Nr. 32 Erstes Blatt 186. Jahrgang Zreitag, 7. Hebruar 1936 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen povfchecttonto: Srantturt am Main 11686 Druck und Verlag: vrühl'sche Untverfitats Such- und Steindruckerei R. Lange in Gießen. Schristlettung und Geschäftsstelle: Schulstraße 7 Annahme von Anzeigen für die Millagsnummer bis 8'/,Uhr des Vormittags Grundpreise für l mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text- anzeigen von70mm Breite 50 Rpf „Platzvorschrist nach vorh. Vereinbg.25°/„ mehr. Ermäßigte Grundpreise: Stellen-., Vereins-, gemein» nützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzei» gen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die SHuftrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monatz-vezugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanfchlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen Der Führer eröffnet die IV Olympischen Winterspiele. Oie ersten Eishockey-Wettkämpfe in Garmisch-Partenkirchen: Vereinigte Gtaaten-Oeutschland 1:0.- Kanada-Polen 8:1. Ungarn-Belgien 41:2.- Schweden -Japan 2:0. 3m Vanne Olympias. Bier Fahre — eine „Olympiade" lang — gilt das Streben der Jugend der Welt, die vom Geiste des Sportes und der Leibesübungen besessen ist, der höchsten Ehre, die einem Sportkämpser zuteil werden kann: Sein Vaterland als Olympia- Kämpfer im friedlichen Wettstreit der Nationen vertreten zu dürfen. Vier Jahre lang arbeitete der Sportmann, der durch Zucht seines Körpers und Schulung seines Geistes sich die besondere sportliche Befähigung aneignete, die ihn in die Reihe der Besten eines Landes stellt, auf das größte Ziel hin, das er erreichen kann: Auf den Olympischen Sieg. Aus den Olympischen Sieg, der — in der Antike heilig gehalten — nun auch in der modernen Welt des zwanzigsten Jahrhunderts wieder zu einer Bedeutung gekommen ist, die ihn in der sachlichen Nüchternheit des technischen Zeitalters zu einem Ideal macht. Vier Jahre lang fiebern aber auch alle die dem Augenblick der Eröffnung der nächsten „Spiele" entgegen, die sich dem sportlichen Gedanken irgendwie verbunden fühlen. Sei es, daß sie als verantwortliche Führer im sportlichen Leben stehen, sei es, daß sie mit der Ausbildung der sportlichen Jugend betraut sind, sei es, daß sie mit Wort und Schrift für die Idee des Sportes kämpfen oder sei es auch nur, daß sie als „Zuschauer" und „Passive" der Sportbewegung angehören — sie alle stehen im Banne Olympias und erwarten mit freudiger Sehnsucht den Augenblick, in dem sich die mit den fünf Ringen geschmückte Olympische Flagge über der Kampfstätte der Welt entfaltet und das Aufflackern des Olympischen Feuers das Zeichen gibt, daß die Jugend der Welt nach vier Jahren wieder zusammengekommen ist, um sich im edlen sportlichen Wettstreit zu messen. Dieser Augenblick war nun am Donnerstag wieder gekommen. Chamo nix, der Schauplatz der ersten Olympischen Winterspiele, St. Moritz und Lake P l a c i d , die die zweiten und dritten Winterspiele in ihren Mauern Hatten, bereiteten den Weg der Nationen nach Garmisch-Partenkirchen vor. Hier wurden gestern in Anwesenheit des Führers und Reichskanzlers die „IV. Olympischen Winterspiele" feierlich eröffnet. 60 000 Zuschauer aus allen Gegenden und Ländern der Welt füllten das riesige, neuerstellte Ski-Stadion und bejubelten den Einmarsch der Olympia-Kämpfer aus 28 Nationen. Noch nie in der Geschichte der modernen Olympischen Spiele war die Zahl der bei beu „Winter-Spielen" versammelten Kämpfer so groß, wie bei diesem Einmarsch der Nationen am Donnerstagvormittag in Garmisch-Partenkirchen. lieber allen Haß und Hader der Welt hinweg war der Olympia-Ruf ergangen. Daß er nicht ungehört verhallt ist, sondern überall ein williges Gehör gefunden hat, dafür ist die Zahl der Kämpfer von Garmisch-Partenkirchen ein lebendiger Beweis. Zum Festakt gerüstet. Das Ski-Stadion für die Eröffnung festlich geschmückt. Garmisch-Partenkirchen, 6. Febr. Das Schneeflockentreiben hat nur auf ganz kurze Zeit nachgelassen, um dann mit um so größerer Heftigkeit wieder einzusetzen. Die beiden Sprungschanzen, an deren Fuße dasOlyrnpia-Ski-Stadion, die Weihestätte der IV Olympia-Spiele liegt, sind nur in ihren Umrissen zu erkennen. Am Fuße des Ausläufers ist das Olympia-Ski-Haus errichtet, dessen Balkon mit rotem Tuch ausgeschlagen und mit einer goldumwundenen Tannengirlande bekränzt ist. In der Mitte des Balkons stehen die Mikrophone; von dieser Stätte aus wird der Führer die Olympischen Winterspiele eröffnen. Vor feiner Begleitung befinden sich folgende Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees: Exzellenz Stefan Tschaprachikov (Bulgarien), Marquis de Polignac (Frankreich), Baron Sckimmelpfenninck van der Oye (Holland), Gras de Gautier-Vignal (Monaco), Thomas F e a r n l e y (Norwegen), Dr. h. c. Schmidt (Oesterreich), Exzellenz Jgnace M a - tuszewski (Polen), Graf El. Rosen (Schweden), Oberstleutnant A. G. Berdez (Schweiz), Guth-Jarkowsky (Tschechoslowakei) und Exzellenz Dr. L e w a l d (Deutschland). Die unübersehbaren Massen deutscher Volksgenossen aus allen Teilen des Reiches und die Sportelite aus 28 Nationen grüßen den Führer. Die Musikkapellen stimmen die nationalen Hymnen an, die von den Massen begeistert mitgesungen werden. Der Einmarsch der Rationen Nun setzt Marschmusik ein. Die Spitze des Zuges der Nationen ist am Eingang zum Skistadion zu sehen. Bewegung geht durch die Massen. Ein Orkan des Jubels schwingt sich durch das weite Rund, als die Wettkämpfer der 28 Nationen, über 1000 Olympioniken sich in Bewegung setzen. Vor jeder Nation trägt ein Jugendlicher des Ski-Klubs Garmisch-Partenkirchen die Tafel mit dem Namen der Nation in deutscher Sprache, wenige Meter hinter ihm folgt der Fahnenträger und hinter diesem wieder in Dreierreihen die offiziellen Vertreter der Nation. Vqn den Aktiven marschieren in der ersten Reihe die Teilnehmer derMilitärskipatrouillen, ihnen folgen die Skiläufer, die Eisläufer, die Eishockeyspieler und die Bobfahrer, während die Eis schütz en den Beschluß machen. Die Musikkorps mit den Spielleuten haben vor der Westtribüne Ausstellung genommen. Als erste Nation marschiert unter den Klängen des Hellenen-Marsches Griechenland, mit tosendem Jubel empfangen, in bas Innere. Vor der Ehrentribüne senkt ber Bannerträger Griechen- lanbs bie Fahne vor bem Führer bes Deutschen Reiches, bem Olympischen Komitee unb ben Ehrengästen, und roieber bricht ein Orkan bes Jubels los. Während sich bie Fahne senkt, krachen von ben Höhen bie Ehrenschüsse ber Gebirgsbatterie. Australien, Belgien, Bulgarien unb Estlanb ziehen ein; als bie kleine, aber im Sport so große finnische Nation einzieht, verstärkt sich ber Jubel. Jedesmal, wenn bie Fahne einer Nation oorbeigetragen wirb, erhebt sich bas gesamte Stabion und grüßt sie mit dem deutschen Gruß. Als Frankreichs Auserwählte vor der Ehrentribüne vorüberziehen unb bie französischen Wettkämpfer zu bem Platze, wo ber Führer steht, ihre Rechte zum olympischen Gruß erheben, erschwingt ber Jubel ber 50 000 Menschen durch bie Kampfbahn, bie ben Franzosen für diese herzliche Geste bankt. So zieht Nation um Nation von immer erneutem Beifall empfangen unb begleitet an ber Ehrentribüne vorüber, um bann in langer Front vor dieser hinter den Tafeln und ihren Fahnen Aufstellung zu nehmen. Mit besonderem Jubel werden Japan, Kanada, Norweaen, aber auch Oe st erreich und Polen als die Nationen begrüßt, deren Repräsentanten in der gesamten sportlichen Welt bekannt sind. Den Schluß der ausländischen Teilnehmer bilden die Vereinigten Staaten von Amerika, die mit einem starken Aufgebot erschienen sind. Dann erklingt der Fridericus-Marsch. Der Münchener Skiläufer von Kaufmann trägt das Hakenkreuzbanner, die Flagge des Dritten Reiches, ihm folgt der Reichssportführer mit den Offiziellen und dahinter die deutsche Olympia-Mannschaft. Das ganze Stadion ist von den Plätzen aufgesprungen und jubelt ihnen zu und die Begeisterung verebbt erst, als die deutsche Mannschaft ihren Platz eingenommen hat. 9er Olympische Schwur. „Jur Ehre unserer Länder und rum Ttubmc des Sports." 5/ 'Ä, Willy Bogner, der Deutsche Skimeister, spricht den Olympischen Eid. — Rechts bie Fahnen der Nationen. — (B i l dte l e g r a m m aus Garmisch-Partenkirchen. — Scherl-M.) Das Olynwische Feuer lodert. > X ■ FW < ■ Seit Donnerstag vormittag lodert zur IV. Winter- Olympiade in Garmisch-Partenkirchen bas Olym - pi sch e Feuer von einem 34 Meter hohen Stahl- gerüst. Davor sieht man bie vier Gebirgskanvnen, bie währenb ber Eröffnungsfeier bie Salutschüsse abfeuerten. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Der Führer nimmt Abschied. In ber gleichen Reihenfolge, in ber bie 28 Na» Ionen bas Olympia-Ski-Stadion betraten, mar» chieren fie roieber ab. Sie ziehen vorüber vor ber Führertribüne, bie Fahne jebes einzelnen Lanbes enkt sich vor bem Führer unb viele Vertreter ber remben ßänber grüßen unter Beifallsstürmen mit erhobener Rechten. Der Aufmarsch ber Nationen ist beenbet, unb nun finb bie Tausenbe unb Aber- tausenbe nicht mehr zu halten. Sie übersteigen bie Schranken, durchbrechen bie Absperrungen unb trömen zum Balkon. Getragen von einer tiefen Liebe schallt hunbertfach ber Ruf aus ber Menge: „W i r wollen ben Führer sehen!" Unb bann erscheint ber Führer. Die Begeisterung chwillt zu einem Orkan an. Leuchtenben Auges dankt ber Führer. Auch bei ber Abfahrt bes Führers kommt es zu stets sich wiederholenden neuen Huldigungen, bie ihn begleiten, solange er auf bem Boben ber Olympia-Stadt weilt. „Heil Oesterreich!" Begeisterte Begrüßung der Olympia- Teilnehmer aus Oesterreich. bem Skihaus ist eine Ehrentribüne errichtet. Zur Linken unb zur Rechten bis an ben Beginn bes Auslaufes heran ziehen sich Tribünen ben Hang hinauf. lieber ber Eingangspforte zum Skistabion wehen drei olympische Flaggen, flankiert von ben Hoheitszeichen bes neuen Deutschland Auf bem Aufmarschplatz am Stiefelfeld finb bie 28 Nationen in ber alphabetischen Reihenfolge angetreten, in ber sie ben Einmarsch vollziehen. Vor ben Tribünen bilben einige hunbert Hitlerjungen in blauen Skihasen, braunen Windblusen mit roten Mützen unb Handschuhen Spalier. Die Ehrentribüne unb bie Stehtraversen finb lange vor Beginn bis auf ben letzten Platz besetzt. Die HI. hat sich in brei Säulen vor bem Fahnenmast aufgestellt, an bem bie olympische Flagge aufgezogen wirb. Zu beiben Seiten bes Platzes, auf bem bie gelabenen Gäste sitzen, haben Schwerkriegsbeschädigte Ehrenplätze erhalten. Die Ankunst des Führers. Pünktlich um 11 Uhr betritt unter bem Jubel ber festlich gestimmten Menschenmassen in Begleitung des Präsidenten bes Olympischen Komitees Graf Baillet-Latvur unb bes Präsidenten bes Drganifationsfomitees für bie 4. Olympischen Winterspiele Ritter von Halt ber F ührer ben Ehrenplatz auf bem Balkon bes Skihauses. In Der Präsibent bes Organisationskvmitees für bie Olympischen Winterspiele Dr. Karl Ritter von Halt betritt bas Rebnerpult unb heißt ben Führer unb Reichskanzler, ben Präsidenten bes Internationalen Olympischen Komitees unb besten Mitglieder, die Sportkameraden und die olympischen Gäste willkommen. "nter atemloser Stille erklingt in tonender Klarheit bie Stimme des Führers: „Ich erkläre bie Olympischen Winterspiele 1936 in Garmisch-Partenkirchen für eröffnet." 3n den Jubel der 50 000 Menschen klingt b i e olympische Hymne, bröhnen bie Salven ber Gebirgsbatterien, klingen von Garmisch- Partenkirchen bie Glocken herüber, währenb im Turm bes Skistabions bas olympische Jener aufflammt, aller Welt ben heiligen olympischen Jrieben zu fünben. Langsam steigt am Mast bie weihseibene Olympia-Jahne mit ben fünf Ringen empor. Das ganze Stabion grüßt sie entblößten Hauptes unb mit erhobener Rechten. Die Fahnenträger der 28 Nationen bilden einen Halbkreis um das Rednerpult. Aus dem linken Flügel stehen die Bannerträger Griechenlands bis Kanada, rechts des Pultes die Lettlands bis zu den Vereinigten Staaten. Der Fahnenträger Deutschlands und der deutsche Skimeister Willi Bogner-Traunstein treten zum Podium. Willi Bogner tritt an das Mikrophon. Zu seiner Linken bleibt der Fahnenträger stehen. Bogner grüßt das Hakenkreuzbanner und ergreift mit der Linken das Tuch, während er die Rechte zum Schwur erhebt. Feierlich klingt durch die Sttlle der Schwur, den er für alle Olympioniken leistet: „Wir schwören, bei ben Olympischen Spielen ehrenhafte Kämpfer zu sein unb bie Regeln ber Spiefe zu achten. Wir nehmen teil in ritterlichem Geiste zur Ehre unserer Cänber unb zum Ruhme bes Sportes." Unter Trommelwirbel begeben sich die Fahnenträger wieder zu ihren Plätzen zurück. Feierliche Klänge rauschen auf. Die vereinigten Musikkorps spielen das Andante aus der 5. Symphonie Ludwig van Beethovens. Aus dem dichten grauen Gewölk, das über dem Werdenfelser Land hängt, erstrahlt für einen Augenblick die Sonne, sie wirft einen matten Schein auf das einzigartige Bild, auf den Schauplatz, auf dem 28 Nationen, zu einer Einheit zusammengeschweißt, zu einem Völkerbund des Sportes, einem Völkerbund der Tat zusammengetreten sind. | Auf dem Rückweg aus dem Stadion zieht noch einmal das überwältigende Bild der Eröffnungsfeier vor den Augen der Teilnehmer vorüber. Sie erleben noch einmal das berückende Bild, das das Ski-Stadion am Gudi-Berg im Schmucke der Fah- nen bot, und das sich unvergeßlich in aller Gedächtnis eingeprägt hat. Noch einmal erfüllt sie die jubelnde Freude, die das Erscheinen des Führers und Reichskanzlers inmitten der Sportjugend aus aller Welt hervorrief. Und sie sehen das überwältigende Bild der prachtvollen Sportgestolten, die hinter den Fahnen ihrer Länder in das gewaltige Rund zogen, sehen die Engländer, die am Arm einen Trauerflor für ihren verstorbenen König Georg V. tragen, sehen die stattliche Abordnung Japans mit der kleinen Eiskunstläuferin Inada, sehen die sieggewohnten Norweger in ihrem schlich- ten Blau mit Sonja Henie und erleben die freudige Begeisterung, die über der deutschen Abordnung zusammenschlug. Keine Nation aber hat eine solche Ausnahme gefunden, wie die 117 Teilnehmer starke Abordnung des stammverwandten Oesterreichs, deren Fahne der Wellmeister und mehrfache Olympiasieger im Eiskunstlauf Karl Schäfer trug. AK die österreichische Mannschaft vor der Ehrentribüne die Rechte zum Gruß erhob und leuchtenden Auges am Führer des blutoerwandten Deutschen Reiches vorübermarschierte, war das ganze Stadion erfüllt von einem einzigen brausenden Jubel. In einer ungeheuren Welle klang das „Heil Oesterreich" durch das Stadion. Der Jubel verstärkte sich noch, als die Tiroler in ihrer kleidsamen Tracht, die den Abschluß der österreichischen Mannschaft bildeten, vorüberzogen. Der Sturm der Freude und Begeisterung klang erst langsam ab, als die österreichischen Olympioniken zu ihrem Aufmarschplatz eingeschwenkt waren. Unvergeßlich auch war das Bild, als nach dem Ausmarsch der Nationen die Massen über die Schranken zum Olympia-Skihaus stürzten, um dort in Sprechchören nach dem Führer zu rufen, bis er sich auf dem Balkon zeigte. Das Schneetreiben hat sich in den Mittagsstunden noch verstärkt und die Massen, die zu den ersten olympischen Wettbewerben der Winterspiele, den Eishockeyspielen, in das prachtvolle Eisstadion oder zum Rießer See zogen, waren bald in dichtes Weiß gehüllt. Im K u n st e i s st a d i o n war es schwer, von Tribüne zu Tribüne die Umrisse der Besucher zu erkennen. Begeisterte Heilrufe begrüßten den Reichsminister Dr. Goebbels, der dem ersten Spiel zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika beiwohnte. Der Spielbeginn verzögerte sich dadurch, daß die Eisflächen immer wieder von den Schneemassen freigemacht werden mußten, um etwa eine Viertelstunde. Einen ausführlichen Bericht über den Verlauf des Spiels finden unsere Leser im Sportteil des heutigen Blattes. Die Wehrmacht begrüßt die militärischen Olympiateilnehmer. Garmisch - Partenkirchen, 6. Februar. (DNB.) Am Nachmittag des Donnerstag begrüßte Generalleutnant von Reichenau, der Kommandierende General des 7. Armeekorps, im Namen des Reichskriegsministers Generaloberst v. Blomberg und des Oberbefehlshabers des Heeres, General der Artillerie Freiherr von Fritsch, vor dem Festsaäl des Olympia-Skihauses in Garmisch-Partenkirchen die militärischen Olympiateilnehmer, die am Freitag der kommenden Woche an den Vorführungswettbewerben, dem militärischen Ski-Patrouillen-Lauf, teilnehmen. Generalleutnant von Reichenau hieß die Patrouillen aus Finnland, Frankreich, Italien, Oesterreich, Polen, Schweden, der Schweiz, der Tschechoslowakei und die deutsche Patrouille sowie die Attaches der betreffenden Nattonen auf deutschem Boden herzlich willkommen. Diesem Wettbewerb, erklärte er, komme eine besondere Bedeutung zu, denn der Sieg in ihm entspreche am meisten dem soldatischen Wesen, da er die L e i st u n g e i n e r ganzen Mannschaft bedeute, bei der Führer und Mannen durch feste Kameradschaft und gemeinsame Arbeit zu einem unteilbaren Ganzen verschmolzen seien. Der General schloß mit dem Wunsche, daß es dem einen oder anderen Teilnehmer vergönnt sein möge, noch mehr zu geben als sein Bestes, daß er, entzündet vom heiligen Olympiafeuer, weit über sich selbst hinausmachsen möge. An diesem Tage und in solcher Stunde verlasse er dann für eine kurze Zeit die eng gezogene Bahn seiner Menschlichkeit und „berühre mit dem Scheitel die Sterne". Begeistert stimmten die militärischen Olympiateilnehmer in das Ski- und Bergheil ein. Richtfest der KdI.