Nr.136 Erstes Blatt 186. Jahrgang Samstag, 15. Juni 1936 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Hernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gietzen Postscheckkonto: Kranfturt am Main 11686 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Universitäts-Such- und Steindruckerei R. Lange in Siegen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulftrahe 7 Annahme von Anzeigen für die Mitlagsnummer bis 8^/,Uhr des Dormittags Grundpreise für 1 mm höh* für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Textanzeigen von 70 mm Breite 50 Rpf.,Platzvorschrift nach vorh.Dereinbg.25°/a mehr. Ermähigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Ouvertüre in Frankreich Das neue französische Kabinett hat sich der Kammer oorgestellt. In diesem parlamentarischen Milieu sind die neuen Männer Frankreichs keine Unbekannten, obwohl sie, soweit sie der sozialistischen Partei angehören, alle zum erstenmal ein Ministeramt bekleiden, eine seltene Erscheinung in der dritten Republik, der „republique des camarades", in der zwar die Regierungen alle paar Monate zu wechseln pflegten, aber die „neuen Männer" immer aus dem gleichen Kreis von Berufspolitikern stammten, die Caillaux einmal die „personnages con= sulaires" genannt hat. Und auch als Mitarbeiter dieser seit einem Menschenalter die Grundzüge der französischen Politik bestimmenden Konsuln erschienen immer wieder die Gleichen in dieser oder jener Kombination auf der politischen Bühne. Wir sehen hieraus schon den bedeutsamen Wandel, den das Kabinett Blum in der politisch-parlamentarischen Geschichte der dritten Republik darstellt. Es ist kein Regierungswechsel wie irgendein früherer: ein neuer Name für irgendeine andere Konstellation der gleichen Leute, die zwar einmal mehr ihre Rechtstendenz, das andere Mal ihre Linkstendenz betonte, im Grunde aber niemals aus dem engen Bezirk der mittleren Gruppen des Parlaments herausging und die radikalen Flügel stets beiseite ließ. Dieses Gleichgewicht der Kräfte war schon in den letzten Fahren ins Schwanken gekommen, um so mehr die Neigung des französischen Volkes wuchs, ausgesprochen links zu wählen. Nur die Weigerung der Sozialisten, mit bürgerlichen Parteien eine Regierung zu bilden, verhalf den kleinen parlamentarischen Gruppen der rechten Mitte bei jedem Kabinettswechsel zu einer Bedeutung, die ihnen höchstens nach den in ihnen vertretenen Persönlichkeiten, nicht aber nach den hinter ihnen stehenden Wählerschichten zukam. Die letzten Regierungen haben also dank der Enthaltsamkeitspolitik der Sozialisten nicht mehr den wahren politischen Willen Frankreichs repräsentiert. Aber erst die Bildung der Volksfront zwischen bürgerlichen Radikalsozialisten, der bisher ausschlaggebenden Partei des Parlaments, den Sozialisten und den Kommunisten und ihr eklatanter Sieg bei den Maiwahlen dieses Jahres erlaubten die Bildung einer Regierung, in der nun tatsächlich der politische Wille des französischen Wählers zum Ausdruck kommt, auch wenn das Kabinett Blum den Mangel aufweist, daß der dritte Partner der Volksfront, die kommunistische Partei, sich nicht an ihm beteiligt hat, wenn sie auch dem Kabinett ihre Unterstützung gewährt. Daß dies nicht nur ein Schönheitsfehler ist, hat Leon Blum schon in den ersten Tagen seiner Regierung zu spüren bekommen. Denn es ist doch sehr fraglich, ob eine in voller Verantwortung stehende und, was in diesem Falle vielleicht mehr bedeutet hätte, auf ihr Re- nommä als Regierungpartei bedachte kommunistische Partei es über sich gebracht hätte, hinter den Kulissen einen Streik zu entfachen, der grade in diesem Augenblick der Autorität der Regierung in hohem Maße abträglich sein mußte. In diesem auf Betreiben Moskaus gewollt unklar gelassenen Verhältnis der Kommunisten zur Regierung der Volksfront liegt eine gefährliche Schwäche des neuen Kurses in-Frankreich. Nicht von ungefähr hat die französische Rechtspresse das Kabinett Blum als Aera Kerenski bezeichnet als Ausdruck der Besorgnis, daß ähnlich wie im Rußland der Jahre 1916/17 eine linksbürgetlich-sozialisiische Regierung nur der Uebergang zum reinen Bolschewismus bilden könnte. Die kommunistische Taktik, das Kabinett der Volksfront zwar im Parlament zu unterstützen, aber auf der Straße und in den Betrieben die Autorität des gleichen Kabinetts durch Hindrängen zur „direkten Aktion" zu untergraben, hat während der letzten Streiktage schon bedenkliche Erscheinungen gezeitigt. Da also die Kommunisten im Hintergrund zu bleiben wünschten, setzt sich die neue Regierung Frankreichs aus Radikalsozialisten und Sozialisten zusammen. Die wenigsten von ihnen dürften selbst der französischen Oeffentlichkeit' bekannt sein, für das Ausland sind es allermeist tatsächlich „neue Männer". Sehen wir ab von einigen Radikalsozialisten wie Daladier, dem Ministerpräsidenten des unseligen 6. Februar 1934, dessen blutige Straßenkämpfe als Wetterleuchten revolutionärer Stimmungen noch heute unvergessen sind, und Pierre C o t, dem früheren Luftfahrtminister, so sind die anderen Mitglieder des Kabinetts wirklich einmal unbeschriebene Blätter. Das trifft im großen und ganzen selbst für den Chef der neuen Regierung, Leon Blum. zu. Denn obwohl Blum als Führer der Opposition im Parlament früher oft genug von sich reden machte, hat der ausländische Zeitungsleser bisher wenig Gelegenheit gehabt, sich ein Bild von dem Manne zu machen, der berufen 'st, den künftigen politischen Kurs Frankreichs zu bestimmen. Leon Blum ist als Sohn einer wohlhabenden iudi- lchen Kaufmannsfamilie in Paris geboren, er hat sine sehr sorgfältige Bildung erhalten, die ihm schon früh erlaubte, mit den bekannten Tragern des französischen Geisteslebens in Beziehung zu treten. Da der Verwaltungsdienst den nach literarischem Ruhm ehrgeizigen jungen Mann wenig ve- iriedigte, wurde er Mitarbeiter an schöngeistigen Zeitschriften. Erst die Dreyfus-Affäre bringt ihn in die Politik. Herkunft und Temperament fuhren ihn zum Sozialismus. Mit Jauräs zusammen, dem in den kritischen Julitagen 1914 wegen seiner Ablehnung des Krieges ermordeten Sozialistenfuhrer, gründet Blum die Tageszeitung ,,L' Humanitä , die erst nach dem Kriege bei der Spaltung ZchstPen Sozialisten und Kommunisten das kommunistische Kampforgan geworden ist. Erst 1919 wird BUirn Abgeordneter, aber dank seiner großen rhetorischen Begabung urö seiner überlegenen Intelligenz das Trotz neuer Streiks Entspannung in Paris. Oie Regierung zeigt den Willen zur Aufrechterhaltung der Ordnung. Paris, 13.Juni. (DNB. Funkspruch.) Die Pariser Morgenpresse aller politischen Richtungen stellt mit Befriedigung eine Entspannung fest. Dies bezieht sich allerdings weniger auf die tatsächliche Streiklage als auf die (streif ft immun g. Die Nervosität, die am Donnerstag in der französischen. Hauptstadt und auch in der Kammer herrschte, ist schnell geschwunden, nachdem die Negierung sehr deutliche Erklärungen über ihren Willen abgegeben hatte, die öffentliche Ordnung und Sicherheit aufrechtzuerhalten. Die praktische Folge zeigte sich am Freitag im Pariser Straßenbild. Man sah keine Umzüge mehr von Streikenden in den Straßen, dafür aber zahlreiche Kräfte aus Polizei und republikanischer Garde, vor allem im Zentrum und in den westlichen Teilen der Stadt. Diese Demonstration hat ihre Wirkung weder auf die Bevölkerung noch auf solche Elemente verfehlt, die gern Unruhe um jeden Preis stiften möchten. Die Streiklage selbst weist keine wesentlichen Aenderungen auf. Wenn auf der einen Seite Einigungen und Wiederaufnahmen der Arbeit gemeldet werden, so stehen den auf der anderen Seite immer neue Streiks gegenüber. In Paris selbst ist die Streikbewegung im ganzen rückläufig. In der M e t a l l i n d u st r i e ist es am Freitagabend endlich zu einer Einigung gekommen. Die Besetzung der Betriebe wird sofort eingestellt und die Arbeit am Montag wieder ausgenommen. Im Baugewerbe ist der Streik bis auf einige Gruppen ebenfalls beendet. Die Schlächterei en werden am Samstag wieder geöffnet sein, nachdem eine Einigung mit den Schlächtergesellen erzielt worden ist. Dagegen treten die Barbier- gehilfen am Samstag in den Streik. Aus der Provinz wird u. a. gemeldet, daß Rouen am Samstagmittag wegen des Streiks der Elektrizitätsarbeiter ohne Strom sein wird. In Lyon hatten streikende Arbeiter das Bezirksrathaus besetzt. Daraufhin wurde sofort eine starke Abteilung republikanischer Garde entsandt, die die Streikenden zwang, das Rathaus wieder zu räumen. In der radikalsozialistischen „Republique" erklärt der frühere Minister F r o t warnend, daß das Schicksal der Volksfront-Bewegung von der schnellen Lösung der gegenwärtigen sozialen Konflikte abhänge. Das nationale Leben Frankreichs sei teilweise zum Sttllstand gekommen. Zahlreiche Bestellungen seien zum Nachteil der französischen Erzeugung ins Ausland gegangen. Die finanzielle Regelungen zum Monatsende würden Schwierigkeiten machen und manche Firmen würden ihren Verpflichtungen nicht rechtzeitig nachkommen können. Eine schwere Unruhe laste auf der Hauptstadt und beginne auf die Provinz Überzugreifen. Zwar herrsche keine Unordnung, aber eine ArtAnarchie, ein geeignetes Tätigkeitsfeld für Unruhestifter. In solcher Atmosphäre könne der kleinste Zwischenfall außerordentlich schwerwiegende Folgen haben. Nachdem am 7. Juni ein grundsätzliche sAb- kommen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern geschlossen worden sei, könne seit jenem Tage ein Streik nicht mehr gerechtfertigt sein. Die Regelung müsse von allen angenommen werden. Die 40-S1lmden-Woche. Oie französische presse über die wirtschaftlichen Auswirkungen besorgt. Paris, 12. Juni. (DNB.) Die Kammer hat mit 385 gegen 175 Stimmen den Gesetzentwurf über die Einführung der 40-Stunden-Woche in seiner Gesamtheit angenommen. Der Entwurf ist am Freitagnachmittag sofort an den S e- n a t gegangen. Das Gesetz gibt den Blättern Anlaß zu Betrachtungen über b i e Auswirkungen dieser Maßnahme. Das „Echo de Paris" erinnert daran, daß es in der ganzen Welt kein Land gebe, in dem man der Industrie zur Bekämpfung der Krise neue ßaften in der Art einer praktischen Lohnerhöhung in Höhe von 35 v. H. auferlege. Das Experiment der 40-Stunden- woche sei im übrigen nicht neu. Hoover habe versucht, es durchzuführen, und sei gescheitert. Dabei seien die Vereinigten Staaten eine Welt für sich. Frankreichs Industrie sei aber darauf angewiesen ans Ausland z u verkaufen. Die französischen Preise seien zweifellos aber bereits heute bie höchsten in der Welt. Man unternehme daher ein gefährliches Experiment. Wenn der Berichterstatter in der Kammer im ganzen nur eine Preissteigerung von 8 v. H. im Großhandel und von 5 v. H. im Kleinhandel vorsah, so müsse man in Wirklichkeit je nach den Industrien eine Preissteigerung von 10 bis 18 v. H. erwarten. „Journöe Industrielle" glaubt ebenfalls, daß die tatsächliche Entwicklung eine andere sein werde, als vom Berichterstatter in der Kammer angenommen. Die Verteuerung der Erzeugung würde mehr als 6 bis 8 v. H. betragen. Weiter werde die Verteuerung der französischen Waren zu Verlusten weiterer Absatzmärkte führen. Alle Arbeiten für Rechnung des Staates würden teurer. Das würde also Erhöhung der Steuern bedingen, die französische Erzeugung würde wie immer die Kosten zu tragen haben. Der jetzt von Frankreich eingeschlagene Weg führe zu einer Kreditinflation, das heiße, er führe bald z u einer Inflation schlechthin. Der „Figaro" meint, bie sich aus der 40-Stundenwoche ergebenden höheren Gestehungskosten würden nur tragbar sein, wenn sie sich auf einen erhöhten Verbrauch verteilten. Andernfalls werde das gesamte Lebensniveau sinken. Der Verband franzöfifcher Erzeuger nimmt zu der Auffassung Stellung, als ob er in ben Verhanblungen am 7. Juni ben Grunbsatz ber 40-Stunbenwoche angenommen habe. Der 23er- banb erklärt, seine Vertreter hätten ihre grundsätzliche Zustimmung zum Einheitsrahmenvertrag und für ben bezahlten Urlaub gegeben. Die Frage ber 40-Stundenwoche sei jedoch nur in einer sehr unbestimmten Art angeschnitten worden. Die Erzeuger hätten dem Ministerpräsidenten und den Arbeitervertetern nicht verhehlt, daß die Einführung der 40-Stunden- woche noch ernstere Folgen haben werde, als die Lohnerhöhungen. Sie hätten hinzugefügt, daß die Industriellen einem Gesetz über die 40- Stundenwoche loyaler Weise folgen müßten, daß aber bie Verantwortung für biefes Experiment der öffentlichen Gewalt zufalle. unbestrittene Haupt der 2. Internationale Frankreichs. Als solches hat er allen radikalsozialistischen Lockungen zum Eintritt in eine Koalitionsregierung hartnäckig widerstanden. Nun hat der Ausgang der Wahlen ihn gezwungen, ben Schritt aus der Opposition in die Verantwortung zu tun. Es ist kein Zweifel, daß viele Millionen des französischen Volkes von Leon Blum wirklich eine Wende, einen Kurswechsel erwarten. Die Notverordnungspolitik Lavals und seiner Nachfolger hat mit ihrer äußersten Einschränkung des Lebensstandards gerade die von den Sparsamkeitserlassen am härtesten betroffenen kleinbürgerlichen Kreise, die ja die große Masse des französischen Volkes ausmachen, sehr verärgert. Sie haben mit dem sozialistischen ober gar kommunistischen Stimmzettel geantwortet, burchweg keineswegs, weil sie Anhänger der sozialistischen ober kommunistischen Weltanschauung finb ober von ber Durchführung bes Programms dieser Parteien sich eine Besserung ihrer Lage versprechen. Aber sie wollten gegen das ideenlose Fortwursteln protestieren, das mit Notverordnungen sich von Monat zu Monat weiterhalf, ohne trotz des natürlichen Reichtums der Nation und trotz des gewaltigen Goldhortes der Bank von Frankreich die wachsende. Wirtschaftskrisis stoppen zu können. Die Masse des französischen Volkes, bie mit ihrem Stimmzettel ben Sozialisten Läon Blum gezwungen hat, die Führung zu übernehmen, ist im Grunde ihres Herzens heute so gut wie ehedem so individualistisch geblieben, wie überhaupt nur ber Franzose sein kann. Frankreich ist nicht bas Land eines großen Jndustrieproletariats trotz der Förderung, die auch die französische Industrie durch *bxe enormen Rüstungen des Landes und die zunehmende Motorisierung erfahren hat. Aber heute wie einst bestimmt ber Bauer den Charakter Frankreichs. Das wird sich sehr bald wieder bemerkbar machen, wenn die Negierung mit ihren Gaben für bie Jndustriearbeiterschaft am Ende sein wird und nun den wirklichen Ursachen der französischen Wirt- schaftskrisis zu Leibe gehen muß, will sie nicht ebenfalls vor ihr die Waffen strecken. Was sich das Kabinett Blum als Morgengabe der ersten sozialistisch geführten Regierung Frankreichs an die Jndustriearbeiterschaft gedacht hatte, die Erfüllung eines umfangreichen und tiefgreifenden sozialistischen Programms, ist dank der kommunistischen Taktik umgekehrt worden in Forderungen der Arbeiterschaft, deren Bewilligung man mit Hilfe der „direkten Aktion" der Regierung abgetrotzt hat. Nicht die Streiks an sich, die in dem Augenblick sowohl in Paris wie an allen Ecken und Enden der Provinz, namentlich in dem sehr empfindlichen nord- französischen Kohlenrevier entfesselt wurden, als das Kabinett der Volksfront sich konstituierte und Anstalten machte, mit dem sozialpolitischen Teil feines Programms vor die Kammer zu treten, nicht diese Streiks an sich, als vielmehr die echt kommunistische, aus den Kämpfen in Rußland, Deutschland, Spanien, dem vorfaschistischen Italien her sattsam bekannte Methode her Besetzung der Betriebe, zwang die Regierung zur „Vermittlung", mit anderen Worten zur Bewilligung aller Forderungen ber von ber kommunistischen Konkurrenz unter Druck genommenen Gewerkschaften, obwohl bie Regierung selbst sich kaum barüber im klaren fein kann, wie bie bewilligten Lohnerhöhungen um runb 12 Prozent im Durchschnitt, bie Herabsetzung der Arbeitszeit auf 40 Stunden bie Woche ohne Lohnkürzung unb die Einführung eines bezahlten Urlaubs mit den Gegebenheiten der Wirtschaftskrisis in Einklang zu bringen finb. Die Rüstungsinbustrie mag vielleicht dazu in der Lage fein, bie entstehenbe Mehrbelastung zu tragen. Aber die auf die Ausfuhr angewiesenen Wirtschaftszweige, die heute schon auf dem Weltmarkt ihren schweren Stand haben, werben mit erhöhten Gestehungskosten schwerlich noch konkurrenzfähig bleiben. Die französischen Zeitungen, auch bie ber radikalsozialistischen Regierungspartei weisen ferner heute schon sehr besorgt darauf hin, daß aus der Durchführung der sozialistischen Gesetze auch für den Staatssäckel eine Mehrbelastung entstehe, die in die Milliarden gehe und der keinerlei Deckungsmöglichkeit gegenüberstehe. L6on Blum hat die Aengstlichen mit dem Hinweis getröstet, daß aus der Erhöhung des Lebensstandards der Jndustriearbeiterschaft unb der Vermehrung des Beamten- und Angestelltenapparats eine Ankurbelung der Konsumwirtschaft und erhöhte Steuererträge zu erwarten seien, die die Mehrausgaben des Staatshaushalts ausgleichen würden, aber vorerst muß die Regierung scharf Stellung nehmen gegen Preissteigerunastendenzen, die sich auf allen Gebieten des täglichen Lebens geltend machen. So ist das neue Kabinett der Volksfront in feinen ersten Tagen nicht gerade auf Rosen gebettet, unb die innerpolitischen Sorgen, die es zu einem guten Teil der hinterhältigen Taktik seiner von Moskau instruierten kommunistischen Freunde zu verdanken hat, lassen es vorerst gar nicht recht zu Atem kommen, um nun auch Frankreichs künftigen außenpolitischen Kurs festzulegen. Ministerpräsident Blum hat sich darüber in seiner Regierungserklärung vor der Kammer recht kurz gefaßt. Er hat sich, wie zu erwarten war, zum Grundsatz der „Unteilbarkeit des Friedens" unb ber kollektiven Sicherheit ebenso bekannt wie seine Vorgänger. Auch die „Heiligkeit ber Verträge", eine stereotype Phrase aller französischen Regierungserklärungen, gehört zum außenpolittschen Bekenntnis des Volksfront-Kabinetts. Besondere Betonung legte Blum auf das Verlangen nach Abrüstung, sehr wohl begreiflich angesichts des ganz wesentlich aus den Rüstungsausgaben herrührenden Milliarbenbefizits bes französischen Staatshaushalts. Daß ber große beutsche Friedensplan Voraussetzungen und Wege für die von Blum ersehnte Abrüstung gezeigt hatte, wurde allerdings nicht erwähnt. Die brennendste Frage der französischen Außenpolitik wird zunächst freilich die Liquidierung des Abessinienkonflikts sein. Die Dolkssrontregierung sieht sich hier einem nicht geringen Dilemma gegenüber. Als Opposition war die Volksfront schon aus Abneigung gegen den Faschismus begeisterter Anhänger der Völkerbundssanktionen gegen Italien, als verantwortliche Regierung sieht sie sich nun vor die Entscheidung gestellt, ob sie ihrer Antipathie gegen den Faschismus und ihrer Völkerbundsibeologie zuliebe die recht mühsam angebahnte und durch die Fährnisse des Abessinienkonflikts im großen und ganzen gerettete Freundschaft mit Italien opfern will. Der Entschluß wird dadurch gewiß nicht leichter, daß gerade jetzt in England auch innerhalb der Regierung Stimmen laut werden, die darauf hindeuten, daß trotz der bisher betont starren Haltung Edens England vielleicht auch anders kann, wenn sich ihm eine taktische Möglichkeit böte, ohne eigene Initiative von der höchst unbequem gewordenen Sanktionspolitik loszukommen. Man darf vermuten, daß die französische Volksfrontregierung in Genf vorerst kurztreten und namentlich in der Sanktions- frage gerne im Hintergrund bleiben wird. Vielleicht wird man dann einiges Nähere über die außenpolitischen Absichten Leon Blums unb seines Außenministers Delbos namentlich im Hinblick auf die Organisierung des europäischen Friedens hören können. Oie Zukunft von Oeutfch-Güdwestaftika. London, 12. Juni. (DNB.) Aus Kapstadt wird gemeldet: Der von der Regierung der Südafrikanischen Union als Mandatsmacht eingesetzte Ausschuß, der bie Aufgabe hatte, bie Fragen zu untersuchen, bie sich aus bem Beschluß ber gesetzgebenden Versammlung in Windhuk aufEinverleid u n g Südwestafrikas in die Union ergeben, ist einmütig zu dem Ergebnis gelangt, daß bie gegenwärtige Regierungsform im Manbatsgebiet von Sübwestafrika ein Fehlschlag sei unb beseitigt werben müsse. Die Mitglie- ber bes Ausschusses könnten jeboch keine Einmütigkeit barüber erzielen, ob es wünschenswert fei, Sübwestafrika in bie Union einzuverleiben ober nicht. Der Vorsitzenbe, van Z y l, sprach sich für eine Einverleibung aus unb meinte, baß es sich nur zum Segen Sübwestafrikas auswirken werbe, wenn bas Gebiet unmittelbar von ber Union verwaltet würbe, oan Zyl äußerte sich über Bestrebungen bes beutschen Teils ber Bevölkerung, Süd« westafrika in naher Zukunft an Deutschlanb zurückzugeben. Dies unb bie Propaganba derjenigen, die die Einverleibung bes Gebiets als fünfte Provinz der Union sortierten, hätten eine berartige Ungewißheit über bie Zukunft bes Laubes hervorgerufen, baß bie wirtschaftliche Entwickelung ernstlich beeinträchtigt würben. Ein anderes Mitglied des Ausschusses, van den H e e v e r , steht auf bem Stanbpunkt, daß es nicht dringlich sei, das Gebiet als Provinz der Union M verwalten. Die Einverleibung würde die Ungewißheit hinsichtlich der Zukunft nicht beenden. Die Union habe durch eine Einverleibung nichts zu gewinnen. Außerdem sei die gesamte deutsche Bevölkerung und eine kleine Minderheit der Unionisten a e g e n die Einverleibung. Das dritte Mitglied des Ausschusses, Dr. Hollaway, spricht sich zugunsten eines engeren Zusammenschlusses mit der Union aus, sieht sich aber gleichfalls nicht in der Lage, die Umwandlung Südwestafrikas In eine fünfte Provinz der Union zu empfehlen. Das Deutsche 2Rofe Kreuz. Wieder geht, wie in jedem Jahr, die Sammelbüchse herum, um von den gebefreudigen Volks« genossen ein Scherflein zu Gunsten des Roten Kreuzes aufzunehmen. War einst das Rote Kreuz im wesentlichen eine Organisation, die i n Kriegszeiten zur vollen Entfaltung gelangte, so hat es sich in der Nachkriegszeit zu einer allgemeinen Wohlfahrtseinrichtung entwickelt, die aus dem öffentlichen Leben nicht mehr fortzudenken ist. Gerade im nationalsozialistischen Deutschland hat das Rote Kreuz, das unter der Schirmherrschaft des Führers steht, die besondere Unterstützung der Reichsregierung und der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei erfahren, da es, wie der Stellvertreter des Führers einmal erklärte, ein notwendiger Bestandteil des nationalsozialistischen Staates ist. Gerade der Dienst jedes Mitgliedes des Roten Kreuzes am deutschen Volke und am deutschen Vaterland stellt den Ausdruck der innigsten Verbundenheit des Roten Kreuzes mit den nationalsozialistischen Zielen dar. Denn in diesem Dienst spiegelt sich das wider, was zum Idealzustand der Volksgemeinschaft gehört. Es ist wohl hier und da einmal die Behauptung oufgetaucht, daß der Nationalsozialismus dem Roten Kreuz gegenüber ein gewisses Mißtrauen an den Tag legen müsse. Gegen dieses Mißtrauen hat sich Staatsminister Wagner auf einer Kundgebung des Bayerischen Landesvereins des Deutschen Roten Kreuzes mit aller Macht zur Wehr gesetzt und klar zum Ausdruck gebracht, daß der nationalsozialistische Staat seine schützende Hand über dem Roten Kreuz halte und daß nicht der mindeste Grund vorliege, diese Einrichtung etwa als einen Hort der Reaktion zu bezeichnen. Wer jemals Gelegenheit gehabt hat, einen Blick in den sozialen Apparat des Roten Kreuzes hineinzuwerfen, das nicht weniger als 307 Krankenhäuser, Säuglings- und Kleinkinderheime, Erholungsheime für Kinder und Erwachsene, Altersheime und Siechenheime unterhält, den erfüllt größte Hochachtung. Darüber hinaus gibt es eine unerhört große Zahl von Kindergärten und Jugendheimen, Gemeinde- Krankenvflegestationen, Beratungsstellen für Mütter, Küchen und Speisungen, Rettungswachen, Unfallmeldestellen und vieles andere, was vom Roten Kreuz betreut wird. Dieser weitverzweigte Apparat ist natürlich auf die finanzielle Unterstützung eines jeden Volksgenossen angewiesen, wie ja umgekehrt das Rote Kreuz wieder jedem einzelnen von uns dient. So werden nun durch die neue Sammlung wieder größere Beträge mobil gemacht, mit deren Hilfe es gelingen soll, die einzigartige Einrichtung des Roten Kreuzes zu pflegen und auszubauen, damit sie auch weiterhin ihre Aufgaben im nationalsozialistischen Staat erfüllen kann. Einer trage des anderen Last. Der Reichskirchenausschutz zum Sammeltag der Inneren Mission. Berlin, 12. Juni. (DNB.) Der Reichskirchen- ausschuß richtet zum Sammeltag der Inneren Mission am 13. und 14. Juni folgenden Aufruf a n d i e Gemeinden der Deutschen Evangelischen Kirche: „Johann Heinrich W i ch e r n, der Vater der Inneren Mission, hatte einst der Kirche ihren Weg im Volke mit dem Worte gewiesen: Du, evangelische Kirche, hast nicht nur das Recht, sondern die Pflicht 3U dem Bekenntnis: der Glaube ist mein wie die Liebe! Dieses Wort ist uns Vermächtnis und Mahnung. Darum, um des Glaubens und der Liebe willen, entsendet die evangelische Kirche auch heute die Innere Mission zum Dienst an Gesunden und Kranken unseres Volkes, an allem, was Not leidet und Hilfe braucht an Leib und Seele. Heute, wo wir Deutschen es mehr denn je wissen, daß im Volke einer an den anderen gewiesen ist, ist die Christenheit mehr denn je zur Erneuerung christlicher Tat berufen nach dem Wort: Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. Mit neuem Glauben muß neue Liebe wachsen. Darum rufen wir es hinein in die ganze Deutsche Evangelische Kirche: Bekennt euch in neuem Glauben zu neuer Liebe! Bekennt euch in Dienst und Opferbereitschaft als Glieder zum Ganzen! Nehmt den Auftrag der Inneren Mission auf euer Gewissen und yeot ihr am 13. und 14. Juni eure Gaben aus freudigem Herzen! Zeigt es vor aller Welt, daß Wicherne Ruf von uns gehört wird: DerGlaube ist mein wie die Lieb e." Deutsche Lustfahrt-Forschung. Eröffnungssitzung der Lttienthal-Gcscllschaft. 2erlin, I2.„Juni. (MS.) Im Haus der Flie- Ser hielten Präsidium und Senat der neugebildeten ktlienthal-Gesellschaft für Luft- fahrt.Forschung ihre erste Sitzung ab. Der Lilienthal-Ge ellschaft gehören alle führenden Persönlichkeiten sowie die Organisationen und Institute an die sich mit der Frage der Luftfahrt wissenschaftlich oder praktisch beschäftigen. Der Präsident der Lilienthal-Gesellschast, Geh. Prof. Dr. Karl Bosch, umriß das neue Au gaben- aebiet der Gesellschaft. Die neue Organisation er- fasse auch viele Kräfte, die sich mit verwandten Auf- gaben auf anderen Gebieten der Technik be- schäftigen und ihren erfinderischen Geist der Luft- fahrt zur Verfügung stellen. Das Anwachsen der zu leistenden Teilarbeit habe den Wunsch wach- gerufen, alle diese Aufgaben einer Organisations- form zu übertraaen, die den allgemeinen Ersah- rungsaustausch, die Weckuna erfinderischer Initia« tive und den Ausbau wissenschaftlicher Beziehungen und die Betreuung des Nachwuchses der Luftfahrt- forschung verbessern solle. Der Staatssekretär für Luftfahrt, General der Flieger Milch, sagte, der Name der Gesellschaft sei ein Gedenken daran, daß d e r Deutsche Lilien- thal wirklich der erste Flieger in der Welt gewesen sei, eine Tatsache, die oft, vor allem im Auslande, vergessen worden sei. Forschung, Entwicklung, Erprobung und Schaffung einer leistungsfähigen Industrie seien die vier Glieder unserer Gesämtluftfahrttechnik, die auf das engste mitein- ander zusammenhinyen. Zahlenmäßig würden wir anderen Völkern niemals gewachsen sein, dafür aber müßten wir qualitativ und m der Forschung am weitesten vorauseilen, ohne den Zusammenhang mit der Gegenwart zu verlieren. Der Reichsluftfahrtminister habe den Ausbau von vier großen Forschungszentren an Stelle der zer- splitterten kleinen alten Forschungsstellen angeordnet, und zwar sollen diese in Berlin Adlershof, Göttingen, Braunschweig und Stuttgart errichtet werden, ferner den Ausbau von drei großen Luftfahrtlehrzentren in Berlin-Johannischal, Braunschweig und Stuttgart. Daneben sind noch wenig Lehrstühle an anderen Hochschulen belassen. Eine deutsche Akademie der Luftfahrtforschung solle in Verbindung mit der Lilienthal-Gesellschaft rein wissenschaftliche und insbesondere technische Aufgabe lösen. Oer Völkerbundsrat zum 26. Juni einberufen. Senf, 12. Juni. (DNB.) Der Präsident des Völterbundsrates hat den Völkerbundsrat auf den 26. Juni zur Fortsetzung seiner 92. Ta« g u n g einberufen. Auf der Tagesordnung stehen folgende Fragen: Der Streit Swischen Abessinien und Italien; der in Locarno am 16. Oktober 1925 abgeschlossene Garantieoertray zwischen Deutschland, Belgien, Frankreich, Großbritannien und Italien, die Niederlassung der aus dem Irak Ausgewanderten Assyrer; der Bericht über die letzte Tagung des Ausschusses für Sklaverei. Oie Sowjetunion gibt sich eine neue Verfassung, linier der Maske der Demokratie feste Verankerung der kommunistischen Diktatur Moskau, 12. Juni. (DNB.) Amtlich wird d e r Entwurf der neuenSowjetverfassung bekanntgegeben, der nach einem Vortrag Stalins von dem Zentralvollzugsausschuß angenommen wurde. Der Verfassungsentwurf besteht aus 12 Kapiteln und 146 Paragraphen. Der erste Teil behandelt den Staatshaushalt und die Grundlagen des staatlichen Lebens. Im Kapitel „die höchsten Organe der Staatsgewalt" wird vorgesehen, daß an Stelle der bisherigen Körperschaften, die die höchste gesetzgebende und vollziehende Gewalt ausübten, und zwar des Rätekongresses und des Zentraloollzugsausschusses, der Ober st e R a t der Sowjetunion tritt, der nach der neuen Verfassung die einzige gesetzgebende Gewalt des Landes bildet, während sein Präsi- dium zugleich die Höch st e Gewalt besitzen soll. Der Oberste Rat wird aus die Dauer von vier Jahren gewählt, und zwar auf der „Grundlage des allgemeinen, direkten und geheimen Wahlrechts". Jeder Bürger der Sowjetunion vom 18. Lebensjahre ab soll das aktive und passive Wahlrecht besitzen. Diese demokratische Maske, mit der sich die bolschewistische Partei bekleidet, um im Sinne einer Verstärkung der Volksfrontbewegungen im Auslands propagandistisch zu werben, wird aber wieder in dem Artikel vernichtet, in dem es heißt, daß das Recht der Aufstellung von Kandidaten außer der Kommunist ischen Partei nur noch die Gewerkschaften, die Jugend- verbände, Genossenschaften und kulturellen, d. h. ebenfalls kommunistischen Organisationen besitzen. Wenn also Stalin sich in diesem Entwurf auch zu einem gewissen Teil die westlichen Wahlmetho- oen zu eigen gemacht hat, so ist anderseits Vorsorge getroffen, daß der kommunistische Geist unverfälscht a u f r e ch t e r h a l t e n bleibt unb bie Macht der Kommunisten nicht etwa Einbuße erleidet. Als Spiegelfechterei muß es an« muten, wenn man in dem neuen Verfassungsentwurf liest, daß die sog. „bürge r I ich? n 5 re i • heiten" dem Sowjetbürger gewährleistet werden. Für Tarnung seiner Regierungsmethoden kann Stalin sich unbedenklich die Im Westen üblichen Schlagworte zu eigen machen, da der ganze Un^r- bau feines Staates durch die ausschließliche Beherrschung des Apparates im kommunistischen Sinne gesichert erscheint. Das gleiche ist hinsichtlich der angeblichen „Duldung jeder Religion zu sagen. Dieser Satz erscheint besonders heuchlerisch, zumal in dem gleichen Artikel auch die Freiheit der antireligiösen Propaganda ausdrücklich festgestellt wird. Hinsichtlich der staatlichen Verwaltung zeigt Der neue Entwurf der Verfassung wieder die Tendenz einer Verstärkung der zentralen Gewalt, da verschiedentlich in den Beziehungen der Moskauer Zentrale zu den Bundesrepubliken deren Befugnisse verschiedentlich auf Kosten der Republiken weitgehend erweitert werden. So wird nicht nur das Iustizwesen und zum Teil auch das Bankwesen endgültig zentral geregelt, sondern es wird nunmehr auch verfassungsmäßig fest- gelegt, daß der gesamte Zuständigkeitsbereich des Kommissariats für Schwerindustrie und somit die industrielle Grundlage der Kriegswirtschaft (Kohle, Eisen, Naphtha usw.) der Zuständigkeit der Bundesrepubliken entzogen bleibt und allein Moskau unter» ftetjt. Im Vergleich damit kommt dem Aufrücken Georgiens, Armeniens, Aserbeidschans, Kasakstans und Kirgisiens in die Reihe der sogenannten Bundesrepubliken mehr äußerliche Bedeutung zu. Ukrainische Reisebilder. Von unserem E.S.