llr.HO Erstes Blatt 186. Jahrgang Dienstag, 12. Mai 1936 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Giestener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monatr-Vezugspreis: IRit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr.. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Hernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen Postscheckkonto: Zrantfurt am Main 11686 Sietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: Vrühl'sche Universitäts-Such- und Steindruckerei R. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8^/,Uhr des Dormittags Grundpreife für 1 mm hohe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text- anzeigen von70mm Breite 50 Rpf..Platzvorschrift nach vorh.Dereinbg.25O/o mehr. Ermäßigte Grundpreife: Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Aufgaben und Zukunst des deutschen Theaters. von Reichsminister Or. Goebbels auf der Theaterfestwoche. Eine programmatische Rede Klassisch und volkstümlich. Die große Rede, die Reichsminister Dr. Goebbels vor einem erlesenen Hörerkreise im Deutschen Museum gehalten hat, darf als Höhepunkt der Reichstheaterfestwoche in München und als programmatische Kundgebung der Reichstheaterkammer gewertet werden. Aus der Fülle dessen, was Dr. Goebbels über Wesen, Aufgaben und Zukunft des deutschen Theaters zu sagen hatte, scheinen uns eine Reihe grundsätzlicher Feststellungen oder Betrachtungen gleichsam als Leitgedanken oder Kernpunkte besonderer Hervorhebung zu bedürfen. So konnte der Minister davon ausgeh^m, daß sich das deutsche Theater im Laufe der inneren Umformung und Reorganisation, die es in jüngfter Zeit durchgemacht hat und noch durchmacht, sich wieder auf feine großen klassischen Vorbilder und Lehrmeister, auf Schiller und Lessing, besonnen habe; wenn insbesondere davon die Rede war, daß die deutsche Bühne heute wieder anfange, eine „moralische Anstalt" im Sinne Schillers zu werden, so mag sich jeder Bühnenleiter, jeder Regisseur und jeder Darsteller der Verpflichtung bewußt werden, die damit ausgesprochen und gefordert wurde. Es handelt sich da um mehr als um ein Schlagwort klassischer Prägung: es geht hier um eine innere Umstellung landläufiger Begriffe und Auffassungen vom Wesen des Theaters, vom tieferen Sinn dramatischer Gestaltung und schauspielerischer Leistung. Damit ist ferner auch ein Bekenntnis zum klassischen Theater und Drama ausgesprochen worden, das jeden deutschen Bühnenleiter nicht nur wieder auf die unveräußerlichen Grundlagen seiner Arbeit verweist, sondern auch, wenn er die in München gegebenen Anre- München, 11. Mai. (DRB.) Der zweite Tag der Reichstheaterfestwoche brachte im großen Saal des Deutschen Museums die Kundgebung der Reichstheaterkammer. Es waren u. a. erschienen der Stellvertreter des Führers Reichsminister Rudolf Heß, der Präsident der Reichskulturkammer Reichsminister Dr. G o e b b e l s , die Reichsleiter Ritter von Epp, Schwarz und Fiehler, und andere bekannte Männer der Bewegung, des Staates, der Wehrmacht und der Polizei. Das deutsche Theaterleben war durch viele Intendanten und andere mit der Bühnenkunst verbundene Persönlichkeiten vertreten. Der Präsident der Reichskulturkammer, Reichsminister Dr. Goebbels hielt eine immer wieder von stürmischer Zustimmung unterbrochene Rede über Wesen, Aufgaben und Zukunft des deutschen Theaters. Für uns Deutsche sei das Theater immer eine Sache des Herzens gewesen, und alle großen deutschen Geister habe die Sehnsucht erfüllt, das Theater zu einer Angelegenheit des ganzen Volkes zu machen. Mit großer Befriedigung könne man feststellen, daß das deutsche Theater zu seinem eigenen Segen und Nutzen wieder anzuknüpfen beginne bei Lessing, dem großen deutschen Theater-Theoretiker und bei Schiller, dem großen Gestalter des deutschen Theaters. Die deutsche Bühne fange heute wieder an, im Sinne. Schillers eine „moralische Anstalt" zu werden und das Podium der politischen und sozialen Moral auch unserer Zeit zu sein. Dr. Goebbels setzte dann auseinander, wie das Theater vom Volke lebe und von ihm auch seinen belebenden Impuls empfange. Es dürfe nicht das Vorrecht einer hauchdünnen Oberschicht bleiben, sondern es müsse versuchen, das ganze Volk zu erfassen und anderseits auch wieder von ihm erfaßt zu werden. Das bedeute allerdings nicht, daß das deutsche Theater einem öden und billigen Massengeschmack huldigen müsse. Das „Gerede von Massengeschmack", so betonte der Minister, „ist meist nur eine Ausrede. Der Massengeschmack ist vielfach nur ein Kassengeschmack, nnb diejenigen Theaterleiter, die einer geistlosen, platten Scheinkunst huldigen, denken nicht so sehr an die Masse wie an die Kasse; es ist ihr Hauptbestreben, die Kasse auf billige und risikolose Weise zu füllen. Allerdings haben wir auch nie geglaubt, daß die Kunst sich selbst ernähren könnte. Sie hat vielmehr, um lebenskräftig zu bleiben, immer Subventionen nötig. Sie kann nicht mit irgendeinem Wirtschaftsbetrieb verglichen werden, der nur dann Sinn hat, wenn er sich rentiert. Selbst wenn es um die Unterhaltung geht, ist es nicht damit getan, sie geistlos und platt an die Masse heranzubringen. Auch die Unkerhaltung muß gelst- voll sein; sie sott dem Volke in seinem schweren Daseinskampf Werte geben, die über das materielle des Tagesdaseins hinauszufüh- ren die Kraft haben. Auch die nationalsozialistische Bewegung hat die breite Waffe nicht dadurch in ihren Bannkreis gezogen, daß sie etwas möglichst Geistloses und Blasses als Ziel vertreten hätte. Wir haben vielmehr unsere Idee und den Zeitstoss den breiten Massen aus die einfachste Weife nahegebracht, hier scheint mir auch das Grundproblem des modernen deutschen Theaters zu liegen: Zurück zur gungen nur recht versteht und anzuwenden weiß, seine Entdeckerfteude und seinen Wagemut auf eine höchst fruchtbare Weise anregen kann; wieviele deutsche Theater können etwa mit gutem Gewissen von sich behaupten, daß Hebbel oder Grabbe, um nur zwei Namen aus Dr. Goebbels Rede zu wiederholen, bereits zum festen Besitz oder klassischen Bestände ihres Repertoires gehören? Hand in Hand mit dem Bekenntnis zu einem im weitesten und besten Sinne klassischen deutschen Theater geht das Bekenntnis zum Volke und zur Volkstümlichkeit unserer Bühnen und der von ihnen zu leistenden Arbeit. Es kann nicht nachdrücklich genug unterstrichen werden, daß rechte Volkstümlichkeit, wie sehr beherzigenswert dargelegt wurde, mit einem schlechten und billigen Massengeschmack, mit Flatter- und oberflächlicher Scheinkunst nichts zu tun hat; hier wurde an ein Generalproblem des deutschen Theaters in dieser Zeit gerührt: zurück zur einfachen Klarheit in Stoff, Inszenierung und Darstellung! — Dem Darsteller muß die Würdigung, die der Minister ihm in seiner Rede zuteil werden ließ, eine ungemeine Festigung seines Standesbewußtseins und seines Selbstgefühls gegeben haben, wenn ihm und jedermann die volkspolitische Bedeutung des Schauspielerberufes so vor Augen gestellt wird. — Ein im weitesten und tiefsten Sinne klassisches Theater, getragen von wirklicher Leistung und echter Volksverbundenheit —: so lassen sich die Ziele und Aufgaben, von denen soeben in München die Rede war, vielleicht am einfachsten und sinnvollsten zusammenfassen; so werden wir am gewissesten den jahrhundertealten Traum der Besten unseres Volkes von einem deutschen Nationaltheater in unserer Zeit oder in der Zukunft verwirklichen. einfachen Klarheit in Stoff, Inszenierung und Darstellung!" Der Minister erörterte dann eine große Reihe von Grundproblemen, die dem deutschen Theater für die Gegenwart und die nähere Zukunft aufgegeben sind. Was die geistige Leitung des Theaters anlange, so müsse der Intendant bedenken, daß, wie auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens, so auch im Theater jeder große Wurf mit einem Risiko verbunden sei. Große Erfolge, so rief Dr. Goebbels unter lebhaftem Beifall aus, könnten nur erzielt werden, wenn man den Mut zum Risiko auf sich nehme. Gerade auch in bezug auf eine zeitgemäße Ausgestaltung des deutschen Theaterspielplanes gelte es, zu wagen, um zu gewinnen. Allgemeinen Beifall löste auch die Feststellung des Ministers aus, daß das Theater als eine künstlerische Angelegenheit in der Hauptsache von Künstlern und nicht von Beamten betreut werden müsse. Deshalb dürfe es nicht dazu kommen, daß man die Theaterleiter nach und nach durch Beamte zu ersetzen beginne. Was die gesellschaftliche Stellung des Dar» stellerberufes betreffe, so sei es das ernste Bestreben der nationalsozialistischen Staatsführung gewesen, dem Beruf des Darstellers die Bedeutung zu geben, die ihm zukomme. Der Beruf des Darstellers ist volkspolitisch unendlich wichtig, denn es bedeutet schon viel, wenn sich in einem Volk ein paar tausend Menschen finden, die ihre Aufgabe darin sehen, den breiten Massen in ihrem Daseinskampf unter Aufbietung fleißigster und anstrengen- ster Arbeit Entspannung zu geben. Ein Stand, der eine so grundlegende Forderung des modernen nationalsozialistischen Lebens erfüllt, hat Anspruch auf öffentliche Achtung und muß vor Vorurteilen geschützt werden, die vielleicht populär, aber durchaus nicht richtig sind. Eingehend beschäftigte sich der Minister auch mit dem Verhältnis zwischen Publikum und Theater. Der Nationalsozialismus habe sich von Anfang an bemüht, die Masse des Volkes in breitestem Umfange in die Theater hineinzuführen. Die inzwischen errichteten zahlreichen „Theater des Volkes" feien aber keineswegs dazu angetan, den bestehenden Reichs- und Staatstheatern Konkurrenz zu bereiten. Wir führen in diese „Theater des Volkes" Schichten, die ein Theater bisher nur von außen gesehen haben! (Stürmischer Beifall.) Der Staat dürfe und wolle nicht hemmend in die künstlerische Produktion eingreifen. Er könne immer nur der große Regulator des künstlerischen Lebens fein. Der Staat hat nur die Aufgabe, das künstlerifche Leben planmäßig zu führen und zu regeln, er muß ihm Richtung geben, muß die Ziele aufstellen, muß die Talente anfeuern. So sollten sich auch die Kommunen wohl- fühlen in der Rolle des Wäzen. Auch sie müssen der Kunst Lebensmöglichkeiten geben und Entwicklungsfreiheit vermitteln. Als wir von Reichs wegen 12 Millionen Mark für die Theater bereitstellten, wollten wir damit durchaus nicht etwa die Gemeinden oder die Länder von Theaterzufchüssen befreien. Das wäre nur eine Verlagerung der Zuschüsse gewesen. (Heiterkeit.) Was das Reich gab, sollte zusätzlich fein, eine Belohnung und Anspornung für besondere künstlerische Leistungen, es sollte auch künstlerische Experimente ermöglichen, die mit dem gewöhnlichen Haushaltsplan undurchführbar waren. Hinsichtlich der Spielplangestaltung konnte der Minister feststellen, daß seine auf der vorjährigen Reichstheaterfestwoche in Hamburg erwogene Forderung, das z e i t g e n ö s s i s ch e Sch af- f e n mehr in Vordergrund treten zu lassen, zu einem erheblichen Teil erfüllt worden ist. „Wir haben im vergangenen Jahr mit Freude erleben können, daß das nationalsozialistische Bühnenschaffen den ersten großen Durchbruch unternommen hat. Ebenso erfüllt es uns auch mit tiefer Befriedigung, daß in der jetzigen Reichstheaterfestwoche zum ersten Male fast nur nationalsozia- listische Bühnendramatik gepflegt wird, so daß sie gewissermaßen einen Querschnitt durch das zeitgenössische nationalsozialistische Bühnenschaffen gibt. Im übrigen geht es beim Spielplan nicht um die Frage: modern oder klassisch, die Antwort heißt vielmehr: modern und klassisch, klassisch im weitesten Sinne. Bisher ist nämlich die deutsche Klassik noch vollkommen ungenügend ausgeschöpft worden. Es gibt ja nicht nur einen Shakespeare, sondern auch einen Schiller, einen Goethe, einen Hebbel, einen Otto Ludwig und einen Grabbe. Was Shakespeare betrifft, fo ist in der letzten Zeit leidenschaftlich die Frage erörtert worden, ob den S chlegel-Tieckschen oder den Rotheschen Ueberfefcungen der Vorzug zu geben fei. Ich habe diese Frage einem Gremium von Fachleuten anvertraut, die übereinstimmend zu der Ansicht gekommen find, daß die Schlegel-Tieckfche Ueber- fehung der Rotheschen vorzuziehen ist. (Diese Mitteilung löste langanhaltenden stürmischen Beifall aus.) „Wir machen uns von unseren Klassikern eine scharsumrissene Vorstellung und möchten, daß diese Vorstellung auch im modernen Bühnenschaffen zum Ausdruck kommt. Wir wollen auf diesem Gebiet nicht", so führte der Winister unter erneutem starkem Beifall aus, „literarische Experimente, vor denen wir die Klassiker bewahren müssen, und die nur dazu angetan sind, den Ewigkeitswert ihrer Werke zu gefährden". Erfreulicherweise sei auch der im vorigen Jahr in Hamburg ergangene Ruf nicht ungehört verhallt, mit dem üblen Starunfug allmählich aufzu- .räumen und mit Kraft und Energie ein wirkliches deutschen Theater-Ensemble aufzubauen. „Die Theater im Reiche sind den Bühnen in der Reichshauptstadt dabei mit gutem Beispiel vorangegangen." Im übrigen sei es auch für den großen Künstler keine Unehre, einmal eine kleine Rolle zu spielen; denn auch in ihr offenbare sich das Künstlertum. Der Kritiker solle nicht nur das künstlerische Schaffen an sich kritisieren, sondern dieses Schaffen auch bewerten im Zusammenhang mit den Umständen und Schwierigkeiten, die sich der künstlerischen Leistung entgegengestellt hätten.Vor allem dürfe der Kritiker nicht bloß kritisieren wollen. Der Kritiker werde von selbst die nötige vornehme Reserve lernen, wenn er daran denke, wie viele große Künstler der Vergangenheit von den zeitgenössischen Kritikern in Grund und Boden kritisiert worden seien. Das deutsche Theater werde im weitesten Umfange in die Darbietungen der olympischen Spiele einbezogen, und es werde dabei seine erste große Feuerprobe im großen zu bestehen haben. Leidenschaftlich, ehrlich und mit heißestem Herzen sei in den vergangenen drei Jahren um das deutsche Theater gerungen worden. Allenthalben sprieße neues Leben, das nicht zuletzt dem verstorbenen Präsidenten der Reichstheaterkammer, Otto Laubinger, zu danken sei. (Die ganze Versammlung erhebt sich zu Ehren des Toten.) Im Dienst am deutschen Theater habe er sich aufgerieben. „Sie, die an seine Stelle getreten sind, haben den glühenden Ehrgeiz, i n seinem Geist weiter vorwärts zu marschieren. Ihr und unser aller Ehrgeiz ist es, den Jahrhunderte alten Traum in unserer Zeit zu erfüllen: den Traum vom deutschen Nationaltheater!" — Die Kundgebungsteilnehmer bereiteten dem Minister für seine Ausführungen lang anhaltende, stürmische Ovationen. 9ethgeS„Mrsch der Veteranen" ein großer Erfolg. M ü n ch e n, 11. Mai. (DNB.) Am zweiten Abend der Reichstheaterfestwoche stand Friedrich B e 11) g e s „M arsch der Veteranen" als Erstaufführung auf dem Festprogramm des Prinz- regenten-Theaters. Dieses Haus haben der nationalsozialistische Staat und die Bewegung durch die NS.-Gmeinschaft „Kraft durch Freude" zu einem Theater des Volkes gemacht, in dem ungezählte werktätige Menschen heimisch geworden sind als beglückte Empfänger und Diener deutscher Kunst. Vor Beginn der Vorstellung sprach bei erleuchtetem Haus Reichsorganisationsleiter Dr. Ley besinnliche und eindrucksvolle Worte über Arbeit und Kunst. Während die Arbeit die Gesetze der Natur erforscht und ergründet und sie zum Wohle der Menschheit anwendet, schaut der Künstler die Gesetze weit voraus. Er kennt sie und wendet sie an. Nicht nur der ist ein Künstler, der die Kunst aus- gießt, sondern auch der, der sie in sich aufnimmt und empfängt. Nur die Menschen gleicher Rasse können sowohl die Arbeit wie die Kunst der Schaffenden bewerten und empfinden. Was uns heute so beglückt, das ist, daß wix das Gemeine des Alltags abgelegt haben und den Wert unseres Volkes, feiner Arbeit und feiner Kunst neu erkennen. Wir erleben heute eine Blüte unserer Kunst und Kultur, weil der Führer unser Volk zum Schönen herangeführt hat. Und so glaube ich, daß ein Zeitalter angebrochen ist, von dem man einmal sagen wird: Diese Menschen fanden sich selber wieder. Wir freuen uns wieder am Leben. Nun kam Friedrich B e t h g e zu Wort. Sein „Marsch der Veteranen" ist entstanden aus Problemen, die den deutschen Menschen nach dem Weltkrieg im innersten aufwühlten, aus Problemen der Würde und Ehre der Nation wie jedes einzelnen. Es ist geschaffen von einem Mann, der das goldene Verwundetenabzeichen trägt und in den Kampfjahren ein Mitstreiter Adolf Hitlers geworden ist, der aus tiefstem eigenen Erleben die Kämpfer gestaltete und ihnen lebensvolle Typen der „Gesell- M Die 3. Reichstheater-Festwoche wurde mit einer Neueinstudierung des „Rienzi" im Nationaltheater in München eröffnet Unser Bild zeigt einen Blick in die Mittelloge. In der Mitte der Führer, link» Reichsminister Heß und Mimsterpräsident Siebert, rechts Reichsminister Dr. Goebbels und Staatsminister Wagner. — (Presse-Jllustration-Hoffmann-M.) Aus dem Wege zum deutschen Aattonaltheater. schäft" gegenübergestellt hak, von einem Dichter, der seinen Gedanken die große Form und die dramatische Wucht zu geben weih. Unter der Spielleitung von Peter S t a n ch t n a erlebte man wahre Ensemblekunst, in der als Träger der Hauptrollen einheimische Künstler zusammen mit Mathias Wiemann als Gast stärkste Eindrücke zu wecken wußten. Der Hingabe der Künstler stand schon vom ersten Augenblick an eine gleiche Hingabe der Hörer gegenüber, die ihrem Erleben durch begeisterten Beifall Ausdruck gaben. Der Führer und Reichskanzler ernannte den früheren Oberbürgermeister von Berlin, Dr. S a h m, zum Gesandten in Oslo. (Scherl-Bilderdienft-M.) 2« Oer Papst gegen diekommunistifcheGefahr Rom, 11. Mat. (DRB.) Papst Pius XL wandte sich bei einem Empfang ungarischer Pilger sehr scharf gegen die kommunistische Gefahr. Er führte u. a. aus: Es ist leider wahr, daß es einen gemeinsamen Feind gibt, der alle und alles edroht, der selbst das heiligste Familienleben nicht verschont. Der Kommunismus sucht überall einzudringen, lei es mit Gewalt, sei es mit Hinterlist. Diele lassen sich täuschen oder wollen den Feind nicht sehen, viele unterstützen ihn durch Gleichgültigkeit oder durch stillschweigendes Einverständnis. Manche gehen sogar soweit, ihn offen zu begünstigen und fühlen dabei gar nicht die Bedrohung durch diejenigen, die den Ruin der menschlichen Gesellschaft auf ihr Programm geschrieben haben. Wenn wir in der Welt soviel Blindheit gegenüber dieser großen Gefahr sehen, müssen wir uns in der Verständigung nicht nur in der Religion, sondern auch in der menschlichen Gesellschaft zusammenfinden. Der englische Spekulationsskandal Der Sohn des Kolonialministers belastet. London, 11. Mai. (DRB.) Im richterlichen Ausschuß zur Untersuchung der Versicherungsspekulation in Verbindung mit dem vorzeitigen B e k a n n t w e r d e n der Steuer- und Zollerhöhungen teilte der Generalstaatsanwalt mit, daß drei Versicherungsgeschäfte auf Anweisung des Sohnes des englischen Kolonialmini st ers Thomas getätigt worden sind. Der junge Thomas ist Teilhaber der Börsenmaklerfirma Belishar & C o. Die erste Versicherung wurde etwa eine Woche vor der Bekanntgabe des neuen Haushaltspla - n e s im Unterhaus, durch Alfred B a t e s , einen Freund des Kolonialministers abgeschlossen. Die Familien Thomas und Bates waren am Karfreitag an der englischen Südküste zusammengetroffen zu einer Golfpartie. Don allen Beteiligten wird bestritten, daß bei dieser Gelegenheit der Haushalt besprochen worden sei oder daß Kolonialminister Thomas irgendwelche Mitteilungen über den Haushalt gemacht habe. Die Geschäfte wurden bei Lloyds-Versicherung anfänglich zu einem Satz von 15 v. H. getätigt. Als sich jedoch unmittelbar vor der Verkündung des Haushaltsplanes im Unterhaus die Abschlüsse zu häufen begann, erhöhten Lloyds die Prämie auf 15 bis 20 d H. Bemerkensw<'rt ist daß Attred Bates einige Policen nicht auf seinen Namen, sondern auf den seiner Sekretärin hat ausstellen lassen. Das erste Dersicherungsgeschäft wurde am 14. April von Alfred Bates nach einer Unterredung mit Leslie Thomas, der nach seinen eigenen Aeußerungen hiervon abgeraten hat. abgeschlossen. Später brachte Thomas selbst zwei Aufträge unter. Einer der Agenten von Lloyds sagte aus, daß Thomas früher keine Versicherungsgeschäfte mit Lloyds getätigt habe (Sme notwendige Feststellung zum Fall Plein. NSG. Don zuständiger Seite wird uns geschrieben: In letzter Zeit wurde über den sog. „Fall Plein" viel geschrieben und viel geredet. Jn- zwiscken mußte sich auch das Gericht nochmals mit der Angelegenheit befassen und es hat den von seinem Amt suspendierten Präsidenten der Reichspostdirektion Frankfurt a. M. freigesprochen. Die Oeffentlichkeit hat daher ein Recht, den Sachverhalt klar und nüchtern noch einmal festgestellt zu sehen. Bekanntlich wurde im August des vorigen Jahres eine Bekanntmachung der NSDAP. „Deutsches Volk horch a u f!", die sich gegen den politischen Katholizismus wandte, an den Plakatsäulen und in den Geoäuden der Behörden usw. angebracht. Ein solches Plakat, das für den Gau Hessen-Nassau von dem zuständi- gen Gauleiter Sprenger unterzeichnet war, wurde auch im Borraum des Postscheckamts in Frankfurt a. M. zum Aushang gebracht. Es steht fest, daß dieses Plakat, also eine Bekanntmachung der NSDAP., von Herrn Plein eigenhändig abgerissen, zerknüllt und in die Ecke geworfen worden ist. Es steht weiter fest, daß Herr Plein zunächst den Amtsvorsteher ersucht hat, das Plakat zu entfernen und daß ihm dieser antwortete, er werde sich hüten, dies zu tun, da er sich nicht ins Gefängnis setzen wolle. Daraufhin hat Herr Plein das Plakat selbst abgerissen und führt als Begründung dieser Handlung an, daß das Plakat, so wie es aufgehängt war, Verkehrs ft örend gewirkt habe. Dazu ist festzustellen, baß die Bekanntmachung bereits längere Zeit an derselben Stelle gehangen hat, ohne daß in irgend einer Weise der Verkehr oder gar die Sicherheit gestört gewesen wäre. Im Gegenteil wurde das Aufhängen des Plakates an einem besonders beachteten Ort von der Beamtenschaft außerordentlich begrüßt. Zu einer Verteidigung führte Herr Plein bei seiner Vernehmung weiterhin aus, daß er auch bei einem Rundgang krumme Nägel und Plakate wie etwa „Achtung! Fußbodenalätte!" ober „Spucken verboten!" ebenfalls entfernt habe. Dann hat Herr Plein deutlich einen Vergleich zwischen dem Plakat „Spucken verboten!" und einer Bekanntmachung der NSDAP., die von dem zuständigen höchsten Hoheitsträger, nämlich dem Gauleiter, unterschrieben war, gezogen. Nachdem Herr Plein in oben geschilderter Weise das Plakat abgerissen und damit vernichtet hatte, orgte er in keiner Weise für ein Ersatzplakat, das er dann hätte an einem nach seiner Meinung weniger verkehrshindernden Ort aufhängen können. Das ist der tatsächliche Sachverhalt, wie er sich zugetragen hat, und deshalb mußte der Gauleiter Die Ankunft. Bon Tausenden von Auschauern empfangen LPD. Frankfurt a. M., 11. Mai. Der neue Flug- und Luftschiffhafen Rhein-Main draußen an der Reichsautobahn bei Frankfurt a. M. bildete am Montagfrüh beim Morgengrauen das Ziel vieler Frankfurter. Obwohl das Flugplatzgelände elbft nicht zur Besichtigung freigegeben war, da man die Landungsmanöver bei dieser ersten Landung nicht beeinträchtigen wollte, hatten sich rings um das riesige Gelände Tau lende von Zuschauern eingefunden, die das Luftschiff bei seiner ersten Ankunft in Frankfurt sehen wollten, an ihrer Spitze Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger, sowie Vertreter der Partei, der Behörden sowie der Wehrmacht. Kommandos schallen über den Platz, die Haltemannschaften erhalten die letzten Instruktionen und begeben sich auf das Gelände. Es ist kurz nach 9 Uhr, als man in der Ferne ein leises Motoren- geräusch vernimmt. Und schon taucht am grauen, dunstigen Himmel der Silberleib des Luftriesen auf. In majestätischer Fahrt überfliegt er seinen künftigen Heimathafen und nimmt weiter Kurs auf die Stadt, die er mit einer weiten, eleganten Schleife begrüßt. Bald erscheint er wieder über dem neuen Flugplatz. Langsam senkt sich das Riesenschiff mit der Spitze nach unten zu Boden. Die Halteseile fallen und werden von den Mannschaften erfaßt, und schon