-Halle. Am Donnerstagabend feierte die KdF.-Halle in Garmisch-Partenkirchen ihr Richtfest. Vor knapp 12 Tagen war der Platz neben dem neuen Rathaus noch eine große Wiese, heute steht auf demselben Platz ein riesiger Hallenbau, der von 350 bis 400 Arbeitern förmlich aus dem Boden gestampft wurde. Viele Tausende schaffender Volks- Senossen, die aus dem Reich während der Winter- 'lympiade in Garmisch-Partenkirchen erwartet werden, werden in der Riesenhalle angenehmen Aufenthalt und gute billige Verpflegung finden. Reichsorganisationsleiter Dr. Ley feierte beim Richtfest die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" und die Deutsche Arbeitsfront, die der Welt ein Beispiel geben von dem Geiste des neuen Deutschlands, von dem Geiste der deutschen Arbeit und des deutschen Arbeiters. Votschafier a. D. Sols gestorben. Berlin, 6. Febr. (DNB.) Im Alter von 73 Jahren ist in der Frühe des 6. Februar in Berlin der Botschafter a. D. Wilhelm Sols an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben. Seine amtliche Laufbahn war nicht alltäglich. Er studierte ursprünglich orientalische Sprachen, dann auch Rechtswissenschaften und trat nach deren Ab- I schluß 1888 in den Dienst des Auswärtigen Amts. Hier fand er u. a. 1889—1890 Verwendung beim Generalkonsulat in Kalkutta. 1896 trat er bei der Kolonialabteilunq ein; 1898 war er Bezirksrichter in Deutsch-Ostafrika und 1889 ging er nach S a - m o a, wo er Präsident des Munizipalrates von Apia wurde. Ein Jahr später wurde er Gouverneur von Samoa. Als im November 1911 der Staatssekretär des Reichskolonial- a m t s v. Lindeguist im Zusammenhang mit dem deutsch-französischen Kongovertrag zurücktrat, wurde Solf sein Nachfolger. Im Herbst 1914 begründete er zur „Pflege des Geistes vom 4. August" die „Deutsche Gesellschaft 1914". Im Kabinett des Prinzen Max v. Baden übernahm er dann das Staats- sekretariat des Aeußern im Januar 1919 und machte seinen Platz für den Grafen Brock- dorff-Rantzau frei. Im Juni 1920 ging er nach Japan als Botschafter. Im Dezember 1925 wurde er von der Asiatic Society of Japan, der bedeu- Oie ganze Welt blickt nach Garmisch. Starker Eindruck der Eröffnungsieter auf die Zuschauer aller Nationen. Wie die „New Uork Times" berichtet, erklärte der Präsident des amerikanischen Olympia-Ausschusses Avery Brundage, begeistert über die Eindrücke des Eröffnungstages der olympischen Winterspiele, es sind bei weitem die großartig st en olympischen Winterspiele, die wir jemals gehabt haben. Sie werden bald den Sommerspielen an Bedeutung aleichkommen. In der Schilderung des Blattes wird hervorgehoben, daß der Führer bei dem Vorbeimarsch der Mannschaften glücklich gelächelt habe. „W jeder w a r", so schreibt das Blatt, „einer feiner Pläne, an dessen Gelingen er sein Herz gehängt hat, auf dem besten Wege des Erfolges." In den Berichten der Pariser Presse aus Garmisch-Partenkirchen wird besonders der herzliche Beifall hervorgehoben, den die deutschen Sportler der französischen Mannschaft entboten, als diese vor der Tribüne des Führers vorbeimarschierten. Im „Petit Parisien" heißt es: Man könnte den Anstatt der Winterolympiade überschreiben: „Ein W i n t e r t a g s t r a u m"; man befand sich in einer Stimmung aus Andersens Märchen. „Petit Journal" schreibt: „Als der Reichskanzler erschien, erhob sich ein Sturm der Begeisterung. Der Führer nahm, ohne sich besonders bemerkbar zu machen, mit jener vertrauten Schlichtheit, die inmitten eines so festlichen Rahmens erstaunt, aus der Ehrentribüne Platz. Beim Vorbeimarsch wurde keine Mannschaft mit so großem Beifall begrüßt wie die französische, mit Ausnahme der österreichischen. Nicht ohne Rührung dachte ich bei dieser Ehrung an den ftanzösischen Botschafter in Berlin Franxois-Poncet, der das Wort geprägt hat, daß Deutschland sich von Frankreich eine sehr hohe Vorstellung macht." „Le Jour" schreibt, in Garmisch-Partenkirchen ist der Sport als Bindeglied zwischen den Völkern und als Beitrag zum Verständnis der Menschen untereinander, am Donnerstag auf die Höhe eines Ideals erhoben worden, der im Laufe einer Kundgebung die letzte denkbare Grenze des Möglichen erreicht hat. Wir Franzosen auf den Tribünen waren in unserm tief st en Innern aufgewühlt über den Empfang, den unsere Mannschaft beim Vorbeimarsch fand. — „Echo de Paris" hebt hervor, daß Adolf Hitler sich den Vorsitzenden des französischen Olympischen Ausschusses, M a s s a r d , vorstellen ließ und ihn zu dem tadellosen Vorbeimarsch der französischen Mannschaft lebhaft beglückwünschte. — Die Sport- Zeitung „L'Auto" spricht von einer bewegten Stunde, in der Ansehen, Größe, Adel und Ideal keine leeren inhaltslosen Worte gewesen seien. Die Friedensworte, die Ritter von Halt gesprochen habe, hätten in diesem Rahmen um so größeren Wert angenommen, als die verschiedensten Rassen in der einfachen Religion des Sportes ihre Freude bezeugten. ♦ Die Schweizerische Presse stellt mit Befriedigung den unmittelbar vor Beginn der Spiele einsetzenden Witterungsumschwung mit Schneefall und Frost fest. Das „St. Galler Tagblatt" hebt die großen Anstrengungen hervor, die Deutschland mache, um den Veranstaltungen einen möglichst glanzvollen Rahmen zu verleihen. Die „Neue Züricher Zeitung" sagt, daß die Organisation auch bei höchster Beanspruchung einwandfrei arbeiten werde. Das Blatt hebt besonders die großartige Anlage des Ski-Stadions hervor, das von ausländischen Fachleuten als „die schönste Anlage der Welt" bezeichnet worden sei. Man habe die glückliche Lösung gefunden, alles an einem Platz zusammen zu fassen. Das Schmuckstück des Ganzen bilde natürlich die große Olympiaschanze, die derart vollendet ausgearbeitet worden sei, daß beim Eröffnungsspringen im Februar 1934 nicht ein einziger der vielen Wettbewerber gestürzt sei. Aber auch die kleine Olympiaschanze sei ein Glanzstück. Vorbildliche Ausrüstung vervollständige die gewaltige Anlage. Die englische Presse und der Rundfunk berichten ausführlich über die Eröffnung der olympischen Winterspiele. Die Blätter weisen auf die erfreulichen Schneeverhältnisse und auf den befriedigenden Verlauf des ersten Tages hin. Sie mel- den, daß dem Führer bei seinem Erscheinen im Olympischen Skistadion von den Zuschauern e i n begeisterter Em pfang bereitet wurde. „Daily Telegraph" schreibt, als die Kapellen die Nationalhymne spielten erhoben sich die Tausende wie ein Mann und sangen, indem sie die Hand zum deutschen Gruß ausstreckten. — „News Chronicle" hebt hervor, daß die deutsche Organisationsfähigkeit sich bei der Eröffnungsfeier aufs glänzendste bewiesen habe. Trotz des heftigen Schneesturmes sei die Feier mustergültig verlaufen. Die gesamte niederländische Presse bringt Aufsätze über die feierliche Eröffnung der Olympischen Spiele, die Sonderberichterstatter berichten übereinstimmend von der großen Begeisterung der Menge beim Erscheinen des Führers. „Telegraaf" schreibt: „Kanonendonner, schmetternde Fanfaren, endloser Jubel der unabsehbaren Menschenmenge, Flaggenparade von 28 Nattonen, läutende Glocken im ganzen Partnachtal, hoch auflodernde Flamme des entfachten olympischen Feuers... Der Führer und Reichskanzler hat die IV. Olympischen Winterspiele feierlich eröffnet." In seiner eingehenden Schilderung des Vorbeimarsches der Teilnehmer an der Ehrentribüne hebt das Blatt hervor, daß die Oesterreicher unter brausendem Jubel der Zuschauer mit erhobenem Arm am Führer vorbeimarschierten. tendsten wisienschaftlichen Gesellschaft Ostasiens, zum Präsidenten als Nachfolger des scheidenden englischen Botschafters Sir Charles Elliot gewählt. Seit Gründung der Gesellschaft im Jahre 1872 wurde damit zum ersten Male dieses Ehrenamt einem Deutschen übertragen In Tokio hat er bis zum Jahre 1928 als Botschafter gewirkt und ist in dieser Zeit für Deutschlands moralische und wirtschaftliche Stellung in Ostasien mit großem Erfolg tätig gewesen. Auf besonderen Wunsch der japanischen Regierung blieb er auch nach Erreichung der Altersgrenze auf seinem Posten, um als Doyen des Diplomatischen Korps an den Krönungsfeierlichkeiten des Kaisers von Japan teilzunehmen. Ende 1928 trat er dann in den dauernden Ruhestand. Das Auswärtige Amt wird seinem einstigen Chef und langjährigen Botschafter stets ein ehrendes Andenken bewahren. Oer Mord von Oavos. Motta erstattet dem Gesamtbnndesrat Bericht. Bern, 6. Febr. (DNB.) Der Chef des Politischen Departements, Bundesrat Motta, erstattete dem Bundesrat einen Bericht über den Mord an Landesgruppenleiter G u st l o f f und über feine gestrige Unterredung mit dem deutschen Gesandten Freiherrn von Weizsäcker. Offiziell wird mitgeteilt, daß, wenn auch der Bundesrat die zeitweise maßlose Angriffe eines Teiles der Presse gegen ausländische Staaten zwar bedauere, er doch keinen Zusammenhang zwischen diesen Angriffen und dem Attentat des Frankfurter sehen könne. Daß der Bundesrat gewillt sei, solche Angriffe zu ahnden, gehe daraus hervor, daß er heute dem „Travail" in Genf und dem „Drott du Peuple" in Lausanne wegen eines Artikels vom 2. Januar, der sich sowohl gegen den italienischen Faschismus als auch gegen den deutschen Nationalsozialismus richtet, besonders wegen der darin enthaltenen ganz groben Ausdrücke eine strenge Verwarnung erteilt habe mit der Androhung der Einstellung im Wiederholungsfälle. Sehr deutlich nimmt die „Neue Basler Zeitung" gegen die kommunistische und sozialistische Hetze Stellung, die auch in den Pressekommentaren zum Mordfall Gustloft zum Ausdruck kommt. In d->n Besprechungen des Basler kommunistischen Blattes habe man ein klassisches Beispiel der hemmungslosen, mit Drohungen gespickten Gustloff- Hetze, die verantwortlich sei für die geistige Atmosphäre, aus der heraus die brutale Tat geworden fei. Mit einer Hetze gegen Deutschland setze die Linkspresse die Neutralität der Schweiz aufs Spiel, indem sie im Aüslande den Eindruck Hervorrufe, die Schweiz wolle nicht länger neutral sein und ergreife einseitig Partei. Vom Vertrauen des Auslandes in den Schweizer Neu- ttalitatswillen hänge aber überhaupt der Bestand des Bundes ab. Auch die „Basler Nachrichten" meinen, es wäre in der Tat nicht zu früh, wenn der Bundesrat der rnarristtschen Presse etwas nachdrücklicher ihre Pflicht gegenüber dem Lande ins Gedächtnis rufen würde. Oer Königsmordvro-rek in Aix Paris, 6. Febr. (DNB.) In dem Prozeß gegen die Kroaten vor dem Schwurgericht in Aix-en-Pro- vence wurde Donnerstagmorgen mit der Vernehmung des zweiten Angeklagten R a i j t s ch begonnen. Raijtsch hat nach seinen Angaben Jugoslawien bereits 1929 verlassen, sich zunächst nach Uruguay und von dort nach Brasilien begeben. Nach Europa zurückgekehrt, will er in Belgien einen Kroaten kennen gelernt haben, der ihm den Eintritt in das E m i g r a n t e n l a g e r von Janka Pußta in Ungarn ermöglicht habe. Auf die Frage nach der Herkunft des auf dem Bahnhof St. Lazare in Paris gefundenen Koffers, der dieselben Waffen enthielt, rote sie im Marseiller Attentat verwandt worden waren, mußten die drei Angeklagten nichts auszusagen. Auf den Einwurf, Raijtsch habe doch vor dem Attentat Geld erhalten, erwiderte der Verteidiger, man dürfe die Angeklagten wohl richten, sie aber nicht entehren. Sie seien Helden, und 2000 Franken seien „kein Geld für einen Königsmord". Der Angeklagte Pospichil erklärte, wenn das Verhör in derselben Art geführt werde wie bei feinen Mitangeklagten, würde er nicht antwor- t e n Als der Vorsitzende ihn nach den Vorgängen im Lager von Janka Pußta befragte, kreuzte der Angeklagte die Arme und verweigerte jede Aussage. Der Präsident verlas dann die Liste seiner Fragen, ohne daß der Angeklagte antwortete. Dann begann Pospichil plötzlich ein Bekenntnis zum Kroatentum und zum Katholizismus abzulegen. Der Angeklagte ließ sich auch ausführlich darüber aus, wie er zu den Verschwörern gekommen ist. Der Leiter der Unternehmung fei Kalemen gewesen. Aber Kalemen selbst habe, bevor er nach Marseille fuhr, ihm nur eine Abwesenheit von wenigen Tagen an- gekündigt, ohne sich über den Zweck seiner Reise zu äußern. Pospichil sei dann in Paris gewesen, weil Kwaternikihm dies befohlen habe. Beim Verlassen eines Lichtspieltheaters habe er erst von dem Anschlag gegen König Alexander Kunde erhalten und sei dann sofort von Paris abgereift. — Der Gerichtspräsident erklärte nun, daß die Verschwörer Pawelitsch, Kwaternik und Persewitsch in Abwesenheit verurteilt würden. Wird England das Kolonialproblem in Angriff nehmen? London, 7. Febr. (DNB. Funkspruch.) Unter Hinweis auf die Erklärungen des Unterstaatssekretärs im Außenministerium, Lord Cranborne, in der Unterhaus-Aussprache am Mittwoch glaubt „Daily Herald" melden zu können, daß eine „vorläufige Prüfung" der Kolonialfrage durch die britische Regierung bereits in vollem Gange sei. Sachverständige hätten schon Denkschriften über verschiedene Gesichtspunkte der Frage vorbereitet und eine große Menge statistischer und anberroeitiger Angaben sei für das Studium der Minister gesammelt worden. Der nächste Schritt werde möglicherweise eine Aufforderung an den Völkerbund sein, einen Ausschuß von Persönlichkeiten mit großer Kolonialerfahrung einzusetzen. Man denke dabei an Sachverständige wie den englischen Kolonialpolitiker Lord Lugard, der seit 1922 britisches Mitglied des ständigen Mandatausschusses sei. Die bisherigen Untersuchungen hätten in der Hauptsache dazu gedient, d i e großen Schwierigkeiten der ganzen Frage an den Tag zu bringen. Sir Evelyn Wrench schreibt in der „Daily Mail": England sollte so rasch wie möglich eine Konferenz der Kolonialmächte einberu- fen und ihr einen Fünf-Jahres-Plan vorlegen. England sollte erklären, daß alle britischen Kolonien, die noch nicht zur Selbstregierung reif sind, innerhalb von fünf Jahren zur Politik der offenen Tür zurückkehren. Ferner müsse sich die britische Regierung bereit» erklären, diese Kolonien als Völkerbundsmandate zu verwalten. Durch einen solchen Plan würden die wirtschaftlichen Beschwerden der unbefriedigten Mächte beseitigt. Gegenwärtig seien Deutschland, Italien und andere Länder ohne Kolonien und infolge Zölle, Einfuhrverbote und Handelsbeschränkungen nicht in der Lage, genügend Waren in den Kolonialgebieten zu verkaufen, um die erforderlichen Devisen für Rohstoffeinfuhren zu erhalten. Der Verfasser schreibt weiter: „Wenn unser Hauptziel der Friede und die Schaffung eines gefestigten Europas ist, dann müssen wir in aller erster Linie danach trachten, die Beschwerden zu beseitigen. Wir dürfen uns nicht vor dem Götzenbild des Status quo zu Boden werfen. Ich bin überzeugt, daß es keine Stetigkeit in einer Lage geben kann, die es fünf Staaten erlaubt, alle Kolonialgebiete in der Welt zu besitzen, solange diese Staaten den anderen Ländern Hindernisse in den Weg legen, und ihre Kolonien a l s wirtschaftliche Ausbeutungsobjekte betrachten." „Daily Mail" schlägt eine Konferenz von vier oder fünf „wirklichen Staatsmännern" vor, die als Vertreter ihrer Länder betrachtet werden können. Nur eine solche Konferenz, die auf die „üblichen Sekretäre und Sachverständigen" verzichten würde, könne das Problem der unbefriedigten Mächte erfolgreich in Angriff nehmen. Oesterreich und die Kleine Entente. Gtarhembergs pariser Besprechungen. London, 7. Febr. (DNB. Funkspr.) Die englische Presse kann sich noch kein klares Bild von dem Ergebnis der Pariser Besprechungen machen. Die Blätter sind der Ansicht, daß greifbare neue Abmachungen in Paris nicht zustandegekommen seien, daß aber eine „Verstärkung der kollektiven Sicherheit" in Mitteleuropa im Gange sei, und daß eine Annäherung Oesterreichs an d i e Kleine Entente ftattgefunben habe. Die „Morning Post" glaubt nicht, daß ein Regionalpakt für die Verteidigung der österreichischen Unabhängigkeit im Bereiche der praktischen Politik liege. Italien selbst sei nicht in der Lage, daran teilzunehmen. Die Besprechungen mit Prinzregent Paul von