Hr. |90 Erstes Blatt M. Jahrgang ramstag,l5. August 1936 Erscheint täglich, außer Sonntags nnb Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle MonaU'vezugtpreis: Mtt 4 Beilagen RM.1.SL Ohne Illustriert« , 1.80 Zustellgebühr.. , -25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gieße« Postscheckkonto: Kranfturt am Main 11686 Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche UniverfitStr-vuch- mh6 Steinöndtrei B. fangt tu Stetzru. Zchrtstltitung und SeschSflrKelle: Schnlftratze 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8^/,Uhr des Dormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Textanzeigen von 70mm Breite 50 Rpf.,Platzvorschrift nach vorh.Dereinbg.25°/„ mehr. Ermäßigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf, Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Der Bürgerkrieg und die Mächte. Ribbentrops Weg nach London. Es mar in den letzten Tagen und Wochen, in der englischen Presse vielleicht mehr als in der Oeffentttchkeit selbst, einige Unruhe darüber ent- landen, daß der Platz des deutschen Bot- chafters am Hofe von St. James mer Monate ang unbesetzt geblieben mar. Im Unterhaus wurden neugierige Fragen an die Regierung gerichtet, die von Dem Unterftaatssekretär im Foreign Office, Lord Craneborne, damit beantwortet wurden, daß die Verzögerung der Neubesetzung nach dem Tode von Herrn von Hoesch deshalb begreiflich sei, rneil Deutschland nach London sicherlich einen seiner besten Männer zu senden beabsichtige. Lord Grane- borne wies auch darauf hin, daß es in der englischen Diplomatie einen gleichen Vorgang erst vor kurzem gegeben habe. Die Neubesetzung des wich- ttgsten diplomatischen Postens ist nun erfolgt. Der Führer und Reichskanzler hat Herrn von Ribbentrop zum Botschafter in London ernannt und damit eine Wahl getroffen, die in England durchweg volle Zustimmung gefunden hat. Es will schon etwas heißen, wenn der „Daily Telegraph", der sich sonst Deutschland gegenüber recht reserviert verhält, schreibt, daß der Führer England durch die Berufung von Herrn von Ribbentrop eine Ehre erwiesen habe. Es sei keine kleine Sache, daß Adolf Hitlers bisheriger Sonderbotschafter sich jetzt dauernd in England niederlassen werde. Die Wahl des Botschafters, der die Ansichten seines Führers so gut kenne wie nur noch zwei oder drei andere Männer, werde Edens Aufgabe als Mittler zwischen Frank- reich und Deutschland erleichtern. Es gibt ein eng» tisc^s Sprichwort vom „right man on the right place“, vom rechten Mann am rechten Ort. Aus Herrn von Ribbentrop trifft dieses Wort im vollsten Umfange zu. Er bringt nicht nur großes diplomatisches Geschick und politischen Takt für feine neue, gewiß nicht kleine Aufgabe mit; er verfügt nicht nur über sorgsam gepflegte, weitreichende gesellschaftliche Beziehungen. Er besitzt vor allem das vollste Vertrauen des Führers und Reichskanzlers. Er ist nicht nur der Repräsentant einer Behörde, sondern des nationalsozialistischen Deutschlands und seiner Außenpolitik schlechthin. Weniger freundlich waren die Stimmen, die von Paris her zur Ernennung Ribbentrops herüberschallten. Man unterschiebt dort dem neuen deutschen Botschafter in London die Absicht, Frankreich von England trennen zu wollen. Hat man denn in Paris vollkommen vergessen, was Herr von Ribbentrop nach Abschluß des deutsch-englischen Flottenvertrages dem Vertreter der Havas-Agentur erklärt hat, daß er es nämlich als feine Lebensaufgabe ansehe, ein gutes Einvernehmen zwischen England, Deutschland und Frankreich herzu- stellen? Oder ist man in Paris angesichts des spanischen Bürgerkrieges bereits so unsicher geworden, daß man Gefahren sieht, die in keiner Weise be- ftepen? Erst bei den letzten Unterhausdebatten ist wieder vollkommen klar geworden, daß England um keinen Preis von seiner engen Verbindung mit Frankreich lassen wird. Welche Garantien wollen die Franzosen eigentlich noch haben? Don englischer Seite ist ihnen erklärt worden, daß Großbritannien jederzeit zur Garantie und zur Verteidigung der holländischen, belgischen und französischen Ostgren- zen bereit sei. Der Führer und Reichskanzler hat wiederholt bekundet, daß es zwischen uns und Frankreich keinerlei territoriale Streitigkeiten mehr gebe. Die Spannung zwischen Deutschland und Oesterreich ist durch das Abkommen vom II.Juu beseitigt worden. Mit Litauen wurde ein Wirt- schaftsvertrag abgeschlossen, der auch politisch seine Auswirkungen haben wird. Der deutsche Friedens- Sian vom 31. März enthält die Bereitschaft zum lbschluß von Nichtangriffspakten mit allen östlichen Nachbarn Deutschlands. Man werfe also von fran- zosischer Seite nicht ein, daß Deutschland einen neuen Westpakt nur deshalb abzuschließen bereit fei, um freie Hand nach Osten zu besitzen. Daß zwischen West und Ost gewisse Verbindungen bestehen, wollen wir nicht bestreiten. Aber eine Lösung der Schwierigkeiten im Westen und Osten Europas wird nicht dadurch erreicht, daß man Ost- und Westfragen miteinander verkoppelt, sondern allein dadurch, daß man sie nach- und nebeneinander zu beheben sucht. Wir möchten m diesem Zusammenhang auf eine Unterredung Hinweisen, die der bekannte englische Politiker Lord Lothian einem deutschen 3ei5 tungsoertreter gewährt hat. Am Schluß dieser Unterredung heißt es: „Ich sehe in Hitlers Rede vom März die beste Basis, um den veränderten Verhältnissen Rechnung zu tragen. Hitler machte die Vorschläge — und wir sollen jetzt endlich Darüber diskutieren. Mit dem Westpakt sollte der Anfang gemacht werden. Das ist die Frage, die uns und die Europa zunächst am meisten angeht. Es gibt zwei diplomatische Schulen: Die eine behauptet, daH der Friede unteilbar ist, während die andere der Meinung ist, daß der Osten uns nichts anginge. Nach meiner Ansicht ist die eine wie die andere Forderung praktisch nicht durchführbar. Die Unteilbarkeit des Friedens hat sich als unmöglich erwiesen. Man kann aber andererseits den Westen nicht völlig vom Osten loslösen, denn die Ereignisse des Osters werden automatisch zu Rückwirkungen auf den Westen führen. Wenn auch Großbritannien keinerlei direkte Interesse im nahen Osten Hut, so kann es doch nicht völlig die Augen davor verschließen, was dort geschieht. Wir begnügen uns wit den Zusicherungen, die Reichskanzler Hmer im März gemacht hat. Die von ihm vorgeschlagenen Nichtangriffspakte mit Deutschlands Nachbarn wurden zunächst den Frieden im Osten sichern. 3n der gleichen Unterredung erklärte Lord Lothian, die Franzosen hätten anerkannt, daß die Periode von Versailles zu Ende sei. Um so un- Italiens Vorbehalte. Französische Zugeständnisse. Paris, 15. Aug. (DNB. Funkspruch.) Nachdem vor einigen Tagen Der Abschluß des Neutralitätsabkommens als prakttsch gesichert bezeichnet wurde, beginnen sich jetzt in Paris Stimmen zu melden, die an einer Einigung zweifeln. So schreibt der „Figaro", man habe den Eindruck, daß die überall auftauchenden Schwierigkeiten einen in gewisser Beziehung unentwirrbaren Zustand schufen. Trotzdem hoffe man, daß es gelingen werde, angesichts Der gefährlichen Möglichkeiten zu einer Überprüfung Der Schwierigkeiten zu gelangen. Auf die italienischen Vorbehalte soll die franzö- ische Regierung auf die Gesetze des Landes )ingeroiefen haben, die es ihr unmöglich machten, ich der Uebermittlung von privaten Sammlungen und der Einschreibung von Freiwilligen zu widersetzen. Hingegen werde ie eine Rekrutierungsorganisation auf französischem Boben nicht dulden. Die französische Regierung sei auch bereit, Die Ausarbeitung eines wirksamen Kontrollsystems zu prüfen. Unter diesen Bedingungen sollte es nicht schwer sein, binnen kurzem zwischen Paris und Rom zu einer Verständigung zu kommen, da im Grunde keine tiefen Auffassungs- gegensätze zwischen den beiden Hauptstädten be- tünben. Portugals Neutralität. Vorbehalt zum französischen Nichteinmischungsvorschlag. Lissabon, 15. Aug. (DNB. Funkspruch.) Der britischen Botschaft und der französischen Gesandtschaft in Lissabon wurde d i e Antwort der portugiesischen Regierung auf die Anrage hinsichtlich eines Nichteinmischungspaktes in Bezug auf Spanien übermittelt. Die portugiesische Regierung nimmt Die fron» zösifche» Dor schlösse grundsätzlich an, tnüpft jedoch an Die Zustimmung folgende Vorbehalte: Die Vorschläge gehen vor allem die Staaten an, die Waffen und Munition Herstellen oder große W a f f e n I a g e r besitzen. Weder für die Regierung noch für Die Privatwirtschaft Portugals trifft dies zu. Für Portugal kann daher nur der Durchgangsverkehr in Frage kommen. Wenn aber die waffen- und munitionserzeugenden Länder an keine der kämpfenden Parteien Spaniens liefern, wird es auch keinen Durchgangsverkehr geben. Die portugiesische Regierung weist ferner besonders auf Die geographische Lage Portugals als Nachbarland Spaniens und Die damit verbundenen Gefahren, die sich aus dem spanischen Bürgerkrieg ergeben könnten, hin. Sie behält sich daher Das Recht vor, so zu handeln, daß der innere Friede des Landes gewährleistet, das Leben, das Eiaen- tum und die Freiheit der Bürger geschützt und die nationale Unversehrtheit und Unabhängigkeit gesichert wird. Die portugiesische Regierung macht schließlich die interessierten Staaten auf D te Grausamkeit aufmerksam, mit der ter spanische Bürgerkrieg geführt wird und schlägt vor, daß bei Der Formulierung Des Paktes Methoden, die in Spanien angewandt werden, ausdrücklich verdammt werden. Nationalistischer Appell an Frankreich. Die Verantwortlichkeit der Linksregierung. Paris, 14. Aug. (DNB.) Der Rundfunksender von Sevilla veröffentlicht eine Verlautbarung, in der es u. a. heißt: „Infolge der Herstellung der Verbindung der nationalistischen Truppen im Norden und im Süden verengert s i ch das Netz um Madrid. Die Telegraphen- und Telephonverbindunqen zwischen den einzelnen von den Nationalisten besetzten Provinzen sind wiederhergestellt. Bei Gefangenen und Verwundeten der Marxisten hat man Anweisungen der republikanischen Linken erfinblicher ist es, daß man in Paris der deutschen Polittk Absichten unterschiebt, die niemals bestanden haben und niemals bestehen werden. Hier ist ein Widerspruch vorhanden, der nicht auf Dem Felde der Außenpolitik zu lösen ist, sondern der allein innerpolitisch bedingt ist. Der spanische Bürgerkrieg ift für Frankreich das Signal zu einer parteipolitischen Auseinandersetzung geworden, zu einer Machtprobe innerhalb der Dolksftont, zu einem zähen unterirdischen Ringen zwischen Kommunisten, Sozialisten und Radikalen, in dem Männer wie Selbes und Daladier bisher den Sieg Davongetragen haben. Wie lange aber werden sich Die Radikalen, hinter Denen ter größte Teil der französischen Wehrmacht steht, noch halten können? Das ist die entscheidende Frage die von den ftanzösischen Bemühungen um die Schaffung eines Neutralitäts- und Nichteinmiichur^s- paktes lediglich verdeckt wird. Für die französischen Kommunisten ist Der spanische Bürgerkrieg nichts weiter, als eine blutige Generalprobe. Sie werden, wenn es Moskau bestehlt, genau so losschlagen wie vor Drei Wochen die spanischen Kommunisten. Ob mit dem gleichen Erfolg, ist fteilich eine andere gefunden, aus denen die Verantwortlichkeit ü r bie Schreckenstaten Der roten M i - l i z e n hervorgeht, die alles, was man sich denken kann, übertroffen haben. Die nationalistische Regierung will nicht glauben, daß bie französische Regierung berartige Grausamkeiten billigen unb unter st ützen kann. Die Regierung Giral ist eine der hauptsächlichsten Ur« achen bes Zusammenbruchs in Spanien. In Ma- brib sind mehrere Generäle ter Reserve vor Gericht gestellt worben, weil sie sich geweigert haben, in ben Milizen ber Regierung Dienst zu tun. Die Lage ber Marxisten in Katalonien ift außerordentlich kritisch. Am Freitagvormittag hat erneut ein Flugzeug der Regierung 1940 Kilogramm Gold nach Paris gebracht." Frage. Es fehlen in Frankreich heute noch die meisten jener Voraussetzungen, die in Spanien vorhanden waren. Frankreich ist kein Land des ländlichen Proletariats wie Spanien. Frankreich kennt keine Uebermacht von Adel und Kirche. Frankreich hat feine große Revolution hinter sich. Deren Ergebnisse es niemals aufs Spiel fetzen wird. Es wäre daher gefährlich, ständig Parallelen zwischen Frankreich und Spanien zu ziehen. Dolksstimmun- gen find gewiß unberechenbar, und das Pariser Volk hat heute eine gewifse naive Freude an dem Spiel mit wirtschaftlichen und sozialen Experimenten. Das Pariser Volk hat aber auch feinen Stolz. In dem Augenblick, in dem es ahnt, daß es nichts weiter ist, als das Werkzeug Moskaus, wird eine Reaktion eintreten, deren Auswirkungen zweifellos nicht dem korrupten Parlamentarismus zugute kommen werden, in den auch die ftanzöfifche Rechte verfilzt ist, sondern neuen Kräften und neuen Bewegungen, die ihren Marsch erst angetreten haben. Wir Deutschen sehen Frankreich trotz aller politischen unb sozialen Zerrissenheit immer noch als Einheit. Wir verfallen nicht in ben Fehler, in ben vor ber Machtergreifung burch ben Nationalsozialismus Französische Gewerkschaftsführer auf der Fahrt nach Madrid. Paris, 14. Aug. (DNB.) Der Generalsekretär ber französischen marxistischen Arbeiterge- werkschaft L6on Jouhaux hat sich am Freitag in Begleitung Des Sekretärs ter Gewerkschaft im Sonderflugzeug nach Toulouse begeben, um von Dort aus Maorid zu erreichen. Jouhaux soll sich als Mitglied des von der europäischen Konferenz der marxistischen und sozialistischen Führer eingesetzten Ausschusses in die spanische Hauptstadt begeben. Er hat auf einer Sympathiekundgebung erneut gegen bie Neutralität Stellung genommen, die seiner Ansicht nach ter Militärgruppe zum Vorteil gereichen könnte. viele Franzosen verfallen waren, als sie von einem „unteren", das heißt ihrer Meinung nach besseren Deutschland sprachen. Wir wünschen dieses Frankreich stark, kräftig und aktionsfähig. Wir wünschen eine französische Regierung, die in der Lage ist, im Namen des gesamten französischen Volkes zu sprechen, das den Frieden mit Deutschland ebenso will wie mir Den Frieden mit Frankreich. Französische Reserveoffiziere reifen nach Sowjetrußland. Paris, 14. Aug. (DNB.) Eine größere Gruppe französischer Reserveoffiziere hat sich unter ber Führung des Vorsitzenden der Vereinigung der republikanischen Reserveoffiziere Frankreichs in Le Havre eingeschifft, um sich n a ch L e n i n g r a d zu begeben. Don dort aus werden die französischen Reserveoffiziere nach Moskau reifen, um die militärische Organisation Sowjetrußlands zu studieren. Auf der Rückreise werden die Franzosen in Warschau und in Prag mit bärtigen Reserveoffizieren Zusammentreffen. 38 englitoe Ingenieure von spanischen Kommunisten gefangen gehalten. Scharfer Protest der britischen Regierung. ßonbon, 14. Aug. (DNB.) Die Abendblätter bringen die Nachricht von ter Gefangennahme von 38 britischen Staatsangehörigen in ben Rio-Tinto-Bergwerken dureh rote Arbeiter. Der britische Zerstörer „Brazen" teilte durch Funkspruch ter Gesellschaft mit, daß die Kommunisten sämtlichen Engländern die Ausreise von Rio Tinto nach Huelva verweigert hätten. Huelva befinte sich in Den Händen der Militärgruppe. Die Syndikalisten, bie Die Rio- Tinto-Bergwerke besetzt hätten, bereiteten sich bar» auf vor, diese gegen die Militärgruppe zu verteidigen. Die Syndikalisten schienen die Abreise außerdem verweigert zu haben, weil nach der Abreise der britischen Ingenieure Die Bergwerke hätten sti11geleat werden müssen. Man befürchtet, daß das Leben ter 38 Engländer in Gefahr gerate, wenn es zu einem Zusammenstoß zwischen Den beiden Parteien komme. Ursprünglich hatten die beiden Parteien Die feste Zusicherung gegeben, daß die Engländer unter sicherem Geleit Spanien verlassen könnten. Die Gefangenhaltung der britischen Ingenieure und Beamten erregt in England beträchtliches Aufsehen. Mit Genugtuung wird in der Frühpresse ber scharfe Protest verzeichnet, den bie britische Regierung sowohl in Madrid als auch bei Der Vormarsth der MMgriiM. Die Einnahme von Vadajoz. GchwereStratzenkamPfe mit der roten Miliz. H e n d a y e , 14. Aug. (DNB.) Nach den letzten Nachrichten aus Burgos haben Die Truppen Des Generals Franco am Freitag die Stadt Badajoz besetzt. Ein großer Teil der roten Milizen ist nach Portugal geflohen. Nach Mitteilung des Generals Mola wird am Samstag Die normale Eisenbahnverbindung von Burgos über Estremadura nach Portugal sowie über Saragossa—Eanftanc nach Frankreich wieder ausgenommen. Auch die telegraphische und telephonische Verbindung von Burgos nach Sevilla ist wieder in Betrieb. Havas meldet aus Elvas: Die Artillerie Der Nationalisten hatte am Freitagmorgen um 7 Uhr ein heftiges Feuer auf Badajoz eröffnet, mehrere Flugzeuge warfen über der Stadt zahlreiche Bomben ab. Um 11 Uhr etwa wurde das Feuer eingestellt. Um 17 Uhr habe Dann d e r Angriff von neuem begonnen, nachdem die Nationalisten die Straße von Eircum Dallcium besetzt hatten. Etwa 3000 Mann roter Miliz und 500 Soldaten hätten die alten Mauern Der Stadt Stein um Stein verteidigt. Den ganzen Nachmittag über sei in Den Straßen unter glühenten Sonnenstrahlen gekämpft roorten. Durch Die Trinidad-Pforte seien Die er ft en Natio- naliften in Die Stadt eingedrungen. Die Regierungstruppen hätten sich in das alte der spanischen Botschaft in London hiergegen erhoben hat. In englischen Regierungskreisen wird der Fall, wie die „Morning Post" meldet, ernst beurteilt, es wird erklärt, daß deutliche Maßnahmen notwendig sein würden, falls man nicht umgehend eine Abreise der Angestellten der Bergwerksgssellschaft ermögliche. Man ist sich jedoch in London Darüber klar, daß der Erfolg des Protestschrittes völlig von Dem Maß der Autorität abhängt, das zur Zeit noch von der Regierung in Madrid bei Den örtlichen Behörden im Innern Spaniens ausgeübt wird. Als Grund für die gewaltsam verhinderte Abreise gehen zwei Lesarten um, während eine besagt, daß die Kommunisten im Bezirk von Rio- Tmto Wert auf eine Fortsetzung des Betriebes Der Kupfergruben legen, während die andere Lesart, der größere Wahrscheinlichkeit beigemessen wird, davon spricht, daß die Ingenieure und Beamten als Geiseln fe st gehalt en werden, um eine Beschießung des Bezirkes von Rio-Tinto durch die Truppen Der Militärgruppe zu verhindern. Jrn Hafen von Huelva liegt zur Zeit ein britischer Zerstörer, Der ausdrücklich zum Zwecke des Abtransportes der 38 britischen Staatsangehörigen von Rio-Tinto dorthin entsandt worden ist. Schloßviertel zurückgezogen, Das einem heftigen Bombardement Der Nationalisten ausgesetzt worden fei. Die Regierungstruppen hätten verzweifelten Widerstand geleistet. Das Fort von San Ehr ist ob al fei von Den Nationalisten bereits in Der Nacht zum Freitag genommen worden. Langsames Vordringen ans Malaga. Paris, 14. Aug. (DNB.) Wie Havas aus Gibraltar berichtet, soll Der Kreuzer „Jaime I ", Der nach früheren Meldungen nach einem Kampf mit nationalistischen Flugzeugen gesunken sein sollte, Freitag von Malaga nach Cartagena ausgelaufen fein, wo seine schweren Beschädigungen ausgebessert werden sollen. Havas meldet weiter aus Gibraltar, daß die Truppen der Nationalisten von La Linea und San Roque aus am Freitag den Ort G u a b i a r o am gleichnamigen Fluß sowie drei kleinere Ortschaften besetzt hätten. 200 Kommunisten seien im Lause der Kampfhandlungen getötet worden, und eine große Menge Munition, zahlreiche Maschinengewehre und Kraftwagen seien in Die Hände der Nationalisten gefallen, die nur 20 Tote gehabt hätten. Ani Freitagabend sei mit der Belagerung von Estepona ^begonnen worden. Es habe den Anschein, daß diese Stadt, die auf halbem Wege von La Linea nach Malaga liegt, noch einige Tage Widerstand leisten werde. Erst nach ihrer Einnahme sei ein weiterer Vormarsch an der Küste entlang auf Marbella und dann a u f Malaga möglich. Polen feiert -en Sieg über -en Bolschewismus. Der Jahrestag des „Wunders an der Weichsel". Warschau, 15. Aug. (DNB. Funkspruch.) Der Jahrestag des „Wunders an der Weichsel", der polnischen Entscheidungsschlacht über die Rote Armee im Iayre 1920 wird heute in ganz Polen als das Fest der Armee feierlich begangen. In allen Kundgebungen und Veranstaltungen ist die Wehrmacht eingeschaltet worden, um der Feier den Charakter eines Festes der gesamten Nation zu geben. Die nationaldemokratische Partei hat in den größeren Städten etwa 20 Großkundgebungen einberufen, die als antikommuni st ische Manifestationen gedacht sind. An den Gräbern der Helden, die in der Entscheidungsschlacht gegen die Rote Armee vor 16 Jahren fielen, werden Kränze niedergelegt. Den Höhepunkt werden die Militärparaden bilden. Für den Abend sind F e st s p i e l e und Volksbelustigungen geplant, die unter dem Motto „Es lebe die Armee" stattfinden werden. In Warschau ist ein unbedingtes Alkoholverbot bis Samstag-Mitternacht angeordnet worden. Die Presse veröffentlicht Leitartikel über die Einzelheiten der Entscheidungsschlacht, wobei insbesondere auch die hervorragende Rolle unterstrichen wird, die der Generalinspekteur Rydz - Smigly neben dem Marschall Pilsudsti bei den strategischen Entscheidungen spielte. GamelinsBefnch »«Warschau Französisch-polnische Generalstabsbesprechungen. Warschau, 14. Aug. (DNB.) Wie die polnische Regierungspresse meldet, fand am Donnerstagnachmittag eine zweistündige Konferenz im polnischen Generalinspektorat der Armee statt, an der von französischer Seite General G a - m e l i n, der Militärattache bei der Warschauer französischen Botschaft General d'Arbonneau und die französischen Offiziere, die General Game- lin nach Warschau begleiteten, teilnahmen, während von polnischer Seite neben dem Generalinspektor der Armee General Rydz-Smigly, der Chef des Generalstabes General Stach iewicz sowie die Offiziere des Generalinspektorats und des Generalstabes erschienen waren. Freitag früh begab sich General Gamelin in Begleitung zahlreicher Offiziere nach Rembertow, um die Zentrale der polnischen Jnfanterieausbildung zu besichtigen. Am Abend nahm der französische Gast an einem Essen teil, das Außenminister Beck gab und zu dem nur ein kleiner Kreis von Gästen geladen worden war. OieTrotzki-Ginowjew-Gruppe vor einem Gowjeigerichi. Moskau, 14. Aug. (DNB.) Die Telegraphenagentur der Sowjetunion meldet u. a.: Vom Volkskommissariat für innere Angelegenheiten wurde im Jahre 1936 eine Reihe terroristischer Trotz- ki-Sinowjew-Gruppen aufgedeckt, die auf direkte Anweisung des im Auslande weilenden Trotzki und unter unmittelbarer Leitung des sogenannten Vereinigten Zentrums, Trotzki-Sinowjew- Block, terroristische Akte gegen Leiter der Kommunistischen Partei vorbereiteten. Weiter konnte festgestellt werden, daß die Ermordung Kirows am 1. Dezember 1934 gleichfalls auf unmittelbare Weisungen Trotzkis und Sinowjews vorbereitet und ausgeführt wurde. Die Untersuchung ergab schließlich, daß Trotzki eine Anzahl von Terroristen aus dem Auslande nach der Sowjetunion geschickt bat, um Terrorakte gegen Leiter der Kommunistischen Partei und der Sowjetunion zu verüben. Es handelt sich dabei um: Olberg, Berrnan-Jurin, Fritz David, Nachan Lurje, Moises Lurje und andere. Der Anklagebefund ist vom Staatsanwalt der Sowjetunion bestätigt und dem Militärkollegium des Obersten Gerichtshofes zur Behandlung in offener Gerichtssitzung überwiesen worden. Dem Gericht übergeben werden: Sinowjew, Kamenew, Jewdokimow, Iwan Smirnow, Bakajew, Mratsch- kowski, ter Waaajan, Dreize, Golzman, Reinaold, Pikel, Olberg, Berman-Jurin, Fritz David (Kru- glanski), Moises Lurje, Nathan Lurje. Die Verhandlung wird am 19. August beginnen. ♦ Es ist recht bemerkenswert, daß die TASS, mit dieser Meldung gerade jetzt aufwartet, nachdem die gefährlichen bolschewistischen Umtriebe Trotzkis von antikommunistischen Kreisen außerhalb der Sowjetunion eben aufgedeckt und nachgewiesen werden konnten. Die Eile, mit der man in Moskau nunmehr aufs neue von der Trotzki-Sinowjew-Gruppe abzurücken versucht, erscheint genau so verdächtig wie der Lärm, mit dem dies geschieht. „Hinaus mit Trotzki!" Oslo, 14. Aug. (DNB.) In Oslo fand eine von „Nasjonal-Samling" einberufene Versammlung unter freiem Himmel statt, in der Advokat Hjort über das Thema sprach: „U t me t Trotzki!" („hinaus mit Trotzki!"). Die Versammlung, die von etwa 3000 Personen besucht war, verlief ruhig. Die Polizei war in Alarmbereitschaft, da die Regierung angesichts der etwas gespannten Stimmung mit Zwischenfällen rechnete. Die bürgerliche Presse gibt unter dem Eindruck des in den letzten Tagen zutage geförderten Materials, aus dem wohl ziemlich einwandfrei hervorgeht, daß Trotzki sich in Norwegen politisch betätigt hat, chre Zurückhaltung mehr und mehr auf und warnt vor den Gefahren, die derartige Umtriebe heraufbeschwören. Die Themse wird untertunnelt. In den ersten Septemberwochen wird mit dem Bau eines Tunnels unter der Themse begonnen werden, für dessen Ausführung drei Millionen Pfund veranschlagt und genehmigt worden sind. Die Untertunnelung wird etwa 35 Kilometer von der Themsemündung bei Dartford durchgeführt werden und eine schon seit langer Zeit dringend geforderte Verbesserung der Verbindungsmöglich, keit zwischen den Grafschaften Essex und Kent vrin- gen. Der einzige feste Uebergang der unteren Themse liegt nämlich etwa 20 Kilometer stromaufwärts von Dartford. Zunächst soll ein Führungstunnel von vier Meter Durchmesser und 800 Meter Länge gebaut werden. Die Anlage, für deren Durch- führung das britische Verkehrsministerium verantwortlich sein wird, soll etwa acht Meter unter dem Flußbett verlaufen. „Ich hasse den Krieg." Präsident Roosevelt über die Grundsätze der amerikanischen Außenpolitik. Washington, 14. Aug. (DNB.) Präsident Roosevelt hielt eine große außenpolitische Rede in Chautauqua im Staate Neuyork. Er erklärte, daß die Vereinigten Staaten keinerlei Raubabsichten hätten, sondern weiterhin unerschütterlich für die Erhaltung des Friedens und die Bei b e h a l t u n g einer gutnachbarlichen Politik einständen. Trotz böser Erfahrungen mit der Nichteinhaltung eingegangener Verträge habe die amerikanische Regierung bis zum bitteren Ende an der Abrüstungskonferenz mitgearbeitet und anschließend vergeblich einen Sondervertrag über die Rüstungsindustrie und den internationalen Waffenhandel angestrebt. Nachdem es klar geworden sei, daß ein* allgemeiner Flottenvertrag an dem Widerstand anderer Nationen scheitern würde, habe die amerikanische Regierung mit England und Frankreich einen bedingten Vertrag über gualitative Begrenzungen abgeschlossen, der leider ebenfalls Anzeichen des Verfalls aufweise. — Roosevelt unterstrich, daß die Vereinigten Staaten zwar Verpflichtungen ablehnten, durch die sie in ausländische Kriege verwickelt werden könnten und auch die Verbindung mit der politischen Tätigkeit des Völkerbundes ver- meiden wollten, daß sie jedoch mit ganzem Herzen an den sozialen und Humanitären Aus- a a b e n der Genfer Einrichtung, wie Rauschgifthandel, Kinderarbeiter, Verbesserung der internatio- nalen Arbeitsbedingungen und Volksgesundheit, mitarbeiteten. Die Vereinigten Staaten beabsichtigten keineswegs, sich zu isolieren, jedoch dürfe man nicht vergessen, daß, solange der Krieg auf der Wett bestehe, immer die Gefahr vorhanden sei, daß selbst die friedliebend sleRatlonlu einen Krieg hineingezogen werden könne. Roosevelt versicherte, daß die amerikanische Regierung nichts unternehme, was einen Krieg Hervorrufen oder unterstützen könne, und ries mit größter Betonung aus: „3 d) hasse den Krieg!" Scharf wandte sich der Präsident gegen die „modernen Fanatiker", die glaubten, als einzige die Wahrheit und das Recht gepachtet zu haben, gegen Religionskämpfe, gegen wirtschaftlichen und politischen Fanatismus und gegen „die kleine Schar der großen Kriegsgewinnler", die für die gegenwärtige Depression, indirekt sogar für die Gefährdung der amerikanischen Landwirtschaft durch Raubbau und damit für die Sand- stürme verantwortlich sei. Der Präsident warnte das ganze amerikanische Volk eindringlich, sich nicht von dem „Narrengold" eines eingebildeten Kriegswohlstandes einfangen zu lassen, und forderte seine Zuhörer auf, die Friedensbemühungen des Weißen Hauses durch positive Mitarbeit zu unterstützen. Zum Schluß sagte Roosevelt: „Wir beabsichtigen nicht, andere Nationen zu beherrschen. Wir wollen keine gebietsmäßige Ausdehnung. Wir bekämpfen den Imperialismus und wünschen eine Herabsetzung der Weltrüstungen. Wir glauben an Demokratie, Freiheit und Friede und bieten jeder Nation den Handschlag eines guten Nachbarn. Laßt diejenigen, die unsere Freundschaft wünschen, uns ins Auge sehen und unsere Hand annehmen." Englische Eindrücke vom neuen Deutschland. Oie Notwendigkeit eines neuen Vertragssystems für Westeuropa. Berlin, 14. Aug. (DNB.) Der Berliner Vertreter des „Hamburger Fremdenblattes" hatte Gelegenheit, sich mit Lord Douglas-Hamilton und dem Mitglied des Unterhauses Mister W e d - derburn über die Beziehungen zwischen Deutschland und England zu unterhalten. Lord Douglas-Hamilton erklärte u. a.: Die Begeisterung, mit der die Deutschen alle Sieger feierten, erschien mir um so bemerkenswerter, als ich mir sehr wohl bewußt bin, daß das deutsche Volk als Ganzes heute von leidenschaftlichem Patriotismus erfüllt und nicht mehr mit jenen Minderwertigkeitskomplexen behaftet ist, die es in den Jahren nach dem Weltkriege bedrückten. Was sich in Deutschland zugetragen hat, ist nicht bloß ein einfacher Regierungswechsel, sondern eine Revolution in jedem Belange. Im Auslande weiß man nicht zu würdigen, welcher ungeheure Wandel sich unter der nationalsozialistischen Regierung auf allen Gebieten des deutschen Lebens, im geistigen wie im sozialen und politischen, vollzogen hat. Deutschland vertritt heute, was man früher wirklich nicht behaupten konnte, eine starke und festgefügte Weltanschauung. Ohne jeden Zweifel erfreut sich die nationalsozialistische Regierung einer ungewöhnlichen Beliebtheit. Gerade das aber wird im Auslands häufig übersehen. Ich hatte wiederholt Gelegenheit, den Führer und auch den Ministerpräsident Göring in unmittelbarer Berührung mit der Bevölkerung zu erleben. Dabei konnte ich beobachten, daß das Wort Popularität dem Grade von Verehrung, die Adolf Hitler genießt, in keiner Weise entspricht. Es ist mehr als Popularität, es ist eine 21 r t von Gläubigkeit, die dem Führer von den Dolksmassen entgegengebracht wird. Göring, den man sich in England stets als ungeheuer ernst und fanatisch vorstellt, ist mir gleichsam als die deutsche Auflage des John Bull erschienen, also sehr viel freundlicher und gemütlicher, als man wohl im Auslande zu glauben geneigt ist. Alles in allem: Die Deutschen freuen sich offensichtlich wieder ihres Daseins. Die Erwerbslosigkeit ist auf ein Minimum gesunken und der wirtschaftliche Wohlstand ist unverkennbar. Es fällt einem besonders auf, wenn man aus dem Auslands kommt, daß es kaum einen Bettler in den Sttaßen gibt." Mister W e d d e r b u r n, der der Konservativen Partei angehört, erklärte u. a.: Für uns in England ist es, wie Sie verstehen werden, stets sehr schwer gewesen, das Ausmaß der kommun i- stischen Gefahr in Deutschland zu erkennen. Soweit es überhaupt Kommunisten in England gibt, werden sie mehr als eine humoristische Beigabe des öffentlichen Lebens betrachtet. Dennoch verschließe ich mich persönlich keineswegs dem gewaltigen innerpolitischen Risiko, dem beispielsweise Frankreich ausgesetzt ist. Als konservativer Engländer muß ich auch alles begrüßen, was geeignet erscheint, die kommunistische Gefahr in der Welt einzudämmen. Aus dem gleichen Grunde hat der Militärvertrag zwischen der Sowjetunion und Frankreich mich und andere ähnlich denkende Mitglieder des Unterhauses bedenklich gestimmt. Wir hatten das Gefühl, daß Frankreich sich auf diese Weise Bindungen an Moskau auferlegte, die vielleicht einmal eine Belastung seiner ganzen Politik werden können. Was die Beziehungen zwischen Deutschland und England anbelangt, so bin ich ehrlicher Anhänger einer freundschaftlichen und aufrichtigen Verständigung, deren derzeitige Schwierigkeiten ich natürlich nicht verkenne. Ich kann mich nicht ohne weiteres der deuffchen Beweisführung anschließen, wonach der Locarno-Vertrag durch den Sowjetpakt gebrochen wurde. Wohl aber steht es auch für mich außer Zweifel, daß der Abschluß des Sowjetpaktes die fernere Wirksamkeit des Locarno-Systemes zum mindesten problemattsch mache. Heute stehen wir vor der Ausgabe, e i n neues Vertragssystem im europäischen Westen auszurichten. Es muß ein Ersatz für L o - carno gesunden werden, und deshalb sehen wir in England den kommenden Verhandlungen mit der größten Spannung entgegen. Hierbei darf ich ohne Einschränkung bemerken, daß England sich bei aller Bereiffchaft, die es im Westen zeigt, i m Osten nicht zu binden gedenkt. Unser Standpunkt ist es, daß wir im Osten nicht noch weitere Verpflichtungen übernehmen können. Hier werden die Ost Mächte unter sich eine Formel für die Sicherung ihrer Grenzen finden müssen." Oie briiisch-ägyptz'sche Verständigung. Der Zaasaran-Vertrag. Man wird künftighin mit einem neuen Vertragswert, dem Zaasaran-Vertrag rechnen müssen, das das staatsrechtliche Verhältnis Aegyptens grundsätzlich umändert, den Staat selbständig macht und in ein Bündnisverhältnis zu England überführt. Der Vertrag führt den Namen nach einem Palast in der Nähe Kairos, wo die Verhandlungen zwischen dem englischen Kommissar Sir Miles Lampson und den Aegyptern stattsanden. Nahas Pascha, der Führer der Wasd-Partei, bisher einer der schroffsten Gegner Englands, wird sich nach London begeben, um das Friedenswerk, das paraphiert vorliegt, endgültig im Namen des ägyptischen Volkes zu unterzeichnen. Damit ist eine Entwicklung in ihr Gegenteil verkehrt worden, die vor 60 Jahren zur Besetzung Alexandriens durch die Briten führte und in deren Verlauf England im Sudan nach der Ermordung Gordons in Karthum feine Truppen allmählich oorfchob, um durch Lord Kitchener, der später den Beinamen of Carthum führte, die wilden Horden des Mahdi bei Omdurman zu vernichten. An und für sich hatte England ohne ägypttsche Beihilfe den Mahdi geschlagen, es hat daher immer wieder die ägyptischen Ansprüche auf den Sudan abgelehnt und das ganze Gebiet durch die Stauseen am Zusammenfluß des Weißen und des Blauen Nils für die Baumwollkultur reif gemacht. Aegypten, das erst durch den Weltkrieg seinen Kolomalcharakter verlor und in ein Protektorats- verbältnis zu Großbritannien geriet, erhob zwar Ansprüche auf den Sudan, aber diese Ansprüche wurden von London aus abgelehnt, und als der ägyptische Nationalismus im Jahre 1924 im Sudan einen Aufstand entfachte und der britische Generalgouverneur Sir Lee Stack ermordet wurde, schlug die englische Pranke zu. Alle ägyptischen Beamten und ägyptischen Ansiedler mußten den Sudan verlassen. Der Sudan unterstand unmittelbar der britischen Kolonialverwaltung. Im Rahmen des neuen Vertragswerkes ist nun auch ein Abkommen mit Aegypten über den Sudan geschlossen worden, wonach England die Zustände vor 1924 wiederherstellt und ägyptischen Beamten die Teilnahme an der Verwaltung der übrigens sonst durchaus britischen Kolonie Sudan gestattet und ferner den Aegyptern wirffchaftliche Zugeständnisse macht. Das eigentliche Vertragswert über Aegypten zerfällt in Abmachungen militärischer Art und in solche, die das staatsrechtliche Verhält- n i s Aegyptens neu bestimmen. Im Verlaufe des Abessinien-Konfliktes erhoben die ägyptischen Nationalisten Forderungen, die darauf hinauslaufen, daß das kleine englische Heer sich lediglich auf die Deschützung des Suezkanals beschränkt, Kairo usw., also das Innere des Landes, räumt und für Alexandria, das England zu einem Flotten st ützpunkt ausbaut, an die ägyptische Regierung eine Pacht zahlt. Die neuerstehende ägyptische Armee soll von britischen Offizieren instruiert werden. Das war ein Zurückweichen der Engländer, mit dem der ägyptische Nationalismus zufrieden sein kann. England behält die strategischen Linien, Aegypten dagegen erhält eine verhältnismäßig große Souveränität, auch im staatsrechtlichen Verhältnis. Aegypten ist nunmehr vollständig unabhängig, allerdings unter der Voraussetzung, daß es mit England