Nr.185 Erster Blatt 186. Zahrgmg Zrettag, 12. Juni 1956 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monatr-Vezugspreir: Mit 4 BeUagen NM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Sieben Postscheckkonto: Ä Zranlfnrt am Main 11686 Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitäts-Vuch- und Steindruckerei R. Lange in Sieben. Schristleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8^/,Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text- anzeigen von70mm Breite 50 Npf.,Platzvorschrift nach vorh.Vereinbg.25°/„ mehr. Ermäßigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Npf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Wachsende Besorgnis in Frankreich. Englands Rekmüemngsnöte Von unserem TH.D.-Sonder-Korrespondenten Der Streik droht revolutionäre Formen anzunehmen. Paris, 12. Juni. (DNB. Funkspruch.) Im Rest aurations-, Hotel- und Kaffeehausgewerbe wurde am Donnerstagabend eine Einigung erzielt, so daß die Arbeit am heutigen Freitag wieder ausgenommen wird. Zum zweiten Mal sind am Donnerstagnachmittag wieder Um- züae von Streikenden in der Jnnen- st a o t erschienen, die ausschließlich rote Fahnen mit sich führten, und mit erhobener Faust die Straßen durchzogen. An vielen Straßenecken bildeten sich außerdem kleine Aufläufe, wo unbekannte Redner sehr stürmische Ansprachen hielten. Diese gespannte Stimmung wird nicht nur von den Blättern der Rechten gekennzeichnet, sondern auch die radikalsozialistische „E r e Nouvelle" erklärt, daß die Erscheinungen des Donnerstags e r n st e s Nachdenken verlangten. Gewiß verstehe man, daß die Regierung Geduld habe, aber man müsse klar heraussagen, daß Geduld haben nicht gleichbedeutend damit sei, daß sich eine Unordnung aufrichte. Das nationalistische „L ch o de Paris- Paris macht Schule. Zuspitzung der Streiklage in Belgien. Brüssel, 12. Juni. (DNB.) Wie die „Libre Belgique" meldet, hat der Generalstreik im Lütticher Kohlenbecken einen eindeutig revolutionären Charakter angenommen. Die Arbeiter hätten aus einer Grube, die von ihnen besetzt worden sei, rote Fahnen gehißt. Der sozialistische Bürgermeister von Herstal habe sich geweigert, Gendarmerie anzufordern, um die Grube zu räumen. Man befürchtet, daß sich die Arbeiter der Metallindustrie der Streikbewegung anschließen werden. Im Hasen von Antwerpen ruht die Arbeit immer noch vollständig. In der Diamantindustrie befinden sich 2000 Arbeiter im Streik. Die Zentralleitung der belgischen Metallarbeiter hat als Bedingung für eine Beteiligung der Sozialisten an der Regierung u. a. eine Erhöhung der Löhne und die Einführung der 4 0- stündigen Arbeitswoche gefordert. Aehn- liche Forderungen sind von der Zentralleitung der belgischen Bergarbeiter erhoben worden. Das Blatt Dandervelües „Le Peuple" kündigt an, daß die Aktion der belgischen Gewerkschaften zugunsten der 40stündigen Arbeitswoche, die durch die Erfolge der französischen Streikbewegung einen besonderen Auftrieb erfahren hätte, in der nächsten Zeit verstärkt werde. Das Hindernis der Sanktionen. Italiens Bedingungen für seine Wiederbeteiligung an der internationalenpolitik schreibt, es wolle laut sagen, was man sich leise zuflüstere, daß nämlich alles so vor sich gehe, als ob die Sowjetunion in Frankreich nahe bevor st ände oder mindestens als ob man es versuchen wolle. Gewiß sei Frankreich für eine derartige Regierungsform nicht reif. Das wüßten auch die Leiter der Volksfront, aber ein gefährlicher Zug gehe durch die Arbeiterklasse. 3n dieser Anarchie wollen die Kommunisten nicht übertroffen werden, mehr noch, sie seien die einzigen, die wüßten, was sie wollten. Paris habe das Gefühl, daß eine Revolution begonnen habe. Der rechtsgerichtete „Le Jour" ist beunruhigt, weil man die eigentlichen Urheber der Streiks in den einzelnen Betrieben überhaupt nicht kenne. Mittags feien Forderungen in die Betriebe hineingebracht, und gegen den Willen der Belegschaften aufgestellt worden. Wenn dann eine Einigung nicht Zustandekommen wolle, so nur, weil zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ein eiserner Vorhang gefallen sei. Schon verzeichne man die ersten Enteignungen von Fabriken. So seien die Direktoren einer großen Molkerei in Drancy vom Personal zum Verlassen des Betriebes gezwungen worden. Die Arbeiter hätten dann in eigener Regie weite r g e a r b e i t e t. In Aulny hätten die Arbeiter einer Heizkörperfabrik, nachdem eine Einigung mit den Arbeitgebern nicht zu erreichen gewesen wäre, die Maschinen wieder in Betrieb gesetzt, und zwar unter der Leitung des Ortsbürgermeisters. Der „Matin" meint gleichfalls, die Oeffentlichkeit lebe dauernd unter der Gefahr irgendeines Zwischenfalles, der von Agitatoren herbeigeführt werden könne, die die Autorität der französischen Gewerkschaften/sabotieren wollten. Es müsse endlich Schluß gemacht werden. Man dürfe die Gemeinschaftsaktion nicht zu einem revolutionären Sport werden lassen. Sogar bei den Kommunisten wird zu einer gewissen Mäßigung geraten. Der Abgeordnete Thorez erklärte in einer großen kommunistischen Veranstaltung, daß man den Streik beenden müsse, sobald die wesentlichen Forderungen erfüllt seien. Man müsse auch ein Kompromiß abzuschließen wissen, damit die auf Erzeugung von Panik gerichtete Agitation nicht erleichtert werde. for- fünf Blums Sozialgesetze in der Kammer. Paris, 7. Juni. (DNB.) In der Kammer derte die Regierung die sofortige Beratung der bereits eingebrachten Gesetzesvorlagen. Der rechtsgerichtete Abgeordnete I s n a r d stellte den Antrag, die Aussprache von der Tagesordnung a b z u j e tz e n, da die Freiheit der Arbeit nicht gewährleistet fei, sondern unstatthafte Umzuge stattfänden. Es habe keinen Zweck, neue Gesetze zu verabschieden, wenn die Regierung nicht einmal in der Lage sei, den bereits verabschiedeten Achtung zu verschaffen. Der Antrag wurde zuruckgewiesen. Ministerpräsident Blum kündigte an, daß die Regierung vier neue G e s e tz e s v o r s ch l a g e einbringe, die sich auf die allgemeine Amnestie aus die Amnestiegewahrung auf Antrag, auf die Verlängerung des Schulzwanges bis zum "- Lebens- jahr und auf die Herabsetzung der Altersgrenze für Beamte bezögen. Nach kurzer Aussprache wurde der Gesetzesvorschlag über die Abänderung der Notverordnungen über Kriegsteilnehmerpensionen verabschiedet. Als zweite Gesetzesvorlage wurden dann die bezahlten Urlaube mit 563 gegen eine Stimme angenommen. Auch die Gesetzesvorlagen, die d Abänderungen einiger Notverordnungen der Regierung Laval über die Bezüge d e r Staats- unb Gemeindebeamten vorsehen, wurden angenommen. Schließlich hat die Kammer die Vorlage über dse Einheitsrahmenverträge mit 528 gegen 7 Stimmen angenommen. Rom, 11. Juni. (DNB.) Das halbamtliche „Gio male d'Italia" machte einen neuen Vorstoß gegen das Fortbestehen der Sanktionen, die nutzlos, widerrechtlich und gefährlich feien, gefährlich insbesondere deswegen, weil sie nicht nur den Handel und die wirtschaftliche Gemeinschaft der Völker untergraben, sondern auch das System der politischen Beziehungen in Europa von Tag zu Tag mehr und schließlich in unheilbarer Weise belasten würden. Wenn nun demnächst auf Grund des argentinischen Antrages die Völkerbundsoersammlung über die Frage der Sanktionen und über die Anerkennung der von Italien in Abessinien vollzogenen Tatsache befinden soll, so liege diese Anerkennung durch die Eingeborenenstämme und Kundgebungen, wie sie z. B. Anfang dieser Woche unter Teilnahme höchster abessinischer Würdenträger vor General Gra- ziani, dem jetzigen Vizekönig von Abessinien, erfolgt feien, bereits vor. Mit dieser Anerkennung werde nach der militärischen Tatsache der Eroberung die politische Tatsache des Friedens geschaffen, gegen die sich niemand unter Bezugnahme auf den Völkerbund auflehnen könne. Im übrigen wendet sich die römische Abendpresse in ihren Pariser Berichten übereinstimmend gegen die in der französischen Presse zu beobachtende Strömung, die Frage der Aufhebung der Sanktionen zu einem Tauschgeschäft mit Italien zu machen, das die Einstellung des Sanktionskrieges durch eine Reihe im voraus einzugehender anderweitiger Verpflichtungen erkaufen solle. Die Abschaffung der Sanktionen hat in italienischen Augen vor allem den Sinn einfacher Gerechtigkeit, ober nach deutlicher der Zurücknahme eines begangenen Unrechts. Erft bann könnte sich bie Atmosphäre im Sinne einer Politik ber Versöhnung und der Zusammenarbeit entspannen. Wohin wendet sich Englands AnßenpoliNk? Lebhafte Erörterung der Hede Chamberlains. Baldwin läßt sich nicht festlegen London, 11. Juni. (DNB.) Die Rede des Schatzkanzlers Neville Chamberlain hat außerordentliches Aufsehen erregt. Im Unterhaus fragte ber Führer der Opposition, Major Attlee, ben Premierminister, ob bie Rebe bie Politik ber Regierung darstelle. Baldwin antwortete, Chamberlain habe ihm mitgeteilt, daß seine Bemerkungen ledialich persönliche Ueberlegungen seien. Attlee wünschte zu wissen, ob es nicht äußerst unbequem für den Außenminister sei, wenn ein verantwortlicher Minister so laut gedacht habe. Baldwin erklärte jedoch, er sei nicht dieser Ansicht. Chamberlain habe vor einem politisch erfahrenen Zuhörerkreis gesprochen. Sir Archibald Sinclair wünschte eine Erklä- rng darüber, daß dieser „Einbruch des Schatzkanzlers in das Gebiet der Außenpolitik" nicht amtlich gewesen sei und daß die Regierung ihren Völkerbundsverpflichtungen treu bleibe, einer Politik, die Chamberlain in seiner Rede als ,.Mitt- sommernachts-Verrücktheit" bezeichnet habe. Baldwin erklärte, er könne über das was Chamberlain gesagt habe, keine Klage führen. Attlee fragte, ob Chamberlains Ansicht die gegenwärtige Politik der Regierung darstelle. Baldwin ließ sich erst durch minutenlange Zurufe: „Antworten, antworten!" bewegen, noch einmal zu er- llären, Chamberlain habe ganz offen erklärt, daß er nur persönliche Ueberlegungen auf Grund der gemachten Erfahrungen angestellt habe. Attlee verlangte zu wissen, ob das heiße, daß seine Ansichten nicht die der Regierung seien. Baldwin erklärte hierauf, die Regierung sei noch zu keinerlei Schlußfolgerungen in dieser Frage gekommen, was mit lautem „Oh, Oh!" ausgenommen wurde. Chamberlain hat die Wahrheit besm Hamen genannt. London, 12. Juni. (DNB. Funkspruch.) „Mor- ning Post" betont, daß der Schatzkanzler keine Angst zu haben brauche, mit seinen Schlußfolgerungen allein zu stehen. Er habe nur das gesagt, was öffentlich oder geheim die Meinung von 90 Prozent der englischen Bevölkerung sei. Der Schatzkanzler habe sich um die Oeffentlichkeit sehr verdient gemacht, indem er mit erfreulicher Kühnheit Wahrheiten beim 9ta = men genannt habe, die von allen außer denen anerkannt werden, die sich schließlich vor der „Bundeslade" verbeugten. Er habe sehr genau das gesagt, was die Regierung in ihrem Innersten meine. Es sei kein Zweifel, daß, wie Baldwin erklärte, die Regierung sich noch nicht endgültig entschieden habe, obgleich die Entscheidung nicht viel länger auf sich warten lassen werde. Wenn es so weit sei, werde die Entscheidung hoffentlich dem entsprechen, was Chamberlain so bewunderungswürdig vorgetragen habe. Paris ist enttäuscht. Paris, 12. Juni. (DNB. Funkspr.) Die gestern veröffentlichte Rede Neville Chamberlains wird vom „Echo de Paris" wie vom „Oeuvre" eingehend und kritisch behandelt. Beide Blätter, bie oft die Ansicht des Quai d'Orsay widerspiegeln, sind der Auffassung, daß sie ein großes britisches Manöver abzeichne. Die verantwortlichen französischen Kreise, so schreibt „Oeuvre", glaubten zu erkennen, daß die britische Politik gegenüber dem Völkerbund von dem Gedanken beherrscht sei, die Verantwortlichkeiten Großbritanniens in der Welt in dem Augenblick zu vermindern, da die europäischen Angelegenheiten außerordentlich verwirrt seien. Aus diesem britischen Manöver großen Stils habe man in den verantwortlichen französischen Kreisen die Erkenntnis gezogen, daß Frankreich in allen Spielen verliere, im britischen, im italienischen und schließlich im internationalen. In den Augen dieser Franzosen gewinne die Politik eines Zurück- ziehens auf sich selbst an Raum. „Echo de Paris" erklärt, daß die Rede einen tiefen und entscheidenden Wendepunkt in der britischen Politik