Nr.M Erstes Blatt 186. Jahrgang Montag, 11- Mai 1956 Gietzener Anzeiger ^nn^suAS *• • Mnnafyme Don Anzeigen Beilagen: Die illustrierte A A A A A A A 8^Uhr des Dormütags »LLA'L-chL iMtAMAnAw llttAAi AAp w*. ■Mää. lllirrkfc711ft71 /■ 114Plll&^l '»ÄrÄS Ohne Illustrierte „ 1.80 WF V H Wk ■ W W . ■ ■ WL _ ■ ▲ iH ■ ■ VA ■ Ä ■ ®8k ■ anzeigen von 70 mm Brette Zustellgebühr.. BW ■ ■ W> I M W »WWB 50Npf.,Platzvorschrist nach Auch bei Nichterscheinen ~ vorh.Bereinbg.25°/o mehr. ?nf0lg:^^rera,U= V *U «greife: SM- Seneral-Anzeiger für GberMn MW Postscheckkonto: behördliche Anzeigen 6Rpf. Sranifud am Main 11686 orum und Verlag: vruhl'sche Universttäts Buch- und Zteindruckerei R. Lange in Gießen. Zchristleitung und Geschäftsstelle: Zchulftrahe 7 Mengenabschlüsse Staffel ö Das neue Imperium Romanum. König Viktor Emanuel zum Kaiser von Abessinien ausgerufen. — Marschall Badoglio Generalgouverneur und Vizekönig. Rom, 9. Mai. (DNB.) Bereits kurz nach 21 Uhr ist die von Scheinwerfern hell erleuchtete Piazza Venezia erfüllt von einem dichten Gedränge auf- und niederwogender Menschenmassen. Auf den Stufen des Nationaldenkmals haben die in Rom stehenden Regimenter aller Waffengattungen Aufstellung genommen. Am Grabe des Unbekannten Soldaten steht eine verstärkte Ehrenwache. Auf dem Balkon des Palazzo Venezia ist die Partei- stand arte aufgepflanzt, während von den Häusern und Palästen unzählige Trikoloren wehen. Die historische Sitzung des Faschistischen Großrates hat knapp 10 Minuten gedauert, die anschließende Sitzung des Ministerrates nur drei Minuten. Auf der Piazza Venezia hört man nur noch das dumpfe Getöse der Menge. Mussolini betritt den Balkon und hält folgende Rede: „Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten aller bewaffneten Streitkräfte in Afrika und Italien, Schwarzhemden der Revolution, Italiener und Italienerinnen des Vaterlandes und in der Welt, hört mich an! Mit den Entschlüssen, die wir in wenigen Minuten kennen werden und die vom Faschistischen Rat gebilligt wurden, vollendet sich ein großes Ereignis. Das Schicksal Abessiniens wird heute, am 9. Mai, im 14. Jahre der faschistischen Aera besiegelt. Alle Knoten wurden von unserem Schwert zerhauen. Der faschistische Sieg bleibt in der Geschichte des Vaterlandes erhalten. Italien hat endlich fein Imperium. Und zwar das faschistische Imperium, denn es trägt die untrüglichen Zeichen des Willens des römischen Liktorenbündels. Dies war das Ziel, auf das durch 14 Jahre alle Kräfte der italienischen Ration hindrängten und das zu erreichen sie strebten, ein Kaiserei chdes Friedens. Denn Italien will den Frieden für sich und für die anderen und greift zum Kriege nur, wenn es von feindlichen Mächten dazu gezwungen wird. Lin Kai.ferreich der Zivilisation und der Humanität für alle Stämme Abessiniens, weil das die Mission Roms ist und weil das der Wille Roms ist, der die Völker seinem Schicksal entgegenführt. So gebietet es das Gesetz unserer Geschichte. Vor uns öffnet sich jetzt eine breite Bresche in die Zukunft. Ich rufe es euch zu: Das Land Abessinien und die Stämme Abessiniens stehen von heute an unter der unumschränkten Herrschaft des italienischen Reiches. Der Titel Kaiser von Abessinien wird vom König von Italien angenommen. Königliche Offiziere und Unteroffiziere in Afrika und Italien, Schwarzhemden, Italiener und Italienerinnen! Das italienische Volk hat sich in seinem Kampf sein Kaiserreich selbst geschaffen. Es wird es in seiner Arbeit erhalten, und es wird es gegen jedweden Feind mit den Waffen verteidigen. In dieser Gewißheit, erhebt Legionäre eure Abzeichen, eure Dolche und eure Herzen, um nach 15 Jahrhunderten das Wiedererscheinen des Kaiserreiches aus den schicksalhaften Siegeln Roms zu grüßen. Werdet ihr seiner wert sein? (Die Menge bricht in ein gewaltiges Ja aus.) Dieser Ruf ist wie ein heiligerSchwur, der euch vor Gott und vor den Menschen auf Leben und Tod verpflichtet. Schwarzhemden, Legionäre! Grüßt den König!" Rach der Ansprache des Duce verkündete der stellvertretende Parteisekretär, daß der Faschistische Großrat einen Tagesbefehl angenommen habe, in dem Mussolini', dem Schöpfer des Imperiums, der Dank des Landes zum Ausdruck gebracht wird. Rach der Kundgebung auf der Piazza Venezia empfing Mussolini die B o t - schafter Deutschlands, Brasiliens und Japans, die Gesandten Oesterreichs und Ungarns, den albanischen Geschäftsträger, die ausländischen Militärattaches und die Spitzen der Regierung, der Partei und der Hochschulen Am Sonntag um 10 Uhr grüßte in allen italienischen Garnisonen ein Salut von 101 Schuß den ersten Tag des Imperiums. , Die HönWichen Dekrete. R o m, 9. Mai. (DRV.) Der Faschistische Groh- rat und der italienische Ministerral haben folgende Dekrete gebilligt, die noch im Laufe der Rächt vom König von Italien unterzeichnet worden sind. Die Dekrete haben folgenden Wortlaut: „Wir, Viktor Emanuel III., durch die Gnade Gottes und den Dillen der Ration König von Italien, haben angesichts der Dringlichkeit und absoluten Rotwendigkeit, diese Maßnahmen zu treffen, nach Anhören des Faschistischen Grohrates und des Ministerrates auf Vorschlag des Regierungschefs folgendes dekretiert: Artikel I. Die Gebiete und die Volksstämme, die dem abefsinifchenkaiserreich angehörten,werden unter die vollständige Souveränität des italienisch en Königsreiches gestellt. Der Titel „Kaiser von Abessinien" wird von dem König von Italien und seinen Rachfolgern angenommen. Artikel II. Abessinien wird durch einen General- gouverneur regiert und vertreten, der den Titel V i z e k ö n i g führt und von dem aus die Gouverneure von Erythräa und Italienisch-Somaliland abhängig sind. Vom Generalgouverneur und Vizekönig von Abessinien hängen alle militärischen und zivilen Autoritäten der seiner Rechtssprechung unterstellten Gebiete ab. Der Generalgouverneur und Vizekönig von Abessinien wird durch Kgl. Dekret auf Vorschlag des Regierungschefs ernannt. Artikel III. Mit Kgl. Regierungsdekret wird auf Vorschlag des Regierungschefs die Verwaltung Abessiniens festgelegt. Angesichts der dringenden und absoluten Rotwendigkeit, für die Einsetzung einer Regierung von Abessinien Sorge zu tragen, wurde folgendes weitere Dekret beschlossen: Artikel I. Der Marschall von Italien, Pietro Badoglio Marchese del Sabotino, ist zum Generalgouverneur mit dem Titel eines Vizekönigs und mit allen Vollmachten ernannt worden. Artikel II. Das vorliegende Dekret, das mit dem Tage der Unterzeichnung in Kraft tritt, wird dem Parlament zur Umwandlung in ein Gesetz vorgelegt werden." Das Echo in Paris und London. Abwartende Haltung der Reglerungen.-Verstimmung in der preffe. Frankreich für Vertagung. Paris, 11. Mai. (DNB. Funkspruch.) Obwohl das geschichtliche Ereignis der Einverleibung Abessiniens durch Italien schon 24 Stunden alt ist, und obwohl am Montag in Genf der Völkerbundsrat zur Behandlung der abessinischen Frage Zusammentritt, sucht man in der französischen Presse vergeblich nach einer Stellungnahme des amtlichen Frankreichs. Diese scheint einstweilen nur in dem Bestreben xum Ausdruck zu kommen, die afrikanische Angelegenheit möglich st um vier Wochen vertagt zu sehen. Die Tatsache, daß Frankreich in diesen entscheidenden Wochen praktisch nur über eine geschäftsführende Regierung verfügt und sich auf eine Linksregierung vorbereitet, gibt für die Taktik des Zeitgewinnenwollens die natürlichste Begründung. Da offensichtlich jedes Leitwort fehlt, verzichten die großen Informationsblätter fast ganz auf Betrachtungen über die Entwicklung der abessinischen Frage. Ihre Genfer Berichterstatter sagen übereinstimmend nicht nur eine Vertagung der abes- sini chen, sondern auch der Rheinfrage voraus Die Resllocarnomächte würden nur eine rein förmliche Sitzung abhalten und die eigentlichen Verhandlungen solange verschieben, bis die Antwort Berlins auf den englischen Fragebogen oorliege. Daß Italien in Genf nicht bereit fein wird, in eine luristische und politische Aussprache Über die m Rom gefällte Entscheidung einzutreten, bringt m aller Deutlich- teil’SJournal" »um Ausdruck. 'Baron MIo.fi werbe nur über die Aufh-bung der Sanktionen und über die L° sch u n g Abe,, siniens aus der Liste der Volkerbundsstaaten beraten. Keine englische Miative in Sens Englische Interessen nicht berührt. London, 11. Mai. (DNB. Funkspruch.) Offi- zielle Kreise in London haben sich, nach einem Bericht des Reuterbüros, bisher zu der Ankündigung Mussolinis nicht geäußert. Die Behandlung der Abessinien-Frage liege nach wie vor in den Hanoen des Völkerbundes. Alle Entscheidungen über eine Anerkennung ode^ Nichtanerkennung der- nahem» scheu Besitzergreifung müßten k o l l e k t i v vom Völkerbund getroffen werden. Großbritannien werde in dieser Angelegenheit keine selb st and rg e n Schritte unternehmen. London warte das Ergebnis der Besprechungen darüber in Genf ab. Aus dem Lager der Konservativen wird die Forderung für die sofortige Einstellung der Sanktionen gegen Italien erhoben werden. „Morning Post" glaubt, daß sich die Regierung eine schwere Kritik der sanktionsfeindlichen Konservativen wird gefallen lassen müssen, wenn, wie nicht zu erwarten sei, bei der Ratstagung von britischer Seite keine Schritte ergriffen werden, um die Sühnemaßnahmen einzustellen. „Morning Post" glaubt feststellen zu können, daß die Einverleibung Abessiniens durch Italien die britischen Interessen in diesem Lande nicht berühre. Die Handelsinteressen Großbritanniens in Abessinien seien nicht der Rede wert und was den Tanasee angehe, den einzigen Teil Abessiniens, an dem Großbritannien stark interessiert sei, so habe Italien bereits volle Zusicherungen gegeben. Italien habe nicht den Wunsch, mit dem britischen Reich in Afrika rnsarnrnenzuprallen. Dies treffe nicht nur hinsichtlich Abessiniens zu, sondern auch auf die angrenzenden Gebiete, die mit der einzigen Ausnahme von Französisch- Somaliland unter britischer Herrschaft steht. Abgesehen von der Frage des Tanasees gebe es geringfügige Grenzberichtigungen, die zwischen England und Italien einmal besprochen werden müßten. Bisher aber sei keine Fühlungnahme zwischen den beiden Regierungen erfolgt. Von britischer Sette fei auch kein Schritt geplant, ehe nicht die Lage vor dem Völkerbund geklärt worden sei. Infolge des Regierungswechsels in Frankreich sei dies auch im Augenblick nicht zu erwarten. Englische preffeflimmen. London, 11. Mai. (DNB. Funkspruch.) Die Londoner Presse versucht die in England sehr verstimmend wirkende Proklamation M u s s o l i n i s mit möglichster Ruhe zu behandeln. Ein Teil der bisher italienfreundlichen konservativen Zeitungen möchte Mussolini auf Wege auf» merksam machen, auf denen er auch j e g t n o cf) zu einer Versöhnung mi t G r o ß b r i tan- n i e n kommen könnte. Der „Daily Telegraph schreibt, Mussolini habe alles getan, was nur möglich war, um die Völkerbundsmächte vor eine vollendete Tatsache zu stellen. Nach dem Fall von Addis Abeba sei den Italienern kein wirkungsvoller Widerstand mehr geleistet worden. Nichtsdestoweniger müßte die B e s e tz u n g do n zwei Dritteln des gesamten abessinischen Gebietes, die Italien als seinen Besitz fordere, erst noch verwirklicht werden. Der Völkerbund könne auch nicht durch eine Geste von Rom her einfach abgetan werden. Die Herrschaft Italiens über Abessinien erfordere d i e Anerkennung durch die anderen Mächte. Die Geschwindigkeit des italienischen Vorgehens habe die Schwäche der begrenzten wirtschaftlichen Sühnemaßnahmen, über die sich die Mächte einigen konnten, offenbart. Die Fortsetzung ober Einstellung der Sühnemaßnahmen gegen Italien sei von geringer Bedeutung im Vergleich zu der größeren Frage der Zukunft des Völkerbundes. Diese Frage würde praktisch zu lösen sein, wenn Italien als Völkerbundsmitglied an den Völkerbund herantreten würde, um die Zustimmung zu irgendeinem Plan über die Zukunft Abessiniens zu erhalten. „Morning Post" meint, die Proklamation Mussolinis sehe mehr nach Siegesrausch als nach Staatskunst aus. Er könne keine Illusionen darüber haben, daß der Weg, den er beschritten habe, von allen Wegen, die ihm offen gestanden hätten, der am wenigsten glatte sei. Unglücklicherweise habe er denjenigen in die Hand gespielt, die eine Verstärkung des Widerstandes des Völkerbundes fordern. Aber die Irrtümer Mussolinis könnten England und den Völkerbund nicht davon befreien, in der Frage der Sanktionen eine gesunde und wirklichkeitsnahe Linie einzuhalten. Der neue Kaiser von Abessinien sei angekündigt worden, ehe noch der alte abgedankt habe. England könne nur hoffen, daß Mussolini bald eine Gelegenheit wahrnehmen werde, um das Durcheinander zu beseitigen, das er geschaffen habe. Der „Daily Herald" (Arbeiterpartei) schreibt, weniger denn je könne von einer Aufhebung der Sühnemaßnahmen gesprochen-werden. Die erste Phase des Krieges möge beendet fein, der wirtschaftliche Druck beginne aber gerade erst. Säuberungsmaßnahmen in Abessinien. Asmara, 10. Mai. (DNB.) Die Besetzung der wichtigsten Punkte Abessiniens kann als vollzogen gelten. Dor allem handelt es sich dabei um die strategischen Punkte entlang der Eisenbahn Addis Abeba—Dschibuti, darunter vor allem Harra r und Diredaua. Damit steht die Bahn unter italienischer Kontrolle. Nördlich von Addis Abeba wurde F i e t s ch e und westlich von Addis Abeba Ale u t sch besetzt. Das dritte Korps ist südlich bis nach L a l i b e l a vorgerückt. Das ewige Rom. Darum marsch, Italien! Das waren die stolzen Schlußworte der berühmten Rede, die Mussolini an jenem Herbsttage 1935 hielt, als er den Truppen in Ostafrika den Befehl gab, in Abessinien einzumarschieren. Mussolini wandte sich mit leidenschaftlicher Kraft an das faschistische Italien, an das Italien der Erneuerung und der Erhebung, das seinen Ursprung und Werdegang als Nation vom römischen Imperium ableitet. Wenn Mussolini heute zurücksieht, so kann er darauf Hinweisen, daß vor rund 2000 Jahren dies Römische Imperium eigentlich begründet wurde-, denn ohne die Niederlage und den Untergang Karthagos nach dem panischen Krieg hätte sich der römisch Stadtstaat im Norden nicht über den Po, im Süden nicht über Aufidus ausdehnen können. Am Aufidus hatte Hannibal die Schlacht bei Cannae geschlagen, war vor den Mauern Roms erschienen. Mit der Vernichtung Karthagos wurde Rom Herr über das Mittelmeer, wurde Nordafrika die unerschöpfliche Quelle, aus der Rom alles zufloß, was es an Rohstoffen und Lebensmitteln im Krieg und im Frieden brauchte. Es war kein steiler Aufstieg zum Imperium, der nach der Vernichtung Karthagos folgte, sondern der Stadtstaat Rom wurde wiederholt die Beute des Bürgerkrieges, bis endlich Cäsar aus dem Hause der Julier den Weg freimachen konnte für die fast unumschränkte Herrschaft des klugen und maßvollen Oktavian, den die Geschichte als Kaiser Augustus kennt. Es ist wie Schicksal, daß in der Kaiserzeit Große und Niedergang sich ablösten, daß auf Augustus und Tiberius erbärmliche Wichte wie Nero und Ca- ligula folgten, um dann wieder in den Geschichtstafeln verzeichnen zu müssen, daß auf den Kaiserthron Männer und Helden wie Trajan und Hadrian stiegen, bis sich in der Auflösung des Imperiums auch der Untergang der antiken Welt vollzog. Dann wurde das weströmische Reich für Jahrhunderte die Beute von Erorberern, die aus Nord» und Osteuropa kamen, die aber auch aus Afrika vorstießen, um von dem stolzen Imperium nichts übrig zu lassen als Trümmer. Nur die Hauptstadt Rom, das ewige Rom selbst, blieb die unzerstörbare Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart, über bie nacheinander d i e Päpste großen und kleinen Formats schritten, darunter Staatsmänner und Feldherren von hohem Rang, aber auch Schurken und Verbrecher von einer Furchtbarkeit, vor ©er uns noch heute schaudert. Fast ein Jahrtausend blieb das Italien verschüttet, das Glanz und Ruhm des Imperiums erlebt hat, um dann jene Erneuerung zu erleben, die die Geschichte als Renaissance bezeichnet, ein Zeitalter, in dem gewaltige Menschen jenseits von Gut und Bose gewaltige Stadtstaaten schufen. Wie ein Glanz, der nicht weniger ewig und unzerstörbar sein wird wie der des Imperiums, hatte über Nord- unb Mittel-Italien bie politische Ausstrahlung gelegen, bie von ben Staufenkaisern ausging, bet mit ihnen unterging, um Italien für Jahrhun- berte ben Abenteurern ber Renaissance unb ihren Nachfolgern zu überlassen. Wenn Italien verhältnismäßig sehr spät im neunzehnten Jahrhunbert langsam jur Nation heranwuchs, so war bas in ber Hauptsache barauf zurückzuführen, daß mit den Staufenkaifern der letzte Versuch scheiterte, Italien nach außen zusammenzuhalten. Buntscheckig und vielgestaltig war denn auch das politische und geographische Bild, das Italien im 18. und 19. Jahrhundert bot, als im Süden eine französische Dynastie herrschte, als im Norden die Habsburger ihre Abkömmlinge mit italienischen Fürstentümern auszustatten pflegten. Dazu das brüchige und morsche Gebäude des Kirchenstaates in der Mitte, also ein Durcheinander, wie es auch Deutschland geboten hatte. Nicht nur im 18. und 19. Jahrhundert, sondern auch nach dem Zusammenbruch des Bismarck-Reiches. Rom triumphiert. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts mußte das Italien der Erneuerung durch französische und vor allem durch deutsche Waffen gestaltet werden. Im Jahre 1866 wurde das italienische Heer noch bei Custoza von den Oesterreichern geschlagen, so vernichtend geschlagen, daß ohne den Sieg Preußens die Oesterreicher das neue Italien über den Haufen geworfen hätten. Aber das Wunder geschah, daß Italien sich nach außen einigen konnte, ohne allerdings die inneren Festigkeit zu gewinnen. Das neue Italien wurde trotz seiner monarchischen Staatsform abermals zu einer Beute wildester Parteikämpfe, wie das feit der Zeit der Ghibel- linen und Guelfen sowie in den Stadtstaaten der Renaissance immer der Fall gewesen war. Das neue Italien festigte sich außenpolitisch im Rahmen des Dreibundes, den es 1915 verließ, weil Frankreich und England eine Beute in Aussicht gestellt hatten, um die Italien dann in Versailles betrogen wurde. Aus dieser Versailler Politik erwuchs in Italien jene nationale Kraft, die entschlossen unb gewillt war, ben Weg bes neuen Italien, ben Weg eines Italien ohne Parteikämpfe selbst zu suchen unb zu finben. Das war ber Faschismus, ber bewußt an bas Imperium anknüpfte, ber sich bas ßiftorenbünbel als Symbol entlehnte, ber bann, wie bas auch Mussolini in seiner berühmten Rebe vor bem Einmarsch nach Abessinien sagte, Italien stark unb wiberstanbsfähig gemacht hat burch bie Erhebung zur Nation. Wie bas Imperium ber Antike feinen eigentlichen Ausgang nahm von ber Nieberlage Hannibals bei Zama, hat auch bas faschisttsche Italien bas Imperium abermals burch einen Sieg unb eine Eroberung in Ostafrika vorbereitet. Das Italien bes Faschismus hat bie Staatsmänner und Feldherren geschaffen, ohne die Bildung und Ausstieg zur Nation nicht möglich ist. Diese' gewaltigen geschichtlichen Zusanv» Das Such ein Schwert des Geistes in der Hand des Volkes. Reichsminister Dr. Goebbels auf der Kantaieverfammlung menhänge, diese seelischen und geistigen Voraussetzungen für Gründung und Werden einer Nation hatten die Politiker verkannt, die mit den Straf- maßnahmen des Genfer Völkerbundes dem bewußten und gewollten Aufstieg eines Volkes zur Nation sich in den Weg zu stellen suchten. Heute erlebt Rom wieder einen Triumph wie zu den Zeiten, da ein Scipio Africanus, ein Pompejus und ein Julius Cäsar als Eroberer und Mehrer des Imperiums in die glanzvolle Hauptstadt einzogen. Darin liegt auch eine sehr nützliche Lehre für alle Staatsmänner und Politiker in und außerhalb Europas, die noch immer Zweifel hegen, ob die Kraft und die Gewalt einer nationalen Erneuerung sich zurückdämmen lüssen. Wenn eine Nation im Werden ist, so wird sie ihren Triumph erleben, so wird sie auch zur Freiheit und Größe aufsteigen. Die sieben neutralen wollen abwarten. Genf, 10. Mai. (DNB.) Die Vertreter der sieben neutralen Mächte, Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland, Holland, die Schweiz und Spanien, haben ihre Beratungen über die Richtlinien der künftigen Völkerbundspolitik abgeschlossen. In einer amtlichen Mitteilung wird erklärt, daß die Neutralen auch in der gegenwärtigen Lage am Völkerbund fe st halten und zugleich auf dessen Reformbedürfnisse Hinweisen. lieber die Art dieser Reform sind verschiedene Meinungen hervorgetreten. Das Gleiche gilt von der Frage der S a n k t i o n e n. Die von Italien verkündete Annexion Abessiniens hat die Haltung derjenigen versteift, die keine formalen Zugeständnisse an Italien machen möchten. Man hat beschlossen, ebenso wie die Kleine Entente und die Balkanentente sich abroartenb zu verhalten. In einem Bericht der dänischen „Politiken" wird gesagt, daß besonders Holland, Schweden und Norwegen daran festgehalten hätten, die Sanktionen geaen Italien fortzusetzen. Im übrigen sei man sich darüber einig gewesen, daß der Völkerbund eine Niederlage erlitten habe, die sich nur schwer werde wiedergutmachen lassen. Versteifung in Genf. Wachsende Stimmung für Fortsetzung der Sanktionen. London, 11. Mai. (DNB. gunffprud).) „Daily Telegraph" hat den Eindruck, daß die Besprechungen in Genf eine merkliche Versteifung zugunsten der Fortsetzung der Sanktionen gegen Italien gezeigt hätten. Bereits elf Staaten hätten sich zugunsten der Fortsetzung der Sanktionen ausgesprochen. Dazu gehören die Staaten der Kleinen Entente und der Balkan- Entente, sowie die sog. neutralen Staaten. Man halte es für wahrscheinlich, daß Baron A l o i s i gegen die Anwesenheit eines abessinischen Vertreters am Ratstisch Einspruch erheben werde, weil Abessinien nicht länger als unabhängiges Land bestehe. Der Vertreter von Dänemark, Munch, werde darauf erklären, daß nach Ansicht der nordischen Staaten Abessinien als ein Mitglied des Völkerbundes betrachtet werde, das seine eigenen Rechte habe. Frankreich werde sich ebenfalls für d i e vorläufige Fortsetzung der Sanktionen aussprechen und Großbritannien in dieser Hinsicht jede Unterstützung gewähren. Die französische Regierung sei in höchstem Maße unzufrieden über die Erklärung Mussolinis, daß Italien von Abessinien Besitz ergriffen habe. Stummer presse-Gmpfang beim Aegus. Jerusalem, 11. Mai. (DNB. Funkspruch.) Der Negus, der einen kranken und stark mitgenommenen Eindruck machte, gab am Sonntag den seit Freitag darauf wartenden Journalisten einen Tee-Empfang, auf dem aber — offenbar nicht nur aus Gesundheitsrücksichten — keinerlei Fragen gestellt werden durften. Der Sekretär des Negus verlas lediglich eine Begründung des Neaus über seine Flucht. Der Negus weilt nicht als Re- gierungsgaft in Jerusalem, sondern zahlt seinen Aufenthalt aus eigenem Vermögen, das in mehr als 100 mit Silbertalern und Goldbarren gefüllten Kisten mit ihm eintraf. Zwischenfall in Wien. Freiheitsbund und Heimatschutz. Wien, 11. Mai. (DNB.) Wien ist am Sonntag knapp an einer starken Entladung der innerpolitischen Spannung vorbeigegangen. Man erfährt, daß die Anhänger des ehemaligen Vizekanzlers und Heimatschutz-Landesführers Wien Fey eine umfangreiche Kundgebung gegen den heutigen Aufmarsch des Freiheitsbunbes geplant hatten, die sich gegen die Regierung selbst hätte richten sollen. Dadurch, daß Bundeskanzler Dr. Schuschnigg rechtzeitig von den Plänen der Anhänger Feys erfuhr, sich selb st an die Spitze des Zuges des Freiheit sbun- d e s st e l l t e, und gleichzeitig Fey durch die Polizei auffordern ließ, seinen Platz, den er in der Ringstraße eingenommen hatte, zu räumen, konnten die Kundgebungen im großen und ganzen verhindert werden. Als nämlich die Anhänger Feys Dr. Schuschniggs ansichtig wurden, wagten sie nicht, ihre Pläne durchzuführen. So kam es, daß die Kundgebungen nur an einzelnen Punkten der Ringstraße aufflammten und rasch vorübergingen. Hingegen kam es zwischen abziehenden Gruppen des Freiheitsbundes und Heimwehrleuten in späterer Stunde in den äußeren Bezirken Wiens zu Schlägereien, die von Alarmabteilungen der Polizei unterdrückt wurden. Fey soll erklärt haben, es sei ein reiner Zufall gewesen, daß er sich zur Zeit des Freiheitsbund-Aufmarsches auf der Ringstraße befunden habe. Eine Verlautbarung der Heimwehren teilt mit, daß Kundgebungsoersuche von einzelnen Heimwehrleuten gegen den Aufmarsch des Freiheitsbundes stattgefunden haben. Vizekanzler S t a r h e m- berg habe sich zur Polizeidirektion begeben und für 50 Verhaftete intervenierte -, da sich herausgestellt habe, daß es sich nur um „Rufdemonstranten^ handelte, seien diese roieber auf freien 5 u§ gesetzt worden. * Der frühere Vizekanzler und Wiener Heimatschutzführer Fey war bei den Wiener Heimwehr- leuten sehr beliebt. Als Fey im vergangenen Herbst zum Ausscheiden aus dem Kabinett ge- zwangen würbe, war bie Meinung in ber Wiener Heimwehr allgemein, daß nun bie Selbstschutzsorma- tionen in ber ursprünglichen Form nicht mehr lange a u f r e ch t e r h a l t e n werben würben. Die baburch entstandene Beunruhigung in Heim- Le i p z t g, 10. Mai. (DNB.) Auf der Kantate- Veranstaltung ber deutschen Buchhändler sprach Reichsminister Dr. Gpebbels. In seiner Rede etzte Dr. Goebbels u. a. auseinander, daß es der nationalsozialistische Umbruch angesichts der Totalität der ihm zugrunde liegenden Idee nicht bei einem Wechsel der Personen habe bewenden lassen können, sondern auf allen Gebieten im öffentlichen und privaten Leben die Dinge an sich von Grund auf umgestalten wußte. So sei auch bas Arbeitsgebiet ber Buchhänbler voll und ganz von dieser Umformung erfaßt worden. Lethargie und Stagnation seien einer neuen Blüte und neuem Aufschwung gewichen. Es sei gelungen,die Buchproduk- tion von 1934—1935 um 11,3 v. H. zu steigern den Umsatz um etwa 15 bis 20 v. H. zu erhöhen — wobei allein bie schöne Literatur eine Zunahme von 17,2 v. H. erfahren habe — und b e n Preis bes Buches von 4 bis 5,50 Mark im Durchschnitt auf 3,80 Mark z u senken. Das Buch soll nicht mehr bas Vorrecht einer kleinen, dünnen Oberschicht bleiben, sondern in innigsten Verbindung zum Volk treten. Diesem Ziele dienen nicht zuletzt die alljährlichen Buchwochen und die laufenden Aktionen vor allem auf dem Gebiek der Werbung, für die Partei und Staat ansehnliche Mittel bereitstellen und großzügige Maßnahmen einleiten, so daß heute ein Werbeappell der Buchhändler und Verleger, der früher auf einen internen Kreis beschränkt blieb, durch Rundfunk und Presse auch den letzten Mann im letzten Dorf erfaßt. Der Minister verwies auf das besonders augenfällige Anschwellen ber schönen Litera- t u r, in dem sich das Sehnen unseres Volkes nach dem Schönen deutlich wiederspiegele, der guten Unterhaltungsliteratur, die in dem schweren Daseinskampf dem berechtigten Anspruch auf Entspannung und Erholung, auf „Kraft durch Freude" entgegenkomme. „Ich muß mich aber", so erklärte er unter lebhaftem Beifall, ,dagegen verwahren, daß Freude gleichbedeutend wäre mit geistlosem Kitsch. Wir haben die Nation davor bewahrt, daß sie durch das üble Treiben von Konjunkturhyänen diskreditiert wurde. Gewiß braucht die Unterhaltung nicht immer getragen zu sein von ber Schwere der Gedanken, aber sie muh frisch, rein und g e - könnt sein." Dr. Goebbels wies weiter nach, daß es gelungen fei, dem deutschen Buchhandel und dem deutschen Buchschaffen auch auf wirtschaftlichem Gebiet neue Impulse zu geben. Nicht zuletzt sei das ermöglicht worden durch eine planmäßige Herabsetzung des Buchpreises und den dadurch erhöhten Absatz. „Indem wir Unterhaltung und Entspannung, Freude und Kultur mitten ins Volk trugen, haben wir diejenigen, die bis dahin von allen Kulturgütern noch fast vollkommen ausgeschlossen waren, überhaupt erst an sie herangebrachf!