Nr. 38 Erstes Blatt 186. Jahrgang Aeitag, 14- Zebruar 1936 Lrfcheml täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • DieScholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne 3Huftrierte , 1.80 Zustellgebühr. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Sietzen Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686 Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vriihl'sche Universitäts-Such- und Steindruckerei R. Lange in Stehen. Schristieitung und Geschäftsstelle: Schuistrahe 1 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8l /,Uhr des Dormittags Grundpreise für 1 mm Höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Textanzeigen von 70mm Breite 50 Rpf..Platzvorschrift nach oorh.Vereinbg.25"/^ mehr. Ermätzigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzei- gen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Oer Führer bei den Olympischen Spielen. Maxie Herber und Ernst Barer erringen im Eiskunstlauf die dritle„Goldene" für Deutschland Oie Norweger siegen im -ISOO-Meter-Eislauf und in der Kombination (Ski).-Oeutschland nach dem Spiel gegen Kanada im Eishockey ausgeschieden. Garmisch-Partenkirchen, 13. Februar. (DNB.) Der 7. Tag der IV. Olympischen Winterspiele erhielt sein Gepräge durch das unerwartete Eintreffen des Führers und Reichskanzlers, der nach dem Besuch des Eishockeyspiels England — Ungarn im Eisstadion, den die Engländer mit 5:1 überlegen gewannen, kurz vor dem Beginn des Sprunglaufes auf der kleinen Olympiaschanze eintraf, um vom Balkon des Olympia-Ski-Hauses aus dem spannenden Wettkampf zu folgen. In Begleitung des Führers befanden sich unter anderen die Reichsminister Dr. Gürtner, Rust, v. Blomberg, Göring und Dr. Goebbels, Staatsminister Adolf Wagner, Stabschef Lutze und Staatssekretär Psundtner. Während der Vorbereitungen für den Wettbewerb unterhielt sich der Führer angeregt mit den Mitgliedern des Internationalen Olympischen Ausschusses und der internationalen Verbände, sowie mit dem Reichssportführer und dem Präsidenten des Organisationskomitees der Olympischen Winterspiele, Dr. Ritter von Halt. Von der kleinen Sprungschanze aus begab sich der Führer wiederum zum Eisstadion, um dem Eiskunstlauf der Paare beizuwohnen. Die Straßen, die der Führer im Kraftwagen stehend langsam durchfuhr, waren zu beiden Seiten von jubelnden Menschen erfüllt, unter denen sich viele Schüler und Schülerinnen und auch viele „Kraft-durch-Freude"-Fahrer befanden. Auch die zahllosen Ausländer, die mit den deutschen Volksgenossen zusammen Spalier bildeten, waren begeistert. Die erste Entscheidung dieses Tages fiel i m 1500 - Meter -Eisfauf. Die Norweger wurden die Sieger. Allerdings wurde Ivar Bal - l a n g r u d , der erste Doppelsieger der vierten Winterspiele, von seinem Landsmann Charles M a t h i s e n um eine Sekunde geschlagen. Mathisen lief mit 2:19,2 Minuten eine neue olympische Bestzeit heraus. Den dritten Platz sicherte sich der Finne Birger V a s e n i u s. Von den Deutschen lieferte Willi S a n d t n e r ein großartiges Rennen gegen den Finnen B l o m q u i st. Er wurde zwar nach tapferer Gegenwehr auf dem letzten Teil der Strecke geschlagen, holte aber mit 2:25,3 Minuten eine neue deutsche Bestzeit heraus. Heinz Games schlug den einzigen australischen Teilnehmer Georg Kennedy mit etwa 40 Meter Vorsprung. Die Oesterreicher belegten den fünften und sechsten Platz. In der zweiten Entscheidung des Tages, dem S k i s p r u n g l a u f für die Kombination, trug Norwegen einen Riesenerfolg davon, es holte sich nicht nur sämtliche olympischen Medaillen dieses Wettbewerbes, sondern belegte auch noch den 6. Platz. Die drei Erstplacierten blieben die gleichen wie nach dem 18-Kilometer-Langlaus, nämlich Odbjörn Hagen, Olaf Hoffsbakken und Trygve Brod ah l. Der Italiener Menard i, der im Langlauf den 5. Platz besetzt hatte, fiel auf den 19. Platz zurück. Vierter wurde der Finne Lauri V a l o n e n, der mit 54,5 Meter den weitaus besten Sprung lieferte. Der Sieger Hagen hatte nur 46 Meter erreicht, holte sich aber die Goldene Medaille dadurch, daß er im Langlauf Erster geworden war. Als Bester der nichtskandinavischen Teilnehmer endete der Tscheche Simunek. Der deutsche Meister Willi Bogner belegte den 11. Platz. Gumpold wurde Zwölfter und Wagner Siebzehnter. Im Eisstadion, das bis aus den letzten Platz besetzt war, traten 18 Paare aus 13 Nationen zur Entscheidung im Kun st Paarlaufen an. Alle Paare nahmen vor und nach ihrem Start die Front zur Ehrentribüne und grüßten mit dem olympischen Gruß zum Führer hinaus. Das deutsche Paar Maxie Herber und Ernst Baier holten die dritte Goldmedaille für Deutschland. Den zweiten Platz belegte das österreichische Geschwisterpaar Ilse und Erik Pau - s i n. Ilse ist erst 14, Erik 16 Jahre alt. An dritter Stelle endete das Weltmeisterpaar Emilia Rotter und Laszlo S z o l l a s. Bei den weiteren Eishockeyspielen spielte sich die Tschechoslowakei mit einem 2:1 (0:0, 2:1, 0:0) gegen Oe st erreich in die Endrunde. Mit großer Spannung sah man dem Spiele Kanada gegen Deutschland entgegen. Das Eisstadion war wiederum bis auf den letzten Platz beseht Aus der Ehrentribüne sah man die Reichsminister Göring und Dr. Goebbel s. Der deutschen Mannschaft waren die Anstrengungen vom Vortage in dem fast dreistündigen Kamps gegen England noch anzumerken. Trotzdem zwangen sie den Weltmeister zur Hergabe seines ganzen Könnens. In einem mitreißenden Kampf, den die Zuschauer mit lebhaftester Anteilnahme verfolgten, siegten die Kanadier mit 6:2 (1:0, 3:0, 2:2). Die beiden deutschen Tore schossen Wiedemann und Strobl. Im letzten Spiel des Freitagabend blieb Amerika über Schweden mit 2:1 siegreich. Damit sind Kanada, England, Amerika und die Tschechoslowakei in den entscheidende Schlußrunde um den olympischen Eishockeysieg gekommen. Eine Olympia-Briefmarke. Berlin, 13. Febr. (DNB.) Zur Werbung für die 4. Olympischen Winterspiele hat d'e Reichspost Briefmarken und Postkarten hergestellt, die wirkungsvolle Ausschnitte aus dem W i n- t e r s p o r t darstellen. Auf den eigentlichen Markenwert wird ein Zuschlag erhoben, der den olympischen Spielen zugute kommt. Mit dem Vertrieb dieser Wertzeichen wurde der „Hilfsfonds für den deutschen Sport", der soziale Träger der Aufgaben des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen, betraut. Am Sonntag, dem 16. Februar, wird die Olympia-Briefmarke in allen deutschen Gauen von Tausenden von Sportlern und Sportlerinnen auf allen Straßen und Plätzen und in allen Lokalen zum Verkauf angeboten werden. 3m Zeichen des Militärpatrouillen-Skilaufs. Garmisch-Partenkirchen, 14. Februar. (DNB. Funkspruch.) Am Freitag steht die Olympia- Stadt ganz im Zeichen des Militärs. Der am Vormittag zum Austrag kommende Militär- patrouillen-Skilauf hat viele Heeresangehorige nach Garmisch-Partenkirchen gebracht. Schon am frühen Morgen hallte die Olympia-Stadt wider von dem Marfchtritt der grauen Kolonnen, die zum Skistadion, dem Start und Zielplatz des Militärpatrouillenlaufs marschierten. Zug auf Zug. Kompanie auf Kompanie ziehen ins Stadion. Hier find hohe Offiziere aller Nationen, die zum Militärpatrouillenlauf gemeldet haben, anwesend. Man sieht u. a. Reichskriegsminister Generaloberst v. Blomberg, den Oberbefehlshaber des Heeres, General der Artillerie Freiherr v. Fritsch, den Reichsstatthalter in Bayern, General Ritter v. Epp, den deutschen Gesandten in Wien, von Popen, und Generalleutnant D a l u g u e, außerdem zahlreiche Offiziere der Kriegsmarine. Unter den sonstigen Zuschauern ist besonders stark die deutsche Jugend vertreten. Der Himmel ist wieder wolkenlos. Die tiefen Temperaturen des Morgens steigen unter dem wärmenden Einfluß der Sonne sehr rasch. KdZ. feiert deutsche Olympiasieger. Ueberraschend waren Gauleiter Staalsminister Adolf Wagner und unsere deutschen Olym- p i a s l e g e r Christ! Cranz, Rudi Cranz, Franz Pfnür, Käte Grasegger in Begleitung ihres Trainers Friedel Pfeiffer in das KdF.-Haus gekommen, um den sportbegeisterten Urlaubern ihre Verbundenheit zu beweisen. Groß war die Freude, als unsere mit der Goldenen Medaille ausgezeichneten Sportler das Festhaus betraten. Staatsminister Wagner betonte, daß wir Deutsche stolz sein können auf diese Winterolympiade, die uns schon drei goldene und eine silberne Medaille eingebracht habe. Die gigantische Leistung, die unser Führer mit Deutschlands Freiheit vollbracht habe, habe auch unsere deutschen Mannschaften angefeuert, Höchstleistungen zu schaffen. w> W '< t ■ i Unser Bild zeigt: Zweiter von links Reichsminister Dr. Goebbels, daneben Reichssportführer von Tschammer und Osten, dann der Führer und der Präsident der IV.Olympischen Wintenspiele Dr. Ritter von Halt. Hinter dem Führer Obergruppenführer Brückner. (Scherl-Bilderdienst-M.) Auch Berlin Mel schon. 250000 Betten sollen für die Olympia-Gäste bereitgestellt werden. Berlin, 13. Febr. (DNB.) Während in Garmisch-Partenkirchen die Olympischen Winterspiele nach in vollem Gange sind, beginnt die Reickshauptstadt bereits ihre große „Aufrüstung" für die würdige Ausgestaltung der Olympia-Festwochen im Monat August. Die Ausschmückung Berlins, insbesondere aber der Via triumphalis — jener vom Alexanderplatz zum Reichssportfeld gradlinig durch- geführten F e st st r a ß e — ist bis in alle Einzelheiten festgelegt. Als einheitlicher Festschmuck für alle an dieser Via triumphalis liegenden öffentlichen Gebäude und Häuser sind Girlanden aus grünen Eichenblättern gewählt worden. Die Reichshauptstadt wird während der olympischen Spiele einen Girlandenschmuck in einer Länge von 35 Kilometer aufweisen. Dem festlichen Grün entspricht das festliche Bunt der Fahnen, Banner und Wimpel. Nicht weniger als 37 000 Quadratmeter Fahnentuch werden benötigt. Hinzu kommen nahezu 1000 durchschnittlich 10 bis 20 Meter hohe Holzmasten, die die Via triumphalis zu beiden Seiten umsäumen. Außer 20 000 Massenquartieren, 6500 Hotelbetten und 3970 Unterkünften außerhalb des Berliner Stadtbereiches stehen bis heute 76 298 Privatbetten allein in den sieben westlichen Bezirken zur Verfügung, die fast ausschließlich den ausländischen Gästen vorbehalten sind. Innerhalb dieser Verwaltungsbezirke werden bekanntlich die 40 Olympia- Ausländerkolonien entstehen. Bis heute liegen schon annähernd 60 000 Unterkunftsnachfragen vor, davon u. a. aus Skandinavien 18 000, aus Bulga rien 3000 und aus Lettland 1000. Der Gefamtbedar wird auf rund 250 000 geschätzt. Mitte März hofft man, die benötigte Bettenzahl erfaßt zu haben. Mit der schönen Unterkunft allein ist es nicht getan. Der Fremde, der sich wohl fühlen soll, braucht auch sachgemäße Beratung und Betreu u n g.' Diese Aufgabe erfüllen zunächst die sieben großen, planmäßig verteilten Auskunftskioske des Olympia-Verkehrsamtes und die drei Auskunftsstellen des Verkehrsvereins, die als Dauereinrichtung auch nach den Olympischen Spielen bestehen bleiben. Geschultes, sprachgewandtes Personal trägt dafür Sorge, daß in jeder Kultursprache sofort Auskunft erteilt wird. Die Haupt- kioske find während der Olympischen Spiele ununterbrochen Tag und Nacht geöffnet. Außerdem werden an 8 wichtigen Ausfallstraßen kleinere Auskunfteien errichtet. Hinzu kommen noch innerhalb der 40 Olympia-Kolonien Beratungsstellen. Die Gesamtzahl der während der zwei Festwochen tätigen Auskunftsbeamten wird danach etwa 150 betragen. Schließlich liegen bei dem Olympia-Verkehrs- und Quartieramt bis heute mehr als 3000 Bewerbungen von Fremdenführern und Dolmetschern vor. Der Bedarf stellt sich auf etwa 1500. Die piiiman-Lehre. Für N o r d - und Südamerika gilt die berühmte Monroe-Lehre; eine Lehre übrigens, die nicht nur ein politischer Begriff, sondern auch eine Sache von höchster Nützlichkeit für die Vereinigten Staaten ist. Es kann durchaus nicht überraschen, daß sich auch schon seit Jahren in I a - pan kluge Männer gefunden haben, die der Monroe-Lehre die Nutzanwendung auf den Fernen Osten wünschen. Dann wären natürlich nicht die Vereinigten Staaten die Aufpasser, sondern der Staat im Fernen Osten, der nicht nur groß und mächtig, sondern wirklich eine Großmacht ist: nämlich Japan. Indessen ist es in Japan noch keinem Staatsmann von Rang eingefallen, in amtlicher Eigenschaft so etwas wie die Monroe-Lehre aufzustellen, wenigstens nicht von einer Tribüne aus, auf der dieser Staatsmann von allen Völkern gehört und gesehen werden muß. Allein Japan treibt im Fernen Osten eine Politik, die sich zum Ziel gesetzt hat, zunächst einmal Japan selbst das ungeheure Machtgebiet des Fernen Ostens zu sichern. Dieser Sicherung bient Mandschukuo, dieser S»cherung dient der Vorstoß in die Innere Mongolei, um so Nordchina durch eine neue Große Mauer abzuschließen. Nur daß diese Große Mauer nicht mehr aus Wällen und Festungstürmen besteht, sondern aus japanischen Truppen mit Geschützen und Maschinengewehren, mit Kampfwagen und Flugzeugen. Wieder soll diese Große Mauer heute Nordchina gegen die Völkerstämme schützen, die, wenn auch nicht mehr als Barbaren, aus Mittel- und Nordasien auf die Grenzen Chinas zudrängen. So war es vor mehr als 2000 Jahren, als die erste Große Mauer erbaut wurde, so wiederholt es sich heute, weil geopolitische Bedingtheiten nicht umzustoßen sind. In den Vereinigten Staaten gibt es sehr einflußreiche Kreise, die diese Entwicklung im Fernen Osten mit einem Gefühl des Unbehagens sehen. Im Fernen Osten wohnen einige Hundert Millionen Menschen, die Waren gebrauchen, die für absehbare Zeit ein einziges Wirtschaftsvolk allein nicht Herstellen kann. Auch nicht die Japaner, deren vielgerühmte Industrie sich nur für bestimmte Gruppen treibhausmäßig großgezogen hat, aber noch lange nicht alle Waren liefert und liefern kann, die im Fernen Osten gebraucht werden. Allein was werden soll und werden kann, wenn die Industrie Japans mit ihrer treibhausmäßigen Entwicklung auf das Festland übergreift, läßt sich nur ahnen, aber noch nicht klar ermessen. In Mandschukuo läßt sich, wenn die Menschen vorhanden find, jede Industrie großziehen; allein ehe das geschieht, muß jede außenpolitische Gefahr eingeschränkt oder beseitigt werden. Deshalb die Sicherungspolitik zu Lande und zu Wasser, deshalb die Große Mauer gegen Räterußland, deshalb die Bollwerke in der Südsee und im Pazifik. Der Senator Pittman hat sicher nicht nur für sich gesprochen, als er vor dem Senats-Ausschuß für auswärtige Politik auf die machtpolitische Entwicklung im Fernen Osten hinwies. Wenn der Staatssekretär Hüll es ablehnt, sich über die Rede Pitt- mans zu äußern, eine Rede übrigens, die mit messerscharfen Spitzen gegen Japan ausgestattet war, so