RrJ89 Erstes Blatt 186. Jahrgang Zreitag, August 1956 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertag» Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblättei Heimat im Bild • Die Scholle Monatr'vezugrpreir: Mit 4 BeUagen RM.1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. , -25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüste unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen Postscheckkonto: Zranlfurt am Main 11688 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitätr-Vuch- und Ztemdruckerei R. Lange in Gießen. Zchrlftlettung und Geschäftsstelle: Zchuiftrahe 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8*/,Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Textanzeigen von 70mm Breite 50 Rpf..Platzvorschrift nach vorh.Vereinbg.25°/a mehr. Ermäßigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige GelegenhGtsanzei- gen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Italiens afrikanische Hauptstadt. Von unserem römischen E.-Korrespondenten. Rom, Mitte August. In einem Jahr kann sich vieles ändern. Im vorigen Sommer um diese Zeit war Abessinien noch das geheimnisvolle Reich der Königin Saba und ein Stück dunkelsten Afrikas, in der Hauptstadt Addis Abeba strömten wilde Krieaerscharen zusammen, schworen dem König der Könige Sieg und Treue, die Regenzeit hielt die Gemüter der ganzen Welt in Spannung, und wenn Italien, so lasen wir, so hörten wirs aus dem Munde britischer Staatsmänner, wirklich dieses Abenteuer herausfordern werde, so könne es zwar Europa in Brand stecken, werde sich aber selber tief drinnen in dem weg- und steglosen Abessinien verbluten. Auch galt es vielfach für ausgemacht, daß Mussolini und sein Faschismus die zweite Regenzeit nicht überleben würden. Jetzt sind wir so weit, mitten in der täglichen Sintflut, und durch Addis Abeba laufen römische Omnibusse und Mietsdroschken wie zu Hause. Ein krasserer Gegensatz zwischen Voraussage und Wirklichkeit läßt sich kaum denken, die Kolonial- geschichte weiß jedenfalls von keinem Gegenstück zu berichten, und selbst die in den Romanen über Nacht aus dem Boden schießenden amerikanischen Goldgräbersiedlungen müssen den Angriff auf den italienischen Verwandlungsrekord scheuen. Mit Ausnahme von Deutschland, das sich auf sehr geschickte Weise aus einem diplomatischen Dilemma zog, indem es seine Gesandschaft in Addis Abeba in ein Konsulat umwandelte, tun die Großmächte zwar noch so, als ob der Titel eines Kaisers über Abessinien oder Aethiopien, wie man in Rom lieber sagt, noch umstritten und eine Rechtsfrage sei, aber am Tiber weiß man von solchen Schwierigkeiten nichts und in der römischen Filiale „dort drunten" haben die Stadtoäter auch ändere Sorgen. Sie arbeiten an einem Piano rego- latore, einem Bau- und Siedlüngsplan, der in seinen Grundzügen bereits von der Zentralregierung, das heißt: von Cäsar Mussolim angenommen unb damit Wirklichkeit wurde. Rach diesem Plan soll Addis Abeba als die riesige ©arten {tobt, die sie heute ist, erhalten bleiben. Bei 60 Kilometer Umfang könnte man das Rom von 1870 in sie gut hineinstellen (das heutige Rom mißt 97 Kilometer im Umkreis und 145, wenn man den weit hinausgeschobenen Zollgürtel zugrunde legt). Wie aus den letzten Meldungen bekannt, haben sich die Verschwörer unter dem Schutz der ausgedehnten Eukalyptuswälder an den Stadtkern heranschleichen können, dennoch wird die Stadtverwaltung, so sicher fühlt sie sich, dieses Immergrün, dem Fieberheilwirkung zugeschrieben wird, nach Möglichkeit schonen. Uebngens darf hier eingeschaltet werden, daß nach den neuesten Malariaforschungen der Eukalyptusschutz eine höchst fragwürdige Angelegenheit ist; abgesehen davon, daß von einer Heilwirkung bei ausgebrochener Krankheit keine Rede mehr sein kann, hat man die fieberverschleppende Anopheles - Stechmücke häufig in Gemütsruhe auf dem ihr angeblich so verhaßten, ölhaltigen Laub sitzen sehen. Das neue Addis Abeba wird aus drei Hauptquartieren bestehen: der (Europäer ft abt, der Eingeborenen stabt, der Industriestadt. Die erste erstreckt sich über die Abhänge weit über die alte Königsresidenz hinaus, die zweite gruppiert sich um den Markt, für die dritte, nach ganz modernen Grundsätzen zu errichten, ist die große Ebene beim Bahnhof vorgesehen. Zwischen der Europäer- und der Eingeborenenstadt bildet sich bereits die Handelsstadt heraus. Scharen von Arbeitern und Handwerkern errichten Geschäftshäuser, Derkaufsläden, Oaftftftätten an der großen Straße zwischen dem St. Georgsplatz und dem Bahnhof. Die Regierung hat gut daran getan, von vornherein den Gründeransturm in geordnete Bahnen zu leiten und Bauvorschriften zu erlassen, denn wenn man täglich sieht, wer und was alles „hinunter will", mehr mit gutem Willen und phantastischen Vorstellungen, als mit Geld und Erfahrungen ausgerüstet, darunter nicht wenige Ausländer, bann kann man sich ungefähr ausmalen, was dort im Herzen Afrikas entstanden wäre. Die Auswanderer wie die Arbeiter werden einer scharfen Auslese unterworfen, unter den ernsthaften Siedlern haben die Frontkämpfer den unbedingten Vorrang. Jede ungesunde Spekulation soll unterbunden werden, um besonders auch Rückschläge psychologischer Natur zu vermeiden. Wie bei Der Anbahnung des Feldzuges und bei der Eroberung des Landes, so zeigt sich nun auch bei der friedlichen Durchdringung der Segen eines Regimes, das nach reiflicher Ueberlegung ungestört entscheiden kann, ohne jeden parlamentarischen Kuhhandel. Abessinien ist auch in dieser Hinsicht ein Schulbeispiel geworden. lieber die Blutopfer, die der Krieg, und die Toten, die Krankheiten und Unfälle forderten, liegen nun genaue Zahlen vor. Im Kampf gefallen sind vom 3. Oktober 1935, dem Beginn der isemd- feligteiten, bis zum 31. Juli dieses Jahres 1209 Mann, wozu noch 75 Vermißte und 135 an Verwundungen Gestorbene kommen. Unfälle und Krankheiten stehen mit 1367 Mann zu Buch. In öen ersten 7 Monaten des Jahres starben 512 Arbeiter, 65 fielen bei einem nächtlichen Ueberfall. Es liegt auf der Hand, daß auch jeder weitere Tag noch auf lange Zeit hinaus feinen Tribut an Menschenleben fordern wird, bedenkt man aber, baß allein in Deutschland jährlich durchschnittlich 1500 Menschenleben dem Verkehr zum Opfer fallen Englische Flugzeuglieferungen für beide kriegführenden Parteien in Spanien. Scharfe Kritik in der englischen Oeffentlichkeit. London, 13. Aug. (DNB.) „Evening Standard" meldet in großer Aufmachung, daß am Donnerstag sechs englische mehrmotorige Flugzeuge von Flugplätzen in der Nähe Londons nach Spanien abgeflogen seien. Zwei davon seien für die Madrider Regierung, die anderen vier für die Militärgruppe bestimmt. Die zwei für die spanische Regierung bestimmten D H 48 Draaon-Maschinen seien von einem Sowjetrussen im Auftrage einer Organisation gekauft worden und hätten auf ihrem Wege vom Flugplatz Heston nach Spanien bereits eine Zwischenlandung in Paris gemacht. Die anderen, zwei breimotorige 16fitzige Focker und zwei Vbi-Rapid-Maschinen, seien von Croydon über Portugal nach Burgos unterwegs. Die Morgenblätter bestätigen unter Wiedergabe genauer Einzelheiten die Richtigkeit der Meldung. Auf Erkundigung beim englischen Luftfahrtministerium wurde dem „Daily Telegraph" mitgeteilt, daß der Verkauf von Verkehrsflugzeugen von England nach Spanien keiner Beschränkung unterliege. Sämtliche sechs Maschinen feien Zivilflugzeuge, im übrigen würde ihr Umbau in Kriegsflugzeuge beträchtliche Zeit in Anspruch nehmen. Dagegen wird die Fähigkeit der Flugzeuge zu Bombenabwürfen nicht bestritten. Reuter macht darauf aufmerksam, daß die Vollmacht der Behörden, die Ausfuhr von Kriegsmaterial von der Erteilung besonderer Bewilligungen abhängig zu machen, sich nicht auf Verkehrsflugzeuge beziehe. Eine Erweiterung des Lizenzsystems fei aber zur Zeit schwierig, weil sich im August die meisten Minister auf Urlaub befinden. Der arbeiter- parteiliche „Daily Herald" ist Der Ansicht, daß die geltenden Bestimmungen ausgereicht haben würden, um die Ausfuhr zu verhindern, da es sich um Artikel handele, die nach dem Wortlaut der Verordnung in Gegenstände für militärische Zwecke umgewandelt werden können. Der „Daily Herald" fordert ein sofortiges Eingreifen der Regierung. Der Verkauf hat in England zu einer außerordentlichen Erregung der Gemüter geführt. In einem Leitaufsatz, in dem die Gefahren geschildert werden, die sich für die internationale Lage auf den schleppenden Verlauf der Nichteinmischungsverhandlungen ergeben könnten, spricht die rechts- konservatioe „Morning Post" ihr Bedauern darüber aus, daß der Start der Flugzeuge nicht verhindert worden sei. In London fürchtet man, daß der französische Ministerpräsident Leon Blum im Falle des Scheiterns dieser Verhandlungen nicht imstande sein würde, gegen seine eigenen Anhänger Front zu machen; er würde dann gezwungen fein, entweder die spanischen Marxisten zu unterstützen ober zugunsten eines extremen Kabinetts zurückzutreten. Unbequeme Fragen. Paris, 13. Aug. (DNB.) Die Kammer war zur dritten Lesung der' Ergänzungskredite für den Monat Juni zusammengetreten. Der rechtsradikale Abgeordnete Vallart erinnerte.daran, daß er an den Luftfahrtminister Pierre C o t wegen der französischen Flugzeuge, die an die spanische Regierung geschickt worden feien, vier Fragen gerichtet habe. Die Flugzeuge seien in Barcelona gelandet, nachdem der Ministerrat bereits die Entscheidung über die Nichteinmischung gefällt habe (Lärm auf der Linken und äußersten Linken.) Der Vorsitzende H e r r i o t verlas daraus die Geschäftsordnung, derzufolge keine Interpellation in Verbindung mit den Ergänzungskrediten erörtert werden dürfe. Der Abgeordnete Vallart bestand jedoch unter heftigem Lärm auf der Linken und Beifall auf der Rechten weiter auf feiner Forderung. Er lasse sich nicht von Angehörigen einer Partei beleidigen, die Spione und Verräter in ihren Reihen zähle. Herriot erteilte dem Abgeordneten daraufhin einen Ordnungsverweis und hob die Sitzung auf. Nach kurzer Pause nahm die Kammer mit 483 gegen 80 Stimmen die von der Regierung beantragten Ergänzungskredite an. »Solidaritätsspende" sozialistischer Parlamentarier. Paris, 13. Aug. (DNB.) Die sozialistische Kammerfraktion gab nachstehende Verlautbarung heraus: „Um in wirksamer Weise d i e Drüber« licken Gefühle gegenüber dem spanischen Volk zum Ausdruck zu bringen, das um seine Regierung geschart, für die Verteidigung der republikanischen ' (Einrichtungen und Freiheit kämpft, hat die sozialistische Fraktion die Eröffnung einer freiwilligen Solidarit ätsfpende beschlossen, an der sich alle sozialistischen Abgeordneten und Senatoren mit einem Beitrag von 50 Francs beteiligen werden." Kommunistische Mordtaten. Paris, 14. Aug. (DNB. Funkspruch.) Wie „Echo de Paris" meldet, sollen 14 nationali- stische Geiseln aus Tolosa von den Marxisten nach San Sebastian gebracht und dort erschossen worden sein. Kurz zuvor habe man in San Sebastian 56 aktive Offiziere und eine Anzahl Reserveoffiziere erschossen, weil sie nationalistisch gesinnt gewesen seien. In der Nähe des portugiesischen Grenzortes Campo Maior überschritt eine größere Abteilung spanischer Kommunisten die Grenze und drang in portugiesisches Gebiet ein. Die Kommunisten bemächtigten sich eines Obersten der spanischen Nationalisten, der sich nach Portugal geflüchtet hatte. Die portugiesischen Grenzbeamten waren der Uebermacht gegenüber nicht in der Lage, das Eindringen der Kommunisten zu verhindern. Die Kommunisten erschossen den Oberst auf portugiesischem Boden und verschwanden bann über bie Grenze. AM Erfolge der Aalionalisten. Kritische Lage in Madrid.