Nr. 85 Erstes Blatt 186. Jahrgang Donnerstag, 9. April 1936 Erscheint täglich, nutzer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen NM. 1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernfprechanschliiffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach« richten: Anzeiger Gießen Postscheckkonto: Zrantfurt am Main 11686 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen druck und Verlag: vrühl'sche Universitäts-Buch und Zteindruckerei R. Lange in Gietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulftratze 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis8'/.UHr des Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Textanzeigen von 70mm Breite 50 Rpf.,Platzvorschrift nach vorh. Dereinbg.25°/„ mehr. 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Während sich diese zehn Punkte in mißtrauischen Fragen an die deutsche Adresse erschöpfen, waren die 19 Punkte Hitlers aufbauend, schöpferisch, konstruktiv Wenn man diese beiden Zeugnisse politischer Denkungsart gegeneinander hält, so wird es mit einem Schlage klar, wo der gute Wille zur Zusammenarbeit und Verständigung vorhanden ist und wo er fehlt. Die Franzosen werden einwenden, daß ihr „positiver" Beitrag in der anderen Denkschrift niedergelegt sei. Aber ganz abgesehen, davon, daß auch dieses zweite Dokument nicht viel mehr darstellt als ein Gemisch veralteter und längst zu den Akten gelegter Europa-Pläne: war es denn überhaupt noch nötig, diesem Gegenplan jene andere Denkschrift mit ihren üblen Verdächtigungen zur Seite zu stellen? Wir haben wirklich gehofft, die Antwort, die wir von Frankreich forderten, würde ein offeneres, freimütigeres Gesicht tragen. Man kann sich schon bei der ersten Lektüre dieser zehn Punkte nicht des Eindrucks erwehren, als ob mit ihrer Abfassung nur bezweckt worden sei, das Regime der Furcht aufrechtzuerhalten, mit dem die französischen Staatsmänner seit dem Kriege nicht nur ihr eigenes Volk, sondern auch die Völker der Bundesgenossen zu regieren versucht haben. Da wird in immer neuen Tonarten und Versionen nur die eine Frage wiederholt, welche tatsächlichen Garantien denn Deutschland geben könne und wolle, um die übrigen Staaten Europas vor seinem Angriff zu schützen. Da wird mit heuchlerischer Gebärde d,?n Völkern zugerufen, daß Deutschland der Rechtsbrecher sei und daß man es nur der Großmut und dem Rechtsempfinden der französischen Regierung verdanke, wenn es bisher nicht zu kriegerischen Verwicklungen in Europa gekommen sei. Es sind alles aufgewärmte Argumente, die hier von französischer Seite vorgebracht werden und die von uns — aber nicht nur von uns — ebenso oft widerlegt wurden. Die französische Regierung hat wohl selbst die Schwäche ihrer Beweisführung empfunden, sonst hätte sie nicht ihre Auffassung in zwei getrennten Dokumenten wiedergegeben. Daß man trotzdem in Paris nicht darauf verzichtete, einen neuen Versuch der moralischen Verurteilung Deutschlands zu wagen, beruht wohl auf der Erwägung, man könne mit diesem letzten Angriff auf das allgemeine Vertrauen noch einmal die schwankenden Gestalten des eigenen Bündnissystems gegen Deutschland verpflichten. Aber was die französische Denkschrift mit ihren Phrasen vergeblich anzuzwei- feln sucht, nämlich die deutsche Friedensliebe und die Ehrlichkeit der deutschen Absichten, das haben die anderen Völker inzwischen als eine feststehende und Überzeugende Tat- fache anerkannt: das deutsche Volksbekenntnis zum Frieden am 29. März ist stärker und haltbarer als alle diplomatischen Finessen und Militärpakte. Das Berliner Echo. „Der ehrliche Geist der Verständigung fehlt" Berlin, 9. April. (DRB.) Die Berliner Morgenpresse nimmt zu den französischen Schriftstücken in ausführlichen Kommentaren kritisch Stellung. Der „Völkische Beobachter" schreibt, daß die Merkmale der Antwort der Pariser Regierung auf den deutschen Friedensplan leider negativ seien. „In ganz klar aufgebauten und, sich logisch ergänzenden Einzelpunkten hat die deutsche Regierung ihren Friedensplan formuliert und der Weltöffentlichkeit unterbreitet. Was wir heute aus Paris als Antwort hören, ist ein fast endloser Phrasenschwall, mit dem offenbar jede konkrete Einzelheit zerredet werden soll. Diese Rote ist ein Schulbeispiel für den Pariser Geist, wie er mit schiefen Rechtsinterpretierungen und falschem moralischem Schwulst seit den Jahren des Krieges über Europa lagert. Die französische Antwort erklärt, niemand verweigere Deutschland die Gleichberechtigung. Der Geist der Pariser Rote ist aber eine einzige derartige Verweigerun g." In der „B e r l i n e r B ö r s e n z e i t u n g heißt es: Schon der Ton, in dem die Dokumente gehalten sind, zeigt zur Genüge, daß die französischen Staatsmänner von heute nicht mit der Zeit gegangen sind, sondern daß sie glauben, noch im Tone der Elemenceau und Poin- care mit uns verkehren zu können. Wir sind überzeugt, daß schon durch diese Äußerlichkeit Frankreich nur dazu beiträgt, die wachsende Verständnislosigkeit aufgeklärter Volker gegenüber~ der französischen Verstocktheit noch zu verstärken und das Verständnis für die internationale Nützlichkeit der deutschen Initiative vom 31. März noch zu heben. Nirgends in den französischen Gegen- Frankreichs Antwort auf -en deutschen Friedensplan. Zwei französische Denkschriften in Genf veröffentlicht. Genf, 8. April. (DNB.) Die französische Denkschrift zu dem deutschen Friedensplan vom 31. März hat — nach einer formalen Einleitung — folgenden Wortlaut: l I. Am Tage nach der Zurückweisung der frei und feierlich in Locarno eingegangenen oder erneuerten Verpflichtungen durch das Reich, und auf Grund des Einrückens von Streitkräften in die entmilitarisierte Zone, wäre die Regierung der Republik berechtigt gewesen, unverzüglich die geeigneten Maßnahmen zu ergreifen, um die Rechtslage wieder herzustellen und den „feindseligen Akt" zu ahnden, den die deutsche Initiative dar- stellte; in dem Bestreben, Europa neue Gefahren und Verwicklungen zu ersparen, hat sie es nicht getan. Sie hat zunächst den Völkerbundsrat ersucht, die begangene Zuwiderhandlung gegen den Vertrag festzustellen. Gleichzeitig hat sie in Besprechungen mit den anderen Locarnomächten versucht, die Möglichkeiten einer gütlichen Lösung zu wahren. Die Vereinbarung, die aus diesen Besprechungen hervorgegangen ist, beweist auf Seiten der vier vertretenen Regierungen das Bestreben, den berechtigten Empfindlichkeiten Deutschlands weitgehend Rechnung zu tragen. Die deutsche Regierung lehnt nichtsdestoweniger die Vorschläge vom 19. März als eine Beeinträchtigung der Ehre des deutschen Volkes und als eine Verweigerung der Gleichberechtigung ab. Niemand bedroht indessen die Unabhängigkeit des deutschen Volkes. Niemand verweigert ihm die Gleichberechtigung. Niemand denkt daran, seine Ehre zu beeinträchtigen: es müßte denn sein, daß es einen Anschlag auf die Ehre eines Volkes bar» stellt, wenn man dieses Volk an die Achtung der Verträge als Grundregel der internatio- nalen Beziehungen erinnert — eine Grundregel, der sich die deutsche Regierung ebensowenig wie irgendeine andere mit der Behauptung entziehen kann, daß diese oder jene Verpflichtung ihre Freiheit oder ihre Unabhängigkeit behindere oder daß diese oder jene Verpflichtung nach ihrem eigenen Ausdruck vom deutschen Volke nicht mehr „geduldet" werde. „Um die Zusammenarbeit zwischen den Nationen zu fördern oder um ihnen den Frieden und die Sicherheit zu garantieren", so heißt es in der Einleitung zum Dölkerbundspakt, „ist es notwendig, alle vertraglichen Verpflichtungen gewissenhaft zu achten." Wird die Reichsregierung, die ihre Absicht zur Rückkehr in den Völkerbund mitteilt, bei dieser Gelegenheit verlangen, daß dieser Wortlaut revidiert werde, um ihren Auffassungen gerecht zu werden? Soll man künftig an Stelle dieses Wortlautes einfügen, daß die angeführte Regel da aufhört, wo für jedes Volk ein „Lebensrecht", über das es allein zu bestimmen hätte, anfängt? II. Die deutsche Regierung, die in dieser Weise sich über die wesentlichen Grundsätze des internationalen Rechts hinweggesetzt hat, hat in ihrem Memorandum ebensowenig der Geschichte Rechnung getragen. Nach ihrer Darstellung sollen die Entmilitarisierungs - Bestimmungen für das Rheinland in Widerspruch z u den Grundlagen stehen, auf denen der Friede abgeschlossen wurde, und den Verpflichtungen widersprechen, die im Augenblick des Waffenstillstandes übernommen wurden. Diese Behauptungen beruhen weder unmittelbar noch mittelbar auf irgendeiner Grundlage. Die Entmilitarisierung des Rheinlandes war nichts anderes, als eine Sicherheitsgarantie, die Europa gegen neue Unternehmungen Deutschlands gegeben wurde. Sie verletzte keinen der in den 14 Punkten des Präsidenten Wilson enthaltenen Grundsätze: Wenn es anders gewesen wäre, so hätte die deutsche Delegation in Versailles nicht verfehlt, es zu behaupten. Unter den Bestimmungen des Friedensvertrages gehören die Entmilitarisierungs-Bestimmungen zu den wenigen, gegen die im Verlaufe der Verhandlungen die Vertreter Deutschlands i n keinem Augenblick irgendeinen Protest erhoben haben. Was den Locarno vertrag anbetrifft, so möchte man jetzt die Meinung zur Geltung bringen, daß er unter d e m Zwang der Ruhrbesetzung ausgehandelt worden sei. Die Ruhr war geräumt, ehe die Verhandlungen auch nur in Aussicht genommen waren. Tatsächlich hatte der Rheinpakt das Ziel, in Westeuropa auf der Grundlage der Achtung freiwillig eingegangener Verpflichtungen eine neue Lage zu schaffen; und die Verhandlungen über ihn sind von der deutschen Regierung selbst herbeigeführt worden, die darin eine Sicherheitsgarantie für d i e We st grenze des Reiches suchte. Das Friedenspfand, das Deutschland im Austausch dagegen beisteuerte, war die freiwillige Anerkennung der entmilitarisierten Zone. Der Vertrag von Locarno bildete die festeste Grundlage des Friedens im Westen. Diese Grundlage hat die Politik des Reiches bedenkenlos zerstört. Zur Unterstützung eines Standpunktes, der von den Tatsachen widerlegt wird, glaubt das deutsche Memorandum eine neue juristische Theorie anführen zu können: keine Nation könnte freiwillig, ohne Die Franzosen über die kühle Aufnahme ihres Plans in Genf enttäuscht. Eine Verbalnote Flandins an Eden fordert Schluß der Verhandlungen. Paris, 9. April. (DNB. Funkspruch.) Die französische Denkschrift und der Friedensplan stehen im Mittelpunkt der Betrachtungen der Pariser Presse. In einer noch nicht veröffentlichten Verbalnote, die Flandin Eden ausgehändigt habe, stelle die französische Regierung fest, daß Deutschland die Vorschläge der Locarnomächte verworfen habe und daß auch Eden von Deutschland nicht die kleinste Geste habe erreichen können. Infolgedessen verlange die französische Regierung, die Verhandlung als abgeschlossen anzusehen, und beantrage die Anwendung des Bürgschaftsschreibens vom 19. März, das die Generalstabsbesprechungen und die englische Bürgschaft für die französische und belgische Grenze zu einem richtigen ständigen gegenseitigen militärischen Abwehrbündnis ausgestalten solle. Selbstverständlich, so betont „Echo de Paris", könne die englische Regierung für den Augenblick diesen französischen Antrag nur ausweichend b e - antworten; den nach ihrer Ansicht stehe der Zusammenbruch der Verhandlungen noch keineswegs fest. „Excelsior" sagt eine Versteifung der Genfer Verhandlungen voraus. Loqischerweife hätte der französische Plan in Genf begeisterte Aufnahme finden müssen. In Wirklichkeit habe er aber nicht das erwünschte Verständnis und die erwünschte Sympathie gesunden. Gewiß sei der französische Plan nicht ganz neu. Aber er sei doch der deutliche Wiederschein des Genfer Werkes der letzten 15 Jahre. Frankreich weiche unmittelbaren Verhandlungen mit Deutschland im Rahmen des Völkerbundes oder auf diplomatischem Wege nicht aus, aber sie könnten nicht auf der Grundlage der vollendeten Tatsache stattfinden und ohne daß 'Deuschland die geringste Geste der Be- schwichttgung getan habe (!). Frankreich werde a u s kein Drückmittel verzichten, um einem Recht Geltung zu verschaffen, das nicht allein das (einige, sondern auch das der kleinen Nachbarstaaten Deutschlands sei. (!) Auch „Echo de Paris" gibt zu, daß man in Genf neuere realpolitischere französische Pläne gewünscht hätte. Die Stimmung in Genf sei durch die „aktivistische und dynamische Politik gewisser Staaten" a n g e st e ck t. Das große Verdienst des französischen Planes sei aber, daß er nicht die Vorherrschaft eines Landes über ein anderes Herstellen wolle, sondern das harmonische Zusammenleben Europas vor der Anarchie bewahre. (!) „Oeuvre" stellt fest, daß die hungernden Völker von „Plänen" nicht satt werden, wenn die englisch-französische Meinungsverschiedenheit andauere, wörde her Völkerbund nicht mehr lange leben. Frankreich und Großbritannien, die doch aufrichtig den Völkerbund stützen wollen, unterhöhlten ihn um die Wette. Der französische Plan sei gleichgültig und ungläubig ausgenommen worden. Noch vor einigen Monaten würde er unter den Völkern Begeisterung hervorgerufen haben. „Echo de Paris" schreibt, die Denkschrift sei eine klare, nachdrückliche und stichhaltige Zurückweisung der deutschen Beweisgründe zur Rechtfertigung des 7. März. Der Friedensplan stamme aber sicher nicht aus derselben Feder. Er habe das Aussehen eines Wahlplakats, denn er enthalte alle Genfer Träumereien von 1 9 2 4 bis 19 31. Er werde nur zur Erbauung der Volksmassen dienen. Der Plan zeige eine ungünstige Neigung, das Schicksal Europas von Dölkerbundsabstimmungen abhängig zu machen und führe wieder zu dem Ideal des lieber ft aates zurück, das doch mit der Weltwirtschaftskonferenz von 1927, dem europäischen Staatenbund von 1931 und der Abrüstungskonferenz von 1932 endgültig unter« gegangen sei. Der Plan sei somit ein Rückschritt. Verewigung der französischen Hegemonie. Der erste Eindruck des französischen »Friedensplanes'' bei der englischen Abordnung in Genf. L o n Ö o n , 9. April. (DNB. Funkspruch.) Der in Genf weilende diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" gibt den ersten Eindruck wieder, den der französische „Friedensplan" indenKrei- sen der britischen Abordnung in Genf gemacht hat. Man bemerke, daß die französischen Vorschläge eine ausfallende Ähnlichkeit mit dey verschiedenen Vorschlägen hätten, die Frankreich währendderAbrüstungskonferenz vorgebracht habe. Das neue System der europäischen Sicherheit, das sie Vorschlägen, hätte die Wirkung, daß die Leitung einem europäischen Ausschuß übertragen, der mit z we i Drittel Mehrheit über alle die lebenswichtigen Fragen bestimmen solle, die von den Nationen bisher a l s Ausübung ihrer staatlichen Oberhoheit angesehen worden seien. Die Vorschläge seien anscheinend in der Absicht verfaßt worden, Deutscyland in Schach zu halten, und zwar, indem die Streitkräfte der europäischen Mächte diesem Ausschuß zur Verfügung gestellt würden. In einem solchen Ausschuß würden aber wahrscheinlich Frankreich und seine Verbündeten ständig eine Mehrheit haben. Eine Annahme des französischen Planes würde darauf hinauslaufen, daß die Franzosen und ihre Hilfsmächte stets eine Herrschaft über die europäischen Angelegenheiten erhalten würden. Der Plan scheine entworfen worden zu sein, um sicherzustellen, daß die deutschen Hoffnungen niemals praktisch verwirklicht werden können. In französischen Kreisen werde zwar darauf hingewiesen, daß sich die Bestimmung gegen eine Vertragsabänderung innerhalb der nächsten 25 Jahre nur aus die Frage der Gebietsrevision erstrecken solle. Aber selbst, wenn das der Fall wäre, sei man doch der Ansicht, daß die französischen Vorschläge, da sie von einer Denkschrift begleitet würden, die ‘-sr guten Glauben der deutschen Denkschrift in Zweifel zögen, nicht dazu bestimmt seien, den Weg zu ehrenhaften Verhandlungen zu eröffnen. Selbst in französischen Kreisen sei man von dem französischen Plan nicht besonders begeistert. Man erkenne, daß wenig Aussicht darauf bestehe, ihn zu verwirklichen. Wichtiger scheine die Taktik zu sein, aus der heraus man ihn vorgebracht habe. Vorschlägen verspüren wir den Willen, die Entwicklung zum Guten vorwärtszutreiben, überall aber die Absicht, beim Rückständigen, Ueber- lebten. Schlechten und Unfruchtbaren zu verharren, sofern es nur den französischen, von Moskau unter st ühten Macht- ansprüchen irgendwie dienlich ist. Es ist selbstverständlich, daß solche Gegenvorschläge für uns undiskutabel sind. Die „D e u t s ch e A l l g e m e i n e Z e i t u n g" erklärt: Wir müssen irgendwie an die Tatsache heran, und man kann an diese Tatsachen nicht herankommen, wenn man Projekte wieder aufnimmt, die sich durch die internationalen Diskussionen der letzten zehn bis fünfzehn Jahre als völlig g e» genstandslos, zukunftslos und hoffnungslos erwiesen haben. Dies scheint aber in der Tat der Kernpunkt der französischen Pläne zu sein. — Der „Berliner Lokalanzeiger" führt aus: Frankreich bleibt bis an die Zähne mit seinen Paragraphen, seinen Ansprüchen, seinem Sicherheitswahn und seinem Dünkel gerüstet. Paris wägt den großmütigen deutschen Friedensplan als Ganzes nicht, sondern klammert sich an Ein- z e l h e i t e n , um so die Haltung des Reiches zu entwerten. Die Denkschrift hinterläßt einen peinlichen Eindruck. Was enthält aber der Pariser Gegenplan? Es wirkt fast wie Hohn, wenn die Erklärung feierlich mit dem französischen Willen zu einem Frieden mit allen beginnt, einem Frieden der Gleichberechtigung, des Vertrauens und der Ehre. Und dann werden diese Grundsätze im einzelnen entwickelt, aber müssen das nicht leere Worte bleiben, solange der ehrliche Geist der Verständigung fehlt? Frankreich hat gesprochen, es hat nicht viel Neues gebracht, und trotzdem können sich die Völker damit nicht begnügen; sie müssen weiter. Wir glauben, daß die Pariser Dokumente den Fortschritt zum Frieden nicht aufhalten werden. — Die „K r e u z z e i t u n g" sagt: Frankreichs Antwort enttäuscht. Sie bleibt, ohne auf die große Linie der Befriedung Europas einzugehen, in kleinlichen und nebensächlichen Dingen, über die die Tatsachen des Weltgeschehens längst hinweggeschritten sind, stecken. Deutschland hat Frankreich seine Hand gereicht. Aber sie wurde m i t kalter G e st e zurückgeschoben. Das ist bedauerlich; denn es geht in diesem Streit, der nichk durch unsere Schuld entstanden ist, um mehr als nur um das deutsch-französische Verhältnis, es geht um das Schicksal Europas. IV. von teilweisen oder vollständigen Zollunion führen, wodurch die wirtschaftlichen Bedingungen verschiedener europäischer Bezirke fühlbar verbessert würden. 19. Die Sicherheit im Warenaustausch ist ein zweiter Faktor des wirtschaftlichen Fortschrittes. Einerseits muh der Warenaustausch durch eine internationale oder mindestens europäische Konvention geschützt werden, um Garantien zu schaffen gegen die Mißbräuche des mittelbaren oder unmittelbaren Protektionismus. Der Konventionsentwurf für eine gemeinsame wirtschaftliche Aktion, der im Jahre 1931 vom Völkerbund aufgestellt worden ist, muh zu diesem Zweck wieder aufgegriffen werden. Andererseits muh der internationale Warenaustausch geschützt werden gegen das mihbräuchliche Eingreifen der Staaten. Der Abschluh eines europäischen Zollwaffenstillstandes, der durch einen fühlbaren Ausgleich der Währungen in Europa möglich gemacht würde, ist ebenso notwendig wie die Schaffung eines internationalen Warenaustausch - Gerichtshofes, der die Kündigung der Handelsabkommen und den Abbruch wirtschaftlicher Beziehungen zwischen den Völkern verhindern würde, die der Regularisierung und der Entwicklung des Warenaustausches so nachteilig sind. Schliehlich müssen die Währungsschwankungen und die Verknappung des internationalen Kredites bekämpft werden, und zwar besonders durch eine Geld - und Kre- ditorganifation im europäischen Rahmen. 20. Die doppelte Rotwendigkeil eines gemeinsamen Rohstoff-Reservoirs und eines Absatzgebietes für den lleberfchuh der europäischen Erzeugung müssen zu einer Revision gewisser Kolonial st atute führen, nicht aus dem Gebiete der politischen Souveränität, sondern unter dem Gesichtspunkt der Gleichheit der wirtschaftlichen Rechte und der Kreditzusammenarbeit zwischen den europäischen Staaten, die sich als Gesellschafter und nicht als Rivalen betrachten müssen, nachdem die kollektive Sicherheit und der gegenseitige Beistand durchgeführt sein werden. 21. Alle diese Probleme müssen, sobald die politische Sicherheit wieder hergestellt sein wird, durch eine Sonderabteilung des Europa- Ausschusses behandelt werden, bevor sie, falls dies notwendig erscheint, dem Völkerbund oder einer allgemeinen Konferenz unterbreitet werden, zu der auch die Nichtmitgliedsstaaten des Völkerbundes einzuladen wären. IV. trag dazu leisten. Man hat Deutschland aufgefordert, vor den Haager Gerichtshof zu gehen: Deutschland lehnt ab; man hat es aufgefordert, auf seinem Gebiet entlang der französischen und belgischen Grenze eine durch internationale Streitkräfte besetzte Zone einzurichten: es antwortet mit einem Stillschweigen, das einer Ablehnung gleichkommt; man hat von ihm Garantien über die im Rheinland stationierten paramilitärischen (militärähnlichen) Reste während der Uebergangszeit verlangt; wiederum Schweigen. Und wenn die deutsche Regierung unter der Bedingung der Gegenseitigkeit und unter der Kontrolle einer internationalen Kommission damit einverstanden ist, die gegenwärtig in der Rheinzone stehenden Truppen nicht zu verstärken, so gibt sie keineswegs die Zusicherung, daß diese Truppen nicht schon jetzt stärker sind als diejenigen, deren Einrücken am 7. März amtlich mitgeteilt worden ist. Somit haben die Verständigungsbemühungen der Locarnomächte bei der deutschen Regierung keinerlei Widerhall gefunden. Die Reichsregierung behauptet allerdings, durch ihren „F r i e d e n s p l a n" einen entscheidenden Beitrag zum Wiederaufbau eines neuen Europa zu leisten. Dieser Beitrag ist leider mehr Schein als Wirklichkeit. Die Regierung der Republik nimmt Kenntnis von dem deutschen Vorschlag auf Abschluß eines neuen Vertrages zur Wiederherstellung des Sicherheitssystems, das Deutschland am 7. März hat zerstören wollen; dieser Vorschlag wird jedoch in den Augen der französischen Regierung nur Bedeutung gewinnen, wenn sie w-iß, wie d i e Einhaltung der neuen Verpflichtungen des Reiches garantiert werden kann. Sie nimmt auch Kenntnis davon, daß die Reichs- regierung heute, in Abweichung von ihrer noch vor wenigen Wochen den Botschaftern Großbritanniens Der französische Gegenplan zur Organisierung des europäischen Friedens kann vor 25 Jahren eingebracht werden. Die europäischen oder regionalen Verträge, die die Unabhängigkeit der Staaten betreffen, ebenso wie jede nach Vereinbarung angenommene B e - schränkung der Souveränität, besonders in der Frage der R ü st u n g e n, werden unter die gemeinsame Garantie der vereinigten Mächte gestellt. Au diesem Zweck sind besondere Dispositionen vorgesehen, um nach der durch die maßgebende internationale Autorität festgestellten Verletzung dieser Verträge Sanf- tionsmaßnahmen ergreifen zu können, die, wenn es fein muh, bis zur Anwendung von Gewalt, zum Zwecke der Wiederherstellung des internationalen Rechtes gehen können. 12. Um den Pflichten des gegenseitigen Beistandes gerecht zu werden, werden die im europäischen oder im regionalen Rahmen vereinigten Staaten eine besondere und ständige militärische Streitmacht unterhalten, die auch Luftstreitkräfke und Marine umfaht, und die dem Europaausschuh oder dem Völkerbund zur Verfügung steht. 13. Die ständige Kontrolle über die Durchführung der Verträge im europäischen regionalen Rahmen wird durch den Europa-Ausschuh organisiert. Alle vereinigten europäischen Staaten verpflichten sich, diese Kontrolle zu erleichtern und die Durchführung der Beschlüsse, die diese Kontrolle Hervorrufen könnte, sicherzustellen. 