Nr. '85 Erstes Blatt 186. Jahrgang Zreitag,?. August 1956 Erschein» ragltch. nutzer Sonntags unö Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Giehener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monatr-Vezugrpretr: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr .. , --25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernfprechanfchlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger (Heften Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen druck und Verlag: vrühl'sche UmverfilStr-vuch- und Steindruckerel R. Lauge in Sietzen. Lchristleitung und Seschäsirftelle: Schuiftrahe 7 Annahme von Anzeige« für die Mittagsnummer bis 8^/,Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text- anzeigen von70mm Breite 50 Rpf.,Plahvorschrift nach vorh.Dereinbg.25"/.) mehr. 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Die vier Deutschen wurden von den Kommunisten angehalten und nach einem kurzen Verhör vor einem sogenannten marxistischen Revolutionstribunat ermordet, obwohl sie sich im Besitze von gültigen Passierscheinen befanden. Zwei von den jungen Deutschen, die ihr blühendes Menschenleben opfern muhten, befanden sich gerade im Begriff, nach Hamburg zum Weltkongreh für Freizeit und Erholung zu fahren. Erschüttert steht die Auslandorganifation der 71SDAP. und das ganze deutsche Volk an der Bahre dieser jungen Deutschen, die ihr Leben gegeben haben. Auch sie gehören zu den Toten, die als Opfer des Kommunismus für Deutschland st erben muhten. Vach einem Telegramm des deutschen Generalkonsulats in Barcelona hat Generalkonsul Köcher am Mittwoch wegen der jetzt bekanntgewordenen Ermordung von vier Deutschen in Barcelona b ei der Regierung in Barcelona schärfsten Protest erhoben und sofortige Untersuchung gefordert. ♦ Vier deutsche Volksgenossen sind ein Opfer der im Blut watenden spanischen Bolschewisten geworden. Sie sind, obwohl sie im Besitze gültiger Passagierscheine waren, von einem rasch zusammengetrommelten Reoolutionstribunal zum Tode verurteilt und sofort an die Wand gestellt worden. Die Komödie mit dem Reoolutionsgericht hätten sich die Mörder ruhig sparen können, stand doch bei ihnen von vornherein fest, die Deutschen hinzumorden. Was gestern anderen Ausländern auf spanischem Boden geschah, was sich mit diesen vier Reichsdeutschen ereignete, was sich morgen abspielen wird — das alles kann beim besten Willen auch von den Kreisen, die mit ihren Sympathien auf Seiten der spanischen Bolschewisten stehen, weder bemäntelt noch entschuldigt werden. Mag man auch noch so sehr von „Nichteinmischung" sprechen und im gleichen Augenblick den Mördern die Gewehrkugeln für ihre Mordtaten über die Grenze zuschieben, mag man Neutralitätsnoten Herumreichen und zur gleichen Zeit zwölf Millionen Sowjetrubel in Franknoten umwechseln und an die spanischen Marxisten weiterleiten, das alles ist nur geeignet, die Empörung über die Zustände in Spanien und über das Verhalten gewisser auf die Volksfront-Internationale feftgelegter Regierungen auf den Siedepunkt zu treiben. Europa kann auf die Dauer doch nicht achtlos an dem Blutterror vorübergehen, der die Schrecken der russischen Bolschewistenherrschaft nun auch in Westeuropa aufleben läßt. Wo sind die Hüter der europäischen Zivilisation, wo sind die Verteidiger der Menschenrechte, wo sind alle diejenigen, die täglich mehrmals in Wort und Schrift das Blutvergießen ablehnen, nun aber keine Silbe über ihre Lippen bringen? Es ist genug gemordet, geplündert, gebrandschatzt, geschändet und geraubt! Wer sich bisher über die geordneten Zustände im nationalsozialistischen Deutschland aufregte, eben weil in diesem Deutschland für Rotmord kein Platz mehr ist, jetzt aber das Wüten der bolschewistischen Mordbestie in Spanien mit Stillschweigen betrachtet, der macht sich mitschuldig an diesen feigen und niederträchtigen Mordtaten, der kann sich weder vor seinem Gewissen entschuldigen noch von seinem Gott von dieser Mitschuld freigesprochen werden. Das deutsche Volk ist mit den Angehörigen der vier ermordeten Volksgenossen durch das Gefühl tiefer Trauer und flammender Empörung verbunden. Gefährliches Doppelspiel in Paris und Moskau. Sowjeiruffifche Freiwilligenkorps für Spanien bereits auf dem Wege nach Frankreich? Paris, 7. Aug. (DNB. Funkspruch.) Während die französische Regierung über die Abgabe einer Neutralitätserklärung aller mehr oder weniger an den spanischen Ereignissen interessierten Mächte verhandelt, und die Linkspresse in besonders deutlicher Aufmachung die angeblich zufriedenstellende Antwort der Sowjetregierung roiebergibt, setzen die marxistisch-kommunistischen Kreise in Frankreich und in Sowjetrußland in großer Eile die Unterstützungen aller Art für Spanien fort. Der in Frankreich gebildete sog. „S o l i d a r i t ä t s a u s * schuß" der Volksfront teilt mit, daß er in Zusammenarbeit mit der marxistischen Arbeitergewerkschaft und der Roten Hilfe bereits eine halbe Million Franken gesammelt habe. Ohne Unterbrechung sollen Lebensrnittel und Sanitätsmaterial nach Spanien abgehen. Der „Blalin“ halle schon am 26. Juli b i e Bildung eines kommunistischen Freikorps in Somjelrußland angekündigl, und der „Jour" will heule wissen, daß d i e erste Gruppe dieser Freiwilligen sich bereits auf dem Wege nach Frankreich befinde. Die französische kommunistische Partei habe in dem roten Gürtel um Paris Unter- kunftsmöglichkeiten bereitgestellt und einen dreiköpfigen Ausschuß gebildet, der für die Verpflegung zu sorgen hat. Frankreich, so schreibt das Blatt, hat den traurigen Vorzug, sowohl vom finanziellen als auch vom mililari- fchen Standpunkt aus eine Filiale Moskaus zu werden. Denn anders könne man die Rekrutierung von Freiwilligen, die Sowjetruß- land nach Spanien entsende, nicht nennen. 3n wenigen Tagen werde Frankreich die Soldaten der roten Armee beherbergen, die zur Verstärkung des internationalen revolutionären Heeres bestimmt seien, das ganz Europa botschewifieren solle. Auch der Außenpolittker des „Journal" wirft die Frage auf, welche Neutralität man überhaupt von der Komintern erwarten könne, die bereits eine „L o h n ft e u e r" für die Schaffung eines Kriegsfonds zu Gunsten der spanischen Dolks- ftont eingeführt und die Bildung von Frei- willigen-Korps beschlossen habe. Man müsse sich fragen, ob eine derartige Einmischung mit der Neutralität vereinbar sei. Im gleichen Sinne schreibt der „Matin", der der Moskauer Regierung ein Doppelspiel vorwirft. Während sie einerseits dem französischen Vorschlag zustimme, torpediere sie gleichzeitig diese Bemühungen auf der anderen Seite durch die Einführung einer Lohnsteuer zugunsten der Madrider Regierung. Dieses Verhalten muffe als eine wahre Herausforderung bezeichnet werden. Die französischen Kommunisten fordern militärische Hilfe für Madrid. Paris, 7. Aug. (DNB. Funkspruch.) Die französische Kommunistische Partei hielt unter dem Vorsitz des Generalsekretärs und Abg. T h o r e z eine Mitgliederversammlung ab. Thorez verlangte, man dürfe sich in Frankreich nicht auf bloße Versicherungen der Solidarität beschränken, sondern man müsse unverzüglich Flugzeuge, Kanonen und Maschinengewehre für die spanische Regierung zur Verfügung stellen. Da die Kommunistische Partei in der französischen Volksfront-Regierung einen starken Einfluß ausübt, so muß man sich fragen, wie diese Einstellung mit dem Vorschlag des Kabinetts Blum hinsichtlich einer Neutralitätserklärung in Einklang gebracht werden kann. Italien und die Aeutralität. Rom, 6. Aug. (DNB.) Die italienische Antwort auf den Vorschlag Frankreichs, gegenseitig die Neutralität im spanischen Bürgerkrieg zu garantieren, ist vom italienischen Außenminister dem französischen Botschafter mündlich mitgeteilt worden. Die Antwort enthält folgende vier Punkte: 1. Italien stimmt im Grundsatz dem Gedanken der Nichteinmischung in den spanischen Bürgerkrieg zu. 2. Italien erhebt die Frage, ob die moralische S o - lidarität mit einer der in Konflikt stehenden Parteien, eine Solidarität wie sie durch öffentliche Kundgebungen, Presseäußerun- gen, Zeichnung von Geldspenden, Anwerbung von Freiwilligen usw. zum Ausdruck kommt, nicht bereits eine bedenkliche Form der Einmischung darstellt. 3. Italien wünscht zu erfahren, ob die Verpflichtung zur Nichteinmischung umfassenden Charakter haben soll oder nicht, ob sie nur d i e Regierungen oder auch private Kreise binden soll. 4. Italien wünscht darüber Kenntnis zu erhalten, ob die französische Regierung auch Modalitäten für die Kontrolle über die Einhaltung der Verpflichtung zur Nichteinmischung im Auge habe ober nicht. Wofür kämpft der nationale Aocl? Erneuerung Spaniens auf religiöser Grundlage. ■Burgos, 6. Aug. (DNB.) Der Sonderberichterstatter des DNB. hatte im Hauptquartier des Generals Mola Gelegenheit, sich mit den führenden Männern des nationalen Blocks über die Ziele ihres Kampfes gegen die marxistische Madrider Regierung zu unterhalten. Nicht das Militär allein, sondern das Volk in Waffen ist gegen Kommunismus und Freimaurerei aufgestanden. Alle parteipolitischen Sonderwünsche wurden zurückgestellt. Es gibt nur ein Ziel, den Kampf gegen den gemeinsamen Feind bis zum endgültigen Sieg. Auf die Frage, ob sich die Parteipolitik noch der glücklichen Beendigung des Kampfes nicht etwa doch wieder in den Vordergrund stellen würde, antworteten die Führer aller Richtungen, man sei sich völlig klar darüber, daß die Politik auf Jahre hinaus zurückstehen müsse, daß der Parlamentarismus endgültig aus Spanien verbannt werde und daß der Neuaufbau des Staates erst beginnen könne, wenn eine längere Militärdiktatur die Zeit und die Möglichkeit gegeben haben werde, den Staat gründlich zu säubern und die Modernisierung der bewaffneten Macht durchzuführen. Die kommende Militärdiktatur werde im übrigen einen völlig anderen Charakter haben als die vergangene Primo de Riveras. Sie werde volksverbunden und lebendiger fein. Die Erneuerung Spaniens solle auch nicht durch eine simple Nachahmung fremder Bewegungen erreicht werden. Man will alle diejenigen Gedankengüter und Errungenschaften der ausländischen Bewegungen, die sich mit der Eigenart des spanischen Menschen vereinen lassen, übernehmen und so die Schaffung eines traditionsgebundenen aber auch völlig neuen spanischen Geistes herbeiführen. Selbstverständlich müsse diese Erneuerung a u f religiöser Grundlage durchgeführt werden. Dies bedinge schon die geschichtliche Entwicklung Spaniens, die sich von Anfang an bis auf den heutigen Tag in inniger Verbundenheit mit der Kirche geformt habe. Diese betont katholische Grundeinstellung habe nicht das geringste mit dem politischen Katholizismus zu tun, den die katholische Volksaktion unter der unglücklichen Führung von Gil Nobles nach dem Vorbild des verflossenen deutschen Zentrums während der letzten Jahre einführen wollte und der jetzt durch die nationale Bewegung endgültig an die Wand gedrückt worden sei. Man sei nicht gewillt, diesen politischen Katholizismus je wieder aufleben zu lassen. Nur aus dem ehrlichen inneren Glauben und der aus ihm bedingten tiefen Vaterlandsliebe des spanischen Volkes könne die Kraft zur Durchführung der großen Aufgabe gewonnen werden. Die tote Terrorherrschast in Malaaa. Amsterdam, 6. Aug. (DNB.) Ein holländischer Großkaufmann aus Malaga, der mit dem holländischen Flüchtlingsschiff „Tiberius" in Amsterdam eintraf, schilderte einem Vertreter des „Telegraaf" die grauenhaften Vorhänge in Malaga. Schon lange vor Ausbrechen des Bürgerkrieges sei die Hefe der Bevölkerung mit Waffen versehen worden. Als der Bürgerkrieg dann begann, sei die Macht bald in die Hände dieses Gesindels übergegangen. Ein entsetzlicher Terror habe eingesetzt. Zuerst seien die Häuser der nationaldenkenden Spanier in Brand g e ft e cf t worden. Der Gouverneur von Malaga habe hierzu persönlich den Befehl gegeben An einem Sonntagmorgen sei auf den Straßen verkündet worden, von 7 bis 1 Uhr könnten Brände gelegt werden. Dann sei der Gouverneur durch die brennenden Sttaßenzüge gefahren und habe lächelnd gefaat: „Ich bin sehr zufrieden?" Gleichzeitig mit den Brandstiftungen habe eine furchtbare Menschenjagd begonnen. Wer den Kommunistengruß nicht habe bieten wollen, sei einfach niedergeknallt worden. Ein spanischer Freund dieses holländischen Großkaufmannes sei von den marxistischen Horden aus seinem Hause geholt worden. Das zehnjährige Kind des Spaniers habe sich weinend an den Hals des Vaters geklammert, sei aber zurückgestoßen worden und hätte mitansehen müssen, wie sein Vater durch die rote Miliz erschossen worden sei. Aehnliche Beispiele ließen sich in großer Zahl anführen. Wer auf der Schwarzen Liste stand, sei verhaftet und niedergeschossen worden. Die verzweifelte Bevölkerung sei in die Berge geflüchtet. Die Erschießungen und Brandstiftungen dauerten in Malaga noch an. Die Stadt befindet sich völlig in der Hand des rötesten Terrors. Die Leute, die man in ausländischen Zeitungen als Rebellen zu bezeichnen pflege, feien Männer, die verzweifelt und tapfer ihr Land und ihre Heimat verteidigten. Die Hilfsaktion der deutschen SeeAeitkräfte. Berlin, 6. Aug. (DNB.) In den in den Händen der spanischen Regierung befindlichen Häsen, besonders in den am Mittelmeer gelegenen, droht die Macht immer mehr an kommunistisch-anarchistische Elemente überzugleiten. Die deutschen Seestreitkräfte sind daher weiterhin in zwei Gruppen zur Unterstützung deutscher Flüchtlinge und zur Wahrnehmung deutscher Interessen in Spanien tätig. Bei der N o r d g r u p p e hat Kreuzer „Köln" das Anlaufen von La Coruna (in Händen der nationalen Regierung) zunächst zurückgestellt, da sich die Lage in Bilbao verschärft hat. „Köln" ist daher am 6. August früh in die Hafenstadt Bilbaos Portugalete zurückgekehrt, von wo am 5. August der Dampfer „Bessel" mit 180 Flüchtlingen, darunter 15 Deutschen, nach Bayonne in See gegangen ist. In Zarauz sind 15 Deutsche freiwillig zurückgeblieben. Mit diesen wird durch das Torpedoboot „Albatros" am 6. August erneut Fühlung ausgenommen. Vor Gijon liegt das Torpedoboot „Seeadle r", das am 5. August 15 Flüchtlinge, unter ihnen fünf Deutsche, an Bord genommen hat. In dieser Stadt beginnt sich bereits Lebensmittelmangel bemerkbar zu machen. Das Torpedoboot hat daher den noch in ihren Wohnungen verbliebenen 25 Deutschen und Oesterreichern Proviant abgegeben. Bei der Südgruppe wurden 30 Deutsche und acht Ausländer nach dreitägiger Einschiffung auf dem Panzerschiff „Admiral Scheer" einem aus Barcelona nach Genua auslaufenden italienischen Dampfer übergeben. Zur Aufnahme des weiteren FlüchtlingsstOomes aus den Mittelmeerhäfen und ihrem Hinterlande stehen augenblicklich sechs deutsche Dampfer zur Verfügung. Zur Unterstützung der deutschen Flüchtlinge und zur reibungslosen Durchführung der Einschiffung werden die Schiffe der Südgruppe, die Panzerschiffe „Deutschland" und „Admiral Scheer sowie die Torpedoboote „Leopard" und „Lux" die spanischen Mittelmeerhäfen Cartagena, Alicante, Valencia, Tarragona und Barcelona erneut anlaufen. Am 4. August wurde vor Larache (Spanisch-Marokko) der vor Anker liegende deutsche Dampfer „S e v i l l a" ohne jeden Grund und ohne jegliche vorhergehende Warnung von dem spanischen Regierungszerstörer „Almirante Valdss" 45 Minuten lang beschossen, ohne jedoch getroffen zu werden. Den darauf sofort ausgelaufenen Dampfer hat der gleiche Zerstörer angehalten und ihm das Anlaufen von Larache untersagt. Gegen diesen krassen Rechtsbruch und gegen die Anwendung willkürlicher Gewalt hat die oeutsche Reichsregierung schärfsten Protest eingelegt. Außerdem wird der Befehlshaber der Linienschiffe Konteradmiral Carls bei dem Chef der spanischen Regierungsflotte nachdrücklich Verwahrung einlegen und verlangen, daß sofortige Maßnahmen gegen die Wiederholung derartiger Ausschreitungen getroffen werden. Wieder planmäßiger Lnsthansaverkehr mit Madrid. Berlin, 6. Aug. (DNB.) Während mit Rücksicht auf den Bürgerkrieg in Spanien der planmäßige Luftverkehr nach Madrid zeitweilig eine Unter* brechung erfahren mußte, gelang es der Deutschen Lufthansa, die Verbindung nach Barcelona die ganze ^eit hindurch aufrechtzuerhalten. Seit vorgestern wird nun auch Madrid wieder planmäßigangeflogen. Um den in Spanien lebenden Deutschen und Angehörigen anderer Nattonen die Möglichkeit zu geben, Spanien zu verlassen, hat sich die Deutsche Lufthansa dazu entschlossen, ihren Dienst zwischen Madrid und Marseille erheblich zu verstärken. So verkehrten gestern auf dieser Strecke zwei Junkers-/u-52-Flugzeuge, die bis auf den letzten Platz besetzt waren. Heute'starten in Madrid sogar drei Lufthansa-Flugzeuge, die ebenfalls ausverkauft sind. Flüchtlingsspende des AG-Lehrerbundes. Bayreuth, 6. Aug. (DNB.) Der Reichswalter des NS.-Lehrerbundes, Hauptamtsleiter Gauleiter W a e ch t l e r hat dem Leiter des Hilfsausschusses für Spanien-Deutsche, Gauleiter Bohle (Berlin), 20 000 Mark zur Linderung der Not der hart betroffenen Volksgenossen überwiesen. Der Erzbischof von Westminster warnt vor der kommunistischen Gefahr. London, 7. Aug. (DNB. Funkspruch.) Der Erzbischofvon SB e ft m i n ft e r bringt in einer Erklärung Spanien seinen Abscheu über die von den Kommunisten an der Geistlichkeit in Spanien begangenen ©reueltaten zum Ausdruck. Man müsse daran denken, daß auch Englands Haus in Gefahr fei, wenn das feines Nachbarn in Flammen stehe. Der Erzbischof hat von dem Rektor des englischen Colleges in Valladolid eine Mitteilung erhalten, in der dieser sich beklagt über die irreführenden Nachrichten, die der englische Rundfunk über Spanien verbreite. Stets werde von „Re- aicrungsstreitkräften" und „Aufstänbischen" gesprochen, anstatt von dem Pöbel und den Streitkräften zur Wahrung der Ordnung und der christlichen Gesetze. Es handele sich um einen Kampf zwischen den Kräften des Christen- rums und des Kommunismus. Die einzig wahre Regierung in Spanien fei die des Generals Cabanellas in Burgos. In Madrid übten die Kommunisten die Regierungsgewalt aus und die Stadt befinde sich in einem Zustand der Belagerung. Heldenhafter Tod nationalistischer Soldaten. Paris, 7. Aug. (DRB. Funkspruch.) Der Sonderberichterstatter des „Journal" in Burgos schildert den heldenhaften Tod, den 40 Nationalisten und ein Offiziere in Albacete gefunden hätten. Nachdem sie die Unmöglichkeit einer weiteren Verteidigung eingesehen hätten, hätten sie sich in zwei gegenüberstehenden Reihen aufgestellt und sich gegenseitig das Gewehr auf die Brust gesetzt. Auf das Kommando des Offiziers hätten sie sich gegenseitig erschossen, während sich der Offizier durch einen Revolverschuß ins Herz tötete. Die Marxisten und Kommunisten hätten beim Betreten der Kaserne nur 41 Leichen vorgefunden. Ein unerwünschter Gast. Trotzkis Ferienarbeit in Norwegen. Oslo, 6. Aug. (DNB.) Wie „Fritt Volk" berichtet, mußte sich Leo Trotzki, der seine Sommerferien an einem der schönsten Fjorde Norwegens verlebt, in der vergangenen Nacht eine Haussuchung gefallen lassen, die von einigen Mitgliedern der Nasjonal Sämling ohne Wissen der Polizei durchgeführt wurde. Die Haussuchung brachte belastendes Material, aus dem die unheilvolle Tätigkeit dieses Revolutionärs zweifelsfrei hervorgeht. Selbstverständlich wird von der norwegischen Polizei der Nachdruck auf die strafbare Handlung jener Leute gelegt, die die Haussuchung vornahmen, während man sich über das Trotzki belastende Material ausschweigt. „Fritt Volk" schreibt zu dem Vorfall: „Trotzki hat im ganzen Winter eine umfassende Wirksamkeit entfaltet. Er hatte ständig Besuch von ausländischen Gästen, sehr ofb von Juden. Er verfügt über drei Sekretäre. Wir haben seine Ferngespräche, die auf Deutsch und Französisch gehalten werden, kontrolliert. Sie drehten sich meist um Revolutionspolitik und marxistische Taktik. Die Revolution in Frankreich, so behauptet „Fritt Folk", spielte in den Ferngesprächen Trotzkis eine große Rolle. Diese Annahme werde bestätigt durch einen Brief, den Trotzki an eine bestimmte Person geschrieben habe. Wörtlich heißt es dann: „Wenn der Inhalt dieses Briefes bekannt wird, so wird das zweifellos zu diplomatischen Verwicklun- a e n für unser Land führen, dessen Regierung Trotzki die Aufenthaltsgenehmigung erteilt hat. Zum Schluß schreibt „Fritt Folk": „Wir haben diese Aktion gegen Trotzki ausschließlich im nationalen Interesse unternommen, um der Polizei das notwendige Material zum Eingreifen zu verschaffen." Kleine politische Nachrichten. Seine Majestät Boris HL, Zar der Bulgaren, befindet sich seit Dienstag inkognito i n Berlin, wohin der König Ihre Majestät die Königin begleitete, die sich in einer Berliner Klinik einem leichten chirurgischen Eingriff unterziehen mußte. Der König stattete dem Führer und Reichskanzler einen längeren Besuch ab. * Die Präfekten der französischen Grenzbezirke haben angeordnet, daß innerhalb einer 5-Kilometer- Zone von der Grenze politische Kundgebungen, Versammlungen und Umzüge verboten sind. * Die im Ausland sich hartnäckig erhaltenden Nachrichten über eine bedenkliche Lage in Abessinien werden von zuständiger italienischer Seite nochmals als falsch oder stark übertrieben bezeichnet. Nelson bei Trafalgar. Don Bernhard Faust. Es war am 21. Oktober 1805, nordwestlich von Trafalgar, und am Himmel heitere Klarheit. Kapitän Hardy führte der Flotte die Admiralitätsflagge voraus. Die Mannschaft war voll Siegeszuversicht, aber in England, wo man die Landung Napoleons befürchtete, fand seit Monaten niemand ruhigen Schlaf. „Seine Gnaden, Sir Nelson!" schrie der Posten. Klein, schmächtig, einem Landpfarrer ähnlicher als dem Seeryann, der Englands berühmtester war, stieg der Admiral mit steifen, kurzen Schritten an Deck. Locker hing der rechte Aermel, leer, hochgebunden an die Uniform. Bei Teneriffa hatte er den Arm eingebüßt, und seine Leute schlugen ihn aus dem Handgemenge, als er das Leben verloren glaubte. Vor Abukir war er am Kopf verletzt worden, verlor ein Auge und fürchtete seitdem, völlig zu erblinden. Aber was war das alles, wenn es um die Ehre Englands ging, und war die Ehre Englands nicht gerettet, als Napoleons Ziel scheiterte, England von Aegypten zu trennen, seinem Stkktzpunkt auf dem Weg nach Indien, seiner Gold- kammer? „Schiff in Sicht!" tönte es vom Ausguck. „Wieviel?" „Zwanzig Segel, Sir." „Sehr gut", rief Nelson. „Siebenundzwanzig..." „Villeneuve, mein französischer Waffenbruder, hat sich mächtig ins Zeug gelegt", spottete der Admiral und bemerkte zu seinem Gefolge, daß der Franzose nach alter Weise angreife, in einer Linie, während er, Nelson, nur mit zwölf Schiffen segelte und Collingwood mit fünfzehn von Süden auffahren ließ, um den Feind zangenartig einzuschließen. „Fünfunddreißig Segel!" „Genug, und wenn es fünfzig wären, ich würde doch angreifen!" Er nahm das Fernrohr von den Augen und richtete sich auf, mit einem letzten Blick über das Beliebte Meer, feiner Heimat seit dem zwölften ahr. Ja, die Schlacht stand bereit, die Kameraden, zu Waffengefährten erzogen, wo Napoleon gefügige Werkzeuge brauchte, waren unterrichtet, und auch das Testament geschrieben, „vor der verbündeten französischen und spanischen Flotte in einer Entfernung von zehn Seemeilen", wie es darin hieß. Und am Schluß: „Gott behüte meinen König und mein Land und alle diejenigen, die mir teuer sind. Meine eigenen Verdienste sind nicht zu erwähnen .. Klar zum Gefecht! Es ging um das Mittelmeer, Brücke der Völkerverständigung. Alle Nationen der Welt Gäste Deutschlands bei dem Fest der Freude und des Friedens. Berlin, 7. Aug. (DNB. Funkspruch.) Im Namen der Reichsregierung hatten am Donnerstagabend die Reichsminister Generaloberst Göring und Dr. Goebbels aus Anlaß der XI. Olympischen Spiele zu einem Empfang in der Staatsoper eingeladen. Der festliche Abend in der besonders ausgestatteten Staatsoper bildete den Höhepunkt der verschiedenen großen Rahmenveranstaltungen zu den Olympischen Spielen. Generaloberst Göring begrüßte zu Beginn des Abends die in- und ausländischen Gäste: „In diesen Tagen, die im Rahmen der Olympischen Spiele in Berlin Abgesandte aller Völker und aller Nationen vereinen, ist es für die deutsche Reichsregierung als Dolmetsch des deutschen Volkes eine Selbstverständlichkeit, den Fremden und Ausländern beste deutsche Gastfreundschaft zu bieten. Unser deutsches Volk heißt all die