Nr. 33 Erster Blatt M. Jahrgang Samstag, 8 Zebruar 1936 Erfcheml täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Movatr-Bezugspreir: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr .. „ - 25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer (Bemalt Zernsprechanschlüsse unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gieh-lr Postscheckkonto: firantfnrt am Blain 11686 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen DruÄ und Verlag: vrlihl'sche UnIverfitSts vuch- und Steindruckerei R. Lange in Stehen. Schristleitung und Geschäftsstelle: Schulftrahe 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 81 /,Uhr des Dormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Textanzeigen von 70mm Breite 50 Rpf.,Platzvorschrift nach vorh.Dereinbg.25"/„ mehr. 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September 1920 Belgien und Frankreich einen Militärvertrag, der in seinen Grundzügen, aber nicht mit seinen sämtlichen Bestimmungen veröffentlicht wurde. Dieser Militärvertrag band Belgien an Frankreich. Er wurde abgeschlossen durch ein belgisches Kriegsministerium, das ausschließlich von Wallonen besetzt war, die Belgiens Rüstungen bereits in den Jahren vor dem Kriege in den Dienst Frankreichs gestellt haben. Jetzt hat die neue Wehrvorlage des Kriegsministers Deveze zu innerpolitischen Kämpfen geführt, in denen die Flamen behaupten, die neue belgische Aufrüstung fei einseitig gegen Deutschland gerichtet, sie sei ein Ausfluß jener Einkesselungspolitik, die sich in allen außenpolitischen Bestrebungen Frankreichs und Englands bemerkbar mache, und Belgien würde dadurch derart an Frankreich gebunden, daß es bedingungslos mitmarschieren müße, wenn Frankreich Deutschland mit Krieg überzöge, also auch dann, wenn es Deutschland gar nicht einfiele, die belgische Grenze anzugreifen. Die flämische Majorität der Bevölkerung verlangt daher die Rückkehr zur striktesten Neutralität und die Kündigung des französisch-belgischen Militäroertrages. In den Parlamentsausschüssen hat der Kriegsminister die ihm immer wieder vorgelegte Frage, ob Belgien marschieren müsse, auch wenn Deutschland Belgien gegenüber neutral bliebe, höchst unklar beantwortet und dadurch die Besorgnisse der Flamen noch vermehrt. Ein Blick auf die militärpolitisch-geographische Lage zeigt, daß Belgiens Rüstungen nur der O st grenze gelten, also gegen Deutschland gerichtet sind, während an der französischen Grenze keinerlei Befestigungen vorgenommen worden sind. Nach dem französischen Vorbild hat Belgien die Grenze gegen Deutschland mit einem F e - ftungsgurtel versehen. In enger Verbindung mit dem französischen Festungsgürtel läuft die Front der belgischen Befestigungen von Lcmgwy über Ar- lon Bastogne, das Hohe Venn, die Hochebene von Herve bis Henry Chapelle. Von dort aus geht sie nördlich Lüttich bis Maeseyk und biegt dann nach Nordwesten auf Turnhout um. Schließlich kommt noch eine Front von Nordwesten auf T chckj noch eine Front von Antwerpen über Gent bis zur Schelde hmzu. Diese ganze Umwallung ist mit Forts und Kasematten angelegt. Das 1931 verstärkte Befestigimgssystem galt, wie ein Blatt des Kriegsministeriums, der „Soir", ausführte, seit 1935 als vollendet. Trotzdem wird jetzt ein weiterer Ausbau gefordert, es sollen durch Verlängerung der Dien st zeit neue Truppen aufgebracht werden, um die schon bestehenden und künftig noch zu errichtenden Befestigungen auch mit den nötigen Mannschaften zu versehen. Bereits im Vorjahre erhöhte Belgien trotz der schlechten Wirtschaftslage seinen Heeres-Etat um 119 Millionen auf 886 Millionen Franken; gleichzeitig wurde das Rekruten-Kontingent verstärkt. Jetzt fordert die belgische Regierung von der Kammer neue erhebliche Kredite. Die Blätter des Kriegsministeriums, die französisch geschriebenen liberalen Gazetten, machen in Rüstungspsychose gegen Deutschland, und der Kriegsminister selbst hat sich dem angeschlossen. Das Märchen von der deutschen Gefahr wird breit ausgewälzt, um die Kammer bewilligungsreif zu machen. Dabei ist es Tatsache, wie Lloyd George noch kürzlich im englischen Unterhaus feststellte, daß die europäischen Staaten aufrüsteten, o h n e daß Deutschland auch nur ein Bajonett mehr geschlissen hätte. Während Deutschland waffenlos war, wurde die Abrüstung sabotiert, die Wiedergewinnung der deutschen Wehrhoheit ist nicht etwa die Ursache der neuen Aufrüstung, sondern die Wirkung, denn selbst das friedliebendste Land muß darauf bedacht sein, seine Sicherheit in seiner eigenen Kraft zu suchen, wenn die anderen Nationen ihre Rüstungen entgegen ihrem Versprechen ftanoig Die belgischen Flamen, die die Mehrheit der Bevölkerung bilden, aber im Parlament und im H von den'französisch gesinnten und sp^n^Wa - lonen majorisiert werden, haben die neueste Ru- stunqsvorlaqe zum Anlaß genommen um d.e G - abr einer Bindung der belgischen an bie französische Politik klar zu stellen. Sie haben auf ihre frraae ob Belgien neutral bliebe, wenn Deutsch- Fanb ®=lqien nicht angreife nicht nur keine Antwort bekommen, sondern >hr V-r angen nach L°- hng des französisch-belgischen MMarvertrages ist unerfüllt geblieben. Das kleine Land, das soviel f ir seine Aufrüstung tat, kann nur unter den größte Schwierigkeiten die jetzigen Opfer für das Heer aufbringen, zumal Belgien als Industrieland von den Einwirkungen der Weltwirtschaftskrise besonders hart getroffen wurde, sogar den lange verteidigten Goldstandard seiner Belga aufgeben und sie um 26 v. H. abwerten mußte, ohne daß die damit erhofften Wirkungen eingetreten wären. Daß Deveze als Kriegsminister in französischem Fahrwasser schwimmt, daß die neueste Rüstungsvorlage noch mehr auf Gedeih oder Verderb Belgien an alle Abenteuer der französischen Politik knüpft, ist der Hauptvorwurf, den die Männer erheben, die für eine wirklich unabhängiges Belgien sind. Das englische Aufrüstungsprogramm bis 1939 durchgeführt. London, 8. Febr. (DRV. Funkspr.) Das neue englische Au'rüstungsprogramm dürfte, wie „Daily Telegraph" b [tätigt, eine Gesamtsumme von nicht weniger als 3 0 0 Millionen Pfund Sterlingen fordern. Die Regierung habe eine weitere Beschleunigung der Aufrüstung beschlossen, so daß der größte Teil des Programms bis 1939 durchgeführt sein werde. Der 1. Teil des Vier- Jahres-Programms werde mit Schatzwechseln finanziert werden. Nach etwa 1% Jahren werde jedoch die Auflegung einer Rüstungsanleihe erforderlich sein. Amerikanische Geschwaderflüge. Neuyork, 7. Febr. (DNB.) 31 Marineflugzeuge traten von Cocosolo (Panamakanalzone) einen Geschwaderflug nach den 1200 Meilen entfernten Galapagosinseln an. Sie nehmen an einwöchigen Luftmanövern teil. Gleichzeitig gab das Kriegsamt bekannt, daß 24 Bomben- und Jagdflugzeuge am 21. Februar von Bronxville (Texas) aus zu einem 1900 Meilen langen Geschwaderflug nach der Panamakanalzone über Mexiko, Guatemala und Nicaragua starten werden. Die Flugzeuge werden den bereits in der Kanalzone stationierten Luftstreitkräften zugeteilt. ,,Frankreichs Kriegsflotte hat seine alte Kraft wiedergefunden." Kriegsmarineminister piStri kündigt vor französischen Kriegsveteranen die Indienststellung der vier mächtigsten Kriegsschiffe der Weit an. Paris, 8. Febr. (DNB. Funkspruch.) Auf einer Versammlung ehemaliger französischer Marinesoldaten wies der französische Kriegsmarineminister Pietri auf die Bedeutung der Kriegsmarine hin. Diejenigen, die ihr Leben für das Vaterland gegeben hätten, erklärte er u. a., forderten mehr, als daß man ihren Verlust lediglich beweine. Die Vele- ranen der französischen Kriegsmarine müßten in der Jugend das notwendige Vertrauen erwecken. Die französische Jugend leide heute schwer. Eine Welle der Melancholie und der Miß- g e st i m m t h e i t werde sie ersticken, wenn nicht die ältere Generation sich.ihrer annehme und ihr das notwendige Vertrauen wieder gebe. Dazu genüge aber nicht, daß man sich der eigenen Taten rühme. Sicherlich hätten dieKriegs- Ichiffsbesatzungen den Krieg mit all seinen Schrecken miterlebt, aber sie hätten nicht die Arbeitslosigkeit, das Elend und jene furchtbare Ungewißheit über den kommenden Tag gekannt, und es sei nicht sicher, ob das Pfeifen der Granaten schlimmer sei, als hiese Beunruhigung. Ihre Aufgabe sei es daher, der französischen Jugend zu verstehen zu geben, daß, wenn Frankreich gerade in den Zeiten einen 21 b ft i e g erlitten habe, in denen seine militärische Stärke den Höchststand erreichte, dies darauf zurückzufübren sei, weil es s i ch nicht g e - n.ügend um seine Flottenmacht gekümmert habe, die als eine Vorbedingung für die Lebenserhaltung Frankreichs angesehen werden müsse. Die ehemaligen Kriegsteilnehmer müßten jedoch wissen, daß das mächtige Kriegsinstrument, die französische Flotte, das. sie gekannt hätten und das trotz ihrer Tapferkeit gebrochen und verbraucht aus dem Kriege hervorgegangen sei, in weniger als zwölf Jahren seine ganze Frische und Wider st andskraft wieder gefunden habe. Wenn demnächst die vier neuen Panzerkreuzer in Dien ft gestellt würden, werde Frankreich die mächtigsten Kriegsschiffe der Welt besitzen. Er persönlich werde dann annehmen können, daß er leine Laufbahn als Mann im öffentlichen Leben eyrlich aus- genützt habe. Eine tolle Fälschung der französischen Rüstungspropaganda. Paris, 7. Febr. (DNB.) Die politische Wochenschrift „Vendredi" und die bekannte französische Sportzeitung „L'Auto" decken eine unerhörte Fälschung auf, die voraussichtlich noch em Nachspiel haben wird. Der Berichterstatter des Luftfahrthaushalts, Abgeordneter B e r n i e r, hatte während der Beratung des Haushaltsplanes m der Kammer in feinem Bericht fünf Seiten einer Denkschrift gewidmet, die angeblich v a m G roh e n Deutschen General st ab verof, en11 i ch t sein sollte und in der „der deutsche Generalstabschef, General R e u ß", sich mit der N o t w e n d i g k e it einer ft arten Luftflotte auseinander^! und den Willen Deutschlands zum Ausdruck bringt, diese Luftwaffe so auszubauen, daß sie m der Lage ist jede Operation des Gegners auf dem Lande zu neutralisieren. Diese Veröffentlichung sollte offenbar dazu dienen, die V rabschiedung der hohen Kredite für die französische Militärluftfahrt sicherzustellen. Französische Kreise, die über die Zusammensetzung des deutschen Generalstabes einigermaßen unterrichtet find, gingen den Dingen nach und haben folgendes feftgeftellt: Der inzwischen verstorbene italienische General Douhet hat in seinem Buch „Der Luftkrieg" die Entwicklung eines Zukunftskrieges zwischen zwei Groh, machten behandelt und in diesem Zusammenhang der militärischen Organisation Frankreichs und Deutschlands ein besonderes Kapitel gewidmet. Die darin enthaltenen Ausführungen waren dem Zweck und dem Sinn des Buches entsprechend theoretische Annahmen des Verfassers, der absichtlich Zukunftsmöglichkeiten behandelte. General Douhet hat zu diesem Zweck einen deutschen Generalftab erfunden und an feine Spitze die ebenso fiktive Persönlichkeit des Generals Reuh gestellt, der dem deutschen Reichskanzler angeblich einen Plan unterbreitet habe. Dieser Plan ist natürlich ebenso eine freie Annahme wie die Figur des Generals Reuh. Den Berichterstatter des französischen Lufthaushalts hat dies aber nicht daran gehindert, die Seifen 124 bis 127 der Abhandlung des Generals Douhet über den Zukunftskrieg in feinen Bericht zu übernehmen und ihm einen amtlichen Anstrich zu geben. 3n feinem Bericht heißt es u. a.: „Um die deutsche Auffassung besser zu verdeutlichen, halten wir es für zweckmähig. auszugsweise ein Schriftstück wiederzugeben, das von dem Grohen Deutschen General st ab veröffentlicht worden iff.“(!!) „L'Auto" verlangt, daß man die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehe. Wenn der Berichterstatter das Buch des Generals Douhet selbst nicht gelesen habe, so habe augenscheinlich ein Beamter des Luftfahrtministeriums das Werk des italienischen Generals geschickt zerschnitten, um den Erklärungen des Pseudo-Generals Reuß den Anschein der Echtheit zu geben. Eine Untersuchung sei auf alle Fälle notwendig, denn das französische Parlament habe diese neue Schädigung feines Ansehens wirklich nicht nötig. Oie (Soivjelflieger über Estland. Reval, 7. Febr. (DNB.) Wie sich nachträglich herausstellt, beruht die Meldung, drei sowjet- russische Militärflugzeuge hätten am Donnerstag die Stadt Dorpat* überflogen, auf einem Irrtum, es handelt sich vielmehr um die Stadt Narwa, die zweimal überflogen wurde. Ergänzend wird berichtet, daß die sowjet- russischen Flieger über dem Peipus-See gerade in dem Augenblick erschienen, als die gemischte estländisch-sowjetrusfische Grenz- ko m mi ff i o n auf dem Eise eine Beratung abhielt. Sowohl die fowjetruffischen, als auch die est- ländifchen Mitglieder der Kommifsion eröffneten das Feuer auf die Flugzeuge, in der Meinung, es mit denen des Nachbar ft aates zu tun zu haben. Wohin geht England? Die diplomatische Betriebsamkeit, die sich an die Begräbnisfeierlichkeiten in London anschloß und in langen Besprechungen mehrerer Staatsoberhäupter und fast aller europäischen Außenminister in den beiden westlichen Hauptstädten ausdrückte, bringt, obwohl unendlich viel darüber berichtet und geschrieben wurde, doch bei näherer Betrachtung kaum eine neue Note in das verwirrte und disharmonische Konzert der internationalen Politik. Weder ist die abessinische Frage auch nur um einen Schimmer Heller und klarer geworden, noch sind die andern europäischen Probleme, von denen wirklich oder angeblich gesprochen wurde, von der Eigenschwere befreit, die ihnen anhaftet und die bisher ihre Lösung verhinderte. Dies gilt sowohl von der allgemeinen Frage der sogenannten kollektiven Sicherheit, solange man das Mittel nicht gefunden hat, die deutschen Bedenken und auch die Polens, die erneut in aller Deutlichkeit geltend gemacht morden sind, glaubhaft und durch praktische Beweise zu zerstreuen; es gilt auch von den Projekten des Donau- und Mittelmeerpaktes, bei denen der vorläufig unbekannte Größenwert Italien nicht einfach als nicht vorhanden betrachtet werden kann. Jedenfalls wäre es mehr als ein Wunder, wenn einer zufälligen Häufung diplomatischen Zusammentreffens das gelungen fein sollte, was sich bisher bei eigens dafür angesetzten Konferenzen und Staatsbesuchen als zu schwierig und eigenwillig gezeigt hatte. Das einzige, was man als ein Symptom von allerdings größter Bedeutung aus den Ereignissen der letzten Tage ablesen kann, dürfte die entschiedene Neigung der englischen Politik fein, in ihre europäischen und internationalen Kombinationen ein sehr pofititioes und freundschaftliches Verhältnis z u Sowjetrußland einzu- ftellen. Es ist zwar nicht so, daß es der „verführerischen Persönlichkeit" des russischen Außenkommis- sars Litwinow in seinen Aussprachen mit dem jungen englischen König und seinen Ministern gelungen wäre, den Kurs der englischen Politik plötzlich in eine neue Richtung zu drehen; die Anzeichen dafür, daß die Londoner führenden Kreise die vielerlei und gewichtigen Gründe, die gegen eine politische Zusammenarbeit mit Moskau sprechen, zurückzustellen begannen, liegen weiter zurück und lassen sich mit zunehmender Deutlichkeit seit der Reise verfolgen, die vor etwa einem Jahre den jetzigen englischen Außenminister Eden von Berlin zu der üppigen und eindrucksvollen bolschewistischen Gastlichkeit nach Moskau führte. Seit jener Zeit hat man sich in London sichtlich bemüht, das konservative und wohlerzogene Grauen vor den blutigen Händen der Zarenmörder zu überwinden und die realen Interessen der englischen Politik voranzustellen, so wie sie sich zur Zeit dem über die ganze Erde schweifenden Blick eines Empire-Mannes zeigen. Dieser Blick ruht nicht erst seit heute und gestern, sondern schon lange mit zunehmender Sorge auf der Entwicklung in 0 ft a f i e n. Sie hat sich im letzten Jahre, besonders aber in den letzten Monaten so sehr akzentuiert, daß England ernstlich fürchten muß, entweder eines Tages feine enormen wirtschaftlichen Interessen — von den machtpolitischen ganz zu schweigen — in Mi11elchina als wertlos liquidieren zu müssen oder sich zu einem offenen Kampf auf Leben und Tod mit seinem einstigen Verbündeten, Japan, zu entschließen. Die Geschichte des chinesischen Reiches in den letzten 100 Jahren ist eine Geschichte ständiger Auflösung und Absplitterung. Den ersten Vorstotz in das festgefügte, vielleicht seit Menschengedenken am höchsten kultivierte und zivilisierte Land, das weit über seine heutigen Grenzen hinaus reichte, Tibet, Sin- kiang, die Aeußere und Innere Mongolei, die Mandschurei und Korea umfaßte, machten d i e Engländer, als sie die Mandschukaiser im fernen Peking zu einem Vertrag mit Waffengewalt zwangen, ihnen weitgehende Sonderrechte einzuräumen. Bis dahin, bis zum Jahre 1842 also, ist es Ausländern verwehrt gewesen, in China Handel zu treiben. Das Privileg für den Außenhandel lag in den Händen der Kantoneser Kaufmannschaft. Dies Privileg wurde durchbrochen, als sich England 1842 in Hongkong festsetzte und dort eine eigene Kolonie errichtete. 1854 dann erzwangen England und die Vereinigten Staaten zusammen die Internationale Konzession in Schanghai, der sich 1862 Frankreich anschloß. 1887 setzten sich die Portugiesen in Macao fest; 1898 die Franzosen in Kwangchowan; 1895 ergriffen die Japaner von der Insel Formosa und von den dieser Insel vorgelagerten Pescadores Besitz. 1907 stößt Japan gegen die Südmandschurei vor und bemächtigt sich Liao- tungs. 1910 hört Korea auf. ein selbständiges Kaiserreich zu fein und wird Japan eingegliedert. In jüngster Erinnerung noch find die Loslösung der Mandschurei und ihre Umwandlung in ein Kaiserreich Mandschukuo (1932), die Besitzergreifung der Provinz Jehol (1933) und schließlich Die Ausdehnung der japanischen Einflußsphäre auf die Provinzen Chahar, Suiyan, Shansi, Hopei und Shang- tung (1935). Bereits aus diesen kurzen geschichtlichen Angaben ergibt sich, daß der starke englische Einfluß immer mehr an Bedeutung gegenüber den japanischen Bestrebungen verlor. Der Herr Chinos ist heute nicht mehr, wie noch zur Jahrhundertwende, England, sondern Japan. Fast scheint es so, als ob sich die britische Politik bis zu einem gewissen Grade mit dieser ungünstigen Entwicklung abgefunden hat. Erst vor wenigen Monaten schrieb die „Times", daß sich England nicht dagegen wehren würde, wenn sich der japanische Einfluß über ganz Nordchina erstreckte und daß es England nur darauf ankäme, seine Handelsinteressen im Stromtal des Jang tse Kiang zu schützen. Diese resignierte Stimmung steht aper im Widerspruch mit dem jetzt von der oritischen Regierung beschlossenen Aufrüstungsprogramm. Gegen wen anders, als gegen Japan kann sich ein Programm richten, das den Bau von 200 neuen Kriegsschiffen vorsieht? Vielleicht sind die Engländer entschlossen, im Fernen Osten lediglich eine Verteidigungsstellung zu beziehen und ihre wirtschaftlichen Interessen unter Verzicht auf politische Vorrechte so gut es geht, zu schützen. Aber daß dieser Schutz mit größter Energie durchgeführt werden soll, beweist die weitere Befestigung von Singa- p o r e und des „Maltas des Stillen Ozeans", des Flottenstützpunktes R a b a u l auf der Insel Neu- Guinea. In England weiß man aber auch, daß England allein zu schwach ist, um die Abwehr gegen Japan erfolgreich Durchzuführen und daß man daher auf Bundesgenossen angewiesen ist. Es ist also natürlich, daß die britische Politik in Bahnen einlenkt, auf denen sie sich mit S o w j e t r u ß l a n d zu treffen vermag. Man darf als gewiß annehmen, daß die englische Politik, bevor sie der bolschewistischen Lockung für ein Zusammengehen nachgab, sich um die willkommenere Rückendeckung bei dem dritten Partner an Ostasien, bei der verwandten nordamerikanischen Union, bemühte. Es ist jetzt gerade ein Jahr her, daß in den Reden amerikanischer und englischer Staatsmänner nach dem Abbruch der Handelsbeziehungen zwischen Moskau und Washington — inzwischen sind sie freilich wieder ausgenommen worden — der nahe Abschluß einer angelsächsischen Allianz als bevorstehend durchklang. Die Gründe, warum dieses natürliche und in beiden Ländern populäre Bündnis nicht zustande kommen kann, liegen wahrscheinlich ausschließlich in den eigenartigen volitischen Verhältnissen der Union, in der gewisse demokratische Lehren, verbunden mit jeweils mächtigen wirtschaftlichen und finanziellen Mächten, die Führung einer einheitlichen und vorausschauenden Außenpolitik erschweren. Jedenfalls ist man in London schon seit etwa einem Jahre zur Ueberzeugung gekommen, daß der europäische Einfluß, das heißt, die englische Stellung im Fernen Osten nur durch eine weitgehende Interessengemeinschaft mit Sowjetrußland gerettet werden kann. Es ist nicht anzunehmen, daß die schweren Bedenken, die gegen eine solche Anlehnung sprechen, der englischen Politik verborgen geblieben sind. Sie bat lange der französischen Diplomatie mit Unbehagen zugesehen, wie sie Moskau immer näher in die Ordnung der europäischen Dinge hineinzog, und ihren Einfluß dahin geltend gemacht, daß wenigstens formell der Charakter einer Verschwörung gegen Deutschland abgeleugnet werden konnte. Daß dies von jetzt ab, wo die Fäden zwischen London und Moskau dicker geworden sind, noch viel schwieriger sein wird, ist klar. Dies zeigt auch der Elan, mit dem soeben in Paris die alten Paktgeschäfte wieder ausgenommen wurden in der Hoffnung, daß nun der englische Widerstand gegen die europäischen Konzeptionen Barthouscher Erbschaft zu brechen sein werde. Das feststehende Ziel der englischen Politik in Europa ist Ruhe und Sicherung des Friedens auf eine lange Zeit, denn eben dies erfordert die Beschäftigung Englands mit seinen außereuropäischen Interessen. Soweit die Zusammenarbeit mit Frankreich und Sowjetrußland, das ja in der abessinischen Frage England sehr beflissene Sekundantendienste geleistet hat, diese Ruhe gewährleisten kann, wird sie England willkommen sein; sollte das Komplott Moskau-Paris aber diese Linie überschreiten und au einer Bedrohung des europäischen Friedens, d. h.