14. Nachdem die kollektive Sicherheit im europäischen oder regionalen Rahmen durch den gegenseitigen Beistand organisiert worden ist, wird zu einer weitgehend en Abrüstung aller Beteiligten geschritten. Die Rüstungsbeschränkung eines jeden Staates wird durch Zweidrittelmehrheit des Europa-Ausschusses oder durch irgend ein anderes Organ bestimmt, das vom Völkerbundsrat auserfehen worden ist. Jeder Staat hat das Recht, einen ständigen internationalen Schiedsgerichtshof anzurufen, der zu diesem Zweck vom Völkerbundsrat geschaffen wird und der beauftragt sein wird, besonders über die Durchführung der in Artikel 5 niedergelegten Grundsätze zu wachen. 15. Alle augenblicklich im europäischen Rahmen bestehenden Verträge ebenso wie diejenigen, die in Zukunft zwischen zwei oder drei Mitgliedern der europäischen Gemeinschaft abgeschlossen werden könnten, müssen dem Europa-Ausschuß unterbreitet werden, der mit Zweidrittelmehrheit beschließen kann, ob sie mit dem europäischen Pakt oder den regionalen europäischen Pakten, wie sie in Artikel 8 und 9 vorgesehen sind, vereinbar sind. Diese Dispositionen werden ebenso auf die wirtschaftlichen wie die politischen Abkommen angewandt. III. Der MlMaflssriede. 16. Wenn es als feststehend angesehen werden kann, daß der Wohlstand der Völker und die Verminderung ihrer augenblicklichen Leiden nur durch die Festigung eines dauerhaften und auf gleichen und ehrlichen Beziehungen aufgebauten Friedens erreicht werden kann, so muß nach der Beendigung des politischen Werkes der Herstellung des Friedens die wirtschaftliche Zusammenarbeit der Völker organisiert werden. 17. Die rationelle Organisierung des gegenseitigen Austausches stellt die Grundlage der wirtschaftlichen Zusammenarbeit dar. 18. Die Erweiterung der Absatzgebiete stellt eine erste Lösung dar. Eine erste Erweiterung muh in einem Meistbegünsti- gungssystem gefunden werden, das auf den europäischen Austausch angewendet wird. Wirtschaftliche Sonderbeziehungen kann man sogar bis zur SOlnßdisposilionen. 22. In dem vorliegenden Friedensplan darf nichts dem Völkerbundspakt entgegengesetzt sein oder der Durchführung des Völkerbundspaktes Hindernisse bereiten. Der Plan und der provisorische Pakt müssen Abkommen Rechnung tragen, die zwischen den Vertragschließenden abgeschlossen werden könnten. 23. Die in dem vorliegenden Plan angeführten Organisationen sollen soweit wie möglich bereits innerhalb des Völkerbundes bestehen oder der Völkerbund soll aufgefordert werden, die Organisationen zu schaffen, die noch nicht bestehen. Die endgültige Zustimmung zum Friedensplan setzt die Zustimmung zum Völkerbundspakt voraus, dessen Grundsätze das oberste Gesetz der Vertragschließenden bleiben. 24. Die Nichtzustimmung zu diesem Plan durch diesen oder jenen Staat der europäischen Gemeinschaft würde das Jnkraftsetzen des Planes zwischen den anderen Staaten, die sich zu dem Plan bekennen, nicht hindern. Der Plan müßte nur entsprechend abgeändert werden, besonders soweit die Organisierung der kollektiven Sicherheit, des gegenseitigen Beistandes und der Abrüstung in Frage kämen. werden. 10. Diese Organisation muß einem e u r o p ä i - chen Ausschuß übertragen werden, der im Rahmen des Völkerbundes gegründet wird. 11. Das internationale Recht fordert die Achtung vor den Verträgen. Kein Vertrag kann als unveränderlich angesehen werden, aber kein Vertrag kann einseitig zu- rückgewiesen werden. In der Reuorganisierung Europas, wo alle gleichberechtigten Völker sich freiwillig vereinigen, wird sich jeder Staat verpflichten, den Territorialbestand einer Mitglieder zu achten, der nur im Einverständnis mit allen geändert werden kann. Keine Forderung auf Abänderung und Frankreichs bekundeten Einstellung, für den Abschluß eines we st europäischen Luftpa ktes ausspricht; sie möchte jedoch wissen, ob nach der Absicht der deutschen Regierung dieser Pakt die Luftflottenbegrenzung enthalten soll, in Ermangelung derer, die von ihr angebotenen Sicherheitsgarantien praktisch gleich Null wären. Die Vereinbarung vom 19. März enthält eine wesentliche Bestimmung über das Verbot oder die Beschränkung der künftigen Anlagen von Befestigungen in einer zu bestimmenden Zone. Beim gegenwärtigen Zustand Europas ist es notwendig, die Haltung der deutschen Regierung gegenüber dieser überragend wichtigen Bestimmungen zu kennen. Daraus wird sich ergben, ob das Reich bereit ist, nicht nur in Worten, sondern auch in Taten den Grundsatz der kollektiven Sicherheit anzuerkennen, oder ob es im Gegenteil sich die Möglichkeit vorbehalten will, nach seinem eigenen Willen und sogar mit Machtmitteln seine Beziehungen zu seinen schwächeren Nachbarn zu regeln, indem es ihnen gegenüber die Anwendung des Beistands einschränkt. Die Entmilitarisierung des Rheinlandes war nicht nur ein Element der französischen und der belgischen Sicherheit, sie interessierte das politische Statut ganz Europas; der deutsche Plan bringt keinerlei Garantie, die ihr eventuelles Verschwinden aufwiegen würde. VI. Die Feststellung ist unabweisbar, daß Deutschland mit Vorschlägen antwortet, die zur Festigung des Friedens in Europa ausgesprochen ungenügend sind. Wenn Deutschland sich bereit erklärt, mit jedem seiner Grenznachbarn im Südosten und Nordwesten unmittelbar über den Abschluß von Nichtangriffsverträgen xu verhandeln, so geht es nicht davon aus, daß diese Verträge in ein kollektives System eingefügt werden; es geht noch weniger davon aus, daß den Verträgen Garantien des gegenseitigen Beistandes beigegeben werden sollen. Zweiseitige Nichtangriffsverträge ohne irgendeine Bestimmung über gegenseitige Hilfe und Beistand zugunsten des etwaigen Opfers einer brutalen Vertragskündigung oder eines Gewaltstreiches würden zu den Verpflichtungen nichts hinzuII. politische Dispositionen. 8. Eine typische regionale Einheit ist in Gestalt Europas vorhanden, dessen eigene Entwicklung die Organisierung der Sicherheit auf den oben angeführten Grundlagen sehr viel leichter macht. 9. Selbst wenn die Erfahrung lehren sollte, daß Europa ein zu weites Gebiet ist, um die kollektive Sicherheit durch gegenseitigen Beistand oder Abrüstung durchzuführen, so muß hier mit der Organisierung von regionalen Verständigungen im europäischen Rahmen eingesetzt Die Reichsregierung scheint sich nur mit größter Umsicht auf den Weg der Rüstungsbegren- z u n g begeben zu wollen. Die Begrenzung der Luftrüstungen scheint von dem deutschen Plan weder vom qualitativen noch vom quantitativen Gesichtspunkt aus in Betracht gezogen zu werden. Was die Landrüstungen anlangt, so ist eine quantitative Begrenzung nicht einmal oorgeschlagen, und wenn von einer qualitativen Begrenzung gesprochen wird, so wird doch nichts gesagt von dem Aufbau eines So ernst die am 7. März entstandene Lage auch war, so hatte sie doch die Locarnomächte nicht einer Politik der Mäßigung abgebracht. Ihre Regierungen waren bereit, mit Deutschland e i n neues Statut für das Rheinland zu suchen; sie waren bereit, in großangelegte Verhandlungen einzutreten, um die Probleme zu regeln, die mit der Sicherheit Westeuropas verbunden sind, und um die Gesamtheit des europäischen Friedens auf soliden Grundlagen aufzubauen. Auf derGrund- l a g e d e r „v o l l e n d e t e n T a t s a ch e" war em solches Verhandeln aber unmöglich. Unter äußerster Einschränkung dieser legitimsten Forderungen haben die vier Regierungen von Deutschland lediglich die notwendige „G e st e" verlangt, damit die vorläufigen Lösungen zur Wiederherstellung des von ihm so schwer erschütterten Vertrauens eintreten könnten. Sie forderten es auf, die Souveränität des internationalen Rechts dadurch anzuerkennen, daß es mit feinen Ansprüchen vor den Haager Gerichtshof gehe, ferner anzuerkennen, daß die Rheinlandfrage als Gegenstand eines internationalen Abkommens nicht durch eine einseitige Entschließung geregelt werden könne und schließlich, sich Maßnahmen anzuschließen, die geeignet wären, eine n e u e A t m o s p h ä r e in den Ländern zu schaffen, deren Sicherheit durch das Vorgehen vom 7. März bedroht war. Dieser großzügigen Einstellung hat die deutsche Regierung nur Ablehnung entgegengestellt; wenn das Reich zugibt, daß eine Entspannung notwendig sei, so will es doch nicht seinen Beiwürde sich gegenwärtig in Unklarheit vollziehen. Die Reichsregierung hat in dringlicherer Form als vor wenigen Wochen ihre kolonialen Ansprüche in Erinnerung gebracht und damit doch zu verstehen geben wollen, daß sie sich in Ermangelung einer für sie befriedigenden Lösung Vorbehalten würde, von neuem auszutreten. Und was die herbeizuführende Trennung zwischen dem Völkerbundspakt und dem Friedensvertrag betrifft, so muß man zu dieser schon öfter vorgebrachten Formel sagen, daß über ihren Sinn niemals Klarheit geschaffen worden ist. Die Reichsregierung formuliert einen anderen Vorschlag, der mit den Grundsätzen des Paktes kaum vereinbar erscheint; indem sie anregt, daß d i e Einhaltung der a b z u s ch l i e ß e n.d e n Vereinbarungen durch ein Schiedsgericht sichergestellt werde, dessen Entscheidungen obligatorisch sein sollten, schaltet sie nicht nur jedes Eingreifen des Ständigen JnternatiLua- len Gerichtshofes aus, sondern scheint auch im voraus sogar die Zuständigkeit des Rates abzulehnen. Würde im Falle der Verletzung eines der Nichtangriffsverträge, deren Abschluß Deutschland beabsichtigt, diese Verletzung unter die Zuständigkeit des Völkerbundspaktes fallen? Wenn demnach die Absicht der deutschen Regierung nicht so sein sollte, so müßte man schließen, daß die Rückkehr des Reiches in den Völkerbund als ein Mittel zum Eingreifen in die Politik anderer Staaten in Aussicht genommen ist, ohne daß irgendein wesentliches Element der deutschen Politik der Kontrolle des Bundes unterstellt sein dürfte. ' VIII. äußeren Druck, auf ihre souveränen Rechte verzichten; den Entmilitarisierungsbestimmungen liege der Zwang der Notwendigkeit zugrunde. Und auch der Locarnovertrag, obwohl er unter Bedingungen der Freiheit und Gleichheit ab« geschlossen sei, könnte keinen geheiligten Charakter haben, da er Bestimmungen wieder aufgreife, die bereits in einem auf Grund einer Niederlage abgeschlossenen Vertrag enthalten seien. Hier tritt in seiner vollen Schwere der seltsame Anspruch Deutschlands hervor, dessen Tragweite Europa wohl abwägen muß: behält sich Deutschland vor, soweit die Abgrenzung der Hoheitsgebiete in Europa sich aus den Verträgen von 1919 ergibt, diese ganze Regelung wieder in Frage zu {teilen, gleichviel welche Bekräftigungen auch feit dem Friedensschluß hinzugekommen sein mögen? Was bedeutet es daher, wenn die deutsche Regierung erklärt, daß sie keinen territorialen Ehrgeiz mehr hege; was bedeute es, wenn sie ihren Willen verkündet, die Grenzenzuach- t e n, wenn sie sich schon jetzt die Möglichkeit gewahrt hat, eines Tages zu behaupten, daß die von ihr freiwillig gegebene Bestätigung nicht die Wirkung haben konnte, den ursprünglichen Charakter des Gebietsverzichtes, aus dem diese Grenzen hervorgegangen sind, zu ändern, und daß dieser Verzicht unter äußerem Druck oder unter dem Zwang der Notwendigkeit zugestanden worden sei? Muß man daraus schließen, daß Deutschland auf Grund dieser neuen Rechtsbasis, die einem noch nicht veröffentlichten internationalen Recht entnommen ist, morgen das Statut von Danzig, von Memel, von Oesterreich in Frage stellen konnte, oder daß es diese ober jene Grenzrevision in Europa, Liese oder jene Zurückgabe deutscher Kolonialgebiete verlangen wird? Die französische Regierung glaubt, daß alle diese Fragen der Reichsregierung k l a r g e st e l l t werden müssen, und daß diese ebenfalls klar darauf antworten muß, da kein Friedensplan auf einer für die Aufrechterhaltung des Friedens so gefährlichen Zweideutigkeit aufgebaut werden kann. III. Man könnte es sich versagen, auf die Argu- mentejuristischerArt einzugehen, mit denen die deutsche Regierung ihren Schritt vom 7. März rechtfertigen will. Diese Argumente sind übrigens wiederholt widerlegt worden. Was das Reich auch immer behaupten mag, die Tatsache bleibt bestehen, daß keine der anderen Locarno-Mächte jemals anerkannt hat, daß der französisch-russische Pakt mit diesem Vertrage unvereinbar sei. Es bleibt auch bestehen, daß Deutschland geglaubt hat, sich zum RichterineigenerSache aufwerfen zu können, während der Vertrag ausdrücklich für den Fall von Meinungsverschiedenheiten ein . Schieds- ober Schlichtungsverfahren vorgesehen hatte. Schließlich bleibt auch bie F e st - ftellung bes Völkerbunbsrates bestehen. Indem bas Reich außerbem nochmals die B e • fassungdesJnternationalenGerichts- Hofes mit feinem Anspruch ablehnt, gesteht es die Schwäche seiner juristischen Beweisführung ein: Deutschland will nicht nach dem Haag gehen, weil es weiß, daß der Gerichtshof die deutsche Auffassung abweisen müßte. fügen, bie sich für Deutschland, wie für seine Nachbarn, bereits aus dem Pakt von Paris vom Jahre 19 28 ergeben. Die europäische Sicherheit bildet ein Ganzes und der Grundsatz der kollektiven Sicherheit gilt nicht nur für einen Teiel des Kontinents. Frankreich, das nicht nur auf die Wahrung feiner Freundschaften, sondern auch seiner Verpflichtungen als Völkerbundsmitglied bedacht ist, kann keine Regelung der europäischen Sicherheit in Betracht ziehen, um derentwillen es sich an der Sicherheit des übrigen Europa desinteressieren müßte. Der Abschluß des französisch- sowjetrussischen Paktes hat dem Reich den Vorwand geliefert, den es suchte, um sich den Verpflichtungen des Vertrages von Locarno zu entziehen; es hat die Drohung gegen feine eigene Sicherheit gerichteter militärischer Allianzen herausgestellt; es ist daher merkwürdig, daß es nicht in seinem eigenen Interesse den Abschluß irgend eines N i ch t an g r i f f s v e r tr a g e s m i t berSow- j etunion beabsichtigt. Vor einem Jahr, wäh - r e n b b e r Str e sa -K o n f er e n z , hat sich bie beutsche Regierung bereit erklärt, ein solches Abkommen abzuschließen unb babei zuzulassen, daß neben diesem Abkommen zwischen Rußland und den anderen Mächten Vertäge über gegenseitige Hilfeleistung Platz greifen. Die deutsche Einstellung hat sich also geändert: aus welchen Gründen und mit welchem Ziel? VII. Es ist wahr, baß Deutschland sich bereiterklärt, in den Völkerbund zurückzukehren. Seitdem Deutschland Genf verlassen hat, hat die Regierung der Republik unablässig betont, daß bie europäische Sicherheit nur im Nahmen bes Völker- b unb es verwirklicht werben könne; sie wäre also nicht bie letzte, bie sich über den am 7. März verkündeten Beschluß der Reichsregierung freuen würde. Sie muß jedoch eine Frage stellen: Wie konnte Deutschland vor der Lösung der Krise, die es durch seine Politik der vollendeten Tatsachen hervorgerufen hat, als ein Staat betrachtet werden, der „tatsächliche Bürgschaften für seine ernstliche Absicht gibt, seine internationalen Verpflichtungen einzuhalten?" Die Rückkehr Deutschlands in den Völkerbund Berlin, 8. April. (DNB.) Die französische Re- gieruna hat ihre Gegenvorschläge zum Friedensplan in Form einer umfangreichen „Erklärung" veröffentlicht. Die Einleitung besagt, die französische Regierung biete den wahren Frieden durch eine umfassende Beschränkung der Rüstungen, die zur Abrüstung führt, den anderen Staaten unter Bedingungen an, die trotz ihres Ernstes Europa neue Möglichkeiten für eine Einigung bieten könnten. Der Aktionsplan, den „die aus dem französischen Volke hervorgegangene Regierung in seinem Namen" anbietet, umfaßt 24 Punkte. I. Die Grundsätze. 1. Der erste Grundsatz für internationale Beziehungen muß die Anerkennung der Gleichberechtigung unb der Unabhängigkeit aller Staaten ebenso wie bie Achtung vor übernommenenVerpflichtungen sein. 2. Es gibt keinen bauerhasten Frieben zwischen ben Völkern, wenn bieser Friede Veränderungen unterworfen ist, bie sich aus den Bedürfnissen unb bem Ehrgeiz eines jeben Volkes herleiten. 3. Es gibt keine wahre Sicherheit in ben internationalen Beziehungen, wenn alle Konflikte, bie zwischen ben Staaten auftreten könnten, nicht nach bem internationalen, für alle obligatorischen Recht gelöst werben, bas durch ein internationales, unparteiisches, souveränes Gericht ausgelegt wird und das durch die Kräfte aller in der internationalen Gemeinschaft vereinigten Mitglieder garantiert wird. 4. Die Gleichberechtigung ist kein Hindernis dafür, daß ein Staat in gewissen Fällen freiwillig und i m A 11 g e m e i n i n t e r e s s e die Ausübung seiner Oberhoheit und seiner Rechte beschränkt. 5. Diese Beschränkung ist vor allem in der Frage der Rüstungen notwendig, um jede Gefahr der Hegemonie eines ftärferen Volks über bie schwächeren Völker auszuschließen. 6. Die bestehende Ungleichheit zwischen den Völkern muß im Schoße der internationalen Gemeinschaft durch den gegenseitigen Beistand gegen jede Verletzung des internationalen Rechtes ausgeglichen werden. 7. Wenn der gegenseitige Beistand im universellen Rahmen des Völkerbundes derzeit noch nur schwer in rascher und nützlicher Form zu verwirklichen ist, so muß hier mit re« gionalem Abkommen ausgeholfen werden. wirksamen Kontrollsystems, das die unerläßliche Vorbedingung dafür wäre. Allerdings schlägt die deutsche Regierung vor, daß der Humanisierung des Krieges Aufmerksamkeit gewidmet werden soll. Die französische Regierung kann nicht daran denken, einen solchen Vorschlag jemals abzulehnen. Aber, wichtiger als den Krieg zu humanisieren, ist es, ihn unmöglich zu machen, indem man gegen den evtl. Angreifer das wirksame und sofortige Vorgehen der Gesamtheit organisiert. Die Reichsregierung hat einer solchen Konzession ihre Zustimmung nicht erteilt. Ueberdies ist das von Deutschland vorgeschlagene Verbot des Abwurfs von Stick-, Gift- oder Brandbomben aus der Luft bereits in dem Genfer Protokoll von 1925 enthalten, das die französische Regierung ratifiziert hat. Wenn das Problem von neuem auf der Abrüstungskonferenz erörtert worden ist, so geschah das, um diese Verbote durch nachdrückliche Maßnahmen gegen einen etwaigen lieber treter zu ergänzen. Man hätte gern in diesem Punkt Näheres über die deutsche Auffassung gehört. IX. Der deutsche „Friedensplan" enthält Vorschläge über die Besserung der deutschfranzösischen Beziehungen. Die französische Regierung hat davon Kenntnis genommen und wird es keineswegs ablehnen, in dem vollen Ausmaß der sich ihr bietenden Möglichkeit unmittelbar mit der R e i ch s r e g i e r u n g nach den Mitteln zu suchen, um den Bemühungen, die in diesem Sinne bereits unternommen worden sind, einen neuen Antrieb zu geben. Aber es versteht sich von selbst, daß Absichten dieser Art, soweit sie die Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland betreffen, in dem Sy st em allgemeiner Abkommen, die gegenwärtig in Aussicht genommen sind, nicht an ihrem Platze sind. Damit ist der Völkerbund, soweit es sich um die allgemeinen Probleme der moralischen Ab-1 rüstung handelt, bereits befaßt worden und wichtige Vorarbeiten sind geleistet worden, die, wenn der Augenblick gekommen ist, für die unmittelbaren I Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland maßgebend sein sollen. X. Was die Einhaltung der Verpflichtungen, die die französische Regierung übernimmt, durch Frankreich betrifft, so bedarf es zu ihrer Sicherstellung keiner Verfahren, die den Grundsätzen der französischen Verfassung zuwiderlaufen. Auf diesen Punkt brauchte nicht einmal hingewiesen zu werden, wenn man darin nicht den neuen Ausdruck einer Theorie erblicken müßte, die eine Unterscheidung z w ischen den Regierungen und den Völkern anstrebt. Die Treue zu den Verträgen ist ein Grundprinzip der französischen Republik und es ist nicht eine französische Initiative, die heute den Völkern die Frage vorlegt, ob die internationalen Beziehungen weiterhin "von den Regeln des Rechtes bestimmt sein werden oder ob sie künftig keine andere Regel als die Gewalt kennen werden. Das ist leider die Grundfrage, die sich die Regierungen heute stellen müssen, wenn sie ihren Ländern bittere Enttäuschungen ersparen wollen. Zum Abschluß: Berechtigt das Lebensrecht eines Volkes zur einseitigen Annullierung der eingegangenen Verpflichtungen? Soll der Friede durch die Zusammenarbeit aller in der Achtung der Rechte eines jeden gesichert werden? Oder sollen die Staaten vollen Spielraum haben, um nach ihrem Belieben ihre Streitigkeiten unter vier Augen mit den Staaten zu regeln, deren Gutgläubigkeit sie mißbrauchen? Keine europäische Regierung kann sich auf den Abschluß neuer Abkommen einlassen, ehe sie hierauf eine klare Antwort vernommen hat. Und noch unmittelbarer kann der deutschen Regierung eine andere Frage gestellt werden: Erkennt Deutschland ohne jeden Vorbehalt das territorale und politische Statut des gegenwärtigen Europas an? Erkennt es an, daß die Einhaltung dieses Statuts durch Abkommen auf der Grundlage der gegenseitigen Hilfeleistung garantiert werden kann? Die in London am 1. April überreichten Vorschläge schweigen sich hierüber aus. Kritische Aufnahme des französischen Plans in England London, 9. April. (DNB. Funkspruch.) Die- Aufnahme der französischen Antwort in London ist kritisch. Eine vorbehaltlose Zustimmung findet sich in keinem Blatt. Die Stellungnahme der konservativen Presse zeigt deutlich das Mißbehagen, das die französischen Vorschläge ausgelöst haben, während die Oppositionsblätter die von den Franzosen angeblich geplante Stärkung des Völkerbundes zwar grundsätzlich begrüßen, aber zunächst verlangen, daß Frankreich seinen Verpflichtungen als Völkerbundsmitglied nachkomme und sich im italienisch-abessinischen Streitfall auf die englische Seite stelle.