bald berührt das Luftschiff den Boden. Nun wird es, von kräftigen Fäusten gehalten, langsam vor die Halle gebracht und hier mit seiner Spitze am Ankermast und den beiden Laufkatzen festgemacht. Unter den Klängen einer Musikkapelle gleitet „Graf Zeppelin" dann auf den Schienen in die Halle. Der Gruß des Gauleiters. Als Kapitän von Schiller das Luftschiff verläßt, wird er in herzlichen Worten von Gauleiter Sprenger begrüßt. Der Gauleiter gibt dabei dem Wunsche Ausdruck, daß der günstige Stern, der das Luftschiff auf dieser seiner ersten Fahrt nach Frank- furt begleitete, ihm auch weiterhin vorangehen möge. Mit dieser ersten Landung des Luftschiffes sei der neue Luftschiffhafen in Frankfurt a. M. in Betrieb geno mm en. Kapitän von Schiller dankte dem Gauleiter für die herzliche Aufnahme in Frankfurt a. M. Er hoffe, daß der Luftschiffhafen Frankfurt a. M. für die Besatzung dasselbe werden möge wie Friedrichshafen, nämlich nicht nur ein Hafen, sondern eine Heimat. Gauleiter Sprenger überreichte darauf Kapitän Schiller eine silberne Schale als Ehrengabe. Dann begrüßte Bürgermeister Linder den Kapitän und reichte ihm in einem Erinnerungsbecher den Ehrentrunk der Stadt Frankfurt. Kapitän Schiller erzählt. Auf der Fahrt nach Frankfurt beantwortete Kapitän von Schiller dem Vertreter des DNB eine Reihe von Fragen. Acht Jahre versehe „Graf Zeppelin", im Volksmund „Ferdinand" genannt, nun schon seinen Dienst. Das Luftschiff hat bis jetzt 1 550 000 Kilometer zurückgelegt. Kapitän v. Schiller mißt dem „Graf Zeppelin" noch vierJahre Lebensdauer bei. Bis 1937 werde das Luftschiff noch die Route nach Südamerika fahren, dann werde es für bestimmte Zwecke umgebaut werden. lieber das neue Luftschiff „Hindenburg" könne man trotz der wenigen Fahrten schon heute sagen, daß es sich in jeder Weise bewährt habe. Nur an der Schiffsgondel würden einige unbedeutende bauliche Veränderungen vorgenommen werden. Das neue Schilf sei viel komfortabler, und doch äußerten sich alte Fahrgäste, daß sie den „Graf Zeppelin" vorziehen, weil er Besatzung und Fahr- gäste auf einem engeren Raum zusammenbringe und eine innigere Verbindung zwischen ihnen her- stelle. Bei 50 Fahrgästen wie beim „Hindenburg" wäre das so ziemlich ausgeschlossen Das im Bau befindliche Luftschiff „LZ 130" wird in der Konstruktion keine wesentliche Veränderung aufweisen und sich mit dem „Graf Zeppelin" und „Hindenburg" in den turnusmäßigen Verkehr nach Süd- und Nordamerika teilen. „Graf Zeppelin" wird jährlich 15 Fahrten nach Südamerika, „Hindenburg" sieben Fahrten nach Südamerika und zehn Fahrten nach Nordamerika durchführen. Kapitän v. Schiller schilderte dann den starken Eindruck, den das beinahe minutenmäßige Einhalten des Fahrplans besonders auf die Ausländer gemacht habe. Mit berechtigtem Stolz wies der bewährte Luftschifführer darauf hin, daß die Fahrten der deutschen Luftschiffe nicht wenig zur Hebung des deutschen Ansehens im Ausland beigetragen hätten. Die Unterhaltung mit Kapitän von Schiller wandte sich dann den Erschwernissen zu, die die Fahrten der Luftschiffe nach Südamerika durch das Verhalten der französischen Regierung erleiden. Sieben Jahre lang habe „Graf Zeppelin' über Frankreich fahren dürfen; in diesem Jahre sei die Genehmigung versagt worden. Man hofft aber, doch noch eine Aende- rung herbeiführen zu können. Die Fahrstrecke habe sich durch den weiteren Weg um etwa 800 Kilometer verlängert. Während der „Graf Zeppelin" auf dem Wege über Frankreich ohne Zwischen- landung auskommen könne, fei er jetzt gezwungen, pflichtgemäß, nicht etwa aus irgendwelchen persönlichen Gründen heraus, Strafantrag stellen. Zur Klarstellung des Falles Plein war es notwendig, daß gerade jetzt noch einmal der Sachverhalt in aller Oeffentlichkeit dargestellt wird. Jrn übrigen sei notwendigerweise ausdrücklich festgestellt, daß eine Reihe von sogenannten kleinen Personen, die dieselben und ähnliche Plakate abgerissen haben, ins Gefängnis gesteckt worden sind. Trauerfahnen über Warschau am Todestag pilsudskis. W a r \ d) a u, 12. Mai. (DNB. Funkspruch.) Heber Warschau wehen heute, am Todestage des Marschalls Pilsudski, umflorte Nationalflaggen und große schwarze Trauerfahnen. In den Geschäften sind die Schaufenster mit Flor ausgeschlagen und Bilder des Marschalls Pilsudski aufgestellt. Am frühen Morgen erfolgte das große Wecken. Dumpfe Trommelwirbel hallten durch die Straßen der in Sevilla eine Zwischenlandung vorzunehmen. Durch den Umweg verliere man 12 bis 24 Stunden Zeit. Das Endziel der Zeppelin-Luft- schiffahrt sein ein regelmäßiger wöchentlicher Verkehr nach Süd- und Nordamerika. Die Verlegung des Abfahrthafens von Friedrichshafen nach Frankfurt a. M. begrüßt Kapitän von Schiller, weil Frankfurt gewisierma- ßen der Nabel von Europa fei und außerordentlich günstige Eisenbahn- und Flugzeugoerbindungen habe, während Friedrichshafen etwas abseits liege. Dagegen tritt er der allgemein verbreiteten Ansicht entgegen, daß die m e t e o r o l o g i- schen Verhältnisse in Frankfurt günstiger als in Friedrichshafen lägen. Das Gegenteil fei L>er Fall. Der einzige Nachtell Friedrichshafens sei, daß dieser Ort etwa 400 Meter hoch liege, wodurch die Tragfähigkeit des Schiffes gegenüber Frankfurt um etwa drei Tonnen, beim „Hindenburg" sogar um sechs Tonnen gemindert werde. Gin Fahttbencht. NSG. Als wir um halb fünf Uhr geweckt wurden, um an der Fahrt nach Frankfurt a. M. zur ersten Landung auf dem Weltflughafen Rhein-Main teilzunehmen, waren wir ein klein wenig enttäuscht. Der Regen klopfte in erheblichem Umfang an unser Fenster, und dicke Nebelschwaden lagen über dem Bodensee. Außerdem hatten wir noch immer das unsichere Gefühl, ob es nun wirklich Ernst mit der Fahrt würde, oder ob wir wieder mit der Eisenbahn zurückfahren müßten, da die Landung des „Grafen Zeppelin" schon so oft an- gekündigt, aber bisher wegen verschiedener Dinge immer wieder verschoben wurde. Ein Omnibus brachte uns zur Zeppelinwerft, wo man uns bereits schon erwartete. Sofort konnten wir einsteigen, und schon wurde der „Graf Zeppelin" ausderHalle gezogen. Fabelhaft ruhig hob sich bas Luftschiff, und in verhältnismäßig geringer Höhe ging es über Friedrichshafen in direkt nördlicher Richtung. Obwohl es gerade sechs Uhr ist, öffnen sich alle Fenster, und freudig winken uns die Friedrichshafener zu, obwohl ihnen der Abschied von „ihrem" Luftschiff, das ja nun immer von Frankfurt aus starten wird, recht schwer geworden ist. Das diesige und dunstige Wetter kann uns nichts tun. Wir fahren so tief, daß wir überall herrliche Sicht haben. Kurz nach der Abfahrt kommt der Obersteward und versorgt die Passagiere mit Ansichtskarten. Im Nu ist unser Aufenthaltsraum in eine Schreibstube verwandelt, denn jeder will ja einen Gruß aus dem Zeppelin an seine Angehörigen senden. Immer klarer wird das Wetter, so daß wir die nördliche Richtung, die parallel mit der Eisenbahnlinie läuft, einhalten können. Schon überfliegen wir Ravensburg, bann Bieberach, und bald taucht U l m mit seinem herrlichen Münster auf. Kurz nach Ulm machen wir ein kleines Wettrennen mit einem O-Zug, der um 5.30 Uhr in Friedrichshafen abgefahren war, und den wir schon gegen 6.50 Uhr eingeholt hatten. Wir nähern uns der Schwäbischen Alb und gehen infolgedessen etwas höher. Unter uns werden die Städte und Wälder immer kleiner. Ab und zu überfliegen wir eine Hühnerfarm, in der die Tiere aufgeregt vor dem vermeintlichen großen Raubvogel zu fliehen versuchen. Stadt. Die Blätter des sog. Pilsudski-Lagers sind mit Trauerrand erschienen und bringen Bilder des großen Marschalls. Ein Wunsch des Marschalls, daß sein Herz zusammen mit den Gebeinen seiner Mutter auf dem Wilnaer Heldenfriedhof ruhen solle, wird heute seine Erfüllung finden. Die Trauerfeier des Senats begann mit einem Totenappell auf dem Lukiski-Platz. Im Lichte brennender Holzstöße wurden die Namen der Aufständischen von 1863 verlesen, die auf dem Lukiski-Platz hingerichtet worden sind, und die Namen der Soldaten, die 1919 und 1920 bei der Einnahme und Verteidigung Wilnas gefallen sind. Zum Schluß nannte der Kommandant des Appells nach einem Trauerwirbel den letzten Namen: „Der erste Mar- schall Polens, Joseph Pilsudski", und der Offizier vom Dienst antwortete laut über den schweigenden Platz: „Er starb körperlich, aber er lebt in unseren Herzen und wird ewig leben." Die Truppen präsentierten, aus der Ferne hörte man den Ehrensalut von 21 Schüssen. Kapitän von Schiller zeigte dann dem Vertreter des DNB. den Führer st and. Hier konnte dieser beobachten, ein wie herzliches Verhältnis zwischen dem Kapitän und der Mannschaft besteht. In Friedrichshafen ist das Bedauern über bas Scheiden der Zeppelin-Luftschiffe, die nach Friedrichshafen nur noch zu Reparaturzwecken zurückkehren werden, allgemein. Im Laufe der Jahre ist ein enges Verhältnis zwischen den Zeppelinmannschaften und der Bevölkerung hergestellt worden. Auch wirtschaftlich hat sich dies für den Ort Friedrichshafen außerordentlich ausgewirtt. Friedrichshafen sieht Sonntags durchschnittlich 12 000 bis 18 000 Gäste in seinen Mauern, unter denen sich zum großen Teil KdF.-Fahrer befinden. Am letzten Sonntag sind z. B. auch aus der Schweiz nicht weniger als 2000 Personen nach Friedrichshafen gekommen. Die wenigen Friedrichshafener, die bisher noch kein Zeppelin-Luftschiff besichtigt hatten, haben dies in der letzten Zeit sämtlich nachgeholt. Plötzlich — und gerade über der Schwäbischen Alb —, befinden wir uns nun doch in der „Waschküche", d. h. wir fahren in dicken Nebelschwaden und Wolken. Diese Zeit benutze ich, um Kapitän von Schiller in der Führergondel seines „Ferdinand" (denn so heißt der „Graf Zeppelin" bei den Leuten vom Fach!) zu besuchen. In liebenswürdiger und launiger Weise stellt sich Kapitän von Schiller einem Kreuzverhör der Rhein-Mainischen Journalisten auf Verfügung. Heute machte „Graf Zeppelin" seine 519. Fahrt und hat inzwischen die stattliche Anzahl von 1 560 000 Kilometer zurückgelegt. Kapitän von Schiller hat ebenfalls bald die zweite Million Luft» kilometer und die 1000. Fahrt hmter sich. Dann versuchte Kapitän von Schiller mir in einem sehr interessanten Vortrag die Maschinen und Jnstru- m e nt e sowie Die Tätigkeit feiner Mitarbeiter zu erklären. Jedoch wurde ich bei diesem Dortraa wieder einmal schmerzlich daran erinnert, daß Mathematik schon auf der Schule nicht gerade meine stärkste Seite gewesen ist. Rund um die Führergondel hängen 20 kleine Fähnchen verschiedenster Staaten, wie Italien, Island, Brasilien, Aegypten, Liechtenstein usw., die die Staaten verkörpern sollen, in denen „Graf Zeppelin" schon einmal die Erde berührt hat. Wollte man Fähnchen von allen Staaten aufhängen, die das Luftschiff schon überflogen hat, so würde ihre Zahl gerade 40 betragen. Da wir uns noch immer in der „Waschküche" befinden, folge ich gern dem leitenden Ingenieur des Luftschiffes, Herrn B e u e r I e, der mich während der Fahrt durch das ganze Luftschiff führt. Auf einem schmalen Laufsteg durchwandern wir den Zeppelin und können seststellen, daß der große Hohlraum des Rumpfes außerordentlich geschickt zu Schlafkabinen, Wasser- und Benzinbehältern, kleinen Werkstätten usw. ausgenutzt ist. Ab und zu öffnet Herr Beuerli eine Luftklappe, so daß wir Zentimeter neben uns in eine Tiefe von 600 bis 1000 Meter, Denn sa hoch fahren wir, schauen können, und trotzdem verläßt einen niemals das Gefühl der absoluten Sicherheit. Auch Herr Beuerle ist schon Jahrzehnte, seit 1910 bei der Luftschiffahrt und hat schon manche Fahrt mit dem alten Grafen Zeppelin hinter sich. Als unser Rundgang beendet ist, kommen wir gerade noch zurecht, um mit den anderen Passagieren Erste Landung des„Gras Zeppelin" in Frankfurt a.M. Gauleiter Sprenger begrüßt das Lustschiff im neuen Heimathafen. M dem „Gras Zeppelin" zur ersten Landung nach Frankfurt a. Main. man -en feg Ä«h°lls, e®Lbe*nen S eine-n Jte bren. M-nd" 'Vkl'Platz n et 6oC * und Schluß J emem DlQr. und ber )en lchwei. 5 lebt in Dle Trup, X J Vertreter konnte die. altnis zwj. nft besteht, auern über die nach 'turzwecken Laufe der >en Seppe. ..hergestellt ur den Ort ttl Fned. iich 12000 r denen sich Am letzten hweiz nicht 'drichshafen er, die bis- tigt hatten, nachgeholt. * i der Fasch' lschwaden und Kapitän von Ferdinand ei den Leuten »urdiger und SrS ff«»» AZ E- Hilar6eg‘oie1 - 20 kleine 'N" >af S ®»“te' irt Hal- bie; us^Äe'thre « »ur« n°ch ir “f# i4 en. Qjffes, • ■tfw nd. schma' ein2in und Zeppe 'u r>eS ^Ekabin^': SÄrkstätte« in Veuerl .»luten v'^jt jahr^^an^ s-h^n h'"^ I das Frühstück einzunehmen. Kapitän v. Schiller erzählt hierbei Staatsrat Reiner, der in Vertretung des Gauleiters die Fahrt mitmachte, und Bürgermeister Linder, von dem stolzen Empfang, den „Paul" (denn so wird das Luftschiff Hindenburg" allgemein von der Besatzung genannt) in Amerika gefunden hat, und daß auch „Graf Zeppelin" von 1924 bis 1932 allein siebenmal den Nordatlantik überquert hat. Nun aber sind wir plötzlich wieder aus der „Waschküche" heraus. Kurz nach Ulm kreuzen wir zum erstenmal das schmale gerade Band der Reichsautobahn. Als wir über Stuttgart sind, brechen die ersten Sonnenstrahlen durch den grauen Himmel und versprechen für den Rest der Fahrt eine noch bessere Sicht als bisher. In Mannheim begrüßen uns drei Jagdflugzeuge, und als wir uns nun Frankfurt näherten, hatte die Sonne das graue Gewölk völlia zerteilt. Um 0.15 Uhr bereits befinden wir uns über dem Flughafen Rhein-Main. Dor der Landung aber sollte der Stadt noch ein Gruß dargebracht werden. Bestechend wirkten die neuen herrlich sauberen Siedlungen, die seit der Machtübernahme durch Adolf Hitler auch das Stadtbild Frankfurts verschönern. Und nun befinden wir uns über Frankfurt. Deutlich sehen wir, wie die Menschen aus den Häusern stürzen, wie der Verkehr in den Straßen stockt und wie man begeistert zu dem stolzen „Graf Zeppelin" hinaufjubelt. Fabriken grüßen durch lautes Sirnengeheul, in den Schulhöfen laufen die Kinder zusammen, und ihr Jubel schallt bis zu uns herauf. Großartig wirkt das Gelände der Reichs- nährstandsschau, deren gewaltige Ausmaße und Bauten man erst von hier oben aus beurteilen kann. Nach einer großen Schleife über der Stadt kehren wir zurück zum Luftschiffhafen und bereiten uns zur Landung vor. Große Autokolonnen und eine Unmenge von Zuschauern können wir von oben erkennen. In mustergültiger Ordnung stehen die Haltemannschaften, die von der SA. gestellt werden, zur Verfügung. Fast kerzensgerade senken wir uns über dem Platz. Die Landungsmanöver werden mit einer Exaktheit durchgeführt, als ob „Graf Zeppelin" schon zum 100. Mal in Frankfurt landete. G. W. M. ,0raf Zeppelin" um 20 Uhr nach Südamerika gestartet. Das Luftschiff „Graf Zeppelin" ist am Montag um 20 Uhr zum erstenmal von seinem neuen Heimathafen aus nach Südamerika gestartet. Ebenso wie die Landung am Montag früh vollzog sich der Start in kürzester Frist. In wenigen Minuten löste sich das Luftschiff vom Ankermast, machte eine Schleife über dem Flughafen und nahm dann sofort nördliche Richtung nach Holland. An Bord des Luftschiffes befinden sich 20 Passagiere. worden. Die abesstnischen Krieger hätten nur mit einigen alten Waffen und ungenügender Munition kämpfen können. Die Bevölkerung und die Truppen Abessiniens seien in Verzweifluna gestürzt worden durch die Verwendung von Giftgasen und durch eine unübersehbare Luftflotte. Die Notrufe der abessinischen Regierung hätten nicht vermocht, die aktive Zusammenarbeit der Unterzeichner des Pattes gegenüber dem Angreifer zustande zu bringen. Die italienische Regierung habe mehr als 50 Nationen herausgefordert. Das abessinische Volk sei nicht gebändigt. Der größte Teil seines Gebietes westlich von seiner Hauptstadt sei noch frei und unabhängig. Es verteidige sich weiterhin. Die widerrechtliche und gewaltsame Besetzung des anderen Teiles durch die italienische Armee anzuerkennen, lehne es ab. Die Erklärung schließt mit der Frage, ob sich der Völkerbund, der auch das Opfer des italienischen Angriffes sei, vor der Gewalt beugen werde. Paris befriedigt. Paris, 12. Mai. (DNB. Funkspr.) Nach dem ersten Tage der heiklen Genfer Beratungen stellt die Pariser Presse fest, daß zwar das Unbehagen am Tisch des Völkerbundes keineswegs verschwunden sei, daß aber der erste Tag sehr viel schlimmer hätte auslaufen können. Daß Italien sich weigert, zusammen mit einem Vertreter eines „nicht mehr bestehenden abessinischen Staates" am Ratstisch Platz zu nehmen, findet der „Figaro" nur logisch, ebenso logisch sei es aber, daß der Völkerbund Abessinien nicht als von der Landkarte verschwunden ansehen könne. Da es zwischen dieser entgegengesetzten Logik keine Verbindungsmöglichkeit gebe, hoffe man bis Mitte Juni auf den „heiligen Geist", es sei denn, daß es der neuen französischen Regierung gelingen werde, aus der Sackgasse herauszukommen. Der sozialistische „Populaire" ist über das Benehmen Italiens sehr aufgebracht. Wieder einmal habe man einen Beweis von der „unglaublichen Dreistigkeit" der italienischen Regierung erhalten. Paul-Boncour hätte erklären sollen, daß der „Lavalismus" nunmehr tot sei. „Oeuvre" will von weiteren Plänen Italiens gehört haben. So würde Italien die Absicht zugeschrieben, A l - b a n i e n mehr oder weniger verschleiert zu annektieren, in Aegypten die Wafd-Regierung gegen die Engländer zu unterstützen, die Inseln im Roten Meer und die K ü st e n zu befestigen, ein Kolonialheer aufzustellen usw. Sehr beeindruckt scheint das Blatt auch von der feindlichen Aufnahme gewesen sein, die die französischen Journalisten in den letzten Tagen in Rom gefunden haben. Die Franzosen seien in Rom noch weniger gern gesehen als die Engländer. Aus aller Wett. Massenvergiftungen in Japan und in Mailand. In der japanischen Stadt Hamamatsu erkrankten zahlreiche Personen nach dem Genuß von Kuchen, der aus Anlaß einer Schulfeier gereicht wurde, unter schweren Dergiftungserscheinungen. In der Schule wurden bis jetzt fünf Tote und 50 Schwerkranke gezählt. Außerdem wurden 600 leichtere Fälle festgestellt. Die Schule wurde sofort geschlossen. Außerhalb der Schule sind weitere 700 Vergiftungsfälle festgestellt worden. Dazu kommen noch 32 Soldaten der Garnison von Hamamatsu, die unter den gleichen Erscheinungen erkrankten. ♦ Nach dem Genuß von Maisbrei mußten in Mailand neun Personen unter schweren Vergiftungserscheinungen ins Krankenhaus eingeliefert werden. Don den Erkrankten sind bisher drei Frauen g e st o r b e n. Die Ursache der Erkrankungen soll darin zu suchen sein, daß sich in dem zum Kochen benutzten Kupfergefäh Giftstoffe gebildet hatten. Einen Hai mit den Händen gefangen. Auf der Insel Kortschula in Dalmatien hat ein Fischer einen Haifisch nach erbittertem Kampf mit den bloßen Händen gefangen und ans Land gezogen. Der 2,60 Meter lange Fisch hatte sich in eine seichte Bucht verirrt, in der ihn der Fischer bemerkte. Er holte einen Dreizack, mit dem er ihn aufspießte und ans Land zu ziehen versuchte. Der Haifisch riß sich aber los, worauf der Fischer ins Wasser sprang und ihn von rückwärts zu fassen versuchte. Nach langem Kampf gelang es dem Fischer schließlich, den Hai ans Land zu ziehen, wo er ihn mit einem Knüppel erschlug. Im Leib des Hais befanden sich 47 Junge. Der mutige Fischer erhielt eine Belohnung vom Staate. 1.2. „Hindenburg" auf der Heimreise. Glanzvolles Bankett zu Ehren der Zeppelin-Führer in Neuyork. N e u y o r k, 12. Mai. (DNB. Funkspr.) Das Luft- schiff LZ „Hindenburg" ist in Lakehurst Dienstag früh 4.27 Uhr MEZ. zum Rückflug aufqe- stiegen. Unter den 55 Passagieren waren eine 86- jährige Dame und ein 14jähriger Junge. 1751 Pfund Pqst, bestehend aus über 150 000 Briefen sowie von 2394 Pfund Eilfracht wurden verladen. Unter den Hochrufen der vieltausendköpfigen Zuschauermenge stieg LZ „Hindenburg" auf und entschwand bald am Horizont. Um 5.20 Uhr MEZ. überflog das Luftschiff bereits Neuyork. Dort standen die Menschen dicht gedrängt in den Straßen und auf den Dächern. Fast der gesamte Verkehr kam zum Stillstand. Ueberall hörte man Ausrufe des Bedauerns darüber, daß das schöne Schiff die Riesenstadt zur Nachtzeit überflog, so daß die Gelegenheit zur ausgiebigen Bewunderung nur gering war. Neuyork hat es sich nicht nehmen lassen, die Leute vom „Hindenburg" in großem Stil zu feiern. Die Deutsch-Amerikanische Handelskammer gab ein glanzvolles Bankett. Botschafter Dr. Luther, Dr. Eckener und Kapitän Lehmann wurden mit Händeklatschen begrüßt, ebenso Commander R o ■ sendahl, der Kommandant des Marineflughafens Lakehurst. In seiner Rede stellte Dr. Luther in den Vordergrund, wie stark das heute gefeierte Ereignis gefördert wurde durch die Zusammenarbeit von deutscher und amerikanischer Seite. Er gab der Hoffnung und Zuversicht Ausdruck, daß diese völkerverbindenden Anlässe sich zukünftig noch mehren mögen. Unterstaatssekretär Johnson stellte weitgehende Unterstützung der amerikanischen Regierungsstellen in Aussicht. In seiner und witziger Weise gedachte Commander Rosendahl seines Freundes Eckener. Er schloß mit dem Wunsch, einmal der Führer eines amerikanischen Luftschiffes in Friedrichshafen zu Gast sein zu können. Diese Hoffnung wurde von Dr. Eckener warm ausgenommen. Er gedachte dankbar der Förderung durch die amerikanische Marine, und dankte dem Präsidenten Roosevelt und allen beteiligten Stellen für die Ermöglichung der Landung in Lakehurst. Knapp, herzlich und bestimmt sprach auch Kapitän Lehmann. Von der Carl-Schurz-Zeppelin-Gesellschaft wurde Dr. Eckener die selten verliehene Goldene Medaille überreicht. — Präsident Roosevelt empfing Dr. Eckener und Kapitän Lehmann im Weißen Hause in Washington. Italienischer Protest gegen die Anwesenheit Abessiniens in Gens Genf, 11. Mai. (DNB.) Der Dölkerbundsrat ist Montag nachmittag zu einer nichtöffentlichen Sitzung zusammengetreten. Etwa 10 Minuten nach Beginn der Sitzung verließ Baron Aloisi den Saal, nachdem er gegen dieAnwesen- h e r t des abessinischen Vertreters Wolde Mariam am Ratstisch protestiert hatte. Die Protesterklärung Aloisis lautete folgendermaßen: „Italien kann die Anwesenheit eines sogenannten Vertreters Abessiniens nicht zulassen. Denn tatsächlich ist nichts vorhanden, was einer st a a t - lichen Organisation Abessiniens ähnlich sieht. Die einzige dort vorhandene Souveränität ist diejenige Italiens. Deshalb wäre jede Erörterung über einen italienisch-abessinischen Konflikt gegenstandslos. Ich sehe mich daher gezwungen, auf die Teilnahme daran zu verzichten." Wolde Mariam erklärte, daß Abessinien als Döl- kerbundsmitglied nicht der Angreifer, sondern das Opfer eines Angriffes sei. Es habe keine internationalen Gesetze verletzt und bleibe dem Völkerbund treu. (Eben wies darauf hin, daß es sich nur um die Festsetzung der Tagesordnung handele. Der Rat habe nur seine Entscheidung zu treffen, ob der P-mkt auf der Tagesordnung bleiben solle. Er als Ratspräsident sei der Meinung, daß die Fraae auf der Tagesordnung zu bleiben habe. Dieser Auffassung schlossen sich der spanische Vertreter und der dänische Außenminister an. Der Rat beschloß dementsprechend. Dieser förmliche Beschluß ändert jedoch nichts an dem Willen aller Beteiligten, die Aussprache zur Sache von der jetzigen a u f d i e n ä ch st e Ratstagung zu vertagen. Zu dieser Vertagung wird wahrscheinlich Frankreich die Initiative ergreifen. In der folgenden öffentlichen Ratssitzung, die von dem englischen Außenminister geleitet wurde, wurden nur einige kleinere Fragen der Tagesordnung behandelt. Aloisi berichtete über Organisationsfragen des Haager Gerichtshofes. Die Vertreter Abessiniens hatten unter den dem Rat nichtangehörenden Völkerbundsmitaliedern Platz genommen. Die Vertagung der abessinischen Frage auf Mitte Juni soll vom Rat Dienstag nachmittag beschlossen werden. Hinsichtlich der gleichfalls auf der Tagesordnung stehenden Locarnofrage wird man sich mit der Feststellung begnügen, daß die erwartete Mitteilung der Locarnomächte, die die Grundlage der Erörterung bilden soll, noch nicht eingegangen ist. Sine abessinische Erklärung. Gens, 11. Mai. (DNB.) Der abessinische Vertreter beim Völkerbund hat an den Generalsekretär mit der Bitte um die Weiterleitung an alle Mitgliederstaaten eine Erklärung gerichtet, in der er sagt, der Pakt sei zerrissen und Artikel 10 schmählich verletzt. Artikel 16 sei nicht angewandt Römisches Reich. Don unserem römischen E.