Jugoslawien hätten ferner gezeigt, daß in Jugoslawien immer noch Erbitterung gegen Frankreich wegen der Ermordung König Alexanders herrsche. Jugoslawien fürchte Italien und eine Wiedereinsetzung der Habsburger in Oesterreich. Es sei daher unwahrscheinlich, daß Jugoslawien, nur um Frankreich zu gefallen, versprechen werde, zur „Verteidigung" Oesterreichs in den Krieg zu ziehen, solange Oesterreich ein italienischer Vasallenstaat bleibe. Vernon Bartlett meint, jeder Versuch, die Stresa-Front zur Garantierung Oesterreichs wieder zu beleben oder auszudehnen, wäre so gekünstelt, daß sie von der britischen Regierung wahrscheinlich nicht unterstützt würde. Aussichtsreicher sei eine enge wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit zwischen den Donaustaaten. Die Beziehungen zwischen Oesterreich, der Tschechoslowakei und Rumänien feien viel herzlicher geworden. Lediglich S ü d s l a w i e n weigere sich noch, an offenen Besprechungen mit Oesterreich teilzu- nehmen. Das plötzliche Erscheinen des Erzherzogs Otto in Paris wird hier allgemein verurteilt. „Morning Post" meldet, man befürchte, daß infolge der Reife Ottos nach Paris die Aussichten auf eine Annäherung zwischen Oesterreich und der Kleinen Entente wieder zerstört würden. Der „Eve- ning Standard" berichtet, die Zusammenkunft zwischen Starhemberg und dem Erzherzog fei zwar bestritten worden, doch habe Fürst Starhemberg das angebliche Versprechen, die Wiedereinsetzung des Hauses Habsburg zu verschieben, beträchtlich abgeändert. Starhemberg hatte seine Absicht, von London nach Belgien zu fahren, um dort mit Erzherzog Otto zusammenzutreffen, auf gegeben, weil er nicht den Argwohn der Kleinen Entente und insbesondere Jugoslawiens habe erwecken wollen. Unklugerweise sei der Erzherzog nun in Paris erschienen in der Hoffnung, eine Aussprache mit Starhemberg erreichen zu können. Wahrscheinlich sei Otto von Habsburg wieder einmal von seinen Ratgebern und insbesondere von Baron von Wiesner falsch beraten worden. Note Vögel über Estland. Nachdem Monate hindurch geheimnisvolle Flugzeuge nächtlicherweile über Finnland und Nordskandinavien hinweg flogen, ohne daß genau festgestellt werden konnte, welche Bewandtnis es mit diesen unzweifelhaft sowjetrussischen Flugzeugen hatte, sind jetzt am hellichten Tage drei rote Kampfflugzeuge über estnischem Gebiet erschienen. Sie haben Dorpat zweimal aufgesucht, sie sind von den Esten heftig beschoßen worden und haben offenbar auch bas Feuer erwidert. Daß sich diese Kampfflugzeuge verirrt haben sollten, darf wohl nicht angenommen werden. Denn nachdem sie sich ein zweites Mal über Dorpat aufgehalten hatten, wußten sie ganz genau, welche Richtung sie einschlagen mußten, um ihren heimatlichen Flughafen wieder zu erreichen. Außerdem dürfte ihnen das heftige Feuer des estnischen Militärs wohl sehr rasch klar gemacht haben, daß sie sich i m Luftraum eines fremden Staates befanden. Die Dinge liegen allem Anschein nach so, daß man es einmal darauf ankommen lassen und den Esten zeigen wollte, wie wenig Sowjetrußland die Grenzen achtet und wie starr es sich fühlt, um sich in aller Ruhe eine sehr schwere Grenzverletzung erlauben zu können. Der Fliegervorstoß nach Dorpat muß natürlich in den Ostseeländern alarmierend wirken. Denn wenn die Sowjetrussen schon dazu übergehen, E r - kundungsfluge in die Nachbarländer zu unternehmen, dann kann sich jeder seinen Reim auf die Bedeutung und den Zweck der gewaltigen Truppenzusammenziehungen in Nordwestrußland, also in dem Gebiet rund um Lenin- §rad und längs der finnischen Grenze machen. Der iliegervorstoß bildete ein Teilstück der sehr weitgehenden bolschewistischen Pläne, die darauf hin- auslaufen, in allen Ländern revolutionäre Erhebungen zu entfachen, um dann mit der roten Armee nachzustoßen. Die Revolutionierungsarbeiten sind überall in Fluß. Eines Tages wird auch die Militärmacht der Sowjetunion zu Worte kommen, denn ohne Grund haben sich die Bolschewiken nicht Tausende von Kriegsflugzeugen und unübersehbare Scharen von Tanks zugelegt. Dasselbe Rußland aber, das eine Bedrohung für den Weltfrieden und den Bestand nicht nur der kleinen Staaten bildet, wird immer wieder eingeladen, in der europäischen Politik eine Rolle zu spielen, die einmal für ganz Europa verhängnisvoll werden muß. * Nach einer Meldung aus Reval ist der e st l ä n - dische Gesandte in Moskau beauftragt worden, wegen der Verletzung des Grenzrechts durch sowjetrussische Militärflugzeuge bei der sowjetrussischen Regierung P r o t e st zu erheben. Wie sieht es in der Wirtschast aus? Während in London die Fleischer streiken, in Frankreich Werftarbeiter, Textilarbeiter, Kohlenarbeiter in unlieblichem Wechsel die wirtschaftliche Derwirung erhöhen, geht das neue Deutschland daran, sich beruflich durchzuorganisieren. Im weitesten Sinne. Denn der Reichsberufswett- kampf der Jugend ist in diesem Jahre zum ersten Male um den Wettbewerb der studentischen Jugend erweitert worden. Als im Jahre 1934 dieser Wettkampf begann, stellte sich ihm etwa eine Million Jugendlicher zur Verfügung. Im Jahre 1935 war die Organisation schon gefestigter, in diesem Jahre ist sie weiter ausgebaut worden und dann wird nur noch einmal, im Jahre 1937, der Reichswettkampf der Jugend durchgeführt werden, denn im Jahre 1938 ist vorgesehen, nach den Ergebnissen der bisherigen Reichsberufswettkämpfe ihren Rahmen wesentlich zu erweitern. Es sollen dann auch die Gesellen und die Assistenten der wissenschaftlichen Berufe einbezogen werden und endlich soll im Jahre 1940 das Ganze gekrönt werden dadurch, daß alle Grade der Berufsausbildung an dem großen Ringen teilnehmen, also der Lehrling und Student, der Gehilfe und der wissenschaftliche Arbeiter und der Meister und der Professor. Im März vorigen Jahres kündigte der Reichsarbeitsminister bereits ein R e i ch s - B e - rufsausbildungsgesetz an, das also im Jahre 1940 zum ersten Male in Wirksamkeit treten würde. Bezichnend für den neuen Geist der deutschen Wirtschaft ist diese allmähliche und alle Berufe umfassende Entwicklung der Reichsberufswettkämpfe. Schon im vorigen Jahre nahmen an den Kämpfen die Jugendlichen unter Leitung von Mitgliedern des gewerblichen Schulwesens, Amtswaltern und Jugendführern teil. In diesem Jahr werden rund 2 5 0 Berufsarten ihre Kräfte erproben. Sie werden vor kritischen Sachverständigen nach Punkten gewertet, dann regelrecht ausgepunktet, bis aus diesem Gutachten der Lehrherren der beruflichen Schulen und der Gewerbeinspektionen allmählich die besten auserwählt werden und schließlich in die gewissermaßen letzte Klasse gelangen, wo sie vom Reiche ausgezeichnet werden. Dabei wird das Hauptgewicht nicht nur auf die berufliche Tüchtigkeit gelegt, sondern auch auf die charakterliche Ertüchtigung, und die Ergebnisse der Statistik dieser Berufswettkämpfe sind geeignet, unser gesamtes Wirtschaftsleben nach rationellen und völkischen Gesichtspunkten neu zu ordnen.' Wir können also objektiv feststellen, welche Berufe Mangel oder lieber» fluß an qualifizierten Arbeitern haben, welche Berufe zu vermeiden sind, welche vorzuziehen, ob es tatsächlich zutrifft, daß der Andrang zu akademischen Bildungsstätten auf Kosten der anderen Berufe geht oder nicht. Damit wird also auch unser Wirtschaftsleben gewissermaßen das Knochengerüst erhalten, um das sich organisch die einzelnen Muskelpartien, also die Berufe, lagern. * Eine Reihe von großen Aktiengesellschaften hat in den letzten Tagen Geschäftseraebnisse der Oeffentlichkeit vorgelegt, die einige Rückschlüsse auf die Entwicklung der deutschen Wirtschaft im abgelaufenen Jahre zulassen. Der Siemens- Konzern machte dem langen Rätselraten um seine Dividendenausschüttung durch die Bekanntgabe der Aufsichtsratsbeschlüsse ein Ende, der Hauptversammlung der Siemens & Halske AG. eine Erhöhung auf 8 (7) v. H. und derjenigen der Siemens- Schuckertwerke AG. die Wiederaufnahme der Dividendenzahlung mit 5 v. H. oorzuschlagen. Obwohl die Einzelheiten des Geschäftsverlaufs erst aus dem demnächst herauskommenden Geschäftsbericht zu entnehmen sein werden, kann man aus diefen Vorschlägen ersehen, daß die Wirtschaftsbelebung sich im Geschäftsbereich der Elektroindustrie nachhaltig ausgewirkt hat. Die beiden siliallosen Großbanken, deren Dividendenvorschläge von je wieder 6 v. H. bereits bekannt sind, die Berliner Handels-Gesellschaft und die Reichs-Kredit-Ge- sell schäft, haben in ihren Geschäftsberichten darauf hinaewiesen, daß die für das Jahr 1935 charakteristische Jnduftriekonjunktur sich weitgehend abseits vom privaten Kreditbankgewerbe (zu dem in diesem Zusammenhang auch die reichseigene Reichs-Kredit-Gesellschaft zu rechnen ist) vollzogen hat. Die gute Jnduftriekonjunktur fand bei den Banken im wesentlichen in einem weiteren Debitorenrückgang und teilweise auch in einer weiteren Besserung der Qualität der Schuldner ihren Niederschlag. Auch die Betätigung der Banken im Emissionsgeschäft war im wesentlichen noch auf die Beteiligung an den öffentlichen Anleihetransaktionen beschränkt. Immerhin dürften den Banken aus dieser Quelle umfangreichere Beträge als 1934 zugeflossen sein. Insgesamt hat die Tendenz zur Verflüssigung der Banken im letzten Jahre weitere Fortschritte gemacht. Sie haben die flüssigen Mittel in Ermangelung einer ausreichenden kreditwürdigen Nachfrage aus der Wirtschaft in zunehmendem Maße in Wertpapieren gelegt. Die Reichs-Kredit- Gesellschaft ist der Meinung, daß es noch einer gründlichen Förderung und Ausgestaltung des börsenmäßigen Wertpapiergeschäfts bedarf, damit die Börse ihre volkswirtschaftlichen Funktionen erfüllen kann und die nötige Leistungsfähigkeit wiedergewinnt. Dabei wird offenbar in erster Linie an den Rentenmarkt gedacht. Der Geschäftsbericht der Deutschen Girozentrale — Deutschen Kommunalbank beschäftigt sich u. a. mit den Aussichten für den Fortgang des 1935 begonnenen Konsolidierungswerks derkurzfristigenVerpflichtungen des Reiches, soweit sie die Sparkassen betrifft. Der große Umfang der Konsolidierungs- Transaktionen von 1935 sei eine einmalige Angelegenheit gewesen, da die nach der Zahlungskrise angesammelten Liquiditätsreserven dabei ihre Anlage gefunden haben. Es wird deshalb, soweit die Mithilfe der Liquiditätsreserve in Frage kommt, für die Zukunft nur noch mit kleineren Beträgen zu rechnen sein. Maßgebend für die Beteiligung der Spar- und Girokassen an der Konsolidierung der Reichsschuld wird der Einlagenzuwachs fein. Die deutschen Sparkassen veröffentlichen jetzt das Jahresergebnis für 19 3 5. Gegenüber dem Vorjahre hat sich der Einzahlungsüberschuß erfreulicherweise mehr als verdoppelt, von 251 Millionen auf 515 Millionen Mk., der Anteil am gesamten Einlagenzuwachs ist von 34,5 auf 52,5 v. H. gestiegen. Ebenso nahmen die Depositen-, Giro- und Kontokorrenteinlagen außergewöhnlich zu, und zwar gegenüber 150 Millionen Mark im Jahr 1935 um 280 Millionen. Der Zuwachs bei allen Anstalten betrug im Jahre 1933 730 Millionen Mark, im Jahre 1934 878 Millionen Mark, im Vorjahre aber 1270 Millionen Mark, so daß insgesamt die Einlagen auf 15,7 Milliarden angewachsen waren. Das beweist die Seefeld erneut schwer belastet. Oer Soll Zimmermann vor dem Schweriner Schwurgericht. Nach dem Lübecker Lokaltermin im Seefeld- Prozeß begann das Schweriner Schwurgericht die Zeugenvernehmung zunt Mordfall Heinz Zimmermann aus Schwerin. Der damals zehnjährige Junge hatte am 23. Februar v. I. morgens die elterliche Wohnung verlassen, um sich nach dem Altengarten zu begeben, wo seine Klasse, die Wanderfahrt hatte, antreten mußte. Dort ist Heinz Zimmermann nicht angekommen, und seit dem Zeitpunkt fehlte zunächst jede Spur von ihm. Mit Hilfe von Suchhunden des Berliner Polizeipräsidiums gelang es am 31. Mai v. I. die Leiche des Kindes in einer dichten Kiefernfchonunq aufzufinden. Zunächst wurde die bedauernswerte Mutter des auf so schändliche Art ums Leben gekommenen Jungen vernommen. Durch die Aussagen einer weiteren Zeugin wird Seefeld wiederum äußerst st a r k belastet. Diese Zeugin schildert eine auffällige Begegnung zu der Zeit, als der kleine Zimmermann verschwand. In der Nähe der ersten Schloßbrücke bemerkte sie einen alten Mann mit einem Jungen. Der Mann redete fortgesetzt auf das Kind ein, und die Zeugin beobachtete, daß er gewaltsam die Rechte des Jungen eingehakt hatte. Es sah so aus, als ob das Kind nur widerwillig folgte. Ebenso wie in der Voruntersuchung erkennt diese Zeugin den Angeklagten auch jetzt als den Mann wieder, der ihr damals so aufgefallen war. — „Er ist es ohne jeden Zweifel", erklärte sie mit voller Sicherheit. Vorsitzender: „Was sagen Sie dazu, Seefeld?" Angeklagter: „Ich kann nur die eine Aussage machen, daß meine Person nicht in Frage kommt." Vorsitzender: „Es könnten sich vielleicht ein oder zwei Zeugen irren, aber doch nicht so viele. Sie können doch diese ganzen Aussagen nicht mit ihrer ständigen Redensart aus der Welt schaffen!" Auch weitere Zeugen, die dann gehört werden, haben den Angeklagten getroffen und erkennen ihn genau wieder. Alle diese Zeugen erhärteten ihre schwer belastenden Aussagen mit ihrem Eide. Der Angeklagte antwortete auf alle Vorhalte mit feiner ständigen, verlogen wirkenden Redensart: „Das kommt für meine Person nicht in Frage!". Der Vorsitzende hielt dem Angeklagten eindringlich die gesamten schwerwiegenden Verdachtsmomente vor, die sich wiederum gegen ihn ergeben haben. „Nun sagen Sie, Seefeld", erklärt der Vorsitzende mit erhobener Stimme, „wosindSiemitdem Jungen geblieben?" Angeklagter: „Meine Person kommt nicht in Frage!". Vorsitzender: „Wenn das Gericht den Zeugenaussagen Glauben schenkt, und ich nehme das an, dann ist die Sache sehr schlimm für Sie. Es gibt nur eine Erklärung: Sie haben ein schlechtes Gewissen, weil Sie den Jungen umgebracht haben. Dieser eine Schluß ist nur möglich." Angeklagter: „Ich komme nicht in Frage. Die Kinder, mit denen ich zusammen war, leben alle noch." Auch auf weitere Vorhalte bleibt Seefeld bei feiner alten Verteidigungstaktik. Richtigkeit der neuen wirtschaftspolitischen Maßnahmen, die auf eine Stärkung der Kapitalkraft und der Spartüchtigkeit gerade des kleinen Mannes abgestellt sind. Die Fachgruppe Landmaschinenbau hielt im Rahmen der Grünen Woche eine Tagung ab, auf der interessante Zahlen über die Entwicklung dieses Industriezweiges bekanntgegeben wurden. Danach hat die Landmaschinenindustrie mit einem Gesamtabsatz von 220 Millionen Mark 1935 etwa vier Fünftel des Höchstabsatzes der Jahre 1927/28 wieder erreicht. Der 200 Mill. Mark betragende Jnlandsabsatz allein entspricht bereits wieder dem Stand von 1928. Die Gesamtversorgung der deutschen Landwirtschaft mit in- und ausländischen Landmaschinen hat sich gegenüber dem Tiefstände mehr als verdoppelt. Die Einfuhr von Landmaschinen ist stark gesunken, 1935 waren nur 1,2 v. H. aller verkauften Maschinen ausländischen Ursprungs. Zur Frage der Preise wurde festgestellt, daß der Index für Landmaschinen mit 105 weit unter dem allgemeinen Maschinenindex von 121 liegt und nun genau dem Index der Agrarstoffe entspricht. Einen interessanten Einblick in die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Sowie t r u ß l a n d bietet der Geschäftsbericht der Industrie- und Finanzierungs-AG. Ost (Jfago). Die Gesellschaft, deren Aufgabe die Abwicklung der mit sowjetrussifchen Bestellungen laufenden Kreditgeschäfte ist, berichtet, daß von den im Rahmen des deutsch-sowjetrussischen Wirtschaftsabkommens vom 9. April 1935 im Betrag von 200 Millionen Mark vereinbarten Bestellungen Sowjetrußlands bis Ende Januar 1936 103 Millionen Mark an 330 Firmen vergeben worden sind. Die Lieferfirmen haben sich wegen des starken Jnlandgeschäftes, namentlich im Werkzeugmaschinenbau, auf den das Gros der Bestellungen entfällt, ziemlich lange Lieferfristen ausbedungen. Das Zahlungsziel ist im Abkommen auf fünf Jahre festgelegt worden. Daß der Schiffbau der Welt sich nach jahrelangem Darniederliegen zu erholen beginnt, ist aus dem Jahresbericht des Lloyds Register of Shi- ping zu entnehmen, der für 1935 den Bau von 649 Schiffen mit zusammen 1,3 Mill. BRT. verzeichnet gegenüber 536 Schiffen mit 0,97 Mill. BRT. im Jahre 1934. 