186. Jahrgang Kr.84 Erstes Blatt _____ 186. Jahrgang Mittwoch, 8. April 1956 Sonntags* unb * feiertags D Ä jfcx 'e?f Ä Annahme oon Hnjetgen Heimat im Bild - Die Scholle ffl HFVSk ■ M JF AW BsT H M^W B HH M M ^F ■ 1W W Grundpreise für 1 mm höhe Monatr-Vezugspreir: ■■Hl BA BLr H ■ ftZ 9 JF U ■ ■ Ä Hl I Bx ■ für Anzeigen oon 22 mm Mit 4 Beilagen RM.I.95 WW W ■ HT ■ H @T H jT WWW III ■< W Breite 7 Rps., für Text- Ohne Illustrierte , 1.80 M I Wk. W W Hk . W M \ 6,*\ M W W| HL H TOk W Wk ■ anzeigen von 70 rnrn Breite Zustellgebühr , -.25 ^^^^F W H B V WF H HL B W'^^F^k 50Rpf.,Platzvorschrift nach Auch bei Nichterscheinen M ^F^W ^F vorh.Dereinbg.25°/^ mehr, von einzelnen Nummern WVJr WM „ ..,, infolge höherer Gewalt V Lrmahtgte Grundpreise: MZM General-Anzeiger für Oberhessen ZZW Postscheckkonto' V • gen, Bäder., Unterrichts- u. zranisnrt am Main'nss« Druck und Verlag: vrühl'sche UniverfilättSuch- und Steindruckerei R. Lange in Stehen. Schriftleitung und Seschäftzftelle: Schulftrahe 7 M-7gM°b!chlMSt°N Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Der Abessinienkonflikt erneut auf der Genfer Tagesordnung. Wird Italien seine Friedensbedingungen bekannt geben? 3m italienischen Vomber über Dessie. Dis zur Hauptstadt kein Widerstand zu erwarten. Der militärische Zusammenbruch Abessiniens. Die Turiner „Starnpa" schreibt, die Geschichte werde nicht in Genf gemacht, sondern sie werde mit Blut geschrieben. Eine Bestätigung dieses ewigen Gesetzes sei am Montag im Unterhaus gegeben worden, wo der englische Schatzkanzler Neville Chamberlain jede Absicht Englands, nicht nur auf koloniale Besitzungen, son- dern auch auf Völkerbundsmandate zu verzichten, entschieden bestritten habe. Die "Völker, welche einen Platz an der Sonne brauchten, müßten ihn sich erobern. Gerade dies machten die Soldaten Italiens in Afrika. Das Gesetz, das für die Engländer gelte, gelte auch für die Italiener. Französische Stimmen gegen Fortsetzung der Sanktionen. Paris, 8. April. (DNB. Funkspr.) Zu den bevorstehenden Besprechungen in Genf erklärt der „Motin", wenn im 13er Ausschuß die Frage oon weiteren Sanktionen gegen Italien zur Sprache komme, müsse Flandin entschlossen m i t Nein antworten oder sich nach chilenischem Beispiel der Stimme enthalten oder nach dem Vorbild Ekuadors im Augenblick der Abstimmung verschwinden. Der „Excelsior" meint, es käme einzig und allein auf den europäischen Frieden an. Der italienisch-abessinische Streit finde gerade jetzt ohne fremdes Zutun oon ganz allein seine Erledigung auf militärischem Gebiet höhe umflogen worden sei, schien so gut wie ausgestorben. Deutlich sichtbar seien nur einige Rot-KreuzLazarette gewesen. Die Tatsache, daß die sonst übliche abessinische Luftabwehr völlig ausgeblieben fei, schien zu beweisen, daß die restlichen abessinischen Truppen mit dem Regus läng st in südlicher Richtung auf Addis Abeba zu abgerückt seien. Der Kriegsberichterstatter des DRV. hat auf dem Flug den Eindruck gewonnen, daß die Italiener, die bereits in der Nähe von Kobbo standen, Dessie ohne ernste Hindernisse nehmen und weiter gegen Addis Abeba vor- st o h e n könnten. Besonders bezeichnend scheint ihm die Tatsache, daß bereits einige Dörfer in der, Gegend von Dessie die weiße Flagge gehißt haben. Die Genfer Dreizehn. Wer nicht abergläubisch ist, kann es in Genf werden. In der Völkerbundsstadt tritt heute der sog. Dreizehner-Ausschuß zusammen, der einst beauftragt wurde, durch seine Vermittlung den Frieden in Ostafrika wiederherzustellen. Er soll angeblich auch heute noch versuchen, eine Basis der Verständigung zwischen Italien und Abessinien 3U finden. Bis zu diesem Zeitpunkt hat der Ausschuß allerdings in ganzem Umfange versagt. Aber auch sein größerer Bruder, der sog. Achtzehner- Ausschuß, dem die Pflicht oblag, durch die härtere Methode der Sühnemaßnahmen die Beendigung des abessinischen Krieges zu erzwingen, war nicht glücklicher. Beider Tätigkeit war von ausgesprochenem Pech verfolgt. Während die Ausschüsse redeten und berieten, ging der Krieg in Afrika lustig weiter. Seit einem halben Jahre kämpfen nun die Krieger des Negus und des Duce gegeneinander, und es ist nicht zweifelhaft, welcher von den beiden Gegnern den Sieg an seine Fahnen heften wird. So sieht sich hun die Genfer Liga mitsamt ihren Ausschüssen in einer recht peinlichen Lage. Ueber fünfzig Mitgliedsstaaten des Völkerbundes erklärten im Oktober vorigen Jahres Italien zum „Angreife r", und sie verpflichteten sich, entsprechend dem Wortlaut des Genfer Statuts, den Angreifer durch Sanktionen zu bestrafen, sowie den Streit zu schlichten. Eine wie geringe innere Kraft aber muß diesen beschworenen Satzungen innewohnen, wenn ein halbes Hundert großer, mittlerer und kleiner Mächte es nicht fertig bringt, ihnen Geltung zu verschaffen. Es gibt keine andere Erklärung für diesen katastrophalen Mißerfolg der Genfer Politik, als die Erkenntnis, daß Inhalt und Form dieser Staatenliga nicht mehr übereinstimmen, daß die Buchstaben und Paragraphen der Bundessatzung nicht mehr ausdrücken, was das allgemeine Rechtsgefühl der Völker von einer internationalen Ordnung fordert. Diese Erkenntnis scheint sich nun auch in dem Land durchzusetzen, das sich bisher in seiner Völkerbundstreue von niemandem übertreffen lassen wollte: in England. Die britische Regierung hatte im vergangenen Herbst den abessinischen Streitfall geradezu als Generalprobe der kollektiven Sicherheit bezeichnet. Heute muß diese Regierung feststellen, daß die Probe gänzlich negativ im Sinne des alten Völkerbundsgedankens verlaufen ist. Die Schuld an diesem Zusammenbruch der alten Ideale aber trägt nach englischer Meinung in erster Linie nicht Italien, auch nicht das Genfer System, sondern Frankreich. Denn die Pariser Diplomatie war es vor allem, die immer wieder ein schärferes Vorgehen gegen den „Friedensbrecher" verhinderte und die sich erst nach langem Hin und Her dazu entschloß, dem englischen Drucke wenigstens teilweise nachzugeben. Auch späterhin^ im weiteren Verlauf des abessi- nischen Konfliktes, ist Frankreich stets bemüht gewesen, aus Furcht vor einem völligen Verlust der italienischen Freundschaft dem Tatendrang der Engländer alle möglichen Hindernisse in den Weg zu legen. Die Kollektivität, wie sie in Paris aufgefaßt wurde, war eben eine französische, aber keine englische oder völkerbündische Kollektivität. Daran dürfte sich bis zum heutigen Tage auch nichts geändert haben. So blieb den Engländern nichts anderes übrig, als beizeiten aus diesen Erfahrungen die notwendigen Folgerungen zu ziehen. Der praktische Sinn der Briten nahm sofort eine Umstellung der äußeren Politik vor, als es klar wurde, daß die Franzosen im Ernstfälle dem englischen Vorschläge einer weiteren Sanktionsoerschärfung (Oelsperre!) nicht folgen würden. Seit dieser Zeit wiederholt man in London ständig, daß man in der Verfolgung der Völkerbundsvorschriften keinen Schritt weitergehen würde, als auch die anderen Mächte zu gehen bereit seien. Ueber diese taktische Einschränkung des Sanktionsfeldzuges hinaus begann sich der Zweifel an der Zweck- und Rechtmäßigkeit der Genfer Einrichtung überhaupt immer mehr im englischen Volke zu vertiefen. Ein seit fünfzehn Jahren gehegter und gepflegter Glaube wurde langsam erschüttert. Es ist außerordentlich bezeichnend, daß dieses Problem heute schon oon der Regierung in London so offen behandelt wird, wie es der Schatzkanzler N e o i l l e Chamberlain am Schlüsse der letzten Unterhausaussprache tat. Er wies mit bemerkenswerter Energie auf die Schwierigkeiten und Gefahren hin, die von der Politik der kollektiven Sicherheit untrennbar find, und er begrüßte die Unterhausdebatte, weil sie dazu beigetragen habe, jene Neuerwägung des gesamten Aufbaues des Völkerbundes in feiner heutigen Form herbeizuführen, die nach seiner Ansicht in naher Zukunft unvermeidlich fei. Chamberlain fügte dann noch das gewohnte Argument hinzu, daß England nicht die ganze L a st der kollektiven Sicherheit auf seine eigene Schulter nehmen dürfe, daß vielmehr die anderen Mächte nicht nur bereit, sondern auch in der Lage sein müßten, ihre Rolle ebenfalls zu spielen. Nimmt man noch hinzu, daß die Sprache der englischen Presse gegenüber Italien sehr viel milder geworden ist, obgleich gerade in letzter Zeit Mussolini mit seinen Siegen die Möglichkeit der ursprünglich geplanten Völkerbundsregelung in immer weitere Fernen rückte, so wird ersichtlich, daß man sich in England ernstlich mit dem Gedanken einer allgemeinen Völkerbundsreform vertraut zu machen beginnt. Der Dreizehner-Ausschuß, dessen Vertreter heute am schönen Genfer See zusammen- treffen, wird der veränderten Lage Rechnung tragen müssen, und niemand in der Welt würde bei feinem Hinscheiden eine Träne vergießen. Englische Erwartungen. London, 8. April. (DNB. Funkspr.) Zu den heute beginnenden Genfer Besprechungen schreibt der „Daily Telegraph": Großbritannien und Frankreich würden voraussichtlich Italien fragen, ob es nunmehr gewillt sei, seinem Vormarsch in Abessinien Einhalt zu gebieten. Dabei werde man in der einen oder anderen Form zu verstehen geben, daß man beim Abschluß eines Waffenstillstandes mit Abessinien d i e Sanktionen gegen Italien auf- heben werde. Man erkenne, daß langwierige und schwierige Verhandlungen notroenbig sein werden, um die Bedingungen für eine endgültige Regelung festzusetzen. Die erste und wichtigste Aufgabe bestehe aber darin, dem „Hinschlachten der in Wirklichkeit wehrlosen abessinischen Bevölkerung" ein Ende zu machen. Wenn Baron Aloisi nicht ermächtigt sein sollte, diese Frage zu erörtern, so erwarte man, daß Madariaga, der Vorsitzende des 13er Ausschusses, sich nach Rom begeben werde. Die Atmosphäre in Gens werde wahrscheinlich in den nächsten Tagen in Höch st em Maße geladen sein. Man werde die grüßen Schwierigkeiten haben, um eine weitere Spannung zwischen England unb Frankreich zu vermeiden. Abgesehen davon, daß die französische Regierung eine nachgiebigere Haltung gegenüber den italienischen Verstößen einnehme als Großbritannien, sei ein Zusammenprall der Ansichten Englands und Frankreichs über den deutschen Friedensplan unvermeidlich. Eden werde nicht der französischen Behauptung zuslimmen, daß die Bemühungen um eine Versühnung fehlgeschtagen seien. Er werde vielmehr dabei bleiben, daß weitere versuche unternommen werden müßten, um zu erreichen, daß die fachlichen Vorschläge für die Sicherung mit Deutschland in allen Einzelheiten besprochen werden könnten. „Daily Herald" schreibt, man erwarte, daß Flandin in einer privaten Aussprache mit Eben, noch vor dem Zusammentritt des 13er-Ausschusses, nachdrücklich die Meinung zu vertreten gedenke, daß es zwecklos sei, die Sanktionen sort- z u s e tz e n. Der Völkerbund solle vielmehr alles daran setzen, die besten Friedensbedingungen für Abessinien zu erreichen, ohne sich an die formellen Grundsätze der Völkerbundssatzung allzu sehr zu halten. Er werde wahrscheinlich die Vertagung des Ausschusses auf nächste Woche vorschlagen, falls die italienische Regierung bereit sei, bann einen Vertreter nach Genf zu schicken, um ihre Friebensbedingungen bekanntzugeben. „Daily Expreß" teilt mit, baß Eben voraussichtlich auf die Festsetzung eines Zeitpunktes bestehen werde, zu dem der Krieg beendet sein müsse. Friedensver- handlungen würden nicht stattfinden, ehe nicht diese Bedingung erfüllt sei. England werde ferner eine umfassende Untersuchung der italienischen Giftgas-Angriffe fordern. „Daily Mail" berichtet aus Genf, die französische Regierung werde sich nachdrücklich weigern, sich bei den gegenwärtigen Verhandlungen über Oelsanktionen zu äußern. Angesichts der militärischen Erfolge Italiens dürften die Bedingungen Mussolinis eine Einigung schwierig machen. Die Verhandlungen würden deshalb wahrscheinlich solange hinausgezögert werden, bis die italienischen Truppen Addis Abeba b e= e tz t hätten. Die „Times" ist der Ansicht, daß Großbritannien unter allen Umständen aus den nun einmal eingeschlagenen Weg des Völkerbundes, Sanktionen zu verhängen, verharren müsse, wenn Mussolini nicht einlenke und sich zu vernünftigen Friedensbedingungen bereit erkläre. In dem Augenblick, in dem Vorschläge gemacht worden sind, um Europa ein neues Frie- denssystem zu geben, könne es sich kein Völkerbund leisten, jene Politik aufzugeben, die gegenüber der italienischen „Herausforderung" allein möglich ei. Ein „Z u g e st ä n d n i s a n d i e U m st ä n d e", wonach man einen nicht herausgesorderten Angriff offen billigen und den Kaiser von Abessinien in der Stunde seiner höchsten Rot opfern würde, wäre ein merkwürdiger Beitrag zur Erzielung des Friedens und dürfte sich nicht dem Dreizehner-Ausschuh emp- ehlen. Das Suchen nach einem vernünf-' tigen Frieden gehört zu den ersten Aufgaben des Völkerbundes. Wenn ein soforliger Waffenslill- tand und Verhandlungen unter Teilnahme des Völkerbundes möglich wären, so sei dies gut und chön. Wenn aber nicht, so hätten die Völkerbundsmächte keine Wahl, als zusammenzuhalten und ihre Karten weiter auszuspielen. Der „Daily Telegraph" meint, die Aufgabe, die dem 13er Ausschuß obliege, fei von größerer Be- beutung als bie inoffiziellen Besprechungen zwischen ben Rest-Locarnomächten. Leiber sei mit einer 11 n- einigfeit im 13er Ausschuß zu rechnen, was sehr bedauerliche Folgen haben würbe. Das Hauptaugenmerk bes 13er Ausschusses müsse darauf geridü-tf fein, so fehneö mi» möglich dfe E»vstel - lung der Feindseligkeiten herbeizuführen. Das entscheidende Wort hänge allerdings von Mussolini ab, man könne nur hoffen, daß er nicht bie völlige Vernichtung ber abessinischen Unabhängigkeit wolle, was eine lange unb kostspielige militärische Besetzung kosten würbe. — Der „Daily Heralb" befürchtet, baß ber Völkerbund sein ganzes Ansehen einbüßen würbe, wenn er in der jetzigen Zwangslage se-tne Grundsätze aufgäbe. Edens Ansehen würde über Nacht verschwinden, wenn er unter irgendeinem Druck seine eigene bisher verfolgte Politik, hinter der das Vertrauen ganz Englands stehe, verlassen würde. Lücke in der SaMonssronl. Mailand, 8. April. (DNB. Funkspr.) Zu dem Entschluß Ecuadors, sich nicht mehr an der Sanktionspolitick gegen Italien z u beteiligen, schreibt „Corriere della Sera", diese Geste der Befreiung von der „englisch-frei- maurerisch-genferischen Tyrannei" sei sehr ermutigend. Sie sollte Schule machen. Italien erkenne den großen Wert der Entscheidung des kleinen, aber edlen lateinamerikanischen Staates an. Der Beschluß sei um so bedeutsamer, als der Vertreter Ecuadors dem Dreizehner-Ausschuß an geh ör e. Die Front der Sanktionisten gerate ins Wanken. Moralisch sei sie bereits durch die Rebellion eines ihrer Mitglieder verurteilt. Asmara, 8. April. (DRV.) Der Kriegs- berichter st alter des DRV. meldet, daß er am Dienstag in einem von Graf Liano selbst gefeuerten schweren Bomber aneinemFlugvon Asmara über Makalle längs der alten R'gus- straße bis südlich Dessie teilgenommen habe. Der Apparat, der durchschnittlich in 4000 Meter Höhe geflogen sei und die Strecke von insgesamt 1200 Kilometer in sechs Stunden zurück- gelegt habe, sei zeitweilig auf 100 0 Meter heruntergangen, um bessere Sicht zu bekommen und um die feindlichen Ansammlungen unter Feuer nehmen zu können. Es habe sich aber keine Gelegenheit ergeben, Bomben abzuwerfen, da keinerlei Reaktionen des Feindes festzustellen gewesen seien. Lediglich in einem Tal nördlich von Dessie sei eine kleine abessinische Gruppe gesichtet worden, die sich auf dem Rückzug befunden habe. Die Stadt Dessie, die mehrmals in geringer Nach dem Drama am Aschangi-See besteht kein Zweifel mehr, daß das Reich des Negus militärisch zusammengebrochen ist. Seit Marschall B a b o g I i o die Leitung der italienischen Expeditionstruppe in seine Hände nahm und die Serie der großen Februar-Schlachten begann, war das Schicksal Abessiniens entschieden. Die europäischen Beobachter freilich konnten nicht ahnen, daß die italienische Kriegführung so schnell zu entscheidenden Erfolgen kommen würde, wie es nun tatsächlich geschehen ist. Eine Reihe von großen, verhältnismäßig gut ausgerüsteten Heeren stand noch vor zwei Monaten dem Negus zur Verfügung, und die Italiener hatten damals erst einen im Verhältnis zu der riesigen Größe Abessiniens recht bescheiden wirkenden Oren ,3 ft reifen im Norden und Süden des Feindeslandes besetzt. Heute stehen die italienischen Stoßtruppen fast schon im Herzen Aethiopiens, ohne daß sie bei ihrem weiteren Vormarsch noch andere Widerstände zu überwinden hätten, als die Hindernisse bes tropischen Klimas,und der Bodenbeschaffenheit. Von militärischen Gegenwirkungen hat Marschall Badoglio wohl ernstlich nichts mehr zu befürchten. Nacheinander wurden die gegnerischen Heerhaufen der Rase Kassa, Seyoum und Jmru teils vernichtet, teils zur Auflösung gebracht. Nicht viel anders erging es nun auch dem Kaiser Halle Selassie selbst, der, alle bösen Erfahrungen seiner Unterführer in ben Wind schlagend, sich mit dem größten Teil seiner Garde geschlossen den vordringenden italienischen Armeekorps entgegenstellte. Mag es abessinische Kriegssitte, mag es eine fehlerhafte Ueber- Icgung gewesen fein, die den Negus zu diesem Entschluß drängte, jedenfalls hat der Herrscher ber Amharen bämit fein politisches Tobesurteil selbst unterschrieben. Die Reste seiner Armee flüchten nun in süblicher Richtung, unb man weiß nicht: wird diese Lawine der Verzweiflung nun in Dessie, wird sie vielleicht in Addis Abeba, oder wird sie überhaupt nicht zum Stehen kommen? Einen einzigen Heereskörper gibt es noch auf abessinischer Seite, der nicht besiegt wurde unb ber feine Stellung bisher halten konnte. Es ist bie Armee des Ras N a s i b u unb des ehemals türkischen Generals W e h i b Pascha. Diese Armee steht allerdings weit im Innern des Landes, i m Raume von Harrar und Dschidschiga, also durch eine Wüste von vielen Hunderten Kilometer Breite von den italienischen Somali-Truppen unter General Graziani getrennt. Die von Süden aus gegen Abessinien operierenden italienischen Truppen, die ja viel weniger zahlreich sind als im Norden, haben den gewaltigen Zwischenraum zwischen der Somali-Grenze und der inner« abessinischen Bergfestung bisher nicht überwinden können. Dazu reichten wohl weder ihre technischen Hilfsmittel noch die vorhandenen Verpflegungsmöglichkeiten aus. Nur im Südweften, wo das Gelände etwas günstiger ist, fand jener berühmte Vorstoß auf Neghelli statt, der gewissermaßen den ablenkenden Auftakt zu den Entscheidungsschlachten im Norden bildete. Ob Marschall Badoglio sich nun, nachdem die geplanten Operationen in Nordabessinien vorläufig zu einem siegreichen Abschluß gebracht worden sind, auch dazu entschließen wird, den Südtruppen den Befehl zum weiteren Vormarsch zu gehen, muß abgewartet werden. Der italienische Sieg wird aber solange nicht vollkommen fein, bis nicht auch die letzte militärische Stütze des Negus, eben jenes Bahnschutzkorps um Harrar herum, zerbrochen ist. Eine Rettung des abessinischen Kaiserreiches durch die Heerhausen des Ras Nasibu, selbst wenn diese sich mit den übriggebliebenen Teilen der Garde vereinigen sollten, ist allerdings kaum zu erwarten. Wenn man nach den Gründen suchen will, die zu der militärischen Katastrophe Abessiniens geführt haben, so darf man diese wohl nicht allein in der Ueberlegenheit