- Im einzelnen schreibt die „Time s", der französische Friedensplan müsse lediglich als Material angesehen werden. Man müsse jedoch Zweifel darüber haben, ob die Vorschläge des französischen Planes praktisch durchführbar seien. Europa sei kaum dafür reif, in so starkem Maße i n seiner Souveränität beschränkt zu werden, wie das verlangt werde. Der Plan einer Völkerbundsarmee sei auch in einer abgeänderten Form nicht überzeugend. Das Blatt wendet sich gegen den französischen Wunsch nach einer Zusicherung, daß sich die gleiche Dinge wie im Rheinland nicht auch in Oesterreich, Memel, Danzia oder in der Tschechoslowakei ereignen dürften. Nach britischer Ansicht würde es genügen, wenn Deutschland sich innerhalb einer bestimmten Zeit einer Wiederbefestigung des Rheinlandes enthalte. Sie britische Regierung sei bestrebt, die Locarno- frage als Ganzes vor dem Völkerbundsrat zu bringen, sobald dies der Stand der Verhandlungen zulasse. Der Völkerbundsrat solle dann sowohl die französischen wie die deutschen Pläne prüfen. Die französische Regierung sei jedoch der Ansicht, daß zunächst die Frage des einseitigen „Vertragsbruches" durch Deutschland und die Frage der Rhein- lanbbefeftigungen gelöst werden müsse. Der „Daily Telegraph" erklärt, daß die französischen Vorschläge zum Teil überhaupt nicht durchzuführen seien. Eine internationale P o l i z e i st r e i t k r a f t sei ein Einfall, der mit der gegenwärtigen Lage in Europa nicht in geringstem Maße in Beziehungen stehe. Auch der Vorschlag einer europäischen Kommission sei unpraktisch. Sie würde die gestellten Aufgaben innerhalb des Vierteljahrhunderts, währenddessen sie arbeiten solle, kaum vorwärts bringen können. Die Schwierigkeit bestehe darin, Verhandlungen in Gang zu bringen. Das französische Memorandum beseitige keinerlei Hindernisse in dieser Richtung. Es leite vielmehr die Aufgabe, Verhandlungen zu eröffnen, wieder an Großbritannien zurück. Trotz aller Schwierigkeiten müsse die britische Regierung ihre Anstrengungen fortsetzen, die Mächte zusammenzubringen. „News C h r o n i c l e" macht sich über die Diplomatie lustig, die es für wichtig halte, auf den Vorschlag eines Planes mit einem Gegen- plan zu antworten. Wenn jede Macht diesem Beispiel folge, werde das Ergebnis nur in einem Chaos bestehen. Der französische Plan enthalte einige gute Punkte. Aber in der Hauptsache scheine er ein Versuch zu sein, die gegenwärtige politische Lage in Europa ein Vierteljahrhundert aufrechtzuerhalten, ohne daß auch nur die Möglichkeit einer angemessenen friedfertigen Revision gegeben werde. Das sei ein Ziel, das so gänzlich unerreichbar sei, daß auch nur eine Erörterung Zeitverschwendung bedeuten würde. r , , Der „„Daily Herald" erklärt, die Aufgabe bestünde nun darin, den französischen Plan, den deutschen Plan und Vorschläge anderer Nationen in ein praktisches und allgemein annehmbares Ganzes umzuarbeiten. Diese Frage hänge jedoch mit der Autorität des Völkerbundes zusammen. Zur Zeit wäre der Völkerbund bedroht. Falls der Völkerbund angesichts der jetzt drohenden Krise nachgeben sollte, würde feine Autorität erlöschen. Dann aber würden weder der französische noch der deutsche Plan von irgendwelchem Nutzen sein. Der Schlüssel für den Frieden Europas liege zur Zeit in Abessinien. DerNreizehner-Ausschuß tagt Gens, 8. April. (DNB.) Im Dreizehner-Aus- schuß des Völkerbundsrates hat der englische Außenminister eine Denkschrift über die Verwendung von Giftgasen durch italienische Truppen vorgelegt. Der Ausschuß setzte einen juristischen Unterausschuß ein, der prüfen soll, ob die Verletzungen des Kriegsrechtes zur Zuständigkeit des Dreizehner-Ausschusses oder zu der des Völkerbundsrates gehört. Hinsichtlich der Schlichtungsbemühungen zwischen Italien und Abessinien wurde erörtert, ob Madarin g a mit Baron Aloisi, der in Genf eingetroffen ist, Fühlung nehmen oder ob die von Mussolini für nach Ostern angekündigte Entsendung eines Sondervertreters ab- gew artet werden soll. Es wurde beschlossen, daß Madariaga und Avenol sich sofort mit Aloisi in Verbindung setzen sollen. England und dieallgemeine Wehrpflicht London, 9. April. (DNB.) Das Rothermere- Blatt „E v e n i n g News" weist darauf hin, daß nach einer Mitteilung des deutschen Wehrministeriums 83 v. H. aller jungen Deutschen als Wehrdienst fähig befunden worden seien. Leider könne dasselbe nicht von England gesagt werden. Während Hitler die Deutschen zu einer Nation von Athleten mache, gehe die englische Volksgesundheit zurück. Das Blatt fordert die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in England. Die im Namen des Pazifismus vorgebrachten Behauptungen, daß die allgemeine Wehrpflicht einen kriegerischen und angriffssüchtigen Geist erzeuge, seien Unsinn. Vielmehr seien es die engbrüstigen, ungesunden und nervösen Leute, die stets einen Krieg wollten. Weder der Völkerbund noch alle Pakte und Verträge in der Welt würden eine Nation schützen, die körperlich und gesundheitlich nicht auf der Höhe sei. Deutsch-polnische Einigung über den Durchgangsverkehr nach Ostpreußen. Warschau, 8. April. (DNB.) Die deutsch-polnischen Besprechungen in der Frage der Zahlungen für den Durchgangsverkehr zwischen Ostpreußen und dem übrigen Reichsgebiet haben zu einer Einigung über die Grundsätze für die Begleichung der neu entstehenden laufenden Verpflichtungen und der bisher aufgelaufenen Rückstände geführt. Deutschland hat sich bereit erklärt, für die' laufenden Kosten zunächst bis zum Ende des Jahres 1936 einen begrenzten Monatsbetrag in Devisen zur Verfügung zu stellen. Eine deutsch-polnische Kommission von Sachverständigen ist in Warschau zusammengetreten, um Vereinbarungen über die Anpassung des Durchgangsverkehrs an die deutsche Zahlungsfähigkeit unter Aufrechterhaltung eines möglichst großen Verkehrsquan- tums zu treffen. Liquidierung des österreichischen „Phönix". Wien, 9. April. Ein außerordentlicher Ministerrat hat die vollständige Liquidierung der Versicherungsgesellschaft „P h ö n i x" beschlossen. Ein Gesetz bestimmt, daß die O e st e r r e i ch i s ch e Kreditbank für Industrie und Handel sämtliche Rechte und Pflichten der Versicherungs- Zamoras Glück und Ende. Der spanische Staatspräsident, Niceto Alcala Z a m o r a Torres, ist unter tragikomischen Umständen seines Amtes enthoben worden. Am Spätabend des Dienstag hatten die spanischen Cortes, in denen die Linksfront nach den Wahlen vom 16. Februar die absolute Mehrheit hat. im Sinne des Artikels 81 der Verfassung festgestellt, daß die Auflösung der Cortes nach dem Wahlergebnis unnötig gewesen sei und deshalb der Staatspräsident, da er zweimal das Parlament auflöste, zurückzutreten habe. An und für sich ist das richtig. Als Zamora die Kammer auflöste, hoffte er sicherlich, die M i 11 e l p a r t e i e n Präsident Zamora. — (Scherl-Bilderdienst-M.) würden Zuwachs erhalten, und Gil Nobles, der Führer der Katholischen Volksaktion, betrieb ebenfalls diese Auflösung in der Hoffnung, das entscheidende Zünglein an der Wage auch fernerhin sein zu können. Zamora und Gil Nobles patten sich getäuscht. Die L i n k s f l u t ging über das Land und ihre Folgen sind brennende Kirchen, zertrümmerte Kunstschätze, Massenmorde und die völlige Entrechtung der Rechtsparteien. Die Anarchie ist in Spanien zur Herrschaft gelangt; Ministerpräsident Azana steht den revolutionären Konvulsionen ziemlich hilflos gegenüber. Er hat zwar die Ausschreitungen verurteilt, aber der Sozialistenführer Largo Caballero hat vor einigen Tagen diktatorisch erklärt, Spanien steuere den Kurs Moskaus und werde sich davon nicht abbringen lassen. Katalonien mit Barcelona ist tatsächlich selbständig geworden, dort regiert der Kommunismus, in Andalusien, dem Heimatlande Zamoras, regiert, wie überall in Spanien, der rote Mob. Was nützen demgegenüber alle Reformarbeiten des Ministerpräsidenten Azana, was die Tätigkeit im Landwirtschaftsministerium, das die lange aufgeschobene Agrarreform endlich in Angriff genommen und damit begonnen hat, die Besiedlung der Großgüter durchzuführen, z. B. in Estrama- bura in wenigen Tagen bereits 15 000 Siedlern etwa 75 000 Hektar Land zuwies? Was nützt die endlich in Angriff genommene Reform der Schulen, die sie von klerikalem Einfluß befreien und verweltlichen soll? Seit den Zeiten der Westgoten hat sich das Gift der Latifundien und des Klerikalismus tief in Spanien eingefreffen, so daß mit liberalen Mitteln nichts mehr anzufangen ist und der Gegenschlag von links mit fanatischer Gewalt einfetzte und, wie in Rußland die Miljukows und Kerenskis, hier die Zamoras und Azanas beseitigen will. Allzu lang aufgehobene Reformen sind die Mütter einer anarchischen Revolution, und die halben Charaktere werden von ihr gefressen. Das ist die Lehre aus der Weltgeschichte, der auch Zamora zum Opfer gefallen ist. Der Präsident der Cortes Martinez B a r r i o, ein Mann der Linken, hat sofort den Staatspräsidentenposten besetzt, bis nach dreißig Tagen verfassungsgemäß ein neuer Staatspräsident gewählt wird, und zwar auf folgende Weise: Alle Spanier wählen nach dem Wahlrecht zu den Kammern sogenannte Wahlmänner, die zusammen mit den Abgeordneten der Cortes dann den Präsidenten wählen. Den Wählern oder vielmehr den Urwählern werden also nicht verschiedene Kandidaten vorgeschlagen, sondern die Kandidaten selbst werden von den gewählten Wahlmännern, den Compromisarios und den Cortes-Abgeordneten ernannt, gesichtet und gesiebt, so daß schließlich doch der künftige Staatspräsident ein Objekt des Parteienschachers bildet. Zamora, der jetzt so unrühmlich verschwand, steht im 70. Lebensjahre. Er ist eine typische Kerenski- Natur. Zunächst ging er mit den Sozialisten, dann, nach dem Anwachsen der Katholischen Volksaktion, versuchte er, zwischen rechts und links die mittleren Gruppen des Parlaments zu stärken. Als er aber das Ergebnis seiner zweiten Kammerauflösung, also eine kommunistisch-freimaurerische Mehrheit sah, trat er nicht zurück, sondern versuchte, durch Ernennung des Ministerpräsidenten Azana weiter die Anarchie dadurch zu bannen, daß er diese Anarchie s i ch t o 11 a u f e n ließ. Aber sie verschlang ihn vorher. Obgleich er im Grunde dieselben freimaurerischen Ideale wie sie trug, wurde er von ihr geopfert. Es ist die alte Geschichte, daß die geistigen Väter der Anarchie nach anfänglichen Erfolgen schließlich weder Glück noch Stern haben. gesellschaft „Phönix" übernimmt. Die Eintragung der Werte, die zur Deckung der Prämienreserve für die österreichischen Versicherten notwendig sind, in das neugeschaffene Prämienregister ist bereits vollzogen. Eine neue Versicherungsgesellschaft soll als Auffanggesellschaft für das Jnlan^s- gefchäft des „Phönix" geschaffen werden. Sie wird durch Einzahlung von zehn Millionen Schilling Aktien gebildet werden. Der Führer beglückwünscht Geheimrat Kirdorf. Mülheim a. d. Ruhr, 8. April (DNB.) Der Führer stattete am Mittwoch, dem 8. April, dem greifen Geheimrat Kirdorf in feinem Haus in Mülheim a. d. Ruhr einen Besuch ab, um ihm persönlich seine Glückwünsche zum 8 9. Geburt s- t a g auszusprechen. Geheimrat Kirdorf ist einer der ersten deutschen Wirtschaftsführer gewesen, der sich zu Adolf Httler und der nationalsozialistischen Bewegung bekannte und Träger des goldenen Ehrenzeichens der Partei ist. Am Vormittag besichtigte der Führer einige Indu - ftrieroerfe in Essen. Die Bevölkerung des Industriegebietes, die am 29. März in so überwältigender Weise ihr einmütiges Bekenntnis zum Führer ablegte, bereitete ihm bei seiner erneuten Anwesenheit im Ruhrgebiet einen überaus herzlich en Empfang. Für Dolkswohnuugen weitere 7 Mitt. RM aus Heichsmitteln. Berlin, 8. April, (DNB,) 1935 hat der Reichs- arbeitsminifter zur Förderung des Baues von Volkswohnungen zunächst 35 Millionen Reichsmark aus Reichsmitteln bereitgestellt. Seinerzeit sind auch die Bestimmungen über hie Bauweise dieser Wohnungen, über d i e Mie- t e n sowie über hie Höhe des Reichsdar- l e h e n s und im besonderen Vergünstigungen bei der Unterbringung kinderreicher Fa- mitten veröffentlicht worden. Da der Bedarf an solchen Volkswohnungen sehr groß ist, hat der Reichsarbeitsminister jetzt nochmals 7 Millionen Reichsmark bereitgestellt. Das Baugrubenunglück in Berlin vor Gericht. Am Mittwoch wurde zunächst der zwischen der Berlinischen Baugesellschaft und der Reichsbahn abgeschlossene Bauvertrag verlesen. Die Schwierigkeit des Bauabschnittes Hermann-Göring-Straße lag, so führte der Angeklagte Hoffmann aus, vor allem in der mehrfachen Projektänderung. Die Notwendigkeit dazu ergab sich aus dem technischen Erfordernis, neben den beiden Verkehrsgleisen für die durchlaufenden Züge zwei A b - stell- und Kehrgleise zu schaffen. Die Anklage steht auf dem Standpunkt, daß im Hinblick auf die weitere Vertiefung der Baugrube eine Neurammung der Eisenträger hätte Dorgenommen werden müssen, um wieder die vor- gescyriebene Einbindetiefe herzustellen. Solange diese Sicherungsmaßnahmen nicht ergriffen wurden, hätte die Grube vorübergehend stillaelegt werden müssen. Auf Vorschlag des Bauleiters N o t h sollte die mangelnde Einbindetiefe durch Betonsockel ersetzt werden, die man um die Füße der eingerammten Träger legen wollte. Dazu waren jedoch eingehende Berechnungen erforderlich. Die Vorarbeiten nahmen geraume Zeit in Anspruch, und inzwischen brach das Unglück über die Baugrube herein. Vorsitzender zu Hoffmann: Ist N o t h mit dem Vorschlag an Sie herangetreten, den Gesamtbau stillzulegen? Hoffmann: Nein. Es ist niemals die Rede von einer Stillegung unter dem Gesichtspunkte der Gefährdung gewesen. Eine Neurammung war sehr kostspielig und auch schwierig mit Rücksicht auf die Notwendigkeit, den Verkehr in der Hermann-Göring-Straße nach Möglichkeit aufrechtzuerhalten. Reichsbahnrat Weyher betätigte diese Darstellung und erklärte, Noth habe niemals ernsthaft eine Stillegung aus dem Gesichtspunkt der Gefährdung verlangt. Diplomingenieur Fritz Noth, der als Bauleiter für die Berlinische Baugesellschaft in der Unglücksgrube in der Hermann-Göring-Straße beschäftigt war, galt als Fachmann auf dem Gebiete des Untergrundbahnbaues. Er bezeichnet die Vorarbeiten für den Bauabschnitt Tieckstraße als „u n - t r a g b a r". Er habe dort Mißstände und Mängel beobachtet, deren Abstellung ihm der Geschäftsführer Hoffmann zugesagt habe. Die Heranziehung eingearbeiteten Personals gestaltete sich sehr schwierig, weil ein großer Mangel an geschulten Arbeitskräften bestand. Die Verhandlung wurde abgeschlossen mit der Erörterung der geologischen Verhältnisse auf der Baustelle. In den unteren Schichten soll sich teilweise „R o l l b o d e n" befunden haben, d. h. eine Sandschicht ohne innere Bindung, die, wie Noth sich ausdrückte, „wie ein Haufen Erbsen aus« einanberlief, wenn man sie anschnitt". Wolkenfahrt des „LZ. Hindenburg" über den Kapverdischen Inseln. Das Luftschiff „Hindenburg" hat den Atlantik überquert und befand sich am Mittwoch um 13 Uhr (MEZ.) mit Kurs auföie Kanarischen Inseln zwischen der Südinselgruppe der Kapverdischen Inseln. Es fuhr in einem Meer von Wolken. Nur hier und da, wenn eine Wolkenöffnung den Blick auf die Inseln freigab, sah man die höchste Spitze des 2970 Meter hohen Berges Pico auf der Insel Fogo, die im Dunst über die Wolken stößt. Dienstagabend und in der Nacht fuhr das Luftschiff mitten durch dicke Regenwolkenwände. Hier fand die Ballastfrage eine geradezu glänzende Losung. 60 Meter auf beiden Seiten längs des oberen Luftschiffkörpers befindet sich eine Regenrinne mit direktem Zulauf zu den Ballasttanks. Infolge des Regens, der von diesen Rinnen aufge* fangen werden konnte, konnten 6 Tonnen Wasser- ballast oben in den Wolken ohne jede Schwierigkeit übernommen werden. Dadurch wurde der Gewichtsverlust, den das Luftschiff infolge des Brennstoffverbrauches immer erleidet, ausgeglichen. Wenn dieses Verfahren immer möglich wäre, dann wäre die Ballastfrage wirklich ideal gelöst. Die Temperatur sinkt. Die Tropenanzüge der Bordgäste kommen langsam wieder außer Mode. Zahl der Rundfunkteilnehmer am 1. April. Die Gesamtzahl der Rundfunkteilnehmer im Deutschen Reich betrug am 1. April 1936 7 583 841 gegenüber 7 524 010 am 1. März. Im Laufe des Monats März ist mithin eine Zunahme von 59 831 Teilnehmern (0,8 v. H.) eingetreten. Unter der Gesamtzahl vom 1. April befanden sich 594 255 gebührenfreie Anlagen. Auch dem Feinschmecker gilt's: ...auf KAFFEE HAG umstellen! Aus aller Welt. Professor Hauer von der Leitung der Deutschen Glaudensbewegung zurückgetreten. Auf einer Tagung der Landesgemeindeleiter der Deutschen Glaubensbewegung in Berlin wurde der Rücktritt des bisherigen Leiters der Deutschen Glaubensbewegung Professor Dr. Wilhelm Hauer (Tübingen) und der Austritt seines Stellvertreters Graf Ern ft zu Reventlow (Potsdam) bekanntgegeben. Die neueste Nummer des „Reichswarts" bringt folgende Erklärung Professor Hauers: „Ich habe mich gezwungen gesehen, die Leitung der Deutschen Glaubensbewegung niederzulegen. Mein Werk und mein Leben gehören nach wie vor dem Kampf um die religiöse Erneuerung unseres Volkes aus deutschem Glauben." Aufregende Elefantenjagd bei Dobrilugk. Dieser Tage brach aus dem Güterbahnhof Dobri- lugk-Kirchhain (Strecke Berlin—Dresden) beim Ausladen von Zirkuswagen ein zu Ladearbeiten herangezogener Elefant aus. Der Elefant, ein Muttertier von etwa 70 Zentner Gewicht, flüchtete auf Lindena zu. Ein auf dem Felde pflügender Bauer konnte im letzten Augenblick abschirren und sich auf den Rücken des Pferdes schwingen, worauf ein aufregendes Wettrennen zwischen dem flüchtenden Pferde und dem wild trompetenden Elefanten begann, bis es endlich gelang, den Verfolger abzulenken, der nun querfeldein weiter raste, wobei er Bäume und Zäune niederrieß. Inzwischen hatte sich die Nachricht von dem Ausbruch des Tieres in der Umgegend verbreitet und zahlreiche Helfer eilten herbei, um den Elefanten in die Enge zu treiben. Alle Bemühungen waren jedoch vergeblich. Radfahrer mußten in die benachbarten Walder flüchten, während der Elefant ihre im Stich gelassenen Räder zertrampelte. Auf seinem weiteren Wege durchschwamm der Elefant große Teiche, von denen einer fast einen Kilometer breit ist. Kurz vor Friedersdorf konnte das Tier endlich von den im Kraftwagen herbeigeeilten Zirkuswärtern eingefangen und an einen Baum gefesselt werden. Der Riese riß sich aber wieder los. Er durchbrach ein schweres Scheunentor und gelangte so in ein Gehöft, dessen Bewohner in den Keller flüchten mußten. In mächtigem Anprall durchbrach der Elefant schließlich eine 70 Zentimeter dicke Hofmauer. Erst jetzt gelang es den Wärtern, das durch die Anstrengungen etwas ermattete Tier erneut einzufangen und wieder an einen Baum zu fesseln. Nach längerer Zeit kam das Tier schließlich soweit zur Ruhe, daß es, an den Anhänger eines Traktors gefesselt, zum Zirkus zurückgebracht werden konnte. Kraftwagenführer tödlich verunglückt. In Hofgeismar kam der 22jährige Kraftwagenführer Hans Fafsold auf merkwürdiger Weise ums Leben. Er war damit beschäftigt, seinen Wagen zu schmieren. Zu diesem Zwecke hatte er den Wagen mit Winden hochgehoben und war dann unter den Wagen gekrochen. Plötzlich sprang der Kraftwagen von den Winden ab und durchschlug dem jungen Mann die obere Wirbelsäule. Er wurde t o t unter dem Wagen liegend aufgefunden. Todesopfer beim Böllerschiehen. Wie seinerzeit berichtet, ging in Traben-Trarbach (Mosel) bei dem Begrüßungsschießen anläßlich des Zeppelinbesuchs am 29. März ohne erkennbare Ursache ein Böller zu früh los. Durch die mannshohe Stichflamme wurden der 70jährige Schießmeister Brack und ein 19jähriger Gehilfe schwer verletzt. Brack, bei dem sich inzwischen noch eine Lungenentzündung einstellte, ist nunmehr geworben. Der zweite Verletzte befindet sich auf dem Wege der Besserung. Die Aerzte hoffen, das Sehvermögen wiederherstellen zu können. Zwei jüdische Weinfälscher vor Gericht. Zwanzig verschiedene Bezeichnungen für einen Dein. LPD. Mainz, 8. April. Vor einiger Zeit wurde bekanntlich in Oppenheim am Rhein eine jüdische Weinhandlung polizeilich geschlossen, da sich die Inhaber schwere Betrügereien und Vergehen gegen das Weingesetz hatten zuschulden kommen lassen. Wie die Ermittlungen ergaben, vertrieb die jüdische Firma durch zahlreiche Vertreter ihre Weine in ganz Deutschland und hatte sich umfangreiche Preislisten zugelegt, die ein reiches Angebot an Weinen enthielten. In Wirklichkeit waren die Vorräte jedoch sehr gering, so daß es unmöglich gewesen wäre, die Bestellungen auszuführen. Aber auch da wußte man sich zu helfen, indem man einfach ein und denselben Wein mit den verschiedensten Etiketten versah. So entstanden beispielsweise aus einem Wein fast 20 verschiedene Sorten, die dann den Kunden geliefert wurden. Das Gericht sah in diesen Betrügereien gleichzeitig eine schwere Schädigung der Winzer und des Weinhandels und verurteilte den einen der Inhaber, Ludwig May, zu 13 Monaten Gefängnis und 10000 Mark Geldstrafe, während sein Bruder Siegfried 10 Monate Gefängnis und 8000 Mark Geldstrafe erhielt. Wetterbericht des Reichswetterdlenstes. Ausgabeort Frankfurt. Von Finnland erstreckt sich ein kräftiger Hoch- druckrücken über Deutschland südwestwärts. In sei» nem Bereich kommt bei uns die eingedrungene Kaltluft zum Zusammensinken, so daß bei überwie- gend heiterem Wetter Ein- und Ausstrahlung kräf» tig zur Auswirkung kommen. Das heitere Wetter setzt sich zunächst fort, so daß bei weiter ansteigen- den Tagestemperaturen die Nachtfrostgefahr zum Verschwinden kommt. Aussichten für Freitag: Trocken und überwiegend heiter, mittags ziemlich warm, nachts recht frisch, östliche Winde. Lufttemperaturen am 8. April: mittags 12,1 Grad Celsius, abends 6,9 Grad; am 9. April: morgens 1,9 Grad. Maximum 12,8 Grad, Minimum heute nacht 0,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 8. April: abends 8,5 Grad; am 9. April: morgens 4,2 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 9,6 Stunden. Hauptschristleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. III. 36: 10 270. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch-und Steindruckerei R. Lange,K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. Best.: Engel-Apotheke. isoeV Herr Dr. med. Walther Adler seit 1892 Quatitäls Uüuaiitars - fllarkenrad 2294 D Frau Emma Balser, geb.Seuling im 28. Lebensjahre. Die trauernden Hinterbliebenen: Wieseck, den 9. April 1936. 2298 D vrnk 2312 D mWnlkr-Maiil. für alsbald gesucht. 2214D Kreuzplatz 10 2302Ä In 01645 Seltersweg 66 Rut 3458 1887 A ommerrpronen Ernst Balser und Kind Familie Karl Seuling Familie Karl Balser Seit einer Reihe von Jahren war er in Großen-Buseck als praktischer Arzt tätig und hat es verstanden, sich in dieser Zeit das Vertrauen seiner Patienten und der Kollegenschaft zu gewinnen. Die Ärzteschaft Oberhessens wird ihm ein dauerndes Andenken bewahren. Gestern nachmittag 3 Uhr verschied nach langem, schwerem Leiden meine innigstgeliebte Frau und Mutter, unsere gute Tochter, Schwiegertochter, Enkelin, Schwester, Schwägerin und Tante 3-o.4-3im.'Wot)ng. m. Bad/Zentralheizung.,Loggia, (Friedrichstr.) zu verm.Schr.Ang. u.01609a.d.G.A. | Empfehlungen] Tabak- Pfeifen Pfeifen-Ersatzteile E. Hintz vorm. Reuter Gießen 2282D Neuen Bäue 11. Im Namen der Kassenärztlichen Vereinigung Deutschlands, Bezirksstelle Gießen und des Wirtschaftlichen Verbandes der Ärzte für die Provinz Oberhessen, E. V. Dr. Kranz. Am Dienstag, d. 14. April, nachm. Die Beerdigung findet Samstag, den 11. April, nachmittags 3 Uhr vom Trauerhause, Möserstraße 11, aus statt. Zwangsversteigerung. 52^32 Am Montag, dem 20. April 1936, vormittags 9 Uhr, wird im Amtsgerlchtsgebäude in Gießen, Zimmer 221, das dem Ingenieur Heinrich Brinkmann in Gießen zugeschriebene Grundstück versteigert: 2283D Grundbuch für Gießen, Band 80, Blatt 4614: Flur I, Itr. 871, hofreite in der Scheppeneck (Bahnhofstraße 58), 928 qm Betrag der Schätzung .... 60468 RM. Einheitswert zum 1.1.1931: 49 059 RM. Gießen, den 3. März 1936. Für das Amtsgericht Gießen: Karle, Ortsgerichtsvorsteher. Nachruf! Am 8. April 1936 verschied plötzlich an den Folgen einer Sepsis, nachdem bereits eine Besserung seines schon längere Zeit bestehenden Leidens eingetreten war, unser Kollege (Zo/c/ene Medaille “/Ä75 <2 der ß ewe/'y, dass auch ihre .uHoutunreiniqkeiten durch0r.Dru1 Atthmo, Harnleiden Bad 500 £W omTaunu». Die berühmten Heil* quollen, (au» deren Salieouch die Sodener Minerolpoitille» hergeitell» werden), die medi- riniich hervorragenden Einrichtungen der Badehautei u. der InholotoAumi, die wissenschaftlich durchgebildeten Arzte, die glücklidien geologischen Vorbedingun» gen werden für die Heilung Ihres leidens dienstbar gemocht. Oberlegen Sie sich's einmal recht- ernstlich o. lassen Sie sich einen Prospekt zusenden, Daraus wird es Ihnen ersichtlich, worum Bad SODEN am Taunus schon Zentousenden Hilfe ■ gebracht hat Bode- und Kurverwokveg C1 omTaunus Ein Versuch überzeugt© von der PreiswnrdWt!! Seidene Damen-SWer AA in Nadelstreifen od. Inter-1 ilil lock, z. 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Dieser Zug besteht aus zwei Wagen mit : 3^^ ^schossen. Die Reisenden können aus dem Obergeschoß die vorüberfliegende Landschaft wie von einem Balkon aus betrachten. Die Stockwerke sind so hoch, daß Menschen in einer Größe bis zu 1,92 m aufrecht stehen können. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Ostertage mit -er Kamera. Allerlei Winke für den Liebhaber-Photographen. Bon Walther Appett Während wir diese Zeilen schreiben, wissen wir noch nicht, ob das Osterfest diesmal die „Freiland- Saison" des Liebhaber-Photographen eröffnen kann, oder ob das Fest des Frühlings noch zu nahe am Winter liegt. Vieles spricht dafür, daß es aprilmäßig im Zeichen des Ueberganges stehen wird, daß der Winter noch nicht ganz überwunden und der Frühling noch nicht ganz der Sieger sein wird. Irren wir uns — um so besser. Behalten wir recht, so werden die folgenden Winke willkommen sein, wie der Photo-Sportler dennoch die Feiertage und gegebenenfalls die Osterferien nützen kann. Es müssen doch nicht jedes Jahr nur Bilder von Kindern sein, die Ostereier suchen. Pielen erscheint der Uebergang zwischen den Jahreszeiten an landschaftlichen Motiven zu arm. Das ist zwar ein Irrtum, aber wer die Vielfältigkeit des erwachenden Lebens in der Natur photographisch nicht für recht ergiebig hält, der wird eben doch nur wenigs Frühlingsaufnahmen machen. Vielleicht ist er auch noch nicht fortgeschritten genug im richtigen Sehen, um die mannigfachen „Oster- Motive" in scheinbar gleichförmiger Landschaft zu finden. So ist dies eine Zeit, in der sich mancher den Kleinmotiven zuwendet und nun gleichsam draußen im Freien die S t i l l e b e n sucht, die er während des Winters in seinem Heim aufbaute. Es lockt ihn mit der Kamera hinaus, und da es mit der großen Sommerhitze noch eine Weile Zeit hat, kann er jetzt eher die ganze, umfangreiche photographische Ausrüstung mitschleppen, die für gewisse Arten von schwierigeren Aufnahmen erforderlich ist. Wer über die Auswahl verfügt, wird also jetzt nicht, immer nur mit dem leichten und bequemen Rollfilmapparat im Kleinstformat ausziehen — es fei denn, er will Junghasen im Oster-Schnappschuß „einfangen" —, sondern lieber den großen Apparat mit dem doppelten BodenauszHg und dem vielen Zusatzgerät wählen. Er kann damit Ratur-Ur- künden des erwachenden Lebens auf die Platte bringen, die ihm und anderen immer wieder einen Einblick in das Werden und Vergehen geben. Beispiel: die grünen Triebe von Sträuchern usw., die durchs vorjährige Laub sprießen. Oder: eine Knospe unmittelbar vor dem Aufplatzen oder auch nach dem ersten, schüchternen Oeffnen der äußersten Blättchen ober Hüllen. Das kann sehr wirksame Bilder geben, am besten bekanntermaßen bei den dicken Kastanienknospen. Wichtig ist ganz kontra st reiche Lichtführung, also am besten Gegenlicht in voller Sonne. Ist es nicht möglich, eine oder wenige der Knospen vor einen neutralen Hintergrund zu bekommen, sondern muß das Gewirr der Zweige als solcher in Kauf genommen werden, so empfiehlt sich um so mehr ein Scharfeinstellen auf das Bildwichtige ohne viel Abblenden, damit alles Störende und Ablenkende durch kräftige Unschärfe weitgehend ausgeschaltet wird. Aber auch, wenn das nicht ganz möglich ist, widerstehen wir der naheliegenden Versuchung, die Knospe — das gilt auch für verwandte Motive der Osterzeit — in größerer Ruhe daheim zu photographieren. Noch sinnloser wäre das bei Motiven aus dem Tierleben, etwa ausschlüpfenden Schmetterlingen oder Libellen, falls wir das Glück haben sollten, ein solches Ereignis zu erwischen. Nur teilweise gehören zu den Natur-Urkunden auch gewisse Beobachtungen aus der größeren Tierwelt, etwa eine Häsin mit ihren Jungen oder dergleichen. Sie geben zwar nette O st e r k a r t e n als Festgrüße. Doch selten haben wir das Glück, sie im Vorübergehen zu erhaschen, wie oben angedeutet. Daß man dabei förmlich auf den „Anstand" gehen muß wie der Jäger, und was dabei aus gründlichem Naturverständnis zu beachten ist, wurde schon oft auf Grund der Erfahrungen und der vielen Mißerfolge anderer gesagt. Allgemein ist auch unser heimisches Wild im Frühjahr weniger scheu als sonst. Natur-Urkunden größeren Stiles sind auch die vielen geologischen Naturdenkmäler, die als besondere Schichtungen von Gesteinen oder dergleichen jetzt überall von den Bestrebungen des Heimatschutzes in der Erhaltung gesichert werden sollen. Aber auch Einzelheiten können hier zum Photographieren reizen, also beispielsweise Kristalle, die in Gängen und Höhlungen des Gesteins sitzen und entweder nicht herausgeschlagen werden dürfen, oder beim entsprechenden Versuch zerstört werden würden. Allerdings ergeben sich hier manchmal Belichtungsschwierigkeiten, ganz abgesehen von der nicht immer leicht zu lösenden Frage des günstigen Aufnahmestandpunktes. Aber nur ausnahmsweise und nur sehr maßvoll kann dennoch zur zusätzlichen Verwendung einer kÜnstlichen Lichtquelle geraten werden, die in der freien Natur wenig zu suchen hat. Nur wenn unser Motiv an einer den ganzen Tag über halb- dunklen Schattenstelle sitzt — und das kann auch einmal für ein tierisches Motiv der Fall fein —, dürfen wir im Freien zum Magnesium greifen. An vielbesuchten Stellen verbietet es uns die Störung, welche damit für andere Sonn- und Feiertagsspaziergänger verbunden sein kann. Für Sammler von Schmetterlingen, Mineralien (Kristallen!) usw. sei noch auf die Möglichkeit hin- gewiesen, sich mit Hilfe der Photographie ein „b e • oilbertes Verzeichnis" ihrer Sammlungen anzulegen, in das aus Raumgründen auch mehr nützliche Angaben über den Fundort usw. ausgenommen werden können als in die meist knapper zu haltende Beschriftung der Sammlungen selbst. Damit sind genug Winke gegeben, und zwar für jeden möglichen Fall: daß die Ostertage schönes ober daß sie schlechtes Wetter bringen. Daß sie uns hinauslocken — oder in den Stuben daheim fest- bannen. Was uns lieber wäre versteht sich von selbst... Spielvereinigung 1900 Gießen. Lollar I — 1900 I. Am Karfreitag trägt die Ligamannschaft der Blauweißen das fällige Rückspiel gegen Lollar aus. Das Spiel, das für den 1. Öfterfeierfag vorgesehen war, muß, da Lollar am 2. Ostertag' das Pokal- Endspiel des Bezirkes gegen Wetzlar bestreitet, an diesem Tage stattfinden. Die Blauweißen treten zu diesem Spiel in stark veränderter Mannschaft an, denn nachdem die Soldaten Gießen verlassen haben, Schäfer, Mank, Erhard und Jung zum Arbeitsdienst eingerückt sind und Wilhelmi durch sein plötzliches und allzu frühes Hinscheiden aus der Mannschaft gerissen wurde, mußte der größte Teil der Reserve der Ligamannschaft eingegliedert werden. In der Aufstellung Fischer, Schneider, Zeiler, Dörr, Jäger, Schmitz, Günther, Heilmann, Enders, Hain, Henkelmann wird die Mannschaft versuchen, ihren Vorspielsieg zu wiederholen. Ob dies jedoch unter den derzeitigen Verhältnissen gelingt, ist stark zu bezweifeln, denn Lollar befindet sich augenblicklich in einer beachtlichen Spielstärke, was dadurch bewiesen wird, daß die Elf in den zur Zeit befindlichen Aufstiegspielen bereits zu zwei Siegen gekommen ist und als einziger Kreisklassenverein des Bezirks noch im Pokalwettbewerb vorhanden ist. Die Leitung des Spieles liegt in Händen des Seniors der Gießener Schiedsrichterkameradschaft, Kreiling, Gießen. Sportverein 1920 Heuchelheim. Am Karfreitag empfangen die erste und die zweite Jugend die gleichen Mannschaften der Sportfreunde Wetzlar. Die Wetzlarer spielen einen guten Fußball, so daß mit anregenden Spielen zu rechnen ist. Bei der ersten Jugend ist ein Sieg der Heuchelheimer zu erwarten. Das Vorspiel in Wetzlar endete unentschieden. Die zweiten Jugendmann- schaften spielen zum erstenmal gegeneinander. Sportverein 1920 Lollar. Lollar I — Aßlar I 2:1 (2:0). Das Spiel der 1. Mannschaften war ein Spiel der verpaßten Gelegenheiten. Mitte der ersten Halbzeit ging Lollar durch einen Handelfmeter, der erst nach dreimaliger Abwehr eingeschossen werden konnte, in Führung. Lollar war weiterhin überlegen. Was Lollar an Technik voraus hatte, machten die Gäste durch größeren Körpereinsäß wieder wett. Eine Minute vor Schluß der ersten Halbzeit erhöhte Lollar durch ein schönes Tor von Kreiling das Ergebnis auf 2:0. Nach der Pause waren die Lollarer nicht wiederzuerkennen. Sie hatten den Sieg schon in der Tasche. Man sah selten noch eine geschlossenere Handlung. Als ungefähr 10 Minuten vor Schluß Aßlar ein Tor aufholte, gab es noch manche bangen Minuten für Lollars Anhänger. Mit diesem Sieg führt Lollar die Tabelle der Aufstiegspiele mit 4:0 Punkten und 6:1 Toren an. Die zweite Mannschaft gewann verdient gegen dis 2. von Aßlar mit 3:1 (0:0). Die erste Halbzeit verlief torlos. Nach der Halbzeit ging Lollar durch zwei schöne Kombinationstore und ein Selbsttor der Aßlarer mit 3:0 in Führung, der Aßlar kurz vor Schluß das verdiente Ehrentor entgegensetzte. Die Jugend mußte einige Spieler ersetzen und spielte gegen Heuchelheims Jugend 0:0. Drei Mercedes-Starts in Amerika? Große Pläne von Daimler-Venz. Mercedes-Benz plant für den Herbst eine große Sache. Es ist beabsichtigt, am 12. Oktober am „Großen Preis von Amerika" teilzunehmen. Dieser Wettbewerb wird auf einer auf Lang Island in der Nähe Neuyorks neu errichteten großartigen Stra- ßen-Rundftrecke, die damit ihre Einweihung erfährt, abgewickelt. Die Amerikaner haben zu diesem Rennen europäische Fahrer eingeladen und das Unter- türkheimer Werk hat die Absicht, sich an dem Ren- neu zu beteiligen. Der Start steht noch nicht endgültig fest, doch wird es wohl dazu kommen, zumal Rudolf Caracciola auf seiner Amerikareise sicher in dieser Beziehung schon gute Vorarbeit geleistet hat. Wenn der Start zustandekommt, werden die deutschen Wagen auch noch an zwei Rennen in Florida und Kalifornien teilnehmen. Für die Monate April und M a i hat die Renn- leitung von Daimler-Benz bereits ihr Programm zusammengestellt. Im April gibt es mit der Teilnahme am „Großen Preis von Monaco" Schleussner £?/» mir Garantieschein riim Joseph Viktor von Gcheffel. 3um 50. Todestage des Dichters am 9. April Im Mai des Jahres 1852 verließ der junge Auditor Joseph Viktor Scheffel das Hofgericht zu Bruchsal, wo er einige Monate hinter dem großen Tintenfaß und dem schweren Corpus Juris gesessen hatte, und ging nach Italien. „Römisch Recht, gedenk ich deiner, Liegt's wie Alpdruck auf dem Herzen, Liegt's wie Mühlstein mir im Magen, Ist der Kopf wie brettvernageltl" In der Einsamkeit von Capri schrieb er, nachdem er an der Verwirklichung seines Wunschtraumes, Maler zu werden, verzweifelt war, seinen Sang vom Oberrhein, „Der Trompeter von S ä ck i n g e n" Aber die kleine Auflage blieb lange unverkauft, und erst nach mehr als einem Menschenalter zierte die Gipsfigur Jung-Werners das Vertiko der bürgerlichen Wohnungen, näselten die Edison-Phonographen und leierten die Drehorgeln das sentimentale .Behüt dich Gott, es wär so schön gewesen!" Nach seiner Rückkehr trug sich Scheffel mit dem Gedanken, die akamdemische Laufbahn einzuschla- qen In den „Monumenta Germaniae", dem großen Quellen- und Urkundenwerk für die Geschichte des deutschen Mittelalters, fand er die von dem Mönche Ratpert begonnene und von Ekkehard weitergeführte Chronik von St. Gallen. Ekkehard gilt als der Verfasser des lateinischen Walthariusliedes. Mit der Uebertragung dieses Gedichtes, eines der ältesten Denkmäler deutscher Epik, wollte sich Scheffel um den Lehrstuhl für deutsche Literaturgeschichte am Polytechnikum in Zürich bewerben. Aber „aus den naiven lateinischen Klostergeschichten hob und baute es sich empor, wie Turm und Mauern des Gotteshauses St. Gallen, viel altersgraue ehrwürdige Häupter wandelten die Kreuzgänge auf und ab, die Klosterschüler tummelten sich im Hofe, Horagesang ertönte aus dem Chore und des Wächters Hornruf vom Turm. Vor allen anderen aber trat leuchtend hervor jene hohe strenge Frau, die sich den jugendschönen Lehrer aus des heiligen Gallus Klosterfrieden entführte, um auf ihrem Basaltfelsen am Bodensee klassischen Dichtern eine Stätte sinniger Pflege zu bereiten Wer aber von solchen Erscheinungen heimgesucht wird, dem bleibt nichts übrig, als sie zu beschwören und zu bannen". Am Abhang des Hohentwiel mit den Ueberreften der alten Bergfeste begann er seinen Roman aus dem zehnten Jahrhundert Ekkehard". Mit diesem Buche, öas 1857 in Frankfurt erschien, war fein Ruhm begründet. Bruchstücke eines großen Romans, der den Sängerkrieg auf der Wartburg behandeln sollte, ist die kleine Geschichte aus der Zeit der Kreuzzüge, „I u n i p e r u s"; ebenso die den Minnesängern gewidmete Liedersammlung „Frau Aventiure". Nach der kühlen Aufnahme, die diese Werke gefunden hatten, war Scheffel wenig angenehm über- (Scherl-Bilderdienst-M.) rascht durch den ungeheuren Erfolg seiner Sammlung von „Bummelliedern", die er 1868 unter dem Titel „Saubeamus" herausgegeben hatte, und die in einem Monat vergriffen war. Bis heute sind sie unvergessen, diese Lieder von der „contempla- tiven Trinkung"; vom Schwarzen Walfisch zu Askalon. vom Enderle von Ketsch, von der Teutoburger Schlacht, aus der sich nur die römische Reiterei rettete, „denn sie war zu Pferde", vom Zwerg Perkeo, dem Finanzminister Purnpus von Perusia und dem Herrn von Rodenstein, der drei Odenwalddörfer vertrank. Der „Gaudeamus" hat dazu verlockt, Scheffel mit den Versen zu charakterisieren, mit denen er den feucht-fröhlichen genius loci Heidelbergs besungen hat: „Er ging nicht steif in klassischen Gewänden, Ging keck und flott und trank wie ein Student Und glich nicht viel den neun antiken Tanten, Die man im Mythus mit Apollo nennt." Aber dieser Mann, der in dem Jahrzehnt 1870/80 der am meisten gelesene deutsche Dichter war, der, als er sechzigjährig am 9. April 1886 starb, alles erlangt hatte, was das Leben einem Dichter an Erfolg geben kann, er ist zeitlebens unglücklich gewesen. Die Heiterkeit seiner Dichtungen hat er als die umgekehrte Form seiner inneren Melancholie erklärt. Ernst, cm wenig pedantisch, von einer Reizbarkeit und Streitsucht, die mit dem Alter wuchs, hatte er viel unter Krankheit zu leiden. Nach dem Erscheinen des „Ekkehard" brach ein heftiges Gehirnleiden bei ihm aus, in dessen Verlauf er in Schwermut verfiel. Auf einer sinnlosen Flucht in ein Karthäuserkloster, die er in einem Zustand tiefster Bedrücktheit unternahm, wurde er vorübergehend in einer Heilanstalt untergebracht Frauen, die er in seiner unsicheren, schwerfälligen Art schwärmerisch verehrt hatte, wiesen ihn ab. Tiefe Zerwürfnisse in der Ehe mit einer jungen eleganten Frau führten bald zu dauernder Trennung. Einsam hat er die letzten Jahre seines Lebens auf seinem großen Landsitz am Bodensee verbracht Scheffels Würdigung hat in späteren Jahren unter seinen Nachahmern gelitten, die aus der deutschen Literatur einen zweifelhaften Antiquitätenladen zu machen bemüht waren, mit geharnischten Rittern, zinnernen Humpen und minnigen Frauen. Paul Heyse hat die Bezeichnung „Bützenscheiben- dichtung" dafür geprägt. Die süßlich-kitschige Stu- denten-Romantik des „Alt-Heidelberg", die die Welt mit Liedern, Dramen, Ansichtskarten, Filmen und bemalten Sofakissen überschwemmt hat, ist heute erst im Abklingen. Scheffel ist nur eine kurze Periode des Schaffens vergönnt gewesen: die Gaudeamus-Lieder und die als Spätwerk geltenden „B e r g p f a I m e n" sind schon um 1860' entstanden. Alle späteren Arbeiten — wie der Tizianroman „Irene von Spielberg" und die Geschichte des deutschen Landsknechtsführers Georgs von Frundsbcrg — scheiterten an der gründlichen, weitschichtigen Vorbereitung. Der „Ekkehard" aber ist Heimatdichtung, uraltes alemannisches Volkstum, dem Scheffel blutsmäßig verbunden war. Wie dem Antäos gibt ihm die Erde, der Boden des Hegau, die Kraft zu dichterischer Gestaltung. So vermag er nicht, den blassen Schemen der Minnesänger auf der Wartburg Leben einzuhauchen, ob- wohl er wochenlang durch Thüringens Wälder wandert. Es ist ein fremdes Land. Der „Ekkehard" ist noch mehr. Es ist sein Leben, das sich in dem Schicksal des St. Gallener Mönches spiegelt: bas Schicksal des innerlich Einsamen, der zur Entsagung bestimmt ist. Aber Scheffel hat niemals die Kraft besessen, sich zur Klarheit Ekkehards durchzuringen: „Selig der Mann, der die Prüfung bestanden!" Der Musterschüler Scheffel, der summa cum laude den Doktorhut erwarb, hat bei der Prüfung des Lebens versagt. W alter Schwerdtfeger. Zeitschriften. — Winfried Wendland beschreibt in der Aprilfolge von Westermanns Monatsheften an Hand zahlreicher Beispiele und Abbildungen „Das Eigenhaus für jeden". Alle wichtigen Punkte, die beim Bau eines Eigenhauses beachtet werden müssen, finden Berücksichtigung, ganz gleich, ob es sich um die Lage des Grundstückes, um das Bauprogramm selber, um die Beschaffung des Kapitals usw. handelt. Ministerialrat Schlotterer gibt ein klares Bild über den katastrophalen Zusammenbruch des Außenhandels, in den auch Deutschland durch das Versailler Diktat hineingerissen wurde und der schließlich Dr. Schachts „Neuen Plan" not- wendig machte. Gröger zeigt an Hand vieler Aufnahmen _ die Neugestaltung des Magdeburger Wirtschaftslebens. Marga Garnich erzählt in einem besonders kurzweiligen und lustig interessierten Beitrag von der Kleinbahn. Novellen und Erzählungen von Steguweit und Springenschmid vervollständigen den reichen Inhalt des Heftes. Sochscbnlnacb richten. Der Dozent für Mathematik an der Universität M ü n chen Dr. Georg Aumann ist vom Herrn Minister beauftragt worden, im Sommersemester 1936 die reine und angewandte Mathematik an der Frankfurter Universität vertretungsweise zu übernehmen. Von den amtlichen Verpflichtungen wurden entbunden die ordentlichen Professoren Dr. Siegmund Müller (Bauwesen) an der Technischen Hochschule Berlin: Dr. Friedrich Giese (Türkische Geschichte und Literatur) an der Universität Breslau: Dr. Erich Klostermann (Altchristliche Literatur) an der Universität Halle: Dr. Hugo Sellheim (Geburtshilfe und Gynäkologie) an der Universität Leipzig: Dr. Friedrich Knapp (Kunstgeschichte) an der Universität W ü rzburg. Mit Genehmigung des Reichs- und Preußischen Ministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung und der polnischen Regierung wird in diesem Semester ein Vorlesungsau stau sch zwischen den Universitäten Frankfurt und Krakau stattfindön. am Ostermontag nur einen Start. Im Ma! herrscht dann Hochbetrieb. Den beiden Großen Preisen in Nordafrika, Tripolis am 10. und Tunis am 17. Mai folgt der „Große Preis von Genf" am 31. Mai. Diese im vergangenen Jahre aus finanziellen Gründen ausgefallene Veranftal- tunA wird durch die Teilnahme der deutschen Firma erhöhte Bedeutung erhalten. Kurze Sportnotizen. Das Pokal-Endspiel um den Fußball-Gaupokal zwischen den Gauen Sachsen und Südwest, das am 24. Mai in Dresden stattfinden sollte, ist jetzt auf den gleichen Termin nach Leipzig verlegt worden. Einen Weltrekord im beidarmigen Drücken stellte der ägyptische Mittelgewichtler H. Thouny in Kairo auf. Er verbesserte seinen eigenen Rekord 112,5 auf 115 Kilogramm. Sechs Nationen (Deutschland, Spanien, Dänemark, Holland, Ungarn und Oersterreich) sind am internationalen Frauen-Hockeyturnier an den Oster- tagen in Berlin beteiligt. Deutschland trifft am Karfreitag auf Spanien und am Sonntag im Falle eines Sieges auf Oesterreich. R. I. B. S e a m a n, der bekannte englische Automobil-Rennfahrer, gewann auf einem Maserati- Wagen die „Trophäe des Britischen Weltreiches" im Donington-Park bei Derby über 410,295 Kilometer. Er benötigte für diese Strecke bei einem Stundenmittel von 106,725 Kilometer 3:54,16 Stunden. Der letzte reichsoffene Abfahrtslauf wird am 26. April auf dem Zugspitzplatt durchgeführt. Es handelt sich um einen Torlauf vom Wetterwandeck zur Knorrhütte. K. I. L o t s y, der holländische Sportführer, äußerte sich nach längerem Aufenthalt in Berlin holländischen Journalisten gegenüber, daß das Land, das nach Deutschland die Olympischen Spiele durchzuführen habe, zu bedauern sei. In Berlin sei alles so phänomenal, daß kein anderes Land diese Spitzenleistung erreichen, geschweige denn noch übertreffen könne. Ricardo Zamorra, Spaniens Nationalheros, hat die Absicht geäußert, sich vom aktiven Sport zurückzuziehen. Ob er diese Absicht endgültig in die Tat umsetzt, bleibt abzuwarten. Zamorra ist so eng mit dem Sport verbunden, daß er dann, wenn man ihn in Spanien wieder einmal brauchen sollte, sicher auch wieder die Fußballstiefel anzieyen wird. Der Davispokalkampf Deutschland gegen Spanien wird vom 24. bis 26. April in Barcelona durchgeführt. Diskus 51,03 Meter weit. Carpenter (USA), der bekannte amerikanische Wurfathlet, warf jetzt in Long Beach (Florida) den Eröffnungsbahnradrennen in Gießen. Wie wir schon kurz berichteten, eröffnet der Gießener Radfahrerverein von 1885 am Ostermontag seine diesjährige Bahnrennsaison. Die Rennen werden auf der Aschenbahn des Waldsportplatzes ausgetragen. Eine große Zahl von Meldungen ist eingegangen. Das Rennprogramm. Das Fliegerrennen. Es wird in vier Dorläufen, zwei Zwischenläufen und zwei Endläufen ausgetragen. Im e r ft e n V o r l a u f stehen sich die Fahrer L. Schorn (Köln), Kingma (Köln), Gelpke (Neuwied), Neumann und Muhl (Gießen) gegenüber. Ein offenes Rennen; die beiden Gießener sollten im Dordertreffen liegen. Der zweite Dorlauf sieht die Fahrer I. Schorn (Köln), Tobias (Köln), Bräuer (Köln) und Preiß (Gießen) am Start. Dieses Rennen wird eine sichere Sache des jungen Kölners Schorn werden. Wohl der schwerste Dorlauf wird der dritte sein, in dem die Fahrer Paduscheck (Köln), Kopp (Köln), Naupert (Köln) und Bork (Dortmund) aufeinandertreffen. Im letzten der vier Dorläufe gehen an den Start: Schlösser (Köln), Müller (Neuwied), Weiler (Köln), Göbel (Wetzlar) und Mebus (Göbelnrod). Dieser Lauf sollte von dem Kölner Meister Hein Schlösser gewonnen werden. Die beiden Ersten jeden Vorlaufes kommen in die zwei Zwischenläufe, und hiervon die ersten in die Entscheidung. Den Sieger oorauszusagen, wird bei dieser starken Besetzung schwer sein. Der junge Kölner I. Schorn hat Aussichten auf den Sieg. Um den Fahrern des Bezirks Gießen Gelegenheit zu geben, unter sich ihre Kräfte zu messen, wurde das Punktefahren nur für Mitglieder des Bezirks Gießen ausgeschrieben. In diesem Rennen starten die Fahrer: Göbel (Wetzlar), Möbus (Göbelnrod), Neumann, Preiß, K. Muhl, Spatz, Kraft und Weber (sämtlich Gießen). Das Rennen läuft über 25 Runden mit Wertung in jeder zweiten Runde. Hier wird sich zeigen, welcher Fahrer auf der Bahn der stärkste ist. Das größe Interesse wird wohl, wie bei jedem Bahnrennen, das 50'Kilometer-INannschaftsrennen finden. Folgende 10 Mannschaften werden hier an den Start gehen: Gebr. Schorn (Köln), Padufcheck- Kingma (Köln), Schlösser-Tobias (Köln), Naupert- Weiler (Köln), Muhl (Giehen)-Breuer (Köln), Müller (Neuwied)-Kopp (Köln), Neumann (Gießen)- Bork (Dortmund), Göbel (Wetzlar)-Preiß (Gießen), Mebus (Göbelnrod)-Spatz (Gießen), Gelpke (Neu- wied)-Kraft (Gießen). Die Brüder Schorn sind den Gießenern keine Unbekannten mehr. Paduscheck-Kingma und Schlös- fer-Tobias (ebenfalls Kölner Mannschaften) haben im vorigen Jahre bereits bei einem Gießener Rennen gestartet und gut gefallen können. Müller (Neuwied), der früher zusammen mit Zacharias fuhr, hat einen neuen starken Partner in Kopp (Köln) gefunden. Eine nicht zu unterschätzende Mannschaft geht mit Naupert-Weiler (Köln) an den Start. Der Gießener K. Muhl fährt zusammen mit dem kleinen Kölner Breuer, der beim letzten vorjährigen Bahnrennen zusammen mit E. Muhl den 2. Platz belegen konnte. Neumann startet mit dem Dortmunder Bork. Letzterer konnte im vergangenen Jahre zusammen mit Spang fast die meisten süddeutschen Rennen gewinnen. Wenn Neumann, der am Ostersonntag in Hannover fährt, am Ostermontag gut in Form ist, wird die Mannschaft unter den ersten zu finden sein. Der andere starke Gießener Fahrer Heini Preiß hat Walter Gö- b e l (Wetzlar) als Partner. Auch diese Mannschaft wird am Ostermontag ihr Können unter Beweis stellen. Mebus-Spatz und Kraft-Gelpke sind beide gute Mannschaften. Gportamt „Kraft durch Freude". heule Verlegung von Sportkursen. Fröhliche Gymnastik und Spiele, Frauen. Don 20 bis 21 und von 21 bis 22 Uhr, Schillerschule, Schillerstraße. Neuanmeldung zu Sportkursen. Zu folgenden, in der nächsten Woche beginnenden Sportkursen werden noch Neuanmeldungen auf der Geschäftsstelle, Schanzenstraße 18, angenommen: Reiten, Fechten, Schach, Rollschuhlaufen und Kindergymnastik! Auskunft: Telephon 2919. Rundfunkprogramm Freitag, 10. April: 6.25 Uhr: Choral — Morgenspruch. 6.30: Früh- konzert. 8.45: Nur Freiburg: Aus dem Augustinermuseum: Konzert. 9.30: Aus der evangelischen Stadtkirche, Darmstadt: Evangelische Morgenfeier. 10.30: Die Stunde des „Faust . Eine Betrachtung zum Karfreitag von Wilhelm v. Scholz. 