Nr. 5 Erster Blatt |86. Zahrgang Dienstag, 7. Januar 1936 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monat; Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 180 Zustellgebühr.. „ -25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschtüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vriihl'sche Unioerfitätrvuch- und Steindruckerek «.Lange in Sieben. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8l/9W)r des Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Te^t» anzeigen von 70mm Brette 50 Rpf.,Plahvorschrift nach vorh.Vereinbg.25°/g mehr. Ermäßigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- il behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B „Vorbeugende Friedenspolitik." Bon Or. Hans von Malottki. Neuer Angriff auf die amerikanische Planwirtschaft. Wird der Völkerbund nun doch die Oelsperre gegen Italien verhängen und damit unter Umständen die Folgen auslösen, die der Duce mehr als einmal angedeutet hat? Mussolini hat den von der öffentlichen Meinung Englands zu Fall gebrachten „Friedensplatt" noch nachträglich als völlig unzureichend bezeichnet. Der Abstand zwischen den italienischen Forderungen und dem, was dem Völkerbund zugemutet werden könnte, erscheint nach den Erfahrungen mit der verunglückten Pariser Friedensstiftung größer denn je. Auch von dem Gang der militärischen Ereignisse in Abessinien find vorläufig nicht jenb vollendeten Tatsachen zu erwarten, die auf die Genfer Instanz immer noch den größten Eindruck zu machen pflegen, lieber die Wirkung der bisher verhängten Sanktionen aber sind die Ansichten geteilt. Nach Geist und Buchstaben des Genfer Kriegsabkürzungs-Verfahrens müßte also die Sanktionsschraube weiter angezogen werden. Die Ansicht, daß die Verschärfung der amerikanischen Neutralitätspolitik den Auftakt zur Oelsperre bilden werde, hat manches für sich. Herr Laval hat zwar m der Kammer diese Frage als „unzeitgemäß" zurückgestellt; erst müsse sich Amerika äußern. Dies nun. ist prompt geschehen. Das neue Neutralitätsgesetz soll den Präsidenten in die Lage versetzen, nach eigenem Ermessen die Ausfuhr jener Produkte zu verbieten, die für Kriegszwecke in Frage kommen. Nachdem bereits im August 1935 ein Waffen- und M u - nitionsausfuhroerbot verfügt worden ist, soll nun also auch jene andere Form der Kriegslieferung unterbunden werden, — eine aus bitteren Weltkriegserfahrungen geborene Umbildung und Läuterung der herkömmlichen Auffassung von den Pflichten und Rechten eines Neutralen, in der Deutschland schon vorangegangen ist. Sie kann als eines der wenigen positiven Ergebnisse der gegenwärtigen Verwirrung bezeichnet werden. Jeder zukünftige Krieg ohne amerikanische Lieferungen, — die außerordentliche Bedeutung dieser Konsequenz, wenn Amerika sie, was anzunehmen ist, zieht, liegt auf der Hand. Es wäre in gewisser Hinsicht eine Ironie der Geschichte, wenn diese Jsolierungspolitik der Vereinigten Staaten das Genfer Sanktionsverfahren Vorwärtstreiben würde. Denn: selbst wenn Roosevelt nun ein Oelausfuhrverbot verfügt und, oberflächlich gesehen, als Schrittmacher Genfs wirkt, so sind die Vereinigten Staaten politisch doch nie weiter von Genf entfernt gewesen als eben jetzt. Eine Oelsperre des Völkerbundes hätte als Straf- mahnahme gegen den „Schuldigen" den Charakter eines aktiven Eingreifens der Völkerbundsmitglieder - in einem Konfliktsfall; der Sinn der Sanktionen ist, daß die daran beteiligten Mächte sich in den Konflikt einschalten und gegen den Paktbrecher vorgehen — mit allem Risiko, das eine solche Aktion mit sich bringt. Eine Oelsperre der Vereinigten Staaten hätte — ungeachtet des äußerlich parallel laufenden Effektes — politisch gerade den entgegengesetzten Sinn: sie wäre Ausdruck des Sichzurückzieh-ens, eine Handlung eines Neutralen, der eben um feiner Neutralität willen jede Möglichkeit der Verwicklung in einen Konflikt vermeiden will. Eben aus diesem Grunde würde sich die amerikanische Sperre auf alle kriegführenden Staaten erstrecken, gegebenenfalls also auch auf die Mächte, die zu einem Völkerbundskrieg gegen den satzungsbrüchigen Staat schreiten. Amerika, schon durch seine geographische Lage den Händeln auf anderen Kontinenten entrückt, entfernt sich mit dem neuen Neutralitätsgesetz auch politisch noch mehr als bisher von der übrigen Welt; vor allem aber von Genf und der dort geltenden Auffassung, daß das Heil der Welt in einer Verfilzung und Verschachtelung aller Einzelmteres- fen zu finden fei. Es ist deshalb kein Zufall, daß gerade die französische Presse die amerikanische Neutralitätspolitik mit sauersüßer Miene verfolgt, denn der Theorie vom unteilbaren Frieden muß ja jeder Akt der Neutralität bereits als Mangel an „Derantwortungsbewußtsein" gegenüber der Staatengemeinschaft erscheinen. Wie wenig stichhaltig dieser Vorwurf ist, wie sehr im Gegenteil gerade die aktive französische „Friedenspolitik" die allgemeine Unsicherheit steigert, ist eben in diesen Tagen der franzöfisch- englischen Militärbesprechungen wieder einmal deutlich geworden. So unklar und widerspruchsvoll die Nachrichten darüber lauten, so wenig ist doch zweifelhaft, daß Frankreich auch das gegenwärtige Gespräch mit England wiederum zum Anlaß nimmt, um seine alten Garantieforderungen für das europäische Festland durchzusetzen. Diese Forderungen datieren bekanntlich aus dem Jahre 1919. Es war der unermüdliche Ehrgeiz aller französischen Staatsmänner der letzten fünfzehn Jahre, die englische Politik für dieses Ziel einzufetzen, sie vor den Karren der französischen Vormachtbestrebungen in Europa zu spannen. Ebenso bekannt ist die Zähigkeit, mit der London all diesen Versuchen auszuweichen verstand^ — trotz aller Gemeinsamkeiten, die die beiden Westmächte verbinden. rr. Mit der Zuspitzung des ttalienlsch-abessinlschen Konfliktes ist dieser hintergründige Kampf ganz offensichtlich in eine neue Phase getreten. Sie begann mit dem ' bekannten Auslegungsstrett um Bedeutung und Tragweite der 9 e 9 e n f e 1119 e n Hilfeleistung, wie sie im Artikel 16 Absatz 3 vorgesehen ist. Das Frage- und Antwortsp.el, das im September und Oktober zwischen London und Paris im Gange war, ließ erkennen, daß es zwar England um die Vorbereitung dieser Hilfeleistung zu tun war, daß aber Frankreich weit mehr erstrebte, nämlich eine über den gegebenen Spezial- Das Bundes-Obergericht verwirft Roosevelts Agrargesetzgebung als versaffungswidrig. Washington, 6. Jan. (DRV.) Das Vundes- Obergericht der Vereinigten Staaten hat das Agrargesetz in seiner ursprünglichen und in einer revidierten Fassung für versassungs- widrig erklärt. Der Spruch des Vundesoberge- richts wurde mit sechs gegen drei Stimmen gefällt und bringt zum Ausdruck, daß die Agrargesetzgebung einen Eingriff in die einzelstaatlichen Rechte darstelle. Line allgemeinverbindliche Regelung der landwirtschaftlichen Verhältnisse in den Vereinigten Staaten überschreite die bundesrechtlichen Befugnisse. Der Kongreß habe nicht die Be- ugnis, eine Geseehsvorlage zu ratifizieren, deren Inhalt nicht verfassungmähig fei. Mit diesem Urteilsspruch Hal Präsident Roosevelt nach hiesiger Auffassung die zweite schwere Schlappe seiner Innenpolitik erlitten. Der erste Schlag wurde im Vorjahr gegen ihn ge- ührt, als das Oberste Vundesgerichl sein Gesetz- gebungswerk zur Regelung der industriel- le n Produktion für nichtig erklärte. Am Montag wurde nun sein gleichlaufenden Bestrebungen dienendes Gesehgebungswerk zur Regelung der landwirtschaftlichen Erzeugung eben- alls für verfassungswidrig erklärt. Um der Regie- :ung jeden Ausweg aus dieser Sackgasse zu ver- perren, wurde in der Gerichtsentscheidung betont, daß selb st freiwillige Vereinbarungen zwischen den Farmern der verschiedenen Linzelstaa- ten über die Regelung des Anbaues gegen die Verfassung verstoßen würden. Man erblickt in diesem Gerichtsspruch den Zusammenbruch des ganzen von Präsident Roosevelt aufgerichtelen Gebäudes der nationalen Planwirtschaft und befürchtet, daß auch seinen Sozialrefor* men, die im Arbeitergeseh und Soziatversiche- rungsgeseh niedergetegk sind, die Verwerfung durch das Vundesobergericht in Washington droht. Mit größter Spannung wird nun die zweite, diesmal rein innerpotitische Rede erwartet, die Präsident Roosevelt am Mittwochabend auf dem traditionellen Bankett der Demokratischen Partei zu Ehren Iacksons halten wird. Einstellung der Zahlungen an die Farmer. Washington, 7. Jan. (DNB. - Funkspruch.) Auf Grund der Entscheidung des Bundesobergerichts über die Verfassungswidrigkeit des Agrargesetzes gab das Schatzamt bekannt, daß es alle im Agrargesetz vorgesehenen Zahlungen an die Farmer und die Erhebungen der Verarbeitung^ st e u e r n e i n ft e 11 e. Die Berater Roosevelts berieten in einer etwa zweistündigen Sitzung die Bedeutung der Gerichtsentscheidung, doch wurde kein Beschluß über ein neues Agrargesetz gefaßt. Der Vorsitzende des Landwirt- schaftsausschusses des Repräsentantenhauses I o - n e s, der an der Besprechung teilnahm, erklärte, daß nach seiner Ansicht eine moralische Verpflichtung bestehe, eine Bewilligung für Zahlungen an diejenigen Farmer nachzu- suchen, die vor der Gerichtsentscheidung Verträge über d i e Einschränkung der landwirtschaftlichen Anbauflächen eingegangen seien. Roosevelt kündigt Abbau der Ausgaben an. Erhöhte Aufwendungen für die Landesverteidigung. Washington, 7. Jan. (DNB.-Funkspr.) Präsident Roosevelt übersandte dem Bundeskongreß seine jährliche Botschaft über den Bundeshaushalt für das am 1. Juni beginnende Haushaltsjahr 1937. Mit großer Befriedigung stellt er darin fest, daß die Einnahmen von 19 3 6 über d i e Schätzungen hinausgingen und die Ausgaben hinter dem Voranschlag zurückblieben, so daß der Fehlbetrag nur 3,234 Milliarden Dollar statt, wie erwartet, 4,528 Milliarden betragen werden. Für das kommende Haushaltsjahr 1937 wolle er fortschreitend Ausgaben abbauen, er schlage hierfür einen Betrag von 5,069 Milliarden Dollar vor, denen Einnahmen in Höhe von 5,654 Milliarden gegenüberstehen würden, was nach Abzug von 580 Millionen für Abtragung der öffentlichen Schuld einen Ueberfchuß von 5 Millionen bedeuten würde. Die Regierung nehme die Ausgaben für die Unterstützung der Landwirtschaft, für Fortführung des Freiwilligen Arbeitsdienstes und für die Arbeitsbeschaffung durch Ausführung von Bundesbauplänen als gewöhnliche Ausgaben des Bundes in den ordentlichen Haushalt auf, trotzdem werde der Haushalt einen Ueberfchuß aufweifen, was die Richtigkeit feiner bisherigen Politik überzeugend dartue. Er habe durch vorübergehende Steigerung der Ausgaben die Wirtschaft angekurbelt und die Arbeitslosigkeit um 3,5 Millionen Menschen verringert, so daß die Ausgaben für Unterstützungen abnähmen und die Steuereinkünfte sich so steigerten, daß neue Steuern nicht e r - forderlich seien. Die Ausgaben für die Nothilfe feien noch nicht zu übersehen, denn die 3,5 Millionen Arbeitslosen seien erst vor kurzem in Arbeit gebracht worden. Es stünden jedoch hierfür 1,103 Milliarden Dollar zur Verfügung, die in den Vorjahren bewilligt, aber noch nicht ausgegeben worden feien. Roosevelt glaubt, daß der Kongreß seine Tagung am 1. April beenden werde. Ohne die Entschädigungen für die Kriegsveteranen zu nennen, erklärt der Präsident, wenn der Kongreß weitere Ausgaben beschließen sollte, müsse er gleichzeitig für eine entsprechende Erhöhung der Steuereinkünfte sorgen. Erhöhte Ausgaben sind f ü r Landesverteidigung geplant, einschlieb -n Erhöhung der Mannschaftsbestände in Heer, Miliz und Marinereserve. Das Heer soll bis zum Haushaltsjahr 1938 auf 165 000 und die Flotte auf den Stand der Washingtoner und Londoner Flottenverträge gebracht werden. Die Ausgaben für die Flotte, die 1936 603 Millionen Dollar betrugen, sollen 1937 auf 622 Millionen Dollar erhöht werden, und zwar hauptsächlich für Schiffsbauten und Flugzeuge. Die Ausgaben für das Heer werden für 1937 auf 375 Millionen gegen 351 Millionen Dollar für 1936 veranschlagt. arum man in London die Oelsperre wünscht. Ueberlegungen des britischen Generalstabs. —Oer Krieg in Ostafrika soll schleunigst beendet werden. y a t i 5, 7. Jan. (DJiB. Junffpr.) Das „Oeuvre" befaßt sich mit der Frage, warum der englische Generalslab unter allen Umständen so schnell wie möglich dem italienisch-abessinischen Krieg ein Ende sehen wolle. Rach der letzten Unterredung, die Laval mit dem italienischen Botschafter gehabt habe, und in der der italienische Botschafter durchblicken ließ, daß der Duce neue Friedensvorschläge erwarte, habe Laval erklärt, daß er nicht mehr das geringste zu einem Vefrie- dungsvorschlag tun wolle, ohne ein schriftliches Versprechen Roms, daß die Ansichten Italiens und der italienischen Regierung wirklich versöhnlich seien. Der französische Ministerprä- fident habe außerdem hinzugefügt, daß der D r e i- zehner-Ausschuß in Genf diese neuen Vorschläge machen müßte. Seil dieser Unterredung habe sich jedoch die Lage durch die italienischen Luftangriffe auf das Rote Kreuz sehr erschwert. Die Leidenschaft, mit der man diese jüngsten Ereignisse in Genf verfolgt, sei außerordentlich groß. Der Fall Italien sei moralisch und sachlich so schwierig geworden, daß selbst italienfreundliche Mitglieder der französischen Regierung der Ueberzeugung seien, daß Italien verloren sei. Wenn Italien sich nicht selbst in eine derartige Rolle hineingebracht hätte, so hätte sich ein großer Teil des Kabinetts auf Seiten Lavals gestellt, um die Anwendung weiterer Sühnemaßnahmen, besonders aber eine Oelsperre zu verhindern. In London, wo das britische Kabinett damit einverstanden zu sein schien, daß sich Italien in Abessinien „t o t laufe“, habe der General st ab jedoch eine entgegengesetzte Meinung gehabt, und Eden habe nicht umhin gekonnt, diese Ansichten zu berücksichtigen. Der englische Generalstab wünsche nämlich eine sofortige Beendigung des afrikanischen Krieges, denn falls der Krieg fortgesetzt werde, würden die Italiener zu offensichtlich geschlagen werden und ein Sieg von Farbigen über Weiße in Afrika würde ein schlechtes Beispiel zum Schaden der Kolonialmächte darstellen. England befürchte als Folge einen noch heftigeren Widerstand in Aegypten, neue Forderungen in Palästina und schließlich größere Auflehnungen in Indien. Ferner wolle der englische Generalstab aus G r ü n- fall hinausgehende generelle Festlegung der Hilfeleistung, natürlich im Hinblick auf gewisse „zukünftige Fälle". Nur so erklärt sich der merkwürdige Umstand, daß um einer nach dem Völkerbundspakt selbstverständlichen Pflicht Frankreichs willen wochenlang verhandelt und ein komplizierter Notenaustausch notwendig wurde. Schließlich gelang es London, unter geschickter Ausnutzung der italienischen Bindung Frankreichs, eine übertriebene Auslegung der Hilfeleistung zu verhindern. Jene zukünftigen Fälle, die Herrn Laval allein interessieren, blieben damals, nach allem was die Öffentlichkeit davon erfuhr, aus dem Spiel. Aber sofort nach dem Scheitern des Laval-Hoare- Planes begannen die französischen Versuche von neuem. Während England bei den Mittelmeermach- ten wegen der Hilfeleistung sondi'erte — was bei den geringfügigen Seestreitkrasten dieser kleinen Staaten nicht so sehr aus materiellen Gründen erfolgte, sondern um den Charakter der Kollektivaktion zu wahren — währenddessen fingen die französischen Militärs da an, wo Laval hatte aufhören müssen. Am 18. Oktober begannen zunächst die Verhandlungen zwischen der britischen Admiralität und dem französischen Marineminister über die Flottenunterstützung; am 10. Dezember, so erklärte Laval vor der Kammer, wurden die Gene- ralstabsbesprechungen über Armee und Luftflotte ausgenommen. Nach den Meldungen der Pariser Presse ist kein Zweifel, daß die französischen Militärs die Unterstützung Englands tm Falle eines italienischen Angriffs von einem Garantiever- sprechen gegenüber Deutschland abhängig machen wollen. Es wiederholt sich also jetzt im praktisch-militärtechnischen Bereich, was im Oktober auf politisch-diplomatischem Gebiet vergeblich versucht worden war. Das ganze aber beruht auf der großartigen Entdeckung des Herrn Laval, daß man sich gar nicht auf den unerfüllbaren Wunsch eines formellen Bündnisses mit England zu versteifen brauche, sondern dasselbe genau so auf dem Wege über Artikel 16 Absatz 3, also im Rohrn e n der „kollektiven" Sicherheit bewerkstelligen könnte! Ueberflüssig zu sagen, daß dieser Versuch, die alten Bündnissehnsüchte ins (Betriebe der Völkerbundsmaschinerie einzuschmuggeln, jeder Rechtsgrundlage entbehrt. Wenn England und Frankreich sich im Zuge des Genfer Verfahrens über die Hilfeleistung in einem ganz speziellen Fall verständigen wollen, so ist solange nichls dagegen einzuwenden, als dabei Unbeteiligte aus dem Spiel gelassen werden. Keinesfalls aber hat Frankreich das Recht, bei dieser Gelegenheit unter dem Stichwort „Sicherheitsgarantie am Rhein" eine versteckte Mobilmachung gegen ein Land zu inszenieren, das — wie Deutschland — vorbildliche Neutralität übt. Es wäre eine absolute Verkennung der Situation und des deutschen Willens, keine unverschuldete Bedrohung hinzunehmen, wollte Frankreich in der friedfertigen untadeligen Haltung des Reiches einen Freibrief für die hemmungslose Inszenierung von Maßnahmen erblicken, durch die mit der Sicherheit eines an dem ganzen Streit vollkommen Unbeteiligten in geradezu unerhörter Weise gespielt würde. Es gibt im Völkerbundspakt schlechterdings keine Bestimmung, auf die sich Frankreich bei dieser Art „vorbeugender" Friedenspolitik berufen könnte. Außerdem würde jede Sonderabmachung über eine zukünftige deutsche „Angriffsgefahr" im Widerspruch zum Locarnovertrag stehen, dessen Wert gerade darauf beruht, daß er einseitige Abreden eines beschränkten Kreises von Unterzeichnermächten, über den Kopf anderer Vertragsstaaten hinweg, ausschließt. Wir weigern uns, zu glauben, daß die englische Politik Frankreich auf diesem gefährlichen Wege folgen könnte. Die eifersüchtige Wachsamkeit, mit der England bisher seine Handlungsfreiheit zu wahren verstand, spricht «her dafür, daß man in London aus der Vorkriegszeit gelernt hat und wohl weiß, welche katastrophalen Folgen gerade militärische Abreden auslösen können. Englische Staatsmänner haben sich im Laufe des letzten Jahres verschiedentlich bemüht, den wirklichen Spannungsursachen auf diesem friedlosen Kontinent ins Gesicht zu sehen. Sie haben sich infolgedessen der Einsicht nicht mehr verschließen können, daß eine wirklich vorbeugende europäische Friedenspolitik die Ventile öffnen muß, nicht aber neue, höchst überflüssige Spannungen und Komplikationen erzeugen darf. Solche zunächst noch theoretischen Erkenntnisse sollten eine Verpflichtung im Bereiche der praktischen Politik darstellen. Unabhängig davon muß aber dem Befremden über den feindseligen Geist Ausdruck gegeben werden, der die französische Politik, in schreiendem Widerspruch zu den versöhnenden Worten Lavals, bis auf den heutigen Tag zu beseelen und zu leiten scheint. Herr Laval proklamiert die deutsch-französische Verständigung im kollektiven Rahmen. Auch Deutschland will keine Sonderfreundschaften auf Kosten anderer Nationen. Soweit wäre schon alles in Ordnung. Es ist aber nur die alte, un- fruchtbare Einkreisungspolitik im neuen Gewände, wenn Frankreich den kollektiven Rahmen zu Vorkehrungen benutzen will, die wie der Russenpakt und die angestrebte Militärallianz mit England sich eindeutig gegen das Reich richten. Kollekti-vität und Allianzen schließen sich gegenseitig aus. Wenn Herr Laval sich demgegenüber auf den Völkerbund beruft und auf die Vereinbarkeit seiner Politik mit dem Genfer Pakt hinweift, so kann dazu nur gesagt werden, daß es in der Praxis unerheblich ist, ob der antideutsche Kurs über formelle Allianzen oder über in der Wirkung gleichartige Abmachungen „im Rahmen Genfs" führt. Man soll sich dann nur nicht wundern, wenn wir uns unsere eigenen Gedanken über eine Form der kollektiven Sicherheit machen, die solche Dinge gestattet, und wenn wir daraus die pflichtgemäßen Konsequenzen ziehen. er- Das irische Problem wieder akut UNS er- Ms (ii* Brandenburg, 6. Jan. Die Adam Opel AG. eröffnete dieser Tage ihr neues Lastkraft- wagenwerk in Brandenburg a. d. Havel. Zu diesem Ereignis machte der Betriebsführer der Opelwerke Dr. R. A. Fleischer einige Aus- ührungen über die Gründe und Absichten dieses Neubaues. Dank der fortschreitenden Motorisierung ind viele Betriebe der Automobilindustrie heute Opel eröffnet neues Lastkrastwagenwerk in Brandenburg. Ministerpräsident Hermann Göring richtete, wie der Reichs - Jugend - Pressedienst mitteilt, zum Jahreswechsel Worte der Anerkennung und des Dankes an die Hitler-Jugend: Auf meinen Aegyptiens Kampf um feine Unabhängigkeit Das Jubiläum der Lufthansa. Berlin, 7. Jan. (DNB.) Am Montagabend, am Tage des zehnjährigen Jubiläums der Deutschen Lufthansa, versammelten sich sämtliche Arbeitskameraden der Lufthansa zu einer würdigen Feier. Ueberall, nicht nur in Berlin und bei den Bezirksund Flugleitungen im Reich, sondern auch draußen, jenseits der Grenzen an den Küsten des Ozeans, auf den schwimmenden Flugstützpunkten, vereinigten ich zur gleichen Stunde die Gefolgschaftsmüglieder zu einer solchen Feierstunde. Ausgenommen allein diejenigen, die auch in dieser Nacht auf der Maschine ihren Dienst versehen mußten, sei es auf den europäischen Nachtpoststrecken, sei es im Ueber- Panzerschiff „Admiral Graf Spee" in Dienst gestellt. z. B. die heiligen Stätten in Jerusalem zu besuchen und instand zu halten. Die wichtigsten Bestimmungen der Kapitulationen, die auch Preußen bzw. das Deutsche Reich mit der Türkei abschloß, betrafen die freie Religionsübung, die Exterritorialität in bezug auf Ausübung der Zivil- und Strafjustiz, also die Konsulargerichtsbarkeit, das Prinzip, daß keine Haftung für fremde Schulden oder Delikte ausgesprochen werden konnte, die Beseitigung des „Blutgelds", den Schutz gegen Verbringung in Sklaverei, die Sicherung des Nachlasses, des Verkehrs, des Handels und der Schiffahrt, den Schutz gegen See- und Strandraub und gegen jegliche Gewalt. Aehnliche Verträge wurden auch mit China, Persien und mit Japan abgeschlossen. In Japan fielen die Kapitulationen zuerst 1894, dann mit Persien und nach dem Weltkriege mit China mit Ausnahme der exterritorialen Niederlassungen in Schanghai und Hongkong. Die Kapitulationen in der Türkei wurden 1914 aufgehoben; im Frieden von Lausanne 1923 erklärten sich die europäischen Mächte mit dieser Aufhebung einverstanden. Aegypten, das seit rund einem Jahrhundert der Türkei nur mittelbar angehörte, hatte zwar den europäischen Mächten die Kapitulationen zugestanden, sie sind aber, wie gesagt, bereits 1876 durch die gemischten Gerichtshöfe ersetzt worden. * In London wird erklärt, daß im Gegensatz zu anderslautenden Berichten keine neuen A n - Weisungen dem britischen Oberkommissar in Kairo, Sir Loeker Lampson, gegeben worden seien, obwohl die Regierung selbstverständlich in ständiger Verbindung mit ihm stehe. Die Meldung, wonach in London die Frage der Abschaffung der gemischten Gerichtshöfe in Aegypten ernsthaft erwogen werden, sei unbegründet. Die Wafdpartei organisiert die ägyptische Jugend. London, 7. Jan. (DNB. Funkspruch.) Wie die Morningpost aus Kairo meldet, haben die wafdi- stischen Studenten beschlossen, die wafdistische Jugend nach dem Vorbild der faschistischen Verbände zu organisieren. Jedes Mitglied der neugeschaffenen Jugendgruppe wird einen Eid als „Soldat im Dien st e des Vaterlan- d e s" ablegen und sich verpflichten müssen, alles zu vermeiden, was gegen die Grundsätze der Vereinigung verstößt. Die Mitglieder der wafdistischen Jugendvereinigung werden eine eigene Uniform, bestehend aus einem Blauhemd und grauen Hosen, erhalten. Das Abzeichen stellt eine Hand dar, die den Schlüssel des Lebens — ein altägyptisches Sinnbild — faßt, und zeigt das Leitwort „Gehorsam und Kampf". gebracht hat, mit diesen Plänen zur Wideraufnahme der irisch-englischen Ausgleichsoerhandlungen zusammenhängt, ist vorerst stoch nicht zu kennen. Kunst und WMenschasi. Nächste Thealerfeskwoche in der Hauptstadt der Bewegung. Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Dr. Goebbels, hat entschieden, daß die nächste Reichstheaterfe st mache in München, der Hauptstadt der Bewegung, in der Zeit vom 10. bis 17. Mai 1936 stattfindet. Dr. Franz Ulbrich 25 Jahre am Theater. Der Intendant des Preußischen Staatstheaters in Kassel, Dr. Franz U l b r i ch , begeht am 10. Januar sein 25jähriges Bühnenjubiläum. Dr. Ulbrich wurde 1885 in Bärenstein im Erzgebirge geboren. Seine Theaterlaufbahn begann Ulbrich 1911 am Großherzoglichen Landestheater in Oldenburg als Dramaturg. 1915 verpflichtete ihn das Meininger Hoftheater als Spielleiter und Dramaturgen.1924 wurde Intendant Ulbrich zum Generalintendanten des Deutschen Nationaltheaters in Weimar und der gesamten Thüringer Landestheater (Altenburg, Gotha) berufen. Nach der Machtergreifung durch die nationalsozialistische Regierung wurde Ulbrich 1933 durch den Preußischen Ministerpräsidenten Hermann Göring als Intendant an das Staatliche Schauspielhaus Berlin berufen. 