-San Sebastian vor dem $o(L Coruna Pamp/on Q Saragossa —I rOMOSlERRA Terue! Badajoz Cartagena ignca 8w90So Soria. Valladolid n O V) Gudad Ä w Reale _ • . (Albacete O Cordoba j (Madrid Alcantara ^jJoledo Oviedo Leone FRANKREICH Hendaue. Valencia IBIZA _ h v *[Alican/p ßr Hueiva oSevina Cadif^ la Linea Algecir Bilbaoe Barcelona \ALUORCA 'GIBRALTAR Die weißen Pfeile stellen die Militärgruppe, die schwarzen die Volksfront dar. Sie deuten an, daß hier größere Kampfhandlungen im Gange find. Die Darstellung erfolgte auf Grund der letzten Nachrichten, die jedoch im einzelnen nicht alle überprüfbar sind. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Hendaye, 14. Aug. (DNB. Funkspruch.) Die von den spanischen Sendern in der Nacht zum Freitag verbreiteten Meldungen ergeben folgendes Bild: Truppen der Militärgruppe haben sich Donnerstag abend weitere 6 Kilometer an Santander herangearbeitet. Badajoz ist von den Nationalisten nach mehrstündiger Beschießung zur Hälfte eingenommen worden; in dem westlichen Teil der Stadt wird noch gekämpft. Auf der Strecke Merida—Madrid konnten die Truppen des Generals Franco die 120 Kilometer südwestlich von Madrid liegende Stadt Talavera in ihren Besitz bringen und zahlreiche Gefangene machen. Dor Malaga warf ein Flugzeug der Nationalisten Bomben auf den Kreuzer „Jaimes I" ab. Das Kriegsschiff soll infolge der erlittenen schweren Havarien gesunken sein. Die anderen Kriegsschiffe der Madrider Linksregierung find zu der Militärgruppe übergangen. In Antequera bombardierten Flugzeuge der Marxisten das Lazarett und ein Krankenhaus. In San Sebastian erwartet man stündlich den Einmarsch der nationalistischen Truppen. Die „Revolutionskomitees" befehlen die Einwohnerschaft in die Keller zum Schutz gegen Artillerie- und Fliegerwirkung. Ferner wurden die Einwohner aufgefordert, keinen Gebrauch von der Waffe gegen Flieger der Militärgruppe zu machen um Vergeltungsmaßnahmen zu vermeiden. Die Stimmung in der Stadt soll auf den Nullpunkt gefallen fein. Der Ort Renteria auf der Strecke Jrun—San Sebastian ist ebenfalls mit Bomben belegt worden. In Alicante liegt angeblich ebenso wie in Valencia ein Kriegsschiff für bie M a - drider Regierung bereit, das ihr die Flucht ermöglichen soll, falls Madrid fällt. Nach einem hier aufgefangenen Funkspruch aus Madrid soll sich dort die Lage von Tag zu Tag verschlechtern. In der Stadt haben sich Revolutionstribu- n a I e gebildet. Erschießungen und Schießereien werden fortgesetzt. Die Regierung scheint kaum noch Herrin der Lage zu sein. Es hat den Anschein, als trieben die Dinge rasch einer schweren Krise zu. Der Sender Madrid hat einen Rundruf an die „republikanischen Länder Europas" verbreitet, in dem diese Länder aufgeforbert werden, nicht neutral zu bleiben, sondern der amtlichen spanischen Regierung ihre Unterstützung zuteil werden zu lassen. Der Sender Burgos teilt mit, daß der Vatikan bei der Madrider Regierung erneut wegen der zahllosen Ermordungen von Geistlichen durch die Kommunisten vorstellig geworden sei. Die Madrider Regierung soll versucht haben, die Eingeborenen in Marokko dazu aufzuhetzen, General Franco in den Rücken zu fallen. Als Antwort auf diese Machenschaften habe der größte Stamm dem General Franco 1000 Krieger zum Kampf gegen die Marxisten zur Verfügung gestellt. Der Sender Madrid verkündet, daß ihre Regierungsflugzeuge 5 Tonnen Bomben über Granada, das in den Händen der Nationalisten ist, abgeworfen hätten. Don anderer Seite wird hierzu gemeldet, daß diese Bomben einen Teil der Alhambra zerstört hätten. und monatlich gegen 5000 Verletzte zu beklagen sind, um von den erschreckenden amerikanischen Ziffern zu schweigen, so ist die Verlustliste dieses Krieges erstaunlich gering und die Krankenziffer geradezu ein Idyll, gemessen an den Hekatomben, die den Italienern geweissagt wurden. Nicht nur die woderneTechnik hat eben an Kriegswaffen und Straßenbaumaschinen einen glänzenden Sieg da- oongetragen, sondern auch die ärztliche Wissenschaft. Sie ist der gefährlichsten Seuchen Herr geworden, bevor sie der Armee in den Rücken fallen konnten. Seit Italien das Land besetzt hat, werden die Schelme bestraft und die ehrlichen Menschen geschützt, die Kranken gepflegt, bie Armen unterstützt, die Arbeiter bezahlt und die Kinder gehen in die Schule. So hat Ras S e j u m kurz und bündig sein Urteil zusammengefaßt, als er fick dieser Tage feierlich unterwarf. Auf seinem Würdenträgermantel, der ihn als aus königlichem Geblüt stammend auszeichnet, glänzte ein hoher Orden der italienischen Krone. Unter großen, auf die (Eingeborenen Eindruck machenden Zeremonien finden alle diese Unterwerfungen statt, die einander fast so regelmäßig folgen wie die Regentage, und jeder Häuptling unterschreibt eine Urkunde, mit der er sich verpflichtet, keine andere Autorität als die des Königs und Kaisers Viktor Emanuel anzuerkennen. Dabei regiert Graziani mit unerbittlicher Strenge. „Ihr habt in bett letzten Tagen gesehen, daß wir Gewalt angewandt haben, doch waren wir nicht die Angreifer. Angegriffen, ziehen wir das Schwert, aber Zweck und Ziel unserer Aufgabe ist es, der Bevölkerung Friede und Ruhe, Arbeit und Gerechtigkeit zu verschaffen." Professor A f e w o r k, der frühere Gesandte des Negus in Rom, verglich im Rahmen der letzten Feier das Heute mit dem Gestern auf recht drastische Weise, indem er am Schlüsse erklärte, der eigentliche Feind Abessiniens sei immer der Abessinier selber gewesen. In Rom wie in Addis Abeba ist man sich darüber einig, daß die Säuberungen und Befriedungsaktion noch geraume Zeit in Anspruch nehmen wird, aber schon heute geht es in diesem Stück des dunklen Erdteils geordneter z« als, sagen wir einmal — m Spanien. Großartige Erfolge der deutschen weiter. Olympiasieger Berlin. Berliner Brief. Goldene und Silberne Medaille in der Oreffurprüfung.-Kathe Köhler erhält die „Bronzene" im Turmspringen. — Siege der holländischen Schwimmerinnen. — Norwegen erringt die Bronzene Medaille im Kußballwettbewerb. Es gab bisher noch keinen Wettkampftag der XI. Olympischen Spiele, an dem Deutschland nicht wenigstens eine Goldene Medaille errungen hat. Tag für Tag sorgte unsere Olympia-Mannschaft in den verschiedensten Disziplinen dafür, daß die Liste der errungenen Goldmedaillen erweitert wurde. An diesem Donnerstag nun, dem 12. Wettkampftag der Berliner Spiele, waren es die Reiter, die für Deutschland gleich zwei „Goldene" und eine „Silberne" herausholten. In der Großen Olympiadressur belegte Oblt. von Pollay auf „Kronos" den ersten Platz, Mas. Gerhard sicherte sich auf „Absinth" den zweiten Rang, und durch diese beiden ersten Plätze war Deutschland auch der Sieg in der Mannschaftswertung nicht zu nehmen. Als'Oberlandstallmeister Rau im Reiterstadion auf dem Maifeld diesen einzigartigen deutschen Sieg verkündete, brauste begeisterter Jubel der Zehntausende auf den überfüllten Zuschauertribünen über das Feld. Stundenlang währten am Mittwoch und Donnerstag die Kämpfe der Reiter, und immer von neuem wurden die Zuschauer, Fachleute wie Laien, hingerissen von der hohen reiterlichen Kunst und dem prachtvollen Pferdematerial in der Reitbahn. Noch größer aber war ihre Begeisterung, als der erste Reiterwettbewerb dieser Olympischen Spiele mit einem so überragenden deutschen Sieg endete. Die Bronzene Medaille errang Major D o d h a j s k y für Oesterreich, während in der Mannschaftswertung Frankreich und Schweden die Plätze hinter Deutschland belegten. Die Bronze-Medaille des Tages kam auf das Konto des deutschen Schwimmsportes, der mit Anni Köhler im Turmspringen der Frauen hinter zwei Amerikanerinnen den dritten Preis gewann. Damit ist die deutsche Medaillen-Gewinn- liste auf 21 Goldmedaillen, 19 Silber- und 26 Bronze-Medaillen angewachsen. Deutschlands schärfster Rivale auf sportlichem Gebiet, die Vereinigten Staaten von Nordamerika, kann nach den Ergebnissen dieses Tages 20 Gold-, 15 Silber- und 8 Bronze-Medaillen aufweisen. * Das Schwimm-Stadion war auck am Donnerstag wieder einer der Hauptanziehungspunkte für die Olympia-Besucher. Am Vormittag schon wurde das Turmspringen der Frauen entschieden. Auch hier kam die amerikanische Springer-Schule zu einem glanzvollen Erfolge. Olympia- Siegerin 1936 wurde Dorothy Hill- Poynton, die schon 1932 in Los Angeles für die USA. die Goldmedaille errungen hatte. Hinter der blonden Dorothy belegte ihre Landsmännin Velma Dünn mit knappem Punktrückstand den zweiten Platz vor der Deutschen Anni Köhler, die ebenfalls nur ganz knapp nach Punkten zurücklag. Die Japanerin O s a w a wurde Vierte, G i l l i s e n (USA.) Fünfte und Kono (Japan) Sechste. Die beiden Frankfurterinnen Aenne E h s ch e i d t und Anni Kapp wurden Achte bzw. Elfte. Am Vormittag wurden auch noch die Vorläufe zum 400-Meter-Freistilschwimmen der Frauen ausgetragen. An diesem Wettbewerb sind deutsche Frauen nicht beteiligt. Die vier Vorläufe zum 1500-Meter-Freistilschwim- men der Männer wurden auf den Vormittag und Nachmittag verteilt. Am Vormittag qualifizierte sich Arendt hinter Jshiharada (Japan) und L e i v e r s (England) im ersten Vorlauf für die Zwischenentscheidung. Am Nachmittag brachte Deutschland dann auch noch Freese, der Dritter hinter U t o (Japan) und F l a n a g a n (USA.) wurde, sowie Przywara, der ebenfalls Dritter hinter Christy (USA.) und Main- wright (England) wurde, für die Zwischenläufe durch. Auch im 200-Meter-Bru st schwimmen der Männer kamen zur Freude aller deutschen Zuschauer aus den Dorläufen Sietas, Balke und Heina in die Zwischenläufe. Sietas schwamm als Zweiter hinter dem in neuer olympischer Rekordzeit siegenden Japaner H a m u r o (2:42,5 Min.) ebenfalls eine Zeit, die noch unter dem 1932 von Tsuruta in Los Angeles aufgestellten Olympia- Rekord blieb. — In den Zwischenläufen zum 10 0» Meter-Rückenschwimmen der Männer sind dagegen die drei Deutschen Simon, Schwarz (als 6. und 7. im ersten Zwischenlauf) und Schlauch (als Vierter im zweiten , Zwischenlauf) ausgeschieden. Die zweite Goldmedaille dieses Tages im Schwimmen wurde im 100-Meter-Rücken- fchwimmen der Frauen vergeben. Holland kam hier zu einem großen Sieg durch Dina Senfs und Rie M a st e n b r o e k, die auf den beiden ersten Plätzen vor den Amerikanerinnen Alice B r i d g e s und Edith M o r t r i d g e einkamen. Im Wasserball wurden zwei Spiele der Endrunde um den fünften bis achten Platz ausgetragen. Holland besiegte Oe st erreich knapp mit 5:4 (2:3) und Schweden blieb gegen England mit 4:2 (2:1) erfolgreich. ♦ Im Fußball-Turnier kämpften im Reichs» sportfeld vor über 80 000 Zuschauern Norwegen und Polen um den dritten und vierten Platz. Die Norweger siegten nach einem spannenden Kampf etwas glücklich mit 3:2 (2:2) und gewannen dadurch die Bronzene Medaille. Das Endspiel um den Olympischen Sieg bestreiten Oesterreich und Italien am Samstag im Reichssportfeld. Im Hockey- Turnier wurde die Trostrunde mit drei Spielen abgeschlossen. Japan besiegte Dänemark mit 4:1 (1:0), Ungarn war über die spielstarken Belgier mit 1:0 (1:0) erfolgreich, und Afghanistan schlug USA. sicher mit 3:0 (1:0). Eine Wertung des Hockey-Trost-Turnieres erfolgt bekanntlich nicht. Im Basketball -Turnier qualifizierten sich die beiden favorisierten amerikanischen Mannschaften von USA. und Kanada für das Endspiel. USA. fertigte die Mexikaner sicher mit 25:10 (13:2) ab, und Kanada blieb über Polen ganz überlegen mit 42:15 (25:6) erfolgreich. Polen und Mexiko kämpfen am Freitag um die Bronze-Medaille. Uruguay und die Philippinen, die im letzten Ausscheidungstreffen Italien mit 32:14 (18:8) besiegten, um den fünften und sechsten Platz. In Grünau waren bei der Olympischen Ruder- Regatta am Donnerstag zwei deutsche Boote im Kampf. Der Wiking-Achter qualifizierte sich