Aeitag, 6. März 1936 186. Jahrgang Nr. 56 Erster Blatt Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie ein» spaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzei. gen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8‘/,Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text- anzeigen von70 mm Breite 50 Rpf.,Platzvorschrist nach vorh.Dereinbg.25°/g mehr. Ermäßigte Grundpreise: Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monatr-Vezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr.. „ -25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen richten: Anzeiger Gießen V 1 * _____ „ „ StXi’Äin 11688 Druck und Verlag: vrühl'sche Uni°erfitStz.vuch- und Steindruckerei «.Lange in Sieben. Schriftleitung und Seschäftzftelle: Schulftrahe r M-Ng-N°bschlüff-Staffel8 Das britische Kabinett mit Edens Initiative in Genf nicht zufrieden? London fürchtet die Folgen einer Drohung mit der Oelsperre. London. 6. März. (DNB. Funkspruch.) Einige Blätter berichten, daß ein Teil des Kabinetts den Außenminister wegen seiner Stellungnahme zur Frage einer Oelsperre in Genf getadelt haben. Eden sei ursprünglich angewiesen ge- vesen, in Genf „a n z u d e u t e n", daß die britische Regierung eine Oelsperre unterstützen würde, wenn sie allgemein gefordert werde. Statt dessen habe er eine öffentliche Erklärung abgegeben, in der er im Namen Englands die Initiative ergriffen habe. Eden sei eigens nach London zurückgekommen, um die Fühlung mit dem Kabinett aufrechtzuerhalten, da man keine Wiederholung der Hoare-Episode wünsche. Eden habe die Minister darauf hingewiesen, daß Italien die Anwendung einer Oelsperre mit dem Austritt aus dem Völkerbund, der Zurückziehung vom Locarno-Vertr a a, der Kündigung des französisch-italienischen Militärabkommens und der Wiederbesetzung der französisch-italienischen Grenze beantworten werde. Solange die italienische Antwort auf den Friedensappell des Dreizehner-Ausschusses noch nicht bekannt sei, könne die englische Regierung keine endgültigen Entscheidungen treffen. Sollte die italienische Antwort für den Dreizehner-Ausschuß in seiner Gesamtheit annehmbar sein, dann komme eine sofortige Oelsperre nicht in Frage. Die „Times" weist daraufhin, daß Frankreich britische Versicherungen gefordert habe, die es Frankreich gestatten würden, die von Italien angedrohten Gegenmaßnahmen im Falle der Inkraftsetzung einer Oelsperre au szu gl eich e n. Die „Times" meint, daß irgendwelche britische Zusicherungen, die über eine bloße Neubekräftigung der Locarno-Verpflichtungen hinausgingen, sofortDeutschland auf den Plan bringen müssen, denn nach deutscher Ansicht liege der Wert des Locarno-Vertrages in der Unparteilichkeit der Wirtschaftsmächte. Militärische Sonderabmachungen zwischen England und Frankreich würden den Locarno-Vertrag z u U n - gunsten Deutschlands verändern. Der Austritt Italiens aus dem Völkerbund würde d i e Aussichten des kollektiven Systems verschlechtern. Wenn etwa auch noch Oesterreich und Ungarn mit Italien zusammen den Völkerbund verlassen würden, dann werde die kollektive Sicherheit aus dem am wenigsten beruhigten Gebiet Europas verschwinden. Die kollektive Sicherheit sei eben eine Münze miteinerKehrseite. Die britische Regierung sehe sich der schwierigen Aufgabe gegenüber, zu verhindern, daß die Aufrechterhaltung des Prinzips der kollektiven Sicherheit bei der Behandlung des Abessinien-Streites zu einer Ausdehnung der Unsicherheit führe. „News Chronicle" schreibt, wenn England seine Bürgschaft für die deutsch-französi- fche Grenze erneut bekräftige, dann würde Frankreich eine Oelsperre mit größerem Nachdruck unterstützen. — „Daily Herald meldet, Eden sei aus Genf mit der Ueberzeugung zurück- gekehrt, daß eine Bemühung zur Erzielung einer deutsch-französischen Verständigung sofort unternommen werden müsse. Was wird Mffolim antworten? Keine Verhandlungen unter dem Druck der Sanktionen. Paris, 6. März. (DNB. Funkspruch.) „Oeuvre" schreibt, in Genf glaube man, Mussolini werde zunächst erklären, daß erliebermitdemNegus unmittelbtr anstatt durch Vermittlung des Völkerbundes verhandeln wolle; denn seit einem Jahre habe der Völkerbund die Lage nur noch verworrener gestaltet. Er werde niemals unter der Drohung neuer Sühnemaßnahmen verhandeln, ja nicht einmal, solange die bereits verhängten Sübnemaß- nahmen aufrechterhalten werden. Einem Mitarbeiter des „Excelsior" erklärte Mussolini: „Der Aufruhr, der am Genfer See herrscht, ist sehr bedenklich. Dort wird gegen Italien Partei genommen. Man sieht eine unbegreifliche Solidarität zugunsten eines Barbarenlandes, unbegreiflich besonders von den Koloniallandern. Zustimmende Antwort des Aegus Addis Abeba, 5. März. (DNB.) Der Kai s e r hat auf den Vorschlag des Dreizehner-Ausschusses wie folgt geantwortet: „Wir haben Kenntnis genommen von dem Telegramm, das Sie im Namen des Drelzehner-Aus- schusses meinem Außenministerium übermittelten. Alle Völkerbundsmitglieder wissen, daß wir alles, was möglich war, bereits vor Au s- bruch des Krieges getan haben, um durch gerechtes Verhalten entsprechend dem Geist des Völkerbundes den Frieden zu bewahren. Unter Verletzungen seiner internationalen Verpflichtungen und trotz der bis jetzt getroffenen Maßnahmen setzt Italien seinen Angriff fort. Wir sind mit dem Beginn von Verhandlungen unter Beachtung der Bestimmungen des Dölkerbunospaktes einverstanden und nehmen Kenntnis davon, daß die Vorschläge vom Dreizehner- Ausschuß gemacht worden sind, und daß die Verhandlungen im Geiste und Rahmen des Völkerbundes stattfinden sollen. Unsere ausführliche Antwort empfangen Sie durch Vermittelung unseres Vertreters in Paris. (Gez.) H a i l e S e l a s s i e." Vadoglios neue Ziele an der Aordsront. Mailand, 6. März. (DNB. Funkspruch.) Der militärische Sachverständige der Turiner „Gazetta del Popolo" beschäftigt sich mit dem Vormarsch der italienischen Truppen an der Nordfront, die nach Ueberwindung der Streitkräfte des Ras Jmru in Schire d e n Takazze erreicht haben. Er er- Addis Abeba, 5.März. (DNB.) Italienische Bombengeschwader sollen die Ortschaft Koram, wo sich das englische Rote Kreuz und die fahrbaren englischen Feldambulanzen befinden, mit ungefähr 40 Bomben beletzt haben. Der Bombenabwurf soll trotz der weithin sichtbaren englischen Flagge und der Flagge des Roten Kreuzes erfolgt sein. Das Rote-Kreuz-Zeichen sei auch breit auf dem Boden ausgespannt gewesen überall dort, wo sich Zelte mit Verwundeten und Pflegern befunden haben. Englische Meldungen aus Dessie bestätigen, daß die britische Derbandsstelle in Koram, deren Standort den Italienern am 18. Februar mitgeteilt worden war, von einem italienischen Flugzeug aus niedriger Höhe mit Bomben belegt wurde. Sieben Verwundete sollen getötet, drei Zelte, darunter das Operationszelt, zerstört worden sein. Das Personal der Verbandsstelle besteht aus einem Londoner Chirurgen, sowie vier weiteren Aerzten, vier Sanitätsoffizieren, sechs britischen Unteroffizieren und 40 ausgebildeten Eingeborenen-Gehilfen. Ferner waren ihr 20 Askaris zugeteilt. Von italienischer Seite wird mitgeteilt, daß ein italienisches Flugzeug südlich von Koram in unmit- London, 6. März. (DNB. Funkspruch.) Die Oppositionsliberalen im Unterhaus haben bisher noch keine Entscheidung getroffen, ob sie für oder gegen die neue Aufrüstungsmaßnahmen stimmen werden. Sie haben zunächst einen Antrag ab- gefaßt, in dem u. a. bedauert wird, daß die Regierung keine bestimmten Vorschläge für eine Beendigung des internationalen Rüstungswettrennens oder für eine Be- seitigungderKriegsursachen durch internationale Verhandlungen und Konferenzen mache. Der Vollzugsausschuß des englischen Dolker- bundsverbandes erklärt in einer Entschlie- ßung, daß die neuen englischen Aufrüstungspläne das unvermeidliche Ergebnis des Scheiterns der Verhandlungen über einen allgemeinen Abrüstungsvertrag seien. Der Ausschuß fordert, daß die Anwendung einer Oelsperre gegen Italien nicht weiterhin durch diplomatische Manöver hinausgezögert werden solle. Das'Arbeiterblatt „Daily Herald" greift die Aufrüstungsvolitik der Regierung scharf an und erklärt, daß' England wahrscheinlich zu der alten Politik des S ä b e l r a s s e l n s zuruck- kehre. Die Regierung sei von dem „faschistischen" Gedanken besessen, daß die Organisation der Nation für einen Krieg die höchste Pflicht des Staates fei. Selbstverständlich erkläre man, daß die Aufrüstungsmaßnahmen nicht für einen Krieg, sondern für die Verteidigung bestimmt seien. Dieser Versicherung werde jedoch nirgends Glauben geschenkt, denn die Verteidigung des einen Staates sei die Bedrohung des anderen Staates. (?) Auch fei es unaufrichtig, zu behaupten, daß die englischen Minister lediglich an die Verteidigung oder an die Erfüllung 'der Völkerbundsverpflichtungen denken. Ihr Wunsch sei es vielmehr, wie in dem Weißbuch erklärt werde, „A u t o r i t ä t in der internationalen Politik auszuüben." Hinter dem Gerede vom Völkerbund verberge sich die alte Idee der Machtpolitik. Die a r b e i t e r p a rt e i li ch e Opposition wird einen Abänderungsantrag einbringen, in dem es u. a. beißt, daß die Sicherheit Englands und der Friede der Welt nicht dadurch herbeigeführt werden könne, daß man sich auf Rüstungen verlasse, sondern nur durch eine entschlossene Politik der internationalen Verstän- digung, durch ein Festhalten an den Volker- innert daran, das das II. italienische Armeekorps schon am 12. November an den Ufern des Flusses gestanden hätte, aber dann infolge von Ereignissen, die in einem Kolonialkrieg unvermeidbar seien, nach Nordoften in die Umgebung von Aksum und Adua habe zurückweichen müssen. Nach der Ueberschrei- tung des Takazze würden die Truppen in den Landschaften Tzellemti, Semin und Avergalle keine leichten Aufgaben zu bewältigen haben, da sich in jenen Gegenden nicht nur die Bewaffneten der verschiedenen Unterführer, u. a. die beiden Söhne des geschlagenen Ras Kasa, eingeniftet hätten, sondern sich dort auch die Flüchtlinge der bej- den geschlagenen feindlichen Armeen aufhalten dürften. Ueber das erste Armeekorps lägen keine Nachrichten vor, dessen Ziel dürfte aber nicht anders sein, als den Vormarsch auf der Linie Aschangi— Dessie weiter nach Süden fortzusetzen, wenn Marschall Badoglio dies für zweckmäßig erachte. telbarer Nähe eines abessinischen Lagers eine Kraftwagenkolonne von etwa 30 Wagen entdeckte. Die Begleitmannschaft sei eben im Begriff gewesen, die Wagen zu entladen. Da die Kisten mit dem Rot-Kreuz-Zeichen versehen waren, sei das Flugzeug, um genauere Feststellungen zu machen, tiefer geflogen, wobei aus der Nähe der mit dem Rot-Kreuz-Zeichen gekennzeichneten Gruppe das Abwehrfeuer eröffnet worden fei. Ohne das Feuer zu erwidern, fei das italienische Flugzeug zurückgeflogen. Das Flugzeug fei tags darauf von neuem beschossen worden. Be dem später angeordneten Bombenabwur habe sich bald dichter Rauch entwickelt, ein Beweis für das Vorhandensein eines Munitionsdepots. Auf keinen Fall fei Italien etwas davon bekannt gewesen, daß in dieser Gegend englische Rot-Kreuz-Abteilungen stünden. Vielmehr fei die italienische Regierung e r st in einer englischen Note vom Donners- t a g davon verständigt worden, daß Rot-Kreuz- Abteilungen sich auf Dem Wege von Dessie nach Koram befinden. Diese Mitteilung sei auch bereits an das italienische Oberkommando in Ostafrika weitergegeben worden. bundssatzungen, durch allgemeine Abrüstung, durch eine fortgesetzte Verbesserung des internationalen Arbeiterstandards und durch eine wirtschaftliche Zusammenarbeit zur Beseitigung der K r i e g s u r s a ch e n. Die Partei könne sich daher nicht mit einer Politik einverstanden erklären, die Sicherheit lediglich in nationalen Rüstungen suche und die das ruinöse R ü - ftungsroettrennen zwischen den Nationen, das unvermeidlich zum Kriege führe, verschärfe. „Die Partei ist über die Vorschläge zur Umstellung der Industrie auf Kriegsbasrs beunruhigt, da hierdurch die Gewinne der Rüstungsfabrikation ungeheuer vermehrt werden und die organisierte Arbeiterschaft ernstlich bedroht wird. Die Partei hat kein Vertrauen zur britischen Regierung, deren unwürdige und zweideutige Außenpolitik erheblich zu dem gegenwärtigen Zustand der Unruhe in der Welt beigetragen hat." Auch Australien und Neuseeland rüsten aus. London, 6. März. (DNB. Funkspr.) Nun werden auch die beiden Dominions Australien und Neuseeland neue Aufrüstungsmaßnahmen einleiten. Neuseeland plant hauptsächlich eine V e r st a r - Fung d e r Luftstreitkräfte und eine enge militärische Zusammenarbeit mit Australien. Die Unterhaltung einer großen Flotte in den neuseeländischen Gewässern sei hingegen infolge der hohen Kosten unerwünscht und undurchführbar. Die australischen Luftstreitkräfte sollen v e r ft ä r 11 und die Küstenverteidigung verbessert werden. In politischen Kreisen wird sogar eine Rückkehr zur allgemeinen Wehrpflicht erörtert, da der Mangel an Rekruten für die freiwillige Wehrmacht ernste Sorgen verursacht. Sowjeirussischer Manöverfilm in London aufgeführt. London, 5. März. (DNB.) Auf der Londoner räterussischen Botschaft wurde e i n Film von den Manövern der Sowjetarmee bei Kiew vorgeführt. Zu der Veranstaltung waren u. a. der Präsident des Geheimen Staatsrates, Ramfay M a c D o n a l d, der Unterstaatssekretär im Außenministerium Lord Stanhope, die diplomatischen Vertreter Frankreichs, Italiens, Chinas, Spaniens, der Türkei, Oester- reichs und Bulgariens sowie eine Reihe von Unter- hausabgeordneten und hohen Offizieren erschienen. Der Sowjebotschafter M a i s k y erklärte einem Pressevertreter, daß Rußland nicht die Absicht habe, irgendjemanden anzugreifen, es wolle mit dem Film nur zeigen, daß es bereit fei, wenn es angegriffen werde. Die Ukrainer. Äon Or.Mox Krull. Die amtliche Politik Europas vollzieht sich zwi- chen Staaten. Leicht vergißt man dabei, daß es daneben Volker gibt, die ohne eigene Staatlichkeit geblieben sind und dennoch aus einer auf eigen- tändigkeit gegründeten Freiheitsliebe zu Faktoren künftigen politischen Geschehens wurden. Ein solches Volk sind die Ukrainer, in einer Gesamtstärke von etwa 42 Millionen, von denen 35 östlich und 7 westlich der s o w j e t r u s s i s ch - p o l n i s ch e n Grenze siedeln. Die fast hermetische Abschließung dieser Grenze hat den beiden Dolksteilen eine Der- chiedene politische Entwicklung vorgeschrieben. Nur m Endziel sind sie sich einig: sie wollen ein eigenes ukrainisches Staatswesen. Es cheint, daß bei der Ausschaltung dieser Gefahr Warschau geschickter vorging als Moskau. Seit drei Jahren ist die ukrainische Frage der Albdruck in den Träumen der Sowjetgewaltigen. Sie versuchten das Gespenst zu verscheuchen, indem sie sich selbst einredeten, der Freiheitsdrang der Ukrainer fei nur auf Beeinflussung von außen her zurückzuführen, etwa aus polnische Expansionswünsche oder deutsche Machenschaften, ja selbst der französische Generalstab wurde während eines politischen Prozesses beschuldigt, die Abtrennung der Ukraine von den Sowjets betrieben zu haben. Unter diesem Gesichtspunkt gewinnt die Annäherung der Sowjets an Genf und überhaupt an die europäischen Probleme, vor allem aber der französisch-sowjetische Militärpakt eine tiefere Bedeutung. Ja, selbst die geplanten Militär- und Luftflottenstützpunkte der Roten Armee in der Tschechoslowakei haben eine heimliche Front nach rückwärts, dorthin, wo auf einer Länge von etwa 300 Kilometer die Sowjetukrainer und die Ukrainer Polens sich über die Grenze hinweg die Hand reichen könnten. Heute richtet sich das Moskauer Mißtrauen außer gegen Warschau und Berlin noch gegen Tokio. Aber die europäischen Rückversicherungen reichen den Sowjets nicht aus, ihre Angstträume zu beschwichtigen. Allmählich wird es ihnen klar geworden fein, daß der ukrainische Widerstand gegen das Sowjetsystem durchaus innerpolitisch zu werten und bei den Ukrainern selbst zu suchen ist. Grausam und echt bolschewistisch waren die Methoden, mit denen sie begannen, dieses Vierzigmillio- nen-Volk langsam auszurotten. In einem etwa 100 Kilometer breiten Streifen längs der polnischen Grenze wurde die eingesessene Bevölkerung a b geschoben. Zuverlässige russische Truppen besetzten die Sowjetukraine. Im Dezember vorigen Jahres wurde in der „Kornkammer Rußlands" die Zahl der dort stationierten Divisionen von 10 auf 28 erhöht, wovon 10 allein in unmittelbarer Nähe der Grenze untergebracht wurden. Der ukrainischen Unzufriedenheit und ihrem Haß begegnete Moskau mit weiteren unerträglichen Unterdrückungsmaßnahmen. Selbst den Kommunistenführern ukrainischer Nationalität gingen die Augen auf. Die GPU. vernichtete sie ohne Gnade. Skryp- nik, der nur zögernd sich auf feine ukrainische Pflicht besann, mußte mit feinem Leben büßen. Die Hungersnot wurde der Bundesgenosse der Sowjets und tilgte Millionen ukrainischer Bauern mit Frau und Kind aus. Aber der Reichtum des Landes ist unermeßlich und die Widerstandskraft der Ukrainer ist größer als der Dernichtungswille. Da sollte der Widerstand durch Einführung des Kollektivsystems gebrochen werden. Die Ukrainer glauben, daß es überhaupt nur zu diesem Zwecke erfunden sei, und daß jetzt ganz Rußland unter diesem Joch schmachten müsse, weil die einmal erlassenen Gesetze für alle gleichmäßig gelten. Die Unruhe der Sowjets über die Unlösbarkeit der ukrainischen Frage mit den Mitteln des Sow- jetfystems teilte sich in immer stärkerem Maße ganz Europa mit. In der Sowjetukraine find nur die russischen Machthaber sowjetisch, das Volk denkt national und wird einmal national zu handeln verstehen. An dieser Entwicklung der Dinge nahm das Utrainertum in Polen einen mittelbaren Anteil. Selbst die bürgerlichen Kreise glaubten noch vor wenigen Jahren, daß nur die Anlehnung an die Sowjets den Ukrainern die Erfüllung ihres nationalen Traumes bringen könne. Die Tatsache der Existenz einer eigenen ukrainischen Sowjetrepublik schien ihnen der Beginn einer Erfüllung zu sein, aber auch sie sind sehend geworden, sie haben erkannt, daß es keinen