verbün- d e t bleibt, und England hat sich auch verpflichtet, Aegypten in den Völkerbund zu bringen. Aber schließlich sind da noch die Kapitulationen, über die England nicht allein zu befinden vermag. In Aegypten bestehen, wie in den meisten orientalischen Ländern, sogenannte gemischte Gerichte, also internationale Gerichte, vor denen die Weißen sich im Falle der Kriminalität oder wegen Streites mit den Eingeborenen zu verantworten haben. Im Grunde spricht sich darin das Mißtrauen der Weißen gegen die Rechtspflege und Rechtssitten der betreffenden Länder aus, während die einheimischen nationalistischen Führer die Abschaffung dieser Sonderrechte für die Europäer verlangen. Diese internationalen Kapitulationen sind aber fein zweiseitiges Vertragswert zwischen Aegypten und Großbritannien, sondern von den meisten weißen Nationen unterzeichnet worden. England hat dem Drängen der Aegypter auf Aufhebung der Kapitulationen nachgegeben, aber anscheinend macht Italien in diesem Punkte Schwierigkeiten. Aegyptens Bevölkerung setzt sich aus 12 Millionen Fellachen, also den Nachkommen der alten Aegypter, aus etwa 1 Million Kopten, 750 000 Arabern, 250 000 Nubiern und 100 000 Negern zusammen, denen gegenüberstehen etwa 85 000 Griechen, 70 000 Italiener, rund 36 000 Engländer und rund 30 000 Türken sowie fast die gleiche Zahl Franzosen. Die Italiener sind also bedeutend stärker als die Engländer und sie befürchten nun, daß die Aufhebung der Kapitulationen, denen Griechenland sicherlich zustimmen wird, einseitig gegen sie gerichtet sein könnte, weil die Engländer schon durch ihren Bündnisvertrag mit den Aegyptern Mittel und Wege haben, um ihre Interessen zu wahren, während Italien z. B. bei Gerichtsverfahren vor ägyptischen Gerichten diese Druckmittel nicht besitze. Während des Krieges um Abessinien hat sich die italienische englandfeindliche Propaganda in Aegypten stark bemerkbar gemacht. Die Italiener versicherten, sie seien für die Abschaffung der Kapitulationen und für die Selbständigkeit Aegyptens. Jetzt, da England für die italienischen Ziele eintritt, meldet sich der englisch-italienische Gegen- satz und wenn auch die italienische Presse nicht direkt sagt, daß sie gegen die Abschaffung der Kapi- tulationen sei, die in einem internationalen Vertrag erfolgen muß, so läßt sich doch eine gewisse Mißstimmung in Italien nicht verkennen. Aufhebung -er hessischen Provinzial- un- Kreistage. Lpd. Darmstadt, 14. Aug. Mit Zustimmung der Reichsregierung hat der R e i ch s st a 11 h al- ter in Hessen als Führer der Landesregierung das folgende Gesetz im Namen des Reichs verkündet: „Die Provinzialtage und die Kreistage werden aufgehoben und ihre Zuständigkeiten auf die Prooinzialausfchüsse und die Kreis- ausschüsse übertragen. Der Reichsstatthalter in Hessen — Landesregierung — beruft und entläßt die Mitglieder der Provinzialausschüsse und der Kreisausschüsse und ihrer Stellvertreter unter entsprechender Anwendung der Vorschriften der Deutschen Gemeindeordnung. Soweit Beschlüsse der Provinzialtage und der Kreistage nach den bisherigen Vorschriften einer Genehmigung bedürfen, gilt dies auch für die von den Provinzialausschüssen und Kreisausschüssen gefaßten Beschlüsse gleicher Art. Beschlüsse, die ein Provinzialausschuß oder Kreis« ausschuß vor dem Inkrafttreten dieses Gesetzes in Angelegenheiten gefaßt hat, die zur Zuständigkeit des Provinzialtages ober Kreistages gehören, gelten als Beschlüsse des Provinzialtages ober Kreistages. Dieses Gesetz tritt mit bem auf bie Derkünbung folgerten Tage — 22. Juli — in Kraft. Zur Durchführung und Ergänzung bieses Gesetzes kann ber Reichsstatthalter in Hessen — Lanbesregierung — Rechtsverordnungen und allgemeine Verwaltungs- Verordnungen erlassen." Das Programm für die O ympisthe Schlußseier. Berlin, 14. Aug. (DNB.) Die Schlußseier ber XI. Olympischen Spiele wirb in dem gleichen festlichen Rahmen gehalten wie der Eröffnungstag. Um 18.00 Uhr leiten die „Olympia-Fanfa- r e n" von Paul Winter die Feier ein. Unter den Klängen, des Möllendorfer Parademarsches erfolgt der Einmarsch der Nationen mit den Fahnen. Darauf hält der Präsident des IOK., Graf de Baillet-Latour, die Schlußansprache. Gleichzeitig erscheinen auf der Anzeigetafel bie Worte Coubertins: „Möge die Olympische Flamme leuchten durch alle Geschlechter zum Wohle einer immer höher strebenden, mutigeren und reineren Menschheit." Das „Opferlied" von Beethoven, ausgeführt vom Olympischen Sinfonieorchester und dem Reichsverband der gemischten Chöre Deutschlands leitet Zur Niederholung der Olympischen Flagge über. Mädchen bekränzen bie Fahnen ber Nationen und befestigen baran bas olympische Erinnerungszeichen. Der „Fahnenabschied" von Häffner erklingt von Chor und Orchester und unter Salutschüssen einer Artillerieabteilung wird die Olympische Flagge eingehüllt. Nach einer Minute stillen Gedenkens läutet d i e Olympische Glocke. Auf ein Fanfarensignal wird die Olympische Flagge in die Ob Hut ber Stabt Ser- (in gegeben. Es sprechen der Bürgermeister von Los Angeles, der Präsident des IOK. und der Staatskommissar der Stadt Berlin. Zum Abschluß spielt das Olympische Symphonieorchester den „O l y m p i a - A u s k l a n g" von Fechner. An der Anzeigetafel erscheinen die Ländernamen Deutschlands, Griechenlands und Japans als Träger der XL, I. und XII. Olympischen Spiele. Zugleich gehen an den Siegermasten die Fahnen dieser Länder hoch und eine Stimme erklingt: „I cd rufe die Jugend der Welt nach Tokio. Ein Chorgesang, der in gemeinsamen Gesang übergeht, schließt sich an. Während ber letzten Strophe läutet bie Olympia-Glocke zum Einholen der Fahnen aller Nationen. Englische Anerkennung. London, 15. Aug. (DNB. Funkspruch.) Zum bevorstehenden Abschluß der Olympiade schreibt ber „Daily Telegraph" u. a.: Nach Beenbigung ber Spiele bleibt uns nur noch übrig, allen denjenigen, die für die vollkommene Organisation verantwortlich waren, herzlichen Beifall zu zollen. Der Berliner Organisation gleich zu kommen oder sie gar zu übertreffen wird in Zukunft anderen Hauptstädten schwierig sein. Den deutschen Behörden war es eine Frage der nationalen Ehre, nichts ungeschehen zu lassen, was zum Erfolg der Festlichkeit beitragen konnte. Die Tatsache, daß Hitler nicht nur bei der Eröffnungsfeier, sondern auch später während der wichtigsten Wettbewerbe als höchstinteressierter Zuschauer zugegen war, hat erheblich zu dem Ruhm eines Treffens beigetragen, bas sich durch feinen hervorragenden sportlichen Geist sowohl unter den Zuschauern als auch unter den Teilnehmern auszeichnet. Von diesem Gesichtspunkt aus muß die Berliner Olympiade als eine der glänzendsten in der Reihe der neuzeitlichen Olympiaden gelten. W K i - ' A« iÄ < «K K; * ' - M K * und Gartenempfang bei Generaloberst Göring Generaloberst G ö r i n g an der Ringbude bei dem von ihm zu Ehren der ausländischen Gäste veranstalteten Gartenfest. — (Presse-Jllustration-Hoffmann-M.) Orqanisationskomitee, die Präsidenten der Ratio- sorgten Mimsterpraswe nalen Komitees und den Deutschen Olympischen für jeden ihrer Gaste. Ausschuß, Mitglieder der Reichsregierung und Partei, 1 Aus aller Welt Bild mit eigenhändiger Unterschrift. sein ent- dem Der Führer bei den Ruderern. Reben ihm Reichs- Innenminister Dr. Frick. — (Scherl-Bilderdienst-M.) wegen des schlechten Wetters nicht ausgetragen werden. Das Olympische Hockey-Turnier wird nun am Samstagvormittag entschieden. Im H a n d - ball-Turnier errang die deutsche Mannschaft die Goldene Medaille durch einen schwer erkämpften 10:6-(5:3-)Sieg über Oesterreich. den. Lasus versuchte nun am Donnerstag zu entfliehen. Plötzlich entriß er einem Gefängnisaufseher den Karabiner und erschoß drei Beamte. die sich ihm in den Weg stellten. Er gelangte auch ins Freie, wo er jedoch von einer Kugel seiner Verfolger am Fuße verletzt wurde. Als er keinen Ausweg zur Flucht mehr sah, erschoß er sich mit dem Karabiner selbst. Als Folge dieses Vorkommnisses wurde der Gefängnisdircktor durch den Gouverneur der Provinz seines Amtes hoben. Anschließend hat der Gouverneur selbst Innenminister seinen Rücktritt angezeigt. Unglück in einem Eisenbahntunnel. In einem Tunnel zwischen Beringshausen Vertreter der Luftwaffe, von Heer und Marine, SA. und SS. Don den vielen Gästen sollen die vier tapferen deutschen Sportlerinnen nicht vergessen werden: die deutsche Frauenstaffel, die den sicheren Sieg um die Goldmedaille vor Augen durch ein unverdientes Mißgeschick aus den Kämpfen ausscheiden mußte. In einer Ecke des Gartens war ein Vereitelter Ausbruchsversuch aus einem argentinischen Gefängnis. Der schwere Bankraub in der Hafenstadt Santa Er uz in der südargentinischen Provinz Patagonien, der im April 1935 in ganz Südamerika das größte Aufsehen erregte, hatte jetzt ein dramatisches Nachspiel. Nach langwierigen Nachforschungen der Polizei war vor einiger Zeit in Buenos Aires als einer der Bankräuber e t n Hotelbesitzer aus Santa Cruz namens Caius verhaftet und in das Gefängnis von Rio Gallegos am Südzipfel Argentiniens eingeuefert wor- Sechs Goldene Medaillen für Deutschland. Große Erfolge der deutschen Ruderer.-Deutscher Sieg im Handball.-Goldene Medaillen für Amerika und Holland im Schwimmen.-Amercka Olympiasieger im Basketball. Die deutschen Olympia-Sieger von ^eichöministerDr^rick empfangen Berlin, 14. Aug. (DNB.) Der Reichs- und preußische Minister des Innern Dr. Frick hatte die deutschen Olympia- Sieger und -Siegerinnen in das Reichspräsidentenpalais geladen, um ihnen eine besondere Ehrung zuteil werden zu lassen. Dr. Frick sagte, es sei ihm, als dem für die Vorbereitung und die Durchführung der XI. Olympischen Spiele zu Berlin zuständigen Minister ein Herzensbedürfnis, allen Männern und Frauen den herzlichsten Dank und die Anerkennung für ihre hingebende Arbeit und für den Erfolg derselben auszusprechen. Wer die überwältigenden Siege der Deutschen anläßlich der Berliner Olympiade mit jenen Siegen vergleiche, die die deutsche Olympia-Mannschaft im Jahre 1932 in Los An- g e l e s errungen hat, der mußte zugeben, daß em so gewaltiger Erfolg des deutschen Sportes auch von den optimistischsten Deutschen kaum für möglich gehalten worden sei. Diese Siege seien gewiß kein Zufall, sondern sicherlich auch zu einem großen Teil ein Erfolg de s D r i t t e n R e.• ches. Der Reichsminister gedachte des Mannes, der erst die Voraussetzungen geschaffen habe, daß sich der deutsche Sport in kurzer Zeit so glanzend Berlin, 14. Aug. (DNB.) Zu Ehren der ausländischen Gäste hatten Ministerpräsident Generaloberst Göring und Frau Göring zu einem Gartenfest in ihrem Hause eingeladen. Es wurde ein Abend froher Geselligkeit, der den Gästen Deutschlands aus der ganzen Welt ein selten schönes Beispiel persönlicher Gastfreundschaft bot. Die prachtvollen Vorführungen des Balletts der Staatsoper, eine Reihe geschickt vorbereiteter Ueberraschungen und eine geschmackvolle, mit einfachsten Mitteln erreichte Ausschmückung des Gartens trugen nicht wenig dazu bei, ein Fest ungezwungener, herzlicher deutscher Fröhlichkeit zu feiern. Wohl selten hat man so viele Ausrufe der Freude und Bewunderung in allen Sprachen der Welt gehört wie an diesem Abend. Man sah König Boris von Bulaarien. Erbprinz Gustav Adolf und Erbprinzessin Sybilla von Schweden, Prinzessin Axel von Dänemark, Kronprinz Paul von Griechenland, zahlreiche Minister ausländischer Staaten, das Diplomatische Korps, das Internationale Olympische Komitee, das entwickeln konnte, dem allein es zu danken sei, daß die sportlichen Anlagen in Garmisch-Partenkirchen, in Grünau und am Reichssportfeld in so großzügiger Weise hergestellt werden konnten, daß sie heute von der ganzen Welt bewundert werden. Der Führer selbst habe Tag für Tag die Kämpfe und Spiele verfolgt, und es ist gewiß mancher deutsche Sieg diesem Umstande zuzuschreiben. Dr. Frick schloß mit den besten Wünschen an alle deutschen Olympia-Sieger für ihre künftige Laufbahn mit einem Sieg-Heil auf den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler. Hierauf überreichte der Reichsminister den Siegern und Siegerinnen zur Erinnerung an die denkwürdigen Erfolge der deutschen Sportler Heiner Schützenplatz eingerichtet, in dem typische deutsche Landschaftsbilder, so eine Schwarzwald- mühle, ein Rheindampfer mit dem Drachenfels usw. hervorgezaubert waren, während die helfenden Kräfte die dazu passenden altdeutschen Trachten trugen. Da gab es für die Damen Ball- und Ring- roerfen, für die Herren eine Schießbude, ein Karussell, einen lustigen Kunstflugapparat, der viele heitere Zwischenfälle brachte, in Kleinformat das Original des Nürnberger Bratwursthcrzles u. a. m. Schnell entwickelte sich ein buntes Treiben, eine Stimmung der ungezwungenen Heiterkeit, die manch neues Band zwischen ausländischen und deutschen Gästen knüpfte. Mit herzlicher Aufmerksamkeit sorgten Ministerpräsident Göring und seine Gattin in der 4X100-Meter-Staffel derFrauen. Die deutsche Staffel Halbsguth, Lohmar, Arendt, Schmitz holte hinter Holland, das feine großen Schwimmerinnen Selbach, Wagner, den Ouden, Maftenbroek ins Rennen schickte, die Silberne Medaille vor USA. Im Wasserball kämpften Belgien und Frankreich gegeneinander. Die Belgier siegten mit 3:1 (1:0). Damit schien der dritte Platz an die Belgier gefallen zu sein. Im Anschluß daran traten die Mannschaften von Deutschland und Ungarn zum mit größter Spannung erwarteten Ent- scheidungskampf um den ersten und zweiten Platz an. Die Entscheidung siel aber nicht, da sich die beiden Mannschaften 2:2 unentschieden trenn- ten. Ungarn war durch Nemeth und Brandy zwei- mal in Führung gegangen und zweimal hatte Schneider für Deutschland ausgeglichen. Durch dieses Unentschieden bekamen die beiden restlichen Spiele des Samstags — Deutschland gegen Belgien und Ungarn gegen Frankreich — eine nicht erwartete Bedeutung. Wenn Deutschland und Ungarn siegen, dann entscheidet das bessere Torverhältms über den Olympia-Sieg. Im Hockey-Turnier sollten am Freitag die Endspiele zwischen Holland und Frankreich um den dritten Platz und zwischen Deutschland und Indien um den Olympia-Sieg ausgetragen werden. Holland—Frankreich fand statt, die Holländer siegten knapp mit 4:3 (2:1) und gewannen damit die Bronzemedaille, aber Deutschland — Indien konnte gab cs so einen deutschen Sieg! Um den dritten das Herannahen der Lokomotive bemerkt und ord- Platz kämpften Ungarn und die Schweiz, nungsmäßig ein Signal für die im Tunnel Ar- Die Eidgenossen gewannen mit 10:5 (7:2) und er- beitenden gegeben, das jedoch von Henkel, der mit halten dafür die Bronzene Medaille. Im Basket- einer Bohrmaschine arbeitete, nicht gehört ball feierte USA. den erwarteten Olympia-Sieg wurde. Koch wollte daraufhin den Henkel noch zull b e r Kanada mit 19:8 (15:4). Die weitere rückreißen, wurde aber dabei selbst von der Ma- Großer Felssturz im Kanton UrL Nachdem sich bereits vor einigen Tagen an den Berghängen oberhalb des Dorfes Silenen im Reuß- tal größere Felsmasien gelöst hatten, wobei zwei Häuser vernichtet wurden, erfolgte am Freitagmorgen ein neuer großer Bergsturz. Insgesamt lösten sich gegen 200 000 Kubikmeter Gestein und stürzten zu Tal, wobei einige Waldparzellen und Wiesen zerstört wurden. Die Hauptmasse des abgestürzten Gesteins blieb in den bereits durch den ersten Bergsturz verschütteten Wiesen liegen. An Pilzvergiftung gestorben. In Neunkirchen hatten drei Jungen im Alter von 9 bis 13 Jahren im Steinwald Pilze gesammelt. ।Der neunjährige B. aß einige Pilze in rohem Zu st and. Es stellten sich kurz darauf heftige Ma- I genschmerzen ein. Man orachte den Jungen zu einem Ärzte, der die fofortige Ueberführung ins Krankenhaus anordnete. Der Junge ist darauf an Pilzvergiftung gestorben. — In Ottweiler erkrankte eine ganze Familie nach dem Genuß von Pilzen. Während die übrigen Familienmitglieder sich bald wieder erholten, ist eine Frau an den Folgen der Pilzvergiftung g e st o r b e n. Polizei gegen Lepra-Kranke. Die Tokioter Zeitung „Kokumin" berichtet über Unruhen, die in dem japanischen Lepra- Lager Magaschima ausgebrochen seien. Die Ursache zu diesen Unruhen, bei denen 80 Kranke das Verwaltungsgebäude demolierten und die Beamten angriffen, soll in der Nichtbewilligung erhöhter Löhne und auch darin zu suchen sein, daß man es abgelehnt habe, im Laaer eine nur vierstündige tägliche Arbeitsleistung für die Kranken einzuführen. — Polizei ist eingesetzt worden, um weitere Uebergriffe zu verhindern. „Stuf der schwäbischen Eisenbahn." Ein nicht alltägliches Ereignis begab sich auf der Zabergäubahn. Das fahrplanmäßig um 8.40 Uhr in ßauffen a m Neckar eintreffende „Zügle" kam nämlich „ohne" Wagen an. Auf der Haltestelle Hausen a. d. Z. hatte sich wahrscheinlich die Kuppelung gelöst, und als das Signal zur Abfahrt ertönte, fuhr die Lokomotive allein gen ßauffen. Die Zurufe der Fahrgäste und das Signal des Zugführers verhallten ungehört. Erst auf dem Bahnhof in Lauffen stellte man das Fehlen der Wagen fest und mußte rasch noch einmal zurückfahren, um diese zu holen. Ehrung einer hundertjährigen. Der Führer und Reichskanzler hat der Frau Friederike Becker in Raesfeld Kreis Borken in Westfalen aus Anlaß der Vollendung ihres 100. Lebensjahres ein persönliches Glückwunschschreiben und eine Ehrengabe zugehen lassen. Den Erfolgen der deutschen Olympia-Kämpfer und -Kämpferinnen, die schon im bisherigen Verlauf der XI. Olympischen Spiele alles Erwartete weit Übertroffen haben, wurde an diesem Freitag, dem 13. Wettkampftog, die Krone aufgesetzt. Sechs Goldene Medaillen, zwei Silberne und eine Bronzene Medaille fielen an die deutsche Olympia-Mannschast, die damit bisher insgesamt 27 Goldene, 21 Silberne und 28 Bronzene Medail- len erkämpfte. Die größten Erfolge dieses Tages feierten zwei- fellos unsere Ruderer, die in Grünau in den ersten fünf Rennen fünf Siege erfochten, im sechsten Zweiter und im siebenten Dritter wurden. Den Beginn machte im Vierer „mit" die Mannheim- Ludwigshafener Mannschaft, die in 7:16,2 Minuten vor der Schweiz, Frankreich, Hol- land, Ungarn und Dänemark siegreich blieb. Gleich darauf gab es wieder einen Mannheimer Erfolg, und zwar siegten Eichhorn-Strauß in 8:16,1 Minuten vor Dänemark, Argentinien, Ungarn, der Schweiz und Polen im Zweier ohne Steuermann. Den dritten olympischen Sieg erfocht der Dresdener Skuller Gustav Schäfer, der sein Rennen klar vor dem Oesterreicher Hasenöhrl, dem Amerikaner Barrow, dem Kanadier Campbell, dem Schweizer Henley-Sieger Rufli und dem Argentinier Giorgio gewann. Äuch das vierte Rennen des Tages brachte Deutschland eine Goldmedaille. Gu st mann-Adamski von den Berliner „Friesen" ruderten im Zweier „mit" in großem Stil den Sieg gegen Italien, Frankreich, Dänemark, die Schweiz und Jugoslawien heraus. Den Reigen der deutschen „Gold-Erfolge" beschloß der Würzburger Vierer „ohne", der England, die Schweiz, Italien, Oesterreich und Dänemark klar auf die Plätze verwies. Im Doppelzweier wurden Kai- del-Pirsch hinter den starken Engländern Be- resford-Southwood Zweite und im Ach - ter belegte die Berliner Wiking-Mannschaft hinter USA. und Italien den dritten Platz. Auf der Ehrentribüne verfolgte der Führer mit großem Interesse die Kämpfe. Unter den Ehrengästen bemerkte man Ministerpräsident Göring, Generalfeldmarschall von Blomberg, die Reichsmimster Dr. Goebbels, Dr. Frick und Darre, Staatssekretär Pfundtner, den außerordentlichen Botschafter von Popen, die Mitglieder der IOK., an der Spitze Graf Baillet-Latour, das DOK., geführt von Exzellenz Lewald, Reichssportfuhrer von Tschammer und Osten und viele ausländische Gaste. Während der Pause empfing der Führer die erfolgreichen deutschen Ruderer der ersten vier Wettbewerbe. In ihrer schmucken weißen Kleidung standen die deutschen Ruderer glückstrahlend vor Ädolf Hitler, der ihnen zu ihren Erfolgen gratulierte. Immer wieder brausten die Heilrufe auf und nicht endenwollender Beifall überschüttete die deutschen Olympiasieger. Im Schwimmstadion war wieder vom frühen Vormittag bis zum späten Nachmittag großer Betrieb. 20 000 Zuschauer füllten die Range, sie wichen auch nicht, als der Regen, der den ganzen Tag über Berlin lag, immer starker wuroe. Vormittags wurde die „Pflicht" zum T u r m s p r i n« gen d e r Männer erledigt, bei der sich erfreu- licherweife die Deutschen Weiß und Storck knapp hinter dem Amerikaner Wayne placieren konnten. Diebahn hatte mit seinen Pflichtsprungen etwas Pech, er rangiert aber immerhin noch aus dem siebenten Rana.'Am Vormittag wurden außer- dem noch die Zwischenläufe zum 4 0 0-M e t e r - Freistil-Schwimmen der Frauen ent- schieden, aus denen die Schwimmerinen ^eg , Frederiksen, Maftenbroek, Wagner, Wingard, Petty, Kojima und Koutinho in die ®nt^c!^un§JSTf"’ Der Nachmittag brachte dann Zuerst die Zwischenläufe zum 2 0 0 - M e t e r-B r u st s ch w i m m e n der Männer. Balke wurde hinter K o ike-.Japan Zweiter und Sietas hinter H a m u o - Javan unb Higgins-USA. Dritter. Diese zwei deutschen Schwimmer erreichten die ^utscheidung, Heina als Fünfter seines Zwischenlaufes aussche.den mußte Aus den zwei Zwischenläufen zum 1 500- Meter - Freistil - Schwimmen der Man- n e r kam nur Heinz Arendt - der ^ Zweiten Lauf Vierter wurde, in den Endlauf. Sjeefe und Przy' wara schieden im ersten Lauf als fünfter bzm Sech- fter aus. Der Olympia-Sieg im 10 0 'Meter- Rückenschwimmen fiel an den amerikanischen Weltrekordler Adolf K i e f e r der m 1:05,9 Mm einen neuen olympischen Rekord aufstellte und dabei seinen Landsmann Vandeweghe und den Japaner K i y o k a w a überlegen schlug. Das auf- regenbfts Rennen des Tages war die Entscheidung _______r..... ____x_._ , Mesinghausen bei Brilon (Westfalen), in dem Aus- Die Oesterreicher erwiesen sich als der erwartet besserungsarbeiten durchgeführt werden, wurde der schwere Gegner: sie konnten nur durch die bessere Streckenwärter Koch und der Arbeiter Henkel von Zusammenarbeit des deutschen Sturmes geschlagen e i n e r Lokomotive erfaßt und auf der werden. Im ersten olympischen Handball-Turnier Stelle getötet. Der Streckenwärter Koch hatte gab cs so einen deutschen Sieg! Um den dritten das Herannahen der Lokomotive bemerkt und orb- Platz kämpften Ungarn und die Schweiz, nungsmäßig ein Signal für die im Tunnel Ar- Wetterbericht des Reichsroetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. Ueber dem Festland liegt ausgeglichener hoher Luftdruck, unter dessen Einfluß im Westen des Reiches heiteres und tagsüber sommerliches, warmes Wetter herrscht. Da sich aber gleichzeitig Zufuhr feucht-warmer Lustmassen aus dem Mittelmeer- gebiet ergibt, wird das Wetter bei zunehmender Schwüle gewittrig. Aussichten für Sonntag: Meist heiter, tagsüber weitere Wärmezunahme und Schwüle, von Südwesten aufkommende gewittrige Störungen, schwache Luftbewegung. Aussichten für Montag: Weiterhin sommerliches Wetter mit örtlichen Gewitterbildungen. Lufttemperaturen am 14. August: mittags 20,3 Grad Celsius, abends 15 Grad: am 15. August: morgens 13,5 Grad. Maximum 22 Grad, Minimum heute nacht 10,5 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 14. August: abends 20,3 Grad: am 15. August: morgens 16,2 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 7,1 Stunden.____________________________________ Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange: für Feuilleton: i. V. Dr. Fr. W. Lange: für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den I Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D.21. VII. 36: 9350. Druck und Verlag: Brühl'sche Unmerfitäts- Buch- und Steindruckerei R. Lange, K -G-, sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. i Rangfolge dieses Turniers lautet: 2. Kanada, 3. jchine erfaßt. Mexiko, 4. Polen. 5 'Milippinen 6. Uruguay Im 3r öfito„ Dampf„ |m Millelmeee gesunken. Boxen qualifizierten sich drei deutsche Boxer — £ 3 Kaiser im Fliegengewicht, Murach im Wel- Der französische Dampfer „L O r a n a l s e der tergewicht und Vogt im Halbschwergewicht — für in der Nacht zum Donnerstag Mostaganem (Alge- die Endrunde. Im Säbel-Mannschaftsfech- rien) mit dem Bestimmungsort Marseille verlassen t e n belegte Deutschland noch am Donnerstag« hatte ist wenige Stunden später g e f u n f e n. Von abend hinter Ungarn und Italien den der 13 Mann starken Besatzung und den 10 Fahr- dritten Platz. Auf dem Maifeld endlich trugen die gasten sind nur 2 Matrosen gerettet wor- Reiter den ersten Wettbewerb der Military, die den, die nach 30 Stunden auf einem Wrackstiick Dressurprüfung, aus, an der 19 Nationen treibend aus dem Wasser gezogen wurden, teilnehmen. Für den Samstag ist die Gelände- Unrodler in Tiorbitalien. Prüfung in Döberitz angesetzt, währenb das . , Jagdspringen am Schluhtag der Olympischen Heftige Gewittersturme und Hagelschlage haben in Spiele im Olympischen Stadion ausgetragen wird, der Provinz Asti in Piemont große Verheerun- gen ungerichtet und besonders in den Weinbergen 1 riesigen Schaden verursacht. In Monte Grosso wurde ein Kind auf der Straße vom Sturm mitgenffen und in einen angeschwollenen Kanal geworfen, wo es ertrank. Auch von den südlichen Ufern des Lago Maggiore wird heftiger Hagelschlag gemeldet, der Millionenschaden verursacht hat. MURG EäBEöD 1 Verreist Prof. Brüning 5055 D Von iler Reise zurück! 5049V Neustadt 43 Gießen 5052 D Eintrittstermin und Bild 5048V Houell Ohne Gewähr Nachdruck verboten 6. Ziehungstag 14. August 1936 93543 597 3536 7384 7565 7847 9355 12063 13142 7694 97716 91941 93847 95466 101216 103224 Im Gewinnrade verblieben: je 1000000, 2 zu je 300000, 2 zu und zum Bauen <^rwrtut undl <^clu5rJzelf n. Routinierte Spezialistinnen bitten wir um Angebot mit Gehaltsansprüchen, 28222V 143313 311697 35618 149762 210724 310502 373189 Beginn der Sprechstunden: Montag, den 17. 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August 1956 XL OLYMPISCHE SPIELE Q9S> Den größten olympischen Erfolg für Deutschland holten die Ruderer, die in sämtlichen sieben Rennen im Endlauf standen und mit sämtlichen Booten einen Platz besetzten. Fünfmal gingen die deutschen Boote als Erste durchs Ziel und je einmal kam Deutschland auf den zweiten bzw. dritten Platz. — Die Goldmedaille im Handball fiel an Deutschland, das in einem überaus spannenden Kampfe den alten Rivalen Österreich mit 10:6 (5:3) Toren besiegte. BERLIN 1936 Schäfer siegte in 8:21,5 mit V!t Längen vor Ha-1 die Boote von Deutschland und Italien gingen ge- senöhrl und dem Amerikaner Barrow. I meinsam durchs Ziel, so daß erst das Zielgericht zog der Dresdner davon. Als Hasenöhrl bei 1500 Meter einen energischen Angriff unternahm, legte Schäfer einige Schläge zu und konnte den Angriff sicher abwehren. Im Spurt blieb er überlegen. Die Olympia-Feier der Wehrmacht im Stadion. Im Beisein des Führers veranstaltete die Wehrmacht im Stadion ein großes Konzert. Unser Bild zeigt den Marsch der Fackelträger durchs nächtliche Stadion, (Scherl-Bilderdtenst-M.) Das hätte kein Mensch erwartet! Fünf Goldmedaillen holten am Freitag auf der Olympischen Regatta in Grünau die deutschen Ruderer, eine Sibber- und eine Bronzeplakette wurden in den beiden restlichen.Rennen erkämpft, sodaß also in keinem einzigen der sieben Olympischen Ruder- Wettbewerbe die deutschen Boote unplaciert blieben. An eine solche Ueberlegenheit über die besten Ruderer der Welt wagte doch wohl auch der größte Optimist nicht hoffen. Die harte und verständige Vorbereitung unserer Olympiakämpfer hat sich als richtig erwiesen. Der Führer weilte am Freitagnachmittag vom ersten Rennen an bei den Kämpfen der Ruderer. Die Begeisterung der Massen kannte keine Grenzen, als vom ersten Rennen des Tages an fünfmal in ununterbrochener Reihenfolge ein deutsches Boot den Sieg holen konnte. Rur die deutschen Turner haben bisher beim Olympia ähnlich erfolgreich abgeschnitten! Vierer mit Steuermann. Im strömenden Regen machten sich die Ruderer zum ersten Rennen des Freitags, dem Vierer „mit", startbereit. Pünktlich um 14.30 Uhr erklang das Kommando des Starters. Alle sechs Teilnehmer am Endlauf gingen glatt auf den Weg; unter leichter Führung der Schweiz hatte sich das Feld mit Schweiz, Deutschland, Frankreich, Holland, Ungarn und Dänemark sofort etwas ouseinandergezogen. Vorn zieht die Schweiz davon, immer dicht auf den Fersen Deutschland, und bereits nach 500 Metern machen diese beiden Boote allein ihr Rennen. Die Schweiz liegt immer mit nur knappem Vorsprung an der Spitze, wird jedoch bei jedem Spurt von unserem Mannheimer sofort verfolgt. 600 Meter: Die Schweiz liegt mit einer viertel Länge vor Deutschland. Vit Längen zurück folgen Frankreich, dann Holland, auf gleicher Höhe Ungarn und Dänemark. Dann setzt Söllner am Schlag unseren Vierer zu einem Zwischenspurt ein. Er dringt auf die Schweiz ein, die sich verzweifelt wehrt. Bei 1200 Meter ist der Angriff geglückt. Der deutsche Vierer hat die Schweiz passiert. Bei 1550 Meter beträgt der Dorspruna schon eine Länge und bei 1800 Meter ist das Rennen entschieden. Mehr als zwei Längen macht sich unser Vierer noch frei und geht mit seiner Mannschaft Maier, Dolle, Gaber, Söllner und Bauer am Steuer als Sieger durchs Ziel. Drei Längen hinter Deutschland und der Schweiz liefern sich Frankreich, Holland und Ungarn einen harten Kampf um die Bronzene Medaille, aus dem die Franzosen als Sieger hervorgehen. Mannheim auch im Zweier „offne" erfolgreich. Der vierte Sieg. Unter den Augen des Führers errangen die beiden Berliner Friesen Gustrnann-Adarnski mit ihrem kleinen Steuermann D. Arend den Sieg im Zweier „mit" und damit die vierte Goldmedaille in ununterbrochener Folge bei der Olympischen Ruderregatta. Die Italiener übernahmen vor Deutschland die Spitze und schon bei 1000 Meter war es klar daß die Entscheidung dieses Rennens auch nur zwischen diesen beiden Booten liegen konnte. Das übrige Feld lag schon klar abgeschlagen hinter der Spitze und kam für die Entscheidung nicht mehr in Frage. In einem prachtvollen Zwischen- spurt gingen die Deutschen auf die Italiener zum Angriff über und passierten sie kurz nach der 1000- Meter-Marke mit einer halben Länge. Unter tosendem Jubel vergrößerten die Deutschen ihren Vorsprung. Die Italiener versuchten verzweifelt auf- zuschließen. Bei 1500 Meter war die Entscheidung gefallen. Deutschland führte mit V/t Längen, und als vor den Tribünen die beiden zum Spurt an» setzten, wurde ihr Vorsprung noch größer und betrug im Ziel drei Längen. In 8:36,9 hatte Deutschlands Zweier „mit" den vierten olympischen Sieg der Ruderregatta erkämpft, während die Italiener im Kampf um den zweiten Platz erfolgreich ihre Stellung gegen Frankreich behaupten konnten. Der Wiking-Achter Deutschlands wurde, auf der Innenbahn liegend, von den Zehntausenden, die die Ufer umsäumten, mit wilden Zurufen angefeuert Als die Boote in das Blickfeld kamen, war das ganze Feld^icht geschloffen. Bei 1800 Meter setzt dann USA. zum Endspurt an und unaufhaltsam zieht das amerikanische Boot nach vorn. Deutsch- Eine großartige und kaum erwartete Fortsetzung der von den Mannheimern begonnenen Siegesserie machte der Zweier ohne Steuermann, das Meisterpaar E i ch y orn-Strauß vom Mannheimer RD. Mit Deutschland hatten sich die Boote Dänemark und Argentinien gleich an die Spitze gesetzt, die auch als Gewinner der Medaillen hervorgehen sollten. Dänemark hatte vor Deutschland und Argentinien vom Start weg einen leichten Vorsprung. Dann legten die Mannheimer einen kurzen Zwischenspurt ein und übernahmen die Spitze. Bei 1000 Meter lagen Eichhorn-Strauß klar vor Argentinien, Dänemark und Ungarn. Der deutsche Zweier Der» steuerte sich dann etwas. Die Argentinier hatten sich mit einem Zwischenspurt an die zweite Stelle vorgearbeitet. Deutschlands Zweier hatte sich wieder gefunden und ruderte mit prachtvollem Zuge dem Ziel zu. Bei 1800 Meter lag Deutschland nut einer guten Länge in Front. 100 Meter vor dem Ziel setzten die Mannheimer zu einem Svurt an, ber |ie Boot der Dänen abbrachte. In 8:16,1 siegte Deutschland vor Dänemark und Argentinien, gefolgt von Ungarn, der Schweiz und Polen. Würzburgs Sieg im Vierer „offne“ Mit einem prachtvollen Sieg brachen Deutschlands Vertreter, das Würzburger Boot mit Eckstein, Rom, Karl, Menne, Englands stolze Tradition im Vierer ohne Steuermann. Der deutsche Vierer ging vom Start weg in ruhigem Schlag an die Spitze und verteidigte die Führung auch gegen die verzweifelten Spurts der Engländer. Das Würzburger Boot „Deutschland" fuhr in prachtvoller Steuerung und schnurgerader Linie über die ganze Strecke. Erst der Endspurt bei 1800 Meter, als England schon bis auf X Länge aufgelaufen war, zeigte, daß die Würzburger noch Reserven hatten. Und als Menne wieder in die Riemen griff, holten die Deutschen bis zum Ziel einen Vorsprung von IX Längen heraus. In der großartigen Zeit von 7:10,8 hatte Deutschland die Engländer besiegt und für Deutschland die fünfte Goldmedaille im Ruderwettbewerb erobert. Um die Bronzemedaille entspann sich zwischen der Schweiz und Italien noch ein erbitterter Kampf, die Italiener mußten sich jedoch den Eidgenossen beugen. Schäfers Triumph im Einer. Dorn Start weg setzte sich Schäfer nach bewährter Taktik sofort an die Spitze, hinter ihm Hasen- öhrl und der Kanadier Campbell, dicht gefolgt von Barrow, Rusli und Giorgio. Mit langem, kraftvollen Schlag hielt der Deutsche seine Führung, während hinter ihm schon der Kampf um den zweiten Platz entbrannte. Bei 1000 Meter hatte Schäfer schon eine gute Länge vor Hasenohr!, Campbell und Barrow. Mit vorbildlicher Wasserarbeit land zieht jetzt drei bis vier Schläge zu kurz durch, wodurch die Italiener Raum gewinnen. Als Schmidt am Schlag des Wiking-Achters weitausholend einsetzt, ist es klar, daß der Endspurt im Endkampf gegen Italien noch nicht entschieden ist. Die Amerikaner lagen mit kurzem Vorsprung in Front und Vor dem Schluß. Von unserem ©r. G. Si.-Sonderberichterstatter Berlin, 14. August. 3m Schwimmstadion krachen noch die Startschüsse, in Grünau kämpfen die Ruderer auf der Reqattabahn, auf dem Maifeld voltigieren und springen die besten Pferde und Reiter der Welt, und in der Deutschlandhalle stehen Boxer in hartem Kampf Mann gegen Mann. Die Spiele sind noch im Gang, und doch wissen wir, daß nun bald die Flagge mit den fünf Ringen feierlich emgeholt wird, um in vier Jahren in Tokio jubelnd wieder entrollt zu werden. * Allen meinen Freunden und Bekannten teile ich" auf diesem Wege mit, daß ich keine Karten mehr zur Schlußfeier besorgen kann und leider auch nicht in der Lage bin, allen Wünschen nach Olympiastempeln und Olympiamarken nachzukommen." So hätte ich inserieren sollen! Ich bin zwar stolz, noch nie so viele „Freunde" gehabt zu haben wie jetzt zum Schluß der Spiele, aber ffch bin ebenso sicher, daß mich nach den Spielen alle beschimpfen werden, die sich in mir gründ- lich getäuscht hatten. Ich kann es leider nicht an- dem, aber wenn ich beispielsweise die Wünsche nach Olympiastempeln vom Postamt Grünau, vom Sta- dionpostamt, vom Schwimmpostamt erfüllen würde, wenn ich alle diese etwa 40 Anfragen ordnungs- gemäß erledigen und die mitunter erschütternden Szenen in den Postämter unter drängelnden Menschen über mich ergehen lassen wollte, dann wäre der Tag um. Und deshalb bin ich nicht in Berlin. Beinahe wäre mir auf diese Weise das Baseball- Spiel entgangen, eine amerikanische Sache, von der ich zwar viel gehört und gelesen, die ich aber noch Im Einer führte der Meister Gustav Schäfer die deutschen Farben zum Siege. — (Scherl-M.) nicht gesehen hatte. Der Weltmeister sollte gegen USA. Olympics ein Dorsührungsspiel zeigen. Im Programmheft lieft man eine ganze Seite Text über dieses Nationalspiel der Amerikaner und wenn man alles langsam und hübsch aufmerksam durchgelesen hat, dann ist man noch genau so klug, als zuvor. f v Abends gehe ich mit Hunderttausend ms Sta- dion, um das begeisternde Spiel aus erster Hand zu erleben. Es macht sich wunderhübsch! Die Scheinwerfer ringsum werfen über die Köpfe der Menschen hinweg ihre Strahlen auf das Spielfeld und es gibt einen farbig erregenden Kontrast zwischen dem Grün des Rasens und dem satten Braunrot der Laufbahn. Die Spielfläche ist weiß umrandet m ihrem weißen Dreß heben sich die Spieler kräftig von ihr ab. Durch den Lautsprecher kommen erste Erklärungen, es beginnt. Aber leider beginnt^ es noch nicht zu dämmern; bei den Zuschauern nämlich. Ellen Preiß, die Olympiadritte im Florettfechten, faßt ihre ersten Empfindungen in einer resignierten Betrachtung zusammen: „Die Spieler scheinen ja ihr Vergnügen zu haben, aber die Zuschauer — Ein alter Turner hinter uns entdeck Aehnlichkeiten mit dem Schlagballspiel, wo ja auch der Mann von der gegnerischen Partei mit dem Ball getroffen werden muß. Aber, wie gesagt, nur entfernte Aehnlichkeiten. Dann kommt auf einmal Leben in das Ganze. Der „Schläger" der einen Partei hat mit einem herrlichen Schlage den ihm zugeworfenen Ball weit über das Spielfeld geschmettert, nun hat er, wahrend die Gegenpartei sich abmüht den Ausreißer wieder einzufangen, das Schlagholz beiseite ge- morlen und läuft, was das Zeug hält, um das Viereck der abgesteckten inneren Spielfläche, Den „Rhombus". Frenetischer Beifall seiner Landsleute und des ganzen Stadions belohnt den schonen Lauf. Ein Punkt — so verkündet der Lautsprecher wäre damit gewonnen. , . . ., 1:0 also! Mein Nebenmann meint, daß ihm Das genüge und ich habe den Eindruck, er weitz, wie mancher andere auch nicht, wieso, weshalb, weswegen. Und so bummeln wir langsam wieder los, vorbei an angestrengt aufpassenden Gesichtern hi - durch durch wispernde Gespräche („und was machen sie jetzt?", „vielleicht muß das so sein , „ich auch nicht") und heraus aus dem StaDion_ „Ist Babe Ruth dabei?", fragt uns braunen em sehnsüchtig das Olympiastadion betrachtender Pimpf, der so viel von dem bestbezahlten MebaQ-etar der Welt gehört hat. s „Sieh selber nach!" sagt mein Nebenmann und So siegte Deutschland im Zweier ohne Steuermann. Vorn im Ziel liegt Deutschland, das mit 8:16,1 siegte. Ihm folgen das Boot Dänemarks 1 y und das Boot Argentiniens. — (Scherl-Brlderdienst-M.) Oer große Tag der deutschen Ruderer. Fünfmal Sieg!