1934 erhielt Dr. Ulbrich einen Sonderauftrag des Preußischen Ministerpräsidenten; auf Auslandsreisen orientierte er sich über das Kulturleben der benachbarten Staaten. Am 1. Oktover 1934 berief ihn Hermann Göring in feinen Stab, bei Beginn der Spielzeit 1935/36 ernannte er ihn zum Intendanten der Preußischen Staatstheater in Kassel. am Dienstag von Brest auslaufen werde, werde niemals weit von Gibraltar entfernt sein und könne im Ernstfälle das östliche Mittel- nieer in drei bis vier Tagen erreichen. Eine andere bedeutsame Maßnahme Frankreichs sei der mit großer Eile in Angriff genommene Bau eines neuen Flotten st ützpunktes in Mers-el-Kebir bei Oran in Algerien. Dieser Flottenstützpunkt habe den Zweck, den Kriegsschiffen größeren Schutz gegen Luftangriffe zu gewahren, als es bei dem großen Flottenstützpunkt B i s e r t a in Tunis möglich fei, der von Südeuropa mit Flugzeugen leicht zu er- kam, besonders freudig begrüßt. Heute an der Jahreswende ist es mir ein Bedürfnis, allen diesen meinen jüngsten Kameraden und ihrem Führer für die mir bewiesene Zuneigung und Treue herzlichen Dank zu sagen. Ich weiß, daß die Hitler-Jugend sich auch im kommenden Jahre stets bewußt sein wird, daß sie als Träger und Hüter des heiligen Feuers unserer Idee die Zukunft Deutschlands ist. In diesem Sinne wünsche ich allen Mädels und Jungens ein glückhaftes neues Jahr und eine erfolgreiche Arbeit für unseren geliebten Führer. Der Führer besichtigt die ReichSauio- bahn Rosenheim - München München, 6. Jan. (DNB.) Der Führer machte am Samstag in Begleitung des Generalinspektors für das deutsche Straßenwesen die erste Fahrt über den nunmehr fertiggestellten Abschnitt Rosenheim— München im Zuge der Reichsautobahn München— Landesgrenze. Dieser Abschnitt der Reichsautobahn ist mit dem Uebergang über den Irschenberg und seinem einzigartigen Gebirgsblock, sowie der in diesen Tagen fertiggewordenen gewaltigen Mangfallbrücke, ein Meisterwerk deutscher Brückenkunst, wohl der landschaftlich schönste und sehenswerteste Teil unserer Reichsautobahnen. Der Abschnitt von Holzkirchen bis zur Abzweigung nach Schliersee wird in den nächsten Tagen für den allgemeinen Verkehr freigegeben. wahrhaft zu erschließen. Der Reichslustfahrtminister beglückwünscht die Lufthansa. B e r I i n , 6. Jan. (DNB.) Der Reichsminister der Luftfahrt, General der Flieger Göring, hat der Deutschen Lufthansa zu ihrem zehnjährigen Jubiläum folgendes Glückwunschtelegramm gesandt: „Am Tage ihres zehnjährigen Bestehens gedenke ich der Deutschen Lufthansa mit besonderer Herzlichkeit. Sie war in den Jahren des Niederganges Trägerechten Fliegergei st esundwah- rer Kameradschaft. Durch zielbewußte Arbeit wurde die Lufthansa zum Kernstück unserer neuzuschaffendendeutschenLuftfahrt. Für die großen Aufgaben, die die Handelsluftfahrt auch weiterhin im Dienste von Volk und Staat zu erfüllen hat, wünsche ich der Deutschen Lufthansa vollen Erfolg." Göring an die HI. $tr51 Ä es ®«6 erober«' r M » @‘(l »ie ft i« einer ®r Bertret" fdjaft ä'1 Haltung,. wanbes. ner«H1 Die less kB?" fti bleibe bleiben. J tigenbe « als melffl menschlich, schasst eri bilbun Wert du Bolkswir! ner male zuorbneu, orbnen Gelb bien liehen Ar! Die üb। würbe ger runq seit Maßnahm Wirtschaft; (bamals 6 nen). Nick bern bie 2 initiative verfahren, neugcbilbi sunysnD Kreislauf geschaffen ausgeepu das Lebl fortsehen. Daß bc Wicklung kann kein Arbeitslos! freie Win jeher beutf pitalanhäu wenigen 5 gestalten u des Arbei überlassen, Vertrauen wörtlichen Staat, ber nicht nur auch mit । Unenblid jung, llnzc nalsozialisti bemiffe ül nicht bie „! »höchste allen Gebie Volksgenoss Tätigkeit a stehen: de Lohn, ni den des europäischen Gleichgewichtes verhindern, daß die italienische VNlilärkraft in Europa allzu sehr geschwächt werde. Da es schließlich England sein werde, das zugunsten der italienischen Wirtschaft eine Anleihe werde gewähren müssen, wünsche man nicht, daß diese Anleihe zu groß wird. Aus diesen Gründen sei der englische Generalstab entschlossen, die Sühnemahnahmen auf das Oel auszudehnen, da dies allein wirksam sein werde. In London, Paris und Genf sei man der Ansicht, daß der Völkerbundsrat, der am 20. Januar Zusammentritt, die Oelsperre für den 1. Februar anordnen werde. FranzösischeFlollenmaßnahmen im Mtelmeer London, 7. Jan. (DNB. Funkspruch.) „Daily Telegraph" meldet, daß die sechswöchige Uebungsfahrt eines mächtigen französischen Geschwaders an der Küste von Marokko der Beitrag Frankreichs zu den Vorsichtsmaßnahmen sei, die im Zusammenhang mit der politischen Lage im Mittelmeer ergriffen würden. Das zweite französische Geschwader, das reichen sei. Britische Verteidigungsanlagen in Ostafrika. London, 7. Jan. (DNB.-Funkspr.) Die englische Regierung hat beschlossen, in Mombasa (Kenya), dem britischen Hauptstützpunkt in Ostafrika, demnächst wichtige Verteidigungswerke zu errichten. Bereits in den nächsten vier Wochen werden schwere Geschütze und Scheinwerfer in Mombasa eintreffen. Gleichzeitig wird aus den in Mombasa ansässigen britischen Ingenieuren und früheren Artilleristen ein Fr e i w i ll i g en k o r p s gebildet. Für die Anlage der Verteidigungswerke ist der Hafen K i l i n d i n i gewählt worden. Was bedeuten dieKapilulationen. Die im Verlause des italienisch-abessinischen Krieges verstärkte Unabhängigkeitsbewegung der Aegypter soll nach englischen Blättermeldungen zu Verhandlungen über die U e b e r t r a = gung ber Rechtsprechung auf die g e - mischten Gerichte und, wenn das nicht gelingt, zur Abschaffung dieser gemischten Gerichte führen, so daß die Ausländer also in Aegypten nach Landesrecht beurteielt würden. Wenn in diesem Zusammenhang davon gesprochen wird, es handele sich um die Abschaffung der Kapitular - rechte, so ist das ein Irrtum, denn die reinen Kapitulationen, also eine gewisse Privilegierung der Ausländer, wurden in Aegypten bereits 1876 durch das System der gemischten Gerichtsbarkeit ersetzt. Es handelt sich also nicht um die Abschaffung der Kapitulationen schlechthin, sondern nur um etwas, das als Ersatz oder Abmilderung dieser Kapitulationen betrachtet wurde. Um das Wesen dieser Kapitulationen zu verstehen, muß man berücksichtigen, daß sie aus der ganz anders gearteten Rechtsprechung notwendig geworden waren, der im Verkehr mit dem Orient sich die Europäer nicht fügen konnten. Das Gläubigerrecht z. B., das bis zum Verkauf des Schuldners in die Sklaverei ging, die Mischung von religiösen und staatsrechtlichen Zwecken, die Eigentumsverhältnisse usw. widersprachen dem abendländischen Geist. So wurde um die Kapitulationen jahrhundertlang ein erbitterter Kampf geführt, vor allem mit der Türkei, zumal der Sultan in Konstantinopel jeden Friedensvertrug mit abendländischen Nationen staatsrechtlich nur als Waffenstillstand aufgefaßt wissen wollte. Bei den Kapitulationen handelte es sieh also um die Durchbrechung der Gebietshoheit des Aufenthaltsstaates zugunsten der Personalhoheit des fremden Staates in 'bezug auf seine Vertreter und Angehörigen. Sie waren daher mit der Souveränität des Aufenthalts- Staates nicht zu vereinigen. Daher sind die meisten Kapitulationen auch in den letzten Jahrzehnten abgeschafft worden. Je mehr sich die orientalischen Nationen entwickelten und moderne Ideen in ihrer Rechtsprechung walten ließen, um so unerträglicher wurde das Sonderrecht der Fremden. Die Wurzeln der Kapitulationen sind alt. Als die Venezianer und Genuesen sich im alten oströmischen Reich zu Handelszwecken niederließen, schlossen sie die ersten Kapitulationen. Als die osmanischen Türken Byzanz eroberten, gewährte der Sultan den fremden Kaufleuten die Anerkennung ihrer bisherigen Rechte. Nach diesem Vorbild wurden die Kapitulationen auch mit den anderen europäischen Mächten abgeschlossen. Seit 1740 wurde zudem ihr Geltungsbereich ausgedehnt, die Europäer genossen insgesamt den Vorzug, den bisher nur die Franzosen hatten, nämlich ungehindert 30 250 (1935). Das entspricht einer Zunahme von rund 50 v. H. Diese Entwicklung forderte die Schaffung neuer Produktionsmöglichkeiten modernster Art. Opel will der Eigenentwicklung des Lastwagenbaues freie Bahn geben. Unter Verwertung jahrzehntelanger Erfahrungen und unter Berücksichtigung besonders im Export liegender Aufgaben wurde das neue Werk in Brandenburg errichtet. Das Werk wurde in 190 Tagen erbaut. Es kann bei drei Arbeitsschichten 150 Lastwagen (Typ Opel- Blitz) produzieren und beschäftigt im Augenblick 800 Arbeiter. Bei einem Arbeiten in drei Schichten wird sich diese Zahl auf etwa 2500 erhöhen. 15 d. H. der Arbeiter wurden aus Rüsselsheim herübergeholt, vor allem Facharbeiter, sie sollen aber, wenn eine Schulung der brandenburgischen Belegschaft durchgeführt ist, Zug um Zug wieder in ihre Heimat entlassen werden. Weitere 15 v. H. stammen aus Notstandsgebieten, z. B. aus Schlesien und Danzig. Der Produktionsbetrieb des Werkes ist in einer Halle mit 1200 Werkzeugmaschinen zusammengelaßt, die Maschinen stellen einen Anlagewert von 7 Millionen Mark dar. Die gesamten Baukosten des Werkes betrugen 14 Millionen Mark und wurden aus eigenen Mitteln der Firma aufgebracht. Das- Werk zeichnet sich durch einen außerordentlich günstigen Standort aus, das ailt sowohl tr?nsport= als auch rohstoffmäßig. Außerdem ist die Lage des Werkes besonders gün- Darauf stieg langsam und feierlich die Reichs- kriegsflage empor. Nachdem das Deutschlandlied und das Horst-Wessel-Lied verklungen waren, gedachte der Kommandant des Führers, dessen Wille und Glaube das deutsche Volk aufgerüttelt und wieder emporgeführt habe, und rief feiner Besatzung zu: „Wir wollen unsere Pflicht tun wie jene, die für uns starben. Dieses Gelöbnis laßt uns vor der zum ersten Male über unserem Schiff wehenden Flagge durch den Ruf bekräftigen: Unser Führer Adolf Hitler, unser Deutschland — Sieg- Heil!" , c Zur Indienststellung richtete der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Admiral Dr. h. c. Rae- ber, folgendes Telegramm an den Kommandanten des Panzerschiffes „Admiral Graf Spee": „Mit dem Namen ,Admiral Graf Spee' ist in der Geschichte des Großen Krieges der Glanz des Tages von Coronel und der Ruhm vom Heldenkampf von Falkland unlösbar verbunden. Ein hervorragender Führer, der mit allen seinen Untergebenen durch treue Sorge eng verbunden war, ein wahrhaft ritterlicher Offizier wird Graf Spee ewig als leuchtendes Vorbild vor uns stehen, dem nachzueifern unser höchstes Streben sei. Der Besatzung des Schiffes sende ich zur Indienststellung meine kameradschaftlichsten Gruße und besten Wunsche für den Erfolg ihrer Arbeit/ Verstärkte Sowjetpropaganda in Ostasien. Tokio, 6. Jan. (DNB.) Die Sowjetunion hat an der nördlichen und östlichen Grenze Mandschu- kuos 12 Rundfunksender eingerichtet, die planmäßig bolschewistische Propaganda in chinesischer, japanischer und'mandschurischer Sprache betreiben. Auch in Nordchina ist eine verstärkte Propaganda der Sowjets festzustellen, die gefördert wird aus den Mitteln einer neugebildeten Sowjetfinanzgesellschaft in Tientsin. Durch diese Propaganda wird die Sicherheit schwer gefährdet. Das Militär in Kwan- seedienst. Im Marmorsaal des Zoo schilderte der Vorsitzende des Aufsichtsrats der Lufthansa, Staatsrat Dr. von Stauß, das Werden des Luftverkehrs. Er gedachte besonders derjenigen Männer, die als Wegbereiter des Luftverkehrs ihr Leben Hingaben und sich im Glauben an ihre Sendung, Förderer eines großen Kulturfortschrittes zu sein, bis zuletzt in den Dienst für ihr Volk stellten. Während das Lied vom guten Kameraden erklang, wurden ihre Namen verlesen. Pflichterfüllung und Treue zur Sache, zu Volk und Führung, wurden dadurch gewürdigt, daß denjenigen Spenden übergeben wurden, die wegen Erreichung der Altersgrenze aus dem Betrieb ausschieden und jahrelang ihre ganze Arbeitskraft der Handelsluftfahrt gewidmet hatten. Dr. von Stauß gedachte der Taten unseres Führers, der auch dem Luftverkehr den Weg geebnet hat, auf dem sich der Aufbau und Ausbau entfalten konnte, sowie des Reichsluftfahrtministers Göring und des anwesenden Staatssekretärs Milch, unter deren Führung der deutsche Luftverkehr in den letzten Jahren die großen Fortschritte erreichen konnte. Doch erst am Anfang stehe die Entwicklung des Weltluftverkehrs, der berufen fei, die Begriffe von Zeit und Entfernung zu wandeln und damit die Welt nis" und eine enge militärische Verbindung seiner Flotte mit der englischen eine solche Lösung ermöglicht. Es bleibt dann immer noch die ebenso schwierige Frage Nordirlands, wo die sogenannten „U l st e r l e u t e", aus dem gegenüberliegenden Schottland eingewanderte oder zwangsweise verpflanzte Protestanten und also Verteidiger der Zugehörigkeit zu England, einer Vereinigung mit dem katholischen Freistaat bisher immer noch weit schärferen Widerstand entgegengesetzt haben, als die englischen Regierungen selbst. Der endgültigen Bereinigung der irischen Frage stehen also noch große Hindernisse im Wege, auch wenn auf beiden Seiten der Wille zum Frieden vorhanden ist. Ob die Meldung aus Dublin, nach der der irische Ministerpräsident De Valera soeben einen Antrag au Abschaffung des irischen Senats ein- Eine der ersten Folgen der englischen Wahlen und der Neubildung des Kabinetts auf dem engeren Gebiet der britischen Hauspolitik scheint die Inangriffnahme des schweren irischen Problems zu werden. Unter den wenigen Veränderungen, die Baldwin in seinem Mitarbeiterstab vorgenommen hat, ist die „Versetzung" des bisherigen Dominion- Ministers Thomas viel bemerkt worden, dem auch die Beziehungen zwischen England und dem irischen Freistaat unterstanden. Solange die alte Regierung bestand, ebenso lange dauerte auch ungefähr der Wirtschaftskrieg zwischen Irland und England, und im Sommer dieses Jahres wurde das Verhältnis, wie man sich erinnert, durch die religiösen und nationalen Unruhen in Belfast hart an den Rand des offenen Bürgerkrieges getrieben. Es wäre danach verständlich, daß man sowohl in London als in Dublin das Bedürfnis zu einer klaren Entscheidung hat, die allerdings nur mit schweren Opfern Englands zu erreichen fein wird. Das Verlangen Irlands geht nach völliger Unabhängigkeit und Loslösung aus dem großbritannischen Staatsverband, Forderungen, die zum Teil ja schon verwirklicht sind. Irland hat sein eigenes Parlament, seine eigene Regierung und unterhält selbständige diplomatische Vertretungen im Ausland und beim Völkerbund. Es hat den Treueid auf den König abgeschafft, und die Stellung des vom König ernannten Generalgouverneurs ist ohne jeden politischen Einfluß. Was Irland noch zu fordern und zu erreichen hat, ist die militärifche Souveränität und die Vereinigung des zum größten Teil protestantischen Nordens der Insel mit dem Freistaat. Hier liegen aber fast unüberwindliche Schwierigkeiten, an denen bisher der Frieden immer gescheitert ist. Für das englische Empire ist es geradezu eine Lebensfrage, daß Irland und die irische See im Falle eines Krieges in die militärischen Pläne einbezogen werden können und keinem Gegner zur Verfügung stehen. Wenn jetzt, wie Londoner Meldungen wissen wollen, England bereit wäre, Irland eine eigene Flotte zuzugestehen, so könnte dies wohl nur dahin verstanden werden, daß Irland etwa durch ein „ewiges Bünd- tung und Nordchina hat bereits die ersten Abwehr- maßnahmen durch die Einsetzung von besonderen Grenzkontrollen eingeleitet, durch die man die sich häufenden Grenzverletzungen von der Sowjetunion aus verhindern und die sowjetrussische Propaganda überwachen will. In der Presse wird ues Nantes an oie jjuier5x)ugenu. tiu, meinen unterstrichen, daß die Armee der erneuten Pro- Fahrten und Flügen durch das Reich wurde ich paganda der Sowjetunion große Beachtung schenkt.1 von Mädels und Jungens aller Orten, wohin ich Wilhelmshaven, 6.Jan. (DNB.) Auf der Marinewerft in Wilhelmshaven wurde am Montag- vormittag das Panzerschiff „Ad m i r a l Gr a s Spee" in Dienst gestellt. Bei der feierlichen Flaggenparade wandte sich der Kommandant des Schiffes, Kapitän z. S. Patzig, zunächst an die Arbeitskameraden der Stirn und der Faust,, deren Arbeit dieses Wunderwerk deutscher Schiffsbau- kunst geschaffen hat. Dann begrüßte er die zu die- er Feierstunde erschienenen überlebenden Zeugen des Heldenkampfes bei Coronel und Falkland und widmete den 2310 Gefallenen des Kreuzergeschwaders und ihrem ritterlichen Führer, dem Admiral Graf Spee, Worte ehrenden Gedenkens. Der Kommandant wies auf dieses hohe Vorbild hin mit den Worten: „So steht dieser deutsche Seeheld vor unserem geistigen Auge als ideale Führerpersönlichkeit, ritterlich, tapfer und treu, und in der bitteren Stunde des -Lobes zu einer Größe emporwachsend, die ihn und seine Besatzungen mit dem Ruhm der Unsterblichkeit verklärt hat. Dieses hohe Vorbild soll uns fortan den Weg weisen und Richtschnur sein bei unserem Tun und Handeln für Deutschlands Große und Ehre. Und über diesem Schiff soll wehen des Deutschen Reiches Freiheitsflagge als Symbol deut- cher Kraft, deutscher Einheit und deutscher Wehr- )aftigke'it." an der Grenze ihrer Kapazität und Leistungsfähigkeit. Neue Produktionsstätten oder Erweiterungen bestehender Anlagen sind omit zwangsläufig notwendig geworden. Die Adam Opel AG. wird die gesamte Lastwagenproduktion von Rüsselsheim nach Brandenburg verlegen. Hierfür sprachen besonders die günstigen Transportmöglichkeiten zu Wasser und zu Lande und die günstige Lage zu großen Lieferwerken. Sprunghaft sind die Ziffern des Kraftwagenbe- tandes in den letzten vier Jahren gestiegen. Mitte 1932 kommt ein Kraftwagen auf 88 Einwohner, Anfang Januar 1936 bereits auf 59 Einwohner. Deutschland hat damit zum ersten Male den Welt durchschnitt von 58 praktisch erreicht. In der Reihe der hochmotorisierten Länder ist Deutschland an die vierte Stelle vor Kanada aufgerückt. Von 1932 auf 1935 ist der Lastwag.enadsatz st ä r f e r gestiegen als der Personenwagenabsatz, obwohl die Steuervergünstigungen nur den Erwerb von Personenwagen betrafen. Besonders das Jahr 1935 zeigte eine außerordentliche Erhöhung der Zulassungsziffcrn । ftig für den Uedersee-Export. der Liefer- und Lastwagen von 19 904 (1934) auf r ------- Wv^-Va, WZ/£o Rsh erst nach veredel beim Wein — ig. Deshalb Zunahme mace Jahrgang 33 vereinigt aromatische Fülle mit besonderer Bekömmlichkeit, ehrjährigem Lagern ganz zur Geltu WEM I MPZG Doppelgänger eil wünschen gerecht zu werden, wird jetzt in Berlin alles unternommen, um die hunderterlei Appetite zu befriedigen. In diesem Zusammenhang verdient der erste Kochlehrgang für Gastwirts- srauen aus Berlin und Umgebung, den die Wirtschaftsgruppe Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe im Hinblick aus die Olympiade veranstaltet, besondere Beachtung. Ohne Zweifel ein recht originelles Olympiatraining; jeder Ausländer soll in Berlin so essen können, wie er es z u Hause gewöhnt ist. Darüber hinaus wird ihm reichlich Gelegenheit geboten, deutsche Spezialgerichte kennenzulernen. Es ist eine bekannte Tatsache, daß die Liebe durch den Magen geht und so hat man in kluger psychologischer Voraussicht auch das heikle Eßproblem organisiert, um die ausländischen Besucher heiter und freundlich zu stimmen. Wer vorzüglich gegessen hat, ist für die Eindrücke der Umwelt doppelt und dreifach empfänglich. Die aktiven Sportler selbst werden sich allerdings auf eine geAuf den letzten Arbeitssuchenden kommt es an! Von Paul Kugel, Leiter des Kontrollamtes für Arbeitsbeschaffung der Gauleitung Hessen-Nassau. Der Nationalsozialistische Gaudienst Hessen-Nassau veröffentlicht den folgenden Aufsatz: Der nationalsozialistische Staat hat die Welt durch seine überragenden Leistungen und Erfolge auf allen Gebieten des wirtschaftlichen und arbeitsmarktlichen Lebens in Erstaunen gesetzt. Er wird es wieder tun, wenn im Kampf um die Zurückeroberung und Erhaltung der Lebensrechte seines Volkes um Arbeit und Brot auch der letzte Arbeitsuchende seinen Arbeitsplatz zugewiesen erhält. Noch nie wurde in einer so bedeutsamen Rede in überzeugender Weise richtunggebend die zukünftige Gestaltung des Arbeitseinsatzes vorgezeichnet, wie dies durch den Leiter der Wirtschaftspolitik in' der NSDAP., Pg. Bernhard Köhler, bei einer Großkundgebung vor kurzem in Berlin vor Vertretern des Staates, der Partei und der Wirtschaft geschehen ist. Seine Ausführungen waren eine einzigartige Kette von Erkenntnissen wirtschaftlichen Denkens und nationalsozialistischer Auffassung. Seine volkswirtschaftliche Bilanz ein Soll und Haben, einfach, nüchtern, ohne etwaige Zurückhaltung, aber auch ohne Zulassung eines Einwandes. Wer sollte sich auch diesen Ausführungen verschließen! Die letzte, noch unausgenutzte menschliche Arbeitskraft darf von der Arbeitsleistung nicht ausgeschaltet bleiben, wenn nicht dadurch der freien Wirtschaft und dem Staat weitere Belastungen verbleiben. Dabei ist es für die vollständig zu beseitigende Arbeitslosigkeit nicht allein eine Geldfrage, als vielmehr auch eine technische Aufgabe Die menschliche Arbeitskraft als wertvollstes Gut schafft erst Geld und ermöglicht die Kapitalbildung. Kapital erhält erst seinen Zweck und Wert durch die angewandte Arbeitskraft. Eine Volkswirtschaft hat sich daher nicht nach vergangener materialistischer Auffassung dem Kapital unterzuordnen, sondern sie wird sich diesem überzu- ordnen haben. Der Mensch wird nicht mehr dem Geld dienen, sondern das Geld wird sich der menschlichen Arbeit dienstbar machen müssen. Die überragende Bedeutung dieser Auffassung wurde gerade durch die nationalsozialistische Regierung seit 1933 bestätigt. So waren die öffentlichen Maßnahmen des Staates die besten Beweise einer Wirtschaftsankurbelung von ungeahntem Ausmaße (damals 6 Millionen Arbeitslose, heute 1,8 Millionen). Nicht das Kapital wurde mobilisiert, sondern die 21 r h e } t <-, ? r a f f Wird durch die Privatinitiative in der freien Wirtschaft in gleicher Weise verfahren, und al e Arbeitsmöglichkeiten erfaßt, das neugebildete Kapital für weitere Arbeitsbcfchaf- fungsmaßnahm"n verwandt, dann wird durch den Kreislauf von Arbeitskraft und Kapital stets Arbeit geschaffen. Die freie Wirtschaft muß daher die vor- ausgeg,angene Ankurbelung, die ihr teilweise selbst das Leben wiedergab, durch ihre eigene Initiative fortsetzen. Daß der St^t und die Partei gerade diese Entwicklung mit starkem Interesse verfolgen, darüber kann kein Zweifel sein. Die völlige Beseitigung der Arbeitslosigkeit ist daher die Voraussetzung für die freie Wirtschaft. Das Recht auf Arbeit aber hat jeder deutsche Volksgenosse. Die Gewinn- und Kapitalanhäufungen sind also nicht allein dazu da, um wenigen Bevorzugten ein angenehmes Leben zu gestalten und im übrigen die weitere Entwicklung des Arbeitseinsatzes den Sorgen des Staates zu überlassen, sondern diese haben als Nutznießer im Vertrauen zur Staatsführung mit Hilfe der verantwortlichen Leiter der freien Wirtschaft auch dem Staat, dem deutschen Volk in gemeinnütziger Weise nicht nur mit ihrem Wissen und Können, sondern auch mit ihren Mitteln zu dienen. Unendlich groß ist das Gebiet der Arbeitsbeschaffung. Unzählige Probleme gibt es zu lösen. Nationalsozialistischer Wille wird auch die letzten Hindernisse überbrücken. Das Ziel aber muß sein: nicht die „Leistung von Fall zu Fall", sondern die „höchste Leistung um jeden Preis" auf allen Gebieten des Lebens und Schaffens von allen Volksgenossen, gleichgültig, wo der einzelne seine Tätigkeit ausübt, zu erreichen. (Darunter ist zu verstehen: der besten Leistung den besten Lohn, nicht aber das Antreibersystem oder LohnVor dem Berliner Schöffengericht wurde dieser Tage der 36 Jahre alte Herbert Ortner wegen Heiratsschwindels zu zwei Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt. Die Vorgeschichte dieser Straftat darf weit über die Grenzen eines alltäglichen Kriminalfalles hinaus das Interesse der Allgemeinheit in Anspruch nehmen. Es war am 27. April vergangenen Jahres, als in einem Cafsder Berliner Jnnen- stadt eine junge Dame an den Tisch des Angeklagten mit den Worten herantrat: „Guten Tag, Hans, bist du endlich wieder im Lande?" Das Mädchen hielt Ortner für einen ehemaligen guten Bekannten, der vor sieben Jahren nach Amerika ausgewandert war. Es hatte hierzu allen Anlaß, da der Mann dem bewußten „Hans" tatsächlich zum Verwechseln ähn- l i ch sah. Zunächst wohl nur aus Abenteuerlust beließ Herbert das Mädchen ruhig in dem Irrtum. Dann aber, als er merkte, daß die neue Bekanntschaft über viel Geld verfügen mußte, spielte er mit vollem Bewußtsein und großem Geschick monatelang die Rolle eines anderen, der in Wirklichkeit gar nicht nach Deutschland zurückgekehrt war. In schamlosester Weise nützte Ortner das Vertrauen aus, welches das Mädchen zu „ihrem Hans" hatte, versprach ihm die Ehe und lockte ihm unter allen möglichen Vorwänden allmählich die gesamten Ersparnisse im Betrag von siebentausend Mark heraus. In wenigen Wochen wurde das Geld in Vergnügungslokalen und auf Rennplätzen verjubelt. Erft, als das Mädchen einen auffallenden Unterschied zwischen den Schriftzügen des echten und des falschen Hans feststellen mußte, kam der Schwindel auf. Statt ihrer ging eines Tages der Bruder des Amerikafahrers zum Stelldichein, entlarvte den Doppelgänger und veranlaßte seine Verhaftung. „Begräbnis" ohne einen Toten. Derartige Fälle, in denen Menschen ihre Namensgleichheit oder