186. Jahrgang Metzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Kr.89 Erster Blatt 186. Jahrgang Donnerstag, 16. April 1936 jhf> * ▲< e ”*»•»*« ”Ä: ^meS« M ÄAA Ä ▲▲ A ÄA ▲▲ KÄToS™ Heimat im Bild. Die Scholl- fl |l| ■ d W ■ W i* MW W ■ JF |>gT Snindpretft für I mm hohe Monalr-Vezugrprel;: M W W W H/ ■/ ■ ■ 87 W M W W W jX M Z ■ ■ ■ ■ Jr W für Anzeigen von 22 mm Mi» 4 Beilagen RM. 1.95 ■ ■ ■ «f ■ ■ ■f ■ ■ ■F H WWW WWW W< W Breite 7 Tipf., für Text- Ohne Illustrierte 1.80 Wff ■ W Mj Mk ,. ■ ■ . ■ JEfcu JH ■ M IM ML ■ ML W ■ anzeigen von 70 mm Breite Zustellgebühr.. , ■ I I B W W»| W W 50Rpf.,Platzvorschrift nach Auch bei Nichterscheinen B ■ ^F ^F vorh.Bereinbg.25°/„ mehr. ^■9r3Wrera!UZaTt V -'matz.g.e Srundpre.ftt MM General-Anzeiger für Oberhessen zr°nftutt?m"main N68« vruck und Verlag: vrühl'sche UniverfitStrvuch- und Steindruckerei «.Lange in Gießen. Schriftleitung und GeschSftsstelle: Schulftratze 7 Mengenabschlüsse Staffel B Die kvlvnialeGewiffenssrage in England. Von Dr. Paul Rohrbach. Die englische Oberhausdebatte am 25. März ließ schon erkennen, daß sich unter den Lords ein Gewissen in der Kolonialfrage gegenüber Deutschland regte. Im Oberhaus sitzen überhaupt Persönlichkeiten, denen man über ihr spezifisch englisches Bewußtsein hinaus ein moralisches Format zubilligen muß. Ein Zeichen dafür, daß auch bei derjenigen Richtung, die grundsätzlich alles behalten möchte, was England einmal in Hän- L>en hat, ein besseres Nachdenken beginnt, war die Haltung Lord Lugards in jener Sitzung. Er gab zu, daß es den vom Kolonialbesitz Ausgeschlossenen nichts nütze, wenn man sie darauf verweise, ihren Rohstoffbedarf in fremden Kolonialgebieten einzukaufen, sie müßten auch die Möglichkeit haben, ihre Ware dort zu verkaufen. Noch mehr: Lord Lu gar d wollte in den Mandatsgebieten gleiche Chancen für alle bei der Uebernahme öffentlicher Arbeiten bewilligt sehen. Gegenwärtig kommen dafür praktisch nur'Angehörige der betreffenden Mandatsmacht in Frage. Andere Oberhausmitglieder nahmen bedeutend entschiedener Stellung im Sinn eines gerechten Ausgleichs der kolonialwirtschaftlichen Ansprüche. Nach diesem Borspiel kann es nicht mehr überraschen, daß nun auch die englische Regierung, -7 diesmal nicht, wie im Februar, durch den Kolonialminister Thomas, sondern durch den Schatzkanz- ler Neville Chamberlain — zur Kolonialfrage eine Erklärung abgegeben hat, die, bei aller formalen Zurückhaltung, doch eine grundsätzliche Aenderung der bisherigen offiziellen Haltung in der Mandatsfrage bedeutet. Bis jetzt versuchte man den Unterschied zwischen eigenen Kolonien und Mandaten zu ignorieren, vermied jedenfalls ihn öffentlich hervorzuheben, und als von interessierter Seite die Rohstofffrage immer bestimmter aufs Tapet gebracht wurde, blieb das Wort „Kolonien" noch Möglichkeit unerwähnt: statt dessen redete man von zu gewährender Rohstoffnutzung und dergleichen. Diesmal erkannte der Minister den „klaren Unterschied" zwischen Kolonie und Mandatsgebiet an: „Mandatsgebiete sind nicht Kolonien, sie gehören in eine andere Kategorie und sind nur im Gesprächssinn ein Teil des Britischen Reichs." Das weitere verdient eine genauere Analyse. Chsmberlain glaubte erstens feststellen zu müssen, daß für den Uebergang eines Mandats von der ursprünglichen Mandatsmacht zu einer anderen keine Regelung vorgesehen fei; solle ein solcher Uebergang stattfinden, so gehöre dazu die Zustimmung sowohl der gebenden und der empfangenden Macht, als auch des Völkerbundes. Das soll also bedeuten, daß grundsätzlich nicht eine Rückgabe, sondern nur eine Mandatsübertragung in Frage käme. Der zweite Punkt läßt sich im Sinne der englischen Regierungserklärung so zusammenfassen: England hat bisher die Uebertragung von Mandaten nicht ins Auge gefaßt (Chamberlain bezog sich dabei auf die Februarerklärung des Kolonialministers Thomas): sollte in Zukunft davon die Rede sein, so würde wohl keine der am Mandats besitz beteiligten Regierungen die Frage der Uebertragung „ohne Rücksicht darauf diskutieren, was mit den Mandatsgebieten geschieht, die die übrigen Mächte innehaben." Hier wird also mit wünschenswerter Deutlichkeit zugegeben, daß eine k 0 - loniale Frage besteht, daß England „zukünftige" Verhandlungen (The action of future Go- vernments!) prinzipiell nicht ablehnt, daß es aber solche nur gemeinsam mit den andern Mandatsmächten führen würde. Diese Mächte sind, außer England, noch Frankreich für den größeren Teil von Kamerun und die Hälfte von Togo, die Südafrikanische Union für Südwestafrika, A u st r a l i e n für Neu-Guinea und die dazugehörigen Inseln, Neu-Seeland für Samoa und Japan für den übrigen alten deutschen Besitz in der Südsee. Endlich der dritte Punkt. Chamberlains Ausführungen dazu lauteten wörtlich: „Ich füge hinzu, daß wir bestimmte Verpflichtungen gegenüber.den Eingeborenen dieser Gebiete anzuerkennen haben (Beifall), und daß wir nicht daran denken würden, diese Verpflichtungen oufzugeben oder diese Gebiete einer andern Macht einzuhändigen, selbst nicht um der allgemeinen friedlichen Regelung willen, nach der wir alle so sehr verlangen, es sei denn, wir würden darüber beruhigt, daß die Interessen aller Beoölkerungs- teile in diesen Gebieten voll garantiert werden." Wenn hier von „allen Bevölkerungsteilen" die Rede ist, so sind damit erstens die Weißen gemeint, zweitens die Eingeborenen, drittens die Inder, die in Ostafrika zahlreich sind und wirtschaftlich ein allen Weißen gleich unerwünschtes, der Entwicklung anständiger Handelsbetriebe schädliches Element bilden. Offenbar denkt man in England bereits an drohende Beschwerden aus Indien. Den Indern war während des Krieges Ostafrika mit halben Worten als eine Art von eigner Kolonie versprochen worden. Die Ueberlegungen an amtlicher englischer Stelle gehen also in der Kolonialfrage schon bis in bestimmte „Garantien" hinein, die man für den Fall der Uebertragung von Mandaten zu haben wünscht. Darüber im voraus zu diskutieren ist nicht nötig. Keine Kolonialmacht hat bei ihren schwarzen Untertanen je größere Anhänglichkeit genossen, als Deutschland, und was das Wohlbefinden nichtdeutscher Europcier unter der alten deutschen Kolonialverwaltung betrifft, so braucht man nur an Sarraut über Frankreichs Friedensideal. Die „kollektive Sicherheit".—„Lleberlegenheii der materiellen Mittel Frankreichs." Paris, 16. April. (DNB.) Ministerpräsident Sarraut hielt am gestrigen Mittwochabend vor den Vertretern der französischen Provinzpresse eine Rede, die auch auf sämtliche französische Rundfunksender übertragen wurde. Sarraut drückte zunächst sein Bedauern darüber aus, daß gerade die Provinzpresse, die das wahre Gesicht Frankreichs spiegle, so wenig im Ausland gelesen würde. Die internationalen Kanzleien dürften sich, um sich ein Bild von dem Geist Frankreichs zu machen, nicht darauf beschränken, fast ausschließlich die unvorsichtigen und übertriebenen Ausführungen jener Polemik zu sammeln und ihr einen großen Widerhall zu geben, die Frankreich ein entstelltes und haßerfülltes Gesicht geben. Er könne nur tief diese schlimmen Auswirkungen des Mangels an nationaler Disziplin bedauern. Demgegenüber brauche er nur auf die Ruhe hinzuweisen, in der sich ausschließlich die Wahlpropaganda vollziehe. Sie bedeute, daß Frankreich angesichts einer bisher nicht gekannten diplomatischen Verwirrung fühle, daß die Lösungen für den Schutz Frankreichs nur in der Einigkeit aller geboren werden könnten. In einem der hauptsächlichsten Punkte, so erklärte Sarraut, sei diese moralische Einigkeit bereits vorhanden, in dem Willen zumFrieden. Die Regierung wünsche den Frieden, aber in der Sicherheit und in der Würde des franzö- fischen Friedensideals, das sie seit dem Kriege unablässig selbst bewiesen habe. Dieses Friedensideal finde seinen Ausdruck in der kollektiven Sicherheit. Die französische Regierung wünsche alle Organe der Ordnung gegen den zu sammeln, der versuchen sollte, den Krieg vom Faun zu brechen. Vertragsrecht unter den Staaten, freiwillig unterzeichnete Abkommen gegenseitigen Beistandes, um ihre Achtung zu sanktionieren und auf diese Weise die Last der internationalen Rüstungen yerabzusetzen, das sei das Gerüst des Friedensgebäudes, dessen gemeinsamer Schutz ohne Unterschied allen gutgewillten Völkern angeboten werde. „Soll es dazu kommen", fuhr Sarraut fort, „daß äußerste Enttäuschungen, die unseren festen Glauben in das hohe Ideal einer kollektiven Friedensorganisation brechen, uns eines Tages von Genf hinwegführen? Sollen wir angesichts des Egoismus der einen, der Ausflüchte und des Versagens der anderen auf die Hoffnung auf ein internationales Regime der Solidarität und des Beistandes verzichten, um fortan nur noch ein die Garantien unserer eigenen Sicherheit zu denken?" Der französische Ministerpräsident erklärte sodann, daß Frankreich mit einer „verdienstvollen Geduld" gegenwärtig olle Möglichkeiten erschöpfe, um den aus der „Verletzung"'(!) des Locarnovertrages sich ergebenden Streit mit friedlichen Mitteln zu lösen. Weiter wandte sich Sarraut dagegen, daß gerade diejenigen, die sich am 8. März über die Schärfe seines Protestes aufgehalten hätten, ihm jetzt vorwerfen, daß er nicht Machtmittel eingesetzt habe. Der Ministerpräsident nahm in diesem Zusammenhang gegen die Behauptung von der Unterlegenheit der französischen militärischen Ausrüstung gegenüber derjenigen Deutschlands Stellung und betonte, daß er mit den Leitern der Landesverteidigung ernst den Bestand der Streitkräfte und die neuen ergänzenden Maßnahmen geprüft habe, die geeignet wären, ihren Wert und ihre Wirksamkeit zu erhöhen. Er habe im Verlauf dieser Arbeit eine tiefe Genugtuung empfunden, ein tröstliches Gefühl des Vertrauens und der Erleichterung in Anbetracht der Ueberlegenheit der materiellen Wittel Frankreichs. Es fei gut, daß Frankreich dies selbst wisse für die Eventualität einer dauerhaften Friedensregelung und der Annäherung, die es in einem freien Geiste zu verhandeln beabsichtige und nicht unter Drohungen. Denn diese Regelung werde nur dann dauerhaft, fruchtbar und wirksam sein, wenn man wisse, daß Frankreich kein schwacher Partner sei. Frankreich befinde sich Schwierigkeiten gegenüber. Es sei jedoch bestrebt, die Lösung dieser Schwierigkeiten in einer Anstrengung der Versöhnung zu finden, die ihm die Wahl zwischen gleichmäßig wertvollen Freundschaften erspare. Die Generalstabsbesprechungen. London, 15. April. (DNB.) Die gemeinsamen General st abs-Befprechungen zwischen England, Frankreich und Belgien wurden am Mittwochvormittag im Gebäude der Britischen Admiralität durch den englischen Vizeadmiral James eröffnet. Die erste Besprechung dauerte nur eine halbe Stunde. Die Besprechungen sind nach einer Meldung der Preß Association geheim. Es seien, so wird hinzugefügt, alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen, um ein Durchsickern von Nachrichten über den Verlauf der Besprechungen zu verhindern. Die Generalstabsbesprechungen wurden am Nachmittag, diesmal nach Waffengattungen räumlich getrennt, fortgesetzt. Die Marineoertreter der drei Nationen tagten in der Admiralität, die Vetreter der Armee und der Luftstreitkräfte im Kriegsministerium bezw. im Luftfahrtministerium. Für Ende der Woche ist wieder eine gemeinsame Sitzung der Vertreter sämtlicher drei Waffengattungen vorgesehen. Italien bleibt reserviert. Rom, 15. April. (DNB.) Zu der Nichtbe. teiligung Italiens an den Londoner Generalstabsbesprechungen wird in unterrichteten Kreisen Roms betont, daß dies eine Folge der reservierten italienischen Haltung zu der gesamten Locarnofrage fei, die Italien von Anfang an eingenommen und durch seinen Londoner Botschafter bereits bei der ersten Sitzung der Restlocarnomächte zum Ausdruck gebracht habe. Da die Sanktionen andauern, bestehe, so er- Botschafter von Hoeschs Heimkehr. X 1: «y... < >- DEM In London wehten am Mittwoch die Fahnen auf Halbmast, als die sterblichen Ueberreste des deutschen Botschafters von Hoesch in die Heimat geleitet wurden. Zehn Garde-Unteroffiziere trugen den Sarg aus der Botschaft auf eine Lafette, mit der er zum Bahnhof gebracht wurde, um später auf dem Zerstörer „Scout" in die Heimat übergeführt zu werden. Unser Bildtelegramm zeigt die Garde-Unteroffiziere mit dem Sarg vor der deutschen Botschaft. — (Scherl-Bilderdienst-M.) London, 15. April. (DNB.) Die sterbliche Hülle des deutschen Botschafters von H 0 e s ch wurde am Mittwochvormittag vom Botschaftsgebäude in der Carlton House Terrace in feierlichem Zuge zum Victoria-Bahnhof übergeführt. Die englische Regierung erwies dem toten Vertreter des Deutschen Reiches militärische Ehren, indem sie mehrere Truppenteile für das Leichenbegängnis zur Verfügung stellte. Von sechs Gardespldaten wurde der Sarg aus dem Sterbehaus herausgetragen und in der Mall, der zum Buckinghampalast führenden Prunkstraße, auf die Geschützlafette gelegt, wo bereits eine Abteilung Gardekavallerie, sowie zwei Kompanien des 1. Bataillons der Garde-Grenadiere Aufstellung genommen hatten. Unmittelbar hinter dem mit der Hakenkreuzflagge bedeckten Sarg schritt ein Neffe des Verstorbenen. Ihm folgten als Vertreter des Führers und Reichskanzlers Ministerialdirektor Dr. D i e ck h 0 f f, der Landesgruppenleiter der NSDAP, für Großbritannien und Irland, Otto Bene, und Botschaftsrat Fürst, Bismarck. Anschließend folgten als Vertreter I der britischen Regierung Außenminister Eden,' Innenminister Sir John Simon, sowie der Erste Lord der Admiralität, Lord Monsell. Unmittelbar hinter ihnen schritten die Mitglieder des Diplomatischen Korps, die Angehörigen der deutschen Botschaft und schließlich zahlreiche Mitglieder der deutschen Kolonie. Als sich der Zug in Bewegung setzte und die Musikkapelle der Gardegrenadiere Trauerweisen ertönen ließ, wurde im Hydepark zu Ehren des verstorbenen Botschafters ein Trauersalut von 19 Schuß abgefeuert. Größere Menschenmengen säumten die vom Verkehr gesperrten Straßen, durch die der Leichenzug führte. Besonders groß war der Andrang am Victoria-Bahnhof, wo eine Ehrenwache des 2. Bataillons des Goldstream- Garderegiments mit einem Mufikzug Spalier bildete. In Dove.r wurden dem verstorbenen Botschafter die gleichen militärischen Ehren erwiesen. Hier wurde der Sarg an Bord des englischen Zerstörers „Scout" gebracht, der bald darauf nach Wilhelmshaven auslief, wo er am Donnerstagmittag gegen 13 Uhr eintreffen wird. den seinerzeit sehr bekannt aewordenen Brief der Kameruner Firma John Holt zu erinnern, deren Chef es geradezu aussprach, die Deutschen ließen einem Engländer unter ihrer kolonialen Flagge an Liebenswürdigkeit und Gerechtigkeit nichts zu wünschen übrig. Zu der offiziellen Regierungserklärung im Parlament ist übrigens noch eine Ergänzung angebracht. Anfang April äußerte der Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt Lord Stanley auf einer Zusammenkunft der Zentralorganisation der Konservativen Partei, daß ohne Zweifel bald die Zeit kommen werde, wo England Tanganyika (d. h. unser altes Ostafrika) an Deutschland zurückgeben werde; man brauche sich darüber nicht aufzuregen, da es ja sowieso nicht englisches Eigentum sei! Der „Evening Standard", der diese Mitteilung bringt, bemerkt dazu, Lord Stanleys Worte seien ein Beweis, daß sich die Ansichten der englischen Regierung seit der Erklärung vom Februar sehr geändert hätten. Bis zu einem gewissen Grade wird das auch durch die Stellungnahme Chamberlains im Unterhaus am 6. April bezeugt. Sollte der abessinische Friede da einen Schatten vorauswerfen? Das Reichslreffen der Kreisleiter Burg Crössinsee, 15. April. (DNB.) Die Tagung aller Äreistciter der NSDAP, auf der Ordensburg Crössinsee wurde, wie die NSK. berichtet, durch Hauptdienstleiter Pg. Schmeer in Anwesenheit von Gauleiter Schwede- Coburg eröffnet. Pg. Schmeer umnß in seinen Einführungsworten Ziel, Aufgabe und Gestaltung her Tagung. Reichsleiter Dr. Ley gab in einer Ansprache einen Ueberbficf über seine Arbeit als Reichsleiter der Deutschen Arbeitsfront. Er schilderte die Schwierigkeiten, die zunächst bei der Machtübernahme sich dem großen Werk entgegengestellt hatten und zeigte die grundsätzlich neuen Wege auf, die die nafto- nalsozialistische Bewegung bei der Heranbildung des politischen Führernachwuchses beschritt. In Vertretung des Reichskriegsministers sprach dann General F r 0 m m zu den versammelten Kreis- leitern der Partei. Der erste Tag der Schulungswoche wurde durch einen Vortrag des Leiters des Rassenpolitischen Amtes der NSDAP., Pg. Dr. Groß, abgeschlossen. Parade am Geburtstag des Führers. Berlin, 15. April. (DNB.) Anläßlich des Geburtstages des Führers und Reichskanzlers findet am 20. April in Berlin eine Parade statt, an der Einheiten aller drei Wehrmachtteile beteiligt sind. Der Vorbeimarsch der Truppen wird etwa um 11.30 Uhr am Kleinen Stern (Tiergarten) aus Richtung Brandenburger Tor beginnen. klärt man, auch die italienische Reserve in den europäischen Fragen fort. Zu den Generalstabsbesvrechungen äußert sich heute in der „Tribuna" Forges D a v a n x a t i, nach dessen Auffassung es nur zwei Ä u s - tegungen dieser Londoner Beratungen gebe. Entweder seien sie eine symbolische und daher völlig überflüssige Geste und gar nicht verpflichtend für England. Dann würde auch das Fernbleiben Italiens ein Fernbleiben von über- ttüssigen und vergeblichen Angelegenheiten sein, über die Generalstabsbesprechungen seien eine ernste Angelegenheit. Dann, so schreibt Davanzati, würde das italienische Fernbleiben aus Gründen, die alle kennen, die konkrete Tatsache des Fehlens der bewaffneten Kräfte Italiens bedeuten. Da die Generalstäbe der Locarnomächte die Effektivbestände und Schiffe für Kontinentaleuropa zusammenzählen müßten, habe das Fernbleiben Italiens wirklich eine „sehr große Bedeutung", freilich in a n d e r e m S i n n e, als es die „Times" darleaen wolle, um so mehr als Italien wirksame bewaffnete Kräfte, unabhängig von den Zusammenkünften der Generalstäbe, zur Verfügung habe. SA. und RGOGtB. Vereinbarung über die weltanschauliche Schulung der Studenten. Berlin, 15. April. (DNB.) NSK. meldet: Zwischen der Obersten SA.-Führuna und der R e i ch s f ü h r u n g des N S D S t B. ist die folgende Vereinbarung geschlossen worden: Erfahrungen haben gelehrt, daß eine Durchdringung der Studentenschaft und der Hoch- und Fachschulen mit dem nationalsozialistischen Gedankengut nur dann ermöglicht wird, wenn der NSDStB. über eine eigens für diese Arbeit geschulte Mannschaft verfügt. Damit wird der NSDStB. mit Beginn des Sommersemesters 1936 die Aufstellung von Stamm-Mann- f ch a f t e n in den Orten, in denen Hoch- und Fachschulen bestehen, vornehmen. Die Höchststärke jeder Stamm-Mannschaft beträgt 60 Mann. In die Stamm-Mannschaften werden besonders bewährte Studenten, die ihre nationalsozialistische Einsatzbereitschaft bereits in einer der Gliederungen der Partei unter Beweis gestellt haben, ausgenommen. Aus dem Erfordernis enger Zusammenarbeit zwi- schen SA. und NSDStB. wird folgendes festgetegt: 1. Die Mitglieder der Stamm-Mannschaften des NSDAStB.,.die der SA. angehören, bleiben weiterhin Angehörige der SA., werden jedoch für die Dauer des Studentendienstes in der Stamm-Mannschaft vom SA.-Dienst beurlaubt. Während der Dauer dieser Beurlaubung ist der Angehörige der Stamm-Mannschaft berechtigt, den SA.-Dienstanzug zu tragen. 2. Nach drei Semestern Dienstleistung in der Stamm-Mannschaft tritt der Student in seine SA.-Einheit zurück. Der in der Stamm-Mann- schäft geleistete Dienst wird als SA.-Dienst gewertet und angerechnet. 3. Der NSDStB. übernimmt seinerseits durch den Einsatz studierender SA.-Führer die Verpflichtung, die Ausbildung in den Stamm-Mannschaften dem Dienst in der SA. anzupassen, so d<^ die Gewähr vorhanden ist, daß der Student in körperlicher Ertüchtigung und weltanschaulicher Festigung nicht hinter dem SA.-Mann zurückbleibt. 4. Die Gau-Studentenbunds-Führer treten gemäß besonderen Befehls in die Stäbe der SA.- Gruppen, um eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen SA. und NSDStB. zu gewährleisten. 5. Der NSDAStB. stellt in den Hoch- und Fachschulorten je einen SA.-Führer in den Stab der jeweils höchsten SA.-Dienststelle zur Regelung aller örtlichen gemeinsamen Fragen. 6. Der NSDStB. übernimmt die Verpflichtung, darauf hinzuwirken, daß sämtliche deutsche Studierende einer der Gliederungen der Partei, SA., SS., NSKK., HI. angehören müssen. Die Erfassung aller Studenten erfolgt nach den neuen Richtlinien des NSDStB. in Kameradschaften von je 30 Mann, und zwar zusammengestellt auf Grund ihrer Zugehörigkeit zu den Parteigliederungen. 7. Die von SA.