hat der Staatssekretär damit nur nach diplomatischem Brauch verfahren. Es ist nun einmal an der Zeit, auf die Verschärfung der machtpolitischen Reibungsflächen zu verweisen, weil dieser Verweis und diese Verschärfung auch die Begründung enthalten, zu Wasser, zu Lande und in der Luft aufzurüsten und aufrüsten zu müssen. Wenn so viel politischer Lärm in Europa gemacht wird, wenn es fast so aussieht, als ob der Krieg in Ostafrika geeignet sei, das politische Gleichgewicht in Europa zu erschüttern, so steckt darin auch viel diplomatische Taktik. England hat sicher noch andere machtpolitische Sorgen als nur die im Sudan und Aegypten. Es muß auch auf seine Machtstellung im Fernen Often sehen, auf Indien und auf Australien. Wie nützlich ist es da, wenn sich in Europa die Dinge scheinbar zu- spitzen, wenn das also Gelegenheit bietet, für Rü- ftungszwecke unwahrscheinlich hohe Summen zu fordern und auszugeben. Es ist ja nicht jeder so ungeschminkt wie der Senator Pittman in Washington, der kein Blatt vor den Mund nimmt, der rundheraus sagt, was er denkt, selbst auf die Gefahr hin, daß Staatssekretäre und Botschafter diplomatisch mobil gemacht werden. Senator Pittman hat eine neue Lehre aufgestellt, nämlich die: daß die Monroe-Lehre in keiner Form auf Oftajien angewendet werden darf. Die Diplomatie Japans müßte nicht so geschult und gewandt sein, wie sie es tatsächlich ist. wenn sie sich durch die geharnischten Erklärungen des Senators Pittman irgendwie einschüchtern ließe. So wird denn in Tokio und in der japanischen Botschaft in Washington beteuert, Japan wolle ja keine Monroe-Lehre für den Femen Osten, sondern erkenne bereitwillig an, daß auf den Fernen Osten nur der Grundsatz der offenen Tür für alle Anwendung finden könne. Aber diese offene Tür muß wohl auch offen gehal - t e n werden, wozu Verträge und Bündnisse allein nicht ausreichen. Was soll aber sonst geschehen, was soll insbesondere geschehen, um den auch militärisck untermauerten Wachstumswillen Japans zu dämpfen ober gar einzuschüchtern? Ob es noch Politiker und Strategen gibt, die einen Krieg im Fernen Osten zwischen Japan und den anderen Großmächten für möglich halten, ist umstritten. Das gilt wenigstens für die angelsächsischen Mächte, während der machtpolitische Gegensatz zu Räterußland in Beziehung zu Japan dadurch bedingt ist, daß Räterußland versuchen muß, sich an der K ü st e z n behaupten, weil ohne Küste und Häfen Sibirien nicht zu halten wäre. Es wäre auch nicht möglich, die Machtstellung Räterußlands in Zentralasien aufrechtzuerhalten, wobei wieder ein unausweichlicher Zwang darin liegt, auf China und auf die Küste Vorstößen müssen. Entscheidend ist aber auch hier, daß die angelsächsischen Mächte, daß die Vereinigten Staaten vor allem mit dem A b - s a tz m a r k t im Fernen Osten rechnen, well, wenn er verloren geht, der wirtschaftliche und politische Kampf im Pazifik sich verschärfen muß. Das ist der Sinn der Pittman-Lehre. Einstellungstermin für Freiwillige der Lustwaffe. Berlin, 13. Febr. Verschiedene Anfragen bei Dienststellen der Luftwaffe und beim Reichsluftfahrtministerium haben gezeigt, daß vielfach Unklarheit über die Einstellungstermine von Freiwilligen der Luftwaffe, insbesondere von Freiwilligen der Flakartillerie, besteht. Frühjahrs- und Herbsteinstellungen finden statt für die Fliegertruppe, die Luftnachrichtentruppe und das Regiment General Göring. Die Flakartil-' lerie stellt nur im Herb st ein. Meldeschluß für die Frühjahrseinstellungen ist der 15. März, Meldeschluß für die Herbsteinstellungen ist der 30. April. Wer sich also für die Flakartillerie melden will, muß dies bis zum 3 0. April getan haben. Die Dienstzeit beträgt bei der Flakartillerie ein Jahr; es ist aber erwünscht, daß der Freiwillige eine Verpflichtung auf zwei Jahre ein- geht. Die Dienstzeit beim Regiment General Göring beträgt zweieinhalb Jahre beim Eintritt im Frühjahr und zwei Jahre beim Eintritt im Herbst. Wegen weiterer Auskünfte wende man sich a n die näch st gelegene Dienststelle der Luftwaffe oder das für den Wohnsitz zuständige Wehrbezirkskommando bzw. in der entmilitarisierten Zone an die untere Ersatzbehörde. Reichsschulungsiagung des Gartenbaus. Goslar, 13. Febr. (ZdR.) Um das Führer- korps des Gartenbaus für seine Aufgaben in der Erzeugungsschlacht zu schulen, waren die zuständigen Fachwarte und Unterabteilungsleiter (II C 9) im Reichsnährstand sowie die Fachbeiräte, Vorsitzenden und Geschäftsführer der Garten- und Weinbauwirtschaftsverbände zu einer dreitägigen Tagung nach Goslar einberufen worden. Der erste Tag stand im Zeichen der Fachgruppen „Blumen und Zierpflanzen", „Baumschulen" und „Gfirn ü f e b a u". Einen Ueberblick über die Erfahrungen der Marktregelung für Gartenbauerzeugnisse 1935, gab der Vorsitzende der Hauptvereinigung der deutschen Garten- und Weinbauwirtschaft, B o e t t- n e r (Berlin). Eine Marktregelung für die Erzeugnisse des Gartenbaues ist nach den Erfahrungen der Vergangenheit unbedingt notwendig. Mehr als ander Berufe hat der Gartenbau mit einer leichten Verderblichkeit und etnem ruckhaften Anfall seiner Erzeugnisse zu rechnen. So hat sich die Regelung des Marktes als ein Segen für den gesamten Gartenbau erwiesen. Dr. B ö m m e l s - Berlin sprach über den Einsatz der Gemüse- und Obstoerwertungsindustrie für die Verarbeitung der deutschen Ernte. Groß, Berlin, gab einen Rückblick und Ausblick auf die gartenbauliche Marktentwicklung. Es folgten Vorträge von Weinhausen und D e m n i g über „Die Stalldüngung und Humusfrage im Zuge der Erzeugungsschlacht^ und über »Heizung und Heizmaterial als wichtige Erzeugungsfaktoren." Professor Dr. Ebert schilderte den Einsatz der ehrenamtlichen Mitarbeiter in der Er- zeugungsschlacht. Hier ist ein enges Zusammenarbeiten zwischen ehrenamtlichen Mitarbeitern und Angestellten des Reichsnährstandes notwendig, damit das Verständnis für die gegenseitigen Lebensbedingungen wächst. Professor Ebert wies auf die Reichsgartenschau Dresden vom 24. April bis 11. Oktober 1936 hin. End- August findet auch der deutsche Reichsgartenbautag in Dresden statt. Wenn die letzte Gartenbauausstellung in Dresden 1926 schon drei Millionen Besucher gesehen hat, so darf man wohl im Jahr der olympischen Spiele mit einem großen Erfolg der Veranstaltung rechnen. Am letzten Tage fanden noch zwei Sondertagungen statt, die der Fachgruppen „Gartenausführende undFried- hofsgärtner" und „O b st b a u". Die dreitägige Schulung bildete einen vielversprechenden Auftakt für die Arbeit des Gartenbaues im kommenden Anbaujahr. Studentischer Einiah RSG. Mitte Dezember wurde in der Reichs- studentenbundsführung das Referat „Studentischer Einsatz" (Landdienst, Fabrikdienst, Autobahndienst, NSV.-Dienst usw. werden von nun ab in einer Hand zusammengefaßt) geschaffen und eine gleiche Regelung für alle Gaue des Reiches getroffen. Die studentische Mannschaft der Partei sieht hier nicht allein eine soziale, sondern hauptsächlich eine politische Aufgabe. Für die Volkstumsarbeit in unseren Notstandsgebieten ist nur eine Mannschaft von weltanschaulich festfundierten Menschen, wie sie aus den Kameradschaften des NSD. Studentenbundes hervorgehen, brauchbar. Möglichst alle Studentinnen und Studenten sollen durch den Land- und Fabrikdienst in unserem Gaugebiet gehen; die besten von ihnen sollen würdig sein, das deutsche Studententum an der gefährdetsten und wichtigsten Front, im deutschen Osten, zu vertreten. Alle im Studentenbund zusammengefaßten Facheinrichtungen und Schulgattungen finden hier große Arbeitsmöglichkeiten. Von der Hauptstelle für studentischen Einsatz Gau Hessen - Nassau wurden in den Der» gange.nen letzten zwei Monaten an allen Hoch- und Fachschulen des Gaues Referenten für die Arbeitsgebiete berufen. Sie werden am 21. und 22. Februar in einem Schulungslager zusammengefaßt. An diesem nehmen auch die ANSt.-Referen- tmnen für Fabrikdienst und Vertreter der für den Einsatz in Frage kommenden Organisationen der Bewegung teil. Die Referenten werden, von Zeit zu Zeit in Lehrgänge der DAF., des Reichsnährstandes, der Hitlerjugend usw. eingewiesen. Im Monat März führt der NSDStB. seinen ersten Fabrikeinsatz in der Bayrischen O st m a r k durch. Die für unseren Gau festgesetzte Einsatzziffer wurde allein schon durch die Hochschulgruppe Frankfurt a. M. überschritten. Es werden daher alle 20 Hoch- und Fachschulen unseres Gaues nach der Bayrischen Ostmark Kameraden entsenden; in den dortigen Textil-, Glas- und Pozellan- werken können Kameraden aller Fachrichtungen als ungelernte Arbeiter beschäftigt werden. Auch dieser Dienst wird durch ein Einführungslager vorbereitet. Ab 1. April 1936 werden im ganzen Gaugebiet an jeder Hoch- und Fachschule Arbeltsgemein- sch asten für studentischen Einsatz entstehen, in denen alle Studenten und Studentinnen, die bereits am Fabrik- oder Landdienst teilgenommen haben, das vorliegende Material in Zusammenarbeit mit den zuständigen Stellen der Bewegung ausarbeiten und auswerten. Jede Hochschule hat immer das gleiche Einsatzgebiet. Bevor neue Kameraden und Kameradinnen hinausgeschickt werden, müssen sie über den genauen Stand der Arbeiten unterrichtet werden. Die Arbeitsgemeinschaften werden ferner bei der Ausgestaltung von Dorfabenden und Betriebsappellen einen großen Wirkungsbereich haben. Kameraden und Kameradinnen, die sich in den Sommerferien für diese Arbeit einsetzen wollen, die dem Bauern seine Ernte einbringen helfen oder einem deutschen Arbeiter oder einer Arbeiterin die so notwendige Erholung verschaffen wollen, melden sich beim örtlichen Referenten für studentischen Einsatz bis Ende dieses Semesters; sie werden zu besonderen Schulungen zusammengefaßt werden. DasKabmettSarraui geht gegen die französischen Royalisten vor Oer Marxistenführer Blum von Royalisten verprügelt.— Oie „Action Fran^aise" verboten. Paris, 13. Febr. Der Sozialistenführer Löon Blum wurde, kurz nachdem er die Kammer zu Fuß verlassen hatte, von vier Mitgliedern der Action Fran^aise angehalten und mißhandelt. In diesem Augenblick kam zufällig ein Fraktionsmitglied der Sozialistischen Partei in seinem Automobil vorbei und nahm den Sozialistenführer mit in seinen Wagen, in dem sich auch die Frau des Abgeordneten befand. Als das Auto am Trauerhause des kürzlich verstorbenen Schriftstellers L6on Blum. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Jacques Bainville angelangt war, wo die Straße wegen der Trauerfeierlichkeit abgesperrt war, schlugen Studenten die Fensterscheiben des Autos ein. L6on Blum versuchte, sich durch die Flucht zu retten. Er wurde jedoch in wenigen Sekunden von etwa 100 bis 200 jungen Leuten umzingelt und niedergeschlagen. Blum rettete sich in eine Nebenstraße, wo er an einer Haustür klingelte. Als die Portierfrau jedoch einen blutüberströmten Mann vor sich sah, schlug sie die Tür wieder zu, so daß Blum weiterflüchten mußte. Im Nebenhaus, wo einige Arbeiter beschäftigt waren, wurde ihm die Tür geöffnet, so daß er vorläufig in Sicherheit war. Erst als der Chef der Pariser Sicherheitspolizei mit einem stärkeren Polizeiaufgebot eintraf, konnte Blum ins Krankenhaus übergeführt werden. Augenzeugen behaupten, daß von einem lieber» fall auf den Marxistenführer keine Rede sein könne. Leon Blum habe vielmehr versucht, mit dem Auto d i e Absperrung zu durchfahren, die wegen der Beisetzung von Jacques Bainville vor dem Trauerhause vorgenommen worden war. Man habe zunächst nicht gewußt, daß es sich um den Sozialistenführer handele; er sei erst erkannt worden, als man ihn aus dem Auto herausgetrieben hatte. Der Angriff auf Blum hat bereits eine gerichtliche Untersuchung nach sich gezogen. Es wurde fest- gestellt, daß Blum mehrere Wunden im Gesicht und auf dem Kopf davongetragen hat, die von Schlägen mit einem harten Gegenstand herrühren. Einer dieser Schläge hat die Schläfengegend verletzt und ein Blutgefäß zerrissen, was zu einer inneren Blutung geführt hat. Ein kleiner chirurgischer Eingriff war notwendig geworden. ߣon Blum hat nachmittags das Krankenhaus verlassen können. Auch die Frau des Abgeordneten Monnet, die sich in dem Auto befand, ist niedergeschlagen und verletzt worden. (Sarraut vor der Kammer. In der Kammer erklärte Ministerpräsident Oarraut, die Regierung werde nicht zögern, energisch einzuschreiten. Es handele sich bei dem Vorgehen gegen den Sozialistenführer um einen organisierten Anschlag. Die Regierung werde sich der Gesetze bedienen, die die Kammer ihr an die Hand gegeben habe. Herriot erklärte, es sei unzulässig, daß aufrichtige Republikaner nicht mehr frei in Frankreich umhergehen könnten. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß der Ueberfaü auf Lson Blum die letzte derartige Kundgebung darstelle, die noch geduldet würde. Franklin Bouillon (Rechte Mitte) verurteilte ebenfalls das gewaltsame Vorgehen gegen Parlamentarier. Als Der rechtsgerichtete Abgeordnete Soulier das Wort nehmen wollte, um ebenfalls den Angriff gegen Blum zu verurteilen, erhob sich auf der Linken großer Lärm. Von links ertönte der Zwischenruf „Mörder". Der Kammerpräsident sah sich gezwungen, die Sitzung vorübergehend aufzuheben. Die „Action FranMe" verboten Paris, 13. Febr. (DNB.) Der Ministerrat hat die Auflösung der Liga der Action Fran^aise, des Studentenoerbandes der Action Fran^aise, und der sog. Camelots du Roi, der eigentlichen Kerntruppe der Action Fran$aise, beschlossen. Es wurde sofort eine Haussuchung bei der Liga der Action Fran^aise angeordnet. In dem Gebäude der Action Fran$aise befinden sich das Ehepaar Daudet, Charles M a u r r a s und die Führer der Camelots du Roi. Der Polizeikommissar und der Untersuchungsrichter wurden durch 60 Polizeiinspektoren unterstützt, während die Umgebung von einem scharfen Ordnungsdienst überwacht wurde. Der Hauptschriftleiter der „Action Franfaise“, Pujo, erklärte, man habe eine alte Liste von Mitgliedern der Action Fran^aise von vor dem Kriege beschlagnahmt, die keinerlei Wert habe. Die Aufforderung, die Namen der gegenwärtigen Camelots und der Mitglieder der Liga mitzuteilen, habe er abgelehnt, ebenfalls die Auslieferung der Rechnungsbücher. Man könne Männer verhaften, Bünde auflösen, aber nie werde es gelingen, eine Idee zu unterdrücken. Die Mitglieder der Action Fran^aise feien Monarchisten seit 30 Jahren, und ihre Haltung sei genau bekannt. Nach der Haussuchung im Gebäude der aufgelösten Action Frangaise wurden d i e Büros versiegelt und zahlreiche Dokumente beschlagnahmt. Sarraut will durchgreifen. Verfahren gegen Maurras eingeleitet. In der Umgebung des Ministerpräsidenten versichert man, Sarraut sei entschlossen, dafür zu sorgen, daß die Auslosung der Action Fran^aise nicht nur auf dem Papier stehe. Jede öffentliche Kundgebung der Camelots du Roi werde künftig nicht nur verboten, sondern unterdrückt werden. Zur Zeit sei keine Rede von der Verhaftung politischer Persönlichkeiten. Die Regierung werde erst zusehen, wie das Gesetz befolgt werde, und entsprechend handeln. Das gerichtliche Verfahren sei eingeleitet worden und müsse erst abgeschlossen werden. Das Pariser Gericht hat gegen Charles Maurras und den Herausgeber der Tageszeitung „Action Fran^aise“ ein Verfahren wegen Aufforderung zum Mord auf Grund eines am 13. Januar, und zwar unmittelbar nach Verabschiedung des Gesetzes über die Bestrafung solcher Aufforderungen erschienenen Artikels eingeleitet. Der Ordnungs- dienst in der Stadt ist erheblich verstärkt, besonders in der Gegend, wo sich der Sitz der Action rranfaise und die gleichnamige Zeitung „Fährmann Maria." Lichtspielhaus. Man muß diesen Film begrüßen (auch wenn man vielleicht im einzelnen noch Vorbehalte oder Einwendungen hat) — weil er bewußt neue und eigene Wege geht, und weil die Hersteller offenbar die Gefahr erkannt haben und ihr zu begegnen versuchten, die unsere Produktion bedroht. Es ist hier in letzter Zeit bei verschiedenen Gelegenheiten darauf aufmerksam gemacht worden: die Gefahr besteht darin, daß sich der Film allmählich aus feinen eigenen Bezirken und Gesetzen verliert und immer mehr in die Literatur hinübergespielt wird, die grundsätzlich anderen Gesetzen untertan ist, ihr eigenes Leben führt und allenfalls Anregungen zu geben vermag. Solche Anregungen können gut, brauchbar und fruchtbar sein, aber sie müssen von schöpferischen Händen empfangen werden. Mit der einfachen Der-filmung ist, nne oft genug gezeigt worden ist, noch nichts getan, selbst dann nicht, wenn Höchstleistungen in Der Spielführung, in der Darstellung und in der Photographie aufgeboten werden. Zu oft haben wir die im Grunde überflüssigen und also unkünstlerischen Wiederholungen erlebt, die zweite und fast immer schwächere Fassung von Werken, die im Drama, im Roman, im Buch oder auf der Bühne gut und endgültig formuliert waren. Darüber konnten dem kritisch Aufnehmenden auch die besten Schauspieler, die tüchtigsten Regisseure, die begabtesten Kameraleute nicht yin- weghelfen. Das führt zu einem andern, oft besprochenen Problem, dem nachgerade fühlbaren Mangel nämlich an guten, das heißt also künstlerischen und unter Den Gesetzen des Films geschriebenen Drehbüchern. Erst wenn wir die Haden, werden wir von unzulänglichen, fremben Vorlagen freiwerden. ♦ Das sind ungefähr die Grundlagen, von denen die Hersteller dieses Terra-Films ausgegangen sind. Der Regisseur Frank W y s b a r und Hans Jürgen N i e r e n tz schrieben das Drehbuch und wiesen Damit ganz klar die allgemeine Richtung, welche ein» zuschlagen war, um den Film wieder seinen eigensten Bezirken und naturgegebenen Möglichkeiten zuzuführen: Beschränkung Der akustischen Elemente auf ein äußerstes Maß; möglichste Sparsamkeit im Dialog, im gesprochenen Wort überhaupt; dies bedeutete gleichzeitig: Hinwendung zum Optischen, zum lebendigen und beseelten Bild als dem entscheidenden Träger der „Handlung", des Vorgangs oder der Fabel, — wie man sich nun in diesem Falle ausdrücken will. (Es ist nicht ganz leicht, das treffende Wort zu finden.) Ferner sollte — was im wesentlichen als gelungen bezeichnet werden darf — ein möglichst vollkommener Zusammenklang von Bild und Ton, von Musik und Handlung, von Mensch und Landschaft erreicht werden. Hier war nun em Regisseur wie Wysbar, der im Keller- Film vom Fähnlein der sieben Aufrechten seine Sibylle Schmitz. erste große Leistungsprobe abgelegt hat, der rechte Mann. Er hat schon damals bewiesen, was er an beseeltem Detail, an liebevoller Kleinmalerei zu geben vermag. Er zeigt es jetzt, unterstützt von dem femneroig arbeitenden Kameramann Weihmayr, aufs neue. Die Landschaft, in welcher dieser Film splelt, die Lüneburger Heide, ist nämlich hier, wie 'd n. Straße ....... Ganta einige sehr schöne komvl. Fenster, zu verkauf. Oc?8 Alicenstraße 33. .MeineAureigen im Gießener Anzeiger w-rden von Tausenden beachtet und gelesen. lififtmafffiine gebraucht, gut nähend, bill. abzugeben, oest gopiansflaffelOp. I Kaiifgesuche"| Min-Mo gebraucht,steuerfrei, zu kaufen gesucht. Schr. Angebote mit Preis unt. 0669 an den Gieß. Anzeiger. Kinderwagen für Zwillinge zu laufen gesucht. Sckr.Angeb.unL <1680 an d. G.A. [Verschiedenes] Alte,alleinsteh. 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Die führenden Norweger natürlich gehen „auf sicher", sie wollen sich in die Verteilung der Goldenen, Silbernen und Bronzenen Medaille nicht hineinreden lassen. Die Zahl der Zuschauer dürfte inzwischen wohl die 25 000 überschritten haben. Der Deutsche Willi Bogner, der Sprecher des Olympischen Eides, eröffnet wie beim gestrigen Langlauf so auch heute die Kämpfe. Sauber und in guter Haltung steht der Deutsche 45 Meter. Er erntet starken Beifall, obwohl man ja weiß, daß er für einen der vorderen Plätze nicht mehr in Frage kommt. In schneller Folge fliegen die Springer vom Schanzentisch. Sicher und in vorbildlicher Haltung — nur Hoffsbakken gelang der erste Sprung nicht ganz nach Wunsch — setzen die führenden Norweger auf. Im Hinterfelde wird mehr riskiert. Der Finne V a l o n e n , die Ueberraschung der letzten klS-Rennen, springt sicher 52 und 45,5 Meter und schafft sich damit vom 22. auf den vierten Platz vor. Einen großen Sprung tut auch Toni Eisgruber (Deutschland), der mit 51,5 und 49 Meter Zweiter des Sprunglaufes wird. Er vertauscht seinen 36. mit dem 22. Platz. M e n a r d i (Italien), nach dem Langlauf an fünfter Stelle, fällt dagegen auf den 19. Platz in der Gesamtwertung zurück. Auch Bogner und G u m p o l d müssen um je einen Platz zurück, Friedl Wagner sogar vom 12. auf den 17. Rang. Hinter Valo - nen (Finnland) ist Simunek (Tschechoslowakei) Fünfter als der beste Mitteleuropäer. Oester- k l ö f t, der vierte Norweger, macht als Sechster den Erfolg seines Landes vollständig. Bester Springer blieb der Finne Lauri V a l o - nen, der Sprünge von 52 und 54,5 Meter erreichte und die Note 222,6 erhielt. Mit 51,5 und 49 Meter und Note 212,1 kam der Deutsche Toni Eis- Deutschland: Tor: Egginger: Verteidiger: von Bethmann-Hollweg, Jänecke; 1. Sturm: Trautmann, Schibukat, George; 2. Sturm: Kögel, Wiedemann, Dr. Strobl. Das erste Drittel. Vom ersten Augenblick an machte sich die lieber« legenheit der Kanadier bemerkbar. Ihre Angriffe überwogen an Zahl die der Deutschen und waren auch weit gefährlicher. Den ersten Schuß brachte und Broda hl die Goldmedaille. In der Kombination liegen die Deutschen an 11. (Bogner), 12. (Gumpold), 17. (Wagner) und 22. Stelle (Eisgruber). Einer der dramatischsten Höhepunkte während der IV. Olympischen Winterspiele war der Eishockeykampf zwischen Deutschland und Großbritannien, der, obwohl er dreimal verlängert wurde, dennoch mit einem unentschiedenen Ergebnis von 1:1 beendet wurde. Nach dem hinreißenden Spiel beglückwünschten sich beide Mannschaften zu ihrem hervorragenden Kampf. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Das ist die Goldene Medaille, der höchste Preis, um den die Kämpfer bei den Olympischen Winterspielen in Garmisch-Partenkirchen ringen. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Das amtliche Ergebnis. Gegen 19 Uhr gab das Eislaufkomitee das Ergebnis des Paarlaufwettbewerbes bei den IV. Olympischen Winterspielen 1936 in Garmisch-Partenkirchen Auf dem Rießer See zogen auch am Donnerstagvormittag die Eisschnelläufer ihre Kreise. Der 1500-Meter-Lauf wurde bei ausgezeichneten Wetter- und Eisverhältnissen durchgeführt, trotz des Kombinationsspringens und der Eishockeyspiele von zahlreichen Zuschauern mit starkem Interesse verfolgt. Die Norweger sind auf die Goldmedaillen im Eisschnelläufen abonniert. Auch den dritten Wettbewerb, das 1500-Meter-Laufen, gewann ein Norweger. Allerdings war es diesmal nicht der zweifache Sieger Ivar Ballangrud, sondern dessen Landsmann Charles M a t h i s e n, der mit 2:19,2 Olympischen Rekord und eine Goldmedaille herauslief. Ballangrud besetzte in 2:20,2 immerhin den zweiten Platz und sicherte seinem Land damit die Silbermedaille, während der ausgezeichnete Finne Birger V a s e n i u s sich und seinem Land die Bronce-Medaille in 2:20,9 Min. eroberte. Frei- singer-U8A. und die beiden Oesterreicher Stiepel und Wazulek belegten die nächsten Plätze mit ebenfalls noch ausgezeichneten Zeiten. Sehr gut hielten sich diesmal auch die beiden Deutschen Willi S a n d t n e r und Heinz Sarnes. Sandtner hatte in dem Finnen Blomquist einen Der große deutsche Erfolg im Paarlauf Maxie Herber/Ernst Baier erringen die goldeüe Medaille. lymp ilche ** Spiele Kampf lieferte. Erst kurz vor dem Ziel gelang es dem Finnen, an dem Deutschen vorbeizugehen. Während Blomquist 2:23,2 Min. benötigte, erzielte Sandtner mit 2:25,3 Min. einen neuen deutschen Rekord. In der Gesamtwertung kam der Münchener auf den 16. Platz. — Weniger schnell war Heinz S a m e s - Deutschland, der im zweiten Lauf dem Australier Kennedy ein überlegenes Rennen lieferte. Sarnes gewann feinen Lauf in 2:29,3 Min., wurde in der Gesamtklassierung aber nur 27. Am Start waren insgesamt 37 Läufer. Tur- nowski-Tschechei und White-Kanada eröffneten die Kämpfe, waren aber beide sehr langsam. Sames bestritt den zweiten Lauf mit Kennedy, war aber ebenfalls nicht schnell genug. Ivar Ballangrud hatte dann gegen Freisinger-U8A. schwer zu kämpfen, konnte in guter Zeit aber schließlich den Amerikaner doch niederhalten. Der nächste Lauf brachte schon die Entscheidung. Mathisen hatte in dem Oesterreicher Max S t i e p l einen gefährlichen Gegner, und beide trieben sich zu immer größerer Schnelligkeit. Der Norweger gewann in neuer Olympischer Rekordzeit mit 2:19,2 Min. den Lauf und damit den ganzen Wettbewerb. 0. Sagen(Aorlvegen) Sieger in der Kombination Toni EiSgruber-Dentschland Zweiter im Kombinations-Sprunglauf. Etwa 15 000 Zuschauer — das Eisstadion war wieder restlos ausverkauft — waren am Donnerstagabend erschienen, um Deutschland, das sich gegen England so überragend geschlagen hat, und Kanada, den Eishockey-Weltmeister, im Kampfe zu sehen. Kurz nach 20 Uhr betraten die beiden Mannschaften in folgenden Aufstellungen das Eis: Kanada: Tor: Moore; Verteidigung: Murray, Kitchen; 1. Sturm: Neville, St. Germain, Fargu- harson; 2. Sturm: Sinclair, Thomson, Haggarty. Mchisen vor Vallangrnd. Eisschnelläufen über 1500 m.-Norwegens Doppelerfolg Den Besuchern der Winter-Olympiade in Garmisch-Partenkirchen bleibt wenig Zeit zur Ruhe und Erholung. Kaum war die Mittagszeit herum, als im Eisstadion schon das Kunstlaufen der Paare seinen Anfang nahm. Pünktlich zur festgesetzten Anfangszeit erschien der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler im Eis- kunststadion und nahm auf der Ehrentribüne Platz. Stürmischer Jubel der vieltausendköpfigen Menge empfing den Führer und die ihn begleitenden Reichsminister Dr. Goebbels, Hermann G ö - ring und v. Blomberg, sowie Reichssportführer v. Tschammer und Osten. Alles war bereit zum Start des Wettkampfes, der die Entscheidung darüber bringen sollte, wer von den 18 angetretenen Paaren aus 13 Nationen die Olympische Goldmedaille erringen und sich damit als bestes Kunstlaufpaar der Welt auszeichnen würde. Deutschland, Oesterreich und Ungarn stellen die besten paare. Die Vorführungen nahmen ihren Anfang, Stunde um Stunde zeigten die Paare aus allen Teilen der Welt ihr Bestes, Beifall brandete immer dann auf, wenn eine Figur ober ein Sprung besonders geglückt waren. Mit besonderer Spannung erwartete man Maxie Herder und Ernst Baier, unsere deutschen Favoriten, die Geschwister P a u s i n , der „Geheimtip" der Oesterreicher und Rotter-Szollas, die die Ungarn immer noch über alle anderen Paare der Welt stellen. Die Darbietungen dieser drei Paare bedeuteten bann auch die Höhepunkte ber Veranstaltung. Es kam so, wie es die Fachleute erwartet hatten. Herber-Baier liefen eine großartige, kaum zu übertreffende Kür, die Geschwister Pausin überraschten die Zuschauer mit einer wirklich erstklassigen Leistung und Rotter-Szollas bewiesen, mit alter Meisterschaft, daß sie immer noch zu den Weltbesten gehören. Neben diesen drei Paaren warteten aber auch noch andere mit wunderbaren Leistungen auf. Ueberraschend gut lief auch das zweite Paar aus Deutschland, Eva P r a w i tz und Otto Weiß. Als das amtliche Ergebnis bekannt wurde und Maxie Herber- Ernst Baier die Goldmedaille vor den Geschwistern Pausin errungen hatten, da herrschte in ganz Garmisch-Partenkirchen eine fabeb hafte Stimmung. Man erkannte überall an, daß das beste Paar'mit dem Olympischen Sieg ausgezeichnet worden war, man gestand aber auch neidlos zu, daß die Geschwister Pausin fast gleichwertig waren. Den Anfang machten die Kanadier Miß Audrey G a r I a n b u'nb Fraser Sweatm an. Sie zeigten ein recht ansprechendes Programm. Hildegard Schwarz- Eduards G e s ch e l s aus Lettland setzten die Reihe der Darbietungen als zweites Paar fort. Die Lettländer liefen zwar schöne Spiral- Figuren, doch war die Körperhaltung nicht edel genug. Den ersten Höhepunkt gab es, als das englische Ehepaar Violet und Leslio Cliff aufs Eis kam. Die Engländer boten ein sehr schwieriges und recht geschickt aufgebautes Programm, das so ziemlich alle Figuren enthielt, die man heute im internationalen Paarlaufen verlangt. Die Belgier Louisa C o n t a m i n e - Robert Verdun hatten sich em recht ansprechendes Programm ausgedacht, das aber technisch zu wenig durchgearbeitet war. Die Kür der deutschen Favoriten Dann kamen, von tosendem Beifall begrüßt, die Europameister Maxie Herber und Ernst Baier in die Eisarena gelaufen. Das deutsche Klassepaar lief sein Programm nach der eigens hierzu von Zeller komponierten Musik in einem unnachahmlich edlen, abgerundeten und meisterhaften Stil. Zwei kleine Fehler von „Maxie" beeinflußten den hervorragenden Eindruck den die Deutschen hinterließen, in keiner Weise. Diese beiden „Entgleisungen" Maxie Herbers kamen übrigens auf das Konto der Zuschauer, die sich . durch die Prachtleistungen unseres Meisterpaares immer wieder zu Beifallsstürmen hinreißen ließen, und dadurch „Maxie" zweimal für eine kl.eine Sekunde aus dem Konzept brachten. Das deutsche Paar lief einen vollkommen anderen Stil, als die bislang aufgetretenen Paare gezeigt hatten. Maxie Herber und Ernst Baier gingen nicht auf Effekthascherei aus, sondern legten nur Wert darauf, ihr Programm in größter Präzision und hervorragendster Zusammenarbeit