durch seinen Sieg im Hoffnungslauf für die Entscheidung und der deutsche Meister im Einer Gustav Schäfer gewann das erste Vorentscheidungsrennen klar vor Barrow (USA.), Girogio (Argentinien) und V e r e y (Polen), der bei 1500 Meter aüfgab. Schäfer steht nun mit den Vertretern der Schweiz, von USA., Oesterreich, Argentinien und Kanada im Entscheidungsrennen des Einers. Im Säbelfechten erreichte die deutsche Mannschaft zusammen mit Ungarn, Italien und Polen die Endrunde. Die deutschen Fechter — allen voran Erwin C a s m i r — schlugen sich glänzend und blieben in den entscheidenden Kämpfen der Vorendrunde immer Sieger. Auch bei den Boxern gab es am Donnerstag wieder große deutsche Erfolge. Außer Schmedes und Stasch befinden sich noch alle deutschen Boxer im Rennen. Kaiser schlug im Fliegengewicht den Uruguayer T r i c a n i c o nach PunkBerlin, 13. Aug. (DNB.) Im Olympia-Stadion veranstaltete die deutsche Wehrmacht am Donnerstagabend ein Konzert mit dem größten Aufgebot an Musikern, das wohl jemals in Deutschland ein musikalisches Programm bestritten hat. In Anwesenheit des Führers und Reichskanzlers legten unter der Leitung des Heeres- musikinspizienten Prof. Schmidt und Verdien und des Luftwaffenmusikinspizienten Prof. Husadel etwa 1800 deutsche Heeresmusiker und Spielleute vor 100 000 Zuschauern aus aller Welt ein Zeugnis ihrer Musizierkunst ab. In der Ehrenloge wohnten neben dem Führer und Reichskanzler der Oberbefehlshaber des Heeres Generaloberst Freiherr v. Fritsch und der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine Generaladmiral Raeder dem Konzert bei. Auf der Rasenfläche hatte man ein mit der Reichskriegsflagge umkleidetes hohes Podium für die Dirigenten und einen kleineren Sockel für den Tambourmajor der Spielmannszüge errichtet. Als kurz nach Einbruch der Dunkelheit der erste Scheinwerfer ausblitzte, leuchtete weithin eine riesige Kriegsflagge, die die ganze Anzeigentafel verdeckte. Punkt 2Ö Uhr kündigte ein Kommando den Beginn des Einmarsches der Musiker an. Mit dem Heeresmarsch „Preußens Gloria" ziehen unter Vorantritt der Mufikinspizienten der Wehrmachtteile 45 Musikkorps und 320 Spielleute vom Marathon-Tor her in die Kampfbahn ein, während an den Siegermasten die Reichskriegsflagge, flankiert von den olympischen Farben, aufsteiat. Eröffnet wird der lange Zug durch die Spielrnanns- züge, dann folgen die Musikkorps. Hell blitzen die Instrumente, sauber ausgerichtet wie in einer Spielzeugschachtel vollzieht sich der Aufmarsch. Gleichmäßig im Takt sieht man die Arme der Spielleute auffliegen, in deren Mitte in gleichen Abständen die weißen Mützen der Kriegsmarine aufleuchten. In breiter Front marschieren die Spielmannszüge mit der Front zur Ehrentribüne auf, die Musikzüge formieren sich mit der Front zum Dirigentenpult, im ersten Glied die Kesselpauker und die Fanfarenbläser der Kavallerie. Heeresmusikinspizient Verdien dirigiert den ersten Teil. Die klassische Musik, das Vorspiel zur Oper „Der Freischütz^ und die Ouvertüre zur Oper „Rienzi", meistern die Musikkorps mit gleicher Vollkommenheit wie die Militärmärsche, unter denen der Marsch der Landsknechte von Schreck besonders starken Beifall erntet. Unter Leitung des Musikinspizienten der Luftwaffe Professor Husadel folgen dann historische Märsche. Nach Abschluß des ersten Teils verlöschen die Scheinwerfer. Kommandos hallen durch die Dunkelheit, und zu Füßen des Olympischen Feuers durch das Marathontor beginnt der Einmarsch der Fackelträger, die den Großen Zapfenstreich eröffnen. Wie eine Perlschnur säumen die Fackelträger das große Oval, in zwei Gliedern schließen sie sich um die Musikkorps. Unter Leitung von Major H o f m e i st e r marschiert dann der Zapfenten, M u r a ch gelangte zu einem sicheren Punktsieg gegen den holländischen Weltergewichtler Beckers und Vogt sicherte sich gegen den Finnen K o i v o n e n ebenfalls den Punktentscheid. Oie Peruaner bleiben in Deutschland Berlin, 13. Aug. (DNB.) Dank der verständnisvollen Vermittlung des peruanischen Gesandten in Berlin hat die peruanische Olympiamannschaft beschlossen, nicht zu einem Freundschaftsspiel nach Frankreich zu reisen, sondern in Deutschland zu bleiben und hier ein deutsch-peruanisches Freundschaftsspiel auszutragen. Der Beschluß ist darauf zurückzuführen, daß die peruanische Mannschaft vermeiden will, daß ihre Abreise irgendwie als ein Affront gegen Deutschland aufgefaßt werden könnte. streich ein, zusammengestellt aus je einer Kompanie des Heeres, der Marine und der Luftwaffe. Fackelträger begleiten den Offizier, dessen Rappe im Takte der Musik tänzelt. Wie ein Schlag kehrt das Echo des Marschtritts von den Mauern der olympischen Sportstätte zurück. Der Major meldet dem Führer und Obersten Befehlshaber der Wehrmacht zur Ehrentribüne hinauf: „Großer Zapfenstreich mit 3200 Mann angetreten!" Schon setzt das Locken der Spielmannszüge ein, der Zapfenstreich der Fußtruppen folgt, dann der Zapfenstreich der berittenen Truppe. Aus der Ferne schallen die Fanfaren der Kavallerie. Spielmannszüge und Musikkorps brechen ab, die Soldaten entblößen auf das Kommando „Helm ab zum Gebet!" das Haupt, hunderttausend Menschen erheben sich von den Plätzen, und weihevoll steigt es auf zum Nachthimmel „Ich bete an die Macht der Liebe". Wieder locken dann die Spielleute. Das Lied der Deutschen und das Kampflied der Bewegung, mit- gefungen von den vielen Anwesenden, beschließen den Großen Zapfenstreich. Noch einmal formieren sich die 3200 Mann, und in Zwölferreihen ziehen die Truppen, die Spiel- mannszüae und die Musikkorps vor dem Führer vorüber. Alles springt von den Plätzen. Das Reichssportfeld gleicht einem brodelnden Kessel, bis im Marathontor die letzte Fackel verschwunden ist. Empfang beim Rüforer. Berlin, 13. Aug. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler gab gestern zu Ehren ausländischer Olympiagäste ein Abendessen, an dem teilnahmen: Sir Robert Vansittart und Lady V a n s i t t a r t, der königl. britische Botschafter Sir Eric P h i p p s, Lord und Lady R e n n e l l, Lord und Lady Aberdare, Lord B a r n b y , Lord Clydesdale, Ward P r i c e, Gräfin C a l v i d i B e r g o l o, Prinzessin von Savoyen, Graf und Gräfin Baillet-Latour, Botschafter a. D. Dr. Schur mann, der polnische Staatssekretär Graf S z e m b e k und Gräfin Szembeck, der polnische Botschafter L i p s k i, der ungarische Finanzminister von Fabinyi und Frau, der ungarische General der Kavallerie von H o r t h y , der königlich ungarische Gesandte Sztojay, der jugoslawische Minister Dr. R o g i c und Frau, der königl. jugoslawische Gesandte Cincar-Markowic und Frau, der Staatssekretär der Südafrikanischen Union van Rendsburg, der Gesandte der Südafrikanischen Uniton Dr. G i e und Frau sowie Konrad Henlein- Prag. Ferner waren die Mitglieder der Reichsregierung und eine Reihe weiterer Ehrengäste mit ihren Damen anwesend. Nach dem Essen erfreuten Maria Müller, Constanze Nettesheim, Rudolf Bockelmann, Josef von Manow a r da, Michael R a u ch e i s e n, Heinrich S ch l u s n u s und Walter Ludwig die Gäste durch Gaben ihrer Kunst. Die Olympischen Spiele in Berlin nähern sich nach vierzehntägiger Dauer ihrem Ende. Noch immer aber herrschen der Jubel und die Begeisterung des ersten glanzvollen Eröffnungstages. Wer geglaubt hatte, daß die Anteilnahme an den Wettkämpfen auf dem Reichssportfeld nach dem ersten Rausch allmählich nachlassen würde, und etwa hieran die Hoffnung geknüpft hatte, vielleicht doch noch eine Karte für das Olympia-Stadion zu erwischen, mußte sich eines besseren belehren lassen. Tag für Tag war das Olympia-Stadion ausverkauft! Tag für Tag saßen in ihm hunderttausend Zuschauer, ja an einem Tage hat man es sogar durch geschickte Ausnutzung der oberen „Kante" des steinernen Ovals verstanden, 125 000 Zuschauer unterzubringen. Völlig aussichtslos aber ist der in diesen Tagen immer wieder unternommene Versuch, etwa noch einer Karte zur S ch l u ß f e i e r der Olympischen Spiele am Sonntagnachmittag habhaft zu werden. Schon seit Wochen sind alle Karten vergriffen. Alles Bitten und Betteln, „hintenherum" zu einer Eintrittskarte zu kommen, ist vergebens. Selbst die lockendsten Angebote werden lachend ausgeschlagen. Jeder will seine mühsam errungene Karte selbst ausnutzen, um an dieser erhebenden Schlußfeier der XI. Olympischen Spiele teilnehmen zu können. Wie die Begeisterung und der Jubel keine Minderung erfahren hat, so auch nicht die Bewunderung einer ganzen Welt über die glänzende Organisation, die Deutschland bei diesen Spielen gezeigt hat. Bedenkt man, mit welchem Vorurteil und, mitunter auch, mit welchem Mißtrauen so mancher Ausländer die Grenzen des Deutschen Reiches überschritten hat, so können wir Deutsche froh und stolz sein, daß der Erfolg der Berliner Spiele so vorbehaltlos und offen vom gesamten Auslande zugegeben wird. Das schönste Lob und die beste Anerkennung aber sprach wohl jener Gast aus den Vereinigten Staaten aus, der da meinte, daß der eigentliche Olympiasieger — Berlin sei, denn Berlin habe bei der Herrichtung der Olympischen Spiele einen bisher noch nicht erreichten Weltrekord erzielt! * Die Schlußfeier im. Olympia-Stadion ist übrigens nicht die einzige Veranstaltung, die die Olympischen Spiele krönen wird. Einem gemeinsamen Mittagessen der Generalsekretäre aller Olympischen Komitees, das am Samstag auf den herrlich gelegenen „Terrassen am Stadion" eingenommen werden wird, folgt am Abend das große S o m m e r f e st des Neichsministers für Volksaufklärung und Propaganda. Das Fest findet in den Räumen des Schlosses Babelsberg bei Potsdam statt. Noch einmal werden so die Vertreter von mehr als fünfzig Nationen Gäste der deutschen Reichsregierung sein. Und wenn jüngst gesagt wurde, daß die Olympischen Spiele eine weit größere Bedeutung als die „Spiele" des Genfer Völkerbundes hätten, so wird vielleicht auch dieser „Völkerbundsabend" im Schloß Babelsberg auf das künftige Schicksal der Welt einen größeren Einfluß ausüoen als die zündende Rede, die je in Genf — abgelesen wurde! Am Sonntagabend werden sich dann noch einmal sämtliche aktive Teilnehmer zu einem Fe st in der „Deutschlandhalle" vereinigen, zu einem letzten Berliner Kameradschaftsabend der Jugend der Welt ♦ Aber noch ist das Ende der Olympischen Spiele nicht gekommen, noch durchrasen stürmische Beifallswellen das weite Rund des Stadions, die, während diese Zeilen geschrieben werden, ein sommerwarmer Abendwind bis zu den geöffneten Fenstern der Wohnungen von Spandau-Pichelsdorf trägt; noch erklingen zur Siegerehrung die Nationalhymnen der Völker; noch erstrahlt der Himmel vom hellen Glanz der Scheinwerfer und Bogenlampen; noch drängen sich begeisterte Zuschauermassen in den Wandelgängen des Stadions. Wenn diese Wandelgänge sprechen könnten! Was haben sie nicht alles erlebt! Neben der atemlosen Spannung, neben dem orkanartigen Brausen des Beifalls auch viele lustige Auftritte und Begebenheiten. Denn hier traf sich eine Welt, die sich wohl mit dem Herzen, oft aber nicht mit der Sprache verstand. * Hier war es auch, wo ein junger Berliner Pimpf, der sich mit seinen Eltern vor dem Stadion treffen wollte, von Gruppe zu Gruppe, von einem Aufseher zum andern lief und, fast schon dem Weinen nahe, immer wieder vergebens nach dem „Cousin- Platz" fragte. Niemand konnte Auskunft geben. Denn wo im weiten Berlin mag nur der „Cousin- Das Olympische Jener in kiel erloschen. Nach Beendigung der Segel-Olympiade fand an der Bellevue-Brücke in Kiel bei Fackelbeleuchtung die Schlußfeier der Segler° kämpfe statt. Der Führer des Deutschen Seglerverbandes, Oberslleutnant K e w i f ch, gab nach der Siegerehrung den Befehl zum Niederholen