Fremden, die in diesen Tagen zu uns gekommen sind, auf das herzlichste willkommen." Nachdem die Rede des Preußischen Ministerpräsidenten auf englisch und französisch wiedergegeben worden war, ergriff Reichsminister Dr. Goebbels ZU einer kurzen Begrüßungsansprache das Wort. Der Minister sagte, es falle ihm schwer, zu den vielen ausländischen Gästen zu sprechen, weil er wisse, daß manche Zeitungen des Auslandes in allem, was gerade er zu sagen habe, eine Propagandamöglichkeit für das nationalsozialistische Deutschland sehen möchten. „Ich möchte mich daher darauf beschränken, zu betonen", so fuhr Dr. Goebbels fort, „daß es in einer Zeit, in der viele Länder Europas von den schwersten wirtschaftlichen und politischen Krisen heimgesucht sind, in Deutschland möglich ist, nach einer Z^jährigen Aufbauarbeit des nationalsozialistischen Staates ein wirkliches Fest der Freude und des Friede n s zu feiern, ein Fest, zu dem wir alle Nationen der Welt eingeladen haben, und zu dem alle Nationen der Welt erschienen sind. Ich habe den Eindruck, daß dieses Fest vielleicht wichtiger ist, als manchekon- f e r e n z, die in der Nachkriegszeit abgehalten worden ist. Hier ist für die verantwortlichen Männer der Nationen die Möglichkeit gegeben, sich kennen und schätzen zu lernen. Dieses aber ist die Voraussetzung für eine wahre und echte Verständigung, die Europa not tut, und die von allen Ländern in Europa ersehnt und erhofft wird. So gesehen, hat dieses olympische Fest weit über seinen rein sportlichen Charakter hinaus einen politischen Sinn und zwar einen politischen Sinn aus einer höheren Art als der der Tagespolitik: wir wollen uns kennen und schätzen lernen und dadurch eine Brücke b a u e n, auf der die Völker Europas sich verständigen können." Kaum waren die Worte des Reichsministers Dr. Goebbels verklungen, als die vereinigten großen Orchester der Reichssender Berlin und Frankfurt am Main unter Kapellmeister Heinrich Steiner zur Olympia-Hymne ansetzten. Nachdem die feierlichen Klänge verhallt waren, dankte im Namen des Internationalen Olympischen Komitees dessen Präsident Graf Vaillei-Latour der Reichsregierung für die tatkräftige Unterstützung, mit der sie die Vorbereitungen des IOK. und des Organisationskomitees gefördert habe. Der Redner sagte, zugleich für alle ausländischen Gäste, daß sie auf das tiefste gerührt seien von dem außerordentlich freundlichen Empfang, der ihnen vom um Aegypten, um Indien, um die Weltmachtstellung Englands. Im Kampf gegen Napoleon, den Feind Englands, hatte er fein Leben verbraucht, und Napoleon mußte endgültig geschlagen werden, auch wenn die Ehre das Letzte forderte: das Leben für den Sieg. Denn im Kampf um die Ehre Englands war das Höchste noch nicht gut genug. „England erwartet, daß jedermann seine Pflicht tue!" ließ Nelson auf dem Mast der „Victoria", seines Schiffes, hissen, und er wußte, was er tat, wenn er feine Leute an die Heimat erinnerte. Dann sprachen die Kanonen über die dumpf rauschenden Wogen. Bei der Südflotte rollte der erste Schuß, längs bauschige Wolken Schiff an Schiff, daß die Lust wie unter Windstößen zitterte. Collingwood, ein alter Seebär, stand auf der Kommandobrücke und schrie, um im Getöse gehört zu werden, seinem Kapitän ins Ohr: „Was würde Nelson darum geben, wenn er jetzt an meiner Stelle stünde!" Nelson aber, noch nicht am Feind, rief in gleichem Augenblick mit dem Stolz eines Vaters und Lehrers: „Seht, wie der brave Kerl ins Gefecht fährt!" Bereits um zwei Uhr mußte das spanische Schlachtschiff Santa Ana die Flagge streichen; als Admiral Alava tödlich verwundet worden war, fehlte jede einheitliche Führung, und Collingwood schoß die Franzosen und Spanier, die gegen ihn kämpften, in Schutt und Brand und auf den Grund. Zehn Schiffe nahm er gefangen ins Schlepptau. Schwerer lag Nelsons Gruppe gegen die Ueber- macht. Hier kämpften die Verbündeten mit beispielloser Todesverachtung: das spanische Flaggschiff „Santissima Trinidad" ergab sich erst, als dreihundert Tote an Deck lagen, darunter Admiral Cismeros. Sechzig Zoll Wasser standen im Schiff, die Kanonenkugeln hatten gute Arbeit geleistet. Aber auch Nelson verlor Leute und Masten. Wie er es vom einfachen Matrosen verlangte, stand auch Nelson auf feinem Posten, auf der Kommandobrücke. Leicht an den Mast gelehnt, blickte er roie unbeteiligt in das Gewühl, von den berstenden Schüssen unberührt und furchtlos vor dem Tode. Alles, was getan werden konnte, war erfüllt und Englands Sieg, Englands Ruhm gewiß. Und doch, schien es nicht, als müßte ein höheres Opfer, eine höhere Pflicht, eine höhere Hingabe gewagt werden? Es war wie ein Schlag, der Nelson durchfuhr, ein plötzliches Erkennen, ein freudiger Schreck, der ihm den Atem benahm. Plötzlich fühlte er unendliche Schwäche und Müdigkeit, er stauchte in die Knie und fiel Hardy vor die Füße. Die Wache sprang herbei, vier Offiziere, und mitten durch den Schlachtenlärm des Schiffes wurde der Admiral in die Kajüte getragen. ganzen deutschen Volk bereitet worden sei. „In dieser herzlichen Festftimmung konnten die Olympischen Spiele 1936 in einem grandiosen Rahmen und in einer Atmosphäre allgemeiner Sympathie, die durch keine politischen Schwierigkeiten getrübt wurde, stattfinden." Abschließend gab Baillet-Latour der Hoffnung Ausdruck, daß durch die vorbildliche Durchführung der XI. Olympischen Spiele in Berlin die Zahl derer, die sich im Zeichen der fünf Ringe der Völkerverständigung widmen wollen, in Deutschland und in allen Ländern fi ch vervielfachen möge. Nach den Festansprachen begann das reiche künstlerische Programm. Kammersänger Heinrich S ch l u ß n u s , Kammersängerin Maria Müller und Kammersänger Helge Ros- maenge sangen Lieder und Arien von Wagner, Schubert, Strauß und Weber, begleitet vom Philharmonischen Orchester unter Staatskapellmeister Robert Heger. Zwischen den gesanglichen Darbietungen tanzte das Ballett der Staatsoper unter der Leitung von Lizzie M a u d r i k mit großem Erfolg den Kaiserwalzer von Strauß, einen Spitzentanz aus „Donna Diana" und die Spaniola aus „Die Zaubergeige" von Werner Egk. Mit lebhaftem Beifall dankten die Gäste für diese köstlichen Gaben deutschen künstlerischen Schaffens. Der Rahmen für diesen außergewöhnlichen Abend war die durch den Münchener Architekten Max Michael Oswald in einen einzigartigen Festraum verwandelte Staatsoper. Der Einladung der Reichsregierung hatten arte in Berlin anwesenden führenden Persönlichkeiten des Auslandes Folge geleistet. So sah man K ö - nig Boris von Bulgarien und Kronprinz Umberto von Italien. Das Diplomatische Korps war fast vollzählig vertreten. Weiter waren zugegen die Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees, die Mitglieder des Organisationskomitees mit ihrem Präsidenten Staatssekretär a. D. Dr. Lewald, der Präsident des deutschen Olympischen Ausschusses, Reichssportführer von Tschammer und Osten, sowie die Präsidenten der nationalen olympischen Komitees und der internationalen Sportverbände. Außerdem wohnten auch zahlreiche frühere Olympiasieger und Aktive dem Empfang bei. Von der großen Zahl der ausländischen Gäste seien ferner noch genannt: die Gattin des italienischen Propagandaministers A l f i e r i, Unter« ftaatsfetretär Vansi11art, der frühere Kriegs- marineminifter P i 6 t r i, Major Fretherston- G o d l e y, der frühere amerikanische Botschafter in Berlin Schurman. Dan deutscher Seite waren u. a. anwesend: der Stellvertreter des Führers Rudolf Heß, die meisten Reichsminifter, Generaloberst Freiherr von Fritsch, Generaladmiral R a e d e r, die R e i ch l e i t e r Himmler, Lutze, Bouhler, Bormann, Dr. Ley, Dr. Dietrich, von Schirach, Hierl, ferner General D a l u e g e, Generaldirektor D o r p m ü l l e r, Korpsführer Hühnlein und Reichsstatthalter General Ritter von Epp. An der Spitze einer großen Zahl von Vertretern des deutschen künstlerischen Schaffens in Film und Bühne waren die Intendanten Clemens Krauß, Gustaf Gründgens und Eugen Klöpfer sowie Staatsrat Furtwängler erschienen. Die Gäste blieben nach dem Abschluß des Programms mit den Vertretern der Reichsregie- rung, der Partei und des künstlerischen Lebens in festlicher Stimmung, angeregter Unterhaltung, die manche Fäden knüpfte, noch lange zusammen. Drei Erdteile an einem Tage. Ein Asien-Afrika-Enropa-Iing Elli Beinhorns. Berlin, 6. Aug. (DNB.) Die bekannte deutsche Fliegerin Frau Etly Beinhorn-Rose- meyer hat sich die Aufgabe gestellt, mit einem Sportflug die drei Erdteile Asien, Afrika und Europa in einem Tagesflug zu verbinden. Die Fliegerin war mit ihrem neuen Messerschmitt-Flugzeug „Taifun" nach einem Fluge von VIz Tagen von Berlin nach Damaskus am Donnerstagfrüh 0.20 Uhr Ortszeit in dieser Stadt zu dem eigentlichen Flug über drei Erdteile gestartet und hatte zunächst Kairo angeflogen. Um 3.40 Uhr hatte sie die ägyptische Hauptstadt in Richtung Athen verlassen. Die Strecke Kairo—Athen beträgt etwa 1000 Kilometer, von denen 950 über Wasser zurückzulegen sind. Nach Zwischenlandungen in Athen und Budapest erreichte sie nach insgesamt etwa 20slündigem Flug (einschließlich der drei Zwischenlandungen) den Berliner Zentralflughafen. Als die Fliegerin nach glatter Landung um 19.20 Uhr auf dem Rollfeld ihrer Maschine entstieg, war sie sofort von zahlreichen Gratulanten umringt, die sie herzlich zu ihrem neuen großen Erfolg beglückwünschten. Elly Beinhorn-Rosemeyer, der man die Strapazen des Fluges nicht ansah, zeigte sich über das gute Gelingen sehr erfreut, dies um so mehr, als sie stellenweise Gewitter und starken Gegenwind angetroffen hatte. Die Worte der Anerkennung und des Dankes, die sie von allen Seiten zu hören bekam, brachte die bekannte deutsche Segelfliegerin Hanna Reitsch auf die einfachste Formel, indem sie die Kollegin mit den Worten begrüßte: „Elly, du bi st doch ein toller Kerl!" „Sie haben mir den Rest gegeben", stöhnte er. „Ich hoffe nicht", klagte Hardy. „Doch, das Rückgrat ist mir durchschossen." Herbeigerufen, bestätigte der Feldscher, was Nelson ahnte: eine Musketenkugel durchschlug die linke Schulter, drang in die Brust und blieb im Rücken stecken. Bleich und blutig, ohne sich zu rühren, lag Nelson auf seinem Bett, nur manchmal winkte er den Kapitän zu sich oder ließ ihn rufen, wenn Hardy oben Schiff und Gefecht leitete. Und es war nur eine Frage, stundenlang das eine karge Sätzchen nur, das über die blutleeren, trockenen Lippen drang: „Wie steht die Schlacht?" „Der Sieg ist vollständig", murmelte Hardy düster, „aber die Flotte trauert." „Wieviel sind genommen?" stieß Nelson ungeduldig hervor. „Wir können nicht jedes einzelne Schiff sehen..." „Wieviel, Hardy?" „Ich bin sicher, daß vierzehn ober fünfzehn die Flagge streichen mußten." „Das ist gut", seufzte Nelson und sank matt und schwer auf das Kissen zurück, „doch hatte ich mit zwanzig gerechnet." Noch einmal aufgerichtet, eindringlich, mahnend, beschwörend: „Ankern, Hardy, anfern! Sturm wird aufkommen, und unsere Flotte ist mitgenommen; wir müssen in den nächsten Hafen, die Beute bergen und Ruhe schöpfen." Kein Wort mehr, keine Klage, keinen Laut des Schmerzes, fein Jammergeschrei um das verlorene Dasein, das Ehre bot, verlockenden Ruhm und alle Freuden, nur noch die Sorge um die Flotte. Gegen vier, als Schlacht und Sieg entschieden, Englands Ruhm begründet war und das Mittelmeer, Indien und Aegypten gerettet, nur noch ein erlöstes Aufatmen, bevor das tapfere Leben erlosch: „Gott sei Danf, ich habe meine Pflicht getan!" Der erste deutsche Farbtonfilm. Die deutsche Filmkunst hat mit einem Kurzfilm nach dem Verthon-Siemensverfahren nunmehr den ersten Schritt aus der Werkstatt der Wissenschaft und der Technik in die Öffentlichkeit getan. Im Ufa-Pavillon am Nollendorfplatz in Berlin wurde am Dienstag der unter der künstlerischen Oberlei- tuna von Carl Froelich und unter Regie von Rolf Hansen geschaffene Farbenfilm „D a s Schönheitspflästerchen" uraufgeführt. Der Vizepräsident der Reichsfilmkammer, Hans Weidemann, schilderte in einleitenden Worten kurz die Auf ihrem Rückflug von Damaskus legte Elly Beinhorn-Rosemeyer 3550 Kilometer zurück, so daß man bei Hinzurechnung der 2680 Kilometer für den Hinflug auf eine Gesamtkilometertei- stung von 6 2 3 0 Kilometer in 2Vz Fluglagen kommt. Für ihren Flug benutzte sie ein viersihiges Kabinenflugzeug der Bayrischen Flugzeugwerke Augsburg, Konstruktion Messerschmitt, Typ Taifun, mit Argus-Motor A. S. 260 PS. Die Höchstgeschwindigkeit der Maschine beträgt 310 Kilometer, die Reisegeschwindigkeit 260 Kilometer. Was Elli Beinhorn mit ihrem letzten Flug erreicht hat, ist in der Geschichte des Luftsports bisher «noch nicht dagewesen. Drei Erdteile, Asien, Afrika und Europa, wurden an einem einzigen Tage durch das Flugzeug verbunden. Ganz still und heimlich, ohne viel Lärm und vorheriges Reklamegeschrei, hat die junge Ehefrau mitten in den Flitterwochen — sie hat bekanntlich vor kurzem den deutschen Rennwagenfahrer Rosemeyer geheiratet — diese gewaltige Leistung vollbracht. Es muß etwas dahinter stecken, wenn selbst eine Sportfrau unter solchen Umständen diesen kühnen und nicht ganz ungefährlichen Flug unternimmt. In der Tat, es geschah auch nicht aus Rekord- oder Ruhmsucht ober aus sonstigen persönlichen Grünben, sonbern was Elli Beinhorn tat, tat sie zur Ehre bes Sports, zur Ehre Deutschlanbs unb zur Ehre ber Olympischen Spiele in Berlin. Es ist gewissermaßen eine inoffizielle Golbmebaille, bie sich bie tapfere Fliegerin mit ihrem Eintagsflug über brei Kontinente erobert hat, wir alle beglückwünschen sie zu biefem großen Erfolg unb wünschen ihr, baß bie Serie ihrer glückhaften Pionierflüge mit biefem Olympiaflug noch nicht abgeschlossen sein möge. Schwierigkeiten, bie zu überroinben waren unb forderte alle an ber Entwicklung ber beutschen Filmkunst beteiligten Kräfte zum vollen Einsatz ihres Könnens für bie weitere Gestaltung unb Verbesserung bes Farbenfilms auf, bamit nicht anbere Völker uns barin den Rang ablaufen. Dem Hause Siemens unb seinen Mitarbeitern würbe ein warmer Dank für bie geleistete Arbeit unb ben bewiesenen Wagemut im Betreten von Neulanb zuteil. Der Film, nach einer Maupassantnooelle gestaltet, be- hanbelt eine galante Episobe aus bem Leben ber Pompabour. Wohl nicht ohne Absicht hat man für ben ersten Farbenfilm eine Zeit gewählt, beren Kostüm mit ihren prächtigen bauschenben Samt- unb Seibenroben, Golbstickereien, Spitzen unb Juwelenschmuck ben Reiz bes Farbenfilms befonbers aus« brucksvoll zur Geltung bringt. Daß wir erst am Anfang bes Farbenfilms stehen unb baß er noch weiterer Verbesserung bebarf — noch beherrscht ber rote Ton bas Bilb etwas zu stark — verhehlt sich niemanb. Trotzbem ist mit biefem Kurzfilm in Drei- farben ein Anfang gemacht, ber alles Lob Der« bient. Er fanb benn auch bie bankbarste Zustimmung bei ben Zuschauern. Lil D a g v v e r, Wolfgang Liebeneiner, Susi Lanner u. a. gaben bem Film bie graziöse Heiterkeit, bie jener leichtbeschwingten Epoche eigen war. Die Musik von Milbe-Meißner begleitete bie Spielhand- lung mit bisfreter Untermalung. „Die Kopfjäger von Borne o", ber Hauptfilm bes Abenbs, ließ bebauern, baß ber Farbenfilm erst in feinen Anfängen steckt, benn bie üppige Pracht ber Urwalblanbfchaft in natürlichen Farben auf ber Leinwanb zu sehen, war nach bem vorangegangenen Farbenfilm ber Wunsch aller, die ihn zuvor berounbert hatten. Die von Baron Viktor v. P l e s s e n unb seinen Mitarbeitern — an ber Kamera Richarb Angst, Walter Traut unb Hans Staubinger — in Borneo aufgenommenen Silber von Lanbschaft unb Bewohnern ber zweitgrößten Insel ber Erbe boten prachtvolle Szenerien. Nach einem beim Stamme ber Dajaks vorgekommenen Liebeskonflikt zwischen ihrem Häuptling unb einer Sklavin ist bie Spielhanblung gestaltet, bie von Angehörigen bes Stammes, schönen, ernsten Menschen, mit einer ergreifenb einbring« liehen, fast wort- unb geftenlofen Darstellung vor uns gelebt wird. Das geheimnisvolle Land unb seine geheimnisvollen Menschen sind in diesem Film mit künstlerischem Takt behandelt. Er erschließt ben Blick in eine eigenartige frembe Gefühlswelt. Wolfgang Zeller hat ihr eine einfühlenbe musikalische Deutung gegeben. Starker Beifall lohnte das gelungene Werk bieses neuesten Expebitions- films. S.-H. Aegyptens neuer Kurs. Don unserem Ehr.S B.-Korrespvndenten. London, Anfang August. Wenn sich die Weltpresse im Augenblick — durch die jüngsten Ereignisse in British-Palästina ab* gelenkt — von den Problemen in Aegypten abge* wandt hat, so bedeutet dies keineswegs, daß man die gespannte Lage in Kairo von London aus unterschätzt. Obwohl es eine Tatsache ist, daß die W a f d — bekannt durch ihr außerordentlich europäerfeindliches Parteiprogramm — im ägyptischen Unterhaus diesmal schwächer vertreten sind als man vielleicht erwartet hatte, weiß man in Downing Street doch um die wirklichen Ursachen der scheinbaren Parteischwäche, die in einer außerordentlich gut durchgeführten Reinigungsaktion inner, halb des Wafd-Apparates begründet sind. Bereits Monate vor den Wahlen säuberte man die Partei von allen lauen Elementen, um das ursprüngliche Programm, das die Verwaltung und Regierung des Landes ausschließlich durch Aegnp- ter vorsieht, schwungkräftig und ohne die bisher üblichen Kompromisse vortragen zu können. Gleichzeitig mit diesen bedeutsamen Vorgängen ging auch ein Neuaufbau der jugendlichen außer* parlamentarischenKampftruppen von- statten, die mehr als bisher in der reinen Außenpropaganda eingesetzt werden und zwar in einem solchen Grad, daß aus Aegypten zurückkehrende Reisende feststellen, daß es die „Blauhemden" der Wafd sind, die augenblicklich das Straßenbild in Kairo eindrucksvoll beherrschen. Schließlich beweist auch die dauernde, zahlenmäßige Zunahme dieser Gruppen den Willen der Bevölkerung, in absehbarer Zeit eine neue Verwaltungsmaschine innerhalb Aegyptens zu entwickeln, die mit der bisherigen englischen Vorherrschaft an den wichtigsten Plätzen des Landes abrechnen würde. Auf parlamentarischem Gebiet haben sich, seit dem Regierungsantritt der Wafd, ebenfalls wichtige Entscheidungen begeben, unter die vor allem die Ernennung eines besonderen Palastministers durch Nahas Pascha gehört. Diese Ernennung ist für die Zukunft von größter Tragweite, denn zum ersten Male ist dadurch d i e Ueberbrückung vom Volk zum Palast vorgenommen worden — ein entscheidender Schritt nicht nur gegen die bisher hinter den Kulissen sehr einflußreiche Palastpartei, sondern auch zur Beeinflussung des noch jugendlichen neuen ägyptischen Herrschers Faruk, der vor wenigen Wochen seine Studien in England begonnen hatte und nach Aegypten zurückkehrte, als sein Vater, König Fuad, starb. Der junge Monarch ist wie aus zuverlässigen Quellen mitgeteilt wird, den Ideen der Wafd durchaus zugänglich und kann, wenn man es versteht, diese Anschauung in ihm zu festigen, sehr leicht ein weiteres Bollwerk gegen die englische Verwaltung werden. Um den neuen Posten des Palastministers sind denn bereits auch schon heftige Diskussionen entbrannt, in denen vor allem der bisherige Regentschaftsrat, der sich in seinem Machtbereich erheblich gestört fühlt, aus seiner Stimmung keinen Hehl machte. Für die breite Bevölkerung natürlich sind die erwarteten neuen und wirtschaftlich bedeutungsvollen Gesetze der Wafd von größtem Interesse. Die Fel- lahs leiden noch heute unter den Jahren der Wirtschaftskrise, die 1930 ihren Höhepunkt erreichte und Löhne und Preise in ein abnormes Verhältnis brachten, und die Arbeiter, die unter dem System der 60- bis 70-Stundenwoche arbeiten und trotzdem kein Geld von ihren Löhnen zu sparen vermögen, warten nicht minder auf eine Besserung ihrer Lage, während man in London allerdings in dieser Frage sehr skeptisch ist. Wenn man in London zu der Ernennung des Palastministers schwieg, so macht man doch aus der allgemeinen Enttäuschung der britischen Regierung über die Haltung Nahas Paschas keinen Hehl. Man erwartete wohl vor allem eine Kette von Verurteilungen gegen die Studenten in Kairo, die im vergangenen Winter und Frühjahr für die häufigen Zusammenstöße mit der Polizei für schuldig gehalten werden. Bis jetzt sind solche Massenoerurteilungen jedoch nicht erfolgt — es laufen ganz im Gegenteil ^ioch immer täglich Klagen von mißhandelten Zivilpersonen bei den Gerichten ein, die alle das rücksichtslose Vorgehen der Polizei tadeln! Wie man auch immer diese inzwischen beendeten Unruhen betrachten mag, muß man doch zu dem Ergebnis kommen, daß jene Studenten, von denen viele mit der Wafd-Partei sympatisierten, aus keinen anderen als patriotischen Motiven handelten, und wenn ihre Manieren bei ihren Vorgehen nicht immer salonmäßig blieben, unterschied sich dies doch kaum von der Haltung der Polizei und — in einzelnen Fällen des Militärs. Wenn London sich zu jenen, oben angeführten Punkten, skeptisch stellt, so ist man doch hier auf der anderen Seite auch wieder fair genug, zuzugeben, daß trotz des Parteiprogramms der neuen Regierung die Aussichten für ein gutes Zusammenarbeiten mit Aegypten nie besser waren und daß es gerade die klare und unmißverständliche Haltung der neuen Minister :st, die einen aufrechten und eindeutigen ägypti sch- englischen Vertrag lebensfähig machen kann. Man hat sich in Westminster an die klaren Forderungen und die unmißverständliche Sprache der Wafd überraschend schnell gewöhnt und ist, vielleicht zum ersten Male in den Nachkriegsjahren, bereit, sich die Erhaltung eines friedlichen Seeweges nach Indien auch etwas kosten zu lassen. Mit der Verwirklichung einer derartigen Erkenntnis würde sich der ägyptische Dorn schließlich von selbst aus dem englischen Fleisch lösen, und das endliche Ergebnis wäre eine nicht zu unterschätzende Beruhigung der Lage im östlichen Mittelmeer, eine Beruhigung, die schließlich ganz Europa in den Wirkungskreis ihres Einflusses bringen könnte. Ein erster Erfolg des neuen Kurses scheint die Verständigung über den Sudan zu sein. Das gewaltige afrikanische Gebiet, das sich non der Südgrenze Libyens und Aegyptens im Westen Afrikas bis zu der britischen Kolonie Uganda herunter- gieht, und im Osten an das Rote Meer und an Abessinien und im Westen bis an Französisch-Westafrika und den belgischen Kongo hinzieht, führt zwar den Titel „anglo-ägyptischer Su- d a n", der auf einen gemeinsamen brinsch-ägypti* schchn Besitz und eine gemeinsame Verwaltung hin* deutet. Aber bisher bildete der Sudan einen ewigen Streitgegenstand zwischen Großbritannien und Aegypten. Seit 1920 hat Großbritannien immer wieder versucht, mit Aegypten zu einer Einigung zu kommen. Alle Versuche scheiterten an den ägyptischen Forderungen. Jetzt ist man, und zwar zweifellos unter dem Eindruck des italienischen Sieges in Abessinien endlich zu einer Verständigung gelangt, die Dauer verspricht. Das Riesengebiet rechtfertigte seinen Namen insofern nicht, als die Verwaltung des Landes ausschließlich in britischen Händen lag. Den Ägyptern war sogar verboten, im Sudan Grundbesitz zu erwerben und sich ständig niederzulassen. Ja die früheren Garnisonen Aegyptens im Sudan waren seit 1924 aus dem Gebiet ausgeschlossen, dis Truppen bestanden lediglich aus Briten. De facto war also der anglo-ägyptische Sudan ein rein britisches Interessengebiet. Die Forderungen der Aegypter gingen bisher bis zur vollen Gleichberechtigung mit Großbritannien. Diese Wünsche sind den Aegyptern jetzt zwar nicht erfüllt worden, wohl aber sind die Diskriminierun- gen rückgängig gemacht worden, von denen wir oben sprachen. Für Großbritannien bedeutet die Anerkennung eines anglo-ägyptischen neuen Statuts* im Sudan einen Erfolg, denn der antibritischen Propaganda in Aegypten wird damit eine ihrer Hauptwaffen aus der Hand genommen. Zugleich geht aus der ägyptischen Zustimmung zu der neuen Regelung hervor, daß die neue nationalistische Regierung Aegyptens offenbar die Absicht hat, sich stärker' als während der Regierungszeit Fuads an Großbritannien anzulehnen. Große deutsche Erfolge am fünften Tage der Olympischen Spiele. Stöck Sieger im Speerwerfen. — Handrick gewinnt den Modernen Fünfkampf, van Oyen Erster im Schnellfeuer-Pistolen-Schießen. Kein Tag ohne eine Goldmedaille für Deutschland! Das ist bei diesen wunderbaren XI. Olympischen Spielen zu Berlin nun schon eine überaus erfreuliche obligate Tatsache geworden. Ader dieser Donnerstag, dieser