186. Jahrgang Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen nu0 Erster Blatt 186. Jahrgang Montag, iZ.Ianuar 1936 feäaffi AU A4A AM iIaAAaIaAM EÄBÄÖ s*** 1HIi>Ht>HOY jlnlAtnAr skä s,ä«;s TD 11IL11 vlHCR, Zill iLIULI suä» !■ V'e ▼ ▼ T ▼ T I T SJSSSjäfiSÄ infolge höherer Gewalt (Ermäßigte Grundpreise: MM General-Anzeiger für Oberheffen ZMW Postscheckkonto: 1 • ' ' gen,Bäder-,Unterrichts- u. r.onnur. «m m°in 1168« Druck und Verlag: vrühl'sche UniverfitStzvllch- und Steindruckerei «. Lange in Stehen. Schriftleitung und GeschSftrftelle: Schulstrahe r WVZWW Jes Saarlands Heimkehr. Wenige Tage vor dem entscheidenden 13. Januar stand ich an einem trüben Wintersonntagnachmittaa auf dem Schwarzenbergturm hoch über Saarbrücken Kein gewaltiger Ausblick von dort oben. Endlose Wälder, mit tief eingeschnittenen Tälern, aus denen Schornsteine und Fördertürme unaufhörlich mit trübem Rauch die Dunstwolke über dem Waldland und dem Horizont verdickten. Hartes Land. Ein paar Kilometer weiter, die französische Grenze mit den Befestigungen von Bitsch. Merkwürdiges Gefühl, seit Wochen und Monaten zu wissen, daß Tag um Tag die Augen nicht nur des 66-Millionen- volkes in Deutschland auf dieses karge Stückchen Erde gerichtet waren, sondern die Augen der ganzen Welt, weil der 13. Januar nicht für die Saar selbst, sondern das deutsche Volkstum in der Welt ein entscheidender Tag werden mußte Der Tag der Entscheidung für die Werbekraft der nationalsozialistischen Idee, des inneren Zusammenhaltens des deutschen Volkstums. Wir wissen es aus der Geschichte unseres Volkes, daß die großen nationalen Festtage fast immer diejenigen sind, in denen sich d i e K r a f t des Volkes, sein Geltungsbedürfnis, sein nationaler Wille mit dem eines anderen Volkes mißt. Wie anders dieser 13. Januar im Vergleich zu dem 21. März 1921 in Oberschlesien! Niemals drängten sich die Vergleiche stärker auf als bei den Fahrten in den Wintertagen vor der Abstimmung kreuz und quer durchs Saargebiet! Nie werde ich die hereinströmenden Flüchtlinge aus den vom Polenterror bedrängten Jndustrieorten nach den deutschen Hochburgen Beuthen, Gleiwitz, Kattowitz und Königshütte vergessen! Niemals den verzweifelten Kampf Tag um Tag, die Propaganda über den Bannkreis der Städte hinaus aufs flache Land zu tragen, den Hellen, aufreizenden Klang der französischen Clairons und die bittere Stimmung, das Gefühl des Verlassenseins, das uns alle in Oberschlesien beherrschte, dem Grubenlande am anderen Ende des Reiches. Und hier an der Saar inmitten der gleichen düsteren Wälder, der gleichen Gruben und Hüttenschlote aber stand eine andere Zuversicht, ein ganz anderes Vertrauen. Der unaufhaltsame Wiedernnstieg des Reiches nach der Katastrophe des Novembers 1918 bis zum 13. Januar hatte jene uralten Ströme deutscher Blutzusammengehörigkeit wieder freudiger rauschen lassen. Eine friedliche Revanche für 1918 stand vor aller Augen. Jeder Saarländer wußte, daß die ganze Welt diesen Tag der Volksabstimmung für das Bekenntnis der Zukunft des deutschen Volkes halten würde. Für das Bekenntnis zum Deutschland des Nationalsozialismus, dessen Schrek- ken ihnen eine ungehemmte Propaganda jeden Tag in den wildesten Farben schilderte — aber für das Bekenntnis zur Heimat trotz alledem, zum deutschen Blut, seiner Kultur und seinem Schicksal, wie auch immer es ausfallen möge! Auf Schritt begegneten uns in den Straßen von Saarbrücken die Gesichter jener bezahlten Kreaturen, die im Dienste Frankreichs den letzten großen Versuch unternahmen, ein Stück deutschen Bodens der Heimat vorzuenthalten. Wer reiste damals nicht alles ins Saargebiet, in den letzten Monaten vor der Abstimmung! Kaum ein Hotelzimmer frei und in allen Gaststätten Hochbetrieb! Wer traute dem anderen? Wer wußte, in welchem Auftrag der Nachbar reiste? Das Spionagesystem der Matz Braun, Alfred Hoffmann und Konsorten war glänzend ausgebaut und hinter ihm standen die Leute des Herrn Präsidenten Knox an der Spitze des Saardirektoriums! Scharfe Kontrolle beim Hineinfahren in unser Land. Dauernde Scherereien wegen der Aufenthaltsbewilligung. Aber in den Wochen vorher konnte man, wenn man auch politisch sich zurückhaltende Menschen aus der Bevölkerung kennen lernte, nur den einen tiefen Eindruck gewinnen: ihr Herz schlug für Deutschland allewege. Am 13. Januar bewiesen sie das. Sie gingen mit der gleichen Unerschütterlichkeit, der gleichen Disziplin, mit der sie fünfzehn Jahre die Unterdrückung ertragen hatten, ihren letzten Weg in dieser Periode ihres Landesschicksals, den Weg zur Wahlurne. Sie ertrugen die beispiellose Spannung des nächsten Tages, das Warten auf das Wahlergebnis, mit demselben stillen Heldentum, während sich eine um alle Sensationen geprellte Weltpresse mit den deutschen Journalisten zusammen auf den Tribünen des Wartburgsaales, in den die Urnen geschafft worden waren, versammelte. Nach wenigen Stunden brach der Jubel durch: Die Stimmscheine und die Zähler waren von scharfen Augen und starken Gläsern unaufhörlich überwacht worden. Wir sahen d e n B e r g der deutschen Stimmen riesengroß über das Häuflein der Separatisten wachsen. 90 v. H. mußten es werden! Wenige Minuten später riefen es die Telephone nach Berlin durch, wußte die ganze Welt, noch ehe das offizielle Ergebnis verkündet wurde, daß das deutsche Volk dank der Treue des Saarvolkes einen der großen Siege in seiner Geschichte errungen hatte, daß das Saaland nichts wollte als heimkehren zum großen Vaterland. Nichts konnte ergreifender sein als jenes fast unsichtbare Erwachen, das am 15. Januar durch ganz Saarbrücken ging, wo wie in einem phantastischen Film unter einem unsichtbaren Kommando sich jedes Fenster öffnete, um eine Flagge hinauszustrecken, um Girlanden zu spannen und Lichter ins Fenster zu stellen für den großen Fackelzug am Abend des Befreiungstages.Sie zogen stundenlang durch ihre Städte, e i n Volk, eines Sinnes, eines Jubels und eines tiefen Dankes an die Vorsehung voll. Sie hörten am Morgen die von der Gewalt der großen Stunde ergriffene Stimme des Führers durch den Rundfunk nach der Bekanntgabe Der Auftakt zu den Abstimmungsfeiern im Saarland Der historische Raihausplah in Saarbrücken in „Platz der Deutschen Krönt" umgetaust. DNB. Saarbrücken, 12. Jan. Schon am Samstagabend stand das ganze Saarland in festlichem Flaggenschmuck. Viele Volksgenossen haben wieder ihre Häuser geschmückt und viele öffentliche und private Gebäude erstrahlen wieder in festlicher Beleuchtung. So wird man auch schon äußerlich an die großen Festtage des Vorjahres erinnert. Den Auftakt der großen Veranstaltungen bildete eine große Festkundgebung im Saarbrücker Stadttheater. Reichskulturwalter Hinkel wies darauf hin, daß es für ihn eine ganz besondere Ehrenpflicht sei, an diesem Tage des Sieges deutschen Volkstums an der Saar einen Rechenschaftsbericht über die auf kulturellem Gebiete geleisteten Aufgaben zu geben. Der Nationalsozialismus habe nicht nur das Recht auf Arbeit erkämpft, sondern auch das Recht für jeden deutschen Volksgenossen, an dem künstlerischen und geistigen Lebender Nation teilzunehmen. Von der Reichskul- Abstinlmungstages vom 13. Januar 1935 kam. Dieser Abstimmungssieg bedeute nicht nur ein bedingungsloses Bekenntnis des Saarvolkes zu Deutschland und seinemFüh- rer Adolf Hitler, er war auch ein Ausdruck deutschen Weltbehauptung swil- lens gegenüber den Anfechtungen fremder Mächte. Der Redner gedachte des stillen Heldentums des Saaroolkes, das ohne Unterschied, ob arm ob reich, nur von dem Gedanken an Deutschland beseelt war und wies auf die übermenschlichen Leistungen hin, die in zäher Aufbau- und Organisationsarbeit vollbracht werden mußten. Gauleiter B ü r ck e l als damaliger Saarbevollmäch- tigter habe diesen Kampf mit seinen Getreuen geführt. Untrennbar sei sein Name mit dem schicksalhaften Geschehen des 13. Januar 1935 verbunden. Oberbürgermeister Dürrfeld schloß mit den Worten: „Die Deutsche Front war das Bollwerk des deutschen Willens und der deutschen Kraft. Deutsche Front ist der Ehrenname der Gemeinschaft aller Deutschen an der Saar, die bereit waren, ihr Letztes für Deutschland zu geben. Als Hoheitsträger der Stadt Saarbrücken weihe ich daher in dieser Stunde zum steten Gedenken der Deutschen Front diesen Platz. Der Rathausplatz zu Saarbrücken soll künftig den Namen tragen: „Platz der Deutschen Front". Sein Name möge die lebende Generation gemahnen an die große Zeit, die sie erleben durfte: künftigen Geschlechtern möge er Künder sein von dem hohen Lied der deutschen Treue. Den Ruhm seines Namens aber sollen auf ewig verkünden die Glocken im Rathausturm zu Saarbrücken. Deutsch ist die Saar, deutsch immerdar." — Zum Abschluß der würdigen Kundgebung wurde der Große Zapfenstreich zum Vortrag gebracht. turfammer aus werde alles geschehen, um aus dem Saarland ein kulturpolitisches Bollwerk für die deutsche Kunst und das gesamte deutsche Geistesleben zu machen. Am Sonntag hielten in allen Kreisorten die K r e i s l e i t e r an die Volksgenossen und die Formationen der Partei begeisterte Ansprachen, in denen auf die Bedeutung des Tages auch als Markstein für die Befriedung Europas hingewiesen wurde. In den meisten Orten fanden Umbenennungen von Straßen und Plätzen statt, die das Gedächtnis an den geschichtlichen 13. Januar und die Befreiung des deutschen Saarvolkes für alle Zeiten wachhalten sollen. So wurde in Saarbrücken in einer Feierstunde vor dem Rathaus der historische Rathausplatz in „Platz der Deutschen Front" umgetauft. Am Nachmittag fanden sich die Abordnungen der Gliederungen der Partei auf dem festlich erleuchteten N e u m a r k t ein. Um 17.30 Uhr wurden die Fackeln entzündet und dann setzte sich unter Vorantritt einer SA.-Kapelle der Fackelzug durch di? von zahlreichen Zuschauern eingesäumten Straßen der Innenstadt in Bewegung. Kurz vor 18 Uhr traf der Fackelzug vor dem Rathaus ein, wo sich eine große Menschenmenge eingefunden hatte. Nachdem Männerchöre das Lied „Deutschland, heil'ger Name" vorgetragen hatten, wurde auf der Rathaustreppe das eindrucksvolle Festspiel „Ein neuer Stern zieht seine Bahn" aufgeführt. OberbürgefmeisterKreisleiterDürrfeld wies auf den 15jährigen Leidensweg des deutschen Saarvolkes hin, in dessen Herz der Glaube an Deutschlands Sendung niemals untergegangen war. Er schilderte den harten Kampf um diesen Fleck geheiligter deutscher Erde, bis dann der Ehrentag des Der Jubel der Bevölkerung Saarbrückens nach Verkündung des Abstimmungsergebnisses. (Scherl-Bildarchiv.) MM ftS :»* * । U -= l - Der Aeubau im Saarland. Reichsinnenminister Or. Frick über den Stand der Rückgliederung und die wirtschaftliche und kulturelle Förderung des Saarlandes. des Sieges durch Gauleiter B ü r k e l an den Führer. Sie wußten, daß nicht nur ein Volk in freudiger Erwartung, sondern eine ganz mißtrauische und feindliche Welt mit ihnen zuhörte. Sie hörten die Worte des Friedensangebotes an Frankreich, den Willen, nach der Heimkehr der Saar, zu einer Verständigung zu kommen. Der Horizont wurde frei und klar. Die unerhörte, uns kaum noch mehr bewußte Spannung des letzten Jahres mit feinen Zweifeln und Befürchtungen stieb vor diesem Morgen des 15. Januar davon wie leichte Morgennebel im Flußtal beim Sonnenaufgang. Mit jenen Nebeln waren die Spukgestalten der Separatistenführer heimlich und unauffällig über die Grenze nach Frankreich verschwunden, ihre Verführten schmachvoll im Stiche lassend. Und jetzt ist ein Jahr vergangen seit jenen Tagen, ein Jahr voll noch größerer Spannungen, das Jahr der Wehrfreiheit und der Verlagerung des europäischen Schwergewichtes. Wir halten wieder einen Augenblick inne und sehen, daß es ein Jahr vorwärts, der Festigung und des Erfolges nach innen und nach außen war, dieses Jahr der Saarabstimmung! Allgemeine Beflaggung am heutigen Jahrestage der Eaarabstimmung. Berlin, 11. Jan. (DNB.) Der Reichs- minister des Innern gibt folgendes bekannt: Aus Anlaß der Wiederkehr des Tages der Saarabstimmung flaggen am Montag, 13. Januar, die staatlichen und kommunalen Verwaltungen, Anstalten und Betriebe, die sonstigen Körperschaften, Anstalten und Stiftungen des öffentlichen Rechts und die öffentlichen Schulen. Die Bevölkerung wird aufgefordert, gleichfalls zu flaggen. EpsteAusschüttung aus d-?r©oorfpenbe. Berlin, 11. Jan. (DNB.) Der Reichsarbeitsminister hat 10 0 bedürftigen Kriegsopfern des Saarlandes Unterstützungen von je 100 Mark aus der von ihm zur Erinnerung an den Abstimmungssieg, vom 13. Januar 1935 errichteten Saarspende zukommen lassen. Die Saarspende, die noch durch eine Reihe weiterer Zuwendungen ergänzt wird, soll den Kriegsbeschädigten und Kriegshin- bliebenen des Saarlandes zeigen, daß man die Opfer nicht vergessen hat. die ihnen als den schon im Kriege am schwersten betroffenen Volksgenossen noch durch die 15jährige Abtrennung von der Heimat auferlegt wurden. Berlin, 12. Jan. (DNB.) lieber die Arbeiten der Rückgliederung des Saarlandes erklärte Reichsmini st er Dr. Frick der „NSZ. Rhein, front" u. a.: Das Saarland, das bei feiner Rückkehr nicht wieder mit den früheren Verwaltungsgebieten vereinigt wurde, ist durch das Saarlandgesetz vom 30. Januar 1935 in die unmittelbare Verwaltung des Reichs übernommen worden. Der von der Regierungskommiffion des Saargebiets geschaffene Rechtszustand blieb zunächst im wesentlichen erhalten. Er st allmählich und stufenweise wurde die Analeichung an das im übrigen Reichsgebiet geltende Recht oorgenommen. Auf dem Gebiet des Reichsrechts ist die Rechtsangleichung bis zum 1. Januar d. I. im wesentlichen abgeschlossen. Auf dem Gebiet der Verwaltungsorgani- f a t i o n trat mit dem 1. März v. I. sofort eine erhebliche Aenderung ein, da die von der Regierungskommission geschaffene Zentralverwaltung in Fortfall kam. Die Behörde des Reichskommis- f a r 5 für die Rückgliederung des Saarlandes übernahm für das Reich die Verwaltungsgeschäfte, wobei der Reichskommissar die Stellung eines preußischen Oberpräsidenten und Regierungspräsidenten bzw. einer bayerischen Kreisregierung erhielt. Daneben hat der Reichskommissar noch die Aufgaben und Befugnisse der Provinzialverwaltung. Eine Landesregierung gibt es für das Saarland nicht, an ihre Stelle ist die Reichsregierung getreten. So find im Saarland auch die Landräte und Kreisbehörden Teile der Reichsverwaltung. Die Beamten, die von der deutschen Heimatverwaltung zur Dienstleistung im Saargebiet beurlaubt waren, sind bei der Rückgliederung von der deutschen Regierung sämtlich, die von der Regierungskommission eingestellten zum weitaus größten Teil übernommen worden: selbst ein Teil der Pecule-Beamten (das sind also jene, von der Saarkommission auf Zeit, ohne Pensionsberechtigung, eingestellten Beamten) konnte Verwendung finden. Trotz der schwierigen und neuartigen Aufgaben, die sich für die Reichsverwaltung im Saarland in den vergangenen Monaten ergeben haben, ist die Rückgliederung auf dem Gebiete der Verwaltung reibungslos und erfolgreich Sur ch g e • führt worden. Das Saarland besitzt eine Verwaltung, die einheitlich im Geiste des Nationalsozialismus geführt wird und unter verständnisvoller Mitwirkung der Bevölkerung die ihr gestellten Aufgaben gemeistert hat. Auch auf kommunalem Gebiet ist die Angleichung durch die Einführung der Deutschen Gemeindeordnung vollzogen worden. Der Uebergang aus dem französischen in das deutsche Zoll- und Währungsgebiet brachte der saarländischen Wirtschaft manche schwere Aufgabe. Es mußte für die Umlenkung- des Absatzes saarländischer Erzeugnisse gesorgt werden, die Derkehrslage am Rande des Reichsgebiets erforderte einen angemessenen Ausgleich, den die Reichsbahn durch Tarifermäßigungen bis zu 30 und 40 v. H. gewährte. Wie es gelungen ist, für hie Saarkohle und die anderen saarländischen Erzeugnisse den notwendigen Absatzmarkt zu schaffen, so mußte auch die Versorgung des Saarlandes mit allen lebenswichtigen Gütern gesichert werden. In Verbindung damit war die Angleichung der Preise und Löhne schrittweise durchzuführen, und auf sozialpolitischem Gebiet die Ueberleitung auf den hohen Stand der deutschen Einrichtungen vorzunehmen. Die Rückgliederung auf allen Gebieten kann nunmehr als durchgeführt angesehen werden. Zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit diente das große Arbeitsbeschafsungspro- gramm, für das vom Reich allein über 20 Millionen RM. an Zuschüssen gegeben wurden. Es umfaßt 388 Einzelmaßnahmen mit insgesamt 2 370 000 Tagewerken. Ebenso bedeutungsvoll sind die von der Bergwerksverwaltung eingeleiteten umfangreichen Erneuerungsarbeiten in den Gruben. Auch die Jnstandsetzungszuschüsfe von insgesamt 11 Millionen RM., die Erneuerungsarbeiten der Grubenverwaltung, das Siedlungs- und Volkswohnungsprogramm und manche andere Hilfsmaßnahme, wie die Gewährung von mehreren Millio- neu RM. an Bürgschaften für die saarländische Industrie, haben zur Kräftigung der saarländischen Wirtschaft erheblich beigetragen. Das Reich war sich bewußt, daß im Saargebiet manches n a ch z u h o - len und mancher Schaden auszugleichen war. Saarbrücken blieb Sitz einer Reichsbahndirektion, die einen erheblich vergrößerten Geschäftsbereich erhalten wird. Ein neuer Flughafen ist bei Ensheim im Bau; in der Stadt selbst ersteht mit Hilfe des Reiches ein neues Theater, einen neuen Reichssender besitzt es seit einigen Wochen, und mit großen Mitteln wird ein neuer Schlacht- und 'Viehhof geschaffen. Für die allgemeine Verwaltung ist die Errichtung eines neuen Verwaltungsgebäudes vorbereitet. So erlebt Saarbrücken — an bedeutungsvoller Stelle des Westens gelegen — einen neuen Aufschwung als wichtiger Mittelpunkt des staatlichen, wirtschaftlichen und geistigen Lebens, und es wird an der großen Aufbauarbeit des Dritten Reiches auch in Zukunft in immer steigendem Maße teilhaben. Die künftige Arbeit der HI. HiMmann-Lauterbacher auf der ersten Führertagung. Mülheim, 13. Jan. (DRV.) Im Monat Januar finden im ganzen Reich Führertagun- aen in allen Gebieten der HI. statt. Die erste dieser Tagungen veranstaltete das Gebiet Ruhr-Niederrhein in der Stadthalle von Mülheim. Nach einem chorischen Feierspiel „Wir tragen die Fahne" sprach der Stellvertreter des Reichsjugendführers, Stabsführer Hartmann-Lauterbacher. So wie die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei im Leben des deutschen Volkes die maßgebende Rolle spiele, so müsse die Hitlerjugend in der gesamten deutschen Jugend der Hort der natio- nalsozialistischen Idee sein. Die Führung der nationalsozialistischen Jugend werde auch die Führung über die gesamte deutsche Jugend erhalten. Zur technischen Durchführung teilte der Stabsführer mit, daß in den kommenden drei Jahren die 10-, 11-, 12- und 13jährigen, vor allem aber d i e 10 - und 11jährigen im Jungvolk und in der Jungmädel-Organisation in möglichst großem Umfange erfaßt werden sollten. Diejenigen, die sich im Jungvolk und in der Jungmädel-Organisation vier Jahre bewährt hätten, würden mit 14 Jahren in die Hitlerjugend bzw. den BDM. ausgenommen. Die andern Jungen und Mädel würden dann in die von HJ.-Führern geführte Staats- fügend kommen, so daß also in Zukunft jeder junge Deutsche seinem Volk dienen werde. Zur Lösung dieser großen Aufgabe würden drei Jahre als Mindestzeit notwendig sein. Die beiden bedeutsamen Tage für die Arbeit der Hitlerjugend würden zukünftig der Geburtstag des Führers am 20. April und der 9. November sein. So wie der 9. November der Tag der Ueberführung der jungen Nationalsozialisten in die Partei sei, so werde der 20. April der Tag der Ueberführung der 14 Jahre alt gewordenen Pimpfe und Jungmädel in die HI. bzw. den BDM. sein, und ebenso werde dieser Tag der alleinige Annahmetag für die 10jährigen Jungen und Mädel in das Jungvolk und die Jungmädel- Organisation sein. Geburtstagsständchen für General Göring. B e r l i n, 12. Jan. (DNB.) Der 43.Geburts- t a g des preuß. Ministerpräsidenten und Oberbefehlshabers der Luftwaffe, General der Flieger G ö - ring, hatte am Sonntagvormittag Hunderte nach dem Leipziger Platz gelockt. Im Garten vor dem Haufe hatten die Musikkorps der Wachtruppe und des Regiments General Göring, eine Kapelle der Luftwaffe und je ein Musikkorps der SA. -Gruppe Berlin-Brandenburg, der Feldjäger und des Arbeitsdienstes nebeneinander Aufstellung genommen. General Göring erschien vor seinem Hause, um von hier aus das Ständchen entgegen- zunehrnen. Auf der Terrasse des Hauses erfreute ihn seine kleine Nichte Roswita mit einem Geburtstagsgedicht und überreichte ihm einen Blumenstrauß. Während des Konzerts erschien der Kommandeur des Regiments Göring, Oberstleutnant Jakobi, mit seinen Offizieren, um dem General die Glückwünsche seines Regiments auszusprechen. Ueberraschend tauchte plötzlich ein kleines Berliner Mädel auf, das dem Ministerpräsidenten gratulierte und ihm ein Blumengebinde überreichte, weil es, wie es sagte, „mit General Göring zusammen Geburtstag habe". Es konnte daraufhin nun auch seinerseits im Hause des Ministerpräsidenten ein Geburtstagsgeschenk in Empfang nehmen. Nach Vorträgen von Lieblingsmärschen des Generals bildete der Badenweiler Marsch den Abschluß des Geburtstagsständchens, für das der Ministerpräsident mit dem Ausdruck der Freude über diese Ehrung mit herzlichen Worten dankte. ♦ Der Führer und Reichskanzler hat an Ministerpräsident General Göring zu seinem Geburtstage folgendes Telegramm gesandt: „Mein lieber Göring! Nehmen Sie zu Ihrem heutigen Geburtstag meine herzlich st en Glückwünsche entgegen. In alter Freundschaft Ihr Adolf Hitler." Besuch Or. Schachts bei Or. Ley. Berlin, 11. Jan. (DNB.) Reichsbankpräsident Dr. Schacht stattete dem Reichsleiter der Deutschen Arbeitsfront, Reichsorganisationsleiter der NSDAP. Dr. Ley, einen einstündigen Besuch in dessen Berliner Dienststelle ab. Dr. Schacht nahm dabei Gelegenheit, seiner Zuversicht über eine auch im Jahre 1936 bemtzinsame ersprießliche Arbeit zum Ausdruck zu bringen. Im Anschluß an die Unterhaltung mit Dr. Ley besichtigte Minister Dr. Schacht noch die Räume des Stabsamtes und der Adjutantur des Reichsleiters. Aenderung der Richtlinien über die Mitgliedschaft zur DAI. Berlin, 12. Jan. (DNB.) Der Reichsleiter der DAF., Pg. Dr. Ley, hat eine Anordnung erlassen, wonach Mitglied der Deutschen Arbeitsfront im Deutschen Reich nur der werden kann, der R e i ch s - bürger im Sinne des Reichsbürgergesetzes vom 15. September 1935 und der Durchführungsbestimmungen zu diesem Gesetz vom 14. November 1935 ist. Der Punkt 2a/2 der „Richtlinien über die Mitgliedschaft der Deutschen Arbeitsfront", der als Aufnahmebedingung rein arische Abstammung vorsieht, wird außer Kraft gesetzt. Im Dienst der deutsch-englischen Verständigung. Englische Gaste zur Tagung der Deutsch-Englischen Gesellschast in Berlin. Berlin, 11. Jan. (DNB.) Die Deutsch- Englische Geselschaft, die sich, wie ihre Brudergesellschaft, die Anglo German Fellowship, die Vertiefung des deutsch-englischen Verständnisses auf dem Gebiete des wirtschaftlichen und kulturellen Lebens zum Ziele gesetzt hat, hielt ihre erste Mitgliederversammlung ab. Ein Abendessen im Aeroklub von Deutschland vereinte die Gesellschaft und ihre Gäste wenige Stunden später erneut. Der Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß, ehrte hierbei die Gesellschaft und ihre Bestrebungen durch seine Anwesenheit. Unter den englischen Gästen bemerkte man u. a. Lord Mount Temple, den Präsidenten der Anglo German Fellowship, den englischen Botschafter in Berlin Sir Eric P h i p p s, den Reichsstatthalter in Bayern, Ritter von Epp, Botschafter von Ribbentrop, den deutschen Gesandten in Stockholm, Prinz zu Wied, Staatssekretär Dr. Meißner, Gauleiter Bohle, Reichssportführer von Tschammer und Osten, den Auslandspressechef der NSDAP., Dr. H a n f st e n g l, Reichskriegsopferführer Oberlindober, Bürgermeister Krogmann, Ministerialdirektor Dieck off vom Auswärtigen Amt, Herzog Ernst August von Braunschweig u. a. m. Oer Herzog von Koburg wandte sich an die englischen Gäste: „Ich versichere Ihnen, daß alles, was wir Ihnen in diesen Tagen sagen und zeigen, der Tiefe des Gefühls entspricht, das das deutsche Volk, und zwar aus Ueberzeugung, dem Werte eines deutsch-englischen Verstehens entgegenbringt. Die Deutsch-Englische Gesellschaft und die Anglo-German Fellowship erstreben nichts anderes, als die Freundschaft zwischen unseren Ländern zu fördern und für beide nützlich zu pflegen. Sie, meine englischen Freunde, haben den berechtigten Stolz, zu den Untertanen Seiner Majestät des Königs von Großbritannien, Souverän eines Weltreiches, zu gehören. Wir, meine Kameraden, sind stolz darauf, die Gefolgschaft unseres Führers und Reichskanzlers zu bilden. Auf dieser uneingeschränkt gegenseitigen Achtung bauen wir die zukünftige Freundschaft unserer Länder auf." — Der Redner erhob fein Glas im Gedenken der Staatsoberhäupter beider Nationen, des Führers und Reichskanzlers und des Königs von England. Lord Mount Temple erwiderte u. a.: „Die freundschaftlichen Gefühle des englischen Volkes gegenüber seinen deutschen Vettern sind stärker, als Sie es sich vorstellen. Und unsere öffentliche Meinung ist überzeugt, daß eine endgültige und klare Verständigung zwischen unseren beiden Völkern Zustandekommen muß, die dem Frieden und dem Bestände der Welt dienen soll. Wir können viel vollenden, wenn wir willens sind, uns darum zu bemühen. — Die öffentliche Meinung Englands ist eine lebendige Kraft im englischen Leben und keine Regierung kann es sich leisten, sie zu ignorieren. Kürzlich haben wir ein Beispiel hierfür in England erlebt. Die öffentliche Meinung Englands unterstütz! die gemeinsamen Ziele der Deutsch-Englischen Gesellschaft und der Anglo-German Fellowship, und es liegt mir dar, an. Sie alle, die Sie heute abend hier anwesend sind, darauf hinzuweisen, wie notwendig es ist, die englische öffentliche Meinung auf unserer Seite zu haben." Der Redner gab der Bewunderung Ausdruck, mit der das englische Volk die erfolgreichen und kühnen Anstrengungen verfolge, die das deutsche Volk zur Niederschlagung des Bolschewismus unternehme. „Ihre Kraft und Entschlossenheit haben Europa von einer wirklichen Gefahr befreit, einer Gefahr, die im