10.45: Kleine Kammermusik. 11.15: Mensch zwischen Zeit und Ewigkeit. Eine Funkfolge nach Dichtungen. 12: Großes Mittagskonzert. Musik großer deutscher Meister. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert II. 14: Meister deutscher Erzähler. 14.15: Klänge der Weihe. 15: Kinderfunk. 15.30: Oberdeutsche Totentänze. Eine Funkfolge zum Karfreitag. 16: Nachmittagskonzert. 18: Nachmittagskonzert. 19: Der Tod und die Mutter. Funkspiel um ein Märchen von Hans Christian Andersen. 19.50: Tagesspiegel. 20: Nachrichten. 20.10: Passionsmusik. 22: Nachrichten. Samstag, 11. April: 6 Uhr: Choral — Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Fröhlich klingt's zur Morgenstunde. In der Pause, 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.45: Auf zum Staatsjugendtag — HI.-Sport. 10.45: Nur Frankfurt: Gaunachrichten. 11: Hausfrau hör zu! 11.30: Sendepause. 11.45: Sozialdienst. 12: Buntes Wochenende. 13: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 13.15: Buntes Wochenende. 14: Nachrichten. 14.10: Die Regensburger Domspatzen singen. 15: Wirtschaftsbericht: Was gibt's Neues? 15.15: Jugendfunk. „Meister Eckehart". Hörspiel von Johannes Schneider. 16: Der frohe Samstagnachmittag in Gemeinschaft mit der NS.-Gemein- schaft „Kraft durch Freude". 18: Blasmusik. 19.30: Zeitfunk: Wochenschau. 19.55: Ruf der Jugend. 20: Nachrichten, 20.10: Großes Orchesterkonzert. 22: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 22.30: Musik in der Osternacht. 24—2: Nachtmusik. Wegen Raffenschande verurteilt. LPD. Frankfurt a. M., 8. April. Die Große Strafkammer erkannte wegen R a f s e n s ch ä n - düng gegen den Willi Hefsekiel, einen Nichtarier, auf VA Jahre Gefängnis. Der Beschuldigte setzte langjährig gepflogene Beziehungen zu einer arischen Zeugin auch noch nach Erlaß des Rassegesetzes fort. Wirtschaft. Rhein-Mainischer Garantieverband. Heber die Tätigkeit des Rhein-Mainischen Garan- tie-Derbandes in Frankfurt a. M., der als gemeinnützige Einrichtung zur Erleichterung der Kreditaufnahme im Rhein-Mainischen Wirtschaftsgebiet gegründet worden ist, haben wir letzmals im Januar berichtet. Auch jetzt noch wird der Verband aus allen Kreisen der Wirtschaft, insbesondere von kredit- bedürftigen Handwerkern, Gewerbetreibenden, Hausbesitzern usw. lebhaft in Anspruch genommen. Bisher sind 1400 Kreditanträge über annähernd vier Millionen Reichsmark eingereicht worden. Der Verband kommt für alle Kreditfucher in Frage, die für Arbeitsbeschaffungszwecke Kredite benötigen, aber die für Kreditinstitute im allgemeinen erforderliche bank- oder fatzungsgemäße Sicherheit nicht beibringen können. Der Verband ersetzt durch seine Garantie die fehlende bankmäßige Sicherheit und begnügt sich mit anderweitigen Sicherheiten (nach- stelliger Grundschuld, Privatbürgschaft, Abtretung von Außenständen, Sicherungsübereignung, ober Pfandbestellung). In geeigneten Fällen kann auch reiner Personalkredit gewährt werden, sofern es die persönlichen Eigenschaften des Gesuchstellers, insbesondere Charakter und Tüchtigkeit, und feine wirtschaftlichen Verhältnisse vertretbar erscheinen lassen. Die Kreditgrenze beträgt im allgemeinen 5000 RM., jedoch kann in besonderen Fällen auch ein höherer Betrag garantiert werden. Um den wirtschaftlichen Bedürfnissen der Kreditsucher noch besser entsprechen zu können, ist die Geschäftsführung in der letzten Auffichtsratssitzung ermächtigt worden, die Rückzahlungsfrist für neu zu garantierende Kredite auf einen Zeitraum bis zu vier Jahren (seither nur zwei Jahre) auszudehnen. Der Verband steht für die Finanzierung von Instandsetzungen und Umbauten, von Lieferungs- und sonstigen Aufträgen, für Betriebskredite, Kredite zur Bezahlung von Handwerker-Rechnungen und auch für Zwischenkredite für Neubauten zur Verfügung. Weitere Auskünfte und die erforderlichen Vordrucke find bei den angeschloffenen Banken, Sparkassen und Kreditgenossenschaften, sowie beim Verband selbst erhältlich. * * Weiter günstige Produktionsent- Wicklung bei den Vereinigten Stahlwerken. Bei den Betriebsgesellschaften der Vereinigten Stahlwerke AG., Düsseldorf, hat sich die Produktion in den wichtigsten Erzeugnissen des Konzerns im ersten Vierteljahr 1936 weiter günstig entwickelt. In der Zeit vom 1.1. bis 31. 3.1936 nahm die Kohlenförderung gegenüber dem vorausgegangenen Vierteljahr (1.10. bis 31.12.1935) auf 5 717 090 (5 446 520) Tonnen, die Kokserzeugung auf 1 940 203 (1 815 364) Tonnen zu. Die Roheisenerzeugung erhöhte sich auf 1 483 576 (1 436 243) Tonnen, die Roh- stahlgewinnung auf 1534 490 (1516 755) Tonnen. Rhein-Mainische Börse. Mttagsborse freundlich. Frankfurt a. M., 8. April. Auch für die heutige Börse lagen wieder kleine Kaufaufträge vor, so daß bei allerdings nur kleinen Umsätzen weitere Kurserhöhungen eintraten. Angebot lag kaum vor, da man an dem in den letzten Xagen erworbenen Besitz festhält. Am Aktienmarkt stellten sich zu den ersten Notierungen überwiegend Erhöhungen von durchschnittlich 0,50 bis 1 v. H. ein. Später ergaben sich teilweise leichte Rückgänge, die feste Grundstim- mung hielt aber an. Etwas lebhafter waren Zellstoff Waldhof mit 131 (129,25), Aschaffenburger Zellstoff gewannen 0,75 v. H., Feldmühle blieben unverändert. Von Elektroaktien waren Schuckert gefragt und 1 v. H. höher, von Tarifwerten Lah- meyer 134,13 (132), Felten und Siemens erhöhten sich bis 1 v. H., sonst blieben die Kurse behauptet. Am Montanmarkt zogen die Kurse bis 0,50 o. H. an, Vereinigte Stahlwerke waren lebhafter. Rheinstahl gaben 0,65 v. H. nach. Chemische Werte lagen durchweg fester, IG. Farben 166,50 (166), Scheideanstalt 229 bis 229,50 (228), Rütgerswerke 126,50 (125,40), Goldschmidt 110 (109), Deutsche Erdöl 118,75 (118,5). Von Autoaktien BMW. 2 v. H. fester, Maschinenaktien lagen etwas uneinheitlich, Muag 0,75 v. H. niedriger. Don Kunstseideaktien waren Bemberg etwas erholt auf 79,65 (76,65). Auf den übrigen Marktgebieten hielten sich die Veränderungen in engen Grenzen. Renten lagen nicht ganz einheitlich und ruhig. Etwas fester Altbesitz mit 111,50 (111,35), Kommunal - Umschuldung mit 87,05 (87,10) Späte Schuldbuchforderungen unverändert 98 Geld, Zinsvergütungsscheine 92,30 (92,35). Zertifizierte Dollar- Bonds lagen behauptet. Im Verlaufe war das Geschäft still und am Aktienmarkt war die Haltung zunächst etwas uneinheitlich, während später eher leichte Rückgänge eintraten. IG. Farben 165,75 nach 166,50, dagegen Rheinstahl 120 nach 119,40. Von erst später notierten Werten kamen besonders Elektroaktien durch- weg höher zur Notiz, Rheag weiter fest mit 136 (135), Elektrische Lieferungen 129 (127,50), Felten 122,50 (121,50), Accumulatoren 185 (184). Von Kaliaktien Westeregeln 128,50 (127). Am Rentenmarkt waren Zinsvergütungsscheine zu 92,35 nach 92,30 gefragt. Goldpfandbrief« und Kommunal-Obliaationen lagen unverändert, Liquidationspfandbriefe zumeist 0,25 v. H. höher, aber Rheinische 101,50 (101,75). Stadtanleihen zogen überwiegend 0,25 bis 0,50 v. H. an. Fest waren ferner Reichsbahn-Vorzugsaktien mit 125,25 (124,90). Industrie-Obligationen lagen ziemlich un- verändert. Auslandsrenten geschäftslos. Von unnotierten Werten Wayß & Freytag auf Dividendenhoffnungen weiter fest mit 101,50 (99,50), ferner Kali Wintershall 113,50 (112) und Pokorny 104 (103,50). — Tagesgeld unverändert 2,50 v. H. Abendbörse ruhig. Das Geschäft hatte an der Abendbörse zwar nur geringen Umfang, die Haltung war aber am Aktienmarkt weiter fest. Größere Kursveränderungen traten indes nicht ein, es überwogen gegen den Berliner Schluß mäßige Besserungen. Montanwerte lagen jedoch sehr ruhig. Für Autoaktien bestand weitere Nachfrage, BMW. über den Berliner Schluß hinaus erhöht auf 129 (128,50), gegen die Frankfurter Notiz plus 3 v. H. Daimler mit 103,50 und Adlerwerke Kleyer mit 101,50—102 gut behauptet. Auto-Union fester mit 105 (104,50). Don Tarifwerten fetzten Rheag ihre Steigerung auf 137 (136) fort. Siemens ebenfalls weiter befestigt mit 186,50 (186), ferner konnten sich Farben-Änoustrie um 0,40 v. H. auf 165,75 erhöhen. Der Renten» markt lag still und hatte nur in der Altbesitzanleihe und in wenigen Liquidationspfandbriefen kleines Geschäft bei unveränderten Kursen. U. a. notierten: Altbesitz 111,65, 5,5proz. Franks. Hyp. Liquid. 101,50, 5,5proz. Hamburg. Liquid. 101,25, 6proz. Verein. Stahlwerke 103,50, 4proz. Rumänen 5,50, 4proz. Schweiz. Bundesbahn 200, Commerzbank 91,50, DD.-Bank 92, Harvener 124,25, Ilse Genuß 133, Kali Westeregeln 128,50, Mannesmann 88,40, Hoesch E 95, Rheinstahl 121,25, Verein. Stahlwerke 85,25, Aku 50,75, AEG. 35,75, BMW. 129, Bekula 144,50, Conti Gummi 184,75, Daimler 103,50, Scheideanstalt 229, Licht & Kraft 142,25, IG. Farben 165,75, Gesfürel 135, Grün & Bilfinger 218, Hoch- und Tiefbau 117,50, Holzmann E 111,25, Linde's Eismaschinen 150,65, Muag 89,40, Metallgesellschaft 117,75, Moenus 88,25, Rheag 137,. Schuckert 140, Siemens 186,50, Westdeutscher Kaufhof 36,50, Südd. Zucker 200, Schöfferhof 173,50, AG. für Verkehr 112, Hapag 15, Reichsbahn-Vorzugsaktien 124,90, III. Anatolier 43,50. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt«. M., 8. April. Das Geschäft hatte angesichts der Dfterfeiertage keinerlei Bedeutung. Es notierten (Getreide je Tonne, alles übrige je 100 Kilo) in Reichsmark: Weizen W 13 213, W 16 216, W 19 220, W 20 222; Roggen R 12 176, R 15 179, R 18 183, R 19 185, Großhandelspreise der Mühlen der genannten Preisgebiete, Futtergerste und Hafer nicht notiert. Weizenmehl W 13 28,45, W 16 28,70, W 19 28,70, W 20 29,05; Roggenmehl R 12 22,45, R15 22,80, R 18 23,30, R 19 23,50 plus 0,50 Reichsmark Frachtausgleich. Weizennachmehl 16,75 bis 17,00, Weizenfuttermehl 13,00 bis 13,25; Weizenkleie W 13 10,65, W 16 10,80, W 19 11,00, W 20 11,10; Roqgen- fleie R 12 9,95, R 15 10,15, R 18 10,40, R 19 10,50 Mühlenfestpreise ab Mühlenstation. Sojaschrot mit Monopolzuschlag 16,20, Palmkuchen m. M. 16,30, Erdnußkuchen m. M. 17,85, Treber 17,75, Trockenschnitzel 9,28 ab süddeutschen Fabriken; Heu 7,50, Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreßt, 3,30 bis 3,50, dasselbe, gebündelt 3,00 bis 3,30. Schweinemarkt in Nidda. [j] Nidda, 8. April. Auf dem heutigen Schweinemarkt waren 410 Ferkel zum Verkauf aufgetrieben. Es kosteten bis zu 6 Wochen alte Ferkel bis zu 25 Mark, 6 bis 8 Wochen alte Tiere 25—27 Mark, 8 bis 10 Wochen alte 28—33 Mark, ältere Tiere 37 bis 38 Mark pro Stück. Der Handel verlief schleppend, es verblieb Ueberftanb. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 9. April. (Vorbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Vorauftrieb: 44 Rinder (1 Ochse, 6 Bullen, 24 Kühe, 13 Färsen), 889 Kälber, 31 Schafe, 719 Schweine. Es kosteten: Kälber 42 bis 75 Mark, Hämmel 45 bis 48 Mark, Schweine 51 bis 57 Mark. — Marktverlauf: Kälber lebhaft, Hämmel und Schafe ruhig, Schweine wurden zugetellt. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe Der zuletzt beichlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Iranuuri a. 2JL Lerun Schlußkurs Schluß!. Abendbörse Schluß- lurs Schluß!. Mittagbörse Oatum 7-4. 8-4- 7.4. 84- «% Deutsche Reichsanleihe v. 1927 100,6 100,6 100,65 100,65 4% Deutlche ReichSanl. von 1934 97,3 97,3 97,3 97,3 b*4% Voung-Anleihe von 1930 .. 102,9 103,4 102,9 Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit Auslos.-Rechten ............. 111,35 111,65 111,25 111,65 4' V/o Deutsche Relchspostschatzan Weisungen von 1934, 1....... 6% el)em.8% Hess. Volksstaat 1929 100,05 100,05 100,13 100,3 (rückzahlb. 102%) ............ 98,25 98,5 98,5 98,25 4*4% ehem.8% Hessische Landes banl Darmstavt Gold R. 12.... 96,5 96,5 96,5 _ 6y2% ehern. 4*4% Hess. Landes. Hypothekenbank DarmstadlLiaui 101 101 _ _ 4Vi% ehern. 8% Darmst. Komm Landcsb.Goldschuldverichr. R.6 92,4 92,5 _ Oberhelsen Provinz-Anleihe mit Auslos.-Rechten ............. 120 120 118,75 Deutsche Komm. Sammelabl. An- leihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten — 114,2 114,4 114,4 4V2% ehem.8% Franks. Hyp.-Bank Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935 96,5 96,5 — 6¥t% ehern. 4*/2% Franks. Hyp.- Bank-Liqu.-Pfandbriese....... 101,25 101,5 — _ 6*4% ehern. 4*/2% Rheinische Hyp.-Bank-Ligu.-Goldpfe..... 101,75 101,5 101,65 101,65 417,o ehern. 8% Pr. Landespfand- briesanstalt, Pfandbriefe R. 19 97 97 97 97 4*4% ehern. 7% Pr. Landespfand. briefanst., Gold Komm. 061.VI 97 97 97 97 Steuerautsch.Berrechnungsk. 34-38 108,85 108,85 108,9 108,9 4% Oesterreichijche Goldrente.... — — — 27,75 4,2<)% Oesterreichische Silberrente 1,35 1,35 — 1,3 4% Ungarische Goldrente....... 8,5 8,3 8,4 8,4 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 ■— 8,15 8,4 8,2 4*/z% desgl. von 1913.......... 8,5 8,4 8,65 8,2 6% abgest. Goldmexikaner von 99 13,5 13,5 13,5 13,5 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe 9,5 Serie i..................... 9 3 Frankfurt o.M. Berlin Schlußkurs Schluß!. Abend- börfe Schluß« kurü Schluß!. Mittag» börle <>atum 7-4. 8-4. 7-4- 8.4- 4% vesgl. Serie 11.......... 9 9 — — 5% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 6,8 6,8 6,95 6,95 4%%Rumän.vereinh.Rentev.l913 9,25 9,1 9,5 9,1 4% Rumänische vereinh. Rente 5,4 5,5 5,6 5,55 38 5 88 5 38,5 38,13 Hamburg°Amerika°Paket ..... 0 15 15 15,25 15,25 Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 — —— 26,5 26,5 Norddeutscher Lloyd ......... 0 16,13 16,4 16,25 16,5 A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 112,25 112 111,75 111,75 Berliner Handelsgesellschaft ... 6 112 112 112,5 112,5 Commerz, und Privat-Bank ... 0 91,25 91,5 91,25 91,25 Deutsche Bank und Disconto- Gesellschaft................ 0 91,75 92 91,75 92 Dresdner Bank.............. 0 92 92,25 92 92,25 Reichsbank ................ 12 182,25 182,75 182,5 183 A.E.G...................... 36 35,75 35,9 35,65 Betula.................... 10 144 144,5 144,4 144,5 Elektr. Lieserungsgesellschaft... 6 127,5 129,25 127,9 128,5 Licht und Kraft ........... ey. 142 142,25 142,5 142,25 Felten & Guilleaume......... 4 121,5 122,5 121,65 122 Gesellsch.f.Elektr.Unternehmung. 6 134,5 135 134,5 135 Rheinische Elektrizität ........ 6 135 137 133,75 136 Rhein. Wests. Elektr.......... 6 129,65 129,75 129,9 129 140 186,5 Siemens L Halske............ 7 185 185,25 186 Lahmeyer LCo.............. 7 134,13 133,5 134 Buderus .................. 4 100 100,5 100 100,25 Deutsche Erdöl ............. 4 118,25 118,75 118,5 118,75 Harvener.................. c Hoesch Eisen—Köln-Reuessen . 3 94,25 95 94,13 94,25 Ilse Bergbau .............. 6 165 166 Ilse Bergbau Genüsse....... 6 133,5 133 133,25 132,75 Klöcknerwerke .............. f 88,4 88,5 88,4 89 Mannes man n-R Ihren....... 0 87,75 88,4 87,75 88,2 5 Frankfurt a. M. Berlin Schluß- kurs Schluß!. Abendbörse Schlußkurs Gchlußk. Mittag- börse Oatum 7-4. 84. 7-4. 84- ManSselder Bergbau....... .. 6 139 139 138,75 139,25 Kokswerke ................ .. 6 — — 127,75 128,5 Wieinijche Braunkohlen .... 12 226 228,25 226 228,5 Rheinstahl ................ .. 4 120 121,25 120,13 121,4 Vereinigte Stahlwerke...... .. 0 84,75 85,25 84,75 85,25 Otavi Minen ............. .. 0 18,9 19 19 19,25 Kaliwerke Aschersleben...... .. 5 129 130 130 130 Kaliwerke Westeregeln...... .. 5 127,25 128,5 127,75 129 Kaliwerke Salzdetfurth..... 7ya - 186 184,5 187 I. G. Farben-Industrie..... .. 7 166 165,75 165,9 165,4 Scheideanstalt............. .. 9 228 229 — Goldjchinidt .............. .. 5 109 110,5 109,25 110,75 Rütgerswerke............. .. 6 125,4 126,25 125,9 126,25 Melallgeiellschaft........... .. 4 117 117,75 116,5 117,75 Philipp Holzmann......... .. 4 111 111,25 110,5 111 Zementwerk Heidelberg .... .. 7 136,25 137,75 - Cementwerk Karlstadt....... .. 6 — 129,5 - Schultheis Patzenhofer ..... .. 4 — — 101,75 101,5 Aku (Allgemeine Kunstseide) .. 0 51 50,75 51 50,75 Bemberg................. .. 6 76,65 79,65 77,5 78,9 Zellstoff Waldhof .......... .. 5 129,25 131 129,75 130,75 Zellstoff Aschaffenburg ..... .. 0 90,75 91,5 90,5 91,5 Dessauer Gas ............. .. 7 —— —— 130,4 131,9 Daimler Motoren.......... .. 0 102,5 103,5 102,4 103,25 Deutsche Linoleum......... .. 8 170 170 170,75 170 Orenstetn & Koppel ........ .. 0 — — 81 81,25 Westdeutsche Kaufhof....... .. 0 36,5 36,5 36,13 36,5 Chade .................... TU 338 — 338 335,5 Accumulatoren-Fabrik...... . 12 184 185 184 185,5 184 184,75 184 Grttzner.................. .. 0 1 29,13 | 32,25 1 29,5 1 32 Malnkraftwerke Höchst a.M.. .. 4 91,75 92 — Süddeuttcher Zucker . 10 201 ! 200 1 203 1 199 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 21L 7.April 8 .April Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Brief Geld 1 Brief Buenos Mite: 0,684 0,688 0,683 0,687 Brüssel..... 42,07 42,15 42,07 42,15 Rio de Ian. 0,139 0,141 Y 139 0,141 Sofia ...... 3,047 3,053 3,047 3,053 Kopenhagen. 54,91 55,01 54,86 54,96 Danzig..... 46,80 46,90 46,80 46,90 London.... 12,295 12,325 12,285 12,315 HelnngforS.. 5,425 5,435 5,42 5,43 Paris ...... 16,385 16,425 16,385 16,425 Holland .... 168,81 169,15 168,90 169,24 Italien..... 19,68 19,72 19,68 19,72 Iavan ...... 0,717 0,719 0,716 0,718 Jugoslawien 5,654 5,666 5,654 5,666 Oslo..... ; 61,79 61,91 61,74 61,86 Wien....... 48,95 49,05 48,95 49,05 Lissabon.... 11,16 11,18 11,15 11,17 Stockholm... 63,38 63,50 63,33 63,45 Schweiz .... 80,96 81,12 80,92 81,08 Lpanien.... 33,95 34,01 33,97 34,03 Prag....... 10,275 10,295 10,275 10,295 Budapest .. — — Reu York ... 2,484 2,488 2,484 2,488 Banknoten Berlin,8 April 1 Melo Brie, Amerikanische Noten....... 2,436 2,456 Belgische Noten.......... 41,92 42,08 Dänische Noten ......... 54,60 54,82 Englische Noten .......... 12,25 12,29 Französische Noten....... 16,335 16,395 Holländische Noten....... 168,49 169 17 Italienische Noten........ Norwegische Noten ...... 61,53 61,77 Deutsch Oesterreich, i 100 Schilling Rumänische Noten....... — Schwedische Noten....... 63,11 Spanische Noten......... 3363 33J7 Ungarische Noten .... ... — Nr. 85 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Donnerstag, Y.April (936 Aus der Provinzialhauptstadt. Karfreitag. Von Reinhold Braun. Ein Unerreicht-Beispielhaftes ist und bleibt die Karfreitagshaltung Jesu. Aus ihr schöpfen die Gläubigen seit beinahe zweitausend Jahren Trost und Kraft für die eigene Haltung. Nie strahlte ein Seelenlicht Heller als das des Mannes am Kreuze. Der Blick auf das Kreuz bedeutet ein Teilhaftigwerden dieses unermeßlich-gnadenhaften Lichtes. Durch die Hölle der Marter, die bitter andringenden Schatten hindurch strömt es zu uns her. Die Karafreitagshaltung Jesu ist das Siegel auf sein Heilandswesen. So ist auch unsere eigene Haltung in den Karfreitagszeiten unseres Daseins das Siegel auf Wert und Adel unseres Menschentums. Gleicherweise gilt das von einer Gemeinschaft und einem Volke. Welches find die helferischen Mächte in jeder Karfreitagshaltung? Die beiden, die uns Jesus am Kreuze sinnbildhaft offenbarte: Liebe und Glauben. „Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!", „Heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein!", „Siehe, das ist dein Sohn!", „Siehe, das ist deine Mutter!": das sind die Worte der unsterblichen Heilandslicbe. D i e Liebe ist echt, die im Leid nicht aus unserem Herzen weicht, sondern unter Druck und Weh sich noch verstärkt. Es ist das Element, aus dem wir neben dem Glauben immer und gerade in einem schmerzensvollen Betroffensein leben müssen. Diese Liebe hilft uns überwinden, indem sie vertieft, befestigt und verklärt, uns zu unserem eigenen Kerne hinleitet und dem der anderen, die um uns sind. Aus dieser Liebe wächst die feine, beglückende Spür- samkeit der Seele für die Nähe Gottes trotz allem, was er uns auch an Bitterem schickte. Durch diese Liebe helfen wir nicht nur uns selbst, sondern auch den Menschen unserer Liebe. Durch dieses Gefühl bleiben wir mit ihnen und mit Gott verknüpft. Nie kann die Kälte der Trostlosigkeit oder Einsamkeit uns befallen. Diese Liebe kann sich vielleicht nicht mehr durch äußere Taten beweisen. Aber Worte, Blicke, ein Lächeln können mehr sein als sie. Im schwersten Bedrängtscin aber ist unsere Tapferkeit unsere höchste Tat. Wohl dem Herzen, dem sich zu der Helferin "Liebe' der Helfer „Glaube" gesellt, jener, der, wenn es sein muß, mit entschwebendem Atem spricht „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist!" Es ist der Glaube, der in der Unsicherheit des Leidens die Sicherheit ewigen Bestandes in sich trägt, der das Licht der Ewigkeit auf dem Schmerzenspfühl herabringt. Er gehört wie die Liebe zum Mark unserer Haltung. Ans ihr bringen wir auf unsere Weise und nach unserer Kraft das Leben ans Licht, das der Seele, die mächtig ist aus Gott. Freilich, ein letztes bbeibt Gnade. Zu ihr gehört auch die vorgelebte Karfreitagshaltung des Heilands der Menschen. Es find viele unter uns, deren Leben seine Schädelstätte in mancherlei Gestalt hat. Wohl dem, der nach Golgatha glaubensvoll zu blicken weiß'! Karfreitag im Volksmund. Gar hohe Kraft ist es, die im Dolksmund dem Karfreitag zugeschrieben wird, im Bösen wie im Guten. Vor mancherlei Schaden kann man sich schützen, wenn man am Karfreitag bestimmte Bräuche erfüllt. So bekommt man nach schwäbischem Glauben das ganze Jahr keine Fieber, wenn man am Karfreitag ein gekochtes Gänseei ißt; wäscht man sich in fließendem Wasser, so bleibt man von Kopfweh, Krätze und Läusen verschont; das böse Zahnwehr der kann keinen an, der sich am Karfreitag die Nägel an Hand und Fuß schneidet und sie in einen Lumpen gehüllt in die Höhlung eines Kirschbaums steckt. Krankheit bei den Dienstboten kann man verhüten, wenn man ihnen am Karfreitag Brezeln gibt. Nach der „Chemnitzer Nockenphilosophie" hebt man sich im selben Jahr keinen Leibes- Drei müssen lachen. Von Friedrich Freksa Als Heinz unten auf der Straße stand, sah er, daß die nette Handschuhverkäuferin ihm lachend ihre blanken Zähne zeigte. Das Mädchen freute sich, daß er an diesem schönen, sonnigen Tage so ohne Jackett, so recht sommerlich daherkam; es rief ihm zu: „Gutes Wetter heute!" Da ging er weiter und war fröhlich. Er konnte es auch fein, denn die letzte Station des medizinischen Staatsexamens lag hinter ihm, zugleich das fünfjährige Studium eines Werkstudenten, der außer ein paar kleinen Stipendien, die ihm seine Professoven zugewandt hotten, jeden Pfennig selbst hatte verdienen müssen. Immer war er auf sich allein angewiesen gewesen, und jetzt hatte er keinen Menschen, der mit ihm feiern konnte. Darum hatte ihm das Lachen des hübschen Mädchens mit den blanken Zähnen einen Strom von Fröhlichkeit gegeben. So schlenderte er stolz die Straßen hinunter. Freilich, wie es nun werden würde, wußte er noch nicht genau. Aber er hatte ja zwanzig Mark in der Tasche, zwanzig ganze Mark! Was sollte er mit den zwanzig Mark tun? Irgend etwas mußte er unternehmen, denn die Sonne schien so ermunternd, der Himmel war blau, und die Schatten der jungen Baumblätter tanzten auf dem Boden. Er kam vor ein Geschäft, in dem allerhand Kunst- gegenstände verkauft wurden, schöne Sächelchen, bunte Tintenfässer, drollige Figuren, bemalte Teller — ja, es war ein lustiger Laden. Da waren Tonsachen, Kaninchen, die ein Ohr aufrichteten, eins zur Seite legten, Katzen, Affen und Elefanten. Hinter sich hörte er zwei ältere Herren reden. Sie bewunderten diese Tonsachen. Der eine sagte: „Muß mich doch erkundigen, wer das gemacht hat! Es ist ganz alte Tradition drin und doch neu!" Heinz verstand diese Wertschätzung nicht ganz. Ihm gefielen die Dinge, weil sie hübsch waren, aber er hätte sich niemals so ein Stück zugelegt. Er machte kehrt und sah, daß ein Automobil am Straßenrand stand, eine komische Kiste. Heinz verstand sich, darauf, wie fast jeder junge Mensch unserer Tage. Das war ein altes Modell, aber ganz sauber hergerichtet, mit lustiger himmelblauer Farbe ongestrichen. Und wie er nun herantrat, mußte er lachen, denn das hatte er noch nicht gesehen: zur Verzierung waren Blümchen aufgepinselt, Anemonen, rote und gelbe, Graswerk — mein Gott, das war ein richtiges Mädelauto. Die letzte Etappe im Reichsberusswetlkamps Wie die Reichssieger gefördert werden. LPD. Der R e i ch s b e r u f s w e t t k a m p f ist in sein letztes Stadium getreten. Die Arbeiten der Gaubesten aus Hessen-Nassau, die sich am 14. und 15. März in Frankfurt a. M. gemessen haben, sind zur Ermittlung der R e i ch s b e st e n nach Berlin gesandt worden, deren Bekanntgabe in Kürze erfolgen dürfte. Der Endkampf findet in den Tagen vom 24. bis 30. April statt. Wem sich dabei auf dem Wege dreimaliger siegreicher Bewährung die Tür zum Zimmer des Führers öffnet, kann dies mit Freude und Stolz als neuen Lebensabschnitt bezeichnen. Die große Auslese, die sich alljährlich in diesem Rahmen vollzieht, ermöglicht es den Trägern des Reichsberuftwettkampfes, der DAF. und der HI., praktischen Sozialismus an der Jugend zu üben. So wurde es, um nur einige Beispiele anzuführen, einer Reichssiegerin, die als Kindergärtnerin am Berufswettkampf teilnahm und aus Mittelosigkeit in der Obersekunda von der höheren Schule abgehen mußte, mit einer größeren Beihilfe ermöglicht, das Abitur nachzuhölen und sich als Volksschullehrerin weiter auszubilden. Ein Reichssieger, ein Bäckerlehrling, der zugleich ein tüchtiger HJ.