—Oie Ereignisse von Grünau. gibt ihm seine Karte. __ , ,, --Ich habe mir bittere Dorwurfe gemocht ü»CtfS’Ä-TT.'iÄ'si** % entscheiden mußte, daß Italien mit 4Ao Sekunden Deutschlands Achter geschlagen hat. Im siebenten Nennen wurde somit für Deutschland trotzdem die siebente Ruder-Medaille erkämpft. Italien gewann die Silberne Medaille in 6:26 und Deutschland sicherte sich den dritten Platz in 6:26,4. England siegt im Doppelzweier. Die beispiellose Erfolgserie unserer deutschen Ruderer wurde auch im sechsten Rennen mit einer Silbermedaille fortgesetzt, die das deutsche Meisterpaar Kaidel-Pirsch erringen konnte. Olympiasieger wurden Beresford-Southwood. Beresford war schon fünfmal bei olympischen Ruderregatten beteiligt. Nachdem anfänglich Deutschland bis 800 Meter und sogar bis 1000 Meter noch einen Vorsprung von einer Länge behaupten konnte, setzten die Engländer schon vor der Hälfte der Strecke zu einem vollen Spurt an. Mit hoher Schlagzahl gelang es den Englndern, bei 1200 Meter zu dem deutschen Meisterpaar aufzuschließen. Im Endspurt sicherten sie sich einen klaren Vorsprung gegen die Deutschen. In 7:02,8 hatte England damit seinen ersten Sieg bei der Ruderregatta erkämpft, während Kaidel- Pirsch in 7:26,2 die Silberne Medaille vor dem vorjährigen polnischen Europameister (Verey- Ustupfki) gewannen. USA. zum 6. Mal Olympia-Sieger im Achter. Der Höhepunkt und Abschluß der Olympischen Ruderregatta wurde dann das Rennen zum Achter, der einen Kampf brachte, wie ihn Grünau und die 20 000, die die Strecke umsäumten, noch nie gesehen hatten. Die Amerikaner gewannen seit 1920 in ununterbrochener Folge den Achter und wurden damit zum sechstenmal Olympiasieger in dieser Bootsgattung, da sie bereits 1900 eine Goldmedaille errungen Hutten. In einem herrlichen Rennen, das die Massen zur Begeisterung hinriß, schlugen die Amerikaner Italien und Deutschland nur ganz knapp. Die Zeit des Siegers mit 6:25,4 ist in Anbetracht der Wetterverhältnisse ausgezeichnet und der Kampf spiegelt wohl am besten wider, daß aus dem Ringen um den zweiten Platz Deutschland nur mit Vio Sekunden von Italien geschlagen wurde. Handball-Endspiel Deutschland-Oesterreich 10:6 Deutschlands Handball-Elf Olympia-Sieger. Vier Jahre hat es gedauert, bis Deutschland und Oesterreich im Endspiel des ersten Olympischen Handball-Turniers am Freitag im Stadion wieder in einem Handball-Länderkampf zusammentrafen. Dieses Spiel hatte darüber hinaus noch die größere Bedeutung, Höhepunkt und die Entscheidung des Olympia-Handball-Turniers zu sein. Oesterreich sowohl als auch Deutschland hatten in Berlin ihre sämtlichen Spiele mit klaren Torunterschieden gewonnen, obwohl von beiden Ländern nicht immer die absolut stärkste Mannschaft eingesetzt wurde. In der Endrunde, in der zusammen mit Ungarn und der Schweiz jeder gegen jeden zu spielen hatte, lagen Oesterreich und Deutschland nach den Kämpfen gegen Schweiz und Ungarn mit je 4 Punkten klar in Front. Das Zusammentreffen der beiden Spitzenmannschaften des Handballs mußte also die Entscheidung um den Turnier-Sieg und die Goldmedaille bringen. Die Mannschasten. Die Mannschaften standen sich in folgender Aufstellung gegenüber: Oesterreich: Schnabel Bartl Tauscher Licha Iuracka Wohlrab Volak Schmatzer Schuberth Kiesler Perwein Fromm Klingler Berthold Theilig Herrmann Dascher Brinkmann Keiler Bandholz Knautz Deutschland: Körvers Trotz des andauernden Regens hatte sich beim Beginn dieses Spieles die Zahl der Zuschauer auf nahezu 90 000 vergrößert. In ausgezeichnetem Tempo begann das Spiel. Der nasse und glatte Rasenboden schien den technisch ausgezeichnet durchgebildeten Spielern nichts anhaben zu können. Immer begeisterter gingen die Zuschauer bei dem prachtvollen und rassigen Kamps mit. Halbzeit 5:3. Von Anfang an liegt die deutsche Mannschaft leicht in Front. Aber die österreichische Deckung läßt sich so leicht nicht überraschen. Die Oesterreicher spielten betont defensiv. Ihre Halbstürmer verrichteten die Läuferarbeit, der „Rest"-Sturm versuchte sich in Durchbrüchen, die allerdings wegen der Wurfkraft und Energie dieser österreichischen Angreifer immer gefährlich waren. So gelang es ihnen immer wieder, den Anschluß zu den vordrängenden Deutschen zu halten oder wiederzuerobern. Theiligs Führungstreffer wurde durch einen erfolgreichen Strafwurf ausgeglichen. Dann führten die Deutschen bald 3:1, aber Körvers lenkte einen harten Schuß Kieflers selbst ins Tor. Kurz vor der Pause waren die Oesterreicher noch einmal auf 4:3 heran, aber es ging doch mit 5:3 für Deutschland in die Pause. In der zweiten Spielhälfte verstärkten sich die Regenschauer zu einem Dauerguß. Immer glatter wurden Ball und Platz. Wohl kämpften beide Mannschaften bis zum Letzten um den Sieg, aber die große Form der Vorrundenspiele wurde nicht erreicht. Durch einen Prachtschuß Klinglers vergrößerte Deutschland zunächst die Halbzeitführung auf 6:3, zwei weitere Treffer, darunter ein von Theilig verwandelter Strafwurf, ergaben die 8:3-Führung und brachte die österreichische Mannschaft doch sichtlich außer Tritt. Die Deutschen wurden stark überlegen, aber bald hatten sich auch die Oesterreicher wiedergefunden. Drei Strafwürfe brachten einen 8:6-Zwischenstand. Der Sieg der Unseren war erneut gefährdet. Aber die deutschen Spieler hatten noch genügend Kraftreserven. Ein kraftvoller Endspurt brachte zwei weitere Treffer und damit den 10:6-Endstand, der die Erringung der Goldmedaille bedeutete. In der Kritik schneidet die deutsche Mannschaft gut ab. Der Sieg der deutschen Mannschaft ist verdient. Die Deutschen zeigten das flüssigere Zusammenspiel und hatten den durchschlagskräftigeren Sturm. Bei den Oesterreichern ragte neben dem ausgezeichneten Schlußmann der Angriffsführer Schuberth als Strafwurfspezialist von Format heraus. Die gesamte Deckung spielte sicher und wirkungsvoll. Beim Ausmarsch der Mannschaften bildeten die geisterten Zuschauer Spalier vor dem Marathontor und jubelten beiden Mannschaften dankbar zu. Die 90 000 hatten trotz des schlechten Wetters ein grandioses Endspiel erlebt. Schweiz — Ungarn 10:5 (7:2). Im zweiten Spiel des Tages gelang es der Schweiz die Ungarn mit 10:5 (7:2) zu schlagen. Die Schweizer errangen mit diesem Sieg die Bronzemedaille des olympischen Handballturniers vor den Ungarn, die auf dem vierten Platz endeten. Aoch feine Entscheidung im Wasserball. Deutschland und Ungarn spielen 2:2 (1:1). Im Olympischen Schwimmstadion trugen die Wasserball-Mannschaften von Ungarn und Deutschland am Freitagnachmittag das entscheidende Spiel um den olympischen Sieg im Wasserball-Turnier aus. 20 000 Zuschauer erlebten einen spannungs- geladenen Kampf, der jedoch eine Entscheidung nicht rächte. Deutschland und Ungarn trennten sich nach einem harten Gefecht unentschieden mit 2:2 (1:1). Dadurch blieb die Vergebung der beiden ersten Plätze noch offen. Deutschland und Ungarn führen die Endrunden-Tabelle mit je 3:1 Punkten an, sodaß die Entscheidung erst am Samstag bei den beiden letzten Spielen Deutschland — Belgien und Ungarn — Frankreich fallen wird. Die beiden Vertretungen bestritten diesen wichtig- sten Kampf in stärkster Aufstellung. Deutschland: Klingenburg: Baier, Schürger; Gunst; Hauser, Schneider, Schulze. Ungarn: Brady; Hazai, Homonnai; von Ha- lassy; Bösst, Nemeth, Brandy. Bis zur Pause 1:1. Ein unbeschreibliches Getöse begleitete jeden Vorstoß der deutschen Stürmer und ungeheuren Jubel gab es bei den Ungarn bei jedem Torschuß von Nemeth und Brandy. Der Kampf war in den ersten Minuten vollkommen offen. Die beiden Hintermannschaften deckten sorgfältig und gerissen. Eine glänzende Chance hatte Schneider, als er sich von Hazai freimachen konnte und zum Schuß kam. Der Ball ging aber an die Latte. Wenn die ungarischen Stürmer einen Schuß anbrachten, dann zeigte sich Deutschlands Torwart Klingenburg als unschlagbar. Gerade hatte Schulze einen harten Schuß auf das ungarische Tor abgegeben, als Brody den Ball klug zu Halassy spielte. Schneider reagierte einen Augenblick zu spät und schon war Halassy eine Körperlänge frei von ihm weg. Halassy spielte den Ball zu Brandy und dieser ungarische Stürmer schoß aus der Luft über den Kopf des überraschten Klingenburg ins deutsche Tor ein. Es stand 1:0 für Ungarn. Der deutsche Widerstand und Angriffsgeist wurde nun um so stärker. Endloser Jubel hallte durch das Stadion, als Schneider trotz stärkster Behinderung zum 1:1 einwerfen konnte. Spannender Endspurt. Der Kampf war zunächst wieder völlig offen. Den Stürmern boten sich kaum klare Torchancen, als aber Baier den gefährlichsten ungarischen Stürmer, Nemeth, um den Bruchteil einer Sekunde aus den Augen ließ, da war es schon passiert. Unhaltbar hatte Nemeth zum 2:1 für Ungarn eingeschossen Nun zeigte sich der große Kampfgeist der Deutschen. Sie griffen unentwegt an und drängten mit aller Macht auf den Ausgleich. Die Ungarn erkannten die Gefahr und versuchten, durch hartes Spiel die Angriffe der Deutschen aufzuhalten. Schiedsrichter Delbort sah sich gezwungen, von den Ungarn Nemeth und Hazai und von den Deutschen Baier aus dem Wasser zu nehmen. Hazai hatte sich gegen Schneider ein grobes Foul erlaubt, das der Schiedsrichter mit einem 4-Meter-Strafwurf ahndete. Schneider warf den Ball überlegt und vollkommen ruhig in die obere Torecke zum Ausgleich für Deutschland ein. Der Kampf stand 2:2. Das Siegtor sollte beiden Parteien versagt bleiben. Belgien — Frankreich 3:1 (1:0). Dor dem Spiel Deutschland — Ungarn traten sich — ebenfalls in der Wasserball-Endrunde — die Mannschaften von Belgien und Frankreich gegenüber. Die Belgier erwiesen sich in, diesem Kampf klar als die bessere Mannschaft und siegten mit 3:1 (1:0). Großbritannien — Oesterreich 3:3 (2:1). In einem weiteren am Freitag ausgetragenen Wasserballspiel zwischen den Vertretern Großbritanniens und Oesterreichs hatte der Schiedsrichter einen nicht leichten Stand. Beide Parteien brachten eine sehr harte Note in das Spiel. Die (Schlußspiele zum Olympischen Basketball-Turnier. USA. schlägt Kanada im Endspiel 19:8. Auf den Tennisplätzen im Reichssportfeld wurden am Freitag die Endspiele des Olympischen Bas- ketball-Turniers ausgetragen. Um den ersten und zweiten Platz kämvften die Mannschaften von USA. und Kanada. USA. siegte mit 19:8 (15:4) und gewann damit die Goldene Medaille des ersten olympischen Basketball-Turniers. Kanada bekam die „Silberne" und Mexiko, das Polen im Kampf um den dritten Platz mit 26:12 (23:8) schlug, die „Bronzene". Im Kampf um den fünften und sechsten Platz blieben die Philippinen über Uruguay mit 33:23 (14:12) erfolgreich. Der Schluß st and des Olympischen Basketball-Turniers lautet demnach: 1. und Olympia-Sieger: USA., 2. Kanada, 3. Mexiko, 4. Polen, 5. Philippinen, 6. Uruguay. Olympisches Hockey-Turnier. Holland schlägt Frankreich und erringt die Bronzene. Unter wenig erfreulichen äußeren Umständen mußten am Freitagnachmittag die Mannschaften von Holland und Frankreich um den dritten und vierten Platz des Olympischen Hockey - Turniers kämpfen. Der Himmel, der an diesem Freitag allen Veranstaltungen einen so bösen Strich durch die Rechnung machte, machte auch bei den Hockeyern keine Ausnahme, sondern schickte einen immer stärker werdenden Dauerregen nieder, der Spieler und Zuschauer bald bis auf die Haut durchnäßte und auch den Spielgrund immer schlechter machte. Es ist den beiden Mannschaften hoch anzurechnen, daß sie trotz der Ungunst des Wetters den Zuschauern einen jederzeit spannenden und sportlich einwandfreien Kampf vorführten. Holland war dabei etwas glücklicher und siegte mit 4:3 (2:1) gegen die Franzosen. Die Holländer sicherten sich damit die Bronzene Medaille des Olympischen Hockey-Wettbewerbs. Hockey-Endspiel verschoben. Infolge des über Berlin niedergehenden Dauerregens entschloß sich die Leitung des Olympischen Hockey-Turniers, das für Freitag nachmittag angesetzte Entscheidungsspiel um die Goldmedaille zwischen Deutschland und Indien um einen Tag zu verschieben. Entscheidung des Ehrengerichts des LOK. Das Internationale Olympische Komitee teilt mit: „Im Zusammenhang mit der Abreise der peruanischen Mannschaft und mit dem Eingang eines vom Präsidenten der olympischen Abordnung Perus an den Internationalen Olympischen Ausschuß (CIO.) gerichteten Schreibens hat das Ehrengericht eine Untersuchung über die Gründe für die Abreise angestellt. Das Ehrengericht ist der Ansicht, daß dieser Beschluß vielleicht auf Grund von Mißverständnissen und von einer schuldhaften Unkenntnis der Statuten gefaßt worden ist. Es bedauert aber diese Haltung der Fußballspieler, die es als unsportlich bezeichnet, denn die Wettkämpfer müßten sich den Entscheidungen der Schiedsgerichte unterwerfen, wie ungerecht sie ihnen auch immer erscheinen mögen. Ferner findet das Ehrengericht die Haltung der ganzen Mannschaft tadelnswert, weil sie in diese Angelegenheit zu Unrecht die Verantwortlichkeit des CIO. und des deutschen Organisationskomitees hin» einzieht, die beide nicht befugt sind, in die von den Berufungsrichtern der internationalen Verbände ge- fällten Entscheidungen einzugreifen." Dor den Entscheidungen im Säbel-Einzelfechten. Am Nachmittag und Abend des Freitags konnte man sich zur Austragung der Vorendrunde im Säbel-Einzelfechten auf den Kuppelsaal beschränken. Wie nicht anders zu erwarten war, setzten sich alle gestarteten Ungarn und Italiener durch. In Gruppe I waren die Kämpfe dermaßen erbittert, daß fein Fechter ohne Niederlage weiter kam. Gruppensieger wurde der Italiener Marzi vor dem Ungarn Gerey und van den Neucker (Belgien). Ganz große Form legte in Gruppe II Europameister Kabos (Ungarn) an den Tag, der sich ohne Niederlage den Gruppensieg sicherte. Im Zeichen des Italieners Pinton, der ohne Niederlage und mit einer geringen Zahl erhaltener Treffer siegte, (tauben die Kämpfe der Gruppe III. In der Enscheidungsrunde kämpfen nun: Marzi, Gaudini, Pinton (alle Italien), Kabos, Geren, Rajcsanyi (alle Ungarn), van den Neucker (Belgien), Sobik (Polen) und Loisel (Oesterreich). Nach den am Freitag gezeigten Leistungen ist es jetzt schon sicher, daß die Entscheidung nur zwischen Italien und Ungarn liegt. Zwei Entscheidungen im Schwimmstadion. Die 16jährige Dina Senfs (Holland), die im 100-m- Rückenschwimmen gegen ein erlesenes Feld internationaler Klasse vor ihrer Landsmännin Nie Mastenbroek in der Zeit von 1:18,9 ins Ziel kam. — (Schimer-M.) Der Amerikaner Adolf Kiefer fällt an sich schon durch fein heiteres Wesen unter den Olympiakämpfern besonders auf; aber er hat auch Grund zur Fröhlichkeit, denn im Zwischenlauf der Rückenschwimmer stellte er eine neue Olympische Rekordzeit über 100 m mit 1:06,8 auf. — (Schirner-M.) Hollands Sieg in der Frauen-Schwimmstaffel. In der zweiten Schwimmentscheidung des Freitags, der 4 mal 100-Meter-Staffel der Frauen, konnte Holland nach seinen zwei Einzelsiegen nun auch den Mannschaftswettbewerb der Schwimmerinnen für sich mit Beschlag belegen. In einem äußerst erbittert geführten Rennen siegten die „Meisjes" Selbach, Wagner, den Ouden und Mastenbroek in der neuen olympischen Bestzeit von 4:36 Minuten. In diesem Mannschaftsrennen der besten Schwimmerinnen der Welt konnte Deutschland mit Ruth H a l b s g u t h , Maria Lohmar, Inge Schmitz und Gisela Arendt den höchst ehrenvollen zweiten Platz belegen und damit die Silberne Medaille erringen. Mit ter hervorragenden Zeit von 4:36,8 blieben die deutschen Schwimmerinnen ebenfalls noch unter dem bisherigen Olympischen Rekord. Die Bronzene Medaille errang Amerika vor Ungarn, Kanada, England und Dänemark. Entscheidung im ^00-Meter-Rücken der Männer. Adolph Kiefer Olympia-Sieger. Völlige Ruhe herrschte, als sieben Mann auf das Kommando „Auf die Plätze" sich zum Start bereit hielten. Bereits nach 15 Meter lag Kiefer, der stilistisch nicht zu übertreffen ist um einen halben Meter vor dem übrigen Felde. Er war der Favorit, der einfach nicht geschlagen werden konnte. Bei 50 Meter wendete er in genau 31 Sekunden. Für das Auge kaum sichtbar schneller werdend, spurtete Kiefer ruhig dem Ziele zu, um in neuer olympischer Rekordzeit von 1:05,9 den dritten amerikanischen Sieg im Schwimmen zu erringen. Klar zurück schlugen Vanderweghe (USA.) in 1:07,7 und Kiyokawa (Japan) in 1:08,5 vor Drysdale (1:09,4), Voshida (1:09,7), Kojima (1:10,4) und Olivier (1:10,7) an. OasTurmspringenderMänner begann. Wieder gehörten Schwimmer und Springer zu den Frühaufstehern, als am Freitagmorgen mit dem Pflichtprogramm zum Turmspringen der Männer begonnen wurde. 26 Springer waren in zwei Gruppen unterteilt. Erhardt Weiß, der junge deutsche Meister erwies sich in der Gruppe I den beiden Amerikanern Alonzo Root und Fran Kurtz jederzeit gewachsen. Viebahn, der deutsche Studen- ten-Weltmeister, wirkte durch seinen athletischen Körper vom Turm ganz ausgezeichnet. Der deutsche Europameister Hermann Stork-Frankfurt a. M. hatte in seiner zweiten Gruppe gegen den langen, vlonden und prächtig gebauten Amerikaner Marshall Wayne sowie gegen L e i k e r t - Tschechoslowakei und die Japaner Shibahara und Koyanagi einen überaus schweren Stand. Seine große Sicherheit, vor allem aber die solide Art seiner Sprünge geben aber auch ihm gute Platzaussichten mit in das Kürspringen, das am Samstagvormittag sicherlich einer der Hüehpunkte der olympischen Schwimmwettbewerbe wird. Nach den Pflichtsprüngen ergab sich (beide Gruppen zusammen gewertet) folgender Stand: Wayne- USA. 46,65 P., Weiß-Deutschland 46,09, Stork- Deutschland 44,53 Punkte. ■ DWM » ' y 4 Sy > y 'v ; Bei schlechtem Wetter mußten die Turmspringer ihre Pflichtsprünge durchführen. Der Amerikaner Wayne (rechts) lag mit 46,65 Punkten an der Spitze, doch war der Deutsche Weiß (links) mit 46,09 Punkten nur um rund einen halben Punkt schlechter. (Scherl-Bilderdienst-M.) Der Abschluß am Sonntag. 10 Uhr: Reiten, Jagdspringen der Vielseitig- keits-Prüfung. 14 Uhr: Jagdspringen (Preis der Nationen). 17 Uhr: Schaureiten des Siegers in der Großen Dressurprüfung; Sieger-Zeremonien. (Jeweils im Olympia-Stadion.) 18 Uhr: Schlußfeier. (Olympia-Stadion.) 20 Uhr: Erdteil-Staffel. (Schwimm-Stadion.) 20.30 Uhr: „Herakles" (Dietrich-Eckart-Bühne.) 20.30 Uhr: Fest der Teilnehmer. (Deutschlandhalle.) Sportamt „Kraft durch Freude". Heute folgende Kurse: Reichssportabze i ch en , Frauen und Männer! Von 17.30 bis 19 Uhr, Universität^- sportplatz am Kugelberg. Neuanmeldungen nimmt der Sportlehrer vor Beginn der Uebungsftunbe entgegen. Schwimmen für Anfänger undForige s ch r i 11 e n e in Kesselbach! Von 18 bis 19 Uhr für Frauen und Männer, Schwimmbad Kesfelbach. Morgen folgende Kurse: Tennis: Von 8 bis 10 Uhr, Städtische Tennisplätze am Schützenhaus. Olympische Medaillen Silber Bronze Gold Nationen Das 2 2 3 3 2 4 1 an den Start. sichten Handball im Sporlkreis Gießen 9Jj.-$port Oberheffen nun Bu II richTa hielten ä —ss^assssg Bei Sodbrennen^ Magenbeschwerden 3 3 Am baller 5 6 2 7 4 4 5 « 4 1 3 1 7 18 21 5 7 8 4 1 3 6 1 1 6 5 5 4 2 7 2 3 1 8 28 1 3 DfA.-Reick»sbak»n Gießen. 05 Wetzlar auf dem Daldsporlplah. Sportverein 1920 Lollar. Raunheim Liga gastiert in Lollar. 2 5 6 3 7 23 27 Griechenland Aegypten Argentinien Australien Belgien China Dänemark Estland Finnland Frankreich Großbritannien.... Holland Indien........... Island . Italien . Japan Kanada ......... Lettland Mexiko Neuseeland Norwegen Oesterreich Philippinen Polen Rumänien Schweden Schweiz Süd.Afrika Tschechoslowakei .. Türkei Ungarn Uruguay Bereinigte Staaten Deutschland Olympische Goldmedaillen-Statistik. Amerikas 113 Goldmedaillen in der Leichtathletik. — Oie Goldmedaillen der Jmnen.-Zahlen, die täuschen.-IapanS Goldmedaillen im Schwimmen. Oie fehlenden Millionen. Don Johannes Vogel. Turnverein Heuchelheim. Bei den 9. Nationalen Wettkämpfen des Fuß- balloereins 1919 Weilburg startet der To. Heuchelheim mit einer starken Mannschaft. Ludwig U l m bestreitet die 100 Meter und 200 Meter, Erwin Neidel läuft 800 Meter und 3000 Meter, Hans Neidel 1500 Meter und 5000 Meter. Da die Konkurrenz nicht bekannt ist, ist eine Voraussage über die Sieger schwer. Unter den ersten werden die Heuchelheimer sicher zu finden sein. Weiter starten A. Kehr im Weitsprung Klasse I und im 100- Meter-Lauf Klasse II, H. Krämer im 100-Meter- und 1500-Meter-Lauf Klasse II, O. Henkelmann, Diskuswerfen Klasse I und Kugelstoßen Klasse II. Von ihnen werden persönliche Bestleistungen erwartet. Die Turnerinnen bestreiten 100 Meter, Weitsprung und Hochsprung und die 4X 100-Meter- Staffel. gleichen lassen. Vorbild Ame- morgigen Sonntag nehmen auch die Hand- die Spiele nach der diesjährigen Sommerpause wieder auf. Es gilt zu üben, um für die demnächst beginnenden neuen Rundenkämpfe ent» prechend gerüstet zu sein. Das Meldeergebnis für die neue Spielreihe ist gut ausgefallen, obwohl eine ganze Reihe von aktiven Mannschaften wegen Spielermangels nicht mitmachen kann. Außerordentlich zahlreich sind wieder die Jugendmannschaften vertreten, so daß mit spannenden Kämpfen gerechnet werden kann. Denn gerade die IugeiVdmannschaften haben immer wieder gezeigt, daß sie den aktiven Mannschaften in Bezug auf technisches Können kaum nachstehen und daß es auch keinesfalls an fand die feierliche Einweihung der neuen K i r ch e statt, „welche ewig im Gedächtnis hiesiger Bevölkerung bleiben wird. Dazu hilft auch, daß von an das K i r ch w e i h f e st (Kirmes) jedesmal den Sonntag und Montag nach dem 3. 9. begangen wird, während bisher seine Feier ganz unhistorisch nach dem Belieben der Wirte und Burschen sich richten mußte." So schreibt der Verfasser der Ortschronik, Pfarrer Völker. Wie man hört, soll dieses Jahr diese alte Sitte geändert werden und die Kirmes erst am 13. 9. gefeiert werden. Der neue Sportplatz, dessen Anlage sich durch die Ungunst der Witterung verzögert hat, ist als Platz oorge- sehen und wird kaum zum 6. 9. fertiggestellt sein. kriegsösterreich! Eine hat dann noch Frankreich durch seinen 1924er Wasserballsieg, je einen Frauen- ieg Holland und Dänemark. Unzählig fast sind die ersten Sieger in den anderen Wettbewerben, darunter manche, die fast schon vergessen sind, so beim Radsport und 10 0- Kilometer-Fahren mit Schrittmacher 1896 zum ersten- und letztenmal ausgetragen und von einem Franzosen gewonnen. 1908 wurde Polo gespielt und Großbritannien gewann. 1924 kam Der Bewerb noch einmal zur Durchführung, diesmal siegte Argentinien. Alle bisherigen Goldmedaillen und da^u die silbernen im Modernen Fünfkampf fielen an Schweden — und diesmal 1936 ist nicht ein Schwede unter den ersten drei. Deutschland aber führt die Liste an! Im Fechten kommen immer wieder Ungarn, Franzosen, Italiener als Sieger durch, bei den Frauen, seit 1924 ausgetragen, Dänemark, Deutschland, Oesterreich und 1936 Ungarn. Hier hat Amerika niemals etwas zu bestellen. Die Staaten fehlen auch fast gänzlich im Reiten, worin Schweden dominiert: 26 Goldmedaillen ohne Polo wurden fett 1912 hierin verteilt, zehnmal siegte Schweden, fünfmal Holland, dreimal Frankreich, zweimal Deutschland, sodann Italien, die Schweiz, die Tschechei, Japan, Spanien und nur einmal auch USA. Immer bleibt der Vorsprung Amerikas beträcht- der nötigen Kampfkraft fehlt. Das wichtigste Ereignis des morgigen Sonntag stellt das Handballwerbeturnier dar, das der Tv. Katzenfurt durchführt. Mit fünf aktiven und acht Jugendmannschaften ist die Besetzung außerordentlich gut. Auch die beteiligten Mannschaften sind gut dafür, daß ausgezeichneter Sport geboten wird. Daneben steigt noch eine Reihe von Freundschaftsspielen, von denen wir die wichtigsten herausgreisen wollen. Spielvereinigung 1900 Gießen 1. Igd. — Leihgestern 1. Igd.; Steinbach 1. Igd. — Watzenborn- Steinberg 1. Igd. (Einhäuser, Gießen); Heuchelheim 1. Igd. — Rodheim 1. Igd. (Henkelmann, Allendorf); Wißmar 1. Igd. — Krofdorf 1. Igd. (Lotz, Launsbach); Alten-Buseck 1. Igd. — Wieseck 1. Igd. (Laux, Leihgestern); Saubringen 1. Igd. gegen Lollar 1. Igd. (Körber, Alten-Buseck); Lich 1. Igd. Großen-Linden 2. Igd. (Decker, Garbenteich); DfB.-R. Gießen 3. Igd. — Allendorf 1. Igd (Eckhardt, Großen-Linden); VfB.-R. Gießen 2. Igd. gegen Klein-Linden 2. Igd. (Eckhardt, Großen- Linden); Geilshausen 1. Igd. — Rüddingshausen 1. Jqd. (Pieh, Londorf); Nieder-Ohmen 1. 3fl0. gegen Saasen 1. Igd. (Erb, Flensungen); ^len- jungen 1. Igd. — Grünberg 1. Ägd. (Dietz, Getls- ^Älle Erstgenannten Vereine sind Platzvereine. Dieselben haben den Schiedsrichter zu benachrichtigen. Mannschaften, die bereits Spiele für diesen. Jerrmn abgeschlossen haben, müssen diese sofort rückgängig machen. Das Schüler-Meisterschaftsspiel findet am dem Sportplatz der Spieloereimgung 1900 Gießen statt. , $6.$eufonia-Watzenborn-Steinberg Am morgigen Sonntag treten wieder zum ersten Male die zwei aktiven Mannschaften der Teutonen auf den Plan. Die 1. Mannschaft empfängt die gleiche vom FC. 1926 Großen-Buseck zum Gesell- schaftsrückspiel. Das Vorspiel in Großen-Buseck ge- wannen die Teutonen, und man hofft auch diesmal auf einen sicheren Sieg. Die zweite Mannschaft empfängt ebenfalls einen Rückspielgegner, und zwar die 2. Mannschaft vom Sportverein Lollar. Lollar mußte sich im Vorspiel mit 1:0 beugen. Ob das für das bevorstehende Spiel wieder der Fall sein wird, kommt auf die Aufstellung der Mannschaften an. Die Schülermannschaft wird gegen die gleiche des DsB.-R. in Gießen um die Meisterschaft spielen. Hier werden wohl die Gießener den Vorteil des eigenen Platzes haben. Zeiden,,Mionalen"inWeilburg Epielvereinigung 1900. Bei den am kommenden Sonntag in Weilburg stattfindenden Nationalen Wettkämpfen des Weilburger Fußball-Vereins wird die Spielvereinigung durch folgende Leute vertreten sein: A. Kilo, H. Jung, H. Hermann, H. Adam, H. Kleemann und I. fiuriger. Während Kilo im Diskuswerfen und Kugelstoßen startet, haben Hermann und Jung den 110-Meter- Hürdenlauf zu bestreiten, letzterer nimmt ebenfalls noch am Stabhochsprung teil. In den Sprintstrecken geht'Hans Adam an den Start. Erstmalig für die 1900er Farben starten Kleemann und Kuri- ger, die 1500 bzw. 3000 Meter zu laufen haben. BsB.-Reichsbahn. Nach langer Pause werden die Leichtathleten des VfB.-R. am kommenden Sontaa in Weilburg an den Start gehen. Der rührige FV. Weilburg veranstaltet seine IX. Nationalen Wettkämpfe. Bei den Männern dürften besonders Luh, Herrmann und Pfaff erfolgreich sein. Auch in den Frauenwettbe- werben sollten einige Erfolge errungen werden Be- sonders die 4-mal-lOO-Meter-Staffel geht mit Aus- men zu beobachten, daß viele Wettbewerbe heute von der Lifte g e ft r i ch e n sind, einige überhaupt nur einmal durchgeführl wurden und daß somit eine den wirklichen Stand der Verhältnisse angebende Liste aufzustellen nicht möglich ist. Betrachten wir beispielsweise die drei griechischen Goldmedaillen, nun ja, die eine stammt von Louis, dem Marathonläufer, aber die beiden anderen sind im „Weitsprung ohne Anlauf" erworben, einen längst vergessenen Wettbewerb, den man kaum noch mit- zählen kann. Natürlich, Goldmedaille ist Goldmedaille ... Ist sie es wirklich? Ist die des Siegers im Zehnkampf nicht doch mehr wert als die des „Weitspringers ohne Anlauf?" Aber gehen wir weiter, stürzen wir uns noch einmal in das Meer der Zahlen: im Schwimmsport. Natürlich führt auch hier Amerika, aber schon läßt sich erkennen, daß die Uebermacht hier keineswegs dem größeren Menschenreser- d o i r entspricht. 23 Goldmedaillen von insgesamt 73 holten die Männer, 21 von insgesamt 29 die amerikanischen Schwimmerinnen, wobei die Wasserspringer sowie die Wasserballspieler einfach mitgerechnet werden. Es folgt Deutschland mit 11 „männlichen" und einer „weiblichen" Goldmedaille (die Damen sind überhaupt erst seit 1912 dabei), was den Wert der 21 amerikanischen erhöht! Dann folgt die alte Schwimmergeneration der Großbritannier mit 9 der Männer, 2 der Frauen, bei den Männern sind drei allein für das Wasserballspiel (Deutschland 1). Dann kommen die Schweden mit 6+1; Japan mit 6. Aber auch hier ist die Liste falsch, Japan startet erst feit 1924, hat aber 1928 von den 9 zu erringenden männlichen Goldmedaillen 5 erobert! Wenn es so weitergeht, verliert Amerika seinen Vorsprung! Australien hat 4+2, Hawai 4, Ungarn 4, Kanada 2, Argentinien 1 und 1 das alte Vor- Medaillen eroberten, davon sechs dem Läufer Nurmi zufielen. Großbritannien verdankte seine schönen Erfolge hauptsächlich den Mittelstrecklern, nämlich zehn Medaillen von insgesamt 24, mit Hürdenstrecken sogar noch eine mehr. Der Olympiarekord von 1936, ausgestellt von dem Neger Jesse Owens, der in den 100, 200 Meter und im Weitsprung sich drei Goldmedaillen holte, ist fein Unikum, im Gegenteil: der Deutsch-Amerikaner Kränz- lein holte sich im Jahre 1900 nicht weniger als vier solcher Siegeszeichen: im 60-Meter-Lauf, im 110» Meter-Hürdenlaus, im 200-Meter-Hürdenlauf und im Weitsprung, mit Leistungen, die ganz hervorragend waren. Freilich werden heute die 60 Meter (und die 200-Meter-Hürden nicht mehr gelaufen, sonst hätte Owens wohl Kränzlein erreicht. Es sind nur wenige Nationen, die tn der männlichen Leichtathletik außer den schon genannten Siege errangen: Griechenland 3, Argentinien (durch Zabala) 1, Polen 1 und dazu zwei weibliche, Norwegen 2, Südafrika 4, Australien 3, Japan 2 (nimmt erst seit 1924 teil), Ungarn 1, Frankreich 3 und Italien 4, davon allein drei durch einen Geher. Man sieht, es ist gar nicht so leicht, in diesen leichtathletischen Goldmedaillen- filub ausgenommen zu werden, um so höher sind die diesjährigen deutschen Erfolge von Stöck, Hein, Woellke, Mauermeyer, Fleischer und den noch folgenden zu werten. Nun ist in der Leichtathletik wie beim Schwim- lich, aber ganze Kontinente fehlen: China mit seinen 400 Millionen Menschen, Indien mit ebensovielen, Rußland mit bald 200 Millionen, Afrika mit seinen riesigen Negerathleten, wo sind sie? Man vergesse doch nicht: Nordamerika ist ein (Staat enbunb, mit dem sich Einzelstaaten nicht ver Dennoch beherrscht das Wort vom rika die öffentliche Phantasie, und alles in allem, ganz ohne Zweifel sind die Leistungen der Vankees erstaunliche. Am ersten Sonntag nach der Sperre ijt es Lollar gelungen, den vorjährigen Tabellenführer der Gruppe Lahn-Dill zum Rückspiel zu verpflichten. Das Vorspiel gewann Lollar überraschend mit 1:0. Naunheim wird am kommenden Sonntag alles auf eine Karte setzen, um die Schlappe vom Vorspiel wieder wettzumachen. Lollar tritt voraussichtlich mit seiner stärksten Mannschaft an. Es dürfte ein anregendes Spiel zu erwarten fein, bei dem die bessere Tagesform den Ausschlag geben wird. Landkreis Gießen. ♦ Wieseck, 15. Aug. Unsere Mitbürgerin Frau Elisabeth B i e r a u, geb. Naumann, feiert am morgigen Sonntag, 16. August, in geistiger und körperlicher Frische ihren 7 5. Geburtstag. Frau Bierau ist schon über 40 Jahre eifrige Leserin des Gießener Anzeigers. * L o 11 a r, 15. Aug. Am morgigen Sonntag beginnt die Kriegskameradschaft auf ihrem Schießstand ihr diesjähriges Scheibenschießen. Geschossen wird, wie in den Vorjahren, mit Wehrmannbüchsen auf 180 Meter. $ Steinbach, 14. Aug. Als am 28. Juni 1842 der große Brand Steinbach heimsuchte, wurde auch die Kirchgasse schwer betroffen. Das Schulhaus brannte ab; im Herbst 1844 wurde das neue Schulhaus in Gebrauch genommen. Das Pfarrhaus war schwer beschädigt worden. Sein Aufbau ging die Gemeinde nichts an, da der Fiskus die Baulast hatte. Der damalige Pfarrer Karl Theodor Leopold Volker, von 1838 bis 1859 Pfarrer zu Steinbach, erhielt eine Jnterimswohnung im Hause der Wwe. Konrad Mohr eingerichtet. Das stark beschädigte Pfarrhaus wurde zum Abbruch verkauft und von dem Polizeisergeant Keßler, einem gebürtigen Steinbacher in Gießen, als Hinterhaus feines neuerbauten Wohnhauses am Seltersberg aufgebaut. Der Wohnungsplatz des Karl Strauch wurde dazu gekauft und das neue Pfarrhaus konnte am 3. 9. 1845 eingeweiht werden. Die Kirche war bei dem Brand ebenfalls in größter Gefahr und auch schon geräumt. Da die alte Kirche nicht mehr ausreichte und wenig würdig war, wurde schon seit 1839 das Kirchenbauprojekt lebhaft erörtert. Die Baulast lag bei der Gemeinde. Nach dem Brande wurde der Plan zum Neubau der Kirche aus der Gemeinde heraus mit Macht betrieben. Pfarrer Völker riet zum Abwarten. Da aber die fiir- chenbehörden 15 000 Gulden für den Neubau bewilligten. wurde der Kirchbau beschlossen. Der Platz für die Kirche und zur Erweiterung des Kirchhofes wurde durch Ankauf der Hofplätze des Johannes Krämer und der Andreas G u t h a Wwe. und der Gärten des Stephan und des Heinrich B a I f e r zu je 8 Gulden die Ruche aeroonnen. Am 4. 6. 1845 wurde der Grundstein gelegt und am 3. 9. 1848 Vater läßt sein vierjähriges Kind ertrinken. LPD. Nierstein, 13. Aug. In der Nähe von Nierstein wurde am Dienstag die L e i ch e eines vierjährigen Mädchens gelandet. Wie sich herausstellte, handelt es sich um ein Kind aus Ludwigshafen. Sein Vater war mit ihm zusammen am Montag von zuhause fortgegangen und kehrte nicht wieder zurück. Die Ehefrau, die in Geinsheim Verwandte hat, fuhr hierher, um sich nach dem Verbleib ihres Mannes und Kindes zu erkundigen. Mittlerweile ist der Vater des Kindes, der 31 Jahre alte Wilhelm Hübner in Ludwigshafen, in seine Ludwigshafener Wohnung xurüdge- kehrt und von der Polizei in Haft genommen worden. Er gab zu, daß er zwischen Worms und Rheindürkheim mit dem Kinde auf dem Arm in den Rhein gegangen sei. Das Kind habe er bann plötzlich nicht mehr gesehen. Ihm selbst sei es gelungen, durch Schwimmen das Ufer wieder zu erreichen. Hübner gab weiter an, daß er das Kind noch schreien hörte, aber infolge der ejnge« tretenen Dunkelheit sei ihm die Rettung unmöglich gewesen. Heber die Gründe, die ihn zur Tat bewegten, verweigerte er die Aussage. Hübner hatte sich am 10. August im Laufe des Vormittags nach einem geringfügigen Familienftreit aus ftiner Wohnung unter Mitnahme feiner 4 Jahre alten Tochter Jngeborg entfernt. Die Gießener haben zur Eröffnung der neuen Spielsaison die Ligamannschaft des Sportvereins Wetzlar nach hier verpflichtet. Mit dieser Verpflichtung sollten die Hiesigen einen guten Griff getan haben. Die Wetzlarer haben in der vorjährigen Verbandsserie sich glänzend behauptet und mußten nur im Endkampf sich mit dem Zweiten Platz be- gnügen. Auch im vorsonntäglichen Kreisspiel haben die Vertreter des Sportvereins gezeigt, daß sie von ihrem Können nichts eingebüßt haben. Demgegenüber hat der Spielausfchuß der Gießener durch den Verlust mehrerer guter Spieler mit seiner Mannschaftsaufstellung Sorgen. Da Knauß nicht mit bei der Partie ist, so mußte auch noch der Mittelläufer ersetzt werden. Die Gießener bringen folgende Spieler auf den Plan: Balser, Hauptfeld, Leutheuser II., Kugel, Mund, Fenster Fehling, L. Schmidt, Jacob, Heß und Szpomck. Kugel hat schon einmal für die Gießener gespielt und er wird zu beweisen haben, daß er die notige Reife für die Mannschaft besitzt. Jakob als Sturmfuhrer dürste den schwersten Stand haben. In der Gefamt- betrachtung haben die Wetzlarer ein spielerisches Plus. Bfv.