-Angehörigen gebildeten Kameradschaften werden als Trupp den in den Hochschulorten gebietsmäßig zuständigen Stürmen angegliedert. Eine Aufstellung von geschlossenen Studenteneinheiten über Truppstärke hinaus erfolgt nicht. Studierende können jederzeit in die SA. ausgenommen werden, wenn sie den Voraussetzungen hierfür entsprechen. München, 15. April 1936. Reichsstudentenbundführer: gez. Albert Derichsweiler. Der Stabschef: gez. Lutze. Die Zuständigkeit des Reichsministers für Dolksaufklärung und Propaganda. Berlin, 15. April. (DNB.) Amtlich wird mit» geteilt: Der Führer und Reichskanzler hat zur Beseitigung von Zweifeln entschieden, daß der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda bei den seiner Zuständigkeit unterliegenden Sachgebieten für alle Aufgaben mit Einschluß der polizeilichen Aufgaben federführend ist. Die Sachgebiete sind in der Verordnung des Führers und Reichskanzlers vom 30. Juni 1933 aufgezählt; es handelt sich dabei im wesentlichen um folgende: Nationale Feiertage, Staatsfeiern, Presse, Rundfunk, Nationalhymne, Bildende Künste, Musik, Theater, Lichtspiel, Schrifttum, Wirtschafts- und Verkehrswerbung, Ausstel- lungs-, Messe- und Reklamewesen. Die Dienstpflicht in Oesterreich. Vorbehalte in Belgrad. Belgrad, 15. April. (DNB.) Das offiziöse Blatt „D r e m e" nimmt zu der Tatsache Stellung, daß die österreichische Regierung eine Beantwortung des Protestes der Kleinen Entente wegen der Einsührung der allgemeinen Dienstpflicht in Oesterreich abgelehnt hat. Damit sei, schreibt das Blatt, diese Frage noch nicht von der Tagesordnung abyesetzt. Man könne im Gegenteil mit Bestimmtheit sagen, daß die Staaten der Kleinen Entente ihre Aktion fortsetzen würden mit dem Ziel, eine Lösung zu finden, die in Einklang stehen würde mit der Achtung der internationalen Verbindlichkeiten, sowie mit den Interessen Jugoslawiens, der Tschechoslowakei und Rumäniens. Die Anfang Mai in Belgrad stattfindende Konferenz der Außenminister der Kleinen Entente werde sich in erster Linie mit dieser Frage befassen. Das Programm der neuen spanischen Regierung. Außenpolitisch Mitarbeit im Völkerbund, aber keine einseitigen Bindungen. Madrid, 15. April. (DNB.) Der spanische Ministerpräsident A z a n a stellte am Mittwoch dem Parlament das Kabinett vor und gab eine ausführliche Regierungserklärung ab, in der er verschiedene Gesetzentwürfe ankündlgte. Die parlamentarische Arbeit solle dadurch be- chleunigt werden, daß die Zahl der Vollsitzungen -erabgesetzt und die Hauptarbeit parlamentarischen Ausschüssen übertragen werde. Die Regierung erblicke in der Lösung des Arbeitslosenproblems und in der Besserung der Lage auf dem Lande ihre Hauptaufgaben. Zur Ausgleichung der bestehenden großen Unterschiede zwischen arm und reich plane die Regierung die Erhebung besonderer Vermögensteuern. Ferner regte der Ministerpräsident ein u m - angreiches Arbeitsbeschaffungspro- jramm an, dessen Finanzierung die Regierung jedoch auf keinen Fall durch eine Vermehrung der Zahlungsmittel ermöglichen wolle, da eine derartige Maßnahme nur katastrophale Folgen haben werde. Die von den letzten Regierunaen erlassenen Aenderungsgesetze zur Agrarreform sollen aufgehoben werden, das Agrarreformgesetz der ersten linksrepublikanischen Regierung soll wieder in Kraft treten. Das gesamte Pacht- und Siedlungswesen werde organisiert, wobei der Staat den Siedlern nicht nur die Garantie des Landbesitzes gebe, sondern sie auch mit Geldmitteln unterstütze. Zu diesem Zweck sei die Gründung einer Landwirtschaftsbank vorgesehen. Azana wies darauf hin, daß in diesen Wochen bereits über 7000 Landarbeiter angesiedelt worden seien. Im übrigen werde die gesamte soziale Gesetzgebung der früheren spanischen Nationalversammlung wiederhergestellt. Der Ministerpräsident kündigte ferner Gesetze über den Arbeitsschutz, zur Neuorganisierung des Rechtswesens und der städtischen provinzialen Verwaltungen an. In der internationalen Politik werde Spanien weiter aktiven Anteil an dem Friedenswerk des Völkerbundes nehmen und bereit fein, alle Verpflichtungen, die vom Völkerbund ausgehen, anzunehmen; einseitige Bindungen dagegen werde Spanien ablehnen. Bezüglich der allgemeinen innerpolitischen Lage stellte Azana fest, daß den gelegentlichen Störungen der öffentlichen Ordnung zu viel Wert beigelegt werde, daß die Regierung aber in jedem Augenblick bereit und stark genug sei, die Sicherheit des Staates zu schützen und mit allen Mitteln den Ruhestörern das Handwerk zu legen, „sei es, wer es auch fei". Nach der Regierungserklärung protestierte der monarchistische Abgeordnete Calvo S o t e l o gegen die zahlreichen blutigen Zwischenfälle und Brandstiftungen der letzten Wochen und legte Azana folgende Frage vor: „Wie ist es möglich, daß ein linksbürgerlicher Politiker und eine Partei, die bürgerliche Interessen vertreten will, in der sogenannten Volksfront Seite an Seite steht mit Sozialdemokraten und Kommunisten, die täglich die Errichtung des kommunistischen Regimes predigen? Ist die Regierung bereit, die Republik zu verteidigen und gegen den Kommunismus ihre politischen Bundesgenossen zu schützen? Calvo Sotelo sagte, daß angesichts der augenblicklichen Lage nur eine totale und autoritäre Staatsführung Spanien vor dem Kommunismus retten könnte. Nach den Ausführungen Calvo Sotelos hob der | Führer der Katholischen Volksaktion Gil Nobles die guten Absichten der Regierung hervor, über bte jedoch erst ein Urteil abgegeben werden könne, wenn diese in die Tat umgesetzt worden seien. Die Regierung müsse sich Rechenschaft über bte unoer» weiblichen Folgen bes Zusammengehens mit solchen Parteien ablegen, bie bie Eroberung der staatlichen Macht durch Gewalt auf ihre Fahne geschrieben hätten Gil Nobles betonte, daß feine Partei sich stets im Rahmen des Gesetzes bewegt habe und weiter bewegen werde, und daß er selbst jederzeit bereit sei, im Straßenkampf zu sterben. In politischen Kreisen wird die Tatsache, daß dis Regierungserklärung nur den Beifall der links- republikanifchen Gruppen gefunden hat und die Sozialdemokraten und Kommunisten sich jeder Zustimmung enthielten, als wichtiges Zeichen aufgefaßt. Linksradikales Attentat mSevilla Madrid, 16. April. (DNB. Funkspruch.) In Sevilla wurde der Gerichtspräsident Et za- g u t r r e von Linksradikalen überfallen und durch drei Schüsse lebensgefährlich verletzt. Der den Gerichtspräsidenten ständig begleitende Polizeibeamte nahm die Angreifer sofort unter Feuer und verwundete zwei von ihnen erheblich, wurde aber selbst von mehreren Kugeln so schwer getroffen, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Eizaguirre ist der Vater des internationalen Fußballspielers gleichen Namens, der im oeraangeneit Jahr bei dem Länderspiel gegen Deutschland in Köln das spanische Tor hütete. Der junge Eizaguirre, wie auch sein Vater, stehen der spanischen faschistischen Partei nahe. England gegen Einstellung der Gankiionspoliiik? Eden und Paul-Boncour fahren gemeinsam nach Genf. Paris, 16. April. (DNB. Funkspruch.) Außenminister Eden traf, von London kommend, am Mittwochabend in Paris ein und setzte um Mitternacht die Fahrt nach Genf fort. Staatsminister Paul-Boncour reift im gleichen Zuge. Vor der Abfahrt unterhielten sich die Minister kurze Zeit miteinander. Der diplomatische Korrespondent der „E v e n i n g News" glaubt zu wissen, daß Außenminister Eden vom Kabinett ermächtigt ist, in Genf zu erklären, daß England der Einstellung der Sanktionspolitik nicht zustimmen könne, solange Italien nicht die Feindseligkeiten beende. Der Korrespondent legt diese Information dahin aus, daß England auch für die Dauer eines Waffenstillstandes zur Vorbereitung der Friedensverhandlungen nicht mit einer Beendigung der Sanktionen einverstanden fein werde, falls irgendeine Aussicht auf eine Wiederaufnahme der Feindseligkeiten bestehe. „Sehr dunkel und kritisch." London, 16. April. (DNB. Funkspruch.) Das Ergebnis der gestrigen Besprechung in Genf zwischen Baron A l o i s i und dem Vorsitzenden des Dreizehner-Ausschusses Madariaga wird in englischen Meldungen p e s s i m i st i s ch beurteilt. Reuter berichtet, daß die Lage nach der Unterredung sehr dunkel und kritisch sei. Falls sich die italienische Stellungnahme nicht noch in letzter Stunde ändere, fei es klar, daß dem Dreizehner- Ausschuß in seiner heutigen Sitzung nichts Befriedigendes berichtet werden könne. Man glaube, der Ausschuß werde 24 Stunden warten, bevor er feststelle, daß der Aussöhnungsversuch fehlgeschlagen sei und daß der Achtzehner-Ausschuß zusammentreten müsse. In Völkerbundskreisen sei man der Ansicht, daß nicht nur eine Aufrechterhaltung der gegenwärtigen Sanktionen, sondern d i e Anwendung schärferer Maßnahmen in Betracht komme. londoner Preffekamps um die Sanktionen. London, 16. April (DNB. Funkspruch.) Die Morgenpresse neigt der Ansicht zu, daß der neue italienisch-abessinische Aussöhnung s- versuch in Genf kaum noch Erfolg haben werde. Die der Regierung nahestehenden Blätter fordern die Aufrechterhaltung und nötigenfalls eine Verschärfung der gegenwärtigen Sühnemaßnahmen, während die sanktionsgegnerischen Zeitungen auf die militärischen erfolge Italiens Hinweisen. Damit sei die gesamte Sanktionspolitik zwecklos. „Daily Telegraph" verweist auf die Eroberung von Deffie. Der Rina um den Kaiser von Abessinien schließe sich, obwohl man noch nicht sagen könne, daß der Negus endgültig geschlagen sei. In Rom hätten die <5iecje des Marschalls Badoglio ihre unvermeidliche Wirkung gehabt. An- aesichts des vor der Türe stehenden Erfolges könne Mussolini nunmehr seine diplomatischen Karten mit größerem Vertrauen ausspielen. Nach der gestrigen Unterredung zwischen Aloisi und Madariaga in Genf habe man den Eindruck, daß der Duce immer noch Zeit gewinnen wolle. Dennoch sei Italien nicht in jeder Beziehung so stark, wie es scheine. Seine wirtschaftliche Lage verschlechtere sich zusehends. Das Blatt fordert dann, daß die gegenwärtigen Sühnemaßnahmen, nachdem sie einstimmig beschlossen worden seien, nunmehr auch einmütig bis zur Einstellung der Feindseligkeiten aufrechterhalten werden müßten. Der französische Minister- Präsident habe in seiner gestrigen Rundfunkrede darauf hingewiesen, daß Frankreich an dem Ideal der kollektiven Friedensorganisation festhalte. Er habe dabei aber angedeutet, daß Frankreich infolge ungünstiger Umstände fick gezwungen sehen könnte, den „W egnachGenf^ zu verlassen. Hoffentlich würden ernste Meinungsverschiedenheiten dieser Art nicht in dieser Woche im Schlichtungsausschuß entstehen. „M o r n i n g P o st" erklärt, der abessinische Feldzug habe bereits die Zwecklosigkeit der kollektiven Sicherheit erwiesen. Die Wirkung der Sühnemaßnahmen auf Italien sei, wie aus den soeben vom Völkerbund veröffentlichten Ziffern hervorgehe, viel zu langsam und zu gering, um den Verlauf der militärischen Operationen xu beeinflussen, oder um die Würde und das Ansehen des Völkerbundes aufrechtzuerhalten. Die ganze Methode der wirtschaftlichen Einkreisung sei offensichtlich zu umständlich, um den Frieden aufrechtzuerhalten, oder einen entschlossenen Angreifer einzuschüchtern. Das Rothermere-Blatt „Daily Mail" schreibt, der Fall von Deffie fei ein neuer Beweis, daß das Ende des Krieges vor der Tür st e h e. Nach Italiens Sieg gebe es jetzt für die englische Regierung nur eine Möglichkeit, nämlich Aufhebung der Sühnemaßnahmen. Das Blatt verlangt im übrigen eine völlige Neugestaltung der englischen Außenpolitik. In der liberalen „Ne w s C h r o n t c l e" heißt es, nur eine sofortige Verschärfung der Sühnemaßnahmen könne das Ansehen des Völkerbundes retten. Ein weiterer Aufschub würde England, das bis September, letzten Jahres die Welt führte, zum Gegenstand allgemeinen Gelächters machen. Das Arbeiterblatt „Daily H e r a I b" fordert die Inkraftsetzung einer Oelfperre, da eine solche zum mindesten die Fortsetzung des italienischen Feldzuges nach der Regenzeit verhindern könne. „Time s" erklärt in einer Pariser Meldung, es wäre für die französische Regierung schwierig oder unmöglich, die von ihr in Genf ursprünglich eingeleitete Politik fallen zu lassen, wenn die britische Regierung auf eine Au s - dehnung der Sanktionen drängen würde. Frankreich werde jedoch auf die Notwendigkeit Hinweisen, „gewisse Vorsichtsmaßnahmen in Europa" zu ergreifen, bevor man das Risiko neuer Verpflichtungen im Mittelmeer einqehe. „Times" rechnet damit, daß die französischen Forderungen sich ausgesprochen auf die Politik gegenüber Deutschland erstrecken. Italiens WaffenMandsbedingungen. Erklärungen des italienischen Botschafters in Paris an Flandin? London, 16. April. (DRB.-Funkspruch.) Der Pariser Berichterstatter ber „Heros Lhronlcle" will von zuständiger italienischer Stelle etwas über die Unterredung des italienischen Botschafters Lerulti mit Jlanbin am Mittwoch erfahren haben. Lerulti habe erklärt, baß Italien bie ooll- stänbige Abrüstung Abessiniens als roichtigste Borbebingung für bie Eröffnung von Friedensverhandlungen betrachte. Mussolini sei ber Ansicht, baß bie Friedensvorschläge bes Fünfer - Ausschusses unb bes Hoare- Laval-Planes von ehemals nunmehr als „lächerliche Kleinigkeiten" zu betrachten feien, bie nicht mehr ber Erörterung wert feien. Die Grunblage einer Regelung könne bagegen in bem „tot geborenen italienischen Vertrag vom Jahre 1925“ gefunben werben. Das würbe bebeuten: bie Anerkennung aller britischen Ansprüche im Gebiet bes-Tanasees, bie ausschließliche italienische Kontrolle über West-Abeffi- nien unb wahrscheinlich bie Abgrenzung eines kleinen Gebietes in Zentral- Abessinien, bas bem Negus zwar erhalten bleibe, aber unter italienischem Protektorat. Die Italiener seien gegen einen sofortigen Waffen st ill st anb, ba ein solcher ben Abessiniern bie Möglichkeit gebe, ihre Armeen mit auslänbischer Hilfe zu reorganisieren. Rach „Daily Mail" unb „Daily Expreß" soll in gewissen Kreisen Englanbs bie Möglichkeit erörtert werben, bah Italien im Zusammenhang mit einer Beilegung bes abessinischen Konflikts eine Völkerbunbsanleihe zur Entwicklung Abessiniens unter ber Aufsicht bes Völkerbundes erhallen solle. Dadurch würde „das Gesicht des Völkerbundes" gerettet. Von der britischen Regierung sei diese Möglichkeit jedoch noch nicht in Betracht gezogen worden. Mussolinis angeblicher plan. Paris, 16. April. (DRB. Funkspr.) „Oeuvre" glaubt, daß Mussolini die italienischen Unterhändler in Genf angewiesen habe, die Dinge in die Länge zu ziehen, damit die zwischen dem 20. und 30. April erwartete Einnahme von Addis Abeba seinen Sieg kröne. In diesem Augenblick werde die Sübarmee einen scharfen Vorstoß unternehmen, um den zwischen den beiden Fronten noch stehenden Rest bet abessinischen Heere zu vernichten. Dann werbe Mussolini ben Krieg für beenbet erklären unb bie Mächte um Aufhebung ber Sühnemaßnahmen ersuchen. Sollten Engtanb unb Frankreich biefem Verlangen nicht nachkommen, so werbe Mussolini „allen internationalen Rechts zuwiber" einfach ganz Abessinien annektieren. Daburch werbe bet abessinische Markt für alle Mächte einschließlich Frankreich unb Englanb geschloffen unb nur für Italien offen bleiben. Sollten Frankreich unb Englanb aber in bie Aufhebung ber Sühnemahnahmen einwilligen, bann werbe Mussolini bereit sein, Abessiniens Verhält- nis z u Italien etwa nach bem Vorbilb bes Verhältnisses Frankreich zu Marokko zu gestalten. In biefem Falle würbe ber abessinische Markt allen Rationen offen bleiben. Frankreich nur für „gekoppelte Sanktionen". Paris blickt mehr nach dem Rhein, als nach Ostafrila. Paris, 16. April. (DNB. Funkspruch.) Das Bestreben der französischen Politik scheint im Augenblick dahin zu gehen, sich jeder Teilnahme an Maßnahmen im afrikanischen Streitfall zu enthalten, die zu einer Verschärfung der Lage in Europa führen könnten. Zugleich möchte man aber die Verantwortung für ein Ausbrechen aus der Linie der Völkerbundsver- &f l i ch t u n g e n London zuschieben, dem man die bsicht unterstellt, die Verantwortung für eine etwaige Niederlage des Völkerbundes auf Frankreich abzuwälzen. Verschiedene Blätter glauben, daß diese Besorgnisse Gegenstand der gestrigen Beratung zwischen Sar- raut, Flandin und Paul-Boncour gewesen seien. Die Minister, so schreibt „Le I o u r", rechneten mit der Möglichkeit, daß Eden die Verantwortung für das Scheitern der Sühnemaßnah- rnen auf Frankreich abwälzen wollen. Daher hätten sie einen Gegenzug vorbereitet. Hinsichtlich der Einzelheiten sei man jedoch im Außenministerium sehr zurückhaltend. (Einer englischen Forderung auf Verschärfung ber Sühnemahnahmen werbe Frankreich nur folgen, fo glaubt bas Blatt zu wissen, wenn es sich um gekoppelte Sanktionen hanble, b. h. wenn Englanb bereit sei, bie gleichen Sanktionen zu gleicher Zeit sowohl gegen Italien, als auch gegen Deuts ch- (anb anzuwenben. Im übrigen hätten die Minister die Unwirksamkeit von Oelmaßnahmen festgestellt. Der Sieg der Italiener sei vollständig unb werde die Feindseligkeiten schnell beenden. Daher bestehe für Italien die Frage der Oelmahnahmen nicht mehr. Es blieben also nur noch die militärischen Sühnemaßnahmen. Diese aber bedeuteten den Krieg, wie die französischen Minister festgestellt hätten. Das habe ihnen genügt. Angesichts dieser Möglichkeiten könne Frankreich nur in seiner Vermittlerrolle beharren. Für Frankreich habe die Rheinfrage eine andere Bedeutung als die abessinische Frage, und Frankreich sei nicht gewillt, jene Frage dieser zu opfern. „Petit Parisien" meint, die Unversöhnlich- feit Edens in der Frage der Sühnemaßnahmen rufe berechtigte Besorgnisse bei allen Friedensfreunden hervor. „Echo de Paris" fordert England rundweg auf, zu erklären, ob es die Gefahren militärischer Sühnemaßnahmen gegen Italien auf sich nehmen, d. h. ob es den Krieg, der in Afrika zu Ende gehe, nach Europa tragen wolle. „Mcttin setzt seinen Kampf gegen die angeblichen englischen Absichten in der Frage der Sühnemaß- nahmen fort. Die Außenpolitikerin des „D e u d r e" will jedoch wissen, daß die französischen Minister beschlossen hätten, sich für den Fall, daß Ed e n im Achtzehner- Ausschuß Oelmahnahmen fordern werde, sich der Stimme zu enthalten, da Frankreich weder Oel erzeuge, noch Oelhcmdelsland sei. Sollte Eden aber schwerwiegendere Sühnemaßnahmen verlangen, so werde Frankreich sich dem widersetzen. Pessimismus in Pans. Oer Blick auf England. Paris, 16. April. (DNB.) Außenminister F l a n d i n hatte am Mittwochnachmittag vor seiner Abreise in seinen Wahlkreis noch Besprechungen mit benri talienischen, dem spanischen und dem englischen Botschafter in Paris, lieber den Inhalt der Besprechungen ist bisher amtlich nichts bekanntgegeben worden, ebenso auch nichts über die Beratung zwischen dem Außenminister, dem Ministerpräsidenten und dem Staatsminister Paul-Boncour. In politischen Kreisen ist man nach wie vor skeptisch in der Beurteilung der bevorstehenden Genfer Verhandlungen. IHan erwartet, daß die Beratungen des Dreizehner-Ausschusfes im Zeichen scharfer Gegensätze zwischen der abessinischen und der italienifchen Auffassung stehen werden. Dem Präsidenten des Dreizehner-Ausschusses werde wahrscheinlich nichts anderes übrig bleiben, als dem Ausschuß mitzutellen, daß es ihm unmöglich gewesen fei, eine Annäherung zwischen dem italienischen und dem abessinischen Standpunkt herbeizuführen. Abessinien beharre bei der Auffassung, daß die Friedensverhandlungen im Rahmen des Völkerbundes ftattfinden müßten, wobei der Völkerbund sich als Mittler zwischen beiden kriegsführenden Staaten zu betätigen hätte. Italien hingegen weise darauf hin, daß die Friedensverhandlungen unmittelbar zwischen Addis Abeba und Rom zu führen feien, wobei der Völkerbund sich auf die Rolle eines Beobachters zu beschränken hätte. Die Aufgabe des Dreizehner-Ausschusfes sei lediglich, sich über das Verfahren der Friedensverhandlungen schlüssig zu werden. Rach der zusammenfassenden negativen Feststellung der Lage durch M a - dariaga werde England Stellung zu nehmen haben. England, so meint man in französischen politischen Kreisen, könne nicht im Unklaren darüber sein, daß eine Verschärfung der Sühnemaßnahmen und insbesondere die Verhängung eines Ausfuhrverbotes für Petroleum unwirksam wäre. Italien habe umfassende Vorräte an Brennstoff anlegen können, die besonders im Hinblick darauf ausreichend feien, daß die italienifchen Streitkräfte bereits D e f f i e beseht hätten und sich nicht mehr weit von Addis Abeba befänden. Lediglich militärische Maßnahmen könnten Abessinien noch eine wirksame Hilfe bringen. Aber man könne sich nicht vorstellen, daß England einen derartig gewagten Schritt vorhabe, der den afrikanischen Krieg auf Europa übertragen würde. Die Italiener in Dessie. Rom, 15. April. (DRV.) Das neueste Front- telegramm Marschall B a d o g l i o s wird als amtlicher italienischer Heeresbericht Nr. 185 vcröffent- licht und hat folgenden Wortlaut: Unsere Truppen sind Mittwoch früh in Dessie einmarschiert. Der Einmarsch der italienischen Truppen in Dessie wird auf Befehl Mussolinis am Donnerstag in a a n z I t a l i e n durch festlichen Flagge n f ch m u ck gefeiert. Augenzeugenberichte. Asmara, 15. April. (Funkspruch des Kriegsberichterstatters des DNB.) Die italienischen Truppen sind in Dessie eingezogen, ohne auf den geringsten Widerstand zu stoßen. Als erste zogen die Asbo Galla ein, die die Nachhut des Negusheeres in Eilmärschen verfolgt und bereits feit einigen Tagen vor den Toren Defsies gelagert hatten. Ihnen folgten die Askaritruppen, denen sich das 1. Korps anschloh. Sofort nach dem Einzug wurde auf dem Ghibbi und auf dem italienischen Konsulat die Trikolore gehißt. Dessie, die Hauptstadt der Wollo Galla, ist in wirtschaftlicher, politischer und militärischer Hinsicht einer der wichtigsten abessinischen Punkte. Don dort führt eine verhältnismäßig brauchbare Straße in einer Länge von 350 Kilometer nach Addis Abeba. Dessie ist nicht eine typisch abessinische Stadt, die nur aus Eingeborenenhütten besteht, sondern sie besitzt viele Bauten nach europäischem Muster. Die Stadt hat in der abessinischen Geschichte oft eine bedeutende Rolle gespielt. Dessie, 16. April. (Funkspruch des Kriegsberichterstatters des DNB.) In den letzten Tagen war in der Gegend von Dessie das Gerücht verbreitet, daß der abessinische Thronfolger A s f a ©offen, der sich mit rund 1000 Mann bis zum letzten Augenblick in der Stadt aufgehalten hat, sich den Italienern ergeben wolle. Er hat es jedoch vorgezogen, kurz vor dem Einmarsch der italienischen Truppen in unbekannter Richtung a b - zuziehen. Drei Aerzte des französischen Lazaretts, sowie die Mitglieder der französischen Missions-Gesellschaft stellten sich dem Kommando des Askarikorps. Sie erzählten, daß im Lazarett noch viele in der Schlacht am Aschangi-See verwundete Abessinier lägen. Die französischen Aerzte und Missionare haben volle Bewegungsfreiheit erhalten und arbeiten mit den italienischen Aerzten zusammen. Auf dem Flugplatz Dessie sind bereits die er ft en italienischen Flugzeuge gelandet. Unaufhörlich treffen in Dessie Vertreter der umwohnenden Bevölkerung ein, um ihre Unterwerfung mitzuteilen. Sechsmal Bodensee-Tanasee. Von unserem römischen E -Korrespondenten. Rom, Mitte April. Ganz Luxemburg könnte man in den Tana- f e e hineinstellen. Er ist genau so groß wie das frühere Herzogtum Braunschweig, sechsmal würde der Bodensee darin aufgehen. Selbst der Plattensee oder Balaton samt allen seinen Sumpfgebieten mißt nur 1320 Quadratkilometer; der Tanasee dagegen 3630. Um aber auch Vergleiche nach oben zu ziehen: der Victoria- Njansa-See ist wieder zwanzigmal umfangreicher und auch der Tanganjika-See hat seine guten 40 000 Quadratkilometer, die Flächengröße Dänemarks. Afrikanische Maße! Sie geben einen Begriff von der unermeßlichen Beute, die Italien aus dem afrikanischen Feldzug nach Hause bringt, von seinem geradezu phantastischen Land- und Bevölkerungszuwachs, ganz zu schweigen von den Naturschätzen aller Art. Abessinien soll das reichste Gebiet des schwarzen Erdteils sein, und heute schon sind davon gegen 140 000 Quadratkilometer besetzt, das heißt ein Gebiet halb so groß wie Italien. So wird in wenigen Jahren die Summe amortisiert sein, die Mussolini, um es geschäftlich auszudrücken, in das Unternehmen hineingesteckt hat, und es beginnt — nicht die Ausbeutung einer Kolonie, sondern d i e blühende Verwaltung des neurömischen Reiches in Afrika. Auch unter diesem Gesichtspunkt will das „Abenteuer", wie man so gerne im Herbst sagte, betrachtet sein. Allerdings enthält die Gleichung noch eine Unbekannte gefährlicher Art: die Sache mit dem Tanasee. Mit britischer Trockenheit formuliert: wird England dieses Geschäft zulassen? Man kann den See, der plötzlich aus dem Urweltschlaf aufgeweckt und ins grelle Licht der politischen Scheinwerfer gerückt wird, mit römischen ober mit britischen Augen betrachten, und je nachdem sieht er etwas anders aus. Interessengegensätze blitzen auf, die an die Achillesferse des britischen Imperiums rühren, an den Seeweg nach Indien und die Sicherheit des Landes, bas ein Geschenk bes Nils ist. Niemanb kann heute voraussagen, wie sich bas Verhältnis in biesem ägyvtisch-englisch-italienischen Dreieck noch gestalten werbe. ♦ Der Tanasee hat Herzform, und in den Einschnitt stieß das Bajonett des Eroberers. Auf der Halbinsel Oeorgera wurde an Ostern die Trikolore gehißt. Die Italiener vergleichen den See lieber mit einer jener großen Korbflaschen, und auch dann ist man um symbolische Deutungen nicht verlegen. Denn dem Flaschenhals (die Herzspitze) entströmt der kostbare Inhalt, der Blaue Nil. Bezeichnend, daß gleichzeitig die abessinisch-sudanische Zollgrenze besetzt wurde. Ungefähr 15 Milliarden Kubikmeter soll die Korbflasche bergen. Die Eingeborenen sprechen vom „tiefen Meer", doch hat man noch keine Bodenseetiefe gemessen, nirgends mehr als 70 Meter. In Schilderungen, die in den letzten Tagen durch die Zeitungen gingen, war viel von den Krokodilen die Rede, von denen es hier wimmeln soll; in Wirklichkeit machen sie, wenn sie den Blauen Nil Heraufziehen, am Seeufer halt und wagen sich nie in bas große Wasser. Dagegen können sie nun zu ihren klassischen Turnieren ausziehen, benn im hohen Schilf, in ben dich- ten Papyrusgestrüppen sind, wie die Italiener bereits erzählen, die Riesenschlangen zu Hause. Um die zahllosen Inseln herum tummeln sich kleine Flußpferde, schreien Schwärme von Wasservögeln, trompeten die Enten. Zwei eigenartig gestaltete Felseninseln haben einen schier europäisch klingenden Namen: Liebestod. Auch geben die Kirchen und Klöster in dieser Gegend zu denken. Noch niemals soll ein Segel- ober gar ein Motorboot bas riesige natürliche Staubecken burchfurcht haben, nur auf gebrechlichen Schilffahrzeugen verkehren bie Eingeborenen im seichten Küstengewässer, wo ber sprichwörtliche Fischreichtum in einem Flossengewühl unb einem ftänbigen Durchdieluft- fpringen zum Ausbruck kommt, als sei nicht für alle Leckerbissen Platz. Natürlich fehlen auch alle übrigen Dinge nicht, bie wir mit ber Vorstellung bes schwarzen Erbteils oerbinben: bie Schachtelhalme Scheffels unb bie Sykomoren Freiligraths, samt ber zugehörigen