persönliche Ähnlichkeit mit anderen Personen zu großangelegten Betrügereien ausnutzen, sind nicht allzu selten. So hat auch ein bekannter Berliner Schriftsteller einen Namens- Doppelgänger, der immer wieder auf Kosten des Publizisten zu leben versucht. Er wurde deswegen erst kürzlich in der Reichshauptstadt zu einer längeren Freiheitsstrafe verurteilt. In einer süddeutschen Großstadt lebte vor Jahren ein wohlhabender Fabrikant, der gleichfalls einen Doppelgänger besaß. Entwicklung, denn es ist eine durchaus falsche Auffassung zu glauben, daß Belastungen des Staatshaushaltes keinerlei Einfluß auf den Geldbeutel nehmen würden. Ist der Staat frei von Lasten, dann werden Steuern oder sonstige auf den verschiedenen Gebieten liegende Abgaben nicht mehr nötig sein, so daß doch praktisch gesehen ein Mehreinkommen oder eine Mehrbelastung des eigenen Etats stets von dem Gesamtwohl des Volkes abhängen wird. Ist also der letzte Arbeitsuchende in Arbeit und Brot, denn darauf kommt es an, so ist mit diesem Schlußstein eine planvolle, organische Wirtschaftsentwicklung gesichert. Zedem„Olympier"sein Nationalgericht. Es heißt bekanntlich, daß Essen und Trinken Leib und Seele zusammenhält. In diesem Sinne werden jetzt in Berlin große Vorbereitungen getroffen, um die ausländischen G ä st e , die zur Olympiade aus aller Herren Länder zusammenströmen werden, auch in kulinarischer Hinsicht würdig zu empfangen. Wer in die tiefsten Geheimnisse der Berliner Hotelküchen eingeweiht ist, kann mit ruhigem Gewissen behauptet, daß eine solche besondere Vorbereitung eigentlich überflüssig ist. In Berlin arbeiten einige der besten Köche, die man auf der Welt auftreiben kann, wahre Spezialisten und Virtuosen ihres Handwerks, die alle internationalen Geschmäcker sozusagen aus dem Handgelenk beherr-; schen, Köche, die in ihrem Beruf mit wissenschaftlicher Gründlichkeit ausgebildet sind und selbst dann nicht in Verlegenheit geraten, wenn ein indischer Maharadscha sein Leib- und Magengericht verlangt. Um jedoch auch den abseitigsten und seltensten Eßraub!) Dann wird das deutsche Volk durch die Summe von guten Leistungen ein Faktor sein, der innen- und außenhandelspolitisch sich die Freiheit schaffen wird zum Wohlergehen des gesamten deutschen Volkes. Es darf nicht so sein, daß der einzelne danach fragt, was verdiene ich dabei, sondern wie diene i ch mit meiner Kraft und meinem Gelbe der Volkswirtschaft; nicht wo arbeite ich am bequemsten, sondern wo leiste ich die verantwortungsvollste und schwierigste, dem Staat wertvollste Arbeit. Nicht wo erhalte ich bufcf) meine Kapitalanlage höchsten Zins, sondern wie diene ich durch eine Kapitalinvestierung einer gesunden volkswirtschaftlichen Dieser Betrüger pflegte nicht nur alle möglichen Dinge auf den Namen des Fabrikanten persönlich zu bestellen und diesem dann die Rechnung ins Haus schicken zu lassen, sondern auch seinem Doppelgänger jeden erdenklichen Schabernack zu spielen. So erschienen eines Tages nacheinander die Feuerwehr, die Rettungsgesellschaft und der Leichenwagen vor dem Hause des Fabrikanten, die dieser angeblich selbst vor kurzem unter allen Anzeichen höchster Aufregung auf der nächsten Polizeiwache bestellt hatte. Es fiel dem Unglücklichen unter diesen Umständen natürlich sehr schwer, seine Schuldlosigkeit zu beweisen. Schließlich wußte er sich nicht mehr anders zu helfen, als eine öffentliche Ankündigung zu erlassen, daß nur der sich mit einer polizeilichen Legitimation ausweisende Fabrikant T dazu berechtigt sei, Bestellungen auf den eigenen Namen zu machen. Als Doppelgänger unschuldig hingerichtet. In Chikago wußte sich vor einigen Jahren ein berüchtigter G a n g st e r dadurch dem Arm der Gerechtigkeit zu entziehen, daß er eines Tages spurlos von der Bildfläche verschwand und dafür die Auf- merksmkeit der Polizei auf einen ihm zum Verwechseln g l e i ch s e h e n d e n Doppelgänger lenkte. Komplizen des Gangsters versteckten in der Wohnung dieses Mannes, eines gänzlich harmlosen, doch geistig etwas beschränkten Menschen, zu einer Verurteilung ausreichendes Belastungsmaterial und verständigten dann durch einen anonymen Brief die Polizei. Der Doppelgänger wurde festgenommen und trotz seiner Unschuldsbeteuerungen hingerichtet. Erst nach Jahren stellte sich die Verwechselung heraus. Auch viele berühmten Persönlichkeiten der Weltgeschichte, darunter Napoleon und Kaiser Franz Josef, besaßen Doppelgänger. In manchen Fällen erwiesen diese sich als recht nützlich, indem sie die Aufmerksamkeit von Attentätern, die den Potentaten nachstellten, auf sich selbst lenkten und bei öffentlichen Empfängen oder dergleichen statt der Herrscher „herumgereicht" werden konnten (siehe den Weiß-Ferdl - Film „Die beiden Seehunde). Das aktuellste Beispiel eines derartigen Doppelgängers findet man gegenwärtig in Abessinien, wo es außer Haile Selassie bekanntlich noch einen zweiten, unechten Kaiser gibt, der die Aufgabe hat, die Gegner des Negus irrezuführen. Aus aller: wisse Diät beschränken müssen, wenn sie kn körperlicher Hochform bleiben wollen, aber die zahlreichen ausländischen „Zaungäste" der Olympiade werben sich wahrscheinlich mit einem wahren Heißhunger auf all die appetitlichen und delikaten Gerichte stürzen, die ihnen von sachkundigen Berliner Händen liebevoll serviert werden. Jüdischer Arzt wegen fortgesetzter Abtret- bung vor dem Schwurgericht. Berlin, 6. Jan. (DNB.) Das Schwurgericht beim Landgericht Berlin trat am Montag in einen Abtreibungsprozeß ein, wie er in diesem Ausmaß die Berliner Gerichte noch nicht beschäftigt hat. Die Anklage richtet sich gegen den 45jährigen Dr. med. Max Kleinmann, einen aus Lublin in Rußland stammenden staatenlosen Juden, sowie zwei praktische Aerzte, die Dr. Kleinmann bei seinen verbotenen Eingriffen durch Leistung von Operationshilfe unterstützt haben sollen. Ihnen wird gewerbsmäßige Abtreibung in rund 60 Fällen sowie fahrlässige Tötung in einem Falle zur Last gelegt. Wegen Beihilfe sind ferner drei Frauen angeklagt, die als Heilkundige bezw. Hebammen den Aerzten in erheblichem Umfange Patientinnen zugeführt haben. Die strafbaren Handlungen erstrecken sich über die Jahre 1929 bis 1934. Dr. Kleinmann unterhielt eine Praxis als Frauenarzt am Kurfürstendamm. Seine Abtreibungstätigkeit nahm einen solchen Umfang an, daß im Laufe der Voruntersuchung 170 von ihm behandelte Frauen vernommen werden mußten. In rund 60 Fällen hat sich nach Auffassung der Staatsanwaltschaft ein Schuldbeweis führen lassen. Vom Gericht sind nicht weniger als 125 Zeugen sowie zwei medizinische Sachverständige geladen. Die Verhandlung, die mehrere Monate andauern wird, wird größtenteils unter Ausschluß der Öffentlichkeit geführt werden. Vollstreckung eines Todesurteils wegen Landesverrats. Die Justizpressestelle Berlin teilt mit: Der vom Volksgerichtshof am 19. September 1935 wegen Verrates militärischer Geheimnisse zum Tode und dauernden Ehrverlust verurteilte 36jährige Franz Süß aus Niederreidenbacherhof im Hunsrück ist heute morgen in Berlin hingerich - t e t worden. Der Führer begnadigt. Das Schwurgericht in Tilsit hat am 7. Juni 1935 die 47jährige Florentine Habedank aus Rocken wegen Mordes zum Tode verurteilt. Sie hatte am 11. September 1932 aus Eifersucht und Erbitterung über grausame Mißhandlungen ihren Ehemann Fritz Habedank erschossen. Der Führer und Reichskanzler hat im Gnadenwege die Todesstrafe in lebenslange Zuchthaus st rafe umgewandelt. Späte Aufdeckung einer scheußlichen Bluttat. Der Berliner Kriminalpolizei gelang es, in Adlershof bei Berlin ein furchtbares Verbreche n aufzudecken, das bereits am zweiten Pfingst- feiertag 1935 begangen worden ist. Der damals in Adlershof bei einer 48jährigen geschiedenen Frau Ahl wohnende 40jährige Richard Wegner, der bereits mehrfach vorbestraft ist, hatte sich in letzter Zeit dadurch verdächtig gemacht, daß er Einrich- tungsgegenstände der Frau Ahl verkaufte. Wegner behauptete, er habe von Frau Ahl, die sich auf Reisen befände, die Vollmacht erhalten, ihren Hausstand aufzulösen. Da der Verdacht gegen Wegner sich immer mehr verdichtete, begaben sich Beamte der Kriminalpolizei in die Wohnung und stellten dort zu ihrer Ueberraschung fest, daß sämtliche Räume völlig leer waren bis auf einen einzigen Bücherschrank. Da Wegner, der inzwischen eine andere Unterkunft bezogen hatte, sich weigerte, diesen verschlossenen Schrank zu öffnen und ein äußerst verdächtiges Benehmen an den Tag legte, sagten die Beamten ihm auf den Kopf zu, daß er die Frau ermordet und ihre Leiche in dem Schranke verborgen habe. Wegner g e st a n d den Mord ein. Als die Beamten den Schrank öffneten, machten sie die schaurige Entdeckung, daß, in Lumpen verpackt und mit Chlorkalk bestreut, die zerstückelten Leichenteile der Frau Ahl in den einzelnen Fächern lagen. Im Laufe der Vernehmung gestand Wegner, daß er die Tat bereits am zweiten Pfingst- f e i e r t a g vorigen Jahres begangen habe. Er behauptete, er habe die Frau im Verlaufe eines Streites getötet, die Leiche dann zwei Tage in der Wohnung liegen lassen und sie mit einem Beil zerstückelt. Der Mörder wurde ins Polizeipräsidium eingeliefert, wo die Vernehmung den ganzen Tag über fortgesetzt wurden, um die Einzelheiten der furchtbaren Bluttat endgültig aufzuklären. Durch Die reichliche Verwendung des Chlorkalkes hatte Wegner cs erreicht, daß !n dem Haufe kein verdächtiger Verwesungsgeruch auftreten konnte. Zwölfjähriges Mädchen vermißt. Seit dem 25. August 1935 wird die Schülerin Erna Vogel, geboren am 6.5.1923 zu Schlott- nig, zuletzt' wohnhaft in Berlin-Marienfelde, vermißt. Die Nachforschungen nach dem jetzigen Aufenthalt des Mädchens waren ohne Erfolg, lieber ihren Verbleib fehlt jeder Anhaltspunkt. Sie wurde zuletzt in Begleitung eines Radfahrers gesehen. Die Vermißte ist 1,25 bis 1,30 Meter groß, untersetzt, hat blonde Haare (Bubikopf), blaue Augen, etwas breiten Mund und eine runde Narbe mitten auf der Stirn. Es ist damit zu rechnen, daß an dem Mädchen ein Lustmord begangen wurde. Der Polizeipräsident in Berlin hat für Angaben aus dem Publikum, die zur Ermittlung der Vermißten führen, eine Belohnung von 100 0 Mark ausgesetzt. Für die Auffindung der Leiche des Mädchens wird eine Belohnung von 300 Mark gezahlt. Personen, die in dieser Sache irgendwelche Angaben machen können, werden gebeten, sich umgehend an die nächste Polizeidienststelle zu wenden. Hauptmanns Hinrichtung verschoben. Nachdem das Begnadigungsgericht in Trenton (New Jersey) bekanntgegeben hatte, baß es das von Bruno Hauptmann eingereichte Gnadengesuch prüfen werde, hat Gouverneur Hoffmann die auf den 14. Januar festgesetzte Hinrichtung Hauptmanns auf einen späteren Tag verschoben. Gouverneur Hoffmann ist entschlossen, jede Möglichkeit einer völligen Aufklärung der Ermordung des Lindbergh-Kindes zu erschöpfen, ehe er die Hinrichtung Hauptmanns gestattet. Banditen überfallen fünf Autobusse in Mexiko. Banditen überfielen zwischen Guanajuato und Dolores Hidalgo (Mexiko) fünf Omnibusse. Bei dem Feuer, das die Banditen auf die Wagen abgaben, wurden ein Soldat und ein Zivilist getötet. Zwei Frauen wurden verwundet. Die Banditen gaben vor, zwei Abgeordnete zu suchen, die sich mit dem Plan trügen, eine sozialistische Propagandatätigkeit im Staate Guanajuato zu entfalten. Da die Banditen diese beiden Abgeordneten, die sie in den Omnibussen als Fahrgäste vermuteten, nicht vorfanden, ließen sie die "Ueberfallenen wieder frei. Die Post des verunglückten Flugzeugs „City of Khartum“ gerettet. Wie aus Alexandrien gemeldet wird, ist es jetzt gelungen, das Wrack des verunglückten englischen Großflugzeuges „City of Khartum“ zu heben. Man hat bisher 71 Postsäcke und Pakete bergen können. Nur zwei Postsäcke befinden sich im Wrack. Fast die gesamte Post ist somit gerettet worden. Das Wildschwein auf der Kühlerhaube. Ein nicht alltägliches Erlebnis hatten dieser Tage auf einer Waldstraße in der Nähe von Blankenheim (Eifel) die Insassen eines Düsseldorfer Kraftwagens. Eine Wildsau, die sich gerade auf der Straße befand, sah nicht die Notwendigkeit ein, dem herankommenden Auto auszuweichen und sprang schließlich — wohl mehr aus Schreck als aus Angriffslust auf die Kühlerhaube des Wagens. Die stille Erwartung des überraschten Fahrers, den Schwarzkittel bei lebendigem Leib seine erste Autofahrt erleben zu lassen, sollte sich allerdings nicht erfüllen, denn das Borstentier strebte ebenso schnell wieder von seinem Sitz herab, wie es heraufgekommen mar, um dann schleunigst im Walde zu verschwinden. Heringsschwärme bei Helgoland. Schon seit Jahren waren die Sprotten- und Heringsschwärme in der deutschen Bucht völlig ausgeblieben. Jetzt sind plötzlich bei Helgoland riesige Heringsschwärme aufgetreten. Die Finkenwärder Hochseekutter, die mit dem Heringsfang bei Helgoland beschäftigt sind, haben bereits reiche Fänge gemacht. Stellenweise sind die Schwärme so dicht, daß die Netze schon kurz nach dem Auswerfen wieder gefüllt an die Oberfläche treiben. Da die Heringe sich zum Teil in flachem Wasser zwischen Düne und Klippen aufhalten, gestaltet sich der Fang oft recht schwierig. Sprottenschwärme haben sich auch diesmal in' der deutschen Bucht nicht gezeigt. Der Rhein und seine Rebenflüsse fallen wieder. Infolge der sehr starken Niederschläge in der Vorwoche waren der Rhein und seine Nebenflüsse bis zum letzten Sonntag beträchtlich gestiegen. In Ehrenbreitstein wie auch in vielen anderen Orten des Mittelrheins waren die Fluten über die Ufer getreten. Der Pegel des Rheines und der Nebenflüsse erreichte in der Nacht zum Montag den Höchststand. Durch den Witterungswechsel trat von den frühen Morgenstunden des Montags an ein Rückgang des Hassers ein, so daß die zuerst eingeschränkte Rheinschiffahrt am Montag wieder voll in Gang gesetzt werden konnte. Die Moselschiffahrt bleibt weiterhin gesperrt, ebenso wie die Floß-Schiffahrt auf dem Rhein. Em Riesen-Flunder? Aus den ersten Blick könnte es so scheinen. In Wirklichkeit handelt es sich jedoch um den riesigen. Se e- Elesanten Roland II., der in seinem Schwimmbecken im Berliner Zoo beim „Mittagsschläfchen überrascht wurde. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Amerikanische prominente ans der Flucht vor der Unterwelt. Wer gegenwärtig das Pech hat, in Amerika prominent zu sein, ist ein armer Mann, da er keinen Augenblick seines Lebens sicher ist. Mögen auch die Meldungen von der Flucht des berühmten Ozeanfliegers Lindbergh übertrieben fein, so steckt doch zweifellos mehr als ein Körnchen Wahrheit darin: es scheint, als ob in den Vereinigten Staaten die prominenten Leute auf Schritt und Tritt von der Unterwelt beobachtet und verfolgt würden. Nachdem sich nun der gefeierte Nationalheld Lindbergh angeblich aus Angst vor den amerikanischen Verbrechern entschlossen hat, seine Zelte abzubrechen und für sich und seine Familie eine neue Heimat zu suchen, um ungestört und in Frieden leben zu können, soll auch die berühmte Filmschauspielerin Marlene Dietrich die Absicht haben, Amerika für immer zu verlassen, da sie befürchtet, man könnte ihr eines schönes Tages ihre kleine Tochter rauben. Es wird sich erst Herausstellen, wie weit diese überraschende Nachricht der Wahrheit entspricht. Vielleicht ist diese geplante Flucht Marlenes vor der Unterwelt nur Reklametrick, die Erfindung irgendeines geschickten und geschäftstüchtigen Reporters. Es ist aber ebenso gut möglich, daß Marlene Dietrich, die in Hollywood zu den gefeiertsten Schauspielerinnen gehört, tatsächlich aus Furcht vor Verfolgung. Erpressung und Kindesentführung den Entschluß gefaßt hat, nach Europa zu übersiedeln. Wenn dies der Fall wäre, so könnte man von einer beginnenden Angstpsychose sprechen, die auf die amerikanischen Verhältnisse ein bezeichnendes Licht werfen würde. Man kann die Art und Struktur dieser Verhältnisse von Europa aus schwer beurteilen, da hier zu Lande eine solche Tragikomödie unvorstellbar wäre. Man denke sich bloß einmal den Fall, daß irgendeine bedeutsame Persönlichkeit im nationalsozialistischen Deutschland aus Furcht vor der Verbrecherwelt zum Auswandern gezwungen wäre! Aber Deutschland ist nicht Amerika. In Amerika scheinen die Verbrecher immer- noch Oberwasser zu haben. Ein Umstand, der zweifellos durch eine gewisse Sensationssucht und abenteuerliche Kitschromantik bedingt ist. Wir haben es allzu oft erlebt, daß sich amerikanische Rechtsanwälte Arm in Arm mit ihren verbrecherischen Klienten in einer sensationellen und „publikumswirksamen" Pose photographieren ließen, um für sich und ihr Geschäft Reklame zu machen. Wie geschmacklos, wenn zum Beispiel der Vater eines Raubmörders in bengalischer Beleuchtung auf Ka- barettbühnen gegen ein saftiges Honorar die rührselige Geschichte' seines entarteten Sohnes erzählt, wobei das Publikum vor „Mitleid" in Extase gerät! Wenn man das Publikum immer wieder mit den tollsten und aufregendsten Schauergeschichten füttert, so ist es kein Wunder, wenn in gewissen Kreisen der Sinn für die Unmoral verbrecherischer Handlungen sehr stark zusammengeschrumpft ist. Amerika wird zwar gewiß keinen unersetzlichen Verlust erleiden, wenn Marlene Dietrich ihre höchst- bezahlten Beine nach Paris verfrachtet, aber hipfe Flucht ist immerhin als Symptom von Bedeutung. Erfolgreiche Forschungsreise eines jungen deutschen Tibetforfchers. ohne Beispiel sind. Ständig bedroht von lieber« fällen durch Räuber, von schwersten Schneesturmen ging der Weg durch einsamste Gebiete, über 800 Kilometer von der letzten Jnlandsmission entfernt, auf einer durchschnittlichen Marschhöhe von über 4700 Meter über dem Meeresspiegel. Infolge der lleberanftrengungen und des Aberglaubens der eingeborenen Begleiter kam es zu einer Meuterei der Expeditionsmannschaft, die die Disziplin Schaefers jedoch überwand. In einem der weltentlegenen Gebiete, die nie zuvor ein Weißer betreten hat, stieß die Expedition auf Wildyak-Büffel, auf Wildpferde, auf Wölfe und auf den gefährlichen Grisly- bären. Das von der Schaeferfchen Expedition durchreiste Gebiet ist wissenschaftlich mit dem Nimbus eines unerforschten Neulands umgeben. Es ist eines der interessantesten der Erde in entstehungsgeschichtlicher Hinsicht. Auf der ganzen Forschungsreise bewiesen die chinesischen und tibetanischen Gehilfen eine bemerkenswerte Ausdauer, Eifer und Geschick. Hierauf beruht der große Erfolg der Expedition mit. Französisch-sowjetrussisches HandeS- abkommen. Paris, 6. Jan. (DNB.) Das französisch-sowjetrussische Handelsabkommen wurde durch den französischen Handelsminister Bonnet und den sowjetrussischen Botschafter in Paris, Potemkin, unterzeichnet. Die Sowjetunion ist verpflichtet, die der französischen Industrie erteilten Aufträge fortan bar z u bezahlen. Die Höhe der an Frankreich zu erteilenden Aufträge soll dem Wert der sowjetrussischen Einfuhr nach Frankreich gleichgesetzt werden. Auch die Frage einer französischen 800-Millionen-Fran- k e n - A n l e i h e (131,2 Millionen RM.) wurde erörtert. „L'Jnformation" sagt, man habe an einen Lieferungskredit in Höhe von 300 Millionen Franken für 1936 und von 500 Millionen Franken für 1937 gedacht. Obwohl sich der Pariser Finanzmarkt ziemlich zurückhaltend gezeigt habe, sei die Frage nicht erledigt. Die Entscheidung über die Gewährung der Anleihe gehöre zur Zuständigkeit der Regierung. Wetterbericht des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. Der recht kräftige irländische Tiefdruckwirbel füllt sich zwar langsam auf, steuert jedoch in wechselnder Folge Luftdruckfall- -Steiggebiete über uns hinweg. Erstere bringen dabei Verschlechterung mit Niederschlägen, letztere vorübergehende Witterungsbesserung. Die heute früh durch Mittelfrankreich sich erstreckende Regenfront wird uns noch im Laufe des Dienstag erreichen. Anschließend kann wieder mit Witterungsbesserung gerechnet werden. Doch bleibt der Gesamtcharakter auch weiterhin unbeständig. Die in der Höhe eingetretene Abkühlung hat vornehmlich in den höheren Mittelgebirgen Anlaß zu Schneefällen gegeben, während es in uitferen Nachbargebirgen nur zum Aufkommen einer dünnen und vielfach auch durchbrochenen Schneedecke gelangt hat. Aussichten für Mittwoch: Zunächst wieder zeitweilige Aufheiterung und nur noch ganz vereinzelte Niederschläge, Temperaturen wenig verändert, Winde um Süd. Aussichten für Donnerstag: Fortdauer der wechselhaften und zu einzelnen Niederschlägen geneigten Witterung. Lufttemperaturen am 6. Januar: mittags 3,1 Grad Celsius, abends 3,5 Grad; am 7. Januar: morgens 2,3 Grad. Maximum 4,4 Grad, Minimum 0,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 6. Januar: abends 2,1 Grad; am 7. Januar: morgens 1,6 Grad Celsius. — Niederschläge 0,4 mm. Kürzlich kehrte der wissenschaftliche Leiter der zweiten Dolan-Expedition, der junge deutsche Tibetforscher und SS.-Mann Ernst Schaefer, von einer der bedeutendsten Forschungsreisen in den Gebieten Zentralasiens nach Schanghai zurück. Hervorragende wissenschaftliche Ergebnisse und reichhaltige Sammlungen sind die Ausbeute dieser Reise. Von der tibetanischen Grenzstadt Tatsienlu führte der gefahrvolle Weg über gewaltige Bergketten nach den sagenhaften Quellgebieten des Pangtse-Flusses. Schaefer führte die Expedition unter den schwierigsten Verhältnissen zu Erfolgen, die in der Geschichte der Erforschung Hochtibets Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel D.A. XII. 35: 11300. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. DAN mTäG Büdingen, Vorstadt 11 (z. Z. Gießen, Wernerwall 3 p.), den 5. Januar 1936. Ufa), gefacht. 1O1D Solides, fleißig. M>MU Wilhelmstr.63H Goethestr. 65 I. lllW.MM (tzoethestr. 65 I. Ihre Geschäfts- Drucksachen stellen dieVerblndung her zu Ihren Erzeugnissen.Man stellt sich die Beschaffenheit Ihrer Waren so vor, wie man Briefbogen, Briefumschläge,Postkarten, Rechnungen, Geschäftskarten Ihres Hauses beurteilt. Legen Sie deshalb Wert auf gepflegte Drucksachen I Wir bieten sie Ihnen preiswert! Brühl'sche Druckerei Schulstr. 7. Ruf 2251 L-uche per sofort ein kinderliebes, im Haushalt erfahrenes Jndustriesirma sucht Provisionsvertreter für den Verkauf v. Rundfunkgeräten forme elektr. Materialien, wie Motoren, Schaltkästen ufa). Derselbe muß bei der einschlägigen Kundschaft gut eingeführt sein und über Auto verfügen. Schriftl. Ang. erbeten unt. 102D a. d. G. A. Die Beerdigung findet in Gießen am Donnerstag, dem 9. Januar, nachmittags 2% Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofs aus statt. qrs Die trauernden Hinterbliebenen Klein-Linden, den 6. Januar 1936 In tiefem Schmerz: Adolf Repp Rosa Götz, geb. Wagner Paul Götz Adolf und Margot Götz. Nachlässe von 3 b/s 20 v. H. erhalten Sie bei wiederholten Veröffentlichungen einer Anzeigei iOrdentl. Mädchen für Haushalt gesucht. Zu erfrag, in der Geschäftsstelle des Gieß. Anzeigers. iosD MWM Gießen 64D Mittw., 8. Jan., 19.30-23 Uhr 13.Mittwoch-Ab. Preise von 1.00bis3.20RM. Die Tanzgräfin. Operette von Jemand mit guter Handschrift für Buchhaltungs arbeiten zweitw. gesucht. Schriftliche Angebote unt. 093 an d. Gieß. Anz. Bräuer. SvieÜ.: Paul Wrede. __Tänze: TherySchultheiS Bedeutende Bronzefarb und Pinselfabrik sucht Bearbeitung des rechtsrheinii Gebietes bei Drogen- u. Farbenhandlungen bestens eingeführten Vertreter gegen Provision und evtl. Spesenzuschuß. Herren mit eigen. Ayto ohne größere Nebenvertretungen werden bevorzugt. Angebote mit kurzem Lebenslauf u. Angabe der Neben vertret, erb. u. NGC. 103 an die ALA, Nürnberg. 94V Danksagung Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgang unseres lieben Entschlafenen Joh.Wilhelm Reuschling für die vielen Kranz- und Blumenspenden, die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers König und die ehrenden Nachrufe des Gesangvereins Arion und des Turnvereins sagen wir auf diesem Wege unseren innigsten Dank z.ii.ril.kMe,MlnilgMii Wettergasse 38. Schr.An, 092n.b.< OlklMalM für 3 Tage alle 3-4 Wochen für Herrenartikel,Trikotag.,Strümpfe Heute morgen 3 Uhr entschlief nach langem schweren, mit bewundernswerter Geduld ertragenem Leiden meine innigstgeliebte, treusorgende und unvergeßliche Frau, meine liebe einzige und unersetzliche Schwester und Schwägerin, unsere herzensgute Tante Paula Repp, geb. Wagner im 43. Lebensjahre. Lehr: mäddien Alter etwa 16 I., für besseres Klolonialwaren- . f geschäft sofort gesucht. Schr. Ang. mit Abschriftd.Schul- zeugn. unt. 61D an d. Gieß. Anz. Saub., ehrliches Mädchen für «/9 od. 8/4 Tag gesucht. Zu erfr. unGieß. Anzeig. Ruhige Familie 4-5-ZiSmg in guter, freier Lage z. 1. April oder später. Schr.Angeb.unt. 089 an den Gieß. Anzeiger erbet. Größerer togtrw mit Halle und Büroraum auf 1. April 1936 zu mieten gesucht. Schriftl. Angeb. unt. 087 an den Gieß. Anzeiger. | Stellenangebote^ Keine Ursprungszeugnisse, lonbem nur Zeugnisabschriften dem Be- werbungsfchreiben bet legen I — LichtbUder undBewerbungsuntev lagen müffen zur Vermeidung von Verlusten aus der Rückseite Namen und Anschrift des Bewerbers tragen 1 Erfahrene GieiWlet an allen Orten gesucht zum Aufkauf von Eiern für Großhandel. KeinUebernahme- schein erforderlich, Gute Verdienstmöglichkeit Schr.Angeb.unt. 100D a.d. G. A. Mädchen oder Frau für 2 Stunden ' morgens sofort IIU1UIU gefacht. 090 meb.unt. Frau Torr Gietz.A.l Seltersw. 