darstelle. Vor 8 Tagen habe die britische Regierung das französische Außenministerium wissen lassen, daß sie nicht die Initiative zur Aufhebung der Sanktionen ergreifen werde. Sie habe aber zu verstehen gegeben, daß sie sich vielleicht einer Empfehlung zur Aufhebung der Sanktionen a n s ch l i e ß e n würde, die von einem anderen (Staat tarne. Die Regierung fürchtet die britische öffentliche Meinung und sei also au$en= scheinlich auf der Suche nach einem Sünde n b o ck. Großbritanniens Völkerbundsreformpläne, die darauf hinausliefen, die Sanktionen nur bezirksweise vorzunehmen, bedeuteten, daß Großbritannien sich von allen europäischen Verpflichtungen mit Ausnahme demjenigen an der belgisch-französischen Grenze b c - freien möchte. Es werde in Genf nur akademische Vorschläge machen und im übrigen d i e Dinge laufen lassen. Was sagt man in Sto fen? Die Turiner „Stampa" bezeichnete die Erklärungen des britischen Schatzkanzlers Chamberlain als das logischste und bündig st e Dokument, das man von englischer Seite seit dem Beginn der „abessinischen Angelegenheit" besitze. Es müsse vor allem unterstrichen werden, daß ein sehr maßgebendes Mitglied des britischen Kabinetts rückhaltlos den Fehlschlag des Sanktionsexperiments zugegeben habe. Italien verfolge die Entwicklung, die eine entscheidende Wendung mit sich bringen könnte, mit größter Aufmerksamkeit. Die Abschaffung der Sühnemaßnahmen sei ein Akt, der der Entwicklung einer neuen europäischen Lage vorangehen müsse. Frankreich trage die Verantwortung für eine Politik, die nicht nur mit dem Geist der genau festgelegten Abmachungen im Widerspruch stehe, sondern gefährlich werde. London, Anfang Juni. In den Londoner Theatern laufen zur Zeit etwa ein halbes Dutzend Revuen. Zu diesen Revuen ist jetzt noch eine weitere hinzugekommen, zwar nicht in London selbst, sondern eine gute Stunde Bahnfahrt von der britischen Hauptstadt entfernt, i n 21 Iber f 1)00 t, wo, wie alljährlich, die britische Armee vor einer schaulustigen Menge militärische Revuen zeigt. Dieses Jahr kann man bewundern, wie Soldaten in der Uniform aus der Zeit der Befreiungskriege ein mit Palisaden verbarrikadiertes Dorf in Indien stürmen. Es gibt viel Lärm, viel Pulverdampf und prächtige Bilder, die das Auge des Beschauers vollkommen zufrieden stellen. Diese militärischen Revuen in Aldershoot, die sogenannten Tattoos, gehören ebenso zum eisernen Bestandteil der gesellschaftlichen „Season", wie das Derby und wie das große Moderennen in Ascot. Für deutsche Augen haben diese militärischen Schaustücke irgendwas Befremdendes. Es liegt uns Deutschen nicht, den Soldaten als Revue-Komparsen auftreten zu lassen. Der Engländer nimmt keinen Anstoß daran. Er findet diese Schauspiele ebenso selbstverständlich wie die Tatsache, daß der .Offizier, wenn er nicht im Dienst ist, keine Uniform trägt. Das Militärische ist hier außerhalb der gesellschaftlichen Sphäre. Es ist kein Bestandteil des politischen und privaten Lebens, sondern etwas, was außerhalb steht genau so wie das Theater, dessen Notwendigkeit sicherlich nicht bestritten wird, das aber irgendwie nicht in das normale bürgerliche Leben hineinpaßt. Man kommt zu solchen Ueberlegungen und Beobachtungen ganz von selbst, wenn man die Sorgen verfolgt, die die englische Regierung, aber auch einen guten Teil der öffentlichen Meinung angesichts der Tatsache erfüllen, daß sich die Rekrutierungsfrage vor allem in der britischen Armee von Tag zu Tag problematischer gestaltet. Die Stimmen häufen sich, die nach den Gründen dieser Problematik fragen. Und in diesem Zusammenhang erscheint uns ein Aufsatz bedeutungsvoll zu sein, der kürzlich in der angesehenen Monatsschrift „The Fortnighthly" erschienen ist und in dem der Verfasser, H. O'N e i l l, mit jener freimütigen Kritik, die dem Briten eigen ist, die Frage zu beantworten versucht, warum denn gerade in „diktatorisch" regierten Ländern die Jugend sich freiwillig und aus Ueberzeugung zum Heeresdienst meldet und in einem so demokratischen Land wie England nur mit größtem inneren Widerstreben. Der Verfasser geht von der Tatsache aus, daß die aUgemeine Wehrpflicht selbst mit der Frage „demokratisch oder nicht" wenig zu tun habe. Er weist zum Beispiel darauf hin, daß dem Franzosen die Dienstpflicht etwas selbstverständliches ist. Er weist auch darauf hin, daß ganz England von einer tiefen Friedenssehnsucht erfüllt ist, daß diese Friedenssehnsucht geradezu die „politische Religion" des britischen Volkes geworden sei. Es wird dann zugegeben, daß dieser weit verbreitete Pazifismus zu einem guten Teil verantwortlich ist für die mangelnde Rekrutierung der britischen Armee. Nun liegen die Dinge ja so, daß kein allgemeiner Widerwillen gegen die Rekrutierung überhaupt besteht, sondern nur gegen den D i e n ft in der Armee. Für die Marine und für die Luftflotte haben sich stets genügend Freiwillige gefunden. Aber der Dienst in der Armee ist nicht weniger wichtig. Gerade wenn man das kollektive Prinzip bejaht, so meint der Verfasser, dann muß man auch der Notwendigkeit eines starken Expeditionsheeres zuftimmen. Die militärischen Sachverständigen haben nun ausgerechnet, daß eine Friedensstärke von 158 400 notwendig ist, um im Vereinigten Königreich selbst und außerhalb, mit Ausnahme von Indien, Dienste zu leisten. Rechnet man in diese Zahl die in Ausbildung begriffenen Rekruten ein, so bleiben 100 000 Mann übrig, die voll ausgebildet sein müssen. In Wirklichkeit aber zählte die englische Territorialarmee am 12. März dieses Jahres nur 128 000 Mann. Von diesen wiederum muß man 52 000 in Ausbildung begriffene Rekruten abziehen. (Die Präsenzstärke betrug 1914 dagegen 272 000 Mann.) Mit einer Stärke von mindestens 100 000 vollausgebildeten Mannschaften steht und fällt aber, wie der Kriegsminister Duff Cooper erklärte, die Verteidigungsfähigkeit Großbritanniens. Wie gering die Zahl der sich meldenden Freiwilligen ist, beweist das Beispiel Londons. Für die Luftverteidigung Londons wurden rund 17 0(O Rekruten angefordert. Es meldeten sich rund 5400. Von anderer Seite ist nun erklärt worden, daß die mangelnde Rekrutenzahl darauf zurückzuführen sei, daß d e r physische Zustand der sich freiwillig Meldenden immer schlechter geworden sei. Der Artikel im „Fortnightly" weist aber nach, daß diese Unterstellung falsch ist. So wurden 1933 nur 40 v. H. der sich Meldenden angenommen; 1934 aber 44 v. H. und 1935 schon 53 v. H. Die Tatsache aber bleibt immer, daß die Zahl der sich freiwillig Meldenden von Jahr zu Jahr abgenommen hat. Es liegt also nahe, danach zu fragen, welche wirklichen Gründe für diese vorn englischen 23er» teidigungsstandpunkt aus verhängnisvolle Entwick- lung beigetragen haben. Die Befürchtung, sich in der Armee schlechter zu stehen, als wenn man Arbeitslosengelder bezieht, ist nicht stichhaltig; denn in der Tat gehört die britische Armee zu den best- bezahlten Heeren der Welt. Der Verfasser des Aufsatzes in der „Fortnightly" trifft den Kern der Sache in der Feststellung, daß ein moralischer Mangel vorliegen muß, der zu dieser Entwicklung geführt hat. Diesen mo» ralischen Mangel sieht der einsichtsvolle Verfasser der „Fortnightly" darin, daß für den jungen Engländer der Dienst an der res publica, dem allge- 1 1 x, l r- WM/* w Amk v ch an V Aom M Äge nien, N zum Paß- DaB Aomrnc ral Sct rechten der Po Ems, waren, formst formte Nach: kurzen mittag an der wo er der Kc Bado derF worden 5. Ma ülir Clev sprich) Parteita d o n, q| Ichaft; nla ist i steht qu der rep Angriff, folgte tj Rechte den Au- neuer 5 Fühl des ® helinsh aber - der n Führe ftädte nunge> migH (gez.) Adolf Hitler." aus. Der Führer und Reichskanzler hat an Major d. Stephani, den früheren Berliner Stahlhelmführer, telegraphisch folgenden Geburtstagsglückwunsch gesandt: „Zu Ihrem heutigen 60. Geburtstag spreche ich Ihnen im dankbaren Gedenken Ihres Kampfes um die nationale Erneuerung des deutschen Volkes meinen herzlichen Glückwunsch Kleine politische Nachrichten Reichsminister Dr. Frick spricht am heutigen Freitag zum Ro-ten-Kreuz-Tag im Deutschlandsender in der Zeit oon 19.45 bis 20 Uhr. Die Rede des Ministers wird zu anderen Zeiten auch oon den Reichsscndern übertragen. Reichswirtschaftsminister Dr. S ch a ch t ist in Belgrad eingetroffen, um als Reichsbankpräsident den Berliner Besuch des Gouverneurs der Jugoslawischen Nationalbank zu erwidern. Dr. Schacht erklärte, daß sein Besuch keinerlei politische oder wirtschaftspolitische Bedeutung habe rissen worden, das Schiff habe sich quergestellt und sei breitseitig gegen die Pfeiler der Reichsbrücke angetrieben worden. Der Kapitän berichtet weiter, daß er daraufhin das Kommando „Volle Kraft voraus" gegeben habe, in der Hoffnung, das Schiff werde Kurs gegen das Ufer nehmen. Da aber die Maschinen im Augenblick des Versagens der Steuerung auf „Halbe Kraft rückwärts" gestanden hätten, sei die Zeit zum Herumwerfen zu kurz gewesen. Die gewaltige Strömung der Hochwasser führenden Donau warf die „Wien" an den Brückenpfeiler der lm Neubau befindlichen Reichsbrücke. Unter ungeheurem Getöse barst die „W i e n" mittschiffs auseinander. Das Schiff sackte in drei Minuten weg. Insgesamt waren 29 Personen, durch- meg Angestellte der Donau-Dampfschiffahrtsgesell- schaft, an Bord. Zum Glück war es dem Kapitän noch möglich gewesen, die Dampfsirene als Notsignal betätigen zu lassen, so daß der größte Teil der Besatzung auf Deck eilen konnte. Die Leute klammerten sich an das Holzgerüst der im Bau befindlichen Brückenpfeiler und konnten sich so retten. Sechs Personen gelang nach den letzten amtlichen Meldungen die Rettung nicht. Die Vermißten und als tot zu betrachtenden Personen sind der Schiffsheizer, der Restaurateur des Schiffes und seine tfrau, zwei Aufräumefrauen und die Büfettfrau. Vier Tote dürften sich im Wrack befinden, während zwei Leichen nach Aussagen von Zeugen weqge- schwemmt zu sein scheinen Die Strompolizei hat vorläufig die Durchfahrt unter der Reichsbrücke vollständig gesperrt Die Bergungsarbeiten werden so bald als möglich be- ginnen, aber sehr lange Zeit beanspruchen. Der Wert des untergegangenen Dampfers beträgt zwei Millionen Schilling. Der Schaden, den die Donau- Dampffchiffahrtsgesellschaft erleidet, ist nicht durch Versicherung gedeckt. 1 J Reichsmimsler Goebbels als Zeuge im Prozeß wegen des Berliner Baugrubenungluüs Erstes Ersordemis ist »i« Sich-rh-" »cye Universttäts-Buch-und Steindruckerei R. Lange, K.-G^ sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufsprets 10 Pf. und Samstags 15 $f« mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. 12.75 9.75 8.95 CARLTMnwgrK J giessen seltersweg 8i [Vermietungen | l Wünschen Strümpfe Söckchen Klosterfrau-Melissengeist 3756A ^INHABER: CARL HEINZ SCHLÜTER Nachlasse v-n r n- 20 v. S. erhalten Sie bei wiederholten Aufnahmen einer Anzeige zu unseren weit und breit bekannt billigen Preisen und guten Qualitäten Peter Ohl vorm.Grode Gießen / Frankfurter Straße 17 . _______________3746A m.Bad zum 1.7. 1936 zu vermiet. 