ärgeren Feind der ukrainischen Nation gäbe als d i e Sowjets. Und von diesem Zeitpunkt ab datiert ihre Umstellung in ihren Beziehungen zum polnischen Staate. Als Vermittler trat in erster Linie der Lemberger Metropolit Szeptycki auf, der im Interesse der Kirche schon lange das Schielen nach Moskau mit wachsender Besorgnis ansah. Gerade der im Sommer 1934 von ukrainischen Terroristen ermordete Innenminister P i e r a ck i war es, der hier eine Möglichkeit sah, die Opposition der ukrainischen Minder- beit in eine, wenn auch durch gewisse verständliche Gefühle gemäßigte Staatstreue umzustellen. Italienische Bomben ans ein englisches Hospital in Abessinien. Oie Opposition gegen das Ausrüstungsprogramm Baldwins. Daß er nicht zur Ausführung dieses Planes kam, daran trugen andere Nachbarn Polens die mittelbare Schuld. Der vor wenigen Wochen beendete Mordprozeß gegen die in der UON vereinigten ukrainischen Terroristen, die zu den verständigungsbereiten nationaldemokratischen UNDÖ=ßeuten im Gegensatz standen, hat in eindeutiger Weise enthüllt, daß neben der Tschechoslowakei, die allerdings in letzter Zeit eine Schwenkung oorge- nommen hat, es Litauen gewesen ist, das durch Unterstützung des Obersten Konowalec mit Geld- Mitteln und falschen Pässen die innere Stärkung des polnischen Staatswesens zu verhindern trach- tete. Der frühere litauische Außenminister Zau- n i u s, dessen gute Beziehungen zu den Sowjets bekannt sind, wußte, daß den größeren Vorteil aus dem Gelingen der Versöhnungsaktion Polen selbst ziehen würde. So kam es au der Mordtat, die das alte Mißtrauen wieder aufflammen lassen sollte. Aber das Verbrechen hatte nicht die erhofften Folgen. Die Versöhnung zwischen UNDO und Warschau machte nur noch schnellere Fortschritte. Pierackis Nachfolger K o s c i a l k o w s k i, der heute die Geschichte Polens als Ministerpräsident lenkt, beschränkte sich auf rücksichtslose Unterdrückung der terroristischen UON, während die Verhandlungen mit dem Führer der UNDO, Mudry, weitergin- gen. Bereits bei der Verabschiedung der Derfas- sungsreform trug das neue Bündnis seine ersten Früchte, indem die ukrainischen Abaeordneten nicht gegen das Projekt stimmten und daourch seine Annahme ermöglichten. Dafür erhielten sie von der Regierung im neugewählten Parlament eine beträchtliche Anzahl von Sitzen augebiüigt und weitere Vergünstigungen im Schu^ und Genossenschaftswesen. Der Pieracki-Prozeß hatte die Entwicklung nicht aufgehalten, sondern beschleunigt. Im Januar erklärte der polnische Innenminister Raczkiewicz im Haushaltsausschuß des Sejm, die Regierung halte die Ordnung der Verhältnisse in Ostgalizien für wichtig und sei bestrebt, ein einträchtiges Zusammenleben der polnischen und ukrainischen Bevölkerung zu verwirklichen. Das mag vor allem auch die polnische Bevölkerung jener Gebiete wünschen, denn sie konnte sich der politischen Morde, Brandstiftungen an polnischen Siedlungen, lieber* fälle auf Postanstalten und andere Kassen kaum noch erwehren. Die Ministererklärung wird dahin ausgelegt, daß die Verleihung der Autonomie für Ostgalizien bevorstehe. Damit wären die kühnsten Träume im nationalen Lager der Ukraine noch übertroffen. Nicht mehr moralisch aehin- dert durch menschliche, aus nationalem Mitgefühl sich ergebende Rücksichten auf die terroristischen Juna- ukrainer, die abgeurteilt sind, verfolgt die UNDO* Führung die einmal eingeschlagene Linie mit größter Konsequenz. Ihr Vertreter erklärte im Sejm, daß die Ukrainer — zum ersten Male — für den Heeresetat ftimmen würden, da eine starke und gut ausgerüstete polnische Armee im Interesse der ukrainischen Nation läge. Wohl gemerkt: der Nation, nicht nur der in Polen siedelnden ukrainischen Minderheit. Die polnische Regierungspresse hat diese Erklärung voll gewertet und erwartet den „Beginn noch tieferer seelischer Umgestaltungen, die den besten Traditionen des 600jährigen Zusammenlebens der Polen und Ukrainer entsprechen". Warum feine Aussprache mit Deutschland? Lord Dickinson gegen französische Bedingungen. London, 5. März. (DNB.) Lord Dickinson, der Präsident der Weltallianz zur Förderung internationaler Freundschaft durch die Kirchen, sagt in einer Zuschrift an die „Times" zu dem Interview Hitlers, es sei bedauernswert, daß jedesmal, wenn die deutsche Regierung zum Aufbau eines Systems friedlicher Beziehungen Vorschläge mache, gewisse französische Zeitungen sofort im voraus Bedingungen aufstellen, durch die der Plan zum Scheitern gebracht werde, bevor er überhaupt erörtert werde. Viele Stellen würden die Rückkehr Deutschlands nach Genf gern sehen, aber niemand, der die öffentliche Meinung in Deutschland ein wenig kenne, könne sich der Erkenntnis entziehen, daß Hitler diesen Kurs nicht vorschlagen könne. Der Völkerbund selbst sei außerordentlich unvolkstümlich in Deutschland. Zunächst hätten die Versailler Mächte die Zulassung Deutschlands zum Völkerbund verweigert und Deutschland fei vier Jahre lang als ein Paria behandelt worden. Als später Deutschland seinen Platz im Völkerbund und in der Abrüstungskonferenz eingenommen hatte, seien mehrere Jahre vergangen, bis die anderen Mächte zur Erörterung feiner Gleichberechtigung bereit gewesen seien. Die große Masse des deutschen Volkes sei daher jetzt froh, den Völkerbund los zu fein und wünsche keine neue Mitgliedschaft. Lord Dickinson fragt dann, warum man die Sage dadurch erschweren wolle, daß man auf der Rückkehr Deutschlands nach Genf bestehe. Die Gefahren der Stunde seien zu ernst, als daß man die Erörterung eines Planes ablehnen wollte, der in ehrenvoller Absicht und zum Zweck einer Sicherung des Friedens vorgebracht fei. Schließlich fyabe der Völkerbund, f o w i e er jetzt fei, nicht das letzte Wort in der Suche nach rotrffamen Methoden zur Kriegsoerhinderung. Wenn Hitler Vorschläge in dieser Richtung habe, dann müßten sie auch z u m i n» b e ft erörtert werden. Herriot bekommt Angst vor dem Wettrüsten. Paris, 6. März. (DNB. Funkspruch.) Herriot, der eifrige Fürsprecher aller Allianzen der letzten Zeit, erläßt plötzlich in der „Ere Nouvelle" einen Alarmruf, in dem er eine neue A b - rüftungsaftion verlangt. Der unmittelbare Anlaß ist das englische Rüstungsweiß- buch. Man könne England, so fährt er aus, keinen Vorwurf machen, denn es gehe den anderen Ländern nicht voran, sondern folge ihnen. Frankreich habe feine Dienstzeit verlängert, Italien fei mobilisiert, die Sowjetunion habe ihr Heer auf 1 350 000 Mann erhöht und ein System aufgebaut, das gestatte, 13‘/2 Millionen Soldaten unter die Waffen zu rufen. In Japan beanspruche der Militärhaushalt fast die Hälfte aller Einnahmen, die Vereinigten Staaten folgten dieser Entwicklung. Somit hätten die seit Kriegsende unternommenen Bemühungen, die Abrüstung herbeizuführen, eine charakteristische Niederlage erlitten. Mehr noch, die Länder gingen darauf aus, den Rüstunasstand von 1914 zu überschreiten. Wenn England also recht habe, so könne man sich damit nicht beruhigen. Das Wettrüsten in den beiden nächsten Jahren werde zum Ruin der Länder und zum Kriege führen. Daher glaube er, daß es an der Zeit sei, die Aktion der Abrüstung wieder aufzunehmen. Diese Politik sei die unentbehrliche Krönung der Politik der kollektiven Sicherheit, die einzige, die Rettungsaussichten biete. Zu dem Interview des „Paris Midi" mit Hitler erklärt Herriot, er sei stets der Ansicht, daß man mit gutem Willen auf jedes Angebot zur Befriedung antworten solle, vorausgesetzt, daß es sich als aufrichtig erweise. Frankreich müsse die Volker zur Vernunft, zur Verständigung, zur Abrüstung aufrufen. Für diesen Kreuzzug sei ihm die Unterstützung Englands und Sowjetrußlands bereits sicher. Die einzig mögliche Friedenspolitik sei die, die diese drei Großmächte trieben. (?) Sie müsse für die kollektive Sicherheit und gegen das Wettrüsten, das Rennen in den Abgrund, arbeiten. Oie Beflaggung der Wehrmachtsgebäude am Heldengedenktag. Berlin, 5. März. (DBB.) Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht hat angeorb- net, baß zur Erinnerung an die Gefallenen bes Weltkrieges am Sonntag, bem 8. März 1936, bem heldengedenktag, die Dienstgebäude der Wehrmacht neben der Reichskriegsflagge die frühere f ch w a r z w e l h r o t e kriegs- flagge mit dem Eisernen kreuz halb- siock sehen. Die Schiffe der Kriegsmarine legen große Flaggentrauer an mit der früheren schwarz- weißroten Kriegsflagge im Großtopp. Elektrizität als Hausgehilfin. Umschau auf der Leipziger Frühjahrsmesse. Die Erfüllung der Forderung, daß die Hausfrau von der täglichen Arbeit immer freier wer- oen soll, um ihrem Beruf als Mutter nachgehen zu können, bringt am schnellsten die Helferin Elektrizität. Ein fortschrittlicher Haushalt ist ohne elektrische Energie nicht mehr denkbar. Auch wenn nur die Beleuchtung durch die Glühbirne erfolgt, wird dadurch gegenüber der Petroleumlampe viel Zeit erspart, weil jegliche Wartung der Beleuchtungskörper fortfällt. Außerdem spielt aber die Elektrizität noch als Kraft- und Wärmespe n b e r im Haushalt eine große Rolle. Auf allen triefen Gebieten bringt bie Leipziger Messe beachtliche Neuerungen. Man kann mit Recht behaupten, baß auf keinem anbern Gebiet ber Haus- technik so zielbewußte Arbeiten zu erkennen find wie gerabe auf bem elektrischen. Jeber ist nur zu geneigt, die bekannte elektrische Beleuchtung als etwas Vollkommenes anzusehen. Auf der Messe wird ber Besucher barüber belehrt, baß noch viele Fragen ber Raumbeleuchtung ungelöst sinb, bie sich für den Verbraucher vielleicht nur in einer Senkung der Lichtrechnung auswirken. Dies beweist die neue sogenannte Doppel- wendel-Lampe (D-Lampe), bie um 100 Prozent heller ist als bie bisherige Glühlampe unb babei nur um die Hälfte mehr Strom verbraucht. Das Geheimnis dieser Lichtausbeute liegt darin, daß der Glühfaden nicht mehr einfach im Glaskolben ausgespannt ist, sondern, daß er erst spiralförmig in sich zusammengedreht wurde, bevor man ihn zur Wendel wickelte, Hausnummernleuchten, Lampen für Nähmaschinen, Wirtschaftsräume, Küchen unb Waschküchen sowie geschmackvolle Leuchten für ben Arbeitsplatz am Schreibtisch ober an ber Werkbank vervollstänbigen ben Ueberblick über bie Beleuchtung im Hause. Als Kraftspender gilt ber Elektromotor. Am bekanntesten ist er als Arbeitstier im Staubsauger. Kein Wunber, baß bieser Jnbustriezweig ungemein aktiv ist, weil nämlich jebe ber siebzehn Millionen Haushaltungen einen berartigen Staubvernichter nötig hätte. Die Leipziger Messe bringt einige neue Staubsauger namhafter Firmen unb an vielen anberen Verbesserungen, bie sich hauptsächlich auf bie Vervollstänbigung ber Arbeitsansätze an ben Säugrüssel beziehen. Trotz bes erkennbaren Eifers aller einschlägigen Hersteller ist aber grunbsätzlich am Staubsauger nichts oeränbert ober verbessert worden. Unb ba kommt bann ber neutrale Betrachter boch zu bem Wunsche, baß bie Zahl ber Staubsaugertypen nicht mehr steigen möchte, fonbern baß mehr für eine gebiegene unb praktische Durchbilbung ber bekannten Bauweisen getan werben konnte. Einen bekannten Staubsauger I unter ber Bezeichnung P nachzubauen unb ihn als neu herauszustellen, ist kein Fortschritt, wenn auch nicht verkannt werben soll, baß V gegenüber I einige konstruktive Sonderheiten aufweist. Damit ist aber der Hausfrau nicht gedient. Weiter findet der Elektromotor zum Antrieb von Bohnergeräten und Abziehapparaten Verwendung. Gewiß sind die ausgestellten Typen preiswerter geworden, aber es liegt in ihrer Bauweise, daß ihr Preis nicht in die von weiten Verbraucherkreisen tragbare Schicht herabsinken kann. Anders beim Elektromotor für Nähmaschinen. Wer bie gesunbheitlichen Schöben, die ber Fußantrieb von Nähmaschinen nach sich ziehen kann, bedenkt, wirb dem Nähmotor große soziale Bedeutung zusprechen müssen. An seiner Verbesserung und Verbilligung ist viel gearbeitet worden. Interessant ist übrigens, wie sich ber in den letzten Jahren mit allen Kräften gestützte Gedanke der Kleinsiedlung auf die ländliche Geräkein d u st r i e auszuwirken beginnt. Die Zahl ber Motoren mit geringem Stromverbrauch, bie kleine Hofmaschinen, Hauswasseranlagen, Holzsägen, Fut- terschneiber usw. antreiben, ist recht gewachsen, unb, was noch wichtiger ist, im Preis gesunken. Man bekommt für sein Sieblungshaus beinahe schon eine Wasserpumpe für ben Preis eines guten Staubsaugers! Dabei ist ber Stromverbrauch kaum hoher als ber eines Bügeleisens. Da bie Leistung solcher Pumpen stündlich bis 3000 Liter beträgt, reicht sie auch bei größerem Viehbestand des Siedlers aus. Jünger und umfangreicher als Licht unb Kraft ist bie elektrische Wärme im Haushalt. Jeber weiß, baß Taufenbe von Haushaltungen elektrisch kochen, daß der Strom für die Bereitung des Warmwassers sorgt und daß die Zahl der elektrischen Bügeleisen in bie Million geht. Hier ist also ein umfangreiches Be- tätigungsfelb für bie elektrotechnische Industrie gegeben. Die Leipziger Messe liefert ben Beweis für fortschrittliche Arbeit. Tauchsieber, bie bei Unachtsamkeit burchbrennen, braucht niemand mehr anzuschaffen. Die neuen Formen können „trocken gehen", ohne baß sie dabei schadhaft werden. Auch der Wasserkocher wurde dadurch verbessert, daß man den elektrischen Teil herausnehmen kann, um das Gefäß wie jeden Kochtopf reinigen zu können. An die Stelle von Metall tritt auch z. B. bei der Heißluftdusche, bei Brotro - ftern ober Kaffemaschinen ein Isolierstoff wie Kunstharz oder Porzellan. Bei ben elektrischen Herben wird die Kochzeit durch Einführung offen- liegender Heizkörper verkürzt und die Unterhaltung durch Weglafsen blanker Leisten und Grifte erleichtert. Bemerkenswert sind auch kombinierte Bauarten, die auf die oft knappen Raumverhältnisse in Küchen Rücksicht nehmen. Elektroherde werden mit elektrischen Kühlschränken zusam- mengebaut oder auch mit einem Kohle-befeuerten Kessel für bie Zentralheizung bes Eigenheims. Schließlich muß auch barauf aufmerksam gemacht werben, daß sich neue Arien der elektrischen Warmwasserbereitung anbahnen. .Von bem Großspeicher für Küchen geht man mehr unb mehr ab unb wenbet sich bent kleinen Speicher von fünf bis zehn Liter Inhalt zu, ber sich nach Wasserentnahme sofort wieder aufheizt. Er ist besonders für die Küche bestimmt. Noch einen Schritt weiter kommt man durch die Herstellung von Speichern, die genußfähiges kochendes Wasser liefern und dabei nur einen geringen Stromverbrauch haben. Auch ist ben Anforderungen bes ländlichen Haushalts an die Warmwaffer- bereitfteüung durch Sonderbauarten mehr als bisher Rechnung getragen worden. Man erkennt aus dieser Entwicklung der Haushalt-Elektrotechnik, daß auf keinem Gebiet — Licht, Kraft und Wärme — schon ein Ziel erreicht ist unb baß alle Fachkreise eifrig bei ber Arbeit sinb, um bie Elektrizität mehr unb mehr zur Helferin zu machen. Jbo. Wie sieht es in der Wirtschaft aus? Am gleichen Tage, an bem die Automobil- Ausstellung in Berlin ihre Pforten schloß, begann in Leipzig bie Frühjahrsmesse. Ebenso wie am Kaiserbamm die Besucherzahlen eine überraschende Höhe erreichten und beträchtliche Raumschwierigkeiten hervorriefen, war auch in Leipzig der Andrang der Besucher am ersten Messetage so groß wie noch nie. Auch bie Beschickung ber Messehallen burch die Aussteller des In- und Auslandes war ungewöhnlich umfangreich. Das Geschäft hat nach ben vorliegenben Berichten bie Erwartungen ber Aussteller erfüllt, insbesondre bie Jnlanb- kunbschaft hat sich rege an ber Bebarfsbeckung beteiligt. Die Abschlüsse mit ben auslänbischen Einkäufern würben teilweise durch Versuche, die Preise zu drücken, beeinträchtigt, wie auch die vielfältigen Kontingents- unb Derrechnunasbestimmungen ber einzelnen ßänber naturgemäß einen hemmenben Einfluß ausüben. Doch wurde das Gesamtbild, das besonders auf der technischen Messe recht erfreulich war, durch diese Erscheinungen nicht maßgeblich beeinflußt. Einen großen Raum in den Unterhaltungen der Aussteller und Besucher in Leipzig nahm bie große Rebe bes Reichsministers Dr. Goebbels ein, bie er vor ben Vertretern ber in- unb ausländischen Presse hielt und in ber er auf bas sinnlose Nebeneinanber von Uederfluß unb Mangel in ber Weltwirtschaft hinwies. In einem Appell an bas Gewissen ber Welt forberte Dr. Goebbels einen Zahlungsverkehr auf stabiler Grunblage, Beseitigung der unhaltbaren Schuldverstrickungen aus bem Weltkrieg unb aus ben unsinnigen Schulbdiktaten unb bie Möglichkeit, gute Ware für gutes Gelb kaufen zu können. „Wo sind die Verantwortlichen", so schloß er, „die neue, bessere Methoden nicht nur erkennen, sondern auch zur Anwendung bringen?" Die wohltuende Auswirkung, bie von der Men - genkonjunktur auf die Erfolgsrechnung ber ?,"?