genf laut wurde, zeigte England so entschieden die kalte Schulter, daß M u - ft a f a Kemal Pascha die Frage fallen ließ, nicht endgültig, wie es schon damals allgemein hieß, sondern nur bis zu einem gelegeneren Zeitpunkt. Nichts kennzeichnet die während des vergangenen Jahres eingetretene Verschiebung in den Verhältnissen im nahen Osten besser als die jetzige offizielle Forderung der Türkei auf Revision des sogenannten „Meerengen-Statuts vom Jahre 1923". Die türkische Note an den Völkerbund unterstreicht die Tatsache, daß in den verflossenen Jahren von 1923 bis 1936 die politische und militärische Gesamtlage eine ganz andere geworden ist. Mit deutlichem Hinweis auf den zur Zeit im Mittelmeer bestehenden Zustand beantragt die Türkei, „da die Bestimmungen über die gemeinsame Garantie der vier Großmächte ungewiß und unwirksam geworden sind und die Türkei nicht länger gegen eine äußere Gefahr schützen können", in gemeinsame Beratungen über ein neues Meerengen-Regime einzutreten, durch welches die nötigen Voraussetzungen für die Unverletzlichkeit des türkischen Gebietes ermöglicht werden. Auf gut deutsch: Mustafa Kemal Pascha will zum Schutz seines Landes die Dardanellen befestigen. Das zur Zeit in Kraft befindliche Meerengen- Regime, das Lord Curzon in Lausanne 1923 gegen den erbitterten Widerstand der Türken und Russen (Tschitscherin) durchzusetzen vermochte, bedeutet grundsätzlich Durchfahrtsfreiheit für Handelsschiffe und Kriegsschiffe. Für letztere allerdings mit folgender Einschränkung: „Die Stärke der durchfahrenden Schiffe einer Macht darf nicht diejenige der stärksten vorhandenen Flotte im Schwarzen Meer übersteigen. Gleichwohl dürfen unbedingt drei Schiffseinhetten zu je 10 000 Tonnen passieren." Für die Innehaltung der Bestimmungen ist ein Ausschuß verantwortlich, dessen Vorsitzender ständig ein Türke ist. Die Oberaufsicht und Entscheidung in Zweifelsfällen aber hat der Völkerbund. Letzterer hat auch hier, wie bei allen anderen Gelegenheiten, bisher versagt. Am 30. Januar 1930 fuhren die beiden Sowjet-Kriegsschiffe „Parischkaja Kommuna" (26 000 Tonnen) und „Profintern" (6000 Tonnen) von den Hochzeitsfeierlichkeiten zu Ehren des italienischen Kronprinzen in Neapel durch die Meerengen nach Sewastopol, um, wie es damals hieß, notwendige Reparaturen vorzunehmen. Sie find noch heute im Schwarzen Meer. Der Völkerbund hat ohnmächtig zugesehen. Bis zu einem gewissen Grade gilt auch heute noch der Satz, daß der Staat, der den Schlüssel zum Schwarzen Meer tatsächlich in der Hand hat, in hohem Maße, unter Umständen sogar ausschlaggebend, die politische Entwicklung im Nahen Osten beeinflussen kann. Der kluge Mustafa Kemal Pascha wird sich darüber sicherlich vollkommen im klaren sein. Gelingt es ihm, daß er die Durchfahrt durch die Meerengen von dem Willen der Türkei abhängig macht, anstatt daß, wie bisher, der Völkerbund rechtlich darüber zu entscheiden hat, so bedeutet das für fein Land einen gewaltigen Schritt vorwärts. Die politischen Verhältnisse am Schwarzen Meer haben insofern eine grundlegende Aenderung erfahren, als an die Stelle der jahrhundertealten Feindschaft zwischen den Russen und Türken das bekannte Militärbündnis getreten ist, das im Jahre 1931 noch durch den „Schwarzen- Meer-Pakt" ergänzt wurde. In diesem Pakt haben sich die beiden Staaten gegenseitig verpflichtet, vor etwaiger Verstärkung der Marinen im Schwarzen Meer ober den benachbarten Meeren die andere Macht sechs Monate vorher in Kenntnis zu fetzen, d. h. dies nur im Einvernehmen mit dem anderen Vertragspartner zu tun. Auch zwischen der Türkei und Japan bestehen sehr gute Beziehungen. Der erste Besuch, den das japanische Geschwader 1934 im Mittelmeer abstattete, galt der Türkei in Konstantinopel. Die Neubauten für die türkische Flotte (2 Kreuzer, 4 Zerstörer, 4 Unterseeboote) sind nach den bisherigen Nachrichten in Japan hergestellt worden. Die Bezahlung erfolgt nur zum Teil in bar; ein großer Teil dagegen durch Ueberlassung van Landkonzessionen im Ausmaß von etwa 25 000 Hektar in Anatolien zur Anlage von Baumwollkulturen. Abgesehen davon, daß es den Engländern nicht ganz gleichgültig sein kann und wird, tritt mit Bezug auf die Türkei, Rußland und Japan ein nahezu grotesker Zustand ein. Die Türken helfen den Japanern wirtschaftlich und damit auch politisch, letztere unterstützen die Türken militärisch, indem sie ihnen die Schisse bauen. Rußland ist im Fernen Osten der Gegner Japans, dem im nahen Osten die Türkei, Freund beider Staaten, wesentliche Vorteile verschosst. Und schließlich, wenn Japan die Schisse für die Türkei fertig gebaut hat, muß Rußland noch seinen Segen dazu geben, daß sie auch in den Häsen im Schwarzen Meer in Dienst gestellt werden dürfen. Die Begründung, die Mustafa Kemal schon verschiedentlich für seine Auffassung aufstellte, er glaube nicht, daß er ohne Befestigung der Dardanellen die türkische Neutralität im Falle kriegerischer Verwicklungen ausrechterhalten könne, hat viel für sich. Wenn man sich vergegenwärtigt, daß es dem „Grauen Wolf" im Jahre 1923, als von der alten Türkei eigentlich nichts mehr übrig geblieben war, als die Verpflichtung, aus diesem Nichts obendrein hohe Reparationen zu zahlen, gelungen ist, die heutige neue Türkei zu fchasten, so wird man seinem zähe verfolgten, jetzt wieder aufgenommenen Kampf um die Wiederher ft ellung der türkischen Souveränität über bie Meerengen recht erhebliche Erfolgsaussichten zusprechen können. Ein Blick in die Auslands- presse zeigt, daß bei einigen interessierten Völkern bereits weitgehendes Verständnis für die angemeldeten Ansprüche vorhanden ist. Günstige Antwort Englands auf die türkischeDardanellen-Äote London, 17. April. (DNB. Funkspr.) Die britische Regierung hat am Donnerstag die Forderung der Türkei nach einer Revision der Lausanner Vertragsbestimmungen über die Entmilitarisierung der Dardanellen beantwortet. Nach Mitteilungen der Morgenprefse ist die Antwort, die dem türkischen Botschafter in London überreicht wurde, günstig ausgefallen. Wie der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" meldet, wird in der englischen Note zunächst darauf hingewiesen, daß die Regierungen der brititschen Dominions um ihre Stellungnahme befragt werden müßten. Die britische Regierung selbst stehe auf dem Standpunkt, daß die türkischen Vorschläge eine Erörterung ohne Aufschub verdienten. „News Chronicle" berichtet, es fei wahrscheinlich, daß der erste Schritt in der Dardanellen-Frage auf der Sitzung des Völkerbundsrats am 11. Mai unternommen werde. Oie Kreistetter-Tagung. Burg Crössinsee, 16. April. (DNB.) Der zweite Tag der Tagung der Kreisleiter der NSDAP, wurde, wie NSK. meldet, durch einen Vortrag des Reichsorganijattonsleiters Dr. Ley eröffnet, der die Aufgaben jenes neuen Typs d e s politischen Menschen, den die NSDAP, verwirklicht hat, Prediger und Soldat zugleich zu sein, umriß. Die große Verpflichtung der Partei als Organisation sei es, Hüter der n a • tionalsozialistischen Weltanschauung zu sein, sie rein und klar zu erhalten und zu lehren. Nur wer in der Partei verankert und verantwortlich sei, könne und dürfe weltanschaulich lehren. Dr. Ley ging dann auf das Problem Glaube und Wissen ein. Der nationalsozialistische Glaube, bie nationalsozialistische Lehre, werde niemals im Gegensatz, sondern immer mit dem Wissen und mit dem Fortschritt der Wissenschaft im Einklang sein. Die Ordensburg der NSDAP, sei nach ihrer Eigenart nicht für das Heute, sondern für die Jahrhunderte gebaut. Die Männer, die durch die Schule der Kampfzeit gegangen, seien jetzt auch in der Lage, ihren Nachwuchs selbst auszuwählen, weil sie die Fehler des bürgerlichen Systems miterlebt haben. „Was in den Ordensburgen getan wirb, geschieht nicht für bie Gegenwart, fonbern für bie Zukunft. Es ist unsere Aufgabe, bafür zu sorgen, daß bem Arbeiter, bem Bauern und dem Hand« werter für alle Jahrhunderte und Jahrtausende der Weg in die politische Führung offen steht." Reichsleiter Dr. Ley zeichnete in großen Zügen das Bild des Auslefevrozesfes und den Gang der zukünftigen politischen Schulung. Am Nachmittag stellte Reichsleiter Alfred Rosenberg den weltanschaulichen Kampf des Nationalsozialismus in das große Bild der allgemeinen weltpolitischen Lage. Nach dem großen Geschehen des Weltkrieges habe eine neue Zeit neue Fragen gestellt, die nicht mit den bisherigen alten Antworten beantwortet werden konnten. Nicht nur eine politische Umwälzung habe sich vollzogen, sondern jahrhundertealte Vorstellungen und Gedanken brachen zusammen. Eine weltanschauliche Umwälzung fei es gewesen, die damals ringe- leitet wurde. Der Bolschewismus sei nicht nur eine politische Bewegung, sondern Ausdruck einer Welt- verzweiflungsstimmung, die in jenem Zusammenbruch entstand, — die nationalsozialistische Bewegung aber ist die bewußte Kampfansage gegen diese Weltuntergangsstimmung und gegen den Zusammenbruch. „Wir Nationalsozialisten", so erklärte Reichsleiter Alfred Rosenberg, „bekennen uns nicht zu irgendwelchen geopolitischen West- oder Ostgedanken, sondern zum deutschen Gedanken an sich. Wir Nationalsozialisten sind stolz darauf, daß unser Volk in der schwersten Stunde der Unterdrückung, bie es an den Rand des Bolschewismus geführt hat, die Widerstandskräfte besaß, diese ungeheure Gefahr zu überwinden." Feierliche Vereidigung der politischen Leiter am Geburtstage des Führers. München, 16. April. (DNB.) Wie in den letzten Jahren ist der Traditionsgau München-Oberbayern der NSDAP, auch in diesem Jahre beauftragt, eine feierliche Kundgebung anläßlich der Vereidigung der politischen Leiter, der HI.» Führer und der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der nationalsozialistischen Organisationen in der Hauptstadt der Bewegung vorzubereiten. Die auf dem Königlichen Platz in München ftattfinbenöe Vereidigung wird auf das gesamte Reichsgebiet übertragen. In den Abendstunden werden bie zu vereidigen- ben politischen Leiter und Angehörigen der Gliederungen überall aufmarschieren. Nach kurzen Ansprachen der Hoheitsträger der Partei wird der Stellvertreter des Führers Rudolf Heß sprechen und anschließend den Kämpfern und Kämpferinnen Adolf Hitlers die Eidesleistung abnehmen. wort, ja noch nicht einmal eine Andeutung vom englischen Außenministerium erfolgt. Pertinax erklärt im „Echo de Paris", zwischen den Völkerbunbssatzungen, selbst wenn man sie noch so dehnbar auslege, und den Forderungen Italiens bleibe ein völliger Gegensatz. Die französischen Vertreter könnten in der nächsten Sitzung in Gens nur an ihrem Standpunkt festhalten, der von der „deutschen Gefahr" (!) und von den „Erfordernissen der etwaigen Aktion am Rhein" bestimmt werde. Sie würden nicht müde werden, zu erklären, daß die Verletzung des Dölkerbunbspaktes durch Italien angesichts der deutschen Gefahr eine Frage zweiter Ordnung sei. Die französische Regierung werde ihre Haltung im italienisch-abessinischen Streitfall so einrichten, daß der dem französischen Widerstands- system durch Deutschland zugefügte Schaden so gering wie nur möglich bleibe. Die Generalstabsbefprechungen. Ein Generalplan. London, 16. April. (DRV.) Die am Mittwoch in London begonnenen Generalstabsbespre- ch u n g e n zwischen England, Frankreich und Belgien wurden am Donnerstagabend abgeschlos- s e n. Am Nachmittag hatte eine gemeinsame Sitzung der Vertreter der drei Waffengattungen im Gebäude der Admiralität stattgefunden, die etwa eine Stunde dauerte. Wie verlautet, werden die französischen und belgischen Vertreter vor ihrer Rückkehr wahrscheinlich noch einen oder zwei Tage in London bleiben. Der diplomatische Mitarbeiter des „Evening Standard" weiß zu melden, daß beabsichtigt sei, die Vorschläge der drei Waffengattungen zu einem G e n e - ralplan zusammenzufassen, der alsdann den Regierungen Englands, Frankreichs und Belgiens unterbreitet werden solle. Möglicherweise sei diese Absicht schon in der abschließenden Sitzung am Donnerstag durchgeführt worden. Oer norwegische Außenminister in Warschau. Warschau, 16. April. (DNB.) Zu Ehren des norwegischen Außenministers K o h t, der am Freitag mit dem Flugzeug aus Bukarest eintrifft, wird Außenminister Beck am Freitagabend ein Essen geben. Am Samstag wird Minister Koht vom polnischen Staatsprä fit) enten empfangen werden und den Ministerpräsidenten K o s c i al- ko w s k i besuchen. Am Sonntag früh reist Minister Koht nach Moskau weiter. In Warschauer politischen Kreisen wird der Besuch des norwegischen Außenministers, der auf Einladung der polnischen Regierung erfolgt, in Zusammenhang gebracht mit der während der letzten Londoner Ratstagung eingeleiteten Verständigung der mittleren und kleineren Staaten über eine gewisse Zusammenarbeit im Völkerbunde. Es wird betont, daß der Besuch des norwegischen Außenministers informatorischen Charakter trägt und lediglich einer persönlichen Fühlungnahme dient. Neubesetzung des lettischen Außenministeriums. Riga, 16. April. (DNB.) Der neue Präsident der Republik, Ulmanis, hat seine Amtsgeschäfte übernommen und ist von seiner bisherigen Stellung als Außenminister zurückgetreten. Mit der provisorischen Führung der Geschäfte des Außen- ministeriums wurde der Finanzminister E k i s betraut. Marxistische Ausschreitungen in Lemberg. Warschau, 16. April. (DNB.) In Lemberg ist es am Donnerstag zu außerordentlich schweren Zusammen st äßen zwischen der Polizei und Mitgliedern der A r b e i t e r g e w e r k s ch a f t e n gekommen. Die Unruhen entstanden bei der Beerdigung eines am Dienstag bei einer Arbeitslosenkundgebung durch einen Polizeibeamten erschossenen Demonstranten. Die Gewerkschaften versuchten, entgegen der Vereinbarung mit der Polizei, einen Demonstrationszug durch die Straßen zu veranstalten, die von der Behörde für den Aufmarsch nicht freigegeben worden waren. Die Polizei wurde daher eingesetzt, um die Demonstranten zu zerstreuen. Dabei' wurde sie von der Menge tätlich angegriffen und mußte schließlich von der Schußwaffe Gebrauch machen. Bisher werden zehn Tote und etwa 60 Verwundete gemeldet. lieber die Zusammenstöße in Lemberg veröffentlicht die Polnische Telegraphenagentur eine amt- l i ch e D a r st e l l u n g in der es u. a. heißt: „Am Donnerstag kam es in Lemberg während der Beisetzung eines gewissen Wladislaw K o z a k zu Zusammenstößen mit kommunistischen und anderen Elementen. Der aus Vertretern der Gewerkschaften bestehende Begräbnisausschuß hatte im Einvernehmen mit den Behörde die Einzelheiten des Begräbnisses festgesetzt, und gleichzeitig eine Zusicherung für die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung durch einen eigenen Sicherheitsdienst ab gegeben. Leider wurden diese Zusicherungen nicht e i n g e h a l t e n. Die Mehrzahl der Teilnehmer ließ sich Ausschreitungen zuschulden kommen, indem sie Schaufenster einschlug und in Läden e i n d r a n g. An einigen Stellen der Stadt wurde die Polizei mit Revolver- schüssen und Steinwürfen empfangen. Die Polizei war ihrerseits gezwungen, von der Waffe Gebrauch zu machen. Im Verlaufe der Zusammenstöße fanden drei Personen den Tod. Eine weitere Anzahl wurde verletzt. Unter den Verletzten befinden sich auch mehrere Polizeibeamte." Mehrmals kam es an mehreren Stellen zu Kämpfen mit Polizei-Abteilungen, die von der Menge mit Revolverschüssen und Steinwürfen angegriffen wurden. Vereinzelt wurde auch der Versuch gemacht, mit Hilfe umgestürzter Straßenbahnwagen eine Barrikade zu errichten. Der größte Teil der demonstrierenden Menge zerstreute sich in der Stadt und begann in größeren Trupps Plünderungen von Geschäftslokalen und Wohnungen. Ein größeres Holzlager wurde in Brand gesteckt und die Feuerwehr wurde an der fiö» 0 gewaltsam verhindert. In den späten stunden wurde die Ruhe in Lemberg wieder hergestellt. Im Laufe der Nacht wurde eine Reihe von Ruhestörern verhaftet, meist Kommuni- st en, bei denen Waffen gefunden wurden. Die Blätter heben hervor, daß hier ebenso wie vor einiger Zeit in Krakau die sozialistischen Gewerkschaftsführer die Leitung der Massen verloren und daß an ihre Stelle Kommunisten traten, die die Massen zu den schweren Ausschreitungen aufhetzten. Italien gibt seineKnedensbeSinglmgen in Gens bekannt Verhandlungen unter Ausschluß des Völkerbundes fern von Genf. — Waffenstillstand ist eine rein militärische Angelegenheit. araph" und betont, daß der unerschütterliche Widerstand, den Italien bereits seit fünf Monaten gegen Die Sanktionen geleistet habe und den es dank seiner inneren Disziplin und dank der immer besser ausgenutzten und vervollkommneten Hilfskräfte seines eigenen Landes weiter leisten werde, die Zuversicht auf den Erfolg verschärfter Sanktionen ebenso enttäuschen werde, wie die Siege Italiens in Ostafrika alle pessimistischen Prophezeiungen eines italienischen Mißerfolges widerlegt hätten. Englische Anleihe für Abessinien? London, 16. April. (DNB.) Wie in Londoner City-Kreisen verlautet, soll die Regierung von Abessinien beabsichtigen, in Den nächsten Tagen eine öffentliche Anleihe in Höhe von einer halben Million Pfund Sterling aufzunehmen. Wie es heißt, werden die Anleihestücke in England mit einem Begebungskurs von 95 zu einem Zins- Londoner Kommentare. London, 17. April. (DNB. Funkspruch.) In ihren Berichten über die neue Entwicklung in Gens zeigen sich die Morgenblätter sehr zurückhaltend. Nach allgemeiner Ansicht sind die Aussöhnungsbemühungen des Schlichtungsausschusses sehr wahrscheinlich als gescheitert zu betrachten, lieber das weitere Verfahren in Genf und die zukünftige Stellungnahme Englands sind die Blätter noch sehr im Unklaren. Zwischen len Zeilen wird zum Ausdruck gebracht, daß in amtlichen englischen Kreisen keine große Neigung bestehe, die Sühnemaßnahmen gegen Italien weiter aufrechtzuerhalten. Der Genfer Korrespondent des „Daily Telegraph" erklärt, die italienischen Vor- fd) läge feien völlig außerhalb des Rahmenwerkes der Dölkerbunds- f a tz u n g e n. Wenn nicht eine völlig unerwartete und unwahrscheinlicke Entwicklung eintrete, werde der Schlichtungsausschuß heute keine andere Wahl haben, als das Fehlschlagen seiner Aussöhnungsbemühungen festzustellen. Hierauf werde der Sühneausschuß einberufen werden müssen. Es sei jedoch ungewiß, ob irgend eine Entscheidung über neue Sühnemaßnahmen getroffen werden würde. Pertinax meldet in dem gleichen Blatt, Eden habe bei der gestrigen Sitzung des Schlichtungsausschusses energisch Darauf bestanden, daß jede Möglichkeit einer Aussöhnung ausgenutzt werden müsse. Der diplomatische Mitarbeiter der „M o r n i n g P o st" meldet, daß die amtlichen englischen Kreise Die letzte Entwicklung in Genf zurückhaltend beurteilen. Die Italiener feien überzeugt, in Addis Abeba einmarfchieren zu können, bevor ein Waffenstillstand abgeschlossen werde. Wenn dies zutreffen sollte, dann könne man sich nur schwie- Kreuz und quer an der imnemschen Aordsron«. Don unserem Dr. Ho.-Kriegsderichterstatier auf iialienischer Seite. satz von 6 v. H. angeboten werden. Die Bank von Aethiopien werde Die Anleihe in Die Wege leiten. Der Zinsendienst soll Durch eine Ehrenver- pslichtung Des Kaisers von Abessinien garantiert werden. Japan um feine abessinischen Interessen besorgt. Tokio, 17. April. (DNB. Funkspruch. Ostasien- Dienst.) Nach Mitteilung Der Agentur Domei Der- lautet, Daß Die japanische Regierung den italienisch-abessinischen Streit mit großerSorge verfolgt. Ganz davon abgesehen, welche Maßnahmen Der VölkerbunD oder EnglanD unD Frankreich angesichts der Lage in Ostafrika ergreifen sollten, ist die japanische Regierung, wie verlautet, aufs äußerste Darum besorgt, Japans wirtschaftliche u n D Handel sinteressen in Abessinien sicherzustellen. rig vorslellen, auf welcher Grundlage der Völkerbund in der Zukunft verhandeln solle. Vernon B q r 11 e 11 meldet der „News C h r o- nicle" aus Genf, daß die italienischen Bedingungen von der Mehrheit der Ratsmitglieder als ganz und gar unannehmbar betrachtet würden. Einige Mitglieder seien für neue Druckmaßnahmen, von denen eine Sperre der Del- ausfuhr und -Beförderung die am wenigsten drastische wäre. Eine andere von den Franzosen geführte Gruppe habe erklärt, daß bis nach den französischen Wahlen nichts getan werden könne. In britischen Kreisen sei man zu der Auffassung geneigt, daß Italien so schwer unter den bestehenden Sühnemaßnahmen leide, daß es kaum etwas ausmachen würde, wenn keine weiteren Maßnahmen ergriffen werden, selbst wenn Addis Abeba von den Italienern erobert werden sollte. Der arbeiterparteiliche „Daily H e r a l d" meint, Mussolini wolle dem besiegten Staat einen Frieden diktieren. Die Forderungen des Duce seien phantastisch und grotesk. Der Völkerbund habe nur noch eine Möglichkeit, die mit seiner Ehre und seiner weiteren Existenz erträglich sei: nämlich die Be- schließung scharfer und vernichtender Sühnemaßnahmen. Das Rothermere-Blatt „Daily Mai l" meint, die englische Außenpolitik im Abessinien- konftikt habe einen vollständigen Bankrott erlitten. Wenn die englische Regierung seinerzeit Den Hoare-Laval-Plan angenommen hätte, Dann wäre Der FrieDen schon vor vier Monaten zustanbe- gekommen, unD Der Negus hätte ein Gebiet von Der Dreifachen Größe Englands behalten. Genf. 16. April. (DNB.) In feiner heutigen Unterredung mit Ul a d a r i a g a hat A l o l f l, wie man hört, die BedingungenItaliens über die Aufnahme von Waffen st ill st ands- und Zriedensverhandlungen folgendermaßen zufammengefaht: 1. Die Ariedensverhandlungen müssen außerhalb von Genf stattfinden. (Ulan spricht von Ouchy bei Lausanne). 2. Die Verhandlungen finden nur zwischen den beiden Beteiligten statt. Der Völkerbund wird jedoch über ihren Verlauf unterrichtet. 3. Die Herbeiführung eines Waffen- st i l l st a n d e s ist eine militärische Frage und daher zwischen dem italienischen Oberbefehlshaber und dem Negus direkt zu regeln. Alolsi soll erklärt haben, daß Italien über dieses Programm nicht weiter verhandeln wolle, sondern es dem Dreizehner-Aus- chuh überlasse, die Vorschläge entweder abzulehnen oder anzunehmen. Die Haltung Italiens hat hier große Verlegenheit hervorgerufen. Rom Dementiert alle Gerüchte über Schlichtungspläne. 