38 v. H. des Welthandelsschiffbaues entfallen auf die Werften von Großbritannien und Irland, an zweiter Stelle folgt D e u t f ch l a n d mit 78 Schiffen und 226 000 BRT. gegen 57 Schifte und 74 000 BRT. im Vorjahre. Dann folgen nacheinander Japan, Dänemark, Holland, Frankreich, USA, Norwegen und Italien. Im Tankschiffbau liegt Deutschland mit neun i -M- VV «st 'x Wie schon gemeldet, starb in Pasing bei München Obermusikmeister Georg F ü r st, der Komponist des Badenweiler Marsches, des Lieblingsmarsches des Führers, im Alter von 66 Jahren. (Presse-Bild-Zentrale-M.) Schiffen und 67000 BRT. an erster Stelle. Im vergangenen Jahre schloß die deutsche Handelsbilanz mit einem Ausfuhrüberschuß an Kraftwagen von 40,7 Millionen Mark. Das bedeutet gegenüber 1934 eine Verdoppelung, gegenüber 1929 fast eine Verzwanzigfachung. Um den Fortschritt des deutschen Kraftfahrzeugbaues sich zu vergegenwärtigen, muß man bedenken, daß im Jahre 1925 einer Einfuhr ausländischer Kraftwagen von 69,2 Millionen Mark nur eine Ausfuhr von 25,5 Millionen Mark gegenüberstand, also ein Einfuhrüberschuß von 43,7 Millionen Mk. vorhanden war. Das Deutsche Reich hat überhaupt die stärkste Zunahme der Weltausfuhr von Kraftfahrzeugen (ohne Motorräder) zu verzeichnen, denn für die ersten zehn Monate 1935 ergibt sich gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres für das Deutsche Reich ein Ausfuhrüberschuß von 59,2 v. H., für die USA. von 11,3, für Großbritannien von 7,5 und für Frankreich ergab sich ein Rückgang von 12,9 v. H. Auch in der Neuzulassung von Krast- Fur Weinkenner bedeuten 21er Weine etwas Besonderes, für Tabak-Kenner gilt das Gleiche vom Jahrgang 33. Einen Beweis für die Qualität dieser Ernte liefert ALVA, in deren Mischung jetzt die edlen 33er Macedonen-Tabake verarbeitet werden. \... <•. fahrzeugen ist von allen europäischen Ländern außer England Deutschland an die Spitze gelangt. * Das polnische Verkehrsministerium hatte der Deutschen Reichsbahn mitgeteilt, da die aus dem Durchgangsverkehr nach und von Ostpreußen aufgelaufenen Beträge zu hoch feien, müßte eine Einschränkung dieses Verkehrs stattfinden. Die deutschen Vorschläge für die Transferierung dieser Guthaben wurden abgelehnt. Die Deutsche Reichsbahn war bereit, die Beträge in Reichsmark auszuzahlen, während die Polen die Bezahlung in Sloty verlangten. Es handelt sich also lediglich um Transfer-Schwierigkeiten. Da Polen bei seiner Haltung blieb, mußt ab 7. Februar eine erhebliche Einschränkung im Transitverkehr nach Ostpreußen oorgenommen werden. Da uns aber nicht allein der Bahnver- kehr durch den Korridor zur Verfügung steht, sondern andere Transportmittel zur Luft und zu Wasser, ist diese durch die einseitige polnische Haltung erzwungene Maßnahme für uns weniger schädlich. Es ist zu hoffen, daß die Polen von ihrem einseitigen Standpunkt abgehen und sich dem Ziel der Zusammenarbeit auch in diesem Falle wieder zuwenden, das durch das deutsch-polnische Abkommen von 1934 aufgestellt wurde und sich, wie auch der polnische Außenminister Oberst Beck in seiner letzten Sejm-Rede betonte, sonst auf allen Gebieten gut bewährt. Die Aufmerksamkeit der Finanzwelt richtet sich gegenwärtig auf den Doll ar st and. Während die Konjunktur in den Vereinigten Staaten von wirtschaftspolitischen Eindrücken noch kaum beeinflußt ist, mehrt sich die Neigung der Spekulanten, in Jnflationsstimmung zu machen. Die Jnflatio- nisten wittern Morgenluft, zumal da die bevorstehenden Wahlen, die des Präsidenten, des gesamten Repräsentantenhauses und eines Drittels des Senats ihnen angesichts des Trümmerhaufens des Roosevelt-Programms die Möglichkeit geben, ein Abwehrprogramm gegen die Steuern zu proklamieren. Das ist bereits von einer Gruppe von 50 führenden Persönlichkeiten geschehen, die direkt eine weitere Abwertung des Dollars fordert. Infolgedessen hat sich das Reichsschatzamt genötigt gesehen, zum ersten Mal seit langen Jahren die Erlaubnis zu erteilen, Gold in das Ausland ab- z u g e b e n , und zwar wurden bisher 12,86 Millionen Dollar Gold für die Ausfuhr verkauft, hauptsächlich für Pariser und holländische Rechnung. Weitere Goldausfuhren sollen bevorstehen. Das hat nicht verhindert, daß der Dollar unter den Goldausfuhrpunkt sank. Ob die Jnflationspsychose nur vorübergehender Natur ist, bleibt abzuwarten. Kleine politische Nachrichten. Der Reichs- und Preußische Arbeitsminister hat den Treuhänder der Arbeit für das Wirtschaftsgebiet Südwestdeutschland zum ständigen Sondertreuhänder der Arbeit für die deutsche Zigarrenherstellung bestimmt. Der Sondertreuhänder ist vor allem auch mit der Ueberprüfung, Aenderung oder Neufestsetzung der Bezirkstarifordnungen, insbesondere der Ortsklasseneinteilung in der deutschen Zigarrenherstellung beauftragt. Aus Anlaß der Erschwerungen, die im Eisenbahnverkehr von und nach Ostpreußen eingetreten sind, hat der Reichsverkehrsminister verboten, Entgelte auf btm Verkehrsgebiet über den Stand vom 1. Februar 1936 zu erhöhen. Als Erhöhung ist es auch anzusehen, wenn die Leistungsbedingungen zum Nachteil des Verkehrsnuhers geändert werden. Zur Vermeidung von besonderen Härten können Ausnahmen zugelassen werden. Im Auftrage des Bundeskanzleramtes ist das monatlich erscheinende OrganderReichsdeut- fchen in Oe st erreich, „Die Heimat", von der Polizei beschlagnahmt worden mit der Begründung nationalsozialistischer Parteipropaganda, da „Die Heimat" anläßlich der Feier des 30. Januar auf der ersten Seite das Horst-Wefsel-Lied abgedruckt hatte. Am Mittwoch begann i n W i e n ein Hochverratsprozeß gegen den Polizeikommissar Dr. Franz von Sonnleitner, der vor seiner Verhaftung dem Bundeskanzleramt zugeteilt war. Sonnleitner wird beschuldigt, mit den österreichischen N a t i o n a l- soziallsten „hochverräterische Beziehungen" unterhalten zu haben. Sonnleitner ist ein Großneffe des Dichters Franz Grillparzer. * Der Präsident der Tschechoslowakischen Republik, Dr. B e n e s ch, empfing den neuen deutschen Gesandten Dr. E i s e n l o h r zur Entgegennahme seines Beglaubigungsschreibens. Die Bank von Frankreich hat ihren Diskontsatz, der am 31. Dezember 1935 von 6 v. H. auf 5 o. H. und am 9. Januar 1936 von 5 o. H. auf 4 v. H. ermäßigt worden war, weiter um 0,5 v. H., also auf 3,5 v.H. herabgesetzt. * Der Vorsitzende des Marineausschusses des amerikanischen Repräsentantenhauses brachte drei vom Marineamt befürwortete Vorlagen ein, die ein weitgehendes Modernisierung spro- g r a m m einschließlich des Baues von Hilfs- schiffen in Stärke von insgesamt 221 000 Tonnen oorsehen. Das Programm umfaßt allein a ch t Kriegsschiffe. * Auf einer Sitzung des Nationalverbandes der Chinesischen Aerzte wurde die Einführung eines Sterilisationsgesetzes für Geisteskranke in China dringend empfohlen. Gleichzeitig wurden Gesundheitszeugnisse für Eheschließende gefordert. Der Kongreß beschloß, mit entsprechenden Vorschlägen an die Nationalregierung heranzutreten. Aus aller Welt. Eheweihe eines Hitlerjugendführers. Wie der Nationalsozialistische Gaudienst Hessen- Nassau berichtet, begingen im historischen Kurfürstensaal des Amtshofes zu Heppenheim der Stabsführer des Gebietes Hessen-Nassau der Hitler-Jugend, Bannführer D i l l e m u t h und Hella Wendel die Eheweihe. Die Trauung vollzog im Rahmen einer schlichten Feierstunde, umrahmt von Sprechchören und Musikoorträgen der HI. und des BDM., Ortsgruppenleiter Koch von Heppenheim. Anwesend waren außer den Verwandten eine große Anzahl HJ.-Führer und BDM.- Führerinnen. Trauzeuge waren Gebietsführer P o t t h o f f und der persönliche Adjutant des Gauleiters, Gauamtsleiter Stöhr, der gleichzeitig in Vertretung des Gauleiters erschienen war. Im Anschluß an die Feier vereinigten sich alle Teilnehmer und das Brautpaar in Grafenellenbach im Odenwald zu einem Zusammensein, an dem in später Stunde auch der Stabsführer Hartmann Lauterbacher, der Stellvertreter des Reichsjugendführers, teilnahm. Der Prinz von Asturien im Sterben. In Havanna liegt der Prinz von A st u r i e n, der älteste Sohn des früheren Königs Alfons von Spanien, im Sterben. Eine Blutübertragung erwies sich als erfolglos. Der Prinz leidet an einer Geschwulst, die wegen seiner Blutkrankheit nicht geschnitten werden kann. Der Prinz hatte, wie erinnerlich, im Jahre 1933 bei seiner Verheiratung mit einer reichen Kubanerin auf alle Anrechte auf den spanischen Thron verzichtet. Das Hemd als Bankdepot. In Berlin wurde die Kriminalpolizei dieser Tage in eine Wohnung in der Brunnenstraße gerufen, wo angeblich eine 85jährige verarmte Frau tot in ihrem Bett liegen sollte. Der 37 Jahre alte Stiefneffe, der mit der Greisin seit langem zusammenhauste, sollte an dem Tod nicht ganz unschuldig sein. Der Kriminalbeamte stellte fest, daß die Frau nicht gestorben, wohl aber buchstäblich i m Schmutz f a st verkommen war. Es wurde die unverzügliche Ueberführung der halbverhungerten Greisin ins Krankenhaus angeordnet. Der Stiefneffe, der sich in ähnlich verkommenem und krankem Zustand befand, gab an, zur Deckung der erforderlichen Unkosten kein Geld zu besitzen. Als man jedoch näher in ihn drang, machte man eine sonderbare Entdeckung. Nicht nur in den Taschen seines Rockes, sondern auch auf seinem Leibe, im Hemd, in den Unterbeinkleidern, ja sogar im Hutfutter versteckt fand man überall Geld in Tüten und in selbstgefertigten Geldbeutelchen: Kupfer, Kleingeld und Scheine im Gesamtwert von etwa 2500 RM. Bei der Durchsuchung der Kleider rieselte das Geld förmlich auf die Erde. Beim Umkleiden der Kranken im Krankenhaus wurden ebenfalls 500 RM. entdeckt, die die Greisin unter der Wäsche auf dem Körper getragen hatte. Als man daraufhin die Wohnung der beiden etwas näher in Augen- fchein nahm, kam noch mehr Geld zum Vorschein, darunter einige tausend Pfennigstücke, ferner bankmäßig gebündelte Rollen und einige Pakete 20- und 50-Mark-Scheine und zwei Dollarnoten im Werte von 1 und 5 Dollar. Es dürfte sich insgesamt um etwa 9000 RM. handeln, die zunächst polizeilich sichergestellt wurden. Die Ermittlungen über die Herkunft des Geldes werden von der Kriminalpolizei fortgesetzt, zumal noch nicht erwiesen ist, ob die beiden Personen im Vollbesitz ihrer Geisteskräfte sind. 500 Todesopfer der Kälte in Amerika. Die Kälte, unter der Amerika feit drei Wochen leidet, nimmt Formen eines sibirischen Winters an. Seit Jahrzehnten ereignete sich in Amerika kein derartiger Sturz der Temperatur — Heftige Schnee- stürme suchten den Mittelwesten heim. Der gesamte Auto- und Eisenbahnverkehr von Rocky Mountains bis zu den Alleghanies wurde lahmgelegt. In Michigan, Illinois und Wisconsin sind Straßen und Eisenbahngleise durch Schneewehen 4 bis 8% Meter tief begraben. In vielen Städten des Mittel- weftens sind die Nahrungsmittel bereits knapp geworden. Die Fleisch- und Eierpreise schnellen in die Höhe. Besonders der Milchmangel nimmt weiter zu. In den Großstädten mußten die Schulen geschlossen werden. In Chikago treffen die Züge mit Verspätungen bis zu 24 Stunden ein. Bei Jackson im Staate Wisconsin fror in Schneewehen ein Schnellzug ein. 89 Fahrgäste konnten erst nach langer Zeit aus den vereisten Wagen befreit werden. In North-Dakota im Staate Minnesota sind zwei Güterzüge eingeschneit. In der Hauptstadt des Staates Iowa, Des Moines, herrscht starker Kohlenmangel. Der Kälte sind bisher 500 Personen zum Opfer gefallen. Die Temperaturen bewegen sich zwischen 22 und 43 Grad Celsius minus. Im Süden und an der Pazifikküste dagegen ist Schneeschmelze eingetreten. Es droht Hochwassergefahr. Ein gewissenloser Kraftfahrer festgenommen. Dor einigen Tagen war in dem Wiesbadener Stadtteil Dotzheim ein 43jähriger Einwohner von einem Kraftwagen überfahren und getötet und sein Begleiter schwer verletzt worden. Der gewissenlose Kraftfahrer, der den Unfall verschuldet hatte, entzog sich der Feststellung seiner Person und seines Wagens durch die Flucht, obwohl er Kenntnis von dem Unfall hatte.. Der schuldige Autofahrer konnte jetzt in Frankfurt festgenommen werden. Er wurde überführt und legte ein Geständnis ab. Der Fall Hauptmann. Von einer dem Gouverneur Hoffmann nahestehenden Seite verlautet, daß es den Privatdetektiven Hoffmanns gelungen fei, die Personalien eines zweiten Mannes festzustellen, der im Verdacht, stehe, an der Entführung des Lindbergh- Kindes beteiligt gewesen zu sein. Dieser Verdächtige, so heißt es, soll in der Nacht, als Oberst Lindbergh und sein Unterhändler Dr. (Ton« don auf dem Friedhof das Lösegeld übergaben, an Lindberghs Auto vorübergegangen sein, wobei er sein Taschentuch vor das Gesicht gehalten habe. Dieser Mann sei von der Polizei später als harmloser Straßenpassant bezeichnet worden. Die Verhaftung dieses Verdächtigen steht angeblich bevor. Gouverneur Hoffmann beschäftigte sich in einer Unterredung mit Pressevertretern mit dieser Angelegenheit, wobei er das Verhalten der Staatspolizei tadelte. Er erklärte, daß keine tüchtige Polizeistelle angesichts eines derartigen reichhaltigen Beweismaterials, das auf das Vorhandensein von Mittätern hindeute, ihre Hände in den Schoß legen könne. Grohseuer in Moskau. Das Gebäude der Handelskammer der Sowjetunion wurde von einem Großfeuer heimgefucht. Bei der Bekämpfung des Brandes wurde ein Feuerwehrmann durch elektrischen Strom auf der Stelle getötet, drei Wehrmänner, darunter ein Brandmeister, erlitten schwere Brandverletzungen und Rauchvergiftungen. 3n den Bergen verunglückt. Auf einem Ausflug nach dem Schnappenberg über Marquartstein (Oberbayern) oerstieg sich die Gattin des Majors Hoffmann aus Gleiwitz. Sie war mit einer Freundin an eine offene Wendestelle geraten und st ü r z t e ab. Während die Freundin in schwieriger Abseilungsarbeit geborgen werden konnte, wurde Frau Hoffmann als Leiche aufgefunden. Brudermord bei Hildesheim. Im Dorfe Ahstedt bei Hildesheim (Kreis Marienburg) war es im Haufe des Einwohners Wierig zu einem Streit zwischen dem Vater und feinem Sohn Hans gekommen. Als Hans Wierig in feiner Erregung zum Revolver griff, warf sich fein Bruder Helmuth dazwischen. Hans Wierig richtete daraus die Waffe gegen den Bruder, dem die Kugel in den Kopf drang. Helmuth Wierig bracht auf der Stelle t o t zusammen. Der Mörder wurde verhaftet. Wetterbericht des Reichsweiterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. Das ausgedehnte, mit feinem Zentrum über Südskandinavien liegende Hochdruckgebiet ist noch immer für unser Wetter bestimmend. Für Deutschland kann bei lebhafter Ostströmung mit weiterer Frostzunahme gerechnet werden. Aussichten für Samstag: Fortdauer des vielfach heiteren und trockenen Froftwetters, lebhafte östliche Winde. Aussichten für Sonntag: Fortdauer des Frostwetters. Lufttemperaturen am 6. Febr.: mittags 3 Grad Celsius, abends —0,3 Grad; am 7. Februar: morgens — 4,7 Grad. Maximum 3,1 Grad, Minimum , heute nacht — 5 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 6. Februar: abends 0,9 Grad; am 7. Februar: morgens 0,6 Grad Celsius. — Sonnenfchein- dauer 7,1 Stunden. Winlerfporlnachrichken. Vogelsberg. Hoherodskopf: heiter, — 8 Grad, 12 cm Gefamtfchneehöhe, 2 cm Neuschnee, Pulverschnee, Ski und Rodel mäßig. Rhön. Wasserkuppe: bewölkt —10 Grad, 10 cm Gesamtschneehöhe, kein Neuschnee, verweht, Ski und Rodel gut. Schwarzwald. Feldberg: Schneefall, —10 Grad, 80 cm Gesamtschneehöhe, fein Neuschnee, Pulverschnee, Ski und Rodel sehr gut. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. 1.36: 11000. Druck und Verlag: Brühl'fche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. Lollar, den 6. Februar 1936. Oo44 o Für die uns beim Heimgange unserer lieben Entschlafenen erwiesene Teilnahme sagen wir unseren herzlichsten Dank. Konrad Bingel im Namen aller Hinterbliebenen. 1 oder 2 möbl. Zimmer in ruh. Hause m. Heizung u. fließ. Mass, sowie Badegelegenheit, in der Nähe der Kaserne zu verm. Memeler Str. 9. Mietqesuche »eruksMg.Serr sucht sof. sehr gut möm.zimM Schr.Angeb.unt. 0554 and. G.A. 1 Zimmer mit Küche v. alleinstehender älterer Dame z. 1. März gesucht. KatharinaKotte zL.Alteii-Buseck Schanzenstraße 5 Geräumige 2-Zimm.-Wolra. mit Küche von ruhig. Ehepaar f. sofort ob. später gesucht. Schriftl. Angeb. unt. 0552 an b. Gieß. Anz. Verdingung Auf Grund der „Verdingungsunterlagen für Bauleistungen" sind vorbehaltlich der Genehmigung des Generalinspektors für das deutsche Straßenwesen die Arbeiten und Lieferungen für den Umbau der Reichsstraße 425, Abt. Laubach—-Schotten, km 21,4— 23,00 und die Verbreiterung der Horloffbrücke in zwei Losen zu vergeben. 783D Angebotsoordrucke werden — solange der Vorrat reicht — von unserem Amt, Gießen, Hitlerwall 371, abgegeben, wo auch die Zeichnungen und Bedingungen zur Einsicht offenliegen. Bei Zusendung durch die Post nur gegen Rückporto. Angebote sind, für jedes Los getrennt, in einem mit genauer Aufschrift versehenen Umschlag „Umbau der Reichsstraße 425" bis Samstag, den 15. Februar 1936, vormittags 10 Uhr, portofrei bei uns einzureichen, wo anschließend die Oeffnung der Angebote erfolgt. Zuschlagsfrisl 4 Wochen. Gießen, den 5. Februar 1936. Provinzialdirektion Oberhessen. Tiefbauamt. MW f. Ausstellungszwecke im Stadtzentrum zu mieten gesucht. Schriftl. Ang. u. 808D an den Gieß. Anz. W FDRP DRUCKSACHEN Wf CIXDC Brühl. Gießen Seit 30 Jahren litt ich an Bronchitis und Atemnot. War sehr er- staunt, welch grobe Wirk- fcL, jng Husta-Glycin in solch veralteten Fällen noch be- wirkt G Sdielbshorn. Fünh y 7. 