der modernen Kampfmittel suchen, mit denen die Soldaten Mussolinis in sehr reichlichem Maße ausgerüstet waren. Dieser Vorteil wurde weitgehend ausgeglichen durch die Natur des unbekannten Landes, die der beste Bundesgenosse der Abessinier war und ist, es zeigte sich in diesem Kolonialkrieg vor allem wieder die geistige und charakterliche Ueberlegcn» h e i t des disziplinierten europäischen Soldaten über halbwilde Völkerschaften. Die Abessinier sind ja kein Volk, keine Nation in unserem Sinne, sondern bunt zusammengewürfelte Rassen und Stämme, die sklavenhaft unter der Herrschaft einer amharischen Oberschicht dahinleben. Und auch das, was man als den abessinischen Staat bezeichnen könnte, ist feil einheitliches Reich, sondern eine lose zusammen* hängende Ländermasse, die erst im Lause der letz- ten Jahrzehnte von den Vorfahren des Negus durch Raub, Heirat und Kauf notdürftig zufammenge- fugt wurde. Es ist klar, daß man mit einer solchen Bevölkerung, in der natürlich die alten Stammes- geaensätze und Selbständigkeitsbestrebungen noch weiterleben, keinen Krieg der nationalen Selbstbehauptung gewinnen kann. Die massenhaften Desertionen, von denen das italienische Hauptquartier zu berichten weiß, bestätigen das auf das nachdrücklichste. Marschall Badoglio hat erklärt, daß der Sieg am Aschangi-See es der italienischen Heeresleitung gestatte, jetzt die kühnsten Pläne zur Durchführung au bringen. In welcher Richtung diese Pläne sich bewegen, ist nicht allzu schwer zu erraten, wenn man weiß, daß der nunmehr besetzte Flecken Q u o r a m am Südufer des Aschangi-Sees den Ausgangspunkt jener befestigten Straße bildet, die von hier aus über Des sie nach der Haupt st a d t des äthiopischen Reiches führt. Diese sogenannte „Kaiser- Straße" soll angeblich auch für Kraftwagen befahrbar sein. Zwar behaupten militärische Fachleute in Rom, die Straße stelle kaum etwas anderes dar, als einen verbesserten Maultierweg, aber selbst wenn dies der Fall wäre, so müßte doch die hoch entwickelte italienische Straßenbaukunst, die sich in diesem Kolonialkrieg so außerordentlich bewährte, imstande sein, die vorgefundenen Straßen in kürzester Zeit so auszubauen, daß die italienische Nachschuborganisation sich ihrer mit Nutzen bedienen kann. Wenn man das militärische Gesamtbild betrachtet und auch in Rechnung stellt, daß die zersprengten abessinischen Heeresteile sich zu einer neuen Kleinkriegstaktik aufraffen und dadurch den Italienern noch erheblichen Schaden zufügen könnten, so ändert sich doch nichts mehr an der Tatsache, daß das Schicksal des Negus militärisch und politisch besiegelt ist. Italien hat keine Absichten aus Aegypten. Erklärungen des Staatssekretärs Suvich. Rom, 7. April. (DNB.) Anläßlich einiger kürzlich in der ägyptischen Presse erschienenen Artikel hat der Staatssekretär des Auswärtigen S u v ich dem ägyptischen Geschäftsträger folgende Erklärung abgegeben: „Es ist einfach absurd, zu glauben, daß die italienische Regierung Interesse daran hat, Aegypten anzugreifen oder in irgendeiner Weise zu bedrohen. Italien hat und wird niemals Ziele der Eroberung oder der Kolonisation in Aegypten haben. Die gemeinsamen Grenzen zwischen Libyen und Aegypten dürfen keinen Anlaß zu irgendeiner Sorge bilden. Italien ist immer bereit, mit Aegypten Sicherheitsabkommen zur Erhaltung der gemeinsamen Grenzen und zu einer Politik abzuschließen, die von italienischer Seite von Gefühlen echtester Freundschaft geleitet ist und dies immer sein wird." In einer von Staatssekretär Suvich unterzeichneten Note gibt die italienische Regierung ferner die Erklärung ab, daß sie nichts tun werde, was irgendwie die ägyptischen Interessen am Tanasee beeinträchtigen könnte, zumal die Beziehungen zwischen Italien und Aegypten stets ausgezeichnet gewesen seien und wegen der Tanasee-Frage kein 'Mißverständnis entstehen solle. Unterstaatssekretär S uv ich hat dem britischen Botschafter in Rom versichert, daß die Italiener die offenen abessinischen Städte Addis Abeba und Diredaua nicht mit Bomben belegen würden. Der britische Botschafter hatte Suvich an die Verpflichtung erinnert, die die italienische Regierung im vergangenen Oktober nach Vorstellungen Englands und anderer Mächte eingegangen sei. Die Vertreter der Mächte hatten damals erklärt, daß sie amtliche Vertretungen in Addis Abeba und Diredaua unterhielten und daher hofften, daß diese beiden Städte keinen Luftangriffen ausgesetzt würden. Das Versprechen, beide Städte nicht zu bombardieren, wurde jetzt von Suvich wiederholt. Voraussetzung sei natürlich, daß die Städte nicht als Stützpunkte für Truppen- oder Materialansammlungen benutzt würden. Der spanische Staatspräsident Alcala Zamora durch partamentsbeschluß abgeseht. Die nächtliche Abstimmung der Lottes Madrid, 8. April. (DNB.) Das spanische Parlament hat in später Nachtstunde m i t 238 Stimmen des gesamten Vvlksblvcks (Kommunisten, Sozialdemokraten, Katalanische Linke, Republikanische Aktion und Linksrepublikaner) gegen fünf Stimmen der Opposition und bei Stimmenthaltung der Katholischen Volksaktion und der beiden monarchistischen Parteien auf Grund des Artikels 81 der Verfassung festgestellt , daß die durch den Staatspräsidenten erfolgte zweite Landtagsauflösung, also diejenige des letzten Parlaments, „nicht notwendig" gewesen sei. Damit ist d i e Absetzung des Präsidenten der Republik von selbst erfolgt. Der in Frage kommende Teil des Artikels 81 der Verfassung lautet: „Im Falle der zweiten Auflösung des Parlaments (der Staatspräsident darf während seiner Amtsdauer nur zweimal auflösen. Die Schristl.) besteht der erste Akt der neuen Kammer darin, die Notwendigkeit der Auflösung ihrer Vorgängerin zu prüfen. Sollte sich die absolute Mehrheit des Landtages dagegen aussprechen, so schließt das die Absetzung des Staatspräsidenten in sich ein." Solange der Posten des Staatspräsidenten unbesetzt ist, übt der P r ä s i - dent desLandtagesdie Funktionen des Prä- sidenten der Republik aus. Der Landtagspräsident selbst wird durch den ersten Vizepräsidenten der Kammer vertreten. Die Neuwahl des Staatspräsidenten muß innerhalb von acht Tagen ausgeschrieben werden und nach weiteren 30 Tagen stattfinden. Zu diesem Zweck werden durch gleiche, geheime und direkte Wahl ebensoviel „C o m p r o m i s a r i o s" gewählt, wie die Zahl der Abgeordneten des Landtages beträgt. Diese Vertrauensleute zusammen mit den Abgeordneten nehmen dann die eigentliche Präsidentenwahl vor. Barrio übernimmt die provisorische Präsidentschaft. Madrid, 8. April. (DNB. Funkspr.) Nachdem das spanische Parlament die Absetzung des Staatspräsidenten Alcala Zamora beschlossen hatte, begab sich der gesamte Kammervorstand in die Privat- wohnung des Präsidenten, um ihm amtlich Mitteilung von diesem Beschluß zu machen. Zamora lieh jedoch der Abordnung durch seinen Sohn sagen, daß es kein Gesetz gebe, das ihn zwingen könne, um Mitternacht irgendwelche Mitteilungen entgegenzunehmen. Daraufhin begab sich der Kammervorstand in das „Palais der Republik", die Amtswohnung des Präsidenten, und ließ dort vor dem Generalsekretär Alcala Zamoras einen notariellen Akt über die erfolgte Absetzung des Präsidenten aufnehmen. Sodann kehrte die Abordnung ins Parlament zurück, um Rechenschaft über ihr Vorgehen abzulegen. Danach wurde der bisherige Landtagspräsident Martinez Barrio aus seiner Wohnung abgeholt, um vor den Abgeordneten den Eid als zeitweiliger Präsident der Republik abzulegen, wobei er von stürmischen Hochrufen der ganzen Kammer begrüßt wurde. Unmittelbar darauf stellte sich die Regierung dem stellvertretenden Staatspräsidenten vor. Hiernach begab sich Barrio in das „Palais der Republik", um sich dort vom stellvertretenden Parlamentsvorsitzenden den Chef des Militärkabinetts vorstellen zu lassen, der seinerseits die Vorstellung des übrigen Personals des Präsidialkabinetts übernahm. Gleichzeitig nahm Martinez Barrio von der Amtswohnung des Staatspräsidenten Besitz. Als Abschluß erfolgte ein nochmaliger Besuch des G e s a m t k a b i n e t t s um 2 Uhr beim neuen Staatspräsidenten. Das Verhalten Alcala Zamoras wird in den Wandelgängen des Parlaments teils ironisierend, teils verurteilend kritisiert. Man ist sich darüber einig, daß dieser Abgang des ehemaligen Staatspräsidenten reichlich unrühmlich und unwürdig sei. Die ganzen Sympathien gehören Martinez Barrio. Alcala Zamora Niceto Alcala Zamora Torres wurde 1866 geboren und ist Andalusier. Er studierte Jura, wurde Rechtsanwalt und schloß sich politisch der liberalen monarchistischen Partei an. Um 1900 wurde er in die Kammer gewählt, wo er bald durch seine klugen und wortgewandten Reden auffiel und der Vertraute des liberalen Führers Graf Roma- nones wurde, der ihn zweimal in seine Kabinette als Kriegsminister berief. Während des Krieges bildete sich dann ein Gegensatz zwischen den beiden Führern heraus, da Romanones für den Anschluß Spaniens an die Entente eintrat, während Zamora unbedingte Neutralität verlangte. Zamora war ein Feind Primo de Riveras, durch den er während der Diktatur schwere Verfolgungen zu erleiden hatte. 1930 trat Zamora zu den Republikanern über. Er war es, der vor dem verunglückten Dezemberputsch 1930 als „Präsident der spanischen Republik" das Manifest, in dem das Volk zur Vernichtung der Monarchie aufgefordert wurde, unterzeichnet hat. Nach Niederschlagung dieses Put- sches stellte er sich freiwillig der Polizei. Am 23. März 1931 wurde Zamora zusammen mit den republikanischen Führern Maura, De los Rios und Caballero wegen Hochverrats vom Obersten Kriegsgericht in Madrid zu einer sechsmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt, nachdem der Staatsanwalt eine fünfzehnjährige verlangt hatte. In dieser milden Verurteilung und noch mehr in dem oerfügten Strafaufschub zeigte sich bereits deutlich die Schwäche der Regierung revolutionären Umtrieben gegenüber. Als d-ann am 14. April 1931 die Gemeindewahlen zu drei Viertel antimonarchistisch ausfielen und daraufhin die Republik ausgerufen wurde und der König das Land verließ, bildete Zamora am 15. April 1931 d i e provisorische Regierung. Kommunistische Einflüsse bereiteten bald der Regierung Zamoras große Schwierigkeiten, die durch die Loslösungsbestrebungen Kataloniens noch erhöht wurden. Die extrem radikale Bewegung gegen die Kirche, die Abschaffung der katholischen Religion als Staatsreligion und Auflösung und Enteignung der religiösen Orden veranlaßten Zamora zurückzutreten. Der bisherige Kriegsminister A z a n a, der auch heute wieder die Regierung führt, übernahm die Regierung. Im November 1931 bot die Regierung Zamora die Präsidentschaft der Republik an, die er auch annahm. Dynamit-Anschlag aus einen Schnellzug in Mexiko Acht Tote, 14 Verletzte. Der Nachlschnellzug zwischen Veracruz und Vlexiko-Stadt ist in der Nacht zum Dienstag infolge eines verbrecherischen Anschlages verunglückt. Der Zug hatte gegen 21.30 Uhr bei Paso del INacho in gebirgigem Gelände eine Brücke über eine tiefe Schlucht zu passieren. 3n dem Augenblick, als der Zug über die Brücke rollte, entzündete sich eine im Trägerwerk der Drücke angebrachte Dynamitladung. Die Lokomotive, der Postwagen, der Gepäckwagen und zwei Pullmanwagen st ü r z t en i n d en A b g r u n d , wo sie völlig zertrümmert wurden. Die übrigen Waggons blieben auf den Schienen stehen, gerieten aber z. T. in Brand. Die Zahl der Todesopfer scheint geringer zu fein als zunächst angenommen wurde. Vis Dienstag nachmittag find 8 T o t e und 14 Verletzte geborgen worden. In dem Unglückszug reifte auch ein deutsches Ehepaar, das seine Tochter, die nach Deutschland unterwegs ist, nach Veracruz.gebracht hatte. Ferner befand sich in dem Zug auch ein amerikanisches Ehepaar. Beide Ehepaare sind unverletzt geblieben. Eine weitere Mitteilung besagt, daß von der Zugbesatzung fünf Personen getötet und drei verletzt wurden. Zwei in den Abgrund gestürzte Schlafwagen sind verbrannt, desgleichen ein weiterer Schlafwagen und zwei andere Wagen. Im Postwagen des Zuges soll ein großer Geldtransport untergebracht gewesen sein. Aus drei benachbarten Städten wurden sofort Hilfszüge und Militär an die Unfallstelle entsandt; jedoch war es noch nicht möglich, die abgestürzten Wagen zu bergen. Noch ungeklärt ist, ob es sich um einen Anschlag auf den Geldtransport oder um ein politisches Attentat handelt. Zur Verfolgung der Täter sind Truppen eingesetzt worden. Aus aller Well. Jungfernfahrt des Stromlinienzuges Hamburg - Lübeck — Travemünde. „H-L-Schnellverkehr" steht in metallenen Riesenbuchstaben an dem doppelstöckigen Stromlinieneisenbahnzug, der seine Jungfernfahrt von Hamburg über Lübeck nach Travemünde antrat. Die mit grauem Eisenblech stromlinienförmig eingekleidete Lokomotive hat bereits ihren Spitznamen bekommen: „Mickymaus" ist sie schon in der Werkstatt von den Arbeitern getauft worden. Eigenartig wirkt der äußere Anblick der Personenwagen. Die breiten Fenster der unteren Abteile reichen bis auf den Bahnsteig herab, die Fenster des Obergeschosses bis an das runde Wagendach hinauf. Vier Stufen führen in die unteren Abteile» und eine bequeme Treppe führt nach oben. Auch die Wagen der 3. Klasse sind mit bequemen Polstersitzen ausgeftattet. Die Aussicht ist besonders günstig, ro^nn man aus dem oberen Stockwerk, wie von einem Balkonfenster aus, die Gegend überblickt. Man hat heute kaum noch eine Erinnerung daran, daß zweistöckige Wagen bereits vor etwa 50 Jahren auf Der Berliner Stadtbahn — ein Modell steht im Berliner Verkehrs- und Baumuseum — verkehrten, wie damals überhaupt auch im deutschen Osten sowie im Essener Bezirk. In Paris und Kopenhagen laufen solche doppelstöckige Wagen ebenfalls im Vorortverkehr. Der Zug entwickelte sehr bald eine Geschwindigkeit von 100 Stundenkilometer, die er dann vorübergehend bis Wettstreit der Nationen. Internationales Musikfest inBaden-Baden. Baden-Baden das Weltbad im Schwarzwald, das auf dem Gebiete der Musikpflege an eine stolze Tradition anknüpft, stand vom Anfang April im Zeichen eines friedlichen Musikwett st reite s der Völker, der einen interessanten Querschnitt durch den augenblicklichen Stand der europäischen Musik gab. Vor dem Kurhaus wehten die Fahnen Schwedens, Dänemarks, Frankreichs, der Schweiz, Jugoslawiens, Italiens und Deutschlands. Das Kurhaus war im Innern durch eine zauberhafte Auslese des Baden-Badener Frühlings zu einem festlichen Empfangsraum verwandelt worden. Mit wenigen Ausnahmen waren die Komponisten der aufgeführten Werke anwesend. Im Rahmen eines Teenachmittags fand die (Eröffnungsfeier statt, bei der Oberbürgermeister Schwedhelm- Baden-Baden die Gäste begrüßte und dem Wunsche Ausdruck gab, daß die Baden-Badener Musiktage über die Grenzen hinweg Brücken schlagen mögen zu anderen Nationen und damit völkerverbindend werben und daß die ausländischen Gäste Gelegenheit hätten, sich mit deutschem Wesen vertraut zu machen, damit das Verständnis unter den Nationen gefördert und der Friedensgedanke, den Deutschland immer gehegt habe, weitergepflegt werde. Zum Schlüsse der kurzen Feier wurde unter dem Beifall aller Anwesenden ein Ergebenheitstelegramm an den Führer und Reichskanzler, den Förderer des europäischen Friedensgedankens, gesandt. Der Abend des ersten Tages brachte ein Orchesterkonzert mit der Welturaufführung der „G eigen m u s i k mit Orchester^ von Werner E g k, das der Komponist dirigierte. Technisch sehr anspruchsvoll, schwierig in der Ausführung mit seinen ständig verschobenen Taktteilen und eigenartigen Rhythmen, sind die drei Sätze (Allegro — Andante — Vivace) eine interessante Mischung volkstümlich gehaltener, sehr eingängiger Konzert-, mondäner Tanz- und Münchner Schrammelmusik. Elisabeth Bischoff- München spielte den großen, virtuos behandelten Solopart mit herber Beseeltheit, wundervoller Weichheit des Tones (Andante) und glän» Aenber Technik (Vivace). — Stärkeren Eindruck hinterließ Karl Hollers „Sinfonische Fantasie über ein Thema von G. Frescobaldi für Orchester", Werk 20, das in klarer Schönheit immer wieder aufklingt in den eigenartigen, oft harmoniefremden Klangballungen und Orchesteref selten. — (Eingeleitet wurde der Abend mit der deutschen Erstaufführung der Konzertouvertüre Nr. 2, Werk 13, des Schweden Lars Erik L a r f f o n , das in geschmackvoller Aufmachung und guter kontrapunktischer Arbeit ernstes Wollen und starkes Ringen des jungen Künstlers verrät; beschlossen wurde bas Konzert mit ber begeistert aufgenommenen „Griechischen Suite für großes Orchester" von Petro P e t r i b i s , einem granbiofen Tongemälbe ber bezaubernben griechischen Lanbschaft, bas in Deutschlanb zum ersten Male gehört würbe. Der zweite Tag war Kammerkonzertwerken Vorbehalten, von benen Conrab Becks „Serenabe für Flöte, Klarinette unb Streichorchester", Jean F r a n c a i x' „Concertino für Klavier unb Orchester" unb Igor Strawinsky? „Konzert, für zwei Klaviere" zum erstenmal in Deutschlanb gespielt würben. Jean Francaix, ber ber jüngsten französischen Komponistengeneration angehort, erntete mit seinem liebensroürbigen, ungemein fesselnben Werk, bestehenb aus vier filigranfeinen Tvnbilbern voll kapriziösem Schwung — ber Komponist begleitete selbst am Flügel — stürmischen Beifall, ber zu einer Wieberholung zwang. Strawinskys breisätziges Konzert, bas er mit seinem Sohne spielte, stellt, in seiner geistigen unb technischen Konstruktion, ben Rahmen ber Klaviermusik fprengenb, in seinem imposanten Aufbau unb seiner inneren Problematik alles bisher von ihm Gehörte in ben Schatten. Der letzte Tag brachte eine kammermusikalische Morgenfeier mit einem sehr mter- effanten Werk „Concertino für fünf Violinen (Stroß-Quartett unb Mitglieber bes Babener Sinfonieorchesters) unb Klavier" (Georg Mantel) bes fünfunbbreißigjährigen Dänen Knubage R i i ] a= ger, ber im Hauptberuf Staatsbeamter ist. Riisa- ger, ber auf Grunb eines Staatsftipenbiums in München Musikstubien machte, hat sich in Dänemark bereits einen Ruf erworben. Er hat sich übrigens auch in ben letzten Jahren sehr bafür eingesetzt, baß sowohl in ben Konzertsälen Dänemarks als auch im bänifchen Runbfunk beutfche Komponisten bevorzugt behanbelt würben. — Stürmischen Beifall errang Paul Hinbemiths klar unb formschön aufgebaute „Sonate in E" für Violine unb Klavier, beren letzter Satz wieberholt werben mußte. Den Solopart hatte Karl F r e u n b - Schwerin übernommen. Am Flügel waltete Abrian Aesch- b a ch e r - Berlin seines Amtes. Ernst P e p p i n g s Sonatine für Klavier unb zwei Romanzen für Klavier weisen ber Klaviermusik neue, burchaus gangbare Wege, Wilhelm Maler stellte sich mit seinem Streichquartett in G als begabter unb ernst zu nehmenber Künstler vor. Die kammermusikalische Feier würbe mit Mveschingers „Fantasie unb Variationen über ein Berner Volkslieb", erstmals in Deutschlanb aufgeführt, mit lyrischem Gehalt, aber etwas breit, beschlossen. Der Sonntag klang aus mit bem Zweiten Orchesterkonzert, bas zwei Welturaufführungen unb eine beutsche Erstaufführung brachte. Ger- Harb F r o m m e l s „Suite für kleines Orchester", eine vornehme, feine Stimmungsmusik, leitete ben Adenb ein. Wolf-Ferraris „Venezianische Suite für kleines Orchester" beutete in blühenber Melobik Glück unb Schönheit ber ßagunenftabt. Aber das Werk wirkte fast altmodisch in diesem neuzeitlichen Programm, trotz aller Schönheit, die