9t o m, 16. April. (DNB.) Zu Den in Genf auf- genommenen Besprechungen mit Dem italienischen Beauftragten Aloisi rourDe am Donnerstagabend von amtlicher Seite folgende formulierte Erklärung abgegeben: „Die Besprechungen Drehen sich um Das Verfahren unD haben präliminären Charakter. Alle Beteiligten haben sich zur stärksten Zurückhaltung verpflichtet. Nichts ist bis jetzt Durchaesickert. Die umlaufenDen Gerüchte über um- assenoere Reorganisations- und Schlichtungspläne, Die mit Der allgemeinen politischen Lage in Beziehung stünDen, finD ein reines ProDukt Der Phantasie unD werDen ohne weiteres Dementiert." Im Zusammenhang mit Dieser Erklärung, über Deren nähere Bedeutung von zuständiger Seite jede weitere Auskunft abgelehnt wurde, sind gleichzeitig amtlich die Gerüchte über wichtige Besprechungen zwischen Rom und London dementiert worden. Auch die weitere Meldung, daß der italienische Regierungschef von der englischen Regierung als ersten Schritt für eine Beilegung des Konfliktes die Zurückziehung der englischen Flotte aus dem Mittelmeer verlangt hpbe, wird mit Bestimmtheit in Abrede gestellt. Der englische Botschafter Sir Eric D r u m • m o n b ist am Donnerstag von Staatssekretär S u v i ch empfangen worden, lieber Den Gegen- tanD Der Unterredung ist nichts bekannt. Von italienischer Seite wirb bazu versichert, es habe sich lebiglick um eine normale Fühlungnahme über lau» enbe Angelegenheiten gehandelt. Keine Entscheidung im Dreizehner-Ausschuß. Wegen Hilflosigkeit vertagt. - Genf, 16. April. (DNB.) Der 1 3 er - Aus - schuh hat sich nach' zweistündiger Beratung auf Freitag 16 Uhr vertagt. Beschlüsse sind am Donnerstag nicht gefaßt worden. In Der amtlichen Mitteilung roirD erklärt, Der Ausschuß habe Den Bericht seines Dorsi tz e nD e n über Die Besprechungen mit der italienischen und der abessinischen Abordnung entgegengenommen. Der 13er°Ausschuß habe es für zweckmäßig gehalten, daß der Vorsitzende und der Generalsekretär die abessinische Delegation über das Ergebnis der neuen Besprechungen, die sie am Donnerstagnachmittag mit der italienischen Delegation hatten, unterrichteten. Diese Besprechung bezog sich auf die bereits von Paul-Boncour angeregte Abänderung einzelner Punkte des italienischen Programms. Der abessinische Vertreter beim Völkerbund hatte dieses Programm in einer am frühen Nachmittag überreichten Note mit aller Entschiedenheit abgelehnt, da es nach seiner Auffassung mit den Grundsätzen des Dölkerbundspaktes unvereinbar sei. Der 13er-Ausschuß glaubt, mit der Möglichkeit rechnen zu können, daß die italienischen Bedingungen hinsichtlich der Beteiligung und der Unterrichtung der Völkerbundsorgane so abgeändert werden, daß Unterhandlungen im „Rahmen des Völkerbun» d e s" getroffen werden könnten. Am Freitag oder vielleicht auch in einer späteren Sitzung Des 13er-Ausschusses soll Dann, wie von englischer Seite erklärt roirD, enDgüÜig Darüber Klarheit geschaffen werden, ob Die Schlichtung als gescheitert zu betrachten sei. AußerDem soll in Der Freitagssitzung wieDerum Die VerwenDung von Giftgasen Durch italienische Truppen erörtert werden. Welche weiteren Folgerungen der 13er-Ausschuß aus der gegenwärtigen Lage ziehen wird, ist noch völlig ungewiß. Italien finanziell und wirtschaftlich ftark genug Rom, 16. April. (DNB.) Die römische Abendpresse weist übereinstimmend die Behauptung englischer Blätter zurück, daß Italien zwar mit den Waffen siegreich, dafür aber finanziell und wirtschaftlich vollkommen am Ende sei. Auch dieser neueste Propagandavorstoß werde sich als vollkommen nutzlos erweisen. „Giornale d'Jtalia" und „Lavoro Fascista" erinnern bei dieser Gelegenheit an die Statistik des Achtzehner-Ausschusses, die aeige, daß Italien auch finanziell und wirtschaftlich t a r k genug sei, um den Sanktionen tandzuhalten. „Giornale d'Jtalia" wendet sich ferner noch besonders gegen den „Daily Tele- Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Makalle, Ende Marz 1936. Am Amva Aradam. Dor uns reckt der Amba Aradam sein Massiv steil empor. Wir beobachten vorn Observatorium des Hauptquartiers aus mit Marschall B a d o - a l i o die Einschlagwirkung der dicht hinter uns feuernden Artilleriebatterien, den Vormarsch der verschiedenen Truppenabteilungen, die sich an den stark verschanzten Gegner heranpirschen, dessen Versuche, durch kleinere Gegenstöße Unordnung in die Reihen der Italiener zu bringen. Die Nacht bricht herein. Wir treten die Rückfahrt zu unserem Lager an. Am Dogheapaß leuchten Fackeln auf. Wir machen Halt. Eine Maultierkarawane zieht an uns vorbei. Auf dem Rücken der Tiere schwere Bündel, Deren Formen menschliche Körper erraten läßt. Einige hundert Meter vom Paß entfernt sind im Lichte von Scheinwerfern Offiziere und Mannschaften beschäftigt, die Gräber für iyre gefallenen Kameraden auszuheben. Wir treten hinzu. Em Grab ist bereits zugedeckt. Ein schlichtes Holzkreuz erhebt sich auf dem Hügel. Daneben die offenen, gegen Hyänen und Schakale steinausgelegten Gräber, die ihres Inhalts harren. Unter Zeltbahnen ruhen die Schwarzhemden, die bei den ersten Vorstößen gegen die Ausläufer des Amba Aradam ihr Leben gelassen. In der Ferne heulen Hyänen und bellen Schakale, über den Dogheapaß ziehen neue Bataillone, deren Gesang die toten Kameraden grüßt. Abessinische Frontkämpfer. Am zweiten Tag nach der Schlacht am Amba Aradam ziehen wir zur Besichtigung der Stellungen aus. Wir lassen unseren Wagen auf der Südseite des Hochplateaus stehen und marschieren in der prallen Mittagsglut zwei Stunden lang ein buschbestandenes Tal aufwärts, das sich bis an den Fuß des Amba Aradam erstreckt. Halt! Von links her weht starker Leichengeruch zu uns herüber. Wir gehen ihm nach. Da, Der erste abessinische Tote, in Khakiunisorm. Der Mann kann etwa 35 Jahre zählen. Er ist Durch eine Flugzeugbombe gefallen, die neben ihm einen tiefen Trichter gegraben hat. Zwei Meter weiter unter einem Gebüsch eine andere leblose Khakigestalt: ein Junge von etwa 18 Jahren. Jeden weiteren Meter stoßen wir auf abessinische Tote, die zumeist Opfer italienischer Bomber geworden. Ein Totenfeld dehnt sich aus, auf dem die afrikanische Sonne glast, über dem am Tage Aasgeier, um das bei sinkender Nacht Hyänen kreisen. Wir kehren zu unserer alten Fährte zurück und stehen schließlich am Fuß des Amba Aradam. Allenthalben Spuren des einstigen abessinischen Heerlagers. Viele Felsblöcke decken Die Gegend. Man hatte seitlich Höhlen gegraben, die Mensch und Tier als Unterschlupf Dienten. Gerätschaften aller Art liegen verstreut herum. Wir untersuchen die einzelnen Schlupfwinkel. Plötzlich ein Schrei: einer unserer Kameraden stößt auf eine zwei Meter lange Pythosschlange, Die sich aus einem Felsblock sonnt, unter Dem eine schwarze Gestalt liegt. Das Tier macht sich eilends davon. Wir treten näher. Ein Mann im besten Alter scheint seine Mittagsruhe zu halten. Der Kopf ruht auf feinem Arm, Das Gesicht entbehrt nicht einer gewissen heiteren Ruhe. Doch Die Schäbeldecke ist sortgerisfen, Dicht oberhalb Des Hauptes gähnt im Felsen ein tiefes Granatloch. Wir erklimmen nach unendlichen Mühen Den Amba Aradam, wandern auf ihm stundenlang herum, besuchen Die Grotten, in Denen Ras Mulu- geta sein Hauptquartier aufgeschlagen, und steigen schließlich von Der Nordseite her talabwärts. Hier stoßen wir auf ein in dichtes Grün gebettetes verlassenes Dorf. Am Rande liegt ein schilf- bestandener Weiher. Nichts regt sich. Doch, da eine wandelnde Gestalt: eine blinde Alte, die als einzige trotz des Bombardements der italienischen Artillerie zurückgeblieben ist. Sie tastet sich, einen Krug auf dem Haupt, den Weg zum Weiher entlang. Sonst nur noch miaulenbe Katzen, die von Hunger gequält in den teilweise zerschossenen Tukuls herum- streichen. Wir kommen einer Mauer näher, die Die Kirche mit Dem FrieDhof umgibt. Am Kirchhofstor stoßen wir auf eine leblose Khakigestalt. Eine Hand hält die Bordschwelle umkrallt. Die andere umkrampft ein Ledersäckchen, eines Amuletts. Der Mann hat einen Rückenschuß erhalten und zweifellos versucht, sich in die Kirche zu schleppen. Der Weg war zu lang, an der Kirchenmauer hat er den letzten Atemzug getan. Man hat in Europa bezweifelt, daß die Abessinier an der Nordfront unter schweren Verlusten aeschla- iien worden seien. Man hat insbesondere bie Zis- ern mit Vorbehalt aufnehmen wollen, bie ben Imfang ber abessinischen Nieberlage zu beleuchten vermögen. All biesen Zweiflern würbe ich einen Besuch bes Tembien unb ber Schiregegenb vorschlagen, wo heute noch bie nachrückenoen italienischen Kolonnen mit ber Bestattung ber abessinischen Toten beschäftigt finb. Man stelle sich vor: eine hochromantische ©ebirgsgegenb mit tiefen Einschnitten, an bie mexikanischen Schluchten erinnernb. Staub, Sanb, glichenbe Sonne. Horste ber Abler unb Stellbichein zahlloser Hyänen: bas ist ber Tembien. Man stelle sich weiter vor: ein noch ziemlich unerforschtes Gebiet, zum Teil an ben Tembien erinnernb, zum Teil aber auch in ben tiefer gelegenen Teilen alle Merkmale bes tropischen Afrika tra- genb: bas ist bie Schire. Hier haben bie entscheiben- ben Schlachten gegen Ras Kassa, Ras Seyoum unb Ras Jmvru ftattgefunben. Die abessinischen Verluste waren ungeheuer. Tote, Tote, nichts als Tote beckten bie Gegend. Die inneren Feinde des Negns. Nicht nur in Jnnerabessinien, fonbern auch in den Ranbgebieten wohnen Völkerschaften, die von jeher bie Herrschaft bes Negus als ein unerträgliches liebel angesehen haben. Im reichen ligraigebiet, bas ber Herrschaft des auf italienische Seite übergetretenen Ras Gugsa untersteht, leben u. a. Teile jener Galla- ftämme, bie fortwährend) ber Zentralgewalt in Abbis Abeba Sorgen bereiten. Für biefe Leuts war es selbstverständlich, mit ihrem Oberhaupt Ras Gugsa sich gegen den Negus zu stellen. Vor der Schlacht am Amba Aradam hatten sich einige tausend Galla in der Nähe des Hauptquartiers eingefunden, um sich zum Kampf gegen den „Erbfeind" ausrüsten zu lassen. So still wie sie gekommen, waren sie verschwunden. Erst später haben ntfr erfahren, daß sie sich an die Fersen der flüchtenden Mulugetatruppen geheftet haben, daß unter ihren Messern und Speeren auch der abessinische Ras gefallen ist. Vor wenigen Tagen erst trafen im italienischen Hauptquartier zwei Gallaleute ein, deren Gesichter durch glühende Eisen gebrandmarkt sind. Sie hatten kurz vor der Aradam-Schlacht mit vierzig Stammesgenossen zu den Italienern stoßen wollen, waren aber von den abessinischen Vorposten abgefangen und vor Ras Mulugeta geführt worden. Nach einem eingehenden Verhör, in dem sie sich auf ihre Zugehörigkeit zur Herrschaft des Ras Gugfa beriefen, trat auf dem Aradamberg ein Kriegsgericht zusammen, das sich einstimmig dafür aussprach, sämtlichen Gefangenen je einen Arm und einen Fuß abzuhacken. Ras Mulugeta bestätigte dieses Urteil nicht, sondern verwandelte es in die nicht weniger grausame Strafe der Gesichtsverstümmelung durch glühendes Eisen. Die Begründung lautete, daß die Verurteilten als lebende Wahrzeichen des Verrates am Reich und seinem Herrscherhause derart gebrandmarkt in ihren Heimatdörfern zur Schau gestellt werden sollten. Nachdem die Prozedur vollzogen, wurden die Gemarterten den Häuptlingen der um den Aradam herumliegenden Ortschaften zur Bewachung anvertraut, von diesen jedoch, als die Italiener siegreich vordrangen, freigelassen. Von dem Haß dieser Stämme gegen Addis Abeba kan man sich eine Vorstellung nur machen, wenn man persönlich mit ihren Angehörigen hat sprechen können. Wirtschaftliche Betrachtungen. „Eritrea ist eine steinige Gebirgswüste." Wie oft kann man dieses Urteil selbst von Italienern hören, die nicht als Siedler, sondern als Reisende, als Geschäftemacher hierherkommen. Ich bin nicht dieser Ansicht. Selbst in Eritrea sind große Siedlungsmöglichkeiten vorhanden. Selbstverständlich kann die alte Kolonie einen Vergleich mit den inzwischen besetzten Gebieten nicht aushalten. Je weiter man südlich vorstößt, um so mehr verändert sich der Charakter der Gegend. Schon in Adigrat fängt es an. Eine Ebene reiht sich an die andere, eine fruchtbarer als die andere. Hinter dem Amba Aradam dehnen sich endlose Flächen aus, die Tausenden von Familien Unterkunft und Nahrung bieten können. Südlich vom Takazze, südlich vom Amba Aladschi verwandelt sich das Gebiet in einen blühenden Garten. Die große Frage der Wasserbeschaffung, die weiter nördlich eine gewisse Rolle spielen mag, fällt hier vollkommen fort. Im völlig steinigen Tembien und in der westlich davon liegenden Schire hat man gerade eben reiche Gold- und Kohlenvorkommen festgestellt. Unter diesen Umständen braucht man sich nicht zu wundern, daß die Italiener keineswegs heute schon Haltmachen, sondern noch weiter vordringen, um möglichst viel von der immer reicher, immer fruchtbarer, immer siedlungsfähiger werdenden abessinischen Landschaft in ihre Hand zu bekommen. Es regnet. Die kleine Regenzeit hat seit vier Tagen eingesetzt. Wir hatten gerade notdürftig neben dem Hauptquartier unsere Zelte aufgeschlagen, als schwere Gewitter niederkamen, begleitet von wolkenbruchartigen Regen, die binnen wenigen Minuten das Lager in einen stehenden See verwandelten. Unsere Zelte hielten dem Unwetter nicht stand, und abends mußten wir auf unseren völlig durchnäßten Feldbetten versuchen, irgendwie in Schlaf zu kommen. Wir haben am nächsten Vormittag mit allen möglichen Hilfsmitteln den Schaden zu beheben versucht. Unser Lager hat dadurch an Schönheit verloren, aber wir hoffen auf diese Weise Über die kleine Regenzeit wohlbehalten in die große zu kommen; von der wir einen kleinen Vorgeschmack erhalten haben. Vormittags glühende Sonne, mittags Verdunkelung des Himmels, nachmittags während etwa zwei Stunden strömender Regen. Die Einnahme von Desfie. Rom, 16. April. (DNB.) Der italienische Heeresbericht Nr. 186 hat folgenden Wortlaut: „Marschall B a d o g l i o telegraphiert: Die Besetzung von D e s s i e wurde gestern durch das erythräische Armeekorps durchgeführt, das unter dem Kommando des Generals Pirzio Biroli am 9. April von Quoram abmarschiert war und mit dem Schneid und der Hartnäckigkeit, die den ruhmreichen Ueberlieferunaen der erythräischen Truppen entsprechen, mehr als 2 0 0 Kilometer in nur 6 Tagen vorgerückt ist. Das Armeekorps wurde ausschließlich durch Flugzeuggeschwader verproviantiert. Bereits gestern sind unsere ersten Flugzeuge auf dem Flugplatz von Dessie gelandet. An der S o m a l i f r o n t ist eine bemerkenswerte Patrouillentätigkeit zu verzeichnen." Be eite südlich von Dessie Dessie, 17. April. (Funkfpruch des Kriegsberichterstatters des DNB.) Sämtliche Europäer, die sich in Dessie aufhielten, haben die Stadt v e r l a s f e n. Ein Teil der Bevölkerung hat vor der Ankunft der italienischen Truppen Konsulate, Krankenhäuser und Wohnungen der Europäer verwüstet. In der Stadt wurde noch zahlreiches abessinisches Kriegsmaterial aller Art gefunden. In D e f f i e fand sich Fitaurari Zeude Hailu ein, der Sohn des bekannten Dedschas Hailu Hurru, der an der Nordfront gegen die Italiener gekämpft hatte, um feine Unterwerfung mitzuteilen. Er war von zahlreichen Unterführern und bewaffneten Kriegern begleitet. Vorgeschobene italienische Abteilungen stehen bereits südlich von Dessie. Entlastung niederländischer Wehrpflichtiger. Den Haag, 17. April. (DNB.) Die niederländische Regierung hat beschlossen, die An- gehörigen der Wehrmacht, deren D i e n st z e i t wegen der politischen Lage verlängert worden war, am 18. April nach Hause zu entlassen. Botschafter von Hoeschs Heimkehr. MWMM ä MB % Ak & gA Unser Bild zeigt die Aufbahrung der sterblichen Hülle des Botschafters auf dem in Wilhelmshaven eingetroffenen britischen Zerstörer „Scout". Die Fahne des Reiches und der Union Jack wehten auf Halbmast. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Wilhelmshaven, 16. April. (DNB.) Am Donnerstag gegen 14.30 Uhr traf der englische Zerstörer „Scout" mit der sterblichen Hülle Botschafters von Hoesch an Bord in Wilhelmshaven ein. Der Zerstörer, der die deutsche Haken- kreuzflaage im Top führte, machte an der Gazellen- Brücke fest, wo die Admiralität, das gesamte Offizierskorps des Marinestandortes und zahlreiche Persönlichkeiten, unter ihnen auch der englische Marineattach6 Kapitän Muirhead Gould, die Ankunft des Schiffes erwarteten. Am Kai waren drei Ehrenkompanien angetreten. Nachdem der Zerstörer festgemacht hatte, begab sich der Kommandierende Admiral der Nordsee, Vizeadmiral Schultze, auf das Achterdeck des Schiffes, wo der mit der Hakenkreuzflagge bedeckte Sary auf der Geschützlafette aufgebahrt war. Vizeadmiral Schultze legte Kränze des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine und der Marinestation der Nordsee am Sarg des toten Botschafters nieder. Dann folgten eine Abordnung der Auslandsorganisation der NSDAP, und die Oberbürgermeister der beiden Jade-Städte Wilhelmshaven und Rüstringen, die ebenfalls Blumengebinde niederlegten. Vizeadmiral Schultze verließ den Zerstörer, und auf ein Trompetensignal hoben acht englische Matrosen den Sarg und trugen ihn, während die Ehrenkompanien das Gewehr präsentierten, auf ihren Schultern an Land. Unter den Klängen eines Chorals wurtze er auf eine Geschützlafette gehoben und der Trauerzug setzte sich in Bewegung. Voran schritt eine Unteroffiziersabordnung der Kriegsmarine, die die vielen Kränze trug. Ihr folgte eine Abordnung des Zerstörers „Scout" mit den Kränzen der englischen Regierung und der englischen Freunde des Botschafters. Das Traueraeleit, das sich an die Lafette mit dem Sarg anschloß, wurde von dem evangelischen Marinepfarrer eröffnet, hinter dem die Angehörigen des verstorbenen Botschafters, geleitet von dem Kommandierenden Admiral der Nordsee, dem englischen Marine- attach^ und Ministerialdirektor D i e ck h o f f, schritten. Dann folgten die Abordnungen der Partei und die Vertreter der Behörden. Der lange Trauerzug, der sich durch die von Menschenmassen umsäumten Straßen Wilhelmshavens zum Bahnhof bewegte, wurde durch das Offizierskorps der Marinegarnison abgeschlossen. Als sich der Zug dem Bahnhof näherte, ließ der II. Admiral der Nordsee das Gewehr präsentieren, und an den drei Ehrenkompanien vorbei wurde der Sarg auf der Lafette bis zum Zug gefahren. Während zehn Marineoffiziere den Sarg in das Abteil hoben, rollten drei Ehrensalven über den Bahnhof. Dann trat der Kommandierende Admiral mit den nächsten Angehörigen noch einmal an den Sarg, um Abschied von dem Toten zu nehmen. Der englische Zerstörer „Scout" wird noch am Donnerstag Wilhelmshaven wieder verlassen. KomimmUcher Feiieröbersall in Madrid. Madrid, 16. April. (DNB.) Bei der Beerdigung des am 5. Jahrestage der spanischen Republik von Kommuni st en erschossenen Polizeibeamten kam es am Donnerstag in Madrid zu neuen schweren Zwischenfällen. Von einem Neubau aus wurde auf den Trauerzug, der sich durch die Straßen der Innenstadt bewegte, geschossen. Die den Leichenzug begleitenden Polizeibeamten erwiderten das Feuer, worauf sich eine heftige Schießerei entspann. Nach dem Feuerüberfall fanden an verschiedenen Stellen der Stadt neue Schießereien zwischen Kommuni st en und der Polizei statt. Insgesamt wurden bisher drei Personen getötet und etwa 50 zum Teil so schwer verletzt, daß sich die Zahl der Todesopfer noch erhöhen dürfte. Allein bei dem Ueberfall auf den Trauerzug sollen nach Aussagen von einigen Augenzeugen, zu denen auch ein früherer Minister gehört, annähernd 10 0 Schüsse gewechselt worden sein. Umfangreiche Verhaftungen Madrid, 17. April. (DNB. Funkspruch.) Im Zusammenhang mit dem blutigen Zwischenfall am Donnerstag in Madrid verhaftete d i e Polizei 170 Personen, zum größten Teil Mitglieder der spanischen Faschistischen Partei (Falange), sowie 74 Arbeiter des Neubaues, von dem aus angeblich auf den Trauerzug geschossen worden sein soll. Die marxistischen Arbeitergewerkschaften veröffentlichen eine Bekanntmachung, in der sie sich gegen die „faschistische Herausforderung" verwahren und Maßnahmen zum „Selbstschutz" ankündigen, falls die Regierug ihr Versprechen, mit aller Entschiedenheit durchzugreifen, nicht halten sollte. Rücktritt des Polizeidirektors Madrid, 17. April. (DNB. Funkspruch.) Der Generaldirektor der spanischen Polizei ist im Zusammenhang mir den blutigen Zwischenfällen, die sich am Donnerstagnachmittag in Madrid ereigneten, von seinem Posten zurück- getreten. Gleichfalls im Zusammenhang mit den Unruhen dürfte der Einzug des Ministers für öffentliche Arbeiten, Casares Quiroga, in das Innenministerium stehen. Quiroga zog am Donnerstag spät abends, vorn Ministerpräsidenten begleitet, mit einer starken polizeilichen Leibwache ins Innenministerium ein. Es wird vermutet, daß Quiroga bis auf weiteres auch den Posten des Innenministers übernehmen soll, da der bisherige Innenminister infolge feines angegriffenen Gesundheitszustandes den augenblicklichen Anforderungen nicht gewachsen ist. Casares Quiroga war bereits unter der ersten Regierung Aza na zwei Iahe lang Innenminister. Die endgültige Entscheidung in dieser Angelegenheit dürste vom nächsten Ministerrat gefällt werden. Vertrauensvotum für Azana Madrid, 16. April. (DNB.) Der spanische Landtag hat am Donnerstagabend der Regierung Azana mit 195 gegen 78 Stimmen bei einer Stimmenthaltung das Vertrauen ausgesprochen. Spanische Kommunisten in Eostarica unerwünscht. San Ios 6 de Costarica, 17. April. (DNB. Funkspruch.) Die Regierung hat den Hafenbehörden Anweisung erteilt, die Einreise spanischer Kommunisten nach Costarica zu verhindern. Streik auf einer französischen Werst. Paris, 16. April. (DNB.) lieber 1800 Arbeiter der Loire-Werft in St. Nazaire, die hauptsächlich für die Kriegsmarine arbeiten, sind am Mittwoch in den A u s st a n d getreten. Nur 139 Arbeiter waren zur Arbeit erschienen. Die Streikenden machen bei der Leitung der Werft geltend, daß diese feit langem die unterzeichneten Arbeitsabmachungen nicht einhalte. Die Leitung der Werft hat daraufhin für Donnerstag alle streikenden Arbeiter ihrerseits ausgesperrt. Sie ist zur Aufnahme von Verhandlungen bereit, verlangt aber, daß der Arbeiterabordnung kein Vertreter der Arbeitbörse angehört. Bäckerstreik in Mexiko. Mexiko-Stadt, 17. April, (DNB. Funkspruch.) Am Donnerstagmittag traten die Belegschaften von 500 Bäckereien der Hauptstadt und des Bundesdistrikts in den Streik, insgesamt etwa 8000 Mann. Die Brotversorgung für mehrer Millionen Einwohner ist gefährdet. Lhamberlains Besuch in Wien. London, 17. April. (DNB. Funkspruch.) „News Chronicle" beschäftigt sich im Sonderbericht mit dem gegenwärtigen Aufenthalt Sir Austen Chamberlains in Wien. Dieser Besuch ist als Privat b e s u ch bezeichnet worden. „News Chronicle" möchte ihm aber eine große politische Bedeutung geben, indem es schreibt, die Bedeutung des Besuches werde durch die einflußreiche Stellung Chamberlains in der englischen Politik, im Unterhaus und in der konservativen Partei unterstrichen. Nach feinem Wiener Besuch werde Sir Austen Chamberlain sich nach Prag begeben, um die Ansichten- der Staatsmänner der Kleinen Entente kennen zu lernen. Ein Sonderkorrespondent des „Daily Herald" in Wien berichtet, in gut unterrichteten Kreisen Wiens werde Sir Austen Chamberlain als ein nichtamtlicher Botschafter betrachtet, um De ft e rreich zu einer Aenderung seiner Politik gegenüber Italien zu überreden. Kleine politische Nachrichten. Der Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß, hat an Exzellenz von Trotha folgendes Telegramm gesandt: „Seine Exzellenz, Admiral von Trotha, Berlin. Am Tage, da Sie auf Ihr 50jäh- riges Wirken für deutsche Seegeltung zurückblicken, gedenke ich Ihrer, insbesondere als verdienstvollen Chefs des Stabes der deutschen Hochseeflotte am Skagerrak, in aufrichtiger Verehrung, verbunden mit den Wünschen, daß Sie noch lange und bei guter Gesundheit Deutschland Ihre Kräfte zur Verfügung stellen können. * Rudolf H e ß." Der Wagen des Reichsministers Rust hatte Donnerstag mittag in Charlottenburg einen Zusammenstoß mit einem Privatkraftwagen. Der Minister routbe leicht am Kopf verletzt, konnte sich aber nach Anlegung eines Verbandes in sein Ministerium begeben.