Augenblick behoben scheint, aber jederzeit wieder ausbrechen kann." Harmonischer Avskiang. Besichtigung des Reichssportfeldes und zum Eintopfgericht als Gast beim Botschafter von Ribbentrop. Einer Einladung des Reichssportführers von Tschammer und Osten folgend besichtigten die Mitglieder der Anglo-German-Fellowship das Reichssportfeld. Exzellenz L e w a l d erklärte den Gästen anhand eines Modells die Anlagen. Dann wurde ein Rundgang angetreten, der einen ausgezeichneten Einblick in die Größe des sportlichen Kampfgeländes vermittelte. Die englischen Gäste verliehen in beredten Worten ihrer hohen Anerkennung Ausdruck. Nach der Besichtigungfahrt folgten die englischen Gäste und der Vorstand der deutsch-englischen Gesellschaft einer Einladung des Botschafters von Ribbentrop in sein Haus. Hier lernten die englischen Gäste auch den Eintopf-Sonn- t a g kennen. Gern ließen sich die englischen Gäste auch über diese soziale Tat unseres Führers unterrichten. Botschafter von Ribbentrop hieß die Gäste herzlich willkommen. Lord Mount Temple betonte unter Würdigung der traditionellen Pflegestätte der deutsch-englischen Beziehungen, an der er spreche, die Wichtigkeit, daß wie er und seine Freunde von der Anglo-German-Fellowship auch ganz England dem Dienst und Streben des neuen Deutschland Verständnis ent- gegenbringe und daß die Anglo-German-Fellowship nach ihrem besten Können in dieser Richtung wirken werde. Dann blieben die englischen Gäste noch bis zum Nachmittag in regem Gedankenaustausch mit ihren deutschen Freunden vereint. Immer wieder äußerten sie ihre hohe Befriedigung und ihre Anerkennung für die Werke des deutschen Wiederaufbaues, die sie bei ihrem Berliner Besuch zu sehen Gelegenheit hatten. Sie schieden aus dem Hause des Botschafters und von ihren deutschen Freunden in der sicheren Ueberzeugung, daß ihre Reise nach Berlin zur ersten Versammlung ihrer deutschen Brudergesellschaft als ein beachtlicher Erfolg gemeinsamer Arbeit zu bewerten sei, einer Arbeit, die auf beiden Seiten dazu beitragen soll, die blutsverwandten Völker einer glücklichen Zukunft entgegenzuführen. Das nationalsozialistische Führerkorps desGauesHessen-Nassau tagt inFranksurt Gauleiter Sprenger gibt grundsätzliche Richtlinien für das Lahr 1936. Der Nationalsozialistische Gaudi e n st Hessen-Nassau teilt mit: Wie in der Presse bereits angekündigt stand der 12. Januar 1936 im Zeichen der Paroleausgabe für die Bewegung im Gau Hessen-Nassau durch den Gauleiter. Nur wer selbst Zeuge dieser Kundgebung war, kann annähernd die Stärke der nationalsozialistischen Bewegung ermessen, die trotz der Aufgabenteilung ihrer einzelnen Gliederungen ein unzerbrechliches und geschlossenes Ganze bildet. Alle Organisationen der Partei waren vertreten; es erübrigt sich deshalb dieselben aufzuzählen. Nur das soll gesagt werden, daß die Bewegung gegenüber der Kampfzeit nicht nur nichts an Schwungkraft verloren hat, sondern heute stärker denn je dasteht. Die grundlegenden Ausführungen des Gauleiters begannen mit den Aufgaben eines politischen Offiziers der NSDAP.: allgegenwärtig lebendig und bereit fein als erste Forderung an einen nationalsozialistischen Führer, der niemals zum Bürokrat werden darf. In beinahe dreistündiger Rede umriß dann unser Gaü- leiter all die Probleme, die in der Vergangenheit gelöst worden sind, uns für die Gegenwart gestellt werden und für die Zukunft gelöst werden müssen. Nichts gab es auf dem Gebiet politischen wirtschaftlichen und kulturellen Lebens, was er nicht einer eingehenden Beleuchtung unterzog, um feinen Mitstreitern und Mitkämpfern, wie es im Gau Hessen- Nassau immer üblich war, die Linien zu zeigen, nach denen sich alle zu richten haben. Richtschnur allen Handelns ist uns der Führer. Das Programm der Bewegung, Adolf Hitlers Werk „Mein Kampf" und feine Reden find die selbstverständlichen Grundlagen, auf Grund deren die Führerschaft zu arbeiten hat. Die ausschließliche politische Führung, die die Bewegung hat und sich nicht nehmen läßt, verpflichtet zu ernsthafter, ununterbrochener S e l d st k r i t i k. In jedem in Führerstellung befindlichen Parteigenossen muß das Wollen des Führers zur Tat werden. Auf die Rede des Gauleiters folgte die Vorführung einer Filmreportage über d i e Meliorationsarbeit der Hessischen Regierung im Ried. Darauf wurde den Teilnehmern dieser gewaltigen Tagung der wohl von jedermann als erschütternd empfundene Film „F r i e f e n n o t" vorgeführt, dessen stärkste Stellen des öfteren von spontanem Beifall unterstrichen wurden. Alles in allem zeigt uns der heutige Tag, daß die Bewegung im Gau Hessen-Nassau heute wie ehedem und auch für die Zukunft mobilisiert ist bis zur letzten Konsequenz und bereit ist, jeden Befehl auszuführen, den der Führer gibt Die Jubelfeier der KaiserWilhelm Gesellschaft. Berlin, 11. Jan. (DNB.) Im Harnack-Haus fand die Hauptversammlung der Kaiser-Wilhelm- Gesellschaft statt. Reichsregierung, Partei und Wehrmacht waren zahlreich vertreten. Die deutschen und ausländischen Hochschulen und die Akademien der Wissenschaften hatten Vertreter entsandt. Der Präsident Geheimrat Professor Dr. Planck gab ein Glückwunschschreiben des ehemaligen Kaisers bekannt, dem als dem Gründer der Gesellschaft durch ein Telegramm gedankt wurde. Der Redner ging dann näher auf die Aufgaben der Gesellschaft ein, wobei er der Männer gedachte, die in vorderster Reihe als Pioniere der Wissenschaft sich unvergängliche Verdienste erworben und damit zugleich auch die Achtung vor der deutschen Wissenschaft in alle Länder der Welt getragen hätten. Wir find der Reichsregierung, so fuhr Geheimrat Planck fort, zu aufrichtigem Dank verpflichtet, daß sie unsere Gesellschaft in ihren starken Schutz genommen hat und ihre Bestrebungen bei zahlreichen sich bietenden Gelegenheiten wirksam unterstützt hat. Ein Zeugnis hierfür aus der neuesten Zeit ist die Gründung des Kaiser-Wilhelm- Jnstituts für Physik, dessen Bau und Einrichtung auf eine großzügige Stützung der Rocke- feller-Foundation zurückgeht und dessen Betrieb durch regelmäßige Reichszuwendungen gewährleistet wird. Auch andere Kaiser-Wilhelm-Jnstitute haben neuerdings von der Reichsregierung durch Zuwendung erheblicher Mittel besondere Förderung erfahren. Nehmen wir dazu die Tatsache, daß im verflossenen Jahre dank der hochherzigen Hilfe aus Kreisen der Industrie zwei ansehnliche Institute, das für Metallforschung in Stuttgart und das für Eifenforschung in Düsseldorf neu eröffnet werden konnten, so dürfen wir ohne Ueberhebung sagen, daß die Kaiser-Wilhelrn-Gesell- schaft sich wieder auf einem Höhepunkt ihrer Entwicklung befindet. Wir können mit berechtigter Zuversicht dem kommenden Vierteljahr- Hundert entgegensehen. Auch in ihm wird die Kaiser- Wilhelm-Gesellschaft keinen höheren Ehrgeiz kennen als das Bestreben, durch gewissenhafte Erfüllung ihrer Aufgaben sich mit allen ihren Kräften i n d i e Dien st e des Vaterlandes z u stellen. An den Führer und Reichskanzler wurde folgendes Telegramm geschickt: „Mein Führer! Die Mitglieder und Freunde der Kaiser-Wil- Helm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften sind versammelt, um den Tag des 25jährigen Bestehens der Gesellschaft feierlich zu begehen..Wissenschaft und Wirtschaft stehen treu zu dem von Ihnen neu aufgerichteten Deutschen Reich und wissen, daß nur unter Ihrer Führung und unter dem Schutz der deutschen Wehrmacht sie nützliche Arbeit leisten können. Durchdrungen von dieser Zuversicht entbietet die Kaiser-Wilhelm-Gesellschast zur Förderung der Wissenschaften Ihnen, mein Führer, ehrfurchtsvolle Grüße. Gez.: Plan ck." Professor D e b y e, Direktor des Kaiser-Wilhelm- Jnstituts für Physik, behandelte darauf das Thema: „Struktur von Flüssigkeiten". Anschließend sprach Professor Bruhns, Direktor des Kaifer-Wilhelm- Jnstituts für Kunst- und Kulturwissenschaft — Bibliotheca Hertziana in Rom — über das Thema: „Deutsche Kun st in Jtalie n". Die Kaiser-Wilhelm-Gesellschast schloß die Feier ihres 25jährigen Bestehens mit einem gemeinsamen Abendessen der Mitglieder und zahlreicher Ehrengäste aus dem In- und Ausland im Harnack-Haus ab. Reichserziehungsminister R u st bemerkte in seiner Tischrede, daß mit den vor 25 Jahren einge- sührten Forschungsmethoden viel Schones und Großes geschaffen worden sei. Alle Wissenschaftler sollten aber bedenken, daß nicht die Form, in der etwas geschehe, das maßgebende sei, sondern die rastlose Arbeit, die Kraft, die nicht locker lasse. Das müsse der Standpunkt für unser ganzes deutsches Volk werden. Die Regierung Adolf Hitlers werde das ehren, was die Wissenschaft geleistet habe, als ein Vermächtnis treuer Arbeit. — Reichswirtschaftsminister Dr. Schacht sprach von den Beziehungen der Wissenschaft zur Wirtschaft. Je deutscher der Charakter gerade der Kaiser-Wilhelm-Gesell- schaft sei, um so größer sei ihre Auswirkung für Deutschlands Geltung im internationalen Leben. Mit wachsender Genugtuung empfinde das deutsche Volk, daß die Auswirkung der deutschen Wiedergeburt ihm die Achtung in der Welt zurückerobert habe. Des starken Schutzes der nationalsozialistischen Regierung werde die Kaiser-Wilhelm-Gesellschast gewiß sein. — Der amerikanische Botschafter D o d d wies darauf hin, daß mit der wissenschaftlichen Forschung die Kenntnis der sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Welt Schritt halten müsse. Die Menschheit könnte den wirtschaftlichen und sozialen Spannungen des Ledens nicht standhalten, wenn nicht die wissenschaftliche Forschung auf der Höhe bleibe. Der Botschafter überbrachte der Gesellschaft die herzlichsten Glückwünsche und sprach seine große Befriedigung über die internationalen Beziehungen der Wissenschaft aus. Luftfahrt im Dienst der Völkerverbindung. Reichsminister Göring vor Vertretern der ausländischen Luftverkehrsgesellschaften. DNB. Berlin, 11. Jan. Die Deutsche Lufthansa hatte zu Ehren der an der IATA.-Tagung in Berlin teilnehmenden Vertreter von 17 Luftverkehrsgesellschaften sowie aus Anlaß ihres zehnjährigen Bestehens zu einem Empfang im „Kaiserhof" eingeladen. Der Reichsminister der Luftfahrt, General Göring, gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß es der IÄTA. gelungen sei, dringende Fragen der internationalen Handelsluftfahrt einer Lösung entgegenzuführen, um das Netz des Weltluftverkehrs zu verdichten und zu verbessern. Vor allem handele es sich darum, die Sicherheit, Zuverlässigkeit und Geschwindigkeit der Verkehrsflugzeuge zu steigern. Diese Aufgaben konnten am besten durch eine freundschaftliche internationale Zusammenarbeit gelöst werden. Die Lufthansa sei auf vielen Gebieten vorbildlich für alle anderen Luftverkehrsunternehmen gewesen, hauptsächlich wohl, weil die fliegerischen Energien des deutschen Volkes bis zur Schaffung der deutschen Luftwaffe allein in der deutschen Handelsluftfahrt verkörpert gewesen seien. Die Lufthansa bilde in echtem fliegerischem Geist das Bindeglied zwischen der alten glorreichen Fliegertruppe und der jungen deutschen Luftwaffe. Die Luftverkehrsgesellschaften ständen an erster Stelle im Dienste der Volkerversöhnung und Völkerverbindung. Der Minister schloß mit dem Wunsche, daß es dem edlen Wettstreit aller Luftverkehrsgesellschaften gelingen möge, allmählich den Luftraum über allen Erdteilen und Meeren zu erschließen und hierdurch wesentlich zu der Annäherung der Völker untereinander beizutragen. Der ständige Präsident der IATA., Ionkheer van den Bergh van Heern st ede dankte dem Reichsluftfahrtminister, seinem Staatssekretär sowie der Lufthansa und dem Aeroklub von Deutschland für die gastliche Aufnahme in Deutschland. Alle lATA.-Teilnehmer hätten von Deutschland den, wie erwartet, allerbesten Eindruck gewonnen, nicht nur von der für alle vorbildlichen deutschen Luftfahrt. Gewaltige Erhöhungen der sowjetrussischen Rüstungsausgaben. Moskau, 13. Jan. (DRV.) 3m Zentralexekutiv- komilee erklärte ein „Kommandeur" aus Sowjetrußland, daß der heereshaushalt für das 3ahr 1935 sechs Milliarden Rubel umfaßt hätte. Tatsächlich seien im Vorjahre jedoch für die Zwecke der Landesverteidigung acht M i 11 i a r- den Rubel ausgewendel worden. 3m 3ahre 1936 würden 14 Milliarden Rubel für militärische Zwecke ausgegeben werden. — Diese würden nach dem neuen amtlichen Umrechnungskurs einem Betrage von 4 2 Milliarden franz ü- sischer Franken gleichkommen. Die amtliche Regierungserklärung iib?r den Heereshaushatt fui 1936, dessen „erhebliche Erhöhung" bereits Molotow ankündigte, dürfte der Bericht des Finanzkommif- fars bringen. Mfl . lur die )le sie bei M hatten. *=> und J sicheren "N zur er« ludergesell. lolg ae. l. einer Ar« en soll, die n Zukunft an-Fellow. y und ^n’5 ent= an*Fellow- : Dichtung ®öfte ’anrenauss ret"nF 3m« M*. einlQhien * dtt „m|r bar ^l4’ n,1 ‘er /wunde. > er. l?e,bie Ci>. lebetjeit 'Q5 deutsche ?n Wieder- muferobert rzialistischen 'Gesellschaft i’ter Dodd siiichen For- lnschasttichen müsse. Die ' und sozialen tollen, wenn us der höhe r Gesellschaft : ) feine große Beziehungen treteru der llschasten. eutsche Lust- ITA/Iaaung an 17 Lust- ihres zehn« sang im Minister der ‘iner Freude gelungen sei, handelslust« um das Netz inb zu uer« darum, die und ®e* mqe zu jtei« en durch eine sammenarbeit ei auf vielen Luftverkehrs- )ohl, weil die olkes bis zur illcin in der ewesen seien. rischem M reichen K' uftwaffe. Die erster Stelle nung und er * Ej Wettstreit * a? allmählich ’ dir A°n°h-> Iontheer \ttbl zua/sle!«1“ letott* i" oon »t* fc ; n t) t U & enwbilt*fl lt soviel' gaben. irech»""^z. « ft«« xj e” anrff* J^H MeldungvonFreiwilligenfürdie/! iUarltH 11 /<7\cn«> \ O\-._ cn , ustwaffe Flakartillerie, Luftnachrichtentruppe und Regiment General Göring Bewerber von 18 bis 25 Jahren. Bewerber aus den Geburtsjahrgängen 1915 bis 1918 müssen vor der Einstellung ihrer Arbeitsdienstpflicht genügt haben. Die Freiwilligen für die F l i e g e r - u n d L u f t- nachrichtentruppe müssen sich auf eine Dien st zeit von 4Vz Jahren verpflichten. Bei Verwendung als fliegendes Personal wird eine Zusatzverpflichtung auf insgesamt 12 Jahre gefordert. Die Freiwilligen für die Flakartillerie verpflichten sich auf ein Jahr, zweijährige Verpflichtung erwünscht. Die Freiwilligen des Regiments General Göring müssen sich bei der Frühjahrseinstellung (16.4.1936) auf 2V2 Jahre, bei der Herbsteinstellung (1.10.1936) auf zwei Jahre verpflichten. Berlin, 11. Jan. (DRB.) Das Reichsluftfahrtministerium gibt die Richtlinien für die Einstellung von Freiwilligen in die Luftwaffe bekannt: Die nächsten Einstellungen von Freiwilligen in die Luftwaffe erfolgen im Früjahr (16.4.) und im Herbst (1.10.) 1936, Meldeschluß für die Frühjahrseinstellung am 15.3.1936, für die Herbsteinstellung am 30. 4.1936. Für die Einstellung kommen in Frage: für die Fliegertruppe Bewerber von 18 bis 23 Jahren; für die Die Bewerber müssen die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, wehrwürdig, deutschen oder artverwandten Blutes, unbescholten, unverheiratet und Tauglich 1 oder 2 für den Wehrdienst sein. Mindestgröße nicht unter 1,60 Meter. Bevorzugt ein» gestellt werden Angehörige des DLV., Personal der Luftverkehrsgesellschaften, Personal der Luftfahrtindustrie, Bewerber, die bereits an einem Lehrgang einer Motorsportschule des NSKK. teilgenommen haben oder sich zur Ableistung eines derartigen Lehrganges vor Diensteintritt verpflichten, Angehörige der HI., Inhaber von Sportabzeichen. Bewerber, die noch nicht gemustert sind, müssen sich persönlich bei der zuständigen polizeilichen Meldebehörde in die Wehrstammrolle Einträgen lassen und die Ausstellung eines Freiwilligenscheines für den Eintritt in den aktiven Wehrdienst beantragen. Angehörige der bereits gemusterten Jahrgänge 1914 und 1915 brauchen sich bei der polizeilichen Meldebehörde nicht zu melden. Dann melden sich die Bewerber möglichst schriftlich bei dem Truppenteil. Weitere Auskünfte erteilt das für den Wohnsitz zuständige Wehrbezirkskommando, in der entmilitarisierten Zone die untere Ersatzbehörde. Oie militärische Sicherung Aegyptens. Das riesige Zeltlager in S i d i B i s h r, das in der Nähe des Meeres liegt und von meilenlangen Stacheldrahtverhauen umgeben ist. Die Mannschaften leben hier in kleinen spitzen Zelten, während die Pferde in Baracken untergebracht sind, weil selbst in Aegypten die winterlichen Nächte recht kalt zu sein pflegen. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Die Abessinier melden die Rückeroberung Makalles. Addis Abeba, 12. Jan. (DNB.) Nach hier I .ingetroffenen abessinischen Meldungen hat der echte Flügel der Heeresgruppe Ras cd e 9 0 u m s den Angriff gegen Makalle ,orgetragen. In den Morgenstunden des Freitag begannen erbitterte Kämpfe um die Stadt, die m Laufe des Tages mehrmals ihren B e - i tz e r wechselte. Nach schwersten Nachkämpfen ionnten sich die abessinischen Truppen, nach den abessinischen Frontberichten, am Freitagabend endgültig in Makalle f e st s e tz e n und b e - a u p t e n. Eine größere Anzahl von Gefangenen, Gewehren, Munition und Kriegsmaterial sollen in : ie Hände der Abessinier gefallen sein. Weitere Meldungen von der Nordfront besagen, aß die Kämpfe um Makalle ihren Fortgang neh- nen. Besonders heftig seien die Kämpfe 2 0 Kilometer westlich von Makalle. Der abessi- ische Stoß richte sich jetzt gegen Abaro, das ngefähr 25 Kilometer nördlich von Makalle liegt. Die Lage der Italiener wird als äußerst gefährdet gezeichnet. Infolge des f a ft 1 4 tägigen R e - ens seien sämtliche alten und neugebauten O t r a ß e n für den italienischen Nachschub gänzlich . nbraudjbar geworden. Diese Lage werde von leen Abessiniern auch weiterhin ausgenutzt. Der »italienische Heeresbericht vom k-amstag besagt: „Unsere Abteilungen haben gestern st a r k e Lindliche Kräfte angegriffen, die sich auf die Umgebung des Zusammenflusses von Gabat und Geb» vorgeschoben hatten. Die unter Zusammenarbeit mit Artillerie und Luftwaffe entfaltete Aktion hat mit dem Rückzug des Gegners geendet, dem unsere Abteilungen nachdrängten. Die Abessinier haben st arte Verluste erlitten. Aus den italienischen Berichten über die Somalifront zwischen dem 1. und 7. Januar ergibt sich eine rege Gefechtstätigkeit und zahlreiche Er- kundungs- und Bombenflüge der Italiener. Am 3. Januar rückte der auf italienischer Seite kämpfende Sultan von Schiwali mit 1000 Mann und.zahlreichen Maschinengewehren nach einem Marsch von 200 Kilometer in das Tal des oberen Schebeli, wo er in der Gegend von Gabba überlegene abessinische Streitkräfte an- griff und zurückschlug. Die Verluste der Abessinier sollen 474 Tote und zahlreiche Verwundete betragen haben. Die Krieger des Sultans wurden bei ihrem Angriff durch italienische Bombenflugzeuge unterstützt. In der Gegend von Dolo wurden zur Feststellung der Stärke der Streitkräfte von Ras Desto Aufklärungsflüge unternommen. Es wird berichtet, daß bei verschiedenen Zusammenstößen hie Abessinier über 200 Tote verloren, während die Verluste auf italienischer Seite fünf Tote und einige Verletzte betrugen. Bei dieser Gelegenheit gelang es, einen von den Abessiniern umzingelten Tank aus seiner bedrohlichen Lage zu befreien. Aoch keine Zeil für eine neue Vermittlung? London, 13. Jan. (DNB. Funkspruch.) Das kritische Kabinett tritt voraussichtlich diese Woche z«rn ersten Male nach Weihnachten zusammen. ,Daily Mail" glaubt, die Mehrheit der Minister knlte eine Oelsperre für nicht ers 0 rder - 1 ch; zudem stelle sie eine Gefahr für den Frie- d n dar. Die Vertreter dieser Politik wüßten, daß auf die Unter st ützung Lavals rechnen t nnen. Andere jedoch, und zwar besonders die- jimigen, die die Ablehnung der Pariser Friedens- o»rschläge veranlaßten, glaubten, daß der abessinische Streit am schnellsten durch eine sofortige Oelsperre beendet werden Fiinnte. Außenminister Eden wolle zeigen, daß er b reit sei, alle Möglichkeiten zur Erzielung des siedens zu erschöpfen ohne zu herausfordernden I aßnahmen zu greifen. Der römische Berichterstatter des „Daily Tele- giaph" will von zuverlässiger Seite erfahren, daß t)= italienische Regierung ernstlichen Frieds ms v 0 rs ch l ä g e n „kein Hindernis in den Weg teufen" würde. Das Wort „ernstlich" bedeute aber -ich italienischer Ansicht gebietsmäßige Ge- nii nne. Man glaube, daß der Negus noch nicht zu sichen Zugeständnissen bereit fei, und daß daher niue Vorschläge solange geringe Erfolgsaussichten hl den, dis die italienische Armee in Abessinien weite' vorgerückt sei. Der abessinische Krieg verlause ircht günstig für Italien. Das frühe Einsetzen von ^•genfätlen werde wahrscheinlich ebenso ernste Fol- gti für Mussolini haben, wie die verfrühten Lthneefälle für Napoleon in Rußland. Die „Times" Staubt nicht, daß die italienische Entmutigung be- -lits den Punkt ereicht habe, wo irgendwelche für Vv- anderen Parteien annehmbaren Vorschläge in hm ernstlich geprüft werden würden. „Petit Parisien" meldet, daß man in Rom der Ansicht sei, eine neue Anregung zur Lösung des ost- afrikanischen Streitfalles könne nach dem Scheitern des Laval-Hoare-Planes nurvom Negus oder oomVölkerbund kommen. Die Note des Negus, in der eine Untersuchung über d i e Art der Kriegführung verlangt werde, scheine eine neue Tatsache darzustellen. Die italienische Regierung habe wissen lassen, daß sie von einer Untersuchung nichts zu fürchten habe, weil sie nichts zu verbergen brauche. Man frage sich also in Nom, ob es nicht möglich sei, die Note des Negus als eine neue Gelegenheit zu ergreifen, um einen Aussöhnungsversuch zu machen. Die Untersuchung könnte sich auf die tatsächliche Lage Abessiniens erstrecken. Das würde gestatten, die Prüfung der italienischen Denkschrift vom 4. September wieder aufzunehmen. Somit könnte ein ueU er Plan ausgearbeitet werden, der sich auf „okyektlve Betrachtungen" gründen würde. Was kostet England die SühnepoM? London, 13. gan ^NB. Funkspruch.) Das Parlament wird sich Lj feinem Wiederzusammen- tritt am 4. Februar mit den Kosten beschäftigen, die England aus der Anwendung der Sühnepolitik und aus den militärischen Vorsichtsmaßnahmen im Mittelmeer erwachsen. I Daily Expreß" glaubt, daß die Ausgaben sür die militärischen Vorbereitungen Ü V ec 1 1'0 " Pfund in der Woche belaufen. Auch die Verluste infolge der Anwendung von Suhnemaßnahmen feien auf mehrere Millionen Pf und zu schätzen. Es sei damit zu rechnen, daß diese Ausgaben den erwarteten Haushaltsüberschuß beträchtlich verringern werden. Der König von Rumänien in Belgrad. Fühlungnahme in der Sanktionsfrage. Bukarest, 12. Jan. (DNB.) König Karol II. und der Thronfolger Michael haben am Samstag Bukarest verlassen. Amtlich wurde mitgeteilt, daß sich der König und der Konprinz aus Jagd begeben haben. Wie aber feststeht, sind beide zu einem 23 e f u ch na ch Belgrad gefahren. In Begleitung des Königs und des Kronprinzen befinden sich keine Minister oder Politiker. Der Besuch wird von der englischen Presse stark beachtet. „Daily Telegraph" meldet aus Belgrad, daß der wirkliche Grund für den Besuch p 0 - litis eher Natur sei. Der südslawische Prinzregent Paul wünsche eine eingehende Erörterung mit König Karol über die Stellungnahme der beiden Ländern zu der Frage schärferer Sühnemaß- n ah men. Eine besondere Rolle habe dabei der Jugoslawien von Großbritannien vorgelegte Fragebogen über d i e Stärke der jugoslawischen Flotte, die Flottenstützpunkte und ähnliche Dinge gespielt. Der Besuch König Karols in Belgrad scheine das Vorspiel einerReihederartigerdiplomatischer Reisen zu sein. Wahrscheinlich werde der rumänische König im März nach England kommen. In letzter Zeit seien vermehrte Anzeichen dafür festzustellen, daß die kleine Entente und besonders Rumänien den Schutz ihrer Unabhängigkeit mehr bei England als bei Frankreich suchen. Oer griechische Thronfolger beim englischen Flottenmanöver. Athen, 11. Januar. (DNB.) Die hier liegenden englischen Zerstörer gehen am Sonntag zu Manöver» in See. An Bord des Zerstörers „Ex- rnouth" nimmt der griechische Thronfolger Prinz Paul, der Bruder des Königs, an den Manövern teil. Wenn die Flottenkonferenz scheitert. Erweiterung des englischen Flottenbauprogramms. London, 12. Jan. (DNB.) „The People" veröffentlicht eine bisher allerdings noch nicht bestätigte Meldung, wonach der Haushalt für die britische Flotte, der im nächsten Monat veröffentlicht werde, voraussichtlich Gelder für zwei neue britische Schlachtschiffe vorsehen dürfte, von denen jedes rund 90 Millionen Gold- rnark kosten solle. England würde diese Schiffe bauen, weil der Zusammenbruch der Flottenkonferenz dies erforderlich mache. In den nächsten fünf Jahren würden neun Schlachtschiffe des gleichen Typs gebaut werden. In diesem Jahre werde das Bauprogramm ferner drei Kreuzer, neun Zerstörer und drei U-Boote enthalten. Das Blatt behauptet, England habe ursprünglich vor 1937 keine neuen Schlachtschiffe bauen wollen. Die Regierung fei jedoch zu der Ansicht gekommen, daß angesichts des voraussichtlichen Fehlfchlagens der Flottenkonferenz durch eine Vertagung der Schlachtschiff- Neubauten nichts zu gewinnen fei. Der Kamps um die Jstacdoualds. Baldwin unterstützt ihre Kandidatur. London, 13. Jan. (DNB. Funkspruch.) Angesichts des starken Wider st andes gegen bie Kandidatur der beiden Macdonalds bei den Nachwahlen in Schottland hat Ministerpräsident Baldwin eine Sonderbotschaft an die schottischen Universitäten gesandt, in der er die Kandidatur Ramsay Macdonalds energisch befürwortet. Baldwin schreibt: „Ich bin der Ansicht, daß Mac- donald bei dieser Wahl ohne Murren unterstützt werden soll, da ich es für außerordentlich wichtig halte, daß er als Mitglied der Regierung, zu deren Zustandekommen er im Jahre 1931 so viel beigetragen hat, im Parlament bleib t." Randolph Churchill hielt vor den Konservativen des Wahlkreises Roß and Cromarty eine Rede, Für die Ausstellung Malcolm Macdonalds als Kandidat für das Unterhaus fei die konservative Parteizentrale und der Haupteinpeitscher der Partei verantwortlich. Malcolm und sein Vater Ramsay Macdonald seien nur aufgestellt worden, da man in einer nationalen Regierung Männer aller Parteien haben will. Beide würden a l 5 Vertreter der Arbeiterpartei hingestellt. Aber welche Arbeiterpartei werde denn durch sie vertreten? Gebe es einen einzigen Arbeiterwahlkreis, der für diese beiden Männer sei? Auch sei es grotesk, die beiden Macdonalds als national zu bezeichnen. Wo feien die beiden Macdonalds im Kriege gewesen? Vorn patriotischen Standpunkt sei Ramsay Macdonald der letzte, der für eine nationale Regierung in Frage komme. Die konservative Versammlung beschloß nach dieser Rede mit 160 gegen 47 Stimmen, Randolph Churchill aufzustellen. Wiederaufnahme des Reiseverkehrs nach der Schweiz. Berlin, 11. Jan. (DNB.) Amtlich wird gemeldet: Die in den letzten Tagen hier geführten deutsch-schweizerischen Besprechungen über die Wiederaufnahme des Reiseverkehrs nach der Schweiz haben am Samstag zu einer Einigung geführt. Die deutschen Ausgabestellen von schweizerischen Reisezahlungsmitteln erhalten Anweisung zur Erteilung von R e i s e b e w i l l i g u n g e n nach der Schweiz. Kunst und Wissenschaft. Ausgrabungen in Kassel. 