193S. GustflVitr. 16 Tausen- HF de ähnliche Urteile liegen vor. Husta-Glycin: Fl i 65 u. >.- WM Hustobons (Bonb.)-. Ds. 75 Pfg Drog. Borneniann, Bahnhofstr. 17 I )rog. Ki I binger N chf.. Selters w. 69 Drog. Seibel, Frankfurter Str. L9 Drog. Winterhoff, Kreuzpl. 9 siiD WteOrtcO MlUll Warum wurden sie Feindinnen? Beim Kaffeekränzchen fing es an. Frau Müller sagt: Hauptsache ist, daß beim Einweichen der Schmutz herausgebt. Machen £ic’s so wie ich. Mit Burnus. Dann ist das Einweichwasser ganz dunkel. - Darauf Frau Schulze, hochnäsig: Danke - so schmutzig ist meine Wäsche nicht I - Worauf Frau Müller einschnappt. — Hat es nun Frau Schuhe wirklich nicht nötig, daß sich beim Einweichen ihrer Wäsche der Schmutz löst ? Man glaubt e» gewöhnlich nicht, daß das Einweichwassei bei Burnus so schmutzig ist, weil man sich nicht vergegenwärtigt, wieviel Schmutz sonst noch beim Waschen, Spülen und Kochen aus der Wäsche herausgeht I Fast aller Schmutz ist bei Burnus schon im Einweichwasser. Große Dose 49 Pfg. überall zu haben. GlltaCbein C4145Rn Rugnft Jacobi . Darmstadl Stuben Sie mir kostenlos eine Versuche padumg Bumns. Staate---- ■ Ort m. Straste > -------- > finden ein angenehmes Linderungsmittel gegen den läftigen Raucherkatarrh in den echten „Kaisers Brust-Caramellen-. Nehmen Sie zwischendurch immer wieder eine solche Caramelle. Es nützt Ihnen. NairerL Bru ft Cara mellen mit Den - Tannen Zu haben in Apotheken, Drogerien und wo Plakate sichtbar. 51,70* Der heutigen Gesamt-Ausgabe liegt ein Werbeblatt des Rheinischen Braunkohlen-Syndikats, Köln, bei. sipv Verkäufe B.M.W. Kabriolet-Limousine 34 PS Vorführungswagen, abzügl. 15%, zu verkauf. O. Jaber Mühlstr. 22. 788» tiebr. Bett und zwei Nachtschränkchen billig abzugeben, oste Bindenburßwall7B.L Stummer «ließen 67oD Samst.,8.Febr., 20—22.30 Uhr, Vorstellung der NS.-Kulturgem. Ning Deutsche Buhne. Freier Kartenverkauf z. Tagespreisen an der Abendkasse. Tie Tanzgräfin. Operette von R. Stolz. Mus. Leit.: Ernst Bräuer. Sviell.: Paul Wrede. Tänze: TherySchultheis Kr.32 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Zreitag, I.ZebruarMb iele Schwierigste Streckenführung für den Abfahrtslauf. Die für den olympischen Abfahrtslauf am Freitag ausgewählte Strecke auf dem Kreuzeck darf als eine der schwierigsten alpinen Abfahrten bezeichnet werden, auf der je ein Rennen stattfand. Sie wurde eigens für die Olympischen Spiele neu ausgeholt und diente bisher noch nie zur Austragung eines Wettbewerbs. Der Start liegt ganz in der Nähe des Kreuzecks auf dem Gipfel des 1719 Meter hohen Kreuzjochs und muß von der Bergstation aus in fast halbstündigem Aufstieg erreicht werden. Ein Steilhang führt durch schütteren Wald bis zum Punkt „Seele", wo sich in 1580 Meter Höhe der Start der Frauen befindet. Die neue Olympia-Abfahrt folgt von hier aus nicht mehr dem Lauf der Standardstrecke, die im letzten Winter bei den Deutschen Skimeisterschaften gefahren wurde, sondern kürzt den Weg zum Ziel an der Talstation der Kreuzeckbahn ab, indem sie ungefähr parallel zur Drahtseilbahn verläuft. An das Standvermögen und die Skibeherrschung werden außerordentliche Anforderungen gestellt. Nicht ein Teilstück befindet sich dazwischen, das im Schuß gefahren werden könnte. Mit Spitzkuroen und Bogen schlängelt sie sich zwischen Bäumen und Felsen hindurch. Wer nur für einen Bruchteil einer Sekunde das Schwingen vergißt oder die Beherrschung über die Skier verliert, kommt unfehlbar zum Sturz und verliert nicht wiedereinzubringende Zeit. Das schwerste Stück ist das „Labyrinth", das aus einer Unzahl kleiner Kurven im dichten Wald besteht. Es schließt sich ein meist vereister Steilhang an, zu dessen Befahren nicht nur Standfestigkeit, sondern auch viel Mut aehört. Ueber Wiesen und freies Feld geht es auf den Schlußabschnitt zur Talstation in 760 Meter Höhe. Der Höhenunterschied von 959 Meter wird auf einer Gesamtstreckenlänge von rund 4 Kilometer bewältigt. Die Abfahrt der Frauen ist etwa 400 Meter kürzer und überwindet 820 Meter Höhenunterschied. Leitungen für Telephon und die elektrischen Stoppuhren, die die Zeit auf eine hundertstel Sekunde genau messen, führen vom Start zum Ziel. An drei Punkten der Strecke befinden sich Telephonanschlüsse, außerdem sind acht Sanitätsposten aufgestellt. Eishockey: ÜSA-Deuischlanh 1:0. Erster olympischer Kampf. — lleberraschend gutes Spiel der Deutschen. Der feierlichen Eröffnung der IV. Olympischen Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen folgte nach kurzer Mittagspause im Eisstadion der e r st e Wettkampf der Spiele 1936, das Eishockey- Vorrundenspiel USA. — Deutschland! Nach einem schweren und zeitweise auch recht harten Kampf blieben die Amerikaner sehr knapp mit 1:0 (1:0, 0:0, 0 0:) Sieger. Leider störte das starke Schneetreiben das Spiel empfindlich; mehrfach mußte der Kampf unterbrochen werden, um die Eisfläche von dem reichlichen Schneesegen zu säubern. Unter den 10 000 Zuschauern, die unsere Mannschaft immer wieder mit den Kampfrufen „Hinein!" und „Deutschland Tempo!" stürmisch anfeuerten, waren auch die Neichsminister Rudolf Heß und Dr. Goebbels sowie Reichsleiter Rosenberg. — Den einzigen Treffer des Spieles erzielte gegen Ende des ersten Spieldrittels der beste amerikanische Stürmer, der lange Smith, als unserem Tormann Egginger für einen Augenblick die Sicht versperrt war. Starker Beifall empfing die beiden Mannschaften, die sich in stärkster Besetzung zum Spiel stellten. Es spielten also für: USA: Moone; Stubbs, Shaughnessy; Smith, Rowe, Garrison; Spam, Lax, Roß. Deutschland: Egginger; von Bethmann- Hollweg, Iaenecke; Schenk, Ball, Kögel; Wiedemann, Schibukat, Kuhn. Schiedsrichter waren L o i c q - Belgien und E h r h art - England. Oer Kampfverlauf. Das erste Drittel Ungeheuer schnell begonnen beide Mannschaften den Kamps. Die Spieler rasten nur so über die Eisfläche. Aber bald schon schwächte das Tempo ab; die Schneemassen, die von einer Tribüne zur anderen nur in Umrissen die Gestalten erkennen ließen, hemmten den schnellen Lauf. Egginger verursachte wegen zu langen Haltens der Scheibe ein Strafbully, das aber ohne Schaden für die Unseren blieb. Aber wenige Minuten vor Schluß des ersten Drittels fiel doch ein Tor für USA., das schon die Entscheidung des Kampfes bringen sollte. Smith, der beste amerikanische Stürmer, hatte sich fein durchgespielt. Hoch und hart kam sein Schuß aufs deutsche Tor, in dem Egginger die Sicht versperrt war. Die Scheibe ging in den Kasten, USA. führte mit 1:0! kehrpaufe: Zweites Drittel! In der Pause traten die gutgeschulten Schneeräumer in Tätigkeit. In wesentlich langsamerem Tempo begann das zweite Drittel, dafür wurde jetzt aber härter gespielt. Shaughnessy brachte Iaenecke zu Fall, ohne daß der Schiedsrichter eingegriffen hätte. Ein Durchbruch von Stubbs wurde sehr gefährlich, da Egginger fein Tor verlassen hatte. Aber im letzten Augenblick sauste Iaenecke dazwischen. Spieler beider Parteien stürzten durcheinander, auch das Tor kippte um. Immer wieder beunruhigten Garrison und Smith, die besten Stürmer auf dem Eise, unsere Hintermannschaft. Bei den durchbruchs- ortigen und recht gefährlichen Gegenangriffen der Deutschen zeichnete sich der Ostpreuße S ch i b u - k a t von unserem zweiten Sturm aus. Iaenecke „nahm" den schnellen Garrison, so daß beide gegen die Umzäunung rutschten. „Gustav" mußte für eine Minute vom Eis, für ihn verteidigte solange Schenk. Das Drittel endete torlos, immer noch führten die Amerika- knapp mit 1:0. Torlos auch der dritte Abschnitt. Zweimal mußte dann die Bahn gekehrt werden, da der Schneesegen einfach nicht aufhören wollte. Nach drei Minuten Spielzeit gab es dann wieder eine „Kehrpause" von insgesamt zehn Minuten. Der Kampf entbrannte jetzt mit voller Heftigkeit; Deutschlands Mannschaft spielte ganz ausgezeichnet. Immer und immer wieder brausten die Anfeuerungsrufe der Zuschauermassen durch das Schneetreiben. Amerika mußte schwer verteidigen. Da flog der „Puck" in scharfem Schwung auf die Pressetribüne und „verkrümelte" sich im tiefen Schnee. Endlich wurde das Kampfobjekt gefunden, das Spiel ging weiter. Beim Seitenwechsel, lxk Minuten vor Spielschluß, führte USA. immer noch 1:0. Schuß um Schuß wurde auf das Tor der Amerikaner abgefeuert, aber die Schneedecke erstickte den Flug der Scheibe meist kurz vor der Torlinie, so daß Moone wenig Mühe hatte, sich seiner zu bemächtigen. Zahlreich und hart, zuweilen auch re» aelwidrig, verteidigten die Pankees, so daß sich Loicq gezwungen sah, Spain vom Felde zu schicken. Das Häuflein der „spielfreien" amerikanischen Spieler, das unter der Ehrentribüne dem Geschehen auf dem Eise folgte, feuerte die Kameraden auf dem Feld ununterbrochen an. Drei Minuten vor Spielschluß gab es wieder einmal eine „Kehrpause". Unsere Spieler stürmten immer und immer wieder. Moone im Amerika-Tor hatte schwere Arbeit zu tun. Aber er ließ sich nicht überwinden. Mit restlosem Einsatz ihrer Körperkraft verteidigten die Amerikaner, immer wieder sah man deutsche Spieler oder gar ganze Spielergruppen am Boden. Ein Durchbruch des wieder eingetretenen Spain wurde gefährlich. Egginger stürzte ihm entgegen und bannte die Gefahr. Spain stürzte zu Boden und wurde vom Felde getragen. Noch eine Minute Spielzeit. Stürmische Anfeuerungsrufe trieben die deutschen Spieler vorwärts. Iaenecke unternahm einen Durchbruch, den harten Schuß hielt Moone. Einen Augenblick später stoppte Egginger einen gefährlichen amerikanischen Durchbruch. Wieder waren die Deutschen im Angriff, als der Schlußpfiff die Kampfhandlungen jäh unterbrach. Amerika hatte das erste Eishockey-Spiel der Olympischen Winterspiele 1936 mit dem knappsten aller Ergebnisse 1:0 (1:0, 0:0, 0:0) über Deutschland gewonnen. Ein überlegener Sieg der Kanadier. Kanada—Polen 8:1 (5:0, 2:1,1:0). Das Eröffnungsspiel der Gruppe A sah erwartungsgemäß die favorisierten Kanadier in Front, die einen ganz überlegenen Sieg erzielten. Man war auf den Kampf gegen Polen besonders gespannt, weil pch die Kanadier in ihren bisherigen Kontinentspielen ganz hervorragend geschlagen hatten. Auch während dieses Spieles herrschte starker Schneefall, der keine geregelte Scheibenführung zuließ. Das Spiel begann mit einer Verspätung, da der Autobus der Polen auf dem Wege nach Rießer See eine Panne hatte. Das Spiel bestritten folgende Mannschaften: Kanada: Tor: Moore; Verteidiger: Murray, Kitchen; 1. Angriffsreihe: Thomson, Sinclair, Deacon; 2. Angriffsreihe: Neville, Horn, Farguharson. Polen: Tor: Stogowski; Verteidiger: Lud- wiczak, Sokolowski; 1. Angriffsreihe: Wolkowski, Kowalski, Marchewczyk; 2. Angriffsreihe: Zielinski, Krol und Kasprzyk. Sofort nach dem Anpfiff stürmten die Kanadier vor. Aus einem dichten Gedränge erzielte Farguharson den ersten Treffer. Wenig später beendete Thomson eine seine Kombination mit dem 2. Tor. Das 3. Tor der Kanadier wurde vom gesamten Sturm eingeleitet. Stogowski, der polnische Torwart, wehrte die Scheibe, er kam auf die Scheibe zu liegen und wurde zusammen mit ihr von den nachdrängenden Kanadiern ins Tor geschoben. Ein Weitschuß von Kitchen führte zu 4:0 und Farguharson stellte das 5:0 her. Im zweiten Spielabschnitt verlegten sich die Polen zum weitaus größten Teil auf die Verteidigung, und es gelang ihnen, ständige gegnerische Angriffe zunichte zu machen. Unerwartet kamen dann die Polen zum ersten Gegentreffer. Beim Stande von 5:1 erzielte Neville den 6. Treffer, dann nach einem nicht anerkannten Abseitstor den 7. Erfolg. Das letzte Drittel brachte heftige Angriffe von beiden Seiten, so daß auch der kanadische Torhüter wiederholt eingreifen mußte. In der 8. Minute führte ein feines Zusammenspiel durch Thomson zum 8:1. Belgien von Ungarn hoch geschlagen. Ungarn—Belgien 11:2 (1:1, 2:0, 8:1). Ein weiteres Spiel im Olympia - Eisstadion führte die Mannschaften von Belgien und Ungarn zusammen. Die Ungarn überraschten durch ausgezeichnetes Können und hatten in den ersten 7*/2 Minuten mehr vom Spiel. In der 8. Minute gingen die Ungarn in Führung. Miklos schoß, Buerau, der belgische Torhüter, lenkte die Scheibe ins eigene Tor. Eine Minute später fiel der Ausgleich nach einer schönen Kombination durch van Reyschoot. * Als das zweite Drittel in Angriff genommen wurde, hörte der Schneefall auf. Das Spiel wurde schneller. Vor beiden Toren, die verschiedentlich m Gefahr kamen, entwickelten sich schöne Szenen. In der 12. Minute gingen die Ungarn aus einem Gedränge mit 2:1 in Führung. Kurz vor Beendigung des zweiten Drittels erhöhte Miklos nach einer schönen Kombination auf 3:1. Der letzte Spielabschnitt wurde wieder von Miklos mit einem schönen Drehschuß eröffnet, der zum 4:1 führte. Gleich darauf war es Harray, der auf 5:1 verbessern konnte. Das sechste Tor der Ungarn erzielte Gergely. Die Ungarn waren gerade im letzten Drittel in einer prächtigen Spiellaune. Die Torerfolge wollten schier nicht abbrechen. Miklos, Harray und Gergely erhöhten in kurzer Zeit auf 9:1. Dann gelang den Belgiern durch Pootsmans ein zweites Tor. Sofort erhöhte Magyar auf 10:2, und kurz vor Beendigung des Drittels reihte der erfolgreichste Torschütze der Ungarn, Miklos, das 11. Tor an. Die Ungarn stellten eine ganz ausgezeichnete Mannschaft ins Feld. Schweden schlägt Japan. Schweden - Japan 2t 0 (1:0, 0:0, 1:0). Als einzige Abend-Veranstaltung des ersten Olympia-Tages gab es im Kunsteisstadion zu Garmisch-Partenkirchen den Eishockeykampf Schweden— Japan. Auch in den Abendstunden hatte das Schneegestöber nicht nachgelassen und hatte auf den Spielverlauf nachteiligen Einfluß. Schon nach zwei Spielminuten kam Schweden durch Engberg zum Führungstreffer. Die Japaner unternahmen einige wuchtige Vorstöße, waren aber körperlich zu schwach, um geaen die robuste schwedische Abwehr etwas ausrichten zu können. Es wurde fast durchweg in Japans Hälfte gespielt, doch die Schweden scheiterten an der hervorragenden Abwehrarbeit des kleinen japanischen Torwarts. Die 3000 Zuschauer erlebten im zweiten Drittel dann einen temporeicheren Kampf. Schweden stellte zwei ausgeglichene Stürmerreihen, die aber in der japanischen Verteidigung ihren Meister fanden. Kurz vor Schluß des zweiten Drittels hatten die Söhne Nippons eine gute Ausgleichschance. Kamai war geschickt durchgebrannt, schoß aber vorbei. Im Schlußdrittel überraschten die Schweden bereits in der 4. Minute mit einem zweiten den Sieg herstellenden Tore, das Liljeberg mit wuchtigem Schuß erzielte. Ueberaus hart und mit allen Mitteln verteidigten die Schweden nun ihren Vorsprung. Von den Zuschauern heftig angefeuert, zeigten die Japaner, von denen einer nach dem anderen durch das Spielfeld purzelte, einen ungeheuren Eifer, ohne allerdings an dem 2:0-Siege der Schweden noch etwas ändern zu können. Olympia-Programm des heutigen Freitags. Eishockey: 9 Uhr: Kanada — Lettland; USA gegen Schweiz; 14.30 Uhr: Oesterreich — Polen; Schweden — England; 21 Uhr: Deutschland gegen Italien; 10 Uhr (Rießer See): Tschechoslowakei gegen Belgien, 14.30 Uhr: Ungarn — Frankreich. Ski: Ab 11 Uhr: Abfahrtslauf für Männer und Frauen. Bobtraining wieder abgebrochen. Arn Donnerstag war die Bobbahn in Garmisch- Partenkirchen für das Training freigegeben, doch mußte man von vornherein Bedenken haben. Die Uebergänge von den ftahl.hart vereisten Kurven zu den schneebedeckten Geraden mit ihrer starken Tempo-Hemmung waren nicht „geheuer". Der Verlauf der Trainingsfahrten bestätigte diese Befurch- tungen, denn gerade an diesen Uebergängen ereigneten sich einige Stürze. Schnellster Schlitten war der amerikanische Bob mit Fox am Steuer, der 1:43,03 Min. für die 1600 Meter lange Bahn benötigte. Oie Tschechen starten mit neuer Bobkonstruktion. Die tschechische Bobmann- schast beim Ueberprüfen ihres Fahrzeugs, das eine besonders interessante Neukonstruktion darstellt. Der Bob wird hier nach völlig anderen Gesichtspunkten als bisher gesteuert. (Scherl-Bilderdienst-M) ff 1,......- 1 * *' < < Hl ..... V. V* Seihemann Sieger im OIympia-Siernflng. 