-Lerichierstaiier. IV. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Moskau, Ende Mai 1936. Zusowka-Slalino. Stalino, heute das Gebietszentrum des Donez-Jndustrtebeckens, zählte 1917: 47 000, 1928: 100 000, 1936: 300 000 Einwohner, also mehr als Bremen, etwas weniger als Stuttgart. Stalino besitzt ... zwei Hotels. Die beiden „Hotels" sind klein und stammen noch aus der Zeit, wo Stalino nach dem englischen Großindustriellen Hughes, der dort das große metallurgische Werk begründet hat, „I u s o w k a" hieß. Außerdem sind die „Hotels" unsäglich schmutzig. Don der langen Fahrt todmüde, bringe ich den Rest der Nacht, in meine Reisedecke gehüllt, auf dem Fußboden eines Zimmers im Hotel „Metalluryija" zu, das zur Zeit „Jusowkas" wohl für ein anfpruchloseres Ehepaar gedacht war. In Stalino stehen sieben Betten darin. Gepeinigt von Wanken, ist man froh, dem Hotel am Morgen den Rücken $u kehren. Stalino ist ein Musterbeispiel für einen bestimmten, neuen Typus der Sowjetgroßstädte. Einige Hochhäuser für den Regierungs- und Derwaltungs- apparat, einige asphaltierte Hauptstraßen, die übrigen mit Kopfpflaster versehen oder gar völlig grundlosen Landwegen ähnlich. Ein großes Kino, ein neues Krankenhaus außerhalb der Stadt, aus mehreren Gebäuden bestehend, wo unser Ford schon auf dem Zufahrtsweg im Dreck stecken bleibt, Schulen, die so schnell errichtet wurden, daß sie bereits nach zwei bis drei Jahren wieder baufällig werden, während immer noch in zwei Schichten unterrichtet werden muß, da der Raum für alle nicht ausreicht. Ein neues Hotel („es wird nach dem letzten Wort der Technik ausgerüstet") ist im Bau, die neugegründete Technische Berg-Hochschule mit den Gemeinschaftswohnungen der Studenten ist mit ihren großen, ^kastenartigen Blocks ein besonderer Stolz Neben diesen Hochhäusern stehen aber die zahllosen dürftigen Arbeiterhäuschen und rund um die zwölf Kohlengruben herum, die in unmittelbarer Nähe der Stadt liegen, drängen sich die winzigen Erdhütten der Bergarbeiter. In den neuerbauten „Obscktscheshitijen" der„Studenten wohnen die Familien (die „Studenten" sind fast durchweg verheiratet) in bedrückender Enge, im neuen Krankenhaus reicht der Platz nicht aus für die Kranken, die Stadt hat größtenteils noch keine Kanalisation, kein Gas. Vor einem neueröffneten Hutladen, dessen Auslagen das Damenpublikum jeder west- oder mitteleuropäischen Kleinstadt keines Blickes würdigen würde, steht ein weit über hundert Meter langer „Otsche- red" (Schlange) von geduldigen Sowjetbürgerinnen, obwohl die vielbegehrten Hütchen so teuer sind, daß die meisten nur einen bewundernden Blick auf solche Kostbarkeiten werfen können. Auch das große metallurgische Werk des Herrn Hughes trägt heute den Namen Stalin. Es ist eines der ältesten und solidesten Eisen- und Z^lwerke Rußlands. Aeußerlich mag sich das Aw des Riesenwerkes (heute arbeiten 30 000 Men- lajen dort) feit den Zeiten des Herrn Hughes nur wenig verändert haben, so groß auch Die Veränderungen sind, die das Schicksal der Men« ete.m Wert betroffen haben. nennen ihre Methode, wonach xu k 1?en Fähigkeiten so viel wie möglich Aalunb I€ "ach der Einschätzung seiner entlohnt wird, „Sozialismus" * Daß der VJi^Ubk1 Wonat verdient (=4,5 £ X2Industriearbeiter nach der neuesten jowjetrussijchen Indexziffer 180 Rubel (= 18 Kilogramm Fleisch), der Fabrikdirektor, der General, der Ingenieur viele Tausende von Rubel, das stört diesen „Sozialismus" nichr. Ein raffiniertes System der Propaganda sorgt dafür, daß in der Welt immer noch Millionen Menschen an diesen „Sozialismus" glauben. Die bestorganisierte, brutalste und skrupelloseste D o l i z e t der Welt, die GPU., sorgt dafür, daß sich im eigenen Lande niemand gegen diesen „Sozialismus", auch nicht mit einem bloßen Wörtchen, auflehnt. Nach den Angaben der Sowjetstatistik betrug der durchschnittliche Monatslohn des Kohlenbergarbeiters im Donbaß 1913: 34,42 Rubel, 1928: 64,76 Rubel, 1936 (nach Höchstschätzungen): 250 Rubel. Dieselbe Sowjetstatistik folgert daraus, daß sich das Einkommen des Arbeiters seit 1913 verachtfacht und seit 1928 vervierfacht hat, indem sie kühn Goldrubel, NEP.-Rubel und Papierrubel g l e i ch s e tz t. 1913 konnte mit 34 Rubel zum Beispiel gekauft werden: 70 Kilogramm Fleisch bester Sorte oder 750 Kilogramm Schwarzbrot ober 34 Kilogramm Butter; 1928 kaufte man für 64 Rubel: 50 Kilogramm Fleisch oder 700 Kilogramm Brot ober 21 Kilogramm Butter; 1936 kauft man für 250 Rubel: 25 Kilogramm Fleisch oder 250 Kilogramm Brot oder 8 Kilo- gramm Butter. Der Arbeiter im Donbaß konnte sich also mit seinem Monatslohn von diesen Erzeugnissen vor dem Kriege rund dreimal mehr, 1928 noch zwei- einhalbmal mehr kaufen als heute. Dabei ist die weit größere Verteuerung sämtlicher Jndustrieprodukte außer acht gelassen. Außerdem ist die Indexziffer von 250 Rubeln Monatslohn im Frühjahr 1936 sicherlich xu hoch gegriffen. Bei Be- rticksichtiaung sämtlicher für die Lebenshaltung der Arbeiterschaft zum Beispiel des Donbaß maßgeblicher Faktoren kommt man zu dem Ergebnis, daß der Lebensstandard des Arbeiters heute ungefähr um drei Viertel im Vergleich zur Vorkriegszeit, um zwei Drittel im Vergleich zu 1928 gesunken ist. Auf solche Argumente pflegen die «tigeren Bol- schewiki zu antworten: Wir haben den Lebensstan- darb unserer Arbeiterschaft so niedrig gehalten, weil wir die Profite aus unserer Wirtschaft zum Aufbau unserer Industrie verwenden mußten. Kein kapitalistischer Staat hätte dies in derselben Frist erreicht. Auch darauf geben die Zahlen (der Sowjetstatistik selbst!) eine klare Antwort. Daß fast die gesamte Leichtindustrie noch lange nicht die Produktion der Vorkriegszeit erreicht hat, soll beiseite gelassen werden. Die Landwirtschaft lieferte 1935 zum erstenmal 9 v. H. mehr (Betreibe als 1913 für eine Bevölke- rung, die — auf dem Raume der heutigen Sowjetunion — um 23 v. H. gewachsen ist. (Deutschland beispielsweise erzeugte 1935 28 v H mehr (Betreibe als 1913.) Betrachten wir lediglich die Kohlenförderung des D o n b a ß. Sie hat zweifellos eine beträchtliche Steigerung erfahren Slber mußte der Weg dazu über die Hungers« n ° t e unb das stete Abfinken des Lebens« standards des Arbeiters führen? Die Zah- len sprechen eine andere Sprache. Die Kohlenförde« rung des Donbaß betrug danach in den Jahren Millionen Tonnen ■ * (Planziffer), 19UU: 11,0 1910: 16,9 1913: 25,3 1922: 8,0 1925: 19,0 1930: 36,0 1933: 50,0 1936: zirka 70,0 Aus diesen Zahlen ergibt sich ganz klar, daß (ganz abgesehen von der rapiden Zunahme der Mrung von 1910-1919) in den dreizehn Jahren von 1900 bis 1913 die Produktion um 120 oft gestiegen ist. In den 23 Jahren (von 1913 bfo 1936) ist eine Zunahme von 300 p. H. zu nen vorausgesetzt, daß die Planziffern für 1936 er- reicht werben), die die Ziffern der Vorkriegszeit, für den kleineren Zeitraum, gewiß nicht in Schatten stellen kann. Denn was die seinem emgeführte Mechanisierung der Gruben, was Preßlufthammer und Schrämm-Maschine für den Bergbau bedeuten, ist an der stürmischen Entwicklung der Kohlenin- dustrie in Deutschland, Belgien oder Amerika ju sehen Mit anderen Worten, während bie jährliche Zunahme der Kohlenproduktion des Donbaß von 1905 dis 1914 10,7 o. H. ausmacht, ist von 1920 bis 1935, trotz des Aufwandes allergrößter Mittel, trotz weitgehender Mechanisierung der Gruben, nur eine durchschnittliche Jahreszunahme von 9,3 v. H. zu verzeichnen. So stellen auch die „Wunder" des „sozialistischen Donbaß" und seiner märchenhaft steigenden Pro- duktion bei Licht besehen eine Entwicklung bar, bie, unter einem anderen Wirtschaftssystem, ohne bas Opfer d"r verhungerten Millionen, sicherlich nur — viel rascher erfolgt wäre. Dr. Schacht in Belgrad. Neue Lebensformen auch in der Weltwirtschaft. Belgrad, 12. Juni. (DNB.) In Anwesenheit des Reichsbankpräsidenten Dr. S ch a ch t wurde zwischen der deutschen Derrechnungskasse unb der jugo- Ken Nationalbank ein Protokoll über Fragen rrechnungsverkehrs unb die weitere Erleichterung des gegenseitigen Reiseverkehrs unterzeichnet. Dr. Schacht hatte mit dem Gouverneur der Nationalbank, Dr. Radosavljevitsch, eine längere Unterredung. — Mittags wurde Dr. Schacht vom Prinzregenten Paul inAudienz empfangen. An bie Aubienz schloß sich ein Frühstück, dem unter anderen der Ministerpräsident und Außenminister und der deutsche Gesandte beiwohnten. Gouverneur Radosavljevitsch gab Freitag abend zu Ehren des Reichsbankpräsidenten ein Essen, an dem u. a. der Handelsminister, der Finanzminister, der deutsche Gesandte, der Landesgruppenleiter der NSDAP., sowie Persönlichkeiten des Wirtschaftslebens teilnahmen. Dr. Radosavljevitsch gab seiner Freude über den Besuch Dr. Schachts Ausdruck. Die jugoslawische Volkswirtschaft, die überwiegend agrarischen Charakter habe und die deutsche Volkswirtschaft mit ihrem überwiegend industriellen Charakter ergänzten sich in natürlicher Weis-e. Diese Wirtschaftsverbundenheit entwickele sich in immer stärkerem Maße. Reichsbankpräsident Dr. Schacht führte in seiner Erwiderung u. a. aus: „Es ist die schaffende Arbeit fleißiger Völker, die im Vordergründe aller Wirtschaftsbeziehungen stehen muß. Der Geld- und Kapitalverkehr hat sich nach den nationalwirtschaftlichen Bedürfnissen der Völker zu richten und nicht umgekehrt. Das ist das durchaus Neue, das wir in Deutschland a l s nationalsozialistische Wirtschaftspolitik bezeichnen. Diese Erkenntnis schließt die Achtung nicht nur für die eigenen, sondern auch für die Lebensnotwendigkeiten der anderen Völker in sich unb baut hieraus die neue Wirtschafts« und Kapitalpolitik auf. Kraftvoll ringen die jugendlich fühlenden Völker nach neuen Lebensformen auch in der Weltwirtschaft. Der Verrechnungs- verkehr im internationalen Zahlungswesen und die Ausgleichsgeschäfte mannigfacher Art, bie wir ein- geführt haben, müssen zur Zeit noch als unvollkommen und lästig e empfunden werden. Sie sind ein Notbehelf, aber sie sind Begleiterscheinungen einer wirtschaftlichen Umstellung, bie aus der Not von Völkern geboren ist, die aus eigener Kraft ihr Schicksal gestalten wollen. Rückzug der Kantontruppen. Schanghai, 12. Juni. (Ostasienbienst des DNB.) Der Oberbefehlshaber der Kwangsitruppen, L i t s ch u n g j e n , yat an bie Stidwesttruppen, bie sich in Hunan unb an der Kwangsigrenze befinden, den Rückzugsbefehl erteilt, um Zusammenstöße mit den vorrtickenden Regierungstruppen zu vermeiden. Gerüchte, die von schweren, Gefechten in Stidhunan wissen wollen, werden für unzutreffend erklärt. In Tschantscha sollen 36 Bombenflugzeuge unb 17 Aufklärungsmaschinen der Nankinger Regierung eingetroffen fein und eine rege Tätigkeit entfalten. Die Tätigkeit der über ganz Hunan verbreiteten Liebenzeller Mission ist durch bie militärischen Vorgänge nicht gestört. Oie Streikwelle in Polen. Warschau, 13. Juni. (DNB. Funkspruch.) In Gbingen bauert bcr Streik der Bauarbeiter fort. Da sich hetzerische Elemente unter ben Hafenarbeitern zeigen, sind bie Eingänge zum Hafengebiet durch Polizei besetzt worden. „Dziennik Narobowy" weist barauf hin, baß bei ber in ben letzten Monaten zu beobachtenden verstärkten kommuni st ischen Agitation, bie zu Unruhen in Krakau, Lemberg, Chrzanow und Gdingen führte, ein erheblicher Teil der verhafteten kommunistischen Agitatoren Juden gewesen seien, die sozusagen „fliegende Brigaden" für ihre Wühlarbeit bilden. Man könne die Wahrheit nicht bestreiten, daß die betriebsamsten kommunistischen Agitatoren in Polen vorwiegend Juden seien. In Warschau versuchten etwa 20 Jugendliche am Freitag einen Demonstrationszug zu bilden, der jedoch von der Polizei mühelos verhindert wurde. Selbst-Beteiligung der Kraftfahrer an der Versicherung. Berlin, 12, Juni, (DNB,) Nach längeren Ber- Handlungen i>' ?r die Prämienfrage in Der Kraftfahrzeugversicherung in Anbetracht ber hohen Unfall- und Schadensziffern haben sich die Versicherungsgesellschaften bereit erklärt, bei Einführung ber Selbstbeteiligung in ber Kraftfahrzeugversiche- rung von ber beabsichtigten Prämien- erhöhuna 21 b ft a n b z u nehmen. Der Versicherungsnehmer hat künftig an jedem Schaden einen bestimmten Betrag selbst zu tragen, dessen Höhe bei der Haftpflichtversicherung mit Rücksicht auf bie soziale Lage ber Kraftwagenbesitzer auf die halbe Jahre s gründPrämie, bie für das Fahrzeug zu entrichten ist, begrenzt wirb. Bei der Kasko«Dollversiche - r u n g betragt bie Selbstbeteiligung einheitlich 100. 300 ober 500 RM., bei ber Kasko«Teilver- sicherung (Brand unb Entwendung) ist eine solche nicht vorgesehen. Die in einer Entschädi« Sung enthaltene Beteiligung des Derfichenmgsneh- 550jährigen ens. Seit über einem Die soziale Unruhe in Belgien wachsende Stimmung gegen die Sanktionen 41 tirer » n rf n I 1831 Darüber hinaus wirkt Odol L83 vorbeugend gegen Infektionen der Mund- und Rachenhöhle. Bei Hitze und Ermattung, auf Reisen, bei Sport und Spiel schenkt Odol ls3 jenes einzigartige Gefühl der Erfrischung und Belebung. für und vor die N bet rhrey Heidelberg, 12. Juni. (DNB.) Die Universität Heidelberg begeht bekanntlich in den letzten Tagen dieses Monats das Fest ihres fi: üyrte inner -Uten. ck. Die । agra« kswirt« aralter iei jt. ich In ist des nippen, len, die ifinben, immen« ipen zu ejechten nzutref« benflug« intinkiek Tätig- tiunan m ist ; stört. enheit e^zwi. jugo. raaen rletch. chnet. ional. -e Un« vom imp. ihstüü, luhen. iten. abend n, on nister, er der ch.) 9« r sott- icrbtl* von 1920 Mittel, . nur v-h- Pen Pro. r- die, ' das ur feiner ende iorder- muh. ch den [ter zu irchaus onal« k be- ig nicht hebens« ch und kapital« fühlen« auch umqs- nb die \t ein« h ab m. Sie terschei« g, die rs eige« Das Heidelberger Universitätsjubiläum Eine repräsentative Kestfolge. dowy t W nmu* nen 'n führte, Mschen izusagen chlarbeu »streiten, ntatoren rschau ig einen r jedoch e. Das Berliner Baugrubenunglück vor Gericht. In der weiteren Verhandlung im Prozeß um das Berliner Baugrubenunglück wurde wieder eine Reibe von Handwerkerzeugen vernommen, die in der Unglücksgrube arbeitete. Der Maurer- und Betonpolier Max Klatt bekundete, daß die Straßenbahnen in schärfstem Tempo über die Baustelle hinweggefahren seien und mehrfach Arbeiter dadurch gefährdet hätten. Die Schwankungen seien so stark gewesen, daß er mehrfach befürchtet habe, die sich entgegenkommenden Straßenbahnen würden berg, Vermächtnis und Aufgabe" im Kurpfälzischen Museum durch Oberbürgermeister Dr. N e i n h a u s eröffnet. Am Sonntagabend empfängt die Reichsregierung die ausländischen Gäste auf dem Schloß. Es sind dabei Ansprachen von Mitgliedern des Reichskabinetts vorgesehen. Am folgenden Montag ist ein F e st a k t in der S t a d t h a l l e der Begrüßung der Teilnehmer gewidmet. Rach den Ansprachen der Mitglieder der Reichsregierung, der Reichsleitung der NSDAP., des Oberbürgermeisters der Stadt Heidelberg, des Führers der Heidelbeger Studenten usw. werden zahlreiche ausländische Teilnehmer die Grüße und Wünsche der Universitäten und Hochschulen des Auslandes übermitteln. Ein zweiter Festakt am Dienstagoormittag trägt wissenschaftlichen Charakter. Professor der Philosophie Dr. h. c. Krieck- Heidelberg spricht über „Die Objektivität der Wissenschaft als Problem", Professor der Medizin Dr. Stein- Heidelberg über „Arztturn und Volk" und Staatsminister Dr. Wacker über „Geschichte, Bedeutung und Aufgabe der Universität Heidelberg". In diesem Festakt wird auch in feierlicher Form zahlreichen Männern der Wissenschaft und des Geisteslebens anderer Völker die Würde eines Ehrendoktors der Universität Heidelberg verliehen werden. Es handelt sich dabei nicht um einen Akt der Höflichkeit, sondern um die Anerkennung und Würdigung der Leistung hervorragender Männer des Auslandes durch eine berufene deutsche Stelle. Ein Festabend in der Stadthalle und ein Sommer- fest im Schloß und im Park des Schlosses beenden den Dienstag. Die Heidelberger Studentenschaft veranstaltet am Montagabend ein Welttreffen ehemaliger Heidelberger Studenten, zu dem bereits 500 Anmeldungen aus der ganzen Welt vorliegen. Bedrohliche Trockenheit in Amerika. Die Trockenheit, die viele Staaten Amerikas heimsucht, nachdem die katastrophalen Folgen der Kältewelle noch kaum überwunden sind, hat bereits großen Schaden angerichtet. Man schätzt, daß die Verluste, vor allem für die Kartoffelernte, schon jetzt 100 Millionen Dollar übersteigen. Die Wasserknappheit ist in manchen Gegenden so stark geworden, daß nicht nur auf den Feldern das Getreide verdorrt, sondern schon Mangel an Trinkwasser für Mensch und Vieh besteht. Ganz besonders start betroffen sind die Südstaaten und Pennsyloanien. In ganz Neuyork wurden Bittgottesdienste für baldigen Regen abgehalten. Schlüpfende Küken im Schaufenster. Inmitten des Berliner Zeitungsoiertels gibt es feit einigen Tagen, wie man in reichshauptstädtischen Blättern lesen kann, eine kleine Sensation: junge Hühner schlüpfen im Schaufenster eines Hühnerzüchters in aller Öffentlichkeit — vor den Augen der zahlreich vorübergehenden Berliner. Das Schaufenster mit dem Brutapparat ist zu allen Tagesstunden von zahlreichen, andächtig zuschauenden und staunenden Passanten belagert. Streit um die Base Voltaires. Die Kopenhagener Gerichte werden, wie wir in einer Berliner Leitung lesen, sich demnächst mit der Nase des berühmten französischen Schriftstellers Voltaire zu beschäftigen haben. Der Umstand, daß es sich lediglich um die Nase einer Voltaire-Büste handelt, ändert nichts an der Wichtigkeit der Sache, denn für die Nase werden nicht weniger als 30000 Kronen Schodener- s a tz gefordert. Ein französischer Baron hatte die berühmte Büste, die der französische Bildhauer Houdon von Voltaire angefertigt hatte, der Kopenhagener Vereinigung für französische Kunst mers hat die Versicherungsgesellschaft bei Regelung des Schadens aufzulegen. Bei der Rückforderung des voraufgeleisteten Betrages sollen unbillige Härten vermieden und unter Umständen Ratenzah. jungen zugelassen werden. Auf Teilgebieten des Tarifes sind Ermäßigungen der Grundprämie vorgesehen, desgleichen sollen die Prämien für die Kasko-Dollversicherung nicht mehr als 10 0 Mark Selbstbeteiligung und für die Kasko-Teilversicherung auf 10 v. H. herabgesetzt werden. Für die Versicherungen im Güterfernverkehr bleibt eine besondere Regelung vorbehalten. Der Reichsverkehrsminister hat dieser Regelung zugestimmt. ■en W t Kraft' h-n UN' 2)erfw' »EN« i wrfnf mi-n )et ®lf' )erun$ 'ftaE "d/bt' M Der Hafenarbeiter st reik i n Antwer- p e n ist unterstützt worden durch die Amsterdamer Gewerkschaftsinternationale, deren Führer, der Transportarbeiter Udo F i m m e n, in Antwerpen eintras und bezeichnenderweise den Antwerpener Streik für eine Ergänzung der bolschewistischen Be- weaung hielt, die in Spanien und Frankreich so schone Erfolge erzielt hätte. Neben den belgischen Hafenarbeitern, sind die Kohlenarbeiter in der Gegend von Lüttich in den Streik getreten, und wenn es sich dabei auch zunächst um einen „wilden Streik" handelt, so ist es doch nicht zweifelhaft, daß sich die Zweite Internationale nachher den willkommenen Tatsachen beugt. Die soziale Lage der belgischen Arbeiter ist nicht schlecht, auch nicht nach der Devalvation des belgi- jdjen Franken, die eine Untersuchungskommission des Parlaments im April auf das unmittelbare Interesse einer großen Anzahl von Schuldnern, die Unsicherheit der Regierung und schließlich auf die Devisenspekulation zurückführte. Die Löhne sind im Verhältnis zur Abwertung gleichgerichtet worden, und an und für sich sorgen schon die großen Ar- beiter-Organisationen dafür, daß ihren Mitgliedern ihr Recht gewahrt wird. Die hochentwickelten Kooperativ-Genossenschaften der Arbeiter sind heute Seele und zugleich Nährmutter der marxistischen Propaganda. Natürlich hat sich eine klerikale Gruppe aufgetan, die nach denselben Prinzipien arbeitet, aber die Marxisten haben das Heft in Händen. Ueberall gibt es ihre Genossenschaften, die von Grohbetriebsorganisationen gespeist werden, Fachvereine, Versicherungs-, Vergnügungseinrichtungen. Schulen und propagandistische Organisationen. Die staatliche Sozialpolitik Belgiens hat sich dem Charakter der Bevölkerung angepaßt, eine obligatorische Sozialversicherung wurde schon vor dem Kriege eingerichtet. In der kommunalen Sozialpolitik hat Belgien zuerst, noch vor Deutschland, die Arbeitslosenversiche- sich berühren. Er, der Zeuge, habe dem Bauleiter N o t h kategorisch erklärt, daß die Straßenbahnen verlegt werden müßten. Noth habe darauf resigniert erwidert: Das habe ich schon oft versucht. Es ist mir aber nicht gelungen, das durchzusetzen. Es kommt hierauf zu einer Auseinandersetzung zwischen der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung. Zeuge Klatt hatte im Laufe seiner Aussage auch erwähnt, daß er vor einigen Monaten von der Berlinischen Baugesellschaft über seine Beobachtungen gehört worden sei. Ueber diese Unterredung sei eine Niederschrift angefertigt worden. Der Staatsanwalt fragte nun die Verteidiger, ob sie bereit seien, diese Niederschrift zur Verfügung zu stellen, damit dem Zeugen Vorhaltungen gemacht werden können. Dabei bemerkte der Staatsanwalt, daß er einstweilen noch keinen Beschlagnahmeantrag stellen wolle. Die Verteidigung erwiderte, daß sie erst mit ihren Auftraggebern Rücksprache nehmen müsse. Der Staatsanwalt drohte darauf die Beschlagnahme dieser Niederschrift an. Die Verteidigung bemerkte, daß es ein Novum wäre, wenn Hanoakten der Verteidigung beschlagnahmt würden, gab aber die betreffende Niederschrift heraus. In der Nachmittagssitzung stellte anhand der Niederschrift das Gericht durch die Verteidigung eine Reihe von Fragen an den Zeugen Klatt, die aber nichts Wesentliches ergaben. Die Verhandlung wird fortgesetzt. Hoffnung auf ein neues Locarno. London, 12. Juni. (DNB.) Unter der lieber- schrist „Hoffnung auf ein neues Locarno" veröffentlicht „Times" den Bericht feines Berliner Korre- fponbenten über das Vorwort, das Botschafter von Ribbentrop für die Sammlung diplomatischer Dokumente von den Vorverhandlungen zum Locarnovertrag bis äu dem kürzlich von der brittschen Regierung an die deutsche Regierung übersandten Fragebogen geschrieben hat. Es heißt in dem Artikel, daß sich Deutschland über die Wiedererlangung der Souveränität in bezug auf den Rhein in keine Unterhaltungen einlassen werde. Die Tatsache der wiedererlangten Souveränität habe die Vorbedingungen für einen Geist und eine Atmosphäre der Versöhnung geschaffen, welche allein möglich fei unter gleichberechtigten Staaten. Es fei Deutschlands ernsthaftester Wunsch, mit den Nachbarländern einen ehrenhaften und dauerhaften Frieden zu schließen und em neues Locarno im Westen aufzubauen. Kleine politische Nachrichten. Generalleutnant Kesselring, bisher Chef des Luftwaffen-Verwaltungsarntes, wurde aum Chef des Luftkommandoamtes ernannt. An feiner Stelle wurde Oberst V o l k m a n n , bisher Höherer Fliegerkommandeur im Lustkreis III, mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Chefs des Luftwaffenverwaltungsamtes beauftragt. — Generalmajor Wimmer, bisher Chef des Technischen Amtes im Reichs- luftfahrtminifterium, wurde zum Höheren Fliegerkommandeur im Luftkreis III und an feiner Stelle Oberst Übet zum Chef des Technischen Amtes ernannt. Aus aller Welt. Deutscher Glaserlag in Würzburg. In den Tagen vom 22. bis 26. Juli findet in Würzburg der Deutsche Glasertag statt. An ihm nehmen alle, dem Reichsinnungsverband der Glaser angehörenden Gruppen teil. Die Tagung sieht am 22. Juli eine Beiratssitzung und am 23. Juli eine Obermeistertagung vor. Am 24. Juli tagen die Fachgruppen und Fachlehrer der Prüfungsmeister und Sachverständigen des Glaserhandwerks und am 25. Juli sind Spezialtagungen der Vertrauensleute des Reichskartells im Glaserhandwerk der Glaserfachschaft in der DAF. vorgesehen. Neben der Tagung wird eine Ausstellung „Das Bild im Raum" einen Ueberblick über die Arbeiten des Glaserhanbwerks geben. Olympia-Film-G. m. 6. H. Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Dr. G o e b b e l s, hat der Olympia-FilmGmbH. unter der Leitung von Leni Riefen- st a h l die gesamten Verfilmungsrechte der Olympischen Spiele des Sommers 1936 in Berlin übertragen. Die Olympia-Film-GmbH, wird in Gemeinschaft mit den deutschen Wochenschauen arbeiten. Anderweitige Aufnahmen von den Olympischen Spielen auf Normalfilm sind nicht zulässig. Folgenschwerer Fahrstuhlabsturz in Neuyork. Infolge Versagens der Bremsvorrichtungen stürzte ein überfüllter Fahrstuhl eines Neuyorker Wolkenkratzers in der 42. Straße in der Nähe des Broabway 14 Stockwerke tief ab. Er prallte auf bie im Keller befinblichen Stahlfebern auf, würbe wieder hochgeworfen unb babei völlig zertrümmert. 14 von bcn 20 Fahrgästen, zumeist Frauen, würben teil- weife schwer verletzt. Mißgeschick der britischen Mount-Lverest- Expedilion. Bei einem neuerlichen Versuch des Vortrupps der britischen Mount-Everest-Expedition, das Lager IV in 7300 Meter Höhe zu erreichen, sind die Bergsteiger beinahe von einer plötzlich hereinbrechenden Lawine in die Tiefe gerissen worben, t Man nimmt an, daß die Expedition nach diesem neuen Fehlschlag den Rückzug antreten wird. Jahre sind die Vorarbeiten im Gange, diesem als reichswichtig anerkannten Jubiläumsfest einen wär- bigen Rahmen zu geben. In den Festtagen werden sich Mitglieder der deutschen Reichsregierung, Der Reichsleitung der NSDAP., der Länderregierungen und viele hervorragende Wissenschaftler aus Deutschland und aus der ganzen Welt in Heidelberg einfinden. Den einzelnen Veranstaltungen find durch die Größe der zur Verfügung stehenden Räume Grenzen gefetzt, doch werden außer 1500 Ehrengästen etwa 200 000 Besucher erwartet. 