-Korrespondenien, Rom, Mitte Mai. Hart und schwer, schicksalsschwer rüttelt der nächtliche Süd an Rom, er kommt vom anderen, vom afrikanischen Ufer, er bringt Staub mit, den Staub eines zerfallenen Imperiums. Aber wie er in die aufmarschierenden Fahnen und Wimpel Greift, über das Kapitol hinwegrauscht und einbricht auf die Piazza Venezia, hinter der schemenhaft beleuchtet das Kolosseum aufsteiat, wie er um die immer noch triumphierenden Säulen des Forum Romanum orgelt und in die Trompeten fährt und die Balkontüren aufreißt, daß der Duce heraustrete vor fein Volk, da ist er gesättigt mit Geschichte, da bringt er Neues mit. Die Menschen da unten, dieses rasende Meer, sie wissen nicht, wie ihnen ist. Sie ahnen, sie wissen, was kommen wird und dennoch scheinen sie voller Erwartung. Sind sie Römer, so schlägt für sie die größte Stunde ihres Lebens; find sie Fremde, so können sie sich der Gewalt des historischen Geschehens nicht minder entziehen. Das sind ja keine Kulissen mehr rinasum, diese alten Steine bluten auf wie frische Wunden, man hört die Stimme der Jahrtausende und es begibt sich, daß ein Mensch unserer Tage es unternimmt, mit einer einzigen großen Gebärde dieses Jahr, diesen Tag, diese nächtliche Stunde dort anzuknüpfen, wo unter dem Sturm der Völkerwanderung die römische Zeitrechnung abbrach. Als klaffe keine Lücke mehr zwischen dem Rom des Augustus und dem Rom Mussolinis. Das römische Reich wieder auferstanden! Imperium romanum! Pax romana! ♦ Wunder unserer Tage: Die heutige Welt, hundertmal größer als die damalige, hört die Proklamierung des Kaiserreiches mit an, vernimmt des modernen Cäsars Worte, die eines nach dem andern aufeinandergetürmt werden wie Quader. Noch ein paar Jahre und sie wird solche Ereignisse mit den Augen verfolgen können, wo immer einer sehen will, in der Einsamkeit der niedergerungenen Berg- riesen, im Luftsckiff über dem großen Ozean, vor dem häuslichen Kamin. Was man auch sagen und beklagen mag: es ist überwältigende Größe in unserer Zeit. Es war die kürzeste Rede, die Mussolini jemals gehalten hat, es war aber die inhaltreicbste. „Mit feinem Blute fjat das italienische Volk das Reich geschaffen — hoch die Adler, hoch Schwerter und Herzen, um sein Wiedererscheinen nach fünfzehn Jahrhunderten auf den Schicksalshügeln der ewigen Roma zu begrüßen!" Und darauf die überraschende Fragewendung: „Wollt ihr euch dessen würdig erweisen?" Ein einziger Aufschrei: Ja! „Dieser Schrei gelte als heiliger Schwur, der euch vor Gott und den Menschen auf Leben und Tod verpflichtet!" Es lebe der Kaiser! Und die Wogen wälze?, sich hinauf z u m Q u i r t • nal, wo Viktor Emanuel hinaustritt auf den Balkon der Päpste. Das Rom der Päpste ist vorbei. Vorbei Tribunen und Parteien. Scipio Afrikanus steht näher als Rienzi. Kein Zufall, diese Auswahl der Augenzeugen: Neben dem Duce die Botschafter Deutschlands, Japans und Brasiliens, die Gesandten Oesterreichs und Ungarns, der Geschäftsträger Albaniens. Zwischen den Militärattaches pudern die Reiteroffiziere Deutschlands und Oesterreichs. Mussolini ist wie ein leuchtendes Schwert, als er ihre Glückwünsche entgegennimmt. Ader auch kein Zufall, daß er unmittelbar nach der Sitzung des Großen Rates G r a n d i empfängt, seinen Botschafter in London. Das heißt: Es soll Friede sein! Wird die Verblenduna in Genf so weit gehen, mit juristischem Getue auflösen zu wollen, was Blut und Eisen zusammengeschweißt? Um die Mitternacht mußte es jedem vernünftigen Menschen klar sein, daß es für Rom keinZurück mehr geben kann. ♦ So mächtig scheint die Wirklichkeit, die reale Stärke der Tatsachen, daß selbst die Geschichtsschreiber in Verlegenheit kommen könnten. Es gibt da historische Unklarheiten, die erst die Zeit ausgleichen kann. Man spricht von dem kaiserlichen, dem imperialen Italien, nennt aber den Herrscher Re Im- peratore. König von Italien und Kaiser von Aethio- pien, wie der englische nur Kaiser von Indien ist. Ist das aber bann bie natürliche Fortsetzung bes römischen Kaisertums? Wichtiger noch: Was soll mit Mussolini werben? Ihm würbe der höchste Militärorben verliehen Mehr Tabak durch veiftärktes Format! 'V X für die siegreiche Durchführung eines Krieges, den er erdacht, gewollt und geleitet habe. Niemand redet heute mehr von einer Strafexpedition oder einer Sicherung der afrikanischen Kolonien Eritrea und Somaliland deretwegen die abessinische Bedrohung abgewehrt werden mußte. Nein, es wird offen zugegeben, daß Italien seinen Platz an der Sonne haben wollte und nun hat. Aber könnte ein noch so hoher Orden jemals eine derartige Leistung richtig belohnen? Schon als Ministerpräsident war Mussolini dank des Annunziatenordens „Vetter des Königs", was also müßte er nun werden, als Duce, als Reichsgründer, als Eroberer des Reiches Salomos und des Löwen von Juda? Alles, was Italien geworden ist, hat sein eiserner Wille geschaffen, er allein vollbrachte den unsagbaren Gegensatz, den jeder gewahr wird, der die heutige Zeit mit derjenigen C r i s p i s vergleicht. Beim ersten Krieg werde der Faschismus zusammenbrechen, hat es überall geheißen, wie vorher schon die Währung. Keines von beiden ist eingetroffen. Mussolini hat sogar das alte Wort, daß man zum Kriegführen dreierlei brauche, Geld, Geld und noch einmal Geld, Lügen gestraft. Er steht über Cäsar, denn er hat keine Feinde im Senat. Das Volk ist insofern nicht ganz zufrieden, als es sich keine Ehrung weiß, die dem Verdienst des Duce würdig genug wäre Und Mussolini selbst? Er spricht nicht von sich, er schüttet allen Lorbeer auf seine Legionen. Gewiß, Rom wird einen Triumphzug Haven, aber die Urbs gewährt ihn nicht wie seinerzeit dem siegreichen Feldherrn, sondern der Feldherr überläßt ihn denen, die gesiegt haben mit Schwert und Spaten. Es war ein Krieg des Volkes, der Bürger und Bauern und Arbeiter. So warten wir auf die Heimkehr derer, die auszogen mit (Schaufel und Gewehr. Sie werden die Zweitausend-Jahrfeier der ewigen Stadt eröffnen, Soldaten und Arbeiter werden Schulter an Schulter marschieren durch die antiken Triumphbögen, Römer Mussolinis. Das ist der Sinn der augusteischen Pax Romana, der mussolinischen: Das Schwert verwandelt sich in die Pflugschar, Traktoren folgen den Geschützen, moderne Straßen überwinden die Regenzeit. Untergegangen ist nur, was äußerlich und barbarisch war am Reiche des Negus, Rom nrr bürgt sich für den Fortschritt. Darüber hinaus aber steht allerdings die neue Tatsache fest: Italien geht von der Binnenpolitik zur WeltpoliUk über, es ist als Kolonialreich eine Weltmacht geworden. Kunst und Wissenschaft Ottovon-Guericke-Gedenkfeier in Magdeburg. Aus Anlaß des 250. Todestages Otto o. Guerickes legte der Oberbürgermeister der Stadt Magdeburg, Dr. M a r k m a n n , einen Kranz am Denkmal Guerickes nieder. In der Stadthalle fand eine Gedenkfeier statt. „Wenn wir heute Otto von Guerickes gedenken, so führte Dr Markmann aus, so geschieht es, um einen Mann zu ehren, der in einer Zeit der tiefsten Erniedrigung des deutschen Volkes der deutschen Wissenschaft Weltgeltung erkämpfte Der Name des Bürgermeisters Guericke ist unlösbar mit der Geschichte der Stadt Magdeburg verbunden. Um sein Andenken lebendig zu erhalten, habe ich mich entschlossen, eine Plakette zu stiften, die, von der Meisterhand Professor Bosse- l i 5 aeschaffen, an Persönlichkeiten verliehen werden ' soll, die sich um das Gemeinwohl oder um Wirtschaft, Wissenschaft oder Technik hervorragend verdient gemacht haben. Ich habe die Ehre, um Annahme dieser Plakette zu bitten den Herrn Reichs- und preußischen Verkehrsminister Freiherrn v. Eltz-Rübenach, den Herrn Generalinspektor für das deutsche Straßenwesen, Dr. Todt, und meinen Gauleiter Staatsrat Eggeling." — Die Vaterländische Ouvertüre von Max Reger leitete über zu der Gedenkrede von Professor Dr.- Jng. e. h. Dr phil. h. c. C M a t s ch o ß über „Otto von Guericke als Forscher und Ingenieur". Spanische Kommunisten greifen ein Kloster an. < > M H VX//A *w- sw '* HWr •' X v. 11 j. k Dieses Bild zeigt Kommunisten, die an der Hausfront einer Klosterschule emporklettern, um in das Gebäude einzudringen, während berittene Polizei bereits einschreitet. In manchen Fällen kam die Polizei jedoch zu spät, und die lodernden Flammen schlugen schon aus den Dächern der Klöster und Kirchen. — (Deutsche-Presse-Photo-Zentrale-M.) Alltägliches aus Moskau. Trotz schärfster Briefzensur haben einige Briefe einer Jngenieursgattin aus Moskau ihren Weg ins Ausland gefunden, Briefe, deren Schilderungen im krassesten Gegensatz zu denen stehen, die man in Pariser Zeitungen über das Sowjetparadies liest. Die Benutzung der neuen Moskauer Untergrundbahn, die mit riesigem Kostenaufwand gebaut und mit großem Luxus ausgestattet wurde, ist dem Volk versagt, denn sie kostet das Dreifache der Fahrt mit der Straßenbahn. Aber wie sehen die Bahnhöfe in der Untergrundbahn schon aus! Sie sind selbst für russische Begriffe sehr verschmutzt. Vielfach sind die Marmorplatten schon beschädigt, von den Wänden rieselt das Wasser herab, die Tunnels sind nicht genug abgedichtet. Und überall sieht man Handwerker beschäftigt, denn die Bahn wurde so eilig hergestellt, daß schon jetzt beständig Reparaturen an ihr ausgeführt werden müssen. Moskau hat gewaltige Warenhäuser, und die Jngenieursgattin benötigt schwarzes Nähgarn, also einen Artikel, nach dem beständig Nachfrage herrscht. Aber siehe da, die Verkäuferin erklärte, Nähgarn sei a u s v e r k a u f t, es gäbe in ganz Moskau keines. So kaufte die Kundin schließlich dünnen roten Bindfaden und ein Fläschchen schwarze Tinte, um damit den Bindfaden schwarz zu färben. In einem anderen großen Kaufhaus will sie einen Kochtopf erstehen. Zwar sieht sie große Stapeln von Topfdeckeln aller Größen und Arten, aber Töpfe kann sie nicht entdecken. Der Verkäufer gibt dazu die Erklärung. Die Kochtöpfe seien von der Fabrik versehentlich wohl nach einer anderen Stadt gegangen, und es werde zur Zeit nachgeforscht, nach welcher. Es könne daher noch eine Weile dauern, bis sie ankämen. In einem Lande, in dem vor dem Kriege Heizmaterial in jeder Menge zu den niedrigsten Preisen zu haben war, ist es heute eine Äoft» barkeit, die sich die meisten versagen müssen. Zentralheizungen dürfen nur mit obrigkeitlicher Genehmigung in Gang gebracht werden und dann kann oft wegen Kohlenmangel wochenlang nicht geheizt werden. Es ist daher kein Wunder, daß bei den sehr unhygienischen Wohnungsverhältnissen Krankheiten an der Tagesordnung sind und die Grippe furchtbar wütet Eine Freundin der Jngenieursgattin betrat eines Tages den Laden eines Grammophongeschäftes, um sich einige Platten zu erstehen, aber es waren keine vorrätig Dafür war der Laden mit kleinen leichten Grammophonkoffern angefüllt! In Rußland und auch in Moskau gibt es große Fabriken, die Glühbirnen Herstellen, aber i n keinem Geschäft konnte die Jngenieursfrau eine erstehen Das hängt wieder mit den Devisen zusammen, denn Sowjetrußland führt nach den Randstaaten Glühbirnen in großen Mengen aus, was ihm weit wichtiger ist als die Versorgung des eigenen Marktes. Dagegen gibt es elektrische Kochtöpfe in Massen, aber die Verkäufer wissen nicht, ob sie für den Moskauer Strom passen. Fleisch gibt es nur pfundweise, wobei die Knochen mitberechnet werden, Einwickelpapier muß man selbst mitbringen. Kartoffeln aber kauft man im Sowjetparadies stückweise. Und was käuflich zu haben ist, ist sehr teuer Oie Narrenkappe. Der Zeuge. „Es war also eine Helle Nacht?" jawohl, Herr Vorsitzender." „Wie weit konnten Sie denn sehen?" „Diele Kilometer weit." „Sie wollen also unter Ihrem Eid behaupten, daß Sie viele Kilometer weit in der Nacht vom 16. bis zum 17. Dezember sehen konnten?" „Jawohl, Herr Vorsitzender." „Wieoiele Kilometer weit glauben Sie denn ungefähr gesehen zu haben?" „Das kann ich nicht sagen. Aber sehr viele. „Erst behaupten Sie, viele Kilometer roeit gesehen zu haben und dann können Sie nicht einmal angeben, wieoiele Kilometer ungefähr das wohl waren?" „Ja, doch." „Wieso ja doch? Haben Sie einen Anhaltspunkt für Ihre Behauptung hinsichtlich der Kilometer- zahl?" „Jawohl, Herr Vorsitzender. „Welchen denn?" , „Den M o n d." Puck. Sachverständiges Urteil. Eine junge französische Schauspielerin erlitt kürzlich einen recht schweren Autounfall, bei dem sie große Schnittwunden davontrug. Man brachte sie in ein nahegelegenes Krankenhaus, wo der diensttuende Arzt sich sofort daran machte, die breitklaffenden Wunden zu nähen. Obwohl die Schauspielerin durch den Schock schwer mitgenommen war und viel Blut verloren hatte, ließ sie sich nicht narkotisieren und wurde auch nicht ohnmächtig, sondern folgte mit gespanntester Aufmerksamkeit der Arbeit des geschickten Arztes. Mit einmal hörten die Umstehenden sie im Tone des höchsten Erstaunens murmeln: „Großartig! Ich wußte gar nicht, daß die Männer so gut nähen können .." Wetterbericht des Reichswetterdienstes. Ausgabeork Frankfurt. Durch ein im Osten liegendes Tiefdruckgebiet wird eine feuchte und verhältnismäßig kühle Luftmasse nach Deutschland verfrachtet. In ihrem Bereich herrscht dunstiges und überwiegend bewölktes Wetter vor, das strichweise Anlaß zu Regen, vereinzelt sogar zu Gewittern gibt. Wenn auch die Großwetterlage sich erneut in einer Umgestaltung befindet, so ist doch eine rasche und durchgreifende Aenderung der bereits zur Zeit bestehenden Witterungsverhältnisse nicht wahrscheinlich. Aussichten für Mittwoch: Vielfach dunstiges, sonst zeitweilig aufheiterndes Wetter, vereinzelte, teilweise aber auch gewitterige Regenfälle, mäßig warm, Winde um Nord. AussichtenfürDonnerstag: Einzelheiten noch nicht absehbar, doch im wesentlichen noch Fortdauer des nicht unfreundlichen, aber unbeständigen Witterungscharakters. Lufttemperaturen am 11. Mai: mittags 18,7 Grad Celsius, abends 13,4 Grad; am 12. Mai: morgens 11,3 Grad. Maximum 19,2 Grad, Minimum heute nacht 8,9 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 11. Mai: abends 17,8 Grad; am 12. Mai: morgens 14,3 Grad. — Sonnenscheindauer 2,2 Stunden. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. IV. 36: 10 000. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. Gut möbl., groß.ITücht.,erfahreneI u Zimmer Gasthofs - Köchin - wie unschön — werden schnell Mittwoch-Fischtag Marktstr. 23 3or7A Teleph. 2417 und zum Bauen vreisw. zu oerm. Alicenstrasie 36. Nacht durch beseitigt. 1.60, 3.00, 3.50. Jetzt auch B. extra verstärkt in Tuben RM 1.95. Gegen Pickel, Mitesser Venus Stärke A. Ärztlich empfohlen. Drogerie Winterhoff, Kreuzpl.9/10 MorgenmädcheD gesucht. 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Johannes R i e - seelischer Natur, aber sie werden hier nur gerade angedeutet oder gestreift oder übersprungen, und so bleibt der Film, der wohl auch gar nicht mehr debatten einlassen darf, insbesondere, wenn das Honorar schon entrichtet ist. Die Familie Brömeisl betrachtet lange noch die Bilder. Jedes Mitglied hat eine Karte in der Hand und hält sie bald nah, bald weit weg. Die Kellnerin bestätigt freundlich und anteilnehmend die Identität von Modell und Bild, und sagt zum Lob des Schattenschneiders: . Neuli hat er an Hindenburg und an Schiller und an Zeppelin dabei g'habt. Täuschend!" Am ersten trennt sich Vater Brömeisl von seinem Konterfei. Er steckt es in die Brieftasche und sagt: „No ja, um a Mark!... I kunnt so was net und wenn s' mi derschiassat'n! — Des san halt Talente. Der oa hat's und der andere net .. Mutter und Tochter greifen im Laufe des Abends immer wieder nach den Karten und vergleichen. Bis Brömeisl grantig wird, weil er gar keine Ansprüche mehr hat. „Jetzt teat's amal den damisch'n Kopf weg, sag i, und schaugt's mi net alleweil so o, wia wann i aussätzig waar..." Da verschwinden die Karten und Mami überprüft den Bappi nur mehr ganz heimlich. Sie ist sehr stolz auf ihn. Ein markantes Profil, hat der Herr gesagt. Sie kennt es jetzt dreißig Jahre. Sie kann es bestätigen. Weiter günstige Entwicklung des Arbeitseinsatzes im April 1936 Ganzeisenschiff war die „Victoria", die 1839 vollständig in England gebaut wurde. Sie war das schönste und schnellste Schiff der 40er Jahre auf dem Rhein; die Königin Victoria von England machte mit ihr ihre Hochzeitsreise auf dem Rhein. Für die Fahrt von Mainz nach Düsseldorf benötigten die ersten Schiffe fast 24 Stunden; mit den besseren Schiffskörpern und Maschinen verbesserten sich auch die Fahrzeiten. 1853 konnte der „Hohenzoller", „Schnelläufer" genannt, die Strecke Köln—Mainz in knapp 12 Stunden bewältigen. Der starke Wettbewerb mit der Kölner Gesellschaft wirkte sich natürlich hauptsächlich in den Fahrpreisen aus. Es gab damals vier Klassen: Pavillon, Große Kajüte (Salon), Vorkajüte, Matrosenraum. 1836 zahlte man zum Beispiel für die Fahrt von Köln nach Mainz in der Großen Kajüte (Salon) 7 Taler (= 21 Mark), 1840 noch 4 Taler 8 Sil- bergroschen (= 12,80 Mark) und 1853 noch 3 Taler (= 9 Mark). Jede der beiden Gesellschaften wollte vor allem die andere an Schnelligkeit übertreffen. Der Wetteifer der Kapitäne führte nicht selten zu aufregenden Wettfahrten, die auch gele- aeben wollte, eine anaenehm zu erlebende Unterhaltung mit gutem T/z 7* ' mann, als Schauspieler bekannt, führt Regie und hat die Geschichte anfangs mit lustspielhaft-realisti- scher Breite, gegen Ende hin mit sportlicher Kon- ^ntration und kräftiger Spannung in Szene gesetzt. Unter den Darstellern ist an erster Stelle George zu nennen, obschon er nicht geradezu die Hauptrolle hat; er gibt den Vater des Mädchens, einen mächtig hochgekommenen Bäckermeister, der ganz klein angefangen und es im Laufe der Jahre geschafft hat, mit der ganzen (nicht etwa nur körperlichen) Fülle und Reife des überlegenen Menschengestalters. Um seinetwillen vor allem lohnt es sich, den Film zu sehen. Auch Viktor de Koma, der den jungen Mann gibt, ist gut; er hat sich rechtschaffen in die kleine Umwelt hineinversetzt. Edna Grey ff, ein neuer Name, als Iris; man wird mehr von ihr sehen müssen, ehe man über den Umfang ihrer Begabung urteilen kann. Zwei hübsche Chargen liefern Dienert und Henckels; vom übrigen Ensemble die Sandrock und die Nikolajewa. — Produktion: Bavaria-Film AG. B-erlin, 11. Mai. (DNB.) Nach dem Bericht der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung setzte sich die frühjahrsmäßige Belebung des Arbeitseinsatzes, die im März zu der außerordentlich starken Abnahme der Arbeitslosigkeit geführt hatte, im April weiter durch. Die Zahl der Arbeitslosen ging um rund 174 000 zurück, so daß am Monatsschluß noch 1 763 074 Arbeitslose vorhanden waren. Damit ist die winterliche Arbeitslosenzunahme fast wieder ausgeglichen und der g ü n st i g st e Stand der Arbeitslosigkeit des Sommers 1935, der bei 1 706 000 Arbeitslosen im August lag, fast wieder erreicht worden. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit verteilt sich fast gleichmäßig auf die Außenberufe (Abnahme: 94 070) und die übrigen mehr konjunkturabhängigen Berufe (Abnahme: 79 976). In den Außenberufen hemmten in manchen Bezirken die ungünstige Witterung und einige Witterungskatastrophen, die zu vorübergehenden Einschränkungen der Außenarbeiten zwangen, den Arbeitseinsatz. Trotzdem ist die Aufnahmefähigkeit für Arbeitskräfte größer gewesen als dies in den Zahlen über den Rückgang der Arbeitslosigkeit zum Ausdruck kommt, da für die 53 000 Notstandsarbeiter, die im Zuge der planmäßigen Einschränkung der Notstandsarbeiten zur Entlassung gekommen sind, ebenfalls Arbeitsplätze in der freien Wirtschaft und hier überwiegend bei den Außenberufen besetzt worden sind. Wie alljährlich brachte der April die Eingliederung der Jugendlichen m das Wirtschaftsleben Ein zahlenmäßig starker Jahrgang stand dieses Jahr für den Eintritt in das Wirtschaftsleben zur Verfügung. Wenn auch der Hochschulnachrichten. Professor Dr. Otto de B o o r, Ordinarius für römisches und deutsches bürgerliches Recht an der Universität Marburg, wurde in gleicher Eigenschaft an die Universität Leipzig berufen. Professor Dr. Adolf Spamer, Extraordinarius für Deutsche Sprachwissenschaft und Volkskunde an der Technischen Hochschule Dresden, ist zum ordentlichen Professor an der Universität Berlin ernannt worden. Prof. Spamer, der früher in Frankfurt wirkte, hat sich durch seine Arbeiten über die deutsche Mystik und vor allem durch eine groß angelegte Darstellung der deutschen Volkskunde einen Namen gemacht. Professor Dr. Karl Boehm, Ordinarius für Mathematik an der Technischen Hochschule Karlsruhe, wurde auf Grund von § 4 des Gesetzes vom 21. Januar 1935 von den amtlichen Verpflichtungen entbunden. Dampfschiffahrtsgesellschaft", eng zusammenarbeitete, verstärkt war. Unter den Gründern ragen hervor: der Präsident der Düsseldorfer Handelskammer Gerhard Baum, der Elberfelder Kommerzienrat Johann Adolf von Carnap, 1. Präsident des Verwaltungsrates, und Kommerzienrat Carl Lucke- meyer, aus Düsseldorf, 1. Direktor der Gesellschaft. Namen aus Mainz sind: Johann Kerteil, Vallentin Neuß, G. D a e l, Johann Jakob D'Avis, Franz Josef Probst. Probst richtete zur Belieferung der Schiffswirtschaften das eigene Weingeschäft der Gesellschaft in Mainz ein, das nach seinem Tode von seinem Sohn Franz Anton Probst weiter besorgt wurde. Beteiligt an der Gründung war ferner der Herzog von Nassau, sowie eine englische Schifffahrtsgesellschaft, die den Anschlußdienst vom Rhein nach London betrieb. Die Beteiligung der Mainzer, die sich sehr lebhaft der neuen Gründung annahmen, führte zu dem Plan, den Betrieb auch auf den Mittelrhein auszudehnen; durch sie ist eigentlich auch der Name in der endgültigen Form festgelegt worden. Dieser Mittelrheinverkehr wurde größte Teil dieser Jugendlichen u n t e r gebracht werden konnte, so ließ es sich doch nicht vermeiden, daß eine Anzahl bei den Arbeitsämtern als arbeitssuchend vorgemerkt blieb und, soweit eine sofortige Vermitttlung in Arbeit nicht möglich war, am Monatsende als arbeitslos mitgezählt wurde. Rückwirkungen auf den Arbeitseinsatz waren daher im Hinblick auf die erhebliche Zahl neuer Bewerber nicht zu vermeiden. Trotzdem liegt die diesjährige Arbeitslofenziffer um fast 500 000 unter dem Vorjahres st and bei einer um 150 000 niedrigeren Notstandarbeiterziffer, die eigentlich zu den durch die Arbeitsämter untergebrachfen 500 000 zuzurechnen ist. Oie Silhouette. Don Julius Kreis. Wenn Herr Alois Brömeisl mit den Seinen — etwa am Samstagabend — ausgeht, so führt er sie nicht in die gemütliche Gaststube, wo er sonst seine Lebensabende verbringt. Das ist ein Wirtshaus alten Zuschnitts mit niederem Plafond und verräucherten Tarockecken und einem grungeschurzten Wirt. . Dahin wollen Brömeisls Damen nicht hmg^en. Es ist ihnen rund heraus gesagt — zu g schert. Brömeisl und die Seinen — Frau und Tochter — gehen an solchen Abenden nicht in em Wirtshaus sondern in ein Lokal. Damit a Ruah is. Brömeisl hat gegen Lokale eine Abneigung. Aber er ist Familienvater und Kavalier genug, um einmal in der Woche drei Stunden lang Rücksicht zu nehmen. Im Lokal trinkt Vater Brömeisl das Helle, das ihm nicht besonders schmeckt, und hat am Nieren- braten, den er mißtrauisch mit dem Messerrücken beklopft, allerhand auszusetzen. Und für die Damen zwoa Schoppen Pfälzer! Von Tisch zu Tisch geht der Silhouettenschneider und weist seine Werke vor. Einen Fächer schwarzer Drofile auf weißem Grund. Auch an Brömeisls Tisch läßt er seine Schattenrisse spielen und sagt: vielleicht der Herr, Porträt gefällig ... oder die Fraulein Tächter ... sofort ... lebenswahr, meine Herrschaften ... garantiert ähnlich .. Die Fräulein Tächter. Damit hat er bei Mama Brömeisl die starre Desinteressiertheit in em oer- lobt das markante Profil des Vater Brömeisl. Der ist aus hartem Holz geschnitzt, aber der wortlosen Ablehnung macht eine Entgegnung Platz: han selber gnua Buidl bahoam rumsteh' ...da wern S koa Gluck Ham. Der Künstler sieht