75 III NI, jeder gibt x -"^as °r vermag! | Vermietungen] Großes, helles Zimmer mit schön, luftig. Keller und Garage zu vermieten. Auskunft Seltersweg 22 (Laden). Ogg | Mietgesuche | Tame sucht freundlich 98 D O Nr. 5 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhessen)Dienstag, 7. Zanuar (93b Der Führer beglückwünscht Sonja Heme. Die Weltmeisterin im Eiskunstlauf, Sonja Heute, trat im Prinzregenten-Eisstadion in München auf. Der Veranstaltung wohnte auch der Führer und Reichskanzler bei, der die berühmte Eiskunstläuferin durch Ueberreichung eines prachtvollen Blumenstraußes besonders auszeichnete. (Presse-Illustration Hoffmann-M.) Rüstungskammer Kerner Osten. Von unserem 6. p.-Äerichterstatter. Meter Beton gelegt. Und das alles unter den in meteorologischer Beziehung außerordentlich schwierigen Verhältnissen im Fernen Osten, wo der Winter 7 bis 8 Monate dauert, der Frost 60 bis 65 Grad erreicht und es die übrigen vier Monate des Jahres ununterbrochen regnet. Die Arbeiter — Hunderttausende von politischen Gefangenen, die bereits den Weiß-Meer-Kanal gebaut haben — standen bis zum Leib im Eiswasser. In furchtbaren Schneestürmen wurden Felsen gesprengt, reißende Bergflüsse mußten durchwatet, im strömenden Dauerregen Brücken errichtet werden. Tausende von Sträflingsarbeitern sind gestorben und verdorben. — wer zählt sie? Und nun: Japan — wie reagiert es auf diese Kriegsrüstungen Moskaus? Fast täglich kommen neue Nachrichten über die Zuspitzung der Beziehungen Moskau—Tokio, über Grenzzwischenfälle, bei denen es Tote und Verwundete gab, über Bündnisverhandlungen und „Beistandsverträge", über Ministerbesuche und neue „Unabhängigkeitsbewe- aungen", über Abgrenzung der Einflußzonen und Aufteilung neuer Gebiete. Die Bahnbauten der Sowjets werden von Japan seinerseits mit Verbesserungen der Verkehrsverbindungen in Man- dschukuo beantwortet. Anfang Dezember sind die neuen Linien Sypingpai—Siam und Linkau— Mischan in Betrieb genommen worden, die eine Sicherung der japanischen Verbindungen „im Ernstfall" und eine Verkürzung des Weges Japan— Mandfchukuo zum Ziele haben. Der Ausbau der Fluglinien sorgt für eine weitere Beschleunigung des Verkehrs. Andererseits ist Japan bestrebt, der Ausbreitung des kommunistischen Einflusses in der Aeußeren Mongolei und in China eine Verstärkung seiner eigenen Positionen in Mandfchukuo und in der Inneren Monaolei, und den Rüstungen der Sowjets die Schaffung eigener neuer Stutzpunkte entgegenzusetzen. Beide Seiten rüsten fieberhaft, beide beziehen die Positionen. Denn die Spannungen nehmen mit jedem Tage zu. In dem Raum zwischen Sowjetrußland, Chinesisch-Turkestan, Nordchina und der Mandschurei liegt die Mongolei — ein ziemlich vager geographischer Begriff, da ihre Grenzen weder gegen China, zu dem sie bisher gehörte, noch gegen Mandfchukuo genau festgelegt sind. Ihr nordwestlicher Teil, die Aeußere Mongolei, ist seit 1925 sowjetistisch, — die „Mongolische Volksrepublik" — der süd« ö st l i ch e Teil ist bereits zu einem Teil Man» dschukuo einverleibt und zu einem anderen japanisch durchdrungen. Noch vor zwei Monaten war es aus- gemachte Sache, daß „hier der nächste Weltkrieg aus- bricht'. Inzwischen ist Japan aber zunächst zur Ausrufung der Unabhängigkeit Nordchinas geschritten, und fernöstliche Strategen argumentieren, daß Japan damit einen wichtigen Schritt der „Sicherung der zweiten Etappe" getan habe. Ein Blick auf die Karte lehrt, daß dieses Gebiet in der Tat für Japan außergewöhnlich wichtig ist. Eine Ausbreitung des Moskauer Einflusses über die Aeußere Mongolei und die kommunistischen Provinzen Nordwestchinas nach den gegenwärtig als „unabhängig" erklärten nordchinesischen Provinzen würde stets die Gefahr eines Flankenangriffs und eine Bedrohung der rückwärtigen Verbindungen Japans bedeuten. Vom Standpunkt Tokios war es also ein kluger strategischer Plan, sich Nordchina zu sichern. Unabhängig davon bleibt jedoch die Mongolei der Zankapfel zwischen Moskau und Tokio. In dem gleichen Maße, wie Tokio die Innere Mongolei — sei es in der Form des offenen Anschlusses an die. Mandschurei oder in der Form der Ausrufung eines neuen „unabhängigen Staates" — mit feiner Herrschaft durchdringt, ist es bestrebt, auch in der Aeußeren, der sowjetistischen Mongolei Fuß zu fassen. Diesem Zwecke dienten die mandschurisch-mongolischen Verhandlungen auf der Station Mandschurija, die eine Beilegung der vielen Grenzzwischenfälle bezweckten und auf denen die mandschurische (also japanische) Seite ultimativ die Ernennung eines mongolischen Vertreters in Tschangtschun und eines mandschurischen in Ulan Bator verlangte. Damit sollte eine indirekte Anerkennung der Mandschurei und zu gleicher Zeit eine japanische Kontrolle der Aeußeren Mongolei er- (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Irkutsk (Sibirien), im Dezember 1935. In Irkutsk und auf den tausenden Kilometern westlich und östlich der Hauptstadt der Baikalprovinz herrscht ein für Sowjetoerhältnisse außergewöhnliches Betriebsfieber. Hier rollen Züge mit Baumaterialien, mit Artillerie und schwerer Munition, hier werden Flugplätze gebaut und Schienenstränge gelegt, hier kommen und gehen Tausende von politischen Gefangenen, die unter der Knute des Jnnenkommissariats, der früheren GPU., und in Verhältnissen, die für einen mitteleuropäischen Arbeiter geradezu undenkbar sind, schuften — hier wird aber vor allem gebaut, gebaut und nochmals gebaut. Denn von hier bis nach dem fernsten Fernen Osten, bis hart an der Küste des Japanischen Meeres und des Tatarensunds, baut der Kreml seine große Aufmarschbasis für — — die Zukunft. Es gibt gewiß nicht viel Dinge, die im Rahmen des sogenannten zweiten Fünfjahresplans der Sowjetindustrialisierung so schnell und so gründlich vollbracht, die — um in der amtlichen Sowjetsprache zu bleiben — so reell durchgeführt und so pünktlich „erfüllt" wurden, wie die Bauarbeiten im Fernen Osten. Eine kleine Aufzählung, die indessen noch keineswegs den Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann, beweist aber, wie verflucht ernst es den Sowjets mit einer Sicherung der miltärischen und verkehrstechnischen Positionen im Fernen Osten ist. Anfang November wurde — ohne daß diese Tatsache in der Weltpresse die entsprechende Würdigung erfahren hätte — eine fast 900 Kilometer lange Auto st raße von Chabarowsk, dem Sitz der Fernostregierung und dem Sitz des Stabes der Blücher-Armee, nach dem wichtigsten Hafen der fernöstlichen Küstenprovinz Wladiwostok („Beherrsche den Osten"!) in Betrieb genommen. In diesen Tagen aber ist ein noch wichtigerer Abschnitt im Ausbau der fernöstlichen strategischen Straßen erreicht worden: Die A m u r b a h n , der große Umgehungsbogen, der nach dem Fortfall der Chinesischen Ostbahn für die Sowjets eine ausschließliche Bedeutung als einziger Verbindungsweg nach der Küstenprovinz gewonnen hat, ist von der Station Karymskaja, d. h. dem Punkt, wo die chinesische Ostbahn von der großen sibirischen Magistrale abzweigt, bis in die Umgegend von Chabarowskzweigleisig ausgebaut worden. 1500 Kilometer dieser neuen Strecke sind bereits dem Verkehr übergeben, an die restlichen über 500 Kilometer wird die letzte Hand angelegt. Nimmt man hinzu, daß zu gleicher Zeit die große U m - gehungsbahn am Baikalsee im Bau ist, die — bei Taischet nordwestlich von Irkutsk beginnend — die Amurbahn bei Magotscha erreichen und den Weg nach Wladiwostok um nahezu 1000 Kilometer verkürzen soll, und daß nach einem Vertrag mit der Regierung der Aeußeren Mongolei — der Sowjet-Volksrepublik Mongolei — eine Serbin» dungs st recke zwischen deren Hauptstadt Ulan Bator und Tschita an der Amurbahn gebaut wird, dann vervollständigt bas nur das Bild der strategischen Bahnbauten der Sowjets, die fieberhaft am Werke sind, um den fernöstlichen Raum und ihre Küstenprovinz strategisch zu sichern und militär- wirtschaftlich zu entwickeln. Welche Schwierigkeiten hier überwältigt werden müssen und unter welchen Bedingungen die Hunderttausende der politischen Gefangenen unter der Knute der GPU. auf den 2000 Kilometer östlich von Irkutsk arbeiten müssen, daöon geben die Veröffentlichungen der Sowjetzeitungen ein treffliches Bild. In zwei Jahren sind 47 Millionen Kubikmeter Erdreich bewegt worden, davon 8 Millionen Kubikmeter Felsen. 2992 Stations- und andere Gebäude wurden errichtet, 30 Kilometer Brücken gebaut. Es sind 380 Kilometer Rangiergeleise und 1435 Weichen gelegt worden. 1,3 Millionen Faß Zement hat man verbraucht und 700 000 Kubik- Die Trauerparadezn EbrendesVotschastersMer Wx Lb rl ÄWM A. 5^, V- Auf dem Pariser Ostbahnhof, wo der Sarg des deutschen Botschafters Roland Köster, bedeckt mit der Reichsflagge, vor der Ueberführung nach Heidelberg aufgebahrt war, defilierten, nachdem der französische Marineminister Pietri warm empfundene Abschiedsworte gesprochen hatte, je ein Regiment Mobilgarde zu Fuß und zu Pferd und ein Regiment Artillerie mit Geschützen unter Führung eines Generals in Trauerparade vorüber. — (Scherl-M.) „Stradivari." Lichtspielhaus. Wenn man den Titel lieft, vermutet man zunächst, es werde sich wieder um einen jener Musiker-Filme handeln, wie sie in letzter Zeit sehr in Mode gekommen sind. Es erweist sich aber bald, daß es weniger um die Geschichte eines Musikers geht — die wird nur episodisch gestreift — als um die Geschichte eines Instrumentes, jener berühmten Cremoneser Geige nämlich, welche Stradivari 1673 gebaut und, mit einem B auf dem Halse gezeichnet, Beatrice Amati, der Tochter des nicht minder berühmten Geigenbauers, gewidmet und aus Liebe verehrt hat. Diese „Beatrice"-Geige, die lange als verschollen galt, ist nach der Legende, ähnlich wie das von gewissen berühmten Edelsteinen erzählt wird, ein Unglücksbringer gewesen: jeder ihrer Besitzer durch die Jahrhunderte hin starb eines frühen und gewaltsamen Todes. Im Schicksalsjahre 1914 — so will es die Fabel; Drehbuch von Ernst M a r i s ch k a — taucht das verschollene Instrument wieder auf: als Erbstück fällt die Geige unvermutet einem musikalisch sehr begabten, jungen ungarischen Honvedoffizier zu, und damit setzt die eigentliche Handlung ein, eine Liebesgeschichte, in der nun freilich, dem ursprünglichen Thema entsprechend, der Musik im allgemeinen (Alois Melichar schrieb die Partitur) und dieser merkwürdigen Geige im besonderen eine entscheiden Rolle zugeteil't ist dergestalt, daß im Rahmen einer fließenden und auch spannenden Spielhand- lung die Geschichte des Instrumentes und der mit ihm verbundenen Schicksale in flüchtigen Bildern durch die abgelebten Zeiten verfolgt wird, wie sie von dem unglücklich liebenden Erbauer zu einem auf der Guillotine endenden Marquis, von diesem zu einem in Rußland gefallenen napoleonischen Obersten, und von diesem zu einem aus Eifersucht im Konzert erschossenen Zigeunerprimas wandert, — bis sie endlich dem Budapester Oberleutnant unversehens in die Hände gerät. Der zweite Teil des Films beschäftigt sich nun damit, auszumalen, wie — allen Legenden und schlimmen Vorzeichen zum Trotz, die zunächst auch hier Recht zu behalten scheinen — die „Beatrice" zum ersten Male einem Besitzer nicht Unglück bringt, sondern zum Segen gereicht: er kommt, schon totgesagt, aus dem Kriege heim und findet die Geliebte, die er durch die Geige kennenlernte, zum zweiten Male wieder, als sie schon fast einem andern gehört. — Die Regie, Geza von Bolvary, hat die schicksalhafte Bindung zweier Menschen, durch ein seelenvolles Instrument sehr anziehend gestaltet und das Motiv nicht nur musikalisch, sondern auch bildhaft, mit der Kamera, zu erfassen verstanden. (Das gleiche Motiv hat sich übrigens schon früher im Film als dankbar erwiesen.) Den Oberleutnant spielt Gustav Früh- l i ch; wir haben ihn bereits des öfteren, z. B. in den „Abenteuern eines jungen Herrn in Polen", in ähnlicher Umgebung und in der gleichen Uniform spielen sehen, die ihm vortrefflich steht; aber das ist ja nun nicht ausschlaggebend, er beginnt zwar so unverbindlich-harmlos und obenhin wie in den belangloseren Rollen, die man ihm in letzter Zeit gab, findet sich aber bann in ein mehr verinnerlichtes Spiel und erweist sich der Partnerin würdig; das ist Sybille Schmitz, die hier, ganz auf der Linie der großen und interessanten Filme, in denen sie zuletzt mitwirkte, mit ihren bestechend sparsamen Mitteln, sehr einfach, aber sehr glaubhaft und ausdrucksvoll die Geigerin Maria darstellt. Um diese beiden wichtigsten Figuren gruppiert sich ein vielgestaltiges Ensemble, in dem sich Harald Paulsen, Albrecht Schoenhals, Hans L e i b e l t, Veit Harlan, Hilde Krüger, Elisabeth Wendt, Theodor Loos und Aribert Wäscher in mehr oder minder bedeutenden Aufgaben hervorheben — (Rota-Film.) * Im Beiprogramm sieht man die neue Ufa- Wochenschau und hübsche Aufnahmen von Wildschwänen auf dem Müritz-See in Mecklenburg. — r — Aus derGeschichie derVriefmarke Ium Tage her Vriefmarke: 7. Januar Die Geschichte der Briefmarke beginnt in einem Dorf in Schottland. In einer Gastwirtschaft, in der ein Reisender — er hieß Rowland Hill — beobachtete, wie ein junges Mädel einen Brief, den ihr der Briefträger übergeben wollte, nachdem sie einen raschen Blick darauf geworfen hatte, zurückwies, weil sie das hohe Porto nicht bezahlen könne. Nun erschien das allerdings glaubhaft, denn das Postporto war damals für die meisten Menschen wirklich unerschwinglich. Aber Hill traute der Sache doch nicht recht, und bald hatte ihm die hübsche junge Person denn auch ihr kleines Geheimnis gebeichtet. Sie und ihr Verlobter hatten tatsächlich kein Geld für das teure Briefporto, machten es aber so, daß sie auf den Briefumschlag allerhand Zeichen schrieben, die nur sie verstanden. Wenn der Brief nun eintraf wurde er zurückgewie- sen, aber während man ihn einen Augenblick in der Hand hielt, las man schnell die geheime Liebesbotschaft und wußte, was man wissen wollte. Dieser kleine Schwindel hat zur Einführung der Briefmarke geführt: Hill erkannte plötzlich das Unsinnige dieser Postverhältnisse. Zwei Jahre später, im Jahre 1840, hatte er es durchgesetzt, daß für alle Briefe bis zu einem bestimmten Gewichtssatz das billige Penny-Porto eingeführt wurde; zugleich wurde auch die erste aufklebbare Briefmarke herausgegeben, eine kleine ungezähnte Marke, die auf schwarzem Grund das Profilbild der Königin Viktoria trug. Uebrigens hat es ein merroürbiger Zufall gefügt, daß diese erste Briefmarke doch schon eine Vorgängerin besaß. Was allerdings erst vor zwei Jahren bekannt wurde. In einem kleinen griechischen Dorf fand man auf alten Briefen eine Marke, die schon im Jahre 1831 und zwar auf der Insel Poros ausgegeben wurde. Aber als Vorbild der ersten englischen Marke kann dieses Stück dennoch nicht betrachtet werden, denn die Erfindung der ersten englischen Marke vollzog sich völlig unabhängig von ihr. Man weiß auch nicht mehr, wer ihr Erfinder war. Neun Jahre nach der Einführung der englischen Briefmarken kam in Bayern d i e erste deutsche Briefmarke heraus. In einer Papierfabrik in Pasing bei München wurden 832 500 Stück gedruckt und sorgfältig gummiert. Auf zwölf bayerische Maß Wasser kamen sechs Pfund Gummi und ein Pfund Zucker. So war der Gummi zusammengesetzt, daß er beim Befeuchten nicht allzu übel schmeckte. Dieser „schwarzen Einer", die heute noch der Wunschtraum der Sammler ist, folgten ein Jahr später die ersten preußischen Briefmarken. Aber ebenso wie in Bayern ging es auch im Norden der deutschen Heimat: die Menschen sträubten sich gegen die Neuerung und wollten lieber dabei bleiben, für jeden Brief das P o st g e l d zu bezahlen, als eine Marke drauf zu kleben, was ihnen weniger sicher erschien. Aber dann setzte sich die Briefmarke doch Überraschend schnell durch, und die glattrandigen rosa Marken mit dem von Eduard Eichens gestochenen Kopf des Königs und dem Lorbeerkranz als Wasserzeichen wurden sogar Überall aufrichtig bewundert. Seitdem sind auf der Erde nahezu 60000 verschiedene Arten von Briefmarken herausgekommen, wobei Nicaragua mit mehr als 1000 Markensorten zahlenmäßig an der Spitze steht. Sogar Andorra, die Republik an der französisch-spanischen Grenze, mit ihren 5200 Einwohnern hat seit neuester Zeit ihre eigenen Briefmarken. Sie ist das kleinste Markenland der Welt. Viele Stücke aus den Briefmarkenmassen, die im Lauf der fünfundneunzig Jahre, die zwischen der ersten schwarzen Penny-Marke und heute liegen, ihren Weg in die Welt genommen haben, sind zu Kostbarkeiten geworden, deren Wert oft alle Vorstellungen übersteigt. Und manche dieser Marken verdanken es eigentlich nur einem Zufall, daß sie so berühmt und gesucht wurden. So kam es im Jahre 1851 einmal, daß hundertzwanzig sächsische halbe Neugroschen-Marken irrtümlich statt in grauer in blauer Farbe gedruckt und ebenso irrtümlich dreiundsechzig Stück verkauft wurden, ehe man den Irrtum bemerkt hatte. Man vergaß die wenigen Fehlstücke. Aber dreißig Jahre später machte ein Markenforscher auf diese dreiundsechzig Fehldrucke aufmerksam, und nun setzte eine fieberhafte Suche nach diesen kostbaren blauen Stücken ein. Schließlich entdeckte man durch Zufall, daß seinerzeit eine große Leipziger Firma einen Posten dieser Marken gekauft hatte, sie aber, als man den Fehler bemerkte, umtauschen wollte. Der Umtausch war jedoch aus irgend einem Grund unterblieben. Man suchte also in den alten Briefschaften der Firma und fand tatsächlich noch zehn ungebrauchte Stücke der gesuchten Fehldrucke. Sogar ein Brief fand sich noch, der eine solche und zwar bereits gestempelte Marke trug. Der Wert dieses Briefumschlags ist heute nicht mehr zu schätzen. M. A. von Lütgendorff. Zeitschriften — Verantwortungsbewußte Staatsmänner beschwören in ihren Reden und Kundgebungen immer wieder jene Stunden des Juli 1914 herauf, in denen Europa, schwankend zwischen Hoffnung und Furcht, ein scheinbar unabwendbares Schicksal herannahen sah, bis die mobilgemachten Heere des russischen Zaren auch die letzte Friedenshoffnung zunichte machten. Welche Erwägungen der Mobilmachung vorausgingen, welche Aufmarschpläne im Frieden ausgearbeitet waren, welche Ausführungen sie im August 1914 erfuhren, schildert eine Aufsatz- jerie in den „Berliner Monatsheften", Zeitschrift zur Vorgeschichte und Geschichte des Weltkrieges (Quaderoerlag GmbH., Berlin W15), die in dem vorliegenden Januarheft mit einer Darstellung der Mobilmachung Serbiens und Montenegros aus der Feder des Staatsarchivars am Wiener Kriegsarchiv Major a. D. Dr. Eduard Czegka beginnt. In den folgenden Heften werden erste Sachbearbeiter die Mobilmachung der übrigen Staaten behandeln. Dem Aufsatz sind vorzügliche Skizzen und Bilder beigegeben. Jeder militärisch und politisch Interessierte wird daraus reiche Belehrung schöpfen und die mögliche gefahrvolle Entwicklung der Krisen, die auch heute wieder Europa bedrohen, klarer erkennen. Wirtschaft Frankfurt a.M. Berlin Schlußk. 4-L 7| 146,75 I 9 215 107,25 87 A.EG- u 94 1 93,65 77,75 77,5 4 i o L 6 « 3 0 38,25 135,5 126,75 112,5 125 127,5 119 165 122,5 14,9 16,65 85,25 114,5 83,25 82,5 83,5 177,13 73,13 17,75 120,5 115,5 180 86,5 119,5 128 147,13 106,5 114 109,5 15 26 16,5 85,25 114 83,25 83 83,5 175,25 38,13 135,65 110,9 127 112 9 125 128 128 119,25 165 123,5 4 0 5 119 209,25 103,5 74 17,75 115,5 184 52,75 100 115,5 79 90,25 139,5 23,9 288 158,5 119 115,13 210,5 103,65 73,13 17,65 120,75 117.5 180,5 147,13 106 113,13 111,75 101,75 52,65 100,5 115,4 78,5 119,4 89,75 139,4 73,25 23,75 287,75 159 0 0 6 . 0 . 0 , 0 12 93,75 107,5 108,75 83,5 125,75 80 77,75 36,5 135,75 111,5 127 112,65 125,13 127 128,5 119,13 164,5 124 147,5 206,5 106,25 113 111,5 101,5 52,9 101,4 115,75 79 119,5 89,4 140,5 73,4 23,9 286,5 15 17 85 113,75 83,25 83 83,5 178 53,13 101 115,75 79 90,25 141,5 24,25 286,5 159 119,25 115,5 209,25 103,5 74 17,75 118,5 184 0 .. 0 .. 5 . 5 ?y2 Buenos Atr^ Brüssel .... Rio de Jan. Sofia..... Kopenhagen Danzig .... London.... Helsingfors. Paris ..... Holland ... Italien.... Japan ..... Jugoslawien Oslo..... Wien...... Lissabon... Stockholm.. Schweiz ... Spanien... Prag...... Budapest .. Neuyork ... punkte auf dem asiatischen Kontinent. Gleichwohl ist ihm bei dem Gedanken an einen Krieg mit Sowjetrußland — selbst, wenn England und Amerika neutral bleiben würden, nicht wohl. Denn die Armee Blüchers umfaßt 300 000 Mann Elitetruppen, 1500 Flugzeuge, zum Teil mit außerordentlich weitreichendem Aktionsradius; etwa 800 Tanks, Panzerwagen und schwerste Artillerie sind am Amurbogen und in der Küstenprooinz konzentriert. Weiterhin sollen die Sowjets jetzt auch eine weitere Division nach der Mongolei schicken, dazu Instrukteure, neue Tanks und Artillerie. Und die Sowjetflotte im Japanischen Meer? Sie ist zwar eine unbekannte Größe — aber hat sie nicht England für bedeutend genug erkannt, um Sowjetrußland als stillen Teilhaber nach London zur Flottenkonferenz einzuladen? Und besteht nicht für Tokio die Gefahr eines englisch-sowjetrussischen Zusammengehens wenigstens in diesem Teil der Welt? Schultheis Patzenhofer ....... Aku «Allgemeine Kunstseide) .. Bemberg................... einmal ein sehr bekannter Journalist Hamburgs, und dann der Inspizient. Die Proben beginnen. Heute wird nur markiert, aber das genügt, um zu erkennen, wie jede Nummer arbeitet. In einer anderen Loge sitzt der Chesbeleuch- ter. Telephonisch gibt er seine Befehle in die Scheinwerferkabinen. Dauernd wechseln die Farben, die Lichteffekte, denn jedes Gesicht, jedes Kleid braucht eine andere Farbnüance. Im Orchesterraum geht es wie in einem Bienenhaus zu. Der Kapellmeister beginnt die Musik für die einzelnen Nummern zusammenzustellen und gleich zu proben. Die Ingenieure hängen neue artistische Apparate ein, neue Trapeze und Hochseile. Nummer nach Nummer tritt auf und wieder ab. Langsam versinkt die Nacht, der Morgen graut, dann hält der helle Tag seinen Einzug in Berlin. Mansfelder Bergbau .. Kokswerke ........... Rheinische Braunkohlen Rheinstahl ........... Vereinigte Stahlwerke. Ltavi Minen ........ Kaliwerke Aschersleben. Kaliwerke Westeregeln. Kaliwerke Salzdetfurth Gesellschaft.. Dresdner Bank Reichsbank ... reicht werden. Die Sowjets durchschauten das Manöver und lehnten brüsk ab. Darauf drohten die Japaner mit militärischen Maßnahmen — und die Sowjets beriefen demonstrativ die Minister der Aeu- ßeren Mongolei zu militärischen Verhandlungen nach Moskau... So stellt sich die Lage im meistgefährdeten Windes Fernen Ostens zur Zeit dar. Es ist ein ständi- fses Geplänkel, ein gegenseitiges Katz- und Maus- piel — aber wohl auch nur ein immer neues Umgehen der — auf weite Sicht — unzweifelhaft vorhandenen Kriegsgefahr. Beide Seiten rüsten mit Volldampf auf, beide Seiten sind bestrebt, günstige Ausgangsstellungen zu schaffen; beide Seiten wollen zwar kaum einen Krieg — sind aber überzeugt, daß er sich nicht vermeiden läßt. Die Aussichten sind trotz der japanischen Erfolge in Mandschukuo, der Inneren Mongolei und Nordchina nicht leicht zu beurteilen. Japan hat ein glänzendes Heer, eine starke Luftflotte und gute Sttitz- 36,75 I 135,75 111,5 127 112,5 125,25 I 128,4 ! 119 । 164,5 125 i beginnenden Zeichnung auf die neue Reichsbahn- Anleihe wurde die Unternehmungslust etwas beeinträchtigt, da Aufträge der Kundschaft fehlten. Die Tariferhöhung bei der Deutschen Reichsbahn hat sich am Wochenende leicht ausgewirkt, heute schien die Börse hiervon unbeeinflußt, zumal die Erhöhung entgegen den Erwartungen nur mäßigen Umfang hat. Im übrigen boten die vorliegenden Wirtschaftsmeldungen der Tendenz gegenüber der Geschäftsstille eine gute Stütze. Die Kursgestaltung am Aktienmarkt war uneinheitlich. Reichsbankanteile ermäßigten sich auf den Berliner Stand vom Samstag auf 175,50 (178). später waren sie zu 176 gefragt. Montanwerte notierten zumeist schwächer, Hoesch 83 (84,50), Mannesmann 77,40 (78,65), Stahlverein 72,90 (73,13). JG.- Farben lagen mit 146,90 bis 146,75 (146,75) unverändert. Von Elektroaktien eröffneten Bekula unverändert, Gesfürel 0,25 v. H., RWE. 0,90 v. H. leichter, Siemens 0,50 v. H. freundlicher. Feste Haltung zeigten Metallgesellschaft mit 111,50 (110,13). Sonst setzten Daimler mit 89,50 (90,25), Muag mit unverändert 70,50, Hapag mit unv. 15 und Rheinmetall mit 133,25 (133) ein. Reichsbahn-DA. bröckelten etwas ab auf 120,65 (120,90). Am Rentenmarkt herrschte Geschäftsstille. Von heimischen Werten Altbesitz unv. 109,90, Zinsvergütungsscheine unv. 92, Kommunal-Umschuldung etwa 87,75 (87,80) und späte Reichsschuldbuchforderungen etwp 96,50 (96,65). Von Auslandrenten zogen Anatolier! auf 39,40 (39), Ungarn Gold auf 9,25 (9) an, dagegen bröckelten Mexikaner bis 0,40 v. H. ab. Im Verlaufe blieb das Geschäft allgemein sehr klein, die Haltung am Aktienmarkt war jedoch etwas freundlicher und größtenteils erfuhren die Kurse leichte Erhöhungen, insbesondere am Montanmarkt. Auch Reichsbank und JG.