250 Presseberichterstatter, davon 180 Vertreter ausländischer Zeitungen, der Reichssender Stuttgart und mehrere Filmwochenschauen werden über die Festtage berichten. Die Fest folge beginnt mit der feierlichen Hissung der Flaggen aller an der Feier beteiligten Nationen auf dem Universitätsplatz am Samstag, 27. Juni, 20 Uhr. Es werden die Flaggen von etwa 30 Staaten, deren Universitäten unb Hochschulen Vertreter entsenben, erscheinen. Anschließend empfängt der Rektor der Universität, Professor Dr. Groh, die Gäste in der Aula der Neuen Univer- sität und geleitet sie dann durch ein Fackelspalier zur Neuenheimer Landstraße auf die rechte Neckarseite zur Besichtigung der Schloßbeleuchtung. Am Sonntagvormittag wird nach einem Festgottes, dienst in der Peterskirche um 11.30 Uhr die Hel» bengebentfeier auf dem Ehrenfriedhof abgehalten. Die Ansprache hält bei dieser Feier Staatsminister Prof. Dr. S ch m i 111) e n n e r. Am Nachmittag des Sonntag wird die von der Stadt Heidelberg auf gebaute Ausstellung „Heidel- zur Verfügung gestellt. Auf dem Rücktransport wurde unglücklicherweise die Nase abgeschlagen: der Baron verweigerte die Zurücknahme Der Büste und verlangte von der Vereinigung 30 000 Kronen Schadenersatz. Zwei dänische Kunstsachverständige und zwei der bekanntesten Kopenhagener Rechtsan- wälte traten in langen Gutachten und Plädoyers gegen die Nase, bzw. die 30 000 Kronen .. ... Gerichtsschranken. Da alle Vergleichsversuche scheiterten, bleibt dem Gericht nunmehr nichts weiter übrig, als ein für allemal festzustellen, wieviel Voltaires Nase heute noch Wert ist. r u n g eingeführt, die nach dem sog. Genter-System arbeitet, dessen Wesen darin besteht, daß zu den Arbeitslosenunterstützungen der Berufsvereine ein bestimmter staatlicher Zuschuß gewährt wird. Sehr ausgebildet ist der Kleinwohnungskredit. Der belgische Arbeiter pflegt durchweg im eigenen Heim zu wohnen, wo er vor allem sehr intensiv Karnickelzucht treibt, aber auch die Geflügelzucht, vor allem bie Poularben, nicht vernachlässigt. Die Streikbewegung in Antwerpen ist rein politisck aufgezogen. Es ist ein politischer Machtkampf, aber Antwerpen wird daburch sicherlich verlieren. Bis jetzt bestand ein erbitterter Konkurrenzkampf zwischen Antwerpen und Rotterdam, aber da infolge des Antwerpener Streiks die Güter nicht verladen werden, sind die großen Schiffahrtsgesellschaften dazu übergegangen, Rotterdam anzulaufen und dort ihre Waren einzunehmen. Auch Bremen hat, wenn auch in geringerem Grade, daburch den Vorteil, daß z. B. Ausfuhrgüter der rheinisch-westfälischen Jndustriebezirke jetzt nicht Antwerpen benutzen. Zunahme der Streikbewegung Brüssel, 12. Juni. (DNB.) Die Streikbewe- gung hat namentlich i n b e n K o h le n b e zi r k e n zugenommen. In den Kohlenbecken von Lüttich, Herstal und Seraing liegen sämtliche Zechen ti II. Die Zechen des Hochlandes von Heroe haben ich der Streikbewegung noch nicht angeschlossen. In )er Herstaler Waffenindustrie haben Streikende eine Fabrik besetzt. Es zeigt sich immer mehr, daß die Marxisten sich von dieser Streikbewegung eine günstige Wirkung auf ihre Forderungen bei der Regierungsbildung versprechen. Van Zee- land hat Vertreter der Gewerkschaften empfangen, die ihm ihre Forderungen vortrugen. Sie verlangen insbesondere eine Lohnerhöhung und die Einführung der 40-Stundenwoche. Sie Mttlmg der Shamberiain-Rede. London, 13. Juni. (DNB. Funkspruch.) Auch in den heutigen Londoner Morgenblättern nimmt die durch bie Rebe des britischen Schatzkanzlers Neville Chamberlain erneut aufgeworfene Frage nach dem Schicksal der Sanktionen breitesten Raum ein. Schon die Ueberschristen weisen — von den Blättern der Regierung und der Rechten nach der Opposition und der Linken hin immer deutlicher werdend — auf ein Ende der Sanktionen hin. „Times" meint allerdings, es fei fein Zweifel, daß der Rede Chamberlains eine Bedeutung beigemessen worden sei, die weit über Absicht und Erwartung des Redners hinausginge. Chamberlain habe sich zugegebenermaßen ohne gründliche Vorbereitung oder vorherige Besprechung mit seinen Ministerkollegen geäußert. Niemand sei wahrscheinlich mehr überrascht gewesen über die Wichtigkeit, die man seinen Bemerkungen beigelegt habe, als er selbst. Trotzdem sei dadurch diesseits und jenseits der Grenzen ziemliches Unheil hervorgerufen worden. Selbst in wohlgesinnten Kreisen hatte man dazu geneigt, Neville Chamberlain einen Ausfall gegen den Außenminister ober mindestens einen Mangel an Fühlung mit der Regierung zu unterstellen. Man fei einmütig der Ansicht, daß die Außenpolitik Gegenstand einer Unterhausdebatte sein müsse. Dazu werde sich am Montag Gelegenheit bieten, wenn der Außenminister zur Beantwortung einiger durch Chamberlains Rede aufgeworfener Fragen aufgefordert werden würde. So würde Sir Percy Harris anfragen, ob die Regierung im Abessinienkonflikt noch auf dem Standpunkt der Völkerbundssatzungen stehe, zu dem Eden sich am 6. Mai bekannt habe. Unter der Überschrift „Ueberwältigende Unterstützung für Chamberlains Rede" berichtet „Mor- ning Post": Wenn auch einige Minister den gegenteiligen Standpunkt einnähmen, so überwögen doch die Kabinettsmitglieder, die Chamberlain unterstützten, an Zahl und Aussehen. Das wären der Handelsminister Run ci man, der Erste Lord der Admiralität Sir Samuel Hoare und vermutlich auch der Lordpräsident Ramsay Macdonald. Der Landwirtschaftsminister Walter Elliot und Ormsby-Gore, der Kolonialminister, befänden sich unter der Minorität unb würben jebenfalls zu Außenminister Eben im Sinne fortgesetzter, vielleicht verstärkter Sanktionen stehen. Der Innenminister Sir John Simon werbe als unsicherer Faktor betrachtet. Alle, die die Wahlbezirke von S ü d w a l e s besucht haben, würden jedenfalls das Ende der Sanktionen befürworten, weil bie Einstellung ber Kohlenausfuhr nach Italien auf Grunb ber Sanktionen in jenen Bezirken große N o t hervorgerufen habe. Die sozialistische und liberale Opposition bagegen bereite für ben Fall eines Wechsels in ber Politik den schärfsten Widerstand vor. Einige Konservative wiesen darauf hin, daß eine Entscheidung schon lange fällig sei und das Gutes nur herauskommen könne, indem man die öffentliche Meinung darauf einstelle. Das fei schon notwendig, weil Großbritannien gezwungen fein würde, in Genf bie Initiative z u ergreifen, um bie Aufhebung ber Sanktionen sicherzustellen. „Daily Telegraph" meint, daß Großbritannien auf der Bölkerbundsversammlung das Fallenlassen ber Sanktionen gegen Italien empfehlen mürbe. Aus ber Ueberzeugung, daß eine Verschärfung der bestehenden Sanktionen unpraktisch sein und nicht zur Wiederherstellung des Status quo in Abessinien führen würde. Die Entscheidung stehe aber noch aus, ob der britische Vertreter in Genf einen solchen Vorschlag machen solle. Führende Mitglieder des Kabinetts hielten das für Großbritanniens kor- refteften Weg. Auf jeden Fall wäre es notwendig, daß der britische Vertreter den Standpunkt seiner Regierung erkläre, weil der Sanktionsartikel der Völkerbundssatzungen dahin ausgelegt worden sei, daß jede Regierung verpflichtet wäre, für sich selbst zu entscheiden, ob eine Aktion notwendig werde. Viele Beweise deuten darauf hin, daß die Einheitsfront der „Vrofanthons- ftaaten" ab brodele. Die italienischen Waren fänden in vielen Ländern Absatz, die den Anspruch erheben, mit dem Völkerbund zusammenzuarbeiten, London sei von vielen Hauptstädten dahin unter- richtet worden, daß eine britische Initiative zur Klärung der Lage begrüßt werden mürbe; die kleinen Staaten wurden widerwillig die Initiative übernehmen. Die wetteren Fragen in dieser Richtung wurden in Pans und London erörtert werden, wohin ber Generalsekretär bes Völterbunbes abgereist sei.________________ Weiterbericht des Reichswetterbiensles. Ausgabeort Frankfurt Durch anhaltenben unb verbreiterten Luftdruck- anftieg auf bem Festland hat sich das atlantische und das osteuropäische Hochdruckgebiet vereinigt, sodaß sich in großer Verbreitung sommerliches Wetter eingestellt hat. Ein zur Zeit noch über England liegendes kleines Störungsgebiet wird keinen Einfluß auf unser Wetter gewinnen können. Später ist jedoch wieder mit Gewitterneigung zu rechnen. Aussichten für Sonntag: Weiterhin sommerliches Wetter, doch aufkommende Gewitterneigung. Lufttemperaturen am 12. Juni: mittags 17,9 Grad Celsius, abends 13,2 Grad; am 13. Juni: morgens 11,5 Grad. Maximum 20,6 Grad, Minimum heute nacht 8,2 Grad. — Erdtemperctturen in 10 cm Tiefe am 12. Juni: abends 18,6 Grad; am 13. Juni: morgens 13,4 Grad. — Sonnenscheindauer 7,8 Stunden. Hauptschristteiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: I >r Friedrich yRilhelm Pnnne 'nr Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil i. V.: H. L. Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt ber Anzeigen: Theobor Kümmel. 4) 21. V. 36: 9/60 Drua uno lötriag. Brüht Iche Universitäts-Buch- und Stetndruckerei R Lange. K -G^ sämtlich in Gießen. Monatsbezugsprets RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Ps. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Vf« mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 8 vom 1. Juni 1935 gültig. WHW Spreclis undn- AutO- -Zim-Woho. Telefon 2037 Selters weg 03 ■ ■l»14to!HkU 2327V X)144{! [Vermietungen || j - Gr. Herrschaft ' Reise-Vertreter 3779V (3801D ten. Bergisches KraftfutterwerkG.m.b.H.Düsseldorf-Hafen Meine Praxis befindet sich ab heute Friedrichstr. 15 p. Schriftliche Angebote m. Lichtbild, Zeugnisabschriften, Referenzen u. 3766D an den Gießener Anzeiger. Nur Herren aus der Branche, welche diesen Bedingungen entsprechen, wollen ausführliche Angebote mitUnterlagen einreichen unter K. N. 4315 an Ala, «Köln, Zeppelinstr. 4 Eine Anfrage ist stets unverbindlich, aber lohnt sich immer! 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Becker, Kevlerstralle 9. 3-Zimm.-Wohn. zu vermieien Näheres smcd ( ; , - . ... ■. ' ' s $ § Während seines Aufenthaltes in Wilhelmshaven wurde der Führer von der Bevölkerung mit einer überwältigenden Begeisterung begrüßt. Dicht zusammengedrängt stand die Menge bei seiner Abfahrt am Bahnsteig, und Kinderarme reichten ihm Blumen ins Fenster. — (Presse-Jllustration-Hofsmann-M.) Bei Anbruch der Dunkelheit ist die „Ppsilon- Maru" bereits auf hoher See. Im Speisesaal treffe ich — Halloh! Wo kommen Sie denn her? — Mister Schulze, seines Zeichens „21. E. O." (sprich: „21—Her E—rfahrener Ostasiate"). „Nun, nehmen wir einen Drink?" — „Aber sicher!" — Und während der Steward Whisky und Soda, diesen alten, biederen fernöstlichen Sorgenbrecher aufbaut, schnüffelt Mister Schulze etwas argwöhnisch „in der Luft herum". — „Was haben Sie denn? Brennt's irgendwo?" — „Das nicht! Fiel mir eben nur ein, daß wir heute so das Wetter für einen soliden Seeräuber-Ueberfall haben! Ruhiges Meer und an die 700 Kulis an Bord." — „Machen Sie keine Geschichten! Ueberfall! Könnte mir so passen!" — „Tja, warum denn nicht? Rechnen Sie sich doch mal aus: jeder dieser aus der Mandschurei nach Nordchina zurückkehrende Wanderarbeiter hat — ohne die reichen Chinesen zu rechnen — min- destens 50 Dollar Ersparnisse bei sich. Macht zusammen mindestens 40 000 Dollar! Viel Geld heute. Brauchen doch bloß an die 20 Banditen als harmlose Passagiere mitzufahren, holen auf offener See die Pistolen raus, sammeln ein und fahren mit den Rettungsbooten zur Küste. Und ehe der Funker ein Torpedoboot aus Port-Arthur herbeiruft, liegt er schon längst im Bach oder hat eine vor die Plautze bekommen ... haben doch sicher den letzten Ueberfall in der Mukden-Peking- Bahn gelesen? Der ganze Zug voll koreanischer Silberschmuggler, plötzlich eine wilde Schießerei, ein Dutzend Tote und Verwundete, die Koreaner waren ihr Geld los und die Räuber-Passagiere in den Büschen verschwunden — tjawoll! So wird das hier draußen gemacht!" — Und der A. E. O. nahm einen tiefen Schluck aus dem Whisky-Glas — aber leider ist — vom journalistischen Standpunkt aus gesehen, tief bedauerlich — die „Ppsilon-Maru" ohne Ueberfall nach Taku gekommen, das gewissermaßen den Hafen von Tientsin bildet, eine Stadt, die — genau wie im Boxerkrieg — auch heute noch das Sprungbrett für Peking ist. 3m Kinderland. Erinnerungen von Ernst Mechert. Ich bin ein mit vielen Träumen gesegneter und beladener Mensch, schon von Kindheit an. Aber von hundert Träumen, die heute über meinen Schlaf gehen, sind neunzig dort zu Hause, wo ich ausgewachsen bin. Ich gehe durch das alte Haus, in dem ich doch seit fast dreißig Jahren keine Nacht mehr geschlafen habe, über das Roggenfeld, durch das Schilf der Seen, tief in die Wälder hinein. Und selbst der Krieg, so tief eingegraben in meine Seele, spiegelt sich nicht im Raume der fremden Länder wider, sondern ist da zu Hause, wo ich zu Hause war. Unter den alten Erlen stehen die Geschütze eingegraben, aus dem Rand meiner Wälder tauchen die Schützenketten auf, und alles Große und Grausige seines Geschehens geht über mein Kinderland hin, als hätte es den ersten Anspruch auch auf diesen so ernsten und düsteren Teil meines Lebens. Um die Mittagszeit kehre ich heim, und eine Stunde später bin ich schon wieder unterwegs. Die Schnepfen sind auf dem Durchzug, und in Schonungeck und Brüchen suche ich sie auf, ohne Hund, nur mit dem Gefühl dessen, der wissen muß, wo die Tiere seines Waldes schlafen. Vier, fünf Stunden dauert der Bogen, den ich durch die Wälder mache, und bevor die Sonne sinkt, sitze ich zwischen Hochwald und Torsbruch, im Grenzgraben, wo der Blick weit hinausgeht und über den gelben Birken die roten Abendwolken stehen. Hier ist mein stillster und geliebtester Platz. Zwischen den Torfhaufen steigt der frühe Nebel auf, und durch die stille Luft kann ich hören, wie der Pumpenschwengel auf unsrem Hof auf und nieder geht Finster und gewaltig steht hinter mir der Wald, aber hell und rötlich bestrahlt liegt der ganze Himmelsraum vor meinen Augen. Da zieht alles vorüber, was ich war und einmal werden möchte. Goldene Tore sind aufgebaut, und wie ein Traumoogel schwebt oer Reiher über Säulen und Dach. Schmerz erfüllt mich und das tröstliche Gefühl des lebendigen Seins. Noch weiß die junge Seele nicht, wohin sie fliegen wird, aber sie fühlt die Kraft ihrer Schwingen, und ein glühendes Verlangen erfüllt sie, gut und groß zu werden, wie alle diejenigen, mit deren Mildern man von Kindheit an ihren Raum erfüllt yar. Manchmal schreibe ich hier einen Vers aus ein zerknittertes Blatt, aber nicht die Verse sind die Flucht dieser stillen Stunde, sondern die Bereitschaft, die aus ihr strömt, das Stillesein, das uferlose Ersullt- werden mit etwas, das ich nicht kenne und nicht nennen kann, Dann kommt die Dämmerung, und nun ist nur der Jäger übrig geblieben, für den es keine Träume gibt. Denn die Schnepfe kommt stumm, in rasendem Flug um Wipfel und Waldecken, und die Hand, die nicht fehlen will, darf keine Verse schreiben. Dann steigt der Mond über das Moor, und ich gehe noch zum See. Im Schilf, bis zu den Knien im kalten Wasser, warte ich auf die ziehenden Enten, bis das silberne Korn auf der Schiene des Gewehrs nicht mehr zu sehen ist. Der Tag ist zu Ende. Er hat das Seine gebracht. Dunkel liegt schon das Haus. Durch die Kammertür sage ich meinem Vater noch, wie alles war. Am Fenster meiner Oberstube esse ich mein Abendbrot, im Dunklen, und sehe zu, wie der große Herbstmond über See und Felder steigt. Die Eulen rufen aus dem schwarzen Wald, und in einem fernen Dorf bellt ein Hund, daß das Echo lange über die Erde geht. So einfach ist die Welt, wenn man nichts hinzutut zu ihr, und der Schlaf kommt über mich, wie er über die Erde kommt: ein Lohn des Tages, der erfüllt worden ist. Grünes Veqenrohr, Gchwatzecke der Vögel. Von Anton Schnack Zwischen dem weitvorspringenden oberbayerischen Hausdach und dem Abflußrohr, das an der Wand zum Boden hinabführt, ist das meterbreite, schrag- ansteigende Verbindungsstück: rund, wettergeschutzt, grüngestrichen, ein derbes, handfestes Bauernblech. Meine Liebe für Idyllen und sonderbare Nebensächlichkeiten hat es gleich entdeckt; denn auf dem Regenrohr ist ein belustigendes Sammelalbum von Vogelbesuchen, Eintrag neben Eintrag, Batzchen neben Bätzchen, Würstchen hinter Würstchen, große, kleine, krumme, gerade, dicke, dünne, breite und aus- einandergeschwommene, nicht nur ein paar das wäre nicht der Erwähnung wert, sondern Dutzende sind es, ja ein halbes Hundert, frische von beute, trockene von gestern und vorgestern, aus allen Monaten stammen sie, Hinterlassenschaft eines ganzen Jahres, Lebenszeichen von flügger Brut und alten Vögeln, die sich auf dem Blechrohr zur letzen Rast niedergelassen haben, bevor sie durch den Alpenpatz ins südliche Ueberwinterungsland hinunterzogen. Viele Farben sind vertreten: sprödes, kalkiges Weiß, dann Schwarz, bläuliches Schwarz, violettes Schwarz, grünlich schillerndes Schwarz, metallen durch Reste unverdauter Käferslügel, Rotgesprenkel- tes, braune ausgedörrte Krusten, aschfarbene Punkte, und graues Zeug, geschwind und achtlos aus dem unruhigen und quecksilbrigen Federpürzel der Meisen gefallen. Die auseinandergelaufenen violetten Kleckse schreibe ich den Amseln zu, die mit dumpfem Schwung auf der Rohrrundung landen, einen klickernden Warnungsruf ausstoßen, den Schwanz wie einen Fächer aufklappen und dann zum feuchten Strauchdickicht am Zaun abstreichen, wo sie den aufeinandergepreßten Blätterabfall schnell, lauernd und heißhungrig umwenden. Spatzen fliegen das Rohr oft an: es schwankt nicht, es ist sicher vor einem Katzenüberfall und bietet genug Platz zu zänkischen Auseinandersetzungen und Volksversammlungen. Gerne wird es als Startort zu räuberischen Äus- flügen benutzt; denn weithin reicht die Aussicht, rundum auf die Kirschenbäume, die Gartenbeete, auf Pferdeäpfel, auf die Futterschüsseln der Hühner und die Küchenabfälle im Sand. Die Spatzen ziehen nie ohne Hinterlassenschaft ab, knappe, freche lieber» bleibsel bleiben von ihnen liegen, bestimmt und humorvoll wie sie selbst. Auch zum Schnabelwetzen eignet sich das Rohr vorzüglich: klipp klapp, wetz wetz, scharf und klirrend stechen die Finkenkrallen auf dem Blech herum, hinauf hinunter, hinunter hinauf. Emsig wird getrippelt und heftig wird eine Strophe in das frühe, graue Morgenlicht geschmettert; die Dreingabe des eingebildeten Finken ist ein schmaler, weißer Streifen, kalkig und fingerlang über die Rohrrundung gebogen, ein heiteres Un= schuldszeichen vom Vogel des Feldes, der weder sät noch erntet und doch vom himmlischen Vater ernährt wird. Hübsche Treffer machen auch die Meisen, die Kohlmeise am häufigsten; denn sie ist immer futter- suchend, immer freßbegierig, immer spähend, bohrend, knabbernd, knackend und dafür immer frei» giebig, wo sie auch sitzt. Und sie und ihre Verwandte, die frische, saubere Blaumeise, besetzen oft das Rohr. Von ihm aus können die runden schwarzen Vogelaugen bequem und scharf die innere Holzverschalung des Dachvorsprunges beäugen: ein rei- ckies Jagdgebiet, zahllose Kerfen, Spinnen, Milben, Jnsekteneier, Schwärmerleiber, also Fressen hundertfach. Das lockt auch bei langen Regentagen das lautlos sich benehmende Rotkehlchen an. Lange steht es auf eingeknickten drahtigen Beinchen und äugt in den Regenniederfall hinaus, dabei aber nicht vergessend, dem grünen Rohr seine winzige Vogel- inschrift zu schenken. Ich weiß immer, wer da war: der bewegliche Hausrotschwanz war da, Männchen wie Weibchen, das Schwalbenpaar war den ganzen Sommer hindurch auf dem Rohr, zwitschernd, schwätzend, putzend und besonders aufgeregt, wenn vier ober fünf stahlblaue Jungschwalben nebeneinander saßen und auf Futter warteten. Auch der scheue, rotrückige Würger war da, ein lauernder, befiederter Dolch, der vorüberfliegenden Insekten kerzengerade und todbringend nachschoß. Ich liebe das grüne Regenrohr: Vogelrast, Vogelausguck, Vogelruhe, Fangplatz, Gesangspodium und Schwatzecke. Auch der heilige Franziskus hätte es geliebt. Nur dem Gärtner ist es zuwider und ein Dorn im Auge, weil es so betüncht und verdreckt ist. Mir zuliebe läßt er es unberührt und ungestrichen. Sv bleibt mir mein lustiges Lesebuch, Stück des Gartenglücks und der Gartenfreude, die ich habe, wenn ich, aus dem Fenster mich beugend, feststellen kann: eine Amsel ist dagewesen, ein Buchfink, ein Spatzenpaar. Qochschulnachnchten. Durch Urkunde des Führers und Reichskanzlers wurde der Dozent Dr. Otto Scherzer in Darmstadt unter Berufung in das Beamtenverhältnis zum außerordentlichen Professor an der Technischen Hochschule Darmstadt berufen. Der ordentliche Professor an der Frankfurter Rechtswissenschaftlichen Fakultät Dr. jur. Friedrich Klausing ist zum Direktor des Instituts für Rechtsvergleichung ernannt worden. Der Honorarprofessor Dr. phil. nat. Franz Baur in der Frankfurter Naturwissenschaftlichen Fakultät ist zum korrespondierenden Mitglied der Ungari- scheu Meteorologischen Gesellschaft gewählt worden. Der ordentliche Professor für Kinderheilkunde in Frankfurt Dr. med. Bernhard d e Rudder ist zum Mitglied der Leopoldisch-Karolinischen Deutschen Akademie der Naturforscher in Halle ernannt worden. Professor Dr. Wilhelm Rudorf, Ordinarius für Pflanzenbaulehre an der Universität Leipzig, ist zum Direktor und Professor des Kaiser-Wilhelm- Jnstituts für Züchtungsforschung in Müncheberg ernannt und gleichzeitig als ordentlicher Professor an der Universität Berlin berufen worden. Professor Dr. Otto Elsenreich, Extraordinarius für Gynäkologie an der Universität München, wurde zum ordentlichen Professor daselbst ernannt. Professor Dr. Erwin Ferber, Ertraordinarius für chemische Technologie an der Technischen Hock,, schule München, wurde zum ordentlichen Professor an der Technischen Hochschule Breslau ernannt In Tientsin sitzt bereits seit Jahr und Tag das Oberkommando der japanischen Nord-China-Schutz- truppen und Taku ist erst kürzlich von „autono- mistischen" Truppen besetzt worden, die wiederum „Schulter an Schulter" mit Japan operieren. Denn der „chinesische Zopf" wird bekanntlich „stückweise" abgeschnitten, „damit es nicht so weh tut" ... Und damit „man" es nicht so schnell merkt-- Im Rauchsalon treffe ich einen Chinsen, der sich des längeren und breiteren über eine deutsche Rundfunkrede anläßlich der Jahresfeier der S a a r- abstimmung ausläßt. Denn irgend etwas Höfliches und Liebenswürdiges muß er mir schließlich sagen. Leider stelle ich nur allzubald fest, daß er sich von der „Saar" genau so nebelhafte Vorstel- lungen macht, wie wir von einem chinesischen Marschall, und man notiert erneut im Taschenbuch, wie schwer es doch für Deutschland ist, selbst mit den modernsten technischen Hilfsmitteln wirksam Aus- landpropaganda und Aufklärung zu treiben. Denn was sind schließlich die Staaten Europas in den Augen eines Chinesen? Richts weiter als ein Konglomerat von „Provinzen", deren verschiedene Bewohner der Farbe nach zusammengehören und verschiedene „Dialekte" sprechen. Die meisten Kabinen-Passagiere sind Japaner, die nach Tientsin, dem fernöstlichen „Genf" reisen. Jedes einzelne Gesicht eine Studie wert, denn diese „Gesichter" sind keine „japanischen Gesichter" mehr, sondern stellen, jedes einzelne, einen „internationalen Typ" dar. Der kleine Mann am unteren Ende der Mitteltafel ist sicher ein Generaldirektor. Denn so sehen sie alle aus, mögen sie ihr „Office" in London, Tokio, Reuyork oder Hamburg haben. Und der Mann ihm gegenüber ist wahrscheinlich eirr Generalstabsoffizier in Zivil. Denn auch diese Gesichter findet man als „Typ" in jeder Armee. Und der dritte ist sicherlich ein Mathematikprofessor, während der vierte, der an Deck im dicken gelben Ulster mit aufgenähten Taschen und in breiten Schuhen herumspazierte, begleitet von seiner Tochter — „Tailor-made-dernier-cri" — den amerikanisierten Japaner vorstellt, wie er im Buche steht. Gegenüber diesen hyper-verwestlichen Typen macht der einzige Mitreisende Japaner in Nationaltracht — brauner Kimono und Holzsandalen — fast einen fossilen Eindruck. Etwas über 50 Jahre haben die Japaner gebraucht, um aus der „Merovinger-Zeit" in das Zeitalter der Elektrizität hinüberzuwechseln, das Experiment scheint gelungen zu sein, aber der letzte Beweis steht wohl noch aus. Auf alle Fälle: von der vielgerühmten Romantik des „Funkelnden, Fernen Ostens" ist auf diesen kleinen japanischen Passagierdampfern nichts zu bemerken! Denn der „Betrieb" unterscheidet sich in nichts von dem auf einem — sagen wir mal — deutschen Dampfer: Blitzende Sauberkeit und nüchternste sachliche Zweckmäßigkeit. Die Stewards in weißen Jacken sind beste „europäische Schule", alles wickelt sich rasch, lautlos, schnell und gewandt ab — einen Unterschied gibt es allerdings, und das sind die Preise! Rätselhaft, wie Die Japaner ihre derzeitige Preispolitik auf allen Gebieten des Lebens darstellen und vor allem durchhalten können. Nach dem Essen zeigte mir zum Beispiel mein japanischer Nachbar ein soeben herausgekommenes, wissenschaftliches Buch über China. Etwa 500 Seiten stark, zwar broschiert, aber auf ganz dünnem, alasiertem oder „lackiertem" Papier gedruckt. Ein solches Buch würde daheim — noch dazu unter Berücksichtigung der beschränkten Auflagemöglichkeit — im Minimum fünf, wenn nicht gar zehn Mark kosten. Dieses japanische Buch kostete 1 Pen 50 oder 1 Reichsmark und 7 Pfennige! Mit anderen Worten: jeder kann sich dies wissenschaftliche Buch kaufen, und der Bildungsmöglichkeit sind kaum Grenzen gesetzt. Auf der „Npsilon-Maru" ist es nicht anders: „The purest of all Pilsener Beer, specially brewed für Exportation, Made in Japan“ kostet — die Literpulle — 35 Pfennig! Die Speisekarte verzeichnete 15 Gerichte Diese werden im Laufe der 24stündigen Fahrt viermal morgens, mittags und abends und am „andern Tage" gereicht, dazu geräumige Kabine I. Klasse, einschließlich 60 Tage gültiger Rückfahrt mit wiederum vier großen Diners — „alles zusammen" 25 Mark oder 12,50 Mark für die einfache Fahrt! Und da die Frachtsätze ähnlich liegen, braucht man sich schließlich über die „steigenoe Beliebtheit", der sich die rührigen Japaner im Fernöstlichen Handel erfreuen, nicht mei- ti i i 11 * $ $ * R iitili Der Neubau des Aeichsluftsahrtminisleriums. ». w-, ... «. w- 5SSSÄ ter zu wundern... rührig! Das ist wohl der richtige Ausdruck! Denn bei Tisch tranken sie nur Wasser, und kaum war der Kaffee gereicht, verzog sich alles eilig und lautlos in die Kabinen. Auch das scheint mir bezeichnend zu sein:..Europa — durch mich und Mister Schulze „repräsentiert — hielt sich an das „purest of all Pilsener Beer, Made in Japan", und zwar ausgiebig und lange, die Japaner tranken Wasser und rechneten, schrieben und kalkulierten in ihren Kabinen. Auch das könnte man ein „Symbol" nennen. An „Symbolen" war diese Fahrt überhaupt reich. Durch schweren Sturm aufgehalten, trifft die „Ppsi- lon-Maru" erst kurz vor Abgang des Schnellzuges nach Tientsin in Taku ein. Regelloser Sturm auf die Billetschalter, man vermißt das saubere japanische Schlangestehen doch sehr. Um den Reisenden abzufertigen, benötigt der chinesische Kartenverkäufer zehn Minuten. Auch ganz klar! Denn mehr als ein Dutzend Chinesen sind „von hinten" in den Billet- Raum gedrungen und kaufen dort für ihre Genossen gleich „en gros" ein. In Japan nicht auszuden- ken! Fünf Minuten vor Abgang des Zuges komme ich endlich dran. „Eins zweiter nach Tientsin!" — Als ich mir auf dem Bahnsteig Karte und Wechsel- geld besehe, stelle ich fest, daß der Beamte mir fünf Dollar zu wenig herausgegeben hat. Wieder an die Kasse rennen?? Ausgeschlossen! Eben fährt der Zug ein und der Sturm auf die Wagen beginnt. — Gottseidank! Einen Platz hätten wir erwischt! Mit der Uhr in der Hand habe ich die Abfahrtsminuten gezählt, aber kein Kassierer kam — wie in Dairen — gelaufen, um den „Mister Tröbst from DschÖfnany" zu suchen und ihm die fünf Dollar wiederzubringen ... ach ja! Die Japaner haben schon recht, wen sie sagen: „China ist groß, aber keine Ordnung darin! Diese „Ordnung" will Japan in China schaffen, genauer wohl eine „Neu- Ordnung" vornehmen, und diesen Versuch verfolgt man wohl am zweckmäßigsten von der Zentrale Tientsin aus .. Landwirtschaft rechts und links des Gchienenstranges. Die Aeichsbahn-Meinlandwirte als Helfer der Erzeugungsschlachr. ZdR. Die deutsche Reichsbahn ist nicht nur aufs innigste mit dem deutschen Bauerntum und der Landwirtschaft dadurch verknüpft, daß sie die landwirtschaftlichen Erzeugnisse mit Hilfe ihres gewaltigen Güterverkehrs befördert und mit ihrem weitverzweigten Schienennetz Stadt und Land in des Wortes eigentlichster Bedeutung verbindet; innerhalb der Reichsoahn besteht darüber hinaus noch eine der breiten Öffentlichkeit leider zu wenig bekannte Gruppe von Volksgenossen, die neben ihrem Reichsbahndienst selbst Bauernarbeit leisten: Das sind die Reichsbahn-Kleinland- wirte, die gewissermaßen eine Spezialtruppe in der Erzeugungsschlacht darstellen. Ist es doch mit ihre Aufgabe, das noch nicht landwirtschaftlich genutzte, aber dazu geeignete Gelände der Reichsbahn der Bearbeitung und Nutzung zu- zuführen, um auch am Werke Der Erringung Der Nahrungsfreiheit mitzuhelfen. Jeder wird schon vom dahinbrausenden Zuge aus den salutierenden Bahnwärter vor seinem Häuschen gesehen und ihm freundlich zugewinkt haben. Das rasende Tempo der Fahrt aber hat ihn meist gehindert zu beachten, daß dieser Bahnwärter und neben ihm viele tausend deutsche Reichsbahner eigentlich von Beruf ein Doppelleben führen. Der deutsche Eisenbahner ist nicht nur der treue technische Verwaltungsbeamte, sondern außerdem in vielen Fällen der seine Familie mit Nahrungsmitteln selbst versorgende Landmann. Das Bahnwärterhaus stellt mit seinem Gärtchen, mit seinem Stückchen Feld oder Wiese, mit seinen Hühner-, Ziegen- oder Kaninchenställen einen kleinen H o f für sich dar, auf dem der Gedanke