- Der Fahrer des anderen Wagens wurde ebenfalls nur leicht verletzt. ♦ Der ungarische Ministerpräsident G ö m b ö s ist an einer Nierenreizung leicht erkrankt und muß einige Tage das Zimmer hüten. Er wird aber die Amtsgeschäste weiter wahrnehmen. * Nach einer Meldung der TASS aus Prag ist der dort über Ostern abgehaltene Internationale Freidenker-Kongreß abgeschlossen worden. An dem Kongreß hatte, wie gemeldet, auch eine Abordnung des sowjetrussischen Gottlosen-Verbandes teilgenommen, dessen Vertreter Lukatschewski einen Vortrag über „Die Tätigkeit der kämpferischen Gottlosen in der Sowjetunion" hielt. Lukatschewski ist nunmehr zum stellvertretenden Vorsitzenden des Ständigen Büros der Freidenkerinternationale gewählt worden. Aus aller Welt. Das Berliner Baugrubenunglück vor Gericht. Im Prozeß wegen des E i n st u r z u n g l ü ck s in der Hermann-Göring-Straße in Berlin äußerte sich Bauleiter N o t h von der Berlinischen Baugesellschaft über die Schwierigkeiten personel - ler Art, die er bei seiner Arbeit gehabt hat. Direktor Hoffmann habe ihm erklärt, daß er mit seinen Leistungen sehr zufrieden sei; wenn er aber mit der Direktion nicht zusammenarbeiten könne, müsse er ihn entlassen. Hoffmann erklärt dazu, eine derartige Drohung sei ihm nicht ernst gewesen. N o t h will sie aber durchaus ernst aufgefaßt haben, denn er hat sich daraufhin nach einer anderen Stellung umgesehen. Auch mit dem Reichsbahnbuurat Weyher will N o t h erhebliche Auseinandersetzungen gehabt haben. Weyher habe die ganze Baustelle „verrückt gemacht", da er seine Anordnungen dauernd widerrufen und durch adere ersetzt habe. Auf einer Baubesprechung Mitte Juli 1935 sei Noth ihm gegenüber „massiv" geworden und habe ihm erklärt, daß er nur noch nach schriftlichen Anweisungen von Weyher arbeiten werde. Hoffmann sei bei dieser erregten Auseinandersetzung zugegen gewesen und habe ihn hinterher wegen feiner schlechten Zusammenarbeit mit Weyher zurechtgewiesen. Hoffmann ergänzte diese Angaben darin, daß er Noth wegen des Tones zurechtgewiesen, ihm in der Sache selbst aber Recht gegeben habe. Baurat Weyher will sich an diese erregte Besprechung überhaupt nicht mehr erinnern fibJ.-Urlauber auf der Heimreise. Was die KdF-Urlauber der zweiten Madeira-Fahrt von Anbeginn herbeisehnten, wurde am letzten Reisetage Wirklichkeit: Eine Be- gegnung mit deutschen Kriegsschiffen auf hoher See. Die Kreuzer „Nürnberg", „Leipzig" und „Köln" passierten auf ihrer Atlantikfahrt in der westlichen Nordsee das Flaggschiff der KdF.-Flotte „St. Louis". Die Urlauber versammelten sich auf allen Decks, um an diesem unvergeßlichen Ereignis teilzunehmen. Mit nicht endenwollender Begeisterung wurde das „Sieg-Heil" auf den Führer von Schiff zu Schiff getragen. Vor der Landung in Hamburg versammelten sich die 1060 Urlauber des Flaggschiffes St. Louis zu einem Abschiedsappell. Zum letzten Male spielte hierbei auch der unermüdliche Musikzug der Leibstandarte Adolf Hitler. Namens der Hamburg—Amerika - Linie und der Besatzung wünschte Kapitän Schellwien allen Urlaubern gute Heimkehr. Dann sprach Reiseleiter Obersturmbannführer Weberpals Abschiedsworte. Er rief den Urlaubern die großen Erlebnisse der Fahrt in (Erinnerung. Daran schloß er den begeistert aufgenommenen Appell an die Arbeiter, nach diesen unvergeßlichen Erlebnissen nun erst recht mitzuarbeiten am Aufbauwerk des Führers, dem das deutsche Volk und der deutsche Arbeiter alles und insbesondere auch diese schöne Reise verdanken. Sturmflut in Venedig. Venedig wurde am gestrigen Donnerstagnachmittag von einer außergewöhnlichen Sturmflut heimgesucht. In kurzer Zeit wurden der ganze Markusplatz und zahlreiche Straßen der Stadt überschwemmt. Die Leute konnten ihre Häuser, die Geschäftsläden und die Gasthöfe nicht verlassen. Die Flut stieg während der Abendstunden in raschem Tempo immer höher; in manchen Straßen stand Herz und Nerven schonen! ...auf KAFFEE HAG umstellen! das Wasser bis zu 80 Zentimeter hoch. Da die Lichtleitungen vielfach beschädigt wurden, lagen große Teile der Stadt vollständig im Dunkeln, was verschiedentlich zu panikartiger Unruhe der Be- völkerung führte. Theater, Lichtspielbühnen und zahlreiche Fabriken mußten ihren Betrieb ein- stellen: die Zeitungen konnten nur mit großer Verspätung erscheinen. Es ist noch nicht bekannt, ob Personen zu Schaden gekommen sind. Erst kurz vor Mitternacht begannen die Fluten zurückzugehen. Seit Menschengedenken erinnert man sich nicht einer derartigen Sturmflut in Venedig. .»Graf Zeppelin" quer ab von Bahia. Wie die deutsche Zeppelinreederei meldet, befand sich „Graf Zeppelin" heute (Freitag) um 6.30 Uhr (MEZ.) quer ab von Bahia. Elly Beinhorn plant einen neuen Balkanflug. Die deutsche Fliegerin Elly Beinhorn wird auf Grund des großen Erfolges ihres kürzlich in Oslo gehaltenen Vortrages Ende des Monats in Bergen und anderen norwegischen Städten Vorträge halten. Anschließend plant Elly Beinhorn einen neuen Balkanflug. Schwerer Unfall in einer englischen Fliegerschule. Die englischen Luftstreitkräfte wurden von einem schweren Unfall betroffen. Bei einer Flugübung stürzte ein Kampfflugzeug über dem Flugplatz der Fliegerschule Westwood bei Peterborough ab. Es wurde dabei gegen einen Flugzeugschuppen geschleudert und ging in Flammen auf. Das Unglück .forderte drei Todesopfer. Ein Mann wurde schwer verletzt. Der Flugzeugschuppen ging mit vier in ihm untergebrachten Flugzeugen in Flammen auf. Tod im Schneesturm. Auf der Reiteralpe unweit von Bad Reichenhall wurde von einem Jäger die Leiche des 35 Jahre alten Malergehilfen Hubert Fischer aus Traunstein aufgefunden, der sich im Schneesturm verirrt hatte. Der englische Dampfer „Ranpura" wieder flott. Die Versuche, den in der Bucht von Gibraltar auf Grund geratenen englischen Dampfer „R a n - pura" wieder flott zu machen, waren endlich von Erfolg gekrönt. Rach langwierigen Anstrengungen gelang es zwei Marineschleppern, das Schiff aus feiner gefährlichen Lage zu befreien. Die chinesischen Kunstschätze im Werte von 10 Millionen Pfund, die sich an Bord der „Ranpura" befinden, hoben keinen Schaden erlitten. Da zunächst durch Taucher der Zustand der Schiffshülle festgestellt werden muß, ist es noch ungewiß, ob die Kunstschätze auf der „Ranpura" nach Schanghai weiter befördert werden können oder ob sie von einem anderen Schiff übernommen werden müssen. Erdbeben in Griechenland. Durch ein Erdbeben wurden drei Dörfer, die zwei Wegstunden von der griechischen Stadt Janina entfernt liegen, zerstört. Die Bevölkerung verbrachte die Nacht unter freiem Himmel. D ie Meden- Vorrunden im deutschen Tennissport werden von 15 Gaumannschaften am 16. und 17. Mai in Nürnberg, Erfurt, Stettin und Düsseldorf oder Köln bestritten. Die Vorspiele finden am 16. Mai statt, die Sieger bestreiten am 17. Mai die Zwischenrunden und die „letzten Vier" stellen sich im Herbst zum Vorschluß- und Endkampf. _______________________ Reichsbmgenecht und Staatsangehörigkeit. Es gibt noch immer Unklarheiten über die Bedeutung der Begriffe des Reichsbürgerrechts und der Staatsangehörigkeit, wie sie sich nach der neuen Gesetzgebung darstellen. Es ist deshalb zu begrüßen, daß in dem Kommentar zur deutschen Rassegesetzgebung (Band I „Reichsbüraergesetz, Blutschutzgesetz, Ehegesundheitsaesetz , von Staatssekretär Dr. Stuckert und Dr. H. ©lobte, Becksche Verlagsbuchhandlung München) eine authentische Auslegung der Gesetze und alle für sie geltenden Vorschriften und Verordnungen gegeben wird. Wir entnehmen ihm folgende Ausführungen: Das Reichsbürgergesetz hebt den Träger deutschen oder artverwandten Blutes aus den Übrigen Staatsangehörigen heraus, indem es ihn allein befähigt, Reichsbürger zu werden. Personen artfremden Blutes, insbesondere also die Juden, sind damit ohne weiteres vom Erwerb des Reichsbürgerrechts ausgeschlossen. Aber auch dem Staatsangehörigen deutschen oder artverwandten Blutes fällt das Reichsbürgerrecht nicht ohne weiteres zu. Das Reichsbürgergesetz verlangt vielmehr bei ihm den Willen und die Eignung, in Treue dem deutschen Volk und Reich zu dienen. Beides muß er vor der Verleihung des Reichsbürgerrechts durch sein Verholten bewiesen Haden. Die subjektive Voraussetzung des Reichsbürgerrechts, nämlich der Wille, dem deutschen Volk und Reich zu dienen, wird grundsätzlich bis zum Beweise des Gegenteils als vorliegend angenommen werden können. Denn das Reichsbürgergesetz bezweckt keineswegs, die Ausübung der politischen Rechte auf einen kleinen Bruchteil des deutschen Volkes zu beschränken und alle übrigen Volksgenossen davon auszuschließen. Es ist aber Sinn und Zweck der Reichsbürgergesetzgebung, die Staatsbürgerrechte nicht wahllos jedem Angehörigen des Staatsverbandes mit der Erreichung eines bestimmten Alters zufallen zu lassen, sondern sie ihm nach Prüfung seiner Würdigkeit durch einen staatlichen Hoheitsakt, die Verleihung des Reichsbürgerbriefes, zu erteilen. Das Reichsbürgerrecht wird demgemäß dem weitaus größten Teil aller Staatsangehörigen bei der Erreichung eines bestimmten Lebensalters verliehen werden. Andererseits ermöglicht aber die Versagung oder Entziehung des Reichsbürger- rcchts, die Ungeeigneten von der politischen Mitbestimmung auszüschließen. Schwere Verbrechen, staatsfeindliche Betätigung, Verletzung der staatsbürgerlichen Pflichten, wie z. B. Nichterfüllung der Wehrpflicht, Wehrunwürdigkeit, Aberkennung der Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter, Berufsunwürdigkeit werden den Staatsangehörigen vom Reichsbürgerrecht ausschließen. Das Volkstum geht oft über die Grenzen des Staates hinaus, häufig ragen andere Volkstümer in den Staat hinein. Die Angehörigen artverwandter Volkstümer sind im Hinblick auf die blutmäßige Voraussetzung der Reichsbürgerschaft ohne weiteres den Volkstumsangehörigen gleichzustellen. Da der Nationalsozialismus vom Volke als dem politischen Grundwert des Staates ausgeht, achtet er auch das Bestehen fremder Volkstümer und Volksgruppen innerhalb der eigenen Staatsgrenzen. Jeder Staat, in dem nationale Volksgruppen ihr kulturelles Eigenleben führen, muß aber umgekehrt fordern, daß die nationalen Volksgruppen die politische Gestaltung des Staates befahren und an feiner Formung positiv mitarbeiten. Das innerstaatliche Recht des Staates, in den sie eingegliedert sind, ist deshalb für sie auch absolut verbindlich. Die Eignung eines Angehörigen einer Minderheit zum Dienst am Deutschen Reich liegt daher dann vor, wenn er ohne Preisgabe seiner Volksgruppenzugehörigkeit in Treue zum Reich seine staatsbürgerlichen Pflichten, wie Wehrdienst usw. erfüllt. Die Reichsbürgerschaft steht mithin den in Deutschland lebenden' artverwandten Volksgruppen, wie Polen, Dänen usw., offen. Anders verhält es sich mit art- und blutsfremd e n Staatsangehörigen. Diese erfüllen die blutmäßige Voraussetzung für das Reichsbürgerrecht nicht. Rassefremdheit kennzeichnet insbesondere das Judentum, das einen Fremdkörper in allen europäischen Völkern bildet. Der Reichsbürger ist der alleinige Träger der politischen Rechte nach Maßgabe der Gesetze. Nur er kann zum Reichstag wählen oder gewählt werden, sich an Volksabstimmungen beteiligen, Ehrenämter im Staat und in der Gemeinde ausüben und zum Berufs- ober Ehrenbeamten ernannt werden. Kein Jude kann daher in Zukunft ein solches öffentliches Amt ausüben. Da der Verleihung des Reichsbürgerrechts infolge ihrer Tragweite für die Nation, wie für den einzelnen hervorragende Bedeutung zukommt, kann sie nur mit größter Sorgfalt und nur durch die hierfür geeigneten Stellen der Reichs- und Parteiführung vorgenommen werden. Der R e i ch s - bürgerbrief wird somit, dem Willen des Führers entsprechend, die wertvollste Urkunde sein, die die Nation zu vergeben hat und die ein Deutscher in seinem Leben erwerben kann. Dabei ist es selbstverständlich, daß das Reichsbürgerrecht wieder entzogen werden kann, wenn feine Voraussetzungen, insbesondere das eines Reichsbürgers würdige Verhalten, in Wegfall kommen. Neben den Reichsbürgern als den politisch allein vollberechtigten Volksgenossen bilden die Staatsangehörigen den weiteren Kreis. Das Reichsbürgergesetz ändert zunächst die Grundsätze des Erwerbs und des Verlusts der Staatsangehörigkeit nicht. Inhalt und Wesen der Staatsangehörigkeit hat das Reichsbürgergesetz dagegen tiefgehend umgestaltet. Materieller Inhalt der Staatsangehörigkeit ist die Zugehörigkeit zum Schutzverband des Deutschen Reiches, d. h. das Recht auf Schutz des Deutschen Reiches. Mit diesem Recht sind unlöslich verbunden die Pflichten des Staatsangehörigen gegenüber dem Reich. Die Staatsangehörigkeit hat innen- und außenpolitische Bedeutung. In ihrer völkerrechtlichen Beziehung ist sie das Unterscheidungsmerkmal gegenüber dem Ausländer, d. h. demjenigen, der eine fremde Staatsangehörigkeit besitzt, ober staatenlos ist. Innenpolitisch ist sie eine Schutzverbandsgenossenschaft aller bem Staatsverbanb Angehörigen. Diese Schutzverbanbsgenossenschaft umfaßt in erster Linie bie Reichsbürger, barüber hinaus aber auch bie Übrigen Volksgenossen, bie entweder wegen Jugendlichkeit noch nicht Reichsbürger sind, ober benen bas Reichsbürgerrecht versagt ober mieber entzogen worden ist, und schließlich die artfremden Staats« angehörigen. Durch die Trennung des Besitzes der Staatsangehörigkeit und des Erwerbs der Staatsbürger, rechte durch bie Verleihung bes Reichsbürgerrechts hat bie Staatsangehörigkeit ihren politischen In- halt verloren. Die bisher mit der „Staatsange. Hörigkeit" verknüpften politischen Befugnisse sind weggefallen. Der Staatsangehörige hat als solcher keine politischen Rechte mehr. Im übrigen kann er alle der Oeffentlichkeit dienenden Einrichtungen im Rahmen der hierfür geltenden Bestimmungen be- nutzen; er darf, soweit nicht gesetzliche Einschrän- kungen vorliegen, sich wirtschaftlich betätigen und genießt den Schutz durch die staatlichen Organe. Umgekehrt ist er verpflichtet, alle öffentlichen Lasten mitzutragen und sich notfalls auch mit allem, was er besitzt, für den Bestand des Staates einzusetzen. Staatspolitische Rechte besitzt er jedoch nicht. Der Besitz der Staatsangehörigkeit gibt keinen Ansp uch auf den Erwerb des Reichshürgerrechts. Im Un er- schied zum Reichsbürgerrecht ist bie Staatsar ie» Hörigkeit unabhängig von ber blutsmäßigen Zuge- Hörigkeit. Demgemäß werben auch weiterhin Fren d- rasfige bie deutsche Staatsangehörigkeit erwerb n können, wenn sie bie im übrigen an ihre Gesamt. Persönlichkeit zu stellenben Anforderungen erfüllen. Wetterbericht des Reichswelterdienstes. Ausgabeart Frankfurt. lieber Deutfchlanb hat sich ein kräftiger Wirbel entwickelt. Währenb an seiner Nordseite warme Mittelmeerluft einströmt, finb von Westen her kalte polarmaritime Luftmassen vorgestoßen, bie a uch uns in ber Nacht zum Freitag bei teilweise stürmisch auffrischenden Norbwinben kräftige Nieber- schläge unb Abkühlung brachten. Da ber Wirbel norbroärts wanbert, kommen wir mehr unb mehr aus feinem Einfluß heraus, so baß mit fortschrei- tenber Witterungsbesserung gerechnet werben kann. Aussichten für Sa m s t a g : Veränderlich mit häufiger Aufheiterung unb nur noch vereinzelten Schauern, nachts sehr frische westliche und nordwestliche Winde. Aussichten für Sonntag: Vielfach auf« heiternd und wieder wärmer, doch nicht durchaus beständig. Lufttemperaturen am 16. April: mittags 17,3 Grad Celsius, abends 9 Grad: am 17. April: morgens 5,2 Grad. Maximum 17,5 Grad, Minimum heute nacht 5,2 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 16. April: abends 14,1 Grad; am 17. April: morgens 8,5 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 9,6 Stunden. — Niederschläge 6,1 mm. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertretender Hauptschriftleiter: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder in Vertretung: Ernst Blumschein; für Feuilleton Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt ber Anzeigen: Theobor Kümmel. 2). 21. III. 36: 10270. Druck unb Verlag: Brühl'sche Universitäts- Buch- unb Steinbruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit ber Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. unb Samstags 15 Pf., mit ber Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. Frauenfreud/Frauenleid Ein durch seine vollend. Lebenswahrheit unerreichter Tonfilm, der eines der tiefsten Probleme, die sich in der Liebe ergeben, erschütternd dargestellt,wiedergibt Was wissen denn Männer... nur in Sonderveranstaltungen (Lizenz: Türck-Düsseldorf) 246iA Nur Samstag, den 18. April 1936, abends 10.45 Uhr, einmalige Nacht-Vorstellung Karten im Vorverkauf an der Tageskasse proffen Verwenden Sie vertrauensvoll Frucht*» Schwanenweiß Flotte mit guter Allgemeinbilbung als Sekretärin gesucht. Schriftliche Angebote unter 2423D an die Geschäftsstelle des Gießener Anzeigers erb. Vornehm/ Geschmackvoll / Persönlich l Oteee drei wesentlichen Eigenschaften der gediegenen Familien- Drucksache oietet Ihnen in zahlreichen neuzeitlichen Ausführungen sowie Papieren billiget die Brühl'sche Druckerei Schulstr. 7. Ruf 2251 Stellenangebote Keine Zeugnisse in Urschrift onoern nur Zeugnis» ablchttften vem Be- werbungsschr-iven bei» egen — Lichtbilder unoBewerbun^sunter» agen müssen ,ur Vermeidung oon Verlusten aus oer 'Nüdleite Namen unb Anschrift bvi Bewerbers wagenl verseh winden durch Medizinal Herda-Seife St. 58 Pfg., verstärkt 90 Pfg. Zur Nachbehandlung Herba- Creme. (54 u. 75 Pfg.) in bester Qualität Ne/re/r-» . Optiker Magnus Selters weg 33 2467 a Fräulein evang.,fürBüro, die verfett stenographieren und Maschine schreibt, per sofort nach auswärts in Geschäft aesucht. Schriftliche Angebote u.2458D an den Gießener Anzeiger erbet. Zum 1. Mai sauber., fleißiges Mädchen im Alter von 17 bis 20 Jahren gesucht. 01743 Liebigsir. 15 I. Vereine Hubertus Iugendsuche Samstag, 18. April Zusammenkunft a.Stadtausgang nachKrofdorfstrm 8 11 br. — Esten und Preisvertei- lung HotelSchtitz 19 Uhr. 24s«d Samstag, 18. April 20.30 Uhr [24ö7d Kameradschaftsabend im „Aqnarinm“. Meldungen zur Teilnahme f. die Bahrt nach der dertalsperre a. Himmelfahrt tag können an dies. Abend noch abgegebenwerden. DerOrtsßruppenfiihr. Stammler Gießen. 233ii> Samstag. 18. April von 20 bis 23 Uhr Vorstellung der Deutsch. Bühne, dreier Kartenverkauf z. Tagespreisen an ber Abendkasse. Undine romant.Zauberoper v. Lortzing. Munk. Leitung • Paul Walter. Spielleitung: Paul Wrede. Frühjahrs-Stoffe Seidenstoffe Waschstoffe Wollstoffe: 2450 A ^TEXTILHRUSj ^QUALITÄTEN HAyS DER GUTEN Biesen - Melange und Boucle. 130 cm a aa breit p. m..Hk. IJ»vU Kostüm-Noppen giau und beige meliert. 130 cm breit, p. j aa ..........Mk. 4.9U Kunstseiden Panama, einfarbig und moderne Drucks, ca. 70cm _ gO breit, p. m. .Mk. "ajO Sandcrepe, grobe Auswahl in hellen Pastellfarben, ca. 96 cm a |r breit, p. m.. Mk. Z« 10 Woll-Mousseline Phantasie- und Dirndlmuster, ca 80cm < ja breit p. m. .Mk. 1.1U Georgette Pepita, zweifarbig in neuen Früh- iahrsfarb.,96cm a Ar breit, p. m..Mk. Z*ZO Matt-Flamisol, gewebt Sportstr.. 96 cm a Ar breit p. m. .Mk. Z*v0 Cröpe Maroc., Tupfen und modische Dessins, 70 cm breit, p. 4 zr ..........Mk. LOO Beiderwand - Streifen, 70 cm breit, p. za m.........Mk \0Z Woll-Cloqud in modernen Frühjahrsfarben. 130 cm br, i r a p. m.......Mk. 4.00 Mantel- und Complet- stoffe in englischer Art, 140cm br, a Ar p. m.......Mk. Z.ZO Georgette Coteld, gutfallende Kleiderware in modernem Farbsortiment, 96 cm br., a Ar p. m.......Mk. O.zO T rachten-Stoffe in Dirndl-Dessins, 65 cm breit, p. zr m.........Mk. .00 Bitte beachten Sie meine Frühjahrs*Schaufenster, auch im Hause Mäusburg 13 Vistra-Moussellne neue Frühjahrsmuster, ca. 80 cm breit, 4 Ar p. m.......Mk. LZO Karos und Streifen in lebhaften Farbstellungen, ca- 67 cm a 1 breit p. m..Mk. *»/i in schönem reichhaltigen Farben- Sortiment — äußerst preiswert: Ala Anzeigen - Aktiengesellschaft Annahme von Anzeigen für alle Leitungen u. Betticbntten Gietzen, Schulstvatze 2 IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIHIHIIIIIIIIIIUIIIIHIIIIIIl Volkstümliche Naturwissenschaft in reichbebilderten, leichtverständlich geschriebenen Werken und in verschiedenen Preislagen bieten unsere Verlags- erzeugnisse. Sie vermitteln einen tiefen Einblick in die Geheimnisse des Naturgeschehens und damit durch erweitertes Wissen erhöhte Freude an den vielfältigen Schönheiten der Natur. - Verlangen Sie Prospekte und auch Probehefte der Zeitschrift „Der Naturforscher“ Hugo Bermühler Verlag ■ Berlin-Lichterfelde Nr.W Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Freitag, ll.April 1936 ■?X ' 4 ! I MEH V : ■ ■ »i- ■ UWM VW W MWU" t M 40Iahre Universitäts-Aervenklinik Ein freundliches Krankenzimmer. Der neu geschaffene Hörsaal. richtsgegenstand erhoben wurde und ihren Lehr- von vornherein ccks ausgesprochene Krankenanstalt und Heilstätte gedacht waren. Wir finden große, weite Krankensäle mit hohen Fenstern, die sich in nichts von dem jedermann vertrauten Bild eines Krankenhauses unterscheiden. Ein modernes Labo- ratonum läßt erkennen, daß heute auch bei Nervenleiden und seelischen Krankheiten aufs sorgfältigste nach körperlichen Grundlagen des Krankseins geforscht wird. Ueberall sieht man, daß in den letzten drei Jahren unter der Leitung des bisherigen Direktors Prof. Hoffmann, der unserer Landes- universität durch eine Berufung nach Tübingen genommen wurde, auch hier ein Teil der allgemeinen Aufbauarbeit eingesetzt hat. Wir finden helle, großen Hörsaaltisch mit der doppelten Zugwand- tafel. Eine elektrische Verdunkelungsanlage und direkte Reflektorbelichtung der Bildtafeln, die in einer an der Decke angebrachten Karten-Aufzieh- vorrichtung hängen, machen den Hörsaal zu einem modernen Unterrichtsraum. Bon dem Hauptbau aus geht ein weites Fernsprechnetz, das außerdem mit sämtlichen andern Kliniken und ihren verschiedenen Abteilungen die Verbindung herstellt, zu den einzelnen Krankenstationen und Arbeitsräumen, in denen treu bewährte Mitarbeiter, die zum größten Teil seit vielen Jahren und Jahrzehnten zur Klinik gehören, ihren verantwortungsvollen Dienst an der Volksgesundheit verrichten. Selbstverständlich ist bei einer so großen Anlage die Aufbauarbeit noch längst nicht abgeschlossen. An vielen Stellen muß noch der Pinsel des Malers helle und lichte Farben setzen, müssen freundliche Wandbilder die Krankenzimmer schmücken. Wie man uns sagt, sind diese Verschönerungen bereits im Gange und werden in Zukunft fortgesetzt werden. Es wird eine dankbare Aufgabe der maßgebenden Stellen sein, diese im Dienst an der Volksgesundheit so not- gessen ist der eben fertig- gestellte moderne Hörsaal mit ansteigenden Sitzreihen, die ganz in Rot und Schwarz gehalten sind. Durch große, hohe Fenster fällt das Licht auf die 86 Sitzplätze und den freundliche Untersuchungs- und Behandlungsräume, einzelne besonders lichte und saubere Krankenzimmer, große Tagräume, in denen die Kranken bei Unterhaltung, Spiel und leichter Arbeit an ein gesundes Leben herangebracht werden. Auch für sportliche Betätigung und genügend Bewegung und Beschäftigung im Freien ist reichlich gesorgt.' Wer aus Behandlungsgründen viel liegen muß, kann seine Liegekur im Freien machen. Nicht zu ver- Jn einem großen, parkähnlichen Garten mit wunderschönen alten Baumbeständen liegt die Uni» versitüts-Nervenklintk, die vor nunmehr 40 Jahren durch den um unsere Landesuniversität hochverdienten Geheimrat Sommer, unter dessen Leitung sie auch gebaut wurde, eröffnet werden konnte. Wenn man heute einen Rundgang durch die gesamte Anlage macht, dann sieht man, daß die für damalige Zeiten sehr großzügig angelegten Bauten wendige Heilstätte in ihrem Aufbauwillen zu unterstützen. Am Ende unseres Rundganges, von dem wir den überzeugenden Eindruck eines vollständigen Krankenhauses und nicht den einer Irrenanstalt im Sinne veralteter, aber immer noch weit verbreiteter Vorstellungen mitnehmen, hatten wir Gelegenheit, den derzeitigen Leiter der Klinik über die heutigen und künftigen Aufgaben einer Neroen- klinik zu befragen. Er sagte: „Die Medizinische Fakultät unserer Landesuniversität hat das Verdienst, schon lange bevor an andern Universitäten die Psychiatrie zum Unter» Beim Morgensport. Wissenschaftliche Tagung in Bad-Nauheim. Der gesunde Mensch im Vordergrund ärztlicher Wissenschaft. LPD. Bad-Nauheim, 16. April. In Gegenwart von Vertretern des Reichsinnenministeriums und des Reichsarbeitsministeriums wurde heute vormittag im Kerckhoff-Jnstitut in Bad-Nauheim die Gemeinschaftstagung der Deutschen