Menagerie. Wolken von Moskitos sorgen für bie nächtliche Unterhaltung ber Forschungsreisenben. Aber bafür behnen sich auch am Dftufer bie Baumwollkulturen, bie keiner künstlichen Bewässerung be- bürfen — unb Baumwolle ist ja gerabe bas, was Italien so notwenbig braucht, wie ber Mensch ein hemb. Im Gebiet von Corata, wo noch bie Trümmer bes alten Kaiserschlosses, bas ber Negus Jesus bewohnte, burch bas üppige Urwalbgrün schimmern, herrscht bie Kaffeestaube souverän. In Kaffeegärten tauchen bie Tukuls unter, bie kärglichen Menschenhütten, so dicht wuchert bie erfreuliche Pflanze, daß nur ein Wiberschein ber Sonne burch bas grüne Meer bringt. Welche Aussichten, wenn man bedenkt, daß der Kaffee, der hier seine Heimat hat, eines der Hauptausfuhrerzeugnisse Abessiniens bildet, trotzdem die Kultur noch mit den urwüchsigsten Mitteln betrieben wird! Noch ritzen die Sklaven kaum mit dem Holzpflug die überfruchtbare Erde, selbst das Rad war vielen Stämmen noch unbekannt — und nun sollen die Traktoren Mussolinis kommen! Was werden sie aus den Gerstenfeldern machen, die jetzt die Ebene von Nischia am Westufer bedecken, be- wässert vom kleinen Abbai! Bewässerung, das ift die Aufgabe von Gonbar bis Kairo. Die in ben Tanasee einmünbenben Hauptflüsse sinb ber Gumara, ber Reb unb ber kleine Abbai; als großer Abbai ober Blauer Nil tritt er wieber heraus, wie ber Rhein bei Konstanz aus bem Bobensee, um sich mit dem Weißen Nil bei Chartum zu vereinigen. Man hat die Nutzmenge des Blauen Nils auf 62 Kubikkilometer im Jahresdurchschnitt berechnet, während der Weiße Nil bei Faschoda nur 23 erbringt heute geht der Segen noch größtenteils verloren, denn wenn der Blaue Nil während der Regenzeit anschwillt, öffnen sie in Aegypten bie Schleusen, um ben Ueberschuß ins Mittelmeer abzuleiten. Man sollte ihn aber für bie Trockenzeit aufbewahren — bas bekannte Kon- Mionsproblem für bie Errichtung von Stau- bämmen, eine Frage, bie nun nicht mehr zwischen Englanb unb Abessinien entschieben werben muß, sondern England in Rom vorzubringen hat. lieber« flüssig, noch länger zu fragen, warum ber Duce gerabe ben Weg nach Gonoar gewählt hat. Von Gonbar aus führt bie natürliche Straße an den See, jetzt rattern dort bereits die Lastwagen. * Obwohl nur 12 Grad vom Aequator entfernt, zeichnet sich das Gebiet des Tanasees dank seiner Höhenlage von rund 1800 Metern durch gleichmäßige Milde aus. Von ben Bergen unb Hügeln geht es sanft über in fruchtbare Weibevlätze, in einen ewigen Frühling, hier bilden die Lilien, bie nicht säen und nicht ernten und dennoch von ihrem himmlischen Vater ernährt werden, wahre Blumenreiche. Noch majestätischer als von Gorgora aus öffnet sich der See am Ufer von Debra Tabor, soweit nicht dem Beschauer Klippen, Inseln unb Vorberge ins Blickfeld springen. Immer kommen die Wellen mit dem Wind von Westen. Wogen von großen schwarzen Möwen, bie auf ben Felsen nisten, stürzen ihnen entgegen. * Er sei kein Wüstensammler, hat Mussolini auf die Zumutung, sich mit den brennenden Oeden vor ben Bergen zu begnügen, geantwortet. Nun hat sein eiserner Wille bas Paradies von Norden her über bie englische Einflußzone hinweg, erreicht, und schon holt Graziani zum Vorstoß von Süden her aus, wo eine Kette von Seen nach Addis Abebn führt. Reichsakademie für Leibesübungen. Oie Aufgabe: Einheit der deutschen Leibeserziehung. Berlin, 15. April. (DNB.) Das Kuratorium ber Reichsakademie für Leibesübungen, bestehend aus dem Reichsminister des Innern Dr. Frick, dem Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung unb Volksbildung Dr. Rust und dem Reichssportführer von Tschammer und Osten gibt folgendes bekannt: In dem gemeinsamen Streben, eine einheitliche Stätte ber Lehrer- unb Führerausbildung auf bem Gebiete ber Leibesübungen unb ber körperlichen Erziehung zu schaffen und dadurch die vom Nationalsozialismus geforberte Einheit ber beutfchen Leibeserziehung herbeizuführen, ist mit sofortiger Wirkung bie Reichsakabemie für Leibesübungen errichtet worben. Sitz der Anstalt ist das Reichssportfeld in Berlin- Charlottenburg, das nach dem Willen des Führers und Reichskanzlers nicht nur den würdigen Rahmen der XI. Olympischen Spiele bilden, sondern gleichzeitig auch zur führenden Stätte der deutschen Leibeserziehung gestaltet werden soll. Die Reichsakabemie für Leibesübungen Hal neben allgemeiner Lrziehungs-, Lehr- unb Forschungsarbeit auf dem Gebiete der Leibesübungen die Aufgabe: a) besonders geeigneten Studienassessoren, die die Lehrbefähigung für Turnen besitzen, und anderen 2Hännern, deren berufliche Tätigkeit in enger Verbindung mit der Pflege der Leibesübungen steht, eine reichseinheitliche Führerausbildung auf dem Gebiete der körperlichen Erziehung zu vermitteln, b) den außerhalb der Schule tätigen Turn- und Sportlehrern eine praktisch und wissenschaftlich vertiefte Berufsausbildung zu gewähren, c) Fortbildungslehrgänge für die auf dem Gebiete der Leibesübungen und körperlichen Erziehung leitend tätigen Männer durchzuführen. Die Ausschreibungen für bie Ausbildungsgruppen unb Lehrgänge ber Reichsakabemie für Leibesübungen werben demnächst erlassen. Hierzu wirb erläuternd mitgeteilt: Es war eine der ersten Arbeiten der nattvnal- sozialistischen Revolution aus bem Gebiete ber Erziehung, baß sie bas Ganze ber Leibeserziehung aus ber Randstellung an ben Mittelpunkt ber schulischen Erziehung heranrückte. Der Turn- unb Sportlehrer erhielt in dieser Welt ber neuen Leibeserziehung einen neuen ausgezeichneten Platz; nicht nur, baß er innerhalb ber Schule überhaupt zu einer neuen Stellung emporrückte, er ging auch in ber Art seiner Erziehung unb Ausbildung revolutionär allen anderen Lehrergattungen voran. Die Hochschulsportordnung, die vom Reichserziehungsrninister im Jahre 1934 verkündet wurde, ist eine in der Geschichte der Leibeserziehung entscheidende Tat. Der Reichsinnenminister übergab bie private Einrichtung der Deutschen Hochschule für Leibesübungen dem Reichssportführer zur Führung mit der Weisung, für die Ausbildung der Turn- unb Svvrtlehrer außerhalb ber Schule neue unb ber Einheit ber Leibesübungen entsprechende Wege zu gehen. Der Auftrag des Führers, das Reichssportfeld nicht nur zur Stätte der Olympischen Spiele, sondern zugleich zum Mittelpunkt der Führerausbildung in der deutschen Leibeserziehung zu gestalten, gab den gemeinsamen Bemühungen den geeigneten Ort für eine gemeinsame Ausbildungs- und Erziehungsarbeit. So schön ber (Bebanfe fein mag, allen beutschen Turn- unb Sportlehrern bie Gelegenheit zu geben, an einer Stelle, wenn auch nur für einige Zeit, gemeinsam zu leben und gemeinsam erzogen zu werden, er würde scheitern an ber Wirklichkeit. Es war baher von Anfang an klar, daß nur eine Auslese, die besten jeder Gruppe, an dieser neuen Erziehungsstätte eine zusätzliche ober abschließende Ausbildung erhalten kann. So wirb die Zahl der Bewerber danach bemessen, daß ber Bebarf an Lehrkräften ber Hochschulinstitute für Leibesübungen unb ber Hochschulen für Lehrer« bilbung gebecft werden kann unb barüber hinaus auch bie höheren Schulen mit Turn- unb Sportlehrern versehen werben, bie bie vertiefte Ausbil« bung in ber Reichsakabemie für Leibesübungen genossen haben. In ähnlicher Weise ist ber Zahlenanteil ber im freien Beruf arbeitenben Turn- und Sportlehrer bemessen. Ls ist selbstverständlich, daß die Auswahl der Bewerber nach ganz bestimmten und strengen Gesichtspunkten erfolgen muß. Die Zugehörigkeit zur Ausbildungsgruppe I, die eine ergänzende Ausbildung für Studienassessoren mit Lehrbefähigung im Turnen und für andere Männer vorsieht, deren abgeschlossene Ausbildung in lebendiger Verbindung mit der Leibeserziehung steht, seht praktische und methodische Fähigkeiten in reichem Maße voraus. Die Teilnehmer der Ausbildungsgruppe II, die Sportlehrer im freien Beruf, haben ihre Fähigkeiten als politische Erzieher, sportliche Uebungsleiter und sportpraktische Könner nachzuwetsen. Darüber hinaus aber muß ber Bedarf, ben die ©üeberungen ber Partei unb ber Reichsbund für Leibesübungen an Schulung ber ehrenamtlichen Führer unb Leiter ber Leibesbungen haben, von ber Reichsakabemie befriebigt werben. Die Reichsakabemie hält sich bereit, ben in solchen Stellen stehenben Männern von Zeit zu Zeit eine lieber« holung unb Ergänzung ihres Wissens unb Könnens nach bem neuesten Stanb von Lehre und Praxis zu vermitteln. Aus aller Well. Englische Bewunderung unserer Zeppeline. „Die Deutschen und nur die Deutschen." London, 15. April. (DNB.) Der „Manchester Guardian" bespricht in einem Leitartikel ben großen Erfolg unb bie weiteren Aussichten ber beut- scheu Luftschiffahrt. Die Jungfernreise bes „Hinbenburg", so heißt es in Dem Artikel, hat bie Erörterungen über bie Aussichten bes Luftschiffes als Transportmittel für weite Entfernungen wieber aufleben lassen. Zwar haben bie vielen früheren Luftschiffunglücke bazu beigetragen, baß noch kein allgemeines Vertrauen in dieses Transportmittel besteht, aber bie Deutschen und nur bie Deutschen sind jetzt in der Lage, zu beweisen, daß die Fehlschläge auf konstruktive Fehler, stümperhafte Ausführung oder Unerfahrenheit in der Luftschiffnavigation zurückzuführen sind. Man wird sich selten darüber klar, daß die erfolgreiche Handhabung des Luftschiffes eine K u n st ist, die gelernt sein will. Die technischen Erfolge der Zeppelin-Luftschiffe stehen fest. Die Gegner des Luftschiffes haben seit vielen Jahren immer wieder gesagt, daß Flugzeuge „bald" regelmäßig ben Atlantik überfliegen wurden. Wir warten noch immer auf diese Wunderflugzeuge. Niemand kann der Hoffnung Ausdruck geben, daß sie in diesem oder in den nächsten Jahren kommen werden. In der Zwischenzeit wird der „Hindenburg" in diesem Sommer eine Reihe von Versuchsfahrten zwischen Frankfurt und Neuyork mit Fluggästen ausführen. Der Artikel weist weiter darauf hin, daß die Reise mit dem „Hindenburg" noch etwas billiger sein werde, als mit dem neuen englischen Luxusoampfer „Queen Mary". Aus der. nördlichen Verkehrsstrecke über ben Atlantischen Ozean müsse notwenbiger- weise ein Wettbewerb zwischen bem ßuft« schifsbienst unb ben schnellsten Luxus - bampfern ber Welt eintreten. Der „Hinbenburg" bürste bie Reise zwischen Englanb unb Amerika in etwa ber halben Zeit eines Dampfers machen. Vom Stanbpunkt ber Sicherheit könne man in ber Wahl zwischen Flugzeug unb Luftschiff nicht im Zweifel sein. Kein Flugzeug sei bisher gebaut worben, bas auch nur eine halbe Stunbe in einem Sturm über bem Atlantischen Ozean sich aufhalten könnte, wenn ber Motor versagt. Das Luftschiff bagegen könne sicher, wie bie Fahrt bes „Hinbenburg" wieber gezeigt habe, wenn auch langsamer, seine Reise fortsetzen, selbst wenn mehrere Motoren versagten. Oer Prozeß um das Berliner Baugrubenunglück. Im Prozeß um bas Baugrubenunglück in der Hermann-Goring-Straße wurde die Vernehmung ber beiden leitenden Angestellten der Berlinischen Ballgesellschaft, bes Direktors Hoffmann unb seines Bauleiters, Diplomingenieur Fritz Noth, fortgesetzt. N o t h , ber am 13. Dezember 1934 mit ben Rammarbeiten begann, betonte, daß die ihm vorgelegten Rammpläne erst nach Beginn der Arbeiten angefertigt worden seien. Er habe nach Skizzen gearbeitet, auf denen jeweils nur Teilabschnitte eingezeichnet waren. Auch Hoffmann will diese Pläne erst nach Beginn der Arbeiten gesehen haben. An den Besprechungen über die Projektänderungen hat er seit dem 1. April 1935 teilgenommen. Keiner habe in ber Projekt- änberung eine Gefährbung bes Bauwerkes gesehen. Hoffmann ist in ber Zeit vom 16. August bis zum Einsturz am 20. August nicht mehr aus ber Baustelle gewesen. Er wies barauf hin, baß er zu gleicher Zeit bie Oberaufsicht über 14 oerschiebene Baustellen seiner Firma auszuüben gehabt habe. Bei bieser Arbeitsbelastung sei es ihm unmöglich gewesen, sich auf ber einzelnen Baustelle um alle Einzelheiten zu kümmern. In ber Hermann-Göring-Straße habe er sich barauf verlassen müssen, baß von seinem Bauleiter Noth alle für bie Sicherheit ber Baugrube erforberlichen Vorkehrungen getroffen würben. Das allgemeine Interesse am Verhandlungsverlauf steigerte sich, als ber Zustand des verwendeten Steifenmaterials erörtert wurde. Noth gab zu. daß altes Material ans dem Bauabschnitt Tieckstraße genommen worden ist, meinte aber, es sei gut gewesen. Tue Verhandlung wurde dann vertagt, vom Führer begnadigt. Der Führer und Reichskanzler hat die durch das Urteil des Schwurgerichtes in Frankfurt o. d. O. gegen den 1892 geborenen Franz Klaus aus Fürstenwalde wegen Mordes ausgesprochene Todesstrafe im Gnadenwege in lebenslange Zuchthaus ft rofe umgewandelt. ..Graf Zeppelin" vor der südamerikanischen Küste. Auf der zweiten Südamerikafahrt hat „G r a f Zeppelin" rasche Fahrt gemacht. Das Luftschiff stand heute, Donnerstag, um 8 Uhr früh nur noch 265 km nördlich des der südamerikanischen Küste vorgelo^srLkn St.-Paul-Felsens. Das dritte Flugzeugschleuderschiff der Lufthansa. In Kiel lief ein S p e z i a l s ch l e u d e r s ch i f f für den Luftpostdienst im Südatlantik, auf der Ho- woldt - Werft vom Stapel. Bekamttlich führt die Lufthansa seit dem Frühjahr 1934 einen ständigen Luftpostdienst Deutschland—Südamerika durch, der in den zwei Jahren reibungslos vonstatten ging. Bisher verfügte die Lufthansa über zwei Schiffe, „Westfalen" und „Schwabenland". Da die „Schwabenland" nach gründlicher Ueberholung demnächst probeweise für den Nordatlantikverkehr eingesetzt werden soll, war der Bau dieses dritten Stützpunktes notwendig geworden. Das neue Schiff, die „Ostmark", ist bei einer Länge von 74 Meter nur 2000 Tonnen groß und stellt eine Spezialkon- struktion als Flugzeugschleuderschiff dar. Den größten Raum auf dem Oberdeck nimmt die von den Heinkel-Werken konstruierte und von den Howaldt-Werken gebaute Schleudervorrichtung ein. Auf dem Deck steht ein großer Kran zur Aufnahme der Flugzeuge. Zwei Dieselhauptmotoren mit 900 PS verleihen dem Schiff eine Geschwindigkeit von 15 Seemeilen. Direktor Tradt von der Howaldt-Werft sprach Begrüßungsworte. Seine Rede klang aus in ein Treuebekenntnis zum Führer. Nach den deutschen Hymnen hielt Staatsrat Dr. h. c. von Stauß die Taufrede. Den Taufakt vollzog Frau Elise Knoll (Berlin), die Frau eines Werkangestellten der Lufthansa, Mutter von elf Kindern. Der INaibaum für die Reichshauptsiadt im Warndt gefällt. Der deutsche Warndt, jenes heiß umstrittene Gebiet an der äußersten Grenze des Saarlandes, das wegen seiner reichen Kohlenfelder von Frankreich so stark begehrt war, aber am Abstimmungstage ein überwältigendes Bekenntnis zu Deutschland ablegte, stellt in diesem Jahre den großen M a i - bäum für die Reichshaupt st ad t. Forstleute haben in unmittelbarer Nähe der deutschfranzösischen Grenze eine prächtige Fichte von 45 Meter Höhe, 65 Zentimeter Durchmesser und einem Gewicht von etwa 120 Zentner ausgesucht. Der Riese hat bereits ein Alter von 120 Jahren. Bor zahlreichen Vertretern der Partei und sonstigen Volksgenossen hielt Forstassessor Sieberger, bevor der Baum gefällt wurde, eine Ansprache. Die Fichte soll die Verbundenheit der südwestdeutschen Grenzmark mit dem Deutschen Reich bekunden, aber auch als Zeichen der Verbundenheit zwischen Stadt und Lanv gelten, die gemeinsam friedliche Aufbauarbeit leisten wollen. Drei Volksgenossen aus dem Saarland begleiten die Fichte zur Reichshauptstadt und werden bis zum Schluß des Nationalfeiertages dort bleiben. Rheindampfer gerammt und gesunken. Der in Duisburg beheimatete Schleppdampfer „Oskar W a l d t h a u f e n" wurde oberhalb der Neußer Rheinbrücke von einem Dampfer der Nep- tun-Küstenschiffahrts-Gesellschast gerammt. Das Schiff erhielt ein Leck und begann zu sinken. Die drei Schleppkähne trieben ab, wobei der havarierte Dampfer auch noch auf der anderen Seite beschädigt wurde. Auch der Neptun-Dampfer wurde stark mitgenommen. Feuerlöschboote eilten mit Motorpumpen zu Hilfe. Der gesunkene Dampfer ragt noch mit dem Oberdeck aus dem Wasser. Die Besatzung konnte in Sicherheit gebracht werden. Hinrichtung der Garreler Mörder. Die Justizpressestelle in Oldenburg teilt mit: Der 29jährige Karl B e b e r n und die 33jährige Antonia Thedlck, geborene Kemper, beide aus Garrel in Oldenburg, Die vom Schwurgericht in Oldenburg am 4. Dezember 1935 wegen gemeinschaftlichen Mordes zum Tode und zu lebenslänglichem Ehrverlust verurteilt worden sind, wurden heute früh im Hofe der Gefangenenanstalt in Vechta hingerichtet. Beide haben nach langen, reichlichen lieber« legungen und kaltblütigen Vorbereitungen den Ehemann der verurteilten Thedick am 25. August 1935 in Garrel auf grausamste Weise umgebracht, weil er ihrem ehebrecherischen Verhältnis im Wege stand. Große Diebstähle in einer böhmischen Radiumgrube. In den Radiumgruben von Joachimsthal in Böhmen ist eine Untersuchung eingeleitet worden, da man auf große Diebstähle von Radium und Uranerde gekommen ist. In den letzten acht Jahren ist außer Radium im Werte von über eine Million Kronen auch Uranerde im Werte von mehreren hunderttausend Kronen verschwunden. Die Gendarmerie, die seit Jahren nach dem Dieb suchte, hat nun dieser Tage einen Mann angeholten, Der Radiumchlorid verkaufte. Dabei kam man auf die Spur des eigentlichen Täters. Unter dem Verdacht des Diebstahls wurde der 32jährige Angestellte der Grube Julius Budda verhaftet. Ferner wurden drei weitere Personen unter dem Verdacht der Mittäterschaft bzw. des Weiterverkaufs des Radiums festgenommen. Bei den Verhafteten wurden vier Milligramm Radium im Werte von 5000 Kronen vorgefunden. Rettung vor dem weihen Tode. Dieser Tage wurde auf dem Hochkönig in den Salzburger Alpen der Rechtsanwaltanwärter Dr. Zinker aus Salzburg von einer Lawine überrascht und verschüttet. Es gelang ihm, den Kopf aus den Schneemassen freizubekommen. In dieser furchtbaren Lage blieb er 24 Stunden. Erst am nächsten Abend wurden seine Hilferufe von einer Touristengruppe gehört, die ihn aus den Schneemassen befreite und in Sicherheit brachte. Sieben Todesopfer beim Absturz eines italienischen Verkehrsflugzeugs. Das fahrplanmäßige Verkehrsflugzeug auf der Strecke Turin—Mailand ist ab gestürzt. Die sieben Insassen wurden getötet. Sechs von ihnen sind Italiener, der siebente ein Schweizer namens A n - deregger. Das Unglück ereignete sich unweit von Chivasso bei dem Oertchen Lanzo-Taronise. Der Bordfunker hatte noch mitgeteilt, daß das Flugzeug in starken Nebel geraten sei und deshalb blind fliegen müsse. Das Flugzeug, das bei dem Nebel und dem starken Sturm keine Notlandung vornehmen konnte, war anscheinend von dem sonst üblichen Weg abgeirrt, dabei gegen einen Hügel gestoßen und zertrümmert worden. 54 Tote beim Grubenunglück von Fukuoka. Bei dem gemeldeten Grubenunglück von Fukuoka in Japan sind 82 Bergleute verunglückt. Von diesen wurden 54 getötet und 28 schwer verletzt. Kunst und Wissenschaft. 60. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. In Berlin eröffnete Geheimrat L e x e r die 60. Tagungder Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Der Vorsitzende gedachte in seiner Eröffnungsansprache der Entwicklung der deutschen Chirurgie seit Gründung der Gesellschaft sowie der Toten der deutschen Chirurgie im vergangenen Jahre. Nach einem dreifachen Sieg-Heil auf den Führer überbrachte Dr. Grote (Berlin) die Grüße des Reichsärzteführers. Dohltätigkeitskonzert deutscher Künstler in Sofia. Die Sängerin Maria Müller von der Berliner Staatsoper gab in Sofia ein Wohltätigkeitskonzert, zu dem u. a. zahlreiche hohe Staatswürdenträger erschienen waren. Die Künstlerin, die von Dr. Hal- lasch von der Münchner Oper begleitet wurde, hatte einen großen Erfolg und wurde von dem überfüllten Haus immer wieder stürmisch gefeiert. Die Gesellschaft für soziale Hilfe, die unter der Schirmherrschaft der Gattin des früheren Ministerpräsidenten L i a p t s ch e f f steht, sprach der Künstlerin, die den gesamten Reinertrag des Konzerts für die Unterstützung armer bulgarischer Kinder zur Verfügung gestellt hatte, Dank und Anerkennung aus. Die Künstler begeben sich anschließend nach Belgrad. Nur ein kleines Beispiel. *WPD. Nur ein kleines Beispiel dafür, vor welche Aufgaben der Nationalsozialismus in der praktischen Förderung und dem Wiederaufbau des Handwerks und Handels gestellt worden ist, gibt das Friseurhandwerk: Schon bald nach dem Kriege wurde der Kurzhaarschnitt in Deutschland modern, so daß das Friseurhandwerk in der Zeit von 1925 bis 1931/32 eine Hochkonjunktur erlebte. Dies führte u. a. dazu, daß mancher, bei dem es zu etwas anderem nicht reichte, sich dem Friseurberuf zuwandte und hier infolge des Fehlens jeglicher Voraussetzung für Die Führung und Eröffnung eines Betriebes nach kurzer AusbilDungs- zeit einen LaDen aufmachte. Allein in Den acht Jahren von 1925 bis 1933 vermehrte sich Die Zahl Der Betriebe unD Der beschäftigten Personen Des FriseurhanDwerks um r u n D 7 0 v. H. — Als jeDoch Die Haarwaschmittel unD Die Rasierapparate mit Der Zeit verfeinert murDen, unD als außerdem Die Krise Das Arbeitseinkommen von Jahr zu Jahr sinken ließ, ging auch Der Umsatz Des FriseurhanDwerks von seinen runD 400 Millionen Mark im Jahre 1928 bis 1933 auf 220 Millionen Mark zurück, D. h. Die N o t Des einzelnen Friseurs nahm von Monat zu Monat z u, Denn Der auf Die Hälfte eingeschränkte Umsatz verteilte sich auf fast Die Doppelte Betriebszahl. Dieses Beispiel veranschaulicht mit einer Deutlichkeit, wie wir sie uns nicht besser wünschen können, Das Versagen Der Wirtschaftspolitik im alten Systern, und ähnlich wie es in diesem Falle Dem FriseurhanDwerk ergangen ist, war es in Den meiften anDeren Hand- werkszweigen auch. Der Nationalsozialismus hat Dieses Erbe übernommen unD sich in Den vergangenen Drei Jahren bereits mit Erfolg Daran gemacht, im HanDwerk DrDnung zu schaffen. Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, Leistungswettbewerbe, Lieferungsgenossenschaften usw. werben nach Kräften Die Folgen dieser Fehlentwicklung in Der liberalistischen Epoche durch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen aller Art ausgleichen bzw. haben es bereits getan. Wesentlicher ist jedoch. Daß durch die Handwerksgesetzgebung für die Zukunft verhindert wird, daß sich ähnliche Fälle ereignen. Von dem, Der heute einen Handwerksbetrieb eröffnen will, wird verlangt, daß der sowohl im eigenen Interesse, als auch in dem Interesse seines Standes und Der ganzen Volkswirtschaft Die Meisterprufung beftanDen hat. UnD für Die Zulassung zur Meisterprüfung ist wieDerum eine ordentliche Lehre und Die Ablegung der Gesellenprüfung Die Voraussetzung. Geheimhaltung der japamslhen Slotfenbaulen. London, 16. April. (DNB. Funkspruch.) Der Flottenkorrespondent Des „Daily Telegraph meldet, Daß Japan anscheinenD nicht beabsichtige, Den Bestimmungen Des neuen Londoner Flöt- tenoertrages für Den Meinungsaustausch über Schiffsneubauten nachzukommen. Die japanische Regierung habe beschlossen, alle neuen Flottenbauten in Zukunft streng geheim z u h a l t e n. Das japanische Parlament werbe nur noch von Den Tonnageziffern, jeDoch nicht mehr wie früher von Den Geschützkalibern, Den Zeitpunkten Der Kiellegung unD Fertigstellung sowie anderen technischen Einzelheiten unterrichtet wer- Den. Auch Die Veröffentlichung von Mitteilungen über Die Flottenbauten in Der Presse sei streng verboten worDen. Weiterbericht des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. Die in Den letzten Tagen beobachtete Wärmezunahme bzw. Der Damit oerbunDene Luftdruckfall hatte zur AusbilDung einer stärkeren Tiefdruck- ftörung über Dem FestlanD geführt. Er begünstigte einen raschen Vorstoß Der über England Vorhand^ nen Kaltluft, so Daß es im Verlaufe Des Mittwoch vor allem in SüDwest- und in WestdeutschlanD zu verbreiteten Gewittern unD vielfach auch zu recht ergiebigen NieDerschlägen kam, Die teilweise von heftigen Böen begleitet waren. Im Bereich Der zuftrömenDen Kaltluft setzt sich Die Abkühlung weiter fort. Der Gesamtcharakter Der Witterung bleibt auch weiterhin recht unbeftänbig. Aussichten für Freitag: Veränderlich mit häufiger Aufheiterung, aber auch einzelnen Niederschlägen, bei lebhaften westlichen Winden zunächst weitere Abkühlung. Aussichten für Samstag: Fortdauer der wechselhaften Witterung, tagsüber wieder stärkere Wärmezunahme. Lufttemperaturen am 15. April: mittags la,8 Grad Celsius, abends 11 Grad; am 16. April: morgens 9,9 Grad. Maximum 17 Grad, Minimum heute nacht 3,2 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 15. April: abends 11,2 Grad; am 16. April: morgens 8,3 Grad. — Sonnenscheindauer 0,7 Stunden. — Niederschläge 3,5 mm. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertretender Hauptschriftleiter: Ernst Blumfchein.. Verantwortlich für Politik und für die Bilder in Vertretung: Ernst Blumschein; für Feuilleton Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. 2).21. III. 36:' 10270. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts- Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit Der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. int molil. Zimmer In tiefer Trauer: Wieseck, Kinzenbach, Rödgen, Die Beerdigung findet Freitag, den 17. April, nachmittags 2 Uhr vom Trauerhause, Wieseck. Philosophenstraße 20, aus statt 2449 D Wolkengasse 2441 A Ecke Bahnhofstraße, Tel. 3403 Danksagung. 2430 D Gastwirtschaft be Werbe-Drucksachen KAISERS KAFFEE ...und zum Bauen Für das Amtsgericht Gießen: Karle, Ortsgerichtsvorsteher. Für die zahlreichen Beweise aufrichtiger Liebe und Teilnahme, die uns beim Heimgange unseres teuren Entschlafenen erwiesen wurden, sagen wir allen unseren innigsten Dank. Elisabeth Roth Familie Ludwig Steinmüller Familie Heinrich Roth Familie Karl Volk Liselotte Roth und alle Angehörigen. Großen-Buseck, den 16. April 1936. Junge, gute Milchziege (Erstlingsziege) zu verkaufen. Heinrich Webei Langsdorf. Vornehm! Geschmackvoll! Persönlich! Diese wesentlichen Eigenschaften der guten Familien - Drucksache bietet Ihnen In zahlreichen neuzeitlichen Aus- führungsarten und Papieren zu mäßigen Preisen Brühl'sche Druckerei, Schulstr. 7, Ruf 2251 Befrag der Schätzung. . Einheitswert (1.1.35) . . In dem Anwesen wird eine trieben. Gießen, den 9. März 1936. gesucht in gutem Haus, p. 1. Mai. Ang. u.k. 0.4612 art Wetra*, Agent. Darmstadt. 2443V Kaufmann mit eig. Wag. übern. Vertretung ob. Auslieferungslager für Gießen u. Umgebg. Kaution k. gestellt werd. Oss. unt. Nr. 3132 an Germer & Wagner, Gießen, Neuenweg 50. 24«v Zwangsversteigerung. 60% Arn Montag, dem 4. Mai 1936, vormittags 9 Uhr, wird tm Amtsgerichtsgebäude in Gießen, Zimmer Nr. 221, das dem 2431D Buchdrucker, jetzigen Gastwirt Hans hemstege in Gießen | Empfehlungen | Bich.-Dartenpiost. rund und kantig Bich.-Schwarten Eich.-Brennhols kurz oder lang weg. Mangel an Raum billig abzugeben. 2060D J. Wellhöfer Sägewerk Marburg.Str.24 (GeridHshaare) Damenbarl u.al.läst.Haarew. uurd.dievonmn angew.,einz.fich. Meth. unt. Gar imm.mitd.Wurz. 'chmerzl.entferni Frau B. Gulden. Sprechstd. leüen .Freitag,Gießen, Alicenstratze40v |9~7 Ubr durchg Im Namen aller Hinterbliebenen: Amalie Adler, geb. Frick. Großen-Buseck, im April 1936. Stummel Gießen. 2331D Freit., 17. 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DER VORSTAND. 2435D ttr.89 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)Donnerstag, si>.ApriIMb machung in Serbien und Rußland von Ellerbrock in Kamina ausgenommen wurden, da wußten die Funker, daß jetzt die verantwortungsvollste Ausfall einen Ausgleich zu finden. Solange das Kompensationsgeschäft den Welthandel beherrscht, wird dies allerdings auch kaum gelingen, weil die großen Baumwolloerbraucher der Welt ebenso wie die Vereinigten Staaten Industrieländer sind und daher mit ihnen nur beschränkte Austausch- Möglichkeiten besitzen. Jedenfalls wird durch die Erfahrungen der Amerikaner in der Baumwollerzeugung bewiesen, daß die von der Chemie ausgehenden revolutionären Umwälzungen der Weltwirtschaft durch die heute üblichen Formen des zwischenstaatlichen Warenaustausches eine keineswegs wünschenswerte Schärfe bekommen. Im Hinblick darauf aber liegt es im Interesse der Menschheit, daß der Welthandel möglichst bald von seinen heutigen Fesseln befreit wird, zumal die Naturwissenschaften noch lange nicht ihre weltwirt- wie früher. Daneben wird jedoch noch die Schifffahrt benachteiligt, die bisher den Rohgummi in die Verarbeitungsländer und die fertige Ware von dort wieder in die Verbrauchsländer befördert hat. Eine nicht minder große Wirtschaftserschütterung verbirgt sich hinter der Erfindung der chemischen Düngung. Daß sie uns nicht durch äußere Störungen fühlbar geworden ist, ist vermutlich nur darauf zurückzuführen, daß ihre allgemeine Verbreitung sich über Jahrzehnte erstreckt hat und durch unsere gleichzeitige starke Bevölkerungsoermehrung und die ihr zu dankende Steigerung unseres Nahrungsverbrauches gemildert worden ist. Jene Errungenschaft hat es uns nämlich ermöglicht, in den letzten fünf Jahrzehnten unsere landwirtschaftliche Erzeugung um 50 bis 100 v. H. zu steigern, während in den Jahren von 1885 bis 1905 die Bevölkerung Deutschlands von 36 auf 60 Millionen Menschen gestiegen ist, sich also fast verdoppelt hat. Wenn es der Chemie damals nicht gelungen wäre, unsere Ernährungsgrundlage durch Verbesserungen der Düngung zu verbreiten, dann hätten wir unsere Ausfuhr zum Bezug ausländischer Nahrungsmittel noch mehr, als es geschehen ist, entwickeln müssen und wären dadurch entweder mit anderen Industriestaaten auseinandergeraten oder wir hätten einen großen Teil unseres Bevölkerungszuwachses durch Auswanderung an das Ausland abgeben müssen. Die chemische Düngung hat also in den letzten 50 bis 100 Jahren einen zwar verborgen gebliebenen aber doch entscheidenden Einfluß auf den Verlauf unserer Geschichte und derjenigen Europas gehabt. Heute im Zeitalter des Kompensationsgeschäftes müssen allerdings solche Fortschritte, zu denen z. V. auch die vorungefähr lOOJahren erfolgte Verdrängung des Rohrzuckers durch den Rübenzucker gehört, die davon betroffenen Länder, und zwar sowohl als Lieferanten wie als Abnehmer, wenn es sich um so wichtige Bedarfsgegenstände wie den Zucker handelt, in geradezu' katastrophale Lagen bringen, weil es bei jener Form des unmittelbaren Warenaustausches weit schwerer als beim früheren Ringtausch ist, etwaige Ein- und Ausfuhrausfälle auszugleichen. Das würde sich zeigen, wenn es z. B. plötzlich gelänge, das synthetisch gewonnene Benzin zum Preise des natürlichen herzustellen. Welche Umwälzungen würden dadurch allein in der Tankschiffahrt herbeigeführt werden! Ihre Schiffe würden dann nämlich zum größten Teil wertlos werden, weil alle Kohlenländer als Bezieher ausländischen Oeles ausfielen. Wie stark aber durch solche Neuerungen der Welthandel umgestaltet wird, hat die Entwicklung gezeigt, die der Markt des der Herstellung der blauen Farbe dienenden Indigos durch die Entdeckung der Anilinfarben genommen hat. Während Deutschland bis zum Jahre 1895 aus Indien jährlich rund zwei Millionen Kilogramm dieser Pflanze im Werte von 21 Millionen Reichsmark bezogen hat, ist ihre Einfuhr seitdem immer geringer geworden und hat im Jahre 1906 völlig aufgehört. Dafür hat Deutschland im Jahre 1898 bereits für 7,5 Millionen Reichsmark an blauem Farbstoff ausgeführt und diese Menge bis zum Jahre 1906 auf 31,6 Millionen Reichsmark gesteigert. Wenn man sich vorftellt, daß der größte Teil dieser Summen Arbeitslohn ist, dann muß man zugeben, daß solche Umschichtungen allein für die davon betroffenen Arbeitsmärkte von geradezu revolutionärer Bedeutung sind. Wir haben augenblicklich Gelegenheit, einen Beweis für diese Behauptungen mit eigenen Augen auf dem Baumwollmarkt der Vereinigten Staaten von Amerika zu beobachten. Die Nachfrage nach diesem Erzeugnis ist nämlich geradezu in katastrophaler Weise nicht nur durch die Erschließung neuer Geriete für den Baumwollanbau, Eine Funkstation reist durch die Feindsperre. Da die Kabelverbindungen den Deutschen verschlossen wurden, fielen dem Funkverkehr die größ- ten Aufgaben zu. So war es von besonderer Be- deutung, in dem damals noch neutralen Amerika eine große Gegen st ation zu besitzen. Im Dezember 1914 wurde der alte Hochsrequenz-Maschi- nensender mit 120 Kilowatt Antennenleistung in seine Bestandteile zerlegt. Viele kleine Kisten nahmen ihren Weg nach einem Hafen, wo sie als „M aschinenteile für Amerika" eingeschifft wurden. Am Rande des Eismeeres entlang nahm der Dampfer mit der wertvollen Fracht den Weg nach Lang Island. Im Mai 1915 stand der Maschinensender aus Nauen in der Funkstation Say- ville, und der Gegenverkehr riß nunmehr nicht mehr ab. Für die feindlichen Schiffe wäre dieser Sender eine willkommene Beute gewesen. Legende vom gefälschten Funkspruch. Im September 1917 wurde jener Funkspruch an „LZ 5 9" gesandt, der die Mitteilung brachte, daß Lettow-.Vorbecks Ostafrikakämpser auf portugiesisches Gebiet übergetreten seien. Das Luftschiff kehrte daraufhin in der Gegend von Khartum um. Um diesen Funkspruch haben sich viele Legenden gebildet, es wurde behauptet, daß ein feindlicher Sender einen gefälschten Befehl an „LZ 59" gesandt habe, um die Versorgung Lettow-Vorbecks mit Medikamenten und Waffen zu unterbinden. „Wir waren selber zugegen, als der Funkspruch über (Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) Vor 30 Jahren — im April 1906 — wurde im havelländischen Luch die Versuchsstation Naüen für den drahtlosen Telegraphieoerkehr eingerichtet. Oberingenieur Hermann Neumann, der das Werden der Funkstation von der Holzbaracke bis zur Weltstation selbst miterlebt hat, erzählte unserem H. D.- Mitarbeiter interessante Einzelheiten. Aml8.10.1913-mittagSlLlhrMEZ. Das alte Tagebuch der Funk st ation Nauen weist die Eintragungen vieler in die Welt hinausgegangener historischer Funksprüche auf, teils funktechnisch Meilensteine einer neuen Entwicklung — teils von weltpolitischer Bedeutung. Eines jener Telegramme, die eine neue Aera im Welt- nachrichtendienst bedeuten, ist unter dem 18. Oktober 1913 um 1 Uhr nach mitteleuropäischer Zeit im Tagebuch von Nauen eingetragen. Dieses Telegramm wurde der Funkstation Sayville auf Lang Island (USA.) übermittelt: Dieses „Telegramm in der Mittagsstunde" eröffnete den regelmäßigen Funkverkehr von Erdteil zu Erdteil über 6300 Kilometer Entfernung zu jeder Tages- und Nachtzeit. Tage und Wochen waren früher die auf den Dampfern über die Weltmeere reisenden Menschen vom Geschehen in der großen Welt abgeschlossen. Als sich der Dampfer „Cap Trafalgar" auf seiner Jungfernfahrt nach Buenos Aires befand, funkte ihm Nauen alle paar Stunden die neuesten Tagesnachrichten zu: die erste drahtlose Bord- zeitung war geboren! Jeder Funkspruch wurde zuverlässig empfangen, 9000 Kilometer Entfernung bildeten kein Hindernis mehr. In den letzten Iulitagen 1914 ... „Im Sommer 1914 hatten wir in Nauen gerade den Probebetrieb mit tier auf afrikanischer Erde befindlichen deutschen Großfunkstation Kamina in Togo ausgenommen", so erzählt Oberingenieur Hermann Neumann, der damals Betriebsleiter von Nauen war, „da erschütterte im Juni die Nachricht von der Ermordung des österreichischen Thronfolgers die Welt. Die Funksprüche, die wir an unsere afrikanische Gegenstation Kamina sandten, wurden immer bedrohlicher. An der Morsetaste in Nauen saß der. Funkbeamte Heck, in Kamina nahm die Nachrichten der Beamte August Ellerbrock auf. Als in den letzten Julitagen 1914 die Funksprüche von der Mobil- gesperrt werden — Nauen mußte die große Stimme Deutschlands an alle werden! Am 31. Juli 1914 zeigt das Tagebuch von Nauen die historische Eintragung: „2. August ist erster Mobilmachungstag!" EQ. warnt über alle Meere. Die riesige Bedeutung der Funkstation Nauen wurde allen Funkern klar, als die Morseverbindung mit dem Haupttelegraphenamt in Berlin und mit dem Großen Generalstab hergestellt wurde, als Militär mit Feldgeschützen und Maschinengewehren die Bewachung der Funkstation übernahm, und als unablässig die Funksprüche mit den Buchstaben: „CQ" — Funksprüche an alle — in den Aether hinausgesandt wurden: „Krieg ausgebrochen mit Frankreich und Rußland!" — „Krieg mit England!" Die deutschen Schiffe auf allen Meeren der Welt, die deutschen Menschen an den entlegensten Stellen des Erdballs erhielten diese erschütternde Mitteilung durch Nauen. Und sie erfuhren auch von Deutschlands Siegen bei Lüttich und bei Tannenberg durch Deutschlands Stimme zur Welt: Nauen war Kämpfer geworden gegen die Greuellügen der Fein>- mächte! Funksprüche, die die Wett bewegten 30 Jahre Funkstation Nauen. — „Telegramm in der Mittagsstunde' eröffnet den Weltverkehr. -„USA. antwortet nicht!" Politische und wirtschaftliche, durch wissenschaftliche Entdeckungen yerbeigeführte Umwälzungen unterscheiden sich dadurch von einander, daß die ersteren als Revolutionen schlagartig einsetzen, während sich die letzteren schrittweise ausbreiten. Deshalb sind ihre Rückwirkungen auf das Leben der Völker jedoch nicht geringer als die politischer Revolutionen. Um das zu erkennen, brauchen wir uns nur der Erfindung d e r S ch r i f t und dann derjenigen der Buchdruckerkunst und ihres Einflusses auf die Gestaltung der menschlichen Geistestätigkeit zu erinnern. Es gibt nicht viel Ereignisse, die sie so revolutioniert haben wie gerade diese Entdeckungen. In dieser Beziehung lassen sich ihnen höchstens die Errungenschaften der modernen Naturwissenschaften, insbesondere der C h e m i e an die Seite stellen. Gerade die hat nämlich der Menschheit eine ganze Anzahl von Neuerungen gebracht, die im Laufe von Jahren ganz bedeutende Umschichtungen im Welthandel verursacht haben und die uns deshalb dazu berechtigen, sie als eine weltwirtschaftliche Revolutionärin zu bezeichnen. Dafür seien hier einige Entdeckungen angeführt, die entweder in der Natur gefundene Rohstoffe durch synthetische ersetzt haben oder im Begrifs sind, es zu tun, oder die die landwirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Länder so gesteigert haben, daß sie sich in ihrer Ernährung vom Auslande haben unabhängig machen oder wenigstens ihre Nahrungsmitteleinfuhr trotz starker Be- oolkerungszunahme nicht in dem ihr entsprechenden Umfange haben zu steigern brauchen. Bevor wir auf die wirtschaftsrevolutionäre Bedeutung solcher Erfolge menschlicher Forschertätiq- keit eingehen, sei zunächst zum Verständnis dieser Zusammenhänge darauf hingewiesen, daß der Welthandel, da Einfuhr nur mit Ausfuhr bezahlt werden kann, ein zwischenstaatlicher Warenaustausch und nicht Warenein- und -verkauf gegen Geld ist. Daß viele Leute sich dieser Tatsache nicht bewußt sind, ist darauf zurückzuführen, daß in der Vorkriegszeit die Einkäufe eines Staates in anderen Ländern durch Ueberweifungen von Geld dorthin bezahlt worden sind. Das ändert jedoch nichts daran, daß die damaligen Warenkäuse in ihrem Wesenskern nichts anderes gewesen sind als die heutigen Kompensationsgeschäfte. Von ihnen unterscheiden sie sich lediglich dadurch, daß diese zwischen zwei Staaten unmittelbar abgeschlossen werden, während jene einen durch Geld vermittelten Ringtausch zwischen einer mehr oder minder großen Zahl von Ländern dargestellt haben. Dadurch aber sind die von den großen Entdeckungen der Naturwissenschaften verursachten wirtschaftlichen Umwälzungen auf einen breiteren Raum verteilt und so gemildert worden, daß sie nicht als Revolutionen empfunden worden sind. Daß dieser Ausdruck dafür jedoch keine Ueber- treibung ist, beweist die Entdeckung und wirtschaftliche Herstellung von synthetischem Kautschuk durch deutsche Chemiker. Bereits eine Mitteilung des Führers darüber, auf dem Parteitag 1934, hat in London wie eine Bombe eingeschlagen. Sie genügte damals, um nicht nur die Kautschukpflanzer mit Sorge zu erfüllen, sondern auch um an der Börse von London und Amsterdam bei sonst fester Tendenz zu einem Nachgeben der Gummiwerte zu führen. Das ist auch durchaus verständlich, denn wenn es gelingt, das technisch gelöste Problem der Herstellung synthetischen Kautschuks auch wirtschaftlich zu lösen, dann bedeutet dies bei dem heutigen Gummiverbrauch zunächst für die an seiner Erzeugung beteiligten Länder geradezu eine wirtschaftliche Revolution. Sie verlieren dadurch nämlich mit einem Schlage einen der wichtigsten Aktivposten ihrer Handelsbilanz, wodurch wieder ihre Lieferanten insofern geschädigt werden, als sie schließlich bei Rückgang ihrer Ausfuhr von diesen nicht mehr soviel kaufen können Die Chemie als weltwtnschastiiche Revolutionärin von Dr. Paul Ruprecht sondern vor allem auch durch das Vordringen verschiedener neuer Werkstoffe zurückgegangen. Die yunter, oag jetjt Die verantwortungsvollste ohne daß es bis jetzt gelungen wäre, für diesen s Arbeit für sie beginnen würde: die Kabel würden schaftlichen Revolutionierungsmöglichkeiten erschöpft hoben. Der durch seine Jsotove-Forschungen be« kannte englische Physiker Dr. 21 ft o n hat wenigstens seinen Vortrag bei der vorjährigen Jahrestagung der „British Association", die die führenden Männer der englischen Naturwissenschaften in ihren Reihen vereinigt, nach den „Times" mit folgender durchaus nicht unwahrscheinlichen Prophezeiung geschlossen: „Der Atomphysiker wird Atome umbauen und aufbauen, wie sein älterer Bruder (der Chemiker) Moleküle ld. h. Atomverbände) aufgebaut hat... Ich sehe schon eine Zeit, nicht unmeßbar weit, wo es uns möglich sein wird, je- den chemischen Grundstoff, wo wir wollen und wann wir wollen, synthetisch auf zu - u d u e n." Begegnung Von Otto Gmelin. Die Sonne des Vorfrühlings zittert durch die kühle Luft und macht sie silbern und flimmernd über allen Dingen. Sie wählt nicht, sie kommt über die leeren Felder und in den kahlen Wald und in die wartenden Gärten der Stadt. Sie kommt sogar in jene Ecke der Industriestadt, wo Betonmauern, Baracken und baufällige, lange nicht mehr gestrichene Häuser um Aschenhausen herumstehen und sich kein Mensch um sie kümmert, weil alle Menschen dort sorgenvoll oder hastend und stumpf vorbeirennen. Sie tanzt um die Lastautos, die lärmend vorüberrattern, und glänzt auf den öligen Lachen mit bunten Farben. Es ist um die Mittagszeit. Die Aschenhöfe und die Straße an der Betonmauer sind von der Sonne umhaucht. Da kommt ein kleines Wesen aus der Lücke der zerbröckelten Mauer. Es ist ein junges, graugetigertes Kätzchen. Es sieht erbärmlich aus, zart und mager, daß man die Backenknochen her- vorstehen sieht wie bei alten Mähren. Sein Fell ist schmutzig, struppig, verklebt und stellenweise mit Ausschlag bedeckt. Es ist ein häßliches Tier: es geht nicht leicht und federnd, geschmeidig und schön wie seine Verwandten: es ist nichts von jener anmutigen Wildheit des Katzengeschlechtes in feinen Bewegungen. Scheu und müde schleicht es um die Ecke, an 'der Mauer hin, wo die Sonne prall auf die Betonplatten trifft. Dort fetzt es sich nieder, legt den zerzausten Schwanz sorgfältig um die nebenein- «ndergestellten Vorderpfoten und blinzelt mit ganz Ichmalen Augenritzen in die Sonne. Es ahnt das »Glück der Welt, ahnt den Sommer und die Schönheit. 'Die Lastautos poltern vorüber. Das Kätzchen rührt sich nicht. Die Sonne scheint auf sein struppiges Fell und versilbert es. Während das Kätzchen sich in der Mauerecke fonnt, kommt ein anderes kleines Wesen des Wegs daher. Es ist ein kleines Kind, das noch kaum gehen kann. Es humpelt schwerfällig von einem feiner dünnen Beinchen aufs andere. Es trägt ein Mäntelchen, dessen Stoff einmal grau war, aber etzt ist er verschossen, grünlich, abgeschabt und viel- ach mit andersfarbiger Wolle gestopft: das Mäntelchen ist dem Kind zu groß, denn seine Hände kommen kaum aus den Aermeln hervor. Das Kind »ird an der Hand geführt von einem jungen Mann n abgetragenem Anzug. Das Gesicht des Kindes |t grau und aufgedunsen. Seine' Augen sind ohne Tlanz und blicken gleichgültig. Aber plötzlich geht eine Veränderung mit dem 1 Kinde vor: Sein Gesicht erhellt sich: um seine Mundwinkel ist ein Lächeln, in seinen Augen ist ein Strahlen. Es zieht den Mann an der Hand nach der Mauerecke hin. Der Mann will weitergehen, aber das Kind ist beharrlich, es läßt nicht nach, es zieht immer stärker, mit all seiner schwachen Kraft. Der Mann läßt schließlich das Kind los. Mit wackligen Schritten, aber mit sehr bestimmtem Wollen schießt das Kind nach der Mauerecke. Hin zu dem Kätzchen, bis es das Tier erreicht hat. Das knochige kleine Händchen des Kindes arbeitet sich aus dem Mantelärmel und faßt nach xdem Kätzchen. Es streichelt ihm ungeschickt, aber voller Güte den Kopf und über das struppige Fell des Rückens. Das Kätzchen wendet den Kops. Einen Augenblick zweifelt es, was zu tun ist, ob es davonlaufen soll, aber es erkennt die Begegnung, es richtet sich aus, stellt seinen Schwanz hoch und streicht um die wackligen Beine des Kindes mit ganz steilem, sich an der Spitze wohlig windenden Schwanz. Das Kind murmelt Laute. Das Kätzchen beginnt zu schnurren. Der Mann ist weitergegangen, wartet und ruft. Menschen eilen vorüber: sie sehen die beiden kleinen Wesen nicht. Autos mit Eisenftangen rasseln. In der Frühlingssonne begegnen sich zwei Wesen. Deutsche Städte im Bolksmund. Von Dr. Hans Pflug. Die deutsche Volksseele ist unerschöpflich in ihrer schmückenden und deutenden Phantasie. Was steckt nicht alles an feinem Humor und überlegener Lebensweisheit in Sprichwort und Volkslied! Zu allen Zeiten haben es sich die Stämme und (Baue, Stände und Berufe gefallen lassen müssen, in Anekdoten und Menschentypen scherzhaft treffend charakterisiert zu werden. Der schalkhafte Sinn des Volkes hat auch viele Städte zum Gegenstand gutmütigen Witzes und Spottes gemacht. Jedettl werden Beispiele aus seiner Heimat oder von Reisen bekannt sein. Wie vielseitig sich dieser Zug des Volkshumors entfaltet hat, zeigt eine kleine Auslese von Aeuße- rungen des Volkswitzes über deutsche Städte und ihre Bewohner. Wenn die Bewohner eines Ortes Zielscheibe des Spottes sind oder Spitznamen tragen, so verdanken sie diese meist ihren Nachbarn, die dabei oft an eine Eigenart oder ein bezeichnendes Geschehnis anknüpfen. Besonders freigebig sind damit die Bewohner des Badener Landes. Da gibt es die Karlsruher Briganten und Südstadtindianer, die Männ- heimer Blo(Blau)mäuler, die Durlacher Letsche- (Kohl)bäuch' und die Freiburger Doppele. Hier wie bei Nürnberg ist der Name eines bestimmten Menschentyps auf die Bewohner der ganzen Stadt übergegangen. Wenn man die Nürnberger Peterles- buben nennt, so ist in Nürnberg selbst ein Peter- lesbub das, was in Bayern ein Geschaftlhuber oder anderswo ein Hans Dampf in allen Gassen ist, nur das er hier „aus allen Suppen" ist. Oft werden von sprachlichen Zusammenklängen her Scherzworte gebildet, wobei etwa mit Halle nicht sehr zart verfahren wird, wenn man sagt, daß es dort Hallenser, Halloren und Halunken gebe. Die Einwohner der Industriestadt Schweinfurt, die Sonntags nach dem nahen Bad Kissingen fahren, werden dort die Schweinfurter Engländer genannt, weil sie früher oft die Gewohnheiten der Badegäste nachahmten. Benachbarte Städte hängen sich überhaupt gern etwas an. So haben sich Elberfeld und Barmen, die heute als Wuppertal ein Gemeinwesen bilden, früher manchmal gegenseitig geneckt. Auf den ländlicheren Charakter von Barmen anspielend, soll einmal ein fürstlicher Besucher auf der Wagenfahrt von Barmen nach Elberfeld an der Grenze der beiden Städte zu seiner Gemahlin gesagt haben: „Liebe, setz' dich gerade, wir kommen in eine Stadt." Das Verkleinern ist immer beliebt gewesen. Im Ruhrgebiet spricht man von der Großstadt Gelsenkirchen als von Gelsendorf, und die Berliner reden manchmal herablassend von Potsdorf statt Potsdam. Die Berliner sind besonders witzig und schlagfertig, aber sie bekommen in den anderen deutschen Landschaften auch manches ab. Die Bewohner der Reichshauptstadt haben wieder