-Deutschlands übergehen, so würde ihm die englische Unterstützung kaum zur Verfügung stehen. Es ist deshalb wahrscheinlich, daß die triumphierenden Melodien, die jetzt in der deutschfeindlichen Presse erklingen, bald leiser werden und der Erkenntnis Platz machen, daß, so lange das Fragezeichen des abessinischen Krieges über Europa steht, die deutsche These von der „Unreife der Lage" richtig, weil zwingend ist. Daß England heute andere gewichtige Bedenken gegen eine Verständigung mit der Sowjetunion vorläufig zurückstellt, nämlich deren unterminierende Tätigkeit in den Ländern des Nahen Ostens, in Syrien, Transjordanien, in Palästina, im Irak und Afghanistan, ja selbst in Arabien, also in allen Ländern mit mohammedanischer Bevölkerung und lebens- wichtigen englischen Interessen, entspricht einem unausgesprochenen aber geschichtlich beglaubigten Grundsatz englischer Politik, die ohne System das am nächsten Liegende Problem erfaßt und die dafür tauglichen Mittel ohne große Bedenken, wie sie sich in anderen Fragen auswirken könnten, energisch einsetzt. Bei solcher Betrachtung vermindert sich das Gewicht der Hoffnungen, die offenbar viele Gegner Deutschlands in diese neue Orientieruna der englischen Politik setzen. Daß aber für Deutschland gewisse Gefahren darin liegen, wenn England seine europäische Politik vorwiegend unter dem Gesichtspunkt seiner überseeischen Befürchtungen regelt, ist nicht zu verkennen; aber es wird vor seinen notwendigen Ausflügen an die afrikanischen und asiatischen Grenzen des Empire immer wieder zurückkehren müssen in das immerhin europäische Mutterland, das heute weniger als je übersehen kann, daß es ein starkes Deutsches Reich gibt! Gin Kompromiß in der Oelsrage? Englische Zusicherungen an Italien? London, 8. Febr. (DNB. Funkspruch.) „Daily Telegraph" schreibt, der italienische Botschafter in London, Grandi, sei gebeten worden, dem faschistischen Großrat beruhigende Versicherungen zu übermitteln. Diese Versicherungen bezögen sich besonders auf die Oelsperr e. Gewisse Dölkerbundsstaaten hätten erwogen, ob es nicht möglich wäre, die Oelausfuhren nach Italien auf den normalen Friedensverbrauch au begrenzen. Man könnte dann sagen, daß der Dölkerbuno zwar dem italienischen Volk keine Strafmaßnahmen auferlege, es aber doch ablehne, einen Angriffskrieg durch die Lieferung erhöhter Mengen von Betriebsstoff zu unterstützen. Die französische Regierung habe in Rom nachgefragt, ob Italien eine solche Oelfontingentierung als militärische Sühnemaßncchmen betrachten würde Auch Grandi sei aufgefordert worden, in Rom dar- auf hinzuweisen, daß eine Sühnemaßnahme dieser Art nicht als feindselige Handlung betrachtet werden sollte. Das britische Kabinett habe beschlossen, die Empfehlung des Genfer Sachverständigen Ausschusses abzuwarten. Dann werde sich möglicherweise zeigen, daß „im gegenwärtigen Abschnitt der Weltorganisation für den Frieden" keine Form der Oelbeschrän- k u n g wirksam gemacht werden könne. Am zweiten Tag -ei -en IV. Olympischen Winterspielen Bei schönstem Wetter großes Interesse für -ie Eishockeyspiele un- den Abfahrtslauf der Skisportler. Ga r m i s ch-Pa r tenkirchen, 7. Febr. (DNB.) Am zweiten Tage der Olympischen Winterspiele hatte das heftige Schneetreiben aufgehört. Sehr zur Freude der Wettfahrer und auch der Eissportler war das Thermometer in der Nacht auf 6 Grad unter Null gesunken. Am Freitag lag das Land im schönsten Wintersonnenglanz, und nun erst erlebten die Besucher aus aller Welt, die schon frühzeitig wieder zu den Kampfplätzen unterwegs waren, die ganze Schönheit dieses Fleckchens deutscher Erde. Unter starkem Besucherzuspruch wurden d i e Eishockeyspiele im Eisstadion und a u f dem Rießer See fortgesetzt. Im Eisstadion holten sich Kanada und Amerika den zweiten Sieg; Kanada über Lettland mit 11:0, Amerika über die Schweiz mit 3:0. Auf dem Rießer See schlug die Tschechoslowakei Belgien mit 5:0. Es spricht für die Begeisterung der Schlachtenbummler, daß sie dem er st en Skiwettbewerb der Winterspiele, dem Abfahrtslauf für Frauen und Männer, in Hellen Scharen zuströmten. Schon in den ersten Morgenstunden rückten sie mit und ohne Skier zum Kreuzjoch, wo sich 1719 Meter hoch der Start zur Abfahrt befand. Die Kreuzeckbahn hatte einen Massenbetrieb zu bewältigen. Auf allen Teilen der Abfahrtsstrecke, die im steten Wechsel über Wiesenhänge, steile Buckel, Wald und weite freie Flächen führte, hatten sich dicht vermummt die Schaulustigen eingefunden. Mit Spannung verfolgten sie den schwierigsten Lauf, bei dem die Teilnehmer durch Fähnchen gebildete Pflichttore zu passieren hatten, um allzu große Schußfahrten zu vermeiden. Den Beginn machten die Käuferinnen. Die Hoffnung der Deutschen, Christ! Cranz, hatte das Pech, zu stürzen. Immerhin erreichte sie noch den 6. Platz. Die b e ft e Zeit fuhr die Norwegerin Laila Schou-Nilsen mit 5:04 Minuten. Aber schon an zweiter Stelle kam eine Deutsche, Lisa Resch, die nur 4 Sekunden mehr gebrauchte, wie sich überhaupt unter den ersten sechs, die durch das Ziel gingen, vier Deutsche befanden. Bei den Männern war ebenfalls ein Norweger, Birger Ruud, der Beste. Hier fuhren die Deutschen Pfnür und Lantschner nach ihm die beste Zeit. Der Wettbewerb selbst wird zusammen mit dem Vorlauf nach einem komplizierten Punktsystem gewertet, bringt also allein noch keine Entscheidung. Die zahlreichen Besucher aus nah und fern, die überwiegend am Vormittag dem Abfahrtslauf beigewohnt hatten, fanden in den Nachmittagsstunden Gelegenheit, die weiteren Eishockeyspiele zu sehen. In den Spielen siegte Oesterreich über Polen mit 2:1 (0:0, 0:0, 2:1), Ungarn über Frankreich mit 3:0 (0:0, 1:0, 2:0) und England über Schweden mit 1:0 (1:0, 0:0, 0:0). Man kann jetzt schon sagen, daß die Ungarn sich bis zur Vorentscheidung durchgekämpst haben, ebenso wie Kanada am Vormittag. Am Abend hatten sich im Eisstadion mehr als 8000 Zuschauer, unter ihnen die Reichsminister Dr. Goebbels und Heß, Reichsleiter Rosenberg, Stabschef Lutze, Staatssekretär P f u n d t- ne r, der italienische Unterstaatssekretär Ricci und der Kommandeur des VII. Armeekorps, Generalleutnant von Reichenau, eingefunden. Auf dem Programm stand das zweite Spiel der deutschen Mannschaft, die diesmal Italien zum Gegner hatte. Nach einem rassigen Kampfe blieben die Deutschen mit 3:0 Sieger. In jedem Drittel erreichten sie einen Torerfolg. Die Torschützen waren Schibukat, I a e n n e rf e und R. Ball. Der verdiente deutsche Erfolg wurde mit begeistertem Beifall ausgenommen. Aber auch den tapfer unterlegenen Jtalie- nern zollten die Besucher unparteiisch ihre Anerkennung. Dr. Goebbels in der KdF-Halle. Garmisch - P a r t e n k i r ch e n, 7. Februar. (DNB.) In der KdF. - Fe st halle erschien Reichsorganisationsleiter Dr. Ley und nahm, freudig begrüßt, mitten unter den schaffenden Volksgenossen Platz. Bald darauf erschollen wieder tausendfältige Heilrufe: Dr. Goebbels und feine Gattin waren am (Eingang des Saales erschienen. Nur mühsam, Schritt für Schritt, kamen sie vorwärts. Immer wieder mußte Dr. Goebbels stehen bleiben, mußte er grüßen und Hände schütteln, die ihm entgegengeftredt wurden. Dann wurde ein buntes Unterhaltungsprogramm abgewickelt: eine reizende Kindergruppe aus dem bayerischen Oberland mit Trachtentänzen, Schuhplattler, Jodler und „Gstanzln"-Sänger. Reichsminister Dr. Goebbels, der am Schluß den Mitwirkenden für ihre schönen Leistungen herzlich dankte, wurde in der Pause von Hunderten von „Unterschriftenjägern" umringt, deren Wünsche der Reichsminister nach Möglichkeit erfüllte. Ausländer, die dem Abend beigewohnt haben, meinten, bisher hätten sie nur in den Zeitungen gelesen, daß die führenden Persönlichkeiten von Staat und Partei immer wieder von dem Jubel der Volksgenossen umringt würden. Heute hätten sie es mit eigenen Augen erleben können, diese wirkliche Volksgemeinschaft, die alle Volksgenossen im Reiche verbindet. Wenn -er inter ausgeblieben wäre Technische Wunder bei den Olympischen Spielen. Von Joachim Boehmer. An den herrlichen Leistungen, die die Sportkämpfer aller Staaten in den bayerischen Bergen vollbringen, hat auch die Technik einen hervorragenden Anteil. War schon die Beförderung der großen Teilnehmermassen auf Eisenbahnen und Kraftwagen eine Aufgabe, die den vollen technischen Einsatz Der Verkehrsunternehmungen erforderlich machte, und hat schon die Post durch reibungslose Abwicklung des ungeheuren Nachrichtendienstes über Kabel, durch Funk und auf dem Briefwege Glanzleistungen vollbracht, so treten diese Leistungen in technischer Beziehung doch nur würdig neben die, die sich mit den eigentlichen Olympischen Spielen befassen. Da ist zunächst einmal mit der Laune des Wettergottes zu rechnen, gegen die die Technik eingesetzt werden muß. Es wäre ja widernatürlich gewesen, wenn in den Februartagen auf den olympischen Plätzen der Winter ausgeblieben wäre. Aber viel hätte nicht gefehlt und die Sportler hätten an Stelle von Eis und Schnee Anemonen und Veilchen vorgefunden. Selbst mit einer derartigen Wetterlaune haben die deutschen Gastgeber gerechnet. Man hatte ein 60 Meter langes und 30 Meter breites Kunsteisstadion geschaffen, das auch noch bei einer Witterung mit 10 bis 15 Grad über Null den Wettkampf gestattet hätte. (Eine fertige Kunsteisbahn sieht nicht anders aus als ein zugefrorener Teich. Aber was für Geheimnisse stecken unter der dünnen Eisschicht! Die Ingenieure haben eine große Betonplatte darunter gelegt, in der ein langes Rohrnetz liegt, durch das sich als Kältemittel eine Ammoniaklösung bewegt. Pumpen sorgen dafür, daß sich die Kältelösung schnell durch den 20 Kilometer langen Strang bewegt und die Betonplatte so stark abkühlt, daß das aufgegossene Wasser binnen kurzem gefriert. Eine ständige Nachkühlung ist natürlich schon deshalb erforderlich, damit in den Sportpausen die Eisdecke wieder neu gegossen und damit geglättet werden kann. Einer der Hauptanziehungspunkte der Winterspiele sind die Kämpfe aus den Sprung- schanzen. Auch hier hat die Technik große Arbeit geleistet. Es sieht so einfach aus, wenn der Springer über die Schanze saust. Aber daß die Form und Neigung der Sprungschanzen bis ins Kleinste mathematisch berechnet werden müssen und daß das Sprunggelände durch zusätzliche Bauten hierfür hergerichtet werden muß, überlegen selbst die begeistertsten Zuschauer nicht. Von Der Form der Schanze hängt das Leben der Springer ab. Denn sie erreichen nicht nur Geschwindigkeiten von 100 Kilometer in der Stunde, sondern springen auch so hoch herunter, wie Kirchtürme über die Stadt hinausragen (45 Meter). Wenn nicht bei derartigen Leistungen nicht nur Haltung des Springers, sondern vor allem auch Neigung und Form Der Bahn in vollem Einklang zueinanderstehen, vermag ein Mensch die Verantwortung für die Kämpfer nicht mehr zu tragen. Die große Sprungschanze in Garmisch ist schon seit zwei Jahren fertig und tausendfach erprobt. Die Rechnungen der Baumeister haben sich als richtig erwiesen. Das Entscheidende bei allen Sportkämpfen ist die Feststellung der b e ft e n ß e i ft u n g, fei es nach Zeit, nach (Entfernung, nach Höhe oder nach Körperhaltung. Hierüber in den einzelnen Fällen zu urteilen, steht zwar den Schiedsrichtern zu, aber die Technik kann es noch besser. Nicht etwa, weil die Richter sich von nebensächlichen Dingen beeinflussen lassen könnten, sondern einfach deshalb, weil die menschlichen Sinnesorgane für viele Kontrollen zu träge arbeiten. Wer vermag mit dem Auge einen Unterschied zwischen xmei Zehntel-Sekunden oder gar Hundertstel-Sekunoen festzustellen? Wer kann zuverlässig behaupten, ob zwei Kämpfer tatsächlich gleichzeitig durchs Ziel gingen oder ob nicht Der eine doch einen Bruchteil einer Sekunde früher war? Diese (Ermittelungen sind aber für die Austragung der Sportkämpfe ausschlaggebend. Alfo muß die Technik helfen und die menschlichen Sinne verstärken. In vielen Fällen tut der photographische Apparat gute Dienste. Ost jedoch arbeitet er nicht fein genug, um den zeitlichen Ablauf einer Sportleistung erkennen zu lassen. Daher hat die Technik besondere Zeitnahme- gerate geschaffen, die alles sehen und aufschreiben, was auf dem Kampfplatz vor sich geht. Von jedem der Läufer, die in dichter Folge durchs Ziel gehen, schreibt der Apparat die Zeitkurve auf und gibt auf Bruchteile von Sekunden genau an, wann das Ziel erreicht wurde. Wichtig für die Nutzarbeit dieser Geräte ist, daß sie leicht von einem Ort an den anderen gebracht werden können und von keiner fremden Energiequelle abhängig sind. Außer einem komplizierten Uhr- und Schreibwerk befindet sich darin nichts weiter, als einige Taschenlampenbatterien, die im Bedarfsfall schnell und überall ersetzt werden können. Von der Skibahn her führt ein Luftdruckschlauch zu dem Gerät. Startet der Läufer, so treten die Uhren in dem Meß- gerät in Tätigkeit, elektrisch gesteuert, damit keinerlei Zeit oerlorengehen kann. Natürlich muß auch die Erreichung des Zieles mit dem gleichen Gerät gemessen werden. Also ist eine elektrische Leitung für die Uebertragung der Messungen nötig, oft mehrere Kilometer lang, wenn Start und Ziel weit von einander entfernt sind. Aber immer ist dafür Gewähr gegeben, daß das Zeitnahmegerät auch in demselben Augenblick, wo der Kämpfer das Ziel erreicht, zum Stillstand kommt. Es ist also eine automatische Stoppuhr mit fernseherischen Begabungen, die sich unbeeinflußbar in den Dienst des Sportkampfes stellt. Daß außerdem zahlreiche technische Vorrichtungen für die Befehlsübermittlung an mehrere Stellen, für die Bekanntgabe von Kampfer g e b n i f f e n an die Zuschauer und für die Bedienung der Zeitungen aller Länder erforderlich find, ist angesichts der technischen Vollkommenheit unseres Nachrichtenwesens uns schon allen zur Selbstverständlichkeit geworden. Unruhen auf (Sansibar. London, 8. Febr. (DNB. Funkspruch.) Auf Sansibar, der dem früheren Deutsch-Ostafrika vorgelagerten britischen Insel, waren Hunderte von Arabern in Aufruhr geraten wegen einer neuen Regierungsverordnung, die sich gegen die Verfälschung von Copra (Kokosnußkern, der zur Seiden- hcrftellung verwandt wird) richtet. Die Araber schlugen zunächst einen britischen Aufseher mit Säbeln nieder und ließen ihn schwer verwundet liegen. Dann griffen sie mit Säbeln den stellvertretenden Polizeipräsidenten, den Provinzialkommissar und einen Bezirkskommissar an. Auch diese wurden schwer verletzt. Ein weiterer Polizeioffizier wurde getötet. Die Araber verwüsteten Das Postamt und richteten großen Schaden an. Die Polizei, die hundert Mann Verstärkung aus Daressalam erhalten hat, zieht durch die Straßen. Neue Neichsbürgschasten für den Kleinwohnungsbau. Berlin, 7. Febr. (DNB.) Durch ein neues Rcichsgesetz ist die bisherige Bürgschaftsermächtigung von 150 auf 250 Millionen Mark erhöht worden. Gleichzeitig haben der Reichsminister der Finanzen und der Reichs- und Preußische Arbeitsminister die Ermächtigung erhalten, in Zukunft den Bürgschaftshöchstbetvag durch einfache Verordnung zu bestimmen. Durch die Erhöhung ist die Möglichkeit gegeben, weiterhin den Kleinwohnungsbau durch Beschaffung nachstelliger Hypotheken auf dem privaten Kapitalmarkt wirksam zu fordern, billige und gute Wohnungen und Eigenheime für die wirtschaftlich schwachen Volksgenossen zu schaffen und damit auch den Arbeitsmarkt wirksam zu unterstützen. Inzwischen hat der Gesamtbetrag der durch den Reichsbürgschoftsausschuß und die Landesbürgschafts- ausfchüsie übernommenen oder beschlossenen Reichsbürgschaften eine Höhe von rund 175 Millionen RM. Lebendige Nvlksgeschichle. Seit sich das deutsche Volk in Kriegs- und Nachkriegsnot wieder auf seine ursprüngliche volkliche und kulturelle Gemeinschaft besann und m allen seinen Gliedern ungleich mehr als zuvor Volks- und Volkstumsgeschichte gepflegt wird, wurde zugleich offenbar, in welchem Maße rein staatliches Denken das Gefühl für die volklichen Zusammenhänge getrübt hat. Auch die Wissenschaft hatte vielfach über der Geschichte der Staaten die Geschichte des Gesamtvolkes vergessen oder vernachlässigt. Aus diesem Tatbestände ergab sich gerade für die Wissenschaft die Aufgabe, die verschiedenartigen Geschichtsbilder, die im deutschen Volksraum auf Grund der besonderen staatspoliti- schen Entwicklung geprägt wurden, in einer höheren Einheit auszugleichen und zu einer lebendigen Erkenntnis unserer Volksgeschmste als Ausdruck dieser Einheit zurückzufinden. In ihrer zwingenden Notwendigkeit hat der Wiener Historiker Ritter von S r b i k diese Aufgabe in einer Reihe von Vorträgen herausgestellt, die er in der Berliner Universität gehalten hat. „O e st e r r e i ch s Stellung in der deutschen Geschichte", so lautete das Gesamtthema, und im Mittelpunkt der Darstellung des Wiener Historikers stand naturgemäß die Aufsplitterung des deutschen Denkens, die die innere Zersetzung des alten Reiches begleitete, stand der „deutsche Dualismus", die entscheidende Wendung, die der deutschen Geschichte durch den Kampf zwischen Preußen und Oesterreich, zwischen Friedrich dem Großen und Maria Theresia aufgezwungen wurde. „Schwer lastet die Verantwortung auf dem Historiker, der den gesamtdeutschen Gedanken in sich trägt, das rechte Maß in der Beurteilung der Geschehnisse zu finden, die ebenso reich an zerstörenden wie an aufbauenden Kräften für das deutsche Gesamtvolk geworden sind. Das Ganze des deutschen Volkes, nicht der staatliche und konfessionelle Teil, müssen der Bewertung zugrunde liegen". — Von diesem Gemeinschaftsstandpunkte aus schilderte Ritter von Srbik die geschichtliche Entwicklung, räumte er mit Vorurteilen und Irrtümern auf, und die ewige Wahrheit der Geschichte stand ihm zur Seite. Denn die realpolitische und geschichtsbildende Bedeutung des preußischen Friedrich und der Kaiserin zu Wien, die gewaltigen Kräfte des deutschen Volkes in ihrer Ganzheit offenbaren sich ja erst dann, wenn nicht die eine ober andere Seite verabsolutiert wird, sondern wenn durch umfassende Wertung der tragenden Persönlichkeiten, die auf beiden Seiten schöpferische deutsche Menschen waren, auch im verhängnisvollen und ttagischen Zusammenprall der Kräfte und den aus ihm geborenen Folgen ein gemeinsamer Sinn gesucht und aus ihm die Ausgabe der Zukunft gedeutet wird, die „Umwege der Geschichte" dennoch zu meistern. Auch die geheimnisvolle Größe des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation wuchs noch einmal in dieser Darstellung, die mit Karl V. und Ferdinand I. begann, anschaulich empor. Denn dieses Reich war noch zu einer Zeit, als die territoriale Sonderentwicklung seine ursprüngliche Einheit längst aufgelöst hatte, traft der ihm innewohnenden Idee imstande, sich selbst und das Abendland vor dem Einbruch der Türken zu retten und zugleich den französischen Reichsfeind im Westen, wenn auch unter schmerzlichen Verlusten, in Bann zu halten. Und wenn wir in Fri edrich dem Großen den notwendigen Schöpfer einer neuen festen Staatlichkeit inmitten einer zwangsläufigen Auflösung der überlebten Formen des mittelalterlichen Reiches begreifen, einer Staatlichkeit, die kraft ihrer inneren Stärke über sich selbst hinauswuchs und die starke Grundlage zu einem neuen Deutschen Reiche bilden konnte, wäre das preußisch-deutsche Werk möglich gewesen ohne das schöpferische Erbe, das das alte Reich den Nachfahren hinterließ, ohne die Reichsidee, Die die deutschen Habsburger beseelte, ohne den Prinzen Eugen, der mit Hilfe aller deutschen Stämme die Türken schlug und auch Frankreich niedergerungen hätte, wenn nicht, anders als im Osten, Frankreich gegenüber der sonderstaatliche Eigennutz dem Kaiser den Endsieg aus der Hand geschlagen hätte? Und wie konnten wir über den deutschen Dualismus die machtpolitische und kulturschöpferische Leistung Preußens und Oesterreichs vergessen: die Ausweitung unserer Dolksgrenzen im Osten und Südosten, die hier wie dort nicht möglich gewesen wäre, wenn dynastisches Machtstreben und Hausmachtpolitik nicht zugleich Dienst am Volke und Volkstum gewesen wäre. Erst wenn wir die geschichtlichen Großen Preußen und Oesterreich eingefügt in die Gemeinschaftsbahn unserer Volksgeschichte werten, werden wir uns klar, warum die R e i ch s i d e e, als das alte Reich selbst endgültig zerschlagen worden war, nicht starb, daß sie in den Freiheitskriegen mächtig aufflammte und auch den Bruderkrieg des 19. Jahrhunderts überdauerte, wird uns auch klar, daß gerade diese „Reichsidee" es war, die den deutsch-österreichischen Soldaten im Weltkriege befähigte, bis zum Aeußersten durchzuhalten, ohne daß hinter ihm, wie hinter den Reichsdeutschen, ein wirkliches Deutsches Reich als Vaterland gestanden hätte. So gestaltete der Wiener Historiker im Rückblick auf die Vergangenheit in großen Zügen ein gesamt- deutsches Geschichtsbild, entwickelte er an seinem Thema die wesentliche Zielsetzung der Wissenschaft: deutsche Volksgeschichte zu schreiben und zu vermitteln und so das Wissen um Wesen und Sein unseres Gesamtvolkes zu vertiefen. Seine Darstellung enthüllte zugleich die durch die Erfahrungen der Ge- schichte erhärtete Notwendigkeit, durch die Ausprägung eines solchen einheitlichen Geschichtsbildes der volklichen Einheit über alle Umwege der (9e< schichte hinweg zu dienen. erreicht. Das bedeutet die Förderung von 47 287 Mietwohnungen und 26 7 18 Einfamilienhäusern mit insgesamt 30390 Wohnungen. Der Gesamtbauwert — ohne Grund und Boden — beträgt rund 615 Millionen RM. Da ständig neue Anträge eingehen, ist mit einer weiteren erfolgreichen Wirksamkeit der Reichsbürgschafts- mahnahmen zu rechnen. ©er Mord von ©avos Der Sarg Gustloffs in der Davoser Kirche aufgebahrt. Davos, 7. Febr. (DNB.) Der Sarg, der die sterbliche Hülle des ermordeten Landesgruppenleiters Wilhelm Gustl off birgt, ist in die Davoser Kirche verbracht worden. Tag und Nacht halten die Politischen Leiter der Landesgruppe und Angehörige der HI. die Totenwache. Ununterbrochen treffen Trauergäste in Davos ein. Der deutsche Gesandte in der Schweiz, Freiherr von Weizsäcker, der Amtsleiter der Auslandsorganisation der NSDAP., Dr. K o d e r l e , sowie viele Vertreter der Schweizer Ortsgruppen sind schon anwesend, während Gauleiter Bohle Freitagabend erwartet wird. Die Trauerfeier findet am Samstag um 20.30 Uhr statt. Während der sterbliche Leib des in treuer Pflichterfüllung auf vorgeschobenem Posten gefallenen Landesgruppenleiters in der Kirche der Trauerfeier und der Ueberführung in die deutsche Heimat harrt, laufen bei der Witwe des Ermordeten und beiParteigenosfen, die Gust- lost nahestanden, zahlreiche Drohbriefe aus der Schweiz ein. In einem dieser Machwerke wird der jüdische Mörder sogar als „jugoslawischer Wilhelm Teil" gefeiert. Durch diefe schamlosen Bedrohungen verstärkt sich der Verdacht, daß Frankfurter Helfershelfer und Gesinnungsgenossen in der Schweiz hat und daß die Frage der Hintergründe der Tat noch sehr der Aufklärung bedarf. Uebrigens ist auch Gustloff selbst zu Lebzeiten schon durch anonyme briefliche und telephonische Drohungen behelligt worden, aber er glaubte, über derartige Dinge hinwegsehen und sich in seiner Pflichterfüllung nicht beeinträchtigen lassen zu müssen. Oie Strafanträge im Oevisenprozeß gegen die CanisiuS-Schwestern. Berlin, 7. Febr. (DNB.) Vor dem Berliner Sondergericht stellte der Staatsanwalt in dem Devisenstrafverfahren gegen die Schwestern des Ca- nisius-Ordens aus Konstanz und Mainz und ihre Mitangeklagten, die mit dem ausländischen Mutterhaus dieses Ordens in Freiburg in der Schweiz in finanzieller Verbindung gestanden haben, die Strafanträge. Sie lauteten gegen die Oberin Maria Breitner auf 5 Jahre Zuchthaus, 5 Jahre Ehrverlust, 65 000 Mark Geldstrafe und 60 000 Mark Ersatzeinziehung, gegen die Ordensschwester Franziska S ch u tz b i e r auf 4 Jahre Zuchthaus, 4 Jahre Ehrverlust, 80 000 Mark Geldstrafe und 130 000 Mark Ersatzeinziehung, gegen Oberin Helene Deutsch auf 3 Jahre 2 Wochen Zuchthaus, 3 Jahre Ehrverlust, 31000 Mark Geldstrafe und 35 000 Mark Ersatzeinziehung, gegen die Ordensschwester Elisabeth Gut auf 2 Jahre 2 Wochen Gefängnis, 20 500 Mark Geldstrafe und 25 000 Mark Ersatzeinziehung, gegen den Pilgerführer Josef Romer auf 2V- Jahre Zuchthaus, 3 Jahre Ehrverlust, 3600 Mark Geldstrafe und Ersatzeinziehung in gleicher Höhe, sowie gegen den Balthasar Strobel auf 2 Jahre Zuchthaus, 2 Jahre Ehrverlust, 10 000 Mark Geldstrafe und 10 000 Mark Ersatzeinziehung. Gegen die übrigen fünf Angeklagten wurden Gefängnisstrafen bis zu 9 Monaten und in einem Falle eine Geldstrafe von 2000 Mark beantragt. Kleine politische Nachrichten. Der Kreuzer „Karlsruhe" ist auf seiner Weltreise am Freitaamorgen in Hongkong eingelou- fen. Nach dem Salutaustausch stattete der Kommandant die üblichen Besuche ab. Es sind zahlreiche Empfänge bei den englischen und deutschen Behörden vorgesehen. Die deutsche Kolonie und die Parteistellen werden der Besatzung herzliche Gastgeber sein. ♦ Das Artillerie - Schulschiff „Brum- m e r" ist am Samstag um 8 Uhr mit einer feierlichen Flaggenparade in Dienst gestellt worden. Kommandant des „Brummer" ist Korvettenkapitän vonBredow. * Der polnische Ministerrat stimmte einem Arbeitsbeschaffungsprogramm der Regierung für das Jahr 1936 zu, das einen Aufwand von 223 Millionen Zloty vorsieht. ♦ Zehn Todesopfer haben Unruhen in Syrien verursacht. In Homs kamen drei Personen ums Leben, und mehrere Polizisten wurden verletzt. Auch in Damaskus fanden große Kundgebungen statt. Die Demonstranten wurden jedoch von der Polizei zerstreut, und der angebliche Rädelsführer, ein Dr. T s ch u t s ch a k o, wurde verhaftet. Kunst und Wissenschaft. Reichsfestspiele in Heidelberg. Die Reichsfe st spiele in Heidelberg werden 1936 wiederum unter der Schirmherrschaft des Reichsminister für Dolksaufklärung und Pro- paganda, Dr. Goebbels durchgeführt. Sie bilden einen Teil des großen olympischen Festspiel- Programms; bedeutende Bühnenkünstler werden mitwirken. Die Reichsfestspiele werden vom 11. Juli bis 31. August dauern. Zur Aufführung gelangen wiederum „Götz von Berlichingen", ferner „Agnes Bernauer" und Shakespeares „Komödie der Irrungen". Die Preußenhaus-Vibliothek jehl im Reichslags- Gebäude. Die Bibliothek der „Stiftung Preuße n h a u s" in Berlin ist jetzt nach vollzogener Umsiedlung in das Reichstagsgebäude für die Oeffentlichkeit wieder zugänglich. Sieben Räume sind hier für die Bibliothek neu eingerichtet worden; zwei große Lesesäle bieten die Möglichkeit ZU vertieftem Studium. Den Hauptbestandteil der Bücherei bilden Werke der Rechtslehre, der Staatswissenschaften und der Geschichte. Außerdem enthält sie die vollständigen Parlamentsberichte Preußens und des Reiches, beginnend mit dem Bundestag des alten Reichstages und dem Preußischen Landtag von 1847. Die Leitung der Bibliothek liegt in den Händen von Direktor Dr. M e i tz e l. Mit der Eröffnung der Bibliothek ist jetzt auch das Relchstags- gebäude zum Teil wieder für die Oeffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Der Prozeß gegen die Königsmörder von Marseille. Oie Augenzeugen des Anschlags berichten. — Oer jugoslawische Sicherheitskommissar über die Arbeit der kroatischen Verschwörer. Paris, 7. Febr. (DNB.) Im Prozeß gegen die Helfershelfer des Königsmörders begann das Schwurgericht in Aix mit der Zeugenvernehmung. General Georges, der damals mit König Alexander und Außenminister Barthou in dem- elben Wagen Platz genommen hatte und selbst chwer verwundet worden war, schilderte die Einzelheiten des Anschlages. Er selbst habe, als er sich auf den Mörder habe stürzen wollen, mehrere Re- volverkugeln in die Brust und die Hüfte erhalten. Nachdem er schon zusammengebrochen gewesen sei, habe der Mörder noch weiter auf ihn ge- ch o s s e n und ihn am Arm verletzt. Dann habe er die Besinnung verloren. Oberstleutnant Priollet, der neben dem königlichen Auto ritt und der mit