Gesellschaft für Kreislaufforschung und des Aerztlichen Ausschusses der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsschutz eröffnet. Die Tagung ist auch von Vertretern aus Holland, Polen, der Schweiz, der Tschechoslowakei und Japan besucht. Auch die benachbarten Hochschulen Frankfurt a. M., Gießen und Marburg haben Abordnungen entsandt. Als Vertreter des Gauleiters und Reichsstatthalters war Gauinspekteur H e y s e erschienen. stuhl erhielt, die Wichtigkeit der Seelenheilkunde für die Gesamtausbildung des Arztes erkannt und auf ihre Einreihung in die Zahl der übrigen Sonderfächer gedrungen zu haben. So heißt es in einem Fakultätsgutachten aus dem Jahr 1848, daß niemand werde verkennen können, daß die Seelenheilkunde einen wesentlichen Teil der Heilkunde überhaupt bilde und beide auf das Genaueste miteinander verbunden feien. Einer Universität, welche als Bildungsschule für die Heilkunde dienen solle, dürfe also auch das Mittel für Bildung in der Seelenheilkunde nicht fehlen. Es hat dann noch jahrzehntelanger Kämpfe bedurft, bis vor nunmehr vierzig Jahren Geheimrat Sommer die Klinik er- Das klinische Laboratorium, öffnen konnte. Die vielen (Aufnahmen [9]: Neuner, Gießener Anzeiger.) Aerzte draußen in der Praxis und in amtlichen Stellen, die heute dankbar ihres Lehrers gedenken, sind der beste Beweis dafür, wie glänzend diese Aufgabe der Klinik, eine Ausbildungsstätte in der Seelenheilkunde zu fein, in den vergangenen Jahrzehnten erfüllt worden ist. Auch heute und in Zukunft wird es zu den wichtigsten Aufgaben einer Universitäts-Nervenklinik gehören, in engster Verbindung mit den anderen Auch hier hat unsere Landesuniversität ihr besonderes Verdienst. Seit vielen Jahren war Geheimrat Sommer eifrig bemüht, mit Wort und Schrift die Familienforschung und den Sippengedanken in unser Volk hineinzutragen und es mit dem Wert und Segen des erbbiologischen Denkens vertraut zu machen. Wenn heute die Neroenklinik zu Gießen gerade in Aerztekreisen die denkbar beste Unterstützung in ihrer Arbeit für die Volksgesundheit findet, so dankt sie dies vor allem der unermüdlichen Aufklärungsarbeit, die schon längst vor der Machtübernahme durch Prof. Kuhn und Dr. Kranz geleistet worden ist. Dem Nervenarzt kommt es zu, sich in ärztlicher Kameradschaft gemeinsam mit dem Kranken und seinen Angehörigen in die Entwicklung und Geschichte seiner Sippe zu vertiefen und in gemeinsamer vertrauensvoller Arbeit das gesunde Wertvolle und das Kranke tm Erbgut herauszustellen und darüber zu beraten, auf welche Weife am besten das Gesunde gefördert und das Kranke ausgemerzt wird zum Wohl unseres Volkes und zum Segen der kommenden Geschlechter. Sie wollen zum Schluß noch wissen, ob in einem gesunden Erbgut überhaupt seelisches und nervliches Kranksein entstehen kann? Ganz gewiß! Es gibt sehr viele erbgesunde und erbtüchtige Menschen, die ein körperliches Nervenleiden bekommen oder in ein seelisches Kranksein hineingeraten können. Diesen Kranken Heilung zu bringen und sie so rasch wie möglich wieder als wertvolles und brauchbares Glied in das Volksganze einzuordnen, ist die allerschönste Aufgabe, die es für den Nervenarzt gibt/' Dreißig Jahre im Dienst der Klinik. Kliniken den jungen Mediziner zu einem wahren Arzttum, das ohne Schulung in der Seelenheilkunde gar nicht denkbar ist, zu erziehen. Eine Nervenklinik wird und muß sich bet unserer heutigen Auffassung von den engen Beziehungen zwischen Leib und Seele immer als Teil des Ganzen fühlen. Die Gemeinschaftsarbeit mit den andern Kliniken, wie sie hier feit langem vorbildlich betrieben wird, wird deshalb immer eine wesentliche Aufgabe sein. Eine besonders wichtige und verantwortungsvolle Aufgabe hat die heutige Neroenklinik durch die Schaffung des Erbgefundheitsgefetzes bekommen. Liegekur im Freien. Leibesübungen als Heilmittel. Erholung im Kümtgartes» 1 ■ »/WS* >*-**/■ 4 ■CvaK* xsT*- - M. *;/£ Mi«»s Sretenatteü, Die Tagung wurde von Professor Dr. Reiter, dem Präsidenten des Reichsgesundheitsamtes, eröffnet, der hervorhob, daß der Sinn der ärztlichen Zusammenkünfte heute ein ganz anderer als früher fei. Während man früher versucht habe, die medizinische Wissenschaft und das medizinische können in verschiedene Richtungen aufzuspalten, finde man heute eine entgegengesetzte Bewegung, die versuche, alles, was erarbeitet worden sei, wieder zusammenzufassen. Auch der Begriff Ge- sundheit sei heute ein wesentlich anderer geworden als früher. Der Laie unterscheide zwischen gesunden und kranken Menschen. Die ärztliche Wissenschaft habe bisher zu wenig den gesunden Menschen betrachtet. Heute sehe man als das Primäre den gesunden Menschen an, weil der Begriff des gesunden und des leistungsfähigen Menschen sich decke. Die Aerzte müßten in die Betriebe hineingehen, um zu sehen, wie und wo der Arbeiter arbeite, und wie der Arbeitsgang sei. In diesem Sinne hob der Präsident auch die Bedeutung bet Erbbiologie hervor, die noch vor ganz kurzer Zeit völlig verkannt worden sei. An die Begrüßung schloß sich eine Fülle wis- enschaftlicher Vorträge an. Die Beratungen werden sich über drei Tage erstrecken und am Samstag mit einer Besprechung der anwesenden ^Betriebs- und Fcwrikärzte schließen. Itr.Wj! DS i*cr MS'-- Wirtschaft *1 Äerun Srantiuri a. 2JL Le ey A!L kurs bffrfe börse 154. 15-4. Vanknolen. Die hinter den 100,65 97,4 100,65 97,4 102,65 111,75 100,1 98,25 35,5 144,5 129,4 142,75 124 134 129 139,5 187,65 132,25 15,13 16,5 113,4 111,5 91,5 89 93,25 184,5 35,25 144,75 129 141,5 123,75 133 128,5 138,75 185 132 102 117,5 123 96,25 134 92,25 87 103 118,65 123,5 97,13 173,5 135 92,75 89,65 35,13 144,75 129 142 123,25 133,13 133,75 128,4 139 184.9 132,13 15 16 112,9 112 91,75 89 93 184 103 118,75 123,5 97 134,9 92,25 89,65 15,13 26,5 16,4 113,4 112 91,5 89 93,25 184,75 35,25 145,13 130,25 142,5 124 134,4 134 128,25 139,5 185,5 133 0 0 0 0 6 0 0 0 12 , 0 10 14J) 16,13 112 91,75 89 93 183,25 A.E.S. Bekula See — Para- G. St. 102,25 117,9 123,5 96,25 172 134 92,13 87,9 120 114,4 96,5 101,4 101,5 97 97 108,8 28 1,4 8,25 8,25 8,25 13,2 111,9 100,15 98,25 96,5 101 92,5 120 114,25 96,5 101,25 101,5 97 97 108,8 28 1,35 8,2 8,25 8,2 13,25 9 über alle Stunden hinweghilft, wenn wir es ginge nicht mehr weiter. — Nun schwimmen wir wieder auf hoher Ziel Madeira. Man nennt die Insel: das dies vor Afrika. I. G. Öarben.gnbuftrie Scheldeanstalt........ Goldschmidt ......... RütgerSwerke....... Metallgelelllchaft...... Hamburg-Amertka-Paket Hamburg-Südam. Dampfschiff. Norddeutscher Lloyd ......... A.G. für Verkehrswesen Akt. .. Berliner Handelsgesellschaft ... Commerz, und Privat-Bank ... Deutsche Bank und Dtsconto« Gesellschaft................ Dresdner Bant Reichsbank ................2 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. 4% Österreichische Goldrente.... 4,20% Oesterreichische Stlberrente 4% Ungarische Goldrente....... 4% Ungarische Staatsrente V. 1910 4/2% besgl. von 1913 5% abgest. Goldmertkaner von 99 t^Türkische Bagdadbahn-Anlethe Nach grober See folgt Sonnenschein Unsere Hessen-Nassauer wandeln unter Palmen. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. anaeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt besch lossenen Dividende an. — Retchsbankdiskont 4 v. S)., Lombardzinsfuß 5 v. H. Philipp Hol,mann .... Zementwerk Heidelberg Zementwerk Karlstadt.. un(rf" PinG-Ler sich sererAnn sseich- $5« ooryer, m jÄ«* »SS gd)ulunfl5l«0e' rtursi taten wir W 8°rberelti wichtrg-" 5° ; «I Äi Sertii*/ «en; mmd-st-n- in !i** SeDdheitssw« machen, fi*' Kranker gehör schon angericht mühsam oerbai aus Furcht, m Scham zum Arzt beiz nicht zu spät!, unter Ziel in 1 Gewiß: abo Kälte und Ne anhaben, kiirp runq soll alle Doch wird es tungskrantheit gen nicht gen auf die nötig' nassen, die d ringere Leist erfahren. Dm teMunu du und wie (am lauben ist. Wesentlich f Heranwachsende vom Jahrgang Deutsch 3i lann, der nie besunden w sch einer t\tür stellen. Gemch Verhältnis vvi möglichst der vornehmen. ' sundheitsstam Dolksgesundh der Junge in geführt. So । heitskartei de spätere Gesch! der ltntersuö Gi Äv Es mar sei Abschnitt Ruhe die die Nerv' N- Wir fon1 Wochen kaum Eauf branm Mgen. Die fi Wasser, und , h'mmel und d gezwungene I !*- Aber b 'el6 ~ das al Äh 2 9Qn« von i°"gen Steges L? ^ute' b achten und Zurommen, mi einiger ö^reibt "d'gen. Abei °°°n erfuhr -btz ?« • Etappe 9e^' 6t ^ffn »id) l Mi M* ba d«4 ? wir JWn. halb J} v>o, 'Ns topfien KSchk & tr wieder »il ‘-«ft; Datum ManSselder Bergbau Kokswerke .................. Rheinische Braunkohlen Rbetnstahl.................. Vereinigte Stahlwerke Otavi Minen ............... Kaliwerke Aschersleben Kaliwerke Westeregeln........ Kaliwerke Salzdetfurth 7 Rütgerswerke 0,50 v. H. und Deutsche Eedöl 0,75 v. H. ab. Zellstoffaktien liehen 0,25—0,75 v. 5). nach, ferner kamen Reichsbank, AG. für Verkehrswesen, Holzmann und Muag bis 0,75 v. H. leichter zur Notiz. Gut behauptet blieben Deutsche Linoleum, Kunstseide Aku, Deutscher Eilenhandel und Otavi Minen. Rheinmetall Borsig erhöhten sich auf 132,50 (131,50). Nach den ersten Notierungen war die Haltung meist weiter rückläufig, insbesondere Montanwerte bröckelten ab, Mannesmann 88,50 nach 89, Verein. Stahlwerke 86 nach 86,25, ferner waren Daimler und die meisten übrigen Aktienwerte auf Basis der Anfangskurse angeboten. Etwas höher beachtet waren AEG. mit 35,50 nach 35,25. Am Rentenmarkt bestand größere Nach- frage nach zertif. Dollar-Bonds bei Erhöhungen bis 0,75 o. H.; 6proz. Preußen und Spargiro je 66,25 bis 66,50 (65,75), 7proz. Spargiro 67 (66,25) und 6proz. zertif. Frankfurt 64,50 (63,50). Späte Schuldbuchforderungen waren gefragt bei 98,25 (98,13), während Altbesitz, Zinsvergütungsscheine und Kommunal - Umschuldung knapp behauptet lagen. Im Verlaufe hielt die Geschäftsstille an. Am Aktienmarkt bröckelten die Kurst einiger Hauptwerte, wie IG.-Farben, Verein. Stahlwerke, Mannesmann, Hoesch und Daimler, um weitere 0,25 bis 0,50 v. H. ab. Schwach waren Rheinstahl mit 121,75 bis 122 (123,65), ferner büßten Licht und Kraft 1 v. H., Lechwerke Augsburg 1,25 v. H. und Siemens 2 v. H. ein. Mäßig erholt waren Junghans mit 87,40 nach 87. Am variablen Rentenmarkt traten später kaum Veränderungen ein. Zertif. Dollarlands blieben etwa zu den ersten Kursen behauptet. Am Pfandbriefmarkt blieben die Kurse unverändert, öVrproz. Frankfurter Hyp. Liquid. 101,40 (101,25). Stadtanleihen bröckelten z. T. 0,25 bis 0,50 v. H. ab. Auslandsrenten lagen still und meist unverändert, Schweiz. Bahnanleihen waren auf der gestrigen Basis gefragt. Am unnotierten Markt galten u. a.: Wayß & Freytag 102,50 (103,50), Adlerwerke 102,50 (102,75), Auto-Union 105,50 (106), Kali Wintershall 117 (118), dagegen Verein. Deutsche Metallwerke 125 (124). Tagesgeld wieder 2V2 v. H. Abendbörse weiter schwacher. Die Abendbörse war am Aktienmarkt weiter schwächer, da seitens der Kulisse noch Verkäufe erfolgten und einige Papiere auch Abgaben aus dem Publikum unterlagen. Die schwache Haltung von Kunstseide AKU mit 49,40 (50,25) auf schwächeres Amsterdam verstimmte ebenso wie niedrigere Dividendenschätzungen für Mannesmann, die auf 87 (88) zurückgingen. Anfangs in der Farben-Aktie vorliegendes kleines Angebot wurde von der schuldig betrachtet. Nach dieser schönen Seefahrt mutet der Besuch der portugiesischen Hauptstadt nunmehr wie eine Bestätigung höchstgestellter Erwartungen an. Laßt es Euch von den Kameraden aus Fabriken und Kontoren erzählen. Sie werden Euch die Bilder zeigen, die sie gemacht haben, und vielleicht werdet Ihr dann einen Abglanz jenes Glücksgefühls verspüren, das unsere Urlauber hatten. Wir hatten in Lissabon nicht nur ein wirklich schönes Bordfest, das alle Ausländsdeutschen an Bord unseres Schiffes brachte, sondern auf hoher See schon einen Bunten Abend. Der Sprecher des Abends, Richard Kisten- machen (wer kennt ihn nicht von den Berliner ,,KdF."-Veranstaltungen?) gab eine wirklich schöne Darstellung des Begriffes „Kraft durch Freude". Wir wissen, daß durch Freude nicht die Lohntüte größer wird. Man wird sich immer nach der Decke trecken müssen. Aber die Freude ist der Motor, der ' meinen, der „St. Louis", Frömmke, der Mann, den jeder an Bord als seinen Freund und Kameraden 6d)ult6etl Patzenhofer ....... 8lhi (Allgemeine Kunstseide) .< Sternberg................... g'stoss Waldhof ............ Istofs Aschassenburg ....... lauer GaS ............ Daimler Motoren............ Deutsche Linoleum........... Orenstetn L Koppel.......... Westdeutsche Kaufhof......... Chade................ ' Accumulawren-Fabrst....... Conti-Gummi............... Grttzner.................... Mainkrastwerke Höchst g-M... Süddeutscher Zucker Elektr. Lieferungsgesellschaft... 6 Licht und Kraft ........... 6% Felten & Guilleaume 4 Gesellfch.f.Elektr.Unternehmung. 6 Rheinische Elektrizität ........ 6 Rhein. Wests. Elektr 6 Schuckert L Co...............4 Siemens L Halske 7 Lahmeyer L Co 7 Kunst und Wissenschaft. Ursendung des Deukschlandsenders zum Geburtstag des Führers. Anläßlich des Geburtstages des Führers bringt der Deutschlandsender am Montag, 20. April, von 19 Uhr bis 20.40 Uhr die Dichtung „Der Flug zum Niederwald" von Otto- Heinz Jahn (Wort) und Herbert W i n d t (Musik) zur Ursenoung. Das Werk schildert den Triumphflug Adolf Hitlers im August 1933. Damals nahm der Führer an der Heldengedenkfeier in Tannenberg teil. Kurze Zeit darauf stieg sem Flug- zeug auf, flog über Ostpreußen und Pommern, erschien mittags über der Reichshauptstadt, nahm Den Kurs über die Mittelgebirge Harz, Weser und kam zwischen Westerwald und Taunus in eine Gewitterfront. Eine Stunde später stand der Führer am Niederwalddenkmal und hielt seine große Rede zur bevorstehenden Rückkehr der deutschen Saar. Unter Leitung des Komponisten Herbert W i n d t spielt das Stammorchester des Deutschlandsenders. Ferner wirken Lore Hoffmann, Margarete Klose, Walter Ludwig, Hans Reinmar, Ivar Andresen und der verstärkte Kammerchor des Deutschlandsenders mit. 16.4. 100,4 97,4 103,05 111,65 100,05 98,25 96,5 101,25 16.4. 100,65" 97,4 102,5 111,65 100,13 98,25 96,5 gewordenen Kulisse bei 163,90 ausgenommen, später ging der Kurs auf 163,65 (164) zurück. BMW. büßten 1 v. H. ein auf 126 Brief, ferner verloren AG. für Verkehr 0,90 o. H. auf 112. Auf den übrigen Marktgebieten wurden die Mittagskurse zumeist bis zu 0,50 o. H. unterschritten. Von Kassawerten waren Seilindustrie Wolff auf die Dividendenerhöhung gefragt, Taxe 89 bis 90 (87). Von un- notierten Werten gingen Kali Wintershall auf 116,25 bis 116 (117) zurück. Der Rentenmarkt lag ruhig, zertifizierte Dollar-Bonds lagen 0,25 v. H. leichter, auch Altbefitz 0,13 v. H. niedriger mit 111,65, ferner Farben-Bonds 132,25 (132,65). U. a. notierten: Altbesitz 111,65, Farben-Bonds 132,25, 4 v. H. Ungarn Kronen 1,30, 4 v. H. Ru- mänen 5,50, 4 v. H. SBB. 202, 3,5 v. H. SBB. 186,50, 3,50 v. H. Gotthard 177, 4 v. H. Goldmexi- kaner .7,80, Commerzbank 91,75, Buderus 102, Harpener 123, Hoesch E 96,25, Mannesmann 87, Rheinstahl 122, Stahlverein 85,50, AKU. 49,40, AEG. 35,25, BMW. 126, Bekula 144,75, Conti Gummi 179,75, Daimler 102,50. Frankfurter Schlacßtviebmarkt. Buderus 4 Deutsche Erdöl 4 Harpener...................0 Hoesch Eisen—Köln-Neuessen .. 8 Ilse Bergbau ...............6 Ilse Bergbau Genüsse 6 Klöcknerwerke 8 Mannesmann-R.Ihren ....... 0 Frankfurt a. M., 16. April. Austrieb: 43 Rinder (gegen 44 am letzten Donnerstagsmarkt), darunter 6 Ochsen, 2 Bullen, 31 Kühe, 4 Färsen,; 758 (889) Kälber, 41 (31) Schafe, 1070 (719) Schweine. Notiert wurden pro 50 Kilogramm Lebendgewicht in Mark: Kälber andere a) 73 bis 76 (am 9. 4. 73 bis 75), b) 66 bis 72 (66 bis 72), c) 57 bis 65 (58 bis 65), d) 45 bis 56 (45 bis 57); Lämmer und Hämmel b2) 47 bis 48 (48 bis 50); Schafe nicht notiert; Schweine al) 57 (57), a2) 57 (57), bl) 56 (56), b2) 55 (55), c) 53 (53), d) 51 (51); Sauen gl) 56 (—). — Marktverlauf: Kälber mittelmäßig, ausverkauft; Hämmel und Schafe ruhig, ausverkauft; Schweine wurden zugeteilt. Großhandelspreise für Fleisch und für Fettwaren. Beschickung des Fleischgroßmarktes: 635 Mertel Rindfleisch, 153 ganze Kälber, 8 Hämmel, 428 halbe Schweine, 3 Kleinvieh. Notiert wurden pro 50 Kilogramm in Mark (bei Rindfleisch jeweils Höchstpreise): Ochsenfleisch a) 80; Bullenfleisch nicht notiert; Kuhfleisch a) 75, b) 65; Färsenfleisch a) 80; Kalbfleisch b) 90 bis 95 (am 9. 4. 78 bis 88), c) 82 bis 90 (70 bis 78); Hammelfleisch b) 90 bis 95; Schweinefleisch b) höchster 74. Fettwaren: Roher Speck unter 7 Zentimeter höchster 75 (80), Flomen höchster 80. — Marktverlauf ruhig. Schwelnemarkt in Homberg. —Homberg, 16.April. Der Auftrieb zum gestrigen Schweinemarkt betrug 519 Stück Ferkel. Es wurden für sechs bis acht Mocken alte Ferkel pro Kopf 22 bis 25 RM., für ad)t bis zehn Wochen alte 25 bis 30 RM. und für zehn bis zwölf Wochen alte Tiere 27 bis 36 RM. bezahlt. Der starke Auftrieb brachte einen lebhaften Handel mit sich, bei dem nur ein geringer Ueberstand verblieb. Zuchtviehversteigerung in Alsfeld. 3) Alsfeld, 16. April. Am gestrigen Mittwoch fand unter Leitung des Tierzuchtamtes Gießen der Landesbauernschaft Hessen-Nassau eine Versteige-' rung von Fleckviehbullen sowie Ebern des veredelten Landschweins und des deutschen Edelschweins statt. Es hatten sich zahlreiche. Ankaufskommissionen eingefunden. Es waren aufgetrieben: 73 Bullen; davon wurden verkauft 52 Stück zu Preisen von 500 bis 1100 Mark. Zuckteber waren auf getrieben 65 Stück; davon wurden verkauft 43 Stück zu Preisen von 130 bis 295 Mark. Dank der zweckmäßigen und geräumigen Vichmarkthalle, welche die Stadt Alsfeld errichtet hat, in welcher die Eber untergebracht waren, konnte die Versteigerung flott abgewickelt werden. Georg Philipp Gail AG, Gießen. Fwd. Die Gesellschaft legt die beiden Bilanzen zum 31. Dezember 1934 und 31. Dezember 1935 vor. Für das Geschäftsjahr 1935 ergibt sich nach Abschreibungen von 32 681 (33 953) Mark ein Reingewinn von 9775 Mark (im Vorjahr 58 549 Mark Verlust, um den sich der Verlustvortrag auf 204 615 Mark erhöhte), durch den sich der Verlustvortrag auf 194 840 Mark ermäßigt. In der Mlanz stehen bei unverändert 700 000 Mark Grundkapital und 167 560 (70 000) Mark Reservefonds Verbindlichkeiten mit 144 522 (184 262) Mark zu Buch. Bankschulden betragen 129 951 (154 843) Mark, gesetzlich gestundete Tabakzölle und Steuern sind noch mit 93114 (233 167) Mark verzeichnet. Andererseits u. a. Gebäude 457 650 (468 375) Mark, Waren 403 330 (336 985) Mark, Forderungen 254 609 (299 407) Mark. Oie Zndustrie- unb Handelskammer Gießen gibt Auskunft: 353: Wegfall der ermäßigten Drucksachengebühr nach Litauen und dem Memelgebiet. — 354: Erleichterte Versendung von Warenproben. Bei der Versendung von Warenproben durch die Post kann künftig den Sendungen die Rechnung beigeleat loerben. — 355: Befriedigende Sumatra-Tabak- versteigerung in Amsterdam. — 356: Ausfuhrförderung durch Steuernachlaß in der Tschechoslowakei. — 357: Bekanntmachung KP 128 der Heber- wachungsstelle für unedle Metalle, betr. Kurspreise. Mein-Mainische Börse. INiklagsbörse nachgebend. Frankfurt a. M., 16. April. Die Börse lag am Aktienmarkt überwiegend mäßig schwächer, da die Kulisse ihre Glattstellunaen fortfetzte, während Kaufaufträge aus dem Publikum nur noch in sehr geringem Umfange Vorlagen und meist nur einige Spezialpapiere betrafen. Es herrschte allgemein etwas Zurückhaltung, die man mit der weltpolitischen Lage in Zusammenhang brachte. Die Umsätze hielten sich in engen Grenzen, das herauskommende Angebot hatte nur kleinen Umfang, fand aber bei der Geschäftsstille nur zu ermäßigten Kur- sen Aufnahme. Heber den Rahmen von 0,25—0,75 o. H. hinaus abgeschwächt waren Daimler Motoren mit 103 (104.40), Metallgesellschaft mit 120,25 (122), Gebr. Junghans mit 87 (88,50), Gement Heidelberg mit 139 (140) und Buderus Eisen mit 102 (103). Montan- und Elektroaktien gaben überwiegend nach, Hoesch und Klöckner bzw. AEG. und Bekula lagen aber oehauptet. Von chemischen Werten bröckelten IG. Farben auf 164,50—164,25 (165), mal wegen Raubes vorbestrafte Angeklagte pflegte sich an Fremde heranzupürschen, verstand es, diese in verfängliche Situationen zu bringen und beging dann Erpressungen oder andere strafbare Handlungen an ihnen. Der Angeklagte lebte von Geldern, die er als Ansichtskartenoerkäufer einnahm. Als sich ihm ein Fremder angeschlossen hatte und sich beide in einer Frankfurter Anlage aufhielten, wurde der Zeuge von dem Angeklagten plötzlich am Arm gefaßt, bekam den Arm verdreht und wurde seiner Barschaft und einer Fahrkarte beraubt. Als sich die beiden einige Zeit später am Bahnhof wieder trafen, beging Cremers eine räuberische Erpressung an dem schon beraubten Opfer. Der Zeuge wollte seine Fahrkarte wiederhaben, aber der Angeklagte wollte sie nur herausgeben, wenn ihm der Zeuge feinen Mantel überlasse. Um den Mantel zu erlangen, zerrte er sich mit dem Zeugen herum und schlug ihn scyließlich. In einem weiteren Falle lockte der Angeklagte einen schachsinnigen Menschen an sich und erweckte in diesem den Eindruck, eine große Unsittlichkeit begangen z u h a - b e n. Der eingeschüchterte Zeuge wurde seines Geldes, seiner Uhr und seiner Brieftasche erpreßt. Der Angeklagte wurde wegen schweren Raubes, räuberischen Erpressungsversuchs, fortgesetzter Erpressung und Rückfalldiebstahls zu einer Zuchthausstrafe von sechs Jahren, fünf Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht verurteilt. ©er Heymann-Prozeß in Mainz. LPD. Mainz, 16. April Die Sachverständigen- Gutachten im Heymann-Prozeß finden am Freitag vor der Großen Strafkammer in Mainz statt, nachdem der Prozeß gegen Heymann und And. am Donnerstag ausgesetzt worden war. Es steht zu erwarten, oaß Freitag nachmittag die Ausführungen des Staatsanwaltes beginnen; das Urteil wird für Samstag erwartet. Lissabon, an Bord der „St. Louis". 