“ Dr. Goebbels setzte diesen Vorgang an einer Reihe von Beispielen sehr anschaulich auseinander: „Ist es etwa so, daß die früheren Besucher der Reichs- und Staatstheater in die inzwischen geschaffenen billigen Volkstheater gehen? Die Mehrzahl der Besucher dieser Volkstheater stellen die, die früher niemals ein Theater von innen gesehen haben. Die Schaffung des Volksempfängers hat nicht etwa diejenigen Rundfunkhörer, die bis dahin schon im Besitz von hochwertigen und erstklassigen Geräten war, dazu veranlaßt, sich nunmehr auf Volksempfänger umzustellen, der Volksempfänger ist vielmehr gekauft worden von denjenigen, die sich sonst überhaupt keinen Rundfunkapparat leisten konnten. Das gleiche gilt für die Schaffung des Volkswagens, der keineswegs dazu fiih- wehrkreifen fand neue Nahrung durch die Entmilitarisierung der O st märkischen Sturmscharen, die Bundeskanzler Dr. Schuschnigg vor kurzem angeordnet hatte. Diese Entmilitarisierung ber Ostmärkischen Sturmscharen würbe von ben Heimweyrleuten als Signal ber baldigen Entwaffnung auch bes Heimatschutzes aufgefaht. Auch bie Rebe, bie Vizekanzler Starhemberg kürzlich hielt, konnte die Be- benken mancher Heimwehrkreise nicht zerstreuen; ja, man fanb in ben Worten Starhembergs ge- rabezu eine Bestätigung ber Befürchtungen, da aus ihnen zu entnehmen war, baß ber Heimatschutz in bas neue Milizkorps übergeführt werden solle. Zwischen dem Heimatschutz und dem Freiheits- bunb besteht schon seit Jahren ein starker Gegensatz. Der Freiheitsbund, der dem Staatsrat K u n s ch a k nahesteht, und zum kleineren Teil Wehrorganisation, zum größeren Teil Organisation ber christ - lich -sozialen Arbeiter ist, gilt ben Heimatschützern als Vorkämpfer für bie Demokratie. Diese alte Gegnerschaft konnte von ben Anhängern leicht au Kunbgebungen benutzt werden, weil sich ber Anschein erwecken ließ, als ob hinter ihney auch noch in Staatsstellunaen befinblidje Heimatschützer stäuben. Es scheint Denn auch, baß zu ben Anhängern Feys sich auch anbere Heimatschutzleute gesellt haben, die die Gegnerschaft zum Freiheits- bunb unter bie Kunbgeber rief. Kommunistische Wühlarbeit in Griechenland. Athen, 10. Mai. (DNB.) Die in Norbgriechen- lanb unb vor allem in Saloniki vor einigen Wochen ausgebrochenen Streiks unb die damit zusammenhängenden Unruhen, die etwa zwölf Tote forderten, tragen einen rein politischen Charakter, ber auf Umsturz der bestehenden Regierungsform eingestellt ist. Die K o m m u n i st i s ch e Partei, die Geld unb Weisunaen aus Moskau erhält, hat die Hanb im Spiele. 4000 früher zur Liberalen Partei gehörige Flüchtlinge sinb in bas Lager ber Kommunisten übergegangen. In Saloniki ist bie O r b - nung roieber berge ft eilt. Der Streik bauert aber noch an. Es fehlt an Brot, Wasser unb elektrischem Licht. Die Zeitungen sind nicht erschienen. Falls bie Regierung, haben bie Streikführer erklärt, ihre Forderungen nicht annehme, werbe für Mittwoch morgen ber General- k Otze r g a n a Griechenland ausge- rufen Die Regierung hat bereits bie entfprechenben Dorkehrungsmaßnahmen getroffen. Das Militär, bas für die Sicherheit in ber Stabt sorgt, wird allenthalben von ber Menge begeistert begrüßt. Auf der Reebe ankern vier Zerstörer. ren soll, den Absatz von teuren und hochwertigen wagen zu verringern, wenn wir das Buch verbilligten, so beeinträchtigten wir damit nicht den Absatz des teueren Buches, sondern wir erschließen nur dem Buch an sich kreise, die bis dahin davon überhaupt ausgeschlossen waren. 2Han kann sogar allgemein sagen, daß dieses Verfahren einen erhöhten Absatz auch des besseren Erzeugnisse deshalb zur Folge hat, weil jeder Käufer in dem natürlichen Streben nach Vervollkommnung nach und nach zu den besseren und höherwerttgeren Erzeugnissen greifen wird." Für ein inniges Verhältnis zwischen Buch unb Volk gerabeAu unerläßlich fei, baß ber Dichter aus bem Volksempfinben heraus schaffen müsse. Der Dichter sei geistig bas Produkt des Volkstums und gebe als solcher seinem Volke nur wieder, was er an geistigen und seelischen Kräften von ihm empfangen habe. „Buch und Volk müssen Zusammengehen! Findet Hannover, 10. Mai. (DNB.) Die NS.-Kultur- genteinbe hatte alle Obmänner des Gaues Süd- Hannover zu einer Arbeitstagung einberufen, auf ber Alfred Rosenberg über das geistige Ringen unserer Zeit und über die Aufgaben und Ziele der NS.-Kulturgemeinde sprach. Er schilderte das Wirken der Kräfte der Vergangenheit, bas zur Anarchie unb Zersplitterung auf allen Gebieten bes Lebens geführt habe. Erft der Nationalsozialismus habe diesem Marsch in den Abgrund durch eine neue Dolkstumsidee, durch das Erwecken des nationalen Ehrgefühls ein Ende bereitet. Die Zersetzung habe sich durchaus nicht auf das Gebiet der politischen Demokratie beschränkt. „Atonale Musik, Dadaismus und Kommunismus drücken mit verschiedenen Worten dasselbe aus." Genau wie unsere Politik einen Zweifrontenkamvf gegen Rotfront und Reaktion durchzuführen gehabt hätte, so müßten wir auch wissenschaftlich und künstlerisch die gleichen Säuberungsprozesse vornehmen, die im letzten Jahre mehrfach aufgetretenen Versuche, ben Begriff „K u n st b o 1 s ch e w i s m u s" aus der Welt zu schaffen. Wenn man von Kunstbolschewismus nicht mehr sprechen solle, dann müßten die gleichen Menschen auch fordern, daß man auch das Wort vom politischen Bolschewismus nicht mehr in den Mund nehmen dürfe. Diese Konsequenz zeige, was hinter diesen Versuchen stehe. Die großtönenden Worte, die vielfach noch geblieben seien, von „kosmischen Gefühlen" und „mystischen Empfindungen" könnten nicht darüber Hinwegtäuschen, daß mit Worten Fußballspielen noch nicht Dichten bedeute. Die große Probe, vor der wir ständen, sei, ob unser Zeitalter noch eine große Kun st zu schaffen die Kraft habe, oder ob Politik und Technik die alles beanspruchende Form unseres Lebens fei. „Wird die Kunst über Unterhaltung hinaus tief inneres Leben fein?" Wenn auch der heutige gewaltige Kampf alle Kräfte der Selbsterhaltung in feinen Bann ziehe, so zeigten bie Parteibauten bes Führers unb anbere Erscheinungen bereits ben neuen Willen, unb nach dem Zerfall von früher sei die neue Sammlung bes Einzelnen unb die Hinführung zu ben Schätzen der deutschen Seele bie ebelste Ausgabe, bie wir uns stellen könnten. Diese Aufgaben seien auch bie eigentlichen Ausgaben derNationalsozialistischenKul- turgemeinbe. Reichsleiter Rosenberg unterstrich ben Ausgangspunkt ber NS.-Kulturgemeinbe: Genau wie die Paris, 10. Mai. (DNB.) Dor dem Landes- r a t ber sozialistischen Partei erklärte Löon Blum, der von den Versammlungsteilnehmern mit geballter Faust und dem Absingen der Internationale begrüßt wurde, die sozialistische Partei werde an einer Regierung der Volksfront teilnehmen. Man müsse bei ben Kommuni st en darauf bringen, sich mit ben Sozialisten in bie Regierungsverantwortung zu teilen. Auch die marxistische Gewerk- schaftsorganisation müsse zur Durchführung des Programmes der Volksfront herangezogen werden. Nur die reaktionären Gegner würden aus einem Fehlschlag der Sozialisten Nutzen ziehen. Die Kommunisten, Radikalsozialisten und alle wahren Republikaner seien mit in diesen Kampf einbezogen. Das gemeinsame Schicksal verpflichte sie daher auch zu gemeinsamem Handeln. Die Ausgabe sei, Frankreich vor dem Faschismus und jeglicher Reaktion zu bewahren. Der republikanische Geist müsse in allen Einrichtungen des Staates wieder erweckt werden. An der Spitze des ausgezeichneten Beamtenkörpers müßten endlich Persönlichkeiten stehen, die ihrer Aufgabe würdig seien (Beifall). Der Verwaltungskörper bes Staates müsse für bie neuen Aufgaben geschult werben. Der Faschismus müsse aller seiner geheimen Hilfskräfte beraubt werben, sei es seiner Propagandamittel ober seiner Waffen. Außenpolitisch werbe es bie Aufgabe ber neuen Regierung sein, bas Vertrauen in Europa roieber herzustellen. Der Völkerbund müsse wieder jene materielle und moralische Gemeinschaft werben, bie befähigt sei, bie internationale Solibarität auf ben unumstößlichen Grunb- sätzen bes gegenseitigen Beistanbes unb ber fort« jchreitenben Abrüstung aufzubauen. Angesichts der finanziellen unb monetären Schwierigkeiten werbe bie neue Regierung eine rigorose Stellung einnehmen. Die Finanzpolitik sei wohl schwerwiegenb, boch lange nicht so schwerwiegenb wie bie Probleme von Krieg unb Frieben, von Elenb unb Arbeitslosigkeit, bie bas Leben bes Volkes bireft angingen. Nur bie Spekulanten betrieben eine Abwertung bes Franken. Die Sozialistische Partei bleibe nach wie vor ihr entliehener Gegner. Das Programm ber Volksfrontregierung habe zum Ziel, im Lande selbst wieder bas Vertrauen zu wecken unb enblich unter bie büftere Vergangenheit einen Strich zu ziehen. Der Lanbesrat beschloß eine Tagesorbnung, in her es heißt: Der Sozialistischen Partei fällt die der deutschen Buchhändler. aber das Buch diesen Weg Aum Volk, so findet es damit auch seine stabilste Lebensgrundlage. Dor- übergehende Rückschläge und Krisen, die mit jedem großen Aufbauwerk und jedem großen Einsatz ver- bunden sind, dürfen unb werben auch ben Buch- hanbel nicht entmutigen. Ich versichere Sie", so schloß der Minister, „daß das deutsche Volk Ihnen seinen Dank dafür abstatten wird; denn es ist erfüllt von der Sehnsucht nach einem Buch, in dem es den Fürsprecher der Zeit sieht. Ich möchte deshalb über bie biesjährige Kantate- tagung in erweitertem Sinne bas Wort schreiben, bas bas Motto ber letzten beutschen Buchwoche ge- wesen ist: „Das Buch ein Schwert bes Geistes in ber Hand des Volkes!" Nach ben mit begeistertem Beifall aufgenommenen Ausführungen bes Ministers sprach Vorsteher Baur für bie beutschen Buchhänbler bas Gelöbnis aus, in der Linie zu marschieren, deren Richtung der Minister gewiesen habe. Mit einem dreifachen Sieg-Heil auf den Führer schloß der Vorsteher die Kundgebung. NSDAP, durch eine politische Parole die Menschen als Freiwillige an sich herangezogen habe, so müsse auch eine klare kunstpolitische Gedankenhaltung die Einzelnen zur Mitarbeiten heranziehen, sie zu einer geschlossenen Gemeinde zusammenfassen. Dieses Erlebnis könne bann jene Spannung mit erzeugen hellen, bie bie Voraussetzung ber Geburt je Der großen V o l k s k u n st barstelle. Wenn in bem einstmals gestaltlosen Berlin allein die NS.-Kulturgemeinde im vergangenen Winter 12 0 große Konzerte veranstalten konnte mit ben besten Dirigenten unb mit ben schönsten Werken ber deutschen Musik, so sei das eine wirkliche Kunstpflege gewesen. Wenn im gleichen Berlin fünf Dichterwochen mit unseren hervorragendsten Dichtern unter einer riesigen Beteiligung möglich gewesen seien, so zeige auch das die wieder erwachende Verbundenheit zwischen Dichter und Volk. Die weiteren 500 Dichterabende in anderen Städten Deutschlands hätten das Gleiche gezeigt. Die NS.-Kulturgemeinde wolle niemandem etwas nehmen, sondern selbstlos alles fördern, was an schöpferischen Kräften in Deutschland vorhanden fei, und wenn bei ihren nahezu anderthalb Millionen Mitgliedern diese in einem Jahre je nach Möglich- feit zehn bis fünfzehn Veranstaltungen fest abnehmen, so ergebe sich schon darauf eine Riesenzahl von Besuchern, die, freiwillig zusammengetreten, heute schon eine« Unterbau für kommende Aufgaben darstellten. Das Fördern sei immer das Schönste, was sich die NS.-Kulturgemeinde vorstellen könne. Sie werde deshalb auch die Gefahren abzuroenden wissen, wenn inmitten des national» sozialistischen Ausleseprozesses auch Fehler unterlaufen. Vor allem müßte sie aber im Sinne des Aufbauwillens des Führers wissen, daß bei aller Abwehr der Zersetzungskräfte eine Kritik an künstle- rischen Versuchen und Künstlern selbst nicht Kräfte zu schwächen, sondern Kräftezustärken berufen sei. Kritik müsse nicht ermatten, sondern a n f e u e r n. Der große Kritiker sei nicht der, der bas Schlechte ausmale, sondern ber, ber ben guten Kräften weitere Wege weise. „Unsere Härte gegenüber bem Faulen unb Verkrampften unb freubige Unterstützung alles ehrlich Strebenben sinb bie Grundlagen für bie Verwirklichung einer alten Sehnsucht und bie Herbeiführung einer echten beutschen Volkskultur." Aufgabe zu, bie neue Regierung zu bilben. Die Partei besteht auf ber ’Regierungsbilbung ohne Vorbehalte unb ist bereit, alle Verantwortung zu übernehmen. Die Partei wirb bie neue Regierung bilben unter ber gemeinschaftlichen Mitarbeit ber Parteien ber Volksfront, bie bereit sinb, ihr beizutreten. Im Falle ber Ablehnung wirb Die Sozialistische Partei entschlossen eine eigene homogene Regierung bilben Heuer Schachzug der Kommunisten. Paris, 10. Mai. (DNB.) Die Kommunistische Partei hat an ben Lanbesrat ber Sozialistischen Partei ein Schreiben gerichtet, in bem sie ben Vorschlag zur Silbung einer „Einheitspartei der arbeitenden Klasse" macht und sofortige Besprechungen zwischen beiden Parteien fordert, damit ohne Zeitverlust bie Untergliederungen der Sozialistischen Partei mit denen der Kommunistischen Partei in Verbindung treten könnten. So könnte in „gemeinsamer, loyaler und brüderlicher Aussprache die größte Nationalkonferenz der Einheit" gebildet werden, die den „Einheitskongreh" vorbereiten solle. Die Kommunistische Partei werde nicht an der neuen Regierung teilnehmen, sie aber unterstützen in der Sorge um bie Durchführung einer den Belangen bes Volkes gemäßen Politik. L6on Blum erklärte vor bem Landesrat der Sozialistischen Partei zu dem Brief: In dem Brief der Kommunistischen Partei ist ein Widerspruch. Unsere kommunstischen Kameraden teilen uns mit, daß sie entschlossen bleiben, nicht mit uns in die Regierung einzutreten. Zugleich aber bringen sie auf eine möglichst große organische Einheit. Aber wird denn nicht bie organische Einheit besser verwirklicht in ber gemeinsamen Re» gierung. Kann denn etwa eine Meinungsverschiedenheit gegenüber dem Problem ber Machtausübung ber Verwirklichung einer organischen Einheit bienen? Jeanne d'Arc-Feier in Paris. Paris, 11. Mai. (DNB.) Der Scanne d'Arc» Feiertag würbe in Paris feierlich begangen. Der Präsident der Republik unb ber Ministerpräfibent legten vor bem Stanbbilb ber Jungfrau Kränze nieder. Es folgte dann ein Vorbeimarsch oerschie- Das Regierungsprogramm der französischen Sozialisten. Die Aufgabe der NS.-Kulturgemeinde. Sine grundlegende Rede Reichsleiter Alfred Rosenbergs. Kunst und Wissenschaft Aus aller Welt I in ere ;u lk Als Auftakt für den am 16. und 17. Mai statt- ihönhöM hmX (Xm? A»«lqgw tDLiröC am rziehung und Unterricht die Reichsausstellung „Jugendherbergen und Heime" eröffnet. An Hand von zahlfindenden „Reichswerbe- und Opferte Sonntag im Reichsinstitut für ( honen hinweg, über die Stämme hinweg einem einheitlichen deutschen werden, das in feinen Taten immer wieder davon kündet, daß es zueinandergehört. neuen Jagdgeräte find ebenso vertreten wie die Köhlerei. China ehrt einen deutschen Gelehrten. Dem deutschen Sinologen Professor Dr. Otto Franke wurde in Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste um die Erschließung der chinesischen Kultur und Geschichte für die abendländische Wissenschaft von der chinesischen Zentralregierung ein hoher Orden verliehen. Professor Franke hat soeben den zweiten Band seiner umfassenden „G e - schichte des chinesischen Reiches" heraus« gegeben, die es zum erstenmal in der abendländischen Wissenschaft unternimmt, den Gesamtverlauf der chinesischen Geschichte unter weitgehender Auswertung der chinesischen Quellen darzustellen. Bei seiner Landung am Samstag wurde LZ „Hindenburg" von einer riesigen Menschenmenge mit Jubel empfangen. Das Luftschiff hatte eine triumphale Fahrt hinter sich: in 60 Stunden über den Rordatlantik, während die beste Damp- erzeit von Bremen nach Reuyork 5 Tage und 17 Stunden beträgt. Seit der Abfahrt in Friedrichshafen wurden 3800 Seemeilen, mehr als 7000 Kilometer mit einem Stundendurchschnitt von 120 Kilometer zurückgelegt. Die Diesel-Rohölmotoren haben sich wieder hervorragend bewährt und ihr Pensum, ohne auch nur die kleinste Störung zu zeigen, tadellos abgeleistet. Kapitän Lehmann und Dr. Eckener erklärten, daß diesmal die Wetterbedingungen besonders günstig waren. Ehe die offiziellen Vertreter die Schiffsführung begrüßen konnten, hatten Rundfunk und Presse schon das Leitwort aufgegriffen, unter dem diese Fahrt unseres „Hindenburg" steht. Der Förderung und Vertiefung der freundschaft- lichen Beziehungen zwischen Deutschland und Amerika zu dienen! Sftigenbe Fremdenverkehrszahlen in Deutschland. Dom 1. Oktober 1934 bis 1. Oktober 1935 wurden nach den Erhebungen des Statistischen Reichsamtes in Deutschland insgesamt 19,13 Millionen Fremdenmeldungen und 73,92 Millionen Fremdenübernachtungen festgestellt. Das sind 13 v. H. mehr Meldungen und 17 v. H. mehr Uebernachtungen als im Jahre zuvor. Der in diesen Zahlen enthaltene Fremdenverkehr aus dem Ausland ist noch mehr gestiegen und zwar die Meldungen der Fremden aus dem Ausland um 19 v. H. auf 1,53 Millionen und die Uebernachtungen um 27 v. H. auf 4,6 Millionen. Gegenüber dem Jahre zuvor haben die Fremdenübernachtungen am stärksten in Norddeutschland, am schwächsten in Süddeutschland zugenommen. Im Reichsdurchschnitt haben die Uebernachtungen um 27,4 v. H. zugenommen, die Uebernachtungen in Norddeutschland um 46, in Süddeutschland um 17,4, in Westdeutschland um 31,7, in Ostdeutschland um 28 und in Mitteldeutschland um 32,5 o. H. Rund ein Fünftel der Besucher aus dem Ausland entfielen wie im Vorjahr auf Holland; aber auch aus Dänemark, Schweden, Norwegen, Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei ist die Besucherzahl gestiegen. Schlangenbad schützt seine Schlangen. In den Wäldern des Taunusbades Schlangenbad ist seit Jahrhunderten eine schön gezeichnete, harmlose G o l d n a t t e r heimisch, die einstmals als „Tempelschlange" mit dem Aeskulapdienst der Römer eingeführt wurde. Da das nützliche, insektenvertilgende Reptil, das als Wahrzeichen Schlangenbads angesehen wird, auszusterben drohte, hat man es unter Heirnatschutz gestellt. Reichsaussiellung „Jugendherbergen und Heime". Das tschechoslowakische Pressebüro ist ermächtigt, die Denkschrift des „Slowakischen Rates" (Professor Jehliczka) an den Völkerbund über das Aufmarschgebiet des Bolschewismus in der Slowakei a u f das bestimmteste zu dementieren. Es fei dies bereits wiederholt dementiert worden, zuletzt von Außenminister Eden im englischen Unterhaus. Jestaufsührung im MiinchenerNational- theater in Anwesenheit des Führers. In München fand die festliche Eröffnungsvorstellung der III. Reichstheaterfestwoche im Nationaltheater mit Richard Wagners „Ri- e n z i" statt. Die große kulturelle Bedeutung der Reichstheaterfestwoche [anb durch das Erschei - nen des Führers m der Eröffnungsvorstellung ihren Ausdruck. Mit dem Führer wohnten der Festoorstellung u. a. bei: Der Stellvertreter des Führers, die Reichsminister Dr. Goebbels, Freiherr von Neurath und Dr. Frank, die Reichsleiter Reichsstatthalter von Epp, Reichspressechef Dr. Dietrich und Oberbürgermeister Fiehler, der Staatssekretär Funk, der deutsche Gesandte in Wien von Papen, der Präsident der Reichstheaterkammer Ministerialrat Dr. Schlösser, die Präsidenten der Reichsschrifttumskammer Staatsrat I o h st und der Reichsrundfunkkammer Ministerialrat Dreßler-Andreß, der Reichs- kulturwalter M o r a 11 e r, Prinz von Hessen, ferner zahlreiche Mitglieder des Reichskultursenats und über 160 deutsche Bühnenleiter und Intendanten. Die Inszenierung der Neueinstudierung des „Ri- enzi" war Kurt Bache anvertraut, die Bühnen- biloer schuf Adolf Linnebach. Den Rienzi sang Kammersänger Julius P o e l z e r, die Irene Elisabeth F e u g c, den Stephano Colonna Paul B e n » d e r. Ferner wirkten mit Karin B r a n z e l l, Joseph R u e h r, Georg Hann, Emil Graf, Odo R u e p p , Gertrud R i e d i g e r und Walther C a r n u t h. Der Beifall verstärkte sich am Schlüsse der Aufführung zu stürmischer Huldigung für die Bühnenkräfte. Viele Male mußte sich der Vorhang teilen, und der Dirigent Generalmusikdirektor Boehm mußte sich mit den Darstellern unter dem stürmischen Beifall der Zuschauer zeigen, an dem sich der Führer lebhaft beteiligte. Bei der Ab- Pflicht erkannten, die Gott selbst in unser Blut hmeinpflanzte. Der Redner ging nun über zu der Verbindung dieses pflichtgemäßen Handelns im Sinne des Willens Gottes mit positiver Religion. In die- fern Sinne habe noch niemals ein Programm mit größerer Berechtigung die Worte ausgenommen: Die Partei als solche steht aufdemBodendes positiven Christentums. Auch niemals habe ein Staat berechtigter gehandelt als der nationalsozialistische Staat, der diese Maxime seines Handelns nicht nur in Worten feftgekgt, sondern sie in d i e Tat umgesetzt habe. „Die Glau- benslatzungen der Kirche gehen uns als solche nichts an. Das sind Angelegenheiten der Kirche und ihrer Oraane." Der Redner gab zum Schluß der Hoffnung Ausdruck, daß ein solches positives Christentum alle Volksgenossen erfassen möge. „Wir müssen über die Stände hinweg, über die Konfes- nicht hier ist, das nicht dort ist, sondern das inwendig in uns s e l b e r ist. Der Führer erinnerte daran, daß nicht nur einer immer die Schuld auf den anderen schieben solle, sondern daß wir alle Schuld haben, weil wir unsere Pflicht selber nicht erkannten. Der Führer wies auch hin auf den einzigen Weg zum Licht, den Weg über den Glauben, der