einer vergangenen Zeit angehort. — Die Uraufführung von Josip S l a v e n s k i s „Filmmusik", dem Komponisten der Musik im Tonfilm „Das Lied der Schwarze Berge", war der einzige Mißton dieses Musikfestes. Das Werk jft eine indiskutable Klangorgie, eine schwere musikalische Verirrung, die auch vom Publikum als solche aufgenommen wurde. Von Francesco Malipiero, dem bedeutendsten Repräsentanten der neuen italienischen Musik, hörte man eine „Sinfonie für großes Orchester", eine hochkultivierte Schöpfung von echt italienischem Kolorit. Mit Max Trapps sehr gekonntem „Konzert für Orchester" von außerordentlicher Schönheit, das unter Furtwängler in Berlin seine Uraufführung erlebte, wurden Höhepunkt und Ende des internationalen Musikfestes erreicht. Die Komponisten, die sehr gefeiert wurden, hatten eine vortreffliche Stütze in Generalmusikdirektor Herbert Albert, der, kaum partiturgebunden, die einzelnen Werke souverän beherrschte und sie meisterlich anzudeuten verstand; ferner in dem Stroß - Quartett, das in der vordersten Linie der neuen Quartettoereinigungen steht, unb im verstärkten Daben-Babener Sinfonie- unb Kurorchester, bas mit Liebe unb Begeisterung um eine ausgezeichnete Wiebergabe bemüht war. Josef Wellenreuther. Kunst und Wissenschaft. Preisgekrönte Münchner Dichter. Der Literaturpreis ber Stabt München für 1934, 1935 unb 1936 würben in ber Sitzung ber Ratsherren ber Hauptstabt ber Bewegung am Dienstag wie folgt verteilt: Den Literaturpreis für 1934 erhielt bie Balladenbichterin Franziska-Luise D r e s- ler-Schember in Anerkennung ihres in biesem Jahr vollenbeten großen Werkes, bas bie Trabitwn beutscher Ballabenoichtung roürbig fortsetzt. Der Literaturpreis für 1935 würbe bem Dichter Georg Bri11ing in Anerkennung seines lyrischen Schaffens verliehen. Sein Werk, geboren aus tiefer Na- turverbunbenheit unb geformt durch das erschütternde Erlebnis des Krieges, stellt ein glanzvolles dichterisches Wiederaufleben des bayerischen Barocks dar. Für 1936 wurde der Literaturpreis dem Dichter E. G. K o l b e n h e y e r in Anerkennung feiner in ihrer Vielseitigkeit einzigartigen bichterischen unb benkerischen Gesamtleistung zugesprochen. Jnsbe- sonbere werben in ber Begrünbung seine große faustische Dichtung, bie Paracelsus-Trilogie unb fein Schauspiel „Gregor unb Heinrich" hervorgehoben. Der mit jebem Preis oerbunbene Betrag beläuft sich auf 2000 RM. Preisgekrönte Siebenbürger Dichter. Die Berliner Zeitschrift „bie neue linie" hat, wie kürzlich bereits gemelbet, auch in biesem Jahr roieber einen großen Erzählerwettbewerb ausgeschrieben, dessen ersten Preis der Siebenbürger Dichter Erwin Witt stock für seine Novelle „H erz an der Grenze" davontrug. Der erste Preis der Zeitschrift fiel auch schon in den Jahren 1933 und 1935 an einen Siebenbürger Sachsen, an Hch. Zillich. Die dreimalige Krönung ber Dichter aus Siebenbürgen bezeugt ben hohen Wert ihrer Schrifttumsarbeit, aus ber befruchtenbe Ströme bem gefamtbeut- fchen Dichtungsbestanb zufließen. Zehn Zähre Hlarburger Festspiele. Die Marburger Fe st spiele feiern in biesem Jahre ihr zehnjähriges Bestehen. Der Jubiläums- Spielplan bringt ben „Sturm" von Shakespeare, „Käthchen von Heilbronn" von K l e i st, „Die lustigen Weiber von Winbsor" von Shakespeare sowie „Die Himmelskomöbie" von Hillers. Erfolgreiches Konzert beutscher Künstler in Ankara. Die bekannte Sängerin Maria Müller von ber Berliner Staatsoper sang mit Dr. Hallasch von ber Münchener Oper als Begleiter in ber beutschen Botschaft in Ankara (Türkei) vor gelabenen Gästen, unter benen sich ber türkische Ministerpräsibent General Ismet I n o e n u, ber Finanzminister, ber Unterrichtsminister, zahlreiche höhere Beamte unb Abgeorbnete sowie Vertreter bes Diplomatischen Korps mit ihren Damen befanben. Am folgenben Tage trat bie Sängerin im Rahmen eines Wohl- tätigkeitskonzertes im Volkshause auf unb erregte vor überfülltem Hause Stürme ber Begeisterung. Die Künstler reifen bieser Tage nach Istanbul weiter. Eine Reichsfachschaft Tanz. Die Reichstheaterkammer hat neben ber Reichsfachschaft Bühne unb ber Reichs fach schäft Artistik eine neue Reichsfachschaft Tanz als Abteilung ber Kammer errichtet. Die neue Fachschaft umfaßt als Fachgruppen alle tänzerischen Organisationen. Allein bie Bühnentänzer werben auch weiterhin als Fachgruppe 5 bei ber Reichsfachschaft Bühne bleiben. Zum Leiter ber Reichsfachschaft Tanz würbe Pg. August Burger berufen, ber zugleich bie Fachgruppe 5 ber Fachschaft Bühne führt. auf 120 Stundenkilometer steigerte. Trotz der Schnelligkeit fährt der Zug bemerkenswert ruhig und stoßfrei. Mit dieser neuen Zugart ist auch ein neuer Beruf geschaffen worden: tm Zuge fahren in kleidsamer Livree Pagen mit, die das Gepäck und die Garderobe der Fahraäste in einen besonderen Aufbewahrungsraum schaffen und auch sonst um die Bequemlichkeit der Reisenden bemüht sind. Nach einer Fahrt von 4 7 Minuten traf der Zug in Lübeck ein. Stellt Familienväter ein! Eine Mahnung des Reichsbundes der Kinderreichen. Berlin, 7. April. (DNB.) Der Reichs- bunt) der Kinderreichen, das Raffen- politische Amt der NSDAP., der Reichsausschuß für Dolksgesundheitsdienst und der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung erlassen einen Aufruf, in dem es heißt: „13 Millionen ungeborener deutscher Kinder, die im Wirtschaftsleben nur Verbraucher sind, fehlen heute. Damit ist der natürliche Altersaufbau unseres Volkes gestört und em zahlenmäßiges Mißverhältnis zwischen Verbrauchern und Erzeugern entstanden. Dieses Mißverhältnis zwingt heute noch Millionen Menschen zur Erwerbslosigkeit und damit auch zur Verbrauchseinschränkung. Niemand hat an diesem Unglück so wenig Schuld, wie die kinderreichen Eltern. Es leidet aber auch niemand so unter der Erwerbslosigkeit wie die kinderreichen Familien. Ist der Ernährer einer solchen Familie ohne Arbeit, so ist damit nicht er allein betroffen, sondern genau so die Mutter und die Kinder. Schon dann müssen sich diese Familien mehr einschränken als Andere, wenn der Vater Arbeit hat, oft müssen die nachwachsenden Geschwister m der Ausbildung ^urückgesetzt werden, wenn die arbeitsfähig gewordenen älteren Söhne und Töchter keine Lehrstelle, keine Arbeit finden. Wie verschärft sich das erst, wenn der Vater erwerbslos ist! Noch sind unverhältnismäßig viele Väter und erwerbsfähige Angehörige kinderreicher Familien ohne Arbeit! Kinderreichen Familien ihr Fortkommen erleichtern, ist größter und dringendster Dienst am Volke in einer Zeit, wo dieses um seinen Fortbestand ringt. Deshalb rufen wir alle, die Arbeit und Aufträge oder Lehrstellen zu vergeben haben, auf: Denkt an die deutschen Vollfamilien, stellt ihre Ernährer, ihre Söhne und Töchter an, gebt ihnen Arbeit oder L e h r st e l l e n. Ihr werdet es nicht bereuen. Denn wer ein guter deutscher Vater ist, der wird mit doppeltem Eifer und doppelter Gewissenhaftigkeit für die Seinen arbeiten. Und die Kinder, die in diesen Familien von Jugend auf zu Gemeinschaftsgeist, Einfügung und Arbeitseifer erzogen sind, sie werden sich überall als pflichtbewußte Menschen bewähren." Abbau Oer privchen Vorschulen Berlin, 7. April. (DNB.) Reichsminister Rust hat angeordnet, daß vom Schuljahr 1936 ab Lernanfänger in privaten Vorschulen und Vorschulklassen nicht mehr ausgenommen werden dürfen. In dem Erlaß heißt es, daß von jedem im grundschulpflichtigen Alter stehenden gesunden deutschen Kinde grundsätzlich der Besuch der öffentlichen Volksschule verlangt werden müsse. Diese sei für alle Kinder gemeinsame nationalsozialistische E r - ziehungsstätte während der ersten Schuljahre. Die Beibehaltung privater Vorschulen und Vorschulklassen widerspreche daher den nationalsozialistischen Erziehungsgrundsätzen. Soweit Schulanfänger bereits bei privaten Vorschulen oder Vorschulklassen weiterführenden Privatschulen angemel- oet sind, sind sie daher wieder abzumelden und bei der zuständigen öffentlichen Volksschule anzumelden. Nur falls in Ausnahmefällen die Aufnahme in den öffentlichen Volksschulen außergewöhnlichen Schwierigkeiten begegen sollte (z. B. wegen etwa notwendig werdender Klassenteilungen), kann die Umschulung bis nach den Sommerferien verschoben werden. Für den Ausgleich etwa entstehender erheblicher wirtschaftlicher Härten für die Unterhaltsträger der Privatschulen und die freiwerdenden Lehrkräfte durch geeignete öffentliche Maßnahmen sind weitere Richtlinien in Aussicht gestellt. Mit der Zahlung von Entschädigungen wird jedoch nur in ganz besonders gelagerten Härtefällen gerechnet werden können. Für die Erteilung von Privatunterricht und den Besuch sogenannter Familienschulen gelten die bisherigen Vorschriften. Auf private jüdische Vorschulen und Vorschulklassen findet der Erlaß keine Anwendung. Das Baugrubenunglück in Berlin. Am dritten Verhandlungstag wurde der Diplom- Ingenieur Hugo Hoffmann, Direktor und Geschäftsführer der Berlinischen Baugesellschaft, vernommen. Der Angeklagte wies darauf hin, daß er auf Grund seiner langjährigen praktischen Tätigkeit im Bauwesen über umfassende Erfahrungen gerade auf den technischen Gebieten verfüge, die beim Bau der Untergrundbahn in der Hermann-Göring-Straße in Betracht kämen. Er wandte sich sehr erregt gegen die Sachverständigen, deren Gutachten zur Anfertigung der Anklage gegen ihn verwendet worden seien und wies den Vorwurf zurück, er habe den ganzen Bau an der Unglücksstelle „mit den Augen des Brückenbauers" angesehen. Er habe häufig schon unter sehr schwierigen Verhältnissen, vor allem auch an Baustellen unter Wasser gearbeitet. Hoffmann trat auch der Behauptung entgegen, daß die Berli- msche Baugesellschaft für die Durchführung des U-Bahn-Baues ungeeignet gewesen sei. Er verwies auf zahlreiche Bauarbeiten, die von der Firma zur vollen Zufriedenheit aller Beteiligten erledigt worden seien, so der Bau der Berliner U - Bahn, größere Aufträge für das Tiefbauamt des Magistrats, sowie verschiedene Tiefbauprojekte für die Reichsbahn. Nach Erledigung der Schachtarbeiten im Abschnitt Tieck-Straße der Nord-Süd-8 - Bahn sei die Gesellschaft mit den Schachtarbeiten in der Hermann-Göring-Straße betraut worden. Bei der Ausschreibung habe die Gesellschaft mit rund 1,9 Millionen Mark damals das preismäßig niedrigste Angebot abgegeben. Damit sei sie um rund 28 000 Mark unter dem nächsthöheren Gebot geblieben. Seine Zusammenarbeit mit dem mitangeklagten 42jährigen Diplom-Ingenieur Fritz Noth sei außerordentlich gut gewesen. Noth sei Spezialist auf dem Gebiete des U-Bahn-Baues. Er wurde den an ihn gestellten Anforderungen in mustergültiger Weise gerecht, so daß er, Hoffmann, seine Ueberwachungs- tätigkeit ihm gegenüber eingeschränkt habe und mit Rücksicht auf seine umfangreiche Inanspruchnahme als Betriebsführer und Direktor auch habe ein« schränken können. Neuer lettischer Gewaltakt gegen das Deutschtum. Fortnahme des Rigaer Dommuseums. Riga, 7. April. (DRV.) Völlig überraschend erschienen am Dienstag Beamte der lettländischen Denkmalsverwaltung in Begleitung von Polizei im Rigaer Dommuseum und versiegelten sämtliche Eingänge des Museums. Das 21lu- futn ist Eigentum der deutschen „Gesellschaft für Geschichte und Altertumskunde zu Riga". Die Beamten wiesen dem Museumsvorstand ein Schreiben des staatlichen Denkmalsamles vor. 3n diesem Schreiben wird mlt- geteilt, daß Kultusminister T e n t e l i s am 6. April den vom lettländischen Denkmalsamt bereits am 14. Oktober v. 3. gefaßten Beschluß bestätige, das Dommuseum mit allen dazu gehörigen Sammlungen der Gesellschaft einschließlich der Leihgaben in staatliche Verwaltung zu übernehmen. Das vom lettländischen Professor für Vorgeschichte Franz V a l o d i s unterzeichnete Schreiben wurde mit dem Artikel 20 des Denkmalsfchuhgefehes begründet, dem zufolge bei schlechter Verwaltung oder ordnungswidriger Behandlung historisch wertvoller Gegenstände diese in besonderen Fällen mit Zustimmung des Kultusministers in staatliche Verwaltung genommen werden können. Diese ohne Ankündigung erfolgte Maßnahme des lettländischen staatlichen Denkmalsamtes erinnert an das gleiche Vorgehen desselben Amtes am 5. Dezember v. 3. Damals wurden unter Hinzuziehung eines Polizeiaufgebotes die wertvollen Bestände der Urkund en - und Handschriftensammlung der Bibliothek der „Gesellschaft für Geschichte und Altertumskunde" geschlossen, um später in das lettische Staatsarchiv überführt zu werden. Ein von der genannten Gesellschaft anhängig gemachter Prozeß gegen das Denkmalsamt ist bis heute nicht zur Verhandlung gekommen. Heer und Poüttk in Japan. Wiederherstellung der Disziplin. T o k f o , 8. April. (DNB. Funkspr. Ostasiendienst.) Unter dem Vorsitz des Kriegsministers hat eine Konferenz sämtlicher Divisionskommandeure, auch der Kommandeure aus Korea, Formosa, Nordchina und der Kw-antung-Armee begonnen, um Maßnahmen zu beraten, die das durch die letzten Vorgänge erschütterte Vertrauen des Volkes zum Heer wieder Herstellen sollen. Die Kommandeure werden angewiesen werden, die Ordnung, und Disziplin im Heere durch Aufklärung oder aber auch gegebenenfalls durch schärfste Maßnahmen wieder aufzurichten. Kriegsminister T e r a u ch i und Vizeminister Urne» t s u sind scharfe Gegner der politischen Betätigung, wie sie in der letzten Zeit bei jungen Offizieren beobachtet word-m ist. Sie vertreten die Ansicht, daß die politische Betätigung von Offizieren, die unerlaubte Herausgabe von Druckschristen oder Erklärungen eine Disziplinwidrigkeit darstellen und somit gegen den kaiserlichen Befehl verstoßen. jRefrufierunflöifditvierigfeifen in England. London, 8. April. (DNB. Funkspr.) Im Unterhaus beantragte die oppositionelle Arbeiterpartei die Einführung einer Klausel, nach der die jungen Männer, die vor dem gesetzlichen Alter von 18 Jahren in die Armee oder Luftwaffe eingetreten sind, auf Antrag ihrer Eltern ober Pflegeeltern wieder entlassen werden können. Der Kriegsminister machte darauf aufmerksam, daß die Rekrutierung gegenwärtig außerordentlich schlecht sei. England behalte allein unter den großen Mächten Europas ein Verteidigungssystem bei, das auf der Freiwilligkeit beruhe. Die Schwierigkeiten, mit diesem System durchzukommen, mehrten sich. Der Kriegsminister würde die äußersten Anstrengungen machen, um die Zahl der Rekruten zu vermehren. Sollte das Erfolg haben, so werde er gern das Gesetz entsprechens dem Antrag der Opposition ändern. Die Opposition zog darauf ihren Antrag zurück. Kriegsminister Duff Cooper teilt ferner mit, daß die englische Armee in der Verwendung von Giftgasen als einer legalen Waffe der modernen Kriegführung aus gebildet werde. Dabei würden alle denkbaren Methoden der Abwehr versucht. Naturgemäß arbeiteten die militärischen Stellen bei der Ausbildung mit chemischen Sachverständigen zusammen. Auf die Frage eines Abgeordneten, ob Giftgase tatsächlich eine legale Waffe der modernen Kriegführung seien, gab der Kriegsminister keine Antwort. Reichsminister Krank Gast des faschistischen Kuliursenats. Mailand, 8. April. (DNB. Funkspr.) Reichsminister Frank nahm am Dienstagabend im Hause des faschistischen Kultursenats in Genua an den Eröffnungsfeierlichkeiten des deutsch-italienischen Studienzirkels teil. Konsul Professor M o r e l l i begrüßte die Gäste im Namen des faschistischen Kulturinstituts. Anschließend sprach der deutsche Generalkonsul in Genua Dr. Linder über die Gründung der neuen deutsch-italienischen Studienvereinigung. Professor Marzicati sprach Reichsminister Frank seinen Dank für die Teilnahme an der Gründung des italienisch-deutschen Studienzirkels aus. Reichsminister Frank zollte dem Werk des Faschismus und dem Duce feine hohe Anerkennung. Er hob die Bedeutung der deutsch-italienischen kulturellen Zusammenarbeit hervor, die dazu bestimmt sei, die Bande der Freundschaft zwischen den beiden Völkern immer enger zu knüpfen. Die beiden jungen Völker feien durch ein gemeinsames Schicksal gegenüber den alten Völkern verbunden. Ein Konzert klassischer deutscher Musik beschloß die Feier. KeichSbürgschastenfürDolkswohnungen Berlin, 7. April. (DNB.) Um die Finanzierung des Baues von Volkswohnunaen zu erleichtern, konnte schon bisher eine Reichsbürgschaft für hie Zweite Hypothek nach den Vorschriften für den Kleinwohnungsbau übernommen werden. - Der Reichsarbeitsminister hat nun durch Erlaß d i e Voraussetzungen für die Büraschastsüber- nahme den besonderen Bedürfnissen der Volkswohnungen angepaßt und das Verfahren wesentlich vereinfacht. Die zweite „kdF."-Flotte im Hafen von Lissabon. Die drei ,K d F." -Dampfer „Der Deutsche", „St. Louis" und „Sierra Cordoba" haben gestern (Dienstag) zu ihrem zweiten diesjährigen Besuch im Lissaboner Hafen angelegt. Zum Empfang der zweiten „KdF."-Flotte war die deutsche Kolonie fast vollzählig erschienen, an ihrer Spitze der deutsche Gesandte Baron von Hoyningen-Huene, weiter die Leiter der Ortsgruppen der NSDAP, urtb der Arbeitsfront sowie Vertreter des portugiesischen Propagandasekretariats und der portu- aiesischen Gründung „Freude an der Arbeit". Es herrschte regnerisches Wetter, dennoch äußerten sich die Urlauber äußerst befriedigt über den bisherigen Teil ihrer Reise. Bevor die Schiffe angelegt hatten, brachte der Reiseleiter ein begeistert aufgenommenes Sieg-Heil auf Portugal und feinen Präsidenten aus und auf Deutschland und seinen Führer. Daraufhin wurden gemeinsam die Nationalhymnen gesungen. „Hindenburg" und „Graf Zeppelin" im Südamerika-Dienst. Das Luftschiff „Graf Zeppelin" wird seine erste diesjährige Südamerikafahrt am Ostermontag vom Werftgelände in Friedrichshafen aus antreten. Entgegen anderslautenden Meldungen teilt die Zeppelin-Reederei mit, daß die Landung des Luftschiffes „Hindenburg" nach feiner Rückkehr von Südamerika auf dem Flugplatz in Löwenthal bei Friedrichshafen erfolgen werde, da einige Einrichtungen der neuen Luftfchiffhalle in Frankfurt a. M. noch nicht fertiggestellt sind. Das neue Luftschiff wird in der Löwenthaler Halle bleiben, bis die Halle in Frankfurt a. M. bezugsfertig fein wird. Das Luftschiff „Hindenburg" befand sich Dienstagmittag bei der brasilianischen Sträflingsinsel Fernando de Norona. Um 16 Uhr MEZ. überquerte das Luftschiff zum zweiten Mal den Aequator. Wieder gab es das übliche Aequator- Effen. 