hoffnungsvoller m dw Zukunft. Er wendet sich an Mama Brömeif und sagt, wie schade es ist, wenn so ein markantes Profil nicht im Bild feftgehalten wird ... Em selten guter Kopf! — Da kommt es den beiden Damen Brömeisl auch zu Bewußtsein, was für einen selten guten Kopf ihr Bappi hat, und sie sind über diese iahe Erkenntnis beglückt. Die Tochter, die beim Vater viel durchsetzt,'sagt: „Geh, Bappi, laß di halt macha! Und auch Mama Brömeisl meint: „Is dochi a nette Erinnerung! Was kost's denn? Drei Stuck ü 5JlQrtl?w Der Vater Brömeisl sagt, fein Kopf stünde der Lnsallverhittuna hn Sau werbe Dr. Ley spricht aus dem Reichsbetriebsappell des Baugewerbes. Heilbronn, 11. Mai. (DNB.) An einer der landschaftlich schönsten und bautechnisch interessantesten Stelle der Reichsautobahn Stuttgart— Heilbronn fand der Reichsbetriebsappell der Reichsbetriebsgemeinschaft 4 Bau als Beginn einer vierwöchigen A k t i o n z u r Unfallverhütung statt. Kurz vor 16 Uhr verkündeten die Pfeifen der geschmückten Baulokomotiven die Ankunft des Reichsorganifationsleiters Dr. Ley. Beim Abschreiten der Front drängten sich die Arbeiter vor, um Dr. Ley die Hand drücken zu dürfen. Böllerschüsse kündeten die Eröffnung des Appells an. Der Leiter der Reichsbetriebsgemein- Familie jederzeit zum Anschauen zur Verfügung, ohne Gebühr und Abgabe. Dieser sein Witz löst bei allen am Tisch herzliches Gelächter aus, und damit ist das Eis um Brömeisls markantes Herz und Profil geschmolzen. Er geniert sich freilich sehr, jetzt sozusagen „auf dem Brettl" sitzen zu müssen. Aber auch das schluckt er. Mit dem Bartbürstel glättet er seine Mannes- zier, die Mami rückt ihm, über den Tisch weg, die Kravatte zurecht, die Tochter sieht mit glänzenden Augen auf die Vorbereitungen. Brömeisls Haupt wird vom Schattenrißler mit zwei delikaten, sanften Fingern ins Profil gerückt, zum Licht gehoben, dann sitzt es so fest, ehern und unbeugsam wie beim „Stillaeftanden!" Der Künstler steht, ein gesammelter und gespannter Linienjäger, vor seinem Modell, sprungbereit, und die kleine Schere windet sich blitzschnell durch den schwarzen Bogen. Die Augen der Damen wandern unablässig vom Bappi zum Schattenrißler, vom Schattenrißler zum Bappi, und die ganze Familie verbraucht ein Minimum von Atmung. Die Asche von Bappis Zigarre will fallen. Mit unendlicher Obhut schiebt die Mami einen Teller darunter. f Brömeisls Antlitz ist in die Ferne gerichtet, ziellos, aber unverrückbar, steinern wie em Bild ohne Gnade. Als er schlucken will, bewerkstelligt er dies mit aller Vorsicht. Wie ein heimlicher Sünder bewegt sich der Adamsapfel am Hals. Man ist ganz dem Werk hingegeben. Brömeisl kommt sich wie em Seiltänzer vor. Fertig! Drei Köpfe neigen sich über den schwarzen Riß. Mami hält das Kärtchen verkehrt und kennt sich nicht recht aus. Der Künstler berichtigt Pause Das Neuartige des Schattenbilds verblüfft die Familie zunächst. Schüchtern und vorsichtig schielen die Damen auf Bappis Profil und vergleichen Da geht ihnen die Erkenntnis auf. „Ja wirkli! Täuschend! Ja, des is er!" Im letzten Winkel des Herzens sind sie doch nicht aanz zufrieden. Aber schließlich: „Das Schwarze macht's halt aus! Vater Brömeisl zündet, wieder dem Leben geschenkt, eine Virginia an und sagt: „I kann s ja net beurteil'n. Werd scho so sei! Halt ma gar net denkt, daß i an solchen Zink n hab! „Den hast!" sagt bestimmt die Mami, aber sie findet die Stirn zu niedrig. Und die Tochter hätte gern den Bart weniger buschig. Der Künstler kassiert sein Mark! und empfiehlt sich mit vollendeter Höflichkeit. Er weiß, daß man sich mit zahlenden Modellen nie in Aehnlichketts- Gloria Palast: „0ie große unö die kleine Meli." Wenn ein junger Berliner Taxichauffeur sich eines Tages in die Tochter eines schwerreichen Fabrikanten verliebt, und die liebt ihn auch, und sie heiraten sich sogar — allen Widerständen und Schwierigkeiten zum Trotz, dann sieht man, daß sich zwischen der großen und der kleinen Welt auf eine freundliche und menschlich erfreuliche Weise Brücken schlagen lassen. Aber so einfach geht das auch nicht, und das happy end will sauer verdient sein. Denn wenn auch das Mädchen in seiner Liebe leicht in die „kleine Welt" hinüberfindet und sich dort tapfer behauptet, so bemerkt auf einmal der Mann, wie klein seine Welt eigentlich ist und will sich nun seinerseits den Zugang in die andere, die große erkämpfen. Das gelingt ihm sogar, aber batet gehen beinah das Glück und die Ehe in Scherben. In dem Roman von Hugo Maria K r i tz, der die Vorlage zum Manuskript lieferte — Dr. Fritz Rau, M. Rau, Johannes Riemann —, geht es ein wenig anders zu; man merkt natürlich, wie fast immer, die Umformung. An sich enthält der Stoff durchaus ernsthafte und handfeste Probleme sozialer und Im Beiprogramm: die Wochenschau mit dem Bericht vorn Nationalfeiertag; ein lehrreicher Kulturfilm „Fische unserer Heimat"; je ein Vorspann („Der Kurier des Zaren" und „Die Liebe des Maharadscha"). — r — Em Jahr deutsche Gemeindeordnung. Berlin, 11. Mai. (DNB.) Der Reichs- und Preußische Minister des Innern, Dr. Frick, eröffnete in der Universität eine Verwaltungswissen- schaftliche Woche für Kommunalbeamte. Die Gemeindeordnung lege die Verwaltung der Gemeinden im weitesten Sinne des Wortes und die volle Verantwortung für ihre Geschicke in d i e Hand des Bürgermeisters. Es sei also zunächst darauf angekommen, für diese Aufgabe in den Gemeinden d i e geeigneten Führerperfönlichkei- ten zu finden und die Gemeinderäte als die ehrenamtliche Mitwirkung der Gemeindebürger fo ein- zusetzen, daß sie ihrer Aufgabe, die dauernde Fühlung der Verwaltung mit allen Schichten der Bevölkerung zu wahren, auch wirklich gerecht werden konnten. Er könne feftfteüen, daß das in der Deutschen Gemeindeordnung gefundene Auslefeverfahren sich bewährt habe und dem früheren parlamentarischen Kuhhandel turmhoch überlegen sei. Zur Zusammenarbeit zwischen Bürgermeister und Gemeinderäten erklärte der Minister, daß Führer- tum im nationalsozialistischen Sinne nicht unbeschränkte Herrschaft des Bürgermeisters oder der Bürokratie bedeute. Eine wahre Führung der Gemeinde bestehe nur solange, als eine Gemeinschaft zwischen Führer und Gefolgschaft und ein steter Austausch zwischen beiden vorhanden sei. In der Gemeindeordnung sei auch fräs Verhältnis der Gemeinden zum Staat auf völlig neue Grundlagen gestellt. Die Neuregelung der Staatsaufsicht habe sich bewährt und werde auch in Zukunft Bestand haben. Das große Aktivum der Neuregelung des Gemeindeverfassungsrechtes liege darin, daß die Aufsicht sich nicht mehr mit den oft unverantwortlichen Beschlüssen unverantwortlicher Vertretungskörperschaften auseinanderzusetzen habe, sondern daß allein der Bürgermeister an der Spitze frer Verwaltung jeder Gemeinde für fein Tun und Lassen verantwortlich sei. Eine fruchtbare Gemeindeverwaltung sei unter allen Umständen durch eine geordnete Finanzwirtschaft bedingt. Die Sicherung einer solchen Finanzwirtschaft setze feste Normen voraus. Auf diesem Gebiete würden in der nächsten Zeit Durchführungsvorschriften erlassen werden. Ein Problem von säkularer Tragweite sei die Neugliederung der Gemeinden. Als sichtbaren Erfolg führte der Redner hier die Umstellung der Amtsordnung in den beiden Westpro- vinzen Preußens auf die Grundlagen der Deutschen Gemeindeordnung und die organische Eingemeindungspolitik an, die sich in der Beseitigung einer Reihe sehr kleiner und leistungsschwacher Gemeinden zeigte. Als letzten Punkt behandelte Dr. Frick die Einheit der örtlichen Verwaltung. „Was nutzen uns die besten Verfassungs- und Verwaltungsformen in den Gemeinden", so sagte der Redner u. a., „wenn wir ihnen nicht einen Aufgabenbereich sichern und erhalten können, der sie zu dem macht, was sie nach dem Willen der Deutschen Gemeindeordnung sein sollen, die umfassende und volksnächste Stufe der Verwaltung in all ihren Beziehungen? Unsere Verwaltung ist des Volkes w'egen da, und sie wird ihren Aufgaben nur gerecht werden können, wenn sie fo volksnah wie irgend möglich ist." Die Gemeinde fei die große Ausgleichs st eile, die, dem Vertrauen der Bürgerschaft am nächsten stehend, den notwendigen Ausgleich vollziehe und damit die Einheit der Verwaltung auch dem letzten Bürger gegenüber sicherstelle. schäft Bau, Harpe, meldete, daß in 85 000 Baustellen von 55 000 Betrieben 1235 300 Gefolgschaftsmitglieder angetreten sind, um die Parole Dr. Leys entgegenzunehmen. Dr. Ley gab die Parole Unfallverhütung aus, und erklärte u. a.: Arbeiter und Unternehmer, ihr müßt begreifen, daß eure Gesundheit, euer Körper nicht euch allein gehört, sondern Deutschland. Der Unternehmer muß sich als wahrer Wirtschaftsführer fühlen. Es liegt besonders an ihm, die Unfälle auf feiner Baustelle zu verhüten. Er muß immer wieder die gesamte Belegschaft darauf Hinweisen, daß Deutschland auf keinen verzichten kann. Das große Gebiet der Sozialversicherung muß zum mindesten reformiert, wenn nicht gar revolutioniert werden. Wir alle wissen daß Gesetze, die vor 50 und 60 Jahren gemacht worden sind, unmöglich heute mehr in allem Gültigkeit haben können. Wir wissen, daß man diese Gesetze heute erneuern muß und nach den Gesichtspunkten unseres neuen Deutschlands umbilben und u m f o r m e n muß. So fangen wir bei der Un- fallversicherung an. Sie braucht die geringste Umbildung. Aber wir wollen zeigen, welchen Weg wir bei der Sozialversicherung gehen müssen. Es ist das ein großes Erziehungswerk, an dem alle mithelfen müssen. Der Leiter der Wirtschaftsgruppe Bauindustrie Dr. Bögler dankte Dr. Ley. Mit dem Deutschland- und Horst-Wessel-Lied war der Appell beendet Hundert Jahre Düsseldorfer Dampfer. Aus der Geschichte der „Köln Düsseldorfer Iiheindampfschiffahrt". Arn 13. Mai 1836 gründeten führende Männer1 aus den Handelskammern Düsseldorf, Elberfeld- Barmen, Mainz, Koblenz und Kaufleute aus anderen Rheinstädten in Düsseldorf die „Dampf- schiffahrtsgesellschaft für den Nieder- und Mittelrhein". Das Ziel dieser Gründung war die Beseitigung der alten Vormachtstellung Kölns in der Rheinfchiffahrt, die durch die Gründung der „Preußisch-Rheinischen Dampf- schiffahrts-Gesellschaft" in Köln im Jahre 1826 und durch die gute Entwicklung des neuen Kölner Dampfschiffverkehrs, der mit der „Niederländer dann sehr bald der Hauptverkehr, und zwar mit immer stärkerem Ueberroiegen des Personenverkehrs. Dadurch kam es zu dem außerordentlich heftigen Wettbewerb mit der Kölner Gesellschaft, der 17 Jahre andauerte. Im März 1837 fuhr das erste Schiff „Herzog von Nassau" von Düsseldorf nach Mainz, ihm folgten bald drei weitere Schiffe. Alle Schiffe wurden in Holland und mit englischen Maschinen gebaut mit Ausnahme des „Komet", der, auf einer Duisburger Werft erbaut, niemals den technischen Anforderungen ganz Genüge leistete. Das erste rotten genMch in Zusammenstößen entiefen und den Ruf der Sicherheit des Rheinoerkehrs nicht gerade verbesserten. Der Kampf wurde aus Düsseldorfer Seite hauptsächlich von dem sehr tatkräftigen und tempe- ramentvollen Mainzer Dr. Moritz Schmitt geführt, der von 1839 bis 1850 Präsident des Derwal- tungsrates war. Ihm folgte der Elberfelder Daniel von der Heydt, dessen friedlicherer Natur die Aufgabe gestellt war, den Wettbewerb mit der Kölner Gesellschaft zu beenden. 1853 schlossen die Gesellschaften einen Betriebsgemeinschaftsvertrag, die „Rheindampfschiffahrt Kölnische und Düsseldorfer Gesellschaft" entstand, die später die Bezeichnung „Köln-Düsseldorfer Rheindampfschisfahrt" annahm. Dieser bis auf den heutigen Tag nie gelöste Vertrag bildete die Grundlage für die Entwicklung des Unternehmens zu feiner eigentlichen Bedeutung: zum Hauptträger des Reife-, Ausflugs- und Vergnügungsverkehrs auf dem Rhein. Die Eisenbahnentwicklung hatte die ja schon vorher begonnene Hinwendung zum Personenverkehr dahin erweitert, daß man sich nun hauptsächlich dem Reiseverkehr widmete. Demgemäß wurden nun auch bald reine Personenfahrten eingerichtet, Ende der 50er Jahre zuerst besondere Schnellfahrten. Die Schiffe waren noch alle solche des gemischten Typs für Güter- und Personenverkehr. Den Güterverkehr hat die Köln-Düsseldorfer bis auf den heutigen Tag beibehalten, aber als von dem Fahrplan getrennten fahrplanmäßigen Eilgüterdienst. 1867 wurden als erste Ergebnisse des nun aufgestellten gemeinsamen Bauprogramms der verbundenen Gesellschaften die Dumpfer „Humboldt" und „Friede" als erste Salon-Schnelldampfer in Dienst gestellt. Sie waren in ihrer Gröhe und mit der Verlegung sämtlicher Fahrgasträume über Deck und mit der Einrichtung dieser „Salons" der Anfang einer SchiffbauentwicklunH, die dem Rhein bald den Ruhm verschaffte, „die schönsten und schnellsten Flußdampfer Europas" zu besitzen. In den 80er und 90er Jahren wird die große Reihe der Schiffe gebaut, deren Namen noch manchem vertraut sein werden: „Moltke", „Bismarck", „Frei- her vom Stein", „Frauenlob", „Overstoh", „Lohen- arin", „Elsa", „Deutschland", „Borussia , „Kaiserin Augusta" u. a. 1902 beginnt mit dem Dampfer „Rheingold" der Bau des neuen Typs der großen Doppeldeck-Personendampfer. Don den 90er Jahren ab konnten die Dampfer fast alle auf deutschen Werften gebaut werden. Die die Köln-Düsseldorfer schwer treffende Kriegszeit brachte nur die Vollendung eines angefangenen Schiffes („Hindenburg" 1916). Bis 1926 stockte die Entwicklung, um aber vom Tage der Indienststellung der ersten Nachkriegsbauten „Vaterland" und „Rheinland" wieder einen krustigen Aufschwung zu nehmen. Dessen schönstes Ergebnis ist der größte Dampfer der Flotte, Schnesldampfer „Mainz aus dem Jahre 1929. Der seit 1927 neu eingeführte Typ der Großmotorschiffe wird in diesem Jubiläumsjahr mit dem Neubau „Albert Leo Schlageter" um em weiteres Schiff dieser Art vermehrt. 1927 wurde auch die „Niederländer Dampfschiff- fahrts-Gesellschast" durch Gemeinschaftsvertrag in den Köln-Düsseldorfer Dienst einbezogen. Als Präsidenten des Derwaltungs- bzw. Aufsichtsrates seien außer den schon genannten erwähnt: Kommerzienrat Rudolf Weyermann, Elberfeld, 1878—1889; Kommerzienrat Matth. Werls, Mainz, 1890—1892; August von Frowein, Elberfeld, 1892—1912; Kommerzienrat Carl Andreas Probst, Mainz, 1912—1919; Otto Henkell, Wiesbaden, 1919 bis 1929; Paul Boeddinghaus, Elberfeld, feit 1929. Aus der Nachkriegszeit bleibe nicht unerwähnt der Dienst, den die Köln-Düsseldorfer im Ruhr- k a m p f dadurch leistete, daß sie auf Grund eines Vertrages mit der Postoerwaltung die Beförderung der gesamten Post zwischen Mannheim und Hertingen übernahm und auch den größten Teil des Personenverkehrs aus dieser Strecke. Heute steht eine Flotte von 28 Köln-Düsseldorfer Schiffen und 13 Niederländer Dampfern den Bedürfnissen des Personenverkehrs und des Eilgüter- dienftes zur Verfügung. Rund 1000 Volksgenossen gibt der Betrieb der Köln-Düsseldorfer Arbeit und Brot. Die Verkehrsgebiete der Köln-Düsseldorfer — Mittelrhein, Niederrhein, Oberrhein, Main-Rhein- fahrten — umfassen in der einfachen Strecke gemessen, rund 500 Kilometer. In der Hauptverkehrszeit dienen täglich 18 Köln-Düsseldorfer und drei Niederländer Schiffe dem regelmäßigen Fahrplanverkehr, während etwa 12 weitere Schiffe für Sonderfahrten und außerplanmäßige Veranstaltungen .gur Verfügung stehen. Unter diesen haben insbesondere die „K r a f t - d u^r ch - F r e u d e" - F a h r t e n erhebliche Bedeutung gewonnen. Seit 100 Jahren und darüber hinaus wirken nun schon die Rheindampfer als eines der stärksten Werbemittel zum Besuch des rheinischen Landes und im Auslande zum Besuch Deutschlands. Sie sind über ihre privatwirtschaftliche Aufgabe hinaus Diener an der Kultur. Denn die Vermittlung eines Reiseerlebnisses von solcher Größe und Schönheit, wie es die Rheinfahrt bietet, ist Kulturleistung. Müller-Tagung in Gießen. Die DAF.-Betriebsgemeinschaft Handwerk, Fachschaft Müller, der Kreise Oberhessens und Wetzlar, Biedenkopf und Dillkreis, veranstaltete am Samstag im Hause der DAF. in Gießen eine Müller- Versammlung, die sehr stark besucht war. Kreis-Betriebsgemeinschaftswalter Stein (Gießen) konnte hierzu außerdem dem Gaufachgruppenwalter v. H a r l e s s e n (Frankfurt a. M.) und Gaufach- schaftsleiter O. Weller den Redner, Rcichsjach- schaftswalter Fachgruppe Nahrungsmittel, Fachschaft Müller, Müllermeister W. Naatz, Berlin, begrüßen. In mehr als zweistündigem Vortrag aab dieser eine interessante Uebersicht über die Aufgaben und Ziele des deutschen Müllerhandwerks. Einleitend schilderte er ine wirtschaftliche Entwickelung dieses ältesten und romantischen deutschen Handwerks bis zu dem bedauerlichen Niederaang, dem erst der Nationalsozialismus Einhalt geboten hat. Der mit der maschinellen Durchdringung einsetzende Niedergang fand in der falschen Einfuhrpolitik und der dadurch herbeigeführtey Absatzstockung und Preisunterbietung, in der zunehmenden Vorherrschaft der Großmühlen und nicht zuletzt in der Zerrissenheit im Handwerk selbst reiche Förderung. Dazu kam das Eindringen berufsfremder Elemente und das Ueberhandnehmen von Schrotmühlen beim Bauern, so daß wenig Neigung zur Erlernung des Müllerhandwerkes aufkam. Die eigenartige Verlagerung dieser Handwerksbetriebe abseits der Städte und Orte brachte es mit sich, daß ein Zusammenschluß sehr erschwert war. Erst nach der Machtübernahme konnte gründlicher Wandel geschaffen werden, und nun muh unter Zurückstellung eigennütziger Bestrebungen die Gesamtexistenz dieses für die Lebensfähigkeit des Volkes so notwendigen Handwerkes gesichert werden. Das geht ohne harte und einschneidende Maßnahmen nicht ab. Im Kampfe um die Sicherstellung der Volksernährung fallen dem Müllerhandwerk große Aufgaben zu. Um diese zu erfüllen, ist neben dem festen Zusammenschluß größte Disziplin erforderlich. Der Redner gab dann ein anschauliches Bild von den Regierungsmaßnahmen, die getroffen wurden, um erst einmal die Existenz des Handwerks an sich zu sichern und durch eine gesunde Preispolitik, eine entsprechende Getreidekontingentierung und die prozentuale Ausmahlung die Klein- und Mittelbetriebe zu fördern. Zu den Hilfsmaßnahmen der Regierung ist aber die Mitarbeit des Handwerkes selbst erforderlich. Durch Disziplin in der Preisgestaltung, die Eigenschulung mit dem Ziele der Leistungssteigerung und die Anpassung der Betriebe an die Erfordernisse der Zeit muß sich das Handwerk selbst weiterhelfen. Der Bauer hat vielfach schon das eingesehen, daß er mit dem Müller besser fährt, als mit den eigenen Mühlen, deren Handhabung gelernt fein will. Durch gesetzliche Bestimmungen ist der Heber- sremdung des Müllerhandwerks Einhalt geboten. Das neue Nahrungsmittelgesetz wird auch den Betrieben schärfere Bestimmungen über ihre Führung und die Beschaffenheit ihrer Einrichtungen bringen. Es liegt nun an den Müllern selbst, sich mit dem nationalsozialistischen Gedankengut besser vertraut zu machen. Durch tiefgreifende Schulung wird das Handwerk auf seine großen Aufgaben, die es hinsichtlich der Sicherstellung der Volksnahrung und der Erhaltung der Volkskraft zu erfüllen hat, vorbereitet werden. Daneben wird die fachliche und handwerksmäßige Fortbildung einfetzen. Durch die Anordnung über die Wanderjahre, den Austausch von Müllersöhnen und Müllergesellen und die Schulung der Lehrlinge im Lager soll eine handwerkliche Vertiefung erfolgen. Durch das Hineintragen der Volksgemeinschaft in die Betriebe soll vor allem das Lehrlingswesen gefördert werden. Trotz der 3000 neuen Lehrlinge fehlen dem deutschen Müllerhandwerk noch etwa 8000 Lehrlinge. Durch die Förderung der klein- und Mittelbetriebe ist das Müllerhandwerk das aussichtsreichste Handwerk. Nur durch die Mitarbeit aller Betriebsführer und Gefolgschaftsmitglieder wird das Müllerhandwerk die Aufgaben lösen können, die ihm im Kampf um die Nahrungsfreiheit des deutschen Volkes aufgetragen worden find. Gaufachfchaftsleiter Weller sprach sich noch über die Mißstände aus und forderte zur eifrigen Mitarbeit an den Schulungskursen auf. Er machte auf das Treffen von ungarischen und deutschen Müllern im Juli in Budapest ausmerksam und wies auf die Müllertagung anläßlich des Reichshandwerkertages hin, die in Wiesbaden stattfinden wird. In seinem Schlußwort dankte Kreisbetriebsge- meinfchaftswalter Stein für das rege Interesse und brachte das Sieg-Heil auf den Führer aus. Wirtschaft. Oie Zndustrie- und Handelskammer Gießen gibt Auskunft; 416: Allgemeine Wareneinfuhrkontrolle in Polen. — Sämtliche Waren dem Kontingentierungs- fyftem unterstellt. — 417: Vertrauen zur Entwicklung der deutsch-polnischen Wirtschaftsbeziehungen. — 418: Bekanntmachung KP 136 der Ueberwachungs- stelle für unedle Metalle betr. Kurspreife. Mem-Mainische Börse. Fest. Frankfurt a. M., 11. Mai. Die Börse war auch zum Wochenanfang am Aktienmarkt weiter fest, wenngleich das Geschäft etwas ruhiger schien. Von der Privatkundscyaft lagen weiterhin Kaufaufträge vor, während die Kulisse zu den ersten Notierungen noch etwas realisierte, später aber gleichfalls als Käufer auftrat. Mit stärkeren Befestigungen als durchschnittlich 0,50 bis 1 v. H. fielen auf: Metallgesellschaft 128,50 bis 129,50 (127), Rheinstahl 128,75 (126,75), Licht und Kraft 146,50 (144,75), Schuckert 141,13 (139,75) und MAN 115 (113,25). Von chemischen Werten notierten JG- Farben mit 170 bis 170,50 (170), Deutsche Erdöl plus 0,40 v. H., Rütgerswerke plus 0,25 v. H., dagegen Scheideanstalt minus 0,50 v. H. Montanwerte lagen nicht ganz einheitlich, Buderus exkl. Dividende minus 0,75 v. H., Laurahütte minus 1 v. H., dagegen Verein. Stahlwerke etwas lebhafter und plus 0,75 o. H. Mannesmann und Hoefch lagen voll behauptet. Am Elektromarkt gewannen Felten 1 v. H., Gesfürel 0,50 v. H., Siemens 0,40 v. H., RWE. 0,50 v. H., AEG. lagen unverändert. Im einzelnen zogen Westdeutsche Kaufhof auf 41,40 bis 42 (41,25) an, Zellstoff Waldhof gewannen 0,75 v. H., Aku, Zement Heidelberg und AG. für Verkehr bis 0,50 v. H. Holzmann und Hanfwerke Füssen bröckelten bis 0,50 o. H. ab, Daimler Motoren blieben mit 110,75 und Reichsbank mit 183,75 gut gehalten. Nach den ersten Notierungen war die Haltung eher weiter befestigt, das Geschäft vermochte sich aber kaum zu beleben. Der Rentenmarkt lag still und freundlich. Altbesitzanleihe mäßig fester mit 113,40 (113,30), Zinsvergütungsfcheine unv. 92,30, Kommunal-Um- fchuldung unv. 87,05, späte Schuldbuchforderungen unv. 98,50 und 6proz. zertif. Dollar-Preußen unv. 69. Von Auslandswerten erhöhten sich Oesterr. Silber auf 2 (1,95), 4proz. Rumänen auf 5,90 (5,70), 5proz. Goldmexikaner auf 14,15 (14), später aber auf 14 ermäßigt, 4proz. Ungarn Gold unv. 9,20. Im Verlaufe blieb der Aktienmarkt fest, die Umsätze hielten sich aber weiterhin in engen Grenzen. U. a. notierten: JG.-^Farben 171,50 nach 170,50, Metallgesellschaft 130 nach 129,50, AEG. 38,65 nach 38,40, Felten 124 nach 123,50, Kaufhof 42,25 nach 42, Zement Heidelberg 140,75 nach 140,25, Verein. Stahlwerke 92,65 nach 92,50, Mannesmann 96 nach 95,50. Von später notierten Werten erhöhten sich Marisfelder auf 143,25 (142), Harpener auf 128 (126,25), Südd. Zucker auf 207 (206), dagegen Akkumulatoren nach Pause 188 (191,50). Am Kassamarkt waren Frankfurter Hof und Kahlgrund Eifenbahn höher gesucht. Am Rentenmarkt befestigten sich Rhein. Städte-Altbesitz auf 110,25 (109,75), dagegen gaben Poung-Gulden-Anleihe auf 92 (92,40) nach. Goldpfandbriefe und Kommunal-Obligationen blieben unverändert, Liquidationswerte teilweise 0,13 v. H. niedriger. Stadtanleihen zogen z. T. 0,13 bis 0,25 v. H. an. Von fremden Werten gingen Ungarn Gold auf 9,10 nach 9,20 zurück, ferner I. Anatolier 43,13 (43,50). Tagesgeld war etwas gesucht und stieg auf 2,75 (2,50) v.H. Abendbörse ruhig. Die Adendbörse nahm auf allen Marktgebieten einen sehr ruhigen Verlauf. Die Kulisse zeigte im Hinblick auf die ungeklärte außenpolitische Lage verstärkte Zurückhaltung. Vom Publikum lagen in einigen Werten noch Kauforders vor, so daß die Grundtendenz am Aktienmarkt durchaus fest blieb, wenngleich die höchsten Mittagskurse nicht immer behauptet blieben. Etwas niedriger lagen IG.