-Führer ist und damit bewies, daß seine Inanspruchnahme durch die Bewegung keine berufliche Hinderung darstellt, wurde in die Lage versetzt, Gewerbelehrer zu werden. Einer weiteren Reichssiegerin, die in einem Berliner Betrieb in der Küche beschäftigt war, wurde es ermöglicht, sich in einem großen Schweizer Hotel weiter ausbilden zu lassen, um dann über Paris und London zu noch größerer Vollendung in der Kochkunst zu gelangen. Ein Friseur kam zu einem Damenfriseur von internationalem Ruf, ein anderer Reichssieger wurde auf die Universität Marburg gesandt, wieder ein anderer auf bie Technische Hochschule in München und ein weiterer auf das Polytechnikum in Nürnberg. In ähnlicher Weise sind eine ganze Anzahl weiterer Reichssieger gefördert worden. Die jungen Volksgenossen, die auch bei dem diesjährigen Reichsberufswettkampf zur höchsten Ehre und Förderung gelangen, werden dabei in ihrer Freude gewiß ohne Ueberheblichkeit gern der Hunderttausende ihrer Kameraden und Kameradinnen gedenken, die ebenfalls ihr bestes hergaben, um der in der ganzen Welt einzig dastehenden Großaktion den vollen, Erfolg zu sichern. Siebenbürgen-Abend in Gießen. Eine Veranstaltung der Hitler-Jugend am Ostermontag. Von der Hitler-Jugend Bann 116 (Gießen) wird uns geschrieben: Kameraden aus Siebenbürgen sind auf der Fahrt in die Heimat ihrer Väter, in das alte rheinfränkische Stammland. Ihr sehnlichster Wunsch — und das ist der Wunsch der ganzen deutschen Jugend jenseits der Grenzen — erfüllt sich ihnen jetzt': sie kommen einmal in das allen Deutschem gemeinsame große Vaterland, ins Reich! Die Hitler-Jugend des Gebietes Hessen-Nassau hat in der Osterzeit über 30 Siebenbürger Kameraden und Kameradinnen in ihren Reihen. Von Bann zu Bann, durch das ganze Land hin leben sie über drei Wochen mit den Kameraden aus der HI. und den Kameradinnen aus dem BDM. zusammen. Ueberall werden sie die gleiche Jugend finden, die entschlossen und mit letzter innerer Bereitschaft mitkämpfen will für die Erhaltung des deutschen Volkstums jenseits der Grenzen, mitkämpfen will im Ringen um die Schaffung einer großen deutschen Volksgemeinschaft, gleichgültig wo Deutsche in der Welt leben, was sie wirken und werken und wo sie stehen. Jeder deutsche Volksgenosse wird allein danach beurteilt werden, wie er sich in die Volksgemeinschaft einordnet und was er für sie leistet. Die deutsche Jugend findet so über alle Schranken und Grenzpfähle hinweg zueinander in dem unerschütterlichen Glauben an unser deutsches Volk. lieber die Osterfeiertage sind unsere Kameraden und Kameradinnen aus Siebenbürgen bei uns im Bann 116 in Gießen. Sie erleben Deutschland, das Reich Adolf Hitlers. Im Sommer werden unsere Kameradschaften hinausziehen in fremde Länder, wo unter fremden Völkern unsere deutschen Kameraden leben und streiten mitten im Kampf der Volkstümer gegeneinander, der um jedes Haus, um jeden Acker, um jede deutsche Seele geht. Wir fahren nach Nord- Schleswig, durch Ostpreußen ins Mernelland, in die Westlande, ja die Donau abwärts gen Südosten, so wie es in wenigen Tagen unsere Siebenbürger Kameraden wieder tun, und wie es ihre Väter einst getan haben, in das Land des Segens, Siebenbürgen. Uns wird das Erlebnis einer jeden Fahrt festigen und entschlossener machen für den Einsatz im oolkspolitischen Kampf. Unseren Kameraden an der Kampffront draußen wird diese Entschlossenheit neuen Glauben und neue Stärke geben: s i e sind nicht allein — die ganze deutsche Jugend steht zusammen! Bei ihrem Aufenthalt in Gießen veranstaltet die deutsche Volksgruppe aus Rumänien am Oster- montag, 13. April, 20.3d Uhr im Cafe Leib einen Siebenbürgenabend, zu dem die Hitler-Jugend alle Volksgenossen recht herzlich einladet. schaden, wenn man am Karfreitag nüchtern ein Ei ißt, das am Gründonnerstag gelegt wurde; in Schwaben dagegen erfüllt den gleichen Zweck das am Karfreitag selbst gelegte Ei. Der Elsässer geht am Karfreitag während der Kirche auf den Friedhof und holt Attich. Damit hat er ein Mittel gegen jegliche Krankheit gewonnen. Eine ganz wunderbare Wünschelrute, die alle Krankheiten heilt (und außerdem auch Schätze finden hilft!) stellt man sich in Mecklenburg her; man schneidet sie am Karfreitagmorgen vor Sonnenaufgang mit den Worten: Gott grüß' dich, edles Reischen! Im Namen Gottes des Vaters' sucht ich dich, Im Namen Gottes des Sohnes fand ich dich, Im Namen Gottes des heiligen Geistes schneid' ich dich. Viele Wunden und mancherlei Schäden kann man mit Karfreitags butter heilen. Auch vom Vieh wendet der Karfreitagszauber allerhand Ungemach ab: Schneidet man am Karfreitagmorgen Aeste von einem Elfendaum und nagelt sie kreuzweise über den Stall, so kommt nichts Böses hinein. Ställe, die Karfreitags in der Frühe gemistet und geräuchert werden, sind gegen Hexen und böse Leute gefeit; putzt man das Vieh an diesem Tag, so bekommt es keine Läuse. Ein in der Karfreitagsnacht geschnittener Kreuzdorn in die vier Ecken des Stalls geschlagen, heilt das kranke Vieh. Peitscht man das Vieh schweigend vor Sonnenaufgang mit Kreuzdornruten, so erleiden die Hexen, die auf dem Vieh reiten, die Schmerzen; die Ruten verbirgt man an einem Ort, wohin weder Sonne noch Mond scheint. Pferde, die am Karfreitag in die Schwemme geritten werden, bleiben von Bremsen und Gelbsucht verschont. Eine große Rolle spielt das am Karfreitag Herr» schende Wetter. „Wenns am Karfreitag rejnet, fo batts ganz Johr kei Reje nix", heißt's im Elsaß, oder in Schwaben: „Wenn's am Karfreitag regnet, sollt ma d Tropfe mit de Sihle rusbohre", ober „Karfreitagsrege, bringt kei Früchte zwege". In Mecklenburg: „Regnet's am Karfreitag, so geht die dritte Pflanze vom Acker". Auch anderweitig ist der Glaube verbreitet, daß Karfreitagsregen ein trockenes, unfruchtbares Jahr bringe. Ganz einig sind sich die Wetterpropheten jedoch nicht, denn in Schwaben heißt's andererseits auch: „Karfreitagsrege, bringt dem Bauer Glück und Sege", oder „gibt en gute Wei". Friert's am Karfreitag, so schadet „kei Gfrör (nie) mehr", donnert's, gibt s einen schlechten Sommer. Gar mancherlei soll man am Karfreitag beobachten: wäscht man an diesem Tag mit dem Bleuel, so hagelt es, geht man mit geputztem Schuhzeug, wird man von Ottern gebissen; will man Christum nicht im Grab beunruhigen, so darf man nicht trt der Erde arbeiten, was man an dem Tag näht, hält nicht, all das besondere Formen der allgemeinen Mahnung, einen so hochheiligen Tag nicht'durch Arbeit zu entweihen. Aber auch Kartenspiel am Karfreitag ist gefährlich: es kann geschehen, daß der Teufel sich' unter die Spieler mischt. Wenn man am Karfreitag trinkt, leidet man das ganze Jahr unter Durst. Dagegen rät die „Chemnitzer Rockenphilosophie": „Der am Karfreitag Durst leibt, bem schabt's ganz Jahr kae Trunk", auch wirb man bann, nach schwäbischem Glauben, nicht von Schnaken geplagt. Die Schalen ber am Karfreitag gegessenen Eier kreuz- weis auf ben Acker gelegt, helfen gegen Gewitterschaben. Macht man zwischen elf unb zwölf Uhr vormittags brei Kreuze unter bie Türschwelle, so kommen keine Ratten ins Haus. Hängt man am Karfreitag bie Kleiber an bie Sonne, so kommen keine Schaben hinein, macht man bie Betten nicht, so hat man bas Jahr über keine Wanzen unb Flöhe. Wer am Karfreitag in ber Frühe zuerst bas Vieh zur Tränke führt, hat bas schönste Vieh unb das meiste Glück; wer an biefem Tag Linsen ißt, bem geht bas Jahr über bas Gelb nicht aus; Äugeln, am Karfreitag gegossen, fehlen nie. Der Mecklenburger schickt seine Kinber zum ersten Mal am „Stillfreitag" nachmittags zur Kirche, bann werben sie klug. Weh bem aber, ber am Karfreitag geboren ist, er ist bem Unglück verfallen. Das Karfreitagsei, bas sich schon als Mittel gegen Krankheit erwiesen hat, ist auch sonst ein ganz besonber Dina: es hält bis nächste Ostern, ja, wirb nie faul! Wirft man es in ein brennenbes Haus, so greift bas Feuer nicht weiter um sich. — Zauberglauben bes Volkes! Nichts sagt er uns anbern. Aber ist nicht ein Glaube bes Kartags, ber Allen gemein ist? Singt nicht Wolfram von Eschen- bach in seinem „Parzival": ez ist hiute ber Karfritac, ">es al biu werlt sich freun mac. E. B. Vornotizen. Tageskalender für Donnerstag. NSG. „Kraft burch Freube": 20 bis 21 Uht und 21 bis 22 Uhr fröhliche Gymnastik (nur Frauen) dj tu n g aus/chnelden! Hr. (5) erscheint am 23. 4, LZ w freut " sich auf die Schule. 5lnö die Tüte! Die steckt voll feiner Sachen: Leckeres Backwerk, von Mutter selbst bereitet nach den bewährten Rezepten aus «vetker's „Backen macht Zreuöe", türlich mit Backpulver „Backin" Heinz konnte sich bas junge Wesen vorstellen. Es mußte einen Bänderhut haben, etwa eine Kunstgewerblerin sein. Er schätzte den Wagen: Innen sah er traurig aus, nicht ganz wohlerhalten, und es lag Werkzeug am Boden. Hm, dachte er, ein praktisches Mädchen. Und der Schlag ging wie von allein auf. Da stieg er ein. Mit zwanzig Mark in der Tasche, dachte er, märe das eine gerechte Sache. Er wollte sich das Kind ansehen, wer es wohl war. Er schaute auf den Boden neben bem Sitz. Etwas Zerbrochenes war ba unten. Er hob es auf — ah, natürlich, bas waren Tonscherben, unb' ba brinnen würbe bann Tonzeug verkauft, also war bas selbstverstänb- lich eine Kunstgewerblerin. Jetzt wollte er sitzenbleiben, unb wenn sie kam, würde er sagen: Fräulein, nehmen Sie mich mit, ich kauf' Ihnen ein Karnickel oder einen kleinen Affen ab! Denn auch bet hübschen Mädchen ist ja Geschäft Geschäft. Voller Erwartung machte er sich unter dem Leinwanddach des Autos in der Ecke klein. Da ging die Tür des Ladens auf, und eine dicke, freundliche Dame in Schwarz verabschiedete sich von einem großgewachsenen Herrn. Dieser lange Herr mit einem schwarzen Bart — Heinz bekam einen riesigen Schreck — ging auf das himmelblaue Auto mit den Blümchen zu, schob ein Paket in den Wagen, setzte sich ans Steuer — und fuhr ab. Und Heinz staunte. Dieser Mann also gehörte zu dem Auto, e r paßte zu der himmelblauen Farbe und den Blümchen und den Tonscherben und all' dem! Aber nun — wie herauskommen? Heinz verhielt sich mäuschenstill. Er mußte abwarten. Und schließlich, die Fahrt war schon ein Tonkarnickel wert. Es ging hinaus — da waren Schrebergärten, schließlich hielt der Wagen vor einem weiß- gestrichenen, sauberen Zaun, in dem eine Tür war, und über der Tür, auf einer Holzkehle, standen Blumentöpfe mit blauen Blumen und grünen Ranken, die wie Schleier herunterwehten. Darunter war ein Schild mit schwarzen Buchstaben: Kunsttöpferei! Die Tür tat sich auf, ein Mädchen mit blondem Haar in blauroeifegemürfeltem Dirndlgewand mit einer weißen Schürze um die Hüften, kam heraus: „Vati, was hast du mir mitgebracht?" Der Mann mit dem schwarzen Bart schaute nach links und sagte mit einer tiefen, warmen Stimme: „Ja, mein Töchting, da guck selber nach!" „Das ist ja ein junger Mann!" rief das Mädchen. „Düwel ok!" sagte der Mann mit dem schwarzen Bart. „Ich wollte einen von den schönen Hasen kaufen!" bemerkte Heinz. Und er stieg aus, puterrot und verlegen — Aber es war ein herrlicher Tag, die Luft war blau, und die Sonne lachte. Und darum lachten diese drei Menschen alsbald auch. Mvier-Mend Georg Kuhlmann Wenn Geor^ Kuhlmann den Verlauf seines gestrigen Klavierabends noch einmal überdenkt, fo wird er sicherlich nicht dabei übersehen, daß nach Chopins ^8-ckur-Ballade der Beifall am herzlichsten und stärksten war, einmal weil gerade bei Chopin seine rmrsikalischen und pianistischen Kräfte sich in voller Reife entfalten konnten, zum anbern aber weil nach den vorausgegangenen Stücken Chopins ursprüngliche musikalische Kraft um so unmittelbarer auf den Hörer wirkte. Die Absicht Georg Kuhlmanns, sich aus dem Podium gerade solcher Werke anzunehmen, die bei den durchgängigen Vortragsfolgen der meisten Pianisten wenig Berücksichtigung 'finden, ist durchaus anerkennenswert. Er muß dann aber auch ben Faktor in Rechnung stellen, daß bei dem Hörer oft ein innerer Widerstand zu überwinden ist, sei es durch die fremde Rassebedingtheit der Werke, sei es durch den, wie im vorliegenden Falle, unferm Musikempfinden fremdartigen Stil. Daß ein Pianist aus dem Studium solcher Werke reichen Gewinn für sich haben kann, steht ebenso außer Zweifel, wie es das Beispiel Giesekings beweist, daß der Durchgang durch den modernen Klavierstil befruchtend aus die Erfassung anderer Stil- arten einwirken kann. Georg Kuhlmann hat sich ohne Zweifel mit dieser Auswahl die Wirkung eines durchaus in jeder Hinsicht sorgfältig vorbereiteten Klavierabends erschwert. Der Gesamteindruck, den man von Georg Kuhlmanns technischem Können gewinnen konnte, war sicher überzeugend. Er meistert die größten Schwierigkeiten. Die Kraft seines Anschlages ist scheinbar unbegrenzt bis zum hämmernden, dröhnenden for- tissimo. Sein Passagenspiel ist ausgeglichen, wenn auch stellenweise die Kraft der linken Hand im Uebergewicht war. (Wie. weit dabei der Charakter des gespielten Flügels mitsprach, entzieht sich meiner Kenntnis.) Daß er eine schöne gesangliche Linie herausarbeiten kann, das bestätigte allermeist sein Chopinspiel. Hier traf auch eine reiche Nuancierungsfähigkeit des Tones wohltuend hervor. Dagegen in den Werken der Moderne war fein Stakkato verschiedentlich überpointiert hart. Die musikalische Durchdringung der einzelnen Werke zeugte von hingebungsvoller Durcharbeitung; mit treffender Sicherheit vermochte er den Grundcharakter der einzelnen Werke einzufangen; ebenso wie er sich den einzelnen Stilen anzupassen imstande war. Dennoch wäre in vielen Fällen doch noch mehr auf eine reichere Abstufung der Durchgestaltung im einzelnen Gewicht zu legen. Gerade die Klavierkunst des französischen Impressionismus erhält durch eine reiche Abtönung in der Farbigkeit des Anschlagklanges ihr eigentliches Wesen. Die gewählten Werke, D e b u s s y :'Tokkata, Maurice Ravel: Jeu d’eau, Prokofjew: Tokkata, stellen dem Spieler höchste Schwierigkeiten entgegen. Georg Kuhlmann zeigte sich chnen voll gewachsen, wenngleich eine schärfere Sublimierung des Klanges stellenweise erwünscht gewesen- wäre. Besonderem Interesse begegnete die dreisätzige Sonate in F-dur von Gerhard Frommet, der zur Zeit als Kompositionslehrer am Dr. Hoch - schen Konservatorium in Frankfurt tätig ist. Als Schuler von Hans P f i tz n e r beschreitet er hier Wege, die sehr beachtenswerte Ansätze eines neuen werdenden Stils zeigen. Im Gegensatz zu den im Konzert vorausgegangenen, der reinen Klanglichst huldigenden Impressionisten spricht bei ' ihm ein starkes seelisches Moment mit. Das Seiten» ttyema des ersten satzes deutet auf eine neue Ge- fanglichkeit hin, die sich kontrastreich von dem Drmnatifch-Erregten abzeichnete. Ebenso ist das Finale voll starker, rhythmisch gestraffter Aufwal. langen in seiner rhapsodischen Haltung. Am reifsten und wohl aud) am eingängigsten in der Form war der zweite, langsame Satz.' Georg Kuhlmann hat die Sonate in Frankfurt zur Uraufführung gebracht, und auch hier war ihm mit diesem Werk der Erfolg sicher. Den Auftakt zu dem Konzert bildete Schumanns Tokkata op. 7 mit ihren hohen technischen Schwierigkeiten; die Coda hätte das Thema in den Mittelstimmen noch plastischer heraustreten lassen können. Die letzte der acht Noveletten aus op. 21 in fis-moll erstand mit ihrem reichen Wechsel der Stimmungen, mennglcid) auch hier noch mehr Nachgiebigkeit an einzelnen Stellen angebracht gewesen wäre. Georg K » h l m a n n ist ein Pianist von bereits sehr beachtlichen Fähigkeit, seine weitere Entwickelung zu verfolgen, verdient stärkstes Interesse; das bestätigt der ehrlich errungene Erfolg des gestrigen Abends. Dr. Hg. in der Turnballe der Schillerschule. — Stadttheater: 20 bis 22.45 Uhr ,Der tolle Christian." — Gloria- Dalast, Seltersweg: „Um das Menschenrecht." — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „August der Starke." Tageskalender für üarsreikag". Gloria-Palast, Seltersweg: „Um das Menschen- recht." — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Augun der Starke." — Mtv.: Turngang nach Annerod, Abmarsch 13.30 Uhr. Zladttheater Gießen. ^eute von 20—22.45 Uhr „Der tolle Christian", ein Drama aus dem Dreißigjährigen Krieg von Th. Haerten. Spielleitung: Der Intendant. 25. Vorstellung im Freitag- Abonnement. Karfreitag bleibt das Theater geschlossen! Die Freitagvorstellung ist auf Gründonnerstag, 9. April, vorver- legt. Der Oslerspielplan des Zladttheaters Gießen. Aus dem Stadtheaterbüro wird uns geschrieben: Angepaßt der Festtagsstimmung der Osterfeiertagc hat die Intendanz für die Feiertage einen Spiel- plan aufgestellt, der jedem Theaterfreund etwas zu bieten vermag. Am Ostersonntag, 12. April, geht von 19 bis 22 Uhr erstmalig Eugen d'Alberts Meisteroper: „Tiefland" in Szene. Kurz vor seinem 40. Lebensjahr erreichte d'Albert mit seiner Oper „Tiefland" den durchschlagenden Welterfolg. D'Albert gehört in Deutschland zu den Komponisten, deren Werke sich unverminderter Beliebtheit erfreuen und zu ständigen Werken des künstlerischen Operspielplans gehören. Die Spielleitung der Oper hat Paul W r e d e; für die musikalische Leitung zeichnet Kapellmeister Paul Walter. Mitwirkende: Damen: Decker, Fornallaz, Hagemann, Perry, Wacker; Herren: Bley, Greif, Hille, Richard Stahl-Frankfurt am Main als Gast, Weiser. Die Vorstellung ist außer Abonnement und dauert von 19 bis 22 Uhr. Am Ostermontag, 13. April, gelangt um 15 Uhr als Vorstellung für die RS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" zum letzten Mal das Lustspiel: „Krach im Hinterhaus" von M. Böttcher unter der Spielleitung von Heinrich Hub zur Aufführung. „Krach im Hinterhaus" ist eine der meist gespielten Komödien der heutigen Zeit und fehlt auf keinem Spielplan der deutschen Theater. Freier Kartenverkauf an der Theaterkasse. Ende 17.30 Uhr. Von 19 bis 22 Uhr als Vorstellung außer Abonnement und zum letzten Mal die bezaubernde Operette: „Die blaue Mazur" von Franz Lehar. Leitung haben W r e d e und Ernst Bräuer; Tänze: Thery Schult h e i s. Dauer von 19 bis 22 Uhr. Dienstag, 14. April, als 26 Vorstellung im Dienstag-Abonnement erste Wiederholung der Oper: „Tiefland" von Eckgen d'Albert. Dauer von 20 bis 23 Uhr. Sprechstunden der Gauleitung Hesten-Nafiau der NSDAP. NSG. Mit der Einführung der Sommer-Arbeitszeit gelten ab 14. April 1936 die nachfolgenden Sprechstunden: Dienstag: von 10 bis 12 Uhr und 16 bis 17 Uhr. Mittwoch: von 10 bis 12 Uhr und 16 bis 17 Uhr. Donnerstag: von 10 bis 12 Uhr. Freitag: von 10 bis 12 Uhr und 16 bis 17 Uhr. Deutsche Arbeitsfront. Die Arbeitsschule der DAF., die Ausbildungsstätte aller schaffenden Menschen, eröffnet am 15., 16. und 17. April in der Öffentlichen Handelslehranstalt, Liebigstraße, folgende Lehrgänge: , Deutsche Kurzschrift und Maschinenschreiben. Montag und Donnerstag: Deutsche Kurzschrift für Anfänger: 19.30 bis 20.15 Uhr und 20.15 bis 21 Uhr. Deutsche Kurzschrift — Redeschrift —, Anfänger: 21 bis 21.45 Uhr. Deutsche Kurzschrift — Schnellschreiben —, Uebun- gen 80 bis 120 Silben: 20.15 bis 2f Uhr. Maschinenschreiben für Anfänger: 19.30 bis 20.15 Uhr und 20.15 bis 21 Uhr. Dienstag und Freitag: Deutsche Kurzschrift für Fortgeschrittene: 19.30 bis 20.15 Uhr und 20.15 bis 21 Uhr. Deutsche Kurzschrift — Redeschrift —, Praktiker: 21 bis 21.45 Uhr. Deutsche Kurzschrift — Schnellschreiben —, Uebun- gen 120 Silben aufwärts: 19.30 bis 21 Uhr. Mittwoch: Maschinenschreiben — Fortbildung: 19.30 bis 21 Uhr. Maschinenschreiben — Praktiker: 21 bis 22.30 Uhr. Anmeldungen und Auskunft: Die Deutsche Arbeitsfront, Abteilung für Arbeitsführung und Berufserziehung, Kreiswaltung Gießen, Schanzenstraße 18, Zimmer 5 Die bcutlihe Rrbejtefront jl.S.-6emelnlwattdurch freuöc Ostermontag, 13. April, 15 Uhr, Vorstellung im Stadttheater „Krach im Hinter- h a u s". Auf vielseitigen Wunsch gelangt am zweiten Os^rfeiertag nochmals die Komödie von Maximilian Böttcher „Krach im Hinterhaus" zur Aufführung. Die Preise der Plätze find 1,30 Mark, 1 Mark, 0,80 Mark und 0,60 Mark. Karten sind in der Kreisdienststelle und an der Theaterkasse zu haben. Gehaltszahlung an Beamte noch vor Ostern. LPD. Die Zentralabteilung der Hessischen Landesregierung teilt mit: Wie der Reichs- und Preußische Minister des Innern im Einvernehmen mit dem Reichsminister der Finanzen mitteilt, ist es den Länderregierungen, Gemeinden und Gemeindeverbänden anheimgestellt, soweit es ihre Kassenlage zuläßt, die am 15. April fällige Rate der Angestelltenbezüge schon am 9. April auszuzahlen. Rechts- und Wirtschaftswissenschaften an der Universität Gießen. Von der Pressestelle der Universität Gießen wird uns mitgeteilt: Der juristische und wirtschaftswissenschaftliche Unterricht ist an der Universität Gießen in vollem Umfange aufgenommen worden. Das Institut für Wirtschaftswissenschaften konnte im vergangenen Semester neue, stark vermehrte Räume beziehen. In diesem Institut wird in Verbindung mit juristischen Oie modernste Kraststellwerksanlage. Das neue elektrische Befehlsstellwerk, das einzige seiner Art in Deutschland. DNS Das modernste deutsche Stellwerk wurde dieser Tage auf dem Mainzer Hauptbahnhof in Betrieb genommen. Durch den günstigen Standort des Gebäudes, das mitten im Brennpunkt des Verkehrs gelegen ist und in einer Länge von 12 Meter freischwebend über dem Schienengestränge errichtet wurde, ist eine unbeschränkte Uebersicht über die gesamten Bahnhofsanlagen erreicht worden. Die Weichen und Signale werden in diesem Stellwerk durch Umlegen kleiner Hebelgriffe gestellt, die auf einem tischförmigen Schalterwerk in vier Reihen hintereinander angeordnet sind. (DNB.