13 neue Täuflinge mußten sich dem hochnotpeinlichen Verfahren einer Taufe durch den Windgott Aeolus unterziehen. Die Stimmung ist unverändert großartig. Starke Schneefälle an der Westküste von Rordschleswig. An der Westküste von Nordschleswig fielen größere Mengen Schnee, der trotz der vorgerückten Jahreszeir liegen blieb. Die Schneemassen waren teilweise so umfangreich, daß sie den Verkehr behinderten. Der Triebwagenzug zwischen Tondern und Rotenkrug blieb im Schnee st ecken und konnte erst nach einer halben Stunde seine Fahrt fortsetzen. Der Mord an dem Altonaer Polizeibeamren aufgeklärt. Wie erinnerlich, ist am 1. April der Revieroberwachtmeister Springer in Groß-Flottbek bei Ausübuna seines Dienstes von einem Einbrecher erschossen worden. Der Täter konnte zunächst unerkannt entkommen. Die Ermittlungen der Kri- Landwirt mit schweren Kopfverletzungen in seiner Scheune aufgefunden. Bald nach dem Auffinden gestorben. Die krirninalpolizeislelle bei der Polizeidirektion Gießen meldet: Am 7. April vormittags gegen 6.30 Uhr ging der 19jährige Sohn Adalbert des Landwirts Heinrich Engel in Lorbach (Kreis Büdingen) in den dem Wohnhaus auf der anderen Straßenseite gegenüberliegenden Stall. Da sein Vater etwa eine halbe Stunde vorher in den Stall gegangen war, um das Vieh zu füttern, dies jedoch nicht geschehen war, fiel dies dem jungen Manne auf. Er begab sich nun in die Scheune, um Futter zu holen, hier fand er feinen Vater, der noch röchelte, in einer Blutlache vor. Unter den Beinen des Verletzten lag eine völlig mit Blut besudelte Axt. Der 3unge rief seine gerade aus dem Fenster schauende Mutter hilfesuchend herbei, die auch sofort mit dem anderen, 15 3ahre alten Sohn Alois in die Scheune eilte. Vorübergehende Dorfbewohner verbrachten mit den Angehörigen zusammen den Verletzten in feine Wohnung. Der sofort herbeigerufene Arzt stellte eine große Anzahl leich- ler und schwerer S ch ä d e l v e r l e h u n g e n fest, die mit einer Axt verursacht waren. Auch der linke Unterarm, oberhalb der Handwurzel, wies zwei schwere Axthiebverlehungen auf. Kurz nach der ärztlichen Hilfeleistung verstarb der Schwerverletzte. Da nach einer Mitteilung der Gendarmerie Büdingen an die Kriminalpolizeistelle Gießen mit einem Verbrechen zu rechnen war, begaben sich außer den beiden vorgenannten Dienststellen auch die Staatsanwaltschaft Gießen und Beamte der Landeskriminalpolizeistelle Darmstadt an den Tatort, um die Ermittlungen gemeinsam aufzunehmen. Rach den umfangreichen Tatortfeststellungen und Erhebungen unter Berücksichtigung des Gutachtens des Amtsarztes nach der Leichenöffnung kam man ZU der Ueberzeugung, daß die zunächst bestandene Annahme, es liege ein Verbrechen vor, doch nicht mehr vollkommen aufrechterhal- t e n werden könne und große Wahrscheinlichkeit besteht, daß der Verstorbene den Freitod gesucht hat. Die polizeilichen Ermittlungen sind zur Zeit noch im Gange. Minalpolizei führten jetzt zur F e st n a h m e des Täters. Es handelt sich um den 1901 in Rählings- hausen bei Dortmund geborenen Hans Kokot, der sich auch fälschlich Kolpek oder Kolzek nannte. Kokot ist wegen zahlreicher Einbruchsdiebstähle mehrfach, das letzte Mal mit zehn Jahren Zuchthaus, vorbestraft worden. In dem Quartier Kokots wurde eine große Menge Sachen aller Art gefunden, die aus Villeneinbrüchen stammen. Kokot hat ein Teilgeständnis abgelegt, er ist aber vollkommen überführt, die Schüsse auf Springer abgegeben zu haben. Heber 500 Todesopfer des Wirbelsturmes in USA. Das amerikanische Rote Kreuz nimmt an, daß bei dem Wirbelsturm in den sechs Südstaaten übex 500 Personen getötet und 1727 schwer verletzt worden sind. Die Zahl der zerstörten Häuser wird auf 3200 geschätzt. Bisher wurden 429 Leichen geborgen. Folgenschwere Kesselexplosion auf einem spanischen Fischdampfer. Vor Coruna explodierte der Kessel eines spanischen Fischdampfers, wodurch 6 Mann der Besatzung zerrissen wurden. Acht Seeleute wurden schwer verletzt. Ein neuer Sportflughafen in Rangsdorf bei Berlin. Rach kaum achtwöchiger Bauzeit fand das Richt- fest des Sportflughafens Rangsdorf statt. Der 25 Kilometer südlich von Berlin gelegene neue Flughafen mit einem prächtigen Klubhaus des Aeroklubs am Rangsdorfer See, einem Flughafen- Leitungsgebäude, einem großen Derwaltungs- und Flugschüler-Gebäude und drei geräumigen Hallen wird Anfang Juli bereits in Betrieb genommen werden können. Die Anlagen werden also den zahlreichen Sportfliegern aus aller Welt, die zu den Olympischen Spielen nach Berlin kommen werden, zur Verfügung stehen. Kleine politische Nachrichten. In London wurde amtlich mitgeteilt, daß die General st absbesprechungen zwischen Großbritannien, Frankreich und Belgien am 15. April in London eröffnet werden. * Frankreich behält diejenigen Soldaten unter den Fahnen, die am 15. April zur Entlassung hätten kommen sollen. Es sind Soldaten, die z u r ü ck g e st e l l t worden waren. Eine Angabe über die Za^l der unter den Fahnen gehaltenen Soldaten wird «icht gemacht. In B u d a p e st trugen Ministerpräsident G ö rn- bös und der Führer der Kleinlandwirtepartei, Ab- georbneter Tibor Eckhardt, ein Pistolen» d u e l l aus. Es verlief unblutig. Die Gegner schieden unversöhnt. Grund zu dem Zweikampf war ein beleidigender Wortwechsel ;n einer Ausschuß- sitzung des ungarischen Abgeordnetenyausev. Bor Ostern - - zu mir! M Carl Sommer M mit dem ganzen Schmiß der neuen Mode u. der Stabilität deutscher Facharbeih 57.- 48.- 36.- 29.- mode, einfarb. od. gemust. mit Golf- oder langer Hose 48.- 39.- 32.- 24.- in der flotten Slipon- oder Raglanform, natürlich Gabardine, auf guter K.Seide 53.- 47.- 42.- 35.- H arren-Hosen Streifen- od. Anzugmuster, Knickerbocker und leichte, helle Sommer-Hosen« 8.75 6.50 4.75 3.95 Alleinverkauf der bekannten Aquarex-Mäntel Wetter-Mäntel aus Batist, Gummi, Lederol, leichte Sommer-Joppen, ferner Wander-Kleidung für Herren und Knaben ganz enorm billigI Straßen-Anzüge Spo rt-A nzuge Herren- Mäntel die Lieblinge der Sommer- KLEIDUNG Oberheffen. 95 Jahre alt. A Utphe, 7. April. Dieser Tage konnte der alte st e Einwohner unseres Ortes und auch der ganzen Umgegend, der Landwirt und Drechsler Friedrich Beltzer, seinen 9 5. Geburts- t a g feiern. Der Greis erfreut sich noch einer aus- oezeichneten körperlichen Rüstigkeit und geistigen Frische, so daß seine Familie der Ansicht ist, daß er „die honnert herabmächt". Trotzdem gilt von seinem langen Leben das Bibelwort, daß es Mühe und Arbeit gewesen ist, und auch von Schicksalsschlägen mancher Art ist er nicht verschont geblieben. Außer seiner Ehefrau hat er schon Kinder und sogar Enkel vor sich ins Grab sinken sehen. Bis in seine achtziger Jahre war er der eifrigste Leser der hiesigen Volksbücherei. Im Krieg und in den Nachkriegsjahren, als in Verbindung mit der eigenen Schafhaltung das Spinnrad wieder zu Ehren gekommen war, ist der damals schon Hochbetagte in der weiteren Umgebung bekannt geworden als „der alte Dreher", war er doch auf weit und breit der einzige, der die Wiederingangsetzung und Ergänzung alter Spinnräder verstand. Oer „Kreppeisonntag" in Lang-Göns. X Lang-Göns, V. April. Aus früheren Zeiten hat sich hier noch ein Stück Brauchtum erhalten, das unseres Wissens wohl kaum in der engeren Heimat anzutreffen ist. Am Palmsonntag, der im Volksmunde hierorts allgemein als „Kreppelsonntag" bezeichnet wird, zieht der Gesellschaftsschäfer mit seiner Herde durchs Dorf, um von den Schäfereigenossen eine besondere Gabe in Gestalt von einigen Kreppeln in Empfang zu nehmen. Vor Jahren wurde das Herdetreiben mit fchrillem Pfiff durch die Finger der linken Hand angekündigt, und schon standen vornehmlich die Buben am Tor, um die bereitgelegten Kreppel auszuhändigen, die dann in einem weißen, umgehängten Säetuch verstaut wurden. Natürlich wurde besonders großes und leckeres Backwek ausgesucht. Heuer nimmt der Dorfschäfer die Kreppel in einem Henkelkorb in Empfang. Vor dem Weltkrieg wurden in gleicher Weise auch die Dorfrasierer am Palmsonntag mit Kreppeln bedacht. Sie suchten ihre Kundschaft Mittwochs, Samstags bzw. Sonntags in ihren Wohnungen auf, um sie dort zu bedienen. Die Kreppelgabe der Rasierer ist seit etwa 20 Jahren nicht mehr gebräuchlich. Landkreis Gießen # Tr o h e, 7. April. Die Wassergeldsätze in unserer Gemeinde bleiben in der Höhe des Vorjahres bestehen. Für den Haushalt werden 8 Mark, für Gewerbebetriebe 15 Mark, für Badeanschluß 15 Mark, für den Garten 7,50 Mark, für Großvieh (Pferde und Kühe) je 2 Mark, für Kleinvieh (Rinder, Schweine, Ziegen und Kälber) je 0,70 Mark jährlich erhoben. Um die Ausschlagssätze auf Viehhaltungen feststellen zu können, war eine Viehzählung durchgeführt worden. Die Zählung hatte folgendes Ergebnis: 8 Pferde, 66 Stück Rindvieh, 53 Liegen und 93 Schweine. $ Alten - Buseck, 7. April. Gestern abend eröffnete der Ortsgruppenführer des Reichsluftschutzbundes Dr. Ludwig Haas den Sanitätskursus vom Roten Kreuz. Es nehmen etwa 30 Frauen und Männer daran teil. Dr. Haas begrüßte die Teilnehmer und wies in kurzen Worten auf die Bedeutung des Roten Kreuzes in Kriegs- und Friedenszeiten hin. In seinen Ausführungen sprach der Führer der S a n i t ä t s - kolonne Gießen, Herr Kratz, über die Aufgaben des Roten Kreuzes im allgemeinen und dessen besondere Bedeutung im Dritten Reich. Wie hoch der Wert des Roten Kreuzes einzuschätzen sei, beweise die Tatsache, daß unser Führer die Schirmherrschaft über das Rote Kreuz übernommen habe. Die Ausbildung verfolgt den Zweck, Laienhelfer für den Luftschutz zu gewinnen. Die Ausbildung der Teilnehmer liegt in der Hand von Dr. L. Schmidt, Wieseck. Nach kurzen einleitenden Worten begann er mit den Sanitätsbelehrungen. Zum Schlüsse sprach die Kreisführerin der Frauenabteilung vom Roten Kreuz, Baronesse von Rabenau, und forderte die Mädchen und Frauen auf, nach beendigtem Lehrgang sich dem Roten Kreuz und dem Luftschutz als Laienhelferin aktiv zur Verfügung zu stellen. <£ Reiskirchen, 7. April. Heute abend ereignete sich auf dem Bahnhof Reißkirchen ein kleiner Zwischenfall. Ein Wagen des Güterzuges, der um 20 Uhr die Strecke passiert, war beim Rangieren aus den Gleisen geraten. Der Wagen wurde abgehängt. Der Güterzug setzte dann die Fahrt fort. Ein Hilfszug aus Gießen stellte die Ordnung schnell wieder her. Schaden entstand nicht. Lediglich der Personenzug, der um 20.30 Uhr den Bahnhof passieren sollte, erfuhr einen zwangsläufigen Aufenthalt von einer halben Stunde. — Zur Bekämpfung der Rabenplage wurden in der Gemarkung G i f t e i e r ausgelegt. Die Eltern wurden durch Bekanntmachung darauf hingewiesen, 'ihre Kinder vor dem Aufheben der Eier oder der toten Raben zu warnen. W Daubringen, 7. April. In der Wirtschaft Weimer fand die Generalversammlung des hiesigen Spar- und Vorschußoereins statt. Aus dem Geschäftsbericht ist zu erwähnen: Der Umsatz betrug etwa 343 000 Mark gegenüber 306 400 Mark im Vorjahr. Die Kleinspareinlage betrug 8672 Mark, der Stand der Spareinlage 158 560 Mark, der Reingewinn 1164 Mark. Vom Reingewinn wurden 500 Mark dem Reservefonds, 50 Mark dem Verein Kleinkinderfreund und Krankenpflege, 20 Mark der Schule, 6 v. H. für Vergütung des Geschäftsanteiles und der Rest der Betriebsrücklage überwiesen. Die ausgeschiedenen Vorstandsmitglieder wurden wieder gewählt. * Mainzlar, 7. April. Die am Sonntag durchgeführte Sammlung „M utter und Kind" ergab hier insgesamt 35 Mark. Bei der am Samstag durchgeführten Büchsensammlung wurden die zugewiesenen 400 Schmetterlinge in der Ortsgruppe (Mainzlar, Staufenberg und Daubringen) restlos abgesetzt. > Leihgestern , 7. April. Im Rathaussaale fand die Generalversammlung des hiesigen Sparund Vorschußvereins statt. Der Vorsitzende Haas gab den Geschäftsbericht bekannt. Der Geschäftsgang war gut Vier Mitglieder traten neu ein, 10 Mitglieder schieden aus. Vier Mitglieder wurden dem Verein durch den Tod entrissen. Die Bilanz wurde durch den Rechner Häuser vorgetragen. Die Verteilung des Reingewinns wurde in der vorgeschlagenen Form gutgeheißen, ebenso die Erhöhung der Kreditgrenze. Das Eintrittsgeld wurde für neu eintretende Mitglieder von eine Mark auf fünf Mark erhöht. An die Mitglieder gelangt eine 4proz. Dividende zur Verteilung. Im laufenden Jahre wurden 39 Sparbücher neu ausgestellt. Der Jahresabschluß fand die Genehmigung der Versammlung. Dem Vorstand und dem Aufsichtsrat wurde Entlastung erteilt. Der Revisionsbericht des Verbandes wurde zur Kenntnis gebracht. Die ausscheidenden Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder wurden einstimmig wiedergewählt. Das Aufsichtsratsmitglied Johannes Mattern erhielt für seine 31jährige Tätigkeit im Aufsichtsrat ein Ehrendiplom überreicht. Aufsichtsratsmitglied H. Schäfer gab an Hand von Aufzeichnungen einen Rückblick auf die 45jährige Geschichte des Vereins, aus dem hervorging, daß der Verein in den Jahren seines Bestehens immer segensreich gewirkt hat. "Y Watzenborn - Steinberg, 7. April. Bei der letzten Sammlung hatte unsere Ortsgruppe der NSV. einen guten Erfolg zu verzeichnen. Durch den Verkauf von nahezu 500 Schmetterlingsabzeichen einschließlich der Listensammlung wurden 106,65 Mk. erbracht. cxd Eberstadt, 7. Avril. Die Eiersamm - l u n g f ü r d i e N S V., die in unserem Dorfe durch den BDM. durchgeführt wurde, ergab die beachtliche Anzahl von 310 Stück. Der Verkauf der Schmetterlingsabzeichen erbrachte den Betrag von 14 Mark. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwort- lich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. III. 36: 10 270. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch-und Steindruckerei R. Lange,K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf* mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. Dr. med. Walther Adler im 59. Lebensjahre. Großen-Buseck, den 8. April 1936. Die Beerdigung findet Karfreitag um 21/3Uhr vomTrauerhause aus statt 2270 D (fr Frau Minna Braun, geb. Klug In tiefem Schmerz: Ernst Braun nebst Kind Wieseck, den 7. April 1936. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 9. April, nachm. 2 Uhr, statt. , i Zirka 200 Fstrn. ■ Fichtenslammholz 2275 D Gartengeräte,eine Altersvereinigung 1872-1922 Vermietungen"] | Empfehlungen! 2259 D 1 Dauerbrenner, eine Anzahl gebr. per Kasse z. kaufen gesucht. Weg. Platzmangel eine Banholz- Kantholzsäge einwandfrei im Schnitt mit zwei 1 Met. Durchm. Kreissägeblätter billig abzugeben. Schr.Angeb.unt. 01624 and.G.A. Werbe-Drucksachen bei Brühl, Schulstr.7 Ws.-hM mit Heiz.,Garage u. Garten, freie Lage, zu verkauf. Näh. A. Becker Keplerstraße 9. Telefon 3804. Sehr gut erhalt. 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Wir echten Wanderer geben Zeugnis davon, daß wir sie wieder hervorholen, daß wir trotz aller Hast der Alltagsmenschen wieder zur „guten alten Zeit" zurückkehren. Wir halten freilich die Schnelligkeitsentwicklung nicht auf. Wir wissen das, aber zu unserer persönlichen Freude wollen wir wieder „altmodisch" werden, wollen wandern, wie einst frohe und naturnah« Burschen wanderten, ohne Auto, ohne Fahrrad, nur unsere Beine sollen uns hineintragen in die weite Welt. Das Schönste ist ja, daß es für die Wanderlust keine Regeln, kein Gesetz gibt. Sie steckt uns inwendig im Blut, da hilft auch keine äußere Aufmachung, kein Diktat, kein Befehl. Wer das nicht fühlt, wird es nie begreifen. Beim Wandern find wir unabhängig von allen Menschen, von allen Einrichtungen, von allem, was uns so im Alltagsleben hindert. Ein rechter Wanderer fährt natürlich auch mit der Eisenbahn, um seinem Ziele näher zu kommen. Aber selbst im Zuge wandert er. Seine Augen schauen hinaus in die deutsche Landschaft, sein Herz wird erfreut an den blauen Bergen, an den tief eingeschnittenen Tälern, den silberhellen Bächen, den weiten Ebenen, an der Einsamkeit der Heide und an den wogenden Kornfeldern. Schön ist es freilich, wenn man ein Ziel hat. Aber nötig ist es nicht. Im Grunde genommen ist es ganz gleichgültig, wo wir wandern. Es gibt tausenderlei Arten zu wandern. Der eine will nur die Berge besteigen, der andere kann nicht ohne Meeresrauschen sein, ein dritter braucht die Einsamkeit der Heide, ein anderer die Waldeskühle und so fort. Aber auf all das kommt es ja nicht an. Die Hauptsache ist, daß wir überhaupt wandern. Freilich darf das Wandern nicht zum Sport werden, sonst geht die Beschaulichkeit von dannen. Deshalb ist es auch so schön, wenn man ganz allein wandert. Zum Sport gehören aber mindestens zwei. Ganz ohne Ziel und ohne Plan sollte man hinauswandern. Einen Plan haben wir uns ja zu Hause ausgearbeitet, aber wir wandern nun los mit dem festen Vorsatz, uns von niemand, auch nicht von dem Reiseplan, irgendwelche Vorschriften machen zu lassen. Wir betreiben das Wandern ganz im deutschen Sinn. Wie sagt doch Richard Wagner? „Deutsch sein, heißt eine Sache um ihrer selbst willen treiben!" Machen wir es mit dem Wandern auch so! Steckt uns Deutschen denn die Wcckderlust nicht so tief im Blute? Fühlen wir nicht den Drang, hinauszupilgern in Gottes schöne Natur? Denkt doch auch an die vielen Wanderlieder! Keine andere Nation hat sie aufzuweisen. Spanier, Italiener, Franzosen, sie alle verstehen diesen Wandertrieb nicht. Sie lächeln über jeden Deutschen, der einen Berg besteigt, auf den eine Zahnradbahn fährt. Warum sich diese Mühe machen? Aber sie werden auch nie die Freude erleben, die wir empfinden, wenn wir nach mühsamer Wanderung den Gipfel erreicht haben und nun von des Berges Höhe hinausschauen in die weite Welt. Wenn behauptet wird, daß unser Leben eine große Wai>>erung mit Fernblicken, Wegbiegungen, Raststätten und einem unbekannten Ziele sei, dann ist das schon richtig. Umgekehrt kann man aber auch sagen: Wandern ist Leben! Niemals fühlen wir uns mehr vom Leben erfüllt als auf der Wanderung. Unser Blut kreist schneller, der Blick wird froh, die Augen leuchten. Wir genießen die Schönheit der Natur, wir freuen uns über jedes Vogellied, jeder | bunte Schmetterling entzückt uns. Das Glück ist auf jeder Wanderung, bei uns. Es gibt kein besseres Mittel, um Aerger und Alltagssorgen zu verscheuchen. Wer nicht gern wandert, der findet bald muntere Gesellschaft. Wenn ein Wanderlied im grünen Wald erklingt, wenn wir frohe Rast halten, dann fallen auch die schwersten Sorgen von uns. Ein Tag der Wanderschaft wird zu einem Feste, zu einer Erholung für Leib und Seele. Drum hinaus! Der Morgenwind umspielt uns. Wer möchte da noch zögern? Sonne leuchte mir ins Herz hinein, Wind verweh mir Sorgen und Beschwerden! Tiefere Wonne weiß ich nicht auf Erden, Als im Weiten unterwegs zu sein ... H. H e s s e. L. MselsriWim. Von Josef Schmelzer, Cochem. Regen fällt durch die Frühlingsnacht, lebenswarme Wolkentropfen. Wie viel Wochen hat das Leben, das der Auferstehung harrte, von winterlichem Frost durchschauert dieser klingenden Tropfen geharrt! Nun träufeln sie in erquickender Fülle auf knospende Zweige, auf zartes Grün, auf kleine Frühlingsblumen. Der Steilnacken der Brauselay erschließt in Vorfrühlingstagen schon einige ganz seltene Arten von zartester Feinheit: den himmelblauen Stern der Meerzwiebel (scilla), den winzigen, lieblichen Goldstern, den buntfarbenen Lerchensporn. In den Schroffen der Palmalay erblüht der süßduftende Buchsbaum angeblich von St. Eastor aus südfranzösischer Heimat an die Mosel verpflanzt. Es regt sich in den weiten Obsthainen auf den Mosel-Auen und an den Hängen: rosa Pfirsichbäumchen in Hausgärten und Weinbergen, von Kirschblüten überschneit stehen Wiesen und Felder, Apfelblüten sättigen die herbe Frühlingsluft. Bald träufeln schwere Glyziniendolden von den Hausfronten, Magnolien leuchten durch den Abend, Flieder durchhaucht aus schmalen Winkeln und engen Gäßchen im Hausgewirr die Frühlingsnacht. Lieder klingen durch den hellen Morgen und den dämmernden Abend. Distelfinken nisten im blühenden Holderstrauch, Buchfinken locken aus des Zwei- schenbaumes Blütenfülle, Amselschlag jauchzt über schneeweiße Schwarzdornhecken. Und dann ist der Abend voll des süßen Sanges der Nachtigall. Aus dem Weinberg klingt ihr Lied so unbeschreiblich zart und fein, immer neu und untadelig, nie laut und herausfordernd, nie keck und übermütig, immer ein seliger Widerklang lieblicher Frühlingstage. Wanderlieder klingen durch den Moselfrühling. Die Wanderwege entlang von den Schroffen und Schründen der Steilhänge wider, klingen unterm Blütendach der Obsthaine, klingen von