1 Bei den auf dem Marställerplatz in Kassel vorgenommenen Ausgrabungen ist man in der Nähe des Justizgebäudes auf Mauerwerk gestoßen. Nach Freilegung stellte man fest, daß es sich hierbei um eine massive Marktlaube mit etwa 20 bis 30 kleineren Zellen handelt, die Baumeister Engelhardt im Jahre 1783 auf Veranlassung des Landgrafen Friedrich II. angelegt hat. Bei einer anderen Grabungsstelle des Platzes stellte man eine romanische Säule und zwei Grundmauern von verschiedener Stärke fest. Der Leiter der Ausgrabungen, Dr. Paetow, ist der Ueberzeugung, daß es sich hierbei um ein mittelalterliches Bauwerk und zwar um die Krypta der alten Cyriakuskirche aus dem Jahre 1325 handelt. Von dem Länasschiff der Kirche hat man noch nichts entdeckt. Wahrscheinlich, weil es im Jahre 1526 vollständig abgetragen worden ist, um dem Landgrafen Philipp dem Großmütigen die für feinen Schloßbau benötigten Steine und den Sand zu liefern. Die weiteren Ausgrabungen sind darauf gerichtet, die Krypta ganz freizulegen, um ihre Maße und ihre Gestaltung zu erforschen. Dann soll versucht werden, den Glockenturm der Cyriakuskirche aufzufinden. Es scheint festzustehen, daß auf dem Marställerplatz die älteste Kirche Kassels überhaupt gestanden hat. Aus aller Wett. 34 Tote bei einem Schiffsuntergang in USA. Wie der küstenwachtdienst in Astoria im Staate Oregon meldet, ist der 3500 Tonnen große amerikanische Frachtdampfer „Iowa" mit 3 4 Wann an Bord während eines schweren Wirbelsturmes untergegangen. Der Dampfer zerschellte auf den Klippen in der Wündung des Lolumbia-Flus- les. Die Küstenwächter mußten, ohne helfen zu können, mit ansehen, wie die hauhohe Brandung Stück um Stück des Frachters wegrih, bis nach zwei Stunden der letzte Wast verschwunden war; Hilfe war bei dem hohen Seegang unmöglich. Wan fürchtet, daß noch zwei bisher vermißte Schiffe dem Wirbelsturm zum Opfer gefallen sind. Opernball 1936. Berlin, 12. Jan. (DNB.) Der Opernball 1936, der a u f Einladung vom Ministerpräsident Göring am Samstag veranstaltete Ball der Preußischen Staatstheater, stand unter dem Zeichen der Würde des Hauses, in dem er statt- fand Die schönen Räume der Staatsoper waren durch die neuen von Künstlern erdachten und erschaffenen Einbauten, die auch bei großen Staatsakten und festlichen Veranstaltungen Verwendung finden werden, der Rahmen für einen Abend der Kultur und der Tradition dieser Stätte. Künstlerische Darbietungen leiteten den Ball ein. Die Staatskapelle unter Leitung von Clemens Krauß spielte die „Fledermaus"-Ouvertüre von Jobann Strauß, es folgte der Zigeunerchor aus „Zigeunerbaron" und ein Ausschnitt aus der „Fledermaus", gesungen von Mitgliedern der Staatsoper. Abschluß und Höhepunkt bildete ein Walzer mit außerordentlichem Können von der gesamten Tanzgruppe der Staatsoper getanzt, der mit großem Beifall ausgenommen wurde. Die zahlreichen Gäste, unter ihnen Mitglieder des Reichskabinetts, Reichsleiter, führende Persönlichkeiten der Partei und des Staates, fast alle Botschafter, viele Gesandten und hervorragende Vertreter des künstlerischen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens der Reichshauptstadt blieben noch lange in den schönen und geschmackvoll ausgestatteten Räumen zusammen. München im tiefen Schnee. München hat am Sonntag einen gewaltigen Schneefall erlebt, der feit langen Jahren einer der größten Schneefälle eines einzelnen Tages überhaupt ist. Das tief im Schnee steckende. München Der Sturm über dem Rheinland. Arn Albert-Leo-Schlageter-Platz in Düffeldorf hat der Wirbelsturm furchtbare Verwüstungen angerichtet. (Scherl-Bilderdienst-M.) I WM bot am Montagmorgen ein phantastisches Bild. In der Nacht mar es mit Mühe gelungen, durch Schneepflüge die Fahrbahnen frei zu machen, dagegen ist die Räumung der Gehbahnen von den Schneemassen nur allmählich möglich und an den Seiten der Geh- bahnen türmen sich die Schneemassen zu wahren Bergen auf. Bös sieht es in den Anlagen aus. Viele Aeste liegen umher. Hier und dort sind große Bäume entwurzelt worden. Städtische Arbeiter befreien heute früh wenigstens die kleineren Bäume von der Schneelast. Im Allgäu hat es dagegen den ganzen Sonntag über geregnet. Erst am Montag- früh hat in Kempten der Regen ausgesetzt. O b e r st- d o r f meldet noch am Montagfrüh Regen bis zu 1200 Meter Höhe. Jrnmenstadt meldete vom Sonntagfrüh bis Montagfrüh Regen mit einer Niederschlagsmenge von 85,5 Millimeter. Diese ungeheuren Regenmassen hatten ein gewaltiges Ansteigen der I l l e r zur Folge. Die Iller hatte am Montagfrüh bereits einen Stand von 3,20 Meter erreicht. Die Felder sind auf weite Strecken überflutet. In Kempten steht die Wasserwehr in Bereitschaft. In F ü s s e n hat es am Sonntag zwar einen halben Meter Schnee gegeben, am Montagfrüh regnete es jedoch in Strömen. Der Lech ist um 1% Meter g e - ft i e g e n. Um die Hinrichtung Hauptmanns. Der Gouverneur von New Jersey, Hoffmann, hat, noch bevor das geheime Begnadigungsgericht zusammengetreten ist, zu dem Fall Hauptmann Stellung genommen. Der Gouverneur erklärte, er glaube nicht, daß Hauptmann der alleinige Entführer des Lindbergh-Kindes gewesen sei. Er sei auch nicht der Meinung, daß der Gerechtigkeit durch die Hinrichtung Hauptmanns Genüge getan würde. Gouverneur Hoffmann gab ferner bekannt, daß er den Generalstaatsanwalt ohne Rücksicht auf die Entscheidung des Begnadigungsgerichtes beauftragen werde, den dieser Tage nach Panama abgereiften Dr. London verhaften zu lassen. Dr. London trat seinerzeit im Zusammenhang mit der Kindesentführung hervor, als er die von den Entführern geforderte Lösegeldsumme an der von den Verbrechern bestimmten Stelle niederlegte. Dr. London hatte in den letzten Tagen eine Aufsatzreihe über die Zusammenhänge der Entführung in der Presse veröffentlicht. Bezugnehmend auf diese Zeitungsaufsätze erklärte der Gouverneur, daß die Behörden berechtigt seien, die Angaben des Verfassers, der behauptet, daß mehr als eine Person an dem Verbrechen beteiligt gewesen sei, und der sogar soweit gehe, zu sagen, er kenne zwei der' Mittäter, zu überprüfen. Wenn sich die Behauptungen Dr. Londons als richtig erweisen sollten, seien die Behörden berechtigt, die Namen der in den Aufsätzen angedeuteten Mittäter zu erfahren. * Das Begnadigungsgericht in Trenton im Staate New Jersey hat in seiner Sitzung, in der das Gnadengesuch Hauptmanns Gegenstand der Verhandlung war, die gegen Hauptmann erkannte Todesstrafe aufrechterhalten. Die Verhandlung dauerte acht Stunden. Die Bekanntgabe des Urteils erfolgte ohne Begründung und ohne Mitteilung darüber, in welchem Stimmenverhältnis der Urteilsspruch des Begnadigungsgerichtes, das sich aus acht Richtern zusammensetzt, zustande- gefommen ist. Nach der Verwerfung des Gnadengesuches verbleiben für Hauptmann nur noch zwei Wege: entweder der des Strafaufschubs durch Gouverneur Hoffmann um höchstens dreimal 30 Tage oder der der Wiederaufnahme des Verfahrens infolge Vorlage neuen Beweismaterials durch den Verteidiger. Lin Kind in der Mosel ertrunken. Das 10jährige Töchterchen eines Koblenzer Einwohners stürzte beim Spielen in die Mosel und ertrank. Da die Mosel immer noch starke Strömung hat und das Wasser an der Unfallstelle besonders tief ist, gelang es nicht, das Kind zu retten. Der Unfall ist um so trauriger, als auch die Mutter des Kindes bei dem großen Brückenunglück im Jahre 1930 in der Mosel ertrunken ist. Sturmbö verursacht Gerüsteinsturz in Berlin. An der Ecke Friedrich- und Leipziger Straße in Berlin stürzte unter ohrenbetäubendem Krachen vom Dachgeschoß eines großen Eckhauses ein Gerüst auf den Bürgersteig. Mehrere Passanten wurden von den herabstürzenden Trümmern schwer verletzt. Da ein Teil des Gerüstes noch vom Dachgeschoß herunterhing und jeden Augenblick abzustürzen drohte, sperrte die Polizei die Friedrichstraße zwischen der Leipziger und der Krausenstraße ab. In dem betroffenen Hause wurden mehrere große Schaufensterscheiben und zahlreiche Fensterscheiben zertrümmert. Der Gerüstabsturz ist durch eine plötzlich auftretende Sturmböe verursacht worden. Insgesamt wurden sieben Personen verletzt, darunter zwei so schwer, daß sie in ein Krankenhaus gebracht werden mußten. Dom Sturm in die Sieg geschleudert. In Eitorf-Halft an der Sieg mußte ein Mann aus Oberottersbach dem auch über das Siegtal hinwegbrausenden Sturm einen Tribut zollen. Als er sich mit feinem Fahrrad mitten auf dem Steg über die Sieg befand, wurde er von einem heftigen Sturmwind erfaßt und in die Sieg geschleudert. Herbeieilenden Bewohnern gelang es, den Mann vor dem Tode des Ertrinkens zu retten. Drei Personen an Morphiumvergiflung gestorben. Im Kreiskrankenhaus in Gardelegen (Altmark) sind vor einigen Tagen drei Personen plötzlich g e - ft o r b e n. Die sofort angestellten Ermittlungen haben ergeben, daß der Tod durch Einspritzen von Dilaudid, einem Morphiumpräparat, erfolgt ist, das in einer z u ftarfen Dosis verabfolgt wurde. Die Ermittlungen über die Schuldfrage sind noch nicht abgeschlossen. Bei den drei Todesfällen scheint es sich um die Verkettung unglücklicher Umstände zu handeln, deren Wiederholung durch schärfste Gegenmaßnahmen gesteuert werden wird. Schweres Einsturzunglück in einer Grazer Kaserne. In der alten Lazarettkaserne in Graz (Steiermark) [türmte das Dach ein und durchschlug drei Stockwerke. Zahlreiche Mannschaftsräume wurden vollkommen zerstört. Fünf Tote wurden bisher aus den Trümmern gezogen. Da zahlreiche Soldaten in der Kaserne anwesend waren, ist zu befürchten, daß noch weitere Opfer zu beklagen sind. Schweres Aulobusunglück in Steiermark. Bei Maria-Zell in Steiermark stürzte infolge Vereisung der Straße ein Lastkraftwagen mit Mitgliedern der ostmärkischen Sturmscharen, die sich zu einer Versammlung begeben wollten, in einen Bach. Sechs Personen ertranken, zwei Personen wurden schwer verletzt. Nur zwei kamen unverletzt davon. Riesenschmuggel mit Pelzen aufgedeckt. — Millionengeschäfle jüdischer Händler. Der polnischen Grenzpolizei in Kattowitz ist es nach langen Beobachtungen gelungen, einen seit Jahren betriebenen schwunghaften Schmuggel mit Pelzen auf die Spur zu kommen. Die jüdischen Pelzhändler G e l d n e r aus Warschau hatten große Pelzsendungen aus Ueberfee nach Brüssel und Paris geleitet, von wo die Pelze auf Grund falscher Ursprungszeugnisse als französische und belgische Waren nach • eingeführt wurden. 1931 und 1932 wurde öas^^^dje Geschäft über Deutschland gemacht. Auf diesVWeise gelang es den jüdischen Händlern, die bdjen Einfuhrzölle für Pelze aus Ueberfeelänbern zu umgehen und die Pelze zu geringen Zöllen nach Polen einzuführen. Nach den bisherigen Feststellungen wurden auf diese Weise Pelze im Werte von 1,25 Millionen Zloty nach Polen eingeführt. Die hinterzogenen Zollgebühren belaufen sich auf 30 000 Zloty. Gegen 59 polnische Pelzfirmen, die mit den Händlern in Geschäftsverbindung gestanden haben, ist ein Strafverfahren eingeleitet worden. Zwei ungetreue Sowjetbeamle zum Tode verurteilt. In Swerdlowsk, dem ehemaligen Jekaterinburg, wurde ein U n t e r s ch l a g u n g s f a 1 l aufgedeckt, der großes Aufsehen erregte. Es handelt sich um zwei Beamte des Pelztrustes, die es fertig gebracht haben, im Laufe von etwa zwei Jahren völlig ohne Ueberwachung zu wirtschaften und nicht weniger als 1 255 000 Rubel staatliche Gelder an sich zu bringen. Die Beamten lebten auf großem Fuß, machten wiederholt Badereisen und veranstalteten Festgelage und andere „proletarische" Vergnügungen. Das Gericht verurteilte beide zum Tode durch Erschießen. Italienisches Flugzeugunglück in Eritrea. Auf dem Flugfeld bei Massaua ist ein italienisches Bombenflugzeug mit drei Mann Besatzung bei' einem gewöhnlichen Uebungsflug aus unbekannten Gründen abgestürzt. Die Besatzung, die gleiche, die vor einigen Wochen den Mechaniker Birago verloren hatte, konnte vom Fallschirm nicht mehr Gebrauch machen und hat den Tod gefunden. Der gepanzerte Tonarm und das hohe C. Als Nutzanwendung der jüngsten technischen Erfahrungen erscheint auf dem Markt ein neuartiger Tonabnehmer. Wenn beispielsweise das viergestrichene hohe C der bekannten Koloratur-Sopranistin Erna Sack oder eines Bassisten völlig tonrein von der Schallplatte wiedergegeben werben soll, dann muß der elektrische Tonabnehmer schon ein sehr gutes Frequenzband aufweisen, damit auch die sogenannten Übertöne zur Geltung kommen. Das viergestrichene hohe C Erna Sacks liegt z. B. bei 2070 Hertz, die Töne eines Bassisten hingegen etwa zwischen 60 und 345 Hertz. Das Frequenzband des neuen Tonabnehmers aber umfaßt 40 bis 5000 Hertz. Damit wird also jeder Ton naturgetreu wiedergegeben. Der ganze Tonarm ist gepanzert, von der Nadel bis zu den Anschlußsteckern ist der Tonabnehmer gegen elektrische Störspannungen metallisch abgeschirmt. Man hat ihn in Stahlspitzen gelagert und durch Federung entlastet, so daß er beim Plattenspiel mit dem richtigen Gewicht aufliegt, nicht schwerer, als es die richtige Tonausnutzung der Schallplatte verlangt. Dadurch wird auch eine weitgehende Schonung der Platten erreicht. Kirchliche Nachrichten Evangelische Gemeinden. Dienstag, 14. Januar. Großen-Vuseck. 20 Uhr: Evangelisationsvortrag von Bruder Blum (Möttlingen). — Collar. 20: Evangelische Frauenhilfe. Mittwoch, 15. Januar. Gießen. Sfabffird'c. 20 Uhr: Abendandacht — Kapelle des Allen Friedhofs. 20.15 Katechismus- gottesbienft; Pfarrassistent Weber. — Großsn-Duseck. 20: Evangelisationsvortrag von Bruder Blum (Möttlingen). — Ruttershausen. 20: Evangelische Frauenhilfe. — Klein-Linden. 20: Vortrag von Frl. Wolf in der Kinderschule über „Vom innersten Dienst an unseren Kindern in Hans und Kinderschule." Alle Kinderschulmütter sind herzlich eingeladen. Donnerstag, 16. Januar. Gießen. Johanneskirche. 20 Uhr: Bibelstunde, Evangelist Blum aus Möttlingen. — Daudringen. 20.30: Bibelstunde. Freitag, 17. Januar. Staufenberg. 20 Uhr: Evangelische Frauenhilfe. wieseck. Vom 17. bis 20. Januar, 20 Uhr, Evangelisation, Blum (Möttlingen). Ehristliche Gemeinde Gießen (Zu den Mühlen 2). Dienstag, den 14. Januar. 20.30 Uhr: Bibel- und Gebetstunde. Gemeinschaft innerhalb der Kirche (Candeskirchliche Gemeinschaft), Gutenbergstraße 9. Mittwoch, den 15. Januar. 20.30 Uhr: Bibelstunde. Donnerstag, den 16. Januar. 20.30 Uhr: Jugendbund. Reuapostolische Gemeinden, händelstraße 1 — Ederstraße 13. Mittwoch, den 15. Januar. 20.30 Uhr: Gottesdienst. Katholische Gemeinden. Mittwoch, den 15. Januar. Hungen. 7.15 Uhr: Messe. Wetterbericht des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. Im europäischen Kontinent hat der Einfluß aus Norden eine ganz uneinheitliche Druck- und Wetterverteilung geschaffen. Vor allem verbleiben Südwest- und Süddeutschland im Kampfgebiet zwischen warmer und kalter Luft, wobei letztere zwar langsam an Raum gewonnen, elftere aber zu verbreiteten und auch meist sehr ergiebigen Niederschlägen geführt hat. Diese sind in Oberbayern und auch noch in Gebirgen der Pfalz und zum Teil in Teilen des Schwarzwaldes als Regen niederge- gangen. In Nordeuropa herrscht rege Wirbeltätig- feit, die auch Deutschland verhältnismäßig kalte polarmaritime Luft zuführt und bis zu uns hin zum Auftreten von Niederschlägen (in den Gebirgen Schnee) führen wird. Aussichten für Dienstag: Vielfach dunstig, sonst meist wolkig und besonders nach Norden und Westen hin einzelne Niederschläge (in den Gebirgen vielfach Schnee), Temperaturen bei 0 Grad, veränderliche Winde. Aussichten für Mittwoch: Einzelheiten nicht absehbar, doch voraussichtlich kälteres und zu einzelnen Niederschlägen (in den Gebirgen Schnee) geneigtes Wetter. Lufttemperaturen am 12. Januar: mittags 4,9 Grad Celsius, abends —0,9 Grad; am 13. Januar: morgens —0,8 Grad. Maximum 5,3 Grad, Minimum — 2,1 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 12. Januar: abends 9 Grad; am 13. Januar 2,1 Grad Celsius. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. fians Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel D.A. XII. 35: 11300. Druck und Verlag: Brühl'fche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. - Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. 237 d Nach Gottes unerforschliehern Ratschluß verschied am 11. Januar 1936 unsere unvergeßliche Mutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Dorf-Gill, Steinberg, Grüningen, Wiesbaden, Mühlheim, Steinfurth» den 13. Januar 1936. In tiefer Trauer: Die Hinterbliebenen. Büromöbel in großer Auswahl und sehr preiswertim Die Beerdigung findet Dienstag, nachmittags 2 Uhr, vom Sterbehaus aus statt SlÄlllMl Gießen i97d Dienst., 14.Jan., 20-22.30 Uhr 14. Dienst.-Ab. Preise von 0.40bis2.50RM. Eine Frau ohne Bedeutung. Ein Schauspiel a. d. Gesellschaft vonOsearWilde. Spielleitung: Der Intendant.. Marie Seipp, geb. Stumpf im Alter von 70 Jahren. [ Kaufgesuche | Gut erhaltene Badewanne m. Gasbadeofen evtl, mit Waschbecken zu kaufen gesucht. Schriftl. Angebote unter 240D a. d. G.A. [— Büro Bedarfs haus X Franz Vogt & Co •K Gießen, Seltersweg 44 5LI Ruf: 2464 Familiendrucksachen Verlobungsanzeijjen Vermählungsanzeigen Geburtsanzeigen bei Brühl, Schulstr. 7 Drahthaarige Brauntiger- Zagdhündin entlaufen. Nachricht erbeten (oi84 Fr. Jung Walltorstratze 10 Song? 0l82 Hausfrauen! Ab 15. Januar 1936 eröffne ich Steinstraße 38 eine elektrische 3IIiet-11)as€fifni39d | Verkäufe Trächtige Ziege SU verkauf. 0182 Dammstraße 6. Gtadttheatev Gketzen. Eine Frau ohne Bedeutung Schauspiel aus der Gesellschaft, von Oscar Wilde. Neubearbeitung von Karl Lerbs, Spielleitung: Der Intendant. „....eine amüsante, gesellschaftliche Unterhaltung, die geistvoll und witzig erschien". ,,... ausgezeichnetes Theater, vielleicht noch etwas mehr". Letzte Aufführungen: Dienstag, 14.Januar, Mittwoch, 22.Januar. Preise von 0.40-2.50 Rm. 233V Zwangsversteigerung. Dienstag, den 14.Sanuar, nachm. 2 Uhr, sollen im „Löwen" dahier, Neuenweg 28, bzw. an Ort und Stelle (Bekanntgabe in ob.Lokal) zwangsweise gegen Barzahlung versteigert werden: Haus-, Laden- u. Büromöbel aller Art, 2 Eisschränke, 3 Registrierkassen, 4 Oefen, 3 Kassenschränke, 4 Herde, 2 Schreibmaschinen, 130 Paar Handschuhe,! Photoapparat, 2 Radios, 1 Bohnermasch., 1 Klaviers Blumenbäiike,2Polstersessel, 1 Auto, 1 Wanduhr, Anzugstoffe. Bestimmt: 2 Teppiche (Brücken), 1 großer Posten Damenschuhe und mehrere Flurgarderoben. 23iD Schwann M und vremM-MflelmW Mittwoch, den 15. d. M., vormittags 10 Uhr anfangend, kommen im Saale der Gastwirtschaft Zack zu Bodenrod nachfolgende Mengen Fichtenstangen aus den Distrikten 1 und 2a, 3 und 4 Fuchskopf und 12 und 13 Hardenberg zum Verkauf: 1. Klasse.......... 850 Stück 2. Klasse..........1600 Stück 3. Klasse..........2000 Stück Brennholz: 202D Buchenscheit.........309 Rm. Buchenknüppel......141 Rm. Reiser, 1. Klasse......40 Rm. Buchenwellen.......5490 Stck. Auskunft über Lage und Qualität des Holzes erteilt der Revierför- ster Müller, Weiperfelden, der das ketr.Holz auf Verlangen vorzeigt. Cleeberg, 10. Januar 1936. Der Bürgermeister: Klingelhöfer. Nachlässe von 3 bis 20 v. H. erhalten Sie bei wiederholten Veröffentlichungen einer Anzeige! ; PQLQ'ST_____Giessen | Heute Montag Premierei Paul Hörbiger B Sybille Schmitz Karin Hardt Ida Wüst Willi Schaeffers I in: OerKraft-Mayrl Ein großes musikal. Lustspiel mit erstkl H Besetzung, vonHumoru. Situationskomik ■ erfüllter Handlung und wirkungsvoller H Ausstattung. Die Presse schreibt: „Ein begeisternder 1 f Um ein Film, der Anerkennung und ■ rauschenden Beifall verdient.“ ■ Vorher gutes Beiprogramm und Fox-Ton-Woche B Lichtspielhaus Gießen ■■ IAb heute Montag: Ein Welterfolg I Das Tagesgespräch in Berlin ■ - London-Hamburg-Paris. B Dreifach preisgekröntl I toi Berliner Uraufführungs-Theater acht I Wochen lang aus verkauft! Ein amerikanischer Spitzen-Film ■ in deutscher Sprache mit Claudette Colbert und Clark Gable ■ in: Es geschah in | ■ einer Nacht... 8 Ein Lustspiel mit einer Laune ohne- ■ Reichen, eine entzückende Liebesge- ■ schichte, die gänzlich von der bisher im ■ Film erlebten Art ab weicht. I Ein Triumph der Lichtspielkunst!! Vorher gutes Beiprogramm und Ufa-Ton-Woche! I Täglich 4.00, 6.00 und 8.30 Uhr. Kr.lv Zweites Natt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Montag, 13. Zanuar (936 In der Herzkammer des Saarkampfes. Erlebnisse in -er„Gaarkamvfzentrale des deutschen Aundfunks".— Zum Jahrestag der Gaarabstimmung am 13.3onuor. Dr. Adolf Baskin, ehemaligem Leiter der Saarkampfzentrale des deutschen Rundfunks jetzt Intendanten des Reichssenders Saarbrücken. Schluß. „Unsere Gaarden Weg frei zur Verständigung" Hinter diesem kategorischen Imperativ verbarg sich die Grundtendenz der gesamten propagandistischen Arbeit. Er war der immer wiederkehrende Titel unserer Standard-Sendung, die an der Saar jeden Mittwochabend als Gemeinschaftsempfang gehört wurde. „Unsere Saar", denn es gab für niemanden einen Zweifel darüber, daß jeder fremde Anspruch auf dieses Volk und dieses Land nur mit Gewalt konstruiert werden konnte. „Den Weg frei zur Verständigung" — die Saarfrage stand a l s einziges territoriales Hindernis zwischen Frankreich und Deutschland. Diese einzige Standard-Sendung im ganzen Saarkumpf mußte jede Woche aus den Ereignissen und Tatbeständen gestaltet und so gestaltet werden, daß sie jeden auch Nichtsaarländer interessierte. Ein dramaturgisches Problem erster Ordnung. Von der Moritat bis zum erschütternden dichterisch geformten Kurzhörspiel wurden alle bekannten und erfindbaren Sendeformen innerhalb dieser 30-Minuten-Reichs- sendung abgewandelt. Die besten Schriftsteller und Mundartdichter der Saar konnten herangezogen werden und nicht selten zwangen uns die Ereignisse, diese Spezialsendung wenige Stunden vor der Aufführung niederzuschreiben, durchzuprobieren und zur Aufführung zu bringen. Zuschriften aus allen Ländern Europas, aus allen Erdteilen bewiesen, wie sich dieser kategorische Imperativ in die ganze Welt hineinfraß und mancher Aufsatz ausländischer deutsch-feindlicher Zeitschriften und Zeitungen machte auf die „Gefahr", die darin steckte, aufmerksam. „Goebbels erobert die Welt" jammerte leitartikelnd Georg Bernhard im Pariser Emigranten-Tageblatt, als die Schlacht geschlagen war, und er sagte, er habe es ja immer schon kommen sehen und das „Gift dieser Propaganda" mache langsam aus jedem Lautsprecher auch außerhalb des Saargebietes in allen anderen Ländern einen Infektionsherd der Nazi-Seuche. Der erste Großkampftag des deutschen Rundfunks. Am 6. Mai 1934 konnte auf einer Kundgebung vor über 200 000 Saardeutschen der überwältigende Zusammenschluß aller Deutschen an der Saar in der Deutschen Front gemeldet werden — knapp zwei Monate nach ihrer Gründung umschloß sie fast 90 v. H. der gesamten Bevölkerung. Der deutsche Rundfunk war zum ersten Male an diesem Tage mit einem einheitlichen Programm auf die Saar abgestimmt — vom Morgenruf aus Hamburg bis zur Ursendung des Hörspiels „Jakob Johannes", der als Freiheitsheld der Saar der Vergessenheit entrissen wurde. Der erschütterndste Moment aber traf alle Herzen, als ein Kind nach der großen Zweibrücker Rede vor den Minister Dr. Goebbels trat und ihm eine Schale saardeutscher Erde überreichte, „für die unsere Väter gestritten". Eine helle Kinderstimme stand da plötzlich im Raum dieser gewaltigen Kundgebung, und die Erschütterung dieses Erlebnisses war spürbar bis in die fernsten Winkel Deutschlands, wo nur ein Lautsprecher den Klang dieser Stimme auffing. Präsident Knox klagt den Rundfunk an in einer Denkschrift an den Völkerbund. Er hat nämlich einen Brief gefunden, in welchem ein Führer der Deutschen Front einem Kameraden mitteilte, er erhalte von mir demnächst auf versprochenem Wege 1500 Mark. Beweis — nach Ansichten des Herrn Knox — für die amtlichen deutschen Beziehungen zu saarländischen Parteistellern. In Wahrheit: das Honorar des Rundfunks für eine Reihe offiziell verpflichteter Hütten- und Bergwerks k a p e l l e n, die zu Konzerten für den Rundfunk herangezogen worden waren. Knox klagte mit seinem bösen Geist Heimburger ferner über die „Lügen- und Hetzmeldungen" der deutschen Sender, nicht etwa des Straßburger Senders. Brief an Heimburger: der deutsche Rundfunk habe es nicht nötig, mit solchen Mitteln zu arbeiten. Sollte einmal ein Irrtum vorgekommen sein, so würden wir ihn sofort und gerne berichtigen. Wir bäten um Aufklärung und wie es mit dem Sraßburger Sender wäre, der ja die Lügen am laufenden Band über sämtliche Büros aus Saarbrücken bezöge... Keine Antwort? Die separatistisch-marxistische' Volksstimme druckt sogar mehrfach „Lügen- und Hetzmeldungen deutscher Sender' wörtlich ab, die nachweisbar^ nie über einen deutschen Sender gingen. Alle Mittel müssen herhalten, das Ausland gegen den deutschen Rundfunk aufzubringen. Sogar die „Times" fällt auf einen Separatisten herein, den sie als Führer der „katholischen Aktion" durch den deutschen Rundfunk für angegriffen und maßlos beleidigt erklärt. Dieser „Führer" stellte sich als ehemaliger Spion und Schwerverbrecher heraus, der noch dazu ein Protestant war. Brief an die „Times" wird höflich, aber leider nur brieflich beantwortet. Die letzte Offensive raste wie ein Kolportage- Roman durch Rundfunk und Presse. Saftige, herrliche Sachen. Zuerst ein Mann vor dem