der Olympischen Flagge und zum Löschen des Olympischen Feuers auf der Hansekogge. Im Vordergrund auf dem Podium sieht man die siegreichen deutschen Segler» — (Scherl-Bilderdienst-M.) Der Führer beim Konzert her Wehrmacht im Olympia-Stadion. Platz" liegen? Und doch hat der kleine Pimpf endlich sein Ziel erreicht, als ihn nämlich einer, den er fragte, mißverstand und ihn nach dem — C 0 u - bertrn-Dlatz wies, wo er auch richtig seine Eltern fand. Der greise Baron de Coubertin, der Schöpfer der Olympischen Spiele der Welt, dem zu Ehren man dem Platz vor dem Südtor des Stadions seinen Namen gab, würde wohl herzlich auflachen, wenn er von diesem Mißgeschick des kleinen Berliner Pimpfen hören würde. ♦ Wie sich am Reichssportfeld die Massen drängen und stoßen, so auch unter den „Linden" und ganz besonders an der historischen Kranzler- E ck e. Diese Ecke, an der sich das alte Cafe Kranz- ler befindet, besitzt von jeher internationalen Ruhm. Hier trifft sich seit undenklicher Zeit die Welt und gibt sich bei einer Tasse Kaffee ein Stelldichein. Und — beim olympischen Zeus! — auch jetzt wieder ist diese Ecke Mittel- und Treffpunkt der Welt gewesen. Don neuem hat sie ihren Ruf befestigen können? Denn an dieser Ecke trafen sich an einem Nachmittag der Olympischen Spiele zwei riesengroße Kraftwagen. Der eine kam die Friedrichstraße, der andere die „Lindep" herauf. Plötzlich ein markerschütternder, doppelter Freudenschrei! Zwei Freunde, in zwei verschiedenen Staaten Nordamerikas beheimatet, sahen sich seit vielen, vielen Jahren, zum erstenmal wieder. Aber nicht tn ihrer amerikanischen Heimat, sondern eben — an der Kranzler-Ecke in Berlin! Es bedurfte aller Kunst des den Verkehr regelnden Wachtmeisters, um die beiden, sich heißumarmenden Freunde zu veranlassen, ihre Wiedersehensfreude um etliche Minuten hinaus» und die inzwischen herrenlos parkenden Kraftwagen vom Schnittpunkt Friedrichstraße- Unter den Linden wegzuschieben! ImSegelflugzeug von Berlin nach Kiel Berlin, 13. Aug. (DNB.) Der ungarische Segelflieger Rotter bat dieser Tage mit einem Segelflugzeug eigener Konstruktion, das er eigens für Streckenflüge konstruiert hat, einen Ueberland- flug vorn Sportflughafen Rangsdorf bei Berlin nach Kiel-Holtenau ausgeführt. Rotter ließ sich um 12.30 Uhr in Rangsdorf von einem Motorflugzeug 400 Meter hochschleppen, gewann infolge thermischer Aufwinde größere Höhe und ging in nördlicher Richtung auf Strecke. Er flog über Berlin, Schwerin, Lübeck, Kiel und landete um 17.40 Uhr in Holtenau bei Kiel, nachdem er vorher über der Kieler Bucht mehrere Loopings ausgeführt hatte. Graf Baillet-Latour, Dr. Lewald, Staatssekretär General der Flieger Milch und Reichsluftsportführer Oberst Mahnte beglückwünschten telegraphisch den erfolgreichen Segelflieger. Wie sieht es in der Wirtschaft aus? Berlin erweckt in diesen Tagen mit seiner durch keine Polizeistunden gehemmten Unruhe den Eindruck einer Weltstadt. Fremde Sprachen klingen durch die Straßen, durch die Verkehrsmittel, durch die Geschäfte. Fremde Trachten, fremde Gesichter auf allen Straßen. Nicht nur Sportler find es, die in diesen Tagen die Stadt bevölkern, sondern eine ganze Äeihe Menschen aus aller Herren Länder, die das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden und neben dem sportlichen das wirtschaftliche Leben Deutschlands studieren. Immer wieder hört man die Versicherung von Ausländern, daß sie über die Vielgestalttgkeit und die starke Zusammenballung wirtschaftlicher Unternehmungen in der Reichshauptstadt höchst überrascht sind. Das kann nicht weiter wundernehmen, wenn man berücksichtigt, daß saft alle Wirtschaftszweige hier mit großen, angesehenen Unternehmungen vertreten sind. Berlin ist eines der großen Schaufenster des Reiches. Allein ein Drittel aller in der elektrotechnischen Industrie Deutschlands Beschäftigten sind in der Reichshauptstadt tätig, lieber 50 000 Betriebe des Bekleidungsgewerbes haben hier ihren Sitz. Optische, feinmechanische Fabriken, Maschinenbau, Apparate- und Fahrzeugbau, Eisenwaren-, Stahlwaren- und Metallwaren-Fabri- ken sind in dieser Weltstadt Mitteleuropas vertreten. Die bedeutsamsten Organisationen des Groß- und Einzelhandels sind hier zu Hause. Um den Olympia-Besuchern ein anschauliches Bild von den Leistungen der Wirtschaft der Reichshauptstadt zu geben, wurde kurz vor dem Beginn der Olympischen Spiele in dem alten Exportviertel Berlins eine Werbemu st erschau ins Leben gerufen, die als ständige Messe gedacht ist. In dem „Exportblock Ritterstraße" haben mehr als 1200 Firmen der deutschen Wirtschaft eigene Musterlager. Diese Werbemusterschau hat nicht die Aufgabe, an Ort und Stelle Aufträge entgegenzunehmen, sondern sie -soll an Hand einer kleinen Auswahl dem Fachvertreter, der in die Reichshauptstadt kommt, einen Ueberblick über die Firmen verschaffen, die auf dieser Werbemusterschau durch ihre Erzeugnisse vertreten sind. Gezeigt werden, um nur einige Gebiete herauszugreifen, Glas-, Porzellan- und Keramikartikel, Lederwaren jeder Art, Spielzeug und Christbaumschmuck, Eisen-, Stahl- und Metallwaren, elektrotechnische Erzeugnisse, Beleuchtungsgegenstände, kurz und gut, eine Fülle von Fertigwaren, die eine wichtige Rolle im deutschen Ausfuhrgeschäft spielen. ♦ Der Ausländer, der sich in dieser Werbeschau umsieht, findet ebenso wie der Inländer einen eindrucksvollen Ueberblick von dem deutschen Qualitätsschaffen. Eine Frage die in diesen Tagen begreiflicherweise oft gestellt wird lautet: Was kaufen di e Olympia-Besucher hauptsächlich? Bei dieser Frage ist vor allem an die vielen kleinen und größeren Dinge gedacht, die der Olympia-Besucher für sich selbst als Reiseerinnerung an Deutschland und als Reisemitbringsel für die Sei- nigen kauft. Wider Erwarten werden die als Olympia-Waren gekennzeichneten Artikel weniger gekauft als gerade die deutschen Qualitätserzeugnisse, die seit jeher Weltruf haben und sich aller deutschlandfeindlicher Propaganda zum Trotz auch in den letzten Jahren im Ausland behauptet haben. Größter Wert wird dabei bei allen diesen Artikeln auf die Kennzeichnung der Ware als deutsche Ware gelegt. Fast alle Olympia-Besucher kaufen Spielsachen und unter diesen wieder hauptsächlich solche, die beweglich sind und aufgedreht werden müssen wie beispielsweise Autos und Tanks in kleineren und größeren Ausführungen. Zur größten Ueberraschung ist die Nachfrage nach Bernstein- schmuck ungewöhnlich rege. Vor allem Armbänder in dem gelben Ambra sind beliebte Mitbringsel. Kleine Schmuckstücke in Gold und Silber, Zigarettenetuis und Puderdosen werden ebenfalls viel und gern gekauft. Starkes Interesse zeigt sich für Schirme, Schallplatten mit neuen Schlagern oder mit den deutschen Nationalliedern, sowie mit dem Olympischen Marsch „Im Olympischen Dorf". Unter den Musikinstrumenten werden vor allem Mundharmonikas verlangt. Die Jugend, namentlich die studierende, interessiert sich für bayerische Maßkrüge in allen erdenklichen Ausführungen. Und dann die Erzeugnisse der Optik! Brillen und Photoapparate wurden gekauft, daß manche Lager fast geräumt sind. Ein neuer Beweis für den Qualitätsruf dieser Waren. Schon im vergangenen Jahr zeigte übrigens die deutsche Photo-Apparateausfuhr eine beträchtliche Steigerung. Im ersten Halbjahr 1936 stieg sie auf 3410 Doppelzentner gegenüber 2834 Doppelzentner zur gleichen Zeit des Vorjahres. Auch wertmäßig ist die Ausfuhr gestiegen, die stärksten Abnehmer unter den überseeischen Käufern find die Vereinigten Staaten und Japan. Unter den europäischen Käufern spielt vor allem England eine gewichtige Rolle. Die im Ausland ausgegebenen Fahrscheinhefte geben ebenso wie die Anmeldungen zur Leipziger H e r b ft m e f f e (30. August bis 3. September) und der Königsberger Ostmesse (23. bis 26. August) einen zuverlässigen Anhaltspunkt dafür, daß zahlreiche Olympiabesucher an diesen großen Wirtschaftsveranstaltungen des Reiches teilnehmen werden. So können beide Messe-Veranstaltungen mit einem ansehnlichen Geschäft rechnen. Dieser starke Auslandzuspruch ist namentlich für K ö - n i g s b e r g Anlaß zu besonderer Zufriedenheit. Im Gegensatz zu manch anderer Nachkriegs-Messe- grünbung hat die Ostmesse, die erst 1925 ins Leben gerufen wurde, ihre Lebensfähigkeit in den letzten Iabren immer wieder aufs neue bewiesen. Die von Jahr zu Jahr steigende Zahl der Aussteller und Besucher zeigt, daß sie einen außerordentlich wichtigen Faktor im Wirtschaftsleben des gesamten Ostens darstellt. Sie ist recht eigentlich Deutschlands Schaufenster für Osteuropa. Sowohl die Inländer wie die osteuropäischen Einkäufer haben die Bedeutung der Ostmesse erkannt und nehmen daher immer mehr die Gelegenheit zu diesem Messebesuch wahr. Der Abschluß des neuen deutsch-litauischen Wirtschaftsvertrages bietet eine wichtige Voraussetzung zur Neubelebung auch dieser seit Jahren stockenden Wirtschaftsbeziehungen. Estland ist erstmalig mit einer Kollektivausstellung seiner Landeserzeugnisse beteiligt. Die Tür- fei und Lettland erweitern ihre Sammelausstellungen und auch Polen wird durch eine Kollektivausstellung vertreten sein. Britisch-Jn- dien, das in den letzten Jahren auf der deutschen Ostmesse ausstellte, hat sich auf Grund der vorjährigen Verkaufserfolge ebenfalls wieder angemeldet. Besuch bei der brasilianischen Zechimeisierin. Hilde von puttkamers Eindrücke in Deutschland. Mit welcher Begeisterung Deutschland seine Olympia-Gäste empfangen hat, dafür werden tag» täglich in Berlin Beweise genug geliefert. Eine besondere Freude ist es aber für die Gastgeber, wenn es sich um Gäste aus Ueberfee handelt, die deutscher Abstammung sind, die die Farben eines fernen Landes vertreten, das ihr rechtmäßiges Vaterland ist und die doch zugleich in Deutschland die alte und unverlierbare Heimat ihres Blutes grüßen. Diese Gäste, die durch Herkunft und Schicksal den olympischen Gedanken des Dölkerfriedens doppelt lebendig in sich selber verkörpern, sie find keine Fremden, sondern vielmehr erne, heimgekehrte Verwandte. So spüren sie es elber, und so spürt man es, wenn man mit ihnen pricht. Ein solcher Gast auf deutschem Boden und beim olympischen Fest ist Hilde von Puttkamer, die brasilianische Fechtmeisterin. Sie ist die einzige Fechterin, die Südamerika herübergeschickt hat, aber der Abstammung nach ist sie rein deutsch. Ihr Großvater väterlicherseits, aus einer alten pom- merschen Familie, ist 1860 nach Brasilien ausge- wandert, ihre Mutter ist Deutsche. Das große schlanke blonde junge Mädchen spricht ihre Muttersprache so vollkommen, so ohne jeden Akzent, daß man ihr das Brasilianerturn zuerst kaum glaubt. Auf eine diesbezügliche Bemerkung lächelt sie: „Ja, darauf halten wir sehr. Wir sprechen zu Hause immer deutsch." Fräulein von Puttkamer hat es sportlich nicht leicht gehabt. Noch 14 Tage vor ihrer Abreise wußte sie nicht, ob sie fahren würde oder nicht. Endlich war es entschieden, und das Schiss trug sie zusammen mit der brasilianischen und chilenischen Mannschaft deutschlandwärts. Es war das erstemal, daß sie sich anschickte, sich mit der Meisterklasse der ganzen Welt zu messen, und dann gleich Olympia — eine aufregende Sache! Sie ist, obgleich sie erst vor fünf Jahren angefangen hat, zu fechten, heute die unbestritten beste Fechterin Brasiliens, die ihre Meisterschaft in allen ihren letzten Turnieren siegreich unter Beweis gestellt hat. Aber so auf fremdem Baden, gegen Gegnerinnen, von denen manche bedeutend länger „dabei" sind, viele die internationale Erfahrung haben, die ihr fehlt, das ist doch noch ganz etwas anderes. Dazu hatte sie das Pech, sich zu Beginn ihres hiesigen Trainings eine Knie- verletzung zuzuziehen, wegen der sie sich in ärztliche