Berge versetzt. Ein Wunder war notwendig, so lehrte uns der Führer. Aber das Wunder lag uns. Das Wunder bestand darin, daß wir uns' reichen Modellen, Bildern, Plänen und Statistiken gibt diese Ausstellung zum ersten Male ein eindrucksvolles Bild vom deutschen Jugendherbergswesen und feiner führenden Stellung in der ganzen Welt. Der Leiter des Reichsoerbandes für deutsche Jugendherbergen, Obergebietsführer R o d a tz, konnte namens der Reichsjugendführung Vertreter der Partei, des Reichserziehungsministeriums und der Stadt Berlin begrüben. Der stellvertretende Gauleiter Staatsrat Görlitz er schilderte aus eigenem Erleben heraus, wie sehr die Vorkriegsjugend das Fehlen solcher Jugendherbergen empfunden habe. In diesen Herbergen lebe heute die Jugend ohne Luxus unter einfachen und harten Bedingungen. Reichsfachausslellung des Däckerhanbwerks. In Mannheim wurde die alle drei Jahre ftatt= findende Reichsfachausstellung des Bäckerhandwerks durch den Reichsinnungsmeister Größer eröffnet. Die Ausstellung gibt einen Ueberblick über die Gebäckarten der deutschen Landschaften, über Schu- lungswesen der Lehrlinge, das Drganifations« und Versicherungswesen usw. Eine kulturhistorische waken eine intensive Propaganda zur Auswanderung nach Sibirien, wo sie mit Waldarbeiten beschäftigt werden sollen. Die Denkschrift fordert die Herstellung eines polnisch-ungarischen Blockes. Die Slowakei sei Mit Polen durch Sprache und Religion verwandt, während die geographischen und wirtschaftlichen Verbindungen mit Ungarn auf mehr als tausendjährig gern staatlichen Zusammenleben beruhten. Wenn also dieses Gebiet durch eine vernünftige Neuordnung wieder zu Ungarn käme, würde es ein natürliches, ideales Band zwischen Ungarn und Polen darstellen: Damit wäre öer t s ch e ch i s ch . b o l > schewistische Korridor beseitigt, und die Pläne der Roten Armee zur Umwandlung der Slowakei zu einer russischen Militärbasis wurden hinfällig werden. Die Tschechen müßten in ihre Volkstumsgrenzen verwiesen werden. Ehret die Mutter! Morgenfeier des Frauenarbeitsdienftes. Berlin, 10. Mat. (DNB.) Zu einem eindrucksvollen Bekenntnis der Jugend zu der deutschen Frau und Mutter gestaltete sich am Sonntag eine Morgenfeier des Frauenarbeitsdienstes im Hause des Rundfunks, die unter dem Motto dieses Tages „Ehret die Mutter" als Reichssendung über alle deutschen Sender ging. Einleitend wies der Neichsminister Dr. Frick daraus hin, daß der im Systemstaat durch Redensarten und ein Veranstaltungsvielerlei nur äußerlich ausgemachte Muttertag heute zu einem Feiertag der Nation geworden sei, die ihre Dankbarkeit für das Wesen und Wirken der deutschen Frau zum Ausdruck bringen wolle. Der besonderen Stellung der Frau werde durch die nationalsozialistische steuer- und bevölkerungspolitische Gesetzgebung und zahlreiche Neueinrichtungen auf sozialem Gebiet Rechnung getragen, wobei das bisher Getane nur ein Anfang fei. Neichsminister Frick schloß mit einem Gruß an die deutsche Frau. Zum Abschluß der Feierstunde, die von musikalischen Darbietungen und Sprechchören umrahmt wurde, sprach die Reichsfrauenführerin Frau Scholz-Klink. Sie gab ihrer starken Genugtuung Ausdruck, heute allen Müttern etwas von der dankbaren Freude übermitteln zu können, die in der Jugend wieder wachse. Sie wandte sich auch an die kinderlosen Frauen, denen keine Nachkommenschaft beschert ist, und erklärte, wie sie durch Uebernahme von Patenschaften oder durch Adoption Gutes wirken könnten für sich und die Nation. „Als seelische Kräfteträge- rinnen des Volkes", so schloß Frau Scholz-Klink, „wollen wir weiter dem Daterlande dienen, dankbar, in dieser stolzen und schönen Zeit deutsche Frauen zu sein!" * Frau Gertrud Scholz-Klink ist anläßlich des Muttertages in den Ehrenführerring des Reichsbundes der Kinderreichen eingetreten. Dem Ehrenführerring des RdK. gehörten d i sh e r nur führende Männer aus Partei und Staat an, darunter sechs Neichsminister. Die Berufung der Reichsfrauenführerin, die selbst Mutter von vier Kindern ist. soll die Achtung und Verehrung zum Ausdruck bringen, die die Frau und Mutter im nationalsozialistischen Deutschland genießt. Gleichzeitig beweist sie die enge Verbundenheit zwischen der deutschen Frauenarbeit und dem bevölkerungspolitischen Aufbau unseres Volkes. Neichsminister Kerrl spricht in Halberstadt. H a l b e r st a d t, 9. Mai. (DNB.) In Halberstadt wurde das D o m m u s e u m, in das auch der Domschatz ausgenommen wurde, feierlich eröffnet. Reichsminister Kerrl hatte es übernommen, das Museum zu eröffnen. Der Minister sprach von der deutschen Seele, die aus der deutschen Sprache, aus den deutschen Sagen und Legenden, aus einem Dornröschenmärchen wie aus der Sage von der Brünhilde spreche. Dem deutschen Wesen, dem deutschen Blut, dem Handeln nach oen Geboten des eigenen Gewissens entspreche es, daß der Deutsche eine Tat nie um des Mammons willen, sondern nur u m ihrer selbst willen tun könne. 5)abe der Deutsche einmal die tiefe Bedeutung des Handelns aus dem eigenen Gewissen heraus erkannt, dann werde er sich auch feiner Unzulänglichkeit bewußt und werde demütig. Er erhebe feine Hand zum Himmel und bitte um die Gnade, die von oben komme. Diese Gnade habe immer gewaltet über all dem Großen, was die Deutschen in der Geschichte geleistet haben. Sie hat gewaltet in den tausenden und abertaufenben deutschen Siegen im Weltkriege, und als dann das deutsche Volk der Verzweiflung nahe war, als es an Gott die Frage richtete, wie er es zulasten konnte, daß nach diesen herrlichen Siegen das Volk um die Früchte betrogen wurde, da waltete die Gnade wieder, und Gott schenkte uns den Führer. Und dieser Führer tat nur eins: Er wies uns immer wieder hin auf das Reich, das nicht von äußeren Ehren kommt, das Waikäferplage vor den Toren Augsburgs. Die Schaltjahre haben nach alter Erfahrung eine Besonderheit: die Maikäferplage. Auch das Jahr 1936 scheint keine Ausnahme davon zu machen. In ganz besonderem Maße haben die Maikäfer- schwärme in den letzten Tagen die bei Augsburg liegenden Gemeinden des östlichen Lechraines in Höhe des Flugplatzes Lechfeld heimgesucht. Es sind die Gemeinden Unterbergen, Schmiechen, Pritt- ricfying, Winkl und Scheuring. Besonders schlimm wurde die Ortschaft Winkl betroffen, wo eine dichte Wolke mit Hunderttaufenden von Maikäfern in einer Tiefe von 8 Kilometer und einer Breite von 500 Meter etwa 10 Meter über dem Boden fliegend den Lech überschritt und sich als schwarze Wolke auf den Bäumen der Ortschaft niederließ. Kahl- gefressenes Gezweig und das Gerippe der Aeste geben den befallenen Strichen das Gepräge einer hoffnungslosen Verwüstung. 20 Zentner Mai- fäfer wurden allein an einem Tage vernichtet. Trotzdem bot sich am Morgen des nächsten Tages wieder dasselbe Bild. In den Gärten lagen die Käfer bis 10 Zentimeter hoch am Boden, weil sie auf den Bäumen keinen Platz mehr hatten. Zur Bekämpfung der Plage wurde der Arbeitsdienst eingesetzt. Verwüstungen durch einen Kugelblitz. Bei einem schweren Gewitter, das dieser Tage über Betzdorf niederging, schlug unter starkem Krachen ein Kugelblitz in das Haus des Lokomotivführers Augst. Die seltene Erscheinung eines Kugelblitzes richtete in allen Räumen bis zum Keller hinab Verwüstungen an. Das Gewitter war zudem von einem fast dreistündigen heftigen Regen begleitet. Die Sowjetfahne auf dem Obersten Vundesgericht in Washington. Den Einwohnern der amerikanischen Bundeshauptstadt Washington bot sich am Donnerstag morgen ein ungewöhnlicher Anblick. Eine riesige große Kommuni st enflagge mit Hammer und Sichel flatterte über dem neuen Marmorgebäude des Obersten Bundesgerichts. Erst nach lV2ftünbiger angestrengter Arbeit gelang es der Polizei unb der Bundesgerichtswache, die Fahne von dem 25 Meter hohen Mast, an dem sie fest verknotet war, herunterzuholen. Am Fuß des Fahnenmastes fand die Polizei eine Nummer des „Lampoon", des Witzblattes der Harvard-Universität, die einen Artikel mit der Überschrift „Nieder mit dem Kapitalismus" enthielt. Die Polizei nimmt an, daß es sich um einen schlechten Scherz eines Havard-Studenten handelt. Todesurteil gegen einen Gattenmürber. Das Görlitzer Schwurgericht verurteilte ben 41 Jahre alten Georg Bay aus Kobersborf (Kreis Görlitz) wegen Ermorbung feiner Ehefrau Frieba zum Tobe unb wegen Vergehens gegen § 175 zu fünf Jahren Gefängnis. Auherbem würben bem Verurteilten bie bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit aberkannt. Bay hatte feine zweite Ehefrau hoch versichert unb sie, um bie Versicherungssumme von 24 000 Mark zu erhalten, im Babe burch einen wuchtigen Schlag betäubt unb bann im Babewasser ertränkt. Bemerkenswert ist, baß seine erste Frau unter eigenartigen Vergiftungserscheinungen gestorben ist. Man vermutete, baß Bay auch in biefem Fall ben Tob feiner Frau gewaltsam herbeigeführt hat. Ein Beweis für bie Schulb bes Angeklagten hat sich jeboch nicht erbringen lassen. Schau schließt sich an. In der Jndustrieabteilung sind in Art einer Messe alle Hilfsmittel für Bäckerei- betriebe ausgestellt. Zusammen mit der Ausstellung findet eine Arbeitstagung des Bäckerhandwerks statt, in der wichtige Fragen der Organisation, aber auch allgemein wichtige Ernährungsfragen behandelt werden. Am Dienstag wird eine Sitzung der Landeshandwerksmeifter unter der der Leitung des Reichshandwerksmeisters abgehalten. Oie Zeugenaussage im Berliner Baugruben-prozeß. 3m Berliner Bauunglücksprozeß griff die Verteidigung noch einmal die Aeuherung des Vorarbeiters P a u e r s auf, daß die Baustelle von der Belegschaft als „S ch w i n d e l b a u" bezeichnet worden sei. Pauers begründete noch einmal, wie es auf Grund der von den Arbeitern feftge- stellten Mängel zu diesem vernichtenden Werturteil gekommen ist. Pauers habe den getöteten Schacht- meister D ü m t e gebeten, ihn besonders in ben letzten Tagen nicht mehr allein zu lassen, bamit er, fein Stellvertreter, im Falle eine Unglücks bie 23er- antroortung nicht allein zu tragen habe, unb Dümfe hat biefe Bitte erfüllt. Auf eine Frage bes Angeklagten Weyher, der den Vorarbeiter Pauers tun nach feiner Einlieferung in bas Krankenhaus besucht hat, erklärt ber Zeuge, er habe gleich bei feinen ersten Gesprächen Darauf hingewiesen, baß bas „saumäßige" U- (Eifenmaterial, bas in ber untersten Steifen- läge eingebaut würbe, viel Schulb an bem Einsturz- Unglück trage. — Im weiteren Verlauf schränkte P a u e r s feine Angaben über bie frelstehenben Rammträger bahln ein, baß es sich um sechs bis acht Stück gehanbelt habe. Zum Schluß berichtete P. unaufgeforbert, baß Bauleiter Roth brei bis vier Wochen vor bem Unfall sehr verärgert auf bie Baustelle gekommen sei unb erklärt habe, baß alle von ihm eingereichten Anträge abgelehnt würben. (Gemeint finb offenbar feine Materialanforberungen. D. Reb.) Unter ben Arbeitern würbe allgemein ba- oon gesprochen, baß sich Noth bereits nach einer anderen Stelle umsehe. . Der Zimmerpolier Dawid hatte sich als Zeuge über die Frage der Aussteifung zu äußern. Seiner Erklärung nach haben an vier Trägern der östlichen Mittelwand in der vierten Steifenlage die U-(Eifen gefehlt, die nach den Bauvorschriften als Widerlager für die Steifen hätten angebracht werden müssen. Wückenplage in der Pfalz. Seit einigen Tagen wird in der Westpfalz eine seltsame zoologische Erscheinung beobachtet. Bisher fast unbekannte Mücken sind in so dichten Schwär- men über Städte und Dörfer hergefallen, daß sie einer richtigen Landplage werden. Es Han- delt sich um die sog. Haarmücke, von denen einige Arten zwar jedes Jahr auftreten, die aber noch niemals in so gewaltigen Schwärmen beobachtet worden sind. Glücklicherweise sind sie in den Forsten und Gärten unschädlich. fahrt vom Nationaltheater wurden dem Führer begeisterte Zustimmungen dargebracht. Erstes deutsches Forstmuseum in Goslar. Dieser Tage wurde die Forstabteilung des Goslarer Heimatmuseums der Deffent- lichkeit übergeben und damit eine Neuschöpfung der Allgemeinheit zugänglich gemacht, wie sie bisher in Deutschland einzig und ohne Vorbild ist. Wir haben in Deutschland bisher nur im Deutschen Museum in München einen Versuch, im Rahmen ber für Meisterwerke ber Naturwissenschaft unb Technik bestimmten Museumsausstellung auch ben beutschen Walb zu erwähnen. In ber Forstabteilung bes Goslarer Heimatmuseums, am wahlberechtigten Platz innerhalb beutschen Walbgebietes, ist eine forstgeschichtliche unb forstwirtschaftliche Zusammenstellung unb Uebersicht geschaffen worben, bie für ähnliche Versuche Vorbilb sein kann. In Schaubilbern wirb eine Uebersicht über ben beutschen Walb gegeben, wobei bie Verteilung ber Holzarten, bie 23e« fitzverhältnisfe, bie Nutzholzbilanz usw. berücksichtigt finb. Dann qet)t bie Darstellung auf bie Goslarer Forst über. Auch Forst- unb Jagbrecht werben urkundlich vor Augen geführt. Die alten unb bie bener Truppenabteilungen und ein Aufmarsch bef nationalen Verbänbe. An ber Spitze von Zehn- tausenden seiner Anhänger schritt Oberst de la Roque, ber Führer ber F e u e r k r e u z l e r, von zahlreichen Zuschauern jubelnb und mit bem Rufe „Es lebe de la Roque!" begrüßt. Zum ersten Mal nahmen auch bie Jugenbgruppen ber Feuerkreuzbewegung an dem Vorbeimarsch teil. Eindrucksvoll wär auch der Zug der Anhänger der aufgelösten Action Fran?aise. Dann folgten bie „nationalen Freiwilligen", bie Nationale Volkspartei unter Führung bes Abgeorbneten Taittinger. Anschließenb marschierten in Reih unb Glieb bie Blauhemben ber S oIi b a r i te Franxaise, an ihrer Spitze ihr Präsibent Rena u b, unb grüßten mit erhobenem rechten Arm bas Stanbvilb. Nach bem Vorbeimarsch lösten sich bie Züge sehr rasch auf. Zu Zwischenfällen ist es nicht gekommen. LZ.„Hindenburg"inLakehurst Start zur Rückfahrt heute abend. L a fe t) u r ft, 11. Mai. (DNB. Funkspruch.) Das Luftschiff „H i n b e n b u r g", bas am Samstag um 11.08 Uhr MEZ. in Lakehurst glatt gelanbet ist, war am Sonntag bas Ziel vieler Tausende von Besuchern. Die Behörden schätzten die Besucherzahl auf etwa 100 000. Der Autoverkehr war auf sämtlichen Zufahrtsstraßen so stark, daß er aus einem Flugzeug durch Lautsprecher geregelt werden mußte. Tausende von Besuchern trugen Hakenkreuzabzeichen im Knopfloch ober hatten ihre Auto- kühler mit Hakenkreuzfähnchen geschmückt. Unter ben Besuchern, bie bas Luftschiff unter Führung ber Offiziere besichtigten, befanden sich der Chef der Marineleitung Admiral Stanley. Sämtliche Besucher äußerten sich b e g e i ft e r t über die Einrichtungen des Luftriesen. Inzwischen wird alles für die Rückfahrt des Luftschiffes vorbereitet. Der Aufstieg ist vorläufig auf heute um 22 Uhr (amerikanische Zeit) festgesetzt. Die Schiffsleitung erklärte, sie hoffe, Frankfurt am Main in etwa 45 Stunden zu erreichen. Damit würde die von dem „Graf Zeppelin" bei dem Weltflug im Jahre 1929 gebrauchte Zeit von 55 Stunden um 10 Stunden verbessert. Man rechnet ür die ganze Rückfahrt mit Rückenwinden. Die Wettervoraussagen lauten sehr günstig. Die Wiederauffüllung der Gastanks und die Aufnahme der Treibstoffe ist bereits vollendet. Die Slowakei Aufmarschgebiet des Bolschewismus. Eine slowakische Denkschrift für den Völkerbund. Genf, 9. Mai. (DNB.) Der Slowakische R a t hat dem Völkerbund eine neue Denkschrift überreicht, in der neues Material dafür beigebracht wird, daß die Slowakai durch das tschechoslowakisch- sowjetrussische Militärabkommen zum Au f m a r s ch- gebiet des Bolschewismus In Mitteleuropa geworden ist. S o w j e t r u s s i s ch e Offiziere beteiligten sich an den Arbeiten zum Bau und Umbau von Flugplätzen. In Böhmen wie in der Slowakei seien zahlreiche kürzlich erbaute Baracken zu sehen, die von sowjetrussischen Militärpersonen bewohnt und bewacht würden. Es handele sich um sowjetrussische Flieger und Pioniertruvpen. Andererseits betrieben russische Kommissare mit Unterstützung ber tschechischen Behörden unter den Slo- eine gute Gewohnheit sschen Schwestern entlasten. Durch retchsgesetzltche Unfallversicherung, zusätzliche Unfallhilfe, Haftpflichtversicherung und Gemeinschaftskrankenversicherung sind diese Hilfskräfte besonders gesichert. Die Aerzte stellen sich in den meisten Fällen in liebenswür- d-igster Weise mit ihrem Wissen und Können für diese Pflichtaufgabe des Roten Kreuzes zur Verfügung. Die Entwicklung muß so weitergehen, daß es bald keinen Ort mehr gibt, in dem nicht Samariterinnenkurse abgehalten werden, denn die Zahl der weiblichen Hilfskräfte muß ständig wachsen. Qi. Hauptversammlung des Turnvereins von 1846 Gießen. Die diesjährige Hauptversammlung des Tv. 1846 fand unter lebhafter Beteiligung der Mitglieder statt. Nach kurzer Begrüßung und nachdem er der im vergangenen Jahre verstorbenen Mitglieder gedacht hatte, eröffnete der Dereinsführer Reining die Beratungen. Er teilte mit, daß sich durch den erfolgten Uebergang der DT. in den RfL. im Wesen des Vereins nichts ändert. Der dann fol- aende Bericht gab den anwesenden Mitgliedern Aufschluß über die Tätigkeit des Führerringes, aus dem zu ersehen war, daß im vergangenen Jahr Ersprießliches geleistet wurde. Auch der Bericht des Oberturnwartes Erb zeigte, daß die Uebunas- stunden der einzelnen Abteilungen regelmäßig besucht werden, sowie auch, daß unsere zu Wettkämpfen entsandten Mitglieder stets mit bestem Erfolg für den Verein tätig waren. Der Bericht des Schatzmeisters Schneider und der Rechnungsprüfer ergab einwandfreie Führung der Kassengeschäfte und Entlastung des Rechners. Der Haushaltsvoranschlag für das neue Geschäftsjahr wurde genehmigt. Alsdann kam der Hauptpunkt der Tagesordnung, das 9 0. Stiftungsfest, zur Sprache. Auf Vorschlag des Dereinsführers soll diese Feier im Monat September stattfinden. Ein noch zu bestimmender Ausschuß wird über die Durchführung dieser Veranstaltung beraten und zu gegebener Zeit Bericht erstatten. Der Hauptversammlung wohnte auch das Ehrenmitglied Ludwig Klotz bei, der dem Verein seit mehr als 60 Jahren angehört und der vor kurzer Zeit seinen 80. Geburtstag feiern konnte. Der Vereinsführer benutzte die Gelegenheit, um dem verdienten Turner nochmals die Glückwünsche der gesamten Mitglieder zu diesem Tag zum Ausdruck zu bringen. Auch ae- dachte er mit anerkennenden Worten des bewährten Turners Theodor Vaubel, der dem Verein bereits über 50 Jahre als Mitglied angehört und der sich heute noch regelmäßig an den Uebungs- stunden der Alters-Abteilung beteiligt. Nachdem noch verschiedene Vereinsangelegenheiten besprochen waren, schloß Vereinsführer Reining die Versammlung mit einem Sieg-Heil auf den Führer. Wetterbericht des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. Während in den nördlichen Teilen Deutschlands sich schon am Samstag eine kühlere Luftströmung durchsetzen konnte, verblieb vor allem Süddeutschland zunächst noch im Bereich feucht-warmer Luft. Sie bedingte vor allem im Rhein-Main-Gebiet schwüles Wetter mit Gewittertätigkeit, die aber nur örtlich stärkere Regenmengen lieferte. Inzwischen ist die kühlere Mischluft weiter nordwärts vorgestoßen und brachte vor allem am Nordrand der Alpen starke Niederschläge. Voraussichtlich wird sich rasch wieder freundliches Wetter durchsetzen, ohne vorerst aber volle Beständigkeit zu bringen. Aussichten für Dienstag: Vielfach dunstig, sonst häufig aufheiternd und im allgemeinen trockeü, mäßig warm, schwache Luftbewegung. Aussichten für Mittwoch: Zunehmende Erwärmung und erneut aufkommende Gewitterneigung. Die Aufgaben der Baupolizei. Kleine politische Nachrichten. Der Rundfunk überträgt am heutigen Montag von 16.15 bis 16.40 Uhr auf alle Sender den Reichsbetriebsappell für das deutsche Baugewerbe. Reichsorganisationsleiter Dr. Ley spricht von der Reichsautobahn bei Heilbronn am Neckar und leitet damit die Aktion für Unfallverhütung im Baugewerbe ein. ♦ Das Kreuzergeschwader, bestehend aus den Kreuzern „Leipzig", „Köln" und „Nürnberg", ist von seiner A t l a n t i k r e i s e, die die Schiffe nach den Kanarischen Inseln, nach Lissabon und anderen Häfen führte, wieder zurückgekehrt. ♦ Zum Präsidenten der spanischen Republik wurde der linksrepublikanische Ministerpräsident A z a n a mit 754 Stimmen von über 900 gewählt. Außenminister Barcia wird als interimistischer Ministerpräsident nach der Vereidigung Azanas vor dem Parlament dem neuen Staatspräsidenten den Rücktritt des Gesamtkabinetts anzeigen. * Der ägyptische Regentschaftsrat hat den Führer der Wafd-Partei Nahas Pascha, mit der Kabinettsbildung beauftragt. Man erwartet die Bildung der neuen Regierung nur aus Angehörigen der Wafd-Partei. Der Oberstleutnant A i z a w a , der im vergangenen Jahre den Chef der Abteilung für allgemeine militärische Angelegenheiten im japanischen Kriegsministerium Generalleutnant N a g a t a ermordet hat, wurde zum Tode verurteilt. Im Verhör hatte Aizawa den von ihm getöteten Nagata als Gegner der Wiederherstellung des alten Kaisergedankens bezeichnet und dabei schwere Angriffe gegen die sog. „alten Staatsmänner" gerichtet, die später dem Februaraufstand zum Opfer fielen. Büchertisch. — Major Holm: „I ch werde Soldat". Verlagsbuchhandlung Broschek & Co., Hamburg 36. Kart. 1 Mark. — (53) — In dem Büchlein findet jeder, der in das Heer eintreten will, sei es, um seiner Wehrpflicht zu genügen, sei es, um in ihm einen Lebensberuf zu finden als Offizier, Arzt, Tierarzt, Beamter, Unteroffizier, alle Fragen in kurzer und allgemeinverständlicher Form beantwortet. Er erhält Auskunft über die gesetzlichen Grundlagen, den Aufbau des Heeres, über alle Laufbahnen, Musterung, Aushebung, freiwillige Meldung, kann sich unterrichten über Dienstgrade, Uniform und Abzeichen, über Urlaub, und schließlich auch feststellen, wie er besoldet wird. Da auch die Frage: Wie werde ich Reserve-Offizier? behandelt wird, ist das Buch ein unentbehrlicher Ratgeber nicht nur für unsere heranreifende männliche Jugend und deren Eltern, sondern auch für alle die, die als Offizier des Beurlaub- tenftandes dem Heere ihre Dienste widmen wollen. Das Buch ist auf amtlichen Unterlagen bearbeitet und entspricht den neuesten Bestimmungen. — A. B r e d i u s : Rembrandts Gemälde. Phaidon-Verlag in Wien. Preis geb. RM. 6,00. — (584) — Rembrandt und Shakespeare sind die beiden größten schöpferischen Genies der neuzeitlichen europäischen Kunst und vielleicht die einzigen, die es verdienen, mit ihrem ganzen Werk als ein ungeheurer Wertmaßstab für alles Schaffen immer vor den Augen der Menschheit dazustehen. Doch erst die Reproduktionstechnik der letzten Jahre ist so weit gekommen, Abbildungen zu schaffen, deren Schönheit und Tiefe etwas von den Originalen aussagt. Diese neue große Rembrandt-Publikation vereinigt das Gesamtwert des Meisters in 630 Abbildungen. Das von uns angewendete Druckverfahren gibt das Dämmerige der Rembrandt-Gemälde ftimmungsgemäß richtig wieder, ohne die Einzelheiten zu verwischen. Die Anordnung ist themattsch. In den ersten 70 Abbildungen sind die Selbstbildnisse Rembrandts vereinigt; dann folgen chronologisch in den einzelnen Abteilungen die Männerporträts, die Frauenporträts, die Gruppenbildniffe, die Genre-Darstellungen, die Landschaften und Stilleben, die mythologischen und geschichtlichen Bilder, die Gemälde zum Alten und zum Neuen Testament und die biblischen Einzelgestalten. Umfangreiche Register, die von führenden Fachgelehrten bearbeitet wurden, stellen ein erstklassiges wissenschaftliches Auskunftsmittel für die neue Rembrandt-For- fchung dar. In einem Erlaß des Reichsarbeitsministers an die Länderregierungen heißt es u. a.: Berichten und sonstigen Mitteilungen entnehme ich immer wieder Klagen über den Vollzug der baurechtlichen Vorschriften. Die Klagen mögen zu einem Teil ungerechtfertigt fein und vielfach auf Verkennung der mit den einzelnen Vorschriften verfolgten Absichten und der ihnen zugrunde liegenden Notwendigkeiten beruhen. Von diesen Fällen abgesehen besteht aber auch nach meiner Ansicht Anlaß, daß die Vollzugs- und Aufsichtsbehörden sich Rechenschaft darüber geben, ob die Handhabung der baurechtlichen Vorschriften den derzeitigen Verhältnissen, vor allem der Sage der Wirtschaft, ausreichend Rechnung trägt. Die Vorschriften für die Ausführung von Bauten, die von den Baupolizeibehörden und den sonst beteiligten Behörden beachtet werden müssen, sind zwar heute noch sehr zahlreich; eine wesentliche Beschränkung ihrer Zahl wird sich erst nach und nach im Zuge der Vereinheitlichung des Baurechts ermöglichen lassen. Das Bestehen dieser Vorschriften kann aber kein Hindernis bilden, ihren Vollzug so zu gestalten, daß das Bauen nicht erschwert und