1 NSG. Fünf Tage waren wir an Bord unseres stolzen j Motorschiffes „St. Louis", das mit seinen 16 699 I Tonnen das größte deutsche Motorschiff ist. Schon diese Tatsache, und erst recht der Umstand, ! daß gerade dieses Schiff im wahren Sinne des s. Wortes luxuriös ausgestattet ist, sind der beste Be- , weis dafür, daß dem neuen Deutschland das i Beste für den d e utfch e n Arbeiter g e • 1 r ab e gut genug ist. Wir hatten uns gleich auf 1 dem Schiff eingelebt. Trotzdem braucht man einige 1 läge, bis man sich auf einem Ozeanriesen auskennt, i bis man die vielen Decks, Gesellschaftsräume, Hallen, < Schreib- und Lesezimmer auffindet, ohne erst lange i suchen zu müssen. Wer noch nie zur See auf einem 1 deutschen Schiff gefahren ist, kann sich kaum vor- : stellen, daß er an Bord auch rein gar nichts zu , entbehren braucht. Unsere Urlauber sind wirklich zufrieden. Sie haben bisher viel sehen können. Schon das Jnsichtkommen der englischen Küste war für die aufnahmebereiten Menschen, die für alles Dankbar sind, was ihnen diese frohe Seefahrt bietet, ein Erlebnis, das in der Erinnerung nie wieder verblassen wird. Auch ohne Glas war die Küste gut zu sehen. Jeder fühlte gerade in einem solchen Augenblick den tieferen Sinn dieser wie aller „Kraft durch Freude"-Fahrten: Der Anspruch des einzelnen Menschen an die großen und kleinen Annehmlichkeiten des Lebens ist durch den Nationalsozialismus auch für den ärmsten Volksgenossen verwirklicht. Er kann sogar über die Grenzen seines Landes hinausschauen. Nicht etwa deswegen, weil das eigene Land nicht schön genug sei, sondern weil eben der Blick in die Fremde das Gefühl stärkt, einem Volk und Lattd anzugehören, das sich vor den anderen Völkern bestimmt nicht zu verstecken braucht. Als wir bann im Englischen Kanal zwischen Dover und Calais fuhren, da ging von der Funkstation der „St. Louis" ein Telegramm an die Heimat ab, das mit den Worten schloß: „E s l e b e d e r F r i e d e !" Auch das ist symbolisch für diese Fahrt, daß wir nicht den Geist der gewollten Zwietracht mit an Bord genommen haben, sondern eine Gesinnung, die aus dem Willen zum Frieden geboren ist. Als wir dann bei der Insel Hshant den Kanal verließen und nach Süden fuhren, da waren die Erwartungen aller wirklich auf das Höchste gespannt. Das Sonderheft des „Arbeitertum", das jedem Urlauber als Reiseführer überreicht wurde, ließ die Sehnsucht der Urlauber nach dem sonnigen Süden auch bei denen aufkeimen, die sich von der groben, achterlichen See, die wir mit Windstärke 6 b i s 7 im englischen Kanal hatten, einschüchtern ließen. Aber diesmal meinte es die sonst so gefürch- tete Biscaya mit unseren Arbeitskameraden gut, und da auch der Wettergott ein Einsehen hatte, war das Erlebnis des Atlantik bei strahlendem Sonnenschein gewaltig. Dann fuhren wir an der spanischen Küste entlang. Am Montag fuhren wir die Bucht von Vigo aus, die, von der Sonne des Südens umstrahlt, uns einen Vorgeschmack von dem gab, was uns in Lissabon und Madeira erwartete. Wir merken, daß wir m einer anderen Welt sind. Wir haben den Norden verlassen. Das beweisen die Tümmler, die fliegenden Fische, das zeigt das brandende Meer und immer wieder Sonne — Sonne — Sonne —. Sehr interessant war die Fahrt an der Mündung des Duro entlang, der seine lehmigen Wasser in den Atlantik gießt. Das lehmige Wasser schwimmt auf auf dem Atlantik wie Oel. Die Grenze ist haarscharf genau. Nur dort, wo die Schraube unseres Schiffes das Wasser aufwühlt, vermischen sich die Fluten des Duro mit dem Wasser des Atlantik. — Es macht einem große Freude, hier an Bord die verschiedenen deutschen Stämme sich gewissermaßen miteinander einleben zu sehen. Es ist gcr nicht wahr, daß sich die Süddeutschen und die Norddeutschen nicht verstehen. Man sieht es auf Schritt und Tritt, wenn beispielsweise die Allgäuer „Buam" mit den Mädchen aus Mecklenburg auf dem Promenadendeck schunkeln, während andere Urlauber aus dem Gau Magdeburg-Anhalt Mundharmonika spielen. Es ist schon so, daß der Nationalsozialismus alles Trennende überwunden und die einzelnen Schichten unseres Volkes zu einer unzertrennlichen Gemeinschaft zu- sammengeschweiht hat, die auch von einigen Ewiggesttigen nicht mehr zerstört werden farm. An Bord' sind die Urlauber gaumäßig eingeteilt. Die Gaue Schwaben, Mecklenburg - Lübeck und Magdeburg-Anhalt haben wir schon erwähnt. Die Hessen-Nassauer sind unter den Urlaubern der „St. Louis". Ihnen hat man auch die Ehrengäste zugeteilt. Wie unser Reiseleiter We- b erb als erklärte, soll das keine Anzüglichkeit sein. Uebrigens Weberbals! Man nennt ihn hier nur , Vati", denn er sorgt sich um jeden Kameraden wie ein richtiger Vater. Er ist neben dem ersten Offizier Sechs Jahre Zuchthaus für einen jugendlichen Erpresser. Frankfurt a.St, 16.April. (LPD.) Der 21- jährige Heinz Cremers ist trotz seiner Jugend zu den gefährlichen Gewohnheitsverbrechern zu zählen. In dem soeben gegen ihn ergangenen Urteil wird gesagt, daß er zu dem gehöre, was man „Gesindel der Großstadt" nennt. Der zwei- Oalum 8% Deutsche Reichsanleihe v. 1927 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 5*4% Boung-Anleihe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit Auslos.-Rechten ............. 4*/i% Deutsche ReichSpostschatzau- Weisungen von 1934, I....... 6% ehem.8% Hess. Bottsstaat 1929 (rückzahlb. 102%)............ iyt% ehem.8% Hessische Landes- banl Darmstadt Gold R. 12.... byt% ehem. 4/,% Hess. Landes- Hypothekenbank DarmstadtLigui 4/i% ehem. 8% Darmst. Komm Landesb.Goldschuldverschr. R.6 Oberhessen Provinz-Anlethe mH Auslos.-Rechten ............. Deutsche Komm. Cammelabl. Anleihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten 4/i% ehemL% Franks. Hyp.-Bank Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935 6/i% ehem. 4/.% Franks. Hyp.- Bank-Liqu.-Pfandbrtese....... 6%% ehem. 4/i% Rheinische Hyp.-Bank-Ltyu.-Goldpfe 4/i% ehem. 8% Pr. Landespfand. brtefanstalt, Pfandbriefe R. 19 4/i% ehem. 7% Pr. Landespfand. briefanst., Gold Komm. Obl.Vl Steuergutsch.BerrechnungSk. 34-38 Frankfurt a. M. Schluß- turs Schlußk. Abend- börse Schluß, kurs Schlußk. Mittagbörse | 15-4. 16-4. 15 4. 16 4. 5 139 — 140,5 142 6 — — 129,5 128,5 18 229,25 230 230 230 4 123,65 122 123,9 122,13 0 86,65 20,65 85,5 86,75 85,5 0 20,5 20,65 20,4 5 — 130 129,5 130 . ft 127,25 128 127,5 128 189 188 189 188,4 . 7 165 163,65 165,25 163,75 . 9 229,5 230 — — . 6 110,13 110,25 110,5 110 . 6 127,75 127,5 128 127,5 . 4 122 120 122 120 . 4 111,5 111,25 112 111,75 . 7 140 138,5 . 6 130 130 . 4 — — 103,9 104 . 0 50,25 49,4 50,5 83,5 50 . ft 84,13 83,65 83 . 6 131,5 131 131 131 . 0 93 91,9 92,5 91,9 . 7 — — 132,25 131 . 0 104,4 102,5 104,5 102,75 . 8 170 170 170,25 170,25 . 0 —— — 81,5 81,5 . 0 36,75 36,25 36,9 36,25 Th 342 343 342 344 12 186 187,25 187 188 . 8 179,25 179,75 180,25 179,75 • 0 | 30 1 30,13 1 30 . 4 93,75 92,5 —— ro 1 - 1 200 1 198 1 198 Frankfurt a.M. | Berlin Schluß. turS Schlußk. Abendbörse Schluß« kurs Schlußk. Mittag- börie. Datum 15.4. 16-4 15.4. 16 4- 4% vesgi. Sene ll ............ 9 9 — — 6% Rumän. veretnh. Rente v. 1903 6,9 6,8 6,8 6,75 4s4%Rumän.vereinh.Rentev.l913 9,5 9,45 9,4 9,3 4% Rumänische vereinh. Rente . 5,5 5,5 5,6 5,5 39,4 2 y4% Anatolier............. 39,25 39,13 39,25 15.April 16.April Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Srief Geld Dries Buenos Sitte-. 0,683 0,687 0,683 0,687 Brüssel .... 42,08 42,16 42,05 42,13 Rio de Jan. 0,139 0,141 0,139 0,141 Sosta...... 3,047 3,053 3,047 3,053 Kopenhagen. 54,86 54,96 54,86 54,96 Danzig..... 46,80 46,90 46,80 46,90 London ..... 12,285 12,315 12,285 12,315 HelstngforS.. 5,415 5,425 5,415 5,425 Parts ...... 16,395 16,435 16,385 16,425 Holland .... 168,90 169,24 168,84 169,18 Italien..... 19,68 19,72 19,68 19,72 Japan ...... 0,716 0,718 0,716 0,718 Jugoslawien 5,654 5,666 5,654 5,666 Oslo..... : 61,73 61,85 61,73 61,85 Wien....... 48,95 49,05 48,95 49,05 Lissabon.... 11,145 11,165 11,145 11,165 Stockholm... 63,32 63,44 63,32 63,44 Schweiz .... 81,04 81,20 81,00 81,16 Spanten... 33,97 34,03 33,94 34,00 10,28 10,30 10,275 10,295 Budapest .. lieuyork ... 2,486 2,490 2,486 2,490 114,4 114,4 — — 101,5 101,25 97 97 97 97 108,9 108,9 28 28,25 1,3 1,45 8,45 8,35 8,35 8,25 8,3 8,13 13,3 13,1 — — Berim, 16-April Geld Lrici Amerikanische Noten.............. 2,438 2,458 Belgische Noten.................. 41,92 42,08 54,60 54,82 ffnnHirfiP WnfPTI 12,25 12,29 16,335 16,395 Holländische Noten............... 168,42 169,10 — Norwegische Noten .............. 61,52 61,76 Deutsch Oesterreich, * 100 Schwing •— Rumänische Noten......... ..... —— —— Schwedische Noten............... 63,10 63,36 förfifrnpher 9tDteit.ee«» ••#•••••••#• 80,82 81,14 33f74 c^pffnischl' Noten...___-___। -1 ---- 33,ßO Ungarische Noten Nr.90 Dritter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Zreitag, l7.April (936 Die gesamte Lugend soll erfaßt werden! An unsere neuen Kameradinnen! Heute ergeht noch einmal an alle zehn- und elfjährigen Mädel der Ruf, Mitglied in der Hitler- Jugend, also Jungmädel zu werden. Bis zum 20. April 1936 wird unsere Sperre aufgehoben. Ueberall in die Schulen kommen während dieser Zeit die Jungmädelführerinnen mit Probe-Aufnahmescheinen, die von euch und eueren Eltern auszufüllen und zu unterschreiben sind. Weil wir nur die ganz ordentlichen Mädel haben wollen, muß jedes Mädel eine vierteljährige Probezeit durchmachen und kann dann erst richtiges Jungmädel werden. Freude und Freiwilligkeit, unbedingte Kameradschaft und Treue zu allen übernommenen Pflichten gehören unerläßlich zu diesem Jungmädel- Sein. Wir wollen einmal so werden, wie uns der Führer haben will, und deshalb gehen wir durch die Schule der Nation in ihrer ersten Stufe der Jungmädelschaft der Hitler-Jugend. Heil Hitler! Erika D e s ch, Obergaujugendführerin. Die Verpflichiungssvrmeln für 63. und Jungvolk. Die Feiern zur Aufnahme der 10- und 11- jährigen in das Jungvolk und zur Ueberführung der 14jährigen in die Hitler-Jugend finden im ganzen Reich am Sonntag, 19. April, statt. Für beide Feiern sind durch die Reichsjugendführung besondere Verpflichtungsformeln festgesetzt. Am Abend des 19. April spricht der Reichsjugendführer Baldur von Schirach von 19.30 bis 20.00 Uhr über alle deutschen Sender zur deutschen Elternschaft. Ueber den Wortlaut der Verpflichtungsformeln und den Verlauf der Derpflichtungsfeierlichkeiten erfährt der „Reichs-Jugend-Pressedienst": Nach einer kurzen Feier mit Lied, Sprechchor und Fanfaren wird zuerst die Ueberführung der 14jährigen Jungvolkjungen und Jungmädel in die Hitler-Jugend bzw. in den BdM. vorgenommen. Der HJ.-Führer spricht dann das Gelöbnis vor: „Kameraden, die ihr heute, zum Geburtstag unseres Führers Adolf Hitler, in die Hitler-Jugend eingegliedert werdet, ihr habt zu geloben: Ich gelobe, dem Führer Adolf Hiller treu und selbstlos in der Hitler-Jugend zu dienen. Ich gelobe, mich allezeit einzusehen für die Einigkeit und Kameradschaft der deutschen Jugend. Ich gelobe Gehorsam dem Reichsjugendführer und allen Führern der HI. Ich gelobe bei unserer heiligen Fahne, daß ich immer versuchen will, ihrer würdig zu sein, so wahr mir Gott helfe!" Jungvolk und Jungmädel sprechen jedes einzelne Gelöbnis nach, und der HJ.-Führer schließt mit den Worten: „Somit übernehme ich euch als verantwortlicher Hitler-Jugend-Führer in die Reihen der Hitler-Jugend. Es folgt die Aufnahme der neuenPimpfe in das Deutsche Jungvolk. Der Jungvolk-Führer spricht zu dieser Feier die Schwertworte des DJ.: „Jungvolkjungen sind hart, schweigsam und treu, Jungvolkjungen sind Kameraden, der Jungvolkjungen Größtes ist die Ehre." Dann spricht er den Jungen das Gelöbnis vor, das lautet: „Ihr, die ihr heute am Vortag des Geburtstages des Führers als neue Jugendgenossen in unsere Reihen kommt, spricht mir nach: Ich verspreche, im Deutschen Jungvolk allzeit meine Pflicht zu tun in Liebe und Treue zum Führer und unserer Fahne, so wahr mir Gott helfe!" Nach der Aufnahme der Pimpfe nimmt die Jungmädelführerin die Aufnahme der Jungmädel vor mit folgender Verpflichtungsformel: „Jungmädel sein, heißt in selbstloser Kameradschaft stehen und selbstverständliche Zucht im Diensttun üben. Ihr, die ihr heute am Vortag des Geburtstages des Führers als neue Jugendgenossen in unsere Reihen kommt, sprecht mir nach: Ich verspreche, in der Deutschen Jungmädelschaft im BdM. allzeit meine Pflicht zu tun in Liebe und Treue zum Führer und zu unserer Fahne, so wahr mir Gott helfe!" Der HJ.-Führer bringt im Anschluß an das Gelöbnis das Sieg-Heil auf Führer und Reich aus. Aus Oer provinzialhauptstaOt. Gesunde Pimpfe. Von Dr. med. Max Zrhr. von Düngern. Zungbannarzt, Gießen. Unsere Jugend — unsere Zukunft! Gesunde Pimpfe, gesunde Jugend — gesunde Männer! Sind sich die Führer im Jungvolk bewußt, welche Verantwortung sie in der Betreuung der Gesundheit unserer Jugend trogen? Aufgabe der Aerzte im I u n g b a n n ft d b ist es, die scharfen Bestimmungen der Reichsjugendführung über die Gesundheitsbetreuung, etwa z. B. über den Dienst im Winter: warme Kleidung, Vermeiden langen Stehens usw., durchzusetzen. Die Stammärzte Dr. Glahn,Hart- mann,'Dr. Kuhn, Dr Stals haben sich im vergangenen Winter, wie auch schon im Winter vorher, bemüht, in den jungen Führern durch ärztliche Vorträge Verständnis für das Gesundheitswesen zu wecken und höchstes Verantwortlichkeitsgefühl in ihnen zu festigen. Dr. Kuhn von der Medizinischen Klinik hat im Rahmen eines Schulungslagers den Jungvolkführern einen Feld- s ch e r k ü r s gehalten. An Schulungswochenenden haben wir das Wissen der Fähnlein- und Jungenschaftsführer immer wieder überprüft. Nach dieser Vorbereitung können wir an die Erfüllung einer wichtigen Forderung der Reichsjugendführung herantreten: „In Zukunft darf nur noch der DJ.-Führer bestätigt werden, der an einem Feldscherkurs teilgenommen hat". Darüber hinaus sind in mehreren Fähnlein alle Jungen, die aus Lust zur Sache sich freiwillig meldeten, in einem Kurs über „E r st e Hilfe" unterrichtet worden. Bei allen diesen Ausbildungen haben wir jedoch nicht nur Wert gelegt auf Kenntnis bestimmter rascher Hilfen bei allerlei Verletzungen, Unfällen und plötzlichen Erkrankungen: mindestens ebenso wichtig war uns, die Jungen an Aussprache mit einem Arzt zu gewöhnen, ihnen Gesundheitsfragen und ihre hohe Bedeutung klarzumachen, sie Vertrauen zum Arzt zu lehren. Ein Kranker gehört zum Arzt! Mancher Schaden wurde schon angerichtet, weil ein Junge seinen Schmerz mühsam verbarg aus Scham, ausgelacht zu werden, aus Furcht, nicht mehr mitmachen zu können. Diese falsche Scham ouszureden, den Jungen Vertrauen zum Arzt beizubringen und den Mut, ihn — und nicht zu spät! — aufzusuchen, das war vor allem unser Ziel in diesen Kursen. Gewiß: abgehärtet sollen unsere Jungen sein, Kälte und Regen sollen ihnen nicht gleich etwas anhaben, körperliche Ertüchtigung, Leistungssteigerung soll alle zu echten, strammen Jungen machen. Doch wird es immer Jungen geben, die zu Erkältungskrankheiten neigen, oder die den Anforderungen nicht gewachsen sind. Hier müssen wir Aerzte auf die nötige Vorsicht dringen. Von allen Junqge- nossen, die durch bäufiae Erkrankunaen oder ae- ringere Leistung auffallen, soll der Jungbannarzt erfahren. Durch seine Untersuchung, oder nach Untersuchung durch den Hausarzt wird festgestellt, ob und wie lange der Junge vom Dienst zu beurlauben ist. Wesentlich für die Gesundheitsbetreuung unserer Heranwachsenden Jugend ist die Bestimmung, daß vom Jahrgang 1926 an kein Junge mehr i n s Deutsch Jungvolk ausgenommen werden kann, der nicht vom Arzt dafür tauglich befunden wird. Wer Pimpf werden will, muß sich einer gründlichen, gewissenhaften Untersuchung stellen. Gemäß unserem Streben, ein Vertrauensverhältnis vom Jungen zum Arzt zu bilden, soll möglichst der gewohnte Hausarzt diese Untersuchung vornehmen. Nach ihrem Ergebnis wird ein Gesundheitsstammbuch angelegt und vom Amt für Volksgesundheit verwaltet und auch später, wenn der Junge in andere Gliederungen kommt, weitergeführt. So entsteht für die Zukunft eine Gesundheitskartei des deutschen Volkes, deren Wert erst spätere Geschlechter voll erkennen werden. Ist bei der Untersuchung eine Erkrankung des Jungen Gchreiber Henschke. Von Paul Richard Hensel. Es war seit einiger Zeit in unserem Gefechtsabschnitt Ruhe eingetreten, eine unheimliche Ruhe, die die Nerven nicht zur Entspannung kommen ließ. Wir konnten nach den Strapazen der letzten Wochen kaum sagen, ob wir müde waren oder darauf brannten, zu einer Entscheidung zu gelangen. Die kümmerlichen Unterstände standen voll Wasser, und es war gut, daß der ewig graue Himmel und der anhaltende Nebel ein wenig ungezwungene Bewegung in den Gräben möglich machte. Aber dieser Nebel, die Stille, das Trichterfeld — das alles schuf auch manchmal Gedanken an Menschenferne und Unwirklichkeit — „wie am Endender Welt", sagte einmal unser Leutnant. — Gott sei Dank klappte es mit der Poft und der Verpflegung. Jeden Morgen mußten die Telephonisten heraus, um die zum Stab führenden, in der Nacht zerschossenen Leitungen zu flicken. Es ergab sich ganz von selbst, daß wir dann jenseits des langen Steges, der über das Sumpfgelände führte, auf die Leute warteten, die uns unsere Tagesration brachten und bann, froh, aus dem Kessel herauszukommen, wieder umkehrten. Seit einigen Tagen kam sogar Henschke, unser Batterieschreiber, selbst, um uns die Post auszuhändigen. Aber er erntete in der Batterie, als man davon erfuhr, wenig Anerkennung. Er war verträglich, gefällig, niemand konnte sich über ihn beklagen, aber im Grunde stand er für alle doch abseits, er gehörte nicht zu ihnen — Schreibstube, Etappe — man hatte nur ein geringschätziges Achselzucken dafür. Unsere Hoffnung, für ein paar Wochen aus der Stellung zurückgezogen zu werden, erfüllte sich nicht. Gerüchte von einer zunehmenden Vorbereitungszeit des Feindes sickerten durch. Die vermehrte Fliegertätigkeit sagte uns genug. Wir mußten zufrieden fein, daß jeweils die Mannschaft eines Geschützes nach B., wo die Protzen standen, gehen durfte, um vor allen Dingen wieder die Montur inftandzufetzen. Schmutzig und verwildert kamen wir — ich war bei der ersten Gruppe — in dem halb zerschossenen Dorfe an, und Henschke, der uns ins Quartier führte, mußte manche hämische Bemerkung über seine „Etappentätigkeit" einstecken. Er tat mir beinahe leid, aber mit erstaunlicher Ruhe ging er über alles hinweg, zeigte uns die Küche und die Kantine und machte sich bann still wieder bavon. Unser Quartier, im Erbgeschoß eines bachlosen Hauses, war nicht hervorragend, aber wir atmeten doch auf. Die Uniform herunter, waschen, einmal festgestellt worden, so wird auf Behandlung durch den Hausarzt gedrungen. Die Aufnahme ins Jungvolk wird stets von voller körperlicher und geistiger Gesundheit abhängig gemacht. Um Überanstrengung der Jungen von vornherein möglichst vermeiden zu können, wird nach den von der Reichsjugendführung herausgegebenen Richtlinien die Einteilung der Jungen in die unteren Einheiten ganz neu vorgenommen: innerhalb der Fähnlein werden jeweils die Gleichaltrigen in einer Jungenschaft zusammen eingeteilt. Der Dienstplan kann so an das Alter der Jungen angepaßt werden. Das war längst wünschenswert, da ein Zwölfjähriger andere Leistungsfähigkeit hat, als ein Zehnjähriger. „Jugend führt Jugend" — wird nun jeder Jungvolkführer feine Aufgabe erfüllen bei der Aufsicht über die Gefundbeitsfübrung unserer Jungen? Liebe Eltern, hier könnt ihr uns Aerzte n helfen! Es ist zwecklos, nur einfach zu nörgeln, wenn einmal, trotz aller geschilderten Bemühungen um Einsicht und Verantwortungsgefühl bei den Jungen, durch Unvernunft ein Junge überanstrengt wurde, sich erkältete. Auf Umwegen kommt wieder an einem Tisch sitzen und essen — das tat wohl. Dann wurden Zigaretten und Schokolade aus der Kantine geholt, die im Nebenhaus war. Abends klopfte es an unserer Tür, und mir sahen verwundert Henschke draußen stehen. „Kommt doch rüber zu mir, ein Glas Bier trinken! Ich lade euch ein!" Etwas verdutzt sahen wir uns an. Wußte denn unser Schreiber nicht, was die meisten über ihn dachten? War bas nun Großmut ober etwas wie schlechtes Gewissen? Aber schließlich, uns sollte der Vorschlag schon recht sein. Schreibstuben pflegen nicht in schlechten Häusern untergebracht zu sein. Mir wunderten uns bann nur, baß ss-nschke uns in einen Kellerraum führte, ber allerdings behaglich eingerichtet mar. , W-wen hör Tch-nor" meinte er nur kurz. „Mein Gott, habt ihr Angst!" sagte ber lange Schulze, aber Henschke schüttelte ben Kopf. „Nichts als Vorsicht!" Unb legte ein Kartenspiel auf ben Tisch Oho, er hatte doch nam gute Einfälle, und bei Bier und Zigarren saßen wir bald so vertieft in unser Spiel, daß wir nicht auf die Zeit achteten. Und als nach ein paar Stunden Lerche, unser Sanitäter, von Müdesein sprach, hielt ihn Henschke eifrig zurück. Dabei schien er angestrengt binauszuborchen. „Nein, nein, bleibt lieber hier!" sagte er. Und bann auf einmal — Wir hatten Maschinengewehrfeuer über uns ergehen lassen, wir kannten bas H"ulen von Granaten, bie bumpfen Abschüsse von Minen, wir hatten, glaubten wir, bas Zittern verlernt — aber bieses nervenzerreißende Geräusch, wie wenn ein riesiger Bohrer sich wahnwitzig in Metall gräbt, vom Singen zum erschreckenben Heulen anwachsenb, um in einer bumpfen Detonation zu enben — Hergott, bas fuhr uns in bie Glieder. Betreten sahen wir uns an. „Die Flieger!" sagte Henschke nur. In diesem Augenblick hörten wir das Sausen ber zweiten Bombe — sekunbenlang fühlten wir bas Unheimliche, Wehrlose — bann klirrten bie Fenster vom Lultbruck ber nahen Explosion, bas Licht ging aus. Unb in ber Stille, bie bann folgte, vernahmen wir deutlich bas Surren ber feinblichen Flieger. „Jede Nacht kommen sie", sagte Henschke mit spröder Stimme, „unb man muß stillhalten, bis es einen trifft". Unb wie er so vor uns ftanb, gefaßt unb ernst vor ben Ahnungslosen unb überraschten, war er für uns gar nicht mehr ber Mann aus ber Schreibstube, sondern einer wie wir, ber bem Tob ins Auge sah. Als es still in ber Luft geworben war, gingen mir in unser Quartier zurück. Hier unb bort huschten Gestalten vorbei, bie Füße stolperten über Scherben unb Steine. Eine ber Fliegerbomben mar auf bem Pflaster der Gasse aufgeschlagen und hatte Fenster unb Türen unseres Quartiers eingedrückt. bie Klage zmar uns Aerzten zu Ohren, aber unbe» stimmt, aufgebauscht, entstellt — bamit ist nichts anzufangen. Gebt eure Ansicht sofort an uns ro e i t e r ! Nur so läßt sich rasch burchgreifenbe Besserung erzielen. Die Aerzte im Jungbannstab haben heute neben helfenber, in Gesunbheitsfragen beratender Stellung auch roeite Vollmacht zu berechtigtem Einspruch. Ein Beispiel: in Zukunft sollen Pimpfe, bie auf längere Fahrt gehen motten, genau ihren Fahrtenplan aufftetten (Fahrten „Ins Blaue", gar etma über mehrere Tage zum verständlichen Schrecken der Eltern, roirb es nicht mehr geben!). Dieser Plan roirb bem Jungbannarzt vor- gelegt. Er wägt Alter ber Jungen unb geforberte Marschleistung ab unb unterschreibt ihn — ober auch nicht! Den unterschriebenen Reiseplan haben bie Jungen auf bie Fahrt mitzunehmen, er muß jedem Arzt der NSV. auf Verlangen zur Kontrolle vorgeroiesen werden — wehe dem Führer, der ihn nicht eingehalten, ihn überschritten hat! Uns Aerzten ist enge Zusammenarbeit mit ben Jungvolkführern einerseits unb mit ben Eltern unb bem Amt rür Volksgesunbheit anberseits zur Pflicht gemacht. Wir können aber nicht hinter iebem Führer herlaufen, an jeber Fahrt teilnehmen; wir find auf Stichproben (bie berühmten Zahnbürsten- Wir sahen uns an und verstanden uns. „Zehn Schritt weiter, und mir wären jetzt Brei...!" Jede Nacht kommen sie, hatte der Henschke gesagt — darum also hatte er uns in den Keller gerufen — Geschlafen haben wir nicht mehr viel bis zum Morgen. Denn immerfort quälte uns der Gedanke: Mas hilft es, wenn mir da üprn einen Schutzwall bilden, und die, bie sich geborgen fühlen, find vor bem Tobe nicht sicherer als wir...? In einer jener Nächte ber Hölle, in ber Angriff unb Gegenangriff zusammenprallten und Artillerie und Flieger den Tod auch weit hinter bie vorberen Linien trugen, warf ein feindliches Geschwader Brandbomben auf das Dorf B., in dem bereit- gestellte Reserven vermutet wurden. Nur mit größter Mühe gelang es. ben Regimentsstab unb bie Batteriepferde in Sicherheit zu bringen. Den Schreiber Henschke aber fanb man später unter ben Trümmern ber von einer Bombe zerfetzten Schreibstube; er hatte den Fernsprechbörer noch in der Hand, mit bem er. allein zurückgeblieben, bie Verbinbung zwischen Stab unb Batterie in biefer entscheibenben Nacht aufrecht erhalten hatte. Zeitschriften — Das Aprilheft ber „Z e i t w e n d e" (Wichern- Verlag, Berlin-Spanbau) ist fast ganz ber Betrachtung des Verhältnisses von „Kirche unb Volkstum" im Spiegel auslandsdeutschen Ringens gewid- met. Die grundsätzliche Problematik bieses Verhältnisses beleuchtet Dr. Hans Beyer (Danzig) an einigen charakteristischen Erscheinungen bes Außen- deutschtums. Bischof D. Theobor Heckel, ber Leiter bes Kirchlichen Außenamtes, spricht über bie Aus- bilbung unserer Geistlichen für ben Auslanbsbienst unb gibt uns bamit einen sachkunbigen Einblick in besser, mannigfache Aufgaben unb Schwierigkeiten („Gesamtkirchliche Verantwortung unb theologisches Studium"). Eine lebendige Veranschaulichung biefer allgemeineren Betrachtungen ist ber Beitrag von Pfarrer Gerharb May (Cilli) über „Evangelischer Glaube unb Volkstum in Slowenien". Er erinnert baran, baß ben heute roieber völlig katholischen Slowenen erst bie vom deutschen Abel eingeführte Reformation bie eigene Schriftsprache schuf unb sie so zum Volke formte, baß sich also auch an ihnen „bie bem Luthertum innewohnenbe Energie zur Dolkwerdung" (Elert) bewährte. Ebenso anschaulich ist der Bericht van Johannes Raspe, ehemals deutschem Pfarrer in Brasilien, über bie roerbenbe deutsche Volkskirche in biesem Lanbe, bie größte deutsche Kirche in Ueberfee, bie eng mit ber Heimat- kirche oerbunben ist unb im Mai bieses Jahres ihr 50jähriges Bestehen feiern barf. Um so nieder- schmetternder wirken neben diesem Bild blühenden Heist dem Erholungswerk Oes Oeutschen Volkes! Ein Aufruf des Landesbauernführers. Die Kämpfer der nationalsozialistischen Bewegung schaffen in unermüdlicher Arbeit Tag für Tag im Dienste des Führers und des Deutschen Volkes ihr schweres anstrengendes Werk. Rücksichtslos stellen sie ihre Gesundheit und ihr ganzes persönliches Leben gegenüber diesen Aufgaben zurück. Es ist eine Ehrenpflicht für das hessen-nassauische Bauerntum, diesen Männern in der A d o l f - h i t- ler-Freiptah-Spende eine Erholung auf dem Lande zu gewähren; denn ihre Treue muh mit gleicher Treue vergolten werden. Auch für die Kindertandoerschickung, jenem großen hilfsroerk der nationalsozialistischen Volkswohlfahrt für hilfsbedürftige Kinder, werden unsere Dörfer offenstehen. Gerade unser Bauerntum weih, dah nur bei einer gesunden und an Leib und Seele kräftigen Iugend ein Volk selbst jung und stark bleiben kann. Dr. Wagner, Landesbauernführer. Paraden im Lager!) angewiesen. Wohl aber können bie Eltern, wenn ihre Jungen Heimkommen unb erzählen, sich ein Urteil hüben unb uns auf Mängel Hinweisen. Mit ben Führern im Jungvolk unb mit bem Amt für Volksgesunbheit stehen wir in ftänbiger Verbinbung, bagegen ist uns ber Schritt zum Herzen ber Eltern noch nicht ganz gelungen. Mögen biese Zeilen bazu beitragen, bas Vertrauen zu solcher Zusammenarbeit zu festigen auf bem Wege zum gemeinsamen Ziel: Gesunbe Pimpfe! Jungvolk im Dienst. Stamm I Chatten: Samstag, 18. April, Stammappell auf dem Trieb. Fähnlein 15, Schill: Fähnleindienst in Bettenhausen. Anmarsch der Jungzüge bis 9 Uhr. Sonntag, 19. April, 9 Uhr: Antreten an ber Schule in Bettenhausen. Fähnlein 18, Heinrich ber Löwe: Samstag, 18. April, 8 Uhr, Jungzugdienst. Sonntag, 19. April, 15 Uhr: Fähnleinbienst. Verpflichtung ber Neulinge, Überweisung in die HI. Dornoti,en. Tageskalender für Freilag. NSG. „Kraft durch Freude": 20.30 bis 21.45 Uhr allgemeine Körperschule im Lyzeum; 20.30 bis 21.30 und 21.30 bis 22.15 Uhr Schwimmen im Volksbad; 20 bis 21 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs. — Stadttheater: 20 bis 22.30 Uhr „Towarisch". — Gloria- Palast, Seltersweg: „Heißes Blut". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Donau-Melodien". Sladllhealer Gießen. Heute von 20 bis 22.30 Uhr Erstaufführung von „Towarisch", Komödie von Jacques Deval, bearbeitet von Curt Goetz. Curt Goetz ist in der deutschen Theaterwelt eine außergewöhnliche Erscheinung: Als Bühnenautor des geistreichen Konversationsstückes steht er mit an allererster Stelle. Sein neuestes Werk „Towarisch" ist wiederum ein echter Goetz. „Towarisch" erlebte mit großem Erfolg seine deutsche Uraufführung im Dezember 1934 und begann sofort seinen Siegeszug über viele in- und ausländische Bühnen, der sich bis heute fortsetzt. Die Spielleitung liegt in ben Hän- ben von Wolfgang Kühne. Mitwirkenbe: Damen: Birkmann, Decker, Henckell, Markgraf, Schubert- Jüngling, Stirl; Herren: Frickhoeffer, Geiger, Hub, Mosbacher, Rosenthal, Schorn, von Spallart, Volck. 26. Vorstellung im Freitag-Abonnement. Lebens bie Zeugnisse vom Tobesweg ber beutschen evangelischen (Bemeinben im bolschewistischen Ruß- lanb, bie uhs ein ungenannter Pfarrer mitteilt. Das Problem Kirche unb Staat hat hier eine furchtbare, dämonische „Lösung" gefunben. Dr. Herbert Krimm (Wien) weist nachbrücklich barauf hin, baß heute gerabe bas Auslanbsbeutschtum burch seine bcfonbere Situation bazu aufgerufen ist, uns zu einer tieferen Besinnung über bas Verhältnis von „Volk, Staat unb christlichem Glauben" zu führen. — Im Aprilheft ber Monatsschrift „Volk unb Rasse" (Verlag I. F. Lehmann, München 2 SW) werben u. a. bie „Olympischen Winterspiele 1936 in Garmisch-Partenkirchen" vom Rassestanbpunkt aus betrachtet; viele Silber von Olympia-Sportlern begleiten bie Ausführungen. Ueber bie „Standes- h<’rPuntt berühmter M^nn-m" gibt ein Beitrag F. Keitey? interessante Aufschlüsse. — Die Frage bes angeborenen Schwachsinns, bie burch bas Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses befonbere Bedeutung bekommen hat, roirb von Dr. med. Wilhelm Lange grünblich behanbelt. — Sehr beleh- renb ist auch der Bericht über „Zentralafrikanische Pygmäen" von H. Lichtenecker. — Aus den „Kleinen Beiträgen" verbient bie Arbeit Dr. Schott- kys „Zur Genealogie psychopathischer Schwindler unb Lügner" hervorgehoben zu werben. Die Spalten „Aus Rassenhygiene unb Bevölkerungspolitik" unb „Ein Blick hinüber" zeichnen sich burch vielseitige unb interessante Mitteilungen aus. — „Luft überminbet Zeit unb Raum" heißt ber erste Aufsatz einer neuen" fesselnden Artikelreihe „Weltpolitik im Luftraum", bie in ber „S i r e n e", ber großen illustrierten Luftschutz-Zeitschrift, beginnt. Hier roirb die Bedeutung des Flugzeugs für die Erschließung bisher unzugänglicher Landesteile (z. B. in Brasilien, Kanada, in Sowjetrußland) gezeigt. Das neue Heft enthält viele interessante Bilder. dod)fcbu1nod>rid)ten Auf Vorschlag des Hygienischen Instituts der Universität München wurde der diesjährige Max- von-Pettenkofer-Preis in Höhe von 500 Mark dem Professor Dr. Paul Schmidtam Hygienischen Institut der Universität Halle zuerkannt. Professor Schmidt ist durch seine Arbeiten auf dem Gebiete der Gewerbehygiene und durch feine Lehre von der Klimaeinwirkung auf die menschliche Gesundheit bekannt geworden. Professor Dr. Emil Everling , ao. Professor für Luftfahrt und technische Mechanik an der Technischen Hochschule Berlin, ist zum ordentlichen Professor daselbst ernannt worden. Deutsche Arbeitsfront. Mrtfchaftskundttche Studienfahrt im Gau Hessen-Nassau. Die Gauwaltung der RBG. 6 „Eisen und Metall" hat für das Gaugebiet eine Fahrt durch die hessischen Metall-Jndu st rien geplant mit dem Titel: „Vom Erz zum Erzeugnis". Sie umfaßt 7 Tage von Montag, 11. Mai, vormittags 9 Uhr, bis Sonntag, 17. Mai, abends 18 Uhr. Die Gebühr beträgt 30 Mk. einschl. Fahrt, guter Hoteloerpflegung (3 Mahlzeiten) und Ueber- nachten in Hotels und Gasthäusern Die vorgesehenen 30 Teilnehmer fahren am ersten Tage mit Autobus ab Frankfurt nach Wetzlar. Nach der Einnahme des Mittagessens erfolgt die erste Führung durch das Hüttenwerk und Walzwerk „Buderus" in Wetzlar mit einem Vortrag: „Gewinnung und Verhüttung der Eisen- und Metallerze". Besichtigung der Stadt, Abendessen und Kameradschaftsabend beschließen den Tag. Am zweiten Tag Besichtigung der Leitz- Werke mit Vortrag „Die Optische Industrie Deutschlands". Nach dem Mittagessen Fahrt in die Umgebung von Wetzlar, anschließend Fahrt nach Limburg, wo auch übernachtet wird. Nach der Stadtbesichtigung und des Limburger Domes wird am dritten Tag nach Rüdesheim gefahren; von dort Ausflug auf das Niederwald- Denkmal, Kameradschaftsabend und Kostproben des Rüdesheimer Weines. Am vierten Tag Fahrt am schönen Rhein entlang. Besichtigung der Clycol - Metallwerke in Schi erst ein und einer Schiffswerft in Mainz- Cast e l. Das Mittagessen wird in Wiesbaden eingenommen und auch da übernachtet. Der Nachmittag steht zum Besuch der heißen Quellen, Kuranlagen und Ausflug auf den Neroberg zur Verfügung. Früh um 8 Uhr des fünften Tages bringt der Autobus die Teilnehmer nach Mainz-Gustavs, bürg, Besichtigung der MAN - Maschinenfabrik, dann Fahrt nach Rüsselsheim, Einnahme des Mittagessens, anschließend Führung durch die gesamten Opel-Werke, mit ihrer mustergültigen serienmäßigen Automobil - Herstellung. Rückfahrt noch Frankfurt, Nachtessen und Kameradschaftsabend mit den Mitarbeitern der Gaudienststelle der RBG. „Eisen und Metall". Am Samstag, 6. Tag, vormittags Besichtigung einiger bedeutender Betriebe in Frankfurt und der Gemeinschastslehrwerkstätte der DAF. Nach dem Mittagessen Fahrt zum neueröffneten Flughafen, Besichtigung der Zeppelinhalle, Fahrt auf der Autobahn Frankfurt—Darmstadt. Nach dem Nachtessen Gemeinschaftsausgang nach dem historischen Sachsenhausen zum traditionellen Aepfelwein. Sonntag ftüh, am 7. und letzten Tag, finden sich die Teilnehmer zur Besichtigung der Altstadt, Römer, Kaisersaol, Dom und Museum. Nach dem Mittagessen Besichtigung der neueröffneten dritten Reichsnährstands-Ausstellung auf dem Festhallengelände, in welcher die neuesten landwirtschaftlichen Maschinen und Geräte gezeigt werden. Nach dem gemeinsamen Nachtessen ist die Fahrt beendet, die Teilnehmer können am Sonntagabend die Rückreise antreten. Anmeldungen müssen bis 23. April an die Abteilung für Arbeitsführung und Berufserziehung der DAF-, Gießen, Schanzenstraße 18, Zimmer 5, Telefon 3275, erfolgen. Lebensmittel -Opfern» g der Ortsgruppe Gießen-Ost. Die Sammlung wird Dienstag, 21., und Mittwoch, 22. April von der NS.-Frauenschaft durchgeführt. Die Mitglieder wollen die Pfundpäckchen bereit halten und den Inhalt außen sichtbar angeben. Anzeigepflicht für Motore. Die Polizeidirektton Gießen teilt uns mit: Es besteht Veranlassung, die Gewerbetreibenden auf die Besttnrmungen der Polizeiverordnung vom 10. Juli 1907 über die Anzeigepflicht der Motoren aufmerksam zu machen und auf deren Befolaung hinzuweisen. Noch § 1 dieser Verordnung hat jeder Gewerbetreibende, in dessen Werkstatt ein durch elementare Kraft (Dampf, Gas, Wasser, Luft, Elektrizität usw.) bewegtes Triebwerk, ohne Rücksicht auf dessen Umfang, zur Verwendung kommt, die erfolgte Aufstellung und Inbetriebnahme innerhalb 8 Tagen nach Beginn der letzteren der Ortspolizeibehörde (Polizeidirektton) anzuzeigen. Die Nichtbeachtung dieser Vorschrift hat Geldstrafen zur Folge. Die dcutfthc Arbeitsfront n.9.=6emeinf(haft „Kraft durch frcuöc" Die für Sonntag, 19. April, angesetzte Wanderung nach Gleiberg — Krofdorf — Gleibachtal —- Wißmar — Launsbach ist auf Sonntag, 26. April, verlegt. Die Betriebswarte wollen entsprechende Anschläge in ihren Betrieben anbringen. ♦ ** Verkehrsunfall glimpflich abge- laufen. Gestern gegen 17.30 Uhr ereignete sich am Selterstor ein Verkehrsunfall, der verhängnisvolle Folgen nach sich ziehen konnte. Ein Lastkraftwagen, der einen Personenwagen schleppte, bog aus der Frankfurter Straße nach rechts in den Hmdenburg- wall ein. Dabei erwies sich, daß die Steuerung des Personenwagens nicht in Ordnung war. Der 93er- sonenwagen fuhr dadurch auf den Gehsteig, auf dem im gleichen Augenblick eine Frau mit einem Kinderwagen angefahren kam. Der Kinderwagen wurde von dem Auto umgestoßen, das Kind fiel heraus, erlitt dabei jedoch keinerlei Verletzungen. Auch die Frau kam mit dem Schrecken davon. AS.-Fmuenschast im Dienste der Landsrau. praktische Nutznießung aus Winterschulungskursen. Im Frühjahr, wenn die Bestellung der Felder beginnt und wenn alle Bäume Knospen tragen, dann beginnt für den Bauer ein neues arbeitsreiches Jahr. Auch die Bäuerin findet viel Arbeit draußen in Garten und Feld. Der Hausgarten muß gepflegt werden, denn er soll reichlich Früchte tragen im Sommer und Herbst, die auch noch für den Winter einen Teil der Ernährung bilden. Gerade für die Bäuerin ist die Vorratswirtschaft von besonderer Bedeutung, denn ihr stehen nicht die Kühlhäuser der großen Städte zur Verfügung, die der Stadtfrau ständig Gemüse liefern auch in gemüsearmen Zeiten. Die Landfrau hat einen Winter voller Anregungen hinter sich. In den Heimabenden der N S. - Frauenschaft, die sie vielfach nur in den Wintermonaten besuchen kann, da sich im Sommer keine Zeit findet zu einer stillen Stunde, hat sie auf allen Gebieten ihres Lebens reiche Anregung erhalten. Im Sommer kann das Gelernte verwertet werden. Die Winterkurfe der Mütterfchulung sind in den ländlichen Kreisen abgeschlossen. Das will nicht heißen, daß es nicht auch Sommerkurse gibt, aber die Bäuerin, die einem ganzen Haus und Hof vorstehen muß, findet im Sommer kaum Zeit zum regelmäßigen Besuch eines Mütterschulungskurses. Das im Winter Gelernte muß nun seine Früchte tragen. Die Pflege des Säuglings ist gar kein so schwieriges Kapitel mehr für die junge Frau und wenn ihre Kinder nicht gehorchen wollen, wenn sie einmal nicht weiß, wie em schwer erziehbarer Junge zu behandeln ist, dann fallen ihr fo manche goldene Worte ein, die die Wanderlehrerin im Winter im Erziehungskurs sagte. Auch die Abteilung „Volkswirtschaft — Hauswirtschaft" hat sich bemüht, den Winter über in unzähligen Kursen und Vorträgen der Frau das nötige Rüstzeug mitzugeben für ihre Haushaltsarbeiten im Sommer. Die Hauptsache für jede deutsche Hausfrau, und das haben im Winter alle gelernt, ist, daß sie sich immer einzustellen weiß auf ote jeweiligen Bedürfnisse des Mark- t e s. Das gilt für die Landfrau nicht weniger als für die Stadtfrau. Wenn sie nun im Frühjahr ihren Hausgarten bestellt, dann wird sie ihn mit ganz anderen Gedanken einrichten als das früher der Fall war, denn sie weiß, daß der kleine Garten um ihr Haus sogar von Bedeutung ist für die große Ernährungslage des ganzen deutschen Volkes. Nach so viel Anregung des Winters, um die die Gedanken bei der Arbeit gern kreisen und nach manchem schönen Abend im Kreise der Frauenschaft bleibt die dankbare Erinnerung an die schönen Stunden des Winters. Schmückt die Fenster mit Blumenkästen. Bei der Anbringung von Blumenkästen wird meistens zu wenig an die Wachstumsbedingungen der Pflanzen gedacht, von denen wir doch wünschen, daß sie sich freudig entwickeln und reich blühen. In praller Südsonne aber, in einem ausgedörrten schmalen Kästchen, kann keine Pflanze gedeihen, ebenso wenig wie in einer zugigen Nord- oder Nordwestecke. Man muß immer daran denken, daß Fenster- und Balkonblumenkästen sehr viel mehr dem trocknenden Wind und dem Zug ausgesetzt sind als wenn sie auf ebener Erde stehen würden. Welches sind die besten Blumenbehälter für Fensterbretter und Balkone? Der nicht sehr sachverständige Blumenfreund wird sofort sagen, daß dies die jetzt verhältnismäßig billigen Tonschalen sind, weil sie dem Blumentopf am nächsten kommen, poröse Wände haben und so eine gute Durchlüftung der Erde erlauben und andererseits bei zu starkem Gießen alles überschüssige Wasser abtropfen lassen. Ganz stimmt das aber nicht, vor allem schon dann nicht, wenn diese Tonschalen zu schmal und zu flach gewählt werden, was fast immer der Fall ist. Wenn sie auf einem Balkon noch in einen Holzkasten gestellt werden und man dann den Zwischenraum zwischen Tonschale und Holzkasten mit feuchtem Moos auspolstern würde, dann allerdings kämen sie dem Ideal am nächsten. Für Fensterbretter haben sich bisher stabile Holzkästen durchaus bewährt, die aber innen keinen Anstrich mit Teer, Karbolineum oder Firnis erhalten dürfen. Will man sie haltbar machen, dann kohle man sie mit der Lötlampe innen an. Holzkästen sind deshalb so gut, weil sie verhältnismäßig dickwandig sind, Holz ein schlechter Wärmeleiter ist und daher der Wind und die aufprallende Sonne keine so starke austrocknende und erhitzende Wirkung haben können. Niemals darf man die Maße für Fensterkästen zu klein wählen. Unter 25—30 Zentimeter Tiefe und 20—25 Zentimeter Breite sollte man nicht heruntergehen. Es sind dann die Wurzeln zu sehr der Gefahr des Vertrocknens ausgesetzt. Durchaus bewährt haben sich auch Blechkästen, wenn sie aus genügend starkem Blech vom Klempner hergestellt werden. Bei chnen ist unbedingt nötig, daß sie noch mehr Abzugslöcher als Holz- kästen haben, die vor dem Befüllen mit Erde mit Scherben abgedeckt werden, damit alles überschüssige Wasser abziehen kann. Der Vorteil der Blechkästen besteht in der fast unbegrenzten Haltbarkeit, ihr Nachteil in der Dünnwandigkeit, weil dann die Sonne sehr stark einwirken kann. Ein teilweiser Ausgleich kann dadurch geschaffen werden, daß man einen hellen Anstrich anbringt und innen Bretter zwischen Erde und Kastenwand einschiebt. Oie Tippgräfin. Vornan von Klothilde v Stegmann. Urheberrechtsschutz: Aufwärts-Derlag, Berlin. SW 68. 39 Fortsetzung. Nachdruck verboten k Renate Trotha kletterte inzwischen auf dem Gemäuer des niedergebrannten Grundstücks in Karls- Horst umher. Jago erwies sich wieder als sehr anhänglich — er ließ seine Herrin auch nicht einen Augenblick allein. „Mein Gott, Kollegin, seit wann interessieren Sie sich denn für Brandschäden von anderem als beruflichem Standpunkt aus?" lachte ein Kameramann sie an, als sie mit ihrem ausgezogenen Stativ in den Resten des einst so schönen Hauses umher- ftocherte. „Sind Sie auf Schatzgrabung aus, auf Reste des Gellernfchen Familienschmucks, der ja wohl einst hierher gehörte?" „Kann wohl fein!" sagte Renate tiefsinnig und stocherte weiter. Sie wußte eigentlich selbst- nicht, warum sie das tat. Da kam schweifwedelnd Jago angesprungen und zerrte Renate aufgeregt mit sich. Kopfschüttelnd folgte sie ihm. An einer anderen Ecke des Trümmerhaufens ließ er sie stehen. Dann holte er triumphierend einen kleinen, halb verkohlten Schuh hervor, den er ausgegraben hatte. Mariellas Parfüm haftete ihm noch an, und das hatte den Hund wohl auf die Spur gebracht. „Such weiter, mein Hund, such weiter!" Jagos Jagdfieber war jetzt auch auf feine Herrin über- gesprungen. Vorsichtig sah sie sich um — an diesem Teil der Brandstätte war kein menschliches Wesen zu entdecken. Das nächste, was Jago zutage förderte, war ein Briefumschlag, leer und halb verbrannt. Doch die Aufschrift, die er trug, war noch lesbar und befremdend zugleich: „Meiner geliebten Tochter an ihrem einundzwan- zigsten Geburtstage auszuhändigen von ihrem Vater...", stand darauf. Ein Gruß Bonaglias aus dem Grabe? Hatte Mariella ihn an jenem ereignisreichen Tage wirklich von Annina erhalten und vergessen, ihn zu lesen? Oder kannte sie den Inhalt des Schreibens und wollte mit niemandem darüber sprechen, weil er ihr heilig war als Botschaft des Vaters, den sie feit Jahren betrauerte? Schnell ließ Renate das Stückchen Papier in ihre Tasche gleiten. Dabei sah sie auf ihre Uhr und stellte fest, daß sie sich beeilen müsse, wenn sie ihre Ausnahmen von der Brandstätte noch rechtzeitig abliefern wollte. ,Komm, Jago!" Sie pfiff dem Hund, der ihr nur widerwillig folgte. Hätte sie ihn nur noch Sekunden weiterschnüffeln lassen, so hätte er das Schreiben zutage gefördert, das Annina ihrer Pflegetochter aushändigen sollte, wenn diese■ siebzehn Jahre alt geworden war. Ein goldenes Schlüsselchen zu der Kasiette, die den Schmuck der Bonaglia barg, war ihm beigeschlossen. Es war am Abend dieses ereignisreichen Tages. Mariella war allein in Renates Wohnzimmer. Sie glaubte die Freundin in der Dunkelkammer, unten im Keller. Mariella saß am Flügel. Sie hatte lange nicht gesungen. Aber heute überkam eine unendliche Sehnsucht nach ihrer geliebten Musik das einsame Mädchen. Sie blätterte in ihren Noten. Endlich hatte sie gefunden, was sie suchte: „Sttll rote die Nacht, tief wie das Meer soll unsere Liebe sein." Mit tiefer Inbrunst fang sie; ihre klare, warme Altstimme schwang durch den Raum. Sang sie nun für den toten Geliebten, an den sie noch immer glaubte? Oder fang sie für etwas, was ihr selbst noch unbekannt und geheimnisvoll war? Sie wußte es nicht. Sie wußte nur, daß sie fingen mußte, um diese tiefe Sehnsucht ihres Herzens zu bannen. Im Nebenzimmer faß regungslos Renate. Mariella sollte nicht wissen, daß sie sie belauschte. Denn so ganz aus sich heraus ging Mariella doch nur, wennz sie sich ganz allein wähnte. Renate wollte sie dieser Wohltat nicht berauben. Ein jähes Klingeln der Hausglocke ließ die beiden träumenden Mädchen auffahren. Jago, der friedlich hingestreckt an Mariellas Seite gelegen hatte knurrte böfe auf. Renate schritt mit dem Hund in den nächtlichen Garten hinaus — Mariella aber kehrte langsam in die Wirklichkeit zurück. Wer mochte da zu später Stunde noch Einlaß begehren? Angstvoll preßte sie die Hände auf das klopfende Herz. Sie fürchtete jetzt immer irgendein Unheil. Oder kam irgendein verspäteter Besuch zu Renate? Sie sah an sich herunter. Würde sie sich so zeigen können? Sie hatte einen Hausanzug aus mattgelbem, seidenem Stoff an, dessen breite Beinkleider fast wie ein Rock fielen. Darüber trug sie ein gelb-blau gestreiftes kleines Blüschen, das die schlanken Arme und den zarten Hals freigab. Eine mattrosa Korallenkette lag um den Hals. Sie wußte nicht, wie lieblich sie aussah. Gespannt horchte sie auf die leisen Stimmen an der Gartenpforte. Aber sie konnte nichts verstehen. Denn Renate sprach draußen leise mit einem sehr stattlichen, vornehmen Herrn, der sie nach „der Contessa Maria Novelli" befragte. Erft als er sich einwandfrei vor den unbestechlichen Augen Renates legitimiert und ihr versichert hatte, daß er nur das Beste ihrer Freundin wolle, öffnete sie. Nun ging sie mit dem Herzog der Abruzzen, dessen Detektiv in wenigen Stunden Maria Novellis neues Heim ermittelt, in ihr Haus zurück. „Wollen Sie hier ein wenig warten, Hoheit!" bat sie leise und wies in ihrem Arbeitszimmer auf einen Sessel. Dann ging sie hinein zu Mariella. Die fragte erstaunt: „Renate, wer wollte denn jetzt so spät noch etwas von uns?" Herzog Enrico lauschte. Da war sie wieder, die süße, weiche Mädchenstimme mit dem ganz leisen, fremden Akzent, die ihn bis zu diesem Augenblick unaufhörlich verfolgt hatte. Jetzt hörte er Renate sagen: „Ein Herr ist hier, der dich sprechen möchte, Kleines! Er bringt dir Grüße aus deiner Heimat!" Renates Stimme klang freudig erregt. Sie umfaßte Mariella und führte sie langsam dem Zimmer zu, in dem der Herzog wartete. „Oh — aus meiner Heimat? Gibt es dort noch Menschen, die mich kennen — mich, die Tipp- gräsin?" Wie wehmutsvoll das zitternde Sttmmchen klang! „Das muß sie sein — sie hat die Sttmme ihrer Mutter. Daß ich das nicht gleich spürte!" Der Herzog wußte nicht, daß er diese Worte in seiner Erregung laut gesprochen hatte. Aber Mariella hatte sie gehört. Zitternd trat sie über die Schwelle und sah den Fremden fassungslos an. Sie erkannte sofort in ihm den Herzog wieder, den sie heute morgen vor dem Objektiv gehabt. Abermals kamen ihr Worte ihrer Muttersprache auf die Lippen, als sie seinen Gruß erwiderte: „Buona sera, Altezza! — Guten Abend, Hoheit! Was führt Sie so spät zu uns?" Mit ehrerbietiger Verbeugung begrüßte Herzog Enrico Mariella. Nun erschien auch Renate. Liebevoll umfaßte sie Mariella, und der Herzog nahm mit Entzücken das schöne Bild dieser beiden Freundinnen in sich auf: Mariellas in ihrer zierlichen, überirdischen Schönheit, Renate in ihrer stolzen, reiferen Weiblichkeit, mit dem ernsten, klugen Antlitz und der hohen, ebenmäßigen Gestalt, die in dem Hausanzug von roeinrotem, weichem Stoff sich plastisch abhob. „Liebling", sagte Renate zu Mariella. „Seine Durchlaucht, der Herzog, hat dir sehr viel Wichtiges zu sagen! Vertraue dich ihm ganz an. Aber ich glaube, was er dir mitzuteilen hat, wird keinen Zeugen dulden. Ick bin unten in der Küche, wenn ihr mich ruft. Ich Denke, es wird ziemlich spät werden, bis Seine Durchlaucht dir alles gesagt hat. Da werde ich inzwischen für einen Mokka sorgen." Fort war sie, ehe der Herzog und Mariella sie aufhalten konnten. Scheu sah Mariella Enrico an. Der sagte gütig: „Fassen Sie sich zunächst, mein Kind!" Er sprach italienisch und, als müsse es so sein, die kleine Principessa antwortete ihm ebenso. „Lassen Sie die Maske fallen, Principessa!" setzte er hinzu. Er ließ sie nicht aus den Augen und sah wohl ihr erregtes Zusammenzucken, als er ihr den Titel gab, der ihr gebührte. „Ich weiß seit zwei Stunden, daß Sie Mariella di Bonaglia und das Oberhessen. Diamantene Hochzeit in Großen-Buseck wg. Großen-Buseck, 17. April. Die Ehe« leute Landwirt Lorenz Balthasar Harbach und Frau Rosine, geb. Pfeiffer, Weidengasse 2, können am heutigen Freitag, 17. April, bei guter Gesund« heit das seltene Fest der DiamantenenHoch« zeit feiern. 