Behandlung begehen mußte, und bann stieß sie gleich in ihren ersten Runden auf die besten Fechterinnen der Welt — Pech muß der Mensch schon haben! Trotzdem schlug Fräulein von Puttkamer sich tapfer durch eine ganze Reihe von Ausschel- bungskämpfen hindurch. Als sie dann endlich doch ausscheiden mußte, erklärte sie mit freier Offenheit, die anderen seien wirklich stärker als sie. Vielleicht ist sie gar zu bescheiden, da sie kein Wenn und Aber in Betracht zieht, gar keine entschuldigenden Gründe für sich sucht, jedenfalls kann man nicht mit mehr Anstand verlieren, und durch nichts drückt der wahre olympische Geist sich ja besser aus. Von Hause aus ist Hilde von Puttkamer eigentlich Reiterin. Sie hat in ihrem Leben mehr Siege in Reitturnieren davongetragen als im Fechten, und wenn sie nach etwas Heimweh hat, so ist es ihr Pferd, das sie uns gleich im Bild vor- führt. Aber sie hat gar nicht viel Zeit und Gelegenheit zu Heimweh. Dazu ist es viel, viel zu schon in Deutschland. Die Begeisterung ist unmittelbar und überströmend. Schwer für sie zu sagen, was am schönsten ist: die spontane Herzlichkeit, mit der die Gäste hier empfangen worden sind, die Stadt im Festschmuck, das Stadion in feiner überwältigend großartigen und sinnvollen Anlage, die beispiellos genau durchdachte und tadellos klap» penbe Organisation, die eindrucksvolle Eröffnungsfeier und das Festspiel... Doch, etwas ist zweifellos das Schönste: zu spüren, daß das olympische Fest hier bei uns ein wirk- liches Volksfest ist, und in tieferem Sinn dadurch überhaupt erst ein Fest, daß das ganze Volk sich wahrhaft in der großen festlichen Idee verbunden fühlt, daß es feinen Kellner, keinen Taxichauffeur, keinen kleinen Schuljungen gibt, der nicht von der allgemeinen Teilnahme und Begeisterung ergriffen wäre. Und gibt es nun auch etwas, was dem südlichen Gast nicht gefällt bei uns? Doch, das Wetter! Kalt, falt, falt ist es in Deutschland! Und das soll nun Hochsommer sein! In Brasilien gibt es so viel Sonne! Nach der Olympiade will Fräulein von Putt- famer noch ein paar Wochen in Deutschland bleiben, sie möchte Pommern, die alte Heimat ihrer Familie, besuchen, möchte München und die Berge sehen, Heidelbera und Nürnberg, Dresden und Weimar, furz alle die Stätten, wo deutscher Geist sich auf besondere Weise ausgesprochen hat, um, I wenn sie wieder in ihr Vaterland zurückgefehrt ist, deutsche Art und deutsches Wesen weiter zu tragen. 1 A. v. P. Zur Erleichterung des Messebesuches werden aus vielen Staaten des Ostseeraumes Sonderfahrten zur Deutschen Ostmesse veranstaltet und wenn nicht alle Zeichen trügen, so wird hie diesjährige Ostmesse einen beachtlichen nacholympischen Rekord erzielen. Inmitten des wirtschaftlichen Lebens wird eigentlich bei uns in Deutschland noch viel zu wenig Auf- merffamfeit den großen Vorgängen in der Landwirtschaft zugewandt. So wichtige Ziffern wie die Erntevorschätzungen, die doch einen geradezu beherrschenden Einfluß über weite Gebiete des wirtschaftlichen Lebens ausüben, gehen einfach im Getümmel des Tages unter. Die erste Erntevorschätzung zu Anfang Juli ist jetzt durch die zweite vom Anfang Auaust überholt worden. In der Zwischenzeit gingen so ungewöhnlich viele Gewitter über Deutschland nieder, daß hie und da ernste Befürchtungen für die Eindringung der Ernte aufgetaucht waren. Darum freuen wir uns doppelt, daß der Rückgang der Augustschätzung gegenüber der über mittelguten Julischätzung in der Getreideernte sich nur auf 570 000 Tonnen beläuft. Damit würde der diesjährige Ernteertrag immer noch u m 1,2 Millionen Tonnen größer fein als der von 1935. Diese Menge unterteilt sich in 12,88 Millionen Tonnen Brotgetreide, 9,32 Millionen Tonnen Gerste und Hafer und eine Million Tonnen Meng-Getreide. Nach der zweiten Schätzung hat der Winterroggen am stärksten unter der Witterung gelitten. Jetzt aber steht schon fest, daß der Bedarf an Brotgetreide restlos in Roggen- und Weizenmehl aus der diesjährigen Ernte gedeckt werden kann. Ganz genaue Ziffern und Schätzungen werden erst dann oorlieoen, wenn wir aus allen Gegenden des Reiches die ersten Druschproben zur Verfügung haben. Möglich, daß sich dann die Zahlen nach oben oder nach unten abrunden werden. Wir dürfen auch ohne weiteres annehmen, daß, so ungünstig die feuchte Witterung sich für die Einbringung der Getreideernte ausgewirkt haben mag, sie andererseits den Kartof ■ . fein, Rüben und Futtermitteln einen Auftrieb gegeben hat, der sich im Herbst recht erfreulich auswirken kann. Zahlen liegen uns darüber nicht vor. Wir können jedoch nach den bisherigen Ermittlungen mit einer guten Futtermittelernte rechnen. Das Institut für Konjunkturforschung hat inzwischen sehr bemerkenswerte Zahlen über die Zunahme der landwirtschaftlichen Verkaufserlöse herausgebracht. Sie sind im eben abgelaufenen Wirtschaftsjahr 1935/36 mit 8,8 Milliarden Mark eine halbe Milliarde höher als im Vorjahr. Insgesamt haben sie gegenüber dem Tiefpunkt 1932/33 um rund 3 Milliarden angenommen, wenn man den Wert des Selbstverbrauches in der Landwirtschaft hinzurechnet. In diesen Ziffern sind auch recht bemerkenswerte Angaben über die Umstellungen innerhalb der Landwirtschaft in der Erzeugung von wirtschaftseigenem Futter enthalten. Der Verbrauch ausländischer Oelkuchen geht um eine Million Tonnen zurück. Eine Million Tonnen, das sind gleich 9 Millionen Tonnen Wiesenheu in Futterwert. Da wir 22 Millionen Tonnen an Wiesenheu ernten, bedeutet dieser Verbrauchsrückgang etwa 40 v. H. einer durchschnittlichen Heuernte. Andererseits ist jedoch weder die Zahl unserer Schweine noch unserer Milchproduktion gefallen. Ein Beweis für die erstaunlichen Fortschritte, die die Erzeugungsschlacht innerhalb der Landwirtschaft in den letzten drei Jahren gemacht hat. * In Verfolg der Neuregelung der Beziehungen zwischen Deutschland und Oefterreijf) vom 11. Juli 1936 ist nun auch ein neues Wirtschaftsabkommen getroffen worden, das für Oesterreich eine wesentliche Entlastung bedeutet. Oesterreichs Wirtschaftsnot war vor allem durch die Gebühr von tausend Mark verstärkt worden, die bei einer Ausreise nach Oesterreich in Deutschland gezahlt werden mußten. Darunter litt der Fremdenverkehr, nicht nur in Wien und im Semmering, sondern auch in den übrigen Bundesländern, weil der Anteil der Deutschen am Fremden- ( Spleen-Ernte 33 !) ^llllllllliilllllllllllllllli «ALYÄ* enthält nicht nur die zulässige Höchft- meng'e an Tabak.fondem - nach dem ALVA-Prin xip-hochwertige macedonifche Provenienzen: <71 RUNDE SORTE) verkehr immer geringer wurde, während doch gerade das Hotel- und Gastwirtsgewerbe aus diesem deutschen Fremdenverkehr in normalen weiten seine Haupteinnahmequelle hatte. Ferner wird der Warenaustausch neu geregelt, und zwar werden wir jetzt wieder Abnehmer für Oesterreichs Produkte wie Holz usw. Die Neuregelung wird in Oesterreich lebhaft begrüßt, denn sie stellt die natürliche Folge des politischen Sich-Wiederfindens der beiden Staaten dar. Der Finanzkontrolleur des Völkerbundes in Wien, der Holländer R o st von Tonningen, hat in einem Schreiben an den Sekretär des Völkerbundes auf Enthebung von seinem Posten gedrungen, weil dieser Posten jetzt völlig überflüssig sei, da das deutsch-österreichische Uebereinkommen die weitgehende Wirtschaftsgesundung Oesterreichs garantiere. Die Finanzkontrolle des Völkerbundes, Die seit 1931 besteht, wird also aufgehoben werden. Oesterreich ist nicht durch den Völkerbund, sondern durch seine Vertragspolitik mit Deutschland wieder auf einem aufsteigenden Ast. Die langsame Wiederankurbelung der Weltwirtschaft und die verstärkte Binnenkonjunktur in Deutschland, England und den Vereinigten Staaten hat auch auf die Kohlenförderung der Welt eine günstigen Einfluß ausgeübt. Die Produktionsziffern für Steinkohlen im letzten Halbjahr zeigen durchweg eine starke Zunahme, nur Polen hat einen Rückgang zu verzeichnen. Die Steinkohlenförderung entwickelte sich im ersten Halbjahr: 1936 (in Mill. 1935 Tonnen) Zu- oder Abnahme v. H. Welt 571,00 535,30 ,+ 6,7 USA. 209,27 197,35 ;+ 6,0 England 116,82 112,90 + 3,4 Deutsches Reich 75,52 67,26 +12,2 Frankreich 23,33 23,00 + 1,4 Belgien 13,46 12,91 + 4,2 Polen 12,97 13,42 — 3,3 Tschechoslowakei 5,56 5,02 +10,7 Nur Deutschland und die Tschechoslowakei liegen stark über dem Weltdurchschnitt. In der A u s f u h r ist ebenfalls eine starke Verlagerung eingetreten, und zwar hat Polen etwa 10 v. H. verloren, England 12,5 v. H., dagegen ist die deutsche Ausfuhr vor allem nach Italien um 12,5 v. H. gestiegen, insgesamt beträgt gegenüber 1934 die Steigerung der deutschen Kohlenausfuhr jetzt bereits 33,7 v. H. Das sind die Folgen der Sanktionspolitik für England. Auf dem Londoner Finanzmarkt trat eine weitere Abschwächung des französischen Franken ein, so daß französische Goldausfuhr wieder notwendig wurde und auch der britische Währungsausgleichfonds zur Stützung des Franken in Tätigkeit trat. Die Hintergründe sind schwer zu erkennen. In Paris selbst sind die Umsätze in fremden Zahlungsmitteln verhältnismäßig klein: die internationale Spekulation muß sich also wieder auf den Franken gerichtet haben. Dabei muß man berücksichtigen, daß selbst die 25- bis 30prozentige Erhöhung der Kosten der französischen Wirtschaft an und für sich nicht zur Abwertung zu treiben braucht, denn die bestehenden Gesetze genügen, um der Spekulation das Handwerk zu legen und die Kapitalflucht, die sich weiter fortsetzte, zu hindern. Das französische Kabinett kann mit den neuen Gesetzen jene Beträge zurückfördern, die bisher im Auslande Zuflucht suchten. Man schätzt die Summe der geflüchteten Frankenbeträge auf rund 60 Milliarden. Aber anscheinend geht man nicht mit der nötigen Energie vor, und die französische Regierung hat jetzt auch mit der Zeichnung für den sogenannten Babyfonds trotz aller Drohungen an die Adresse der Kapitalbesitzer einen Mißerfolg erlebt. Aus aller Welt. Der III. Internationale cichtforscherkongreß in Wiesbaden. Auf dem 3. Internationalen Lichtforscherkongreß, der vom 1. bis 7. September in Wiesbaden ab- gehalten wird, werden 98 wissenschaftliche Vorträge gehalten. Ihrer Nationalität nach stammen die Redner aus Brasilien, Dänemark, Deutschland, England, Finnland, Frankreich, Italien, Java, Jugoslawien Niederlande, Oesterreich, Polen, Portugal, San Salvador, Schweiz, Tschechoslowakei, Ungarn und USA. Die feierliche Eröffnung des Kongresses erfolgt durch die Ansprache des Schirmherrn des 3. Internationalen Lichtforscher-Kongresses, Reichsminister Dr. Frick. Den Festvortrag hält Professor Dr. phil. et med. h. c Rudolf Herzog-Gießen über bas Thema: „Das Licht im Glauben und Brauch der Zeiten und Völker." Festzug am Rhein-Mainischen Winzerlag in Mainz. Im Rahmen des „Rhein-Mainischen Winzertages" wird sich am Sonntag, 30. August, durch die Straßen des „goldenen Mainz" ein Festzug bewegen, der der größte sein wird, der je in Deutschland den Weinbau und das Winzertum zum Gegenstand hatte. Mainzer Künstler gestalten im Auftrag der 250 weinbautreibenden Gemeinden und der Kreise des Rhein-Main-Gebietes über 20 Festwagen, die die Geschlossenheit des größten deutschen Weinbaugebietes neben der Vielfältigkeit seines Qualitätsweinbaues zum Ausdruck bringen. Trachtengruppen, Kapellen usw. werden in Zugpausen das Brauchtum der Winzer der Westmark in Tanz und Lied darstellen. Die Haupttagung aller Weinbautreibenden des Rhein-Main-Gebiets und das mehrtägige Volksfest des Weinmarktes find weitere Veranstaltungen dieser Gemeinschaftskundgebung der westdeutschen Winzer. Heuer SdjeUenbaum für die Armee. Das Oberkommando des Heeres hat einen neuen Schellenbaum für die deutsche Armee einaeführt, der sich