gehemmt, sondern vielmehr gefördert wird. Die baurechtlichen Vorschriften find nicht Selbstzweck; ihr Zweck ist, ein vernünftiges, zweckmäßiges Bauen zum Nutzen der Allgemeinheit zu ermöglichen. Sie sind daher auch entsprechend diesem Zweck und nach ihrer wirtschaftlichen oder sonstigen Zielsetzung zu handhaben. Die Lage unserer Wirtschaft, die Notwendigkeit weiterer Arbeitsbeschaffung und der steigende Bedarf an Wohnräumen verlangen gebieterisch, daß jede B a u a b s i ch t bei den Behörden jede Förderung findet, die ihnen nach pflichtmäßiger Prüfung der öffentlichen Belange möglich erscheint. Die Ausführung privater Bauten dient nicht allein den Zwecken des einzelnen, sie ist heute im verstärkten Maße von Wert und Bedeutung für die Allgemeinheit. Eine ordnungsgemäße Bauausführung, die Wahrung der berechtigten Belange des einzelnen und der Gesamtheit und die Durchsetzung der besonderen Ziele, die der Staat aus städtebau-, wohnungs- und siedlungspolitischen Gründen aufgestellt hat, muß selbstverständlich durch Anwendung der baurechtlichen Vorschriften gesichert werden. Daneben müssen es die Vollzugsbehörden aber als ihre wichtigste Aufgabe ansehen, durch Beratung und tätige Hilfe die Bauvorhaben in jeder Weise von Amts wegen zu fördern. Jeder mit dem Vollzug des öffentlichen Baurechts beauftragte Beamte Gar vielen ist die Frauenarbeit im Dienste des Roten Kreuzes unbekannt, die meist ganx in der Stille geschieht und äußerlich wenig in Erscheinung tritt. Wer sie aber einmal persönlich kennen gelernt hat, der weiß, wie viel an unermüdlicher, selbstloser Hingabe geleistet wird. Dies gilt in erster Linie von den Krankenschwestern, die in uneigennütziger Hilfsbereitschaft ihre kranken Mitmenschen betreuen, sie aufopfernd pflegen und als schönsten Dank und Lohn die Wiedergesundung ihrer Schützlinge begrüßen. Die hessischen Rotkreuz-Schwestern, nach der verewigten Großherzogin Alice, die 1867 den Alice- Frauenoerein gründete, „Alice-Schwestern" benannt, werden in vier Mutterhäusern in Hessen ausgebildet und zwar im Alice - Hospital in Darmstadt, im Aliceheim in Mainz, im Stadtkrankenhaus in Offenbach und im Philippshospital in Goddelau. Hier werden die jungen Mädchen geschult, um nach dreijähriger Lehrzeit auf den verschiedensten Arbeitsgebieten, in Krankenhäusern, auf Gemeindepflegestationen, in Kinderheimen usw. tätig zu sein. Das im Jahre 1883 erbaute Alice-Hospital in Darmstadt errichtet zur Zeit einen Neubau, der im Herbst dieses Jahres bezogen werden wird. Viele Schwestern, die ihn bereits besichtigt haben, möchten am liebsten in dem schön und zweckmäßig eingerichteten Haus arbeiten, und gewiß werden dahingehende Wünsche gerne berücksichtigt, wenn nicht die Persönlichkeit der Schwester auf einem anderen Arbeitsplatz notwendiger ist. Die Schwester muß, wie der Soldat, überall ihre Pflicht tun und dem Rufe folgen, der sie an die eine oder andere Arbeitsstätte führt, gewiß, daß das Vertrauen ihrer muß sich bewußt fein, daß er durch Ausübung der ihm übertragenen staatshoheitlichen Reckte am Aufbau unseres Staates und unserer Wirtschaft mitzuwirken hat. In diesem Geiste bitte ich die Aufgaben der Baupolizei aufzufaffen. Die Baupolizei wird dann als Freund und Förderer des wirtschaftlichen Wollens empfunden werden. Die Aufsichtsbehörden ersuche ich, bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf einen Vollzug hinzuwirken, der sich nicht nur auf die verantwortungsbewußte Wahrnehmung der öffentlichen Belange beschränkt, sondern dabei auch den wirtschaftlichen Erfordernissen ausreichend Rechnung trägt. Im besonderen ordne ich folgendes an: 1. Anträge auf Erteilung der baupolizeilichen Genehmigung oder sonstiger für die Ausführung von Bauvorhaben erforderlicher Genehmigung sind stets als Eilsachen zu behandeln. Büromäßige Umständlichkeiten in der Bearbeitung haben zu unterbleiben. Unvollständige oder unzulängliche Anttäge sind in der Regel nicht ohne weiteres abzuweisen; ihre Ergänzung oder Verbesserung ist vielmehr auf dem kürzesten Wege und durch sachgemäße Beratung anzustreben. Sind mehrere Amtsstellen am Verfahren zu beteiligen, fo hat, soweit die örtlichen Verhältnisse es zulassen, die für die Entscheidung zuständige Stelle diese Beteiligung von sich aus herbeizuführen. Die Aufsichtsbehörden werden angewiesen, das Verfahren bei den Gemeinden, aus denen öfters Klagen kommen, eingehend, möglichst an Ort und Stelle, zu prüfen und die zu seiner Beschleunigung und Vereinfachung erforderlichen Anordnungen zu treffen. 2. Die unteren Baupolizeibehörden haben ihr besonderes Augenmerk auch der Beratung der Bauwilligen zuzuwenden, soweit nicht etwa besondere Beratungsmöglichkeiten bereits bestehen. Diese Beratung soll sich nicht nur auf das engere baupolizeiliche Verfahren erstrecken, sondern dem Bauwilligen die Möglichkeit geben, sich auch über andere mit dem Bauvorhaben zusammenhängende Verfahren (z. B. Anträge auf Förderung des Bauvorhabens durch öffentliche Mittel oder Bürgschaften) zu unterrichten. Hierdurch soll vor allem den ge- schäftlich ungewandten Kreisen der Bevölkerung Gelegenheit zu einer umfassenden Beratung gegeben werden. Die Baupolizeibehörden haben durch geeignete örtliche Bekanntmachung die Oeffentlichkeit auf die Möglichkeit der Beratung hinzuweifen. Vorgesetzten sie an den richtigen Platz weist. Wohl kann die Schwester keine Reichtümer sammeln, aber es werden ihr nach Möglichkeit alle Sorgen ab genommen, und sie weiß, daß besonders in Krankheit und Alter das Mutterhaus stets für sie ein« treten wird, damit sie, die ihre Kraft im Dienste an den Mitmenschen verbraucht hat, nun auch fühlt, was es heißt, von treuen Händen gepflegt und versorgt zu fein und sich nicht verlassen oorzukvmmen. Auf dem Grundstück des Alice-Hospitals in Darmstadt befindet sich die Geschäftsstelle der Landesverwaltung des Hessischen Alice-Frauenvereins, die Zusammenfassung aller Rotkreuz-Frauenarbeit Hessens. Von hier gehen die Anweisungen hinaus in die 42 Zweigvereine mit ihren 9617 Mitgliedern, darunter 950 weiblichen Hilfskräften. Letztere werden in den einzelnen Orten in Samariterinnenfurfen theoretisch und praktisch durch einen Arzt geschult und in Ortsgruppen zusammengefaßt, die einer Ortsgruppenleiterin unterstehen. Wer sich weiter ausbilden will, kann nach dem Samariterkursus drei Monate als Helferin im Krankenhaus arbeiten, um im Bedarfsfälle eine Schwester-Schülerin zu ersetzen. Zur Zeit befinden sich 741 Samariterinnen und 28 Helferinnen in der Ausbildung. Nach sechsmonatiger Tätigkeit im Krankenhaus kann die Hilfsschwesternprüfung abgelegt werden. Die Hilfs- schwestern treten durch ihr längeres regelmäßiges Arbeiten in engere Verbindung mit dem Mutterhaus und entschließen sich öfters, den Schwestern- beruf ganz zu ergreifen. Wie oft schon konnten die weiblichen Hilfskräfte in Verbindung mit den Sanitätskolonnen praktische Hilfe leisten und so die am Krankenbett unabfömm- Frauenarbeit unter dem Roten Kreuz in Hessen. Hilfsbereitschaft im Dienste der Allgemeinheit. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumfchein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. IV. 36: 10 000. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch-und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugsprets RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vorn 1. Juni 1935 gültig. Keine Zeugnisse in ürschrUt icnbern nur Zeugnis abfdjrlften Dem Be- werdungSichreiden beilegen — Lichtbilder unoBewerbungSunter» lagen müllen zur Vermeidung oon Verlusten auf der iNüdjeite Warnen und Üinschriit veS Bewerber» tragen 1 Für 4 Wochen zur Vertretung ein flotter 307eD ÄUein- kellnev der selbst, arbeiten kann,gesucht. Bahnhofsgast-I statten Wetzlar. Null. Wohnung 3 Zimmer, Küche, Äad, evtl, mit Garage, per 1. Zuli oder früher gesucht. Angebote unter 3063V an den Gießener Anzeiger. junget Bonn per20.5.od. 1.6. gesucht. Stenograph, Maschi- nenschreib. (Adler). Höh. Schule (mindest, einige Jahre), Gehalt nach Uebereink. Keine volle Ta- gesarb. Selbst- geschr. Ang. mit Zeugnisabschrift. u.3026Da.G.A. BDM. Mäflel find, liebev.Aufnahme altz Haustochter u. Stütze in Gastwirtschaft u. Metzgerei auf d. Lande. Schr. Angeb. u. 3061D an o. Gieß. Anz. Werbe-Drucksachen bei Brühl. Schulstr.7 4--Zim.-Wohn. moncttl. 60 RM. 5->Zim.--Wohu. mitgroßerWerk- statte, monatlich 80 RM., zu vermiet. durch [aoeeD Biiro Kirchner Selfersweg 8. Schöne 3-Zinmier-Wohng. zu vermiet. Schr. Angeb. u. 02151 an ü. Gieß. Anz. Garage liei Löberstr. 3. 02160 Mietgesuche Pens. Beamter von auswärts (2 Pers.) sucht geräumige M-Zinnn.-Win. bis zum Ott. ob. Nov. ds.Js. mit Preisangabe. Sckr.Angeb.unt. 3064Da.d.G.A. Dame sucht zum l.Oktob. sonnige 2-Mohng. mit Zubehör in gutem Vause. Kliniksviertelbe- vorzugt.Schriftl. Angeb. U.3066D an den Gß. Anz. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Wieseck, den 11. Mai 1936 3071 D Am 10. Mai verschied nach kurzem, schwerem Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Arnold Handloser Oberlokomotivführer i. R. Die Trauerfeier findet am Mittwoch, dem 13. Mai, nachmittags um 3 Uhr in der Kapelle des Neuen Friedhofs in Gießen statt Frau Margarete Handloser verw. Klein, geb. Steuernagel im 67. Lebensjahre Vermietungen Lebensmittel-Verdingung 1: 15 Los 2: Los 3t für Los 4: für Los 5: für Los 6: Los 7: sucht. 305»D Frau F. Richter sosaD Musik. Leitung- Paul Walter. 1 Spielleitung; Paul Wrede. I Brühl'sche Druckerei, SchulstraBe 7, Anruf 2251 gibt Panzer-Abw.-Abt. 41, Panzer-Abw.-Abt. 41, Panzer-Abw.-Abt. 41, Geschmackvoll Vornehm Persönlich LS LPfgJ ffür nur Obst- und Gemüsekonserven für Panzer» Abw.-Abt. 41, Gießen. Küchenabfälle für Panzer-Abw.-Abt. 41, Gießen. MlAM Gießen 299o0 DienSt., 12.Mai, 20—23 Uhr: 3O.Dienst--Abon. Preise von 1.20-5.00 RM. Der Apotheker Kom. Over von Joseph Haydn. 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Angebote mit der Aufschrift „Angebote auf Lebensmittel oder Küchenabfälle" sind bis zum 20.5. 36, 10 Uhr, der Küchenverwaltung der Panzer-Abwehr-Abteilung 41 nur durch die Post einzufenden. 3060D Angebote mittels Bietungsscheins, den die Küchenverwaltung unentgeltlich verabfolgt, können nur auf ganze Lose gemacht werden. Bieter sind nach der Verdingungsordnung bei der Oeffnung der Angebote nicht zugelasfen. Wenn Bewerber bis zum 30.5.36 nicht benachrichtigt worden sind, mußten die Angebote unberücksichtigt bleiben. Küchenverwaltung panzer-AbwehrAbtellung 41. Zum sofortigen (Eintritt wird tüchtiger Mim gesucht. Sauber. Arbeiten Voraussetzung. Bewerbung m. Angabe bisherig er Tätigkeit u. Nr. 02152 a.d.G.A. Zigaretten- Verkäufer sofort ges. 3075D Cafä Amend. 2iüd)l0fJC von 3 dis 20 v. s. erhalten Sie )>t\ wiederholten Auf- nahmen einer Ameig» Auf Anwaltsbüro lungere StenotQDiftin z.baldig.Eintritt ges.Bewerb, unt. B 40 (02153) mit Anspr. a.d.G.A. Kräftiges, 16 bis 18jähriges Mädchen für tagsüber ge- ■ JIIIUIII flenko 5 Güner Einweidilouge von stärkster schmutzlöstnüer Wirkung! Kr. 109 Zweiter Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesfen) Montag, ll.Mai Mb Wie die Kautschukpflanze nachZndien kam Nie romantischen Anfänge einer Industrie. Dor 60 Jahren wurde die britische K a u t s ch u k - industrie durch das waghalsige Unternehmen eines Mannes geboren, um sich im Laufe der folgenden Jahrzehnte zu ihrer heutigen Höhe zu entwickeln, so daß sie neben der brasilianischen Erzeugung, die lange den Weltmarkt beherrschte, einen hohen Rang einnimmt. Sir Henry Alexander Wickham war der Abenteurer, der sein Leben wagte, um seinem Lande den heißbegehrten Kautschuk zu verschaffen und Pflanzen aus Brasilien zur Weiterkultur nach Indien hinüberzubringen; denn am oberen Amazonenstrom finden sich die wertvollsten Pflanzen und bilden hier ganze Wälder. Wickham überwand alle Hindernisse, die ihm in den Weg gelegt wurden, weil man in Brasilien alles daran setzte, die Pflanzen nicht aus dem Lande herauszulassen. Er war von dem indischen Ministerium gefragt worden, ob nicht irgendeine Möglichkeit bestünde, Samen von Kautschukpflanzen aus Brasilien zu beschaffen, so daß ihr Anbau auch innerhalb des britischen Reiches versucht werden könnte. Wickham erklärte sich bereit, das gefahrvolle Unternehmen zu wagen. Der brasilianischen Regierung gehörten alle Kautschukpflanzen in dem Gebiet des oberen Amazonenstromes. Um ihr Monopol zu wahren, erließ sie ein gesetzliches Berbot, Samen von Kautschukpflanzen aus dem Lande zu bringen. In der Tiefe des Urwalds waren oft schon Männer, die Samen ernten wollten, auf rätselhafte Weise verschwunden. Das Amazonastal birgt viele solcher Tragödien... Zollwächter mußten Tag und Nacht das ganze Gebiet durchstreifen und waren auch im Hafen von Para stationiert, um jeden zu verhaften, der die Ausfuhr von Samen versuchen sollte. Wickham landete in Para und drang in den Urwald ein. Wenn man gewußt hätte, was er vorhatte, wäre er sicher niemals wieder zurückgekehrt. „Ich bin hierher gekommen", erklärte er, „um eine bestimmte botanische Pflanzenart für Indien zu sammeln." Und er machte sich trotz aller Beobachtung an die Samenhülsen der Kautschukbäume und nahm Samen ab. Aber wohin nun damit? Wenn die Sache Erfolg haben sollte, mußten die Samen rasch in die Erde, da sie innerhalb von sieben Wochen ihre Keimkraft verlieren. Durch den Urwald ging die Reise nach Para, seine Träger mit schweren Säcken beladen. In diesen Säcken waren 70 000 kleine Samen des Kautschukbaumes. Beim letzten Halt wurden die Säcke in Kisten umgeladen und zugenagelt. Dann begann der letzte und schwierigste Teil des Weges. Endlich zog die kleine Karawane in die Stadt Tapajos ein. Sofort kamen Beamte, um nach dem Inhalt der Kisten zu fragen. Mit all seiner Liebenswürdigkeit antwortete er, das es botanische Seltenheiten seien. Als sie selbt diese sehen wollten, gelang es ihm, während Leben und Freiheit auf dem Spiele standen, die Beamten hinzuhalten und zu ermüden. Wie aber sollte er ein Schiff bekommen? Er ließ danach suchen und fragen, während er unterdes geschickt weiter mit den Beamten verhandelte. Endlich wurde wirklich ein Frachtdampfer gefunden, dessen Kapitän gerade auf Ladung wartete und bereit war, damit in jede Windrichtung zu fahren. Wickham näherte sich ihm und erzählte ihm so viel von seinem Vorhaben, wie er für notwendig befand. Aber der Kapitän hatte Bedenken. Wie konnte er nur drei Kisten übernehmen und gleich damit lossegeln? Wer würde ihm dann die Frachtkosten für eine volle Ladung bezahlen? Wickham versicherte ihm, daß die englische Regierung bestimmt dafür aufkommen werde. So wurden sie schließlich einig; der Kapitän vertraute darauf, daß die englische Regierung sich bei der Landung anständig benehmen und die vollen Frachtkosten bezahlen würde, obwohl er mit viel leerem Ballast fahren mußte. Gut, das war zwar erledigt, aber wie sollten die Kisten an Bord gelangen? Die neugierigen Zollbeamten lungerten noch immer umher und wollten durchaus die botanischen Seltenheiten sehen. In der schwärzesten Nacht schwebten die Kisten an Bord, der Kapitän gab Dampf, der Anker wirbelte hoch aus dem Schlamm, der Frachtdampfer nahm flußabwärts die Fahrt auf. Es gab noch atembeklemmende Augenblicke für Wickham und den Kapitän. Sie mußten durch Para. Es wimmelte dort von Beamten. Die Schiffspapiere! Zollinspektionen! Hinter all dem lauerten Gefängnis und noch weit Schlimmeres. Doch sie gelangten hindurch, wenn es auch oft an einem Haar hing. Endlich segelte ihr Schiff hinaus in das freie Meer, und die Fahrt heimwärts begann. Am Samstagmittag veranstaltete der Hessische Fürsorgeoerein für Krüppel im Turn- und Hörsaal der Orthopädischen Universitätsklinik zu Gießen, die von ihm geschaffen wurde und in seinem Eigentum steht, aus Anlaß seines 25jähri- gen Bestehens eine Feierstunde, die einer Würdigung des bisher vollbrachten Werkes galt. Die Jubiläumsfeier vereinigte eine große Festgemeinde, so daß der Turn- und Hörsaal vollbesetzt war. Neben Vertretern der Landesregierung, der Partei, der Universität und der Stadt Gießen waren viele Vertreter von hessischen Provinz- und Kreisbehörden, Abgesandte anderer Behörden, Vertreter der Wissenschaft und der Schwesternschaft, der Charitas, der Presse usw. zugegen. Oberbürgermeister i. X. Mueller, Darmstadt als Vorsitzender des Vereins leitete die Feier mit einer längeren Begrüßungsansprache ein, in der er unter namentlicher Aufführung der einzelnen Stellen und ihrer Vertreter herzlichen Willkommengruß entbot. Neben diesen Grußworten sagte er in seiner Ansprache u. a. noch: Wann und wo immer deutsche Männer und Frauen sich zu festlichem Tun vereinigen, gilt nach alter guter Sitte dem Oberhaupt des Reiches ihr erster ehrfurchtsvoller Gruß. So find auch unsere Gedanken in diesem Augenblick spontan auf den Führer und Kanzler gerichtet. Wissen wir doch, daß sein Interesse und seine warme Fürsorge auf unseren Schutzbefohlenen gehört, wie es denn überhaupt sein heißer Wunsch und Wille ist, daß kein aufrechter Deutscher geringer geachtet werde als der andere, vielmehr alle Volksgenossen, soweit es Menschenkraft vermag, des Lichtes und der Freude keilhaftig werden sollen. So wollen wir denn in froher Gemeinschaft diese Stunde festlich begehen mit tiefem Dank gegen Gott den Allmächtigen, dessen Segen sichtbarlich auf unserer 25jährigen Arbeit geruht hat. Zur besonderen Ehre gereicht es unserem Verein, daß weiteste Kreise einen so herzlichen Anteil nehmen an feiner Jubiläumsfeier. Darf er doch daran erkennen, daß man den Segen seiner Arbeit recht empfunden hat. Wir waren und sind nicht tätig um solcher Anerkennung willen, und doch sind wir dankbar dafür, weil wir sie brauchen als moralische Stütze und als Quelle neuer Kraft zu neuem Tun auf unserem Wege. Das gilt insonderheit von dem verständnisvollen Wohlwollen der hohen Obrigkeit, dessen wir uns von jeher in reichem Maße zu erfreuen gehabt haben, das sich auch heute wieder augenfällig dokumentiert in dem Sofort als das Schiff ankam, eilten sie mit den Kisten nach Kew, wo die Wärmhäuser und die Erdmischungen ihrer kostbaren Samen schon harrten. Die ©amen wurden gelegt und von erfahrenen Botanikern täglich und stündlich betreut. Die Mehrzahl der Samen hatte keine Keimkraft mehr oder starb ab trotz des wohlvorbereiteten Bodens. Nur vier vom Hundert keimten und wuchsen. Sogleich wurden die Pflanzen aus diesen kostbaren Samen nach Kalkutta, Rangoon und Singapore gebracht. An dem letzten Ort blieben nur sieben Bäume am Leben! Doch sie gaben ja wieder Samen, so daß neue Bäume heranwachsen konnten. Das war der Anfang der Kautschuk-Plantagen in Indien. Wer nach Singapore kommt, wird dort noch zwei herrliche, alte Kautschukbäume in voller Kraft sehen können. Sie sind die Stammväter der großen Kautschuk-Industrie von Malaya, von der die ganze Bevölkerung lebt. Die Nachkommen dieser Bäume sind viele Millionen wert. C. K. Erscheinen einer ganzen Anzahl prominenter Repräsentanten des Landes, der Partei, des Reiches und hoher Verwaltungsstellen ... Mit der Universität verbindet uns durch unsere Orthopädische Klinik ein besonders enges und herzliches Verhältnis, von dem ich aufrichtig wünsche, daß es sich, wie seither, auch künftig als' unzerstörbar erweisen und unsere Arbeit immer von Neuem befeuern und befruchten möge, zum Segen der uns an- vertrauten, der Hilfe und der Heilung bedürftigen Menschen. Die bisherige Geschichte unseres Vereins ist in ihren wichtigsten und entscheidenden Phasen in der Festschrift behandelt worden, die wir zu unserem Jubiläum verfaßt haben. Ich kann es mir daher versagen, hier nochmals in mündlicher Darlegung auf Einzelheiten einzugehen. Das Entscheidende ist der Erfolg unserer Tätigkeit, also das Gegenwärtige, zugleich als feste Grundlage für unsere zukünftige Arbeit! Und dieser Erfolg ist da! Er dokumenlierl sich in der beglückenden Tatsache, daß dank unserer Arbeit—das darf ich ruhig sagen—heute in Hessen kein Vewegungskranker mehr ist oder zu- wachst, dem nicht geholfen werden kann und wird, ärztlich und fürsorgerisch und, wenn nölig, auch in erzieherischer und sozialer Hinsicht, Dieser Erfolg ist sozusagen mit Händen zu greifen in der Tatsache dieses von uns errichteten und mit tätigem Leben erfüllten Hauses, das mehr bedeutet, als die schönsten Referate und Abhandlungen. Der Redner gedachte dann des verstorbenen Mitbegründers und ersten Leiters des Vereins, Geheimrats Dr. Dietz, des langjährigen ärztlichen Beraters und Freundes Obermedizinalrats Dr. R e - bentisch, des Schöpfers, Vorkämpfers und Förderers der modernen deutschen Krüppelfürsorge Professor Biesalski. Nach diesem Totengedenken würdigte er mit wärmster Anerkennung und herzlichem Danke die Tätigkeit des langjährigen Geschäftsführers, Oberinspektor Lang, des Leiter der Klinik Professor Dr. P i tz e n , der Schwestern, aller übrigen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, des Vorstandes und schließlich die stete Opferbereitschaft der Mitglieder und Spender. Seine Ansprache schloß er mit folgenden Worten: „Ich darf meine Ausführungen beschließen mit einem warmen Appell an die allgemeine Opferfreudigkeil, die uns noch nie im Stich gelassen Hal. Daß wir uns dabei auch einer nachhaltigen Förderung durch Staat und Partei erfreuen möchten, ist mein herzlicher Wunsch, auf dessen Erfüllung ich um so mehr zu vertrauen geneigt bin, als wir keine 253* Mperbehinderten-Msorge in Hessen. Ein toidifher Abschnitt im Werk des Hess. Fürsorgevereins für Krüppel. Schwedische Ltmqcmgsformen. Bon Paul Norman, Siockholm. Die Rassen- und Sprachverwandtschaft zwischen Deutschland und den nordgermanischen Ländern kommt auch in den Umgangsformen zum Ausdruck. Trotzdem gibt es jedoch eine ganze Reihe von Unterschieden, deren Kenntnis für den Ausländer, der mit Skandinaviern zu tun hat, von Nutzen ist. Das gilt im besonderen für Schweden. Sehr viel mehr als der Norweger und der Däne ist der Schwede in feinem Umgang an bestimmte, teilweise sehr alte Gesetze gebunden, wirkt deshalb auf den Ausländer „steif". Er ist zwar nicht nur höflich, sondern ausgesprochen ritterlich — aber es dauert sehr lange bis er auftaut. Hierzu trägt u. a. die Sprache bei, und zwar im besonderen die Schwierigkeit bei der direkten Anrede. Schweden ist das Land ohne „Sie". Es gibt zwar ein Wort dafür — aber man wendet es fast nie an. In vielen Fällen wäre es geradezu ein Verstoß gegen die gute Sitte, z. B. im Gespräch mit einer älteren Dame oder einer gesellschaftlich höher stehenden Person. Aber auch dem Untergebenen gegenüber ist es nicht üblich „Ni" (Sie) zu sagen. w Man redet vielmehr in der dritten Person. Em Ballgespräch kann also z. B. folgendermaßen klingen'' Darf ich Fräulein fragen, ob Fräulein mit mir tanzen will? Ach wie schade, daß Fräulein schon versagt ist. Darf ich Fräulein dann um den nächsten Tanz bitten?" — Seit langen Jahren wird für die direkte Anrede, für das Wörtchen „Ni" gekämpft — doch mit wenig Erfolg. Die einzige Möglichkeit, den Anredeschwierigkei- ten zu entgehen, ist der Uebergang zum „Du . Das ist schon bei flüchtiger Bekanntschaft möglich und spielt sich bei einem Glas Wein, „Whiskygrogg oder Punsch in der Art ab, daß man das Lebensalter des Gegenübers festzustellen sucht. Der altere erhebt sich dann und fragt feierlich: „Darf ich vor- schlagen, daß wir die Titel weglegen? Am leichtesten hat es König Gustav, der alle seine männlichen Landeskinder duzt. Die Damen dagegen redet er ebenfalls in der dritten Person und mit dem Titel an. Unter Studenten ist es Sitte, daß man gleich bei der Vorstellung das Geburtsjahr mitnennt, worauf der Meliere automatisch zum „Du" Übergeht. „Andersson 1912." — „Pettersson 1914." „Dank sollst du haben." . Das Danken ist in ganz Skandinavien eine Angelegenheit für sich. Man dankt für das Essen, man dankt „für das letztemal", wo man zusammen war. Wenn man ein Stück Weges zusammengegangen ist und sich trennt, sagt man: „Danke für die Gesellschaft" — was schon manchmal Anlaß zu Mißverständnissen gegeben haben soll. Ist man in einer schwedischen Familie eingeladen, darf man im allgemeinen nicht zum Glas greifen, ohne daß einem zugetrunken wird. Auf das Wohl des Hausherrn oder, der Hausfrau zu trinken, wäre ein schwerer Verstoß. Wenn z. B. eine Dame einen unaufmerksamen Gastgeber oder Tischherrn hat, der sein „skal“ vergißt, hat sie wenig Aussicht, etwas zu trinken zu bekommen — auch wenn noch so viele verschiedene Weingläser gefüllt vor ihr stehen. Wohl in keinem Land Europas errichten schon die Umgangsformen solche Mauern um den Menschen wie in