-Farben mit 170,75 (171,25), Kunstseide AKU. auf Holland 54.25 (54,90). Fester lagen Scheideanstalt mit 233 (232). Aschaffenburger Zellstoff auf die Meldung über voraussichtlich nur 3 v. H. Dividende etwa 95 (95,90). Gut behauptet lagen Montanaktien. Am Kassamarkt blieben Großbankaktien gesucht und notierten bei teilweise größeren Umsätzen je 1 v.H. höher, so Commerzbank mit 89 (88), DD-Bank mit 90,25 (89,25) und Dresdner Bank mit 90,50 (89,50). Der Rentenmarkt lag still, aber freundlich. Kommunal - Umschuldung 87,10 (87,05). Etwas leichter waren Farben-Bonds mit 136,75 (137,13). Don fremden Werten gaben 4proz. Ungarn Gold auf Paris auf 9 (9,10) nach, dagegen befestigten sich Ungar. Kronenrente auf 1,70 (1,60). U. a. notierten: Altbesitz 113,40, IG.-Farben» Bonds 136,75, 4proz. Ungarn Gold 9, 4proz. do. Kronenrente 1,70 4proz. Rumänen 5,80, Braubank 130,50, Commerzbank 89, DD-Bank 90,25, Dresdner Bank 90,50, Buderus 101, Harpener 128, Klöckner 101, Mannesmann 96, Verein. Stahlwerke 93, AKU. 54,25, AEG. 38.50, BMW. 132.50, Bekula 147, MAN. 114,50, IG.-Chemie volle 219 Scheideanstalt 223, Licht und Kraft 146,25. Eßlinger Maschinen 90, JG.-Farben 170,75, Gesfürel 139,50, Goldschmidt 108,75, Holzmann 117,75, Lides Eismaschinen 150, Muag94, Metallgesellschaft T 129.75, Montecatinis 70,50, Schuckert 142.50, Verein. Ultramarin 136.50, Westdeutsche Kaufhof 43,40 bis 43,13, AG. für Verkehrswesen 117. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 11. Mai. Auftrieb: Rinder 446 (gegen 380 am letzten Montagsmarkt), darunter 92 (91) Ochsen, 57 (49) Bullen, 224 (205) Kühe, 73 (55) Färsen. Kälber 635 (500), Schafe 21 (18), Schweine 4121 (4310). Notiert wurden pro 50 Kilogramm Lebendgewicht in Mark: Ochsen a) 43 bis 45 (am 4. Mai 42 bis 54), Bullen a) 43 (40 bis 43). Kühe a) 39 bis 42 (40 bis 42), b) 34 bis 38 635 bis 38), c) 26 bis 33 (28 bis 33). d) 22 bis 25 (25). Färsen a) 41 bis 44 (44), b) 36 bis 40 (40), c) 29 bis 35 (—), d) 25 bis 28 (—). Kälber a) 71 bis 78 (71 bis 78), b) 63 bis 70 (61 bis 70), c) 52 bis 62 (53 bis 62), d) 37 bis 51 (40 bis 52). Hämmel und Schafe nicht notiert. Schweine al) 57 (57), a2) 57 (57). bl) 56 (56), b2 55 (55), c) 53 (53), d) 51 (51). Sauen nicht notiert. Marktverlauf: Rinder und Schweine wurden zugeteilt. Kälber lebhaft, Hämmel und Schafe ruhig, ausverkauft. Großmarkt für Fleisch und Fettwaren. Beschickung: 1651 Viertel Rindfleisch, 59 ganze Kälber, 10 ganze Hämmel, 284 halbe Schweine, 5 Kleinvieh. Notiert wurden pro 50 Kiloaramm in Mark: Ochsenfleisch a) höchster 80. Kuhfleisch a) höchster 75, b) 65, c) 54. Färsenfleisch a) höchster 80. Kalb- fleisch b) 95 bis 105, c) 85 bis 95. Hammelfleisch b) 90 bis 95. Schweinefleisch b) höchster 74. Fettwaren. Roher Speck unter 7 Zentimeter 65 bis 70, Flomen höchster 80. Marktverkauf: ruhig. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 11. Mai. Aus der nahen Provinz kommt weiterhin Weizen kaum an den Markt. Auch die mitteldeutschen Zufuhren reichen zur vollen Bedarfsdeckung der rhein-mainischen Mühlen nicht aus, die geforderte erhöhte Handelsspanne wird meistens angelegt. Die Versorgung der Mühlen mit Roggen ist nach wie vor unbefriedigend. Hiesige Gerste und Hafer haben mangels Angebots kaum noch Umsatz; norddeutsches Futtergetreide findet wegen der hohen Forderungen nur wenig Käufer. Mehl hat bei vermindertem Angebot allgemein guten Abzug. Von Futtermitteln sind Kleie, Oelkuchen und Schnitzeln gefragt. Es notierten (Getreide je Tonne, alles übrige je 100 Kilogramm) in Mark: Weizen W 13 215, W 16 218, W 19 222, W 20 224; Roggen R 12 178. R 15 181, R18 185, R19 187, Großhandelspreise der Mühlen der genannten Preisgebiete. Futtergerste —, Hafer —. Weizenmehl W 13 28,55, W 16 28,80, W19 28,80, W 20 29,15; Roggenmehl R12 22.45, R 15 22,80, R 18 23,30, R 19 23,50 plus 0,50 Mark Frachtausgleich. Weizenfuttermehl W 13 13,15, W 16 13,30, W19 13,50, W 20 13,60. Weizenkleie W13 10,65, W16 10,80, W19 11,00, W20 11,10; Roggen- kleie R 12 9,95, R 15 10,15, R 18 10,40, R 19 10,50, Mühlenfestpreise ab Mühlenstation. Sojaschrot mit Monopolzuschlag 16,20, Palmkuchen m. M. 16,30, Erdnußkuchen m. M. 17,85 ab südd. Fabrikstatio- nen. Treber 16,00 bis 16,50 ab südd. Fabr. Trockenschnitzel 9,40 ab südd. Fabriken. Heu 7,00, Weizen- und Roggenstroh drahtgepreßt 3,00 bis 3,30, gebündelt 2,80 bis 3,00. Karto ffeln: gelbfleischige hiesiger Gegend 3,35, weiß-, rot- und blauschalige hiesiger Gegend 3,25 Mark per 50 Kilogramm bei Waggonbezug, Frachtparität Frankfurt a. M. Tendenz: ruhig. Schweinemarkt in Hungen. * Hungen, 11. Mai. Auf dem heute hier abgehaltenen Schweinemarkt waren 506 Ferkel aufgetrieben. Es kosteten bis zu sechs Wochen alte Ferkel 15 bis 22 Mark, sieben Wochen alte 23 bis 26 Mark, acht Wochen alte 27 bis 30 Mark, neun bis zehn Wochen alte 31 bis 35 Mark. Bei flottem Handel wurden die von den Bauern aufgetriebenen Schweine ausverkauft, von den Händlerfchw-'inen 1 verblieb Ueberftanb. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzk befchlosfenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v.H., Lornbardzinsfuß 5 v.H. Aramkuri a. 2)1. Berlin Frankfurt a.M. Berlin Schlußkurs Schluß!. Abendbörse Schluß- hird Schluß!. Mittag- b6rfe Schlußkurs (Schluß!. Abend- börse Schlußkurs Schluß!. Miiiag- hörte Datum 95. 11.5. 9.5. 11.5. Datum 9-5 11-5 9-5. 11-5 6% Deutsche Reichsanleihe v. 1927 101 100,9 101 101 4% besgl. Serie II ............ — — — — 4% Deutsche Retchsani. von 1934 97,65 97,9 97,8 97,9 5% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 7,13 7,25 7,25 7,1 dV,% Voung-Anleihe von 1930 .. 103 103 103,4 103,4 4)4%Rumün.vereinh.Rentev.l91L 9,75 9,9 9,85 9,85 Deutsche Anl..Abiös..Schuld mit 4% Rumänische vereinh. Rente .. 5,7 5,8 5,85 5,9 103,3 113,4 103,3 113,4 2)4% Anatolier ............. 43,5 43,5 43,4 43 4,/l% Deutsche ReichSpostschahan Weisungen von >934, I....... 6% ehern.8% Hess. BolkSstaat 1929 100,25 100,25 100,3 100,3 Lamburg-Amerika-Paket .....0 Hamburg-Südam. Dampfschiff . 0 Norddeutscher Lloyd .........0 A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 15,13 15 15,25 15,25 (rückzahld. 102%) ............ 98,5 98,5 98,5 — — 28,75 4)4% ehern. 8% Hessische Landes- banl Darmstavt Gold R. 12.... 16,9 17 17,13 17,25 96,65 96,65 96,65 96,65 117 117 116,65 117 6Vt% ehern. 4)4% Hess. Landes- Berliner Handelsgesellschaft ... 6 114,75 115,25 113 115,75 Hypothekenbank DarmstadiLiaui 4)4% ehe in. 8% Darmst. Komm. LandcSb.GoldschuIdverlchr. R.6 101 101 — — Commerz- und Privat-Bank ... 0 Deutsche Banl und Disconto« 87,5 89 87,5 88 92,25 92,25 — _ Gesellschaft................o 88,75 90,25 88,75 89,25 Überholen Provinz-Anleihe mit Dresdner Bank..............0 88,75 90,5 88,75 89,5 120,5 121,75 Reichsbank ................ 183,75 183,75 184,5 184,65 Deutsche Komm. Sammelabl. An- leihe Serie 1 mit AuSlos.-Rechten *y,% ehem.8% Franks. Hyp.-Bank Goldpfe. 15 unkündbar blS 1935 6)4% ehern. 4)4% Franks. Hyp.- 117 117 116,75 116,75 A.E.G....................... 38,5 147 126,25 38,5 147 127,4 37,5 147,13 126,4 38,65 147,25 127,75 96,5 96,5 Bekula.................... io Elektr. LieferungSgelellschaft... 6 101,55 101,4 — Licht und Kraft ........... 6)4 Felten & Guilleaume......... 4 144,75 122,5 146,25 124,5 145,5 122,13 146,75 125 6)4% ehern. 4)4% Rheinische Hyp.-Bank-Ligu.-Goldpfe. .. 101,5 101,25 101,25 101,25 Äesellsch.s.Eiektt.Unternehmung. 6 138,5 139,5 138,25 139,4 4)4% ehern. 8% Pr. Lanvespfand- vriesanstalt, Pfandbriefe R. 19 Rheinische Elektrizität ........ ß 135,5 136,5 135,5 137 — 97 — — Rhein. Wests. (Sieht..........6 Schuckert S Co.............. 4 Siemens 8 HalSko............7 LahmeyerLCo............... 133 133,25 132,75 134 4)4% ehern. 7% Pr. Landespsand- 139,75 142,5 139,65 142,75 ßricfanst., Gold Komm. Cbl.VI - 97 — 97 186,65 187 186 187,5 Steuergutsch.Berrechnungsk. 84-88 109 109,15 109 109,2 135,75 136 135,5 136,25 4% Oesterreichtsche Goldrente... 4,20% testerretcyische Silberrente 4% Ungarische Goldrente ...... 4% Ungarische Staaisrente v. 1910 30,5 1,95 30,75 2,13 31 Buderus ................... 4 105,4 121,25 101 122 104 121,5 100,5 123,4 2 2,05 Deutsche Erdöl ............... 9,2 8,9 8,95 14 9 8,75 8,8 9,1 8,9 8,95 9,1 8,75 8,8 Harpener...................c 126,25 104 128 104,25 126,5 103,25 127,75 104,4 168,5 132 100,75 96 Hoesch Eisen—Köln-Reuessen .. Ilse Bergbau .............. 6°Z abgest. Goldmexikaner von 99 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe Serie I..................... 14 13,9 14 Ilse Bergbau Genüsse........ Klöcknerwerke ............... 133 99,5 95,5 132,25 101 96 132,5 99,4 95,4 — — — — Manneümann-SLHre« .....C Frankfurt a. M. Berlin Gchiuß- furd Schluß!. Abendbörse Schluß« furd Schluß!. Miiiag- börse '.Datum 9.5. 11.5. 9.5 11.5. Mansfelder Bergbau .. ....... 6| 142 143,25 142,5 144 Kokswerke........... .......8 — 134,5 135,65 Rheinische Braunkohlen ..... 1$ 1 —— 239 236 239,5 Rheinstabl ........... .......4 126,75 129,13 127,5 129,25 Bereinigte Stahlwerke. .......0 91,75 93 91,9 92,75 Ltavi Minen ........ .......( 23,5 23,13 23,75 Kaliwerke Aschersleben. .......5 120 129 129,25 129,75 Kaliwerke Westeregeln. .......6 129 129 129,5 129 Kaliwerke Salzdetfurth ..... 1¥. 183,5 183 182,13 182,5 I. G. Färben-Industrie ... ... 7 170 170,75 170 171,25 ©rfjeibemiftalt........... ... 9 232,5 233 — Goldschmidt ............ ... d' 109,5 108,75 109,5 109 Rütgerswerke ........... ... 6 132,5 133.25 132 133,13 Metallgesellschaft......... ... 4| 127 129,75 128 130 Philipp Holz mann...........4 Zementwerk Heidelberg ......7 Lemeniwerl Karlstadt.........6 Schultheis Bayenhofer .......4 Aku (Allgemeine Kunstseide) .. 0 Bemberg................... 5 Zellstoff Waldhof ............ 5 Zellstoff Aschaffenburg .......0 Dessauer Qiai ...............7 Daimler Motoren............ 0 Deutsche Linoleum...........8 Orenstetn & Koppel ..........0 Westdeutsche Kaufhof.........0 Ehabe.................. Tle Accumulatoren-Fabrik....... 12 Eonti-Gummi............... 8 Grtpner....................o Mainkrastwerke Höchst a...... 4. Süddeutscher Zucker Dl 118 140 143 117,75 140,75 117,65 117,9 — — 108,75 109 55,25 54,25 54,75 54,9 94,25 94,5 94,75 94,13 134,5 135,25 133,5 135,9 95 95 95,25 95,9 — — 132,25 134,13 110,75 111 110,4 110,9 — 178,75 179 179 — — 84,5 87,5 41,25 43,13 41,13 43,5 405 404,25 406 405 — 188 189 189,75 180,75 181 180,75 181 _ 30 30 97 97 ■* - 206 207 1 206,25 - Devisenmarkt Berlin - - Frankfurt a. 21L 9-Mai 11.Mai Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Ärief Geld Brief Buenos Lire 0,685 0,689 0,684 0,688 Brüssel .... 42,28 42,36 42,17 42,25 Rio de Ian. 0,137 0,139 0,137 0,139 Sofia ...... 3,047 3,053 3,047 3,053 Kopenhagen. 55,21 55,33 55,07 55,19 Danzig..... 46,80 46,90 46,80 46,90 London ..... 12,365 12,395 12,335 12,365 HeijingforS.. 5,45 5,46 5.44 5,45 Paris ...... 16,33 16,37 1«,36 16,40 Holland .... 167,41 167,75 167,85 168,19 Italien..... 19,60 19,64 19,55 19,£9 Japan ...... 0,721 0,723 0,719 0,721 Jugoslawien 5,654 5,666 5,654 5,666 ..... : 62,14 62,26 61,99 62,11 Wien....... 48,95 49,05 48,95 49,05 Lissabon.... 11,235 11,255 11,21 11,23 Stockholm... 63,75 63,87 63,60 63,72 Schweiz .... 80,10 80,26 80,32 80,48 Spanien.... 33,82 33,88 33,89 33,95 Prag....... 10,27 10,29 10,29 10,31 Budapest ... — — — —— Neuyork ... 2,481 2,485 2,483 2,487 Banknoten. Berlin, 11 .Mai (peid ■önei Amerikanische Roten...... 2,435 2,455 Belgische Noten.......... ....... 42,04 42,20 Dänische Noten ......... 54,82 55,04 Englische Noten ......... ....... 12,30 12,34 Französische Noten....... ....... 16,31 16,37 Holländische Noten....... 167,43 168,11 Italienische Noten........ — Norwegische Noten ...... 61,78 62,02 Deutsch Lesterreich, i 100 Schilling — Rumänische Noten....... — — Schwedische Noten....... 63,38 63,64 Schweizer Noten......... Spanische Noten......... Ungarische Noten........ 80,14 80,46 33,55 33,69 Nr. 110 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Dienstag, l2.Mai (936 Aus der Provinzialhäuptstadt. Symphoniekonzert des städtischen Orchesters als Werbeveranslattung für bas Sladlthealer und das Musikleben der Stabt Wer über das Musikleben in unserem Volk gut unterrichtet ist, der weiß auch, daß Werbearbeit hier durchaus nötig ist. Führende Männer unserer Zeit haben dringend darauf hingewiesen. So schreibt der derzeitige Präsident der Reichsmusikkammer, Professor Dr. P. R a a b e in seinem Merkchen: „Die Musik im Dritten Reich": „Ich habe in Aachen vor 14 Jahren bei meinem Amtsantritt Schülerkonzerte eingerichtet. Das sind Orchesterkonzerte, in denen der Jugend die schönsten Werke der deutschen Musik aus allen Zeiten und Richtungen vorgeführt werden, einschließlich der Werke für Soloinstrumente und Orchester, auch für Gesang und Orchester. Vor jedem Konzert wird eine kurze Erläuterung der aufzuführenden Werke geboten. Zuhörer sind Schüler und Schülerinnen der oberen Klassen höherer Lehranstalten. Diese Konzerte waren bisher stets Höhepunkte des Erlebens der jungen Leute und waren infolgedessen immer so stark besucht, daß das letzte Plätzchen im Saal in Anspruch genommen werden mußte. In diesem Jahr war das einzige Schüler- kvnzert, das bis jetzt gegeben worden ist, leer." Deswegen sagt er in derselben Schrift an anderer Stelle: „Es besteht die Gefahr, daß man einmal von uns sagen wird: wir waren das Volk großer Meister, aber wir sind es nicht mehr, und zwar besteht diese Gefahr, weil unsere Jugend auf musikalischem Gebiet nicht genug lernt, um, wenn sie erwachsen ist, als berechtigter Erbe einer so großen Vergangenheit gelten zu können." Wenn diese ernsten Worte von einem Manne, den das Vertrauen des Führers an verantwortungsvolle Stelle gestellt hat, gesprochen werden, so gibt das doch sehr zu denken. Soll hier nun eine Wandlung erfolgen, so muß das Uebel an der Wurzel ungefaßt werden. In unserer Stadt hat man das ohne Zweifel erkannt. Auf Anregung des Oberbürgermeisters Ritter ist ein Ausschuß gebildet worden, der sich ernsthaft mit den musikalischen Fragen unserer Stadt beschäftigt und sie zielbewußt vorwärts treibt. Die Schul- und Privatmusikerschast wird nicht müde, um die Jugend zu werben und sie für die Musik zu gewinnen. In Schülerkonzerten wird das Ergebnis gezeigt, das durch einen gutgeleiteten und ernsthaften Musikunterricht erreicht wird. Am Tag der Hausmusik hören wir die reichen Schätze unserer deutschen Musik. Und doch wollen die Klagen nicht verstummen. Hoffentlich zeigt sich bald ein Erfolg. Jetzt ist es noch so, daß nur noch ein ganz verschwindender Teil der Schüler, höherer Knabenschulen z. V., ein Instrument erlernt. Alle, die unsere Musik lieben, dürfen nicht müde werden, hier Rufer im Streit zu sein. In vorderster Linie im Kampf um die gute Sache steht seit einiger Zeit das Gießener städtische Orchester. In einer Reihe von Morgenfeiern an Sonntagen hat es den Abonnenten eine Anzahl guter und nicht schwer verständlicher Werke geboten und dadurch ohne Zweifel werbend für Musik und Theater gewirkt. Auch am gestrigen Montagabend stellte es sich zur Verfügung, um vor der Studentenschaft zu musizieren. Wenn man bedenkt, welche Mehrarbeit hier in uneigennütziger Weise geleistet wird, so muß man Hochachtung vor diesem Gemeinschaftswillen haben. Die Folge enthielt nur Werke von Mozart. Gerade seine Musik ist so recht geeignet, ans Herz zu rühren. Bei wem es da innen nicht mitklingt, der ist wohl für die Musik verloren. Der Solist des Abends, Herr Greif vom Stadttheater, sang eine Arie aus der Zauberflöte: „O Isis und Osiris" und die köstliche Registerarie aus Don Juan. Besonders in dem letzten Stück konnte er die Vorzüge seines gutgeschulten Organs ins rechte Licht setzen. Die Hörer lohnten ihn durch reichsten Beifall. Der Kuckuck. Von Franz Hohen Durch die blühende Wiese schlendere ich den Fußpfad am weidengrünen Bach entlang, der über schwarze Wurzelstöcke und algengrüne Steine schäumt. Das lichte Himmelsblau spiegelt sich im Wasser, die Welt ist voll Blumenduft, Sonnenschein und Vogellaut. Hochrot leuchten die gespornten Lippenblüten des Knabenkrauts im Gras, die der Volksmund „Glückshändchen" nennt, tiefblauer Enzian, Kümmel und blaßblaues Schaumkraut prunken im Wiesengrün. Jetzt steigt der Pfad gegen den Wald an, der Bach läßt sein glasklares Wasser in Stromschnellen und Gefällen über Stufen und moosgrüne Geschiebe springen, junge Farnwedel nicken zwischen feuchten Ufersteinen, und vorüber an den weißblühenden Schwarzdornbüschen des W'^esenratns mündet der Weg im Schatten eines lichten Buchenforstes. Im Wald ist's wunderschön. Sonnenlichter spielen durch das Blätterdach und rollen golbne Kugeln über Moos und Altlaub. Im Buschwerk und in der nahen Lärchenschonung, die die ersten lichtgrünen Kerzen aufgesteckt, melden Laubsänger und Platt- mönch, der Buchfink schmettert seine Fanfaren, eine Dorngrasmücke singt, Goldhähnchen locken, und von der Spitze der einsamen Schwarzkiefer am Hügel- Hang flötet die Singdrossel. Da kommt aus Der Tiefe ein läutendes Rufen, das den ganzen Frühlingsjubelchor übertönt — der „frühschreierische Gucku" läßt seine Stimme erschallen. Goethe und Huxley haben das Stimmorgan des Ostervogels mit einer Zungenpfeife verglichen, aber das Unzulängliche des Vergleichs selbst zugestanden; denn weder Oboe noch Klarinette, denen Handel und Wagner die Vogelstimmen gern übertragen, noch auch ein Register der Kirchenorgel oder das Waldhorn sind imstande, die eigenartige Klangfarbe des Kuckuckrufs wiederzugeben. Am nächsten kommt ihm noch die „gedockte Flöte" der Orgel, die auch den Kuckucksruf der Schwarzwälder Uhren liefert. Auch gibt es Geübte, die den Ruf aus der Schale der Weinbergschnecke täuschend ähnlich HK- ausholen — die kleine oder große Terz der eingestrichenen Oktave, e — c oder f — des. Da der Kuckuck kein Sänger, sondern ein Klettervogel ist, fehlt ihm der Singmuskelapparat, mit dem die Ordnung der Singvögel ausgestattet ist; auch er ist zwar ein tüchtiger Rufer, doch ein schlechter Musikant — nur selten trifft er seine Terz ganz rein. Was ihm aber an Treffsicherheit abgeht, ersetzt er durch Ausdauer; schon eine Stunde vor Mgliederappell der Ortsgruppe Gießen-Siid. Eine 5tebe des Kreisleiters. Am gestrigen Montagabend fand im großen Saal des Katholischen Vereinshauses eine Kundgebung der Ortsgruppe Süd der NSDAP, statt. Wie in den früheren Versammlungen, so hatte sich auch diesmal eine große Anzahl Partei- und Volksgenossen eingefunden. Nach dem Einmarsch der Fahnengruppe hieß der stellvertretende Ortsgruppenleiter Holländer die Besucher herzlich willkommen und begrüßte besonders den Redner des Abends, Kreisleiter Dr. Hildebrandt. In der Zwischenzeit hatte sich eine Werkschar aus dem Betriebe Bänninger auf der Bühne um ein Bild des Führers aufgestellt, und brachte wirkungsvoll einen Sprechchor, der von deutscher Arbeit kündete, zu Gehör. Außerdem trug die Werkschar noch ein Lied vor: „Wir sind des Werktags Soldaten, wir sind die schaffende Faust.. Dieses Lied leitete zu der Rede des Kreisleiters Dr. Hildebrandt über, der u. a. sagte, nach dem 30. Januar hätten viele Volksgenossen geglaubt, die Aufgaben der NSDAP, seien beendet und man müsse nun auch die nationalsozialistische Partei auflösen, um einen Staat ohne Parteien zu haben. Wie irrig diese Auffassung s?i, hätten doch wohl die letzten Jahre bewiesen. Den heutigen Staat könne man sich einfach nicht mehr ohne die nationalsozialische Bewegung denken, und ohne sie wäre nicht das erreicht, was tatsächlich seit der Machtübernahme erreicht worden sei. Die deutsche Geschichte habe schon immer ein Auf und ein Ab erlebt. Der Führer habe sich die Aufgabe gestellt, alles geschehen zu lassen, damit das deutsche Volk die Zeichen der Zeit versteht, reif wird und so seine Verpflichtungen erfüllt. Die NSDAP. lebe als das politische Gewissen innerhalb des deutschen Volkes und trage so dazu bei, manches durchzuführen, was früher unmöglich erschien. Die- Partei lege uns allen die größten Pflichten auf, sie fei nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck. Heute stände das deutsche Volk an der Schicksalswende; von jedem von uns hänge es ab, ob das deutsche Volk in der Zukunft auf Jahrhunderte als großer und freier Staat existiere, wie es der Führer wolle. Man müsse zunächst das Schicksal unseres Volkes klar erkennen und verstehen, daß das Weiterbestehen des deutschen Volkes und feiner Geschichte auf unseren Schultern ruhe. Groß sei noch der Kampf, der vor uns liege. Das große Erleben unserer Tage dürfe man nicht durch die eigene persönliche Brille sehen. Der Führer habe größere Dinge zu meistern, als sich um die kleinen Sorgen und Nöte einzelner kümmern zu können. Durch die Tat sei die Disziplin zu bekunden, felsenfest müsse das Vertrauen zur Führung sein, dann kämen wir dahin, daß nur die größere Linie gesehen werde, und dann könne auch überall fruchtbar gearbeitet werden. Wenn jeder nach dem Vorbild des Führers handele und lebe und sich bemühe, diesem Vorbilde sich zu nähern, dann seien wir schon einen großen Schritt weiter gekommen. Aeußerlichkeiten dürften keine Rolle spielen, sondern nur die Leistung. Eins sei klar, allen Menschen könne es die Bewegung niemals recht machen, aber eins trete offen hervor, und das sei der Eindruck, daß es sich bei den Nationalsozialisten um gute und ehrliche Kerle handele. In feinen weiteren Ausführungen kam der Redner u. a. auch auf die Kirchenfrage zu sprechen und erläuterte ferner, was die Partei unter positivem Christentum verstehe. Blut und Boden seien keine billigen Schlagworte. Erhaltung des deutschen Volkstums und seiner Rasse, das große Winterhilfswerk und die tatkräftige Unterstützung an unseren erwerbslosen Schwestern und Brüdern seien ebenfalls Christentum der Tat. Die Nationalsozialisten seien keine Heiden und Antichristen; nichts habe nym kürzlich aus dem Munde prominenter Führer im Lager Crössinsee vernommen über Heidentum, sondern nur den Appell an den einzelnen und sein Gewissen. Wenn wir auf Erden so leben würden, daß wir jederzeit in der Lage seien, uns vor den höchsten Richter zu stellen, dann seien wir auch Christen der Tat. Stellvertretender Ortsgruppenleiter Holländer dankte dem Kreisleiter für feine packenden, ernsten Ausführungen und gab der Hoffnung Ausdruck, daß sie lebhaften Widerhall finden möchten. Nach einer kurzen Pause wurden die Mitgliedsbücher und die Opferringskarten ausgehändigt. Pg. Holländer nahm dies zum Anlaß, um in kernigen Worten auf Me Bedeutung dieses Augenblicks nochmals hinzuweisen. Neben Pflichtbewußtsein und neben der Leistung komme es ganz besonders auf das Herz des einzelnen an, das in Ordnung fein müsse. Mit diesen Worten wurden die Parteigenossen in den Reihen der Bewegung willkommen geheißen. Ein dreifaches Sieg-Heil auf den Führer beendigte die Kundgebung, die erste Strophe des Horst-Wessel- Liedes wurde gesungen, dann marschierte die Fahnengruppe aus. Das Orchester spielte die Ouvertüre zu „Figaros Hockzeit" und die Symphonie in g-moll. Der musikalische Leiter, Professor Dr. Temesvary, bot die Ouvertüre sehr beschwingt und fein pointiert. Eine ganz große Leistung des Orchesters und des Dirigenten war die Symphonie. Den schmerzvollen Grundgedanken des Werkes immer wahrend, hob Professor Temesvary die thematische Arbeit in schöner Klarheit hervor, ohne der großen Linie irgendwie Abbruch zu tun. Gewiß hat dieser Abend das gebracht, was der Rektor Prof. Dr. Pfähler in feiner Ansprache betonte, nämlich eine notwendige Ergänzung für den geistig Schaffenden. Sein Wunsch, daß die Darbietungen ihren Zweck nicht verfehlen sollten, möge auf fruchtbaren Boden gefallen sein. Dann wird auch das in Erfüllung gehen, was Dramaturg Nieren in feiner kurzen Rede ausführte, daß die Studentenschaft, an die man sich gerade an diesem Abend gewandt habe, eine kulturpolitische Zelle werde, von der aus dann reiches Leben hervorgehen möge, zum Segen der Musik und der Kunst überhaupt. Das wird auch der Wunsch aller derer sein, die die große Bedeutung der deutschen Kunstschöp- fungen für unser Volk erkannt haben. — a — Sonnenaufgang intoniert er und bringt es tagsüber in ungezählten Sätzen bis zu dreißig Wiederholungen hintereinander; bei Nacht aber hat man bis zu hundertsiebzig Rufe in unmittelbarer Folge ohne Atempause gezählt. Ende April läßt er sich zuerst hören, ausgangs Juni wird sein Rufen seltener, zwischen dem 12. und 18. Juli verstummt er ganz; doch ist sein endgültiges Schweigen nicht gleichbedeutend mit seinem Wegzug, erst im zweiten Augustdrittel verläßt er uns. Wo dichtverwachsene Baumgärten und dunkle Haine an einsame rohrgrüne Teiche grenzen, wo weite Laub- und Nadelwälder sich zwischen Flüssen oder Schilfseen ausbreiten, dort haust der Kuckuck gern. Ein scheuer, wilder und heimlicher Vogel, der nicht weniger schwer zu beschleichen ist als der Pirol, liebt er die Verborgenheit undurchdringlicher Baumwipfel, die er nur verläßt, um bei tiefer Dämmerung das nächste Wasser zu suchen. Darum ist seine Erscheinung fast unbekannt, nur unermüdliche Beobachter finden Gelegenheit, den großen, aschblauen, dunkelgesperberten Vogel im Freien zu sehen. Und doch ist er neben Storch und Schwalbe der volkstümlichste aller Zugvogel, der die Einbildungskraft immer stark beschäftigt hat. Weil er das Urbild des Schmarotzervogels ist, der anderen artfremden Vögeln seine Eier zur Bebrütung unterschiebt, eine Regelwidrigkeit, die sonst nur noch Rosenstar und Honigsauger, zwei farbenbunten kleinen Exoten, eigentümlich ist; das „Kuckucksei" ist sprichwörtlich geworden. Bald nach der Rückkehr aus Tripolis oder dem Nildelta feiert der Kuckuck Hochzeit, und sogleich machen sich die Neuvermählten gemeinschaftlich auf die Suche, um das erste Ei in ein fremdes Nest einzuschmuggeln. Wenn alle übrigen Vögel mit heißem Eifer sich plagen, als „ordentliche Leut" der Nachkomenschaft eine Wiege zu bereiten — dem Gauch sind solche Triebe und Anwandlungen fremd. Lauernd untersucht er alle Winkel im Dorngeftrüpp, durchstöbert jeden Buchen- und Birkenhorst, jede Fichten- und Föhrendickung; wo er ein fremdes Nest entdeckt, dessen Bewohner sich wachsam in der Nähe halten, macht er sich aus dem Staube, denn er vermeidet unnötigen Lärm; findet er aber eins mit einem angefangenen oder vollen Gelege, das von dem Vogelmütterchen auf kurze Zeit verlassen ist, dahinein legt die Kuckucksfrau ihr nach Große und Farbe oft sehr wechselndes, nicht selten aber dem fremden Gehege überraschend angepaßtes Ei ab, und stiehlt sich nach gelungenem Betrug wie- der davon, von dem in der Nähe wartenden Männchen mit Jubelruf begrüßt. Darum ist der Kuckuck der soliden" Dogeiwelt so verhaßt und verächllich Bornotizen. Tageskalender für Dienstag. NSG. „Kraft durch Freude": 20.30 bis 21.45 Uhr fröhliche Gymnastik und Spiele im Lyzeum; 17.30 bis 18.30 Uhr Kindergymnastik, Frankfurter Straße 60, Gartenhaus; 20 bis 21 und 21 bis 22 Uhr (nur für Frauen) Schwimmen im Dolksbad; 21 bis 22 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs; 18 bis 19 Uhr und 19 bis 20 Uhr Tennis. — Stadttheater: 20 bis 23 Uhr „Der Apotheker" und „Susannes Geheimnis". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Die große und die kleine Welt". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die letzte Fahrt der Santa Margareta". — Oberhessischer Kunstverein (Turmhaus am Brandplatz): 17 bis 18 Uhr Ausstellung von Werken von Fritz Heidingsseld (Danzig) und P. A. Böckstiegel (Dresden). Sladttheater Gießen. Heute von 20 bis 23 Uhr ein heiterer Kammeropernabend: „Der Apotheker", komische Oper von Joseph Haydn. Musikalische Leitung: Paul Walter. Spielleitung: Paul Wrede. Hierauf: „Susannes Geheimnis", Oper in 1 Akt von Ermano Wolf-Ferrari. Musikalische Leitung: Paul Walwie der vagabundierende Zigeuner dem hausgesessenen Bauer, und wo er sich blicken läßt, ergeht es ihm wie Steinkauz und Uhu — mit wirrem Geschrei sammeln sich die Verfolger. Trotzdem setzt das Pärchen dieses Treiben zwei Wochen lang fort, bis etwa 17—20 Eier untergebracht sind, eine Zahl, die das Durchschnittsgelege unserer einheimischen Vögel um das Vier- und Fünffache übersteigt. Welcher Vogelart das mit der unwillkommenen Einquartierung belegte Nest zu- gehört, bekümmert den Kuckuck wenig: die Bach- stelze bekommt eins, das Rotschwänzchen bekommt eins, der Erlenzeisig, der Weidensänger, der Pieper, der Gimpel, der Zaunschlüpfer, der Kernbeißer, der Neuntöter, der Fliegenschnäpper, das Braunkehlchen bekommen welche, und die Schwarzamsel auch. Befremdet blicken die Zurückaekehrten auf das eingeschwärzte Gut, lassen ihm aber während der Brut die gleiche Sorgfalt angedeihen wie den eigenen Eiern, und wenn der Wechselbalg ausgeschlüpft ist, wird er mit der gleichen Treue gefüttert wie die echte Nachkommenschaft, zwischen der er sich rücksichtslos breitmacht, so daß die rechtmäßigen Insassen oft durch den größeren und stärkeren Schmarotzer bald über den Nestrand hinausgedrängt werden und zugrundegehen. Der untergeschobene „Kegel" bleibt allein zurück, wird aber gleichwohl von den Pflegeeltern, über die er infolge seiner unwahrscheinlichen Gefräßigkeit rasch hinauswächst, weiter betreut und gedeiht prächtig wie alles Unkraut, bis er, flügge geworden, eines Lagers davonflattert ... Das deutsche Kuckucksparadies sind die anhalti- schen Elbauenwälder unweit Zerbst; dort kann man im Mai oft zwanzig bis dreißig Kuckucke aleichzeitia hören, wobei die Verschiedenheit der Stimmfarbe und Tonlage überraschend zutage tritt. Einst dem Donar heilia, wurde der Kuckuck später um feines dunklen Treibens willen mit dem Teufel in Verbindung gebracht — „hol dich der Kuckuck!" — und galt seitdem als Besitzer des Weissagegabe — „das weiß der Kuckuck!" Wer schwer krank ist, wird „den Kuckuck nicht wieder rufen hören". Das bräutliche Mädchen zählt die Kuckucksrufe; so viele es vernimmt, so viele Jahre steht die Hochzeit noch aus. Auch Herr Spazzo. der Kämmerer der Herzogin von Schwaben in Scheffels „Ekkehard", zählte sie, als er des roten Meersburgers voll, durch die Nacht auf feinem Rößlern Falada dem Hohentwiel entgegensprengte: „Wann soll die Hochzeit sein?" rief er zum Baum hinüber, auf dem der Rufer saß. Schon hatte er zwölf gezählt: „Schweig, schlechter Gauch! Der Jahre fünfundvierzig haben wir schon» das gäü' späten Brautstands ter. Spielleitung: Paul Wrede. Die Vorstellung gilt zugleich als 30. Vorstellung im Dienstag-Abon« nement. Der Sommerladenschluß in den hessischen Landgemeinden. LPD. Auf Grund des § 30 der Arbeitszeitordnung vorn 26. Juli 1934 ist nach Anhörung der Gewerbe« aufsichtsärnter für offene Verkaufsstellen in Gemein» den mit vorwiegend landwirtschafttreibender Bevölkerung der Ladenschluß für die Zeit bis Ende Sep» tember 1936 widerruflich auf 21 Uhr festgesetzt worden. Angestellte und Arbeiter dürfen, wie die Zen» tralabteilung der Hessischen Landesregierung mit» teilt, in der Zeit von 19 bis 21 Uhr nicht beschäftigt werden. Universitäts-Personalien. Von der Pressestelle der Universität Gießen wird uns mitgeteilt: Dozent Dr. Rudolf Stabeimann, der z. Z. mit der Vertretung des Lehrstuhls für neuere Geschichte an der Universität Gießen beauftragt ist, wurde zum nichtbeamteten außerordentlichen Professor ernannt. Der Direktor des Instituts für Leibesübungen an der Universität Gießen, Dozent Dr. Möckel» mann, wurde vom 1. April 1936 ab mit der kommissarischen Wahrnehmung der Dienstgeschäfte des Direktors des Instituts für Leibesübungen an der Universität Königsberg beauftragt. Die vertretungsweise Leitung des Instituts für Leibesübungen an der Universität Gießen übernimmt Dr. Lotz. Oas Nankopfer der Nation. Reiter st andarte 147,Sturm 6. Einzeichnungsliste bei Truppführer Schömbs, Universi- täts-Reitinstitut, Brandplatz 5. Amt für Bolkswohlfahrt. Ortsgruppe Giehen-Ost. Lebensmittel-Opferring. Die Pfundpäckchen-Sammlung wird am Dienstag, 12., und Mittwoch, 13. Mai, von der NS.- Frauenfchaft durchgeführt. Die Mitglieder wollen die Päckchen bereithalten und den Inhalt außen sichtbar angeben. Eine Gießener Handwerkerfahne für den Reichshandwerkertag. Don der Kreishandwerkerschaft Gießen wird uns mitgeteilt: Zu dem am 5., 6. und 7. Juni in Frankfurt am Main stattfindenden Reichshandwerkertag haben die Handwerker aus sämtlichen Kreisen unseres Gaugebietes, und darüber hinaus aus dem gesamten Deutschen Reich, sogenannte Kreis- bzw. Stadtfahnen zur Ausschmückung auf Anordnung der Reichsleitung der Deutschen Arbeitsfront, RBG. 18, zur Verfügung gestellt. Der Kreis Gießen hat die- fern Wunsch entsprochen und eine Fahne mit dem Wappen der Stadt Gießen bei der Fahnenhandlung Hisgen in Lich anfertigen lassen und fie für die Dauer von drei Tagen zur allgemeinen Besichtigung gegenüber dem Hause der Handelsund Gewerbebank, Gießen, Goethestraße 7, für die Öffentlichkeit zum Aushang gebracht. Die Fahne ist entsprechend den Anordnungen der Reichsleitung nach den genauen Vorschriften angefertigt. Sie hat eine Länge von 7 Meter und eine Breite von 2 Meter. In dem oberen Teile befindet sich das Wappen der Stadt Gießen, darunter der Namenszug der Stadt, im unteren Teil befindet sich das Zeichen der Deutschen Arbeitsfront und des Reichsstandes Des deutschen Handwerks. Es ist nunmehr allen Volksgenossen, die nicht zu dem Reichshandwerkertag nach Frankfurt kommen können, die Gelegenheit geboten, die Fahne hier in Augenschein zu nehmen. Die Fahne selbst wird in Frankfurt a. M. zur Ausschmückung der Straßenzüge ihre Verwendung finden. Kurze Zreude. Einen ganz eigenartigen Rekord hat ein Mann in Chelmsford in Essex aufgestellt: er war die kürzeste Zeit Besitzer eines neuen Kraftwagens. Um 9 Uhr 50 Minuten kaufte er sich den neuen Wagen, um 9.55 Uhr war er schon gestohlen. Mit einem Verkäufer, der den Wagen gerade von der Fabrik abgeholt hatte, bewunderte er das neue Gefährt, das in all feinem Glanz, blitzend vor Neuheit auf dem Parkplatz vor dem Hotel stand, dann betrat er mit dem Verkäufer das Hotel, und um 9.50 Uhr schlossen sie den Kauf ab. Um 9.55 Uhr verließ er mit allen nötigen Papieren, gestempelt und unterschrieben, das Hotel, um sein neues Besitztum nach Haus zu fahren. Aber es war kein Wagen mehr da, ein schnell entschlossener Dieb hatte ihn entführt. Fünf Minuten, nachdem der Diebstahl entdeckt war, hatte sich die Polizei schon zur Verfolgung aufgemacht. ' Zeitschriften. — „D e r Naturforscher". Bebilderte Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Naturwissenschaften und ihre Anwendung in Naturschutz, Unterricht, Wirtschaft und Technik. Vierteljahresbezug 2,50 Mark, Einzelheft 1 Mark. Hugo Bermühler Verlag, Berlin-Lichterfelde N. — Im Mai-Heft nimmt Geh. Hofrat Dr. L. Roemheld auf Grund seiner Forschungen und Heilerfolge Stellung zu der Notwendigkeit der Zwerchfellatmung. — Der Zoologe Dr. v. Frankenberg legt an zahlreichen Bildern dar, worauf die Unzweckmäßigkeiten in der Natur zurückzuführen sind. Professor Dr. Dr. Rhumb- ler hat auf hoher See ausgezeichnete Beobachtungen über das Kompaniesegeln der Moven angestellt, die er in Wort und Bild schildert. — In die Frühlingsflora des Hochgebirges führen uns die hervorragenden Aufnahmen des Natur- Photographen Ernst Krause, zu denen M. Hünemohr einen aufschlußreichen Aufsatz geschrieben hat. — Prof. Dr. Schoenichen, der Direktor der Reichsstelle für Naturschutz, behandelt den Schutz der deutschen Pflanzenarten. Dipl.-Jng. Gundlach zeigt mit Bildbeispielen die neuen Erkenntnisse und Erfolge der Elektronenmikroskopie. Zahlreiche Forschungsergebnisse und kleine Beiträge aus allen Gebieten, Anregungen zur Naturbeobachtung, die Bücherschau, die Uebersicht der Neuerscheinungen und die immer sehr beliebte Preisfrage beschließen das wiederum sehr abwechselungsreiche und hervorragend debil- derte Heft. Die Gießener Polizei im April. Tätigkeitsbericht der Polizeidirektion Gießen. Von der Polizeidirektion Gießen wird uns mit- geteilt: Wenn die nachstehenden Angaben auch nur einen Ausschnitt aus der gesamten Tätigkeit der Polizei darstellen, so kann die Oeffentlichkeit daraus doch ersehen, wie umfangreich und mitunter recht schwie» rig sich das Aufaabengebiet der Polizei tatsächlich gestaltet. Eine erschöpfende Darstellung dieser Materie ist nicht angängig, weil sie zum Teil nicht für die Oeffentlichkeit bestimmt und zum anderen Teil ür die Allgemeinheit nicht von Interesse ist. Von der Gewerbepolizei wurden im Monat April insgesamt 163 Betriebe einer Kontrolle unterzogen. Es handelte sich hierbei insbesondere um Kontrollen der Bäckereien und Konditoreien, der Branntweinverkaufsstellen, der Buchdruckereien, der Damenschneidereien, der Autoreparaturwerk- tätten und der Althändler. Außerdem wurden 26 Geschäfte, in deren Betrieb Kunstspeisefette Verwendung finden, hinsichtlich des vorgeschriebenen Aushanges kontrolliert. Durch diese Bestimmung ist gewährleistet, daß das kaufende Publikum stets unschwer feststellen kann, in welchen Betrieben Margarine und sonstige Kunstspeisefette zur Hertelluna von Gebäck usw. Verwendung finden. Zwei Milchkontrollen, die im Berichtsmonat durchgeführt wurden, erstreckten sich auf 232 Kannen Milch. Je 2 Kontrollen der Diehtransportmittel und der Fleischtransportwagen, die ebenfalls im abgelaufenen Monat stattfanden, haben keine Beanstandungen ergeben. Die Ueberwachung der Preisgestaltung und der Kennzeichnung von Lebensmitteln machte, wie dies a schon in den vorhergebenden Monaten der Fall war, auch im Monat April eine ständige Inanspruchnahme der Gewerbepolizeibeamten erforderlich. Die Zahl der bei der Gewerbepolizei zur Anmeldung gelangten Betriebsunfälle betrug 60 und hat sich im Vergleich zum Vormonat um 13 vermindert. Auf Ersuchen der verschiedenen Berufsgenossenschaften wurden 20 polizeiliche Unfalluntersuchungen (Betriebsunfälle) durchgeführt. Beim Einwohnermeldeamt der Polizei- dtrektion gelangten im Monat April 402 (545) Personen zur Anmeldung, 605 (638) zur Abmeldung und 519 (477) zur Ummeldung. (Die in Klammern angegebenen Zahlen beziehen sich auf den Monat März 1936). Don der Verkehrspolizei wurden im Monat April etwa 100 Strafanzeigen wegen Zuwiderhandlungen gegen die Verkehrsoorschriften vorgelegt. Ungefähr die Hälfte dieser Anzeigen wurde an die Justizbehörde zur Strafverfolgung weitergelei- tet, während gegen die übrigen Verkehrssünder, die sich nur geringfügige Übertretungen hatten zuschulden kommen lassen, gebührenpflichtige Verwarnungen ergangen sind. Die K r i m i n a l p o l i z e i st e l l e der Polizeidirektion Gießen hat im Monat April insgesamt 151 Anzeigen wegen begangener Verbrechen und Vergehen bearbeitet, darunter 32 Anzeigen wegen Betrugs, 41 Diebstähle, 6 Sittlichkeitsdelikte, 3 Urkundenfälschungen, 6 Unterschlagungen usw. Außerdem wurden 6 tragische Ableben, 2 Vermißtenanzeigen und 9 Gnadengesuche bearbeitet. Auf Ersuchen auswärtiger Behörden wurden in 29 Fällen Ermittlungen zur Aufklärung von Straftaten durchgeführt und in 284 Fällen Amtshilfe geleistet. Der Erkennungsdienst hatte 7 Personen zu behandeln und 16 Tatortaufnahmen anzufertigen. Zu dieser Tätigkeit der Kriminalpolizei kommt noch die Sicherstellung von 5 Fahrrädern und die Durchführung von 12 Kontrollen der Gastwirtschaften und Herbergen. Die Zahl der D e r k e h r s u n f ä l l e ist im Der- gleich zum Monat März erheblich gestiegen. Während im März insgesamt 20 Verkehrsunfälle gemeldet wurden, waren im April 35 Verkehrsunfälle xu bearbeiten. Bei 15 dieser Unfälle war nur Sachschaden entstanden. Dagegen wurden bei den übrigen Verkehrsunfällen 3 Personen tödlich, zwei schwer und 16 leickt verletzt. Möge deshalb jeder Volksgenosse darauf bedacht sein, sowohl als Fahrzeugbenutzer, als auch als Fußgänger, stets größte Vorsicht zu beachten. Oer Gparerbun- im Dritten Reich. Der Sparerbund Gießen hielt am Samstag im Gasthaus „Hindenburg" eine öffentliche Versammlung ab. Ortsgruppenfuhrer Lorenz begrüßte be- onders den Landesverbandsführer des Sparerbundes, Ministerpräsident i. R. Professor Dr. Werner, Darmstadt der über das Thema „Der Sparerbund im Dritten Re ich" sprach. In anschaulicher Weise childerte der Redner, wie dem unbestrittenen Recht, nur durch geschlossenes und einiges Auftreten Geltung verschafft werden kann. Rur durch lieber» Windung der Zersplitterung und durch Hingabe an den Gedanken des Sparers wird es möglich sein, geeignete Wege rechtzeitig zu beschreiten, um die maßgebenden Stellen auf Uebelstände aufmerksam zu machen und durch Aufmerksamkeit manche Werte xu retten. Dem organisierten Kapital muß eine eben», so straffe Organisation entgegengestellt werden, damit dem moralischen Recht auf der Seite der Sparer Geltung verschafft werden kann. Gott hilft nur dem, der handelt. Der Redner sprach sich in anerkennender Weise über die sehr rührige Ortsgruppe Gießen aus, die zu den besten im Reich gehört, und zollte besonders dem Vorsitzenden Lorenz Dank und Anerkennung. In einem Rückblick auf die aufeinanderfolgenden Schicksalsschläge des sparenden deutschen Menschen zeigte Professor Werner auf, wie sich das Ausland an deutschem Fleiß und deutschen Werten bereicherte. Zur Wiedergutmachung des Unrechtes sind gangbare Wege möglich, die, in kurzen Umrissen angeführt, die Bedeutung der Aufgaben erwiesen, die dem Sparerbund zugefallen sind, um den vorn Schicksal hart getroffenen Mitmenschen zu ihrem Recht zu verhelfen. Rur demjenigen, der nicht verzagt, wird ein Erfolg beschieden sein. Aus wiederholten Aussprüchen des Führers des deutschen Reiches für das deutsche Sparertum ist nicht nur die Anerkennung des geschehenen Unrechtes zu entnehmen, sondern auch erneut Hoffnung zu schöpfen. Ein anwachfendes Sparertum ist eine fortschreitende Loslösung des Staates vom internationalen Kapital, und der Staat hat ein Interesse daran, feinen Sparer zu schützen. 3e mehr wir darum für den Staat, der ja unser Ist, wie auch das ganze Land deutsch ist, eintreten und ihn fördern und ffaff machen, desto besser wird es für den Sparer fein. Und der Staat weiß, daß man den Glauben an die Lebenskraft und an die Wahrhaftigkeit nur einmal zerstören kann, weit sonst der Weg ins Verderben führt. Darum ist die Arbeit für den Sparergedanken im Dritten Reich nicht umsonst. Der Redner sprach davon, wie die Bemühungen der Führung des Sparerbundes für die Mitglieder, die Betretung bei den Obligationärversammlungen usw. darauf hinausgehen, den Sparergedanken ständig vor die breite Oeffentlichkeit zu bringen. Bei der Betreuung der Mitglieder sind schon viele Werte gerettet worden. Verhandlungen mit der Kanzlei des Führers, in der Gauleitung, in Berlin und im Reichspropagandaministerium haben bewiesen, welch lebhaftes Interesse die zuständigen Stellen am Sparertum haben. Es sind Vorschläge in Beratung, die geeignet sind, zum Ziele zu führen. Auch im Sparertum ist die Zusammenfassung der Organisationen im Gange, um durch ein geschlossenes Auftreten der Auffassung zu begegnen, daß die Sparer alte Leute wären. Der Sparerbund setzt sich aus Alt- und Neusparern zusammen. Ortsgruppenführer Lorenz, der für die mit großem Beifall aufgenommenen Ausführungen des Landesoerbandsführers herzlich dankte, wies auf die Bedeutung des Sparergedankens an sich hin und wies nach, wie in allen Kulturnationen das Sparertum anzutreffen ist. Anschließend gab in einem Lichtbildervortrag Missionar Walther erschütternde Schilderungen seiner „Erlebnisse in französischer Kriegsgesangen- fchatt in Kamerun". In seinem Schlußwort stellte Ministerpräsident i. R. Pros Dr. Werner fest, daß außer einigen Neuaufnahmen der Abend insofern noch einen Erfolg brachte, als er für die Kampffront der Sparer und der Kolonialdeutschen neuen Lebenswillen für den Aufbau an Volk und Vaterland geweckt habe. Mit dem Sieg-Heil auf den Führer wurde der Abend geschlossen. NS.-Knegsopferversorgung ehrt die Kriegermütter. Nach dem Wunsche des Reichskriegsopferführers Hanns Oberlindober hatte, wie überall, auch die Ortsgruppe Gießen der NS.-Kriegsopferver- sorgung die Mütter der gefallenen Kameraden am Sonntag zu einer kleinen Muttertagsfeier im Restaurant „Tannhäuser" eingeladen. In entgegen- kommender Weise hatten Gießener Geschäftsleute und auch Kameradenfrauen reichliche Spenden zur Ermöglichung eines Nachmittagskaffees zur Verfügung gestellt, und um dessen Durchführung haben sich auch Kameradinnen in selbstlosester Weise verdient gemacht. Allen Spendern und Helfern sei hiermit der geziemende Dank ausgesprochen. lieber den Sinn und Zweck der Feier sprach in herzlichen Worten Kamerad B o n h a r d. Wenn am letzten Heldengedenktag das große Opfer der gefallenen Helden für das Vaterland ehrend und dankend gewürdigt wurde, fo sollte am Muttertag in erster Linie an das Opfer gedacht werden, das die Mütter der gefallenen Helden für das Vaterland gebracht haben. Groß war einst der Schmerz für jedes Mutterherz beim Ausmarsch ihrer Söhne an die Front. In hunderten Feldpostpaketchen und in Hunderten von Briefen gerade von feiten der Mütter strömten Riesenkräfte in den Schützengraben. Schmerzvoll und qualvoll war das ewige Bangen des Mutterherzens um das Schicksal der Söhne, die draußen in ständiger Lebensgefahr standen. Diele Tränen flössen, und gerade das Mutterherz blutete bei der Nachricht: der Sohn ist gefallen. Im Ertragen des großen Leidens waren jedoch die Mütter heldenmütig. Und gerade aus dem Bewußtsein der Größe der Opfer, welches diese Heldenmütter für das Vaterland gebracht haben, soll entspringen der tiefste Dank und die größte Ehrung, die gerade am Muttertage das ganze Vaterland zum Ausdruck bringen will. Versammlung der Gießener Ostdeutschen. Der Bund heimattreuer Schlesier (Deutscher Ostbund) hielt am gestrigen Montagabend im „Pfälzer Hof" eine außerordentliche Mitgliederversammlung ab, die sich in erster Linie mit der Durchführung der Veranstaltung am 24. Mai befaßte. Bundesgruppenleiter Kostorz erstattete Bericht über die Landesverbandstagung der Oft- und Westpreußen. Er gab die Richtlinien für die aufge» tragens Volkstumsarbeit in den Ostmarken bekannt und schilderte diese Aufgaben in ihrer Bedeutung für das Aufbauwerk an Staat und Volk. Die Bundesgruppe erklärte sich zur Mitarbeit besonders an einer Sammlung von Büchern und der eventuellen Aufnahme von Ferienkindern bereit. Die Ferienzüge nach Oft- und Westpreußen führen Anfang Juli von Frankfurt über Gießen bis nach Königsberg. An ihnen kann fick jeder Volksgenosse beteiligen, auch wenn er nicht dem Bunde angehört. Die Schlesier-Ferienzüge liegen noch nicht fest. Die Ausgabe der Ehrenzeichen für die Abstim- mungsberechtigten wird am 24. Mai durch Oberbürgermeister Ritter in feierlicher Weife erfolgen. Dazu find auch die Nachbargruppen eingeladen. Nach einer Feier am Vormittag ist ein landsmannschaftliches Befammensein vorgesehen. Die Veranstaltung dient der Werbung für den ostdeutschen Heimatgedanken. Landsmann M o h a u p t berichtete über die Ende Juni oder Anfang Juli stattfindende Rheinfahrt über Bad Ems, Koblenz, Bacharach und zurück. Nach Erledigung dringender Organisationsfragen für die bevorstehende Veranstaltung wurde die Versammlung durch den Bundesgruppenleiter mit der Führerehrung und dem Horst-Wessel-Lied geschlossen. Imkerversammlung in Gießen. Die Ortsfachgruppe Gießen in der Reichsfachschaft Imker des Reichsoerbandes der Deutschen Kleintierzüchter hielt am Sonntag im „Hopfeld" ihre zweite diesjährige Frühjahrsversammlung ab, die einen derart starken Besuch zu verzeichnen hatte, daß der Saal die Mitglieder nicht alle zu fassen vermochte. Ortsfachgruppenvorsitzender Gotthard B o d enden d e r (Gießen) wies nach der Begrüßung auf die hohen Aufgaben der deutschen Bienenzucht hin, die nicht nur den Bedarf des deutschen Volkes an Bienenhonig zu decken habe, sondern vor allem auch unentbehrlich sei zur Erzeugung heimischen Saatgutes und Obstes durch Befruchtung der Blüten von Samenpflanzen und Obstgehölzen. Der Vorsitzende behandelte dann die Frühjahrs- arbeiten am Bienenstand und führte dazu u. a. aus: Die Ueberwinterung der Völker war gut und hatte kaum Dolksverlufte im Gefolge. Die Futterzehrung war verhältnismäßig gering. Entgegen den Anschauungen stüherer Jahre ist heute die Forderung wärmehaltiger Verpackung den Winter über Allgemeingut der Imker geworden, weil dadurch krasse Wärmeunterschiede vermieden werden. Reichliche Einfütterung ist die Voraussetzung für eine gute Durchwinterung. Sie ist mit 15 Pfund je Volk vorzunehmen und muß bis zum 20. September beendet sein. Dann ist die Ruhrkrankheit nicht zu befürchten. Die Dolksentwicklung setzte in diesem Jahre spät ein. Der Bruteinschlag nahm dauernd zu, so daß mit Einsetzen der Tracht fast auf allen Ständen starke Völker vorhanden waren. Jetzt gilt es das Brutnest zu erweitern, damit Flugbienen für die Sommertracht auslaufen können. Wichtig ist die Bauerneuerung durch rechtzeitiges Eingängen von Mittelwänden an die letzte Brut- roabe, vor das Pollenrähmchen. Hierdurch wird auch die Schwarmlust eingedämmt. Eine Aussprache schloß sich an. Der zweite Vortrag betraf die Honigbehandlung. Wenn der deutsche Honigmarkt völlig zurückerobert werden soll, müssen die Imker Qualitätsware in ausreichenden Mengen dem Verbraucher zur Verfügung stellen. Sauberkeit muß beim Schleudern, Aufbewahren und Einfällen herrschen. Die Vorräte müssen in einen staubfreien, geruchlosen Raum verbracht werden. Oesteres Schäumen und Durchrühren sind notwendig. Die Hauptwaffe im Kampf auf dem Honigmarkt ist das Einheitsglas der Reichsfachgruppe Imker. Gewähr für Reinheit und Güte bildet der Verschlußstreifen. Auch sollten die Werbemittel, wie Einwickler und Honigschild, zur Verwendung gelangen. Ein weiterer Schulungsvortraa wurde über die Zucht der Stockmütter gehalten. Das Pflegevolk soll die Edelköniginnenlarven pflegen und erbrüten. Au das Erbgut kommt zuletzt alles an. Sehr wichtig ist auch die Auswahl des Vatertieres, der Drohne. Wir habe» in der Landesfachgruppe drei Königinbelegstellen für Reinzucht. In den südlichen und westlichen Gebieten ist die Nigrabiene verbreitet, be-i uns fast ausschließlich der Stamm 47. Eine Festsetzung der einzelnen Zuchtrichtung soll spater noch erfolgen. Nachdem noch verschiedene Vereinsangelegenheiten ihre Erledigung gefunden hatten, wurde die Tagung mit dem Gedenken an Führer, Volk und Vaterland geschlossen. 