fünfte Wettkampftag, hat sich ür unsere Olympia-Kämpfer doch noch gan* be* anders gelohnt. Nachdem Josef Manger (Freiing) am späten Mittwochabend im Schwer* gewicht-Stemmen schon die „Goldene" eingeheimst hatte, fielen im Lause des Donnerstages Deutschland drei Goldene und zwei Sil* b e r n e Medaillen zu. Goldene in der Leichtathletik durch den Speerwerfer Gerhard Stöck, im Modernen Fünfkampf durch Oblt. — jetzt Hauptmann — Handrick und im Schnellfeuer-Pi st olen-Schießen durch van O y e n, der ohne einen Fehlschuß zu tun Olympia-Sieger wurde. Die „Silbernen" holten Anny Steuer im 80-Meter-Hürden- la use n und Hauptmann Hax im Pist ölen- Schnellfeuerschiehen. Fürwahr — eine grandiose Ausbeute! Die größte Freude und zugleich größte lieber* raschung des Tages verschaffte uns wohl Gerhard Stöck durch feinen Sieg im Speerwerfen. Mit einer Weite von 71,84 Meter — erzielt im zweiten Durchgang der Entscheidung — ließ er die ganze nordische Werfergarde mit Rikkanen (70,77 Meter), Toivonen (70,62 Meter), Atterwall (69,20 Meter) und Matti Järvinen (69,18 Meter) klar hinter sich. Sechster wurde der Amerikaner Terry mit 67,15 Meter. Anny Steuer wurde in der 80-Meter- Hürden-Entscheidung der Frauen mit denkbar knappstem Rückstand Zweite hinter der Italienerin Dalla. Vier Läuferinnen, neben den beiden Siegerinnen noch Taylor (Kanada) und Testoni (Italien), durcheilten nach 11,7 Sekunden das Ziel und zwar so auf gleicher Höhe, daß das Ergebnis nur durch die Zielphotographie einwandfrei festgestellt werden konnte. In den Entscheidungen über 110 - Meter- Hürden und 1500 Meter waren Deutsche nicht vertreten. Hürden-Olympiasieger wurde F v r - re st Tvwns (USA.) und Finlay (England) .lieber 1500 Meter gab es ein großartiges Rennen zwischen John Lovelock (Neuseeland), Cunningham (USA.) und Beccali (Italien). Sieger wurde nach schärfstem Kampf der Neuseeländer Lovelok in der neuen Weltrekordzeit von 3:47.8 Minuten vor Cunningham und Beccali. In der Dreisprung- Entscheidung waren zwei Japaner und zwar Tajima und Harada vorne. Tajima sprang dabei genau 16 Meter — neuen Welt- und Olympia-Rekord! Hinter Metcalfe (Australien), 15,50 Meter, placierte sich als Vierter der Leipziger Student Wöllner mit der neuen deutschen Bestleistung von 15,27 Meter. Ein Erfolg, der nicht hoch genug gewertet werden kann. Aus den Vor* und Zwischenläufen über 400 Meter qualifizierte sich durch vielbejubelte Siege im sechsten Vorlauf und zweiten Zwischenlauf der Deutsche Lt. Blaze* jezak für die Vorentscheidung. Klupsch (Deutschland) schied im Vorlauf aus und Metzner konnte infolge einer Verletzung nicht am Start erscheinen. Die letzte Prüfung des Modernen Fünfkampfes war der 3000-Meter-Gelände- l a u f. Sieger wurde hier ßeban (Oesterreich) in 13:17,4 Minuten vor Hietala (Finnland) und Wyß (Schweiz). Er st er im Gesamtklassement blieb aber Oblt. Handrick (Deutschland) und wurde dadurch mit 31,5 Punkten Olympia-Sieger vor Leutnant Leonard (USA.) 39,5, Oblt. Abda (Italien) 45,5 und Oblt. Thofelt (Schweden) 47 P. Lt. Lemp kam in der Gesamtwertung auf den 6. Platz, Utffz. Bramfeld auf den 12. Im Schwimmen war Oblt. Handrick 14. geworden, Bramfeld belegte den 10. und Lt. Lemp den 21. Rang. Die dritte Gold-Medaille des Tages errang für Deutfch- land van Oyen im Pistolen-Schnell- feuer-Schießen. Van Oyen erledigte alle Serien mit der höchstmöglichen Trefferzahl. Hptm. Hax, der sich die „Silberne" sicherte, machte nur in der Dreisekunden-Serie einen Fehlschuß, sonst kam er ebenfalls auf die größte erreichbare Trefferzahl. Auch im zweiten Schieß-Wettbewerb, im Pistolen-Scheibenschießen, das am Nachmittag in Wannsee seinen Anfang nahm, liegt Deutschland nach dem ersten Tage außerordentlich günstig. Erich K r e m p e r hat mit 544 Punkten die Führung vor. dem Amerikaner Jones inne. Das Fußball-Turnier wurde mit den beiden letzten Spielen der Vorrunde fortgesetzt. Abei außereuropäische Mannschaften spielten dabei zum ersten Male in Deutschland, China und Peru. Beide zeigten großes Können. Peru schlug Finnland überlegen mit 7:3 (3:1). China war weniger glücklich, verlor aber gegen Großbritannien mit 0:2 (0:0) nur sehr knapp. Die Paarungen der Zwischenrunde, die am Freitag beginnt, lauten: Norwegen—Deutschland, Italien—Japan, Oesterreich—Peru und Polen—Großbritannien. Im Hockey-Turnier griff Deutschlands Elf zum erstenmal in die Ereignisse ein, und zwar gleich mit einem durchschlagenden Erfolg. Dänemark war vor 15 000 Zuschauern im Hockey- Stadion der Gegner und wurde von einer ausgezeichnet spielenden deutschen Mannschaft überlegen mit 6:0 (2:0) geschlagen. Holland zeigte sich diesmal gegen die Schweiz von einer weitaus besseren Seite als beim ersten Spiel gegen Belgien. Mit 4:1 (2:1) siel die Niederlage der Schweiz ziemlich deutlich aus. — Das Handball-Turnier begann mit klaren Siegen der für den Endkampf in Frage kommenden Nationalmannschaften von Deutschland und Oesterreich. Deutschland hatte Ungarn zum Gegner und gewann mühelos mit 23:0 (14:0), während Oesterreich über Rumänien mit 18:3 (5:1) siegreich blieb. Im Olympia-Radstadion fanden von 5000 Zuschauern die ersten Kämpfe der Radfahrer statt. Toni Merkens gewann seinen Dorlauf überlegen mit zwei Längen vor dem Amerikaner Sellinger. Auch im Mannschafts- Verfolgungsrennen blieb die deutsche Vertretung Vorlaufsieger. Das Polo* Wiederholungsspiel zwischen Deutschland und Ungarn endete mit einem klaren 16:6-Sieg der Ungarn. Am Donnerstag wurde auch das Florettfechten der Männer entschieden. Die Olympische Goldmedaille errang der Italiener Gaudini mit sieben Siegen, 20 erhaltenen Treffern und 14 Punkten vor Edward Gardöre-Frankreich (6 Siege, 25 Treffer, 12 Punkte) und Bochino-Jtalien (4 Siege, 22 Treffer, 8 Punkte). Den vierten Platz nahm der Deutsche Erwin Casmir mit 4 Siegen, 29 Treffern und 8 Punkten ein. Berlin steht auf dem Kops. Olympischer Wochenbericht. - Kameradschaft der Welt. — Ein Fest ohne tummel. berliner Vries. Berlin ist bis zum Rande voll, Zur Erde fällt kein Knopf. Und wenn man es beschreiben soll: Berlin steht auf dem Kopf! Eine Woche „Olymvia" liegt hinter uns. Was har sie uns gebracht? In drei Worten: Freude, Anerkennung und — Gedränge! Denn wohin inan blickt, sieht man lachende, fröhliche, vergnügte Menschen: wohin man hört, vernimmt man Lobesworte in allen Sprachen der Welt; wohin man geht, kommt man — nicht weiter! Wenigstens nur schrittweise! Aber wen stört das? Auf den Straßen und Plätzen Berlins, in den Gasthäusern, in den Kaffeehäusern, in den Vergnügungsstätten und — selbstverständlich! — auf den Kampfstätten ist so viel zu schauen, zu bestaunen, zu erleben, daß es fast ein Glück ist, wenn man nicht schneller vorwärts kommt. Man würde sonst zu viel übersehen. Zum Beispiel jenen Amerikaner, der aus lauter Frcude über sein olympisches Erlebnis am hellichten Tage auf einer der belebtesten Straßen Berlins plötzlich Kopf steht. Er ist durchaus nüchtern, er freut sich halt nur so über den Trubel und den Betrieb Berlins. Bald bildet sich um ihn ein Kreis erwachsener und jugendlicher Berliner, die ihn bewundern und gleich versuchen, es ihm nachzumachen; warum soll Berlin nur bildlich gesprochen auf dem Kopf stehen? Zumal die Polizei lächelnd zuschaut und gar nicht daran denkt, einzugreifen oder an dieser verkehrswidrigen Olympia-Hebung „öffentliches Aergernis" zu nehmen. Auch daran nimmt die Polizei keinen Anstoß, wenn sich urplötzlich ein biederer Schweizer auf die Reichstagstreppe stellt und dort Waldhorn b l ä st. Oder, wenn die zur Eröffnungsfeier fahrenden Estländer im S-Bahnzug Lieder fingen und ihre Schlachtrufe ausproben. Warum auch diese Ausbrüche ehrlicher Freude und vergnügter Ausgelassenheit hemmen? Olympia kommt nicht wieder! Und so kostet man jede Minute aus und läßt sie auskosten. Wenn es in diesem Gedränge dann auch gelegentlich etwas hapert; wenn man sein Mittagessen erst 3ur Abendzeit bekommt, weil die Küche „nicht marschiert" ober wegen des Gedränges nicht marschieren kann, dann nimmt man auch das mit Humor hin und denkt: Schon die alten Griechen mußten sich am Olympiafest drängen ... ♦ Was aber, so möchte man draußen im Reich wohl gern wissen, ist nun der größte Eindruck dieser ersten Olympia-Woche gewesen? Oder, um es mit einem verpönten Fremdwort auszudrücken: was imponierte am meisten? Dieses: die grenzenlose Kameradschaft der Welt! Grenzenlos deshalb, weil es in diesen Wochen keine staatlichen und völkischen Grenzen gibt. Weil alles, was sich zur Zeit in Berlin trifft, eine große olympische Gemeinschaft bildet, in der es kein Gegeneinander, sondern nur ein Miteinander gibt. Rührend und beglückend die vielen kleinen Szenen auf den Straßen Berlins, wo man sich radebrechend und dolmetschend miteinander zu verständigen sucht, wo aber immer der Wille sichtbar wird, einander zu helfen. Niemand verlangt, daß der Der- kehrsschupo weiß, wie das Wort „Fußball" in der Landessprache Afghanistans heißt; wenn aber der Afghane eine Fußbewegung macht, als ob er ein Tor schießt, nun dann weiß der Schupo Bescheid und schickt ihn schon an die richtige Stelle. Frische, lebhafte Knaben der verschiedensten Nationen, die Deutschland ins Jugendlager eingeladen hat, tummeln sich in ihren malerischen Trachten auf den Straßen Berlins; Kraftwagen des internationalen Studentenaustausches fahren durch Berlin und zeigen der studierenden Jugend der Welt die Reichshauptstadt; die Olympia-Kämpfer sind ob ihrer Unterkunft und Aufnahme begeistert; die ausländischen Zuschauer schütteln immer wieder die Köpfe über „dieses" Deutschland — und das alles Magenkrämpfe und andere oft unerträgliche Schmerzen entwickeln sich oft aus nervösen Magenbeschwerden. Ein ganz vorzügliches Mittel ist ROBA-SALZ (mit Kräuterpulvern!) Originaldose RM. 1.20. Herstell.: W alter Bühner&Co., Obemeuland/Bremen. 4441V Zuh. i. Apoth., bestimmt: Engel- Apoth., Hi sch-Apoth , Pelikan Apoth. W Miele die bekannte . Uehirciüaschmiis chine, deren günstiger Preis es gestattet, in jedem Haushalt elektrisch zu waschen. 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Aus aller Welt Verfügungen bekanntgegeben. — Diese sehen die Hausen oern Einrichtung von zwei radiotelegraphi s ch e n | zerstört und Oie Durchführung der Meerengenkonveniion. und wäh- doluk Kavak am Bosporus und in Tschimenlik in der Dardanellenzone aufgestellt. Für den Lotsendienst werden in den Dardanellen in Gallipoli und am Boporus in Buyuk Liman und Haydar Pascha Stationen errichtet. Weiter wird bestimmt, daß Zivilflugzeuge der Linie Midia-Enos zu folgen haben. Wasserflugzeuge können nötigenfalls Eregli überfliegen. — Die türkische Regierung wird in kürzester Zeit die an den Meerengen verbotenen militärischen Zonen bekanntgeben. Ankara, 6. Aug. (DRB.) Der türkische Außenminister hat sämtliche ausländischen diplomatischen Vertretungen über die provisorische Anwendung der Meerengenkonvention, die am 15. August in Kraft tritt, unterrichtet. Weiter hat er die neuen Der Kreis Nieswiez in der Woiwodschaft Nowo- grodek wurde von einem Wirbelsturm heimgesucht. Zehn Dorfgemeinden wurden in einen Trümmerhaufen verwandelt. Etwa 100 Gebäude sind restlos ""d vom Sturm fortgetragen worden. Englische Polizeibeamte v am Berliner Gefallenen-Lhrenmal. Hundert englische Polizisten von Scotland $arb, die unter Führung des Chief-Constable Couyers- Baker zum Studium der polizeilichen Maßnahmen während der Olympischen Spiele in Berlin weilen, legten am Ehrenmal Unter den Linden im Gedenken an die Gefallenen des Weltkrieges einen großen Lorbeerkranz mit blau-weißen Schleifen nieder. Der Kommandeur der Berliner Schutzpolizei, Generalmajor Dr. Münch au, wohnte der Totenehrung bei. prinz von Griechenland, der Erbprinz und die Erbprinzesfin Gustaf Adolf von Schweden, Prinz und Prinzessin Philipp von Hessen, Ihre Hoheiten Prinz und Prinzessin Christoph von Hessen, ferner der königlich italienische Propagandaminister A l = fieri und Gemahlin, die Söhne des italienischen Ministerpräsidenten, Bruno und Vittorio Mussolini, der Flügeladjutant des italienischen Kronprinzen, General A y m o n i n o, der königlich italienische Botschafter Attolico, der königlich schwedische Gesandte af Wirsen, der königlich griechische Gesandte Rizo-Rangabe mit ihren Damen teilnahmen. Ferner waren Ministerpräsident Generaloberst Göring, Generalfeldmarschall von Blomberg, Reichsminister Freiherr von Neurath, Reichsminister Dr. Goebbels, Reichsleiter B o u h l e r, die Staatssekretäre Dr. Meißner, Dr. Lammers, Funk und die Herren der persönlichen Umgebung des Führers mit ihren Damen anwesend. Handnck zum Hauptmann befördert. Berlin, 6. Aug. (DNB.) Der Führer Reichskanzler gab heute zu Ehren der rend der Olympischen Spiele in Berlin weilenden Fürstlichkeiten ein Frühstück, an dem S. M. der König der Bulgaren, Ihre Königlichen Hoheiten der Kronprinz von Italien und Prinzessin Maria von Savoyen, der K r o n - Olympiastadion. Schon vorher waren die Reichs- .Signal st ationen vor, eine in Sidil Bahr in Minister G ö ring, Frick und Darre auf der I den Dardanellen, die andere in Buyuk Liman am l Bosporus. Salutbatterien werden in Anda- Kinderlandverfchickung. „Gute Butter, keine Margarine, soviel Milch, wie ich will und auch Eier, Wurst und Schinken kann ich essen. Ich muß „Onkel" und „Tante" sagen. Am liebsten möchte ich hier bleiben." Ein lljähriges Mädelchen schreibt so an seine Eltern von dem Freiplatz aus der Kinderlandverschickung. Kannst du es nicht auch ermöglichen, ein Kind für kurze Zeit bei dir aufzunehmen? Deine NSB.-Ortsgruppe und die Kreisamtsleitung der NSV. nehmen deine Meldung entgegen. Wetterbericht des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. An der Südseite einer flachen Tiefdruckstörung über Holland hat sich vorübergehend wieder eine feuchtere Luftströmung eingestellt, die am Freitag nochmals stärkere Bewölkung und besonders im Gebiet des Westerwaldes Niederschläge verursacht. Bei anhaltendem Luftdruckanstieg wird sich dann aber wieder Witterungsbesserung einstellen, wenn auch die Temperaturen zunächst noch nicht beson- ders hoch ansteigen. Aussichten für Samstag: Veränderliche Bewölkung mit Aufheiterung, aber auch noch örtlichen gewittrigen Schauern, Temperaturen um 20 Grad, etwas lebhaftere westliche Winde. Aussichten für Sonntag: Vielfach auf- geheitertes und im ganzen trockenes Wetter, tagsüber wärmer. Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: i. V. Dr. Fr W Lange; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzelgenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: i. V. Hans Thein. D.A. VII 36- 9350. Druck und Verlag: Brühl'sche Universität^ Buch- und Stemdruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Aeßen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Emzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. Was diese Olympia-Wochen im übrigen noch erstaunlich und erfreulich macht, ist, daß selbst das größte Gedränge, selbst die Fülle der Veranstaltungen und Vergnügungsstätten, die Nächte ohne Hausschlüssel und des 24-Stunden-Betriebs der Verkehrsmittel, daß Lachen, Singen und Kopfstehen niemals zum „Rummel" ausarten, wie es oftmals auf Messen und Weltausstellungen der Fall ist. Alles atmet Gediegenheit! Keine marktschreierische Reklame macht sich breit. Sogar die Normaluhren, soweit sie Reklame tragen, sind mit einem grünen Eichenlaub umhüllt. Auch die Händler und Händlerinnen, auf eine erträgliche Anzahl beschränkt, drängen sich nicht auf; alle tragen sie die vorschriftsmäßige „Olympia-Uniform", in der sie sehr schmuck aussehen. Sie nehmen keine Ueberpreise, da sie scharf überwacht werden. Und so ist von dem einst berüchtigten „Berliner Nepp" nichts mehr zu spüren, und nirgends riecht es nach „Geschäft". Fabelhaft ist die S tr a ß e n d i sz i p l i n, obwohl keineswegs — wir deuteten es schon an — die „Pickelhaube" vorkriegs Angedenkens herrscht. Dem brüsken „Ich warne Neugierige!" ist die Losung „Wir wollen helfen und ordnen!" gewichen. Und wer die Polizei und die SS. und SÄ. in diesen Tagen, in denen sie ihr Letztes hergeben müssen, bei ihrer ruhigen, zielsicheren Arbeit beobachtet, der spürt auch hier den neuen Geist der Volks- und Völkergemeinschaft. Wie aber sieht auch heute der „blaue Schutzmann" aus! Nichts erinnert mehr an ehedem! In schmucken, schneidigen, blendend weißen Röcken, unter denen sie das Braunhemd tragen, mit einer flotten, ebenfalls blendend weißen, sportsmäßigen Mütze auf dem Kopf, regeln sie den Verkehr, als hätten sie zeitlebens nichts anderes als „olympisches Gedränge" gekannt. Und dann die K r a f t w a g e n ! Es ist so, als ob sich die Produktionsziffern aller Autofabriken der Welt zur Zeit in Berlin ein Stelldichein gegeben haben. Unwillkürlich fragt man sich, womit und worin fährt man zur Zeit in der übrigen Welt? Sie muß ja von Autos entblößt sein! Trotz dieser Fülle der Motoren aber hat sich die Pferdedroschke doch noch behauptet. Niemals hat die gute, alte „Lotte" so viel Fuhren gehabt wie jetzt. Und wenn die Gäste aus Amerika auch nur aus „historischem" Vergnügen mit der Pferdedroschke fahren, so erfüllt sie doch ihre Pflicht, zumal auch zur Zeit in Berlin ein Rennwagen nicht schneller vorwärts kommt als die brave Lotte! Natürlich wird Lotte auch geknipst! Was wird überhaupt nicht geknipst? So viele Autos, so viele Photokästen! Und auch in dieser Beziehung ist alle Welt hocherfreut: jeder kann auf dem Reichssportfeld so viel Aufnahmen machen wie er will; auch hier keine polizeilichen Vorschriften! So strahlt denn über Berlin der blaue Himmel Olympias, wenn es auch mitunter regnet, und man zu den Vorstellungen auf der Dietrich-Eckart-Frei- lichtbühne seinen Wintermantel vorzeitig herausholt, und alles ein bißchen nach Mottenkugeln duftet. Aber, wer wird in diesen wunderschönen Tagen vom Wetter reden? Wir haben andere Gesprächsstoffe genug! H. D. Oer Führer im Stadion. Reichssportfeld, 6. Aug. (DNB.) Auch am fünften Tage der Olympischen Spiele erschien der Führer wiederum gegen 16 Uhr mit seiner Begleitung sowie Reichsminister Dr. Goebbels im Schweres Bergwerksunglück bei Manchester. London, 6. Aug. (DJIB.) 3n der Dharncliffe , Wood Moor-Kohlenzeche bei Barnsley, etwa 30 । Kilometer östlich von Manchester, hak am Donners- lagfrüh gegen 3.30 Uhr aus bisher noch nicht ermittelter Ursache eine Kohlen st aubexplo - f i o n stattgefunden, durch die eine ganze Zahle z u Bruch ging. An der Unglücksskelle waren 57 Bergleute beschäftigt von denen bis 12 Uhr nur ein einziger Mann geborgen werden konnte, der aber so schwere Brandwunden davongetragen hat, daß er nach wenigen Stunden feinen Verletzungen erlegen ist. Die auf Grund der letzten amtlichen Mitteilung angenommen werden muß, sind sämtliche verschütteten Bergarbeiter ums Leben gekommen. Man hat die Hoffnung aufgegeben, daß es noch gelingen könnte, einen von ihnen lebend an das Tageslicht zu bringen. Amtlich wurde festgestellt, daß von den 57 Verschütteten bis um 16.30 Uhr 21 Tote aufgefunden worden waren, von denen viele bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt sind. Einige sind offenbar erstickt, andere von der Ducht der Explosion getötet worden. Die Rettungsmannschaften kamen infolge dauernder Riederbrüche von Kohle und anderem Gestein nur langsam vorwärts. Sie arbeiteten mit Gasmasken und hatten Kanarienvögel mit hinunter genommen, um Gasvorkommen rechtzeitig feft- zusiellen. Nachtfrost im schlesischen Gebirge. Im Bereich subpolarer Kaltluftmassen traten in der Nacht zum Freitag in Schlesien bei kräftiger Ausstrahlung für die Jahreszeit ungewöhnlich tiefe Temperaturen auf. Im Flachland zeigt das Thermometer vielerorts nur 5 bis 6 Grad über 0. Im Gebirge stellte sich in den höheren Lagen stellenweise sogar Nachtfrost ein. Groß-Jser meldete als niedrigste Temperatur — 1 (Brak; dicht über dem Boden wurden sogar 3 Grad Kälte gemessen. Acht Tote bei einem Flugzeugabsturz bei St. Louis. 3n der Nähe des Flughafens von St. Louis (USA.) stürzte wenige Minuten nach dem Start ein zweimotoriges Großpassagierflugzeug der Linie St. Louis—Chikago aus unbekannter Ursache in 300 Meter Höhe ab und ging in Flammen auf. Die acht Insassen wurden getötet. Die Leichen sind bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Die Mehrzahl der Fluggäste waren Geschäftsleute aus Chikago. 3n den Alpen abgestürzt. Am Dent Blanche südlich von Zinal im Kanton Wallis stürzten beim Aufstieg ein Engländer und ein einheimischer Träger infolge Bruches einer Schneebrücke 1000 Meter tief ab. Eine achtköpfige Bergführergruppe konnte bisher nur die Leiche des Bergführers bergen. Nach der Leiche des Engländers wird weiter gesucht. Als die Kolonne sich wieder zum Abstieg anschickte, hörte sie am Fuß des Matterhorn Hilferufe eines Engländers, dessen Begleiterin Miß Frida Currant aus London bei einem Steinschlag, der das Seil zerriß, ab gestürzt war. Die Alpinistin stürzte etwa 6 Meter tief auf ein Geröllfeld, wo die Leiche geborgen werden konnte. Zehn Dörfer in Polen vorn Wirbelsturm zerstört. Berlin, 6. August. (DNB.) Auf Grund seines Sieges im Modernen Fünfkampf wurde Oberleutnant Handrick zum Hauptmann befördert. Hauptmann Handrick, der der Luftwaffe angehört, wurde nachmittags vom Führer und Reichskanzler und von dem Oberbefehlshaber der Luftwaffe Generaloberst Göring empfangen und b e - g l Wck w ü n s ch t. Stabschef Lutze beglückwünscht die Olympia-Sieger Manger und Ehrt. Berlin, 6. Aug. (DNB.) Stabschef Lutze hat an den Olympia-Sieger im Gewichtheben der Schwergewichtsklasse Josef Manger folgendes Telegramm gerichtet: „Für die großartige Leistung mit der Sie im Gewichtheben der Schwergewichtsklasse die Goldene Medaille für Deutschland erkämpften, spreche ich Ihnen Glückwünsche und Anerkennung aus. Gleichzeitig befördere ich Sie mit sofortiger Wirkung zum Scharführer." An den zweiten Sieger im Freistilringen Ehrl sandte der Stabschef ebenfalls ein Glückwunschtelegramm: „Zur Silbernen Medaille, die Sie im Freistilringen für Deutschland erkämpften, meinen Glückwunsch und meine Anerkennung. Gleichzeitig befördere ich Sie mit sofortiger Wirkung zum Oberscharführe r." Die Unterbringung der zu den Olympischen Spielen kommenden Jugend. Berlin, 6. Aug. (DNB.) Der Reichserziehungsminister Rust macht die Schulaufsichtsbehörden darauf aufmerksam, daß die Stadt Berlin in großem Umfange Vorsorge getroffen hat, um die zu den Olympischen Spielen nach Berlin kommende Jugend in geeigneten Unterkünf- t e n nach Jugendherbergsart billig unterzubringen und zu verpflegen. Auch für die zeltende Jugend ist gesorgt. Schulgruppen, die zu einem kurzfristigen (etwa zwei- bis dreitägigen) Aufenthalt nach Berlin kommen, haben sich an die Olympiajugendunterkunftsämter der Berliner Verwaltungsbezirke zu wenden. sollte sich nicht auswirken? Arme Diplomaten, die ihr noch von gestern seid! Ueber eure altersgrauen, wackelnden Köpfe und Bärte hinweg, reicht sich die Dölkerjugend die Hände! ♦ Selbst der Berliner kommt nicht aus dem Staunen heraus. Zwar hat er noch niemals rote Turbane gesehen, wie ihn die indischen Sportler tragen; aber er findet sich damit ab; er findet die Turbane sogar sehr kleidsam und freut sich über den belc< benden Farbenfleck auf dem Bilde der vielfältigen, fremdländischen und exotischen Bekleidungsstücke und Anzüge. Daß aber auch der Strohhut in Berlin wieder seinen Einzug halten würde, darüber ist der Berliner baß erstaunt und verwundert! Was Wunder, daß die Schweden mit ihren gelben „Kreissägen" oder „Butterblumen" stürmisch begrüßt wurden?! Selbst dem kleinen Max, dem Vatern erst erklären muß, was ein Strohhut ist, stand zum erstenmal der Mund still. Nur die Berliner Hutmacher und Huthändler schauen etwas melancholisch drein, da sie an die Zeiten denken, als noch jeder Berliner einen Strohhut trug. Aber wer weiß, so flüstern sie einander zu: vielleicht kommt der Strohhut wieder?! Führertribüne eingetroffen. Kurz darauf sah mLN auch König Boris von Bulgarien, Rr sich zur Zeit in Berlin aufhält, sowie den Kronprinzen von Italien Grvßfeuer in einer ungarischen Sfabf. In Cegled, etwa 60 Kilometer südöstlich von Budapest, brach in der berühmten protestantischen Kirche ein Brand aus, der sich rasch verbreitete. Die Kuppel der Kirche stürzte ein. Infolge des heftigen Windes sprang das Feuer auf neun benachbarte Häuser über, deren Dächer ebenfalls abbrannten. Dieviel Volksgenossen sind in der deutschen Verwaltung tätig? Reich, Länder und Gemeinden, die die Verwaltung des Deutschen Reiches führen, bedürfen zur Durchführung ihrer Aufgaben neben der großen Zahl der unbezahlten Ehrenbeamten auch bezahlter festbeschäftigter Beamter und Angestellten, sowie Arbeiter. Im öffentlichen Dienst stehen zur Zeit insgesamt 2 525 000 Tätige. Von diesen entfallen auf die Behörden des Reiches, der Länder und der Gemeinden 1 193 000 Personen. Für die Reichspost, die Reichsbahn und für öffentliche Wirtschaftsbetriebe sind demgegenüber 1332 000 Personen tätig gewesen. Für die produktiven Wirtschastsbetriebe zugunsten des Reiches und der Länder sind also mehr Personen beschäftigt als für die eigentliche Verwaltung. Zur Beleuchtung dieser Zahlenangaben über die Beschäftigung innerhalb der öffentlichen Verwaltung ist es beachtlich, zu wissen, daß zur Zeit im deutschen Volke etwa 17 Millionen Personen erwerbstätig wirken. Die Zahl der im öffentlichen Dienst Beschäftigten beträgt also etwa 20 Grimberg, den 6 August 1936. Die Beerdigung findet Sonntag, 4913D [Vermietungen | [Stellenangebote 4380 A Sophie Damm Wwe„ geb. Arnold. Grofien-Linden, den 6. August 1936. 