-Farben sowie AEG. zogen bis 0,40 v. H. an. Schwächer lagen Scheideanstalt excl. Dividende mit 206 bis 206,50 (215), ferner gaben Deutsche Linoleum auf 139,50 (141,50), Feldmühle auf 114 (114,75) und Atu 0,90 v. H. nach. Am Kassamarkt erhöhte sich die Taxe für Brauerei Henninger auf 120 (117, letzter Kurs am 2. Januar 113). Ferner waren Unterfranken Elktro gesucht zu 121,50 (118,75). Der Rentenmarkt erfuhr im Verlaufe keine Veränderung. Etwas Umsatz hatten Kommunal-Umschuldung mit 87,75. Goldpfandbriefe und ^>tadtan- leihen lagen meist unverändert, Liquidations-Pfandbriefe notierten uneinheitlich, aber meist etwas freundlicher. Industrie-Obligationen waren^teilweise 14,75 16,75 85 113,75 83,25 82,5 83,5 177 5,65 8,85 4,9 39 Bekula.................... io Elekkr. Lieferungsgeselhchaft... 5 Licht und Kraft ........... &yt Felten & Guilleaume......... 4 Kesellsch.f.Elettr.Unternehmung. 6 Rheinische Elektrizität ........ 6 Rhein. Wests. Elektr..........6 Schuckert 8 Eo............... 4 Siemens 8 Halske............7 Lahmeher L Eo.............. 7 0,672 41,94 0,139 3,053 54,80 46,90 12,28 5,405 16,44 169,03 20,02 0,717 5,666 61,62 49,05 11,135 63.28 80,95 34,03 10,31 2,490 5,7 8,6 4,95 39,5 5 107,25 4| 110,13 Voller Erfolg der Zeichnung auf neue preußische Schahanweisungen. DNB. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat die am 4. Januar abgeschlossene Zeichnung aus die neuausgegebenen 4,5prozentigen Preußischen Schatzanweisungen, fällig am 20. Jan. 1941, eine wesentliche Ueberzeichnung des aufgelegten Betrages von 150 Millionen Reichsmark ergeben. Der überwiegende Teil entfällt auf Anmeldungen zum Umtausch der am 20. dieses Monats fällig werdenden, bisherigen 6prozentigen Preußischen Schatzanweisungen von 1933 bis 1935. Da den Umtauschzeichnern im Falle der Ueberzeichnung eine bevorzugte Berücksichtigung zugesagt worden ist, werden die Umtauschmeldungen voll zugeteilt werden. Dagegen müssen die Barzeichnungen entsprechend dem zur Verfügung stehenden Gesamtbeträge eine Repartierung erfahren. Auf die erfolgten Barzeichnungen werden im allgemeinen nur etwa 55 v. H. zugeteilt werden können. Es wird jedoch darauf Bedacht genommen werden, daß auch bei diesen Meldungen die kleineren Zeichnungen nach Möglichkeit stärkere Berücksichtigung finden. Oie preise für Pflanzkartoffeln für Lieferungen nach dem 15. Januar. Fwd. Auf Grund der Verordnung über Saatgut vom 26. März 1934 wird vom Verwaltungsamt des Reichsnährstandes im Einvernehmen mit der Hauptoereinigung der deutschen Kartoffelwirtschaft angeordnet: Für Lieferungen von Pflanzkartoffeln in der Zeit nach dem 15. Januar 1936 zum Anbau im Jahre 1936 bleiben die in den Anordnungen des Verwaltungsamts vom 5. September und 27. November 1935 verkündeten Preisfestsetzungen in Kraft mit der Maßgabe, daß die Erzeugermindestpreise für „anerkannte Saatware" auf 2,90 Mark je Zentner ab Verladestation heraufgesetzt werden. Verstöße gegen diese Anordnung werden mit Ordnungsstrafen bis zu 100 Mark für jeden anordnungswidrig gehandelten Zentner Pflanzkartoffeln, jedoch höchstens mit 10 000 Mark für jeden Fall der Zuwiderhandlung geahndet. Rhein-Maimsche Börse. RNtlagsbörse still. Frankfurt a. M., 6. Jan. Bei nicht unfreundlicher Stimmung eröffnete die Börse zum Wochen- beginn in sehr stiller Haltung. Angesichts der heute 5,5 8,7 4,8 39,2 etwas fester. Von Auslandrenten hatten Gulden» Russen zu 0,72 bis 0,75 etwas Geschäft. Tagesgeld sehr leicht mit 2,50 (2,75) v. H. Abendbörse freundlich. Der Zeichnungserfolg auf die Preußischen Schatzanweisungen verlieh der Abendbörse etwas Anregung. Die Stimmung vermochte sich im Anschluß an den Mittagsschlußverkehr weiter etwas freundlicher zu gestalten. Die Kulisse zeigte etwas mehr Unternehmungslust, doch war das Geschäft im ganzen angesichts der weiterhin schwachen Kundschaftsbeteiligung klein. Etwas Geschäft verzeichnet IG. Farben mit 147,50 (147,13), außerdem waren AEG. weiter gesucht mit 38,25 bis 38,50 (38,13). Auf den übrigen Marktgebieten kamen die Kurse zumeist auf Basis des Berliner Schlußstandes zur Notiz. Am Kassamarkt wurden Brauerei Henninger zu der heutigen Mittagstaxe von 120 (1. K. 113) notiert. Der Rentenmarkt lag völlig ohne Umsatz. Die Kurse konnten sich gut behaupten. Altbesitz notierten mit 109.80 etwas über Berlin (109,70). Sonst nannte man Kommunal-Umschuldung mit 87,75, Zinsvergütungsscheine mit 92 und späte Reichsschuldbuchforderungen mit 96,50. Auslandsrenten lagen still. U. a. notierten: Altbesitz 109,80, IG. Farben- Bonds 122,75, Schutzgebietsanleihe 10,65, 4 v. H. Rumänen 4,90, Commerzbank 83,25, DD-Bank 82,50, Dresdner Bank 83,50, Mannesmann 77,75, Rheinstahl 103,50, Stahlverein 74, AKU. 52,75, AEG. 38,25 bis 38,50, Bekula 135,50, Bemberg 100, Chade A bis C 288, Conti Gummi 158,50, Daimler 90,25, Scheideanstalt 206,50, Deutsche Linoleum 139,50. Licht & Kraft 126,75, IG. Farben 147,50, Gesfürel 125, Goldschmidt 106,25, Holzmann 86,50, Junghans 80,75, Muag 71, Moenus 78. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 6. Jan. Austrieb: Rinder 815 (gegen 457 am letzten Montagsmarkt), darunter 119 Ochsen, 67 Bullen, 457 Kühe, 172 Färsen. Zum Schlachthof direkt: 1 Bulle. Kälber 515 (755), Schafe 169 (98), Schweine 2429 (1628). ■ Notiert wurden pro ein Zentner Lebendgewicht in Mark: Ochsen a) 43 (43), .b) 43 (43), c) 43 (43), d) 41 bis 43 (40 bis 43). Bullen a) 43 (43), b) 43 (43), c) 43 (43), d) 42 bis 43 (43). Kühe a) 43 (43), b) 40 bis 43 (37 bis 42), c) 33 bis 39 (30 bis 36), d) 25 bis 32 (24 bis 29). Färsen a) 43 (43), b) 43 (43), c) 43 (43), d) 42 bis 43 (40 bis 43). Kälber a) 66 bis 70 (71 bis 76), b) 56 bis 65 (65 bis 70), c) 46 bis 55 (59 bis 64), d) 33 bis 43 (50 bis 58). Lämmer und Hämmel b2) 48 (48), c) 46 bis 47 (47), d) 43 bis 45 (45 bis 46). Schafe e) 42 bis 43 (—), f) 38 bis 41 (—). Schweine al) 57 (57), a2) 57 (57), b) 55 (55), c) 53 (53), d) 51 (51), e) 51 (51), Sauen gl) 57 (57), g2) 57 (57). Markt- verlauf: Rinder sehr lebhaft, ausverkauft. Kälber ruhig, geräumt. Hämmel und Schafe mittelmäßig, ausverkauft. Schweine wurden zugeteilt. Großhandelspreise für Fleisch und für Fettwaren. Beschickung: 367 Viertel Rindfleisch, 83 ganze Kälber, 17 ganze Hämmel, 5 halbe Schweine, 1 Kleinvieh. Notiert wurden pro 50 Kilogramm in Mark: Ochsenfleisch b) 75 bis 77, c) 67 bis 75. Bullenfleisch b) 74 bis 77. Kuhfleisch b) 68 bis 74, c) 58 bis 68. Färsenfleisch b) 75 bis 77, c) 67 bis 75. Kalbfleisch b) 84 bis 94, c) 74 bis 84. Hammelfleisch b) 90 bis 95. Schweinefleisch b) höchster Preis 74. Fettwaren. Roher Speck unter 7 Zentimeter höchster Preis 80, Flomen höchster Preis 80. Marktoerlauf: rege. Sränffurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 6. Jan. Am Getreidegroßmarkt war das Brotgetreideangebot ausreichend, die Nachfrage war nicht besonders groß, zumal das Mehlgeschäft wesentlich ruhiger geworden ist. In Futtergetreide lag bei anhaltender Nachfrage kein Angebot vor. Oelhaltige Futtermittel wurden zuqe- teilt, für Kleie werden Zuteilungen erwartet. Gefragt waren außerdem Zuckerfuttermittel, das Angebot war gering. Futter- und Nachmehle waren reichlich angeboten. Es notierten (Getreide per Tonne, alles übrige je 100 Kilogramm) in RM. Weizen W 13 207, W 16 210, W 19 214, W 20 216, Roggen R 12 170, R 15 173, R 18 177, R 19 179 Großhandelspreise der Mühlen der genannten Preisgebiete. Futter- gerste —, Sommergerste für Brauzwecke 225—230, Hafer —. Weizenmehl W 13 28,15, W 16 28,40, W 19 28,40, W 20 28,75, Roggenmehl R 12 22,45, R 15 22,80, R 18 23,30, R 19 23,50 plus 0,50 RM. Frachtausgleich. Weizennachmehl 17,00, Weizenfuttermehl 13,50. Weizenkleie W 13 10,65, W 16 10,80, W 19 11,00, W 20 11,10, Roggenkleie R 12 9,95, R 15 10,15, R 18 10,40, R 19 10,50 Mühlenfestpreise ab Mhhlenstation. Soyaschrot m. M. 16,20, Palmkuchen m. M. 16,80, Erdnußkuchen m. M. 18,30. Treber —, Trockenschnitzel 8,92 Großhandelspreise ab Fabrik-Station, Heu 8,70—9,00, Weizen- und Roggenstroh drahtgepreßt 3,80—4,00, gebündelt 3,50—3,80. Kartoffeln: Industrie hief. Gegend 3,20 RM., gelbfleischige hies. Gegend 3,00, weiß-, rot- und blauschalige 2,75 RM. per 50 Kilogramm bei Waggonbezug. Tendenz: ruhig. 9,5 5,65 8,85 4,9 39,4 Hamburg-Amerika-Paket .....o Hamburg-Südam. Dampfschiff . o Norddeutscher Lloyd ......... * A.G. für Verkehrswesen Akt. .. Berliner Handelsgesellschaft ... Commerz, und Privat°Bank ... Deutsche Bonk und D'sconto- I. ®. Farben-Jndustrte Scheideanstalt........ Goldschmidt ......... Rütgerswerke .......' Metallgefellschaft...... 94,25 I 106,75 1 109 ; 84,5 1 153 | 125,75 ; 79,25 78,65 I Die Nacht ohne pause. Künstler packen ein und aus. — Weltstadt-Variete am llltimo. Von Werner Joachim Holsten. Buderus ................... Deutsche Erdöl .............. Harpener................... Hoesch Eisen—Köln-Neuessen .. Ilse Bergbau ............... Ille Bergbau Genüsse........ Klöcknerwerke ............... Mannesmann-Röhren........ 107 107,75 109 - 109 83,4 1 84 — 154,25 125,25 125,5 79,25 I 79,75 ! Gritzner....................o| 26,5 1 26,75 I | N"^°ltwerke Höchst a.M.... 4 87,75 88,5 Süddeutscher Zucker ........ io| 197 197 | Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v. Aber immer wird noch geprobt, immer noch treffen neue Artisten ein. Langsam wird auch die übrige „Scal a" lebendig. Ein paar Dutzend Reinmachfrauen beginnen den Angriff auf Schmutz und Staub. UeberaU wird geschrubbt, gebohnert, Staub gewischt, denn in ein paar Stunden — zur Premiere nämlich — muß alles blitzen. Aber auch die Hausfront verändert sich. Aus den Schaukasten werden die alten Photos entfernt und neue befestigt. Elektromonteure stehen auf hohen Feuerwehrleitern und wechseln die Lichtreklamen aus, schalten die Leuchtbuchstaben um. Denn heute nacht wird ein neuer Name übet Berlin erstrahlen, vier Wochen lang leuchten und locken, um am nächsten Ersten für immer zu verlöschen. Auf der Bühne wird immer weiter geprobt. An der Rampe steht ein nackter Gartenstuhl, auf dem erschöpf teine junge Tänzerin sitzt. Immer wieder springt sie auf, um von neuem mit der Musik zusammen zu üben. Sie scheint unzufrieden, unaufhörlich bricht sie den Tanz ab, verlangt andre Tempi, hier ein Kreszendo, dort ein Ritardando, und von neuem wirbelt sie über die Bühne. Ganz im Hintergründe üben zwei Parterreakrobaten. Immer wieder dasselbe. Und es sieht doch so einfach aus. Ein Sichdrehen in den Knien, ein absichtlich- unab- ichtliches Schwanken, ein langsames Zusammen- inken. Wie unendlich schwer muß die Bewegungs- olge sein, wenn die Artisten sie stundenlang üben müssen. Phantastische Schatten steigen und fallen an der kalkweißen Mauer der Bühnenwand: Der Meisterjongleur übt! Langsam ist es Nachmittag geworden. Die erste Vorstellung steht vor der Tür, noch dazu vor dem sachverständigsten Publikum Berlins, das den Programmwechsel gar nicht erwarten kann. Der Gong ertönt. Die Premiere rollt ab, die Vorstellung „steht", als ob sie tagelang schon gespielt würde. Zufrieden lächelnd, aber hundemüde verläßt der Direktor Duisberg mit dem Stab „seine" Scala. Im Weltstadt-Variete rollt das Programm aus fünf Kontinenten ab. Dalum ....... 6 11875 ....... 6 — ..... 12 210 ....... 4 103,25 Philipp Holzmann .... Zementwerk Heidelberg Cementwerk Karlstadt.. bör." 6.1. Die letzte Vorstellung des Monats ist beendet. In den Garderoben und Kassenräumen, im Foyer und Vorraum flammen die Lichter auf. In der nächtlichen Straße springen die Autos an. Gewichtig tritt der Portier in seiner goldstrotzenden Uniform vor den Eingang des Varietes, um die turbulente Abfahrt der Gäste zu regeln. Verschwommen weht ein Tusch aus dem Zuschauerraum in die Nacht, unterbrochen von prasselndem Beifall. Achtzehn Scheinwerfer schließen die Augen, vier Kronleuchter flammen auf, das Rampenlicht verlischt, während die Kapelle einen flotten Marsch spielt. 2000 Zuschauer drängen durch die Türen den Garderoben zu. Auf fast allen Gesichtern glänzt ein leichtes Entrücktsein und der frohe Abglanz verklungenen Staunens und Lachens. Doch dann beginnt die Wirklichkeit ihr Recht zu fordern; der Kampf um die Garderobe beginnt. Man freut sich — trotz allem Genuß — auf sein Zuhause, auf sein Bett. Zweiundeinehalbe Stunde konzentriert und gespannt zuzusehen strengt an. Schon nach einer Viertelstunde verläßt der letzte Zuschauer das Variete. Das elektrische Licht erlischt, die letzte Vorstellung im Monat ist vorüber. Da fährt ganz unprogrammäßig der große Wagen des Direktors vor. Jetzt um dreiundzwanzig Uhr fünfundvierzig Minuten? Er geht aber nicht durch den Haupteingang der „Scala", sondern durch die Toreinfahrt zur hinteren Bühnenauffahrt. Während sonst der Hof, hinter dem gespenstig der plumpe, runde Turm der Gasanstalt wie eine wehrhafte Festung herübersieht, um diese Zeit leer und verlassen liegt, drängen sich heute nacht Lastautos, Privatwagen und Taxis in seiner Enge. Verworrene Stimmen suchen ihren Weg ins Freie, fremdländische Namen gellen durch die Nacht. Riesenkisten und -koffer mit der Aufschrift „Artistengepäck" rollen über die breite Rampe in die Automobile. In allen Sprachen, aber mit gleich lebhaftem Temperament wird unter Küssen und Händeschütteln Abschied genommen. Direktor Duisberg steht zwischen den Künstlern, schüttelt einem jeden freundlich die Hand; sie alle sind und fühlen sich als große Familie. Auto nach Auto rollt ab und bringt die Artisten zum Flugplatz ober Bahnhof, und morgen nachmittag schon, am ersten des Monats, kämpfen sie in Rom, Paris oder London, in Wien, Kopenhagen oder Dslo in der Premiere von neuem um die Gunst des Publikums. Mit einem leichten Seufzer steigt der Direktor die Auffahrt empor. Wie gut haben es doch meine Kollegen vom Theater, denkt er, wochenlang können sie proben und haben zu alledem noch ein festes Ensemble. Und ich? — Ein paar karge Nachtstunden, ein fröstelnder Vormittag müssen genügen, um eine erstklassige Aufführung herauszubringen. Er klinkt die schwere, eisenbeschlagene Bühnentür auf, geht durch den Vorraum, in dem Requisiten untergestellt sind. Dröhnen und Rusen, Befehle und Hämmern umfluten ihn. Die Bühnenarbeiter beginnen schon mit dem Wiederaufbau. Alte Requisiten werden abgenommen, neue eingehängt. Hohe Kulissen und Versatzstücke rollen wackelnd über die Bühne. In einer Ecke steht zusammengedrängt eine kleine Anzahl von Artisten, die auf Direktor Duisberg warten, um mit der ersten Probe zu beginnen. Endlich ist die Bühne wieder benutzbar. Aus dem Orchesterraum klingt das Stimmen der Instrumente herauf. Der Vorhang rauscht auf. Die vier Riesen- kronleuchter sind erloschen, nur eine tausendkerzige Birne dicht unter der Decke wirft ihr kaltes Licht herunter auf die Phalanx der langen, leeren Stuhlreihen. Dis tzweite Orchesterloge von links ist der „Feld- h en »hü Hel". Rechts sitzt der Direktor, links feine Sekretärin, die neun Sprachen fließend beherrscht, in der zweiten Reihe der Regisseur, früher Schlußk. Mittag- börle 61 Datum 4% oesg!. Serie 11 ............ 5% Numan, vereinh. Rente v. 1903 4'/2%Rumän.vereinh.Nentev.l913 4% Rumänische vereinh. Rente .. 2/<% Anatolier .............. Zellstoff Waldhos ........ 5 Zellstoff Aschaffenburg ....... 0 Dessauer Gas ............... 7 Daimler Motoren............0 Deutsche Linoleum........... g Orenstein & Koppel ..........0 Westdeutsche Kaufhof.........0 Chade.................... 71/ Accum ulatoren-Fabrtk12 Conri-Gummi...............§ 4 87 7 120 6| 128 I Lombardzinsfuß 5 v. H. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. Schluß- furd 4.1, 27 I 26,75 197,5 । 197 Lrankfurt a. M. Berlin Schluß- furd Schlußk. Abend- börse Schluß- lurd Schlußk. Mittag- börse 41. 6-1. 4.1. 6 1. Frannuri a. D(. Ben.n Schluß» furd Schlußk. Abendbörse Schluß- turd Schlußk. Mittag- börse Datum 4.1. 6-1. 4.1. 6 1- 6% Deutsche RelchSanlethe v. 1927 100,25 100,4 100,5 100,5 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 97,25 97,25 97,25 97,25 b'/r% Doung-Anleihe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit 103,5 103,5 103,4 103,4 Ausloj.-Nechten ............. W09,9 109,8 109,8 109,7 4l/,% Deutsche Reichspostschahan Weisungen von 1934, 1....... 99,9 99,75 99,9 99,9 6% etjem.8% Hess. Volksstaat 1929 (rückzahlb. 102%)............ 97,75 97,75 97,25 97,25 4/2% ehem.8% Hessische Landes- bant Darmstadt Gold R. 12.... 5/2% ehern. 4y2% Hess. Landes- 96,4 96,4 — — Hypothekenbank DarmstadtLiout 41/2% ehem. 8% Darmst. Komm 101 100,75 — — Landesb.Goldschuldverschr. R.6 Oberhessen Provinz-Anleihe mii 931 93 — — Ausloj.-Rechten ............. Deutsche Komm. Sammelabl. An- — leihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten 414% ehem.8% Franks. Hyp.°BanI 112,9 113,13 113 112,9 Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935 ßy2% ehem. 4yz% Franks. Hyp. 96,5 96,5 — — Bank-Liqu.-Pfandbriese....... 101,5 101,5 b'/2% ehem. 4yz% Rheinische — — Hyp.-Bank-Ligu.-Goldpfe. ... 4y2% ehem. 8% Pr. Landespfand- 101,25 101,4 101,13 101,4 briefanstalt, Pfandbriefe R. 19 4 y2% ehem. 7% Pr. Landespsand- 97 97 97 97 briefanst., Gold Komm. £61.VI 97 108 Steuergutsch.Verrechnungsk. 34-38 108 108 108 4% Oesterretchtsche Goldrente.... _ - 29,75 28,5 4,20% Lesterreichische Silberrente 1,2 1,2 1,3 4% Ungarische Goldrente....... 9 9,13 9 9,05 8,85 9,25 9 4% Ungarische Slaatsrente v. 1910 4«/2% desgl. von 1913.......... 8,95 8,9 13 9 1 12,5 6% abgest. Goldmexikaner von 99 4% Türkische Bagdadbahn-Anlethe 12,75 12,7 Serie 1.................... — ' 9,5 — _ 4.Januar 6-Januar Amtliche Notierung Geld | Ärief Amtliche Notierung Geld | »rief 0,668 0,672 0,668 41,86 41,94 41,86 0,137 0,139 0,137 3,047 3,053 3,047 54,73 54,83 54,70 46,80 46,90 46,80 12,255 12,285 12,25 5,40 5,41 5,395 16,38 16,42 16,40 168,55 168,89 168,69 19,98 20,02 19,98 0,715 0,717 0,715 5,654 5,666 5,654 61,54 61,66 61,50 48,95 49,05 48,95 11,115 11,135 11,115 63,19 63,31 63,16 80,72 80,88 80.79 33,97 34,03 33,97 10,29 10,31 10,29 2,486 2,490 2,486 Banknoten Oerlin,6.Januar Geld »nci Amerikanische 'Noten.............. 2,438 2,458 Belgische Noten.................. 41,72 41,88 Dänische Noten ................. 54,49 54,71 Englische Noten ................. 12,215 12,255 Französische Noten............... 16,35 16,41 Holländische Noten............... 168,27 168,95 Italienische Noten................ — Norwegische Noten .............. 61,34 61,58 Deutsch Oesterreich, ä 100 Schilling Rumänische Noten............... — _ Schwedische Noten............... 62,99 63,25 Schweizer Noten................. 80,61 80,93 Spanische Noten................. 33,61 33,75 Ungarische Noten................ Ht 5 Dritter Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberyessen)Dienstag, 7. Zanuar (936 Aus der Provinzialhauptstadt. Oer betrogene Kernsprechautomat. Fritz und Wilkt arbeiteten nicht gern. Nur wenn das Wohlergehen ihrer Mitmenschen sie allzu sehr ihre eigene Mittellosigkeit empfinden ließ, suchten sie sich eine Gelegenheitsarbeit. Dagegen zierten sie um so mehr die Straßenecken und die Zuhörerbänke der Gerichtssäle. Besonders im Winter bot ihnen der Gerichtssaal eine geheizte Unterkunft außerhalb des Hauses, und sie bedauerten nur, daß man dort nicht sein Zigarettchen rauchen konnte. Von dort her stammte auch ein Teil ihrer Weisheit, die ihnen jedoch in der Nutzanwendung nicht in allen Fällen zum Vorteil gereichte. So stritten sie eines Tages über die Frage, ob man einen Fernsprechautomat betrügen könne. Sie wollten ihren zufällig einmal in Arbeit stehenden, zum gleichen Kleeblatt gehörigen Freund anrufen, aber der Post den Groschen nicht „schenken". Fritz wollte ein Falschstück in den Fernsprechautomat einwerfen, während Willi Bedenken hatte. Er meinte, das sei doch ein Betrug, und man wisse nie, wie so etwas herauskomme. Fritz hatte nur auf diesen Einwand gewartet. Mit der überlegenen Miene des bald examensreifen Kriminalstudenten erklärte er, daß hierdurch der „Tatbestand des Betrugsparagraphen nicht erfüllt würde/' Betrügen könne man doch nur dadurch, daß man durch Vorspiegelung falscher oder unwahrer Tatsachen bei einem anderen einen Irrtum errege und hierdurch dessen Vermögen beschädige. Als Willi einwandte, die Post werde doch durch den Einwurf des Falschstückes geschädigt, entgegnete ihm Fritz mit dem im Gerichtssaal längst'abgeschauten und vor dem Spiegel wiederholt geübten, überlegenen Ausdruck eines erfahrenen Verteidigers: „Sehr wohl, aber ich habe doch die Poft nicht getäuscht, denn das Selbstanschlußamt hat die Verbindung selbsttätig hergestellt. Du hättest recht, wenn ich durch den Einwurf des falschen Zehners die abhörende Telephonbeamtin am Klappenschrank in einen Irrtum versetzt hätte. Verstehst du?" Willi verstand und wußte nichts mehr zu erwidern. Als aber seine Gesichtszüge immer noch ein gewisses Mißtrauen erkennen ließen, spielte Fritz seinen letzten Trumpf aus. Er hatte vor Monaten, noch vor Beginn ihrer Freundschaft, einer Gerichtsverhandlung beigewohnt. Da war einer, der ein falsches Geldstück in einen Fernsprechautomat eingeworfen hatte, wegen Betruges angeklagt worden. Das Gericht war aber zu einem Freispruch gelangt mit der Begründung, daß es sich um ein Selbstanschlußamt gehandelt habe, und daß man einen toten Mechanismus nicht in einen Irrtum versetzen könne Der Tatbestand des Betruges sei mithin nicht restlos erfüllt gewesen. Willi war nun überzeugt,' und so schritten sie zur Tat. Das Falschstück paßte, und das Selbstanschlußamt stellte wunschgemäß die Verbindung her. Nachdem Fritz und Willi sich später in Gesellschaft ihrer Freunde ihres Erfolges rühmten und dann Streit entstand, gelangte die Angelegenheit zur Kenntnis der Polizei. Als der Staatsanwalt gegen sie Anklage wegen Betrugs erhob, war ihnen nicht sonderlich bange. Als sie sogar die Zeitung mit dem Gerichtsbericht aus der geschilderten Gerichtsverhandlung noch ausfindig machen konnten und die Vorentscheidung schwarz auf weiß in Händen hatten, gingen sie beruhigt in ihre Verhandlung. Jetzt sollte sich ihre Kriminalstudentenwissenschaft bewähren. Doch mit ihrer Weisheit ging es bald zu Ende. Ihre Gesichter wurden zusehends länger, als ihnen der Richter auf ihre Einlassung erklärte, daß der Staat zum Zwecke nachhaltiger Verbrechensbekämpfung das Strafaefetz in einem wichtigen Punkt geändert habe. Wohl habe seither nach § 2 des Strafgesetzbuches eine Handlung nur dann mit Strafe belegt werden können, wenn diese Strafe gesetzlich bestimmt gewesen sei, bevor die Handlung begangen wurde. Nunmehr werde auch bestraft, wer eine Handlung begehe, die nach dem Grundgedanken eines Strafgesetzes und nach gesundem Volksempfinden Strafe verdiene. Finde auf die Tat kein bestimmtes Strafgesetz unmittelbar Anwendung, so werde die Tat nach dem Gesetz bestraft, dessen Grundgedanke auf sie am besten zutreffe. Außerdem sei neuerdings der Mißbrauch von Automaten nach § 265a des Strafgesetzbuches unter Strafe gestellt. Der Ausgang war hiernach nicht zweifelhaft. Beide wurden wegen Automatenmißbrauchs und Betrugs zum Nachteil der Post zu Strafe verurteilt, und niemand im Gerichtssaal zweifelte an den Worten des Richters, als er in der Urteilsbegründung sagte: „Die Maschen des Gesetzes sind enger geworden." Fritz und Willi aber konnten nunmehr für einige Zeit ihre Mußestunden nicht mehr im Zuhörerraum des Gerichtssaales verbringen. XX. Bornotizen. Tageskalender für Dienskag. NSG. „Kraft durch Freude": 20.30 bis 21.45 Uhr fröhliche Gymnastik für Frauen im Lyzeum; 20 bis 21 Uhr und 21 bis 22 Uhr Schwimmen im Volksbad; 21 bis 22 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs. — Stadttheater: 20 bis 22.30 Uhr „Die Tanzgräfin". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Der Schützenkönig". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Stradivari"". — Cafe Leib: 20 Uhr heiterer Werbeabend für neuzeitliche Küchenführung. — Oberhessischer Kunstverein (Turmhaus am Brandplatz): 11 bis 18 Uhr Ausstellung des Künstlerbundes „Isar". — Stadltheater Gießen. Heute, von 20 bis 22.30 Uhr, die Schlageroperette „Die Tanzgräfin" von R. Stoltz. Musikalische Leitung: Ernst Bräuer; Spielleitung: Paul W r e d e. Tänze: Thery Schultheis. Als Gast: Lissy C h i l l a vom Operettentheater Stuttgart. 13. Dienstag-Abonnement. Wochen-Lnd im Spielplan des Stadttheaters. Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Samstag, 11. Januar, weilt die beliebte Künstlerin Henny Porten mit ihrem Ensemble erster Berliner Künstler bei uns zu Gast. Die vom Film bekannte, bedeutende Vertreterin d-eutscher Kunst bringt das dreiaktiae Schauspiel „Maria Garland" von Zdenko von Kraft zur Aufführung. In diesem Bühnenstück spielt Henny Porten die Hauptrolle. Ein einmaliges Ereignis, diese große Darstellerin persönlich auf der Bühne zu erleben. Trotz des mit großen Unkosten und Schwierigkeiten verknüpften Gastspiels hat die Intendanz die Preise so festgesetzt, daß jeder Theaterfreund die Möglichkeit hat, an diesem großen Ereignis teilnehmen zu können. Dauer der Vorstellung von 20 bis 22.15 Uhr. Sonntag, 12. Januar, findet um 15 Uhr eine Nochmalige Wiederholung des mit großem Beifall Gute Kameradschaft zwischen alten und jungen Soldaten. Äk - UW tz ■■■' *T f I I- 4 « ,-v V. Die Kameradschaft ehemaliger hessi- scherLeibdragonerNr. 24inGießenhat es von jeher als ihre besondere Aufgabe angesehen, zu den Kameraden der jungen Wehrmacht herzliche Beziehungen zu pflegen. Von diesem Grundsatz ausgehend, hat in den verflossenen Jahren eine ausgezeichnete Kameradschaft der alten Leibdragoner mit ihren aktiven Kameraden in der T r a d i t i o n s- Eskadron des Reiter-Regiments 16 in Langensalza bestanden. Dieser Truppenteil ist beim Neuaufbau unserer Wehrmacht in einer anderen Formation aufgegangen. Nunmehr haben die alten Leibdragoner in Gießen zu der 1 3. (M W.