-Reichsbahn II — fUein-Cinben I. In biefem Spiele stellen die Gießener eine stark verjüngte Mannschaft, die sich Zum größten Teil aus Spielern der ersten Jugend zusammenfetzt. Wenn auch diesen Spielern noch die notige Er- fahrung und Härte fehlen sollte, so erwartetman doch von ihnen, daß sie die erlittene Dorfpiel- nieierlage wieder gutmachen. BfB.-K I. Iugend — Butzbach L Jugend. Die Gießener erste Jugendmannschast trifft in Butzbach auf einen Gegner, der ihr f^on im Vorspiel den Sieg sehr schwer machte. Es »st daher fraglich, ob die Gießener sich auf dorttgem Gelände durchsetzen. — Die zweite fugend spielt auf hiesigem Platze gegen die erste von Klein-Linden. Zwei spielstarke Gegner sollten um den Sieg "ngen Die dritte Jugend empfängt die erste von Allen- dorf. — Aus dem neutralen P^tz der Spielüer- einigung Gießen trifft die erste Schulermannschaft auf die gleiche von Watzenborn-Steinberg. Beide Mannschaften haben in dem Gruppenspiel Punkt- Mit Zahlen läßt sich bekanntlich alles beweisen und an Hand der bei den Olympischen Spielen bis 1932 ausschließlich verteilten Goldmedaillen ließe sich ablesen, daß die A m e r i k a n e r die kräftigste, zäheste schnellste Rasse der Welt heroorbrächten. Aber davon kann gar keine Rede sein, obwohl ihrem Erfolg mit den in der Leichtathletik der Männer erworbenen 113 Goldmedaillen von insgesamt 207 seit 1896 verteilten nichts an die Seite zu stellen ist: nicht einmal über die Zahl 30 gelangen die folgenden Länder Finnland und Großbritannien hinaus. Aber kann man das kleine Finnland mit dem großmächtigen Amerika Überhaupt vergleichen? Das kann man nicht: die Finnen haben für ihre 4'/- Millionen Menschen mit vollen 29 ersten olympischen Siegen sehr viel mehr erreicht als die Nordamerikaner. Und die Finnen sind e i n Volk und eine Rasse, für die Staaten jedoch starten Weiße, Schwarze und Rote, wir würden diesen Hnterschied nicht machen, wenn ihn die Yankees nicht selber träfen. 113 Goldmedaillen für USA. in der Leichtathletik der Männer, 6 noch dazu bei den Frauen von insgesamt 11 seit 1928 verteilten, 29 finnische, 24 großbritannische, 7 kanadische (dazu zwei weibliche), 7 schwedische. Bei Großbritannien muß eine Bemerkung eingeflochten werden: vor dem Krieg umfaßte Großbritannien für das Olympische Komitee England, Irland, Schottland, Wales, nach dem Kriege startete Irland für sich und erwarb drei eigene Medaillen, zwei davon durch einen Mann im Hammerwerfen, 1928 und 1932. Deutschland verstand vor 1936 nicht eine einzige Goldmedaille in einem einzigen leichtathletischen Wettbewerb der Männer zu erwerben. Die eine überhaupt geholte leichtathletische wurde in einem Frauenbewerb, den 800 Meter (die heute nicht mehr gelaufen werden) gewonnen, 1928 von Frau Batschauer-Radke. Damit hat es nun ein Ende: in der nächsten Tokioter Liste werden auch deutsche Namen unter den ersten Siegern zu finden sein. Bisher hatte Deutschland es auch noch nicht verstanden, sich auf bestimmte Bewerbe zu konzentrieren, wie dies die Finnen machten, die allem in den Strecken von 1500 Meter an sich 15 gleichheit erkämpft. Dieses Spiel wird entscheiden, welche Mannschaft die bessere ist. — Die Kleinsten des Vereins stehen der ersten Schülerelf von Klein- Linden gegenüber. Gpielvereinigung 1900 Gießen. Die Ligamannschaft der Spielvereinigung wird erst am nächsten Samstag in einem Freundschaftstreffen gegen die Siegener Sportfreunde auf eigenem Platze antreten. Am nwrgigen Sonntag tragen lediglich die 2. und 3. Seniorenmannschast Ge- sellfchaftsrückfpiele in Wetzlar gegen den dortigen Sportverein aus. Bei den seitherigen Begegnungen war es immer so, daß jeweils der Platzoerein siegte. Dies wird voraussichtlich auch diesmal der Fall sein. Iugendfußbatt der Gruppe Gießen. Schüler-INeisterfchastsspiel. Watzenborn-Steinberg 1. Schüler — VfB.-Reichsbahn Gießen 1. Schüler (Luh, Allendorf). Tv. Garbenheim — Tv. Allendorf (Lahn). Die Gäste haben die im Vorspiel erlittene Niederlage wettzumachen. Ob das gelingen wird, steht dahin. Garbenheim ist als sehr spielstark anzusprechen und Allendorf hat keine Gelegenheit gehabt, mit seiner kompletten Mannschaft zu üben. Tv. Grüningen — Tv. Hörnsheim. Beide Mannschaften werden sich einen spannenden Kampf liefern, der auch gleichzeitig Aufschluß darüber geben wird, wie sich Grüningen in feiner neuen Umgebung (1. fireisflaffe) schlagen wird. Man weiß, daß Hörnsheim über großes Können verfügt, weiß aber auch, daß es feine alte kampferprobte Mannschaft nicht mehr zur Stelle hat. Der Spielausgang ist nicht vorauszufagen. Tv. Niedergirmes — Tv. Nauborn. Mit der ersten und der Jugendmannschast weilt der Tv. Nauborn in Niedergirmes. Es ist kaum anzunehmen, daß sich die Platzbesitzer schlagen lassen werden. Die Aktiven Nauborns fangen erst an und die Jugend verfügt noch nicht über das Können, das erforderlich ist, um dem Gegner standzu halten. Buntes Das Mtsel der Zwillinge Einer der rätselhaftesten Fälle, die sich bisher mit Zwillingen ereignet haben, beschäftigt gegenwärtig die griechische Polizei. Man steht vor der Frage, ob es sich um einen höchst geschickten Betrugsversuch handelt, der durch die Umstände begünstigt ist, oder um einen nicht ungewöhnlichen Fall von Verlust des Gedächtnisses. In Athen lebten die Zwillinge Hippolytos und Demosthenes Ro- dofthos, deren Aehnlichkeit so außerordentlich war, daß selbst Freunde die beiden nicht unterscheiden konnten. Sie waren auch beide Ingenieure, Hippolytos war Angestellter in einem Bergwerk, der Bruder Direktor in einer kleinen Fabrik. Dor einiger Zeit hatte sich Demosthenes verheiratet. Bei diesem Anlaß hatte er eine Lebensversicherung für eine ziemlich hohe Summe ausgenommen. Vor etlichen Wochen ereignete sich nun in seiner Fabrik eine Explosion, die ihm und zwei Arbeitern das Leben kostete. Das Unglück fand gerade in einem Augenblick statt, in dem sich Hippolytos, was sonst sehr selten vorkam, zu einem Besuch bei dem Bruder eingefunden hatte. Beim Anblick der Leiche des Bruders brach Hippolytos in Verzweiflung aus und fiel dann in eine lange, tiefe Ohnmacht. Einige Tage lang hegte man die Befürchtung, daß er wahnsinnig würde. Inzwischen zahlte die Versicherungsgesellschaft der Witwe pünktlich die Prämie aus. Aber als einige Tage später Hippolytos geheilt war und wieder im Bergwerk erschien, um seine Arbeit aufzunehmen, erhob sich der Verdacht, daß er gar nicht Hippolythos, sondern Demosthenes wäre. Tatsächlich hatte er jede Kenntnis seiner früheren Tätigkeit verloren: er erinnerte sich nicht mehr an viele Einzelheiten seines Lebens und wußte nichts mehr von allem, was er früher in dem Bergwerk gearbeitet hatte. Er erklärt, er habe alles vergessen infolge des furchtbaren Schlages, der ihn bei dem plötzlichen Tode des Bruders betroffen hatte. Neben ihm schwört die Witwe, daß der Verstorbene tatsächlich ihr Mann gewesen sei, während die Freunde und die Bekannten vor- einem Rätsel stehen und sich weder in dem einen oder dem anderen Sinne entscheiden können. Interessant, aber nicht neu. Die Schafzüchter Australiens haben eine Erfindung gemacht, um die Wolle der lebenden Schafe sauber zu erhalten. Die Schafe, die sich ihr Leben lang auf der Weide Herumgetrieben haben, starren aber von Schmutz und Staub, und die Wolle dieser Tiere erzielt, auch wenn sie gewaschen ist, nicht annähernd den Preis, als wenn die Wolle von Natur fein und sauber ist. So sind praktische Menschen, um ihre Schafzucht gewinnreicher zu gestalten, auf den Gedanken gekommen, ihren Tieren „Staubjacken" anzuziehen. Diese Jacken schmiegen sich dem Fell dicht an etwa wie Möbelschoner der guten Polstermöbel und erhalten die Wolle darunter wunderbar weiß, glänzend und weich. In Sidney ist eine ganze neue Industrie aufgekommen, um die Bedürfnisse dieser neuen „Schafmode" zu befriedigen. In Südaustralien allein tummeln sich bereits 50 000 Schafe also bekleidet auf den Allerlei. Weiden. Ein englischer Archäologe, der davon hörte, schüttelte den Kopf: „Interessant, aber nicht neu. Die Griechen kannten das vor 3000 Jahren." Im alten Griechenland herrschte nämlich die Sitte, daß bestimmte Tiere aus der Herde ausgewählt wurden, deren Wolle für das Kleid des Herrn oder der Herrin dienen sollte. Diese Tiere hatten die Ehre, in eine Jacke gesteckt zu werden, um die glänzend saubere Wolle hervorzubringen, die allein würdig war, die fürstlichen Glieder zu bedecken. Das Haus Augustus Auf dem Palatin werden, wie aus Rom berichtet wird, die Arbeiten an dem Haus des Augustus im Auftrage des Ministers für die nationale Erziehung fortgesetzt. An der alten Fassade gegen die via dei Cherchi wurde der moderne kleine Turm, der den antiken Eingang versperrte, abgetragen. Die sehr ansehnlichen Reste der Fassade werden wieder hergestellt und der antike Eingang wieder geöffnet. Im Innern der Hauses ist der großartige Säulengang bereits vollständig freigelegt, und die Ausgrabungen bringen weiterhin Säle und Galerien zutage, auch die große Treppe, die gleichfalls alt ist und zu dem oberen Stockwerk führt, wo die prachtvolle Reihe von Räumen, die noch vorhanden sind, völlig von den modernen Baulichkeiten, die sie fast verbargen, befreit worden ist. Wenn diese Arbeiten beendet sind, wird das Haus des Augustus das wichtigste Bauwerk unter den Kaiserpalästen sein. Bemerkenswert ist besonders ein kleiner achteckiger Saal mit rechteckigen und halbkreisförmigen Nischen, die in zwei Reihen übereinander abwechseln, ferner ein rechteckiger Saal mit zwei Apsiden an den kurzen Seiten, und der Rest eines Saales in Form eines griechischen Kreuzes. In einem anderen Raum wurde ein, mittelalterlicher kleiner Säulengang mit Malereien aus der Renaissance wieder befestigt, die Malereien wurden gereinigt. Bei allen Arbeiten wurde festgestellt, daß das Haus des Augustus schon im Altertum verschiedene Umbauten und Erneuerungen erfahren hat. Neues für den Büchertisch. — Luftschiffkapitän Ernst A. Lehmann: Auf Lustpatrouille und Weltfahrt. Erlebnisse eines Zeppelinführers in Krieg und Frieden. Herausgegeben von Leonhard Adelt. Reichillustriert. 332 Seiten. Halbleder. Volksverband der Bücherfreunde, Wegweiser-Verlag GmbH., Berlin- Charlottenburg 2. — (161) — In diesem Tatsachenbuch, das wie ein abenteuerlicher Film der Weltgeschichte der letzten Jahrzehnte vor uns abrollen läßt, berichtet Luftschiffkapitän Ernst A. Lehmann, heute Direktor der Deutschen Zeppelin-Reederei, von seinen gefährlichen Kriegsfahrten über Rußland, den Balkan, die Nordsee, von tollkühnen Ueber- querungen feindlicher Fronten, von Bombenangriffen auf London, von dem oft verzweifelten Kampf der Lufthelden gegen Flieger, Geschütze, Kriegsschiffe, alle Unbilden der Witterung, von dem Vorstoß bis tief nach Afrika zur Rettung der heroischen Kolonialkämpfer Lettow-Vorbecks. Wir erleben die Enttäuschungen und Anstrengungen der Nachkriegszeit, bis der neue Zeppelin entsteht, als erstes und bisher einziges Luftschiff die Welt umfährt, unter Lehmanns Führung eine regelmäßige Amerikaverbindung ausnimmt, sich in das ewige Eis des Polargebiets wagt, während ringsum fremde Luftschiffe bedauerliche Rückschläge erleiden. — Herbert Volck: Die Wölfe. 33000 Kilometer Kriegsabenteuer in Asien. Ganzleinen 2,85 RM.: kart. 2,— RM. Verlag Ullstein, Berlin. — (166) — Leutnant Volck, Sohn eines Rechtsanwalts aus Dorpat, kämpft als Dragoneroffizier unter Kluck an der Marne. Dann kommt er als Fliegeroffizier nach dem Osten. Er kämpft in der Luft bei Rava-Ruska, Brest-Litowfk und Kowel, im gleichen Abschnitt wie Richthofen. Mit seiner Gefangennahme in Wol.hynien beginnen seine russischsibirischen Abenteuer: Kerkerschicksale, Fluchtwanderungen durch eisige Winternächte, an zusammenfallenden Lagerfeuern, um die Rudel grauer Wölfe schleichen, wegloses Irren durch die mongolischen Steppen, nochmals Verhaftung durch einen Kosakenschwarm, furchtbare Einzelhaft in Irkutsk, Freiheitsträume, dann, phantastischer als ein Roman, das Entrinnen nach Moskau. Aber auch dies ist nur ein Ruhepunkt vor neuen Abenteuern, vor | märchenhaften Fahrten durch die wilden Berge des, Kaukasus zu den Tscherkesfen nach Persien, nach den Räuberburgen Kurdistans, nach Mesopotamien und Palästina. Bilder stürzen vorbei, bunt wie der Orient, unwirklich wie Traumgesichte; der sie aufzeichnete, hat eine fabelhafte Spannkraft des Willens und des Geistes. 1918 ist Leutnant Volck von seiner Fluchtreise in Deutschland wieder eingetroffen. Hindenburg und Ludendorff haben im Großen Hauptquartier seinen mündlichen Bericht gehört. Nach dem Zusammenbruch wird er Gründer des Freikorps Lüneburg-Volck. 1928 und 1929 organisiert er den deutschen Landvolkkampf in Holstein. Mit Klaus Heim verurteilt, erkrankt er nach einer Haft von 20 Monaten schwer, bis er am 21. März 1933 begnadigt wird. V.' sibirisch-kaukasisches Abenteuerbuch erscheint jetzt in neuer Fassung, für die Generation, die den Krieg miterlebte und für die, die seitdem heranwuchs. — Arno Dohm: Skagerrak. Die größte Seeschlacht der Geschichte. 324 Seiten. Mit 51 Bildern. Volksausgabe: Leinen 2,85 Mk. C. Bertelsmann Verlag, Gütersloh. — (215.) — Ein Buch, das den Hergang der Schlacht und die Heldentaten bei Freund und Feind miterleben läßt; das Kämpfen und Sterben derer hüben und drüben, die als Soldaten und Seeleute ihr Letztes hergaben, um ihrer Flotte und ihrer Flagge den Endsieg zu sichern. Dohm schuf ein genaues und ausführliches Gemälde der Seeschlacht, das dem deutschen Volke die Größe der Leistung, den Schneid und Opfermut der kämpfenden Flotten in spannender Schilderung zum Bewußtsein bringt. — P. E. Ettighoffer: Verdun, das große Gericht, mit 31 Photos. Verlag C. Bertelsmann, Gütersloh. Preis 2,85 RM. — (216) — Eine einzige Schlacht des Weltkrieges vereinigt in sich aßc Schrecken des modernen Kampfes, umschließt alles Heldentum deutscher und französischer Soldaten und bleibt Symbol zähesten Durchhaltens — Verdun. Verdun blieb die hohe Schule der besten Kampftruppen bei Freund und Feind. Dieses Dichters und Verdunkämpfers Buch ist das Heldenlied vom Kämpfen, Leiden und Sterben zweier großer Nationen. Eine erschütternde Erzählung, die uns mitten hinein- führt in die Panzerforts, in die Trichter und Gräben und Artilleriestellungen, zu den Kämpfern bei Freund und Feind. — Marianne Bruns: D i e Dioskuren i n O l y m p i a. Roman aus Alt-Griechenland. Ganzleinen 4,20 RM. Gerhard Stalling, Verlag, Oldenburg i.O./Berlin. — Auf dem heiligen Boden von Alt-Olympia spielt dieser Roman. Wettkampfspannung und Sportgeist im edelsten Sinne beherrscht die entscheidenden Auftritte. Unter solchen Zeichen entwickelt sich eine lebendige Romanhandlung. In ihrem Mittelpunkt steht das Dioskurenpaar, die befreundeten Knaben Megakles und Antenor. Im großen Strome der hellenischen Stämme ziehen sie von Kyl- lene durch das elische Land nach der berühmten Wettspielstätte, ausersehen, als Vertreter ihrer Heimat an den olympischen Kämpfen teilzunehmen. Charaktere treten scharf gezeichnet hervor, lebensvolle Szenen spielen sich ab vor dem Hintergründe der schicksalsvollen Geschichte des Griechenvolkes, die der Volksheld Themistokles und sein großer Gegenspieler Hieran von Syrakus machtvoll durchschreiten. In diesem Jahre, das dem deutschen Volke das Erlebnis der modernen Olympischen Spiele auf eignem Boden bringt, ist es besonders reizvoll, sich einmal in jene Welt zu versenken, die den Gedanken eines edlen und friedlichen Wettstreits unter den 'Völkern als erste verwirklichte. — HerbertSchöffler, Professor an der Universität Köln: Die Reformation. Einführung in eine Geistesgeschichte der deutschen Neuzeit. 106 Seiten mit zwei Karten. 2,30 RM. Verlag Heinrich Pöppinghaus, Bochum-Langendreer. 1936. — (158) — Der Wert der Untersuchung liegt in ihrer kritischen Verwendung eines reichen Tatsachenmaterials im Zusammenhang mit einem in der langen theologischhistorischen Diskussion neuartigen Gedankengang. — Dr. Werner Dittrich: Vererbung und Rasse. Ein Hand- und Hilfsbuch für den Lehrer. 84 Seiten. Mit 50 Abbildungen. Kart. 3,20 Reichsmark. Franckh'sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart. — (212) — Der Verfasser hat es verstau- den, aus dem ungeheuren Stoffgebiet alles von der Wissenschaft als gültig Anerkannte auszuwählen, um so dem Lehrer das notwendige Wissen über Vererbungslehre und Rassenkunde zu bieten. Ditt- rich hat sich dabei eng an die methodischen Aufsätze des Reichsreferats für Rassefragen im NSLB. gehalten, so daß seine Arbeit die rein wissenschaftliche Grundlage für die praktische Arbeit des Lehrers darstellt. Aber nicht so sehr auf die Wissensvermittlung kam es dem Verfasser an, sondern die Erziehung zu rassisch bewußtem Denken und Handeln war ihm das Wichtigste, da ja die sichere rassische Haltung das Ergebnis solcher Erkenntnisse auf dem rassekundlichen Gebiet sein muß. Diesem Wollen hat Dittrich seinen Stil angepaßt, und hat damit den Stoff so fesselnd gestaltet, daß jede, neue Erkenntnis gleichzeitig zum Erlebnis wird und jedem deutlich zum Bewußtsein kommt, wie nötig wir die neuen Rassegesetze brauchen. STADTTHEATER GIESSEN \ Die neue Spielzeit beginnt bereits am 18. September \ Achtung Alt-Abonnenten! Letzter Termin für die Anmeldung zur neuen Spielzeit 19. August Die Preise der Platzmiete sind im Verhältnis zu den Tagespreisen in diesem Jahr noch günstiger gestaltet! Jetzt ist auch der richtige Zeitpunkt für 116116 AnUlöldUllg I Erkundigen Sie sich bei der Theaterkasse über die außerordentlich billigen Mietpreise und bestellen Sie noch heute Ihren festen Platz I ______ 50570 WIESECK Sonntag, 16. Anglist 1936: •TANZ• Zum kühlen Grund Adolf Schepers O36?o Eisenbahner-Beim slällen-Verein e. G. m. b. H. in Gießen. Ihre Verlobung geben bekannt Emilie Klotz Albert Mohr, Schuhmachermeister Großen-Tinden Klein-Linden 16. August 1936 03701 Restaurant 5070 0 HenMehnerMühlchen der beliebte nabe Familien-Ausflugsort! — Bedarfshaltestelle der Biebertalbahn — wirkt immer die duftende Frische und schöne Gepflegtheit der Haut, daher gebraucht eine Dame, die etwas auf sich hält N Zu haben in allen Fachgeschäften, bestimmt bei Viktoria-Drogerie E. Guth Central-Drogerie E. Kam Germania-Drogerie C. Seibel Parfümerie Hermann Plank Nha-EsA Zum Einmachen ausgiebig 1 Flasche gibt 3 Ltr. 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Abstimmungsberechtigt sind nur Mitglieder der Genossenschaft. Anträge zu Punkt 8 der Tagesordnung sind bis zum 22. August 1936 bei dem Unterzeichneten (Klinik- straße!2 seinzureichen. Der Jahresabschluß kann vom 17. August bis 25. August 1936 beim Rechner der Genossenschaft - Herrn Münster, Jheringstraße 10 - von den Mitgliedern der Genossenschaft eingesehen werden. 5074V Gießen, den 14. August 1936. Der Aufsichtsrat: Keuler stellvertr. Vorsitzender. Gute Kurzschriftler und Maschinenschreiber gesucht heißt es oft. Wie aber steht es mit Ihren Fertigkeiten, wenn der Ruf an Sie ergeht? In 14 Tagen und zwar am Montag, dem 31. August 1936, beginnen unsere Lehrgänge in Kurzschrift in er Alten Pestalozzischnle. Wernerwall Nr. 18. Ermäßigte Preise! (RM. 6.- bis RM. 1. J Dienstag, den 1. September beginnen unsere Lehrgänge für Maschinenschreiben in der Oeffentl. Mandelslehranstalt (Liebigsti aße 16). — Anfänger RM. 6.-. Mitglieder u. Lehrlinge RM. 5-, Fortgeschrittene und Praktiker RM. 4.- bis RM. 3.-. D Volle Stunden! Deutsche Stenografenschaft . Ortsgruppe Gießen. Anmeldung und Auskunft: Schrift- \\ M // 'ich oder mündlich bei Ortsgruppen- cv führer Graf, Fj iedensstr. 30; Sc rift- V’lpz führer Werner, Aulweg 36, oder zu W Beginn des Unterrichts. 5067D Jahrelang haben Angehörige aller Berufe, ohne selber zu züchten, hohe Gewinne durch uns ausgezahlt erhalten. Auch Sie. können dazu gehören! Sie sind Eigentümer der Tiere — wir hegen sie auf unseren Zuchtstätten und verwerten die Nachzucht für Sie. Rund 25% wird im Jahre 1936/37 der Gewinn nach Abzug aller Unterhaltskosten betragen. Näheres sagt Ihnen unsere reichbebilderte Druckschrift H 220, die Ihnen unverbindlich und ohne Kosten für Sie zugestellt wird durch GEMEINSAME EDELPELZTIERZUCHT BETRI EBSGESELLSCHAFTM.B.H. Abt Thx Berlin NW 7 ✓ Friedrichstraße 136 WM! MOW 16. August 1936 9.10 Uhr Antreten aller Kameradschaften mit Fahnen vor den Markthallen zum gemeinsamen Gottesdienst in der Stadtkirche. Anschließend Kranzniederlegung an beiden Denkmälern und an den Soldatengräbern auf dem Alten Friedhof. — Marsch durch die Stadt zum Brandplatz. Nachmittags großes Treffen mit Familien auf dem Festvlatz an der Waldeslust. (Hallen für 2000 Mann.) — 16 Uhr: Kameradenehrung, Konzert, Festtreiben für Jung und Alt. — Feuerwerk. Der Eintritt ist frei! Alle jungen und alten Kameraden, die stolz sind auf ihr ehrliches Soldatentum, und alle Volksgenossen, die ihre Verbundenheit bezeugen wollen, sind herzlich willkommen. 068d Arbeitsgemeinschaft Gießener Soldatenkameradschaften. Kr. 190 Dritter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Samstag, 15. August 19Z6 voller zschreibung neue Gesichts- Naturanschauung ebenso Oer König schreibt an den Rand Eine Sedenlausstellung im Geheimen Staatsarchiv, Berlin. Oberbayerisches Tagebuch. Don Sans Thyriot. Am Tegernsee, im August. des Königs in langen Friedensjahren. Nichts war ihm zu gering, als daß er sich nicht darum kümmerte. Wenn er auf Besichtigungsreisen ging, führte er handgeschriebene st a t i st i s ch e Aufzeichnungen mit, wohl die ersten ihrer Art, in denen genau aufgeführt war, wieviele Häuser der besuchten Städte und Dörfer mit Ziegeln und wieviele mit Stroh und Schindeln bedeckt waren. Andere Tabellen gaben ihm genaue Auskünfte über die Zahl der Einwohner, Männer und Frauen, über die ansässigen Gewerbe, wobei er Wert darauf legte, zu erfahren, wieviel Meister und wieviele Gesellen in den einzelnen Gewerben beschäftigt waren. Die Einfuhr von Maulbeerbäumen ließ er sich persönlich angelegen sein, Gartenpläne entwarf er selbst, für die Entwürfe von Regimentsfahnen liegen Zeichnungen von seiner Hand vor, und besonders scheint ein verfrühter Pferdekauf einmal seinen Aerger erregt zu haben. Mit energischen Lettern schrieb er an den Rand: „wer die Ferde bestellt hat, mach Sie bezahlen." Einmal weilte er in Pyrmont. Zum Schluß seines Aufenthalts ließ er sich eine Liste all der Leute vorlegen, die auf ein Trinkgeld rechneten. Bei jedem Namen schrieb der Alte Fritz ein, wieviel Trinkgeld der Betreffende erhalten sollte, nicht ohne hier und da seinem Unwillen über einzelne Empfänger Luft zu machen. So erhielten die Frau, die das Kaminfeuer legte, 4 Dukaten und die, die die Allee reinfegte, 3 Dukaten. Beim Apotheker vermerkte er: „Spitzbüberei! Soll haben vier Dukaten", und beim Kurarzt, Brunnenmedicus Hofrat Seipr „Fünfzig Dukaten, so er mit nichts verdienet!" Heuer deutscher Lebensstil Don Wilhelm v. «Schramm. äußere Glätte der Umgangsformen, das Auftreten entscheiden, sondern die Tat, die Leistung, das Werk, die Früchte, an denen man die wahren Edlen erkennen kann. Wahrhaftig, frisch, herzhaft, echt: Das sind die stilistischen Merkmale der neuen Gesellschaft, die eine Gemeinschaft auf Leben und Sterben werden will. die ein neues Zeitalter in der preußischen Geschichte eingeleitet haben: „Die Religionen müssen alle tolerisiert werden und muß der Fiskal nur das Auge darauf haben, daß keine der anderen Abbruch tue, denn hier muß ein jeder nach seiner Fa^on selig werden." In andern Ditrinen liegen Dokumente aus dem Siebenjährigen Krieg, die erschütternd sind durch die menschliche Größe, die aus ihnen spricht. Dor der Schlacht bei Zorndorf erließ Friedrich eine „Ordre an meine Generals, wie sie sich im Fall zu verhalten haben, wann ich sollte totgeschossen werden." Darin heißt es: „Ich will das nach Meinem Thot keine umbstaende mit mihr gemacht werden, man Sol mihr nicht oefnen Sondern Stille nach Sansouci bringen und in meinem Garten begraben lassen. Diesses ist mein letzter Wille ..." Dann jedoch fährt die Ordre m genauen Anweisungen fort, wie die Armee im Falle einer verlorenen Schlacht gerettet werden soll. Nach der Niederlage bei Kunersdorf gibt der König einen Augenblick lang alles verloren. In einem erschütternden Briefe schildert er den Umfang der Katastrophe, und eine Anspielung auf eine eigene Krankheit darf man wohl mit den Dergi tungsabfichten des Königs in Zusammenhang bringen. Abgeschlossen wird dieser Teil der Ausstellung jedoch mit Unterschrift und Siegel Mana Theresias unter dem Frieden von Hubertus b ur g. _ Nicht weniger eindringlich find die Aeuherungen : rücke verwirrt zu werden. * Erst hier, in der ländlichen Stille und fenenma- >,igen Beschaulichkeit des Standquartiers am Xe- , .ernfee, beginnt sich das Panorama einer auf we- ! ige Tage zusammengedrängten Biwer flucht irecht iu entfalten und gehörig zu ordnen. Die Alte $ma btbef: eine Sammlung von tmponierenöer aßeit chichtigkeit und gehaltvoller Gleichmäßigkeit des Leberblicks über die Meisterwerke ber ffielL Un- crgeßlich daraus — neben vielen höchst anziehen Den Einzelheiten — die einsamen Glpf P es Dürerfchen Altarwerkes, jene großen, vergei- liqten und farblich so bezwingenden Apostelfiguren mi Kleinen Kabinett, vor denen man Viertelstunden mng verweilen kann und nach schweifendem . :;ang immer wieder andächtig zuruckkeyrt ... Und dann Rubens, Rubens in solcher @r 6 9 »it einer nicht mehr nur durch ihre Formate - sättigenden Bilderfolge, daß man an mem einigen Vormittag ein völlig neues, völlig veränderns Verhältnis zu dieser Malerei gewinnt. Fast Rührung wird man vor den Bildnissen d r H . eourment gewahr, welcher Heiden - ’rit der von Temperament, Bewegung und chaftlichkeit sprühende Künstler und Grandseigneur ichig gewesen sein muß. k e m p e r s Arie „Nun vergiß leises Flehen" mit dem köstlichen, uns noch tagelang begleitenden Refrain, ... „ein Adonis, ein kleiner Narziß . ♦ Neben dem Menschenandrang in allen übrigen Ausstellungen wirkt die nachmittäglich hallende Leere im Theatermuseum der Residenz fast beklemmend. Freilich ist dies hier, wie wir zugeben wollen, in erster Linie eine Sache für Spezialisten, für Bühnenmenschen, Leute vom Bau, für reisende Schauspieler und Literaturstudenten. Obwohl wir uns vorstellen können, daß die so überaus lehrreichen und handlichen Bühnenmodelle der berühmten Kösterschen Sammlung auch den durch Zufall hierher verschlagenen Laien reizen müßten, em wenig Kulissen zu schieben, an Drähten zu ziehen und Schräubchen zu drehen, um für em paar Minuten, selbstvergessen zurückgesunken in den paradiesischen Zustand kindlichen Puppentheaterspiels, „mit bedächtiger Schnelle vom Himmel durch die Welt zur Hölle" zu wandeln mit bunten Figurinen und wunderlich verzerrten Masken. Und eine leise Erschütterung müßte, so scheint uns, auch den fremdesten und zufälligsten Besucher überkommen, wenn er vor einem armselig-abgewetzten Möbel steht, das die Aufschrift als den Schreibtisch ausweist, an roel- chem Schiller den „Wallenstein" schrieb ... Aber es gibt auch eine Menge minder klassischer, kleinerer, heiterer, mehr beiläufiger Eindrücke und Begegnungen in München ... man kann auf dem Odeonsplatz stehn inmitten eines bunt wimmelnden Taubenschwarmes und sich von zutraulichen Sögeln das Futter aus der Hand picken lassen: wer Phantasie hat und das Bedürfnis spürt, mag die Augen schließen dabei und sich vorstellen, er sei auf der Hochzeitsreise in Venedig ... man kann durch den Englischen Garten lustwandeln und im Chinesischen Turm — „kinesisch", sagen die Eingesessenen — Kaffee trinken ... man ckann sich am hellen ©ec« grün der schnellfließenden Isar freuen lange Zeit, dem Figurenreigen beim Glockenspiel am Rathaus- turm zusehen, eingekeilt in einen beängstigenden Fremdenstrom, ... und man soll sich für einen warmen, sonnigen Nachmittag nach Nymphenburg en - führen und sich einfangen lassen von der Weltraumigkeit einer fürstlichen Anlage, in der Architektur und Natur, Schlichtheit und Großartigkeit sich zu einer höchst vollendeten Einheit verbinden. Zu den Sehenswürdigkeiten von München — um auf etwas ganz anderes zu kommen - gehört überraschenderweise auch die Kartoffel. D r 9 lichkeiten sind unendlich viele: du kannst im Pschorr speisen oder Mathäser, beim Bauemgirgl oder im Bürgerbräu, im Spaten oder beim Franziskaner unb überall ist es flut und reichlich, appehHt« “n‘ nicht teuer. Aber das Schwemerne unb ®^te türmt sich zu gewaltigen, rosig bampfenben ®ebir_ gen vor bir auf, auch schwimmt es S-leflenttich > der Soß, und du bekommst em wenig Kraut dabei. Montag jährt sich zum 150. Male der Todestag Friedrichs des Großen. Das Geheime Preußische Staatsarchiv in Berlin-Dahlem hat aus diesem Anlaß Urkunden aus der Zeit des großen Preuhen- königs hervorgeholt und in einer fein geordneten Ausstellung der Öffentlichkeit unterbreitet. Es ist ungewöhnlich lohnend, sich in diese vergilbten Blätter zu vertiefen, die meist die Schriftzüge des großen Königs selber tragen: gewinnt man doch aus diesen schnell und temperamentvoll hingeworfenen Randbemerkungen ein lebendigeres Bild der Herrscherpersönlichkeit, als aus manchen dicken Geschichtswälzer. Dabei sind Dokumente von erheb- lichem historischem Interesse in der Ausstellung der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht. So findet sich dort das Todesurteil gegen Ka11e, zu dem Friedrich Wilhelm I. u. a. geschrieben hat: „Ob er schon vorher verdienet gehabt, mit gluehenden Zangen gerissen und aufgehaenget zu werden, er dennoch in Consideration seiner Familie mit dem Schwert vom Leben zum Tode gebracht werden soll." Daneben liegt das Protokoll über das erste Verhör des Kronprinzen unmittelbar nach seiner Verhaftung mit dem Bekenntnis des Kronprinzen, die Wahrheit ausgesagt zu haben. Küstrin und Rheinsberg, das Manuskript des „Antimachiavell" erscheinen unter Glas und die ersten Schriftzüge des jungen Königs unmittelbar nach der Thronbesteigung. So stehen da mit flüchtiger und von Erregung zitternder Hand geschrieben die berühmt gewordenen Satze, Ein heißer und unbändiger Zorn hat ihn zeitlebens gegen die Bürokratie erfüllt, und die Randbemerkungen, die er auf die Vorlagen des Direktoriums schrieb, sind nicht nur in ihrer er- frischenden Sprache ein lebendiges Zeugnis der Genialität des Königs, sondern auch ein deutlicher Beweis für den Papierkrieg, den er in langen Friedensjahren zu führen gezwungen war. Da heißt es z. B.: „Sie sollen mihr fordersamtwegen die Remissions einschicken und nicht so faul seindt, nicht so viel reisen, sondern mehr arbeiten, auf das bei Sachen, dar es so höchst nöhtig ist, das prompte hülfe geschihet, solches nicht versäumet wirbt." Und anläßlich der unzulänglichen Vorschläge bei einer Ueberschwemmungsgesahr: „Das Direktorium weis vihl, was Ueberschemmungen Seindt, sie lassen got ein guten Man seindt, und wen Sie nuhr lange Schlafen, vihl essen und wenig arbeit haben, So ist ihm alles gleich." Einmal kommt ihm im Jahre 1755 eine Sache zu Gesicht, die seit 1752 unerledigt geblieben roar. Der König schreibt an den Rand: „wie können jetzunder Sachen von 52 vohrkommen? das ist nicht erlaubet und zeiget eine große Negligeance. es ist gar nicht erlaubet. So abscheulich faul zu seindt." Und als dem König einmal anläßlich einer Butterknappheit vom Direktorium die Aufhebung des Butterzolls unterbreitet wird, schreibt der König an den Rand: „Es fehlet an Brodt und nicht an Butter und Scheinet es, als wen das Directo- rium alle alte princips schon über ein Hausen werfen wallte." Wenn der König sie nicht bewilligte, gab es keine Gehaltszulage. Und er sah sich die Gesuch- steller genau auf ihre Verdienste hin an. Ein Kammerdirektor erhielt vom König folgenden Bescheid: „1200 Rth. ist genug vohr einen Direktor: sie müssen erst was guhtes machen. Was hat der Schurcke bis dato gethan? nichts. Davohr tagt er keine Zulage." Und einem Geistlichen, der mit den gleichen Wünschen gekommen war, schrieb der König auf feine Eingabe: „Die Apostelen haben gar kein tractement gehabt. Der Priester ihr reich ist nicht von dieser Wett." Dr. Hellmut Magers. über, sie gab der Ge punkte und änderte wie die gesamte deutsche Weltanschauung. Sie ließ 'ein Gebiet des öffentlichen Lebens beim alten, weil iie nicht nur eine politische Revolte, sondern chöpferische Umbildung bedeutet. 