Schweden. Gewiß antwortet er dem Ausländer unter dem Aufgebot aller Sprachkenntnisse — im Gegensatz zum Engländer, der meistens keine Fremdsprache kann und den „foreigner“ selten für voll ansieht. Doch den Schweden, der viel im Ausland reift und alle Kultursprachen beherrscht, kann man kaum als den durchschnittlichen Vertreter seines Landes ansehen — obwohl der Fremde auffallend viel sprachbegabte und weitgereiste Schweden kennenlernt. Auf diesen ein Urteil über den schwedischen Volkscharakter zu gründen, wäre ebenso falsch, wie es oft bei ausländischen Deutschlandreisenden geschieht, die den deutschen Menschen nach ihren Erfahrungen in Berlin oder Hamburg beurteilen, und zwar oft nach den Menschen, die sie im Speisewagen oder in den Gaststätten und Tanzdielen treffen... So fortschrittlich der Schwede in allem ist, was technische Entwicklung betrifft, so konservativ ist er in seinen gesellschaftlichen Formen. Hieran liegt es, daß der Ausländer oft ganz falsche Eindrücke mit nach Hause nimmt. Man trägt in Schweden und im ganzen Norden das Herz nicht auf der Zunge; im Ballsaal oder bei einer flüchtigen Plauderei auf der Reise läßt sich die Seele Schwedens nicht entdecken. Doch in der Kunst, in der Musik, in den Schöpfungen schwedischen Schrifttums, von denen die wertvollsten ja auch in Übersetzungen vorlieaen, kann man in das Innere des schwedischen Wesens dringen, kann manche Seite des nordischen Volkscharakters kennenlernen. Um schwedisches Wesen richtig zu verstehen, muß man jedoch lanae im Land leben, die Sprache sprechen und — nicht zuletzt die eigenartig schöne Natur kennenlernen. Denn kein Volk, das kulturell und in technischer Entwicklung gleich hoch steht, ist so naturverbunden geblieben wie das schwedische. Letzte Morgenfeier im Stadttheater. Die gestrige fünfte und letzte Morgenfeier im Stadttheater brachte ein ungewöhnlich stark besuchtes Strauß-Konzert, mit dem das Städtische Orchester unter der Leitung von Kapellmeister Paul Walter sich für diese Spielzeit vom Publikum verabschiedete. Die Vortragsfolge, vom „Prinzen Methusalem" bis zur „Fledermaus"-Ouvertüre, umfaßte eine Serie der beliebtesten Repertoire-Stücke Straußfcher Konzertmusik und gab dem Städtischen Orchester Gelegenheit, sich zum Schluß der Spielzeit noch einmal als harmonisch zusammenwirkender, diszipliniert geführter, in den einzelnen Instrumentalgruppen erfreulich ausgearbeiteter Klangkörper zu präsentieren. Kapellmeister Paul Walter hat seine Leute, wie man sich wieder überzeugen konnte, straff in der Hand; das Konzert war mit spürbarer Liebe und Sorgfalt vorbereitet und einftubiert. Der besonders schwungvoll herausgebrachte Kaiser- Walter, der Persische Marsch und die abschließende „Fleoermaus"-Ouvertüre waren die @Ian3ftücfe des Orchesterprogramms. Herr Nieren hielt eine kleine Begrüßungsansprache und sagte das Programm an, das noch durch zwei Gesangsnummern bereichert wurde: Maria Perry brachte, als virtuose und effektreiche Einlage, den Czardas aus der „Fledermaus", Friedel F o r n a 11 a z sehr hübsch und sauber den berühmten, mit schwierigen Koloraturen geschmückten Frühlingsstimmen - Walzer. Sämtliche Darbietungen fanden reichen Beifall; so schloß die Reihe der in dieser Spielzeit neu eingeführten Sonntagmorgen - Veranstaltungen mit einem ausgesprochenen Erfolg; es wäre sehr zu wünschen, daß sie in der kommenden Spielzeit ebenso zahlreichen Besuch finden — auch dann, wenn sie seriösere und minder volkstümliche Programme aufweisen. hth. Geheimschriften. Im diplomatischen Verkehr, besonders im Meinungsaustausch zwischen der Botschaft oder Gesandtschaft eines Landes und ihrer heimatlichen Amtsstelle, sind Geheimschriften fast unentbehrlich, wenn selbstverständlich auch nicht der gesamte umfangreiche Briefwechsel zwischen diesen Aemtern chiffriert wird. Das Chiffrieren und das Entziffern der Geheimschrift erfordern zumeist einen großen Zeitaufwand, der in keinem Verhältnis zu der Bedeutung der Briefe stehen würde so bleibt die Chiffrierung auf die wichtigsten Dokumente, Berichte und den diplomatischen Notenwechsel beschränkt. Man unterscheidet Geheimschriften mit Schulden und die materielle Hilfe des Staates noch niemals in Anspruch genommen haben. Oie Glückwünsche. Se. Magnifizenz der Rektor Professor Dr. P f a h- I e r als erster Redner brachte die Glückwünsche der Universität Gießen für das gemeinnützige Wirken des Vereins zum Ausdruck, ebenso den herzlichen Dank der Universität für die vom Verein geschaffene und der Universität angegliederte Orthopädische Klinik, ferner sagte er den leitenden Männern des Vereins aufrichtigen Dank für ihre hervorragende Tätigkeit. Ober-Medizinalrat Dr. Schmidt, der Leiter der Gesundheitsabteilung der Landesregierung, übermittelte an Stelle des erst später eintreffenden Ministerialrats Ringshausen die herzlichen Glückwünsche, den Dank und die volle Anerkennung des Neichsstatthalters und der Landesregierung, insbesondere auch für die Schaffung der Orthopädischen Klinik, die er als eine Großtat des Vereins bezeichnete. Als Vertreter der Reichsarbeitsgemeinschaft zur Bekämpfung des Krüppeltums sprach der Vorsitzende der Deutschen Vereinigung für Krüppelfürsorge und der Deutschen Orthopädischen Gesellschaft, Universitätsprofessor Dr. G o ch t (Berlin), zugleich auch im Namen der Evangelischen und Katholischen Charitas. Mit seinen Glückwunschworten verband er die volle Anerkennung für das Wirken der bisherigen leitenden Männer an der Spitze des Vereins, Oberbürgermeister i. R. Mueller und Oberinspektor Lang, ferner für den Leiter der Klinik Prof. Dr. P i tz e n und -für deren Erbauer Stadtbaurat G r a d e r t. Weitere Glückwunschansprachen hielten: der Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Gießen, Prof. Dr. Duken, der dabei besonders das große Geschenk der Orthopädischen Universitätsklinik her- vorhob; Provinzialdirektor und Kreisdirektor Dr. Lotz (Gießen) namens der hessischen Provinzen und Fürsorgeverbände sowie des Landesmänneroereins vom Roten Kreuz, der gleichfalls auf das große Werk der Orthopädischen Klinik hinwies und auch die hohe Bedeutung der Körperbehindertenfürsorge an unseren Kriegsopfern eindringlich betonte; Prinzessin zu Wied als Vertreterin der Reichsfrauenführerin Frau Scholtz-Klinck; Pfarrer G u y o t (Darmstadt) im Namen des Hessischen Diakonievereins und der von dort kommenden Schwesternschaft; Verwaltungsoberinspektor Kis- s e l (Darmstadt) namens der Landesoersicherungsanstalt Hessen; Prof. Dr. Pitzen im Namen der gesamten Belegschaft der Orthopädischen Universitätsklinik, der dabei u. a. mitteilte, daß in der Klinik bisher jährlich rund 3000 Patienten behandelt wurden, ferner aus ihr als Ergebnis der Lehre und der Forschung schon mehr als 30 wissenschaftliche Arbeiten heroorgegangen seien, weiter dankte er Oberbürgermeister i. R. Mueller und Oberinspektor Lang und überreichte als Jubiläumsgabe ein dem Verein gewidmetes Lehrbuch der orthopädischen Krankheiten. Mehrere kleine Mädchen überreichten sodann den Herren Mueller und Lang mit einem Gedicht Blumen und ein Buch. Der Dank. Oberbürgermeister i. R. Mueller begrüßte nunmehr den inzwischen eingetroffenen Vertreter des Reichsstatthalters und der Landesregierung, Ministerialrat Ringshausen, sodann brachte er seinen Dank für die vielen herzlichen Glückwünsche namens des Vorstandes, aber auch seinen persönlichen Dank an alle Mithelfer, insbesondere an Oberinspektor Lang, Prof. Dr. Pitzen und die Schwestern zum Ausdruck. Oer Abschluß. Sodann hielt der Geschäftsführer der Deutschen Vereinigung für Krüppelfürsorge in Berlin Dr. med. Eckhardt einen Vortrag über „Die Krüppelfürsorge im Dritten Reich". Der Redner gab zunächst in großen Zügen einen Ueberblick über die Entwick- oerabrebeten Schreibmitteln von solchen, die auf der Anwendung verabredeter Schriftzeichen beruhen, eine Methode, die seit den Tagen Richelieus dem Schreiben mit sogenannter sympathischer Tinte, bei dem die unsichtbaren Schriftzeichen durch kalte Joddämpfe in kurzer Zeit auf dem Papier wieder hervorgerufen werden, vorgezogen wird. Das Chiffrieren, die Verwendung verabredeter Schriftzeichen, ist zuverlässiger und sicherer; das Geheimnis der Chiffreschrift offenbart sich nur dem, der den zur Lösung erforderlichen Schlüssel besitzt. Das primitivste Beispiel einer Chiffreschrift, der sich schon Julius Cäsar und Kaiser Augustus bedienten — Plutarch berichtet auch von einer Geheimschrift der Spartaner, der Skytala — besteht darin, daß jeder Buchstabe des gewöhnlichen Alphabets in der Geheimschrift durch einen anderen ersetzt wird. Zur Erschwerung einer Entzifferung durch Unberufene werden jedoch nur kleine Buchstaben gebraucht, das ganze wird ohne Worttrennungen fortlaufend geschrieben, und es werden auch sogenannte Nieten, das heißt nichtsbedeutende Buchstaben, unter die Buchstabengruppen gemischt. Eine Chiffremethode, die besonders in Frankreich weit verbreitet war, ist die „Multiplikationschiffre", dessen Schlüssel in einem vereinbarten und leicht zu behaltenden Wort, dem Wahlwort, besteht. Man schreibt dann dieses Wahlwort unter den Depeschentext, multipliziert gewissermaßen jeden Buchstaben des Textes mit dem darunter stehenden Buchstaben des Wahlwortes und ersieht darnach die Chiffre nach einer genau festgesetzten Methode aus einer gleichbleibenden Tabelle. Die Sicherheit kann noch bedeutend erhöht werden, wenn statt eines Wortes ein ganzes verabredetes Gedicht unter den zu chiffrierenden Text geschrieben wird ober wenn man sich für denselben Text verschiedener Chiffriertabellen bedient ober gar bie chiffrierte Depesche nach einem neuen vereinbarten Wahlwort zum zweiten Male chiffriert. Zu ben gebräuchlichsten Chiffren gehört bie Zahlenchiffre, bei ber bie Geheimschrift burch arabische Ziffern ausgebrückt wirb. Ein solches System einer auf Verbinbung von Ziffern und Buchstaben beruhenden Geheimschrift hat schon Athanasius Kircher im 17. Jahrhundert ausgear- beitet, das er nach der antiken Rechentafel Abakus als „Abacus numeralis“ bezeichnete. Auch Kartenspiele werden zu chiffrierten Mitteilungen benutzt, die der Empfänger ablesen kann, wenn er die durcheinandergemischten Karten in eine vereinbarte Reihenfolge legt. Eine der vollkommensten und am meisten angewendcten Gebeimschriften stellt dir „Buchchiffre" bar, bie als Schlüssel ein ganzes Buch, einen Cobe, hat. hing der Krüppelfürsorge und kennzeichnete dann in weiten Umrissen ihre Aufgabe für die Gegenwart und die Zukunft. Mit Dankesworten an den Vortragenden schloß hierauf der Vorsitzende die Feierstunde. Die Mgliederversammlung. Nach einer Mittagspause fand am Samstaanach- mittag wiederum im Turn- und Hörsaal der Orthopädischen Universitätsklinik die Mitgliederversammlung unter dem Vorsitz von Oberbürgermeister i. R. Mueller statt. Der Geschäftsführer, Oberinspektor Lang, machte zunächst unter Hinweis auf den gedruckten Bericht noch einige Angaben zum Geschäftsbericht, aus denen man erneut den Eindruck eines sehr fruchtbaren und vorbildlichen Wirkens erhielt. Als wichtigste Aufgaben für die Zukunft bezeichnete er die verstärkte Werbung von Mitgliedern und die Durchführung einer allgemeinen Sammlung im ganzen Lande zur Finanzierung eines dringend notwendigen Erweiterungsbaues der Orthopädischen llniverfitäts- Ninik. Von größter Wichtigkeit sei auch die weitere an« staltsmäßige Berufseinschulung von Körperbehinderten. Bei dem Bericht über die Rechnungsergebnisse der Jahre 1932, 1933 und 1934 konnte die Versammlung eine sehr gedeihliche und vorbildliche Finanzverwaltung feststellen. Der Verein hat bis zum Januar 1931 die Orthopädische Universitätsklinik mit einem Kostenaufwand von 525 000 Mark gebaut. Ende 1931 hatte er noch eine Schuldenlast von 80 000 Mark, die bis Ende 1934 getilgt war, so daß die Rechnung von 1934 sogar mit einem lleber- schuß von 527,47 Mark abschloh und außerdem der Verein und seine Klinik schuldenfrei sind. Der Dereinsleitung und dem Rechner wurde mit Dank und Anerkennung Entlastung erteilt. Nach einigen Satzungsänderungen folgte die Vorstandswahl. Der Vorsitzende, Oberbürgermeister i. R. Mueller (Darmstadt), und der Geschäftsführer, Oberinspektor Lang (Darmstadt), hatten ihren Rücktritt erklärt, da sie ihre Aufgabe, dem Verein eine Klinik zu schaffen, als erfüllt ansehen und ferner die Möglichkeit zu einer Neuordnung in der Vereinsführuna gemäß den Erfordernissen des neuen Reiches geben wollten. Auf Vorschlag des bisherigen Vorstandes wurde einstimmig der Gauamtsleiter der NS.-Dolkswohlfahrt Bürgermeister Haug (Darmstadt) zum Vorsitzenden des Vereins gewählt und auf dessen Vorschlag ebenso einstimmig der Provinzial- und Kreisdirektor Dr. Lotz (Gießen) zum stellv. Vorsitzenden und der Derwaltungsinspektor Hansel (Darmstadt) zum Geschäftsführer bestimmt. Nach einer kurzen Ansprache des neuen Vorsitzenden Bürgermeister Haug (Darmstadt), der u. a. den bisherigen Männern an der Spitze des Vereins den Dank Des Reichsstatthalters und der Landesregierung für ihr Wirken aussprach, wurde auf Vorschlag von Pros. Dr. P i tz e n einstimmig noch beschlossen, in der Bezeichnung des Vereins das Wort „Krüppel" durch das Wort „Körperbehinderte" zu ersetzen, so daß der Verein künftighin „Hessischer Fürsorgeverein für Körperbehinderte" heißt. Sodann schloß der bisherige Vorsitzende, Oberbürgermeister i. R. Mueller, die Tagung. Oberheffen. Kreistag des Kreises Lauterbach. ♦ Lauterbach, 9. Mai. Der Kreistag des Kreises Lauterbach trat heute zu seiner ordentlichen Sitzung zusammen, deren Hauptpunkt der Kreisvoranschlag für 1936 war. Der neue Voranschlag schließt in Einnahme und Ausgabe je mit rund 284 878 Mark gegen 290163 Mark im Vorjahr ab. Davon entfallen auf die Betriebsrechnung in Einnahme und Ausgabe 238 702 Mark gegen 241-818 Mark im Vorjahr, auf die Der- mogensrechnung 46176 Mark gegen 48 345 Mark im Vorjahr. Die Kreisumlagen beziffern sich auf 88 336 Mark. Der Kreistag stimmte diesem Voranschlag zu und hatte auch gegen eine geringe Erhöhung der Steuerzuschlagsfähe zum Ausgleich dringender Ausgaben keine Einwendungen. Trotzdem hat der Kreis Lauterbach immer noch die niedrigsten Steuerausschlagssätze von allen hessischen Kreisen, ferner wird in den Gemeindegemarkungen bis jetzt noch keine Sondergebäudesteuer erhoben. Der Kreisdirektor fetzte am Schluß der Beratung den neuen Kreishaushaltsplan in Kraft. Ratsherrensitzung in Alsfeld. J) Alsfeld, 9. Mai. In der jüngsten Sitzung der Ratsherren wurde zunächst über ein Darlehen der Stadt bei der hessischen Landesbank in Darmstadt verhandelt. Es ist beabsichtigt, zur Ausführung eines Erweiterungsbaues an dem Feldbereinigungsamt und zum Ankauf des Sportplatzes an der Rambach eine Kapitalaufnahme von 8000 Mark zu machen. Die hierzu vorgelegte Nachtragshaushaltssatzung wurde gemäß dem Nachtragshaushaltsplan festgestellt. Die Kanalisierung der mittleren Hohl im Zusammenhang mit der Entwicklung der Firma Mechanische Kleiderfabrik Georg Dietrich Bücking beschäftigt die Stadtverwaltung schon längere Zeit. Wie sich aus den Ausführungen des Bürgermeisters ergab, ist diese Angelegenheit nunmehr nicht mehr länger aufschiebbar, nachdem der Betrieb der Firma Bücking durch einen Erweiterungsbau eine wesentliche Vergrößerung erfahren hat. Es wurde deshalb eine Entschließung dayin getroffen, daß die Kanalisierung der mittleren Hohl von der Eisenbahnüberführung bis zu der Fabrik Georg Dietrich Bücking ausgeführt wird und ebenso der dadurch bedingte Ausbau der Hochstraße. Die Arbeiten sollen als Notstandsarbeiten im kommenden Herbst ausgeführt werden. Die hierfür erforderlichen Mittel werden aus der Rücklage aus dem Verkauf der städtischen Stromversorgungsanlage an das Ueberlandwerk Oberhessen entnommen. Die Kosten sind auf rund 15 000 Mark veranschlagt. Die Erhebung einer Filial - und Waren- fjausfteuer für das R j. 1936 für die Stadt Alsfeld in Höhe von 200 v. H. der gemeindlichen Gewerbesteuer wurde, wie im Vorjahr, beschlossen. Zu dem Vertrag mit dem Turnverein Alsfeld verlangte der Verein von der Stadtverwaltung eine Erhöhung der Miete für die Mitbenutzung der Turnhalle durch die Alsfelder Schulen. Hierfür wurde ein Betrag von 700 Mark im neuen Voranschlag vorgesehen. Ein Gesuck um weitere Erhöhung der Miete wurde abgelehnt, da sich neue Gesichtspunkte hierfür nicht ergeben haben. Erwerb von Gelände für Siedlungs- Zwecke. Wie der Vorsitzende hierzu mitteilt, werden in diesem Jahre durch die „Gewobag" in Frankfurt unter Leitung des Heimstättenamtes der NSDAP. 9 Siedlungshäuser in der Ramback zur Errichtung kommen. Da noch eine größere Anzahl von Siedlungsgesuchen vorliegt, wurde vorgeschlagen, die an das Gelände angrenzende Rahnsche Wiese zur Erweiterung der Siedlung für 6 Häuser käuflich zu erwerben. Die Ratsherren stimmten grundsätzlich dem Ankauf des Grundstückes zu. Landkreis Gießen. * Lang-Göns, 11. Mai. Am heutigen Montag, 11. Mai, kann das Ehepaar Landwirt Konrad Wilhelm Jung hierfelbst das Fest der Silbernen Hochzeit begehen. D L i ch, 8. Mai. Die Schulsammlung für den „Dolksbund für das Deutschtum im Ausland", die von Schülern und Schülerinnen der hiesigen Volksschule durchgeführt wurde, erbrachte den ansehnlichen Betrag von über 80 Mark. - Lich , 8. Mai. Das DeutscheRoteKreuz, Hessischer A l i c e f r a u e n o e r e i n , Orts« verein Lich, hielt im Stiftischen Gemeindesaal feine diesjährige Generalversammlung ab. Nach der Begrüßung durch die Vorsitzende, Für st in Reinhard zu Solms • Hohensolms - Lich, erstattete der Geschäftsführer, Stiftsdechant Kahn, den Jahresbericht, der ein erfreuliches Zeugnis der regen Arbeit im Dienste des Roten Kreuzes ablegte. Diese Arbeit stand im Berichtsjahr vor allen Dingen im Zeichen des Bereitschaftsdienstes. Die Nähstube des Vereins stellte größere Mengen von Bereitschaftswäsche her. Die Samariterinnen wurden unter zielbewußter Führung der Ortsgruppenleiterin für die weiblichen Hilfskräfte, Frau Regina Giese l e r, weiter ausgebildet und in verschiedenen Fällen, so z. B. in den Luftschutzkursen, tätig ein» gesetzt. Der Verein verfügt zur Zeit über 17 Samariterinnen und 2 Helferinnen. Ein weiterer Kursus zur Ausbildung weiblicher Hilfskräfte läuft zur Zeit noch und wird im Laufe des Monats beendet. Es besteht die Aussicht, daß sich eine größere Anzahl der Teilnehmerinnen des neuen Kursus zum Bereitschaftsdienst verpflichtet. Die erheblichen Mittel, die der Verein zur Erfüllung seiner großen Aufgaben braucht, wurden durch die Mitgliederbeiträge aufgebracht, vor allem aber durch das wohlgelungene Gartenfest im Herbst vergangenen Jahres. Der Verein konnte feinen Mitgliederstand durch die Werbung in den letzten Tagen um 26 vermehren, fo daß er jetzt 184 beträgt. Dieser Zuwachs ist ein erfreuliches Zeichen dafür, daß der Rote-Ireuz-Ge- danke, der schon seit fast siebzig Jahren (in zwei Jahren kann der Vereln fein 70jahrlges Bestehen feiern) in unserer Gemeinde gepflegt wird, auch heute noch lebendig ist. Der Kassenbericht, von Frau Lina Gänger ich vorgelegt, wurde genehmigt. Die Aussprache über beide Berichte ergab noch manche Anregung. So wurde die Anschaffung von zwei Liegestühlen für Kranke beschlossen. Mit einem Siegheil auf den Führer des deutschen Volkes und Schirmherrn des Deutschen Roten Kreuzes wurde die Versammlung geschlossen. f Treis a. d. L d a., 9. Mai. Gestern konnte der Landwirt Philivp Will II. dahier, der ä l test e Einwohner unserer Gemeinde, seinen 8 7. Geburtstag begehen. Der Jubilar besorgt noch selbständig viele kleinere Handreichungen im Hause feiner Kinder und Enkel und ist an Körper und Geist frisch und munter. Kircbe und Schule. Kreis Schotten. (D Schotten, 9. Mai. Unter dem Vorsitz von Dekan Widmann fand hier die vierte diesjährige Konferenz der Geistlichen des Evangelischen Dekanats Schotten statt. Nach der von Pfarrverwalter Weigel (Burkhards) gehaltenen einleitenden Andacht sprach Pfarrverwalter V o t h (Eichelsdorf) über das Thema „Kirche und Jugend". Der Vortragende schilderte in klaren Ausführungen die Problematik der Jugendfrage und gab wertvolle Hinweise für die praktische Arbeit an der Jugend im Religionsunterricht und in der Christenlehre; er betonte auch, daß es unerläßliche Pflicht des Geistlichen sei, gerade im Interesse der Jugend stets lebendige Fühlung mit dem Elternhaus zu suchen und zu behalten. Dem Vortrag folgte eine sehr ergiebige Aussprache. Zum Schluß der Konferenz machte der Vorsitzende noch verschiedene dienstliche Mitteilungen. Auch wurde de- scylossen, im Spätsommer wieder eine Zusammenkunft aller Pfarrfamilien des Dekanats zu veranstalten. % f , V > «J* ^•*7 ' »»> '- <1 W ”■> v Das Dankopfer der Nation stellen, doch müssen für eine enb. 25 Jahre Kameradschaft ehem. 116er in Gießen Kampftag der SA-Brigade 147 statt. Mit der Marine-SA beim Gepäckmarsch Am Samstag untt Sonntag fand in Gießen die 25-Jahr-Feier der Gründung der Ka- auch ihrer fand dieser Gelegenheit betonte Kamerad Karl Veil, daß die großen Opfer unserer gefallenen Kameraden nicht umsonst gebracht worden seien und daß Standarte 34 Frankfurt unmittelbar der Gruppe unterstellt ist, nimmt die Siegermannschaft auch unmittelbar an der demnächst in Fulda stattfindenden Ausscheidung mit den Brigaden 46, 47, 48, 49 und 147 teil. von der Regimentsmusik des Infanterie-Regiments Nr. 36 (Leitung: Obermusikmeister Krauße) ausgeführtes Wehrmachts-Konzert. Mit dem zur Eröffnung gespielten Parademarsch der auf damit Bei darten-Musikzuges blieb man noch in froher Kameradschaft im Bootshaus beisammen. Die Hebung bildete die Vorentscheidung für den Reichsgepäckmarsch der SA. für die Olympiade 1936. Von der Marine-Standarte 34 Ffm., die nur zwei Sturmbanne umfaßt, hat der Sturmbann I (Frankfurt) seinen Marsch in der Zeit von 3 Stunden 54 Minuten durchgeführt. Es besteht für den Gießener Sturmbann zu- Am Sonntagvormittag traten die Marine- stürme des Standortes Gießen und von Wetzlar an der Ecke Frankfurter Straße und Alicenftraße in Gegenwart des Führers der Marine-Standarte 34 Frankfurt a. M. an, der mit seinem Adjutanten, dem Sportreferenten der Standarte u. a. erschienen war. Nach der Ausrüstung mit dem 25-Pfund-Tornister und nach Meldung an den Führer des Marinesturmbannes 11/34 Gießen, Oberscharführer Mettenheimer, wurden die Einheiten auf die 25-Kilometer-Strecke geschickt. Der Weg führte zunächst durch Alicenftraße, Lud- wigstraße, Roonstraße, Moltkestraße, Hitler-Wall, Marburger Straße, aus dem Stadtgebiet und ging dann an der Wellersburg vorüber bis zur Straßengabelung nach Saubringen; von da ging es, voran die Männer vom Sturm 13/34 Gießen (fast durchweg Marine-Kriegsteilnehmer), dann die Stürme 11/34 und 12/34 Gießen und 15/34 Wetzlar, in scharfem Tempo die Straße nach Daubringen hinab, durch den Ort über Station Daubringen nach Staufenberg bis zum Turmtor und hier wieder auf schlechteren Wegen hinab bis nach Kirchberg, über die Lahn nach Ruttershausen und in Heimwärtsrichtung nach Wißmar. Die Kontroll- und Begleitwagen der Standarte, des Sturmbannes und der Sanitäts-Mannschaft konnten die Männer auf dem ganzen Wege in guter, ja glänzender Verfassung finden. Unter dem Gesang flotter SA-, Volks- und Wanderlieder ging es rüstig durch die lange, zum Teil ziemlich schwierige Strecke bei zeitweise sehr drücken- Blick auf die Teilnehmer am Kameradschaftsabend im Cafe Leib. (Aufnahme: Photo-Pfaff.) meradschaft ehemaliger 116er statt. Samstag nachmittag legte eine Abordnung ehemaligen 116er einen Kranz am Denkmal dem Landgraf-Philipp-Platz nieder, um mit die Verbundenheit der ehemaligen 116er den im Weltkrieg Gefallenen zu bekunden. 5 die ehemaligen 116er allzeit das Andenken gefallenen Kameraden ehren würden. Abends im Saale des Caf6 Leib ein gut besuchter Kameradschafisabend Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand ein des Jnf.-Regirnents Kaiser Wilhelm Nr. 116 hatte sich Obermusikmeister Krauße sofort wieder die Herzen der alten Frontsoldaten erobert. Die Begeisterung stieg von Musikstück zu Musikstück und erreichte ihren Höhepunkt, als Kameradschaftsführer Bill betonte, daß es eine besondere Freude sei, bei dieser Feier der ehemaligen 116er auch das Musik- korpsdes ehernaligenJnf.- Regts. 