-) Kompanie unseres In f.-Regt s. 36 in Gießen, die von Hauptmann Semmel geführt wird, herzliche kameradschaftliche Beziehungen ausgenommen. Am vorigen Sonntag trafen sich die alten und die jungen Soldaten in Gießen im „Frankfurter Hof" zu einem frohgestimmten, von bestem Soldatengeist erfüllten Beisammensein, das in allen Teilen in vorbildlicher soldatischer Kameradschaft verlief, und bei den alten und jungen Soldaten den besten Eindruck hinterlassen hat. — Unser Bild zeigt die alten Leibdragoner in Gießen mit den jungen Kameraden der 13. (MW.-) Kompanie unsres Jnf.-Regts. 36. In der ersten (stehend) Reihe in der Mitte der Kompaniechef Hauptmann Semmel, rechts daneben der Kameradschaftsführer der alten Leibdragoner Emil E i d m a n n (Aufnahme: Photo- Pfaff, Gießen.) Morgen Mondfinsternis. 3« Gießen sichtbar. Am morgigen 8. Januar von 16 Uhr 16,9 Min. bis 22 Uhr 50,7 Min. findet eine totale Mondfinsternis statt. Da der Mond an diesem Tage in Gießen um 16 Uhr 28 M i n. aufgeht, ist diese Finsternis bei uns sichtbar. Im Gegensatz zu einer Sonnenfinsternis, bei der ja die Sonne nicht tatsächlich verfinstert, sondern nur durch den Mond verdeckt wird, ist eine Mondfinsternis eine echte Finsternis. Sie ist daher überall sichtbar, wo der Mond zur Finsterniszeit über dem Horizont steht. Um 16 Uhr 16,9 Min. tritt der Mond in den Halbschatten der Erde (äußerer Kreis der Figur) ein, der um diese Zeit in der Entfernung des Mondes einen Durchmesser von 16 430 Kilometer hat. Eine wesentliche Verfinsterung tritt dadurch nicht ein, denn die Sonne wird für den Mond nur teilweise verdeckt. Für einen (in Wirklichkeit nicht vorhandenen) Mondbewohner würde also um diese Zeit eine partielle Sonnenfinsternis beginnen. Erst um 17 Uhr 28,1 Min., wenn der Mond den Kernschatten der Erde berührt, beginnt die eigentliche Finsternis — für den Mondbewohner die totale Sonnenfinsternis. Der Kernschatten der Erde hat um diese Zeit eine Länge von 1 358 000 Kilometer und in der Mondentfernung (386 860 Kilometer) einen Durchmesser von 9260 Kilometer. Der Mond selbst — und das ist interessant — steht um diese Zeit senkrecht über Honkong in Südchina. Einein- halb Stunden später, um 18 Uhr 57 Min., ist er ganz in den Kernschatten eingetaucht und vollkommen verfinstert. Die Totalität dauert aber nur 23,4 Minuten bis 19 Uhr 9,5 Min. Dann beginnt der Mond wieder aus dem Kernschatten (innerer Kreis der Figur) auszutreten. Die Mitte der Finsternis ist also um 19 Uhr 9,5 Min. Dabei sind 1,022 des Monddurchmessers verfinstert, der Mond berührt also fast den Kernschattenumfang. Daher die kurze Dauer der Totalität. Um 20 Uhr 50,7 Min. ist der Mond wieder ganz aus dem Kernschatten ausge- treten und steht nun im Zenit eines Ortes zwischen Bombay und Makar im Arabischen Meerbusen. Das Ende der Finsternis, der Austritt des Mondes aus dem Halbschatten der Erde, findet um 22 Uhr 1,5 Minuten statt. Der Mond ist übrigens auch während der Totalität nicht völlig verfinstert, sondern in ein eigentümlich rotes Licht eingehüllt. Bei der Berechnung des Schattenkegels sind nämlich nur die geraden Sonnenstrahlen berücksichtigt. In Wirklichkeit wird aber der Teil der Sonnenstrahlung, der durch die irdische Atmosphäre geht, abgelenkt. Berechnet man unter Berücksichtigung dieser Ablenkung den Schattenkegel, in den überhaupt keine Sonnenstrahlen gelangen, so kannt man zu 40 Erdradien, d. s. 254 700 Kilometer, also weniger als die Mondentfernung. Die rote Beleuchtung des Mondes während der Totalität rührt also von der Brechung der Sonnenstrahlen in der Erdatmosphäre her, stellt also gewissermaßen eine doppelte Abendröte dar. Wie kommt aber eine solche Mondfinsternis zustande? Zwei Bedingungen müssen hierfür erfüllt sein. Zunächst ist es notwendig, daß Vollmond ist, denn nur zu dieser Zeit steht die Erde zwischen Sonne und Mond und kann daher für den Mond die Sonne verdecken. Würde die Ebene der Mondbahn mit jener der Erdbahn zusammenfallen, so würde bei jedem Vollmond eine Mondfinsternis eintreten. Das ist aber nicht der Fall. Die Ebene der Mondbahn ist vielmehr gegen die Ebene der Erdbahn um ca. 5 Grad geneigt. Die beiden Punkte, in denen die Mondbahn die Erdbahnebene schneidet, nennt man die Knoten der Mondbahn. Gewöhnlich geht also der Mond über ober unter dem Erdschatten vorüber. Nur wenn er zur Zeit des Vollmondes in der Nähe dieser Knoten steht (und zwar bis zu einer Entfernung von 12 Grad) kann eine Mondfinsternis stattfinden. Bei der gegenwärtigen Finsternis ist er am 8. Januar um 10 Uhr 54 Minuten durch den absteigenden Knoten, also von der Nordseite der Erdbahnebene auf die Südseite derselben gegangen. K. B. bei jung und alt aufgenommenen Weihnachtsmärchens „Der kleine Muck" von Burggraf statt. Eigentlich sollte dieses Weihnachtsmärchen bereits vom Spielplan abgesetzt sein. Aber zahlreiche Bitten, gerade von auswärtigen Ortschaften, sowie die Tatsache, daß bei den letzten Vorstellungen zahlreiche Kinder ohne Karte nach Hause gehen mutzten, hat die Theaterleitung veranlaßt, am Sonntag von 15 bis 18 Uhr „den kleinen Muck" nochmals zu wiederholen. — Von 19 bis 21.30 Uhr findet außer Abonnement eine Aufführung der erfolgreichen Operette „Die Tanzgräfin" von Stoltz statt. Mit dieser Operette erlebten wir während der Weihnachtstage eine Erstaufführung vor ausverkauftem Hause; diesen Erfolg setzten in den letzten Tagen zwei ausverkaufte Häuser bei unfern Gastspielen in Marburg und Bad Homburg fort. Auch in der Aufführung am Sonntagabend, deren szenische Leitung Paul W r e b e hat, währenb Ernst Bräuer bie musikalische Leitung obliegt, singt unb spielt Lissy Ehilla als Gast bie Partie der Colette. (Siehe heutige Anzeige.) Goelhe-Vund Gießen. Wie uns von ber Leitung bes Goethe-Bunbes mitgeteilt wirb, fällt ber für ben heutigen Dienstag, 7. Januar, vorgesehene Vortrag bes Australien-Fliegers Bertram aus, ba ber Vortragenbe früher als vorgesehen zu einer neuen Expebition ausreist. Einen anberen Vortrag als Ersatz für ben ausfallen- ben wirb bie Leitung bes Goethe-Bunbes in ben nächsten Tagen im Anzeigenteil anfünbigen. Gustav-Abolf'FraueN'Verein. Am fommenben Freitagabenb Vortrag in ber Stabtkirche über bas Thema: „Die evangelische Frau in ihrer Bebeutung für bas Auslanbsbeutschtum". Näheres im heutigen Anzeigenteil. heiterer Abend in der Volkshalle. Die von ben heiteren Samstagnachmittagen bes Kölner Senbers bekannten brei lustigen Gesellen werben am 13. Januar in ber Gießener Volkshalle in einem heiteren Abenb bie Gießener Bevölkerung unterhalten. Die Leitung des Abends hat Hans Solcher, der Vater vom Hermännchen. Das Manuskript des Abends ist von Theo Rausch bearbeitet. Auf die heutige Anzeige sei besonders hin- gewiesen. Deutsche Arbeitsfront. Zusätzliche Berufsschulung der DAI. Die N ä h k u r s e in der DAF. finden wieder statt, und zwar Montags und Mittwochs von 20 bis 22 Uhr. Anmeldungen werden noch entgegengenommen. Als Unkostenbeitrag werden 20 Pfg. pro Abend erhoben. Die K o ch k u r s e der zusätzlichen Berufsschuluna fallen für kurze Zeit aus, ihr Wiederbeginn wird an dieser Stelle noch bekanntgegeben. Arbeitsdienstpflicht der Abiturientinnen für das Zahr^l 936. Die Deutsche Studentenschaft teilt mit: Die Bestimmungen über die Arbeitsdienstpflicht der Abiturientinnen können erst im Laufe bes Monats Februar 1936 herausgegeben werben. Melbungen unb Anfragen, bie jetzt eingehen, finb zwecklos. Die genaue Regelung wirb burch Schulen unb Presse rechtzeitig bekanntgegeben. Herabgesetzte Fahrpreise für die Iieichsautobahn. LPD. Vom 10. Januar 1936 an werben bie Fahrpreise für bie Reichsbahn-Autobusstrecken Frankfurt—Darmstabt, Frankfurt—Heibelberg unb Mannheim unb Mannheim—Heibelberg herabgesetzt. 3n Zukunft können Reisenbe mit Reichsbahn-Fahrausweisen zum normalen Fahrpreis für Verbindungen, in benen Fahrscheine für Reichsbahn-Autobusse ausgegeben werben — auch im Reichsbahn- burchgangsoerkehr — wahlweise bie Reichsbahn, ober bie Reichsbahn-Autobusse benutzen. Ein beson- berer Zuschlag ist nur zu Fahrausweisen 3. Kl. für Personenzüge zu zahlen. Die Reichsbahnfahr- ausweise 3. Kl. für Schnell- unb Eilzüge unb für die 1. unb 2. Kl. ber Schnell-, Eil- unb Personen- züge gelten ohne weiteres unb ohne Fahrgelbausgleich als Fahrausweis für bie Beförderung im Reichsbahn-Autobus. Rückerstattung von Fahrgelb in ben Fällen, in benen ber Eisenbahnfahrpreis höher ist als ber Autobusfahrpreis, findet nicht statt. Reisende mit Urlaubskarten und Ausländerfahrscheinheften 3. Kl. zahlen den gleichen Zuschlag. Reisende mit solchen Fahrausweisen 1. und 2. Kl. werden ohne Zuschlag befördert. Ehemalige Kriegsgefangene als Helfer des Winterhilfswerks. * ■ U An der Sammlung für das Winterhilfswerk am vorigen Sonntag beteiligten sich auch bie Mitglieber der Reichsvereinigung ehern. Kriegsgefangener. Unser Bilb zeigt Gießener Mitglieber bieser Vereinigung beim Sammeln. (Aufnahme: Pletsch, Gießen.) Mit KdF. in den Gießener Karneval. In biefern Jahre hat es bie NSG. „Kraft burch Freube" übernommen, bie Gießener Volksgenossen durch ben Karneval zu geleiten. Gleich ber erste Auftakt hierzu war ein ausgezeichneter Erfolg. Schon lange vor Beginn war ber Saal bes „Cafe Leib" am ©amstagabenb bicht besetzt von erwartungsvollen Menschen. Die Gäste unb Sänger vom Rhein fanben ein frohgelauntes Publikum, bas sich willig bie wenigen Stunben von rheinischem Frohsinn leiten ließ. Gleich ber Einmarsch ber närrischen Garben mit ben Lanbsknechten unb Rhein- lanbmäbeln in ben bunten trabitioneUen Kostümen schuf eine ausgelassene Stimmung. Der als temperamentvoller Kölner Ansager unb Komiker bekannte Präsibent Reinholb R e i n h o l b machte in hochtönenber, aber geroinnenber Art seine große Karnevalsgesellschaft mit rheinischen Gebräuchen bekannt. In vornehm, lässiger Eleganz hanbhabte er sein Zepter, unb sein schwungvoll witziger Rebeschwall rief Beifallsstürme hervor. Nur einer bestritt bem Präsibenten bie Rechtmäßigkeit seiner Amtshanblungen unb verbot ben zwei Rheinlanb- mäbeln ben Tanz, bas war ein Wachtmeister mit einem bierehrlichen, jovialen Aussehen. Sich mühsam ben Weg zur Bühne schasfenb, forberte er teils Zum Gaubium, teils zur Erregung ber Zuhörer bie polizeiliche Erlaubnis. Die Spannung löste sich aber in allgemeinem Gelächter auf, als ber Präsident an bas rheinische Gemüt bes Wachtmeisters Bullermann appellierte unb bie Tanzmäbchen ihn mit ihrer Kunst berart bestrickten, baß er aus Verehrung für ben rheinischen Sänger am Runbfunk Willi £) ft ermann bem tollen Treiben freien Lauf ließ. Der Minnesänger vom Rhein Wilhelm H e i n tz e n zauberte mit seiner schnurrigen Parobie ber neuesten Schlagermelobien eine rührselige Stimmung hervor, baß bie Lacher tränenben Auges mit anhal- tenbem Beifall sich weitere Zugaben erzwangen. Eine Tanzparobie Dftermanns von ben sieben Bergen am Rhein bereitete bas Auftreten biefes Dichter-Komponisten wirkungsvoll vor, bem auch bie Gießener mit großem Jubel hulbiqten. Dieser Jüngling im grauen Haar zwang seine Zuhörer in seinen Bann. Was seiner Stimme an Glanz unb Lautstärke ahgeht, bas ersetzte sein Ge- bärbenfpiel. In ben Refrain setzte die ausgelassene närrische Gemeinde lautstark ein, was Ostermann veranlaßte, sein „Loblied" auf die ehemalige rheinische Besatzung anzustimmen. Den Höhepunkt seiner Darbietungen aber bildete ein vor 25 Jahren -um sksten Mal gesungener Schlager in kölnischer Mundart, der Ostermann mit einem Schlage bekannt gemacht hatte. Mit einem Schunkelwalzer ging es in die Pause. Präsident Reinhold parodierte in charmanter Art Liebe, Völkerbund und Schwiegermutter. Schließlich erzählte der Groteskkomiker vom Reichssender Köln, Karl Hage, in schnurriger Weise von den zahlreichen Begebenheiten eines Tages, daß die Zuhörer aus dem Lachen nicht herauskamen. Für das temperamentvollste Gießener Mädchen hatte Willi Ostermann eine Auszeichnung mitgebracht. Atemlose Spannung herrschte, als er unter das Volk ging, um die Auserwählte unter dem Ehrengeleit der Landsknechte auf die Bühne zu holen. Mit Geschick entledigte er sich dieser Ausgabe und man zollte seiner Wahl stürmischen Beifall. Das Austreten der originellen Typen „D o tz u n d D ö tz- ch e n" rief einen Sturm der Begeisterung hervor. Als „Musterungsburschen" sangen sie ein herzerweichendes Duett von der schönen, seligen Soldatenzeit, das gesanglich und mimisch eine Glanzleistung darstellte. Noch einmal riß Ostermann seine Zuhörer mit dem Karnevalschlager „Ja, ja, ich weiß etwas von dir!" mit und dann verabschiedete sich der Elferrat und die rheinischen Sänger von den Gießenern, denen dieser Auftakt zu der sorglos ausgelassenen Karnevalszeit sichtlich viel Freude bereitete. Der volle Erfolg dieses Abends veranlaßt zu einer Wiederholung, die, den Anregungen Rechnung tragend, in der Volkshalle erfolgen wird. Mieter - Lustschuh - Schuhraum. Von der Ortsgruppe Gießen des Reichsluftschutzbundes wird uns mitgeteilt: 1. Jeder muß wissen, wer sein Luftschutzhauswart ist. 2. Jeder Mieter muß den Anordnungen, die der Luftschutzhauswart im Jntresse der Abwehrbereitschaft des Hauses trifft, Folge leisten. 3. Jeder Mieter muß seinen Dachboden entrümpeln und dafür Sorge tragen, daß er entrümpelt bleibt. 4. Jeder Mieter muß wissen, welche Maßnahmen bei Verdunkelung der Stadt in seiner Wohnung durchzuführen sind. 5. Jeder Mieter muß wissen, daß und wie er Lebensmittel vor Kampfstoffen (Gasen) sichern kann. 6. Jeder Mieter muß den Bau und die Einrichtung eines Schutzraumes als eine Lebensnotwendigkeit für seine Angehörigen und sich selbst betrachten. 7. Jeder Mieter muß den Wunsch haben, daß regelmäßige Luftschutzübungen stattfinden, damit im Ernstfall jeder weiß, was er zu tun und zu lassen hat. 8. Jeder Mieter handelt im eigensten Interesse, wenn er die verantwortungsvolle Arbeit des Lutfschutzhauswartes tatkräftig unterstützt. Gießener Dochenmarktpreise * Gießen, 7. Jan. Auf dem heutigen Wochenmarkt kitteten: Molkereibutter, das Pfund 1,55 Mk., Markenbutter 1,60 Mk., Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10 Pf., Wirsing, das Pfund 12 bis 15, Weißkraut 8 bis 12, Rotkraut 12 bis 18, Gelbe Rüben 9 bis 12, Rote Rüben 10, Spinat 15 bis 20, Unterkohlrabi 7 bis 8, Grünkohl 12 bis 15, Rosenkohl 25 bis 35, Feldsalat 80 bis 90, Zwiebeln 10 bis 14, Meerrettich 30 bis 70, Schwarzwurzeln 25 His 30, Aepfel 10 bis 30, Birnen 15 bis 25, Nüsse 40 bis 55, junge Hähne 90 Pf. bis 1,10 Mk., Suppenhühner 80 bis 90 Pf., Gänse 90 Pf. bis 1 Mk., Enten 90 Pf. bis 1 Mk., Blumenkohl, das Stück 30 bis 50 Pf., Endivien 5 bis 25, Lauch 5 bis 12, Rettich 5 bis 15, Sellerie 4 bis 40 Pf., Kartoffeln, der Zentner 3,30 bis 3,50 Mk. * * * Akademische Berufung. Der Dozent für Tierzucht und Milchwirtschaft an der Universität Göttingen Dr. Hermann Vogel wurde als Nachfolger des früheren Leiters des Tierzuchtinstituts der Universität Gießen Professor Dr. Craemer zum ordentlichen Professor an der Universität Gießen und Direktor des Tierzuchtinstituts der hiesigen Universität ernannt. Professor Dr. Vogel stammt aus München, wo er nach der Teilnahme am Kriege seinen Studien oblag. Im Jahre 1930 habilitierte er sich in Göttingen. ** Aus dem hessischen Landesdienst entlassen. Der Reichsstatthalter in Hessen gibt bekannt: Entlassen wurde durch Urkunde des Führers und Reichskanzlers der Kreisdirektor Dr. med. vet. Otto Lang in Lauterbach aus dem hessischen Landesdienst. ** Arbeitsjubiläum. Am morgigen 8. Januar ist Frau Anna Lang, Alicenstraße 42 wohn- Auch in diesem Jahre wird wiederum als Teilausgabe des Reichsberufswettkampfes ein Schau- fensterwettbewetb für den Gau Hessen- Nafsau in der Zeit vom 9. bis 16. Februar durchgeführt. Gestalter dieses Wettbewerbes sind die jungen Kameraden — Lehrlinge und Jungangestellte — aus dem Einzelhandel, die in diesem Wettkampf Gelegenheit haben, ihr Können auf dem Gebiet der Dekoration unter Beweis zu stellen. Es ist für den Einzelhändler Lebensnotwendigkeit geworden, fein Schaufenster, das das Gesicht und der Spiegel des Geschäftes ist, geschmackvoll und werbekräftig dekorieren zu können. Es wird deshalb das Bestreben der jungen Kaufleute fein, durch ansprechende Ausstellungsweise den arbeitsschaffenden Wert des Kaufens und das Verständnis für deutsche Qualitätserzeugnisse in das Volk hineinzutragen. Weiterhin wird dieser Leistungswettstreit dem Nachwuchs im Einzelhandel die Möglichkeit geben, einmal selbständig und aus eigener Initiative heraus die Schaufenster auszugestalten und somit ihren eigenen Gedanken Ausdruck zu verleihen. Die Oefsentlichkeit wird sich in diesen 7 Tagen des Schaufensterwettbewerbes davon überzeugen können, wie ernst es die Jugend im neuen Staat mit ihrer beruflichen Ausbildung nimmt, wie sie gerne und freudig bereit ist, ihren Mut und Leistungswillen unter Beweis zu stellen. Bereits im Vorjahr ist der berufliche Nachwuchs aus dem Einzelhandel mit großer Begeisterung und mit viel Verständnis an die Durchführung dieses Wettbewerbs herangegangen. Es sind Leistungen Im 105. Geburtsjahres Heinrich von Stephans, des um die Gründung des Weltpostvereins verdienten ersten Deutschen Generalpostmeisters, erlebt die Briefmarke am heutigen Dienstag zum ersten Mal einen ihr gewidmeten Tag. Aus diesem Anlaß wird ein Blick hinter die postalischen Kulissen der drei Bezirkslieferstellen im Bereich der Reichspostdirektion Frankfurt interessieren. Die Bezirksverteilungsstellen für Wertzeichen verteilen die sämtlichen durch die Postanstalten zur Ausgabe gelangenden Wertzeichen an die Postämter. Drei solcher Lieferstellen gibt es im Bereich der Reichspostdirektion Frankfurt: eine in Frankfurt für den Bereich der früheren Oberpostdirektion Frankfurt, eine in Darmstadt für Rheinhessen und Starkenburg, die dritte in Gießen für Oberhessen. Eine mächtige Tresortür führt in das Wertzeichenlager. In großen Fächern liegen nur geringe Vorräte. Die Marken ruhen hier nicht lange. Einmal im Monat werden sie von den Postämtern und einmal von der Lieferstelle in Berlin angefordert. Die Bezirksverteilungsstelle Frankfurt bringt durchschnittlich im Monat für 1,3 Millionen Mark Postwertzeichen und für 4 Millionen Mark andere haft, seit 30 Jahren bei der Firma Kohlenhandlung Joh. Fischer tätig. Wo ist der glückliche Gewinner? Ein Unbekannter zog einen 100 000-TNark-Gewinn. ( LPD. Marburg, 6. Jan. Bei der vor den Weihnachtsfeiertagen erfolgten Ziehung der Deu t - s ch e n 21 r b e i t s b e f d) a f f u n g sl o 11 e r t e ist das in der hiesigen Lose-Vertriebsstelle Andernach verkaufte Doppellos Nr. 2 759 125 mit einem G e - roinn von 1 00000 Mark herausgekommen. Der glückliche Gewinner, der das Los bis jetzt noch nicht eingelöst hat, wird gesucht. gezeigt worden, besonders von den jüngsten Deil- nehmern, die größte Anerkennung gefunden haben. So hat mancher junge Kaufmann seine Fähigkeiten auf dem Gebiet der Dekoration entdeckt, die ihm vorher unbekannt gewesen sind. Dritter Reichsberufswettkampf 1936. Der 3. Reichsberufswettkampf sieht zum erstenmal die Jungarbeiter in Fabriken und Kontoren und die Studenten in den Hörsälen in einer einzigen Front, der Front der deutschen Arbeit. In Zukunft dürfen nicht Geld und ^Beziehungen, sondern einzig und allein die schöpferische Leistung entscheiden. Der 3. Reichsberufswettkampf der deutschen Jugend vom 2. bis 15. Februar wird zum Wahrzeichen der sozialistischen Gesinnung des Heranwachsenden Deutschland. Anmeldungen zur Teilnahme werden bis zum 15. Januar 1936 von sämtlichen Kreis- und Orts- jugenbroaltungen der DAF. und den Dienststellen der HI. entgegengenommen. Auch in diesem Jahr werden die Jungen und Mädel im Einzelhandel mit dem gleichen Elan und der gleichen Freude an die Arbeit gehen, um unter Einsatz der ganzen Kraft die größte Leistung auf dem Gebiet der Schaufensterdekoration zu erzielen. Wertzeichen (Invaliden- und Angestellten-Dersiche- rungsmarfen usw.) zum Versand. Das Frankfurter Hauptpostamt benötigt im Monat allein für eine halbe Million Briefmarken. Die Frankfurter Verteilungsstelle hat den dreifachen Verbrauch der Lieferstellen Darmstadt und Gießen. Am meisten werden gebraucht die 6-, die 12- und die 3-Pfennig- marfen. Während die gewöhnlichen Briefmarken von 23''r- lin angefofbert werben, kommen bie Sondermarken nach dem allgemeinen Bedarf zur Verteilung. Das „hessische Briefmarfenfräulein“ hak neben den höheren Werken dieser Serie gerade in Hessen besonders starke Nachfrage gefunden. Starken Anklag fanden die Saarmarken gelegentlich der Abstimmung, die Olympiamarken, bie Heldengedenktag-, die Bach-Händel-Schütz- und andere Marken. Oer Wertzeichenumschlag im Giehener Verteilungsamt. Das Wertzeichenverteilungsamt Gießen, das für die ganze Provinz Oberyesien die Wertzeichen empfängt und an die Postämter in ihrem Gebiet Der Schausensierweltbeiverb eine Teilausgabe des Reichsberusswellkampses Zungkaufleute dekorieren 1Z00 Schaufenster. Der Tag der Briefmarke. Drei Vosstvertzeichen-Verteilungsssellen im Bereich der Reichspostdirektion Frankfurt. — Gießen für Oberhessen. zu verteilen hat, hat ein großes Arbeitsfeld. In- festen Kisten werden die allgemeinen Wertzeichen Dom Gießener Wertzeichenverteilungsamt in Emp- fang genommen. In diesen Elsten sind stets mehrere tausend Blatt enthalten. I- 1000 Blatt stnd n einem Paket zusammengesaßt. Diese Packung teilt sich ,e- doch wiederum auf in einzelne kleinere Päckchen von je 100, bzw. je 20 Blatt. Durch diese Au sie» lung ist eine klare Ueberstcht über die Brie marken- mengen gegeben. Auf einem tenbla:tt, wie sie ja jedermann kennt, sind jeweils 100 Marken ver> einigt. Postkarten werden in festen Pappkartons verschickt. Die allgemeinen Wertzeichen, einschließlich der Stempel- und Versicherungsmarken erhalt das Gießener Postamt, wie schon oben erwähnt, von Frankfurt. Die Sonderausgaben (Wohlfahrtsbriesmarken, Olympia-Marken usw.) erhält bas hiesige Wertzeichen-Verteilungsamt in einer bestimmten Menge jeboch jeweils birekt aus Berlin. Interessant yi, daß das Wertzeichenverteilungsamt völlig bargeldlos arbeitet, also keine Gelder für die hinausgegebenen Briefmarken abzuführen hat. Diese Abführung geschieht vielmehr von den einzelnen Postämtern über die Reichsbankstellen. Das Wertzeichen-Verteilungs- amt hat also nur Briefmarken zu empfangen und an seine zugeteilten Postämter hinauszugeben. Interessant ist es ferner zu hören, daß durch das hiesige Verteilungsamt im Laufe eines Jahres und für die ganze Provinz Briefmarken allgemeiner Werte für nicht weniger denn etwa 3 Millionen Mark an bie Postämter verteilt werden. Etwa für 500 000 Mark werden 6-Pfennig-Briefmarken, für etwa 660 000 Mark 12-Pfennig- und für etwa 200 000 Mark 40-Pfennig^Briefmarken verteilt. Der Umschlag an Postkarten beläuft sich auf etwa 100 000 Mark. Darüber hinaus werden Dienstmarken, Wechselmarken, statistische Stempelmarken, vor allem aber auch Wertzeichen für die Ange st eilten- u n b bie Invalibenversicherung über große Summen verteilt. Sv werben im Laufe eines Jahres für Oberhessen etwa für 800 000 Mark allein Marken zur Angestelltenversicherung und für nicht weniger denn etwa 2 400 000 Mark Wertzeichen für die Invalidenversicherung hinausgegeben. Im Bereich des Gießener Postamtes wurden im vergangenen Vierteljahr allein für 280 000 Mark Marken der Invalidenversicherung verkauft. Das Arbeitsgebiet des Wertzeichen-Verteilungsamtes für Oberhessen (bas im Gebäude ber Hauptpost in ber Bahnhofstraße untergebracht ist) hat burch bie zahlreichen Neuausgaben eine wesentliche Ausweitung erfahren. Die Arbeit vollzieht sich aber in Anbetracht der jahrelangen Erfahrungen der Beamten in aller Zuverlässigkeit, Ruhe und Sicherheit. Oie letzte Hüttenberger Brautaufbinderin gestorben. In diesen Tagen ist in Leihgestern eine Frau zur letzten Ruhe gebettet worden, die sich große Verdienste um die Erhaltung des alten Hüttenberger Brauchtums erworben hat: die Trachtennäherin und Brautaufbinderin Katharine Heß, die Mutter des bekannten Heimatdichters Georg Heß. 2lls Tochter eines Schneidermeisters, der auch Trachten nähte, lernte sie von ihrem Vater nach der Schulentlassung die Herstellung der Hüttenberger Tracht. Vom 17. bis zu ihrem 73. Lebensjahr, in dem sie abberufen wurde, hat sie selbständig Braut- schmuck und Grabschmuck hergestellt und damit wesentlich zur Erhaltung bodenständigen Brauchtums in Leihgestern und Umgegend beigetragen. Zum letzten Male hat Frau Heß noch für die Aufführung des Scbiffenberger Heimatfestspiels, das ihr Sohn verfaßt hatte, eine Braut mit dem alten Hüttenberger Brautschmuck geschmückt. Herr Pfarrer Reusch betonte mit Recht in seiner von echtem Heimatgeist getragenen Grabrede, daß mit Frau Heß ein Stück Volkstum und Heimat ins Grab sinke. Ihr verdankt unsere Heimat, daß Hüttenberger Trachten und Hüttenberger Brauchtum so lange lebendig geblieben sind. Die Betätigung ber Mutter gab aber auch unserem Heimatbichter Georg Heß von Jugend auf die Anregung zur Beschäftigung mit bäuerlicher Art und Sitte und zu ihrer dichterischen Gestaltung. Himmlische Ereignisse 1936. Ein astronomischer Ausblick. Vier Finsternisse. Schon der erste Monat des neuen