kleinere Städte ihres Umkreises zu Zielscheiben ihres Witzes gemacht. Was hinterwäldlerisch und kleinstädtisch ist, kommt aus Finsterwalde oder Treuenbrietzen. Auch Kott- bus und Buxtehude spielen eine ähnliche Rolle. Calau in der Lausitz muß sich die faulen Witze, die Calauer, zuschreiben lassen. Geradezu berühmt aber wurde Schilda als Heimat der Schildbürger, deren Streiche ein altes Schwankbuch, das Lalenbuch, schildert. Fast jede Landschaft hat wieder ihr eigenes „Schilda". In Westfalen werden ähnliche Dinge den Beckumern nachgesagt, in Franken haftet der gleiche Ruf an dem Städtchen Münnerstadt. In Schwaben aber teilen sich viele Städte in die Schwabenstreiche, wenn auch Ulm den größten Anteil daran und aus dem Münsterdach den Ulmer Spatz hat. Zu Homberg im Schwarzwald ist wirklich einmal eine Veranstaltung ausgegangen wie das „Hornberger Schießen". Auf eine tatsächliche Begebenheit könnte auch der Ausspruch jenes Handwerksburschen zurückgehen, der in Offenbach stolpernd hinfiel, dabei von einem Hunde gebissen wurde und ausrief: „Krie(g) die Kränk', Offenbach! Die Stein' binde' se an, und die Hund' lasse' fe laufe!" Auf seine Heimat Frankfurt hat der Lokaldichter Stoltz e den klassischen Ausspruch geprägt: „Es will mer net in de Kopp enJ, wie kann nor e Mensch net von Frank- fort sei." Weniger liebevoll denken die Frankfurter über andere Städte. Daß nach Kassel alles fünfzig Jahre später komme, ist mit einer Frankfurter Anekdote verknüpft. Die Redensart „Ab nach Kassel", heute noch häufig gebraucht, geht wohl auf die Ge- fangensetzung Napoleons III. in Wilhelmshöhe zurück. Bei manchen Städten heftet sich der Volkswitz an stadtbekannte Originale oder Lokalgrößen. Was Tünnes und Scheel für Köln find, sind Ephesus und Kupille für Kassel, ist der Fischer-Matthes für Trier. Eulenspiegel hat in vielen niederdeutschen Orten seine Spässe getrieben, keine Stadt aber ist mit ihm so verbunden wie Braunschweig, das ihn mit einem Denkmal ehrte. Auch Dichter haben in ihren Werken Menschentypen und Volkscharakter einer Stadt unübertrefflich gezeichnet. Der Eckensteher Nante verkörpert ein Stück Urberlinertum, und Darmstadt hat den unsterblichen Datterich. Mancher Scherz knüpfte auch an Städtenamen an, wie die Frage nach der Zahl der Pole. Die Antwort lautet: Es gibt drei Pole, den Nordpol, den Südpol und dann ist noch a Pol da — nämlich Apolda in Thüringen. (Au weh!) Keine Stadt ist vom Volkswitz verschont geblieben, wenn es auch nicht bei allen einen so pathetischen Spruch gibt wie bei Bitterfeld, wo sich alljährlich an der Kreuzung wichtiger Handelsstraßen die Kaufleute vor der Leipziger Messe trafen: „Sehn wir uns nicht in dieser Welt, so sehn wir uns in Bitterfeld." Eine berühmte tthr schlägt wieder. Eines der bekanntesten Wahrzeichen Venedigs ist die Uhr auf dem Marcusplatz, die von zwei Mohren- geftaüen eingefaßt ist. Das Kunstwerk ist im Jahre 1497 entstanden, und seitdem verkündeten seine Glockenschläge mit unübertrefflicher Genauig- feit den Stundenlauf. Vor einigen Monaten versagte der Mechanismus zum erstenmal, und die Bevölkerung Venedigs vernahm nicht mehr den so gewohnten Klang. Jetzt ist es endlich nach langwierigen Untersuchungen gelungen, die kostbare Uhr wieder in Gang zu bringen, so daß sie wieder die Zeit anzeigt, wie seit fast viereinhalb Jahrhunderten. Ganz Venedig nimmt an diesem Ereignis teil und freut sich der Mittagsstunde, in der die 12 großen Hammerschläge auf die Glocke ertönen. , LPD. Mainz, 15. April. Am Dienstag begann I r bereits angekündigte Strafprozeß gegen die Bei lebendigem Leibe verbrannt. LPD. Weilburg, 15. April. An vormittag kam die Ehefrau Marie B 15. April. Am Dienstag- Wirtschaft Votum 14.4. 144. 15.4. 5!139,25 Philipp Holzmann .... Zementwerk Heidelberg Cementwerk Karlstadt.. 112,75 112 Vanknoten. «I 200 i 7 s 5 6 7| s! lichen lautet gegen 230 123 86,5 20,25 130,4 130,5 187 165,5 229,5 110 128 119,5 50,25 84,13 131,5 93 104,4 170 36,75 342 186 179,25 139,75 129,4 230 123,25 86,4 20,25 130,25 128,5 188,5 165,25 110,5 128 122 140,5 129,5 230 123,9 86,75 20,65 129,5 127,5 189 30,13 198 51 85 131 93 105 170,5 36,75 342 186,5 180,25 165 229,5 110,13 127,75 122 103,9 50,5 83,5 131 92,5 132,25 104,5 170,25 81,5 36,9 342 187 180,25 103,13 51 83,75 130,5 92,9 132,5 104,65 171 80,5 36,75 344 187,65 180,5 U. a. Baden 6proz. 103,40, mänen notierten: Altbesitz 111,90, 4Vrproz. Baden- d. 1924 90,13, 6proz. JG.-Farben 132,25, Krupp 103,75, öproz. Siemens-Schuckert messages from USA?" („Wollt Ihr den Geschäftsverkehr mit USA. aufnehmen?") Das Funktagebuch zeigt unter dem Datum des 3. Oktober 1918 die Eintragung des im Auftrage der deutschen Regierung an Wilson gefunkten Waffenstillstandsangebotes. Unter dem 11. November 1918 wurde die Mitteilung vom Waffenstillstand an alle gefunkt. Dann folgen Funksprüche aus der Zeit des deutschen Niederganges. Bis zur Eintragung jenes Funkspruches vom 3 0. Januar 1933, der der Welt mitteilte: „Adolf Hitler deutscher Reichskanzler..." Mansfelder Bergbau .. Kokswi'rke ........... Rheinische Braunkohlen Rheinstahl........ Vereinigte Stahlwerke. Otavi Minen ........ Kaliwerke Aschersleben. Kaliwerke Westeregeln. Kaliwerke Salzdetfurth Ny (Aufnahme: giert. Unser Wa< tion stieg ein M iM5 einen Korb, vorsichtig aus d gierig, was wo lange ein Gehe Gänschen kennt Tuch halb ab, i des ganzen Wag jeder wollte et. Gänschen. Mehr jagte das Mäül 1,50 Mark. Wan die hohen Preis zwischen waren t : her ordentlich rar ', und zuckten, und ein Hemer Ledert des Mädchens. Gi richtig! Gin fc gedrückt worden, sich noch ein w> war tot. Das M dem der Koffer zug und einen S sagte: „Dafür r Ä er nicht. Das |j andern sah mar aber niemand tr Da ftanb auf Hausierer (Jein r aus dem Gepäck, ^ch möchte > ner 92,25, Mannesmann 89,75 bis 65, Otavi 20,65, Hoefch 97, Rheinstahl 123,75 bis 65, Verein. Stahl 86,65, Akkumulatoren 186, Aku 50,25, Bekula 144,50, Conti-Gummi E 179,25, Daimler 104,40, Dt. Eisen- Handel E 124,75, Scheideanstalt 229,50, JG.-Farben 165, Gesfürel 134, Holzmann E 111,50, Lechwerke 107, Muag 89, Moenus 88,13, Schuckert 139,50, Aschaffenburger Zellstoff 93, Henninger Bräu 114, Reichsbahn-VA. 125,13, AG. für Verkehr 113,40, Hapag 15,13. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 15. April. Das Geschäft am Getreidegroßmarkt hatte auch nach den Feiertagen keine Bedeutung und im allgemeinen blieben die Marktlage sowie die Preise unverändert. Es notierten (Getreide je Tonne, alles übrige je 100 Kilogramm) in Mark: Weizen W 13 213, w 16 216, W 19 220, W 20 222; Roggen R 12 176, R 15 179, 165,25 | 109,25 127,9 119,25 :.ll| . 01 ,. 0 . 5 . 6 IV, I. ®. Farben-Inbuftrie Scheideanstalt........ Goldschmidt ......... RütgerSwerke........ Metallgesellschaft...... Betrügereien sehr treffend. Dementsprechend auch die Anklage auf fortgesetztes Vergehen § 6 des Weingesetzes und gegen §§ 263 (Be- 5proz. innere Mexikaner 5,50, 4proz. Ru- 5,50, 3V2proz. Schweden v. 1886 120, 4proz. SBB. 204, 3V-proz. SBB. 188,50, 3l/-proz. Gotthard 180, 3V-proz. Jura-Simplon 177, Relchsbank 184,50, Rhein. Hyp.-Dank 133, Buderus 103, Klöck- „Heymann, Rubinstein & So." als Weinhändler Jüdischer Großschwindel vor der Großen Strafkammer in Mainz. 3n der Pfuhlgrube erstickt. MZD. Alzey, 15. April. Das zweieinhalbjährigl Söhnchen des Willi Stumpf aus Mörsfeld, das mit seinen Eltern zum Besuch der Großeltern nach Stein-Bockenheim gekommen war, stürzte in einem unbewachten Augenblick in ein nur mangelhaft zugedecktes Pfuhlloch im Hofe. Die Eltern glaubten, das Kind sei bei der Großmutter im Laden; als man es später dort nicht fand, ging man auf die Suche und entdeckte den Knaben mit einem Aerm» chen aus der Jauchearube ragend. Sofort unternommene Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. 3ot Am Sommer 1 meister Hans S nung in ber H. M.Äwibe in j n^nenb Ätz? Ml« P Am'en: t5,Ni warq e*hat k Der ein Littst Mas er tz ^ner L ! Mit de» ^e, J : wie ? |!; iederne? rj -N°s l - Bäntiarin W'Ä* KriS Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beichlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Metallgesellschaft 121 bis 122 (119,50). Don Kassa- werten Deutsche Verlag höher gesucht, Taxe 78 bis 80 (letzter Kurs 76). Renten lagen im Verlaufe sehr ruhig, Altbesitz etwa 112 nach 112,13. Von variablen Industrie ° Obligationen 6proz. Hoesch 103,25 (102,75), 6proz. Stahloerein unverändert 103,65, 1947er Stahlverein 93 (93,25), Goldpfandbriefe unverändert, Liquidationspfandbriefe etwas uneinheitlich, ebenso Stadtanleihen. Von Auslandswerten Schweiz. Bundesbahn-Anleihen etwa 2 bis 3 v. H. höher. Von unnotierten Werten wurden gehandelt: Wayß & Freytag 104,25 bis 104 Brief (104,75), Adlerwerke Kleyer 102,75 (102), Auto-Union 106,25 bis 106 (106), Growag 81 (80,50), Pokorny 106 (104), Kali Wintershall 118 (117) und Ufa-Aktien 57. Tagesgeld unverändert 2,5 v. H. Abendbörse knapp behauptet. Während Kundschaftsaufträge fehlten, bestand bei der Kulisse auch an der Abendbörse noch etwas Glattstellungsbedürfnis, so daß an den Aktienmärkten die Kurse meist weiter etwas abbröckelten. Insbesondere die heute mittag forcierten Montanwerte wurden gegeben, so daß gegen die Berliner Schlußnotierungen meist leichte Rückgänge eintraten. Niedriger waren auch IG-Farben mit 165 (165,25), Akkumulatoren 186 (187), Bekula 144,50 (145,13), Conti-Gummi 179,25 (180,25), Ges- fürel 134 (134,40). Anderseits notierten Holzmann und Aschaffenburger Zellstoff mit 111,50 bzw. 93 je 0,50 v. H. höher. Der Rentenmarkt lag sehr still und nahezu unverändert. Fest lagen Lissaboner Stadtanleihe mit 58 (56). «Sttenet....................o| 31,65 I -I Moinkraftwerke Höchst a.»L... 4 93 93,75 Süddeutscher Zucker 101 200 I — | R18 183, R19 185, Großhandelspreise der Mühlen der genannten Preisgebiete. Futtergerste —, Hafer —. Weizenmehl W13 28,45, W 16 28,70, W19 28,70, w 20 29,05; Roggenmehl R12 22,45, R15 22,80, R18 23,30, R19 23,50 plus 0,50 Mark Frachtausgleich. Weizennachmehl 16,75 bis 17,00, Weizenfuttermehl 13,00 bis 13,25. Weizenkleie W13 10,65, W 16 10,80, W 19 11,00, W 20 11,10; Roggen- fleie R 12 9,95, R 15 10,15, R 18 10,40, R 19 10,50, Mühlenfestpreise ab Mühlenstation. Sojaschrot mit Monopolzuschlag 16,20, Palmkuchen m. M. 16,30, Erdnußkuchen m. M. 17,85, Treber 17,75, Trockenschnitzel 9,28 ab süddeutsche Fabrikstation, Heu 7,50, Weizen- und Roggenstroh (drahtgepreßt) 3,30 bis 3,50, (gebündelt) 3,00 bis 3,30. Kartoffeln: Industrie hiesiger Gegend 3,50, gelbfleischige diesiger Gegend 3,40, weiß-, rot- und blauschalige hiesiger Gegend 3,10 Mark per 50 Kilogramm bei Waggonbezug Frachtparität Frankfurt a. M. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 16. April. (Dorbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Voraustrieb: 43 Rinder (6 Ochsen, 2 Bullen, 31 Kühe, 4 Färsen), 758 Kälber, 41 Schafe, 1070 Schweine. Es kosteten: Kälber 45 bis 76 Mark, Hämmel 46 bis 48, Schweine 50 bis 57 Mark. — Marktoerlauf: Kälber lebhaft, Hämmel und Schafe ruhig; Schweine wurden zugeteilt. vormittag kam die Ehefrau Marie Baurhenn mit einem mit Benzin gefüllten Behälter zu Fall, wobei ihre Kleider mit der gefährlichen Flüssigkeit getränkt wurden. Als die Frau in die Kuchg kam, um vom brennenden Gasherd ein Bügeleisen abzusetzen, entzündeten sich die Benzindämpfü an der Gasflamme, so daß die Frau im Nu lichterloh brannte. Sie lief in den Hof, wo Angehörige versuchten, mit Wasser die Flamme zu löschen. Dies gelang aber nicht, so daß die Frau bei lebendigem Leibe den Flammentod erlitt. 15.4.* 139 229,25 123,65 86,65 20,65 127,25 189 Rundfunkprogramm Freitag, 17. April. ; 6 Uhr: Choral, Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In der Pause, 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 10: Schulfunk. 11: Hausfrau hör zu! 11.30: Bauernfunk. 11.45: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Wunschkonzert. 15: Wirtschaftsbericht. 15.15: „Wir bauen die größte Luftschiffhalle der Welt", ein Bericht aus dem Arbeitslager des Weltluft- schiffhafens Rhein-Main. 16: Unterhaltungskonzert. 17: Kleine Kammermusik. 17.30: Augen auf! Eine Hörfolge von allerlei Schwindel. 18: Unterhaltungskonzert. 19: April — April! Alles in „Sp-aß"-clur! 19.45: Der Zeitfunk bringt den Tagesspiegel. 20: Nachrichten. 20.10: Aus dem deutschen Theater Wiesbaden: „Die Königskinder", Märchenoper in drei Aufzügen, Musik von Engelbert Humperdinck. 22: Nachrichten. 22.15: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 22.20: Sportschau der Woche. 22.45: Unterhaltungskonzert. 24 bis 2: „Genoveva", Oper in vier Akten von Alexander Ecklebe. Samstag, 18. April: 6 Uhr: Choral, Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Fröhlich klingt's zur Morgenstunde. In der Pause 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.45: Auf zum Staatsjugendtag. 10: Schulfunk. 10.45: Gaunachrichten. 11: Hausfrau hör zu! Erste Hilfe im Hause bei Unfällen und Krankheiten. 11.45: Sozialdienst. 12: Buntes Wochenende. 13: Nachrichten. 13.15: Buntes Wochenende. 14: Nachrichten. 14.10: Wie wohl ist mir am Wochenend! 15: Wirtschaftsbericht. Was gibt's Neues? — Worüber man heute spricht. 15.15: HJ.-Funk. 16: Der frohe Samstag- nachmittag. 18: Blasmusik. 19.30: Wochenschau. 19.55: Ruf der Jugend. 20: Nachrichten. 20.10: „Heute großer Programmwechsel". Szene von Peter Arnolds. 22: Nachrichten. 22.15: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 22.20: Stegreifsendung des Zeit- funks. 22.30: Und morgen ist Sonntag. 24 bis 2: Nachtmusik. Nauen hinausglng, der ,LZ 59* zurückrief*, erklärt Oberingenieur Hermann Neumann dagegen. »USA. antwortet nicht mehr!" Dann steht da unter dem 2. April 1918 eine lakonische Eintragung: „Die Station Sayoille antwortet nicht mehr!" Nach dem Eintritt Amerikas in den Weltkrieg wurde selbstverständlich die Funkstation Sayoille von den Amerikanern beschlagnahmt. — Unter dem 23. Juli 1919 steht dann eine andere Eintragung — in engem Zusammenhang mit jener vom April 1918: Funkspruch aus Sayoille: „Will you accept Business ein und denselben Wein unter verschiedenen Bezeichnungen und als verschiedene Jahrgänge zu sehr verschieden hohen Preisen in den handel gebracht zu haben. Besonders wird den Angeklagten vorgeworfen, zum Zwecke der Täuschung die Weinhandelsfirma Fritz Prosch gegründet zu haben in der Absicht, nach 1933 eine arische Firma den Kunden vorzutäuschen, während es sich nur um eine Tarnung und bei Prosch nur um einen Strohmann gehandelt hatte. Die wirklichen Inhaber der Firma Prosch waren die Gebrüder Heymann. Die drei angeklagten, Ende der 50er Jahre stehenden Brüder Heymann widmeten sich seit 1900 dem Weinhandel. Ursprünglich hatten sie eine Großhandlung für Oele und Fette. Schon vor dem Kriege arbeiteten sie mit einem Vertteterstab besonders in Mitteldeutschland, Ostpreußen und Westfalen. Später sttegen die Vertreterprovisionen von 20 v. H. bis 48 v. H. und mehr; dementsprechend gingen die Weinpreise in die Höhe. Ein 1922 geschlossener Vertrag sprach den Brüdern Heinrich und Karl Heymann je ein Monatsgehalt von 1000 Mark zu, weil sie die Hauptarbeit taten. Dies stand im Widerspruch zu den handelsgesetzlichen Bestimmungen, die den Inhabern einer offenen Handelsgesellschaft keine Gehälter zubilligen. Später wurden neue Firmen zur Vergrößerung des Geschäfts aufgekauft und gegründet, und zwar die Firmen Wilhelm B e ck e l in Wiesbaden, Julius Stern in Frankfurt a. M., S. H e y m a n n Söhne in Landau und endlich Fritz Prosch in Mainz. Zur letzteren Gründung ist die Feststellung aufschlußreich, daß die neue Firma Prosch im Oktober 1933 handelsgerichtlich eingetragen wurde; Fritz Prosch selbst schied aber nach drei Monaten, am 15. Dez. 1933, schon wieder aus. Der Zweck der Tarnung wird hierdurch besonders klar. Bei fast ausschließlicher Lieferung an Private und Gastwirtschaften betrugen die Jahres- umsähe 1928 = 1,3 Millionen Mark, 1929 = 1,1 Millionen Mark, 1930 = 800 000 Mark, 1933 sanken sie auf 240 000 Mark. Damals verfiel man auf den Ausweg des G e - neralvertreterfystems. Man trat mit einem Mann namens Rubinstein in Verbindung. Dieser 1880 geborene Galizier betrieb zuerst einen Handel mit Lumpen und Knochen und „machte" später in Textilwaren. Er hatte also vom Wein keine Ahnung. Das sei auch nicht wichtig, meinte Heinrich Heymann bei seiner Vernehmung, maßgebend sei hoher Umsatz gewesen. Tatsächlich rettete Rubinstein, der bezeichnenderweise nur für die arisch getarnte Firma Prosch arbeitete, 1934/35 die Finanzlage der gesamten Firma Heymann. Wie dieser jüdische Generalvertreter „arbeitete", ergab sich vor Gericht: Er setzte sich mit Frauen in Verbindung, kredenzte diesen Süßweinproben, brachte sie so „in Stimmung" und erpreßte dann die Aufträge, die er meist beliebig erhöhte und abänderte. Schon, die Auskunft, die die Firma Heymann über Rubinstein erhalten hatte, hätte eigenttich vor Geschäften mit diesem galizischen Juden warnen müssen, aber wahrscheinlich versprach man sich in dem Rassegenossen eine „Derkaufskanon e". 112,5 111,51 138,5 140 130 I 130 1 der bereits angekündigte Strafprozeß gegen .... jüdischen Weinhändler Heymann uno andere vor der Großen Strafkammer in Mainz. Angeklagt sind die Brüder Heinrich, Karl und Julius Heymann sowie Fritz Prosch. Die Anklage wirft den Angeklagten, die seit Oktober 1935 sich in Untersuchungshaft befinden, vor, in Mainz und anderen Orten unter Mißbrauch ihres Berufs und unter ständigem Vergehen gegen § 6 Absatz 2 des Weingesetzes Wein unter falscher und irreführender Bezeichnung verkauft zu haben, in Tateinheit damit sich rechtswidrige Vermögensvorteile durch arglistige Täuschung Der Käufer erworben zu haben, endlich Ein besonders krasser Schwindel wurde mit Rotweinen betrieben. Man kaufte ganz kleine rheinhessische Rotweine mit 28 bis 35 Pf. je Liter ein und „machte sie auf", indem man sie in Bordeauxslaschen füllte und mit Etiketten versah, die französische Phantasienamen trugen. So wurde den Kunden, die 2 bis 3,20 Mark je Flasche bezahlen mußten, vorgeschwindelt, es handle sich um echten französischen Rotwein. Heinrich Heymann bestreitet dreist jede Täuschungsabsicht und stellt sich auf den sonderbaren Standpunkt, dieses Verfahren sei mit den Bestimmungen des Weingesetzes noch vereinbar! Der Staatsanwalt demonstrierte durch Gegenüberstellung einer echten Bordeauxflasche mit den Fälschungen der Brüder Heymann diese offensicht- trug), 302 (Wucher) und 42e des Str GB. Fünf Sachverständige werden zur Beweisaufnahme sprechen. Der zweite Verhandlungslag. Die Vernehmung des Angeklagten Fritz Prosch brachte nichts Wesentliches. Julius Heymann war stiller Teilhaber und besuchte die Berliner Kundschaft. Er verkaufte dort nach Preisliste. Die Zeugenvernehmung brachte interessante Aufschlüsse über das Geschäftsgebaren von Karl und Heinrich Heymann. Verschiedene Zeugen machten belastende Aussagen über das Verhalten der jüdischen Inhaber ihren meist arischen Angestellten gegenüber. Besonders der Kellermeister äußerte sich über die Ausnutzung der Arbeiter sowie über die unglaublichen sanitären Verhältnisse im Geschäft. Allgemein wurden Klagen der als Zeugen erschienenen Angestellten laut, oaß sie teilweise unter Tarif, besonders vor 1933, oezahlt worden waren. Auf Befragen wurde von den Zeugen bestätigt, daß vor allem auf die Bestellungen des Generalvertreters Rubinstein viele und ernste Reklamationen gekommen find. In vielen Fällen drohten die Brüder Heymann den Bestellern mit Prozessen, wenn die Ware nicht abgenommen wurde. Die Zeugenvernehmung wies immer wieder auf das brutale und unglaubliche Vorgehen des Rubinstein hin. Eine peinliche Ueber- raschung war für Rubinstein die Frage des Vorsitzenden, woher er plötzlich das Kapital von ca. 17000 Mark habe, die er an Vor- schliffen für die Untervertreter verloren haben will. Tatsächlich hatte Rubinstein 1931 einen Konkurs mit ca. 40 v. H. bei der Pleite seines Trikotagenhandels gemacht. (Die Verhandlung dauert an.) Schultheis Patzenhofer .......4 Aku en erfolg« ^lbjährig- rsfelb, bas -ltern noch 1 in einem lelhch zu« annt. Dienstag. ru^ r W Fall, ns.Nio, d'e Ä nnbampfö Im Jin Hof, wo $mme zu Oie Frau ‘mmeni laftif. 6.30: hten. 8.10: iu hör zu! 12: M em Sende« Nachrichten, icht. 15.15: ler Welf, Weltlust« iQston^rt. auf! Eme erhaltungs- >p-af$"»dur! spiegel. 20: m Thealtt chenoper 'n jumperM. dem Seck- >.45: Unter- * Oper in iftit. 6.30: der Pause Auf M Gaunach« Hilfe im 5: Sozial« lachrichten. iten. 14.10: Virtfchasts« man heute Samstag« Zochenschau. ten. 20.10: > von Peter richten g des M' 24 dis 2: Idyll auf der Dorfstraße. (Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.) : -giert. Unser Wogen war gut besetzt. Auf einer Sta- iion stieg ein Mädchen von etwa zwölf Jahren ein, Las einen Korb, der mit einem Tuche bedeckt war, Vorsichtig auf den Boden stellte. Alle waren neugierig, was wohl darin sein könne. Es blieb nicht lange ein Geheimnis. Die leisen Laute von jungen Gänschen kennt doch jeder. Das Mädchen nahm das Tuch halb ab, und nun zeigte sich die Anteilnahme des ganzen Wagens. Jeder wollte die Tierchen sehen, jeder wollte etwas sagen. Es waren nur zwei Gänschen. Mehr hätte es nicht bekommen können, jagte das Mädchen. Und dabei koste das Stück 1,50 Mark. Man sprach über die Gänsezucht, über die hohen Preise und verschiedenes andere. Inzwischen waren wir wieder auf einer Station, auf der ordentlich rangiert wurde. Die Wagen ruckten und zuckten, und plötzlich sauste vom Gepäckbrett ein kleiner Lederkoffer herunter, gerade in den Korb des Mädchens. Ein Aufschrei! Alles lief hinzu — und richtig! Ein Gänschen war von dem Koffer fast platt gedrückt worden, es ließ den Kopf hängen, bewegte sich noch ein wenig und streckte sich dann aus. Es war tot. Das Mädchen fing an zu weinen. Der Herr, j dem der Koffer gehörte — er trug einen guten Anzug und einen Hut mit einem Rasierpinsel darauf — sagte: „Dafür muß die Bahn haften." Mehr sagte : er nicht. Das Mädchen war untröstlich, und den andern sah man an, daß sie gern geholfen hätten, aber niemand wußte wie. Da stand auf einmal ein schmaler, schwarzlockiger Hausierer (sein mit Wachstuch bezogenes Paket lag auf dem Gepäcknetz) mitten im Wagen und sagte: „Ich möchte Ihnen einige Kunststücke vorführen." 1 iswjL*- —T5T 42,16 0,141 3,053 54,96 46,90 12,3 5,425 16,435 169, 19,72 0,7 5,6 61- 49,0 11,16 63," 91Z 34,OJ 10,36 6*5 1 Warfen) ,^veine •r lebhaft urdenzL An. !