03571 Herzlichen Dank allen denen, die unserem lieben Entschlafenen das letzte Geleit gaben, für die Kranz- und Blumenspenden sowie der Krankenschwester für ihren Beistand während des Krankseins. Ganz besonders danken wir Herrn Pfarrer Schultheis für die trostreichen Worte am Grabe Anf der Reise stellen sich oft besonders starke Verdauungs- schwierigkeiten ein. Nehm. Sie Sonnen-Tee in Pulverform mit, es wird Ihnen sicher nützlich sein, ist leicht und angenehm mit etwas । altem Wasser überall einzunehmen. Paket 1.-. f4383V Prog. Bornemann. Bahnhofetr. 17 Ruh. (Ehepaar vünktl.Mietzahl. sucht 2-Ziinmerwohnung mit Küche. Schr. Angebote unter 03570 an den Gießen. Anzeig. Die trauernden Hinterbliebenen: Karl Hofmann II. Ludwig Hofmann und Frau Friedel Hofmann und Frau Albert König und Frau und 3 Enkelkinder. den 9. 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August 1936 en, denen 349 Auskünfte er- von 521 Der älteste Einwohner von Lollar (Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.) hat. drei aus und im als der Wisby auf Gotland. Don Olav eölmun». teilt wurden. Weiterhin wurden 73 arbeitsrechtliche Streitfragen behandelt und 14 Güteverhandlungen mit den Parteien gepflogen. 6 Streitfälle wurden im Dergleichswege erledigt und hatte einen Wert Die Hinfahrt nach Berlin erfolgt am Sonntag, 9. August, mit dem fahrplanmäßigen V.-Zug ab Frankfurt a. M. 12.15 Uhr. Die A l t e n-B u s e cker Spiel sch ar wird um 13.33 Uhr in Gießen zu- steigen. Die Rückfahrt erfolgt in der Nacht von Montag auf Dienstag. andergekuppelt waren. Ich hupte vorschriftsmäßig, einmal, zweimal. Der Fuhrmann machte keine Anstalten, um aus dem Wege zu fahren. Er drehte sich nur herum, dann ging er ruhig neben seinem Wagen weiter. Als ich ihn überholte, knapp genug kam ich an ihm vorbei, sagte er: „Wegen so einem von 339,14 Mark. Dor dem Arbeitsgericht wurden 8 Klagen für Beschäftigte erhoben, bei denen der Streitwert sich auf 324,18 Mk. belief. Durch die Rechtsberatungsstelle wurden 25 Termine wahrgenommen. Im Berichtsmonat wurden dabei insgesamt 8 Vergleiche erzielt, ein Urteil war zusprechend, und in einem Falle erfolgte Klagerücknahme. Die Verfahren in der Sozialversicherung zeigen folgendes Zahlenbild: Eine Krankenversicherung, 5 Unfallversicherungen, 6 Invaliden- und 8 Arbeitslosenversicherungen wurden behandelt. Die NSG. „Kraft durch Freude" führte 4 Veranstaltungen mit 1790 Besuchern durch. Die Abteilung für Berufserziehung und Arbeitsführung wertete die Ergebnisse der Kaufmannsgehilfenprufung des Frühjahres aus. Mdels, helft den Bauern! NSG. Der BDM. - Obergau 13 Hessen- Nassau wendet sich nochmals in folgendem Aufruf an alle deutschen Mädels: Denkt daran, daß wir mit all unserer Arbeit mitten im Leben und mitten im Schaffen unseres Volkes stehen, und daß sich daraus für uns die große Verantwortung und Verpflichtung ergibt, überall da anzupacken und zupacken, wo es not ist. Jetzt braucht uns der Bauer zur Einbringung der Ernte, die sich durch den dauernden Regen in diesem Jahr so verzögert hat. Wir müssen helfen und wir wollen helfen. Darum meldet sich jedes Mädel, das nur irgend frei hat oder sich freimachen kann, bei der zuständigen BDM.-Führerin, die dann mit dem Ortsbauernführer die Verteilung der Hilfskräfte vornimmt. Trachtengruppen des Gaues fahren zur Olympiade. Welche Freude spricht aus diesem Brief eines 12jährigen Jungen, den er aus seinem Ferienplatz schrieb. Möchtest du nicht auch dem Kinde eines bedürftigen deutschen Volksgenossen solche Freude bereiten? Dann melde es bitte bei deiner NSV.-Ortsgruppe, oder der Kreisamtsleitung der NSV. noch heute an. Anzeige des Bedarfs von Arveits- krästen bei Durchführung öffentlicher Maßarbeiten. Es wird nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß die unter dem 26. Juni 1936 vom Präsidenten der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Ar- beitslosenoersicherung erlassene Anordnung über die Anzeige des Bedarfs an Arbeitskräften bei Durchführung öffentlicher Bauarbeiten am 1. August 1936 in Kraft tritt. Für die Anzeige sind besondere Vordrucke zu verwenden, die kostenlos von den Arbeitsämtern abgegeben roerben._________________________ Wisby, das während des Altertums und Mittelalter seinen Platz an der Sonne hatte vielleicht kostbarstes Kleinod des Nordens und Hansa, als „das oielredende Zeugnis der Tatkraft des deutschen Kaufmannes", ist wieder zum Leben erwacht. Es sank nicht in die Tiefe wie Jurnna- Vineta, nein, sein Schicksal war sein Reichtum, der zahllose Feinde an Gotlands Küsten lockte. Oie OAF. im Groß-Kreis Wetterau Bericht des Kreises Gießen der DA§. Sprechende Bücher Der Wissenschaft ist es gelungen, ein neues Ge- biet der Unterhaltung und des Wissens für Die Blinden zu erschließen: das muhelose Lesen. Auch ohne die Blindenschrift zu lernen können Blinde jetzt Bücher genießen. Das „Sprechende Buch ermöglicht es ihnen. Bücher werden auf umfangreichen Schollplatten ausgenommen und es ift eme Lesemaschine erfunden worden, die laut oorliest. Das ist das Ergebnis von mehreren Jahren geduldiger Forschungsarbeit. Die Tonaufnahme-Abteilung des eng- NSG. Am kommenden Sonntag fahren die Trachtengruppen des Gaues Hessen-Nassau Alten-Buseck, Dexbach bei Biedenkopf Friedberg nach Berlin, wo die Gruppen, die auf dem Weltfreizeitkongreß in Hamburg so ausgezeichnet gefallen haben, auf der Veranstaltung „Tanz der Völker" am Montag, 10. d. M., mitwirken. Die Veranstaltung findet abends im Reichssportfeld statt und sieht Tanz- und Trachtengruppen aus 50 Nationen versammelt. Der Gau Hessen-Nassau hat aus dem einzelnen Können dieser Gruppen das Beste herausgeholt, um mit einer geschlossenen, großen Leistung in Berlin auftreten zu können. ♦♦ Schaufenster Im Zeichen der Olympischen Spiele. Die Tage der Olympischen Spiele in Berlin, die alle Volksgenossen im Reiche mit stärkstem Interesse erfüllen, machen sich auch in der Ausgestaltung mancher Geschäftsschaufenster in unserer Stadt bemerkbar. So kann man $. B. im Seltersweg die Feststellung machen, daß insbesondere Blumen in ausgiebiger Weise Verwendung gefunden haben, um die bedeutsamsten Kennzeichen der Olympischen Spiele vor Augen zu führen. Dabei hat man auf die Durchführung des Gedankens eines derartigen Schmuckes viel Arbeit verwandt. Auch mancherlei anderes Material ist in mannig- facher Art dem gleichen Zwecke gewidmet worden. *♦ 80 Jahre alt. Am kommenden Samstag, 8. August, wird Frau Maria Kube, geborene Ziegan, Aulweg 100 wohnhaft, 80 Jahre alt. Die Jubilarin ist noch sehr rüstig und versieht noch sämtliche Haus- und Gartenarbeit. Das Ehepaar Kube ist seit 32 Jahren treuer Bezieher des Gie- ßener Anzeigers. ♦* Goldene Hochzeit. Das Ehepaar Jo- Hannes Hill und Frau Elisabeth, geb. Steih, Wer- nerwall 1 wohnhaft, kann am morgigen Samstag, 8. August, das Fest der goldenen Hochzeit begehen. Das Jubelpaar hat 5 Töchter, 11 Enkel und 3 Ur- enkel. ** Schulpersonalie. In den Ruhestand versetzt wurde auf Antrag der Lehrer Philipp Mül- l e r zu Steinbach (Kreis Gießen) mit Wirkung vom 1. August 1936. ** Weidmannsheil. In seinem Jaadreoier in der Gemarkung Oppenrod konnte am Mittwoch der Zahnarzt Friedrich von hier einen kapitalen Achtender schießen.___________________________________ lischen Nationalen Blindeninstituts hat drei verschiedene Arten von Apparaten herausgebracht. Der eine ist eine Art kleines elektrisch betriebenes Tischgrammophon mit besonders vereinfachter Schaltung und einer Muschel. Er ist leicht zu bedienen, billig im Gebrauch, und der Ton ist sehr klar. Kopfhörer tonnen mit ihm in Verbindung gebracht werden, wenn jemand hören will, ohne andere Menschen im selben Raum zu stören. Ein anderer Apparat hat einen mechanischen Betrieb und Schaltung und kann entweder mit Kopfhörern oder in Zusammenhang mit Radio benutzt werden. Der dritte Apparat ist für diejenigen bestimmt, die keine Kopfhörer mögen. Er hat ein Uhrwerk, das auf verschiedene Geschwindigkeiten eingestellt werden kann und ist im übrigen genau wie ein gewöhnliches, nicht elekrisches Grammophon mit einem Schallkasten und Trichter. Die gegenwärtigen Kosten der Modelle schwanken zwischen 24 und 70 Mark. Ungefähr 4000 Worte, was 25 Minuten Lesezeit bedeutet, können auf der einen Seite einer Platte von 30 Zentimeter Durchmesser ausgenommen werden, 50 Minuten auf einer doppelseitigen. Es sind schon eine ganze Reihe klassischer wie auch moderner Bücher für die Leseapparte her- ausgegeben worden. Titel und Autor sind auf beiden Seiten jeder Platte in Blindenschrift gedruckt. Ein Komitee hat sich gebildet, um geeignete Bücher auszuwählen, und Autoren wie Verleger gaben die Erlaubnis zur Widergabe unentgeltlich. Aehnliche Apparate sind auch in den Vereinigten Staaten hergestellt worden, wo bereits 26 Bibliotheken des „Sprechenden Buches" bestehen, in Der- bindung mit den meisten Blindenbibliotheken. Die Schallplatten stehen hier den Blinden kostenlos zur Verfügung unter denselben Bedingungen wie Bücher in Blindenschrift. Unter den ersten Büchern, die in Amerika für die Lesemaschinen ausgenommen worden sind, befanden sich die Psalmen, die vier Evangelien, eine Auswahl aus Shakespeare und die „Christinas Carol" von Dickens. Unter den Blinden sind verhältnismäßige wenigs, die die Blindenschrift fließend lesen lernen, und so wird die Erfindung Tausenden, die bisher von dem Glück des Lesens ausgeschlossen waren, den einzigen Weg zur Literatur erschließen. Natürlich wird auch die Blindenschrift immer noch gelesen werden, aber besonders denen, die erst im späteren Leben erblindet sind, fällt das Lesen mit den Fingern meist sehr schwer, und sie sind in Bezug auf Lektüre oft vol^ kommen von ihren Mitmenschen abhängig. Auch solche Blinde, die Handarbeit verrichten und harte, schwielige Hände bekommen, sind dadurch beim Lesen der Blindenschrift sehr behindert. Allen diesen gehört jetzt die magische Stimme, über die sie nach Belieben verfügen dürfen, und die niemals müde wird. Sie brauchen beim Dorlesen keine plötzlichen Unterbrechungen mehr zu befürchten, und können mit einem leichten Druck ihrer Hand die Stimme regieren. Ding, so zu tuten." , „ . Geärgert habe ich mich nicht. Ich weiß mein Rad zu schätzen. Ich weiß auch, was es mir schon genutzt Bg. Treppen hoch. Die Freunde tarnen zur Besichtigung, wie es sich gehört. Es wurden Urteile abgegeben, sachliche und unsachliche. Alle, die nur ein Fahrrad hatten, beneideten mich um den Besitz. Nur ein Motorradbesitzer (vom Vater her), lächelte überlegen, als er mein blank geputztes Fahrrad sah. Er nannte den Motor einen „Spirituskocher" und prophezeite, daß er noch drei Wochen unbrauchbar sei. Ich war etwas erschrocken, glaubte aber doch innerlich den Worten meines Fahrradhändlers Und der Motorradbesitzer (vom Vater her) hat nicht recht behalten. Ich fahre jetzt im vierten Jobre mit dem „Spirituskocher" und bin, dis auf die ersten Wochen, in denen der Motor manchmal ftrcifte, immer zufrieden damit gewesen Viele, viele Kilometer habe ich darauf zurückgelegt und ein schönes Stück von unserem Vaterland gesehen. Freilich sind alle Teile des Motors etwas zart und müssen sorgfältig behandelt werden. Wenn man ihn aber einmal kennt, diesen Spirituskocher, dann kommt man gut mit ihm aus. (fs will mir scheinen, daß immer mehr dieser praktischen Fahrzeuge auftauchen. Ich kenne sie schon von weitem an dem Motorengeräusch: denn im Verhältnis ihrer Größe machen sie einen ganz anständigen Lärm. Wenn sie auch etwas verachtet und verlacht werden, so macht das gar nichts. Wir kvm- . men schnell vom Fleck und brauchen vor keinem Berge abzusteigen. Es ist das Motorrad für die Bescheidenen und — wie mir ein Freund sagte — für die, Vie über fünfzig Jahre alt sind. Ich habe den ganzen Vogelsberg durchfahren und dabei keinen Fuß gerührt, denn das Rad hat doch zwei (Sänge! Freilich erlebt man dabei auch allerlei. Im vorigen Jahre fuhren vor mir auf einer schmalen Straße zwei hochbeladene Heuwagen, die anein- sam dem Verfall überlassen. Sie standen offen — jeder Witterung preisgegeben, Tiere fanden darin Unterschlupf, und die Menschen holten sich im Bedarfsfälle die Steine hier fort. Das größte Denkmal aber aus Wisbys Blütezeit ist die mächtige Ringmauer, die sechshundert Jahre lang die Stadt umschloffen hat. In einem Umkreis von vier Kilometer erstreckt sie sich um die Stadt. Mit ihren 70 Türmen, Sattel- und Hängetürmen, Zwingern und Wächtergängen, Schanzen, Wällen und Windbrücken hat sie in ganz Europa nicht ihresgleichen. In ihrer Südwestecke stehen die Trümmer des Wisborger Schlosses, des letzten Gliedes in Wisbys Verteidigungswerk. Der Unionskönig Erik von Pommern erbaute sie 1440, als Gotland durch den „Piratenbund" erobert und das verfallende, altehrwürdige Wisby zum Raubnest gemacht wurde, nachdem die Ditalienbrüder es heim- gesucht hatten, bis der preußische Orden kam und die Ordnung wieder herstellte. An der Nordseite sieht man noch die Bresche, durch die die Lübecker 1525 einzogen. Seit dieser Zeit hörten die kriegerischen Ereignisse auf. Die Insel wurde zum Spielball zwischen Schweden und Dänemark, bis sie 1645 endgültig an Schweden kam. In „Gotlands Fornfal", einem alten Hause aus ruhmreicher Zeit, sind die Schätze der Erinnerung, der Geschichte und Kultur aufbewahrt. Hier lebt man in dichtgedrängten Erinnerungen aus jenen Tagen, da Wisby Gesetze für die Meere schrieb, aus der Glanzzeit der Hansa, Erinnerungen von unschätzbarem Wert für den Norden und Europa. Aber aufs neue hat sich Wisby wieder der Welt eröffnet. Im Snäckgärdsbaden, ein paar Kilometer nördlich von der Stadt, liegt auf herrlichem Sand- ftranö an steilen Kalkwandfelsen eine wundervolle Erholungsstätte. Modern und doch der Landschaft angepaßt. Und nicht weit davon die aus dem blauen Meer emporragende mittelalterliche Zauberstadt, herrlicher als je zuvor, bereit, ihre unermeßlichen Erinnerungsschätze aufs neue einer nach Frieden und Schönheit, nach alter und neuer Kultur sich sehnenden Menschheit zu schenken. Wie Odense erwachte Wisby wieder aus jahrhundertelangem Schlaf, feinen Wert der Menschheit zu vermitteln. sche Gasse. In der Strandstraße protzten die hanseatischen Giebelhäuser, hier wurden die Waren aufgestapelt und die Feste gefeiert. Hoch sind die Bauten und die Straßen eng — wie man es sonst in Schweden nicht findet. Nur noch die Altstadt von Stockholm, die ja auch von Deutschen erbaut wurde, „Die Stadt zwischen den Brücken", weist die gleiche Bauart wie Wisby auf. Damals wohnten innerhalb der Mauern, die heute lediglich 6000 Menschen bevölkern — 30 000, und der Sage nach sollen es sogar 80 000 gewesen fein. Die hohen Patrizierhauser sind heute fast alle verschwunden. Diel Raum wurde frei, darinnen es sich die Bewohner bequem machten, und so sieht man heute — wie auch in Schweden — um jedes Häuschen einen Garten oder gleich daran anschließend Ackerland. w Und wer in der Zeit der „weißen Nachte , wenn die Tage auf den Bogen der traumhaft hellen Dämmerung hinübergleiten in das neue Frühlicht, inmitten der üppigen Vegetation umherwandert, wo die gewaltigen Kirchenruinen aus Wisbys Großmachtzeit ins Gigantische gehoben, sich vom Dämmerhin- tergrunb der Nacht abheben, dem wird Geschichte le= bendig und Tragik bewußt um diese Stadt. Noch stehen siebzehn mächtige Kirchenruinen, die von Fleiß, Frömmigkeit und Reichtum Zeugen. Vier Kirchen fielen bereits im 18. Jahrhundert dem Steinmangel zum Opfer. Die verschiedensten Nationen der Kaufmannschaften hatten diese Bauwerke errichtet, anfänglich im romanischen ©til, Den man dann später stark ins Gotische umformte, oft aus einer ober mehreren älteren Kirchen ausgebaut. Don Efeu unb wilbem Wein umrankt, zeugt von einstiger Schönheit bie St. Karinkirche. Sie - wie auch bie Nikolaikirche — fielen bem Angriff ber Lübecker am Pfingstsonntag 1525 zum Opfer und würben vollkommen zerstört. Bebeutenb ist noch der Dom, bie Marienkirche, bie bie Lübecker erbauten. Deren Boben schmücken zahllose Grabsteine mit burchweq Deutschen Inschriften. Dieser Dorn würbe — wie barnals üblich — als Schatzkammer benutzt zu ber bie Herren von Wisby, Lübeck unb Soest i die Schlüssel besaßen. Da sie zugleich auch als Zu- • sluchts- und Derteidigungsort benutzt wurde, be- : festigt- man sie stark. Mit der Keformahon unb i bem Niebergange Wisbys würben bie Kirchen lang= „Golb wogen auf Lispunbwaagen bie Obern, Die kostbarsten Steine waren zu schauen, Die Schweine fraßen aus silbernen Kobern, Mit golbnen Spinbeln spannen die Frauen. So singt die alte Strophe von dem ehemaligen Reichtum Gotlands. Es glaube keiner hier habe dichterische Phantasie die Zügel zu ehr gelockert, nein, es steht in alten Chroniken geschrieben, daß bie Schweine nicht nur aus silbernen, sondern so- aar aus goldenen Kobern gefressen haben. Und uy weiß kein Land der Geschichte, das nach einer Zeit solchen Reichtums auch eine so furchtbare 2lr- mut hat durchmachen müssen wovon das Lied nichts berichtet, wie diese Insel, das Land der Goten, das sich nachts vom Grunde des Meeres erhoben haben soll. Hier hinterließ die Steinzeit ihre Spuren in gewaltigen (Steinmalen, hier rasteten die landsuchenden Germanen der großen Warn derzeit auf ihren Wegen von Schweden nach Tyskland, ber Boben barg lhreHinttrlassenschast, römische Münzen unb germanische Pr°chtwaften. Hier war bie Kunst bes Schiffsbaus unb der Seefahrt zu Hause. Gotlanb mit lemer herrlichen Westküste, ben schluchtartigen buchten unb Verstecken, aus benen bie Wikinger ihre Zuge unte nahmen, in benen sich noch einmal ^heroischem Hintergrund germanische Große unb Tragik - faltete. Heute roeiben -Schafe ^er unb nisten Vogel, wo einst die Drachenborde knirschten und Nordlandsrecken ihre Schwerter schlissen. Günstig war die Lage der ^nsel.bi^ete sie doch die Brücke für die Pilgerzuge nach Jerusalem — wie sie auch vorher den germanischen Stammen beim Ueberqang nach Deutschland dtente Damals ging der Weg über Rußland unb Gnechenlanb, Gotlanb mit seiner Stabt Wisby wurde zum Mittelpunkt des Handels zwischen Ost und West. Dierundzwanzig große Steinkirchen aus jenen Tagen zeugen von der Dichte der Besiedlung. Es waren vor allem deutsche Kaufleute aus den Ostfeestädten, aus Westfalen und dem Rhemlande, die sich um den an ber Westküste gelegenen Opftrplatz Di, bem späteren Wisby, sammelten, die sich hier mit ben blutsnerroanbten Goten vereinten unb den Grunb zur Hansa legten. Neben Stockholm, bas Der Monat Juli brachte 226 Neuaufnahmen, so baß heute im Kreis Gießen insgesamt 23652 DAF. -Mitglieber betreut werben. Weiterhin melbet bie Verwaltungsstelle an Unterstützungsauszahlungen bie Summe von 6247,25 Mk. In biefer Summe sinb 2095,05 Mk. für Krankenunterstützung unb 3201,75 Mk. für Jnvalibenunter- stützung enthalten. Die Kreiswaltuna führte 58 Besprechungen mit Betriebsführern und Gefolgschaftsmitgliedern durch, in denen beiden Teilen entsprechende Aufklärung gegeben wurde. Die Rechtsberatungsstelle verzeichnete den Besuch 85 Jahre alt * Lollar, 7. Aug. Der älteste Einwohner unseres Dorfes, Phil. Geißler, Hauptstraße 19 wohnhaft, begeht am morgigen Samstag, 8. August, feinen 8 5. Geburtstag. Der alte Herr ist der einzige noch lebende Gründer Der Freiwilligen Feuerwehr Lollar. Er erfreut sich noch einer außerordentlichen körperlichen Rüstigkeit und geistigen Frische, die es ihm ermöglichen, noch mancherlei helfende Arbeit im landwirtschaftlichen Betriebe seines Schwiegersohnes zu vollbringen unb mit lebhafter Anteilnahme bie öffentlichen Vorgänge in ber Heimat, ® zu verfolgen! Sett über^60 Jahren ist Herr Geißler einer Sense auf einem Getreidefeld seines Schwie- treuer Leser des Gießener Anzeigers. Unser neben- gersohnes. . stehendes Bild zeigt den Jubilar beim Schärfen (Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.) Aus der Provinzialhauptstadl. Oer „Spirituskocher". Als ich einmal vor einigen Jahren an einem sehr heißen Julitage mit meinem Rade einen steilen Berg hinanfuhr, weil man gewöhnlich zu gemütlich ist, um abzusteigen, sauste in stolzer Fahrt em Motorradfahrer an mir vorbei. So em bißchen Neid kam da doch in meinem Herzen auf: $at der es aber gut! Ich mußte bei dieser Hitze, nach Luft ringend oben am Waldrand etwas rasten. Wer rocifc wo der Motorradfahrer schon war! Könnte man da nicht auch einmal sein Geld überzählen, ob es langt? Es hat nicht gelangt, ganz abgesehen davon, daß ich in meiner Wohnung keinen Platz für ein Motorrad habe. nf Da kam mir dann zufällig eine Anzeige der Zeitung in die Hand. Da war ein Fahrrad abgebildet, bas boch etwas anbers aussah. Darunter ftanb: Fahrrab mit Hilfsmotor. Das wäre etwas für mich, bachte ich unb ging zum Hänbler. Richtig! Da ftanb ja ein solches Rab. Unb ber Hänbler lobte es über den grünen Klee. Ich ließ mir die paar Handgriffe erklären und durfte sogleich losfahren. Steuer- und führerscheinfrei! Natürlich. Es war ja nur ein Fahrrad. Aber in der Mitte hat es doch einen Motor. Wenn er auch klein ist, so macht das gar nichts aus. Er hat alle Teile eines großen. Da sind Hubraum, Kühler, Kolben, Zündkerze, Magnet u\ro. Nur alles sehr winzig. (Vs war aber doch ein sehr schönes Gefühl, als ich zum erstenmal auf der Straße draußen, in ber Stabt fuhr ich bas neue Ding wie ein gewöhnliches Fahrrab, ben Motor einschaltete unb nun bie Füße ihre Ruhe bekamen. Bis 35 Kilometer in ber Stunde Das ist eigentlich schon eine ganz schöne Geschwindigkeit, etwa wie ein Personenzug. Also ließ ich's laufen, fuhr bergauf unb bergab. — Am Abenb war ich Besitzer bes Rabes mit bem Hilfsmotor. Ich fuhr stolz nach meiner Wohnung unb trug bas Fahrzeug, es wiegt 60 Pfunb, bie paar Varnotizen Tageskalender für Freitag. Gloria-Palast, Seltersweg: „Gold nach Singa- pore". Unb bas alles burch ben Führer... ! „Du glaubst gar nicht, wie gut ich es hier habe. Alle find so gut zu mir. Ich darf soviel essen a s ich möchte. Und das kommt alles durch Adolf Hitler! auch zum größten Teile in deutscher Hand lag, wurde Wisby die mächtigste Stadt Schwedens. Hier erwuchs eine starke deutsche Kolonie, und sie — wie auch die „Deutschen Wisbyfahrer", die sich nur besuchshalber in Wiesby aufhielten und von Nowgorod mit feiner „Wisby Deutschen Faktorei", dem sogenannten Gotenhof, Pelzwaren und Felle em- führten und dagegen Waffen, Teer und Kalk ausführten, bestimmten das Geschick der Stadt und gaben ihr das Gepräge. Aus dieser Zeit stammen die vielen kleinen Gäßchen, deren Namen Geschichte bedeutet, wie die Traver. die Wismarer, die Lubl- Wirtschaft Sie Arbeit her AS.-RechlsbelreuimgSstellen Aus den preußischen Nachbargebieten Marktoerlauf: flott. 6: Lahnregulierung Fortführung der hei Marburg Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a.W. Frankfurt a. M. 25erhn 12 130 Elektr. Lieferungsgesellschaft ... 6 Banknoten. Berlin, tz.Au.wst Gesellsch.f.Elektr.Unternehmung. 6 . 01 34,65 I -I 34,25 I . 