60 Jahre ging das Jubelpaar gemeinsam durch das Leben, das beiden viel Freude, aber auch manches Leid gebracht hat. Das Ehepaar verlor einen Sohn im Felde. Der Jubilar wurde mehrmals durch Unfälle heimgesucht. Beide Gatten haben immer den Kopf oben behalten. Noch heute wissen sich die hochbetagten Leute, mit kleiner Arbeit in Haus und Hof nützlich zu machen. Canöfrete Gießen. > Odenhaufen a. d. Ld a., 16. April. Am kommenden Sonntag werden unsere hiesigen Konfirmanden eingesegnet. Aus der Schule kommen 3 Knaben und 5 Mädchen zur Entlassuna. An Abc- schützen wurden 15 Kinder, 5 Knaben und 10 Mäd- chen, in die Schule ausgenommen. — In letzter Zeit machen sich in unserer Gegend Wildschweine bemerkbar. Heute gelang es dem Förster Lang einen der Schwarzkittel xxi erlegen. > Aus dem unteren Lumdatal, 16. Apnl. Infolge der günstigen Witterung zeigt die W i n t e r- frucht auch in unserer Gegend gute Entwicklung. Auch die Sommerfrucht geht gut auf. Kl e e und Wiesengras zeigen gleichfalls einen schönen Stand. Hier und da werden schon Frühkartof« fe l n gesteckt. Das Bespritzen der Obstbäume zur Bekämpfung der tierischen und pflanzlichen Schädlinge ist allenthalben durchgeführt. * Beuern, 17. April. Die hiesige Einwohnerin Frau Margarete ©paar erlitt eine schwere Kniegelenkverletzung und mußte zur Behandlung in die Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht werden. 5 Steinbach, 16. April. Am heutigen Tage feiern unser Forster Karl Becker und seine Ehefrau Eleonore, geb. Balser, das Fest der silbernen Hochzeit. # Leihgestern, 17. April. Die Feier ihrer silbernen Hochzeit können am heutigen Freitag die Eheleute Hofbediensteter Karl Gremm und Frau Katharine geb. Bepler, auf Neuhof, begehen. * Lang-Göns, 17. April. Der hiesige Landwirt Karl Weil kam schwer zu Schaden. Durch einen unglücklichen Sturz erlitt er einen Ober« schenk elbruch und mußte zur Behandlung in die Klinik nach Gießen gebracht werden. ]) Langsdorf, 17. April. Der Vorschuß- und Kreoitverein Langsdorf e. G. m. b. H. veröffentlicht soeben feinen Geschäftsbericht für das Jahr 1935, fein 64. Geschäftsjahr. Aus diesem Bericht ist zu entnehmen, daß auch im vergangenen Geschäftsjahr 1935 sich weiterhin eine langsame, aber jtetige Aufwärtsentwicklung auf allen Gebieten des wirtschaftlichen Lebens sich bemerkbar macht, die sich wiederum außerordentlich günstig und belebend auf die Kaffe ausgewirkt hat. Der Umsatz der Kasse ist gegenüber dem Vorjahr um ein Beträchtliches gestiegen. Die Zahlungsbereitschaft hat sich im Berichtsjahr um fast 22 000 Mark erhöht, so daß die Kasse am 31. Dezember 1935 über 96 555,84 Mark flüssige Mittel verfügen konnte. Die Gesamtausleihungen betrugen am Ende des Geschäftsjahres 290 921,27 Mark. Die Spareinlagen und die Einlagen in laufender Rechnung vermehrten sich um 45 956,26 Mark. Die Bilanz zeigt auf der Vermögensseite in den wichtigsten Posten folgende Zahlen: Bankguthaben 89 342,85 Mark (im Vorjahr 70 541,30 Mark), Kassenbestand einschließlich Postscheckguthaben 7212,99 Mark (4156,14 Mark), Forderungen in laufender Rechnung 239 725,59 Mark (210 657,97 Mk.), Aufroertungshypotheken 36 218,63 Mark (38 261,69 Mark), diskontierte Wechsel und Schecks 3677,74 (6356,71 Mark), Wertpapiere, Beteiligungen, Kaufschillinge 9376,50 Mark (10 742,50 einzige Kind meines geliebten Freundes Giovanni und feiner Gattin, Marianne von Ahlfried, sind ..." „Oh — kannten Sie meine Mutter?" Zu ersten Male in ihrem jungen Leben sah sich die kleine Tippgräfin wieder einem Menschen gegenüber, mit dem sie von ihrer Mutter sprechen konnte, seitdem der Vater sie verlassen. Ach, wie gut entsann sie sich noch der herrlichen Abende in dem weißen Märchenschloß von Palermo, an den Ufern des Mittelländischen Meeres, wenn sie von der Frühverklärten sprachen, die ihrer beiden teuerstes Gut gewesen. Mit Annina hatte sie es auch versucht, denn sie dachte, daß Annina, von der ihr Vater auf der Reife nach Berlin in fo warmen, gütigen Worten feinem Töchterchen erzählt, auch ihre Mutter geliebt haben müsse. Doch als sie mit dem Feingefühl des Kindes merkte, daß Frau von Gellem in Marianne di Bonaglia eine Feindin sah. versuchte Mariella niemals wieder, mit ihrer Pflegemutter über die angebetete Tote zu sprechen. „Ich kannte auch Ihren Vater, armes Kind!" Die volle Stimme des Herzogs wurde weich. Und als er die blauen Märchenaugen sich mit Tränen füllen sah, sprang er auf, nahm Mariellas eiskalte Hände mit einem festen Druck: „Mut, Mut, Principessa! Ihr Vater ist nicht tot. Er lebt. So Gott will, wird er in kurzer Zeit bei Ihnen sein, um sein Kind zu umarmen." 25. Kapitel. E i n Hühner st aat und seine Königin. Ein goldener Septembertag legte seinen sanften Schleier über die Hügel und Wälder des Gebirges. Altweiberfommerfäden zogen durch die tiefblaue Lust. Tau glitzerte in den letzten Blumen. Ein Tag so recht zum Wandern und Frohfein. Ein Tag, der in sich noch die Süße des Sommers zu bergen scheint! Ein hoch gewachsener, braun gebrannter junger Mann stieg langsam und gleichmäßig den gewundenen Waldweg hinauf, der zur Geyerburg empor führte. In tiefen Zügen atmete er den würzigen Duft des Waldes ein. Wie lange hatte er ihn vermißt! Es gab nichts, was dem deutschen Walde glich in feiner Größe, Verträumtheit und Schönheit. Die Pinienwälder Italiens, der in Ueppigteit wachsende Urwald fremder Erdteile — alles verging vor diesem Anblick hier. Die Tannen ragten ernst und tiefgrün in den blauen Septemberhimmel. Unter ihren breiten Aesten war der Waldboden grün von Moos und Farren. Kleine Eidechsen huschten über die sonnigen Steine. Käfer summten und spielten im Grase. Der Saum des Waldes war von hellen Birken besetzt, deren Laub sich schon leicht goldig färbte. Ein Vogel schwang sich von Wipfel zu Wipfel. Ab und zu hielt er inne, äugte zierlich zu dem einsamen Wanderer herunter und stieß einen süßen, trillernden Laut aus. (Fortsetzung folgt!) Stunden verschied. Das Mitgefühl des ganzen Dorfes tarn in einem großen Trauerzug zum Ausdruck. Jungvolkjungen trugen ihren toten Kameraden zur letzten Ruhe. Die Schuljugend hatte im Schulhof Aufstellung genommen, um dem Mit- chüler den letzten Gruß zu entbieten. Kreis Schotten. # Ober-Seibertenrod, 15. April. Oberhalb unseres Dorfes ereignete sich ein A u t o u n » all, indem ein aus Richtung Ulrichstein kommen- )er Kraftwagen die hohe Straßenböschung Hinabuhr und sich überschlug. Dabei erlitt der Fahrer erhebliche Verletzungen. Der Wagen wurde beschädigt. Preußen. Kreis Wetzlar. * Dutenhofen, 17. April. Heute morgen ereignete sich auf der Straße nach Gießen ein schwerer U n g l ü ck s f a l l. Der Zugführer Weber von hier, der sich heute morgen mit seinem Fahrrad auf den Weg zum Bahnhof nach Gießen gemacht hatte, stürzte dabei von feinem Fahrrad, blieb bewußtlos liegen und wurde so von zwei Offizieren der Wehrmacht, die im Kraftwagen die Unfallstelle passierten, aufgefunden und in die Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht. Der bedauernswerte Mann hat eine Gehirnerschütterung erlitten. * Dornholzhausen, 16. April. Gestern ereignete sich hier ein schwerer Unglücksfall. Der Landwirt Karl Schaum von hier, der Kleesamen gesät und mit der Ackerwalze gearbeitet hatte, ließ auf dem Rückweg sein fünfjähriges Söhnchen Willy auf der Ackerwalze aufsitzen. Bei einem plötzlichen Ruck stürzte das Kind herab und geriet unter das schwere Ackergerät. Der bedauernswerte Knabe erlitt innere Verletzungen, bzw. Quetschun- gn, die seine sofortige Heberführung in die Chirurgische Klinik nach Gießen notwendig machten. Die Verletzungen sind glücklicherweise nicht lebensgefährlich. Saalmeisterschasten des Gaues XII Nordhessen im Am Sonntag finden im Saale des Cafö Leib die Gaumeisterschaften im Saalfahren der Radfahrer tatt. Die Ausrichtung wurde dem Bezirk Gießen übertragen. Die besten Saalfahrer unseres Gau- gcbietes werden hier um die Siegespalme, die Meisterschaft des Gaues XII, kämpfen. Die Sieger bzw. die Meister sind berechtigt, an den Deutschen Meisterschaften, die am 20. und 21. Juni 1936 in Bonn a. Rh. stattfinden, teilzunehmen. Das Meldeergebnis ist als gut zu bezeichnen. Das größte Interesse wird neben den Radballkämpfen das Kunstfahren finden. Der Radfahrer- Verein „Flottweg Kassel ist mit seiner Meistermannschaft im 6er-Kunstreigen am Start. Diese Mannschaft konnte bei den vorjährigen Deutschen Meisterschaften Len höchsten Titel, der je im Deut- chen Radsport verliehen wird, erringen. Den Radportfreunden wird die Gelegenheit geboten, das Kunstfahren in seiner vollendetsten Form zu sehen zu bekommen. Im 8 e r - K u n st r e i g e n ist die Mannschaft des RV. Anspach (Taunus) am Start. Wenn diese Mannschaft im Alleingang antritt, so wird sie doch ihr Könyen unter Beweis stellen. Das 2er-Kun st fahren sieht wieder die Fahrer Usinger-Ruhn vom RV. Flottweg Kassel am Start. Diese beiden Fahrer, die ebenfalls schon den Titel eines Deutschen Meisters trugen, werden die Die Sommer-Kampsspiele der hessischen Schulen hohe Schule des 2er-Kunstfahrens zur Vorführung bringen. Im ler-Kun st fahren trifft der Wetzlarer Walter Göbel, Bezirksmeister des Bezirks Gießen, auf den Meister des Bezirks Kassel-Fulda, Nuhn. Nach seinen bisher gezeigten Leistungen sollte es Göbel fertigbringen, die Gaumeisterschaft an sich zu reißen. Im 2er-Radball stehen sich die Mannschaften Stommel-Baum, Deibel-Von-Eiff (1885 Gießen), Göbel-Nolte (Niederairmes) und Wehrhahn-Mom- berg (Flottweg Kassel) gegenüber. Im vorigen Jahre konnte die Mannschaft Baum-Von-Eiff vom Gießener Radfahrer-Verein die Meisterschaft des Gaues knapp durch einen Sieg über die Kasseler Mannschaft erringen. Die Gießener Mannschaft, die durch Stammel wohl etwas stärker sein sollte, wird den Sieger stellen. Doch sind Ueberraschungen durch die anderen teilnehmenden Mannschaften nicht ausgeschlossen. Als Nebenwettbewerbe stehen noch auf dem reichhaltigen Programm der Veranstaltung: 2er- Radball der B= und Jugendklasse, sowie Schulreigen. In diesen Wettbewerben gehen ausschließlich Fahrer Hes Bezirks Gießen an den Start. Bezirkswanderfahrt der Radfahrer. Der Bezirk Gießen im Deutschen Radfahrer-Verband veranstaltet Sonntag seine erste diesjährige Bezirks-Wanderfahrt, an der sich alle vier Kreise beteiligen. Das Ziel der Fahrt ist Gießen. Mark) aufgewertete Darlehen 5307,07 Mark (5653,99 Mark). Demgegenüber weist die Schuldenseite auf: Geschäftsguthaben der Mitglieder 11380,32 Mark (im Vorjahr 11 167,67 Mark), Re- fernen 27 806,83 Mark (26 131,62 Mark), Spareinlagen 288 243,61 Mark (244 065,16 Mark), aufgewertete Spareinlagen 27 851,24 Mark (32 712,61 Mark), Einlagen in laufender Rechnung 35 724,72 Mark (33 946,91 Mark). Der Reingewinn beträgt 2058,76 Mark gegenüber dem Vorjahr mit 1426,51 Mark, lieber Die Verwendung des . Reingewinns wird der Vorstand der Kaffe in der am morgigen Samstag stattfindenden Generalversammlung Vorschlag unterbreiten. * Birklar, 17. April. Der 21jährige hiesige Landwirtschaftsgehilfe Karl Koch zog sich einen Unterschenkelbruch zu und mußte in die Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht werden. △ Muschenheim, 16. April. Nachdem die Gemeinde ihr seitheriges altes Spritzenhaus wegen Unzulänglichkeit verkauft hatte, wird zur Zeit ein den neuzeitlichen Erfordernissen entsprechendes neues Spritzenhaus errichtet. Das Ge- bäude wird in einer Breite von 6 Meter und einer Länge von 10,40 Meter, sowie einem entsprechend hohen Schlauchturm dem weiteren Ausbau des Feuerlöschwesens in erhöhtem Maße Rechnung tragen. Die Baukosten belaufen sich nach einem aufgestellten Kostenvoranschlag auf etwa 4500 Mark, Die zum Teil von den für das Feuerlöschwesen zur Verfügung stehenden Mittel der maßgeblichen Stellen, zum Teil von der Gemeinde aufgebracht werden. Außer den Zimmer- und Dachdeckerarbeiten werden sämtliche Arbeiten von ortsansässigen Handwerkern zur Ausführung gebracht. Q] Hungen, 16. April. Auf eine 25jährige Tätigkeit im hiesigen Schloß konnte in diesen Tagen Frau Anna Weck Wwe. in treuester Pflichterfüllung zurückblicken. <£ Trais-Horloff, 16. April. Sein 86. Lebensjahr vollendete in diesen Tagen, der einzige in unserer Gemeinde noch lebende Kriegsveteran von 1870/71, Schneider Heinrich Georg Bley in voller Rüstigkeit. A Obbornhofen, 16. April. In diesen Tagen hat ein weiterer Wechsel in einem hiesigen Gemeindeamt stattgefunden. Der langjährige Friedhofswärter und Totengräber Hermann Kam- mer I. hat aus Altersrückfichten fein Amt niedergelegt. Bürgermeister Kammer überreichte ihm als Zeichen der Dankbarkeit und Anerkennung der Gemeinde einen Ruhefessel. Zu feinem Nachfolger wurde durch die Ortsverwaltung der Arbeiter Wilhelm Groß I. bestimmt. Dem kürzlichen Bericht über den Abgang des verdienten Kirchendieners und Glöckners fei noch angefügt, daß auch ihm von der Gemeinde ein Ruhefeffel für feinen 46jährigen Dienst zum Wohl der Allgemeinheit als Ehrengabe gestiftet wurde. # Lauter, 16. April. Aus der hiesigen Schule wurden 13 Schüler entlassen. 11 ABC.-Schützen wurden neu ausgenommen. Die Klassenstärke beträgt 76 Schüler. Kreis Alsfeld. oo Alsfeld, 16. April. Infolge Durchfchnei- dung der Gemarkung Alsfeld durch die Reichs- a u t o b a h n Frankfurt—Gießen—Alsfeld—Hers- feld ist die Feldbereinigung für die Gemarkung Alsfeld notwendig geworden, soweit das Gelände für die Reichsautobahn in Betracht kommt. In einer vom hessischen Feldbereinigungskommissar, Dienststelle Reichsautobahn, in Lich anberaumten Versammlung der beteiligten Grundeigentümer wurde die Wahl der Mitglieder der Vollzugskommission sowie der Schiedsrichter und deren Stellvertreter oorgenommen. Mit den Bonitierungsarbeiten in der Gemarkung Alsfeld soll bereits in der nächsten Woche begonnen werden. Der zuständige Oberlandmesser Hartmann (Lich) gab einige allgemeine Erläuterungen über das Feldbereinigungsversahren in bezug auf die Entschädigung für das in Anspruch genommene Gelände. Mit den Erdarbeiten wird in den nächsten Tagen begonnen werden. — — Homberg, 16. April. Der hiesige Turnverein veranstaltete in der Stadthalle einen interessanten Werbeabend. Der Vorsitzende G. Seibert sprach eingehend über die Bedeutung des Turnens im Hinblick auf das deutsche Vaterland. Die Turnerinnen trugen einleitend zwei prächtige Frühlingslieder vor. Danach brachten die Schüler Scherzübungen, die große Freude auslösten. Die von den Jungturnern und Turnern vorgeführten Freiübungen waren sehr vielseitig. Auch am Barren wurden schöne Hebungen gezeigt. Dann ergötzten die Turnerinnen durch die Vorführung einer Schwin- gungsstudie. Am Pferd führten die Turner mannigfaltige Hebungen mit großem Geschick durch. Von einem durchgreifenden Körpertraining zeugte die herrliche Körperschule der Turner. Nach einem Straußschen Walzer wurden Keulenübungen durch die Turnerinnen anmutig vorgetragen. Anschließend führten Die Turner an einem eisernen Reifen exakte Hebungen vor. „Der Vogelbeerbaum", ein Volkstanz, der von den Turnerinnen in Erfurtshäuser Tracht getanzt wurde, gefiel ebenfalls sehr gut. Im Mittelpunkt des Abends stand das Reigenspiel „Die zertanzten Schuhe", das sehr gut aufgeführt wurde. Gedichte, ernsten und heiteren Inhalts, vorschönten den Abend. Der fast 80 Jahre bestehende Turnverein hat mit diesem Abend bewiesen, daß er Mitglieder hat, Die mit Freude und großem Eifer bei der Sache sind und darum wertvolle Arbeit zu leisten imstande sind. — Gestern sand die Aufnahme von 22 Schulanfängern statt. Anschließend erfolgte in allen Klassen die Versetzung. Ein gemeinsamer Kirchgang schloß sich an. * Ruppertenrod, 15. April. Heute fand unser diesjähriger Frühjahrsmarkt statt. Der Schweinemarkt war schwach beschickt. Es wurden nur 109 Ferkel aufgetrieben. Die Nachfrage war rege, der Verkauf vollzog sich glatt. Die Preise lagen zwischen 26 und 32 Mark. Der Krämermarkt wurde durch den am Tage vorher stattgefundenen Feldaer Ostermarkt günstig beeinflußt. Bei warmem Frühlingswetter erfreute er sich eines regen Besuches. — Die vor Ostern durchgeführte Eier- f ammlung der NSV. hatte einen guten Erfolg. Es wurden 618 Eier gespendet. Die am Palmsonntag durchgeführte Geldsammlung brachte für das Hilfswerk „Mutter und Kind" 34,55 Mark ein. — Mit Beginn des neuen Schuljahres wurde die hiesige Schuljugend restlos in die HI. übergeführt. Am kommenden Sonntag werden in der hiesigen Kirche 15 Konfirmanden unserer Gemeinde eingesegnet. Die Zahl der in die Schule aufgenommenen Abcschützen beträgt 11. # Oder-Ohmen, 16. April. Vom Schicksal heimgesucht wurde hier die Familie des Landwirts A. Lenz, deren Mitglieder seit einiger Zeit an Halsentzündung erkrankt waren. Der elfjährige Sohn befand sich schon auf dem Wege der Genesung, als eine innere Komplikation hinzutrat und eine Heberführung in die Klinik notwendig machte, wo tier Junge jedoch innerhalb weniger Die hessische Landesregierung hat in den letzten Tagen die hessischen Schulen zur Teilnahme an Den Sommer-Kampfspielen aufgerufen. Die wertvollen Ergebnisse, Die Die Sommer- unD Winterkampf- piele im Schuljahr 1935/36 zeitigten, lassen es un- beDingt berechtigt erscheinen, auch für Die fommenDe Zeit an Diesem gemeinschaftlichen Streben unD Kämpfen festzuhalten. Das Ziel soll fein unD bleiben eine gesunde, leistungswillige und -tüchtige Jugend zu erziehen, Die körperlich und charakterlich im Dienst für Die Gemeinschaft Hochleistungen zu vollbringen vermag. Befreiungen einzelner Schulen sollen möglichst ganz oermieDen werben. Durch Die Wahl paffenDer Spiele für alle Stufen finD Die Schwierigkeiten ganz wesentlich verringert roorDen, so Daß alle Schulen, auch die kleinsten, sich beteiligen können. Die Durchführung Der Spiele, teilen Die Aus- schreiben Der Regierung weiter mit, ist in allen Maßnahmen so zu treffen, Daß möglichst wenig Hnkosten entstehen. Mannschastskämpfe und -spiele. A Männliche Jugend. I. Oberstufe (Klassen Ila—la). Mannschafts-Vierkampf. Hebungen: 1. Schwimmen über 50 Meter (beliebig). 2. Weitwerfen mit Der Keule (500 Gramm). 3. Weitspringen mit Anlauf. 4. Laufen über 100 Meter. Als Mannschaften haben 15 v. H. Der Gesamtschülerzahl Der obengenannten Klassen, mindestens jedoch fünf Schüler, anzutreten. Unfere Hetmatprovinz Oberhessen ist in Drei Bezirke eingeteilt: 1. Bezirk Gießen (Leitung: Turnlehrer Paul, Gießen): 2. Bezirk Grünberg-AlsfelD (Leitung: Stud.-Afs. Römer, Grünberg): 3. Bezirk: Friedberg - Butzbach - Bad-Nauheim - Büdingen (Leitung: Turnlehrer Größ, Friedberg). H. Mittelstufe (Klassen Illa—Ilb). Fuß-Schlagball um die Landesmeisterschaft: Das Spiel wird nach den umgearbeiteten Regeln durchgeführt. Als Spielsystem wird das Einrunden- System gewählt. Hierbei ist Oberhessen in vier Bezirke eingeteilt: 1. Bezirk Gießen (Leitung: Stud.- Ass. Fontius, Gießen): 2. Bezirk Alsfeld (Leitung: Sind.-Aff. Kimmel, Alsfeld): 3. Bezirk Friedberg (Leitung: Stud.-Ref. Reinhard, Friedberg): 4. Bezirk Schotten (Leitung: Turnlehrer Mori, Schotten). III. Unterstufe A (klaffen IV—Illb und 7. und 8. Schuljahr der 4- und mehrklafsigen Volksschulen). Fuß-Schlagball um die Kreisbestleistung. IV. Unterstufe B (1—Zklaffige Volksschulen). Grenzball-Spiel um die Kreisbestleistung. Der Kreisfachberater für körperliche Erziehung im NSLB. ist mit Der Durchführung sämtlicher Spiele innerhalb seines Kreises beauftragt. B Weibliche Jugend. Stufeneinteilung. 1. Oberstufe: Klassen Ila—la. 2. Mittelstufe: Klassen Illa— Ilb. 3. Unterstufe A: Klassen IV—Illb unD 7. und 8. Schuljahr. 4. Unterstufe B: 6. bis 8. Schuljahr der 1—3klassigen Volksschulen. Kampfarten: In der Oberstufe wird ein Mannschafts-Vierkampf ausgetragen. Er setzt sich aus folgenden Uebungen zusammen: 1. Schwimmen über 50 Meter (beliebig): 2. Weitwurf mit dem Handball: 3. Weitsprung mit Anlauf; 4. Lauf über 75 Meter, wobei zwei Hindernisse zu nehmen sind. In der Mittelstufe, sowie der Unterstufe A und B wird das Grenzballspiel zum Leistungsvergleich gewählt. Die Mittelstufe führt den Kampf über Bezirk, Provinz bis zur Landesbestleistung durch, während die Unterstufe nur innerhalb des Kreises kämpft. An Auszeichnungen stehen zur Verfügung: Für die Mittelstufe Die bereits 1935 umkämpfte Plakette Der hessischen ßanDesregterung, für Die Unterstufen A unD B Die Plaketten aus Dem Jahr 1935. Oberhessen bilbet für Den Mannschafts-Vierkampf Der Oberstufe einen Bezirk, dessen Leitung Frl. Jäger, Gießen, übertragen ist. Beim Grenzball- spiel Der Mittelstufe leitet Den 1. Bezirk (Gießen): Frl. Jäger, Gießen, den 2. Bezirk (Friedberg): Frl. Schwarz, Friedberg, den 3. Bezirk (Lauterbach): Stud.-Ass. Kraus, Alsfeld, und den 4. Bezirk (Nidda): Frl. Walter, Nidda. Für die Organisation Der Grenzballspiele Der Unterstufe A und B in den Kreisen ist die jeweilige Sachbearbeiterin für Körper-Erziehung im NSLB. zuständig. Gonder-Pflichtspiele der Fußballjugend Gruppe I. Vereine: 1900 Gießen I, Großen-Linden I, Klein-Linden I, Leihgestern. Termine Der Vorrunde: 26. April: Leihgestern — Großen-Linden; 1900 — Klein-Linden. 3. Mai: Großen Linden — 1900; Klein-Linden — Leihgestern. 10. Mai: Klein-Linden — Großen- Linden; 1900 — Leihgestern. Gruppe II. Vereine: Watzenborn-Steinberg, Großen-Bu- seck, Garbenteich, Steinbach. Termine der Vorrunde: 26. April: Watzenborn-Steinberg — Garbenteich; Steinbach — Großen-Buseck; 3. Mai: Großen-Buseck — Watzenborn-Steinberg; Garbenteich — Steinbach. 10. Mai: Steinbach — Watzenborn-Steinberg; Großen-Buseck — Garbenteich. Gruppe III. Vereine: Heuchelheim I, Rodheim, Wißmar, Krofdorf. Termine der Vorrunde: 26. April: Rodheim — Heuchelheim; Krofdorf — Wißmar. 3. Mai: Wißmar — Rodheim; Heuchelheim — Krofdorf. 10. Mai: Krofdorf — Rod he im; Heuchelheim — Wißmar. Gruppe IV. Vereine: Wieseck, Alten-Buseck, Lollar, Dapbringen. Termine der Vorrunde: 26. April: Wieseck — Lollar; Alten-Buseck — Daubringen. 3. Mai: Lollar — Alten-Buseck; Daubringen — Wieseck. 10. Mai: Wieseck — Alten-Buseck; Lollar — Daubringen. Gruppe V. Vereine: Lich, VsB.-Reichsbahn II, Großen- Linden II, 1900 II. Termine der Vorrunde: 26. April: Lich — 1900 II; ViB.-R, II — Großen-Linden. 3. Mai: Lich — VfB.-R. II; 1900 II — Großen- Linden II. 10. Mai: 1900 II — VfB.-R. II; Großen-Linden II — Lich. Gruppe VI. Vereine: Allendorf (Lahn), Klein-Linden II, Heuchelheim II, VfB.-Reichsbahn III. Termine der Vorrunde: 26. April: Klein-Linden II — VfB.-R. III; Allendorf — Heuchelheim II. 3. Mai: ViB.-R. III — Allendof; Heuchelheim II — Klein-Linden II. 10. Mai: VfB.