61 Flugzeuge in München. Die Teilnehmer am Olympia-Sternflug des Aeroclubs von Deutschland mit dem Ziel München- Oberwiesenfeld hat sich noch erhöht. Innerhalb des Wettbewerbs trafen 38 deutfchech und 12 ausländische Maschinen ein, dazu kamen noch sieben deutsche und vier ausländische Maschinen, die außer Konkurrenz auf dem Münchener Flughafen landeten. Insgesamt betrug die Beteiligung also 61 Maschinen. Der für Donnerstag vorgesehen gewesene Geschwaderflug nach Garmisch konnte leider wegen des allzu heftigen Schneetteibens nicht durchgeführt werden und wurde abgesagt. Sieger des Wettbewerbs ist Hauptmann Seidemann - Berlin mit 3761 Flugkilometern und 869,6 Wertungspunkten (BFW. mit vier Mann Besatzung) vor dem Warschauer W o d a r k i e - w i c z (3619 Kilometer und 778,9 Punkte, RWD. 13 mit drei Mann Besatzung). Den dritten Platz belegten gemeinsam drei Maschinen der Luftsport- Landesgruppe I-Königsberg mit Major Klein, Kinderoater und Sulz, die alle 3391 Kilometer zurücklegten und je 770,93 Punkte erhielten. Sie benutzten Klemm L 25-Maschinen und flogen unter Führung von Major Klein zusammen. Die weitere Plazierung: 4. P e t e r e k - Warschau, 3550 Kilometer, 762,5 Punkte, RWD. 13; 5. Mohn- Berlin, 2032 Kilometer, 680,6 Punkte, Klemm L 25; 6. Bahnidi - Budapest, 2690 Kilometer, 584 Punkte, Klemm L 25; 7. Fürst Kinsky- Wien, 2658 Kilometer, 539,5 Punkte, Leopard-Moth; 8. Fuksa- Prag, 1440 Kilometer, 522 Punkte, Praga-Baby. Reichslustsportführer Oberst M a h n ck e sprach den Sportfliegern Dank und Anerkennung für ihre hervorragenden Leistungen aus. Die Teilnehmer der Konkurrenz nehmen als Gäste des Aeroclubs von Deutschland am Samstagabend in Garmisch- Partenkirchen an einer Feier teil, bei der den Siegern die Ehrenpreise überreicht werden. Führer und Mannschaften der drei Erstplazierten sind während der Dauer der Wintespiele in Garmisch-Partenkirchen Gäste des Reichssportführers von Tscharn- mer und Osten. Das Gesamtergebnis her Winlersahrt. Das Schlußergebnis der Kraftfahrzeug-Winterfahrt liegt jetzt vor, da von einer Durchführung der Hochleistungsprüfung und des Eisrennens wegen der ungünstigen Witterung Abstand genommen werden mußte. Don den 340 in Bad Harzburg gestarteten Fahrzeugen erreichten nicht weniger als 264 das Ziel. 49 Einzelfahrer (33 von ihnen als Mitglieder ungefprengter Mannschaften) erhielten die Goldmedaille, 120 die silberne und 95 die eiserne Medaille. Ausgefallen sind 76 Fahrzeuge. Von den 64 gestarteten Mannschaften kamen 41 ans Ziel. Elf Mannschaften erhielten die Goldmedaille, 18 die silberne und 12 die eiserne. Völlig ausgefallen find acht Mannschaften, gesprengt wurden 15. 11 Mannschaften und 16 Einzelfahrer wurden Sieger. Bei der Ausrechnung der Ergebnisse der Kraftfahrzeug-Winterprüfung wurden insgesamt 11 Mannschaften und 16 Einzelfahrer als Sieger ermittelt. Diese Mannschaften und Fahrer erhalten den Preis des Führers des deutschen Kraftfahrsports mit dem Goldenen Ehrenschild. Die Krafträder bis 12 5 ccm: Knieß-Schwein- furt (Expreß-Sachs), Pfister- Schweinfurt (Wanderer-Sachs), Kaiser-Schweinfurt (Wanderer-Sachs) und Kratzer-Schweinfurt (Schwerer-Sachs) je 249 Punkte; Krafträder bis 250 ccm: Günther-Berlin (Puch) 506 Punkte, Mannschaften: Vgt. Fahrzeugwerke NSU Neckarsulm 509 Punkte; Krafträder über 250 ccm: Heide-Nürnberg (Triumph) 673 Punkte, Mannschaften: General- Kommando 7 München (BMW) und Kommando der Marine-Station der Nordsee-Wilhelmshaven (BMW) je 580 Punkte. Krafträder mit Seitenwagen: Hecker- Karlsruhe (Zündapp), Mannschaften: Vgt. Fahrzeugwerke NSU.-Neckarsulm 627 Punkte. Kübelsitz-Wagen: Wolf - Sondershausen (BMW) 1015 Punkte, Mannschaften: Reichsführung SS.-Berlin (Mercedes-Benz) 774 Punkte. Zweisitzige Personenwagen: bis 1,8 Liter: Riemer, Frankfurt a. M. (Adler), 897 Punkte; Mannschaften: Motorsportschule Nordsee des NSKK. (Hanomag), 660 Punkte. Zweisitzige Personenwagen über 1,8 Liter: Wencher, München (BMW.), 1046 Punkte; Mannschaften: Ford Motor Co., Köln (Ford), 871 Punkte. Serienmäßige Personenwagen bis 1,8 filtert Klein, Frankfurt a. M. (NSU. - Fiat), 845 Punkte; Mannschaften: Ford Motor Co., Köln (Ford), 703 Punkte. Serienmäßige Personenwagen über 1.8 Liter: Gutknecht, Düsseldorf (Opel), 969 P.; Mannschaften: Daimler-Benz AG., Stuttgart (Mercedes-Benz), 988 Punkte. La st wagen bis 1,5 Tonnen: Drewes, Dortmund (Krupp), 740 Punkte; Mannschaften: Deutsche Reichspost, Berlin (Mercedes-Benz), 720 Punkte. La st wagen über 1,5 Tonnen: Kühn, Braunschweig (Büssing-NAG.); Rauprecht, Düsseldorf (Büssing-NAG.) und Hannemann, Berlin (Büs- sing-RAG.), je 800 Punkte; Mannschaften: Adam Opel AG., Rüsselsheim (Opel), 800 Punkte. Käufer erfolgt, durch Zuschläge oder Abzüge erzieherisch einzuwirken. Nach allen bisherigen Beobachtungen sind sich aber die Tabakanbauer selbst der Gefahr bewußt, die eine Erzeugung von Minderqualitäten bedeutet, und bemühen sich, den Anforderungen der Käufer gerecht zu werden. In dem Tabakbau besteht für die Mehrzahl der anbauenden Betriebe die Lebensgrundlage des Gesamtbetriebes; eine Verkürzung des Kontingentes oder Verschlechterung der Absatzverhältnisse bedeutet für diese Betriebe eine derartige Gefahr, daß alles getan werden muß, ihnen bei der Erhaltung dieser Betriebsgrundlage behilflich zu sein. Der deutsche Zigarren- und Pfeifenraucher spielt hierbei eine nicht unwesentliche Rolle. Der Tabakbau in Deutschland. Don Or. Helmut Nicht alle dürften wissen, daß ein nicht unbeträchtlicher Anteil des in Deutschland zum Verbrauch kommenden Tabaks im eigenen Lande erzeugt wird. Dabei ist der Anbau in einzelnen Gebieten schon mehrere hundert Jahre alt und hat zu besonderen Betriebsformen geführt. Mit wenigen Ausnahmen handelt es sich um k l e i n b ä u e rl i ch e Betriebe, in denen die Hauptarbeit mit eigenen Kräften durchgeführt wird. Nur in Norddeutschland wird gelegentlich auch in größeren Betrieben Tabak angebaut und die Bearbeitung und Ernte sozusagen auf Halpart von den sogenannten Planteurfamilien durchgeführt, eine Sitte, die vermutlich von den Re- fugies in der Uckermark eingeführt wurde. Der deutsche Tabakbau deckt ungefähr 25 v. H. b i s 30 v. H. des inländischen Bedarfes auf einer Gesamtanbaufläche von rund 12 740 Hektar. Hierbei handelt es sich um Zigarren- und Schneidgut-Tabake, die für die Zigarren- und Rauchtabakfabrikation, im beschränkten Umfange auch für Kautabak in Frage kommen. Daneben besteht in der Gegend von Tilsit ein kleines Gebiet, in dem Tabak für Schnupftabakfabrikation gewonnen wird. Insgesamt beschäftigen sich rund 69 000 Pflanzer mit dem Anbau. Vorwiegend auf humosen, durchlässigen Böden in wärmeren Lagen angebaut, verteilt sich die Gesamtfläche auf nachstehende Gebiete: Baden 6060 Hektar, Pfalz-Saar 2870, Bayern 500, Kurmark 1300, Pommern 460, Ostpreußen 470, Hessen-Nassau 422, Hannover, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Kurhessen 320, Rheinland 105, Schlesien 12 Hektar. Die Verteilung des Tabaks über eine so große Anzahl verschiedener Anbau- aebiete könnte den Eindruck erwecken, daß noch wesentlich mehr Tabak gewonnen werden könne, und oaß es möglich sei, mit deutscher Erzeugung den Gesamtbedarf zu befriedigen. Dem steht aber entgegen, daß die Fabrikation von Tabakwaren aus rein deutschen Erzeugnissen bisher nicht möglich war, weil die Geschmacksrichtung der Verbraucher bestimmte Anforderungen stellte, bie nur durch Beimischung ausländischer Herkünfte befriedigt werden konnten. Außerdem bringt die Einfuhr dieser Tabake, auf denen je Doppelzentner ein Zollsatz von 180 RM. ruht, eine nicht unerhebliche Einnahme für die Reichskasse, auf die nur dann verzichtet werden könnte, wenn diese Summen aus dem deutschen Tabakbau aufkämen. Das würde jedoch eine außerordentliche Belastung des Verbraucherpreises der Tabakfertigwaren bedeuten, die dem Verbraucher nicht zugemutet werden kann. Um daher eine bestimmte Regelung der Erzeugung zu gewährleisten, ist durch das Tabaksteuergesetz die Anbaufläche für Tabak nach bestimmten Richtlinien kontingentiert. Jeder Ueberanbau, d h. Anbau ohne alljährlich zugeteiltes Anbaukontin- tmgent fällt auf Grund dieser Gesetzgebung der 93er« nichtuna anheim, zumindest kommt der Ertrag aus diesem Anbau dem Pflanzer selbst nicht zu. Aber auch aus anderen Gründen ist eine Erweiterung der Tabakanbaufläche nur wenig möglich. Der Anba«, die Ernte und die Pflege des Erntegutes setzen Kenntnisse voraus, die durch langjährige Tradition entstanden sind, aber nicht ohne weiteres bei jedem Neuanbauer vorausgesetzt werden können. Außerdem stebt fest, daß in den meisten Anbaugebieten die für wirtschaftlichen Anbau, insbesondere Qualitätsanbau geeigneten Lagen so weitgehend mit Tabak bestellt werden, daß eine Ausdehnung nicht mehr möglich ist und nur auf Kosten der Güte erfolgen könnte. Ein Verzicht auf die Erzeugung von Qualitätstabaken würde aber keineswegs dazu führen, den Bedarf der Industrie zu decken, vielmehr sich sehr stark hemmend auf den Verbrauch auswirken, da die große Zahl der deutschen Zigarren- und Pfeifenraucher auf die vorwiegend aus ausländischen Tabaken hergestellten Zigaretten abwandern würden. Damit würde sich der deutsche Tabakbauer nicht nur selbst sein Grab graben, sondern auch die Beschäftigungsmöglichkeiten von Hunderttausenden von Tabakarbeitern unterbinden. Daher wird vom Reichsnährstand im Rahmen der Erzeugungsschlacht in erster Linie Wert darauf gelegt, die Güte des erzeugten Tabaks zu verbessern, und erst in zweiter Linie an eine Erhöhung der Erzeugung gedacht. Zur Verbesserung der Güte wird insbesondere eine intensive Kleinberatung ausgeübt, die sich auf jeden einzelnen Anbauer auswirkt und ihm genaue Vorschriften über die Vorbereitung des Tabakackers, dessen Düngung, Bepflanzung und Pflege erteilt. Außerdem wird er bis zur Ablieferung des fertigen Rohtabakes eingehend beraten. Um diese Maßnahmen durchführen zu können, sind alle Tabakanbauer innerhalb ihres Ortes au Pflanzerfachschaften zusammengeschlossen. Anbauer, die sich den Vorschriften des Qualitätsanbaues nicht unterwerfen wollen, werden durch Kürzung oder gar Entzug des Kontingents zur Beachtung der Vorschriften angehalten. Daneben tragen die Landesverbände Sorge, daß eine preiswerte Lieferung mit den Spezialdünge- Mitteln und sonstigen Hilfsmitteln sichergestellt ist. Einen freihändigen Verkauf von Tabak gibt es nicht. Dieser wird vielmehr in einer sogenannten Einschreibung (eine Art Versteigerung) auf Grund vorher ausgelegter Muster zum Verkauf aebracht. Es wird größte Sorge der Fachschaften sein, die Anbauer zur Mustertreue anzuhalten und gegen solche Anbauer einzuschreiten, die eine dem Anbaugebiet nicht entsprechende Qualität abliefern. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit, bei der Verwiegung, bei der die Ablieferung des Rohtabaks an den Oie Industrie- und Handelskammer Gießen gibt Auskunft: 100: Vorläufige Anwendung der Zahlungsvereinbarung vom 20.12. 35 zum Verrechnungsabkommen mit Italien. 101: Neuregelung der Devisenabrechnungen in Lettland. 102: Umsatzsteuerumrechnungssätze auf Reichsmark für Januar 1936. 103: Nachnahmebriefe ohne Einschreibegebühr nach Oesterreich zugelassen. 104: Die türkische Tabakernte 1935. 105: Bekanntmachung KP 100 der Ueberwachungs- stelle für unedle Metalle, betr. Kurspreise. 106: Erschöpfung der französischen Kontingente für Hüte aus Haarfilz. 107: Sonderabrede über ein Kompensationsgeschäft mit den Niederlanden. 108: Bekanntmachung KP 101 der Ueberwachungs- stelle für unedle Metalle, betr. Kurspreise. Wirtschaft. Die Einzelhandelsumsätze im Dezember und imGesamtjahrlyAS. Fwd. Im Dezember 1935 lagen nach Feststellungen der Forschungsstelle für den Handel beim RKW. die Umsatzwerte des Facheinzekhandels um rund 10 v. H. über denen des Dezember 1934. In dem Umsatzbericht für diesen Monat konnten die Ergebnisse der Warenhäuser, der Kaufhäuser und der übrigen besonderen Betriebsformen des Einzelhandels nicht einbezogen werden, da die Ziffern hierüber noch nicht vorliegen. Die Berechnung der Ümsatzentwicklung für das Gesamtjahr 1935 wurde von der Forschungsstelle für den Handel im üblichen Rahmen des gesamten Einzelhandels durchgeführt, da auch für die (im Dezemberbericht ausgelassenen) besonderen Betriebsformen des Einzelhandels die Zahlen für den größten Teil des Jahres — mindestens zehn Monate — bekannt waren. Auf dieser Berechnungsgrundlage ergab sich für den Gesamteinzelhandel im Jahre 1935 eine Steigerung der Umsatzwerte gegenüber 1934 um rund 3 v. H., gegenüber 1933 um etwa 16 v. H. Im Einklang mit der im letzten Bericht gegebenen Vorausschätzung kann demnach der Umsatz des Einzelhandels im Jahre 1935 mit etwa 24,5 Milliarden RM. angenommen werden. ♦ * Die Frachtenmenge der Lahnschiff- fahrt im Jahre 193 5. Nach einer von der „Lahnzeitung" vorgenommenen Zusammenstellung der Frachtmenge der Lahnschiffahrt im Jahre 1935 ergibt sich eine Steigerung der Verfrachtungen um 11 062 Tonnen auf 126 434 Tonnen. Im Jahre 1934 waren es 115 372 Tonnen, so daß sich die Steigerung auf rund 9,5 v. H. beläuft. Den Hauptanteil haben Talfrachten (114 719 Tonnen). Unter den beförderten Gütern stehen Kalksteine an erster Stelle. Bhein-Mainische Börse. INittagsborse still, aber freundlich. Frankfurt a. M., 6. Febr. Bei allerdings kleinen Umsätzen war die Börse nach den gestrigen Abschwächungen etwas freundlicher. Es lagen kleine Kundenaufträge vor, was auch die Kulisse zu einigen Deckungen und Rückkäufen veranlaßte. Beachtet waren vor allem Montanaktien. Verein. Stahlwerke 80,75 (79,75), Rheinstahl 111,50 (110,75), Mannesmann 83,25 (82,75), Klöckner 85,50 (85,25), Hoesch 88,75 (88,25). Auf den übrigen Gebieten des Aktienmarktes ergaben sich durchschnittliche Kursbesserungen von 0,50—1 v. H. Chemische Werte lagen sehr ruhig und gut behauptet, so IG. Farben mit 151,25 (151,13), Scheideanstalt mit unv. 211, Deutsche Erdöl etwas fester mit 109,25 (108,65), dagegen Riitgerswerke matter mit 118,65 (120). Von Elektrowerten waren Siemens 0,75, Schuckert 1, AEG. 0,50, Gesfürel 0,50 o. H. erholt. Akkumulatoren n. P. 172,50 (175,50). Daimler Motoren bei größerem Umsatz 103 bis 103,40 (102,50). Von Metallwerten Rheinmetall 128 (127,75), Feinmechanik Setter 83,50 (82,50). Zellstoffwerte lagen Nicht ganz einheitlich, Waldhaf 119,50 (118,65), Aschaffenburger 85,25 (85,50), Feldmühle Papier 118,50 (119). Sonst eröffneten u. a. Muag mit 80,50 (80,25), Westdeutsche Kaufhof mit 31,50 (31,25), Braubank mit 120,65 (120,25), AG. für Verkehr mit unv. 106, Cement Heidelberg mit unv. 124,50, Harfwerke Füssen mit unv. 92 und Reichsbankanteile mit 185,90 (186,50). Am Rentenmarkt war das Geschäft auch nur klein, die Haltung aber unverändert freundlich. Altbesitz 110,13 (110), späte Reichsschuldbuchforderungen 96,75 (96,65), 6proz. Stahlverein 103,75 (103,65), Reichsbahn - VA. fest mit etwa 122,75 (122,25). Kommunal-Umschuldung 87,15 bis 87,10 (87,15), Zinsvergütungsscheine zu .93,15 gesucht. Von fremden Werten waren Warschau-Wiener weiter fest, Mark 12,13 (11,50), Stücke 11,13 (10,50). Auch im Verlaufe war die Haltung freundlich, das Geschäft vermochte sich aber nicht zu beleben. Auch erfuhren die Kurse im großen und ganzen kaum eine Aenderung zum Anfang. Etwas höher waren IG.-Farben mit 151,75 nach 151,25 und Stahlverein mit 80,65 nach 80,50, während Mannesmann auf 83 nach 83,25, Deutsche Erdöl auf 109 nach 109,25 und Westdeutsche Kaufhof auf 31,25 nach 31,50 abbröckelten. Die erst später zur Notiz gekommenen Papiere wiesen kaum Veränderungen zum Vortag auf. Am Kassamarkt waren Großbankaktien lebhaft und fest, insbesondere DD-Bank mit 89 (87,75). Von variablen Renten gingen 6proz. Verein. Stahl auf 103,50 nach 103,75 zurück, während 5proz. bergt auf 98,75 nach 98.65 anstiegen. Kommunal-Umschul- bung 87,05 nach 87,10. Goldpfandbriefe und Kom- munal-Obligationen blieben unverändert, Liquidationspfandbriefe gaben meist 0,13 v. H. nach. Stadtanleihen notierten meist wie gestern, höher aber 4X2 (7) Frankfurt 92,25 (91,65), 4X (6) dto. 91,75 (91,25), 4X Heidelberg v. 26 89 (88,75), dagegen 4X Hanau v. 26 90,50 (91,25). Auslandsrenten lagen allgemein sehr ruhig. Tagesgeld unverändert 2% v. H. Abendbörfe behauptet Von Großbankaktien und Daimler Motoren abgesehen, für die weitere Nachfrage zu den schon festen Nachbörsenkursen bestand, lag die Abendbörse sehr ruhig. Daimler fliegen auf 104,25 bis 104,40 (103,75), Commerzbank auf 91,25 (90,50), DD.- Bank auf 90 (89) und Dresdner Bank auf 90 (89,50). Auf den übrigen Marktgebieten ergaben sich im Vergleich zum Berliner Schluß nur Abweichungen um Bruchteile eines Prozentes. Von Kassawerten erhöhten Eichbaum-Werger Brauerei auf 89,50 (88,50). Am Rentenmarkt waren Alt- besihanleihe zu 110,13 (110) gefragt, auch Zinsvergütungsscheine und Kommunal-Umschuldung wurden etwas höher bewertet mit 93,20 bzw. 87,15. Auslandsrenten lagen geschäftslos. U. a. notierten: Altbesitz 110,13, IG. Farden- Bonds 125,90, 6 v. H. Krupp Obligationen 104,50, 4 v. H. Rumänen 5,40, 5 0. H. innere Mexikaner 5,70, Commerzbank 91,25, DD.