wesentlich von den bisherigen unterscheidet. Vor allen Dingen wird das Hoheitszeichen des nationalsozialistischen Reichs im Mittelfeld der Sonne angebracht. Die Sonne selbst, die früher in der Form des Gardesterns gehalten war, hat eine neue Form erhalten. Weiter zeigt der neue Schellenbaum auch beim Aufsatz des Adlers in einem Eichenkranz das Hakenkreuz. Schließlich ist der Schellenbaum leichter geworden. Statt der bisher bei seiner Konstruktion verwendeten Stahlstange wird nun Leichtmetall benutzt. Die Schellenbäume bisheriger Art sind aber aufzubrauchen, ehe die neuen verwendet werden dürfen. Eigenartiger Flugunfall. In Angouleme ereignete sich ein nicht alltägliches Flugzeugunglück. Die 16jährige Tochter eines Arztes, die Flugunterricht nimmt, hatte am Steuer eines Sportflugzeuges Platz genommen, während der Fluglehrer den Motor anwarf. Im gleichen Augenblick, als die Schülerin auf den Starter 'drückte, lief der Motor aus bisher nicht festgestellter Ursache sofort mit Vollgas, das Flugzeug erhob sich. Dem jungen Mädchen, das kaltes Blut bewahrte, gelang es, den Apparat in der Lust zu halten und 20 Minuten lang schleifend über den Flugplatz zu ziehen. Nun wurde auf dem Flugplatz Alarm gegeben. Ein Schiffpilot stieg in einem Flugzeug auf und versuchte vor dem Mädchen herfliegend ihr durch Zeichen klarzumachen, wie sie landen könnte, ohne Gas wegnehmen zu müssen. Das Mädchen versuchte dann mit 160-Stunden-Kilometer-Geschwindigkeit die Landung. Beim Ausrollen des Apparates stieß dieser jedoch gegen einen Baum am Rande des Flugplatzes, der Apparat überschlug sich und zertrümmerte. Das junge Mädchen wurde mit einem Schädelbruch und Rippenbrüchen geborgen. Es liegt in hoffnungslosem Zustande im Krankenhaus. Elf Todesopfer eines Kraftwagenunglücks in Mähren. Ein mit 16 Markthändlern und Waren stark überlasteter Lastkraftwagen geriet an einer steil abfallenden Straßenstelle bei dem Ort Rychal - titz ins Rutschen, fuhr an den Straßenrand und stürzte um. Hierbei wurden neun Personen auf der Stelle getötet, zwei andere starben auf dem Wege ins Krankenhaus. Der Fahrer hatte den Motor ausgeschaltet und sich vollkommen auf die Handbremse verlassen. Als diese versagten, verlor der Fahrer die Herrschaft über den Wagen. Vierköpfige Familie durch Pilze vergiftet. In dem Koblenz benachbarten K a pellen war am Sonntag eine vierköpfige Familie nach dem Genuß von Pilzen erkrankt. Der Zustand der 23 Jahre alten Tochter war besonders ernst, so daß sie in ein Koblenzer Krankenhaus eingeliefert werden mußte, wo sie an den Folgen der Vergiftung ftar b. Während der Vater und der Sohn auf dem Wege der Besserung sind, ist der Zustand der Mutter noch sehr ernst. Großfeuer in Lodz. In einer Spinnerei in Lodz brach ein Feuer aus, dem das Hauptgebäude mit erheblichen Rohstoffvorräten zum Opfer fiel. Die Belegschaft wurde von dem Feuer so überrascht, daß sie nicht mehr ins Freie gelangen konnte. Aus dem Erdgeschoß flüchteten die Arbeiter in das nächste Stockwerk. Als sie auch hier gefährdet wurden, zogen sie sich schließlich in das Dachgeschoß zurück und sprangen dann in die Tiefe, wo Rettungsmannschaften aus Wollballen Sprungmatratzen errichtet hatten. 17 Arbeiter mußten in ein Krankenhaus gebracht werden. Ein Schwerverletzter erlag feinen Wunden, drei schweben in Lebensgefahr. Riesige Waldbrände in den Vereinigten Staaten. Die anhaltende große Hitze hat in zahlreichen Bundesstaaten riesige Waldbrände hervorgerufen. 25 000 Arbeiter und Freiwillige bekämpfen in Wisconsin und Minnesota verschiedene große Brände, die mit rasender Geschwindigkeit um sich greifen und bereits zahlreiche Siedlungen, Dörfer und Kurorte zerstört haben oder bedrohen. Zehn Personen sind bereits in den Flammen umgekommen. Eine wirksame Bekämpfung der Waldbrände wird durch den großen Wassermangel sehr erschwert. Wetterbericht des Reichewetterdienftes. Ausgabeort Frankfurt. Der Durchbruch kühlerer Meeresluft, der auch am Donnerstag noch vielfach schauerartige Niederschläge hervorrief, hat wieder höheren Luftdruck über dem Festlande aufgebaut. Damit ist Besserung des Wetters eingetreten. Da jedoch über England weiter Wirbeltätigkeit im Gange ist und die im Westen langsam heranströmenden Luftmassen sehr feucht sind, ist beständiges und durchaus niederschlagsfreies Wetter nicht wahrscheinlich. Aussichten für Samstag: Veränderliche Bewölkung, zunächst auch teilweise aufgef)eitert, später Neigung zu örtlichen gewittrigen Niederschlägen. Tagestemperaturen zwischen 20 und 25 Grad Celsius. Schwache Winde aus südlicher Rich- tung. Aussichten für Sonntag: Teilweise auf- geheitert und angenehm warm, jedoch nicht störungsfrei. Lufttemperaturen am 13. August: mittags 19,7 Grad Celsius, abends 15,9 Grad: am 14. August: morgens 13,7 Grad. Maximum 20,5 Grad, Minimum heute nacht 12,1 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 13. August: abends 18,4 Grad; am 14. August: morgens 16,1 Grad. — Sonnenscheindauer 2,1 Stunden. — Niederschläge 1,6 mm. Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: i. 23. Dr. Fr. W. Lange; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. 2). 21. VII. 36: 9350. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts- Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. Eidechse •1 Kein Preisaufschlag. Gute Bedienung. Oberneuland'Brem n. 4441V jetzt dessen 1. 48,— RM. 2. 804,— 3. 41 475,— Iteibctemen o Wovor erschrecken sie? I Vermietungen | 2-ZllDn).-Wohfllinj I in.— fürmoncttl.RM. der tiefwirkend» FUSS - SCH AL KUR < Packung 0.50RM und mildem Bad 1.-RM in o ll'en A potheken und .Drogeri en Tanzkarten: Sonntag W.I.— Montag 50 Pf. Damen frei. 50320 Am Montag, dem 31. August 1936, 9 Uhr, werden im Amtsgerichtsgebäude Zimmer 204, die den a) Weihbäcker. Max, zu b) Marx, Elisabeths, dessen Verlobte, Ehefrau, zu Vi» beide verstorben, 4-Zimm. Wohn, sofort ob. später zu vermiet, ose?? (BieiöergerlDeflSS 35 - an alleinst. 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Gerne flüchtet man von dem trübetümpelig düster verhangenen Augusthimmel der rauhen Wirklichkeit in das heitere, sonnendurchglühte Ferrara, das die Phantasie Herbert Maischs mit einem bezau- bernd anmutigen Sommernachtsspuk im Stil des echten Boccaccio erfüllt hat. Ein verliebter, aber armer Gerichtsschreiber und Derseschmied und ein findiger Verleger tun sich zusammen, um Ferrara auf den Kopf zu stellen. Echte Lyrik stand, wenn man dem geschäftstüchtigen Herrn Calandrino glauben will, schon im Ferrara der Renaissance nicht grade hoch im Kurse, aber ein kühner Griff Ins volle Menschenleben, liebenswürdia erzählt und sensationell aufgemacht, fand schon damals reißenden Absatz. So kommen der Gerichtsschreiber Petruccio als Verfasser und Calandrino als Verleger beide auf ihre Kosten. Daß die Skandalgeschichten, die Petruccio unter Benutzung der Gerichtsakten schreibt, unter einem Pseudonym erscheinen müssen, ist selbstverständlich und erhöht den Reiz. Besonders die schönen Frauen Ferraras sind auf den geheimnisvollen „Boccaccio" gefpannt und bis an den Herzogshof bringt die fieberhafte Erregung. Der Herzog läßt zwar den Verleger Calandrino festnehmen, um den wahren Verfasser der amüsanten Büchlein zu erfahren, aber er benutzt nur allzu gerne die Maske des Boccaccio, um der schönen Fiametta, der Frau des Petruccio, nachzustellen. Daraus entspinnt sich ein an tollen Verwicklungen reiches Liebesspiel. Als schließlich der in contumaciam zum Tode verurteilte Boccaccio bei einem vieldeutigen Stelldichein auf dem großen Maskenfest des Herzogs entlarvt wird, muß der Herzog Gnade vor Recht ergehen lassen, um nicht selbst aum Gespött seiner Untertanen zu werden. Nach den heiter beschwingten Weisen Franz Doelles wirbelt dieses graziöse Spiel in hinreißendem Tempo vorüber. Die reizende Heli Finkenzeller und Willy Fritsch sind ein anmutig Der- liebtes Ehepaar, Albrecht Schoenhals ist der heißblütig galante Herzog, dem Francesca, die Herzogin (Gina F a 11 e n b e r g), immer charmant, scharf auf die Finger sieht. Ein lustiges Paar sind Paul Kemp als geschäftstüchtiger Verleger, der auch im Gefängnis nicht so leicht seinen Witz einbüßt und für die verzwickteste Situation einen guten Rat weiß, und Fita B e n k h o f f, seine naseweise Frau, der Neugier, Schalk und Abenteuerlust in den Augen sitzen. So viel unbeschwert heitere Fröhlichkeit und Grazie wird man selten beisammen sehen. — Im Beiprogramm wird in sehr hübschen und lehrreichen Aufnahmen für den Schutz der <5ing» vögel eindringlich geworben. Ferner sieht man noch einmal die Wochenschau vom Montag, aber vermehrt um eine Fülle von interessanten Bildern von den ersten Entscheidungskämpsen der Olympischen Spiele. Rumäniens Aufrüstung. Tschechischer Kredit für Tanklieferungen der Lkodgwerke. Bukarest, 13. Aug. (DNB.) Zwischen der rumänischen Regierung und den tschechoslowakischen Skodawerken wurde ein neuer Vertrag für die Lieferung von Tanks an die rumänische Armee abgeschlossen. Die Bezahlung der Lieferungen ist auf 10 Jahre aufgeteilt und beginnt ab 1938. Bekanntlich hat die Praßer Regierung Rumänien einen Kredit in der Höhe von 200 Millionen Tschechenkronen im Rahmen der letzten tschechischen Rüstungsanleihe eröffnet. Gegenwärtig werden zwischen der Bukarester Regierung und den Skodawerken Verhandlungen über die Errichtung einer neuenSprengstoffabrik in Rumänien geführt. Ueberhaupt ist die Organisierung einer engeren Zusammenarbeit zwischen den rumänischen und den tschechoslowakischen Rüstungsindustrien in Aussicht genommen. Während der letzten Verhandlungen soll von den Skodawerken auch die Begnadigung des ehemaligen Vertreters der Werke in Bukarest, Seiet; 'k i der vor drei Jahren menen Spionage verurteilt wurde und nunmehr die Strafe abbüßt, gefordert worden sein. Die Begnadigung soll im Oktober dieses Jahres erfolgen. Rumänien betreibt wie die übrigen europäischen Länder eine Aufrüstung größten Stils. Eine eigene Kriegsindustrie besitzt Rumänien nicht, mindestens ist diese Industrie nicht leistungsfähig genug, um ein umfangreiches Aufrüstungsprogramm durchfuhren zu können. Bisher kamen die Waffen Rumäniens in der Hauptsache aus Frankreich und aus der Tschechoslowakei. Franzosen und Tschechen liefern noch immer, allerdings ist die französische Rüstungsindustrie in letzter Zeit etwas zurückhaltender geworden. Dafür sind also nun die Skoda- werke, die übrigens von Schncider-Creuzot kontrolliert werden, in die Bresche gesprungen. Nun ergibt sich eine nicht uninteressante Frage: wird diese Ausrüstung der rumänischen Armee, wird überhaupt die rumänische Wehrmacht bei etwaigen militärischen Konflikten im Südosten mit aller Leidenschaft zum Schutze rumänischen Gebietes eingesetzt, oder sind unter der Hand schon so weitgehende Abmachungen getroffen worden, daß Rumänien, freiwillig oder unfreiwillig, das machen muß, was die Tschechoslowakei und die Sowjetunion bestimmen? Auf der bevorstehenden Konferenz der Kleinen En- t e n t e wird man dieses Problem berühren, denn nach dem Wunsche Titulescus sollen auch die Beziehungen Südslawiens zur So w j et- uni o n zur Sprache gebracht werden. Südslawien ist antibolschewistisch, es steht dem sowjetrussischtschechischen Bündnis ablehnend gegenüber, es hat auch bisher nichts unterlassen, um Rumänien dahin zu bringen, dem tschechisch-russischen Bündnis nicht beizutreten, sondern eine Riegelstellung zwischen Rußland und der Tschechei zu bilden. Titu- lescu schwimmt aber im Fahrwasser der Tschechen und der Bolschewisten. Er scheint sich nur bis jetzt noch nicht durchgesetzt zu haben, sonst hätte man über eine Schwenkung der Rumänen schon etwas mehr erfahren. Man muß also vorerst annehmen, daß die Tanks, die der tschechische Verbündete der Sowjetunion nach Rumänien liefert, dazu bestimmt sind, Rumänien gegen den bolschewistischen Bundesgenossen der Tschechoslowakei zu verteidigen. Die dänischen Bauernwehren. Kopenhagen, 13. Aug. /2% Rheinische Hyp. -Bank-Ligu.