3n dem »egonnenen Prozeß wird auch die private Sphäre «icht unangetastet bleiben — sie braucht nicht aufgehoben zu werden, wie man bisweilen forderte, aber sie muß den Anschluß an die großen öffent- iichen Pflichten und Aufgaben gewinnen. Mit der lationalsozialistischen Revolutton änderten sich selbst- .erständlich auch die täglichen Umgangsformen und as Verhältnis von „Mensch zu Mensch". Grundsätzlich wäre zu sagen, daß es im neuen ? Deutschland nicht zuerst Menschen, sondern Deutsche ibt. Das heißt: Der allgemein-menschliche, Huma- .istische oder humanitäre Standpunkt ist einem ölkischen gewichen. Der gegenseitige Verkehr, er Umgang, die Umgangsformen werden nicht mehr vom einzelnen und der Rücksicht auf den inzelnen bestimmt, sondern von der Volks- e meins chaft her. Damit gibt es auch wieder iine Rangordnung, zugleich aber auch eine Gleich- eit, die in der Gemeinschaft des Blutes, der Ahnen nd Ueberlieferungen begründet ist. So steht der Deutsche heute dem Deutschen näher als ehemals er Mensch dem Menschen. Während gestern Fenschheit und Völkerbund ein Traum, eine Illusion, nd nicht einmal eine schöne Einbildung bedeuteten, iü)t heute die Volksgemeinschaft auf der konkreten Tatsache des einheitlichen Blutes und der ihm innewohnenden Artung und Gesittung. Sie bedeutet ilnen biologischen Realismus, der der gesamten Stil- und Geisteswandlung im 20. Jahrhundert ent- oricht. I Die bürgerliche Gesellschaft des 19. Jahrhunderts alte die ihr gemäßen Umgangsformen, die in □rem Ursprungsland Frankreich zu höchster Doll- «ibung gediehen waren — in Deutschland sind sie -ne ganz heimisch geworden. Denn bei uns fehlte liie g'cichmachende Voraussetzung der französischen Revolution. So blieb hier die Höflichkeit im französischen Sinn, die Politesse, etwas nur Angenommenes und Aeuherliches. Sie entsprach nicht dem deutschen Wesen. Sie erzog, weil sie erzwungen war, vielfach zu Falschheit und Lüge. Seit dem luffommen der Jugendbewegung hat die Jugend Förmlichkeiten immer energischer abzuschütteln veracht, ohne freilich zunächst neue deutsche, eigen- wüchsige Formen dafür zu schaffen. Jetzt aber, im Zeichen der politischen Neugestal- !umg Deutschlands, beginnen sich auch d i e neuen ümgangsformen zu bilden. Der Ton ist Wischer geworden. Die Geltung des einzelnen be- - immt nicht mehr das Geld. Sein Ansehen, sein Einfluß, seine Schätzung unter den Volksgenossen üchtet sich nicht mehr in erster Linie nach seinen •nateriellen Gütern ohne Rücksicht darauf, wie sie rroorben wurden, sondern nach seinem inneren Wert, seinen Führereigenschaften, seiner Leistung :irs Große upb Ganze. Man ist sogar gegen eine Aeihe von reichen Leuten mißtrauisch geworden und hat sie ihres illegitimen Fürstentums entkleidet, weil he zwar lebten und leben ließen, aber doch ihren Reichtum nicht als Verpflichtung betrachteten. Die Standesunterschiede, die in Wirklichkeit nur Besitz- unterschiede gewesen sind, gelten nicht mehr. Dafür liilt der Kerl, ber Deutsche, der Mann, die eigen- wüchsige, schöpferische Persönlichkeit. Nicht mehr die gesellschafttichen „Verbindungen , die morgen gemärten, sondern von langer Hand in die Wege geleitet: Elemente a 11 p r e u ß i s ch e n Geistes, im Rittertum des Ordensstaates begründet, durchdrangen sich mit dem Sttl ter Jugendbewegung, die selber aus dem Erbe der deutschen Romanttk kam. Dem Nationalsozialismus ist die Synthese zwischen diesen beiden, nur scheinbar unvereinbaren Gegensätzen gelungen: er hat auch den Sport wieder beseelt und den Sportgeist völkischen Tradittonen verbunden. Das Leben ist freudiger, hoffnungsvoller und bei aller äußeren Willenanspannung, wie sie die Zeit erfordert, doch innerlich freier und entspannter geworden. Das ganze Volk ist in besserer (Stimmung; es hat die Fesseln der Kleinlichkeit, des falschen Gemütes, der sentimentalen Verweichlichung abgeworfen. Es ist im Norden nicht mehr so starr und barsch, wie es im Süden präziser und akkurater geworden ist. Mit dem nordischen Geist kommt auch das ritterliche Erbe des deutschen Blutes wieder zu seinem Recht. Diese ritterliche Verpflichtung wird auch den Ton gegenüber den Frauen bestimmen, der auf kameradschaftliche Verehrung abgestimmt werten wird, nachdem die Frau in ihrem Kreis wieder die nächste Helferin und Gefährtin des Mannes geworden ist. Diese Ritterlichkeit wird auch eine neue Achtung vor dem Gegner mit sich bringen — nicht die Achtung vor Ungeziefer, sondern die rechte Einschätzung des Feindes, ter einem zur eigenen Bewährung und Prüfung vom Schicksal gegeben ist. Klarheit und edle Nüchternheit werden die höheren Umgangsformen des deutschen Lebens bestimmen. Auf ber anderen Seite werten Humor und gesunde Lebenslust um so stärker zur Geltung kommen, je mehr es der werdenden Volksgemeinschaft gelingt, die Vergötzung des Geldes aufzuheben und den übersinnlichen Mächten zur Herrschaft über die deutsche Seele zu verhelfen. ganz obendrauf aber ober schüchtern am Ranb, wie einen zufälligen unb eigentlich überflüssigen Zierat, inbeft bu zwei Kartöffelchen, wenn du Glück hast; vielleicht auch nur eines oder gar ein halbes. Unb an solche Portionen und Proporttonen müssen sich allerbings unsere etwas nördlicher orientierten Mägen erst gewöhnen. Uebrigens waren alle Lokale, wo wir gegessen haben in biesen Tagen, am Mittag wie am Abenb, zum Brechen voll. (Bis auf eine einzige Mus- nahme, unb bie war bementsprechenb erheblich üppiger unb erheblich teurer.) München ist nämlich, wie sich ferner halb herausgestellt hat, auch bie Stabt ber Fremben unb bes sommerlichen Fremben- verkehrs. Wer ba glaubt, es habe sich Heuer alles in Berlin auf bie Olympiabe konzentriert, ber ver- suche etwa in München auf Anhieb ein Zimmer in einer Pension zu finben — sprich „Pennsiohn" —: er wirb sich wundern. Unter den Fremden hinwiederum stellen die Engländer (auch wohl Amerikaner; das ist nicht immer zu unterscheiden) einen beträchtlichen Prozentsatz. Sie kommen einzeln, in Trupps, in Familien, in Reisegesellschaften, in Sonderzügen und riesigen Rundfahrtautos. Sie bevölkern den Hofgarten unb ben Obeonsplatz, bie Theatinerkirche unb ben Park von Nymphenburg; sie lassen sich die Dürerfchen Apostel von einer ©tubentin auf englisch vorführen unb die Privatgemächer König Ludwigs II. von einem biederen Münchner in blauer Dienstmütze auf oberbayerisch; ich weiß nicht, wovon sie mehr gehabt haben. Es gibt auch Holländer und Franzosen unb an- bere Äuslänber, bie man nicht gleich erkennen kann, unb es ist {ebenfalls ein Idyll, wenn einer von diesen mit seiner Frau im Brau zu Nttttag essen will; sein gastronomischer Sprachschatz scheint über den Schlachtruf „Glas Bier!" nicht h.nauszu- reichen, unb er fährt mit feinem Zeigefinger verzweifelt auf ber ellenlangen Speisenkarte umber Aber bie Kellnerin ist ein rettender Engel. Und man sollte nicht versäumen, ihr unb allen ihren Kolleginnen insgesamt ein Lob zu spenben, das nicht nur durch den Magen geht, sondern von Herzen kommt. Ueberaü findet man sie — abrett unb sauber in Schwarz unb Weiß, flink unb gc- roanbt, immer freunbliq unb aufmerksam.. - auch im ärgsten Gewühl. Der zweite Sonntag im August ist ber schönste unb sommerlichste Ferientag, ben wir bisher hat- ten: warm unb blau und wolkenlos. Das trifft sich aut, denn er wird im ganzen Tegernfeer Tal als „Tag des Gastes" festlich begangen. Gleich zum Frühstück begrüßen dich deine Wirtsleute mit herzlichem Händedruck und überreichen dir eine Ansicht deines Ortes und ein bürgermeisterliches Schriftstück mit den besten Wünschen für eine gute Erholung. Blumen stehen neben deiner Kaffeetasse und im Zimmer auf dem Tisch, und bu fühlst blch Stil unb Lebensform der SA. ist zum gemeindeutschen Vorbild geworden, von dem aus auch das gesamte Privatleben umgestaltet wird. Die Lebensauffassung ist zuversichtlicher, härter, viel weniger förmlich, aber dafür auch praktisch hilfsbereit. Floskeln und überflüssige Formalitäten wer- ten in steigendem Maße zurückgedrängt. Es gibt wohl Abstand, aber nur Abstand, ber auf frei- williger Anerkennung beruht. Nicht bei Gelagen unb Gastereien werben Jnteressen-Gemeinschaften unb „Brüderschaften" geschlossen, wie es früher üblich war, sondern die Kameradschaft ergibt sich von selbst durch das gemeinsame Ziel, die gemeinsame Leistung, das gleiche Erlebnis. Männliche Zucht herrscht wieder in deutschen Landen. Ein heroischer Zug macht den einzelnen wiederstandsfähiger, fester, zuverlässiger und zugleich elasttscher. Man weiß wieder ja oder nein zu sagen. Man macht einander nichts vor und verabscheut die gesellschaftliche Lüge, die doch nur Betrug und Feig- heit bedeutete. Man mag in der Abwehr des Gestrigen zuweilen allzusehr den Naturburschen unb rauhen Kämpfer hervorgekehrt haben, aber wo beutsche Soldaten unb Streiter sind, setzt sich immer sehr bald gegenüber dem Landsknecht der ritterliche Geist unb die ritterliche Art der deutschen Ueber- lieferung durch. Ein neuer Knigge, Umgang mit Deutschen, sollte geschrieben werden. Ein Aufatmen geht durch das deutsche Volk, seitdem sich der neue Lebensstil durchzusetzen begonnen hat. Er ist eine merkwürdige Einheit von Disziplin und Freiheit, knapper Unmittelbarkeit und humor- " Kameradschaft. Er ist nicht von heute auf Die deutsche Neugestaltung macht vor keinem Lebensgebiet« halt. 6k ergriff nach ter Dolittl die Dichtung, sie ging auf die Künste und Wissenschaften Ader mir wollen unb können möglich _ine Geschichte ber Münchener Kunstgen si u Sehenswürdigkeiten schreiben; das h nauer Saebeter unb im Katalog bequemer nidfältiq ^lur «n paar 'Perlen, aufgerecht an der M-MN« ätzenden unb funfelnben Kette ber xierlid>cn über: bie „^igaro-^uffübrung in ber Ä"- nraHo nnn 5 bi« 205 Mark, aber nahezu Hestspielpreise von 5 bis 20 m^rr, unter völlig ausverkauft. Dies war das schönste unter Helen schönen Erlebnissen ""b Beg 9 neberein= ezaubernbe Heiterkeit, die oollkvm -immung von Musik und ^odlung, ^rie - nb Gesang, von Bewegung, Kostüm »stimmten n einer musterhaft geschlossenen unb 9 Aufführung ... das Finale des ersten Aktes, Y als Gast willkommen und geehrt und bist ganz gerührt, denn dies ist dir bisher noch nicht wider- fahren. Unb noch ehe bu beinen Kaffee ausgetrun- fen hast, beginnt schon ber Blumenkorso ber Autos rund um den See. Und der See zeigt an biesem Tage fein freundlichstes Gesicht: er ist so hell unb sauber und spielt, leise vom Wind bewegt, von klarem Seegrün bis ins tiefe Himmelblau. Bei uns in Gmund beginnt ber Korso, vorüber am Wahrzeichen ber Gemeinte, ber entzückenben kleinen Kirche, beren schlichte Fassade, in einem ganz hellen, verblichenen Rosa so zärtlich mit dem dunklen Schiefer ber bayrischen Turmzwiebel zusammenklingt. Don hier geht es über Quirin nach Tegernsee; wenn man mit bem Boot übern See fährt, liegt es ba wie aus ber Spielzeugschachtel ausgeschüttet, aber wenn man hinkommt, finbet man einen großzügigen Kurbetrieb mit Promenabe unb erstaunlichen Kostümierungen, mit Fünfuhrtee und Tanzturnier und einen Wagenpark aus aller Herren ßänbern. Auch oberhessische Wagen sinb dabei; da und dort sieht man sogar ein bekanntes Gesicht. Die Welt ist klein. Im übrigen bedeutet das ominöse Zeichen H. B. im Nummernschild ausnahmsweise nicht Hof- bräuhaus, sondern Hansestadt Bremen. (Um Mißverständnisse zu vermeiden.) Drüben am andern Ufer liegt W i e s s e e. Dor ein paar Jahren erhielt ber Name bes Ortes für ein paar bentroürbige Stunben schicksalhafte Bebeutung. Heute finbet bort Preisverteilung statt, Prämiierung ber schönsten Wagen im Auto-Korso. Nachmittags herrscht auf ber Kurpromenabe ein großstäbtisches Gewühl, auf bem See ist Schifferstechen mit Lärm und Gelachter, in den Kaffeegärten kaum ein Stuhl zu triegen. * Am Abend aber, wenn wir wieder daheim sind, steigt drüben am Wiesseer Strand, zu Ehren des Gastes, ein prächtiges Feuerwerk. Raketen rot, blau unb grün, Feuerräber unb Golbregen über bem nächtlichen Wasser. Wir stehen mit den Emhel- mischen auf dem Bootssteg. Unb bie Einheimischen sagen, wie es zu Enbe ist: „Scheen is g wen, nix hat's kost, an fteifn Hals hamma triagt." Die bayerische Munbart gehört überhaupt zu ben liebenswürbigsten unb heitersten Erlebnisien bieser Sommerreise; sie ist schwierig unb luftig unb Hingt treuherzig unb angenehm im Ohr. „fiausbua, du breckata" spricht eine Mutter zu ihrem kleinen Sohn, unb es klingt nicht einmal grob, sondern beinah zärtlich. Am Bahnhof sind ein paar Manner beim Ausladen und zählen dabei; „zwoarafuchzig schreit einer: wer hätte gedacht, daß dies zweiundsunfzig heißt? „Grüaß ©ob", ruft ein Mädchen einem jungen Mann über die Straße zu, „wie geht s all- roei?" — „Guat geht mas", ruft der Zurück und feixt übers ganze Gesicht, „i schaug bloß schlecht aus." — So eine Sprache ist bas hier. Es gefallt uns gut, und wir lernen alle Tage etwas dazu. Dor erste Eindruck in München: dies ist bie -t jt der Banken, ber Versicherungen unb der Lelzgeschäfte; aber das liegt wohl nur an unserem ^glichen Weg durch bie Lubwigstraße und das an- cirenjenbe Viertel, wo sich diese Spezialitäten bauten. Schon am nächsten Morgen müssen wir uns !.crid)tigen: bie Stabt ber Museen unb Galerien her Ausstellungen unb Sehenswürdigkeiten ... uno ha5 in solcher Fülle, daß man sich, wenn man nur (in paar Tage zur Verfügung hat, in weiser Ein- Tiluna, auf das Notwendigste unb wichtigste be chränken muß, um nicht vom Uedermaß ber Gin- Politik und Volksgeifi im Kernen Ofien. Von Or. Paul Rohrbach. Die Regierung des Marschalls Tschiangkai- s ch e k in Nanking, die als chinesische Zentralregie. rung gilt, hat mit der offiziellen Angliederung der zum politischen Gegenpol Kanton hin gravitie- renden Süd-Provinzen einen starken Erfolg gehabt. Zunächst ist er noch mehr äußerer als innerer Natur, bis auf einen wichtigen Punkt: Kanton verzichtet auf feine bisherige, von Nanking unabhängige Währungspolitik und soll sogar versprochen haben, feinen Schatz von gehorteten Silberdollars, angeblich über 100 Millionen, Nanking zur Derfü- e zu stellen. Die von Nanking unternommene rungsreform — Papierwährung statt Silber- Währung — geht auf englischen Einfluß zurück und soll, obwohl Einfluß wie Zweck bestritten werden, China finanzpolitisch aus der japanischen Umklammerung lösen und ihm auf diesem Gebiet einen Rückhalt an England verschaffen. Tschianakaischek hat militärisch wie politisch mit gleichem Glück operiert. Auf dem militärischen Gebiet spürt man die europäische — in China sagt man dankbar: die deutsche — schulende Hilfe. Politisch hat er stillschweigende englische Deckung gehabt. Ohne Einbeziehung des reichen Südens ist eine leistungsfähige chinesische Finanzwirtschaft, gleichviel auf welcher Währungsgrundlage, nicht möglich. Das gilt doppelt mit Rücksicht auf den fortdauernden schweren Aderlaß, den Japan im Norden den Finanzen der Zentralregierung zufügt. Die Japaner haben in die von Urnen erzwungene Entwaffnung der sogenannten Grenzzone in • Nordchina mit Absicht auch die chinesische Zollverwaltung einbezogen. Die Folge davon ist, daß massenhaft unverzollte Waren bis über Peking hinaus in die formell noch der Zentralregierung gehörigen Provinzen einströmen. Die Zolleinkünfte sind das Rückgrat der Finanzwirtschaft Chinas, und man behauptet, daß die Regierung Tschiangkaischeks durch das von japanischer Hand offen gehaltene Loch im Norden ein Drittel ihrer normalen Zolleinkünfte verliert. Man muß diese Vorgänge im Fernen Osten verfolgen, aber man soll sie nicht ohne den inneren Schlüssel ansehen, der zu ihnen gehört. Er liegt weder in den handelnden Personen, noch in den Plänen und Zielen, die sie verfolgen, sondern er liegt in der seelischen Struktur der Völker, des chinesischen wie des japanischen, und diese ist von Grund auf verschieden. Ein Mann wie der Marschall Tschiangkaischek kann noch so viel Geschick für sein Ziel, die Wiederherstellung Chinas als Einheitsstaat, besitzen — er wird immer die Hinderungen erleben, die davon ausgehen, daß dem chinesischen Volk im ganzen noch das Staats- g e f ü h l fehlt. Umgekehrt steht als eine gewaltig treibende Kraft hinter der japanischen Politik der zum verkörperten Aktivismus zusammengeballte japanische nationale Staatsgedanke. Für den Tagespolitiker mag es müßig erscheinen, zu fragen, welch ein ethisches Ideal ein Volk besitzt. Wer aber die Geschichte nicht nur als eine Abfolge von bestimmten Ereignissen betrachtet, sondern auch auf die in ihr waltenden seelischen Kräfte aufmerkt, wird ihre Wirkunaen nicht außer Acht taffen. Die japanische Ethik ist heroisch, sie drängt zur Betätigung für die nationale Größe; die chinesische dagegen hat ein anderes Prinzip: Ordnung des menschlichen Lebens durch Pietät der Kinder gegen die Eltern, der Jüngeren aegen die im Atter Voranstehenden, des Untergeoroneten gegen den Vorgesetzten. Das Pietätsprinzip ist der Kern der konfuzianischen Staatsethik, und es hat durch und durch auf den alten chinesischen Staatsaufbau gewirkt. Ein Volk, das durch Jahrtausende geistig dahin erzogen war, allein im Kaiser als dem Sohn des Himmels alle Verantwortlichkeit verkörpert zu sehen, seine eigne staatliche Pflicht aber im pietätvollen Gehorsam gegen den Herrscher ausgehend, ist nicht fähig, den Staatsgedanken losgelöst von der Monarchie des Himmelssohnes w fassen. Der Sturz der Mandschu-Dynastie durch die Halewijns Lied. Von Hermann Hesse. Der Pfad führt schmal und jäh hinab, der Sonne entgegen, die von Mittag an auf diese Seite des Berges brennt. Im dünnen Leinenzeug renne ich hinab, Eidechsen stieben überall ins verbrannte Gras, schon stehen hier und da einzelne Akazienzweige goldgelb, alles brennt, alles neigt fiebernd schon dem Herbst entgegen, schweigt, wartet, durstet, senkt das Haupt. Durch die kochende Luft renne ich hinabwärts, halte mich am zähen Ginster fest, sehe die Lüste über dem nahen Maisfeld silbrig zittern, fühle den Sand und Stein durch die Sohlen brennen, fühle den Schweiß über Warmen und Hals hinabrinnen. O, wie werde ich an diese Stunden denken, wenn es Herbst, wenn es Winter sein wird, wenn die letzten lila Blumen fahl im Novembergras stehen, wenn der erste Schnee am kahlen Hügel blaßt! Glühend brech' ich durch Laub und Brombeer- gerank aus dem Gehölz gegen die Seestraße, biege um die Mauer, atme heranwehenden Duft von Wasser, Fisch und Schilf. Unter hohen Platanen und niederen wehenden Silberweiden auf kurzen, dicken, violetten Stämmen gehe ich den farbigen Strand entlang, auf glühendem Kiesgeröll, blau und tiefgrün kommt Welle um Welle heran, leckt am roten und orangenen Strand, rückt am Stein» geschieser, spielt mit dem Schwemmholz, knistert im dünnen Schilf. In hellblauem Dunst jenseits der kristallnen Wasserbläue steht Berg hinter Berg, jeder fernere um einen leisen Ton heller, um einen leisen Gedanken duftiger, darüber hoch und grimmig die Sonne. Ich hänge den Rucksack an einen Ast, ich reiße die Kleider herab, kaum ertragen die nackten Fußsohlen den durchglühten Kies. Das seichte Wasser, in das ich trete, ist warm wie die Lust, erst draußen beim Schwimmen empfinde ich eine ferne Ahnung von Kühle, tief tauche ich in den dunklen blauen Abgrund hinab. Ich lege mich auf den Rücken, treibe lang, jede Welle schlappt mir launaß über Augen und Mund, aber der Wind kühlt, langsam, mit leisem Saugen zieht er die Hitze aus meiner aufatmenden Haut. Gestillt kehre ich zurück, rolle mich eine Weile im seichten Strandwasser, springe hoch und werfe mich in den brennenden Sand an die Sonne, liege lange tot, um nochmals beiß zu werden und das Spiel noch einmal zu spielen. Zweimal, dreimal spiele ich es, lasse mich braten, lasse mich kühlen. Alle Leidenschaft, alle Mühsal und aller Reiz des Lebens ist in diesem Spiel gespiegelt, alles Rennen und Ruhen, Brennen und Erlöschen, Rasen und Erschlaffen. Tiefe Müdigkeit wäscht mir den Staub von der Revolution von 1911 hatte drei Ursachen: die Untauglichkeit ihrer letzten Vertreter, die Erziehung eines Jungchinesentums unter dem Einfluß der amerikanischen Ideale der Demokratie und des technisierten Lebensglücks, und die innere Zusam- menhanglosigkeit der Reichsteile, namentlich des Nordens und Südens. Der chinesisch-japanische Krieg von 1894 wurde in den mittleren und südlichen Provinzen gar nicht als eine national-chinesische Sache, sondern als eine Angelegenheit des Dizekönigs der Nordprovinz Tschili angesehen, in der auch die damalige Hauptstadt Peking lag. Die Gleichgültigkeit, die in den Provinzen gegen den staatlichen Zentralgedanken herrscht, ist die entschei- dende Ursache für die Schwierigkeiten, die Tfchiang- kaischek hat, den chinesischen Einheitsstaat zu bauen. Wenn sich in irgendeiner Provinz ein militärischer Machthaber aufwirft, so begegnet ihm kein Widerstand durch ein Gefühl von Einheitsstaatlichkeit. Dazu kommt, daß zwischen den Provinzen, namentlich zwischen dem Süden und Norden, große sprach- liche und Charakterunterschiede bestehen. Der chinesische Modernismus ist parteipolitisch zusammengesaßt in der Kuomintang, d. h. der Staats- und Dolkspartei. Die Kuomintang vertritt an sich den Einheitsstaat, und die zu ihr gehörige Jugend verbindet auch schon den Staatsgedanken mit einem lebendigen chinesischen Nationalgefühl. Sie bedeutet aber im Vergleich zu der passiven Volksmasse von 400 Millionen noch wenig. Die Masse würde auch der staatlichen Zusammenfassung an sich keinen inneren Widerstand entgegensetzen, aber um eine zentralisierende Politik kräftig durchzuführen, sind moderne Verkehrsmittel, Eisenbahnen bis tief ins Innere unb eine Militärmacht nötig, die stark genug ist, um mit dem Widerstand provinzialer Machthaber rücksichtslos fertig zu werden. Dazu fehlt es an Geld. Trotz seiner ungeheuren Zahl, oder vielmehr gerade deswegen, ist das chinesische Volk eins der steuerunkräftigsten der Welt. Der Grund und Boden ist in so kleine Parzellen geteilt, daß der ertrag mit Not und Mühe aus- reicht, um eine Familie zu erhalten. Wenn die Zolleinkünste versagen, hort jede vernünftige Reichspolitik auf. Das wissen die Japaner. Es findet gewissermaßen ein Wettlauf zwischen der finanziellen Aushöhlungspolitik, die Japan durch die Ent- roaffnung des chinesischen Zollschutzes im Norden betreibt, und der Finanz- und Währungsreform statt, bei der Nanking die Unterstützung Englands findet. Durch die Angliederung des Südens ist ihm jetzt ein guter Zug geglückt. Japans Gegenzug wird nicht lange auf sich warten lassen. Besinnliche Weltreise. Von unserem E. M.-Sonderberichierstaiier. Bengali. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Medan (Sumatra), im Juli 1936. Es ist sieben Uhr abends. In den Geschäftsstraßen Medans, die an der Esplanade, dem Hauptplatz der Stadt, mit ihren Prachtbauten, Königspalmen und kühlen Tamarindenbäumen beainnen, verlöschen langsam die Lichter. Es wird schnell und geheimnisvoll dunkel. Die Autos sind aus der Innenstadt verschwunden und nur ab und zu ertönt noch das helle Klingeln eines Sados, des mit einem Ponny bespannten zweirädrigen Wägelchens. Die Bürgersteige gleichen jetzt einer Berliner Festwiese am Sonntag. Zahllos ist die Menge. Vertreter fast aller malayi- fchen Stämme haben sich zu einem Schwatz getrof- fen, chinesische Väter spielen mit ihren Kindern und zwischen ihnen wandelt der Händler mit seiner Garküche. (Einige Schritte hinter dem chinesischen Warenhaus, das als letztes Geschäft schließt, sitzen auf einer tischartigen Erhöhung zwei bärtige Gestalten in weißem Turban, die gegen die schmächtigen Malayen wie Riesen aus der Urzeit wirken. Mein Begleiter sagt plötzlich: „Konnte der eine von den Beiden nicht ein friesischer Fischer fein?" Ja, wirklich er konnte es. Aber das Aussehen trügt, denn wir haben es hier mit den gefährlichsten Menschen der sumatranifchen Ostküste zu tun, den Bengalen. Sie sind die Geld Verleiher dieses Landes. Geldgeschäfte sind im ganzen Osten nicht gerade ehrenamtliche Betätigungen. Man kann sie sogar ruhig skrupellos nennen. Aber selbst der schärfste Maßstab genügt für die Medaner Bengali nicht. Der Malaye im allgemeinen und der Javaner im besonderen hat die glückliche Eigenschaft, die materiellen Dinge des Ledens mit aller Großzügigkeit zu behandeln. Geld ist ihnen zwar begehrenswert aber stets nur als Mittel zum Zweck. Man kann sich dafür schone Dinge kaufen: Goldene Spannen für die Frau, schöne Sarongs, ein Fahrrad ufw., je mehr desto besser. Sparen ist die komische und „Dorschot" für das Feuerwerk des mohammedanischen Neujahrs die ernste Bedeutung des Geldes. Wenn der Toewan keinen „Dorfchot" (Vorschuß) gibt, kommt er auf die schwarze Liste und man geht nur im Notfall zu ihm arbeiten. Vor soviel Soralofigkeit dieser heitersten und charmantesten Rasse des Ostens kapitulieren auch die Europäer mit den fefteften Grundsätzen. Diese Sorglosigkeit hat auch die Araber, Chinesen und Bengali erst ins Laich gebracht oder festgehalten, die Ausbeutung geradezu herausgefordert. Da ist zum Beispiel ein Malaye, der als „Se- nang" in seinem Kampong lebt. Ihn packt eines Tages wie aus heiterem Himmel das Fieber seiner höheren Berufung. Er saßt den Plan, einen Sado, ein Pferdetaxi, zu kaufen. Dazu benötigt er 100 Gulden, die er selbstverständlich nicht hat. Sein aanzer Besitz ist ein kleines Stück Land, das ihm feinen Reis zu der Kokosnuß, den Bananen am Wege und den Fischen aus Meer und Flüssen gibt. Darauf steht auch ein Bambushaus, in dem er zufrieden lebt. Entschlossen macht er sich auf den Weg zum Bengalen und erscheint noch einige Stunden später mit den 100 Gulden freubig winkend vor seiner Frau. Schnell sind auch alle Freunde versammelt und er hört sie zufrieden das viele Geld bewundern, das sie bisher nur bei den „Toewans", den weihen Herren, sahen. Das Ansehen steigt noch, als er wenige Tage später mit seinem Sado erscheint und eifrig die Vorzüge seines Kaufes erklärt. Und dann kommt der Alltag. Man sieht ihn durch die Stadt fahren. Zufrieden mit sich selbst bringt er seine Fahrgäste, auch mancher „toewan" ist darunter, an ihren Bestimmungsort. Am späten Abend nimmt er feine Frau in den Sado, dann und wann auch einige begeisterte Freunde. Stets am ersten des Monats bezahlt er ©eß), an den Bengalen. So vergehen einige Monate. Eines Tages, nach einer besonders guten Einnahme erscheint er mit einer goldenen Haarspange in seinem Kampong. Auch die Frauen des Ostens wollen schon sein und es schmeichelt unserem Sado- besitzer, daß man seine Frau und ihn bewundert. Schnell folgen daher eine schöne Kabaya, ein neuer Sarong für sie, und ein schneeweißer Anzug, eine kecke Fezmütze für ihn. Und wieder vergehen Monate. Da erscheint eines Abends ein Mann, der allerhand Merkwürdiges redet und der von ihm verlangt, am nächsten Morgen vor dem Sultansgericht zu erscheinen. Neugierig hält er tags darauf vor dem großen Steingebärwe und steht schon wenige Augenblicke später vor einem auffällig interessierten Manne. „Du hast einen Sado gekauft?" $a." „Woher hattest du das (Selb?" „Von dem Bengalen." „Warum hast du das ©eß) nicht zurück- bezahlt?" „Ich habe gezahlt!" „So warst du also in den letzten 5 Monaten regelmäßig bei dem Bengalen?" „Nein." Seele, weht mir die Sorgen aus dem Gedächtnis. Faul und brummend liege ich hingestreckt, nicht mehr heiß, nicht mehr kühl, nur müde, sehr müde. Zuweilen höre ich einen Vogel flattern, einen Fisch springen, einen stärkeren Wind im Schilf auf- rauschen, zuweilen höre ich sprechen, lachen,, höre Wasser spritzen, höre nackte Füße im Sande laufen, manche gehen über mich hinweg. Buben und Jünglinge aus den nahen Dörfern sind zum Bad gekommen. Ich blinzle nur und brumme. Einmal schaue ich eine Weile auf. Der schone Jüngling mit Dem Hund ist da. Ein junger Athlet, stark, schön und braun, wunderbarer Schwimmer, ein rotes Tuch ums schwarze Haar, kommt jeden Tag, mit einem langhaarigen kleinen Hund, es muß eine Art Wachtelhund sein. Er schwimmt wie eine Fischotter, den Kops fast immer unter Wasser, und überall schwimmt sein Hund ihm nach. Ich blicke ihm nach, sehe ihn wegschwimmen, sehe ihn untertauchen, laut bellend sucht ihn sein Hund, weit weg taucht er wieder empor, hänselt das Tier, spritzt und balgt sich mit ihm. Die Sonne ist tiefer gesunken, viel Zeit ist vergangen, vielleicht habe ich geschlafen. Ich richte mich auf, wische mir Steinchen und Muschelscherben von den Schenkeln, bald werde ich Hunger spüren und gehen. Mit Mißvergnügen denke ich an den steilen Heimweg den Berg hinan. Und bann ist man wieder „zu Hause", wieder in der Welt und Zeit, Abendbrot wartet, Post liegt da, Zeitungen, Briefe, unnütze Briese, Bücher, unnütze Bücher, und all der Tand und Kram. Muß es denn sein? Jenseits der kleinen Schilfbucht, zweihundert Schritt vielleicht entfernt, sehe ich am Ufer, bei der Bootshütte, etwas Blaues erscheinen, einen Flecken, reines, schönes Hellblau mitten im braunen, grünen, rosigen Farbengewühl des Stranbes. Wie trinkt das Auge diese reine Farbe gierig! Weit reiße ich die trägen Augen auf, das Blau zu kosten, hold klingt es neben der grauen Rindenhütte und dem fahlen Schilfgrün auf. Und siehe, über dem Blau ist sanftes Weiß, darüber nochmals ein kleiner Fleck Blau, ein Kopftuch, eine Mütze. Das ist eine badende Frau. Wie warm und köstlich geht das jedesmal durchs Blut! Selten sieht man hier Frauen baden, sie sind scheu, und ihre Scheu wird heilig gehalten. Nun baden sie da drüben, ein paar Dorfmädchen, versteckt und vorsichtig, ich kann nur etwas Blau und Rot sehen, und eine Schulter glitzern, und einen Haarbusch sich schütteln. Ich bleibe ruhig sitzen, ich darf 'nicht näher gehen. Ich blicke scharf hinüber. Warum ist das so schon und erregend und Liebe weckend: ein paar badende Mädchen? Vielleicht sind sie ja gar nicht schön, vielleicht ist keine fcabei, der ich auch nur einen Kuß geben möchte, wenn ich sie von nahem sähe. Aber diese paar kleinen fernen Figuren, halb vom Schilf neruorgen, dieser winzige Schimmer von Fleisch und Haar, diese paar kleinen Farbflecke von blauem Kleid, weißem Hemd, rotem Kopftuch, sie reißen mich hin, sie machen mich froh und verliebt. Eine flämische Sage fällt mir ein, von einem Ritter Halewijn, der konnte ein Lied singen, daß jedes Mädchen, wenn es das Lied hörte, sofort zu ihm hinlaufen mußte. Gern sänge ich Halewijns Lied. Ich sänge es und die Blaue müßte alsbafb zu mir herüberschwimmen, gerissen von Sehnsucht. Aber möglicherweise wäre ich dann in Verlegenheit: wie leicht konnte es sein, daß sie mir gar nicht gefiel — ich bin so heikel —, daß sie plump und grob und gewöhnlich war. Und dann Müßte ich ihr sagen: „Kind, schwimm wieder fort, mein Lied war nicht für dich gesungen." Ich könnte nicht hinzufügen: „Dein blaues Hemdchen war von weitem so hübsch, daß ich dachte, es müsse die Richtige drin stecken." Inzwischen haben die Mädchen drüben sich ins Wasser gewagt und ihre Spiele begonnen, laut hallt ihr gellender Aufschrei herüber, sie spritzen einander ins Gesicht, werfen sich mit Wasserpflanzen, aus denen man Kränze machen kann, suchen einander au Fall zu bringen, streiten sich um ein schwimmendes Schilfrohr. Wie sind diese Menschen doch vergnügt, fabelhaft und urweltlich vergnügt! Bin ich jemals in meinem Leben so toll und dumm vergnügt gewesen? Ja, ich war es, und ich werde es wieder fein, vielleicht nicht mehr so oft, nicht mehr so leicht, aber ich werde es wieder sein. Wenn wir jetzt auf Ceylon wären so würden diese Mädchen nach dem Bade Lotosblumen mitnehmen und sie zum Tempel bringen, und sie würden nichts als Lendentücher tragen, daß man ihre schmalen braunen Schultern und Brüste sehen, könnte. Plötzlich sehe ich Wasser, Strand und Badende mit einem Ruck verändert, entfärbt, verschaltet. Ich roenbe mich um. Die Sonne ich wegegangen. Still ist sie hinter dem Berg von Agno hinabgefallen, und der Wind ist abgeflaut. Ich stehe auf und greife nach meinen Kleidern. Und die Mädchen drüben sind stumm geworden und steigen alle aus dem Wasser —- auch sie hat der Schauer berührt. In der Bootshütte verschwinden sie, und jetzt könnte ich hinübergehen und bei der Hütte warten, bis sie heimgehen. Ich will aber nicht, ich will sie nicht sehen, wie sie sind, in Alltagskleidern, mit Alltags- gesichern. Da ich an der Hütte vorbeigche, höre ich sie drinnen zwitschern. Wenn ich einen Stock hätte, würde ich an die Wand klopfen. Ich habe aber keinen; ich werbe mir, für den Aufstieg, erst im Walde einen schneiden. „Na also, wann willst du 770 Gulden bezahlen?" 770 Gulden?! Es packt ihn ein Totenfchreck. Der. zweifelt läuft er auf die Straße zurück. Er kann I Das nicht verstehen. 770 Gulden! Hastig oertrant I er sich schließlich einem vorbeikommenden Freunds I an. Der erzählt ihm etwas von weißen Männern I die ihm helfen könnten und schnell ist er auch Dort I Aber die weißen Männer konnten ihm nichz I helfen. Es war zu spät. Als sie ihn fragten I erzählte er ihnen, daß er 10 0 Gulden ge« I liehen habe und rechnete ihnen vor, daß er dar» I auf bereits 605 Gulden bezahlt hab^ I Nun müßte er nochmals 7 7 0 © u l b e ir I zahlen. Wo find Quittungen, Beweise, daß er nur 100 Gulden bekommen und 605 ab gezahlt fyrte? Nein, so etwas hätte er nicht. Er wäre doch afo. immer bei dem Bengalen gewesen! Die weißen Männer erreichten schließlich, daß er nur noch 500 Gulden zu zahlen brauchte. Auch dc? konnte er nicht. Der Sado mußte verkauft werben, die Goldsachen wanderten ins Roemah Gadeh, ins Bfandhaus, und das Land kam unter den Hammer eine Bewunderer aber murmelten „Soedah" (Man kann es nicht ändern). Das sind die Bengali, die wir noch alle als feu- rige Reiter aus dem berühmten Film in Erinnerung haben. Hier find sie Milchbauern und — _ Nachtwächter. Als Milchbauern kommen sie jeden Tag mit dem malayischen Personal der (Europäer zusammen, das über ein festes Einkommen oen. fügt, also das dankbarste Objekt sind. Als Wächter machen diese, teils schwer vermögenden Menschen, selbst aus der Nacht noch Geld. Ihnen zahlte der kleine malayische Fischhändler für geliehene fünf Gull)en, die er nie wieder zurückzahlen kann, jebeiu Abend 5 Cent, oder 365 Prozent im Jahr. Meisterin kommt es auch zu keiner Klage wie oben. Fast: stets werden nach ununterbrochenen Zahlung neue Schuldscheine ausgestellt, mit immer höheren Summen und zahllos sind die Schuldner, die s« den Bengali fürs Leben versklavt sind, ohne daß die OeffeMlichkeit etwas davon erfährt. Als ich an diesem Abend an einer befonbers dunklen Nische vorbei komme, bewegt sich etwas. Unwillkürlich schrecke ich zusammen, als aus beim Schatten eine riesige Gestalt auf uns zutritt. (&■ spensterhaft steht sie in ihrem weißen Turban unt> dem patriarchalischen Bart da. Freundlich legt sie die Hand an die Stirn und sagt: „Tabeh Toewan!" „Ich grüße dich Herr!" Halunke will ich sagen, aber dann denke ich am den Sadomann, der sicher längst schon wieber schwatzend an irgendeinem Kampongfeuer liegt unbt ich sage taut: „Soedah!" Worauf ein erstauntes Gesicht im Dunkeln verschwindet. Oie Elektrifizierung der österreichischen Bahnen. Wien, 13. August (DNB.) Zu den Meldungen über einen 300-Millionen-Kredit an die Oesterrei-- chischen Bundesbahnen durch die Genera!! Electric Company schreibt die „Reichspost" daß dieses ausländische Kreditangebot mit der Be»> dingung verknüpft war, einen großen Teil bei Sachlieserungen an das Ausland jiu vergeben. Das käme aber für Oesterreich nicht iin Betracht. Die Sachlieferungen müßten unter allein Umständen der österreichischen Jndustri« Vorbehalten bleiben. Das Angebot sei aus diesem Grunde bereits abgewiesen warben.. Allem Anschein nach versuche aber die abgezoiefene: ausländische Kapitalgruppe n euer Di ngs bie* österreichischen Stellen für ihren Vorschlag zui gewinnen. Es wäre aber gar nicht notwendig, bis Finanzierung mit ausländischem Kapital zu bestreiten. Der inländische Kapitalmarktl wäre nun so stark, daß Die Auflegung einer (Eiet“ trifizierungsanleihe im Jnlande durch-, aus denkbar wäre. Ein Betrag von 200 Millionen Schilling würde genügen. .ner, der neue hothempfindlithe FEINKORN Film! ^OLVMPAN K Zwischenspiel an Bord. Von ptfer Purzelbaum. Frau (Elfe, eine jener reiselustigen Damen, bitt sich auf den Kommandobrücken Der Passagier'- Dampfer durch sachverständige Gespräche nützlich jm machen pflegen, mochte diese liebe Gewohnheit auch auf ihrer letzten Fahrt von Hamburg nach Helgo«, land nicht missen. Sie war früher schon mal auii Helgoland gewesen, ja, sie war sogar schon md auf einem der großen Lloydbampser nach dem Nordkap gefahren — und Die Kapitäne hatten albt ihre Fragen stets mit vollendeter Höflichkeit beanfr wartet. Sie begab sich also auf Die Brücke und fragt« dort den bekannten Herrn mit den vielen goldenen Aermelstreifen: „Sie sind doch der Kapitän, nicht wahr?" „Jawoll, Madamm!" „Sagen Sie: so ein Schiffbruch muß doch schreck'- lich sein — nid)?" „Dat’s kein Vergnügen!" „Wie oft sind Sie in Ihrem Leben wohl scho« durch dieses Meer gefahren?" „Och, bi düsend rüm." „Die Leute stellen wohl an Sie manchmal rechs dumme Fragen — nich?" „Och, wie Seelud sind Kummer gewöhnt." „Nun sagen Sie, Herr Kapitän, welches Lanü ist von dieser Stelle aus uns am nächsten?" „Jüß ünner uns, Madamm — de Grund du« de See!" „O nein, so meinte ich das nicht! Aber sagen &l-‘ Herr Kapitän: im vergangenen Jahre fuhr ich ft auch einmal; da führten Sie aber dieses SW noch nicht. Damals war hier ein anderer Kapitim mit dem man sich auch sehr gut unterhalten tonnto — so'n großer blonder ... wissen Sie vielleicht, wo dieser Herr nun ist?" „De is bot!" „Tot? Ach, wie traurig! Das tut mir ab erleid! Wissen Sie vielleicht, woran er gestorben ist?" „Och, de Passaschiers hebbt em Dotfrogt!' Woraus Frau (Elfe nun zwar Den Kapitän ci Ruhe ließ, doch keineswegs entmutigt, sich nun nm ihrer Sachkenntnis dem Manne am Steuerruder zuwandte. „Warum drehen Sie eigentlich das Steuer f11 und her? Sie kennen doch Ihren Kurs — da kö«' nen Sie doch das Steuer einfach auf Ihren KiM einftellen!" „Djä —", sagt der Mann am Ruder, „Dat woll allens recht schoin im gaub, aber die Sache is man bloß die: wi müssen ja zugleich auch noch Kaffee mahlen!" Stänbni^n, ■ tonnte nad)yta' beweglichen ,heute hatte Es ist jo lächelnd steht geradezu schon der grifferste Hut, Mantel weil gerade d bann folgen Mänteln, Ma Mutti fehlt. Schirme, Schi herum, mein Kästchen darr gen — ja, ra chem Laden,' Raum schafft, mer abträgt, man hat jun ßungsformali gen zur We Gesprächsstoss - sich von sein ' und auf den I hat. Aber da I Würde des ! Ich darf n | denn ich [prei natürlich aud) bern weil id) r hier auf oorge W W den non tyex xnxtn ' scheidend weid scres Hauses. Kammern u Besucher den Ja, als n ! unsere kleine ‘ meine schöne l fangsfreudig ; putzter Spie« I für letzte An I Schirme uni ? Plätze. Waru und bei geh | all der weck I gedrückt dass | Geschichte wi > Sammer llnbi licht I A>er! L-bens '^b ben Wf je ft 57S daß l19' einen u Abend/ uj Un bemerk Eichen SÄ un» mit 6t* ter dem! ' um auch ft wng rf Da ploßl'ch , fMitde sich jnr kW 15' Fortsetzung. ÄS'! M N 12*5' .‘!n Mit, *»<r N< präche nützlich Gewohnheü bürg nach «*2; #5 2tüu(^ I )en vielen k icht vahr^ chnwß N alle oh in (Fn uern und. 'mmeniv, "der Gl». Rommen enöen Meb- w zahlk .geliehene - >len kann,i. w » wie obtn ’ enen frjfc . 