^rie.gesellschaften ausstrahlt, war aus ben Abschlüssen einiger wichtiger Aktien- ® e f eil f dj a f t e n beutlich abzulesen dzw. aus ihren Geschäftsberichten zu entnehmen. Die bessere Ausnutzung der Magen drückt die Last der fixen Kosten, für bas einzelne Produkt berechnet, herab und erhöht bei gleichbleibenden Preisen die Gewinnspanne. Die Vereinigten Stahl werk e- AG., Düsseldorf, spricht es in ihren Abschlußer- läuterungen deutlich aus, daß die Wiederaufnahme der Dividendenzahlung mit 3,5 v. H., die wohlverstanden aus reinen Betriebsgewinnen erfolgen soll, in erster Linie durch eine bessere Ausnutzung der Betriebsanlagen ermöglicht worden ist. Von besonderem Interesse ist die von der Verwaltung zum Ausdruck gebrachte Ueberzeuguna, daß die heute zu verzeichnende Belebung im Absatz der Schwerindustrie wesentlich über die Arbeitsbeschaffungs- Maßnahmen der fteidjsregierung hinausgewachsen ist unb auf immer weitere Verbraucherkreise übergreift. Ein führendes Unternehmen der optischen Industrie und damit ein typischer Vertreter ber hochqualifizierten beut* schen Vereblungswirtschaft, bie Zeiß - Ikon AG., Dresden, hat zum Ausdruck gebracht, daß das befriedigende Ergebnis des Geschäftsjahres 1934/35 (Wiederaufnahme der Dividendenzahlung mit 5 v. H.) der besseren Anlageausnutzung und der damit verbundenen Unkvstensenkung zu danken sei. Ein großes Unternehmen, dessen ungeklärte Bilanzverhältnisse seit langem einen unangenehmen Stvrunqsfaktvr an der Börse barstellen, die Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft, Berlin, hat jetzt den Abschluß fiir 1934/35 vvrge- legt. Er schließt wieder ohne Gewinn unb Verlust ab, so baß ber Verlustvortrag aus ben Vorjahren unverändert mit 57 Millionen weiter vorgetragen werben soll. Die Sanierungsfrage bleibt nach wie vor ungelöst, was bei ber Bebeutung des Unternehmens im Rahmen ber beuftchen Elektroinbustrie zu bebauem ist. Die Verwaltung hält jeboch den Zeitpunkt für bie finanzielle Reorganisation der Gesellschaft nicht zuletzt im Hinblick auf die Unsicherheit ber Wirtschafts- und Währungsverhält- niffe im Auslände noch nicht für gekommen. Der Umsatz hat sich auch hier erhöht, unb zwar von 234 Millionen Mark im Vorjahre auf 273 Millionen Mark. Die beutschen Privatversicherungsge- f e l l s ch a f t e n haben es durch einen gemeinsamen Beschluß ermöglicht, baß bas neue Luftschiff LZ. 129 ausschließlich bei beutschen Firmen versichert werben kann. Während bas Kaskorisiko des „Graf Zeppelin" zum großen Teil von auslänbischen Versicherern getragen mürbe, hat ber Reichsverbanb der deutschen Privatversiche» rung jetzt beschlossen, die Versicherung des neuen Luftriesen als gemeinschaftliche Aufgabe in die Wege zu leiten, um so zu ber Förberung biefes stolzen Werkes beutscher Gemeinschaftsleistung beizutragen. Die Kunstseibe-Erzeugung ber Welt hat 1935 gegenüber bem Vorjahr um fast 25 v. H. auf 972 Mill. Ibs. zugenommen. Die bereinigten Staaten von Norbamerika haben zwar ihren ersten Platz in ber Rangliste ber Erzeuger behauptet, boch ist ihnen Japan mit einer Steigerung von 47 o. H., also weit über dem Weltdurchschnitt, dicht auf den Fersen. Im weiteren Abstande folgt England, und der einzige Platzwechsel von Bedeutung ist zwischen Deutschland un.d Italien erfolgt, indem Deutschland aus ben vierten Platz gerückt ist. Rückläufig war als einzige bie hollänbische Probuktion. Die deutsche Kunstseide-Handelsbilanz zeigt deutlich den Erfolg der Bestrebungen nach einer möglichst weitgehenden Deckung des Textilbedarfs im eigenen Land. Die Einfuhr von Kunstseibegarnen ist um 10 v. H. gesunken, bie Ausfuhr bagegen geringfügig gestiegen. Das gewaltige englische Rüstungsprogramm hat wirtschaftlich bereits bie Folgen gehabt, baß sich die I n d u ft r i e, die vornehmlich bisher mit Prioatautträgen beschäftigt war, mehr und mehr auf die Arbeit für bie Heeresleitung umstellt. Gerade in England fehlte bislang ein Programm, nach bem die Industrie für bie Lanbesverteidigung umgeschaltet werden konnte unb der liberalistische Sinn des britischen Industriellen war auch gegen eine solche Verbindung der Privatwirtschaft mit bem Staate, weil er gewohnt ist, bas Geschäftsleben völlig ober nach Möglichkeit ber Aussicht bes Staates zu entziehen. Wenn also jetzt große Teile ber Jnbustrie sich insofern dem Staate unterstellen, als ihre Gewinnrechnung nicht über ein gewisses Maß hinausgehen barf, bann ist bas immerhin eine abweichende Einstellung der Industrie, die vom Staate erzwungen wurde. Man macht sich überhaupt allzu selten klar, daß gerade die großen Heereslieferungen auch in der Vergangenheit sehr wesentlich die Industrie angeregt haben. Der Frühkapitalismus ist schlechthin undenkbar ohne die gewaltigen Aufträge, die die Einführung der stehenden Heere mit sich brachte. Die Gleichförmigkeit ber Setleibung, ber Bewafs- nung, abgesehen von ber Versorgung der Heere mit Lebensrnitteln, zwang dazu, vom Handwerk abzugehen, das inbividualistische Wertarbeit lieferte, und bie Aufträge größeren Firmen zuzuwenden, die in Fabriken usw. für eine möglichst gleichmäßige Arbeit sorgten. Hinzu kam, daß die Kriegsschiffe immer größer und nicht mehr rein handwerksmäßig hergestellt wurden. Im 18. unb teilweise 19. Jahr- hunbert haben gerabe die Heereslieferungen bas Aufkommen ber Jnbustrie geförbert unb häufig gerabezu erzwungen. Wenn die Lieferungen für bas Heer also im frühkapitalistischen Zeitalter ein wesentlicher Bestandteil ber industriellen Lieferung überhaupt waren, so gilt bas noch mehr für die Gegenwart, da im Zeitalter der Massenheere natürlich diese Lieferungen noch größeren Umfang angenommen haben. ♦ Die Spekulation der Sanktionslüsternen, Italien werde durch den Boykott feines Handels auf bie Knie gezwungen werben, läßt bie Frage, ob Italien diesen Boykott aushalten wird, zum Zentralproblem ber Kriegsführung anwachsen. Soeben hat Italien bas Verhältnis zwischen Staat unb Banken geregelt, unb zwar im Sinne des korporativen Staates, also des weiteren Ausbaues ber ftänbischen Wirtschaftsverfassung unter Berücksichtigung der Oberhoheit bes Staates. Am 1. Februar 1936 trat ferner bas Unter ft aatsfetretariat für Dalutafragen mit einem umfassenden kriegswirtschaftlichen Programm vor die Öffentlichkeit. Das Hauptziel bleibt die Beseitigung des Fehlbetrages der Zahlungsbilanz. Das neue Amt faßt verschiedene Kompetenzen, die bisher dem Finanzministe« rium, dem Außenministerium usw zugeteilt waren, zusammen. Zunächst wird bas ganze komplizierte System ber korporativen Gliederung zusammen» gefaßt; weiter wird bie Politik des Warenaustausches geregelt unb brütens ist bie Durchführung ber De- oifenorbnung gesichert. Die staatlichen Einfuhrmonopole für kriegswichtige Rohstoffe umfassen neben ben bestehenben Ausfuhr- Organisationen fast alle Gebiete. Italien ist auf bem Wege zur Monopolisierung unb ber Einfluß auf die Preise macht sich insofern bemerkbar, als die Preise in die Höhe klettern. Die Gewöhnung an diesen Zustand ist für Italien gegeben, da man allgemein solche Tendenzen als Abwehrmaßnahmen billigt, aber an und für sich liegt die Neigung zu Monopolen unb Kartellen auch im Zuge bes korporativen Staates, ben ber Faschismus noch nicht völlig ausgebaut hat. Oie Wirtschaftlichkeit der Reichsautobahn. Generalinspektor Todt auf der Messe« kundgebung der deutschen Technik. Leipzig, 5. März. (DNB.) Zum britten Male veranstalteten die technischen Organisationen des Gaues Sachsen eine Messekundgebung Der deutschen Technik. Der Führer der deutschen Technik Generalinspektor Dr.-Jng. Todt schilderte in einem aufschlußreichen Lichtbiloeroortrag die Entwicklung ber „Straßen Adolf Hitlers" und beschäftigte sich mit ber Frage, ob es wirtschaftlich sei, Autostraßen zu bauen. Er wies barauf hin, baß ber Kraftwagen auf einer Straße von ber Qualität ber Reichsautobahnen ungefähr 40 v. H. an Reifen, 30 v. H. an Betriebsstoffen unb 25 v. H. an laufenben Reparaturen e r - sparte. Die Zeitersparnis gar nicht gerechnet. Wenn sich ber Verkehr nur verdoppele, so würden sich auf bem fertigen Netz von 7000 Kilometer Reichsautobahnen täglich *30000 000 Betriebskilometer ergeben, b. h. eine Ersparnis von 750 000 Reichsmark täglich unb 280 Millionen Reichsmark jährlich. Ein Teil biefes Betrages reiche aus, um ben Kapitaldienst der Reichsautobahnen zu sichern. So wie die Post in der Entwickelung von der Postkutsche zur Eisenbahn keinen Schaden erlitten habe, werde auch die Eisenbahn durch den Uebergang eines Teiles ihres Verkehrs auf ben Kraftwagen keinen Schaben crieiben, im Gegenteil, fie werbe ihren Betrieb zum Teil wirtschaftlicher getanen können. Daß bie Planung bes Reichsautobahnnetzes richtig sei, roeroe durch bie Feststellung auf ber letzten Tagung bes Kraftverkehrsgewerbe- bestätigt, baß etwa 90 v. H. ber heute ftattfinbenben Güterfernfahrten nach Fertigstellung bes Reichsautobahnnetzes auf diesem laufen werben. Oie zweite Probefahrt „LZ 129". Volle Lusttüchtigkeit des neuen Lustschiffes nach achtstündiger Fahrt bestätigt Friedrichshafen, 5. März. (DNB.) „LZ. 129" ist heute um 8.53 Uhr zu seiner z w e i - t e n Fahrt aufgestiegen. Die Führung hat wiederum Dr. Eckener. An Bord befinden sich einschließlich des Führer-, Ingenieur- und Fahr- Personals 90 Personen, darunter Oberstleutnant B r e i t h a u p t, Referent für Luftschiffahrt beim Reichsluftfahrtministerium, und Commander Peck von der amerikanischen Marine. Das Luftschiff ist nach achtstündiger Fahrt um 15.15 Uhr wieder über Friedrichshafen erschienen. Nachdem es zunächst etwa zwei Stunden zu Ber- uchen über dem See und seine n R and- gebieten gekreuzt hatte, nahm es Kurs auf München, das kurz nach Mittag überflogen wurde. Um 12.50 Uhr überflog „LZ 129" Bad Tölz, um 14.30 Uhr Augsburg. Nachdem das Schiff noch eine Stunde über dem Bodensee gekreuzt hatte erschien es um 16.20 Uhr über dem Werftgelände. Nach kurzem Manövrieren wurde um 16.40 Uhr die glatte Landung vollzogen. Der Abstecher nach München und Tölz. Kapitän Lehmann sehr befriedigt. Die zweite Fahrt des „LZ 129", die ursprünglich als Abnahmefahrt für die Behörde gedacht war, galt als Fortsetzung und Wiederholung der komvli- zierten Meß- und Steuerungsversuche des ersten Tages. Die Versuche wurden zunächst etwa zwei Langwellensender im Verkehr mit der Küstenfunkstation Norddeich ausprobiert wurde, wobei größte Lautstärke erzielt und alle Erwartungen übertroffen wurden, ist heute der Kurz w e l» l e n b e t r i e b durchgeprüst worden. Darüber wußte Funkoffizier Speck etwa folgendes zu erzählen: „Wir haben zunächst einmal den Sender auf Welle 17 bis 70 Meter abgestimmt und danach mit einer Reihe von amerikanischen Küsten funk stellen den Verkehr aufgenommen. Aus Welle 24 Meter gelang es, die Küstern funkstelle Shattarn sowohl telegraphisch als auch telephonisch zu erreichen. Telegraphisch klappte Die Sache geradezu fabelhaft. Wir stellen uns vor: „Hier ist LZ 129, machen zweite Probefahrt und stimmen Sender ab." — „Hallo, hier ist Shattarn; wir hören Sie gut und danken für den Anruf war die Antwort. Derselbe Versuch wurde nachher telephonisch gemacht. „Ist das nicht wunderbar?" meinte der Funkoffizier. Wir drücken bei Bad ToU auf den Knops, und schon meldet sich eine 7000 Kilometer entfernte Station bereits auf den zweiten Anruf Dabei muß man bedenken, daß dies während der Tageszeit geschehen ist. „Wir haben die größte Lautstärke gehabt, und die Sache hat uns einen Riesenspaß gemacht." Funkoffizier Speck gab noch einige allgemeine Erklärungen über die Sende- und Empfangsanlage des Luftschiffes, die getrennt nebeneinander mit je 200 Watt arbeitet. Auf der für Freitag vorgesehenen Zulassungsfahrt sollen Peilversuche gemacht werden, deren Ergebnis ebenfalls mit Interesse erwartet werden wird. Stunden lang in zahlreichen Kreuzfahrten über dem See vorgenommen und hatten ausgezeichnete Ergebnisse. Dann drehte das Schiff in Richtung München ab, das unter dem Jubel der Bevölkerung um die Mittagsstunde überflogen wurde. Der Isar folgend, erreichte das Luftschiff Bad Tölz, kehrte dann wieder nach München zurück und geriet auf der Rückfahrt zwischen Augsburg und Waldsee eine zeitlang in dicken „Dreck'. Ueberhaupt war das Wetter während der ganzen Fahrt diesig und d u n st i g, so daß es mit der Sicht nicht wett her war. Die höchste erreichte Hohe betrug 1200 Meter. „Auch die Verpflegung haben wir ausprobiert", meinte Kapitän Lehmann, zündete sich dabei behaglich seine Pfeife an und schmunzelte dabei über das ganze Gesicht, lieber die nächsten Pläne teilte Kapitän Lehmann mit, daß bei einigermaßen anständigem Wetter bereits am Freitagmorgen d i e Z u l a s s u n g s f a h r t stattfinden wird. Wegen der starken Inanspruchnahme mit Ueberseefahrten werde zunächst wenig Zeit übrigbleiben für Pläne, die aufeerljalb des bereits festgelegten und angekündigten Programms liegen. Ob schon Mitte nächsterWoche eine große Fahrt mit geladenen ©äften durchgeführt werden könne, fei noch unbestimmt. Auch der Funkbetrieb klappt. Was auf den beiden Fahrten ebenfalls einer eingehenden Prüfung unterzogen wurde, war der Funkbetrieb. Während am Mittwoch der Oie 3uhcnfrage in England. London, 5. März. (DNB.) Das Unterhaus beschäftigte sich am Donnerstag mit der antijüdischen Propaganda, die in einem Teil des Jnselreiches neuerdings besonders scharfe Formen angenommen zu Haven scheint. Der arbeiter- parteiliche Abgeordnete Morrison erklärte, die Juden würden in den verschiedensten Formen beleidigt und mit Schimpfwörtern bedacht. Jüdische Häuser und Läden seien mit Zetteln beklebt worden, deren Aufschriften lauteten: „Zurück ins Ghetto!" Wenn die Nation die Ansicht vertrete, daß die Juden ausgesperrt werden sollten, dann liege die Entscheidung hierüber beim Parlament, er sei überzeugt, daß kein Parlament eine derartige Maßnahme beschließen würde. Innenminister Sir John Simon antwortete, baß es in England irgendeine roeitoerbreitete Feindschaft gegen die Juden nicht gebe. Es sei aber zweifellos richtig, daß besonders in gewissen Bezirken Londons sich eine sehr beunruhigende Be- roequnq mit allen darin liegenden Gefahren entwickele Der Grund sei, daß eine Lehre des Hasses gegen die Juden gepredigt werde, nur weil sie Süden seien. Er glaube, daß die Ursache in der faschisti chen Bewegung in England zu uchen sei. England sei nicht gewillt, irgendeine Judenhetze zu dulden. Es gebe zwei politische Philosophien, die des Faschismus und die des Kommunismus. Er wolle weder gegen die eine, noch gegen die andere etwas sagen, obwohl sie sich insofern glichen, als sie beide zweifellos eine Bedrohung der Vorstellung vonderFrerhel^dar- stellten, an die die große Mehrheit der brittschen Natton glaube. . Der Konservative Pethenck erklärte, daß in der Zeit von 1921 bis 1933 368000 Ausländer in England zugelassen worden seien Wenn man die englische Arbeitslosenziffer berücksichtige, müsse man sich fragen, ob diese Einwanderungspolitik klug sei. Es erhebe sich auch die Frage, einen gewissen Grad von Rassenreinheit zu erhalten. England leide feit 30 Jahren an einer völlig unbeschränkten Einwanderung aus Mitteleuropa und anderen Teilen der Welt. Er hoffe, daß der Innenminister die herrschenden Bestimmungen über die Einwanderung nach England gründlich überprüfen werde. Oie Negierungskrisis in Griechenland. Metaxas zum Kriegsminister ernannt. A t h e n , 5. März. (DNB.) Kriegsminister General Papagos und sein Unterstaatssekretär General Platis sind 5 u r ü cf g e t r e t en General Metaxas ist zum Kriegsmin ist er ernannt worden. In politischen Kreisen wird die Ernennung von Metaxas als g r 0 her E r folg des Königs und als Sieg feines Einflusses auf die Armee gewertet. Eine endgültige Klärung der inneren Lage erwartet man jedoch erst nach der Wahl des Präsidenten der Kammer. Metaxas erklärte, daß er das Kriegsministerium übernommen habe, um völlige Diszipll n u n b D r b n u n g im Heere aufrechtzuerhalten. Er betonte daß er bei allen Truppeneinheiten in ganz Griechenland oollftes Verständnis und Unter» stützung feiner Absichten gefunden habe. Der frühere Kriegsminister Papagos werde seinen alten Posten im Heere wieder übernehmen. Der Wechsel im Kriegsministerium sei wegen der Beunruhigung des Ministerpräsidenten Demerdzis über die Haltung des Heeres erfolgt Hüll für Mhrungsstabilisierung Baltimore, 6. März. (DNB. Funkspruch.) Staatssekretär Hutt eröffnete am Donnerstag den Präsidentschaftswahlfeldzug mit einer Rede vor dem Klub der jungen Demokraten Marylands. Er hob die Notwendigkeit einer Dollar st abili- f i e r u n g und eines ausgeglichenen Staatshaus- yaltes hervor. Zum ersten Mal feit der Dollarabwertung stellte ein Kabinettsmitglied Die Stabilisierung des Dollar in so konkreter Form in Aussicht, gleichzeitig damit dem Auslande die Türen öffnend für Verhandlungen über eine allgemeine Währungsstabilisierung. Hüll verteidigte die damals erfolgte Dollarabwertung als notwendig zum Schutze der Vereinig- len Staaten vor den bösen Folgen der unausgeglichenen Deflation. Er fügte dabei hinzu, daß nun die Währungsgrundlage mehr und mehr stabil werden solle. Die' Erzeugung und die Ausübung des Handels in Amerika und im Auslande erforderten zu ihrer Sicherheit, daß der Währungswert jedes Landes im Verhältnis zu den anderen Ländern keinen großen Schwankungen ausgesetzt ist. Der Dollar sei hinsichtlich des Goldgehaltes und der Goldwährungen während der letzten zwei Jahre vollkommen stabil gewesen. Hüll erinnerte an die Erklärung des Sekretärs des Schatzamtes, der sei- nerzeit ausführte: „Die Welt soll, wenn sie einmal zu einer internationalen Währungsstabilisierung bereit ist, wissen, daß Washington kein Hindernis sein wird." Hulls Rede wurde in vollem Einverständnis mit Roosevelt als offizielle Regierungsäußerung gehalten. Rundfunk-Skandal in USA. Kommunistische Propaganda am Mikrophon. Washington, 6. März. (DNB. Funkspruch.) Eine der größten nordamerikanischen Rundfunk- Gesellschaften, die Columbi a-Br oadcasting C o m p a n y Ijat ihren gesamten Sendeapparat aus ungeklärten Motiven d e r kommunistischen Partei bedingungslos zu Propaganda- zwecken zur Verfügung gestellt. Vor dem Mikrophon dieser Gesellschaft sprach Donnerstag abend der Generalsekretär der kommunistischen Partei Amerikas. Earl Browder, der Mann, der im Sommer vorigen Jahres auf der Tagung der Komintern in Moskau offen zum Sturz der amerikanischen Regierung und zur Abschaffung der amerikanischen Verfassung aufgefordert hatte. Browder behauptete, daß die Arbeitslosigkeit nur behoben werden könne, wenn man Moskaus Methoden befolge. Jedoch fei Amerika gegenwärtig für den Kommunismus noch nicht reif. Aber Amerika werde eines Tages schon bas „Ideal" (!) erreichen, das in der Sowjetunion bereits verwirklicht worden sei. Die amerikanische Oessentlichkeit empfindet diesen Vorfall als einen unglaublichen Skandal. Im Ab- geordnetenhaiis ist noch vor der Sendung gegen die Handlung der Sendegesellschaft protestiert worden. Bereits am Donnerstag wurde im Rundfunk das Verhalten der Columbia Broadcasting Company scharf gegeißelt. Am Freitag beschloß der Frauenverein der Krieger-Vereinigung, der schon seit Gründung der Vereinigten Staaten besteht, alle diejenigen Firmen zu boykottieren, die über die Columbia Rundfunk-Gesellschaft ihre Waren anprei- fen und dadurch diesen „unamerikanischen" Senderdienst erst ermöglichen. Nationalistische