der Selbstversorgung aum Teil bereits verwirklicht worden ist. Das Bahnwärterhaus hat also in diesem Sinne beispielhafte Bedeutung, und von hier aus ist auch der Gedanke weitergegangen, das Gelände der Bahndämme und anderer Reichsbahnanlagen, das von Nichteisenbahnern aus Gründen der Sicherheit für Leben und Betrieb nicht betreten werden darf, durch die Eisenbahner selbst der Volksernäyrung dienst- b a r zu machen. Die Organisation der Reichsbahn-Kleinlandwirtschaft ist übrigens keine Einrichtung neueren Datums, im Oktober des vorigen Jahres konnte diese Wohlfahrts- und Selbsthilfeorganisation der deutschen Reichsbahner, die den für sie in Betracht kommenden Gliederungen des Reichsnährstandes angegliedert ist, ihr 25jähriges Bestehen feiern. Ihre volle Entfaltungsmöglichkeit hat Die Reichsbahn-Kleinlandwirtschaft aber erst im Dritten Reich erhalten, indem die Idee von Blut und Boden, der verpflichtende Gedanke von Bauern» arbeit als Dienst am Volke, maßgeblich sind. War die Arbeit der Reichsbahn-Kleinlandwirte früher eine private Liebhaberei, eine Aufbesserung des Diensteinkommens, so hat diese Arbeit jetzt höhere Ziele und Zwecke: Jetzt ist der Grundsatz richtunggebend, daß auch der letzte Quadratmeter deutschen Bodens zur Sicherung der deutschen Er- nährungsgrundlage genutzt werden muß! Das heißt, daß also auch der Reichsbahn-Kleinlandwirt — es gibt ihrer über 140 000 — Soldat der Erzeuaungs» schlacht ist. Und man soll die Tätigkeit dieser kleinen Truppe nicht unterschätzen. Die Reichsbahn verfügt über 50 000 Hektar Gelände, das zum großen Teile landwirtschaftlich nutzbar ist. Meist sind es schmale Bahndämme und kleine Landstück» ; chen, aber viel Wenig machen ein Viel, ganz abgesehen davon, daß die teilweise Selbstversorgung von über 100 000 deutscher Reichsbahner bereits eine ganz erhebliche Entlastung des Lebensmittel- marktes darstellt. Um das Reichsbahngelände, das sich landwirtschaft» lich in irgendeiner Form nutzen läßt, diesem Zweck zuzuführen, hat die Deutsche Reichsbahn mit der , Reichsbahn-Kleinlandwirtschaft eine General« pacht abgeschlossen. Die Reichsbahn-Kleinlandwirtschaft, die in jedem Reichsbahndirektionsbezirk ihre Leiter hat, wurde so die Rechtsnachfolgerin in über 150 000 Einzelpachtverträgen, und sie erhielt auch die zur Durchführung der neuen großen Aufgaben erforderlichen Mittel. Hunderttausende von Reichsbahn- bediensteten gilt es nun, in der planmäßigen landwirtschaftlichen Arbeit zu schulen, die vorhanden n landwirtschaftlichen Kenntnisse zu vertiefen und auch auf dem Grund und Boden der Deutschen Reichsbahn zu höheren Erträgen und besseren Leistungen zu kommen. Welche Gebiete sind es nun, die von der „Landwirtschaft am Schienenstrang" bevorzugt werden? Die Hauptsache ist die K l e i n t i e r z u ch t: Hühner, Kaninchen, Bienen werden von Reichbahnern gehalten. Der Ziegenhaltung — der Haltung der „Kuh des kleinen Mannes", wie man sie scherzhaft bezeichnet — wird besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Um an der Rohstofffreiheit mitzuarbeiten, wird neuerdings auch die Seidenraupenzucht durch die Reichsbahner in verschiedenen Gegenden gefördert und längs der Bahndämme entstehen Maul- Waldspuk. Von Cecile Lauder. Mit vierzehn Jahren erfuhr ich eines der hübschesten Erlebnisse meines Lebens. Es könnte ein Traum gewesen sein. Barfuß, den Zeichnungsblock unterm Arm, hatte ich mich von Großmama und meiner Schwester entfernt, die auf einem Bänklein an der Sonne aus- ruhten, in der Nähe von Wolfhalden im Appenzeller Land, wo wir kurze Sommerferien zubrachten. Ich stapfte lange durch Unterholz, kam tiefer in den Wald, betrat eine Lichtung, darin die Sonne an den roten Kiefernstämmen bunte Feste feierte, und fetzte mich still auf einen Stein, mitten in Erika- traut und Preiselbeeren. Ich wollte zeichnen und hatte wohl auch schon angefangen; aber es war so wunderbar still und feierlich um mich her, daß ich wieder aufhörte und mich träumend hingab an Sonne, Harzduft und Märchenstille. Es summte in der Luft von goldenen Bienen. In den braunen Lücken zwischen den Baumstämmen schauckelten blitzende Netzsäden Es roch nach Bee- rcn und Pilzen. Plötzlich ein leises, hurtiges Rascheln vor meinen Füßen in den Beerenstauden, als habe sich ein Eidechschen oder eine Schlange gerührt. Wie aus her Erde gezaubert stand ein goldbraunes Wiesel vor mir und schaute mich an mit glänzenden Augen. Ich rührte mich nicht. Neues Rascheln. Don allen Seiten tauchten kleine Wieselchen auf, ein halbes Dutzend oder mehr. Sie fuhren aus dem Laub heraus, standen regungslos, zuckten zurück und standen wieder da. Sie spielten, liefen aufeinander los, überrannten sich und schlugen Purzelbäume. Ich wagte kaum zu atmen, rührte mich nicht. Und plötzlich — als wäre ich ein Wurzelstück — kletterte eines an meinem nackten Bein in die Höhe. Es kratzte, und ich hätte lachen sollen, verhielt mich aber und zuckte nicht. Und schon stand es oben auf meinem Zeichnungsblock mit lang aufgerecktem Hals und guckte mir ein wenig erschrocken und richtig neugierig in die Augen Nie hat Natur mich schärfer prüfend angeblickt. Aber ich hielt ihren Blick aus. Ein zweites turnte am meinem Knie empor, ein drittes. Die tolle Jagd ging über mich hinweig, hinauf, hinunter, über den Schoß, an den Armen aufwärts, und über die Schultern Sie stießen halblaut ruckende Töne aus; sie neckten und balgten sich über meinem Zeichenblock, die langen Schwänze bepinselten mich, und ich dielt still, als wäre ich ein Wurzelstöcklein. auf einem Mooshügelchen vor meinen Füßen stand die Mutter, lauschte und paßte auf Räderrollen in der Ferne. Ein Pfiff vom Muttertier; die Schar stob auseinander und verschwand in den Büschen wie ein Spuk. Und ich hüpfte auf die Füße, jauchzte, rannte erregt und überglücklich zurück zur Großmama, um zu erzählen, was mir schwer geglaubt wurde. Spaziergang durchs ölte photographie-Album Von Peter Peppermint. Beim Entrümpeln haben wir es gefunden, das alte Photographie-Album, das den Eltern gehörte. Manch alte, liebe Erinnerung wurde beim Durchblättern lebendig. Wir haben herzlich gelacht über die Stellungen, die die Großväter und Großmütter, Onkels und Tanten vor dem Objektiv einzunehmen gezwungen waren, manchmal — ja, manchmal überkam uns auch eine leise Wehmut beim Gedenken an die, die wir noch selbst kannten .. Wir wissen ja, wie das war damals, als wir klein waren. Das erste Bild, das überhaupt von uns gemacht wurde, war das „Strampelchen". Es dauerte lange, bis das Bild zustande kam. Immer und immer wieder verschwand der Mann unter dem geheimnisbergenden schwarzen Tuch, und wenn er wieder drunten heroorkam, hatte er am Apparat gerüttelt, und die ganze Sache fing von vorne an. War alles so weit, dann kam das Baby vielleicht gerade etwas an. was besser zu Hause — na, lasten wir das. Oder eine pessimistische Anwandlung ließ dem kleinen Alfred die Welt als etwas durchaus Verabscheuungswürdiges erscheinen, über das er Ströme bitterer Tränen meinte Das schwarze Ding da — warum sollte man Da Hinsehen? Seit einer halben Stunde erzählte der fremde Onkel was von einer Miezekatze, die unter dem Dinge auftauchen sollte, aber wenn was drunter vorkam, wars das immer ärgerlicher werdende Gesicht dieses Mannes, dem man am liebsten die Zunge rausgesteckt hätte ... Wie ganz anders wurde das später! Da hatte man schon die Wahl zwischen Brustbild und anderen Formaten mit so schönen Namen: „Kabinett", „Disit", „Boudoir" — das imponierte gewaltig. Die ersten langen Hosen erforderten eine Totalaufnahme, die erste Stellung ein Brustbild von wegen des Sich-in-die-Brust-Werfens. Wie haben wir über Onkel Georgs Bild gelacht — kühn schwingt sich sein Huls aus dem Vatermörder heraus, gewichttg ist sein Aeutzeres und drohend der Blick. Das lag daran, daß der Kopf- halter zu eng geschraubt war ... Das war nämlich so. Als Onkel Georg zum Photographen in dessen „Glashaus" trat — das neue Jahrhundert war noch gar nicht angebrochen — benahm ihm eine üppige Flora von Makart- buketts beinahe den Atem. Er stolperte über zierliche Balustraden, gebrechliche Tischchen und Plüschmöbel. Onkel Georg wog nicht gerade wenig, und wenn er nun auf dem Bilde an dieser zarten gedrechselten Balustrade lehnt, dann ja, dann hat er diese kühne Positur nur dem Schraubstock zu verdanken gehabt, in den er gespannt wurde und der nicht nur den Schädel, sondern zugleich die ganze Wirbelsäule in möglichst groteske Formen bog. Da hatte es Tante Adele leichter. Die durfte sich aus einer Art Burgverlies mit Ranken und Girlanden herauslehnen — natürlich nicht richtig, sonst wäre das ganze PappmachS-Gebäude in die Binsen gegangen. Neben Kusine Emme stellte man eine Vase — ja, man muß Zugeben, die Kusine wie das Bildnis wurden dadurch ungemein gehoben. Beide blühen förmlich ... Großvater Schmidt ließ sich mit seiner Braut photographieren. Der Photograph tat sein möglichstes: der Großpapa mußte seinen Hut in die Hand nehmen und Großmama die Pompadour mit Quasten. Zwischen beide, die sich per Arm in Positur stellten, stellte er anscheinend als Zeichen des Verlobtseins, als eine Art Bindestrich, eine Balustrade. auf die Großpapa kühn feinen Fuß fetzen Durfte. Das heißt, er mußte so tun, als ob — unter den Fuß baute man irgend was, was auch wieder wegretuschiert werden konnte. Ihm schlief der Fuß ein, als die Aufnahme vonstatten aina und nur aus diesem Grunde sieht er so aus als bereute er die Verlobung. Dabei sagte der Mann dann noch „Bitte recht freundlich!" und hielt die Linse minutenlang'offen Das heißt, so lange, wie bei Onkel Theodors fiocfr 3eif 1903 dauerte es für gewöhnlich nicht. Wir wurden damals im Januar alle aus dem Saal herausgeholt und auf der Terrasse des Etablissements aufgestellt — wir Kinder legten uns quer oor bie ©ruppe unb hielten eine Tafel mit der Kreidelnschnft Hochzeit Schmidt — Bornmüller 17. Januar 1903.' Es ist kein ganz richtiges Bild' gewogen — Herr Thielemann, der später Fräulein Kranz geheiratet hat, hat ein Weinglas mit rausgebracht — ihm hat vor Kälte (?) die Hand f° gezittert, daß er dann auf dem Bild mehrere Gläser in der Hand hielt ... Herr Jünnemann hat mit seinem Vollbart die Tante Dora, die vor ihm saß, ganz verdeckt. Wäre es eine Farbenphoto» graphie geworden, dann wären alle blau, nicht bloß Herr Thielemann. Wir standen nämlich beinahe eine Stunde bei fünf Grad unter Null —- der Rest des Tages wurde mit Niesen verbracht. Aber das ist nun alles vorbei. Wir lächeln über diese Dinge, lächeln über Vetter Ernst, der, um 1908 ausgenommen, aus hohem Gipsverband, mit einer Marguerite im Knopfloch, einer hellen Melone und einem hauchdünnen Spazierstöckchen tut, als gehöre ihm die Welt — wir lächeln und freuen uns doch zugleich: denn aus diesen Bildern steigt jene herrliche Welt der Erinnerung in''uns auf, die nur deshalb so schön ist, weil sie eben die Welt unserer Jugend ist. Inzwischen hat der Photograph eine neue Welt erschlossen, eine Welt der Natürlichkeit und Un» gezwungenheit. Seine Platte, sein Film halten uns fest, wie wir find, nicht, wie wir sein wollen oder zu fein glauben. Aus der Welt des Scheins ist die Welt des Seins geworden ... 3eiffd)riffen. , ™ Die „Süddeutschen Monatshefte" (München), machen uns in ihrem, vom ehemaligen Reichsmlnister des Auswärtigen, Botschafter z D. von Rosenberg, eingeleiteten Juniheft mit dem Heu» ngen Stand der Dinge in der Türkei vertraut. Der erste Aufsatz, von Professor Dr. Richard Hart» "sann, gibt durch den Hintergrund des alten Osma» mschen Reiches das lebendige Bild der vollzogenen Wandlung. Deutlich hebt sich das Wesen der heu» tigen, völkischen Türkei vom überstaatlichen, durch den religiösen Gedanken des Kalifats zusammengehaltenen alten Reiche ab. Der Rückzug nach Ana- tolien versinnbildlicht den Vorgang. Dagobert von Mlkusch entrollt uns das Bild der modernen Türkei. Botschafter a. D. Nadolny umreißt die Durchführung seines nach japanischem Vorbild etwa entworfenen Programms. Was bisher alles geschaffen wurde, schildert Dr. Hermann v. Engelmann aus eigener Anschauung. Mit Interesse wird man erfahren, daß bereits Moltke vor hundert Jahren diese Loslosung vom Bosporus befürwortet hat. Professor Dr. H. H. Schaeder weist darauf hin, daß der Islam m den Mandatsländern seine Stoßkraft gegen die europäische Vormundschaft richtet während er, wenigstens in der sunnitischen Türkei dem b/hndpf gegenüber in einer gewissen Defensive sich beeranlagen. Da Vie Bahnanlagen zum Teil der Grasnutzung unterliegen, wird auch die Schafzucht getreu den Geboten der Erzeugungsschlacht intensiver betrieben, so sind z. B. im Bezirk der Direktion Köln 50 Milchschafe angeschafft worden. Diele Reichsbahner beschäftigen sich auch mit der Schweinehaltung, einige haben sich sogar, wenn größere Flächen zur Verfügung stehen oder zugepachtet werden können, Rindvieh zugelegt. Wiesen, Ackerland und, nicht zu vergessen, der Garten- und Obstbau vervollständigen die Kleinlandwirtschaft des Reichsbahners. Da der Obstbau unter ganz besonderen Voraussetzungen und Umständen erfolgt, ist ein Preisausschreiben vom Leiter der Reichsbahn-Kleinlandwirtschaft erlassen worden, das Vorschläge für die Bepflanzung der Bahndämme mit Obstbäumen unter Berücksichtigung aller sich ergebenden Momente verlangt. Um die heimische Oelerzeugung zu vermehren und somit einer anderen Forderung der Erzeugungsschlacht nachzukommen, hat die Reichsbahn-Kleinlandwirtschaft mit dem Reichsrohstoffkommissar auch größere Anpflanzungen von Sonnenblumen vereinbart. Schließlich hat die Reichsbahn-Kleinlandwirt- schast sich die Urbarmachung von reichsbahneigenem Oedland mit Hilfe des Arbeitsdienstes oder anderer Hilfskräfte zur Aufgabe gemacht, um auch hier Dienst am Volksganzen zu erfüllen. Man sieht also, die Reichsbahn-Kleinlandwirte, die neben ihrem gefahrvollen Reichsbahndienst Arbeit an der deutschen Scholle leisten, sind Helfer beim Gelingen der Erzeugungsschlacht, und es ist eine Dankespflicht, auch einmal ihrer Arbeit zu gedenken. Gustav-Erich Daun. ■ MM — ' WX V 1 Die Gchiffskatastrophe in Wien. Der Donaudampfer „Wien", der ohne Fahrgäste war, wurde von einem Pfeiler der Reichsbrücke in Vien in zwei Teile geschnitten. Das Schiff sank in drei Minuten. Sechs Personen, die sich aus dem Innern des Schiffes nicht mehr retten konnten, gingen mit unter. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Geschichten aus aller Welt. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Der Wunschzettel des Polarfahrers. (u) San Francisco. Soeben ist der Missionar und Arzt Dr. H. W. Greist aus Barrow in Alaska nach Kalifornien zurückgekehrt. Er will sich nun endlich zur Ruhe fetzen. Sechzehn Jahre ununterbrochen Arktis- Aufenthaltes haben ihm genügt. Man hat bei dieser Gelegenheit Greist über seine Wünsche und Zukunftspläne befragt und erfuhr jene tiefsten und innersten Gedanken, die einen Menschen nur dann bewegen können, wenn er lange Zeit nichts anderes sah als Arktis und wieder Arktis. Greist faßt seine Wünsche in folgende Worte zusammen: „Ich will mit einem schönen Auto ganz langsam durch die kalifornische Landschaft fahren — und nicht mit einem Hundeschlitten durch die Eiswüsten. Ich will mir einen alten großen Apfelbaum aussuchen und mich unter ihm ins Gras legen und ein Buch lesen. Ich will frische Gemüse und frische Früchte essen — keine Konserven. Ich will Kühe und Schafe, Vögel und Bäume sehen und keine Renntiere, Polarbären und Eisberge ..." Der „Erdbeben-Held". (zi) Santiago d e Chile. In der chilenischen Stadt Talca ist jetzt im Alter von 71 Jahren der Millionär Frederick Weston gestorben, aus dem englischen Staffordshire gebürtig, und als Achtzehnjähriger schon nach Südamerika ausgewandert. Er war der typische Selfmademan, hatte in Valparaiso als Hafenarbeiter begonnen, dann in Talca einen Straßenhandel mit Biskuits usw. aufgezogen, sich immer weiter hinaufgearbeitet und war zuletzt Besitzer mehrerer Fabriken, Inhaber einer Bank und Vorsitzender der örtlichen Handelskammer. Was ihn jedoch aus der Menge ähnlicher Selfmademen hervorhob, war sein persönlicher Mut und sein beispielhafter Gemeinsinn der ihn, wie es in den Nachrufen der einheimischen Presse hieß, zum „sozialsten Manne der Republik" machte. Außerdem war er der einzige Inhaber eines vom Staate verliehenen Ehrentitels, eines „Erdbeben-Helden". Anläßlich des schweren Erdbebens am 1. Dezember 1928, durch das Talca zum größten Teil zerstört wurde, zeigte Weston bei den Rettungsarbeiten und der Bergung der Verschütteten solche Tapferkeit, gab er für die Obdachlosen und Verletzten unaufgefordert derartige Summen hin, daß die Regierung von Chile in feierlicher Sitzung eigens für ihn den erwähnten Ehrentitel schuf. Der „durchschnittliche Engländer". E. Z. London. Der „durchschnittliche Engländer" ist 1,72 Meter groß und wiegt 146 Pfund. Haar und Augen sind dunkelblond oder braun. Der Rasse nach ist er zu vier Fünfteln Urbrite (Kelte), zu einem Zehntel Angelsachse, und je zu einem Zwanzigstel Romane und Franzose. Im großen und ganzen ist der moderne Engländer von dem gleichen Typ wie der Urbrite (1000 v. Chr.). Er ist in kaufmanni^en Unternehmungen tätig (15,6 Prozent aller Engländer). Ist der durchschnittliche Engländer um 1900 geboren, so hat er mit 27 Jahren vier Monaten ein 25 Jahre sechs Monate altes Mädchen geheiratet, bat ein Kind, wohnt in einer Stadt von mehr als 50 000 Einwohnern (über 50 Prozent der Bevölkerung) und gibt jährlich 330 Pfund für sich und seine Familie aus. Er besitzt drei Anzüge, wovon einer ein Sportoder Wochenendanzua ist. Ein Anzug ist bestimmt grau, der zweite höchstwahrscheinlich blau und der dritte braun. Sein Mantel ist blau oder schwarz. Der durchschnittliche Engländer ist im Sommer fünf Pfund leichter als im Winter. Er geht im Sommer zehnmal zum Friseur, im Winter nur neunmal. Seine Hauptwünsche sind: Männlichkeit, Erfolg, Romanttk. Diese und noch viel mehr Daten über den durchschnittlichen Engländer hat Anthony Cotterell im „Daily Expreß^ errechnet. Es ist kein Kunststück, auf die gleiche Weise auch den durchschnittlichen Deutschen oder Franzosen in Zahlen zu fassen. Die folgenden Zahlen sind dagegen wohl mehr der Phantasie des Verfassers als der Statistik entsprungen. Nach Cotterells Ansicht ist nämlich der durchschnittliche Engländer bereit, für 20 000 Pfund einen Mord zu begehen, vorausgesetzt, daß er nicht als Täter entdeckt wird, für 8000 Pfund läßt er sich angeblich sein Haar grün färben, für 3000 Pfund würde er seine Chancen auf ein Leben nach dem Tode verkaufen, für 10 000 Pfund würde er bereit sein, nach fünfzehn Jahren zu sterben, und für 100 Pfund würde er einen Fallschirmsprung aus 1000 Meter Höhe wagen. Wölfe in Norwegen. (km) Oslo. Die Einwohner des südlichen Norwegens haben seit einiger Zeit recht unangenehme Begegnungen, wenn man sich so ausdrücken kann. Es sind nämlich wieder Wölfe aufgetaucht. Diese Raubtiere waren ungefähr bis zum Jahre 1860 eine ziemliche Plage, aber durch das Anwachsen der Bevölkerung wurden sie immer mehr verttieben; auch der Ausbau der Straßen verscheuchte sie Seit einiger Zeit nun sieht man wieder viele Wölfe; die unheimlichen Gesellen kommen sogar bis auf beinahe hundert Meilen an Oslo heran. Vor kurzem hat eine Ski-Gefell- schaft ein ganzes Rudel grauer Wölfe gesichtet und Bauern der Umgebung haben sechs getötet. Man glaubt, daß der viele Schnee, der im letzten harten Winter gefallen ist, die Raubtiere wieder in bewohnte Gegenden getrieben hat. ..Probestatuen" aus Holz. (d. h.) Brüssel. Die französischen und belgischen Gartenbau-Architekten haben sich dahin geeinigt, daß man in Zukunft nur noch dann die Aufstellung von Denkmälern in den Parkanlagen gestatten will, wenn vorher gewissermaßen eine Probeaufstellung vorgenommen wurde. Diese Probe soll darin bestehen, daß man ein Holzmodell in der richttgen Größe des beabsichtigten Originaldenkmals herstellt und bann mit einem genau so hohen Sockel an der gleichen Stelle aufrichtet. Wenn sich dann alle Kunstsachver- ständigen und auch die Gartenbau-Architekten da- mit einverstanden erklärt haben — dann erst kann der Bildhauer darangehen, aus festerem Material das Bildwerk herzustellen, das die Holzprobe bereits siegreich bestanden hat. Mehmed fttt Rausch. (ep) Istanbul. Mehmed Almadoglu, ein Tischler in dem kleinen türkischen Dorfe Beylerbey in der Nähe von Süt- lüdsche, hatte einen großen Fehler: er sah, obwohl der Prophet den Weinaenuß als etwas Derab- scheuungswürdiges bezeichnet hat, gern ins Glas, zumal in der heutigen Türkei die Vorschriften des Propheten wohl nicht mehr so wirkungsvoll sind wie ehedem. Mehmed hatte auch kürzlich einmal wieder dem Bacchus gefrönt, im Kreise fröhlicher Zechgenossen. Leider war der Heimweg mit Gastwirtschaften sozusagen gepflastert, so daß Mehmed schließlich schwer geladen — ein anderer Ausdruck wäre kaum zutreffend — vor seiner Haustür ankam. Seine Frau hatte ihn selbstverständlich längst erwartet. Vielleicht hatte sie auch schon eine heftige Gardinenpredigt vorbereitet, schließlich war ihr aber das Warten zu langweilig geworden, und so hatte sie sich schon zu Bett gelegt. Mehmed begann nun an feiner eigenen Tür zu klopfen. Jedoch ohne Erfolg. Versuche, die Türe aufzubrechen, waren ebenso ergebnislos. Da kam Mehmed auf einen anderen Gedanken, fein Ehegespons aufzuwecken: er warf Kieselsteine gegen das Fenster, hinter dem die Frau der Nachtruhe pflog. Offensichtlich genügten die von der Sttaße aufgelesene Kieselsteine und das durch sie hervorgerufene Geräusch nicht, um die Frau Mehmeds aus ihrem Schlummer zu reißen. Mehmed benutzte also zu seiner Weckaktion nun schon größere Steine. Endlich riß ihm der Geduldsfaden, und mit der Entschlossenheit des Betrunkenen riß er Pflastersteine aus der Straße und bombardierte damit das Fenster seines eigenen Schlafgemachs, wobei er das Fenster zertrümmerte. Aber leider nicht nur das Fenster! Frau Mehmed Almadoglu war nämlich schließlich doch durch den Lärm, den ihr edler Gatte erzeugte, aufgeweckt worden und hatte sich gerade aufgesetzt, um nach der Ursache des Lärms zu forschen, als ihr der Pflasterstein, der das Fenster zertrümmerte, an den Kopf flog, und auch dort noch einige wesentliche Beschädigun- §en anrichtete. Mit dem Erfolg, daß man sofort das nfallkommando herbeirufen und die arme Frau ins Krankenhaus bringen lassen mußte. Mehmed aber wurde festgenommen und zunächst in Dolizei- arreft gebracht, wo er seinen Rausch ausschlafen konnte. Am nächsten Tage wurde wegen schwerer Körperverletzung verhaftet. Erstaunliche Leckerbissen. (th.) Paris. Seit 31 Jahren hält die französische „SocietS nationale d’ acclimation" — was wir etwa mit „Gesellschaft der Zoofreunde" übersetzen können — im Frühjahr ein Festessen ab, bei dem ausschließlich unbekannte und „ausgefallene" Leckerbissen gereicht werden, das sich jedoch, wie die diesjährige Besucherzahl lehrt, steigender Beliebtheit erfreut. Der „Clou" der diesjährigen Speisenfolge war ein Ragout aus frischem Nilpferdfleisch. Das hierzu verwendete Tier ist am Niger eigens zu diesem Zwecke geschossen und auf dem Seewege in Eis verpackt an die Seine gebracht worden. Obwohl die Banketteilnehmer anfangs mit langen Zähnen gegessen haben sollen, fanden sie dann doch Geschmack an dem neuen und ungewohnten Gericht, und die meisten sollen sich von ihm sogar zweimal haben reichen lassen. Weniger Beifall fand ein Zwischengericht aus gerösteten und mit einer starken Tunke „gehobenen" nordafrikanischen Schnecken, die auf der Platte wie gedörrte menschliche Finger aussahen. Dagegen tat man grillierten Muscheln aus dem ägäischen Meer, dem Antilopenfilet, gezuckerten japanischen Algen, der Renntierzunge und den sizilianischen Bratwürsten aus Eselsfleisch alle Ehre an. Ob die Gäste dieses Festessens jedoch auch so tapfer in jene „Spezialitäten" eingehauen hätten, zu deren Verabfolgung soeben erst in Tokio ein besonders großes Speisehaus eröffnet worden ist? Seine Speisekarte nämlich weist ausschließlich Fleischgerichte auf, die aus Ratten zubereitet werden. Ratten gebraten, Ratten gekocht, geröstet, gedämpft, als Gulasch, als Curryfleisch, gls Ragout, Ratten in jeder Form und Zubereitung. Und diese Spezialitäten sollen derart vortrefflich munden, daß es jüngst erst ein bekannter japanischer Handelsfürst wagen konnte, 300 seiner Freunde und Bekannten zu einem Schlemmeressen in dies neue Speisehaus einzuladen. Allerdings handelt es sich nicht um die Ratte, die wir in Europa kennen, sondern um eine Abart aus Formosa, die bis zu 65 und 70 Zentimeter lang wird. Von solcher Ratte allerdings läßt sich schon eher eine „Scheibe abschneiden". Kunst und Wiffenschast. Deutschlands Beteiligung am Olympia-Kunstwettbewerb. Nach Ablauf der Meldefrist zum internationalen Kunstwettbewerb bei den Olympischen Spielen läßt sich auch Deutschlands Beteiligung übersehen. Unter den drei Gebieten, Malerei, Architektur und Bildhauerkunst überwiegt die letztere. Sämtliche Arbeiten der zum Wettbewerb eingesandten Sportkunst werden ab 15. Juli in Berlin zu einer großen Gesamtschau vereinigt, aus der das internationale Schiedsgericht die Preisträger bestimmen wird, die in der Siegerehrung am 2. August bekanntgegeben werden. Auf dem Gebiete der Malerei und Graphik wird Deutschland vertreten durch Hermann T e u b e r , Adolf Dahle, Max Ludwig (Berlin), Ludwig Engerer, Professor Angelo Jank, Paul B ü r ck, Carl Otto Muller (München), Professor Carl Reiser (Partenkirchen), Professor A. Babberger (Karlsruhe), F. Rieger (Mühlhofen), Rudolf Otto, W. Petzold (Dresden), Professor Hans Spiegel (Stuttgart), I. Heinrich Höhl (Frankfurt a. M.), Professor Paul Binder (Düsseldorf), Emil Flecken (Köln), Professor Josef Urbach (Essen), Professor Willi Titze (Lemsahl), H. Pfeil, Alexander Posch (Darmstadt) und I. Kuch (Nürnberg). Für den Architektur-Wettbewerb wurden insgesamt 18 Arbeiten eingereicht, und zwar von Werner March, Dieter O e ft e r I e n (Berlin), Erich zu P u t l i tz (Hamburg), Theo Nußbaum (Köln), Professor H. R. Alker (Karlsruhe), Professor K. Wach (Düsseldorf), Dr. Schmidt (Stuttgart), H. Ruhl (Berlin), B. B i ch l e r (München), Otto (Chemnitz), R. F i ck (Herrsching). E. Krüger (Stuttgart), Prof. F. Schuster (Wiesbaden). Für das bildhauerische Schaffen legen Zeugnis ab Arbeiten der Plastiker Arno B r e k e r, Milly Ste ger, Werner Primm, Ernst Balz, Ernesto de Fiori, G. v. Scheven, A. Wampe r, Eberhard Encke (Berlin), Prof. Vierthaler, Prof. Hermann Hahn, Georg Müller, Hans Stangl (München), E. Gutmann, E. Sutor, E. Spuler (Karlsruhe), W. R i e t • fchel (Oschatz), Otto Rost (Dresden), R. M. W e r- n e r (Frankfurt), Harold Winter (Oberursel), Prof. H. G e i b e l (Darmstadt), Erich Kuhn (Düsseldorf), L. Kun st mann (Hamburg) und Hans R u w o l d (Altona). ♦ Die Entscheidungen in den Kunstwettbewerben bei den Olympischen Spielen werden von einem internationalen Schiedsgericht getroffen, das sich wie folgt zusammensetzt: Sämtlichen Schiedsgerichten gehören Reg.-Rat Dr. B i e b r a ch als Vorsitzender des Kunst-Ausschusses, Staatssekretär a. D. Exz. Lewald, Dr. C. Diem und die Referentin des Organisationskomitees Frau E. L o b e ck an. Das Schiedsgericht für die bildenden Künste fetzt sich zusammen aus dem Präsidenten der Reichskammer der bildenden Künste, Hans Schweitzer, dem Reichskultursenator W. Hoffmann und dem Bildhauer L. Isenbeck. In der Abteilung Baukunst treten hinzu: Jan Wils (Holland), Welles Bosworth (USA.), Prof. O. Bieber, Reichsarchitekt Speer, Prof. Dr. Steinmetz, Prof. Dr. T e f f e n o w und Prof. A. Seifert. In der Abteilung Bildhauerkunst treten hinzu John Lundquist (Schweden), Antonio Mara i n i (Italien), Prof. H. Hahn, Prof. G. Kolbe, Prosi F. K l i m f ch und Prof. F. Liebermann. Für das Gebiet der Literatur haben das Schiedsgericht übernommen Prof. Ch. (Here (Schweiz), Staatssekretär Guido Zernatto (Oesterreich), Staatsrat Hanns I o h st, Min.-Rat Dr. W i s m a n n und die Dichter Werner Veurne lbur g, Richard Euringer und Georg Schmückte. Rundfunkprogramm. Sonnlag, 14. 3uni: 6 Uhr: Von Hamburg: Hafenkonzert. 8.10: Gymnastik. 8.45: Orgelmusik. 9: Evangelische Morgenfeier. 9.45: Bekenntnisse zur Zeit „Bildung und Wissen". Von Heinar Schilling. 10: „Wir fragen nicht nach Namen..." Eine Feier vom frohen Dienst. 10.30: Chorgesang. 11: Unterhaltungskonzert. Als Einlagen: Hörberichte vom Eifelrennen auf dem Nürburgring: „Rennen der Sportwagen". 12: Platzkonzert vom Heimatfest in Melsungen. Als Einlagen: Hörberichte vom Eifelrennen auf dem Nürburgring: „Letzte Runden der Sportwagen — Start der Solomaschinen (Lizenzfahrer)". 13: Mittagskonzert. 14: Unterhaltungskonzert. Als Einlagen: Hörberichte vom Eifelrennen auf dem Nürburgring: „Rennwagen-Klasse". 15: Deutsche Scholle. 16: Aus der Stadthalle Worms: Volkssender 1936. III. Sendung des Reichssenders Frankfurt. Als Einlage: Hörberichte vom Eifelrennen auf dem Nürburgring: „Letzte Runden der Rennwagen- Klasse". 18: HJ-Funk. 18.30: Kammermusik. 19: „Witwe, gut aussehend, Eigenheim und Vermögen, ersehnt Neigungsehe". Eine Hörfolge. 19.50: Sportbericht. 20: Wer tanzt mit?? Großer Tanzabend des Reichssenders München. 