° 10,50 hcmi ^16,30, r®*' ^oubejug Aus der Provinzialhauptstadt Das tote Gänschen. Die lieben Kleinbahnen! Es reist sich in ihnen nicht wie in einem O-Zug, es geht viel langsamer, die Sitze sind ungemütlicher, man wird gerüttelt und geschüttelt, aber schließlich kommt man auch an sein Ziel. Eine solche Kleinbahn hat ihre besonderen Reize. Schon die langen Wagen, mit den harten Bänken an der Seite, muten uns so häuslich an. Wir sitzen darin wie in einer großen Stube, und die Leute, die mitfahren, sind fast immer dieselben, oder sie kennen sich wenigstens, denn sie sind ja alle aus der „Gegend". In solchen Wagen herrscht niemals die große Stille, wie so oft in dem Abteil des v-Zugs, in dem sich die Leute fremd gegenüberfitzen. In der Kleinbahn wird geplaudert, gescherzt, gelacht, die letzten Neuigkeiten werden erzählt, der Schaffner kommt und lacht mit. Man fühlt sich hier wie in einer großen Familie. Au einem Nachmittag fuhr ich mit einem sog. gemischten Zuge, d. h. der Zug bestand aus Güterund Personenwagen. An jeder Station wurde ran- Meister Gottfried Gckadow Don Dr A Semerau Jrn Sommer 1770 steht der Berliner Schneidermeister Hans Schadow in seiner kleiner Wohnung in der Lindenstraße unweit des Halleschen Tors am Zuschneidetisch vor dem aufgerollten Stück Tuch, Kreide in der Hand, tupft bald hierin, bald dorthin und zieht zwischen den weißen Punkten bie graben und geschweiften Linien, wie es Schoß und Rückenstück erfordert. Durch die Stille der Stube kommt von der niedrigen Ofenbank das leife geschäftige Schrammen eines Griffels über die Schiefertafel. Der sechsjährige blonde Gottfried Schadow macht wie der Vater Tüpfel auf die Tafel, zieht bann auch Verbindungslinien zwischen Ihnen, freut sich, wie das Bild immer ähnlicher öirb, da ist ber vorspringenbe Stirnbuckel, bie wmisch gebogene Nase, bie tiefen Munbwinkel bes Vrofils bes Vaters, bas er deutlich vor sich sieht. Llötzlich klappt ein Deckelkrug. „Gottfried!" Der ftunge wischt hastig über die Tafel, nimmt den Srug und läuft nach dem Bier. Der Schneider Schadow ist lange tot, und der Heine Gottfried ist schon hoch zu Jahren gekom- inen. Im großen Aktsaal der Berliner Akademie schen die Schüler eifrig an der Arbeit. Der „Alte" ist eben gekommen, ein Achtziger, aber noch ein rüftiger Mann. Er geht von Platz zu Platz, sieht cuf die Zeichnenden. „Det is jut", einem klopft er cuf den Kopf. „Det is nifcht" brummt er bei einem weiten. Bei einem dritten, der bei dem Umriß mner menschlichen Figur die Linien nicht sicher ge- logen und bie Proportionen falsch bestimmt hat, ichüttelt er ben Kopf. Der Schüler muß aufstehen, r er Alte setzt sich auf seinen Platz: „Nu paß uff. M mach bet so". Mit bem Kreibeftift tupft er Dünkte aufs Papier unb oerbinbet sie burch sichere ®inien: „Det hab' ick von meinem Vater. Der □ar’n Schneiber". Der Schneibersohn ist Akabemiebirektor gewor- iaen, ein Mann, ben ganz Europa kennt. Er weiß, was er bebeutet unb wert ist, braucht kein Zeichen ; f-iner Würbe, verachtet Äußerlichkeiten. Sein Rock mit den vielen Taschen ist eine Sehenswürdigkeit, wie auch seine riesigen Filzschuhe und seine kalb- I bernen Stiefel, in die wegen seiner Zehen und ballen immer große Löcher geschnitten sind. Wie er in der Akademie selbstherrlich schaltet und ohne &d)eu seine Meinung sagt, so redet er auch draussen offen und ungeschminkt, ob hochdeutsch oder berlinisch, mit Vorliebe aber das letztere, und im- ner kurz. Er selbst erzählte gern von einem Iu- Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Donnerstag, 16. April 1936 Die Trommel des Jungvolks rüst! Das deutsche Jungvolk führt bis zum 20. April eine über das ganze Reich gehende Werbeaktion durch. Wir richten an alle Eltern die dringende Bitte, dem Rufe des deutschen Jungvolks Gehör zu schenken und ihre Jungen dem Führer durch das Jungvolk zur Verfügung zu stellen. Es ist die Ehrenpflicht eines jeden deutschen Jungen, vom 10. Lebensjahr ab Dienst im Jungvolk und später in der Hitler-Jugend zu tun. Die Eltern, die ihre Jungen der Jugend des Führers zuführen, tragen damit eine Dankesschuld an den Führer ab, der dieser Jugend einen Staat gegeben hat, der ihr erst wieder wirkliche Lebensmöglichkeiten bietet. Wir erwarten, daß der Ruf des Jungvolks nicht vergeblich ergeht und daß die Bevölkerung unseres Kreises auch durch den Eintritt der Jugend in das Jungvolk ein machtvolles Bekenntnis zum neuen Staat abgibt. heil Hitler! Kreisleitung Wetterau. Wir schützen tue Amur, weil wir sie schätzen...! Vortragsabend des Landschastsbundes Volkstum und Heimat. Der Lanbschaftsbunb Volkstum unb Heimat, Ortsring Gießen, hielt gemeinsam mit der Ortsgruppe Mitte ber NSDAP, unb bem Großschen Männerchor einen Vortragsabend ab, in dessen Mittelpunkt ein sehr interessanter Vortrag über die geschützten Pflanzen der engeren Heimat stand. Sinnige Frühlingslieder des Großschen Männerchores, em treffendes Frühlingsgedicht in Mundart und eine drastische Mahnung an die „Wanderflegel", die vier Pimpfe wirkungsvoll zum Vortrag brachten, schlossen die Begrüßungsansprache des Ortsringleiters Dr. Michel ein, der die Verbindung ber Volkstumsarbeit mit bem Pflanzen- unb Naturschutz aufzeigte und der Hoffnung Ausdruck gab, daß der Mensch dazu kommen möge, daß er die Natur schütze, weil er sie schätzen gelernt hat. Der Assistent des Botanischen Institutes Dr. Heidt hielt dann einen umfassenden Vortrag über „Die geschützten Pflanzen in Wort und Bild", der durch das Aufzeigen der vielseitigen Pflanzenbezeichnungen im Volksmund und durch die Angabe ihres Standortes sehr wertvoll wurde. Einleitend wies er mit einem Goethefchen Wort darauf hin, daß am Anfang aller Naturbetrachtung die Ehrfurcht vor allem Lebenden stehen muß, jenes urdeutsche Gefühl, das bei den nordischen Völkern im Glauben an die beseelte Natur anklingt und sich in der Naturverehrung unserer Vorfahren äußert. In feinsinniger Weise schilderte der Redner die Naturverbundenheit, wie sie uns aus der Muttersprache, der Kunst, dem Liederschatz und der Dichtung entgegentreten. Mit der Betrachtung Dürerscher Pflanzenbilder leitete er feine Lichtbilderreihe, die durch farbige Aufnahmen vortrefflich ergänzt war, ein. Von fast allen ben jetzt durch das Gesetz geschützten Pflanzen brachte der Redner eine sehr eingehende Beschreibung nach der Art, dem Aussehen und dem Vorkommen. so von bem Großen Schneeglöckchen, bas im Hangelstein, bem östlichen Vogelsberg unb bei Lauterbach noch anzutreffen ist, bem Seidelbast oder „März-Nägelchen", der noch sehr stark verbreitet ist und den für die Bienenzucht so bedeutungsvollen Weidenarten. Dem Frühlings - Enzian, der bei Rödgen, aber auch bei Homberg (Ohm) und bei Schlitz vorkommt, widmete er besondere Betrachtungen. Eine in unserem Gebiet weniger vorkommende Blume ist die Küchenschelle, bie wie auch die Frühlings-Adonis am Rhein noch aufgefunden wird. Die Schach- ober Schachbrettblume kommt vielfach bet Alsfelb vor und auch die seltene Gemeine Mondraute ist im Vogelsberg noch anzu- treffen. Auch im Biebertal finden sich einige seltene Pflanzenarten, die eingereiht sind in die Zahl der Schützlinge. Zu ihnen gehören auch die Salzpflanzen, die man bei Wisselsheim und Bad-Nauheim findet. Eine umfassende Ausstellung der geschützten Pflanzenarten sieht am Sonntag um 11 Ahr im Botanischen Institut allen Raturfreunden zur freien Besichtigung offen. Dr. Heidt führte noch die Gesetzesbestimmungen an, die den Handel mit solchen Pflanzen regeln, von Gärtner genaue Buchführung über den Handel mit Weiden fordern und auch den Schutz dieser Pflanzen z. B. auf eigenen Wiesen vor das Eigentumsrecht stellen. Reicher Beifall dankte bem Vortragenben unb Dr. Michel gab zum Schluß der Hoffnung Ausdruck, daß der Schutz der Natur Allgemeingut des Volkes werden möge. Mit einem Sieg-Heil auf den Beschützer der Natur und beS Vaterlanbes schloß er ben schönen Abpnd Alles vergaß das Gänschen und schaute nach bem Künstler. Er faßte bie beiben Leberriemen, bie von ber Decke herabhingen, unb begann nun mit den unglaublichsten Verrenkungen. Es war wie in dem Zirkus. Dann nahm er einen Korb von der Bank, stellte ihn auf seine Lippen und jonglierte damit, stützte sich auf ein Bein, berührte den andern Fuß mit der Hand und machte nun allerhand Kunststücke. Der Herr mit dem Rasierpinsel meinte: „So etwas müßte verboten werden!" Aber ber Schaffner, bei bem er sich beschweren wollte, war selber Auge und Ohr und hatte das lebhafteste Interesse an den Vorführungen. Zum Schluß nahm der Künstler seine Lederkappe und sammelte ein Trinkgeld. Wir gaben alle. Nur der Herr mit dem Rasierpinsel wandte sich ab. Immerhin kam ein schönes Sümmchen zusammen. Der Zug hielt wieder einmal. Das Mädchen mit bem Korbe, in bem nur noch ein lebenbes Gänschen war, mußte nun aussteigen. Es fing von neuem an zu meinen, als es an feinen Verlust buchte. Noch ehe jemand von uns ein Trostwort gefunden hatte, kam genderlebnis, das ihm bewiesen hatte, mit wie wenig Worten sich durchkommen lasse. Als er 1791 über Schweden yach Petersburg reifte, fand er an der russischen Grenzstation Krnnen einen ehemaligen russischen Korporal als Posthalter vor. Schadow fror bitterlich unb hatte Hunger und Durst, kannte kein Wort russisch und sagte nur, um sich so gut wie möglich einzuführen: „Tottleben, Tfchernitschefs, Zarewna." Der Korporal erwiderte: „Belling, Zielen, Fridericus Rex", und so fand man sich mit Hilfe des Siebenjährigen Krieges zusammen, schüttelte sich bie Hänbe unb saß vergnügt beieinanber. Schadow erinnert in seinem Werk sehr an die großen Bildhauer des fünfzehnten und sechzehnten Jahrhunderts, und man hat ihn treffend einen ins Märkische übersetzten Peter Vischer genannt. Auch er meinte, es sei besser, das Handwerk zur Kunst als diese zum Handwerk zu machen. Ihm ging es immer um das Sein, nicht um das Scheinen. Der Arbeiter ist seines Lohnes wert, sagte er, und Art und Wert der Arbeit bestimmte sich nach dem Lohn. „Kuppern (kupfern) bezablt, kuppern gemalt." Wenn man Skizzen über Gebühr und auf Kosten ausgeführter Arbeiten lobte, brummte er: „Papier is weech, aber Steen is hart." Wie er Gestalt, Gesundheit, Gehabe vom Vater geerbt hatte, so auch Bürgersinn, Bürgertrotz, Selbstbewußtsein, das aber von jeder kleinlichen Eitelkeit frei war. Das in ihm so wundersam gemischte Griechentum und Märkertum hatte einen großen echten Künstler geformt, der, sich seiner Grenzen wohl bewußt, aber auch seines Könnens, jedes andere Talent gelten läßt und den Fortschritt von Zeit und Kunst um ihn her willkommen heißt. Von erstaunlicher Schöpferkraft und bis ins hohe Alter hinein von größter Leichtigkeit des Schaffens, beurteilte er feine Werke objektiv wie die eines Fremden. Seinen Tauentzien hielt er für kein Vorbild und seinen Friedrich den Großen in Stettin, den viele über Rauchs Kolossalwerk stellten, hielt er nicht für gelungen. Bezeichnend für ihn ist sein Verhältnis zu Rauch, dessen Ausstieg er ebenso aufmerksam wie neidlos verfolgte. Wo er ihn in feiner Auto- graphie erwähnt, erkennt er fein großes Talent an. „Die Figur der Königin zu Charlottenburg war fein erstes glänzendes Werk, so glänzend, daß es merkwürdig bleibt, wie seine folgenden Werke jenes noch übertreffen konnten." Er mußte es wohl stark empfinden, daß der jüngere Nebenbuhler ihn zu verdunkeln schien und daß ihm die Ausführung des Friedrichsdenkmals anvertraut wurde, das einst Schadows Tag- und Nachtgedanke und wie nichts anderes in feinem Leben der Gegenstand feines Ehrgeizes und feiner höchsten künstlerischen Begei- ber Hausierer herbei, schüttete den ganzen Inhalt seiner Kappe dem Mädchen in den Korb und sagte: „Das ist für das tote Gänschen!" Dann fetzte er sich wieder auf feinen Platz, als ob gar nichts geschehen wäre, zog ein trockenes Brötchen aus der Tasche und knabberte daran. Alles ging so schnell, daß der Zug schon in Bewegung war, als wir zu uns kamen. Das Mädchen war ausgestiegen. Es hatte in seiner Verwirrung ganz vergessen, dem Manne zu danken. Wir winkten ihm noch aus dem Züglein nach. Es erwiderte unsere Grüße mit strahlendem Gesicht. Der Herr mit dem Rasierpinsel am Hute sagte kein Wort mehr. P. Tageskalender für Donnerstag. NSG. „Kraft durch Freude": 20 bis 21 Uhr und 21 bis 22 Uhr (nur für Frauen) fröhliche Gymnastik und Spiele im Lyzeum. — Gloria-Palast, Seltersweg: „Der Favorit der Kaiserin". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Donau-Melodien". — Oberhessifche fterung gewesen war. Aber er war davon überzeugt, daß feine Zeit wiederkehren werde. Schon damals jedoch war für die Einsichtigen kein Zweifel, wer der größere war. Schadow war der Bahnbrecher und Wegweiser. Rauch der Nachfolger mit der geschickteren Hand. Dinge, die sich später von selbst zu verstehen schienen, wagte zuerst Schadow völlig abweichend von der llcberlieferunq und führte sie durch charakteristische siegreiche Behandlung in die moderne Kunst ein. Wie er den Realismus picht ausschließlich wollte, so verkannte er doch auch nicht sein Recht, daß die alten üblichen Formen nicht für die neue Zeit genügten, empfand er tiefer als andere. Die Kunst war ihm nicht ein für sich dastehendes, einfach dem Schönheitsideal nachstrebendes Ding, sie sollte vielmehr dem wirklichen Leben in der Vielheit seiner Erscheinungen und Ansprüchen dienen, um es bann zu beherrschen. In bieser Grundauffassung schuf er seine Werke. Schneller als er vielleicht buchte, vollzog sich ber Wanbel in ihrer Wertung. Wenn man früher fein Schaffen unter das Rauchs gestellt hatte, so pries man nun wieder nach Gebühr das Grabmal des jungen Grafen von der Mark in der Dorotheen- städtischen Kirche und die Standbilder Zietens und Leopolds von Dessau, um nur einige seiner großen Werke zu nennen. Schadow konnte, mehr als ein halbes Jahrhundert der bevorzugte Liebling des Hofes, über alle Anfeindungen unb Angriffe hinwegsehen. Er hatte sich in schwerer Zeit als Mann von Herz unb Hand bewährt, und die Hohenzollern bewiesen ihm, wo sie konnten, ihre Liebe und Dankbarkeit. Er gehörte sozusagen zu der königlichen Familie. Den Pour le merite brachte ihm der König selbst in seine Wohnung. „Ach, Majestät, was soll ich alter Mann mit’n Orden!" — „Aber, lieber Schadow..." — „Jut, jut, ick nehm ihn. Aber eine Bedingung, Majestät, wenn ich dod bin, muß ihn mein Wilhelm kriegen." Unb ber König willigte lachenb ein, baß nach des Alten Tode der Orden an Wilhelm Schadow, den berühmten Direktor der Düsseldorfer Akademie, falle. Als im Herbst 1848 der jetzt Vierundachtzigjährige mit der Abordnung, die dem Königspaar zur Silberhochzeit gratulieren sollte, nach Potsdam ging, schob ihm der König einen Stuhl hin: „Setzen Sie sich, Papa!" Volkstümlich wie der Alte Dessauer, Friedrich der Große, Blücher und später Wrangel und Wenzel war Schadow, und wie in seinen großen Werken lebt er auch in zahllosen Geschichten weiter, die in gleicher Weise seinem Leben wie seiner Kunst gelten und zeigen, daß ein großer Künstler immer auch ein ungewöhnlicher Mensch ist. Ausruf für dasErhoiuiigswcrL des deutschenBolkes! Das Lrholungswerk bes deutschen Volkes ist eine der großen Sommeraufgaben der Ralionalsozialisti- scheu Volkswohlfahrt. Wir haben bei dieser Aufgabe im Gau Heffen-Rassau nicht nur wie beim Winterhilfswerk, unter den ersten Gauen Deutschlands gestanden, sondern die Spitze geführt. Das Erreichte aber verpflichtet uns auch zum gleichen Einsatz für dieses Jahr. Es gilt nicht nur die erforderliche Anzahl Freiplähe für unsere Jugend zu werben, sondern zahlreiche SA- und SS» männer, sowie Tausende bedürftiger Volksgenossen in Freistellen unterzubringen. Das Heer der RS-helfer und Amtswalter, die Partei, alle stehen zur Verfügung, um die umfangreichen und schwierigen Vorarbeiten zu leisten. Männer und Frauen des Gaues Hessen-Rassau, wieder appellieren wir an euch! Ihr habt bewiesen, oaß ihr opferbereite Sozialisten seid, helft uns erneut! Stellt Freiplähe zur Verfügung und helft uns, die neue Schlacht zu schlagen. Die Opfer sind groß, der Einsatz aber gewaltiger: Jeder schaffe für Deutschland und den Führer! heil Hitler! Haug, Gauamtsleiter. Gesellschaft für Natur- unb Heilkunbe: 20 Uhr im Botanischen Institut Vortrag von Professor K ü st e r „Probleme unb Ergebnisse ber experimentellen Zellforschung". Der Sonntagvormittag und der Sonntagabend im Stadttheater. Aus bem Stabttheaterbüro wirb uns geschrieben: Die mit gutem Erfolg bisher durchgeführten Morgenfeiern werben am Sonntag, 19. April, mit ber 4. Morgenveranstaltung fortgesetzt. Es soll an bieser Stelle nochmals ber Wert unb bie Bebeutung bieser Morgenveranstaltungen betont werben, bie bie Binbung zwischen Publikum unb Theater noch enger gestalten wollen unb bie jebem Theaterfreund etwas zu geben vermögen. Die 4. Morgenfeier, bie unter bem Motto „Alte Musik" steht, wirb Per- golefes Trio in G-dur, Dittersborfs Konzert in A-dur für Cembalo unb Rosenmüllers „Studenten- musik" zu Gehör bringen. Die brei Werke sind sämtlich ber Generalbaßzeit entnommen (17. bis 18. Jahrhuubert). Rezitationen von Anekboten um Friebrich ben Großen, vorgetragen von Karl D o l ck, werben bas Programm abrunben. Mit- wirkende: Bräuer, Jost, Köhler, Rein, Scheuermann, Schneiber, Volck. Für Stammabonnenten ist ber Eintritt frei! Dauer von 11.30 bis 12.30 Uhr. — Von 19 bis 22 Uhr zum letzten Mal Lortzings Meisteroper „Unbine", bereu Aufführung in Gießen ein großer Erfolg war. Am Dirigentenpult Kapellmeister Paul Walter. Die Spielleitung liegt in ben Hänben von Paul W r e b e. Die Vorstellung ist außer Abonnement. (Siehe heutige Anzeige.) Oberhessischer Kunstverein. Am Donnerstag, 23. April, hält ber Oberhessifche Kunstverein im Turmhaus am Branbplatz feine Jahresversammlung ab. Auf bie heutige Anzeige sei besonders hingewiesen. „Skigaudi." Um allen Skiläufern unb Skiläuferinnen nochmals Gelegenheit zu geben, in ihre Skikluft zu steigen, veranstaltet ber Ski-Klub Gießen am 18. April in sämtlichen Räumen bes Gesellschaftsvereins (Klub) einen Abenb im Stil eines bayerischen Volksfestes unter bem Motto „Skigaubi im Walfer- tal". Der große Saal wirb bas Gepräge einer Alpenlanbschaft haben, währenb in ben Nebenräumen Jahrmarktsbuben, sowie ein bayrisches Bierzelt untergebracht finb. Frack unb Smoking werben zu Hause bleiben unb bafür bie „Krach- leberne Wichs", bas Dirnbl- unb Sportkleiber Herr- Zeitschriften. — Das Aprilheft ber „Sübbeutfchen Monatshefte" (Verlag Sübbeutfche Monatshefte G. m. b. H., München): „Ausgrabungen in aller Welt", bietet nun bie reiche Ausbeute, bie Ausgrabungen bes letzten Jahrzehnts für fast alle Fragen ber Menschheitsentwicklung geliefert haben. Prof. Hans Weinert (Kiel) behanbelt „Neue Funbe urgeschichtlicher Menschenreste", so vor allem ben Sin- anthropus (in ber Nähe von Peking gefunden), ben Nganbong-Menschen, bie Uebergangsfunbe vom Neanbertaler zum homo sapiens, bie man in Palästina gefunben zu haben glaubt sowie bie rezenten Schädelteilfunde von Kanam unb Kandjera in Ostafrika. Eine aufschlußreiche Schilberung moberner Ausgrabungstechnik wie ber aufschlußreichen Grabungsergebnisse in Deutschlanb gibt Lothar F. Z o tz (Breslau): „Vorgeschichtliche Ausgrabungen in Deutschlanb". „Römerzeit "imb beutsche Frühgeschichte" von F. v. Oppeln-Bronikowski (Berlin) gibt eine ausgezeichnete Uebersicht über bie feit ben letzten Jahrzehnten neu gehobenen Funbe unb ihre Bebeutung. Diele germanische Vorstellungen gewinnen jetzt erst bie nötige Plastik. Auch bie'Ant'ike gewinnt eine neue Beleuchtung, wie ber übersichtliche Aufsatz von Professor Carl Weickert (München): „Ausgrabungen im Gebiet bes klassischen Altertums" beweist. Die „Forschungen im alten Orient" vom Direktor ber Vorberasiatischen Abteilung ber Staatlichen Museen in Berlin, Professor Walter Anbrae, geben bie neuesten Ergebnisse von Warka (deutsche Ausgrabung), Tell Äsmar, Chaffadschi, Kerluk, Ur usw. in seltener Vollständigkeit: endlich sind auch die Funde aus Iran und feinen Randgebieten unb die Funde aus dem Stromland des Indus (Mohendjo Daro usw.) fachmännisch dargestellt. Hochinteressant wie diese Berichte alle ist auch der Aufsatz über „Moderne Ausgrabungstechnik" von Fritz Fremersdorf. ' F. — Im Aprilheft der Monatsschrift „Deutsche Rundschau" (herausgegeben von Rudolf Pechel, Paul Fechter und Eugen Diesel, Verlag: Bibliographisches Institut AG., Leipzig) wird über das Zuiberseewerk, bas gerade jetzt für uns Deutsche von besonderem Interesse ist, in einem mit zahlreichen instruktiven Bildern versehenen Aussatz berichtet. Auch die weiteren Beiträge „Paracelsus äußere Erscheinung" von Karl Sudhofs mit 8 Abbildungen, „Biologie — das Fundament" von Adolf Meyer, „Humanismus und Nationalbewußtsein" von Helmut Prang, „Die Meister von Neustift" von Werner von der Schulenburg (mit 8 Abbildungen) bergen eine Fülle von Anregungen und wertvollen Wissens. schen. Sämtliche Skiläufer Gießens, auch Nichtmtt- flheber, sowie andere Gäste sind willkommen. (Siehe heutige Anzeige.) Günstige Nordlandfahrt für Handwerksmeister. Die NS.-Gemeinschast „Kraft durch Freude" führt vom 21. bis 29. April eine verbilligte Seefahrt in die nordischen Fjorde zum Preise von 30,80 Mark durch. Für diese Fahrt sind noch eine größere Anzahl von Plätzen frei. Es können sich an dieser Fahrt die Handwerksmeister unseres Gaues beteiligen. Anmeldungen müssen sofort an das Amt „Reisen- Wandern-Urlaub" der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude", Frankfurt a. M., Bürgerstraße 69 bis 77, 8. Stock, Zimmer 17, gegeben werden. Wir machen die Handwerksmeister auf diese verbilligte Fahrt besonders aufmerksam und erwarten eine rege Beteiligung. Heil Hitler.' Josef Becker, Gaubetriebsgemeinschaftswalter Deutsche Arbeitsfront. Jteue Lehrgänge der Arbeitsschule. Die Arbeitsschule der DAF. eröffnet ihre Sommer-Ausbildungsarbeit am heutigen Donnerstag, 16. April, 19.30 Uhr und 20.15 Uhr mit je einem Anfänger-Lehrgang in Deutscher Kurzschrift und Maschinenschreiben in der Oeffentlichen Handelslehranstalt. Am gleichen Abend beginnen weitere Ausbildungskurse, sowie am Freitag, 17. April. Die Fachlehrgänge in Deutsch, Kaufm. Rechnen, Buchhaltung, Sprachen usw. beginnen Ende April. Anmeldung und Auskunft: Die Deutsche Arbeitsfront, Abtlg. für Arbeitsführung und Berufserziehung, Gießen, Schanzenstraße 18, Zimmer 5. Vie deutsche Arbeitsfront ■ ? n.9.=6emcinf(haft „Kraft durch freude" Sonnlagsfahrt nach Köln am 19. April. Die Fahrt muß wegen der geringen Teilnehmerzahl leider ausfallen. Bei genügender Teilnahme können wir aber die Fahrt mit Omnibussen durchführen. Der Fahrpreis beträgt dann 8.10 Mark. Um- oder Abmeldungen müssen umgehend erfolgen. Sportamt „Kraft durch Freude". heute folgende Kurse: Fröhliche Gymnastik und Spiele, Frauen. Bon 20 bis 21 und von 21 bis 22 Uhr, Lyzeum, Dammstraße 26. Neuer Reitkursus. In einem Reitkursus sind noch einige Plätze frei. Der Kursus soll Montags, Mittwochs oder Donnerstags stattfinden. Wer Lust hat mitzumachen, melde sich umgehend auf der Geschäftsstelle, Schanzenstraße 18. Die Kosten für den sechsstündigen Kursus betragen für Mitglieder der DAF. 6 Mark, für Nichtmitglieder 9 Mark. * Für die Kurse Fechten, Schach, Rollschuhlaufen und Kindergymnastik werden noch Anmeldungen auf der Geschäftsstelle, Schanzenstraße 18, angenommen. NSV.