'mrner Schuldner ■ biveglichen Klage: Heute hatte ich wieder einen schlimmen Tag. Q» ist ja immer so, wenn jemand kommt. Ratlos lichelnd steht der Besuch vor mir, man muß sich xradezu schämen. Alle Haken behängt, nicht emmäl t< grifferste ist frei, da prangen selbstverständlich iut, Mantel und Stock meines gnädigen Herrn, rril gerade dieser Haken für ihn der bequemste ist, dinn folgen Kappen und Mützen der Kinder mit Mänteln, Mäntelchen, Strickjacken und Schals, auch utti fehlt mit ihrer Straßengarnitur nicht, (chirme, Schirmchen und Stöcke hängen und stehen Irrum, mein Spiegel restlos überhängt, auf dem snstchen darunter liegen Handschuhe und Zeitun- gn — ja, ratlos lächelnd steht der Besuch vor sol- t-m Laden, bis Mutti Entschuldigungen stammelnd !uum schafft, umhängt, abhängt, in das Schlafzim- m abträgt. Gewiß hat das auch etwas für sich; i an hat zunächst einmal über die üblichen Begrü- fangsformalitäten und die notwendigen Feststellun- , pin zur Wetterlage hinaus auch noch zusätzlichen i ^sprächsstoff durch die Flurgarderobe, bis man . sch von seiner ersten Ueberraschung etwas erholt uit) auf den lieben Besuch entsprechend eingestellt : b t. Aber dabei geht doch auch manches von der i iirde des Hauses verloren. -Ich darf mir diese Anmerkung wohl erlauben, bmn ich spreche ja nicht für mich — obwohl man ritürlich auch seinen berechtigten Stolz hat — fön’ turn weil ich mich als Glied der Hausgemeinsck)aft h»r auf vorgeschobenem Posten mitverantwortlich sichle für den ersten Eindruck, den unsere Gäste o n hier mitnehmen und der doch immerhin ent« sc »erdend weiterwirkt, gleichsam als das Gesicht un« fee5 Hauses. Wie wird es da erst in den Zimmern, Jnmmern und Schubladen aussehen, muß jeder Unbekannte Zracht Boman von Frank F.vrann wird. In naher Zeit wird man also dort auf eine weitere rege Bautätigkeit rechnen können. Im Günthersgraben, nahe der Liebig« straße, ist dieser Tage mit den Arbeiten für einen weiteren Neubau begonnen worden. Ferner gehen im Südviertel die Wohnungsbauten der Mibau an der Ecke Aulweg und Wartweg der Vollendung entgegen, während im Wartweg selbst zwei weitere Neubauten in der Ausführung be- ariffen sind. An der vom Wartweg in westlicher Richtung abzweigenden Seitenstraße, im sag. Schlangenzahl, wird die Wohnhausbaugruppe des Eisenbahner-Heimstättenvereins gegenwärtig im Innenausbau vollendet. Ferner sind in der Nähe des Klinikviertels zwei weitere Neubauten im Gange. Im westlichen Stadtteil j e n s e i t s d e r L a h n , im sog. Sachsenhausen, ist die Bautätigkeit gleichfalls in erfreulichem Gange. Dort wird in der verlängerten Rodheimer Straße gegenwärtig ein Wohn- und Geschäftshaus errichtet, während in der neu angelegten Quer st raße die Wohnhausbauarbeiten rüstig vorwärtsschreiten. In der Krofdorfer Straße sollen demnächst weitere Kleinwohnungen entstehen. Im Stadtinnern hat man in der Roon- straße auf dem Stohrschen Gelände mit dem Bau eines Wohnhauses begonnen. Neben diesen Neubauten sind an zahlreichen Stellen der Stadt noch Um- und Erweiterungsbauten im Gange, durch die zum Teil gleichfalls neuer Wohnraum und auch neue Geschäftslokale geschaffen werden. U. a. sei in diesem Zusammenhänge auf einen größeren Um- und Neubau hin- gewiesen, der an der Ecke Friedrich st raße- Wetzlarer Weg rüstig seiner Vollendung zu- geführt wird und dort durch die Schaffung neuer Wohnungen und neuer Läden in einem dreigeschossigen Bau dem Stadtbild in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs eine wertvolle Bereicherung geben wird. üSffe * tiS“* SÄ ‘e ihn '°r, Ui v0< 70 HJ ty, bau wäre ^teßlich v 'u-e. 'erkauft J eiten S Sie iton, r 1)7 @runt' Af! Oer fati sS. visstn b- Gegen Morgen, als sie müde, wenn auch nicht überanstrengt, denn es galt ja nur die Kessel unter lumpf zu halten, an Deck erschienen, kam geraoe dn Kapitän Durham an Bord. Ein Heiner, mage- rjr Herr in einem grauen Reiseanzug mit Kmaer- b 'ckerhosen schritt neben Durham einher. Sie sahen sch erstaunt an. dann begriffen sie. der Mann war C^inefc; vielleicht sollte er den Dolmetscher machen, später an der chinesischen Küste; oder er war gar diejenige, der die Waffen gekauft hatte uno ah« l ?fern wollte. Kapitän Durham ließ den kleinen gilben Mann jedenfalls respektvoll vorangehen. Mit dem Deutschen Lorenzen machten sie sehr h(D Bekanntschaft. Sie mußten sich bei ihm mel- drn und die Verträge unterzeichnen. Wie aus Der „Dueen Elizabeth" nahm auch er ihre Papiere an sch. „Damit sie uns nicht auskneifen , sagte er Ljunifl. Er war ein schlanker, noch junger Mann. Eie schätzten ihn Mitte der dreißiger Jahre, «em richte Backe trug eine Säbelnarbe und verriet diutschen Studenten. Er gab ihnen die Hand,^nacy- d m sie unterzeichnet hatten und sagte unsicher, - Ijgen um einen Gesprächsstoff: „Auf ^ute Fahrt, ri.eine Herren." Sie verließen ihn zufneoen. Um 11 Uhr vormittags wurde die Laufptanke cmgezogen. Die „Mary D." nahm den Anker aus rnd löste sich langsam vom Kai. Kapitän Durham mb sein Bruder standen auf der Kommandobrücke vnb winkten zwei Damen zu, die am Landungs- 1 atz zurückblieben und weiße Tücher zum Ab chied jüwenkten. Rudolf Terbrügge erkannte deuln^ rme ältere und eine jüngere Dame, ^..k-ns-nster mer die Reeling und sah nach dem ^ensenster k's Zahlmeisters. Richtig, auch dort wehte ein Ta- shentuch, und ihm wollte scheinen als ob d ■ Äicke der jüngeren Dame viel mehr diesem F s I bxs Zahlmeisters galten, als den beiden Herren aus dir Kommandobrücke. , _ Die „Mary D." fuhr mit halber Kraft. Am Heck | llLhte der Union-Jack. Die Ufer des Firth of Tay Isesucher denken. ?3a als wir vor Wochen den Taufschmaus für rJ1fere kleine Hiltrud hielten, da war ich in Hochform: rjcinc schönen, gußeisernen Haken reckten sich emp- smgsfteudig den Gästen entgegen, mein blank geritzter Spiegel gab ihnen den prüfenden Blick frei hr letzte Anordnungen auf ihrem Erscheinungsbild, (d)irme und Stöcke fanden ihre bequemen Steh- »Ätze. Warum das immer nur an festlichen Tagen, vjib bei gelegentlichen Besuchen muß ich inmitten c.1 der wechselseitigen Besuchsfreuden hilflos und ci drückt dastehen! Und wie ich sehe, soll nun die («schichte wieder von vorne beginnen! Es ift ein (flimmer ... . ..—.. < Da wagte ich nicht mehr, aufzurusten Ich dane pnug! Ober linde! sich i-mand, her es bet sich zu fcu|e in solcher Lage noch wagen wollte? x. o. Amt für Volkswohlfahrt, Ortsgruppe Gießen-Süd. Am Montag, 17., und Dienstag, 18. August, findet im Bereich der Ortsgruppe Gießen-Süd die Lebensmittel - Opferringsammlung durch die NS.-Frauenschaft statt. Die Einwohner- schast wird gebeten, die Spenden bereitzuhalten. Die deutsche Rrbcitefront n.9.=Gemcinf(hah „Kraft durch frcuöc" Auch Dinge haben chre Seele. Schöne Jlluswn, scwächliche Sentimentalität nennen das die einen, ! ater Kinoer und Dichter wissen in dem Dammer- I ligt solcher Grenzbezirke des ewig rätselvollen 1 übens besser Bescheid, und besinnliche Leute blei- flbdi dabei, daß Kleidungsstücke, Arbeitsgerät Haus- rdt u. a. je länger je mehr wett über alle fach- lche Zweckmäßigkeit hinaus mit ihnen auch leben. Ene solche besinnliche Minute geheimnisvoller Un- virbundenheit schenkte mir kürzlich unsere Flur- girberobe nach dem verwirrenden Drang eines un- aiaröhnlichen Alltags. Merkwürdig, manchmal vergehen Wochen, ohne dß sich lieber Besuch zu uns findet; dann aber deinen wieder einmal alle Verpflichtungen auf eien Tag fällig geworden zu fein. Als wir am iuenb jenes überreichen Tages, wieder einge- f:,rümpft auf unsere Hausgemeinschaft, in üblicher LIchlese bemerkenswerte Einzelheiten der ab« v."chslungsreichen Stunden austauschten und not« n-nbige Aufräumungsarbeiten uns dabei durch alle !)äume hin- und herwandern ließen, war es mir, 05 ob ich jedesmal bei meinem Gang über den ur etwas in unsere familiären Unterhaltungen nt hineinknattern hörte. Mit einem Arm voll ifemiüeneiflner Textilien, einem mehrgeschossigen 2urm von Hüten und Kappen auf meinem Haupte uib mit Stöcken und Schirmen verschiedener Kali- ba* bewaffnet, kam ich zu unserer Flurgarderobe, in auch hier wieder alles in die gewohnte Ord- Als Antje Oelkens gegen fünf Uhr von der Nachmittagstour zurückkam, zog sich Frau Berta zurück. Sie gedachte im Hinterzimmer einen kleinen Schlummer zu tun; nicht richtig schlafen wollte sie; nur liegen und schlummern; sie machte da einen nur ihr selber empfindlichen Unterschied. Heute abend waren sie eingeladen. Bei Beckers. Und es würde spät werden. Sie ruhte auf Vorrat. Antje Oelkens faß noch keine zehn Minuten auf ihrem Platz, da ging die Ladentür und Fred Lorenzen trat ein. Sie errötete ein bißchen, ärgerte sich darüber und wurde vollends verlegen. Ihn entzückte diese Tönung auf ihre Schläfe so sehr, daß er seine vorher überlegte Ansprache vergaß ober nicht mehr anzubringen wußte, sondern wie ein eiliger Geschäftsmann einen Zehnmarkschein auf den Marmornsch legte und sagte: „Ich möchte bezahlen, was ich schuldig bin." Er machte eine Pause. Der Satz war ihm einfach her- ausgeschossen. Er fand ihn selber kalt und häßlich, ganz anders, als er es sich gedacht hatte, und so fügte er leise hinzu: „Fräulein Antje..." Das kam nun wieder so gedämpft, als wären sie alte Des- traute. Antjes Röte wich daher durchaus nicht. Sie schlug, aus der Fassung gebracht, wortlos zunächst das dicke, ein bißchen abgegriffene Kundenbuch aus und sagte ganz sinnlos: „Herr Lorenzen, nicht wahr — Seite 79 — das macht also — das wären —", und sie addierte fieberhaft. Er stand und sah auf ihren gebeugten Kopf. Dies helle Haar —, wie fein der Nacken war, wie zart, mit den paar kurzen Kräuscllöckchen--- „Sieben Mark und zehn Pfennige, Herr Lorenzen." Sie richtete sich auf. Zum erstenmal trafen sich ihre Blicke. „Ach", sagte er bedauernd, „soviel? Ich habe drüben schon einmal fünf Mark Schulden bezahlt, und drei Mark sollte noch der Zigarrenftitze haben... Wie wäre es, wenn ich Ihnen fünf Mark abbezahlte, geht das wohl?" „Natürlich geht bas. Ich ziehe also fünf Mark ab." Sie bediente die Zahlkasse. „Ich habe nämlich heute abend noch etwas vor", hob er wieder an. „Das Programm der Scala soll in diesem Monat besonders gut sein. Sehen Sie auch gern Varietes?" In der F r i e d e n s st r a ß e gehen die von der Baufirma Abermann errichteten Wohnungsbauten der Vollendung entgegen. Nachdem alle Bauplätze in der verlängerten Bergstraße mittlerweile ausgebaut sind, ist man jetzt babei, entlana ber füblichen Mauer bes Alten Friedhofs eine neue Straße zu eröffnen, um dort mit weiteren Wohnungsbauten beginnen zu können. Bekanntlich ist für dieses Gebiet in der jüngsten Ratsherren- sitzung ein neues Baustatut besprochen und vom Oberbürgermeister nach Anhören ber Ratsherren in Kraft gesetzt worden, das durch Baulandumlegungen und neue Baufluchtlinien die Möglichkeit zu verstärktem Wohnungsbau in diesem Stadtteil geben x Auf vielfachen Wunsch haben wir die Anmeldefrist für unsere am Sonntag, 23. August, ftattfinbenbe Rheinfahrt bis einschließlich Mittwoch, 19. August, verlängert. Es können also bis zu biefem Termin noch Melbungen entweder auf unserer Geschäftsstelle, Bahnhofstraße 38, oder bei unseren Zellen- und Stützpunktobmännern entgegengenommen werden. Ortsgruppe Gießen-Ost. Lebensmittel-Opferring. Am Montag, 17., und Dienstag, 18. August, wirb bie Pfunbfammlung burckgeführt. Die Mitglieder werden gebeten, die Pfund Päckchen bereitzuhalten und die Mitgliedskarten zur Eintragung oorzulegen. Der Inhalt der Päckchen ist außen fichtvar anzugeben. Für bie Rheinfahrt finb noch einige Karten ab sofort auf ber Kreisbienststelle Gießen, Schanzen- straße 18, zum Preise von 4,30 RM. erhältlich. Wiederbesehung von evangelischen propsteien. Durch Verordnung des Landeskirchenausschusses der Landeskirche Nassau-Hessen vom 8. Auaust sind bie brei Propsteien ber evangelischen Landeskirche Nassau-Hessen, bie nach dem Rücktritt ber Pröpste Knodt-Gießen für Oberhessen, Oberkirchenrat Dr. Müller-Darmstadt für Starkenburg und Lic. Peter-Wiesbaden für Nassau bis jetzt noch unbesetzt waren, den vorgenannten Geistlichen ab 15. August zur Verwaltung aufs neue übertragen worden (Siebener Soldatentag. Der Soldatentag ber Arbeitsgemeinschaft Gieße- ner Soldatenkameradschaften am morgigen Sonntag, 16. August, ist unter der Leitung des Kameraden Reitz mit gewohnter Liebe und Sorgfalt vorbereitet worben. Nach einem gemeinsamen Gottesbienst in der Stadtkirche werden am alten Kriegerdenkmal, am 116er-Denkmal und an den Soldatengräbern auf dem alten Friedhof Kränze niedergelegt. Auch die gefallenen Gegner im Kriege sollen bereits am heutigen Samstag durch einen Kranz geehrt werden. Dom alten Friedhof erfolgt ein Marsch durch die Kaiserallee, Ludwigstraße, Bleichstraße, Anlage, Bahnhofstraße, Kaplansgasse, Sonnenstraße, Brandplatz. Nachmittags ist großes Treffen der Kameraden mit Familien auf dem Festplatz an der Walbeslust. Unter den Klängen alter Militärmärsche werden die Herzen ber alten Soldaten höher schlagen, aber auch die Jugend wird voll auf ihre Kosten kommen. Den Abend wird ein prächtiges Feuerwerk mit Waldbeleuchtung beschließen. Besonders bestellt wurde richtiges Soldatenwetter. Man beachte bie heutige Anzeige. Llrlaubskarten, Urlaubsmarken unk» UrlauSgelk» am postscbalter. Irn Anschluß an bie Verordnung des Reichs- arbeitsrninisters über die Einführung von Urlaubskarten und Urlaubsmarken ist jetzt die Verordnung des Reichspostministers über den Vertrieb dieser Karten und Marken, sowie über die Auszahlung des Urlaubsgeldes erschienen. Hiernach werden Urlaubskarten und -marken vom 1. September 1936 an bei den Postanstalten vertrieben. Die Karte kostet 10 Rpf. Die Marken werden zum Nennwert von 5, 10, 20, 30, 50 und 100 Rpf. abgegeben. Das Urlaubsgeld wird ebenfalls bei den Post- anstalten ausgezahlt, und zwar gegen Rückgabe der Urlaubskarte und in Höhe der in der Urlaubskarte verklebten Urlaubsmarken. Auf Verlangen kann der Betrag auf ein Postscheckkonto überwiesen wer- fielen mehr und mehr zurück, die Mündung wurde ein Meer. Die „Mary D." nahm nördlichen Kurs. Kapitän Durham blieb auf der Kommandobrücke, er gab ein paar Befehle. Die Maschinen arbeiteten stärker. Die Wellenbahn des Kielwassers hob sich höher. Dom Land war nichts mehr zu sehen als ein grauer Strich, der steuerbord sich hinzog. John Schnakenbeck und Rudolf lerbrügge gingen schlafen. Im Laufe der nächsten Tage hatten sie Gelegenheit, sich sehr zu wundern, wohin diese Fahrt ging. Es wurde ein kleiner Hafen angesteuert, von dem Schnakenbeck behauptete, es müsse ein isländischer sein. Sie fragten den Zahlmeister und erfuhren, daß es sich tatsächlich um Reykjavik handelte. Sie machten die „Mary D." nur einige Stunden fest, und zwar neben einem braunen Dampfer, der die Trikolore gehißt hatte. Von diesem Dampfer übernahmen sie Ladung. Es ging alles sehr rasch. Die beiden Schiffe schienen hier verabredet zu sein. Der Zahlmeister stand am Deck und grinste, als der Hebekran die letzte Kiste in den Bauch der „Mary D." senkte. Er sah Rudolf Terbrügge an und sagte auf deutsch: „Schneider-Creuzot natürlich." Aber Rudolf Terbrügge verstand ihn leider nicht. Die „Mary D." beeilte sich, das offene Meer wie- derzugewinnen. 6. Kapitel. Das Milchplakat — wie Fred Lorenzen feine neueste Schöpfung bei sich selber zu nennen pflegte — war tatsächlich angenommen worden. Es klebte schon an zahlreichen Anschlagsäulen von «teglih bis Pankow. Das Honorar war ihm durch eine Postanweisung zugegangen. Es war für seine Begriffe „sehr anständig" ausgefallen. Er beschloß daher, an diesem Samstag auch noch seine _ aufgelaufene Milchrechnung zu begleichen. Das wäre an sich zu jeder Stunde möglich gewesen, und Frau Serta Nickels wunderte sich schon, warum der auch ihr bekannte Kunde, der Maler Lorenzen, alle zehn Minuten vor ihrem Kellerfenster auftauchte und einen Blick durch die Scheiben in das Innere Des Raumes tat. Sie war nicht so eitel, zu glauben, datz diese Blicke ihrer stattlichen Person galten. Ihr kam aber anderseits auch nicht der Gedanke, datz dieser Fred Lorenzen etwa warten konnte, vis sie den Posten hinter der Ladentafel aufgab und Der Ablösung den Platz räumte. ,Lch habe, offen gesagt, noch keines zu sehen bekommen." „Ach, wirklich! Gab es bei Ihnen zu Hause keines?" „In Wietze?" Sie lachte schon über diese Möglichkeit. „Zuweilen selten, Sonntags kam ein Wanderkino. Aber der Schützenhof war meist so überfüllt; ich bin jedenfalls immer zu spät gekommen." „Waren Sie noch nie in einem Kino?" „Doch", antwortete sie stolz. „Seit ich in Berlin bin, schon zweimal. An unserer Ecke in der .Blumenburg'. Donnerstags, wenn ich Ausgang habe. Wo soll ich hin?" Sie schaute ihn an. Er war ein Mensch wie alle andern; ein Mann, kein Grund, dauernd die Fassung zu verlieren. Sie nahm sich zusammen. ,^d) wollte heute eigentlich nicht ins Kino, sondern mal in die Scala, wie gesagt. Ader wenn Sie mehr für Kino sind, mir ist das nicht so wichtig." „Wieso denn ich?" Sie war verdutzt. Er verrenkte seine Finger; aber der Uebergang war gelungen. „Ich dachte", sagte er hastig, „Sie würden vielleicht mit mir gehen. Es ist so ein schöner Samstag." Was rede ich für Unfug! Ist diese Antje das erste Mädchen, das ich ausführen will! Sei ein Mann. Fred! Er hüstelte. „Es wäre wirk- lich sehr nett von Ihnen, Fräulein Antje. Wann sind Sie heute abend frei? Die Scala beginnt um 8.30 Uhr." „Aber heute habe ich gar keinen Ausgang!" „Meinen Sie nicht, wenn Sie fragen würden... Frau Nickels macht so einen freundlichen Eindruck. Können Sie nicht sagen, Ihre Schwester aus Hannover sei zu Besuch gekommen?" „Ich habe keine Schwester, in Hannover schon überhaupt nicht." „Aber Sie können es vielleicht sagen?" „Ich mag nicht lügen." Er starrte sie an. „Das ist sehr schön von Ihnen", sagte er und fand im selben Augenblick, auch dieser Satz sei seiner Geistigkeit nicht würdig. Er entschloß sich: „Dann werde ich für Sie fragen. Wo ich eben fünf Mark bezahlt habe, wird Frau Nickels mir die Bitte nicht abschlagen." (Fortsetzung folgt!) Einer der stärksten Faktoren xur Belebung der Wirtschaft, die Wohnungsbautätigkeit, ift, wie in den beiden letzten Jahren, auch in diesem Sommer in unserer Stadt wieder außerordentlich wirksam. In allen Stadtbezirken kann man beobachten, daß die genossenschaftliche und die private Bautätigkeit eifrig am Werk ift, um durch die Errichtung zahlreicher Wohnungsneubauten für die erheblich gesteigerte Nachfrage nach Wohnraum den erforderlichen Vorrat zu schaffen. Im E i ch g ä r t e n g e b i e t, roo die Bautätigkeit am stärksten in Erscheinung tritt, sind die von der Baugenossenschaft 1894 vor einiger Zeit begonnenen echs Einfamilienhäuser entlang der Iahnstrahe bis richt vor das Richten der Bauten gediehen. Die von der Baufirma Frese in der oberen Fröbelstraße in Angriff genommenen sechs Wohnhausgruvpen sind mittlerweile bis zum ersten Obergeschoß empor« geführt worden, während in den übrigen, in dieser Straße bereits im Rohbau fertiggestellten Neubauten gegenwärtig der Innenausbau im Gange ist. Im Ostmarkenviertel, wo nur Eigenheime zur Ausführung kommen, herrscht nach wie vor lebhafte Bautätigkeit. Da alle Bauplätze in diesem Viertel bereits vergeben sind, ist in Kürze mit dem vollen Ausbau dieses Stadtgebiets zu rechnen. Vornotizen. Tageskalender für Samstag: Glvria-Palast (Seltersweg): „Boccaccio". — Baugenossenschaft 1894 eGmbH., Gießen: 20.15 Uhr, Jahreshauptversammlung in „Zur Stadt Wetzlar". Tageskalender für Sonntag: Gloria-Palast (Seltersweg): „Boccaccio". — Arbeitsgemeinschaft Gießener Soldatenkameradschaften: Soldatentag. 9.15 Uhr, Gottesdienst, anschl. Ehrung toter Kameraden; 14.45 Uhr, Kameradschaftliches Beisammensein auf der Waldeslust. Kreisdirektor Dr. Loh Mitglied des Hessischen Derwa^tungSgerichtshofS. Der Reichsstatthalter in Hessen hat den Kreis- bireftor des Kreises Gießen, Dr. Lotz, mit sofortiger Wlrkunu zum Mitglied des Hessischen Derwal- tungsgerichtsyofs ernannt. Heist den Spanien Deutschen! Die aus Spanien in die deutsche Heimat geflüchteten deutschen Volksgenossen bedürfen drin- gend der Hilfe. Jedermann helfe durch eine Spende mit, das wirtschaftliche Los dieser deutschen Tftän- ner und Frauen, die durch den Bürgerkrieg in Spanien vielfach um ihr ganzes hab und Gut gebracht wurden, zu erleichtern. 3n der Geschäfts- stelle des Gießener Anzeigers liegt eine Sammelliste auf, in die Spenden zur Hilfeleistung eingetragen werden können. Uiilitärifd’e« Platzkonzert. Am morgigen Sonntag von 11 bis 12 Uhr findet auf Dem Platze vor dem Stadttheater ein Platzkonzert des Musikkorps des MG.-Batl. 2 unter der Stabführung des Musikleiters, Feldwebel Nickel, statt. Es werden folgende Komposittonen zu Gehör gebracht: Marsch. „Nakiris Hochzeit", Ouvertüre v. P. Lincke. „Postillon v. ßonjumeau", Fantasie v. A. Adam. „Münchner Kind'!", Walzer v. K. Komzak. „Slawische Rhapsodie Nr. 1", v. C. Friedemann. „Vogelhändler", Potpourri, von C. Zeller. . Kapital y ■ tapitfllr: gung einer ßii ; I i Iicknde to )on 200 Milli- King zurückzubringen. Da plötzlich — ich wollte gerade beginnen — rar mir mein Arm wie gelähmt, willenlos fühlte i'i mich in den Bannkreis einer seltsamen Ver- j: jckung hineingerissen: das rätselhafte Mitknat- t-n — es kam von unserer Flurgarderobe — ge- .. .....«ig [Htete sich für mich deutlich hörbar — von Miß- -M M y vrständnissen, Illusionen oder Sentimentalitäten tunte nachgerade keine Rede mehr sein — zu einer heil Hitler! Der Führer des Bannes 116: Ernst heim, Bannführer. Nationalsozialistische ab 7.55 Uhr an 9.52 „ ab 10.30 „ an 14.30 „ ab 15.45 Uhr an 18.30 „ ab 19.15 „ an 21.11 „ den. Für den Vertrieb der Urlaubsmarken und für die Auszahlung des Urlaubsgeldes hat der Unternehmer für jeden 16 Wochenabschnitte umfassenden Teil der Urlaubskarte 30 Rpf. in Postwertzeichen zu verkleben. Eine rüstige Achtzigjährige. Frau Franziska Hammel, Feuerbachstraße 7, kann am kommenden Montag, 17. August, in bester geistiger und körperlicher Frische ihren 80. Geburtstag feiern. Die Jubilarin hatte in unserer Stadt über 40 Jahre lang ein Obst- und Gemüsegeschäft betrieben und wurde dadurch in weiten Kreisen bekannt. Dor dem Kriege war sie langjährige Lieferantin des I. und II. Bataillons des Infanterie-Regiments 116. Außerdem versorgte sie während des Krieges das Kriegsgefangenenlager auf dem Trieb. Sieben Kinder, 18 Enkel und 16 Urenkel gehören zu ihrer Nachkommenschaft. Neue Kurzschrift- und Maschinenschreiblehrgänge. Die Ortsgruppe Gießen der Deutschen Stenographenschaft eröffnet, wie aus der heutigen Anzeige zu ersehen ist, am Montag, 31. August, in der Alten Pestalozzischule, Wernerwall, neue Lehrgänge für Kurzschrift und am Dienstag, 1. September, in der Öffentlichen Handelslehranstalt, Liebigstraße, neue Lehrgänge für Maschinenschreiben. Die Ortsgruppe Gießen der Deutschen Stenographenschaft ist — so schreibt man uns — von jeher bestrebt gewesen, Wirtschaft und Behörden mit outen, brauchbaren Kurzschriftlern und Maschinenschreibern zu versorgen. Aus dieser Erkenntnis heraus haben allein im letzten Dierteljahresab- schnitt bei ihr 420 Teilnehmer die Kurse besucht und ihre Leistungen wesentlich gesteigert. Im Laufe des Jahres fanden ein Ortsgruppen-, ein Kreisgebietsund Gaugebietsleistungsschreiben statt. An sämtlichen drei Schreiben beteiligten sich die Mitglieder der Ortsgruppe, und es konnten in den einzelnen Abteilungen bis zu 240 Silben insgesamt 365 Urkunden ausgestellt werden. Diese Urkunden tragen amtlichen Charakter, sind also wertvolle Zeugnisse bei Stellenvermittlung usw. In den Maschmen- schreiblehrgängen wird das 10-Finger-Blindschreiben gelehrt, formgerechtes Schreiben geübt und die Lei- stungsfäyigkeit bis zum Meisterschreiber gesteigert. Gießener Vochenmarktpreife. * Gießen, 15. Aug. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, kg 1,55 Mark, Landbutter 1,42, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10 Pf., Eier, deutsche, Klasse S 14, Klasse A 13, Klasse B 12, Klasse C 11^, Klasse D 11^, ungezeichnet 10, Wirsing, kg 8 bis 10, Weißkraut 5 bis 8, Rotkraut 10 bis 12, gelbe Rüben 10 bis 12, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 15 bis 20, Römischkohl 8 bis 10, Bohnen, grün 15 bis 20, gelb 20 bis 25, Erbsen 15 bis 30, Tomaten 25 bis 30, Zwiebeln 8 bis 12, Pilze 20 bis 25, Kartoffeln, neue, % kg 5 Pf., 50 kg 4,50 Mark, Frühäpfel 15 bis 40 Pf., Fall- äpfel 6 bis 8, Birnen 15 bis 35, Pfirsiche 55 bis 58, Nüsse 45, Pflaumen 20 bis 25, Zwetschen 20 bis 25, Mirabellen 30 bis 35, Renekloden 20 bis 30, Brombeeren 30 bis 35, Preiselbeeren 35 bis 40, Johannis- beeren 12 bis 15 Pf., junge Hähne 1 bis 1,10 Mark, Suppenhühner 80 bis 90 Pf., Tauben, das Stück 50 bis 60, Blumenkohl 10 Pf. bis 1 Mark, Salat 5 bis 12 Pf., Salatgurken 10 bis 25, Einmachgurken 1 bis 5, Endivien 8 bis 12, Oberkohlrabi 4 bis 8, Rettich 5 bis 10, Radieschen, das Bündel 10 Pf., Enten, % kg 1 bis 1,10 Mark. * ** Der Patenwein ist da! Heute vormittag gegen 9.15 Uhr kam ein Lastauto mit Anhänger, beide mit 13 großen Fässern beladen, mit dem für Gießen bestimmten Patenwein aus Oppenheim hier an. Das Lastauto und die Fässer waren mit Weinlaub bekränzt und mit kleinen Hakenkreuzfähnchen geschmückt. Hoffentlich findet das Stöfs- chen — 10 000 Liter für Gießen — allenthalben flotten Absatz. ** Erloschene Seuche. Die Rotlaufseuche in dem Schweinebestand des Ernst Walldorf II., Gießen, An der Kläranlage 64, ist erloschen. Die Gehöftsperre ist aufgehoben. ** Viehmärkte in Gießen. Am kommenden Dienstag findet in Gießen Rindvieh-Nutzviehmarkt statt, am Mittwoch folgt Schweinemarkt. Landstraßenbau in Oberhessen. In diesem Sommer mit seinem außerordentlich gesteigerten Fremdenverkehr, der u. a. auch in dem Besuche vieler Ausländer und in deren Reisen mit dem Kraftwagen durch die deutschen Gaue sein denkwürdiges Kennzeichen hat, richtet sich die Aufmerksamkeit naturgemäß besonders auf unser Landstraßennetz. Die für dessen Beschaffenheit verantwortlichen Behörden lassen es sich denn auch angelegen sein, nach den umfangreichen Erneuerungen und Ausbauten der letzten Jahre auch in diesem Sommer wieder erhebliche Aufwendungen zu machen, um das Landstraßennetz in bestmöglicher Weise den erheblichen Anforderungen des Fährverkehrs anzupassen. Die Provinzialdirektion Oberhessen, der die Betreuung der Landstraßen innerhalb unserer Provinz obliegt, widmet in Erfüllung dieser Aufgaben nicht nur den großen Durchgangsstraßen, sondern auch den Querverbindungen der Landstraßen wiederum ihre besondere Aufmerksamkeit. Die Provinz Oberhessen soll nach dem Willen ihrer Verwaltung einen Zustand der Landstraßen aufweisen, der den Verkehrserfordernissen nach jeder Richtung hin in der erforderlichen Weise genügen kann. Zur Erreichung dieses Zieles sind in diesen Sommermonaten wieder umfanareiche Erneuerungen und Ausbauten im oberhessischen Landstraßennetz in Gang gebracht worden, die zum Teil gegenwärtig noch durchgeführt werden. Bei einer Fahrt durch die Provinz Oberhessen kann man in der Umgegend von Gießen zwischen Steinbach und L i ch feststellen, daß dort eine Anzahl Kurven erweitert und die Straße an mehreren Stellen verbreitert worden ist. Zwischen L i ch und Eberstadt erfuhr die Straße auf einer Länge von etwa IV2 Kilometer eine erfreuliche Verbesserung durch eine neue Asphaltdecke. Zwischen Gießen und Lollar wurde durch Verbreiterung der Straßenpflasterung und durch Kurvenregulierungen einer dringenden Ausgabe des gesteigerten Verkehrs in guter Weife Rechnung getragen. Zwischen Allendorf (Lda.) und Londorf hat man auf etwa zwei Kilometer Länge durch Aufbringen von Teermakadam die Straße in einen besseren Zustand versetzt. Die gleiche Verbesserung ist auf etwa IV2 Kilometer zwischen Heuchelheim und der Landesgrenze bei Atzbach durchgeführt worden. Südlich des Kreises Gießen ist besonders hervorzuheben, daß zwischen Pohl-Göns und Butz - b a ch an der Landstraße Radfahrerwege im Bau begriffen sind, die einerseits den Radfahrern gute Fahrmöglichkeiten bieten sollen, zum andern aber dazu bestimmt sind, die durch den Kraftwagenverkehr stark belastete Fahrbahn künftighin von den Radlern frei zu machen. Auf der Landstraße Friedberg— Hungen sind gegenwärtig die Ortsdurchfahrten in Dorheim und in Wölfersheim auf der provinzeigenen Strecke im Umbau begriffen; hier wird in beiden Orten die Durchfahrtstraße gepflastert und damit den neuzeitlichen Erfordernissen Rechnung getragen. Eine gleiche Pflasterung ist gegenwärtig in der Stadt Büdingen auf einer provinzeigenen Straße im Gange, die durch starken Kraftwagenverkehr besonderen Ansprüchen genügen muß. An der Landstraße Stockheim — ©lauberg dürften wohl in nächster Zeit auch erhebliche Erneuerungsarbeiten in Gang kommen, denn dort kann man zu beiden Seiten der Straße umfangreiche Mengen von Straßenbaumaterial aufgestapelt sehen, die auf den Beginn dieser Arbeiten hindeuten. Im Vogelsbergkreis Schotten, der schon lange dringende und berechtigte Wünsche für den Ausbau und die Erneuerung seiner Landstraßen vorbrachte, wurde erfreulicherweise auch in diesem Sommer von der Provinz umfangreiche Arbeit geleistet. Man kann diese Tatsacke nur begrüßen, denn in der Tat war der Vogelsoergkreis Schotten mit seinem Straßennetz in früheren Jähren erheblich zu kurz gekommen, wodurch natürlich auch man« cherlei wirtschaftliche Nachteile für die dortigen Volksgenossen entstanden. Die Provinzialverwal. tung ist dabei, diesen Nachteilen in anerkennens- werter Weise entgegenzuwirken. So ist zur Zeit, nachdem schon an manchen anderen Stellen dieser Kreises den allerdringlichsten Straßenbauforderun- gen nachgekommen wurde, auf der Strecke Sau« oach-Schotten ein etwa 6 Kilometer langer Straßenneubau im Gange, durch den der restliche Teil dieser wichtigen Derbindungsstrahe in einen zeitgemäßen Zustand versetzt werden soll. Auf dieser Strecke wird die Straße Kleinpflaster erhalten, zahlreiche Kurven werden reguliert, wobei insbe- sondere auch die gefährlichen Haarnadelkurven beseitigt werden, Brückenverlegungen werden durch, geführt, an einigen anderen Stellen wird die Straße verbreitert usw., kurzum es entsteht hier ein Straßenbauwerk, das man nur mit voller Anerkennung begrüßen kann. Auf dem weiteren Abschnitt dieser großen Querverbindung im Vogelsberg ist zwischen Schotten und Gedern auf etwa 1 Kilometer Länge Kleinpflasterung im Gange, ferner wird in der Nähe von Schotten ein großer Kurvenumbau durchgeführt. Die Ortsdurchfahrten Freienseen und Flensungen erhielten Kleinpflaster auf einer Länge von etwa 1,5 Kilometer, ferner wurde zwischen diesen beiden Orten auf etwa 2,5 Kilometer Länge eine neue Asphaltdecke geschaffen. Im Kreise Lauterbach ist zwischen Schlitz und Lauterbach im Anschluß an bereits vor. handene Beton- und Kleinpflasterstrecken der restliche Straßenteil mit einer guten Asphaltdecke versehen worden, so daß sich der ganze Straßenzug jetzt in ausgezeichneter Verfassung befindet. In der Nähe von Hutzdorf wurde ferner auf ein Kilometer Straße Kleinpflaster aufgebracht. Neben diesen größeren Straßenbauarbeiten finb auf zahlreichen weiteren Strecken des Provinzialstraßennetzes Oberflächenerneuerungen im Gange, um dadurch leichtere Schäden der Straßen zu beheben. Natürlich können nicht alle erforderlichen Arbeiten auf einmal gemacht und sämtliche an sich be- rechtigten Wünsche in einem Zuge erfüllt werden. Die Provinzialverwaltung muß sich bei ihrem Bauprogramm vor allem auch von den finanziellen Möglichkeiten leiten lassen, aber im Rahmen de; Möglichen wird sie sich zweifellos stets darum bemühen, den Erfordernissen des Verkehrs und den Wünschen der Bevölkerung in bestmöglicher Weise Rechnung zu tragen. Dabei wird für die Verwaltung in hervorragendem Maße der Gesichtspunkt eine Rolle spielen, daß ja durch diese Straßenbau- arbeiten nicht nur den Erfordernissen des Verkehrs Erfüllung verschafft wird, sondern auch die heimische Wirtschaft durch die Belebung der Steinindu- ftrie und durch die Schaffung vieler neuer Arbeits- Möglichkeiten eine weithinreichende Befruchtung erfährt. Wie erheblich dieser Gesichtspunkt ist, geht ohne weiteres daraus hervor, daß man beim An- blick dieser umfangreichen Straßenbauarbeiten in allen Teilen der Provinz die Erkenntnis bekommt daß hier sicherlich Beträge mobilisiert werden, dir in die Hunderttausende gehen. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 dis 12JO Uhr, 16 bi» 17 Uhr Samstagnach- mittag geschlossen. Gießen (Hofmannstraße 11), am 14. August 1936 5068 D Heuchelheim, den 13. August 1936. 5040 D| Dissertationen bei Brühl, Gießen Beim Tode unseres lieben Vaters ist uns viel herzliche Teilnahme erwiesen und des Verstorbenen in Liebe, Dankbarkeit und treuer Verehrung oft gedacht worden Für diese Anteilnahme und für solches Gedenken sind wir allen, die es uns entgegengebracht haben, herzlich dankbar Für die uns so zahlreich erwiesene Teilnahme bei dem Heimgang unseres lieben Entschlafenen sagen wir hiermit unseren herzlichsten Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Frau Elisabethe Krauskopf Ww. Hildegard Fritsch, geb. König Hans Jürgen König Helene Engel Erdbeer: pflanzen pikiert, aus 1 jährig. Anlage: Immertragende Rügen, Oberschlesien, Späte von Leo- voldshall, beste ©ort. emv- fiehltvroHundert RM. 3.—. Gärtnerei Dönges Gießen, 03704 Marburg.Str.67 2-Lt.-0pel Lim. . .RM.2950.- nur 5000 km gelaufen 2-Lt-0pel-Cabrio. RM.2700.- in neuwertigem Zustand 2-Lt.-0pel-Cabrio. RM.2900.- 4fenstrig, Gläser-Karr. Erstklass. Gelegenheitsstücke, auch gegen Raten, unverbindliche Vorführun-' 6038d AUTO-UNION A.-G. Filiale Frankfurt a. M. Frankenallee 81 - Tel. 73254 MW ... MlMeiOtM Ortsring Gießen. Am Mittwoch, 19. August, nachm. 41/2 Uhr, beginnt wieder die Glaubensunterweisung unserer Schulkinder. - Verehrte Eltern! Meldet euere K nder hierzu entweder bei unserem O.R.-Leiter Th.Iost, Moltkestr. 22, an oder vor Beginn der Unterweisung im Saal 7 der Goetheschule, wo euch gern jede nähere Auskunft erteilt wird. Olympia 1936 Gold-Rad erringt Goldene Medaille für Deutschland Neuer Beweis der 5051 d Qualität und Zuverlässigkeit! Bekanntmachung. Die nächsten Viehmärkte in Gießen finden statt: Dienstag, den 18. August 1936: Rindvieh- (Ruhvieh.) Markt. Auftriebszeit von 7.30 bis 8.30 Uhr vorrnittaas. Mittwoch, den 19. August 1936: Schweinemarkt. Auftriebszeit von 8 bis 9 Uhr vormittags. Auf dem Rindviehmarkt wird sämtliches Vieh gegen Maul- und Klauenseuche schutzgeimpft. Gießen, den 15. August 1936. 5054C Der Oberbürgermeister. I. D.: Sud he im er, Beigeordneter. Bekanntmachung. Am Freitag, dem 21. August 1936, findet um 10 Uhr im Hofe der früheren Neuen Kaserne Verkauf von für den Kasernenhaushalt nicht mehr geeigneten eisernen Geräten statt. Ferner Altmetalle, acht für die Truppe nicht mehr geeignete Schuhmacher- bzw. Schneider-Nähmaschinen und eine Schreibmaschine. 