-Heimatbilderdienst. Photos: Petri.) ** Der Omnibusverkehr nach dem Schiffenberg ist von morgen ab täglich im Gange. Man beachte die heutige Anzeige. ** 76 Jahre alt. Am heutigen Donnerstag, 9. April, kann Frau Witwe Margarete Lehmann, geb. ©teil), Kaplansgaffe 21 wohnhaft, in geistiger und körperlicher Frische ihren 76. Geburtstag begehen. ** Die Prämien der Gießener Pferde- Lotterie wurden am 2. April unter polizeilicher Aufsicht in Frankfurt a. M. gezogen. Sie fielen auf die Los-Rr. 2411 und Nr. 1370. Verfallfrist: 1. Juli 1936. ** Rheindampferfahrten ab Karfreitag. Mit dem morgigen Tage nimmt die Köln-Düsseldorfer Rheindampfschiffahrt ihre fahr- vlanmäßigen Fahrten wieder auf. Zunächst werden Die Schnelldampfer „Vaterland" und „Mainz" in Dienst gestellt, die täglich zwischen Mainz und Köln verkehren An Sonn- und Feiertagen werden außerdem noch Personendampfer eingestellt. Bereits am Karfreitag findet in diesem Jahr eine Sonderfahrt einer Münchener Reisegesellschaft von etwa 800 Personen von Mainz nach Koblenz statt. Siehe heutige Anzeige. Schöffengericht Gießen. Wegen Beleidigung des Arbeitsdienstes wurde ein junger Mann aus A. zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt. Der Angeklagte hatte am 5. Oktober 1935 in angetrunkenem Zustand Mitglieder des dortigen Arbeitsdienstlagers beleidigt, weil ihm die Brotlieferung für das Lager verweigert wurde. Wegen böswilliger und gehässiger Aeußerun- gen gegen den Führer wurde die Pauline R i e h m aus Gießen zu einer Gefängnis st rafe von 2 Monaten verurteilt. und versicherungs-mathematischen Vorlesungen ein zweisemestriger Kursus für „Diplom-Versicherungstechniker" abgehalten, zu dem Anmeldungen auch jetzt noch erfolgen können. Erstes Rundfunk-Militärkonzert aus dem freien Rheinland. Stabführung: Obermusikmeisier E. Krautze. Am heutigen Abend findet unter der Leitung von Obermusikmeister E. Krauß e im Städtischen Spiel- und Fefthaus zu Worms ein großes Militärkonzert statt. Es ist dies das erste Militärkonzert, das aus dem freien Rheinland vom Rundfunk übertragen wird. Das Konzert wird vom Frankfurter Sender übernommen. Den Rundfunkhörern in unserer Stadt ist dadurch die Möglichkeit gegeben, nach langer Pause wieder einmal Militär- mufik unter bewährter Leitung zu hören. Die lieber» tragung des Konzertes findet in der Zeit von 20 bis 22 Uhr statt. Ausschließung von Fahrpreis- ermäßiaunaen zu Pfingsten. LPD. Mit Rücksicht auf den auch in diesem Jahre zu erwartenden sehr lebhaften Reife- und Ausflugsverkehr zu Pfingsten werden die Fahrpreisermäßigungen für Verwaltungsfonderzüge, Gefellfchaftsfonderzüge und Gesellschaftsfahrten in der Zeit von Samstag, 30. Mai, 0 Uhr bis Montag, 1. Juni, 24 Uhr, ausgeschlossen. Ausgenommen von der Sperre bleiben die Gesellschaftsfahrten von und nach dem Ausland, sowie die Fahrpreisermäßigungen für Schul- und Jugendpflegefahrten. Bei der Fahrpreisermäßigung für die SA., SS. ufw. treten folgende Beschränkungen ein: In der Zeit von Freitag, 29. Mai, 0 Uhr bis Mittwoch, 3. Juni, 24 Uhr, ist die Benutzung von Eil-, D= und FD=3ügen durch Mitglieder der SA. und SS. ufw. zum ermäßigten Tarif auf Entfernungen bis 300 Kilometer nicht zugelassen. Sonderzüge zum 32-Tarif können ebenso wie Verwaltungs- und Gesellschaftssonderzüge im allgemeinen Verkehr, zu Pfingsten nicht gestellt werden. Kennst du die geschützten pflanzen unserer Heimat? Kürzlich erließ der Reichsforstmeister Hermann Göring eine wichtige Verordnung zum Schutze der wildwachsenden Pflanzen. Danach gibt es in Deutschland 24 vollkommen geschützte Planzenarten, die weder gepflückt, noch beschädigt werden dürfen. Außerdem stehen in unserer Heimatlandschaft auf Grund landesgesetzlicher Regelung noch weitere Pflanzen unter Naturschutz. Mit dieser gesetzlichen Regelung hat der neue Staat die jahrzehntelangen Bestrebungen der Naturschutz- und Wandervereine auf Erhaltung der Reichhaltigkeit und Mannigfaltigkeit der Heimat- natur anerkannt. Die Schule wird es nun als eine wichtige Aufgabe ansehen, die Jugend mit den geschützten Planzen unserer Heimat bekanntzumachen und sie zur Mithilfe bei der Erhaltung der im Verschwinden begriffenen Pslanzenarten anzuhalten. Aber auch alle erwachsenen Volksgenossen werden im eigenen Interesse gut daran tun, die durch Gesetz geschützten Pflanzen kennen, zu lernen, damit sie bei ihren Spaziergängen keinen Verstoß gegen das Naturschutzgesetz begehen; im Betretungsfalle schützt Unkenntnis nicht vor Strafe. Es wird daher von vielen Volksgenossen freudig begrüßt werden, daß der Landschaftsbund Volkstum und Heimat gerade jetzt, wo die Natur zu neuem Leben erwacht, mit zwei Veranstaltungen an die Öffentlichkeit tritt, die beide die Aufgabe haben, weitere Kreise mit den geschützten Pflanzen unserer Heimat bekanntzumachen. Am Mittwoch, 15. April, findet in der Aula des Gymnasiums ein Naturschutzabend statt, bei dem Dr. Heidt einen Lichtbildervortrag über „Die geschützten Pflanzen unserer Heimat" halten wird. Natur- und Heimatlieder, bargeboten vom Großschen Männerchor, und Gedichtvorträge werden den Abend bereichern Am Sonntag, 19. April, um 11 Uhr, zeigt dann Dr. Heidt die geschützten Pflanzen unserer Heimat in einer sehenswerten Photo- und Her- barium-Ausstellung im Botanischen Institut am Brandplatz. Die Photos wurden bei einem Photowettbewerb des hessischen Bildungsministeriums preisgekrönt. Anschließend an die Besichtigung der Ausstellung findet noch ein Gang durch den Botanischen Garten statt unter Leitung von Dr. Heidt. So wird unseren Volksgenossen Gelegenheit gegeben, die seltenen Pflanzen unserer Heimat in Wort, Bild, Herbarium und lebend im Garten kennen zu lernen. Ilm jedermann den Besuch der Veranstaltungen zu ermöglichen, wird beim Naturschutzabend und bei der Ausstellung freier Eintritt gewährt. Gießener Dochenmarktpreise. * Gießen, 9. April. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,55 Mk., Landbutter 1,42, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mk., Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, deutsche Handelsklassen-Eier Kl. S 11, Kl. A IOV2, Kl. B 10, Kl. C 9V2, Kl. D 9, ungezeichnete 8, Enteneier 9 bis 11, Wirsing, das Pfund 20 bis 25, Weißkraut 15 bis 18, Rotkraut 18 bis 20, Gelbe Rüben 10 bis 12, Rote Rüben 10 bis 12, Spinat 10 bis 15, Unterkohlrabi 8, Grünkohl 15, Feldsalat 80 Pf. bis 1 Mk., Tomaten 45 Pf., Zwiebeln 12 bis 14, Meerrettich 35 bis 70, Schwarzwurzeln 25 bis 35, Rhabarber 20 bis 25, Kartoffeln, das Pfund 5, 10 Pfund 45 Pf., der Zentner 3,70 bis 3,90 Mk., Aepfel, das Pfund 20 bis 50 Pf., Zwet- fchenhonig 40 bis 45, junge Hähne 90 Pf. bis 1 Mk., Blumenkohl, das Stück 25 bis 50 Pf., Salat 20 bis 35, Lauch 5 bis 10, Rettich 5 bis 20, Sellerie 10 bis 40, Oadieschen, das Bund 15 Pf., ♦ ** Die Dien st stunden bei den städtischen Dien ft ft eilen betrifft eine Bekanntmachung des Oberbürgermeisters in unserem heutigen Anzeigenteil, auf die besonders hingewiefen sei. ** Die Bezirksfparkafse Gießen gibt im heutigen Anzeigenteil bekannt, daß ihre Geschäftsräume am Ostersamstag geschloffen sind. (Siehe heutige Anzeige.) Der H. M. aus Friedberg wurde wegen fortgesetzten Betrugs und Unterschlagung zu 5 Monaten Gefängnis verurteilt. Der Angeklagte war als Revifionsbeamter beim Kreisamt in Büdingen tätig. In dieser Eigenschaft hatte er mit einem Kraftwagen die Gemeindekafsen mehrerer Orte zu kontrollieren. Bei einer Revision in Nieder-Mock- stadt lieh er sich von dem dortigen Marktrechner ca. 1000 RM. mit dem Versprechen, das Geld kurze Zeit später wieder zurückzugeben. Der Angeklagte hat jedoch bis heute das Geld noch nicht zurückbezahlt. Außerdem gab der Angeklagte in feinem Tagesgeldoerzeichnis den Besuch mehrerer Gemeinden an, »obwohl er an diesen Tagen dienstlich nicht unterwegs war. Auf diese Weise verstand er es, sich Tagesgelder und Reisespesen zu beschaffen, die ihm in Wirklichkeit nicht zustanden. Kleine (Sfraffamnwr Gießen. Die Kleine Strafkammer tagte am gestrigen Mittwoch im Gebäude des Amtsgerichts zu Lauterbach. Angeklagt war der 2l. T. aus Herbstein wegen fahrlässiger Körperverletzung und Uebertretung der Reichsstraßenverkehrsordnung. Der Angeklagte schnitt am 2. September v. I. mit seinem Lastkraftwagen die Kurve Kanalstraße-Steinweg in Lauterbach und verursachte auf diese Weise einen Zusammenstoß mit einem in entgegengesetzter Richtung kommenden Personenwagen Infolge des Zusammenstoßes wurde ein Beifahrer des Personenwagens verletzt. Der Angeklagte wurde vom Amtsgericht Lauterbach zu drei Wochen Gefäng- n i s verurteilt. Gegen dieses Urteil verfolgte er das Rechtsmittel der Berufung. Die Strafe wurde ae» ftern in 150 RM. Geldstrafe umgeroanbelt. Obecheffen. Zwei Schäfer eines Dorfes gleichzeitig verstorben. Bleichenbach (Kreis Büdingen), 8. April. Unmittelbar zur gleichen Zeit ftarben unsere beiden Gemeindeschäfer R 0 h l e d e r und Deck - mann. Beide schlummern jetzt nebeneinander den ewigen Schlaf. D e ck m a n n , der letzte Kriegsveteran unserer Gemeinde von 1870/71, stand fünfzig Jahre im Dienste der Gemeinde, R 0 h l e d e r , ein Badenser, diente der Gemeinde nach der Ruhestandsoersetzung des ersteren! In seltener Treue versahen beide ihr Amt. Landkreis Gießen Wiese ck, 8. April. Die Vorfrühlings-- spritzung der Dbftbäume mit Obstbaumkarbo- lineum ist in diesen Tagen beendet worden. Behandelt wurden die Baumanlagen rechts der Marburger und links der Alten-Busecker Straße, insgesamt rund 2300 Bäume. Neben dem aufsichtführenden Spritzmeister Baumwart Ludwig Haas fanden noch vier weitere erwerbslose Volksgenossen für einige Wochen Verdienst. Als besonders lobenswert muß das Entgegenkommen der diesigen Landwirte und Fuhrwerksbesitzer hervorgeyoben werden, die auf Anregung des örtlichen Fachwarts für Obstbau und der beispielgebenden Haltung des landwirtschaftlichen Fachberaters H. Rodenhaufen das Anfahren des notwendigen Wassers völlig unentgeltlich besorgten. Die dadurch erreichte nennenswerte Verbilligung kommt der Allgemeinheit zugute und wird sich in der Höhe der Ausschlagsätze für die drei Größenklassen der behandelten Obstbäume auswirken. Da die Witterung während der Durchführung der Spritzmaßnahmen außergewöhnlich günstig waren, wird der Erfolg besonders augenfällig werden. Zur gegebenen Zeit werden die fälligen Sommerspritzungen mit Kupferarsenpräparaten zur Durchführung gelangen. * Heuchelheim, 9. April. Die NS-Gemein- schaft „Kraft durch Freude" veranstaltet am Ostersonntag, 12. April, 20.30 Uhr, einen Groß- Variets-Abend in der Turnhalle. Der Eintrittspreis beträgt 0,60 Mark. OO Klein-Linden, 8. April. Wie in den verflossenen Jahren, so wurde auch im letzten Winter an bedürftige Schulkinder täglich ein warmes Frühstück verabreicht; es bestand aus einem Viertel Liter Milch oder Kakao. Die Speisung wurde an 64 Tagen durchgeführt, vierzig Kinder wurden täglich versorgt. Die Milch lieferte die Milchoerteilungsstelle Klein-Linden für den Preis von 0,18 RM. pro Liter. Die Gefamt- foften der Schulspeisung belaufen sich auf 150,02 RM., wovon die NSV. und die Kreisfürsorge einen großen Teil bezahlten. Den Restbetrag trug die Gemeindekasse. Die Leitung der Speisung lag in den Händen eines Lehrers unserer Volksschule. ♦ Klein-Linden, 8. April. Am kommenden Samstag, 11. April, feiern die Eheleute Landwirt Philipp Jung XIII. und Frau Elisabeth, geborene Weigel, Wetzlarer Straße 22, das Fest der goldenen Hochzeit. Herr Jung ist 78 Jahre alt, seine Frau 75 Jahre. Beide Ehegatten sind für ihr hohes Alter noch verhältnismäßig recht rüstig. Von ihren sieben Kindern find noch vier, drei Söhne und eine Tochter, am Leben. Ferner können noch vier Enkel und vier Enkelinnen sich an der Gesundheit ihrer Großeltern erfreuen. * Klein-Linden, 9. April. Heute morgen gegen 7 Uhr ereignete sich hier in der Frankfurter Straße durch das Zusammentreffen mehrerer un- alücklicher Umstände ein Derkebrunfall. Ein Radfahrer, der auf dem Weg nach Gießen war, fuhr mit einem Motorradfahrer zusammen. Der Unfall kam dadurch zustande, daß dem Radfahrer durch die Rauchentwicklung an einem anfahrenden Lastzug die Sicht beeinträchtigt war, außerdem zu gleicher Zeit ein Fuhrwerk die Straße auf gleicher Höhe mit dem Lastkraftwagen passierte und schließlich auch noch der Motorradfahrer hinzukam. Der Radfahrer stürzte schwer und erlitt Verletzungen an Knien und Schulter. Ein sofort herbeigerufener Arzt ließ ihm erste Hilfe angedei- hen. Der Motorradfahrer wurde nicht verletzt. Das Fahrrad des Verunglückten wurde beschädigt. * Großen-Linden, 9. April. Am Ostersonntag, 12. April, 20.30 Uhr, findet im Saale Schaum ein Gastspiel der Oberbayrischen Heimat- bühne durch die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" statt. Es gelangt „Der Ehestreit", eine Bauernposse in drei Akten von I. Pohl, zur Aufführung. In den Pausen werden Schuhplattler und Steirer Figurentänze gezeigt. Die Eintrittspreise betragen 0,50 bis 0,80 Mark. $ Lang-Göns, 8. April. Während vor dem Kriege hier zwei Schafherden gingen, ist es heute nur noch eine. Durch die fördernden Maßnahmen der Reichsregierung ist der Schafbestand in den letzten Jahren dauernd gestiegen, so daß heute vom Schäfermeister Debus über 3 0 0 Schafe betreut werden. Als Hauptrasse ist hier das schwarzköpfige Fleischschaf vertreten. Seit einigen Tagen verbleibt die Herde nachts über im Pferch. O Trais-Horloff, 7. April. Dieser Tage hielten die F r a u e n h i l f e n in Trais-Horloff und Utphe ihren Abschlußabend. Zum ersten Mal wurde er auch hier in Gestalt eines gemütlichen Beisammenseins mit Kaffee und Kuchen begangen. Der Ortsgeistliche hielt eine kurze Ansprache, in der er der Hoffnung Ausdruck gab, daß die Arbeit der Frauenhilfe auch weiterhin gedeihen, vor allem der Zusammenhalt in der Gemeinschaft des Glaubens noch stärker werden möchte. Bei Gesang und launigen Vorträgen blieb man etliche Stunden in froher Stimmung beisammen. Eine besondere Freude für alle Mitglieder war es, daß die Frauenhilfe des Kirchspiels zu Ostern einen neuen Teppich für die Kirche stiften konnte. > Odenhaufen a. d. Lumda-, 8. April. Die Reichslistensammlung am vorigen Samstag und der Verkauf der Schmetterlinge für die NSV. ergaben hier den Betrag von insgesamt 17 RM., für unser kleines Dorf gewiß ein schöner Betrag. fefMagenheschwerdenuSodbrennen Bullwch-Scilz. TbT'lo^g. — Von der Winterweide im Odenwald kommend, trifft Öen Schäfer mit seiner Herde wieder hier ein, nachdem er bereits im vergangenen Jahre die Hütung für 500 RM. gepachtet hatte. Der diesjährige Pachtzins beträgt 550 Reichsmark. O Keffelbach , 8. April. Die hiesige Spar- und Vorschußkasse hielt ihre Generalversammlung über das 57. Geschäftsjahr (1935) bei Mitglied Joh. Höchst ab. Direktor Schmidt begrüßte die zahlreich erschienenen Genossen, besonders den einzigen noch lebenden Gründer und langjährigen Vorstandsmitglied Wilhelm Becker IV., welcher trotz seiner 87 Jahre noch regen Anteil an dem Geschäftsgang des Instituts nimmt. Vor Eintritt in die Tagesordnung wurde der im letzten Jahre verstorbenen Mitglieder gedacht. Der von dem Rechner erstattete Geschäftsbericht behandelte zuerst die allgemeine wirtschaftliche Lage, deren ständige Aufwärtsentwicklung die Voraussetzung für den besseren Geschäftsganaund damit die günstige Entwicklung der Kasse sei. Man könne feststellen, daß das Vertrauen zu der Kasse im besonderen und zur Wirtschaft im allgemeinen in starkem Maß wiederge- kehrt sei, was die zunehmende Steigerung der Einzahlungen auf Spareinlagen deutlich beweise. So sei in diesem Jahre zum ersten Male seit der Krisenzeit wieder ein erheblicher • Ueberschuß der Einzahlungen auf Spareinlagen vorhanden. Der Gesamtumsatz betrug 3 067 000 Mark. Die Bilanz weist in Aktiva und Passiva 657 810,98 Mark aus. An fremden Geldern sind der Kasse anvertraut 544 543 Mark. An eigenem Kapital besitzt die Kasse 48 840 Mark. Geschäftsanteile 32 540 Mark. Der Mitgliederstand ist 312 mit 319 Geschäftsanteilen und 319 000 Mark Haftsumme. Die Gesamtausleihungen betragen 592 600 Mark; diese verteilen sich wie folgt: in lfd. Rechnung 268 000 Mark gegen Hypothek 287 600 Mark, gegen Schuldschein 37 000 Mark. Die Neuausleihungen im Laufe des Geschäftsjahres betrugen 61000 Mark. An Spareinlagen betrug die Rückzahlung 58 000 Mark. Der größte Teil dieser Gelder wurde für Bauhandwerker und sonstige wirtschaftliche Bedürfnisse benötigt, so daß dieser Betrag, der zunächst in der heimischen Wirtschaft umlief, auch darüber hinaus zum Zwecke der Arbeitsbeschaffung diente. Die übrigen Punkte der Tagesordnung fanden ihre geschäftsmäßige Er- lebigung. Der Revisionsbericht, welcher befriedigend war, wurde zur Kenntnis genommen. Vorstand und Aufsichtsrat wurde Entlastung erteilt. Die ausscheibenden Vorstands- und Äufsichtsratsmitglieder wurden wiedergewählt. Unter Verschiedenes wurden noch einige geschäftliche Anfragen beantwortet und von dem Vorstand auf den Zweck des Sparens besonders hingewiesen. Das frühere Vorstandsmitglied und Mitbegründer der Kaffe Wilhelm Becker IV. wachte noch einige Ausführungen und ermahnte die Mitglieder, dem Institut auch in Zukunft die Treue zu halten. Hierauf wurde die Versammlung von dem Leiter mit einem packenden Schlußwort und dreifachem Sieg-Heil auf den Führer geschlossen. Kreis Friedberg. * (3 a m b a d), 7. April. In der Gastwirtschaft von Heinrich Müll hielt der hiesige Gesangverein seine Generalversammlung ab. Nach einem Liede erstattete der erste Vorsitzende Friedrich N ä ck den Jahresbericht. Die Arbeit des Vereins im vergangenen Jahre war sehr rege. Man hatte im Sommer vorigen Jahres einen Ausflug nach Main- Stockheim (dem Geburtsort des Vorsitzenden) unternommen und war dort sehr gastfreundlich ausgenommen worden. Der Verein beteiligte sich am Wertungssingen in Steinfurth und trat im Winter mit einem Konzert an die Öffentlichkeit. Der Rechner K. Alles erstattete den Kassenbericht, der einen erfreulichen Stand auswies. Der seitherige Vorsitzende wurde einstimmig wiedergewählt. Für den kommenden Sommer ist ein Ausflug nach Wörrstadt in Rheinhessen geplant. Die Versammlung wurde ist der üblichen Weise geschlossen. Kreis Schotten. □ Laubach, 8. April. Die Eiersammlung, die in der vergangenen Woche für das Winterhilfswerk durch den BDM. durchgeführt wurde, erbrachte hier das schöne Ergebnis von 1076 Stück. — Die am Samstag oorgenommene Listensammlung für „M utter und Kind" ergab 107,25 RM. Durch den Verkauf von Schmetterlingen wurden am Sonntag 101,25 RM. erzielt. # Groß-Eichen, 7. April. Bei der hiesigen Eiersammlung wurden 223 Eier für das Winterhilfswerk abgeliefert. Die Sammluna für das Winterbilfswerk „Mutter und Kmd^ der NSV. brachte 17,40 RM. Die Reichsstraßensammlung tarn nicht zur Durchführung; denn als bekannt wurde, daß für Groß-Eichen nur 7 0 Schmetterlinge zugeteilt waren, setzte sofort ein wahrer Sturm zur NSD.-Stelle ein. Jedermann wollte einen Schmetterlina haben. Es war auf diese Weise rasch ausoerkauft. — Am Samstagabend fand hier im alten Schulsaale eine Bauernversammlung statt. Es gab eine eingehende Beratung über die Schaffung einer Jungviehweide. Endgültig wurde Rotlehnen unterhalb des Sportplatzes zum Weideplatz gewählt. Die zur Umzäunung nötigen Pfähle und Stangen werden durch die Ortsbauernschaft geliefert. Die Arbeiten werden kostenlos durckgeführt. Jedes Haus stellt einen Mann zur Mitarveit. Mit der Einzäunung wird noch in diesem Monat begonnen. Lehrer Becker teilte im Laufe der Versammlung mit, daß die NSV. die Absicht habe, schulentlassene Kinder, die keine Lehrerstelle haben, auf dem Lande unterzubringen. 15 Familien haben sich bisher bereit erklärt, Kinder aufzunehmen. Kreis Alsfeld. l. Deckenbach, 8. April. Der Altoeteran und Invalide aus dem Kriege 1870/71 Georg Kornmann kann am ersten Ofterfeiertag feinen 9 0. G e - b u r t s t a g begehen. Er ist der zweitälteste Einwohner unseres Ortes. Der Jubilar hat seiner Militärdienstpflicht bei der 6. Kompanie des JR. 116 genügt und an den Schlachten von Mars-la-Tour und Gravelotte teilgenommen. — Dieser Tage feierte der Einwohner Ludw. Reuter seinen 78. Geburtstag. Preußen. Kreis Wehlar. # Wißmar, 7. April, Heute kamen in unserer Gemarkung die durch die Waldrodung entstandenen nutzbaren Grundstücke zur Verpachtung. Die Größe jedes Stückes beträgt 25 Ar. Diele Interessenten hatten sich eingefunden. Je Stück wurden 12 bis 20 Mark gefordert. Besseres Gelände kostete 30 Mark. Die Landstücke werden auf die Dauer von sieben Jahren verpachtet. Im ersten Jahre braucht der Pächter kein Pachtgeld zu bezahlen, da die Grundstücke noch viel Arbeit erfordern. Im zweiten Jahre sollen Hackfrüchte gebaut werden, während im dritten Jahre der ganze Plan mit vorgeschriebenen Gräsern angesät werden soll. Der Samen wird zunächst durch die Gemeinde bezogen und zum Selbstkostenpreis an die Pächter abgegeben. 0 Höckelheim, 7. April. In der jüngsten Gemeinoeratssitzung wurde der Haushaltplan der Gemeinde beraten. Der Plan schließt in Einnahme und Ausgabe mit 77 215 RM. ab. Im einzelnen find vorgesehen an Ausgaben: für die allgemeine Verwaltung 3255 RM., Polizeiwesen 1040 RM., Schulwesen 6730 RM., für die Volks- und Heimatpflege 2930 RM., das Wohlfahrtswesen 5203 RM., das Straßenwesen 5000 RM., für die Gemeindebetriebe 28 450 RM., die Finanzverwaltung 19 692 RM., für besondere Wirtschaftsförderung 3320 RM Die Einnahmen aus den Gemeindebetrieben sind veranschlagt mit 22 235 RM. und aus der Gemeindeumlage mit 49 010 RM. Die Gemeindeumlage wurde festgesetzt auf 325 v. H. der Grundoermögenssteuer 1 und 2, und 375 v. H. der Gewerbeertrags- und Gewerbekapitalssteuer. Im außerordentlichen Haushaltsplan sind 28 400 RM. bereitgestellt für die Schuldentilgung. Ein Teil des Geldes ist auf einem Fonds bereits angesammelt. Die Gesamtsumme soll am 1. Oktober 1936 zur Schuldentilgung verwandt werden. # Großrechtenbach, 7. April. Die G e« meinberäte befaßten sich in ihrer letzten Sitzung mit dem Haushaltsplan 1936. Der Haushaltsplan wurde in Einnahme und Ausgabe auf 45 662 RM. festgestellt. Die Gemeindeumlage wurde auf 350 v. H. der staatlichen Steuer vom Grundvermögen und 400 v. H. der Gewerbeertragsund Gewerbekapitalssteuer festgesetzt. Die Biersteuer soll nach dem einfachen Satz erhoben werden. Der Schulkeller soll in diesem Jahre gas- und splittersicher ausgebaut werden. Die Kirche soll innen renoviert werden. Ein Betrag von 500 RM. wird zur Verfügung gestellt. Kirche und Schule. Landkreis Gießen. I Hausen, 7. April. Am Sonntag Palmarum fand die Konfirmation statt. Es wurden zehn Kinder konfirmiert, drei Knaben und sieben Mädchen. Pfarrer Steiner gab in seiner Ansprache den Konfirmanden das Wort der Schrift mit: Kolosser Kapitel 2, Vers 18: „Lasset euch durch niemand das Ziel verrücken". I Garbenteich, 7. April. In der festlich geschmückten Kirche fand am vergangenen Sonntag Die Konfirmation statt. Es waren elf Knaben und vier Mädchen. Der Geistliche richtete ernste mahnende Worte an die jungen Menschen, das Bild des Konfirmationsscheines feiner Ansprache zugrunde legend. <£ Reiskirchen, 8. April. Am vorigen Sonntag fand in unserer Kirche die Konfirmation von fünf Knaben und elf Mädchen statt. Es sind dies: Theodor Mobus, Wilhelm Damm, Ferdinand Damm, Heinrich Jünger, Richard Döring, Hildegard Dietz, Margarete Stumpf, Hermine Dietrich, Luise Petri, Marie Damm, Marie Nürnberger, Luise Launspach, Luise Müller, Johanna Schäfer, Else Stiehler, Ottilie Stark. § Wirberg, 7. April. Am Sonntag Judica fand, wie alljährlich, in der hiesigen Kirche die Vorstellung der diesjährigen Konfirmanden des Kirchspiels Kirberg mit den Orten Beltershain, Göbelnrod, Harbach und Reinhardshain statt. Sie wurden am vergangenen Palmsonntag konfirmiert, und zwar 32 Kinder, 17 Knaben und 15 Mädchen. Ihre Namen sind: Aus Beltershain: Heinrich Klos, Adolf Hornmann, Heinrich Römer, Emst Schäfer, Heinrich Margolf, Walter Bocher, Frieda Launspach, Emilie Hartmann, Irma Rühl. Aus Göbelnrod: Erich Becker, Karl Weber, Otto Velten, Heinrich Schmidt, Heinrich Lipp, Johanna Erd, Erna Schomber, Elisabeth Thorner, Susanna Vollhardt. Aus Harbach: Karl Häuser, Heinrich Schmidt, ßubroig Münch, Elfriede Münch, Paula Münch. Aus Reinhardshain: Rudolf Hermann, Aloert Menz, Otto Becker, Erna Buchner, Irmgard Gieß, Erna Jakob, Marie Menz, Irene Steyh, Brunhilde Müller. Pfarrverwalter Volz legte seiner Konfirmationsrede Joh. 6, 66—69 zugrunde. Die Namen der Konfirmanden von Veits- v e r g - S a a s e n mit B o l l n b a ch , die am Sonntag Judica in der Veitsberger Kirche vorgestellt wurden und am 2. Ofterfeiertag dort konfirmiert werden, sind: Heinrich Schmitt, Heinrich Leib, Wilhelm Kautz, Erna Schäfer, Erna Müller. cx) Eberstadt, 7. Aprll. Am Sonntag sand In unserer Kirche die Feier der Konfirmation statt. Es wurden neun Knaben und zwei Mädchen eingesegnet. Nach der Feier legten die Konfirmanden am Grabe einer Schulkameradin einen Kranz nieder. Q Trais-Horloff, 7. April. Am Palm- sonntag fand auch in hiesiger Pfarrei die Konfirmation statt. Es war eine stattliche Anzahl Kinder, die aus den drei Dörfern des Kirchspiels zur Einsegnung kamen. Aus Trais-Horloff 5 Buben und 8 Mädchen, Utphe 5 Buben und 9 Mädchen, Inheiden 9 Buben und 5 Mädchen, zusammen 19 Buben und 22 Mädchen. Die Kirche erwies sich fast als zu klein, die Zahl der Befucker zu fassen, lieber 300 Besucher nahmen an Der Feier des hl. Abendmahls teil. Kreis Friedberg. pb. Butzbach, 7. April. Am Palmsonntag fand hier die Konfirmation von 83 Kindern, 39 Jungen und 44 Mädchen, statt. Kreis Schotten. □ Laubach, 8. April. Am Sonntagvormittag fand im geschmückten Gotteshause die feierliche Einsegnung von 29 Konfirmanden (13 Knaben und 16 Mädchen) durch Pfarrer Schmidt statt. Kreis Büdingen. 