-Plakette ist parteiamtliches Abzeichen! Durch das Gesetz gegen heimtückische Angriffe auf Staat und Partei ist bekanntlick das unberechtigte Tragen von parteiamtlichen Abzeichen ebenso wie der unberechtigte Besitz solcher Abzeichen unter Strafe gestellt. Das Sondergericht Berlin hat nunmehr, der „Juristischen Wochenschrift" zufolge, entschieden, daß auch die Mitgliedsplakette der NSV. zu den geschützten parteiamtlichen Abzeichen gehört. Wer also aus der NSV. ausscheidet, muß auch die Mitgliedsplakette abliefern. Das gilt nicht nur für die Anstecknadeln, sondern auch für die Blechplaketten, die zum Annageln an die Wohnungstür bestimmt sind. Erb- und rastekundliche Untersuchungen In einer Ausführungsverordnung des Reichs- justizministerlums wird bestimmt: Der Feststellung der Abstammung eines Menschen kommt im nationalsozialistischen Staat eine erhöhte Bedeutung zu. Die erb- und rassenkundliche Untersuchung der Beteiligten kann in vielen Fällen, die sich auf andere Weise nicht oder nicht ausreichend klären lassen, wertvolle Erkenntnisse vermitteln. Im Hinblick auf die nicht unerheblichen Kosten, die durch eine erb- und rassenkundliche Untersuchung den Beteiligten oder dem Reich entstehen, wird in der Regel eine solche Untersuchung nur angeordnet, werden können, wenn die bestehenden Zweifel durch andere Beweismittel, insbesondere auch durch Vornahme einer Blutgruppenbestimmung, nicht haben behoben werden können. Zur Vornahme von erb- , und rassekundlichen Untersuchungen nennt das Ministerium eine Reihe von Anstalten, darunter folgende: Institut für Erbgesundheit und Rassenpflege Gießen, Frankfurter Straße 24, derzeitiger Direktor: Dr. H. W.'Kranz. Universitäts-Institut für Erbbiologie und Rassenhygiene, Frankfurt a. M., Haus der Volksgesundheit, Gartenstraße 140 (Fernruf: 65 354), derzeitiger Direktor: Prof. Dr. Frhr. o. Verschuer. Mehr Geduld' Unter dem Einfluß der nationalsozialistischen Rassegesetzgebung ist die Zahl der Volksgenossen, die ihren Abstammungsnachweis durch entsprechende Urkunden zu belegen haben, immer größer geworden. Alle Registerbehörden, Standesämter, Pfarrämter, Kirchbuchzentralen usw. sind mit den bei ihnen eingehenden Anträgen völlig überlastet, und daher nicht in der Lage, diese Anträge so schnell zu erledigen, wie es manchmal der Wunsch der Antragsteller sein mag. Eine Bevorzugung eines einzelnen Antrages kann selbstverständlich nicht vorgenommen werden, weil dadurch andere Antragsteller wieder geschädigt werden würden. Die Bearbeitung aller vorliegenden Anträge kann daher grundsätzlich nur in der gegebenen Reihenfolge durchgeführt werden. Dabei ist besonders zu beachten, daß die Innehaltung irgendwelcher bestimmter Termine in keinem Falle garantiert werden kann, weil in keinem Falle von vornherein zu sagen ist, ob die gewünschten Angaben tatsächlich zu finden sind, oder ob eventuell eine längere Sucharbeit erforderlich ist. Jeder Volksgenosse kann davon überzeugt sein, daß alles getan wird, um die für den Abstammungsnachweis erforderlichen Urkunden so schnell wie möglich zu beschaffen. Jede ungeduldige Anfrage oder Mahnung ist eine Belastung der Arbeit und beschäftigt die Arbeitskräfte mit Dingen, die eine laufende Arbeitserledigung verzögern oder gar Oer ijt ald brennt. Eine ernste Mahnung zur Waldbrandverhütung. Vom Hessischen Forstamt Gießen wird uns geschrieben: Jedes Jahr kann man wiederholt in den Zeitungen Berichte von Waldbränden lesen. Große Summen des Dolksvermögens, die in die Millionen gehen, fallen alljährlich dem Feuer zum Opfer. Die Ursachen der Daldbrände sind in den weitaus meisten Fällen Fahrlässigkeit. Der Spaziergänger steckt seine Zigarre, seine Zigarette, seine Pfeife an und wirft das noch glimmende Streichholz genau so hinweg, wie er seinen noch brennenden Stummel wegwirft. Oder er klopft seine Pfeife aus, in der noch Reste brennenden Tabaks enthalten sind. Diese Reste kommen mit dürrem Gras, Laub usw. in Berührung, der Wind bläst die Flamme an — der Erfolg ist: brennender Wald! Der Spaziergänger, der so fahrlässig gehandelt hat, kann schon weit entfernt sein, ohne daß er von den Folgen seiner unachtsamen Tat auch nur eine Ahnung hat. Eine andere Ursache der Waldbrände ist daran zu suchen, daß spielende Kinder gern ein kleines Feuer anzünden. Aber wie oft wächst dieses kleine Feuer sich zu einem großen aus, gegen das der Mensch nahezu machtlos ist. Auch die Eisenbahn droht oft, durch Funkenflug von der Lokomotive aus, den Wald zu entzünden. Diese Gefahr ist aber im allgemeinen nicht so groß, weil sie meist auf Schadhaftigkeit der Lokomotive bzw. des Funkenfängers zurückzuführen ist. Zum Schuhe des Waldes hat der Reichsstalt- haller in Hessen am 28. Vlärz 1936 eine Verordnung erlassen, nach der es in der Zeil vom 1. April bis 30. September verboten ist, im Walde oder in gefährlicher Nähe desselben im Freien offenes Feuer oder Licht anzuzünden, unverwahrtes Feuer oder Licht mit sich zu führen oder zu rauchen. Dieses Verbot erstreckt sich auch auf die durch Waldungen führenden öffentlichen Dege, wie kreisftrahen usw. Zuwiderhandelnde werden mit Geldstrafe bis zu 150 Reichsmark bestraft. Ist durch Fahrlässigkeit ein Brand entstanden, so tritt noch eine bedeutend höhere Strafe außer dem Schadenersatz ein. Um den Wald schützenzu helfen, hat sich die SA. in den Dien st des Volkes g e st e l l t. Von der SA. werden im kommenden Sommer immer Streifen durch die gefährdeten Waldungen gehen, die beauftragt find, jeden Raucher zur Anzeige zu bringen, und die auf Grund des § 127 der Str PO. auch berechtigt find, widerspenstige Volksgenossen, die da glauben, ihre Namen nicht angeben zu brauchen usw. fe st zunehmen. Nur geringer Frostschaden im Gießener Bezirk. Der Kälterückschlag in der Nacht zum Montag hat in weiten Gebieten Frosttemperaturen von 3 bis 4 Grad gebracht, in besonders ungünstigen Lagen, sogenannten Kältekesseln, fiel das Thermometer sogar auf minus 5 Grad. Da die vorjährige Eisnacht vom 1. zum 2. Mai noch bei allen Gartenfreunden und Obftwirten in unangenehmer Erinnerung ist, glaubte man auch Heuer an schwere Frostschäden. Jetzt, nachdem milde Witterung eingetreten ist, lassen sich die Folgen des „Eisheiligen" überblicken. Es kann mit Freude feftgestellt werden, daß sein „Nachtritt" gnädig vorübergegangen ist. Aprikosen scheinen am meisten abbekommen zu haben. An den Spalieren sind an weit nach außen stehenden Aesten gerade die kleinen Fruchtanlagen geschwärzt, die sich eben von den schützenden Kelchhüllen befreit hatten. Die Sorte „Aprikose von Nanzia" scheint hier widerstandsfähiger zu sein, als die „Große Frühe" und die „von Breda". Der Frostschaden macht nur etwa 10 bis 20 v. H. aus und fällt bei dem außerordentlich starken Fruchtansatz nicht ins Gewicht. Bei den Pfirsichen, die in voller Blütenpracht stehen, hat die Kälte an den Wänden gar nicht geschadet, im Freien weist schon die leichte Bräune der Blütenblätter auf Schadenfolgen der Kältegrade hin, aber auch hier wird ein merklicher Fruchtausfall nicht eintreten. Ueberdies zeigen die Sorten Amsden, Rogniat, Waterloo und Eiserner Kanzler keinerlei Frostschäden, die kernechten Züchtungen haben sich als frosthart erwiesen. Girard III und Mignon scheinen sich für unsere Gegend weniger zu eignen. Einiger Schaden ist an den vollblühenden Frühkirschen entstanden, in Höhenlagen ist er nur geringfügig, während in Talkesseln merkwürdigerweise die Blütenbüschel der untersten Aeste ziemlich gelitten haben. Hauszwet- schen und Frühpflaumen sind gut durchgekommen. Ebenso sämtliches Kernobst, das noch völlig in der Knospe steckt. An den Gartenkulturen sind bei spät ausgewinterten Busch- und Stammrosen die wenig abgehärteten Triebe dem Frost zum Opfer gefallen. Hierdurch wird die erste Blüte etwas hinausgezögert. Tränendes Herz und einige vorschnell getriebene andere Stauden haben ihre vom Frost getroffenen Köpfchen schon nach wenigen Tagen wieder in die Höhe gehoben, wobei sich feststellen ließ, daß ihnen durch den Frost kein Leid zugefügt worden ist. Zusammenfassend läßt sich feststellen, daß nur ganz geringe Schäden eingetreten sind, was hauptsächlich auf die bewegte Luft während der Frost- nacht und den geringen Schneefall zurückzuführen ist. verhindern. Mit ein wenig Geduld dagegen fördert man und erleichtert man die Arbeit und dient damit am besten dem ganzen Werke. Darum ergeht an alle, die sich um Urkunden für ihren Abstammungsnachweis bemühen, immer wieder die dringende Bitte: Etwas mehr Geduld! Motorisierung der Feuerwehren. Fwd. Der weitere Ausbau des Feuerlöschwesens und die finanzielle Lage der Gemeinden, denen die Ausrüstung der Feuerwehr obliegt, erfordern in gleicher Weise, daß die für das Feuerlöschwesen zur Verfügung stehenden Mittel möglichst zweckentsprechend verwendet werden. Hierzu gehört, daß in erster Linie eine weitere Motorisierung der Feuerspritzen erfolgt. Solange dieses Ziel nicht erreicht ist, sollen andere Maßnahmen zunächst zurückgestellt werden, es sei denn, daß sie, wie z. B. die Wasserversorgung, besonders vordringlich sind. In einem Runderlaß legt der Reichs- und Preußische Minister des Innern den Gemeinden nahe, durch Ansammlung von Rücklagen in den nächsten vier Jahren eine Motorspritze zu beschaffen. Bis zum Jahre 1940 soll das Ziel, Kraftfahrspritzen zum mindesten in einem Abstand von 15 Kilometer zu halten, erreicht sein. Deutsche weisende in der Tschechoslowakei Vorsicht! Es besteht Veranlassung, darauf hinzuweifen, daß Reichsdeutsche, die nach der Tschechoslowakei reisen, in Unkenntnis der dort bestehenden sehr strengen Gesetze in die Gefahr kommen, mit den dortigen Behörden in Konflikt zu geraten. Insbesondere muß vor unberechtigtem Photographieren gewarnt werden. Fragen nach militärischen Einrichtungen sind zu unterlassen. Unbedachter Verkehr mit Personen, die den dortigen Behörden verdächtig sind, kann genügen, um mehrmonatige Untersuchungshaft, gerichtliche Verurteilung und dauernde Ausweisung herbeizuführen. Die Anwendung des Deutschen Grußes ist in der Tschechoslowakei verboten. Deutsche Reisende müssen also bei einem Aufenthalt in der Tschechoslowakei in ihrem eigenen Interesse größte Zurückhaltung beobachten. Kinderbeihilfen in Ausnahmef * - ' Id &''Uten * w K «X*.: I Hau ü N ' j ^n >ns i ft bfr>«6i( * Nt bn 2lnN UK; te ^nQfe il ' werden die Muster ten Orte stattsmde 14. Mai: Lich, Muschenhem, Dbt 15. Mai: Bet Kellersheim, Ich Itphe. 16. Mai: Lan filonnenrotf), Obe: heim, Röthges, S Heuer 6rfok in ■ schotten, j brei Jahre verfloss Sigarrenfabri Wen »i- m-HI-'S Mine stau: . 11. Mi: Ettings Weickartshain, W Maulen. 12 Mai: Belte hacbach, Hattens Irutt), Remhardsh I 13. Mai: Allert Pdenhausen, Rud jo X Berdienst ma lf chäitignng finden' । röffnung eines : heute ohne weitere I eben Zigarrensab Iiabafe mengenmä Dtreimen Bemüh 1 der Industrie- un i Deutschen Arbeit- , das für die In, > teuer Zigarr Kontingent der Fi f| von der Tabak-Ue ! ge'prochen wurde, Die Lage versetzt ' fl|a 15. d. s. 1 Ech möglich, de I Smev.-Facharbeiter • t>'imit zu bieten; । jnodj weitere Ardei oöei werden, was c n nur wenig Jndustr 9 grüßt wird. bobe" 7 Lende i !»»,7 21., 22. i 16".. "hie Orte ° S-st-ll" denen w M * I L ötirob W1' ÄF# . 5 Mai: V 8.**^ ehr kn. enfälschung Mörlen Der Angeigeschäft in er mit 8er agt. Statt behielt fo zte änderte erst später ßinlöfuitg aus Bad- hwnenden afe von ft 100 Mk. erdichte bis Gefängnis- g, im &p- enftmüdchc sich buit; ansehnlich m, ein beider einen bas @elb -ren ffalle tzlich oer- hm eben' lirklichleit ickzahlung r Staats- um einen handelte. >en auf die it mit der t dem 24* eklagte tnot hall) tätig, arrer einen teten Trief ]gr ÜJZuttet wurde. Di' n 9 M°n er für ein- f nicht ab- ei Tafch^ geklagten fl Mark Geld- suchungsh°b il Der elfte öS E !K äk£ SZ w«*5 aersirht ö * «**! * $-r|,5 oblieg - W lieh-’ >$ Hbf«« ‘ l't) not, •Mm) I LL mer V. ,,e etwa ^'et mit und stieß ?• ® unter dabei nd.Kinn, J9 in das Werden. Reichs, ^ffurt usftellum, Sen und fl‘€n- 'hre Ä1 0rt5, ^uneben, d^r Kreis. • Nur beider Kreiz. gute und rden. Die durch baz über alle r Dritten t Q. M., iuahme len im fewirtfchaf. ^Handlung an wissen- für Vor. >aftlern in le der vor» tfche Kon. straße 28, 1 alsdann ltfcheidung gelung ist an Kon. fchen Aus. Die Tippgräfin. Vornan von Klothilde v Gteqmann l^heberrechtsschutz: Aufwärts-Verlag, Berlin, SW 68. 38 Fortsetzung Nachdruck verboten! 24. Kapitel. Zufallstücken. -Zs regnete in Strömen, als Mariella nach der ersten Nacht, die ihrer Entlassung aus dem Gefängnis folgte, die Augen aufschlug. Wo bin ich?, dachte sie und wurde langsam munter. Ach, sie war ja bei Renate. Es war das gemütliche kleine Man- saidenstübchen mit der breiten Couch, mit bunt- tlu migen Tapeten und den sparsamen, aber freundlichen Möbeln aus hellgestrichenem Holz. Es war ihie Zuflucht, und ein Tag wichtiger Ereignisse lag io- ihr. Zum ersten Male durfte sie ihre Eignung il; Pressephotographin beweisen. .'raus aus deen Federn!" kommandierte sie sich, irü sprang auf den Boden. Sie tat es mit beiden 8-inen zugleich — so war sie ganz sicher, nicht N7 dem linken Fuß zuerst aufgestanden zu sein. Dl läutete auch schon das Telephon. Ein Blick auf i Uhr belehrte Mariella, daß es sich wohl um inen sehr wichtigen Anruf handeln müsse. Denn -schatte eben erst sechs Uhr geschlagen. coie machte gerade ihre gewohnten Freiübungen, cchdem sie eilig ein kaltes Bad genommen, als tirnate in höchster Bestürzung, ohne anzuklopfen, u ihr hereingestürzt kam. .Mache uns bitte Frühstück, Kind! Die Rosen- hiu ist zwar ins Wasser gefallen" — sie wies u den gleichmäßig herniederrieselnden Regen —, a >er der Himmel hat für andere Arbeit gesorgt. Z ißt du, was über Nacht bis auf die Umfafsungs- icinern abgebrannt ist?" Mariella warf gerade ihr dunkelblaues Mantel- ei) mit dem roten Krägelchen, den roten Knöpf- >en und den roten Manschetten, das Lore ihr ge- h nkt hatte, über. ,'Nein! Keine Ahnung!" sagte sie. 'Senate machte ein so merkwürdiges Gesicht. ,!Frau von Gellerns Haus ist anscheinend einer Oberheffen. Illusterungs-Termine im Kreise Gießen Die Polizeidirektion Gießen hat in Gemeinschaft it dem Kommandeur des Wehrbezirkskommandos ießen im „Gießener Anzeiger" Nr. 79 vom April die Musterung der Jahrgänge 1913 und 116, sowie der bei der Musterung 1935 zurückstellten Dienstpflichtigen der Jahrgänge 1914 und 115, deren Zurückstellungszeit abgelaufen ist oder e nicht gemustert worden sind und sich nicht im esitze eines Musterungsausweises befinden, amtlich bekanntgegeben. Die Musterungen der Gestellungspflichtigen der Stadt Gießen laben am gestrigen 15. April begonnen und werten an folgenden Tagen weiter vorgenommen: . ,6., 17., 21., 22. 23., 24., 25., 27. und 28. April. Für die Orte des Landkreises Gießen [ jtnb folgende Musterungstermine vorgeschrieben, zu tonen die Gestellungspflichtigen in Gießen im Hause des Gesellschaftsvereins (Klub) zu erscheinen haben: 29. April: Wieseck, Alten-Buseck. 30. April: Annerod, Beuern, Burkhardsfelden, Vppenrod, Rödgen, Großen-Buseck, Trohe. 4. Mai: Albach, Garbenteich, Hausen, Holzheim, grüningen, Steinbach. 5. Mai: Klein - Linden, Watzenborn - Steinberg, toihgestern. 6. Mai: Allendorf (Lahn), Lang-Göns, Großen- Linden. 7. Mai: Heuchelheim, Daubringen, Treis (Lda.). 8. Mai: Lollar, Ruttershausen, Mainzlar, Stau- Miberg. 3n Grünberg nben die nachfolgend verzeichneten Musterungs- rmine statt: 11. Mai: Ettingshausen, Göbelnrod, Queckborn, Weickartshain, Grünberg, Lauter, Stangenrod, Stockhausen. 12. Mai: Beltershain, Bersrod, Geilshausen, iarbach, Hattenrod, Lumda, Weitershain, Linden- iruth, Reinhardshain, Reiskirchen, Saasen. 13. Mai: Allertshausen, Climbach, Kesselbach, 'denhausen, Rüddingshausen, Allendorf (Lda.), jonborf. In Lich r erben bie Musterungstermine für bte nachgenann- tn Orte ftattfinben: 14. Mai: Lich, Birklar, Dorf-Gill, Eberstabt, Huschenheim, Ober-Hörgern. 15. Mai: Bettenhausen, Hungen, Langsborf, I iellersheim, Jnheiben, Obbornhofen, Trais-Horloff, itphe. 16. Mai: Langb, Münster, Nieber - Bessingen, ivnnenroth, Ober-Bessingen, Rabertshausen, Rob- eim, Röthges, Steinheim, Villingen. Heuer Erfolq der Arbeitsbeschaffung in Oberheffen. * Schotten, 15. April. Es finb nun gerade Hei Jahre verflossen, seitdem die Schottener ft g a r r e nf a b r i k fast ununterbrochen still- Hegen hat, so daß etwa 50 Zigarrenarbeiter | Ine Verdienst waren, weil sie keine andere Be- ! ä-äftigung finden konnten. Eine Neu- bzw. Wieder- löffnung eines Zigarrenherstellungsbetriebes ist ^nte ohne weiteres nicht mehr möglich, da die einer । (Den Zigarrenfabrik zur Verfügung stehenden Roh- j ibake mengenmäßig genau kontingentiert sind. Den Direinten Bemühungen des Kreisamtes Schotten, i dir Industrie- und Handelskammer Gießen und der Rutschen Arbeitsfront ist es nun gelungen, daß bis für die Inbetriebnahme der Schot- t ner Zigarrenfabrik erforderliche Tabqk- D-ntingent der Firma Joh. Balth, Noll in Gießen pirn der Tabak-Ueberwachungsstelle in Bremen zu- j( prochen wurde, so daß die Gießener Firma in W Lage versetzt wurde, den hiesigen Betrieb an 15. b. M t s. zu eröffnen. Daburch ist es iiDlicf) möglich, ben schon lange stellungslosen Zi- zcrren.-Facharbeitern mieber einen Erwerb in ber i h imit zu bieten; es besteht auch bie Aussicht, baß j lief) weitere Arbeiter dort ihre Beschäftigung fin- 6(1 werben, was angesichts ber Tatsache, baß hier mr wenig Jnbustrie ist, von allen Seiten sehr begrüßt wirb. Landkreis Gießen. 00 Klein-Linben, 15. April. Nachbem am zweiten Osterfeiertag burch ben Ortsgeistlichen, Pfarrer König, eine Schulanfängerandacht in Gegenwart der Eltern und Paten gehalten worden war, wurden die ABC-Schützen am Mittwochvormittag in die Schule ausgenommen. 36 Kinder, nämlich 11 Knaben und 25 Mädchen, traten ihren ersten Schulweg an. = Steinbach, 15. April. Am Dienstagabend fand im Saale des „Einhorn" der Schlußabend des Säuglingspflegekurses der N S. - F r a u e n s ch a s t, verbunden mit einem Familienabend statt. Die Frauenschaftsleiterin Frau K l ü ck e r eröffnete den Abend mit einer Begrüßungsansprache und hieß die zahlreich erschienenen Gäste willkommen. Lieder, bargeboten von ber Frauenschaft, unb Gebichte, vorgetragen von Mitgliebern, umrahmten ein Theaterstück „Frauen ber Tat". Reicher Beifall lohnte bie wohlgelungene Aufführung. Schwester Tula Kliffmüller, bie Leiterin bes Kursus, sprach bann über bie Aufgabe bes Reichsmütterbienstes unb überreichte am Schlüsse ihrer Ansprache an bte Teilnehmerinnen bes Kursus, 33 an ber Zahl, bie Diplome. Eine Ansprache bes Ortsgruppenleiters, Bürgermeister Rink, schloß in ber üblichen Weise ben offiziellen Teil bes Adenbs. Bei Kaffee unb von ben Mitgliedern ber NS.-Frauenschaft selbst- gebackenen Kuchen blieben bie Mitglieber unb ihre Gäste noch gemütlich beisammen. Besonderen Beifall erntete in diesem Kaffeestündchen eine Frau der Frauenschaft, die in lustigen Versen über bie Erlebnisse im Kursus berichtete. * Lang-Göns, 15. April. Da bie Masernerkrankungen unter ben Schulkinbern stark angenommen haben unb in ben unteren Klassen über zwei Drittel aller Schüler nicht erscheinen können, würbe auf Anorbnung bes Kreisgesunbheits- amtes bie Schule ber hiesigen Gerneinbe, vorläufig bis zum nächsten Montag, ge- schlossen. — Zu Beginn bes neuen Schuljahres würben 37 Kinber — 21 Knaben unb 16 Mädchen — von Lehrer Conrad in die vierte Klasse ausgenommen. Im ganzen waren es 39 schulpflichtige Kinder. Nach ber ärztlichen Untersuchung durch das Kreisgesundheitsamt wurden zwei Kinder für nächste Ostern zurückgestellt. Drei wurden nur bedingt ausgenommen. Der alten Sitte entsprechend wurde jedem Schulanfänger eine Brezel, von ber Gerneinbe gestiftet, überreicht. — Nach ber Schulaufnahme, zu ber fast alle Abcschützen mit ihren Müttern erschienen waren, würbe bekanntgegeben, baß bie Kinber auf Anorbnung bes Kreis- gesunbheitsamtes vorläufig bis zum nächsten Montag nicht zur Schule kommen könnten, ba ber Unterricht — wie oben berichtet — ausfallen muß. Auch ber Kinbergottesbienst, ber aus Anlaß ber Schulaufnahme angesetzt worben war, fiel aus bem- felben Grunbe aus. ! Aus dem füblichen Kreise Gießen, 15. April. Bebingt burch bie Regenfälle ber vergangenen Woche unb bie Kälte ber letzten Nächte gab es im Zeitmaß ber Feibarbeiten eine Verzögerung. Aber nachdem anscheinend die Kälte- veriode vorüber ist, hat überall wieder ein starker Betrieb eingesetzt. Zur Zeit werden die D i ck - wurzkerne gelegt. Auch mit dem Setzen der Frühkartoffeln wurde begonnen. Wenn das gute Wetter anhält, werden wohl in ber nächsten Woche bie Spätkartoffeln an die Reihe kommen. — Die Baumblüte wurde durch die Kälte ebenfalls zurückgehalten, unb bas ist gut so. Schaden haben die leichten Fröste der letzten Nächte nicht angerichtet. Alle Obstsorten haben sehr reichlich Blütenknospen angesetzt. Vom Steinobst blühen zur Zeit Aprikosen, Pfirsich, Pflaumen und Frühzwetschen. Kirschen, Hauszwetschen unb Birnen folgen in ben nächsten Tagen. Die Apfelblüten sind noch zurück. In den Gärten wurden die ersten Aussaaten vorgenommen. Wintersalat und -spinat sind vorzüglich durch die Wintermonate gekommen und geben gute Ernten. Auch Stachel- und Johannisbeeren zeigen einen reichen Fruchtansatz. Q] Queckborn, 15. April. Am zweiten Osterfeiertag fand hier die Konfirmation unserer diesjährigen Konfirmanden statt. Es waren sechs Jungen unb sieben Mädchen, nämlich Karl Schom- nert, Ernst ffinrnerf, Hermann Hofmann, Ludwig Herzberger, Willi Linkmann, Karl Müller; Marie Reitz, Frieda Scheid, Paula Horst, Hildegard Röder, Eise Görnert, Erna Bück. Erna Junker. Äsungen, 15. April. Der Beginn des neuen Schuljahres zeigt eine hoffnungsvolle Entwicklung Brandstiftung zum Opfer gefallen. Ich soll es anstatt der Rosenschau sofort photographieren! Ich nehme das Auto. Du kannst ja doch nicht fahren und hast es auch mit dem Bus beguemer. Aber um Himmels willen, was hast du denn, Kerlchen?" „Die arme Tante Annina! Ihr Haus, auf das sie fo stolz war!" Tränen standen in Mariellas Augen. Geradezu fassungslos sah Renate dies. Mariella trauerte um ein Unglück, das Annina betroffen? Wieviel Seelengüte bewies dieses arme, geguälte Geschöpf gegenüber der Frau, die ihr so übel mitgespielt hatte! „Jago nehme ich mit! Wer weiß, wie gut ich ihn da draußen gebrauchen kann!" Renate Trotha unterdrückte ihre Rührung: „Und nun schnell! — Wir haben keine Zeit zu versäumen!" Herzog Enrico hatte in Rom seine geschäftlichen Angelegenheiten sehr schnell erledigt. Es drängte ihn, nach Berlin zu kommen. In zwei Tagen war er von Tanga nach Rom geflogen, und er brauchte nicht einmal diese Zeit, um daheim alles zu ordnen. Am Abend vor seiner Aoreise nach Deutschland ließ sich bei ihm noch der Antiquitätenhändler melden, der für ihn in allen Ländern kostbare Altertümer aufkaufte. Denn Herzog Enrico war ein leidenschaftlicher Sammler und gab große Summen aus, um feinen Bestand an wirklich wertvollen Altertümern zu vergrößern. Heute legte ihm der Händler einen kostbaren Schmuck vor. Als er ihn sah, erstarrte Herzog Enrico geradezu. „Das Halsband der Gironimo!" sagte er. „Wie kommen Sie dazu, Signor Berndi?" Enrico hatte auf den ersten Blick den Schmuck wiedererkannt. Er wußte von diesem Halsband, daß es zu den Bonagliaschen Familienjewulen gehörte, die er längst in Mariellas Besitz glaubte. „Nicht wahr, Durchlaucht, ein wunderbares Stück!" sagte der Händler beglückt. „Ich habe es von einem deutschen Juwelier in Berlin erworben." Hastig ließ sich der Herzog von seinem Bevollmächtigten über den Verkauf des Halsbandes durch Gerbweiler an Berndi Bericht erstatten. Aber leider konnte der Vertrauensmann des Herzogs ihm nicht viel darüber sagen. Die Tatsache des Verkaufs dieses Schmuckes bestimmte den Herzog, noch eiliger nach Berlin zu fahren. Wie schlecht mußte es Ma- unferer Realschule. Von hier unb von ben Nachbarorten, namentlich auch von Lich, treten 22 Schüler in bie Sexta ein. Dank ber Bemühungen bes Schulleiters, Assessor Kratz, wirb bie Schule von jetzt an bis zum Abschluß ber Untersekunba geführt, fo baß für solche Schüler, bie nicht noch bie brei obersten Klassen ber Oberrealschule besuchen wollen, ein Schulwechsel gespart ist. Kreis Friedberg. = Butzbach, 15. April. Am heutigen Vormittag mürben bie Schulanfänger nach einem Dorangegangenen Gottesbienst in bie Volksschule ausgenommen. Pfarrer Linbenstruth richtete in seiner Ansprache beherzigenbe Worte an Eltern unb Kinber. An bem Kirchgang nahmen sämtliche Schüler mit ihren Lehrern teil. Dor bem Gebäude ber Stabtfchule fanb im Beisein ber Schul- refruten unb beren Eltern bie feierliche Flaggen- hisfung statt, bei ber Rektor Bach zum Schulbeginn erMahnenbe Worte zu ben Kinbern sprach. Nach biefer Einführung würben bie Kleinen in zwei Klassen ausgenommen. — Die letzten starken Nachtfröste haben in bem hessischen Teile bes Taunus teilweise schon merklichen Schaben angerichtct. Bei ber niebriasten Nachttemperatur von 5 Grab Kälte finb stellenweise Aprikosen- unb Pfirsichblüten erfroren. Auch bie Kirschen haben gelitten, währenb blühenbe Pflaumen- unb Mirabellenbäume ohne Schaben burchgekommen finb. Kreis Schotten. * Schotten, 15. April. Dieser Tage scheuten in unserer Stabt zwei junge Vogelsberger Fahrochsen, bie kurz vorher vom Selgenhof nach Wenings verkauft worben waren. Die Tiere rückten in ber Richtung nach dem Oberwald aus. Einer der Ochsen konnte In Nösberts festgehalten werden, als er in einen Bauernhof lief. Das andere Tier wurde inzwischen bei Lanzenhain, bei Ruppertenrod und dann in Klein-Eichen gesehen. Es konnte aber bisher nicht gefangen werden. # Groß-Eichen, 16. April. Silberne Hochzeit feiern heute die Eheleute Installateur Karl Peter I. und Ehefrau Friederike, geborene Schombert. Herr Peter ist seit vielen Jahren Rechner der evangelischen Kirche, des Gesangvereins und neuerdings auch des Reichsluftschutz- buntes. Kreis Alsfeld. + Mücke, 15. April. Am Samstag, 18. April, feiert der Zweigverein Mücke des VHC. sein 25jähriges Bestehen. Am gleichen Tage vollenden der Vorsitzende Lehrer i. R. Jüngst und Bahnhofsvorsteher i. R. Rohm das 70. Lebensjahr. Beide gehören zu den eifrigsten Wanderern des Zweigoereins. 