Mikrophon, der dem Geheimagenten der französischen Bergwerksdirektion, dem ehemaligen deutschen Offizier Rossenbeck, den Geheimschrank auf abenteuerliche Art öffnete und den Inhalt der Deutschen Front schenkte. Die Herkunft der Gelder für die separatistischen Zeitungen und Gruppen und Parteien liegt sonnenklar vor allen Augen. Das gab prächtige Sendungen und Moritaten. Daraufhin Fahnenflucht maßgebender Redakteure der berüchtigten separatistischen katholischen „S a a r p o st" („Saarpest") und Enthüllungen, daß uns das Wasser im Munde zusammenlief und den anderen die Zähne immer länger wurden. Der „katholische separatistische" Dolks- bund flog auf im Gespött des Tages. Inzwischen kauften ein paar getarnte Zwischenhändler der Deutschen Front in Paris eine ganz komplette separatistische Intelligenz-Zeitung — das „Westland". Es enthüllte sich in seiner letzten Nummer selber dem staunenden Publikum. Der Rundfunk erbeutete abermals eine köstliche Moritat. Und dann das Finale: beherzte saardeutsche Männer räumten gewisse Geheimschränke der Grubendirektion Camphausen aus und fanden Tausende von Beweisen für den marxistischen Verrat deutscher Arbeiter. Verräter wurden entlarvt, die als rote biedermännische Gewerkschaftssekretäre ihre eigenen Arbeiter und Kameraden der französischen Bergwerksdirektion — gegen gute Franken und Pöstchen natürlich — verrieten. Tausende von Tragödien arbeitsloser und obdachloser Familien fanden ihre Aufklärung. Diese Dokumente der Schande und des Verrats wurden in Kaiserslautern öffentlich ausgestellt, und der Rundfunk lud auf Geheiß Bürckels alle roten Funktionäre und die Verführten gegen freies Geleit dazu ein. Und sie kamen in Ein rührendes Beispiel für den deutschen Charakter an der Saar — ein Beispiel aber auch von der Wichtigkeit einer schlagkräftigen Rundfunkpropaganda: Vor der eigentlichen (Saarabftimmung fand die Vorabstimmung derjenigen statt, die am 13. Januar aus irgendwelchen Gründen nicht zur Urne gehen konnten. Kranke, Arbeiter und Beamte lebenswichtiger Betriebe, Eisenbahner usw. Die Vorabstimmung wenige Tage vor dem 13. Januar setzt ein. Die ersten Ergebnisse sind niederschmetternd, weil fast von überall riesige Stimm- oerluste wegen Verletzung der Ab- stimmungsbedingungen gemeldet werden. Da grüßt einer mit „Heil Hitler" — ungültige Stimme. Irgendeine unvorsichtige Bemerkung, die Stimme ist für Deutschland verloren. Rund 20 v. H. Verluste treten bei der Dorabstimmung auf. In einer Urne allein von 34 abgegebenen Stimmen 16 ungültige. Alarmnachrichten von der Saar. In einer der Nachrichten heißt es: Von 56 abgegebenen Stimmen wurden wegen Übertretung der Bestimmung 21 Stimmen für ungültig erklärt. Eine alte Mutter von 82 Jahren warf mit zitternden Händen ihren Stimmzettel in die Urne und sagte: „Ich bin deutsch geboren — i ch will auch deutsch st e r b e n". Die Sttmme wurde von dem Vorsitzenden des Wahllokals für ungültig erklärt--. Es folgen weitere Beispiele: 15 Minuten später geht die Meldung über die deutschen Sender und ruft eindringlich! „Geht schweigend ins Wahllokal! Tut schweigend Eure Pflicht als Deutsche! Geht schweigend aus dem Wahllokal heraus. Jedes Wort kann die deutsche Sache in Gefahr bringen. Denkt daran! Die Stimme dieser alten Mutter darf nicht verloren gehen", Anweisung an die Sender: diese Meldung geht 4 Tage lang alle zwei Stunden über alle Sender! Der Erfolg: die ungültigen Stimmen bei der Hauptabstimmung sind so gering, daß sie nichts, aber auch gar nichts zu bedeu- t e n haben. Sieg des Schweigens. Die verloren' Stimme jenes alten Mütterchens hat Deutschland Zehntausende von Stimmen gerettet, die aus Unachtsamkeit verloren gegangen wären. So tief aber haben die Sender diese Schweigparole in das Bewußtsein der Menschen an der Saar getrieben, daß in manchen Wahllokalen merkwürdige Situationen entstanden. Ein freundlicher holländischer Wahlleiter wundert sich darüber, daß die meisten Wähler seinen Gruß nicht erwidern. Er wundert sich und schließlich ärgert er hellen Scharen und sie gingen wutentbrannt nach Hause, und die allermeisten taten dann ihre deutsche Pflicht. Und einer davon wurde durch eine herzerfrischende, polterige Rundfunkansprache ja sehr allgemein bekannt — der Rohrbacher Hannes. So gerieten die beiden großen Gegenspieler — Marxismus und katholisch getarnter Separatismus — in ihre vernichtende Niederlage. sich sogar über solche „saardeutsche Unhöflichkeit". Man klärt ihn auf und dann lächelt er und dann ist er noch viel freundlicher. „Ein treues, wunderbares Volk" — das sagt der Holländer. Dor den Wahllokalen standen entsprechende Warnungstafeln mit den Schlagsätzen der genannten Rundfunkparolen — nicht selten noch humorvoll ergänzt mit der volkstümlichen Quintessenz: „Maul halten", „Un nix wie hemm"! Wenn man heute diese Geschichte erzählt, dann ahnt man erst die Bedeutung, die die Worte des alten Mütterchens für den Endsieg am 13. Januar hatten. Der Rundfunk aber verwandelte das stille, erschütternde Bekenntnis dieser Frau in ein geflügeltes Wort von historischer Bedeutung, in ein Warnungssignal für alle, die das raffinierte ellenlange Kapitel der Wahlvorfchriften nie gelesen hätten, und als die Gegner am 13. Januar auf gefälschten Flugblättern ausstreuten: „Jeder anständige Deutsche betritt das Wahllokal mit einem trotzigen und mutigen .Heil Hitler* — nur Feiglinge schweigen!" hatte der Rundfunk bereits 24 Stunden vorher auf die Möglichkeit dieses Schachzuges aufmerksam gemacht und niemand fiel auf den Schwindel herein. Ergebnis: Von über einer Million abgegebenen Stimmen find nur etwas über 2000 Stimmen ungültig: weniger als 0,4 v. H. Solche entscheidende Wirkung kann das schlichte Wort einer alten Frau haben! Ihre verlorene Stimme hat in des Wortes tiefster Bedeutung tausendfältige Frucht, Frucht für Deutschland getragen. Der deutsche Rundfunk warf die Saat dieses Wortes in die Herzen der Wähler — und brachte damit die schönste Ernte in die deutsche Scheuer. Der 13. Januar 1935. Der Tag des deutschen Charakters an der Saar. Ein Großkampftag des deutschen Rundfunks, der wohl selten so viele Hörer Deutschlands und Europas fesselte, wie an diesem 13. Januar. Reportagen, Berichte, Enthüllungen über Putschabsichten der Gegner, Interviews mit Uebersee- Deutschen, mit ausländischen Beobachtern und Journalisten, Stimmungsbilder unterbrachen in kurzen Abständen das bunte Musikprogramm dieses Tages bis gegen 2 Uhr nachts. Es wäre müßig, darüber zu schreiben — so etwas muß man selbst miterlebt haben. Das Ohr der Welt hing in Saarbrücken selber. Dieses Erlebnis wurde gekrönt, als durch einen kleinen Anstoß plötzlich die Begeisterung der deutschen Menschen sich auslöste in einem „So- Gießener Sta-ttheater. Gastspiel Henny Porten: „Maria Garland" Die wenigsten von den zahllosen Besuchern, die Henny Porten in ihren Filmen kennen und lieben, werden sie je auf der Bühne gesehen haben. Im Programmheft plaudert sie ein wenig von ihrem ersten Auftreten im Dresdener Alber-Theater: das war in Sardous „Madame sans gene", und wir wissen nicht, wie lange es schon her ist — dieses erste Lampenfieber. Das Stück, mit dem sie bei uns zu Gast war, hat Zdenko von Kraft, wie wir hören, eigens für sie geschrieben, und wenn wir an ihre letzte Filmrolle denken, an die Witwe Bock in „Krach im Hinterhaus", dann ist es allerdings schwierig, eine Verbindung zwischen Film und Theater herzustellen und beide Rollen, beide Gestalten, jene Bock und diese Garland, in der Einheit einer künstlerischen Persönlichkeit nebeneinander zu sehen. Wenn wir dagegen an eine von Henny Por - t e n 5 früheren Filmrollen denken, an die Königin Luise nämlich, dann ist es ganz leicht, dann rückt diese Maria so zwanglos und selbstverständlich neben jene Luise, daß man beim Betrachten des Schauspiels fortwährend an den Film denken muß, — und es find nicht nur die gleiche Zeit, die gleiche Landschaft, die gleiche geschichtliche Konstellation, welche die Beziehung Herstellen, sondern der gleiche Frauentyp, der gleiche preußisch-weibliche Charakter, den sie so gut und so von innen her erfaßt und verkörpert, der Anmut und Würde, Herbheit und Wärme, Klugheit und Zartheit auf eine bezaubernde und hinreißende Weise in sich vereinigt. * Das Stück ist, wenn man so sagen darf, ein richtiges Gastspiel- und Rundreise-Stück — Gebühr als Fridericus war mit einem ähnlichen bei uns zu Gast — ein Stück ohne große Ansprüche, von bescheidenen Ausmaßen, aber außerordentlich theaterwirksam, gemischt aus Heroischem und Idyllischem, mit etwas Liebe, mit komischen Episoden, mit Rührung und auch, sobald es ernst wird, nicht ohne handfeste Spannung. Dabei übersichtlich und einheitlich im Schauplatz: nicht viele Personen, aber fast lauter gute Rollen, bis in die Chargen hinein. * 1806 auf einem Gutshof an der Bernfteinküste in Ostpreußen. Das Fräulein Maria Garland tft bei Bernd und Elise von gagerau zu Gast. Mit beiden ist sie befreundet. Für Bernd bedeutet Marias Besuch bald mehr als eine harmlos-erfreuliche Unterbrechung im täglichen Einerlei des abgeschiedenen Hofes: er beginnt mit dem Feuer zu spielen, em zärtliches Idyll scheint sich anzuspinnen, da branden auf einmal die Wellen des Krieges von Königsberg her m die sommerliche Stille und Abgeschiedenheit des Gutshauses, und aus dem Spiel wird plötzlich gefährlicher Ernst. ♦ Ein junger Deutscher, der im aufwallenden Zorn einen zudringlich gewordenen französischen Sergeanten niedergeschlagen hat und verfolgt wird, rettet sich fliehend auf den Hof und bittet um Hilfe. Frau von Fagerau bringt ihn mit ihrem Wagen heimlich nach Pillau, damit er von dort nach Rußland fluchten kann. Mittlerweile erscheinen daheim die verfolgenden Franzosen auf dem Hof, wo Maria und der ahnungslose Bernd allein zurückgeblieben sind, und noch ehe sich die zwischen beiden angesponnenen Fäden verhängnisvoller verstricken können, gibt sich Maria geistesgegenwärtig-entschlossen für die abwesende Freundin aus, bis diese den Flüchtigen in Sicherheit gebracht hat, und bricht nach Elises Rückkehr mit stillem Verzicht ihren Besuch bei den Fageraus ab. Bei der Täuschung und Ueberlistung der feindlichen Verbündeten spielt (zur Ergötzung des Zuschauers) eine Rose die gleiche Rolle des Blumenorakels wie zuvor beim Geplänkel zwischen Maria und Bernd die nur für ein paar heimliche Stunden blühende „Königin der Nacht". Aber die leise Verfänglichkeit solcher Anspielung geht schnell in die ernsthaftere Spannung der Haupthandlung über und löst sich wiederum ein wenig wehmütig in Marias schnellem Abschied und schlichtem Verzicht. * So läuft dieses Stück ab in drei schlanken Akten, und so ist diese Maria, die inmitten steht. Wenn sie, vom Beifall umrauscht, zum ersten Male hereintritt, dann ist es nicht nur das weiße Empire- Gewand, wenn man wiederum jene Luise von Preußen vor sich zu sehen meint, eine Gestalt, die damals im Film so viele bezaubert und bis zu Tränen gerührt hat. Wir lasen dieser Tage in einer Kölner Besprechung, man brauche nicht Henny Porten zu sein, um mit einer Rolle wie dieser Erfolg zu gaben; das ist sicher richtig, aber wahrscheinlich könnten auch nur wenige Schauspielerinnen in Deutschland die Garland so spielen, wie die Porten sie spielt. Sie braucht hier eigentlich gar nicht zu spielen, sie braucht nur dazusein, sie selbst, so wie wir sie kennen in mancher Gestalt: so nobel und aufrecht, so grab und ungebrochen im Charakter, so voller Wärme, Herzlichkeit und — wir sagten es schon einmal — voll weiblicher Anmut. Daß sie überdies die Haltung einer vollkommenen Dame besitzt, auch diplomatische Geschicklichkeit und verbindliche Ueberlegenheit, in gewagter Situation Verhandlungen zu führen, macht den Gesamteindruck noch anziehender, als er ohnehin schon ist. — * Die Gießener freuten sich obendrein des Wiedersehens mit Herrn Bäuerle, der früher bei uns wirkte und hier, aufrecht und männlich, mit feinen Uebergängcn den Bernd spielte. Ein kleines, geschliffenes Kabinettstück bot Herr Esset als Oberst Durappin, elegant, scharmant, vollendeter Kavalier. Gertrud de L a l s k y in fraulicher Gehaltenheit und Klarheit als Elise; Josef D i s ch n e r als gemütlich-humorvoller ostpreußischer Inspektor; Lutz Götz (Damborn) und Ernst Pittschau (Lefort) rundeten das unter der sicheren, gut gegliederten Regieführung von C. H. Klubertanz stehende kleine Ensemble harmonisch ab. * Das ausverkaufte Haus feierte Henny Porten mit stürmischen Sympathiekundgebungen. hth. Gießener Konzertverein. Viertes Konzert: Kammer-Musik. Angesichts der Tatsache, daß bisher nur selten die Möglichkeit von Kammermusikaufführungen mit Bläsern in Gießen bestanden hat, ist es um so mehr zu begrüßen, daß sich eine Gruppe des Stadttheaterorchesters zusammengeschlossen hat, um dje Kammermusik, besonders auch im größeren Ensemble, zu pslegen. Gewiß haben einzelne führende Orchester schon immer Kammermusikvereinigungen gehabt, aber meistens traten sie nur für den Fall einer Aufführung zusammen, ohne die ständige Konsequenz der dauernden Kammermusikausübung zu befolgen. Hier für Gießen ist von vornherein angesichts der gestrigen Aufführung der Wunsch berechtigt, daß die Kammermusikaufführungen des Stadttheaterorchesters als organische Einrichtung sich auch für die Zukunft erhalten und bewähren mögen. Wenn gelegentlich der Konzertaufführungen auf die besonderen Leistungen der einzelnen Jnstrumen- talvertreter hingewiesen wurde, so konnte das doch nur immer im größeren Rahmen geschehen. Die persönlichen musikalischen und instrumentalen Qualitäten des einzelnen lassen sich im ausübenden Kammermusikensemble um so eingehender würdigen. Die Besetzung zeigte sich in aller Stimmen von ausfallender Gleichmäßigkeit. Ein jeder füllt seinen Platz und die ihm zufallende Aufgabe mit, Gründlichkeit und Können voll aus. Aber nicht nur die Einzelleistung ist bestimmend und entscheidend für die Auswirkung der Kammermusik, sondern all die Kräfte müssen in ihrem musikalischen Willen sich aufeinander einstimmen und in der Gesamtheit des vielfachen Bemühens sich zum geschlossenen musikalischen Ganzen fügen; sowohl mit Rücksicht auf den thematisch-organischen Charakter des Werkes wie auch auf feine Klanglichkeit. Eine unverbrauchte Frische durchwehte die Darstellung von Schuberts Oktett. Beseelt und voll erfüllt im musikalischen Mitgehen wurde das Werk in Temperamentgebundenheit unmittelbar lebendig. Das für Schubert durchaus zu wünschende spontane Musizieren hätte stellenweise aber eine noch stärkere Vertiefung erfahren können, um den mannigfachen dynamischen Abstufungen Schuberts, zumal beim Horn, bis zum letzten nachzukommen, und es wäre für die nächste Zeit der Zusammenarbeit auf eine noch größere Klangdifferenzierung hinzuzielen. Ließ schon der erste Satz des Oktetts die Freude am Klanglichen erleben, die sich auch in der thematischen Durchführung kennzeichnete, so hätte etwas mehr klangliche Zurückhaltung vor der Wiederkehr der Themen dem Ganzen genutzt. In der Coda trat das Horn (Albert Ries) mit Schönheit und Weichheit des Tones hervor. Träger des Gesanglichen war im Andante die Klarinette (Heinrich Grau), der, wie schon so oft auch diesmal feinem Instrument das Letzte an Gelöstheit und Ausdrucksfähigkeit mit Erfolg abzugewinnen vermochte. Das Scherzo wurde impulsiv erfaßt; die Achtelnote des Punktierungsmotives hätte allgemein etwas deutlicher in Erscheinung treten können. Die Dariatio- nenreihe gab sowohl der teilweise konzertierend geführten ersten Violine (Franz K e r z i s n i k) wie auch den andern thematisch reich bedachten Streichern (zweite Violine Paul Köhler, Viola: Georg Scheuermann) die Gelegenheit zum vollen Einsatz ihres Könnens. Das Cello (Ernst Schneider) brillierte mit technischer Ausgeglichenheit und sauberer Phrasierung in der vierten Variation, während in der darauf folgenden Veränderung Klarinette und Fagott (Fritz Wilhelmi) in gespanntem melodischen Bogen sich bewiesen. Daß das Ensemble großer dynamischer Expansion durchaus fähig ist, davon überzeugte die Andante-molto=(£inleitung des Finales mit dem eruptiv sich entladenden Krefcendo im Cello und Kontrabaß (Georg Thomas). Reicher Beifall dankte immer wieder als Anerkennung für ein ernstes Bemühen und verdientes Gelingen. Es ist ein günstiges Zeichen für den Mufizierwillen der Vereinigung, daß sie an den Anfang des Konzertes ein Werk eines zeitgenössischen Musikers gestellt hatte. Sigfrid Walther MüllersKammer- musik in A-dur Opus 1 verdiente das Bemühen. Mochte manchem der Konzertbesucher der erste und zweite Satz nicht völlig zu eigen geworden sein, so zeigten fid) doch immerhin beachtliche Einsätze für einen werdenden Stil, der um eigene Wege sich bemüht. Müller bevorzugt hier stark leere Klänge, ist aber durchaus originell in der Prägung des Thematischen, und strebt einer organischen Polyphone zu, weiß aber auch nach traditionellen B"- griffen schön zu schreiben wie in der Koda. Ebenso war auch das Scherzo von rhythmischem Drängen erfüllt; was aber S. W. Müller wirklich kann und als Musiker besonders zu sagen hat, dafür sprach das Thema mit den Variationen. In der Vielseitigkeit der Durchleuchtung und Verarbeitung des graziösen Themas, das melodisch sofort für sich gewinnen konnte, sei besonders das Fugato in seiner durchsichtigen Klarheit und der Ausklang des Ganzen heroorgehoben. Daß dieses Werk solche Ein» drücke hinterließ, ist den Ausführenden (^ranz Kerzisnik, Georg Scheuermann, Ernst Schneider und Heinrich Grau) zu danken Dr. H. zialismus der Tat", der wie eine riesige Lawine alles erfaßte, was an Liebe, Sorge, Freude, Opferbereitschaft und innerster Verbundenheit in Millionen von deutschen Herzen lebendig war. In der Funkzentrale erlebten wir dieses beispiellose Ereignis ungefähr so: Alles lief wunderbar! Die Uebertragungen aus dem Saarbrücker Notfunkhaus klappten hervorragend. Einer unserer Reporter erzählt, wie er einen 85jährigen Veteran vom 1. Garde-Regiment zu Fuß Potsdam vor dem Abstimmungslokal gesprochen habe, und daß es sein einziger Wunsch sei, noch einmal Berlin und Potsdam zu sehen. Solche und ähnliche Episoden wurden erzählt. Plötzlich, etwa 10 Minuten später, telephonischer Anruf aus Berlin: ein Arzt aus Berlin lade den Veteran auf einige Wochen zu sich ein, und er wolle ihm Berlin und Potsdam nach Herzenslust zeigen. Durchqeben durchs Mikrophon! Und daß der Rundfunk die Reisekosten bezahlen wolle... Weitere Minuten: Die Lufthansa schenke ihm den Hin- und Rückflug. Und dann gibt es kein Halten mehr. Binnen Minuten melden alle Reichssender Deutschlands, daß ihre sämtlichen Telephone blockiert sind. Wir können uns vor Anrufen, Telegrammen, Fernschreiben nicht mehr retten. Der Fernschreiber rollt Papierstreifen über Papierstreifen ab: Einladungen armer, saarländischer Volksgenossen, Geldspende, Goldspenden, Sachspenden, Ferienaufenthalte, Patenschaften! Tausende, Zehntausende von Angeboten, Geschenken, Spenden in wenigen Stunden. Aus allen Gegenden Deutschlands, aus Holland, England, Schweiz, Italien, Polen, Schweden. Es ist einfach überwältigend. Ein Pfarrer sucht unbedingt arbeitslose Bergleute. Ein ehemaliger Kompanieführer sucht einen saarländischen Burschen mit Frau und Kindern einzuladen. Ostpreußische Soldaten laden ein „kriegsstarkes Bataillon" saarländischer Kriegsteilnehmer ein. Ein altes Mütterchen schickt das einzige Erinnerungszeichen an ihren gefallenen Sohn — ein teuer behütetes Goldstück aus dem Brustbeutel des Gefallenen. Ein Arbeitsloser schickt seine Gesamtersparnisse im Betrage von 9,35 Mark. Hier kommt ein Sparbuch mit Einlage für den ersten nach der Abstimmung geborenen Saardeutschen. Das war Deutschland! Das neue Deutschland am Tage der Abstimmung! Einen herrlicheren Beweis für die innere Verbundenheit zwischen Saar und Reich konnte es nicht geben und der Rundfunk ist stolz darauf, der Vermittler für dieses wunderbare Volk und seine Opferliebe sein zu können. Wie eine riesige Familie fühlten sich alle, die an den Lautsprechern diesen Ehrentag der Saar miterlebten. Die heilige Stunde Noch einmal wird der Rundfunk zum Mittler. Die große, heilige Stunde des Sieges, in welcher der Saarbevollmächtigte, Gauleiter B ü r ck e l feinem Führer über das Mikrophon melden kann, wie überwältigend dieses Bekenntnis der Saar ist. Der Führer lauscht Hunderte von Kilometern entfernt am Lautsprecher und spricht dann unmittelbar die Antwort. Man spürt die tiefe Erschütterung in feiner Stimme, die unendliche Freude, die ihn überwältigt. Im Frankfurter Senderaum sind nur ein paar von uns dabei. Wir dürfen neben Bürckel diesen großen geschichtlichen Augenblick erleben, der jedem die Tränen der Freude in die Augen treibt. Bürckel steht vor dem einsamen Mikrophon, kaum seiner Stimme mächtig, und spricht von der abgespreng- ten Kompanie, von den erschütternden Zeugnissen deutscher Treue. Und dann braust das deutsche Tedeum, dann brausen Deutschlandlied und Saarlied durch den weiten Raum und wir hören den Minister Dr. Goebbels namens der Reichsregierung zu dem treuen Saarvolk sprechen. Diese heilige Stunde wird allen unvergeßlich sein, die sie hörten — kostbarste Erinnerung den wenigen, die selbst Zeugen sein durften an den Orten, wo die Mikrophone in Saarbrücken, Frankfurt, Berchtesgaden und Berlin den Inhalt dieser heiligen Stunde einfingen. Wo die Kinder als Skiläufer zur Well kommen Das Gebiet der Deutschen Ski- und Eislauf-Meisterschaften 1936. Von Käte Brandel-Elschner. Oberstdorf ist die südlichste Bahnstation des Deutschen Reiches. Auf den Graten und Berggipfeln, die es im Halbkreis umschließen, verläuft die Grenze. Aus dem Gebiet um Nebelhorn, Tret- tach und Mädelegabel kommen alljährlich die ersten Schneeberichte des Bergwinters. Zn Oberstdorf, so sagt man, kommen die kleinen Kinder schon als Skiläufer auf die Welt. Tatsächlich gehört dort die Skiausrüstung zum kleinsten Schulmädel und Schulbuben wie auch anderwärts der Bücherranzen. Skilaufen aber tun sie schon, wenn sie kaum richtig auf den Beinen stehen können. Skilehrer brauchen sie nicht, die Vierjährigen schauen es den Siebenjährigen ab, und die machen es den Großen nach. Das geht durchs Gelände und über die Sprungschanzen, daß man meint, die Knochen fahren ihnen oben zum Anzug hinaus. „I u ck a t ö n n a" ist Ehrensache. Da wird aus Schnee eine Schanze gebaut, und hinüber setzen die kleinen Kerle beinahe mit einer „Vorlage", wie nur ein Birger Ruud sie zeigt. Das sind jetzt fünf Jahre her, als wir bei den Deutschen Skimeisterschaften im Wechselschnee nach Bergchristel hinaufspurten. Ein Knirps, ein lächerliches Etwas von Skiläufer mit viel zu langen Brettern und viel zu großer Mütze, holte uns ein, schlurfte ein Stück neben uns her und begann ein Gespräch: „Was wir für ein Steigwachs drunter hätten — und mir sollen einmal die Gleitflächen hochheben, ja freilich, das fei ja ein Schmarrn" — und aus der unergründlichen Hosentasche angelte der Knirps etwas Klebriges, Warmes und schmierte es uns kreuzweise auf die Bretter. „Spezialmischung", sagte er stolz, „selber z'sammkocht, da steigst roiera Fliegn an der Wand." Und so war es auch. In diesem Jahr ist das Oberstdorfer Gelände wieder der Schauplatz der Deutschen Stirn e i st e r s ch a f t e n , die als Ausscheidungskämpfe zu den Olympischen Winterspielen sportlich eine besondere Bedeutung haben. Außerdem bieten sie dem Wintergast, dem Zuschauer manches neue und große Erlebnis. Der Eisplatz, auf dem in diesen Tagen die Eis- laufkünftler ihre wundersamen Figuren laufen werden, liegt mitten im Ort. Wer in einem der umliegenden Hotels Quartier bezogen hat, kann sich die Eiswettkämpfe also vom Fenster aus ansehen. Die Tage vom 15. bis 19. Januar bringen die Skiwettkämpfe. Zu den Langläufen liegen Start und Ziel dicht beim Ort, und die Strecke führt einen Kilometer und mehr vom Start weg durch offenes Gelände, so daß auch der Zuschauer, der keine Bretter unter den Füßen hat, viel sehen kann. Die Schattenbergschanze, die Sprünge bis an die 70-Meter -Marke zuläßt, ist ebenfalls von vielen Punkten aus gut zu übersehen, am besten natürlich von der Tribüne aus. Dem Skisportler stehen so viele Tourenmöglichkeiten offen, daß er schon einen ausgedehnten Urlaub braucht, um sie alle auszukosten. Da gibt es Langläufe mit schönem Wechsel von Anstieg und Abfahrt in die Täler von Birgsau und Spielmannsau oder ins Oytal. Es gibt Abstecher ins vielgelobte, vielbesuchte W a l s e r t a l mit der Schwarzwasserhütte und dem Hohen Ilsen. Als Krönung kommt die rassige Abfahrt vom Nebelhorn, die man mit unverbrauchten Kräften unter die Bretter nehmen kann, da die Seilbahn den Aufstieg erspart. Droben, im Gebiet der Zweitausender, um Nebelhorn und Daumen, gibt es Skihochtouren von unvergleichlicher Schönheit und Ausblicken, wie sie kaum ein anderes Gebiet aufzuweisen hat. Wer mit den langen Brettern nicht vertraut ist, lernt bei Schlittenfahrten die nähere und weitere Umgebung kennen ober ruht sich aus bei einer Sonnenliegekur. Zu einer großen Anzahl lohnender Ausflugs- und Aussichtspunkte werden die Straßen für den Fußwanderer offengehalten. Im weiten Allgäuer Winterland liegen noch manche Orte von gutem Klang. Füssen, Pfronten, Nesselwang, Wertach, Kranzegg, Sonthofen, Hindelang und, in Bergen versteckt, das heimlige Hinterstein, bann Jmmenstabt am märchenhaften Alpsee und Oberstaufen mit feinem ausgebehnten Skigelänbe, besonders bekannt aus den motor- sportlichen Winterwettbewerben des DDAC. Fast alle diese Orte liegen an der Straße Lindau—Füssen, und damit an der berühmten Queralpenstrecke Bodensee—Berchtesgaden. Mit der Bahn bringt man über Kempten ins Herz des Allgäus vor. Aus dieser Fahrt erlebt man eine Steigerung in der Schönheit der Landschaft, die jeden begeistert und beglückt: Zunächst führt sie durch gewelltes Vorland, bann an Höhenrücken, an Bergen entlang, deren Gipfel und Grate glänzen, bis unter die Felsriesen, die im Süden das Tal umkränzen. Eine knappe Strecke hinter Oberstdorf ist die Talwelt zu Ende, eine Talwelt, die nur noch an Schönheit, Eigenart und Größe übertroffen wird von der Bergwelt ringsum. Die Tausende, die alljährlich dort Erholung suchen und finden, wissen den Ruhm der