116 spielen zu hören, dazu noch unter Leitung von Obermusikmeister Krauße, der selbst ehemaliger 116er sei. Von den reichhaltigen musikalischen Darbietungen fanden besonders die zahlreichen Märsche An- nächst einige Aussicht, die siegende Mannschaft zu '■ , ' "" 'gültige Entscheidung noch das Ergebnis der Punkte-Bewertung und die aus örtlichen Gründen getrennt durchzuführenden Märsche der gleichfalls zum Sturmbann 11/34 Gießen gehörigen Stürme Bad-Nauheim, Limburg und Marburg abgewartet werden. Da die Marine- Kameradschastsführer Bill hielt die Begrüßungsansprache, in der er die zahlreichen Festteilnehmer willkommen hieß. Sein Gruß aalt insbesondere Kreisdirektor Dr. Lotz, General M o h r, dem letzten Chef der 2. Kompanie des früheren Jnf.-Rgts. Nr. 15 Major Schiel, der Traditionstruppe, insbesondere Hauptmann Adam und Hauptmann B e r h a r d t, den Vertretern der Arbeitsgemeinschaft Gießener Soldatenkameradschaften, sowie den Vertretern der Vereine ehemaliger 116er aus Mainz, Worms, Frankfurt a. M., Lauterbach, Alsfeld, Bad-Nauheim. Er gab seiner besonderen Freude darüber Ausdruck, daß die Traditionskameraden des II. Batl. Jnf.-Rgts. Nr. 36 erschienen seien. Das beiderseitige gute Einvernehmen werde auch weiter gepflegt werden. Die Festansprache hielt an Stelle des nach Mainz-Mombach berufenen Pfarrers Haupt der Frontkamerad Dforrer Trapp, Gießen Er führte u. a. aus: Wenn man zurückblicke auf die 25jährige Geschichte der Kameradschaft ehemaliger 116er, dann werde die Erinnerung an das alte Jnf.-Regt. Nr. 116 wach. Die Söhne Oberhessen, seien stolz gewesen, daß sie im Jnf.-Regt. 116, dessen Chef der frühere Kaiser gewesen sei, hätten dienen dürfen. Das alte Regiment habe eine große Tradition. Es fei in feiner Ausbildung und feinen Leistungen stets auf der Höhe gewesen. Der im Jahre 1911 gegründete Verein ehemaliger 116er habe bei der Vorbereitung und Durchführung der 100-Jahr-Feier des alten Regiments bereits eine weitgehende Aufgabe erhalten und ordnungsmäßig durchgeführt. Der Redner erwähnte bann den Auszug des alten Regiments in den Weltkrieg, das vielfach an Brennpunkten eingesetzt worden sei. Ein klang.AuchdasTrompeten- solo von Untffz. Klein, sowie die beiden Märsche für Fanfarentrompeten und Kesselpauken verdienen besondere Erwähnung. Marine-SA. in flottem Marsch bei Wißmar. (Ausn. [2]: Photo-Pfaff.) Die Führung beim Sieg-Heil auf den Führer. kleines Häuflein sei nur zurückgekommen. Der Redner gedachte dann der Toten des Regiments, während die Musik das Lied vom guten Kameraden spielte. Seit Bestehen des Vereins ehemaliger 116er (jetzt Kameradschaft) seien drei große Regimentstage durchgeführt worden, die Zeugnis von dem Front- und Kameradschaftsgeist der ehemaligen 116er abgelegt hätten. Das Andenken der nicht aus dem Weltkrieg zurückgekehrten Kameraden habe man durch Errichtung eines 116er-Denkrnals geehrt. Auch in der Zeit des Niederbruchs habe der kameradschaftliche Geist bei den ehemaligen 116ern fortgelebt. Was im Herzen des Volkes schon lange ersehnt worden sei, habe in der nationalen Erhebung nun Verwirklichung gefunden. Der Redner gedachte des Feldmarschalls des Weltkrieges sowie unseres Führers und Volkskanzlers Adolf Hitler. Wir hätten alle Ursache, Gott zu danken für das Geschenk der Erneuerung, insbesondere dafür, daß die Welt wieder hoffnungsvoll vor uns liege. Befon- Die Marschstürme der Standarten 116, 222 und 254 trafen am gestrigen Sonntag in Hungen zu den Ausscheidungskämpfen der Brigade 14 7 an. Die Marschblocks der Reservestandarten IIR/116 und IIIR/222 mußten ausfallen, da die vorgeschriebene Marschstärke nicht erreicht wurde. Die für alle Marschblocks einheitliche Strecke führte von Hungen über Langsdorf, Lich, Nieder- Besfingen, Ober-Bessingen, Nonnenroth zurück nach Hungen durchs Ziel an der Turnhalle. Die Startzeiten waren in der Zeit von 8 bis 9.25 Uhr an- gesetzt und erfolgten in der Reihenfolge: Standarte 116. Standarte 254 und Standarte 222. Schon vom Start gingen sämtliche Einheiten in schnellem Tempo auf den Marsch, jede in der Hoffnung, den Sieg für ihre Standarte zu erringen. Die 25 Kilometer lange Wegstrecke wurde von den Einheiten wie folgt bewältigt: Marschsturm der Standarte 254 in 3,46 Stunden (3 Mann Ausfall), 246 Punkte Marschsturm der Standarte 116 (Sturmbann 1/116) in 3:47,25 Stunden (2 Mann Ausfall), 244,5 Punkte. Marschsturm der Standarte 222 in 3:53,45 Stunden (9 Mann Ausfall), 206,5 Punkte. Die Standarte 254 errang somit mit VA Punkten Unterschied den Sieg vor der Standorte 116 Am 24. Mai findet nun in Fulda der Ausschei- dunqskampf innerhalb der Gruppe Hessen statt. Dort wird der Marschblock der Standarte 25 4 dieBrigade 14 7 z u vertreten haben. Die unmittelbar nach dem Eintreffen der Marschstürme vorgenommenen Fußuntersuchungen ergaben durchweg ein gutes Ergebnis. Nachdem die Stürme in verschiedenen Sälen das Mittagessen (Reissuppe mit Schweinefleisch) eingenommen und sich etwas Erholung gegönnt hatten, fand durch Brigadeführer Oberführer Schmidt die Siegerehrung statt. Alle teilgenommenen Einheiten sowie der Sturm 11/116 (Hungen) marschierten im Garten der Turnhalle auf. Brigadeführer, Oberführer Schmidt verkündete die Ergebnisse und führte hierbei folgendes aus: Kameraden! Ihnen allen muß ich Am Samstag zeichneten sich die Mitglieder der Kreisleitung des Kreises Gießen- Wett e r a u im Geschäftszimmer der Standarte 116 geschloffen in die Spendelisten für das Dankopfer der Nation ein. Unser Bild zeigt den Kreisleiter Dr. Hildebrandt (sitzend rechts) vor der Einzeichnung in die Spendeliste, um ihn herum Mitglieder der Kreisleitung. (Aufnahme: Photo-Pfaff.) , derer Dank gebühre auch unserem Führer für die Einführung der Wehrpflicht, die Saarbefreiung und die Durchführung der Wehrhoheit. Sein Sieg- Heil galt dem Führer. Anschließend folgte der gemeinsame Gesang des Deutschland- und des Horst- Wessel-Liedes. Im weiteren Verlaufe der Veranstaltung hob Kameradschaftsführer Bill die besonderen Verdienste des Kameraden Joh. Hch. Volz hervor, der 25 Jahre das Amt des Rechners versehen hatte und in Anerkennung der geleisteten Dienste zum Ehrenmitglied und Ehrenrechner ernannt wurde. Nach Verlesung zahlreicher Telegramme und eines Glückwunschschreibens des Kommandeurs des II. Bataillons Infanterie-Regiments Nr. 36 Oberstleutnant Schmidt, übermittelte Hauptmann Adam die Glückwünsche des II. Bataillons Infanterie-Regiments 36 und überreichte zum Zeichen der inneren Verbundenheit zwischen dem Bataillon und der Kameradschaft ehemaliger 116er ein Bild des Führers. Auch die Vertreter der auswärtigen Kameradschaften sowie der Vertreter der Arbeitsgemeinschaft Gießener Soldatenkameradschaften übermittelten Glückwünsche unter Heberreichung von Geschenken. Der übrige Teil der Veranstaltung wurde durch ein ernstes und ein heiteres Theaterstück sowie einige gemeinsame Lieder verschönt. Die Besprechung der Derbandöangelegenheiien folgte am Sonntagvormittag im „Hotel Hindenburg". Dazu hatten sich außer den Vertretern der Vereine auch General a. D. Mohr und einige Gießener Kameraden eingefunden. Der Schriftführer des Verbandes, Hch. Stamm (Bad-Nauheim), gab eine Hebersicht über den Stand der Verbandsangelegenheiten. Die Versammelten ehrten ihre letzten Führer Professor Wen - z e l (Darmstadt) und Oberst a. D. K o e 11 s ch a u in üblicher Weise und sprachen sich dann über die neuen Aufgaben des Verbandes aus. Nach eingehenden Ausführungen des Kameraden Stamm sprach sich General a. D. Mohr nachdrücklich für eine Belebung der Verbandsarbeiten aus, um die reiche Tradition des alten Regimentes in der Hoffnung darauf, daß schließlich doch noch die alte Regimentsnummer einem neuen Truppenteil verliehen werden könnte, in alter Treue hochzuhalten. Bis dahin hätten die alten Kameraden die Verpflichtung, das Band der Kameradschaft enger zu gestalten, schon im Hinblick auf die neuen Aufgaben, die ihnen zugewiesen seien und um die stets guten Beziehungen zur alten Garnisonstadt und seiner Einwohnerschaft aufrechtzuerhalten. Der General dankte besonders den Gießener Kameraden, die sich vorbildlich um einen engen Zusammenhalt bemüht haben, Kameradschaftsführer Hans Bi l l (Gießen) für die von prächtigem Soldatengeist getragene Jubiläumsfeier und seinem Führerstab für den selbstlosen Einsatz. Kamerad Bill nahm die Gelegenheit, dem General für die durch das schöne Geschenk bewiesenen guten Beziehungen der Offiziersvereinigung 116 zum Verein zu danken, und gab im übrigen den der Sonnenhike. Beim Marsch durch die Ortschaften wechselte die Bevölkerung manchen ermunternden Zuruf mit den marschierenden Männern und zeigte auch hier wieder ihre Verbundenheit mit der SA. Zwischen Ruttershausen und Wißmar schien zwar für die meisten der berüchtigte „tote Punkt" zu kommen, wo der „Aff" statt 25 Pfund auf einmal 50 Pfund zu enthalten schien. Aber auch hier lieh der mutige Wille zum Durchhalten keinen „schlapp" werden. Hnd als dann die Wißmarer Brücke in Sicht war und kurz darauf überschritten wurde, gab sich jeder nochmals einen kräftigen Ruck, und mit schneidigem Sang und erneut scharfem Tempo ging es bis zum „Felsen" (Bootshaus der Pioniere), wo auch schon der Musikzug der Marine-Standarte 34 zur Einholung und zum anschließenden Vorbeimarsch vor dem Standartenführer bereitstand. Vergessen waren die kleinen Strapazen, die drückende Hitze und die staubigen Straßen (die blauen Marinehosen und Mützen waren fast feldgrau geworden). In schneidigem Paradeschritt ging es an dem Führer der Standarte 34 Frankfurt a. M., Sturmbannführer Doebel, vorüber. Nach 3V^stündigem Marsch, also in einer für die Marine durchaus guten Zeit, war das Endziel, das Marine-Bootshaus, erreicht. Der Führer der Standarte, Sturmbannführer D o e b e l, nahm im Hofe des Bootshauses die Meldung der zurückkehrenden Einheiten entgegen und begrüßte die Teilnehmer des Marsches. Er führte u. a. aus, der heutige Tag fei bestimmt kein leichter gewesen, aber er habe gezeigt. danken für Ihr zähes Ausharren im heutigen Ausscheidungskampfe der Brigade 147 und für Ihren Kameradschaftsgeist, den Sie auch heute wieder bei dem harten Marsch bewiesen haben. Ich spreche jedem einzelnen meine v o l l st e Anerkennung aus. Es war von jedem einzelnen eine gewaltige Leistung, die 25 Kilometer mit 25 Pfund Gepäck in diesen Zeiten zu marschieren. Jeder konnte ja natürlich nicht Sieger werden, aber das eine kann ich sagen, daß jeder Marschblock auf feine heute vollbrachten Leistungen stolz sein kann, und ich hoffe, daß alle Stürme die Gewißheit haben, ihr Letztes eingesetzt zu haben, um für ihre Standarte das Bestmöglichste herauszuholen. Gerade solchen Strapazensport verlangt der Stabschef von der SA., um zu jeder Zeit einsatzbereit zu sein. Ich weiß, es ist nicht einfach, einen solchen Marsch durchzuführen, denn dazu gehört eine genügende Vorübung. Ich weiß aber auch, daß gerade heute von der SA. viel verlangt wird. Genau so wie der Strapazensport den vollen Einsatz einer jeden Einheit verlangt, so verlangt auch das Dankopfer der Nation vollsten Einsatz der SA. Hinzu kommt noch das von der obersten SA.-Füh- rung angesetzte Vergleichsschießen. Die SA. ist ja gewohnt, ihren Dienst zu tun, und ich konnte auch heute wieder feststellen, daß dieser Ausscheidungsmarsch im Rahmen des Reichsgepäckmarsches mit vollster Energie und Zähigkeit zur Durchführung gekommen ist. Dem Siegersturm der Standarte 254 spreche ich hiermit meine Anerkennung für seine Leistung aus. Mit nur IV2 Punkten Hn- terschied konnte er vor dem Marschsturm der Standarte 116 (Sturmbann 1/116) den Sieg erringen, der im Vorjahre in den Reichswettkämpfen den Brigadesieg erringen konnte. Weiterhin spreche ich meine Anerkennung den Sanitätsmannschaften mit ihren Aer^n für ihr? Tätiakeit am heutigen Tage und dem Sturm 11/116 (Hungen) für seine geleisteten Vorarbeiten und den Einsatzdienst aus. In altgewohnter Weise grüßen wir unseren Führer mit einem dreifachen Sieg-Heil? Der Musikzug des Sturmbannes 1/116 spielte das Deutschlandlied, anschließend das Horst-Wessel-Lied, das auch von der Bevölkerung mitgesungen wurde. Damit schloß der Taa der Ausscheidungskämpfe der Brigade 147 daß auch die Marine-SA. nicht immer nur auf Unterfeuer aller Art angewiesen sei, sondern, daß sie, wenn es gelte, durchaus auch ganz gut zu Fuß wegkäme. Die Zeit von 3 Stunden 45 Minuten fei eine sehr gute, der Ausfall an Männern, die unterwegs aufgeben mußten, fei ein verhältnismäßig sehr geringer. Ein ganz besonders erfreuliches Zeichen wahren Einsatzwillens sei die Tatsache, daß eine Reihe von SA.-Männern, die durch Fuß- oder sonstige Beschwerden eigentlich hätten ausscheiden können, trotzdem die Zähne zusammengebissen und bis zum Schlüsse durchgehalten hätten. Mit der Ermahnung, auch in künftiger Einsatzbereitschaft zu Führer und Vaterland zu stehen, und mit einem dreifachen Sieg-Heil auf den Obersten SA.-Führer schloß der Führer der Standarte seine Begrüßung. Die neben dem Bootshaus errichtete Sanitäts- Hilfsstelle mußte nur von wenigen fußkranken Kameraden in Anspruch genommen werden. Der „Aff" wurde mit einem kräftigen Ruck in die Ecke gesetzt, und bei schneidigen Darbietungen des Stan- lhm übermittelten Dank an die Kameraden Fritz pirsch und Reitz weiter, die für das gute Gelingen des Festes verantwortlich zeichneten. Auf Anregung wurde Kamerad Sensfelder (Bad-Nauheim) zum einstweiligen Verbandsführer bestellt, bis eine spätere Verbandsfitzung über die Verlegung der Derbandsleitung und eine evtl. Neuwahl bestimmen wird. Schriftführer Stamm, Rechner W ö r n e r und Presseleiter Jung (Bad- Nauheim) wurden bestätigt. Gleichzeitig wurden General a.D. Mohr und Hans Bill (Gießen) neu in die Verbandsführung berufen. Der Der- bandsbeitrag wurde auf 10 Pf. festgesetzt. Der Derbandsleiter Sensfelder dankte dem Kamerad General a. D. Mohr für feine wertvolle Unterstützung und streifte noch einmal die großen Verdienste der Gießener Kameraden, die sich um den Verband und die Tradition des Regiments, vor allem durch die Errichtung des 116er-Ehrenmales, in reichem Maße verdient gemacht haben. Er stellte den Kameraden, der 25 Jahre hindurch dem Ansehen des Regiments und des Verbandes selbstlos gedient hat, als Vorbild der Pflichttreue hin und appellierte an die alten 116er, in gleicher Weife das Werk zur Ehre des Regiments und aus Dankbarkeit gegen die Gefallenen, für die auch die übernommenen Patenschaften der Hefsenfriedhöfe weitergeführt werden sollen, zu unterstützen. Mit dem Treugelöbnis zum Schöpfer der neuen Wehrmacht und Führer und Volkskanzler schloß er die Sitzung. Oer Ausklang. Anschließend an die Sitzung begaben sich die Kameraden zur Besichtigung der Waldka- ferne, wo sie bei einem Frühschoppen Vergleiche zwischen jetzt und früher zogen. Am Nachmittag beschloß ein kameradschaft- lichesZusammenseinmit den Gießener Soldatenkameradschaften und deren Familien die außerordentlich eindrucksvolle Gründungsfeier. Bei den Weifen der rührigen Kapelle K r e n g e l herrschte in der Gartenwirtschaft „Schützenhaus" reges Leben. Für die Kleinen waren viele Geschenke bereitgehalten, und jung und alt drehte sich im Tanze. So nahm die Festveranstaltung einen harmonischen Verlauf, und die alten 116er werden den Kameraden Bill, Hirsch und Reitz Dank wissen für die festlichen Stunden in kameradschaftlicher Wiederfehensfreude. Aus der Provinzialhauptstadt. Umtausch alter Hunbfunfgeräfc. Gemeinsame Vereinbarung zwischen Reichsrundfunkkammer und Rundfunkwlrtfchaft. Um den Rundfunkempfang im olympischen Jahr besonders zu fördern und allen Volksgenossen die Möglichkeit zu geben, die bevorstehenden großen politischen und sportlichen Ereignisse im Rundfunk mitzuerleben, hat die deutsche Rundfunkwirtschaft im Einvernehmen mit der politischen Rundfunkfuhrung soeben eine „Umtauschaktion für alte Rundfunkgeräte" eingeleitet. Wie im Amtsblatt der Reichsrundfunkkammer, „Archiv für Funkrecht", mitgeteilt wird, ist dieses Abkommen im Einvernehmen mit der Reichsrundfunkkammer zwischen der Rundfunkindustrie, dem Rundfunkgroß- und -einzelhandel zu- ftandegekommen. Danach kann jedes vor dem 31.7. 1931 auf den Markt gebrachte Empfangsgerät bei einer in Berlin errichteten Sammelstelle gegen einen Gutschein umgetauscht werden. Dieser Gutschein wird vom Einzelhändler beim Erwerb eines neuen Gerätes auf den Kaufpreis in Anrechnung gebracht. Es ist hierbei gleichgültig, um welches Fabrikat des gebrauchten Gerätes es sich handelt, auch der Zeitpunkt, zu dem das Gerät von feinem jetzigen Besitzer erworben wurde, hat auf den Umtausch keinen Einfluß. Ueber die Anschrift der Sammelstelle, an die alte Geräte zur Vermeidung von Nachnahmen nur frankiert abgesandt werden sollen, sowie über alle weiteren Einzelheiten kann sich der Besitzer eines vor dem 31.7.1931 hergestellten Rundfunkgerätes bei jedem Rundfunkhändler unterrichten. Die Umtauschmöglichkeit besteht nur für die Zeit vom 1. Mai 1936 bis einschließlich 30. Juni 1936. Volksempfänger und der DAF.-Empfänger 1011 sind von diesem Umtauschabkommen ausgeschlossen. Bekanntlich werden in diesem Jahr bie früher im Sommer üblichen Preisherabsetzungen für Rundfunkgeräte nicht erfolgen. Dafür ist jedoch durch vorstehendes Abkommen den Besitzern alter Rundfunkgeräte in den Monaten Mai und Juni Gelegenheit geboten, neue Rundfunkgeräte zu besonders günstigen Bedingungen zu erwerben. Vornotizen. Tageskalender für Montag. NSDAP., Ortsgruppe Giehen-Süd: 20.30 Uhr im Katholischen Vereinshaus Kundgebung mit Kreisleiter Dr. Hildebrandt. — NSG. „Kraft durch Freude": 18 bis 19 Uhr und 19 bis 20 Uhr: Tennis. — Gloria-Palast, Seltersweg: „Die große und die kleine D)elt . — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Deutscher! hast du schon dein „Dankopser der Ration" gezeichnet? Zeige dich dankbar dem Führer und zeichne dich in die Liste des „Dankopfers der Ration" ein! letzte Fahrt der Santa Margarete". — Oberhessischer Kunstoerein (Turmhaus am Brandplatz): 17 bis 18 Uhr Ausstellung von Werken von Fritz Heidingsfeld (Danzig) und P. A. Böckstiegel (Dresden). Stadttheater Gießen. Infolge der ehrenvollen Wiederverpflichtung des Städtischen Orchesters nach Bad Homburg, das ab 16. Mai für den Sommer wieder als Kurorchester dort gastieren wird, sind die beiden Aufführungen des Opernabends „Der Apotheker", komische Oper von I. Haydn, und „Susannes Geheimnis", Oper in einem Akt von Ermano Wolf-Ferrari, am Dienstag, 12., und am Mittwoch, 13. Mai, bie letzten m u - fikalischen Vorstellungen in dieser Spielzeit. Die Intendanz macht ausdrücklich darauf aufmerksam, daß die Gutscheine der Abonnenten nur bis zum Ende dieses Monats Gültigkeit haben. Die Vorstellung am Freitag, 29. Mai, ist die letzte Vorstellung, für die noch Abonnementsgutscheme verwendet werden können. Abonnementsgutscheine können auch für die Sonntagsvorstellungen eingelöst werden. Amt für Volkswohlfahrt. Ortsgruppe Giehen-Ost. Lebensmittel-Opferring. Die Pfundpäckchen-Sammlung wird am Dienstag, 12., und Mittwoch, 13. Mai, von der NS.« Frauenfchast durchgeführt. Die Mitglieder wollen die Päckchen bereithalten unb den Inhalt außen sichtbar angeben. **DieGefellschaftvonFreundenund Förderern b er Universität G i e ß e n (Gießener Hochschulgesellschaft) hält ihre biesjährige Hauptversammlung unb Festsitzung am Samstag, 23. Mai, in Gießen ab. Im Anschluß an bie Sitzung des Derwaltungsrates findet die Hauptversammlung statt, der dann die Festsitzung mit einem Vortrag von Professor Dr. Glöckner über „Die Stellung der Philosophie in der Gegenwart" folgen wird. ** Unfälle bei der Arbeit. Aus einer hiesigen Baustelle verunglückten am Samstag der 22 Jahre alte Zimmermann Otto S ch n e i d m ü l - ter, der anscheinend innere Verletzungen erlitt, und der 33 Jahre alte Montageschlosser Gerh. Schmitz, der schwere Verletzungen am linken Oberschenkel davontrug. Beide wurden in die Chirurgische Klinik eingeliefert. ** Seinen schweren Verletzungen erlegen. Am gestrigen Sonntagnachmittag ist in der hiesigen Chirurgischen Klinik der Landwirtschaftsrat Dr. Martin Schaub aus Kassel, der in der Nacht zum Samstag — wie am Samstag von uns berichtet — in der Nähe von Sichertshausen mit seinem Auto schwer verunglückt war, an feinen Verletzungen gestorben. Medeksehensseier aller völkischer Vorkämpfer. In Oberhessen trat schon frühzeitig bie völkische Bewegung in Erscheinung, die dem Liberalismus und dem Judentum den Kampf ansagte. Die verhältnismäßig kleine Schar fand in Dr. Otto Böcke! und Philipp Köhler (Langsdorf) ihre Führer. Mit dem Hinscheiden des hessischen Sauern» führers Philipp Köhler am 10. Januar 1911 war auch für den damaligen Reichstagswahlkreis Gie- ßen-Grünbera-Nidda eine Neuwahl erforderlich geworden. Infolge der vorausgegangenen Reichs- sinanzreform war die Lage der damaligen bürgerlichen Parteien sehr unangenehm. Bei allen vorausgegangenen Nachwahlen zum Reichstag, darunter auch im Wahlkreis Friedberg - Büdingen, waren die Sozialdemokraten Sieger geblieben. Die Deutschsoziale (antisemitische) Partei sand in dem jungen Oberlehrer Dr. Ferdinand Werner den geeigneten Kandidaten. Ein heftiger Wahlkampf, wie ihn der Wahlkreis noch nicht erlebt hatte, setzte ein. Dr. Werner ging am 21. März 1911, trotz riesiger Anstrengungen der vereinten Gegner, als Sieger aus der Wahl hervor. Die Wahl erregte damals in ganz Deutschland ungeheures Aufsehen, da die Sozialdemokraten schon den Sieg sicher wähnten. Am gestrigen Sonntag hatten sich nun die alten Kampfgenossen und Gesinnungsfreunde aus dieser Zeit in dem mit dem Bilde des Führers geschmückten Saale des Katholischen Vereinshauses zu Gießen zu einer Wiedersehensfeier in sehr stattlicher Anzahl eingefunden. Die Veranstaltung sollte schon am 25. Jahrestage der Wahl stattfinden, mußte aber wegen der Reichstagswahl verschoben werden. Bauern und Städter aus dem damaligen Wahlkreis Gießen-Grünberg-Nidda fanden sich einmütig zusammen und wurden von Postinspektor i. R. Lucas (Gießen) begrüßt, der unter den vielen Bekannten besonders den völkischen Vorkämpfer Hermann L a ast (Frankfurt a. M.) hervorhob. In einer von starker Liebe zur engeren Heimat und dem großen deutschen Vaterland getragenen Ansprache schilderte der Sieger von damals, Ministerpräsident i.R. Prof. Dr. Ferdinand Werner (Darmstadt) an Hand von zahlreichen Unterlagen die Vorgänge zu der damaligen Reichstagswahl. Seine Erinnerungen ließen die Fülle von Arbeit erkennen, die die kleine, tapfere Schar freudig bewältigte, weil sie an ihren Sieg geglaubt hatte, lieber alle Hemmnisse, Schikane und Lugen hinweg gelang es ihr, den Roten, deren Leitung in Berlin schon des Sieges gewiß war, den Wahlkreis, wenn auch mit einer Meinen Stimmenmehrheit, zu entreißen. Darüber entstand in Berlin ein Wutgeheul gegen den kleinen, unbedeutenden Lehrer, der den Vorstoß gegen Liberalismus und Judentum gewagt hatte. Prost Werner belegte feine Ausführungen darüber, wie schwer bie Vorbereitungen gewesen waren, mit zahlreichen Pressestimmen, hob bann besonbers bie Tätigkeit bes um 1900 in Gießen gegründeten Deutschen Vereins hervor, der, wie auch die übrige Bewegung, nur ein Zusammenschluß von kleinen, schaffenden Menschen war. Die nationalen und sozialen Aufgaben des Antisemitismus waren bereits eine Vorbereitung für die heutige Bewegung, der es vorbehalten blieb, diese Gedanken in die Tat umzusetzen. Aus den Ausführunaen des Redners trat der Name manch bekannten Mannes hervor, der schon damals für feine Ueberzeugung Verfolgung und Verleumdung auf sich nehmen mutzte. Nachdem Dostinspektor i. R. Lucas die Verstorbenen, besonders Phil. Köhler, Pfarrer Fritsch, Rektor Kling und Dr. O. Lenz in finniger Weise geehrt hatte, brachte der als völkischer Vorkämpfer bekannte Hauptschriftleiter Schwarz vom „Kasseler Sonntagsblatt" Erinnerungen an die Kämpfe in Niederhessen unb Kassel mit ben Sozialbernokraten und Juden. Er erinnerte daran, daß bie Juben damals so mächtig waren, daß die völkischen Redner mit anonymen Namen auftreten mußten. Der frühere Landtagsabgeordnete W'lh. Fenchel (Ober-Hörgern) dankte besonders dem Oberbürgermeister Ritter und der Kreisleitung der NSDAP, dafür, daß sie den alten Anttsemiten volles Derständ- KleinerZwMenfallindeManege von Rudolf Kreutzer. Einige Jahre nach dem großen Krieg kam an einem warmen Juniabend ein kleiner Wanderzirkus vor die Tore eines süddeutschen Marktfleckens, und da der rührige Zirkusvater mit der solchen Schaustellern eigenen Eilfertigkeit, noch zur selben Stunde mit dem Aufschlagen seiner Zelte angefangen hatte, so konnte es geschehen, daß er den Beginn seiner „weltberühmten Attraktionen einer verehrten Einwohnerschaft" kundgeben konnte, noch ehe in den alten winkeligen Gassen das Leben schlafen gegangen war. An den um die Schaubühne gespannten Seilen drängten sich die erwartungsvollen Zuschauer, allen voran die Schuljugend, die mit großen