abzuwickeln. Man konnte sofort merken, daß das Programm nicht nach der Musik zusammengestellt worden war, sondern daß es das eisläuferische Können des Meisterpaares war, das das Musikalische beherrschte und durch seine Figurenfolge Zeller die Anregungen und Einfälle zu der Komposition gab. Besondere Bewunderung erregten wieder die geschickte Verteilung der Figuren, die ausgefeilte Technik, die restlose Beherrschung des Rhythmischen und das gegenseitige Verstehen auch in der kleinsten Nebensächlichkeit. Wie spielend wurden Figuren aufs Eis gelegt, von denen jeder Fachmann genau weiß, daß sie in höchstem Grade schwierig sind. Leider wurde durch ein Versehen bei den Zeitrichtern die Vorführung von Maxie Herder- Ernst Baier zu früh abgebrochen. In der Bewertung, die wieder öffentlich erfolgte, also so, daß jeder Schiedsrichter auf Aufruf auf einer Tafel feine Note herzeigte, dürften die Deutschen einen Durchschnitt von etwa 5,6 Punkten bei einer Höchstpunktzahl von 6 Punkten erreicht haben. Nicht endenwollender Beifall belohnte Maxie Herber und Ernst Baier für ihre großartige Demonstration. Sonja Henie eilte impulsiv auf Maxie zu und umarmte sie stürmisch. Der Beifall war noch nicht verklungen, da kamen schon Eleonore Bäume! und Fritz Wächtler (Oesterreich) auf das Eis, um ihr Programm vorzuführen. Die Oesterreicher brachten eine leichte, gefällige und flüssig oorgetragene Darbietung. Louise Bertram und Stewart Reburn (Kanada) hatten in ihrem leichten, aber glücklich verteilten unb elegant gelaufenen Programm zu wenig Tempo. Viel Beifall bekamen auch bie Norweger Ranbi Bakke-Giertsen unb Christin Christensen, bie zweifellos sehr talentiert sinb. Weniger gefiel bas amerikanische Paar Grace unb James Mabben, bas vor allem ben Schwung in feinen Vorführungen vermissen ließ. Nach ben Amerikanern kamen hintereinander bie zwei ungarischen Paare. Das junge Puszta-Paar Piroska unb Attila von Szekrenyessy fegte mit echt ungarischem Temperament über bas Eis unb verstaub es ausgezeichnet, in seinem Lauf ben Nationalcharakter zu betonen. Nach biefem jungen Paar startete unter größter Spannung bas ungarische Weltmeisterpaar Emilia Rotter unb Laszlo Szollas. Dieses ungarische Paar zeigte wohl bie schwierigste Kür von allen Teilnehmern. Glänzende Sprünge wechselten mit klar gezeichneten Figuren, boch waren es gerabe bie geschulten Sprünge unb bas taktisch kluge Laufen, bas bas Raffinement unb bie Routiniertheit ber beiben ungarischen Könner zu betont hervortreten ließen. Eine ausgezeichnete Kür lief auch das amerikanische Paar Maribel V i n s s o n und George Hill, das nach einem etwas unsicheren Beginn später zu der ganzen Größe seines Könnens auflief. Der Ge- amteindruck mar: Überdurchschnittlich. Das zweite deutsche paar. Unser zweites deutsches Paar, Eva Prawitz- Otto Weiß, hinterließ einen überraschend guten Eindruck. Die Deutschen liefen anfänglich etwas nervös, woran aber diesmal nicht wie sonst die junge Eva Prawitz die Schuld trug, sondern der routinierte Otto Weiß, ber es sonst immer verstaub, seiner Partnerin Ruhe unb Sicherheit einzuflößen. Das Paar führte ein sehr nettes Programm vor, bem es in ber Ausführung aber etwas an Schwung mangelte. Ein guter Abschluß, eine elegante „Schnecke", bewirkte aber eine überraschen!) gute Benotung burch bie Punktrichter. Die Geschwister Ilse unb Erik Pausin waren bie große Ueberraschung biefes Olympischen Paarlauf-Wettbewerbes. Man wußte zwar, baß die erst 14- und 16jährigen Geschwister schon erste Klasse barstellen, baß sie aber so gut laufen unb selbst unserem beutschen Meisterpaar eine ernste Gefahr bebeuten würben, bas hatte man boch nicht erwartet. Die Körperhaltung bieser beiben jungen Wiener war beweglich unb flüssig, bie Anorbnung ber Figuren, von benen bejonbers eine Monb-Kombi- nation ausgezeichnet gelang, geschickt. Alles würbe formvollenbet vorgetragen, bie Ausführung war wirklich kaum noch zu übertreffen. Die Geschwister Pausin haben sich burch ihre rounberbare Kür ganz bicht an Herber/Baier herangeschoben. Helene Michelson unb Eduard Hiiop (Est- lanb) liefen im Anschluß an bas österreichische Paar. Das Programm gefiel ganz gut. Leider verdarben sich die Estländer viel durch einen Sturz. Rosemarie Stewart und Ernest Pates (England) glänzten durch ein großartiges, geschickt aufgebautes Programm mit schön und flüssig ineinandergehenden Figuren. Als vorletztes Paar erschienen die Italiener Anna und Ercole Gattaneo, die ihr mit vielen Einzel-Figuren durchsetztes Programm klug und geschickt arrangiert hatten. Zum Abschluß dieser großartigen Revue der besten Kunstlauf-Paare der Welt erledigten die Rumänen Irca T i m c i c und Alfred E i s e n b e i ° ß e r 'ihre Kür. Man merkte dem Paar deutlich an, daß es ihm an Erfahrung und Reife fehlte. gruber auf den zweiten Platz. Gumpold und Bogner wurden Sechzehnte, Friedl Wagner kam an o____zv u v 27. Stelle. In der Wertung des zusammengesetzten I war, siegte beim Skispringen im Kornbinationswett- Lang- und Sprunglaufes holte sich der Norweger bewerb und errang damit die Goldene Medaille. — Hagen vor feinen Landsleuten Hoffsbakken! (Scherl-Bilderdienst-M.) Platzziffer Punkte 1. Maxie Herber-Ernst Baier (Deutschland) 11,0 11,5 2. Ilse und Erik Pausin (Oesterreich) 19,5 11,4 3. Emilia Rotter-Laszlo Szollas (Ungarn) 32,5 10,8 4. Piroska und Attila von Szekrenyessy (Ungarn) 38,5 10,6 5. Maribel Vinsson-George Hill (USA.) 46,5 10,4 6. Louisa Bertram-Stewart Reburn (Kanada) 68,5 9,8 7. Violet und Leslie Cliff (England) 56,5 10,1 8. Eva Prawitz-Otto Weiß (Deutschland) 74,5 9,5 9. Anna und Ercole Cattaneo (Italien) 93,0 9,1 10. Rosemarie Stewart-Ernest Pates (England) 102,5 9,0 KSgel an, et schoß fast von der Mitte, aber ergebnislos. Dann stand Egginger im Mittelpunkt des Geschehens. Nur drei Meter vor ihm schoß Neville placiert, doch Egginger brachte es fertig, dem für unhaltbar gehaltenen Schuß den Weg ins Tor zu verwehren. In der 7. Minute erzielten die Kanadier den Führungstreffer. Nach einem groß angelegten Angriff nahm Farguharson die Scheibe, die schräg von links hereinkam, auf und schoß unhaltbar ein. Das Spiel wurde nun härter, Neville und Wiedemann mußten für eine Minute dem Spiel von außen zu sehen. Kaum war Neville wieder da, stand er sofort in heftigem Gefecht mit vier Mann vor dem deutschen Tor. Die Deutschen blieben dabei überlegen, und der Angriff wurde abgewehrt. Dann verpaßte Kögel die Ausgleichschance, als er drei Meter frei vor dem kanadischen Tor stehend die Scheibe neben den Pfosten setzte. Bei andauernder Ueberlegenheit der Kanadier ging das erste Spieldrittel zu Ende. Der zweite Abschnitt. Trotz ausgezeichneter Zerstörungsarbeit der Deutschen fiel in der vierten Minute des zweiten Abschnittes der zweite Treffer, abermals durch Farguharson. Das Bild änderte sich auch im folgenden Spielgeschehen nicht; die Deutschen wurden in die Verteidigung gedrängt, während Kanada in sehr schnellem Tempo Angriff auf Angriff vortrug. Die deutsche Mannschaft kam einfach nicht dazu, die jetzt einzig richtige Taktik einzuschlagen, alles auf eine Karte zu setzen, alles nach vorne zu werfen, um den Ausgleich zu schaffen. Es war jedoch unmöglich, gegen diese Klassemannschaft, wie sie die Kanadier darstellten, aufzukommen. Der deutsche Sturm arbeitete nicht einheitlich genug. Man säh nur Einzelaktionen, die bei den technisch besseren Kanadiern natürlich nie zu Erfolgen führen konnten. Die Kanadier griffen unentwegt an und bei einem ihrer Vorstöße erhöhte Neville auf 3:0. Die Ueberlegenheit der Kanadier wurde immer stärker. Es folgte ein Durchbruch von Thomson und zum vierten Male war die Scheibe tm deutschen Netz. Dann mußte Kögel für eine Minute vom Felde. Weitere Angriffe der Kanadier schlossen das zweite Drittel ab. Das letzte Drittel nahm mit einem Alleingang Kögels seinen Anfang. Die Deutschen versuchten wenigstens noch das Ehrentor zu retten, und das gelapg auch. Eine gute Kombination beschloß Strobl mit einer Flanke zur Mitte, wo Wiedemann zur Stelle war und unhaltbar einsandte. Die Kanadier gaben aber keine Ruhe. Egginger mußte vor dem durchgebrochenen Farguharson abwehren, aber aus einem Gedränge heraus erzielte wenig später St. Germain doch den fünften Treffer. Das Spiel wurde dann etwas rauh, das Publikum ging leidenschaftlich mit. Kaum waren die Seiten gewechselt, als durch Neville die Kanadier ihr sechstes Tor erzielten. Unter stürmischem Jubel kamen dann die Deutschen durch Strobl zu einem zweiten Treffer. Mit 6:2 (1:0, 3:0, 2:2) hatte Kanada das Spiel gewonnen. Die deutsche Mannschaft hat sich in den seitherigen Spielen hervorragend geschlagen: im letzten Treffen machte sie einen etwas abgekämpften Eindruck. Den gelegentlichen deutschen Angriffen fehlte deshalb die nötige Durchschlagskraft, weil der Gegner schneller war. Die besLrn Spieler auf dem Platze waren die kanadischen Stürmer Thomson und Neville. Musterhaft waren bei allen kanadischen Spielern Scheibenführung und Zuspiel. Die Deutschen sind einem besseren Gegner ehrenvoll unterlegen. England schlägt Ungarn 5:1. Mit rund 4000 Zuschauern war der Besuch nicht übermäßig gut; besonders die Tribünen für die Dauerkarten-Jnhaber wiesen beträchtliche Lücken auf. Auch der Führer wohnte mit großem Interesse diesem Spiel bei. Die Engländer waren die bessere Mannschaft, obwohl ihnen sichtlich das schwere Vortagstreffen gegen Deutschland noch in den Knochen steckte. Nach teilweise mattem Spiel siegte Großbritannien sehr sicher mit 5:1 (1:0, 3:1, 1:0) Toren und hat sich damit auf jeden Fall die Teilnahme- Berechtigung an den Schlußrundenkämpfen gesichert. Tschechoslowakei — Oesterreich 2:1. Im zweiten Eishockeyspiel des Donnerstags standen sich die Mannschaften von Tschechoslowakei und Oesterreich gegenüber. Die Tschechen gewannen mit 2:1, wobei die drei Tore des Spieles im zweiten Drittel fielen. Mit diesem Siege dürften die Tschechen in der Endrunde stehen, denn selbst bei einem kaum möglichen Sieg der Schweden über Amerika, der die Tschechoslowakei mit den Amerikanern und Schweden punktgleich auf den ersten Platz bringen würde, könnten die Schweden auf Grund des'Torverhältnisses nicht mehr weiterkommen. Die Spiele der Gruppe I angestossen. Mit den Spielen England — Ungarn und Deutschland — Kanada wurden am Donnerstag die Zwischenrundenbegegnungen der Gruppe I abgeschlossen. England schlug Ungarn überlegen mit 5:1 (1:0, 3:1, 1:0) und Kanada holte gegen Deutschland einen 6:2-Sieg (1:0, 3:0, 2:2) heraus. Damit haben sich England und Kanada für die Endrunde durchgesetzt. Deutschland, dessen Mannschaft wenig vom Glück begünstigt war und sowohl in der Vor- als auch in der Zwischenrunde in der stärksten Gruppe spielen mußte, konnte sich nur den dritten Platz vor den sieglos gebliebenen Ungarn sichern. Deutschlands Eishockeyspieler haben sich wundervoll geschlagen. Sie erreichten mit dem Unentschieden gegen England mehr, als wir zu hoffen gewagt hatten. Die Ergebnisse, die unsere Mannschaft aber errang, sind ein Beweis dafür, daß die intensive Traininasarbeit nicht ohne Erfolg geblieben ist, daß Deutschlands Eishockey heute mit an der Spitze in Europa steht. Die Schlußtabelle der Gruppe I lautet: Spiele Gew. England 3 2 Kanada 3 2 Deutschland 3 1 Ungarn 3 0 Unentsch. Verl. Tore 1 0 8: 3 0 1 22: 4 1 1 5: 8 0 3 2:22 Pkte. 5:1 4:2 3:3 0:6 Die Schlußrunden -Teilnehmer ermittelt. Amerika — Schweden 2:1. Das letzte Spiel des Freitagabend sah die Mannschaften von Amerika und Schweden im Eisstadion im Kampfe. Die Amerikaner konnten sich dabei einen knappen Sieg und damit die Teilnahme in der entscheidenden Schlußrunde sichern. Die Entscheidung über den Sieg im Olympischen Eishockeyturnier liegt also in der Endrunde bei Kanada, England, Amerika und der Tschechoslowakei. Diese vier Nationen bestreiten die Schlußrunde. Eisschießen auf dem Rießer See. In unserem am Dienstag veröffentlichten Bericht über das Eisschießen auf dem Rießer See, und zwar in der Ergebnisliste des Nationalen Wettschießens für Männer wurde der Name des vierten Siegers falsch wiedergegeben. Der Name des Gießener Teilnehmers mußte nicht Karl, sondern Klar! lauten. G. A -Sport. Fußball im Artillerie-Sportverein. Spv. 06 Alsfeld — Artillerie-Sportverein Gießen 5:6 (3:3). Die Gäste bestritten das Spiel in folgender Aufstellung: Landsrath, Kucharzak, Reith, Waldmann, Stinael, Speier, Schwärzet, Naumann, Clement, Brückner, Schneider. Das Spiel wurde von den Artilleristen leichter gewonnen, wie das Resultat besagt. Sie waren ihrem Gastgeber in Technik und Schnelligkeit voraus, ohne auch das erforderliche Maß von Härte vermissen zu lassen. Der SpV 06 Alsfeld, der in seiner Klasse eine führende Rolle spielt, zeigte ein recht brauchbares Spiel. Der Spielverlauf gestaltete sich sehr abwechslungsreich. Ein schneidiger Angriff der Artilleristen führte schon in der 1. Spielminute zum Führungstreffer. Der Sturm der Artilleristen arbeitete weiter recht gefährliche Situationen heraus, ohne sie aber vorerst verwerten zu können. Der Gastgeber war glücklicher, es gelang ihm in der 19. Minute der Ausgleich und sogar der Führungstreffer. Doch die Freude der Einheimischen währte nicht lange. Ein schöner Angriff Brückner-Clement-Naumann kam vors Tor der Gastgeber, Clement täuschte und schon saß der Ball in den Maschen. Das Spiel wurde schneller. Bei einem Gedränge vor dem Gästetor glückte Alsfeld abermals der Führungstreffer, Clement konnte jedoch kurz vor Halbzeit nach schöner Vorarbeit Brückners abermals ausgleichen. Nach dem Wechsel machte sich die bessere körperliche Kondition der Gäste stärker bemerkbar. Dazu baute die Läuferreihe Waldmann-Stingel-Speier, die in der 1. Hälfte etwas zu defensiv gespielt hatte, verständnisvoll auf. Die Platzbesitzer gingen zwar nochmals in Führung, hatten dann aber nichts mehr zu bestellen. Ein Strafstoß Naumanns köpfte Clement unhaltbar zum Ausgleich ein. Einer Vorlage Brückners nachspurtend, lenkte derselbe Spieler zum 5. Treffer ein. Das Spiel wurde nun von feiten Alsfelds hart geführt. Es gab noch einige aufregende Momente vor beiden Toren, bis ein überraschender 20-Meter-Schuß von Clement den Sieg der Gäste sicher stellte. Fast mit dem Schlußpfiff gelang den Platzherren durch zu weites Aufrücken der Gästeverteidigung noch ein Treffer, der das endgültige Resultat herstellte. Das Spiel fand bei den zahlreichen Zuschauern lebhaften Beifall. Schiedsrichter Wacker, VfL. Lauterbach, leitete das Spiel vorzüglich. Fußball im Turnverein Großen-Linden Spvg. 1900 Gießen III — Großen-Llnden I 3:2 (1:1). Grohen Linden II — Staufenberg I 3:3 (1:3). Die zweite Mannschaft empfing Staufenbergs erste zum Rückspiel. Es gab auch diesmal keinen Sieger, da man sich wiederum mtt einem Unentschieden trennte. Heuchelheim II. 3gb.