22: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 22.15: Der Volkssender 1936 ruft! 22.20: Sportspiegel des Sonntags. 22.45: Nachtmusik. 24—2: Nachtmusik. Ludwig van Beethoven. Montag, 15. 3unl: 6 Uhr: Lasset uns lauschen. — Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In der Pause, 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Musik zur Frühstückspause. 9.30: Nachrichten. 10: Schulfunk. 11: Hausfrau, hör zu! 11.15: Wirtschaftsmeldungen. 11.30: Bauernfunk. 11.45: Sozialdienst. 12: Schloßkonzert I. 13: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 13.15: Schloßkonzert II. 14: Nachrichten. 14.10: Das Phänomen der Stimme (VIII). Marcel Wittrifch. 15: Volk und Wirtschaft. Der künftige Autoabsatz. 15.15: Kinderfunk. 15.45: Ein Alt-Wiener Walzer-Reigen. 16.45: Wer kennt die Meister deutscher Erzählkunst? Ein literarisches Preisrätsel. 17: Klaviermusik. 17.30: HJ.-Funk. 18: Fröhlicher Alltag. Ein buntes Konzert. 19: Orchesterkonzert. 19.45: Der Zeitfunk bringt den Tagesspiegel. 20: Nachrichten. 20.10: „Rheinländischer Hausfreund". Froher Klang und heitrer Sinn von Schwarzwald und Oberrhein. 21.10: Meister des Gesangs. 22: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 22.30: Musik zur „Guten Nachts 24—2: Nachtmusik. Orchestermusik. Dienstag, 16. 3uni: 6 Uhr: Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In der Pause, 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Bäderkonzert. 10: Schulfunk. 11: Nachrichten. 11.30: Bauernfunk. 11.45: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert I. 13: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 13.15: Mittagskonzert II. 14: Nachrichten. 14.10: Nach Tisch gönnt Euch ein wenig Rast, Seid bei Frau Musica zu Gast! 15: Volk und Wirtschaft. Tausch und Verrechnung — Krücken des Welthandels. 15.15: Die deutsche Frau. Die Wälder sind das Herz der Erde. Hörfolge von Dora May. 16: Lieder mit Klavierbegleitung. 16.30: Unterhaltungskonzert. 17.30: Deutschland erwartet die Welt! Hörfolge von den olympischen Vorbereitungen. 18: Unterhaltungskonzert. 18.30: „Olympia- Hoffnungen — Olympia-Vorbereitungen in aller Welt". IV. Frankreich. 19: „Hexen und Gespenster". 19.45: Der Zeitfunk bringt den Tagesspiegel. 20: Nachrichten. 20.10: „Von den Fjorden bis zum Bosporus". Eine musikalische Reise. 22: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). Nachrichten der DAA 22.30: Unterhaltung^- und Volksmusik. 24—2: Nachtmusik. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12J0 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstognach» mittag geschloffen. £aAe Bekanntmachung Hausfrauen - Vorsicht Auf wiederholte Anfragen geben wir bekannt, daß die Reisenden, die zur Zeit sog. Sparbrenner für Gaskocher u. Gasherde vertreiben und sich vielfach auf die Gas-Gemeinschaft berufen, weder mit unserem Einverständnis noch in unserem Auftrag handeln. Fragen Sie daher in Ihrem eigensten Interesse zuerst die Mitglieder der Gas-Gemeinschaft, die Sie gerne über Sparmöglichkeiten unverbindlich u. fachmännisch beraten, bevor Sie sog. Sparbrenner einbauen lassen. Gas-Gemeinschaft Gießen ____________________________________________3831A Bekanntmachung. Betrifft: Vermietung der neuen Marktlauben. Die neuen Marktlauben, die vorgesehen sind für den Verkarsf von Fleisch- und Wurstwaren sowie Wildbret, auch im Ausschnitt, und Gefügel, sollen für die Zeit vom 1. VII. 1936 bis 30. VI. 1937 neu vermietet werden. Die Bedingungen für die Vermietung sind bei der Standzeichenstelle auf dem Wochenmarkt und im Stadthaus, Bergstraße 20, Zimmer Nr. 18, erhältlich. Schriftliche Angebote sind unter Verwendung eines Angebotsscheins in verschlossenem Umschlag, mit der Aufschrift „Angebot zur ZHarftlauben- vermielung" versehen, bis spätestens zum 23. Juni 1936 im Stadthaus, Bergstraße 20, oder an den Marktmeister abzugeben. 3797C Gießen, den 13. Juni 1936. Der Oberbürgermeister. I. V.: Dr. Hamm. Verdingung. Die Vorprofilierungs- und Pslasterarbeiten sowie die Schotter-, Splitt-, Grundbaustein-, Sand- und Zementlieferuna für die Kleinpflasterherstellung auf Landstraße 1. Ordnung Abt.: Ortsdurchfahrt Dorheim (5300 qm) und Ortsdurchfahrt Wölfersheim (5500 qm) sind sofort — nach Losen getrennt — zu vergeben. 38090 Angebotsvordrucke werden — solange der Vorrat reicht — von unserem Amt, Gießen, Hitlerwall 371, abgegeben, wo auch die Bedingungen zur Einsicht offenliegen und aus Wunsch ein zweites Angebotsformular gegen Gebühr von 0,50 RM. erhältlich ist. Angebote sind für jedes Los getrennt in einem verschlossenen, mit entsprechender Aufschrift versehenen Umschlag, bis Montag, den 22. Juni 1936, vormittags 10 Uhr an uns abzugeben, wo anschließend die Oeffnung der Angebote erfolgt. Zuschlags frist 2 Wochen. Gießen, den 12. Juni 1936. Provinzialdirektion Oberhessen. Tiefbauamt. Wir haben eine Original ADERSOL SOFFER Maschine in Betrieb genommen Sie haben jetzt Gelegenheit durch das .Sommern'Ihrer Reifen die Fahrsicherheit Ihres Fahrzeuges ganz wesentlich zu erhöhen Preis je nach Reifengröße RM. 3.-, 3.50 und 4.- Moloiwaßen-Verliauisfiesellsdiallin.l).H. fliehen, Frankfurter Strafje 52/56, Huf 2847/8 3827A Soeben erschienen: Adreßbuch der Stadt Friedberg in Hessen mit einem neuen Stadtplan und in fünf Abschnitten bearbeitet Abschnitt I: Behörden, Schulen, Religionsgemelnben, öffentliche Einrich- tungen, Anstalten ustv., Feuer- und llnfallmeldung, Aerzteschast, Apotheken, NSDAP., Deutsche Arbeitsfront, Kreishandwerker, schast, Innungen, Verbände, Vereine und Kaffen Abschnitt II: Alphabetisches Einwohner- und Firmenverzeichnls Abschnitt III: Straßen und Häuser von Friedberg Abschnitt IV: Handels- und Gewerbeverzeichnis der Stadt Friedberg Abschnitt V: politische Hoheitsträger u. Bürgermeister des Kreises Friedberg Lieferpreis RM. 7.50 Oberhessischer Adreßbuchverlag • Gießen Schulstraße 7-9 • Fernsprecher 2251 34790 Hartbrennholz, ä Wagen 5 Mk., Anmachholz L Wagen « Mt.. 1 Sack Anmachholz 1 Mk. frei Keller. sno J. Wellhöf er, Televhon 2313, Mark. Str. 24. Paul Läufer / Gießen technische Bedarfsartikel Wagengasse ♦ Nähe Marktplatz „Klingerit“ „Lauferit“ Feldstecher für Jagd, Reise und Sport Mein Spezialmodell Prismenglas Germania, in Leichtmetall, von Mk. 60.- an. Sämtliche Markengläser zu Originalpreisen. Bequeme Teilzahlung Ein Zelß-Feldstecher in Leichtmetall zu 87.- Mk. Seltersweg 33 Optiker Magnus _________ 3124 A Zur Aufklärung Bin nicht mehr Leiter einer Schuhinstandsetzungsondern jetztselbständiger Geschäftsmann. Meeh, Schuhmacherei Wilk. Kemler 38320 Gießen, Schulstraße 5 3m Konkursverfahren üb. das Vermögen des Kaufmanns Georg Falkenstem, Inh. d. ^.Robert Haas Nacht.,.zuletzt m Greben wohnhaft, soll u"t Genehmigung des Konkursgertchts d. Schlußver- teilung vorgenommen werd, ^rer fügbar sind Mk. 82,02.92. Auf dre bevorrechtigten Gläubiger entfal len Mk. 2014.24 und auf die nicht’ bevorrechtigten Forderungen m Höhe von Mk. 89896.71 entfallen Mk 6188 68. Das Schlußverzetch- nis' ist in der Geschäftsstelle des Amtsgerichts Gießen megergelegt. Gießen, 12. Juni 1936. Jetzt kommt die Zeit des Beerenobstes und alle Hausfrauen rüsten sich zur Einmacherei. Was sie zur Bereitung von Marmeladen, Gelees, Fruchtsäften und Beerenwein brauchen, das finden Sie zweckdienlich bei mir. ssoeA Als erste Frucht reift jetzt in unseren Gärten die Erdbeere. Zum Einmachen dies.Frucht empfehle ich meinen vorzüglich gefärbten roten Zucker Pfd. 55 Pf. 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Die beiden Kameramänner sind ihr bis in köstliche Verschwiegenheiten nahe gekommen. — Köstlich ist alles und zauberhaft schön/ Dresdner Anzeiger Verlangen Sie das bebilderte Werbeblatt Zu beziehen durch jede Buchhandlung oder vom Hugo Bevmühlev Vevlag Berlin-Lichterfelde Dreizehnte Ziehung der Auslosungsrechte der Anleiheablösungsschuid des Deutschen Reichs. öel de‘ am Jnnl 1936 eriolgten öffentlichen Ziehung der Auslosungsrechte wurden iolgende Nummern gezogen. Die Nummern gelten für alle Gruppen jedes Wertabschnitts mit Ausnahme der Auslosungsrechte, die wegen des Bezugs einer Vorzugs- oder Wohlfahrtsrente oder infolge eines Verzichts gemäß § 24 des Anleiheablösungsgesetzes nicht an der Auslosung teilnehmen. Bei der Einlösung werden gezahlt für je 100,— RM. Nennwert der Auslosungsrechte 500,— RM., dazu 4Va% Zinsen für 103/< Jahre = 241,875 RM., zusammen 741,875 RM. Ute /.an ung erfolgt gegen Quittung und Rückgabe der Auslosungsscheine und eines gleichen Nennbetrages in Schuldverschreibungen der Anleiheablösungsschuld des Reichs bei der Reichs- scnuldenkasse in Berlin SW 68, Oranienstraße 106/109, oder auch bei allen Reichsbankanstalten mit Ausnahme der Reichshauptbank Berlin. Mit dem Ablaut des 30. September 1936 hört die Verzinsung des Elnlosnngsbetrags aut. Die Einlösungsbetrage für die gezogenen Auslosungsrechte, die im Reichsschuldbucb eingetragen sind, werden den Gläubigern ohne ihr Zutun durch die Post zugesandt, so daß Schuldbuchgläubiger dieserhalb nichts zu veranlassen haben. 34 84 117 129 169 181 334 419 527 544 625 659 790 811 825 867 906 912 971 985 1054 113 182 219 262 305 329 338 429 444 585 717 734 794 836 849 889 961 2037 116 253 274 395 452 480 494 547 716 726 824 860 .3010 017 036 083 186 244 278 281 471 518 561 564 571 756 787 847 903 922 929 950 4120 216 270 289 364 378 445 493 591 631 661 744 813 837 864 911 955 978 5027 045 102 110 206 582 593 679 698 721 822 854 898 956 973 6044 148 237 244 285 297 323 393 401 408 431 466 501 530 567 612 626 628 749 821 956 988 7104 139 167 333 349 360 402 429 432 478 570 595 604 761 856 886 8037 176 235 256 275 278 367 387 415 547 565 702 871 9145 229 280 319 459 518 774 791 838 898 939 785 268 963 933 650 406 034 972 473 302 906 965 10017 127 139 220 271 427 443 449 540 560 772 796 810 857 11165 170 349 366 445 542 572 583 585 731 12025 042 107 227 234 275 332 424 441 459 466 495 509 531 539 831 920 972 1 3025 229 257 335 444 502 508 572 603 766 839 949 14100 161 162 217 220 255 337 373 478 483 508 555 611 625 830 1 5007 112 134 142 169 284 393 432 508 540 564 590 621 624 675 681 713 724 726 1 6018 060 118 163 276 347 449 467 480 524 587 606 624 631 681 703 723 760 857 927 17157 205 240 526 542 577 632 667 695 753 790 807 837 847 961 18012 054 085 148 241 288 364 381 461 478 620 644 692 728 734 827 828 860 904 1 9022 060 072 080 123 364 389 417 474 482 518 578 636 660 736 787 852 872 20054 080 084 124 152 277 582 598 599 672 986 2 1004 019 138 166 269 409 533 621 672 727 755 824 871 22090 185 267 314 376 486 508 528 586 642 678 689 864 912 23073 139 164 209 248 249 472 531 538 685 701 722 785 868 949 984 24124 172 233 243 247 265 468 473 474 586 658 841 854 2 5255 363 373 424 529 576 590 650 686 718 742 770 858 907 2 6002 036 057 080 088 124 195 196 197 238 255 265 275 311 329 383 423 431 443 448 462 497 518 546 568 603 713 718 806 815 823 936 2 7222 259 288 325 406 461 465 509 573 617 699 748 814 864 895 986 2 8007 020 096 148 252 329 533 536 643 662 747 788 819 825 956 29032 054 070 082 103 165 170 327 399 525 585 616 638 713 799 822 875 898 30045 144 188 230 362 371 518 524 562 607 651 676 693 703 760 763 771 876 941 962 988 31018 032 147 220 236 323 381 419 428 593 648 715 794 839 870 909 32060 124 197 215 243 310 433 448 461 464 503 505 543 607 652 672 825 868 870 898 902 956 993 33160 192 272 301 365 413 416 473 528 529 587 620 651 685 773 842 879 34107 293 405 472 476 484 505 588 615 705 712 748 762 818 35012 045 098 138 154 191 206 249 352 444 587 623 687 711 813 829 854 865 916 976 992 36141 160 196 269 340 556 615 630 649 659 756 825 832 918 967 988 37084 092 179 252 254 298 505 618 619 694 908 912 38024 194 416 487 623 642 671 789 826 869 997 39013 052 107 119 173 195 284 450 581 585 729 776 886 924 949 984 40061 124 166 198 230 357 423 460 615 877 41055 063 111 124 248 307 330 334 474 558 569 869 981 42076 127 270 284 288 335 343 432 488 646 651 669 685 723 771 886 913 949 978 43122 179 840 853 430 847 699 637 318 870 768 194 220 315 354 423 424 428 447 514 542 563 946 989 44181 207 287 361 426 564 630 722 867 873 878 895 945 984 4 5011 135 174 221 470 494 718 769 778 47203 204 223 242 431 434 647 661 704 720 769 838 4 8061 143 162 324 336 338 346 363 382 420 436 443 450 49131 158 235 344 360 391 427 478 587 773 806 838 892 915 934 527 545 563 631 644 649 735 755 782 46054 085 168 309 342 381 399 476 538 555 623 563 185 618 657 947 779 551 147 585 732 240 795 634 593 215 785 674 951 817 574 153 588 819 326 845 679 596 260 795 711 508 135 197 177 146 780 495 276 269 825 502 290 415 429 538 543 750 914 657 909 953 977 52000 53000 003 103 888 54111 136 158 229 420 248 793 711 591 280 878 605 574 723 491 685 335 646 824 521 869 594 780 493 770 685 879 554 908 947 936 850 939 156 226 368 213 785 530 568 277 858 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Pf. en: les, W. er- .39 H 464 p Nr. 156 Dritter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Samstag, 15. Zuni (956 Aus der Provinzialhauptstadt Mäd- rend die Stenographie Gabelsbergers sich besonders in Süddeutschland und Oesterreich einführte, hatte die Kurzschrift Stolzes in Preußen viele Anhänger gefunden. Ein guter Kenner der Gabelsbergischen Steno- grahie war Karl F a u l m a n n, geboren 1835 in Halle an der Saale, gestorben 1894 in Wien. Er war vom einfachen Schriftsetzer zum Schriftsteller und schließlich sogar zum Professor aufgerückt. Faulmann schlug in seiner Schrift eine „radikale Reform der Gabelsbergischen Stenographie" und Verschmelzung der Systeme Gabelsberger und Stolze vor. Ferdinand Schrey, geboren 1850, ist auch aus der Gabelsbergerschen Schule hervorgegangen. In den sogenannten Solinger Thesen setzte er eine Trennung des Gabelsbergerschen Systems in eine Korrespondenz- und Debattenschnft durch. Unterstützt von einigen anderen Gelehrten ließ er im Jahre 1887 sein Lehrbuch „Vereinfachte deutsche Stenographie" erscheinen. Die Hoffnung Schreys, sein System als Einheitssystem für Deutschland einzuführen, ging trotz seiner geschickten Reklame nicht in Erfüllung, doch kam es im Jahre 1897 zu einer Einigung seines Systems mit dem von Stolze unter dem Namen „Stolze- Schrey", das in Deutschland große Verbreitung fand. Die Anhänger der Systeme Gabelsberger und Stolze-Schrey standen bis zur Gründung der Deutschen Einheitskurzschrift in schärfstem Wettkampf. Der Weg zu einer Einigung war ein sehr schwieriger. Schon vor über 80 Jahren wurden die ersten Versuche zu einer Einigung zwischen den beiden alten Systemen Gabelsberger und Stolze unternommen. Viele vergebliche Anläufe wurden unternommen zu einer Einigung auf stenographischem Gebiet. Besonders tat sich hierbei der Vorsitzende des Deutschen Stenographenbundes Gabelsberger, Oberstudiendirektor Professor Ed. P f a f f hervor. Viele Konferenzen fanden statt, und oft schien es fo, als ob es ganz und gar unmöglich wäre, die beiden Schulen zu vereinigen. Endlich, am 20. September 1924 wurde von dem Reichsministerium Franz Xaver Gabelsberger, geboren 1789, gestorben 1849, ist als Erfinder der deutschen Stenographie zu bezeichnen. Er war der Mann, der als erster ganz andere Bahnen einschlug, indem er seine Zeichen aus sich flüchtig schreibenden Teilen der gewöhnlichen Langschrift entnahm. Von 1817 ab arbeitete er an seinem Lebenswerk, eine in jeder Hinsicht vollkommene Schnellschrift zu schaffen. Im Jahre 1834 erschien sein Werk „Anleitung zur deutschen Redezeichenkunst oder Stenographie . Er hat 366 Seiten dieses 1560 Seiten starken Buches selbst mit seiner feinen und gefälligen Schrift lithographiert. Seine deutliche Vokalbezeichnung, Hoch- und Tiefstellung, Verstärkung und Wölbung und Verdichtung sind wunderbar durchdachte Schöpfungen, und in seinen, auf Grund logischen Denkens, aufgestellten Regeln über die Anwendung von Wort- und Satzkürzungen setzte er seinem Werke die Krone auf. Alle späte- teren Erfinder haben mehr oder weniger sich den Grundregeln Gabelsbergers angepaßt. Neben Gabelsberger hat August Wilhelm Stolze, geboren 1798, gestorben 1867, die Entwicklung der deutschen Kurzschrift wesentlich beeinflußt. Sein Werk „Anleitung zur deutschen Stenographie oder Kurzschrift" erschien im Jahre 1845. Stolze ging teils andere Wege als Gabelsberger, die besonders in der Dreizeiligkeit seiner Zeichen bestanden. WähDie Entwicklung der deutschen Kurzschrift Ein geschichtlicher Rückblick aus Anlaß des Gautages der Stenographen in Gießen. NS.-Lehrerbund, Kreis Gießen, Abteilung chenerziehung (technische Fächer), 15 Uhr in der Mädchen-Berufsschule, Gießen: 1. Haltbarmachung von Obst und Gemüse eine volkswirtschaftliche Notwendigkeit (Heß, Leihgestern); 2. Der Handarbeitsunterricht im 6. Schuljahr (Hahn, Wieseck). — Gloria-Palast, Seltersweg: „Hinter den Kulissen . — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Maskerade". — Reichstreubund: 20.15 Uhr Kameradschaftsabend mit Angehörigen im Cafe Ebel. — Deutsche Steno- Das Glück in der Stille. Von Otto Reutter gibt es einen Schlager, der in jeder Strophe die Unruhe und die Hast schilderte, mit der gar viele Menschen durchs Leben jagen, „mit der Uhr in der Hand!" Alle diese Zeitjager, die immer von einer Pflicht zur anderen gehetzt werden und nie zur Ruhe kommen, vergessen ganz unbewußt ihr Eigenleben. Sie wissen vor lauter Pflichten nicht ein und aus, das Wort Stillestehen kennen sie nicht. Und wie nötig ist es doch für viele Menschen! In den letzten Jahrzehnten hat das Hasten im Erwerbsleben immer mehr zugenommen. Es ist beinahe so, als ob die Menschen gleich den Maschinen durchs Leben rasen müßten. Ja, viele sind nicht mehr die Herren der Maschine, sondern ihre Diener. Ein arbeitsreiches Leben ist schön, und jeder, der zum Müßiggang gezwungen wurde, weiß den Segen der Arbeit zu schätzen. Aber die Sucht nach Geschäftigkeit darf nicht ausarten, es darf nicht eine Aufgabe die andere ablösen. Auf eine starke Anspannung muß eine Entspannung folgen, sonst entsteht großer Schaden. In den meisten Fällen können diese Vielbeschäftigten nach keiner Seite hin Maß halten, auch nicht bei sogenannten Zerstreuungen, bei Vergnügen, bei Erholungsreisen usw. Sie betrachten diese Abwechselung des Lebens als ein Pensum, das unbedingt erledigt werden muß. So gehen sie mit tausend Plänen und ungelösten Fragen in das Wochenende, sehen weder links noch rechts, spüren nichts von den Kräften, die ihnen die Natur draußen geben kann, und kehren dann müde und ärgerlich nach Haufe. Sie haben die ersehnte Erholung nicht gefunden und glauben nun, sich mit erhöhtem Eifer in ihre Arbeit stürzen zu müssen. Selbst einen längeren Urlaub können sie nicht ausnützen. Ziellos durchstreifen sie unsere schöne Heimat und sehnen sich nach ihrer Arbeit. Und doch brauchen wir die Stunden der Stille so nötig wie die Pflanzen den Regen. Wir müssen diese Stille haben, um tiefe Eindrücke zu verarbeiten, um Lasten und Sorgen abzuschütteln. Erst dann können wir neue Kräfte sammeln und frisch gestärkt an unsere Aufgaben herantreten. Menschen, die ihre Alltagssorgen ablegen können wie ein altes Gewand, sind sehr selten. Sie sind zu beneiden, denn ihnen bringen diese Stunden der Ruhe Entspannung, innere Sammlung und Erholung. Sie werden däs Leben viel eher meistern als alle geschäftigen Menschen, die „nie Zeit haben". Aber die Stille kann uns erst dann nützen, wenn wir allein sind. Wer nicht versteht, mit sich selbst zu reden, in sich hineinzuhorchen, der wird sich langweilen. Deshalb suchen gerade die Menschen, deren Nerven in aufreibender Arbeit Schaden genommen haben, immer wieder neue Zerstreuungen. Und doch sinden sie nur Heilung in jenen stillen Stunden, in denen sie Abstand genommen haben von der Hetzjagd des Lebens. Sie müssen zu sich selber kommen. Sie müssen fühlen und erkennen, daß über all der Arbeit und dem Dorwärtsstreben die eigene Seele nicht zu kurz kommen darf. Alle großen Gedanken wurden in der Stille geboren, niemals in der Hast des täglichen Lebens. Für jede Arbeit können einige Tage der Ruhe unendlich viel bedeuten. Wir können Rückschau halten und dabei Fehler und Irrwege feststellen, die wir nie bemerken, wenn wir immer „im Betrieb stecken". Neue Pläne können auftauchen, in aller Ruhe erwogen und mit Sorgfalt geprüft werden. Gar manches Bittere, das uns das Leben brachte, wird vergessen in diesen Stunden. Ein paar Wochen auf dem Lande, in fremder Umgebung, wirken oft Wunder. Aber wir brauchen nicht immer eine Reise zu unternehmen, um uns ganz der Stille hingeben zu können. Ein Tag draußen im Sommerwald, unter dem schützenden Blätterdach, umsummt von Insekten, beim Gesang der Vögel und im Duft der Blumen kann uns unendlich viel schenken. Dornoiizen. Tageskalender für Samstag Rotkreuz-Oienft drinnen und draußen Aus dem Wirken der Ganitätskolormen. sten eingeweiht werden konnte, und dessen Pläne von unserem Führer Adolf Hitler persönlich überprüft worden sind. K. H. Kuhl, Führer des Kreisgebiets Gießen der Deutschen Stenographenschaft. bekanntgegeben, daß die Regierungen von Bayern, Sachsen Baden, Hessen, Thüringen, Hamburg und eine Reihe kleiner Länder ebenso wie einige Reichsoerwaltungen dem Einigungsentwurf ausdrücklich und die übrigen beteiligten Länder stillschweigend zugestimmt hätten. Die Richtlinien für die Ein- fuhrung der Einheitskurzschrift in den Schulunter- ncht und den amtlichen Verkehr wurden festqe etzt. Die Schule Gabelsberger hatte sich der Einheits- kurzschnft in überwiegender Mehrheit angeschlos- jen, während auf Stolze-Schreyescher Seite eine Anzahl führender Personen noch „eine Weiterent- wicklung der Einheitskurzschrift im Sinne einer fortschrittlichen Entwicklung" forderte. Nach der Machtergreifung durch Adolf Hitler wurden aber auch die noch wenigen Außenseiter in die Rechen der Deutschen Kurzschrift geführt. Durch die im Januar dieses Jahres von den ersten Kennern der Stenograhie und den maßgebenden Stellen der Reichsregierung festgelegten neuen Systemurkunde ist die Deutsche Kurzschrift noch wesentlich vereinfacht worden, doch wird sie von jedem Kenner der alten Schriftform mühelos gelesen. Endlich ist der Traum aller wirklich begeisterten Stenographen in Erfüllung gegangen: ein deutsches Volk, eine deutsche Sprache, eine deutsche Schrift und eine deutsche Kurzschrift. Ein Denkmal der Einheit auf stenographischem Gebiet wurde in dem Haus der Deutschen Stenographenschaft gesetzt, das in Bayreuth zu Pfing-j graphenschaft: 20 Uhr an der Universitätsbibliothek zum Abendspaziergang. Tageskalender für Sonntag. Großkundgebung der NS.-Frcmenschaft, 15 Uhr, tn der Volkshalle. — 11 bis 12 Uhr Militärkonzert Zugunsten des Roten Kreuzes am Hindenburgwall. — Deutscher Biologenverband, Ortsgruppe Gießen, gemeinsam mit der Oberhessischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde: 11.15 Uhr Filmoortrag „Deutscher Seidenbau" von Dr. Max Cretschmar im Gloria-Palast. — Obst- und Gartenbauverein Gießen: 9 Uhr Treffen vor Wäscherei „Edelweiß" zum Garten-Rundgang. — Oberhessischer Gebirgs- oerein: Ausflug, Abfahrt 8.03 Uhr. — Oberhessischer Kunstverein: 11 bis 13 Uhr und 16 bis 19 Uhr Ausstellung „Frauenbildnis mit Schmuck" im Foyer des Stadttheaters. — Gloria-Palast, Seltersweg: „Hinter den Kulissen". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Maskerade". „Heimatkunstdichtung unter Berücksichtigung von Hermann Stehr." Die Deutschkundliche Fachschaft der Abteilung Höhere Schule im NS.-Lehrerbund hielt am Freitagnachmittag in der Oberrealfchule eine Fachschaftssitzung ab. Der Fachschaftsleiter Oberstudienrat Dr. Kiefer erledigte zunächst organisatorische Fragen, die mit der Bekanntgabe, daß für die nächste, erst nach den Sommerferien stattfindende Sitzung ein Referat über Stefan George in Aussicht genommen sei, schlossen. Die Studienrätin Frl. Dr. Schlicht sprach dann „lieber Heimatkunstdichtung mit besonderer Berücksichtigung Hermann Stehrs". Die Vortragende zeigte wesensoerwandte Beziehungen jener Anfänge einer Heimatkunftdich- tung der 90er Jahre zu den heutigen Bestrebungen der Erziehung zum kämpferischen Menschen und führte aus, wie diese aus dem Empfinden der Landschaft und Rasse entstanden. In ihren Betrachtungen über Hermann Stehr führte sie vor Augen, Der Ruf des Deutschen Roten Kreuzes, mit praktischer Tat zu helfen, darf kein vergeblicher Ruf sein! Er geht alle Volksgenossen an, denn es sind sicherlich nur wenige, die nicht in irgendwelcher Form das Rote Kreuz bzw. die Sanitätskolonnen in Anspruch nahmen oder von dieser Seite freiwillige, rasche und damit doppelt wertvolle Hilfe erfuhren. Es ist kaum notwendig, davon zu sprechen, in welchem Ausmaß täglich von den Helferinnen und Helfern der Sanitätskolonnen eine völlig uneigennützige Arbeit geleistet wird, eine durchaus nicht leichte Arbeit, die dazu noch von großem Verantwortungsbewußtsein getragen sein muß. Bei kaum einer größeren Veranstaltung fehlen die Sanitäter, die immer bereitstehen, helfend einzugreifen, wo es notwendig ist. Immer müssen sie da sein, wo große Menschenmengen versammelt sind. Bei wie vielen Unglücksfällen sind die freiwilligen Helfer der Sanitätskolonnen zur Stelle, um den Verunglückten im Wagen rasch zum Arzt oder zur Klinik zu bringen? Wie oft hängt von der ebenso raschen wie sorgfältigen Tat das Leben eines Verunglückten ab. Die Helferinnen und Helfer haben sich die gründliche Ausbildung und ständige Ergänzung ihres Wissens und Könnens nie zu viel sein lassen, opfern stets viel ihrer Freizeit, sind zu den in regelmäßigen Abständen stattfindenden Hebungen, auch zu Alarmübungen in nächtlicher Stunde, bereit und fragen weder nach Anerkennung, noch jemals nach Lohn. Zahlen sprechen eine deutliche Sprache! Der Jahresbericht der Freiwilligen Sanitätskolonne Gießen für das Jahr 1935/36 (aus dem wir hier nur einen kurzen Auszug geben) läßt das Ausmaß der gemeinnützigen Arbeit klar erkennen: 61 Wachen zu je fünf Mann wurden an Sonn- und Feiertagen gestellt, 61 Wachen standen bei Veranstaltungen und Kundgebungen bereit. Von den Sonntagswachen wurde in 235 Fällen Hilfe geleistet, darunter waren 102 Krankentransporte. Bei der Führerwahl am 29. März wurden 52 Transporte hilfsbedürftiger Personen ausgeführt. Auf der ständigen Rettungswache wurden außer den Transporten 335 sonstige Hilfeleistungen ausgeführt. Einen Ueberblick über das Ausmaß der Hilfeleistungen im Dienste der Nächstenliebe im Laufe eines Jahres geben aber erst die Gesamtzahlen des jüngsten Jahresberichts: Nicht weniger denn 6477 Hilfeleistungen, darunter 1770 Transporte find verzeichnet! Nerven- und Geisteskranke wurden 67 befördert! Die vier Krankenkraftwagen der Kolonne fuhren im vergangenen Arbeitsjahr der Gießener Kolonne insgesamt 31200 Kilometer! Das alles sind Leistungen, die der Volksgemeinschaft dienen. Angesichts dessen, kann es dem einzelnen nicht schwerfallen, auch einmal einen Beitrag zu geben, der das Rote Kreuz in seiner Arbeit unterstützen hilft. Der Sammeltag für das Deutsche Rote Kreuz gibt allen die Möglichkeit, Dank und Anerkennung einem großen Werke abzustatten. So wie die Freiwilligen Sanitätskolonnen vom Deutschen Roten Kreuz im Inland, so stehen deutsche Frauen und Mädchen, ebenfalls im Zeichen des Roten Kreuzes, im Dienst an den deutschen Volksgenossen in den Kolonien, im Dienste der deutschen Farmerfamilien in Afrika und anderen Erdteilen. Auch diese Helferinnen müssen betreut werden. Für sie setzt sich der „Frauenverein für Deutsche über See" ein. Frauen und Mädchen, die sich dieser schwierigen Aufgaben der Nächstenliebe widmen wollen, werden in Berlin ausgebildet, treten ihren Dienst in fernen Ländern an, werden oft den deutschen Farmern zu wertvollen und oft den einzigen Helfern in schweren Stunden, und stellen meist für diese Deutschen im Ausland auch die einzige Verbindung zur Heimat dar. Große Strecken müssen diese Helferinnen oft über Busch und Steppe zurücklegen, ausgesetzt allen Unbilden der Witterung und den Gefahren, die ihnen in den fernen Ländern drohen. Auch größere und viele kleine Stationen müssen unterhalten werden, sei es auch oft nur mit zwei ober drei Betten. All diese Arbeit, deren Segen wir im Mutterlande kaum ermessen können, muß geleistet werden mit denkbar geringsten Mitteln, aber mit um so größerer Aufopferung aller jener tapferen Frauen, die sich in den Dienst dieser Arbeit stellen. Es ist eine Ehrenpflicht und Ehrensache unserer Volksgemeinschaft, auch dieser Arbeit, die gleichzeitig eine Vorpoftenarbeit des Deutschtums in den überseeischen Ländern ist, alle Unterstützung zu leihen wie dieser über die Darstellungen der Menschen seiner schlesischen Heimat hinaus zum Deuter der Seele und zum Mystiker wurde, der darum mit Recht der deutsche „Hamsun" < genannt wird. In eingehender Weise gab die Rednerin einen lieber* blick über die sich um 1890 im Gegensatz zur deka* denken Großstadtliteratur entwickelnde Heimatkunstliteratur, die durch ihr Herkommen aus Landschaft und Volkstum zur bewußten Ablehnung des Internationalismus führen mußte. In ihren ersten Vertretern Friedrich Lienhard, Sohnrey, Bartels und Timm Kröger ließ Frl. Dr. Schlicht das Wesen dieser von landschaftlicher Umwelt begrenzten, int Volkstum wurzelnden Heimatdichtkunst deutlich werden. An einer Reihe der bis in die Jetztzeit bedeutendsten Vertreter der Heimatdichtkunst bot die Rednerin eine Auswahl der für den Unterricht geeigneten Lesestoffe, in denen dichterische Gestaltungskraft die Eigentümlichkeiten der Landschaften mit den Wesensarten der einzelnen Volksstämme derart zu veranschaulichen verstanden, daß sie geeignet erscheinen, den Schüler zu den Erkenntnissen von Boden und Rasse und einer kämpferischen Lebensauffassung zu führen. An den Vortrag schloß sich eine Aussprache an. Der Leiter der Abteilung Höhere Schule Prof. Dr. Adolph machte noch auf die Bezirksverfammlung am 17. dieses Monats aufmerksam, bei der das Thema der Frauen-Ober- schule behandelt werden wird. NS.