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Kein Wunder, daß bei der Fülle gleichzeitiger Veranstaltungen in der Reichshauptstadt jene Frauen und ihre Sorgen ein wenig in den Hintergrund geraten, denen schon als Kinder unser leidenschaftliches Interesse in dem Maße galt, als wir groß genug waren, an der bekannten Klingel zu ziehen. Man sieht im Landwehrkasino in Berlin eine interessante Versammlung von klugen und markanten Frauengesichtern, wieviele Mutterköpfe mit schlohweißem Haar darunter, zusamm^n- sitzen. Ihre Sorgen sind mehr die aller Völker als man es gemeinhin von irgend einem anderen Berufsstand sagen könnte. Alles, was mit ihrem Beruf zujammenhängt, rührt schließlich an die tiefsten Wurzeln und Probleme der großen volksbiologischen Aufgaben, die sich das neue Reich an erster Stelle gestellt hat. Es ist deswegen nicht zu verwundern, wenn im Mittelpunkt der Erörterungen auf diesem Kongreß Fragen stehen, die nicht nur in Deutschland, sondern in allen Ländern, die über Geburtenrückgang klagen, im Vordergrund stehen. Der Kongreß wird so zu einem internationalen Forum über den Austausch von Erfahrungen, die man über die Schwangerschaftsberatung, die Unterstützung von Kindern, von stillenden Müttern, Säuglingsfürsorge usw. gemacht hat. Die Stellung der Hebammen selbst ist in den einzelnen Ländern, was ihre amtliche Beziehung zu diesen Problemen anlangt, sehr verschieden. Einzelne Länder haben sie weitgehend zur Sozialfürsorge gegen Bezahlung oder ehrenamtlich herangezogen. In Deutschland gibt es dafür feine einheitliche Regelung. Die Hebammen haben die Pflicht, bei uns, wie in fast allen anderen Ländern, ebenso wie Aerzte, den Frauen bei der Entbindung zu helfen. Sie müssen aber bei allen Komplikationen mit wenigen Ausnahmen Aerzte heranrufen, bzw. die Ueberführung in Entbindungsanstalten veranlassen. Die Verabfolgung von schmerzlindernden Mitteln ist ihnen allgemein untersagt. Darüber hinaus haben die Hebammen aller Länder ein begreifliches Interesse daran, in den wachsenden sozialen Fürsorgeapparat des Staates und der Kommunen eingespannt zu werden. Sie sehen sich selbst bei der Entbindung der wachsenden Werbung der von Aerzten geleiteten Entbindungsanstalten gegenüber und fürchten die immer stärker in Erscheinung tretenden Säuglingsschwestern. Der Kongreß hat sich darum nicht zuletzt auch mit Vergleichen über den Ausgang von Geburten in den Entbindungsanstalten und unter dem Beistand vön Hebammen befaßt. In den Entschließungen wird naturgemäß auf die Summe an Erfahrungen, an Können und Geschicklichkeit hingewiesen, die durch die Hebammen repräsentiert werden. Sie kämpfen heute beinahe schon in einzelnen Ländern um ihre Existenz als frei praktizierende Frauen schlechthin. In einzelnen Ländern geht man bereits dazu über, die Geburtshilfe staatlich durch festangestellte Aerzte und Hebammenschwestern zu organisieren. Eine solche Organisation kostet naturgemäß Geld. Sie ist im Grunde genommen nur verständlich in Ländern wie Frankreich, die längst vor Deutschland der Katastrophe des Geburtenrückganges einen möglichst hohen Damm entgegenstellen möchten. Auf dem flachen Lande wird sich eine derartige Organisation jchwer durchführen lassen. Und wenn, dann unter großen Kosten. Gerade für das flache Land ist darum eine geschulte und tüchtige Hebamme fast unentbehrlich. Sie könnte es aber auch in der Schwangerschaft und Säuglingsberatung werden. Es liegen Beispiele in Fülle vor, in denen bei der Beauftragung der Hebammen mit der Schwangerschaftsberatung und vor allem der Ueberwachung der Säuglinge ein Jahr lang nach der Geburt in einzelnen Kreisen erstaunliche Erfolge erzielt worden sind. Es ist gelungen, in einzelnen Fällen die Säuglingssterblichkeitsziffer auf ein Drittel, bzw. die Hälfte herabzudrücken. Die Hebammen weisen darauf hin, daß ihre örtliche Kenntnis der Familienverhältnisse der Gebärenden, seit Generationen häufig, ihre Vertrautheit mit dem gesamten Dorf und der Kleinstadt ihnen viel sichere Anhaltspunkte böte als den Aerzten und den amlich angestellten Schwestern. Das Landvolk ist ebenso wie die Kleinstadt unzweifelhaft eher geneigt, einer Hebamme ihr Vertrauen zu schenken, die häufig genug schon den Müttern Der jungen Generation ins Leben half, als einer Stelle mit amtlichem Charakter. Das sind Dinge, die nur zu menschlich sind und mit den Anfängen des Hebammenberufes als solchem Zusammenhängen. Und die „weißen Frauen" unserer Ahnen genossen nicht umsonst ein hohes Ansehen. Insgesamt bot der Kongreß ein umfassendes Bild über die Mütter- und Säuglingsbetreuung in zwanzig Ländern mit genauen Angaben der materiellen Unterstützungen. Das Hauptinteresse des Kongresses blieb auch dem beunruhigenden Problem der überaus hohen Sterblichkeit der unehelichen Kinder zugewandt. Vielleicht, daß die bei diesem Zusammensein gewonnenen Kenntnisse mit dazu beitragen, keimendes Leben zu schützen und gewordenes zu erhalten. Dann käme diesem Kongreß eine lebenswichtige Bedeutung zu, weil er an der Schaffung des Lebens so stark unmittelbar beteiligt ist. Feiern sind verbunden mit dem Deutschen Jugend- fest und den Bannsportfesten, aus deren Anlaß bekanntlich die Sportwettkämpfe des Jungvolks und der Jungmädel und die Sportwettkämpfe der HI. und des BDM. stattfinden. Zur Hauptfeier treffen sich am Sonntag, 21. Juni, abends auf der Zug- jpitze Mitglieder der Reichsführung SS. und des Stabes der Reichsjugendführung, Formationen der SS., der HI. und des BDM. Der Reichsjugendführer Baldur von Schirach hält die Rede am Feuerstoß. Darbietungen der HJ.-Spielscharen unter Leitung des Kulturamtes der Reichsjugendfüh- rung und ein Höhenfeuerwerk umrahmen die Feier. Der Reichsführer SS. und die nicht an der Feier auf der Zugspitze beteiligten höheren Führer der SS. und HI. werden an den verschiedenen örtlichen Sonnwendfeiern ihrer Formationen teilnehmen. Alle deutschen Sender übertragen diese große Sonnwendfeier der deutschen Jugend mit der Rede des Reichsjugendführers am 21. Juni. Opfer des Ruffeneinfalls in Ostpreußen. In den beiden Monaten August und September 1914 wurden von den Russen in Ostpreußen 1620 Zivilpersonen getötet und 433 verwundet. Jeder Einwohner, der auf dem Fahrrade angetroffen wurde, war a l s spionage- verdächtig dem Tode verfallen, lieber 10 000 Zivilpersonen, mitunter die Bewohner ganzer Ortschaften, wurden ohne Unterschied des Alters und Geschlechts als Geiseln nach Rußland verschleppt. Ueber 800 000 Zivilpersonen mußten Haus und Hof fluchtartig verlassen. 34 000 Gebäude wurden zerstört; zahlreiche Dörfer und Städte, fast alle Güter und Bauerngehöfte wurden von den Russen restlos niedergebrannt. 135 000 Pferde, 250 000 Rinder und 200 000 Schweine gingen verloren. HZ. veranstaltet die Sonnwendfeiern der deutschen Jugend. Die Hitler-Jugend veranstaltet, wie der Reichs- jugend-Presse-Dienst mitteilt, am 20. und 21. Juni im ganzen Reich die großen Sommer-Sonnwendfeiern der deutschen Jugend. Diese Pompeji und Leptis Magna. Großartige Lleberreste antiker Kultur am Mittelmeer. Von unserem ständigen (Schm)-Berichierfkatier. OerM'esenbrückenbau über das Muldetal i/-,' „ 5 v. «SÄ SM - ■ Das gewaltige Bauwerk der Reichsautobahnbrücke über das Muldetal in Sachsen schreitet rüstig vorwärts. Arn Westhang des Tales, der Siebenlehner Seite (links) liegen bereits die ersten Stahlbalkenträger der künftigen Fahrbahn bis zum Pfeiler 5. Der gewaltige Turmkran, den man rechts im Tale sieht, hat eine Höhe von 61 m. Trotzdem verschwindet er fast inmitten des großen Bauwerks. (Scherl-Bilderdlenst-M.) (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Tripolis, im Juni 1936. Kein Jtalienfahrer wird — sofern er nach Neapel kommt — versäumen, die toten Städte Pompeji und Herkulanum zu Füßen des Vesuvs zu besichtigen. Auch wenn es weniger nachdrücklich im Reisefichrer empfohlen würde, wenn man auf unbequemeren Wegen dorthin gelangen müßte als mit der Eisenbahn, und wenn Dadurch ein viel größeres Loch in die Reisekasse gerissen würde, als es geschieht — auf den Besuch mindestens von Pompeji würde wohl ohne zwingenden Grund niemand verzichten wollen. Denn wer nach Neapel kommt, weiß eben, daß er jene Stätte einer noch heute erschütternden Tragödie gesehen haben muß ... Und nun steht man hier, nicht weiter von Tripolis entfernt, als Pompeji von Neapel liegt, vor den Trümmern einer vergangenen Stadt, von der man zuvor bestenfalls den Namen kannte, obwohl sie offensichtlich viel größer und mächtiger, reicher und bedeutender als Pompeji oder Herkulanum war. Es sind die Reste von Leptis Magna, einer etwa 1000 Jahre vor Christi Geburt gegründeten phönizischen Siedlung, die sich im Laufe der Jahrhunderte zu einer beherrschenden Stadt an der nordafrikanischen Mittelmeerküste entwickelt hatte. So gesehen, ist das Schicksal von Leptis eigentlich erschütternder noch als das von Pompeji und Herkulanum: gewiß waren auch sie bis zu ihrem schrecklichen Ende blühende und begüterte Handelsstädte, aber sie nahmen doch nicht eine auch nur annähernd so fest begründete Stellung ein wie Leptis. Wenn man vor den mächtigen Säulenschäften und den anderen Baudenkmälern steht, die — dem gierigen Wüstensande wieder abgerungen — eine nur begrenzte Vorstellung vermitteln können von der versunkenen Pracht dieses Leptis Magna, dann drängt sich geradezu die Frage auf, weshalb eigentlich fo oft von dem im Jahre 79 n. Ehr. verschütteten Pompeji und so selten von dieser gewaltigen Stadt gesprochen wird. Vielleicht mag es daran liegen, daß die Ausgrabungsarbeiten zu Füßen des Vesuvs schon viel früher begonnen wurden und den Generationen zweier Jahrhunderte reichen Gesprächsstoff liefern konnten. Aber hinzu kommt, und das mag entscheidend sein: Wer sich den Ruinen von Pompeji gegenübergestellt sieht, muß, erschüttert von so viel vor ihm ausgebreitet liegender menschlicher Tragik, bekennen, daß die Fülle wissenschaftlich ungemein wertvoller und aufschlußreicher Zeitdokumente ihn weniger stark beeindruckt, als eben jenes unmittelbare Nachempfinden grausamer Schickjalsstunden, die mit Naturgewalt das sorglos und heiter gelebte Leben unzähliger Bürger dieser unglücklichen Stadt auslöschten. Gewiß schreitet man bewundernd durch die Gassen des toten Pompeji, freut sich der Schönheit und der Harmonie einfacher oder prächtiger Wohnhäuser, die in mühseliger Arbeit aus der Lavamasse wieder ausgegraben wurden. Aber gerade dieser Gang durch Heute beginnen wir in öen Gießener Familien- blättern mit der Veröffentlichung einer neuen Erzählung. „Die Fahrt nach der Hhnfrau" nennt sich die sommerlich heitere und besinnliche Geschichte einer Reise in die deutsche Ostmark,- Paul Fechter, einer unserer angesehensten Theater- und Kunstkritiker, hat hier das heute besonders aktuelle Kapitel der Familienforschung auf ebenso liebenswürdige wie unterhaltsame Weise behandelt. Der Leser wird an dem feinen und männlichen Erzählerton Fechters seine Freude haben und wird auch nicht böse werden, wenn er merkt, daß sich aus der Stammbaumreise in den deutschen Osten wie von ungefähr eine anmutige Liebesgeschichte entwickelt. Finale am Starnberger See. Ium 50. Todestage König Ludwigs II. von Bayern. Wenn man von Possenhofen nach Leoni hinuber- fährt, sieht man unweit des Ufers, wo sich das letzte Schilf in dem graugrünen Wasser verliert, ein dunkles Kreuz aus dem Starnberger See aufragen. Dort ist vor fünfzig Jahren Ludwig II. von Bayern ertrunken. Sein Andenken ist noch heute in Bayern lebendig. Man hat ihn in Erinnerung, wie er im März 1864 den Thron bestieg: „Er ist jo schön und geistreich, so seelenvoll und so herrlich, daß ich fürchte, sein Leben möge verschwinden wie ein flüchtiger Göttertraum." Der diese schwärmerischen Zeilen schrieb, war damals fünfzig Jahre alt, noch immer ruhelos und gehetzt, die umstrittenste Gestalt im Musikleben der Zeit, Richard Wagner. Unmittelbar nach feinem Regierungsantritt hatte Ludwig ihn nach München berufen; ohne seine Förderung wären die Partituren der „Meistersinger" und des „Tristan" als unaufsührbar liegen geblieben, wäre der Ring des Nibelungen nicht entstanden. Aber schon im Herbst des folgenden Jahres mußte er Wagner auf Drängen feiner Ratgeber entlassen. „Bleich, mit verworrenen Zügen, das lange, .schlaffe $aar ganz grau schimmernd verließ er Die Stadt, von seinen einzigen Getreuen, dem Diener und dem alten Hund Pohl begleitet. Verbittert durch diese Enttäuschung und durch die Anfeindungen seiner bismarckfreundlichen Polittk, steigerte sich die Menschenscheu des Königs zu krankhaftem Menfchenhaß. Nur noch bei Nacht macht er kurze Spaziergange im Englischen Garten. Um Mitternacht finden im Hoftheater Sondervorstellungen statt, die keinen anderen Zuschauer haben als den Komg. Wahrend er sich von der Außenwelt abschloß, zuweilen wochenlang unauffindbar blieb, erbaute er in den Bergen die Märchenschlösser seiner Traume, das romantische S ch w a n st e i n, die Lohengrinburg, das Rokokoschloß Lind er Hof, und, auf einer Insel im Chiemsee, ein neues Versailles. Em einziges Mal erstrahlten die leeren Festraume des nie vollendeten Schlosses im Glanz von tausend Wachskerzen. In der Spiegelgalerie stand der emsarne König im blauen Hermelinmantel und unterhielt in seinem schwerfälligen Französisch mit den öpur= gestalten vom Hof des Sonnenkönigs, die aus dem Flimmern von Spiegeln, Lüstern und Parkett auf- tauchten. Von Jahr zu Jahr wuchs