60. Militcirdienstiubiläum. Lpd. Marburg, 15. April. Der in Marburg feit 1919 im Ruhestand lebende Generalleutnant v. Dewitz begeht heute den Tag, an welchem er nach seiner Erziehung im Kadettenkorps vor 60 Jahren in das Heer eintrat. U. a. diente v. Dewitz in der Unteroffizierschule Biebrich und bei ben Marburger Jägern. Als Kommanbeur ber 77. Jnf.- Brigabe zog er 1914 an bie Westfront. Nach Auflösung seiner zusammengeschmolzenen Brigabe übernahm er 1918 bie 231. Jnf.-Division, mit ber er in bie Heimat zurückmarschierte. Zahlreiche Auszeichnungen würben bem oerbienten General zuteil. Ruderlehrer Kurt Brahm als Olympia- Trainer für Schweden verpflichtet. Ruberlehrer Kurt B r a h m, ber zwei Jahre lang bie Olympia-Zelle ber Gießener Rubergesellschaft betreute, würbe nunmehr enbgültig für bie Olympia-Vorbereitung ber schwebischen Ruberer verpflichtet. Osterfußbatt im TV. Londorf. Am 1. Osterfeiertag weilte bte erste Mannschaft zu einem Gesellschaftsspiel in Westerburg (Wester- walb) unb mußte nach einem schönen Spiel eine knappe 2:1-Nieberlage (Halbzeit 1:1) gegen ben spielstarken Gastgeber einstecken. Am 2. Feiertag hatte ßonborf die aktive Elf und die zweite Jugenbmannschaft von 1900 Gießen zu Gast. Nach anfänglich verteiltem Spiel ging 1900 in ber 15. Minute burch einen vom Halbrechten verwandelten Elfmeter in Führung. Gießen griff mit aller Frische an, um zu weiteren Toren zu kommen, fanb aber Lonborfs Hüter unüderwinblich. So ging es mit 1:0 in bte Pause. Nach Wieber- antritt brängte Londorf stark, unb nur bie Einsatzbereitschaft ber Verteibiger von 1900 verhütete ben Ausgleich; besonbers Zeller war es, ber ben Lon- borfer Stürmern immer mieber ben Ball abnahm. Die letzten Spielminuten gehörten ben Gästen, so baß ßonborf stark verteidigen mußte. Torschüsse von Heilmann und Enbers machte ßonborfs Hüter Hasselbach burd) sein großes Können immer wieder zunichte. Und so konnte 1900 Gießen mit 1:0 als glücklicher Sieger beim Schlußpfiff das Spielfelb verlassen. Vorher spielte 1900 zweite Jugend gegen die erste Jugend von ßonborf. Das Spiel gewannen bj£ Gäste verdient mit 2:1. Fußballabteilung des Turnvereins Alten-Buseck. Alten-Buseck I — Kickers 1910 Frankfurt a. 7N. 3:1 (1:1). Die Gäste, die ber ersten Kreisklasse angehören, waren ben Platzbesitzern in ber Technik etwas voraus. Die Einheimischen glichen aber burch erhöhten Eifer aus. Beibe Mannschaften gingen in scharfem Tempo ins Spiel. Alten-Buseck sicherte sich Mitte ber ersten Halbzeit bie Führung. Die Freube bauerte aber nicht lange. Im Anschluß an einen Eckball glichen bie Gäste aus. Mit 1:1 ging es in bie Pause. Nach bem Wechsel legten bte Gäste energisch los. Die Platzbesitzer hatten aber Glück I unb rissen bte Führung erneut an sich. Kurz barauf folgte auch ein brittes Tor. Die Anstrengungen ber Frankfurter biteben vergeblich. Bester Mann auf dem Spielfeld war der einheimische Torhüter. Er meisterte die schwersten Bälle. — Die Jugend von Alten-Buseck spielte vorher gegen die neugegründete Jugend von Allertshausen und gewann mit 5:1 Toren. Fußball im Turnverein Großen-Linden 1. F e i e r t a g : Großen-ßinden I gegen Tv. 1846 Gießen I 5:3 (2:2); Klein-ßinden 1. Jugend gegen Großen-ßinden 1. Jugend 2:2 (1:1); Klein-ßinden 2. Jugend gegen Großen-ßinden 2. Jugend 0:1 (0:0). Die 1. Mannschaft zeigte wieder einmal ein ansprechendes Spiel und konnte gegen die gute Turnermannschaft aus Gießen einen schönen Sieg landen. Die beiden Jugend-Mannschaften waren in Klein- ßinden zu Gast. Das Spiel der 1. Jugend endete nach einem dramatischen Kampf unentschieden, während die 2. Jugend überraschenderweise zu einem knappen Sieg kam. Großen-Linden Jugend gegen Germania 08 Marburg Jugend 2:4 (2:1). Mit der Verpflichtung der Marburger Jugend hatte man keinen schlechten Griff getan, denn bte Gäste führten ein Spiel vor, von bem manche Mannschaft lernen konnte. Dem Führungstor ber Gäste setzten bie Platzbesitzer sofort ben Ausgleich entgegen. Durch biefen Erfolg angefeuert, gingen bie Einheimischen mächtig aus sich heraus, unb in der 30. Minute schoß ber Halbrechte Fischer das Füh- rüngstor. Mit 2:1 für Großen-ßinden ging es in die Pause. Nach dem Wechsel erreichte das Spiel seinen Höhepunkt. Man sah jetzt ausgezeichneten Fußball. Kritische Kampfhandlungen gab es vor beiden Toren. Der Sturm ber Marburger war babei besser unb gewann. I.-Sp.-V. 1926 Steinbach. Steinbach I — Sportfreunde Wehlar I 3:5 (0:0). Am ersten Feiertag weilten die Sportfreunde Wetzlar in Steinbach. Die Gäste, Meister ihrer Gruppe, spielten einen guten Fußball unb bte ausgiebig ^und zahnpflegend, nachhaltig erfrischend riella bi Bonaglia gehen, wenn sie sich von biesem Familienschmuck trennte. Unb schon am Abenb reifte er über Alpen unb Brenner nach Berlin. Sein erster Weg war zu bem Juwelier am Kur- fürftenbamm. Hier hoffte er zuversichtlich, etwas Näheres über ben letzten Besitzer ober die Eigentümerin bes Schmuckes zu erfahren. Doch bte Er- funbtgung verlief resultatlos. Sehr enttäuscht kehrte Herzog Enrico zurück. Gerabe in bem Augenblick, als Mariella gleichfalls bas Hotel betrat. Sie kannten einander nicht. Sie wußte nichts von den geheimnisvollen Fäden, die ihr Schicksal miteinander verknüpften. Sonst wäre Mariellas Geschick wohl sofort glücklich gestaltet worden. Der Herzog war gerade im Fahrstuhl zu seinen Zimmern heraufgefahren, als Mariella sich bescheiden bei ber Anmeldung vorstellte. „Sie wollen für bie Wochenschau' ben Herzog ber Abruzzen photographieren?" würbe sie gefragt. „Ob er bas zuläßt, wissen wir nicht. Bitte Ihren Namen, gnäbiges Fräulein." Mariellas Herz klopfte zum Zerspringen. „Maria Novelli, bitte!" Der Page aber, ber biefen Namen notierte, schrieb: Marie Nofehli, Photographin ber Wochen- jchau", auf das Anmeldekärtchen nieder, das ber Herzog erhielt. Der Herzog sah nur flüchtig auf bie Karte. Er war sehr verärgert, weil es ihm nicht gelungen war, bie Tochter seines Freunbes, bes Prinzen Bonaglia, aufzufinben. So befahl er nur kurz, die Dame in feinen Salon zu bitten. Dort würde er ihr zur Verfügung stehen. Mit Mariella ging eine eigentümliche Veränderung vor. So ängstlich sie sonst war, auf einmal, besann sie sich ihrer Herkunft. Das Bewußtsein, einem Standesgenossen ihres Vaters unb einem ßanbsmann von ihr gegenüberzutreten, gab ihr plötzlich Sicherheit. Mit leichter Verneigung trat sie ein. Erstaunt musterte der Herzog Mariella. Was für ein wunderschönes Geschöpf war diese junge Pressephotographin!? Unb was für eine Haltung hatte sie?! Wie eine Dame ber großen Gesellschaft! Irgend etwas lag in ihrer ganzen Er- jcheinung, was ihn an die stolze und zugleich anmutige Haltung italienischer Aristokratinnen erinnerte. Eindringlicher musterte der Herzog dabei das wunderschöne Mädchen, das ihm voller Anmut und Grazie, doch mit einem ganz eigenartigen Stolz, den er eigentlich nur an Menschen seiner eigenen Kaste gewöhnt war, gegenübertrat. Höflich unb peinlich korrekt erwiderte sie seine gemessene Begrüßung — ganz die große Dame der Gesellschaft. „Wie wünschen Hoheit ausgenommen zu wer- den?" Das Weiche ihrer Aussprache fiel ihm auf — so hatte er oft seine ßanösleute, die lange hier lebten, beutsch sprechen hören. Unwillkürlich antwortete er ihr auf italienisch: „Come piace a Lei, Signorina! — Wie es Ihnen am angenehmsten ist, mein Fräulein!" Da sagte auch Mariella, ganz unwillkürlich: „Allora alla tavola a scrivere, Altezza! Dann bitte am Schreibtisch, Hoheit!" „Ah, Sie sind eine ßanbsmännin von mir, Signorina?" Mariella erschrak tödlich. Wie konnte sie so unvorsichtig fein? Nun würde er sie nach dem Namen fragen, nach diesem und jenem. Und sie, die dumme, törichte Mariella, mußte ihm Rede und Antwort stehen und ihn belügen. Das durfte sie aber wieder um Renates willen nicht. Und so murmelte sie nur ein paar Worte von italienischem Sprachunterricht vor sich hin und „deutscher Höflichkeit ausländischen Gästen gegenüber." Der Herzog gab sich den Anschein, als glaubte er ihr. ßiebensroürbig nahm er die Haltung ein. um bie Mariella gebeten hatte. Unb sehr schnell hatte sie bie Aufnahme gemacht. Aber in Wahrheit hatte ber Herzog Enrico gar nicht baran gebacht, biefe kleine Geschichte von bem Sprachunterricht zu glauben. So sprach man nicht italienisch, wenn man es nicht im ßanbe unb von klein an gelernt hatte. Dazu bie offensichtliche Verlegenheit bes schönen jungen Mäbchens. Irgend etwas stimmte ba nicht. Während Mariella ihre photographischen Utensilien wieder zusammenpackte, hatte ber Herzog vom Nebenzimmer aus bereits telephonisch die ahnungslose „Marie Nofehli" unter die Bewachung eines ihm bekannten Privatdetektivs gestellt. Der Herzog wollte um jeden Preis wissen, was es mit bem zarten, schönen Mäbchen mit ben blauen Augen unb bem süblichen dunklen Haar für eine Bewandtnis hatte. (Fortsetzung folgt 1) Steinbacher mußten sich mächtig anstrengen, um das ehrenvolle Resultat zu erzielen. Die erste Halbzeit verlief 0:0. Die 2. Halbzeit begann mit sehr schnellen Angriffen der Platzbesitzer, die hier unbedingt Tore schießen mußten. Aber sogar ein Elf- meter-Ball wurde an den Posten gejagt. Die Gäste waren glücklicher und erzielten die Führung und durch einen Elfmeter-Ball das 2:0 und waren in der Folge besser. Ihr Sieg war verdient. Beide Mannschaften spielten sehr fair. Schiedsrichter Decker- Garbenteich hatte ein leichtes Amt. HandballimKreisLahn-Dill(GauXU) Am ersten Feiertag weilte die Iugendmannschaft des Tv. Pohl-Göns zum Freundschaftsspiel in Lang-Göns zu Gast und mußte gegen die komplett antretende Lang-Gönser Iugendmannschaft eine hohe 13:3-Niederlage hinnehmen. Am zweiten Feiertag fuhren die Lang-Gönser zum Rückspiel nach Pohl-Göns. Sie mußten ihren Torwart ersetzen. In der ersten Halbzeit zeigten sie ein ganz überlegenes Spiel und lagen bereits mit 5:2 in Führung. Als aber gegen Mitte der zweiten Halbheit der Mittelläufer ausscheiden mußte und die Pohl-Gönser zum Endspurt ansetzten, konnten diese das Spiel mit 9:8 knapp gewinnen. Deutsche Rennwagen nach Tripolis unterwegs. Bon Monte Carlo führt der Weg der deutschen Rennwagen jetzt zur afrikanischen Küste, wo die Großen Preise von Tripolis und Tunis zu bestreiten sind. Sowohl Mercedes-Benz als auch Auto- Union haben bekanntlich für diese beiden bedeutenden Rennen gemeldet, beide Firmen werden mit ihren kompletten Rennmannschaften an den Start gehen. In Tripolis, wo am 10. Mai gefahren wird, hat Mercedes-Benz den im Vorjahre durch Cara- cciola errungenen Sieg zu verteidigen. Die Gegnerschaft wird diesmal ungleich schwerer sein, als vor Jahresfrist, denn die insgesamt 30 Nennungen umfassen alle Wagen und Fahrer von Rang. Mercedes-Benz, Auto-Union und Alfa-Romeo werden sich harte Kämpfe liefern. Es ist gut, daß das Rennen von Tripolis rund einen Monat nach Monaco erst gefahren wird. Die deutschen Rennställe finden dadurch hinreichend Zeit, die Schäden der im ersten Rennen der Saison so zahlreich gewesenen Unfälle zu beheben. — Eine Woche nach Tripolis startet man zum Großen Preis von Tunis, den im Vorjahre Varzi auf Auto- Union gewann. wichtiges Blatt in der Geschichte deutschen Sports bleiben wird. Ende Januar 1900 in Leipzig ge- §ründet und damals auch die deutschen Vereine Österreichs umfassend, nahm der DFB. nach dem Krieg einen zahlenmäßig gewaltigen Aufschwung, so daß Fußball der Volkssport Deutschlands wurde. Wenn sich heute rund 600 000 Aktive beim Fachamt Fußball gemeldet haben, so ist das der beste Beweis für diese Behauptung und gleichzeitig die Erklärung dafür, daß Deutschlands Fußbalisport auch in der Spielstärke gemessen am Können anderer Länder, auf hoher Stufe steht. Die Deutsche Sportbehörde für Leichtathletik entstand aus dem Ruf: „Heraus aus der Halle", in die sich die Turner, als Iahnsches Vorbild in eine gewisse Vergessenheit geraten war, zurückgezogen hatten. Die Jugend drängte zum Kampf, zum Spiel, wollte wieder laufen, werfen, und fpringen, statt Haltungsfreiübungen und mehr oder weniger starres Geräteturnen zu pflegen, und so machte sich die Leichtathletik, wie man es nun nannte, selbständig, Organisationsform wurde die „Deutsche Sportbehörde für Leichtathletik", gegründet Ende Januar 1898 in Berlin. Zu den ältesten deutschen Sportverbänden gehört der Deutsche Schwimmverband, zu dem sich 1886 in Berlin sechs Vereine zusammenschlossen. Er war natürlich in den ersten Jahrzehnten durch den Mangel an Schwimmhallen in seiner Entwicklung gehemmt, aber die großen sportlichen Erfolge im internationalen Wettkampf brachten ihm immer neue Anhänger. Vielleicht, daß das Streben nach Leistung all zu sehr betont wurde und darüber der Grundgedanke: „Jeder Deutsche ein Schwimmer", etwas in den Hintergrund trat. Erst jetzt, wo die große Zahl der in der Deutschen Turnerschaft vereinigt gewesenen Schwimmer zum Fachamt Schwimmen gestoßen ist, wo also das breite Fundament geschaffen ist, aus dem die Spitze wachsen kann, kommt man dem erstrebten Ziel einen gewaltigen Schritt näher. Der deutsche Rudersport beging in diesem Jahr sein hundertjähriges Bestehen, ist also der älteste reine Sport in Deutschland. Seit 1883 besteht der Deutsche Ruder-Verband, der immer vorbildlich geblieben ist durch die straffe Disziplin, und die strenge sportliche Auffassung, die er von seinen Mitgliedern verlangte. An den Grundsätzen, die ihm bisher zur Richtlinie dienten, braucht nicht das geringste geändert zu werden, sie haben sich bewährt und werden im neuen Bund für die jetzt noch größere Aufgabe eingesetzt werden. Der Deutsche Tennis-Vund besteht seit Mai 1902, wo er sich zwecks Wahrung und Förderung der Interessen des Tennisspor-ts in Deutschland gründete. Das Tennisspiel hat seitdem in Deutschland einen großen Aufschwung genommen, es hat längst die ursprünglich hemmenden gesellschaftlichen Grenzen durchbrochen und ist auf dem besten Wege, Volkssport zu werden. Würden alle Tennisspieler und -Spielerinnen sich zur Organisation bekannt haben, würde die Mitgliederzahl des Deutschen Tennis-Bundes wohl weit über Hundertausend betragen haben. Auch jetzt steht das Fachamt Tennis mit fast 80 000 ausübenden Spielern gegenüber anderen Sportarten recht günstig da. Zahlenmäßig nicht so stark, in sich aber durch hohe sportliche Auffassung gefestigt, hat der Der Weg zum Reichsbund. Auflösung von 13 Eportverbänden.—18. April: Geschichtlicher Tag i>es deutschen Sports. Der 18. April 1936 wird in die deutsche Sportgeschichte eingehen als der Tag, der unter eine ruhmreiche Entwicklung und Vergangenheit einen Schlußstrich zog, um den Weg in eine neue Zukunft zu ebnen. Dreizehn Turn- und Sportverbände, die ältesten und größten, führen ihre Abschlußtagung durch und beschließen, daß sie aus freiem Willen ihre bisherige Organisationsform aufgeben und sich zum großen deutschen Reichsbund für Leibesübungen zusammen- schließen wollen. Ebenso erklären die aus besonderen Gründen noch verbleibenden restlichen elf Verbände, daß sie sich in gleicher Weise der größeren Gemeinde verbunden fühlen. - Die Auflösung der deutschen Turn- und Sportverbände — es handelt sich um die Deutsche Turnerschaft, den Deutschen Fußball-Bund, den Deutschen Schwimm-Verband, die Deutsche Sportbehörde für Leichtathletik, den Deutschen Ruder-Verband, den Deutschen Tennis-Bund, den Deutschen Athle- tik-Sportverband von 1891, den Deutschen Reichsverband für Amateurboxen, den Deutschen Fechter- Bund, den Deutschen Hockey-Bund, den Deutschen Kanu-Verband, den Deutschen Ski-Verband und den Deutschen Eislauf-Verband — bedeutet den Abschied von einer jahrzehntelangen arbeitsreichen, manchmal recht mühe- und sorgenvollen, von Rückschlägen und Streitigkeiten getrübten, in sich oft zerrissenen und zerspaltenen Aufbauarbeit, zum anderen aber auch glänzender sportlicher Erfolge, innerer Beseelung und Erstarkung, zahlenmäßigen Aufschwungs. Sehr viel haben diese Turn- und Sportoerbände am deutschen Volk geleistet und trotzdem sind sie nicht an das Ziel gelangt, das dem Schöpfer des deutschen Turnens, dem Turnvater Jahn, vor 125 Jahren vorschwebte: jeder deutsche Mensch ein Turner, d. h. einer, der seinen Körper stählt und ertüchtigt, um ihn jederzeit in den Dienst eines einigen großen deutschen Vaterlandes stellen zu können. Dieses Ziel blieb Wunsch und Streben namentlich der Deutschen Turnerschaft, die ihm am nächsten kam, aber zeitgegebene Hemmungen und Hindernisse, politische, konfessionelle und rassische Einflüsse ließen sich nie überwinden. Die Deutsche Turnerschaft hat erst im vergangenen Jahr ihr 75jähriges Bestehen an der Stätte ihrer Gründung, in Coburg, gefeiert. Jeder, der der damaligen Festlichkeit beiwohnte, fühlte, daß der Geist, der in Coburg herrschte, bereits eine neue Zeit heraufführte. Man nahm Abschied von einer Vergangenheit, die jetzt auch organisatorisch ihren Abschluß findet in einem Augenblick, wo dieser älteste und ruhmreichste deutsche Verband für Leibesübungen, erfüllt mit der Sinngebung durch Jahn, befruchtet durch die Gedankenwelt des Nationalsozialismus, vielleicht auf dem höchsten Punkt seiner geschichtlichen Entwicklung stand. Jetzt hat die Deutsche Turnerschaft sich wieder ganz zu sich selbst zurückgefunden, und gerade aus dieser Besinnung heraus fühlt sie ihre geschichtliche Sendung als erfüllt und gab durch den Beschluß ihres Führerstabes vom 23. November 1935 in Berlin den Anstoß auch für die übrigen, vorwärts zu schreiten vom Verband zum Bund. Auch der Deutsche Außball-vund, Deutschlands größter reiner Sportverband, kann auf eine Entwicklung zurückblicken, die immer ein Deutsche Hockey-Vund nicht nur Aufbauarbeit für diesen Sport geleistet h sondern auch international eine Spielstärke geschas I fen, die uns in die Reihe der ersten Hockeynationeq H der Welt stellt. Das gleiche kann man von dem Rcichsverband für Amateurboxer, sagen. Boxen hatte lange gegen allerhand Dop, urteile, ja sogar gegen Verbote zu kämpfen, bi) es sich endlich als Kampfsport durchzusetzen ve^ mochte. Unsere heutige Zeit hat den charakterbildei, den Wert erst richtig erkannt, und seitdem ist eil unaufhörlicher Aufschwung zu verzeichnen. Zahlenmäßig unbedeutend ist der Fechtsport bei uns in Deutschland, ihm wurden durch di, nach dem Krieg erzwungene Aufgabe der allge meinen Wehrpflicht die stärksten Quellen für Nach wuchs und Anhängerschaft genommen. Schon bi« | nächsten Jahren dürften, nachdem wir wieder uw fer Dolksheer haben, und das Fechten auch organii jatorisch unter eine straffe Führung gestellt worden ist, hierin eine Besserung bringen. Don den beiden Wintersportverbänden, die jetzt ihre Abschlußtagung durchführen, ist der Deutsche Eislauf-Verband der ältere, er wurde bereits 1888 gegründet uni zählt jetzt (als Fachamt Eislauf) über 20000 aktive Eisläufer. Sechsmal so viel Anhänger sind beim Fachamt Skilauf eingeschrieben, womit der Deutsche Ski-Verband, der bisher organisatorisch neben der Deutschen Tua . nerschaft die Skiläufer betreute, der größte winten sportliche Verband der Welt war. Schließlich noch der Deutsche kanu-verbond, der jüngste deutsche Sportverband, der erst 1914 ü Hamburg gegründet wurde, in den rund zwanzig Jahren seines Bestehens aber eine so erfolgreich, . Arbeit leistete, daß sich heute zum Fachamt Kanu, 1 ■ sport schon fast 50 000 Ausübende gemeldet haben. Unbeschwert von allen Traditionen und damis seelischen Bindungen ziehen die deutschen Handballspieler in den Reichsbund für Leibesübungen ein, den, einen Deutschen Handball-Bund oder Verband hcj es nie gegeben. Die erste organisatorische Zusam, rnenfassung entstand durch die vorn Reichssporst führer verfügte Gründung des Fachamts Handball, dessen Mitglieder sich heute in der beträchtlichen Zahl von über 200 000 Aktiven hauptsächlich aus den Spielabteilungen der Turn- und Leichtathletik- vereine zusammenfetzen. Nur aus bestimmten organisatorischen Gründe, bleiben elf Sportverbände bestehen, die gleichzeitig auch die betreffenden Fach- ämter bilden, nämlich — nachdem vorher die verschiedenen gleichartigen Verbände, Vereinigungen, Bünde zu einem einzigen Fachoerband zusammen- geschlossen worden sind, — die Verbände für, Rad fahren, Kegeln, Schießen, Bergsteigen, Segelns Motoryacht, Golf, Tischtennis, Billard, Rodeln uiti Bobsport. Alte Verbandsflaggen werden am 18. April nie» dergeholt, an ihrer Stelle steigt die Flagge de; Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen al; einheitliches Symbol für alle empor. UWWMllWMWs! Wir bitten höflichst, Girlandenbestellungen zum 1. Mai bis spätestens 20. d. M. aufzugeben. 243H Wts-MtiMt* und WnimkWsUM GM Lichtspielhaus Gießen Ab heute Donnerstag Ein reizendes Lustspiel RE & I E i WILLI REIBER HAMMER etKOM-VlSU» mit Maria Andergast Wolfgang Liebeneiner, Georg Alexander Gretel Theimer, Joe Stöckel Beiprogramm und Ufa -Ton - Woche 2445A | Verschiedenes"! 5000 M. als Hypothek auf erstklassiges Geschäftshaus im Seltersweg gesucht.Schriftliche Angebote unter 2438D an den GießenerAnzeig. Verloren 2 gebr. Autoräd. mit Reifen in Gießen ob. Um- gebg. Nachricht erbitt.Dr. Blicbel, Gießen, Hitler- wall 31.01738 Verloren! Braune Geldbörse (Hufeisenform) mit Inhalt (zirka 21 Ä) am 11.4. 36 verloren. Abzugeb. geg. Bel. Wernerwall7H ManhläOQQ von3bis 20v*H- erhalten Sie bei wieder- NäCllläSSB holten Veröffentlichungen einer Anzeigei ff MW PILSNER Pastor Ernst Modersohn, Schriftleiter von „Heilig dem Herrn" und Schriftsteller aus Bad Blankenburg, hält am Sonntag, 19. Avril, vorm. 10 Uhr und nachm. 2 Uhr, 2 Glaubens- Versammlungen im Bibelheim „Flensunger Hof" (Station Mücke) ab, wozu jedermann herzlich eingeladen ist. 2434D Zu Mittag Eintoviessen imHeim. VecMt! Nun Ist der Tag nicht mehr fern, an dem Sie in Ihrem eigenen Heim walten werden. Erprobtes Hausgerät soll Ihnen dann die Arbeit erleichtern. Denken Sie rechtzeitig an Ihre Küchen-Aussteuer. Gehen auch Sie zu <1.1 läe Grieben am Oswaldsfiart Fernruf 2145/46 SÄadttheafier Gießen (Intendant H. Schultze-Griesheim) Sonntag, den 19. April: 4. Morgenfeier Alte Musik: Pergolesi: Trio G-dur, Dittersdorf: Konzert A-dur für Cembalo, Rosenmüller: Studeritenmusik; Rezitation von Anekdoten um Friedrich den Großen. Musikalische Leitung: Ernst Bräuer, Rezitation: KarlVolck. - Anfang 11.30Uhr. Ende 12.30Uhr. Preise: 0.20, 0.30, 0.50 Rill. Für Stammabonnenten Eintritt frei! Abends von 19 bis 22 Uhr: ZanVa'lz,en Undine Za^,,,en Romantische Zauberoper von Lortzing. Musikalische Leitung: Paul Walter. - Spielleitung: Paul Wrede. - Außer Abonnement. Preise von 0.50 bis 2.50 RM. 2437 D । PQLRST Giessen L Heute letzter Tag: Favorit der Kaiserin Ab morgen Freitag der neue, entzück. Husarenlustspielfilm: | Ab heute an! der Bühne: | 2446 A mit Mana Rökle, Hans Stüwe, Paul Kemp Lachen und Stimmung 3AFAROS sensationeller Luftakt Beiprogramm und neue Fox-Ton-Woche Unser Dieter hat ein Schwesterchen bekommen Dies zeigen in dankbarer Freude an Alfred Derron und Frau Anni, geb. Fughardt Oüffeldorf (Zietenstraße 57), den 14. April 1936 z. Z. Golzheimer Klinik 2440 d Gnädige Frau, werden Sie schöner je älter Sie werden! ELIZABETH ARDEN’S Assistentin ist am 20. und 21. 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Vorzustellen am Freitag, 17.Avril, vormittags 10 bis 12 Uhr, im Hotel Schiit?. 01740 Es -l Ls Mi -'M *■,*« Regime, das gegen den eri Russen stschi deutet grün für handelss allerdings mi der durchfahr diejenige dei Schwarzen 9 unbedingt dre passieren." yü ist ein Ausfchi ständig ein T Entscheidung ii kerbund. Lc anderen Gelee 30. Januar 19; schisse „Parisch und „Prvsintei zeitsseierlichkeit Prinzen in i Sewastopol, 1 Reparaturen Schwarzen I mächtig 31 Bis zu ein, der Sah, da Schwarzen 2 hohem Maße gebend, die p beeinflussen fi Pafcha wird klaren fein. 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