-Bank 90, Dresdner Bank 90, Buderus 96, Harpener 112,50, Mannesmann 83,25, Rheinstahl 111,25, Stahlverein 80,90, AKU. 52,50, AEG. E 38,50, Bemberg 94, Zement Heidelberg 124, Conti Gummi 169, Daimler 104,25 bis 104,40, Scheideanstalt 211, Deutsche Linoleum 145,50, Eichbau-Werger 89,50, Licht & Kraft 132,50, IG. Farben 151,75, Feinmechanik Setter 83,50, Gesfürel 129,50, Goldschmidt 112,25, Sunghans 88,40, Muag 80,50, Schuckert 132, Siemens 173,50, Reichsbahn-Vorzugsaktien 122,75, AG. für Verkehr 106. Frankfurter Schlachtviehmarkt Frankfurt a. M., 6. Febr. Auftrieb: Rinder 4 (gegen 45 am letzten Donnerstagsmarkt), darunter 4 Kühe. Kälber 610 (632), Schafe 233 (113), Schweine 478 (460). Notiert wurden pro 1 Zentner Lebendgewicht in Reichsmark: Kälber, andere a) 63 bis 68 (am 30. San. 58 bis 64), b) 56 bis 62 (48 bis 56) c) 48 bis 55 (36 bis 47), d) 38 bis Der Eintopfsonntag ist der Tag der deutschen Volksgemeinschaft! Denke daran am 9. Februar! 47 (28 bis 37). Stimmer und Htirnrnel b2) Weide- masthärnrnel 50 (50), c) mittlere 46 bis 49 (48 bis 49), d) geringere (40 bis 45 (—); Schafe e) beste 45 bis 47 (44 bis 46), f) mittlere 40 bis 42 (39 bis 43), g) geringe 32 bis 38 (—). Schweine al) 57 (57), a2) 57 (57), bl) 56 (56), b2) 55 (55), c) 53 (53), d) 51 (51), e) 51 (51); Sauen nicht notiert. Marktverlauf: Kälber, Hämmel und Schafe mittelmäßig, ausverkauft. Schweine wurden zugeteilt. Großhandelspreise für Fleisch und für Fettwaren. Beschickung des Fleischgroßmarktes: 696 Viertel Rindfleisch, 110 ganze Kälber, 72 ganze Hämmel, 551 halbe Schweine, 3 Kleinvieh. Notiert wurden pro 50 Kilo in RM.: Ochsenfleisch b) 75 bis 77, c) 72 bis 75; Bullenfleisch b) 74 bis 77; Kuhfleisch b) 68 bis 74, c) 58 bis 68; Färsenfleisch b) 75 bis 77, c) 72 bis 75. Kalbfleisch b) 74 bis 80, c) 66 bis 74. Hammelfleisch b) 90 bis 95. Schweinefleisch b) höchster Preis 74. Fettwaren. Roher Speck, unter 7 cm, höchster Preis 80, Flomen, höchster Preis 80. Marktverlauf mittelmäßig. iRunfrfunfprogramm. 6 Uhr: Choral — Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Fröhlich klingt's zur Morgenstunde. Bunte Morgenmusik. Sn der Pause, 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Sendepause. 8.45: Auf zum Staats- iugenötag. HS.-Sport. 10.15: Schulfunk. „Der Zug der Salzburger". 10.45: Gaunachrichten. 11: Hausfrau hör zu! 11.45: Sozialdienst. 12: Buntes Wochenende. 13: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 13.15: Buntes Wochenende. 14: Nachrichten. 14.10: Musikalische Kurzweil. 15: Wirtschaftsbericht. 15.15: Nicht gelogen... Sungmädel sind lustig — Pimpfe sind froh. 16: Der frohe Samstag-Nachmit- tag des Reichssenders Köln in Verbindung mit der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude . 17.40: Don Garmisch-Partenkirchen: Olympia-Echo. 18: Faschinas-Vorboten. 18.20: Wir schalten ein. Das Mikrophon unterwegs. 19: Soldaten — Kameraden. Soldatenmusik — gesungen und geblasen. 19.55: Ruf der Sugenb. 20: Nachrichten. 20.11: Fastnacht zwischen Mosel und Rhein. Uebertragung der großen karnevalistischen Sitzung der vereinigten Koblenzer Karnevalvereine. 22: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 22.20: Don Garmisch-Partenkirchen: Die letzten Meldungen und Funkberichte der IV. Olympischen Winterspiele 1936, 3. Tag. 22.40: Und morgen ist Sonntag. Das frohe Wochenende mit dem Leipziger Funkorchester. 24—2: Nachtkonzert. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Derbindlichkett der Schriftleitung.) Aller Abonnent. Da das möblierte Zimmer monatlich vermietet ist, kann auch bei Semesterschluß nichts abgezogen werden, denn das Zimmer ist nur jeweils vom 15. zum 1. eines Monats kündbar. H. K. in F. Eine allgemeine gesetzliche Bestimmung der Lohnhöhe für Dienstboten (Ausläufer, Hausburschen usw) besteht nicht. Da die ortsübliche Hohe des Tariflohns für Shren Wohnort hier nicht festzustellen ist, empfehlen wir Shnen, sich bei der dortigen Auskunftsstelle der Deutschen Arbeitsfront zu erkundigen. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Hohe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 0. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Oatum ®% Deutsche Reichsanleihe v. 1927 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 6*/z% Dvung-Anlethe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablüs.-Schuld mit Auslvs.-Rechten ............ <*/«% Deutsche ReichSpostschahan Weisungen von 1934, I....... 6% ehern.8% Hess. BolkSNaat 1929 (rückzahlb. 102%) ............ 4¥i% ehern. 8% Hessische Landes- bant Darmstadt Gold R. 12.... &Vi% ehern 4ft% Hess. Lande«. Hnvothekenbant DarinstavtLiaui 4Vi% ehern. 8% Darmst. Komm LandcSb.Goldschuldverlchr R.6 Oberhessen Provinz-Anleihe mh Auolvs.-Rechten ............. Deutsche Komm. Sammelabl. An- leihe Serie 1 mit AuSIos.-Rechten 1^r%ehem.8% Franks. Hyp.-Bant Goldpse. 15 unkündbar bi« 1935 6/x% ehern. 4%% Franks. Hyv. Bank-Ligu.-Psandbriese....... 6%% ehern. 4 yt% Rheinische Hyp-Bank-Ligu..Goldpse. ... *H% ehern. 8% Pr. LandeSpsand- briefanstall, Pfandbrief R 19 Staufenberg, 6. Febr. Gestern fand im hiesigen Gemeindewald die erste diesjährige Holz- oersteigerung statt. Zahlreiche Interessenten waren erschienen. Es kosteten: Zwei Raummeter Buchenscheit 23 bis 25 Mark, Buchenkyüppel 17 bis 20 Mark, Eichenscheit 12 bis 14 Mark, Eichenknüppel 8 bis 10 Mark, Kiefernknüppel 13 bis 15 Mark, Fichtenknüppel bis zu 10 Mark, fünf Raummeter Buchenscheiter bis 10 Mark. (D Odenhausen (Lumda), 6. Febr. Bei der Holzversteigerung aus den Rabenauschen Waldungen kosteten Buchenscheiter 1. Klasse 7,50, 2. Klasse 4 Mark, Buchenknüppel 1. Klasse 4,50 bis 5,50, 2. Klasse 3 bis 3,50 Mark, Fichtenknüppel 2 bis 2,50 Mark, Buchenstöcke 6,50 bis 7 Mark je Raummeter. — Die Sammlung für das W H W. am vorigen Sonntag erbrachte in unserem Orte den Betrag von 7,40 Mark. £ Harbach, 6. Febr. Auch unsere Schule führte am 30. Januar eine Pfundsammlung für das Winterhilfswerk durch. Das Ergebnis war recht befriedigend. Es wurden 27 Pfund Bohnen, 4 Pfund Erbsen, 4>2 Pfund ©rauben, 16^ Pfund Reis, 3 Pfund Grieß und 8 Pfund Mehl gespendet. — Am Dienstag fuhr die hiesige Frauenschaft mit einem Omnibus nach Gießen, um die Molkerei Grieb zu besichtigen. Es nahmen 28 Frauenschaftsmitglieder an der Fahrt teil. Die Besichtigung fand großes Interesse. Nach Beendigung des lohnenden Rundgangs wurde jeder Teilnehmerin eine kleine Erfrischung gereicht. — Da anderweitig reichlich Gelegenheit zur Beschaffung von Holz vorhanden ist, wurde in diesem Jahr in unseren Waldungen nur ein geringer Holz- schlag vorgenommen. Eine Versteigerung findet nicht statt, da nur das übliche Losholz geschlagen wurde. + Steinbach, 6. Febr. Am Samstag hielt der Gesangverein „Eintracht" sein diesjähriges Wintervergnügen im Saale des „Einhorn" ab. Der große Saal vermochte die Gäste kaum zu fassen. Der Vereinsleiter Friedrich W a l b begrüßte Vornan von H. von Hellermann. Copyright 1936 by Aufwärts-Derlag G. m. b. H., Berlin SW 68. 15 Fortsetzung. Nachdruck verboten! Die ruhigen, freundlichen Worte verfehlten ihre Wirkung nacht. Der verstörte Ausdruck in des Mannes Gesicht erlosch zu einem flackernden Mißtrauen. „Wer sind Sie, Herr, was wissen Sie denn von Kunst?" „Daß sie sich nur dem ergibt, der wahrhaft berufen ist", entgegnete Goebel und streckte, nähertretend dem anderen seine Rechte hin, die unwillig dargebotene glühende Hand mit festem Druck umspannend. Und nannte seinen Namen. Drau horchte auf. „Es gibt einen ähnlichen Namen im Kunstkalender, der hat guten Klang —" „Danke für das freundliche Lob", lächelte Goebel, „denn da es niemand anderen gleichen Namens in meinem Berufskreis gibt, muß ich es schon auf mich beziehen. Uebrigens habe ich eine Visitenkarte bei mir —" fie einem kleinen Lederetui entnehmend und dem Maler hinhaltend. Der nahm sie, las, blickte feinen Gast unsicher an, immer noch mit einem Schuß unbefriedigten Mißtrauens. „Darf ich fragen, was Sie zu mir führt, Herr Doktor?" „Ein Zufall", erwiderte jener, schon halb in Betrachtung des Gemäldes auf der Staffelei versunken. Es kostete ihn augenscheinlich Mühe, sich davon loszureißen. „Ich will Ihnen erzählen, wie es kam." Kurz berichtete er von dem Besuch des Fleischers. „Ihr Name war mir fremd, nur der Fall interessierte mich, denn die Verhältnisse liegen heutzutage ja so, daß man die köstlichsten Gaben des Geistes — auf einem Kehrichthaufen finden kann. Aber vielleicht war es immer so: Die Not weckt Kräfte, die Wohlleben in uns verkümmern läßt. Die Meister der Gnade sind selten Millionäre — und werden sie es, so ist ihre beste Zeit vorbei. Doch —" Goebel riß sich mit einem Ruck aus der Nachdenklichkeit, in die er wider Willen und Absicht verfallen, und trat vor die Staffelei, den jungen Menschen, der immer noch in halber Abwehr davor stand, sanft bei den Schultern beiseiteschiebend. Lange stand er vor dem Bilde, in schweigendes Schauen vertieft. Wandte sich endlich dem neben ihm Stehenden zu: „Das ist Kunst, edelste Kunst, Herr Drau!" Der starrte an ihm vorbei mit zuckenden Zügen, sah graue Wände sich weiten, irgendwo in der Ferne einen Lichtschein in die Finsternis bringen — Goebel wanderte weiter, besah sich die anderen, gegen die Wand gedrehten Bilder, die er kurzerhand umdrehte und zur besseren Sicht bald hier-, bald dorthin stellte, da der Künstler dazu offenbar nicht imstande war, sondern wie gelähmt die Hantierungen des Besuchers verfolgte, ohne sich vom Fleck zu rühren. Nur wenige Worte fielen, kurze treffende Urteile, von warmer Freude am Geschauten durchdrungen, nur selten einen kritischen Vorbehalt äußernd. Zuletzt trat Goebel an den großen Tisch „Haben Sie Skizzen, Studien da?" Da erst kam Leben in den Erstarrten, der kaum zu atmen gewagt, vor Angst, aus diesem Traum himmlischer Unwahrscheinlichkeit zu erwachen. Hastig trat er herzu, kramte unter den Pappdeckeln, reichte wahllos dem Fragenden allerlei hin mit Händen, die so stark zitterten, daß einzelne Blätter immer wieder zu Boden flatterten. Goebel zog sich einen Stuhl heran, nötigte Drau, sich neben ihn zu setzen und auf seine Fragen zu antworten. Zögernd, langsam nur geschah es, allzu schwer wurde es dem Verschlossenen, Notverbitterten, an das Verständnis zu glauben, das ihm zum ersten Mal in langen furchtbaren Jahren entgegengebracht wurde. Goebel beschränkte seinen Wissensdrang auf rein technische Dinge, ließ alles Persönliche unberührt. Teilnahme, nicht Neugier wollte er bekunden. Da belebte sich endlich das starre Gesicht, floß die Rede leichter über die Lippen, die so schmal und fest aufeinander gelegen, als wollten sie ewig schweigen. Aber als Goebel, nach zufälligem Blick auf seine Uhr, erschrocken ob der späten Stunde sich erhob, erlosch der matte Glanz in den hageren Zügen. Der Zweck des Besuches siel mit messerscharfer Schmerzhaftigkeit über ihn her. Dieser Mann war ja nur gekommen, um den Wert feines einzigen Besitzes sestzustellen, der verkauft werden sollte, um seine Schulden zu bezahlen. Man würde ihm die Bilder — das Bild da — nehmen, das letzte ... Da trat der Kunstgelehrte an ihn heran. „Jetzt muß ich mit Ihrer Wirtin sprechen, Herr Drau, die Arme erstarrt sonst in ihrer unbequemen Lage am Schlüsselloch." Er schmunzelte behaglich. „Das rege Interesse muß doch belohnt werden, nicht wahr? Jedenfalls braucht die gute Frau nicht um ihr Geld zu bangen —" ein verschmitzter Blick hinter funkelnden Brillengläsern: „und Sie nicht um Ihre Bilder, Herr Drau! Auf Wiedersehen." Kein Wort der Ermunterung, des Versprechens war gefallen — was galten einem Hungernden leere Phrasen? Aber heute hatte Goebel dem auf ihn wie auf eine Gottesverheißung Harrenden den Erfolg feiner Bemühungen melden können. Das Interesse der kunstverständigen Kreise war geweckt, die Ausstellung gesichert. Daß er dazu tief in die eigene Börse griff, wurde verschwiegen, es geschah ja auch für die Kunst, nicht des Menschen allein wegen. Joachim Drau vernahm die Botschaft, ohne sie zu verstehen. Unfaßlich war, was sie kündete. Als er endlich begriff, ging ein Schwanken durch feine Gestalt, daß er sich an der Tischkante festklammern mußte, um nicht hinzustürzen. Ein einziger Laut brach aus seiner Brust, halb Lachen, halb würgendes Schluchzen. Dann hatte er sich wieder in der Gewalt, streckte dem Mann wortlos beide Hände hin, der ihm Freund geworden in der Stunde tiefster Not. — Nein, über seine Besuche bei Joachim Drau konnte Goebel nicht sprechen. Margret Mervius schien seine Gedanken zu ahnen, denn fie stellte keine Frage, nickte ihm nur still zu. „Wie wird er sich heute über Ihren günstigen Bescheid gefreut haben?" „Ja, Frau Margret, gefreut hat er sich ganz unbeschreiblich. Und ich mich mit ihm." „Das kann ich mir denken — Sie mit Ihrer warmherzigen Güte —" Errötend stockte die Frau. Wohin führte sie ihre impulsive Teilnahme an dieses Mannes Tun — Der aber fühlte den aufschnellenden Schlag seines Herzens bei den herzlichen Worten und sah sie glücklich an: ,Wenn ich dem Fremden Freundlichkeit erwies, so habe ich nur ein wenig von dem Reichtum verschenkt, der mir in diesem Hause zuteil geworden ist, Frau Margret, einen ganz kleinen Abglanz der Sonne, die es erfüllt. Er nannte sie wieder beim Namen, ohne es zu wissen. „Bravo", lobte Grete Mervius, „das haben Sie ganz reizend gesagt, Mutti strahlt scyon selber wie ein kleines Sönnchen. Pralinee gefällig? Unwiderruflich letztes Angebot--" Dr. Goebel war ordentlich zusammengezuckt beim Klang der lustigen Stimme, er hatte im Anblick der Mutter das Mädchen neben sich ganz vergessen. Um seine Verwirrung zu verbergen, nahm er von der angebotenen Tüte und verneigte sich ernsthaft: „Sie sehen, wie inspirierend Ihre Nähe wirkt, mein Fräulein! Ihrem zukünftigen Chef, Herrn Selld^n, werde ich übrigens auch eine Einladung zur Aus- ftellungseröffnung zuschicken, so eine Leuchte der Forschungszunft können wir als Premierentiger gut gebrauchen." Womit die Unterhaltung ins allgemeine zurückglitt und man sich bald darauf trennte. Ehe Grete im Feuereifer sprachlicher Vorbereitungen für ihr neues Amt sich über die Bücher machte, steckte sie den Kopf leise zu Hans' Tür hinein, den Bruder tief im Lernen wähnend. Der aber stand am Fenster; hatte die Hände tief in die Hosentaschen vergraben und starrte finster in das grüne Viereck der Hintergärten, in deren Stille eine Amsel ihr erstes Liedchen leise probte. „Nanu, du hockst wohl irgendwo fest", erkundigte sie sich voll liebevoller Schwesterntücke, „funktioniert der obere Apparat mal wieder nicht? Gräm dich nicht, Hänschen, an Jntelligenzmangel stirbt man selten, zum Aufsichtsrat an ner Aktiengesellschaft langt's schon!" Ihr Blick fiel auf den Tisch. „Oder quält dich erstes Liebesweh, Kleiner, daß du unsere anregende Gesellschaft meidest und flötenden Amseln auf einsamer Flur lauschest? Brütest du am Ende — Verse aus statt lateinische Weisheit?" „Quatsch!" sagte Hans Mervius grob, ohne sich umzusehen. (Fortsetzung folgt!) eingangs die Dereinsmitglieder und Gäste. Die Chöre, waren es nun Kunstchöre oder Volkslieder, fanden wohlverdienten reichen Beifall. Die Sänger zeigten, daß sie unter ihrem Dirigenten Karl Sommer (Watzenborn) Tüchtiges leisten. Der Höhepunkt des Abends war ein Volksstück mit Gesang. Die Darsteller ernteten mit dieser Aufführung stärksten, verdienten Beifall. In seinem Schlußwort des offiziellen Teiles betonte der Vereinsleiter Friedrich W a l b , daß dieser Abend das 16. Auftreten des Vereins nach der Uebernahme des Dirigentenamtes durch Herrn Sommer fei. Damals fei der Verein nicht auf der heutigen Höhe gewesen. Das beweise schon die Zahl der Sänger, die sich seitdem verdoppelt habe. So gebühre der Dank des Vereins dem Dirigenten, der den Verein wieder in die Höhe gebracht habe. Die Musik wurde von der hiesigen Kapelle A. Schleuse gestellt. Tanz bildete den Abschluß des harmonisch verlaufenen Abends. * Großen-Linden, 7. Febr. Die NS. - Gemeinschaft „Kraft durch Freude" veranstaltet am kommenden Samstag, 8. Februar, im Saalbau Faber einen großen karnevalistischen Abend mit dem Dreiklang „Humor — Tanz — Musik" unter Mitwirkung der Laienspielschar, sowie des Humoristen E. Brandenstein (Frankfurt a. M.). Der Eintrittspreis beträgt 30 Pf. Alsfeld, 5. Febr. Auf dem hiesigen Rathause wurden in feierlicher Form durch Bürgermeister Dr. V ö l s i n g in Gegenwart der Ortsring- führer und der Vertrauensleute von Alsfeld des Landschaftsbundes Rheinfranken- Naffau-Hesfen an 5 Personen künstlerisch aus- gestattete Anerkenungsdiplome für Förderung des Tierschutzes und der Tierpflege im Auftrage des Bundes überreicht. Die Geehrten sind schon lange Jahre hindurch als mustergültige Pferdepfleger in verschiedenen landwirtschaftlichen Betrieben anerkannt. Gleichzeitig hatte die B e - zirkssparkasse Alsfeld