die Schuldenlast der Kabinettskasse. Die drohende Konkurserklärung, die das Ansehen des Königshauses schwer geschädigt hätte, zwang zu entscheidenden Schritten. Schon vor Jahren hatte ein hoher Hofbeamter der Regierung „Beobachtungen über den Geisteszustand des Königs" mitgeteilt. Nun wurden Diener und Sekretäre vernommen. Ihre Aussagen betätigten erschreckend die Vermutung, daß der Mann, der die Krone trug, ein Wahnsinniger war. Am 9. Juni 1886 fand Bismarck ein Schreiben des Prinzen (Scherl-Bilderdienst-M.) Luitpold vor, in dem der kaiserlichen Regierung dieser Tatbestand mitgeteilt wurde: „Die Verfassung hat für einen solchen Fall die Einsetzung einer Regentschaft bestimmt. Nachdem der Bruder des Königs durch erwiesene Geistesgestörtheit an der Wahrnehmung dieser Aufgabe verhindert ist, obliegt mir als dem zweiten Agnaten die Pflicht, zur Einsetzung der Regentschaft Einleitung zu treffen. Ich beabsichtige daher, mich sofort mit einer, von den Ministern gegengezeichneten Proklamation an das bayerische Volk zu wenden." Drei Tage darauf wurde der König unter der Obhut Dr. von Gud - d e n 5 des Direktors der Landesirrenanstalt, von Schwanstein nach Schloß Berg gebracht. Berg: Wieviel Erinnerungen sind mit den Räumen des einfachen Landschlosses verknüpft! Bilder, die umflort, Flügel, die für immer verstummt waren seit jenem Tage, da der Meister in Venedig starb, erinnern an Richard Wagner. In einem Saal des Erdgeschosses hängt em Gemälde, das Ludwigs Ankunft in Berg kurz nach der Thronbesteigung darstellt; da steht er: neunzehn Jahre alt, schlank, schön, ein Märchenprinz. Heute, nach zwanzig Jahren, hat man ihn in einem Landauer hergebracht, dessen Türen mit Lederriemen verschnürt waren, eskortiert von Irrenärzten, Wärtern und Gendarmen. Man hat die Fenster seiner Zimmer vergittert, Löcher in die Türen gebohrt, durch die man ihn beobachtet. Vor dem ovalen kleinen Spiegel über dem Waschtisch steht ein schwerer Mann, zahnlos, mit scheuen Augen und aufgedunsenem Gesicht: ICH, der König. Nun hat ihn das gefürchtete Schicksal seines Bruders doch erreicht, der in dem einsamen Fürstenried sein ßeben verdämmert. In den Kirchen lieft man jetzt die Pfingstvigil „Kyrie eleison!" Herr, erbarme dich meiner! Trübe bricht der Tag an. Es ist Sonntag, der 13. Juni. Mit überraschender Ruhe hat der König am Morgen die Verhaltungsvorschriften des Arztes entgegengenommen. Der Assistenzarzt warnt seinen Chef, der am Morgen mit dem König allein spazieren gegangen ist. Die Erfahrung lehrt, daß derartige Geisteskranke immer Selbstmordgedanken hegen. Am Nachmittab schickt sich Gudden noch einmal zu einem Spaziergang mit dem König an. Um 8 Uhr will er zurück sein und in der Nacht nach München zurückfahren. Vorher sendet er ein Telegramm ab: „Hier geht alles wunderbar gut!" Dann verlassen sie das Schloß, der sechzigjährige Arzt, mit Schirm und Zylinder, und der hünenhafte König. Auf dem regennassen Kiesweg längs des Sees sieht man sie zwilchen den dichten Bäumen des Parks verschwinden. Als der Assistenzarzt, der im Kavalierflügel mit dem Begleiter des Königs sitzt, die Zeitungen beiseite legt, ist es schon 8 Uhr vorbei. Die Dunkelheit bricht herein. Dr. Gudden ist noch nicht zurück. Mit einem Schlag erwacht nun das kleine Schloß zu einem aufgestörten Leben. Die Bedienten werden geweckt und suchen den Park ab. Reitende Gendarmen patrouillieren auf den Landstraßen. Der Morsetaster tickt unaufhörlich Nachrichten nach München: an den Prinzregenten, an die Minister, an die Polizeidirektion. Auf dem See erblickt man durch den Regenschleier die Silhouetten der Fischerboote; der rötliche Schein ihrer Fackeln geistert über das Wasser. Dann sammeln sich die ßaternenträger am südlichen Ende des Parks. In einem Kahn liegen die ßeichen des Königs und des Arztes, die man im See treibend gefunden hat. Der Diener reibt mit einem Tuchfetzen die Brust des Königs. Zwei Gendarmen bemühen sich um Gudden. Oberhalb des linken Auges ist seine Stirn blutunterlaufen, sein Hals trägt die Würgemaie des Kampfes. Am Ufer stehen die Schloßbeamten fröstelnd in dem riefelnden Regen. Nach Stunden gibt der Arzt die Wiederbelebungsversuche auf und stellt den Tod des Königs fest. Vom Kirchturm zu Aufkirchen schlägt es Mitternacht. Dr. Walter Schwerdtfeger. Gloria-paiast: „Hinter den Kulissen." Dies ist ein amerikanischer Fox-Film in deutscher Sprache und deutscher Bearbeitung; er unterscheidet sich von der üblichen Hollywooder Spielfilmproduktion bemerkenswert und recht angenehm durch zwei Umstände. Inszeniert wurde er von Richard B o l e w s l a w s k i, der früher Regisseur am Moskauer Künstlertheater war und neuerdings durch zwei große (seinerzeit an dieser Stelle besprochene) Romane, „Polnische Ulanen" und „ßanzen nieder!", auch in Deutschland bekannt geworden ist. An Einzelheiten seiner Inszenierung, zum Beispiel an der Ausarbeitung von Episodenjzenen und Nebengestalten, die mit persönlichem Stil und Temperament das herkömmliche Schema durchbricht, kann man merken, was Bolewflawski in seiner früheren, durch Krieg und Revolution jäh unterbrochenen Bühnentätigkeit gelernt hat. Außerdem ist es ein Vergnügen, in diesem typischen Opern- und Gesangsfilm, wie wir deren auch bei uns oft genug gehört und gesehen haben, die Bekanntschaft von ßarorence Tibbett von der Neuyorker Metropolitan-Oper zu machen. Man hört einen Bariton von respektablem Umfang, guter Klangfarbe und erfreulicher technischer Durchbildung und Sicherheit. Dibbelt macht sich die Sache nicht leicht; er singt den Prolog aus „Bajazzo", das Torerolied aus „Carmen" und die große und enorm schwierige Figaro-Arie aus dem „Barbier von Sevilla" — diese besonders mit verblüffender Atemtechnik und übrigens mit einem komödiantischen Temperament, das eher an italienische Opernoerhältnisse denken läßt. Was die Handlung betrifft, fo entspricht sie in ihrer Mischung aus Kulissenzauber, Intrigen- und ßiebesspiel durchaus dem, was man auch bei uns in Deutschland in musikalischen Filmen dieses Stils zu sehen und zu hören gewohnt ist. Die übrigen Darsteller sind hier zu roenig bekannt, als daß die Aufzählung ihrer Namen interessieren könnte. Die Übertragung ist im allgemeinen recht erfreulich, doch merkt man (an gewissen Einzelheiten, der Mundstellung beim Sprechen z. B.) die Synchronisierung. — Im Beiprogramm findet man neben der schon bekannten Wochenschau einen hübschen Tierfilm und ein amerikanisches ßustspiel mit Buster Beaton. —r — Wirtschaft ZU war iriantiuri o. M. 2)erhn Berlin Frankfurt a. M. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 2H. furd börie 10.6 | 11 6 11.6 I 101,4 I 98,75 103 113.4 113,65 100,25 119,2 119,5 Rheinisch«' ehe m. Banknoten. 101,65 I 101,75 108 । 107,5 134 133,25 131 111,5 140 107 252,5 133 101,4 98,75 102,65 113,4 100,25 98,75 97 101,4 98,75 103 101,9 97,25 94.75 109.4 0 8 6 7 131,75 111,25 140,5 | 107,5 36,9 150,75 137,5 158,5 141,25 142,75 140,5 138 156,5 198,5 144,5 36,75 150 138,13 158,75 142 142,5 141,5 138 156,5 198,75 143,75 36,65 150,65 134.5 159.5 142,75 141.13 139,75 137 156,25 197 142 107,9 133,5 131 111,4 170 140,5 106,9 101,75 172,75 263 115,75 133 141,75 Schluß! Abend« börir 100,2 98,75 97 101,25 93,25 123,5 118,9 97 101,7 102 97,25 94,75 109,4 37 150,25 135 159 142 141,5 137.25 156,5 197.5 142,75 4% Oesterreichische Moldrente... 4,20% CcftcrrcirtiHrtie Silderrentt 4% Ungarische Goldrente ....... 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 411% desgl. von 1913.......... 5% abgest. Moldmexikaner von 99 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe Serie l......... .......... Hyp.-Bank-Liau.-Goldvsc. ■ • • 4%"„ ehe in. 8% Pr. LaudeSpsand briesanstalt, Psandbriese R. 19 4!i"„ ekem. 7% Pr. Lanverpfänd brlctnnfl., Gold Komm. Cbl. 20 kteuergutich.Äerrechnungek. 34-38 2,9 9,75 9,3 9,4 14,5 lief) ruhiger, eröffnete zumeist gegenüber den gestrigen Abschwächungen erholt. Allerdings traten infolge des ruhigen Geschäftsverlaufes später allgemein wieder Abschwächungen um 0,50 bis 1 v. H. in den Hauptpapieren ein. Nachdem Gerüchte über die Auflegung einer Anleihe widersprochen wurden, ist das Angebot, das vielfach zur Mittelbeschaffung vorhanden war, wieder zurückgetreten. IG. Farben anfangs 0,50 v. H. fester mit 173,25, dann bis 172,50 abgeschwächt, auch Erdöl 0,75 v. H. nied- hochwertigen Futtermitteln zu gelangen. Mein-Mainische Börse. INitlagsbörfe: 3m Verlauf schwächer. . 6 12 . 4 31,5 2,9 9,55 8,9 9,1 14,25 Fwd. Halle, 11. Juni. Die Luzernemehlfabrik der Zuckerfabrik in Steebnitz (Kreis Ouerfurt), die erste ihrer Art in Deutschland, ist seit einigen Wochen in Betrieb. Die Luzerne wird auf einem Gummitransportband zunächst einer Häckselmaschine zugeführt. Darauf erfolgt die Trocknung in einem mit aus etwa 800 Grad erhitzten Rohrsystem. Die Trocknung dauert nur etwa 10 bis 20 Sekunden. Die Luzerne behält dabei ihre grüne Farbe, den aromatischen Geruch und — was das wichtigste ist — ihren Eiweihgehalt (20 v. H.). Bei der bisher üblichen Trocknung auf Holzreitern ging die Hälfte davon verloren. Die getrocknete Luzerne bietet einen vollwertigen Ersatz für das von Deutschland eingeführte Sojaschrot. Die Werksleitung beabsichtigt, Versuche auch mit Kartoffeln, Kartoffelkraut, Rübenblättern und Prehfchlamm durchzuführen, um auch hier A.G.G...................... Bekula..................... tflcfrt. LieferungSgeselstchast .. ‘ Licht und Straft ............. irtltcn & Guilleaume......... 9,75 9.25 9.4 14,25 Die Entwicklung des Arbeitseinsatzes im M Bericht des Landesarbeitsamtes. - Erstmal- wieder unter 100 000 Arbeitslose Frankfurt a. M., 11. Juni. Die Börse infolge Fehlens der Aufträge aus dem Rheinland und 'Süddeutschland wegen des Feiertages wesent- 102 97 94,75 109,4 31,5 3 9,75 9,3 9,5 14,3 100,2 98,75 97 1 101,25 93,25 123,5 118,65 97 101,7 101,9 97 94,75 109,4 Mansselder Bergbau .. Kokswerke ........... Rheinische Braunkohlen Rhcinstahl........... Bereinigte Stahlwerke. Otcwi Minen ........ Kaliwerke AscherSleben. Kaliwerke Westeregeln. Kaliwerke Salzdetfurth 108,4 | 135,5 I 132.25 111,25 170,5 140,5 I 107,9 1 102,25 . Gesellsch.f.ülcktr.Unternehmung 6 Rheinische Elektrizität ........ «; Rhein. Wests. Elektr.......... g Schustert 8 Co.............. g Siemens L Halske...........’ g Lahmeyer L Co.............’ 7 Keine Abschlüsse in Aeugetreide. Fwd. Die Hauptvereiniaungde r D e u t- schen Getreidewirtschaft teilt mit: „Nach den in letzter Zeit eingegangenen Meldungen sind vielfach Kaufverträge über Getreide der neuen Ernte, insbesondere Geschäfte über den Berkaus von Wintergerste abgeschlossen. worden. Cs wird darauf hingewiesen, daß nach § 13 ff. oer Verordnung der Getreidewirtschaft in der Mästung der Bekanntmachung -am 10. 7. 