— Gr.-Linden II. 3gb. 3:2 (1:1). In Heuchelheim lieferte die zweite Jugend mit nur zehn Mann dem Platzbesitzer ein ausgeglichenes Spiel, das die Platzelf dank ihrer größeren Spielerfahrung knapp für sich entschied. Gr.-Linden I. 3gb. — Leihgestern I. 3gb. 3:2 (1:1). Die erste Jugend rettete die Ehre des Tages. Die einheimische Jugend, die seit August des vorigen Jahres noch keine Niederlage erlitten hat, schickte auch ihre Gäste aus Leihgestern geschlagen nach Hause. Jahreshauptversammlung des Tv. „Frisch Auf" Leihgestern 1893. Der Turnverein hielt seine diesjährige Hauptversammlung im Vereinslokal „Zum Löwen" ab. Vereinsführer Will führte in feinen Begrüßungs- worten u. a. aus, daß man zum letzten Male im Verband der Deutschen Turnerschaft zusammengekommen sei. Dem Geschäftsbericht des Vereinsführers Will konnte man entnehmen, der der Verein in turnerischer und wirtschaftlicher Hinsicht mit Zufriedenheit auf ein arbeite» und segensreiches Jahr zurückblicken kann. An auswärtigen Festen und sonstigen Veranstaltungen beteiligte sich der Verein erfolgreich. Der Turnbericht von Oberturnwart Schmitt bezeugte, daß das Geräteturnen im Verein Sine gute Pflegestätte hat. Kassenwart Jung erstattete den Kassenbericht, der einen guten Stand zeigte. Rechnungsprüfer Schäfer bestätigte, daß die Kasse in bester Ordnung sei. Dereinsführer Will dankte allen Turnern und Mitarbeitern für die geleistete Arbeit und sprach den Wunsch aus, daß diese auch im neuen Jahre im Reichsbund für Leibesübungen sich auswirken möge zum Segen des Vereins. Am 22. Februar veranstaltet der Verein sein Wintervergnügen. Mit einem Sieg-Heil auf den Führer wurde die Versammlung geschlossen. Fußball im Gau Nordheffen. Ciga-Begegnungen des Sonntags. Im Gau Nordhessen wird an der Tabellenspitze auch am nächsten Sonntag noch alles beim „Alten" bleiben. Das heißt, Borussia Fulda wird zu Hause gegen den Spielverein Kassel im letzten Punkte- kampf auf 28:6 Punkte kommen und Hanau 93 beim abgestiegenen SV. Bad-Nauheim in seinem vorletzten Meisterschaftstreffen auf 27:7 Punkte. Der Titel wird also aller Voraussicht nach erst am Sonntag darauf zur Vergebung gelangen. Hanau 93 trifft hier auf eigenem Platz auf den Spielverein Kassel und wird sich dabei selbstverständlich die beiden Punkte nicht entgehen lassen. Der neue Meister wird daher wahrscheinlich wieder 1. FC. Hanau 93 heißen. 03 Kassel und VfB. Friedberg liefern sich in Kassel den dritten nordhessischen Punktekampf dieses Sonntags. Wirtschaft. Rhein-Mainische Börse. Aktien uneinheitlich, Renten freundlich. Frankfurt a. M., 13. Febr. Die Börse hatte am Aktienmarkt zwar eine weitere fteundliche Haltung; bei sehr kleinen Umsätzen war die Kurs- entwicklung aber uneinheitlich, da den kleinen Kauforders der Kundschaft auch Abgaben gegenüberstanden. Die Kulisse nahm eine sehr abwartende Haltung ein, zumal da besondere Anregungen fehlten. Eine Sonderbewegung vollzog sich in Lino- leum-Aktien; Deutsche Linoleum 150 (147,50), Conti Linoleum Zürich 149,50 (146). Etwas Interesse erhielt sich ferner für Montanaktien, die Umsätze waren aber gering. Nur Mannesmann auf Dividendenhoffnungen etwas lebhafter mit 87,40 (86,90), Buderus und Rheinstahl gewannen je 0,25 v. H., Ilse Genuß 0,50 v. H., während Hoesch mit 91,13 und Vereinigte Stahlwerke mit 84 unverändert lagen. Am Elektromarkt zogen AEG. bei kleinem Umsatz auf 40,40 (40) an, außerdem erhöhten sich Schuckert um 0,90 v. H. auf 133,90, RWE. um 0,40 v. H. auf 128,40, wogegen Licht 6- Kraft 0,50 v. H. und Siemens 1 v. H. nachgaben. Chemieaktien lagen nahezu geschäftslos, Farbenindustrie blieben mit 151,65 (151,50) gut gehalten, Deutsche Erdöl lagen mit 112,25 (112) mäßig höher. Metall-, Motoren- und Masckinen-Aktien bröckelten zumeist von 0,40 v. H. bis 0,75 v. H. ab, nur Moenus Maschinen gewannen 0,75 v. H. auf 84,75, und Rheinmetall blieben zu 127,75 behauptet. Zellstoff Aschaffenburg waren weiter gedrückt auf 88,40 (89,25), ferner ließen Aku auf 53,90 bis 53,75 (54), Reichsbank auf 187 (187,25) nach. AG. für Verkehrswesen lagen 0,50 v. H. höher. Am Rentenmarkt war die Haltung freundlich und das Geschäft verschiedentlich etwas lebhafter. Stärker erhöht waren späte Wiederaufbauzuschläge mit 68,75 (68), dieselben frühe gewannen 0,50 v. H. auf 69. Altbesitzanleihe 110,40 (110,25), Zinsvergütungsscheine 93,25 (93,20), Kommunal- Umschuldung 87,20 (87,10) und späte Reichsschuldbuchforderungen unv, 97; Reichsbahn-VA. gaben 0,25 v. H. nach auf 122,75. Von fremden Werten 4 v. H. Goldmexikaner 8,30 (8,40). Im Verlaufe blieb das Geschäft am Aktienmarkt klein, die Kurse vermochten sich überwiegend auf der Anfangsbasis zu behaupten. Montanaktien notierten teilweise noch mäßig höher, so 23er. Stahlwerke und Hoesch, ferner AEG. mit 40,50 nach 40.40, dagegen büßten Schuckert 0,65 v. H. auf 133,25 ein. Von erst später zur Notiz gekommenen Werten stiegen Elektr. Lieferungen auf 115,90 (114,50), Scheideanstalt auf 211,50 (210,50), während Cement Heidelberg auf 127,50 (128) nach- ließen. Das Rentengeschäft wurde im Verlaufe bei unveränderten Kursen sehr ruhig. 6 v. H. Dollar- Preußen lagen etwas schwächer mit 62,75 (63,25). Goldpfandbriefe, Kommunal - Obligationen und Stadtanleihen notierten unverändert. Liquidations- Pfandbriefe lagen nicht ganz einheitlich. Von Obligationen der Verein. Stahlwerke gaben 6proz. auf 103,25 (103,65) nach, während 4,75proz. auf 92,75 (92,50) anzogen. Im Freiverkehr waren Warschau- Wiener lebhafter und fest, Mark-Obligationen 12,75 (12,25), Stücke-Obligationen 11,75 (11,25). Tagesgeld zum bevorstehenden Medio weiter ge- frag mit 2,5 (2,25) v. H. Abendbörse ruhig. Bei freundlicher Haltung hatte die Abendbörse nur sehr kleines Geschäft und nahezu unveränderte Kurse. Verein. Stahlwerke zunächst unv. 84,13, dann abbröckelnd auf 84, ferner IG. Farben 151,50 bis 151,40—151,50 (151,40), AEG. etwas höher mit 40,50 (40,25); diese Bewegungen vollzogen sich aber bei sehr kleinen Umsätzen. Am Rentenmarkt zeigte sich weiteres Interesse für Kommunal-Umschuloung, die mehrfach mit 87,25 gehandelt wurden. Auch Warschau-Wiener Mark-Obl. blieben zu 2,75—13 (12,65) gefragt. U. a. notierten: Altbesitz 110,40, 4,5 Darmstadt v. 28 93, 4,5 Mainz v. 26 93, dlo. v. 28 92,75, IG. Farben-Bonds 126, 4,5 Rumänen Gold 9,40, 4proz. Rumänen 5,40, 4proz. Schweiz. Bundesbahn 187, Adca 71,25, Commerzbank 92,75, DD.-Bank 91,50, Dresdner Bank 91,50, Harpener 115,25, Mannesmann 87,13, Hoesch 91, Rheinstahl 114,40, Verein. Stahlwerke 84,13—84, Aku 53,40, AEG. 40,50, Bekula 140, IG. Chemie volle 170,50, Conti Gummi 168,75, Daimler 104,25, Scheideanstalt 211,50, Deutsche Linoleum 149,75, Licht & Kraft 135,50, IG. Farben 151,50—151,40—151,50, Hart- mann & Braun 75, Holzmann E 99, Junghans 89, Metallgesellschaft 117,75, Moenus 84,75, Schuckert 133, Westdeutsche Kaufhof 31,40, Schöfferhof 177, AG. für Verkehrswesen 107, Schantung-Handels- AG. 93,25, Reichsbahn-VA. 122,75. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 13. Febr. Auftrieb: Kalber 707 (am letzten Donnerstagsmarkt 610), Schafe 142 (233), Schweine 675 (478). Notiert wurden pro 1 Zentner Lebendgewicht in Mark: Kälber andere a) 61 bis 68 (am 6. 2. 63 bis 68), b) 54 bis 60 (56 bis 62), c) 46 bis 53 (48 bis 55), d) 36 bis 45 (38 bis 47). Lämmer und Hämmel b2) 50 (50), c) 47 bis 49 (46 bis 49). Schafe e) 44 bis 47 (45 bis 47), f) 40 bis 43 (40 bis 44). Schweine al) 57 (57), a2) 57 (57), bl) 56 (56), b2) 55 (55), c) 53 (53), d) 51 (51). Sauen gl) 57 (—), g2) 57 (—). Marktverlauf: Kälber, Hämmel und Schafe ruhig, ausverkauft. Schweine wurden zugeteilt. Großhandelspreise für Fleisch und für Fettwaren. Beschickung des Fleischgroßmarktes: 850 Viertel Rindfleisch, 117 ganze Kälber, 18 ganze Hämmel, 470 halbe Schweine, 2 Kleinvieh. Notiert wurden pro 50 Kilogramm in Mark: Ochsenfleisch b) 75 bis 77, c) 72 bis 75. Bullenfleisch b) 74 bis 77. Kuhfleisch b) 68 bis 74, c) 58 bis 68. Färsenfleisch b) 75 bis 77, c) 72 bis 75. Kalbfleisch b) 74 bis 80, c) 66 bis 74. Hammelfleisch b) 90 bis 95. Schweinefleisch b) höchster Preis 74. Fettwaren. Roher Speck unter 7 Zentimeter, höchster Preis 80, Flomen höchster Preis 80. Marktverlauf: ruhig. Schwelnemarkt in Friedberg. LPD. Friedberg, 13. Febr. Auf dem gestrigen Schweinemarkt waren 255 Jungtiere aufgetrieben. Es wurden folgende Presse gezahlt: Bis 6 Wochen alte Tiere 18 bis 20 Mk., 6 bis 8 Wochen alte 20 bis 26 Mk., 8 bis 12 Wochen alte Tiere 26 bis 35 Mk. Der Handel war sehr lebhafte Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beichlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. $raniiun a. Dl. Berlin Frankfurt a.M. Berlin Frankfurt a. M. Berlin Gchluß- hird (Schluß!. Abendbörse (Schlußkurs Gchlußk. Mittag- börie (Schluß- kurS (Schluß!. Abend- börse Schluß- kurs Schluß!. Mittag- börie Schluß- kurS Gchlußk. Abendbörse Schluß- kurS Gchlußk. Mittag- börse Datum 12 2. 13.2. | 12.2 13-2. «jatum 12.2. 13-2. 12-2. 13-2. Datum 12-2. 13-2 12.2. 13.2. 6% Deutsche Retchsanleihe v. 1927 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 by*% Doung-Anleihe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit Auslos.-Rechten ............. <*/i% Deutsche Reichspostschatz an Weisungen von 1934, 1....... 6% efjem.8% Hess. Bolksstaat 1929 (rückzahlb. 102%)............ 4 Vt% ehern. 8% Hessische Sanbefr oant Darmstadt Gold R. 12.... 6Ki% ehein. 4y»% Hess. Lande«. Hypothekenbank DarmstadtLiaui 4’-»% ehem. 8% Darmst. Komm LandcSb.Goldschuldverschr. R.6 Obc«heslen Provinz-Anleihe mit Auslos.-Rechten ............. Deutsche Komm. Earnrnelabl. An- leihe Serie 1 mit AuSlos.-Rechten 4¥i% ehem.8% Franks. Hyp.-Bank Goldpse. 15 unkündbar bis 1935 t>Yi% ehem. 4V,% Franks. Hyp. Bank-Ligu.-Psandbriese...... 6y,% ehem. % desgl. von 1913.......... 5% abgest. Goldmerikaner von 99 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe Serie 1..................... 100,5 97,4 110,25 99,9 98 96,4 101 92,75 114,25 96,5 101,35 101,5 97 97 108,65 1,25 8,75 8,8 8,75 13,9 9,75 100,5 97,4 110,4 99,9 98 96,4 101 114,25 96,5 101,3 101,5 97 97 108,65 1,25 8,85 8,65 8,7 13,75 9,75 100,5 97,4 103,13 110,4 99,9 98 114,25 101,5 97 97 108,65 1,25 8,9 8,75 8,75 14 100,5 97,4 103,13 110,4 100 98 96,4 114,25 101,65 97 97 108,65 29,5 8,85 8,65 14 4% desgl. (Serie II ............ 6% RumSn. vereinh. Rente v. 1903 4yr%Ruinän.vereinh.Rentev.lS13 4% Rumänische vereinh. Rente .. 2y.% Anatolier .............. Hamburg-Amerika-Paket .....0 Harnburg-Südam. Dampfschiff. 0 Norddeutscher Lloyd .........0 A G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 Berliner Handelsgesellschaft ... 6 Commerz- und Prival-Bank ... 0 Deutsche Bank und Disconto- Gesellschaft................v Dresdner Bank........... o Reichsbank ................ n «ES......................o Bekula.................... jo lilelti. LieferungSgesellschaft... b Licht und Kraft ........... ey. Selten & Guilleaume......... 4 Gesellsch.f.Elektr.Unternehmung. 6 Rheinische Elektrizität ........tz Rhein. Wests. Gleite..........6 Schuckert L Co................ Siemens L HalSke............. Lahmeyer L Co............... Buderu» .................... Deutsche Erdül ............... Harpener.................... Hoesch Eisen—Köln-Neuesten .. g Ilse Bergbau ............... g Ilse Bergbau Genüsse........e Klöcknerwerke ...............8 Mannesman n-Röhren........0 9,75 6,7 9,4 5,4 38,25 15,9 16,9 107 117,75 93 91,5 91,5 187,25 40 140,25 114,5 136 117,75 129,75 128 133 176 129 98 112 115 91,13 128,5 86,75 86,9 9,75 6,7 9,4 5,4 38,25 15,9 16.75 107 117,5 92,75 91,5 91,5 187 40,5 140 117 135,5 117,75 129,75 128,4 133 175 128,5 98,5 113 115,25 91 129 87 87,13 6,5 9,25 54 15,9 17 107 117,25 92,9 91,5 91,5 186,75 39,75 140,25 114,9 136,25 117,9 129,75 128 133,25 176,85 129,4 97,75 112,5 115,5 90,9 163 128,5 86,5 86,4 6,65 9,25 5,4 38,4 15,65 25,75 16,75 107,13 117,5 92,75 91,5 91,5 186,9 40,25 140,25 117,5 136 117,65 130 127,5 133,25 175 129 98,4 113 115,5 91,25 130 86,9 87,13 ManSselder Bergbau......... 6 Kokswerke............. 6 Rheinische Braunkohlen .....12 Rheinstahl .................. 4 Bereinigte Stahlwerke........0 Otavi Minen ...............0 Kaliwerke Aschersleben........5 Kaliwerke Westeregeln........5 Kaliwerke Salzdetfurth.....7% I. G. Farben-Jndustrie.......7 Scheideanstalt............... 9 Goldschmidt ................ 6 Rütgerswerke ............... 6 Metallgesellschast.............4 Philipp Holzmann...........4 Zementwerk Heidelberg ...... 7 Eemenlwerk Karlstadt......... 6 Schultheis Pahenhofer .......4 Aku (Allgemeine Kunstseide) .. 0 Bemberg................... 6 Zellstoff Waldhof ............ 5 Zellstoff Aschaffenburg .......0 Dessauer Gas ...............7 Daimler Motoren............0 Deutsche Linoleum........... 8 Lrenstein L Koppel ..........0 Westdeutsche Kaufhof.........0 Cbade.................... 71/» Accumulatoren-FabrU....... 12 Eonti-Gummt...............8 Grihner....................0 Mainlrafkwerke Höchst a.M.... 4 Süddeutscher Zucker ........ 10 128,5 222,25 114,25 84 18,25 126,65 151,5 210,5 113,4 121,5 118,13 98,75 128 128 54 93,5 123 89,25 104,75 147,5 31,65 306 175 168,5 32,25 92 198,5 129 223 114,4 84 18,25 151,5 211,5 113 121 117,75 127?5 128 53,4 92,5 123,25 88,4 104,25 149,75 31,4 305 174,5 168,75 32,25 92 198,75 128,75 120 223,25 113,9 83,75 18,25 126 119 188 151,4 113 121,4 117,9 98,25 100,4 54,25 92,5 123 89,25 126,13 104,9 147,5 77,65 31,9 306,5 168,75 I 32,25 1198,75 129 119,75 224 114,25 84,13 18,13 126 119 151,4 112,75 121,5 98,9 101 53,4 92 122,75 88 126,4 104,13 149,5 77,5 31,65 305,25 173,5 169 199 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 2IL 12-Februar 13.Februar Amtliche Notierung Amtliche Geld Dotierung 1 »rief Geld »rief Buenos Aire. 0,679 0,683 0,679 0,683 Brüssel .... 41,82 41,90 41,83 41,91 Rio de Jan. 0,139 0,141 0,139 0,141 Sofia ...... 3,047 3,053 3,047 3,053 Kopenhagen. 54,82 54,92 54,82 54,92 Danzig..... 46,80 46,90 46,80 46,90 London ..... 12,275 12,305 12,275 12,305 HelsingforS.. 5,41 5,42 5.41 5,42 Laris ...... 16,39 16,43 16,395 16,435 Holland ... 168,53 168,87 168,54 168,88 Italien..... 19,76 19,80 19,76 19,80 Icwan...... 0,716 0,718 0,716 0,718 Jugoslawien 5,654 5,666 5,654 5,666 Lslo..... : 61,69 61,81 61,69 61,81 Wien...... 4R 95 49.05 4R 95 Lissabon... 11,14 11,16 11,14 11' 16 Stockholm... 63,29 63,41 63,29 63,41 Schweiz .... 81,13 81,29 81,11 81,27 Spanien.... 34,01 34,07 33,97 34,03 Prag....... in 30 Budapest .. __ _ Reuyork ... 