-Lehrerbund, Gießen. Mittwoch, 17. Juni 1936, 16 Uhr, im Singsaal des Realgymnasiums: Kreisversammlung der Fachschaft II (Höhere Schule). 1. Vortrag des Herrn Oberstudiendirektors S ch e l h o r n : „Wesen und Aufgabe der Deutschen Frauen-Oberschule". 2. Ausführungen von Fräulein Bechtolsheimer zum gleichen Thema. (Aus der Praxis). Gäste willkommen. Landschastsbund Volkstum undHeimat. Ortsring Gießen. Die Mitglieder des Bundes und der angeschlossenen Verbände werden zu regem Besuch des Filmvortrags „Deutscher Seidenbau" am Sonntag, 14. Juni, im Gloria-Palast eingelaben. Singtreffen des LVH. in Kloster Arnsburg. Der Landschaftsbund Volkstum und Heimat veranstaltet am 4. und 5. Juli 1936 fein zweites ©aufingtreffen in Kloster Arns- bürg bei L i ch. Es hat sich im vergangenen Jahr erwiesen, daß die weiträumige Anlage der schönen, alten Klosterruine in besonderem Maße zur Veranstaltung eines Singtreffens geeignet ist. — So soll denn in diesem Jahre wieder die große Kirchenruine und der wundervolle gotische Kapitelsaal, in die die Natur mit ihrer sommerlichen Lebendigkeit hineinspielt, die Teilnehmer des Treffens zu frohem Singen vereinen. Die gemeinsame Arbeit beginnt Samstags um 20 Uhr mit einem Abendsingen im Kapitelsaal. Unter anderem wird bei dieser Gelegenheit der Singkreis Gießen eine Chorkantate von Dietrich Buxtehude fingen. Im Mittelpunkt der sonntäglichen Morgenarbeit soll ein acht stimmiger Doppelchor von Gabrieli, dem genialen Lehrer unseres Meisters Heinrich Schütz, stehen: „Fröhlich zu sein in Ehren, das soll uns niemand wehren". Die Nachmittagsarbeit endet mit der Schlußmusik um 16 Uhr, bei der das musikalische Gesamtergebnis des Tages in einer kleinen Feier zusammengefaßt werden soll. Der LVH. wendet sich mit seiner Einladung zu diesem Treffen an alle, die ein echtes Verhältnis zum guten Volkslied und zu wertvoller Volksmusik haben. Wir empfehlen sofortige Anmeldung an Otto Siegler, Gießen, Am Nahrungsberg 63, der auch nähere Auskunft über Einzelheiten gibt. Instrumentalisten melden sich unter Angabe ihres Instrumentes. tete, seine Eltern und Großeltern zu Hause er- Großkundgebung der AS.-Irauenschast in der Volkshalle Gießen am Sonntag, dem 14.3uni, Beginn 45 Uhr Ls sprechen: Gaufrauenfchastsleiterin Westernacher Gauorganisationsleiter Bickendorfs Kreisleiter Zürtz -Lauterbach Gaupropagandaleiter 7Nüller-§cheld. der ursprünglich zu dieser Kundgebung sprechen wollte, ist leider durch anderweitige dienstliche Inanspruchnahme verhindert. Wir machen nochmals alle Volksgenossen aus Gießen und Umgebung auf diese Kundgebung aufmerksam. Wer an den Fragen und Problemen unserer Zeit interessiert ist, wird die Gelegenheit nicht versäumen, diese Kundgebung zu besuchen. Von allen Parteigenossen, Mitgliedern der Gliederungen und politischen Leitern erwarten wir, daß sie zahlreich an dieser Kundgebung teilnehmen. Die Fahnen der Gießener Ortsgruppen sind mit je zwei Fahnenbegleikern um 14.50 Uhr vor der Volkshalle angetreten. Eintritt 0,20 RTN. Vorverkauf täglich von 10 bis 12 und von 15 bis 17 Uhr in der Kreisgeschäftsstelle der NS.-Frauenschast im Hause des LasL Hettler. Kreisleitung Wetterau der NSDAP. .Auf Einladung des Festfolgeausschusses hat sich der 62 Fahre alte Freiherr Fritz Schenk zu Schweins berg in Kirtorf (Kreis Alsfeld) bererterklart, seinen Ahnherrn bei den < Addern und im Festzug ustellen. In seinem Gefolge be- finoet sich außerdem als Knappe sein 14» z?cr zufällig den Namen ® uKn f r a 91. Heute, wo die Geschlechterkunde wieder zu verdientem Ansehen gekommen ist, wird es für Grünberg eine besondere im historischen Festzug Glieder dieses Uradelsgeschlechtes mitreiten zu sehen. Oienstjubiläum beim Amtsgericht Grünberg. ♦ Grünberg, 13. Juni. Der Oberamtsrichter bei dem Amtsgericht Grünberg Karl Dölp duckt am 14. Juni auf eine 41jährige Dienstzeit Zuruck. Aus diesem Anlaß hat ihm der Führer und Reichskanzler seine besten Wünsche ausgesprochen und damit seinen Dank und seine Anerkennung für die dem Reich geleisteten treuen Dienste verbunden. Am heutigen Samstagvormittag fanden sich nn Sitzungssaal des Amtsgerichts die Beamten und Angestellten des Gerichts zu einer schlickten Ehrung ihres langjährigen Amtsvorstandes zusammen, ju dieser Feier war auch der Präsident des Landgerichts Gießen erschienen, der in seiner Ansprache die langjährigen treuen Dienste des Jubilars an Volk und Vaterland würdigte und ihm das Gmcr- Wunschschreiben des Führers überreichte. Rätselhaftes Verschwinden eines 43jährigen Knaben. ± Nidda, 12. Juni. Seit Mittwoch 17.45 Uhr ist der 13jährige Schüler Reinhold Schwab, einziges Kind von Wagenmeister Adolf Schwab im benachbarten Geiß-Nidda, auf rätselthafte Weise verschwunden und bis zur Stunde noch nicht gefunden. Er und zwei Gefährten von etwa 17 Jahren be- schäftigten sich mit Schießen von Spatzen vermittelst eines Floberts. Zur bezeichneten Zelt verlieh er die Kameraden, da er, wie er richtig behaup- warte. Diese, gegen 18.30 Uhr eingetroffen, legten dem Fehlen des Jungen anfangs eine Bedeutung nicht bei. Doch als er bei Anbruch der Nacht noch fehlte, bangte man um ihn und suchte bei Bekann- ten und Verwandten, jedoch ohne das erwartete Resultat. Auch die Nachforschung der Bürgerschaft am Donnerstagfrüh um 4 Uhr, zunächst in allen Pfuhl- und sonstigen Gruben, dann in der näheren Umgebung, hatte nicht den erhofften Erfolg. Heute Nachmittag suchen die hiesigen Arbeitsdienstler die Nidda in der Gemarkung Geiß-Nidda und einen nahen Wald ab. Die Bevölkerung von Geiß-Nidda und der Nachbarorte ist begreiflicherweise in gro- her Aufregung über das unbegreifliche Verschwinden des Jungen, den Ortsangehörige nach 17.45 Uhr nicht mehr gesehen haben. + Grünberg, 12. Ium. Anlaß zur 750-Jahr- feier der Stadt Grünberg vom 27. bis 29. Juni gab bekanntlich die Erbauung der Burg Grünberg durch den Landgrafen Ludwig III. von Thüringen und Hessen im Jahre 1186, aus der sich später die ^vtadt gleichen Namens entwickelte. Der älteste uns bekannte Vogt (Statthalter) des Landgrafen auf der Burg Grünberg war ein Guntram von Mar- bürg Dieser Guntram von Marburg steht im Mittelpunkt des ersten lebenden Bildes beim Festakt am Samstagabend in der Turnhalle — einer Darstellung seiner Vereidigung, durch den Land- grasen — und fuhrt auch am Festsonntag die erste Gruppe des historischen Festzuges — Kettenpanzer- ntter nnt Herolden — an Guntram von Marbura ... . m - ----- , — Juntram von Marburg A ein Vorfahre des heute noch in Oberhessen an- Essigen Geschlechts der Freiherren Schenk zu Schweinsberg. Seine Amtszeit als Vogt der Burg Grünberg dauerte von 1216 bis 1234; er war ein Enkel des Eckehard von Ulfa, von dem alle heute noch lebenden Schenke abstammen. Marschkolonne aufgehoben hatte, plötzlich rückwärts auf die Straße. Im gleichen Augenblick passierte ein Personenkraftwagen, der einem entgegenkommenden Lastkraftwagen auszuweichen hatte, die Straße. Das Kind wurde von dem Personenauto erfaßt und zu Boden geschleudert; es erlitt Verletzungen am Koos und am Hals und wurde in die elterliche Wohnung nach Leihgestern gebracht. Die polizeilichen Ermittlungen sind im Gange. Oberhessen. Erfolge der Wiesecker Stenographen. * Wies eck, 12. Juni. Bei dem aus Anlaß des Kreisgebietstags der Deutschen Stenographenschaft im Mai hier abgehaltenen Leistungsschreiben in Deutscher Kurzschrift hatten die Wettschreibteilnehmer der hiesigen Ortsgruppe einen überaus guten Erfolg. Von insgesamt 34 Wettschreibern — eine bei Kreistagungen bisher noch nie erreichte Beteiligungsziffer — konnten 33 erfolgreich abschneiden. Unter den von ihnen abgegebenen 58 Arbeiten wurden im Schnellschreiben 10 mit der Note „Hervorragend", 17 mit „Sehr gut" und 4 mit „Gut" bewertet, während im Richtigschreiben drei „Hervorragend", 30 „Sehr gut" und 11 „Gut" erzielt wurden. Erstmalig beteiligten sich an diesem größeren Leistungsschreiben mit großer Freude und Begeisterung auch unsere jüngsten, erst 13jährigen Kurz- schriftler, deren Arbeiten besonders lobende Erwähnung verdienen. — Die Ergebnisse ermuntern zum Streben nach weiteren Erfolgen auf dem bevor- stehenden Leistungsschreiben, das mit der diesjährigen Gaugebietstagung am 4., 5. und 6. Juli in Gießen verbunden ist und für den die Wiesecker Stenographen schon seit einigen Wochen rüsten. 7S0-Zahrfeier von Grünberg. tat ein. Professor Dr. Reinwein spricht über das Thema „Zwischen Weiß und Rot" (Erlebmsse in sibirischer Gefangenschaft). Auf die heuttge An- zeige sei hingewiesen. „ ** Die Vermietung der neuen Marktlauben betrifft eine Bekanntmachung der Stadtverwaltung im heutigen Anzeigenteil. Die Be- sttmmungen für die Vermietung sind bei der Standzeichenstelle von dem Wochenmarkt und im Stadthaus, Bergstraße 20, Zimmer 18, erhältlich. Auf die Bekanntmachung sei besonders hingewiesen. ♦* Dolkspreisschießen des Schützen- v er eins Gießen. Der Schützenverein Gießen e. D., veranstaltet am 14. Juni 1936 von 8 Uhr bis 19 Uhr auf seinen Schießständen zum dritten Male ein Gruppen- und Volksschießen, das wie seine beiden Vorgänger bei der Bevölkerung unserer Stadt und der näheren wie weiteren Umgebung sich gleicher Beliebtheit erfreuen wird. Es sind bei geringem Einsatz wertvolle Preise zu gewinnen, darunter: 1. Preis: 1 Bild des Führers (Ehrengabe der Stadt Gießen), 2. Preis: 1 Fahrrad, 3. Preis: 1 Wanduhr, 4. Preis: 1 Photoapparat, 5. Preis: 1 Besteckkasten. Die Preise zu dem Gruppen- und Dolks- schießen sind bei der Firma A. Reinig in Gießen teilweise ausgestellt. Das Schießen ist offen für jedermann. Die Kampfschützen des Schützenvereins können sich nur außer Konkurrenz beteiligen. Für Formationen findet das Gruppenschießen unter den bekannten Bedingungen statt. Man hofft auf eine starte Beteiligung aller Volksgenossen. ** Der kehrsunfall auf der Straße nach Leihgestern. Gestern nachmittag ereignete sich auf der Straße nach Leihgestern ein Verkehrsunfall. Die 10jährige Marie Maid, die mit der Schulklasse unterwegs war, trat, als der Lehrer die Gestern abend tot anfgefunden. Wie wir heute, Samstag, morgen hören, hat das rätselhafte Verschwinden des 13jährigen Reinhold Schwab bereits seine Aufklärung gefunden. Der Junge wurde in einem Kanal inmitten des Dorfes tot aufgefunben. Nach den bisherigen Fest- stellungen liegt eine Tötung durch eine Fahr- lässigkeit eines Kameraden vor, der mit der Schußwaffe unvorsichtig umging. Die polizeilichen Ermittlungen über den tief bedauerlichen Vorfall sind im Gange. Ein Zechpreller-Kleeblatt festgenommen. LPD. Bad-Nauheim, 12. Juni. Zwei Män- ner und eine Frau schädigten in Bad-Nauheim mehrere Gaststätten, indem sie sich dort Speise und Trank trefflich munden ließen und dann auf Nimmerwiedersehen verschwanden. Der Polizei gelang es jetzt, das taubere Kleeblatt zu verhaften. Bei der Festnahme machte einer der Zechpreller, der anscheinend noch mehr auf dem Kerbholz hat, einen Fluchtver- such, der jedoch mißlang. Salzgrafentag in Bad-Nauheim. 2j?b- »J-^oufceim, 12. Juni. Am 27. und 28. Ium findet m Bad-Nauheim eine große Arbeits- tagung der Referenten und Kreisringleiter des Land- schaftsbundes ,,Volkstum und Heimat" statt. Verbunden mit dieser Tagung wird der „Salzqrafen- tag der Brauchtum aus der Zeit des Salzsieder- dorfes Nauheim übermitteln wird. U. a. sieht das Programm auch einen Festzug beim Salz- grafenfest vor, dem ein Brunnenfest nnt Salzgrafen- triinf folgt Landschaftsleiter Ministerialrat Rings- Hausen spricht bei einer Kundgebung. ö Ein Kind durch heißes Wasser verbrüht Lauterbach, 12. Juni. Im Kreisort Gunzenau ereignete sich ein tragischer Unglücksfall Lef/in ^"schenleben forderte. Ein kleiner Junge b-’k ÄU£t)e' ln der eine Wanne mit k o - d) e n d - heiße m W a s s e r auf dem Boden stand Das zwelfahnge Kind stolperte und fiel rück- ® a r t s ln die Wanne. Mit schweren Verbrü- Hungen wurde der Junge in das Landeskranken- Haus nach Fulda eingeliefert, wo er feinen schweren Verletzungen erlag. ' " Landkreis Gießen. r Lich, 11. Juni. In unserem Städtchen trafen sich vieler Tage die noch lebenden ehemaligen ^cküler der einstigen Präparanden, schule die in den Jahren 1885 bis 1887 Schüler dieser Anstalt gewesen waren. Die Anregung xu trie er Zusammenkunft war von Rektor t. R. Ludwig Erb und Lehrer Karl D ärmer, die beide zu den Jahrgängen gezählt haben und in unserer Stadt wohnen, ausgegangen. Die meisten dieser alten Lehrer, bis auf drei, sind heute Lehrer im Ruhestände. Unser Städtchen mit seinen Schönheiten hatte es ihnen angetan, sie wollten es noch einmal sehen. Mancher suchte auch noch einmal seine alten Quartierleirte, so sie noch am Leben waren, auf und warf einen Blick in das Zimmer, das er vor 50 Jahren bewohnt hatte. Am Nach- mittag wurde der vielen noch aus der Erinnerung bekannte Weg nach Arnsburg eingeschlagen und die alte Klosterruine besichtigt. Gegen 2Ibenb traten die alten Herren, nachdem sie so manches alte Erleben ausgetauscht hatten, die Heimreise an. CO Klein - Linden, 11. Juni. Bei der Schweinezwischenzählung am 4. dieses Monats wurden in unserer Gemeinde 389 Schweine gezählt. * Klein-Linden, 12. Juni. Am kommenden Samstag kann Eisenbahnwärter i. R. Johannes Vogel in körperlicher und geistiger Frische seinen 77. Geburtstag im Kreise seiner Familie begehen. Kreis Friedberg. LPD. Friedberg, 12. Juni. Die Rosenzüchter von Steinfurth, das zu den größten und bekanntesten Rosenzuchtgebieten des Reiches zählt, veranstalten am 18. und 19. Juli eine große Schnitt- r osen-Schau. Kreis Alsfeld. H- Ober-Ohmen, 12. Juni. Heute hat ein zweiter Volksgenosse von hier seinem Heimatdorf „Lebewohl" gesagt, um eine Siedle r st e l l e in Brandenburg anzutreten. Wenngleich anderorts bessere Existenzverhältnisse zu erwarten sind, fällt der Abschied von der alten Heimat, wo man geboren wurde und Jahre seines Lebens verbrachte, dennoch ungemein schwer. Das Bewußtsein, immerhin im Vaterland aller Deutschen zu bleiben, läßt den Trennungsschmerz etwas mildern. Große Strafkammer Gießen. An dem gestrigen Verhandlungstage befaßte sich die Große Strafkammer mit dem Paul Seger aus Frankfurt a. M. wegen Betrugs, schwerer Urkundenfälschung und Beleidigung. Der Angeklagte, der bereits vorbestraft ist, verstand es, sich auf ' Grund gefälschter Papiere nach der Machtübernahme des Führers die Stelle des Stadtbaumeisters in Vilbel zu verschaffen. Er ging dabei in äußerst raffinierter Weise vor, indem er die gefälschten Urkunden zur Beglaubigung von Abschriften der Polizei in Frankfurt a. M. vorlegte, die ihren Stempel darunter setzte und somit den Urkunden den Anschein der Echtheit auferlegte. Mit , diesen gefälschten Abschriften gelang es ihm nun, den fraglichen Posten zu bekommen, den er vom September 1933 bis April 1934 begleitete. U. a. legte er unechte Zeugnisse über den erfolgreichen Besuch der höheren Hoch- und Tiefbauschule, sowie ein Diplom der Technischen Prüfungsanstalt in Berlin vor. Als der Bürgermeister hinter die Betrügereien des Angeklagten kam, brachte dieser es außerdem fertig, ihn in Form eines Briefes, der nach Berlin gerichtet war, mit den gemeinsten Beleidigungen zu belegen. Das Vorleben des Angeklagten ist für seine neuen Straftaten recht bezeichnend. Schon mehrere Male versuchte er durch Hochstapeleien und Betrügereien sich von Frauen erhebliche Geldbeträge zu verschaf- fen. Einem Mädchen gegenüber gab er sich als Postassessor aus, der demnächst zum „Postdirektor" befördert würde. Im Jahre 1932 heiratete er, um in den Besitz einer Mitgift von 25 000 Mark zu kommen; aber schon nach wenigen Monaten wurde die Ehe geschieden. Einem anderen Mädchen, dem er ebenfalls die Ehe versprach, entlockte er 200 Mark. Später lebte er mit einer verheirateten Frau in wilder Ehe. In der gestrigen Sitzung erschienen rund 40 Zeugen, die ein Bild von dem Angeklagten und feiner „Arbeit" abgaben. Sv sollte er in feiner Eigenschaft als Stadtbaumeister Pläne über einen neuen Hotelbau und die Herstellung einer neuen Straße in Vilbel ausarbeiten. Dazu war er natürlich in Anbetracht seiner mangelnden Vorbildung nicht in der Lage. Als er einen Plan für das Schwimmbad unfertigen sollte, beauftragte er einen seiner Angestellten mit dieser Angelegenheit, beseitigte dessen Namen unter dem Plan und setzte seinen eigenen darunter. In Anbetracht des Umfanges, die die An- gelegenheit genommen hat, wurde die gestrige Sitzung auf den kommenden Mittwoch vertagt. Bis dahin sollen noch weitere Zeugen geladen werden. Gegen den Angeklagten wurde Haftbefehl erlassen. Sistmvrdprvzeh Vogler vor dem Mainzer Schwurgericht. LPD. Mainz, 12. Juni. In der Mstmordsache -Vogler beginnt nunmehr nach umfangreichen Ermittlungen am 29. Juni die Hauptverhandlung vor dem Schwurgericht in Mainz. Der Beschuldigten Frieda Vogler aus Mainz-Kostheim wird da- nach zur Last gelegt, ihren Ehemann, den Gastwirt Georg Vogler, und den Friseur S. durch Gift ermordet und gleichzeitig Vergiftungsversuche an Irem Stiefsohn Georg Valentin Vogler, dem Installateur K. und an der Ehefrau H. vorgenommen zu haben. Sämtliche Personen erkrankten nacheinander in den Jahren 1930—1934 unter fast öenfelben Krankheitserscheinungen, wie heftige Schmerzen im Leibe, Lähmung der Beine, völliger Haarausfall, Nachlassen der Sehkraft bis zur fast völligen Erblindung. Besonders entsetzlich war das seiden des Stiefscchnes, der wiederholt das Kran- kenhaus aufsuchte. Als er dann wieder nach Haufe kam, erkrankte er von neuem, fo daß er schließlich bei Verwandten Unterkunft suchte. Im Verlaufe der Ermittlungen wurden die Leichen des Gastwirts Vogler und des S. ausgegraben. Die chemische Untersuchung der Leichenteile ergab das Vorhandensein von Gift, das tödlich ae- wirkt haben mußte. Die Beschuldigte stammt aus Unterwittingshaufen tn Baden. Bereits im Jahre 1911 kam sie nach Mainz, wo sie im Jahre 1913 den Gastwirt Vogler heiratete, der verwitwet war und aus feiner ersten Ehe einen Sohn, Georg Valentin Vogler, mit in die Ehe brachte. Der Prozeß erhält durch die darin zu erörternden medizinischen Fragen und dem in dem Verfahren Ä^^oße Rolle spielenden Aberglauben der De- schuldigten eine interessante Note. Es sind über 100 Zeugen zur Hauptverhandlung aufgeboten. Shrenbriefe für MTDer. Gießen. Kreisfachamtsleiter Karl Da u p ert (Wieseck) vom Fachamt I (Turnen, Gymnastik, Sommerspiele) des Reichsbundes für Leibesübungen erschien in der jüngsten Vorstandssitzung des Männer-Turnvereins Gießen, um führende und in 30- bis 50jähriger Mitarbeit bewährte Turner in herkömmlich schlichter Weise zu ehren. Nach überzeugungstreuer Ansprache über die Werte echten Tumertums für Volk und Vaterland und unter dankbarer Würdigung der Verdienste jedes einzelnen überreichte er auftragsgemäß die hohe Auszeichnung des Ehrenbriefes der Deutschen Turnerschast an die Turner Karl Lang, Wilh. Michel und Karl Müller, den Ehren- brief des Heimatturnkreises Lahn-Dill im Gau 12 Hessen den Turnern Heinrich Dechert, Rudolf Leisler und Wilh. Gerhard. Zugleich im Namen seiner mitgeehrten Kameraden dankte der Vereinsführer Karl Müller mit dem Gelöbnis, in alter Treue zur Turnsache weiter einsatzfreudig mitzuarbeiten in der großen Gemeinschaft des neuen Reichsbundes. Ein Wort an die Krastwagenführer. Don einem Radfahrer, der die Mahnung der Kraftwagenführer an die Radfahrer in unserer Ausgabe vom Mittwoch mit großer Aufmerksamkeit gelesen hatte, geht uns folgende Erwiderung zu: „Als sehr vorsichtiger und langjähriger Radfahrer möchte ich manchem Kraftwagenfahrer zurufen: „Fahrt scharf rechts, habt aber auch Acht auf die vor euch fahrenden Radfahrer!" Geschah es mir doch dieser Tage, als ich auf der Ludwigstraße vom Ludwigsplatz kommend in die Alicestraße langsam, vorsichtig bremsend, einbog, daß hinter mir ein Personenwagen, ein kaum hörbares Signal gebend und hart auf der rechten Seite fahrend, herkam und ebenfalls in die Alicestraße einbog. Der Kraftfahrer hatte das Tempo kaum gemindert, und hätte ich mich nicht sofort nach dem Bürgersteig zu fallen lassen, so hätte ich sicherlich mit dem Hinteren Kotflügel unliebsame Bekanntschaft gemacht. Häufig kann man jetzt auch auf dem Weg über die Lahybrücke die Beobachtung machen, daß von den Kraftfahrern nicht immer auch die notwendige Rücksicht auf Radfahrer genommen wird. Es er» scheint gerade jetzt um so notwendiger als durch Gleisumbauten der Biebertalbahn die Lahnbrücke schwer passierbar geworden ist. Solange nichts passiert, mag es angehen! Don der kritischen Situation zum Unglück ist aber nur ein kurzer Schritt!" „Nehmt", so schließt der Einsender feine Zuschrift an die Kraftfahrer, „Rücksicht auch auf den Radfahrer." Deutscher Schneidertag 4936. Im Anschluß an den Reichshandwerker-Tag fand in Frankfurt a. M. der Deutsche Schneider- Tag, die Tagung des Reichsinnungsoerbandes des Herrenschneider-Handwerks, statt. Wie aus allen Orten Deutschlands, nahmen an ihr auch Vertreter unserer hiesigen Herrenschneider-Innung teil. In eingehenden Darlegungen wurden auf der Tagung die beruflichen, fachlichen und wirtschaftlichen Fragen des Herrenschneider-Handwerks erörtert. Vor allem spielten dabei das berufliche Aus- blldungs- und Prüfungswesen und Maßnahmen zur sachlichen und wirtschaftlichen Ertüchtigung des Herrenschneider-Handwerks eine Rolle. Von Interesse ist, daß das Herrenschneider-Handwerk plant, ein Gütezeichen für Maßkleidung einzuführen, das dazu bestimmt ist, das gute Erzeugnis gegenüber minderwertigen Erzeugnissen äußerlich zu kennzeichnen. Einen interessanten Einblick in die kulturellen Bestrebungen des Herrenschneider-Handwerks bot die am Nachmittage stattfindende Mode-Tagung. Schon seit Jahren hat die Pflege der Mode im Herrenschneider-Handwerk eine Heimstätte gefunden. Und diese Arbeiten haben schon bisher zu erfreulichen (Erfolgen geführt, indem man auch im Aus- lande und zumal in England, dem Lande der Her- renmobe, von einem deutschen Stil in der Mode spricht und ihn anerkennt. Zur Förderung und Verstärkung dieser Bestrebungen hat der Reicks- innungsoerbanb beg Herrenschneider-Handwerks seit kurzem im Rahmen seiner Organisation ein besonderes Mobeamt eingerichtet. Dieses Mobeamt trat burch bie diesmalige Modetagung zum ersten Male äußerlich in Erscheinung. Die den Schneidertags- Teilnehmer gezeigten Modellvorführungen brachten den Willen des Herrenschneider-Handwerks zum Ausdruck, nicht nur fachlich gute Leistungen hervorzubringen, sondern auch dem Gedanken der Mode eine besondere Pflege angedeihen zu lassen und das kulturelle Ziel zu verfolgen, bas Kleidbild unseres Volkes entsprechend ber geistigen Haltung unserer Zeit zu gestalten. Alles in allem zeigte bie Tagung, daß auch das Herrenschneider-Handwerk mit allen Kräften bemüht ist, seine Reihen nach der großen Linie auszurichten, die der Reichshandwerker-Taa erneut für das gesamte Handwerk vorgezeichnet hat, nämlich den Dolksgemeinschafts- und Leistungswillen in feinem Bereich zu stärken und das Herrenschneider- Handwerk zu einer wahren Berufs- und Leistungs- gerneinschaft zusarnmenzuschließen. (Siebener Dochenmarklpreife. * Gießen, 13. Juni. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, % kg 1,55 Mark, Landbutter 1,42, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Gier, deutsche, Klasse S 11, Klasse A IOK, Klasse B 10, Klasse C 9%, (Enteneier 9 bis 10, Wirsing, % kg 10 bis 12, Weißkraut 15 bis 20, gelbe Rüben, das Bündel 10 bis 15, Spinat 10 bis 20, Römischkohl 10 bis 12, Bohnen, grün, 40, Spargel 25 bis 55, Erbsen 30 bis 40, Mischgemüse 10 bis 12, Tomaten 50 bis 60, Zwiebeln 14 bis 15, das Bund 10, Rhabarber, % kg 10, Pilze 50, Kartoffeln, 5 kg 45 Pf., 50 kg 3,95 Mark, neue, kg 15 bis 18 Pf., Aepfel 30 bis 70, Kirschen 40 bis 60, Stachel- beeren 25, Erdbeeren 50 bis 65, junge Hähne 90 Pf. bis 1 Mark, Suppenhühner 90 Pf., Tauben, das Stück 50 bis 60 Pf., Blumenkohl 30 bis 90, Salat, 3 Stück 10, Salatgurken, das Stück 30 bis 40, Ober» kohlrabi 5 bis 12, Sellerie 10 bis 40, Rettich, 10 bis 15, das Bündel 10 bis 15, Radieschen, das Bündel 10 Pf. ♦ ** „Frauenbildnis mit Schmuck." Der Oberhessische Kunstoerein zeigt in der Zeit vom 14. bis 28. Juni im Foyer des Stadttheaters 80 Arbeiten des Wettbewerbs der Deutschen Gesellschaft für Goldfchmiedkunst unter dem Titel „Frauen- bilbnis mit Schmuck". Aus die heuttge Anzeige sei besonders aufmerksam gemacht. ** „Zwischen Weih und Rot." Rektor, Dozenten- und Studentenschaft der Universität Gie- ßen laden für den kommenden Montag, 15. Juni, zu einem Vortrag in die Neue Aula der Unioersi.' GießenerStaWealerwirbtsmdieWinlerspicheil zur Verteilung. Bedingung ist jedoch, daß der geworbene Platzmieter in der letzten Spielzeit keine Platzmiete hotte. von der Intendanz des Gießener Stadttheaters wird uns geschrieben: War die letzte Spielzeit die der Wiedergewinnung des Vertrauens und die des weiteren Aufbaues, so soll die kommende Spielzeit eine Spielzeit noch wei- ter gesteigerter Leistungen sein. Mit wesentlichen Veränderungen und Ergänzungen des darstellenden Personals und nach Vornahme notwendiger baulicher und technischer Ausgestaltungen (Drehbühne, Beleuchtungsanlage usw.) geht das Stadttheater Gießen in die Winterspielzeit 1936/37. Mit dieser Werbung wendet sich die Theaterleitung an alle Kreise der Bevölkerung und mit dem betonten Ziel: einen der Einwohnerzahl Gießens entsprechenden Stamm von Platzmietern zu gewinnen, deren regelmäßiger Besuch einen wirklich künstlerischen Aufbau erst sicherzustellen vermag. Wir hoffen bestimmt, in der nächsten Spielzeit alle bisherigen Inhaber von Stammplätzen wieder als ständige Freunde des Theaters begrüßen zu können. Aber — wir rechnen zuversichtlich, aus den Reihen der dem Theater noch Fernstehenden viele neue Stammplatzmieter zu gewinnen. Als Platzmieter erhalten Sie 32 Vorstellungen, die sich auf 20 Schauspiele, 6 Opern, 5 Operetten und in jeder Mete 1 Sinfoniekonzert verteilen. Diese Zusammenstellung bietet die bestmögliche Gelegenheit, anerkant gute Aufführungen eines vielgestaltigen Spielplans zu besuchen. Die Intendanz hat für die ausscheidenden Mitglieder bewährte neue Kräfte verpflichtet, die mit den verbleibenden Darstellern sich zu einem Ensemble vereinen, das dem Charakter unseres Theaters und dem unter dieser Berücksichtigung aufgestellten Spielplan weitgehendst entspricht. Die Theaterleitung glaubt alle Voraussetzungen getroffen zu haben, um dem Stammplatz-Mieter an seinem Theaterabend erlesene Kunst bieten zu können. Wer sich als Mieter meldet, braucht nicht seine meist tnapv bemessene Zeit durch langes Anstehen an der Kasse zu vertun. Sein ständiger, fester Platz am bestimmten, von ihm selbst gewählten Tag enthebt ihn dieser Unannehmlichkeiten. Auch für etwaigen Verhinderungsfall des Besuchers sorgt die Theaterleitung; denn die mit der Stammkarte ausgelieferten Gutscheine ermöglichen bei Nichtbesuch einer Vorstellung den Umtausch. Ganz abgesehen davon, ist die Stammkarte auch übertragbar, so daß man ohne vorherigen Umtausch auch Verwandte, Freunde oder Bekannte ins Tyeater gehen lassen kann. Die Sonnkag-Morgenveranstallungen, ein erfolgversprechender Versuch der letzten Spielzeit, werden systematisch und programmatisch weiter ausgebaut und finden etwa alle 14 Tage statt. Für unsere Platzmieter ist der Besuch dieser Veranstaltungen kostenlos. Außer den im Spielplan angeführten Werken plant die Intendanz eine ganze Reihe bedeutender Gastspiele und bemerkenswerter Sonderveranstaltungen. Zu diesen steht den Platzmietern außer dem Vorrecht der Bestellung noch verbilligter Eintritt zu auf Grund der ebenfalls zur Ausgabe gelangenden Dorzugsgutscheine. Selbstverständlich können diese Dorzugsgutscheine auch zu sämtlichen anderen Vorstellungen der Spielzeit eingelöst werden. Aber außer diesen Vorteilen des Platzmieters auf Bevorzugung und Bequemlichkeit im Theater dürfte wohl der Hauptvorteil des Platzmieters gegenüber dem Ab-und-zu-Theaterbesucher in der wirklich großzügigen Preisgestaltung liegen. Im Vertrauen auf eine bestimmte Zunahme der Platzmieterzahl konnten die Preise für den regelmäßigen Theaterbesucher so festgelegt werden, daß dem Platzmieter eine Verbilligung gegenüber den Tagespreisen bis zu 50 Prozent eingeräumt werden kann. Dazu kommt die Möglichkeit, die Platzmiete in a cht R ate n zu bezahlen. In der heutigen Anzeige sind aus der Aufstellung die finanziellen Vorteile der Platzmiete klar ersichtlich. Die Platzmieten werden ausgegeben für Dienstag, Mittwoch, Freitag. Bei der Aufftellung des Arbeitsplanes des Theaters ist dem Freitag eine besondere Bedeutung zugefallen; denn fast alle Erstaufführungen der Spielzeit finden Freitags statt. Daraus ergibt sich für die Inhaber der Freitags- Miete der Vorteil, daß der Freitagabend eine besondere, festliche Note erhält. Aus diesem Grunde hat die Intendanz die Freitag-Miete gegenüber dem Dienstag und Mittwoch um 10 Prozent erhöht. Wie bisher ist der Mittwoch vor allem den auswärtigen Besuchern vorgemerkt. Durch zeitigen Beginn der Vorstellungen ist auch ein früher Schluß gewährleistet. Damit ist die Möglichkeit gegeben, daß die auswärtigen Besucher mit Ruhe das Ende der Vorstellung abwarten können und nicht in Sorge zu sein brauchen, überstürzt und Mt zum Bahnhof eilen zu müssen oder gar schluh überhaupt nicht mehr zu erreichen. Wir wissen, daß mancher Theaterfreund sich sehr für das Theater einsetzt und recht eifrig für das Theater wirbt. Wir möchten diesen stillen Helfern uns erkenntlich zeigen. Die Theaterleitung hat daher einen Werbeprels eingesetzt. Dieser Werbepreis ermögtlicht jedem Theaterfreund, der einen neuen Platzmieter im 1., 2. oder 3. Ring wirbt, freien Theaterbesuch. Der Werbepreis gelangt in Form von Gutscheinen für jegliche Vorstellung nach eigener Wahl zur Ausgabe, und zwar gelangen nur Gutscheine für Plätze des 1. Rings, auch wenn der Geworbene etwa im 2. oder 3. Ring seinen Mietplatz wünscht. Und zwar kommen für 2 neue Platzmieter 3 Karten des I. Rings 6 8 9 12 10 „ „ 16 „ „ I. „ 20 „ „ 1 Freiplatzmiete im I. Ring Für den künstlerisch interessierten Menschen handelt es sich aber nicht nur um die rein wirtschaftlichen Vorteile der Platzmiete. Die Vorteile des regelmäßigen Theaterbesuches liegen auch auf ideellem Gebiet. Durch Miterleben mit dem Geschehen auf der Bühne lassen wir Dichtung, Musik, Gesang auf uns wirken und werden innere Werte sammeln. Vergleichen wir einmal die Ausgaben für die Nichtigkeiten des Lebens mit denen für Theater und Musik, dann werden wir feststellen müssen, was man dem Theater zahlt, macht nur einen Bruchteil aus gegenüber der Summe, die man vielfach gedankenlos dem Alltag opfert. Goethe nennt den Theaterbesuch „ein Fest, das mit keinem anderen zu vergleichen" ist. Der Platzmieter bekennt sich mit dem Erwerb der Platzmiete zur Arbeit des Theaters und seinen künstlerischen Richtlinien und tritt gleichzeitig den tatkräftigen Beweis dafür an. Er bekundet seine kulturelle Einstellung und seinen ernsten Willen zur Kunst. Die künstlerische Leistungsfähigkeit, die Durchführung des aufgestellten Spielplans und letzten Endes das Weiterbestehen des Stadttheaters Gießen werden durch den Platzmieter gewährleistet. Aus dieser Erkenntnis hat die Intendanz ihrerseits alles getan, das Vertrauensverhältnis zwischen Platzmieter und Bühne weitgehendst zu fördern. Wir setzen daher auch so früh mit der Werbung ein, um allen Wünschen möglichst entgegenzukommen. Wer Wert auf einen guten Platz legt, muß sich sofort melden. Die Theaterkasse, Johannesstraße 3, Telephon 2930, ist werktäglich von 10 bis 13 Uhr geöffnet und zu allen Auskünften und Anmeldungen bereit. SJ.