staunenden Augen auf das im roten Licht der qualmenden Oellampen zauberhaft leuchtende Gestänge des hohen Trapezes und die fremdartige bunte Kulissenwelt starrte, bis ein schmetternder Trompetenstoß das Auftreten des berühmten Künstlerpaares Salvadini in seinen einzig dastehenden Darbietungen am Trapez meldete. Kurz darauf traten, in silbergrauen Trikots, ein Mann und eine Frau in die Seile, beide noch jung unb von schönen, ebenmäßigen Gliedern, verneigten sich artig nach allen Seiten, faßten sich bei ben Händen unb schwangen schon — noch ehe bie überraschten Zuschauer die Zeit gefunden hatten sich zu besinnen — auf den Stangen des Trapezes durch die Lüfte. Sie schaukelten, auf den blinkenden Messingstangen stehend, eine Weile aneinander vorbei, wie schöne Vögel, die sich in den hängenden Wiegen ihrer Käfige schwingen lassen, bis plötzlich beide mit einem federnden Sprung von den Stäben schnellten und sich frei in der Luft entgegenschwebten, dann aber — sich in einem gewagten oalto überschlagend — eines des anderen leer durch die Luft schwingendes Gestänge erfaßte, und von dort das aufregende Spiel von neuem begann... So, indes der dichtgedrängte Ring der Zuschauer in atemloser Spannung verharrte unb mit beklommenem Herzen das schwindelerregende Geschehen bestaunte, schwebten bie beiben ruhig und wie von aller Schwere befreit über der bangen Tiefe, schnellten in ihren silbernen, schuppig glänzenden Gewändern gleich spielenden Fischen durch die dunkle Nachtluft, über- schlugen sich in zierlichen kapriziösen Sprüngen, fingen sich und entglitten einander, immer frei in der Luft schwebend, indes die leeren Trapeze an ihnen vorüberpendelten, immer waghalsiger und erregen- der, immer nur für bie Zeit von ein paar Atemzügen zu ihren fchwingenben Stäben zurückkehrend, bis sie endlich mit einer schönen, ruhigen Gebärde die Trapeze an den aufgestellten Leitern und unter dem tosenden Beifall der aufatmenden Zuschauer zur Erde niederstiegen. Noch in den Beifall hinein ertönte erneut ein Trompetenstoß unb auf einem hochbeinigen, schöngezäumten Rappen kam ein junges Mäbchen in die Manege geritten. Es ritt erst eine Runde im spanischen Trab und da inzwischen hinter den hohen, schwarzen Kastanienbäumen der volle Mond emporgestiegen war unb sein silbernes Licht in die Manege und auf die junge Reiterin warf — schöner und reiner als die schreienden Lampen und aller bunter Plunder — so war es ein liebliches, beinahe rührendes Bild, zu sehen, wie das junge Mädchen in der silbernen Blässe des Mondlichts durch das nachtdunkle Laub der schweigenden Bäume dahintrabte, schon erfahren in allen Geheimnissen der edlen Reitkunst unb doch mit einem kindlich süßen, fast hilflosen Zug in dem ernsthaften Gesicht. Aus dem spanischen Trab ging der Rappe plötzlich in einen nobel spielenden Galopp über, der seine Reiterin erst eine Runde lang frei im Sattel stehend meisterte, bann aber, in einer kühnen Volte zum Handstand ausholend und schließlich nur noch mit einer Hand auf den Sattel gestützt, dahinjagte, indes ihr schöner, knabenhafter Körper steil wie eine Kerze im Mondlicht spielend über dem schwarzen glänzenden Pferderücken stand. Da auch diesen Künsten aus den Reihen der Zuschauer ein herzlicher unb rauschender Beifall nicht versagt blieb und es auch wohl so in ihrer Rolle lag, trabte die junge Reiterin, mit den Händen den Zuschauern zuwinkend, noch eine Ehrenrunde zum Dank für ben erwiesenen Beifall, bis plötzlich ein kleiner Zwischenfall auf eine unvorhergesehene Weise ihrem Ritte einen jähen Einhalt gebot: Nie- manb nämlich hatte es bemerkt, baß aus dem dichten Ring der Zuschauer, indes das Mädchen seine letzte Runde ritt, sich ein Mann nach vorne an die Seile gedrängt hatte, die Reiterin nahe an sich vorüberreiten ließ, dann aber einen kurzen Pfiff ausstieß unb niemand konnte daher das seltsame und wunderliche Schauspiel begreifen, das sich mit einem Male vor den Augen der erstaunenden Zuschauer abzuspielen begann: mitten im spani- schen Trabe nämlich hielt plötzlich der hochbeinige Rappe im Schreiten inne, stand eine Weile unbeweglich mit hochgeworfenem Kopfe unb gestellten Obren, breht sich bann mitsamt bem verblüfften Mäbchen auf der Hinterhand herum unb sprang, seiner Reiterin unb bes spanischen Trabes völlig vergessenb, zurück in die Richtung, in der sich der Mann an die Seile gedrängt hatte. Unb ba nun ber Mann über das Seil hinweg mit der Hand in die Mähne des Rappen griff und mit leiser Stimme, den Mund nahe am Gesicht des Tieres, diesem einen anscheinend vertrauten und in dem ausbrechenden Gelächter der Zuschauer von niemanden ge» hörten Kosenamen in das horchende Ohr flüsterte, ba geschah es, daß der Rappe mit freudigem, wiedererkennenden Gewieher den Kopf in die Höhe warf und den Mann mitten in das Gesicht küßte, schnaubend unb mit bebenben Nüstern: so, wie Pferde küssen, und so, wie er schon ungezählte Male seinen ehemaligen und wiedergefundenen Herrn geküßt hatte, damals vor Jahren, in dem großen Krieg am Stochod und bei Gorlice und wo überall ein Reiter und ein Pferd sich Kamerad gewesen. Indes nun aber der Mann fortfuhr, den Rappen streichelnd zu liebkosen unb fein ausschauender Blick sich mit dem des Mädchens traf, sah er, daß die junge Reiterin erblaßte und in ihr hilfloses Gesicht ein erschrockener und geängstigter Zug getreten war, daß ihre Augen mit den Tränen rümpften unb ihn flehend anblickten, gleichsam als fürchte sie, daß der Fremde, auf einem älteren Besitzrecht pochend, ihr die Liebe ihres treuen Schützlings wegnehmen könnte. Da gab der Mann mit einem leisen Lächeln den Kopf des Pferdes frei und streckte seine Hand hinauf zu dem jungen Mädchen, das, nun durch diese Geste der Kameradschaft beruhigt, mit einem wissenden, dankbaren Blick ihre kleine Hand in die seine legte. Der Rappe aber, als ob auch er sein Einverständnis mit dem durch den Händedruck besiegelten Kameradschasts- bund bezeugen wollte, begann die unterbrochene Ehrenrunde wieder aufzunehmen, unb trug seine Reiterin, nunmehr ohne weiteren Zwischenfall, unb unter dem rauschenden Beifall der Zuschauer, in stolzem, spanischen Trab aus der Manege, in der man schon die Vorbereitungen für bie nächste Nurn- mer zu treffen begonnen hatte. Zeitschriften. — Die Kunst", Monatshefte für Malerei, Pia- stik und Wohnkultur. 37. Jahrgang, Mai 1936. Verlag F. Bruckmann, München. Ein Künstler, dessen' rastloser und vielseitiger Schaffenstrieb sich mit einem erstaunlichen handwerklichen Können verbindet, ist der Münchener Bildhauer Toni Fiedler. Ueber ihn und feine künstlerische Eigenart berichtet Ulrich Christoffel. Im Aufsatz „Die Landschaft und ihre Darstellung" von Josef Weiß entzücken die stimmungsvollen Zeichnungen, die durch die Feinheit der Strichführung und die Wahl der Mo- ttve oft an japanische Kunst erinnern. Dem Maler nis entgegenbrachten. Er nannte u. a. Petersen (Gießen) und Boller (Land-Göns) als seine alten Mitstreiter. Thomas Reuther (Offenbach) plauderte sehr interessant von den Verfolgungen unb Unterdrückungen, die er für die Sache Otto Böckels erdulden mußte, die heute durch Adolf Hitler zur Angelegenheit des ganzen Volkes geworden ist. Auch Landwirt B o m m e r s t) e i m (Langsdorf), genannt der „Böckelschuster", und Postasfistent i. R. N o r t h (Gießen) gaben (Erinnerungen. _ In seinem Schlußwort dankte Professor Dr. Wer- n e r allen treuen Anhängern von ehedem unb Lucas und Fenchel ganz besonders für bk Vorbereitung ber Veranstaltung. Es wäre noch eine Menge von altbekannten Namen zu nennen, aber die Freube bes Wieberfehens ber alten Gesinnungsgenossen allein gebe schon bie Genugtuung bafur, von jeher feine Pflicht erkannt unb feine Schuldigkeit getan zu haben, auf baß Deutschlanb roieber frei werbe vom Internationalismus. All biefe Empfindungen ließ er ausklingen in einem Bekenntnis des Gietzener Heimatdichters Louis Frech: Doch was immer, wie ein Schimmer golbnen Lichts bas Herz umspannt, ist bie altgerman'sche große, innige unb grenzenlose Lien zum beutschen Vaterland. Frei von Banden ist erstanden Morgenrot den Tag erhellt. Darum stolz und trutzig schall es: Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt. Mit den Worten: Es lebe bas Reich unb ber Führer!, schloß Professor Werner seine Ausführungen, für die er erneut starken Beifall erntete. Dann gab Postinspektor i. R. Lucas noch bekannt, daß demnächst aus Anlaß der 50jährigen Wiederkehr des Tages, an dem Dr. Otto B ö ck e l in den Reichs- tag einzog, in Marburg eine weitere Wiedersehensfeier der ober« und nieberhessischen Völkischen abgehalten werde. Mit dem Sieg-Heil auf den Führer unb bas Vaterlanb und mit dem Horst-Wessel-Lied wurde die Veranstaltung geschlossen. OerFührerEhrenbürgervon Lindenfels LPD. Lindenfels, 8. Mai. In diesem Jahre kann die „Perle des Odenwaldes", Lindenfels, ihr 600jähriges Stabjubiläum begehen, das in großzügiger Weste begangen wird. Im Zusammenhang mit dem Jubiläum hat der Führer und Reichskanzler die Ehrenbürgerschaft der Stadt Lindenfels angenommen. Rundfunkyroaramm Dienstag, 12.2Nai. 6 Uhr: (Eoral; Morgenspruch; Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In der Pause, 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Musik am Morgen. 9.30: Zum Geburtstag von Joh. Peter Hebel am 10. Mai. Beim „Hebelmähli" in Hausen. 10: Schulfunk. 11.30: Bauernfunk. 11.45: Sozialdienst. 12: Mittagskon- zert I. 13: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 13.15: Mittagskonzert II. 14: Nachrichten. 14.10: Freudensprünge! 15: Volk und Wirtschaft. 15.15: Das deutsche Lied. 16: Unterhaltungskonzert. 17.30: Otto von Guericke. Ein deutscher Begründer der modernen Technik. Hörfolge zu seinem 250. Todestag. 18: Unterhaltungskonzert. 18.30: Olympia-Bor- bereitungen in aller Welt: Amerika. 19: Drei Kaiserdome am Rhein. Funkfolge. 19.45: Der Zeitfunk bringt den Tagesspiegel. 20: Nachrichten. 20.10: Wir bitten zum Tanz. 21.20: Klingende Kleinig- feiten. 22: Nachrichten. 22.15: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 22.30: Ein Strauß Liebeslieder. 23: Unterhaltungs- und Volksmusik. 24 bis 2: Musik von W. A. Mozart. KirMiche Nachrichten. Mittwoch, den 13. Mai. Hungen. 6.15 Uhr: Messe. Freitag, den 15. Mai. Gießen. 20 Uhr: Maiandacht. Meyer-Amben ist ein Nachruf von W. Grohmann gewidmet. Unterhaltsam sind die Artikel: „Der Künstler und sein Modell" von Ernst von Niebel- schütz, Magdeburg. Glasgemälde für das Haus der deutschen Erziehung, Bayreuth und Oesterreichische Gegenwartsmalerei. Auch hier bient reiches Bildmaterial zur Veranschaulichung. Der zweite Teil bringt Entwürfe moderner Wohnbauten und Inneneinrichtungen, schöner Möbel, Tapeten. So enthält das Heft u. a. Dahlemer Stadt-Landhäuser von Architekt Professor F. A. Breuhaus. Ueber Ta- peten - (Erinnerungen plaudert Börries Freiherr von Münchhausen. — Der Deutsch-Schweizer Karl Friedrich Kurz veröffentlicht in der Maifolge von Westermanns Monatsheften seinen neuen Roman „Herrn Erlings Magd". Kurz ist ein echter deutscher Dichter, unb so wie er stehen die Gestalten seiner Werke heiter, aemüthaft, schicksalsgläubig dem Leben unb seinen Aufgaben gegenüber. Viele berühmte und für ihr Land bedeutende Männer haben Parolen geprägt, die am besten das nationale Selbstbewußtsein eines Volkes versinnbildlichen. Dr. Paul Rohrbach hat solche „Nationalen Parolen unb Jbeolo» gien" gesammelt. Don Land und Leuten in Bulgarien plaudert Adalbert Forstreuter zu Delhifbem des bulgarischen Malers Nicolaus Taneff. In bem „Bunten Lanb zwischen zwei Kulturen" spürt man den Geist eines Volkes, bas trotz verlorener Kriege und verlorener Jahrhunderte an seine Sendung in einem Schicksalsraum glaubt. Zum Muttertag erscheinen zwei Beiträge von Hans Henning Frei- herrn Grote und Theamaria Lenz. Ein wundervoller Tieraufsatz „Vogelkinder" von Alexander Niestle und eine Vorschau auf die kommenden Olympischen Spiele in Berlin runden den Inhalt dieses Heftes ab. — „Stern und Unstern der Romanows", die Geschichte einer Dynastie in Miniaturen, von Dalerian Tornius, beginnt als spannender Tatsachenbericht im neuen Heft der „I11 u st r i r t e n Z e i t u n g" (I. I. Weber, Leipzig). Hier hatte die Phantasie nichts zum packenden Verlauf des Ganzen hinzuzuersinnen, weil die Geschichte selbst das Schicksal des russischen Kaiserhauses mit seinem Glück und Unglück, Glanz und Elend, Aufstieg und Untergang als ein gewaltiges Drama gestaltet. Ueberhaupt erweist sich das wirkliche Geschehen oft weit dramatischer als die berühmte Phantasie des Dichters, eine Behauptung, bie sich am „Glück unb Ende ber Anna Boleyn" beweisen läßt. Der unglücklichen Gemahlin Heinrichs VIII. von England ist ein Artikel Kurt Pfisters aeroibmet, ber, aus reichem Material schöpfend, ein lebendiges Bild dieses tragischen Schicksals gibt Gießen: Oie Gießener Wehrmacht-Vertretung er* I !2. Fortsetzung. Nachdruck verboten! Barth Restle Halle: Gießen hen, Zu* I der fffüh* stete, bnnt, rkehr kichg. vens- ab- mer Lied Mi at)te pn pn hi* Pnb el 3 Kur Uch hnt th Benedikte hatte sich eigentlich vorgenommen, mit Hans-Herrnann und Fräulein Giesecke zusammen am Abend ihrer Ankunft noch alles Notwendige zu besprechen. Sie hatte ja keine Ahnung, was alles getan werden mußte, um das kleine Bauerngut im Sinne Onkel Huberts zu erhalten. Aber kaum, daß Fräulein Giesecke von Josua die Abrechnungsbücher, die Mappe mit den Schriftstücken über die Gerechtsame des Bauerngütchens hatte herbeibringen lassen, fühlte Benedikte, sie würde heute nicht mehr fähig sein, zu arbeiten. Die Aufregungen der letzten Wochen daheim, die gehetzten Besorgungen vor ihrer Uebersiedlung hierher, die Fahrt durch den herben Vorfrühlingswind auf dem Wasser, alles zusammen überfiel sie plötzlich mit einer geradezu lähmenden Müdigkeit. Während sie sich über eine Zahlenkolonne beugte, fielen ihr beinahe die Augen zu. Hans-Hermann sah es: „Geh doch schlafen, Benedikte. Morgen ist ja auch noch ein Tag. Und ich selbst bin auch rechtschaffen müde." Fräulein Giesecke sah auf die Uhr: „Es ist ja schon neun. Zeit zum Schlafengehen." Benedikte lächelte. Um neun fing in der großen Stadt das Leben für viele Menschen erst an. Alles war dort künstlich. Hier aber war man in allem, im Aufstehen und Schlafengehen, an die Natur gebunden. Und das war gut so. Nur Hans-Hermann machte ein unzufriedenes Gesicht. Er war in der großen Stadt ein Nachtschwärmer geworden. Aber was blieb einem hier anderes übrig? Alles war dunkel. In den Fischer- katen schimmerte nirgends mehr Licht. Nur das Licht des Leuchtturms warf sich mit stoßendem Griff in bestimmten Zeiträumen über die Insel. Und dort drüben auf dem Hügel nahe am Norderende sah man ein großes Haus hell erleuchtet. flimmernd die Sterne. Warf sich das zuckende Licht des Leuchtturms jäh herüber, dann war ein ganzes Stück der Insel und des Meeres sekundenlang wie erhellt. Sie lauschte. Das gleichmäßig anbrandende Lied der Wellen kam ihr entgegen: stetig, stark und einfach, wie immer die große Natur, hier und überall. Aus dem Spielverlauf. Dem Schiedsrichter Mohr stellten sich die Mannschaften in folgender Aufstellung: Der Kommandeur der Abteilung, Major Key* s e r auf Ad»r-Kübel: Goldene Plakette. Ltn. Kahl, Adler-Kübel: Silberne Plakette. Feldw. Wiegand, Hanomag: Goldene Plakette. Oberschirrm. Frey auf Beiwagenrad-BMW.: Goldene Plakette. Schirrm. Deutschbein, Zündapp: Goldene Plakette. Gefr. Ische, Zündapp: Goldene Plakette. Die gleiche Auszeichnung erhielt die Mannschaft der 3. Kompanie mit den Fahrern Gefr. Häußner, Pahl und Weiß. Schnellster Fahrer für die Wertungsgruppe Krafträder mit Beiwagen war Oberschirrmeister Frey. Hierfür erhielt er einen Sonderpreis. Ferner erhielt die Zündapp-Mannschaft der 3. Kompanie einen Sonderpreis als beste WH.-Mannfchaft. ntinn „Der febel- s der chische Bild- Teil > > ) ent« laufet r3> eiherr 100 Monieler durch schwieriges Gelände! Oie große Taunus-Geländefahrt der Motorgruppe Hessen des 71SKK ler. h for. bitte per h3, [für, big. frei Hubes 6. Benedikte hatte fest und traumlos geschlafen. Als sie erwachte, wußte sie überhaupt nicht, wo sie sich befand. Sie hatte die Vorhänge nicht vor- gezogen. Die helle Vorfrühlingssonne, am Horizont aufsteigend, sandte ihre ersten Strahlen in ihr Zimmer. Sie setzte sich mit einem Ruck auf, rieb sich die Augen. Wo war sie denn? Jetzt erst begriff sie. Ach, das war nicht Berlin. Das war nicht das enge, dumpfe Zimmer ihrer „hochherrschaftlichen" Wohnung, das war das neue Leben! Sie sprang aus dem Bett, lief ans Fenster. In Sonne gebadet erstrahlte das Land. Leichte Dunstwolken wurden von dem stärker werbenden Licht aufgenommen. Eine unendliche Klarheit lag über Wiesen und Hängen. Und dort drüben leuchtete das Meer auf, schäumend und ungeheuer. Benedikte sah auf die Uhr. Sechs. Sie lauschte. Alles im Haus war noch still. Aber sie konnte nicht mehr schlafen, sie wollte hinaus zum Meer. Diese gottgesegnete Morgenstunde mußte genossen werden. Schnell machte sie sich fertig. Es schien draußen noch empfindlich kühl zu sein. Am besten, man zog ich seinen Trainingsanzuq an, feste Schuhe, natür- ich auch. Denn in den Gräsern mochte noch alles chwer von Tau und nächtlichem Nebel fein. Eine Viertelstunde später schlich sie leise, die Schuhe tur Vorsicht in der Hand, die Treppe herunter. Sie knarrte leise auf dem einen Absatz. Aber Gott sei Dank, Fräulein Giesecke schien nichts gehört zu haben. Die Küche lag dunkel. Leise zog sich Benedikte die Schuhe an, griff nach dem Schlüssel, der links neben dem Herde hing und öffnete vorsichtig die Hintertür. Und nun stand sie draußen in dem strahlenden Morgen des Ostersonntags. Ja wirklich, es war : Ge- eria" E g.3- licht- inM IW jlanZ das , die tunfl' - be* wirt' stets tlrt nns jerrn fiter, Serie und Unräten vußk' * icolo- Bul- fitem dem man liege ■a in er« frei- fiter« nber iben chatt Deutscher Autosieg in Tripolis. Varzi (Auio-!lnion) siegt vor Hans Stuck, Luigi Fagioli und Caracciola Nach der Pause klappte es bei dem Gießener Sturm einen Augenblick in der sonst von ihm ge- wohnten Weise, 5:2 — 5:3, die Zuschauer glaubten schon, das heiß ersehnte Erwachen sei gekommen — es war aber nur ein Aufflackern. In kurzer Zeit war Halle wieder Herr der Lage, sie ließen sich das Spielgeschehen nicht mehr aus der Hand nehmen. Erst beim Stande von 9:3 konnte Hüfner für seine Mannschaft ein Tor aufholen. Mit 10:4 mußten sich die Gießener verdient geschlagen bekennen. Am Schlüsse sprach der Rektor der Landesunioersität der siebreichen Mannschaft der Universität Halle seine Glückwünsche aus für ihr hervorragendes Spiel. Grünig Winter Seipp Eckert Bolz Wenzel Weigand Hüfner Watz Grund. Helbig Fischer Dalitz Schlanstedt Rohner Stein Warnecke Kirchner Hendrick Geisler. Und plötzlich wurde ihr klar: dies Land hier, es bedeutete nicht immer nur Glück und Freude und Sonne. Es konnte auch Gefahr sein und Menschennot und Ringen um Menschenleben. Aber man war hier allem Elementaren so nahe. Und hier lag wohl auch der Grund, sich s» stark und neu zu üblen. Sie wollte um den kleinen Schuppen herum und weiter am Strande entlang gehen. Da sah sie ein paar Schritte vor sich eine Männergestalt. Aha, da war noch so ein Frühaufsteher. Der weiche Sand nahm ihre Schritte. Nun war ie dicht hinter dem einsamen Menschen. Gerade wollte sie mit einem freundlichen Gruß an ihm vor* über, da drehte der Mann den Kopf. (Fortsetzung folgt!) hatte Anstoß, kam auch gleich sehr schön durch, der Schuß des Halbrechten wurde aber von Geisler im Hallenser Tor in bestechender Manier gemeistert. In der Folge Überboten sich Gießens Spieler in elementaren Fehlern, besonders im Sturm wurde auch kein Ball richtig abgespielt. Halles Angriff inszenierte nun ein Stürmerspiel, wie man es selten sieht, in kurzer Zeit stand es 4:0, ohne daß die Gießener Hintermannschaft erfolgreich eingreifen konnte. Der Sturm holte dann ein Tor auf, aber bis Halbzeit war die alte Differenz durch schönen Schuß des Halbrechten wieder yergestellt. 6.30: 8.10: Zum .Mai. 11.30: ston« 'Zirkj. 4.10: 5.15: 7.30: der ödes- Dor- Kai- M« 20.16: leinig* s dem r. 23: Musik NSG. Der Geländesport marschiert unaufhaltsam vorwärts! Diese Tatsache kann nicht bestritten werden, denn die großen Dauerprüfungs- und Geländefahrten erfreuen sich in den letzten Jahren bei den Fahrern, wie auch beim Publikum wachsender Beliebtheit. Das Nationalsozialistische Kraftfahrerkorps unter seinem Korpsführer Hühnlein hat den Geländesport als besonders wertvoll für die Ausbildung feiner Fahrer erkannt. Auf Anordnung des Korpsführer gelangen aus diesen Gründen alljährlich einmal in den verschiedensten Gebieten Deutschlands Gelände- hzw. Zu- verlässigkeitsfahrten zur Durchführung. Die Motor gruppe Hessen hatte den Ter- min für die auf ihr Gebiet entfallende Veranstaltung auf den 10. Mai festgelegt und den Taunus als Austragungsgelände ausersehen. Pünklich um 7 Uhr erfolgte in Kronberg zunächst der Start der Motorradfahrer, denen anschließend die Wagen folgten. Bei herrlichem Sonnenschein ging es hinaus in den Taunus. Das Nennungsergebnis hatte alte Erwartungen übertroffen: 31 Mannschaften, davon 6 Wagen- und 15 Wotorradmannschaften, 90 Einzet- wagen- und 100 Einzelmotorradfahrer gingen auf die schwierige Strecke; Angehörige des NSKK. und DDAE.» der SA., SS. und 5)3. wetteiferten im sportlichen, friedlichen aber harten Kampf mit dem geschulten Personal der Wehrmacht, in deren Kreisen diese Prüfungsfahrt besonders lebhaftes Interesse gefunden hatte und die fast die Hälfte der Teilnehmer stellte, um den Siegeslorbeer. In langen Vorbereitungen hatte der Fahrtausschuß ein Gebiet gewählt, das für die Austragung als ideal anzusprechen war. Heber etwa 100 Kilometer ging die Fahrstrecke, deren Einhaltung einer genauen Kontrolle unterlag, durch Straßen und Gelände jeder Ordnung und Art, erschwert durch besonders geschickt angelegte Steilan- und -abfahrten sowie eine Wasserdurchfahrt. Durch Wälder und Fluren, bergauf und bergab ging die Jagd! — MMMWßkWl Roman von Marlise Kölling. Urheberrechtsschutz: Verlag Oskar Meister, Werdau. Auch das zweite große Auto-Rennen der neuen Saison, der Große Preis von Tripolis, endete mit einem gewaltigen Erfolg des deutschen Motorsportes Vier Wagen — zwei Auto-Union und zwei Mercedes-Benz — beendeten nach einem spannenden und mit aufregenden Momenten durchsetzten Kampf das Rennen siegreich. Achille Varzi auf Auto-Union überfuhr nach 2:31:22 Stunden in neuer Rekordzeit als Erster das Zielband. Dichtauf folgte Hans Stuck, ebenfalls auf einem der schnellen Auto-Union-Rennwagen. Den dritten und vierten Platz holte sich Mercedes-Benz durch Luigi Fagioli und Rudolf Caracciola. Erst an fünfter Stelle kam ein italienischer Wagen ins Ziel, Der Alfa Romeo von Mario Pintacuda. 