5060D Heeresstandortverwaltung. Putzwolle Putzlappen • Putztücher Paul Läufer • Gießen Wagengasse (NäheMarktpl.) Einmachgutl ESSIG Gewinnauszug 5. Klasse 47. Preußisch-Süddeutsche (273. Preuß.) Klassen-Lotterie Ohne Gewähr Nachdruck verboten Aus jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer aus die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 5. Ziehungstag 13. August 1936 In der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 150 RDt gezogen 2 Gewinne zu IOOOO RM. 390687 10 Gewinne zu 5000 RM. 162875 234492 298286 380694 384507 240104 2 Gewinne zu 3000 RM. 78357 161214 212603 257474 295611 364904 246657 316243 169572 220696 267936 307142 161804 217932 259220 306121 393573 179603 238609 268273 314974 156749 205667 246053 281501 357942 156509 203713 240462 280905 340324 16 Gewinne zu 2000 RM. 47834 75332 93974 117698 206615 341507 365641 54 Gewinne au 1000 RM. 18387 19686 49846 59481 80942 98673 125397 149273 149304 165220 167943 188718 189601 210786 218761 ------ 261542 275044 280790 284635 297654 316254 330186 362161 368508 376324 86 Gewinne zu 500 RM 4760 4961 9866 24013 30797 33850 34878 48750 80256 87304 90933 96937 108116 122719 123928 ------ ------ 356 Gewinne zu 319 749 1210 1716 4913 16756 6977 29010 37775 53921 66002 77293 88948 96483 104812 124048 138601 153542 168608 192516 202407 210075 223M5 237543 246648 255018 265599 285858 298002 309795 322225 337764 363259 375551 28122 36736 50202 62926 73931 86659 93581 29887 42954 54531 66528 77760 89241 97092 97200 109545 125362 140964 162319 173414 196877 204048 214264 224670 239586 248222 259245 269989 287985 301600 315408 327782 346808 365582 390343 28858 37413 51978 65690 74594 87809 95655 102782 120237 130500 153024 168533 191876 201879 209471 221483 236045 244587 252549 264134 280016 293977 308764 321920 336468 358377 374885 105019 125088 140724 156529 171244 193794 203371 211066 224342 238661 247439 257211 265807 286566 300858 313664 325474 342130 365230 377344 14891 32765 48464 60467 72016 81075 91777 101818 111623 126997 149586 163417 181955 197312 205580 219760 231124 240733 250802 261234 270460 288304 303000 316693 327864 348261 368770 398154 32705 47791 60445 69430 79465 90047 102691 115654 128713 150948 167771 182001 201722 208775 220035 235526 241335 251899 261409 276848 291031 308674 319435 331779 351305 372604 36336 49100 62016 73106 86729 92968 Gewinne zu 300 RM. 7922 12643 Wichtig für HJ. und BDMd MWtzMWMMMM nach der Naturschutzverordnung vom 18. Mürz 1831 i (RGBl. I Seite 181) und den ergänzenden Bestimmungen, au» - sührlich erläutert von Professor Dr. W. Weder, o. ö. Pros., der Rechte und Referent im Reichs- und Preußischen Tlinifteriumi für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, und Prof. Dr.. Walther Schoentchen, Leiier der Reichsstelle für Naturschutz Gebunden RM. 3,60. Die beiden Verfasser des vor kurzem erschienenen Kommentar» zum Reich»naturschutzgesetz haben hier auf Grund ihrer langjährigen Erfahrungen und ihres weitgehenden Einblicks in das Werden der neuen Naturschutzverordnung, die nun für da» ganze Reich gilt,, die Verordnung und alle dazugehörigen bisher erschienenen (Er- gSnzungsbestimmungen nach juristischen, verwaltungstechnischen, wissenschaftlichen und praktischen Gesicht»punkten ausführlich erläutert und geben damit jedem eine gründliche Aufklärung, der mit dem Naturschutz, mit der Natur überhaupt, fei es beruflich oder als Liebhaber und Naturfreund in Berührung steht. Nicht nur die amtliche» Stellen, nicht nur Wissenschaftler, Lehrende und Lernende, Iter- und Pflanzenfreunde, nicht nur Erzieher, Richter und Rcchtsan- wälte müssen Über die Fragen des Naturschuhe» unterrichtet sei», sondern auch botanische Vereine, Naturalien« und fier- barien-fiandlungen und Lehrmittelgefchäfte, Präparatoren, Ausstopfer, Pflanzensammler, Schmuekrei» stg-Derkäufer, üranzbindereien und die mit der Überwachung der Märkte beauftragten Beamten, Feldhüter, Polizeistellen usw. Bestellungen nehmen alle Buchhandlungen entgegen. SW Beimflplet Betlag, W.-MleWe Geschäfts-Drucksachen Brlefumechllfli bei Brühl, Schulstraße 7 Gesch&ftekarteitt 3n der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 150 RM gezogen 170449 189800 311795 94095 58 Gewinne ju 1000 RM. 12370 24613 30068 31266 58565 67972 112277 132162 153597 162688 185436 187070 189800 252307 288717 310457 319362 330155 339596 347154 348876 361664 374134 oöy y yi 4 Gewinne zu 10000 RM. 3434 92873 6 Gewinne zu 5000 RM. 258283 14 Gewinne zu 3000 RM. 86188 134521 200288 245176 397095 12 Gewinne zu 2000 RM. 148585 285655 385211 393117 349927 110417 209612 27354 135884 218330 336150 375711 86225 89705 94823 97973 155454 256608 333921 103543 124178 135388 148681 172387 193887 218320 222814 244309 269466 285261 314719 333660 346643 356439 377143 140363 158344 275613 340624 140790 159657 284980 349965 I 98966 109167 134274 142386 167643 191518 203409 222366 235785 260521 279260 303949 326468 345496 352912 366501 397222 106369 126472 137662 157006 181210 200333 219614 228502 249615 274141 292091 320894 338156 346898 364967 386222 105208 125796 136402 155364 176964 199052 218497 224414 244367 273256 289462 314737 337243 346844 359567 382771 108845 126950 138357 162416 190136 202468 221778 232353 259416 277901 303503 323912 342301 347249 365968 394913 167781 184520 255257 302992 312756 330587 371149 382884 386986 102835 116900 135145 145775 167905 192621 218113 222589 241658 266950 280627 306711 332050 345846 356163 371219 _____ 391318 272 Gewinne zu 300^RM. 411 487 3758 5078 6822 7058 9414 10394 17593 19033 20767 24311 28255 30422 31063 35747 36473 41735 46111 46160 47089 48425 55031 60755 65825 72409 72628 75945 78277 78619 78912 79667 81864 85999 25225 89705 91054 ----- ----- * ----- -. Gewinne zu 500 RM. 10653 13820 30335 41682 47960 51914 58870 59982 60520 62245 70145 72794 81646 88297 113402 ------ ------ 150961 1517)11 152281 ------ Im Gewinnrade verblieben: 2 Gewinne zll je 1000000, 2 zu je 300000, 2 zu je 100000, 2 zu je 75000, 4 zu je 50000, 6 zu je 30000, 14 zu je 20000, 84 zu je 10000, 152 zu je 6000, 296 zu ft 8000, 826 zu je 2000, 2452 zu je 1000, 4102 zu je 500, 16424 zu je 300 RM. flr.’W Wl1 * T Nähe e,P" s k di° 9* * tnc'M^n V»7 do wird oe? aus N ' ärgerlich u im ®n* Sie h°b°» Und es wa Junge aus nun einmal Dors^eno obwohl^" tontoniW11 sind- Der rotten los M'chwc ben Arbeitss alle auf emr schon der go schort loszet Heren Lokomobile tigen Dam dem lange. '•« p Aber njrf Äunö Ws Sllll, >- Vf WfÄorr L" und Oh '•Nil?1 Ä KuTl unb\h' gleich Ajz und Dra starke P das schm über die sterjcheibe dem Ii|d Knarren wurden । eijenbeschl ten Ach hasten An t'gen (he W'ebe r. 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Auch ich eile ans Hoftor, wenn das vertraute Dröhnen und Nattern erklingt, und die Schuljugend mit dem frohen Ruf „Die Dreschmaschine kimmt" über die Siraße eilt. Der Dreschplatz ist in den kommenden Wochen Tref punkt und Tummelplatz der Buben. Mancher kneift zu Hause aus, um auch „mitzugucken zu helfen". Wenn in der nächsten Zeit ein Vater seinen hoffnungsvollen Sproßling vermißt, dann weiß er bestimmt, wo er ihn zu suchen hat. Und wenn er es nicht weiß, wird ihn schon seine Ehehälfte daran erinnern: „Gieh emoul bei die Dreschmascbin, do wird de Nautnotz schun soi." Beide wissen das aus ihrer Jugendzeit. Und wenn sie auch einmal ärgerlich über den ausgekniffenen Burschen sind, im Grunde ihres Wesens verstehen sie ihn doch. Sie haben es ja auch nicht anders gemacht. Und es wäre ihnen schließlich ein Rätsel, wenn ihr Junge aus der Art schlüge. Die Dreschmaschine übt nun' einmal eine große Anziehungskraft auf die Dorfjugend aus. Der eigenartige Nimbus bleibt, obwohl durch technische Verbesserungen die früheren romantischen Begleiterscheinungen verschwunden sind. Der ratternde, bellende Bulldogg zieht jetzt mühe- los Dreschwagen, Presse und Werkzeugkarren auf den Arbeitsplatz. Nicht etwa jeden für sich, nein, alle auf einmal. Es dauert nicht lange, da ist auch schon der ganze Betrieb in Ordnung, und es kann sofort losgehen. Wie mühselig war dagegen in früheren Zeiten der Transport! Die rauchgeschwärzte Lokomobile mit ihren breiten Rädern, dem mächtigen Dampfkessel und dem großen' Schwungrad, dem langen Schornstein und allem anderen Drum und Dran hatte ein beträchtliches Gewicht. Vier starke Pferde mußten vorgespannt werden, um das schwarze Ungetüm fortzuschaffen. Wenn es über die Straße rollte, klirrten nicht nur die Fensterscheiben, sondern Teller und Tassen fingen auf dem Tische an zu tanzen. Das war ein Rattern, Knarren und Dröhnen! Peitschen knallten! Pferde wurden angefeuert! Funken sprühten unter den eisenbeschlagenen Hufen! Und hinter dem interessanten Auszug ein Schwarm froher Kinder, die lebhaften Anteil nahmen an dem für sie überaus mistigen Ereignis. Das war einmal und kommt nie den Anschein, als sei es damit noch nicht zu Ende. Der Bauer studiert die Wetternachrichten immer pessimistischer und läßt dabei doch niemals alle Hoffnung fahren ... Nicht wie meist um diese Zeit des Jahres leuchten die Getreidehaufen hellgelb im Feld; fahler ist die Farbe des Strohes geworden unter den starken Regengüssen. So hat der Bauer seine Sorge, an der auch der Städter jetzt mehr Anteil nimmt, als es in früheren Jahren geschah, da man damals fälschlich vielfach glaubte, gegeneinander stehen zu müssen. Heute ist das anders geworden. Wenn man über die Felder geht, bemerkt man hin und wieder junge Menschen, die nicht unmittelbar dem bäuerlichen Lebenskreis angehören. Der Arbeitsdienst ist vielfach mit dabei, und es ist interessant, zu wissen, daß die Mannen des Gießener Arbeitsdienstlagers im Busecker Tal helfen und in der näheren Umgebung der Stadt, daß in der Licher Gegend und in der Wetterau mancher Arbeitsdienstmann aus dem Lager Biedenkopf für die Erntearbeit beurlaubt den Bauern hilft. Nicht jeder kann gleich die Sense in die Hand nehmen (nachdem die Getreidemähmaschine nur in wenigen Gegenden unserer Heimat eingesetzt werden kann), aber es gibt bei der Ernte ja nicht nur zu mähen, sondern auch zu binden, auf Haufen zu stellen, aufzuladen, abzuladen, Tiere zu führen usw. Mit der Sichel das wie gewalzt liegende Getreide zu schneiden hat aber doch mancher gelernt und ist damit dem Bauern zur wertvollen Hilfe geworden. Am vergangenen Sonntag stand auch Gießener SA. zur Erntearbeit bereit, und am morgigen Sonntag werden wieder SA.-Kameraden auf Abruf bereitstehen. Hitler-Jugend und BDM. haben ebenfalls zur Mithilfe bei der Ernte aufgerufen, und der Ruf verhallte nicht ungehört. Wenn Volksgemeinschaft und Verbundenheit zwischen Stadt und Land wachsen und vertieft werden sollen, so geschieht es sicherlich auf diese Weise am besten! Hier wirkt die Tat immer mehr als das Wort. Wie gut ist es auch, daß der Städter dabei aus eigener praktischer Arbeit das Verständnis für den Bauern gewinnt... Wer z. B. am vergangenen Sonntagmorgen den Weg aus der Stadt hinaus fand, vielleicht nur nach MWM -1-r: Sack um Sack füllt sich mit der wertvollen Frucht Wieseck oder nach dem Hangelstein zu, der hörte schon von weitem das Brummen der Dreschmaschinen, die am Dorfausgang nach Alten-Buseck zu, unter eigens dafür errichteten offenen Hallen, ihr Lied erklingen ließen. Viele Hände waren am Werk, um die Stunden zu nutzen. Und wie es in Wieseck war, so wird es auch in mancher anderen Gemeinde gewesen sein. Wir haben zu keiner Zeit und an keinem Tage des Jahres das Recht, etwas verderben zu lassen, was erhalten werden kann. Deshalb muß in dieser Zeit ausnahmsweise auch der Sonntag für die Ernte zu Hilfe genommen werden, wobei man sicher sein kann, daß der Bauer nur dann Sonntags an die Arbeit geht, wenn es unbedingt sein muß! Verdient er doch seinen freien Sonntag redlich und oft schwer genug. ♦ Sicherlich hat sich schon mancher Gedanken darüber gemacht, woher wohl das dumpfe Brummen der Dreschmaschine eigentlich kommt! Die Antwort ist nicht schwer zu geben. Das Kernstück der Dreschmaschine und der Teil der Maschine, der bie eigent» liehe Drescharbeit leistet, ist bieSchlagleisten - t r 0 m m e l, die etwa zur guten Hälfte von einem Mantel umgeben ist, der ebenfalls an feiner Innenseite mit etlichen Schlagleisten versehen ist. Zwischen der Trommel und dem Mantel ist nur ein geringer Zwischenraum, den die zu dreschende Frucht zu passieren hat und in dem sich der eigentliche Dreschvorgang abspielt. Diese Schlagleistentrommel rotiert mit einer Geschwindigkeit von über 1000 Umdrehungen in der Minute. Wird nun diese Vorrichtung mit Korn beschickt, so entsteht das charakteristische Brummen der Maschine, das in weitem Umkreis zu hören ist. Man könnte es auch WAD . - Die Dreschmaschine auf dem Felde, umgeben von schwerbeladenen Wagen, ein Symbol der Erntezeit. , und sorgfältig werden die Säcke zugebunden. M V';: ■ 'N W.? \ .‘v das Hohelied der Arbeit nennen, denn es ist meist das Zeichen dafür, daß der Bauer seine arbeits- reichste Zeit im Jahre hab Arbeit an der Dreschmaschine ist schwer. Die Stunden müssen bis zum äußersten ausgenutzt werden. Ein Wagen soll dem anderen folgen und die Maschine möglichst ununterbrochen im Betrieb sein, wenn der Bauer und der Dreschmaschinenbesitzer auf ihre Rechnung kommen sollen. Haben doch nur die wenigsten Landwirte eine eigene Dreschmaschine, abgesehen von einigen großen und größten Gütern. So geschieht das Dreschen meist im Lohndrusch nach festen Sätzen, die sich nach bestimmten Gesichtspunkten (Stellung von Hilfskräften, Stellung des Betriebsstoffes durch den Dreschmaschinenbesitzer, oder durch den Bauern usw.) richten. Macht pro Stunde soundso viele Mark! Pausen in der Arbeit gibt es nur, wenn die Fruchtart gewechselt wird, wenn Roggen der Gerste oder dem Weizen folgt. Und auch diese Pausen sind kurz bemessen. Die Arbeit der modernen Dreschmaschinen ist universell. Sauber gereinigt rinnt das Korn rasch in die Säcke, in Ballen gepreßt und gebündelt kommt das ausgedroschene Stroh auf verstellbar schräger Bahn aus der Maschine und kann von einem Manne leicht verladen werden. Aller Staub und alle SpSlzen werden von einem Exhaustor aus der Maschine getrieben und durch ein langes Rohr auf einen Haufen oder gleich auf einen Wagen geblasen. Und während von oben her die Maschine eine Garbe nach der anderen verschlingt, füllen sich die Säcke prall und kann auf der anderen Seite ein Wagen Stroh nach dem anderen abgefahren werden. Es ist immer wieder ein bestrickendes Bild, die Dreschmaschine auf freiem Felde bei der Arbeit.zu sehen. Es sieht häufig so aus, als sei eine Wagenburg aufgefahren. Immer stehen mehrere Wagen voll Getreide beisammen, hochbeladen, gleichsam, als warteten sie, an die Reihe zu kommen (es ist ja auch so) und immer neue Wagen rollen an. Wenn aber die Dreschmaschine im Dorf steht, dann wird die Straße häufig genug zum Engpaß. Ein Wagen steht hinter dem anderen, und nur allmählich rücken sie nach. An der Dreschmaschine gibt es immer viel Staub. Er bringt überall in die Kleidung. Die Spelzen (Aufnahmen |7J: Neuner, Gießener Anzeiger.) weber. w _ ., Nun brummt sie schon einige Tage. Ich muh mich erst wieber an sie gewöhnen. Frühmorgens reißt mich das Rattern des Bulldoggs, der die Stelle b r Lokomobile vertritt, aus bem Schlummer, unD ab.nbs kann ich oft vor lauter üßaaengeraffd nicht einschlafen. Aber bamit finbe ich mich ab. Noch zwei ober drei Tage, unb ich merke bie "orenben G rausche nicht mehr. Man gewöhnt sich ja schlietz- lich an alles. . Und bann freue ich mich über das monotone, gleichmäßige Brummen ber Dreschmaschine. Es i|i für mich ein liebes, altes Lieb, bas ich in ber Erntezeit nie missen möchte, weil es mich an so vieles erinnert. Nicht nur an ben nahenben Herbst. Nein, vor allen Dingen an meine glücklichen Jugenbjahre, an das liebe Elternhaus, bie Schulzeit, Äugend- freunbe unb noch manches anbere. Dieses unscheinbare Lieb gibt mir alljährlich viel zu denken. Es ist sehr alt unb boch mit jebem Jahre wieber neu. Es läßt sich nicht in Worte fleiben unb in das Notcnsystem zwängen. Es ist nicht abwechsiurigs- reich, nicht klangvoll und sentimental, und doch i| mir’s so lieb wie das schönste Volkslied. ♦ Aber nicht nur für die Volksgenossen der Dorf- gemeinschast hat das Lied der Dreschmaschine seinen tiefen und immer neuen Reiz, sondern auch fu den Städter ist die Dreschmaschine ein Begriff, bem nichts Alltägliches anhaftet. Auch so mancher Städter, der auf das Dorf kommt, kennt das eigenartig beglückende Gefühl, das jeden erfüllt, wen er am Kornauslauf der Dreschmaschine die Hand aufhält und die kühlen Körner durch die Finger rieseln läßt, die Körner, die Brot bedeuten. Nah. rung für Mensch und Tier, oder aber Saatgu und damit immer wieder neue Nahrung, bie mühsam bem Boben abgerungen werden muh. Wahrhaftig: hart genug abgerungen besonders in diesem Jahr! Dem Bauer, wenn er letzt dreschen kann, ist nichts geschenkt wollen. Wie viele können noch nicht einmal an das Dreschen denken. Noch steht Frucht auf dem Halm, wenn auch das meiste bereits auf Haufen steht! Aber wie lange steht es schon auf Haufen! Ein Regenschauer nach dem anderen ging darüber hin, machte das Getreide naß, unb kärglicher aber stechenber Sonnenschein, ber gleich wieber neue Gewitterregen heraufbeschworte, tr? *11«. tc es wieder. Die Natur wiederholte dieses Spiel in der letzten Zeit reichlich oft, unb es hat nach ben lang- unb kurzfristigen Wettervoraussagen HZ _ Dhonlinfs- Der Wea bes (Betreibe? in bie Dreschmaschine. — Odenrechts: Gepreßt unb gebünbelt wirb bas gebroschene Stroh verloben. Untsn'linksr Der hochbeladene Wagen ^Frucht" fährt vor- Unten rechte Ein moderner Traktor gibt die Nntnchsttast. § W >> W > 4 V? < y'*L«'7«£ 3 \ immer neu finden. Wirtschaft Kirchliche Nachrichten das 115 an, das Geschäft war denkbar gering. An den Aktienmärkten blieben die Kurse in den meisten Fällen nur knapp gehalten, insbesondere Montanwerte bröckelten noch bis 0,50 v. H. ab. Im übrigen war die Mehrzahl der zur Notiz gekommenen Papiere ungar. Vorkriegsrenten lagen etwa behauptet, Geschäft war klein. Der F r e i v e r k e h r lag still. Adlerwerke (115,50), Dyckerhoff Zement 131,50 (130,50). Tagesgeld unverändert 2,75 v. H. Abendbörse knapp behauptet. An der Abendbörse hielt die Zurückhaltung ohne Umsatz. Deutsche Renten lagen ebenfalls geschäftslos, aber unverändert. Oefterr.-ung. Vorkriegsrenten bröckelten z. T. etwas ab, ferner blieben Quoten früherer österr. Eisenbahnanleihen an- geboten. Etwas fester lagen nochmals 4 o. H. Steg- Prior von 1883 mit 9,50 (9,25). U. a. notierten: Altbesitzanleihe 112,75, 6 v. H. IG. Farben 128,50, 6 o. H. Voigt & Häffner 102,50, 4 d. H. Oesterr. Juli-Rente 2, 4. v. H. Ungarn Kronen 2,45, 4Vs d. $). Oesterr. Silber-Rente 3,25, 4 v. 5). Oesterr. Staatsbahn von 1883 9,50, AKU. 61,50, AEG. 38, Buderus 113,50, Conti Gummi 180, Deutsche Erdöl 127,50, Scheideanstalt 272, Licht und Kraft 150, IG. Farben 164,50, Gesfürel 137,50, Goldschmidt 115,75, Harpener 127, Hoesch 109,50, Holzmann 128, Ilse Genuß 135, Junghans 100, Mainkraft 95, Mannesmann 107,50, Muag 119,50, Metallgesellschaft E 134, Rheinstahl 145,50 Frankfurter Obst- und Gemüsemarkt. Frankfurt a. M., 14. Aug. Gemüse: Weiterhin starkes Angebot von Bohnen, Gurken, Rotkraut, Weißkraut und Wirsing. Tomaten knapp, übrige Salat- und Gemüsearten genügend. Geschäft im allgemeinen schleppend, nur Tomaten flott. Ueberstände von Bohnen und Kohlgemüsen. Preise für Bohnen rückläufig, sonst unverändert bzw. sehr gedrückt. 11. a. notierten: Blumenkohl I 45 bis 70, II 30 bis 40, III 18 bis 25; Bohnen: Busch 8 bis 12, Stangen 15 bis 18, Wachs 16 bis 18; Erbsen 17 bis 25; Eskarol 5 bis 10; Gewürze!, großes Bündel 20 bis 30; Gurken 8 bis 15, Einmachgurken, 100 Stück, Essig 0,70 bis 1,10, Salz 1,20 bis 1,50; Karotten 4 bis 5; Kartoffeln: Böhms 4,00 bis 4,30; Kohlrabi 3 bis 5; Kopfsalat 4 bis 10; Pfifferlinge 24 bis 27, Steinpilze 28; Rettich 7 bis 12; Römischkohl 5; Rote Rüben 5 bis 7; Rotkraut 3 bis 5; Sellerie, Stück 10 bis 20; Spinat 12 bis 15; Tomaten 20 bis 30, 16 bis 19 (ital.); Frühweißkraut 3 bis 4; Wirsing 3 bis 5; Zwiebeln: Gärtner 5 bis 5V2, Pfälzer und Sachsen 5 bis 6. Am Obstmarkt bestand sehr gutes Angebot von Mirabellen und Zwetschen, ferner von Aepfeln und Birnen. Absatz von Mirabellen und Zwetschen befriedigend, im übrigen sind nur Früchte bester Beschaffenheit zufriedenstellend gefragt. Preise für Aepfel, Birnen, Mirabellen und Zwetschen leicht rückläufig, sonst fest. U. a. notierten: Sommeräpfel 15 bis 25, Falläpfel 5 bis 6, Gravensteiner 27 bis 32 (ital), ungar. 22 bis 26; Bananen, 12V2=kg= Kiste 6,00 bis 7,00 (Kam.), 7,50 bis 8,50 (Westind.); Birnen I 12 bis 22; Klopps 20 bis 30, Dr. Guyot katholische Gemeinden. Samstag, den 15. August. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. Sonntag, 16. August, 11. Sonntag nach Pfingsten. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunion der Kinder; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 14.30: Andacht. — Grünberg. 9.45: Hochamt mit Predigt. — Hungen. 8: Hochamt mit Predigt. — Laubach. 10: Hochamt mit Predigt; 14.30: Andacht. — Lich. 10: Hochamt mit Predigt; 20: Andacht. — Nidda. 8.15: Hochamt mit Predigt.— Schotten. 10.30: Hochamt mit Predigt. Mittwoch, den 19. August. Hungen. 6.15 Uhr: Messe. Oeffeutticher Sonntagsdienst. Polizei: Telefon 2751, nur tu bringenden Notfällen Telefon 01. Feuerwache: Telefon 2244/45, Notruf Telefon 02. Hauptpostamt: Beschränkter Schalterdienst 8 bis 21 Uhr. Stadtpoftamt: Für Schließfachabholer I bis 13 Uhr. Sanitätskolonne: Telefon 2500. Falls behandelnder Arzt nicht zu erreichen: A e r z t e : Dr. Hofmann, Dr. Geyer. Zahnarzt: Dr. Schmidt, Wilhelmstraße 12. Apotheke: Engel-Apotheke. 22 bis 28, Kochbirnen 8 bis 10; Brombeeren 25 bis 30; Mirabellen 25 bis 32; Pfirsiche 28 bis 42, ital. 37 bis 45; Pflaumen 20 bis 22; Susinen 30 bis 35 (ital.); Preiselbeeren 24 bis 25; Reineklauden (grüne) 16 bis 20; Trauben (brutto) 28 bis 34 (ital.); Zwetschen 18 bis 22; Zitronen, 300 Stück 16,75 bis 18,00. Frankfurter Vuttergroßmarkt. Frankfurt a, M., 14. Aug. Auf dem Bitt- termarkt konnte trotz des leichten Rückgangs der Erzeugung unserer Molkereien der Bedarf durch ausreichende Zuweisungen der Reichsstelle restlos gedeckt werden. Es notierten in Mark per 50 Kilo, gramm frei Frankfurt a. M. (Großhandelsoerkaufs, preise an den Kleinhandel):,Deutsche Markenbutter 148, Feine Deutsche Molkereibutter 145, Deutsche Molkereibutter 140 bis 142, Landbutter 125. Hol- ländische Markenbutter 148. Auf den Fettmarkten ist die Lage im wesentlichen unverändert, auch die Preise. Es notierten: Margarine A) 97, B) 86, C) 56. Deutsches Schmalz 100. Frankfurter Eiergroßmarkt. Frankfurt a. M., 14. Aug. Die Eieroersor. gung hat sich in den letzten Tagen wesentlich gebessert. trotzdem aus den Erzeugergebieten nur wenig Ware an die Hauptverbrauchsplätze gelangte. Der Bedarf wird hauptsächlich durch Auslandsware, besonders aus dem Osten und Dänemark, sowie durch Zufuhren aus deutschen Ueberschußgebieten gedeckt. Auch Kühlhauseier sind dem Markt wieder zugeführt worden. Es notierten in Pf. pro Stück frei Frankfurt a. M. (Großhandelsverkaufspreise an den Kleinhandel): Deutsche Markeneier (Frischware) S 12% bis 13, A 11% bis 12, B 103/4 bis 11, C 10 bis 10%, D 9 bis 9%. Bulgaren A 10. Holländer (Kühlhaus) A 10%, B 10. 230 OOO-M.-Schenkung für die Technische Hochschule Darmstadt LPD. Darmstadt, 14. Aug. Der Reichsstatt. Halter in Hessen — Landesregierung — hat eine Schenkung von 230 000 Mark an die Technische Hochschule Darmstadt als letztwillige Verfügung von Ungenannt genehmigt, ebenso eine Schenkung in Höhe von 9800 Mark von Ministerialrat Dr.-Jng. e. h. Carl Hofmann (Darmstadt) zur Förderung bedürftiger Studierender der Architekturabteilung der Technischen Hochschule (Carl-Hofmann-Stiftung). ders unangenehm bemerkbar, indem sie allenthalben zu kitzeln beginnen. Aber das ist man auf dem Lande ebenso gewohnt, wie den Schweiß, der an heißen Tagen an der Dreschmaschine vom Körner besonders stark aus den Poren der Schaffenden bringt. * Schön ist für den Bauern bei seiner Arbeit an der Dreschmaschine immer wieder das Bewußtsein: fast unverändert. Die Märkte waren schnell geräumt. Der Schweinemarkt brachte einen weiteren Rückgang auf insgesamt 3469 (3969) Tiere. $e= sonders in Frankfurt und in Mainz drückte sich dies aus. In Frankfurt standen 2189 (2344), in Mainz 319 (551) Stück zum Verkauf, Wiesbaden erhielt 610 (695), Darmstadt 351 (379) Stück. Die Qualität war in Frankfurt und Darmstadt mittel bis gut, in Wiesbaden gut, dagegen in Mainz gering. Die Tiere wurden den Metzgern zugeteilt. Auch auf den Schafmärkten nahm das Geschäft bei anziehenden Preisen einen flotten Verlauf, die Nachfrage war lebhaft. Die zugeführten 155 (151) Tiere waren von mittlerer Qualität und wurden ausverkauft. Der Auftrieb verteilte sich auf Frankfurt auf 112 (136), auf Wiesbaden mit 29 (—) und auf Darmstadt mit 14 (15) Stück. Mein-Mainische Börse. Aktien schwacher. Frankfurt a.M., 14. Aug. Die rückläufige Bewegung der letzten Tage am Aktienmarkt setzte sich auch heute bei anhaltender Geschäftsstelle fort. Es lagen in einigen Werten kleine Abgaben der Kundschaft vor, auch die Kulisse schritt zu weiteren Verkäufen, während Aufnahme kaum vorhanden war. Im Durchschnitt ließen die Kurse 1 v. H. nach. Von Montanaktien gaben Verein. Stahl 1,25 v. H., Mannesmann 1 v. H., Hoesch 0,75 v. H., Klöckner 0,50 v. H. und Rheinstahl 0,65 v. H. nach, auch Otavi Minen weiter abbröckelnd auf 32,50 (32,90). Die Farben-Aktie ermäßigte sich auf 164,75 bis 164,50 (165,75), Deutsche Erdöl —0,75 v. H. Elektroaktien lagen ebenfalls schwächer, Felten 132,40 bis 131,75 (133), Schuckert 156,25 (157,50), ferner Siemens 0,75 v. H., RWE. 0,25 v. H., Mainkraft 1 v. H. und AEG. 0,13 v. H. niedriger. Von Maschinenaktien büßten Moenus 1,50 v. H. ein, Muag etwa 1,75 v. H. niedriger. Sonst eröffneten Reichsbank 1,50 v. H., Zellstoff Aschaffenburg 1,40 v. H., Westdeutsche Kaufhof 0,90 v. H., Rheinmetall 0,50 v. H. und Kunstseide Aku mit 61,75 bis 61 1,13 v. H. schwächer. Nach den Anfangsnotierungen herrschte weiter Zurückhaltung. Der Rentenmarkt konnte sich bei sehr kleinem Geschäft behaupten. Etwas höher lagen Zinsvergütungsscheine mit 9320 (93,15), auch Städte- Altbesitz blieben zu unv' 113,50 gefragt. Zertif. Dollar-Bonds bröckelten 0,25 v. H. ab, auch Altbesitzanleihe mit 112,75 (112,90) nur knapp gehalten. Späte Schuldbuchforderungen und Kommunal- Umschuldung lagen unverändert. Im Freiverkehr zeigte.sich weiteres Interesse für die österr.-ungar. Vorkriegsrenten, vorerst blieben die Kurse auf der erhöhten Abendbörsenbasis unverändert. Infolge der anhaltenden Geschäftsstille bröckelten die Aktienkurse verschiedentlich noch leicht ab, später zeigte sich auf dieser Basis etwas Widerstandskraft. IG.-Farben schwankten zwischen 164,75 bis 165 nach 164,50, Verein. Stahlwerke zwischen 109,75 bis 109,25 nach 109. Von später notierten Werten büßten Goldschmidt 1,65 v. H. auf 115,40 und Scheideanstalt 1 v. H. auf 272 ein. Zement Heidelberg trotz der günstigen Absatzlage in Süddeutschland schwächer mit 146.25 (147,50). Der Rentenmarkt lag im Verlauf geschäftslos. Goldpfandbriefe und Kommunal-Obligatio- nen blieben unverändert, von Liquidationswerten Meininger 101,75 (101,40) und Franks. Hyp. 101,20 (101,05). Stadtanleihen lagen unverändert, etwas höher Wiesbaden mit 93,40 (93). Don Provinzanleihen Oberhessen mit 125 (124) gesucht. Auslandsrenten lagen sehr still, etwas fester 5proz. Rumänen mit 6,75 (6,60), ferner 4prozentige Steg- Prioritäten von 1883 mit 9,25 (9), dagegen Kro- nen-Bosnier schwächer mit 7,95 (8,20). Oesterr.- Evangelische Gemeinden, katholische Gemeinden. Sonntag, 16. August. 10. Sonntag nach Trinitatis. Gießen. Stadtkirche. 8 Uhr: Pfr. Trapp; zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Mat- thäusgemeinde; 9.30: Pfr. Becker; 11: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde; Pfr. Becker. — Jofjannes- kirche. 8: Pfr. Bechtolsheimer; zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Lukasgemeinde; 9.30: Pfarrassistent Dauth; 11: Kinderkirche für die Johannesgemeinde; Pfr. Ausfeld; 20: im Johannes- faal; Bibelbesprechung; Pfr. Trapp. — Kapelle des Alten Friedhofs. Wegen Herrichtung geschloffen. Hauptgottesdienst: siehe Johanneskirche; Kinderkirche 11 Uhr Luthersaal; Pfarrassistent Wolf; Christenlehre 11 Uhr Johannessaal. — Pelruskapelle (Wetzlarer Weg 59). 9.30: Pfr. Trapp; 10.45: Kinderkirche für die Petrusgemeinde; Pfr. Trapp. — Wieseck. 9.30: Missionar Walther; 10.45: Christenlehre; 15: Bibelstunde. — Oppenrod. 8.15: Gottesdienst. — Albach. 9.15: Gottesdienst und Kollekte. — Steinbach. 10.15: Gottesdienst und Christenlehre. — Rödgen. 10: Gottesdienst. — Annerod. 12.30: Gottesdienst. — Heuchelheim. 10: Hauptgottesdienst. — Daubringen. 8.30: Gottesdienst. — Kirchberg. 10: Gottesdienst; 11: Christenlehre für die weibliche Jugend. — Treis an der Lumda. 10: Hauptgottesdienst; 11: Katechisnms- lehre. — Klein-Linden. 9: Gottesdienst mit Christenlehre für die männliche Jugend; Kollekte; 10.30: Kindergottesdienst. — Garbenteich. 10: Gottesdienst und Christenlehre. — Hausen. 12.30: Gottesdienst und Christenlehre. — Lich. 9.30: Stistspfarrer Naumann. — Rieder-Vessingen. 13.30: Stiftspfarrer Naumann. — Langsdorf. 11: Hauptgottesdienst. — Bettenhausen. 8.45: Jugendgottesdienst; 9.30: Hauptgottesdienst. — TNünzenberg. 10.30: Gottesdienst; 11.30: Christenlehre. — Trais-INünzenberg. 8.30: Gottesdienst mit Christenlehre. — Hungen. 10: Gottesdienst; Pfr. Schäfer (Obbornhofen). — Alten- Vuseck. 10: Gottesdienst; 11: Christenlehre. Mittwoch, den 19. August. Gießen. Stadlkirche. 20.30 Uhr: Abendandacht. Donnerstag, den 20. August. Gießen. Johanneskirche. 20 Uhr: Bibelstunde im Johannessaal. Evangelische Sladtmifsion, Löberstraße 14. Sonntag, den 16. August. 8.30 Uhr: Morgenandacht; 20.30: Evangelisationsvortrag. — Mittwoch, den 19. August. 20.30: Bibelstunde. Gemeinschaft innerhalb der Kirche (Landeskirchliche Gemeinschaft), Gutenbergstraße 9. Sonntaa, den 16. August. 20.30 Uhr: Evangelisationsstunoe. — Mittwoch, den 19. August. 20.30: Bibelstunde. — Donnerstag, den 20. August. 20.30 Uhr: Jugendbundstunde. Christliche Gemeinde, Zu den Mühlen 2. Sonntag, den 16. August. 9.30 Uhr: Erbauungsstunde; 20.30: Evangelisation. — Dienstag, den 18. August. 20.30 Uhr: Bibel- und Gebetstunde. Vaptislengemeinde, Gartenstraße 13. Sonntag, den 16. August. 11 Uhr: KindergottesdiLnst; 20.30: Predigt. — Donnerstag, den 20. August. 20.30: Bibelstunde. Mein-mainischer Getreidemarkt. Dorn 5. bis einschließlich 10. August war das Wetter trocken mit häufigen Winden und meist ! warm, so daß das auf dem Felde in Garben | stehende Getreide trocken eingebracht werden i konnte, bevor es größeren Schaden gelitten hatte. ! Infolge der gebesserten Aussichten haben die « Mühlen Weizen zur Lieferung in der ersten S Hälfte August zum alten Preis seit Ende der ersten I Augustwoche nicht mehr aufgenommen. Dagegen 1 werden Käufe zur Lieferung in der zweiten Monatshälfte getätigt. Für spätere Lieferung im | September und Oktober sind die Abschlüsse selten, I weil die Mühlen zunächst den Ausfall der ersten ' Sendungen abwarten wollen. 1 Die Roggenzufuhren aus Starkenbura und Rheinhessen und der Wiesbadener Gegend haben । etayas zugenommen, reichen aber keineswegs zur Bedarfsdeckung aus. Wintergerste zu Futterzwecken ist nicht am Markt, da die Erzeuger sie zunächst selbst behalten wollen und aus Norddeutschland noch keine Zufuhren erfolgt sind. Der Umstand, daß die Zuschußgebiete für Futtergerste niedrigere Preise haben als die Überschußgebiete, erschwert ihre Versorgung. Zweizeilige Wintergerste zu Jndustrie- z w e ck e n ist in ausreichendem Umfange am Markt. An Sommergerste zu Brauzwecken sind die ersten Sendungen von Mittel- und Norddeutschland hereingekommen, doch ist das Geschäft ruhig, weil die Brauereien und Mälzereien infolge der hohen Forderungen zunächst die weitere Entwicklung abwarten wollen, zumal vorläufig Angebote aus der hiesigen Gegend nur vereinzelt vorliegen. Hafer alter Ernte ist noch genügend vorhanden, während die Zufuhren aus neuer Ernte noch nicht begonnen haben. Weizenmehl ist weiter lebhaft begehrt und wird von den Käufern meist bei den Mühlen ab- geholt. An Roggenmehl besteht zur Zeit Mangel, weil auch ostpreußisches Mahlgut auf dem Wasserwege zu langsam herankommt. Weizenkleie ist zur Zeit kaum erhältlich, auch Roggen kl eie ist sehr knapp. Ebenso fehlt Weizenfuttermehl am Markt. Biertreber liegen etwas fester und sind knapper geworden, der Preis erhöhte sich auf 15,00—15,25 RM. (gegen 14,75—14,85 RM.) je 100 Kilogramm, während Malzkeime im Preise unverändert und genügend erhältlich sind. Kar- toffelflocken sind nicht zu beschaffen. Trockenschnitzel stehen aus einer kürzlichen Zuteilung zur Verfügung. Auch in Mischfu11er sind ausreichende Bestände vorhanden, die etwas besser als seither verkauft werden. An neuem Heu sind Zufuhren und Bedarf unbedeutend. In neuem Stroh liegt das erste Angebot zu niedrigen Preisen vor, doch wird bei der Bedarfsdeckung Stroh aus alter Ernte bevorzugt, weil das neue Stroh durch die lange Regenzeit und vielfaches Lagern meist gelitten hat. Rhein-mainische Diehmärkte An den Großviehrnärkten sind Weidetiere noch kaum zugetrieben, doch dürften in der nächsten Zeit solche zu erwarten sein. Die Gesamtzufuhr war mit 452 (455) Tieren nahezu unverändert. Auf Frankfurt entfielen 292 (285), auf Mainz 105 (131) und auf Wiesbaden 55 (39) Stück. Die Qualitäten waren in Frankfurt mittel bis gut, in Mainz und in Wiesbaden mittel. Auf allen Märkten erfolgte weiterhin Zuteilung. Die fehlenden Mengen an Lebendvieh wurden durch Zuführen von ausländischem Frisch- und Gefrierfleisch ergänzt. Am Kälbermarkt wurden wiederum höhere Preise bewilligt, die Märkte nahmen durchweg einen sehr lebhaften Verlauf. Die Qualitäten lagen allgemein bei mittel. Die Gesamtbeschickung lag mit 1830 (1789) Tieren etwas höher, besonders am Frankfurter Markt war der Auftrieb mit 1122 (910) Stück beachtlicher, auch Wiesbaden hatte mit 371 (272) nahezu 100 Tiere mehr, in Darmstadt standen mit 100 (70) 30 Stück mehr zum Verkauf, dagegen hat sich die Zufuhr in Mainz um rund 100 Tiere auf 237 vermindert. In Frankfurt und Wiesbaden zogen die Preise erneut um etwa 5 Mark an, dagegen blieben sie in Mainz und Darmstadt fliegen in der Lust herum und machen sich befon- in den gefüllten Säcken ist der Lohn der Jahres- " " * arbeit geborgen, gesichert um so mehr, als ihn die Marktordnung im Dritten Reich davor schützt, das Opfer einer Spekulation zu werden, die ihn in vergangener Zeit häufig genug schwere Enttäuschungen bereitete. Sv ist die Dreschmaschine fast ein Symbol zu nennen, ein Abschluß und ein Teil eines Kreislaufes, in dem sich Gott, Natur, Mensch und Maschine in steter Wechselbeziehung Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v.H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Frankfurt a. M. ^Berlin Schlußkurs Schlußk. Abendbörse Schlußkurs Schlußk. Millag- börse. Datum 13-8. 14-8- 13.8 14-8. 6% Deutsche Rerchsanlethe v. 1927 101,4 98,13 101,4 101,4 101,4 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 98,25 98,13 98,25 5Vt% Young-Anleihe von 1930 .. Seutjcfre Anl.-Ablös.-Schuld mii 102,5 102,25 102,25 102,2 Ausloj.-Rechten ............ *yt% Deutsche Reichspostschatzan 112,9 112,75 112,75 112,65 Weisungen von 1934, I....... iyt% ehem. 8% Hessischer BolkL 100,3 100,2 100,25 100,25 staat 1929 (rückzahlb. 102%) ... 4*/i% ehem. 8% Hessische Landes 98,75 98,75 — — banl Darmstadt Gold SR. 12... 6*/2% ehem. 4'/,% Hess. Landes 97 97 97 — Hypothekenbank DarmstadtLiau. 4¥t7o ehem. 8% Darmst. Komm Landesb.Goldschuldvertchr. R.t> Oberhessen Provinz-Anleihe mli 100,9 100,9 — — 93,75 93,75 — — Auslos.-Rechten ............ Deutsche Komm. Sammelabl. An 124 125 — leihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten 4*4% ehem.8% Franks. Hyp.-Banl — 120 120,2 120,13 Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935 6y2% ehem. 454% Franks. Hyp. Bank-Liqu.-Pfandbriese....... 5*4% ehern. 4*4% Rheinische 97 97 — — 101,5 101,2 •— — Hyp.-Bank-Ltqu.-Goldpfe. ... 4¥i% ehem. 8% Pr. Landespfand- 101,4 101,4 101,5 101,25 briefanstalt, Pfandbriefe R: 19 4*4% ehem. 7% Pr. Landespfand 97,5 97,5 97,5 97,5 briesanst., Gold Komm. Obl.20 95 95 95 95 Steuergutich.Berrechnungsk. 84-38 109,6 109,6 109,6 109,6 4% Oesterreichische Goldrente... — 29,4 29,5 29,75 4,20% Oesterreichische Silberrente 3,4 3,25 3,25 3,15 4% Ungarischs Goldrente....... 9,2 9,1 9,15 9,25 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 8,6 8,75 8,6 44% desgl. vod 1913.......... 8,75 8,9 8,85 9 5% abgest. Goldmexikaner von 99 4% Türkische Bägdadbahn-Anleihe 14,13 14,4 14,2 14,4 Serie 1................... —- — Frankfurt a.M. Berlin Schlußkurs Schlußk. Abend» börs» Schlußkurs Schlußk. Millagbörse Datum 13-8. 14-8. 13.8. 14-8. 4% veegl. Serie 11........... — — 9,8 9,3 5% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 6,6 6,75 6,7 6,9 4y,%Rumän.vereinh.Rentev.l913 10,05 10,1 10,1 4% Rumänische vereinh. Rente 5,65 5,65 5,6 5,65 2y«°/<> Anatolier............ 46 46,25 46 45,75 Hamburg-Amerika-Paket ..... 0 14,9 14,65 15 14,4 Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 — — 42,5 42 Norddeutscher Lloyd ......... 0 15,5 15,5 15,25 15,4 Ä.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 117 116,5 117 116,4 Berliner Handelsgesellschaft ... 