den Waldwegen auf den Moselhöhen, wo Buchen- und Eichenwälder rostbraun und junggrün aufschimmern bis in die fernsten Weiten der Eifel und des Hunsrücks. Heimatlieder klingen von den Bergen herab, wo junges Volk mit Armen voll Frühlingsblüten feine Felskapellen, seine Heiligenbilder und Wegekreuze kindlich-frommen Glaubens schmückt. Lieder klingen ein fröhlich Auferstehen von Ort zu Ort, das enge Tal des vielgewundenen Stromes entlang. Frohes Hoffen, geboren aus der Fülle des Moselfrühlings, aus selbstlosem Stolz auf die Moselheimat, aus stärkster Verbundenheit mit dem Lande der Väter, aus unerschüttertem Gottver- vertrauen und Zuversicht in die Kraft eines Heimattreuen Volksstammes. FriWngspaddelsahrt auf der Lahn. Von Carl Oskar Iacho. Unter dem Titel „Sterne über kleinen Flüssen" erschien in der „Kleinen Bücherei" des Verlages Albert Langen-Georg Müller in München ein neues anmutig plauderndes Reisebüchlein von Earl Oskar Iatho, dem wir folgenden Abschnitt entnehmen: Läßt man in Gießen sein Boot zu Wasser, so erlebt man die Lahn als einen schilfumgrünten Graben, über dessen Rändern Gräser und Blumen und Korn im Himmel schwanken. Zuweilen taucht bei einer Biegung des Grabens ein Bauer auf, der vor weißen Sommerwolken die Senfe schleift. Und man zittert für diese flüsternde zarte Schöpfung, die jedes Jahr für uns blüht und reift und stirbt. Stundenlang trägt uns die lebhafte Strömung durch die tiefe, grüne Rinne, die uns die Landschaft verbirgt, um unser schweifendes Sehen auf die wispernde, von Grillen durchgeigte Einsamkeit des grünumwehten Himmels zu sammeln. Plötzlich eine Brücke, flankiert von ein paar großen Bäumen, und ein Eisenbahnzug, aus dem Gesichter uns anblicken und Hände uns winken, bricht durch die scheinbar von allem Handel und Wandel abgelöste große Stille. Wir rasten am beschilften Ufer. Einer ersteigt die Böschung und meldet ferne Dörfer, angelehnt an wellige Höhenzüge, vereinzelte Kuppen, bewaldeten Horizont. Die Böschung wird flacher. Hinter der Begrünung des Ufers erscheinen die Linien der Landschaft. Träger und breiter das Flußbett. Wir fahren zwischen den großen Tellerblättern der Wasserrosen, umschwebt von Libellen, grünen und blauen. Wir fahren im zähen Stau und hören von fern ein Rauschen. Der Wasserspiegel bricht fast unmerklich ab. Von dort her, wo zwischen ihm und dem Himmel ein Vakuum ahnbar wird, das wachsende Rauschen, das Wehr. Wir biegen ab in einen Seitenarm, und das erste dunkle Schleusentor der Lahn wird langsam für uns aufgetan. Mählich, mählich sinken wir zwischen den Mauerquadern des Schleusenbeckens in kühle Tiefe, und oben über die Kante guckt von Zeit zu Zeit der Kopf einer Ziege, die dort unter Apfelbäumen das Gras rupft. Jnfeits der Schleuse wieder munterer Lauf. Und hinter den Weiden und Pappeln einer langgezogenen Insel ruht in seinen Gärten Dorlar. Hier im Jnsel- raserr vor dem säuselnden Schilf verliegen wir die Nacht, tiefer und tiefer in Schlaf verzaubert vom Brausen des Wehrs. Doch am Sonntagmorgen durchläuten die Glocken von Dorlar die wassertosende Monotonie. Rasch sind wir frisch. Auch heute noch überspielen die Gräser und Weidenzweige am Rand der Ufer den Himmel. Nur bei starken Krümmungen wird über dem Vorland sichtbar die Landschaft "und stuft sich, unmerklich fast, in die Ferne. Bis sie herantritt mit einer wunderbar gastlichen Gebärde, die Wetzlar heißt. Die Wohnlage an den Hängen hinauf gleicht dem unvergleichlichen Marburg. Statt des Schlosses zu Häupten ein Dom. Steigende Straßen und Gassen und Plätze und Treppen, von Menschen leer, doch erfüllt von Klavier- und Streichmusik, die aus den geöffneten Fenstern in die besonnten, sonntagsstillen Freiräume sinkt. Man schaut die Bach und Händel und Haydn, die Mozart und Beethoven und Schubert und Weber und Chopin schattenwandeln durch die Romanszenerie von Lotte und Werther. Ein Refugium der Hausmusik sind diese kleinen Städte. Hinter der Altenberger Schleuse steht verwurzelt im Fels eine gotische Kirche. Gertrudis, die Tochter der heiligen Elisabeth, hat sie erbaut. Wir blicken hinauf, und unser Herz blickt zurück nach Marburg, wo über dem Staub der Mutter der größte Baugedanke des deutschen Mittelalters sich wölbt und mit seinen Steilhelmen die Gotteskrone von Wetzlar und diese Altenberger Tochterschöpfung grüßt. Den Begriff der Milde — „milte" — hat dieses Zeitalter geprägt, und mild ist alles stolze Werk, was es in deutschen Landen schuf. Unübersehbare Windungen tragen uns weiter durch summenden zirpenden, zwitschernden Wiesengrund. In der Tiefe auf sanfter Stufe die Dörfer. Darüber die Felder und himmelberührende Wälder. Eine Dreistufenkandschaft, für die man viele Leben sich wünscht, um sie Schritt für Schritt und Mensch um Mensch zu erlieben. Drei junge Bauern lagern angelnd vor dem Dorf Stockhausen am gemähten Wiesenhügel. Da bauen wir unser Zelt und lausthen durch die mondhelle Nacht auf das Singen der Jugend, das am Abend das Wiesenweben der Vögel ablöst, bis vor Sonnenaufgang wieder die Musikanten der unendlichen Flur wie im Morgentraum zu flüstern und ihre Instrumente zu stimmen beginnen. Auf leise strudelnder Schnelle geht es in..den dampfenden Morgennebeln zu Tal. Wanderfahrten an den Feiertagen. ZwertüWe Osterfahrt. 1. Tag: Gießen — Krofdorf — Waldhaus — Kirchners — Gladenbach. Zu dieser Wanderung benutzen wir zweckmäßig das Postauto nach Krofdorf, gehen von hier die schöne Waldstraße am Forsthaus Waldhaus vorüber, das leider seinen Wirtschaftsbetrieb geschlossen hat, nach Kirchvers (am Waldausgang reizvoller Blick über das Verstal mit einigen Dörfern). In Kirchvers verlassen wir die vom Waldhaus aus benutzten blauen Striche und folgen jetzt roten Punkten, die uns an Altenoers vorüber durch Rollshausen, hierauf durch eine romantische Berglandschaft, die sog. Subach, über Mornshausen führen. Der letzte Teil des Weges bringt uns über den Kirchberg mit dem vor drei Jahren errichteten Adolf-Hitler-Turm, der Sonntags geöffnet ist, und dessen Plattform eine prächtige Rundschau bietet. Unser Zeichen führt in Windungen hinab nach dem Endziel des ersten Tages, dem anmutig in einem Talkessel gelegenen Gladenbach, wo wir in einem der guten Gasthäuser übernachten. 2. Tag: Gladenbach — Hünslein — Biedenkopf. Am andern Morgen wandern wir aufwärts, zunächst schwarzen Dreiecken nach, an großen Schieferhalden und dem Wasserwerk Gladenbach vorbei zum Wald, an dessen Rand man einen prächtigen Rückblick auf das Städtchen und die umliegenden Berge genießt. Durch Wald und Feld gelangen wir nach Runzhausen, an dessen Ausgang uns ein Hecken- und später Wiesenweg hinauf zum bewaldeten Hün- stein, dem nördlichsten der Alberge, führt, dessen Gipfel ein Holzturm mit prachtvollem Rundblick auf das Hinterländer Bergland krönt. Gelbe Striche leiten uns hinab nach Holzhausen und weiter über den Weiler Amelose an zwei Grünsteinbrüchen vorüber durch eine anmutige Landschaft über Mornshausen an der Dautphe nach der Station Friedensdorf, von wo wir in einer Stunde lahnaufwärts das Endziel des zweiten Tages, das bergumkränzte liebliche Städtchen Biedenkopf erreichen. Wanderzeit am ersten Tag fünf Stunden, am zweiten Tag ebenfalls fünf Stunden. Keilen, die uns zum Wald und in einem kurzen steilen Aufstieg zur Höhe des Hangelsteins bringen. Oben führt, uns das Zeichen an einer Hütte mit Sitz- gelegenheit vorüber nach dem schonen Ausblick über dem Steinbruch und später über die Felsenkanzel hinab zur Daubringer Straße. Hier verlassen wir die roten Keile, gehen auf der Straße nach links weiter, bis wir blaue Striche treffen, denen wir rechts durch den Wald nachgehen. Wir überschreiten die Marburger Straße und kommen zum Badenburger Wäldchen und bald darauf zu der bewirtschafteten Burgruine Badenburg über der Lahn, wo wir rasten können. Die blauen Striche bringen uns hierauf, zumeist am Bahnkörper entlang, nach insgesamt vierstündiger Wanderung zurück zur Stadt. Gießen — Wellenberg — Alle Schanze — Wißmar — Ruttershausen — Staufenberg — Friedelhausen. Wir gehen die Krofdorfer Straße entlang bis zum Wegweiser, wenden uns hier rechts, nehmen die Straße nach Launsbach zu, bald darauf halblinks einen Feldweg aufwärts, schwarzen Punkten nach, über eine Eisenbahnbrücke und kommen zum Wettenberg, im Volksmund Siebenhügel genannt. In langsamem Aufstieg erreichen wir über einen Ringwall die höchste Erhebung, die sog. Napoleonsnase, von der sich ein hervorragender Rundblick erschließt, der leider zuzuwachsen droht. Das Zeichen führt uns weiter, immer schöne Blicke bietend, in das mit gelben Punkten bezeichnete Gleibachtal. Beim Treffpunkt der beiden Zeichen weist uns eine Tafel sowie weiße Striche wieder aufwärts nach der mitten im Wald gelegenen Alten Schanze, einer noch wohlerhaltenen Wehranlage aus dem Siebenjährigen Kriege. Wir gehen nun in östlicher Richtung zum nahen Waldrand, von dem ein Feldweg nach Wißmar führt. Wir durchschreiten das ansehnliche Dorf und wandern, teilweise am Lahnufer entlang, nach Ruttershausen, überschreiten die Lahn nach dem jenseits liegenden Kirchberg, um von hier die Burgruine Staufenberg mit guter Wirtschaft zu besteigen. Hier dürfen wir nicht versäumen, vom Turm der oberen Burg die herrliche Rundschau zu genießen. In kurzer Zeit erreichen wir unser Endziel, die Station Friedelhausen. Wegdauer vier Stunden. Reisewinke. Wanderungen um Gießen. Gießen — Wiefeck — hangelsleln — Dodenburg — Gießen. Ueberaus lohnend ist gerade zum Beginn des Frühlings ein Besuch des Hangelsteins.»Denn abgesehen von den verschiedenen herrlichen Fernblicken, die der Berg bietet, findet der Naturfreund jetzt die ersten Frühlingsblumen, als Bingelkraut, Lerchensporn, Seidelbast, Anemonen und Lungenkraut, die dem sonst noch kqhlen Wald ein eigenartiges reizvolles Gepräge geben. Wir wandern nach unserem Nachbarort Wieseck (evtl, auch mit der Straßenbahn), durchschreiten das stattliche Dorf und folgen roten Bad Goden am Taunus. Den Vorzügen, die die Natur in reichem Maße durch thermale Quellenschätze und reizvoll-gesunde Lage Bad Soden am Taunus verliehen hat, verdankt Soden seine Kurerfolge und seinen Ruf als Luftkurort und Erholungsstätte. Mit Beginn des Frühlings beginnt am Taunus eine Hauptsaison. Dank der geschützten Taunuslage gehört Bad Soden zu den deutschen Bädern, in denen mit Sonnenschein und Blütenpracht zur Osterzeit sich der Aufenthalt im Freien angenehm und heilsam gestaltet. Oster-Besuchern präsentiert sich Bad Soden in blühender Frühlingspracht. „Fest wie Ziegenhain!" Spaziergang durch eine kurhessische Festung. Nach Tagen lockeren Schneetreibens und herber Kälte strahlt wieder der seidenblaueste Himmel über Hessens Wäldern und Bergen, über Rhön und Knüll. Ein ganz klein wenig abseits der großen Straße, nur fünf Bahnminuten von der Hauptstrecke Frankfurt—Marburg—Kassel entfernt, träumt das winzige alte Städtchen Ziegenhain in der trachtenfrohen Schwalm einen Traum von einstiger Pracht in die Gegenwart hinein. Es ist heute zwar nur ein Kreisstädtchen mit 1900 Einwohnern. Dazu aber eine noch in all ihren Einzelheiten gut erhaltene kleine Festung, die für moderne wehrwissenschaftliche Begriffe von geradezu herausfordernder Ungefährlichkeit im Tal der Schwalm liegt. Die Festung ist in wenigen hundert Schritten durchmessen, aber wieviel Zeugen einer lebensfrohen, vergangenen Zeit umschließen Festungsgraben, Wall und Bastionen! Ein Rundgang um die Außenwerke gibt den Blick frei auf ein prächtig einzusehendes Vorland, das einst im Ernstfall in einen kalten Sumpf und seichten See verwandelt werden konnte. Der Weg mitten durch die Festung führt über den Paradeplatz, an alten Fachwerkhäusern vorbei und unter kraftvoll geschwungenen Torbögen hindurch, deren mächtige Steinringe einst die schweren Angeln der Torflügel trugen. „Fest wie Ziegenhain!" sagt der Volksmund heute noch in Hessen und auch anderswo — fest wie Ziegenhain ist mancher alte Brotkanten, manch fester Schürzendrell und manche spröde Schöne... Das kurfürstliche Schloß: Ein Epitaph kündet vom Ruhm der großen Sippe Ziegenhain-Katzen- ellenbogen-Dietz-Nidda — aber wo sind die Kavaliere des 17. Jahrhunderts heute, die damals in Sammetröcken mit gestärktem Jabot, den zierlichen Degen an der Seite, zur Schloßkirche schritten — vielleicht auch Pirsch und Weidwerk dem Kirchgang vorzogen —?! Ein anderes Wappenfeld ist leer — „König Lustik", Napoleons Bruder Jerome, ließ es bei seinem Abzug zerschlagen. Am Paradeplatz liegt die Hauptwache — heute eine Hufschmiede. Ein braver Ackergaul, der gerade beschlagen wird, schaut ergeben vor sich hin, weißer Hornqualm zischt auf und ringelt sich um das niedere Dach des lichtgelben Barockhäuschens, aus dem Hammer und Amboß klingen. Der Wache gegenüber — immer noch am Paradeplatz — erspähen wir durch einen geschwungenen Bogen hindurch ein altes, in die Wälle eingebautes Magazin. Mit seinen alten Torflügeln, den kunstvollen Krampen und geschwungenen Eisengittern der Kasemattenfenster und dem schier übermenschlich großen Vorhängeschloß scheint es von der guten alten Zeit zu träumen, wie sie Spitzweg in so vielen Bildern festgehalten hat. Den ganzen Stadtkern, das wehrhafte Werk mit seinem tiefen Graben, beherrscht trotzig der eigenartig achteckige Turm des Schlosses. Irgendwie an chinesische Tempelbauten erinnernd, lädt die gedrungene, niedere Spitze weit aus und hebt chren Windfahnen-Gockel nicht eben allzu hoch in den klaren Tag. Dieser heraldische Gockel sieht in die Ferne — nach Nidda und Treysa, zum Knüllköpf - ch e n und nach der Lahn, und er sieht manchmal auch gnädig auf sein Heimatfleckchen herab, in dem die größten Bauten in aristokratischer Vereinzelung stehen, so daß sie einer eingehenden Besichtigung von allen Seiten her freien Raum bieten. Die Unterkünfte der kleinen Häusler nämlich, der Bürger und Soldaten, sind im Kriegsgetümmel und Schlachtenlärm vergangener Jahrhunderte zerschossen und abgebrannt. Man hat an ihre Stelle nichts Neues gesetzt, sondern lieber vor der Stadt neu gebaut. So blieb der Stadtkern bewahrt vor fremdem Stilunrat. Während aus den Kaminen der Häuser sich bläuliche Wolken schlängeln, die erraten lassen, daß es heut in der halben Gemeinde „Sauerkraut mit Sulberknochen" — das ist ein Pökelbein — gibt, klingt aus großen Schafställen der Domäne vielstimmiges Geblök der eingepferchten Herde. Dis ersten Lämmlein üben ihre unsicheren Sprünge, mit zärtlichen Augen von der Alten verfolgt. Bald werden sie draußen dem Frühling entgegenspringen. H. O. Berliner Jlhiftrirte mit dem zweiten Teil vom großen OLYMPIA- Preisa usschrei ben iooo Preise im Werte von ioooo Mark, darunter für 7000 Mark Olympia - Eintrittskarten (z. T. Dauerpässe!) und Reise-Zuschüsse ! Machen Sie schon mit? Wenn nicht, dann besorgen Sie sich auch noch das vorige Heft! Außerdem Rudolf van Wehrts funkentelegraphischer F' Mann Mol. Dreyse und das Zündnadelgewehr. Zigeunerinnen fahren im Auto vor. Warnung vor gerissenen Schwindlerinnen. Eine bedeutsame Erfindung vor hundert Jahren. Auto schnell davon. Wirtschaft aktien notierten zumeist Zigeunerinnen ihr Heil mit dem bereitstehenden berechtigung. Im Oktober 1833 bestellte das preußische Kriegsministerium 1100 Gewehre, strahlend schrieb Dreyse seinem Mitarbeiter Priem: „Dieser Tag wird der Geschichte denkwürdig bleiben!" Im Oktober 1834 waren die Gewehre fertig, aber fortgesetzt mühte sich Dreyse um weitere Vervollkommnung, insbesondere arbeitete er am Gewehrschloß. Seine Bemühung wurde belohnt, es gelang ihm, das sogenannte Zylinderschloß zu konstruieren — fanden. Sich ertappt sehend, suchten die beiden ~ " in der Flucht und fuhren einen hohlen Zylinder, der Spiralfeder und Nadel- Eisen mit 99,25 (100,40). IG. Farben lagen bet bolzen aufnahm. So sah das Jahr 1836 im wesent- sehr kleinem Umsatz mit 165,25 (165) gut behaup- lichen den Abschluß der Arbeit am Zündnadel- tet, Rütgerswerke gaben 0,65 v. H. nach. Elektrolagen etwas schwächer, Feldmühle 127 (128), Waldhof 129 (129,40), aber Aschaffenburger 0,40 v. H. freundlicher. Für Westdeutsche Kaufhof bestand unter Hinweis auf die Einzelhandelsberichte im Februar etwas Nachfrage zu 36,13—36,50 (36). Sonst eröffneten im einzelnen Holzmann 0,65 v. H., Muag 0,13 v. H. leichter, Reichsbank 0,25 v. H., Kunstseide Aku 0,13 v. H. und Deutsche Erdöl 0,40 v. H. höher. Von Auslandsaktien waren Chade A—C gedrückt mit 341—338 (349). Der Rentenmarkt lag ebenfalls .ruhig und nahezu unverändert. Gesucht waren späte Schuldbuchforderungen bei 98,13 (98), Zinsvergütunas- scheine bei 92,35 (92,30), während Altbesitzanleihe und Kommunal-Umschulduna nur knapp behauptet blieben. Don variablen Industrie-Obligationen erhöhten sich 6proz. Verein. Stahlwerke auf 103,65 (103,25). Zertif. Dollar-Bonds gaben 0,25 v. H. nach, 6proz. Preußen 63,75—64, 6proz. Spargiro 64,13. Im Verlaufe war die Haltung am Aktienmarkt bei allerdings sehr kleinen Umsätzen meist fester. Im Durchschnitt konnten sich die Hauptwerte um 0,25—0,75 v. H. heben. Fest lagen Siemens mit 185 nach 182 offenbar auf Sperrmarkkäufe, auch Farben-Industrie aus dem gleichen Grunde 166,25 nach 165,25. Holzmann erreichten wieder den gestrigen Schlußkurs von 110, ferner waren Aschaffenburger Zellstoff auf 90,75 erhöht. Verein. Stahlwerke 84,65 nach 84,25, Deutsche Erdöl 118,25 nach 117,90. Auch für Renten wurde die Haltung später etwas fester, Altbesitz 111,50 nach 111,20; zertif. Dollar-Bonds nach der anfänglichen Schwächenneigung im Verlaufe 0,25 bis 0,50 höher. Fest lagen Reichsbahn-VA. mit 124,90 (124,40). Pfandbriefe und Stadtanleihen lagen nahezu unverändert, Rhein. Liquid, weiter erhöht auf 101,75 (101,65). Auslandsrenten lagen still. Im Freiverkehr waren Ufa-Aktien gesucht mit 56—56,50 (53,50), ferner Wayß & Fr-ytag mit 98 (97), dagegen Adlerwerke 100,50 (101,50). Abendbörse: freundlich. An der Abendbörse bestand bei allerdings nicht sehr lebhaften Umsätzen weiteres Publikumsinteresse am Aktienmarkt, ohne daß aber gegen den schon befestigten Mittagsschluß weitere Erhöhungen eintraten. Zumeist blieben die Kurse voll behauptet. Gegen den Berliner Schluß erhöht waren Muag mit 91 (90,75), IG. Farben mit 166 (165,90), Holzmann mit 111 (110,50), Metallgesellschaft mit 117 (116,50) und AG. für Verkehr mit 112,25 (111,75). Im Freiverkehr waren Wayß & Freytag mit 99 bis 100 (98) weiter fest. Von Renten erhöhten sich Altbesitz auf 111,35 (111,25); ein Posten 1938er Schuldbuchforderungen ging zu 100,15 um. Für Schweizer Werte bestand Nachfrage, die diversen Bahnanleihen erhöhten sich um 1 v. H., aber 4 v. H. Schweiz. Central von 1880 194 (188). 