1935 - RGBl. I S. 1006 — feste Preise bis zu dem jeweils bestimmten Zeitpunkt vorgeschrieben sind. Die für Die spätere Zeit maßgebenden Festpreise werden noch bekanntgegeben. Es ist daher weder angebracht noch zulässig, bereits heute Getreide der neuen Ernte zu einem bestimmten Preise zu kaufen oder 3" verkaufen, da der später gültige Preis noch nicht sest- stebt und auch nicht vorausbestimmt werden kann. Jeder, der schon jetzt vor der Festsetzung der neuen Preise Getreide zu einem bestimmten Betrag handelt, läuft Gefahr, im Falle einer Aenderung des Preises einen erheblichen Schaden zu erleiden. Es wird deshalb nachdrücklichst vor dem Abschluß derartiger Geschäfte gewarnt und empfohlen, Vertrage über die Lieferung von Getreide der neuen Ernte erst nach endgültiger Bekanntgabe der gesetzlichen Festpreise zu schließen." Die erste deutsche Luzernemehlfabrik arbeitet. riqer, aber Scheideanstalt durch anhaltende Käufe von Großaktionärseite 1 v. H. erhöht. Am Elektromarkte war die Haltung fest, 2kcumulatoren um 4 75 Siemens 1,75, Schuckert 1,25 v. H. fester. Von Motorenwerten BMW. 1,75 v. H. leichter, aber Daimler um 1,50 v. H. erhöht. Montanwerte wesentlich ruhiger, anfangs aber freundlich, so Ve^ ein Stahlwerke um 1, Mannesmann 0,90, Hoesch 0,75, Eisenhandel 1,13 v. H. befestigt. Zellstoffwerte durchweg leicht erholt, nur Feldmühle 2,75 v. H. abgeschwächt. Zement- und Bauaktien bröckelten noch etwas ab, so Heidelberg um 0,50, Holzmann um 0,75 v. H. Von Sonderbewegungen zogen Kaufhof um 0,75, Reichsbank 1,75 v. H. an, dagegen Hanfwerke Füssen 0,75, Aku 0,25 v. H. niedriger Verkehrswesen um etwa 1, Nordd. Lloyd um 0,25 o. H. abgeschwächt. Am Rentenmarkt setzte bei wieder größeren Umsätzen die Altbesitzanleihe ihre Kurssteigerung um 0,40 auf 113,75 v. H. fort Die übrigen deutschen Anleihen ruhig und etwa behauptet. Von Auslandsrenten lagen Serben um etwa 0,50 v. H. leichter, Ungarn und Mexikaner etwa behauptet. Im weiteren Verlaufe schrumpfte die Umsatztätigkeit noch mehr zurück, die Kurse verloren durchweg im Ausmaße von 0,50 bis teilweise 2 v. H. Besonders bröckelten IG. Farben auf 171,50 ab. Sonderbewegungen traten nicht hervor. Am Rentenmarkte blieb die Altbesitzanleihe durch das Vorliegen einer größeren Anlage-Kauforder gut gehalten, die übrigen Renten still. Auslandswerte durchweg eher angeboten und schwächer. Anatolier verloren 0,50 v. H., Serben bis 1 v. H. Der Pfandbriefmarkt war recht gut behauptet, Nassauer und Rhein. Hyp. Liqui. etwas fester. Don Stadtanleihen gewannen Darmstädter 0,40, aber Heidelberger um 0,40, Mainzer um 0,13 v. H. abge« schwächt. Freiverkehrswerte wurden kaum umgesetzt, die Kurse waren unverändert zu hören. Um 3 v. H. höher lagen die 5 v. H. Eisenbahnbank- Obligationen. Tagesgeld war heute ziemlich gesucht, der Satz wurde um 0,50 v. H. auf 3 v. H. erhöht. Abendbörse leicht erholt. An der Abendbörse bestand auf Höhe der ermäßigten Mittagsschußkurse eher Rückkaufsneigung, die Mittagskurse waren Geld zu hören. IG. Farben lagen 0,50 v. H., AEG. 0,25 v. H., Vereinigte Stahlwerke 0,25 v. H. höher. Der Rentenmarkt lag ruhig, Altbesitz 113,75 gut gehalten, Kommunal-Umschuldung 89,60. Die Umsätze waren an sämtlichen Märkten sehr gering. Auch Auslandsrenten still Im Verlaufe blieben die Umsätze zwar äußerst bescheiden, die Tendenz zur weiteren Erholung bestehen. AEG. und Vereinigte Stahlwerke gewannen noch je 0,25 v. H., IG. Farben 0,50 o. H., dagegen waren Daimler noch eine Kleinigkeit unter Mittagsschluß, auch Deutsch-Atlanten lagen 0,75 v. H. schwächer. Anleihen hatten bei gleichfalls geringen Umsätzen gut behauptete Kursentwicklung. Auslandsrenten vernachlässigt und kaum verändert. Nachbörslich waren IG. Farben noch mit 172,25 o. H. zu hören. Auch sonst schloß die Abendbörse unverändert. Es Jetzt Eiereinkühlung für den Winterverbrauch. ZdR. Wenn wir im Winter Kühlhauseier kaufen, machen wir uns meistens keine Gedanken darüber, welche Sorgfalt und pflegliche Behandlung nötig waren, um jo gute und schmackhafte Eier an die Verbraucher abgeben zu können, wie wir es dank der Marktordnung und der Vorsorge ihrer Träger heute gewöhnt sind. Wir rechnen damit, daß das Kühlhausei morgens auf dem Frühftückstifch kaum von einem frischen Ei geschmacklich verschieden ist, und doch ist dies nur möglich, weil die richtigen Eier zur rechten Zeit in die Kühlhäuser gebracht wurden. Nur wenige wissen, daß sich die in der Zeit von Ende März bis Juni gelegten Eier am besten zum Ein« kühlen eignen. Die in den ersten Monaten des Jahres anfallenden Eier werden meistens zu Brutzwecken oder zum sofortigen Verzehr abgegeben. Von Ende März ab werden jährlich - große Mengen von Eiern dem Markt entzogen, um nach sorgfältiger Prüfung und Durchleuchtung in die Kühlhäuser eingeliefert 3U werden. Diese bilden die „Eiervorrats- fammerm' für die Versorgung im Winter. Die in der zweiten Hälfte des Juni und danach anfallenden Eier sind für Kühlzwecke nicht so gut geeignet und werden deshalb meistens wieder dem baldigen 23er*- brauch zugeführt. ileberschreitung der KartvffelhSchstpreise. Den Betrieb für die Dauer einer Woche geschlossen. Lpd. Frankfurt a. M., 11. Juni. Auf An- ordnung des Herrn Regierungspräfidenten in Wiesbaden ist einem hiesigen Kartoffelgroßhändler, der durch seine Preisberechnung dem Kleinhändler die Möglichkeit genommen hatte, zu den vorgeschriebe- nen Verbraucherhöchstpreisen zu verkaufen, fein Geschäft für die Dauer einer Woche g e • schloffen worden. In der Begründung heißt es, daß das Verhalten des Händlers die Bestrebungen der Reichsregierung auf Innehaltung einer angemessenen Preishöhe für die notwendigsten Lebensbedürfnisse gefährdet und die Interessen der Allgemeinheit geschädigt hat. notierten: Altbesitz 113,65, Farbenbonds 135, Frank, furter Stadt-Anleihe von 1926 93,25, do. von 1926 wertb. 93, Rhein.-Hyp. Liqui. 102 4 Ungarn Kronen 3,25, 4 v. H. Rumänen 5,95, Adca 78, Eon» mpr^banf 94 50, DD.-Bank 95,50, Dresdner Bank 95^75 Buderus 107,50, Harpener 131, Klöckner 106 90 bis 107, Mannesmann 101,75, Rheinstahl 139'50 Laurahütte 22,50, Vereinigte Stahlwerks 9'7 25 Aku 56,40, AEG. 36,75 bis 37, Bekula 150,25, Chemie Basel volle 242, do. 5proz. 165, Daimler 123, Deutsch-Atlanten Telegraph 121,50, Deutscher Eisenhandel 142,50, Deutsche Erdöl 133,25, Scheide- anstalt 262, Deutsche Linoleum 182, IG. Farben 172 bis 172,50, Feldmühle 132, Feinm. Setter 90, Gesfürel 141,50, Goldschmidt 115,50, Holzmann 130,90, Junghans 99,25, Muag 107,75, Moenus 91,75, RWE. 137,25, Schuckert 156,50, Westd. Kaufhof 47,50, Zellstoff Aschaffenburg 108,25, Deutsche Reichsbahn-Vorzugsaktien 123,25, AG. für Verkehrswesen 123, Hapag 14,75. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 11. Juni. Auftrieb: Rinder 23, darunter Ochsen 4 (—), Bullen 1 (1), Kühe 20 (14), Färsen 2 (3), Kälber 843 (502), Schafe 56 (31), Schweine 1882 (1385). Preise: (in 50 Kilogramm Lebendgewicht) RM.: Andere Kälber a) 68—75 (77—80), b) 62—67 (72—76), b) 52—61 (64—71), c) 40—51 (50—63). Lämmer und Hämmel b2), Weidemasthämmel 48 bis 50 (48), c) 45—47 (45—47), Schafe e) 42—47 (—), i) 36 bis 40 (—), Schweine al) 57 (57), a2) 57 (57), bl) 56 (56), b2) 55 (55), c) 53 (53) d) 51 (51), der Rest gestrichen. Marktverlauf: Kalber schleppend, ausverkauft; Hämmel und Schafe mittelmäßig, ausverkauft; Schweine zugeteilt. In Schweinen verblieb ein Ueberftand von 394 Stück. Großmarkt für Fleisch und Fettwaren: Beschickung 282 Viertel Rindfleisch, 226 ganze Tiere, 8 ganze Hämmel, 732 halbe Schweine. Notiert wurden pro 50 Kilogramm in Mark: Ochsenfleisch a) höchster Preis 80, Kuhfleisch a) 75 b) 65, c) 54, Färsenfleisch a) 80, Kalbfleisch b) 95 bis 105, c) 85 bis 95, Hammelfleisch b) 90 bis 95, Schweinefleisch 74 höchster Preis. Fettwaren d) roher Speck unter 7 Zentimeter 60 bis 65, Flomen 80 höchster Preis. Marktoerlauf: ruhig. Die Industrie- und Handelskammer Gießen gibt Auskunft: 498: Umsatzsteuerumrechnungsfätze auf Reichsmark für die nicht in Berlin notierten ausländischen Zahlungsmittel für Mai 1936. — 499: Bewilligungsverfahren für die durch Frank- reich neufontingentierten und chemischen Erzeugnisse für das 3. Vierteljahr 1936. angefallenen Holzmengen. IäxH-äs'äS MflS.'S'. » -S27.7 %"ÜfäÖPeiü'r sbssss >2'- 16 5 v. H. zurückgegangen. Die Zahl der-^anerkannten Wohlfahrtserwerbslosen betrug Ende Mai 19 147, gegenüber Ende April also 2175 oder 10, vom Hundert weniger In der werstchchsfendein Ar- beitslofenfürsorge wurden am 31. Mal 9848 Jtot standsarbeiter beschäftigt. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v.H., Lombardzinsfuß 5 v. H. LchultheiS Potzenhofer .......4 Aku ('Allgemeine Kunstseide) .. O Beinberg................... 5 Zellstoff Waldhof ............ g Zellstof, Aschaffenburg .......0 Dessauer Ga4 ............... 7 Daimler Motoren............0 Deutsche Linoleum........... g Lrenstein & Koppel ..........0 Westdeutsche Kaufhof.........0 Chade...................... 9 Accumulatoren-Iabrll.......*12 Conti-Gummi.............. n Grihner....................q| Mainkraftwerke Höchst a.M.... 4 Süddeutscher Zuster ........ 10 LPD. Frankfurt a. M., 11- Juni. Der Monat Mai brachte einen weiteren Rückgang der Arbeitslosigkeit, der in seinem Ausmaße den des Vormonats sogar noch übertraf. Die Zahl der ^beits- lofen ging im Mai um 19 713 oder 17,4 d. 5). Standes vom Ende April zurück. Dabei ist zu beachten, daß gleichzeitig auch die zahl der Notstands- arbeiter planmäßig um fast 3000 weiterhin vermindert werden konnte. Die Zahl der Arbeitslosen hat damit erstmals feit September 1929 wieder einen Stand unter 100 000 erreicht. Seil der Machtübernahme ist die Arbeilslofen- zahl (Stand Ende Januar 1933 332 532) um 239 125 oder rund 72 v. h. gesenkt worden. Die Arbeitsämter zählten Ende Mai 93 407 Arbeitslose, davon waren 12 154 oder 13 v. H. Frauen. Die Entlastung erstreckte sich auf sämtliche Arbeits- amtsbezirke; verhältnismäßig om stärksten war ste in den Bezirken Dillenburg (— 44,7 v. H-), Fulda 409 vH.) und im Arbeitsamtsbezirk Limburg - 40,1 v.H.). Den absolut größten Rückgang verzeichneten die Arbeitsämter Frankfurt (—347/) Die vorwiegend von der Konjunktur abhängigen Berufsgruppen find stärker an der Abnahme der Zahl der Arbeitslosen beteiligt (— 144) als die Saisonaußenberufe, bei denen eine Abnahme um 9569 erfolgt ist. Einen sehr starken Arbeitseinsatz beanspruchte die Forstwirtschaft für die Aufarbeitung der infolge des Unwetters im April durch Wmdbruch Ouberul ................... 4 Deutsche Erdöl ...........’** 4 Harpener................. 2y Hoesch Eisen—Köln-Neuesten .. 3 Ilse Bergbau ...............c Ilse Bergbau Genüsse........ e Klöcknerwerke ............... 3 ManneSmann-Röhren........ 3 dke affjdfdt drganksch gegliederte Stadt, der Betuch als sehenswert bezeichneter Baulichkeiten nach Den Angaben eines durchaus neuzeitlich und modern anmutenden Stadtplanes, dieses überall noch spürbare Alltagsleben einer tragisch gesprengten Gemeinschaft, gerade dieses Hineingeführtwerden in die gewissermaßen bürgerliche Atmosphäre der antiken Welt weckt ganz unmittelbar unsere menschliche Teilnahme am beklagenswerten Geschick der Bewohner Pompejis Es bedürfte, um diese Wirkung hervorzurasen, gar nicht einmal der Schaustellung von Abgüssen versteinerter Leichname solcher Bürger, die die Unglücksstätte nicht mehr rechtzeitig verlaßen konnten und von der Lava zug'edeckt wurden. Um die Frage jedoch auch von der kultur- historischen Seite her zu beantworten, muß gesagt werden, daß Pompeji leichter „begriffen" werden kann, weil die von ihm beherbergte Architektur und die dort angetroffenen Dekorationswerke kaum mehr Kunstverständnis erfordern, als der interessierte Jtalienreisende ohnehin rnitfcringen muß. In Leptis Magna ist das anders. Wer diesen Ort aufsucht, ohne die Fähigkeit zu besitzen, Räume aufzugliedern und architektonische Abschnitte, die jede sichtbare Komposition zu verleugnen scheinen, in die richtige Beziehung zueinander zu bringen, der wird hier wohl nur eine scheinbar ordnungslose Anhäufung behauener Steine entdecken. Die Kenntnis der Geschichte von Leptis Magna allein würde diesen Eindruck schwerlich auf- wiegen können. Wer aber das Gefühl für die Wirkungsmöglichkeit ragender Architektur besitzt und imstande ist, manche den Einflüssen der Zeit und der Witterung zum Opfer gefallene Verbindungen im Geiste zu ersetzen und schadhaft gewordene Stücke zu ergänzen, der wird hier voll auf feine Kosten kommen. Vollends aber wich derjenige einen Besuch von Leptis als geradezu einmaliges Erlebnis empfinden, der — mit kunsthistorischen Kenntnissen ausgerüstet — den unerhörten kulturwissen- schriftlichen und musealen Wert dieser aeroaltigen Bauzeugen des vergangenen Imperium Komanum abzuschätzen weiß. Denn was hier in Leptis seit 1920 aus dem Sande ausgegraben wurde und noch heute zutage befördert wird, stellt in der Tat an Großzügigkeit, Pracht und architektonischer Wucht alles andere einschließlich Pompejis in den Schal- len. Das gewaltigste Gebäude ist die Basilika, die dem von Kaiser Septimius Severus erbauten „Forum novum severianum" benachbart ist. Die später von den Christen in eine christliche Gottesdienststätte umgestaltete Basilika ist wohl die schönste und besterhaltene des römischen Kaiserreiches überhaupt. Dem 146 n. Ehr. in Leptis geborenen Septimius Severus verdankt seine Geburtsstadl viel. Zu feiner Regierungszeit hatte Leptis, gefördert durch die großzügige Siedlungspolitik des Kaisers, nicht weniger als 1 0 0 0 0 0 Einwohner. Im Jahre 363 n. Ehr. nahm die gewaltige Entwicklung der Hafenstadt am Mittelmeer, die ihr im Lause von acht Jahrhunderten eine beherrschende Stellung verschafft hatte, ein schroffes Ende durch den Einfall der Asturianer, eines wilden innerafrikanischen Volksstammes. Von diesem Schicksalsschlag hat sich die Stadt Leptis niemals wieder erholen können; er leitete den allmählichen Verfall ein. Den Austurianern folgten die aus Spanien vordringenden Vandalen im 5. Jahrhundert, und zwei Jahrhunderte später bemächtigten sich die Araber der Stadt. Sie hatte aber bereits so stark an Bedeutung verloren, daß die Araber Leptis bald wieder aufgaben und ihren Siedlungsbereich westlich suchten. 