seinem Säbel den Mörder tötete, erklärte, daß er, als er den Mörder auf das Trittbrett des Wagens springen sah, zunächst geglaubt habe, es handele sich um einen Photographen. Als er jedoch die Revolverschüsse hörte und sah, wie der König zusammenbrach, habe er sich sofort herumgedreht und mit seinem alten Kavalleriesäbel, einem schweren Vorkriegsmodell, dem Mörder eine tiefe Wunde an der Stirn ge- chlagen. Der Kroate sei zusammengebrochen, nachdem er noch einen letzten Schuß abgegeben habe, der jedoch den Wagen nur gestreift hätte. Der Lenker des Kraftwagens sagte aus, er fei völlig überrascht gewesen, als er den Täter mit dem Revolver in der Hand auf den Wagen habe zulaufen sehen. Ein Versuch, ihn am Schießen zu hindern, sei mißglückt. Der Angeklagte P o s p i - schil warf ein: „Alles dies betrifft mich gar nicht. Aber ich muß feststellen, daß der Wagenlenker nicht seine Pflicht getan hat. Ihm fehlte es an Kaltblütigkeit. Er hätte nur Gas zu geben brauchen, um den Anschlag zu verhindern." Der Zeuge Simonowitsch, der oberste Leiter der jugoslawischen Sicherheitspolizei, berichtet über den Eisenbahnanschlag im Jahre 1930 zwischen Agrom und Belgrad. Nach dem 5. Januar 1931 hätten die kroatischen Terroristen zahlreiche Anschläge gegen öffentliche Gebäude und Kasernen sowie gegen internationale Züge verübt, die Jugoslawien durchfuhren. Bei allen diesen Anschlägen seien zahlreiche Menschen, darunter Frauen und Kinder, ums Leben gekommen; auch mehrere Polizeibeamte seien getötet oder verletzt worden. Die Le i t u n g aller dieser Anschläge hätten stets Pawelitsch und Perzew i t s ch gehabt. Seit Beginn des Jahres 1933, so fuhr der Zeuge Simonowitsch fort, habe man mit den Anschlägen gegen den König, der die Einheit des serbisch-kroatischen Reiches geschaffen habe, begonnen. Man habe einen ersten Täter in Agram namens Peter Oreb bestimmt. Dieser Mord- anschlag sei mißglückt, da man Oreb rechtzeitig verhaften konnte. Die Anstifter des Anschlages von Mar- seille seien Pawelitsch und Perzewitsch. Um nicht denselben Fehler zu begehen wie in Agram, seien zu diesem Anschlag ganz besonders erfahrene, mutige und kaltblütige Terroristen ausge- wählt worden. kalemen fei ein Verbrecher, der schon mehrere Opfer in Bulgarien auf dem Gewisfen habe. Er sei sozusagen der Henker der llsta- f ch i. Pospischi sei ebenfalls ein Mann von großer Kaltblütigkeit, der gleichfalls mehrere Morde begangen habe, darunter an zwei Polizeibeamten in Agram. Er fei es auch, der alle Bomben zu Anschlägen gegen internationale Züge hergestellt habe. Kralj sei der Helfershelfer von Pospischil. Der Angeklagte Posposchil erklärte darauf mit verkrampften Händen erbittert: „Der Zeuge hat viele Dinge erzählt, die mir völlig unbekannt sind. In dem Lager in Janka Pußta haben wir uns nur mit landwirtschaftlichen Dingen beschäftigt. Es sei allein die Angst, die die Serben verwirre und sie Schaufeln für Waffen ansehen lasse. Der zweite Angeklagte, Raitsch, sagte, daß für die gegen ihn erhobenen Anklagen jeglicher Beweis fehle. Aus aller Welt. „Gchuhmacherhandtverk und Volksgesundheit/' Im Haus des Deutschen Handwerks in Berlin wurde die Ausstellung „S ch u h m a ch e r h a n d- werk und Volksgesunohei t", die ein anschauliches Bild von dem hohen Leistungsstand des deutschen orthopädischen und Maßschuhmacherhandwerks gibt, eröffnet. Unter den Gästen sah man Vertreter der Wehrmacht, der Versorgungsstellen, der Reichsbahn und der Reichspost, der SA., der SS., der NSV. und des Arbeitsdienstes, der Versicherungsträger und der orthopädischen Wissenschaft. Reichsinnungsmeister Heß wies auf die Aufgabe der Ausstellung hin, dem deutschen Volk die Bedeutung einer zweckentsprechenden Fußbekleidung vor Augen zu führen. Reichshandwerksmeister Schmidt beglückwünschte das Schuhmacherhandwerk zu der wohlgelungenen und lehrreichen Ausstellung und gab der Hofnung Ausdruck, daß Ausstellung und gab der Hoffnung Ausdruck, daß sie bei der Verbraucherschaft insbesondere auch bei oas nötige Verständnis stoßen möge. Für das orthopädische Schuhmacherhandwerk kündigte er einen verschärften auf dem Grundsatz der Leistung beruhenden Befähigungsnachweis an. Auch Ministerialdirektor Dr. W i e n b e cf begrüßte die Ausstellung, die von dem Wollen des deutschen Schuhmacherhandwerks Zeugnis ablege. Im wohlverstandenen Interesse des Volksganzen gelte es, dieses Handwerk zu fördern, das lange Zeit geradezu unverantwortlich behandelt und übergangen worden fei. Durch eine Reihe von Fachvorträgen namhafter Orthopäden aus Wissenschaft und Praxis wurde die Bedeutung einer richtigen Fußbekleidung für die Volksgesundheit in eindringlicher Weise dargetan. Seefeld leugnet noch immer. Im Mordprozeß Seefeld wurde der Mord an dem 12jährigen Schüler Hans Neumann erörtert. Der Junge war mit Einwilligung der Eltern am 16. Februar im Auto mit einem Bekannten von Wismar nach Schwerin gefahren, um hier Verwandte zu besuchen. Mittags sollte er wieder auf dem Marktplatz sein, um die Rückfahrt anzutreten. Der Bekannte wartete aber vergeblich auf den Jungen; Hans Neumann blieb seit dieser Zeit verschwunden. Erst mehrere Monate später wurde die Leiche des Kindes von Suchhunden des Polizeipräsidiums Berlin in einer Kiefernschonung aufgefunden. Diese Schonung ist von derjenigen, in der der eine Woche später verschwundene Heinz Zimmermann aufgefunden wurde, nur durch eine Schneise getrennt. Die Leiche des kleinen Neumann war ungefähr 40 Zentimeter tief in den Boden eingescharrt; auch sie lag in typischer Schlafstellung auf der linken Seite. Kampfspuren konnten auch in diesem Falle am Tatort nicht festgestellt werden. Der Vater des ermordeten Knaben wurde als erster Zeuge vernommen. Seefeld wurde bei den weiteren belastenden Zeugenaussagen sichtlich nervös. Er §and keine andere Antwort als feine ständige Redensart: „Meine Person kommt nicht in Frage." Vorsitzender: Seefeld, ich warne Sie. Nach meiner Ueberzeugung wird Ihnen Ihr Leugnen das Genick brechen. Der Zeuge kennt Sie doch feit vielen Jahren und hat Sie bestimmt wiedererkannt. Warum leugnen Sie denn jetzt? Der Zeuge wird es auf feinen Eid nehmen, daß er Sie gesehen hat. Ihre Derteidigungstaktik ist reiner Selbstmord, Angeklagter." Dann wurden die Vorgänge bei der Verhaftung des Angeklagten erörtert. Es kommt dabei wieder die Rede auf das mit Menschen- b I u t durchtränkte Tuch, das sich im Rucksack des Angeklagten befand. Während Seefeld in der Voruntersuchung zugegeben hatte, daß er das Tuch als Unterlage bei feinen Reparaturarbeiten benutzte, widerrief er dies vor einigen Tagen in der Hauptverhandlung. Er erklärte, er kenne es überhaupt nicht und hatte niemals ein Tuch als Unterlage benutzt. Er behauptet, daß ihm die „Schwarze Hand" dieses Tuch in den Rucksack gesteckt hätte. Sodann schildert der Sachverständige Dr. Pfreimbter - Schwerin das Ergebnis des Obduktionsbefundes der Leichen Zimmermanns und Neumanns. Zufammenfafsend erklärt Dr. Pfreimbter, daß keine Anzeichen grober Gewaltanwendung feftgeftellt werden konnte. Eine Todesursache konnte nicht festgestellt werden. Ein vannführer der HF. tödlich verunglückt. Ein schweres Autounglück, dem ein blühendes Menschenleben zum Opfer fiel, ereignete sich unweit von Kottbus zwischen Molkwitz und Glin- zig. Ein Wagen aus Kriesch (Kreis Kottbus) fuhr aus bisher noch nicht geklärter Ursache mit voller Wucht gegen einen Chaufseebaum. Von den drei Insassen wurde der Bannführer des Bannes 52 der Kottbuser Hitlerjugend Horst W i l l e r t tödlich verletzt. Die beiden anderen Verunglückten, Siegfried D ö h n aus Krieschow und Joseph Raberger aus Frankfurt (Oder), die Gehirnerschütterungen, Schädelbrüche und Knochenverletzungen erlitten hatten, wurden dem Kottbuser Krankenhaus zugeführt. Schweres Brandunglück in Ostoberschlesien. Ein schweres Brandunglück ereignete sich in einer der letzten Nächte in Ostoberschlesien. In einer Feldscheune zwischen Domb und Königshütte hatten mehrere Obdachlose für die Nacht Schutz gesucht. Durch unvorsichtiges Umgehen mit Streichhölzern fingen die großen Strohvorräte Feuer und im nächsten Augenblick stand das Gebäude in Hellen Flammen. Die Königshütter Feuerwehr konnte nach schwerer Arbeit sechs Obdachlose aus ihrer entsetzlichen Lage befreien. Vier von ihnen mußten mit schweren Brandwunden ins Krankenhaus geschafft werden. Unter den Trümmern wurde die verkohlte Leiche eines weiteren Obdachlosen gefunden. Es ist nicht ausgeschlossen, daß man bei den Aufräumungsarbeiten noch auf weitere Tote stößt. wegen Mordes zum Tode verurteilt. Das Schwurgericht in Nordhausen verurteilte den 21jährigen Werner Schuhmann aus Wettelrode wegen vorsätzlichen Mordes zum Tode. Der Angeklagte hatte am 31. Dezember 1935 den 60- jährigen Nachtwächter der Sangerhäuser Maschinenfabrik, Richard Helmbold, mit einem Beil erschlagen. Nach feinem Eingeständnis hatte sich Schußmann vorgenommen, einem Pförtner, mit dem er verfeindet war, und von dem er glaubte, daß er in der Silvesternacht Dienst hatte, „eins ausmwischen". Gleichzeitig wollte er sich dann Geld verfchaffen, um Silvester feiern zu können. Der betreffende Pförtner hatte aber gar keinen Dienst, sondern ließ sich durch Helmbold vertreten. Trotzdem griff Schußmann Helmbold an und tötete ihn durch mehrere Schläge mit einem Beil auf den Kopf. Dreijähriges Kind tödlich verbrüht. Ein tödlicher Unfall ereignete sich in Hennef- ©eiftingen bei Siegburg. Dort stürzte ein dreijähriger Junge in ein mit heißem Wasser gefülltes Gefäß und trug so schwere Verletzungen davon, daß er an anderen Tage starb. Sechs Todesopfer eines nächtlichen Brandunglücks in Amsterdam. Bei einem schweren Brande im ältesten Stadtteil Amsterdams, am Dube Zyds Achterburgwall, kamen in der vergangenen Nacht sechs Personen, darunter vier Kinder, ums Leben. Vier weitere Personen wurden zum Teil schwer verletzt. Das Feuer war im ersten Stockwerk zweier ineinandergehender mittelalterlicher Gebäude ausgebrochen und hatte die Treppen ergriffen. Die unglücklichen Opfer des Brandes haben versucht, über den Dachboden zu entfommen. Das gelang ihnen jedoch nicht, und sie verbrannten bis zur Unkenntlichkeit. Bisher war es noch nicht möglich, die Persönlichkeiten der Verunglückten festzustellen. Man muß annehmen, daß es sich um Angehörige einer Familie — Vater, Mutter und vier Kinder — handelt. Die Verletzten haben sich zum größten Teil ihre Verletzungen durch das Springen aus den oberen Stockwerken zugezogen. Elternmord. In Meolo (Venetien) hat sich ein blutiger Vorfall zugetragen. Ein 32jähriger Bauernsohn hatte vergeblich versucht, seinen Vater zur Uebergabe des Häuschens, das dieser bewohnte, zu veranlassen. Nach einer heftigen Auseinandersetzung stürzte sich der Sohn auf feinen auf dem Felde arbeitenden Vater, brachte ihm tödliche Kopfwunden bei und erschlug dann feine Mutter mit der Axt. Auf die Hilferufe der bedrohten alten Leute war eine Ver w a ndte herbeigeeilt. Auch ie wurde durch einige Axthiebe getötet. Der Mörder zündete nun den H o f der Verwandten an, lief zum Hause seiner Schwiegereltern, stieß wilde Rufe aus, daß er auch diese umbringen wollte, fand sie aber nicht vor und setzte darauf einen Strohschuppen in Brand. Jetzt kehrte er in das Haus feiner Eltern zurück und überfiel dort feine Schwägerin, der es aber gelang, den Rasenden daran zu hindern, auch ihr den Todesstoß zu versetzen. Sie trug nur eine Wunde am Arm davon. In diesem Augenblick kamen ihr die Verfolger des Mörders zu Hilfe, so daß er überwältigt werden konnte. Der Vater starb noch auf dem Wege ins Krankenhaus. Schon vor Jahren war der Mörder von seinen Eltern wegen Gewalttätigkeiten und Bedrohungen angezeigt worden. Folgenschwere Explosion in einem spanischen Filmatelier. In dem Filmatelier Orseo in Barcelona, wo zur Zeit der spanische Film „Maria de la Hoz" gedreht wird, ereignete sich eine schwere Explosion. Zwei Personen wurden getötet, eine andere lebensgefährlich verletzt. Das Filmatelier ist vollständig zerstört. Der Sachschaden soll sehr bedeutend sein. Drei spanische Kinder von einem Lastkraftwagen überfahren. In Palencia, nördlich von Valladolid in Spanien, fuhr ein Lastkraftwagen in eine Gruppe spielender Kinder. Drei Kinder wurden auf der Stelle getötet. Die Fußgänger gerieten darüber so in Erregung, daß sie den Fahrer lynchen wollten. Er wurde nur durch das rechtzeitige Eingreifen der Polizei vor dem Tode bewahrt. Lrdverschiebungen bei Grenoble zerstören ein ganzes Dorf. Die Erdverschiebungen, die seit einigen Tagen in der Nähe von Dilliers bei Grenoble ununterbrochen andauern, haben jetzt das Dorf Ba- ties des Fonts fast völlig vernichtet. Millionen Kubikmeter Erde wälzen sich langsam den Ufern des kleinen Flusses jju, der in unmittelbarer Nähe verläuft, und zerstören alles, was sich in den Weg stellt. Don 15 Häusern stehen nur noch zwei, die aber auch bereits schwer in Mitleidenschaft gezogen sind. Das ganze Dorf mußte von den Bewohnern verlassen werden. Die Bergung von fünf Familien gestaltet sich außerordentlich schwierig, da die einzige Zufahrtsstraße durch Erdmassen verschüt- tet ist. Das Leben dieser Personen ist jedoch nicht gefährdet. Ausbau des Wolfram-von-Eschenbach-Bundes. Dieser Tage fand in Amorbach eine Sitzung des Wolfram-von-Efchenbach-Bundes statt, an der auch Regierungspräsident Gauleiter Dr. Hellmuth teilnahm. Als dringlichste Aufgabe bezeichnete Dr. Hellmuth, der Präsident des Bundes, die Werbung von Mitgliedern und Gründung von Ortsgruppen in allen größeren Städten. Als erstes Jahresprogramm der Tätigkeit des Bundes ist der Ausbau des Bergfriedes der Wilde n b u r g bei Amorbach vorgesehen, der durch eine Treppenanlage befteigbar gemacht werden soll. Weiterhin ist die Abhaltung von Burgfeierstunden vorgesehen, mit deren Durchführung der Gauleiter die NS.-Kulturgemeinde beauftragt hat. Der Gauleiter gedachte im besonderen des Fürsten Emich zu Leiningen als verdienten Mitarbeiters und Besitzers der Burg und überreichte ihm eine Urkunde, durch die der Fürst zum Ehrenpräsidenten des Bundes ernannt wird. Prof. Dr. Schenk verlas den Entwurf der Satzung. Ortsgruppen sind neben Amorbach bereits in Würzburg und Frankfurt a. M. im Entstehen begriffen. Der Gauleiter sprach die Erwartung aus, daß der Bund in Kürze auf einer breiten Basis stehe. Wetterbenchi des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt Infolge der vom Ostatlantik über Skandinavien hinwegführenden lebhaften Wirbeltätigkeit hat sich das Hochdruckgebiet abgeschwächt und feinen Kern von Nordskandinavien auf das Festland verlagert. Unter seinem Einfluß haben sich in Deutschland die Froste verschärft. Die über dem Baltikum einströmende Meeresluft wird durch die herrschende Nordostströmung auch zu uns verfrachtet und bringt Bewölkungszunahme und auch stärkere Fröste. Aussichten für Sonntag: Dunstig und nebelig, starker Frost, in den Niederungen leichter Schneefall, leicht bewölkt, lebhafte nördliche Winde. Aussichten für Montag: Frostzunahme. Lufttemperaturen am 7. Februar: mittags —0,2 Grad Celsius, abends —2 Grad; am 8. Februar: morgens —3,4 Grad. Maximum 0,7 Grad, Minimum heute nacht —4,2 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 7. Februar: abends 0,5 Grad; am 8 Februar: morgens 0,3 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 5,2 Stunden. Wintersport-Wetternachrichten. Vogelsberg Hoherodskopf: Heiter, —11 Grad Celsius, 12 cm Gesamtschneehöhe, 1 cm Neuschnee, Pulverschnee, Ski möglich, Rodel gut. Rhön. Wasserkuppe: Heiter, —9 Grad, 11 cm Gesamtschneehöhe, 1 cm Neuschnee, verweht, Ski und Rodel gut. Sauerland. Winterberg: Bewölkt, 0 Grad, 20 cm Gesamtschneehöhe, kein Neuschnee, Pulverschnee, Ski mäßig, Rodel gut. Schwarzwald. Feldverg: Heiter —13 Grad, 82 cm Gesamtschneehöhe, 2 cm Neuschnee, Pulverschnee, Ski und Rodel sehr gut. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. 2). 21.1. 36: 11000. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Stein- druckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. 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Aber während ich mit rein-1 Gold im horchenden Raum, und vor der so jäh >r fiinaabe Viktoria war, spürte ich es als etwas verwandelten Gestalt stockte den Hörern der Atem. Haus ein Viermal Devrieni. Okine Anekdote von Karl £erbö zimmer. Als er zurückkam, um die Szene zu proben, in der Rubens in eine Verkleidung als alter holländischer Maler schlüpft, sah er, daß auf der dunklen Bühne sich dem Verbot zum Trotz eine Anzahl von nichtbeschäftigten Damen und Herren des Ensembles versammelt hatte. Sogleich — man probte noch im Straßenanzug— blieb er stehen und sagte: „Mantel und Stock." Mit dem Mantel, den er sich lose um die Schultern warf, mit dem Stock, den er in die Hand nahm, schien er sich zu völliger Verwandlung zu verzaubern, einer gespenstischen Verwandlung: seine Schultern zogen sich zusammen, sein Rücken rundete sich zu leichter Krümmung, seine Wangen schienen einzusinken, seine Augen glühten in tief oerschatteten Höhlen, und um die Krücke des Stockes schloß sich mit hartem Griff eine knochige Greisenhand. Aber es war eine Gestalt voller Erhabenheit, ein Idealbild be* Alters: Er gab, sagte der Erzähler, dieser schönen Maske mit erstaunlicher Verwirklichungskraft die Form, die ihm sein Wunsch als Erscheinung seines eigenen Alters malte. Dann, beim Abgehen, als er in der Kulisse die ergriffenen Gesichter der ungebetenen Zuschauer sah, warf er den Mantel ab, mit der Bewegung, wie man eine Last ab= schüttelt: sein Körper straffte sich mit biegsamem Schwung wie eine aus gewaltsamer Beugung aufschnellende Klinge, er stieß mit einer befreiten Bewegung die Arme in die Luft, lächelte wie von einer Last erlöst und sprang, ehe irgendwer das Wort an ihn richten konnte, auf schlanken, federnden Beinen die Treppe hinan, die zu den Ankleidezimmern führte. Der Zufall fügte es, daß wenige Minuten später droben eine vom Luftzug aufgewehte Tür dem Erzähler den Blick auf die vierte Verwandlung des großen Mimen freigab: und diese schonungslos grausame Enthüllung zeigte ihm einen sehr alten, von gewaltsamer Anspannung tief erschöpften Mann, kauernd auf dem Stuhl, auf den ihn die Atemlosigkeit hingejchleudert hatte, mit rasselnder erteilen; sie kann nur den Sinn Huben: Niemand, auch der Begabteste, soll sich einbilden, daß er mit stolzfliegenden Gedanken allein -auskommen und Großes leisten könne; selbst das höchste Talent — mag es bis zum Genie gesteigert sein — kann der Grundlage tüchtigen Wissens nicht entbehren; erst aus solcher Verbindung entstehen in der Geschichte die wahrhaft überragenden Leistungen; und eben solche unentbehrliche Grundlage des Wissens muß von jedem ohne Ausnahme erarbeitet werden. Auch Hindenburg gibt in seinen Lebenserinnerungen dem gleichen Gedanken Ausdruck, wenn er schreibt: „Bei der Tätigkeit des Generalstabs ist oft neben höherem Gedankenfluq gewissenhafte Beschäftigung mit aller möglichen Kleinarbeit erforderlich. Ich habe manch hochbegabten Offizier kennengelernt, der durch Versagen in letzterer Richtung entweder als Generalstabsoffizier nicht brauchbar war, oder als solcher ein Nachteil für die Truppe wurde." Wie unsere früheren großen Lehrmeister, ein Scharnhorst, Clausewitz, Moltke, so hat auch Graf Schliessen nicht nur eine Weisung erteilt, sondern sozusagen selbst sie uns vorgelebt; noch all die Jahre hindurch, als er schon aus seinem verantwortungsvollen Amt geschieden war, hat er unermüdlich auf das Studium der Kriegsgeschichte als die größte Lehrmeisterin des Soldaten hingewiesen und ist so einer unserer größten Erzieher zu Wissen und Können über den Tod hinaus geblieben, trotz einer gewissen Einseitigkeit, die so manches Mal gerade dem Ungewöhnlichen anhaftet. ,.many climes but one spirit“. Das wird auch diesmal wieder der Sinn der Worte gewesen sein, welche Englands König am Nachmittag des 16. Juli 1935 an Bord seiner Jacht „Victoria and Albert“ in Anwesenheit von Kabinetts- und Parlamentsvertretern an seine Admirale richtete, „Britannia rule the wayes!“ Wie anders könnte es auch sonst sein Imperium allen Gewalten zum Trotze erhalten! Bald sollte aus diesem Instrumente imposanter Revue ein solches weithin vernehmbarer Sprache deutlichen Schweigens werden. Ein bekannter englischer Fachschriftsteller nannte vor kurzem die englische Flotte „The best negotiator“, den besten Unter- Händler. Er erinnerte dabei an ein altes Nelson- Wort: „A British frigate is the best understood“. Nur mit Hilfe der englischen Flotte, so meint das heutige England, könne der Völkerbund aus bisheriger Rolle lächerlicher Farce heraustreten und rauhe Wertlos freilich bleibt alles Wissen und Können, wenn nicht als dritte unentbehrliche Eigenschaft der Charakter hinzutritt, um so unentbehrlicher, je höher die militärische Stellung, je einflußreicher der Posten. Da drängt sich nun ein böses Wort dazwischen, das man manches Mal dem Gebiet der Politik entlehnt hat: „Der Generalstab verdirbt den Charakter!" Auf den ersten Blick scheint manche ausfallende Aehnlichkeit zu bestehen: Politik wie Generalstab geben häufig Gelegenheit, sich hervorzutun, der Ehrgeiz findet reichliche Nahrung, ebenso wie das Bestreben, vor anderen zu glänzen; der Erfolg hat für viele geradezu etwas Verführerisches, so laufen sie Gefahr, ihn nicht immer mit den reinsten Mitteln zu erstreben und festhalten zu wollen; kurzum, die Verlockungen, um nicht zu sagen die Fallen, sind zahlreich auf dem Gebiet der Politik wie des Generalstabs, und die Tatsache, daß hier wie dort einer der Versuchung unterlegen ist, scheint die Richtigkeit der Behauptung zu bestätigen, daß Politik wie Generalstab den Charakter verderben. In Wirklichkeit sind aber hier Ursache und Wirkung vollkommenver w e ch s e l t. Wer solchen Versuchungen unterliegt, beweist ja nur, daß es ihm am wichtigsten fehlt, an der nötigen Charakterfestigkeit. Richtig müßte es also heißen: Politik und Generalstab erproben den Charakter, ja, sie offenbaren ihn oft geradezu und scheiden die Spreu.vom Weizen: der Schwache unterliegt den mannigfachen Prüfungen und Versuchungen, der Starke geht gestählt daraus hervor. Sicher ist es kein Zufall: derselbe Mann, der uns zugerufen „Genie ist Arbeit!" hat auch jene andere in weitesten Kreisen bekanntgewordene Mahnung erteilt: „Viel sein und wenig scheinen, viel leisten und wenig hervortreten, das ist die Aufgabe des Generalstabsoffiziers." Zweifellos besteht zwischen diesen beiden Lehren eine innere Verbundenheit: beide fordern sie die gediegene Arbeit, beide warnen sie vor Selbstüberschätzung. Darüber hinaus wendet sich das Gebot, wenig hervorzutreten, nicht sowohl an den Verstand als an den Charakter; nicht nur nicht prunken mit dem eigenen Wissen und Können, sondern stets sich begnügen mit der bescheideneren Rolle des Gehilfen, das erfordert einen Grad der Selbstlosigkeit, der manches Mal besonders Ehrgeizigen vielleicht übertrieben scheinen mag. Gleichwohl besteht die Forderung durchaus zu recht; denn im Krieg, wo es um das Letzte geht, wo von einem Entschluß Sieg oder Niederlage, das Leben von Hunderttau- „Pax Britannica.“ Eine maritim-politische Mittelmeer-Betrachtüng. Von E. Bätsch, Konteradmiral a. D. Brust nach Luft ringend, die Hand, eine welke Greisenhand, um die schweißfeuchte Stirn gekrampft. Der unfreiwilige Lauscher, aus Ehrfurcht und neid- voller Bewunderung jäh herabgerissen zur Zeugenschaft dieser letzten, von der rachsüchtigen Natur angerichteten Verwandlung, stand einen Augenblick erstarrt, bis der Schleier aufschießender Trä- nen ihm den schauerlichen Anblick dieser letzten Szene wie ein gnädig zur rechten Zeit gesenkter Vorhang entzog. Zeitschriften. — „Der Naturforsche r", vereint mit „Na- tur und Technik". Viertels. 2,50 Mark, Einzelheft 1 Mk. Hugo Bermühler Verlag, Berlin-Lichterfelde. Das Februar-Heft der bedeutenden naturwissenschaftlichen Zeitschrift bringt eine stattliche Reihe wertvoller Aussätze aus den verschiedensten natur- kundlichen Gebieten. Sämtliche Abhandlungen entstammen der Feder erster Fachwissenschaftler und Sachverständiger. Bei aller Wissenschaftlichkeit ist die Art der Abfassung aber so gehalten, daß die Aufsätze allgemeinverständlich sind. Die meisten Aufsätze sind hervorragend bebildert. Dr. Ernst Müller-Schwelm legt anschaulich die Bedeutung der Erbmerkmale M und N der roten Blutkörperchen des Menschen für die Blutsaftuntersuchung und Entscheidung der Abstammung dar. Forstmeister Franz Scheidter veröffentlicht an Hand guter Naturaufnahmen seine Untersuchungen über die Eibildung, Eizahl und Eiablage der Schmetterlinge, die viel Neues zu Tage fördern. Aus dem Institut für Umweltforschung in Hamburg stammt die Abhandlung von Dr. E. G. Sarris über die merkwürdige Tatsache, daß sich der Hund als „Herr" fühlt und sich ein ichbetontes Herrschaftsgebiet schafft. Die „Fliegenden Edelsteine", die Kolibris, führen uns Dr. Georg und Joachim Steinbacher in Wort und Bild vor Augen. Prof. Dr. Ferdinand Pax berichtet, wie in den verschiedenen Ländern Krebstiere als Schmuck und Gerät verwendet werden. Prof. Dr. Trotz gibt nach feinen eigenen und den Beobachtungen von Guido Castelli eine Darstellung des Bären als Naturdenkmal; die wertvollen Angaben werden durch aute Naturaufnahmen wirkungsvoll unterstützt. Dr. M. Schwickarth schildert die Hecken im Venn und tritt dafür ein, sie zu schützen. Dr. Helmut Wolter gibt einen Ueberblick über technische, wirtschaftliche und gesundheitliche Bedeutung der Ruhrstaufen. Kleine Beiträge aus allen Gebieten und Forschungsergebnissen in vielseitiger Heben» sicht, ferner Anregungen zur Naturbeobachtung. Bucherbesprechungen, eine Uebersicht über die Neuerscheinungen auf naturwissenschaftlichem Gebiet und die beliebte Preisfrage schließen das ausgezeichnete Heft ab. Nach den neuesten Meldungen vom abessinischen Kriegsschauplatz haben die Italiener an der Nordfront erneut verschiedene Vorstöße unternommen. — Unser Bild zeigt eine Kamelkarawane, die.Proviant und Munition an die vorgeschobenen Vorposten der italienischen Armee bringen. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Sie freilich kamen nicht zu einer so haushälterischen Einsetzung ihrer Kraft; denn mit schnellen, gleichsam befestigenden Gesten und beiläufigen Bemerkungen, in denen nur zuweilen die Ungeduld mit flüchtiger Schärfe aufblitzte, wies Devrient ihnen in seinen Auftritten Rang und Stellung an und zog um sich - her einen magischen Kreis, dessen Grenzen keiner von ihnen mehr überschreiten konnte. Während der Auftritte, in denen er nicht beschäftigt war, saß er auf einem Stuhl an der Rampe, mit gekreuzten Armen, völlig unbeteiligt; und in der Pause ging er rasch in sein Ankleide- Labyrinth der Seele. Von Luise Ullrich. Der deutsche Film „Viktoria" nach Hamsuns berühmter Erzählung hat sich als eines der stärksten künstlerischen Erlebnisse dieser Tonfilmsaison erwiesen. Luise Ullrich spielt in dem Werk die weibliche Hauptrolle. Ganz zufällig, beim Durchblättern eines alten Buches, fand ich einen Satz: „Wohin gehen wir denn? — immer nach Haufe." Vielleicht lag es am Tonfall, vielleicht an mancherlei unterirdischen Dm- gen, die mitklangen — ich habe diesen Satz nie wieder vergessen. Es war etwas Tröstliches, dieses tiefe Gefühl der Sicherheit, daß alle Wege dahin führen, wo man sicher und geborgen ist, zu uns selbst, in die Heimat unserer Seele. Manchmal handelt man ganz unbewußt, geht Wege, die einem ganz unverständlich sind, tut Dinge, die allen unbegreiflich sind, und am Ende sind wir doch dort angelangt, wo immer unsere Sehnsucht war. Vielleicht, daß man das im Leben nicht immer klar überschaut. Aber wenn menschliches Streben und menschliches Irren von einem großen Dichter verklärt und durchsichtig ge- mat wird, dann springt es klar heraus, dieses Seltsame und Merkwürdige, daß alle Wege in unser Haus führen. Und nun bin ich schon bei Knut H am f u n, von dem wir die wundervollste seiner Liebesnovellen verfilmt haben, und ich durfte die „Viktoria spielen. Es klingt ein bißchen merkwürdig. Knut Hamsun und der Film. Ein Mädchen, dessen Gefühle sozusagen nach innen explodieren - und d e Pro- lektionsfläche, auf der man alles sehen muß Sie liebt mit einer zitternden Sehnsucht und ist zu dem Geliebten abweisend, fast brutal, ^s treibt ste zu dem Mann, und wenn ste ihm endlich gegenüber- steht, fragt sie nach der Zeit. Sie träumt von ihm in endlosen Nächten, aber am Tage geht ste mit kurzem Gruß an ihm vorbei. - Warum? — Das ist das Geheimnis eines großen Dichters — mir andern fühlen nur, fo kann, 0 muß -IN M-nfch handeln, der wie Viktoria ist. Im Zimmer, wenn man allein ist, bei der Leselampe, wird einem alles ganz klar ' stündlich. Aber im Film? 3n ganz wirklichkeitsnahen, sprechenden Bildern, die uns so h s , wie uns Menschen auf der Straße begegnen . Wird man nicht nur den Vorgang sehen, d»e Geste den Blick, die Haltung — oder wird man auch das er leben, was sich nicht Photographien laßt, weder im Bild, noch im Ton, was nicht emmal ganz klar und feftumriffen in unserer Vorstellung lebt, Seit langem schon blickt die Welt mit Spannung und Sorge auf das Mittelmeer, auf den mittleren Osten und fein neues abessinisches Zentrum. Gleicht doch der englisch-italienische Gegensatz fast schon dem Zustand eines Krieges. Während die italienische Regierung die Monate des letzten Sommers dazu benutzte, mit aller Energie Kriegsvorbereitungen gegen Abessinien zur Gewinnung notwendiger Kolonial- aebiete zu betreiben, lag Mitte Juli 1935 die kampfkräftigste Armada der Welt, die englische Heimat-, Mittelmeer- und Reserveflotte.in einer Gesamtstärke von 160 Einheiten auf historischer Rheede vor Portsmouth zu Anker, um ihrem König zum 25jährigen Regierungsjubiläum zu huldigen. Solche „Naval Reviews“ waren für Großbritannien schon immer eine Art von Selbstbesinnung, stets eine symbolhafte Stärkung des Empire-Gedankens im Sinne eines aufzunehmen. Freilich ist es eine uralte Wahrheit, daß selbst die allerbesten Ideen oder Bewegungen durch Ueber- spannung schließlich mehr Schaden als Nutzen stiften. Vor solchen Uebertreiburtgen muß daher gewarnt werden. Weil es richtig ist, daß der eine oder andere Musterschüler im Leben nicht das gehalten hat, was seine Lehrer und Eltern, am meisten vielleicht er selbst erhofft hatten, so ist noch lange nicht erwiesen, daß ein tüchtiges Wissen für das praktische Leben schädlich sei; und umgekehrt, weil Bismarck bekanntlich kein Musterschüler war, braucht sich noch lange nicht jeder schlechte Schüler einzubilden, daß seine Faulheit und Unwissenheit un- trüglichL Merkmale des Genies seien. Gerade für den Soldaten darf die Losung eben niemals lauten: Wissen oder Können, sondern einzig und allein: Wissen und Können. Aus meiner langjährigen Erfahrung kann ich jedenfalls für die bayerische Armee feststellen: Die besten Kriegsschüler haben sich später auch auf der Kriegsakademie, im Generalstab und, was das Entscheidende ist, auch im Weltkrieg glänzend bewährt; verschwindende Ausnahmen können diese Regel nur bestätigen, genau so wie es umgekehrt vereinzelte Fälle gibt, wo einer erst später heranreifte und dann wesentlich mehr leistete, wie er als Fähnrich versprochen hatte. Wenn mir für die preußische Armee dafür der genaue zahlenmäßige Nachweis fehlt, nehme ich doch als selbstverständlich an, daß es hier genau so gilt. Es war doch kein geringerer als Graf Schliessen, der das eigenartige Wort aeprägt: „Genie ist Arbeit!" Fast möchte es scheinen, daß der verewigte Generalstabschef mit diesem Wort das Genie seines hohen Nimbus habe entkleiden, es schier zu etwas Alltäglichem hat herabwürdigen wollen, das man sich eben wie andere Dinge im Leben auch erarbeiten könne. Solche Absicht lag Schliessen sicher vollkommen fern; er wollte vielmehr nur feinen Schülern, dem jungen Nachwuchs im Generalstab, eine heilsame Lehre fter Hingabe --------- , Selbstverständliches, daß ich so handelte und solche Wege ging — und daß es für einen solchen Menschen gar keine andere Möglichkeit gab, zu sich selbst, zu seiner Liebe zu gelangen. Es war ein merkwürdiger Zustand. Alle Wege lagen offen, jeder führte klar zu einem schönen Ziel, und ich ging ohne zu zögern den dunkelsten, den widerspruchsvollsten Weg, ohne eine Sekunde daran zu zweifeln, daß es der richtige war. Ich fühlte mich nicht eine Sekunde verwirrt in diesem Labyrinth der Seele — es war der Weg zu meinem Schicksal, der Weg nach Haus. Ja, wir Schauspieler sind immer Verzauberte, wenn wir die Worte eines großen Dichters sprechen. Für Knut H a m s u n mag das Werk zeugen. Aber über mich selbst wollte ich gern ein paar Worte sagen, über die Zeit, während der ich im geistigen eines großen Dichters lebte. senden oder Millionen, schließlich das Geschick des Vaterlandes abhängen, da vermag ein hervorragend begabter Gehilfe wohl die prächtigsten Pläne zu ersinnen und auszuarbeiten, aber eines, das Schwerste kann er dem Feldherrn nie und nimmer abnehmen, die stärkste Erprobung des Charakters, die Verantwortung. Den Siegeslorbeer mag der Generalstabschef mit dem obersten Führer teilen, die Niederlage trägt letzterer allein, Zeitgenossen und Nachwelt nennen einen Blücher und Gneise- nau als gemeinsame Ueberwinder Napoleons, Moltke als Siegei» von Sedan, doch billigerweise auch Wilhelm den Siegreichen und nach Tannenberg hat das deutsche Volk Hindenburg und Lu- benoorff auf einen gemeinsamen Sockel gestellt. Umgekehrt bleibt Mac Mahon für die Niederlage von Wörth und Sedan allein verantwortlich, Ba- zaine — und nicht etwa sein Generalstabschef — wurde wegen der Uebergabe von Metz des Verrats angeklagt; Benedek trug allein bis an sein Lebens- ende in vorbildlicher. Seelengröße den Fluch von Königgrätz und auch der jüngere Moltke hat niemals daran gedacht, das Unglück der Marneschlacht auf andere Schultern zu wälzen. Auch in einem künftigen Krieg werden mehr denn je vielleicht an das Wissen und Können der Führer und Gehilfen die höchsten Anforderungen gestellt werden, der Mut zur Verantwortung als der stärkste Ausfluß des Charakters wird für alle Zeit das Entscheidende bleiben. ®iffen,ßönnenunb66aratfer Von Kart v. Schoch, Generalleutnant a. D Der sogenannte „Musterschüler" hat sich von jeher nicht allzu großer Beliebtheit erfreut, ja, man hat gar oft über ihn die Achseln gezuckt; mit vollem Rechl dann, wenn er ein Stubenhocker war, der sich seine Schulkenntnisse und seine auten Noten a u f Kostender körperlichen Ausbildung erwarb. Leider ist das Gymnasium unserer Jugendzeit (vor 50 bis 60 Jahren) und die damaligen Lehrer nicht ganz von dem Fehler freizusprechen, daß sie das altberühmte Römerwort „mens sana in corpore sano“ zwar gern im Munde führten, aber nicht immer verstanden, ihm auch Geltung zu verschaffen; daß z. B. aus unserer Oberklasse von 36 Abiturienten genau die Hälfte ihrer Militärdienstverpflichtung nicht genügen konnten, war eine betrübliche Tatsache. Daß man in unserem Beruf ftubenhockende „Musterschüler" am allerwenigsten brauchen kann, bedarf keines Beweises; nicht umsonst haben schon lange vor dem Weltkrieg unsere Vorschriften betont, daß der Offizier auf allen Gebieten Vorbild sein soll; und wenn wir heute sehen oder lesen, welch prächtige Leistungen unser junger Nachwuchs nicht nur auf dem Gebiet der edlen Reitkunst, sondern auch in allen sonstigen Sportarten erzielt, so schlagen unsere alten Herzen in freudiger Begeisterung höher. Erst recht aber muß es uns mit Befriedigung erfüllen, daß solche hervorragenden Leistungen keineswegs auf den Offiziers- oder auch auf" den Soldatenstand beschränkt find, sondern daß die Begeisterung für körperliche Ertüchtigung d i e ganze Nation ergriffen hat, daß vor allem auch die weibliche Jugend der Verzärtelung und Verweichlichung früherer Jahrzehnte völlig entrückt ist — wir hoffen auf alle Zeiten —; ein Geschlecht wächst heran, besser als einstens vorbereitet und gestählt, den Kampf mit dem Leben Ein Schauspieler, der als junger Anfänger Gastspiel Emil Devr ients am Leipziger Stadttheater mitwirkend erlebte, pflegte in späteren Jahren zu erzählen, daß er in Erscheinung und Auftreten des großen Darstellers die höhere und die niedere Wirklichkeit des gestalteten und des durch keine Gestaltung gebändigten Lebens in erschütternder Verflechtung sich offenbaren sah. Man probte das Schauspiel „Rubens in Madrid von der Birch- Pfeiffer, und Devrient erschien erst auf der vierten oder fünften Probe, nieberfteigenb aus den olympischen Bezirken eines fast schon mythisch gewordenen Ruhmes: ein schlanker, mit lässiger und leiser Anmut sich bewegender Mann, dessen weltmännischer Verhaltenheit man seine sechzig Jahre nicht angesehen haben würde, wenn nicht das Grau über den hager gewordenen Schläfen und ein paar scharfgekerbte Falten sie dem aufmerksameren Blick verraten hätten. Zu solcher Betrachtung aber hatten die aufgeregten und ehrfurchtsvoll beflissenen Mitspieler weder Mut noch Zeit; denn der Gast, der bei der üblichen Vorstellung das verbindlich-unverbindliche Lächeln einer säst kränkenden Zerstreutheit zeigte, nahm in seinen Auftritten alsbald m einer alles zusammenraffenden Weise die Führung. Er selber sprach, immer in derselben zugleich lässigen und straffen Haltung, seine Sätze flüchtig, rasch und mit halbem Ton; nur zuweilen hob sich die em wenig näselnde Stimme plötzlich zu einem Klang, der klirrend aufflog wie rauschender Trommelwirbel oder wie heller Schlag auf Metall tonte: Dann stand <>in Satzgebilde licht rote gleißendes Wirklichkeit werben. Deshalb die Konzentration englischer Seemacht im Mittelmeer, die jederzeit auch italienische Gefahren beschwören und die Politik des Völkerbundes stets zu der Englands machen könne. So bleibt für Großbritanniens Politik das Nelson- Wort stets Richtschnur. Nicht mit dem Völkerbund, sondern nur mit England hat es Italien verdorben, mit einer Macht, die es sich immer gewogen zu halten bestrebt war. Jetzt Aber betont es wiederholt, daß es die englische Dor- Herrschaft im Mittelmeer länger nicht anzuerkennen vermöge. Ganz im Sinne des flammenden Appells, den Italien schon 1930 auf der ersten Londoner Flottenkonferenz zum Schutze seiner Seeinteressen an die dort vertretenen Mächte gerichtet. Grandi, damals italienischer Außenminister, jetzt Botschafter in London, konnte auf dieser Konferenz nicht deutlich genug den Jnfelcharakter seines Landes in den Vordergrund rücken. Stark übervölkert sei es auch und dazu wie arm an natürlichen Hilfsquellen! Durch die engen Pforten Gibraltars und des Suezkanals strömten ihm die wichtigsten „ocean-borne Imports“, Dreiviertel seiner ganzen Einfuhr, zu. Denn bei seinen weltweiten Interessen und Verflechtungen sei auch für Italien das Meer, vor allem aber die Ozeane, die Hauptquelle seines Lebens. Welche Ungunst der Natur, von keinem Ozean bespült zu werden und nur langgestreckte Küsten mit wichtigsten Lebenszentren zu besitzen, die langsam aber sicher der Wirkung übermächtiger Fernblockade in langsamer Erwürgung unterliegen müßten! Lauter Feststellungen, denen nicht zu widersprechen ist und die durch spätere Genfer Analysen Der Frage, welcher Rüstung der Vorrang wohl gebühre, nur noch unterstrichen wurden, wenn Ende Mai 1933 der spanische Historiker und Genfer Abrüstungsexpert Madariaga sich ohne Widerspruch dahin äußern konnte, daß schließlich doch nur Seeherrschaft der wirkungsvollste Friedensstifter sei. Wer die See hat, hat das Land! Gegen diesen alten Erfahrungssatz rennt auch der vergeblich an, der unter „opfervoller Beschränkung" seiner Seemacht ein letztes Heil in kontinentaler Blockbildung oder in Anlehnung an räumlich große Nachbarn sieht und damit womöglich auch noch glaubt, sich der Wirkung feindlicher Seeherrschaft entziehen zu können und sich eine Wirtschaftskraft zu sichern, die auch die stärksten Stürme heutigen Völkerlebens übersteht. In keinem Binnenmeer der Welt verursachen die Seemachtsansprüche verschiedener Völker immer wieder so starke Reibungen, wie gerade im Mittelländischen Meere, Es handelt sich dabei nicht nur um Gegensätze zwischen Frankreich und Italien, die für sich allein zu regeln wären. Vorherrschend werden hier stärkste Interessen des Englischen Imperiums immer die Rolle spielen, die gerade der „Freiheit dieses Meeres" vor allem eine englische Prägung gibt. Es mußte daher auch nach dem Weltkrieg Englands stetes Streben fein, in diesem Seegebiet den Zustand zu erreichen, der alle französischen und italienischen Wünsche so begrenzt hielt, daß englische Interessen im vollsten Umfange stets gesichert bleiben. Doch ist das Ziel trotz mancher auf ein Mittelmeerabkommen abzie- lenber Anläufe vergangener Jahre noch nicht erreicht. Der heutige Konflikt wird daher auch diesem reibungsvollen Schwebezustand eine Wendung geben müssen, die ein erträglicheres Nebeneinander berechtigter Volksinteressen schafft. Durch Italiens Vorgehen gegen Abessinien war in den Augen Englands nicht nur der Zusammenhalt seines Imperiums, sondern auch jede weitere Weltbefriedungsmöglichkeit überhaupt ernstlich gefährdet. Wenn Jmperiumsinteressen im Spiele sind, pflegt England nicht zu zaudern. Im September 1935 wurde die englische Mittelmeerflotte ins östliche Mittelmeer nach Port Said und Alexandrien verlegt. Schiffe und Seeflugzeuge aus heimischen Gewässern, aus dem Fernen Osten und von der südamerikanischen Station traten hinzu. Zu gleichem Zweck gingen Schlachtkreuzer und schwere Kreuzer der Homefleet nach Gibraltar. Auch die Hochseekräfte Australiens unb' Neuseeland wurden ins Mittelmeer gezogen. Anfang Dezember wurde die Indienststellung einer neuen aus sieben Booten bestehenden Zerstörerflotille verfügt. Weitere Ver- tärkungen materieller und personeller Art im Zuge üeser stillen Mobilmachung sind zu erwarten. So tehen wir heute vor der Gefahr eines Krieges, wie ie auch das an Völkerstürme gewohnte Meer der Bayernmädel begrüßten den Führer. E s SÄ . ./ , MG >. - - v V V/ \ .. A, Im Olympia-Haus in Garmisch-Partenkirchen begrüßten den Führer Bayernmädel in ihren hübschen Trachten. — (Presse-Jllustration-Hofsmann-M.) Phönizier in solcher fast grotesk zu nennenden Weise wohl noch nie erlebte. Von „friedlich" scheinender Völkerbundssanktion zur Kriegsblockade ist nur ein kurzer Schritt, namentlich wenn es in nächster Zeit doch noch zu der gefürchteten Oel- fperre kommt. Dabei kommt bei dem heutigen Entwicklungsstand moderner Seekriegsmittel und bei den strategischen Verhältnissen des Mittelmeeres ebenso wenig wie im Weltkriege eine enge, etwa von der Südspitze Griechenlands über Malta bis Toulon sich erstreckende, sondern nur eine weite Fernblockade in Frage. Flugzeug und U-Bovt verbieten die Einnahme enq begrenzter Blockadestellungen, wie die Segelschiffszeit sie kannte. Andererseits muß aber im Interesse wirksamer Blockierung die See vom Blockierenden so gehalten werden, können, daß die Möglichkeit, die Blockade zu durchbrechen oder zu umgehen, auf ein Mindestmaß beschränkt bleibt. Italiens Machtbereich hat sich im Mittelmeer nach dem Weltkrieg in der Adria, in Nordafrika und im Dodekanes entschieden vergrößert. Damit waren aber noch nicht irgendwelche Eingriffe in die Machtsphären anderer Großmächte verbunden. Das ist aber jetzt der Fall, wenn Italien nicht nur eine Vergrößerung ostafrikanischen Kolonialbesitzes erstrebt, sondern auch die Verbindung mit diesem Gebiete festigen will. Es hat damit Seeherrschaftsansprüche erhoben, die an die Grundlage des englischen Imperiums rühren. Die beste Luftwaffe ändert aber nichts daran, daß man von englischen Mittelmeerstützpunkten nur Malta als ernstlich gefährdet betrachten kann. Gibraltar dagegen hat von diesen Bombern noch nichts zu befürchten, selbst wenn sie von den westlichen Stützpunkten Jta- lichen Stützpunkten Jtaliensstch! ss t ch ckj ch liens, Siziliens und Sardiniens aus operieren. Diese noch über 2500 Kilometer betragende Entfernung ist nur mit erhöhter Brennstofflast zu überbrücken, was aber bedeutende Minderung der Bombenlast und somit der Wirkung am Ziel bedeutet. Erfolgreicher sieht für Italien der Luftkrieg im Osten des Mittelmeeres aus. Dort können die Stützpunkte Tobruk in Lybien sowie die Insel Leros im Dodekanes für Alexandrien, Port Said und Haifa eine ernstliche Bedrohung im Luftkrieg bedeuten. Abgesehen von den zirka 350 italienischen Flugzeugen an der abessinischen Front verfügt Italien zur Küstenverteidigung und für weitere Vorstöße an Land- und Seeflugzeugen über zirka 3000 Maschinen. Sicherlich eine achtunggebietende Macht, aber eine Waffe, hinter der neuere Kriegserfahrungen noch keineswegs stehen. Auch ist zu bedenken, daß sich die Verwendung der Luftwaffe über Land von der See nicht unbeträchtlich unterscheidet. Schon das Erkennen der anzugreifenden Objekte, Truppenteile und Bauten an Land, Schiffe verschiedenster Typen auf See, erfordert besondere, getrennte, eingehende Hebung. Die Möglichkeit einer Konzentration der Kraft ist über Land und über Küsten- gewässern weit größer als über der offenen See. Von der Verwendung der Luftwaffe in offener See macht man sich leicht noch falsche Vorstellungen, wenn man annimmt, daß die Sichtweite' vom Flugzug aus mit der Flughöhe wesentlich zunimmt. Auch englische Hebungen haben häufig ergeben, daß die Sichtweite von einem Flugzeug über See keineswegs weiterreicht, als die von Bord eines Schiffes! Unb zwar bei normalen Sichtverhältnissen, nicht etwa nur bei diesigem, dunstigem Wetter. Auch darf man sich nicht etwa vvrstellen, daß ein Flugzeug ein feindliches Schiff nur zu sichten braucht, um es alsbald treffen und vernichten zu können. Ein einzelnes in hoher Fahrt befindliches Schiff bietet dazu immer nur eine recht kleine Zielscheibe und hat auch seinerseits beträchtliche Abwehrmöglichkeiten defensiver und offensiver Art. Bei Beurteilung der Möglichkeiten des Luftkrieges läßt man sich leicht durch hin und wieder erreichte Spitzenleistungen friedlichen Luftverkehrs verleiten, die Kriegsmöglichkeiten dieser Waffe zu überschätzen. Auch im Luftkrieg zur See behält der Satz Gülttgkeit, der sagt, daß es leichter ist, eine Stecknadel im Heuschober zu finden, als einen Kreuzer in offener See. Fraglos ist die Lust ein neuer Kriegsfaktor, die Grundlage der Seekriegführung haben sich deshalb aber nicht im geringsten verändert. Wohl lasten schreibselige Federn in vielen Ländern die heutige Luftwaffe geradezu Wundertaten vollführen und die größten Schlachl- schiffe den Bomben aus der Luft zu leicht zum Opfer fallen. Fraglos hat die heutige Luftwaffe im Vergleich zu der der letzten Kriegszeit gewaltige Fort- schritte gemacht, doch ist auch ihre Abwehr keines- wegs in der Entwicklung stehen geblieben. Schon diese gesetzmäßige Relativität läßt auch weit zurückliegende Kriegserfahrungen durchaus ihren Wert erhalten. So bleibt z. B. besonders lehrreich der „Goeden"-Fall vom Januar 1918. Am 20. Januar war der Panzerkreuzer damals nach Rückkehr von einer Hnternehmung ins Aegäische Meer in den Dardanellen auf einer Sandbank bei Nagara fest- gekommen. Fünf Tage blieb das Schiff ooUfomnv n bewegungslos und war für alle Angriffe des Feindes ein leicht zu treffendes Ziel. So mußte das Schiff auch 276 Angriffe aus der Luft über sich ergehen lassen, erhielt aber doch nur drei unwesentliche Treffer, belangloser Materialschäden. Aber die „(Soeben" auf ihrem gefahrvollen Liegeplatz zu vernichten, war dem Feind in den fünf für das ©dyff so kritischen Tagen nicht gelungen, trotz eines für damalige Zeiten recht erheblichen Bombenabwurfs mit einem Gesamtgewicht von zirka 16 Tonnen, und trotz des Fehlens nennenswerter Flugzeugohwehr- mittel auf diesem Schiffe. Auch friedliche Zielschiffsversuche der ersten Nachkriegsjahre haben besonders am „Ostfriesland"-Fall gezeigt, wie wenig auch in dieser Kriegskunst sich von dem ereignet, was man glaubt erwarten zu können. (Schluß folgt.) Oie arabische Unruhe. Von Or. Paul Rohrbach. In der Krypta der St. Pauls Kathedrale in London wird in diesen Tagen die Büste eines tapferen Engländers enthüllt: „Lawrence von Ara- b i e n". Er war von Geburt Walliser, von Fach ursprünglich Orientalist, und beteiligte sich vor dem Kriege an Ausgrabungen in Mesopotamien. 1916 organisierte er den Aufstand der Araber gegen die Türkei, versprach ihnen — die englische Regierung ließ es stillschweigend zu — ein unabhängiges großarabisches Reich vom Mittelmeer bis zum Indischen Ozean und war ihr Führer in dem zweijährigen englischen Feldzug gegen die türkisch-deutsche Palästinafront. Noch bei Lebzeiten wurde er eine fast sagenhafte Persönlichkeit; er soll in Afghanistan den Sturz des England unbequemen reformeifrigen Emirs Amanullah herbeigeführt, und in China den Marschall Tschiangkaischek dazu bewogen haben, mit den von Moskau geschickten bolschewistischen Ratgebern zu brechen. Im vorigen Jahr kam er durch einen Autounfall ums Leben, als er versuchte, einem Kind auszuweichen, das in seine Maschine laufen wollte. In England wird erzählt, er habe dem König seine Kriegsorden zurückgeschickt, als den Arabern die Zusagen, die er ihnen gemacht hatte, nicht gehalten wurden, ja er soll sich sogar verpflichtet gefühlt haben, in ein"m arabisch-englischen Krieg, falls einmal ein solcher käme, auf Der Seite feiner betrogenen Freunde *u fechten! Wenn man heute die Nachrichten liest, die ons der syrisch-ägyptischen Wetterecke am Ttittefm- r kommen, könnte man beinahe versucht fein t fragen, ob Lawrence, wenn er noch lebte, nix't bald Hrsache hätte, an sein in der Erbitteruna sprochenes Wort zu denken. Die pan-arabische der er im Weltkrieg die Unterstützung seiner fah haften Fähigkeit sprachlich-psychologischer (Einfühlung in das Arabertum unb suggestiver Behandlung der Wüstensöhne lieh, ist in einer für England sehr unbequemen Weise auf dem Marsch. Nach dem Ende des Weltkrieges geschah das Gegenteil von dem, was Lawrence den Arabern versprochen hatte. Syrien mit der alten Kalifenhauptstadt Damaskus wurde französisches Mandat. Palästina, iil dem Balfour den Juden eine „öffentlich rechtliche Heimstätte" WorübermansichinAmenkasreut Von unserem ständigenE.A.H.