-fpor/ Aus dem heimischen Fußball-Vezirk. Spielvereinigung 1900 Gießen. Spv. Wehlar — 1900 Liga. Am heutigen Samstag treten die 1900er beim Spv. Wetzlar zu einem Gesellschaftsspiel an. Es ist eine alte Ueberlieferung, daß sich die Vereine der näheren Umgebung, die während der Verbandsspiele in harten Kämpfen Zusammentreffen, sich auch einmal in Prioatspielen gegenüberstehen. Wenn diese Spiele auch nicht immer den Charakter eines Freundschaftstreffens tragen, dann hat das darin feine Begründung, daß hier ganz andere Momente mitspielen, als bei irgendeinem anderen Spiel. Bei einem Lokaltreffen sind es die örtlichen Verhältnisse, die dem Spiel seinen Charakter geben und bei diesem Spiel ist es der nachbarliche Zustand, der ihm seinen besonderen Rahmen verleiht. In diesen Spielen werden auch nicht immer die Leistungen gezeigt, die die Mannschaften sonst zu zeigen pflegen, denn durch die unwillkürlich bestimmten Umstände überragt der kämpferische Einsatz die spielerischen Eigenschaften um ein beträchtliches. Meist ist doch der Gedanke maßgebend, einen Sieg zu erringen. Die Chronik verzeichnet es ja nicht, auf welche Art und Weise der Erfolg zustande kam, sondern lediglich, daß nach den und den Niederlagen wieder solch beachtliche Siege errungen worden sind. Unter diesem Eindruck wird auch der heutige Kampf stehen. Die Wetzlarer werden bestrebt sein, ihre Erfolgserie aus den Verbands- und Pokalspielen fortzusetzen, während die Blau-Weißen darauf bedacht sind, wieder einmal einen Sieg zu erringen. Ob dies in der Aufstellung Schmidt; Zeiler, Lippert; Langsdorf, Heilmann, Jäger; Schellhaas, Ranft, Enders, Garth, Hain möglich sein wird, halten wir für sehr fraglich. Der Sturm müßte dann schon wie umgewandelt sein, wenn er gegen die harte Verteidigung der Platzbesitzer mit Erfolg bestehen könnte. Es wird wohl wieder Aufgabe von Lippert und Zeiler sein, daß Schmidt nicht allzuviel Arbeit bekommt. 1900 AH. — Bad-Nauheim AH. Am Sonntag findet das Rückspiel der AH.-Mannschaften statt. Hier läßt sich ein voraussichtlicher Sieger nicht bestimmen. Der Spielverlauf in Bad- Nauheim zeigte, daß beide Mannschaften ziemlich gleichwertig sind. Es wird also auch hier wieder die Tagesform entscheiden. VfB.-Reichsbahn Gießen. VfV.-Reichsbahn 2. — Herbornseelbach 1. Die 2. Mannschaft empfängt zum Rückspiel die 1. Mannschaft von Herbornseelbach. Im Vorspiel konnten die Gießener gegen die Gäste, die einen Mittelplatz der Kreisklasse der Gruppe Dill einnehmen ein Unentschieden auf dortigem Gelände herausholen. Da die Gießener in diesem Spiele den Vorteil des eigenen Platzes haben, so müßten sie nach diesem Ergebnis einen Sieg erringen. Da aber gerade die Spielstärke der 2. Mannschaft seit dem Vorspiel bedeutend nachgelassen hat, so liegt ein Sieg näher für die Gäste, als für die Hiesigen. Nach langer Zeit haben die VfBer endlich wieder einmal ihre komplette 2. Mannschaft zur Stelle. Es ist daher allein entscheidend, wie die Gießener sich spielerisch zusammenfinden Ein interessantes Spiel ist zu erwarten. VfB.'Reichsbahn 1. 3gb. — So. 05 Wetzlar 1. 3gb. Bekanntlich konnten die VfBer sich in der hiesigen Kreisgruppe durchsetzen. Desgleichen die Wetzlarer in der dortigen Gruppe. Das Vorspiel konnten die Wetzlarer auf eigenem Gelände knapp mit 2:1 Toren gewinnen. Bei diesem Spiele waren die Wetzlarer auch unbestritten die bessere Mannschaft. Allerdings spielten oie Gießener damals offensichtlich unter ihrer sonstigen Form. Zum morgigen Entscheidungsspiel bringen beide Vereine die stärksten Aufitellungen, die sie zur Zeit haben. Da beide Mannschaften über ein spielerisches Können verfügen, das weit über dem Durchschnitt liegt, so werden die Zuschauer bestimmt ein interessantes Spiel zu sehen bekommen. Beide Mannschaften verfügen übr gute Hintermannschaften und auch über Läuferreihen, die sowohl im Aufbau als auch in der Abwehr gut sind. Die Entscheidung wird jedoch bei den Stürmerreihen liegen. Beim Vergleich dieser Mannschaftsteile dürfte der Wetzlarer Jnnensturm dank des körperlichen Einsatzes der drei Innensple- ler besser sein, während bei den Gießenern die rechte Seite die Entscheidung bringen könnte. Schiedsrichter ist Weinandt- Leihgestern. Die 2. Jugend fährt nach Bad-Nauheim und spielt für die 1. des Vereins das fällige Rückspiel gegen Bad-Nauheims 1. Für die Gießener dürfte es nur darauf ankommen, mit einer möglichst knappen Niederlage nach Hause zu kommen, da die Nauheimer 1. Igo. ihnen spielerisch und körperlich überlegen sein sollte. Ein Unentschieden wäre für die Gießener ein Achtungserfolg und würde darüber hinaus eine Ueberraschung bedeuten. Spielabteilung Tv.1889 Klein-Linden Klein-Linden 1. 3gb. — Spvgg. 1900 1.3gb. Heute abend trägt die erste Jugend ihr Pflichtspiel gegen die erste Jugend der Spieloereinigung 1900 Gießen aus. Die beiden Mannschaften haben ihre Kräfte bisher in drei Spielen gemessen, von denen jede Mannschaft eins für sich entscheiden konnte und das dritte einen unentschiedenen Ausgang nahm. Samstag abend treffen daher zwei in ihren Leistungen ziemlich ausgeglichene Mannschaften aufeinander, von denen jede bestrebt sein wird, zu beweisen, daß sie stärker ist. Klein-Linden I — Leihgestern I. Am Sonntagnachmittag tragen die aktiven Mannschaften der vorgenannten Vereine ein Freundschaftsspiel in Klein-Linden aus. Das Vorspiel in Leihgestern endete wider Erwarten mit einem 3.1- Sieg der Klein-Lindener Turner. Dieser Sieg war jedoch nur einer Mannschaft möglich, die sich bis auf den letzten Mann vollständig einsetzte. Die Kampfkraft und technische Leistung der Klein-Lindener ersten Mannschaft ist in letzter Zeit durch Verhinderung einiger Spieler erheblich geschwächt worden. Leihgestern hat dagegen trotz der 5:1-Nieder- läge gegen die Liga der Teutonia Watzenborn- Steinberg bewiesen, daß sich die Mannschaft auf beachtlicher spielerischer Höhe befindet. Kommenden Sonntag treten beide Mannschaften wieder in stärkster Aufstellung an. Man erwartet einen anregenden Kampf. Fußballabteilung des Turnvereins Alten-Buseck. Alten-Buseck 1. 3ugenb — Lollar 1. 3ugenb. Am morgigen Sonntag herrscht auf unserem Sportplatz reger Spielbetrieb. Drei Mannschaften treten auf den Plan. Die erste Jugend-Mannschaft eröffnet den Reigen mit einem Pflichtspiel gegen die 1. Jugend von Lollar. Da Alten-Buseck seit langer Zeit wieder zum erstenmal komplett antritt, ist der Ausgang des Spieles offen. Allen-Bufeck 1. Schüler — 1900 1. Schüler. Die Schüler messen dann ihre Kräfte mit der 1. Schüler-Mannschaft von 1900 Gießen. Allen-Buseck I — Steinbach I. Als Hauptspiel steigt das Treffen Alten-Buseck I gegen Steinbach I. Die Gäste konnten in ihren letzten Spielen beachtenswerte Ergebnisse erzielen. Da beide Mannschaften gleich spielstark sind, ist mit einem anregenden Kampf zu rechnen. Fußball im Tv. Allendorf (Lahn). Heuchelheim 2. 3gb. — Allenborf/Lahn 1. 3gb. Als erstes Spiel der Rückrunde steht am nächsten Sonntag das fällige Pflichtspiel der genannten Mannschaften in Heuchelheim auf dem Plan. Da beide Mannschaften als gleichwertig anzusehen sind, dürfte ein spannendes Spiel in Erwartung stehen. Die Allendörser müssen leider mit 2 Ersatzleuten antreten. Kreismeisterschasten der Leichtathleten. lieber 200 Teilnehmer geben mehr als 700 Meldungen ab. Der Waldsportplatz des VfB.-Reichsbahn wird am Sonntag zum Großkampfplatz. Jungen-, Mädchen-, Frauen- und Männer-Meisterschaften des Sportkreises Gießen, heißt die Parole. Es geht aufwärts im heimischen Leichtathletik-Lager. Noch nie . 0 weh, Bubi will nicht- essen - Muth hat Schram s Pudding vergessen! MMMWAWk Roman von Marlise Kölling. Urheberrechtsschutz: Verlag Oskar Meister, Werdau. 39 Fortsetzung Nachdruck verboten! Die beiden Bootsleute zerrten den fast hilflosen Körper Petersens an die Reling heran, Hans- Hermann sah, wie der Widerstand des noch halb Betäubten schwach und schwächer wurde. Jetzt hoben alle drei Männer mit voller Kraft den Körper über die Reling — ein Stoß, ein dumpfes Auf- klatschen--Don seinem Versteck aus konnte Hans-Hermann den hilflosen Körper in den Wellen treiben sehen. Da verließ ihn jede Besinnung, jede Vorsicht. Er wußte nur eins: er mußte diesen Menschen retten, et mußte ihn retten, obwohl er eigentlich sein Feind war, obwohl er ihm Benedikte fortgenommen hatte. Er konnte ihn nicht sterben lassen — um Benedik» tes und seiner eigenen Männerehre willen. Kaum waren die drei Männer um die Biegung des Lausganges verschwunden, lief Hans-Hermann aus feinem Versteck hervor; schon war er an der Reling, da hörte er Rufen, Laufen, Schreien. „Nicht rückwärts sehen", dachte er. Er sprang ab, brausend umfingen ihn die Wellen. Oder war es nicht das Brausen des Wassers? Kam von irgend- woher dieses dröhnende Geräusch? Er wußte es nicht. Er tauchte nach einem weiten Bogen an der Oberfläche auf. Plötzlich peitschte em Schuß und noch einer — ein Aufschrei von Hans-Hermanns Lippen, das Wasser um den getroffenen Körper färbte sich rot. Jetzt aber klang das Dröhnen lauter und lauter, es war über der Jacht, über den entsetzt aufschauen- den Verbrechern. Es brauste herab, der große Rie- senvogel glitt auf die Fluten nieder, nahe der Jacht, ein Sprachrohr ertönte: . . „Keinen Schuß, Hände hoch oder wir schießen euch in Grund!" Eine bebende Frauenstimme aber rief: „Jens, Jens, komm, zeig' dich, Jens! 20. Der Juli war mit goldenen Garben, mit Grnte* kränzen von leuchtendem Mohn und tiefblauen Kornblumen durchs Land gezogen. Die Erntelieder waren verklungen, in den Scheunen aus Oevenshöe sangen die Dreschmaschinen ihr gleichmäßiges Lied. Benedikte Zedlitz aber wußte nichts von Erntefreuden und Erntefeier. Ihre geliebte Insel, ihr Haus, ihr Stück Erde muhte sie der treuen Kameradschaft anderer Menschen überlassen. Sie saß Tag für Tag in der Stadt in dem kühlen, dämmrigen Krankenzimmer am Bett Jens Petersens. Vierzehn Tage lang hatten die Aerzte um diesen Körper mit dem Tode gerungen. Jeden Abend, wenn Benedikte das Krankenhaus verließ, war in ihr die verzehrende Angst gewesen: Wirst du den liebsten Menschen am nächsten Tage noch lebend Wiedersehen? Aber endlich war die Macht des Fiebers gebrochen, die wilden Phantasien wurden ruhiger. Wenn Benedikte neben dem Kranken saß und ihre Hand auf feine heiße Stirn legte, schien etwas wie Frieden in feine fiebergepeinigte Seele einzuziehen. Schmal und blaß war Benedikte in diesen Wochen geworden. Aber das bewirkte nicht nur die Angst um das Leben des Geliebten, es war auch tiefe, bittere Reue in ihr. In feinen Fieberphantasien hatte er ihr das Geheimnis um Marie Krüger verraten, ohne es zu wissen. Sie begriff jetzt, warum er so beharrlich geschwiegen. Er hatte einer Toten das Gelöbnis gegeben und mochte es nicht brechen. Marie hatte ihn mit einer leidenschaftlichen tiefen Liebe geliebt. Er war ihr zugetan gewesen wie ein Bruder einer Schwester. Sie aber hatte sich damit nicht begnügen wollen. In ihrer Verzweiflung über ihre unerwiderte Leidenschaft hatte sie in einer Sommernacht nach einem Tanzvergnügen auf die Worte eines anderen Burschen gehört. Dann war das Unglück gekommen, die drohende Schande. Ehe sie ins Wasser ging, hatte sie Jens Petersen einen Brief hinterlassen und ihn angefleht, nichts von ihrer Schande zu verraten. Er hatte fein Wort gehalten. Geduldig trug er die bösen Reden, die aus dem Elternhause der Ma- rie Krüqer gegen ihn kamen. Man hatte ihn in Verdacht, am Tode Maries schuld $u sein. Wenn auch das ganze Dorf sonst zu ihm hielt, etwas von dem Schatten dieses Verdachtes blieb doch auf ihm, machte ihn müde und still. Aber das Mädchen hatte ihn in ihrer letzten Not angefleht, zu schweigen. Dieses Schweigen hatte er gehalten, auch um den Preis feines eigenen Glückes. Das alles wußte Benedikte aus den wirren Re- den Jens Petersens. Wenn sie am Abend nach der Heimkehr aus dem Krankenhaus m ihrem gemiete- ten Zimmer saß, dann konnte sie nrnner nur noch demütig um eins bitten: daß das Schicksal ihr den Liebsten nicht nähme, ehe sie ihm wenigstens ihre Reue bekannt hätte. Lüders und wie sie alle hießen. Eines Tages kam mit dem Extradampfer die ganze Schule angerückt, die kleinen Mädchen in ihren steifen, gestärkten, weißen Sonntagskleidern, die Jungens geschniegelt und gestriegelt, daß es nur so glänzte. Alle aber brachten ihrem geliebten Schulmeister etwas mit: Blumen, ein paar frische Gier, ein paar geräucherte Flundern, selbstgebackenes Brot. Es war rührend, was sie alles anschleppten. „Wie sie dich alle lieben", sagte Benedikte, als die fröhliche Schar, von ihr mit Kaffee und Kuchen bewirtet, wieder zum Dampfer gezogen war. „Ich werde ganz eifersüchtig." Da sah Jens Benedikte zärtlich an: „Du wirst immer das Liebste in meinem Leben sein." Auch Fräulein Giesecke erschien glücklich und aufgeregt, um Bericht zu erstatten. Alles im Hause „Endlich allein", in Hof und Garten, auf Wiesen und auf Feldern, ging gut. Es schien jeder Fischer und Bauer auf Oevenshöe feine Ehre darein zu setzen, Benedikte zu vertreten. Auch Josua kam an, grinsend, glücklich und von den Insassen des Krankenhauses nach Gebühr bestaunt. Jens Petersen konnte nicht genug von Oevenshöe hören. Das einzige, was ihm zu seinem Glück fehlte, war seine geliebte Insel. Dann tröstete ihn Benedikte: „Noch eine kurze Weile, Liebster, und wir sind wieder dort." Ja, Oevenshöe war der Inhalt aller ihrer Gespräche: ihre Zukunft, ihre Ehe in dem Schulhaus, das alles konnten sie sich nicht genug ausmalen. Nur einer Frage wich Benedikte auf Wunsch des Arztes immer aus, der Frage Jens Petersens: „Was ist mit Hans-Hermann geworden?" Dann sagte Benedikte: „Es geht ihm gut, ich werde dir später davon erzählen, was wollen wir uns jetzt mit dieser Erinnerung quälen?" Erst als Jens Petersen wieder vollkommen kräftig war, erfuhr er die volle Wahrheit: Hans-Hermann war bei dem Versuch ihn zu retten, tödlich getroffen worden und noch in derselben Nacht seinen schweren Verletzungen erlegen. Als Jens Petersen das erfuhr, war er lange, lange sehr still. Benedikte überließ ihn seinen Gedanken, sie wußte, was es für einen Menschen wie Jens Petersen bedeuten mußte, daß ein anderer für ihn gestorben war. Schließlich sagte sie sanft: „Gönn' es ihm, Jens, er ist nun von allem befreit. Er war so sehr in die Irre gegangen. — Aber in der Nacht, ehe er starb, sagte er zu mir: „Ich bin doch froh, Benedikte, ich habe vieles wieder gutmachen können." Schluß folgt. Nun war es schon drei Wochen her, seit Jens Petersen krank lag. Heute zum ersten Male empfing die Krankenschwester Benedikte mit der freudigen Nachricht: „Der Patient ist bei klarem Bewußtsein, aber seien Sie vorsichtig, Fräulein Zedlitz, nicht viel sprechen, nichts Aufregendes, damit wir keinen Rückfall bekommen/' Benedikte nickte, ganz blaß vor Freude und Erregung. Tränen des Glücks stiegen in ihre Augen. Leise und behutsam öffnete sie die Tür zum Kran- kenzimmer. Die Fenster waren weit offen. Das warme Morgenlicht flutete ins Zimmer, \eate sich schmeichelnd über das abgezehrte Antlitz des Kranken. Jens Petersen horte ein Geräusch. Mühsam wandte er den Kopf, ein Nachdenken, ein Fragen kam in feine Augen. Da war Benedikte auch schon bei ihm. Sie legte einen Strauß leuchtender Sommerblumen sanft auf die abgemagerten Hände Jens Petersens und dann beugte sie sich über diese Hände und küßte sie. „Benedikte, du?" flüsterte Jens. „Du bist bei mir, du bist mir nicht mehr böse?" „Still, still. Liebster", Benediktes Stimme war von Tränen erstickt, „nicht sprechen, nur gesund werden, nur gesund werden!" Da tastete Jens Petersen nach Benediktes Gesicht. Sie beugte sich über ihn, er streichelte ihre Wangen: „Gesund werden für dich", flüsterte er. Dann legte er den Kopf zufrieden auf das Kissen und schlief der Genesung entgegen. Von Tag zu Tag ging es nun aufwärts mit Jens Petersen. Täglich nahmen seine Kräfte etwas zu. Das Fieber hatte den Körper endgültig verlassen. v _ Benediktes sanftem Zureden gelang es, den Patienten zum Essen zu bringen. Nach ein paar lagen konnte man ihn schon im Rollstuhl heraus- fahren in die blühende Sommerherrlichkeit des großen Krankenhausparks. Benedikte wich von früh bis spät nicht von Jens Petersens Seite. Sie mußte jede Minute mit dem Liebsten teilen, denn allzu viel Zeit hatte sie ja in Trotz und Mißtrauen ver- säumt. Ohnehin hatte sie Jens am Nachmittag kaum jemals allein. Denn sowie sich die Nachricht von seiner Genesung auf Oevenshöe herumgesprochen hatte, riß die Kette der Besucher nicht mehr ab. Einer nach dem anderen tauchten sie auf, die Fischer und Kameraden, die ehemaligen Schüler, Hein 3793Ö laufend abzugeben Ilbeshausen 02742 Die neuen Preise TANZ Q Alleinverkauf für Groß-Frankfurt Frankfurt am Main 2808 V 37780 GLORifll 3769DEs ladet ein Franz Rathenow. ■io 3789 B den Räumen des Schiikenliauses. 3796 D Geschmackvoll Oleee 3 w*eentlichen Elgeneonaften aer guten Familien-Drucksache Btonrevt und Tanz! bietet ihnen In zahlreichen neuzeitlichen Au«. fUhrungsarten eohn.ll und zu mäßigen Pr.l.en Ap0tU z.ffOld En° liefern - nma ein ganz großes Spiel, um dann em andermal wie- der kläglich zu versagen. Tv. Grüningen — Tv. kahensurt. Die Grüninger sollten wohl in der Lage seln, Unentschieden des Vorspieles zu.berichtigen. Unt Zugutehaltung des Vorteils des eigenen Platzes und der inzwischen wieder vollständig gewordenen Mann schäft ist an einem Sieg der Platzmannschaf mcht ,u -meifeln zumal Katzenfurt keinesfalls über das Können der' einheimischen Mannschaften verfugt. Die Endspiele um die Jugendmeisterschast |teyr nur die Begegnung Tv Münchholzhausen — Tv. Lützellinden oor Die Gäste haben überraschend das Dorspiel gewonnen und sollten sich auch morgen mcht so o^e weiteres schlagen lassen. Denn die Mannschaft ver steht, wie sie an den Feiertagen zur Genüge bewiesen hat, zu spielen und auch mit einem starken G g- ner fertig zu werden. Aus dem Grunde ist das Treffen noch nicht entschieden. Freundschaftsspiele. Tv. Münchholzhausen — Tv. Pohl-Gons. Wie dieses Treffen ausgehen wird, ist kaum vorauszusagen, weil Münchholzhausen seit langer Zeit wieder zum erstenmal spielt und weil über die Spielstärke der Pohl-Gönser zur Zeit hier wenig bekannt ist. Auf alle Fälle dürfte es wieder zu einem sind die Meldungen so zahlreich abgegeben worden wie im Jahre der deutschen Olympischen Spiele. Man möchte fast sagen: „Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus". Ueberall entfalten die Leichtathleten eine besonders eifrige Tätigkeit. So werben denn auch am Sonntag in Gießen heiße Kämpfe entbrennen, besonders bei den zahlreichen Jugendlichen wird mit großer Begeisterung im Lauf, Sprung und Wurf gekämpft werden, um den großen Vorbildern nachzueifern. Eine Vorhersage bei den Jugendlichen zu geben hält schwer, doch wird es hier zum harten Zweikampf zwischen 1900 und VfB. kommen, wobei die Leute vom Waldsportplatz in den älteren Klassen und die Leute vom Trieb in den jüngeren Klassen ihre besten Kräfte einsetzen können. Dazu kommen aussichtsreiche Talente aus Heuchelheim und Ruttershausen. Bei den Mädchen marschiert der Männer-Turn- verein mit einer starken Streitmacht auf. Bei den Frauen ist das Kräfteverhältnis ausgeglichen. Hier fehlen bei 1900 die besten Kräfte. Die Meldungen in der Männerklasse sind etwas schwächer, als erwartet eingegangen. Während bei 1900 zahlreiche Absagen durch dienstliche und sonstige Verhinderungen vorliegen, fehlen beim VfB. Jakob und Pieh, die beide abgewandert sind. Erfreulich ist hier eine stärkere Beteiligung aus Lollar und Heuchelheim zu verzeichnen. Ein Erfolg der Arbeit der Gießener Trainingsgemeinschaft. In den Sprintstrecken werden Rudolph 1900, Klinkel-Lollar, Ulm-Heuchelheim und Stengel- Großen-Linden besonders zu beachten sein. Die Mittelstrecken beherrschen B e p p e r l i n g ° 1900 und E. Reidel- Heuchelheim. Die Langstrecken PQLQST Giessen Wir eröffnen dauernd neue Lehrgänge in Kurzschrift u. Maschinenschreiben Plakatschrift-Lehrgang beginnt Dienstag, 16. Juni. Sofortige Anmeldungen bei der Abteilung für Arbeitsführung und Berufserziehung GIESSEN, Schanzenstraße 18, Zimmer 5, II. 37630 Gasthaus „Zur deutschen Eiche“ Klein-Linden Sonntag, den 14. Juni 1936 „TANZ“;:: 3795D haben einen klaren Favoriten in Hans Neidel-Heu- chelheim. Harte Kämpfe gibt es in den Sprungkon- kurrenzen zwischen Rudolph-1900, Steines-1900 und Stenqel-Großen-Linden, sowie Pitzen-VfB.-R. Das Glanzstück der Meisterschaften stellen die Wurf- übunaen mit den bekannten Gießener Werfern Kilo-1900 und Luh-VfB.-R. dar. Hoffentlich warten diese Athleten mit ihren besten Leistungen auf, damit das Leistungsnioeau nicht hinter den übrigen Veranstaltungen im Gau und Reich zurückbleibt. Handball im Sportkreis Gießen. Das Hauptinteresse am morgigen Sonntag konzentriert sich auf das in Butzbach steigende Entscheidungsspiel um den Aufstieg in die Gauklasse zwischen Turnv. Wetzlar und Turngem. Dörnigheim. Beide Mannschaften stehen punktgleich an der Spitze der Aufstiegsrunde, so daß dieses Entscheidungsspiel notwendig wurde. Wer nun den Sieger stellen wird, ist schlecht vorauszusagen. Wetzlar hat das erste Spiel knapp gewonnen, während Dörnigheim aus eigenem Platz deutlich überlegen war. Danach zu urteilen, wäre Wetzlar etwas im Nachteil. Ob sich das aber am kommenden Sonntag auswirken wird, kann man mit Bestimmtheit nicht sagen. Es hängt eben davon ab, wie die Mannschaft in Form ist und wie sich die einzelnen Spieler untereinander verstehen. Der Ausgang muß danach als vollkommen offen betrachtet werden, und zwar mit beiderseitig gleich großen Chancen. Bei den Aufstiegspielen der zweiten K r e i s k l a s s e stehen zwei interessante Treffen aus dem Programm, die allerdings für die Spitze kaum noch entscheidend sein dürften. Es kann sich hier nur noch um Positionskämpfe handeln. Großes MWMfl Neuheit: Automatisch anzcig. Scheiben! Schützenhaus Sonntag ,„,D G*s Volksschiefjen Konzert und Tanz Eintritt frei Gießen Gießen, den 14. Juni 1936 ——— - Lesslngstraße 3 WIIIESECK Sonntag, den 14. Juni 3768d TANZ bei Gastwirt Wilh. Dorfeld Gasthaus Stadt Berlin Heute Samstag, 13. Juni 1936 KONZERT Bis 4 Uhr nachts geöffnet [38i2D Nervöser Maginr Schon ein einziger Versuch mit Roba-Salz wird Platzgattung: Tagespreis für Schauspiel: Tagespreis für Oper u. Operette: Mietpreis: I. Ring: 3.- RM. 4.- RM. 2.50 RM. IL Ring: 2.50 RM. 3.- RM. 1.90 RM. UL Ring: 1.80 RM. 2.50 RM. 1.40 RM. IV. Ring: 1.30 RM. 2.- RM. 1.- RM. V. Ring: 1.- RM. 1.50 RM. 0.80 RM. Neue Oelpflanzen aus Asien zum erstenmal auf deutschem Boden. I x MI ,> /■- :Ä>' U 7 * * . - MH W-/' ZK F VJ» *« '% x> r v; >* * /* f Jr^X: z..xzrf < 7 4rfe |k ... .. v% * y”* >-.. vorgegangen sein. Und solche Prüfungen werden in großem Umfange vom Pflanzenbau-Institut unserer Universität (im Auftrage des Reichsnährstandes) vorgenommen. Die wissenschaftliche Arbeit ist wie ein Sieb vor die Freigabe, die Empfehlung für die breite Praxis geschaltet. Hier liegt also eine große Verantwortung. Diese Arbeit ist im Endergebnis von höchster Bedeutung für die Ernährungslage unseres Volkes. Es bleibt nicht dabei, die zur Untersuchung und Prüfung aufgegebenen Samen einfach auszusäen, wachsen zu lassen und zu beobachten. Nein! Die Arbeit wird weitaus gründlicher und systematischer geleistet. Man begnügt sich nicht damit, daß zwei gleichgroße Felder verschieden gedüngt oder zwei zur Prüfung stehende Sorten einmal nebeneinander angelegt und beobachtet und ihre Erträge ermittelt werden. Um alle das zu erwartende Ergebnis etwa beeinflussenden Momente (wie Bodenungleichheiten, zufällige Verminderung der Pflanzenzahl usw.) ausschalten zu * können, ist eine sehr sorgfältige Versuchsanstelluna erforderlich. Sämtliche Versuche werden in mindestens ömaliger Wiederholung angelegt, also z. B. jede Sorte auf 6 verschiedenen kleinen Teilstücken ausgesät und jedes Teilstück für sich geerntet, gedroschen und auf seine Qualität untersucht. Danach wird mit Hilfe der Wahrscheinlichkeitsrechnung die Sicherheit des Ergebnisses genau ermittelt. Und alle Stadien der Entwicklung der Versuchs- iflanzen, wie auch der Bodenzustand, Düngung, )ie Witterungsverhältnisse (Niederschläge, Sonnen- chein, Temperaturen), Aussaat-, Blüte und Erntezeiten usw. werden statistisch erfaßt und tabellarisch verankert. Aus der Quersumme aller Beobachtungen und Aufzeichnungen ergibt sich das wissenschaftliche Urteil über dieses oder jenes der Prüfung unterworfene Saatgut. Neben den reinen Versuchsanbauten findet man zum Beispiel auf den Feldern an der Krofdorfer Straße auch ganze Sammlungen, da ja die Gießener landwirtschaftlichen Institute nicht nur der Forschung, sondern auch der Lehre dienen sollen. Man braucht also Anschauungsmaterial! In diesem Zusammenhang ist es wohl für einen Laien interessant, zu hören, daß auf einem Streifen Land, das in lauter etwa einen Quadratmeter Gießener Wissenschastler im Dienst der Volksernährung. Streifzug durch die Arbeit des Instituts für Pflanzenbau. In den Zuchtfeldern des Instituts. 