11. a. notierten: Altbesitz 111,35, IG. Farben- Bonds 132,13, Reichsbahn-Vorzugsaktien 124,90, Bayr. Hyp. Bank 84,40, Commerzbank 91,25, Buderus 100, Mannesmann 87,75, Hoesch 94,25, Rheinstahl 120, Verein. Stahlwerke 84,75, AKU. 51, Daimler 102,50, Scheideanstalt 228, Licht & Kraft 142, IG. Farben 166, Gesfürel 134,50, Hochtief 116, Holzmann E 111, Muag 91, Metallgesellschaft E 117, Rheag 135, RWE. 129,65, Schuckert 139, Kaufhof 36,50, Zellstoff Aschaffenburg 90,75, Waldhof 129,25, AG. für Verkehr 112,25.' gewehr, im Oktober dieses Jahres fanden erneute Prüfungen vor dem Kriegsministerium statt, die zur Zufriedenheit aussielen. Das System des Zündnadelgewehrs hatte sich durchgesetzt, bald nach dem Regierungsantritt Friedrich Wilhelms IV. im Jahre 1840 wurden 60 000 Gewehre bestellt, außerdem dem Erfinder Dreyse die nötigen Mittel vorgeschossen, um eine Gewehr- und Munitionsfabrik zu bauen. Seine Bedeutung im großen zeigte das Gewehr in den folgenden preußischen Feldzügen: es war der Bewaffnung der Gegner weit überlegen. So war es selbstverständliche vaterländische Pflicht, daß sein Erfinder Johann Nikolaus Dreyse allseitig geehrt wurde und, als er am 9. Dezember 1867 kurz nach Vollendung seines 80. Lebensjahres starb, unter größter Beteiligung der Regierung und des Volkes zur letztey Ruhe geleitet wurde. um Bruchteile eines Prozentes höher, Siemens 0,50 v. H. niedriger mit 182. Am Montanmarkt wichen die Kurse nach beiden Seiten um 0,13 bis 0,25 v. H. ab. Zellstoffwerte LPD. Moschheim (Unterwesterwald), 7. April. Dieser Tage fuhren vor einem Geschäftshaus in Moschheim zwei Zigeunerinnen mit dem Auto vor und kauften im Laden einige Kleinigkeiten. Nach der Bezahlung baten sie den Geschäftsinhaber um den Austausch von Geldstücken mit bestimmten Buchstabengruppen, wozu sich dieser bereit erklärte. Diesen Austausch benutzten die Zigeunerinnen aber nur zum Vorwand, um mit der ihnen eigenen Dreistigkeit und Fingerfertigkeit den Geschäftsmann regelrecht zu b e st e h l e n. Bereits waren einige Geldstücke verschwunden, als die Frau des Geschäftsinhabers plötzlich stutzig wurde, da die Hand der einen Zigeunerin nur vier Finger zeigte, während der Daumen an der Innenfläche oer Hand fest anlag. Sie riß der ertappten Schwindlerin schnell die Hand herum und sah, daß sich unter dem Daumen vier Mark eingeklemmt be- Wie entscheidend bei kriegerischen Verwicklungen — vorausgesetzt die Qualität der Kämpfer ist gleich — die bessere Bewaffnung ist, zeigt in unseren Tagen der Kampf um Abessinien. Und so ist es regelmäßig auch in der Vergangenheit gewesen, z. B. waren es im Krimkriege die gezogenen Gewehre der Engländer und Franzosen, die den Verbündeten die Ueberlegenheit über die Russen sicherten, in den Kämpfen um Oberitalien zwischen Frankreich und Sardinien gegen Oesterreich unterlag die Donaumonarchie nicht zum wenigsten den gezogenen Geschützen ihrer Feinde. Und um nun auch ein Beispiel aus der preußischen Geschichte zu bringen, 1864 und 1866 war für Preußens Sieg mitentscheidend das Zündnadelgewehr, das sich der Bewaffnung der Dänen und Oesterreicher als glatt überlegen erwies. Es sind jetzt hundert Jahre her, daß diese Erfindung des Johann Nikolaus Dreyse in Sömmerda abgeschlossen wurde. Man darf nicht vergessen, daß Dreyses Erfindung mehr zur deutschen Einigung beigetragen hat als die schönsten Parlamentsreden und -beschlösse. Denn die deutsche Einheit mußte auf dem Schlachtfeld erkämpft werden, und hier hatte damals das preußische Zündnadelgewehr ein entscheidendes Wort zu sprechen gehabt. Dabei hatte es keinen schnellen und leichten Weg gehabt, denn 1827 konstruierte Dreyse das erste Zündnadelgewehr, 1840 wurden ihm 60 000 Stück zur Anfertigung aufgegeben, aber erst nach 1866 fand es auch im Ausland allgemeine Anerkennung. So hat Dreyses ganzes Leben im Dienste der Er- sindung und ständigen Verbesserung dieser Waffe gestanden. Dreyse, am 20. November 1787 in Sömmerda als Sohn eines anerkannt tüchtigen und leidlich wohlhabenden Schlossermeisters geboren, lernte zuerst den Beruf seines Vaters, ging dann auf Wanderschaft. So kam er 1806 auf das Schlachtfeld von Jena, wenige Tage nach der Schlacht. UeberaÜ lagen noch preußische und französische Gewehre herum, die genau zu untersuchen Dreyse besonders fesselte. Da soll ihm der Gedanke gekommen sein, später ein verbessertes Jnfanteriegewehr zu konstruieren. Einige Jahre später führte ihn seine Wanderschaft nach Paris, hier arbeitete er in der Waffenfabrik von Pauly, der damals gerade einen von Kaiser Napoleon ausgesetzten Preis für ein brauchbares Hinterladergewehr erhalten hatte. Auch dies hatte Dreyses Interesse besonders angeregt. So war es kein Wunder, daß Dreyse, in seine Heimat zurückgekehrt, daran ging, eine fabrikmäßige Herst e l l u n g von Zündhütchen zu betreiben, wofür er 1824 ein Patent erhielt. Denn gerade damals war man vom .Steinschloß- zum Perkussionsgewehr übergegangen, wobei man wegen der neuen Zündungsmethode Zündhütchen benötigte. Diese wurden durch einen Nadelstich zur Entzündung gebracht und bewirkten dann die Explosion der Patrone, so entstand hierfür der Name „Zündnadelgewehr". Im Jahre 1827 legte Dreyse das erfte Modell vor, aber zunächst antwortete ihm die in Berlin unter dem Vorsitz des Geheimrat Beuth tagende technische Kommission, es müßten doch noch einige ernste Bedenken beseitigt werden. Sofort machte sich Dreyse an die Verbesserungen, auf die er am 22. April 1828 ein Patent erhielt. Die ganze Frage der Konstruktion kam in ein neues Fahrwasser, als im Laufe des Jahres 1830 Hauptmann Priem vom 20. Infanterie-Regiment bei Dreyse im Quartier lag und für Dreyses Arbeiten ein so großes Interesse und Verständnis zeigte, daß von jetzt ab Priem als Militär die weitere Entwicklung des Gewehrs übernahm. Aber nur langsam ging es weiter, 1831 wurden nur einige Probegewehre zu neuen Versuchen bestellt, dafür hatte Dreyse die Genugtuung, daß ihm der König ein Gnadengeschenk von 500 Talern „für die bei der Erfindung aufgewendete Mühe und Kosten" überwies. Um nun die immer wichtiger werdenden Verbesserungen geheim halten zu können, beantragte Dreyse eine staatliche Anstellung. Unter dem 23. Juli 1832 wurde diesem Antrag entsprochen, er bekam 1 0 0 0 Taler Gehalt und PensionsOie Zndustrie- und Handelskammer Gießen gibt Auskunft: 228: Die Devisenvorschriften im Postverkehr. — 229: Anordnung BG 10 der Ueberwachungsstelle für Baumwollgarne und -gewebe (Verarbeitung von Gespinsten bei der Herstellung von Maschinen- putztüchern). — 230: Anordnung BG 11 der Ueberwachungsstelle für Baumwollgarne und -gewebe (Ausnahme von der Anrechnung auf die Verarbeitungsmengen). — 231: Die französische Wirtschaft im Jahre 1935. — 232: Bekanntmachung KP 124 der Ueberwachungsstelle für unedle Metalle, betr. Kurspreise. — 233: Erleichterungen für ausländische Sommerreisende und Touristen in Bulgarien. — 234: Italienische Kontingentsvorschriften ab 1. April 1936. — 235: Lizenzpflicht für die Ein-, Aus- und Durchfuhr gewisser Waren in Luxemburg. — 236: Erledigung der Einfuhrgesuche für das zweite Vierteljahr 1936 in Rumänien. — 237: Voraussichtliche Zollerhöhungen für Herrenhüte in Schweden. — 238: Der neue Wirtschaftskurs in Belgien. — 239: Italienische Ergänzungsvorschriften über den privaten Austauschverkehr ab 1. 4. — 240: Neue Bestimmungen über den Reiseverkehr nach der Schweiz. * Schramm Lack- und Farbenfabriken 21©., Dffenbad) a. M. Die Hauptversammlung der Gesellschaft genehmigte den Abschluß für 1934/35 (31. Oktober) mit der Wiederaufnahme der Dividendenzahlung in Höhe von 5 v. H. Die ersten Monate des neuen Geschäftsjahres brachten gegenüber der gleichen Vorjahreszeit eine Umfatzbesferung, die sich aud) auf das Ergebnis auswirkte. Eine Voraussage über die weitere Entwicklung des laufenden Geschäftsjahres könne jetzt noch nicht getroffen werden. * Continental Gummi - Werke AG., Hannover. In der HV. wurde der Abschluß 1935 mit 11 (8) v. H. Dividende genehmigt. Heber die Lage wurde mitgeteilt, daß sich die" Umsätze in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres gegenüber dem Vorjahre weiter erhöht haben. Der In- landumfatz konnte um mehr als 15 v. H., bet Aus- landumfatz um etwa 10 v. H. erhöht werden. Auch in diesem Jahre soll ein weiterer Ausbau der Anlagen erfolgen, der notwendig ist, um die Fabrikationsanlagen leistungfähig zu erhalten. * Brennabor-Werke AG., Branden- b u r g. In der HV. wurde der Abschluß für 1934/35 (30. 9.) genehmigt. Die Beschäftigung in den einzelnen Abteilungen sei normal. Die Verwaltung beurteilt die weitere Entwicklung nach wie vor zuversichtlich. Rhein-Mainische Börse. Millagsbörse ruhig. Frankfurt a. M., 7. April. Die Nähe der Dfterfeiertage gab dem heutigen Börsenverkehr bas Gepräge einer weitverbreiteten Geschäftsstille. Kund- schaftsaufträae lagen kaum vor, auch ber berufsmäßige Börsenhandel zeigte keine Neigung zu nennenswerten Eigengeschäften. Indes blieb die Grund- ftimmung weiter freundlich, wobei auf die günstigen Meldungen aus der Wirtschaft verwiesen wurde. Am Aktienmarkt hielten sich die Veränderungen nach beiden Seiten im Rahmen von 0,25—0,50 v. H. Schwächer lagen Kunstseide Bemberg mit 76,65 (78,90), ferner von Montanwerten Buderus 2Rm&ermarff in Gießen. Auf dem gestrigen Rinder- (Nutzvieh-) Markt in Gießen standen 43 Stück Großvieh, 10 Fresser und 7 Kälber zum Verkauf. Es kosteten: Milchkühe ober hochtragenbe Kühe 1. Qualität 470 bis 620 RM., 2. Qualität 330 bis 440, 3. Qualität 180 bis 280; Rinber, bis ^jährig 120 bis 190, %» bis zweijährig 190 bis 260, tragend 270 bis 480; Kälber bis zwei Wochen alt 26, bis vier Wochen 44, bis sechs Wochen 60 RM. Ausgesuchte Tiere über Notiz. Marktverlauf: schleppenb. — Nächster Markt: 21. April. Frankfurter Obft- und Gemüfemackt. Frankfurt a. M., 7. April. G e m ü f e: lieber- angebot von Spinat, im übrigen genügend. Ge- schäft nur in einigen Treibhauserzeugmssen, wie Kopfsalat unb Rabies, lebhaft, sonst ziemlich langsam. Preise im allgemeinen unverändert. U. a. notierten: Blumenkohl, Steige 12 unb 18 Stück 5,00 bis 5,50 (ital.), Gelbe Rüben 2V2 bis 3'/r, Feldsalat 25 bis 40, Salatgurken (Treibhaus), je nach Größe Stück 30 bis 60, Karotten 4 dis 6, Kohlrabi (Treibhaus), Stück 20 bis 25, Kopfsalat (Treibhaus), Stück 20 bis 28, holl., Steige 30 Stück 6,00 bis 6,50, span., 25 Stück 4,00 bis 4,50, ital., 18 bis 40 Stück 4,50 bis 5,00, Lattich 50 bis 60, Rabies 6 bis 7, Rhabarber 15 bis 20, Römischkohl 20 bis 24, Rotkraut 12 bis 15 (holl.), Sellerie je nach Größe 7 bis 25, Spinat 2V2 bis 5, Schnittlauch 30 bis 40, Weißkraut 10 bis 11 (holl.), Zwiebeln 7V2 bis 10. Obst und Südfrüchte: Deutsche Aepfel genügend angeboten, Nachfrage bei unveränderten Preisen etwas gebessert. Ausländische Aepfel weniger angeboten, Geschäft schleppend, Preise höher. Apfelsinen reichlich anqeboten, Geschäft flott, Preise fest. 11. a. notierten: Aepfel I 28 bis 38, II 20 bis 26, III 15 bis 18, Boskop I 32 bis 38, Champagner Renette 25 bis 32, amerikanische Aepfel, 20 Kilogramm rote 18,00 bis 21,00, Apfelsinen, blond 12Vz bis 18 (span.), Blut 13V2 bis 20 (span.), 21 bis 25 (ital.), Bananen, Kiste 12,5 Kilogramm 8,00 bis 8,50 (Kamerun), 8,50 (Westind.), Erdnüsse, 2,5-Kilo- gramm-Packung 1,75 bis 2,00, Smyrna-Feigen, 25 Kilogramm 10,00, Trauben (netto) 35 bis 50 (Almeria), Zitronen, 300 und 360 Stück 6,50 bis 8,00. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Gründonnerstag, den 9. April. Gießen. Sladlkirche. 19.45 Uhr: Pfr. Becker; Beichte und hl. Abendmahl für Mathäus- und Markus- oemeinde. — Johanneskirche. 19.45: Pfr. Ausfeld; Beichte und hl. Abendmahl für Lukas- und Johan» nesgemeinde. — Kapelle des Allen Friedhofs. 18: Pfarrassiftent Weckerling; Beichte und hl. Abendmahl für die Luthergemeinde. — Pelrnskapelle (Wetzlarer Weg 59). 19.45: Pfr. Trapp; Beichte und hl. Abendmahl für die Petrusgemeinde. — Allen-Buseck. 19.30: Beichte und hl. Abendmahl. — Annerod. 9: Beichte und hl. Abendmahl für Alte, Kollekte. — Kirchberg. 10: Passionskindergottesdienst, Gaben für das syrische Waisenhaus in Jerusalem. — Klein- Linden. 19.30: Feier bes hl. Abendmahls. — Lich. 20: Abendmahlgottesdienst, Stiftspfarrer Naumann. — Kloster Arnsburg. 17: Abendmahlgottesdienst, Stiftspfarrer Naumann. — Münzenberg. 11: Gottesdienst mit anschl. Beichte f. d. Alten. — Trais- Münzenberg. 9: Gottesdienst. — Dieseck. 9: Beichte. — Hungen. 20: Vorbereitung und Feier des bl. Abendmchls. — Harbach. 10: Gottesdienst; Feier des hl. Abendmahls für die Alten; Kollekte. Katholische Gemeinden. Mittwoch, den 8. April. Gießen. 16.30 und 19 Uhr Beichte. Donnerstag, den 9. April. Gründonnerstag. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 6.30, 7, 7.30 und 8: wird die hl. Kommunion ausgeteilt, desgleichen vor und im Hochamt; 9: Hochamt; 9 bis 18: stille Anbetungsstunden in der Kapelle; 18: Andacht; 21: Lesung der Abschiedsreden Christi. — Lich. 7: Hochamt; 20: Andacht. — Nidda. 8.15: Andacht. Karfreitag, den 10. April. Gießen. Sladlkirche. 9.30 Uhr: Propst Knodt; Beichte und hl. Abendmahl für Matthäus- und Mar- kusgemeinde; 11.30: Kinderkirchs für die Matthäus- gemeinbe; Pfr. Becker; 18: Pfr. Becker. — Fohannes- kirche. 9.30: Pfr. Bechtolsheimer; Beichte und hl. Abendmahl für Lukas- und Johannesgemeinde; 11.30: Kinderkirche für die Lukasgemeinde; Pfr. Bechtolsheimer; 18: Pfr. Ausfeld. — Kapelle des Allen Friedhofs. 9.30: Pfr. Anthes; 10.45: Kinder» kirche für die Luthergemeinde; Pfr. Anthes; 15: Karfreitagsvesper; Pfr. Ausfeld und Pfr. Anthes. — Pelruskapelle (Wetzlarer Weg 59). 9.30: Pfr. Trapp; Beichte und Feier des hl. Abendmahls. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstagnachmillag geschlossen. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Frantluri a. 2)1. Berlin Schlußkurs Schluß!. Abend- börsc Schlußkurs Schlußk. Mittagbörse Oatum 6-4. 7.4- 6.4, 7-4- 6% Deutsche Reichsanleihe v. 1927 100,6 100,6 100,65 100,65 4% Deutsche Retchsanl. von 1934 97,4 97,3 97,4 97,3 103,4 vy2% Doung-Anleihe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit 102,9 102,9 102,9 Auslos.-Rechten ............. 41U% Deutsche Reichspostschatzan- 111,25 111,35 111,25 111,25 Weisungen von 1934, 1....... 6% et)em.8% Hess. Volksstaat 1929 100,05 100,05 100,1 100,13 (rückzahlb. 102%)............ 4Vt% ehern. 8% Hessische Landes' 98,25 98,25 98,25 98,5 baut Darmstadt Gold R. 12.... 5y2% ehern. sy2% Hess. Landes- 96,5 96,5 — 96,5 Hypothekenbank DarmstadtLiqui *y2% ehern. 8% Darmst. Komm. — 101 — — Landesb.Goldschuldverichr. R.6 Oberhessen Provinz-Anleihe mit 92,25 92,4 — — Auölos.-Rechten ............. Deutsche Komm. Sammelabl. An- 120 120 — 118,75 leihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten /2% Franks. Hyp. Bank-Ltqu.-Pfandbriefe....... 5yz% ehern. m Erlaß der Landesregierung den nachgeordneten Behörden, Gemeinden, Gemeindeverbänden und sonstigen Körperschaften des öffentlichen Rechts mitgeteilt wird, am Samstag vor Ostern nach den Vorschriften über den Sonntagsdienst. Das Werkstatt-Wochenbuch der Handwerkslehrlinge. Ab 1. April 1936 hat jeder Lehrling ein Werkstatt-Wochenbuch zu führen, in das er wöchentlich eine kurzgedrängte Uebersicht über das, was er in ber Woche geleistet hat, eintragen muß. Diese Bestimmung wurde im Rahmen der allgemeinen Richtlinien zur Abnahme der Zwischenprüfung im Handwerk herausgegeben. Seit einiger Zeit ist in verschiedenen Baugewerks- Jnnungen für die Lehrlinge e/h Bauarbeitsheft eingeführt warben, bas mit Eintritt in bie Lehre ausgehändigt wirb. Aufzeichnung von Skizzen unb genaue Darlegung ber Einzelheiten ber in ber lau- fenben Woche burchgeführten Arbeiten, bie ber Lehrling selbst aufzuzeichnen hat, geben ein genaues Bilb über ben Werbegang ber Ausbilbung bes ein» Bilbern sinnfällig beschworen ist: in ben lärmenden, gröhlenben, betrunkenen Lanbsknechten, in der gespenstigen Figur eines blutige Geschäfte treibenden Händlers, in den gleichsam schattenhaft auf- und untertauchenden Umrissen eines Sekretärs, eines Fähnrichs, einer Marketenderin, der die Kriegsfurie ihr Kind aus den Armen reißt. Hier empfindet man, daß das Stück aus der Hand eines Dichters kommt, ber Anschauung, Phantasie unb Temperament einzusetzen hat für seinen Stoff, — auch sprachliche Kraft unb Einfühlung in manchen Svenen; (nicht in allen, wie es etwa Hauptmann im „Florian Geyer" mit wirklicher Vollendung gelang.) Aber die dichterischen, dramatischen, sp'rachlich'en Kräfte unb Energien, die im „Tollen Christian" am Werke sind, reichen aus, uns mit mancherlei Erwartungen, mit einer großen Hoffnung auf Haertens weitere Entwicklung zu erfüllen. * Intendant Schultze-Griesheim hat sich persönlich für das Drama eingesetzt und hat es mit spürbarer Liebe und Sorgfalt inszeniert; was er davon hält und worauf er den Akzent zu legen wünscht, hat er in der Einführung am Sonntag (über bie berichtet wurde) und mit einigen Begleit- worten im Programmheft dargelegt: Schwung und Ueberschwang ber Konzeption sollten spürbar werden, ber gespannte Bogen leidenschaftlichen Gefühls; ein lebendiges unb fiaurenreiches Bilb des großen Krieges war aufzurichten, der dunkle, flackernbe, balladeske Ton ber Szenen zu beschwören. Das hat feine Aufführung verwirklicht. * Die erste Szene („Auf ber Stabtmauer"), mit ber in der Buchausgabe das Stück einsetzt, war gestrichen, auch eine spätere, bie mit jener ersten korrespondiert unb ein hort angeschlagenes Nebenmotiv wieder aufnimmt; endlich bie kurze Schlußszene, der von Elisabeth und Moritz aesprochene Epilog: eine Grabschrift auf Herzog Christians Tab. Das Fehlen ber beiben ersten haben wir an sich bedauert, weil auch von ihnen her Farben in bas Gesamtbild sich mischen: aber man muß zugeben, baß bie Kürzung das Ganze straffer und konzentrierter zusammenfügt unb jener ballabesfen Grunb- ftimmung zugute kommt. Das erste der von Herrn Löffler pbantasievoll entworfenen Bilder schlug gleich den Akkord an, auf den alles gestimmt ist: bie regenverschleierte, Öde, vom Feuerschein überflackerte Landschaft paßte gut zu ber von ber großen Trommel begleiteten Lanbsknechtslitanei „Hüt bich Baur ich fumm" ... , * Im übrigen war die Aufführung so angelegt und gegliedert, daß die stärksten Seiten von Haertens Schauspiel hervorgekehrt wurden. Es liegt in seiner Natur, daß es auf großen Strecken in 'einem Furioso von Ton und Zeitmaß gespielt werden muß. Aber es gab doch dazwischen die unerläßlichen Atempausen, den Sturm abklingen zu lassen unb die Spannung zu lockern. Hier war die Spielführung bemüht, auch die Gegenkräfte szenisch wirksam werden zu lassen unb den dramaturgisch notwendigen Ausgleich zu schaffen. Das strahlende Kernstück der deinen Lehrlings. Am Wochenschluß werden die Hefte dem Meister und den Eltern zur Unterschrift oorgelegt, damit auch diese sich von dem Weitergang der Ausbildung überzeugen können. Weiterhin dienen diese Aufzeichnungen der Berufsschule zur Erweiterung ihres Lehrplanes. Keine Zurückstellung von verheirateten Dienstpflichtigen. Es ist vielfach die Ansicht verbreitet, daß verheiratete Dienstpflichtige von der Ableistung der Arbeitsdienst pflicht oder der Erfüllung der aktiven Dienstpflicht in der Wehrmacht zurückgestellt würden. Der Reichsund Preußische Minister des Innern hatte hierzu bereits im vergangenen Jahre darauf hingewiesen, daß die Verheiratung eines Dienstpflichtigen kein Zurückstellungsgrund ist. Im Hinblick auf die bevorstehende Musterung und Aushebung wird erneut auf diese Tatsache aufmerksam gemacht. Die Konfirmation in Gießen. 