-Äerichierstaiier (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Neuyork, Ende Januar 1936. Eine Eigenschaft, die der Amerikaner an sich und anderen gleich hoch schätzt, ist der Humor. Wer Sinn für Humor hat, der schlägt sich in der neuen Welt zweimal so leicht durch. Mit Humor lassen sich alle Widerwärtigkeiten ertragen, und solange es mit Humor geschieht, lassen sich unsere Mitmenschen wohl auch einmal die Wahrheit sagen. Humor im amerikanischen Sinne ist weniger der glänzende Witz, sondern die Fähigkeit, sich auf ein kleines Postament zu stellen und vor dort aus nicht nur über die anderen, sondern auch über die eigenen kleinen und großen Schwächen zu lachen. Hnd weil er von sich selbst Abstand nehmen kann, lacht der Amerikaner über nichts so gern, als über sich selbst. Es braucht auch nicht etwa ein lautes Lachen zu fein, sondern meist ist es nur ein stilles Schmunzeln, ein herzliches Sich-Freuen, das er noch stundenlang herumträgt. In diesem Sinne er- zählt man sich die folgenden Begebenheiten: Roosevelts Detektivgeschichte. Präsident Roosevelt liest am liebsten Detektivromane. Er hat es selbst gestanden. Wenn er sein Tagespensum erledigt hat, sechzehn Stunden oder mehr an ununterbrochenen Konferenzen und anstrengendster Konzentrationsarbeit, dann versucht er, vor dem Einschlafen seine Gedanken durch eine spannende Detekttogesckichte abzulenken. Unb er liest sie nicht nur, er denkt sich sogar selbst neue aus. So schrieb er vor kurzem einem amerikani- schen Zeitungsmann, der unter dem Pseudonym Anthony Abbot viel gelesene „Sherlock-Holmes- Geschichten" veröffentlicht, er habe schon seit Iah- ren über die Lösung folgenden Problems nachge- dacht: „Ein reicher Mann, der seiner erfolgreichen Laufbahn und seiner schmeichlerischen Freunde über- drüssig ist, will verschwinden, unb zwar so gründlich, daß man ihn tot glaubt — aber er will sein ganzes Geld mitnehmen. Das Problem ist nun: Wie kann er fünf Millionen Dollars baoontragen, bas meiste davon in verkäuflichen Aktien, ohne irgendeine Spur zu hinterlassen?" Präsident Roosevelt fügte hinzu, er habe nie eine zufriedenstellende Lösung finden können. In jeder auszudenkenden Methode fei am Ende doch irgendein Haken gewesen. Besagter Zeitungsmann, der gleichzeitig Herausgeber des Magazins „Liberty“ ist, rief feine fähigsten Mitarbeiter zusammen. Bekannte Schriftsteller wie S. S. Van Dine und Rupert Hughes setzten sich hin, um eine Lösung auszuklügeln. Das „Liberty“-Magazin schrieb schließlich sogar Preise im Werte von 1250 Dollars für die besten Antworten aus. Im ganzen Lande zerbrach man sich daraufhin die Köpfe. Hnd alsbald fand ein schlauer Pankee das Ei des Kolumbus: „Wenn einer mit fünf Millionen Dollars spurlos verschwinden will, warum versteckt er sich nicht — im Bundesamt für Oefsentliche Arbeiten?^ Präsident Roosevelt soll über diese boshafte Antwort am allerherzlichsten gelacht haben. Will Rogers und der König. Will Rogers, Amerikas beliebter Humorist, der letztes Jahr mit dem Flieger Wiley Post tödlich verunglückte, erschien eines Tages am Tor des Buckingham-Palastes in London. „Ich bin Will Rogers und bin gekommen, um den König zu besuchen", soll er, beide Hände wie üblich in den Hosentaschen vergraben, dem Offizier, der Wache erzählt haben. „Sagen Sie ihm: als der Prinz von Wales in Amerika war, meinte er zu mir, ich solle seinen Alten mal aufsuchen — also, hier bin ich." Was der Wachoffizier, der den nachlässig gekleideten Cowboy-Philosophen für einen Landstreicher hielt, nicht verstehen konnte, war, daß Will Rogers nicht nur sofort zur Audienz zugelasien wurde, sondern daß der König ihn sogar noch zum Mittagessen einlud. Höhere Bildung. Amerikanische Colleges und Unmerfitäten legen bekanntlich auf gute Fußballmannschaften großen Wert. Eine der führenden Mannschaften zu haben ist nicht nur Ehrensache, sondern bringt auch viel Geld ein. Gute Fußballspieler werden gewissermaßen herangezüchtet, und zwar lassen sich die wohlhabenden Alten Herren die sorgfältige Auswahl des sportlichen Nachwuchses besonders angelegen sein. Das geschieht im aUgemeinen so, daß |ie in den Schulen des ganzen Landes nach aussichtsreichen Jungen Ausschau halten. Haben sie ein solches Exemplar entdeckt, so bieten sie ihm oft freies Studium oder besorgen Dem jungen «Stuben- ten irgendeine Nebenbeschäftigung, die es ihm ermöglicht, die Kosten für sein Studium zu bestreiten. Der junge Fußballspieler ober Athlet erhält dann eine sorgfältige sportliche Ausbildung, worunter die liebe Wissenschaft naturgemäß oft leidet. Zwei UniDerfitätsprofefforen unterhalte« sich während eines großen Fußballwettkampfes, Professor A. sagt zu Professor B.: „Ich sehe, der Zilch spielt bei euch dieses Jahr. Der ist doch bei uns zweimal durchs Examen gefallen." „Was?", sagt Professor B. „Das wundert mich. Bei uns hat er sich, wie Sie sehen, ausgezeichnet gemacht." „Wie ist das möglich, der Mann hat doch von Chemie keine Ahnung?" „Wir haben ihn einer Sonderprüfung unter« zogen." „Ach so," meint Professor A., „Darf ich fragen, wie er die bestanden hat?" „Aber gewiß", erwiderte B., „zuerst habe ich ihn gefragt: „Welche Farbe hat blaue Ditriolsäure?" Er antwortete: „Violett". Das war natürlich falsch. Dann habe ich ihn gefragt, ob er wisse, wie man Schwefelsäure macht. Er sagte nein: „Nein". Das war richtig, und so gratulierte ich ihm zum bestandenen Examen. Wo der Spaß aufhört. Natürlich hat aber alles seine Grenzen. Auch der amerikanische Humor hat seine. Ein solcher Grenzfall trat vor kurzem auf dem Bankett des Verbandes der Insektenpulverfabrikanten ein. Zum besseren Verständnis muß binzugefüqt werden, daß die amerikanischen Großstädte, trotz aller modernen Einrichtungen, mehr oder weniger stark unter Ungeziefer zu leiden haben. Besonders stark verbreitet ist die Wanze. Im allgemeinen klettert sie nicht hoher als bis zum zehnten Stock, aber kaum ein Gebäude bleibt von ihr verschont. Der Vorsitzende der Insektenpulverfabrikanten hielt also in einem Neuyvrker Hotel vor versammelten Damen und Herren eine schwungvolle Rede, in d-r er die Verdienste seiner Branche pries. S->in Verband, erklärte er, sei vor 22 Jahren gegründet worden und habe seine Mitgliederzahl seither verfünfzehnfacht. Inzwischen sei aber auch das Insektenleben der Vereinigten Staaten um tausend Prozent gewachsen. Er gab dann aufschlußreiches statistisches Material und verstieg sich schließlich zu folgenden Sätzen: „Meine anwesenden Damen der Gesellschaft. Sie und die Bewohner der Mietskasernen haben oft ein gemeinsames Problem — Wanzen und Kakerlaken. Wanzen und Kakerlaken sind auf der „Mayflower" (berühmtes Einwandererschiff am Anfang jedes amerikanischen Stammbaums von Geltung) mit unseren besten Familien herüberge- kommen — und unsere besten Familien Haden sie noch." An dieser Stelle wurde b^r Redner von einiaen Damen unterbrochen, die fluchtartig den Speisesaal verließen. Er wurde durch Zurufe gelungen. der Rede eine andere Wendung zu geben, woraus hervorgeht, daß es Dinge gibt, wo eben auch der Amerikaner keinen Spaß mehr verträgt. Kinderstube. Drei Kinder. Zwei Jungen, dazwischen ein Mädchen. Vier, fünf und sechs Jahre, so geht die Reihe. Die Stube wird zum Karussell, zur Rutschbahn, zur Rummelbude und aum Schlachtfeld. Klingeln tönen, Kommandoworte springen auf, Angriffstrompeten schmettern, bann wieder Ringkämpferflüche und Siegesjubel. Dazwischen mit ihrem Puppenwagen, ganz kleinmütterchenhaft, das Mädchen. Manchmal wird es in den jungenwilden Strudel mit hineingerissen, muß sogar hier wie dort so etwas wie Krankenschwester spielen; dann wieder gibt es eine aufmerksame Zuschauerin ab. Das dauert nicht lange, manchmal nur einige Wimperschläge lang. Immer wieder steht sie, trotz Aufmerksamkeit und Hilfsbereitschaft beim Iungenspiel, mit dem Rücken ganz dicht am Puppenwagen. Ballt sich nun das Iungenspiel in einer Wolke von Rumoren, Donnern und Blitzen, dann kehrt das kleine Mädchen ganz selig zu seinen Puppenkindern zurück, baut sich, im Handumdrehen, eine fingerhutkleine Mutterwelt zurecht, rückt hier ein Kiffen, herzt dort ein Kind, nimmt es lange küssend in den Arm und spricht ein Wort. Man sieht es an den Lippen, verstehen kann man es nicht, denn der Männer- kampf ist zu heftig. Es kommt sehr oft vor, daß mitten durch den Jungenstreit eine kleine Stimme ein einfältiges Wiegenliedchen singt, immer wieder singt, manchmal lauter wird und (elig sich aussingt. Wie eine Lerche, die selbstvergessen ihre Melodien zwitschert, während unter ihr der Hund den Hasen hetzt. Unb dabei hat das kleine Ding, trotz ihrer Träumerei, viel Leichtsinn, viel Neckerei und Scherz in ihrem ganzen Spiel. Die kann sogar auftrumpfen. Wenn im Iungenspiel eine schweratmende Paule eingetreten ist, bann fängt sie an zu bitten unb herz, lich zu betteln: „Ach, spielt doch mal mit mir! Mit meinen Kindern!" — Die Jungen tun bann meist schwerhörig. Das Mäbchen wirb bringenber: „Wer will ber Vater von meinen Kindern sein?" Die Jungen lächeln hämisch, so von oben herab, machen eine abwehrende Bewegung und sind schon wieder mit ihren Bleisoldaten in einer neuen Schlachtordnung. Da, auf einmal, durch Trommeln und Pfeifenton, drängt sich bangend und weinerlich die kleine Mäd- chenstimme- .Ich habe doch solche schönen, lieben Kinder. Und keiner will der Vater fein!" Max Jungnickel« versprochen hatte, nahm England als sogenanntes Mandatsgebiet für sich; ebenso das Ostjordanland, wo es einen eignen Emir unter englischer Oberaufsicht einsetzte. Auch das Irak, ads alte Babylonien und Assyrien mit einem Teil von Mesopotamien, erhielt zunächst Mandatscharakter. 1932 wurde es nominell für selbständig erklärt und sogar in den Völkerbund ausgenommen. Ich war damals in Bagdad und hörte den Salut von 100 Schutz über den Euphrat hindonnern, als König Feisal den Funkspruch aus Genf erhalten hatte, er sei nun Mitglied des Völkerbundes Freilich blieben drei dicke englische Nägel im Körper des neuen Mitgliedsstaates stecken: die Flieger- lager bei Basra, Bagdad und Mossul, von denen jedes einzelne mehr Raum einnimmt, als die Ruinen von Ninive! Sogar das eigentliche Arabien wollten die Engländer zertrennt und unter ihrem Einfluh erhalten: sie gaben aus dem alten türkischen Gebiet den Hedschas an den Groh- scherif Hussein von Mekka und überließen das dem englischen Aden benachbarte fernen dem Imam Iahja. Dabei hatte man nur nicht mit Ibn Saud, dem Beherrscher des Nedschd (Nordost-Arabien), gerechnet. Ibn Saud machte kurzen Prozeß mit Hussein und seinen Söhnen in Mekka, indem er sie verjagte. Vor kurzem wurde auch der Imam Jahja so energisch von Ibn Saud geschlagen, daß dieser jetzt mit Ausnahme der Südküste und des englischen Schutz-Sultanats Oman Herr von ganz Arabien ist. Er ist eine bedeutende Persönlichkeit, gehört als Wahabit zur strengsten Richtung des Islam, weiß aber damit gute Verwaltungsmethoden zu verbinden, bis zur Ansiedlung von Beduinenstämmen als Ackerbauer, dazu eine glänzend bewaffnete Armee und den Gebrauch so moderner technischer Hilfsmittel, wie Panzerautos, Flugzeuge und Funkstationen. Seine Hauptlieferanten sollen Sowjetrussen und Japaner sein. Seit dem Tode König Feisals sieht man auch im Irak auf Ibn Saud als die große arabische Hoffnung, und Transjordanien würde sich gleich heute an ihn anschließen, wenn die Engländer den Emir dort nicht stützten. Augenblicklich glimmt und brennt es an vier Stellen im großarabischen Sprachgebiet: in Aegypten, in Palästina, in Syrien und Transjordanien. Die nationalistische Wafd-Partei benutzt Englands Schwierigkeiten mit Italien, um gewaltsam auf die Anerkennung der ägyptischen Unabhängigkeit zu drängen. Am leidenschaftlichsten gebärden sich dabet die Studenten, ja sogar die Schüler. König Fuad von Aegypten möchte es bis zu einem gewissen Grade mit den Engländern halten, weil ihm diese die sicherste Gewähr dafür sind, daß er seinen Thron behält, aber die Erregung ist so groß, daß ihm kaum etwas anderes übrigbleiben wird, als sich an Stelle des von ihm gewünschten Koalitionskabinetts mit einem Wafd- Ministerium abzusinden. Das aber würde für England eine Wahl zwischen wirklichen Zugeständnissen an die Selbständigkeit Aegyptens und der Gefahr des Waffengebrauchs in einem höchst kritischen Moment bedeuten Bisher hat es die ägyptische Regierung auf sich genommen, auf die Studenten schießen zu lassen, aber angesichts der stärker werdenden Erregung imi Volk wird sie das schwerlich noch lange fortsetzen können In Palästina handelt es sich um die von Jahr zu Jahr heftiger werdende Gegnerschaft der arabischen Mehrheit gegen die Einwanderung der Zionisten. England will jetzt dem Mandat die seit lange zugesagte, aber von beiden Teilen, Arabern und Zionisten, bisher abgelehnte Verfassung oktroyieren: den sogenannten gesetzgebenden Rat, der aus elf Mohammedanern, sieben Juden, drei eingeborenen Christen, zwei Vertretern der Wirtschaft (vermutlich ein Engländer und ein Jude) und fünf englischen Beamten bestehen soll. Zufrieden damit sind weder die Araber, noch die Zionisten. Es wird der Mandatsverwaltung vielleicht möglich sein, gefügige Vertreter wählen zu lassen oder zu ernennen, aber damit wäre nichts daran geändert, daß das ganze palästinensische Arabertum mit Leidenschaft pan-arabisch denkt. In Damaskus fallen schon seit mehreren Tagen die Schüsse zwischen arabischen Nationalisten und Polizeikräften unter französischem Kommando. Die mohammedanische Bevölkerung des Mandats Syrien ist ebenso pan-arabisch, wie ihre Stammes- genossen in Palästina, und die Transjordanier sind mit ihren Sympathien auch so stark auf der Seite der Nationalisten von Damaskus, daß sie zum Beweis ihrer Teilnahme den Generalstreik erklärt, d. h. vor allem die Verkehrsmittel im Lande, Eisenbahnen und Autos, stillgelegt haben. Aegypten, Syrien, Palästina, Transjordanien, das Irak und das Reich Ibn Sauds bilden alle miteinander im Sinne der pan-arabischen Idee eine geistige Einheit. Was an einer Stelle dieses großen Gebiets geschieht, pflanzt seine Wellenbewegungen in alle übrigen Teile fort. Lawrence von Arabien, den man diesen Geist rufen lieh, als es gegen Deutschland ging, ist tot, aber der Pan-Arabismus ist lebendig, viel lebendiger, als den Engländern jetzt bequem ist. Geschichten aus aller Welt. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Chinesische Anspruchslosigkeit. J. Bl. Peiping. Die vielfach zu hörenden Berichte von der Anspruchslosigkeit der Chinesen sind offenbar keine Legende. Während der Ueberschwemmungen der Gebiete um den Gelben Fluß flohen Tausende von Chinesen in eine katholische Mission in Honan. Da die Mittel der Mission gering waren, mußten die geflüchteten Chinesen auf kleinste Rationen gesetzt werden. Tatsächlich gelang es der Mission, Die Chinesen am Leben zu erhalten, ohne pro Kopf und Monat mehr auszugeben als 1,20 Mark. Auf den Tag entfielen für jeden Chinesen also nur vier Pfennig. Das tätliche Essen bestand in zwei Schalen voll Hirsebrei. Ein Hund als Lebensretter. (h) Johannesburg. Am Ufer eines Teiches in Piquetberg spielten zwei Kinder, die plötzlich das Gleichgewicht verloren und beide ins Wasser stürzten. Niemand hatte den Vorfall beobachtet, außer einem mittelgroßen Hund, der herbeieilte, ins Wasser sprang und die beiden Kinder — eins nach dem anderen natürlich — beim Genick faßte und aus dem Wasser zog. Anwohner des Teiches wurden auf den Vorgang erst aufmerksam, als sie den Hund sahen, der die beiden bewußtlos gewordenen Kinder dadurch wieder zu beleben versuchte, daß er ihnen sehr energisch das Gesicht ableckte. Der Bürgermeister als Sänger. B./Co. Neuyork. Es begab sich, daß in der amerikanischen Stadt Pittsburg gegen eine Gesellschaft wegen des städtischen Wasserwerks ein Prozeß angestrengt werden mußte. Der Bürgermeister setzte seinem Gemeinderat diese Notwendigkeit mit stichhaltigen Gründen auseinander, man stimmte ihm auch grundsätzlich zu, aber woher die Mittel für so einen Prozeß nehmen? Da der Bürgermeister auch nicht diese Frage beantworten konnte, denn im städtischen Haushalt war für solche Zwecke kein Betrag vorhanden, beschloß der Gemeinderat, von einem Prozeß abzusehen. Damit gab sich jedoch William N. Mac Nair — so hieß der Bürgermeister — nicht zufrieden und fand auch tatsächlich ein, wenn auch recht ungewöhnliches Mittel, um zu Geld für die Prozeßfüh- rung zu kommen. Es hielt sich zu der Zeit eine Wanderoper in Pittsburg auf. Mit dieser schloß das Stadtoberhaupt einen Vertrag, wonach er acht Abende hintereinander in einem zu diesem Zwecke eingelegten Zwischenspiel fingen werde und dafür nach deutschem Geld 3000 Mark erhalten soll. Ueberflüssig zu bemerken, daß diese acht Abende, in denen der Bürgermeister sang, ausverkauft waren. In der nächsten Gemeinderatssitzung nahm der Gemeinderat aus den Händen des Stadtoberhaup- les den von ihm erfungenen Betrag dankend entgegen. Berittene Polizei ohne Pferde. (h. k.) Montreal. Die Königliche Kanadische Berittene Polizei ist weltberühmt. Zur Zeit gehören ihr 2000 Offiziere und Mannschaften an. Dem Namen nach stellt man sich zweifellos darunter eine Polizeitruppe vor, die auf stolzen Rossen durch die kanadischen Prärien sprengt. Nun aber erfährt man mit Verwunderung aus einem soeben veröffentlichen Bericht, daß die ganze berittene Polizei genau 225 Pferde besitzt und zum Zweck der Jnstruktionsstunden für die Beamten, die schließlich alle reiten können müssen, Pferde bei den benachbarten Farmern ausgeliehen werden. Dafür aber verstehen sich diese vielgewandten und geschulten Polizeibeamten, die zu dieser nördlichsten Ordnungstruppe der Welt gehören, gleichzeitig auch auf die Bedienung von Autos, Motorrädern, Flugzeugen, Hundeschlitten, Motorbooten und Seglern. Die königliche Briefmarkensammlung. B/Li. London. Alle Briesrnarkenhändler der Welt und alle großen Sammler sind sehr gespannt darauf, was mit der berühmten Briefmarkensammlung des verstorbenen Königs von England geschehen wird. Fast das gesamte Eigentum des britischen Königshauses ist zwar der britischen Nation zu treuen Händen übergeben worden, dazu gehören aber naturgemäß nicht so private Dinge, wie sie eine Briefmarkensammlung darstellt. Es ist damit zu rechnen, daß die Sammlung in der königlichen Familie bleibt. Die königliche Sammlung, deren Wert außerordentlich hoch ist, ist zwar nicht die größte Sammlung der Welt, wohl aber die vollständigste des britischen Empire. Der König hatte bereits als Junge mit dem Sammeln begonnen und diese Liebhaberei bis in seine letzten Lebensjahre fortgesetzt. Da die Neigung des Prinzen und späteren Königs bald erkannt wurde, sandten die Postverwaltungen der Dominons des Britischen Reiches und anderer Länder dem König häufig Probedrucke, Erstdrucke und Fehldrucke zu. Auch Heer und Flotte machten dem König häufig Briefmarken zum Geschenk, und während des Krieges machten die britischen Soldaten systematisch Jagd auf Kriegsbriefmarken, namentlich solche der von Deutschland besetzten Gebiete, um sie dem König überreichen zu lassen. Der Hauptteil der königlichen Sammlung ist aber genau so entstanden wie alle anderen Briefmarken- jahimlungen auch, nämlich durch Kauf oder Tausch. Der heutige Marktwert der königlichen Sammlung wird auf rund eine Million Mark geschätzt. Die verhängnisvolle Ohrfeige. Da. Paris. Eine Ohrfeige, die vor einigen Tagen in Paris verabfolgt wurde, hatte ganz unvorhergesehene schlimme Folgen. An einer belebten Straßenkreuzung stand ein Herr, der auf jemanden zu warten schien. Ein anderer Herr kam über den Damm, gerade auf den Wartenden zu und pflanzte ihm stillschweigend, aber mit Nachdruck seine rechte Hand auf die linke Wange. Der Betroffene schreckte zusammen, da er sich eines solchen gewaltsamen Ueberfaös nicht versah, ja, ihm schwanden für einen Augenblick die Sinne, und er kippte vom Bürgersteig in den Rinnstein. Da kam aber gerade ein Radfahrer daheraefahren, konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen und setzte sich dazu, während das Rad nach hinten ausschlug und sich auf den Bürgersteig legte. Einen Moment später brauste ein Motorrad heran, stoppte und wurde seinerseits von einem schweren Lastwagen angefahren, der dicht dahinter kam und die Bremsen nicht so rasch anziehen konnte. Doch der Chauffeur zeigte sich geistesgegenwärtig, streifte den Motorradfahrer nur leicht, ließ den Geohrfeigten und den Radfahrer unbeschädigt und riß mit aller Gewalt das Steuer herum. Auf der anderen Seite fuhr aber eine Straßenbahn, in die der schwere Lastwagen hineinprallte. Man hörte die Fensterscheiben klirren, und am Triebwagen der Straßenbahn verbog sich allerlei. Der Lastwagen kam ebenfalls nicht ohne Beulen und Schrammen aus dem Zusammenstoß heraus. Doch wurden die beiden Fahrer, sowie die Fahrgäste der Straßenbahn nicht verletzt, nur zwei Damen fielen in sanfte Ohnmacht Ms man Geohrfeigten, Radfahrer, Motorradfahrer, Lastwagen und Straßenbahn aufgehoben bzw. auseinandergezerrt hatte, stellte es sich heraus, daß die Ohrfeige, die solche verhängnisvolle Folgen hatte, aus Versehen den Falschen getroffen hatte. Die Wandlung Monte Carlos. B. Monte Carlo. Der Weltkrieg hat mit einer kleinen Menschenschicht, deren Lebensaufgabe darin zu bestehen schien, einen unerhörten Luxus zu entfalten und das Geld an den Tischen berühmter Spielbanken zu verlieren, gründlich aufgeräumt Das hat auch Monte Carlo sehr empfindlich zu spüren bekommen. Die mit einem übertriebenen Luxus errichteten Bauten der Spielbank und der Hotels stehen verwaist da. Weder russische Großfürsten, noch amerikanische Millionäre lassen sich dort sehen, aber es Erzeugungsschlacht in Stavenhagen: Anno 1808-1845. Vvn Matter Kappes. In der Geschichte unseres Volkes sind Versuche zur Steigerung des Bodenertrages schon früher einige Male angesetzt worden. Zumeist erschienen sie in Zeiten großer Mißernten und kriegerischer Heimsuchung, hatten aber freilich nie die einheitliche und auch nur annähernd weitgreifende Zielsetzung unserer Erzeugungsschlacht. Als der klimatisch begünstigte und dichter bevölkerte Westen um das 12. Jahrhundert dem Bauern zu eng wurde, zog dieser mit seiner reichen Erfahrung nach dem Osten, über d i e Elbe weiter und erschloß Neuland. Hier fand er den Boden für die Rohstoffe, die dem Westen mangelten. Wie die Geschichte lehrt, blieb die Freiheit dieser Bauern, in die sie zu ziehen glaubten, nicht bestehen. Selbst unter den aufbauenden Agrarbestrebungen des Großen Kurfürsten, die nach den schrecklichen Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges notwendig waren, war der Bauer lediglich ein Mittel, aber kein Freischaffender und nicht das, was Quesnay dann später in dem Satz aussprach: „L’agriculture est la source de toutes les richesses de l’Etat“ (Der Ackerbau ist die Quelle alles Nationalreichtums). Die unermüdlichen Bestrebungen Friedrichs des Großen zur Gründung einer gesunden Landwirtschaft waren wohl die erste „Erzeugungsschlacht" größeren Stils, in der schon der Gedanke der Unabhängigkeit vom Ausland eine bedeutende Rolle spielte. So stieg die Landwirtschaft an Bedeutung, aber der Bauer blieb unfrei trotz der mahnenden Stimme des weitblickenden Freiherrn vom Stein, der die Gründung eines gesunden Bauernstandes forderte. Alle Erzeugungssteigerung blieb, da eine allgemeine und standesbedingte Organisation fehlte, im letzten Grunde auf die Initiative des Einzelnen angewiesen. Die einzige Triebfeder war Frau Sorge, die das durch Jahrhunderte müde gequälte Bauerntum vor sich Vertrieb und zum Leben zwang. Die „Stavenhagener Erzeuoungsschlacht" ist ein bemerkenswertes Beispiel aus Der Notzeit nach dem verlorenen Kriege von 1806. Kein geringerer als der mecklenburgische Bauerndichter Fritz Reuter schildert uns in einem aufschlußreichen Bericht den landwirtschaftlichen Kampf, Den fein Vater als Bürgermeister Der Stadt Staven- Hagen gegen die einbrechende Not führte. Auf eigene Faust unternahm er großzügige Versuche, um dem Bauernstand seiner Stadt eine breitere Grundlage zu geben und ihn vor allen Dingen existenzfähig zu machen. Als unermüdlich Schaffender war er nach den Worten seines Sohnes: „fast 40 Jahre hindurch Triebfeder und Unruh in der Uhr des städtischen Lebens, und was mehr sagen will, er war auch ihr Pendel und Regulator." Daß nicht alle Versuche gelangen, liegt auf der Hand. Aber viele Unternehmungen hatten Erfolg und manches, was nachher den Mecklenburger Bauern groß gemacht hat, verdankt er der rührigen und klugen Wegbereitschaft des einstigen Bürgermeisters von Stavenhagen. Uebrigens war es auch derselbe Bürgermeister Reuter, der als er st er Brauer in Mecklenburg Bier her st eilte und damit die Grundlage eines neuen Gewerbes in Mecklenburg legte. Auch das erfahren wir aus der Feder Fritz Reuters mit der besonderen Bemerkung: ,^Ich rede hier von meinem Vater, und zwar nicht als sein Kind, denn sonst müßte ich wärmer von ihm reden..." Und über des Vaters Leistung als fortschrittlicher Bauer sagt er in „Meine Vaterstadt Stavenhagen": „Als die furchtbar herabgedrückten Kornpreise nicht einmal die Erzeugungskosten deckten und der mecklenburgische Landmann fast dem Untergänge nahe gebracht war, ging er muthig mit gutem Beispiel voran und führte fremde Kulturen ein. Auszer dem Rapps, der hier und da nur höchst sporadisch gebaut wurde, kannte man in Mecklenburg damals noch (eins von den sogenannten Handelsgewächsen. Mein Vater war der erste, der sich in dem Bau derselben versuchte: die Gewürzpflanzen, Kümmel, Koriander und Anis, die Färberpflanzen, Krapp, Waid, Wau, die Futtergewächse, Luzerne, Esparsette und die Runkel- und Steckrübe, dann auch die Weberkarde, mußten der Reihe nach es sich gefallen lassen, mit dem mecklenburgischen Boden und Klima Bekanntschaft zu machen. Was hat nun das alles genützt? Diel, sehr viel! Ich sage nichts davon, daß in den zeiten der Noth mancher Landmann durch den Kümmelbau eine schone Einnahme gehabt hat, nichts davon, daß der Runkelrübenbau seit der Zeit im ganzen Lande im Großen ausgeführt wird, nichts davon, daß schon seit 25 Jahren die Möglichkeit und Zweckmäßigkeit der Stallfütterung für Rindvieh (in meines Vaters Wirthschaft 50—60 Haupt) bargetan ist — ich will bloß anführen, daß das Beispiel einer guten Ackerbestellung von den Bürgern meiner Vaterstadt nachgeahmt wurde, daß alle faulen und schwachen Kräfte der Stadt in der Wirthschaft meines Vaters Beschäftigung und Lebensunterhalt fanden, zuweilen bis zu dem täglichen Belauf von 120 Menschen, so daß in jenen gedrückten Zeiten in meiner Vaterstadt feine eigentliche Armut zu finden war." Diese Ueberwinduna der Notzeit ist um so erstaunlicher, als all das durch die zieloewußte Tätigkeit eines einzelnen Bauern erreicht wurde. Es war eine Erzeugungsschlacht im Kleinen, die aber weit über jene Zeit hinaus als anregendes Beispiel wirken konnte. blühen andere kleinere und bescheidenere Orte an der Riviera auf und werden von einem Publikum aufgesucht, dem es mehr auf die Schönheit der Natur ankommt, und das mit dem Geld sehr haushälterisch umgeht. Nachdem man in Monte Carlo endlich erkannt hatte, daß der alte Glanz und Prunk einer dahingegangenen Zeit angehörte, entschloß man sich gleich zu einer gründlichen Umstellung. Das schönste Hotel, der Riviera-Palast, von dem man einen märchenhaften Blick auf das Meer und die Küste genießt, wird einfach abgerissen. Und das zu einer Jahreszeit, wo es sonst — vor dem Kriege — dort von Fremden wimmelte Die Zahnradbahn wird verschrottet und manch anderer Bau wird „modernisiert". Mit anderen Worten, man will ein Publikum heranziehen, bas sich in Monte in einfachen Gaststätten mit zeitentsprechenben Preisen wohl fühlen soll. Bei ber Devisenknappheit jeboch, von ber bie meisten Staaten betroffen werben, besteht wenig Aussicht für einen stärkeren Besuch von Auslänbem. Der Besuch von Franzosen aber ist in keinem Fall ausreichenb genug, um bie erheblichen Kosten ber Umstellung zu rechtfertigen. Bor 10 Jahren. (ha) Mailanb. Der Fall spielt ursprünglich in einem kleinen Dorf an ben Karpathen. Dort würbe im Jahre 1926 eine Frau ermorbet aufgefunben. Man verhaftete einen gewissen Philipp Klepetar unb verurteilte ihn zu 15 Jahren Zuchthaus. Jetzt scheint bas Urteil vor einer enbgültigen Revision zu stehen. Aus Mailanb hat sich nämlich ber Filmfabrikant Gustav Mackaty an bie Prager Behorben geroanbt unb barauf hingewiesen, baß er sich heute plötzlich genau barauf besinnen könne, am Morbtage von zehn Jahren mit Klepetar in Prag zusammengetroffen zu fein. Er fei mit ihm ins Gespräch gekommen, als sie beibe in einem Straßenbahnwagen saßen, ber mit einem Lastauto zusammenstieß. Der Beweis scheint sonnenklar zu sein. Wenn Klepetar wirklich an jenem Tage in Prag war — unb bas kann aus ben Unfallakten ber Straßenbahn im Zusammenhang mit bem Zusammenstoß feftgeftellt werben — bann ist Klepetar wirklich unschulbig an jenem Morb. Man rechnet ernsthaft mit feiner bal- bigen Freilassung Unverfrorenheit. D. D. Warschau. Es ging auf Mitternacht. Bei einem Lanbwirt in einem kleinen polnischen Ort regte es sich Der- bächtig im Schweinestall. Hätte ber Bauer mit seinen Leute nicht in tiefem Schlaf geleaen, wäre er wohl mißtrauisch aus ben Febern gefahren. Jetzt traten zwei Leute aus bem Stall, hatten ein Schwein in ben Armen unb schleppten es auf ihren Wagen, ber auf ber Chaussee ftanb. Aengst- lich bemühten sie sich, bas Schwein am Quieken zu verhinbern, unb brachten ihr Werk glücklich zu Enbe. Dann schleppten sie noch ein zweites Schwein aus bem Stall, verfrachteten es auf bem Wagen unb gingen ein drittes Mal in den Schweinestall. Das dritte Schwein war aber nicht so leicht zu bewältigen, es wog an die sechs Zentner und ließ sich nicht auf den Wagen haben. Worauf die Einbrecher sich zu einer besonders großen Frechheit entschlossen. Sie klopften ben Bauern kurzerhanb heraus unb stellten sich als Fleischer vor, benen ein Schwein vom Wagen gefallen sei Ob sich ber Bauer ihrer Notlage nicht erbarmen könne? Der Bauer überlegt nicht lange, zieht sich an, ruft feinen Knecht aus bem Bett unb kommt aus bem Hause. Alle vier spucken in bie Hände, heben das Schwein hoch und bringen es tatsächlich auf ben Wagen. Händebruck, freunblicher Dank von feiten ber „Fleischer", Grüßen unb Winken von selten des Bauern, ber nicht ahnt, daß er soeben sein eigenes Schwein fortgegeben hat, und mit gutem Gewissen ins Bett geht. Erst am nächsten Morgen, als er in ben Stall geht, dämmert es ihm, daß er beim Diebstahl seines eigenen Schweines mit Hand angelegt hat. Seine Tiere sah er natürlich nie wieder. Der Mann, der seinen Wagen „stahl". (nn.) Stockholm. Abends gegen 10 Uhr hatte man einem unglücklichen Autobesitzer seinen Wagen entführt. Er meldete den Verlust bei feiner Versicherung und bet ber Polizei an unb pilgerte traurig zu Fuß nach Hause. Als er am nächsten Tage gleichfalls roieber zu Fuß in bie Stabt gehen wollte, entbecfte er plötzlich einsam unb verlassen sein Auto an einem Platz stehen. Erfreut schwang er sich in ben Wagen hinein unb brauste los. Aber bereits vier Minuten später würbe er von zwei Polizeibeamten aufgehalten und trotz seines Protestes verhaftet. Die Nummer des gestohlenen Wagens war überall hin gemeldet worden. Man konnte schließlich nicht annehmen, daß der Besitzer des Autos selbst als „Dieb" in seinem Wagen saß. Nach drei Stunden war der Irrtum aufgeklärt. Meyers Taschenbuch der Kriegsflotten. Soeben erscheint im 3. F. Lehmann- Verlag in München ber Banb 1936 von Weyers T a - schenbuch ber Kriegsflotten. (6.) Das Taschenbuch, bas sich in ber ganzen Welt als bestes seiner Art burchgesetzt hat, tritt damit in feinen 30. Jahrgang. Es rft unter Benutzung amtlicher Quellen wiederum herausgegeben von Leutnant zur See a. D. Alexander Bredt und enthält 815 Schiffsbilder und Skizzen sowie vielfarbige Flaggentafeln. Der neue Band gliedert sich in sieben Teile, von denen der Teil I bie ausführliche Flottenliste bringt, Skizzen, Waffenpläne, Schattenrisse und Bilder der Kriegsschiffe. Der Teil II behandelt die Marineluststreitkräfte Der Großseemächte, ber Teil III ist angesichts ber Londoner Flottenkonferenz besonders wichtig. Er behandelt die Flottenverteilungspläne. Im Teil IV wird die Schiffsartillerie behandelt, und im Teil V die Marinepolitik. Der Teil VI ist der Technik gewidmet. Schiffahrt und Schiffsbau, Statistisches über die Handelsflotten und den Seeverkehr der Welt wird in diesem Teile zusammengefaßt. Teil VII bringt wieder die Rangbezeichnungen und Abzeichen, Kommandoflaggen, Flaggentafeln, Umrechnungstafeln, Entfernungstafeln usw. Er enthält zum ersten Male die neue deuftche Reichskriegs, flagge, die Flagge des Reichskriegsministers und die Standarte des Führers und Reichskanzlers, ferner die neue Lotsenflagge und die neuen Admiralsflaggen. Das Buch enthält ferner von ber deutschen Flotte das neue Admiralstabsschiff Aviso „Grille" unb Abbildungen von weiteren neuen Schiffen, sowie zum ersten Male nach dem Kriege bas Bilb eines beutschen U-Bootes, unb zwar bes „U 8", von neuen Schiffen außerbem bas Bild des Panzerschiffes „Admiral Scheer". Im Teil II wurden die Angaben insbefonbere über bas Flugzeug- material erheblich erweitert. Im Teil V, Marinepolitik, ist bas beutsch-englische Flottenabkommen gebührenb berücksichtigt, worden.___________________ 325 V 'Jmin&'i (ehtet ei die &vfah’Lung: 1&ei auA NESTLE KINDER NAHRUNG Deutsches Erzeugnis OA-ipoit Spielabteilung Tv. ^889 Klein-Linden. Morgen hat die Fußballabteilung des Turnvereins Klein-Linden erstmals alle fünf Mannschaften im Spielbetrieb. Die 1. Mannschaft und 1. Jugend tragen Freundschaftsspiele in Watzenborn- Steinberg aus und werden dort auf starke Gegner stoßen.. Die 1. Schülermannschaft spielt auf dem Waldsportplatz gegen die 1. Schüler von VfB.-R. und wird dort keinen leichten Stand haben. Auf eigenem Platze treten 2. Jugend und 2. Schüler gegen die gleichen Mannschaften von Spielvereinigung 1900 Gießen an. Winterschiehen der Kleinkaiiber-Schützenvereine des Kreises Wetzlar-Nord. In Krofdorf fand am Sonntag das Winter- schießen der Kleinkaliber-Schützenvereine des Kreises Wetzlar-Nord statt. Dem Kreissportleiter Christ stellten sich sechs Mannschaften der Wettkampfklasse II (Altschützen) und eine Mannschaft der Wettkampfklasse I (Jungschützen). Es siegte in Wettkampfklasse II Krofdorf mit 391 Ringen vor Fellingshausen mit 390, Bieber 378. Wilsbach 340, Launsbach 331 und Crumbach 326 Ringen. In Wettkampfklasse I erschoß die Mannschaft von Bieber 346 Ringe. Bester Einzelschütze von Klasse II war Otto Wagner (Fellingshausen) mit 92 Ringen, von Klasse I Helmut Wagner (Bieber) mit 82 Ringen. Hukball im ftilm. (Eine Lehrfilm-Vorführung.) Zu Beginn der Filmvorführung durch Vermittlung der Ortsgruppe Gießen des DRL. hatte sich eine große Anzahl von Zuschauern aus Gießen und der näheren Umgebung eingefunden. Der Fachamtsleiter für Fußball im DRL., Henkel, sprach eingangs einige Worte über die Stellung des Spielers und Schiedsrichters im Rahmen der Spielregel. Der oorgeführte Film über die Fußballregelkunde gliederte sich in drei Teile. Der Film selbst war derart zusammengestellt, daß er auch für den Laien verständlich war. Der erste Teil befaßte sich mit dem Aufbau des Spielfeldes und dem Beginn des Spieles. Es wurde nicht nur gezeigt, wie man es richtig machen muß, sondern auch, wie es falsch ist. Auch die Unterbrechungen des Spieles waren gut herausgestellt Der zweite befaßte sich mit der Verwirkung und Ausführung des Elfmeters. Die richtige Auslegung der Abseitsregel war trotz der Schwierigkeit dieser Materie mit großem Geschick veranschaulicht. Der dritte Teil zeigte erlaubtes und unerlaubtes Spiel und gab darüber hinaus Anweisungen für Am 9. Februar wird wiederum das Gewissen des deutschen Volkes aufgerüttelt. wieder ist Eintopffonntag! den Schiedsrichter Anschließend lief noch ein Film „Technik des Fußballspiels". Es war gradezu erstaunlich, wie eindrucksvoll man all das zusammengestellt hatte, was ein guter Spieler im Fußball beherrschen muß. Beide Filme gaben ein richtiges Bild über das Fußballspiel. Turnverein „Gut heil" Wißmar. Am Sonntag hielt der hiesige Turnverein „Gut Heil" seine Generalversammlung im Vereinslokal Wolf ab. Vereinsführer Hermann gedachte der im Jahre 1935 verstorbenen Mitglieder und gab dann den Jahresbericht. Der Rechner gab den Kassenbericht Die Kasse wurde in bester Ordnung befunden Dem Kassierer wurde Entlastung erteilt. Die turnerische Tätigkeit ließ noch zu wünschen übrig. In der Fußballabteilung haben sich eine aktive und eine Jugendmannschaft an den Rundenspielen beteiligt Mit den Leistungen konnte man zufrieden sein. In der Handballabteilung nahmen ebenfalls zwei Mannschaften an den Verbandsspielen teil. Die erste Elf hat gut abgeschnitten, dagegen konnte sich die Jugendmannschaft nicht behaupten. Der seitherige Vereinsführer wurde einstimmig wiedergewählt und berief seine weiteren Mitarbeiter. Der Vereinsführer machte sodann Mitteilung über die Umgruppierung im neuen Turn- und Sportwesen. Der Spielmannzug des Vereins soll neu zusammengestellt werden. Schließlich wurden noch die Veranstaltungen für 1936 festgelegt. Gießener lugend im Relchsberusswetlkamps. 19005 Handball-Liga beim Tabellenführer. Das wichtigste Spiel der nordhessischen Handball- Gauliga am kommenden Sonntag ist zweifellos die Begegnung Kurhessen Kassel — Gießen 1900 in Kassel. Es wird Aufschluß darüber geben, ob die Spielvereinigungsleute Anwärter auf die Melster- schaft bleiben oder nicht. Verlieren sie auch nur einen Punkt, so lieat das Ende nur noch zwischen Kurhessen und CT. Für das morgige Treffen laßt sich nur schwer eine Voraussage machen. Das Vorspiel in Gießen gewannen die Kurhessen mit reichlich Glück 14:13. Inzwischen hat die Kasseler Mannschaft noch an Konstantheit gewonnen, so daß ihre derzeitige Tabellenführung als berechtigt angesehen werden kann. Ob die 1900er in Anbetracht der erfolgten Spielerversetzungen (Göring, Knop) an die früheren Leistungen anknüpfen können, ist fraulich. 1900s Jugend empfängt nach dem Fußball-Ligaspiel den Nachwuchs des Tv. Dutenhofen. Oie Bezirksttaste am Sonntag. 1900 Gießen — Dillenburg, Naunheim — Niedergirmes. In diesem Spiele werden die Dillenburger alles daran setzen, um zu gewinnen, denn im Falle eines Spieloerlustes würde den Steinbergern die Möglichkeit gegeben sein, sich noch vor dem Abstieg zu retten. Trotzdem erwartet man 1900 als sicheren Sieger. Die Naunheimer werden sich von den Nieder- girmesern bestimmt nicht durch eine Niederlage die Aussichten auf die Meisterschaft nehmen lassen. Spielvereinigung 1900 Gießen. 1900 Liga — Dillenburg. Am Sonntag empfängt die Spielvereinigung den Reichsbahn, Turn- und Sportverein Dillenburg zum vorletzten Verbandsspiel auf eigenem Platze Mit den Dillenburgern haben die Blau-Weißen noch eine Scharte auszutragen, denn im Vorspiel waren es die Dillstädter, die den Leuten vom Trieb mit 6:0 die saftige Abfuhr erteilten. Dies haben die Mannen um Lippert noch nicht verschmerzt und am Sonntag soll die Rechnung beglichen werden. Ge- . messen an den letzten Leistungen sollte dies auch möglich sein, denn die Kurve der Platzbesitzer ist wieder im Steigen begriffen, während bei den Gästen gerade das Gegenteil eingetreten ist. Nach einigen achtbaren Resultaten erfolgte ein Rückschlag, der sich nun so auswirkt, daß die Mannschaft in den Abstiegstrudel geraten ist, und da die beiden restlichen Spiele (1900 und Bissenberg) auf des Gegners Platz ausgetragen werden müssen, wird es schwerlich ein Entrinnen aus der Gefahrenzone geben. In der Mannschaftsaufstellung der Blau-Weißen sind keine großen Veränderungen vorgenommen worden. Lediglich die Mitwirkung von Mank und Schäfer ist fraglich, da sich beide im Examen befinden. Vorgesehen wurde folgende Elf: Fischer; Zei- ler, Lippert; Hammer, Kleinbell, Heilmann; Wil- helmi, Clement, Schmelz. Schäfer, Henkelmann. 1900 II — Heuchelheim. Die Heuchelheimer haben sich nach einer kleinen Formschwankung wieder zurechtgefunden. Ihre derzeitige 27refferunterschiede lassen dies deutlich erkennen. Der Reserve der Blau-Weißen wird daher nicht viel Aussicht auf Erfolg bleiben, es sei denn, daß die Gäste auf dem ungewohnt großen Platze ihre Kräfte nicht einzuteilen verstehen, und so eine Chance für die Platzbesitzer besteht. 1900 III — Grohen-Linden. Im Vorspiel mußten die Junioren eine 10:3- Niederlage einstecken. Diesmal wird es wohl nicht wieder zu einer solchen Deklassierung kommen, denn die Dritte der Blau-Weißen ist, wenn sie in der vorgesehenen Aufstellung antritt, recht spielstark. Jugendspiele der Spielvereinigung. Alle vier Mannschaften spielen am Sonntag auswärts. Die 1. Jugend ist zu Gast in Gladenbach, die in ihrer Gruppe den ersten Platz einnehmen. Wenn man in Betracht zieht, daß das Spiel auf einem für die Blauweihen völlig fremden Platz stattfindet, so muß die Mannschaft alles Können aufbieten. Klein-Linden ist der Gegner der 2. Jugend, auf dessen Platz der Gastgeber wohl die größeren Siegeschancen hat. Die 2. Jugend hat schon am Sonntag durch den Sieg über Heuchelheim bewiesen, daß sie auf fremdem Platz auch spielen kann. Ein Sieg wäre nicht ausgeschlossen. Ebenfalls in Klein- Linden spielt die 2. Schülermannschaft, die sich wohl den Sieg nicht nehmen lassen wird. Eine schwere Ausgabe hat sich die 1. Schülerelf gestellt, die in Marburg den Jungens des VfB. gegenübertreten will. BfB.-Aeicksbahn Gießen. Sämtliche aktiven Mannschaften sind spielfrei. Dafür treten alle Jugendmannschaften des Vereins auf hiesigem Platze auf den Plan. VfV.-R. 1. Jugend — Dillenburg 1. Jugend. Wenn auch die Gäste hier unbekannt sind, so geht ihnen doch der Ruf als spielstarke Mannschaft voraus. Die Gießener Jugend, die zur Zeit Tabellenführer ihrer Klasse ist, sollte den Gästen spielerisch überlegen sein. VfV.-R. 2. Jugend — Lich 1. Jugend. In diesem Spiele können die Platzbesitzer ihre Formverbesserung unter Beweis stellen, denn gerade die Gäste werden von ihnen die Hergabe ihres ganzen Könnens verlangen. VfV.-R. 3. Jugend — Alten-Vufeck 1. Jugend. Trotz des Vorteils des eigenen Platzes dürften die Gießener keine Chance auf den Gewinn des Spieles haben. Nach den erzielten Resultaten der Gäste sollten sie sogar eindeutig siegen. VfV.-R. 1. Schüler — Lollar 1. Schüler. Die Hiesigen haben die Vorspielniederlage in diesem Spiele auszuwetzen. Eine Aufgabe, der sie gewachsen sein sollten. VfV.-R. 2. Schüler — Klein-Linden 1. Schüler. Trotzdem die Klein-Lindener erst kurze Zeit den Spielbetrieb wieder ausgenommen haben, hat ihre Schülermannschaft schon mehrfach bewiesen, daß sie über eine beachtliche Spielstärke verfügt. Mckn erwartet die Gäste als eindeutige Sieger. Fußball der Kreisklaffen. Verbandsspiele: 1900II — Heuchelheim (Beck, Flensungen); Ober-Biel — Stockhausen (Grote, Mainzlar); Burgsolms — Philippstein (Wolf, Allen- dorf); Leun — Sportfr. Wetzlar (Keller, Naunheims; Ehringshausen — Nauborn (Kreiling, Gießen); Lich — Grüningen (Niersbach, Wetzlar); 1900 III — Gr - Linden (Pieh, Londorf); Launsbach — Heuchelheim II (Decker, Garbenteich); Fellingshausen—Id. 1846 (Luh, Ackendorf); Wißmar — Krofdorf (Holzapfel, Lich); Rüddingshausen — Lollar III (Bender, Treis); Londorf — Grünberg II (Bender, Fellingshausen); Treis — Geilshausen (Hofmann, Wieseck); Naunheim II — Niedergirmes II (Weber, Ehringshausen). Gesellschaftsspiele: Lollar — Kirchhain (Philipp, Gießen); Steinberg II — Kl.-Linden (Keller, Lich); Großen-Linden II — Staufenberg (Buß, Steinberg); Großen-Buseck — Daubringen (Post, Wieseck). Fußballklub 1926 Großen-Buseck Der Sportklub 1921 Daubringen wurde zu einem Gesellschaftsspiel verpflichtet. Die Spielstärke der Gäste darf, obwohl sie der zweiten Kreisklasse angehören, nicht unterschätzt werden. In ihrer Tabelle nehmen sie zur Zeit den ersten Platz ein, den sie auch weiterhin behaupten werden. Großen-Buseck hat Sonntag nicht seine stärkste Elf zur Verfügung. Es sollte aber trotzdem bei restlosem Einsatz aller Spieler zu einem Siege reichen. Die Frage der Tabellenführung in Bezirks- und 1. Kreisklasse ist noch in keinem Jahre so lange offengeblieben, wie gerade jetzt. So ist es jetzt wieder in der 1. Kreisklasse. Der morgige Sonntag sieht zwar das letzte Spiel, aber zwei Proteste laufen noch, die die Meisterschaft noch wesentlich beeinflussen können. Aehnlich verhält es sich in der Bezirksklasse. Bezirksklafse. Tv. Hachenburg — To. Hochelheim. Die Hochelheimer sollten in der Lage sein, dieses Spiel zu gewinnen. Tuspo. Marburg — Tv. Lützellinden: Hier kann es vielleicht zu einer Ueberraschung kommen. Die Platzbesitzer werden natürlich alles daransetzen, um sich auch gegen den Spitzenreiter Lützellinden durchzusetzen. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß ihnen das auch gelingt. Mtv. Gießen — Tv. Münchholzhausen: Man wird nicht fehlgehen, dieses Spiel als eins der interessantesten zu bezeichnen. Beide Mannschaften sind sich ziemlich gleichwertig und werden sich deshalb einen scharfen Kampf um Punkte liefern. Tv. Heuchelheim — Tv. Roth: Es ist wohl möglich, daß Heuchelheim das Spiel gewinnt, zumal die Mannschaft auf eigenem Platz schon immer gefährlich war. 1. kreisklasse. Tv. Niedergirmes — Tv. Dorlar: Dorlar hat es allen Ernstes vor, diesmal den Sieger zu stellen. Die Aussichten dafür sind nicht ungünstig- Freundschaftsspiele. Tv. Hörnsheim II — To. Dutenhofen II. Tv. Garbenheim — SA.-Hilfswerklager Braun- fels; To. Beuern — To. Haufen; To. Lang-Göns gegen Tv. Gambach Jgd. Handball der Studenten. Universität Gießen — Techn. Hochschule Darmstadt 7:5 (4:2). Im Darmstädter Hochschulstadion trafen sich beide Mannschaften zu einem Freundschaftsspiel. Die Gießener, die mit einigen neuen Leuten antraten, konnten bereits in den ersten Minuten durch zwei Tore des Mittelstürmers und des Rechtsaußen in Führung gehen. Dann kam die TH. langsam ins Spiel und konnte durch ein billiges Tor den Abstand verkürzen. Im weiteren Verlauf der 1. Halbzeit kamen die Gießener Studenten zu zwei weiteren Erfolgen, denen Darmstadt nur ein Tor entgegensetzen konnte. Nach der Pause hatte Gießen im Sturm umgestellt; es klappte jetzt wesentlich besser, doch durch großes Schußpech konnten die Gießener Stürmer nur drei Torerfolge erzielen. Da Darmstadt ebenfalls zu drei Toren kam, blieb die Tordifferenz unverändert und die Gießener Mannschaft kam mit dem Ergebnis 7:5 zu einem verdienten Sieg. Fußball: Gießen — Weilburg. Am Samstag findet auf dem Univerfitätsfport- platz am Kugelberg das Rückspiel gegen Weilburg statt. Die Gießener Studenten werden sich an- strengen müssen, um die 7:0-Niederlage vom Vorspiel auszugleichen. ^erannfmad)una. Die Heinrich Fuchs VI. Ehefrau Marie, geb. Geißler, in Lollar, Hauptstraße 64, wurde laut rechtskräftigem Strafbefehl des unterzeichneten Gerichts vom 19. November 1935 wegen Milchfälschung zu einer Geldstrafe von 50 RM. evtl. 10 Tagen Gefängnis und zur Tragung der Kosten des Verfahrens verurteilt. 823D Gießen, den 30. Japuar 1936. __2Ijn t_s_g ericht.______________________ Bekanntmachung. Die Anmeldung der mit Beginn des neuen Schuljahres (15. April 1936) schulpflichtig werdenden Kinder hat zu -erfolgen: 1. für alle Wädchen: Donnerstag, den 13. Februar 1936, 9 bis 11 Uhr, in der Schillerfchute, Schillerstraße 8; 2. für alle Knaben: Wontag, den 17. Februar 1936, 9 bis 11 Uhr, in der alten pestalozzi- schule, WernerwaU 8. Bei der Anmeldung ist der Impfschein und bei auswärts geborenen Kindern auch der Geburtsschein mitzubringen. 816D Die Schulpflicht besteht für alle Kinder, die bis zum 1. Mai 1936 das 6. Lebensjahr vollendet haben. Es können jedoch zu derselben Zeit auch solche Kinder angemeldet werden, die bis zum 30. September 1936 das 6. Lebensjahr vollenden, und die geistig und leiblich als schulreif erkannt werden Ein weiterer Termin für die Schulaufnahme findet nicht statt Gießen, den 8 Februar 1936. Stadtschulamt. I. V.: Nebel i n g. Bekanntmachung Die Strom- und Gasgelder im Stadt- und lieber» (anögebiet sind nach den Lieferbedingungen grundsätzlich bei der Ablesung an den Erheber zu zahlen. Geschieht dies nicht, dann können die Stromgelder noch innerhalb der nächsten 8 Tage und die Gas- aelder noch innerhalb 10 Tage ohne Kosten an die Kasse der Städtischen Betriebe, Gartenstraße 3, gezahlt werden. Bei Ueberschreiten dieser Zahlungstermine müssen die Beitreibungskosten berechnet werden. 829D Dom 15. Februar 1936 ab wird die Strom- und Gaslieferung bei allen Abnehmern gesperrt, die die Strom- und Gasgelder für Dezember 1935 noch nicht entrichtet haben postschenckkonto für Strom-, (Bas- und Wasser- gelber jetzt: Kasse der Städtischen Betriebe Nr. 27 707 Frankfurt a. W Gießen, den 7. Februar 1936. Direktion der Städtischen Betriebe Bekanntmachung. Die Karl Arnold Ehefrau Katharine, geb. Simon, in Lollar, Kirchstraße 18, wurde laut rechtskräftigem Strafbefehl des unterzeichneten Gerichts vom 19. November 1935 wegen Milchfälschung zu einer Geldstrafe von 30 RM. evtl. 6 Tagen Gefängnis und zur Tragung der Kosten des Verfahrens verurteilt. 