Landschaft am besten zu verkünden. Wirtschaft. Warum weniger Eier? Fwd. Die Landesbauernschaft Hessen-Nassau teilt zur Lage auf dem Eiermarkt folgendes mit: Infolge der Verknappung auf dem Fleischmarkt in der zweiten Hälfte des vorigen Jahres fand ein übermäßig starker Verzehr von Eiern durch Verlagerung des Verbrauchs vom Fleisch- auf den Eiermarkt statt. Obwohl größere Zufuhren aus dem Auslande erfolgten, wie in früheren Jahren, wurden die Vorräte der Reichsstelle für Eier in den Kühlhäusern infolge des übermäßig gesteigerten Bedarfs bereits im Dezember geräumt, die bei normalem Verlauf bis weit in das Jahr 1936 zur vollen Bedarfsdeckung ausgereicht hätten. Infolgedessen sind wir bei der Versorgung des Marktes heute auf die Eigenerzeugung und auf die Zufuhren aus dem Auslande, die aber im Augenblick nur in geringem Umfange erfolgen, angewiesen. Es ist damit zu rechnen, daß die augenblickliche Knappheit infolge der von Tag zu Tag steigenden Eigenerzeugung im Reich in den nächsten Wochen säst restlos behoben sein wird. Dor allen Dingen werden die zu Beginn des Monats Februar auf Grund der Handelsverträge hinzukvmmenden Auslandseinfuhren gemäß den Handelsverträgen voraussichtlich eine ausreichende Befriedigung des Marktes ermöglichen. Da die augenblicklich zur Verfügung stehenden Mengen naturgemäß zunächst für die lebenswichtigen Betriebe, Krankenhäuser und dergleichen mehr verwendet werden müssen, können der Verbraucherschaft in den nächsten Tagen durch die Kleinhandelsgeschäfte nur in geringen Mengen Eier zugeführt werden. Es kann also zunächst nicht mit einer Befriedigung der Kaufwünsche der gesamten Verbraucherschaft gerechnet werden. Da die zur Verfügung stehenden Mengen jedoch lausend steigen, braucht der Verbraucher seine Kaus- wünsche nur kurze Zeit zurückzustellen. Rhein-Mainische Börse. Rhein-rNainische Börse uneinheitlich. Frankfurt a. M., 11 Jan. Da von der Kundschaft nur kleine Aufträge vorlagen, nahm die Wochenschlußbörse im allgemeinen einen stillen Verlauf. Die Grundtendenz war weiter fest, die Entwicklung der Kurse gestaltete sich am Aktienmarkt etwas uneinheitlich. Die Kulisse nahm nach den Käufen der letzten Tage einige Gewinnsicherungen vor. Für Spezialwerte erhielt sich indes weitere Nachfrage. So blieben AG. für Verkehr aus dem bekannten Grunde fest mit 94,75—95,25 (94,25). Außerdem blieben Bergwerkspapiere gefragt, Buderus gewannen 1, Mansfelder Bergbau 1 und Stahlverein 0,50 v. H., nur Hoefch gingen um 1 v. H. zurück. Bon Braunkohlenwerten zogen Rheinbraun auf 216 (214) an. Am Elektromarkt erfolgten einige Abgaben, wobei Felten 1,25, AEG. 0,65, Schuckert 0,75 und Gesfürel 0,75 v. H. nachgaben. Bekula und RWE. lagen unverändert. Maschinen- und Motorenwerte erzielten weitere Erhöhungen von 0,50 bis 0,75 v. H., ferner blieben Zellstoff- und Papieraktien beachtet bei Kursgewinnen von 0,50—1 v. H. Schiffahrtsaktien notierten bis 0,40 o. H. fester. Chemische Werte lagen recht still und nahezu unverändert, etwas matter Deutsche Erdöl mit 108,13 (109), IG. Farben blieben mit 148,50 voll behauptet. Bon Bankaktien bröckelten Reichsbank auf 182,50 (183) ab. Braubank lagen mit 117,25 unverändert. Arn Rentenmarkt war das Geschäft klein. Altbefitz 110 (109,90), Kvmmunal-Umschuldung etwa 87,65, Zinsvergütungsscheine etwa 92,40 und späte Schuldbuchforderungen 96,50. Zertifizierte Dollar- bonds lagen gut behauptet. Don fremden Werten blieben 4proz. Ungarn Gold mit 9,55 (9,60) gehalten. Im Verlaufe war die Umsatztätigkeit etwas lebhafter. Bei fester Tendenz blieb die Kursgestaltung uneinheitlich, es überwogen aber meist Erhöhungen, insbesondere für Montanaktien. IG. Farben notierten mit 148,25—148,75 nach 148,50, ferner gewannen Scheideanstalt 1,5 v. H. auf 217,50, Rütgers- werke 1,75 v. H. auf 117. Sonst notierten im Verlause u. a. AG. für Verkehr 95,50 (95,25), Rhein- braun 217 (216), Hoefch 86,50 (85,50), Stahlverein 77,25 (77), Daimler 93,25 (93), Reichsbank 182 bis 182,75 (182,50). Fester lagen ferner noch Holzmann mit 91,50 (90,75), Westdeutsche Kaufhof 28,25 bis 28,75 (27,75), Otavi Minen 18,25 bis 18,40 (18,25), Klöckner 83 bis 83,75 (83,75), Thür. Lieferung 122 (123) und Muag 76,40 (—0,25). Der Rentenmarkt blieb still und unverändert. Kommunal-Umschuldung gingen mehrfach mit 87,70 um. Goldpfa.iddriefe lagen unverändert, Liquidations-Pfandbriefe meist 0,13 v. H. höher. Stadtanleihen lagen uneinheitlich, schwächer 4,50 Darmstadt o. 28 mit 91,50 (92,25). Am Auslandsrentenmarkt blieben Rumänen, Mexikaner und Ungarn voll behauptet. Tagesgeld wieder 2 v. H. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 13. Jan. (Vorbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Dorauftrieb: 1112 Rinder (188 Ochsen, 79 Bullen, 702 Kühe, 143 Färsen), 474 Kälber, 28 Schafe, 2729 Schweine. Es kosteten. Rinder: Ochsen 40 bis 43 Mark, Bullen 41 bis 43, Kühe 24 bis 43, Färsen (Kalbinnen) 41 bis 43, Kälber 30 bis 70, Hümmel 43 bis 48, Schweine 51 bis 57 Mark. — Marktverlauf: Rinder lebhaft, Kälber ruhig, Hämmel und Schafe mittelmäßig; Schweine wurden zugeteilt. «rum essen wir Fisch? Von Hilde Ines. Wer einmal in einem kleinen Ort an der See gewesen ist und sich mit den Lebensgewohnheiten der dortigen Bevölkerung beschäftigt hat, wird eine Ahnung bekommen haben von der Mühe und der Not, die den Alltag der Fischer begleiten. In Sturm und Wetter fahren sie mit ihren Kähnen und den sauber geflickten Netzen hinaus auf das Meer, um bas Gut zu erobern, von dessen kärglichem Erlös sie ihren Unterhalt bestreiten müssen. Mit banger Sorge wird ost von den Angehörigen ihre Heimkehr erwartet, haben doch die wildschäumenden Wogen im Laufe der Jahre immer wieder ihre Opfer gefordert. Aber nicht nur von dem glücklichen Fang und dem guten Ausgang der Fahrt hängt das Dasein der Fischer ab, denn was nützt ihnen die schönste Beute, wenn sich dafür kein Abnehmer einstellt? So spielt auch hier wieder Angebot und Nachfrage eine Rolle, die den Hausfrauen zu denken geben sollte. Wenn sie über die Märkte gehen und wahrnehmen, daß Fische in großer Zahl zum Kauf locken, dürfte es für sie eine Selbstverständlichkeit sein, dieser Tatsache durch eine entsprechende Handlungsweise Rechnung zu tragen. Es gilt ja auch nicht nur einem Berufsstand beizuspringen, vielmehr sind es außerdem noch wirtschaftspolitische Gesichtspunkte, die uns als Richtschnur dienen müssen. Wir sagen uns also, daß die in den Meeren von deutschen Fischern gefangenen Fische inländische Erzeugnisse sind, die dem heimischen Markt Nutzen bringen und die keinerlei Aufwand an Devisen benötigen. Infolgedessen ist es angebracht, dem gewohnten Küchenzettel ein etwas anderes Aussehen zu verleihen und die Mehroerwen- bung von Fischen in Betracht zu ziehen. Zu dem seit Jahren eingehaltenen Fischtag in ber Woche gesellt sich eben noch ein zweiter, ober gar ein dritter, unb nach kurzer Zeit wirb diese Zugabe zur lieben Gewohnheit geworden sein. Ueberall im Reich können in gleicher Weise Fischgerichte als Mahlzeit herangezogen werden, denn die von den großen Hafenplätzen ins Binnenland abgehenden Eilzüge mit ihren Kühlwagen sorgen dafür, daß bereits nach 24 Stunden selbst in weit obliegenden Orten die Gaben des Meeres und der Flüsse zum Verkauf gelangen. Ob sie nun in frischem, geräuchertem ober mariniertem Zustand Verwendung finden, immer ist ihr Nährwert derselbe, und nicht oft genug kann betont werden, daß für die Erhaltung der Gesundheit und der Arbeitskraft gerade der Fisch sich als ein außerordentlich wichtiges Nahrungsmittel erweist. Sein Gehalt an Eiweiß, Vitaminen und Phospho.en steht unzweifelhaft fe'l. Nun wird vielfach eingewendet, daß eine Fischmahlzeit nicht lange vorhalte unb frühzeitiges Hungergefühl verursache. Demgegenüber ist zu bemerken, baß man ja heute nicht mehr den Fisch in der früher üblichen Form fast ohne Beigabe zu genießen pflegt, sondern daß er in Verbindung mit verschiedenen Gemüsen, ober auch mit Nubeln angerichtet wird. Auch die Abwechslungsmöglichkeit ist größer als man gemeinhin annimmt. Wer sich z. B. einmal an das Dünsten im eigenen Saft, an gefüllte Filets, an gespickten Fischbraten und an die Befolgung all der anderen guten Rezepte gewagt hat, der wird falschen Vorurteilen zu begegnen wissen. Ob es sich um Kabeljau, Schellfisch, Dorsch, Rotzunge, Seelachs ober Golbbars handelt, eine schmackhafte und begehrte Speise wird aus dem einen so gut wie aus dem andern herzustellen sein. Und sollten wir einen Angehörigen haben, der durchaus auf seiner Abneigung gegen das Fischessen beharrt, so überrumpeln wir ihn eines guten Tages mit einem leckeren Thunfischschnitzel, non dem mit Sicherheit zu erwarten ist, daß es mit großer Begeisterung verzehrt werden wird. 148,25 148,65 91,25 10 Banknoten. 163,5 198,5 5 v. H. 92,25 143,5 95 144 96,75 108,75 109,75 86,25 157 126 83,25 80,65 52,75 104,5 119,5 81,65 37,5 136,5 113,9 129 115 126,5 96,75 108,13 109,5 86,5 154 126 83,75 80,75 96,5 109 109,5 85,5 155,5 126 83,4 80,13 36,9 137,13 114,5 130 114,9 126 131,5 127,9 124,5 168,25 125,25 »i 12 111,5 117 114 110,75 117,25 114,4 ■1 o 8 6 6 3 O 95,75 109 109,5 86,5 153 126,5 83,75 79,75 148.65 217,5 111 117 114. 37 136,5 114,5 129,5 114,5 126,25 131,5 128,65 124,5 168 124,5 53,13 104,25 118 81 101,5 52,75 105 118 80,5 121,9 91,75 143,5 77 28 290 175 163,75 128,5 125,25 168 124 28,75 289,5 175 163,25 37,5 136,5 115 129,25 114,75 126 130,13 128,75 125,5 168 124 148,4 216 111,75 115,25 114 102,75 52,75 104 119,5 81 122,4 95 143,25 78,9 29,13 289 174,75 164 Philipp Holzmann Zementwerk Heidelberg Cementwerk Karlstadt. Elcktr. Lieferungsgesellschaft... 5 Licht und Kraft ........... ey2 Felten & Guilleaume......... 4 Gesellsch.f.Elektr.Unternehmung. 6 Rheinische Elektrizität ........ 6 Rhein. Wests. Elektr..........6 Schuckert L Co............... 4 Siemens L Halske............7 Lahmeyer L Co.............7 27,75 290 4% Oesterreichtsche Goldrente.... 4,20% Oesterreichtsche Silberrente 4% Ungarische Goldrente....... 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 4*72% desgl. von 1913.......... 6% abgest. Goldmextkaner von 99 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe Serie I..................... 6% Deutsche Reichsanlethe v. 1927 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 6y2% Doung-Anleihe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit Auslos.-Rechten ............. 4*/i% Deutsche Reichspostschatzan Weisungen von 1934, I....... 6% ehem.8% Hess. Volksstaat 1929 (rückzahlb. 102%)............ 4’/2% ehem.8% Hessische Landes- baut Darmstadt Gold R. 12.... 5%% ehem. 4y2% Hess. Landes- Hypothekenbank DarmstadtLiqui d’/2% ehem. 8% Darmst. Komm. Landcsb.Goldschuldverschr. R.6 Oberhessen Provinz-Anleihe mii Auslos.-Rechten ............. Deutsche Komm. Sammelabl. An> leihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten 414% etiem.8% Franks. Hyp.-Banl Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935 614% ehem. 414% Franks. Hyp.. Bank-Liqu.-Pfandbriese....... &y2% ehem. 4y2% Rheinische Hyp.-Bank-Liqu.-Goldpfe..... 4)4% ehem. 8% Pr. Landespfandbriefanstalt, Pfandbriefe R. 19 414% ehem. 7% Pr. Landespsand- briesanst., Gold Komm. Cbl.VI Steuergutich.Berrechnungsk. 34-38 A.E.G. Bekula 3. G. Farben-Jndustrte Scheideanstalt....... Goldschmidt ... Rütgerswerke .. Metallgesellschaft Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. Grttzner....................o| Mainkraftwerke Höchst 4, Süddeutscher Zucker........ 1O| Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Datum Mansfelder Bergbau .. Kokswerke........... Rheinische Braunkohlen Rheinstahl .......... Vereinigte Stahlwerke Otavi Minen ....... Kaliwerke Aschersleben Kaliwerke Westeregeln Kaliwerke Salzdetfurth Buderus ................... Deutsche Erdis! .............. Harpener................... Hoefch Eisen—Köln-Neuessen .. Ilse Bergbau ............... Ilse Bergbau Genüsse........ Klöcknerwerke ............... Mannesmann-Röhren........ Schultheis Patzenhofer Aku (Allgemeine Kunstseide) .. 0 Bemberg................... 6 Zellstoff Waldhof ............ ö Zellstoff Aschaffenburg ......O Dessauer Gas ...............7 Daimler Motoren............O Deutsche Linoleum........... g Orenstein & Koppel ..........O Westdeutsche Kaufhof.........0 Chade.................... 7*/, Accumulatoren-Fabrik....... 12 Conti-Gummi............... 8 26,75 | 27 I 26,4 I 88,75 88,75 — 198 | 198,5 I 198 I II 7 9 5 6 4 . O . O . 5 . 5 ?y. Sramrun a. 2)1. Berlin Schluß- fürs Schlußk. Abendbörse Schluß- lurs Schlußk. Mittag- börse Datum 10.1 11.1. 10-1. 11 1. Frankfurt 0. M. Berlin Schlußkurs Schlußk. Abendbörse Gchluß- kurs Schlußk. Mittagbörse 10.1. 11-1. 10.1. 11.1. | 124,5 125,5 124,75 125 — — 116,75 117,25 214 217 213,5 216,75 107,25 108,5 107,5 108,5 76,5 77,4 76,25 77 4 18,25 18,4 18,25 18,25 122 122,5 122 123,5 118,75 119,5 119,25 119,75 181 184 181,5 185 Frankfurt a.M. Berlin Schlußkurs Schlußk. Abendbörse Schlußkurs Schlußk. Mittag- börle Öatum 10.1. 11.1. 10.1. 11.1. 4% vesgl. Sene 11 ............ 9,25 — _ __ 5% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 6,4 6,5 6.5 6,9 4y2%Rumän.vereinh.Rentev.l91Z 9,15 9,13 9,15 9,25 4% Rumänische vereinh. Rente .. 5,275 5,225 5,35 5,3 2’4% Anatolier............ 39,65 39,5 39,75 39,5 Hamburg-Amerika-Paker .....O 15 15,5 15,4 15,25 Hamburg-Südam. Dampfschiff. O — — 26 Norddeutscher Lloyd .........O 17,25 17,4 17,25 17,13 A.G. für Verkehrswesen Akt. .. O 94,25 95,5 115,5 94'13 96 Berliner Handelsgesellschaft ... 6 114,75 115,5 116,5 84,5 Commerz- unb Privat-Bank ... O Deutsche Bank und Disconto- 86 86,4 85,25 Gesellschaft................0 85,5 86 85 86 Dresdner Bank..............0 86 86,5 85,5 86,5 Retchsbar^ ................ 12 183 182,75 182,75 181,9 10.Januar 11.Januar Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Brief Geld I Brief Buenos Atre. 0,668 0,672 0,668 0,672 Brüssel..... 41,86 41,94 41,86 41,94 Rio de Jan. 0,138 0,140 0,138 0,140 Sofia ...... 3,047 3.053 3 047 Kopenhagen. 54,77 54,87 54} 77 54,87 Danzig..... 46,80 46,90 46,80 46,90 London ..... 12,265 12,295 12,265 12,295 Helsingfors.. 5,40 5,41 5,40 5,41 Paris ...... 16,405 16,445 16,41 16,45 Holland .... 168,68 169,02 168,78 169,12 Italien..... 19,98 20,02 19,98 20,02 Japan ...... 0,717 0,719 Jugoslawien 5,654 5,666 5'654 5,666 Oslo..... : 61,59 61,71 61,59 61,71 Wien....... 48,95 Lissabon.... 11,125 11,145 1l'l3 11,15 Stockholm... 63,24 63,36 63,24 63,36 Schweiz .... 80,82 80,98 80,86 81,02 Spanien.... 33,99 34,05 34,00 34,06 Prag....... Budapest ... 10,29 10,31 10,29 10,31 Reuyork ... 2,484 2,488 2,478 2,482 100,4 97 103,13 100,4 97 103,13 100,4 97 103 100,4 97 103,5 109,9 110 109,9 110 99,9 99,9 99,9 99,9 97,75- 97,75 97,5 97,75 96,4 96,4 96,25 96,25 100,75 101,25 — — 93,25 93,25 — — 118,75 — — — 113,5 113,75 113,25 113,4 96,5 96,5 — — 101,4 101,5 — — 101,4 101,4 101,4 101,25 97 97 97 97 97 97 97 97 108,2 108,3 108,25 108,3 30,5 30,75 31,65 31,13 1,4 1,4 1,35 1,4 9,6 9,55 9,45 9,5 9,5 9,4 9,4 9,4 9,4 9,5 9,55 9,6 14 14,13 14 14,2 9,25 — — — _____ Berlin, 11 .Januar Geld 2)riei Amerikanische Noten.............. 2,43 2,45 Belgische Noten.................. 41,72 41,88 Dänische Noten ................. 54,56 54,78 Englische Noten .... ....... 12,23 12,27 Französische Noten............ Holländische Noten............. Italienische Noten................ 16,36 168,36 16,42 169,04 — Norwegische Noten .............. 61,43 61,67 Deutsch Oesterreich, h 1OO Schilling Rumänische Noten............... ___ Schwedische Noten............... 63,07 63,33 Schweizer Noten................. 80,68 81,00 Spanische Noten................. Ungarische Noten................ 33,64 33,78 Nr. 10 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Montag, 13. Januar 1936 Aus der Provinzialhauptstadt. Petrus und die Erzeugungsschlacht. (ZdR.) Wenn heute von der Notwendigkeit der Erzeugungsschlacht in der Landwirtschaft gesprochen wird, hört man von nichtbäuerlicher Seite oft den Einwand: „Der Erzeuger erhält ausreichende Preise, ein Verdienst ist ihm gesichert. Theoretisch besteht die Möglichkeit, das deutsche Volk auf eigenem Boden zu ernähren. Weshalb erzeugt es also nicht schon aus eigenem Antrieb so viel, wie verbraucht wird? Die Industrie, das Handwerk u. a. produzieren unter den gegebenen Voraussetzungen doch ohne weiteres die entsprechenden Bedarfsgüter?" Gewiß, eine erhebliche Ertragssteigerung ist auf allen Gebieten der Landwirtschaft möglich und wird in kommenden Jahren auch erreicht werden. Eins wird aber meist vergessen, nämlich, daß die Natur, von der die Industrie weitgehend unabhängig ist, oftmals die schon aus eigenem Antrieb erfolgten Bestrebungen des Bauern nach vermehrten Leistungen durchkreuzt, daß also d i e Kraft versagt, die bei weitem die wichtigste im bäuerlichen Betriebe ist. Die größte Rolle spielt bekanntlich das Wetter. Ein starker Regenguß vor der Ernte vermindert den Ertrag häufig ganz erheblich, Hagel zerschlägt Pflanzen und Früchte, Frost vernichtet junge Saaten und Blüten, und Hitze brennt ganze Gebiete aus. Denken wir nur an die jüngste Vergangenheit. Die schlechte Obsternte des letzten Jahres war eine Folge der Spätfröste im Frühling. Die Dürreperiode 1934 brachte einen gewaltigen Ausfall an Futterpflanzen; hunderttausende von Rindern und Schweinen mußten vorzeitig geschlachtet werden. Auch im letzten Jahre herrschte in verschiedenen Gebieten wieder eine starke Trockenheit und erheblicher Futtermangel. Die Viehbestände konnten nicht aufgefüllt werden. Schweinefleisch und Butter verknapppten, nicht weil der Bauer, sondern weil das Wetter versagte. Damit aber noch nicht genug. Ist das Wetter für die Pflanzen günstig, fördert es oft auch die Ausbreitung der Schädlinge, also all der Lebewesen, die die wachsenden Pflanzen und die geernteten Vorräte ebenfalls zu ihrer Ernährung gebrauchen, wie Rotten und Mäuse, Insekten und Larven. Pilze und Bakterien. Auf nicht weniger als 2 Milliarden RM. wird der Wert der Pflanzen und Vorräte geschätzt, die die Schädlinge in normalen Jahren von der Landwirtschaft als Tribut fordern. Oft bemerkt der Verbraucher diesen Verlust des Bauern kaum, da die Mindererträge durch erhöhte Einfuhr ausgeglichen werden. Muß die Einfuhr aber beschränkt werden oder ist sie ganz unterbunden, so entsteht ein empfindlicher Mangel, der zu großen Ernährungsschwierigkeiten führen kann. Aebnlich sieht es in der Tierzucht aus. Krankheiten und Seuchen vernichten hier ebenfalls ungeheure Werte. Werden doch die Verluste durch Tuberkulose allein auf 160 Millionen und die durch seuchenhaftes Verkalben sogar auf 200 Millionen Reichsmark geschätzt. Niemals ist der Bauer vor diesen Schäden sicher. Gewiß, er kann Vorbeu- gunasmaßnahmen treffen, und ein ganz besonders wichtiges Teilziel der Erzeugungsschlacht ist die planvolle und energische Verminderung der Scha- dens-Gefabren, aber die Zahl der Schadens-Möglichkeiten ist Legion. So wie die Natur also auf der einen Seite für die Landwirtschaft arbeitet, so wirkt sie auf der anderen gegen sie. Der Bauer hat das Bestreben — schon im eigensten Interesse — mehr zu erzeugen. Feindliche Kräfte aber, gegen die er nahezu machtlos ist, haben oftmals ihren Einfluß auf den Ertrag seiner Mühe. K. S. Dornoii en Tageskalender für Montag. NSG. „Kraft durch Freude": 20.15 Uhr in der Volkshalle großer heiterer Abend der 3 lustigen Gesellen. — 21 bis 22 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs. — Gloria-Palast, Seltersweg: „Der Kraft-Mayr". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Es geschah in einer Nacht ..." — Kreisgruppe Gießen der Wirtschaftsgruppe Einzelhandel: 20.30 Uhr im Saal des Hotel „Hindenburg" Versammlung. — Bund der Saarvereine, Ortsgruppe Gießen: 20.30 Uhr im Die erste Erzählung im neuen Zahrgang der Familienblätter, mit deren Abdruck wir in unserer heutigen Hummer beginnen, heißt „Der Laufen" von Emil Strauß; das ist eine Geschichte von Liebe und Tod, ein kleines Meisterwerk deutscher Prosa in unserer Zeit, eine der reifsten Gestaltungen des Dichters, der am Zl.Zanuar 70Zahre alt wird Cafä Ebel Jahresgedenkfeier der Saarabstimmung. — Ski-Klub Gießen: 20.15 Uhr im Kunstwissenschaftlichen Institut Ski-Filmvorführung. — Oberhessischer Kunstverein (Turmhaus am Brandplatz): 11 bis 18 Uhr Ausstellung des Künstlerbundes „Isar". — Evangelische Stadtmission: 10.15 bis 20.30 Uhr biblische Vorträge. „Eine Frau ohne Bedeutung" im Skadthealer Gießen. Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Am vergangenen Freitag kam unter der Spielleitung des Intendanten das Gesellschaftsstück „Eine Frau ohne Bedeutung" von Oscar Wilde in der Neubearbeitung von Karl Lerbs mit außergewöhnlich starkem Erfolg zur Erstaufführung. Es mehren sich im Theaterbüro die Anfragen nach den Aufführungsterminen. Aus spielplantechnischen Gründen kann dieses Konversations- und Unterhaltungsstück nicht im Rahmen der NS.-Kulturgemeinde Ring Deutsche Bühne und auch nicht außer Abonnement an einem der kommenden Sonntage zur Aufführung gelangen. Die Intendanz teilt daher Meldepflicht -er entlassenen Soldaten und Ersatzreservisten I. Ausruf des Gauleiters zum Reichsberufswetttamvf. Der Reichsberufswettkampf 1936 wird aber Tausenden deutscher Jungens und Mädels wieder- DNB. Vielfach haben die Wehrpflichtigen des Beurlaubten st an des die seit Einführung der Wehrpflicht vorgeschriebenen Meldungen bei den Wehrersatzdienststellen und Crsatzbehörden unterlassen. Diese Meldungen müssen umgehend nachgeholt werden, da künftig Wehrpflichtige des Beurlaubtenstandes, die über die Meldepflichten schon belehrt worden sind und sie trotzdem nicht erfüllen, bestraft werden. Hierzu gehören in erster Linie die aus der Wehrmacht entlassenen Soldaten, die gemusterten Dienstpflichtigen der Jahrgänge 1914 und 1915 (in Ostpreußen auch 1910) und angenommene Freiwillige. Soldaten, die nach einjähriger aktiver Dienstpflicht oder nach einer achtwöchigen Ausbildung bei Ergänzungseinheiten entlassen werden, unterliegen der Wehruberwachung des für ihren Wohnsitz zuständigen Wehrmeldeamts, in der entmilitarisierten Zone der zuständigen unteren Ersatzbehörde (Zweigstelle). Sie haben dort nach ihrer Entlassung sich anzumelden und weiterhin jeden Wohnungs- oder Wohnsitzwechsel zu melden. Gemusterte Dienstpflichtige des Jahrgangs 1914 (in Ostpreußen auch 1910), die einen Musterungsausweis und Ersatzreserve-l-Schein erhalten haben und noch nicht zur Erfüllung ihrer aktiven Dienstpflicht ausgehoben sind, die gemusterten Dienstpflichtigen des Jahrgangs 1915, die einen Musterungsausweis, ferner Freiwillige, die einen Annahmeschein erhalten haben, unterliegen gleichfalls der Wehrüberwachung des für ihren Wohnsitz zuständigen Wehrmeldeamts, in der entmilitarisierten Zone der unteren Ersatzbehörde (Zweigstelle). Sie haben dort jeden Wohnungs- und Wohnsitzwechsel zu melden. Radfahrer, achtet auf eure Rückstrahler! Jeder Radfahrer weiß, daß sein Fahrrad nicht nur mit Glocke und Laterne, sondern auch mit einem Rückstrahler versehen sein muß, der so konstruiert ist, daß er nach bestimmten optischen Mindestanforderungen das auf ihn fallende Scheinwerferlicht eines Kraftfahrzeuges in einer bestimmten Entfernung und in einem bestimmten Winkel zurückwirft. Diese Vorschrift, die in der Reichsstraßenverkehrsordnung verankert ist, hat keineswegs aber den Zweck, dem Radfahrer eine überflüssige Belastung zuzumuten, sondern stellt eine Maßnahme dar, die im Interesse von Leib, Leben und Eigentum des Radfahrers erlassen worden ist, denn ein guter Rückstrahler wird ja immer und unter allen Umständen ein schnellfahrendes Fahrzeug, das hinter dem Fahrrad herkommt, rechtzeitig warnen, indem es im Scheinwerfer rot aufleuchtet. Voraussetzung hierfür ist aber natürlich, daß der betreffende Rückstrahler tatsächlich über die erforderliche Leuchteigenschaft verfügt und daß er sauber gehalten ist. Rückstrahler werden mit verschiedenen Prüfzeichen auf den Markt gebracht, und zwar entsprechend einer frühern Regelung zum Teil noch mit sogenannten Länderprüfzeichen, d. h. mit einer Abkürzung der betreffenden früher bestandenen Landesprüfstelle und einer Nummer oder aber mit dem Zeichen PTR und einer Nummer, als Hinweis darauf, daß ein Muster dieses Rückstrahlers der Physikalisch - Technischen Reichsanstalt in Berlin - Char- lottenburg den jetzt gültigen Vorschriften entsprechend zur Prüfung mit Erfolg vorgelegt worden ist. Jeder überzeuge sich also beim Kauf eines Rückstrahlers oder beim Kauf eines Fahrrades, an dem sich ein Rückstrahler befindet, davon, daß dieser auch einen der vorgesehenen Stempel trägt. Ein Rückstrahler kann natürlich nur dann wirken, wenn er gerade am Fahrrad angebracht ist, wenn also tatsächlich der Schein des hinterher fahrenden Kraftfahrzeuges in vollem Umfange und in größter Fläche den Rückstrahler trifft. Insbesondere ist auf eine richtige und ausreichende Befestigung des Rückstrahlers am Rahmen oder Schutzblech zu achten. Unzweckmäßige oder behelfsmäßige Befestigungen mit Draht oder Bindfaden und dergleichen sind zu vermeiden, da hierdurch der Rückstrahler in den meisten Fällen nicht die richtige Lage erhält und infolgedessen nicht oder nicht vollständig das Licht zurückwerfen kann. Weiter ist vor allem darauf zu achten, daß der Radfahrer selbst den Rückstrahler stets sauber hält, denn wenn auch die Rückstrahlfähigkeit eines guten Rückstrahlers so stark ist, daß er auch dann noch wirkt, wenn ein Teil der Fläche verschmutzt ist, so wird natürlich der volle Schutz des Rückstrahlers vor Verkehrsgefahren sich nur dann auswirken können, wenn er tatsächlich staub- und kotfrei gehalten ist. In diesem Fall lohnt infolgedessen die kleine Mühe, von Zeit zu Zeit den Rückstrahler mit einem Tuch abzuwischen und ihn so von seiner Schmutzkruste zu befreien. Der Radfahrer darf ja, wie gesagt, nicht vergessen, daß er alles dieses in seinem ureigensten Interesse tut. Ist ihm erst durch eigene Unvorsichtigkeit und Unachtsamkeit ein Unfall zugestoßen, kann der Schaden größer sein und in keinem Verhältnis mehr zu der geringen Mühe stehen, die die richtige Anbringung und Sauberhaltung eines guten Rückstrahlers mit sich bringt. bereits heute die Termine der beiden kommenden und leider auch letzten Aufführungen mit: Dienstag, 14. Januar, als 14. Vorstellung im Dienstag- Abonnement, Dauer von 20 bis 22.30 Uhr, und Mittwoch, 22. Januar, als 15. Vorstellung im Mittwoch-Abonnement, von 19.30 bis 22 Uhr. Aus paeteiamtlichenBekanntmachungen um Gelegenheit geben, ihre Kenntnisse und Fertigkeiten unter Beweis zu stellen. Jeder junge Deutsche macht es sich zur Ehrenpflicht, teitzunehmen. 