Jahres bringt als astronomisches Hauptereignis ein^ totale Mondfinsternis. Wenn nicht Wolken den Ausblick hindern, werden wir in den frühen Abendstunden des 8. Januar sehen, wie der Mond den Schattenkegel des Erdballs durchquert. (Nähere Angaben darüber finden unsere Leser heute im lokalen Teil.) Während die Mondfinsternis auf der halben Erde gleichzeitig beobachtet werden kann, ist die Sichtbarkeit einer totalen Sonnenfinsternis stets nur auf einen schmalen Streifen der Erdoberfläche beschränkt. Dieser Umstand bringt es mit sich, daß für einen bestimmten Ort der Erde eine vollständige Sonnenfinsternis ein seltenes Ereignis ist und nur in Abständen von 200 bis 300 Jahren sich wiederholt. In Deutschland fand die letzte totale Sonnenfinsternis am -19. August 1887 statt, und erst am 7. Oktober 2135 wird man hier wieder Gelegenheit haben, dieses großartige Naturschauspiel zu beobachten. Die Sonnenfinsternis am 19. Juni 1936 ist zwar total, aber nur auf einem 100 bis 150 Kilometer breiten Streifen, der vom Jonischen Meer ostwärts über Athen und Kleinasien durch das Schwarze Meer zum Kaukasus und weiter durch Südsibirien über Omsk und Tomsk nach Nordjapan und in den Stillen Ozean zieht. In Deutschland ist zwischen 4 und 6 Uhr morgens eine teilweise Verfinsterung der Sonne zu beobachten, deren Dauer rund l3/4 Stunden beträgt. Eine halbe Stunde nach Sonnenaufgang schiebt sich der Mond von rechts vor die Sonnenscheibe. In Süddeutschland werden etwa 70, in Norddeutschland 65 v. H. des Sonnendurchmessers abgeblendet. Ein ziemlich breiter sichelförmiger Teil der Sonnenscheibe bleibt also frei. Je nach der Lage des Beobachtungsortes tritt die größte Verfinsterung 9 bis 14 Minuten nach 5 Uhr ein. Außer diesen beiden Verfinsterungen ereignet sich noch am 4. Juli eine teilweise Mondfinsternis, die aber in Deutschland nicht sichtbar ist, und am 13. Dezember eine ringförmige Sonnenfinsternis, die nur in Australien und in der Südsee beobachtet werden kann. Die Planeten. Zu Beginn des Jahres stehen alle mit freiem Auge erkennbaren Planeten in der Nähe der Sonne, gehen also entweder kurz vor der Sonne auf ober verschwinden bald nach Sonnenuntergang im Westen. Venus, der glänzendste aller Wandelsterne, leuchtet am Morgenhimmel zusammen mit Jupiter. Im März taucht Venus in die Morgendämmerung und erscheint erst wieder im November als Abendstern. Eine besonders schöne Konstellation bildet am 15. und 16. Januar die Begegnung von Venus und Jupiter, die am besten gegen 6 Uhr zu beobachten ist. Beide Sterne stehen dann scheinbar nur drei Vollmond- breiten voneinander entfernt. In Wirklichkeit freilich ist der Abstand Jupiters mit 907 Millionen Kilometer annähernd sechsmal so groß wie derjenige der Venus (164 Millionen Kilometer). Jupiter erreicht seine beste Sichtbarkeit in den Sommermonaten, da er am 6. Juni genau gegenüber der Sonne steht und um Mitternacht kulminiert. Er bewegt sich sehr langsam im Sternbild des Skorpion nahe dem roten Antares und ist von Mai bis August rückläufig. Mars und Saturn stehen in oen ersten beiden Monaten des Jahres nach Sonnenuntergang ziemlich tief am Südwesthimmel. Zu ihnen gesellt sich am 26. Januar die schmale Mondsichel, was wiederum ein reizvolles Bild gewährt. Im Frühling aber verschwinden beide Planeten vom Abendhimmel. Saturn erscheint Ende Mai, Mars erst im August wieder am östlichen Morgenhimmel. Die Ringe des Saturn sind in diesem Jahre nur schwer zu sehen, gewissermaßen nur als heller Strich, da die Ringebene mit der Sehlinie zusammenfällt und wir auf die Außenkante der sehr dünnen Ringe sehen. Merkur, der sonnennächste und beweglichste unter den Wandelsternen, bildet ein schwierig zu beobachtendes Objekt, da er höchstens zwei Stunden vor der Sonne aufgeht ober nach ihr untergeht, kann er in unfern Breiten nur während der Dämmerung in geringer Höhe über dem Horizont gesehen werden. Er erscheint dann als ziemlich schwacher Stern, obwohl er fast so hell ist wie Sirius. Man wird ihn am besten Anfang Mai eine Stunde nach Sonnenuntergang am Westhimmel, sowie im letzten Drittel des Oktobers am Osthimmel eine Stunde vor Sonnenaufgang suchen. Und die Kometen? Seit Jahrzehnten ist in Deutschland kein großer Komet zu sehen gewesen. Die Frage, ob denn nicht bald wieder ein glänzender Komet mit langem Schweif erscheinen wird, ist daher durchaus berechtigt. Nachdem das vorige Jahrhundert zahlreiche auffällige Kometenerscheinungen gebracht hat, darunter den Riesenkometen von 1843, der am halben Tage sichtbar war, hat es seit 1882 keinen großen Schweifstern mehr gegeben. Es wäre also nachgerade wieder einer fällig. Doch läßt sich leider nicht Voraussagen, ob bas Jahr 1936 uns einen großen Kometen bescheren wird. Noch leben einige wenige, die in • ihrer frühsten Kindheit den berühmten donatischen Kometen gesehen haben, dessen Schweif eine Länge von 60 Grad am Himmel erreichte, also bedeutend größer war als das Sternbild des Großen Bären und durch seinen Glanz die Bewunderung der Menschen erregte. Aber große Kometen haben fast ausnahmslos sehr lange Umlaufszeiten, und nur in Sonnennähe entfaltet ein Komet feinen Schweif. Die meisten kurzperiodifchen Kometen mit einer Umlaufszeit von wenigen Jahren sind unscheinbare, nur im Fernrohr sichtbare Objekte. Die großen Kometen haben Umlaufszeiten von mehreren Jahrhunderten ober Jahrtausenden, der donatische Komet z. B. von 2000 Jahren. Das ist der Grund, weshalb große Kometen verhältnismäßig feiten auftreten. Dr. Erwin Kossinn a. Blick in ein altes Kochbuch. Wenn man sich einmal in die bunte Welt ber alten Kochbücher vertieft, bann erstaunt man über den unendlichen Reichtum an Gerichten, der einem da entgegentritt. Nun wird allerdings niemand beklagen, daß Stare, Nachtigallen, Schwalben und Zaunkönige nicht mehr als Sonntagsbraten aufgetragen werden Diesem Vogelmord ist ja jetzt ein Ende gemacht worden. Aber in der Zubereitung der verschiedenen Fleischsorten war man früher offenbar erfindungsreicher als heutzutage. So zählt eines der ältesten deutschen Kochbücher, das des wackeren kurmainzischen Mundkochs Marx Rumpolt aus dem Jahre 1576, nicht weniger als 83 verschiedene Speisen auf, die aus Ochsenfleisch zu- bereitet wurden. Aus Kalbfleisch gab es 49, aus Hammelfleisch 45, aus Lamm 28, aus einer jungen Geiß 34, von der Spanfau 32, vom Hirsch 37 und vom Schwein 43 verschiedene Gerichte. Zahlreiche Braten und Ragouts werden angeführt vom wilden Schwein, Murmeltier, Seehund, Biber, Stachelschwein, Igel und Eichhorn. Adler wurden damals in neunfacher Weise zubereitet; Schwan und Pfau erscheinen als Hauptmahl auf der Tafel. Don einer alten Henne kann dieser Kochkünstler 22 verschiedene Speisen bereiten, von einem jungen Huhn 23. Ebenso reichhaltig waren die Fischgerichte. Für bie Bereitung des Hechtes finden sich 42 Rezepte, für die des Karpfens 25, des Salms 17, der Forelle 18, des Krebses 23, des Störs 11, und die gleiche Zahl haben die Aalgerichte. Selbst die Frosche können auf fünffache Weise dem Gaumen schmackhaft gemacht werden, und daran schließen sich Meerspinnen, Meergrillen, Schildkröten, Muscheln und vieles andere- Seegetier. Den Gemüsen sind 225 Rezepte gewidmet, und von Salaten stellt er 50 Stück zur Auswahl. Von Tunken zum Braten gibt er 25 an, von Suppen 63 Arten. Das Gebackene, das früher eine viel größere Rolle spielte als heute, ist mit 76 verschiedenen Kuchen vertreten; dazu kommen 46 Torten. Ebenso groß ist die Zahl der Fleischpasteten, während 20 Pasteten vom Fisch bezeichnet werden. Die Fülle des „Eingemachten" und „Konfekts" ist dementsprechend. Beim alltäglichen Mahl wurden natürlich nicht die zahlreichen Einheiten dieses Riesenspeisezettels vorgesetzt, aber bei festlichen Gelegenheiten wurde an Gängen nicht gespart. Als Beispiel sei ein festliches Frühmahl in bürgerlichen Kreisen angeführt, das Rumpolt folgendermaßen festsetzt: Da gibt es beim ersten Gang gesottenes Rindfleisch mit Meerrettich, eine Kapaunensuppe, mit geräuchertem Fleisch umlegt und einen Lungenbraten; daraus eine gut gefüllte Spansau, Sauerkraut mit geräuchertem Speck und mit alten Hühnern. Der zweite Gang enthält Schweinefleisch in einem Pfeffer, Kalbsbraten, Hammelkeule, Schweinebraten. Dann einen Kapaun, eine Gans, Feldhühner, Vögel, ein Lamm oder Kitzlein, alles gebraten und zu einer Schüssel angerichtet; ferner gedämpftes Rindfleisch mit Wacholderbeeren, Reis in Milch geekocht, Kalbfleisch, gelb gekocht mit Zitronen, schließlich Kälbergallert. Im dritten Gang, dem sog. „Obst", erscheinen gebackene Kuchen, verschiedene Backwerke, Käse und Nüsse. Die Speisefolge des Nachtmahles war noch reicher. Man mußte schon einen gehörigen Appetit mitbringen, wenn man feine Gastgeber zufriedenstellen wollte. Hochschulnachrichten. Entsprechend der erhöhten Bedeutung der deutschen Sprache und Kultur im neuen Staate ist der Name des Germanischen Seminars der Universität Frankfurt in Deutsches Seminar geändert worden. Wie bisher werden aber die gesamt- germanischen Studien von der ältesten bis in die neueste Zeit in dem Deutschen Seminar weiter gepflegt. Dem -Honorarprofessor an der Universität Frankfurt und Direktor des Deutschen Forschungsinstituts für langfristige Witterungsvorhersage, Dr. Franz Baur, ist sein Lehrauftrag auf langfristige Witterungsvorhersage erweitert worden. Kartoffelkäfer und Kartoffelkrebs. Zwei gefährliche Feinde für die Ernährung des deutschen Volkes. herangerückt. Vom Reichsnährstand würden Aufklärungsoorträge in dem bedrohten Gebiet gehalten werden, Vertrauensmänner seien in allen Orten eingesetzt worden, die dafür verantwortlich seien, ein eventuelles Auftreten sofort anzuzeigen, damit Im Rahmen der Vorträge „Wissenschaft im Dienst am deutschen Volk" hielt am aestriaen Montagabend im Hörsaal des Kkknstwissen- schaftlichen Instituts der Leiter der hessischen Pflanzenschutz-Stelle Pg. Dr. Tempel-Gießen einen mit zahlreichen Lichtbildern und erklärenden Tabellen durchsetzten Vortrag über „Kartoffelkäfer und Kartoffelkrebs, zwei Feinde für die Ernährung des deutschen Volke s". Den interessanten Ausführungen entnehmen wir u. a. folgendes: Vordringliche Aufgabe einer verantwortungsbewußten Regierung sei, die Ernährungsgrundlage des Volkes zu sichern. Vor der Machtübernahme durch den Nationalsozialismus habe man im Geiste einer liberalen Wirtschaftsauf- fassuna die durch Pslan^enkrankheit und Witterungseinflüsse entstandenen Verluste bei der Ernte einfach durch die Einfuhr ausländischer Agrarprodukte ersetzt. Der nationalsozialistische Reichsnährstand strebe vor allem die Ernährung des deutschen Volkes aus eigener Scholle an. Es sei daher auch notwendig, daß die Pflanzen vor schädigenden Krankheiten bewahrt würden. Aufgabe der Pflanzenschutzstellen sei besonders die Ueberwachung und der Schutz der für die Ernährung wichtiger Pflanzen vor Schädigungen aller Art. Aus dem großen Aufgabengebiet der Pflanzenschutzstelle griff der Vortragende zwei Feinde und Schädlinge bei der Kartoffel heraus, den Kar- toffel krebs und den Kartoffelkäfer. Der Kartoffelkrebs zeige sich durch Auswüchse an den Knollen, die Trüffeln oder Blumenkohlrosen zu vergleichen seien, auch werde mitunter das Kraut verunstaltet und sogar die Blüten verbildet. Da außerdem in den meisten Fällen noch rasche Fäulnis dazu käme, sei der Genuß dieser Kartoffeln für den Menschen nicht mehr möglich. Es handele sich bei dem Kartoffelkrebs um einen Vodenschma- rotzer, einen Pilz, der im Boden lebe und der durch den Boden wieder übertragen werde. Bis vor ungefähr 35 Jahren habe dieser Pilz nur andere Nachtschattengewächse befallen, aber seit dieser Zeit sei er auch an die Kartoffel geraten und verrichte hier sein Zerstörungswerk. Mit dem Schorfbefall, der auf einer Zerreißung der Schale beruhe, dürfe man den Kartoffelkrebs nicht verwechseln. Auch in unserem Gebiet sei die Zahl der Kartoffelkrebsherde in den letzten Jahren gewachsen, aber meistens handele es sich um Einzelherde bei landwirtschaftlichen Klein- und Kleinstbetrieben. Auffallend sei, daß man oft in unmittelbarer Nähe des Schlachthofes oder einer Kläranlage einen Krebsherd feststellen könne, dies käme aber durch Uebertragung durch den tierischen Dünger und durch Wegwerfen von krebskranken Kartoffelschalen in die Avwäsfer ganz erklärlich zustande. Man habe nun ein Mittel, um einen verseuchten Boden zu desinfizieren, dies fei aber sehr kostspielig. Die Wissenschaft habe aber herausgefunden, daß nicht alle Kartoffelsorten von dieser Krankheit befallen werden und habe diese Sorten als krebsfestes Pflanzgut bezeichnet. Die Bestrebungen gingen zur Zeit dahin, daß man in wenigen Jahren nur noch krebsfestes und anerkanntes Pflanzgut in den Handel bringen wolle. Durch Untersuchung der Keime könne man gut die einzelnen Kartoffelsorten bestimmen. Ein anderer gefährlicher Feind der Kartoffel sei der Kartoffelkäfer. Diese und seine Larven zerstörten das Blattwerk der Kartoffelstaude, beraubten daher die Pflanze ihrer Atmungsorgane, und der Ertrag bleibe bei der Ernte natürlich aus. Der Lebenslauf des Käfers zeige, daß er in einem Sommer dreimal seine Eier an die jungen Kartoffelpflanzen lege, die Larven sich dreimal in der Erde wieder verpuppten und so die Pflanzen sehr heimsuchen würde. Die Nachkommenschaft eines Weibchens des Kartoffelkäfers betrage bei drei Generationen in einem Sommer bis zu 31 Millionen Schädlinge. Diese fräßen etwa zehn Morgen Kartoffelpflanzen kahl. Im Jahre 1879 habe man den ersten Herd in Deutschland entdeckt und durch energisches Eingreifen ein Weiterverbreiten verhütet. Militär habe man eingesetzt, die Stauden seien abgesucht worden, man hätte Fanggräben angelegt und schließlich das Feld abgeräumt und mit Benzol begossen. Diese Methode habe sich gut bewährt. Nun habe man im Jahre 1934 wieder einen Herd und ein Auftreten des Käfers in Stade bei Hamburg wahrgenommen, aber es sei gelungen, auch wieder Herr über ihn zu werden. Jeder müsse nur mithelfen und sofort bei Auffindung eines Koloradokäfers diesen Fund den zuständigen Stellen melden, damit die Bekämpfung sofort ausgenommen werden kann. Den Kartoffelkäfer dürfe man nicht mit dem Marienkäferchen verwechseln, er sei etwas stärker, habe schwarze Streifen auf gelbem Untergrund. Gerade die Bevölkerung Westdeutschlands müsse das eventuelle Auftreten des Käfers ständig mit überwachen helfen, denn die Grenze des Verbreitungsgebietes des Koloradokäfers sei im Westen schon sehr nahe an Deutschland sofort die nötige Hilfe geleistet werden könne. Zur Zeit sei man noch mit der Aufstellung einer schlagkräftigen und großzügigen Abwehrstelle mit motorisierten Einheiten beschäftigt. Am Schlüsse seiner mit großem Interesse und Beifall aufgenommenen Ausführungen über das aktuelle Thema kam der Vortragende noch kurz auf die Organisation und die weiteren Aufgaben dieses Teilgebietes des Reichsnährstandes zu sprechen. Vor allen Dingen müssen Städter sowohl wie Bauern gemeinjam an dem gesteckten Ziele arbeiten. Obecheffen. Oie Burg zu Klein-Linden. * Klein-Linden, 6. Jan. Das Volksbildungswerk Klein-Linden im Rahmen der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" veranstaltete am Samstagabend im Saale des Gasthauses „Zur Burg" einen Heimatabend, der auch von Mitgliedern des Landschaftsbundes Volkstum und Heimat und der Heimatvereinigung Schiffenberg besucht war. Ortswalter Neuser von der DAF- eröffnete mit herzlichen Begrüßungsworten die Versammlung. Dann sprach der örtliche Leiter des Volksbildungswerkes, Lehrer Rau, über das Thema „Die G e- schichte der Burg zu Klein-Linde n". Aus dem Vortrag fei folgendes entnommen: Die Burg gilt als der Ursprung unseres Dorfes. Ihr Alter mag etwa tausend Jahre betragen. Während die älteste Urkunde unseres Dorfes vom 25. Juli 1280 stammt, finden sich Aufzeichnungen über die Burg erst aus der Zeit nach dem Dreißigjährigen Kriege. Sie stammen von dem damals wirkenden Pfarrer Weigel und roetben im Staatsarchiv zu Darmstadt aufbewahrt. Nach diesen Urkunden war der Eigentümer der Burg, die mit dem dazugehörigen Land zehn Hufe, d. i. 300 Morgen umfaßte, der adlige Herr Bernhard von Weitershausen, der die Burg, die ein Lehensgut des hessischen Landgrafen war, im Jahre 1680 an die Familie von W rede von Altenburg bei Alsfeld verkaufte. Aus den Kirchenbüchern von Klein-Linden, die jetzt, nachdem sie über dreißig Jahre als verloren galten, wieder gefunden worden sind, hatte der Vortragende viele Einträge, die die Familiengeschichte der Familie von Wrede betreffen, herausgezogen. Diese Einträge geben auch von dem Verhältnis, das zwischen der Familie und den Einwohnern unseres Dorfes, damals etwa 220, bestand, Kunde. Da das Gut infolge hoher steuerlicher Belastung und sonstiger Abgaben nur wenig Reinertrag abwarf, ließ Ludwig von Wrede, der letzte Besitzer, es nach Abschätzung durch die Feldgeschworenen von seinem Anwalt Krug von Gießen verkaufen. Die Gemeinde Klein-Linden erwarb es für den Preis von 12 000 Gulden. Ludwig von Wrede genehmigte den Verkauf aber nicht und ließ das Gut am 22. Juli 1812 öffentlich versteigern. Den Zuschlag erhielt Geheimrat von Zwierlein aus Winnerod für 13 900 Gulden, der aber schon ein Jahr später das Gut an Klein-Lindener Einwohner für 15 900 Gulden weiter verkaufte. Die Burg und ihre Nebengebäude erwarb der Gemeindsmann Johannes Jun g. Von dessen Sohne kaufte später Karl Ferdinand Friedrich Runge von Mariensee bei Hannover die Burg und richtete eine Wirtschaft darin ein. Am 16. Februar 1869 erfolgte der Einsturz des Giebels nach der Südseite zu, wobei zwei Kinder den Tod fanden. Von dem Erben Karl Runge ging im Jahr 1887 die Burg durch Kauf bzw. Tausch an den Gemeindsmann Friedrich Jung I. über, der sie ein Jahr später, am 11. Dezember 1888, seinem Schwiegersohn Philipp Jung übergab. Dieser wohnt mit seiner Familie bis auf den heutigen Tag als Burgwirt, also nun bald 48 Jahre, in derselben. Ortswalter Neuser dankte dem Vortragenden für feine interessanten Ausführungen, ermahnte, treu zu Heimat und Volk zu stehen, und brachte auf unseren Führer, der mit der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht der Heimat einen besonderen Schutz zugesichert hat, das begeistert aufgenommene „Sieg-Heil" aus. Gemeinsam gesungene Heimatlieder hatten die Stunden umrahmt. Landkreis Gießen. )—( Heuchelheim, 6. Jan. In der letzten Singstunde des Gesangvereins „Teuta- n i a" überreichte Kreiswalter Müller- Gießen den aktiven Sängern Heinrich Rinn und Heinrich Weber die Ehrennadel des Deutschen Sängerbundes für 4 0jährige aktive Sängertätigkeit. Kreiswalter Müller führte in seiner Ansprache u. a. aus, daß sich die jungen Sänger diese beiden Sänger-Veteranen zum Vorbild nehmen und ebenso wie diese stets in Treue zum Verein und dem deutschen Lied stehen möchten. 00 Klein-Linden, 6. Jan. Zu der gestrigen Singstunde der Nationalen Sänge rverei- nigung „Eintracht - Harmonie" hatte sich Kreiswalter Al ü l l e r vom Sängerkreis Gießen des Hess. Sängerbundes eingefunden, um die Ehrung einiger Mitglieder der Sängervereingung vorzunch- men. Kreiswalter Müller würdigte die Verdienste derjenigen Sangesbrüder, die in mehr als 25- bzw. 40jähriger aktiver Mitgliedschaft an der Pflege des deutschen Liedes mitarbeiteten, überreichte jedem die Sängernadel und ermahnte, auch in Zukunft in Treue zur deutschen Sängersache zu stehen. Für 25- jährige aktive Tätigkeit wurden folgende Mitglieder ausgezeichnet: Heinrich Steinmüller, Friedrich Steinmüller, Heinrich Naumann, Wilhelm Luh, Anton Weller, Heinrich M o r n e ro e g , Ludwig Will, Philipp Jung XX., Ludwig Wei - g e l XvII., Fritz Weller III., Friedr. Jung IV., Wilh. Germer III., Fritz Jung VIII. und Friedr. Jung V. Die Nadel für 40jährige Sängertätigkeit erhielten Ludwig Volkert und Friedr. Morne- w e g. Dereinssührer Fritz Jung VIII. sprach im Namen der Geehrten den Dank aus und schloß mit dem Gelöbnis, auch weiterhin das deutsche Lied als eines unserer schönsten Volksgüter zu hegen und zu pflegen. 8. Lang-Göns, 6. Jan. Am vorigen Freitag fand die erste Holzverfteigerung statt, bei der das Nutz- und Brennholz aus dem Gemeindewald Distrikt „Hardt" versteigert wurde. Es ist dies nur ein kleiner Teil des Holzes, das in diesem Winter in den Gemeindewaldungen geschlagen werden soll Es kosteten: Buchenscheit 20bis23RM., Kiefernknüppel 9 bis 11, Buchenknüppel 16 bis 17, Eichenknüppel 14 bis 16 RM. je zwei Raummeter. Buchenwellen (50 Stück) kamen auf 6 bis 8, Eichenwellen 4 bis 5 und Nadelholzwellen 3,50 bis 4,50 Reichsmark. wg. Großen-Bufeck, 6. Jan. Der hiesige Pferdeversicherungsverein „Busecker Tal" hielt in der Wirtschaft „Zum kühlen Grund" seine Generalversammlung ab. Der Vorsitzende Karl Wagner erstattete den Geschäftsbericht. Er betonte, daß in Anbetracht des günstigen Kassenstandes im vergangenen Jahre keine Beiträge bezahlt zu werden brauchten. Der Verein zählt gegenwärtig 68 Mitglieder. Der Rechner Konrad Meyer gab den Kassenbericht bekannt. Einnahmen waren nur wenige zu verzeichnen. Die Ausgaben waren aber durch den tödlichen Sturz eines Pferdes bedeutend gestiegen. Der Kassenstand wurde dadurch erheblich vermindert. Dem Rechner wurde Entlastung erteilt. Die Vorstandsmitglieder Karl Schwalb, Anton Scheid und Christian Schmidt wurden neu gewählt. Für das ausscheidende Vorstandsmitglied Wilhelm Schmidt wurde Wilhelm Scheid III. auf die Dauer von vier Jahren gewählt. Anschließend wurden verschiedene Fragen hinsichtlich von Unglücksfällen bei Tieren der Mitglieder besprochen. Da am Tage nach der Versammlung die Neuversicherungsaufnahme ftattfinben sollte, wurde von verschiedenen Mitgliedern der Wunsch geäußert, die Pferde, die zur Zeit im Preise um etwa 30 v. H. gestiegen sind, entsprechend höher zu versichern. Da aber der 23er» sicherungsoerein bei einem Unglücksfall den vollen Versicherungswert ausbezahlt, wurde diese Frage dem Vorstand zur Entscheidung überlassen. — Im Saale des Gastwirts Brück wurde dieser Tage eine Bauernversammlung abgehalten. Der Besuch war gut. Der Ortsbauernsührer Schmidt sprach zunächst über die zweite Erzeugungsschlacht und forderte zu äußerstem Einsatz auf. Er empfahl besonders zur Rohstoffgewinnung für unsere Textil» Industrie die Schafhaltung zu fördern und Flachs anzubauen. Der Anbau von Brotgetreide und Kartoffeln solle aber darunter nicht leiden, sondern burch zweckmäßige Bobenbearbeitung unb Düngung müssen gleiche Erträge erzielt werben. Er gab ferner ben Wunsch bes Reichsnährstands zur Kenntnis, daß jeder Bauer dem Führer zum Erntedankfest 1936 zwei Quadratmeter angebauten Flachs schenken möge, der durch die Orts-, Landes- unb Kreisbauernschaften gesammelt werbe. Im weiteren Verlauf bes Abends würbe noch über lanbwirt- schaftliche Besichtigungsreisen, über ben Besuch ber Reichsnährstandsschau, über Fragen ber Feldbe- reinigung (Hauptgelbausgleich, Wegebauten usw.) gesprochen. Bürgermeister Rebholz, der inzwischen erschienen war, hielt eine Ansprache, in der er an die großen Werke des Führers erinnerte und dazu aufforderte, besonders das Winterhilfswerk zu unterstützen. Anschließend wurde noch ein Veranlagungsbescheid für die Ablieferung von Brotgetreide im Getreidewirtschaftsjahr 1935/36 an die Bauern abgegeben. Die Landwirte gaben dann eine Uebersicht über ihren Fruchtbestand und über die noch zum Berkaus gelagerte Frucht ab. Mit einem dreifachen Sieg-Heil auf den Führer Adolf Hit - l e r schloß der Ortsbauernsührer die Versammlung. 1) Allendorf a. d. Ld a., 5. Jan. Ein außerordentlich großer Trauerzug bewegte sich heute nach dem Neuen Friedhof. Der älteste Einwohner unserer Stadt, Schneidermeister Philipp Krieger, wurde zu Grabe getragen. Der Verstorbene war am 19. Januar 1839 geboren, er hatte somit ein Alter von nahezu 97 Jahren erreicht. Krieger war bis vor kurzem in feinem Leben nie ernstlich krank gewesen. Bis zum dritten Advent besuchte er noch regelmäßig die Sonntagsgottesdienste in der Kirche. Rüstig bis zuletzt kann man gut seinen stetigen Ausspruch: „Ich werde hundert Jahre alt!" verstehen. Seine Frau ging ihm vor dreißig Jahren schon in den Tod voraus; ebenso hat er alle seine Kinder bis auf eine Tochter überlebt. Der Verstorbene war das älteste Mitglied und Ehrenmitglied des hiesigen Männergesangvereins. Von feinem 90.Lebensjahre ab erfreute ihn der Männergesangverein jedes Jahr an feinem Geburtstag mit einem Ständchen. Und heute gab ihm der Verein das letzte Geleit und brachte ihm die letzte Ehre an feinem Grabe durch den Vortrag zweier Lieder und die Niederlegung eines Kranzes mit einer kurzen Ansprache des Vorsitzenden dar. — Die Orts ft ati ft iE unserer Stadt verzeichnet für 1935 folgende Zahlen: In den Standesamtsregistern find eingetragen 30 Geburten (außerdem 6 in den Kliniken zu Gießen), 8 Sterbefälle (außerdem zwei in der Klinik zu Gießen), 13 Trauungen. □ Hungen, 6. Jan. Am Samstagabend hielt der Gesangverein „Eintracht" im „Prinz Karl" feine alljährliche Hauptversammlung ab. Der Vereinsführer Ludwig K a m b e i tz gab nach kurzer Begrüßung, in der er insbesondere des im verflossenen Jahre verstorbenen Mitgliedes Rudolf Weiß mit ehrenden Worten gedachte, einen Rückblick über die Vereinstätigkeit im vergangenen Jahre. Daraus ging hervor, daß der Verein in starkem Maße an die Öffentlichkeit getreten ist und fast sämtlichen Veranstaltungen seine Kraft zur Verfügung gestellt hat. Einschließlich der eigenen Veranstaltungen ist der Verein insgesamt 23- mal vor die Öffentlichkeit getreten. U. a. konnte der Versammlung mitgeteilt werden, daß auch in diesem Geschäftsjahre der Mitgliederstand eine weitere Steigung erfahren hatte. Mit 14 Neuanmeldungen umfaßt der Verein nahezu die beträcht- ausgiebig "und zahnpflegend, nachhaltig erfrischend N po Aichi müde werden, Annelies! Vornan von Bernhard Lonzer. Urheberrechtsschutz: Aufwärfs-Verlag, Berlin. 