824D Gießen, den 30. Januar 1936. __________________A m t s g e r i d) t Arbeiisvergebuna Für die Neubauten der Stadt Gießen in der Schottstraße und am Schwarzlachweg sollen nachstehende Arbeiten vergeben werden: 828D 1. Glaserarbeiten, 2. Schreinerarbeiten, 3. Schlosserarbeiten, 4. Verputz- und Anstreicherarbeiten, 5. Installation der Be- und Entwässerung, 6. Installation der elektrischen Lichtanlage. Die Angebotsvordrucke sind für die Baugruppe I — Schottstraße — bei dem Stcidt. Hoch- und Tiefbauamt, Asterweg 9; Baugruppe II*bei dem Architekten Schuhmacher, Gießen, Roonstraße Nr. 31; Baugruppe III bei dem Architekten Fischer, Gießen, Seltersweg Nr. 85, erhältlich, wo auch die Zeichnungen offen liegen. Sämtliche Angebote, für jede Baugruppe getrennt, sind verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen, bis zum Derdingungstermin am Wontag, dem 17. Februar 1936, vormittags 10 Ahr, bei dem Städtischen Hoch- und Tiefbauamt Gießen, Asterweg Nr. 9, einzureichen. Gießen, den 7. Februar 1936. Städtisches Hoch- und Tiefbauamt. __Gravert._______________________ Arbeitsvergebung. Für den Neubau des Verwaltungsgebäudes des städtischen Schlachthofes sollen folgende Arbeiten vergeben werden: 827D 1. Installation der Be- und Entwässerung; 2. Installation der elektrischen Lichtanlage. Angebote auf Vordruck sind bis zum Verdingungstermin am Wontag, dem 17. Februar 1936, vormittags 11 Uhr, an uns einzureichen. Gießen, den 7. Februar 1936. Städtisches Hoch- und Tiefbauamt. G r a v e r t. NäPhläCCP von3 bis 20 V-H' erhalten Sie bei wieder- lldullladuü holten Veröffentlichungen einer Anzeigei Brennhoizversteigerunoen der Stadt Gießen. Aus den Waldungen der Stadt Gießen sollen versteigert werden: 822C A. Wontag, den 10. Februar 1936, 9% Uhr beginnend von dem vorderen Flughafengelände, Försterei Rödgen: 120,0 rm Eichenscheiter 1. Klasse, 2,6 „ Fichtenscheiter 2 Klasse, 78,9 „ Eichenknüppel, 6,7 „ Fichtenknüppel, 17,5 „ Fichtenstammreisig 1. Klasse, 15,8 „ Eichenstöcke, 9,5 „ Eichen-Nutzscheiter 2. Klasse (2,5 m lang), 5,5 „ Eichen-Nutzscheiter 2. Klasse (2,2 m lang), 1,0 „ Eichen-Nutzknüppel (2,2 m lang). Zusammenkunft: Kreuzung Rödgener Straße — Straße nach dem Flughafen B. Wittwoch, den 12. Februar 1936, 9% Uhr beginnend, von dem hinteren Flughafengelände, Försterei Rödgen: 195,2 rm Eichenscheiter 1. Klasse, 45,6 „ Fichtenscheiter 2 Klasse, 130,9 „ Eichenknüppel, 33,9 „ Fichtenknüppel, 19,5 „ Fichtenstammreisig 1. Klasse, 20,0 „ Eichen-Nutzscheiter 2. Klass? (2,5 m lang), 5,9 „ Eichen-Nutzscheiter 2. Klasse (2,2 m lang), 6,5 „ Eichen-Nutzknüppel 1. Kl (2,5 u. 2,2 m lg.). Zusammenkunft: Hauptschneise im Stolzenmor- gen an der Abteilung 3 (Waldeingang). C. Freitag, den 14. Februar 1936, 9% Uhr beginnend, aus der Abteilung 53 des Stadtwaldes, Försterei Rödgen 67,5 rm Buchenscheiter 1. Klasse, 5,3 „ Eichenscheiter 1. Klasse, 2,3 „ Birkenscheiter 1. Klasse, 95,2 „ Buchenknüppel, 3,0 „ Hainbuchenknüppel, 14,3 ,. Eichenknüppel, 5,0 „ Birken-, Fichten- und Lärchenknüppel, 2625 Wellen Buchenreisig 3. Klasse, 25 „ Birkenreisig 3 Klasse, 5,7 rm Buchenstöcke, 0,7 „ Fichtenstöcke, 36 Stück Fichtenderbstangen 1. bis 3. Klasse, 35 „ Eschenderbstangen 2. und 3 Klasse, 8 „ Eichenderbstangen 2. und 3. Klasse, 2 „ Ahornderbstangen 2. und 3. Klasse, 19,7 rm Eichen-Nutzscheiter und -knüppel. Zusammenkunft: Kreuzung 9. Schneise — Krummer Weg. Gießen, den 6. Februar 1936 Bürgermeisterei Gießen. Ritter, Oberbürgermeister. hilft die gewissenhaft angepaßte Brille von ßpllpp der Optiker am Bahnhof ÜCIICI - ihr Kassenlieferant - Holzversieigerungen der Aürstlichen Oberförslerei £ i ch. Wontag, 10. Februar, werden in der Hard versteigert: rm Scheitholz: Buche 50, Eiche 6, Kiefer 16, Fichte 8; Knüppel: Buche 40, Eiche 16, Kiefer 12, Fichte 40; Stockholz: Buche 15, Eiche 10; Reisholz: Buche 22, Wellen (meist sehr gute Forstwellen): 4200, Eiche 800; fm Schnittholz: Buche (4.) 3, Kiefer (3a) 2; Stück ausgesuchte Stangen: Fichte I. 120, II. 160, III. 200, IV. 120; Bohnenstangen: 800; rm Werkscheit: Eiche 3; Schichthaufen: Fichte 50. Zusammenkunft: 10 Uhr am Steinbruch über Kolnhausen. Dienstag, 11. Februar, werden im Pfaffenhöhler versteigert: rm Scheitholz: Buche 100, Eiche 20, Kiefer 8, Fichte 4; Knüppel: Buche 34, Eiche 20, Fichte 10; Slockholz: Buche 31, Eiche 12; Knüppelreifer: Eiche 11; Wellen Reisholz: Buche 2800 (dabei gute Forst- wellen); fm Schnittholz: Buche (3. und 4.) 2, Eiche (3 und 4.) 10 (Faßholz); Stück Gartenpfosten: Eiche 60; ausgesuchte Stangen: Fichte I. 100, II. 150, III. 200, IV. 100; Bohnenstangen: 600; rm Schichthaufen: Fichte 60. 794D Zusammenkunft: 10 Uhr: Schutzhütte am alten Garbenteicher Weg.________________________________ Brennholzverkauf des Iorstamts K r o s d o r s am Freitag, dem 14. Februar, von 9.30 Ahr ab bei Gastwirt Bender, Krofdorf. 853V Reoierförsterei Krofdorf, Distr. 8a, 8b, 8c, 9b, 16. 20a, 20b, 20c, 21a, 22a, 22b, 22d und Revierförsterei Waldhaus, Distr. 45 und 47: Eiche: 180 rm Scheit, 150 rm Knüppel, 65 n< Reis III. Buche: 460 rm Scheit, 50 rm Knüppel, 700 rm Reis III. Aenderungen Vorbehalten. Ala Anzeigen-Attiengesellschast Annahme von Anzeigen für alle Zeitungen undZeitschrifien Gietzen / Stkmlfivatze 2 Nr.33 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Samstag, 8. Februar 1936 s de England—Schweden 1:0. Bei ausgezeichnetem Besuch standen sich im zweiten Spiel im Eisstadion die Mannschaften von England und Schweden (Gruppe D) gegenüber. Die Engländer kamen zu einem überaus glücklichen 1:0 (0:0, 0:0)-Sieg. Das erste Drittel eröffneten die Engländer überraschend mit einem in der vierten Minute erzielten Treffer. Bei gleichwertigen Leistungen gab es in der Folge keine weiteren Tore. Zu Beginn des zweiten Drittels legten die Engländer ein außerordentlich scharfes Tempo vor, um die l:0-Führung zu vergrößern. Eine Reihe ausgezeichneter Angriffe blieb aber an der starken schwedischen Verteidigung hängen. Das letzte Drittel des Spieles war das aufregendste. Die Schweden, von zahlreichen Landsleuten angefeuert, drückten unerhört auf das Tempo. Jede Sekunde konnte der Ausgleich fallen. Aber Foster im England- Tor vollbrachte eine Glanzleistung nach der anderen. DieMsahrtSsiegenSchou-MlsenuMgerRuud Uebersicht über das Ski-Stadion von Garmisch-Partenkirchen während des Olympischen Eides. Die Fahnenträger der Nationen hatten dabei die Kanzel, von der aus der Deutsche Meister Willy Bogner den Eid vorsprach, malerisch umgeben. — (Scherl-Bilderoienst-M.) KW HM 'M Harle, schnelle Lishockeykämpse. Deutscher Sieg gegen Italien. Deutschland schlägt Italien 3:0. Zwei silberne und zwei bronzene Medaillen für Deutschland. Oie Konkurrenz der Männer. Nicht weniger als 8000 Zuschauer erlebten am Freitagabend im Olympia-Kunsteisstadion beim Eishockey-Vorrundentreffen zwischen den Mannschaften von Deutschland und Italien einen prachtvollen Kampf Wohl stritten beide Mannschaften mit äußerstem Einsatz, aber kaum einmal wurde dabei von unerlaubten Mitteln Gebrauch gemacht. Völlig verdient siegte die deutsche Mannschaft mit 3:0 (1:0, 1:0, 1:0). ren lassen muß. Deutschland führt 2:0! Das letzte Drittel beginnt mit einem Weitschuß von Wiedemann, der jedoch sein Ziel verfehlt. Angriff auf Angriff werden vor das italienische Tor getragen, in dem Gerosa eine Meisterleistung vollbringt. Kurz vor dem Seitenwechsel fällt das dritte Tor für Deutschland durch Rudi Ball. Die Ueber- legenheit der Deutschen wird immer klarer und deutlicher. Gerosa im italienischen Tor leistet übermenschliche Arbeit Bis zum Schluß besteht keinerlei Gefahr für den deutschen Sieg. Als kurz nach dem Abpfiff der 3:0-Erfolg für Deutschland verkündet wird, jubeln die Zuschauer den Siegern zu, rasen vor Begeisterung! Kanada fdiläaf Lettland mit 11:0. Im Kunsteisstadion traten sich zuerst die Mannschaften von Kanada und Lettland gegenüber. Kanada präsentierte sich in Hochform und schlug die Letten ohne Mühe mit 11:0 (2:0, 3:0, 6:0) Fachleute halten die Kanadier in ihrer augenblicklichen Form schlechterdings für unschlagbar Die Letten hatten den Kanadiern nur ihr-n Mut und ihren Eifer entgegenzufetzen, an Technik waren sie mit ihren Gegnern nicht zu vergleichen Der Kampf spielte sich meist vor dem lettischen Tor ab nur gelegentlich wurde auch der kanadische Torhüter in seiner Ruhe gestört. Das Ergebnis von 11:0 fiel noch viel zu niedrig aus. USA -Scbwei, 3 0. 3m Anschluß an Kanada — Lettland spielten im Eiskunststadion die Eishockey - Mannschaften von USA. und der Schweiz. Die Menge bekam auch einen überaus spannenden Kampf zu sehen, den die Amerikaner verdient mit 3:0 (0:0, 3:0, 0:0) für sich entscheiden konnten. Die Leute aus USA wiesen die bessere Zusammenarbeit in der Mannschaft auf und verstanden es vor allem, taktisch klug zu fpy^en- Sie fuhren im ersten Drittel energisch m die Kombinationen der Schweizer dazwischen und erreichten damit, daß die Schweizer Vertretung den Zu- sammenhang»oerlor. Der beste Mann der Amerikaner war der Stürmer Garrison. Im ersten Drittel gab es einen wilden Kampf mit einer leichten Ueberlegenheit der Amerikaner. Die Schweiz verteidigte sich tapfer und erfolgreich. Im zweiten Drittel erzwangen die Amerikaner dann die Entscheidung. Der letzte Abschnitt brachte große Anstrengungen der Schweizer, das Ergebnis zu verbessern. Die Eidgenossen konnten aber das Bollwerk der wieder überragend kämpfenden amerikanischen Verteidigung nicht überwinden. Es blieb beim verdienten 3:0 für USA. Tschechoslowakei—Belgien 5:0. Im zweiten Spiel der Gruppe' C trafen auf dem Rießer See die Tschechoslowaken und die Belgier aufeinander. Die Tschechoslowaken errangen einen wenig rühmlichen 5:0-(0:0-, 4:0-, l:0-)Sieg, da sie auf Grund ihres bedeutend größeren technischen Könnens unbedingt klarer hätten gewinnen müssen. Die Belgier hielten sich besonders im ersten und im letzten Schluß-Drittel ganz ausgezeichnet. Es mangelt ihnen zwar an Stocksicherheit und technischer Durchbildung, dafür kämpfen sie aber unverzagt und mit großer Begeisterung. Sie hatten in Brohee einen neuen Hüter im Tor, der hervorragend hielt und viele Chancen der Tschechoslowaken zunichte machte. Auf dem sehr glatten Eis gab es einen sehr spannenden Kampf mit etwas ver- haltenen Angriffen der Tschechoslowaken und gefährlichen Weitschüssen der Belgier. Oesterreich —Polen 2:1 Auf dem Kunsteisstadion entwickelte sich am Nachmittag ein ungemein spannendes und hartes Spiel zwischen Oesterreich und Polen, das die glücklichere Mannschaft gewann. Die beiden ersten Spieldrittel verliefen bei ausgeglichenen Leistungen und zum Teil hervorragenden Angriffen beider Mannschaf- frn torlos °e Gol 4,20% Lesterreichische < 4% Ungarische Goldren 4% Ungarische Staatsre 41 .0/. ftp.-.'il nun 1913 elabl. An- .-Rechten yp.-Bank bl« 1935 ntf- HHP-- Rheinische Wie..... deSpsand- ese 8t 19 deSpfand- n. Cbl.V igSk. 34-38 rrente... -ilberrentr e...... 101,65 97 97 108,6 1,25 9 8,9 8,9 13,6 9,65 101,5 97 97 108,6 1,25 9 13,6 9,65 101,75 97 97 108,6 1,25 9,15 8,9 8,85 13,8 101,5 97 97 108,6 29,6 1,25 9,1 8,9 8,9 13,6 2 l K )eutfche Erdöl.............. wrpener ................... nte v. 191t oesch Eisen—Köln-Neuessen .. klsc Bergbau ............... Ise Bergbau Genüsse........ löcknerwerke ............... 5% abgesl. Göldmexikaner von 9t 4% Türkische Bagdadbahn-Anlethk Serie!..................... staun esmanu-Röhreu........ Frankfurt a. M. 2fcrlln Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. IJL Schluß- kurs Abend- börse Schluß- kurs eaiiupr. Mittag- bflrfe 6. Februar 7 Februar Amtliche Notierung Geld | Brief ■Datum | 62. 72 62. 7-2. Geld Ärief ManSselder Bergbau.........6 Kokswerke ..................6 Rheinische Braunkohlen .....18 Rhetnstahl ..................4 Bereinigte Stahlwerke........0 Ltavi Minen ...............0 Kaliwerke Aschersleben........5 Kaliwerke Westeregeln........6 Kaliwerke Salzdetfurth.....7% g G. Färben-Industrie.......? Scheideanstalt...............9 219,25 111,25 80,9 17,65 127,5 189 151,75 711 126,75 220 111 81,13 17,65 127,5 119,5 189 151,5 212 112,5 119,5 118 126,25 119 219 111,25 80,75 17,75 127,5 120 189,5 151,5 127 119,5 220 111,5 81,13 17,65 127,5 119,5 189,5 151,4 Buenos tote. Brüssel .... Rio de Am. Sofia ...... Kopenhagen. Danzig .... London.... HelsingsorS.. Paris ..... Holland ... Italien..... Japan ...... Jugoslawien OSlo..... : Wien....... 0,679 41,81 0,139 3,047 54,86 46,80 12,285 5,415 16,40 168,51 19,80 0,717 5,654 61,71 48,95 11,15 0,683 41,89 0,141 3,053 54,96 46,90 12,315 5,425 16,44 168,85 19,84 0,719 5,666 0,680 41,81 0,140 3,047 54,89 46,80 12,29 5,415 16,40 168,51 19,80 0,717 5,654 0,684 41,89 0,142 3,053 54,99 46,90 12,32 5,425 16,44 168,85 19,84 0,719 5,666 61,87 49,05 11,17 63,49 81,22 34,03 10,30 2,457 Goldschmidt ................ 5l 112,25 Rütaerswerke ............... ilA 1lT 119,4 117,25 96,25 98,65 52,75 93,5 120,25 112,5 119,5 117,75 96 99,25 52,4 93,5 121,75 61,83 49,05 11,17 61,75 48,95 11,15 Metällgesellschaft.............4 117,75 Lissabon ... Philipp Holz mann...........4 96 96 Stockholm... Schweiz ... Spanien... Prag...... Budapest .. steuyorl ... 63,54 81,02 33,97 10,28 2,453 63,46 81,18 34,03 10,30 2,457 Banknoten 63,37 81,06 33,97 10,28 2,453 Zementwerk Heidelberg ......7 Cementwerk Karlstadt.........6 Schultheis Patzenhofer ...... 4 Aku (Allgemeine Kunstseide) .. 0 Bemberg...................5 Zellstoff Waldhof ............5 Zellstoff Aschaffenburg .......0 Lessauer Gas ...............7 Daimler Motoren............0 Deutsche Linoleum........... 8 Orenstein & Koppel ..........0 Westdeutsche Kaufhof.........0 Chade....................71/, 1 Accumulatoren-Fabrü....... 12 Contt-Gummi ............... 8 | Grtyner....................0 Mainkraftwerke Höchst a.Dt... 4 * Süddeutscher Zucker —... 10 124 128 52,5 94 120,5 85,25 104,4 145,5 31,5 300 172,5 169 I 26,5 90 1 198,5 124,5 128 52,25 94 122 ________Öet Amerikanische tin,7-Februar toeio Z>ne- Ndreu.............. 2,405 2,425 88 105 145,5 31,25 298,5 167,5 I 27,5 90,5 I 198,5 85,5 125,75 103,75 145,5 78,5 31,13 298 172 169 1 - 1 198,5 87 126,75 105 145,5 78,5 31,4 300 171 167,75 Belgische Roten.................. Tonische Roten ................. Englische Roten ................. Französische Roten............... Holländische Roten............... Italienische Roten................ Norwegische Noten .............. Deutsch Oesterreich, 4 100 Schilling Rumänische Noten.............. Schwedische Noten............... Schweizer Noten................. Spanische 'Noten................. Ungarische Noten ............... 41,68 54,63 12,255 16,35 168,09 61,54 63,15 80,88 33,63 41,84 54,85 12,295 16,41 168,77 61,78 63,41 81,20 33,77 Das Recht im täglichen Leben. Ser neue Vermögenfleuerbefcheid Von Or. jur. et rer. pol. K. Wuth, Berlin. Nachdem seit dem 1. Januar 1931 die laufenden Zahlungen auf die Vermögensteuer nach dem damaligen Vermögenstande — seit dem 1. April 1932 unter Kürzung um 20 o. H. — erfolgt sind, erhalten die Steuerpflichtigen nunmehr einen neuen Vermögensteuerbescheid nach dem Stande des Vermögens vom 1. Januar 1935 auf Grund der abgegebenen Dermögenserklärung. Diese neue Vermögen - Steuerveranlagung wird vom 1. April 1 936 bis zum 31. März 1939 für die vierteljährlichen Zahlungen auf die Vermögensteuer maßgebend fein. Hierfür sind — jedoch erst vom 1. April 1936 an — an Stelle der bisherigen Zahlungstermine der 10. (bisher 15.) Mai, 10. August, 10. November und 10. Februar als Fälligkeitstermine festgesetzt. Zur Nachprüfung des neuen Vermögensteuerbesechides mögen folgende Angaben dienen: Berechnung der Bermögensieuer. Das nach den Vorschriften des Reichsbewertungs- gefetzes bewertete Vermögen wird auf volle tausend Mark abgerundet. Die Abrundung erfolgt bei Beträgen bis 500 Mark nach unten, bei Beträgen über 500 Mark nach oben-, z. B. bei einem Vermögen von 34 248 Mark auf 34 000 Mark. Die Vermögensteuer beträgt allaemein von dem abgerundeten Vermögen nach Abzug der Freibeträge 5 v. T. an Stelle der bisherigen Staffelsätze. Freibelräge und Zusammenveranlagung. Bisher betrug die Freigrenze für die Vermögensteuer im allgemeinen 20 000 Mark; war das Vermögen höher, so wurden auch die ersten 20 000 Mk. besteuert. Bei der neuen Vermögensteuer bleiben, ohne Rücksicht auf die Höhe des Gesamtvermögens, in jedem Falle als Freibeträge steuerfrei: 1. 10 000 RM. für den Steuerpflichtigen selbst; 2. 10 000 RM. für die — nicht dauernd getrennt lebende — Ehefrau; auch für den verstorbenen Ehegatten wird der Freibetrag gewährt, wenn nicht beim Tod des abgeschiedenen Ehegatten dauerndes Getrenntleben vorlag; 3. je 10 000 RM für jedes zum Haushalt gehörige minderjährige Kind. Die Vor- aussetzung der Haushaltszugehörigkeit liegt vor, wenn die minderjährigen Kinder bei einheitlicher Wirtschaftsführung unter Leitung des Steuerpflich- tigen dessen Wohnung teilen, oder sich mit seiner Einwilligung außerhalb seiner Wohnung nicht zu Erwerbszwecken, sondern zu Zwecken der Erziehung oder Lehre bzw. des Studiums und dergl., oder als Arbeitsdienstwillige im freiwilligen Arbeitsdienst aufhalten. Der Freibetrag wird auf Antrag auch für volljährige Kinder bis zum 25. Lebensjahre gewährt, auch wenn sie nicht zum Haushalt des Steuerpflichtigen gehören, sofern der letztere die Kosten der Berufsausbildung einfchl. des Unterhalts ganz oder überwiegend trägt. Für verheiratete Kinder wird der Freibetrag nicht gewährt, wenn das Kind und sein Ehegatte im Inlands unbeschränkt steuerpflichtig sind und nicht dauernd getrennt leben; im Falle der Verheiratung erhalten regelmäßig das Kind selbst baro. sein Ehegatte den Freibetrag. Beispiel: Zum Haushalt des X. gehören auch seine verheiratete 20jährige Tochter und deren Ehemann P. Der Freibetrag für die Tochter wird nicht ihrem Vater X, sondern ihrem Ehegatten P. gewährt. Sie wird daher auch nicht mit ihrem Vater X., sondern mit ihrem Ehemann P. zusammen veranlagt. Gehören die Eltern des Kindes dem Haushalt eines anderen Steuerpflichtigen (z. B. der Großeltern) an, so erhält nicht der letztere den Freibetrag, vielmehr die Eltern. Beispiel: Lebt im Haushalt des 3E. außer der verheirateten Tochter und deren Ehemann P. auch ein Kind des Ehepaares, so wird der Freibetrag für das Kind nicht dem Großvater X., sondern seinem Vater P. gewährt. Als Kinder gelten für die Gewährung der Freibeträge neben den Abkömmlingen auch Stiefkinder, Adoptiv- sowie Pflegekinder und deren Abkömmlinge. 4. Weitere 10 000 RM. sind steuerfrei, wenn der Steuerpflichtige über 60 Jahre alt oder voraussichtlich für mindestens 3 Jahre erwerbsunfähig ist, sofern außerdem das letzte Jahreseinkommen (z. B. für die Vermögensteuerveranlagung 1935 das Einkommen des Jahres 1934) nicht mehr als 3000 RM. betragen hat. Ist bei zusammenveranlagten Ehegatten der Lebensunterhalt überwiegend durch Einkünfte aus der Erwerbstätigkeit der Ehefrau bestritten, so greift der erhöhte Freibetrag Platz, wenn nicht der Ehemann, sondern die Ehefrau über 60 Jahre alt oder voraussichtlich für mindestens 3 Jahre erwerbsunfähig ist. Für die Höhe der Freibeträge sind die Verhältnisse am 1. Januar 1935 maßgebend. Eine Zusammenveranlagung zur Vermögensteuer mit dem Ehegatten und den Kindern erfolgt, wenn für diese Freibeträge entsprechend den obigen Angaben Nachlässe gewährt werden. Das Vermögen wird also unter dieser Voraussetzung zusammengerechnet. Hauplveranlagung und Neuveranlagung. Die allgemeine Veranlagung zur Vermög e n st e u e r auf den 1. Januar 1935 gilt als Hauptveranlagung für drei Rechnungsjahre vom 1. April des nächsten Kalenderjahres ab, d. h., wie anfangs bemerkt, für die Zeit vom 1. April 1936 bis zum 31. März 1939. Dieser Zeitraum kann jedoch vom Reichsfinanzminister verkürzt oder verlängert werden. Demgegenüber gelten die Einheitswertbescheide für Grund st ücke einschließlich Betriebsgrundstücke sowie das landwirtschaftliche usw. Vermögen grundsätzlich für sechs Rechnungsjahre, die Einheitswertbescherde für das gewerbliche bzw. berufliche Vermögen dagegen ebenfalls nur für drei Rechnungsjahre. Während die bisherige Vermögensteuerveranlagung auf den 1. Januar 1931, wie anfangs ausgeführt, unverändert — abgesehen von dem Abschläge von 20 d. H. — bis zum 31. März 1936 auch bei erheblichen Vermögensrückgängen in Geltung geblieben ist, wird es nunmehr dem Steuer- pflichtigen für die Jahre nach 1935 möglich sein, auf den er st en Januar jedes Jahres eine Neuveranlagung des Vermögens zu beantragen, wenn sich der Wert des Gesamtvermögens um mehr als den fünften Teil gegenüber dem Vermögensstande vom 1. Januar 1935 geändert, insbesondere vermindert hat. Die ^Absetzung der Dermögensteuer erfolgt nur a u f -Antrag, der stets bis zum Ablauf des Kalenderjahres zu stellen sein wird (z. B. für eine Neuveranlagung nach dem Stande vom 1. Januar 1936 bis zum 31. Dezember 1936). Die Neuveranlagung gilt sodann stets vom Beginn des nächsten Rechnungsjahres ab, z. B. bei der Neuveranlagung auf den 1. Januar 1936 bereits vom 1. April 1936 an (Verm.-StG. § 13). Bei der Neuveranlagung bleiben für die Höhe der Freibeträge die Verhältnisse am 1. Januar 1935 maßgebend. Der Steuerpflichtige kann also nicht, wenn er z. B. nach dem 1. Januar 1935 60 Jahre alt wird, eine Neuveranlagung beantragen, damit ihm ein weiterer Freibetrag von 10 000 Mark gewährt wird. Lediglich wenn der Ehegatte oder ein Kind gestorben ist, für den ein Freibetrag gewährt wurde und infolgedessen eine Zusammenveranlagung erfolgte, wird für den oder die Ueberlebenden eine Neuveranlagung vörgenom- men, wobei auch für die Höhe der Freibeträge die Verhältnisse am 1. Januar des nunmehr maßgebenden Jahres (Neuveranlagungszeitpunkt) zugrunde zu legen sind. Bis Ende Februar müssen die Steuerpflichtigen die Steuererklärungen zur Einkommensteuer für 1935 abgeben. Aus den reichhaltigen und oft recht komplizierten gesetzlichen Bestimmungen soll im folgenden das Wichtigste herausgegriffen werden, nämlich die Beantwortung der Frage: Was kann bei der Einkommen st euererklärung abgezogen werden? Die Deranlagungsricht- linien, die der Reichsfinanzminister veröffentlicht hat, geben genau an, welche Ausgaben, die der Steuerpflichtige im vergangenen Jahre gehabt hat, abzugsfähig sind. Ganz allgemein muß zunächst gesagt werden, daß Privatausgaben vom Einkommen grundsätzlich nicht abgezogen werden können. Eine Ausnahme bilden dabei nur die Sonderausgaben, die Privatausgaben sind, aber durch besondere Bestimmungen als abzugssähig erklärt wurden. Das Einkommensteuergesetz hat den Kreis der Sonderausgaben ganz genau umrissen. Diese abzugsfähigen Sonderausgaben können nur vom Gesamtbetrag des Einkommens abgesetzt werden. Welches sind z. B. Sonderausgaben? Die Ausgaben für jede Hausgehilfin in Höhe von 50 RM. je Monat können vom Einkommen abgesetzt werden. Die Hausgehilfin muß aber zum Haushalt des Steuerpflichtigen gehören. Oft kommt es vor, daß eine Hausgehilfin in mehreren Haushalten beschäftigt ist, dann darf nur der Steuerpflichtige die 50 RM. abziehen, der der Krankenkasse gegenüber bei der Abgabe der Krankenkassenbeiträge als Arbeitgeber auftritt. Arbeitet die Hausgehilfin auch im Geschäft des Steuerpflichtigen mit, dann kommt es darauf an, welche Tätigkeit überwiegt. Arbeitet sie die meisten Stunden im Haushalt, so können 50 RM. monatlich vom Gesamtbetrag des Einkommens abgesetzt werden. Die Beschäftigung im Betrieb der Steuerpflichtigen wird also nickt berücksichtigt. Liegt die Beschäftigung der Hausgeyilfin aber vornehmlich im Gewerbebetrieb des Arbeitgebers, so darf der größte Teil des Lohnes als Betriebsausgabe von den Einkünften aus dem Gewerbe abgezogen werden. Der Abzug von 50 RM. vom Gesamteinkommen darf dann aber nicht mehr vorgenommen werden. Ist jemand als Lehrling im Haushalt des Steuerpflichtigen beschäftigt, lernt er also Hauswirtschaft, so darf für seine Beschäftigung dieselbe Summe wie für die Hausgehilfin abgesetzt werden. Als nächste abzugsfähige Sonderausgabe kommen Schuldzinsen des Steuerpflichtigen in Frage, ebenso Renten, die er auf Grund einer besonderen Verpflichtung zu zahlen hat, und andere dauernde Lasten. Hierbei muß aber beachtet werden, daß diese drei Ausgaben nur dann vom Einkommen abzugsfähig sind, wenn sie nicht als Betriebsausgabe oder Werbungskosten abgesetzt worden sind. Die finanziellen Verpflichtungen des Steuerzahlers sind nur dann als Sonderausgabe absetzbar, wenn sie Personen gegenüber eingegangen sind, die mit dem Steuerzahler nicht verwandt sind. Was ist Zum Schluß sei darauf hingewiefen, daß die fe st gesetzten Einheitswerte für Grundstücke, das gewerbliche bzw. berufliche Betriebsvermögen ufw. entsprechend der Festsetzung im Einheitswertbescheid in den Vermögensteuerbescheid übernommen sind. Die Höhe der Einheitswerte kann nicht mehr gegenüber der Vermögensteuerveranlagung, sondern nur gegenüber dem Einheitswertbescheid durch Einlegung von Rechtsmitteln (Einspruch, Berufung, Rechtsdeschwerde) angegriffen werden. Für die Erbschaft- und Sckenkung- lt e u e r richtet sich die Bewertung grundsätzlich nach den gleichen Bewertungsoorschriften, jedoch ist der Kreis der steuerpflichtigen Vermögensgegenstände nicht der gleiche. Auch findet für die Erbschaft- und Schenkungsteuer gegebenenfalls eine besondere Be- wertuna statt; nur die Einheitswerte für Grundstücke sowie landwirtschaftliches oder dergl. Vermögen werden regelmäßig ohne weiteres auch der Schenkung- und Erbschaftsteuer zugrunde gelegt. unter „andere dauernde Lasten" zu verstehen? Hierzu rechnen u. a. Schadenersatzrenten. Schuldzinsen sind nach den gesetzlichen Bestimmungen „alle fortlaufenden Leistungen, die ein