6 124,5 124,75 125,25 124,9 Commerz, und Privat-Bank ... 4 100,5 100,25 100,5 100,25 Deutlche Bank und Disconw- Gesellschaft................ 4 102,75 102,25 102,75 102,25 Dresdner Bank.............. 4 103 102,5 103 102,5 Reichsbaak ................ 12 193,5 192 193,75 192 A.E.G...................... 0 38,13 38 38,25 37,9 Bekula..................... 8 155 155 155,25 154,75 Elektr. LieferungSgelellfchast ... 6 127 127,5 127,5 127 Licht und Kraft ............. 7 151,5 150 151 149,5 Felten & Guilleaume......... 4 133 131,75 132,5 131,5 Gesellsch.f.Elektr.Unternehmung. 6 137,5 137,5 138,25 138,25 Rheinische Elektrizität ........ 6 —— — — —— Rhein. Wests. Elektr.......... 6 132 131,75 131,4 131,25 Schuckert LEo............... 6 157,5 155,5 157,5 156 Siemens L Halske............ e 197 196,25 196,75 196,25 Lahmeyer & Co.............. 7 141,13 141 141,5 141,25 114,5 113,5 115 113,5 Deutsche Erdöl ............. 4 128,75 127,5 128,25 127,25 Harvener................. 2*/. 127,5 127 127,25 127,5 Hoesch Eisen-Köln-Neuessen . 3 110,75 109,5 111 110,25 Ilse Bergbau .............. 6 —— —— — —— Ilse Bergbau Genüsse....... 6 135,5 135 135,25 134,5 Klöcknerwerke .............. 9 114,5 113,5 114 113,75 Mannesmann-Röhceu........ 9 109 107,5 109,25 108 Frankfun a. M. Berlin Schlußkurs Schlußk. Abendbörse Schlußkurs Schlußk. Millagbörse Datum 13.8. 14.8. 13.8. 14-8. Mansselver Bergbau....... sy. — -— 151 150 Kokswerke................ . 6 — — 131,25 130,5 Rheinische Braunkohlen .... 12 222 —— 221 220 Rheinstahl................ . 4 145,65 145,5 145,25 145,5 Vereinigte Stahlwerke...... »y. 110,25 108,9 110,5 109,13 Otavi Minen ............. .. 0 32,9 32,5 33 32,25 Kaliwerke Aschersleben...... .. 5 — 125 126 125 Kaliwerke Westeregeln...... .. 5 123 121,5 122 119 Kaliwerke Salzdetfurth ..... 7% — 173,25 171,25 I. G. Farben-Industrie..... .. ? 165,75 164,5 165,75 164,65 Schetdeanstall............. .. 9 273 272 — Goldschmidt .............. .. 5 117 115,75 117 115,5 Rütgerswerke............. .. 6 130 131 130 130 Metallgelellichast........... .. 5 135 134 135 134,5 Philipp Holz mann......... .. 4 127 128 127,25 128,25 Zementwerk Heidelberg .... Eementwerk Karlstadt....... ::i 147,5 154 146,25 154 - Schultheis Patzenhofer ..... .. 4 — _ 107 107 Aku (Allgemeine Kunstseide) .. 0 62,13 61,5 62,25 61,65 Bemberg.............. .. 6 86 85,5 86 85,25 Zellstoff Waldhof .......... .. 6 149 148,5 148,5 148 Zellstoff Aschaffenburg ..... .. 0 123,4 120,5 123 121 Dessauer Gas............. .. 7 — — 110,13 109,75 Daimler Motoren.......... .. 0 127 126 127,75 126,5 Deutsche Linoleum......... .. 8 168,5 168 169 167,75 Oren stein & Koppel ....... .. 0 86,13 85,5 Westdeutsche Kaufhof...... .. 0 54,25 53,5 54,25 53,65 Chade................... .. $ 394 390 393 392,5 Accumulatoren-Fabrik..... . 12 204 203,5 207,25 204 Conti-Gummi............ . 11 183,65 180 183,25 180,5 Grttzner................. .. 0 I 35 I 35 1 35,13 Mainkraftwerke Höchst a.M. .. 4 96 95 - [ 34,75 Süddeutscher Zucker...... . 10 1 214 1 214 1 - Devisenmarkt Berlin — Frankfurt Buenos Arre 0,688 0,692 0,688 0,692 Brüssel .... 41,94 42,02 41,92 42,00 Rio de Jan. 0,146 0,148 0,146 0,148 Sofia..... 3,047 3,053 3,047 3,053 Kopenhagen 55,83 55,95 55,83 55,95 Danzig .... 46,80 46,90 46,80 46.90 London.... 12,505 12,535 12,505 12,535 Heljingfors. 5,514 5,526 5,514 5,526 Paris ..... 16,38 16,42 16,38 16,42 Holland ... 168,93 169,27 168,89 169,23 Italien.... 19,57 19,61 19,57 19,61 Japan ..... 0,730 0,732 0,730 0,732 Jugoslawien 5,654 5,666 5,654 5,666 Oslo..... : 62,84 62,96 62,84 62,96 Wien...... 48,95 49,05 48,95 49,05 Lissabon ... 11,36 11,38 11,36 11,38 Stockholm... 64,47 64,59 64,47 64,59 Schwerz ... 81,09 81,25 81,05 81,21 Spanten... 31,86 31,92 31,86 31,92 Prag....... 10,27 10,29 10,27 10,29 Budapest .. — — — Reuhork ... 2,488 2,492 2,488 2,492 Berlin, 14-Auaust Gelb Brief Amerrtanyche Noten.............. 2,44 2,46 Belgische Noten.................. 41,76 41,92 Dänische Noten ................. 55,63 55,85 Englische Noten ................. 12,47 12,51 Französische Noten............... 16,33 16,39 Holländische Noten............... 168,47 169,15 Italienische Noten................ — — Norwegische Noten .............. 62,62 62,88 Deutsch Oesterreich, ä 1OO Schilling —— —— Rumänische Noten............... — —— Schwedische Noten............... 64,25 64,51 Schweizer Noten................. 80,87 81,19 Spanische Noten............ . .. 31,53 31,65 Ungarische Note» ................ Wandern und Reisen ♦ Bäder und Sommerfrischen. all Lin bayrisches Königsschioß Neuschwanstein. — (Scherl-Bilderdienst-M.) die Dr. A. S. Geistes und seines Glückes. Nervös-Erschöpfte und rheumatische Leiden Burgen Zeit, als Ostgoten am Lech dem Edelsten gehören, was malerei hervorgebracht hat. schmacksrichtung des Königs Stoffe dieser Bilder meist Wagners entnommen, der Der damaligen Ge- entsprechend, sind die den Werken Richard Gralsage und dem Spezialkuranstalt Hofheim 7 ^Taunus) Mäßige Preise. Dr. M. Schulze-Kahleyss, Vervenarzt Eine Einladung an dieser Stelle z. Besuch Ihres Hauses führt zu Gästen aus Gießen u JOberb. wi'V prüngen feste chon zu jener Römer und durch den Paß schein, Hochgebirgsnächte mit ihrer erhabenen Ruhe und der hinreißende Kampf mit der Natur in ihren Gestalten sind sein Lohn. Nibelungenring, aber auch der modernen bayeri' schen Geschichte und dem deutsch-französischen Kriege. So wurde Neuschwanstein nicht bloß ein Pracht- bau, sondern auch ein wirkliches fürstliches Heim. In diesen stolzen Räumen vollzog sich auch der Schlußakt seines tragischen Lebens. Hier erschien am 10. Juni 1886 die Staatskommission, die dem König seine Absetzung mitteilen und ihn den Irrenärzten übergeben sollte. Drei Tage danach entzog er sich seinen Wächtern auf immer. Liegt auch der Leib des Königs in der Münchener Michaelskirche, Schloß Neuschwanstein ist das Grabmal seines zogen. Nach dem Verfall der Burgen erstanden zwei von ihnen wieder durch zwei bayerische Könige, die Schlösser von Hohenschwangau undNeu- schwanstein. Das kleinere, Hohen- ch w a n g a u, wird wiederholt in der deutschen Geschichte genannt. Hier empfing ein deutscher König die Gesandtschaft des ungarischen Königs Stephan, hier dichtete der Minnesänger Hiltebold seineLieder, von hier zog der letzte Hohenstaufe Konradin in sein welsches Verderben. Später rasteten hier nach der Jagd sind die Wände mit Bildern geschmückt, die mit zu die deutsche Fresko- das prächtige Steinportal des Schlosses und schönen Stemmetzwerke an den vielen Tor- und Auf ins schöne Mainial Frendenberg Perle des Maintals umyeb.v.Laub-u.Tannenw „schön, r^reib.biet. herrl.Sommeraufenth. Gasth. u. Pens. „Zur Rose“. Sch.Frerndz. fl.Wasser,gute Vervfl.Pens.-Preis vLL0an.o«^vgo^lll.Prospch.GA. Flensungerhos Mücke iiiiiiiimiiuiiimiM Christ!. Erholungsheim. Herrliche Höhenluft, ländl. Stille, viel Walo, gute Bervsiegung, 4 Mahlz., Rad i.Hse. Biele Ausllugsmöalichkeiten.Tägl. Andachten. Werbeschrift auf Berlanaen. Tagespreis Mk. 3-3.50 und 10% gesetzlicher Redienungsunchlag. ishD Spätsommer am Reer. Don Werner Schumann. Täglich schenkt uns das Meer neue Freude am Leben. Eine unvorstellbare Kraft der Verjüngung geht von ihm aus. Sein nie ruhendes Derwand- lungsspiel bannt uns in jeder Minute. Wie oft wollten wir abreisen! Aber es ließ uns nicht los, es machte es uns gar zu leicht, den Wiederbeginn der bürgerlichen Ordnung und Verantwortung in uns immer weiter hinauszuschieben. Wenn wir in der Frühe ans Fenster traten, lag der stille Silberschimmer der Morgensonne über den Wassern. Er schwankte, je nach dem Zuge der Wolken, bald hier-, bald dorthin und wirkte in der kühlen Tageshelle wie ein Scheinwerfer, der am Horizont die noch fernen, der Küste zusteuernden Schiffe anstrahlte. Möoen hockten unbeweglich zwischen den verlassenen Sttandburgen — ihre Spuren fanden wir später im Sand — die abgetakelten Masten der Segler bewegten sich leise in der glashellen Luft, ein Vogelzug strich rasch vorüber und bald erschien der erste Wassertreter zum Training. Sein Strandlauf wurde zuweilen von Sprüngen unterbrochen, denn die bewegte See hatte während der Nacht Tang und Muscheln, morsches Holzwerk und nicht selten auch abgetriebene Bojen ausgespien. Es war wochenlang das fast gleiche, morgendliche Bild, und doch kam uns niemals der Gedanke, daß wir uns je daran sattsehen könnten. Ohne Eile, ohne die geringste Anwandlung von Ueberdruß am faulen Leben und so heiter, als hätten wir nie Ulttmo-Sorgen gekannt, gingen wir einen wald- bewachsenen Berg hinab ans Meer, das nun, von sanfter Brise angerührt, der Sonne immer gewaltiger entgegenzuschwellen schien. Der Wiederschein des Meeresgrundes überzog das monotone Schiefergrau mit leuchtenderen Farben, lichtgrüne, tiefblaue und violettschimmernde Felder verloren sich in der Weite, die gegenüberliegende, vom Nebeldunst getarnte Küste stteg sagenhaft wie Atlantis aus den Wogen. Solche Bilder im Auge, das stete Auf und Ab der Wellen im Blut, lagen wir vorm Strandkorb an den hochgeschaufelten Sandwällen, von denen es unmerklich herabrieselte. Der frische, aber sich von Stunde zu Stunde mehr erwärmende Wind spülte über unsere braunen Körper, wehte uns Flugsand ins Haar und trieb weiße Wolkenschwärme eilig durch die Himmelskuppel. Der Sttand hatte sich unterdes wimmelnd belebt: Kinder machten sich wichtig ans Werk, ihre vom Sturm zerstörten Miniatur-Burgen wieder aufzurichten, Kanäle tief in den Sand hinein zu ziehen ober mit Eimer und Netz auf Krebsfang zu gehen: ernste, bebrillte Männer mit Denkerstirnen suchten den Sand nach wohlgeformten Muscheln ab, um im Buraen-Wettbewerb konkurrieren zu können oder fahndeten, knietief im Wasser watend, nach den gefürchteten, schirmförmigen Feuerquallen, von deren Berührung bei der mittäglichen Schwimmtour eine schlaflose Schmerzensnacht gewiß war. Wieder andere belustigten sich beim Ring- und Ballspiel oder stellten sich gruppenweise dem Photographen, der mit allerlei Scherzen auch den Würdigsten in einen Kamelreiter zu verwandeln vermochte. Unaufhaltsam vollzog sich des Tages Wandel. Unter der vollen Mittagssonne, im goldgelben Licht des zur Neige gehenden Sommers, zogen die Segelschiffe tief geneigt ihre gewagten Kurven, federleichte Paddler tanzten auf den Wogen und verschwanden sekundenlang zwischen den weißen Schaumkämmen, Motorkreuzer zogen ruhig ihre Bahn. Und aus der Ferne rollte dumpf und langgezogen Geschützdonner von Schlachtkreuzern und Torpedobooten herüber, die auf hoher See manövrierend ihre Kräfte maßen. Das kreischende Schauspiel des Badens begann ... Nach dem Mittag schliefen wir im lockeren Sand, in einer großen, atmenden Stille, so daß wir vermeinten, Der warmen Erde Herzschlag zu spüren. In unserem Rücken rieb sich die windbewegte Stranddistel. Hier, auf der Scheide von Wasser und Land, von Beweglichem und scheinbar Ruhendem, in der Zone des Ausgleichs, schenkte uns diese Mittagsstunde immer die glücklichsten, die beruhigendsten Versicherungen. Nahe dem Meer, den Wolken und den weit ins Land dringenden Eichenwäldern, dünkten wir uns den Wolken oft am nächsten. Die leisen, die verhaltenen Zeichen des Lebens — find sie nicht die überwältigendsten? Bald glättete sich die unendliche Wasserfläche, wie tfon unsichtbarer Hand angerührt, unser kleines, leichtes Boot glitt darüber hin, beinahe lautlos und in beglückendem Gleichmaß tauchten unsere Ruder in die Flut. Don Zeit zu Zeit hoben wir sie auf und ließen uns und unsere Gedanken treiben. Wir erwarteten den Wellenschlag der großen Dampfer, senkten den Arm bis zum Ellenbogen ins Waller und ließen die wechselnden Uferbilder sacht Darüber* ziehn wie die Zeit, für die wir endlich das feinste Gefühl besaßen, ohne je nach der Uhr zu fehen. Aus der Ferne scholl die Musik der Kurkapelle aber die unhörbare hier draußen im herben Salzduft des Meeres — was vermöchte sie aufzuwiegen? Allabendlich früher spann das Dunkel die Dinge ein, flammten die Lichter an der jenseitigen Küste auf, erhob sich der Mond über den blauschwarzen Wassern. Der Horizont schien sich mit Nebeln zu füllen. Während die Dinge allmählich schwanden, die sichtbare Welt sich immer mehr verengte, wuchs das Meer in uns, erweckte fein dunkelrauschender Gang die Vorstellung ungeheurer Dimensionen. Herbstlich kühl fuhr der Nachtwind durch die Alleen. War der Herbst schon so nah? Ein Meteor stürzte ins Wasser, wir sahen ihn hinter den Dünenhügeln verschwinden und dachten in diesem Augenblick an unsere geheimsten Wünsche. raschend und immer unheimlich leise fast steht er plötzlich da, auf dem erhöhten Damm im Moore, im niedrigen Erlengebüsch. Und ruhig, ohne Scheu wendet er den seltsam geformten Kopf, hebt er die Riesenschaufeln und nur langsam trollt er hin- weg, wie ärgerlich über den Eindringling, der „seine" Welt betrat. Seine Brunftzeit ist jetzt im Herbst. Wenn klar und unendlich weit der Horizont wird, wenn das Haff und die See ein riesiger, funkelnder Spiegel sind, von kaum einem Lufthauch erschüttert, wenn der starke Heugeruch über die weiten Flächen zieht, in Ostpreußens schönster Zeit, dann ist auch seine 3i.t, da er seine Familie zusammentreibt und stolz und stark eifersüchtig bewacht. Jetzt seiner Fährte nachspüren, jetzt ihn in der Gruppe seiner Tiere sehen, ist ein einzigartiges, einmaliges Jagderleb- nis, und wenn gar das besondere Glück den Kampf zweier Elche noch erleben, hören läßt, wie krachend und dröhnend die gewaltigen Schaufeln gegeneinanderprasseln, Urkraft in leidenschaftlicher Streit- lüft sich zeigt, dann war es wirkliches Weidmannsheil, das widerfuhr, das die Herbstfahrt nach Ostpreußen, die Fahrt in den schönsten deutschen । Herbst in Unvergeßlichkeit krönte. Wanderfahrten. Dulenhofen — Münchholzhausen — Sloppelberg — Kirschenwäldchen — Wetzlar. Dem Bahnhof Dutenhofen (Sonntagskarte Wetzlar) gegenüber beginnt die schwarze Strichmarkierung, die auf der ganzen Wanderftrecke das Führungszeichen bildet. Wir durchschreiten das am Berghang sich hochziehende Dorf, kommen durch freies Feld über Münchholzhausen, hinter dem uns alsbald der Wald aufnimmt. In langsamem, stetem Anstieg erreichen wir den Gipfel des Stoppelberges (402 m), von dessen steinernem Turm sich eine herrliche Rundsicht bietet. Gemeinsam mit dem L des Lahnhöhen- wegs steigen wir hinab zum Weiler Kirschenwäldchen, wo zwei gute Gasthäuser zur Rast einladen. Die beiden Zeichen führen uns sodann, unter- wegs schöne Ausblicke über das Lahntal gewährend abwärts nach unserem Endziel Wetzlar. Marschzeit drei Stunden. Aßlar — Niederlemp — Aartal — Herborn. Diese Wanderung ist, da sie viel durch Wald führt, namentlich für die heiße Jahreszett zu empfehlen. Von Aßlar mit feiner schönen hochgelegenen Kirche folgen wir blauen Strichen, die uns während der ganzen Wanderstrecke begleiten. Wir wandern einem lieblichen, von Wald umsäumten Wiesentälchen aufwärts über Bechlingen nach Niederlemp im oberen Lemptal. Don hier gehen wir nach Dreisbach, hinter Dem uns wieder der Wald aufnimmt. Wir überschreiten in der Nähe des Stellbeutels den mit H und gelben Kreuzen bezeichneten Rennweg und gelangen bei Ballersbach in das anmutige Aartal. Das Tal abwärts gehend führen uns die Zeichen über Herbornseelbach und den Galgenberg nach unserem Endziel Herborn. Dauer der Wanderung viereinhalb Stunden. erloschen und die Bura verfallen war, ließ Kronprinz Maximilian durch bewährte Künstler aus Der Ruine ein romantisches Schloß erstehen, das mit Fresken aus Deutscher Sage unD Geschichte geschmückt wurDe. Ueppiges Grün unD Duftende Rosen wucherten um Die wappengeschmückten Tore. Hinter Dem ftäubenDen Schaum Des Springbrunnens sah man tiefen Waldesschatten unD geister- hafte Bergwände, zwischen ihnen in Der Tiefe Den Alpsee unD Den Schwansee. Wie ein Bau von Riesenhand steht gegenüber Hohenschwangau die Burg Neuschwan st ein. In ganz Bayern hätte man keine schönere Stelle für eine Heimstätte romantischer Schwärmerei, als Das Tal von Neuschwanstein gefunDen. Von Dem trotzig in Die Landschaft hinausschauenden Neideck- selsen hat man Die schönste Aussicht auf Die beiDen Burgen unD ihre Umgebungen. Unten erglänzt in seinem Füssener Marmor Neuschwanstein, aus Der Tiefe Dringt das wilDe Brausen Der Pöllat herauf, Dann steigt Der HochwalD empor. Links in Der Ferne schimmern Der blaugrüne Alpsee und Hohenschwangau, hinter Denen Der Frauenstein auffteigt. Der Schwansee unD Weißensee unD ehrwürdige Berghäupter runden das großartige Panorama ab. Auf dem Neideckfelsen wurden alljährlich am Lud- wigstage von den Bauern mächtige Freudenfeuer entzündet, Zeichen der Liebe des Volkes für feinen König. Als Ludwig hier den Bau eines Königsfchloffes plante, war er noch ganz von jenem Geist germanischer Sage und Dichtung erfüllt, her ihn auch aus Richard Wagners Meisterwerken anwehte. Schon dieser Geist, her Neuschwanstein erfüllt, stellt es über die beiden andern Schlösser Ludwigs, Linderhof und Herrenchiemsee. Jedes her Schlösser bes Königs hat einen scharf ausgeprägten Charakter. Linderhof, im obersten Ammertal, unweit her bayerisch-tirolischen Grenze, in weltverlorener Einsamkeit gelegen, ist ein barockes Märchen: mit all seinem Zubehör zusammen ein seltsames Gemisch her verschiedensten Stilarten, her wunderlichsten Launen. Das Jnselschloß zu Herrenchiemsee, langhingestreckt im Wald, sollte Den von ßub» wig XIV. geschaffenen Prachtbau von Versailles nicht nur erreichen sonhern übertreffen. Aber in Diesem deutschen Fichtenwald wirkt Der Bau mit seinem verkünstelten Prunk fremd und frostig. Auf einem gewaltigen, fast unzugänglich erscheinenden Kalkfelsen erhob sich der riesige Bau Neuschwansteins im romanischen Stil. Vollendet von ihm wurden nur der „Palas" — das Herrenhaus, her Hauptteil der mittelalterlichen Burg mtt Saal und Wohnräumen — und her Torbau. Dieser allein ist so umfangreich, daß er mit seinen runden Warttürmen eine Burg für sich darstellt. Edel und groß ist der Hauptbau in seiner äußeren Erscheinung. Fünf Stockwerke hoch baut er sich übereinander mit gekuppelten Rundbogenfenstern, reich geschmückt mit zierlichen Erkern und Vorsprüngen, gekrönt von einem steilen goldschim- mernhen Kupferdach. Zwei Türme_ steigen darüber hoch empor; von Den Zinnen des höheren sieht man in einen tiefen Abgrund. Don seinem Schlafzimmer konnte der König auf die Pöllatschlucht blicken mit ihrem steil herabstürzenden Wasserfall, über dessen schimmerndem Bande hoch in der Lust die Manenbrücke schwebt. Unter den plastische^ Arbeiten ragen auf den flüchtigen Gemsbock der Kaiser Ludwig der Bauer und Kaiser Max I., her letzte Ritter. Lange, nachdem das Geschlecht der Ritter von Schwangau Fensterbogen hervor. Unbeschreiblich reich und vom besten Geschmqck beherrscht ist die kunstgewerbliche Einrichtung her im britten Stock gelegenen Königszimmer: die Vorhänge, Schränke und Polstermöbel, die Teppiche, Lüster, Uhren, Vasen und sonstigen Einrichtungsstücke. Was das Kunstgewerbe an mustergültigen Werken schuf, ist hier vertreten. In den Zimmern des Königs wie in den barübertiegenöen Festsälen Mein und Dirndln machen noch keinen Bergsteiger. Don $. v. Reznicet. (afp.) — Eine herrliche Fahrt haben wir gehabt! Durch grüne Wiesen und Wälder hat uns her Zug emsig rollend immer weiter nach Süden gebracht, bis aus Hügeln schon recht achtbare Dorberge wur- Den, und auf einmal am Horizont riesige weihe Wolken auftauchten, Die sich beim Näherkommen als schneebedeckte Hochgipfel erwiesen. Die würzige Bergluft füllt unsere Lungen, ein leuchtend blauer Himmel und die strahlende Sonne locken uns gleich nach unserer Ankunft wieder aus dem Hotelzimmer heraus. Es ist noch ftüh am Tag, denn der Zug kam schon um 11 Uhr an. Da werden wir uns ein wenig umsehen. Ein Wegweiser verkündet, daß es bis zur Seealp nur 2 Stunden sei. ©ergab geht es ja schnell, und bis 3 Uhr bekommen wir Mittagessen. Also nur hinaus! Völlig erschöpft kehrt die unternehmungslustige Partie zurück. Sie sind viel ä u schnell gegangen, haben noch zu allem übrigen Schneewasser getrunken. Für viele Tage können sie sich nicht an Spaziergängen beteiligen, eines her Mäbchen hat fid) sogar einen leichten Herzknacks geholt. Da hat sich Der zweite Teil her Gesellschaft schon vernünftiger benommen. Sie sinb am Nachmittag eine Stunde durchs Tal gebummelt, eine kleine Strecke gestiegen und bann frühzeitig schlafen gegangen. Am anhern Morgen, gleich nach hem Frühstück, ist man zur Seehütte aufgebrochen. Gewitzt durch die Erfahrungen her Freunde, schlagen die jungen Bergnovizen im Anfang bes Aufstiegs kein zu schnelles Tempo an. So haben sie nicht nötig, öfter auszuruhen und den Aufstieg zu unterbrechen, was immer schädlich ist, denn bas Herz soll stetig und gleichmäßig beansprucht werden. Die Partie braucht nur wenig über die vorgeschriebene Aufstiegszett und erreicht ohne Zwischenfalle die Hüte, wo eine herrliche Fernsicht sie für die Anstrengung belohnt. Klar, fast zum Greifen nahe, stehen die Gipfel her näheren Umgebung da, die Sonne brennt und nur drüben, über den Spitzen der Nachbarkette, schauen ein paar kleine Wölkchen hervor. Die anderen Bergsteiger, soweit sie nicht auf der Hütte übernachten wollen, rüsten eilig zum Aufbruch und treten den Heimweg an. Die stechende Sonne und die Bewölkung am Hokizont künden Wettersturz an, sagen sie. Wozu die Eile? Man ist unter so viel Mühe hinaufgestiegen, da will man doch nicht gleich wieder fortgehen. Die paar Wolken machen wenig aus. Eine Stunde später sieht sich die Sache anders an. Die Wolkenwand, die sich aus den weißleuchtenden kleinen Fetzen entwickelt hat, ist bedrohlich hoch gestiegen, und hie und Da verdunkeln schon Nebelschleier die Sonne. Jetzt heißt's schnell herunterkommen, und man macht sich eilig an Den Abstieg. Der Hüttenwirt warnt noch, am Alpsee zu kürzen, denn man kann dort in die Wände kommen, und dann geht's heidi bergab. Nach kurzer Zett schon ist von Der Sonne überhaupt nichts mehr zu sehen und ein kühler Wind macht sich auf. Man hätte vielleicht doch einen Regenmantel oder eine Jacke mitnehmen sollen. Auch Gerdas Halbschuhe behindern die Partie, Denn beim schnellen Absteigen stolpert sie oft und knickt einmal gründlich um. Immer tiefer senken sich Die Wolken. Das geht ja alles rasend schnell! Am Alpsee zweigt ein schmaler Pfad vom großen Serpentinenweg ab. Kurze Beratung. Gerda will mit chrer schlechten Ausrüstung keine großen Sprünge machen, und Hans und Lilly haben die Mahnung Des Hüttenwirts, Abkürzungen zu meinen, behalten. Peter und Friebel aber, wollen nach Möglichkeit Das Hotel erreichen, ehe Der Wettersturz eintritt. Mit kurzem Gruß verabschiehen sie sich unD sind bald darauf dem Blick entschwunden. Pudelnaß, zähneklappernd und stierend kommt die erste Gruppe am Abend im Ort an. Sie sind mächtig eingeregnet und haben weder Wollsachen noch Regenschutz mitgehabt, außer einem schmerzhaften Knöchel an Gerdas rechtem Fuß ist ihnen Unweit des Felsentores, durch das der Lech aus Tirol nach Bayern sich Bahn gebrochen hat, liegt ein kurzes, aber prachtvolles Alptal, in das kühn geschwungene schroffe Bergriesen hineinschauen und weit in die schwäbisch-bayerische Hochebene hinausgrüßen. JnderTal- tiefe liegen grüne Seen. Am Eingang des Tals Landen auf Felsvor- Zur Elchbrunst nach Ostpreußen. Nur in ganz wenigen Ländern der Erde ist der „Riesenhirjch aus der Dorzett", wie man ihn wohl nennen möchte, her Elch, noch erhalten. In Ostpreußen lebt er noch in einer urtümlichen Gestalt- unh Geweihbildung, um die uns die Tierfreunde und Jäger der Welt beneiden. Hier lebt er in freier Wildbahn, ungestört in weiten Naturschutzgebieten, ein Edelwild, das zum Lande gehört, wie das Land ohne ihn nicht denkbar wäre. Denn Ostpreußen ist stolz auf diese riesigen, pferdegroßen Hirsche, hie da hurch hie Moore und Oedflächen im Deltagebiet der Memel ziehen, die Drüben in Den Forsten Der Kurischen Nehrung zu Hause find und immer, wo sie auch auftauchen, wie die letzten Boten einer längst versunkenen Zeit erscheinen. Ge-, heimnisvoll wie sein Wesen, unerwartet, über» | tung vor der Natur sind Vorbedingungen für den Bergsteiger. Ihm wird sich bann auch die alpine Welt erschließen, mit all ihrer Große und Schönheit. Herrliche Gipfelrasten bei strahlendem Sonnen- aber nichts geschehen. Peter und Friedel, die eine Abkürzung gemacht haben, sind aber noch nicht ha. Recht erstaunt ziehen sich die drei Freunde um, doch als Peter und Friedel immer noch nicht eingetroffen sind, obwohl bas Abendessen schon vorüber ist, roenben sie sich an bie Hotelleitung. Nach aufregenden Stunben werben bie zwei Verstiegenen enblich in ben Wänben, unterhalb bes Alpsees, gefunben unb heimgebracht. Sie sind mit dem Schrecken unb ben hohen Kosten einer Ber- aungsexpedition davongekommen. Leicht hätte es schlimmer werben können. . Das Bergsteigen ist eben nicht ganz fo einfach, wie viele Anfänger sich bas vorstellen unb bie grunblegenbften Fehler werben immer wieher gemacht. Mangelhafte Ausrüstung, das Fehlen jeglicher Wetterkenntnis unb bie Nichtachtung Der wohlgemeinten Warnungen erfahrener Bergganger sind die Hauptursachen der meisten Bergunfalle. Immer wieder von neuem begegnen wir oben Menschen in schlechtem Schuhwerk, ohne Windjacke oder wenigstens wärmende Wollsachen. Dann wollen sie gar noch eigenwillig Abkürzungen machen, geraten in bie Felsen unb wissen auf einmal nicht aus noch ein. Das alpine Notsignal (sechsmal in Der Minute ein sicht- ober hörbares Signal geben. Je eine Minute Pause), ist ihnen natürlich nicht bekannt, unb so müssen sie oft warten, bis man sie burch Zufall entbeckt. . . , Es kann nicht oft genug gesagt werben, daß man, ehe man in bie Berge geht, sachverständigen Rat einholen muß. Ein gutes Herz unb eine ge» funbe Lunge allein genügen nicht, aud) wenn man ein guter Turner ist. Es ist vor allen Dingen keine genügenbe Voraussetzung, um ohne erfahrenen ^Begleiter in bie hochalpine Zone zu wanbern. Das gleiche gilt für wenig Geübte beim führerlosen Gehen. Ohne Führer gehen heißt nicht wild darauf losrennen. Führerlos gehen unsere Besten, Die in jahrelangem Training, unter Anleitung heroor- ragenber Bergsteiger gelernt hoben, fitö 'in Öen Bergen zu bewegen. Ihre Namen, bie beutsche Bergsteiger in her ganzen Welt berühmt gemacht haben, sinb zu schabe, um burch bie Unwissenheit leichtsinniger ßanbsleute in Mißkredit gebracht zu werben, unb leiber begegnet man in den Schweizer und italienischen Bergen nur allzu oft Deutschen, die weder den technischen noch Den moralischen Anforderungen eines Bergsteigers gewachsen können, Mut, aber keine Tollkühnheit, und Ach- I ;v#r ■ Das Studium an der Universität Gießen Zur jetzigen A ussaatfür Feld und Garten Dimdlstoffe zuverlässig und pi eiswert im 0.58 5024 A Betten immer 0.58 0.98 5087 A bei und -blusen p. m 1.10 geeignet p. m Bauernleinen, 80 cm breit, 1.48 für Dirndlkostüme IhrWunsch-ein Eigenheim p. m Bemard&Sohn 5064D. FRANZ VOGT & CO. Fernsprecher: Gießen 2464 Dr. med. Wilh. Fresenius Aadel-Vkenchoiz Kleinanzeigen 698. (Anseuerholz) gibt laufend ab 4439D Haben Sie offene Füße? 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Am Institut für Wirtschaftswissenschaft in Gießen werden diese neue Forschungen bereits seit mehreren Semestern betrieben. Durch die Veranstaltung von Außenseminaren (Lauterbach, Weilburg, Monschau, Herborn) hat sich das Institut in Gießen auf dem Gebiete der Raumforschung nut an Die Spitze im Reich gestellt. Diese Lager brachten den Studenten in enge Verbindung zu der Landschaft und ihren Menschen, sie zeigten ihm auch, wo die Hebel angesetzt werden müssen, zu einer Neuordnung Deutschlands zu kommen. Gegen Ende des Wintersemesters 1935/36 wurde eine Arbeitsgemeinschaft für Raumforschung gegründet, der Historiker, Geographen, Mediziner usw. angehören. Durch Einbeziehung von Wirtschaftsplanung und Raumforschung in den Lehrplan eröffnen sich dem Studium neue Aussichten. Am Institut in Gießen ist auch ein Studium der Versicherungswissenschaften möglich. Nach einem zweisemestrigen Kurs kann der Teilnehmer den Grad eines Diplom-Versicherungstechnikers erwer- *§ur Prüfung wird zugelassen, wer sechs Semester an einer Hochschule studiert hat, davon die beiden letzten in Gießen. Ich möchte die Einführung schließen mit dem Hinweis, daß den Studierenden der Wirtschaftswissenschaft in der Bismarckstraße 24 ein vollständig neues Institut zur Verfügung steht, das allen Anforderungen sowohl in Bezug auf Bücherei (10 000 Bände), als auch durch Ausgestaltung der Arbeitsräume — von denen fünf zur Benutzung vorhanden sind — gerecht wird. Die national- HochzuchtLf mbkesWinterRübsen Hochzucht Lembkes Winter-Raps Landsberger Gemenge Westerwoldisches Weidelgras Welsches Weidelgras Winter-Wick en Inkarnatklee, seidefrei Luzerne, ungarische, seidefrei Luzerne, Provenzer, seidefrei Rotklee, Hess-Nassauer, seidefrei Rotklee, Siebenbürger, seidefrei sozialistische Forderung nach Schönheit des Arbeitsplatzes ist voll erfüllt. Die enge Zusammenarbeit zwischen Dozenten und Studenten ermöglicht es auch den jungen Studierenden, sofort ihre ganze Kraft einzusetzen zum Neuaufbau unseres Vaterlandes. Immer wird er bei den älteren Kameraden und bei den Professoren Hinweise finden, wie er sein Studium und seine Arbeiten zweckmäßig zu gestalten hat. lieber allem steht an unserem Institut die Kameradschaft und in ihr der Einsatz für Deutschland. Bettfedern Steppdecken wert Stoffspezialhaus Gießen • Blockstraße 14-16 adle:« TRUMPF JIINIOK Der wirtschaftliche Wagen. Sie sollen wirtschaftlich fahren. Der ADLER Trumpf- Junior ist wirtschaftlich bei großer Leistung. Treibstoffverbrauch 7-8ur.outlOOfcm Preis ab Werk RM 2950.“ Oie Wirtschaftswissenschaften. Im ganzen Reich hat das Studium der Wirtschaftswissenschaften in den letzten Semestern griänd- legenöe Aenderungen erfahren, die aus dem Geiste des Nationalsozialismus geboren sind. Wenn die bisher geforderte völlige Lehrfreiyeit auf den Hohen Schulen Deutschlands der Ideenwelt eines nun in den letzten Zügen liegenden Liberalismus entsprach, so stellt heute der Nationalsozialismus Studienpläne auf, die den Weg freimachen sollen für eine grundlegende Neugestaltung des wirtschaftswissenschaftlichen Studiums. Eine weitere Umgestaltung ist insofern zu erwarten, als das Wirtschaftspraktikantenamt Gießen als Außenstelle des Instituts für angewandte Wirtschaftswissenschaft in Berlin eine Eingliederung von bestimmten Ausbildungszeiten als Wirtschaftspraktikant in Industrie, bei Banken, Organisationen usw. in den Studienplan fordert. Es muß in einigen Semestern soweit sein, daß kein Wirtschaftswissenschaftler die Hochschule verläßt, ohne eine vorge- schriebene praktische Tätigkeit ausgeübt zu haben. Das genannte Amt weist Ausbildungsstellen, die oft mit Entschädigungen verbunden sind, nach. So versucht der Nationalsozialismus, statt Profitwirtschaftler Gestalter und Wahrer der Volkswirtschaft heranzubilden. An der Universität Gießen finden die einzelnen Fachgebiete die ihnen zukommende Würdigung, so theoretische und praktische Volkswirtschaftslehre, Statistik und Finanzwissenschaft. Nicht vergessen sei die Betriebswirtschaftslehre, ohne die, was heute allgemein eingestanden wird, der Volkswirt der Gegenwart nicht auskommen kann. In engem Zusammenhang mit dem Studium stehen außerdem Vorlesungen über Soziologie, Wirtschaftsgeschichte, Wirtschaftsgeographie, Werbwissenschaft, um nur einige zu nennen. Von noch nicht abzuschätzender Bedeutung wird für den Wirtschaftswissenschaftler die Wissenschaft der Wirtschaftsplanung, die aus dem Geiste des Nationalsozialismus entstanden ist. Grundsätzlich muß einmal aufgeräumt werden mit dem alten Unsinn, dem Staat stehe fein Recht zu, Die (DOlJerlösllthe, ober nicht aus- roaflitjore Dhosphorlaure In Diesen Düngern wirkt sofort unD sorgt sür reiche Bestochung, GefunDhell, 5tengetsestiglieit,gutesü' erroinlem, volle Uhren unö schweres Korn Vertretung : Herr Dentist Koch Hindenburgwall 20 Samenhaus Heinrich Hahn, Bahnhofstr. EckeWolkengasse Telephon Nr. 3403 MpWMlk Möllern Ludwig Kröck Telefon 3580. Bis zum 31. August 1936 geschlossen Dentist Stroh Zentral-Heizungen, Sanitäre Anlagen, Reparaturen Oolö.MOtoerW. Ludwigstraße 40 F-ernruf 3355 J. B. Häuser Gießen 4975 a Am Oswaldsgarten Fernrut Nr. 2145/46 MLER DIE WAGEN GROSSER LEISTUNGEN DEUTSCHE SUPERPHOSPHAT-INDUSTRIE G.M.B.H. BERLIN W 15 LANDWIRTSCHAFT-ABTEIL. geht in Erfüllung durch die Bauwirtring Aktiengesellschaft Bremen Dieses schöne Einfam -Haus im Erstehungswert von RM. 12000.- 4 Zimm.,Küche, Bad u.Zubehörkönnen Sie schon bei einer Sparleistung von monatl. 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Dazwischen: Hörberichte: Reiten, Jagdspringen der Vielseitigkeitsprüfung. 13: Blasmusik. 14: Kammermusik. 15: Musik am Nachmittag. Dazwischen: Hörberichte vom Preis der Nationen. Jagdspringen : tionen), Schaureiten der Sieger der Großen Dressurprüfung. 18: Schlußfeier der XI. Olympischen Spiele, Berlin 1936. 19.45: Funkstille. 20: Ludwig van Beethoven: IX. Sinfonie mit Schlußchor über Schillers Ode „An die Freude" für Großes Orchester, vier Solo- und vier Chorstimmen, D-molI Werk 125. 21,20: Unterhaltungskonzert. 22: Wetterund Tagesnachrichten. 22.30 bis 23.50: Internationale Tanzmusik. 1 bis 2: Konzert nach Mitternacht. Montag, 17. August: 6 bis 8 Uhr: Musik in der Frühe. Dazwischen 6.30 bis 6.45 Frühgymnastik und 7 bis 7.15 Nachrichten des Drahtlosen Dienstes. 8: Volkslieder — Volkstänze. 9: Unterhaltungskonzert. 10: Allerlei Lustiges für die Hausfrau. 11 bis 12: Unterhaltungskonzert. 12 bis 13.45: Blas- und Volksmusik: 13.45: Neueste Nachrichten. 14: Allerlei — von zwei bis drei! 15: Sollstisches Musizieren. 16: Musik am Nachmittag. 17.40: Lieder der Volker. Lieder aus bulgarischen Gebirgen. 18: Tänze von Bach bis Szymanowski. 18.45: „Friedrichs Amt". Ein Königsmonolog zum 150. Todestage Friedrichs des Großen, non 'Ernst Geyer. 19.30: Barnabas von Geczy spielt. 20: Kurznachrichten des Drahtlosen Dienstes. 20.10: Hopfen und Malz, Gott er- halt's ..’ Ein feuchfröhlicher Abend. 22: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. 22.15: Deutschlandecho. 22.30 bis 1 Unterhaltung und Tanz. 1 bis 2: Konzert nach Mitternacht. Dienstag, 18. August: ! 6 bis 8 Uhr: Musik in der Frühe. Dazwischen 6.30 bis 6.45 Frühgymnastik und 7 bis 7.15 Nachrichten des Drathlosen Dienstes. 8: Solistlsches Musizieren. 9: Heitere Klänge. 10: Zur Unterhaltung. Waldemar-Haß-Quintett. 11 bis 12: Buntes Allerlei. 12: Musik am Mittag. 13: Blasmusik. 13.45: Neueste Nachrichten. 14: Allerlei — von zwei bis drei! 15: „In den Ostwind hebt die Fahnen 15.30: Zum Dach der Welt. Heroische Szenen vom Kampf um den höchsten Gipfel der Erde. 16: Heiter und Bunt. 17: Unterhaltende Musik. 18: Kammermusik. 20: Kurznachrichten des Drahtlosen Dienstes. 20.10: So liebte man früher — so liebt man heut. Klingender Bummel durch das Land der Liebe. 22: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Die Farrsukappe. Der Viktor. Ein staatliches Ansiedlungsgut in Westpreußen erwarb einmal eine neue Kleereibe-Maschine, Fabrikat Viktor. , Ein Jahr später kam das bei der Oberrechnungskammer eingereichte Wirtschaftsbuch des Gutes zurück. Neben der Eintragung: „Ein Viergespann den Kleereiber Viktor zur Bahn gebracht" befand sich ein großes Fragezeichen und folgende Bemerkung: Es ist anzugeben, warum der Kleereiber Viktor den kurzen Weg zur Bahn nicht zu Fuß zurückgelegt hat, und wenn er geschickt werden mußte, warum denn nicht ein Einspänner genügte". Die Sache mit den Fischen. Ein Amerikaner erzählte einem Iren: „Die Fische sind in einem Fluß in den Staaten so zahlreich, daß die Leute nur einen Eimer in das Wasser zu tauchen brauchen und ihn sofort voll von Fischen her- ausziehen können". „Ganz schön , sagte der Ire, , aber wissen Sie, im Liffey-Fluß in Irland müssen die Leute, wenn sie einen Eimer Wasser haben wollen, die Fische beiseitedrängen, ehe sie den Eimer eintauchen können." „^4 leS.ng oes*°ft Es lohnt sich Schmerzen? Jucken? Stechen. Brennen? Dann gebrauchen Sie die seit Jahrzehnten vorzüglich bewährte schmerzstillende Verlsalbe „Gentarin“. 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