3ä<3crprtiftmem neu erstandenen Gleibergverein (Statuten gaben, ba verankerten sie, daß die Jahreshauptversammlung im schönen Monat Mai auf der Burg stattzufinden habe. Das ist nun längst zur Gepfloaenheit geworden. Am Samstag grüßte vom hohe« Bergfried im Sonnenschein das Banner, verkündend, baß der Betreuer der Heimatburg, der Gleibergverein, oben tagt, um Rechenschaft abzulegen, wie er bas Erbe der Väter verwaltet, und zu beraten, was zu Wohl und Gedeih der Feste noch geschehe. Dor Beginn der Versammlung nahm manches Mitglied Gelegenheit, die baulichen Veränderungen, Instandsetzungen und den aus Feuersicherheitsgründen notwendig gewordenen Neubau der Scheune zu besichtigen. Bei diesem Rundgang zeigte sich mit Eindringlichkeit die Größe immer wiederkehrender und neuer Arbeiten, von denen der Glei- bergbesucher oft nichts ahnt, geschweige denn einmal darüber nachdenkt, wer verantwortungsvoll hier schaltet und waltet und dabei noch nach Kräften den Wünschen des Publikums Rechnung trägt. Es wäre sehr begrüßenswert, wenn immer neue Mitglieder mit dem geringen Jahresbeitrag von 3 RM. dem Gleibergverein beitreten würden, damit die herrliche und interessante heimatliche Stätte wie bisher, auch fernerhin bestens erhalten werden kann. Die Versammlung ging im geschmückten Kaisersaal vonstatten. Der Vorsitzende Direktor Menken-Kinzenbach eröffnete sie mit dem Gruß an den Führer, hieß olle Anwesenden herzlich willkommen, insonderheit Assessor Müller (Wetzlar) in Vertretung des verhinderten Landrats, Baurat Hildebrand (Dillenburg) und Rektor i. R. Müller (Gießen), den Vertreter der Heimatvereinigung Schiffenberg. Nach einer Minute stillen Gedenkens der im Laufe des Jahres verstorbenen Vereinsmitglieder, berichtete der Vorsitzende in aufschlußreicher Weise über die Tätigkeit Des Vereins. Das Hauptproblem, nämlich Erhöhung der Feuersicherheit der Unterburg, sei zum größten Teil gelöst worden durch vollstänbige Entrümpelung der großen Speicher von brennbaren Materialien, insonderheit aber durch den Bau einer Scheune an der verdeckten Hinterburg zur Aufnahme der Heu-, Stroh- und Holzvorräte des Burgwirtes, die bislang in Oberräumen des Albertusbaues lagerten. Redner dankte Oberbauinspektor Mohr (Gießen) als dem „Baumeister auf Burg Gleiberg" für die auch bei diesem Bau gehabte Mühe. Als notwendig erwies sich die Anschafung von dre.i großen Oefen, von Herren zwei im Kaisersaal und der andere in der Bauernstube ausgestellt sind. Dadurch ist zukünftig in gemütlicher Aufenthalt auch in kalter Jahreszeit oll und ganz gewährleistet. Die Benutzung des Schulungslagers ist eine gute gewesen. SS, Nationalsozialistischer Studentenbund, Juristen, Arbeitsfront, Luftschutz und andere Gruppen hatten das Lager mit 2488 llebernachlungen belegt (Im Vorjahre 1090). So war die Burg auch im verflossenen Jahre ein Mittelpunkt weltanschaulicher Schulung für viele junge und alle Volksgenossen. Sie alle, wie auch öfters anwesende führende Männer der Partei und des Staates, haben den besten Eindruck vorn Gleiberg in den Alltag mitgenommen und zugleich die alle Erkenntnis, daß der Gleibergverein, der einstmals die Burg vom Staat zu treuen Händen empfangen hat, sie auch in den Dienst des neuen Staates stellt, indem allen aufbaufreudigen Gruppen ihre Tore geöffnet sind. Die Gaudienststelle der NSG. „Kraft durch Freude" will in dankenswerter Weise die Burg für Wanderer und Urlauber in den Kreis ihrer Beschickungsorte einreihen. Da zumeist die 25 Betten des Lagers nicht ausreichen und dann mit viel Umstand der Auf- und Abbau weiterer Betten im Luxemburger Zimmer geschehen muß, sind Pläne aur Herrichtung der über dem Lager befindlichen Räume ausgearbeitet worden, mit deren Verwirklichung gleichzeitig die dort vorhandene Baufälligkeit behoben werden könnte. Die Pläne liegen gegenwärtig bei dem Oberpräsidium vor. Ein Ausbau, ganz gleich welcher Art, kann nur mit staat- lichen Geldmitteln geschehen. Nach Bekanntgabe von Absichten der Nassauischen Brandversicherung (Feuer- und Luftschutz, sirene auf dem Berg und sonstige Feuerschutzmatz- nahmen) dankte Direktor Menten den Mitglie- dern für die dem Verein gehaltene Treue und wies auf das 100jährige Bestehen des ©lei- bergvereins hin, das im nächsten Jahre in würdiger Form begangen werden soll. Um evtl, in der Oefsentlichkeit entstehenden Irrtümern vor- aubeugen, teilte er mit, daß das im Jahre 1929 gefeierte Jubiläum dem vor 50 Jahren (1879) geschehenen Befitzüberganges der Burg an den Verein gegolten habe. Lehrer praß-Krofdorf als Schrift- und Kassenführer gab anschließend den Kassenbericht und erläuterte ihn eingehend in allen Teilen. Die Einnahmen setzten sich wie folgt zusammen: Beiträge der Mitglieder 1124 Mk., Geld- Zuwendungen öffenlicher Körperschaften 1400 Mk., Abgabe des Burgwirtes bis 1. April 730,35 Mk. Lagerbenutzungsgebühren 374 Mk., Spenden, Sammlungen 114,71 Mk., Einnahme vom Gleiberg- fest 163,80 Mk., sonstige Einnahmen 25,20 Mk., zusammen 3932,18 Mk. Demgegenüber stehen an Gesamtausgaben 3355,16 Mk., somit vermindert sich die Bauschuld um 577,02 Mk. Trotz der neuerstandenen Kosten durch den Bau der Notscheune und Am Sonntag hielt die Gruppe 1 des Sängerkreises Gießen im Gau 12 des Deutschen Sängerbundes in Klein-Linden ihr Wertungs- Sagen ab. Es roar das 7. Wertungssingen dieser rt, das der Sängerkreis Gießen seit Einführung des Wertungssingens veranstaltete. Die Vorbereitungen hatte neben der Sängerkreisleitung Gießen Vereinführer Mülln von dem Gesangverein „Arion" Klein-Linden übernommen, der mit feiner Sängerschar für einen guten Verlauf des Wertungssingens Sorge trug. Schon am frühen Sonntagvormittag hielten die Männergesangvereine der Umgegend ihren Einzug in das mit den Fahnen des Dritten Reiches reich geschmückte Dorf, von den Einwohnern und den Sangesbrüdern herzlich begrüßt. Im Saale des Gasthauses „Zur deutschen Eiche" begann kurz vor 9 Uhr das Wertungssingen der dreizehn Männergesandvereine. Vereinsführer Mülln vom „Ariom Klein-Linden begrüßte die Sangesfreunde mit herzlichen Worten und dankte allen für ihr Erscheinen. Ortsgruppenleiter Dr. Cröhmann überbrachte die Grüße der Gemeinde Klein-Linden und wünschte der Veranstaltung einen guten Verlauf. Sodann traten die folgenden Vereine zum Wertungssingen an: Gesangverein „Arion" (Chorleiter Konrad Nicolai, Großen - Buseck), „Sängerlust" Oppenrod (Ernst Nicolai), „Einheit" Allendorf a. d. Lahn (Robert Häufe r, Watzenborn-Steinberg), Gesangsabteilung der Lokomotivführer Gießen (Konrad Nicola i), „Heiterkeit" Annerod (Philipp Groß, Wieseck), Groß- cher Männerchor Gießen (Philipp Groß), „Konkordia - Harmonie" Rödgen (Konrad Nicolai), „Heiterkeit" Gießen (Wilhelm Schöttler), „Poly- hymnia-Liederkranz" Beuern (Heinrich S ch o m - b e r), „Harmonie" Reiskirchen (Konrad Nicolai), „Eintracht - Harmonie" Klein - Linden, „Heiterkeit- Sängerkranz" Graßen-Buseck (Konrad Nicolai) und „Bauerscher Gesangverein" Gießen (Prof. Dr. Temesvary). Das Wertungssingen nahm etwa drei Stunden Zeit in Anspruch: jeder Verein brachte zwei selbstgewählte Lieder zum Vortrag. Nach dem Singen stellten sich die Vereine mit ihren Fahnen zum Zug durch das Dorf auf. Eröffnet wurde der Zug durch die schmucken Rad- ahrer und Radfahrerinnen der Radfahrervereinigung Klein-Linden. Unter den Klängen der Musikkapelle Krengel (Gießen) und eines Pfeifer- und Trommlerkorps bewegte sich der Zug durch die Ortsstraßen nach dem Platz vor der Kirche zur vaterländischen Kundgebung. Nach dem Vortrag des Deutschen Sängergrußes der Anschaffung der Oefen, sowie der Erledigung anderer mit Kosten verbundenen Anschaffungen, konnte die vom Lagerausbau herrührende Schuldsumme auf 3500 Mk. gesenkt werden, zu der die Aufwertungsschuld von 1300 Mark aus der Vorkriegszeit hinzuzurechnen ist. Es bedeutet dies eine ganz große Leistung, wenn man bedenkt, daß der Umbau der sehr baufälligen Räume im Albertusflügel etwa 12 000 Mk. kostet und daß der Verein — bis jetzt ohne einen Pfennig Zuschuß dazu — aus eigenen Mitteln diesen Teil der Unterburg nicht nur vor dem Verfall bewahren, sondern ihn auch produktiven Zwecken dienstbar machen konnte. Der Voranschlag 1936 sieht 3100 Mk. in Ein- und Ausgabe vor. Mit der Bitte, dem Verein immer neue Mitglieder zuzuführen, schloß der Bericht des Kassenführers. Im weiteren Verlause der Versammlung wurde das diesjährige Sommerfest besprochen. Es wird mit Rücksicht auf das große Turnfest in Wieseck vom 5. auf den 12. Juli verlegt, und es soll in dem bereits traditionell gewordenen Rahmen eines Volksfestes begangen werden. Nach verschiedenen Anregungen aus der Mitte der Versammlung schloß der Vorsitzende mit drei- fachem Sieg-Heil den offiziellen Teil. Ein verlese- nes Gedicht eines Krofdorfer Gleibergfreundes, das im Lob des alten Gleibergs zum Besuch auf ihn wirbt, fand starken Beifall. Und damit war die Ueberleitung zum gemütlichen Beisammensein in der Bauernstube gegeben. der 500 Sänger unter Stabführung von Professor Dr. Temesvary erschallten die Klänge des wuchtigen Chores „Es ziehen die Standarten hinaus zum alten Tor" (Gedicht von H. Annacker, komponiert von Hermann Grabner). Kreiswalter Müller begrüßte dann die Teilnehmer und Gäste und überbrachte die Glückwünsche des Gaues 12 Hessen-Darmstadt. Er führte u. a. aus, daß das deutsche Lied, das aus dem Volke komme, von den Vereinen wieder ins Volk hineingetragen werden müsse. Die Kundgebung solle von dem Ernst, mit dem die Sänger ihrem Vaterland mit dem Lied dienen, Zeugnis ablegen. Mit der Pflege des deutschen Liedes als eines der wertvollsten Volksgüter diene die deutsche Sängerschaft der deutschen Kunst und dem deutschen Volke. Sie stelle ihre Arbeit ganz in den Dienst des Nationalsozialismus und damit Deutschlands, getreu dem Wort „Nichts für uns, alles für Deutschland." Anl^ließend erklang von den Sängern der alte Mahnruf „Wach auf, du deutsches Land, du hast genug geschlafen". Der alte Ruf, ein Lied aus dem Jahre 1569, ein Originalsatz von Johann Walther, für Männerchor von Friedrich Noack gesetzt, fand mächtigen Widerklang. Sodann ergriff Ortsgruppenleiter Dr. C r ö ß - mann das Wort und führte u. a. aus, daß es heute am Platze sei, noch einmal zurückzudenken an die trostlose Zeit unseres Vaterlandes in der Vergangenheit. Nur unserem Führer hätten wir es zu verdanken, wenn wir heute in Ruhe und Frieden eine derartige Veranstaltung durchführen könnten. Wäre Adolf Hitler nicht gekommen, dann wären wir heute nicht in der Lage, die deutschen Lieder zu singen. Aus dem Gefühl der Dankbarkeit heraus müßten wir alle zusammenstehen in Treue zu Führer und Volk. In das auf den Führer ausgebrachte „Sieg-Heil" stimmte die Menge begeistert ein und sang anschließend die beiden nationalen Lieder. Am Nachmittag fand in der Wirtschaft „Zur Burg" für Dirigenten, Vorsitzenden und einige Sänger die Besprechung der Vormittagsarbeit statt. Der »Wertungsrichter Dr. Werner gab seiner Freude Ausdruck, feststellen zu können, daß das Wertungssingen ein Singen gewesen sei, wie es vom Deutschen Sängerbund in seinem Kulturprogramm gewünscht werde. Wenn man auch im Hessischen Sängerbund früher schon bemüht gewesen sei, diesem Ziel näherzukommen, so solle man für die Zukunft immer noch mehr nach dem Vollkommenen streben. Er zeigte die Richtlinien auf, nach denen weiterzuarbeiten sei, und stellte in drei Punkten das Wesentliche zusammen: Die ländlichen Reitervereine unterstehen dem Reichsnährstand DRB. Um in der Oefsentlichkeit entstandenen Mißverständnissen entgegenzutreten, gibt der Reichs- und Preußische Minister für Ernährung und Landwirtschaft folgendes bekannt: Die ländlichen Reitervereine dienen neben der Förderung der Reiterei und dem Fahrwefen in erster Linie der ländlichen Pferdezucht und unterstehen daher ausschließlich dem Reichsnährstand, Die reiterliche Ausbildung und die Fahrausbildung innerhalb der ländlichen Reitervereine erfolgen nach denjenigen Richtlinien, die der Reichsbauernführer im Einvernehmen mit den für diese Fragen vom Führer und Reichskanzler beauftragten Generalinspekteur SA.-Obergruppenführer Cifjmann erläßt. 1. Wertungssingen und Gesangvereinsarbeit sollen den Geist der Gemeinschaft fördern, sollen auf das eine Ziel hinarbeiten: friedlich zusammen-, nicht gegeneinander zu stehen. 2. Was wir singen, soll auf hoher Warte stehen. Es dürfen nur Lieder gesungen werden, die wirklich nur bestes deutsches Liedgut sind. Es gilt, altes wertvollstes Liedgut aus der Vergangenheit hervorzuholen, aber man muß auch dem neuen Lied, das wertvoll erscheint, Eingang verschaffen. 3. Wertungssingen sollen die Leistungsfähigkeit der einzelnen Vereine Herausstellen. Es müssen Proben aus der Arbeit des verflossenen Jahres gezeigt werden, um zu sehen, ob Fortschritte gegen früher zu verzeichnen seien. Verbesserungen seien noch anzustreben bei der Feinarbeit am Lied in Klangkultur, Reinheit der Harmonie und Aussprache. Erwünscht sei es auch, durch Mitwirkung von, Kinderchören, Frauenstimmen (Gemischter Chor) und Instrumentalmusik den Chor zu erweitern. Hauptziel alles Singens sei es, den Gesang so in den Dien st des deutschen Volkes zu st el- len, daß er mithelfe, den deutschen Menschen zu erziehen. Kreiswalter Müller dankte zum Schluß Dr. Werner für seine Anregungen und bat, diese in die Tat umzusetzen. Mit dem Gelöbnis der Treue zum Führer schloß er seine Ausführungen. Am Nachmittag und am Abend fand Volksfest statt. In den Lokalen des Dorfes pflegten die Sangesbrüder Volksgemeinschaft und blieben noch lange beim Gesang schöner Lieder in froher Eintracht beisammen. Unwetter in der Büdinger Gegend. * Büdingen, 11. Mai. In unserer Gegend gingen gestern schwere ©emittier mit H a - gelschlatz und w o l k e n b r u ch a r t i g e m Regen nieder, so daß in einigen Orten in Gehöften Kühe im Wasser standen, Schweine in höhergelegene Räume in Sicherheit gebracht werden mußten und auch die Straßen unter Wasser standen. Auch in den Gärten und auf den Feldern ist vielfach durch Fortschwemmen der Saaten und des Ackerbodens erheblicher Schaden entstanden. Die kleinen Wasserläufe führten große Wasserrnen- gen mit sich. Rundsunkprogramm. Mittwoch, 13. Mai: 6 Uhr: Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 8.10: Gymnast. 8.30: Musik am Morgen. 10: Schulfunk. 11: Hausfrau hör zu! 11.30: Gaunachrichten. 11.45: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert I. 13.15: Mittags- konzert II. 14.10: Dem Opernfreund. 15: Volk und Wirtschaft. Die Zukunft der Werksparkassen. 15.30: Wesen und Wirken der Deutschen Musik-Bühne. Von Friedrich Ammermann. 15.45: Bücherfunk. H6: Unterhaltungskonzert. 18: Musik, die ihr alle ersehnt. (Unser singendes, klingendes Frankfurt.) 19.45: r- zeugungsschlacht. 20.15: Stunde der jungen Nation. „Der Soldatenkönig". Don E. Moeller. 20.45: Nun spitzt mal das Ohr! 22.30: Nachtmusik und Tanz. 24 bis 2: Sinfoniekonzert. --------------------------1--------------------- Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 1230 Ahr. 16 bis 17 Ahr. Samstagnachmittag geschlossen. Kreis-Wertuligssmgen des Sängerkreises Gießen 5llfl«5toW Roman von Marlise Kölling. Urheberrechtsschutz: Verlag Oskar Meister, Werdau. 13 Fortsetzung. Nachdruck verboten! Benedikte sah in ein festgefügtes, braungebranntes Gesicht mit sehr hellen Augen, blonden Augenbrauen und blonden Haaren über der durchgearbeiteten Stirn. Sie starrte ihn an. Ein heißes Rot der Ueberraschung floß über ihre Wangen. „Herr Petersen!" sagte sie unwillkürlich. Jens Petersen stand da, als könnte er kein Glied rühren. Träumte er? War dies Wirklichkeit? Stand jenes Mädchen vor ihm, nach dem er sich gesehnt, an das er gedacht, das er nicht vergessen konnte, so sehr er es auch gewollt hatte? Ja, sie war es. Das war ihr schönes Gesicht, nur daß es heute nicht mehr so blaß und ermüdet wirkte. Eine zarte Röte lag auf den schmalen Wangen. Die Augen leuchteten, der ganze Mensch schien ihm verändert. In diesem Trainingsanzug stand sie wie ein schlanker Junge vor ihm. „Sie sind es", sagte er langsam, als fürchtete er, durch ein lautes Wort den Zauber dieses Augenblicks zu zerstören. „Sie sind es? Ach, wie ich mich freue!" „Ich freue mich auch, Herr Petersen." Angesichts der Verlegenheit Jens Petersens hatte Benedikte auf einmal ihre Sicherheit wieder. „Sie sind auf Osterferien hier?" „Auf Osterferien?" Jens Petersen begriff im Augenblick gar nicht. Dann lachte er fröhlich auf. „O nein, ich bin ja hier zu Hause." „Hier zu Hause?" fragte Benedikte stockend. „Freilich, ich bin ja der Schulmeister hier auf der Insel. Dort ist mein Haus." Er wies mit der Hand hinüber. Benediktes Herz schlug auf einmal ganz schnell und glückselig. „Dann sind mir ja Nachbarn", meinte sie. „Nachbarn?" Er starrte sie an. Dann schlug er sich vor den Kopf: „Sind Sie etwa —" „Die Nichte von Hubert Zedlitz, jetzt Besitzerin von »Endlich allein'. Darf ich mich Ihnen vorstellen, Herr Petersen: Benedikte Zedlitz — auf gute Nachbarschaft!" Sie streckte ihm die Hand entgegen. Da ergriff er diese mit seinen beiden Händen: „Auf gute Nachbarschaft, Benedikte Zedlitz!" sagte er. Es klang so eigen und feierlich, wie er ihren Namen aussprach, und es war ihr plötzlich wie selbstverständlich, daß er nicht Fräulein Zedlitz sagte. Benedikte Zedlitz — wie schön ihr Name war, wenn Jens Petersen ihn aussprach. Benedikte vergaß ganz, ihre Finger aus dem warmen Händedruck Jens Petersens zu lösen. Es war eine so traumhafte Stunde. Um sie herum nichts als Frühling und Stille und das gleichmäßige Rauschen des kristallenen Meeres, lieber ihnen der hohe Himmel, das Singen der Lerchen und in ihnen etwas wie fromme Erwartung und seliges Lauschen. Lange, lange standen sie so, schauten sich an. Sie sprachen nicht. Aber daß diese Stunde zwischen ihnen etwas geschaffen, was nicht vergehen konnte, das glaubte sie in diesem Augenblick beseligend tief zu fühlen. Erst der helle Klang der Glocke von der fernen Kirche weckte sie aus ihrer Versunkenheit. Errötend machte Benedikte ihre Finger frei. „Hören Sie die Osterglocken?" fragte Jens. „Das ist die Frühmette. Um neun Uhr ist Kirchgang. Da kommen unsere Fischer und Fischersfrauen alle in ihrer alten Tracht. Hätten Sie nicht Lust, den Kirchgang zu sehen?" Benedickte nickte: „Ich werde kommen." Jens Petersen kämpfte mit sich. Dann fragte er leise: „Darf ich Sie begleiten?" „Ja!" Wie einfach und klar und gerade sie ist, dachte er bei sich. Sie ziert sich nicht, sie redet nicht viel darum herum, obwohl sie sicherlich spürt, was in mir vor- geht. Sie sagt einfach Ja. „Ich danke Ihnen, ich werde um halb neun Uhr vor dem Schulhaus stehen. Wir haben etwa zwanzig Minuten Weg." „Ich werde pünktlich sein. Aus Wiedersehen, Herr Petersen." „Aus Wiedersehen, Fräulein Zedlitz." Sie wandte sich um und ging den Weg zurück, sehr schnell, wie getragen von ihren heiß drängenden Gedanken. Als sie am Gartenzaun angelangt war, schaute sie sich noch einmal um. Jens Petersen stand da und sah ihr nach. Seine hohe Gestalt war bell von der Sonne beschienen. Auf seiner Stirn lag das Frühlingslicht. Wie Benedikte in den Garten trat, saß Josua bereits auf einer dicken Strohmatte vor der Tür und putzte wild auf den Schuhen Hans-Hermanns herum. Sein Gesicht war sorgenvoll und bekümmert: „Sein Josua sehr traurig, daß er haben verschlafen", sagte er, „Josua gern Frühstückstisch fertig machen, wenn er haben gewußt, wann du aufstehen, Herrin." „Laß nur, Josua, dich trifft keine Schuld. Ich bin heute schon vor Tau und Tag aus den Federn, aber wenn es jetzt Frühstück gäbe —" „Sein alles fertig", sagte Josua eilig, „Kaffee und Tee, und haben Hühner in Stall gelegt vier frische Eier. Sollen Josua sie dir machen, weich wie Pflaumen oder gesetzt?" „Weich wie Flaum, Josua", lachte Benedikte, „aber nur eins. Ist Fräulein Giesecke schon auf und mein Vetter?" „Junger Herr noch fest schlafen", berichtete Josua, „aber Fräulein Giesecke sein unten in Wohnzimmer." Benedikte trat ein. In dem Lehnstuhl am Fenster saß Fräulein Giesecke, zu Ehren des Feiertags in einem rührend altmodischen schwarzen Seidenkleid, ein kleines Spitzenhäubchen auf dem schneeweißen Scheitel. „Guten Morgen, Fräulein Giesecke. Ein schönes gesegnetes Osterfest!" „Guten Morgen, Fräulein Zedlitz. Alles Gute wünsche ich Ihnen." Fräulein Giesecke wollte sich erheben, aber Bene- bitte war schon bei ihr, reichte ihr herzlich die Hand und sagte: „Also, wenn Sie mir soviel Gutes wünschen, dann das eine: Bitte, sagen Sie nicht Fräulein Zedlitz zu mir, sagen Sie Benedikte." „Aber Fräulein Zedlitz, bas kann ich boch nicht." „Natürlich können Sie das, Fräulein Giesecke. Ich glaube, obwohl wir uns erst gestern kennengelernt haben, wir wissen boch schon, baß wir sehr gut mit- einanber auskommen werden." Die alte Frau strich leise über Benebiktes Hänbe: „Ich danke Ihnen. Ich habe große Sorge gehabt wegen des Testamentes Ihres Onkels. Ich habe ihm immer und immer gesagt, als er mir davon erzählte: Tun Sie das Ihrer Nichte boch nicht an, Herr Zedlitz, verlangen Sie boch nicht, baß man so eine alte Hausglucke wie mich für immer hier aufnimmt. Ich habe zwar wenig, aber jemanden zur Last fallen, bas wäre für mich unerträglich. Aber was meinen Sie, was Ihr Onkel gesagt hat? — »Ich kenne Sie nun schon so lange, wie ich benken kann, Gieseckechen!' hat er gesagt. »Wer hat mir bie Schularbeiten gewacht, wenn ich lieber mit ben Buben herumgerauft habe, als mich auf ben Hoseyboben zu setzen? Meine Jugendfreundin Röschen Giesecke. Wer hat bei meinem Vater um schönes Wetter für mich gebeten, wenn ich als Student die Nächte um die Ohren geschlagen habe? Röschen Giesecke! Wer hat mich oft genug vor den schlimmsten Dummheiten bewahrt? Röschen Giesecke! Wenn meine Nichte so ist, wie ich von ihr denke, dann kommt sie mit Ihnen aus. Und wenn sie das nicht kann, bann soll sie —'* Fräulein Giesecke stockte. „Der Teufel frikassieren", fiel Benedikte luftig ein. „Ulkig, Fräulein Giesecke, ich habe Onkel Hubert doch nur als Kind ein paarmal gesehen: aber ich besinne wich ganz genau, wie eine meiner Tanten mit ihrer ganzen Blaublütigkeit — wissen Sie, bas war eine ber Zeblitz mit „von" aus ber vornehmen Linie — mal irgenb etwas sagte von Abelsvorrechten. Unb da ist Onkel Hubert auch so bazwischengefahren. Ich höre noch seine Stimme: »Der Deubel soll mich frikassieren, wenn ich zwischen Mensch unb Mensch einen Unterschied mache, ber nicht in menschlichem Verbienst be- grünbet ist!'