4 98 97 — 1O| 2241 223 1 2231 Die hinter den Papieren angeführten Ziffern 7 4 0 8 15,9 16,25 119,4 125 101,65 104,75 104,5 196 170 224 119,65 134 139 64,47 81,24 32,41 0 o 6 4 6 6 6 8 7 117 132,25 135 115,25 166,5 137,5 117,5 113,25 39 154,5 132 156,5 136,5 140,5 131 135,5 161 201,5 143 39,4 155,13 132,25 155,13 137,75 143,5 131,5 136,5 162,25 202 15,65 44,13 15,9 118,65 126 102 105 105 195 131,5 150 154 168,75 280 119 134,5 137 148,5 112 33 126,5 124 151,5 136,25 225 150 113,4 32,9 126,5 124,5 178,5 169,25 118,9 134,5 136,65 35 224 unter tiert. 15,75 15,65 118,5 126 102 104,75 105 195 15,75 45,75 16 119,13 126 101,65 104,75 104,5 195 117,4 131,9 134,5 115,65 167,25 137,5 117,75 113,13 39 155,13 130,5 155,5 136,9 140,75 131,5 135 161 201,75 143 114,75 129,9 132,75 114,25 166,25 137 116 111,5 170 120 134,65 139 108,9 61,65 85,25 152,25 123,75 113,13 128,75 172,5 86,9 56 394,5 187 64,21 80,92 32,29 Licht und Kraft Felten & Guilleaume Rheinische Elektrizität Rhein. Wests. Eleltr. SchuckertLCo...... Siemens & Qaläle.». Lahmeyer &l5o A.E.G. Bekula Norddeutscher Lloyd ......... 21 .G. für Verkehrswesen Akt. .. Berliner Handelsgesellschaft ... Commerz, und Privat-Bank ... Deutsche Bank und Disconto. Gesellschaft................ Dresdner Bank Reichsbank ................ 62,5 86,75 153,5 123,25 130,4 173 56,5 391,25 188,25 .09,4 62,75 86,25 154 123,75 113,25 129,75 172,5 87,75 56 392,5 188 61,25 86,5 152,5 123,65 129,25 172,5 56 394 187,25 Die NSV. ist all denen, die für das Erholungs- werk des deutschen Volkes und der Kinderlandverschickung Freiplähe zur Verfügung gestellt haben, von Herzen dankbar. Aber noch einmal wendet sie sich in der Zeit vom 1. bis 10. August an den Opferwillen aller Tatbereiten. Leichtathletik: Zehnkampf-110-Meter-Hüeden; Zebn- kampf-Diskuswerfen. Regattaberichte aus Kiel. 12 bis 13.45: Mittagskonzert. Dazwischen: Olympische Siegertafel 1896 bis 1936. 13.45: Neueste Nachrichten. 14: Allerlei — von zwei bis drei! Dazwischen: Polo-Endspiele. Regattaberichte aus Kiel. 15: Bunte Schallplatten. Dazwischen Leichtathletik: Zehnkampf- Stabhochsprung; 4 mal 100-Meter-Staffel-Borläufe; 4 mal 100-Meter-Staffel-Frauen-Borläufe; 3000» m-Hindernislauf-Entscheidung; Zehnkampf-Speerwerfen; 4 mal 400-Meter-Staffel-Borläufe; Zehn- kampf-1500-Meter-Lauf; 4 mal 100-Meter-Staffel- Zwischenläufe. Schwimmen: 100 - Meter - Freistil- Frauen-Borläufe; 100-Meter-Freistil-Zwischenläufe; Wasserballspiele. Kanu-Kajak-Einer 1000 Meter; Kanadier-Zweier 1000 Meter; Kajak-Zweier 1000 Meter; Kanadier-Einer 1000 Meter; Kajak-Bierer- Borführung. Basketball: Ausscheidungsspiele. Hockey: Ausscheidungsspiele. Handball: Ausscheidungsspiele. Fußball: Ausscheidungsspiele. Radfahren: 2000-Me- ter-Tandem; 4000-Meter-Berfolgungsrennen-End- lauf; 1000-Meter-Zeitfahren-Endlauf. 19: Olympia- Echo: 8. Tag. 20: Kurznachrichten des Drahtlosen Dienstes. 20.10: Bunter Abend. Dazwischen Fechten: Degen-Mannschaft-Entscheidung; Funkbericht aus dem Kieler Hafen. 22: Wetter- und Tagesnach- richten. 22.15: Olympia-Echo. 22.45: Für alle Reichssender: Robert Gaden spielt zum Tanz. 0.50 bis 1: Intermezzo. 1 bis 2: Konzert nach Mitternacht. Aus heiteren Opern. er seine Bedürftigkeit glaubhaft macht. Die Bedürftigkeit wird grundsätzlich in allen Fällen anerkannt, in welchen die Voraussetzungen für die Bewilligung des Armenrechts oorliegen, insbesondere bei Arbeitslosen-, Krisen- und Wohlfahrtsunterstützungsempfängern, sowie bei Schwerkriegsbeschädigten. Die Bedürftigkeit ist in jedem einzelnen Falle besonders zu prüfen, wobei nicht engherzig verfahren wird. Auch allen Ausländsdeutschen stehen die NS.-Rechtsbetreuungsstellen zur Verfügung, soweit sie minderbemittelt sind und blutsmäßig zum deutschen Volk gehören. heute befindet sich beinahe an jedem Amtsgericht eine NS.'Rechtsbetreuungsstelle. In Amtsgerichtsbezirken, in welchen weniger als drei Rechtsanwälte zugelassen sind, werden die Volksgenossen in den Kanzleien dieser Rechts- anwälte betreut. Die Aufgaben der NS.-Rechtsbetreuungsstellen sind so umfangreich, daß jede mißbräuchliche Inanspruchnahme unterbleiben muß. Für Querulanten sind die NS.-Rechtsbetreuungsstellen nicht geschaffen worden. Ebensowenig dienen sie der Bearbeitung von Gesuchen oder Eingaben, in welchen rechtskräftige Entscheidungen von Staatsbehörden, insbesondere rechtskräftige Urteile einer verhöhnenden oder herabwürdigenden Kritik unterzogen werden. Die Zeit der Vertrauenskrise in der Rechtspflege ist endgültig vorbei. Den Richtern des nationalsozialistischen Staates muß das Vertrauen entgegengebracht werden, daß sie sich bei ihrer Arbeit die nationalsozialistische Weltanschauung als Richtschnur dienen lassen und demgemäß in nationalsozialistischem Geist und nach nationalsozialistischen Grundsätzen Recht sprechen. Die NS.-Rechtsbetreuungsstellen werden daher in Zukunft mit aller Schärfe gegen unsachliche Verdächtigungen oder Herabwürdigungen der Richter oder anderer Staatsbeamten vorgehen und die Urheber zur Rechenschaft ziehen. Schanktisch zu plündern und dann mit der Beute schleunigst zu verschwinden. Der raffinierte Dieb versuchte diesen Trick gestern auch in der hiesigen Gastwirtschaft von Jung, er hatte aber das Unglück, daß der Wirt gerade in dem Augenblick die Gastwirtschaft betrat, als der Langfinger die Kasse ausräumen wollte. Der Dieb wurde f e st g e n o m m e n und dem Gerichtsgefängnis zugeführt. Es handelt sich um einen jungen Mann aus Lollar, der bereits ein Geständnis abgelegt hat. Kreis Marburg. LPD. Marburg, 6. Aug. In der Bahnhofstraße fuhr am Donnerstagvormittag der 40 Jahre alte Friedrich F ü s s e l aus Marburg mit seinem Fahrrad auf einen in den Hindenburgring einbiegenden La st wagenzug auf. Füssel geriet dabei unter die Räder des Lastzuges und wurde so schwer verletzt, daß er bereits wenige Minuten später st a r b. 39,25 1 154,5 132 155,65 1 137,5 143,5 131 136,5 162,5 202,5 143 Rundfunkprogramm Samstag, 8. August: Olympische Fanfaren. Musik in der Frühe. Dazwischen 6.30 bis 6.45: Frühgymnastik und 7 bis 7.15: Nachrichten des Drahtlosen Dienstes. 7.50 8. Tag der XI. Olympischen Spiele. 8.05: Kleine Morgenmusik. 9: Drum stimmet mit mir ein ... Volksmusik im kleinen Kreis. 10: Unter- Haltungskonzert. Dazwischen Kanu: Vorläufe 1000 Meter. Schwimmen: 100-Meter-Freistil-Vorläule; 200-Meter-Bruststil-Vorläufe; Wasserballspiele. — d) 55 bis 67 (40 bis 53). Hämmel b2 50 (48), c) 47 bis 49 (45 bis 47). Schafe e) 45 bis 50 (41 bis 45), f) 42 bis 44 (—). Schweine al) 57 (57), a2) 57 (57), bl 56 (56), b2) 55 (55), c) 53 (53), d) 51 (51). Sauen gl) 56 (56). Marktverkauf: Rinder und Schweine wurden zugeteilt. Kälber, Hämmel und Schafe flott, ausverkauft. Großmarkt für Fleisch und für Fettwaren. Beschickung: 282 Viertel Rindfleisch, 484 halbe Schweine, 136 ganze Kälber, 2 ganze Ham- mel, 3 Kleinvieh. Notiert wurden pro 50 Kilogramm in Mark: Bullenfleisch a) 76. Kuhfleisch a) 77, b) 65, c) 54. Färsenfleisch a) 80 (jeweils Höchstpreise). Kalbfleisch b) 100 bis 115 (am 3.8. 95 bis 110), c) 85 bis 100 (85 bis 95). Hammel- fleisch b) 90 bis 95. Schweinefleisch nicht notiert. Fettwaren. Speck aus hiesiger Schlachtung, roh 7 Zentimeter 82 bis 85. Flomen nicht no- Kaufhof mit 56 und AEG. mit 39. IG. Farben bröckelten auf 168,75 (169,25) ab, Südd. Zucker 223 (224,50). Am Einheitsmarkt gingen DD.-Bank auf 104,75 (105) zurück. Deutsche Renten lagen ge- schäftslos. Von Auslandswerten fanden die kleinen Werte weiter Nachfrage, Kronen-Bosnier 7,65 (7), 4proz. Ungarn-Kronen 2,40 (2,25). Restquoten mürben etwas höher genannt. U. a. notierten: 4proz. Oesterr. Emheitsrente (Juli) 1,75, 4proz. dto. Staatsrente 2 4 proz. Un- garn-Kronen 2,40, 4,5proz. Kronen-Bosnier 7,65, Adca 87,25, Commerzbank 102, DD.-Bank 104,75, Dresdner Bank 105, Buderus 114,75, Harpener 133, Ilse Genuß 137, Mannesmann 111,25, Rhein- stahl 148,50, Verein. Stahlwerke 112, Aku 6125, AEG. 39, BMW. 139,50, Bekula 154,50, Deutsche Erdöl 130, Scheideanstalt 280. Frankfurter Schlachwiehmarkt. Frankfurt a. M., 6. Aug. Auftrieb: Rinder 39 (gegen 52 am letzten Donnerstagsmarkt), barunter 4 (3) Ochsen, 7 (3) Bullen, 24 (37) Kühe, 4 (9) Färsen. Kälber 631 (690), Hämmel 83, Schafe 27 (zusammen 109), Schweine 520 (875). Notiert mürben pro 50 Kilogramm Lebenbgewicht in Mark: Kälber anbere a) 81 bis 85 (am 30. 7. 68 bis 73), b) 75 bis 80 (62 bis 67), c) 68 bis 74 (54 bis 61). bic Höhe ber zuletzt besch lossenen Dividenbe an. — Reichsbankdiskont 4 v.H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Amerikanische Noten Belgische Noten.................. Dänische Noten Englische Noten ...... Französische Noten Holländische Noten Italienische Noten Norwegische Noten Deutsch Oesterreich, 4 100 Schilling Rumänische Noten............... Schwedische Noten Schweizer Noten................. Spanische Noten Ungarische Noten 130,5 1 1311 149 Oie Reichsautobahnen Ende Juni. Fwd. Bei der Gesellschaft Reichsautobahnen sind im Juni weitere 16 Kilometer in Betrieb genommen worden, so daß nunmehr insgesamt 320 Kilometer in Betrieb sind. Neu in Bau genommen wurden 128 Kilometer, womit das insgesamt im Bau befindliche Netz 1994 Kilometer umfaßt. Oie Deutsche Reichsbahn im Juni. Fwd. Nach dem Monatsbericht der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft stellen sich die Betnebsem- nalpnen des Berichtsmonats Juni auf 331,52 (Vormonat 325,40) Millionen Reichsmark. Sie waren damit um '25 Mill. RM. höher als im gleichen Monat des Vorjahres. Im einzelnen stellen sich für den Berichtsmonat die Betriebseinnahmen aus dem Personen- und Gepäckverkehr auf 96,75 (Vormonat 94,91) Mill. RM. und aus dem Güterverkehr auf 214,07 (210,69) Mill. RM., während die sonstigen Einnahmen 20,71 (19,80) Mill. RM. ausmachen. Die Gesamtausgaben der Betriebsrechnung belaufen sich auf 301,27 (290,68) Mill. RM., zu denen bekanntlich noch die sonstigen monatlichen Ausgabeoerpflichtungen treten. Nach Ablauf des ersten Halbjahres ist festzustellen, daß die Einnahmen der Reichsbahn gegenüber der gleichen Vorjahreszeit eine Zunahme um 167,0 Mill. Reichsmark aufweisen. . Der Personalbestand betrug im Ium 662186 Köpfe, gegen 661530 Köpfe im Vormonat. Nbein-Mainische Börse. IRiftagsbörfe nachgebend. Wasser besseren Abfluß zu verschaffen. 25 000 Kubikmeter Erde sind durch den Bagger zu lösen, Erde, die nicht zur Dammaufschüttung benötigt wird, nimmt man zur Ausfüllung von Mulden, Sumpfstellen, sowie des durch die Ausschachtung entstehenden toten Lahnarmes, dabei neues Land gewinnend. Etwa 200 Arbeiter aus Marburg und den umliegenden Orten haben auf mehrere Monate Beschäftigung erhalten. Die Finanzierung des neuen Teilabschnittes (rund 120 000 Mark) erfolgt aus Mitteln der werteschaffenden Arbeitslosenfürsorge, des Staates, Bezirksverbandes und des Kreises. Nach Fertigstellung dieses Teilabschnittes verbleiben zur endgültigen Vollendung der Lahnregulierung noch die Abschnitte Gisselberg—Marburg und Marburg- Wehrda. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung ) P. W. Wir konnten die gewünschten Feststellungen leider nicht erlangen. Zwei Hitlerjungen mit dem Motorrad verunglückt. LPD. Frankfurt a. M„ 6. Slug. An der Straßengabelung Eschborn—Rödelheim in Eschborn stieß am Donnerstagvormittag ein mit zwei Hit- lerjungen aus Aachen besetztes Motorrad mit voller Wucht gegen einen Lastkraftwa- g e n mit Anhänger. Der Hitlerjunge Heinz Hilgers wurde dabei auf der Stelle getötet. Sein Kamerad erlitt mehrere Knochenbrüche und mußte ins Krankenhaus gebracht werden. Kreis Wetzlar. O Hochelheim, 6. Aug. In der Gastwirtschaft von Jung wurde gestern der Gasthausdieb gefaßt, der seit einiger Zeit in mehreren Orten des Kleebachtals es verstanden hatte, die Bedienung zum Verlassen des Gastzimmers zu veranlassen und in deren Abwesenheit, während er sich allein im Gastzimmer befand, die K a f f e im Frankfurt a. M., 6. Aug. Nachdem vorbörslich zumeist höhere Kurse, insbesondere für Montanwerte, genannt worden waren und z. T. auch beachtliche Umsätze ftattgefunben haben sollen, lag die Börse bei Eröfsnung am A k t i e n m a r k t wieder etwas schwächer, wobei erneute Hinweise in der Presse zur Kursbewegung mitgesprochen haben. Zu den ersten Notierungen lag seitens der Arbitrage und der Kulisse etwas Angebot vor, so daß durchschnittliche Rückgänge von 0,50 bis 1 v. H. eintraten. Schwächer lagen vor allem Montanaktien, Verein. Stahl 112,75 (113,50 und vorbörslich 113,90), Mannesmann, Buderus, Hoesch und Klöckner gaben bis 0,90, Rheinstahl 1,40 und Harpener 0,50 v. H. nach. Otavi Minen blieben mit 33,25 bis 33,13 (33) voll behauptet. Elektroaktien lagen sehr still und meist bis 0,65 v. H. leichter, nur Siemens plus 0,50 und Deutsch-Atlanten plus 1,25 v. H. Von chemischen Werten bröckelten IG.-Farben auf 169,50 (170) ab, dagegen zogen Scheideanstalt weiter an auf 275 (274). Etwas höher lagen noch Holzmann mit 132,25 (131,50). Sonst eröffneten Reichsbank, AG. für Verkehr und Muag bis 1 v. H., Daimler, Deutsche Linoleum und Westdeutsche Kaufhof je 0,50 vom Hundert niedriger; von Schiffahrtswerten Nordd. Lloyd minus 0,65 v. H., Hapag gehalten. Kunstseide AKU. lagen mit 62,50 behauptet. Am Rentenmarkt blieb das Geschäft bei ziemlich unveränderten Kursen weiter klein. Kom- munal-Umschuldung 88,10 (88,15), Altbesitzanleihe 112,65 (112,70), Städte-Altbesitz im Freiverkehr zu 112,75 gefragt. Zertif. Dollar-Preußen lagen mit 68 unverändert. Von fremden Werten 5proz. Goldmexikaner mit 14,85 (14,50) etwas höher, 4proz. Goldmexikaner unv. 10,75. Im Verlaufe blieb die Börse allgemein sehr still; am Aktienmarkt bröckelten die Mehrzahl der Montanwerte und auch einige andere Papiere weiter leicht ab. Fest blieben anderseits Scheideanstalt mit 277,50 nach 275 bei größeren Umsätzen. Don später notierten Werten büßten BMW. 1,25 v. H. ein. Auch Renten lagen später sehr ruhig und ohne Veränderung. Am Pfandbriefmarkt blieben Gold- pfanbb riefe und Kommunal-Obligationen unverändert, Liquidationspfandbriefe lagen ebenso wie Stadtanleihen nicht ganz einheitlich, aber größtenteils behauptet. Auslandrenten waren ohne Geschäft. Gesucht waren Kronen-Bosnier zu etwa 6,70 (6,50). Im Freiverkehr lagen Restquoten wenig verändert. Der Freiverkehr lag ruhig. Weiter fest Oberbedarf mit 38 (35), sonst nannte man Rastatter Waggon 13 (12), Kali Wintershall 125,50 (126), NSÜ. 147 (148), Wayß & Freytag 122,50 (123). Tagesgeld unv. 2,50 v. H. Abendbörse knapp gehalten. An der Abendbörse konnten sich die Aktienkurse bei sehr kleinen Umsätzen überwiegend nur knapp behaupten. Auf Basis ber Berliner Schlußkurse bestaub seitens der Kulisse weitere Abgabeneigung, während die Aufnahmebereitschaft gering war. Zumeist bröckelten die Kurse 0,25—0,50 v. H. ab. Weiter fest lagen aber Scheideanstalt mit 280 (277,50), gut behauptet blieben ferner Westdeutsche ][ Marburg, 6. Aug. Dor einigen Tagen ist mit einem weiteren Bauabschnitt ber Lahnregulierung zwischen Ar gen st ein unb Gissel- berg begonnen worben. Ein großer Lahnbogen unterhalb ber Steinmühle, ber seither ben schnellen Abfluß großer Wassermassen hemmte unb baburch die Ueberflutung des Landes beschleunigte, wird jetzt durch Aushebung eines neuen 400 Meter langen, 40 Meter breiten, 3,50 Meter tiefen geradlinigen Flußbettes beseitigt. Rund 40 000 Kubikmeter Erde werden dabei in Handarbeit ausgeschachtet und zum größten Teil mittels Feldbahnen zu einem Hochwasserdamm, der sich in 1,50 bis 1,60 Meter Höhe und etwa 3 Kilometer Länge von Gisselberg bis Argenstein hinzieht, verwendet. Rund 85 000 Quadratmeter Rasenboden werden vor Beginn der Aus- schachtungs- und Aufschüttungsarbeiten abgestochen und zur Befestigung des Hochwasserdammes bzw. der Uberböschungen benutzt. Auf der linken Lahnseite, wo sich der Fluß streckenweise am Abhang der Lahnberge entlang zieht, wird der Damm nur an einigen Stellen aufgeschüttet. Aus der Lahn zwischen Ronhausen und der Nehemühle ist ein Bagger in Tätigkeit. Hier werden die Uferränder geradegelegt und seichte Stellen ausgebaggert, um dem NSG. Mit der Gründung der N S. - R e ch ts- bet r e u u n g sst e l l e n ist dem deutschen Volke eine svziale Einrichtung von bleibendem Wert und von einer Bedeutung gegeben worden, die nickt hoch genug eingeschätzt werden kann. Diese Einrichtung hatte als wichtigstes Erfordernis den grundlegenden Wandel und die (Erneuerung der Berufsund Standesauffaffung der deutschen Anwaltschaft zur Voraussetzung. Der liberalistische Geist, der sich auch bei den deutschen Rechtsanwälten stark fühlbar bemacht hatte, kannte eine unentgeltliche Betreuung der Volksgenossen nicht. Der minderbemittelte Volksgenosse war daher mit einer gewissen Berechtigung davon überzeugt, daß nur die Begüterten die Möglichkeit hatten, sich bei der Verfolgung ihrer Rechtsansprüche einen Rechtsanwalt zu nehmen, während sie selbst nur durch Vermittlung der Wohlfahrt Rechtsberatung oder Rechtshilfe, gleichsam als ein „Rechtsalmosem erhalten konnten. Es war ihnen auch nicht unbekannt, daß die sogenannten gemeinnützigen und kommunalen Rechtsauskunftsstelle« des liberalistischen Staates meist nicht mit vorgebildeten Fachleuten besetzt waren. hier hat die nationalsozialistische Bewegung gründlich Wandel geschaffen. Sie hat die unentgeltliche Rechtsbelreuung aller minderdemittellen deutschen Volksgenossen zur Ehrenpflicht der deutschen Anwaltschaft erhoben. Wit der Erfüllung dieser Ehrenpflicht und dem damit verbundenen Verzicht auf jede Vergütung bekunden die in der Reichsgruppe Rechtsanwälte des RSRV. zufammenge- schlosienen deutschen Rechtsanwälte in opferbereiter und volksverbundener Kameradschaft, daß sie den nationalsozialistischen Grundsatz „Gemeinnutz geht vor Eigennutz" in die Tal umzusehen verstehen. Jeder minderbemittelte deutsche Volksgenosse ohne Unterschied des Berufs und des Standes hat heute Anspruch auf unentgeltliche Rechtsbetreuung, wenn Gllv 2,442 41,80 55,59 12,46 16,335 168,58 62,58 I 114,75 130 133 114,5 — | 137 I 116,5 I 111,25 Schultheis Patzenhoser 4 Atu «Allgemeine Kunstseide) .. 0 Bcmberg................... 6 Zellstoff Waldhof « Zellstoff Aschaffenburg 0 Dessauer Gas ...............7 Daimler Motoren 0 Deutsche Linoleum . 8 Orenstein & Koppel 0 Westdeutsche Kaufhof 0 Chade...................... 9 Accu m ul atoren-Fabrü 12 Conti-Gummi.............. 11 Gritzner................... Mainlraftwerke Höchst a. M... Süddeutscher Zucker ........ Echlußk. Abend- börse 6.8. 150,5 ~w 2,462 41,96 55,81 12,50 16,395 169,26 62,84 Hamburg-Amerika-Paket 0 Hamburg-Südam. Dampfschiff . 0 Datum ManSselder Bergbau 6% Kokswerke .................. 6 Rheinische Braunkohlen 12 Rhcinstahl .................. 4 Vereinigte Stahlwerke 3% Otavi Minen ...............0 Kaliwerke Aschersleben 5 Kaliwerke Westeregeln 6 Kaliwerke Salzdetfurth Schlußkurs 5-8. iTT 224,5 150 113,5 33 126,5 124 Echlußk. Mittag« börse 6.8. 15? 135,9 149,13 112,25 33,4 126,5 123 179 Datum 4% oeegi. Eene h 5% Numän. vereinh. Rente v.1903 4^2 %Rumän.vereinh.Rentev. 1913 4% Rumänische vereinh. Rente . 2 Vi% Anatolier ......... BuderuS 4 Deutsche Erdöl 4 Harpener................. 2% Hoesch Eisen—Köln-Neuessen .. 8 Ilse Bergbau ...............6 Ilse Bergbau Genüsse 6 Klöcknerwerke ...............3 Mannesmann-Röhren 8 I. G. Farben-Jndustrte 7 Scheideanstall...............9 Goldschmidt 5 Rütgerswerke - 6 Metallgesellschaft.............5 Phlltpp Holz mann 4 Zementwerk Heidelberg 7 Cementwerk Karlstadt.........6| Schlußkurs 5.8. Frankfurt a.M. Berlin Schlußkurs Echlußk. Abendbörse Schlußkurs Echlußk. Mittag- börse 5-8. 68. 5.8. 6.8. _ __ — —— 6,6 6,6 6,7 6,7 10,2 10,2 10,13 10,13 5,5 5,65 5,6 5,65 45,13 45 45 45,13 Frankiun a. M. Berlin Schluß« kurs Echlußk. Abendbörse Schlußkurs Echlußk. Mittag- börse Datum 5.8. 6.8. 5.8. 6.8. 6% Deutsche Reichsanlethe v. 1927 101,4 101,4 101,41 101,4 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 98 97,75 98 97,75 5*/i% Doung-Anleihe von 1930 .. 102 102 102 102 Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mii Auslos.-Rechten ............ 112,7 112,65 112,6 112,5 4¥i% Deutsche Retchspostschatzan Weisungen von 1934, 1....... 100,4 100,35 100,4 100,4 4*4% ehem. 8% Hessischer Bolls- siaat 1929 (rückzahib. 102%) .. 98,75 98,75 98,75 — 4’/?% ehem.8% Hessische Landes baut Darmstadt Gold R. 12... 97 97 — 97 5*/2% ehem. 4V,% Hess. Landes Hypothekenbank DarmstavtLiau. 100,9 100,9 — — 4/2°/o ehem. 8% Darmst. Komm Landesb.Goldschuldverschr R.» 93,75 93,75 — — Lberhessen Provinz-Anleihe ml Auslos.-Rechten ............ 124 124 _ 125.5 Deutsche Komm. Sammelabl. An leihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten 119,5 119,5 119,75 120 4>/,% ehem.8% Franks. Hyp.-Banl Goldpse. 15 unkündbar bis 1935 97 97 _ — 5*/z% ehem. 4'/r% Franks. Hyp. Bank-Liqu.-Psandbriese...... 101,3 101,05 _ — 6%% ehem. 4*4% Rheinische Hyp.-Bank-Ltqu.-Goldpse. ... 101,25 101,25 101,5 101,5 4*4% ehem. 8% Pr. Landespsand- briefanstalt, Pfandbriefe R. 19 4*/r% ehem. 7% Pr. Landespsand briesnnst., Gold Komm. Lbl. 20 97,5 97,5 97,5 97,5 95 95 95 ’ 95 Steuecguttch.Verrechnungsk. 34-38 109,5 109,6 109,6 109,6 4% Oesterretchtsche Goldrente... — — 30,5 — 4,20% Lesterreichische Stlberrente 2,55 2,6 2,65 2,65 4% Ungarische Goldrente........ 9 9 9 9,1 8,55 4% Uiifloriidje Staatsrente v. 1910 8,7 8,7 8,6 4*4% dcsgl. von 1913.......... 8,65 8,65 8,55 8,75 6% abgest. Goldmexikaner von 99 14,5 14,85 14,6 14,75 4% Tückische Bagdadbahn-Anleihe Serie 1................... — — — — 5.August 6.August Amtliche Geld Notierung Brief Amtliche Geld | Dotierung Bries Liuenos Aire 0,689 0,693 0,689 0,693 Brüssel .... 41,96 42,04 41,96 42,04 rRio de Jan. 0,143 0,145 0,143 0,145 Sofia..... 3,047 3,053 3,047 3,053 Kopenhagen 55,74 55,86 55,79 55,91 Danzig .... 46,80 46,90 46,80 46,90 London.... 12,485 12,515 12,495 12,525 HeljingforS. 5,504 5,516 5,509 5,521 Parts ..... 16,40 16,44 16,385 16,425 Holland ... 169,03 169,37 169,00 169,34 Italien.... 19,57 19,61 19,57 19,61 Japan ..... 0,728 0,730 0,729 0,731 Jugoslawien 5,654 5,666 5,654 5,666 Oslo..... : 62,75 62,87 62,80 62,92 Wien...... 48,95 49,05 48,95 49,05 Lissabon... 11,34 11,36 11,35 11,37 Stockholm.. 64,38 64,50 64,43 64,55 Schweiz ... 81,17 81,33 81,10 81,26 Spanien... 32,62 32,68 32,62 32,68 Prag...... 10,275 10,295 10,27 10,29 Budapest .. — — —* Neu York ... 2,489 2,493 2,490 2,494 Nr. 183 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Zreitag, 7. August 1936 XL OLYMPISCHE SPIELE W Deutschland kam gestern zu großen olympischen Ehren. Drei Goldene Medaillen wurden errungen. Oblt Handrick gewann den Modernen Fünfkampf überlegen. Stock siegte völlig überraschend im Speerwurf. Im Schnellfeuer- Pistolenschießen kam van Oy en zum Sieg. Im gleichen Wettbewerb errang Oberleutnant Hax die „Silberne". Anni Steuer wurde Zweite im 80-m-Hürdenlauf der Frauen. Ein wahrhaft großer Tag der deutschen Olympia-Kämpfer. BERLIN 1936 ;W es eS-Ü M _ Bei den Endkämpfen im Speerwerfen am Donnerstagnachmittag gelang es dem deutschen Vertreter Stöck, gegen allerschwerste Konkurrenz die Goldmedaille im Speerwerfen zu gewinnen. Hier sieht man den Olympiasieger bei einem seiner hervorragenden Würfe. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Olympiasieber. Berlin, 6. August. Die Glücklichen, die Zeugen des Geschehens dieser Tage in Berlin waren und es noch sind, erklären einmütig, gleich in welcher Sprache, daß das Geschaute und Gehörte sie überwältigt habe, daß sie noch wie im Traume wandelten und Zeit gebrauchten, das Erlebte zu begreifen und zu verarbeiten. Man könnte, ohne zu übertreiben, behaupten, daß die Fäden der Organisation der Olympischen Spiele bis in jede Berliner Wohnung dringen und daß fast jeder Berliner mit an dem Gelingen dieser Festtage beiträgt. An den stärksten Brandungen des Verkehrs stauen sich die O l y m p i a g ä st e, nur um zu beobachten, wie der in seiner neuen weißen Uniform prächtig ausschauende Verkehrsschupo den Verkehr regelt und durch nichts aus seiner Ruhe zu bringen ist. Mit unerschütterlicher Freundlichkeit beantworten die Dolmetscher-Schupos die Wißbegier der Ausländer, wie denn überhaupt die Gäste begeistert über die Hilfsbereitschaft der Berliner sind. Richt minder schwere Tage verlebt jetzt die Presse, aber auch ihre Organisation klappt wie am Schnürchen. Eine Sehenswürdigkeit für sich ist die Organisation auf dem Reichssportfeld, Das Heranbringen und der Abtransport der Massen, die Verpflegung, die Feststellung der Kampfergebnisse bis auf eine Tausendstel Sekunde. Alle irgend nur denkbaren Störungen sind von vornherein berücksichtigt worden. Leider ist das Wetter nicht mit in die Organisation einbegriffen, aber gelegentliche Regenschauern werden mit wasserdichten Papiermänteln unwirksam gemacht, können vor allem die Stimmung nicht beeinträchtigen. Doch wie groß auch zur Zeit der Besuch sein mag, Zimmer sind immer noch zu haben, auch ohne Vorbestellung, und die sind gut aufgehoben, die in einem Berliner Privatquartier untergebracht werden. Ausländern kann man nichts Besseres wünschen, denn so erhalten sie am besten einen Begriff von der Denk- und Lebensart des deutschen Volkes. Freundschaften werden geknüpft, die weit über die festliche Veranlassung hinausreichen und die Völker einander weit besser nähern, als es durch diplomatische Roten möglich ist. Es ist Ehrensache, einen Olympiagast zu betreuen, ihn zu führen, ihm wertvolle Ratschläge zu erteilen und ihm den Aufenthalt in der Familie so behaglich als möglich zu machen. Ob dabei auch ein kleiner finanzieller Nutzen herausspringt — die durchaus mäßigen Preise sind ja amtlich vorgeschrieben —, ist mehr als zweifelhaft, auch nicht so wichtig. Erstaunlich, wie die Ausländer schon bei ihrem Eintreffen über Berlin Bescheid wissen und sich auch meist ein genaues Programm aufgestellt haben. Nicht erstaunlich, wenn man ihre Prospekte sieht, die ihnen vom Olympia-Komitee ihres Landes zugesandt wurden. Es wird viel gekauft, besonders Andenken an Berlin und an die Olympiade, auch Kameras und was dazu gehört, denn es wird unheimlich geknipst, vor allem natürlich auf dem Reichssportfeld felbst. Die Deutschland-Ausstellung erfreut sich eines starken Besuches, auch die Ausflüge in Berlins schöne Umgebung und in die Mark sind sehr beliebt. Abends aber und auch nachts flutet eine unabsehbare Menge durch die hellen Straßen und immer wieder geht es zum Mittelpunkt der Reichshauptstadt, nach den „Linden" und nach dem „Wilhelms- platz", um den Führer zu sehen. Wenn dann die letzten Zeitungsausgaben mit dem ausführlichen Tagessportbericht erscheinen, brauchen die Händler sie nicht erst auszurufen, in kurzer Zeit sind die hohen Zeitungsstapel umgesetzt. Sehr zweckmäßig haben sich auch die großen auf Plätzen und Straßen angebrachten Lautsprecher erwiesen, die auch die eiligen Straßengänger stets über die Lage au den Sportkampfplätzen unterrichten. In der Turnhalle des Sportfeldes kämpfen die „elektrischen Ritter", die Fechter, sogenannt nach dem elektrischen Strom, der jedesmal, wenn die Degenspitze den Körper des Gegners berührt, ein Glockensignal auslöst. Jeder Stich kann daher unfehlbar von den Kampfrichtern wahrgenommen und verbucht werden. Die ausländischen Gäste haben eine wahre Sammelleidenschaft nach deutschen Abzeichen, die sie für die schönsten Andenken an die Berliner Tage erklären, die sie mit in die Heimat bringen könnten. Andererseits machen die Berliner Jungens und Mädels Jagd nach Autogrammen, besonders, wenn die Gäste etwas exotisch aussehen und überhaupt als Ausländer erkannt werden. Im Interesse der Gäste möchte man wünschen, daß dieser Auto- grammsport eingedämmt würde. Selbstverständlich werden Riesenmengen von Postkarten mit den schönen Olympiamarken versandt, womöglich mit dem Stempel vom Reichssportfeld. Die Postoerwaltung muß Großes leisten und hat zu ihrer Unterstützung fünf fahrbare Post- ämter erhalten. Das ist das Charakteristische der deutschen Organisation, sie ist elastisch wie Gummi und imstande, sich blitzschnell einer veränderten Lage anzupassen. So wenig Zweifel darüber entstehen kann, daß unsere Kämpferinnen und Kämpfer ehrenvoll abschneiden werden, so gewiß ist auch, daß das deutsche Volk in der Kritik des Auslandes einen vollen Sieg erringen wird. Olympischer Zeitplan für Samstag. Leichtathletik. 10 Uhr: Zehnkampf, 110 Meter Hürden; 11: Zehnkampf, Diskuswerfen; 15: Zehnkampf, Stabhochsprung; 4 mal 100-Meter-Staffel (3 Dorläufe); 15.30: 4 mal 100-Meter-Staffel, Frauen (2 Dorläufe); 16: 3000 Meter Hindernislauf (Entscheidung); 16.30: Zehnkampf, Speerwerfen; 4 mal 400- Meter-Staffel (3 Vorläufe): 17.30: Zehnkampf, 1500-Meter-Lauf; 18.15: Vorführung: Schweden; Sieger-Zeremonien, jeweils Olympia-Stadion. Schwimmen. 9 Uhr: 100-Meter-Freistil (7 Vorläufe); 10: 200 Meter Brust, Frauen (4 Vorläufe); 11.25: Wasserball-Dorrunden: Belgien — Uruguay, Holland gegen USA., Ungarn — Jugoslawien, Malta — Großbritannien; 15: Deutschland — Frankreich, Tschechoslowakei— Japan, Schweden — Oesterreich, Island-Schweiz; 100 Meter Freistil, Frauen (fünf Dorläufe); 100 Meter Freistil, Männer (Zwischenläufe), jeweils im Schwimm-Stadion. 14 Uhr: Polo-Endspiel, Maifeld. 16.30 Uhr: Hock e y-Turnier, Dorrunde: Deutschland— Dänemark, Spanien — Afghanistan, Hockey- Stadion. 9 Uhr: Fechten, Degen; 10.30 und 13: Mann- schaftskämpfe-Vorschlußrunde; 15: Endrunde, Tennis-Stadion. 16 Uhr: Basketball (Ausscheidungsspiele), Tennis-Stadion. 10 und 19 Uhr: Ringen (griech.-römisch), Vor- entscheidung, Deutschlandhalle. 17.30: Fußball- Zwischenrunde, Post-Stadion und Hertha-Platz. 17.15 Uhr: Handball-Vorrunde: Deutschland — USA., Polizei-Stadion; Oesterreich gegen Schweiz, BSV.-Platz. 18 Uhr: Radrennen : 2 - km -T andemfahren (Zwischenläufe und Endlauf), 4 - km - Verfolgungsrennen (Zwischenläufe und Endlauf), 1 - km - Zeitfahren (Endlauf), Schau-Vorführungen, jeweils im Rad-Stadion. . 9.30 Uhr: K a n u - Kurzstreckenregatta (Vorlaufe); 15: Kajak-Einer; 15.30: Kanadier-Zweier, Kenter- Vorführungen; 16.30: Kajak - Zweier; 17: Ka- nadier-Einer; 17.30: Kajak-Vierer (Vorführung), Grünau. 8.30 und 15 Uhr: Schießen, Kleinkaliber, Wannsee. 10.30 Uhr: Segeln, Kieler Förde. Die Siegerinnen im Florettfechten. Im Florettfechten für Frauen siegten Ellen Preis, Oesterreich (Bronzene Medaille), Helene Mayer, Deutschland (Silberne Medaille) und Schacherer- El e k, Ungarn (Goldene Medaille^. (Presse-Bild-Zentrale-M.) Bei der letzten Ausscheidung des Modernen Fünfkampfes siegte im Geländelauf Oberleutnant Handrick. Damit gewann er eine Goldmedaille für Deutschland. Hier sieht man Oberlt. H a n d r i ck (rechts), wie er nach seinem Siege von Reichskriegsminister Generalfeldmarschall v. Blomberg beglückwünscht wird. (Presse - Jllustrationen- Hoffmann - M) So sieht eine Siegerehrung für Mannschaften aus. 1 y-~. W' V U vXM TM Hier ein Bild von der Ehrung der Sieger im Florettfechten für Mannschaften. In der Mitte Italien als Gewinner der Goldmedaille, hinten Frankreichals Gewinner der Silbernen und vorn Deutschland als Inhaber der Bronzenen Medaille. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Slölks herrlicher Sieg. Nordlands Speerwerfer-Elite geschlagen.— Eine unerwartete „Goldene" für Deutschland. Eine herrliche Botschaft für Deutschland kommt aus der „Deutschen Kampbahn" in Berlin: Gerhard Stöck ist Olympia-Sieger im Speerwerfen geworden. Gerhard Stöck hat die Skandinavier, hat den großen „Matti" Järoinen im entscheidenden Augenblick, als es um die Ehre und die Goldene Medaille ging, geschlagen? In der Entscheidung des Speerwerfens standen: Nikkanen (Finnland) mit einer Dorkampfleistung von 70,77 Meter, Atterwall (Schweden) mit 69,20 Meter, Järvinnen (Finnland) mit 69,18 Meter, Toioonen (Finnland) mit 68,76 Meter, Stöck (Deutschland) mit 68,11 Meter, Terry (USA.) mit 67,15 Meter. Ein heftiger Seitenwind verhinderte, daß im ersten Durchgang irgend einer der Sechs seine Vorkampfleistung erreichte. Stöcks Wurf lag bei 66 Meter. Toioonen trat über. Plötzlich brach mit grellem Licht die Sonne durch die Wolken und der Wind hatte etwas nachgelassen, als man zum zweiten Durchgang antrat. Der Amerikaner Terry kam auf 65 Meter. Stöck, der deutsche Zehnkämpfer, wurde von den Hunderttausend leidenschaftlich angefeuert mit dem Ruf: „Stöck, Stöck, Stöck, wirf den Speer noch weiter weg!" Ruhig und in tiefer Konzentration versunken holte sich der Deutsche seinen Speer, kraftvoll war sein verhältnismäßig langer Anlauf, groß die letzten Schritte. In wundervoller Flugbahn, wieder nicht zu hoch, suchte sich der Speer seinen Weg über die weiß gezeichneten 60-, 65- und 70-Meter- Marken. Fast gleichzeitig mit dem Einschlag der Speerspitze in den grünen Rasen brachen die Hunderttausend in einen ungeheuren Jubel aus. Von allen Seiten kam es in die Kampfbahn: „Bravo Stöck, wir danken dir!" Mit 71,84 Meter hatte er das gesamte Feld der Skandinavier vorerst einmal geschlagen. Doller Begeisterung und Freude über seine grandiose Leistung grüßte der Deutsche zur Ehrenloge hinauf, wo der Führer und seine Begleitung dem jungen Deutschen Beifall zollten. Bange Minuten durchlebten die Menschen im weiten Rund des Stadions, viel mehr aber noch Gerhard Stöck. Würde einer der Skandinavier oder gar der Amerikaner weiter kommen? Nach Stöck, der im dritten Wurf rund 66 Meter erzielte, warfen noch die Skandinavier. Die Gedanken vieler fchweis- ten zurück nach Los Angeles. Auch hier hatte Wei- mann damals den Olympischen Rekord verbessert, auch hier warfen nach ihm noch die Finnen und — schlugen ihn. Würde es wieder so kommen? Nein! Toioonen hatte schon die Nerven verloren und trat über; Atterwall, Nikkanen und selbst „Matti" Järvinnen, Finnlands großer Weltrekordmann und Sieger von Los Angeles, waren nicht mehr imstande, die großartige Leistung Stöcks zu überbieten. Sie besaßen nicht mehr Kraft und Konzentration genug. Kaum hatte Nikkanen den letzten Wurf getan, da stürzte alles auf Gerhard Stöck zu und gratulierte ihm zu diesem unerwarteten Sieg. Eine wunderbare Fügung des Schicksals! Jahrelang hatte Stöck bei den Deutschen Meisterschaften großes Pech. Fast immer wurde er, knapp geschlagen, Zweiter. Der Olympische Sieg aber vor den Augen des Führers war eine Entschädigung, wie sie großartiger nicht sein konnte. Zwei Medaillen für Japan im Dreisprung. Dor Beginn der Dreisprung-Entscheidung findet die Siegerehrung im 80-Meter-Hür- denlauf und Freistilringen statt. Im Endkampf gab es dann gleich im ersten Durchgang eine Sensation: Naoto Tajima (Japan) sprang 16 Meter weit. Sein Landsmann Harada erreichte 15,66 Meter, während sich der Australier Metcalfe mit einem Sprung von 15,50 Meter die Bronzene Medaille holte. Wöllner (Deutschland) belegte mit 15,27 Meter den vierten Platz. I O M WM' 1 > M i t'Hlli Zunächst springt Wöllner 14,53 Meter, dann Harada 15,50 Meter, der damit die Weite des Australiers im Vorkampf erreicht. Metcalfe landete da- aegen bei 14,83 Meter. Dann kommt Tajima. Weit tft sein Anlauf, kraftvoll der Ansprung, lang die Sätze. Aber die Krönung ist sein federndes letztes Vorschnellen. Mit beiden Füßen steht er genau auf der 16-Meter-Marke, die einen neuen Weltrekord bedeutet. Romero verbessert sich im zweiten Sprung auf 15,07, Oshima, Wöllner und Metcalfe treten über, Harada erreicht nur 15,27, aber der beständige kleine Tajima setzt bei 15,65 Meter auf. Im dritten und letzten Durchgang legt Romero 15,04 Meter vor. Oshima fällt durch die Wucht des Sprunges vornüber und muß, um nicht zu stürzen, durchlaufen. Wöllner nimmt sich mit 14,23 Meter bescheiden aus, und dann holt sich Harada mit 15,66 Meter die Silberne Medaille. Metcalfe beschließt seine Serie mit 15,20 Meter und zum Schluß kommt noch einmal Tajima, der aber durchläuft. Einen höchst ehrenvollen vierten Platz belegt Wöllner (Deutschland) vor Romero (USA.) und Oshima (Japan). Wöllner springt deutschen Rekord. Von den drei deutschen Teilnehmern waren L. Lang, der erst seit wenigen Monaten sich auch dem Dreisprung zugewändt hat, und Erich Joch ausgefallen. Um so größere Freude bereitete uns Meister Heinz Wöllner. Der junge Leipziger Student übertraf seinen bei den Meisterschaften aufgestellten Rekord mit 15,27 Meter um 21 Zentt- meter ganz beträchtlich. Joch hatte das Pech, von dem Amerikaner Romero um nur 2 Zentimeter übertroffen zu werden und dadurch der Endteil- nahme verlustig zu gehen. Die Kämpfe aus der Aschenbahn Deutschland siegt in der Schwergewichtsklasse. Spät abends am Mittwoch wurde das Ergebnis im Gewichtheben der Schwergewichtsklasse bekannt. Mit einer Gesamtleistung von 410 Kilogramm wurde Manger (Deutschland) Olympischer Sieger und gewann damit die Goldene Medaille. (Schirner-M.) 80-Meter-Hürden der Frauen. Anni Steuer-Deutschland an zweiter Stelle. Als die Frauen zum Endlauf über die 8 0 Meter Hürden in die Kampfbahn treten, ist die Arena in helles, warmes Licht getaucht. Die Bahnen find von innen nach außen wie folgt verteilt: Steuer, Testoni, Taylor, Valla, Braaketer und Eckert. Zwischen den beiden ersten Hürden schiebt sich das dunkelblaue Trikot der Italienerin Valla in Front. Rach der Hälfte der kurzen Strecke ist auch die Kanadierin auf gleicher Höhe, ebenso kommt Testoni-Jtalien heran. Fast im Gleichtakt kommen die vorn liegenden vier Mädels über die letzten Hindernisse. Auf dem kurzen Laufstück entbrennt ein heißer Kampf. Valla, Testoni, Steuer und Taylor werfen sich zugleich ins Zielband. Das menschliche Auge kann die Reihenfolge nicht feststellen, auch das Kampfgericht kann nur die vorläufige Placierung mit Valla als Siegerin, Testoni als Zweiter und Steiler als Dritter vornehmen. Für alle drei wurden 11,7 gemessen, Taylor hat die gleiche Zeit. Das Zielgericht überließ die Entscheidung der schon mehrfach bewährten Zielphotographie. Das Auge der Kamera klärte den Fall: Vallahatdenkbar knapp vor Steuer, Taylorund Testoni gewonnen! Die Zwischenläufe. B l a z e j e z a k hat im 2. L a u f die zweite Bahn zwischen dem Franzosen Henri und dem Finnen Strandvall. Wundervoll leicht läuft er die ersten 300 Meter und mit 5 Meter vor dem Engländer Brown und dem Kanadier Fritz kommt er in die Zielgerade. Wohl wird sein Schritt im Endkampf kürzer, aber er steht verbissen kämpfend tapfer durch und kommt als klarer Sieger in 48,2 Sek. vor den beiden Angelsachsen ein. Leider kann im dritten Lauf der zweite Deutsche Metzner wegen einer Verletzung nicht teilnehmen. Im vierten und letzten Lauf war K l u p s ch als dritter deutscher Vertreter dem Gegner nicht gewachsen. Immerhin wurde er vierter. Erste Kämpfe der Radfahrer. Malfahren — Mannschafts-Verfolgungsrennen. Mit den Kämpfen der Radfahrer erfuhr nun auch das neue Olympiastadion am BSC.-Platz seine Weihe. Die Flieger traten zu den 10 Vorläufen ihres 1000-Meter-Malfahrens an. In allen Läufen setzten sich die europäischen Favoriten siegreich durch. Der deutsche Weltmeister Toni Merkens gewann seinen Lauf gegen den Amerikaner Sellin- ger ohne sich voll auszugeben klar in 12,4 Sek. mit zwei Längen Vorsprung. Die schnellsten 200 Meter fuhr der Schweizer Meister Wägelin mit 12,2 Sek. Harie van Vliet, der starke Holländer, siegte gegen USA. -Sieg im 11O-Meter-Hürdenlau Anschließend an den Lauf der Frauen aehen die sechs Endkampfteilnehmer an der Entscheidung über 110 Meter Hürden an den Start. Don innen nach außen knien Finlay, Towns, Lidman, Thornton, O'Connor und Pollard in den Löchern, also zwei Amerikaner, zwei Engländer, ein Schwede und ein Kanadier. Vorn gleitet der Amerika-Meister Forest-Towns in unnachahmbarem Stil über die Hürden und liegt bald ganz klar in Front. Finlay und der Schwarze Pollard kämpfen erbittert um den zweiten Platz: Pollard reißt zwei Hürden. Aber er hält wenigstens den dritten Platz vor dem mächtig anstürmenden Schweden, den sein chlechter Start einen besseren als den vierten Platz gekostet hat. Thornton und O'Connor folgen in dieser Reihenfolge. Der Sieger Towns braucht nur 14,2 Sekunden, eine famose Zeit. Finlay hat seinen Erfolg von Los Angeles wiederholt. Oie Deutschen in 400-Meter-Äor- und Zwischenläufen. In den 400-Meter-Vorläufen konnten sich alle Deutschen durchsetzen. Dabei lief Blazejezak die hervorragende Zeit von 47,9 Sekunden. Metzner mußte im dritten Lauf hart mit dem Aegypter Ebeid kämpfen und kam schließlich vor diesem als Dritter ein. Im 8. Lauf konnte sich noch der dritte Deutsche Klupsch für den Zwischenlauf qualifizieren. Hinter Skawinski (Frankreich) (48,9) und von Wachenfeld (Schweden) belegte er mit 49,1 den 3. Platz. Ringen im griechisch-römischen Stil. Beginn in drei Gewichtsklassen in der Deutschlandhatte. In der großen Turnhalle des Olympischen Dorfes herrschte schon am frühen Morgen des Donnerstags Hochbetrieb. 110 Bewerber im griechisch-römischen Ringen stellten sich zum Wiegen. Sämtliche sieben Gewichtsklassen sind gleichmäßig stark besetzt. Die stärksten Gegner der Deutschen sind auch hier wieder die Finnen und Schweden. Bei den ersten Kämpfen in der Bantam- gewichtsklasse stellte sich der Deutsche Brendel gegen den Tschechoslowaken Hyza vollkommen falsch ein, da er den ständig zurückgehenden ©eg« ner fortwährend im Stand angriff, statt ihn zu Boden zu bringen. Nachdem so der Deutsche zweimal nach vergeblichen Angriffen in die Unterlage gekommen war, gaben die Richter den Punktsieg mit 3:0 an Hyza. Im Fed e r g e wicht war unser Vertreter H e - ring seinem Gegner Horvat-Rumänien überlegen, brachte ihn mehrfach durch verschiedenartige Schwünge in die Brücke und legte ihn nach 11:33 Min. auf die Schultern. In der Leichtgewichtsklasse errang der Finne Koskela gegen den Deutschen Nettesheim einen zweifelhaften 2:1-Punktsieg. Im Weltergewicht setzte sich Schäfer gegen den Esten Pusepp in einem schönen Gefecht sicher 3:0 nach Punkten durch. Entscheidend besiegte im Mittelgewicht Schweickert den Oesterreicher Pointner nach 9 Minuten, während im Halbschwergewicht der deutsche Meister Seelenbinder nach 10 Minuten von dem starken Letten Bietags auf die Schultern gelegt wurde. Im Schwergewicht setzte sich unser Vertreter Kurt H o r n f i s ch e r leicht in 3:53 Minuten gegen den Jugoslawen Nagy durch und erreichte ohne Fehlpunkte die zweite Runde. Olympiasieger im Mittelgewicht. Bei den Hebern im Mittelgewicht siegten: von links Ismayr, Deutschland (Silberne Medaille), Kahdr El T o u n y, Aegypten (Goldene Medaille) und Adolf Wagner, Deutschland (Bronzene Medaille). — (Schirner-M.) Ein herrlicher Endkampf im 1500-2lleter-£auf. Am Zielband der Sieger Lovelock (Neuseeland): hinter ihm Cunningham (England), gefolgt von dem Italiener B e c c a l i. — (Scherl-Bilderdienst-M). Nach dem letzten Wurf des Vorkampfes im Speerwurf stellten sich die 12 Läufer für die 1500-Meter-Entscheidung am Start auf. Die beiden Deutschen Schaumburg und Böttcher stehen in der Mitte. Ein gleichmäßiger Start, und dann geht der Engländer Cornes an die Spitze, führt in mittelschnellem Tempo vor Beccali und Schaumburg. Alle drei Amerikaner machen den Beschluß des Feldes. Für kurze Zeit löst Schaumburg den Engländer in der Führung ab, aber auf der Gegenseite kommt der Amerikaner Cunningham mit großen Schritten nach vorn und legt sich zwischen Looelock und den Schweden Ny. Das Feld zieht sich stark auseinander. Dorn liegt eine kleine Spitzengruppe mit Cunningham, Ny und Lovelock. In vier Meter Abstand folgen Beccali und Schaumburg. Don hinten stoßen die Amerikaner San Romani und Venzka mit dem schwarzen Kanadier Edwards geschlossen vor. Sind für die 800 Meter noch 2:05 gemessen, so hat sich das Tempo auf dem zweiten Teil der Strecke ungemein verschärft. Böttcher fällt auf den letzten Platz zurück. Auch Schaumburg muß trotz aller Tapferkeit klein beigeben. Eingangs der Gegengeraden setzt der schwarz gekleidete, blonde Neuseeländer John Lovelock zum entscheidenden Dorstoß an. Mit wundervoll leichten Schritten ist er im Nu fünf Meter vom Felde weg. Verzweifelt versuchen Cunningham und Beccali aufzulaufen, doch Lovelock kann kämpfen. Noch aus der Zielkurve kommt er mit deutlichem Vorsprung, und mit fast übermenschlicher Energie hält er seinen langen, gestreckten Schritt. Ja, er vergrößert sogar seinen Vorsprung noch auf acht Meter und siegt in der neuen Welt- und Olympischen Rekordzeit von 3:47,8 Min. vor Cunningham, der mit 3:48,4 Min. ebenso wie die weiteren drei Läufer noch unter der alten Olympia-Rekordzeit von Beccali bleibt, die der Italiener bei seinem Sieg 1932 in Los Angeles aufgestellt hat. Der Italiener kann diesen Sieg in dem mörderischen Rennen nicht wiederholen, sondern wird nur Dritter vor San Romani-USA., der diesmal seine Endgeschwindigkeit zu spät ausspielte. Der Kanadier Edwards rettet für das Ahornblatt den fünften Platz vor dem Engländer Cornes. Dem herrlichen 1500-Meter-Endlauf folgt sofort die Siegerehrung. Der sympathische Olympiasieger Lovelock wurde ungemein stark gefeiert Dritter Tag der Segler in Kiel. Drille Wellfahrt der Olympia-Jollen. Am Morgen des dritten Wettfahrttages wurde den Olympia-Seglern eine große Freude bereitet, erhielten sie doch endlich eine günstige Wettervorhersage. Wieder gingen alle 25 Jollen an den Start. Holland beendete die Wettfahrt als Sieger in 1:28,20 Stunden vor England, Deutschland und Chile. Deutscher Sieg in der Starboot-Klasse. Einen ganz überlegenen deutschen Sieg aab es bei der dritten Wettfahrt der Starboot-Klasse. Dr. Bischoff, der mit seiner „Wannsee" am Vortaae wegen einer kleinen Havarie feine führende Position verlor, siegte am Donnerstag mit über vier Minuten Vorsprung vor dem englischen Boot „Paka". Dr. Bischoff holte schon auf der ersten Kreuzstrecke einen Vorsprung von 51 Sekunden heraus und vergrößerte diesen Vorteil auf den folgenden Strecken stets. Der Sieg Dr. Bischoffs stand nie in Frage. 1500 Beier: Rennen des Tages. Lovelock-Neuseeland siegt in Weltrekordzeit. den Kanadier Peace in 12,3 Sek. Für das Achtel- inale sind die Dorlaufssieger sowie die vier Ersten der Hoffnungsläufe startberechtigt. Im Anschluß daran sahen die 5000 interessierten Zuschauer die Vorkämpfe im M a n n s ch a f t s - Verfolgungsrennen. Gleich im ersten Lauf blieb Italien als Sieger gegen Kanada mit 4:49,3 Minuten unter feiner eigenen olympischen Bestzeit von 4:53 Minuten. Auch Dänemark kam mit 4:49,2 unter die alte Marke. Die Holländer hatten nach schönem Rennen die Vertreter der USA. bereits eingeholt, als sie zwei Leute durch Sturz verloren und die Amerikaner so zu einem unerwarteten Siege kamen. Im Kampf gegen Oesterreich zeigte unsere Mannschaft Arndt, Klöckner, Hasselberg, Hoffmann eine schöne Zusammenarbeit und blieb verdient mit 4:48,3 Minuten iegreich. Die vier Franzosen schufen im letzten Lauf mit 4:41,3 gegen Großbritannien Tagesbestzeit und neuen olympischen Rekord. Ungarns Polospieler doch bester. Deutschland im Wiederhotungskampf 16:6 geschlagen. Das steigende Interesse, das dem Polo beim Olympischen Turnier entgegengebracht wird, bewies der ausgezeichnete Besuch beim Wiederholungsspiel Deutschland — Ungarn. Die Tribünen am Glockenturm waren voll beseht und auch die Seitentribünen des Maifeldes wiesen zahlreiche Zu- chauer auf. Nach dem Unentschieden des ersten Spieles hatten die Ungarn diesmal eine Umstellung vorgenommen, die sich ausgezeichnet bewähren sollte. Der neue Verteidiger Kovacs, ein überragender Reiter und Spieler, hatte den größten Anteil an dem 16:6 Sieg seiner Mannschaft. In der deutschen Mannschaft überragte Reinke, der vier der sechs Tore erzielte. Ein 5:0 Vorsprung der Ungarn im ersten Spielabschnitt wurde in den nächsten drei Abschnitten auf 10:1 vergrößert. Ausgezeichnete Leistungen der Deutschen ließen sie dann auf 11$ herankommen: über 14:5 und 14:6 wurde in den letzten Abschnitten das Schlußergebnis von 16:6 erreicht. Erste Kämpfe im Handballturnier. Das Olympische Handballturnier wurde am Donnerstag mit den Spielen zwischen Ungarn und Deutschland sowie Oesterreich und Rumänien eingeleitet. In beiden Treffen gab es die erwarteten klaren Siege der Mannschaften von Deutschland und Oesterreich, die auch unter sich den Olympiasieger ausmachen dürften. Deutschland — Ungarn 23:0 (14:0). Im Polizeistadion trafen sich Deutschland und Ungarn zum ersten Handballspiel der Olympischen Spiele. Deutschlands Sieg stand in diesem Treffen nicht in Frage. Die deutsche Elf war nicht zu schlagen und gestaltete das Treffen nach Belieben. Ungarns Elf wehrte sich verzweifelt. Es war aber weder die ungarische Hintermannschaft dem beut« chen Angriffsspiel gewachsen, noch verstand es der Neuer Olympischer Rekord einer Italienerin. Im Zwischenlauf über 80 Meter Hürden stellte die junge Italienerin Valla mit 11,6 Sekunden einen neuen Olympischen Rekord auf. (Presse-Bilo-Zentrale-M.) ungarische Angriff, die deutsche Abwehr zu über« winden. Oesterreich — Rumänien 18:3 (5:1). Oesterreich landete auf dem BSD.