-Goldpse. ... 101,4 101,4 101,5 101,5 E.~ CO*' o ^3 •“ «' 8L? üol ® o £S)S' IT l5 s?§; = -"S,= £ o r p O 0 «t?£ßu LS§^’ t c 3 <§*Ek c?S So'a^c Z'Z^KZ g?o§ CD u 3 j- k . 3.2> s 6$ Ölg 4J 25 ” 0 Iß C H Q) E u «C-'E',.' U,$J tl Q J äfiSes$ t“S^; en a» o E ! E .O C fc c = ~ ; iS *> i O o E E>£ ©§=(£ ’e I 01 t5JU *° 0 u *• E, U2-O c> “ Q. 2Wf ® -iE-3 , Das Studium an der Universität Gießen arbeiten Das Referendarexamen wird beim Justizprufungs- amt in Darmstadt abgelegt. Es kann dort nicht nur von allen denjenigen Studierenden abgelegt werden, die in Hessen ihren Wohnsitz haben, sondern von allen, die in Gießen ein Semester studiert haben. Anderseits hindert das Studium in Gießen keinen Rechtsstudenten, das Referendareramen spater an demjenigen Oberlandesgericht abzulegen, in dessen Bezirk er seinen Wohnsitz hat. Zur Ablegung des Referendarexamens ist ein Studium von sechs Semestern erforderlich. Doch wird ben Studierenden in den Richtlinien des Reichsjustizministeriums empfohlen, sieben oder acht Semester zu stndi-ren. um d-rn nnn’"” umfonareichen Stoff wirklich zu durchdringen. Während des Studiums soll der Rechtsstudent (in den Universitätsferienl sechs bis acht Wochen bei einem Amtsgericht beschäftigt werden, damit er einen Einblick in die Praxis erhält. Wer in Gießen studiert, kann diese praktische Zeit an dem Gießener Amtsgericht verbringen. Die ^in'ühnma in die Praxis an di-sern mittelaroßen Amtsgericht ist besonders lehrreich, zumal sie nach einem vom Amtsgerichtsdirektor Mickel eigens ausgearbeiteten mfone erfolgt. raschen, störungsfreien Verlauf des Aushebungsgeschäftes beizütragen? Kurz gesagt: sehr viel. Von dem Verhalten der Dienstpflichtigen hängt es ab, ob die Aushebung Pünktlichkeit! wie werden Zurückstellungsanträge bei der Aushebung behandelt? Die Polizeibehörden setzen im Gestellungsaufruf eine Frist fest, innerhalb welcher Anträge auf Zurückstellung ihr vorzulegen sind. Es wird sich hier in der Regel nur um Fälle handeln, in denen der Grund für die erbetene Zurückstellung erst nach der Musterung eingetreten ist. (Tod oder schwere Erkrankung von Angehörigen, besondere wirtschaft- liche Verhältnisse usw.) Die pünktliche Einhaltung der Frist ist deshalb notwendig, damit die erfor- derliche Nachprüfung der Verhältnisse mit der ge» botenen Gründlichkeit noch vor dem Aushebungs» termin erfolgen kann. Bei der Aushebung werden auch die Zuruckstellungsgesuche endgültig entschieden, die schon länger laufen, da nun erst auf Grund des tatsächlichen Lrsatzbedarses ein sicherer Ueberblick über die Ersatzlage gewonnen werden kann. Anträge auf Zurückstellung sind jedoch nur dann angebracht, wenn innerhalb der erbetenen Zurückstellungszeit eine wesentliche Besserung der derzeitigen Verhältnisse mit Sicherheit zu erwarten ist. Sonst muß es als allgemeiner Grundsatz gelten, daß jeder deutsche Volksgenosse zu der Zeit feiner aktiven Dienstpflicht genügt, die ihm im Rahmen des wohldurchdachten Planes für den Wiederaufbau der deutschen Wehrmacht besohlen wird. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Ableistung der aktiven Dienstpflicht in manchen Fällen für die betreffende Familie eine empfindliche Härte bedeuten kann. Der Aushebungsstab wird jedoch nach Möglichkeit versuchen, eine ausgleichende Lösung zu finden. , t „ Im übrigen gilt auch bei Erfüllung der Wehrpflicht das Wort des Führers: „Wer fein Volk liebt, beweist es einzig durch die Opfer, die er für dieses zu bringen bereit ist." Dre Schutz des deutschen Volkes und seines Le- bensraumes'erfordert heute mehr denn je den zeit- gerechten Einsatz jedes wehrfähigen deutschen Mannes. „Wehrdienst ist Ehrendienst am deutschen Volke." Verwahrung angeordnet. Im Frankfurter Stadtwald hörten an einem Dezembermorgen zwei Waldarbeiter Schüsse fallen: gleich darauf sprangen zwei Rehe durch das Gehölz. Als die Arbeiter dem Schall der Schüsse nachgingen, stießen sie auf einen hinkenden, auf einen Stock gestützten Spaziergänger, der ihnen verdächtig vorkam.' Bei einer sofort oorgenommenen Durchsuchung fand man am Leibriemen des Mannes ein Paket, das einen blutbespritzten Rucksack enthielt. Der „Spaziergänaer" folgte zunächst beiden Arbeitern mit zur Wache. Als auf diesem Wege sich der eine der beiden Waldarbeiter entfernte, zog plötzlich der Festgenommene ein im Mantel verborgenes Flobertgewehr und bedrohte seinen Aufseher damit. Dieser griff sofort nach der Waffe, und es kam zwischen beiden zu einem Handgemenge, in dessen Verlauf sich ein Schuß löste, der aber keinerlei Schaden anrichtete. Rach diesem ergebnislosen Versuch, seinem Wächter zu entspringen, griff dann der Wilderer zu seiner Tabakspfeife, um mit dem Ruf „Ich schieße" seinen Wächter einzuschuchtern. Der Festgenommene konnte aber schließlich auf der Polizeiwache abgeliefert werden. Eine Haussuchung bei dem Wilddieb förderte einen frisch gebratenen Hasen zutage, den der Verhaftete zwe-i Tage vorher geschossen hatte. Nähere Ermittlungen ergaben dann, daß man es mit einem gefürchteten Wilderer zu tun hatte, der die Hälfte seines Lebens bereits hinter Zuchthausmauern verbracht hatte und der bereits 17mal, darunter achtmal wegen Wilderns, vorbestraft ist. , „ . , Die von dem Angeklagten beim Uteimsge- richt eingelegte Revision hatte keinen Erfolg. g W etztar, 13. Aug. Wie wir im Zusammenhang mit dem Haushaltsplan für das Rech- t nungsjahr 1936 bereits berichteten, nimmt die Stadt Wetzlar zur Förderung des Baues von Dolkswohnungen ein Darlehen von 100 000 Mark bei der Deutschen Bau- und Bodenbank AG. in Berlin auf und gibt es an die Nassauische Siedlungsbaugesellschaft in Frankfurt a. M. (eine Tochtergesellschaft der Nassauischen ( Heimstätte in Frankfurt a. M.) weiter. Mit Hilfe ( dieses Darlehens werden 100 Dolkswohnungen er- richtet, davon 60 im Stadtteil Niedergirmes und ; 40 im Stadtteil Büblingshausen. Die Gesamtbau- , kosten belaufen sich auf über 400 000 Mark. Die nicht durch das Darlehen gedeckten Baukosten wer- . den durch Hypothekendarlehen der Preußischen Lan- despfandbriefansttttt in Berlin, durch Reichsdarlehen, sowie durch Eigenkapital und Restkaufgelder aufgebracht. Die monatliche Wohnungsmiete beträgt 24 bis 25 Mark. Die Häuser sind im Rohbau fast fertiggestellt. Das gesamte Bauvorhaben soll bis zum 1. November beendet sein. Als größerer Straßenbau ist im außerordentlichen Haushaltsplan der Bau einer Umgehunasstraße vorgesehen, die bei der Städtischen Badeanstalt von der Bahnhofstraße abzweigt und bei dem Hauptwerk der Firma Leitz in die Schützenstraße ein- mündet. Hierdurch wird einem schon lange bestehenden Bedürfnis nach einer Entlastung des inneren Stadtteiles vom Durchgangsverkehr Rechnung getragen. Der Derkehrsplatz an der Bollerbrücke, der in seinem jetzigen Zustand einen erheblichen Gefahrenpunkt darstellt, wird eine wesentliche Verbreiterung und Verbesserung erfahren: der Schleusenkanal wird zugeschüttet. Am D i l l - arm werden verschiedene Aenderungen vorgenommen: die Bahnhofstraße wird auf der östlichen Seite (nach der Ochsenwiese) vom Kreisausschußgebäude bis zur städtischen Badeanstalt verbreitert werden. Im Zuge der neuen Umgehungsstraße wird eine neue Brücke über d i e Lahn gebaut, ferner je eine weitere Brücke über den Flutgraben und den Mühlgraben. Die Finanzierung aller mit dem Bau der Umgehunasstraße zusammenhängenden Arbeiten ist gesichert. Die auf mehrere Hunderttausend Mark veranschlagten Kosten werden ohne Aufnahme eines Darlehens aufgebracht. Als weiteres größeres Projekt ist der Bau von drei neuen großen Volks - fchulgebäuden zu nennen, von denen eins im Stadtteil Büblingshausen, das zweite in der Oberstadt (Kestnerstraße), das dritte im unteren Stadtteil (im Iding) errichtet wird. Die Schule in Büblingshausen ist bereits fertiggestellt: die Schulen in der Kestnerstraße und im Jbing sind im Rohbau vollendet. Bei der Volksschule in Niedergirmes wird eine neue große Turnh all e gebaut. Schließlich wird noch ein neues Lahn- freibad auf der Kälberweide im Stadtteil Niedergirmes errichtet. Auch in allen diesen Fällen erfolgt die Finanzierung der Arbeiten ohne Aufnahme von Darlehen. j^orxfchlaa aus Angis vor hem Gewitter LPD. Herborn, 13. Aug. Als die Ehefrau Therese Ernst aus Wallendorf auf dem Felde tätig war, wurde sie von einem Gewitter überrascht. Sie ängstigte sich derart, daß ein Herzschlag ihrem Leben ein Ende machte. Gemeingefährlicher Wilderer kommt in Sicherungsverwahrung. Revision beim Reichsgericht verworfen. LPD. F r a n k f u r t a. M., 12. Aug. Das L a n d- geriet Frankfurt a. M. verurteilte am 11. Mai 1936 den 50 Jahre alten Gustav 3r m = Häuser wegen gewerbs- und gewohnheitsmäßiger Wilderei und wegen versuchter Nötigung zu vier Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrenrechtsverlust. Außerdem wurde die Sicherung s- Es ist nicht nur der Vorzug der kleineren Hochschulen, intensiver studieren zu können oder gar müssen, sondern auch in einer persönlicheren Studiengemeinschaft arbeiten und leben zu dürfen. Davon zu reden kommt der theologischen Fachschaft am ehesten zu. Wenn von je das Moment des Persönlichen zwischen Dozent und Student der Fachschaft das Gepräge gab und insbesondere dem Studium selbst zugute kam, wurde es jetzt auch die Quelle und das Motiv für die Formgebung unseres neuen Lebens an der Universität. Denn wir wußten, daß nur die einheitlich ausgerichtete und in sich wesensmäßig verbundene Schar zu stehen vermag und wir nur so unsere Ausgabe erkennen können und zu erfüllen imstande sind. Und wir wissen auch, daß allein durch die allen in gleicher Weise gestellte, brennende Aufgabe und aus dem Reich des Vertrauens zueinander, das gegründet in der Versöhnung Ehristi durch Gottes Tat am Kreuz, unsere Mannschaft im Angriff über scheinbare Gegensätze bintbeg geformt und ihre Kameradschaft erhalten wird. Wir fühlen uns stolz und glücklich über dieses Verhältnis der bewußten Verbundenheit, das — einem Dritten kaum vorstellbar — bis in Vorlesung und Uebung unser Arbeiten kennzeichnet und krönt. Dank auch der verständnisvollen und kameradschaftlichen Unterstützung unserer Lehrer gelang es der theologischen Fachschaft im verflossenen Semester, sich mit ihren Professoren zu einer Lebensgemeinschaft zusammenzuschließen, die im Bewußtsein ihres Auftrages vom Herrn der Welt ihre Arbeit als Gehorsamsdienst ansah. Unter dieser speziellen Verantwortung haben wir hartnäckig das verworrene Problem der neuen Lebensgestaltung in der Studentenschaft durch die Praxis zu klären versucht, als studentischer Kampftrupp der gerufenen Gemeinde. So konnten wir bereits unser Ziel verwirklichen. Als geschlossene Gruppe gestalteten wir in einem benachbarten Dorf einen Gottesdienst und ein Gemeindefest und dokumentierten damit nicht nur die Verbundenheit unserer Fachschaft mit Landschaft, Leuten und Geschichte, sondern auch, daß unser Blick auf den Dienst der Gemeinde gerichtet l%m eine starke Klärung unseres Arbeitszwecks und der Arbeitsmethode reicher, schauen wir Theo- loaen voller Hoffnung dem kommenden Semester entgegen. sowie unter Berücksichtigung der persönlichen Verhältnisse des einzelnen Dienstpflichtigen und der für die einzelnen Wehrmachtsteile und Waffengattungen geltenden besonderen Erfordernisse getroffen. Da Listen und Karteien, auch bei sorgfältigster Führung, niemals den persönlichen Eindruck ersehen können, wird die Auswahl der zur Einstellung kommenden Dienftprlichtigen auf Grund einer