in dankenswerter Weife für jeden noch ein kleines Geldgeschenk zur Verfügung gestellt. An Frau Frieda Lipphardt- Alsfeld wurde in Würdigung ihrer langjährigen, unermüdlichen Mitarbeit und ihrer besonderen Verdienste um die Bestrebungen des Tierschutzes ebenfalls ein Anerkennungsdiplom überreicht. Bürgermeister Dr. V ö l s i n g wies in seiner Beglückwünschungsansprache auf die besondere Pflege des Tierschutzes im Dritten Reiche hin. )—( Nieder-Ohmen, 5. Febr. Im Laufe des Jahres 1935 wurde ein Landgebiet von etwa 17 bis 18 Hektar, bestehend aus abgebauten „Feldern", Wäldchen, Halden, Schlammteichen usw., durch die Gemeinde Nieder- Ohmen von der Eigentümerin, Brauneisen- steinbergwerk Gewerkschaft Louise zu Essen käuflich erworben. Das ganze Gelände, rechts und links der Merlauer Straße gelegen, soll durch Verschleifung in nutzbares Ackerland verwandelt werden. Das zwischen der Merlauer Straße und der Ohm liegende Gelände ist im vergangenen Jahre schon urbar und landwirtschaftlich nutzbar gemacht worden. Auf ihm stand früher der alte Wäschebau. Von hier führte eine Seilbahn nach der Station Mücke. Von hier wurde das gewonnene Erz nach der Station befördert und auf der Bahn zu den Hüttenwerken verfrachtet. Hier befanden sich auch verschiedene Halden und Schlammteiche. Heute sind diese etwa 3 Hektar Land — zur Freude des Landmanns — mit üppiggrüner Kornsaat bestanden. Auch das übrige, rechts der Merlauer Straße gelegene Gebiet soll im Laufe der nächsten Zeit verschleift und urbar gemacht werden. Ein Wäldchen von etwa 2 Hektar Fiäche, mit wohl 40- bis 50jährigen Fichten bestanden, wird gegenwärtig von hiesigen Holzhauern abgeholzt und von der Gemeinde verwertet. Die Instandsetzung des übrigen Geländes soll durch den Freiwilligen Arbeitsdienst ausgesührt werden. Nun liegt an der Ohm entlang noch ein Streifen Landes, mit z. T. krüppeligen Kiefern, Salweiden, Erlen u. a. Gehölz bestanden, das sich als Ackerland weniger eignen dürfte. Dieses Land will die Gemeinde, was sehr zu begrüßen ist und worüber sich der Naturfreund nur freuen kann, als Vogelschutzgehölz liegen lassen. In diesem Gebiete ist im vorigen Sommer bereits ein Sportplatz angelegt worden. Gerne hätte man in hiesigen Sportkreisen gesehen, wenn sich ein Plan hatte verwirklichen lassen, nach dem auf dem sog. „Brühl", einem schönen Platze, inmitten des Dorfes gelegen, Festplatz, Marktplatz, Sportplatz und Schwimmbad hätte eingerichtet werden können. Wenn man dann dort noch einen Schieß st and hätte anlegen können, so wäre alles für den Sport Erforderliche in feiner Weise vereint gewesen. Es scheinen leider aber Hindernisse zu bestehen, die eine Ausführung dieses Planes nicht Wirklichkeit werden lassen. Zum Präsidenten der Neichsdisziplinar- kammer Darmstadt berufen. LPD. Darmstadt, 6. Febr. Der Führer und Reichskanzler hat, wie die Justizpressestelle Darmstadt mitteilt, den Senatspräsidenten Friedrich Conradi beim Oberlandesgericht Darmstadt mit Wirkung vom 1. Januar 1936 zum Präsidenten der R e i ch s d i s z i p l i n a r k a m- mer in Darmstadt bestellt. der Dereinsführer die Mitglieder Altbürgermeister I. Krämer II., Heinrich Haas VII., Heinrich Mack II., Karl Größer I., Karl Hahn II., Georg Philipp Balser und Heinrich Nicolaus II. für ihre 30jährige Mitgliedschaft und langjährige Tätig- feit im Vorstand zu Ehrenmitgliedern. Heinrich Haas VII. dankte im Namen der Ehrenmitglieder für die erwiesenen Auszeichnungen. Im weiteren Verlauf des Abends wurden der Geschäfts- und der Kassenbericht erstattet. Die Jcchresrechnung schloß günstig ab. Oberturnwart Größer gab einen Bericht über die Tätigkeit der einzelnen Turnabteilunqen. Ferner trat er für die Unter- stützung der Olympischen Spiele ein. Der Gesamt- oorstand blieb bis auf wenige Ausnahmen in seinen Aemtern. Am 15. Februar soll ein turnerischer Abend stattfinden. Die Veranstaltung wurde in der üblichen Weise geschlossen. Aus aller Welt. Ilugzeugzusammenstoß in München. Am Donnerstagnachmittag stießen zwei Flugzeuge in etwa 1200 Meter Höhe nördlich von München zusammen. Durch den starken Nordwind wurden die beiden Flugzeuge über München abgetrieben. Die Besatzungen, je ein Pilot, sprangen mit Fallschirmen ab und konnten dem Vernehmen nach der eine in der Goerresstraße, der andere am Viktualienmarkt verhältnismäßig wohlbehalten zur Erde kommen. Das eine Flugzeug fiel in den Straßenzug Kaufinger-Neuhauserstraße gegen den Giebel der Alten Akademie und stürzte dann auf die belebte Straße herab. Es bohrte sich mit der Spitze tief in das Pflaster und ging sofort i n Flammen auf. Das Flugzeug zerriß die Oberleitung der Straßenbahn, wodurch auf Stunden der Straßenbahnverkehr in dem ganzen Viertel lahmgelegt wurde und Kurzschluß eintrat. Nach ben, vorläufigen Berichten kamen bei dem Flugzeugabsturz zwei Fußgänger ums Leben, während vier schwer und vier leicht verletzt wurden. Die Feuerwehr griff die Flammen mit Schaumlöschern an und beseitigte die Brandgefahr. Don dem Flugzeug blieben nur verbeulte Metallstücke und verbrannte Reste zurück. Das andere Flugzeug stürzte in der Parsivalstraße in der Nähe des Schwabinger Krankenhauses zur Erde und wurde ebenfalls vollständig zertrümmert. Verletzt wurde hierbei glücklicherweise niemand. Bei dem Unglück wurde der 16jährige Sohn eines Verwaltungsinspektors aus München, Siegfried Hochrain, und eine ältere Frau, deren Persönlichkeit noch nicht ermittelt ist, getötet; sie stammt wahrscheinlich auch aus München. Außerdem verstarb von den vier Schwerverletzten die Schlossersehefrau Anna Schröder aus Freimann bei München. Die Schwerverletzten liegen in der Chirurgischen Klinik; sie sind alle drei in München oder dessen näherer Umgebung wohnhaft. Lin wultermord in Mannheim. In Mannheim wurde die alleinstehende 49 Jahre alte E. Z e i ß n e r, geb. Wahl, geschiedene Mühlhäuser, in ihrer Wohnung am Türpfosten hängend, tot aufgefunden. Verschiedene Umstände ließen Zweifel an einem Selbstmord aufkommen. Die Feststellungen der Kriminalpolizei und ferner die Sektion der Leiche ergaben schließlich den Verdacht, daß der Tod der Frau Zeißner auf fremde Einwirkung zurückzuführen war. Sie führte zur Festnahme des Sohnes, des 23 Jahre alten Rich. Mühl Häuser, der zunächst leugnete. Nach fast fünfstündigem Verhör gestand Mühlhäuser ein, seine Mutter nach einer Auseinandersetzung auf den Boden geworfen und dann am Türpfosten erhängt zu haben. Raubmörder hingerichtet In Duisburg ist der 1910 geborene Gerh. Raas aus Brünen bei Wesel hingerichtet worden, der vom Schwurgericht in Duisburg wegen Mordes zum Tode verurteilt worden ist. Raas hatte die Näherin Alwine Marten, der er die Ehe versprochen hatte, ermordet, um sich seinen bevorstehenden Vaterpflichten zu entziehen, und hat sie auch nach der Ermordung beraubt. Mresröckschau der Tum- und Sportvereine. Turnverein Grohen-Buseck. Der Turnverein 1899 Großen-Buseck hielt im Saalbau Wagner ein Winteroergnügen ab, das durch den Einmarsch der Turnerinnen und Turner und durch einen Sprechchor erngeleitet wurde. Vereinsführer Karl H e n ß umriß in einer Ansprache die Aufgaben der Turnvereine im Dritten Reich und wies besonders auf die Vorteile hin, die sich für die wehrpflichtige Jugend aus der turnerischen Betätigung ergeben. Er forderte zum Schluß alle noch Äbseitsstehenden auf, sich dem Turnverein anzuschließen. Der Verlauf des Abends brachte zahlreiche turnerische Darbietungen. Die Hebungen an den Geräten und am großen Ring, das Bodenturnen, das Keulenschwingen, die Freiübungen, die Pyramiden und Marschreigen gefielen außerordentlich. Turnerinnen warteten mit Ballreigen und Volkstanz auf. Die Darbietungen gaben einen großen Ueberblick über die Arbeit im Verein und fanden starken Beifall. Musik füllte die Pausen. Im weiteren Verlauf des Abends sprach Bürgermeister Re b Holz ausführlich über die olympischen Spiele und ihre Bedeutung besonders für Deutschland. Der Abend brachte weiterhin die Auszeichnung von 38 Ehrenmitgliedern, die für 25jährige Vereinszugehörigkeit mit der Ehrennadel bedacht wurden. Es sind dies: Balthasar Dort, Heinrich Größer, Heinrich Schmidt, Balthasar Bonarius, Heinrich Stephan, Wilhelm Rühl, Karl Rühl, Philipp Henß, Wilhelm Henß, Friedrich Merz, Heinrich Pfeiffer XIII., Wilhelm Wagner V. Wilhelm Wagner, Heinrich Henß, Heinrich Dort, Heinrich Scheid IV., Heinrich Scheid V., Heinrich Hahn, Konrad Schmidt, Peter Aff, Dr. Gengnagel, Heinrich Münch, Karl Münch, Otto Reuter, Karl Kimmel Christoph Becker, Konrad Münch, Wilhelm Müller, Wilhelm Scheid, Friedrich Hahn, August Schmidt, Konrad Koch, Heinrich Pfeiffer, Heinrich Volk, Otto Weiß, Karl Bonarius, Heinrich Pfeiffer und Heinrich Mootz. Der Erlös des Abends wurde dem Winterhilfswerk zugeführt. Fußball - Club 1926 Großen - Buseck. Im Vereinslokal „Zum Busecker Tal" fand die Jahreshauptversammlung des FC. 1926 statt. Die Versammlung wurde von Vorstandsmitglied August Schwalb eröffnet, der zu Beginn des verstorbenen treuen Mitgliedes Chr. Dambmann gedachte. Alsdann wurde der Jahresbericht des Der- einsführers bekanntgegeben, in dem u. a. die im Laufe des Jahres 1935 erzielten sportlichen Erfolge des Vereins hervorgehoben wurden. Die von Kassenwart Roth erstattete Rechnungsoblage zeigte einen befriedigenden Abschluß. Sportwart Hch. Pfeif- f e r gab noch eine zahlenmäßige Uebersicht über die im Laufe des Jahres erzielten sportlichen Erfolge. Nachdem sämtlichen Vorstandsmitgliedern Entlastung erteilt worden war, erfolgte die Neuwahl des Vereinsführers, die den seitherigen komm. Vereinsführer Wilh. Schwalb erneut an die Spitze des Vereins berief. Zu Mitarbeitern wurden ernannt: stellv. Führer L. Klingelhöfer, Kassenwart K. Roth, Schriftwart H. Eisenacher, Diet- und Pressewart A. Schwalb, Sportwart Hch. Pfeiffer, Jugendwart Hch. Harbach, Gerätewart W. Pfeiffer, Beisitzer Hch. Größer und Phil. Brück. Die Versammlung wurde mit der Aufforderung zu noch größerer Einsatzbereitschaft sämtlicher Mitglieder im Jahre 1936 geschlossen. Turnverein Steinbach. Der Turnverein Steinbach hielt dieser Tage in Verbindung mit seinem 30. Stiftungsfest seine Generalversammlung ab. Vereinsführer Heinrich Ludwig Haas begrüßte die Mitglieder und gab nach einem Sprechchor einen ausführlichen Ueberblick über die Geschichte des Vereins von seiner Gründung bis zur Gegenwart. Anschließend ernannte tSeseUenvrüfungen! Alle Lehrlinge im Kreise Gießen, die einen der nachstehenden Berufe erlernt und im Frühjahr 1936 ihre Lehrzeit beendet haben, wollen sich in der Zeit vom 8. bis 20. Februar 1936 bei der Kreishandwerkerschaft Gießen, Goethestraße 7, 1. Stock, anmelden: Maler, Anstreicher, Schildermaler, Tüncher, Weißbinder, Glasmaler, Porzellanmaler und Lackierer. LNalev-Snnung, Glotze« Der Obermeister. 792 D Gesevenprükmisen! Alle Lehrlinge (Industrie-Lehrlinge) im Kreise Gießen, die einen der nachstehenden Berufe erlernt und ihre Lehrzeit im Frühjahr d. I. beendet haben, wollen sich in der Zeit vom 8. bis 20. Februar bei der ?viv Kreiohandwerkerschaft Gießen Lahn, Goethestraße 71., zur Gesellenprüfung melden: Dreher,Elektro-Jnstallateure, Feinmechaniker, Fornier, Maschinenschlosser, Metalldrücker, Schlosser, Stempelsetzer, Zahntechniker usw. ikveishandwevkevfchaft Gietzen. Bekanntmachung! tssd MMlteWsWenlvMnWUe WlslünWe HfltDI' Die Lehrlinge, die eine gewerbliche Fachlehre in einem industriellen Unternehmen des Metallgewerbes, der Feinmechanik oder Optik bei Firmen in den Kreisen Gießen, Alsfeld und Lauterbach bis zum 30. 6.1936 abschließen, sind von den Lehrherrn zur Ablegung der Facharbeiterprüfung unter Einreichung der notwendigen Unterlagen bei der Industrie- und Handelskammer Gießen bis spätestens 20. Februar 1936 auf vorgeschriebenen Vordrucken, die bei der Kammer erhältlich sind, anzumelden. Die Prüfungsgebühr in Höhe von RM. 10 - ist mit der Anmeldung auf das Postscheckkonto der Kammer FrankfurtM. 61599 mit dem Vermerk „Facharbeiterprüfung" zu überweisen. Industrie- und Handelskammer Gietzen. _ Diese 3 wesentlichen Eigenschaften der guten Geschmackvoll _ ... _ . . Vornehm Familien-Drucksache Persönlich oletet Ihnen In zahlreichen neuzeitlichen Aue- führungearten schnell und zu mäßigen Preisen BrühPsche Druckerei. Schulstraße 7, Anruf 2251 WenWst m reichdebUderten, leichtverständl. Werken und in verschiedenen Preislagen bieten unsere Derlagserzeuq- nisse. Sie vermitteln einen tiefen Einblick 'n die Geheimnisse des Natiirgeschehens und damit durch erweitertes Wissen er- höhteFreubeanden vielfältigen Schönheiten der Natur. Verlangen Sie Prospekte und Probe» hefte der Zeitschrift .Der Naturforscher- öugoBetmütjier Bering Betlin-Eiditerfelöe Wo gute Möbel wenigkosten, ist Vetter immer auf dem Posten. 64ieD Ausstellung und Verkauf nur Wiesenstrabe 6 MeineAnzergen im Gießener Anzeiger werden von Tausenden beachtet und geleien. Eine beliebte Gaststätte Gießens hat im 1. Stock gemütliche flesellschafts- zimmer für 20, 50 u. 120 Personen 78bA Viktoria-Drogerie Gießen 7doD Marktstraße 6. NUR 5ER1DD1 UM DEN ZlKKEeSMEGEl Zwangsversteigerung K 66/35 Am Montag, dem 24. Februar 1936, vormittags 9 Ahr, wird im Amtsgerichtsgebäude in Gießen, Gutfleischstraße 1, Zimmer 221, das der Margarete klotz, geb. Dorfeld, Witwe des Philipp klotz in Gießen, zugeschriebene Grundstück versteigert: 781D Grundbuch für Gießen, Band V, Blatt 211: Flur I, 3tr. 1271, hofreite in der wehsteingasse (Wehsteingasse 3Xt. 18), 170 qm Betrag der Schätzung 5950,— RM. Einheitswert (1.1.31) 6100,— RM. Leupin-Creme u. Seife vorzügl. Hautpflegemittel, seit über 20 Janren bestens bewährt bei autjucken-Flechte Gießen, den 19. Dezember 1935. Für das Amtsgericht Gießen: Karle, Ortsgerichtsvorsteher. Holzversteigerung Grock nervöser Art, Magendruck. Sodbrennen. Schwere im Magen verhütet Leupin- Kräuter - Magen - Salz t.25 und —J5. Drogerie WinterhoH, Kreuzplatz 10 Drogerie Bornemann, Bahnhofstr.17 derWelt größter Clown Letztes persönliches Auftreten in Frankfurt a. M. im Scala-Variete £™nßkfurt und das große Rahmen-Programm I! Mittw., Donnerst, u. Samst. 4 Uhr f. Hausfrauen u. Kinder. - Sonntags 4 Uhr große Farn.- u. Fremdenvorstellg. Tägl. 8.15 Uhr abends. [7aov Ausschlag, Wundsein usw. Drogerie Winterhoff, Kreuzvl.10; Löwen-Trog.W.KilbingerNachf., Teltersweg 69: Med. - Drogerie H. (?lges, SelterSweg 66; Drog. Bornemann. Bahnhofstr. 17. v Mittwoch, den 12. d. M., 9 Uhr, in der Turnhalle zu Gröningen aus den Forstorten Fliegenstall 2, Judenwäldchen 6, Seewald 7, Weißedriesch 13—16, Schlemperwald 19, 20, 25, 26, 27, Schäferwald 21 und andere des Markwaldes Grüningen-Dorf-Gill: Abschnitte N: Eiche Kl. I—VI 44 Stück = 27 fm; Esche Kl. I = 0,16 fm; Buche Kl. III—VI 34 Stück = 30 fm (darunter 4 A-Stämme); Kiefer Kl. Illa und Illb 6 Stück = 4,52 fm; Fichte Kl. Illa—V 15 Stück = 15 fm (darunter 3 A-Stämme). Derbstangen Stück: Eiche ll. Kl. = 21, III. Kl. = 1; Esche II. Kl. 2; Fichte II. Kl. 30, III. Kl. 122. Reisstangen: Fichte Stück: IV. Kl. 76, V. Kl. 153, VII. Kl. 315. Nutz- scheiter: Eiche II. Kl. 7,2 rm. Ruhknüppel: Eiche I. Kl. 6 rm. Scheiter rm: Buche 272 I. Kl., 10 II., 2,4 Hainbuche, Eiche 27 I. und 5 II. Kl., 1,2 Esche, 0,5 Linde, 26 Kiefer I. und 1,7 II. Kl., Fichte 22 II. Kl. Knüppel rm: Buche 63 I. und 0,8 II. Kl., 2 Hainbuche, Eiche 26 I. und 6 II. Kl., 1 Aspe, Kiefer 3 I. und 2 II. Kl., Fichte 5 I. und 2 II. Kl. knüppelreiser rm: 1,3 Buche, 4,8 Fichte. Stammreifer rm: 10 Eiche. Astreiser rm: 226 Buche, 82 Eiche, 36 Kiefer. Stöcke rm.- 47 Buche, 13 Eiche. Die Nummern des zur Versteigerung kommenden Langnutzholzes sind blau unterstrichen. Von dem Brennholz kommen die blau unterstrichenen Nummern nicht zum Ausgebot. Vorherige Besichtigung des Holzes wird empfohlen. Personen, die aus dem Jahre 1934 und früher mit Holzgeldschuld im Rückstand sind, werden vom Mitbieten ausgeschlossen. Gießen, den 6. Februar 1936. 787D Der Vorsitzende des Markoorstandes. Nicolaus, Oberforstmeister. Morgen Samstag, den 8* Febr* 1936 ist in sämtlichen Räumen des Gesellschaftsvereins der 779d Maskenball des VfB.s Reidisbahn Mitglieder 0,80 RM., Nichtmitgl. 1.50 RM. Zwei Kapellen spielen zum Tanz! vom 6.-16 Tebruor reise nicht ohne Zu den Olympischen Die Holzversteigerungen in Watzenborn am 30.3a- nuar und in Klein-Linden am 4. Februar sind genehmigt mit Ausnahme der Douglasstangen. Ausgabe der Abfuhrscheine bei den zuständigen Kassestellen. Ueberweisung und 1. Abfuhrtag für die Versteigerung vom 30.1. am 10. 2. und für diejenige am 4. 2. am 17.2. Bei Barzahlung innerhalb 3 Wochen vom jeweiligen Dersteigerungstag an gerechnet 2 v.H. Skonto bei einem Mindestbetrag von 10 RM. an. Gießen, den 6. Februar 1936. 7860 Hessisches Forstamt Schiffenberg. Nicolaus.