2,458 2,462 2,461 2,465 Banknoten. Äeriin, 13-Februar Seid Briet Amerikanische Roten.............. 2,411 2,431 Belgische Roten.................. 41,68 41,84 Dänische Roten ................. 54,56 54,78 Englische Roten ................. 12,24 12,28 Französische Roten............... 16,34 16,40 Holländische Roten............... 168,12 168,80 Italienische Roten................ — — Norwegische Noten .............. 61,48 61,72 Deutsch Oesterreich, i 100 Schilling — Rumänische Noten............... — —— Schwedische Noten............... 63,07 63,33 Schweizer Noten................. 80,93 81,25 Spanische Noten................. 33,63 33,77 Ungarische Noten................ Nr.38 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen) Zreitag, U. Zebruar (936 Schöne Schaufenster aus dem Reichsberufswettkampf. V*\ e nach Bedarf eine oder mehrere Erzeugerlisten beigefügt werden, wofür den Antragstellern gleichzeitig Vordrucke zugehen Die auf diesen gegebene unterschriftliche Versicherung der Erzeuger wird an Hand der vorliegenden Anerkennungsbescheinigunfen in jedem Einzelfalle nachgeprüft, so daß sich owohl Erzeuger rote Händler bei Abgabe falscher Versicherungen unweigerlich empfindlichen Ordnungsstrafen aussetzen Anträge, die dem „Ausschuß" zur Zeit bereits vorliegen, werden in der bisherigen Weise bearbeitet und, soweit möglich, dafür Zulassungsbescheinigungen erteilt Für diese brauchen also k e i n e Neuanträge unter Benutzung der erwähnten Vordrucke gestellt zu werden! Dagegen werden ab 15. Februar nur noch Anträge bearbeitet, welche aus den vorgeschriebenen Formularen gestellt worden sind. Es muß aus jeden Fall vermieden werden, daß durch säumiges Verhalten einzelner Antragsteller die Allgemeinheit leidet, da sich mit fortschreitender Jahreszeit die Anzahl der einlaufenden Anträge stark steigern wird. Es wird noch betont, daß die Vordrucke sowohl für Handelssaatgut früher und mittelfrüher, als auch mittelspäter und später Sorten benutzt werden müssen. Kulturarbeiten auf den Wiesen MWWM 3 u unseren Bildern: Links oben: Eine originelle Werbung für deutsche Leinwand. — Rechtsoben: Schätze der Parfümerie im rechten Licht. — Links unten: Eine wirkungsvolle Werbung für das Briefpapier. — Mitte unten: Ein klar gestaltetes Schaufenster der Textilbranche. — Rechts unten : Ein zeitgemäßes Schaufenster wirbt für das Eintopfgericht. (Aufnahmen |5]: Photo-Pfaff, Gießen.) I n Aus Oer Provinzialhauptstadt. Kleines Lied. In den Mittagsstunden geschieht es jetzt fast täglich. So ganz, als ob es sich von selbst verstünde. Aus einem Garten, der dicht an eine verkehrsreiche Straße stößt, pfeift es. Wahrhaftig, es pfeift. Nicht gerade besonders laut, aber immerhin so, daß man es vernehmen kann. Es klingt beinahe rührend, so zart ist das Stimm- chen und so einfach die Strophe. Immer wieder dasselbe Lied, immer wieder der gleiche Klang. Dididih, dididih. Weiter nichts als dididih. Es ist sonderbar, plötzlich hat sich der Winter auf feine kalten Pflichten besonnen, und ungeachtet dessen singt bereits die Kohlmeise ihr erstes bescheidenes Liedchen. Als ob sie zeigen wollte, daß bange machen nicht gilt, und daß das winterliche Regiment trotz allem doch zu Ende geht. Wir können nicht sagen, daß die Herrschaft des Winters im allgemeinen sehr strenge gewesen wäre. Aber Hand aufs Herz: ist das Liedchen der Kohlmeise nicht ein frohes Ereignis? Ein kleines, aber sehr willkommenes Anzeichen? Und wenn wir Umschau halten, entdecken wir plötzlich auch andere solcher Anzeichen. Gewiß, aber noch haben wir erst wieder unseren dicken Hantel hervorgeholt und uns mit Puls- und Seelenwär- mern versehen, aber in den Schaufenstern der großen Geschäfte paradieren die neuesten Frühjahrsmodelle. Dafür sieht es in den Anlagen noch recht winterlich aus. Was sich in den letzten Wochen schon tastend zeigte, irt sehr rasch zur Vorsicht zurückgekehrt. Aber schaut an, auch hier tönt das kleine, liebliche Lied: Dididih, dididih Aus unbedeutenden Anfängen wachsen häufig große Dinge, und aus diesen kleinen Anzeichen wird mit Sicherheit demnächst eine wunderbare Sache erblühen. Die niedliche Stimme der Kohlmeise ist gewissermaßen wie ein kleines Stimmpfeifchen für die jubelnden Klänge, die in den kommenden Wochen in voller Orchesterstärke ertönen. Vorläufig sitzen wir allerdings noch am warmen Ofen und freuen uns der künstlichen Wärme. Aber gerade deshalb hat das bescheidene Lied der Meise seinen köstlichen Reiz. Denn aus ihm wie aus anderen kleinen Anzeichen erwächst uns ja erst die beglückende Vorfreude auf das kommende große Wunder. H W. Sch. Dornotizen. Tageskalender für Freitag. NSG. „Kraft durch Freude": Ab 20.30 Uhr allgemeine Körperschule im Lyzeum-, 20.30 bis 21.30 Uhr und 21.30 bis 22.15 Uhr Schwimmen im Volksbad: 20 bis 21 Uhr Reiten, 21 bis 22 Uhr Ski- Trocken, Reitschule Schornbs. — Stadttheater- 20 bis 22.15 Uhr „Hilde und 4 PS.". — Gloria-Palast. Seltersweg: „Kirschen in Nachbars Garten". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Fährmann Maria". — Oberhessischer Kunstverein (Turmhaus am Brandplatz): 16 bis 17 Uhr Ausstellung von Gemälden von Josef Steib, Berlin. — Heilsarmee: 20.15 Uhr im Saal der Stadtmission, Loberstraße, Dortrag von Oberst Stankuweit. Sladlthealer Gießen. Heute von 20 bis 22.15 Uhr Neuaufführung des Lustspiels „Hilde und 4 PS" von Kurt Sellnick. Spielleitung: Wolfgang Kühne. Die Vorstellung ist zugleich die 18. Vorstellung im Freitag-Abonnement. Konzertverein Gießen. Man schreibt uns: Georg K u l e n k a m p f f, ein deutscher Geiger, welcher das siebente Konzert des Konzertvereins am Sonntag, 16. Febr., bestreiten wird, gehört heute unzweifelhaft zu den paar auserwählten Geigern, die man an den Fingern einer Hand abzählen und die man ohne Uebertrei- bung „groß" nennen kann. Sehr früh offenbarte sich fein musikalisches Talent, das zuerst in Bremen bei Professor Wendel, dann bei Professor Heß an der Berliner Hochschule für Musik weitergebildet wurde. Mit 19 Jahren war er bereits Konzertmeister bei der Bremer Philharmonie und widmete sich dann nach zweijähriger Tätigkeit dort fast ausschließlich der solistischen Ausübung seiner Kunst. Im Jahre 1923 wurde er Professor und Leiter einer Violinklasse in Berlin. Eine große Reihe in- und ausländischer Konzertreisen hat ihm internationalen Ruf verschafft. Sein wunderbares, kristallklares Diolinspiel, die Verbindung von glänzender Technik und tiefem Verstehen der von ihm interpretierten Werke machen ihn zum ersten Geiger Deutschlands ZA.. Die deuMe Rrbeitdfront n.9.=6emeinf(haft „firaft durch freuöc" Letzter Termin Um jedem Volksgenossen noch die Gelegenheit zur Teilnahme an der Fahrt zur Automobilaus- stellung in Berlin zu geben, ist der Anmeldetag bis zum 20. Februar offen. Bis zu diesem Zeitpunkt nehmen sämtliche Kreis- und Ortsgruppendienststellen der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" Anmeldungen entgegen. Der Fahrpreis beträgt einschließlich voller Verpflegung und Unterkunft sowie Besichtigung der Automobilausstellung 27,50 RM. Volksgenossen, nehmt diese billige Gelegenheit wahr, um euch von dem Fortschritt der deutschen Automobilindustrie überzeugen zu können. Sportamt „Krast durch Freude" heute folgende Kurse: Allgem Körperschule, Frauen und Männer. Von 20.30 bis 21.45 Uhr, Lyzeum, Dammstraße 26 Frohl. Gymnastik und Spiele. Von 20.30 bis 21.45 Uhr, Lollar, Kantine der Firma Buderus. Schwimmen. Von 20.30 bis 21.30 Uhr, von 21.30 bis 22.15 Uhr für Frauen und Männer, Volksbad, Seltersweg. Reiten. Von 20 bis 21 Uhr, Univerfitäts-Reit- institut, Brandplatz Sorgt für Lehrstellen! NSG. Noch ist der 3. Reichsberufswettkampf nicht zu Ende, und schon bereitet das Jugendamt der DAF. eine neue große Aktion vor, die in der Zeit vom 15. bis 27. Februar zur Durchführung gelangen wird. Es gilt für unsere Jugend, die Ostern 1936 irie Schule verläßt, Lehrstellen bereitzustellen. Noch sind nicht genügend Lehrstellen gemeldet, um auch den letzten Jugendlichen, der einen Arbeitsplatz sucht, unterzubringen. Die Sicherung eines guten Facharbeiternachwuchses erfordert die restlose Eingliederung der schulentlassenen Jugend in das H WWWWäWWBMWWVwwä Arbeitsleben unserer Nation. Es ergeht darum bereits heute an die gesamte Wirtschaft der Mahnruf: „Stellt Lehrlinge ein!" Unsere Heranwachsende Jugend hat schließlich nicht nur die Pflicht zur Arbeit, sondern auch das Recht darauf, daß sie einen Arbeitsplatz erhält und einen Beruf erlangen kann. Paten für Drillinge gesucht Das Amt für Volkswohlfahrt, Gau Heffen- Naffau, hat sich entschlossen, eine neue Art von Patenschaften einzuführen. Es sucht für Drillinge, die im Gau Hessen-Nassau geboren werden, opferbereite Paten, die sich dafür einsetzen, daß die von ihnen Betreuten wertvolle Bestandteile des deutschen Volkes werden. Diese Einrichtung, die in besonderen Fällen durch besondere Maßnahmen dienen will, erhofft ihre Billigung dadurch, daß sie in ganz Deutschland Nachahmung findet. Paten können Einzelpersonen oder Gemeinden werden. Achtung' pflanzkartoffel-Erzeuger und Vstanzkartoffel-Händler. ZdR. Durch Anordnung vom 27.1.1936 wurde durch das Verwaltungsamt des Reichsbauernführers bekanntgegeben, daß für mittelspäte und späte Sorten nunmehr auch Anträge auf Zulassung als Handelssaatgut gestellt werden können. Da sich bei der Zulassung früher und mittelfrüher Sorten herausgestellt hat, daß die Anträge oft unvollständig und unzweckmäßig eingereicht werden, wodurch eine Erschwerung in der Bearbeitung und für den Antragsteller unliebsame Verzögerung eintreten muß, hat der Ausschuß für Samen und Saaten Antragsformulare herausgegeben Die an der Zulassung'von Kartoffel-Handelssaatgut interessierten Kreise können derartige Vordrucke kostenfrei bei dem Ausschuß für Samen und Saaten, Berlin W 35, Lützowstraße 109—110, anfordern. Die Vordrucke sind so eingerichtet, daß bis zu 10 Sorten zugleich beantragt werden können. Für die einzelnen Erzeugerposten muß den Anträgen beim Philosophenwald. Im Wiesengrund östlich der ehemaligen Scheune des Universitätsversuchsgutes ist man seit einigen Wochen mit Bodenverbesserungsarbeiten beschäftigt. Etwa zwanzig Normalmorgen Grasfläche sind voll- tändig versumpft, da der lettige Untergrund die Niederschläge nach unten entweichen läßt. Mit dem Fuhrwerk konnten diese Wiesen nicht befahren und omit weder gedüngt, gemäht, noch geerntet werden. Schilf und saure Gräser lohnten auch die Futterernte nicht. Schon im Vorjahre hat Gutspächter Hennecken etwa drei Normalmorgen entwässert und reichlich mit Kalk gedüngt, so daß bereits eine wesentliche Besserung der Grasnarbe eingetreten ist. Vor allem siedeln sich durch die Senkung des Grundwasserstandes schon süße Gräser an. Gegenwärtig ist eine Arbeitskolonne mit der Durchführung von weiteren Dränagearbeiten beschäftigt. Die Hauptstränge werden als Rohrleitungen angelegt, in die eine größere Anzahl Steindränagen oder Rasselkanäle münden und die verhältnismäßig nahe zueinander angelegt sind. Verschiedentlich stieß man bei den Erdarbeiten auf stärkere Baumstümpfe. Einstmals muß dieses Gelände mit Wald bestanden gewesen sein, heißt doch heute noch die Flur „Die faulen Buchen". In dem anschließenden Gewann „Im Waldbrunn" sind die Entwässerungsarbeiten mit besonderen Schwierigkeiten verbunden, da hier, wie schon der Name sagt, mehrere Quellen zutage treten und der Boden infolgedessen tief versumpft ist. Auch die Stadtverwaltung hat sich an den Kulturarbeiten beteiligt, indem sie einen stark wasserführenden Flutgraben ausräumen und mehrere Zubringerdränagen anlegen ließ. Die Unkosten werden sicherlich durch wertvolleres Futter mehr als ausgeglichen werden. Im kommenden Jahr wird auch der Rest des städtischen Wiesengeländes trockengelegt werden. In unmittelbarer Nähe hat Bauunternehmer W e h r u m vor zwei Jahren eine größere Obstbaumanlage geschaffen. Die etwa 100 Aepfel- und Zwetschenbäume haben sich zum Teile gut entwickelt. Nationalsozialistische Kriegsopferversorgung e. D. Ortsgruppe Gießen. Dienststunden. 1. Obmann: Täglich von 13 bis 14.30 Uhr, außer Samstags. 2. Sozialfürsorge: Täglich von 10 bis 12 Uhr. 3. Kassenstunden: Täglich von 10 bis 12 Uhr. 4. Arbeitsbeschaffung: Täglich von 10 bis 12 Uhr. 5. Kassenverwalter: Dienstag von 18.30 bis 19.30 Uhr. 6. Hinterbliebenenberatung: Don Mittwoch 15 bis 17 Uhr. 7. Rechtsberatung: Mittwoch von 15 bis 17 Uhr. Ortsgruppen-Odmann: gez. Halbroth. ELP. Evangelisch - kirchliche Dienst- nach richt en. Entlassen wurden: der Pfarrer Otto Weiß an der Marktkirche zu Wiesbaden, Dekanat Wiesbaden-Stadt, auf Grund freiwilligen Verzichts mit Wirkung vom 13. November 1935 ab aus dem Dienst der Evangelischen Landeskirche Nassau-Hessen, er verliert mit dem gleichen Tage die Rechte des geistlichen Standes-, der Pfarrer Wilhelm Karell zu Neckarsteinach, Dekanat Erbach i. Odw., auf Grund Verzichts mit Wirkung vom 14. November 1935 ab aus dem Dienst der Evangelischen Landeskirche Nassau-Hessen. Er verliert mit dem gleichen Tage die Rechte des geistGefechtsschießen bei Laubach. Am gestrigen Donnerstag hielt das Ergänzungs- Bataillon 53 aus Gießen ein Schul-Gefechtsschießen in der Nähe von Laubach ab Die Uebungen des Bataillons werden am heutigen Freitag und am morgigen Samstag fortgesetzt. Die gestrige erste Uebung fand das starke Interesse der Bevölkerung der ganzen Laubacher Umgegend. Gegen Abend rückte das Bataillon nach L a u b a ch ins Quartier, wobei den Soldaten ein überaus herzlicher Empfang bereitet wurde. Die Bevölkerung hatte von sich aus in so reichem Ausmaße Quartiere bereitgestellt, daß es leider nicht möglich war, jedem einzelnen Quartiergeber den als Gast erhofften Soldaten zuzuteilen. Die Gliederungen der Partei holten geschlossen die Soldaten vom Stadteingang her in das Städtchen ein, wobei sich auch die ganze übrige Bevölkerung in freudigster Weise beteiligte. Aus dem Marktplatz wurden in Ansprachen den Soldaten bekundet, wie gern man sie in Laubach als Quartiergäste ausgenommen hat. 3n der heule erscheinenden Hummer der Zamilienbliitter beginnen wir mit der Veröffentlichung eines neuen Bomans unter dem Titel„Geheimnis der Heide". Ser Autor, Frank Z. Braun, ist unseren Lesern aus seinen früher hier erschienenen Erzählungen „Das Halsband" und „Schatten der Vergangenheit" als phantasievoller und scharfsinniger Erzähler bekannt. Der neue Boman ist ebenso spannend wie seine Vorgänger: ein Kriminalfall mit einer höchst überraschenden Lösung. Hauptversammlung des Hausbesitzer-Vereins Obecheffen Gedenket der hungernden Vögel! noch regen Ar Ofen und strickt Tagsüber sitzt sie am warmen un- bleibe. Abgesehen davon, daß sich der Vermieter strafbar mache, sei zu befürchten, daß bei Zuwiderhandlungen die Mieterschutzbestimmungen in ver- schärfstem Maße wieder Geltung erhielten. Weiter regte der Vereinsführer an, zukünftig vierteljährlich bezirksweise Zusammenkünfte (Diskussionsabende) abzuhalten, um bei dieser Gelegenheit die Besprechung von Einzelfragen durchzuführen. Dem Vorschlag wurde zugestimmt. Im Anschluß an die Tagesordnung hielt Steuerinspektor Frees einen lehrreichen Vortrag über die Steuerreform. Er betonte zunächst, daß die Ein- zu versorgen, die heute ausnahmslos in guten Verhältnissen leben. Darüber ist die hochbetagte Frau besonders glücklich. An den Vorgängen des 91 Lahre alt. § Harbach, 11. Febr. Am 9. Februar feierte im Kreise ihrer nächsten Angehörigen unsere älteste Einwohnerin, Annemarie Döring, geb. Münch, ihren 91. Geburtstag. Frau Döring ist geistig noch sehr rege und verhältnismäßig rüstig. Sie kann heute mit berechtigem Stolz auf eine große Nachkommenschaft blicken. 