Schuldner (also hier der Steuerpflichtige), gleichviel unter welcher Benennung, an den Gläubiger für die Gewährung aufgenommenen Kapitals zu entrichten hat". Dazu gehören Zinsen von Kapitalforderungen, also von Darlehnsforderungen, Grundschulden und Hypotheken. Auch Verzugszinsen sind zu den Schuldzinsen zu rechnen. Für alle drei genannten Ausgaben, Schuldzinsen, Renten und dauernde Lasten, ist aber Abzugsfähigkeit als Sonderausgabe nur unter der Voraussetzung gegeben, daß sie auf einer rechtlich bindenden Verpflichtung beruhen. Unter besonderen Umständen ist diese rechtlich bindende Verpflichtung nicht notwendig. Das ist aber nur von Fall zu Fall zu entscheiden und kann grundsätzlich nicht festgelegt werden. Als dritte abzugsfähige Steuerausgabe gelten in der Regel die Kirchensteuern, die aber unter Umständen ausnahmsweise als Betriebsausgabe der Werbungskosten und nicht als Sonderausgabe abgesetzt werden können. Noch zwei weitere Ausgaben können als Sonderausgabe vom Gesamteinkommen abgesetzt werden, und zwar: 1. Die Beiträge und Prämien für Versicherungen, ferner 2. Beiträge, die der Steuerpflichtige für sich selbst, seine Frau und ermäßigungsberechtigten minderjährigen Kinder an Bausparkassen zahlt, um Baudarlehen zu erlangen. Zu der unter 1 genannten Gruppe ist noch zu ergänzen, daß Beiträge und Prämien absetzbar sind, die für Versicherungen des Steuerpflichtigen, seiner Ehefrau und seiner ermäßigungsberechtigten Kinder gezahlt werden. Das sind vorwiegend die Versicherungen für den Lebens- oder Todesfall, Haftpflicht-, Invaliden- Kranken- und Unfallversicherung. Dazu kommen noch die Witwen-, Waisen-, Sterbe- und Versorgungskassen. Zu der 2. Gruppe der letztgenannten Sonderausgaben, die absetzbar sind, muß noch erwähnt werden, daß private, sowie öffentliche Bausparkassen in Frage kommen. Die Beiträge an private Bausparkassen sind nur dann abzugsfähig, wenn die Bausparkassen gemäß dem Gesetz zur Beaufsichtigung der privaten Versicherungsunternehmungen und Bausparkassen vom Juni 1931 beaufsichtigt sind. Das alte Einkommensteuergesetz von 1925 gab noch eine Reihe von Ausgaben an, die abzugsfähige Sonderausgaben waren. Das neue Einkommensteuergesetz enthält diese Angaben nicht mehr. Bedeutsam ist noch, daß das neue Gesetz in seinem Paragraphen 10 bestimmt, daß jeder Steuerpflichtige, der keine Sonderausgaben in feiner Steuererklärung nachweist, verlangen kann, daß ihm — gleich ob er Sonderausgaben gehabt hat oder nickt — 200 RM. abgesetzt werden. Darauf hat er Anspruch. Wenn der Steuerpflichtige über diesen Satz hinaus Sonderausgaben abziehen will, so muß er sie einzeln aufführen. Abzüge bei der Emkommenfteuererklärung Das vorzeitige Mdigungsrecht von Beamten. Nach § 570 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB), können Militärpersonen, Beamte, Geistliche und Lehrer an öffentlichen Unterrichtsanstalten im Falle der Versetzung nach einem anderen Orte das Mietverhältnis in 'Ansehung der Räume, welche sie für sich oder ihre Familie an dem bisherigen Garnisonoder Wohnorte gemietet haben, unter Einhaltung der gesetzlichen Frist kündigen. Die Kündigung kann nur für den ersten Termin erfolgen, für den sie zulässig ist. Fast die gesamte juristische Literatur und die Rechtsprechung haben bis jetzt die Auffassung vertreten, daß dieses Kündigungsrecht der Beamten usw. durch Vertrag abgeschlossen oder eingeschränkt werden könne. Um so bedeutsamer erscheint daher ein Urteil des Landgerichts Berlin vom 3. Juni 1935 (Juristische Wochenschrift, 64. Jahrgang, Heft 37/38, Seite 2659), das nach eingehender Prüfung zu dem Ergebnis kommt, daß die seitherige herrschende Auffassung über diesen Rechtssatz nicht aufrechterhalten werden kann, sondern daß vielmehr die Vorschriftdes § 7 5 0 des BGB. zwingendes Recht sei, das durch Vereinbarung weder ausgeschlossen noch eingeschränkt werden könne. Die zwingende Natur der Vorschrift ergibt sich, wie in der Urteilsbegründung ausgeführt wird, daraus, daß das außerordentliche Kündigungsrecht den im Gesetz genannten Personen nicht allein in ihrem Interesse, sondern zugleich und vor allem im öffentlichen Interesse gegeben worden ist. Es ist das Interesse des Staates, für die Beamten sowohl, wie für die beteiligte öffentliche Behörde, den mit der Versetzung verbundenen Aufwand möglichst zu mindern und die Versetzung dadurch zu erleichtern. Es ist für jeden Verwaltungszweig des Staates und der öffentlich-rechtlichen Körperschaften verwaltungstechnisch notwendig, teils für die sachliche Verwaltungsarbeit und für die Fortbildung der Beamten erwünscht, Beamte wechselnd an verschiedenen Orten zu verwenden. Die Behörde erlangt auf Grund von § 570 GBG. größere Freiheit in der Auswahl der Personen bei Besetzung der öffentlichen Aemter und in der Förderung des einzelnen Beamten in seiner Laufbahn. Damit dient das Vorrecht der Beamten dem öffentlichen Interesse. Auf ein solches, im öffentlichen Interesse gegebenes Vorrecht kann der Beamte nicht verzichten. Im Schrifttum und in der Rechtsprechung ist nahezu einhellig bisher die gegenteilige Auffassung vertreten worden. Das Gewicht der Gründe jedoch, die diese Lehre für sich angeführt hat, ist gering. Die bisher herrschende Lehre verweist daraus, daß bei den Beratungen des Gesetzes eindeutig zum Ausdruck gelangt fei, daß § 570 nachgiebiger, nicht zwingender Natur fei. Die Rechtsprechung hat jedoch schon seit langem den in den Gesetzesmaterialien niedergelegten Anschauungen der damals am Gesetzgebungswerk beteiligten Personen keine entscheidende Bedeutung beigemessen, wenn Sinn und Zweck des Gesetzes selbst eine abweichende Auffassung erfordern. Das muß heute und in einer Frage, in der das öffentliche Interesse gegenüber Sonderinteressen der Vermieter und Mieter zur Erörterung stehen, erst recht gelten. Die Materialien des B G B., die insbesondere auch im Mietrecht liberalistisches Gepräge tragen, können für unsere Rechtsauffassung nicht Richtschnur sein. Die Tatsache also, daß in den Beratungen des Gesetzes die zwingende Natur der Vorschrift geleugnet, ein dahingehender Antrag gar abgelehnt wurde, hat als solche daher überhaupt kein Gewicht. Die Gründe aber, die die damaligen Gesetzgeber für ihre Auffassung in den Protokollen niederlegten, sind nicht stichhaltig. Es ist unzutreffend, wenn angenommen wurde, daß „ein so weitgewender Eingriff in die allaemeinen Bestimmungen des Mietrechts" durch öffentlich- rechtliche Bedürfnisse nicht geboten sei. Die Entwicklung des Formblattmietvertrages in den letzten 35 Jahren hat das Gegenteil bewiesen. Der § 570, als nachgiebige Form aufgefaßt, schützte das öffentliche Interesse nur unzulänglich. Zweck und Ziel des Gesetzes wurden durch Ausschluß und Einschränkungen des § 570 in den Formblattverträgen praktisch vereitelt. Wenn öffentliche Belange das Vorrecht des Beamten gebieten, dann erfordern sie auch die Unabdingbarkeit des Vorrechts. Es kann nicht in die Hände der Parteien gelegt werden, ob das öffentliche Interesse gewahrt bleiben soll oder nicht. Dieselben Gründe des öffentlichen Interesses, die für die Vorschrift überhaupt sprechen, sprechen auch für ihre zwingende Natur. Auch der Einwand, es würde den Beamten voraussichtlich schwer fallen, Wohnung zu finden, wenn die Vorschrift zwingend sei, ist nicht stichhaltig. Das Vorrecht ist den Beamten nicht gegeben, um sie vor anderen Volksgenossen zu begünstigen. Das Vorrecht steht ihnen im Interesse einer erleichterten Führung der öffentlichen Verwaltung zu! Neben den Vorteilen müssen die Beamten auch etwaige Nachteile des Vorrechts mit in Kauf nehmen. Die Erfahrung des täglichen Lebens beweist auch, daß die Gefahr, mit dem unabdingbaren Vorecht keine Wohnung zu finden, er- heblich überschätzt wurde. In der Regel der Fälle wird der Vermieter diese Belastung des Mietverhältnisses gegen den Vorteil, einen Beamten als Mieter zu erhalten, ausgleichen. Die Uebernahme des Wagnisses aus § 570 kann und muß auch der Dermieterschaft zugemutet werden. Es mag im Einzelfall unter besonderen Umständen möglich sein, daß der Vermieter nur langfristig und ohne das Wagnis der Kündigungsmögiichkeit aus § 570 vermieten kann. Für solche Mietoerhältnisse scheidet dann der Beamte aus. Die S o n d e r i n t e r e s s e n des Vermieters und des Beamten haben grundsätzlich dem öffentlichen Interesse der Verwaltung zu weichen. Die Auffassung, es sei Sache des Beamten, im Einzelfalle auf das Vorrecht zu verzichten und die finanzielle Er- schwerung der Verwaltung zu übernehmen, wenn er die von ihm gewünschte Wohnung nur ohne Vorrecht erlange, übersieht, daß durch den Verzicht nicht nur die Belange des Beamten, sondern auch die Belange der öffentlichen Verwaltung berührt werden. Es widerspricht heutiger Rechtsanschauung, die öffentlichen Belang hintanzusetzen. | Das Ermessen der Verwaltungsstelle in der Besetzung der Aemter oder in der Förderung der Beamten innerhalb ihrer Laufbahn darf durch finanzielle Erwägungen nicht beeinträchtigt werden. Die Entscheidung des Landgerichts Berlin bedeutet einen vollständigen Bruch mit der ganzen Seitherigen Praxis der Formularmietverträge. Die Auffassung des Landgerichts Berlin ist zweifellos richtig, und es ist nur zu wünschen, daß sich auch die anderen Gerichte ihr anschließen. Wie aus einer Besprechungsnotiz über das erwähnte Urteil des Landgerichts Berlin in der „Juristischen Wochenschrift" a. a. O. hervorgeht, sieht der neue deutsche Einheitsmietvertrag den Ausschluß des vorzeitigen Kündigungsrechts der Beamten nicht mehr vor. Die Schlüsselgewalt der Ehestau. Das Bürgerliche Gesetzbuch hat in einer Reihe von Paragraphen genau die Stellung der Frau in der Ehe bestimmt. Der Mann hat in vielen Dingen zu bestimmen, und danach muß sich die Frau richten. So steht zum Beispiel dem Manne zu, Wohnort und Wohnung zu bestimmen. Weigert ' sich die Ehefrau, ihrem Manne dahin zu folgen, , so kann der Mann auf Herstellung des ehelichen Lebens klagen, und wenn gar nichts zu machen ist, so kann der Ehemann sogar aus der Weigerung der Frau, den von ihm bestimmten Wohnsitz oder die Wohnung mit ihm zu teilen, eine Ehescheidungsklage herleiten. Dabei ist aber zu beachten, was das Bürgerliche Gesetzbuch in seinem §1354 Absatz 2 bestimmt: „Die Frau ist nicht verpflichtet, der Entscheidung des Mannes Folge zu leisten, wenn sich die Entscheidung als Mißbrauch seines Rechtes darstellt". Das Gesetz gibt der Ehefrau einen ganz bestimm- ten Kreis von Rechten und Pflichten. So hat die Ehefrau das Recht und die Pflicht, das gemeinschaftliche Hauswesen zu leiten (§ 1356 des Bürgerlichen Gesetzbuches). Kann nun die Frau für sich Verträge abschließen ober Schulden machen? Gewiß, das darf sie tun. Aber sobald die ehelichen Pflichten der Frau, oder die ehelichen Interessen z. B. durch eine berufliche Tätigkeit der Frau, die auf Grund eines Arbeitsvertrages ausgeübt wird, vernachlässigt werden, kann der Ehemann das Vertragsverhältnis seiner Frau kündigen. Dazu muß er aber vom Vormundschaftsgericht die Ermächtigung erlangen. Eine Ehefrau sollte also — wenn sie beabsichtigt, ein Arbeitsverhältnis einzugehen — vorher die Zustimmung ihres Mannes einholen. Nun sagt das Bürgerliche Gesetzbuch im Paragraphen 1357 Absatz 1: „Die Frau ist berechtigt, innerhalb ihres häuslichen Wirkungskreises die Geschäfte des Mannes für ihn zu besorgen und ihn au vertreten. Rechtsgeschäfte, die sie innerhalb dieses Wirkungsbereiches vornimmt, gelten als im Namen des Mannes vvrgenvmmen, wenn nicht aus den Umständen sich ein anderes ergibt." Dieses Recht der Frau, „innerhalb ihres häuslichen Wirkungskreises die Geschäfte des Mannes für ihn zu besorgen", ist die „Schlüsselgewalt" der Frau. Macht eine Ehefrau Schulden — soweit sie in den genannten Rahmen fallen — dann muß der Mann bezahlen. Aber ganz so einfach liegt die Sache nicht. An zwei praktischen Beispielen soll gezeigt werden, wieweit die Schlüsselgewalt einer Ehefrau ausgedehnt werden kann. Die Frau stellt eine Hausgehilfin an. Sie vereinbart mit ihr einen Lohn von monatlich 80 Mark. Die Vermögensverhältnisse ihres Mannes aber erlauben die große Ausgabe für eine Angestellte nicht. Der Vertrag mit der Hausgehilfin war aber nun geschlossen. Eine Einstellung kam nicht in Frage. Dadurch entstand ein Schadensersatzan- svruch der Hausgehilfin. Um vor Wiederholung ähnlicher Dinge geschützt zu sein, konnte der Mann beim Vormundschaftsgericht beantragen, seiner Frau die Schlüsselgewalt zu entziehen. Dazu gibt ihm unter diesen Umständen der 2. Absatz des §1357 das Recht. Grundsätzlich kann man den Umfang der Schlüsselgewalt nicht festlegen. Von Fall zu Fall muß darin die Entscheidung gefällt werden. Ein zweites Beispiel mag das Gesagte noch deutlicher machen: Eine Ehefrau kaufte einen Staubsauger. Die Einnahmen ihres Mannes waren nicht groß Die Lieferfirma wollte von dem Manne den Kaufpreis bezahlt haben. Sie behauptete, die Frau habe im Rahmen ihrer Schlüsselgewalt den Kaufvertrag abgeschlossen. Das Landgericht Berlin (Urteil vom 30. Mai 1934) gab der Klage der Lieferfirma auf Zahlung des Kaufpreises nicht statt. Es erklärte: Der Ehemann haftet nicht für eingegangene Verbindlichkeiten feiner Frau, wenn sich herausstellt, daß sie über den Rahmen feiner Ein- kommensoerhältnisse hinausgehen. Die Lieferfirma hätte sich aber vor Abschluß des Kaufvertrages entweder genau informieren müssen über die Lebensverhältnisse des Ehemannes — schon der Zuschnitt des Haushaltes kann dafür ein Anhaltspunkt fein — oder fie mußte vorher die Genehmigung des Ehemannes einholen. Schadensersatz wegen Aichtentrichtung der sozialen Versicherungsbeiträge. Urteil des Reichsarbeitsgerichts vom 19. Juni 1935. Die Vorschriften der Versicherungsgesetze, die die Mitwirkung des Unternehmers bei der Entrichtung der Beiträge bedingen, sind keine Schutzgesetze, und die Versicherten können keinerlei Schadensersatzcm- spräche usw stellen Auch ihre Abrede, wonach der Unternehmer als Ausgleich für den untertariflichen Lohn die sozialen Lasten des Gefolgschoftsmannes in vollem Umfang übernimmt, kann als eine vertragliche Vereinbarung beider Seiten angesehen werden, und der Unternehmer hat die Dersicherungs- ongelegenheiten allein zu besorgen Aus diesem Grund ist er für die Erledigung der Beitragspflicht bei der Nichtentrichtung der Beiträge usw schadens- ersatzpflichtig Diese getroffenen Abmachungen bilden dann insofern einen Vertrag zugunsten Dritter, nämlich der Hinterbliebenen, als die Entrichtung der Versicherungsbeiträge nicht nur dem Gefolgschaftsmann, sondern auch dessen Hinterbliebenen die gesetzlichen Versicherungsleistungen sichert. Der Gefolgschafts- mann hat auf Grund dieser Vereinbarungen dann einen Vertragsanspruch aus Entrichtung der Versicherungsbeiträge durch den Unternehmer Dieser Anspruch geht im Falle des Todes des Gefolgschafts- mannes auf dessen Erben über. Hat der Unternehmer zum Ausgleich der untertariflichen Bezahlung des Gefolgschaftsmannes die Erledigung der Verfiche- rungsangelegenheiten übernommen, so stehen dem Gefolgschaftsmann im Falle der Verletzung der Beitragspflicht durch den Unternehmer gegen diesen sowohl ein Bereicherungsanspruch als auch ein Schadensersatzanspruch nebeneinander zu. Beide Ansprüche können jedoch nicht nebeneinander in voller Höhe gegeben fein Schadensersatz bei Treuebruch. Die erste Holzlankstelle im Rhem-Mam-Gebiel. LPD. Fran ffurta. M. 7 Febr. Im Rhein-Main- Gebiet wurde dieser Tage an dem Großtank- bahnhofauf derAuto- Umgehungsstraße bei Frankfurt a. M.-Höchst die e r st e H o l z t a n k - (teile eingerichtet. Be- kanntlich laufen in der Umgebung Frankfurtsund in der Stadt selbst bereits einige Lastwagen und sogar Omnibusse, die mit Holz betrieben werden. Um nun den in Zukunft sicher erhöhten Anforderungen der Kraftwagenhalter in Bezug auf diesen festen Kraftstoff gerecht zu werden, hat sich die Tankstelle auch mit diesem neuen „Brennstoff" eingedeckt. Ausgegeben wird das Holz in Säcken zu 25 Kilo. In erster Linie kommt trockenes Brennholz vonBuchen, das in Stücke von Hand- MOTANOL tellergröße geschnitten ist, Die erste Holztankstelle im Rhein-Main-Gebiet. (DNB. Photo: Musiol.) zum Verkauf Wenn die verschiedenen mit Holzgas betriebenen Wagen tung dieser neuen Holztonkstelle auf dem Wege der vorerst mehr oder weniger auch nur zu Versuchs- Entwicklung des Automobilwesens eine bemerkenszwecken laufen, so stellt doch zweifellos die Einrich- werte Etappe dar. Kirchliche Nachrichten. Das Gefolgschaftsmitglied ist nicht nur gegen willkürliche Kündiaung geschützt, sondern es ist auch verpflichtet, seine Arbeitsstelle nicht ohne Grund fristlos zu verlassen, weil sonst die Treuepflicht gegenüber der Betriebsgemeinschaft verletzt wird In diesem Zusammenhang ist ein Urteil des Landesarbeitsgerichtes Altona bemerkenswert, das einen Anspruch des Betriebsführers auf Schadenersatz darstellt, wenn das Gesolgschaftsmitglied feine Arbeitsstelle ungerechtfertigt ohne Grund aufgibt, da dem Betriebsführer hierdurch meist ein Schaden entsteht. Eine Entrichtung derartiger Schadensersatzansprüche gegen Lohn- und Gehaltsforderungen ist bis zur Loönpfändungsgrenze möglich Briefkasten ver Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) Fr. 21. Th. in 0. Aus den Angaben ist nicht ohne weiteres zu erkennen, ob im vorliegenden Falle die Wartezeit auf Invalidenrente erfüllt und die Anwartschaft bis zum Tage des Eintritts der Invalidität aufrechterhalten ist. Wir empfehlen, unter Vorlage der Aufrechnungsbescheinigungen über abgelieferte Quittungskarten zur Invalidenversicherung, sowie der letzten Quittungskarte Antrag auf Invalidenrente bei der Bürgermeisterei Ihres Wohnorts zu stellen. E. B. in £. Nach den für Hessen gültigen Bestimmungen besteht die Steuerpflicht. Ob für Preußen diese besteht, kann von hier aus nicht beurteilt werden Maßgebend ist, ob das Einkommen den Betrag von 150 d H des allgemeinen Fürsorgeunterstützungsgesetzes überschreitet. Evangelische Gemeinden. Sonntag, den 9. Februar Sepluagesimäe Gießen. Stadtkirche. 9.30 Uhr: Pfr. Becker. 11: Kinderkirche für die Markusgemeinde, Pfr Becker; 17. Propst Knodt. — )ohanneskirche. 9.30: Pfarr- affiftent Weber; 11: Kinderkirche für die Johannes- aemeinde, Pfr. Ausfeld; 17: Pfr. Bechtolsheimer, Musikalische Abendfeier, 20: Bibelbesprechung im Iohannessaal. Pfarrassistent Zschau — Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30: Pfr Dr. Iannasch (Lübeck); 10 45: Kinderkirche für d>e Luthergemeinde, Pfr „Der sich vom Eintopssonntag drückt, ist ein charakterloser Schädling an unserem Volke!" Am 9. Februar muh jeder an dieses Wort des Führers denken. Dr. Iannasch. — Petruskapelle (Wetzlarer Weg 59). 9 30: Pfr. Trapp; 10.45: Kinderkirche für die Petrus- gemeinde, Pfr Trapp. — Wiefeck. 9.45: Hauptgottesdienst, 11: Kinderkirche; 15: Bibelstunde. — Alten- Buseck 10: Gottesdienst; 13: Kindergottesdienst. — Steinbach 10: Gottesdienst — Albach. 12.30: Gottesdienst; Christenlehre. — Rödgen. 10: Gottesdienst. — Annerod 13: Gottesdienst. — Heuchelheim. 10: Hauptgottesdienst; 11: Kindergottesdienst (1. Abt.).— Kirchberg. 10: Gottesdienst. — Mainzlar. 13.30: Gottesdienst — Klein-Linden 11: Kindergottesdienst; 13.30: Gottesdienst. — Vahenborn-Steinberg. 10.30: Kindergottesdienst; 13: Hauptgottesdienst. — Garbenteich 13: Gottesdienst. — Hausen. 10: Gottesdienst — Cid). 10: Stiftsdechant Kahn; 12.45: Kindergottesdienst; 14: Stiftspfarrer Naumann. — Rieder-Bessingen. 10: Stiftspfarrer Naumann. Langsdorf. 10: Kindergottesdienst; 11: Hauptgottesdienst. — Bettenhausen. 13.30: Hauptgottesdienst. —■ Münzenberg. 11. Gottesdienst mit Kollekte. — Trais- Münzenberg. 13.30: Gottesdienst mit Kollekte. — Hungen 10: Gottesdienst — Cangö. 13: Gottesdienst — Kirtorf. 10: Missionsgottesdienst anschließend Kindergottesdienst; Missionar Gerlach — Ober- Gleen. 13: Missionsgottesdienst; anschließend Kinder- gottesdienst; Missionar Gerlach — Reinhardshain. 10: Gottesdienst — Beltershain 12.30: Gottesdienst. — Harbach. 14. Gottesdienst. — Treis a. d. Lumda. 10: Hauptgottesdienst; Kollekte; 19: Vortragsabend des Ev. Bundes; Pfr. Trapp, Gießen Montag, den 10. Februar Gießen. Cuthergemeinde. Am Kugelberg 80. 20.15 Uhr: Bibelstunde, Pfarrassistent Weckerling — Collar. 20: Bibelstunde. Mittwoch, den 12. Februar Gießen. Stadtkirche. 20 Uhr: Abendandacht. — Kapelle des Alten Friedhofs. 20.15: Katechismus- gottesdienft: Das 5 Gebot. Pfarrassistent Weckerling. Donnerstag, den 13. Februar. Gießen. Fohanneskirche. 20 Uhr: Bibelstunde. Freitag, den 14. Februar. Mainzlar. 20 Uhr: Bibelstunde. Reuapostolische Gemeinde. Handelstraße 1 und Ederstraße 13. Sonntag, 9. Februar. 9.30 Uhr: Gottesdienst; 16: Gottesdienst — Mittwoch. 12. Februar 20.30: Gottesdsenst Baptistengemeinde, Gartenstrahe 13. Sonntag, 9. Februar. 11 Uhr: Kindergottesdienst; 20.30: Predigt. — Donnerstag, 13. Februar 20.30: Bibelstunde. Gemeinschaft innerhalb der Kirche (Landeskirch- llche Gemeinschaft), Gutenbergstraße 9. Sonntag, 9 Februar. 20.30: Evangelisationsstunde — Donnerstag, 13. Februar. 20.30: Iugendbundstunde. Evangelische Stadtmission, Cöberstrahe 14. Sonntag, 9 Februar. 8.30 Uhr: Morgenandacht; 13.30: Sonntagsschule; 20.15: Gesang- und musikalischer Abendgottesdienst. — Mittwoch, 12. Februar. 20.30: Bibelstunde. — Freitag, 14. Februar. 20.15: Vortrag Heilsarmeeoberst Christliche Gemeinde Gießen, Zu den Mühlen 2. Sonntag, 9. Februar. 10 Uhr: Erbauungsstunde; 20.30: Evangelisation. — Dienstag. 11 Februar. 20.30: Bibel- und Gebetstunde Katholische Gemeinden. Samstag, den 8. Februar Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte Sonntag, den 9. Februar. Septuagesima Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunion der Jungfrauen und Hausangestellten, 8: Kommu- nion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Pre- digt; 16.30: Versammlung der Jungfrauen-Kongre- gation; 17.30: Christenlehre und Andacht. — (Brünberg. 9.45: Hochamt mit Predigt. — Hungen. 9 30: Hochamt mit Predigt und Christenlehre — Collar. 9.30: Messe mit Predigt. — Cich. 7.30: Hochamt mit Predigt; 20: Christenlehre und Andacht. — Ridda. 8.15: Hochamt mit Predigt. Montag, den 10. Februar. Caubach. 7.30 Uhr: Messe. Mittwoch, den 12. Februar. Hungen. 7,15 Uhr: Messe. Oefsentlicher Sonntagsdienst. Polizei: Telefon 2751, nur in dringenden Notfällen Telefon 01. Feuerwache: Telefon 2244/45, Notruf Telefon 02. Hauptpostamt: Beschränkter Schalterdienst 8 bis 21 Uhr. 4 Stadtpostamt: Für Schließsachabholer 1 bis 13 Uhr. Sanitätskolonne: Telefon 2500. Aerzte : Dr. Geyer, Dr. Mehl. Zahnarzt: Dr. Schott. Apotheke: Pelikan-Apotheke, preutzen. Kreis lveklar CD Lützellinden, 5. Febr. In der Jahreshauptversammlung der hiesigen Badegemeinschaft e. B. gab der Vorsitzende, Lehrer Gou- beauö, einen Bericht über das Vereinsjahr 1935, das als Jahr der Errichtung des Bades von besonderer Bedeutung war. Er dankte bei dieser Gelegenheit allen Mitgliedern für ihre tatkräftige Mitarbeit bei der Verwirklichung des Bauprojekts und für die vorbildliche finanzielle Opferbereitschaft,, durch die allein es möglich war, die Badeanlage zu vollenden. Besonderer Dank wurde im Hinblick auf jene große Arbeit dem Rechner Ludwig Engel ausgesprochen. Aus dem anschließenden Kassenbericht des Rechners Ludwig Engel ging hervor, daß die Baukosten der Badeanlage, unter Berücksichtigung der Arbeitszeit der Mitglieder, sich auf rund 12 000 Mark belaufen. Der Badegemein- fchaft gehören 183 Mitglieder an. Die Kassenprüfer berichteten über die einwandfreie Führung der Rechnung und der Kaffe, fo daß der Vorsitzende dem, Rechner Entlastung erteilen konnte. Im weiteren Verlaufe der Versammlung wurde an Hand von Lichtbildern ein umfassender Bericht über die gesamte Bauzeit der Anlage gegeben. Nach ein-m Bericht des Vorsitzenden über die künftigen Auf- gaben der Badegemeinschaft ist mitzuteilen, daß ;m Bauprogramm für 1936 der Ausbau der Brause- anlagen, die Einfriedigung des Bassins mit Platten, ein weiterer Ausbau der Kabinen, die Anbringung eines Fahrradstandes und die Schaffung einer Hecke vorgesehen sind. Nach der Festsetzung der Eintrittspreise für die kommende Badezeit und der Regelung der Kontrollbestimmungen wurde die Versammlung von dem Vorsitzenden in üblicher Weise geschlossen. Stadt-Cafe Urlaub auf See 821 D Eigenheim-Schau,Gießen, Marktplatz Nr. 8 Eintritt Ire Eintritt frei Statt Karten Gasthaus Stadt Berlin jeden Samstag 44 D Watzenborn-Steinberg (z. Z. (St). Schwesternhaus), 6. Februar 1936 3 chirolis TJR^UÄd*y ausweises. Nichtmitglieder zu 1.50 bei Challier und Jan der Saalkasse» Studenten ud MUitttr 40 S4. 6*0 Reisen auf deutschen Schiffen sind Reisen auf deutschem Boden I 3wöchige Ferienreise nach Amerika jeden Donnerstag ab Hamburg ca RM 517.- einschließlich Hotel und Verpflegung Im Frühjahr 1936 an die Gestade des blauen Mittelmeers mit M. S. „Milwaukee", dem Erholungs- und Vergnügungsreisenschiff Fünf Mittelmeerfahrten von Mitte Februar bis Ende Mal ab RM 340.-