Verschwörung in portorico. N e u y 0 r k, 6. März. (DNB.) In San Juan (Portorico) verhafteten die amerikanischen Behörden den Nationalistenführer Albizu Campos sowie sechs andere Nattonalisten unter der Beschuldigung, Re kruten zu werben, um die amerikanische Regierung gewaltsam zu stürzen. Die Abteilungen derNationalgarde wurden in ihren Kasernen mobilisiert, um etwaigen Zwischenfällen im Zusammenhang mit den Verhaftungen oorzubeugen. Die Nationalisten erstreben die Unabhängigkeit Portoricos von den Vereinigten Staaten, die Spanien nach dem unglücklich verlaufenen Kriege von 1898 die von 1,2 Millionen durchweg spanisch sprechenden Weißen und 400 000 Negern und Mischlingen bewohnte Insel hatte abtreten müssen. Wahrend der letzten Monate ist es mehrfach zu Zwischenfällen zwischen Nationalisten und den amerikanischen Behörden gekommen. Während der Wahleintragungen im Januar wurden 12 Personen getötet und über 100 verletzt. Die Bäckergesellen in Athen haben den Generalstreik erklärt. Die Brotversorgung für die grie- chische Hauptstadt wird durch die Militärbäckereien sichergestellt. Die Regierung hat die Einziehung der Streikenden zum Heeresdienst angeordnet. Die Universität Athen wurde wegen Studentenunruhen bis auf weiteres geschloffen. Auch Hrrotas Kabinettsbildung gescheitert. Schanghai, 6. März. (DNB. Funksvr.) Nach Meldungen aus Tokio sind die Bemühungen H i r 0 t a s zur Bildung eines Kabinetts als geheitert anzusehen, da die Armee ihre Mitarbeit versagt. General Terauci hat die Uebernahme des Kriegsministeriums abgelebt, da er nach Besprechungen mit den zuständigen Männern der Armee in der Zusammensetzung des geplanten Kabinetts keine Erneue- rung ber (Staatspolitik sehen könne wie sie von ber Armee geforbert werbe. Die als Minister vorgesehenen Männer seien „Ueberbleibfel überlebter Anschauungen", mit benen man Krisenzeiten nicht überminben könne. Besonders habe die geplante Besetzung des Innenministeriums mit Kawasaki, der Parteipolitiker sei und der Min- seito angehöre, Anstoß bei der Armee erregt. Japan beruhigt Moskau. Moskau, 5. März. (DNB.) Wie die „Taß" mitteilt, erklärte der javanische Botschafter Ohta dem Außenkommissar Litwinow im Auftrage seiner Regierung, daß die letzten Ereignisse in Tokio lediglich i n n e r p 0 l i t i s ch e Angelegen- Heiken Japans berührten. Sie wurden sich in keiner Weise auf die Beziehungen mit der Sowjetunion auswirken. Die japanische Regierung wünsche unabänderlich eine raschere Losung aller Streitfragen in freundschaftlichem Geiste. Dor allem lege Japan Wert auf den Abschluß eines neuen Fischereia bkommens an Stelle der in die- Man sieht auf unserem Bild-, wie der Zeppelin zum erstenmal und zwar mit dem Heck nach vorn, die Luftschisshalle zum Aufstieg verlassen hatte. 1 1 (Scherl-Bilderbienst-M.) sein Jahre ablaufenden Vereinbarungen. Litwinow versicherte, daß es im Bestreben ber Sowjetregierung liege, bie besten Beziehungen mit Japan herzustellen. Seiner Meinung nach wäre es überaus wichtig, wenn bie Drbnung längs ber sowjetrussisch - rn a n b s ch u r i s ch e n und der mandschurisch-mongolischen Grenze rasch wiederhergestellt werden würde. Dazu müßte der zwischen Japan und der Sowjetunion vereinbarte Beschluß über die Schaffung einer gemischten Kommission zur Untersuchung der Zusammenstöße beitragen. Oer Leidensweg des Gudetendeutschtums. Mährisch-Ost rau, 5. März. (DNB.) In Mährisch-Ostrau wird seit etwa drei Monaten au. Grund des Gesetzes zum Schutze der Republik wieder einer der üblichen Prozesse gegen Sudeten- deutsche durchgeführt. Bezeichnend für den Zweck dieser Prozesse war besonders das Plädoyer des Staatsanwaltes, der den insgesamt 18 Angeklagten, darunter führenden Persönlichkeiten wirtschaftlicher und kultureller Körperschaften, Umtriebe gegen den Staat vorwarf, ohne in der Lage zu sein, irgendwelche Beweise für feine Behauptungen zu erbringen, und der ferner seine Beschuldigungen auf das gesamte Deutsch- tum auszudehnen versuchte. Sowohl Angeklagte wie Verteidiger wiesen die Unterstellungen des Staatsanwaltes entrüstet zurück, dessen Ausführungen am besten gekennzeichnet wurden durch den Ausruf eines Verteidigers: „Das ist nicht mehr auszuhalten. Wir sitzen doch hier als Juristen, nicht in einer politischen Versammlung!" Den Gepflogenheiten solcher Prozesse folgend, verlangte der Staatsanwalt die Erkennung der zulässigen Höchststrafe gegen sämtliche Angeklagte, also gegen Leute, bie sich in ihrem Verhalten nichts oorzuwerfen haben, es sei denn, daß allein schon die Tatsache der Zugehörigkeit zum Deutschtum in der Tschechoslowakei als Schuld angesehen wird.__________ \ Herz und Nerven schonen! ...auf KAFFEE HAG umstellen! Kampf den Mißständen im Möbeltransportgewerbe. Der Rationalsozialistische Gaudienst Hessen-Nassau schreibt u. a.: Die Tagespresse hat wiederholt darauf hingewiesen, daß sich im Möbeltransportgewerbe mangels allgemeiner Konzessionierung unzählige gewerbefremde, unzuverlässige Unternehmer neben ihrem eigentlichen Gewerbezweig mit der Ausführung von Umzügen betätigen, um einen risikolosen Nebenverdienst zu erreichen, da sie keinen Tariflohn zahlen und steuerliche, sowie soziale und allgemeine Verpflichtungen nicht erfüllen, also den Staat und die Allgemeinheit betrügen, da sie sonst mangels fachlicher Voraussetzungen nicht konkurrenzfähig wären. Der Schaden, der der Allgemeinheit infolge Berücksichtigung derartiger Elemente durch entgehende Steuern, Sozialleistungen, niedrigere Löhne usw. entsteht, ist erheblich, worauf besonders in den Fällen geachtet werden sollte, in denen der Staat bei Versetzungen usw. die Umzugskosten aus staatlichen Mitteln decken muß. Es ist beschämend, in welcher Weise manchmal versucht wird, Firmen gegeneinander auszuspielen, um aus den bestehenden ungesetzlichen Verhältnissen eigenen Vorteil zu ziehen. Zum Schaden der Allgemeinheit und des Staates, die nur an geordneten, an einer Erhaltung gesunder mittelständischer Betriebe und Gewerbe und an einer Beseitigung gesetzwidriger Dor- aänge Interesse haben. Der „Völkische Beobachter" schrieb mit Recht: „Der volkswirtschaftliche Zweck des Umzuges wird nur erreicht, wenn das umgesetzte Geld den ordentlichen Gewerbe- und Handelsgruppen zufließt, und von diesen wieder im Kreislauf zu Erfüllung aller gesetzlichen, sozialen und wirtschaftlichen Verpflichtungen verwendet werden kann. Daß diese Notwendigkeit leider immer noch nicht genügend beachtet wird und auf mangelndes Verständnis stößt, zeigt der fortdauernde Kampf gegen die Schwarzarbeit im Möbeltransport und anderen Gewerbe- und Handwerksgruppen." Kleine politische Nachrichten. Der neue Handelsvertrag zwischen Polen und der Belgisch-Luxemburgischen Zollunion wurde von dem polnischen Außenminister Beck und dem belgischen Außenminister van Zeeland unterzeichnet. Der Vertrag gilt zunächst für das Jahr 1936 und ist von da ab vierteljährlich kündbar. Donnerstag abend gab der Gesundheitszustand des Großadmirals Lord Beatty erneut zu Befürchtungen Anlaß. Lord Beatty hat sich erst vor kurzem von einer schweren Krankheit erholt. Der berüchtigte Anführer der Kommunisten in Südamerika, Luiz Carlos Prestes, konnte in einem Vorort von Rio de Janeiro verhaftet werden. Ein amerikanischer Kommunist, der der Polizei den Schlupfwinkel des Kommunistenhäupt- linas mitaeteilt hatte, beging auf der Polizeiwache Selbstmoro. * In Paris mußte wiederum eine Vorlesung des vielumstrittenen Professors Jeze abgebrochen werden. Es entstand ein Handgemenge zwischen Freunden und Gegnern des Professors. Als der Dekan versuchte, die Studenten zur Ruhe zu ermahnen, wurde seine Ansprache mit dem Absingen der Marseillaise beantwortet. Polizei zerstreute einige Gruppen. In der alten spanischen Universitätsstadt Alcala de Honares zündeten Linksradikale die Inneneinrichtungen von zwei Kirchen an, vernichteten Heiligenbilder und verbrannten Särge. Der Sachschaden ist bedeutend, da die zerstörten Kunstgegenstände zum großen Teil unersetzlich sind. Aus aller Welt. Zwei hundertjährige durch den Führer geehrt. Der Führer und Reichskanzler hat der Frau Angela Niemann in Cloppenburg und dem ehemaligen Schneider Albert Gustav Harke in Wuppertal aus Anlaß der Vollendung ihres 10 0. Lebensjahres ein persönliches Glückwunschschreiben und eine Ehrengabe zugehen lassen. Schwere Bluttat eines Sechzehnjährigen. In einem Betrieb in Regensburg gerieten der 16 Jahre alte Anton F u m y und der 15jährige Lohann Lichtl wegen einer' Arbeit, die keiner verrichten wollte, in Streit. Fumy warf mit einem Holzscheit nach seinem Arbeitskameraden. Es kam zu einem Handgemenge zwischen den beiden, in dessen Verlauf Fumy plötzlich zu einem sog. Dreikantstahlschaber griff und damit dreimal mit aller Wucht auf Lichtl einstach. Der Junge wurde in die Herz-, Lungen- und rechte Nierengegend getroffen und so schwer verletzt, daß er schon wenige Minuten nach feiner Einlieferung in das Krankenhaus an innerer Verblutung verschied. Der Messerheld wurde verhaftet. Kraftwagen fährt in einen Rangierzug. Bei Schlegel in Niederschlesien ereignete sich ein folgenschwerer Zusammen st oß zwischen einem Personenkraftwagen und einem Rangierzug der Eulengebirgsbahn. Der Kraftwagen, in dem mehrere Kinder vom Konfirmationsunterricht nach Haufe fuhren, wurde zehn Meter weit mitaeschleift. Der Kraftwagenführer Walter N i e z i a k wurde tödlich verletzt. Der die Kinder begleitende Pastor Wissel aus Neurods trug einen Oberschenkelbruch davon. Die 13jährige Gebauer aus Schlegel hat den Verlust eines Auges zu beklagen, während das gleichaltrige Mädchen S ch m i n d e r eine Gehirnerschütterung erlitt. Riesenbrand in einer chilenischen Stadt. Die chilenische Stadt Castro auf der Insel Chiloe wurde von einem Riesenbrand heimgesucht. Der größte Teil der Gebäude ist zerstört worden, lieber 5000 Menschen wurden obdachlos. Die Obdachlosen werden wahrscheinlich in andere Bezirke gebracht werden. Der Dampfer „Atlas" und der Aviso „Foca" gingen zur ersten Hilfeleistung mit Pionieren und Polizisten an Bord nach Castro ab. Durch das Großfeuer wurde nach einer späteren Meldung die Innen st adtvollkommenver- nichtet. Menschenopfer sind anscheinend nicht zu beklagen, da sich die Einwohner rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten. Die Regierung verlangte von den Kammern als erste Hilfe für die durch den Brand Geschädigten den Betrag von 5 Millionen Pesos. Selbstmord im Untersuchungsgefängnis. Der wegen dringenden Verdachtes des Mordes an feinem Vater in München in Untersuchungshaft befindliche Stefan Herpfer hat sich im Polizeigefängnis erhängt. Der Selbstmord des jungen Herpfer steht zweifellos mit dem in der letzten Zeit gegen ihn beigebrachten Belastungsmaterial in Zusammenhang. Stefan Herpfer ist höchstwahrscheinlich in der Nacht zum 2. Februar 1936 zum Mörder seines Vaters, des Kunstmalers Friedrich Herpfer, geworden, möglicherweise um sich in den Besitz des väterlichen Erbes zu setzen. Kunstmaler Herpfer, der als Witwer allein eine Wohnung in München bewohnte, wurde dort, wie seinerzeit gemeldet, erschlagen aufgefunden. In der Wohnung fehlte nichts, es wurden aber auch die Mordwerkzeuge nicht gefunden. Vier Bauernhöfe in Vorarlberg eingeäfchert. In Uebersaxfen, einer Ortschaft im Bezirk Feldkirch (Vorarlberg) brach ein Großfeuer aus, dem vier Bauerngehöfte mit Wirtschaftsgebäuden zum Opfer fielen. Der Gesamtschaden beträgt. gering gerechnet 70 000 Schilling. Fünf Familien sind obdachlos. Es wird Brandlegung vermutet. Die Reklamekönigin. Ein mertmürbiger Gast wird Europa nächstens heimsuchen: die am meisten photographierte Frau der Welt. Ihr Name ist aber, im Gegensatz zu den amerikanischen Filmdiven, fast ganz unbekannt und sei hier auch nur im Vertrauen ausgeplaudert: Gwendolyn Jarvis. Dafür ist das Gesicht der Miß Jarvis jedem Amerikaner von den Plakaten in der Untergrundbahn, aus den Zeitungen und den Reklamefilmen wohlbekannt. Natürlich, denn sie bietet ihr Gesicht dem Photographen zu Reklamezwecken dar und verdient eine schönes Stück Geld damit, so daß sie es nicht einmal nötig hat, nach Hollywood zu gehen und wochenlang unter den heißen Jupiterlampen zu schwitzen. Angesangen hat ihre Karriere selbst- verständlich mit einem Sieg in einer Schönheitskonkurrenz. Dann stellte man sie mit einer Waffel Eis vor die Kamera, und sie machte ein so verzücktes Oe- sicht dabei, daß jedermann, der Miß Jarvis in dieser Stellung auf den Plakaten der betreffenden Eisfirma sah, von der Güte des kühlenden Genusses überzeugt war und der Besitzer der Firma in den nächsten Wochen dreimal soviel verdiente als gewöhnlich. Damit hatte Miß Jarvis ihren Lebensberuf gefunden, und in den nächsten vier Jahren saß sie dem Photographen für Zahnpulver, Strümpfe, Radio und Zigaretten, sie begeisterte sich berufsmäßig für schöne Kleider, den neuesten Roman und eine Patent-Kaffeekanne. Jetzt will sich Miß Jarvis auf einer Europareise ausruhen und hofft, hier unerkannt bleiben zu können. Weiterbericht des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. Die über Deutschland liegende feucht-milde Mischluft wird durch polarmaritime Luftmafsen verdrängt. Dabei ist es auch in unserem Gebiet seit gestern zu verbreiteten Niederschlägen gekommen, die im Gebirge aus Schnee bestanden. Gleichzeitig hat sich in der Höhe erhebliche Abkühlung eingestellt. Voraus- sichtlich wird die Witterung in den nächsten Tagen etwas lebhaftere Formen annehmen, wobei jedoch der Gesamtcharakter der Witterung freundlicher wird. Aussichten für Samstag: Veränderlich mit zeitweiliger Aufheiterung, aber auch einzelnen schauerartigen Niederschlägen (im Gebirge vielfach Schnee), nachts vereinzelt etwas Frost, westliche Winde. Aussichten für Sonntag: Unbeständiges Wetter mit einzelnen Niederschlägen, aber nicht durchweg unfreundlich, ziemlich frisch. Lufttemperaturen am 5. März: mittags 6,4 Grad Celsius, abends 4,7 Grad; am 6. März: morgens 2,6 Grad. Maximum 7,1 Grad, Minimum heute nacht 1,8 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 5. März: abends 4,5 Grad; am 6. März: morgens 3,6 Grad. — Niederschläge 2,4 mm. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik und für die Bilder; Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Deck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. H. 36: 10 556. Druck und Verlag: Brühl'schs Universitäts-Buch-und Steindruckerei R. Lange,K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. GoethesBund Gießen Heute abend 8 Uhr Neue Aula Lichtbildervortrag von 12230 Sven Hedin Badewanne m.Gasofen(Vail- lants) sowie kleiner moderner Zimmerofen (Oranier), tadellos erhalten, wegen Umzug preiswert abzugeben. Lutter 142,d Marb. Sir. 409. Kaufgesuche talttr Loden-Mäntel aus soliden, imprägnierten Stoffen — als Raglan und Bozener od. 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Wichtige [i413d Tagesordnung. Holzverkauf Iorsiaml Krofdorf. Arn Mittwoch, dem 11. März, von 9.30 Uhr ab, bei Gastwirt Bender zu Krofdorf. 1420D Revierfö. Krofdorf, Distr. 2, 4, 6, 7, 15 und Sammelhieb. Revierfö. Waldhaus, Distr. 28a, 52b, 52d, 55, 59 und Sammelhieb. Lichen-. 64 rm Scheit, 175 rm Knüppel, 1306 rm Reis IH. Buchen: 298 rm Scheit, 69 rm Knüppel, 1340 rm Reis III. Radelh.: 14 rm Scheit, 12 rm Knüppel. Ferner wird an Ruhholz verkauft aus Distr. 2, 4, 7, 8a, 8b, 20a und 47: Lichen: 18 rm Nutzrollen und Nutzknüppel, 2—4 m lang. Hainbuchen: 2 rm Nutzknüppel, 1,20 m lang. Fichten und kief.: 2 rm Nutzknüppel, 2 m lang. Aenderungen bleiben vorbehalten. Der im Termin anwesende Rendant nimmt auch Zahlungen aus früheren Verkäufen an. Dom 16. März 1936 ab wird die Strom- und Gaslieferung bei allen Abnehmern gesperrt, die die Strom- und Gasgelder für Januar 1936 einschließlich kosten noch nicht entrichtet haben. Gießen, den 4. März 1936. Direktion der Städtischen Betriebe. in Leder schon von 3.50 RM. an Leder-Röhrig Gießen Neustadt 43. Bekanntmachung. Die Strom- und Gasgelder im Stadt- und Ueber- landgebiet sind nach den Lieferungsbedingungen grundsätzlich bei der Ablesung an den Lrheber zu zahlen. Geschieht dies nicht, dann können die Stromgelder noch innerhalb der nächsten 8 Tage und die Gasgelder noch innerhalb 10 Tagen ohne kosten an die Kasse der Städtischen Betriebe, Gartenstraße 3, oder auf Postscheckkonto 27707 Frankfurt a. M., gezahlt werden. Bei Ueberschreiten der Zahlungstermine müssen die Beitreibungskosten berechnet Zur Beiden gedealter amSonntag/dem 8 März,Antreten der Kameradsch. mit Bahnen um 8.30Uhrvormitt. vor den Markt- 1 lauben.Von dort geschlossener Abmarsch zum OS- waldsgarten.Be- teilig. ist Ehrensache. 1421d Arbeitsgemeinschaft der ßieben.Soldaten Kameradschaften. Volkstümliche Naturwissenschaft in reicbbebilderten, leichtverständlichen Werken und in verschiedenen Preislagen bieten unsere Verlagserzeugnisse. Sie vermitteln einen tiefen Einblick In die Geheimnisse des Naturgeschehens und damit durcherweiterteaWissen erhöhte Freude an den vielfältigen Schönheiten der Natur. Verlangen Sie Prospekte und auch Probehefte der Zeitschrift „Der Naturforscher“ Hugo Bermühler Verlag Berlin-Lichterfelde NS.-KulturgemejDde Ring Deutsche Bühne. Svielvlan für März 1936: Montagl6.März, von 20 bis gegen 22.45 Uhr „Der Kanzler von Tirol" Schauspiel von I. Wenter. Samst.,21.März von 20 bis gegen 22.45 Uhr „Der Kanzler von Tirol" Schauspiel von I. Wenter. Samst.,28.März von 20 bis gegen 22.30 Uhr „Die Insel" Schauspiel von H. Bratt. Montag,30 Mär; von 20 bis gegen 22.30 Uhr „Die Insel" Schauspiel von H. Bratt. Für April i. Aussicht genommen: „Undine", Romantische Zauberoper v. Lort- zing, sowie „Der zerbrach. Krug", Lustspiel von H. Kleist, u. „Lavv imSchnakenloch" ein Spiel von E. Reinacher. Kartenausgabe für März: ThosD Für Montag- u. Lamstagmitglie- der a. Samstag, dem7.März,von 5 bis 7 Uhr, an der Theaterkasse. Mitgliedskarten mün.hierbei vorgelegt werden. i Dein "täglicher Kaffee:^ KAISERS KAFFEE KameradschaMend Samstag,d.TJUrz 20.30 Uhr im Postkeller Jahr.