27. Fortsetzung. Nachdruck verboten! „Aber liebe Frau Senator, beruhigen Sie sich doch nur! Sie nehmen das ja alles viel zu schwer." „O nein! Sie sind noch nicht in dem Alter, wo man über eine Jugendliebe lächeln ober doch mit ruhigem Herzen daran denken kann. Und wenn ich mir heute manches überlege ..." Mia schwieg mit gesenktem Kopf. Sie schien mit einem Entschluß zu ringen. Plötzlich hob sie wieder das Gesicht mit einem flehenden Blick ihrer herrlichen Augen. „Es hat vielleicht so sein sollen, Frau Senator, daß heute durch meine Unbedachtsamkeit die Rede daraus gekommen ist. Einmal würden Sie es ja doch erfahren haben. Ich habe ja keinen Menschen, mit dem ich darüber reden könnte, und ich habe mich schon lange danach gesehnt, mich einmal mit Ihnen darüber aussprechen zu können. Sie vertreten Mutterstelle an Günter, und Sie sind Frau wie ich! Sie werden mich gewiß verstehen: Wir haben uns damals unbeschreiblich liebgehabt, und wir sind unbeschreiblich glücklich gewesen. Können wir denn dafür, wenn jetzt — wenn das jetzt mit aller Gewalt wieder über uns kommt?" Frau Eugenie war Frau genug, es zu verstehen. Die beiden 'jungen Menschen waren bemitleidenswert, so böse sich die Sache auch ansah. „Ja, aber warum seid ihr denn da wieder auseinander gegangen?" forschte sie. „Warum haben Sie denn einen anderen geheiratet?" „Weil das Schicksal es wollte, Frau Senator! Das fragt ja nicht danach, was aus uns wird. M^in Vater stand vor dem Ruin — und Rechberg war reich Es gab keine Wahl für mich. Sie wissen ja nicht, wie man mir Tag für Tag zugeseht hat. Ich habe mich gesträubt, bis es keinen Aufschub und fein Ausweichen mehr gab, bis ich das Opfer bringen mußte. Sie können es. wohl nicht ermessen, was es bedeutet, mit der Liebe zu einem anderen im Herzen an einen ungeliebten Mann gefesselt zu sein. Ich habe es bis zum letzten bittersten Rest auskosten müssen — ich war eine todunglückliche Frau." Sie neigte den Kopf. Die Tränen stürzten ihr aus den Augen. Das konnte Frau Eugenie nicht mit ansehen. Sie streichelte der Weinenden leise die Hand. „Na ja, Kind, na ja! Das ist schon sehr schlimm. Das ist schon schlimm mit euch beiden. Was soll denn da jetzt nur werden? Man kann ja gar keinen vernünftigen Gedanken fassen." Mia trocknete umständlich ihre Tränen. „Ja, was soll nun werden! Es ist furchtbar, sich täglich mit einem solchen Zwiespalt abquälen zu müssen. Ich habe Günter die ganzen Jahre hindurch nicht vergessen und heute — man ist älter und reifer geworden —, heute ist das alles noch viel stärker und überwältigender. Und Günter? Sie werden ja schon selbst gesehen haben, daß er anders ist als vorher, und nun wird es Ihnen gewiß klar sein, welche Kämpfe er im stillen mit sich auszumachen hat. Er ist doch Ehrenmann, und es wird ihm ein furchtbarer Gedanke sein, an seiner Verlobten wortbrüchig werden zu müssen. Mir selber ist es ja auch schrecklich, des eigenen Glücks wegen einem anderen Menschenkind weh tun zu sollen." Frau Eugenie seufzte schwer auf. „Ja, Annelies ...! Das arme Mädel! Es ist wirklich furchtbar ..." „Das ist es. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie leid sie mir tut. Ich habe schon so oft versucht, die Angelegenheit einmal ganz ruhig und objektiv zu beurteilen, als wenn ich gar nicht selber daran beteiligt wäre, und da bin ich immer wieder zu der Gewißheit gelangt, daß die beiden — Günter sowohl als Fräulein Fahrenkamp — unter diesen Umständen todunglücklich werden müßten, wenn sie sich heiraten würden. Ich habe es ja am eigenen Leibe erfahren müssen. Und diese Gewißheit macht einem die Entscheidung leichter. Für Sie, Frau Senator, ist es natürlich trotzdem nicht leicht, sich damit abzufinden, denn Fräulein Fahrenkamp ist Ihre Nichte, die Ihnen selbstverständlich nähersteht als ich. Unb, so schmerzlich es mir auch fein würde, ich würde es doch verstehen können, wenn Sie mir ein bißchen gram (ein würden . Wie eine scheue, bange Frage stand es in ihren Augen. Aber die Frau Senator zeigte ein mitleidiges, wenn auch noch immer etwas verstörtes Lächeln. „O nein, das bin ich nicht! Wer kann denn für fein Herz! Und wer kann denn für die Verhältnisse!" Mia schien aufzuatmen. „Und Sie sind auch Günter nicht böse, wenn er Ihrer Nichte sein Wort nicht halten kann ...?" Die Frau Senator schüttelte langsam den Kopf. „Wie kann ich denn! Nur — ich fürchte mich vor dem Augenblick, wo Annelies davon erfährt. Wenn das alles nur schon vorbei wäre! Es ist doch schwer und bitter für das arme Mädel. Sie hat keinen Menschen weiter als uns, und nun ..." Mia sah stumm und anscheinend bedrückt vor sich nieder. „Ob sie wohl schon etwas ahnen mag?" forschte sie dann mit leiser, unsicherer Stimme. Frau Eugenie seufzte wieder leise auf. „Ich glaube fast! Sie war schon die ganze letzte Zeit über so merkwürdig bedrückt, ohne daß ich es mir erklären konnte. Ich habe es immer für Launenhaftigkeit gehalten; aber es wird schon so fein, daß sie etwas gemerkt hat. Ach, es ist wirklich nicht leicht ...!" Den beiden Frauen war entgangen, daß sich die Tür zum Nebenzimmer geöffnet hatte. Wenigstens schien es so. In Wirklichkeit hatte Mia es sehr wohl bemerkt. Ohne die Blickrichtung zu verändern, hatte sie gesehen, daß es Annelies war, die ins Zimmer kam Aber sie hatte die Frau Senator absichtlich ausreden lassen. Jetzt legte sie Frau Eugenie plötzlich die Hand auf den Arm. „O Gott ...!" Sie schien tödlich erschrocken zu sein. Frau Eugenie folgte ihrem Blick und wandte sich um. Heftiges Erschrecken malte sich auf ihrem Gesicht, als sie Annelies gewahrte. Annelies hatte die letzten Worte gehört. Sie war sich sofort im klaren, um was es sich handelte; aber nichts an ihr verriet etwas davon. Nur ihre Stimme schwankte ein wenig, als sie fragte: „Störe ich?" Mia bewunderte im stillen die Selbstbeherrschung der Rivalin. Sie lächelte verbindlich und schien mit einem Male ihre Geistesgegenwart wiedergefunden zu haben. „Aber durchaus nicht, Fräulein Fahrenkamp!" erwiderte sie und streckte Annelies die Hand entgegen. „Wie geht es?" Annelies wahrte die Form und legte ihre Hand flüchtig in Mias Rechte. „Danke — über Erwarten gut!" entgegnete sie ruhig. „Es geht ja manchen Menschen besser, als sie es verdienen. Vielleicht gehöre ich auch zu denen." Mia lachte seltsam auf und sah die Frau Senator an, die sich immer noch nicht von ihrem Schreck erholt hatte. „Da haben wir das Malheur, Frau Senator! Fräulein Fahrenkamp hat gehört, was wir gesprochen haben, und gibt uns, oder wenigstens mir, die Quittung darauf. Ein schöner Reinfatt — wie?" Sie wartete die Antwort nicht ab, sondern wandte sich Annelies wieder zu: „Da Sie uns nun einmal überrascht haben, Fräulein Fahrenkamp, muß man schon die Wahrheit bekennen. Ich habe nämlich, ohne es zu wollen, aus der Schule geplaudert. Ihre Frau Tante war ganz entsetzt, als sie hörte, daß ich Günters Jugendliebe gewesen bin." Annelies erwiderte ruhig ihren Blick. Dann hob sie gleichmütig die Schultern. „Ist das denn etwas so Welterschütterndes?" Mias Blick flackerte feindselig auf; aber sie behielt ihr Lächeln bei und sah Frau Eugenie wieder an, deren Verlegenheit ins Ungemessene gestiegen zu sein schien. „Wie ruhig das Kind das sagt! Man könnte sich wahrhaftig ein Beispiel daran nehmen. Ich kann mir wenigstens nicht oorstellen, daß ich in der gleichen Lage diese Gelassenheit aufbringen würde." Dann suchte ihr erneut aufflackernder Blick wieder die Augen der Rivalin. Es klingt vielleicht ein bißchen taktlos — aber sagen Sie: Wird Ihnen denn gar nicht ein bißchen angst bei der Geschichte?" Annelies war nahe daran, ihre Selbstbeherrschung zu verlieren, aber sie bezwang sich mit aller Gewalt. „Welche Geschichte?" fragte sie kühl und ruhig. (Fortsetzung folgt!) liche Zahl von 175 Mitgliedern. Die Rechnungsablage durch Rechner Fischer ergab an Gesamteinnahmen 1464,41 Mark, an Ausgaben 1370,14 Mark, so daß ein Kassenbestand von 94,27 Mark verbleibt. Weiter gab der Vereinsführer den Bericht von dem in Lich abgehaltenen Sängertag des Bundes Chattia bekannt, dem sich der Chorleiter Lehrer Dietrich mit näheren Ausführungen über die gesanglichen Darbietungen des in diesem Jahre in unserem Städtchen stattfindenden Sängertages, verbunden mit der 100jährigen Gründungsfeier des Vereins, anschloß. Als Festtag wurde der 5. Juli 1936 bestimmt. Der Gesangverein „Eintracht", der mit zu den ältesten Vereinen im näheren und weiteren Umkreise zählen dürfte, wird sein ganzes Bestreben darin sehen, diesen Festtagen einen würdigen Rahmen zu verleihen. — Im Jahre 1935 wurden in Hungen ins Standesamts- register 27 Ehen, 25 Geburten und 18 Sterbefälle eingetragen. — Die auf weitere neun Jahre verpachteten Gemeindegrund st ücke erreichten durchschnittlich wieder die seitherigen Pachtpreise. Für den Hektar sind 60 bis 270 Mark erzielt worden. Kirche und Schule. Landkreis Gießen. ex) Langsdorf, 6. Jan. Der kirchlichen Jahresgeschichte von 1935 entnehmen wir folgende Angaben, die für die Oeffentlichkeit der oberhessischen Heimat von Belang sind: 13 Kinder empfingen die Heilige Taufe, 12 Knaben und 4 Mädchen wurden konfirmiert, 12 Paare kirchlich getraut, 14 Verstorbene kirchlich bestattet. An der in hiesiger Gemeinde zur Sitte gewordenen „Goldenen Konfirmation" nahmen 10 Jubilare teil. 3 Paare konnten die goldene Hochzeit begehen. 133 gottesdienstliche Feiern fanden statt, die im Durchschnitt der 52 Wochen folgenden Besuch aufwiesen: 152 männliche und 169 weibliche = 321 erwachsene Personen und 81 Kinder = 402 Personen, oder 46 Hundertteile der Erwachsenen, 45 v. H. aller Evangelischen. Die Gesamtzahl aller Kirchenbesucher betrug rund 21 000 Personen. Zum Tisch des Herrn traten 1200 Personen oder 171 v. H. der Abendmahlsberechtigten. Die Gaben evangelisch-christlicher Liebestätigkeit erreichten den Betrag von rund 3400 RM., das bedeutet auf die evangelische Familie rund 15,40 RM. Das bedeutsamste, äußerlich wahrnehmbare Ereignis des kirchlichen Lebens war die Jnnen-Renovation der Kirche, die in dankenswerter Weise von der bürgerlichen Gemeinde durchgeführt wurde. Dabei wurde eine Esch-Grubenheizung montiert, die sich zur großen Zufriedenheit bewährte. Im Zusammenhang mit der Kirchenerneuerung wurde auch der spätromanische Chorraum im Turme in einen würdigen Zustand gebracht und dabei zu einer Ehrenhalle für die Opfer unseres Dorfes in den Kriegen früherer Jahrhunderte geweiht. Erwähnen wir dann noch, daß ein etwa 350Jahre umfassendes Geschlechterbuch für alle Sippen unseres Dorfes geschaffen wurde. So wären damit die wichtigsten kirchlichen Ereignisse des Jahres 1935 erschöpft. Rundfunkprogramm Mittwoch, 8. Januar. 6 Uhr: Choral, Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 8.10: Gymnastik. 8.30: Sendepause. 10.15: Schulfunk: „Johann Gottfried Herder und das deutsche Volkslied", Hörfolge von Walter Hilpert. 10:45: Hausfrau, hör zu! 11.45: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten. Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Allerlei zwischen zwei und drei. 15: Wirtschaftsbericht. Gasöl oder Benzin? 15.15: „Befehl des Blutes", eine Tiergeschichte von Walter Julius Bloem. 15.25: Bücherfunk. 15.40: „923 Meter unter dem Meeresspiegel." Ein Zwiegespräch nach dem gleichnamigen Buch von William Beede. 16: Konzert. 17.30: Geschichte und Landschaft am Wege: Alte Kirche in Kiedrich. 18: Nachmittagskonzert. 19.45: Erzeugungsschlacht. 20: Nachrichten. 20.15: Stunde der jungen Nation: Weg übers Meer — Dom Schicksal einer Siedlerfamilie. 20.45: Bunte Stunde. 22: Nachrichten. 22.15: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 22.30: Nachtmusik. 24 bis 2: Nachtmusik. S.Upori Reichssportlehrer Wacher in Gießen. Vom Fachamt für Leichtathletik ist Reichssportlehrer Waitzer diese Woche in das Gaugebiet XII entsandt worden, um in den einzelnen Leichtathletikzentren Uebungsabende abzuhalten. Für Gießen findet ein solcher am kommenden Donnerstag (9. Januar 1936) ab 19,45 Uhr in der Reichsbahn- Turnhalle im Aulweg statt. Herr Waitzer ist einer der ältesten Leichtathletikpioniere. Seine gründliche und erfolgreiche Arbeit als Trainer ist unbestritten. Wenige Monate vor dem größten sportlichen Ereignis, das Deutschland bis jetzt erlebt hat, den XI. Olympischen Spielen, gewinnt der Besuch Waitzers besondere Bedeutung. Es muß daher erwartet werden, daß sowohl die Mitglieder der Gießener Trainingsgemeinschaft, als auch die Uebungsleiter der Turn- und Sportvereine und der einzelnen Parteigliederungen an dem Abend teilnehmen. preffetagung des Hochamts I im (Sou XII. Unter Leitung des Gaupressewarts O ß w a l d (Bad-Nauheim) versammelten sich zum Wochenende die Pressewarte des Fachamtes „Turnen" zu zweitägiger Lehrgangsarbeit in Wetzlnr. Eine Rückschau des Gaupressewarts verweilte insbesondere beim 1. Gaufest des Reichsbundes für Leibesübungen in Gießen und erkannte dankbar die tatkräftige und bereitwillige Mitarbeit der Tagespresse an. Nach einem aufschlußreichen Vortrag von Bezirksspiel- wart Fritz Seibert (Wetzlar) über „Spielbewegung, Pressewart, Tagespresse" füllte die Besprechung von wichtigen Fragen der Pressearbeit im Reichsbund für Leibesübungen und im Fachamt „Turnen" die Tagesordnung des ersten Arbeitstages aus. Die Tagung des Sonntags, an der auch weitere Turner teilnahmen, fand ihre feierliche Einstimmung durch Dietwart Artur Seibert vom To. Wetzlar. Turnkreisführer D a u p e r t (Wiefeck) gab ein anschauliches Bild von der denkwürdigen Sitzung der Turnerführer des Gaues am Jahresende 1935 in Idstein. Dann hielt der Geschäftsführer des Gaupresseamtes des Gaues Hessen-Nassau der NSDAP. Herbert Leitz (Frankfurt a. M.) einen grundlegenden Vortrag über „Nationalsozialismus und Press e". Bezirksdietwart S ch w i ck e r t (Nieder-Mörlen) behandelte die Zusammenhänge von Diet- und Pressearbeit, und Unter» kreisdietwart Studienrat Dietz (Bad-Nauheim) hielt einen fesselnden Vortrag über „Muttersprache — Mutterlau t". Gauoberturnwart R. Paul (Gießen), der von der Tagung lebhaft begrüßt wurde, sprach kurz zu den neuen Rundenkämpfen im Geräteturnen. Seine kritischen Ausführungen konnten sich nicht befreunden mit der Art, wie diese Rundenkämpfe im Gau Brandenburg zum Austrag kommen. Er ist ein Freund dieser Mannschaftskämpfe, will sie aber auf ein Mindestmaß beschränkt sehen, weil sie, wenn die Austragungsform Brandenburgs von uns übernommen würde, unseren Turnern im weitverzweigten Gaugebiet keinen freien Sonntag mehr ließen. Nach dem Plane unseres Gauoberturnwarts, wie er für den Gau Hessen vorgesehen ist, sind die Rundenkämpfe im ganzen Gau an sechs Sonntagen durchzuführen. Gaukassenwart Herzog (Kassel) gab wertvolle Aufklärung über verwaltungstechnische und Kassenfragen für die Uebergangszeit sowohl als auch für die Neuregelung, die mit 1. April dieses Jahres im RfL. in Kraft tritt. Aus diesen Ausführungen ist für die Turnvereine besonders wichtig, daß bis zum 1. April, dem Zeitpunkt des Geschäftsjahres des Reichsbundes, die Verbandssteuern noch in bisheriger Höhe gezahlt werden, d. h. also im Gesamtbetrag von 0,55 Mark für die DT., Gau und Kreis. Wertvoll ergänzt wurden die Ausführungen des Gaukassenwarts durch Darlegungen des Gauge- schäftsführers Rüdiger (Kassel), der an Hand einer übersichtlichen Aufzeichnung die Gliederungen des Reichsbundes für Leibesübungen aufzeigte. Nach nochmaligen Ausführungen des Dietwarts Artur Seibert (Wetzlar) klang der anregend verlaufene Lehrgang aus in einem Bekenntnis zum großen Gedanken des Reichsbundes und in dem Gelöbnis, wie bisher in der DT. nunmehr im größeren Bunde alle Kräfte für Volk und Vaterland einzusetzen. Das Sieg-Heil des Gaupressewarts auf Deutschland und seinem Führer wurde begeistert ausgenommen. HandbaltimKreisLahn-Oill(SauXU) Daß durch die schon oft erwähnten scharfen Kämpfe um die Führung in Bezirks- und 1. Kreisklasse nicht alles ohne Zwischenfälle abgehen würde, war von vornherein klar. Daß aber das Ringen um die Spitze Formen annehmen würde, wie es der letzte Sonntag gezeigt hat, damit hatte niemand gerechnet. Denn es ist bestimmt etwas viel, wenn von drei angesetzten Pflichtspielen in der 1. Kreisklasse zwei vorzeitig abgebrochen werden mußten. Bezirksklasse. Tv. Wetzlar — Tv. Hochelheim 15:1 (6:0). Hochelheim hat in diesem Spiel sehr wenig gezeigt. Die Gastgeber gewannen wie sie wollten. Mtv. Gießen — Tv. Lützellinden 5:8 (3:5). Das bereits vorausgesagte harte Spiel kam zustande. Beide Mannschaften setzten alles auf eine Karte. Die Gäste haben mit Recht gewonnen und zwar auf Grund ihres größeren Stehvermögens, ihrer größeren Durchschlagskraft und trotzdem sie einen Teil der zweiten Halbzeit nur mit zehn Mann spielten. 1. Kreisklasse. Tv. Garbenheim — Tv. Groß - Rechte n b a ch 5:8 (1:5). Beide Mannschaften lieferten sich zum Unterschied der übrigen Treffen ein sehr schönes und jederzeit spannendes Spiel, das Rechtenbach allerdings erst nach Kampf gewinnen konnte. Alle hessischen Schulen, von der kleinsten Landschule über die vielklassige Volksschule bis zur höheren Schule jeder Art, standen in den Sommerund Herbstmonaten im Gemeinschaftskampf. Dabei war die Jugend in Altersstufen zusammengefaßt. Für die Jungen und Mädchen im volksschulpflich- tigen Alter waren die Kämpfe der Volks- und höheren Schulen gemeinsam. Außerdem wurden sie nur innerhalb des betreffenden politifchen Kreises durchgeführt. Die Ergebnisse der für alle hessischen Schulen verbindlichen Sommer-Kampfspiele sind unbedingt wertvoll und erfreulich. Wenn man bedenkt, daß dabei nahezu 2000 Kampfgemeinschaften antraten, dann kann man ermessen, wie breit diese Kämpfe die hessische Schuljugend erfaßten und sie in wirklicher Gemeinschaftstat körperlich und charakterlich schulten. Nach außen hin ist dieser Großkampf nicht viel in Erscheinung getreten. Das mag von manchen Seiten als ein Mangel betrachtet worden sein. Wem es aber mehr auf die Handlung als auf Kulissen ankommt, der ist voll befriedigt gewesen, und es ist angebracht, all den Lehrkräften zu danken, die sich um Organisation, Spielleitung, Betreuung der Kampfgemeinschaften und dergleichen wirklich verdient gemacht haben. Die praktischen Erfahrungen jedweder Art aus diesem ersten Jahr werden einer eingehenden Prüfung unterzogen und ausgewertet. Das Ziel dabei ist, die Einrichtungen und Mittel für die körperliche Schulerziehung so zu formen, daß in und mit ihnen auf breitester Basis eine gesunde Jugend heranwächst, die gewillt und befähigt ist, im Dienst für die Gemeinschaft Hochleistungen zu vollbringen. Das hat der Leiter des hessischen Schulwesens, Ministerialrat Ringshausen, klar und überzeugend vor den Hunderten von Jungen und Mädchen ausgesprochen, die bei den Endspielen und der Siegerehrung zugegen waren. Daß auf dem Wege über solche Pflicht-Spiel- reihen aller Schulen auch die Angriffsfronl ver- slärkl und verbreitert wird, die dem Ziel der Schaffung von Spielflächen für jedes Dorf gilt, Tv. Holzheim — Tv. Hörnsheim 7:2 (4:1). Leider konnte dieses Spiel nicht zu Ende geführt werden. Denn der Schiedsrichter sah sich gezwungen, kurz nach Halbzeit bei dem obiaen Stand das Treffen abzubrechen. Bis zu diesem Zeitpunkt lieferte Holzheim eine sehr schöne Partie. To. Atzbach — Tv. Niedergirmes 7:2 (6:1). Obwohl die Platzmannschaft klar in Führung lag, kam es auf ihre Veranlassung kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit zu einem Zwischenfall, der für die Beteiligten unliebsame Folgen haben dürfte. Jugend-Fußball der Spielvgg. 1900, 1900 1. Jugend — VfB.-R. 1. Jugend 2:3. Die zahlreichen Zuschauer sahen hier ein schönes Spiel, das die Grün-Weißen als die Glücklicheren gewinnen konnten. 1900 lag dauernd in Führung und hatte oftmals Gelegenheit, den Vorsprung zu vergrößern, doch wurde keiner dieser Chancen ausgenützt. Der Mannschaft gebührt aber trotz der Niederlage ein Gesamtlob. * Londorf — Daubringen 2:4. Die erste Elf von Daubringen weilte am Sonntag in Londorf und sicherte sich auch dort mit 2:4 Toren den Sieg. Daubringen steht nunmehr mit einem Torverhältnis von 72:12 an der Spitze seiner Gruppe und hat sich den Meistertitel gesichert. Das Spiel selbst begann reichlich nervös, Daubringen konnte aber doch bis Halbzeit bereits drei Tore vorlegen. Nach der Pause holten die Gastgeber zwar zwei Tore auf, die Gäste stellten aber mit einem weiteren Tor den Sieg sicher. In der Mannschaft Daubringens wirkte der verletzte gute Mittelstürmer mit, er konnte aber nur als Statist eingesetzt werden. hat dieses erste Jahr schon deutlich erkennen lassen. Mit den bereits ausgeschriebenen Winterkampfspielen in Hand- und Fußball beschleunigt sich das Tempo des Angriffs auf das gesamte Ziel nicht unerheblich. Sie runden gleichzeitig die Arbeit des Jahres ab, indem sie neben der allgemeinen Sommeraufgabe auch den Wintermonaten die einheitliche Gemeinschaftsaufgabe zuweifen. In der nachstehenden Uebersicht sollen die Ergebnisse in den jeweiligen Endkämpfen innerhalb des Landes der Oeffentlichkeit zur Kenntnis kommen: Männliche Jugend. Klaffen Ila bis la: Mannfchafts-Dierkampf um die Plakette der hessischen Landesregierung. Hebungen: 100-Meter-Lauf mit zwei Hindernissen, Weitsprung mit dem Sprungstab, Weitwurf mit der Keule, Schwimmen über 50 Meter. Provinz- beftleiftung in Starkenburg: Oberrealschule am Friedrichsplatz in Offenbach, Rheinhessen: Gymnasium Worms, Oberhessen: Höhere Privat^ chule Gießen. Landessieger: Oberreal- schuke am Friedrichsplatz in Offenbach. Klassen Illa b i s Ilb: Fuß-Schlagball um die Plakette der hessischen Landesregierung. Prooinz- bestleistung in Starkenburg: Ludwig-Georgs-Gymnasium Darmstadt, Rheinhessen: St. Marienschule in Mainz, Oberhessen: Oberrealschule Gießen. Landessieger: Ludwig-Georgs-Gymnasium Darmstadt. Weibliche Jugend. Klassen Illa b i s la: Grenzball um die Plakette der hessischen Landesregierung. Provinzbestleistung in Starkenburg: Studienanstalt in Offenbach, Rheinhessen: Eleonorenschule Worms, Ober- Hessen: Studienanstalt Gießen. Lan- dessiegerin: Eleonorenschule Worms. Die Sieger in den Kreisen erhalten, nachdem gemäß Reichserlaß die Ausgabe von Wimpeln nicht mehr erfolgen soll, einen Wanderpreis in Form einer Plakette. Außerdem steht für die übrigen Kampfgemeinschaften eine gewisse Anzahl von Urkunden zur Verfügung. Diese Auszeichnungen gehen demnächst den Schulen zu. Ergebnis derSonmerspielederhessischen Schulen 2000 Kampfgemeinschaften im Wettbewerb. Stadttheater Gießen Intendant Hermann Schultze -Griesheim föetiifft das fit? Haben Sie an unsem Spielplan Samstag-Sonntag gedacht? Sonst sichern Sie sich rechtzeitig einen guten Platz! Samstag, den 11. Januar: Einmaliges Gastspiel Henny Porten in „Maria Gar land** Schauspiel in 3 Akten von Zdenko von Kraft 20 Uhr bis 22.15 Uhr — Preise v. 0.50 bis 3 RM. Sonntag, den 12. Januar: Noch einmal Der kleine Muck Weihn.- Märchen v. Burggraf 15 bis 18 Uhr — Preise v.0.30 bis 1.50 RM. Lachen und Jubel! Die Tanzgräfin Operette von Stolz; 97d mit Lissy Chilla als Gast 19 Uhr bis 21.30 Uhr — Preise v. 0.50 bis 2.50 RR. Volkstümliche Naturwissenschaft in reichbebilderten, leichtverständlichen Werken und in verschiedenen Preislagen bieten unsere Verlagserzeugnisse. Sie vermitteln einen tiefen Einblick in die Geheimnisse des Naturgeschehens und damit durch erweitert esWissen erhöhte Freude an den vielfältigen Schönheiten der Natur. Verlangen Sie Prospekte und auch Probehefte der Zeitschrift „Der Naturforscher“ Hugo Bermühler Verlag Berlin-Lichterfelde Siadttttche Freitag, den 10. Januar, abends 8 Uhr, Vortraq v. Pfarrer May Cilli (Südslarmen): iosD Die eonnq. 5tau unö Ulte Bcöeu- tungfüiöÄlnnösöeutMluin! Mitwirkung der Choral-Vereinigung und des Schättler-Quartetts. Eintritt frei. Die Kirche ist geheizt. Gustav - Adolf - Krauenverein. Am 15. Januar, 20.(5 Uhr, in der Volkhalle in Gietzen! Großer heiterer Abend Vie 3 lustigen Gesellen bekannt von den frohen SamstagnachMittagen in Köln Leitung: Hans Solcher, der Vater vom hermännche Gesamtmanuskrivt: Theo Rausch. Dazu ein großes heiteres Programm Sichern Sie sich sofort die letzten Plätze! Karten im Vorverkauf bei: Radio-Ruhl, Radio-Mecke und Schokoladenhaus Huntemann. 108 V Pelzwaren Pelzrevaraturen billig öiaiD M. Liebler Asterweg 16. Kohlen 539D Briketts Eiform Happel&Co. Kl.Mühlgasse 4 u.6 Ruf 3925 ZwetttBefümpwagoer Schwarzarbeit können Arbeit«-Auge> bote von Handwerkern nur mit Aamensnen- nunq u. unter Vorlage desGewerbenachweije» ausgenommen werden. Vertag desSie-enerÄnzetgers Wir zeigen die Geburt unseres Sohnes Klaus an Anneliese Oenninghoff, geb. Schlüter Karl A. Oenninghoff Gießen (Universiiö'is-Frauenklinik), den 6. 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