." „Wollen Sie es also wirklich mit mir wagen?" fragte bas alte Fräulein mit zitternber Stimme. Und dann sagte sie leise: „Ich habe geglaubt, ich würbe halb wieber in mein Stift zurück müssen. Wissen Sie, Fräulein Bene- bifte, es war ja schön unb gut im Stift, aber ich hatte nichts zu tun. Nichts zu tun haben, ist aber für mich wie schon halb gestorben fein " Da umarmte Benedikte die immer noch zierliche Altfrauengestalt Fräulein Gieseckes. (Fortsetzung folgt!) SJ.-fpori Llniversitätssportfest. Am morgigen Mittwochnachmittag findet auf dem Unioersitätssportplatz das Sportfest derUnioersität Gießen statt. Neben den leichtathletischen Wettbewerben werden Freiübungen der Grundausbildung, Kugelgymnastik, Tischspringen, eine Boxschule und ein Handballspiel gegen die Technische Hochschule Darmstadt geboten. Im Kugelstoßen unternimmt Luh einen Rekordversuch, um die Hochschulbestleistung von Stöck zu überbieten. Handball im Männer-Turnverein. 7Nlv. I — Tv. Pohlgöns I 5:8 (abgebrochen) Am Sonntag trafen sich auf dem Sportplatz des Männerturnoereins beide erste Mannschaften zum Freundschaftsspiel. Das Treffen, von dem man sich viel versprach, nahm leider infolge ungenügender Schiedsrichterleistung einen trüben Ausgang. Wurden doch drei Spieler innerhalb kurzer Zeit vom Platze verwiesen, was bei nur einigermaßen zu- frieüeystellender Leitung nicht nötig gewesen wäre. Dies und vor allem unkorrekte Entscheidungen gaben dem Spiel einen großen Abtrag, der denn auch zu einem entsprechenden Ausgang führte. In der ersten Halbzeit hatten die Männerturner zunächst etwas mehr vom Spiel und gingen mit 2:0 ÄfB.-Reichsbahn Gießen. Die zweite Mannschaft verlor in Wetzlar gegen SB. 05 II mit 2:1 Toren. Dieses Resultat wird dem Spielgeschehen in keiner Weise gerecht. Während die Wetzlarer die erste Halbzeit tonangebend waren und zwei Tore erzielten, gingen die Gießener, trotzdem sie zweimal zwingende Torgelegenheiten hatten, leer aus. In der zweiten Halbzeit war es gerade umgekehrt. Durch eine Umstellung der Gießener Mannschaft, die sich bewährte, konnten sie sich immer wieder durchsetzen, aber nur ein Gegentor erzielen. Zu allem Ueberfluß verschossen sie drei Minuten vor Spielende einen Elfmeter. 25. Straßenrennen „Rund um Frankfurt". Der Jubiläumsfahrt „Rund um Frankfurt", die in die Reihe der bedeutenden deutschen Straßenrennen gehört, war am Sonntag ein schöner Erfolg beschie- den. Bei den 36 Berufsfahrern, die über eine 240 km lange Strecke geschickt wurden, erreichten sieben Fahrer das Ziel in Frankfurt gemeinsam. Der kleine, aber spurtschnelle Magdeburger Wecker- ling warf sein Rad wenige Meter vor dem Ziel nach vorn und gewann knapp vor Nickel (Berlin), Kijewski (Dortmund), Umbenhauer (Nürnberg), Arents (Köln), Risch (Berlin) und Thierbach (Dresden). Hart und erbittert war der Kampf in der Klasse der Nationalmannschaft. Der Berliner Barto s k i e w i c z gewann in 3:10,05 Stunden mit 100 Meter Vorsprung vor dem Düsseldorfer Fischer, der 5 Sekunden später eintraf, und Schellhorn (Schweinfurt), weitere 5 Sekunden zurück. Kurze Sportnotizen. Ein deutscher Hockey-Ländersieg wurde in Hannover gegen Holland erfochten. Vor 4000 Zuschauern siegte die deutsche Nationalelf glatt mit 5:2 (3:2). Weiß (2), Hamel, Keller und Meßner schossen die fünf Tore für Deutschland, van den Berg und Schnitzer waren für die Holländer erfolgreich. Aus 13 Spielen gegen die Holländer hat Deutschland damit acht Siege geholt. BeimRotweiß-Tennisturnier in Berlin siegte G. v. Cramm im Männer-Endspiel 6:2, 4:6, 6:4, 3:6, 6:2 gegen H. Henkel, das Fraueneinzel gewann Hilde Sperling ganz überlegen 6:2, 6:0 gegen die Belgierin Nelly Adamson. Im Männerdoppel fiel die Entscheidung mit einem glatten 6:1, 6:2, 6:2 an Malfroy-Stedmann gegen Cramm- Lund, das Gemischte Doppel holten sich Sperling- Malfroy 7:5, 4:6, 6:4 gegen Adamson-Henkel und schließlich gewannen Adamson-Couquerque überraschend das Frauendoppel 6:2, 7:5 gegen Sperling- Schneider-Peitz. in Führung. Wenige Minuten später kam ein Pohl- gönse.r Stürmer gut durch und verkürzte, nachdem er beglich den Kreis betreten hatte, auf 2:1. Der Schiedsrichter entschied vom Mittelfeld aus Tor. Zwei klare Abseitstore folgten. Ein Deckungsfehler der Gießener Läuferreihe brachte den Pohlgönfern den vierten Treffer. Halbzeit 6:2. Nach dem Wechsel blieben sämtliche Anstrengungen des Gießener Sturmes vergebens; die schönsten Angriffe wurden abgepfiffen. Das Spiel machte keinen Spaß, es nahm an Härte zu. Inzwischen hatte Pohlgöns auf 8:2 erhöht. Die Männerturner, nur noch mit 10 Mann spielend (der Mittelstürmer erhielt Platzverweis) verkürzten auf 8:5. Sechs Minuten vor Schluß erhielt das Spiel seinen Tiefstand! Ein Gießener Stürmer wurde durch Beinstellen eines Pohlgönser Verteidigers im Strafraum unglücklich zu Fall gebracht. Ein Handgemenge entspann sich, und beide Spieler erhielten Platzverweis. Eventuell aus Angst vor weiteren Zwischenfällen erklärte der Schiedsrichter mit dem Stande 8:5, es waren noch fünf Minuten zu spielen, die Spielzeit für beendet und pfiff das Spiel ab. 2Nlo. 1. 3gd. — Tv. Pohlgöns 3gb. 9:5 Vor diesem Spiel standen sich die Jugendmann- schasten beider Vereine gegenüber. Die Männerturner waren ihren Gästen körperlich überlegen, und es schien auch zunächst, als würde das Spiel eine eindeutige Angelegenheit werden. Aber wider Erwarten fanden sich die Pohlgönser in der zweiten Halbzeit sehr gut zusammen und lieferten ihrem Gegner ein fast ebenbürtiges Spiel; vor allem verdient ihr großer Eifer Anerkennung. Halbzeit 6:2. Die zweite Spielhälfte brachte beiden Mannschaften je drei Tore. Mit 9:5 nahm das Spiel seinen Abschluß. 7Nlv. 2. 3gb. — 2Narine-hitler-3ugend 5:14. Am Vormittag empfing die zweite Jugendmannschaft des Männerturnoereins die Handballelf der Marine-Hitler-Jugend. Daß hier keine Lorbeeren zu ernten waren, wußte jeder; es war lediglich als Trainingsspiel für beide Mannschaften gedacht und nahm auch, nach einem schönen und ruhigen Verlauf den entsprechenden Ausgang. Gpielvereinigung 1900 Gießen. 60/94 Hanau — 1900 I 2:1 (1:0). Die Blauweißen traten am Sonntag in Hanau an. Der Anfang sah für 1900 recht verheißungsvoll aus, denn verschiedene Angriffe kamen in bedrohliche Nähe des Tores der Turner und nur mit Glück überstanden sie diese Periode. Allmählich machten sie sich aber aus der Umklammerung frei. Die Hintermannschaft der Blauweißen bekam nun auch Beschäftigung, die sich mehr und mehr steigerte und verschiedenemal ihr ganzes Können erforderte. In diesen Zeitabschnitt fiel auch der Führungstreffer der Gastgeber. Aus einem Gedränge gelang es dem Rechtsaußen, einzuschießen. Nach dem Wechsel hielt die Ueberlegenheit der Platzbesitzer an, und als es dem Halbrechten durch Kopfstoß gelang, den zweiten Treffer anzubringen, glaubte man ein starkes Abfallen der Blauweißen befürchten zu müssen. Dem war aber nicht so; im Gegenteil. Als Heilmann den Mittelläuferposten einnahm, trat ein merklicher Umschwung ein. Der Sturm kam wieder in Schwung, und nach verschiedenen Versuchen gelang es Langsdorf, Mitte der zweiten Halbzeit ein Tor aufzuholen. Das Spiel wurde nun recht lebhaft. Vor beiden Toren wurde Turner und Sportler im Gau III. Der Führer unseres Gaues XII, Hessen, SA-Brigadeführer Solbrig (Kassel), wendet sich mit folgendem inhaltvollen Aufruf an die hessischen Turner und Sportler: Am 19. April hat der Deutsche Reichsbund für Leibesübungen in der Deutschlandhalle in Berlin in einer gewaltigen Kundgebung zum ersten Male seine Flagge gehißt. In diesem feierlichen Augenblick ist die Einigung und Zusammenfassung aller deutschen Menschen, die Leibesübungen treiben, Tatsache geworden. Der seit der nationalsozialistischen Revolution neu erwachte Lebenswille unseres Volkes hot damit auch auf dem Gebiete der Leibesübungen seine revolutionäre Form bekommen. Der Deutsche Reichsbund für Leibesübungen erfüllt das Streben und die Sehnsucht aller derjenigen Turner und Sportler, die den tieferen Sinn der Leibesübungen erkannten und über die rein fachlichen Dinge stellten. Nunmehr ist die Form geschaffen, in der die bis heute in unzähligen Verbänden und Gruppen zerrissenen über vier Millionen deutsche Turner und Sportler geeint und freudigen Herzens auf ein Ziel losmarschieren. Auf diesem Marsch streiten sie sich nicht mehr um Kleinigkeiten und Äußerlichkeiten. Sie wissen heute, daß sie nicht mehr für einen Verein oder einen Verband da sind, sondern nur noch für ihr deutsches Volk und daß dieses deutsche Volk von ihnen erwartet, daß sie in Kameradschaft, Rücksichtslosigkeit gegen sich selbst und eiserner Härte arbeiten, nicht für ihren Ruhm, sondern für den ihrer deutschen Nation. Als alter Marschierer für die nationalsozialistische Revolution ist es mir eine Freude, euch, Turner und Sportler vom Gau XII, auf eurem Weg in eine neue Zukunft führen zu dürfen. Ich tue dies mit der Einsatzbereitschaft und selbstverständlichen Kameradschaft, die mir meine Pflicht als nationalsozialistischer Führer vorschreibt. Ueberzeugt von eurer treuen Mitarbeit grüße ich euch alle, meine Sportkameraden und Sportkameradinnen, und drücke euch die Hand. Es lebe der Führer, es lebe das deutsche Volk! Der Führer des Gaues XII im DRL. Solbrig, SA-Brigadeführer. 83.Feldberg-Turnfest. Das Feldbergturnfest wird in diesem Jahre zum 83. Male durchgeführt. Als Zeitpunkt dieser großen volkstümlichen Veranstaltung des Rhein-Maingebiets wurde endgültig der 2 0. und 21. Juni festgelegt. Die Wettkämpfe sind — wie schon in den Vorjahren — reichsoffen für alle Vereine des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen. Eine Sitzung des Feldbergfeftausschufses unter Leitung von Hugo Pfaff (Frankfurt a. M.) befaßte sich mit den Fragen der Festgestaltung, die, wie immer, besondere Rücksicht darauf nehmen wird, daß diesem historischen Volksfest die volkstümliche Eigenart erhalten bleibt, die ihm einst die Väter des Feldbergfestes gegeben haben. Die Berichte der Obleute des Feldbergturnfestes und des Oberturnwarts Eugen K r a m b (Bad Kreuznach) über das Feldbergturnfest 1935 wiesen auf die Einrichtungen hin, die sich bewährt haben, aber auch auf solche, denen noch Fehler anhafteten. Obmann Friede (Frankfurt a. M.) gab einen Ueberblick über die Wettkämpfe des Vorjahres. Von 1522 Teilnehmern in den verschiedenen Wettkampfstufen erfüllten 911 die gestellten Anforderungen. Die Siege verteilen sich wie folgt auf die Gaue: Gau 13, Südwest: 716, Gau 12, Hessen: 166, Gau 16, Bayern: 11, Gau 11, Mittelrhein: 10, Gau 9, Westfalen: 4, Gau 10, Niederrhein: 4 Siege. Der Führer des Feldbergfest-Ausschusses Hugo Pfaff (Frankfurt a. M.) zeigte das 82. Feldbergfest 1935 in einer Gesamtschau, wobei die Richtlinien für die Festgestaltung 1936 klar herausgestellt wurden. Der Oberturnwart des Feldbergfest-Ausschusses, Gauoberturnwart Eugen Kramb (Bad Kreuznach), entwickelte sodann in übersichtlicher Darstellung den Wettkampfplan für das diesjährige Turnfest auf jenem Taunusberge. Als Wettkampfübungen wurden festgesetzt: Mehrkämpfe: Männer, Klasse 1 (19 bis 32 Jahre): 100 Meter, Kugelstoß, Kasten (Riesengrätsche), zweistündiger Gepäckmarsch. Jugendliche (17 bis 18 Jahre): 100 Meter, Hochsprung, Kugelstoß, zweistündiger Gepäckmarsch. Männer, Klasse 2 (33 bis 39 Jahre): 75 Meter, Weitsprung Steinstoß. Männer, Klasse 3 (40 bis 44 Jahre): 75 Meter, Weitsprung Steinstoß. Männer, Klasse 4 (45 Jahre und älter): 75 Meter, Weitsprung Steinstoß. Frauen (17 Jahre und älter): 75 Meter, Hochsprung, Kugelstoß. Mannschaflskämpfe: Kampf um das Völsungenhorn: zweistündiger Gepäckmarsch, Kugelstoß, Riesenhocke über den Kasten, Keulenwurf, Hindernislauf über eine Strecke von etwa 300 Meter. Iahnschild : 5 mal 100-Meter-Pendelstaffel. Emanuel-Schmuck-Schild: 5 mal 100- Meter-Pendelstaffel (als Wanderpreis des ehemaligen Mittelrheinkreises der DT. nur offen für Mannschaften des Fachamtes I: Turnen). Brunhildenfchild: 4 mal 75-Meter-Pendel- staffel für Frauen. Mannschafts - Hindernislauf, Tauziehen, Mannschaftskampf im Degenfechten. Ehrung verdienter Fußball-Vorkämpfer. es mitunter recht gefährlich. Während die Hanauer Verteidigung sich die Arbeit durch Abseitsstellen erleichterte, baute sich vor dem Tor der Blauweißen eine starke Verteidigungsmauer auf. Zum Schluß hatte Enders eine große Chance, das Unentschieden herauszuholen. Sein Schuh war jedoch zu ungenau, er ging dem Tormann direkt in die Arme. Hanau stellte eine äußerst ausgeglichene Mannschaft ins Feld. Meist waren es junge Spieler, die neben einigem technischen Können großen Eifer entfalteten. Bei den Blauweißen konnte, wie immer, nur die Hintermannschaft befriedigen. 1900 2. 3ugenb — DfV.R. Gießen 1:4. Das Ergebnis der zweiten Jugend entspricht nicht dem Spielverlauf. Die beiden Mannschaften lieferten sich ein schönes spannendes Spiel. Wenn die Blau-Weißen sich die zweite Halbzeit trotzdem vier Tore gefallen lassen mußten, so ist dies allein die Schuld des Tormannes, der alle Tore hätte verhindern können. 1900 1. Schüler — BfB. Friedberg 1:1. Die ersten Schüler zeigten ihr gewohntes schönes Spiel und ließen den Gegner zu keinem Sieg kommen. Beide Mannschaften befleißigten sich eines fchönen technischen Spieles. 1900 2. Schüler — Leihgestern 1. Schüler 2:2. Die zweite Schülermannschaft hatte sich in Leihgestern einen Gegner verpflichtet, der, obwohl erst kurze Zeit spielend, ein ansprechendes Spiel zeigte und die 1900er zur Hergabe ihres ganzen Könnens zwang. 1900 3. Schüler — Turnv. 1846 1. Schüler 6:2. Die erstmals spielende dritte Schülermannschaft benann vielversprechend, indem sie des Turnvereins erste Schülermannschaft hoch schlug. Die Kleinsten hatten das Spiel jederzeit in der Hand und wußten durch ihre sichere Ballbehandlung zu gefallen. Vom Fachamt Fußball wurde den Mitgliedern der Vereine, soweit sie sich um die Fußball-Bewegung besonders verdient gemacht haben, eine Ehrenurkunde ausgestellt. Innerhalb unseres Sportkreises konnten 15 Mitglieder mit diesem Ehrenbrief ausgezeichnet werden. Voraussetzung für die Verleihung des Ehrenbriefes ist, daß die zu Ehrenden entweder auf eine 30jährige Tätigkeit innerhalb des Deutschen Fußball-Bundes zurückblicken, oder 20 Jahre in den Vereinen an führenden Stellen tätig fein mußten, oder sich in hohem Maße um die Fullballbewegung verdient gemacht haben. Im Rahmen einer würdigen Feier wurde diese Ehrung vorgenommen. Der Kreisfachamtsleiter für Fußball, Hugo Henkel (Gießen), überreichte nach einer kurzen Ansprache, in der er auf die allgemeinen Verdienste der Geehrten hinwies, die Ehrenbriefe. Anschließend sprach der engste Mitarbeiter des Fachamtsleiters, Gruppenleiter Michel (Gießen). In kurzen Worten schilderte er den Werdegang und die sportliche Leistung des Fachamtsleiters Henkel. Am Schlüsse seiner Rede überreichte er dem Fachamtsleiter Henkel die Ehrenurkunde und verlas gleichzeitig das Schreiben des Gaufachamtsleiters Riemann (Kassel), in dem dieser zum Ausdruck brachte, daß es im Interesse der Sportbewegung nur wünschenswert sei, daß Henkel seine langjährige Erfahrung und sein Können noch viele Jahre in den Dienst der Bewegung stelle. Als letzter sprach der neuernannte Kreisführer des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen Staffelführer Dr. Schäfer (Gießen). Er führte etwa folgendes aus: Wenn er seine erste Amtshandlung damit beginne, den zu Ehrenden seinen Dank für die von ihnen gezeigte Treue und Hingabe abzustatten, so wolle er nicht versäumen, diese Männer gleichzeitig aufzufordern, weiter ihre ganze Kraft der großen Sportbewegung zur Verfügung zu stellen. Während der Nachkriegszeit, bis zur Uebernahme der Macht durch den Nationalsozialismus, hätten alle Männer, die sich ihrem Volk gegenüber verantwortlich gefühlt hätten, mit den größten Befürchtungen die Entwicklung des Sportes verfolgt. Aber in letzter Minute sei Die Jugend durch die Neugestaltung des Sports in die Bahnen zurückgeführt worden, die allein ihre richtige Erziehung im sportlichen Geiste gewährleisten könnten. Wenn er jetzt das Amt des Kreisführers im DRfL. übernommen habe, so sei es für ihn eine Selbstverständlichkeit, seine ganze Energie diesem Amt zur Verfügung zu stellen. Sein Appell gelte allen Sportlern, die schon immer der Sportbewegung gedient hätten, und er hoffe, daß ihre Zusammenarbeit das Ziel verwirklichen werde, das der DRfL. sich gestellt habe. In diesem Sinne brachte er auf unser deutsches Vaterland und auf unsere Sportbewegung ein dreifaches Sieg-Heil aus. Das gemeinsame Lied „O Deutschland hoch in Ehren" beschloß den offiziellen Teil der Feier. Der Ehrenbrief des Deutschen Fußball-Bundes wurde verliehen an: Adolf Münker, Karl Müller, Wilhelm Kraushaar, Karl Keiner, Karl Enders, Franz Lösch, sämtlich Spielvereinigung 1900 Gießen; Friedrich Kreiling, Alois Hofmann. Wilhelm Möller, Wilhelm Simon, Rudolf G e m m e r , sämtlich Verein für Be- wegungsspiele-Reichsbahn Gießen; Bruno Grote, Sportverein 1920 Lollar; Georg Klier, Turn- und Sportgemeinde 03 Niedergirmes; Gustav Fischer und Ernst Schindler, beide Sportverein 05 Wetzlar; Kreisfachamtsleiter für Fußball Hugo Henkel, Gießen. Die Ehrenurkunde hat folgenden Wortlaut: „In Anerkennung feiner langjährigen und erfolgreichen Mitarbeit, feines opferfreudigen und unermüdlichen Eintretens für die Ziele des Fußballsports wird Herrn......dieser Ehrenbrief verliehen. Berlin, den 15. April 1936. Deutscher Fußball-Bund e. V. Linnemann, Bundesführer. Gautag der Schwimmer in Gießen Nach dem Zusammenschluß aller den Schwimmsport pflegenden Vereine in das Fachamt Schwimmen des DRfL. versammelten sich am Sonntag erstmalig alle Amtsträger des Gaues XII in Gießen, um die Richtlinien für die künftige gemeinschaftliche Arbeit festzulegen und die grundlegenden theoretischen und praktischen Anweisungen hierzu zu erhalten. Bezirksführer Karl Lang (Gießen) begrüßte die aus allen Teilen des Gaues erschienenen Kameraden und gab dem Wunsche Ausdruck, daß die Tagung allen Teilnehmern viel Wissenswertes erschließen, neue Anregungen bringen und dem Geist der Gemeinschaftsarbeit für den volkswichtigen und schönen Schwimmsport neu beleben möge. Hierauf gab Gaufachamtsleiter Georg Schorn- bürg (Kassel) die neue Gliederung des Gaues und dessen verwaltunastechnische Einrichtung bekannt. Er wies auf die bedeutungsvollen Aufgaben für Volk und Vaterland hin, die auch die Schwimmer in selbstloser, einsatzbereiter Weise gerne und freudig erfüllten. Haben sie doch das Bewußtsein, an anerkannt wichtiger Stelle mitarbeiten zu können an dem großen Aufbauwerk des Führers. Gau-Schwimmwart Löwe (Kassel) behandelte sodann die Ausgaben der Kreis-Schwimmwarte. Er betonte, daß der Kreis-Schwimmwart als kameradschaftlicher Betreuer aller Schwimmer seines Kreises sein besonderes Augenmerk darauf zu richten habe, daß das Schwimmen in immer weitere Kreise des Volkes getragen werde. Durch volkstümliche Wettkämpfe und Vorführungen sollen dem Schwimmsport neue Anhänger zugefichrt, daneben auch die Leistungssteigerung der Sportschwimmer in jeder Weise gefördert werden. Er gab hierzu Anweisungen, wie in allen Teilen der Kreise Lehrgänge im Schwimmen, Springen und Wasserballspiel planmäßig durchzuführen sind und wie Schwimmveranstaltungen, wenn sie werbekräftig sein sollen, gestaltet werden müssen. Gau-Wasserballwart Pascoe (Gießen) berichtete über den Stand des Wasserballspieles, der leider im Gau nur in einigen Vereinen die erwünschte Höhe einnehme. Er stellte in Aussicht, durch planmäßige Lehrgangsarbeit dieses schönste Gebiet aller Mannschaftskämpfe, das zur Härte des Mannes und höchster fchwimmerifcher Gewandtheit erzieht, zu neuem Aufschwung zu bringen. Der stellvertretende Gau-Schwimmwart Säuer (Gießen) sprach über das Gebiet des volkstümlichen Schwimmens und zeigte an Hand der neuen „Volkstümlichen Schwimmordnung" Wege, wie hierdurch, insbesondere auf dem flachen Lande, erfolgreich gearbeitet werden könnte. Der praktische Lehrgang am Nachmittag in dem Städtischen Hallenbad stand unter der Leitung des Diplom-Sportlehrers Piesel (Kassel), der mit der praktischen Schulungsarbeit im Gau beauftragt ist. ♦ Vom modernen Anfänger-Schwimmunterricht bis zu den letzten Feinheiten der Technik des Sportschwimmens wurden alle Gebiete der Schwimmkunst in eindrucksvoller Weise von dem berufenen Fachmann den Amtsträgern vermittelt. Nach schnell verflossenen Stunden kameradschaftlichen Zusammenseins schloß der Gaufachamtsleiter die lehrreiche Tagung im dankbaren Gedenken an den Führer, der auch Wegbereiter für einen neuen sportlichen Aufstieg ist. Büchertisch. — Franke - Ruta: „Das Haus ander scharfen Kurv e", Roman. Verlag Ullstein, Berlin. Leinen 4,— RM. — (28) — In diesem ebenso besinnlichen wie humorvollen Buch wird geschildert, wie ein Mann mit Frau und Sohn eines Tages Schluß macht und mit seiner bisherigen städtischen Existenz als Geschäftsmann und aufs Land zieht: in das „Haus an der scharfen Kurve". Er sagt ehrlich: ich kann kein Bauer werden, aber ich will wieder näher heran an die wichtigen Dinge des Lebens. Wie es ihm gelingt, wird an vielen köstlichen Episoden gezeigt. Da sind die tieffinnigen Gespräche mit dem Sohne Peter, das schöne, wirklich erschütternde Kapitel; Peter wird schwerkrank, ein Arzt ist nicht in der Nähe, die ganze Gefahr dieser Stadtflucht der kleinen Familie steht einem plötzlich vor Augen. Aber die Natur, der sie sich ja anvertraut haben, hilft, und der alte Totengräber des Dorfes, der mit einem mittelalterlichen Schröpfwerkzeug dem Kind das Leben rettet. — Otto Pentzel: Heimat Ostafrika. Leipzig 1936. K. F. Koehler, Verlag. 209 Seiten. Ganzleinen 4,20 Mark. — (75) — Das Buch berichtet vom Segen eines Lebenswerkes, das seine Aufgabe nicht in rücksichtsloser Ausbeutung, sondern in planvoller Auswertung neugewonnenen Arbeitsraumes sieht. Es zeigt den Typ des Kolonialdeutschen, der gerecht und ohne Hochmut unter den Eingeborenen lebt, ein Glied im kleinen Kreise seiner Landsleute, die alle erst ihre romantischen Wunschträume vergessen müssen, um sich in diese Welt mit ihren eigenen Gesetzen einzufühlen. Als dann der Weltkrieg friedlicher Entwicklung ein jä- hes Ziel setzte, hatten deutsche Männer das Land ihrer Arbeit, ihre Heimat zu verteidigen. Wer sich wie Otto Pentzel mit so viel Liebe in die Seele fremder Menschen hineinzuversetzen versteht, erweist, daß er wie so viele Deutsche roürbig war, Kolonialarbeit zu leisten. — Ludwig von Wohl: Die Türme des Schweigens. Roman. 298 Seiten. Schützen- Verlag G. m. b. H., Berlin SW 19. — (2.) — Ludwig von Wohl, der sich bereits mit seinen früheren Romanen als unterhaltsamer und phantasievoller Schilderer erwiesen hat, bewahrt die Gabe leichter und fesselnder Erzählung auch in diesem Buche, das von den merkwürdigen Erlebnissen eines abenteuerlustigen jungen Journalisten in Indien berichtet und auch kulturgeschichtlich nicht ohne Inter- esse ist. — Konrad Beste: „Gesine und die B o st e l m ä n n e r". Ein Roman. 295 Seiten, Seinen 4,80 Mark. Hanseatische Verlagsanstalt AG., Hamburg 1936. — (77) — Bestes neuer Roman versetzt uns wieder in die südliche Lüneburger Heide. Mit ihr ist der Dichter verwachsen, und so gelingt ihm die Darstellung der Eigenart dieser herben und strengen Landschaft. Da leben die beiden Bosteimänner; der Vater, der den schönsten Hof weit und breit besitzt und sein Sohn Karsten, zwei Gestalten, die der Erde verbunden sind, dennoch ist in ihnen jene Unruhe, die sie den Anfech- tungen des Lebens aussetzt, den Lockungen der schönen Frau Rose, der Besitzerin des Gasthauses in der nahen Stadt. In der Gestalt der Gesine Lampe, die in der Stunde der Gefahr alle Not wendet und die beiden Bostelmänner ihrem eigentlichen Leben wiedergibt, ist dem Dichter eine zarte und naturnahe Mädchengestalt gelungen. Die dramatisch bewegte Darstellung, die klare Gestaltung von Mensch und Landschaft machen das Buch zu einer wertvollen Bereicherung unseres Schrifttums.