6 Kinder (4 Söhne und 2 Töchter), 18 Enkelkinder (8 Enkel und 10 Enkelinnen) und 29 Urenkel (12 Knaben und 17 Mädchen) weilen unter den Lebenden. Die Jubilarin hat ein arbeitsreiches Leben hinter sich und mußte manchen schweren Schicksalsschlag erdulden. Im Jahre 1896 starb ihr Mann, mit dem sie in sehr glücklicher Ehe gelebt hatte. Er nahm im Alter von 27 Jahren am Kriege 1870/71 teil. Während des Feldzuges erkrankte er schwer und kam nach Darmstadt ins Lazarett. Don dort wurde er nach seiner Genesung in die Heimat entlassen. Nun begann für die Eheleute ein arbeitsreiches Leben. Infolge ihrer Sparsamkeit war es ihnen schon vor Anbruch des Krieges möglich gewesen, ein eigenes Heim zu erwerben. Nach Beendigung des Krieges benutzten sie ihre Spargroschen zur Renovierung des angekauften Hauses, in welchem die Greisin noch heute bei ihrem ältesten Sohne wohnt. Eine gesunde Kinderschar war der Stolz des fleißigen Paares. Am 20. März 1896 starb im Alter von 53 Jahren der Ehemann und hinterließ fünf unversorgte Kinder. Der Tod des Ernährers riß eine tiefe Lücke in die kinderreiche Familie und machte der Witwe seelisch schwer zu schaffen. Lange Jahre trauerte sie dem Verstorbenen nach. Die ganze Arbeitslast lag nun auf ihren Schultern. Durch zähen Fleiß gelang es ihr aber, alle Kinder Große Zuchtviehversteigerung in Gießen Großer Auftrieb, flotter Umsatz, gute preise. ermüdlich Strümpfe für ihre Enkel und Urenkel. Wir wünschen ihr einen ungetrübten, frohen Lebensabend! Landkreis Gießen. (5 Lollar, 13. Febr. In der „Germania" fand die diesjährige Hauptversammlung des G e f l ü » * gelzucht-Vereins statt. Nach der Begrüßung der sehr zahlreich erschienenen Mitglieder durch den Vereinsführer Fritz R i e h m erstattete dieser den Geschäftsbericht. Besonders lobend hob er das Bestreben der Mitglieder hervor, in der Geflügelzucht das Höchste zu erreichen. Wie weit dieses Ziel erreicht wurde, habe sich bei der letzten Lokalschau eindeutig gezeigt. Konnten doch die Züchter d o n > her 21 u und Ludwig Klinket 78 bzw. 75 Punkte erzielen. Dazu kommen noch die beachtlichen Erfolge, die mehrere Züchter auf auswärtigen größeren Schauen für sich buchen konnten. Damit dürfte für den Verein die Grundlage gegeben sein, sich an der Kreisausstellung 1936 zu beteiligen. Um den Mitgliedern eine Erleichterung bei der Beschaffung von neuem Zuchtmaterial zu geben, wurde aus Dereinsmitteln ein Zuschuß gewährt. Wie der Vereinsführer weiter mitteilte, wurden die bei der Lokalschau im Ausstellungslokal anfallenden Eier in ansehnlicher Zahl dem Winterhilfswerk zur Verfügung gestellt. Der vom Kassenwart Ludwig Schluck aus dem Glase, wobei sich sofort der Irrtum des Mädchens herausstellte. Der Schluck hatte allerdings für den Mann die unangenehme Folge, daß er in der Speiseröhre Aetzungen davontrug, die seine Ueberführung nach der Chirurgischen Klinik erforderlich machten. Zum Glück sind die Verletzungen des Mannes nicht lebensgefährlich. Kleine Strafkammer Gießen. Die D. Sch. aus Hitzkirchen wurde vom Amtsgericht Büdingen durch Strafbefehl mit 50 RM. Geldstrafe belegt. In der auf den Einspruch anberaumten Hauptoerhandlung wurde die Angeklagte freigesprochen. Gegen dieses Urteil legte die Staatsanwaltschaft Berufung ein. In der gestrigen Hauptoerhandlung wurde festgestellt, daß sich die Angeklagte fahrlässigerweise einer Milchfälschung schuldig gemacht hat. Unter Aufhebung des erstinstanzlichen Urteils wurde die Angeklagte entsprechend dem Sttafbefehl verurteilt. Wegen Uebertretung der Reichsstraßenverkehrsordnung in Verbindung mit fahrlässiger Körperverletzung wurde der K. H. aus Heegstein vom Amtsgericht Ortenberg zu 30 RM Geld st rase verurteilt. Der Angeklagte fuhr auf einer abschüssigen Straße in die Hauptstraße Selters—Ortenberg hinunter, schnitt die Kurve und stieß mit einem Auto zusammen, wobei beide Fahrer verletzt wurden. In der gestrigen Berufungsverhandlung wurde der Angeklagte mit 5 R M. Geldstrafe । belegt, da man ihm lediglich ein Verstoß gegen die I RStV. nachweisen konnte. gelsberger Vieh der Züchter Karl Otto Reitz, Stockhausen, der für einen 15 Monate alten 23ul* len 800 Mark erzielte. Das Ergebnis der Prämiierung: Hessisches Fleckvieh. Leistungsprerse. Klasse 1: 2. Preis Hch. Müller XI., Oder-Hörgern. 3. Preis W. Maus, Klein-Felda; K. Wndemeier, Trais-Münzenberg. Klasse 2: 1. Preis Rud. Rieß, Heuchelheim, Kreis Wetzlar; Gg. Ldw. Schmidt, Maar. 2. Preis Hugo Caspar III., Nieder- Breidenbach; Wilh. Euler I., Maar; Hch. Bopp, Griedel; Fr. Herber I. Wwe., Angersbach; Hch. Reuter, Gontershausen. Klasse 3: Konr. Walter, Trais-Münzenberg; Gg. Allendorf, Reimenrod; der- selbe nochmal; Fr. Kalbfleisch, Schwarz (zweimal); Arbeiterkolonie Neu-Ulrichstein; Aug. Müller, Leusel, Ernst Kreuder, Brauer schwend; Adam Koch VIII., Nonnenroth. Formenpreise. Klasse 1: 1. Preis Karl Simon, Zell; Aug. Meß, Wahlen. 2. Preis Gutsverwaltung Sickendorf; Johs. Blum III., Maar. 2. Klaffe: 1. Preis Ernst Kreuder, Brauerschwend; Wilh. Euler I., Maar. 2. Preis Hch. Müller XL, Ober- Hörgern; Gg. Ldw. Schmidt, Maar; Hch. Bopp, Griedel; Fr. Herber I. Wwe., Angersbach. Klasse 3: 3. Preis Gg. Allendorf, Reimenrod; Fr. Kalbfleisch, Schwarz; Arbeiterkolonie Neu-Ulrichstein; Karl Lindemeier, Trais-Münzenberg. Vogelsberger Vieh. 1. Leistungspreis und 3. Formenpreis Theodor Fischer, Hof Zwiefalten. 2. Leistungspreis Heinrich Münster, Hattenrod. 2. Leistungspreis und 3. Formenpreis Wilh. Hofmann, Klein-Eichen. 2. Leistungspreis Lehr- und Versuchsgut Selgenhof bei Ulrichstein. Die Eber wurden nicht prämiiert. Der Landesverband der Rinderzüchter in Hessen- Nassau, Gruppe Fleckvieh und Rotvieh, und der Landesverband der Schweinezüchter, veranstalteten in Verbindung mit dem Tierzuchtamt Gießen auf dem städtischen Lagerplatz vor der Klinkelschen Mühle eine Zuchtviehversteigerung, die aus den oberhessischen Zuchtviehgebieten gut beschickt war und einen sehr starken Besuch sowohl aus Oberhessen wie aus den preußischen Nachbargebieten und dem Lahntal aufweisen konnte. Unter der Leitung von Oberlandwirtschaftsrat Dr. Wagner vom Tierzuchtamt Gießen wurde nur leistungsfähiges Tiermaterial versteigert, das zahlreiche Preise erhalten konnte, Oberbürgermeister Ritter, der sich die Förderung der bäuerlichen Absatzmärkte in Gießen sehr angelegen sein läßt, war mit einigen Herren als Beobachter erschienen. Von den benachbarten Tierzuchtämtern waren deren Leiter, Landwirtschaftsrat Dr. T o r n e d e, Biedenkopf, und Direktor Brumm, Limburg, gekommen. Aufgetrieben waren 52 Bullen der Gruppe Fleckvieh und 6 der Gruppe Vogelsberger Vieh, sowie 14 Eber des Deutschen Edelschweines und 43 des Veredelten Landschweines. 23ei der Versteigerung wechselten zwei Drittel der aufgetriebenen Tiere ihm Besitzer. Der Höchstpreis betrug 270 Mark. Im Durchschnitt wurden 185 Mark für die Eber der Veredelten Landschweine und 165 für die der Deutschen Edelschweine erzielt. Bei der Bullenversteigerung wurden sehr flotte Angebote abgegeben, so daß sämtliche Bullen abgesetzt und gute Durchschnittspreise erzielt werden konnten. Den höchsten Preis erzielte in der Gruppe des hessischen Fleckviehs der Züchter Gg. Ludwig Schmidt, Maar, für einen 14 Monate alten Bullen, der für 1420 Mark nach Beuern verkauft wurde, und in der Gruppe Vo- Am gestrigen Donnerstagabend hielt der Haus- besitzeroerein im Saale des Restaurants „Zum kühlen Grund" feine 29. Hauptversammlung ab. Nach kurzer Begrüßung der Besucher durch den Vereinsführer, Weißbindermeister Launspach, wurde zunächst der Jahresbericht erstattet. Aus dem von Architekt Ph. Nicolaus vorgetragenen Bericht war u. a. zu entnehmen, daß der deutsche Hausbesitz, der mit der früheren marxistischen Regierung stets im Kampf um die Erhaltung seiner Existenz lag, anerkennen müsse, daß sich jetzt auch für ihn wieder eine Aufwärtsbewegung bemerkbar mache. Der Hausbesitz sei durch seine Bodenbeständigkeit mit Vaterland und Nation verbunden und von jeher im besten Sinne des Wortes staats- und volkserhaltend gewesen. Auch an dem groß angelegten Winterhilfswerk habe der deutsche organisierte Hausbesitz starken Anteil genommen; der hiesige Verein habe sich für 1935/36 mit 305 Mark an diesem sozialen Werk beteiligt. Das Jahr 1935 fyabe durch die zur Verfügung gestellten Mittel zur Förderung des Wohnungsbaues im Bauhandwerk einen starken Aufschwung gebracht. In Gießen sei die Bautätiakeit sehr rege gewesen. Die Zahl der Neubauten sei inzwischen berartig groß geworden, daß in absehbarer Zeit ein namhafter Wohnungsüberschuß zu befürchten sei. Die Ursache der seitherigen Wohnungsnot sei nicht dem Bevölkerungszuwachs, sondern den vermehrten selbständigen Haushaltungen zuzuschreiben. Im Jahre 1914 habe die Zahl der Haushaltungen 7251 betragen, heute etwa 9500. Ein mäßiges, dem Zuwachs entsprechendes Bauen fei auch künftig notwendig. Besonders werde es an Kleinwohnungen auch für die Zukunft fehlen. Der Verein hat auch im abgelaufenen Jahre eine rege Tätigkeit entfaltet. Die Be- ratungs- und Auskunftsstelle des Vereins wurde in vielen Fällen in Anspruch genommen. Weiter hat sich die mit dem Mieterverein durchgeführte Mietausgleichstelle auch im abgelaufenen Jahr gut bewährt. Im Anschluß an den Jahresbericht erfolgte die Rechnungsablage durch Stadtbauinspektor Baumeister Matheis. Die Kasienverhältnisse sind durchaus geordnete. Bei der folgenden Wahl wurden die seitherigen Rechnungsprüfer Milbradt und H e n g ft wiedergewählt. Im weiteren Verlaufe der Versammlung wies der Vereinsführer nochmals darauf hin, daß es verboten fei, bei Neuoermietungen ohne berechtigte Gründe höhere Mieten zu verlangen oder sich bieten zu lassen. Der Hausdesitzeroerein sei beauftragt, darüber zu wachen, daß jeder Mietwucher Unterstellung des Volksgenossen zum Staat im Dritten Reich eine grundsätzliche Aenderung erfahren habe, wies dann darauf hin, welcher Wandel seit der Umwälzung in der Steuergesetzgebung eingetreten sei, um sich dann kurz mit den Grundgedanken der neuen Steuerpolitik zu beschäftigen. Zurückgreifend auf das Jahr 1913 erwähnte der Redner zunächst das Wehrbeitrags- und das Besitzsteuergesetz, kam dann auf die Reichsabgabenordnung und auf die Kriegssteuergesetze zu sprechen, welch' letztere die Schrittmacher für die Reichsfinanzgesetzgebung gewesen seien. Er streifte hieraus kurz das Vermögenssteuergesetz, das Reichsbewertungsgesetz vom 10. August 1925, sowie das Reichsvermögensgesetz vom 22. Mai 1931, um sich bann mit bet Fassung bieses Gesetzes vom 16. 10. 1934 und den eingetretenen Neuerungen zu beschäftigen. Er besprach weiter eingehend die Neuerungen in der Einkommensteuer, erwähnte die Bestimmungen über Steuerfreiheit, erläuterte die Art der Ermittlung des Gewinnes aus dem Gewerbebetrieb, die Berechnung des Einkommens aus Vermietung und Verpachtung. Weiter sprach er über die Bewertung der Wirtschaftsgüter, erläuterte den Begriff „Kurzlebige Gegenstände" und zeigte, wann die Bestimmungen über „besondere, wirtschaftliche Verhältnisse des Steuer-1 lichen Standes. — In den Ruhestand versetzt wurde: der Pfarrer Ernst Kehr zu Babenhausen (II), Dekanat Groß-Umstadt, auf feinen Antrag mit Wirkung vom 1. März 1936 ab. ** Versammlung der Körperbehinderten. Die Kreisgruppe Gießen des Reichsbundes der Körperbehinderten hielt, wie man uns berichtet, bei zahlreicher Beteiligung ihre Februar- Monatsversammlung im Hotel Hopseld ab. Zum Sozialreferenten der Kreisgruppe Gießen wurde Kamerad Ernst Launsbach ernannt. Auf die Vergünstigungen, die den Körperbehinderten im Gießener Stadttheater und im Lichtspielhaus gewährt werden, wurde hingewiesen. Ferner wurde auf die Reichswerbewoche Ende Februar aufmerksam gemacht, bei der jeder Körperbehinderte ersaßt werden soll. Im Anschluß an die geschäftlichen Angelegenheiten fand ein gemütliches kameradschaftliches Beisammensein statt, zu dessen schöner Aus- aeftaltung freundliche Helfer durch musikalische Darbietungen, ferner ein Mitglied durch humoristische Vorträge beitrug. ♦♦ Ein gefährlicher Schluck. Am Dienstagvormittag besuchten einige Männer aus Gießen eine Gastwirtschaft in einem Nachbarorte, um sich nach der Wanderung durch eine kleine Erfrischung Zu stärken. Dabei verlangten sie zunächst einen Schnaps. Das Dienstmädchen in der Gastwirtschaft griff jedoch an Stelle der Schnapsflasche eine Flasche, in der sich ein Gläserreinigungsmittel befand, das sie einschenkte. Während zwei der Besucher sich noch unterhielten, nahm der dritte einen pflichtigen" Anwendung finden. Zum Schluß wies der Redner noch auf die Bedeutung der Reinhardt- schen Steuerreform hin, dabei betonend, daß der erste Abschnitt als voller Erfolg zu verzeichnen sei. v_____________ ö______vv_ Die am Schluß des Vortrags an den Redner ge- täglichen Lebens nimmt sie noch regen Anteil, stellten Fragen würden bereitwilligst beantwortet. ""---- Goethe-Bund. Dritter Dichter-Abend: Richard Euringer und E. W. Möller. Der dritte der vom Goethe-Bund gemeinsam mit dem Kaufmännischen Verein veranstalteten Dich- tei«£j)enbe vereinigte die Träger der nationalen Buchpreise für 1934 und für 1935, Richard Euringer und Eberhard Wolfgang Möller, zur Vorlesung aus eigenen Werken in der Neuen Aula. Düringer, 1891 in Augsburg geboren, Fliegeroffizier im Weltkrieg, jetzt in Westfalen lebend, begann mit Szenen aus der preisgekrönten „Deut- schen Passion 1933". Diese Passion beschwört in visionären Bildern Gestalten, Stimmen und Chöre einer aus den Fugen geratenen Zeit vor dem Umbruch und der Volkwerdung der Nation. Gespenstisch erheben sich aus dem Niemandsland zwischen Gräben und Stacheldraht die Stimmen