- Reichsbahn III — Heuchelheim II, Klein-Linden II — Allendorf. Gruppe VII. Vereine: Flensungen, Nieder-Ohmen, Rüd- dingshausen, Londorf, Grünberg. Termine der Vorrunde: 26. April: Flensungen — Londorf; Rüddingshausen — Nieder- Ohmen; Grünberg frei. 3. Mai: Grünberg — Flensungen; Londorf — Rüddingshausen; Nieder- Ohmen frei. 10. Mai: Nieder-Ohmen — Grünberg; Flensungen — Rüddingshausen; Londorf frei. 17. Mai: Nieder-Ohmen — Flensungen; Grünberg — Londorf; Rüddingshausen frei. 24. Mai: Rüddingshausen — Grünberg; Londorf — Nieder-Ohmen; Flensungen frei. Werbeveranstaltung des Turn- und Sportvereins Odenhausen (Lahn). Der Turn - und Sportverein Odenhausen a. d. Lahn mit seiner Gesangsabteilung „Liederkranz" veranstaltete im Saale Klinke! einen Werbetag für Turnen und Singen. Der Nachmittagsveranstaltung lag ein dreiteiliges Proaramm zu Grunde. Zunächst wurde nach dem Aufmarsch aller Abteilungen mit Fahnen und Vortragen des Liedes: „Deutschland, o heil'ger Name" durch Begrüßungsworte des Vereinsführers Wilhelm Korber mit einem Gedicht von Mitglied H. Bastian, dem Vorspruch Des Turnleiters Fritz Karber („Unsere Jugend ist Die Zukunft") und Dem Gelöbnis Der aufmarschierten Abteilungen („Nichts kann uns rauben") Sinn und Zweck der Vereinstätigkeit dokumentiert. Der zweite Teil brachte Kleinkinderturnen von 3 bis 5jährigen, Bodenturnen und Volkstänze von Schülerinnen, Freiübungen, Bodenturnen und Pferdturnen von Schülern und gymnastische Hebungen von Jugendturn^rn. Im dritten Teil folgten Freiübungen, Hebungen zu zweien am Tiefbarren, sowie Pferd- und Barrenturnen. Die Sängerabteilung trug 2 Volkslieder vor. Mit einem Turmbau aller beteiligten Gruppen und einem damit verbundenen Kanon sowie einem Liede fand die Nachmittagsveranstaltung ihren Ausklang. Der Vorsitzende gab Der Hoffnung Ausdruck, daß das Gezeigte und Vorgetragene dazu beitragen möge, zum Eintritt in Die Reihen des Vereins anzuregen und schloß mit einem dreifachen „Sieg Heil" auf Den Führer. Die turnerischen Darbietungen boten Durchweg ein BilD guten Könnens und legten Zeugnis ab von Der zähen, uneigennützigen Arbeit , Des Turnleiters unD feines tatkräftigen Mitarbeiters Willi S ch m i e D e I. Während Der Abendveranstaltung fand eine Ehrung verschiedener Mitglieder statt. Eyston wieder auf Rekordjagd. Die Weltrekordfahrten Hans Stucks auf der Autobahn bei Frankfurt lassen den früheren Rekordinhaber Capt. E y st o n (England) nicht ruhen. Er hat jetzt von Southampton aus Die Heberfahrt nach Amerika angetreten, Um sich auf Der Rennstrecke von Bonneville bei Sait Lake City die Weltrekorde zurückzuholen. Für diese Fahrten wird der Engländer den Wagen „Speed of the wind" benutzen, mit Dem er auf Der gleichen Rennstrecke schon zahlreiche Weltbestleistungen erzielt hat. Ey- ston hat aber auch noch einen „The Flying Spray" benannten Dieselwagen mit auf Die Reife genommen, mit Dem er auf Der amerikanischen Bahn zunächst Rekordversuche fürDiesel-Fahr- zeuge unternehmen will. Max Schmeling auf der Lleberfahrt. Hnfer Schwergewichtsboxer Max Schmeling ist am Mittwoch mit dem Schnelldampfer „Bremen" zur Heberfahrt nach Amerika in See gegangen. Schmeling wivd am 21. April in Neuyork eintreffen, wo er am 17. Juni seinen Weltmeisterschafts- Ausscheidungskampf gegen den Neger Joe Louis austragen wird. Max Schmeling fühlt sich in ausgezeichneter Form. Er bezeichnet Den Neger Louis als einen außerordentlich guten Mann, Der i n jeder Hand einen k. o. habe. Doch rechnete sich Schmeling, der mit 178 Pfund nur vier Pfund über feinem besten Kampfgewicht hat, eine Siegeschance aus. Sm Zeichen der fünf Ringe. Der Nachwuchs mehr an die Front! Nach den beiden ersten Prüfungsrennen der deutschen Bahnfahrer in Forst und Halle hat man die nicht sehr erfreuliche Tatsache feststellen können, daß es immer wieder die „2Hten'; finD, Die sich durchsetzen und daß dagegen der Nachwuchs zurückbleibt. Von rund 80 Fahrern gilt nur noch die Hälfte als qualifiziert. Polens Reiter bereiten sich vor. In der Zentralen Kavallerieschule in Graudenz bereiten sich zur Zeit die polnischen Reiter für die Berliner Olympiade vor. Sie werden in ihrer Trainingsarbeit überwacht von Oberstleutnant Komorowski. Beim Turnier in Nizza treten Die polnischen Reiter zum ersten Mal an Die Öffentlichkeit, und zwar sind sie bei diesem in Der zweiten Aprilhälfte stattfindenden Turnier durch Major Lewicki. Rittm. Starnwaski, Lt. Czerniawski und Lt. Komorowski vertreten. Japan will Olympiade 1940. Das japanische Kabinett beschäftigt sich in einer kurzen Sitzung mit der Anregung des japanischen Olympiakomitees, die Olympischen Spiele 1940 für Japan zu bekommen. Die Kabinettsmitglieder unterstützten den Wunsch des Komitees auf Das lebhafteste und versprachen, alle für die Durchführung Der Spiele notwendigen Anlagen usw. bereitzustellen und sie auch finanziell zu sichern. Japans Expedition erst nach Helsingfors. Der Finnische Leichtathletik-Verband hat Dem Wunsche der japanischen Leichtachleten, Mitte Juli nach Helsingfors zu kommen und hier ihre Zelte zu Trainingszwecken aufzuschlagen, entsprochen. Japans Leichtathletik-Expedition in Stärke von 35 Mann, drei Frauen und sieben Offiziellen wird sich daher zu Dem genannten Zeitpunkt in Helsingfors ein» finden, sich mit den veränderten klimatischen Verhältnissen vertraut machen und wohlgerüstet in Berlin erscheinen. Auch Fußballspieler aus Japan hegen den Wunsch, nach Helsingfors zu kommen. Die Leichtathleten werden wahrscheinlich ihre Anwesenheit in Finnland zu einem Länderkampf gegen ihren Gastgeber benutzen. Australiens Teilnehmerzahl vermehrt. Das Australische Olympische Komitee hat sich jetzt auf Grund der in letzter Zeit gezeigten Leistungen entschlossen, seine „Reisegesellschaft" für Berlin um vier Sportler zu erweitern. Es find Dies Die Hochspringerin Doris Carter, Der Kunstspringer Ron Afters, Der Halbschwergewichtler Les Harley und der Skuller Herb Turner. Kurze Sportnotizen. Die Fußball-Weltmeisterschaft 1937 wird wahrscheinlich in Frankreich, Belgien und Holland, das Endspiel in Brüssel, ausgetragen, nachdem Frankreich auf die alleinige Durchführung Der entscheidenden Spiele, zu denen übrigens nur acht Nationen zugelassen werden sollen, zu verzichten scheint. Anscheinend wird das „Stadion der 80 000" in Paris bis dahin feine Ferttgftellung doch nicht erleben. Deutschlands Davispokalspieler für den Kampf gegen Spanien vom 24. bis 26. April in Barcelona find Gottfried von C r a in m, Henner Henkel und Kaj Lund. Die spanischen Farben werden durch Maier, Alonso, Blanc und Sind- reu vertreten. Gras-und Kleesaaten zur Anlage von Wiesen und Weiden (plombiert und attestiert nach den Vorschriften des Reichsnährstandes) sowie zweckentsprechende Mischungen für feinsten Zier-Rasen, Bleich- und Sportplätze, Böschungen und Dämme Samenhaus Heinrich Hahn Bahnhofstraße, Ecke Wolkengasse — Tel. 3403 2454A Die 3. Reichsnährstands-Ausstellung im Ausbau. 323 Gonderzüge fahren nach Frankfurt a. M LPD. Frankfurt a. M., 16. April. Noch rund vier Wochen trennen uns non der Eröffnung der 3. Reichsnährstandsausstellung in Frankfurt a. M., einer Schau, wie sie hier in dieser Größe und Bedeutung seit Jahren nicht mehr zu verzeichnen war und die somit für einige Zeit Frankfurt a. M. und damit unseren Gau in den Mittelpunkt des allgemeinen Interesses stellen wird. Wenn wir bereits heute das Festhallengelände betreten, auf dem die Ausstellung aufgebaut wird, so kann man überall — sei es im Park — oder Freigelände — eine äußerst rege Tätigkeit feststellen. Da wird gemessen, gehämmert, gegraben, gebaut, Hunderte von Händen regen sich, um ein gewaltiges Werk entstehen zu lassen. Interessant vor allem sind die Arbeiten, die im und um den großen Erbhof geleistet werden, der im Parkgelände seiner Vollendung entgegensieht. Während die Arbeiter noch am Ausbau des Hauses, der Stallungen und der Scheune tätig sind, ist der an das Gehöft grenzende Garten schon fast fertig angelegt. Rund um den Erbhof sind die Gärtner und Arbeitsdienstmänner damit beschäftigt, kleine Versuchsfelder, Wald- und Wiesenstücke, ja selbst ein kleines künstliches Bachbett anzulegen. Hinter dem Hause kann man aus der praktischen Dar - stellung einer bereinigten und u n b e r einig t e n Gemarkung mit kleinen Feldern usw. die betriebswirtschaftlichen Vorteile ersehen, die sich aus der Feldbereinigung ergeben. 3m großen Freigelände. Wenn man am Hause der Technik vorbei über die Emser Straße geht, kommt man zu dem großen Freigelände, das die Tierschau und die Landmaschinen aufnehmen wird. Hier sind die Arbeiten bereits verhältnismäßig weit fortgeschritten. Die Stallungen für die Tiere sind zum Teil im Hauptaufbau fertig. Besonders hebt sich unter den Bauten die große Tribüne ab, die rund um den Dorführring bzw. den Turnierplatz errichtet wird. Zwischen den einzelnen Bauten befinden sich die kleinen Verwaltungsgebäude, die ebenfalls soweit fertiggestellt sind. Kommt man von dem Eingang Emser Straße auf das Freigelände, so findet man rechts zunächst die Boxen für die Schweine, denen sich die Stallungen für die Schafe und Ziegen, die Pferde und das Rindvieh anschließen. Einen besonders großen Raum nehmen dabei selbstverständlich die Stallungen für das Rindvieh ein. Die insgesamt etwa 2000 Tiere kommen in 16 Zügen an, werden direkt am Gelände an zwei großen Rampen ausgeladen und können dann ohne weiteren Transport direkt in den Stallungen untergebracht werden. — Den Abschluß des Freigeländes bildet schließlich nach der Kuhwaldsiedlung hin die Maschinenschau. Auch hier wird tüchtig gearbeitet. Großer Besucherzustrom erwartet. Welch großes Interesse dieser 3. Reichsnährstandsschau entgegengebracht wird, zeigt die Tatsache, daß sich die Zahl der Sonderzüge aus dem ganzen Reich inzwischen auf 323 erhöht hat. So kann man also für diese Ausstellung mit einer gewaltigen Heerschau des deutschen Bauerntums in Frankfurt a. M. rechnen. Frankfurt—Mailand in 21A Stunden. Starker Ausbau des Flugdienstes von und nach dem Rhein-Main-Gebiet. Oer neue Flugplan der Lufthansa. LPD. Frankfurt a. M., 16. April. Rund 12 Jahre sind vergangen, seitdem von Frankfurt a. M. aus die erste Verkehrsmaschine startete und das Rhein-Maingebiet damit praktisch dem Luftverkehrsnetz angeschlossen wurde. Inzwischen hat der Luftverkehr von und nach unserem Gebiet eine ungeheuere Entwicklung gnommen und nun Frankfurt am Main seiner wichtigen Lage entsprechend zum Weltflughafen werden lassen. Wenn jetzt die Deutsche Lufthansa mit einem Sommerflugplan herauskommt, der einen ganz bedeutenden Ausbau des Flugdienstes von und nach dem Rhein-Maingebiet vorsieht, so trägt sie damit in richtiger Erkenntnis weitgehend den Anforderungen Rechnung, die an den künftigen Weltflughafen gestellt werden. Mit dem 19. April, dem Beginn des neuen Sommerflugplanes, verfügt Frankfurt am Main über 19 Fluglinien für den europäischen Personen-, Post- und Expreßgutverkehr, über 5 Fluglinien für den europäischen Post- und Expreßgut-Nachtverkehr und über eine Linie des Deutschen Trans-Ozean-Flug- dienstes nach Südamerika. Insgesamt strahlen somit 25 Flugstrecken im kommenden Sommer von Frankfurt a. M. aus. Der verbesserte Personenflugverkehr. Der Personenflugverkehr weist sowohl in bezug auf Zeitersparnis als auch auf den Ausbau der Linien bedeutende Verbesserungen für den Sommer auf. Zunächst wird die Fluglinie Amsterdam—Köln—Frankfurt—Mailand bis Rom verlängert. Die Strecke wird künftig gemeinsam von der Deutschen Lufthansa, der holländischen Luftverkehrsgesellschaft „K. L. M." und der italienischen Gesellschaft „A. L. I." beflogen. Zum ersten Male landen in diesem Sommer italienische Verkehrsflugzeuge im Frankfurter Flughafen. Welche Vorteile hier das Flugzeug zu bieten vermag, beleuchtet allein die Tatsache, daß der Flug von Frankfurt am Main bis Mailand nur noch 2V2 Stun - d e n dauert, eine wirklich phantastische Zeit, die den Begriff für Entfernungen immer mehr schwinden läßt. Neue Frühlinien. Weiterhin sieht der Sommerflugplan verschiedene neue Frühlinien vor. So vermittelt eine Früh- linie von Köln—Frankfurt—Stuttgart den Anschluß nach Südfrankreich, so daß man morgens um 9.15 Uhr in Frankfurt starten kann und bereits am Nachmittag um 16.30 Uhr in Madrid ist. Eine weitere Frühlinie besteht von Frankfurt nach den Nordseebädern mit Anschluß nach Hamburg- Kopenhagen—Gotenbura—Oslo sowie nach Stock- Holm und Helsingsors. Hierdurch erhält unser Wirtschaftsgebiet erstmalig zwei Flugschnellver- bindungen nach N 0 r d d e u t s ch l a n d und Skandinavien. Nach Köln sind von Frankfurt aus jetzt täglich drei Verbindungen vorgesehen. Flugdauer 45—50 Minuten. Auch nach den westeuropäischen Hauptstädten Brüssel und London bestehen künftig zwei Tagesoerbindungen. Verringerung der Reisedauer durch schnelle Flugzeuge. Durch Einsatz des Großverkehrsflugzeuges Junkers „Ju 52" und der Schnellflugzeuge Heinkel „He 70" und Junkers „Ju 160", zu denen im Sommer noch weitere Schnellflugzeuge kommen, ergibt sich ab 19. April für viele Verkehrsbeziehungen eine d e - trächtliche Verringerung der Reisedauer. Bei der Verbindung zwischen Frankfurt und Königsberg beträgt fie z. B. r u nb 120 M i« nuten, also volle zwei Stunden. Der Post- und Expreßgutverkehr. Das Rhein-Main-Gebiet verfügt nut Eintritt des Sommerflugplans über fünf Nachtflugstrecken, die dem zwischen st aatlichen P 0 st - und ß u f t« expreßverkehr dienen. So ist Frankfurt dank seiner ausgezeichneten Verkehrslage die Drehscheibe im westeuropäischen Nachtflugdienst geworden. Aber diese Bedeutung wird schließlich noch erhöht durch den neuen Flugzeugverkehr nach Südamerika, der, wie bereits berichtet, vom kommenden Donnerstag ab seinen Ausgangspunkt von Frankfurt a. M. aus nimmt. So ist Frankfurt a. M. im wahrsten Sinne des Wortes zum Weltflughafen geworden! Kunst und Wissenschaft. OeuHche Musik im Kunstwettbewerb der Olympischen Spiele Der Olympische Musikwettbewerb hat in Deutschland ein starkes Echo gefunden. Das Preisrichterkollegium setzte, sich aus Prof. Dr. Peter Raabe, dem Präsidenten der Reichsmusikkammer, Prof. Dr. G r a e n e r, Heinz I h l e r t, Prof. Gustav 5)006 mann, Prof. Dr. Fritz Stein, Prof. Georg Schumann, Prof. Max Trapp und Prof. Heinz Tiefsen zusammen. Weitaus in der Ueberzahl standen die Einsendungen bisher unbekannter Komponisten und vieler Gelegenheitskomponisten, besonders stark war die Beteiligung der musikalischen Jugend. Die Entscheidung ist jetzt gefallen. Es konnten dem Olympischen Kunstausschuß von der Reichsmusikkammer im ganzen vier Werke gemeldet werden. Danach wird Deutschland mit folgenden Komponisten im Musikwettbewerb vertreten sein: Gruppe A. (Kompositionen für Solo- oder Chorgesang, mit oder ohne Klavier- und Instrumentalbegleitung): Prof. Paul Höffer, Berlin-Zehlendorf: „Olympischer Schwur" für Chor, Solo und Orchester. — Prof. Kurt Thomas, Berlin, „Kantate zur Olympiade 1936" nach Worten von Karl Bröger für vierstimmigen Chor, Holzbläser, Streichorchester und Schlagzeug. — Harald G e n z- m e r, Breslau, „Der Läufer", Kantate für Sopran- und Bariton-Solo, großen Chor und Orchester nach Worten von Paul Schmidtmann. In der Gruppe C. (Kompositionen für Orchester in jeglicher Besetzung) wird Deutschland durch ein Werk des bekannten Komponisten der „Zaubergeige", Werner E g k, München-Lochham, würdig vertreten: eine „Olympische Festmusik" mit den Sätzen „Einzug der Jünglinge", „Walzer". „Waffentanz", „Totenklage" und „Hymne". Der Geologe Professor Vlanckenhorn 75 Jahre alt. Der langjährige Mitarbeiter der preußischen Geologischen Landesanstalt, Professor Dr. Max Blan- ckenh 0 rn in Marburg, beging seinen 75. Geburtstag. Aus Siegen gebürtig, promovierte er in Bonn und habilitierte sich später in Erlangen für Geologie, Paläontologie und Geographie. 1897/99 war er Mitglied der Geological Survey of Egypt als Feldgeologe und Sammlungsgeologe. 1905 wurde er Professor. Er unternahm viele Orientreden und beschäftigte sich mit dem Ausbau von Nordsyrien, Palästina, Westarabien und Nordafrika. Aus feiner Feder erschienen Arbeiten in vielen Zeitschriften des In- und Auslandes, Vlanckenhorn ist Ehrenmitglied des Institut d’Egypte und Vorstandsmitglied des Deutschen Vereins zur Erforschung Palästinas. Professor Albert Thibaudet f. Der Professor für französische Literatur an der Universität Genf Albert Thibaudet ist im Alter von 61 Jahren g e st 0 r b e n. Thibaudet hat sich als Schriftsteller, Kritiker und vor allem als Verfasser einer Reihe von Werken über die französische und die englische Literatur einen Namen gemacht. Der Diener Vurgschauspieler Georg Reimers f. Der Hofschauspieler Georg Reimers ist in Wien im 76. Lebensjahr gest 0 rben. Von Geburt Reichsdeutscher — er war in Altona geboren — kam er schon in jungen Jahren nach Wien und wurde hier bald einer der gefeiertsten Schauspieler des Burgtheaters. Er begann als jugendlicher Held und ging später ins Charakterfach über. Der Tod ereilte Reimers inmitten seines Wirkens, während er mit einer Neueinstudierung in einer tragischen Rolle beschäftigt war. Er hatte noch am Abend zuvor gespielt. Verkauf österreichischer kunstschähe. Das Stift St. Peter in Salzburg hat mit Bewilligung des Bundesdenkmalamts einen wertvollen gotischen Flügelaltar, der dem berühmten Meister Michael Pacher zugeschrieben wird, i n s Ausland verkauft. Europa-Tanzmeiflerfchaft 1936 in Wiesbaden. Die dieser Tage in Wiesbaden zur Entscheidung kommende Euro pa-Tanzmei st erschaff wird hart umstritten sein. Gemeldet sind für die Sonderklasse die Spitzenpaare von Deutschland, Dänemark, England, Oesterreich, Holland, Frankreich, der Schweiz und der Tschechoslowakei. Drei Todesopfer einer Tankexplosion. In einem englischen Petroleumlager in Hüll ereignete sich eine schwere Explosion, durch die' zwei Arbeiter und ein Ingenieur getötet wurden. Die Explosion ereignete sich, als ein Petroleumtank, der seit mehreren Wochen unbenutzt geblieben war, einer Druckprobe unterzogen wurde. Der Tankdeckel, der einen Durchmesser von 24 Meter 1 hatte, wurde mitsamt den auf ihm befindlichen ! drei Personen in die Lust geschleudert. Stoffe für das Frühjahr finden Sie in den bild- j schönen neuen Mustern dieser Saison 3 preiswert bei mir. Aus meiner reichen Auswahl empfehle ich 8.90, 6.90, 5.50, 4.90 Komplets . . CARLlSinwÄCK ti GIESSEN SEUERSWEG8J | INHABER CARL HEINZ SCHLÜTER Woll-Cioqu6 ca. 130 cm breit, reine Wolle, für flotte C Woll-Georgette 130 cm breit, der beliebte Stoff für leichte Komplets und Kleider . 8.90, 6.90, 5.90 Cloqu6 ca. 95 cm breit, gute kunstseid. Qualitäten neue Farben . . . 5.50, 4.90, 3.60, 2.95 Aparte Drucks ca. 95 cm breit, auf Mattkrepp, Satin und Cloque . . . 4.90, 3.90, 3.60, 2.95 Komplet- und Mantelstoffe ca. 140 cm breit, vielseitige Auswahl 6.90, 5.90, 4.50 TORPEDO nur RM. 186.— schon für 8.30 monatlich Alleinverkauf: Niederhausen Gießen 1085a Bahnhofstraße Kleine Anzeigen richten sich an die Bevölkerung der engeren Heimat! Damm: Kleinanzeigen in die Heimatzeitung, den Bießener Anzeiger Schmerzen — ich? So siehst du aus! Hab stets Melissengeist im Haus! So schreibt Herr Ludwig Börsch, Köln, Siebachstratze 93, am 30. 8. 1934 der Herstellerin des echten Klosterfrau-Melissengeistes. Wer sein strahlendes Gesicht sieht, wird ihm diese Worte gern glauben. Herr Börsch schreibt dann weiter wie folgt: .Diese Tatsache möchte ich jedem und jedem immerfort einhümmern, denn die mannigfachsten Leiden finden ihre Linderung in dem weltberühmten .Klosterfrau-Melissengeist". Als Schwerkriegsbeschädigter hatte ich früher, ehe ich „Klosterfrau" kann-e, bei jedem Witterungswechsel solche Schmerzen im Arm, daß ich oft tagelang an ein intensives Arbeiten überhaupt nicht denken konnte. Abgesehen bon dem Gedanken, nur als Halver Mensch umherzulaufcn. Sobald sich das Reißen einstellt ein Schutz „Klosterfrau" in ein Glas Wasser und die Schmerzen kommen nicht auf. Hierbei möchte ich besonders auf das gute Einnehmen ves Wundertrankes aufmerksam machen, welches noch durch den guten Nachgeschmack gesteigert, wird. Wir verwenden „Klosterfrau" bei allen Unpäßlichkeiten, Glieder^, Kops-, Ohren- und Zahnschmerzen mit den größten Erfolgen schon seit Jahren. Nachdem meine Frau von einem äußerst strammen Jungen genesen war. sagte sie: Was bin ich froh, daß es „Klosterfrau" gibt. An dieser Stelle sei es allen werdenden Müttern, besonders nervösen, sensitiven Personen an's Herz gelegt, ab und zu ein Glas Wasser zu trinken mit einem Schuß „Klosterfrau". Während der kritischen Stunden 2—3mal mit. einer v e r st ä r k t e n Dosis, und ich bin überzeugt, daß „Klosterfrau" mit Dankschreiben überschüttet wird. Ich hoffe, daß meine Zeilen dazu beitragen, vielen Volksgenossen das Leben zu erleichtern. Sorgen Sie bitte auch Ihrerseits dafür, daß Klosterfrau-Melissengeist stets in Ihrer Hausapotheke vorrätig ist. Er wird Ihnen bei mancherlei Beschwerden und Schmerzen ein treuer Helfer fein, wie feit über einem Jahr- hundert Millionen Verbrauchern. Verlangen Sie Klosterfrau-Melissengeist bei Ihrem Apotheker oder Drogisten! Originalpackung von 9o Pfg. an. .......—Klosterfrau-Melissengeist --------- Zwangsversteigerung. 52^32 Arn Montag, dem 20. April 1936, vormittags 9 Uhr, wird im Arntsgertchtsgebäude in Gießen, Zimmer 221, das dem Ingenieur Heinrich Brinkmann in Gießen zugefchriebene Grundstück versteigert: 22830 Grundbuch für Gießen, Band 80, Blatt 4614: Flur I, Nr. 871, hofreite in der Scheppene^ck (Bahnhofstraße 58), 928 qm Betrag der Schätzung .... 60468 RM. Einheitswert zum 1.1.1931: 49 059 RM. Gießen, den 3. März 1936. Für das Amtsgericht Gießen: Karle, Ortsgerichtsvorsteher. Heute abend 19.15 Uhr beginnen unsere moD MalcMnenfchreiölebMe nach dem bekannten Stundenplan in der öfftl. Handelslehranstalt (Liebigstraße). Preis RM.6.- für Anfänger. RM.5.- f. Mitgl. Wiederholende u. Stellenlose Ermäßigung bis zu RM. 3.-. Samstagabend(18.4.), 20.30Uhr Unterhaltungs-Abend auf der „Karlsruhe“ Ausgabe der Urkun- den und Ehrenpreise vom Ortsgruppen- . Leistungs schreiben. MM Deiitfthe W Sienoßralenlcliall V Ortsgruppe Gießen. Verkäufe Hilt] Hilft In uf en Kann ungefähr, werden. 24s«o Fleck Lchützenftraße 3. Gebrauchtes HM.MM unO Violine zu verkauf Schottstraße 101 Kaufgesuche Gebr./guterhalt. Damen-Fahrrad gesucht. Sckriftl. Angebote unter 01752 an d.G.A. JM RTR fiTZEH JAHRE Schlaraffiamatratzen sowie alle anderen Arten Auflegematratzen und Polstermöbel werden in eigner Werkstatt nach den RAL-Bestimmungen hergestellt bei 2455 d Rlld. Leisler,Tapezier- und Polstermeister Gegründet 1886 Neuenweg 23 Telephon 3573 Die führende naturkundliche Monatsschrift! „Oer Naturforscher" Ä!Äw. Bebilderte Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Naturwissenschaften und ihre Anwendung in Naturschutz, Unterricht, Wirtschaft und Technik. Herausgegeben von Oberstudienrat Or.R.Rein und Prof. Or. W. Schoenichen. „Der Naturforscher' unterrichtet fortlaufend In Bild und Wort über die Ergebnisse der neuesten Beobachtungen und Forschungen aus allen Gebieten der Naturwissenschaften und Technik. (Er ist die verständliche, aber hochwertige naturwissenschaftliche Monatsschrift für geistig Anspruchsvolle, die bei hervorragender Ausstattung nicht auf oberflächlichen Aufputz, sondern auf Gehalt eingestellt ist. Vierteljährlicher Bezugspreis: 701.2.50.— Verlangen Sie kostenlos ein Probeheft. — Der Bezug kann durch jede Buchhandlung erfolgen. Hugo Bermühler Verlag/Berlin-Lichterfelde L - werden schnell und sicher über £1 ■k 1 Nacht durch I beseitigt. 1.60, 3.00, 3.50. |elzl L Jauch B. extra verstärkt in Tuben RM 1.95. Gegen Pickel, Mitesser Venus Stärke A Ärztlich empfohlen. Drogerie Winterhoff, Kreuzpl.9/10 Es kleidet gut — das Kostüm Ein praktischer, modischer Anzug für den Frühling — eigentlich unentbehrlich! — Und gerade darin finden Siebei unseine reichhaltige Auswahl, und garnichtteuer Gebr. Imheuser AM MARKT 9 — 10 ______________________________2436Ä Größere Partie Langholz zur MWrUOllM , „F vergeben. 21650 Firma 3.9lmmelsüoö). niööo/Oöerö-