'Was die Einfälle und Raubzüge barbarischer Stämme überdauert hatte, fiel dem Nagen des Meeres an der Küste, dem vom Schirokko hergewehten Wüstensand, verheerenden Feuersbrünsten oder Erdbeben zum Opfer. Als die Araber Leptis Magna verlassen hatten, vollendeten die Naturgewalten ihr Zerstörungswerk. Jahrhundertelang schlief die Stadt unter einer hohen Sanddecke, bis die in Tripolis kolonisierenden Italiener 1920 unter Leitung von Professor Giacomo Guidi darangingen, sie wieder freizulegen. Um der Wissenschaft willen ein bedeutendes Verdienst und zugleich ein wesentliches Mittel, den Fremdenverkehr nach Tripolis zu heben. Da sich das zunächst geübte Verfahren, den Sand nur beiseite zu räumen, wegen immer neuer Windver- wehungen als unzweckmäßig erwiesen hat, schüttet man die Sandmassen jetzt einfach ins nahe Meer. Was die Schaufeln fleißiger Arbeiter aus dem heißen Wüstensande ausgraben, ist eine Stätte, die in ihren gewaltigen Resten von Foren, Tempeln, Theatern und Thermen Bauwerke beherbergt, die mit unerhörter Wucht den Herrscherstolz, Kunstwillen und Schaffensdang der antiken Welt offenbaren. Alles ist hier — auf eine kurze Formel gebracht — Architektur. In Pompeji aber herrscht, es sind herrlid)c Fresken dort zu sehen, die Malerei vor. Das macht denn auch den Unterschied aus: In Der monumentalen Architektur von Leptis Magna fetzte sich eine gefestigte und reiche Staatsmächtigkeit ihre Denkmäler. In den bunten Malereien Pompejis spiegelt sich die heitere Bürgerlichkeit einer wohlhabenden Stadt wider. Gchiußk. Mittag- börse 11.6 Schluß« lurd 10.6. 101,4 98,75 103 Schiußt. Abend- börse 11.6. I. G. Farben-Industrie.......7 Scheideanstalt............... 9 Goldschmidt ................ b Rülgerswerle ............... « Metallgejellschaft............. 5 8yJ 96,75 . 0 23 .. b 135,25 . bl — 7%| - lOdlnm 6% Deutsche tUcidioüiiiellK 0.192« 4% Deutsche Reichsanl. von 11131 Düung Anleihe non 1980 . $cut|(1ic Aul.-Adlos.-Schuld mb Ausws.-Rechten ............ Ci"o Deutsche ReichSposlschatzan Weisungen von 1934, I....... 4H% eliem. «»!, Hessischer Volk» itaat 11129 (rüdjuhib. 103%) ... 4,2% ebein.n°s» Hessische Landes biml Darmstadt Gold R. 12... ehern. 4*-',% 4V1L Landet Hupvihekenbank DarmstadlLtou 4%% ehem. 8% Darnsst. Komm Landest).Goidichuldvcrichr R. 1 tberhesten Provinz-Anlethe ml Audoi.-Rechten ............ Deutsche Komm. Cammelabl. An leihe Serie 1 mit Ausws.-Rechten 4’/j"nrbent.8%Franks.Hyp. Ban GoWpse. 15 unkündbar bis 193.' 6y,% ehem. 4%% Franks Hyp. Bank-Liau.-Psandbriese...... I Schluß« I kurs Datum | 10-6- ..... 6/2 142,5 Philipp Holz mann...........4| 132,25 Zementwerk Heidelberg ...... 7 - - Cementwerk Karlstadt.........6 Schluß« kurs 10-6- Franssurt a.M. Berlin Schlußkurs Schluvt. Abend« börse Schluß- kurs Schlutzk. Mittagbörse Dalum 10.6 11-6. 106. 10-6. 4% oesgi. Sene h ............ — — — 11,5 5% Numän. vereinh. Rente v. 1903 7,5 7,5 7,5 7,45 4V,"nRumän.vereinh.Rentev.lS13 9,13 10 10,13 10 4% Rumänische vereinh. Rente . 5,925 5,95 6 6 Anatolier............. 45 44,65 44,5 Hamburg-Amerika-Paket .....0 15 14,75 14,65 14,75 Hamburg Südam. Tampsschiss . 0 —— 30 - Norddeutscher Lloyd .........0 16,75 16.25 16,75 16,13 A G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 125 123 124,75 123,25 Berliner Handelsgesellschaft ... 6 119 119 Commerz, und Privat Bank ... 4 Deutsche Bank und Disconto- 94,5 94,5 94,75 94,5 Gcsellschast................ 4 95,5 95,5 96 95,5 Dresdner Baut.............. 4 96,25 95,75 96,25 95,75 199 199,5 200 199,5 10-Iunt 11 -Zuni Am.liche Notierung Amissche Geld Dotierung Briet Geld Brief ouenod Air> 0,688 0,692 0,688 0,692 Brüssel .... 42,04 42,12 42,01 42,09 Rio de Ian. 0,139 0,141 0,139 0,141 Sofia..... 3,047 3,053 3,047 3,053 Kopenhagen 55,67 55,79 55,67 55,79 Danzig .... 46,80 46,90 46,80 46,90 London.... 12,465 12,495 12,47 12,50 HelsingsorS.. Paris ..... 5,499 5,511 5,499 5,511 16,36 16,40 16,355 16,395 Holland ... 167,86 168,20 167,86 168,20 Italien .... 19,48 19,52 19,48 19,52 Japan..... 0,729 0,731 0,729 0,731 Jugoslawien 5,654 5,666 5,654 5,666 OSlo..... : 62,67 62,79 62,67 62,79 Men...... 48,35 49,05 48,95 49,05 Lissabon... 11,33 11,35 11,33 11,35 Stockholm... 64,29 64,41 64,29 64,41 Schweiz ... 80,39 80,55 80,34 80,50 Lpanten... 33,91 33,97 33,89 33,95 Prag...... 10,255 10,275 10,255 10,275 Budapest .. — — — Neuyvrk ... 2,486 2,490 2,485 2,489 — 140,75 140,5 — 138 138,25 248,5 247,25 249 132,5 133,25 132,13 97,25 97,25 96,5 22,75 22,75 22,75 135 135,5 133,5 131,5 131 132,5 — 184,25 184,75 172,5 172,9 171,65 262 — —— 115,5 115,75 116 132 132 130,5 — 140,75 139 130,9 132,25 130,65 142,5 150 142,25 150 - — — 114 113 56,75 56,4 56,65 56,5 90,75 90 90,25 90,25 147,5 144 144 142,5 109 108,25 108,5 108,13 — — 121 120,5 123 123 124 123,25 184,5 182 184 181 — —— 87 86,13 47,75 47,5 48 47,75 450 452 452 450 —— 200,25 — 201 194 192 194,5 192 33,25 32,75 33,5 33 98,75 98,5 228 230,5 226,5 230 Berlin, 11. zum (5eiB Äref " Amertkannche Roten.............. 2,437 2,457 Belgische Noten.................. 41,88 42,04 Dänische Noten ................. 55,42 55,64 Englisch- Noten ................. 12,435 12,475 Französische Noten............... 16,305 16,365 Holländische Noten............... 167,44 168,12 Italienische Noten................ Norwegische Noten .......... 62,45 62,71 Deutsch Oesterreich, A 1OO Schilling Rumänische Noten............... Schwedische Noten............... 64,07 80,16 33 55 64,33 80,48 33,69 Schweizer Noten................. Spanische Noten................. Ungarische Noten................ nr.155 Dritter Blatt Glehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Zreitag, 12. Zuni 1936 Aus der Provinzialhauptstadt. Oer Selb. Diele werden verwundert den Kopf schütteln, weil sie noch nie von einem Selb gehört haben. Und dennoch hat jeder von uns schon vor einem Selb gestanden und ihm Schokolade oder Zigaretten oder eine Fahrkarte oder eine Briefmarke entnommen oder vom Selb aus sich mit jemandem „fernmündlich" unterhalten! Und schon — nicht wahr? — weiß jedermann, was ein Selb ist: ein Automat. Niemand braucht sich zu schämen, wenn er noch nichts von einem Selb gehört hat; denn dieses deutsche Wort Selb ist erst vor kurzem zur Welt gekommen. Man hat es sich ausgedacht, als man bei der „Reichsgemeinschaft der technisch-wissenschaftlichen Arbeit dabei war, die vielen technischen und wissenschaftlichen Fremdwörter, die unsere herrliche Muttersprache noch immer verhunzen, durch gute deutsche Wörter zu ersetzen. Da man kein gutes deutsches Wort für Automat finden konnte, machte man sich daran, es zu erfinden. Es gehörte für die Väter dieses Neugeborenen ein gewisser Mut dazu, ein Wort zu erfinden. Aber warum sollen immer nur Dichter sprachschöpferisch sein? Warum nicht auch nüchterne Techniker und Wissenschaftler? Und man muß gestehen, daß die Väter des neuen Wortes ihre Sache sehr gut gemacht haben. Denn es ist ein einfaches, kurzes, verständliches und wohlklingendes Wort. Den Zögernden sei gesagt, daß das Wort Selb von vielen Sachkennern geprüft wurde. Das Deutsche Sprachpflegeamt, der Deutsche Sprachverein, Sprachgelehrte und auch „richtig" Dichter wurden um ihr Urteil gefragt; sie alle billigten das Wort Selb. Warum begnügte man sich nicht mit dem zwar zusammengesetzten, aber doch schon vorhandenen Wort Selbstgeber? Weil auch „Rad" noch besser ist als Fahrrad oder Zweirad, und trotzdem verstanden wird. Und weil man auch nicht von einem Selbstgeber aus fernsprechen kann, sondern diesen Automaten dann wieder anders, z. B. Münzfernsprecher, nennen muß. Selb aber paßt immer! Wird es nicht wieder einige geben, die die Nase Über das „komische" Wort Selb rümpfen werden? Ganz sicherlich! Es sind die, die auch seinerzeit über das komische „Rad" (statt Velociped!), über den komischen „Fernruf" (statt Telephon!) und über das komische „empfindsam" (statt sentimental!) die Sttrn kraus gezogen haben. Wie denn? Das Wort empfindsam soll komisch sein? Das ist doch ein altes, gutes deutsches Wort! Nun: Wie alt mag es sein? Man kann sein Geburtsjahr genau angeben: 1768. Denn in diesem Jahre hat Lessing sich dieses Wort — ausgedacht. Vor ihm gab es das Wort empfindsam noch nicht. Um es einzuführen, gab Lessing ihm diesen Spruch mit auf den Weg: „Was die Leser fürs erste bei dem Worte noch nicht denken, mögen sie sich nach und nach zu denken gewöhnen!" Wie wird es mit dem Selb werden? Wird man sich nach und nach an den Selb gewöhnen? Was gilt die Wette? Ein halbes Jahr Selb — und niemand spöttelt mehr! Dr. By. Vornotizen. Tageskalender für Freitag. NS.-Lehrerbund, Abt. Höhere Schule, Deutsch- kundliche Fachschaft, 16 Uhr, Vorttag „lieber Heimatkunstdichtung mit besonderer Berücksichtigung von Hermann Stehr" in der Oberrealschule. — Gloria-Palast, Seltersweg: „Hinter den Kulissen". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Maskerade". — Modellbauausstellung, 15 bis 17 Uhr, in der Neuen Pestalozzischule. Sckaufenster-Oekoi-at onskurke der Deutschen Arbeitsfront und der Dirtschafts- gruppe Einzelhandel. Die Visitenkarte eines Geschäftes ist das Schaufenster. Das Publikum schließt von der Auslage auf das ganze Geschäft und dessen Leistungsfähigkeit, und je geschmackvoller ein Schaufenster dekoriert ist, desto mehr Käufer werden angezogen und von der Leistungsfähigkeit des Geschäftes schon von außen überzeugt. Die Warenhäuser hatten den Wert einer guten Schaufensterdekoration längst er- 13.unM4.3uni: Sammeltag der karitativen Verbände. Aufruf des Gauleiters zum Vot-Kreuz-Tag. Zum Sammeltag 1936 des Roten Kreuzes erläßt Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger folgenden Aufruf: „3n diesen Tagen wird sich das Deutsche Rote kreuz wieder mit einer Werbung um Mit- Hilfe und der Ville um Spenden zum Vesten seiner Einrichtungen an die Oeffentlichkeit wenden. Wie in so Vielem so hat auch das Rote kreuz unter der Schirmherrschaft des Reichskanzlers und Führers Adolf Hitler einen neuen Aufschwung genommen. Zu einheitlicher praktischer Arbeit haben sich die Rlänner- und Frauenvereine, die Sanitätskolonnen, die Schwestern und die weiblichen Hilfskräfte des Roten Kreuzes im Geiste nationalsozialistischer Lebensauffassung zusammengeschlossen. Reue Aufgaben sind dem Deutschen Roten Kreuz insbesondere durch die Wiedererlangung der Wehrhoheit Deutschlands gestellt, zu deren Erfüllung die vielseitig und segensreiche Friedensarbeit seiner Gliederungen Grundlage und Ausbildungsmöglichkeit bietet. Möchten sich alle Volksgenossen dieser großen vaterländischen und gemeinnützigen Aufgaben bewußt sein und durch reichliche Spenden oder persönliche Mitarbeit in den Rotkreuzgliederungen dem Roten Kreuz die Erfüllung seiner Arbeit erleichtern." heil Hitler! Sprenger. * Vahnhossmission — Dienst am Volke. Am 13. und 14. Juni werden auch am Gießener Bahnhof die Sammlerinnen für die Bahnhoss- mission mit ihren Büchsen stehen. Jeder, der öfters den Bahnhof betritt, kennt die Bahnhofsmission. Die Helferin mit der weißen Armbinde — mit rosa Kreuz evangelisch, mit gelbem Balken katholisch — tut dort Tag für Tag und Abend für Abend ihren Dienst. Unentgeltlich bietet sie ihre Hilfe den Jugendlichen, den Alten, den Blinden und Gebrechlichen. Alleinreisende Kinder werden von ihr befördert, und wer sonst in Not und Verlegenheit ist, findet geduldiges Anhören, ein freundliches Wort und nach Möglichkeit Rat und Hilfe. Ihre Aufgabe ist eine Mission. Den im Strom des Lebens aus der Bahn Geworfenen will die Bahnhofsmission wieder zurechthelfen, sie den Stellen zusühren, die dann durchgreifende Hilfe leisten können. Damit dient die Bahnhofsmission unserm Volk beim Neuaufbau. In Anerkennung dieser Dienste wird ihr behördliche Unterstützung zuteil, ist ihr diese Sammlung genehmigt. Die haus- und Strahensammlung für die Innere Mission. Die Haus- und Straßen-Sarnrnlung für die Innere Mission findet am morgigen Samstag und am Sonntag statt. Es erübrigt sich, auf die Bedeutung der Inneren Mission hinzuweisen. In evangelischen Kreisen ist sie hinlänglich bekannt. — Notwendig ist jedoch, immer wieder auf die Tatsache aufmerksam zu machen, daß die Innere Mission ohne die finanzielle Hilfe der Glaubensgenossen nicht bestehen kann. Oie Sammlungen sind genehmigt. DNB. Für den 13. und 14. Juni sind, wie von Berlin gemeldet wird, vom Herrn Reichs- und Preußischen Minister des Innern Haus- und Straßensammlungen dem Deutschen Roten Kreuz, der Inneren Mission und dem Caritasverband genehmigt worden. Militärkonzert zugunsten des Voten Kreuzes. Am Sonntag findet am Hindenburgwall in der Zeit von 11 bis 12 Uhr ein Platzkonzert statt. Es wird ausgeführt von der Bataillonsmusik des neueingezogenen MG.