-Bauptversamml. WichtigeTages- ordnung. Recht zahlreicheBetei- ligung wird er- wartet. moD Familiendrucksachen Verlobungsanzeigen Vermählungsanzelgen Geburtsanzeigen bei Brühl. Schulstr. 7 | Vereine Frühjahrs- Neuheiten! Wir zeigen eine Fülle schönster Modeschöpfungen flott kleidsam preiswert Jugendliche Mäntel aus entzückenden Stoffen, für Konfirmandinnen besonders geeignet 18.- 20.- 22.- 25.- Gabardine-Mäntel solide Strapazier- Qualitäten, in wunderschön. Pastellfarben 25.- 32.- 38.- 42.- Kostüme der unentbehrliche Frühjahrs- Anzug, in ganz reizenden Formen und Farben 26.- 29.- 32.- 35.- usw. 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Le3—ho matt. eil zetern. den Arabern (Nashashibi) gegebenes Wort zur Schaffung eines Parlaments einlösen will; man kann ihm zugute halten, daß das parlamentarische Gebilde ein Sicherheitsventil für die angesammelten Leidenschaften der arabischen Jntelligenzschicht sein könnte, deren Hunger nach Posten und Einfluß durch ein paar neue Sinekuren gestillt werden muß. Vom lokalen Standpunkt aus gesehen muß man jedoch eher behaupten, daß mindestens in der Gegenwart der Gesetzgebende Rat die Reibungen zwischen Arabern und Juden eher fördern als beseitigen wird; in der Innenpolitik des Ländchens wird die Unruhe wachsen, und von ihr auch die Wirtschaft des Mandatsgebiets nachteilig beeinflußt werden. Mindestens ebensoviel lokale Rücksichten, die für das Parlament sprechen könnten, sprechen also auch dagegen, und so ist nicht anzunehmen, daß es etwa lokale Rücksichten gewesen sind, die für die Politik Sir Arthurs den Abschlag gegeben haben. Viel schwerer fällt der Druck des India Office ins Gewicht, das seiner besten und loyalsten Stütze in Indien, den 80 Millionen Mohammedanern, gern die paar hunderttausend Juden in Palästina opfern würde, die heute gegen das Coun e2, 12, g3, h2 (12); Schwarz: Kg8, Da5, T18, Lc8, Le7, Se5, Ba7, b7, c6, 17, g7, h7 (12). Nach 1. ... Le7Xb4 käme 2. Sd4—b3, Da5—c7. 3. Dc2—e4 (Angriff gegen b4 und e5), Lb4—d6. 4. De4—d4, und Weiß gewinnt eine Figur. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Jerusalem, Februar 1936. Trotz der Schwierigkeiten sowohl von arabischer wie von jüdischer Seite schreitet der palästinische Hochkommissar Sir Arthur Wauchope unbeirrt auf dem Wege fort, fein palästinisches Mündel der Wohltaten und Würden eines Parlaments reif zu erklären Allerdings soll der Sprung in die Demokratie nicht auf einmal als Salto mortale vollzogen werden, sondern ratenweise, d. h. zunächst mit einem Repräsentantenhaus, das halb gewählt und halb ernannt wird. Was veranlaßt die englische Mandatsregierung, mit solcher Konsequenz die Politik des Legislative Council dem kleinen Palästina aufzuzwingen, obwohl Englands Erfahrungen mit dem parlamentarischen System im Orient (Aegypten, Cypern, Indien) ebensowenig ermutigend erscheinen wie die Frankreichs in Syrien - Libanon? Der Fragesteller muß vor allem anderen in Betracht ziehen, daß die englische Palästina-Politik eine mathematische Funktion vieler außerhalb Palästinas liegender Faktoren und nur zum geringsten Teil lokaler Bedingungen und Umstände ist Auf die Linie dieser Politik wirken konstant ein: das India Office mit feinem Interesse an den indischen Mohammedanern, das Foreign Office mit seinen Interessen an den jüdischen Sympathien auf dem europäischen Festland und in Amerika, die englische H o ch - fianz und Industrie, vielfach jüdisch beeinflußt, mit ihren Exportinteressen, das Middle East Department des Colonial Office und der Air Ministry. letztere wegen der Zuständigkeit in Verbindungsfragen des englischen Weltimperiums, für die Palästina einen wichtigen Knotenpunkt darstellt. Hier sind auch die Flotteninteressen einzureihen. Alle diese Faktoren üben einen ständigen Druck auf die Politik des kleinen Ländchens aus; manchmal überwiegt die eine, manchmal die andere Seite und selten, nur wenn es ganz brenzlich wird, dringen die Rücksichten auf lokale palästinische Belange durch. Aus diesem ganzen Wirrwarr von Einflüssen ergeben sich Schwankungen, die manchem flüchtigen Beobachter als typisch englische Inkonsequenz erscheinen könnte. So könnte auch die Politik des Oberkommissars in der Frage des Gesetzgebenden Rates erscheinen. Man kann Sir Arthur bescheinigen, daß er sein Weiß: Kgl, Dh5, Tal, T14, Lc4, Le3, Sd2, Sd4, Ba2, b2, c2, g2, h2 (13); Schwarz: K17, Dd8, Ta8, Th8, Lc8, L18, Sb8, 816, Ba7, b7, e5, g6, h7 (13). Nach K17—g7 käme 1. Dh5—h6+, Kg7Xh6. LPD. Frankfurt a. M., 5. März. Das endgültige Ergebnis der von der DAF. durchgefuhrten N a r z i 1 s e n f a m m l u n g im Gau Hessen- Nas s a u liegt nunmehr vor. Er wurden 211050 Mark gesammelt, fast 50 v. H. mehr als die Durchschnittsergebnisse der vorhergegangenen Sammlungen. (In unserer gestrigen Meldung über das schätzungsweise Ergebnis ist irrtümlich die Zahl der verkauften Narzissen mit 70 000 angegeben. Es Gchach-Ccke Bearbeitet von K. Helling. Oie Narrenkappe. Schlechte Verbindung. Jansen rief seinen Freund Lemke an: „Hallo, Lemke, bist du da?" jawohl!" „Kannst du mir hundert Mark leihen?" „Die Verständigung ist sehr schlecht, ich kann nichts verstehen!" „Ich fragte, ob du mir hundert Mark borgen kannst?" „Die Verbindung muß nicht in Ordnung sein , sagte Lemke, „ich verstehe kein Wort." Da mischte sich das Fräulein vom Amt ein: „Die Verständigung ist ausgezeichnet, meine Herren!" „Dann leihen S i e ihm doch die hundert Mark", rief Lemke grimmig, „wenn Sie so gut verstehen, was er sagt st' (Berlingske Söndag.) Der THufiffreunb. Mein Nachbar ging mit seinem Nachbarn in ein Konzertkaffee. Der Kapellmeister näherte sich ben Beiden. „Wünschen die Herrschaften ein Lieblingsstück?" „Ich möchte gern ein Schubertlied hören." „Ja. Die Sache mit dem scharfen Taschenmesser!" Der Kapellmeister stand baß erstaunt: „Mit dem Taschenmesser?" Mein Nachbar nickte: „Ja. Warten Sie, jetzt habe ich es: Ich schnitt es gern in alle Rinden ein!" Ereignisreicher lag. Der Aesthetiter und Philosoph Friedrich Theodor Vischer erhielt einst von der Regierung einen Rüffel. Am selben Tage schenkte ihm seine Frau einen Sohn. Tief beeindruckt ging er ins Kolleg und begann seine Vorlesung mit den Worten: „Meine Herren, heute habe ich einen großen Wischer und einen kleinen Vischer bekommen!" Die Auskunft. Ein kleiner Junge sitzt vor einer Haustür. Ein Mann fragt ihn: „Ist Deine Mutter zu Hause?" „Ja." Der Mann drückt die Klingel, noch und noch. Niemand öffnet. „Du hast doch gesagt, deine Mutter ist zu Hause?!" „Ist sie auch, aber mir wohnen gar nicht Mer r Vom Mandatsland zum britischen Dominion Hintergründe zum Verfaffungsstreit in Palästina. Don unserem (fr.)-Äerichterstatter. geht, die die Araber (nicht ohne Einflüsse aus dem Auslande) auf die Barrikaden gegen England und Israel führen wollen. Das endgültige Sammelergebnis der Tlarziffensammlung im Gau Heffen-Nasiou. Schachaufgabe Nr. 126. In der nachstehenden Aufgabe von Freiherrn von Holzhausen (Lösungsturmer Gießen) zieht Weiß an und soll mit dem zweiten Zuge mattsetzen. Es gilt, den Schwarzen in eine Zugzwangsstellung zu bringen, ihn also, ohne etwas zu drohen, zu einer entscheidenden Stellungsverschlechterung zu zwingen. Politiker und Militärs von Downing Street und Adastral House (Luftministerium). Die Entwicklung der Dinge in Aegypten wie auch die verminderte strategische Sicherheit von Malta machen aus dem palästinischen Küstenstrich eine militärische Frage ersten Ranges, von dem aus man den Seeweg nach Indien und Australien wie den Luftweg nach Asien und der Südsee beschützen kann. Das Pech will es, daß dieses Küstenländchen keine englische Kolonie ist, sondern ein Mandatsgeb i e t, und die von England heute gegen Italien aufgerufenen Geister von Gens könnten einmal auch ein Veto gegen die grundbuchamtlichen Eintragungen von Flugplatz- Böden auf den Namen der Londoner Regierung einlegen, oder gegen den Ausbau des Hafens von Haifa zum Flottenstützpunkt, der schon im Frühjahr Schachaufgabe Nr. 125. In der Aufgabe von W. Eiche, die im Dreizüger- turnier des Großdeutschen Schachbundes einen ersten Preis erhielt, zieht Weiß an und soll mit dem dritten Zuge mattsetzen. Die Lösung gelingt nur mit einem litten, sehr versteckten Zug des Weißen. wollen, trotzdem behalten können; wie sie die „grundsätzliche" Ablehnung und non-cooperation mit der Mandatsverwaltung in Einklang bringen können mit der erwünschten Beteiligung am begehrten Legislative Council. Das Kolumbus-Ei and die arabische Zeitung „Falastin", die den genialen Vorschlag macht, die Araber sollten sich in zwei Lager spalten, von denen das eine den Gesetzgebenden Rat schroff a b l e h n t und das andere mit der Regierung zusammen- arbeitet. Die arabischen Politiker sind inzwi- chen über diesen „Falastin"-Vorschlag noch hinaus- gegangen, indem sie sich i n 5 v e r s ch i e d e n e Lager teilten, die 5 verschiedenartige Antworten an Sir Arthur unterbreiten werden, vom lautesten Nein bis zum jubelndsten Ja. Allerdings wird die (Stellung der Ja-Sager durch eine wüste Hetze in den Dörfern erschwert, die von der terrort-,— —7--.—-. .. - "„nnnnnx stischen Gruppe der „Aufständischen Scheikhs" aus- muß richtig heißen 7 0 0 0 0 0.) 1936 beginnen soll. So gesehen würde London es vielleicht nicht unangenehm empfinden, wenn eine „freie" Volksentscheidung im Palästina-Parlament (zwar noch nicht heute oder morgen, aber in 5 ober 6 Jahren) ich beim Völkerbund für die vergangene Vormund- chast herzlich bedankt und den Eintritt des Heiligen Landes in den britischen Staatenverband verlangt. Bis dahin wird Palästina zunächst auf wirt- chaftlichem Gebiet weiterhin wie bisher Anschauungsunterricht über alle Nachteile feiner Abhängigkeit von Genf erhalten, besonders in Fragen von Zollpolitik und Imperial-Preverence, damit die einflußreichen Wirtfchaftskreise der Araber wie der Juden für die Wohltaten der Zugehörigkeit zu Großbritannien empfänglich gemacht werden, und damit dem erstrebten Jerusalemer Parlamentsbeschluß eine möglichst breite Volksbewegung zugunsten des Anschlusses vorangeht, — eine Bewegung übrigens, die schon heute in den Kreisen der Örangenpslanzer, der Industrie und des Handels ihre festen Ansätze zeigt. Erwägungen von weltpolitischer Bedeutung sind gerade die englischen Z i o n i st e n von der Great Rüssel Street (Lord Melchett, Vicount Erleigh, Professor Weizmann usw.) besonders zugänglich. Sie ereifern sich zwar heute ebenso wie die übrige zionistische Welt gegen den Legislative Council, doch muß man das nicht so tragisch nehmen wie es aussehen soll. Mit dem „empörten" Nein ist das Feilschen um größtmögliche Garantien für die Juden und das zionistische Aufbauwerk in Palästina gemeint, denn abgelehnt wird nicht das Prinzip der parlamentarischen Autonomie Palästinas, die ja die Juden im Augenblick des zahlenmäßigen Ausgleichs mit den Arabern von sich aus selbst verlangen werden (was natürlich Sir Arthur ebenso wie London genau wissen). Vielmehr läuft man gegen b i e 21 r t der Zusammensetzung des Councils Sturm und kämpft um die Zuständigkeitsfrage in der Frage der Bodenkäufe und der Einwanderung. Sobald diese Punkte des Parlaments-Statuts zufriedenstellend (evtl, mit Hilfe einflußreicher Londoner Glaubensgenossen) gelöst und Garantien dafür vorhanden sein werden, daß die erzielten Versvrechungen auch eingehalten werden, z. B. durch Ausscheiden Palästinas aus der Zuständigkeit des Colonial Office und feine Unterstellung unter das Foreign Office (wie bis 1922), woraus der Uebergang Palästinas von einem Mandatsland zu einem Dominion gefolgert werden könnte: in einem solchen Augenblick wird auch die Stellung der maßgeblichen jüdischen Kreise eine grundsätzliche Aenderung erfahren lieber die Stellung der arabischen Kreise läßt sich trotz der Verwirrung in diesem Lager schon heute die Entwicklung voraussagen Die 7 6 8 5 4 3 2 1 6 8 7 5 4 3 abedefgb 6 8 7 5 4 3 2 1 b c 8 7 6 5 4 3 2 1 abedefg b a „Liebesleute." Lichtspielhaus. Den ersten Anstoß zu diesem Film gab erstaunlicherweise Goethes „Hermann und Dorothea". Das Drehbuch schrieb dann allerdings Heinrich Oberländer, und wenn wir uns recht erinnern, hat die herstellende Firma (Europa) später auch den auf das klassische Epos anspielenden Untertitel zurückgezogen, obwohl er im Programmheft noch erscheint, mit Recht, denn zwischen 1796 und 1936 liegen mehr als nur zeitliche Abstände. Wir wollen uns gar nicht erst auf eine vergleichende Untersuchung einlassen; damit wäre beiden Teilen wenig gedient, und der Film, nur darum kann es sich ja handeln, hat es nicht einmal nötig, sich auf klassische Vorbilder zu berufen, die ihn nichts angehn. Die Uebereinftimmungen sind, wenn man davon absehen will, daß das Liebespaar von heute die gleichen Vornamen trägt, ohnehin ziemlich dürftig, und der Film kann sich so, wie er ist, ganz selbständig sehen lassen: er ist gut so, und das sollte genügen. Die Handlung ist einfach und übersichtlich und hat einen einleuchtend motivierten Konflikt, der für das Schicksal der jungen Siebes» Rute entscheidend wird. Das Gut von Hermanns Vater ist schwer verschuldet; der alte und der junge Freiherr von Goren haben böse Sorgen. Es gäbe einen Ausweg: ein alter Freund der Gorens, der Bankier ist, konnte einspringen; und ferne Tochter Helga, die Hermann gern leiden mag, wäre sogar bereit, ihr Privatvermögen zu investieren Dann wäre ja alles in Ordnung und der drohende Verkauf des Gutes vermieden, — aber da kommt nun aus heiterm Himmel ein fremdes Schicksal dazwischen: auf der Bahnstation des Gutes halt eines Abends ein Zug mit heimatlosen deutschen Farmern aus Kanada denen Dürre und Staubsturme vernichteten, was sie sich in harter Arbeit in der neuen Heimat geschaffen haben. Nun kehren sie arm und elend nach Deutschland heim. Die Gutsleute werden um Hilfe angegangen, Hermann fahrt hin. verteilt Essen und Kleider . und findet unter den Flüchtenden das Mädchen Dorothea. Die nimmt er mit heim auf das Gut und bereitet ihr da eine Zuflucht. Aber sie haben kein Glück: Helga sieht ihren Plan vereitelt und bewegt ihren Vater zu eiliger Abreise. Der alte Freiherr bekommt also kein Geld, bei dem Bankier nicht und sonst auch nirgend'., und steht am Ende vor dem Konkurs. Schließlich weist er Dorothea, die er von Anfang an ungern auf dem Hofe gesehen hat, mit heftigen Worten hinaus. Aber Hermann stellt sich schützend vor das Mädchen, nun gehen sie beide, und es beginnt in Berlin eine traurige und rührende Jrr- ahrt durch Arbeitslosigkeit, Armut und Hunger. Als es ganz schlimm wird, läuft das Mädchen heimlich, wiewohl blutenden Herzens, davon, um dem Geliebten die Heimkehr auf das väterliche Gut frei zu machen. Der geht auch, verdüstert Renate Müller als Dorothea. .Tofks zwar, aber es sieht bald so aus, als ob sie das Gut wieder hochbrächten. Und dann merkt am Ende selbst der grimmige Alte, daß er dem Mädel bitter unrecht getan hat, und was für feinen Sohn das Beste ist: er bringt ihm selber die Dorothea zurück, und es ist zuletzt, wie im Märchen, ein großes Glück. Trotzdem ist man nicht verstimmt über solches happy end, denn entscheidend ist ja für die Bewertung des Films die Liebesgeschichte, und die könnte wirklich so oder so ähnlich verlausen sein; es geht von diesen Szenen ein einfacher, unverkitschter, warmer Gefühlsstrom auf den Beschauer über. Das ist auch ganz schlicht und glaubhaft gespielt: Hermann und Dorothea — Gustav und Renate. Renate Müller hat hier die beste Rolle, die wir bisher von ihr fahen. Sie kann ganz unverstellt und hingegeben ein großes und tapferes Herz zeigen, ohne Geschichten und Sentiments, knapp und verhalten in ihren Aeußerungen, aber in jedem Wort und jeder Bewegung von natürlicher Anmut und Wärme. Und Fröhlich ist auch genau der junge Mann und Liebhaber, der hier gebraucht wurde? ernst, zuverlässig, ritterlich und anständig. Der Regisseur Erich W a s ch n e ck hat das alles auf den rechten Ton gestimmt und zurechtgerückt, bringt schöne, offene Landschaftsaufnahmen ins Bild, und vor allem gelingen ihm später, bei der Irrfahrt des Liebespaares durch Berlin, ein paar Szenen — in der Schießbude und im Restaurant —, die fo fein empfunden und verinnerlicht sind, daß sie den Film um mehrere Grade über die Durchschnittsproduktion hinausheben: um ihretwillen lohnt es sich, diesen „Liebesleuten" einmal zuzusehen. Von den übrigen Darstellern tun sich Gina Falckenberg (Helga), Schroth (der alte Goren), Julia Serba, Walter Janssen, Harry Liedtke, Bienert und Oskar Sabo hervor. — An der Kamera: Friedl Behn-Grund; Musik von Siemens Schmal- stich. —r— Kurz — ober obo! (Sine Handvoll Anekdoten, gesammelt von Peter Peppermint. Die Königin von Rumänien, Elisabeth, als Ear- men Sylva in den Dichterhimmel eingegangen, besuchte auf ihrer Amerikareise auch einmal einen berühmten Psychiater. Unangemeldet sie, ununterrichtet er — so lernten sie sich beide kennen. Sie nannte »chlicht ihren Namen. „So — also Königin von Rumänien wollen Sie sein?" fragte der Professor. „Seit wann etwa haben Sie diese Vorstellung?" * Ich bin jetzt fünfzig und würde gern achtzig werden", sagte einer zum berühmten Professor Thier sch in Leipzig. „Nichts spricht dagegen." „Aber was muß ich da in gesundheitlicher Be- Ziehung tun?" „Rauchen Sie?" „Ich rauche nie." „Trinken Sie?" „Ich trinke nie." I „Die Frauen?" „Frauen lassen mich kalt." Da sah Thiersch auf. „Ja, sagen Sie mal, mein Lieber, warum wollen Sie denn da noch dreißig Jahre leben?" ♦ „Wir müssen über den See hinüber nach Küßnacht rudern, mein Lieber", sagte der Schweizer Dichter Gottfried Keller, der wußte, was ein guter Tropfen wert war, zu einem Freunde. „Der Wirt da drüben hat den besten Wein!" Sie ruderten über den Vierwaldstätter See, kehrten ein und tranken. Es wurde Abend. Es wurde Nacht. Beide gingen hinunter zum See und fliegen schwankend ins schwankende Boot. Sie ruderten, sie ri—ra—ruderten! Abwechselnd — mal fangen sie auch — mal schwitzten sie. Sie ruderten, aber das andere Ufer kam und kam nicht in Sicht. Die Nacht verging, und am frühen Morgen stieg der Wirt