-Platz einen ebenfalls klaren Sieg über Rumänien. Die Rumänen hielten sich gegen den großen Gegner achtbar, aber sie mußten doch die eindeutige Ueber« legenheit der österreichischen Mannschaft anerkennen. Das Olympia-Zußball-Tnrnier. England — China 2:0 (0:0), Peru — Finnland 7:3 (3:1). Mit besonderem Interesse wurden die Fußball* Vorrundenspiele des Donnerstag erwartet, waren doch hier zum ersten Male China und Peru sowie die Mannschaft Großbritanniens bei der „Arbeit" zu beobachten. Finnland gab gegen Peru den Partner ab und England spielte gegen China. England, China und Peru (besonders Peru) hinterließen den allerbesten Eindruck. Peru schlug Finnland mit Leichtigkeit 7:3 (3:1) und England fertigte die Mannschaft aus dem Reich der Mitte mit etwas mehr Mühe 2:0 (0:0) ab. England trifft nun am Samstag im Poststadion auf Polen, Peru bekommt es am gleichen Tage auf dem Hertha-Platz mit Oesterreich zu tun. Deuischer Triumph im Modernen Fünskampf. Sieger: Oberleutnant Handrick. Mit dem 4000 - Meter - Geländelauf wurde am Donnerstag der Moderne Fünfkampf, einer der interessantesten Wettbewerbe der Olympischen Spiele, beendet. Nachdem Oberleutnant Handrick, unser bester Vertreter, nach dem ersten Wettbewerb, dem Netten, schon auf den ersten Plätzen Gelegen hatte und nach dem Degenfechten auf die erste Stelle der Gesamtwertung vorrückte, die er im Schießen und Schwimmen erfolgreich verteidigte, hätte er noch sehr viel Pech haben müssen, diesen Rang im letzten Wettbewerb, dem Geländelauf, zu verlieren. Schwedens Vorherrschaft auf diesem Gebiete — bisher stellten nur die Schweden die Olympiasieger — ist nun endgültig gebrochen und Schwedens bester Vertreter, Oberleutnant T h o f e l t, kam auf den vierten Platz und konnte nicht einmal eine Medaille erringen. DHL Handrick gelang es auch, im letzten noch ausstehenden Wettbewerb, dem 4000-Meter- Geländelauf, als Vierzehnter noch in der Spitzengruppe zu enden und damit seinen Endsieg sicherzustellen. Diese abschließende Hebung fand auf bem Gelände des Golf- und Landclubs Wannfee statt. Der Reichskriegsminister ließ sich die deutschen Teilnehmer am Start vorstellen. In Minutenabständen wurden die Läufer über die Strecke geschickt, und schon als die ersten Läufer das Ziel passierten, zeigte es sich, daß die Zeiten der Fünfkämpfer immer mehr an die besten Leistungen der Dahnläufer heranreichen. Lt. L e b a n (Oesterreich) erreichte mit 13:17,4 Minuten eine ganz hervorragende Zeit. Erwartungsgemäß tonnten sich die nordischen Teilnehmer im letzten Wettbewerb weiter verbessern. Der Finne Hietala belegte mit 13:25,3 den zweiten Platz, während der bisherige Zweitplacierte in der Gesamtwertung, Oblt. Thofelt (Schweden), mit einem 24. Platz im Geländelauf um die Silbermedaille kam, die sich der amerikanische Lt. Leonard durch einen ausgezeichneten Lauf holte. Da auch Oblt. Abba (Italien) sich günstig placieren konnte, rückte er in der Gesamtwertung vom vierten auf den dritten Platz vor. Als bester deutscher Läufer kam Uffz. Bram- f eld als Zehnter ein, während Lt. Lemp als 21. im Mittelfelde endete. Dennoch konnte der zweite deutsche Vertreter in der Gesamtwertung den sechsten Platz hinter dem Ungarn Orban belegen. Deutsche Schnellseuer-pWenschiitzen siegreich. Am frühen Nachmittag des Donnerstag fiel im Rahmen der Olympischen Schießwettbewerbe die erste Entscheidung im Schnellfeuer-Pistolen- Schießen. Deutschlands erster Vertreter v a n O y e n holte sich mit der h ö ch st e n erreichbaren Trefferzahl den Sieg und damit die Goldene Medaille. An zweiter Stelle beendete mit nur einem Treffer weniger Oblt. Hax (Deutschland) den Wettbewerb. Er sicherte sich die Silberne Medaille vor dem Weltrekordmann im Pistolen-Schießen Ullmann (Schweden), der die Bronze-Medaille erhielt. Nachdem in der Ausscheidung der ersten beiden Ausscheidungen, dem Achtsekunden- und dem Sechs- sekunden-Serien-Schießen, die Spitzengruppe dicht zusammengeblieben war, wurde die Zahl der Bewerber um die Goldmedaille in der Viersekunden- Serie schon bedeutend geringer. Die schwerste Prüfung, die Dreisekunden-Serie, beendete allein van Oyen, der mit unerschütterlicher Ruhe schoß, mit sechs Treffern. Der Deutsche H a x, der bereits bei den Olympischen Spielen in Amsterdam und Los Angeles Deutschlands Farben im Modernen Fünfkampf vertreten hatte, belegte mit fünf Treffern den zweiten Platz. Der Weltrekovdmann Ullmann (Schweden) konnte erst nach Stichkampf mit dem Griechen Paradimas die Bronzene Medaille retten. Vorkämpfe im Scheiben-Pistolen-Schießen. In der Versuchsanstalt für Handfeuerwaffen zu Berlin-Wannsee wurde am Donnerstag der zweite Schießwettbewerb der Olympischen Spiele, das Scheiben-Pistolen-Schießen, in Angriff genommen. Nach dem ersten Tage lag der Deutsche Erich Krempel in Führung, der es auf 544 Ringe brachte. Die Schützen waren in drei Rotten ungeteilt, die mit 50 Meter Entfernung auf die Zehner- Ring-Scheibe schossen. Erich Krempel schoß in der dritten Rotte. Hinter Krempel lagen Elliot Jones (USA.) mit 536 und Tölgyessi (Ungarn) mit 528 Ringen auf den nächsten Plätzen. Italienischer Sieg im Zioreii-Linzelsechien. Lasmir-Oeutschland Vierter. Nachdem sich in den Vormittagsstunden aus der Dorendrunde die letzten acht Teilnehmer für die Endrunde qualifiziert hatten, traten yiese am Nachmittag zu den Entscheidungen an. Auf der Bahn gab es Hochleistungen der besten Fechter zu sehen. Wohl überhaupt bas beste Gefecht lieferten sich Altmeister Erwin C a s m i r und der Italiener Gua- ragna, das der Deutsche nach herrlichen Szenen mit 5:4 gewann. Einen großen Kampf lieferte der Deutsche auch dem späteren Sieger Gaudini, der zum Schluß aber doch mit 5:3 die Oberhand behielt, obwohl Casmir 1:0 und später 2:1 in Führung gegangen war. In großer Fahrt war Casmir dann gegen den jungen Italiener Bocchino. 5:4 hieß es zum Schluß für den Deutschen. Auch in seiner Begegnung mit dem französischen Altmeister Edward (Sortiere zeigte sich Casmir von der besten Seite. Das Glück war aber auf Seiten des Franzosen. Seine dritte Niederlage holte sich Casmir gegen den Belgier Bru mit 3:5. Mit vier Siegen und drei Niederlagen kam unser Casmir, dessen Versuch zur Erringung einer Goldmedaille wieder einmal vergeblich war, auf den vierten Platz. Nach Beendigung der Konkurrenz hatte sich Gaudini mit sieben Siegen die Spitze erkämpft und auf dem zweiten Platz landete Edward Gartiöre (Frankreich) mit sechs Siegen. Dritter wurde Italiens junger Fechter Bocchino, der es auf vier Siege brachte, und dann folgte Erwin Casmir, der gleichfalls vier Siege errang, aber mehr erhaltene Treffer aufzuweisen hatte. Olympia-Hockey -Turnier. Holland—Schweiz 4:1. Im Hockey-Stadion des Reichsspvrtfeldes standen sich vor zahlreichen Zuschauern die Mannschaften von Holland und der Schweiz in der zweiten Runde des Olympischen Turniers gegenüber. Die Holländer waren in diesem Kampf gegen das Spiel mit Belgien nicht wieder zu erkennen. Sie arbeiteten sich eine ganz klare Ueberlegenheit heraus und verstanden es auch, ihre ausgezeichnete Technik und die Schußfreudigkeit der Stürmer in einen sicheren 4:l-(2:l-)Sieg umzusetzen. Deutschland schlägt Dänemark 6:0. Das Hockey-Stadion im Reichssportfeld war mit 15 000 Zuschauern ausgezeichnet besetzt, als Deutschland zu seinem ersten Kampf im olympischen Hockey- Turnier antrat. Dänemark war der Gegner und es mußte sich unserer ausgezeichneten Elf, die nicht einmal in allerstärkster Besetzung antrat, mit 0:6 (0:2) klar beugen. Die Skandinavier setzten den deutschen Spielern zwar einen sehr großen Widerstand entgegen, sie waren aber technisch doch zu klar unterlegen, als daß sie für den Sieg in Frage kommen konnten. Beide Mannschaften bevorzugten ein schnelles Flügelspiel, dabei konnte jedoch der deutsche Jnnensturm die geschaffenen Torgelegenheiten entschieden besser verwerten. Auch der großartige dänische Torwart Weiß mußte sich schließlich durch das raffinierte Stürmerspiel der Deutschen geschlagen bekennen. Wetturnen des Turnvereins Krofdorf. Der Turnverein Krofdorf hielt am Sonntag sein diesjähriges W e 11 u r n e n ab. Den Auftakt bildete ein Werbe-Umzug sämtlicher Turner und Turnerinnen durch den Ort. Auf dem Platze an der Turnhalle hielt Oberturnwart zl m e n ti mit feinen Helfern eine Kampfrickterbesprechung, bann marschierten etwa 130 Teilnehmer unb Teilnehmerinnen mit bem Lieb „Turner, auf zum Streite" an bie Geräte. Es galt, in fast allen Turnarten einen vielseitigen Uebungsftoff zu bewältigen. Die ersten Sieger. Jugentiturner, Riege I: 1. Alfreb Kraft 191 Punkte; 2. Arno Keller 171; 3. Karl Stork 136; 4. Willi Leib 126 Punkte. Riege II: 1. Helmut Leib 168 Punkte; 2. Walter Bechtold 156; 3. Erich Weil 150; 4. Rudolf Haibach 136 Punkte. Schüler, Riege I: 1. Kurt Röhrsheim 176 Punkte; 2. Ferd. Mandler 162; 3. Hans Leib, Walter Wagner und Hans Leicht 161; 4. Alfred Kümmel und Artur Schupp 147 Punkte. Riege II: 1. Karl Bender 155 Punkte; 2. H. Schmidt und Karl.Wagner 150 Punkte; 3. W. Bremer und Karl Schmidt 142; 4. Heinz Bender 137Punkte. Riege III. 1. Hans Leib 140; 2. Hans Drescher 136; 3. Heini Schmidt 122; 4. Alb. Rollshausen 121 Punkte. Turnerinnen, Riege I: 1. Martha Leib 142 Punkte; 2. Hedwig Schmidt 141; 3. Hilde Eka- rius 138; 4. Hilde Heyer 135 Punkte. Riege II: 1. Elfriede Wagner 195 Punkte; 2. Johanna Amend und Marie Schneider 154; 3. Marie Bender 147; 4. Henni Römer. Schülerinnen, Riege I: 1. Liefe! Zufall 140 Punkte; 2. Alice Leid 137; 3. Emmi Gerlach 135; 4. Thea Koch 133 Punkte. Riege II: 1. Anni Krombach 129 Punkte; 2. Else Kaietsch 126; 3. Gertrud Weber 123; 4. Emmi Valentin 114 Punkte. Riege III: 1. Gertrud Haibach 166 Punkte; 2. Elli Daubertshäuser 165; 3. Johanna Röhrsheim 148; 4. Brunhilde Sommer 143 Punkte. Olympische Medaillen. Nationen Gold Silber Bronze Griechenland ............ — _ _ Aegypten................ 1 1 2 Argentinien.............. 1 1 2 Australien............... — — — Belgien ................. — — 1 China................... — — — Dänemark ............... — — — Estland ................. 1 1 — Finnland................ 3 3 3 Frankreich............... 2 1 —• Großbritannien........... 1 — 1 Holland................. — — 2 Indien.................. — — — Island.................. — — — Italien.................. 4 5 4 Japan................... 1 1 4 Kanada ................. — 1 3 Lettland................. — — 1 Neuseeland .............. 1 —. — Norwegen................ — — —- Oesterreich............... 1 2 Philippinen ............. — — 1 Polen................... — 3 3 Rumänien............... — — — Schweden................ 1 1 4 Schweiz ................. 1 1 — Süd.Asrika .............. — — — Tschechoslowakei.......... — 1 1 Türkei .................. — — 1 Ungarn ................. S — — Uruguay ................ —— — — Bereinigte Staaten........ 12 11 3 Deutschland.............. 13 14 10 3n diese Aufstellung sind die üunskwettbewerbe einbegriffen. Oberheffen. Erwerbslose zur Erntehilfe aufgerufen * Lauterbach, 7. Aug. Die NSV. Kreis- amtsleitung Lauterbach veröffentlicht in der Ortpresse einen Au fruf an bie Erwerbslosen zur Mithilfe bei b e r Bergung b e r Ernte. In bem Aufruf wirb u. a. gesagt: „Um bie Erzeugungsschlacht nicht zu gefährden, ist es. Pflicht eines jeden Volksgenossen, der erwerbslos ist und durch das WHW. unterstützt wird, aerobe in der Hauptarbeitszeit der Landwirtschaft hier helfend einzugreifen, sowie auch seine Angehörigen, soweit dies zulässig ist. Das Arbeitsamt wird uns alle Drückeberger melden. Wir weisen hiermit auch unsere örtlichen Stellen an, sich ebenfalls in den Dienst der so wichtigen Sache zu stellen. Alle diejenigen Volksgenossen, bie zum Mithelfen bei ber Erntearbeit imstande sind, unb bie s i ch weigern, zum Gelingen ber E r z e u g u n a s s ch l a ch t beizutragen, werben rücksichtslos und restlos aus dem kommenden WHW. ausgeschlossen. Wenn man im Winter nehmen will, müssen im Sommer bie Voraussetzungen geschaffen werden, daß man etwas haben kann." CanNirls (Sieben. ch Mainzlar, 6. Aug. Die am Ortsausgang nach Daubringen liegende Straßenbrücke über die Lumda wird z. Z. erweitert und erhält zur Sicherheit der Fußgänger links und rechts einen Bürgersteig. Die Arbeiten werden von ber Baufirma Deibel- Lollar ausgeführt. Durch diese Erweiterung wird eine große Gefahrenquelle beseitigt, da die Brücke unmittelbar an einer unübersichtlichen Kurve liegt. > Holzheim, 6. Aug. Bei ber Schutz- unb Zuchthundeprüfung ber K r e i s f a ch g r u p p e Butzbach des Deutschen Schäferhundevereins konnten einheimische Zwinger und Züchter schöne Erfolge erringen. Es fanden drei Prüfungen statt; es waren eine Jugendveranlagung-, eine Zuchthund- und eine Schutzhundeprüfung. Bei der Jugendveranlagung, bie lediglich über bie Wesensoeranlagung des deutschen Schäferhundes Aufschluß geben soll, stellte die stärkste Gruppe der Zwinger „Von Haus Fritz", Inhaber Ernst Jung (Holzheim), mit fünf Hunden; vier erhielten die Note „vorzüglich" unter den Führern H. Heuler (Gambach), H. Müll (Holzheim) undErnstJung (Holzheim). Ein Hund des letzteren erhielt noch bie Note „gut". Bei der Zuchthundeprüfung errang bie Note „vorzüglich" bie Hündin „Centa vom Haus Fritz", Besitzer und Führer Heinrich Müll jun. (Holzheim). Ferner erhielt noch die Note „sehr gut" ein geborener Holzheimer, wohnhaft in Butzbach, Adam Diehl mit dem Hund „Arnhild vom Holzheimer Eichwald", sowie die Note „gut" mit „Bokker vom Holzheimer Eichwald". Die Ausbildung der Hunde wird hier fleißig betrieben. Dies beweist, daß einige Tiere Spitzenleistungen erreichten. Besonders hervorgehoben wurden bie Fähigkeiten des erst 16jährigen H. Müll aus Holzheim, der manchem Führer hinsichtlich Fleiß und Ausdauer im Sport ein Vorbild sein kann. Richter waren Polizeioberleutnant i. R. Heyne aus Mainz und Polizeihauptmann a. D. Esther (Butzbach). Z L i ch, 6. Aug. In unserer Stadt ist erfreulicherweise ein Aufblühen der Kleintierzucht festzustellen, namentlich auf dem Gebiete der Geflügelzucht. Viele Volksgenossen sind daran, ihren Bedarf an Eiern selbst zu erzeugen, und haben sich einige Hühner zugelegt. Aber auch auf dem Gebiete der Kaninchenzucht ist ein erfreulicher Fortschritt festzustellen. Verursacht durch bie Darüber» gehende Fleischknappheit im vergangenen Jahre haben sich viele Einwohner einige Kaninchen zugelegt. Da in unserer Stabt fast jede Familie ein Stück Garten bearbeitet, so lassen sich bie Kaninchen mit Leichtigkeit aufziehen. Besonders erfreut es aber den Beobachter, daß auch viele Familien, die jahrelang Hausschlachtungen vornahmen, aber ein Schwein selbst nicht mehr mästeten, sich in diesem Jahr wieder ein Ferkel zur eigenen Aufzucht gekauft haben.. Im Interesse ber Gewinnung ber Erzeugungsschlacht ist die Hebung der Kleintierzucht sehr zu begrüßen. Möchten noch recht viele Volksgenossen dem Beispiel Der andern folgen! —.— Obbornhofen, 6. Aug. Die O b ft - aussichten werden immer günstiger. Die reichlichen Niederschläge haben den mittelstarken Behang zur guten Entwicklung gebracht, so daß viele Bäume gestützt werden mußten. 'Hebevoll hängen die Zwetschenbäume, bie durchweg gebunden unb gestützt wurden. Aber auch ein großer Teil ber Gute Möbel bei Koos Giessen Schulstn6 Unbekannte Hracht. Homan von Frank H.Vraun. 8. Fortsetzung. Nachdruck verboten! „Kommen Sie mal herein, Frollein", sagte Frau Berta. „Auf der Straße wollen wir nichts verhandeln. Haben Sie gar keine Sachen mit?" „Mein Koffer ist noch auf der Bahn, ich wußte ja nicht, ob Sie mich gebrauchen konnten." „Laß jetzt mal das Fenster, Peter. Kommen Sie herein, Frollein. Wir wollen mal über den tfall reden", sagte $rau Berta. „An sich waren wir gerade darauf aus, uns eine Hilfe zu nehmen." Die beiden fliegen in den Keller. Frau Berta schritt voran durch den Laden, der leer war, in die ruckue- genden Wohnräume. Frau Berta setzte sich auf das Sofa. Die graue Katze mußte weichen. „Setzen Sie sich, Frollein." Der Mann blieb stehen, aber bas war Zufall. Dann begann Frau Berta zu reden. Ihre Zunge war geübter als die ihres Mannes. Nach zehn Minuten wußte sie, wer dieses Mädchen war. So etwas hatte sie gesucht. Fleißia, an Arbeit gewohnt, ehrüch und nett, dazu vom Lande. Nach einer halben Stunde saß Antje Oelkens am Tisch und bekam ein Mittagessen. Sie war mit 20 Mark Barlohn, Kost und Logis angenommen. Beide Vertragspartner schienen recht zufrieden. An diesem Nachmittag ereignete stch für Zlntje Oelkens nichts Sonderliches mehr. Frau Berta wies ihr dies und jenes im Kellerbetrieb; gegen Abend — leider fing es an zu regnen, em schleiernebel schlug nieder — nahm Nickels sie mit auf die Straße. Er wies ihr die Häuser, m denen Die Kunden wohnten, die sie am andern -Norgen besuchen würde. Besuchen, dachte Antje besuchen nennt er das. Wenn ich die Flasche Milch vor bie Tür setze, klingele und nicht einmal warte, bis geöffnet wird. Aber sie sagte das nicht laut, denn schließlich war es ja sehr gleichgültig, wie Pe er Nickel, ihr Chef, sich ausdrückte. Er war em netter Mann; das war wichtiger. „Weiter in die Kameruner Straße hinauf brauchen Sie nicht, Antje", sagte Nickels bann an ber Straßenecke, „da oben hat der dicke Lehmann (ein Revier." Sie nickte. Ein junger, flott gekleideter Herr ging vorüber. Antje wunderte sich, wie höflich dieser Mann seinen Milchhändler grüßte. Peter Nickels verzog das Gesicht zu einem Lächeln. „Er ist doch bei mir in der Kreide", sagte er. „Aber wir wollen ihm ruhig weiterhin den halben Liter Milch morgens vor die Tür setzen. Vielleicht kommt er bald einmal zu Geld, der Herr Maler." „Kunstmaler?" „Ob das Kunst ist, weiß ich nicht", antwortete Nickels, „er malt so Plakate für Anschlagsäulen, und neulich hat er für eine Schokoladenfabrik das Reklameschild gemalt. Aber von dem Geld habe ich nichts zu sehen gekriegt. Immerhin, der Schlachter Ziehm sagte mir, ihn hätte der Herr Lorenzen bezahlt." Er lachte. „War wohl nicht genug für Schlachter und Milchmann. Ader ich denke mir eben, da er von dem letzten Geld den Ziehm bezahlt hat, werde ich hoffentlich das nächste Mal drankommen." Dann gingen sie wieder nach Hause. Am Abend lag Antje in ihrer kleinen Kammer lange wach. Diese große Stadt wurde selbst nachts nicht richtig still. Es blieb ein Brausen in der Luft. Oder sausten ihre Ohren so? War es noch das Rattern der Eisenbahn, das ihr in den Ohren lag? Sie steckte den Kopf unter die Bettdecke. Da wurde es still. Sie vernahm nur ihren eigenen Herzschlag, und der tickte beruhigend gleichmäßig. Sie dachte, irgendwo in dieser Stadt, nicht weit weg also, liegt jetzt auch Rudolf und wartet wie ich auf den Schlaf. Nickels, der andere, wird mir aus Wietze Rudolfs Adresse schreiben, und ich werde ihn aufsuchen. In der Fabrik, in der Werkstatt ober wo er sonst untergekommen ist. Rubolf, werde ich sagen, ich verstehe, daß du von Hause weglaufen mußtest, als der Hof verkauft wurde; aber ich verstehe nicht, warum du mir nichts davon gesagt hast! Unb Rudolf würde antworten: „Ich mußte erst sehen und allein Fuß fassen, Antje, du solltest nachkommen." „ _ Oh, sie kannte ihren Rudolf so sehr gut, sie wußte seine Antwort im voraus. Mit einer kleinen, zärtlichen Handbewegung, die über die Bettdecke strich, löschten ihre Gedanken aus, und sie schlief ein. Der Regen war stärker geworden. Er schlug in den asphaltierten Hof vor ihrer Kammer unb prasselte, schräggeweht, gegen ihre Scheibe. Aber solche Geräusche waren ihr wohl zu vertraut, als daß sie Antje aufwecken konnten. * Herr Freb Lorenzen erwachte am andern Morgen von einem schrillen, langanhaltenden Klingelton. Er fuhr im Bett hoch und sah auf feine Taschenuhr, die auf dem Nachttisch lag. Dann sprang er auf, fand bie Hausschuhe unb fuhr in ben Bademantel, der für so eilige Zwecke schon bereit lag, und sauste zur Tür. Vielleicht war der Geldbriefträger draußen! Er riß die Tür auf und sah, daß nicht der ersehnte Postbeamte wartete. Antje Oelkens las gerade auf ihrem Zettel ab, vor welche Türe sie als nächste die Flasche Milch abstellen sollte, als ein Mann im gelbweißen Bademantel vor ihr stand. Sein Haar war lang und hing ihm in die Stirn; aber sie erkannte ihn doch sofort wieder. Auch wenn sie nicht gewußt hätte, daß sie die Milch soeben für den Maler Fred Lorenzen hingestellt hatte, wäre ihr der Mann nicht unbekannt gewesen, über den sie gestern schon mit Peter Nickels gesprochen hatte. „Guten Morgen", sagte sie, und da er sie stumm anlächelte, fügte sie hinzu: „Ich habe Sie hoffentlich nicht aufgeweckt?" Die Frage war unsinnig. Jeder konnte sehen, daß ber Mann just aus dem Bett aufgescheucht worden war. Lorenzens Antwort war jedoch nicht weniger geistvoll. „I wo", fagte er, „ich wache immer um diese Zeit auf." Er zögerte einen Augenblick. Seine Milchflasche hatte er in der Hand. Nichts hinderte ihn, sich wieder zurückzuziehen; aber dann meinte er: „Tragen Sie jetzt die Milch aus?" Antje nickte. Die Tatsache war ja nicht abzuleugnen. „Ja, seit heute. Ich bin gestern bei Herrn Nickels in Stellung gegangen." n „Dann kommen Sie jetzt jeden Morgen? Das ift famos!" „Warum?" ri ... Er machte e;nen Kratzfuß und wußte es nicht. „Es ist angenehmer, als erstes Gesicht, wenn der Tag für mich anfängt, das ihre zu sehen als Peter Nickels weit weniger hübsches." Er lachte sie an. Hübsche Zähne hat er auch, dachte sie Aber bann nahm sie ihr Drahtgestell mit ben Milchflaschen auf unb setzte sich in Bewegung. „Ich muß weiter. „Schade. Wer kocht mir nun bie Milch?" „Sind Sie denn ganz allein?" „Ja, ganz allein." „Unb wer macht Ihnen die Wohnung sauber?" „Niemand, bis Frau Lorenz wiederkommt. Sie ist verreist. Ich bin nämlich, wie Sie wahrscheinlich wissen, hier nur Untermieter." „Nein, das hat mir Herr Nickels gar nicht gesagt." „Er hat es wohl deshalb nicht für nötig gehalten, weil die Namen so ähnlich sind. Sehen Sie, an der Tür steht Lorenz. Ich heiße aber Fred Lorenzen. Und die Milch ist wirklich für mich bestimmt. Frau Lorenz bezieht keine Milch." Er lachte stärker. „Sie trinkt den Kaffee schwarz." „Ich muß jetzt weiter." „Leider. Klingeln Sie mich morgen wieder heraus, ja? Und nicht gleich weglaufen, ich mochte Ihnen guten Morgen sagen dürfen, Fräulein." Er machte seine Tür noch immer nicht zu. „Fräulein klingt so fremd unb kalt. Wie heißen Sie eigentlich?" „Antje." „Antje? Ein schöner Name; so beutsch. Sie sehen auch aus wie eine Antje, Fräulein Antje, wirklich, das soll keine Schmeichelei sein. Sie müssen aus Dithmarschen oder Holstein stammen. Ein Friesenkind!" Seine Kenntnis in diesen Fragen war nicht weit her. Antje lachte ihn ein bißchen aus, ehe sie endgültig davonlies, einen Stock höher, wo bei Rat Schrader ein halber Liter abzustellen war. „Aus dem Hannoverschen stamme ich. Kennen Sie Wietze?" „Ich kenne allerhand Witze, aber ich kann Ihnen doch nicht am frühen Morgen Witze erzählen!" Sie lief prustend davon. Ihre beiden strahlenden Gesichter sahen sich noch einmal an. Dann war sie weg, und Herr Fred Lorenzen schloß seine Tür. Aber heute ging er nicht noch einmal ins Bett. Er sah abermals auf seine Uhr. Viel zu früh. Zu früh zum Arbeiten, Fred? Schäme dich! Du hast doch da eine Idee, Mann. Dieses Mädchen! Eine Reklame für frische Milch! Diese gesunde, frische Antje und zwei Milchflaschen, in jedem Arm eine! Und dann mit dem farbenfroh gehaltenen Plakat an die Innung der Milchhand- ler heran. I (Fortsetzung folgt!) -'M ■ LÄ v- Wie sieht es in der Wirtschaft aus? * Apfelbäume bat stärker gefruchtet, als man noch vor einigen Wochen annahm. Hier find es vor allem von den Wirtschaftssorten die Schafnase, der Rheinische Bohnapfel und der Herrnapfel, die eine Dollernte erbringen, während die edleren Sorten, wie Schöner von Boskop, Goldrenette von Blenheim und Winter-Goldparmäne, nur einen schwachen bis mittelguten Fruchtansatz zeigen. Sehr reichen Behang haben die Birnbäume, von denen die Honigbirnen und die Pastorenbirnen den besten Ertrag bringen. Damit alle Bäume gestützt werden konnten, hat die Gemeindeverwaltung im Walde sog. Steipern schlagen lassen, die zur öffentlichen Versteigerung kamen. Während im Vorjahre infolge der Spätfröste keine Walnuß geerntet wurde, hängen die Nußbäume so voller Früchte, wie seit vielen Jahren nicht. Mehrmals kann hier die Beobachtung gemacht werden, daß einzelne besonders schwer beladene Aeste gestützt werden mußten. Auffällig ist der ausgezeichnete