der Gefallenen, der namenlosen Soldaten des großen Krieges. Ihnen entgegnen die höhnenden und zersetzenden Worte des „Bösen Geistes", die klagenden Rufe der hungernden Kinder, die hoffnungslose Zwiesprache des verbitterten Arbeitslosen und seines Weibes. Schon hier prägt sich der im tiefsten Grunde politische, der aufrufende, chorische Stil eines an das ganze Volk sich richtenden Szenariums. Die Stimmen der Finsternis werden übertönt vom Vermächtnis der Gefallenen, die den Namen Deutschland an die Ueberlebenben weitergeben als Verpflichtung und Zuversicht neuen Aufbruchs. Die „Verkündigung des Toten" aus der Thing- fpiehgaffung der „Deutschen Passion" formt mit ganz ähnlichen Mitteln das Erwachen des in namenlosen Gestalten sich äußernden Volkes zur Volksgemeinschaft. Hier wird das Volk selbst angeredet in seinen typischen Trägern und aufgerufen ZU den Werten und Kräften, die das neue Reich als Evangelium für die Nation prägte: Rückkehr Zur Scholle, Besinnung auf die gemeinsame Herkunft, Bekenntnis zur Arbeit, die das Land rettet. „Sei wieder Volk vom Volke!" lautet der Ruf, der alle einzelnen einigend zusammenführt. Zu den Stimmen des toten Postens, des toten Vaters im Niemandsland gesellt sich der Chor der Bauern, welcher die Kraft des Bodens, der Chor der Arbeiter und der Jugend, welcher die Macht des Blutes besingt. Und alle die Namenlosen fallen ein: der Bürger, die Mutter, der Künstler, der Werkstudent, auch die Ungläubigen und Verbitterten, die wieder ein Licht, eine Hoffnung und einen Glauben gesunden haben: Deutschland. Dann hörten wir ein Kapitel aus dem Buche „Die Fürsten fallen", aus dem Jahre 1848 in München; die beiden Gegenspieler und Zentralfiguren: König Ludwig I., Erbauer der Feldherrnhalle, der ein wirklicher Volkskönig hätte werden können, — und die Tänzerin Lola Montez, die den Zerfall seiner Dynastie und des fürstlichen Prinzips heraufbeschwört. Die hier gelesenen Abschnitte schildern die erste Begegnung mit der blauäugigen Spanierin fesselnd, plastisch und farbenreich. Man erlebt die Schwierigkeiten, die Widerstände, die Komplikationen, die sich aus der Begegnung ergeben; das königliche Temperament entlädt sich, aber das Temperament der Montez entlädt sich noch zügelloser und unberechenbarer, aus dem Vorfall wird ein Fall, eine Affäre, die immer weitere Kreise zieht, aus der dynastisch-persönlichen Sphäre in die Stadt und ins Volk bringt, zum Skandal, zum Tumult und zum Aufruhr führt. Das Ganze die scharf gesehene und erfaßte Episodenreihe aus einer königlichen Tragikomödie des 19. Jahrhunderts. Den Abschluß der Vorlesung bildete der „Chor der Fäuste", eine kleine Szene aus dem Arbeitsdienst, die im chorischen Stil und Ton zurückmündet in Form und Haltung der „Passion": die Verkündung des „neuen Bundes" der Fäuste und! der Stirnen steigert sich zu einem Hymnus an bie > befreite unb geeinte Nation. Nach einer kurzen Pause las Eberhard Wolfgang Möller, der 1906 als Sohn eines Thüringer Bildhauers geboren wurde, sich zuerst als Drama- matiter bekannt gemacht hat und 1935 für den Gedichtband „Berufung der Zeit" den nationalen Buchpreis empfing. In den Kantaten und Chören dieses Bandes hat, mit den Worten der Stiftungsurkunde, „das aufrüttelnde Erleben unserer Tage den packendsten und künstlerisch reifsten Ausdruck gefunden". Den Abschluß des Bandes bilden bie „Briefe ber Gefallenen", bie Möller zu Anfang las, strenge unb klare Gebilde, bewegt uon Stolz und Trauer und vom Dank einer jungen, Nachlebenden Generation an bas unermeßliche Opfer ber Gefallenen. Die einfache unb empfundene Sprache, die zuchtoolle und schmucklose Haltung dessen, der da spricht, führte zum stärksten dichteri- chen Erlebnis dieses Abends. Jener schöne und in Schlichtheit ergreifende vierte Brief („Meine liebe Mutter") wird manchen lange bewegt haben, unb es ist zu wünschen, baß viele ber Hörer unter solchem Eindruck ben Weg zu bem Buche fänben, lrT,oem sich biefer Bries unb bie übrigen ausgezeichnet fmben. Dann las Möller etwas ganz anberes, eine vettere Szene aus seinem neuen Roman „Das Schloß in Ungarn", wieber ein Kapitel aus bem achtunbvierziger Sturmjahr: es schilbert in ber Jch- Form bie Heimkehr eines Offiziers nach ber Nieber- roerfung bes Aufstanbes in ein häusliches Jbyll in Wien, in ben Kreis bürgerlicher Verwanbten unb an bas Spitzenkörbchen eines Zwillingspärchens von Säuglingen, bie bann später in einer mit Jean Panischen Lichtern überglänzten, humorigen Straßenszene noch eine unvermutete Rolle spielen, nachdem im Trubel allgemeinen Aufruhrs „ein persönliches Hühnchen" gerupft worben ist in einer Versammlung innig beteiligter Bürger. Den Beschluß machte bie erste Szene bes Schauspiels „Rothschild siegt bei Waterloo". Diesem Stück liegt eine Anekdote zu Grunde, nach ber „aus bem Blutopfer von Zehntausenben ein Börsenmanöver gigantischen Ausmaßes gemanagt wird". Rothschild bringt eine falsche Siegesnachricht vom Schlachtfeld nach London, inszeniert dort einen „schwarzen Freitag unb wirb dadurch Millionär. Aus ber Anekdote entwickelt sich eine halb schaurige, halb groteske Szene am Rande des Schlachtfeldes, eine bittere Satire auf ben ewigen Krämer- unb Schachergeist, dem jedes Mittel recht ist. — Beiden Dichtern dankte eine aufmerksame Hörer- , schäft mit herzlichem Beifall. —y— I Elefanten vergessen nichts. Es ist eine bekannte Tatsache, daß sich ein Elefant an einem Wärter, ber ihn einmal schlecht be- hanbelt hat, oft noch nach vielen Jahren rächt, wie er sich umgekehrt auch burch größte Anhänglichkeit auszeichnet. Sein Gedächtnis ist besser als bas bes Hunbes, erklärt Dr. William T. H o r n a b a y, ber ehemalige Leiter bes Bronx-Zvvlogischen Gartens in den Vereinigten Staaten von Nordamerika. Dieses für Tiere außergewöhnliche Vermögen wirb bei bem Dickhäuter noch burch einen befonbers feinen Geruchssinn unb burch den gewaltigen, aber beshalb nicht minder empfindsamen Rüssel unterstützt. Kürzlich brach in New Jersey ein Wagen, auf bem ein Elefant beförbert werben sollte, unter großem Getöse zusammen. Kein schmeichelnbes Zureben konnte das Tier bewegen, sich wieder in ein Fahrzeug zu begeben; schließlich wurde ihm bie ganze Sache zu bunt, es jagte feine Wärter unter heftigen Trompetenstößen in bie Flucht unb stürmte auf bem kürzesten Wege zu seinem heimatlichen Stall, ungefähr 35 Kilometer entfernt. „Dieser alte Elefant", bemerkt Dr. Hornaday," wußte genau, was er tat. Der Wagen war einmal zusammengebrochen unb nach seiner Auffassung — um in ber Elefantenpsychologie zu bleiben — gab es gar keine Gewähr dafür, baß sich bieser Vorfall nicht wieberhotte. So hielt ber Dickhäuter es für bas Richtigste, an ben Platz zurückzukehen, an bem er sich immer am sichersten gefühlt hatte, nämlich in den ihm vertrauten Stall." Forscher, Naturfreunbe unb Groß, wildjäger stimmen in ber Meinung überein, baß ber Elefant wirklich eine erstaunliche Intelligenz besitzt. Nach Beobachtungen, bie sich über viele Jahre erstrecken, ist man geneigt, ihm in bieser Beziehung in ber Reihe ber Lebewesen nach ben Men» fchen und bem Affen ben brüten Platz anzuweisen. Elefanten, bie burch große Stäbte geführt wer- ben, wirken auf bie Zuschauerschaft bisweilen er» heiternb, wenn sie in ihrer unbeholfenen Art mit ben Vordersätzen ebenso bedächtig wie mißtrauisch den Untergrund auf feine Tragfähigkeit prüfen, be» vor sie über eine Brücke gehen ober sich in einen Eisenbahnwagen bringen lassen. Sie tun bamit nur das gleiche, was auch ihre Brüber in ber Wildnis tun, wo sie in einer fast feierlich anmutenben Art bas Bett eines Flusses abtasten, ehe sie sich zum Uebergang entschließen. Die letzten Kannibalen. Gibt es auf ber Welt wirklich noch Kannibalen, die aus altem Zauber- unb (Seelenglauben ben er» djlagenen Feind verzehren, um sich in ben Besitz feiner Kraft und seines Mutes zu setzen? Man war schon geneigt zu glauben, daß dieser Brauch endgültig ausgerottet sei, aber ber englische Forscher T. H. Harrison, ber sich zwei Jahre lang auf ben Malekula-Jnseln aufgehalten hat, erbrachte zuoer- lässige Gegenbeweise. Auf ben Malekula-Jnseln, die zu ben Hebriden gehören, gibt es heute noch wilde Dölkerstämme, die ihre besiegten Feinde verzehren. Falsch wäre es, daraus ben Schluß ziehen Zu wollen, baß sie biesen Brauch nur beshalb ausübten, weil sie noch keine Berührung mit ber Zivilisation bekamen. Die Eingeborenen besitzen so- gar Feuerwaffen, bie vor fünfzig ober sechzig Iah- ren ins Lanb gekommen finb. Mit diesen Waffen ziehen sie in ben Kampf gegen feinbliche Stämme, unb so ergibt sich ber seltsame Gegensatz, daß bie Opfer, die nach uraltem Brauch bei den Sieges- unb Totenfeiern verzehrt werben, durch Gewehrschüsse getötet worben finb. Harrison berichtet, baß man ihn keineswegs freunblich ausgenommen habe; man zeigte sich willens, ihn als Feind zu töten und mit ihm genau so zu verfahren wie mit den anderen Opfern. Aber durch seine Geschenke und durch die Art, wie er mit den Eingeborenen umging, erkaufte er sich ihre Freundschaft. Es handelt sich bei diesen Völkerstämmen wohl um die letzten Kannibalen, die es heute noch auf der Erde gibt. Frank VII. erstattete Rechnungsbericht zeigte in finanzieller wie in geschäftsmäßiger Hinsicht ein sehr erfreuliches Bild. Die Vorstandszusammen- setzung ergab folgendes: Einstimmig wurde mit der Vereinsführung der seitherige Vereinsführer Fritz R i e h m beauftragt, der zu seinen Mitarbeitern im Vorstand bestimmte: als zweiten Vereinsführer Karl Zimmermann, Kassenwart Ludwig Frank VIL, Schriftführer Willi Barschel, Zuchtwarte Ludwig K l i n k e l und Karl E s p i ch, Zeugwart Ernst Schwarz, als Beisitzer Wilhelm S ch m u l b a ch und Heinrich Zück. Nach der Aufforderung an die Züchter, weiterhin den bisherigen Eifer im Dienste der deutschen Geflügelzucht beizubehalten, wurde die Versammlung in der üblichen Weise beendet. △ Rüdgcn, 13. Febr. Der hiesige Gesangverein „Concordia-Harmonie" hielt im Saalbau Balser seine diesjährige Generalversammlung ab. Der Dereinsführer erstattete zunächst den Jahresbericht. Die von dem Rechner bekanntgegebene und nachgeprüfte Jahresrechnung wies einen kleinen Ueberschuß auf. Der Vereinsvorstand wurde in seiner bisherigen Zusammensetzung erneut in einen Aemtern bestätigt. Drei verdiente Mitglie- )er wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt. Der ge- chäftliche Teil wurde in der üblichen Weise ge- chlossen. Sodann blieb man noch einige Zeit in bester Kameradschaft beisammen. <£ Reiskirchen, 14. Febr. Heute feiern die Eheleute Karl Petri und Ehefrau Katharine, geb. Morgel, das Fest der Goldenen Hochzeit. Der Jubilar ist leider schon seit längerer Zeit erblindet. Sonst erfreut sich das Jubelpaar noch allgemeiner Gesundheit. Lange Jahre sind sie schon Leser des Gießener Anzeigers. D Harbach, 12. Febr. Heute lieferte die hiesige Schule zwei Säcke Bucheckern an die NSV. ab, welche die Schüler in den HePbstwochen gelesen hatten. Die Kinder waren damals mit großem Eifer bei der Sache. Nach Beendigung des Nachmittagsunterrichts zogen sie in unsere ausgedehnten Waldungen und kamen erst bei einbrechender Dunkelheit wieder zurück. Sogar bei rauhem Wetter ließen sie sich von ihrer mühsamen Arbeit nicht abhalten. Auch die Kleinsten beteiligtem sich eifrig am Lesen und scheuten weder Regen, noch Kälte. Die besten Sammelergebnisse erzielten: Alfred Braun (12,3 Pfd.), Karl Häuser (10,1 Psd.), Willi Zimmer (9,8 Pfd.), Emmi Schmidt (8,1 Pfd.), Albert Wirth (7,7 Pfd.), Elfriede Münch (7,3 Pfd.), Erika Weppler (7 Pfd.) und Marie Schmidt (6 Pfd.). Für ihren Fleiß und ihre Ausdauer wurde ihnen von der Schule ein kleines Geschenk überreicht. I Garbenteich, 12. Febr. Der hiesige Gesangverein „Victoria" beging im Vereinslokal „Zum grünen Baum" sein 57. Stiftungsfest. Vereinsführer L. Stein begrüßte die Besucher mit herzlichen Worten und betonte anschließend die Wichtigkeit der tatkräftigen Förderung des deutschen Liedes als eines hohen deutschen Kulturgutes. Seine Ansprache klang in freudig aufgenommenen Sieg- Heil-Rufen auf Führer, Vaterland und deutsches Lied aus. Der Sängerchor unter der Stabführung von Chormeister Sommer brachte hierauf in oor- ttefflicher Weise eine Reihe von Chören zu Gehör, deren Wiedergabe Zeugnis ablegte für die vortteff- liche aesangskunstlerische Schulung im Verein. Am Schlüsse des ersten Teils überreichte der Kreis- walter des Sängerkreises Gießen, Müller, dem Ehrenmitglied des Vereins Heinrich Mohr für 40jährige Sängertätigkeit die vom Deutschen ^Sängerbund gestiftete Ehrennadel mit herzlichen ÄZor- ten des Glückwunsches. Der Geehrte dankte für diese Auszeichnung mit herzlichen Worten und berichtete sodann in fesselnder Weise aus seinen reichen Erfahrungen als Sänger. Im zweiten Teile des Abends wurden die Besucher durch die gute Aufführung von Theaterstücken und durch vortreffliche musikalische Darbietungen erfreut. Eine Verlosung und Tanz beschlossen den Abend. V Lang-Göns, 13. Febr. Bei seiner Arbeit in der Scheuer st ü r z t e der Knecht Heinr. Beetz des Landwirtes Wilh. Wagner, Obergasse, von der Leiter so unglücklich, daß er mit einer Gehirnerschütterung in die Klinik zu Gießen verbracht werden mußte. (D Grüningen, 13. Febr. Die hiesige Milchabsatzgenossenschaft versammelte sich am Mittwochabend in der Gastwirtschaft von Müller. Der Direktor der Genossenschaft, Ortsbauernführer Karl M a r st e l l e r, gedachte zunächst des in der Schweiz ermordeten Landesgruppenleiters G u st - l o f f. Sodann erstattete er den Jahresbericht, aus dem man entnehmen konnte, daß die Genossenschaft sich im zerflossenen Jahre gut entwickelt hat. Der Kassenbericht des Genossenschaftsrechners Fay zeigte einen Reingewinn, der dem Reservefonds überwiesen wurde. Die Berichte wurden genehmigt und dem Rechner und dem Vorstand Entlastung erteilt. Die satzungsmähig ausscheidenden Vorstandsmitglieder wurden durch Zuruf wiedergewählt. Der Genossenschaft gehören 69 Mitglieder an. An die Molkerei Grieb in Gießen wurden im Laufe des verflossenen Kalenderjahres 190 889 Liter Milch geliefert. Die Versammlung beschloß, in Zukunft von jedem neu eintretenden Mitglied eine Mark Eintrittsgeld zu erheben. Hierauf wurde in üblicher Weise geschlossen. — Bei der zweiten N u tz- und Brennholzversteigerung wurden etwas höhere Preise als früher erzielt. Es kosteten: Buchenscheit 1. Kl. 19 bis 22 Mk., 2. Kl. 14 bis 16 Mk., Kiefernscheit 13 bis 14 Mk., Fichtenscheit 7 bis 12 Mk., Buchenknüppel 15 bis 16 Mk., Hainbuche 1. Kl. 13,50 bis 14,50 Mk., Fichtenknüppel 11 bis 13 Mk., Eichenscheit 15 bis 16 Mk. je zwei Raummeter. Buchenreisig 8 bis 10 Mk. 6 Raummeter.