3m Gau Hessen-Rassau sind die Anmeldungen zur Teilnahme unendlich groß. Versäume keiner, seine Anmeldung in den Tagen bis zum 15. Januar 1936 abzugeben! Ich wünsche und hoffe, daß aus unserem Gau recht viele tatkräftige Jungens und Mädels als Sieget in den einzelnen Berufszweigen hervorgehen! Gez.: Sprenger. Amt für Dolkswohlfahrt. OrtSqrupvÄ Giehen-Mitte. Belr.: Pfundsammlung. Am Mittwoch, 15. Januar, werden die Spenden (Pfundsammlung) durch die NS.-Frauenschaft ein- gesammelt. Die Hausfrauen werden gebeten, den Inhalt der Päckchen auf der Umhüllung kenntlich zu machen und die Mitgliedskarten zur Quittungs- einzeichnung bereitzuhalten. Die Pfundsammlung erstreckt sich während der Dauer des WHW. wieder auf alle Volksgenossen. Sportamt „Kraft durch Freude". Am Montag finden folgende Sportkurse statt: Fröhliche Gymnastik und Spiele (nur f ü r Frauen). Von 19.45 bis 21 Uhr: Großen- Buseck, Neue Schule. Reiten. Von 21 bis 22 Uhr: Reitschule Schömbs. Es sind noch Plätze für verschiedene Reitkurse frei. Anmeldungen nimmt die Geschätsstelle, Schanzen- straße 18, entgegen. Ein geborener Gießener an führender Stelle des Deutschtums in Amerika. Die in Baltimore (Nordamerika) in deutscher Sprache erscheinende Zeitung „Täglicher Baltimore Correspondent" veröffentlicht in ihrer Ausgabe vom Samstag, 30. November 1935, einen umfangreichen Bildbericht unter der lieber« schrift „Weitblickende Männer im Baltimorer Ge- jchäftsleben; sie verkörpern Baltimores Geschichte, ihr Wirken wird kommende Generationen begeistern." In diesem Bericht wird auch ein geborener Gießener namens Karl Reinhardt genannt, der vor etwa 40 -Jahren von Gießen nach Amerika auswanderte und es dort durch rastlosen Fleiß zu Ansehen und Wohlstand gebracht hat. Ueber Karl Reinhardt wird in dem genannten Baltimorer Blatte folgendes berichtet: „Eine erfolgreiche .Laufbahn hat Herr Charles W. Reinhardt, im deutschen Sängerwesen und auch sonst in Vereinskreisen und auch im Arnerikanerturn beliebt und hoch angesehen in seinem Adoptivvaterlande, zu verzeichnen. Die deutschen Sänger haben ihn verschiedentlich mit Aemtern geehrt, denen er in vorzüglicher Weise Vorstand; oft sah er sich gezwungen, weitere ihm angebotene Ehrenämter abzulehnen, da er Die Fachschaft „Volksschule" des NSLB. Kreis Gießen veranstaltet am kommenden Mittwoch, 15. Januar, in der Schule zu Großen-Linden, um 8.45 Uhr beginnend, eine Tagung der Flurnamen- Sammler des Kreises der Fachschaftsleiter und der Mitglieder des Bezirks Gießen-Land. Den Teilnehmern an der den ganzen Tag über währenden Tagung ist Urlaub erteilt. Der Bezirk Großen-Buseckdes NSLB. hält am Mittwoch, 15. Januar, um 15 Uhr, in der neuen Schule zu Großen-Buseck eine Tagung der Fachschaft „Volksschule" und Bezirkskonferenz mit einem Vortrag von Lehrer Falls-Gießen ab. Das Glas in Kultur und Wirtschaft. Don Werner Lenz. Goethes Wort, daß in der deutschen Glashütte „eine der wichtigsten und wunderbarsten Werktätigkeiten des menschlichen Kunstgeschickes" zu Hause sei, mag Geleitwort der bevorstehenden „19. Glastechnischen Tagung vom 14. bis 16. Januar in Berlin" fein. Um so wichtiger darf dies Ereignis wissenschaftlich-wirtschaftlicher Gemeinschaftsarbeit genommen werden, weil es ein bedeutungsvoller Vorakt des diesjährigen Internationalen Glaskongresses in London ist. Hat doch dort die „Deutsche Glastechnische Gesellschaft" (Sitz Frankfurt am Main) die Vertretung einer Heimatindustrie übernommen, die für die deutsche Nationalwirtschaft überaus richtungbestimmend ist. Der unbefangene Laie pflegt in dem Jndustrie- erzeugnis „Glas" im allgemeinen nicht viel mehr zu sehen als eine Reihe von Gegenständen, die teils der täglichen Benutzung dienen, teils die Häuslichkeit schmücken und — leider ab und zu in Scherben gehen. Fensterscheiben, Trinkglas, Brille — das sind Angelegenheiten des Alltages, gewiß; aber was sie wert sind, das merkt man doch erst so recht, wenn sie durch irgendeinen Zufall beschädigt und nicht gebrauchsfertig sind. Dann erst fragt man sich, was der Mensch wohl ohne diesen treuen Helfer „Glas" ehedem entbehrt haben mag! Und bei solchem Nachsinnen wird uns auch die Vielfältigkeit der Gestaltung klar, die sich seit den Urtagen dieser Kunstfertigkeit bis zu unserer heutigen technischen Vervollkommnung heraufentwickelte. Uralt ist der Name „Glas". Das althochdeutsche „glas" und altnordische „gier" bezeichnet „Bernstein". Das war der natürliche „Glasfluß", der im Tauschhandel mit dem Orient das dort geschmolzene künstliche Glas zu uns zog. Wissen wir doch, daß ägyptische Glasperlen bereits 1500 Jahre vor Christi Geburt nach Bayern eingetauscht wurden. Auch die selbständige Glasherstellung kam einige Jahrhunderte vor unserer christlichen Zeitrechnung nach Europa und wurde zuerst in Italien unter den Cäsaren gepflegt. Mit dem Verfall des Weströmischen Reiches wanderte die Kunst der Glaserzeugung nach Byzanz — wir haben sehr schöne Glasflüsse an Kronen und Spangen aus der Goten- ^eit — und wurde dann eine der wirtschaftlichen Machtquellen Venedigs. Dorcher kamen auch unsere mittelalterlichen Lehrmeister der K u n st g l a s - bläserei, die unsere deutschen Handwerker aber mit eigenem, echt deutschem Geiste erfüllten. Sie erreichten bald das Können der Venetianer; und wenn heute die böhmische Glasbläserei mit Recht hochgerühmt wird, so dürfen wir mit Stolz bekennen, daß ehedem ja Böhmen deutsches Kronland war und deutsche Kultur dort aufbautätig wirkte. Die Glasbläser Deutschböhmens sind die Brüder der deutschen Glasschmelzer und Schleifer Mitteldeutschlands, das wegen seines Reichtumes an Roh- unb Hilfsstoffen, besonders im benachbarten Thüringen, Bayern, Sachsen und Schlesien Mittelpunkt dieses Gewerbes geworden war. Zumal der Holzbestand der dichten Wälder sicherte die bei der Glaserzeugung so wichtige Feuerung. Als die Kohle — Braun- und Steinkohle — in den verbesserten Oefen verwendet wurde, traten das Rheinland und die Lausitz neben andern Gegenden Deutschlands als Erzeugungsstätten hinzu. Durch deutschen Fleiß und durch deutsche Geschicklichkeit wurde der Segen des Bodens — die Rohstoffquelle — zu einem großen Gewinn für d i e deutsche Wirtschaft. Bis ins 18. Jahrhundert bezog Frankreich mangels eigener Erzeugung wertvolles Fensterglas nur aus unserem Vaterlande. Heute ist die deutsche Heimatindustrie führend auf allen Gebieten der Glaserzeugung; und daraus erklärt es sich auch, daß wir trotz der Weltwirtschaftskrise unfern Riesenanteil an dem Welthandel an Glas behaupten konnten. Beschicken wir doch den Weltmarkt mit einem Drittel deutscher Ware! Und dabei sind noch nicht einmal die optischen Gläser, photographischen Glasplatten und Glühlampen eingerechnet! Der Ausfuhrüberschuß bringt dem Reiche rund 100 Millionen Mark im Jahre ein. Dazu kommt, daß die Glasindustrie in ganz großem Maße Arbeitgeber für feine Zureicheindustrien ist. Wenn man so schlichthin „Glashütte" sagt, so muß man sich er ft einmal vorstellen, was für ein Apparat notwendig ist, um dies Großgewerbe arbeitsfähig zu machen. Vom Gemengehaus zur eigentlichen Hütte mit ihren Oefen und Verarbeitungsmaschinen erfordert diese Industrie umfassende Armaturen und Gründungen, die wieder anderen Industrien zugute kommen. Der Bedarf an feuerfesten Keramiken setzt allein eine wichtige Ge- schwisterindustrie in Nahrung. Es werden „Häfen" in Gebrauch genommen, die bis zu 2000 Kilogramm Glasmasse aufnehmen. Und die „Wannenöfen" stehen ihnen an Dimension natürlich nicht nach. Ist noch für Röhren und für Beleuchtungskörper die „Mundbläserei" im Schwange — ebenso wie bei der Kunstglasbläserei — so benötigt die moderne Mengenherstellung von Flach- und von Hohlglas maschinellen Betrieb. Wir haben in Deutschland ungefähr 40 Maschinen in Benutzung, deren bestleistende binnen 24 Stunden 50000 bis 100000 Flaschen Herstellen können, je nach Form und Halsweite. Eine allgemeine Uebersicht über die Vielseitigkeit der deutschen Glaserzeugung zu geben, ist an diesem Orte nicht möglich. Die Fensterscheibe ist ja allein schon ein Typus von außerordentlicher Wandlungsfähigkeit, mag man nun an das bescheidene Wohnungsfenster oder an die Riesenschaufensterscheibe am Laden des modernen Geschäftes denken. Gegenstücke dazu sind die Glaswände im Aquarium und zoologischen Garten. Glasziegel und Glasbausteine, Drahtglas und Ornamentglas sind leibhaftige Zeugen einer Verwendungsfähigkeit im Baugewerbe, die noch vor einigen Jahrzehnten nicht geahnt wurde. Kathedralglas dient im besonderen dem Bedürfnis der kirchlichen und weltlichen Festräume; denn es eignet sich vorzüglich zur G l a s b e m a - l u n g. Sehr anregend für die Gloserzeugung ist der Anstieg der Automobilindustrie. Dort und bei Arbeitsbrillen tritt das nicht splitternde Glas segensreich in die Erscheinung, während gefärbte Schutzgläser gegen Blendung und Ultrastrahlenwirkung bei Sport und Arbeit oft unerläßlich sind. Selbst der Arzt bedarf des Schutzglases bei seiner Röntgenbedienung. Ein besonderes Kapitel wäre das Glus für wifsenschaftlicheZwecke vom unempfindlichen Hartglase bis zum Jenaer G l a se , das heute bereits die Hausfrau zu schätzen weiß. Zu den Spezialgläsern gehören auch die Thermometerröhren und Reagenzgläser im Laboratorium. Welches Ansehen die deutsche optische Glasindustrie auch im Auslande hat, bezeuge folgende Tatsache: Die vier großen Planetarien der Vereinigten Staaten — in Neuyork, Philadelphia, Chikago und Los Angeles — sind mit deutschen I n - ftrumenten ausgerüstet; ebenso sind das Spiegelteleskop und der Astrograph in der vatikanischen Sternwarte zu Rom deutschen Ursprungs. So darf das deutsche Glas mit Recht als ein Kulturerzeugnis gelten, daran das Ausland das Beste unserer völkischen Art zu erkennen vermag: die deutsche Mu st erarbeit als Zeugnis kultureller Unermüdlichkeit! Für uns Deutsche selbst aber ist das „zerbrechliche" Glas eine der festen Grundlagen unserer Nationalwirtschaft. Das Aufgebot. Der alte Käpten Hinrichsen hatte einmal einen Leichtmatrosen angeheuert. Die Fahrt ging nach Kalkutta, wo die „Gute Hoffnung" Tee und Jute an Bord nehmen sollte. Anfangs ging alles gut. Aber nach ein paar Tagen, als das Schiff schon Kurs auf die Straße von Gibraltar nahm, begann Käpten Hinrichsen an Teufelsspuk zu glauben. Denn immer, wenn er nach dem Mittagessen an den Kajütenschrank ging, um sich eine Flasche Rotspon zu gönnen, fand er eine bereits geleerte Flasche darin. Das war der Grund dafür, daß der Kapitän eines Tages die Brücke zu ungewohnter Stunde verließ und sich hinter dem Schrank in seiner Kajüte versteckte. Er hatte Glück. Denn auf einmal ging die Tür auf, und der neue Leichtmatrose trat ein, öffnete den Schrank, holte eine Flasche heraus, entkorkte sie und sprach: „Es werden hiermit aufgeboten zum ersten, zum zweiten und zum dritten Male die Jungfrau Barbara Rötlich aus Burgund und der Leichtmatrose Fritz Weinsauf aus Hamburg. Wenn kein Einspruch geschieht, kann die Trauung sogleich vollzogen werden." Nach diesem seltsamen Spruch setzte der Matrose die Flasche an den Mund und trank sie mit gewaltigem Zug leer. Käpten Hinrichsen ließ den Matrosen gehen. Dann ging er an Deck und ließ ihn zu sich rufen. Die Matrose trat herzu und betrachtete mißtrauisch das Tauende in der Faust des Kapitäns. Aber Käpten Hinrichsen hielt zunächst eine kurze Ansprache. „Es werden hiermit aufgeboten", sagte er, „zum ersten, zum zweiten und dritten Male die Jungfrau Barbara Schmerzhaft aus Hanf und der Matrose Fritz Weinsauf aus Hamburg. Wenn kein Einspruch geschieht, kann die Trauung sogleich vollzogen werden." Damit hob Kapitän Hinrichsen das Tauende — aber da rief der Matrose plötzlich: „Halt! Ich erhebe Einspruch!" Der Kapitän ließ verblüfft den Arm sinken. Und da er Spaß verstand, wurde die Trauung durch diesen Einspruch wirklich aufgehoben. Fritz Weinsauf aber mußte ein heiliges Versprechen oblegen, sich in Zukunft nur mit der Jungfrau Maria Milde aus Trinkwasser trauen zu lassen ... foe. dabei den Eindruck, daß das Oel für jeden technischen Bedarf in feinen Umwandlungsprozeffen zu einer deutschen Wertarbeit wird. Weiter wurden die deutschen Jndustriewerke der Shell gezeigt und ihre Arbeitsmethoden dargestellt. Sehr aufschlußreich waren die statistischen Zeichnungen über die große handelspolitische Bedeutung der Mineralöl-Ein- und Ausfuhr und ihre günstigen Auswirkungen für den deutschen Devisenmarkt. Den Abschluß bildete eine Autofahrt, die die Besucher im Filntbild durch die schönsten deutschen Gaue führte. ^unOfunfprogramm. Dienstag. 14. Januar. 6 Uhr: Choral, Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In der Pause, 7: Nachrichten. 8.15: Gymnastik. 10.15: Schulfunk: „Wenn das Spinnrad schnurrt und der Brummtopf summt." Hörszenen über ostpreußisches Volkstum von Will Kramp. 11.30: Bauernsunk. 11.45: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten. Anschließend: Nachrichten aus dem Sendebezirk. Schneeberichte. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Allerlei zwischen Zwei und Drei. 15: Wirtschaftsbericht: Die Zukunft der deutschen Aktie. 15.15: Die deutsche Frau. 16: Nachmittagskonzert. 1. Aus Hessens musikalischer Vergangenheit (2). 17.30: Nach getaner Arbeit... Eine Hörfolge. 18: Unterhaltungskonzert. 19.50: Die olympischen Winterdisziplinen und ihre Wertung. 20: Nachrichten. 20.10: Neue deutsche Unterhaltungsmusik. 22: Nachrichten. 22.15: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 22.30: Volksmusik und Musik nach Volksweisen. 24 bis 2: Nachtkonzert. Aufgaben und Ziele des hessischen Handwerks im neuenZahr. NSG. In einer Arbeitstagung der Handwerkskammern für den Treuhänderbezirk Hessen unter dem Vorsitz des L a n d e s h a n d - werksmeisters Hessen wurden die Aufgaben behandelt, die der Förderung und Belebung des Handwerks im Landeshandwerksmeisterbezirk Hessen im neuen Jahr dienen. Im Vordergrund stand die Frage der Arbeitsbeschaffung für das Handwerk. Der Landeshandwerksmeister behandelte hier insbesondere die Frage der Kleinsiedlungen und der Eigenheime, die von den Gauheimstättenämtern in diesem Jahre besonders stark gefördert werden sollen. Weiter wurden die Möglichkeiten einer verstärkten Berücksichtigung des Handwerks bei den Aufträgen der Wehrmacht und der Reichsautobahn behandelt. Die Mitwirkung des Handwerks bei der Schaffung von Eigenheimen für bäuerliche Handwerker und Landarbeiter wurde eingehend geprüft und in engster Gemeinschaft mit dem Reichsnährstand eine weitere Werbung für den Silobau, der für die Sicherheit der Ernährung des deutschen Volkes so außerordentlich wichtig ist, für notwendig erachtet. Die von verschiedenen Stellen unter Mithilfe einzelner Handwerkszweige bereits eingeleiteten Bestrebungen zur Schaffung von arteigenem Hausrat für Kleinsiedlungen und neue Bauerndörfer erfuhren eine eingehende Prüfung zwecks nachhaltiger Unterstützung durch alle in Frage kommenden Organisationen des Handwerks. Der Landeshandwerksmeister unterrichtete über den insbesondere in den letzten Monaten eingetretenen Fortschritt der Landes-Lieferungsgenossenschaften und über deren weitere bedeutungsvolle Aufgaben. Eingehend wurde der Erlaß des Reichsfinanzministers vom 19. Dezember vorigen Jahres über die praktische Handhabung der Bauvergebung durch die behördlichen Dienststellen besprochen, der zweifellos zur Beseitigung mancher ungesunden Erscheinungen im Vergebungswesen beiträgt. Zu all diesen Arbeiten der Arbeitsbeschaffung und Gewerbeförderung werden die Handwerkskammern im neuen Jahr in verstärktem Umfange herangezogen werden. Der Landeshandwerksmeister beabsichtigt, in Zusammenarbeit mit den zuständigen Dienststellen der Partei sowie den Kammern eine einheitliche Schulung der Obermeister und Jnnungs- warte durchzuführen, um damit die beste Erledigung dieser Berufsstandsaufgaben im Dienste und zum Wohl der Volksgemeinschaft zu gewährleisten. Auch alle Maßnahmen zur betriebswirtschaftlichen und betriebstechnischen Gewerbeforbe- r u n g werden im Jahre 1936 besondere Beachtung finden. Buchführung, Kalkulation und Fachkurse, insbesondere Kurse über wichtige Werkstoffe, wie Aluminium, Förderung fachlicher Ausstellungen und Unterrichtung neuer Arbeitsweisen, so der neuzeitlichen Schweißtechnik, planmäßige Aufklärung über die Sammlung der Abfallstoffe, zweckmäßige Verwendung von Rohstoffen sowie Filmvorführungen zur lebendigen Gestaltung der Jnnungsoer- sammlunaen, stehen im Vordergrund. Heber Verwaltungsfragen der Innungen wurde eine einheitliche Linie sestgelegt. Ein Abend der alten Soldaten. Stiftungsfest der Kriegerkameradschast 1874. Das 62. Stiftungsfest der Kriegerkameradschaft 1874 Gießen sand am Samstagabend im Saale des Caf6 Leib statt. Die alten Traditionsfahnen und die Kyffhäuserfahne schmückten den vollbesetzten Saal, in dem der Musikzug der SA.-Standarte 116 unter der Leitung von Musikzugführer Herrmann mit schneidigen Marschklängen die Festveranstaltung eröffnete. Kameradfchaftsführer T r ü m p e r t entbot in feiner Begrüßungsansprache besonderen Gruß dem Vertreter des Standartenführers, Obersturmbannführer und Standartenadjutant M ü n k e r, ferner den zahlreichen Vertretern der Regiments- und Sol- datenoereine, an ihrer Spitze Kamerad Müller vom Gießener Soldatenbund, sowie den Vertretern der Wehrmacht. Er gab seiner Freude über die kameradschaftliche Verbundenheit der alten und der jungen Soldaten mit den politischen Soldaten Adolf Hitlers Ausdruck. Die alten Soldaten habe es erfreut, daß an Stelle des Mufikkorps des Gießener Infanterie-Regiments der Musikzug der SA.-Standarte unter der Stabführung von Musikzugführer Herrmann die musikalische Ausgestaltung der Feier übernommen habe. Weiterhin übermittelte er die Glückwünsche und Grüße des Bezirks- und Kreisverbandsführers Oberst a.D.K ö t t- schau, der für die glänzend aufgenommene und durchgeführte Kyffhäuser-Filmveranstaltung dankte und dem stellvertretenden Kameradschaftsführer Hugo Hartmann besondere Anerkennung aussprach. In kurzem Rückblick auf die Vergangenheit erinnerte Kamerad Trümpert an die langjährige Zugehörigkeit des Vereins zur „Hastia"-Krieger- kameradschaft und zum Deutschen Reichskriegerdund, dessen soziale Einrichtungen ungezählten alten Soldaten zugute tarnen. Dieses Gute in der Soldatenbewegung sei auch vom Führer und Reichskanzler anerkannt worden, der der Kyffhäuserfahne an Stelle des bisher geführten Kyffhäufer-Denkmals das Hakenkreuz verlieh. Die Anbringung des Hakenkreuzes an den alten Fahnen soll durch einen feierlichen Akt im ganzen Reich zu gleicher Zeit und in gleicher Stunde erfolgen. Die alten Soldaten hätten sich ehrlich bemüht, nicht nur die Erinnerung an ihre Militärzeit wachzuhalten, sondern auch die militärischen Tugenden zu pflegen, um im Volke den soldatischen Geist lebendig zu erhalten. Im Weltkriege hätten in diesem Geiste Millionen deutscher Soldaten in der Front und in der Heimat ihre Schuldigkeit gegenüber Volk und Vaterland getan. Derer, die für Heimat und Vaterland auf dem Felde der Ehre fielen, der 15 aus dem Verein, die nicht mehr heimgekehrt sind, und der für Deutschlands Erhebung gebliebenen Kameraden der SS., SA. und des Stahlhelm, sowie der 17 im letzten Jahre gestorbenen Kameraden gedachte der Redner in ehrenden Worten, während der Musikzug das Lied vom guten Kameraden spielte. Zu der Freude der alten Soldaten über die Wiederherstellung der Wehrhoheit und die Schaffung der mit solchen überbürdet war. Am 9. Juni 1878 in Gießen als Sohn von Christian und Wilhelmine Reinhard, geb. Stoll, geboren, besuchte Herr Reinhardt die Volksschule und die Fortbildungsschule in der alten Heimat und kam am 7. Juli 1895 nach Amerika, um sich in Baltimore niederzulassen. Im selben Monat begann er das Bäckerhandwerk zu erlernen und machte sich im Jahre 1904 selbständig. Zur Zeit ist Herr Reinhardt Besitzer von zwei Backereien, eine befindet sich an der Scott Straße, die andere 3108 West North Av., — die Geschäfte werden umsichtig und fachmännisch geleitet. Im Vereinswesen ist Herr Reinhardt fast seit seiner Einwanderung tätig. Von 1912 bis 1915 war er Vizepräsident, dann von 1915 bis 1918 Präsident des Arion Gesangvereins. Von 1919 bis 1927 fungierte er als Finanzsekretär dieses Vereins und in 1934 bis 1935 war er wiederum Präsident. Als Präsident der Vereinigten Sänger von Baltimore leitet Herr Reinhardt die Sitzungen dieser Spitzenorganisation mit Takt und Umsicht. Bereits vorher hatte er mehrere Termine als Finanzsekretär und Schatzmeister dieser Körperschaft fungiert: von 1916 bis 1926 als Finanzsekretär und von 1926 bis 1927 als Schatzmeister. Auch gehört Herr Reinhardt als angesehenes Mitglied und Sekretär der „Retail Bakers Association" an, ist Präsident des Scott Straßen Leih- und Sparvereins und Vizepräsident der Deutsch-Amerikanischen Demokratischen Organisation. Der glücklichen Ehe mit Frau Charlotte Reinhardt, geb. Weber, entsprossen em Sohn und eine Tochter, die eine echt deutsche Erziehung genossen haben und der deutschen Muttersprache mächtig sind. Das Deutschtum der Stadt besitzt in Herrn C. W. Reinhardt einen energischen, taktvoll-liebenswürdigen und rastlosen Vorkämpfer." Herr Reinhardt steht mit seinem hiesigen früheren Lehrer, dessen er stets in Dankbarkeit gedenkt, in regelmäßigem Briefverkehr und interessiert sich lebhaft für alles, was sich in feiner Vaterstadt ereignet. Schon zweimal — 1912 und 1928 — hat er fein liebes Gießen aufgesucht, und er hofft, auch in dem Jahre, in dem er fein 60. Lebensjahr erreicht, noch einmal die Reise über ben Ozean zu machen und einige Wochen mit seinen Bekannten und Altersgenossen in Gießen zu verbringen. Möge ihm dieser Wunsch erfüllt werden. ♦ ** Neuer Pressedezernent beim Oberhessischen Landgericht in Gießen. Der Präsident des Landgerichts der Provinz Oberhessen in Gießen hat als Nachfolger des zum Oberstaatsanwalt beförderten Landgerichtsrats und bisherigen Pressedezernenten K n a u ß den Landgerichtsrat Dr. Kalbfleisch zum Pressedezernenten bei dem Landgericht in Gießen bestimmt. ** Seinen 75. Geburtstag feiert am morgigen Dienstag, 14. Januar, der städtische Oberamtsgehilfe i. R. Philipp Mandler, Asterweg 27 wohnhaft. Herr Mandler stammt aus Kinzenbach. Don 1881 bis 1884 genügte er feiner Militärpflicht bei den 88ern in Mainz. Dann trat er in die Dienste der Stadt Gießen ein. Als Amtsgehilfe im Wohlfahrtsamts versah er früher das Hospital, das erst im Seltersweg war und dann in den Afterweg verlegt wurde. Während der Kriegsjahre machte sich der Jubilar besonders um die Arbeiten zugunsten der Unterstützungsbedürftigen verdient. Nach dem Kriege übernahm er die Betreuung der Jugendherberge, die von ihm in sorgsamster Weise geführt wurde. Seit mehr als 50 Jahren gehörte er dem Evangelischen Arbeiterverein an, und heute noch ist er trotz seines hohen Alters aktives Mitglied des Westerwald-Vereins. Bei feinen früheren Dienstoorgesetzten und Arbeitskameraden, wie auch in weiten Kreisen der Bevölkerung erfreut sich Herr Mandler der besten Wertschätzung. ** Werbefilm der Shell. Gestern vormittag wurde vor zahlreichen Besuchern im Gloria- Palast ein Werbefilm der Shell (Rhenauia-Ossag, Mineralölwerke AG.) gezeigt, der für die vielen Kraftfahrer von großem Interesse war. In einer Rahmenhandlung wurde zunächst auf die Schäden hingewiesen, die sich aus schlechtem Oel und schlechtem Betriebsstoff im Motor ergeben können, bann in geschickter Ueberleitung der Weg des Rohöls bis zum feinsten Oel für jeden Gebrauch in Technik und Wirtschaft gezeigt. In einer Fülle interessanter Bilder konnte man den Weg des Oeles in den Destillationseinrichtungen, den Filtern und in den Qualitätsprüfungseinrichtungen verfolgen und gewann Nicht müde werden, Annelies! DRotnan von Bernhard Lonzer. Urheberrechtsschutz: Aufwärts-Verlag, Berlin. 