Gesundheitszustand der Obstbäume in unserer Gemarkung, der nicht zuletzt auf die planmäßige Spritzmaßnahmen zurückzuführen ist. Es wurden nämlich durch den neugegründeten Obst- und Gartenbauverein die Winter-, Vorblüten- und Sommerspritzungen durchgeführt. der Zugang noch nicht die Höhe von 1927 bis 1929 erreicht. Dabei ist aber nach den Ausführungen des Konjunkturinstituts zu berücksichtigen, daß der Geldwert heute viel höher ist als damals. Die Indexziffer der Lebenshaltungskosten var 1935 um rund 19 v. H., die Indexziffer der Großhandelspreise um rund 20 v. H. niedriger als in den Jahren 1927/29. Hinzu kommt bei der Beurteilung der Kapitalbu- dung, daß damals die Sparkapitalbildung weitgehend durch das Einströmen der damals üblichen Auslandskredite bedingt war. Heute dagegen wird das Kapital ausschließlich durch die Mobilisierung der inländischen Wirtschaftskräfte geschaffen, mit anderen Worten, heute handelt es sich im Gegensatz zu der damals „geborgten" Kapitalanreicherung um eine echte. Die britischen Hoffnungen, noch den Verhandlungen von Ottawa würde so etwas wie ein geschlossener allbritischer Handels st aat unter Bevorzugung der Erzeugnisse der Mutterinsel und der Dominions entstehen, haben sich nicht erfüllt. In England ist man deshalb schon seit längerer Zeit insgeheim mit dem Umbau des Abkommens beschäftigt. B r i t i s ch - I n d i e n hat das Abkommen gekündigt und Australien übte auf das Handelsamt einen starken Druck aus, das Abkommen zu revidieren. Mit der Verkündung des neuen englisch-australischen Handelsabkommens ist Kreis Friedberg. = Aus d er mittleren Wetterau, 6. Aug. Eine zusätzliche Erntearbeit ist in diesem Jahre das Rupfen des Flachses. Neben größeren Flächen Flachs findet man allenthalben kleine Stücke Spendenflachs. Durch die feuchte Witterung hat sich auch der Flachs gelagert und so eine planmäßige Unkrautbekämpfung unmöglich gemacht. Dies erschwert die Ernte sehr. Da der Abnahmepreis nach der Reinheit der Stengel gestaffelt ist, bemühen sich die Anbauer, vor allem Winden und Disteln zu entfernen, was die an sich schon der Schleier um Ottawa gefallen, man rechnet auch damit daß ein neues Handelsabkommen zwischen England und Kanada sich im gleichen Geiste wie das abgeschlossene bewegen wird. Dieser Geistläuft aber tatsächlich darauf hinaus, das englische Wirtschasts» Imperium sehr stark von der übrigen Welt abzusper« ren. Das Abkommen mit Australien geht davon aus, daß alle australischen Handelsverträge mit Japan, das den Fehdehandschuh ausgenommen hat den USA., Deutschland usw. gekündigt werden und dafür England Australien entgegenkommt. Das hat zur Folge, daß jetzt die englische Außenhandelspolltik auch die abgeschlossenen Handelsverträge mit den bevorzugten Ländern wie Argentinien, dem Baltikum und den skandinavischen Ländern zu revidieren gezwungen ist. In der englischen Presse redet man bereits davon, ein allbritisches Warenclearing zu errichten und ebenso einen allbritischen Wirtschaftsrat. Man will damit erreichen, daß das britische Imperium unabhängiger wird von den Schwankungen der Weltkonjunktur; aber diesem Plane stehen doch schwerwiegende Bedenken gegenüber. Abgesehen davon, daß England in überwiegendem Maße nicht mit seinen Dominions sondern mit der übrigen Welt Handel treibt, fragt sich doch, was z. B. die englische Schwerindustrie zu einer solchen Planung sagt, die der Internationalen Rohstahlgemeinschaft sich bis 1940 verpflichtet hat. Diese Planung läßt nämlich von der freien Weltwirtschaft, deren Anhänger wenigstens in der Theorie die Briten zu sein behaupteten, und von dem freien Handel der anderen Nationen mit den britischen Kolonien und Rohstoffgebieten nichts übrig. In Brüssel sind die Vorbereitungen getroffen worden, um eine internationale Verständigung in der Zuckerwirtschaft herbeizuführen, da das Chadbourne-Abkommen bald abläuft. Die meisten Produktionsländer stehen auf dem Standpunkt, daß dieses Abkommen nur verlängert wird, wenn auch die Zuckerindustrien Englands, Britisch-Jndiens und der Vereinigten Staaten sich diesem Abkommen anschließen. Dagegen war bisher die englische Zuckerindustrie, jedoch scheint dieser Wider- stand in der letzten Zeit nachgelassen zu haben. Das Chadbourne-Abkommen legte den beteiligten Ländern eine weitgehende Proktionsdrosselung auf, während die Außenseiter freie Hand hatten und natürlich ihre Produktion außerordentlich steigerten. Der Kanvf wurde aber immerhin abgemildert, weil die britische Regierung ebenso wie die Vereinigten Staaten sich prinzipiell zur Mitarbeit de- reiterklärten und nur unter diesen Umstän- den ist das Chadbourne-Abkommen in Brüssel verlängert worden. Trotzdem sieht man nicht optimistisch. Die Weltzucker-Vorräte verhielten sich zur Zeit der größten Krise wie 1,60 zu 1, jetzt steht das Verhältnis 1 zu 2. Die Weltvorräte machen somit nur die Hälfte einer Jahresproduktion aus. Diesem Bestand steht ein wachsender Verbrauch gegenüber, aber die Zuckerproduktion ist noch außerordentlich , steigerungssähig. Allerdings dürfte eine rigorose Preispolitik den Verbrauch wieder zurückgehen lassen, so daß eine internationale Verständigung ge« ' rabe die Preisfrage pfleglich behandeln muß. Alle Welt spricht in diesen Tagen von den Olympischen Spielen. Von dem überwältigenden Eindruck der sportlichen Leistungen; von dem Glanz des Festes; von der Monumentalität der Anlagen auf dem Reichssportfeld, die ebenso großzügig wie zweckooll sind. Wenige nur denken daran, in wie reichem Maße die Olympischen Spiele zum Arbeitgeber für tausende deutscher Menschen geworden sind und noch täglich werden. Allein die Herrichtung des Reichs- sportfeldes, auf dem 2,25 Millionen Tagewerke gezählt wurden, hat 1000 verschiedenen Groß- und Kleinfirmen Aufträge eingebracht, lieber 2 Jahre haben draußen rund 2500 Menschen Arbeit gefunden. Riesengroß war der Bedarf an Baumaterial. Werkstein, Zement, Kies, Sand, Walzeisen wurden zu vielen tausenden Tonnen verarbeitet. Holz aus allen Kieferngegenden des Reiches wurde an- geschleppt, teils für die riesigen Fahnenmasten, die aus dem Sportfeld und für Berlins Triumphstraße benötigt wurden; teils für 71 Reihen Sitzbänke des Hauptstadions, der Dietrich-Eckart-Buhne und der anderen Sportstadien. Eisenbahn, Schiffahrt und Lastwagenparks erhielten durch diese großen Transporte notwendiger Materialien eine Fülle zusätzlicher Arbeitsaufträge. Daß ein großer Teil der zum Olympia vergebenen Aufträge in die Notstand s-g e b i e t e gelegt wurde, entspricht der nationalsozialistischen Auffassung, nicht einigen Wenigen, sondern möglichst vielen und namentlich den wirtschaftlich Schwächeren, Brot und Gewinn zu geben. So wurde der Muschelkalk, der vom Führer zum Hauptgestein auf dem Reichssportfeld bestimmt worden war, aus fränkischen Steinbrüchen bezogen, die sich vorher in einem geradezu trostlosen Zustand befanden. Granit wurde aus Schlesien, der bayrischen Ostmark und dem Fichtelgebirge, Basalt aus der Eifel bezogen. Die Sebnitzer Kunstblumenindustrie wurde mit der Anfertigung von 70 000 Meter (d.i. anschaulich gesprochen eine Strecke von Berlin bis zur Ober) Girlanden beauftragt und damit eine wesentliche wirtschaftliche Erleichterung für dieses schwer notleidende Gebiet Sachsens geschaffen. Die Flaggenfabriken hatten ebenso wie der einschlägige Einzelhandel durch die Olympiade ein flottes Geschäft. Dasselbe gilt für die Hotels und Gaststätten, die Olympiagäste aufsuchten. Für Ansichtskartengeschäfte, für viele Branchen, die zu Erinnerungszwecken geeignete Artikel Herstellen oder verkaufen, für manche Lebens- und Genußmittelbetriebe. Unmöglich all die Wirtschaftszweige zu nennen, die durch das Großereignis der Olympischen Spiele Anregung und Aufträge erhielten. Nur soviel sei an dieser Stelle noch gesagt: wir wollen im natio- nalwirtschastlichen Interesse hoffen, daß die Olympiade dazu beiträgt, auch den Fremden, die nach Deutschland kamen und kommen, die Ueberzeugung von dem Wert des deutschen Qualitätserzeugnisses zu vermitteln, damit in Zukunft auch unsere Ausfuhr, und damit unser gesamter Arbeitsmarkt, Olympia-Erfolge verzeichnen kann. Einer der interessantesten Geschäftsberichte großer Gesellschaften der letzten Zeit ist der der Ruhr- gas-AG. in Essen, erlaubt dieser doch einen Einblick, wie stark sich das F e r n g a s als ein wichtiger und wertvoller industrieller Energiefaktor durchgesetzt hat. Von dem allgemeinen Wirtschaftsaufschwung hat auch die Gesellschaft Nutzen gezogen, die in ihrem Bericht u. a. ausführt, baß ihr Absatz im Geschäftsjahr 1935 um 274 Millionen Kubikmeter höher war als der des Vorjahres und mit 1 672 000 000 Kubikmeter einen neuen Höchststand erreichte. Auf den Absatz des Jahres 1934 bezogen, betrug die Steigerung 19,7 v. H. Seit 1932 hat sich der Absatz nahezu verdoppelt. Diese befriedigende Entwicklung kommt selbstverständlich auch in dem finanziellen Ergebnis zum Ausdruck. Interessant ist schließlich noch, was die Gesellschaft über ihre Stellung in der gesamten Energieversorgung ausführt. Ferngas dürfte gegenüber anderen Energiearten, mit denen es in Wettbewerb sieht, nicht dadurch benachteiligt werden, daß feine Lieferung an industrielle Großverbraucher in jedem einzelnen Falle von der Zustimmung derjenigen Gemeinde abhängig gemacht wird, in deren Gebiet die Lieferung erfolgen soll. Ebenso ungerechtfertigt sei die Belastung der Jndustriegaslieferung mit kommunalen Abgaben, die den Absatz verteuern oder gar hindern und zum mindesten eine zusätzliche und dabei sehr ungerechte Gewerbebesteuerung des Ferngaslieferanten darstellen. Diese Auffassung darf auch nach dem Sinn und Zweck des Energiewirtschaftsgesetzes um so mehr vertreten werden, als die Ruhrgas-AG. die kommunale Gaswirtschaft, so wie sie sich in der Vergangenheit geschichtlich entwickelt hat, unangetastet läßt und mit der Jndustriegaslieferung eine Aufgabe erfüllt, die von den kommunalen Gaswerken nicht gelöst werden kann. Wider Erwarten hat sich in diesem Jahr die sonst übliche Sommerflaute im Jndustriege- schäft kaum bemerkbar gemacht. Nach der Jndu- strieberichterstattung des Statistischen Reichsamtes hat die Zahl der beschäftigten Arbeiter stärker als im Vorjahre von 69,3 v. H. der Arbeiterplatzkapazität auf 70,3 v. H. zugenommen. Die Summe der geleisteten Arbeitsstunden ist wie alljährlich in dieser Zeit infolge der Urlaubsperiode etwas zurückgegangen. Infolgedessen verminderte sich auch die durchschnittliche tägliche Arbeitszeit, und zwar von 7,73 Stunden auf 7,56 Stunden. Die stärkste Belebung haben nach wie vor die Produktionsgüter- industrien. Die B a u w i r t s ch a f t hat sich weiterhin stark entfaltet. Bauindustrie und ©ägembuftne haben mehr Arbeiter eingestellt als in der gleichen Zeit des Vorjahres. Von den Baustoffindustrien haben namentlich die Ziegeleien eine weit stärkere Beschäftigung als im Vorjahr aufzuweisen. Auf dem Baumarkt setzt sich immer stärker die Eigenbauta- tigkeit durch. Der weitaus größte Teil der neuen erstellten Bauten entfällt auf Eigenheime. Damit bestätigt sich aufs neue, daß die durch den Nationalsozialismus geförderte Bewegung, die auf Zurückdrängung der Mietskasernen zugunsten des Eigenheimes abzielt, Wurzel geschlagen hat. Im übrigen macht sich im Baugewerbe eine immer stärkere Inanspruchnahme des Werkstoffes Holz bemerkbar, das sowohl für Wohnhäuser als auch für große Hallen verwertet wird. In den letzten Jahren waren über 90 v. H. aller im Reich errichteten Wohngebäude Kleinhäuser. 1935 wurden bereits wieder 16 v. H. mehr Kleinhäuser gebaut als im günstigsten Baujahr 1929. In Auswirkung der Arbeitsbeschaffung belebte sich seit 1933 auch der deutsche Kapitalmarkt in erfreulicher Weise. Vor allem die Sparkapitalbildung macht gute Fortschritte. Handelte es sich in den Jahren 1926 bis 1929 hauptsächlich darum, Kapital für den Neuaufbau einer durch Krieg und Inflation zusammengebrochenen Wirtschaft zu gewinnen, so steht heute im Vordergrund die Frage, ob die Kapitalbildung ausreichende Mittel für die Konsolidierung der kurzfristigen Schulden, die für die Zwecke der Arbeitsbeschaffung und der Wehr- hastmachung des deutschen Volkes ausgenommen wurden, liefert. Die glatte Aufnahme der jüngsten Reichsanleihe im Werte von 700 Millionen Mark spricht für die fortschreitende Kapitalbildung. Darüber hinaus zeigen die Ausweise namentlich der Sparkassen, daß fortgesetzt Neukapital angesammelt wird. Im vergangenen Jahr haben die Spareinlagen und Genossenschaften um rund 1,2 Milliarden Mark zugenommen. Die Sozialversicherung sowie die private Versicherung haben rb. 0,8 Milliarden Mark auf dem Kapitalmarkt angelegt, so daß sich hier allein eine Gesamtsumme von zwei Milliarden Mark ergibt. Der jährliche Zugang an Kapital ist nach den Feststellungen des Instituts für Konjunkturwirtschaft sowohl bei den Sparkassen und Genossenschaften als auch bei den Versicherungen anhaltend gestiegen seit 1933. Allerdings hat mühselige Rupsarbeit noch erschwert. Während der zum Verkauf gezogene Flachs mit Samen abgeliefert wird, kommt der Spendenflachs entfernt zur Sammelstelle. — Bei dem heurigen Futterüberfluß und der Unmöglichkeit, die überschüssigen Klee- und Grasmengen zu Dörrfutter aufzubereiten, macht sich der Vorteil der 0 r ü n f u 11 e r f i l o recht bemerkbar. Meistens sind sie schon gefüllt, fo daß der immer mehr durchgeführte Zwischenfruchtanbau hauptsächlich zur Gründüngung Verwendung finden wird. Kreis Schotten. * Laubach, 6. Aug. Die Geschäftsstelle der NS.-Dolkswohl fahrt, Ortsgruppe Laubach, wurde aus zweckdienlichen Gründen von der Wohnung des Kaufmanns Ernst Monntg nach der Friedrichstraße in den Hinteren Raumen der Ortsgruppe Laubach, früheres Gymnasium, verlegt. Sprechstunden werden jeden Donnerstagabend von 20 bis 22 Uhr abgehalten. -/- Stumpertenrod, 4. Aug. Heute gegen 16.30 Uhr ging ein schweres Unmetter, verbunden mit H a g e l s ch l a g, über unser Dorf nieder. Die Hagelkörner in Erbsengroße lagen auf dem Felde. Der Blitz schlug in die Hochspannungsleitung, sowie etwa 100 Meter vom Dors entfernt in einen Kornhaufen, der niederbrannte und m dem unmittelbar zuvor ein Landwirt Schutz suchen wollte, sich aber doch etwa 20 Meter unter eine Hecke flüchtete. Eine Mahnung für die Bevölkerung, nie in einem Fruchthaufen oder unter einem Baurn auf einer Anhöhe Schutz zu suchen, sondern dem Dorfe zuzueilen, um bei Brandgefahr zu Hause 3u jein. — Gestern morgen fuhren die Berliner Ferienkinder nach vierwöchigem Aufenthalt nach ihrer Heimat zurück, nachdem sie sich gut erholt hatten. Gerne wären sie noch hier geblieben. Kalte Füße schaden der Arbeit. Immer mehr breitet sich die Erkenntnis aus, daß die Sorge für die Verbesserung und Verschönerung der Arbeitsstätten nicht nur für die Gesundheit und das Wohlbefinden der in ihnen Tätigen von Bedeutung ist, sondern daß sie auch den Ertrag die Arbeit wesentlich steigern. Auch in England gibt es ein Amt für Untersuchungen über Gesundheit in der Jndurie, das seit Jahren tätig ist und schon viel für bessere Arbeitsbedingungen gewirkt hat. Neben dem Jahresbericht dieses Amtes erschien kürzlich ein Sonder- bericht unter dem Titel „Der Wärmefaktor bei der Arbeit", in dem einige bemerkenswerte Feststellungen gemacht werden. Mit Hilfe von wissenschaftlichen Instrumenten wurde in zwölf Fabriken eine umfassende Untersuchung ausgeführt. Dabei wurden Heizungen und Ventilationen nach sehr verschiedenartigen Methoden durchgeführt, und den Arbeitern wurden nach genau vorher aufgesetztem Programm Fragen vorgelegt. Insgesamt wurden über 3000 Beobachtungsreihen gemacht, die sich auch auf die Hauttemperaturen an Stirn, Händen und Füßen der Arbeiter erstreckten. Das Ergebnis war, daß ein Höchstgrad von Wohlbefinden, der für die Arbeit am günstigsten war, bei 18 Grad Celsius erreicht wurde; es waren aber Abweichungen nach beiden Seiten möglich, bei denen sich die Arbeiter auch noch angenehm fühlten. Das Wichtigste war die Feststellung, daß die Luftbedingungen am Fußboden eine sehr viel größere Rolle spielten, als man gewöhnlich annimmt, und es wurden oft Klagen über kalte Füße laut, während im allgemeinen die Lufttemperatur als befriedigend empfunden wurde. Es wird daher besonders betont, daß jedes Heizsystem vor allem die hinreichende Wärme an den Füßen sichern muß, denn gerade hiervon sei das Wohlbefinden des Arbeiters, das die Voraussetzungen für seine Bestleistungen bildet, in entscheidendem Maße abhängig. Unter den verschiedenen Maßnahmen, die deutsche Rohstoffversorgung aus heimischen Queuen sicherzustellen, sei hinsichtlich des Treibstoffes nur eine herausgegriffen, die in ihrer Unfchembar- keit leicht überfeyen wird. Das ist die laut Verordnung vom 11. Juli 1936 ab 1. August in Kraft getretene Beimischung von Methanol zum Benzol, und zwar im Verhältnis von zehn Gewichtsteilen. Ab 1. Oktober 1936 gelangen Jo überhaupt nur noch Alkoholkrafstoffe nach den Mischvorschriften der Reichsmonopolverwaltung zum Verkauf. Man wird sich in diesem Zusammenhang daran erinnern, daß die Spritbeimischung zum Kraftstoff ganz allgemein schon viele Jahre besieht und vor rund drei Jahren auf 10 v. H . erhöht wurde. Die Methanolbeimischung hat nun nicht nur die Bedeutung, daß die deutsche Treibstoffdecke hierdurch eine Verbreiterung erfahrt, sondern ist auch deswegen beachtlich, als damit fß r e i s € r m a - ßigungen verbunden sind. So ist der ^ßreis für das am 1. August zum Verkauf gelangende Benzol- Methanolgemifch auf 1 Rpf. je Liter mebrigcr als die bisherigen Benzolpreise festgesetzt worden. Der seitherige Benzol-Zapfstellenpreis der in allen Verkaufszonen 10 Rpf. über dem Benzm-Zapfstellen- preis lag — mit Ausnahme von Berlin und Hamburg, wo die Preisspanne 11 Rpf. betrug ist nun einheitlich für das ganze Reich au? 9 Rpf. über Benzinpreis festgesetzt worden, so daß für die Gebiete Berlin und Hamburg eine Ermäßigung von 2 Rpf., für alle übrigen Gebiete um 1 Rpf. je Liter Benzol eintritt. Der niedrigste Benzol-Zapf- fteüenpreis stellt sich nunmehr auf 44 Rpf., der höchste auf 47 Rpf. Die Preise für Benzm-Benzol- Alkoholgemische, das sind die gewöhnlich an den verschiedenen Tankstellen erhältlichen Markentretb- ftoffe (nicht Benzin), werden nicht geändert, well ihr Gehalt an reinem Benzol nicht geändert wird. Bekanntmachung. Aushebungs-Musterung 1936. Auf Grund des Wehrgesetzes vom 21.5.1935 und der Verordnung über die Musterung und Aushebung vom 21. 3. 1936 wird hiermit folgendes bekanntgemacht: i Die Aushebung der nachstehend aufgeführten Dienstpflichtigen, die in der Stadt Gießen wohnhaft oder aufenthältlich sind, findet am Samstag, dem 22. August 1936, in der Zeit von 8 Uhr vormittags ab im Hause des Gefell,chaftsvereins (Klub), Son- nensirahe 19 — Eingang Deidengaffe — statt. II. Es haben zu erscheinen: 1. die tauglich 1 und 2 befundenen Dienstpflichtigen des Geburtsjahrganges 1914 einschließlich der bei der Musterung 1935 zurückgestellten Dienstpflichtigen, die bei der Musterung 1936 als tauglich 1 und 2 befunden und der Erfahreserve 1 überwiesen worden find. 2. die tauglich 1 und 2 befundenen, im 1. Vierteljahr des Jahres 1915 (1.1.15 bis 31.3.15) geborenen Dienstpflichtigen des Geburtsjahr- ganges 1915, soweit sie ihrer Arbeitsdienstpslicht bis zum 1. Oktober 1936 genügt haben und sich zur Zeit der Aushebung nicht in Arbeitsdienst- abteilungen außerhalb des für ihren letzten Wohnsitz zuständigen Wehrbezirks befinden. III. Nicht zu erscheinen haben: 1. die Dienstpflichtigen der vorstehend aufgeführten Geburtsjahrgänge, die bereits ihrer aktiven Militärpflicht (lang« und kurzfristig) genügt haben; 2. die Freiwilligen dieser Geburtsjahrgänge, die bereits gemustert und im Besitze des Annahmescheins sind und 3. die Dienstpflichtigen dieser Geburtsjahrgänge, die bis 1937 und länger zurückgestellt sind. IV. Als militärische Behörde ist für die Aushebung das Wehrbezirkskommando Gießen, Liebigsiraße 16, zuständig. v Zur Aushebung sind folgende Unterlagen mitzubringen: a) Musterungsausweis ober Wehrpaß, b) Erfatzreferve-I-Schein, c) Nachweis über die feit der Musterung 1935 stattgefundenen Familienstandsveränderungen (Verheiratung usw.), d) sonstige Personalpapiere, die bereits zur Musterung verlangt, aber erst nach der Musterung erworben wurden (Abstammungspapiere, Führerschein, Sportabzeichen usw.), e) bas Arbeitsbuch, f) bas Brillenrezept beim Vorliegen von Sehfehlern. Außerbem hat jeher Dienstpflichtige zwei Paßbilder (Gröhe 45/55), Brustbild ohne Kopfbedeckung und nicht in Uniform aufgenommen, mitzubringen, soweit er nicht im Besitze des Wehrpasses ist. VI. Zur Aushebung hat auch der Dienstpflichtige zu erscheinen, der seine Zurückstellung vom Wehrdienst beantragen will. Der Antrag auf Zurückstellung ist vor der Aushebung bei der Polizeidirektion Gießen, Landgraf-Philipp-Platz 1, einzureichen. Den Anträgen ist das erforderliche Beweismaterial beizufügen, und zwar: a) bei Anträgen auf Zurückstellung aus häuslichen ober wirtschaftlichen Grünben eine entsprechend Bescheinigung ber Ortspolizeibehörbe, b) bei Anträgen auf Zurückstellung aus beruflichen Grünben eine Bescheinigung ber Ausbilbungs- ftelle ober Lehranstalt. Der Antrag auf Zurückstellung kann von bem Dienstpflichtigen, feiner Ehefrau ober feinen Verwandten ersten Grabes gestellt werben. VII. Ein Dienstpflichtiger, ber burch Krankheit an ber Gestellung zur Aushebung verhindert ist, hat hierüber ein Zeugnis bes Amtsarztes einzureichen. VIII. Jeber Dienstpflichtige hat gewaschen und mit sauberer Wäsche zur Aushebung zu erscheinen. Sport- ober Babehose, Turnschuhe ober sonstige leichte Schuhe finb mitzubringen. IX. Dor unb bis zum Abschluß ber Aushebung ist ber Genuß alkoholischer Getränke verboten. Das Mitbringen von Verpflegung ist erwünscht. Es empfiehlt sich, keine Wertsachen mitzubringen. X. Ein Anspruch auf Reisekosten ober Entschädigung für Lohnausfall besteht nicht. XI. Jeder Gestellungspflichtige, ber einen feit der Musterung vorgenommenen Wohnunas- oder Wohnsitzwechsel bei der polizeilichen Meldebehörde oder beim Wehrbezirkskommando Gießen nicht gemeldet hat, hat dies sofort nachzuholen. XII. Der Entscheid des Wehrbezirkskommandos über die Aushebung ist endgültig. Beschwerde ist nicht zulässig. XIII. Wer seiner Gestellungspflicht nicht oder nicht pünktlich nächkommt oder den vorstehenden Anordnungen zuwiderhandelt, wird, wenn keine höhere Strafe verwirkt ist, bis zu 150 RM. ober mit Haft bestraft. Evtl, werben sofortige polizeiliche Zwangsmaßnahmen gegen ihn ergriffen. Gießen, ben 6. August 1936. Hessische Polizeibirektion. I. V.: Beate. Wichtig für botanische Vereine! MWSMWMMAM nad) der Naturschutzverordnung vom 18. Mürz 1938 (RGBl. I Seite 181) und den ergänzenden Bestimmungen, ausführlich erläutert van Professor Dr. W. Weder, o. ö. Prof, der Rechte und Referent im Reichs- und Preufzischen Ministerium iür Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, und Prof. Dr. Walther Schoenichen, Leiier der Reichsstelle für Naturschutz Gebunden RM. 3,60. Die beiden Verfasser des vor kurzem erschienenen Kommentar» zum Reichsnaturschutzgeseh haben hier auf Grund ihrer langlahrtqen Erfahrungen und ihres weitgehenden Einblicks in das seiden der neuen Naturschuhverordnung, die nun für das ganze Reick gilt, die Verordnung und alle dazugehörigen bisher erschien^ren Ergänzungsbestimmungen nach juristischen, verwaltungstechnischen, wissrnschaftlichen und praktischen Gesichtspunkten a>^fuhrl>ck er- läutert und geben damit jedem eine gründliche Aufklärung, der mit dem Naturschutz, mit der Natur überhaupt, sei es beruflich oder als Liebhaber und Naturfreund in Berührung steht. Nicht nur di« amtlichen Stellen, nicht nur Wissenschaftler, Lehrende und Lernende, Tier- und Pflanzensteunde, nicht nur Erzieher, Richter und Rechtsanwälte müssen über die Fragen des Naturschutzes unterrichtet sein, sondern auch botanische Vereine, Naturalien- und Her. barien-Handlungen und Lehrmittelgefchäfte, Präpa. ratoren, Ausstopfer, Pflanzensammler, Schmuckrei. sig-Derkäufer, Aranzbindereien und die mit der M» er, roachung der Märkte beauftragten Beamten, Feldhüter, Polizeistellen usrv. Bestellungen nehmen alle Buchhandlungen entgegen. Sago vemWer Verlag, W.-WerWe top E £ tr « e 3 : £3C H s ID |3 w-2 S * c 8 c E i» o a E E Sm» u o o 2 o 2 •0^2 6? § 5 u e 'S * E e -h