8 Nidda, 7. April. Die Zahl der Konfirmanden im abgelaufenen Schuljahre hat sich im Vergleich zu den Vorjahren wiederum erhöht und nähert sich nun allmählich den Dorkriegsjahren. Am Sonntag wurden 35 Knaben und 31 Mädcken aus unserem Kirchspiel von Pfarrer Koch konfirmiert. Zu dem Kirchspiel gehören außer Nidda die Gemeinden Bad Salzhausen, Kohden, Michelnau und Unter-Schmitten. Kreis Biedenkopf <£ Nieder-Weidbach, 8. April. In diesem Jahre wurden in unserer Gemeinde 5 Knaben und 14 Mädchen aus der Schule entlassen. Diese Zahl der Schulentlassungen wurde bisher nie erreicht. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Gründonnerstag, den 9. April. Albach. 20 Uhr: Passionsgottesdienst. — Wahen- born-Steinberg. 20: Abendmahl für ältere Eheleute. Karfreitag, den 10. April. Wieseck. 9.30 Uhr: Hauptgottesdienst; Kollekte; Feier des hl. Abendmahls. — Allen-Buseck. 10: Gottesdienst; Kollekte 13: Gottesdienst. — Steinbach. 10: Gottesdienst; hl. Abendmahl. — Albach. 12.30: Gottesdienst; Kollekte. — Rödgen. 10: Gottesdienst; Kollekte. — Annerod. 13: Gottesdienst; Kollekte. — Kirchberg. 10: Gottesdienst. — Lollar. 10: Gottesdienst; hl. Abendmahl für die alten Gemeindemitglieder. — Klein-Linden. 10: Gottesdienst; Kirchenchor; 11.15: Kindergottesdienst; 13.30: Feier des hl. Abendmahls, anschließend Hausabendmahle. — Garbenteich. 13: Gottesdienst. — hausen. 10: Gottesdienst. — Lich. 9.30: Stiftsdechant Kahn; Chorschule; Kirchenchor; Kollekte; 14: Stiftspfarrer Naumann; Kollekte; 17: Liturgischer Gottesdienst. — Rieder-Bessingen. 9.30: Stiftspfarrer Naumann; Kollekte. — rNünzenberg. 11: Gottesdienst; Feier des hl. Abendmahls für die Alten; Kollekte für das Syrische Waisenhaus; 17: Gottesdienst; Beichte für die Mittleren und Konfirmanden mit Eltern; Kollekte für das Syrische Waisenhaus. — Trais-Rlünzenberg. 9: Gottesdienst; Kollekte für das Syrische Waisenhaus; 17: Konfirmandenbeichte in Münzenberg. — Hungen. 10: Gottesdienst; nachmittags Hausabendmahle; 20: Gottesdienst. — IBirberg. 9.30: Gottesdienst; Feier des hl. Abendmahls für die Jugend; Kollekte. — Beltershain. 13: Gottesdienst; Feier des hl. Abendmahls für die Jugend; Kollekte. — Beits- berg. 19: Gottesdienst; Feier des hl. Abendmahls für die Jugend; Kollekte. — Großen-Bnfeck. 10.30: Gottesdienst; Kollekte; 11.30: hl. Abendmahl. — Oppenrod. 8.30: Beichte; 8.45: Gottesdienst; hl: Abendmahl. — Watzenborn-Steinberg. 10: Gottesdienst; hl. Abendmahl für die alten Leute. — Langsdorf. 11: Hauptgottesdienst; Kollekte; 20: Abendmahlsfeier für die jüngeren Verheirateten. — Bettenhausen. 13.30: Hauptgottesdienst; Kollekte. — Heuchelheim. 10: Hauptgottesdienst unter Mitwirkung des Kirchenchores. Evangelische Stadtmission, Loberstraße 14. Karfreitag, den 10. April. 20.15 Uhr: Passionsfeier. Reuapostolische Gemeinden, Händelstraße 1 und Ederstraße 13. Karfreitag, 10. April. 9.30 Uhr: Gottesdienst. Gemeinschaft innerhalb der Kirche (Landeskirchliche Gemeinschaft), Gutenberastraße 9. Karfreitag, 10. April. 20.30 Uhr: Evangelisationsstunde. Baptistengemeinde, Gartenstraße 13. Karfreitag, den 10. April. 9.45 Uhr: Predigt. katholische Gemeinden. Freitag, den 10. April. Karfreitag. Gießen. 7.30 bis 18 Uhr: Anbetungsstunden in der Kapelle; 9: Verstörte Messe mit Predigt; 18: Andacht. — Hungen. 13: Predigt; Kreuzwegandacht. — Laubach. 15: Messe; Predigt; Kreuzwegandacht. — Lich. 9: Verstörte Messe und Predigt; 20: Kreuzwegandacht. — Ridda. 8.15: Verstörte Messe. Samstag, den 11. April. Karsamstag. Gießen. 7 Uhr: hl. Weihen; 8.30: Hochamt; von 16 bis 19.30 Uhr wird ein fremder Priester Beichte hören. — Lich. 6.30: hl. Weihen; Hochamt; 20: Beichtgelegenheit. — Ridda. 8.15: Hochamt. Oefsentlicher Sonntagsdienst. Polizei: Telefon 2751, nur in dringende« Notfällen Telefon 01. Feuerwache: Telefon 2244/45, Notruf Telefon 02. Hauptpostamt: Beschränkter Schalterdienst 8 bis 21 Uhr. Stadtpostamt: Für Schließfachabholer 7 bis 13 Uhr. Sanitätskolonne: Telefon 2500. Aerzte: Dr. Geyer, Dr. Mehl. Zahnarzt: Dr. Haubach. Apotheke: Pelikan-Apotheke. NIVEA mild, leicht schäumend, ganz wundervoll im Geschmack Z2O Die Tippgräfin. Roman von Klothilde v (Stegmann Urheberrechtsschutz: Auswärts-Verlag, Berlin, SW 68. 34 Fortsetzung. Nachdruck verboten! „Unmöglich!" fuhr Prinz Bonaglia auf. „Aber doch, es muß so sein. Wie sollte ein Totenschein von mir überhaupt vorhanden sein? Erzähl mir! Berichte! Um Gottes willen, sollte ich mich so in Annina getäuscht haben?" „Ich sehe den Schein noch deutlich vor mir", sagte Heßling schwer. „Er schien ordnungsgemäß ausgestellt. Aber weißt du, woran ich die Fälschung erkannt habe? Er war auf einem Papier geschrieben, das ein bestimmtes Wasserzeichen trug. Dies Wasserzeichen kannte ich zufällig. Es war das Zeichen einer bestimmten Fabrik, die nur kurze Zeit bestanden hat; diese Papierfabrik wurde aber erst drei Jahre, nachdem dieser angebliche Totenschein ausgestellt war, gegründet. Wenn die Fabrik aber damals noch nicht existierte — wie konnte dieser Schein auf dieses Papier geschrieben sein?" „Aber zu welchem Zweck?" fragte Bonaglia ton- los. „Zu welchem Zweck diese Fälschung?" Statt einer Antwort fragte Heßling: „Erst gib mir Auskunft über etwas anderes, Vater! Gehört der kostbare Familienschmuck, mit dem Frau von Gellern bei jeder Gelegenheit maßlos prunkte, ihr oder der Prinzessin di Bonaglia?" Der Prinz taumelte zurück, als habe er einen Schlag empfangen. „Um aller Heiligen willen, sag mir eins — Denn mir verwirren sich schon meine Gedanken: Wie alt ist mein Kind?" „Vor einigen Monaten hat sie ihren einundzwan- zlgsten Geburtstag gefeiert." „Wußte Mariella nichts, gar nichts darüber, daß der Schmuck i h r gehörte? Befaß sie keinen Schlüssel zu der Kassette? Erhielt sie von ihrer Pflegemutter kein Schreiben an ihrem siebzehnten Geburtstage ausgehändiat?" Er taumelte. Mitleidig sprang Heßling zu Hilfe. Doch schon hatte sich der Prinz wieder in Der Gewalt. „Nichts händigte Frau von Gellern der Prinzessin aus. Im Gegenteil. Sie hat mir ein phantastisches Märchen aufgetisckt von irgendeinem unbekannten Mann in Neapel, Der Näheres über den gestohlenen Familienschmuck Der Bonaglia wüßte. Sie behauptete, sie hätte diesem Mann nachspionieren lassen. Aber natürlich nichts entdeckt. Das alles war also nur gemacht, um selbst Besitzerin des Schmucks zu werden." „Mein armes liebes Kind, was hat man ihm angetan!" Walter streichelte leise die Hand des Erregten: „Und weiter, Vater! Hast du jemals versucht, über Timbuktu eine Nachricht nach Berlin gelangen zu lassen?" „Gewiß. Durch einen mohammedanischen Händler. So hat er also sein Versprechen gehalten?" „Das hat er wohl. Doch auf Grund dieses Schreibens, durch das du wohl um Rettung flehtest und genau angabst, wo du zu finden seiest, hat die ränkevolle Frau von Gellern dich für tot erklären lassen. Denn wenn du zurückkamst, Vater, mußte sie dir den Schmuck wieder aushändigen — den Schmuck, der ihr hoher stand als ein Menschenleben." „Oh, ich verstehe alles! Was muß mein Kind erduldet haben! Hat Mariella wenigstens eine anständige Erziehung genossen?" „Das hat sie bestimmt. Und wie Frau von Gellern immer wieder betonte, hat sie persönlich aus eigener Tasche diese Erziehung bestritten, dem verstorbenen Jugendfreunde zuliebe." „Lüge — Lüge auch Das!" Der Prinz zitterte vor Schmerz und Empörung. „Walter, wir fliegen mit Deiner Maschine sofort nach Deutschland. Jlaro lasse ich solange hier. Pe- pito Arlesi wird für sie sorgen. Jlaro muß sich sowieso hier erst langsam an die veränderte Lebensweise, die ihr in Europa bevorsteht, und den Klima- wechsel gewöhnen. Pepito wird sie nach seiner Hei- lung im Luftschiff mit zurückbringen. Wir beide müssen zu Marietta!" Aber als die „Speranza I" am nächsten Morgen aufstieg, blieb einer der Passagiere in wildem fieber im Luftschiff zurück: Giovanni Di Bonaglia lag an einem Malariaanfall darnieder, der fein Leben bedrohte. Walter Heßling wäre am liebsten, so schnell es gegangen wäre, nach Deutschland zurückgekehrt. Er hatte ja eine große Aufgabe vor sich: Mariella auf die Wiederkehr Des totgeglaubten Vaters oorzube- reiten und sie aus Den Händen Anninas zu befreien, sofern sie noch bei ihr im Hause weilte. Dann Die Ansprüche Mariellas auf Den Familienschmuck, den Annina als den ihren ausgegeben, zu vertreten. Doch auch ihn hielten im Augenblick die Erkrankung Bonaglias und Pepitas fest. Pepito Arlesi schimpfte wie ein Rohrspatz über seinen Unfall, der die Rückreise nach Europa verhinderte. Er hatte fürs erste genug von Den Tropen. Es war für feinen Wirt nicht leicht, ihn bei guter Laune zu erhalten. Aber heute hatte er etwas, was Den ungeduldigen Patienten sicher ablenken würde. „Hier habe ich etwas für Sie, Mister Arlesi", sagte er eines Morgens zu seinem Gaste, an den Liegestuhl auf die Veranda tretend. „Aber Vorsicht, bitte!" Verständnislos sah Pepito Arlesi auf das Ei, das der junge Farmer ihm reichte. „Was für Dummheiten, Ronald! Ich habe heute bereits drei Eier zum Frühstück gegessen. Und dies hier ist ja außerdem leer." „Ich habe es ausgeblasen", sagte der junge Far- mer. „Aber die Schale habe ich erhalten. Schauen Sie nur!" Pepito Arlesi schaute näher hin. Plötzlich sagte er begeistert: „Donnerwetter!" Sein Blick ruhte auf einem Ei, auf das der entzückendste Mädchenkopf aufgemalt war, den man sich nur Dorfteilen konnte. „Wo haben Sie das her?" „Aus einer Kiste mit Bruteiern, die aus Deutschland stammt; ich habe sie bestellt gehabt, als ich drüben war. Ein netter Scherz — hab' ich mir gleich gedacht; das ist etwas für Sie, Arlesi!" Pepito war noch immer fassungslos: „Waren denn alle Eier in der Kiste bemalt?" „Gott sei Dank, nein", lachte Errett, „nur das einhundertste! Smarte Frau übrigens. Denn die Kiste brauchte nur hundert Eier zu enthalten. Ihr Porträt soll also anscheinend nicht ausgebrütet werden." Doch Arlesi hatte nur die beiden Worte „Smarte Frau!" begriffen. Ob das wundervolle Mädel auf dem Ei wohl schon einem anderen. Glücklicheren gehörte, als er es war? Wie konnte man sich nur Darüber, Tausende von Meilen von der Kultur entfernt, Gewißheit verschaffen? Als der Herzog Der Abruzzen nach Italien zurückflog, trug er ein Schreiben bei sich. Das er sofort weiterzubeförDern versprach, sowie er Den Fuß auf Den HeimatboDen fetzte. Es war gerichtet an: „Frau Lore Ankermann, Geyerburg an Der Elster, Sachsen" — Denn so lautete Die ADresse des Absenders der Eierkiste. Nur das „Frau" hatte Pepito eigenmächtig hinzugefetzt. In Dem Briefe aber bat er, ihm Näheres über die schöne blonde Dame mitzuteilen, in deren Porträt er sich auf den ersten Blick verliebt habe. 22. Kapitel. Der Engel vom Barnim. Nur noch ein Monat trennte Die kleine Princi- pessa von ihrer Rückkehr in die Freiheit. Und für diese letzten vier Wochen hatte sie sich zum Küchendienst gemeldet. Seit jenem Tage, an Dem Die Hilde über Den Abschied von Doktor Heßling gesprochen, war ein Umschwung in Mariella vorgegangen. Die dumpfe Qual, die zuerst von ihr Besitz ergriffen, als sie sich krank gemeldet und in ihre Zelle getaumelt war, um über das alles nachzudenken, was sie gehört, war bald ruhigerer Üeberlegung gewichen. Zuerst konnte sie sich von Dem Gedanken nicht frefe machen, ein zweites Menschenleben auf Dem Gewissen zu haben; Denn sie kam von Dem Wahn nicht los, an Hagens Selbstmord schuldig zu sein. Allmählich begann sie wenigstens Die Dinge, Die Doktor Heßling betrafen, in einem anderen Lichte zu sehen. Nein, sie war nicht schuld an feinem Untergang; niemand konnte das behaupten. Hatte er ihr doch niemals von Liebe gesprochen, dieser Mann, dessen Zartheit und Güte sie stets bewunderte. Oft genug war ihr der Gedanke gekommen, wie glücklich eine Frau sich an Der Seite eines solchen Mannes fühlen müsse. Aber daß sie es hätte sein können, war ihr niemals in Den Sinn gekommen. (Fortsetzung folgt!) STADTTHEATER GIESSEN Intendant: H. Schultze-Griesheim UNSER OSTER-SPIELPLAN Oster - Sonntag, den 12. April: Anfang: 19 Uhr Ende: 22 Uhr Erstaufführung Tiefland Oper von Eugen d’Albert Außer Abonnement Preise von 0.50 bis 3 RN. --1 Bahn-Radrennen Ostermontag, den 13. April 1936 auf dem Waldsportplatz des VfB.-Reichsbahn Beginn nachmittags 3 Uhr Fliegerrennen, Punktefahren,50 km Mannschaftsrennen Fahmer-Schmuck das entzückende, beglückende Ostergeschenk für jede Dame 3. Hirz Kunsthandlung, Seltersw. 22 2004 D Bezirkssparkasse Gießen Die Nheindampser fahren ab 10. April! Täglich Schnelldampfer 9,15 ab Mainz bis Köln 21,10 an Mainz von Köln Außerdem Sonn- und Feiertags 11.00 ab Mainz Personendampfer bis Köln 14.00 ,, ,, Lokalfahrt b.Büdesheim u. zur. 18,00 „ „ Personendampferb.Mannheim 18.00 an ,, Lokalfahrt von Büdesheim 19,15 „ „ Personendampfer von Bonn Fahrscheine, Fahrpläne und Auskunft durch die Agenturen der Köln-Düsseldorfer Rheindampsschiffahrt .289 D Ostersamstag (11. April 1936) geschlossen Anfang: 15 Uhr Ende: 17.30 Uhr Oster-Dienstag, den 14. April: Oster-Mion tag, den 13. April: Zum letzten Mal Krach im Hinterhaus Der große Lustspielerfolg v. M. Böttcher Vorstellung der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ Freier Kartenverkauf: 0.60—1.50 RN. Zum letzten Mal Die blaue Mazur Die große Tanz- und Schlagei Operette von Lehar Außer Abonnement Preise von 0.50 bis 2.50 HM. Erste Wi e d erholung Tiefland Oper von Eugen d’Albert 26. Vorstellung im Dienst.-Abonnement Preise von 1.20 bis 5 RM. Anfang: 19 Uhr Ende: 22 Uhr Anfang: 20 Uhr Ende: 23 Uhr 2300 d Denkt auch W an die ü Hausfrauen! Ihnen schenkt man kleine praktische Haushaltshdifen Reibemaschine, Gasbackform, Waage, Pfeif-Wasserkessel, Kaffeefilter, Zwiebelschneider sind nur einigeVor- schläge. Noch vieles andere gibt es llllllllllllllllllllllllllllll Einspaltige Kleinanzeigen werden zum er» mäßigten Grund» preis von 5 Pf. fürdieMillimeler» seile veröffentlicht llllllllllllllllllllllllllllll Ala Anzeigen-Aküengesellschaft Annahme von Anzeigen für SchiMraKe 7 aNe Zeitungen und Zeitschriften r>a)Ul|iraße ( Alle Ihre Blumen und Vermittlungen durch Blumenhaus Schneider Carl Dietz Nachfolger SELTERSWEG 3 8 2229 D Am Start: Fahrer aus Köln, Koblenz, Frankfurt a. M., Dortmund, Neuwied, Wetzlar, Gießen — unter anderen Gebrüder Schorn, Köln. 2280d Veranstalter: Gießener Radfahrer-Verein v.1885 e.V. Omnibusverkehr nach dem ab 15.27 Uhr 2307 D Ludwigsplatz ab 15.30 Uhr. Rückfahrt 17.30 Ehr. schiffenberg ab Karfreitag täglich Bahnhof Gießen ab 15.25Uhr Selterstor,,GasthausLamm“ —Groß- Floeehe R.M Vv beiw 6 mk *60 — Löwen-Drog. Kilbinger, Seltersw. 69. „ BlUMl. , ALLE V/Ef-' ►.durch die n Fleurop in Mainz: G. L. Kayser. Fernsprecher 31959 2305 V Familien-Drucksachen Verlobungaanzelgen Vermählungsanzeigen bei Brühl, Schulstraße 7 Geburtsanzeigen Höhere PrivaisMe (liehen Wernerwall 15 Oberrealschul-Lehrplan, realgymnasiale u. gymnasiale Kurse. Gründliche Vorbereitung für die Reifeprüfung und Obersekundareife. Beichsverbandsprü- fung durch die Lehrer der Schule. Tägliche, gewissenhaft beaufsicht. Arbeitsstunden. Aufnahme von Schülern und Schülerinnen in alle Klassen (auch Sexta) jederzeit. - Sprechstunden täglich 11.30-13 Uhr. »soD oreiswert bei w J-B J.B. Häuser Gießen 2185 a Am Oswaldsgarten Fernruf Nr. 2145/46 Gegen hohen Blutdruck Dr. Jung’s Knoblauchsaft 01276) Dragöes. groß. Beutel 95 Pf. Kräuterhaus Jung, Mänsbnrg Wp verseh wi n den schnell u sicher durch FPUCHT5 Csterfrcude! STrüMin&sstimmungl Das soll Ihre Parole für die Feiertage sein! Eine gute Flasche Wein oder eine Frühlingsbowle geben die Grundlage für Frohsinn und Lebensfreude. Das sollte sich keiner nehmen lassen. Der £defca-y£aMfmann steht jedem gern mit Rat und Tat zur Seite 1934er Maikammerer Heiligenberg 0.75 1934er Hambacher, natur 0.75 1933er Schloß öckelheimer 1.00 1933er Niersteiner 1.05 1933er Oppenheimer Goldberg .... 1.05 1934er JVlehringer Hellerberg,natur 1.10 1933er Trittenheimer 1.20 1934er Senriheimer Lay 1.10 1933er Zeller schwarze Katz 1.20 1934er Bockenheimer Rotwein 0.58 1934er Ingelheimer Rotwein 0.85 1934er Königsbacher Rotwein 0.85 Wermutwein O 65 Tarragona 1.05 Malaga 1.15 3% Rabatt per Flasche o.Gl. 3% Rabatt Kommen Sie deshalb bald zu Ihrem Vergessen Sie nicht den EDEKA- Festkaffee! 2311 a Eich.-Gartanpfost. rund und fnntifl Eich.-Schwarten Etch.-Brennholz fürs oder lang wen. Mangel an Raum billig ab- zugeben. 2O6oD J. Wellhöfer Sägewerk Marburg.Str.24 (Ein Quell d. Freude für den Naturfreund BelonWes leben Kleine Kreatur in Wasfer, Busch und Halm Von Karl Otto Bartels. 164 Naturaufnahmen aus dem Leben der niederen Tierwelt mit erläuternden Dildunter- schriften, Namensan- gab. u. ausführlichem Text (62 Seiten). Mit einem Geleitwort von Profess. Dr. Deegener, Universität Berlin. Dieses Werk bringt erstaunlich vielseitige und trefflich gelungene Einzelbilder und Dild- folgen aus dem reichen Leden der zahllosen kleineren Lebewesen. Aus derFreude am B«. obachten ist ein wert- volles naturgeschichtliches Urkundenbuch geworden, das hervorragend geeignet ist, die Liebe auch zum kleinsten Naturgesetze» hen zu erwecken. Gebunden RM. 4,80. Ditte verlangen Sie kostenlos unsere bebild. Werbeblätter! Das Buch ist durch jede Buchhandlung zu beziehen! HugoBermühler Verlag Berlin. Lichterfelde IlllllllllllllllllllllllllllilllllllllllllllllllllllllllllglS Aktiva 43 091 090 77 RM Passiva 72 55 Gewinn-und Verlustrechnung am 31.Dez.1935 19 RM Berlin, den 14. März 1936. IIIIIIIIIIIIBIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIBIIIIIIIIIIIIIIIJIIIIIB Karl Fehrmann, Wirtschaftsprüfer. 273 678 181 221 006 418 43 766 392 230 587 662 238 259 428 14 278 446 46 151 887 81 388 751 25 200 000 15 000 000 6 459 732 15 613138 19 950117 8 407 434 42 181 669 631 6 067 132 247 683 870 899 55 20 92 96 41 34 71 27 85 22 82 19 61 55 75 41 77 62 Vortrag aus 1934. Reingewinn...... RM 70 316 946 3 570 768 120135 815 1 331 990 939 4 094 274 06 28 79 59 263 181 69102 130 000 000 RM 113 941 099 24 852 167 25 280 992 682 979 334 RM 2 343 995 825 Nach dem abschließenden Ergebnis meiner pflichtgemäßen Prüfung auf Grund der Bücher und Schriften der Gesellschaft sowie der vom Vorstand erteilten Aufklärungen und Nachweise entsprechen die Buchführung, der Jahresabschluß und der Geschäftsbericht den gesetzlichen Vorschriften. Aufwendungen Personalaufweniungen................. Ausgaben für soziale Zwecke, Wohlfahrtseinrichtungen und Pensionen.......... Sonstige Handlungsunkosten.............. Steuern und ähnliche Abgaben............ Gewinn: 98 77 31 Bilanz am 31. Dezember 1935 (Posten laut Formblatt ohne Untergliederung) DEUTSCHE BANK UND DISCONTO-GESELLSCHAFT Barreserve Fällige Zins- und Dividendenscheine Schecks............................................ Wechsel Schalzwechsel und unverzinsliche Schatzanweisungen des Reichs und der Länder....... Eigene Wertpapiere................................ Konsortialbeteiligungen............................ Kurzfällige Forderungen unzweifelhafter Bonität und Liquidität gegen Kreditinstitute.................. Forderungen aus Report- und Lombardgeschäften gegen börsengängige Wertpapiere............... Vorschüsse auf verfrachtete oder eingelagerte Waren Schuldner...................................... Hypotheken................................ Dauernde Beteiligungen einschl. der zur Beteiligung bestimmten Wertpapiere......................... Grundstücke und Gebäude ........................ Geschäfts- und Betriebsausstattung................ Eigene Aktien (Nennbetrag: RM 298240,—)......... Posten, die der Rechnungsabgrenzung dienen..... Sonstige Aktiva (nicht gemünztes Silber, nicht umlaufsfähige Münzen u. ä.) ............... 68 12 53 33 RM 908 226 50 472 795 69114 518 120 495 540 6 207 903 120 495 540 34 72 93 72 Gläubiger.......................................... Verpflichtungen aus der Annahme gezogener und der Ausstellung eigener Wechsel................ Spareinlagen ........................... 6 °/o Dollar-Darlehn (noch im Umlauf befindlich) .... Auf unserem Grundbesitz ruhende, zurzeit nicht ablösbare Hypotheken ....................... Unerhobene Dividenden............................ Aktienkapital...................................... Gesetzliche Reserven nach § 11 des Reichsgesetzes über das Kreditwesen........................... Pensionsrücklage ............................ Rückstellungen ................................ Wohlfahrtsfonds Vermögensbestand 526 781,59 davon in Wertpapieren angelegt... 484 599,61 Erträge Vortrag aus 1934 .............. Zinsen und Diskont........... Provisionen und Gebühren.... 6 207 903 3 017 100 228 908 226,68 5 299 676,66 RM Ubergangsposten der eigenen Stellen untereinander Posten, die der Rechnungsabgrenzung dienen..... Reingewinn Gewinnvortrag aus dem Vorjahr... 908 226,68 Gewinn 1935 ................ 5 299 676,66 RM US 529 3 017 100 ZZ3 34 33 Nun schnell das hübsche Complet, das schicke Kostüm bei uns aussuchen, meine Damen — kleine Preise und gute Qualitäten sorgen für mehr Osterfreude! 22.50 25.50 31- 34.75 38.50 42- und höher In Damen- und Kindermänfel finden Sie große Auswahl RKaessMaM INH.: WILHELM HORN UND SOHN Kreuzplatz 15 2304A Statt Karten! Für die anläßlich unserer Verlobung erwiesenen Glückwünsche und Aufmerksamkeiten danken wir Herzlichst Minni Zöckel Hans Äetz Gießen, den 9. April 1936 2281 D Volkstümliche Naturwissenschaft in reichbebilderten, leichtverständlich geschriebenen Werken und in verschiedenen Preislagen bieten unsere Verlagserzeugnisse. Sie vermitteln einen tiefen Einblick in die Geheimnisse des Naturgeschehens und damitdurch erweitertes Wissen erhöhte Freude an den vielfältigen Schönheiten der Natur. - Verlangen Sie Prospekte und auch Probehefte der Zeitschrift „Der Naturforscher“ Hugo Bermühler Verlag * Berlin-Lichterfelde IGLORlfl Lichtspielhaus Gießen Ab heute Donnerstag: Ein deutscher Spitzenfilm, gestaltet aus dem Erlebnis der Vergangenheit. wo sich die Entwicklungen der deutschen u.d. polnischen Geschichte berühren. Michael Bohnen als August der Starke Lil Dagover als Gräfin Königsmark MarieluiseClaudius als GräfinCoshl in August der Starke (Der galante König). - Regie: Paul Wegener. Vorher Beiprogramm nnd Ufa-Ton-Woche. In beiden Theatern täglich 4, 6, 8.30 Uhr. Karfreitag und 1. Feiertag 3, 5.30 und 8.30 Uhr. Um das Menschenrecht IEin überwältigendes Filmwerk aus der Freikorpszeit, unter der Schirmherr- ■ schäft der Nationalsozialistischen Kriegs- ■ , ppferveisorgung. 2290a W Es wirken mit: Hans Schlenck, Trude ■ Haefelin, Kurt Holm, Katja Specht, Warner Scharf, Lydia Alexander. ■ Hans Zöberlein, der Verfasser des unsterbI. ■ Kriegsbuches „Der Glaube an Deutsch- ■ land“, der Gestalter des „Stoßtrupp 1917“, ■ hat uns ein neues, grandioses Meister- I werk geschenkt in seinem Film ,,Um das ■ Menschenrecht“. Ein unvergängliches Bild 1 einer Zeit, deren Spieler wir alle selbst ge- wesen sind — als Sehende oder Irrende. I Beiprogramm und Fox-Ton-Woche. I rentiere! zweite gigantische Filmschöpfung PALAST 1