26 Wagen nahmen im Beisein einer riesigen Zu- chauermenae den Kampf auf der Mellaha-Rund- trecfe bei Tripolis auf. Auch Tazio Nuvolari, der am Freitag im Training gestürzt war, war mit seinem neuen Alfa-Romeo-Rennwagen dabei. Auf der Ehrentribüne sah man u. a. Marschall Balbo als Gouverneur von Tripolis, Reichsleiter B o u h - ler als Vertreter der ONS., den Chef der Privatkanzlei des Führers, B o r m a n, und den deutschen Konsul Schubert. Die Wagen wurden „fliegend" gestartet, und zwar begann das Rennen eigentlich schon hundert Meter vor der Startlinie. Die Fahrer der Auto- Union, deren Wagen bekanntlich ein besonders starkes Anzugsoermögen haben, setzten sich sofort an die Spitze des Feldes. Nach sieben Runden des 40 Runden (524 Kilometer) langen Rennens führte Bernd Rofemeyer vor Hans Stuck, Achille Varzi, Gleich bei der Kontrollstelle I hinter Oberursel galt es für die Fahrer in der Wasserdurchfahrt, die neben einer Steilabfahrt bei Oberems und einer Steilauffahrt am Roten Kreuz einer der interessantesten und im wahrsten Sinne des Wortes alle Fahrkunst erfordernden Punkte der gesamten Geländefahrt war, größere Schwierigkeiten zu überwinden. Besondere Anerkennung verdient gerade hier die rückhaltlose Hingabe, mit der die Fahrer des NSKK., SA. und SS. ihre Fahrzeuge, die meist ihr größter Stolz und oft ihr einziges Vermögensstück sind, in den Dienst der guten Sache, in den Kamps um den Sieg stellten, um aller Hindernisse Herr zu werden, mit denen an der Wasserdurchfahrt vor allem die Wagen mit Vorderradantrieb zu kämpfen hatten. Eine größere Stockung entstand noch am Roten Kreuz, als bei den Adler-Kübelwagen infolge Heißlaufens die Benzinzufuhr aussetzte, stehenblieben und einen ’Aftünöigen Aufenthalt des gesamten Feldes herbeiführten, an dessen Behebung in echt kameradschaftlicher Weise gemeinsam gearbeitet wurde. Gegen 13 Uhr war der letzte Fahrer am Ziel in Kronberg angelangt; trotz der überstandenen Mühen und Anstrengungen mit frohem und vergnügten Ge» sicht, mit der stillen Hoffnung auf eine wohlverdiente Plakette. Nun gab es auch einige Stunden Ruhe, und der Körper kam zu seinem Recht, bis um 16 Uhr in Kronberg die Siegerverkündung Dorgenommen wurde, bei der für die schnellsten Fahrer und Mannschaften Ehrenpreise zur Verteilung kamen. Die schnellste Zeit des Tages: die gesamte Strecke in 2 Stunden 20 Minuten wurde von einem Motorrad gefahren. Goldene Plaketten errangen: Wertungsgruppei: Krafträder bis 1 2 5 c cm : Joh. Heil, Stm. Ffm. 14/M 49; 0Punkte. W e r t u n g s g r u p p e II: Krafträder bis 25 0 ccm : W. Döring, SS-Ufcharf. SS 7/2; Th. Sottmann, Jgg. HI.; Hugo Hippe, Jgg. HI.; Fr. Lorenz, Scharf. SS 10/5; Karl Döring Stm. 4/M Louis Chiron (Mercedes-Benz) und Brivio (Alsa Romeo). Rudi Caracciola, Luigi Fagioli und Manfred von Brauchitsch lagen weiter zurück. Nach zehn Runden lagen nur noch 23 Wagen im Rennen, nachdem drei Italiener zum Ausscheiden gezwungen waren. Schon in der 11. Runde konnte dann Varzi den Rundenrekord Caracciolas brechen. In phantastischer Fahrt absolvierte Varzi die 13,1 Kilometer lange Runde mit einem Durchschnittstempo von 221,200 Stdkm. und überbot damit Caracciolas Varjahresrekord von 220,167 Stdkm. In der 17. Runde hatte Bernd Rofemeyer bange Sekunden zu überstehen. Sein Wagen geriet im schärfsten Tempo in Brand. Der junge deutsche Fahrer konnte aber noch rechtzeitig anhalten und fein Gefährt verlassen. Weiterfahren war allerdings ausgeschlossen. Auch von Brauchitsch mußte das Rennen aufgeben, und zwar zwang ihn ein Motorschaden zum Ausscheiden. Nach halber Strecke (20 Runden) führte Stuck mit 1:15:21 Stunden vor Varzi, Chiron, Fagioli, Caracciola und Nuvolari. Nach der 33. Runde befanden sich nur noch 12 Wagen im Rennen, aufgegeben hatten u. a. Taruffi (Alfa Romeo), Carraroli (Maserati), Soffietti (Alfa Romeo), Balestrero (Maserati), Tadini (Alfa) und Ghersi (Maserati). Stuck führte immer noch vor Varzi, Fagioli, Caracciola und Nuvolari. Auf den letzten Runden des Rennens änderte sich an diesem Stand nur noch wenig. Achille Varzi ging an Hans Stuck vorbei und siegte in 2:31:22 Stunden, nach, dem er vorher mit 3:27,4 Min. und 227,385 Stdkm. noch einen neuen Rundenrekord aufgestellt hatte. Unter riesigem Beifall überreichte Marschall Jtalo „Wer wohnt denn dort?" fragte er. „Das ist ja ein Riesenkasten dort oben." „Wo?" fragte Benedikte und trat neben den Vetter ans Fenster. „Ach so, Sie meinen die ,Burg'", nickte Fräulein Giesecke. „Das Haus hat sich vor ein paar Jahren ein Maler hier bauen lassen. Er konnte es aber nicht halten. Jetzt vermietet er es seit Jahren an Sommergäste. Voriges Jahr war eine große internationale Gesellschaft dort, sie soll dieses Jahr wie- bekommen. Leute, die nicht recht hierherpassen — die ganze Nacht Betrieb und Grammophon. Es wurde viel über sie geredet. Es soll dort hoch her- gehen, und mit dem Gelde soll dort nur so herum- geroorfen werden. Aber das sind keine Menschen für uns", schloß sie energisch. „Das scheint mir auch so", meinte Benedikte. Hans-Hermann aber sah mit einer plötzlichen Sehnsucht dort hinüber, wo Helligkeit war, viel- leicht Fröhlichkeit, Musik, Tanz. Es würde doch nicht leicht sein, alles abzustreifen, was einem in diesen Großstadtjahren zur zweiten Natur geworden war. Der Gedanke, hier mit den Hühnern zu Bett zu gehen, war ihm geradezu fürchterlich. Aber was half es? In diesem einsamen Nest war nichts anderes zu beginnen. „Schlaf gut, Hans-Hermann, träume was Schönes! Du weißt, der erste Traum im neuen Heim geht in Erfüllung", neckte Benedikte wohlmeinend. „Dann weiß ich schon, was ich träumen will", Hans-Hermann sah Benedikte verhalten an. Er beugte sich über ihre Hand. „Laß doch den Unfinn", sagte sie etwas erschrocken. Seit wann küßte Hans-Hermann ihr denn die Hand? Zusammen mit Fräulein Giesecke, die gleich ihnen ein Mansardenzimmer oben im ersten Stock bewohnte, ging sie hinauf. Josua folgte wie ein getreuer Schatten mit der Lampe und verschwand mit seinem ewig strahlenden Gesicht. Und nun war Benedikte allein. Ihr Zimmer war ein viereckiger kleiner Raum, aber von unendlicher Behaglichkeit. Das Bauernbett hinter bunten Vorhängen, Tisch, Schrank und Waschtisch in leuchtend < blauem Holz, mit bunten Herzen bemalt. Das Fen- i ter gab den Blick auf die See frei. Sie öffnete es. Stark und kühl floß die Nachtluft ihr entgegen. Am Himmel standen fern und ! WertungsgruppeVI.-PKW., 1200 bis 20 0 0 ccm : Frz. König, Dtruf. 34/M49; Ernst Hagemann, Scharf. M 150; Karl Heil, Scharf. 32/M 49; Martin Klein, Dtruf. II/M 148; Karl Thres, Scharf. M 150; Osk. Eichhorn, Rf. 2/M 148; fämt- liche 0 Punkte. Wertungsgruppe VII: PKW. über 2000ccm:H. v. Roßpatt, Scharf. 32/M 49; 0 P. Wertung sgruppeVIIa: Kübelwagen über 2000 ccm : Zinkel, Oblt. 42 AR 45; Klein, Untffz. 42 AR45; Hptrn. Hesse, JR 97; Hptrn. Apelt, 4 AR 45; Ufunfmftr. Gernbe, PI 9; Siegmann, Oschirrmstr. 3. NA 9; Keyser, Major PAA 41; Gehrt, Untffz. 3. Pi. 19; Forkel,Untffz. 3. NA 49; v. Bary, Oblt. NA 9; Sräger, Oblt. PAA 34; Panzenhagen, Hptrn. PAA 34; sämtliche 0 Punkte. Dertungsgruppe Mannschaften, Krafträder mit Seitenwagen. Mannschaft 14. JR. 97 Darmstadt, BMW.: Untffz. Wiener, Untffz. Reuter, Gefr. Bruder. Mannschaft 1/PAA. 19 Hannover, BMW.: Untffz. Ehrenberg, Untffz. Ochterbeck, Gefr. Stracke, Mannschaft 3/PAA.41 Gießen, Zün- d a p p : Gefr. H e u h n e r, Gefr. Pahl, Gefr. Weiß. Wertungsgruppe Mannschaften, Kraftwagen. Mannschaft 32/M 49 Frankfurt a. M.: Oscharf. Harzt, Scharf. Karthal, Scharf. Kolbeck. Mannschaft NA. 9 Wetzlar, Hannomag - Kübel: Untffz. Merl, Untffz. Treicher, Lt. Hofmann. Mannschaft 14. JR. 38 Mainz: Hptm. Ulrich, Untffz. Kreth, Untffz. Kopp. OeulscheHandball-Hochschulmeisterschast Universität Halle — Universität Gießen 10:4 (5:1), Wer am Freitagmittag Zeuge dieses Spieles fein konnte, der wurde in zweierlei Hinsicht bitter enttäuscht. Einmal hatten unsere Studenten den Hallensern nicht viel gleichwertiges entgegenzusetzen, aber sie lieferten obendrein seit langer Zeit ihr schwärzestes Spiel. Die einzigen Leute, die vollauf genügten, waren Grünig im Tor und der linke Verteidiger Seipp. Besonders was Grünig in der ersten Halbzeit hielt, war ganz große Klasse. Daß er im ganzen Spiel auch ein, zwei Bälle halten konnte, mag ihm nur als Schönheitsfehler angerechnet werden. Auch Seipp zeigte sich von seiner besten Seite. Aber die anderen! Der gesamte Sturm spielte jämmerlich, die fünf Leute schienen von allen guten Geistern verlassen. Einfach unbegreiflich, wenn man gesehen hat, wie anders diese Jungens spielen können. Mit solchen ßeiftungen dürfte im Juni in Heidelberg nicht viel zu erreichen sein. Die Läuferreihe hatte ebenfalls nicht zu bestellen. Dies alles soll aber den Sieg der Universität Halle nicht im geringsten schmälern. Die Mannschaft war vom ersten bis zum letzten Mann auf dem Poften. Der Tormann stand Grünig kaum etwas nach, lpweit man bei den wenigen Bällen, die wirklich gefährlich waren, feststellen konnte. Die gesamte Hintermannschaft war körperlich sehr kräftig und nutzte das möglichst aus. Das Prunkstück dieser Elf aber war der Angriff! Fabelhaft, mit welchem Tempo und Verständnis für Freilaufen mit blitz- schnellem Wechseln dieser Sturm arbeitete. Wären hier nicht Grünig und Seipp gewesen, die oft die unmöglichsten Sachen noch erreichten, dann wäre eine schwere Niederlage unausbleiblich geworden. Alles in allem hat Halle den Sieg auch in dieser Höhe verdient und geht mit berechtigten Hoffnungen ins Endspiel, das demnächst in Berlin stattfindet. Auf der Taunus-Geländefahrt der Motorgruppe Hessen konnte sich die Gießener Wehrmacht (P a n - zer-Abwehr-Abtl. 41) wieder erfolgreich durchsetzen. Die Erfolge sind um so höher zu bewerten, als es sich um eine Strecke handelte, die große Anforderungen an Fahrer und Kraftfahrzeuge stellte. Sehr gefürchtet waren die reichlich vorhandenen Querrinnen, die oft unliebsame Sprünge und Reifendefekte zur Folge hatten. Die Wasserdurchfahrt und der darauffolgende Wiesenabhang bereiteten bei einiger Fahrfertigkeit doch etwas Schwierigkeiten. Die Markierung der Strecke war ausreichend, trotzdem es sich mehrmals wiederholte, daß Fahrer von der Strecke abkamen. Auch der Sturm, der im Taunusgebiet gewütet hatte, brachte zahlreiche Hindernisse mit sich. Die Gießener Fahrer konnten folgende Preise erringen: Ostern. In der großen Stadt hatte man diesen Begriff fast verloren. Ostern! Auferstehungszeit auch der Natur. Hier lernte man einen tiefen Sinn wieder begreifen. Die Weide neben dem Haus hatte ihre ersten Spitzchen vorsichtig herausgesteckt. Auf dem kleinen Beet, das gegen die Winde geschützt an der Südmauer lag, war die erste Primelstaude aufgeblüht. Lerchen fangen fernhin hoch im Blau. Die Wiesen deckten sich mit dem ersten Grün. Alles war so erwartungsfroh und neu. Leise klinkte Benedikte die Gartenpforte auf und ging langsam über die Wiese dem Meere zu. Schön war es zu schreiten in dieser morgendlichen Kühle über die weiche Narbe des Grasteppichs. Jetzt kam ein kleiner Fahrweg und nun der Strand mit feinem noch feuchten Sande und der großen stillen Weite. Der Wind stieß ihr entgegen und ließ ihre blonden Haare flattern. Ein unbändiges Gefühl des Glücks und der Kraft hatte sie ergriffen. Ostersonntag - Morgen. Eine tiefe Dankbarkeit gegen Hubert Zedlitz überkam sie, der ihr dies alles geschenkt hatte. Meer und Himmel, Erde und Wiese, Haus und Garten, Blühen und Werden. Kraftvoll schritt sie aus. Nun hatte sie den Strand erreicht. Da stand ein kleiner Schuppen, offenbar ein Geräteschuppen für Fischer. Ein Schild war da: Ach nein, das war ein Rettungsschuppen. Inhalt: zwei Rettungsboote, Signalraketen, vier Leinen, Achtung, nicht rauchen, Feuersgefahr! 148; Karl Vellmer, Scharf. HI; F. Tausendpfund, DDAC.; sämtliche 0 Punkte. Wertungsgruppe III: Krafträder über 250 ccm: Arn.Knvll, Rf. 16/M 148; Adam Schad, Oscharf. 5/M 150; Hch. Schmidt, Scharf. 1/M 48; Karl Fahl, Oblt. 1. NA 9; Herrn. Dietrich, Untffz. 1. NA 9; Erwin Lemb, Stm. 21/M 46; Harry Müller, Gefr. 2. NA 19; Heinr. Friedrich, Untffz. 1- NA 19; Beruh. Bartels, Gefr. NA 19; Hch. Heber, Rf. SS 5/2; W. Heupt, Stm. 15/M 150; Hch. Dinges, DDAC.;Paul Feger, NSKKm. 16/M 148; sämtliche 0 Punkte. Wertungs gruppe IV: Seitenwagen: Max Sandrock, Dtruf. HI.; W. Klapproth, Oscharf. 3/M 47; Alfr. Ickes, Scharf. 1/M 148; P. Stechert, Scharf. 5/M 49; Joach. Kobe, Scharf. 1/M 48; Herrn. Peterson, DDAC.; Rolf Mandt, Kaschf. HI.; Gg. Frey, Oschirrmstr. PAA 41 Gießen; Beruh. Gesse, PAA 19; W. Hilke, Untffz. 14. JR. 81; Fr. Rohrmann, NSKKm. 23/M 148; Willi Jshe, Gefr. 2. PAA 41; Alfons Deutschbeiu, Schirrmstr. PAA 41; sämtliche 0 Punkte. Wertuugsgruppe V: PKW., 1 200ccm : Hch- Jourdan, Rf. 32/M 49; Frd. Wiegand, Feldw. 3. PAA 41; Beruh. Siebels, Staudf. Brig. 48; Ad. Scharberger, Rf. 13/M 50; sämtliche 0 Punkte. Wertungsgruppe Va : Kübelwagen bis 1200 ccm.- Hch. Nienhuysen, techn. Sekretär II/AR. 45; Hch. Vespermann. Hauptm. 1. NA 34; Hans Friesel, Oblt. NA 34; Frz. Schneider, Untffz. NA 9; Hugo Speer, Untoffz. 1. NA 49; Rich. Ditter, Gefr. 1. NA 49; Kurt Schäfer, Untff. 1. NA 9; Hauswirts), Schirrmstr. 1. NA 9; sämtliche 0 Punkte. Balbo dem Sieger den Großen Preis, während am Siegesmast die Hakenkreuzflagge emporstieg und die Nationalhymnen gespielt wurden. Das Ergebnis: 1. Achille Varzi (Auto-Union) 2:31:22 Std. (neuer Streckenrekord); 2. Hans Stuck (Auto- Union) 2:31:29 Std.; 3. Luigi Fagioli (Mercedes- Benz) 2:33,38 Std.; 4. Rudolf Caracciola (Mercedes-Benz) 2:34:56 Std.; 5. Mario Pintacuda (Alfa Romeo). Korpsführer Hühnlein, an die Autounion. Berlin, 10. Mai. (DNB.) Korpsführer Hühnlein hat an die Auto-Union folgendes Telegramm gesandt: „Die Erringung des ersten und zweiten Platzes im Großen Preis von Tripolis ist ein Erfolg, auf den der deutsche Kraftfahrsport mit Stolz blickt. Ich beglückwünsche Werkführung und Gefolgschaft der Auto-Union für diese hervorragende Leistung ihrer Meisterfahrer auf das herzlichste. Korpsführer Hühnlein." stm die Deutsche Fußballmeisterschaft. 1. JE Nürnberg und Fortuna Düsseldorf Gruppensieger. Im Kampf um die Deutsche Fußball- Mei st e r s ch a f t sind am Sonntag zwei wichtige Vorentscheidungen gefallen. Der 1. F C. Nürnberg und Fortuna Düsseldorf haben sich in ihren Gruppen endgültig den Gruppensieg und damit die Teilnahme an der Vorschlußrunde gesichert. In der Gruppe 2 dürfte Vorwärts-Ra- sensport Gleiwitz den Endsieg erringen, und in der Gruppe 1 liegt die Entscheidung zwischen Polizei Chemnitz und Schalke 04; sie fällt wie in der Gruppe 1 am kommenden Sonntag. In Gruppe 1 überraschen die knappen Siege der Favoriten auf den Gruppensieg. Der Tabellenführer Polizei Chemnitz gewann beim Ostpreußenmeister Hindenburg Allenstein vor 4000 Zuschauern nur mit 3:2, nachdem die Ostpreußen bei der Pause noch mit 2:0 in Führung gelegen hatten. Auch der deutsche Meister Schalke konnte nur nach Hergabe des letzten Könnens in Berlin beim BSV. 92 mit 3:2 (2:1) gewinnen. 20 000 Zuschauer sahen hier die „Knappen" kämpfen und siegen. Der Dresdner Großkampf Chemnitz — Schalke am nächsten Sonntag wird ein Ereignis erster Klasse im deutschen Fußballsport werden. Zur Zeit liegen noch die Sachsen mit 10:0 Punkten vor Schalke mit 8:2 Punkten in Führung. In Gruppe 2 verteidigte der Schlesienmeister Vorwärts-Rasensport Gleiwitz seine führende Stellung durch einen Sieg von 4:1 (2:9) über den Nordmarkmeister Eimsbüttel. 10 000 Zuschauer wohnten dem Treffen bei und erlebten einen sicheren Sieg der Schlesier, die damit ziemlich sicher als Meister feststehen. Einmal wird Gleiwitz kaum in Stolp verlieren, und selbst wenn dies der Falle wäre, wird das gute Torverhältnis der Schlesier kaum von Werder Bremen aufgeholt werden. Die Bremer siegten vor 5000 Zuschauern in Stolp gegen Viktoria mit 4:1 (2:1). In Gruppe 3 ist die Entscheidung zugunsten des 1. F C. Nürnberg gefallen. Der „Club" siegte in Stuttgart über die Kickers ganz klar mit 5:0 (2:0) und brauchte sich so nicht mehr um den Ausgang des Spieles zwischen Jena und Worms zu kümmern, denn den zum Endsieg fehlenden Punkt hätten sich die Nürnberger bestimmt noch gesichert. In Stuttgart waren 18 000 Zuschauer erschienen. Die Enttäuschung über die Niederlage der „Kickers" wurde übertroffen durch die Befriedigung über das schöne Spiel. Wormatia sicherte dem „Club" schon am vorletzten Tage die Meisterschaft durch die Niederlage von 1:3 (1:2) in Jena, wo der einheimische Mittemeister vor 4000 Zuschauern seinen ersten Sieg errang. In Gruppe 4 holte sich Fortuna Düsseldorf den Gruppensieg, allerdings nicht durch eigene Kraft, denn der Niederrheinmeister versagte in Kassel vor 8000 Zuschauern vollständig und wurde von Hanau 93 mit 5:1 (3:1) geschlagen. Daß die Niederrheiner trotzdem schon Gruppensieger wurden, danken sie dem SV. Waldhof, der sich in Köln unter unglücklichen Umständen vom Kölner CfR. mit 3:2 (0:1) schlagen ließ und so seine letzten Aussichten begraben mußte. Erste Klärung in den Handball-Endspielen. Hindenburg Minden Gruppensieger. Schon am gestrigen ersten Rückrundensonntag fiel in den Handball-Gaugruppenspielen die erste Entscheidung. Hindenburg Minden sicherte sich durch den Sieg in Obermendig und durch das Unentschieden, das sich Altenstadt und Fürth lieferten, endgültig die Spitze, sodaß die Westfalen, die im letzten Jahre mit dem deutschen Meister Magdeburg im Endspiel standen, bereits als Teilnehmer der Vorschlußrunde feststehen. Eine weitere Entscheidung ist in der Gruppe 1 fällig, wo die MSTA. Leipzig aus zwei ausstehenden Spielen nur noch einen Punkt zum Gruppensieg benötigt, der den Sachsen sicher zufallen dürfte, wenn sie auch ihre letzten Spiele auswärts austragen müssen. In den übrigen beiden Gruppen sind es noch jeweils zwei Vereine, die sich Meisterschasts- hofsnungen machen dürfen. In Gruppe 1 siegte die MSTA. Leipzig im letzten Heimspiele mit 13:3 (6:1) über den Ostpreußenmeister Hindenburg Bischofsburg, der wohl die Gruppenspiele ohne Punktgewinn beenden wird. Die Leipziger stehen mit 8:0 Punkten an der Spitze. An zweiter Stelle folgen mit je 4:4 Punkten Berliner SV. 92 und Post Oppeln, die sich am Sonntag in Oppeln mit einem 8:5 (4:2) zugunsten der Schlesier trennten. In Gruppe 2 landeten die Favoriten klare Siege. Der führende deutsche Meister MSV. Magdeburg gewann zu Hause 13:5 (5:3) über Post Hannover, und der Nordmark-Meister Oberalster Hamburg gewann noch höher mit 21:3 (10:1) über den KTD. Stettin. In. der Tabelle führt Magdeburg mit 8:0 Punkten vor Oberalster mit 6:2 Punkten. Die Entscheidung wird hier am 24. Mai in Hamburg fallen, wo Oberalster und Magdeburg Zusammentreffen. Da hier mit einem Sieg der Norddeutschen zu rechnen ist, wird wohl erst ein Entscheidungsspiel den Gruppensieger und Vorschluß- runden-Teilnehmer ermitteln. In Gruppe 3 gastierte Hindenburg Minden bei der Tvg. Obermendig und gewann 10:5 (5:3). Die Soldaten verteidigten damit erfolgreich die Führung und wurden zugleich Gruppensieger, da sich Altenstadt und Fürth unentschieden trennten, so daß keine Mannschaft der Gruppe mehr die Mindener einholen kann. Das Altenstadter Treffen zwischen den Meistern von Württemberg und Bayern endete mit dem auch im Handball selten vorkommenden Unentschieden von 13:13, nachdem die Fürther bei Halbzeit 7:4 geführt hatten. In Gruppe 4 erlitt der Tabellenführer Rasensport Mülheim seinen ersten Punktverlust durch ein Unentschieden beim Südwest-Meister MSV. Darmstadt, der den Niederrheinern ein 9:9 bei einer Halbzeitführuna von 6:5 abrang. Dennoch ist aber wohl mit Mülheims Endsieg zu rechnen, da die Mülheimer ihre letzten beiden Spiele zu Hause, die Darmstädter die ihren auswärts auszutragen haben. Waldhvf überfuhr nochmals Kurheffen Kassel, diesmal in Mannheim und mit 17:9 (6:2) ebenfalls recht deutlich. Die Spiele am 17. Mai. Gruppe 1: Berliner SV. 92 — Hindenburg Bischofsburg; Post Oppeln — MTSA. Leipzig. Gruppe 2: Post Hannover — Oberalster Hamburg; MSV. Magdeburg — KFV. Stettin. Gruppe 3: Spvgg. Fürth — Hindenburg Minden; TD. Altenstadt — Tvg. Obermendig Gruppe 4: Kurhessen Kassel — MSV. Darmstadt; Rasensport Mülheim — SV. Waldhof. Von heimischen Sporistäiien. Geräte Wettkampf in Großen-Linden. Nach einer Begrüßungsansprache des Dereins- führers vom Turnverein Großen-Linden, Dr. Römer, gab beim gestrigen Gerätewettkampf der Leiter des Kampfgerichtes, Kreisoberturnwart Schüler (Wetzlar) einige Erklärungen für den Wettkampf. Nach dem ersten Gerät am Barren lag die Mannschaft des Turnvereins Großen-Linden schon in Führung, die sie auch bis zum Schluß behalten konnte. Die Mannschaft des Turnvereins L e i h g e st e r n lag an zweiter Stelle, die sie jedoch vorübergehend an die Mannschaft des Turnvereins Launsbach bis zum letzten Gerät verlor. Erst beim letzten Gerät am Reck hatte die Mannschaft von Launsbach Pech und wurde von Leihgestern überholt. Das Endergebnis des Kampfes zeigte folgendes Bild: Tv. Großen-Linden 1. Sieger mit 300% Punkten, Tv. Leihgestern 2. Sieger mit 267 Punkten, Tv. Launsbach 3. Sieger mit 262 Punkten. Die besten Einzelturner (ohne Freiübung) waren: Richard Seth vom Tv. Großen- Linden mit 56 Punkten, Karl Wagner vom Tv. Launsbach mit 50% Punkten, Karl Seipp vom Tv. Großen-Linden mit 49 % Punkten. Nach einer schlichten Siegerehrung durch den Kreisoberturnwart Schüler (Wetzlar) sprach Bürgermeister Michel von Großen-Linden und brachte das Sieg-Heil auf den Führer aus. Der Siegermannschaft gehören an: Rich. Seth, Karl Seipp, Albert Leun, Heinrich Jung, Karl Keßler und Hermann S ch o r g e. Dem Kampfgericht, dessen gerechte Bewertung allgemein anerkannt wurde, gehörten außer dem Kreisoberturnwart Schüler (Wetzlar) noch die Turner B e t t i n (Wieseck) und Engelmann (Wetzlar) an. BfB.-Neichsbahn Gießen. Unentschieden gegen Germania Bieber. Leider haben die Gäste sowohl in spielerischer Hinsicht, als auch in Spielkultur nicht das gehalten, was man sich von ihnen versprochen hatte. Die Gründe mögen in der Bestrafung einzelner Spieler im Falle der Teutonia Hausen zu suchen sein, aber trotz allem waren sie den Gießenern, die ebenfalls einen schwarzen Tag hatten, ebenbürtig. Die Gäste hatten einen Tormann, der sie ohne Zweifel vor einer Niederlage bewahrte. Ihre Verteidigung leistete sich öfter Schnitzer, die bei einem gefährlicheren Sturm als der der Gießener leicht zu Toren führen können. In der Läuferreihe überragte der Mittelläufer seine Nebenleute. Ihr Sturm war der Mannschaftsteil, der am meisten gefallen konnte. Besonders ihre zwei Außenstürmer konnten auf Grund ihrer Schnelligkeit sich immer wieder durchsetzen und gefährliche Angriffe einleiten. Aber auch bei dem gesamten Sturm der Gäste konnte man eine große Schußunsicherheit feststellen. Blaser im Gießener Tor zeigte einen beängstigenden Mangel an Fangsicherheit, und mehrmals hatte er es nur dem schnellen Eingreifen seiner Vordermänner zu verdanken, daß totsichere Erfolge verhindert wurden. Die Gießener Verteidigung zeigte sich ihren Aufgaben gewachsen. Knaus und Hauptfeld spielten nicht schlecht, erreichten aber nicht ihre sonstige Form. Der Gießener Sturm litt offensichtlich an dem völligen Versagen von Fehling, der während des ganzen Spieles niemals im Bilde war. Der gefährlichste Mann in der Fünferreihe war Heß, und es ist schade, daß er mit seinen Schüssen ungewöhnlich Pech hatte. Spielverlauf: Schon von Spielbeginn ab vermißte man bei den Mannschaften das nötige Tempo. Es wurde ziemlich lasch aespielt. Auffallend war, daß die Gäste ziemlich hoch spielten und scheinbar die Gießener mit ihrem steilen Spiel überraschen wollten. Nach zeitweise ausgeglichenem Feldspiel hatten die Germanen mehr vom Spiel, konnten aber dieser spielerischen Uederlegenheit keinen zahlenmäßigen Ausdruck verleihen. Demgegenüber waren die Gießener mit ihren plötzlichen Vorstößen sehr gefährlich, und F e h l i n g vergab kurz hintereinander zwei gute Torgelegenheiten. In der 40. Spielminute spielte sich der rechte Flügel der Germanen gut durch, und ihr Halbrechter schoß kurz entschlossen unhaltbar ein. Eine Minute vor Halbzeit konnten die Gießener durch Fehling, der ein Mißverständnis der Gästehintermannschaft ausnützte, die Partie 1:1 stellen. Nach Wiederbeginn versuchten die Gäste sofort durch ihren linken Flügel die Führung zu erringen. Ihr Linksaußen hatte auch die Gelegenheit dazu, schoß aber, nachdem er sich gut durchgespielt hatte, daneben. Kurze Zeit später konnte Lehrmund in letzter Sekunde nach einem schweren Fehler von Balser ein sicheres Tor durch energischen Einsatz vereiteln. Dann unternahm S z p o n i k einen Alleingang, der aber nur eine Ecke einbrachte, lieber» raschend fiel das Führungstor für die Gäste. Bei dem Abspiel ihres Mittelläufers standen sowohl der Mittelstürmer als auch der Halblinke abseits. Die Hintermannschaft griff nicht ein, und der Halblinke schoß zur Führung ein. Jetzt wurden die Gießener lebendiger. Sie erzwangen mehrere Ecken, die aber nichts einbrachten. Ebenso landeten mehrere Schüsse von Heß knapp neben dem Tor ober wurden gehalten. Szponik war es vorbehalten, als der Germanenverteidiger über den Ball trat, mit wuchtigem Schuß den Ausgleich herzustellen. Beim Schlußpfiff konnten beide Mannschaften mit dem Ergebnis zufrieden fein. Funnens eines NSV.-Sonnnerlagers beimFrüh- fvort. — Ein starkes Volk durch das „Hilfswerk Mutter und Kind". Unterstütze dieses Werk durch deine Mitgliedschaft zur NSV. Der Amtswalter wirbt in der Zeit vom 2.-15.Mai um deinen Beitritt Verkäufe 10 gute Leghühner mit Sahn zu verkauf. 3074D mm. str. N. Original Boge Kompressor m. 440 V Gleichstrommotor und liegendem Kessel 1701 Inhalt, 12 Atü nnt automatischer Aus- und Einschaltung,bestens erhalt, wegen Anschaffung eines größeren Kompressors abzugeben. 3070D Opel-Automobile Gießen Frankfurter Str. 52/56 | Einspaltige | Kleinanzeigen werden zum ermäßigten Grundpreis von 5 Pf. für die Millimeterzelle veröffentlicht! Deutsche Bestattungsversicherung vorm. „flamma“ Versieh.-Verein a. G. zu Berlin Zahlstelle: Giefeen, Thomastrafee 26 Fernruf 3205 • Postscheck: 80323 Frankfurt a. M. Bankkonto: 4117 Bezirkssparkasse. 3067 d Feuerbestattung u. Erdbestattung Kleinlebensversicherung Verlangen Sie unsere sehr günstigen Tarife. 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