-Bataillons. kannt, ehe der Einzelhandel sich dieses wirkungsvollen Werbemittels bediente. Dem kleineren Geschäftsmann steht allerdings nicht immer das Geld zur Verfügung, einen ständigen Dekorateur zu beschäftigen. Da das Verkaufspersonal oder der Einzelhändler selbst in vielen Fällen auch nicht in der Lage ist, ein Schaufenster mit geringen Mitteln sinnvoll zu dekorieren, hat die Deutsche Arbeitsfront, Abteilung für Arbeitsführung und Berufserziehung, ganz hervorragende Fachkräfte für Schaufensterdekoration verpflichtet, um den interessierten Kreisen die Möglichkeit ■ zu geben, sich in der Dekorationskunst und den dazu gehörigen Kenntnissen in Lackschrift, Plakatmalen und Farbenlehre innerhalb eines dreiwöchigen Lehrganges auszubilden. Dieser Dekorationslehrgang beginnt heute im Haus der DAF., Schanzenstraße 18, Saal, und findet wie folgt statt: Dekorationsabendlehrgang täglich von 20—23 Uhr, Dekorationstageslehrgang täglich von 8—13 Uhr, beide Lehrgänge für die Dauer von drei Wochen. Eigenes Dekorationsmaterial aller Geschäftszweige erlaubt die Aufstellung von 15 Schaufensterkojen, in denen die Teilnehmer praktisch arbeiten. Es können nicht nur die Dekorationen unter Verwendung wertvollen Materials aus allen Branchen erlernt werden, sondern es wird auch gezeigt, wie man mit einfachsten Mitteln ein geschmackvolles, zugkräftiges Schaufenster gestaltet. Alle Betriebsführer und Arbeitskameraden aus dem Einzelhandel werden zur Teilnahme aufgefordert. Anmeldung und Auskunft: Abteilung für Arbeitsführung und Berufserziehung der Deutschen Arbeitsfront, Geschäftsstelle Gießen, Schanzenstr. 18, Zimmer 5, Telephon 3275.______________________ polizeibenchi. Der Einbruchsdiebstahl in Klein-Linden. Am 10. Juni gegen 19 Uhr wurde — wir berichteten bereits gestern darüber — der Kriminalpolizeistelle Gießen telephonisch mitgeteilt, daß bei dem Landwirt Ludwig Jung XVI. in Klein-Linden ein Einbruchsdiebstahl verübt worden sei. Die sofort an- gestellten Ermittlungen ergaben folgendes: Jung verließ gegen 16 Uhr mit seiner Ehefrau sein Besitztum. Beim Abschließen des Hoftores sah er auf dem gegenüberliegenden Bürgersteig einen Mann mit einem Rucksack, der ihm etwas verdächtig vorkam. Bei Rückkehr von der Feldarbeit gewahrte Jung, daß eine Zimmerfensterscheibe zertrümmert war. Beim Eintritt in die Wohnung stellte er fest, daß der Kassenschrank unverschlossen und fast sämtliche Behältnisse in der Wohnung durchwühlt waren. Der Tatverdacht fiel sofort bei Jung auf die am Nachmittag von ihm gesehene fremde Person. Die nach dieser Richtung hin angestellten Nachforschungen bestätigten auch die Annahme, da weitere Zeugen ermittelt werden konnten, denen der Täter auffiel und die eine einigermaßen genaue Beschreibung der tatverdächtigen Person abgeben konnten. Auf Grund dessen wurde sofort die Verfolgung des mutmaßlichen Täters in Richtung Wetzlar ausgenommen, da er in Richtung des Allendorfer Waldes gesehen wurde. Kurz vor dem Einfahren des Zuges Gießen—Wetzlar auf der Station Dutenhofen bemerkte der den Täter verfolgende Kriminalbeamte von der dem Bahnsteig gegenübergelegenen, bereits herabgelassenen Bahnschranke auf dem Bahnsteig eine Person, die auf den beschriebenen vermutlichen Täter paßte. Da ein Passieren des lleberganges nicht mehr möglich war, sprang der Beamte über die .. »-■■U.™— «l-UI. IIUKJU— »Ul«*» IWMWBI' ■ « Hf Schranke auf den einfahrenden Zug, den er auf der anderen Seite sofort verließ und den Verdächtigten gerade noch vor dem Besteigen eines Abteils fassen konnte. Der Festgenommene hat auch alsbald nach erfolgter Durchsuchung die Tat eingestanden. Unter- roegs bei Sicherstellung von Kleidungsstücken, die er bei einer Sandgrube im Gebüsch abgelegt hatte, unternahm der Täter einen erfolglosen Fluchtversuch. Bei dem Festgenommenen handelt es sich um den 33jährigen Oswald Lotter aus Leskau, der vor einiger Zeit nach Verübung eines Einbruchdiebstahls in Groß-Karben festgenommen, aber aus dem Polizeigewahrsam entwichen ist. Lotter kommt noch für eine Reihe weiterer Diebstähle in Frage. Er wird dem Amtsgericht zugeführt. In einer hier am (Bleiberger Weg liegenden Geflügelfarm wurden in der Nacht vom 10. auf 11. d. M. eine größere Anzahl Hühner anscheinend von einem Iltis oder Marder totgebissen. Der hierdurch verursachte Schaden beträgt etwa 200 Reichsmark, »Oer deutsche Seidenraupenbau." Die Ortsgruppe Gießen des Deutschen Biologischen Verbandes veranstaltet am kommenden Sonntagvormittag im Gloria-Palast in Gemeinschaft mit der Oberhessischen Gesellschaft für Natur - und Heilkunde einen Vortrag über Seidenbau. Redner der Veranstaltung ist der zoologische Mitarbeiter der Versuchs- und Forschungsanstalt für Seidenbau i n Celle, Dr. Kretschmar. In Verbindung mit dem Vortrag, der die biologischen Grundlagen, die Arbeitsweisen und die Ziele der deutschen Seidenraupenzucht erläutern wird, gelangt auch ein Film zur Vorführung. ♦ Wiederholt ist in den letzten Jahren über Seidenbau in der Presse berichtet worden. Bekanntlich wird dem Seidenbau, das heißt also der Zucht von Seidenspinnraupen zur Gewinnung des von ihnen erzeugten hochwertigen Seidenfadens, seit dem Umbruch wieder eine erhöhte Bedeutung beigemessen: der Reichsnährstand ist mit der Durchführung eines umfangreichen Seidenbau-Aufbauprogramms beauftragt worden, das durch die „Reichsfach - gruppe Seidenbauer e. V." (im Reichsverband Deutscher Kleintierzüchter e. V., angegliedert an den Reichsnährstand) in Celle zur Ausführung gelangt. Im Rahmen dieser Aufbauarbeit werden in erster Linie die Gemeinden und sonstigen Körperschaften des öffentlichen Rechts aufgefordert, die Maulbeerpflanzungen als Grundlage des Seidenbaues zu schaffen. Die Nutzung des Laubes als Seidenraupenfutter überlassen die Gemeinden Züchtern, die sich in den Monaten Juni bis Mitte September durch die Seidenraupenzucht eine zusätzliche Einnahme erarbeiten wollen. Auf der Grundlage von 1000 gut entwickelter Maulbeersträucher können 150 bis 200 Mark während einer Zuchtzeit bei Durchführung von Staffelzuchten erzielt werden. Um den vielen Volksgenossen, die sich diese Einnahmemöglichkeit verschaffen wollen, Kenntnisse im Seidenbau zu vermitteln, hat die „Reichsfachgruppe Seidenbauer" e. V." in allen Teilen Deutschlands Schulungsstätten eingerichtet und verteilt auf Anfrage an Interessenten kostenlos Merkblätter, die die ersten Anleitungen vermitteln. Ein neuer Erwerbszweig ist im Entstehen, eine wichtige neue Stellung in der Front der Erzeugungsschlacht wird bezogen. (Auf die heutige Anzeige sei besonders aufmerksam gemacht.) Wer will noch auf Wanderschaft? Nach der Zusammenkunft der Wandergesellen auf dem Reichshandwerkertag in Frankfurt a. M. ist vielfach die Meinung entstanden, daß damit auch das Gesellenwandern für 1936 seinen Abschluß gefunden habe. Das ist seit diesem Jahre nicht mehr der Fall. Das Gesellenwandern geht ununterbrochen weiter. Wie in anderen Teilen Deutschlands, so wurde in diesen Tagen auch in dem benachbarten Gau Baden eine weitere Gruppe junger Gesellen verabschiedet, um nach zwei Monaten Gute Möbel bei Koos Giessen MMMMWhkW Roman von Marlise Kölling. Urheberrechtsschutz: Verlag Oskar Meister, Werdau. 38 Fortsetzung Nachdruck verboten! „Hallo, Herr Kommissar", brüllte der Pilot zurück, „wir sind hier. Kommen Sie!" Schlottmann ruderte näher, Josua schaute mit aufgerissenen Augen auf die große Flugmaschine, die dort wie ein müder Riesenvogel auf dem mondhellen Bodden wasserte. Der Kommissar war bald an Bord und Josua brachte sogleich den Kahn und sich aus der Nähe des Polizeislugzeuges. Mit ein paar Worten unterrichtete der Kommissar den Piloten und seinen Begleiter, Kriminalassistenten Bürg, von den Ereignissen. „Wir fliegen jetzt der dänischen Küste zu", bestimmte er, „die Kollegen drüben von der dänischen Zollüberwachungsstelle sind schon benachrichtigt falls wir die Burschen nicht mehr innerhalb unseres Hoheitsgebietes fassen. Aber ich denke, wir schaffen's noch. Los, Brander!" In dem Augenblick, als Brander starten wollte, hörten sie einen Schrei dicht neben sich. „Hilfe, Hilfe!" erklang es in höchster Todesnot. Dann ein kurzes Gurgeln und Plantschen. Entsetzt lauschten die Polizeibeamten. „Da ist jemand im Wasser, da ertrinkt einer! — Dort — sehen Sie — dort treibt doch eine Gestalt —" In aller Eile warf Kriminalassistent Burg em Rettungsseil mit einem an Bord befindlichen Rettungsring in weitem Schwung ins Wasser. „He, zufassen"! schrie der Kriminalkommisiar durch die zum Schalltrichter geformten Hande. Zugleich ließ der Pilot eine Leuchtrakete auffteigen, um dem Menschen dort im Wasser den Weg zu Zeigen. „Wenn's nicht geht, bann eben hinemspringen , dachte Schlottmann und warf schon Mantel und Ueberrotf ab. Aber jetzt hatte die Person lm Wasser den Ring erreicht, Schlottmann und Burg zogen das Seil näher und näher; nun unterschied man schon ein blasses Gesicht, triefende Haare. „Eine Frau", meinte Bürg und zog kräftiger. „Das scheint mir auch so", gab Schlottmann halb wütend, halb bewundernd zurück und griff fest mit zu. Da schwebte Benediktes Körper dicht am Rand des Wasserflugzeuges, noch ein Ruck — sie war an Bord. „In Dreideubelsnamen, was soll denn das bedeuten, Fräulein Zedlitz?" fragte Schlottmann, während der Kriminalassistent und der Pilot höchlichst erstaunt auf den Kriminalkommissar starrten. Wie konnte der denn einen beinahe ertrunkenen Menschen derart anfahren — noch dazu eine Frau?! Aber Kriminalkommissar Schlottmann wußte ganz genau, was er tat. Er wußte auch, was kommen würde. Denn Benedikts, triefend, zähneklappernd, sagte mit einem entschlossenen Ausdruck: „Ich hab' Ihnen gesagt, Herr Kommissar, ich muß mit, wenn es um Jens geht. Und da bin ich!" Jawohl, da sind Sie", brummte Schlottmann sauersüß; er konnte sich nicht helfen, diese Benedikts Zedlitz nötigte ihm in ihrer Entschlossenheit Hochachtung ab „Aber wenn Sie Ihrem Jens helfen wollen, sollten Sie sich lieber keine Lungenentzündung holen. Haben wir denn Nicht etwas trockenes Zeug an Bord, Herrschaften?" Haben wir, Herr Kommissar", dem jungen Kriminalassistenten stand der Verstand still, er begriff diese ganze Geschichte nicht. Aber daß man diesem triefenden jungen Mädel erst einmal zu trockenen Sachen verhelfen mußte, das war ja nun klar. Er schleppte eine Reservepilotenkleidung aus der Kabine heran. „Nun machen Sie mal schnell, Fräulein Zedlitz , befahl Schlottmann, „jede Minute ist kostbar! In fliegender Eile zog Benedikts sich um; ber Trainingsanzug unter dem Oelmantel hatte Gott sei Dank für die kurze Zeit einigermaßen dicht gehalten, ihre Unterkleider waren kaum durchfeuchtet. Bald hatte sie die Reservepilotenkleider angelegt. Endlich erhob sich das Wasserflugzeug unb glitt, von aller Trdenschwere befreit, durch die mondhelle Nacht davon, gen Norden. ♦ In seiner Kammer hockte Hans-Hermann immer noch in dumpfer Verzweiflung. Die Minuten erschienen ihm wie Ewigkeiten. E.» blasses Dammern erfüllte den Raum. Es mochte 2 Uhr sein. Er fröstelte. Wie lange würde er noch hier unten verweilen müssen? Was war wohl inzwischen aus Jens Petersen geworden? Lebte er noch oder war er infolge des teuflischen Betäubungsgiftes vielleicht schon gestorben? Die Blicke der beiden Verbrecher hatten nichts Gutes bedeutet. Und was hatte man mit ihm selbst vor? Würde man ihn wirklich befreien, um ihn dann seinen Auftrag erfüllen zu lassen? Vielleicht war alles nur eine Finte, und man überlegte nur, auf welche beste Art man auch ihn vom Leben zum Tode befördern sollte?