32. Fortsetzung. Nachdruck verboten! Er brachte seinen Bekannten mit herunter, wie Annelies mit einiger Verwunderung bemerkte. Brennecke, ein jovialer alter Herr, begrüßte sie freundlich, beinah herzlich. Korbinian Sartorius suchte indessen mit einem forschenden Blick ihr Gesicht. Er stellte mit tiefer Befriedigung fest, daß ihr gedrücktes Wesen verschwunden war. Die Fahrt hatte ihr also wirklich gut getan. Gott sei Dank! „Also, Chauffeur", sagte er humorvoll, „Sie werden uns jetzt in irgendeinen gemütlichen Biergarten fahren. Können Sie uns einen geeigneten Vorschlag machen?" «In einen Biergarten? Oh, diese Jugend!" lachte Annelies leise. „Na ja, das machen wir schon noch. Aber es kostet natürlich ein Extratrinkgeld, verehrter Herr!" „Versteht sich. Und es wird darin bestehen, daß wir dich einladen, ein zünftiges Glas Bier mit uns zu trinken. Meinetwegen kann es auch ein Kaffee ober eine Schokolabe fein. Das ist boch nobel — nicht?" „Schrecklich nobel! Es geht beinah über die Taxe. Aber ..." — sie sah nachdenklich vor sich hin, „... das möchte ich boch lieber nicht, man wirb zu Hause auf mich warten!" „Mag man ruhig. Es ist kein Fehler. Man muß nicht nur immer selber warten, man muß auch mal auf sich warten lassen. Die anderen werden sonst zu sehr verwöhnt, und man darf sie nicht zu üppig werden lassen. Auch das gehört mit zur Erziehung." Sie verstand, was er meinte, aber sie war noch Immer unentschlossen. „Lust hätte ich schon, aber .. „Es gibt kein Aber!" erklärte Korbinian Sartorius jetzt energisch. „Du kommst mit, ober ich kün- bige bir bie Freunbschaft. Im übrigen übernehme ich die Verantwortung und werde gewissen Leuten schon den Kopf zurechtsetzen, wenn es ihnen etwa einfallen sollte, sich beleidigt zu fühlen oder gar zu opponieren. Also los, kleiner Chauffeur!" Annelies gab nach. Wenn Onkel Korbinian es sagte, was es schon richtig. Und ja, man fyatte sich heute glücklich losgelöst von aller Schwere, man sollte wirklich den Augenblick ausnützen. Vielleicht gab das neue Kraft für die kommenden Tage, wie der Sonntag Kraft für bie neue Woche gab. Sie fuhren zu einem vielbesuchten Biergarten im Innern ber Stabt. Annelies trank auf Onkel Korbinians Zureben wirklich ein Glas Bier, obgleich sie sich sonst nicht viel baraus machte. Sie fand, baß es heute vorzüglich schmeckte, unb gestanb es offen zu. „Ich t)ab es boch gesagt", erroiberte Korbinian Sartorius. „Unb so ein alter, erfahrener Erbenbürger wie ich wirb wohl wissen, was so einem jungen Wurm gerade gut ist." Er war in feinen guten Stunden ein amüsanter Plauderer. Brennecke gab ihm darin nichts nach, unb so unterhielt man sich ausgezeichnet. Annelies lebte förmlich auf. Mehr als einmal ließ sie ein herzliches Lachen hören, was Onkel Korbinian mit tiefer Befriebigung erfüllte. So verging bie Zeit, bis Korbinian Sartorius mit einem Blick auf bie Taschenuhr feststellte, baß man aufbrechen mußte. Man bürste nichts übertreiben. Vrennecke entschloß sich, noch zu bleiben. Er hatte Bekannte entdeckt, bie an einem ber weiter entfernt stehenden Tische saßen. Man verabschiebete sich also von ihm. Unb bann ging es in kurzer Fahrt nach Hause. Annelies war gespannt, was für Gesichter man oorfinben würbe, aber Onkel Korbinian schob ihre Besorgnisse beiseite. In ber Diele kam ihnen bie alte Kathrin entgegen: „Die Frau Senator hat schon Angst gehabt, baß etwas passiert ist." „Ach, Unsinn, altes Mäbchen!" knurrte Korbinian Sartorius. „Was soll benn passieren!?" Frau Eugenie atmete in ber Tat auf, als sie eintraten. "Gott sei Dank, daß ihr wieder da seid! Ich dachte schon .. „... es wäre was passiert — nicht wahr?" unterbrach Onkel Korbinian ihren Stoßseufzer. „Habt euch doch bloß nicht so! Ähr seid eben nichts gewöhnt, das ist der Haken. Wir haben mit Brennecke einen Schoppen Bier getrunken, das war natürlich sträflich leichtsinnig. Aber wir werden uns bei Gelegenheit bessern." Günters Blick lag forschend auf Annelies, deren ganzes Wesen freier und lebhafter war als in ber letzten Zeit. „Nun, bist du auf deine Kosten gekommen?" Sie strich sich das Haar aus ber Stirn. , „Ja! Die Fahrt war herrlich. Unb ber Leichtsinn hatte auch sein Gutes — meine beiden Beschützer haben mich vortrefflich unterhalten. Sogar ein Glas Bier habe ich getrunken — denk nur!" „Na, da hast du ja alles gehabt, was bas Herz begehrt ...!" Er sagte es härter und herber, als er vielleicht wußte. Annelies suchte seinen Blick. Sie las eine Frage in seinen Augen, aber es war noch etwas anderes darin, was ihr Herz einen jähen Schlag tun ließ. Da sagte Korbinian etwas zu ihr. Sie hörte es wie aus weiter Ferne kommend, ohne es zu verstehen, unb mußte erst noch einmal fragen. 13. Kapitel. Unten vor bem Hause ertönte bie Hupe. Annelies unb Günter waren schon bereit unb gingen hinunter. Mia Rechberg richtete sich mit auffallenb müder Bewegung aus dem Polster des Wagens auf unb reichte ihnen bie Hand. Ueber ihrem Blick lag es wie ein feuchter Schleier. Das Lächeln, das ihre feingeschwungenen Lippen formten, war anders als sonst. Wie ein Hauch von Schwermut lag es über ihrem ganzen Wesen. Es war nicht zu erkennen, ob Günter bie Verärgerung, bie mit ihr vorgegangen war, bemerkte. Annelies aber fiel es sofort auf, unb sie hatte bie augenblickliche, wenn auch nicht ganz klare Empfindung, baß darin eine neue Gefahr lag. Der Wagen zog an. Annelies wandte sich zur Seite unb ließ ben Blick über bas Haus hingleiten. Oben in seinem Wohnzimmer ftanb Onkel Korbinian am Fenster unb winkte herab. Ihr war es, als ob es gar nicht anbers sein könnte, Onkel Korbinian war immer ba, wenn es not tat. Ob es auch heute not tat? Vielleich! Sie winkte zurück. Nein, Onkel Korbinian, Annelies wird nicht roieber schwach und müde! Jetzt nicht mehr! Mia hatte gleich im ersten Moment festgestellt, Volksgemeinschaft geselle sich die Achtung vor den erfolgreichen Taten des Führers, ber bem Volke. neue Jbeclle gegeben unb hohe Ziele gewiesen habe. Im Hinblick barauf mache es Freube, ein solches Fest zu feiern, unb in biefem Sinne wünschte ber Rebner ben zahlreichen Volksgenossen einen frohen Abenb. Der SA.-Musikzug erfreute, wie immer, mit ausgezeichneten Konzertdarbietungen, von denen besonders das Piston-Solo von A. Schwarzlose und zwei Heroldsmärsche hervorgehoben seien. Aus Anlaß des Stiftungsfestes nahm Kamerad» schaftsführer T r ü m p e r t die Ehrung einiger verdienter Kameraden vor. Ausgezeichnet wurden für 44jährige Mitgliedschaft: Karl Weller; für 25- jährige Mitgliedschaft: Konrad Bender, Waldemar Denninghoff, Johannes Köhler, Franz Kramer, Rudolf L e i ß l e r, Wilhelm Rau, Georg Saum, Heinrich Schmitt und Heinrich Stumpf. Kreisschießwart Albin Klein überreichte den Schützen Heinrich Lutz für besondere Leistungen mit 136 Ringen und Karl Motz für eine solche mit 127 Ringen die silberne Kyffhäuser-Ehrennadel und hob dabei bie ausgezeichneten Erfolge des Kreises Gießen hervor, ber in bezug auf Leistung unb Beteiligung beim Schießen mit an erster Stelle in Deutschlanb stehe. Als einziger Kyffhäuser-Kreis- oerbanb weise er zwei Besitzer ber Kyfshäuser- Silberplaketten auf, bie Willi Georg unb Georg Schilling sen. ber Gießener Kamerabschast errungen haben. Von 4000 Mitgliedern des Kreis- verbandes seien 2000 Schützen. Als erste Kameradschaft habe Gießen von nahezu 400 Mitgliedern 130 Schützen. Im Jahre 1935 habe ber Kreis Gießen bei ben Wettkämpfen allein 78 000 Schuß abgegeben. In kamerabschaftlicher Weise saßen alte unb junge Solbaten beieinander, und flotter Tanz hielt bie große Gemeinschaft noch manche frohe Stunbe bei- einanber. Kameradschastsabend des Reichstreubunbes. Der Reichstreubunb ehemaliger Berufsfolbaten hielt am Samstag im „Aquarium" feinen ersten Kamerabschaftsabenb in biefem Jahre ab. Kameradschaftsführer Schwend er kam nach Erledigung einiger organisatorischer Fragen auf bie vom Führer befohlene Gründung des neuen Sol- batenbunbes zu sprechen. In einem längeren lieber» blick zeigte er bie Entstehung unb Entwicklung des Reichstreubunbes auf, ber ideell und materiell ben Mitgliedern reiche Vorteile gebracht hatte. Er erinnerte u. a. besonders an bie Betreuung ber Ka- meraben in der Nachkriegszeit, in der der Kampf um ihre Rechte besonders schwer war. Mit ber Einführung ber allgemeinen Wehrpflicht standen auch dem Reichstreubunb neue Aufgaben bevor. Diese haben nun zu ber Gründung bes Solbatenbundes geführt, besten Träger ber Reichstreubunb wurde. Es ist der Wunsch des Führers, daß, wer einmal Soldat war, es auch nach feiner Dienstzeit bleiben soll. Im ©olbatenbunb findet der ehemalige Soldat den kameradschaftlichen Anschluß, hier werden die soldatischen Tugenden gepflegt. Voraussetzung für die Mitgliedschaft ist das rückhaltlose Bekenntnis zur nationalsozialistischen Weltanschauung. Der Sol- datenbund ist das Sammelbecken aller ehemaligen kurz gebienten Solbaten, währenb ber Reichstreubunb ber Zusammenschluß ber langgebienten Be- rufssolbaten ist. Mitglieber bes Reichstreubunbes sind zugleich Mitglieder des Soldatenbundes, aber nicht umgekehrt. Die Sonderstellung des Reichstreubundes besteht darin, daß er die Betreuung seiner Mitglieder fortsetzt. Es werden allerdings schon früher aus bem Heeresbienst ausgeschiebene Be- rufssolbaten, bie bem Reichstreubunb bisher nicht angehörten, nicht mehr aufgenommen. Der Zugang zum Reichstreubunb besteht in Zukunft nur noch aus den jetzt vom Heer abgehenden Berufssoldaten. Nach eingehenden Aufklärungen über die notwendige Aufhebung der bisher geführten Bestattungskostenbeihilfe wies Kameradschaftsführer Schwender darauf hin, daß alte Kameraden, bie ber neuen Versicherung nicht beitreten wollen bzw. bis zum 15. Januar 1936 ihre Anmelbung zur Versicherung nicht abgegeben haben, bennoch Mitglieber bes Reichstreubunbes unb damit auch bes Solbateubun- bes bleiben können. Von der Versicherung können auch solche Kameraden befreit werben, die in ausreichender Weise bei anberen Versicherungen vorgesorgt haben, ober auch im Bebürfnisfalle. Die Ueber- nahme ber Versicherung gibt bem Kameraden über die Versicherungssumme hinaus ein Anrecht auf baß auch mit ber Rivalin eine Wanblung vor sich gegangen war. Annelies war offenbar ruhiger unb sicherer geworben, zuversichtlicher hätte man fast sagen können, wenn sie es auch nicht offen zeigte. Worauf mochte bas zurückzuführen sein? Hatte es eine Aussprache zwischen ihr unb Günter gegeben? Mit bem Erfolg, baß ... ? Mia wagte ben Gedanken nicht zu Enbe zu beulen, aber sie hatte Mühe, bie angenommene Haltung zu wahren. Ein vorsichtig sorschenber Blick streifte Günters Gesicht, aber sie bemerkte nichts, was zu Befürchtungen Anlaß gegeben hätte. Unb boch wollten ihre Zweifel nicht schweigen. „Würbet ihr böse sein, wenn ich euch umsonst bemüht hätte?" fragte sie mit mübem Lächeln, nach- bem man einige belanglose Worte gewechselt hatten Günter sah sie fragenb an. „Es ist zu bumm!" fuhr sie fort. „Ich habe beinah bas Gefühl, als ob ich die Villa nicht kaufen sollte." Er sah mit einem Achselzucken zum Wagen hinaus. „Raten kann man ba erst, wenn man bas Grunb- stück gesehen hat!" Dann sah er sie roieber an. „Ober hast bu einen bestimmten Grund bafür?" Sie schwieg einen Moment. Ihr Blick war un» burchsichtig, als sie bann erroiberte: „Eben nicht. Das ist bas Merkwürbige. Es ist mehr Gefühlssache." Stumm löste Günter seinen Blick wieder von bem ihren. „Sinb Sie so sprunghaft in Ihren Entschlüssen?" fragte Annelies mit ruhigem Lächeln. „Von biefer Seite habe ich Sie eigentlich noch nicht kennengelernt." „Das bin ich sonst auch wirklich nicht. Vielleicht ist es eben nur so eine Stimmung, bie einem selber unverstänblich ist. Vielleicht soll man aber auch wirklich manches nicht wollen, wenn man nicht ganz bestimmt weiß, baß es gut ist." „Dem kann man sckon beipflidjten. Vorausgesetzt, baß biefer Gebaute nicht auch nur auf einer augenblicklichen Stimmung beruht." Die Blicke ber beiden Frauen lagen einen Moment ineinanber. „Nun, wenn nichts baraus wirb, ist es ja auch nichts weiter", sagte Günter mit fremd flingenber Stimme. „Dann machen wir eben nur eine Sva- zierfahrt." Fortsetzung soigL M w ! ■* und 536 der vorragende Preise. 224 sehr gute Preise 133 gute Preise erzielt, zusammen also Preise, die eine Leistung darstellen, mit man sehr zufrieden sein kann. Frankfurt a. M., 12. Jan. (LPD.) Die sechs Musikkapellen des IX. Armeekorps, dabei auch das Musikkorps unseres Gießener Infanterie-Regiments 36 unter Obermusikmeister K r a u ß e, die am gestrigen Samstag von hier aus ihre Konzertreise nach der entmilitarisierten Zone antraten, wurden vormittags im historischen Römer vom Magi st rat der Stadt in Gegenwart von Vertretern der Partei, der Wehrmacht, einer Anzahl Kriegsbeschädigter und anderer Volksgenossen herzlich begrüßt. Ansprachen hielten dabei Bürgermeister Linder als Vertreter der Stadt, Major Spangenberg (Gießen) im Namen des Generals des IX. Armeekorps und des Leiters der Heeresdienststelle 8, ferner der Gaubeauftragte des WHW., Pg. Haug. Nach dem Empfang erfolgte ein gemeinsamer Marsch der 300 Militärmusiker mit der SA., SS., HI., Jungvolk, NSKK., Landespolizei und Schupo durch die Stadt, wobei die lange Marschkolonne überall begeistert begrüßt wurde. Am Samstagabend fand in der bis zum letzten Plätzchen von rund 25 000 Zuhörern besetzten F e sitz a l l e das erste g r o ß e K o n z e r t der sechs Musikkapellen zum Besten der Winterhilfe statt. Hunderte von Volksgenossen mußten wahrend des dreistündigen Konzerts sich mit Stehplätzen begnügen, jedoch stellten die 300 Musiker m der Pause ihre Stühle dem Publikum zur Verfügung und spielten während der zweiten Hälfte der Vortragsfolge stehend und Rheinhessen oem Bezirk Äooiead tliiieqieui sind, ist Oberhessen zum Bezirk Kassel gekommen. Die Bezirke teilen sich in Ortskameradschaften, die sich Die intensive Arbeit der Ortsgruppe Gießen der Deutschen Stenographenschaft zeitigte die entsprechenden Erfolge. Die Ortsgruppe hielt im Jahre 1935 im März und im Dezember Leistungs- schreiben ab. Ferner beteiligte man sich am Leistungsschreiben bei der Kreistagung in Wetzlar und beim Stenographentag in Frankfurt. Bei diesen Wettbewerben konnten allein 55 Ehrenpreise errungen werden. Dieses Ergebnis beweist die Führung der Ortsgruppe in Oberhessen und in den angrenzenden preußischen Gebieten. Aus diesen 55 Ehrenpreisen wurden 124 her- Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger begrüßte vor Beginn des Konzertes Oberst G a l l e n k a m p , die Heeresmusiker und damit die gesamte Wehrmacht. Nachdem er seiner Freude über die Wiedererrichtung der Armee Ausdruck verliehen hatte, wies er darauf hin, daß gerade wir in der entmilitarisierten Zone die Nöte der Wehrlosigkeit ausgekostet hätten und deshalb um so freudiger die Wiederaufrichtung der Wehrmacht begrüßten. „Und dieser riesige Besuch dieses Konzertes soll Ihnen beweisen, wie die Herzen der Frankfurter Bevölkerung Ihnen entgegenschlagen." Zmn Schluß dankte der Gauleiter den Musikern, daß sie sich in den Dienst des Winterhilfswerkes gestellt haben. Für die Wehrmacht überbrachte dann Oberst Gallenkamp die Grüße des Kommandierenden Generals des IX. Armeekorps. Er dankte für den überaus herzlichen Empfang und die große Begeisterung für die Heeresmusiker. Wenn die Militärmusiker auch nur als Gäste nach der entmilitarisierten Zone kommen könnten, so fühlten sie sich doch mit dem Volke dieses Gebietes verbunden, und sie wollten mit ihm gemeinsam den unblutigen Krieg des Führers gegen Not und Elend führen. Sein Wunsch sei, daß sich die Bande zwischen Wehrmacht und Volk weiter festigten und in der Jugend den Wunsch Hervorrufen, auch in dieser Wehrmacht zu dienen, die dem Frieden gewidmet sei und das stärkste Schild sei für die Freiheit der Arbeit der Volksgenossen. Kameraden, für die die Versicherungsbeiträge eine starke finanzielle Belastung bedeuten würden, können auf Antrag durch den Bund Erleichterungen gewährt werden. Die Einteilung des Soldatenbundes erfolgt nach Bezirken. Mit der Aufhebung der seitherigen Landesverbände ist auch der Landesverband wieder in Infanterie-, Artillerie- usw. Kameradschaften gliedern können. Kassenwart, Kam. Friedrich, erstattete die Rechnungsablage. An Sterbebeihilfen konnten ansehnliche Beträge ausgezahlt werden. Der Kameradschaftsführer verband mit der dem Kassenwart erteilten Entlastung den Dank und die Anerkennung für seine uneigennützige Arbeit im Dienste der Kameraden. Wie die Kameradschaft ihren Beitrag zum Winterhilfswerk beisteuert, so wird sie auch weiterhin nach besten Kräften die Wohlfahrt in den eigenen Kreisen fördern. Stellv. Kameradschaftsführer Bill sprach noch einmal allen Kameraden, die ihn während seiner Führung in Abwesenheit des Kameraden Schwen- der unterstützt haben, Dank und Anerkennung aus. Besonders dankte er dem Ehrenführer Ritter (Universität) und dem Geldverwalter Friedrich. In das Schlußwort schloß Kameradschaftsführer Schwender das Treuegelöbnis zum Führer ein. Jungarbeiter! Lehrlinge! Ihr seid hunderttausende und nur eine Seele! Ihr nehmt geschlossen am 3. Reichsberufswett- kämpf vom 2.—15. Februar teil. Anmeldungen werden bis 15. Januar von den zuständigen kreis- und Ortsjugendwaltungen der DAF. entgegengenommen. Die Ortsgruppe Gießen der Deutschen Stenographenschaft hielt am Samstag in der „Stadt Lich" ihre Generalversammlung ab. Der Vereinswalter Heinz Graf begrüßte die Mitglieder und wies zunächst kurz auf die Bedeutung des Jahres 1936 für die Gießener Stenographenschaft hin, die in diesem Jahre die Feier des 75jährigen Bestehens begehen kann. Er wies ferner darauf hin, daß in Verbindung mit dem Jubiläum gleichzeitig der 5 6. Gautag des Gaues Hessen der Stenographenschaft stattfindet, der etwa 12 000 bis 15 000 Stenographen nach Gießen führen werde. Neben seiner wirtschaftlichen Bedeutung verspreche man sich von diesem Gautag auch eine erhebliche Belebung des stenographischen Lebens. In seinen weiteren Ausführungen gab der Vereinswalter- das vorgesehene Programm für diesen Gautag bekannt. Im Anschluß an die einführenden Worte des Ver- einswalters erstattete der Unterrichtsobmann und erste Schriftführer Paul Dehmer den Jahresbericht, der in umfassender Weise nicht nur über die Tätigkeit der Gießener Stenographenschaft einen Ueberblick schuf, sondern das Wesen und Wirken der gesamten Deutschen Stenographenschaft herausstellte. Er kennzeichnete das Jahr 1935 als ein Jahr des Sieges für die deutsche Kurzschrift und betonte, daß heute die deutsche Kurzschrift unangefochten d i e Kurzschrift des Deutschen Reiches sei. Nachdem der Schriftführer auf die hohen erzieherischen Werte der stenographischen Betätigung eindringlich hingewiesen hatte, nachdem er die Bedeutung der Organisation innerhalb des NSLB. herausgestellt hatte, gab er noch einen interessanten Bericht über das große Erlebnis des Deutschen Stenographentages in Frankfurt a. M. Dann widmete er sich in längeren Ausführungen der Arbeit der Ortsgruppe Gießen. Er gab zunächst Kenntnis von einigen Veränderungen im Vorstand und kennzeichnete dann die Arbeit, die unter dem Grundsatz „Gemeinnutz geht vor Eigennutz" von den Vorstandsmitgliedern ehrenamtlich geleistet wurde. Die Ortsgruppe Gießen war nach besten Kräften bemüht, die Verbreitung und Förderung der deutschen Kurzschrift als allgemeines Bildungsgut im Rahmen des nationalsozialistischen Bildungszieles, ferner die Pflege des Maschinenschreibens, die Hebung der Allgemeinbildung und Leistungssteigerung seiner Mitglieder zu pflegen, um Behörden und Wirtschaft mit ausgebildeten Arbeitskräften zu versorgen. Im Ziel dieser Bestrebungen trat die Ortsgruppe häufig und mit gutem Erfolg werbend an die Oeffentlichkeit. Durch intensive Arbeit der Ortsgruppenführung gelang es auf allen Gebieten große Fortschritte zu erzielen. Im Laufe des Jahres wurden drei Anfänger-Lehrgänge, drei Lehrgänge zur Fortbildung, neun Redeschriftkurse und zwölf Diktatkurse abgehalten. Besonders Gewicht wurde auf die mittleren Geschwindigkeiten gelegt. 3m 3ahre 1934 waren 20 Kurse mit 527 Teilnehmern abgehalten worden, im Jahre 1935 dagegen konnten 27 Kurse mit 922 Teilnehmern durchgeführt werden. Erfreulicherweise sind auch die neuen Kurse für das 3ahr 1936 überraschend gut besucht. Für das neue Jahr wurde zum ersten Mal ein besonderer Kurs zur Vorbereitung auf die Handelskammer-Stenographenprüfung eingelegt. Die Unterrichtsgebühren wurden allgemein für das Jahr 1936 erheblich herabgesetzt. Die Mitglieder der Ortsgruppe beteiligten sich im Oktober außerdem an einem Leistungsschreiben der Deutschen Arbeitsfront. Seit dem Januar 1935 wurde auch das Maschinenschreiben in den Unterrichtsplan ausgenommen. Der Maschinenschreib-Unterricht war von 106 Teilnehmern besucht. Insgesamt hielt also die Ortsgruppe Gießen der Stenographenschaft im Jahre 1935 33 Lehrgänge (Kurzschrift- und Maschinenschreiben) mit insgesamt 1028 Teilnehmern ab. Nachdem Paul Dehmer in seinem Jahresbericht noch kurz die harmonisch verlaufenen gesellschaftlichen Veranstaltungen gestreift hatte, schloß er mit Worten der Freude und der Genugtuung über die geleistete Arbeit und mit dem Versprechen, daß sich die Ortsgruppe auch in ihrem 75. Lebensjahr bemühen werde, mit außerordentlichen Leistungen aufzuwarten. Nachdem der Vereinsführer dem ersten Schriftführer für die in diesem Jahresbericht geleistete sorgfältige Arbeit gedankt hatte, erstattete der Rechner Karl Heß den Kassenbericht, der einen günstigen Stand der Vereinskasse, wie auch des Vermögens auswies. Der Vereinswalter Graf gab dann bekannt, daß Oberzahlmeister Bötig die Gefchäftsstenographenprüfung bestanden hat und Regierungsbaurat L e m m e r s erfolgreich an einem Reichsleistungswettbewerb teilnahm. Nach Worten des Dankes an den Vorstand und an die Mitglieder für alle Arbeit und bewiesene Treue wurde unter dem Vorsitz von Kreisgebietsführer Kuhl die Neuwahl des Vorstandes vorgenommen. Herr Kuhl schlug der Versammlung in dankbarer Würdigung der Verdienste des Vereinsführers dessen Wiederwahl vor, die einstimmig gutgeheißen wurde. Vereinswalter Graf bestimmte sodann seine Mitarbeiter in den Vorstand, der sich von der seitherigen Vereinssühruna nur unwesentlich unterscheidet und folgendes Aussehen hat: Ortsgruppenführer Heinz Graf, Stellvertreter Andreas Merle, Rechner und Obmann für Veranstaltungen Karl Heß, Kassierer Fritz Ziegler, Unterrichtsobmann und 1. Schriftführer Paul Dehmer, 2. Schriftführer Hans Werner, Wettschreibobmann August Siebert, Obmann für Zeitschriften Rudolf Günter, Bibliothekarinnen Johanna Bohl und Emma Reitz; zur besonderen Verwendung stehen August Haas, Fritz D ö r f n e r und Thea Schwarz bereit. Ferner wurden Oberzahlmeister Bötig, Unteroffizier Kilthau und Hermann Blum in den Vorstand berufen. Nachdem noch einige interne Einzelheiten besprochen worden waren und bereits ein vorbereitender Ausschuß für den Gautag genannt wurde, fand der offizielle Teil der Versammlung mit einem dreifachen „Sieg-Heil?" auf Führer und Vaterland seinen Abschluß. Hauptversammlung der Gießener Stenografen 19Z6-Iubiläumsjahr des 25jährigen Bestehens. Sechs Musikkapellen des IX. Armeekorps auf einer Konzertreise für das Winterhilfswerk Glänzender Beginn in Frankfurt. - 25000 begeisterte Zuhörer. einen Sonderzuschuß durch den Bund. Sie 1 Kellen anfaeteilt worden. Während Starkenburg । rungsbeiträge sind gestaffelt. Für die Gewährung ri s. des Bundeszuschusses ist die Länge der Bundesmitgliedschaft maßgebend. Dadurch sollen nach Möglichkeit unbillige Härten ausgeglichen werden. Alten Dann nahm das Konzert unter der Leitung des Hceresmusikinspizienren Professor Hermann Schmidt seinen Anfang. Von Stück zu Stück steigerten sich die Begeisterung und der Beifall der Massen. Der „Hohenfriedberger", und der „Große Zapfenstreich", die „Saarland-Fanfare", „Volk ans Gewehr" und der „Parademarsch der langen Kerls" waren Glanzstücke der Darbietungen und gaben Anlaß zu immer neuen Beifallskundgebungen der mitgerissenen Zuhörer. Und als schließlich Oberst Gallenkamp die Veranstaltung mit einem donnernden Sieg-Heil auf den Führer schloß und das Deutschlandlied und das Horst-Wessellied durch die weite Hatte gebraust waren, da verließen die Volksgenossen mit StoH und dem erhebenden Bewußtsein die Festhalle, day der schützende Arm unseres Volksheeres unsere Rechte wieder verteidigen kann, daß die Zeiten der Knechtschaft und der Unterdrückung unserer eigenen Meinung im Rate der Völker vorbei sind. Deutschland hat sich seinen Platz an der Sonne wieder erkämpft! Karnevalsbeginn in Mainz. Oie erste Herrensihung des MCA. Ein Bild von der ersten Herren-Sitzung in Mainz. — (DNB.