493 Konfirmanden. Arn vorigen Sonntag, Palmsonntag, haben in der Markus-, der Johannes-, der Petrus- und ber Militärgemeinbe die Konfirmationen stattgefunden. Wegen des beschränkten Raumes der Kapelle des Alten Friedhofs müssen die Konfirmanden der Luthergemeinde in zwei Abteilungen geteilt werden; bie Konfirmation der einen Hülste ist bereits am vorigen Sonntag erfolgt, bie zweite Hälfte soll am zweiten Dfterfeiertog konfirmiert werben. An diesem Tage werden auch bie Kinber ber Matthäus- und der Lukasgemeinde konfirmiert werden. Die Zahl der diesjährigen Konfirmanden in Gießen beläuft sich auf insgesamt 493, hiervon sind 253 Knaben unb 240 Mäbchen. Auf die einzelnen Gemeinden entfallen: Matthäusgemeinde 53 Knaben, 61 Mädchen = 114; Markusgemeinde 43 Knaben, 47 Mädchen = 90; Lukasgemeinde 71 Knaben, 45 Mäbchen = 116; Johannesgemeinbe 38 Knaben, 21 Mädchen = 59; Luthergemeinde 24 Knaben, 44 Mädchen = 68; Petrusgemeinde 21 Knaben, 17 Mädchen = 38; Militärgemeinde 3 Knaben, 5 Mädchen = 8. Umsatzsteuer für Veräußerung eines Einzelhanvelsgeschästes. Fwd. Die Frage, ob bei der Veräußerung eines gewerblichen Unternehmens Umsatzsteuer zu entrichten ist, hat der Reichsfinanzhof in seiner neueren Rechtsprechung bekanntlich bejaht. Wie dabei bas umsatzsteuerpflichtige Entgelt zu berechnen ist, würbe burch ein Urteil bes Reichsfinanzhoss vom 14. Juni 1935 entschieben. Noch ungeklärt war jedoch bie Frage, welcher Umsatzsteuersatz dabei Anwendung findet. Auf Anfrage der Wirtschaftsgruppe Einzelhandel, ob die Veräußerung von Einzelhandels- Unternehmen nicht allgemein mit bem ermäßigten Satz von 0,5 v. H. versteuert werben konnte, hat ber Reichsfinanzminister unter dem 14. März 1936 mitgeteilt, daß mangels gesetzlicher Ermächtigung die ausschließliche Anwendung des Steuersatzes' von 0,5 v. H. bei der Veräußerung eines Einzelhandelsunternehmens im ganzen nicht möglich sei. Aus dem Bescheid geht sodann hervor, daß der Kaufpreis bei der Veräußerung eines Einzelhandels- Unternehmens in verschiedene Teile zu zerlegen ist, die zu verschiedenen Sätzen umsatzsteuerpflichtig sind. Danach ist die Veräußerung von Grundstücken, von Geldfvrderungen usw. umsatzsteuerfrei. Das Warenlager ist regelmäßig mit 2 v. H. zu versteuern. Soweit jedoch die Voraussetzungen des Aufführung blieb freilich bie große Liebesszene im Schloß zwischen Christian unb Elisabeth: hier war am schönsten unb reinsten der dichterische Atem von Haertens Schauspiel zu empfinden. (Hier kam auch bie Bühnenmusik von Ernst Bräuer mit einer Zarten, lyrischen Melobie nach so viel kriegerischen Klängen zu ihrem Recht.) * Für Herrn Rosenthal ist der Christian eine wunderschöne Rolle: sie gibt ihm jede Chance, aus sich heraus zu gehen unb sowohl bas Heroische als auch bas Leibenschaftliche bes Charakters mit vollem Einsatz auszuspielen. Die Gefahr ber Rolle liegt in ber heftigen Spannung einer sogleich zum Ausbruch gesteigerten Gefühlslage, in ber er einsetzen muß. Christian führt feinen volkstümlichen Beinamen von Anfang an zu Recht; ber Darsteller gibt ihn auch so heftig, so aufbraufenb, gleichsam von einem inneren Feuer verzehrt, — so unbedenklich, daß dem Zuschauer Bedenken kommen: aber er nimmt sich zurück fängt sich wieder, übersieht seine Mittel unb bie auslabenbe Rolle unb hat dann Atem genug für bie Liebesszene, bie er wieder ganz aus der Fülle bes Gefühls gibt, leidenschaftlich und heftig bis 3ur Besinnungslosigkeit auch hier; unb es schabet nicht einmal unb nimmt nichts vom starken Eindruck, daß hier sein erst harter unb metallischer Sprachklang stellenweise eine leicht pathetische Färbung erhält. * Aenne Markgraf als Elisabeth: ausgezeichnet; bie Figur wirkt auf ber Bühne (auf unserer Bühne) viel einheitlicher als im Buch, obwohl keiner der angeführten Züge in diesem schillernden und verführerischen Frauenbilde fehlte. Auch hier lag der Höhepunkt in der großen ©efüblsfteigerung jener leidenschaftlich erregten und entscheidenden Szene im Schloß. Herr Neuhaus setzte sich mit Wärme und innerer Ueberzeugung für den Landgrafen Moritz ein, unb es gelang ihm zum wenigsten theatralisch ber Figur Gesicht und Haltung zu verleihen. — Sehr sicher unb mit ruhigem lleberblicf gab Herr v ©pallart den „Capo" Knyphausen: kalt, gefährlich, brutal und bis zuletzt seiner verräterischen Sache gewiß. ♦ Noch einige Gestalten aus der Fülle: Herrn L ü p f e s Sekretär (bie Rolle wirkt im Buch, ohne bie Eingangsszene im Marketenberzelt, geschlossener), Herr Hub als Jason, ein rechter Dbrifter, breit unb berb und von galligem Temperament; Fräulein Birkmann als Helga, deren Fiaur erst ganz zuletzt in ihrer Bedeutung angeleuchtet und unheimlich sichtbar wirb; Herr Kühne sehr eindrucksvoll in ber Maske als „Gnab-uns-Gott" (die Figur fehlt im Buch, ist auch entbehrlich, aber theater- mäßig wirksam). Auch die vielen kleinen Posten waren tüchtig besetzt und gespielt. * Der Beifall setzte zögernd ein, rief aber zuletzt mit den Hauptdarstellern auch den Intendanten an die Rampe. hth. ImKampfum dieFreiheit derWissenschast Das Schulungslager des NSOStB. auf der Burg Gleiberg abgeschloffen. § 7 Absatz 3 UmStG. 1934 vorliegen, wird der ermäßigte Steuersatz von 0,5 v. Sy angewendet. Die Inventarstücke sind immer mit 2 v. Sy zu versteuern. Eportamt „Kraft durch Freude". Achtung! Verlegung von Sportkursen! Folgende Kurse müssen in dieser Woche aus dem Lyzeum verlegt werden: Mittwoch: Allgern Körperschule, Frauen und Mälzer, von 20.30 bis 21.45 Uhr. Schillerschule, Schillerstraße. Donnerstag: Fröhl. Gymnastik, Frauen, von 20 bis 21 und von 21 bis 22 Uhr, Schlller- schule, Schillerstraße. heute folgender Kursus: Allgem. Körperschule, Frauen und Männer: Von 20.30 bis 21.45 Uhr, Schillerschule, Schillerstraße. ♦ Für die in der kommenden Woche beginnenden Kurse für Reiten, Fechten, Schach, Rollschuhlaufen, Kindergymnastik, können noch Anmeldungen auf der Geschäftsstelle, Schanzenstraße 18, abegegeben werden. „Pfunds-Angaben nicht mehr zulässig. NSG. Die Schulungsbeauftragten und Kulturstellenleiter der Hoch- und Fachschulgruppen des NSDStB im Gau Hessen-Nassau wurden, da sie in den Ferien mit ganzer Kraft dem Wahlkampf zur Verfügung stehen sollten, diesmal erst zu Beginn des Semesters in ein Lager einberusen. Die Lagerdauer mußte deshalb, um die Amtsträger nicht unnötig in ihrer Studienzeit zu belasten, auf eine möglichst kllrze Zeit beschränkt werden. Der Gauschulungsbeauftragte des NSDStB B a l o n, der wieder die Lagerleitung übernommen hatte, und mit ihm Gaukulturstellenleiter B i n - g e l erarbeiteten die wesentlichen Richtlinien für das Sommersemester und erprobten die Methode der studentischen Schulungs- und Kulturarbeit an praktischen Beispielen. Am 6. April konnten die Lagerteilnehmer den Gleiberg, die alte Schulungsburg des NSD. Studentenbundes, mit erneuter Zielsicherheit verlassen. Sie werden ihren Kameraden mit vollem Verantwortungsbewußtsein gegenübertreten, fähig und bereit, an dem besonderen Abschnitt der großen Kampffront für die innerste Freiheit des deutschen Volkes, für die Freiheit der Wissenschaft und die Reinheit der deutschen Kultur einzutreten. Wer die Schulungsbeauftragten und die Kulturstellenleiter in der ernsten Arbeit und m den kameradschaftlich frohen Stunden des Lagers beobachten konnte, mußte die Ueberzeugung gewinnen, daß die weltanschaulich-politische Revolutionierung der Studenten unseres Gaues wieder einen zuverlässigen Stroßtrupp gesunden hat. Das heißt aber nichts anderes, als daß der wirkliche nationalsozialistische Neubau der Hoch- und Fachschulen in seinen Grundmauern begonnen ist und für die Zukunft gesichert erscheint. SieZ-Reichsnährstandsausstellllngwirdausgebaut Die Industrie- und Handelskammer Gießen, sowie die Kreisgruppe Gießen der Wirtschaftsgruppe Einzelhandel machen darauf aufmerksam, daß es auf Grund des § 8 des Maß- und Gewichtsgesetzes ab 1. April 1936 nicht mehr zulässig ist, die Bezeichnung „Pfund" zu benutzen. In den Durchführungsbestimmungen zu dem genannten Gesetz ist jedoch für Drucksachen, Plakats Blechdosen usw., die noch die Bezeichnung „Pfund", „V2 Pfund" usw. tragen, eine Aufbrauchsfrist bis zum 31. Dezember 1937 vorgesehen. Bei Neuanfertigung von Drucksachen, Plakaten usw. dürfen dagegen nur die nach § 8 des Maß- und Gewichtsgesetzes zulässigen Bezeichnungen. also Kilogramm und Gramm, verwandt werden. Polizeibericht. Wer ist Eigentümer des nachverzeichneten Herrenfahrrades? Die Kriminalpolizeistelle der Polizeidirektion Gießen teilt uns mit: In Altona wurde am 1. April 1936 ein Polizeibeamter von einem Einbrecher erschossen. In der Nähe des Tatortes wurde das nachbezeichnete Fahrrad gefunden, das der Täter zweifellos vor der Tat benutzt und vorher irgendwo entwendet hatte. Es handelt sich um ein Herrenfahrrad Marke „Hawe", Fa Wehmeyer, Bielefeld, Nr. 208126, schwarzer Rahmen, schwarze Felgen, Felgen und Rahmen sind mit blauen und weißen Streifen abgesetzt, auf dem hinteren Schutzblech Firmenzeichen „Wehmeyer, Biekefeld", Rückstrahler. Das vordere Schutzblech überragt vorn die Gabel, hinten am Rad Gepäckträger aus Blechrohr, Freilauf, Marke „Komet", mit kleiner Uebersetzung, Ballonbereifung, Marke „Engbert", Cordballon 26X2, vernickelte Speichen, am unteren vorderen Teil des Fahrgestells vernickelte Handluftpumpe mit Holzgriff, Klotzpedale aus Gummi, dreieckige braune Lederwerktasche, auf der einen Seite eine Weintraube, auf der anderen eine Blüte eingepreßt. Am Verschluß läßt sich die Werkzeugtasche bis zur Hälfte herunterklappen. Sie enthält: 1 Fahrradschlüssel mit 10 Löchern, 1 Oelkanne mit verschließbarer Oeff- nung, 1 Taschentuch mit dem Buchstaben D, das als Putzlappen benutzt worden ist, 1 kleine gelbe Blechdose mit der Aufschrift: „Reparaturdose für Pneumatik", enthaltend Ventile aus Gummi und Gummilappen, 1 brauner Sattel mit Bezeichnung „DRGMW., DRPa“, darunter E. G„ darunter „extra". Die Firma Wehmeyer in Bielefeld kann nicht mitteilen, wohin das obenbezeichnete Fahrrad geliefert wurde. In Hamburg und Altona ist das Fahrrad nicht als gestohlen gemeldet. Der Eigentümer wird im Interesse der Aufklärung dringend ersucht, der Kriminalpolizeistelle Gießen oder der nächsten Polizei- oder Gendarmeriedienststelle Nachricht zu geben. Achtung! Aquarium vesiher. Sonderfälle geben uns Veranlassung, die Züchter und Halter von Warmwasserfischen darauf hinzuweisen, wegen der Explosionsgefahr ihre Aquarien nicht mit Petroleumlampen zu heizen. Wir empfehlen den Fischzüchtern und -Haltern, ihre Aquarien elektrisch zu heizen, da sie sonst Gefahr laufen, sich wegen fahrlässiger Brandstiftung strafbar zu machen. Iteflc Tätigkeit auf dem Festhallengelände in Frankfurt a M. Das Bild teigt den Bauernhof, der auf dem Festhallengelände vollkommen naturaetreu errichtet wird. — (Bild: Reichsnährstand.) i W X'vA' - «H ■' - x ' / •- ■ ■ •aT-m Mit allen Kräften wird an der Herrichtung der Frankfurter Festhalle zu der großen Reichs- nährstands- Ausstellung vom 17. bis 2 4. Mai gearbeitet. Diese Ausstellung wird die größte sein, die Frankfurt a. M. je gesehen hat und wohl auch für die nächsten Jahre beherbergen wird. Das gesamte Gelände um die Festhalle, das auch sonst zu Ausstellungszwecken diente, wird belegt, zu den stehenden Gebäuden werden weitere Hallen errichtet. Darüber hinaus nimmt die Reichsnährstands-Ausstellung ein Freigelände von 17 Hektar in Anspruch, das sich zwischen Bismarckallee, Kuh- waldsiedlunq und Main-Weser-Bahn befindet und von dem Festhallengelände aus durch den Ausgang an der Emser Straße mühelos erreicht wird. Die Festhalle selbst wird als „Reichsnähr - standshaus" den Hauptanziehungspunkt für die Besucher bieten. Dort gelangt die Entwicklung des deutschen Bauerntums zur Darstellung samt allen damit verbundenen Fragen von Brauchtum, Sitte und Bodenrecht. Der Innenraum soll diesmal ein vollkommen neues Aussehen bekommen, da die Kuppel für die Besucher nicht sichtbar sein wird. Eine Zwischendecke in Höhe der zweiten Empore wird ein ganz ungewohntes Raumbild vermitteln. Neben dem „Reichspährstandshaus" wird „D e r Bauernhof in der Erzeugungsschlacht" Fachleute und Laien interessieren. Indem an die Stelle toten Wissens lebensnahe Wirklichkeit tritt und der Arbeitsablauf in der bäuerlichen Wirtschaft praktisch gezeigt wird, versucht die Reichsnährstands- Ausstellung die Grundgedanken der Erzeugungsschlacht und alle Derbesserungsmöglichkeiten zur Leistungssteigerung aufzuzeigen. An den Gebäuden der Hofreite wird seit Wochen gearbeitet, sie gehen bereits ihrer Vollendung entgegen. Es fehlt auch nicht der Bauerngarten und der Bauernwald. Allenthalben auf dem Gelände zeichnen sich die entstehenden Hallen bereits im Grundriß ab. In den nächsten Wochen wird sich eine rege Bautätigkeit bemerkbar machen. Schon jetzt ist der Arbeitsdienst in Stärke von etwa 50 Mann mit den Erdarbeiten beschäftigt. Im einzelnen wird ein Haus der Milch, ein Haus der Pflanzenzucht, ein Haus der Düngerindustrie und eine Schau „Von der Rebe bis zum Glase" zu sehen sein. Da Frankfurt am Main in unmittelbarer Nähe der wichtigsten deutschen Weinbaugebiete liegt, ist mit einer starken Beschickung gerade der Weinausstellung zu rechnen. Hier ist den Besuchern auch Gelegenheit gegeben, sich durch Kostproben von der Güte deutscher Weine zu überzeugen Eine große Anzahl Sonderzüge wird Hunderttausende aus allen Teilen des Reiches nach Frankfurt a. M. bringen. Aus dem Gebiet der Landesbauernschaft Hessen-Nassau allein sind heute schon 53 Sonderzüge gesichert, von denen jeder etwa 1000 Personen faßt. Nicht nur Bauer, Landwirt und Landarbeiter, sondern auch die in großer Zahl zusammenströmenden Verbraucher werden ein umfassendes Bild von Umfang und Bedeutung der deutschen Landwirtschaft erhalten. Gießen Man berichtet uns: Wieder einmal hatte sich der Zweigverein Gießen vom VHC. für seine Wanderung am vergangenen Sonntag einen sonnigen Frühlingstag bestellt. Obgleich nach den Witterungsverhältnissen des Vortags nicht viel gutes erwartet werden konnte, fanden sich am Vormittag 44 Teil» nehmer am Biebertalbahnhof ein Eine frische Nord- ostbrise hatte sich erhoben und über Nacht die Wolkendecke aufgerissen. Am linken Lahnufer aufwärts, durch wohlgepflegte Schrebergärten Hindurch, konnten wir das Weichbild unserer Stadt bald hinter uns lassen. Ungehindert schweifte der Blick in die Weite. In majestätischer Größe grüßten die uns so lieb gewordenen Wahrzeichen des Gießener Lahnbeckens' Gleiberg —Vetzberg —Dünsberg und im Westen der Turm des Stoppelbergs herüber. Jeder war darüber erbaut, daß er heute nicht zu Hause geblieben war. Wir folgten den zahlreichen Windungen der Lahn. Salweiden, Schwarzdorn und andere, die Ufer der Lahn belebenden Frühblüher, prangten im schönsten Frühlingsschmuck und sind im Sommer für unsere gefieberten Lieblinge ein wahres Paradies. Ein Schof Wildenten verläßt schleunigst, sich nach Norden wendend, die Niederung und auch Freund Adebar ist über unsere Störung bei feinem Morgenimbiß nicht sonderlich erfreut. Nach anderthalbstündiger Wanderung wurde die Badenburg erreicht, die,' wie in früheren Jahren, wieder ein idyllischer Ausflugsort zu werden verspricht. Fern dem flutenden Verkehr der Hauptstraße folgten wir blauen Wegezeichen, überschritten saftige Wiesengründe und erreichten, am Hangelsteiner Bruch vorbei, Daubringen. Biedere Volksgenossen grüßten uns und bekundeten Verständnis für das, was uns Stadtbewohner nottut. Nach entsprechender Atzung traten wir erneut in Kiefernhochwald ein. Zahlreich umherliegende Basaltblöcke fesselten unsere Aufmerksamkeit und ließen uns in Gedanken Rückschau halten auf das gewaltige Geschehen der Erdwerdung. Ein kleines Felsenmeer inmitten dieser Waldeinsamkeit. Ueberraschend gab uns eine Waldwiese den Blick frei auf die Berge des Hinterlandes und später auf das Lumdatal mit feinem als Wächter erscheinenden Totenberg im Hintergrund. Wie schön ist doch unsere Heimat, man muß sie nur mit offenen Augen zu durchwandern verstehen. Das Endziel der Wanderung Großen-Buseck, das besonders für die mitwandernde Jugend von Bedeutung war, wurde nach insgesamt fünfstündigem Marsch erreicht. Im Gasthaus wurde Schlußrast gehalten. Nach einem Appell des Wandermeisters, nicht nachzulassen in der Freude an unserer schönen Gottesnatur, wurden die fleißigsten unter den Iung- manberern durch Ehrennadeln und Erinnerungsstücke ausgezeichnet. Gesang und Mundart-Vorträge verschönten die Feier, bis bei Sonnenuntergang der Weg heimwärts angetreten werden mußte. BdM. sammelt Ostere»er. Zum Abschluß des Winterhilfswerkes haben die Mädel und Jungmädel des BDM.-Obergaues Hessen-Nassau von der NSV. die Aufgabe bekommen, O st e r e i e r z u sammeln. Die Mädel ziehen mit schön geschmückten Körbchen von Haus zu Haus und haben, wie schon verschiedene Städte und Dörfer melden, vollen Erfolg mit ihrer Sammlung. So konnten die Jungmädel eines kleinen oberhessischen Dorfes an einem Morgen allein über 250 Eier an die NSV. abliefern. Der Abschluß dieser Sammlung ist in allen Dörfern und Städten ein Frühlingsfest oder Eierfest, an dem die gesamte Bevölkerung teilnehmen wird. * ** 90 Iahre alt. Am morgigen 9. April vollendet unsere Mitbürgerin Fräulein Anna Gut - fleisch in selten geistiger und körperlicher Frische ihr 90. Lebensjahr. Sie ist eine Schwester des ihr schon vor mehr als 20 Jahren im Tode vorausge- gangenen hiesigen Rechtsanwalts Geh. Justizrat Dr. Gutfleisch, des der älteren Generation nach wohlbekannten bedeutenden Juristen und Politikers, unseres um die Stadt hochverdienten Ehrenbürgers. Am 29. v. M. hat sie noch ihre Wahlpflicht erfüllt. Möge ihr auch weiterhin ein schöner Lebensabend beschieden sein! Frl. G u t f l e i s ch ist seit ihrem Rezept bei Erkältung, Grippe! Man rühre ie einen Eßlöffel voll „Klosterfrau- Melissengeist" und Zucker in einer Kaffeetasse gut um. Dann gieße man kochendes Wasser hinzu und trinke möglichst heiß. Zwei Taffen dieses wohl- schmeckendeii Gesundheits-Grogs (Kinder die Hälfte) vor dem Schlafengehen einnehmen. Darauf schläft man wunderbar, wacht wie neugeboren auf und freut sich: Erkältung und Grivve verschwinden rasch. Holen Sie deshalb sofort bei Ihrem Avo- tefer oder Drogisten den echten „Klosterfrau- Melissengeist". Große Flasche 2.95 RM., mittlere Flasche 1.75 RM., kleine Flasche 0.95 RM. l1969V (Bitte ausschneiden!) Oie Tippgräfin. Vornan von Klothilde v (Stegmann Urheberrechtsschutz: Aufwärts-Verlag, Berlin, SW 68. 