--Und er saß hier, gebunden, wehrlos allem ausaeliefert. Er konnte dies Warten nicht mehr ertragen. Wenn die beiden, Steffens und der andere, wieder- famen, wollte er ihnen nicht wehrlos ausgeliefert sein. Sein gehetzter Blick schweifte umher — gab es denn nichts, seine Bande zu lösen? Da atmete er zitternd auf. Etwas hatte Steffens übersehen. Das konnte ihm zur Rettung werden. Dort in der Ecke der Kammer standen Werkzeuge, Geräte, darunter eine Säge. Sie schaute gerade mit einigen scharfen Zähnen unter ein paar Säcken und Putztüchern hervor. Hans-Hermann ließ sich, so gut seine gefesselten Füße es vermochten, auf die Erde gleiten. Angstvoll lauschte er — hatte er doch ein polterndes Geräusch nicht verhindern können. Aber niemand war zu hören. Vorsichtig rollte er sich nun auf dem Boden bis zu der Ecke, in der die Säge stand. Mit den Zähnen biß er in die Säcke und Lappen und zerrte sie beiseite. Er spürte den bitteren, dumpfen Geschmack des Tuches auf seinen Lippen. Nun war dis Schneide der Säge frei. Er hob feine Hände, scheuerte mit den Handstricken langsam an dem Stahl auf und ab. Da stäubten die ersten feinen Fasern des Hanfseils ab, die Zähne der Säge gruben sich tiefer, schnitten hinein in die Fesseln, ein Zug, ein Zerren — Hans-Hermann hatte seine Hände frei. Er bewegte die steifgewordenen Gelenke ein paarmal hin und her. Dann ergriff er die Säge und zerschnitt rasch die Fesseln an seinen Füßen. Gottlob, nun war er frei! Was nun? Erst einmal wollte er die Säge wieder an ihren Platz stellen. Dabei verschob sich ein Brett unten an der Wand. Ein Loch wurde sichtbar, groß genug, um einen schlanken Menschen hindurchzulassen. Vor Freude stand er starr: die Geräte sollten wohl dieses Schlupfloch verdecken. Hans-Hermann legte sich auf den Bauch und spähte vorsichtig hindurch. Er sah in eine zweite kleine Kammer, von der eine Treppe offenbar in irgendeinen Vorratsraum der großen Jacht führte. Geschickt kroch er hindurch. Nun befand er sich in einem kleinen Verschlag. Eine Treppe führte tatsächlich hinunter in den Laderaum. Eine andere aber auf einen Außengang der Jacht und unmittelbar hinaus ins Freie. Hans-Hermann schwindelte es. War er wirklich der Freiheit so nahe? Wenn er nun absprang — er war ein sehr guter Schwimmer, vielleicht würde irgendwo in der Nähe ein Boot ihn aufnehmen, oder winkte irgendwie eine Rettung. Und wenn auch nicht, alles schien ihm in diesem Augenblick besser, als weiter in der Gewalt dieser Verbrecher zu bleiben. — Sogar an Peggy dachte er einen Augenblick nur mit kaltem Bedauern. Sie war für ihn doch nur etwas gewesen, was seine Sinne gelockt und feinen Schmerz um Benedikte betäubt hatte. Schon wollte er fein gefährliches Unternehmen mit dem Mute der Verzweiflung wagen. Da fiel ihm Jens Petersen ein. Nein, er konnte nicht fliehen und den armen Kerl in der Gewalt dieser verbrecherischen Burschen lassen. Was also war zu tun? Er überlegte fieberhaft. Da plötzlich drang ein Geräusch an fein Ohr. Er duckte sich, lauschte, spähte hinaus. Und was er sah, ließ sein Blut vor Grauen erstarren: Steffens, der eine Bootsmann, und Pierre schleppten einen Menschen den Außengang entlang. Es war Jens Petersen, und er wehrte sich nur schwach. Wie er jetzt an Hans-Hermanns Versteck vorübergeschleift wurde, sah der, daß es lediglich eine halb mechanische Bewegung Petersens gewesen war. Denn der Lehrer war keineswegs wieder völlig bei Besinnung. Sein Blick hatte etwas Leeres und Fernes. Er schien es mehr instinktiv zu fühlen, als mit dem wachen Verstände zu begreifen, was man da mit ihm vorhatte. Jetzt hörte Hans-Hermann Steffens sprechen: „Los doch, fort mit ihm, wir haben keine Zeit mehr zu verlieren. In ein paar Minuten sind wir an Ort und Stelle. Der Bursche muß fort sein, ehe wir Zedlitz heraufholen." (Fortsetzung folgt!) Lebendgeburten 23er- 75 Jahre Turn- und Gesangverein Lollar 1933 . 1934 . 1935 . 221 24,3 28,6 Heil Hiller! Sprenger. . 22,3 . 29,1 . 33,1 und Sterbefälle in Gießen. Geburten: Gestorbene: (auf je 1000 Einwohner) y-. Die deutsche Arbeitsfront N.S.-vememftftaft „Kraft durch freuöc" Aufruf des Gauleiters zum 2. Frontsoldaten- und Kriegsopfer« ehrentag in Mainz. 316®. „Die Naiionalsozialiskische firiegsopferoer« sorgung des Gaues Hesfen-Aaffau hat für den 13. und 14. 3uni 1936 zum 2. Frontsoldaten- und Kriegsopferehrentag in die alle Garnisonfladl M^inz aufgerufen Wenn gerade das neuerstandene Friedensboll^ werk Mainz der Tagungsort der 71SKOV. ist, fo deshalb, weil es im Westen des Reiches — auch während den Jahren der Schande und Schmach — treue Dacht gehalten hat. Zugleich soll durch den 2. Frontsoldaten- und Kriegsopferehrentag symbolhaft zum Ausdruck kommen, daß die gleichen Männer, die während des großen Völkerkrieges ihre Heimat mit ihrer Gesundheit und mit ihrem Vlul verteidigten, auch heute bereit sind, zu Volk, Vaterland und Führer zu stehen. Sie wollen in der Friedensgarnison Mainz zugleich an diesen Tagen ein Bekenntnis zum Frieden mit unseren Rachbarvölkern ablegen. Der Gau Hessen-Rassau grüßt die Teilnehmer des 2. Frontsoldaten- und Kriegsopferehrentages, Gau heffen-Rafsau, im goldenen Mainz, der Garnison des Friedens.- Wir weisen nochmals darauf hin, daß am Mon- tag, 15. Juni, um 18.30 Uhr im Haus der Deutschen Arbeitsfront, Schanzenstraße 18, im großen Saal eine Besprechung der Betriebswarte „Kraft durch Freude" stattfindet. Erscheinen dringend erforderlich. Bei Krankheitsfall oder Verhinderung ist ein tretet zu beauftragen. Die Geburtenbewegung in Gießen Line interessante Statistik. VesiichGießenerTheologiestildentenimZlichthM Aus einem Aufgabengebiet der Inneren Mission. pflegte zunächst das Turnen. Anfangs hatte der junge Verein mit großen Schwierigkeiten zu kärnp- •/ oa die Einwohnerschaft der Turnsache durchaus nicht freundlich gegenüberstand. Doch fand man bei Dem Gemeinderat Verständnis, der dem jungen Verein einen Turnplatz auf der „Schur" zur Beringung stellte und ihm Reck und Barren stiftete. Bald entstand der Wunsch, neben dem Turnen auch das Singen zu pflegen, und der Verein erhielt jetzt seinen heutigen Namen. In der Folgezeit wurde durch dieses fast ganz verdrängt, und als im Vahre 1863 bei einem Feste ein tödlicher Unfall eines Turners erfolgte, stellte man das Turnen 9an(3 em Das 20. Stiftungsfest wurde mit großem Glanz geseitert. ebenso 1901 das lOjäfjrige Bestehen. 2ln Pfingsten 1911 beging man besonderer Um= ÖQ5 50- Stiftungsfest in schlichter ^eife rm Beremslokal. In den nun folgenden Iah. rovQr «ie Vereinstätigkeit nicht sehr rege, bis ^.Ausbruch des Weltkrieges ihr gänzlich ein ^nde fetzte. Der größte Teil der Mitglieder mußte mrucken und eine Reihe fand den Heldentod. Ihrer fei an dieser Stelle ehrend gedacht. 9 h^m,Cr-n)ar.€v die Jugend, die nach dem Krieae «ein^CtAl"n c?l-eber 3U "euem Leben erweckte. Em 'n“uflein mar es zunächst, das sich wieder einfand. Bald aber kam der Verein wieder auf seine alte Stärke. Im Jahre 1926 konnte ter e»;«65' Stiftungsfest feiern. Er nahm nun wei« r eme 6Ute Entwicklung. 1932 wurde ihm der _ ^.inSiebzigjahriger. Am Samstag, 13. Ium, feiert Oberpostschaffner i. R. Heinrich L i ft« mann, Wernerwall 24, in körperlicher und geistiger Frische seinen 70. Geburtstag. Er ist seit 40 Jahren treuer Bezieher des Gießener Anzeigers. ** Obst- und ©artenbauoerein Gie - ß e n. Der hiesige Obst- und Gartenbauverein Der- anftaltet am Sonntag für seine Mitglieder und für andere Gartenfreunde einen Gartenrundgang. Gar- tenbautechniker Wasewitz wird hierbei praktische Unterweisungen und Ratschläge erteilen. Bei den Gartenrundgängen soll den Kleingartenbesitzern und Gartenfreunden Gelegenheit gegeben werden, sich über alle Arbeiten im Kleingartenbau Rat unter fachmännischer Leitung zu holen. Für die hiesigen Kleingärtner sind zunächst zwei Rundgänge vorge« sehen. Für die Gärten jenseits der Lahn am Sonn« tag, 14. Juni, und für die am Nahrungsberg nm 21. Juni. Auf die heutige Anzeige fei besonders aufmerksam gemacht. ** Bachfchau an d e r W i e s e ck. In einer Bekanntmachung der Stadtverwaltung im heutigen Anzeigenteil wird bekanntgegeben, daß am Mitt« woch, 8. Juli, eine Bachschau an der Wieseck statt- findet. Interessenten seien besonders daraus hin« gewiesen. ** Heimatfahrt der Oft- und West - Preußen. Wie in jedem Jahr, so veranstaltet der Bund heimattreuer Ost« und Westpreußen auch jetzt wieder eine Sonderfahrt für seine Landsleute und andere Volksgenossen aus Hessen-Nassau, Baden und Saar-Pfalz nach Ostpreußen und Danzig. Sinn dieser jährlichen Fahrt ist, die Anhänglichkeit zur alten Heimat zu bewahren und auch gleichzeitig Verständnis bei den übrigen Volksgenossen des Reiches für dieses deutsche Bollwerk im Osten zu wecken Wanderschask irgendwo in Stellung zu treten. Auch im Gaugebiet Hessen-Nassau besteht in allen Städten und Orten für die jungen Handwerkergesellen jederzeit die Möglichkeit, sich jetzt noch auf die Wanderschaft zu begeben, wenn die nötigen Voraussetzungen dazu gegeben sind. Meldungen hierzu sind bei der nächsten zuständigen Dienststelle der Deutschen Arbeitsfront anzubringen. E. C. Nach einer statistischen Berechnung wurden 1935 in Deutschland stündlich 110 Kinder geboren, während in der gleichen Zeit 85 Menschen die Augen für immer schlossen. Rein zahlenmäßig betrachtet würde also das deutsche Volk stündlich um 25 Personen vermehrt. Leider stimmt die vorstehende Berechnuna nicht ganz. Der Altersaufbau der deutschen Bevölkerung ist im letzten Dierteljahrhundert ein anderer geworden. Das Wachsen unseres Volkes war nur ein scheinbares. Der Zuwachs erfolgte nicht mehr durch Geburten, sondern durch eine Erhöhung der Lebensdauer des einzelnen. Das deutsche Volk lief Gefahr zu vergreisen. Infolge der medizinischen und sonstigen wissenschaftlichen Fortschritte ist es gelungen, das Durchschnittsalter des Menschen von 35 Jahren um die Jahrhundertwende bis auf etwa 55 Jahre zu erhöhen. Dies wäre an und für sich nicht schlimm, wenn nicht der katastrophale Geburtenrückgang eingesetzt hätte. Im Jahre 1900 kamen auf tausend Einwohner 35 Geburten, während es 1932 nur noch 15 Geburten waren. Die Menschen wurden älter, aber der Nachwuchs fehlte. Mit dem Durchbruch der nationalsozialistischen Weltanschauung ist jedoch in Deutschland ein Gesinnungswandel eingetreten. Langsam beginnt sich die Erkenntnis durchzusetzen, daß die Erhaltung des Volkes erst da beginnt, wo in einer Familie das vierte Kind geboren wird. Im ersten Jahre der nationalsozialistischen Staatsführung konnte der Geburtenrückgang abgeftoppt werden. In den beiden folgenden Jahren konnte bereits eine Geburtenzunahme verzeichnet werden. So auch in unserer Stadt. Kreis Bübingen. b M ittleres Niddatal, 11. Juni. Der seit etlichen Tagen außergewöhnlich starke, mitunter wo!» nUchattige Regen richtet auf den Aeckern an Den Abhangen erheblichen Schaden an. Große Erd- mai|en werden abgeschwemmt, die Wurzeln der Gewächse dort bloßgelegt. Auf Straßen und Feldwegen müssen die Erdmassen entfernt werden. In rnan^en Wiesen sammelt sich nun Das Wasser. Die DeDorftebenbe Heuernte, die einen sehr guten Ertrag verspricht, wird dadurch verzögert. Sämtliche Ge- treiDearten haben sich sehr gut entwickelt, leider ist jedoch auf den Kornäckern vielfach Lagerfrucht fest- zustellen. Reichliches Futter bringen alle Kleearten. Mancher Landwirt mußte den Klee zu dessen rest- loser Berwertung auf Holzböcke zum Trocknen setzen. Der gründlich durchfeuchtete Boden erleichtert bies*- mat bas Setzen unb Anwachsen ber Dickwurzpslan- 3en, wodurch die notwendige Zeit zur Beteiligung ®Ot\ ccb,r-Jtar^ auftretenden Unkräutern auf den Kartoffeläckern erübrigt wird. Kreis Alsfeld. # AusdemoberenOhmtal,10. Juni. Die chon begonnene Heuernte hat durch die letzten schweren Regengüsse eine Unterbrechung erfahren. 51 teE . P 312 = a j ST «3® 3®: *O“ ± 6» ■ Mus? Bitte Beachten Sie meine Bade- Ausstellung MäusbnrB 13 Qualitäten