-Heimatbilderdienst. Photo: Petri.) dankte für die Begrüßung seiner Ansprache als Leuchi Obecheffen Provinzialdirektor Dr. Wehner, Oberbürgermeister Dr. Barth und die Vertreter von Partei, Staat und Stadt. Provinzialdirektor Wehner Oie Himmelfahrt-Sternwanderung nach Butzbach pb. Butzbach, 11. Jan. Die beiden hiesigen Ortsgruppen des Taunusbundes und des V H C. hatten auf gestern abend zu einer Besprechung im „Hessischen Hof" eingeladen, zu der auch der Reichswanderführer Prof. Dr. Werner erschienen war, um über die am Himmelfahrtstag d. I. stattfindende Sternwanderung nach Butzbach Richtlinien zu geben. Nach einer Begrüßungsansprache des Vorsitzenden des Taunusklubs, Kaufmann F ü l l i n g , in der er auch des plötzlich verstorbenen Wanderbruders, Juftizober- infpektors Schmalz gedachte, sprach Prof. Dr. Werner. Er hob zunächst hervor, daß in den letzten Jahrzehnten in bezug auf die Wanderfache allenthalben sehr Gutes geleistet worden sei. Dann sprach er über die Butzbacher Sternwanderung, die schätzungsweise etwa 2- bis 3000 Wanderer nach Butzbach führen werde. Vorzusehen fei eine Kundgebung auf dem Marktplatz, welcher als Abschluß ein geselliges Zusammensein auf dem Viehmarktplatz, oder in der Festhalte am gleichen Platz folgen müsse. Es sei ein Voranschlag über die Kosten für Musikkapellen usw. aufzustellen, die wohl durch Verkauf eines Festabzeichens zu decken feien. Insbesondere sei vorher festzustellen, welche Wandervereine der näheren und weiteren Umgebung an der Sternwanderung sich beteiligen würden. Dies sei Sache des zu bildenden Ausschusses aus beiden hiesigen Vereinen. Das Treffen solle eine imponierende Kundgebung für die deutsche Wanderfache werden, deshalb fei eine starke Beteiligung wünschenswert. Lebhafter Beifall dankte dem Redner für feine Ausführungen, dem der Vorsitzende Fül - fing noch besonderen Ausdruck gab. Todesopfer eines Derkehrsunfalls. * Inheiden (Kreis Gießen), 12. Jan. Der Maurer Wilhelm Fink von hier, der — wie von uns berichtet — am Mittwochabend bei der Heimkehr von seiner Arbeitsstätte in Hungen von einem Kraftwagenfahrer mit dem Auto überrannt und schwer verletzt worden war, dann vom Hungener Krankenhaus nach der Chirurgischen Klinik in Gießen verbracht werden mußte, ist dort in der Nacht zum Sonntag an seiner schweren Verletzung gestorben. Landkreis Gießen * Wieseck, 13. Jan. Im Keller des Oberschaffners i. R. Philipp Strack II., Möferstraße 18, wurde in der Nacht zum Sonntag ein Einbruch verübt. Dem Täter fielen etwa 15 Eier, mehrere Pfund Aepfel und eine Flasche Wein in die Hände. Die behördlichen Ermittlungen sind eingeleitet. glückhafte Fahrt nach London und richtete schließlich einen Appell an d i e Jugend: „Wer nicht mehr von Herzen lachen kann, ist alt, wir aber müssen jung sein!" Hatten stürmische Lachsalven und begeisterte Zustimmung die Ausführungen des Provinzialdirektors oft unterbrochen, so erntete Oberbürgermeister Dr. Barth nicht minderen Beifall. Das Stadtoberhaupt freute sich besonders darüber, daß zu den „eingeborenen" und „eingewanderten" Mainzern nun bald auch die „e i n g e z o g e n e n" kommen werden. Der „offizielle Teil" war damit sozusagen erledigt, und nun kamen sie alle wieder und schwangen die närrische Pritsche. Rheinischer Humor und Mainzer Schlagfertigkeit beleuchteten mit sprühendem Feuerwerk die Geschehnisse des vergangenen Jahres in der kleinen und großen Welt. Und als die mitternächtige Stunde nahte, dann ging es auf zur — Nachtsitzung. I und entpuppte sich in jte der närrischen Redekunst. Zwei Sorten von Leuten hätten 21 n g ft vor dem Humor, die einen, weil sie ihn nicht verstehen, die andern, weil sie sich immer betroffen fühlten. Er wünschte dem närrischen Sekretär eine LPD. Mainz, 12. Januar. „Ein Volksfest ist's für jedermann, nicht für ’ne kleine Schar, Der Unterschied ist da verwischt, es gibt nicht arm und reich, Der Narrenstaat, seit er besteht, er schaltet alles gleich." Ein mit Urmainzer Humor und Mutterwitz durchtränktes Eröffnungsspiel „W e ck, W o r s ch t, W o i", das natürlich zur glücklichen Wiederauffindung des Prinzen Karneval führte, leitete die erste Herrensitzung des Mainzer Carneval- Vereins ein. Mit einem Schlag hallte die dichtgefüllte „Narr- halla" wider vom schallenden Gelächter der froh- geftimmten Narrenschar. Das Protokoll des närrischen Sekretärs G l ü ck e r t brachte die Stimmung sogleich auf den Höhepunkt, als er in scharfgeschliffenen Versen das Aschermittwoch-Erlebnis des vorigen Jahres schilderte. „Wo sind unsere Ratsherrn bloß?" fragt der närrische Kanzler. Sie hätten, so meinte er, auch in der eulenäugigen Bütt' Gelegenheit, mit ihrer Rednerkunst zu glänzen. An die Presse richtete er einen Appell um Unterstützung, denn „Unser goldnes Mainz ist wert, daß man Achtung ihm beschert". Jubel und Beifall ohne Ende. Dann begrüßte Präsident Bender die Narrenschar, besonders £ Großen-Buseck, 13. Jan. Unser Mitbürger Wilhelm S ch e l d I., Weichensteller i. R., wird am 16. Januar 80 Jahre alt. Herr Scheid befindet sich körperlich und geistig noch auf voller Höhe, täglich liest er noch fein Heimatblatt, dar er bald 40 Jahre bezieht. X Annerod, 12. Jan. Am Samstagabend hielt der Gesangverein „Heiterkeit" seins diesjährige Generalversammlung im Lokal von K. W a 11 b o 11 ab. Die Versammlung war sehr gut besucht. Der Vereinsführer H. Haas III. hieß alle Besucher herzlich willkommen. Insbesondere galt sein Gruß dem Kreiswalter des Sängerbundes, Müller, Gießen. Der Kreiswalter sprach dann eingehend über Ziel und Zweck des deutschen Männergesanges. Seme Ausführungen fanden reichen Beifall. Im vergangenen Jahre hat der Verein am Wertungssingen in Heuchelheim mit gutem Erfolg teilgenommen. Die Mitglieder Ludwig Balser, Philipp Krämer III. und Wilhelm Keßler II. wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt. Der Vereinsführer gab dem Wunsche Ausdruck, daß das Interesse an der guten Sache im laufenden Jahre in noch stärkerem Maße als seither festzustellen fei. Mit dreifachem Sieg-Heil auf den Führer wurde der offizielle Teil der Versammlung geschlossen. * Harbach, 11. Jan. An der gestrigen Feier zu Ehren des verstorbenen Reichs- und Landiags- abgeorbneten Köhler-Langsdorf beteiligte sich auch ein Böckelianer aus unserer Gemeinde. Es ist der weit über die Grenzen seiner engeren Heimat hinaus bekannte Erbhofbauer Heinrich Münch VI. Seit 1894 steht er in der völkischen Bewegung. In den Reihen seiner Mitkämpfer hat der Name Münch einen guten Klang. Mit heißem Herzen kämpfte Herr Münch in den Nachkriegsjahren für die innere Erneuerung unseres Vaterlandes. Unbeirrt strebte er nach diesem hohen Ziel. Völkische Gesundung war und ist die Grundhaltung seiner Lebensauffassung. Durch zähen Fleiß, Sparsamkeit und rationelle'Bewirtschaftung schuf er sich einen schuldenfreien Erbhof, der seinesgleichen sucht. t Treis a. d. Lda., 11. Jan. Bei der gestrigen Holzversteigerung aus dem fiskalischen Walde wurden gute Preise erzielt. Zwei Raummeter Buchenscheitholz kamen auf 16 bis 18 RM., Buchenknüppel 14 bis 16, Eichenfcheiter 15, Eichenknüppel 12, Buchenstöcke 8 bis 10, 5 Raummeter Buchen- reisig 7,50 RM. Die Preise sind gegen das Vorfahr etwas zurückgegangen. Kreis Alsfeld. * Lehnheim, 12. Jan. Der Hilfsarbeiter Hermann Weiß von hier verunglückte bei Arbeiten an der Kreissäge. Der bedauernswerte Mann mußte mit einer schweren Verletzung der rechten Hand nach Gießen in die Klinik gebracht werden. * D e ck e n b a ch, 13. Jan. Am morgigen Dienstag kann die Witwe Louise L ö ch e l, geb. Kornmann, ihren 79. Geburtstag feiern. kreis Büdingen. * Ober-Widdersheim, 12. Jan. Am gestrigen Samstag erlitt der Landwirt Otto G e i st von hier bei Arbeiten an derHäckselmaschine eine schwere Verletzung der rechten Hand, die seine Ueberführung nach' der Gießener Klinik erforderlich machte. LPD. Frankfurt a. M., 12. Jan. Am Samstag enlstand in einer Wirtschaft an der Landwirtschaftlichen Holle in Frankfurt a. M. eine Schlägerei zwischen Zigeunern. Im Verlaufe dieser gewalttätigen Auseinandersetzungen wurden drei Zigeuner erheblich durch Schläge mit Biergläsern und durch Messerstiche verletzt, so daß sie ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußten. Durch die Auseinandersetzungen wurde die Polizei auf einen bisher noch nicht aufgeklärten Word aufmerksam, der vor etwa einem Iahr in Wesermünde geschah. Als Täter kommt der 28jährige Zigeuner Roja K o r p a t s ch in Frage. Er ist nach der Schlägerei am Samstag, an der er auch wieder erheblich beteiligt war, geflüchtet. Weiter wurde bei den polizeilichen Feststellungen in Erfahrung gebracht, daß ein großer Teil der Zigeuner im Besitze von Devisen ist und Devisen verschiebt. In einem Wohnwagen konnte neben anderen Devisen ein Betrag von 1 2 00 Gold-Dollars beschlagnahmt werden. Leider gelang es mehreren Zigeunern, vor dem Eingreifen der Polizei mit größeren Devi- fenbetragen zu flüchten. lieber eine Million deutscher Zungen und Mädel in den Fabriken und Kontoren, in Handwerk, handel, Industrie und Landwirtschaft, in Stadt und Land, in Nord und Süd, in Ost und West des Reiches treten zum 3. Reichsberufswettkampf an! Keiner darf fehlen! Anmeldungen werden noch bis 15.)anuar von den zuständigen Kreis- und Ortswaltungen der DAF. entgegengenommen. Auf Grund der Vernehmungen wird von mehreren 1 0 0 0 0 0 Mark in Devisen gesprochen. So werden die Zigeuner Bitschi R e b st o ft, 20 Jahre alt, und Josef R e b st o ck, geb. am 15. 8. 09 zu Hannover, als Devisenschieber gesucht. Aus den Vernehmungen, die noch in der Nacht zum Sonntag von der Kriminalpolizei vorgenommen wurden, geht hervor, daß ein großer Teil der Zigeuner in Deutschland von Devisenschiebungen und anderen Betrügereien lebt. An alle Polizei- und Zollfahndungsstellen ergeht daher im Einvernehmen mit der Zollfahndungsstelle Frankfurt a. M. das Ersuchen, jeden Zigeuner, wo er auch immer betroffen wird, sofort zur nächsten Polizeistation zu bringen, ihn dort eingehend zu durchsuchen und über seinen Lebensunterhalt zu vernehmen. Besonders notwendig ist eine Durch- suchuna der Wohnwagen. Dabei ist besonders hinter Doppelwänden, unter Lumpen und in Betten zu suchen. Besonderes Augenmerk ist auch auf die Zigeunerfrauen zu lenken und festzustellen, ob sie in ihren Kleidern eingenähte Devisen bei sich führen. Sachdienliche Angaben in dieser Sache wolle man an die Landeskriminalpolizeistelle Frankfurt a. M. oder die nächste Polizei- und Zollfahndungsstelle machen. nichts. Schmidt lief einmal gefährlich weit aus seinem Tor, hatte aber Glück, indem die Berteidi- gung im kritischsten Augenblick den Ball noch in die Feldmitte befördern konnte. Eine Ecke für 1900 brachte nichts ein. Die letzte halbe Stunde des Kampfes brachte wohl harten Kampf um den Ball, viel Mittelfeldspiel, aber wenige aussichtsreiche Angriffe. In den letzten Spielminuten, da es vor beiden Toren Möglichkeiten zum Siege gab, ließen es die Mannschaften am Einsatz vermissen. Der Schiedsrichter aus Friedberg nahm es mit seinem Amt sehr genau. VfB.-Reichsbahri Gießen. DfB.-R. III — Lich I 1:2 (1:1). Dieses Spiel wurde von den Gästen ziemlich hart ausgetragen. Die Gießener, die den Gästen körperlich unterlegen waren, konnten sich nicht durchsetzen. Die Licker führten zuerst mit 1:0, mußten aber bis zur Halbzeit den Ausgleich hinnehmen. In der zweiten Spielhälfte erzielte der Halbrechte von Lich durch ein unhaltbares Tor die Führung. Kurze Zeit später mußte ein Gießener wegen Verletzung das Spielfeld verlassen und damit waren die Platzbesitzer endgültig geschlagen. Trotz Ersatz konnte die 1. Jugend in Lollar mit 5:0 Toren siegen. Die 2. Jugend siegte gegen Krofdorf mit 2:1 Toren verdient. „Hessen" Hersfeld erneut geschlagen. Fuhball-Weisterschaftsspiele in Nordhessen. Drei Meisterschaftsspiele waren am Sonntag nur im Gau Nordhessen angesetzt. Während zwei Treffen einen „ordnungsgemäßen" Ausgang nahmen, gab es im Kampf Spielverein Kassel gegen Hessen Bad Hersfeld eine Riesenüberraschung. Der bisherige Tabellenführer wurde von dem „Abstiegskandidaten" Spielverein mit nicht weniger als 4:0 (1:0) Toren geschlagen. Dadurch kam Hanau 93 an die Spitze der Tabelle, da der Gaumeister zu Hause Kurhessen Marburg 3:1 (2:1) besiegte. Recht viel Glück hatte Borussia Fulda, das in Friedberg einen unverdienten 1:0 (0:0) Sieg errang. Durch den neuerlichen Punktverlust ist Hessen Bad Hersfeld aus dem engeren Wettbewerb und die Meisterschaft ausgeschlossen. Zwischen Hanau 93 und Borussia Fulda wird es wahrscheinlich nach einen harten Endkampf um den Gaumeister-Titel geben. Die Lage am Ende der Tabelle ist noch nicht geklärt, Spielverein Kassel ist durch seinen Sieg vom vorletzten Platz weggekommen, den nunmehr Kurhessen Kassel einnimmt. Aus anderen Gauen Gau Bayern: Bayern München — Wacker München 3:2; FC. 05 Schweinfurt — 1860 München 3:3; BC. Augsburg — SvBgg. Fürth 4:1 (Ges.- Sp.); 1. FC. Nürnberg — FC. München 2:0. Gau Südwest: Eintracht Frankfurt — Opel Rüsselsheim 4:0; Kickers Offenbach — FSV. Frankfurt 2:1; Union Niederrad — FV. Saarbrücken 1:1; Borussia Neunkirchen — FK. Pirmasens 2:2; Wormatia Worms — Phönix Ludwigshafen 5:0. Gauliga-Handball-Ergebnisse Von den neun nordhessischen Gauligavereinen war die Spieloereinigung 1900 Gießen diesmal spielfrei. Die beiden führenden Mannschaften gewannen ihre Spiele, so daß Aenderungen in der Tabelle nicht eintraten. Kurhessen Kassel war in Eschwege zu Gast und gewann 6:3 (5:1), und der Gaumeister Kasseler Turngemeinde hatte den Neuling Kurhessen Marburg zu Besuch, der 7:2 (5:1) geschlagen wurde. Kur- Hessen Kassel steht mit 18:2 Punkten vor der Kasseler Turngemeinde mit 17:1 Punkten an der Spitze. Spielverein Kassel siegte in einem torreichen Lokaltreffen über Tuspo 86/09 mit 12:10 (7:5) und schob sich auf den vierten Platz vor. Im vierten Treffen des Tages unterlag der Tv. Kirchbauna mit 6:9 (3:3) dem Tuspo Bettenhausen. Handball im DsB.-Neichsbahn. VfB.-Reichsbahn gewinnt in Hachenburg 5:1 (2:1). Am gestrigen Sonntag trafen sich zum fälligen Punktespiel in Hachenburg obige Mannschaften. Der VfB.-R., der in vollständig neuer Aufstellung sein erstes Punktespiel der 2. Runde austrug, konnte dieses Spiel mit 5:1 verdient gewinnen. Obgleich die Gießener Mannschaft in der ersten Halbzeit weit überlegen spielte, konnte sie das Ergebnis nur auf 2:1 stellen, da der Sturm mit seinen Schüssen sehr viel Pech hatte und der Gegner besonders in der Verteidigung hart spielte. Nach Halbzeit konnte der Sturm durch gut durchgeführte Angriffe noch vier weitere Tore erringen. Besondere Anerkennung verdienen der Torwart, Fischer und die beiden Verteidiger. Die Läuferreihe unterstützte in vorbildlicher Aufbauarbeit die Stürmer und gefiel durch sehr gute Ballabgabe. Die Mannschaft dürfte in der Aufstellung: Fischer; Neubecker, Schneller; Baganz, Preß, Schwalm; Deuker, Langenohl, Behrmann, Herrmann, Haas zu noch weiteren Erfolgen kommen. Ageunerals Devisenschieber und Mörder Mit großen Oevisenbeträgen geflüchtet. Kameradschafts-Abend der Fußball-Schiedsrichter. Zu der eingerufenen Zusammenkunft waren alle Mitglieder der Ortsgruppe Gießen erschienen und gaben damit einen würdigen Rahmen für die vorzunehmende Verpflichtung ab. Der Leiter der Kameradschaft, Bruno Grote eröffnete die Zusammenkunft und gab den für den Abend vorgesehenen Arbeitsplan bekannt. Dor der Verpflichtung der neuaufzunehmenden Schiedsrichter ergriff der komm. Kreis-Schiedsrichter-Referent M i ch e l das Wort. Er führte folgendes aus: Wenn die Schiedsrichter nach bestandener Prüfung mit dem heutigen Tage in die Gemeinschaft ausgenommen würden, so müßten sie sich darüber klar sein, daß sie hiermit auch die Pflichten und Aufgaben gegenüber der Gemeinschaft übernehmen. Gerade die Schiedsrichterkameradschaft Gießen habe von jeher den Ruf gehabt, eine der besten im Gau XII zu sein. Die Gründe hierfür seien darin zu suchen, daß die Leitung der Kameradschaft alle ihre Kräfte dafür eingesetzt habe, einwandfreies Scbiedsrichtermaterial auf das Feld zu bringen. Aber es gelte nicht, das bis heute Erreichte auch in Zukunft zu behaupten, sondern noch mehr Breitenarbeit zu leisten und damit die Voraussetzung zu schaffen, daß noch mehr Schiedsrichter der Kameradschaft Gießen zur Leitung der Gauspiele als befähigt herangezogen würden. Als oberster Grundsatz eines jeden Schiedsrichters müsse gelten, ein moralisch einwandfreier Mensch zu sein. Hierfür könnte die Kameradschaft nur auf diese Weise sorgen, daß sie diejenigen, die diesen Ansprüchen nicht gerecht werden können, ausscheide. Denn es sei wichtiger, daß die Gemeinschaft als solche einwandfrei dastehe, als daß sie durch einzelne Glieder ihren guten Ruf einbüße. Weiter sollten sie immer daran denken, daß die Gemeinschaft ihnen nicht nur die Regeln und ihre Ausgelung vermittelte, sondern auch die Pflegestätte der Kameradschaft sei. Daraufhin verpflichtete der Kreisführer Henkel die Schiedsrichter durch Handschlag. Nach dem Bericht des Leiters Bruno Grote hat die Kameradschaft im vergangenen Jahre insgesamt 632 Spiele geleitet, davon 18 Gauligaspiele, 66 Bezirksklassenspiele, 131 Kreisklassenspiele der ersten Kreisklasse, 290 der zweiten Kreisklasse und 127 der Jugendklasse. Der Mitgliederbestand konnte von 29 auf 53 erhöht werden. Eine Ehrung für Mitglieder, die sich besonders um den Nachwuchs verdient gemacht haben, fand anschließend statt. Ein gemütliches Beisammensein beschloß den Abend. Fußball der heimischen Mannschaften. Fußball-Ergebnisse der Bezirksklasse. 1900 Gießen — Naunheim 0:0. Niedergirmes — Dillenburg 1:5. Frohnhausen — Bissenberg 3:1. Sinn — 05 Wehlar 2:1. Das Unentschieden auf dem Trieb in Gießen entspricht dem Spielverlauf. Wenn auch die Naunheimer ein Plus im Sturm zu verzeichnen hatten, so wurde dieses durch die überragende Abwehrarbeit der Hintermannschaft der Platzbesitzer ausgeglichen. Die Niedergirmeser scheinen sich mit ihrem Abstieg schon abgefunden zu haben, denn sonst märe die Höhe des Dillenburger Sieges unverständlich. In Frohnhausen mußten die Bissenberger die Ueberlegenheit des Platzbesitzers anerkennen, die schon bet Halbzeit durch eine 2:0-Führung ihren Sieg sichergestellt hatten. Die ©inner bewiesen erneut, daß sie auf eigenem Gelände kaum zu schlagen sind. Auf Grund dieser Ergebnisse hat die Tabelle folgendes Aussehen: Vereine Spiele Gew. Unentsch. Verl. Pkte. Naunheim 14 9 3 2 21: 7 Vissenberg 13 9 1 3 19: 7 SV. 05 Wetzlar 14 8 2 4 18:10 BC. Sinn 15 7 1 7 15:15 VsB./R. Gießen 13 6 2 5 14:12 1900 Gießen 13 3 7 3 13:13 Frohnhausen 13 6 1 6 13:13 Dillenburg 14 5 2 7 12:16 W.-Steinberg 14 - 2 2 10 6:22 Niedergirmes 13 2 1 10 5:21 Durch das Unentschieden in Gießen hat Naun- heim die Tabellenspitze eingenommen. Da es die restlichen Spiele alle auf eigenem Gelände auszutragen hat, so dürfte es mit größter Wahrscheinlichkeit den Meister der Gruppe stellen. Zwischen SV. 05 Wetzlar und Bissenberg dürften schwere Kämpfe um den zweiten Tabellenplatz bevorstehen. Aussichten auf die Führung haben beide noch. Das gleiche Bild bietet die Mittelgruppe, in der jeder kommende Spielsonntag Aenderungen der Plätze bringen kann. Da Dillenburg in Niedergirmes sich behaupten konnte, dürften Steinberg und Niedergirmes nicht mehr zu halten sein. ©pideereintgung 1900 Gießen. 1900 (Liga) — Naunheim (Liga) 0:0 (0:0). Etwa 1000 Zuschauer hatten sich zu diesem Kampfe eingefunben. Erwartungsvoll^ säumten sie das Spielfeld auf dem Platz der Spielvereinigung. Leider blieb ihnen eine leichte Enttäuschung nicht erspart. Die Platzmannschaft war es, die Wünsche offen ließ. Die Elf kann von Glück sagen, daß — wenn auch das Ergebnis dem Spielverlauf einigermaßen entspricht — der eine Punkt gerettet werden konnte. Das Verdienst daran gebührt ausschließlich dem Tormann S ch m i d t, der zu seinem Abschiedsspiel in Gießen eine glänzende Figur machte, und den beiden Verteidigern feiler und Lippert. Der üturm der Blauweißen war schlechterdings unfähig, sich auch nur in den klarsten Chancen erfolgreich durchzusetzen. Die Läuferreihe der Blauweißen war ständig etwas überlastet, weil der Sturm kaum einen Ball zu halten vermochte. Mit Ausnahme des Mittelläufers, des neuen Mannes Kleinbell, der einen guten Eindruck machte, zeichnete sich in der Läuferreihe, wie auch im Sturm niemand aus. Selbst Heilmann, der auf Linksaußen sehr fehl am Platze erschien und nach der Pause auf halblinks stand, kam nie so wirkungsvoll zum Zug, wie es für die Mannschaft wünschenswert gewesen wäre. Dagegen überraschten die Gäste in jeder Hinsicht nach der angenehmen Seite. Zwar blieb auch ihnen jeder Erfolg versagt, denn gegen die ausgezeichnete Hintermannschaft der Platzbesitzer konnten auch sie sich nur schwer durchsetzen, jedoch zeigten sie bessere Gesamtleistung. Die Gäste führten ein sehr schönes und flüssiges Kombinationsspiel vor, spielten sich gegenseitig ständig und geschickt frei, waren immer mehr am Ball und rascher in ihren Entschlüssen. Die Gäste hatten in ihrer Elf keinen schwachen Punkt und es war eine helle Freude, ihre Aktionen zu verfolgen. Wenn die Blauweießen mit gleichen Leistungen aufgewartet hätten, wäre es sicherlich zu einem hochdramatischen Kampf gekommen. Bei Berücksichtigung alles dessen konnte aber der Sieg ebensogut an die Blauweißen, wie an die Naunheimer fallen, wenn sich die eine oder andere Mannschaft in den Schlußminuten zu einem furiosen Sturm hätte aufraffen können. So aber blieb es bei dem 0:0, das den Zuschauern wenig zu imponieren schien. Es erübrigt sich fast, über den Spielverlauf im einzelnen zu berichten. Die Gäste waren im Feldspiel meist überlegen. In der 11. Minute jagten die Naunheimer einen Strafstoß über die Latte. Eine Ecke, kurz darauf, vermochten die Gäste nicht auszuwerten. In der 16. Minute vergab Naunheims Halbrechter eine klare Chance. Eine Minute später leistete sich Mank denselben Scherz und schoß hoch über das Tor der Gäste. Ein weiterer Strafstoß für Naunheim ging neben das Netz. In der Folge zeigte Schmidt kurz hintereinander zwei glänzende Abwehren. Auch Lippert setzte sich einigemale sehr geschickt in letzten Sekundenbruchteilen ein. Vor dem gegnerischen Tor brachte Schmelz in der 30. Minute einen glänzender Torschuß aus ziemlicher Entfernung an, der Gästetormann hielt aber sehr sicher. 3n der Folge hatten wieder die Platzbesitzer in der Verteidigung schwere Arbeit, bei der sich u. a. auch Heiler auszeichnete. Leider wurde der Sturm der Blauweißen immer hilfloser. Auch nach der Pause und nach erfolgter Umstellung Heilmanns änderte sich an dieser Situation Feier der zehnjährigen Wiederkehr der Turnhallenweihe Heuchelheim. Die Feier des 10jährigen Bestehens der jetzt weithin bekannten Turnhalle zu Heuchelheim hatte unter den Mitgliedern lebhaftes Interesse erregt. Die Halle war voll besetzt, als das reichhaltige Programm sich abzuwickeln begann. Der festliche Auftakt zeigte auf der großen Bühne alle aktiven Turner und Turnerinnen in ihrer schmucken Kleidung mit Turn- und Reichsfahnen staffelförmig aufgebaut — ein packendes Bild. Fahnensprüche, ein Sprechchor und Lieder der stattlichen Schar, begleitet von Musik, führten die Zuschauer in den Sinn turnerischen Lebens ein. Mit Genugtuung konnte der Vereinsführer Otto Rinn die Mitglieder mit ihren Angehörigen, Gau- oberturnroart Rudolf Paul, Gießen, die Vertreter des Turnkreifes, der Nachbarvereine, der Ortsgruppe und der Gemeindevertretung begrüßen. In seine Ansprache wies er auf den Idealismus und die Opferfreudigkeit der Männer hin, die sich mit aller Energie für die Schaffung eine solch gemeinnützigen Werkes, wie es die Turnhalle ist, eintraten und nicht eher ruhten, bis das Gebäude stand. Dabei gedachte er unter anderem auch des Mitbegründers und Ehrenmitglieds des Turnvereins Fabrikant Ludwig Rinn, der dem Bau weitgehende Unterstützung angedeihen ließ. In einem Schreiben — er war wegen einer Familienfeier am Erscheinen verhindert — wünschte er dem Verein Glück und überwies ihm 1000 Mark für notwendige bauliche Verbesserungen. Diese Nachricht löste lebhaften Beifall aus. Der Vereinsführer schloß seine beifällig aufgenommenen Ausführungen mit einem „Gut Heil" auf die Turnerschaft. Hierauf gab Turner Fritz Rinn einen eingehenden Bericht über die Geschichte des Turnhallenbaues. Die Zuhörer erhielten ein anschauliches Bild von den ungeheuren Schwierigkeiten, die sich bei dem großen Objekt aus der Geldentwertung der Inflationszeit, der Stabilisierung und bei der Aufbringung der hohen erforderlichen Mittel ergaben und doch alle überwunden wurden, so daß die Turnhalle auf gesunde Grundlagen gestellt werden konnte. Dabei gedachte er auch des verstorbenen Ehrenvorsitzenden Friedrich Wilhelm Kreiling, der, obwohl schon betagt, in aufopfernder und un», ermüdlicher Tatkraft den Bau der Turnhalle betrieb und leitete. Der Jugend steht jetzt der Bau zur Verfügung. Niemals aber solle sie die Leistung der Alten vergessen. Man müsse bedenken, daß die damaligen 166 Mitglieder, die meist nicht sehr gut gestellt waren, in schwerer Zeit 38 000 Mark aufbrachten und der Hallenbau insgesamt über 100 000 Mark kostete. Kreisführer D a u p e r t überbrachte die Glückwünsche des Kreises Lahn-Dill. Er wies auf die große vaterländische Erziehungsarbeit der deutschen Turnerschaft hin und überreichte dann an die sechs Turner Fritz Rinn, Hermann R e u s ch l i n g, Friedrich Karl Kreiling, Karl Kreiling, Fritz Sack und Ernst R e u s ch l i n g, die sich zur Zeit des Baus besonders eifrig der guten Sache widmeten, den Kreisehrenbrief. Eine außergewöhnliche Ehrung erfuhr der frühere Vorsitzende Lrdwig Schmidt, dem Gau-Oberturnwart Paul nach einer kernigen Ansprache für seine Verdienste den (Bau* ehrenbrief aushändigte. Bürgermeister Rinn dankte im Namen der Gäste für die Einladung und wünschte dem Verein Glück für feine fernere Arbeit. Die Turnhalle sei jetzt längst als eine Notwendigkeit erkannt, und sie möge zum Wohle der Gemeinde und kommender Geschlechter noch auf Jahrhunderte hinaus ihrem guten Zweck dienen. Die Festfolge brachte dann gute turnerische Vorführungen der einzelnen Gruppen, schöne Musik der Kapelle E i n b r o d t und das Schauspiel Anzengrubers „Der Meineidbauer", das einen tiefen Eindruck hinterließ. So ist auch diese Feier des Turnvereins wie so viele, die er in den letzten Jahren veranstaltete, in würdiger Form verlausen. Selbstverständlich wurden auch die in Not geratenen Volksgenossen nicht vergessen; es konnten 40 Mark an das Winterhilfswerk abgeliefert werden. Kein Skisport im Gan 12/13. Die im Gebiete des ehemaligen Mitteldeutschen Ski-Verbandes, heute Gau 12/13, am Sonntag vorgesehenen Skiwettläufe der Kreise konnten wegen des Schneemangels nicht stattfinden und wurden auf den 25. und 26. Januar verlegt. Die Gaumei st erschuften erfuhren eine weitere Verschiebung und wurden jetzt auf die Zeit vom 21. bis 24. Februar verschoben. Reifenberg im Taunus bleibt als Austragungsort bestechen. Der Gaujugendtag wird am 1. März 1936 in Gersfeld in der Rhön abgewickelt. Deutsche Skimeifterschaften endgültig in Oberstdorf. Auf Grund des Wetterumschwunges können die Deutschen Skimeisterschaften nun doch in Oberstdorf ausgetragen werden. Es wurde lediglich eine kleine Programm-Verschiebung vorgenommen und zwar wird der 50-Kilometer-Dau.erlauf am Montag, 20. Januar, nachgeholt. Die Wettbewerbe beginnen am Donnerstag, 16. Januar, mit der 4X10-Kilometer-Staffel. Am Freitag folgen der 18-Kilometer-Langlauf und die Abfahrtsrennen. Da die Schneeoerhältnisfe im Walsertal noch gut sind, wird die Olympia-Kernmannschaft der Skiläufer vorläufig noch dort bleiben. 15 cm Neuschnee in Garmisch. Die Wetterpropheten, die für Sonntag dem Werdenfelser Land die heißersehnten Schneefälle vorausgesagt hatten, haben diesmal Recht behalten. Schon in der Nacht zum Sonntag begann es in Garmisch-Partenkirchen zu schneien und am Sonntagmittag konnten bereits 15 Zentimeter Neuschnee verzeichnet werden. Der Schnee ist allerdings noch etwas naß, da die Quecksilbersäule immer noch drei Grad Wärme anzeigte. Aber die Wetterstationen glauben an ein weiteres Absinken der Temperatur. Am Sonntagvormittag begannen bei luftigem Schneetreiben die deutschen Eiskunstläufer die Pflichtübungen für ihre Meisterschaften. Freudig begrüßt wurde das Eintreffen der deutschen Eishockey-Olympiamannschaft, die auf dem Rießersee und im Olympia-Eisstadion ihren letzten Schliff Sames läuft deutschen 5000-m-Nekord Mit einer ausgezeichneten Leistung wartete der Berliner Sames in Hamar (Norwegen) auf, wo er im 5000-Meter-Rennen hinter Wankberg und Staksrud als Dritter einkommend mit 8:45,5 Min. einen neuen deutschen Rekord im Eisschnelläufen aufstellte. Er verbesserte damit seine eigene Bestleistung von 8:52,3 beträchtlich. W. Sandtner wurde mit 8:53,7 Siebenter, lieber 1500 Meter war Sames in 2:26,6 Siebenter, Sandtner mit 2:27,6 Zehnter. Das Gesamtergebnis sah Engnestangen mit 194,223 Punkten an erster Stelle, während Sandtner mit 200,753 Punkten Sechster, Sames mit 200,943 Siebenter wurde. Kurze Sportnotizen. Einen großen Sieg feierten Hollands Fußballer im Länderspiel gegen Frankreich im Pariser Prinzenparkstadion. Vor 35 000 Zuschauern siegten die Holländer mit 6:1 (2:0) Toren. Der Mittelstürmer Bakhuys erzielte allein fünf Treffer. Die Amateur-Fußba.llmannschasten von Frankreich und Ungarn standen sich in Lyon gegenüber. Nach einem schönen Spiel siegten die Franzosen verdient mit 2:1 (1:1) Toren. (Sin Kunstturnkampf zwischen den GaueS Mitte und Brandenburg wurde in Gera ausgewogen. Die Mitte-Turner siegten überlegen mit 708:652,2 Punkten. Bester Einzelturner war Alfred Müller-Leuna.