33 Fortsetzung. Nachdruck verboten! Männeraugen tauchten ineinander, sahen sich lange fragend an. Dann ließ Bonaglia Jlaro los, trat noch näher auf den Herzog zu, streckte ihm die rechte Hand entgegen. „Enrico?" „Giovanni!" schrie der Herzog auf. Zwei Männer lagen sich in den Armen und schämten sich ihrer Tränen nicht. Die Umstehenden aber wandten sich ab, unter ihnen manch wetterfester, kampferprobter Bursche, der sich gleichfalls das Naß aus den Augen rieb. Zehn Minuten später bildete Jlaro den Mittelpunkt aller auf der „Insel der Erwartung" befindlichen Personen. Sie wurde angestaunt, von Glückwünschen überschüttet und mit Fragen bestürmt, die sie alle freundlich der Reihe nach beantwortete. Sie glaubte zu träumen, daß sie nun von lauter Menschen umgeben war, die ausschauten wie ihr geliebter Pflegevater Prinz Bonaglia und sie. Mit Schaudern dachte sie an die Zwergjäger zurück, unter denen sie gelebt. Sie konnte es plötzlich nicht mehr begreifen, daß sie dort hatte lachen und fröhlich sein können. Aber all diese neuen Eindrücke waren zuviel für sie. Bleich und erschöpft lehnte sie mit geschlossenen Augen in dem Sessel, den man eilig herausgebracht hatte. Besorgt sah Bonaglia auf fein Pflegetöchterchen. „Wo bringen wir sie hin", fragte er Heßling, „damit sie zur Ruhe kommt?" Da meldete sich Pepito Erlesis englischer Freund Ronald Errel. Er hatte bereits Pepito Arlesi ausgenommen. Der hatte Pech gehabt. Beim Aussteigen aus dem Flugzeug war er so unglücklich über eine Baum- wurzel gestürzt, daß er einen doppelten Beinbruch davontrug Der Gedanke, in Tanga im englischen Hospital zu liegen, entlockte ihm wütende Schimpfworte. So lud ihn der junge englische Pflanzer, nachdem die Aerzte Pepttos Bein gegipst hatten, kurz entschlossen auf und brachte ihn nach seiner Farm Täglich kam em Arzt, um nach dem Pattenten zu sehen, dessen Laune sich in demselben Maße verschlechterte, wie seine körperliche Heilung oorschritt. Untätigkeit hatte Pepito von jeher gehaßt, aber gerade jetzt hier an den Liegestiehl gefesselt sein zu müssen, war für ihn nur zu schwer zu ertragen. Als aber auch Jlaro auf die Bitte des jungen Farmers hin Gast auf der Farm wurde, sah Pepito das Leben schon wieder ein wenig fröhlicher an. Bonaglia nahm die Gastfreundschaft des jungen Engländers für fein Pflegetöchterchen gern an. Hier gab es eine weiße Köchin, die sich Ikaros sofort mütterlich annahm. Nun die „Rose des Urwaldes" zum ersten Male feit ihrer frühesten Kindheit wieder in einem richtigen Bett schlief, saßen die Männer noch lange beisammen und besprachen Vergangenes und Zukünftiges miteinander. „Wie lange ist es her. daß wir zuletzt etwas aus Europa hörten?" Heßling fragte es nachdenklich. Die Rückkehr des Herzogs nach Rom war natürlich jetzt noch hinausgeschoben worden, sehr zu Walters Unwillen, der lieber heute als morgen wieder Heimatboden unter den Füßen gehabt hätte. Er sorgte sich um Mariella. Wie mochte es ihr gehen? Was war aus ihr geworden? Zum Greifen deutlich stand sie in ihrer bezaubernden Lieblichkeit vor ihm, in dem blaßblauen Batistkleidchen, in dem er sie zum letzten Male gesehen. Sie hatten über ihren Vater gesprochen und über Annina von Gellern. Doktor Heßling, der als Anwalt besonders scharfe Augen besaß, ahnte schon lange von den Unstimmigkeiten zwischen Mariella und der kalten, berechnenden Annina. Nach jetzt klangen ihm Mariellas letzte Worte ins Ohr, die sie mit ihm gewechselt hatte, ehe sie sein Büro verließ: „Tante Annina ist manchmal nicht ganz freundlich gegen mich. Aber trotzdem glaube ich an sie und bin ihr zu großem Dank verpflichtet. Denken Sie an die Erziehung, die sie mir zuteil werden ließ, weil ich die Tochter ihres Jugendfreundes bin. Sie find voreingenommen, und das dürften gerade Sie nicht fein ..." Heßling seufzte in der Erinnerung an dieses Gespräch auf Wie recht hatte er mit feiner Beurteilung Anninas gehabt! Denn da war ja die Sache mit dem Totenschein aus Timbuktu, der den ersten Zweifel gegen Annina von Geiferns Wahrheitsliebe in ihm geweckt. Doch durfte er dies Geheimnis noch nicht verraten. Wozu Mariellas Vater in Unruhe stürzen? Der Prinz glaubte fein Kind in Anninas Händen gut behütet. Ehe er in Deutschland war, hatte es keinen Sinn, ihm das Herz noch schwerer zu machen. Aber Heßlings Unruhe in bezug auf Mariella wurde immer fieberhafter. Vor allen Dingen quälte ihn der Gedanke: War aus der kleinen Mariella inzwischen die Frau dieses verhaßten Erhard von Hagen geworden? Am selben Abend kam es zwischen Heßling und Giovanni di Bonaglia noch zu einer Aussprache unter vier Augen. Als sie beide, ein wenig abgesondert von den anderen, der Motorjacht entgegengingen, auf der sie alle wohnten, nahm plötzlich Bonaglia mit einem warmen Druck die Hände des jungen Anwalts „Sie kennen meinen Liebling, meine Mariella", sagte er ernst. „Enrico hat mir verraten, aus welchem Grunde Sie mich, den Ihnen völlig Fremden, retteten. Mein Kind muß gut fein, daß Sie es so lieben ..." „Hoheit . ." „Lassen Sie das! Ich heiße Bonaglia." Walter verneigte sich tief: „Die Prinzessin ist ebenso gut, wie sie schön ist — und ich liebe sie unendlich." Es waren nur ganz einfache Worte, die er sprach. Aber der Prinz spürte in ihnen die tiefe Liebe eines echten Mannes. „Mariella wird es Ihnen danken, daß sie den Vater wieder in die Arme schließen darf", entgegnete Bonaglia gerührt „Sie sind mir als Sohn hochwillkommen!" Ohne eine Gegenäußerung Walters abzuwarten, schloß er den jungen Mann in seine Arme. „Der Segen des Himmels fei mit Ihnen, mein Sohn!" sagte er, ehe er ihn freiließ. „Vater!" Tief erschüttert gab Heßling dem verehrten Mann diesen Namen. „Wenn du wüßtest, wie hoffnungslos meine Liebe ist! Mariella wird mir nie gehören. Als ich abreifte, war sie bereits gebunden. Sie stand vor ihrer Hochzeit mit einem Grafen Hagen." Er wandte sich ab. Der Prinz schwieg gleichfalls. Auch ihm tat das Herz weh. Wie gern hätte er feine Tochter diesem prachtvollen jungen Menschen gegönnt, der das Leben eines Mannes rettete, dessen Tochter ihm nicht angehören wollte. Heßling bezwang sich gewaltsam. Wieder durfte er nicht an sich denken, sondern nur an Mariella. „Vater", sagte er, „darf ich dich etwas anderes fragen?" „Was ist es, was dich noch beschwert, mein Sohn?" fragte Prinz Bonaglia. Heßling schwieg einen Augenblick. Stumm ging er neben Mariellas Vater her. Es war ein zauberhafter Abend. Er schien viel mehr geschaffen zu glücklichen Gedanken und Gesprächen als zu sorgenvollen Ueberlegunqen. Heller Mondschein lag über der Insel. Der Uelle, dessen sanftes Rauschen zu den Männern herüberdrang, glitzerte wie ein silbernes Band. Glühwürmchen, die hier die Größe von Bienen erreichten, schwirrten umher und sahen aus wie kleine Laternen. Eine Nacht, wie geschaffen zum Glück. Schwer seufzte Walter Heßling auf. Es wußte endlich einmal zur Klarheit kommen über Annina von Gellern: „Vater, meine Frage gilt Annina, der Pflegemutter Mariellas." Die Stimme des Prinzen belebte sich: „2h, Annina? Ist sie nicht eine hervorragende Frau? Sie muß auch an Irene, wie Jlaro eigentlich heißt, Mutterstelle vertreten, wenn wir' erst daheim sind." „Um Gottes willen, lieber sollte dies entzückende Geschöpfchen in den Händen der Schwarzen geblieben sein, als in die Anninas kommen." Heßling hatte es unbeherrscht gesagt. Jetzt bereute er es. Denn Bonaglia blieb stehen, faßte ihn an den Schultern und sagte mit angstvoller Stimme: „Was willst du damit sagen? Bei allen Heiligen, was meinst du?" „Vater", antwortete Heßling erschüttert, „ich muß Klarheit über diese Annina haben. Und wenn ich selbst ein Berufsgeheimnis brechen müßte. Ich habe das tiefste Mißtrauen gegen die Aufrichtigkeit und Güte Anninas. Sie zeigte mir einen Totenschein von dir, und dieser Totenschein — —N Er zögerte einen Augenblick. „Sprich weiter!" sagte Bonaglia heiser. „Und dieser Totenschein war gefälscht." (Fortsetzung folgt!) Auch zu den Oster-Festtagen ein frisches und nahrhaftes Getränk! — — Aber selbstverständlich: 1H RII NG'-M IE ILC HI OR~ IBII IE R in bevorzugter Qualität Frühjahrs-Starkbier Spezialität »Hessenquell« (Doppelbock (dunkel) Auch in Flaschen und Syphons erhältlich! (PILSNER) feinstes helles Tafelbier 2269 D vor mehr als 60 Jahren erfolgten Ueberzug nach Gießen eifrige Leserin des „Gießener Anzeigers". *^DasAuslegenvonBettenundTep- pichen u f w. nach der Straße ist nicht gestattet. Bei der Polizeidirektion eingegangene Beschwerden veranlassen diese Behörde, die Bevölkerung nochmals auf die bestehenden Bestimmungen mit dem Hinweis aufmerksam zu machen, daß die Poli- xeibeamten angewiesen sind, gegen diejenigen Personen vorzugehen, die gegen das Verbot verstoßen. ** Die Reichsbank am Ostersamstag geschlossen. Im heutigen Anzeigenteil gibt die Reichsbankstelle Gießen bekannt, daß ihre Geschäftsräume am Ostersamstag geschlossen bleiben. Interessenten mögen die Bekanntmachung beachten. Große Strafkammer Gießen. Am gestrigen Dienstag verhandelte die Große Strafkammer beim Landgericht Gießen im Amtsgerichtsgebäude zu Lauterbach. Angeklagt war der Karl Schmidt aus Dirlammen (Kreis Lauterbach) wegen Totschlags. Der Angeklagte war am 19. Juni vorigen Jahres mit dem 17 Jahre alten Otto Philipp aus Dirlammen im Walde beschäftigt. Plötzlich und ohne jeden Anlaß, auch ohne irgendwelchen Streit, ergriff Schmidt eine Axt und schlug damit dem Otto Philipp zweimal von hinten auf den Kopf, so daß der bedauernswerte junge Mensch bald darauf an den schweren Verletzungen verstarb. Im Verlaufe der Voruntersuchung ergab sich, daß der Angeklagte infolge schwerer Geistes- krankheit für seine Tat nicht verantwortlich gemacht werden konnte. Im Hinblick auf diese Geisteskrankheit und die Neigung Schmidts zu Gewalttätigkeiten beantragte die Staatsanwaltschaft die dauernde Unterbringung des Angeklagten in der Heil- und Pflegeanftalt, um auf diese Weise die Allgemeinheit vor dem gefährlichen Menschen zu schützen. Das Gericht gab diesem Antrag der Staatsanwaltschaft statt, so daß der Totschläger nunmehr sürdauerndinAnstaltsverwah- r u n g gebracht wird. Amtsgericht Gießen. Der Fr. W. aus Klein-Linden wurde durch Strafbefehl mit 10 RM. G e l d ft r a f e belegt, weil er einer Aufforderung des Kreisamtes Gießen zur Wiederherstellung seiner teilweise eingestürzten Mauer nicht Folge leistete. Gegen diesen Strafbefehl legte der Angeklagte Einspruch ein. In der gestrigen Hauptverhandlung wurde die Sacke zwecks weiterer Beweiserhebung bzw. gütlichen Ausgleichs mit der Behörde an den Amtsanwalt abgegeben. In einer weiteren Sache erschien der Angeklagte nicht. Sein Einspruch wurde daher kostenpflichtig verworfen. Auto rast in eine Schafherde. Zahlreiche Tiere getötet oder verletzt. LPD. Gelnhausen, 7. April. In der Nähe des Kreisortes Flörsbach fuhr ein Lastauto in eine Schafherde hinein. Zahlreiche Tiere gerieten unter das Auto und wurden entweder getötet, oder verletzt. Im ganzen blieben 18 Schafe, ein Zuchtbock und der Schäferhund t o t liegen, während 15 weitere Tiere erhebliche Verletzungen . Die Schuld soll den Autolenker Die Kreisklaffen in der Verbandsserie 1935/36. Nachstehende Tabellen geben Aufschluß über das Abschneider, der einzelnen Mannschaften in der Spielzeit 1935/36. Wenn auch in verschiedenen Klassen die Spiele noch nicht restlos durchgeführt sind, so ändert dies nichts an der Tatsache, daß die Meister in allen Gruppen feststehen. Um die Aufstiegsspiele nicht zu verzögern, wurden daher die restlichen Spiele abgefetzt, d. h., da sie auf die Tabellen keinen Einfluß mehr ausüben, werden sie lediglich als Gesellschaftsspiele ausgetragen. In den einzelnen Gruppen ergab sich folgender Stand: 1. Kreisklasse. Gruppe Gießen. Spiele Gew. Unentsch. Verl. Pkte. Spv. Lollar 14 13 0 1 26: 2 Spv. Heuchelheim 14 8 3 3 19: 9 FC. Gr.-Buseck 14 8 2 4 18:10 Spvg. Leihgestern 14 5 2 7 12:16 1900 II 14 4 4 6 12:16 VsB.-R. II 14 3 3 8 9:19 FC. Grünberg 14 3 1 10 7:21 Spv. Rodheim 14 2 3 9 7:21 Meister 1935/36 : Sportverein Lolli a r. In der Gruppe Gießen errang der Sportv. Lollar mit klarem Vorsprung den Meistertitel. In allen Spielen mußten die Gegner mehr oder weniger die Überlegenheit der Lollarer anerkennen. Heuchelheim konnte im Vergleich zu den vergangenen Jahren nicht ganz Schritt halten. Die eingestellten jungen Spieler zeigten sich doch noch nicht ganz den Ansprüchen gewachsen. Trotzdem kann die Mannschaft das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, dem 2. Kreisklasse. Gruppe Gießen A. Spiele Gew. Unentsch. Verl. Pkte. Garbenteich 14 11 0 3 22: 6 Steinberg II 14 9 1 4 19: 9 Lich I 12 8 1 7 17:15 1900 III 16 8 1 7 17:15 Steinbach 14 6 2 6 14:14 VfB.-R. III 14 6 2 6 14:14 Großen-Linden 15 4 3 8 11:19 Grüningen 14 3 2 9 8:20 Lich II 8 0 0 8 0:16 Meister 1935/36: S p v. Garbenteich. Hier erreichte Garbenteich als Erster das Ziel. In der zweiten Gruppe folgen Steinberg II, Lich I und 1900 HL Steinbach und VfB.-R. III enttäuschten in diesem Jahre etwas. Den Neulingen Großen-Linden und Gröningen mangelt es noch an der nötigen Erfahrung, während Lich II den Punktelieferanten abgab. Gruppe Gießen B. Spiele Gew. Unentsch. Verl. Pkte. VfB. Krofdorf 16 11 1 4 23: 9 Alten-Buseck 16 9 4 3 22:10 To. 1846 16 10 2 4 22:10 Lollar II 16 9 1 6 19:13 Wißmar 16 8 3 5 19:13 Launsbach 16 9 0 7 18:14 Heuchelheim II 16 4 1 11 9:23 Fellingshausen 16 3 1 12 7:25 Rodheim II 16 0 1 15 1:31 Meister 1935/36: VfB. Krofdorf. In letzter Minute entschied hier VfB. Krofdorf das Rennen für sich. Alten-Buseck und Tv. 1846 waren zähe Gegner. Sie ließen sich nur schwer abschütteln. Lollar II, Wißmar und Launsbach konnten noch einigermaßen Schritt halten. Fellingshausen zog seine Mannschaft Ende der Serie zurück, und Heuchelheim II und Rodheim II hatten unter Spielerabgaben an die 1. Mannschaft zu leiden. Gruppe Gießen C. Meister 1935/36: FC. Daubringen. Spiele Gew. Unentsch. Verl. Pkte. Daubringen 14 12 1 1 25: 3 Rüddingshausen 14 11 0 3 22: 6 Londorf 14 9 1 4 19: 9 Geilshausen 14 6 0 8 12:16 Treis 14 3 3 8 9:19 Grünberg II 14 3 2 9 8:20 Flensungen Großen-Buseck II 14 14 3 3 2 1 9 10 8:20 7:21 Daubringen war hier nie in Gefahr. Lediglich Rüddingshausen konnte sich noch einigermaßen zur Geltung bringen. Londorf und Geilshausen sind noch nicht genügend ausgeglichen in ihren Leistungen. Treis und Flensungen müssen ebenfalls noch an ihrem Spielsystem arbeiten, um weiter nach vorn 3u kommen. Grünberg II und Großen-Buseck II hatten wie alle übrigen Reservemannschaften durch Ersatzstellung an die erste zu leiden. VfK. Alsfeld Nordhessen-Meister. In Kassel wurde die nordhessische Mann- schafts-MeisterschaftimRingen zwischen Hessen-Preußen Kassel und dem Verein für Körperkultur Alsfeld entschieden. Den Dorkampf hatte Alsfeld 14:6 gewonnen, im Rückkampf siegten die Oberhessen aber nur mit 9:8. Immerhin wurden sie damit im Gesamtergebnis Sieger und Gaumeister. Aus dem Lager der Sporlkegler. Die Bestleistungen der heimischen Kegler. Meister die einzigste Niederlage beigebracht zu haben. Großen-Buseck und Leihgestern haben an Spielstärke eingebüßt. Ersterer hatte unter Spielerwechsel zu leiden, während bei Leihgestern das Abschneiden durch Sperrungen verschiedener Spieler beeinträchtigt wurde. Die Reserven der Gießener Vereine wechselten diesmal ihre Position. Grünberg und Rodheim waren zu unbeständig in ihren Leistungen. Gruppe Dill. In der Dillgruppe wiederholte der VfB. Aßlar seinen vorjährigen Meisterschaftssieg, obwohl die Verfolgergruppe Nauborn, Werdorf und Ehringshausen mächtig nachdrängte. Aßlar zeigte sich jedoch zum Schluß als die gefestigtere Mannschaft. Ulm, Holzhausen und Wetzlar II kamen hier nicht ganz mit und Hermannstein spielte lediglich eine Statistenrolle. Gruppe Lahn. Die.Vorstädter Sportfreunde zeigten sich von Anbeginn als die stärkste Mannschaft. In der Hauptsache sind es Ligaspieler des früheren BC. Wetzlar, die der Elf die Spielstärke verleihen. Als ziemlich gleichwertig zeigte sich der FC. Burgsolms. Bei der Placierung Bissenberg II dürften Spieler der 1. Mannschaft einigen Anteil haben. Oberbiel gegen Steindorf und Stockhausen gegen Leun waren fast aleichwertig in ihren Leistungen. Philivpstein gegen Albshausen kamen nur auf eigenem Platz zu Er- Dieser Tage hatte der Verein der Kegler Lahn-Busecker T a l seine angehörenden Vereine zu einer Bundessitzung im Keglerheim bei Gastwirt Heinrich Braun in Wieseck versammelt. Erschienen waren die Vertreter von 12 Vereinen. Der Kegler Otto Strack (Gut Holz, Wieseck) gab die Mannschaften bekannt, die sich im Laufe des Winters 1935/36 bei den Bundesaus- scheidungskegeln für die Bundesfeste im Jahre 1936 durch Erreichung von Bestleistungen in der geworfenen Holzzahl qualifiziert haben. Bei den Ausscheidungskämpfen wurden bei je 600 Kugeln nachstehende Resultate erzielt: A u f der Asphaltbahn: 1. Martin Schupp, Lollar (Gut Holz Lollar) 3102 Holz; 2. Christian Walther, Beuern (Gut Holz Beuern) 3062 H.; 3. Karl Düringer, Wieseck (Vorwärts Wieseck) 3055 H.; 4. Albert Wagner, Krofdorf (Gut Holz Krofdorf) 2994 H.; 5. Ludwig K o h 1 b e r- ger, Lollar (Dahnfrei Lollar) 2990 H.; 6. Wilhelm Bender, Krofdorf (Gut Holz Krofdorf) 2988 Holz. 2111 me i ft e r auf Asphalt: 7. Ludwig Mohl, Wieseck (Gut Holz Wieseck), 500 Kugeln, 2332 Holz. A u f der Scherenbahn: 1. Willi Bor- sch e l, Lollar (Bahnfrei Lollar) 3937 Holz; 2. Martin Schupp, Lollar (Gut Holz Lollar) 3826 H.; 3. Karl Hahn, Daubringen (Alle Neun Daubringen) 3752 H.; 4. Wilhelm Wagenbach, Alten- Buseck (Gut Holz Alten-Buseck) 3735 H.; 5. Hein- rich Ihm, Wieseck (Vorwärts Wieseck) 3710 H.; 6. Ludwig Kohlberger, Lollar (Bahnfrei Lollar) 3682 Holz. Altmeister auf Schere: 7. Ludwig Muth, Lollar (Gut Holz Lollar) 500 Kugeln 2791 Holz. Das Bundesfest in Bad-Nauheim findet am 13. April (2. Dftertag) statt. Am 10. und 17. Mai 1936 soll auf den Bundesbahnen in Wieseck ein Werbekegeln für alle Mitglieder der Vereine des Verbands Lahn- Busecker Tal stattfinden. Der Wanderpreis (Bundeskette) wird noch solange ausgekegelt, bis auf jeder Bahn, der bis jetzt dem Verein Lahn-Busecker Tal angehörenden Vereine die Höhere Privaiscbule GieBeo Wernerwall 15 Oberrealschul-Lehrplan, realgymnasiale u. gymnasiale Kurse. Gründliche Vorbereitung für die Reifeprüfung und Obersekundareife. Reichsverbandsprüfung durch die Lehrer der Schule. Tägliche, gewissenhaft beaufsicht. Arbeitsstunden. Aufnahme von Schülern und Schülerinnen in alle Klassen (auch Sextai jederzeit. - Sprechstunden täglich 11.30-13 Uhr. ^oD Braunfels an der Lahn Hotel Solmser Hof Renoviert Fließendes Wasser, Heizung, Bad u. Garage 2264D Neue Leitung: H. Sigrist EettenSachgefchäfi MafivaHftn rJ Metall.ettsteilen von mairaizen m. 19.50 bis 33 - P. stück Steilig, mit Köpftet! 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V., Gießen auf Mittwoch, den 15. April 1936, abends 8 Uhr im Schulgebäude, Steinstratze 10. Tagesordnung: 1. Geschäftsbericht für das Schuljahr 1934'35, 2. Rechnungsabschluß Ri. 1934/35, 3. Satzungsänderungen, 4. Propaganda und Mitgliederwerbung, 5. Sparmaßnahmen, 6. Ausbau der Frauenschule, 7. Verschiedenes. Der 1. Vorsitzende Schelborn Oberstudiendirektor. Gießen, den 6. April 1936. rrsrv Mschhalle Marktlaube 01630 Morgen findetder Verkauf dengan- zenTagstatt.Job.Verben, Tel. 2295 gekelterten ApfeStveM Kvkel-Süßmost Ludwig Kohlermann IV. Jnh.L.Hefderick Telephon 3012 Bleichftraße 14 Wissenschafti. Werke Sondergebiet der Brühl’schen Druckerei Für den Naturfreund ! VMMveu Die Lebensgemeinschaft des deutschen Waldes in Bildern 150 Naturaufnahmen aus dem Tier- und Pflanzenleben des heimatlichen Waldes auf 128 Kupfertiefdrucktafeln, mit lebendigem und aufschlußreichem lkinfübrungstexi von K.Gerhard u.G.W 'lff. 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Folgende Fahrer starten am kommenden Sonntag beim Großen Straßenpreis von Hannover als Nationalmannschaft: Bartiskiewicz, Körner, Schmidt, Gronwald, Dubaschny, Böhm, Bigalke, Kreisel, Schöpflin, Schmidt II (sämtlich Berlin); Leppich-Cosel, Schulze, Schild, Hackebeil, Reichel, Hauswald, Fensel, Kempfert, Hupfeld (sämtlich Chemnitz); Zwing- ' Hoffmann (Wolfenbüttel); Haack, Ketels, Langhoff, (sämtlich Bielefeld); Diederichs, Ich bitte um Beachtung meiner Schaufenster-Auslagen, welche eine kleine Auslese meines reichhaltigen Lagers darstellen. _________________________2212 A Moderne Slipons Sakko-Anzüge Sport-Anzü ge Herren-Oberwäsche aus Bembergseide,Charmeuse und Trikoline Kragen und Krawatten Handschuhe Sportstrümpfe und Socken Herren - Unterwäsche Der schöne Anzug zum Osterfest von Köhler mit dem wundervollen, figurverbessernden Schnitt und der eleganten Form, auch für korpulente Herren, in allen Größen. 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