4 { Die Wissenschaft stand von jeher, mittel- oder unmittelbar, mehr oder weniger, im Dienste der Volksgemeinschaft. Sicherlich aber zu keiner anderen Zeit mehr, als gerade in der Gegenwart, in unserer deutschen Gegenwart, in der alle wirkenden und ruhenden Kräfte zur vollen Entfaltung kommen sollen und müssen, wenn sich unser Volk inmitten einer wenig wohlmeinenden Umwelt behaupten soll. Sr Wissenschaft hat die Aufgabe, alle vorhandenen Kräfte aufschließen und erhalten zu helfen. Die Arbeitsgebiete sind sehr unterschiedlich. Das Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung unserer Universität hat die Aufgabe, dem deutschen Boden. der ja die erste und größte Kraftquelle für unser Volk darstellt, all das abzuringen, was ihm abzugewinnen ist und ihn dabei doch in solchem Zustande zu halten, daß er Kraftquell für alle kommenden Generationen bleibt! Keine leichte Aufgabe! Und eine unendlich vielfältige Aufgvbe. Boden ist nicht gleich Boden. In jeder deutschen Landschaft sind die Bodenverhältnisse anders. In vielerlei Wechselbeziehungen steht die Pflanze zum Boden, auf dem sie wachsen soll. So unterschiedlich das Verhältnis der Pflanze zur Erde ist, so unterschiedlich ist das Verhältnis der Pflanze zum Klima. Unendliche Mannigfaltigkeit in den Erscheinungsformen und Eigenschaften jeder Pflanze selbst! Und für jeden Fall soll und muß dem Bauern, da, wo seine eigene Erfahrung nicht ausreichen kann, unter die Arme gegriffen werden, muß ihm die Wissenschaft helfen. Die Arbeit in Laboratorien, Gewächshäusern wie auf den etwa 15 Hektar (60 Morgen) großen Versuchsfeldern des Instituts stehen ganz im Dienste unserer Volksernährung, die möglichst aus eigener Scholle gewährleistet werden soll. Den Weg zu diesem Ziel kann einzig und allein die Wissenschaft bahnen. Der Bauer aber muß diesen Weg gehen und muß verwirklichen. Der Bauer geht auch den bereiteten Weg, er folgt dankbar dem, was ihm in seinem eigenen und des ganzen Volkes Nutzen an Anregungen gegeben wird. Die Wissenschaftler sind mit Leidenschaft und Liebe bei ihrer-Arbeit, der Bauer folgt mit ruhiger Sicherheit und mit Vertrauen und tüt immer auch seine Pflicht Es ist eine fast verwirrende Fülle von Eindrücken, die den empfängt, der, einmal von sachkundiger Hand geführt den Garten der Institute an der stillen Senckenbergstraße, den Gewächshäusern, den Laboratorien und schließlich den ausgedehnten und mannigfaltig bebauten Versuchsfeldern an der Krofdorfer Straße einen Besuch abstattet. Es ist wie ein Blick in ein Buch vom ewig pulsierenden Leben selbst, in das man einen tiefen Einblick gewinnt, wenn man aus berufenem Munde hört, wie die Pflanze und ihr komplizierter Organismus aus dem ebenso lebendigen Boden keimt, wächst, gedeiht, blüht und Frucht trägt, wie sie ihre Lebensbedingungen erfüllt sehen will, ja gebieterisch fordert, wie sie um die Erhaltung ihrer selbst, wie ihrer Art, kämpft, wie sie dem Licht entgegenstrebt, die von Wasser aufgelösten Grundstoffe aus der Erde in sich aufnimmt, verarbeitet, um sich daraus aufzubauen und dabei in all ihrem Bemühen vom Menschen, hier also vom Wissenschaftler (wie draußen auf dem Lande in einfacherer Form vom Bauern) beobachtet, beeinflußt und gefördert wird. Es gibt kaum eine Kulturpflanze, die nicht schon auf den Versuchsfeldern oder in den Gewächshäusern angekeimt, gepflanzt oder gesät, beobachtet, in züchterischen Bemühungen abgewandelt oder höher entwickelt worden wäre! In zäher Forschungsarbeit beschäftigt man sich mit dem Getreide, mit Hülsenfrüchten, mit Futterpflanzen, mit Oelfrüchten und Faserpflanzen, deren wir dringend bedürfen, mit Gräsern usw., und zwar geschieht das alles mit bestimmten vorgefaßten Zielen. Hauptsächlich aber mit dem Ziel, dem Bauern Sorten- und Anbaumethoden an die Hand geben zu können, mit denen er bei sachgemäßer Behandlung auf dem Felde hohe Züchtung des Apfelblütenstechers, eines Insekts, unter der Hand des Pflanzenarztes. 7* ",'C ■SA»’' ...» WU — W ' und — was vielleicht noch wichtiger ist — stetige Erträge erzielen kann. Es ist bekannt genug, daß der Bauer, wenn er von Fehlschlägen und Mißernten bewahrt bleiben will, gut daran tut, nur anerkanntes Saatgut aus anerkannten Saatgutbetrieben verwendet. Vor die Anerkennung haben aber die Götter den Schweiß gesetzt. Alles Saatgut, das anerkannt wer- I den soll, muß aus vielen Prüfungen siegreich her- Die Gewächshausanlage des Instituts. Ä W Sn dsx Vegetationshalle des Instituts. ■ Bei der Arbeit in der Samenprüfungsstation. Sojalorten werden im Gewächshaus auf ihr Wachstum geprüft. W Nr. 136 viertes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Somstag, !3.Zuni 1936 große Flächen ausgeteilt ist, Hunderte verschiedener Getreidesorten angebaut sind. Große Aufmerksamkeit wendet man im Rahmen der umfangreichen Forschungsarbeit auch den Eiweiß-, Oel- und Faserpflanzen zu, da gerade Eiweiß, Fette und Faserstoffe für unsere Bedarfsdeckung von größter Bedeutung sind. Hier wird die Forschung nicht weniger intensiv betrieben wie im Anbau der übrigem Kulturpflanzen. Die Versuche bedeuten dabei Arbeit über mehrere Jahre. Besondere Beachtung schenkt man hier der Soyabohne, als einer besonders eiweiß- und fetthaltigen Pflanze, die auch in Deutschland heimisch gemacht werden soll. Züchtung und Erprobung von Anbauarten werden mit größtem Eifer betrieben. Aus vielen vorhandenen Sorten sollen solche herausgebildet werden, die auf unseren Böden und unter unserem Klima Erträge und Fett liefern, die den Anbau in der Zukunft rechtfertigen. Die Versuche sind noch nicht abgeschlossen. Arbeit mit der Pflanze erfordert viel Geduld und Ausdauer. Sehr interessant sind auch die Versuche, mittels Keimstimmung und Zusatzbeleuchtung, die Entwicklungszeiten der Pflanzen abzukürzen. Mit Hilfe dieser von russischen Forschern vorgearbeiteten Methode soll es gelingen, auch unter unseren klimatischen Verhältnissen zwei Generationen in einem Jahr zu erzielen. Ein Verfahren, das für die Praxis große Bedeutung hat wegen der Verkürzung der Zeit, welche züchterische Tätigkeit sonst in Anspruch nimmt. Den Gießener landwirtschaftlichen Forschungsinstituten sind in letzter Zeit neben all dem noch andere, weittragende Aufgaben zuteil geworden, und zwar aus den Ergebnissen der Hindukusch- Expedition heraus, die bekanntlich (wir berichteten darüber) viele Tausende von verschiedenen Pflaw zensamen mitbrachte. Diese Samen sollen dazu oert wandt werden, in Anbau- und auch in Züchtungs« Beim Studium am Samensortiment der Sojabohne. (Aufnahmen [8|: Neuner, Gießener Anzeiger.) H _»*♦"*** .t** - ** versuchen evtl, eine Ausartung unserer Kulturpflanzen zu bewirken, indem wertvolle Eigenschaften der Pflanzen aus dem Fernen Osten (Widerstandsfähigkeit gegen Schädlinge, gegen Feuchtigkeit oder Trockenheit, höhere Ertragsfähigkeit usw.) auf unsere heimischen Kulturpflanzen übertragen werden sollen. Sicherlich eine ebenso schwierige wie dankbare und in 5ie Zukunft weisende Aufgabe' Neben dieser Arbeit auf den Versuchsfeldern und in den Gewächshäusern geht noch viel Laboratoriumsarbeit einher. Da sind viele Samenuntersuchungen durchzuführen, bei denen es immer viel zu zählen, zu wiegen, zu sortieren gibt, da müssen Fett- und Eiweißgehaltsbestimmungen gemacht und sorgfältig registriert werden. Kurzum, überall in den Räumen des Hauses sind viele Kräfte am Werk, um der gemeinsamen großen Sache zu dienen. Leider sind die räumlichen Verhältnisse zum Teil denkbar ungünstig und für das Maß der zu leistenden Arbeit unzureichend, so daß es für alle Beteiligten nicht nur des heiligen Eifers zur Sache, sondern auch vielen guten Willens zur Ueberroin- dung der räumlichen Beschränkungen bedarf. Einen wichtigen Teil der Forschungsarbeit stellt auch die Arbeit dar, die in der Abteilung für Pflanzenkrankheiten geleistet wird, in dem berufene Kräfte das Rüstzeug für eine fachgemäße Schädlingsbekämpfung schaffen. Hier interessiert zweifellos besonders ein großes wissenschaftliches Vorhaben: die Bekämpfung des Apfelblütenstechers, der jährlich großen Schaden anrichtet. Die Forschungsarbeit auf diesem Spezialgebiet wird in diesem Gießener Institut zentral für das ganze Reich geleistet. Aus vielen Hunderten deutscher Gemeinden werden nach genauen Fragebogen und an Hand vieler Einsendungen von befallenen Blüten das Vorkommen des Schädlings, die Gesetzmäßiakeiten des Vorkommens vom Landschaftlichen und Klima- tischen her erfaßt, werden die Lebensbedingungen des Schädlings erforscht und Gegenmittel ausprobiert. Selbstverständlich wird auch hier die Arbeit mit exaktesten wissenschaftlichen Methoden vorwärtsgetrieben, damit eines Tages der Kampf auch gegen diesen bisher fast unangreifbaren Schädling aufgenommen werden kann. Ein großer Teil der Aufgaben, welche das Institut im Rahmen der Erzeugungsschlacht zu erfüllen hat, werden ihm vom Forschungsdienst der Land- bauwissenschaft gestellt und wären nicht in Angriff zu nehmen gewesen, wenn nicht die Forschungsgemeinschaft (Notgemeinschaft) in großzügiger Weise Mittel dafür bereitgestellt hätte. In der zusammenfassenden Betrachtung der für unsere Volkswirtschaft so bedeutsamen Arbeit in diesen Instituten läßt sich sagen, daß es ein schönes und beruhigendes Gefühl ist, zu wissen wie hier der Wissenschaftler in verantwortungsbewußtem Schaffen in engster Verbindung mit dem bäuerlichen Menschen bemüht ist, unserem Volke die Griften^runB* läge sichern zu helfen, von der aus das deutsche Volk schon oft vorbildlich geworden ist und wohl auch immer bleiben wird Ganz besonders aber muß es mit Freude erfüllen, zu sehen, wie gerade deittuye wissenschaftliche Methodik — von jeher beispielhaft in dex ganzen Welt — Ergebnisse vorbereitet, die immev andere Völker aufhorchen lassen müssen Wirtschaft leicht An lichen verschiedene Presseveröffentlichungen über die teilweise überhöhte Kursentwicklung gefolgt, was nunmehr die Abgabeneigung auch aus Kundschafts- treffen verstärkte. Immerhin war die Börse nicht sehr lebhaft, das Hauptangebot stammte vom Berliner Platte, während aus Süddeutschland eher noch Kaufaufträge vorgelegen hatten. Auch nach den ersten amtlichen Kursen trat keine Erholung ein, die Hauptwerte verloren vielmehr weiterhin. So setzten JG.°Farben 1 v. H. unter Bortagsobend ein und verloren nochmals 1 v. H., Scheideanstalt um 1,50 v. H. niedriger. Am Elektromarkte ergab sich ebenfalls das Bild der Kursrückgänge, wobei AEG. 0,40, Elektr. Lieferungen 2, Lahmeyer 2,25, RWE. 1,25, Schuckert 1,75 v. H. einbüßten. Am Montanmarkte besonders Verein. Stahlwerke bei Verkaufsdruck insgesamt 1,65 v. H. niedriger, daneben Hoesch 1,50 Mein-Mainische Börse. Mttagsbörfe starker abgeschwächk. der Börse setzte im Gegensatz zu der freund- Abendbörse am Aktienmärkte ein Rück- ein, der Kursrückgänge von 0,50 bis über schag o 2 v. H. brachte. Dem gestrigen Hinweise des Instituts für Konjunkturforschung waren nunmehr auch Am Rindermarkte erhöhte sich ebenfalls die Zufuhr, es trat also die umgekehrte Lage der Vorwoche ein. Die Qualität der 236 (137) Stück zum Verkauf gestellten Rinder war wieder gut. Insgesamt reichte die Anlieferung nicht ganz aus: der Ausgleich wurde mit anderem Frisch der Reichsstelle vorgenommen. Die Festpreise blieben unverändert, Kühe a) und b) um 1 Mark erhöht. Auch Kälber verzeichneten größeren Auftrieb als Bedarf. Frankfurt liegt mit an der Spitze in den Kälberpreisen, was zu stärkerer Marktbeschickung anregte. Die Preise gaben insgesamt um 6 Mark nach. Aufgetrieben waren 1580 (954) Stück. Der S ch a f m a r k t war mit 85 (31) Stück immer noch unbedeutend, der Geschäftsgang blieb wie bisher mittelmäßig. Die wenigen Tiere wurden zu steigenden Preisen wieder ausverkauft. Nhein-mamischer Getreidemarkt. Nachdem die Zufuhren in Brotgetreide zu den großen Märkten, wie es die Vorratslage bedingt, knapp bleiben und die Reichsstelle vielfach den Mangel durch Zuweisungen sowohl in Roggen wie auch neuerdings in Weizen ausgleicht, ist die offensichtliche Nachfrage nach Brotgetreide etwas ruhiger geworden. Die Marktumsätze sind sehr beschränkt, nur aus Norddeutschland liegt noch ein Angebot vor, besonders für Lieferung in der ersten Junihälfte. Am Oberrhein bewilligt man aber nur für besonders passende Partien die erhöhte Handelsspanne von 8 Mark; im übrigen verarbeiteten die dortigen Großmühlen wie auch anderwärts ihre zeitig eingelagerten Vorräte. In der Roggenversorgung konnte bisher der Bedarf einigermaßen gedeckt werden, so daß Betriebseinschränkungen vermieden werden konnten. Auch für die nächsten Wocben wird mit dieser Abgabe unter Hinzuziehung der eigenen Mühlenvorräte wie auch des noch in kleinsten Partien aus der Landwirtschaft kommenden Restes die Roggen- oersorgung im bisherigen Rahmen bleiben. In Futtergetreide haben die Umsätze weiter nachgelassen. Nur Hafer wurde noch etwas mehr gefragt, stand aber aus unserem Gebiet kaum mehr zur Verfügung, während aus Norddeutschland eher Angebote erhältlich waren, wenn auch zu hohen Preisen. Das Mehlgeschäft verläuft im allgemeinen flott. Das Angebot genügt aber allenthalben der Nachfrage. In W e i z e n m e b l hat sich der Handel für die nächsten Wochen eindecken können. Der Futtermittelmarkt liegt zur Zeit ruhig, da die Landwirtschaft den Hauptbedarf im eigenen Betrieb decken kann. Nur die Zusatz- f utter mittel, wie Kleie, die jetzt für oen Monat Juni freigegeben ist, Schnitzel und Oelkuchen werden lebhaft begehrt. Sranffurier Echlachtviehmarkt. Der Frankfurter Schlachtviehmarkt hatte auch in dieser Woche lebhafte Umsätze, wobei besonders in Schweinen während des letzten Marktes ein Ueberstand vorhanden war. Der Zutrieb war in allen Diehgattungen wesentlich höher. Das angelieferte Vieh wurde ausverkaust, wenn auch, z. B. bei Kälbern, der Marktverkauf etwas schleppend war. Die Marktlage in Schweinen war vollständig ausreichend, das Angebot war größer als die Nachfrage, so daß, wie erwähnt, am Donnerstag ein Ueberstand von 394 vorlag. Dieses plötzlich auftretende hohe Angebot stammt aus dem starken Anfall aus Bayern, was hier zur jetzigen Zeit alljährlich saisonmäßig bedingt aufzutreten pflegt. Der Verkauf erfolgte zu den gegebenen Festpreisen. Insgesamt standen 5820 gegen 4270 in der letzten Woche zum Verkauf. v. H., Rheinstahl 1,50 v. H., Klöckner 0,65 v. H. erniedrigt, Eisenhandel verloren 1,50 o. H. Daimler zunächst noch 0,25 o. H. höher, dann 0,50 v. H. leichter. Auch Moenus um 0,75 v. H., Junghans 1,50 o. Sy, BMW. 0,50 v. H. niedriger. Sehr gut gehalten waren auf den Rekordabsatz die meisten Cernent- werte. Zellstofsaktien bröckelten ab, Waldhof um 1,25 v. Sy, Aschaffenburger um 0,75 v. Sy Von Verkehrswerten verloren Reichsbahn-VA. 0,40, AG. für Verkehr 0,25 v. Sy Sonst gaben noch nach Aku 0,25 v. Sy, Reichsbank 1, Kaufhof 1 v. H. Der Rentenmarkt lag wiederum ruhig, folgte aber der allgemein schwächeren Tendenz. Die Kurse gaben minimal nach. So Altbesitz 113,65 (113,65) dann 113,50, späte Schuldbücher 98, Kommunal-Um- schuldung 89,55. Sehr still waren Auslandrenten bei gleichfalls etwas fallender Tendenz. Der Verlauf blieb sehr ruhig. Da die Einheitskurse auf Grund vorliegender Kauflimite meist über den variablen Kursen lagen, setzte sich eine mäßige Erholung in den schweren Papieren durch. Umsätze von Belang wurden nicht mehr erzielt. Der Pfanb- briefmarEt hatte weitere Nachfrage, die Kurse blieben unverändert, Franks. Hyp. Liquidation um 0,20 v.H. schwächer. Stadtanleihen uneinheitlich, Mainzer 0,13 v. Sy niedriger, Frankfurter je 0,50 v. Sy fester. Deutsche Anleihen konnten sich zu den ersten Kursen gut halten. Auslandrenten ohne wesentliche Veränderung. Fester lagen Kronen-Bosnier. Im Freioerkehr verloren Wintershall 4 v. H., Abler- Kleyer 2,5 v. H., Ufa 3 v. Sy Tagesgeld weiterhin gesucht und auf 3,25 (3) v. H. erhöht. Abendbörse still. An der Abendbörse setzte sich die Schwächung noch fort. Das Angebot war nicht groß und fand zu den teilweise noch leicht ermäßigten Kursen Unterkunft. IG. Färben-Industrie waren auf Höhe des Mittagschlusses mit 170,50 behauptet, Hoesch um 1 v. Sy leichter, Verein. Stahlwerke mit 95 etwa 0,13 v.H. niedriger. Im übrigen hörte man die Mittagsnachbörsenkurse. Auch Renten lagen sehr ruhig und ohne besondere Veränderung, Altbesitz mit 113,50 v. Sy genannt. Von Auslandsrenten waren Kronen-Bosmer mit 8,25 gegen 7,80, Ungarn-Kronen mit etwa 3,40 (3,40) zu hören, angeblich feien größere Posten dieser Anleihen beim Warenaustausch in Zahlung genommen worden. Auch im Verlause blieben die Aktienmärkte sehr still und ohne Sonderbewegung. IG. Farben unverändert 170,50 v. H. Kaufhof 0,13 v. Sy über Berliner Schluß. Holzmann und Mannesmann bröckelten noch etwas ab. Don deutschen Anleihen blieben Altbesitz 113,50 d. Sy Etwas mehr beachtet waren die kleinen Ost- werte, von denen schließlich Kronen-Bosnier mit 8,50, Ungarn-Kronen mit 3,80 festgesetzt wurden. Talon-Serben 0,40 v. Sy, ungarische CC-Werte 0,13 bis 0,25 v. H. fester zu hören. Von Großbanken lagen DD.-Bank 0,50 ü. Sy leichter. Es notierten: Altbesitz 113,50, 4,5proz. Ungarn von 1914 9,75, dto. -Kronen 3,80, 4proz. Rumänen 5,80, Commerzbank 94, DD.-Bank 94,75, Dresdner Bank 95,50, Rhein. Hyp.-Bank 138, Buderus 108, Harpener 129,50, Klöckner 105,50, Mannesmann 100,75, Hoesch 108,50, Rheinstahl 131, Laurahütte 22,50, Stahlverein 95, Akkumulatoren 202,50, Aku 55,90, AEG. 36,75, Bekula 150,50, Bemberg 89, IG. Chemie volle 244, dto. 50proz. 165,50, Deutscher Eisenhandel E 140,50, Erdöl 130, Scheideanstalt 260, Deutsche Linoleum 179,50, Licht & Kraft 155, IG. Farben 170,50, Feinmechanik Jetter 89,50, Felten & Guilleaume E 135,50, Gesfürel 140, Goldschmidt 114, Hoch- und Tiefbau 133,75, Holzmann 128,75, Junghans 97,75—98, Lahmeyer E 140, Muag 106,50, Metallgesellschaft E 137, Moenus 91,25, Rhein.-Elektra 137,65, RWE. 135,25, Schuckert 154,25, Westd. Kaufhof 46, südd. Zucker 232, Deutsche Reichsbahn-Vorzugsaktien 123,13, AG. für Verkehr 122,50, Hapag 14.75. Frankfurter Obst- und Gemüsemarkt. Frankfurt a. M., 12. Juni. Der Obst- und Südfrüchtemarkt war mit Kirschen und Erdbeeren zunehmend beschickt, jedoch ist die Qualität der Kirschen durch die dauernd niedergegangenen Regenfälle nicht befriedigend. Bei rückläufigen Preisen für Erdbeeren, jedoch höheren für Kirschen, soweit es sich um ungeplatzte Ware yandelt, war die Nachfrage für das Angebot nicht genügend. Es verblieben Ueberstände. Ausländische Aepfel und Apfelsinen bei abnehmendem langsamem Geschäft und unveränderte Preise. Dagegen waren Aprikosen genügend angeboten, und hatten fallende Preise und schleppenden Geschäftsgang. Notiert wurden Erdbeeren la 55—60, I 45—50, II 35—40, III 25—30, Kirschen 25—40,, Stachelbeeren, unreife 15, Aepfel, Kiste ca. 18—19 Kilogramm netto 18—20 ausftr., dto. 15—18 Chile, Apfelsinen, Imperial 20—25 span., 26—30 ital., Aprikosen 26—30 itaL, 34—38 sp-m., Bananen, Kiste 12,5 Kilogramm netto, 31 bis 38 (pan., 7,50-S Kamerun, 6-7 Braf., 8,5-9 hatte .starke Zufuhren besonders von Karotten, Kohlrabi, Kopfsalat un Wirsing. Die Spargelzufuhren würben 9?r‘n9^ maren^aber noch au^elchend Die Preise smd u Spargel, Erbsen und Kohlrabi Zuruckge^ngen sur Weitz- bzw. Spitzkohl gestiegen, sonst unverändert Erbsen sind zunehmend angeboten, und hatteni friedigendes Geschäft. Die An uhr von ausländischen lohnen war reichlich, in Kartoffeln, Tomaten und Zwiebeln genügend. Bei im allgemeinen unoeran ten, Bdl. 6—10, gelbe Kartoffeln 50 $i ogramm 4,05—4,10, lange ital. 12^—14, runde ltal.^9A bis 11, (pan. 11V-, Kohlrabi 5—«, Kopfsalat 3—6, a®, 1' JL2 Petersilie 30—40, Radieschen Bdl. z./Ä, Rettichs BÄ." ^8, Stück 6-8 Rhabarber 4—5, Römischkohl 5—9, Spargel I 42—45, II 36 bi- 38 III 30—32, IV 20—23, Spinat 14—15, Schnittlauch 35, Tomaten 50—55, Kiste ca. 5 Kilogramm netto 4-4,50 holl dto. Kam 6 50-7, Weißkraut-Früh (Spitzkohl) 11—14, Wirsing 6-6'/-, Zwiebeln und Schlotten 6—8. Frankfurter Duttermarkt. Frankfurt a. M., 12. Juni. Butter steht zur Seit genügend zur Verfügung, so daß teilweise sich beim Handel mäßige Vorräte bilden konnten. Auch der Anfall von Molkereibutter, deren Erzeugung hauptsächlich in den Weidegebieten liegt, ist gestiegen, so daß die Hausfrau in der Lage ist, auch wieder billigere Sorten zu kaufen. Auch Schmalz und Margarine steht genügend zur Verfügung. Es notierten: Deutsche Markenbutter 148, feine deutsche Molkereibutter 145, deutsche Molkereibutter 140 bis 142, Landbutter 125, holländische Buttek 148, Margarine A 97, B 86, C 56, deutsches Schmalz 95 bis 100. Schwelnemarkk in Homberg. Homberg, 11. Juni. Der gestrige Schweine- markt war mit 340 Stück Ferkeln befahren. Es wurden für sechs bis acht Wochen alte Ferkel pro Kopf 20 bis 25 RM., für acht bis zehn Wochen alte 25 bis 30 RM. und für zehn bis 12 Wochen alte Ferkel 27 bis 33 RM. bezahlt. Der Handel verlief schleppend; es verblieb Ueberstand. Nächste Woche: Drei Fahrten des LZ. „Hindenburg". Lpd. Frankfurta. M., 12. Juni. Die nächsten Fahrten des LZ „Hindenburg" beginnen am Donnerstag, 18. Juni. An diesem Tage wird das Luftschiff mit Tagesanbruch zu seiner Ueberfüh- rungsfahrt von Friedrichshafen nach Frankfurt a. M. aufsteigen. Die Ankunft in Frankfurt erfolgt voraussichtlich zwischen 7 und 8 Uhr. Unmittelbar danach wird das Luftschiff mit neuen Passagieren zu einer Tagesfahrt aufsteigen, von der es am Abend wieder nach dem Flughafen Rhein-Main zurückkehrt. Der Start zur d r i t - ten Nordamerikafahrt erfolgt am Tage darauf, dem 19. Juni, abends. Sämtliche Passagierplätze sind für diese drei Fahrten bereits vergeben. Auf seiner Amerikafahrt wird das Luftschiff auch wieder größere Mengen Fracht und Post mitnehmen. Das Luftschiff kann im Laufe des 19. Juni besichtigt werden. Dillkreis. LPD. Herborn, 12. Juni. In dem Wester- waldort Willingen wurden den Bauersleuten Fuhr- länder Drillinge geboren, und zwar drei gesunde Mädchen. Mutter und Kinder sind wohlauf. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, den 14. Juni. 1. Sonntag nach Trinitatis. Gießen. Stabtkirche. 8 Uhr: Pfr. Becker; zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Markus- gemeinbe; 9.30: ©tubienrat Dr. Unverzagt; Feier des hl. Abendmahls für die Matthäus- und Markus- gemeinbe; 11: Kinberkirche für bie Matthäus- gemeinbe; Studienrat Dr. Unverzagt. — Zohannes- kirche. 8: Pfarrer i. R. Kalbhenn; zualeich Militärgottesdienst; im Anschluß Christenlehre für die Neukonfirmierten der Johannesgemeinde; 9.30: Pfarrer Bechtolsheimer; Feier des heiligen Abendmahls für die Lukasgemeinde; 11: Kinderkirche für die Lukasgemeinde; Pfr. Bechtolsheimer; 20: Missionsstunde im Johannesjaal; Missionar Walther. — Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30: Pfr. Steck; 10.45: Kinderkirche für die Luthergemeinde: Pfarrassistent Saut. — Petruskapelle (Wetzlarer Weg 59). 9.30: Pfr. Trapp; 10.45: Kinderkirche für die Petrus- gemeinbe; Pfr. Trapp. — Saal der Heuen Krippe. 11: Kinberkirche für bie Johannesgemeinbe. — Wieseck. 9.30: Gottesbienst; Kollekte; 10.45: Kinder- kirche; 15: Bibelstunbe. — Albach. 8.45: Gottesbienst; Kollekte. — Steinbach. 10: Gottesbienst; Christenlehre; Kollekte. — Rödgen. 10: Gottesdienst. — Annerod. 12.30: Gottesdienst. — Heuchelheim. 10: Hauptgottesdienst; Kollekte; 11: Christenlehre. — Mainzlar. 8.30: Gottesdienst. — Kirchberg. 10: Gottesdienst; 11: Christenlehre für die männliche Jugend. — Lollar. 13.30: Gottesdienst. — Staufenberg. 20.30: Frauenhilfe; Vortrag. — Treis a. d. Lda. 10: Hauptgottesdienst; Kollekte; 11: Katechismuslehre. — Klein-Linden. 9.30: Festgottesdienst anläßlich des 40jährigen Bestehens der Kleinkinderschule und des 25. Jubiläums der Krankenpflegestation; Festprediger Pfr. Hager, Nonnenweier; Posaunenchor; Frauen- und Mädchenchor; Schwesternchor; 14: Feier aus dem Turnplatz. — Llch. 9.30: Stiftsdechant Kahn; Kollekte; Christenlehre für die männliche Jugend; 12.45: Kindergottesdienst; 14: Stiftspfarrer Naumann, Kollekte. — TUeder-Bessingen. 9.30: Stiftspfarrer Naumann. — Langsdorf. 11: Hauptgottesdienst; Kollekte für die Innere Mission; 13.30: Kindergottes- dienst. — Bettenhausen. 8.45: Jugendgottesdienst; 9.30: Hauptgottesdienst. — Rliinzenberq. 10.30: Gottesdienst mit Kollekte für bie Innere Mission; 13: Christenlehre; nachmittags: Volkstag der Inneren Mission; Haussammlung für die Innere Mission. — Trais-Rlünzenberg. 8.30: Gottesdienst mit Christenlehre; Kollekte für die Innere Mission; nachmittags: Volkstag der Inneren Mission; Haussammlung für die Innere Mission. — Hungen. 10: Gottesdienst; 11: Gottesdienst. — Mrberg. 10: Gottesdienst; Kollekte. Veitsberg. 13: Gottesdienst; Kollekte. — Garbenteich. 13: Gottesdienst. — Haufen. 10: Gottesdienst; anschl. Christenlehre. Evangelische Stadtmission. Löberstraße 14. Sonntag, den 14. Juni. 8.30 Uhr: Morgenandacht; 9: Mit- glieder-Gemeinschaftsstunde; 15.30: Soldatenbibelstunde; 20.30: Evangelisationsvortrag. — Mittwoch, den 17. Juni: 20.30 Uhr: Bibelstunde. Christliche Gemeinde Gießen, Zu den Mühlen 2. Sonntag, den 14. Juni. 9.30 Uhr: Erbauunasstunde; 20.30: Evangelisation. — Dienstag, den 16. Juni. 20.30 Uhr: Bibel- und Gebetstunde. Gemeinschaft innerhalb der Kirche (Landeskirchliche Gemeinschaft), Gutenbergstraße 9. Sonntag, den 14. Juni. 20.30 Uhr: Eoangelisationsstunde. — Mittwoch, den 17. Juni. 20.30 Uhr: Bibelstunde. — Donnerstag, den 18. Juni. 20.30 Uhr: Jugendbundstunde. Heuapostolische Gemeinden, Händelstraße 1 und Ederstraße 13. Sonntag, den 14. Juni. 9.30 Uhr: Gottesdienst; 15.30: Gottesdienst (nur Händelstraße). — Mittwoch, den 17. Juni. 20.30 Uhr: Gottesdienst. Vaplistengemeinde, Gartenstraße 13. Sonntag, den 14. Juni. 11 Uhr: Kindergottesdienst; 20.30: Predigt. — Donnerstag, den 18. Juni. 20.30 Uhr: Bibelstunde. Mittwoch, den 17. Juni. Gießen. Stadtkirche. 20 Uhr: Abendandacht. Donnerstag, den 18. Juni. Gießen. Zohanneskirche. 20 Uhr: Bibelstunde. katholische Gemeinden. Samstag, den 13. Juni. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. Sonntag, den 14. Juni. 2. Sonntag nach Pfingsten. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunion der Jungfrauen und Hausangestellten; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 14.30: Christenlehre und Andacht; 15.30: Jungfrauenkongregation. — Grünberg. 9.45: Hochamt mit Predigt. — Hungen. 9.30: Hochamt mit Predigt. — Lich. 7.30: Hochamt mit Predigt. — Lollar. 9.30: Messe mit Predigt. — Hidda. 8.15: Hochamt mit Predigt. Montag, den 15. Juni. Gießen. 20 Uhr: Segensandacht. — Laubach. 7.30: Messe. Dienstag, den 16. Juni. Gießen. 20 Uhr: Segensandacht. Oeffentlicher Sonntagsdienst. Polizei: Telefon 2751, nur in dringende» Notfällen Telefon 01. Feuerwache: Telefon 2244/45, Notruf Telefon 02. Hauptpostamt: Beschränkter Schalterdienst 8 bis 21 Uhr. Stadtpostamt: Für Schließfachabholer f bis 13 Uhr. Sanitätskolonne: Telefon 2500. Aerzte : Dr. Wolf, Dr. Schäffer. Zahnarzt: Dr. Jäger. Apotheke: Engel-Apotheke. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. $ranffurt a. M. Berlin Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. 11.6. Banknoten. Berlin,12. 5uni 62,57 62,83 Di- hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die tzöhe der zuletzt beschloßenen Dividende an. - Reichsbankdiskont 4 Lambardzinsfuß 5 v. H. 64,46 80,36 33,69 172,5 262 115,5 132 123 182 7 V 5 6 5 248,5 132,5 97,25 22,75 135 131,5 245 131 95 22,5 132 130,5 64,20 80,04 33,55 o 5 tz 0 7 0 8 0 0 9 12 11 Schlußkurs 56,4 90 144 108,25 47,5 452 200,25 192 Schluß- kurs chUtpp Holz mann .... ementwerk Heidelberg ementwerk Karlstadt.. I.G. Farben-Jndustrie Scheideanstalt........ Goldschmidt Rütgerswerke Metallgesellschaft Amerilamiche Noten Belgische Noten.................. Dänische Noten Englische Noten Französische Noten Holländische Noten Italienische Noten Norwegische Noten Deutsch Oesterreich, A 100 Schwing Rumänische Noten.......... Schwedische Noten Schweizer Noten................. Spanische Noten ..... Ungarische Noten .... 11.6. 140,5 138,25 249 132,13 96,5 22,75 133,5 132,5 184,75 Schlußk. Mittag- börse 12.6 139 136,25 246 131,25 95,18 22,25 132,75 130,25 183,5 SchultbeU Patzenhofer Aku (Allgemeine Kunstseide) .. Bemberg........ Zellstoff Waldhof 1 ’ * ’ ” Zellstoff Aschaffenburg .... Dessauer Gas ......... Daimler Motoren ****** Deutsche Linoleum ...... OrensteinL Koppel.....**’* Accumulatoren-Iabrik ******** Eonti-Gummi * 2,437 41,88 55,53 12,46 16,30 167,44 n 2,457 42,04 55,75 12,50 16,36 168,12 4| 130,9 7 142,25 6| 150 Schlugt. Abend« börle 12.6. 139,5 Grrtzner...................... „ „ Höchst a.9JL... J gS7| Süddeutscher Zucker........ 230 5 _______ Datum Mansfelber Bergbau....... ey, Kokswerke ................. g Rheinische Braunkohlen *12 Ryetnstahl .................. 4 Vereinigte Stahlwerke sy, Otavt Minen ............. o Kaliwerke Aschersleben ’’ 5 Kaliwerke Westeregeln........5 Kaliwerke Salzdetfurth 7% Frankfurt 0. M. Berlm Franksurt a.M. Berlin Schluß» kur» Schlußk. Abend« börse Schlußkurs Schlußk. Mittag« bSrse Schlußkurs Schlußk. Abend« bSrse Schluß« kurs Schlußk. Miltaa« börle Datum 11.6. 12.6. 11.6 12.6 Datum 11.6 12.6 11.6. 12.6- 6% Deutsche Retchsanleihe v. 1927 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 bVi% Doung-Anleihe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit AuSlos.-Rechten ............ 4H% Deutsche Reichspostschatzan Weisungen von 1934, l....... 4Yi% chem. 8% Hessischer Bolls ftaat 1929 (rückzahlb. 102%) ... 4K% ehem. 8% Hessische Landes dank Darmstadt Gold 81.12... 6y.% ehem. 4 /,% Hess. Lande» Hypothekenbank DarmstadtLiau. Grotzen-Linden, den 8. Juni 1936. Svar- u. Vorschutzverein Aktiengesellschaft Der Vorstand: gez. Ketzler, Dir. gez. Kehler,Rechner Fresko- und Kammgarn- Anzüge Einfarbig, silbergrau bis blaugrau, grünliche und bräunliche, zarte Farbtöne. Krump- frei, porös, leicht und sehr strapazierfähig 38.00 48.00 66.00 68.00 Wir haben zirka AI Bund Werkte preiswert abzugeben Dampfsägewerk B. Nohn i.-g. Lollar 38170 Regen-Mäntel Mako, imprägn. 28.00 32.50 Loden d. Fa. Frey -München Moderne Sakko-Anzüge Die Auswahl ist gerade jetzt überraschend groß. Einfache Organdy. 100 cm breit, m sich ge- 4 Oft mustert und bedruckt p. m l«OU Bemberg-Pepita, 95 cm breit, Original Bembergware in schwarz/ bleu/weiß, marine/weiß, weiß, 2.20 braun/weiß und grün/weiß... p. m Mattkrepp-Streifen, 95 cm brt., ft Eft aparte Färb Stellungen p. m Georgette - Druck, 95 cm breit, ft CE neuartige Farbstellungen ... p. m fc»UU Mattkrepp-Druck, 9a cm breit, herrliche, neue Blumen- u. 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