erneuten Vorstellung (Aushebung) vorgenommen. Wie verläuft die Aushebung? Kurz gesagt: wesentlich einfacher, als die frühere Musterung. Die Ergänzung der Personalpapiere und die ärztliche Untersuchung sind wesentlich vereinfacht. Eine Ergänzung der Personalpapiere wird nur in Ausnahmefällen notwendig werden (z. B. nach Ablegen der Gesellenprüfung, Erwerbung eines Führerscheines, des Sportabzeichens usw.) und ist dann in kurzer Zeit erledigt. Der dem Aushebungsstab zugeteilte Arzt wird sich hauptsächlich auf die nochmalige Überprüfung des bei der Musterung bereits festgestellten körperlichen Tauglichkeitsbefundes beschränken und zu erneuter Untersuchung nur in den Fällen genötigt, sein, in denen zwischen Musterung und Aushebung eine wesentliche Veränderung des Gesundheitszustandes bei dem Dienstvflichtiaen eingetreten ist. Was kann der Dienstpflichtige tun, um zu einem Die Zulassung zum Doktorexamen setzt das Bestehen des Referendarexamens voraus. Ferner ist ein Studium von insgesamt acht Semestern erforderlich, wovon zwei Semester in Gießen zuruck- getegt sein müssen. Von dem Erfordernis des achten Semesters kann aber auf besonderen Antrag abgesehen werden. Das Studium der Rechtswissenschaft m Gießen ist besonders anregend, weil der Studierende hier von Beginn des Studiums an engste Fühlung mit seinen Lehrern bekommt. Die im Verhältnis zu Großstadt-Universitäten geringe Studentenzahl ermöglicht es den Dozenten, die einzelnen Studierenden näher kennenzulernen und zu fördern. Das Studium gestaltet sich so besonders intensiv und erfolgreich. Gleichzeitig ergibt sich ein besonders enges kameradschaftliches Verhältnis zwischen den einzelnen Studierenden. Das studentische Leben in Gießen bietet zahlreiche Gelegenheiten, den kameradschaftlichen Zusammenhalt der juristischen Fachschaft zu pflegen. Theologie. Hechtswisienschast. Der Studiengang für das Studium der Rechtswissenschaft wird für das ganze Reich durch eine einheitliche Studienordnung bestimmt. Diese sieht eine Reihe von Hauptvorlesungen und besonders wichtigen Vorlesungen vor, deren Besuch zu einem ordnungsmäßigen Studium gehört. Diese Vorlesungen werden im ganzen Reich im selben Semester gleichzeitig gelesen. Dadurch ist es dem Studenten der Rechtswissenschaft ermöglicht, die Universität für sein Studium frei auszuwählen. Nirgends braucht er zu befürchten, daß die für ihn er= orderlichen Vorlesungen vielleicht gerade nicht gehalten werden. Auch an der Universität Gießen werden diese von der Studienordnung hervorgehobenen Vorlesungen regelmäßig abgehalten. Daneben ermöglichen zahlreiche weitere Vorlesungen dem Studierenden, sein Wissen auf allgemeinen Gebieten, wie auf Sondergebieten zu vertiefen. Insbesondere die zahlreich abgehaltenen Seminare aus Einzelgebieten der Rechtswissenschaft fördern die selbständige Arbeit des Rechtsstudenten. Die geringe Anzahl der Teilnehmer gewährleistet gerade in Gießen jedem Rechtsstudeitten die Möglichkeit der Beteiligung an anregender wissenschaftlicher Aussprache. Besonderer Pflege erfreuen sich in Gießen einzelne Sondergebiete, wie z. B. die rechtliche Volkskunde, zu deren Studium ein Institut errichtet wird. Das Versicherungsrecht kann im Seminar für Versicherungswissenschaft im engsten Zusammenhang mit allen dieses Gebiet berührenden wirtschaftswissenschaftlichen Fragen studiert werden. Neben der Universitätsbibliothek stellt das „Juristische Seminar" den Rechtsstudenten die für das Studium erforderlichen Hilfsmittel zur Verfügung. Das Seminar wird in diesem Sommer erneut vergrößert und bietet ruhige Arbeitsplätze. Die Handbibliothek des Seminars enthält nicht nur Sammelwerke, Lehrbücher, Entscheidungssammlungen und Kommentare, sondern auch zahlreiche Einzelschriften und eine größere Dissertationssammlung. Die Gebiete, auf denen sich die Rechtserneuerung besonders auswirkt, wie Ar- beits- und Bauernrecht, werden besonders gepflegt. So findet der Rechtsstudent in Gießen auch ausreichend Schrifttum zur Anfertigung der Examens- krels Marburg. LPD. Wetter, 13. Aug. Bei dem schweren Gewitter am Dienstagabend schlug der Blitz in die Scheune des Landwirts Otte in Amönau und zündete. Die Scheune, in welche gerade das letzte Getreide eingefahren worden war, stand sofort in Flammen. Die Feuerwehr mußte sich auf den Schutz des dicht anschließenden Wohnhauses beschränken. Es gelang ihr, das Wohnhaus zu retten, während die Scheune samt eingebrachter Ernte vernichtet wurde. Rundfunkprogramm. Samstag. 15. August. 6 Uhr: Olympische Fanfaren: Musik in der Frühe. Dazwischen 6.30 bis 6.45 Früh-Gymnastik und 7 bis 7.15 Nachrichten des Drahtlosen Dienstes. 7.50: 15. Tag der XI. Olympischen Spiele. Programmdurchsage. 8: Unterhaltungsmusik aus aller Welt. 9: Unterhaltungsmusik. Dazwischen Hörberichte; Fechten: Säbel-Einzel-Vorentscheidung: Schwimmen: Turmspringen-Entscheidung: Wasserballspiele. 12 bis 13: Blasmusik. Dazwischen: Olympische Siegertafel 1896 bis 1936. 13: Musik am Mittag. 13.45: Neueste Nachrichten. 14: Allerlei — von zwei bis drei! 15: Heiterkeit und Fröhlichkeit. Dazwischen: Hörberichte vom Züchterpreis aus Karls- Horst. 16: Unterhaltungskonzert. Dazwischen: Hör- berichte; Fechten: Säbel - Einzel - Entscheidung: Schwimmen: Vorführung im Turmspringen durch die drei Sieger: 200-Meter-Brustspiel-Endlauf; 400» Meter-Freistil-Frauen-Endlauf: 1500-Meter-Freistil- Endlauf: Wasserballspiele: Fußball-Endspiel. 18: Blasmusik. 19: Olympia-Echo: 15. Tag. 20: Kurznachrichten des Drahtlosen Dienstes. 20.10: Oper im Funk: Oberon. Romantische Oper in drei Akten von Carl Maria von Weber. 20.30: Berühmte Pianisten. Nur für den Deutschlandsender: Von der Dietrich-Eckart-Freilichtbühne: Olympisches Konzert. Uraufführung der preisgekrönten Werke. Dazwischen Hörberichte. Boxen: Entscheidung. 22: Wetter- und Tagesnachrichten. 22.15: Olympia-Echo. 22.45: Tanz und Unterhaltung. 1 bis 2: Konzert nach Mitternacht. Musik aus Italien. RirdMirfte JlocbriAfett. Katholische Gemeinden. Freitag, den 14. August. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. Samstag, den 15. August. Fest Mariae Himmelfahrt. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; 8: Kornrnu- i nion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 14.30: Festandacht mit Segen; 17.30 und 19: Beichte. — Grünberg. 9.45: Hochamt mit Predigt. ■— ■ Hungen. 8: Hochamt mit Predigt. — Cid). 10: Hoch' I amt mit Predigt. — Nidda. 8.15: Hochamt mit Predigt. — Schotten. 10.30: Hochamt mit Predigt. „Ein Land, das nicht gewillt ist, die notwendigsten Vorsichtsmaßnahmen zu seiner eigenen Verteidigung zu ergreifen, wird niemals Macht in dieser W"" haben, weder moralische, noch materielle Macht." Aus dem Aufruf der Reichsregierung an das deutsche Volk vom 16.3.1935. In Durchführung des in diesem Aufruf bekundeten Willens der Reichsregierung, „daß die Wahrung und Sicherheit des Deutschen Reiches von jetzt' ab wieder der eigenen Kraft der deutschen Nation anvertraut wird," stehen in den kommenden Wochen junge deutsche Volksgenossen zur Aushebung für Ableistung ihrer gesetzlichen aktiven Dienstpflicht heran. Da diese Aushebung die erste seit Wiedererlangung der Wehrfreiheit ist, erscheint es angebracht, den in Betracht kommenden jungen Kameraden auf diesem Wege einige Hinweise über den Zweck und die Durchführuna der Aushebung zu geben, um dem Aushebungsgeschäft einen reibungslosen Verlauf zu sichern. Was ist der Zweck der Aushebung? Durch die Aushebung wird entschieden, welche wehrfähigen Dienstpflichtigen zur Erfüllung ihrer aktiven Dienstpflicht herangezogen werden. Diese Entscheidung wird vom Kommandeur des Wehrbezirkskommandos in Verbindung mit dem Vorstand der örtlichen zivilen Verwaltungsbehörde auf Grund Winke für die Aushebung 1936 Dim Major (G.) Pracht, Webrbezirksoffizier, Würzburg. 1 Genaues Durchlesen des durch die Kreispoli- zeibehörden amtlich bekanntgegebenen Aushebungs- Aufrufes Wer über einzelne Punkte vielleicht nicht völlig klar sein sollte, holt sich baldmöglichst Aus- kunft bei dem Wehramt. , 2. Rechtzeitige Besorgung der erforderlichen Pa- piere, insbesondere der Schulzeugnisse. Bei der heurigen Musterung wurde vielfach festgestellt, daß die Entlassungszeugnisse aus der Volksschule und Fortbildungsschule im Laufe der Zett verloren gegangen find. Wer es unterläßt, sich rechtzeitig Zweitschriften hierfür zu besorgen, setzt sich einer Ordnungsstrafe aus. 3. Ebenso wichtig ist die rechtzeitige Beschaffung der vorgeschriebenen zwei Paßbilder (Lichtbild 45 X 55 Millimeter, Brustbild ohne Kopfbedeckung). Namentlich in ländlichen Gemeinden ohne orts- ansässige Photographen sollen die Lichtbilder frühzeitig in Auftrag gegeben werden. Saumseligkeit wird auch hier bestraft. 4. Die im Jahre 1935 ausgegebenen Musterungsausweise und Ersatzreserve-I-Scheine werden nun eingezogen und durch Wehrpässe ersetzt; Mu- fterungsausweis und Ersatzreserveschein sind daher zur Aushebung mitzubringen. 5. Pünktliches Erscheinen am Aushebungstage erleichtert die vorbereitenden Arbeiten des Aushebungsstabes; auch hier gilt der Soldatengrundsatz: Zehn Minuten vor der Zeit ist des Soldaten die nach den Kellerräumen führten, in denen zirka 2000 Stück Zelluloidhüllen für Straßenbahnkarten lagerten. Die Schweißarbeiten wurden in einem Parterreraum ausgeführt. Offenbar find die hierbei entstehenden Metallfunken in einen Kellerraum gelangt und haben dort einen Brand verursacht. Die bei der Verbrennung des Zelluloids entstehenden Gase gelangten zur Explosion, wobei vier in dem Raum beschäftigte Arbeiter leichte Brandwunden erlitten. Einer von ihnen mußte ins Krankenhaus gebracht werben, während die übrigen nach Anlegung von Notverbänden in ihre Wohnung gebracht werden konnten. Durch die Explosion war das ganze Gebäude mit Gasen angefüllt, so daß es vorübergehend geräumt werden mußte. Die Feuerwehr hatte nach Abloschen des Brandes noch längere Zeit damit zu tun, mit den ihr zur Verfügung stehenden Saugapparaten die Gase aus dem Gebäude herauszusaugen. Die Schuldfrage ist noch nicht geklärt. Das Reichsgericht war mit dem Landgericht der Ansicht, daß man es mit einem gemeingefährlichen Wilderer zu tun habe, der hart bestraft werden müsse. Das Reichsgericht hat demgemäß die Revi- ion des Angeklagten als unbegründet verwor- e n und das gegen ihn ergangene Urteil auch gin- ichtlich der Sicherungsverwahrung rechtskräftig b e- tätigt. Zelluloid-Explosion im Gebäude der Frankfurter Straßenbahn. vier Arbeiter erlitten Brandwunden. Frankfurt a. M., 13.Aug. (LPD.) Am Donnerstagvormittag ereignete sich im Gebäude der Direktion der st äd t i f ch e n S t r a ß e n b a h n am Horft-Weffel-Platz, in welchem zur Zeit Bauardei- ten ausgeführt werden, eine Explosion. Don einem Privatunternehmen wurden Schwe i ß - arbeiten an Rohrleitungen ausgefuhrt, in Rockenberg vorgeführt, die beide dort noch längere ^ihre zu verbüßen haben. Die Anklage legte ihnen * ur Last, während ihrer Strafverbüßung in raffinierter Weise Gegenstände angefertigt zu hoben, die Verwendung bei einem Fluchtversuch finden sollten und in einem Falle auch bereits gefunden hatten. Gegen bas auf 4 Monate Gefängnis lautende Urteil des Amtsgerichts Butzbach hatten sowohl die Angeklagten, als auch die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt. In der gestrigen Verhandlung hob Das Gericht dieses Urteil auf und erkannte auf eine Gefängnis st rafe von sechs Monaten und legte den Angeklagten die Kosten auf Preußen. Große kommunalpolitische Projekte der Stadt Wetzlar. des bei der Musterung festgestellten Tauglichkeits- '-----t.T, grobes, ber beruflichen und sportlichen Vorbildung, rasch und störungsfrei verläuft. Hierzu gehört: 1 Stück 3 Stück 904