zum See herunter. Er machte große Augen: da lag ein Boot mit zwei eifrigen Rude- rem. Ueberrascht rief er hinunter: „Aber, Ihr Herre, warum bindet Ihr denn 's Kähnli nicht los?" * Der Anatom Virchow konnte mit dem Altreichskanzler von Bismarck nicht unter einen Hut kommen, was die Politik anging. Ja, sie wurden sogar zu persönlichen Feinden, eine Tatsache, die schließlich zu einem Duell führen sollte. Virchow war gerade mit Trichinen-Untersuchun- gen beschäftigt, als Bismarcks Sekundanten erschienen. Virchow schaute gar nicht groß auf. „Ist mir recht, meine Herren. Als Geforderter bestimme ich die Waffen. Nicht Säbel und Pistolen — nein, ich sehe genug Blut. Ich bringe zwei Würste mit, die eine genießbar und einwandfrei, die andere aber hat Trichinen. Aeußerlich werden sie nicht zu unterscheiden fein. Durchlaucht wählt eine, ich esse die andere. Wer die vergiftete ißt, ist erledigt. Auf Wiedersehen, meine Herren!" Das Duell ist nie zustande gekommen. ♦ Ahnungslos ging der Zeichner Paul Simmel zum Zahnarzt, der ihn nicht kannte. „Was ist eigentlich Ihr Beruf, Herr ...?" „Kennen Sie mich nicht? Ich bin Witzblatt- Zeichner!" „Aha", sagte der Arzt, „da will ich Ihnen einmal den Zahn so ziehen, wie diese Sorte Zeichner das darzustellen pflegt." Worauf Paul fluchtartig das Lokal verließ. Wirtschaft. OerdeutscheGüterverkehrimZahrelSZS Flvd. Wie aus einem Bericht des Statistischen Reichsamtes in „Wirtschaft und Statistik" yeroor- {>eht, wurden in den deutschen Seehäfen im 23er» aufe des Jahres 1935 4 o. Sy mehr Güter, als im Jahre 1934 geladen und gelöscht. In den deutschen Binnenhäfen sind 6 v. Sy mehr Güter, als im Borjahre angekommen und abgegangen. Bei der Reichsbahn ist der Güterverkehr um 11 v. Sy gestiegen. Bei allen drei Verkehrszweigen werden die Ergebnisse des Jahres 1932, in dem die Wirtschaftskrise ihren Tiefpunkt erreicht hatte, weit übertroffen, beim Seeverkehr um 31 o. Sy, bei der Binnenschiffahrt um 38 v. Sy und bei der Reichsbahn um 45 o. Sy Der Verkehr des Jahres 1929, in dem der letzte Höhepunkt vor der Wirtschaftskrise liegt, ist bei der Binnenschiffahrt fast wieder erreicht worden. Auch der Seeverkehr hat wieder soviel aufgeholt, daß er nur noch um 7 d. Sy hinter dem des Jahres 1929 zurücksteht. Der Eisenbahnverkehr dagegen, der in den ersten Krisenjahren besonders stark in Mitleidenschaft gezogen war, hat im Vergleich zu 1929 noch 16 v. Sy aufzuholen. Erneute Produktionssteigerung der Krastfahrzeugindustrie im Januar. Fwd. Laut „Wirtschaft und Statistik" ist die Produktion fast aller Kraftfahrzeuggattungen — ausgenommen Kraftomnibusse und dreirädrige Fahr- zeuge — erneut gestiegen. Mit einer Produktion von 18 420 Personenkraftwagen wurde die Produktion von Januar 1935 um 37 v. Sy überschritten und erreichte damit bereits zu Jahresbeginn den Stand der saison- begünstigtsten Monate des Vorjahres. Die Zahl der im In- und Ausland abgesetzten Personenkraftwagen liegt mit 15 775 Wagen zwar 16 d. Sy unter der Absatzzahl des Vormonats, aber um 42 v. Sy über dem Ergebnis von Januar 1935. Der Anteil des Auslandes am Gesamtmengenabsatz hielt sich mit rund 10 v. Sy auf Vormonatshöhe. Mit 3928 Liefer- und Lastkraftwagen war die Erzeugung im Januar um fast ein Drittel (30 v. Sy) höher als im Dezember 1935. Der Absatz überschritt den des Dezembers um 5 d. Sy, den des Vorjahresmonats um 52 v. Sy Der Anteil der im Ausland untergebrachten Wagen an der Stückzahl des Gesamtaosatzes betrug 11,7 d. Sy Die Produktion von Automobilomnibussen hat im Vergleich zum Vormonat um 18 v. Sy, der Absatz um 12 d. Sy abgenommen. Mit dem im Januar meist wieder einsetzenden Saisonanstieg hat sich die Herstellung von Kleinkrafträdern um 46 d. Sy, die von Groß- k r a f t r ä d e r n um 72 d. Sy erhöht. Jedoch unterschreitet die Erzeugung von Großkrafträdern — als einzige aller Fahrzeuggattungen — die Produktion von Januar 1935 um 14 v. Sy Der Absatz von Kleinkrafträdern übertrifft den Vormonat um die Hälfte, den Dorjahresmonat um 81 v. H. Dagegen wurden Großkrafträder um 20 o. Sy und 6 v. Sy weniger abgesetzt. Die Auslandsverkäufe von Kleinkrafträdern nahmen im Vergleich zum Dezember um mehr als ein Dreifaches zu, dagegen haben sie sich bei den Großkrafträdern um 73 v. H. verringert. Dreirädrige Kraftfahrzeuge haben ihren Produktionsstand gehalten, der Absatz war ein Sechstel geringer als im Januar 1935. Das RWE. im Geschäftsjahr 1934/35. Rach dem jetzt vorliegenden Geschäftsbericht der Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerk AG., Essen, setzte sich die Steigerung des Stromabsatzes in dem am 30. Juni 1935 abgelaufenen Geschäftsjahr in erhöhtem Maße fort. Die nutzbare Stromabgabe betrug 3475,64 Millionen kWh, gegenüber 2696,70 Millionen kWh im Vorjahr. Während die nutzbare Kraftabgabe auf 3343,99 Millionen kWh gegenüber 2572,42 Millionen kWh in 1933/34 stieg, o. h. um etwa 30 v. H., stieg die Lichtabgabe nur um etwa 6 d. Sy aus 131,64 (124,27) Millionen kWh. Die E^tromlieferung der ebenfalls betrieblich mit dem RWE.-Netz zusammenhängenden, nahestehenden Unternehmungen betrug bei der Mainkraft- w er k.» AG. 136,28 (131,39), der Braunkohlen- Jndustrie AG. Zukunft 249,50 (224,20), der Pa- derborner Elektrizitätswerk- und Straßenbahn AG. 16,37 (13,74) und der Rheinisches Elektrizitäts-Werk im Braunkohlenrevier AG. 531,35 (342,47) Mill. kWh. Die Stromabgabe des RWE.« und der Konzernunternehmungen betrug mehr als 4,7 Milliar- Den kWh, gegen 3,75 Milliarden kWh im Vorjahr. Zum ersten Male wurde im abgelaufenen Geschäftsjahr die bisher höchste Jahresstromabgabe von 1929/30 erheblich überschritten. Dagegen blieb die Lichtstromabgabe noch um rund 9 v. Sy unter dem höchsten Lichtabsatz des Jahres 1929/30. Der erhöhte Stromabsatz habe eine wesentliche Erweiterung des Absatzgebietes ergeben, die erhöhte Arbeitsleistung brachte die Möglichkeit der Neueinstellung von Gefolgschaftsmitgliedern mit sich. Da die außerordentlichen Erträge im wesentlichen zu Sonderabschreibungen und für Steuernachzahlungen für die Jahre 1931/32 bis 1933/34 verwendet worden sind, stammt der einschließlich 0,03 (0,03) Millionen Mark Vortrag mit 14,91 (14,84) Mill. Reichsmark ausgewiesene Reingewinn aus den normalen Erträgen. Aus dem Gewinn soll eine Dividende von wieder 6 v. Sy auf 246 Millionen Mark Aktienkapital verteilt werden. Zum Vortrag verbleiben 0,10 (0,03) Mill. Mark. Oie AEG. in 1934/35. In ihrem jetzt vorliegenden Jahresbericht für das am 30. September 1935 schließende Geschäftsjahr teilt die Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft mit, daß die Belebung der Geschäftstätigkeit im Rahmen der gesamten deutschen Wirtschaft auch im Berichtsjahre angehalten hat. Wie bereits kurz mitgeteilt, gleicht sich die Gewinn- und Derlustrechnung in sich aus. Der aus dem Vorjahre in Höhe von 57,18 Millionen Reichsmark übernommene Verlustvortrag wird in gleicher Höhe auf neue Rechnung vorgetragen. Insgesamt betrug der Umsatz einschließlich desjenigen der eigenen Verkaufsgesellschaften 273 Mill. Reichsmark gegen 234 im Vorjahre. Der Auftragseingang liegt mit 315 Mill. RM. um 25 v. Sy über demjenigen des Vorjahres. Die vorliegenden Aufträge sichern der Gesellschaft bei der augenblicklichen Werksausnutzung eine Beschäftigung für rund fünf Monate. Die besonderen Bemühungen der Gesellschaft um das Auslandgeschäft haben dazu geführt, daß der Auslandabsatz mengenmäßig erhöht werden konnte, dagegen erreichte der Exporterlös wegen der weiter gesunkenen Preise etwa den gleichen Betrag wie im Vorjahre. Die Besserung des geschäftlichen Ergebnisses gegenüber dem Vorjahre zeigt sich besonders darin, daß es trotz des starken Rückganges der außerordentlichen Erträge möglich gewesen ist, die Bilanz zum Ausgleich zu bringen, wenn auch ein Gewinn noch nicht erzielt werden konnte. Die Finanzlage zeigt eine weitere Senkung der Valutaverpflichtungen. Entsprechend dem weiter erhöhten Auftragseingang konnte die Zahl der Gefolgschaftsmitglieder weiter gesteigert werden. Die im Bericht im einzelnen aufgeführten Beteiligungen haben sich, insgesamt betrachtet, befriedigend entwickelt. Die Bilanzsumme hat sich von 458 Mill. Reichsmark auf 467,3 Mill. RM. erhöht. Die Zndustne- unb Handelskammer Gießen gibt Auskunft: 198: Abschluß der Wirtschaftsverhandlungen mit Ungarn. 199: Ausgabe von Schuldverschreibungen der Konversionskasse. 200: Abwicklung der schwebenden Geschäfte Griechenlands mit Deutschland. 201: Stand des Verrechnungsverkehrs der Niederlande mit Deutschland. 202: Bekanntmachung KP 113 der Ueberwachungs- ftelle für unedle Metalle, betr. Kurspreise. 203: Neue Verordnung Über die Ein- und Ausfuhr von Waren. 204: Einfuhrbewilligungsanträge für die Neukontingente für das 2. Vierteljahr 1936 in Frankreich. Rhein-Mainische Börse. Mltagsborse: Aktien schwächer, Renten gut behauptet. Frankfurt a. M., 5. März. Bei Fortdauer der starken Zurückhaltung infolge der nur geringen Publikumsbeteiligung fetzte die Börse am Aktienmarkt zunächst nicht ganz einheitlich ein, wobei aber schon leichte Rückgänge überwogen. Nach den ersten Notierungen war die Haltung auf einzelnen Marktgebieten recht schwach, da ziemlich Angebot herauskam, insbesondere von der Kulisse erfolgten stärkere Abgaben. Der Rückgang der Daimler-Aktie auf 97,75 bis 96, vorübergehend bis 95,50 (98,50) hat stark verstimmt, ohne daß für die schwache Haltung eine erkennbare Ursache vorlag. Adlerwerke Kleyer gaben im Freiverkehr daraufhin auf etwa 97,75 (99) nach. Ziemlich matt lagen ferner am Elektromarkt AEG. mit 36,65 bis 36,25 (37,13), ferner büßten Siemens 2,50 v. H. auf 168,50 ein, während die übrigen Papiere behauptet blieben, RWE. lagen 0,25 v. Sy höher. Von Montanwerten waren Klöckner schwach mit 83,65 (85), auch Verein. Stahlwerke gingen auf 83,65 bis 83,75 bis 83,25 (83,90) zurück, ferner ermäßigten sich Rheinstahl auf 114,65 bis 114 (114,75) und Mannesmann auf 83,25 bis 83 (83,50) wogegen Har- pener um 0,90 v. Sy höher einsetzten, ebenso viel fester lagen auch Laurahütte, Hoesch blieben zu 90 behauptet. IG. Farben notierten bei kleinem Umsatz mit 151,50 (151,75), Metallgesellschaft mit 114,25 (114,50) und Deutsche Erdöl mit 110,25 (HO). Im einzelnen eröffneten u. a. Muag 0,40, Deutsche Linoleum 0,50 v. Sy höher, Nordd. Lloyd 0,25 und Rheinmetall 0,25 v. Sy niedriger. Hapag und Allgemeine Lokal und Kraft lagen unverändert. Am Rentenmarkt war die Haltung dagegen gut behauptet, das Geschäft hatte allerdings nur kleinen Umfang. Altbesitz 110,90 (110,75), Kornrnu- nal-Umschuldung auf der Abendbörsenbasis von 87,20 behauptet, Zinsvergütungsscheine 93,35 (93,30) und späte Schuldbuchsorderungen ca. 97,13 (97). 6proz. Dollar-Preußen 61,75—62. Während für Motorenwerke eine leichte Erholung eintrat, so bei Daimler auf 96,75 nach 96 und Adlerwerke wieder den gestrigen Kurs von 99 erreichten, ergaben sich im Verlaufe am Montanmarkt noch weitere Rückgänge. Hoesch 89 nach 90, Verein. Stahlwerke 82,75 nach 83,25, Mannesmann 82,75 nach 83,25 und Harpener 110,75 nach 111,40; die Dividendensenkung bei Eintracht Braunkohle trug zu der schwachen Haltung bei. IG. Farben bröckelten auf 151,25 nach 151,50, Deutsche Erdöl auf HO nach 110,25 ab. Fester lagen Deutsche Linoleum mit 161,50 nach 16,50, ferner Clement Heidelberg mit 131,75—131 (130), dagegen Mainkraftwerke 89,13 (90,50), Conti Gummi 186,25 (188,50). Chade A—C mit 301,75 (302) nahezu unverändert. Am variablen Rentenmarkt traten später keine Aenderungen ein, 6proz. zertis. Dollar-Preußen etwas höher mit 62 (61,75). Pfandbriefe blieben meist unverändert, Liquidationspfandbriefe teilweise mäßig höher, Nass. Landesbank 101,65 (101,50), während Stadtanleihen nicht immer ganz behauptet lagen. Fremde Werte lagen still. Im Freiverkehr bewertete man u. a.: Waiß & Freytag 92,25 (93), Pokorny 103 (103,50), Rastatter Waggon 10,50 (10,50), Ufa- Aktien 54,50. Tagesgeld weiter etwas leichter mit 3,25 (3,50) d. Sy Mbeuitbörfe behauptet. An der Abendbörse war das Geschäft zufolge der anhaltenden Zurückhaltung gering, und eine durchgreifende Erholung trat nach den Abschwächungen von heute mittag nicht ein, immerhin war die Grundstimmung etwas freundlicher. Daimler Motoren erholten sich um weitere 1 v. Sy auf 97,65, auch BMW. mäßig höher mit 120,50 (120). Im übrigen erfuhren die Kurse bei einem Vergleich zum Berliner Schluß nur ganz geringfügige Abweichungen. IG. Farben 151,40 (151,25), Deutsche Linoleum 161,65 (162,25), AEG. 36,40 (36,50), Vereinigte Stahlwerke 83 (83,13), Rheinstahl 114 (114,25). Am Rentenmarkt erhöhten sich Altbesitzanleihe etwas über Berlin auf 110,75 (110,65), auch Reichsbahn-Vorzugsaktien gewannen 0,13 v. Sy auf 123,40, dagegen bröckelten Kommunal-Umfchul- düng auf 87,13 (87,17*/2) ab. Zinsvergütungsscheine mit 93,35, späte Schuldbuchforderungen mit 97,13 und 6 d. Sy zertifizierte Dollar-Bonds lagen mit 61,75 bis 62 behauptet. Von fremden Werten 5 v. H. äußere Goldmexikaner 13,25 (13,13). U. a. notierten: Altbefitz 110,75, 6 v. H. Vereinigte Stahlwerke 103,50, 5 v. Sy Goldmexikaner 13,25, Commerzbank 92,50, DD.-Bank 93, Dresdner Bank 93, Reichsbank 186,40, Harpener 110,50, Rheinstahl 114, Laurahütte 22,75, Vereinigte Stahlwerke 83, AKU. 50, AEG. 36,40, BMW. 120,50, Bekula 141, MAN. 103, Conti Gummi 185,75, Daimler 97,65, Scheideanstalt 211,50, Deutsche Linoleum 161,65, Licht & Kraft 135, IG. Farben 151,40, Gesfürel 127, Holzmann 96, Junghans 84,75, Muag 83,50, Metallgesellschaft 114,50, Moenus 83,75, Schuckert 132, Siemens 168,50, Westdeutsche Kaufhof E 31, Süddeutsche Zucker 198, Reichsbahn-Vor- zugsaktien 123,40, AG. für Verkehrswesen 107,75. Frankfurter Schlactitviedmark» Frankfurt a. M., 5. März. Auftrieb: Kälber 708 (gegen 687 am letzten Donnerstagmarkt), Schafe 274 (56), Schweine 679 (770). Notiert wurden pro ein Zentner Lebendgewicht in RM.: Kälber, andere a) 66 bis 70 (am 27. Februar 64 bis 68), b) 61 bis 65 (58 bis 63), c) 53 bis 60 (49 bis 57), d) 43 bis 52 (40 bis 48). Lämmer und Hämmel b2) 46 bis 49 (48 bis 49), c) 40 bis 45 (46 bis 47), d) 32 bis 38 (—); Schafe e) 42 bis 47 (42 bis 46), f) 34 bis 40 (—), g) 25 bis 31 (—). Schweine al) 57 (57), a2) 57 (57), bl) 56 (56), b2) 55 (55), c) 53 (53), d) 51 (51), e) 51 (51). Marktverlauf: Kälber, Hämmel und Schafe rege, ausverkauft. Schweine wurden zugeteilt. Großhandelspreise für Fleisch und für Fettwaren. Beschickung des Fleischgroßmarktes: 866 Viertel Rindfleisch, 125 ganze Kälber, 38 Hämmel, 609 halbe Schweine, 8 Kleinvieh. Notiert wurden pro 50 Kilo in RM.: Ochsenfleiich b) 75 bis 77, c) 72 bis 75; Bullenfleisch b) 74 bis 77; Kuhfleisch b) 68 bis 74, c) 58 bis 68; Färsen- fleisch b) 75 bis 77, c) 72 bis 75. Kalbfleisch b) 74 bis 80, c) 66 bis 74. Hammelfleisch b) 90 bis 95. Schweinefleisch b) höchster Preis 75. Fettwaren. Roher Speck unter 7 Zentimeter, höchster Preis 80, Flomen höchster Preis 80. Marktverlauf ruhig. Schweinemarkt in Butzbach. * Butzbach, 5. März. Auf dem heute stattgefundenen Schweinemarkt waren 345 Ferkel aufgetrieben. Der Handel war flott, es wurde aus» verkauft. Es kosteten bis sechs Wochen alte Ferkel bis 23 Mark, für sechs bis acht Wochen alte Tiere wurden 23 bis 28 Mark bezahlt. Aus den preußischen Rachbargebieten. Scharfschießen bei Groß-Rechtenbach. Der Landrat des Kreises Wetzlar teilt uns folgendes mit: In der Zeit vom 9. März bis zum 14. März finden auf den Schußbahnen westlich Groß- Rechtenbach mit der Schußrichtung gegen den Distrikt „Hohe Birken" bzw. westlich Hörnsheim mit der Schußrichtung gegen den Wasser- vehälter 600 Meter ostwärts der Spilburg folgende Schießübungen mit scharfer Munition statt: 1. Am 9. März auf der Schußbahn bei Groß- Rechtenbach von 7 Uhr bis 18 Uhr. 2. Am 10. März auf der Schußbahn bei Groß- Rechtenbach von 7 Uhr bis 18 Uhr und bei Hörnsheim von 7 Uhr bis 17 Uhr. 3. Am 11. März auf der Schußbahn bei Groß- Rechtenbach von 7 Uhr bis 18 Uhr und bei Hörnsheim von 7 bis 17 Uhr. 4. Am 12. März auf der Schußbahn bei Groß- Rechtenbach von 14 Uhr bis 18 Uhr und bei Hörnsheim von 7 Uhr bis 17 Uhr. 5. Am 13. März auf der Schußbahn bei Hörnsheim von 7 Uhr bis 17 Uhr und von 21 Uhr bis 24 Uhr. 6. Am 14. März auf der Schußbahn bei Groß- Rechtenbach von 7 Uhr bis 18 Uhr. Gefährdet ist das Gelände: a) Der Schußbahn bei Groß-Rechtenbach innerhalb folgender Linienführung, welches durch Posten abgefperrt wird: Weg Groß-Rechtenbach—Stoppelberg — Kirschenwäldchen—Weißmühle — Reiskircher Höhe 304 — Volpertshausen—Weidenhausen—Groß- Rechtenbach. Die das abgesperrte Gelände kreuzenden Wege werden an den obengenannten Tagen während der Schießzeiten für jeglichen Verkehr polizeilich gesperrt. Es kommen folgende Wege in Frage. 1. Straße Weidenhausen—Stoppelberg vom Nordausgang Weidenhausen bis ostwärts Stoppelberg. 2. Straße Volpertshausen — Stoppelberg vom Nordausgang Volpertshausen bis zu ihrer Einmündung in die Straße unter a). 3. Straße Reiskirchen—Stopvelberg vom Nordausgang bis zu ihrer Einmündung In die Straße unter a). 4. Der Weg Reiskirchen—Kirschenwäldchen. b) Der Schußbahn bei Hörnsheim innerhalb folgender Linienführung, welche durch Posten abgesperrt wird. Weg westlich Hörnsheim — Klein-Rechtenbach — Groß-Rechtenbach—Büblingshäuser Hof— südlich der Straße Wetzlar — Dutenhofen — Münchholzhausen; westlich bis südostwärts Lützellinden. Die das abgesperrte Gelände kreuzenden Wege werden an den oben genannten Tagen während der Schießzeiten für jeglichen Verkehr polizeilich gesperrt und zwar: 1. Die Straßen von Lützellinden bis Groß- Rechtenbach. 2. Münchholzhausen bis Groß-Rechtenbach. Das gefährdete Gelände wird durch Posten abgesperrt und muß eine Stunde vor Beginn bis eine Stunde nach Beendigung des Schießens von jedem Verkehr freibleiben. Die Bevölkerung wird darauf hingewiesen, daß sie den Weisungen der Absperrposten, die die Rechte und Pflichten eines Wachtpostens haben, unbedingt Folge zu leisten hat. Kreis Wetzlar. * Wißmar, 5. März. Die G a u f i l m st e l l e der NSDAP, ließ dieser Tage im Saale Wolf den Film „Hermine und die sieben Aufrechten" vorführen. Die Veranstaltung war sehr gut besucht und mußte wiederholt werden. — Die Trockenlegung und Bachregulierung im Wiß- marer Bachtal wurde dem wenigstnehmenden Bauunternehmer Ernst Wagner (Krofdorf) übertragen. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 21L Banknoten. 63,28 81,26 33,77 Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Hohe der zuletzi beichlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. 2,432 41,92 54,73 12,27 16,395 169,17 61,67 Frankluri a. M. Berlin Frankfurt a.M. Berlin Sronffurt a. M. ®erhn Schluß- kurS Schlutzl. Abend- börse Schluß- Iure Schluß!. Mittag- bSrse Schlußkurs Schlußl. Abend- börse Schluß- kurS Schlußk. Mittag- börfe Schluß- kurS Schlußk. Abendbörse Schluß- kurS Schlußk. Mittag- bSrse Datum 6% Deutsche RetchSanleihe v. 1927 4% Deutsche Reichsani. von 19M 6yx% Young-Anleihe von 1930 .. Deutsche Anl.-Wlös.-Schuld mit Ausloj.-Rechten ............. 43. 100,5 97,25 103 110,75 100,1 98,25 96,4 101,4 92,25 96,5 101,4 101,5 97 97 108,9 29,13 1,2 8,5 8,4 8,5 13,13 9,13 5-3. 100,65 97,25 103 110,75 100,05 98,25 96,4 101,25 92,25 114,5 96,5 101,5 101,5 97 97 109 29,13 1,2 8,6 8,45 8,4 13,25 9 4 3. 100,75 97,25 103,4 110,75 100,13 98,25 114,75 101,65 97 97 108,9 29,5 1,2 8,6 8,45 8,4 13,2 5.3 100,65 97,25 102,9 110,65 100,13 114,65 102 97 97 109 29,5 1,25 8,7 8,45 8,4 13,2 Oatum 4% oesgl. Serte 11 ............ 5% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 4yr%Rumän.vereinh.Rentev.l918 4% Rumänische vereinh. Rente .. 2%% Anatolier .............. Hamburg-Amertka-Paket .....0 Haniburg-Südam. Dampfschiff . 0 Norddeutscher Lloyd .........0 A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 Berliner Handelsgesellschaft ... 6 Eommerz- und Privat-Bank ... 0 Deutsche Bant und Disconto» Gesellschaft................0 Dresdner Bank..............0 RetchSbant ................iz A.E.G....................... Bekula.................... io Elektr. LieferungSgelellfchaft... 6 Licht und Kraft ........... gy, Felten & Guilleaume......... 4 Geiellsch.f.Elektr.Unternehmung. 6 Rheinische Elektrizität ........g Rhein. Wests. Elektr..........e Schuckert L Co................ SiemenSS HalSke............ 7 4.3. 9 6,13 9 5,3 37,5 16,5 18,25 108,5 117,25 93 93 93,25 186,5 37,13 141,5 119,75 135 113,5 129 126,75 132,5 171 128,25 95,75 110 110,5 90 127,5 85 83,5 5.3- 9 6 9 5,3 37,5 16,5 18 107,75 117,5 92,5 93 93 186,4 36,4 141 119,5 135 113 127 127 132 168,5 128,25 95 110 110,5 89 127,25 83,65 82,75 4.3. 6 9 5,35 37,75 16,4 26 18 108,75 117,25 92,9 93 93,25 186,5 37 141,65 119,75 135,5 113,5 128,75 126,75 127,13 132,75 171 128,5 95,75 110,25 110,5 89,5 159 127,65 84,5 83,5 5.3- 6,1 9,13 5,35 37,5 16,25 17,5 107,75 117,5 92,5 93 93 186,5 36,5 141,25 119,75 134,75 112,75 127 125,5 127,25 132 168,75 95 109,75 110,5 89 159 127,75 84 83,13 Oatum ManSselder Bergbau.........6 KokSwerke ..................6 Rheinische Braunkohlen .....12 Rheinstahl .................. 4 Vereinigte Stahlwerke........0 Ltavi Minen ...............0 Kaliwerke Aschersleben........5 Kaliwerke Westeregeln........5 Kaliwerke Salzdetfurth..... 3. K. Farben-Jndustrte.......7 Scheideanstall............... 9 Goldschmidt ................ 5 Rütgerswerke ......... 6 Metallgeiellschaft.............4 Philipp Holzmann...... 4 Zementwerk Heidelberg ......7 Cementwerk Karlstadt.........6 Schultheis Patzenhofer .......4 Aku (Allgemeine Kunstseide) .. 0 Bemberg...................6 Zellstoff Waldhof ............ 5 Zellstoff Aschaffenburg .......0 Dessauer Gas ...............7 Daimler Motoren....... 0 4.3. 132 114,75 83,9 18,75 126 151,75 211,5 105,5 120,5 114,5 97 130 130 50,4 93,25 120,5 85 98,5 160 31,13 302 175,25 188,5 I 28,5 198 5.3. 131,5 218,75 114 83 18,75 126,5 151,4 211,5 105,4 121 114,5 8 50 93,5 120,5 85,75 97,65 161,65 31 301,75 185,75 I 28,13 89,13 198 4.3. 132 120,4 218,75 115,5 83,75 18,75 126 120,5 151,9 105,5 121 99,4 50,65 93 120,75 85 126,75 98,25 159,5 77 31,25 202,5 175 188,75 I 28,13 1 198 5.3. 132,25 120,25 218,75 114,25 83,13 18,4 120,5 183 151,25 105,4 121 114,75 96 99,13 50 93,75 120,5 84,5 127 97 162,25 76,25 30,9 302,75 175,5 185,5 28,13 198 4l/i% Deutsche Reichspostschatzan- wetsungen von 1934, 1....... 6% et)cm.8% Hess. Volksstaat 1929 (rückzahlb. 102%)............ 4K% ehem.8% Hessische Landes- bunt Darmstadt Gold R. 12.... 6%% ehem. 4 y,% Hess. Landes- Hypothekenbank DarmstadtLiyui 4y.% ehem. 8% Darmst. Komm. LandcSb.Goldschuldverschr. R.S Oberhessen Provinz-Anleihe mit Deutsche Komm. Sammelabl. An- leihe Serie 1 mit AuSlos.-Rechten 4H% efjem.8% Franks. Hyp.-Bank Goldpse. 15 unkündbar bis 1935 6H% ehem. 4'/,% Franks. Hyp.- Bank-Ltgu.-Pfandbriefe....... 6%% ehem. 4yt% Rheinische Hyp.-Bank-Ltqu.-Goldpse..... ty2% ehem. 8% Pr. Landespfand- briefanstalt, Pfandbriefe R. 19 4Vi% ehem. 7% Pr. Landespfand- brtefanst., Gold Komm. 061.VI Cteuergutsch.BerrechnungSk. 84-88 4% Oesterreichiswe Goldrente... 4,20% Oesterreichische Silberrente Buderus ................... 4 Deutsche Erdöl ............... Harvener...................0 Deutsche Linoleum...........8 Orenstetn & Koppel ..........0 Westdeutsche Kaufhos.........0 Ebade............ 71/, Accumulatoren-Fabrik....... 12 Conti-Gummi........... g Gritzner..................... Mainkrastwerke Höchst a/$L... 4 Süddeutscher Zucker........10 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 4%% desgl. von 1918.......... 6% abgest. Goldmexikaner von 99 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe Serie 1..................... Hoesch Eisen—Köln-Neuessen .. 8 Ilse Bergbau ...............6 Ilse Bergbau Genüsse........6 Klöcknerwerke ...............8 Mannesmann-Röhren........0 4 März 5.März Amtliche Notierung Amtliche Notierung (Selb Ärief (Selb Srlef Buenos Atre. 0,678 0,682 0,678 0,682 Brüssel .... 41,93 42,01 41,93 42,01 Rio de Ian. 0,140 0,142 0,141 0,143 Sosta ...... 3,047 3,053 3,047 3,053 Kopenhagen. 54,81 54,91 54,77 54,87 Danzig..... 46,80 46,90 46,80 46,90 London ..... 12,275 12,305 12,265 12,295 HelstngforS.. 5,41 16,40 5,42 16,44 5,405 16,385 5,415 16,425 Holland .... 168,93 169,27 168,91 169,25 Italien..... 19,76 19,80 19,76 19,80 Japan ...... 0,716 0,718 0,715 0,717 Jugoslawien 5,654 5,666 5,654 5,666 C31o..... : 61,68 61,80 61,64 61,76 fiten....... Lissabon.... 48,95 49,05 48,95 49,05 11,13 11,15 11,13 11,15 Stockholm... 63,29 63,41 63,24 63,36 Schweiz .... 81,18 81,34 81,12 81,28 Spanien.... 33,99 34,05 33,97 34,03 Prag....... 10,29 10,31 10,28 10,30 Budapest ... — — — Reuyork ... 2,459 2,463 2,460 2,464 Berlin, 5.März Seid Amerikanische Noten.............. 2,412 Belgische Noten.................. 41,76 Dänische Noten ................. 54,51 Englische Noten ................. 12,23 Französische Noten............... .Holländische Noten............... 16,335 168,49 Italienische Noten................ Norwegische Noten .............. — 61,43 Deutsch Oesterreich, A 1OO Schilling — Rumänische Noten............... — Schwedische Noten............... 63,02 Schweizer Noten................. Spanische Noten................. 80,94 33,63 Ungarische Noten................ — Zreitag, 6. März 1956 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Nr. 56 Dritter Blatt unter 2—40 5—40 getan Es 2 RM. 4 „ 5 „ 6 „ 8 „ Ilationalsozialistische Kriegsopferversorgung e. V< Ortsgruppe Gießen. Für besonders leistungsfähige Instrumente kann die Stempelabgabe bis aus den doppelten Betrag erhöht werden. Bei Tischautomaten wird nicht für jeden einzelnen Tischautomaten der Mindeststempel erhoben, sondern es werden eine Anzahl — 20 bis 25 — zu einer Einheit zusammengefaßt, für die der Mindeststempel zu entrichten ist. Entsteht die Abgabepflicht für die unter a, b und c aufgeführten Gegenstände in der Zeit zwi- schen dem 1. Oktober und 31. März, so beträgt für diese Zeit der Stempel die Hälfte des regelmäßigen Betrages. Klaviere, die ausschließlich für Vereinszwecke benutzt werden, sind stempelfrei. Solche Klaviere müssen durch Aufschrift oder durch einen an sichbarer Stelle befestigten Zettel mit dem Vermerk „Benutzung nur dem Verein.........zu mer 8, vormittags zwischen 8 und 12 Uhr, zu entrichten. Baulandumlegung in den Eichgärten. Der Vorsitzende des Umlegungs-Ausschusses für die Baulandumlegung im Eichgärtengebiet gibt im Anzeigenteil unseres heutigen Blattes bekannt, daß Achtung Heldengedenktag! Für die Ortsgruppe Gießen-Stadt gilt folgendes: Die Durchführung der Feier geschieht durch die Wehrmacht. Als berufene Vertreter unserer gefallenen Kameraden ist es Ehrenpflicht unserer gesamten Mitglieder, bei dieser Feixr nur in unseren Reihen und nicht bei den anderen Organisationen anzutreten. Antreten Sonntag, 8. März, morgens 8.30 Uhr, vor der Geschäftsstelle, Vahnhofstr. 38, im dunklen Anzug, RSKOV.-Mühe und Hakenkreuzbinde. Kameraden, die Politische Leiter sind, in Politische- Leiter-llniform. Für alle übrigen Orte des Kreises Gießen sind die Parteldienststellen mit der Durchführung beauftragt und haben sich unsere RSKOV.- Walter mit genannten Stellen in Verbindung zu sehen. Bleibt ein Rest? Von Grete Corzilius kommt auf kleinen, festen Jungenstiefelchen Sven Hedin „8 Jahre Kampf in Zentral-Asien". — Oberhefsischer Kunstverein (Turmhaus am Brandplatz): 15 bis 17 Uhr Gedächtnis-Ausstellung von Hans-Ewald Kleine. — Technisches Seminar der Alicefchule: 14 bis 18 Uhr Handarbeits-Ausstellung. Stadttheater Gießen. heute abend Erstaufführung des Gesellschaftsstückes „Die Insel", Schauspiel von Harald Bratt. Spielleitung: Anton Neuhaus. Mitwirkende: Damen: Decker, Markgraf; Herren: Frickhoeffer, Geiger, Kühne, Lindt, Lüpke, Rosenthal, Schorn, Seitz und Volck. Die Vorstellung gilt zugleich als 21. Vorstellung im Freitag-Abonnement. Dauer von 20 bis 22.30 Uhr. Oie Stempelabgabe für Automaten, Musikwerke usw. die Treppe heraufgestrappelt, es schellt leise, zaghaft, dann plötzlich heftig an der Korridorklingel; begleitet wird das Ganze von einem irrsinnigen Fingergetrommel an der Tür ..., so daß der Großvater Hildebrand aus den dicken Tabakrauchwolken, die seinen weißen Kopf umballen, verwundert aufhorcht. Dann geht ein gutes und verschmitztes Lächeln über sein zerfurchtes Gesicht und behaglicher noch drückt er sich in den weichen Sessel zurück. Und eine große Zeitung, die seinen Händen entglitten war, breitet er wie ein riesiges Monstrum vor sein Gesicht. Das dünne Papier zittert, als ob immer ein verborgener Luftzug durch das Zimmer striche. Es kommt nur von den alten Händen, die müde und kraftlos geworden sind zum halten. Still steht die Zeit im Zimmer des pensionierten Herrn Hildebrand. Von den Wänden schauen aus runden, eckigen, schmalen, breiten, braunen und schwarzen Rahmen Diplome und Ehrenurkunden auf den müden Mann. In der Schreibtischschublade, fein säuberlich auf grünsamtne Kissen genäht, liegt eine stattliche Reihe Derdienstkreuze, die Herr Hildebrand sich im Leben erworben hat. Schmetternd fällt irgendwo eine Tür ins Schloß. Da kommt der Enkel. Auf leise sein sollenden Zehen schleicht es sich an den Sessel heran, die Zeitung wird von runden Aermchen beiseite gefegt und: „Guten Tag, Großvater", sagt eine Helle, unbeschwerte Stimme, um gleich hastig fortzufahren: „Großvater ... da staunst du aber mindestens ... wenn du hörst ..., wie wir heute gearbeitet haben in der Schule! Jaaa ... das glaube ich wohl ... du hast es gut, Großvater! Du brauchst nicht mehr zu denken und zu rechnen!" Ein kleiner Seufzer. Dann plappert der Mund schon wieder fort: „Zum Beispiel, Großvater, rechnen mit Rest! Kannst du rechnen mit Rest, Großvater? Paß auf, das ist so: man rechnet und rechnet ... aber immer bleibt etwas übrig! Das ist dann ein Rest, sagt unser Lehrer. Und man muß schrecklich viel darüber nachdenken, Großvater, das glaube nur!" Herr Hildebrand, jäh aus seinem beschaulichen Rauchwolkenhimmel gerissen, schaut in die offen zu ihm aufgeschlagenen Kinderaugen. Sie sind blau wie die seinen, mit einem etwas dunkleren Kranz um die Pupille. Und merkwürdig, in dem winzigkleinen Rund erscheint ein anderes Kind und weiter dahinter baut sich eine Landschaft auf, Häuser reihen sich an Häuser ... dazwischen Wiesen und Felder und Waldwege und schiefe Bauernzäune. Und Schulen ... eine Menge Schulen. Eine noch wichtiger als die andere. Auch die Menschen tauchen auf, als stiegen sie aus Gräbern. Menschen mit guten, ernsten, Menschen mit fröhlichen und Menschen mit verknitterten, verbitterten Gesichtern. Ein ganzes Regiment steht hinter dem Kind im Kinderauge. Großvater Hildebrand streicht sich mit zitternden Fingern über den Schädel. Großvater Hildebrand sieht sich selbst in seines Enkels Auge ... „Großvater, nicht wahr?" beginnt die Helle Stimme wieder, „jetzt probierst du auch einmal das Rechnen ...! Es ist das Schwerste, was es gibt auf der Welt. Und dann noch mit Rest! Meistens meint man: vielleicht bleibt diesmal nichts Übrig — ätsch ... immer bleibt 'n Rest ... immer!" Pfeifend stolziert der Kleine vor den ehrwürdigen Diplomen und Urkunden umher. Großvater Hildebrand nickt schwer vor sich hin. Ja, immer blieb ein Rest. Er rechnet sein ganzes Leben nach ... immer blieb ein Rest. Es blieb ein Rest, als er, die Kinderschuhe behende von den Füßen streifend, buntbemützt, die Welt aus den Angeln heben wollte und sich, bogenkritzelnd, auf einem Kontorschemel wiederfand. hinter zerlesenen, zerfetzten Karl-May-Romanen hockt ein Rest, grinste ein Rest. Nicht tragisch eben ... aber doch ein Rest! Und weiter, als das Rennen begann um Beruf, um Geld, um Ehren und Würden, als frohe Stunden wechselten mit dunklen in buntem Tanz ... immer blieb ein Rest! Nie ging die Rechnung des Herrn Hildebrand auf! Bis heute! Aber heute? hören Sie es pfeifen von warmen, jungen Lippen durch den Raum, sehen Sie das ranke wachsende junge Blut? Die blanken, strahlenden Augen ...? Die festgeballten, braunen Fäustchen? Das ist der Rest, I h r Rest, Herr Hildebrand. Der Rest, mit dem das Leben seine Schulden bezahlt! Die Treppe abwärts trappeln kleine Jungenstiefelchen. Ein Großvaterherz, wenn man es recht verstehen will, läuft freudig nebenher. halbroth. krelsamlslelter und Orlsgruppenobmann. Industrielle Berufserziehungsmaßnahmen im rhein mainischen Wirtschaftsgebiet. Von der DAF., Gauwaltung Hessen-Nassau, Abteilung für Arbeitsführung und Berufserziehung, wird mitgeteilt: Für alle Facharbeiterlehrlinge in Industriebetrieben im rhein-mainischen Wirtschaftsgebiet liegt nunmehr ein einheitliches Lehroertragsmufter vor, das von der Reichswirtschaftskammer, der Hitler- Jugend und dem Deutschen Ausschuß für technisches Schulungswesen ausgearbeitet wurde. Allen Lehr- verhältniffen mit Facharbeiterlehrlingen in der In31. März: a) für Warenverkaufsautomaten: 1 und 2 Geldeinwürfe..... 4 „ ..... 6 „ ..... 8 „ ..... 12 „ ..... b) für andere Automaten als Warenverkaufsautomaten, z. B. Waag- autoMSten......... c) für Mes Klavier oder sonstiges Musikwerk bzw. jeden Radioapparat je nach Größe, Ankaufspreis und Leistungsfähigkeit....... dieser Vorschrift hat Heranziehung zu dem c angegebenen Stempelbetrag zur Folge. Die Abmeldung von Automaten, Musikwerken und Radioapparaten kann nur bis 31. März jeden Jahres bei dem Kreisamt erfolgen. Wer dies unterläßt, ist zur Entrichtung der Abgabe für das kommende Rechnungsjahr — 1. April bis 31. März — verpflichtet. Die Erhebung des Stempels, die Ausstellung der Jahreskarten, sowie die Entgegennahme von Anmeldungen findet bei uns, Zimmer 8, vormittags von 8 bis 12 Uhr, statt. Gleichzeitig fordern wir hiermit alle Inhaber von Jahreskarten für Automaten, Musikwerke und Radioapparate auf, die Stempelabgabe für das Rechnungsjahr 1936 — 1. April 1936 bis 31. März 1937 — bis spätestens 15. April 1936 bei uns, Zim- * C. Wenn ich sehe, daß auf meinem Schreibtisch irgend etwas verändert worden ist. dann kann ich fuchsteufelswild werden. Da hat jedes Ding an feinem Platz zu liegen, wenn ich arbeiten will. Wenn nur ein Bleistift fehlt, dann gibt es ein Donnerwetter, dann getraut sich keins im Haufe zu mucksen. Ob sie mich Haustyrann schelten ober vergrämt herumgehen, das ist mir einerlei. Mir nicht, sagt mein Freund. Ich möchte freundliche Gesichter um mich sehen Mir fehlt auch manchmal ein Bleistift auf meinem Schreibtisch. Das ist aber nicht schlimm. Ich habe immer einige auf Vorrat. Ich hole dann einen andern aus der Schublade und kann meine Arbeiten doch erledigen. Warum soll das ganze Haus darunter leiden, wenn eins meiner Kinder einmal einen Bleistift braucht und dann pergißt, ihn wieder an seinen Platz zu legen? Meinst du nicht auch?-- * Lieber Leser, das sind nur drei Beispiele aus dem täglichen Leben. Soll ich die Liste fortsetzen? Mit wem willst du es halten? Äornoiizen. Tageskalender für Freitag. NS.». „Kraft durch Freude": Ab 20.30 Uhr allgemeine Körperschule im Lyzeum; 20.30 bis 21.30 Uhr und 21.30 bis 22.15 Uhr Schwimmen im Volksbad; 20 bis 21 Uhr Reiten, 21 bis 22 Uhr Ski- Trocken, Reitschule Schömbs. — NSLB., Fachschaft höhere Schule; Deutschkundliche Fachschaft: 16 Uhr Sitzung in der Oberrealschule. — Stadttheater: 20 bis 22.30 Uhr „Die Insel". — Gloria-Palast, Sel- tersweq: „Traumulus". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Liebesleute". — Goethe-Bund Gießen: 20 Uhr in der Neuen Aula Lichtbilderoortrag von Wer in Bahnhöfen, öffentlichen Wirtschaften oder an anderen öffentlichen Orten und Plätzen einen Verkaufs- oder Wieg-Automaten, Kraftmesser oder einen sonstigen der Unterhaltung des Publikums dienenden Automaten oder einen dem gleichen Zweck dienenden Radioapparat, ferner wer in einem öffentlichen Wirtslokal ein Klavier oder ein sonstiges Musikwerk aufstellen will, hat dies zuvor bei dem Kreisamt anzumelden und die Stempelabgabe zu entrichten. Diese beträgt jährlich für die Zeit vom 1. April bis Dichter war längst von Berlin über Weimar und Neustadt am harz nach Süddeutschland und von dort nach Steiermark übersiedelt — hat Paul Ernst an diesem erstaunlichen Werk geschaffen. Er durfte danach noch seine Erinnerungen und seine Gedichte veröffentlichen, er arbeitete an einem neuen Roman, als der Tod ihn wegnahm. Es geschah in einem Augenblick, da ihn der Umschwung in Deutschland mit großen Hoffnungen erfüllte — mit Hoffnungen für das Volk, dem er in seiner Arbeit treue Dienste hatte. Wilhelm Kunze. Das Kreisamt Gießen gibt über die Stempelabgabe für Automaten, Musikwerke und Radioapparate im Rechnungsjahr 1936 folgendes bekannt: Paul Ernst. $um 70. Geburtstage des Dichters. Am 7. März wäre der Dichter Paul Ernst 70 Jahre alt geworden. Er starb vor drei Jahren, am 13. Mai 1933, in seinem Schloß St. Georgen an der Stiesing in der Steiermark. So begehen wir heute seinen Geburtstag wie einen Gedenktag, aber unser Gedenken gilt einem Lebenden. Paul Ernst lebt in seinen Werken, und seine Werke leben im deutschen Volk. Wenn je von einem Dichter gegolten hat, daß sein Werk den Toten überlebt und als Lebenden weiterträgt, so darf dies von Paul Ernst gelten. Denn sein Werk ist im eigentlichen Sinne wenig erschlossen; es enthält aber eine solche Fülle des Lebens, daß seine Wirkung nicht ausbleiben kann. In Romanen, Erzählungen, Novellen, Gedichten und Dramen hat Paul Ernst fein Dichtertum ebenso erwiesen wie in zahlreichen Aufsätzen und in dem umfassenden Epos „Das K a i f e r b u ch". Er hat alle Saiten feines Instruments zum Klingen gebracht, er hat mit dem ihm anvertrauten Pfund in jeder Richtung gearbeitet und ist niemals müde gewesen. .Elbingerode im harz ist die Geburtsstadt des Dichters, ein kleiner Ort, in dessen Nähe der Vater auf einer Grube als Pochsteiger beschäftigt war. „Meine Heimat lag ab vom Weltverkehr" schrieb er später. Wenn der Dichter spater auch mit feinem Schaffen in die „Welt" hmaus- trat wenn er in vielfachen Aufsätzen zu Zelt'- und Taaesprablemen Stellung genommen Hatz als Dichter hat er in feinen Werken dach die fchone Welt- Abseitigkeit feiner fteimat in gllick ichster Weise zu wahren gewußt. Man darf auch sagen, daß Paul Ernst feit langem wieder einmal das Beispiel eines deutschen Dichters gegeben hat, der für sein Volk lebt und wirkt, ahne durch das Ausbleiben des Tageserfalges in dem Glauben an feine Sendung irre zu werden. £r sollte Theologie studieren, hat auch die Uni- versitäten Göttingen, Tübingen und Berlin besucht aber schließlich seinen Eltern mitgeteilt, daß er das theologische Studium nicht durchfuhr-n konne^Er vernichtete deshalb auf den Zuschuß und ernührteT mit 'chnftstellerischer Arbeit. Sie bestand vorwiegend in Aussätzen, ine ff lichte, - zeitlebens ist Paul Ernst htreu g blieben. Davon legen fpätere S°mmelbande, w etwa „Ein Credo" (Neuausgabe 1935) ober D Auswahlband „Verfall und Neuordnung (1935), Zeugnis ab. Wenn man tn diesen A s lösten liest, tritt eine cbenfo reiche, vielseitige, w gründliche, alle Probleme scharf begründende Aufruf. Am kommenden Sonntag gedenkt das deutsche Volk seiner gefallenen Kameraden. Dieser Tag lenkt unsere Blicke rückwärts aus jene Tage des großen Ringens gegen eine Welt von Feinden. Damals trat das deutsche Volk in Waffen für sein Fortbestehen ein. An der ehernen Front unserer Feldgrauen zerschellte die Wucht des feindlichen Ansturms. Die Heimat stand opferbereit zu ihren Soldaten. An der Front aßen die Kameraden gemeinsam an der Feldküche. Daheim setzten unsere Frauen alle Kräfte ein. um aus ihrem Arbeitsseld dem deutschen Volke zum Siege zu verhelfen. Wie damals draußen und daheim Deutschlands Männer und Frauen eine große auf Leben und Tod verfchworene Gemeinschaft waren, so fall es auch jetzt wieder sein. Der E i n t o p f am kommenden Sonntag soll uns alle zu dieser Gemeinschaft versammeln. Daher rufe ich alle deutschen Männer und Frauen aus. am nächsten Sonntag gemeinsam mit der SA. in den bereits bekanntgegebenen Gaststätten das Eintopsessen zu verzehren und damit dem Winterhilsswerk zu einem neuen großen (Erfolg zu verhelfen. Wenn wir alle in dieser Weise den letzten Eintopfsonntag des Winterhilfswerkes 1935/36 begehen, so entsprechen wir damit dem Willen unseres Führers, alle Kräfte für das wohl unf eres Vaterlandes einzusehen. Der SA.-Standortführer Gießen. lütter Standartenführer. Geistigkeit entgegen. Es ist einleuchtend, daß diese Geistigkeit, aus einer Reihe von wirklichen Erfahrungen gewonnen wurde. „Mir wurde das fürchterliche Leben der heutigen Menschheit damals klar", schrieb der Dichter später über seine erste Berliner Zeit; „ich fühlte damals, daß die Menschen ja so nicht leben können, wie ich sie leben sah. Aber wie das anders werden kannte, das wußte ich nicht." Er lernte die Sozialdemokratie kennen, befaßte sich mit ihren Lehren und wurde Redner und Schriftsteller der Sozialdemokratie. Bis er eines Tages zur Erkenntnis kam, daß auch die Sozialdemokratie nur das „Aufläsunasergebnis einer untergehenden Gesellschaft" wäre. Da rettete er sich in wissenschaftliche Arbeit, es war die Soziologie, die ihn fesselte, er hatte auch die Absicht, einen Derwaltungsposten auszufüllen. In diese schwebenden Verhältnisse trat sein erstes dichterisches Erzeugnis, das kennzeichnenderweise ein Einakter war. Dramatisches hat Paul E r n st im Laufe langer Jahre Vieles gearbeitet; vieles, das heute nach selten genug von den Buhnen geboten wird. Im Drama hat Paul Ernst auch zuerst die Notwendigkeit erkannt, vom Naturalismus der Zeit sich fernzuhalten. Diese Notwendigkeit wurde 3um bewegenden Grundgesetz seines Schaffens. Aus dem naturalistischen Zeitalter erstand die Dichtung Paul Ernsts als Wendung zum Geist, zur Farm, zur Klassik, wenn man will. An altitalienischen Vorbildern ist seine Kunst der Novellistik geschult. Die Novellen und Erzählungen des Dichters liegen heute in mehreren Bänden vor. Die Reihe seiner Romane zeigt gleichfalls die Entwicklung des Dichters auf. Don dem 1904 erschienenen Roman „D e r schmale Weg z um Gluck , der als eines unserer tiefsten Bucher der Lebensweisheit gilt, bis zu dem 1931 erschienenen „Das Glück von Lautenthal" hat Paul Ernst Romane veröffentlicht, die von gleichmäßiger Wirkung waren. So etwa „Die selige In s e l (1909), „Saat a u f $) o f f n u n g" (1914), „& r u n aus Trümmern" (1923) ober „Der Schatz im Morgenbrotstal" (1926). Seine Dramen, Erzählungen und Romane werden von einem Werk überragt, das zu vollenden ihm noch vergönnt war: „Das K a i s e r b u ch" ist ein sechsbändiges Epos, das die drei Jahrhunderte der Sachsen-, Franken- und Schwabenkaiser behandelt. Als der Krieg mit dem Zusammenbruch geendet hatte, hatte der Dichter dieses Epos be- schlossen, um dem Volke wieder eine Dichtung an die Hand zu geben, durch die es vielleicht zum Bewußtsein seiner Sendung kommen könnte. In diesem Sinne dachte er, daß fein „Kaiserlich" ein Dslksduch fein sollte. Bis zum Jahre 1928 — der am Samstag, 21. März, im Sitzungssaal im Stadt« Haus, Bergstraße, über den Umlegungsplan verhandelt und abgeftimmt wird. Alle Beteiligten wer« den in der Bekanntmachung aufgefordert, zu der Tagfahrt zu erscheinen und abzustimmen, widrigenfalls sie als zustimmend angesehen werden. Die Interessenten seien auf die Bekanntmachung besonders hingewiesen. Oer SA.-Eintopf am kommenden Sonntag. Es sei noch einmal daran erinnert, daß das Eintopf-Gericht unserer Gießener SA. — Erbsensuppe mit Fleischeinlage — am kommenden Sonntag in allen Gießener Gaststätten auf den Tisch kommen wird. Mit Bestimmtheit wird dieses Mittagessen in den nachstehend verzeichneten Gastwirtschaften verabreicht, in denen die SA. ißt: Cafs Ebel, Agua- rium, Frankfurter Hof, Caf6 Leib,. Gambrinus, Stadt Wetzlar, Zum Auerhahn, Zum Löwen, Schützenhaus, Germania, Postkeller, Bayerischer Hof, Boller, Soldan, Krokodil, Hopfeld, Hotel Schütz. Volksgenossen und Volksgenossinnen unserer Gießener Bevölkerung, die mit der SA. gemeinsam die Erbsensuppe mit Fleischeinlage verzehren wollen, müssen sich umgehend bei einer der vorgenannten Gastwirtschaften zum Mittagessen anmelden. Es stehe niemand abseits, sondern beteilige sich jeder an dem g e • meinfamen Eintopfess en. Der Erfolg des kommenden Eintopf-Sonntags für das Winterhilfswerk muß die Erfolge der früheren Eintopf-Sonntage erheblich übertreffen. Darum auf zur Tat! Aus der Provinzialhauptstadl. Wenn ick... A. Wenn ich mich ungeschickt anstelle und die wertvollste Blumenoase im Hause zerbreche, dann kann ich mich acht Tage lang ärgern. Acht Tage lang kann ich schimpfen, daß die schone Vase hm ist. Meine Frau und meine Kinder bringe ich mit meinen Wutausbrüchen zum Weinen. Es wird in unserem Hause bald so still wie in einer Kirche. Niemand getraut sich, ein lautes Wort zu sagen. Es wird nur noch geflüstert. Ja, das kann eine zerbrochene Vase vollbringen. Der Fall wird noch schwieriger, wenn eins meiner Kinder die Blumenvase zerbricht. Dann gibt es eine Katastrophe. Wenn ich eine Vase zerbreche, sagt mein Freund, dann schmerzt mich das auch. Aber ich zeige das nicht. Ich denke, Künstler und Geschäftsleute wollen auch leben. Also kaufen wir eine neue, eine schönere. Dann haben wir doppelte Freude daran. Schon ist die zerbrochene Vase vergessen. Ruhe und Frieden im Hause sind überhaupt nicht gestört worden. Warum soll es die ganze Nachbarschaft wissen?-- * B. Wenn ich mich beeile, kann ich den Zug noch erreichen. Im Sturmschritt geht es zum Bahnhof. In Schweiß gebadet komme ich an. Der Zug fährt gerade eben ab. Ich erwische den Griff eines Abteils und springe auf den fahrenden Zug. Mag der Dienst führende Beamte noch so viel schelten und poltern. Ich habe jedenfalls den Zug noch erwischt, das ist die Hauptsache. Meinst du? fragt mein Freund. Was hätte es gegeben, wenn du gestolpert und unter die Räder gekommen wärst? Wenn ich weiß, so fuhr er fort, daß die Zeit zu knapp ist, um den Zug noch zu erreichen, dann fahre ich mit einem andern, falls ich mich zu dem vorgesehenen Zuge nicht rechtzeitig einfinden kann. Warum soll ich mich unnötig erhitzen und schließlich noch eine Strafe machen? Es fassen immer wieder Züge. Der ganze Einsatz des Springens usw. ist verhältnismäßig viel zu hoch, als daß ich meine Gesundheit zerstöre.-- - Vereinszwecken gestattet", besonders bezeichnet sein. In Zeiten der Nichtbenutzung durch den Verein müssen die Klaviere geschlossen sein. Nichtbeachtung Fröhliche Gymnastik und Spiele (Frauen). Don 20.30 bis 21.45 Uhr, Lollar, Kantine der Fa. Buderus. Schwimmen (Frauen und Männer). Don 20.30 bis 21.30 Uhr und von 21.30 bis 22.15 Uhr, Volksbad. „ m ,x Reiten. Don 20 bis 21 Uhr, Universltats-Relt- institut, Brandplatz. Schach kurse! Interessenten melden sich aus der Geschäftsstelle, Schanzenstraße 18. Schachturnier! Von Karfreitag bis Ostermontag findet in Frankfurt ein Schachturnier der RSG. „Kraft durch Freude" statt, an dem sich alle Volksgenossen beteiligen können. Als Preise stehen Ehrenpreise zur Verfügung. Jeder kann sich selbst in eine der folgenden Klassen einteilen: 1. Anfänger; 2. Fortgeschrittene: 3. gute Spieler; 4. starke Spieler. Anmeldungen auf der Geschäftsstelle. Meldeschluß 12. März 1936. An alle Sporlwerbewarke der Ortsgruppen und Betriebe! Alle Sportwerbewarte legen sofort eine Liste auf, in die sich die Interessenten an dem Schachturnier in Frankfurt eintragen können. Rückmeldung bis spätestens 12. März an die Geschäftsstelle. NG.-Kulturgemeinde Gießen Man schreibt uns: Am Montag, 16., und Samstag, 21. März, kommt im Stadttheater jeweils von Oer letzte Eintopfsonntag dustrie, die ab 1. Januar 1936 eingegangen wurden oder noch abgeschlossen werden, ist dieses Lehrvertragsmuster zugrunde zu legen. Mit diesem einheitlichen Lehrvertrag wird gleichzeitig bei allen Industrie- und Handelskammern des rhein-maini- fchen Wirtschaftsgebietes die für die Metallindustrie bereits angelegte Lehrlingsrolle auf die gesamte Industrie ausgedehnt. Der Lehrherr hat für alle laufenden und noch zum Abschluß kommenden Lehrverhältnisse die von den Vertragsbeteiligten unterschriebenen Lehrverträge in zweifacher Ausfertigung zum Eintrag in die Lehrlingsrolle vorzulegen, wofür eine Gebühr von einer Mark zu entrichten ist. Lehrlinge, deren Lehrvertrag nicht in die Lehrlingsrolle eingetragen wurde, können in Zukunft nicht mehr zur industriellen Facharbeiter- bzw. Gesellenprüfung zugelassen werden. Verkauf von Orden und Ehrenzeichen. Die Industrie- und Handelskammer Gießen weist darauf hin, daß vom 1. April 1936 an Orden, Ehrenzeichen und Ordensbänder nur in solchen Geschäften vertrieben werden dürfen, die zu diesem Vertrieb behördlich zugelassen sind. Die Kammer verweist auf 'die Veröffentlichung des Kreisamts Gießen im Amtsverkündigungsblatt vom 18. Februar 1936. Dic.öcutfdie flrbcitöfront ’ n.5.=bemeinf(haft „firaft öurdi freute' Theatervorstellungen. Zu den nachstehend aufgeführten Theatervorstellungen erhalten DAF.-Mitglieder lt. Preisstaffelung verbilligte Karten: 8. März (Heldengedenktag): „Der Kanzler von Tirol". Schauspiel in 14 Bildern von Josef Wenter. Anfang 19 Uhr. 11. März: „Hilde und 4 PS". Lustspiel in 3 Akten von Kurt Sellnik. Anfang 19.30 Uhr. 15. März: „Undine". Romantische Zauberoper in 4 Auszügen von Albert Lortzing. Anfang 19 Uhr. Wochenendlehrgang für Wanderführer. RSG. Am Samstag, 7., und Sonntag, 8. März, findet in Schloßborn (Main-Taunuskreis) ein Wochenendlehrgang für Wanderführer der 316.= Gemeinschaft „Kraft durch Freude , Gau Hessen- Nassau, statt. Am Samstag ist neben gemeinsamem Singen ein Lichtbilderoortrag über Wasserwandern und ein Heimabend vorgesehen. Der Sonntag bringt: Frühsport, eine Heldengedenkfeier, bei der der Kreisleiter des Main-Taunuskreifes Fuchs sprechen wird, und weitere Vorträge von Prof. Rödemeyer, Dipl.-Jng. Hellwig und Dr. Staube mit einer gemeinsamen Aussprache und der Besprechung des für das Jahr vorgesehenen Ferienwanderungen der einzelnen Kreise und einen Schlußappell. Der Lehrgang schließt gegen 17 Uhr am Sonntag. Die Schulung soll die Wanderführer mit all dem, was die Landschaft um sie herum birgt und was es an Schönheiten zu sehen gibt, bekanntmachen. 240 Hessen-Nassauer fahren nach Portugal und Madeira. NSG. Vom 2. bis 17. April fährt die NS.-Ge° meinschaft „Kraft durch Freude" in diesem Jahr zum zweiten Mal nach Portugal und Madeira. Es ist jetzt schon Tradition, daß in diesen Tagen deutsche Arbeiter über das Weltmeer dem Frühling entgegenfahren. Waren es im vorigen Jahr etwa 3000, die diese unvergeßlichen Tage erleben konnten, so fahren in diesem Jahr zweimal vier Dampfer mit je 4000 Arbeitskameraden in den sonnigen Süden, und zwar mit den Dampfern „Der Deutsche", „Oceana", „Monte Olivia" und „St. Louis". Unser Gau Hessen-Nassau hat das Glück, bei dieser Fahrt auf dem wohl modernsten Schiff der Flotte, der „St. Louis", zu fahren und rund 240 Teilnehmer, unter denen sich diesmal auch Arbeiterinnen befinden, zu stellen. Die Teilnahme an dieser Fahrt wurde zum allergrößten Teil durch die Betriebsführer ermöglicht, zum anderen Teil waren es die Kameraden in den Betrieben selbst, die es als eine Ehre ansahen, daß einer der ihren mitfahren durfte. An der Fahrt nehmen auch einige Betriebsführer unseres Bezirkes teil. Sportamt „Kraft durch Freude''. heule folgende Kurse: Allgemeine Körperschule (Frauen und Männer). Von 20.30 bis 21.45 Uhr, Lyzeum, Dammstraße 26. Das Winlerhilfswerk des deutschen Volkes 1935/36 nähert sich seinem Ende. Wit dankbarer Genugtuung können wir die Feststellung machen, daß d i e Bevölkerung in Stadt und kreis Gießen ihre Pflicht getan hat und damit bewies, daß sie zu den Nationalsozialisten der Tat zu zählen ist. Wenn auch draußen schon der Frühling naht, find doch noch im Rahmen des diesjährigen Winterhilfwerks Pflichten gegen die Aermften unserer Volksgenossen zu erfüllen, die dringend und notwendig sind. Deshalb soll der letzte Eintopfsonntag kein Nachlassen in unserer Opferfreudigkeit zettl- DieKreisabteilungGießen desDeut- schen Gemeindetages hielt am gestrigen Donnerstagnachmittag im Universitäts - Cafö zu Gießen eine Bürgermeisterversammlung ab, zu der auch einige Lehrer eingeladen waren. Nach Begrüßungsworten des Obmannes, Bürgermeister Euler (Wieseck), hielt der neue Kreisdirektor Dr. Lotz eine kurze Ansprache, in der er unter Dankeswor- ten für die freundliche Begrüßung seine Freude über das erste Zusammensein mit den Bürgermeistern des Kreises Gießen zum Ausdruck brachte. Er sagte dann u. a.: „Ich freue mich, daß ich durch das Vertrauen des Herrn Reichsstatthalters in diesen schönen Kreis versetzt wurde, um an einer Stätte, die mir nicht fremd ist, zu wirken. Ich weiß, daß mein Wirken nur dann von Erfolg sein kann, wenn ich das Vertrauensverhältnis bester Art habe, das mich schon in meinen früheren Wirkungskreisen in Alsfeld und Büdingen mit den Bürgermeistern verbunden hat. Ich glaube, und es muß so sein, daß die Führung eines Staates, der nach dem Führerprinzip geleitet wird, ohne Vertrauen nicht auskommen kann. Die Führung des Kreises muß das Vertrauen der Bürgermeister haben, wie diese es bei ihren Gemeindeangehörigen auch brauchen. Das gegenseitige Vertrauen ist die erste Voraussetzung für die Führung in der Gemeindeverwaltung. Die zweite ist das stärkste Verantwortunas- bewußtsein bei der Ausführung der Aufgaben, die uns Adolf Hitler und die Gemeindeordnung auferlegt haben. Der Bürgermeister darf sich nicht hinter Gemeinderatsbeschlüsse verschanzen, sondern er muß die ihm auferlegte Verantwortung freudig tragen. Mit anderen Worten, er muß ein ganzer 20 bis 22.45 Uhr als Vorstellung der NS.-Kultur- gemeinde das Schauspiel „Der Kanzler von Tirol von I. Wenter zur Aufführung. Der deutsche Kampf eines streitbaren Mannes kommt hier mit dramatischer Kraft zur Darstellung. Das Schauspiel hat in ganz Deutschland ungewöhnliche Erfolge errungen. Spielleitung: Kurt Lüpke. Am Samstag, 28., und Montag, 30. März, wird unter der Spielleitung von Anton Neuhaus das Schauspiel „Die Insel" von H. Bratt aufgeführt. Zeit von 20 bis 22.30 Uhr. Das Schauspiel spielt auf dem heißen Boden einer deutschen Gesandtschaft in der Hauptstadt einer Großmacht. Ein Stück spannender Gegenwart gewinnt auf der Bühne Leben. (Siehe heutige Anzeige.) ♦ ** EinVierundsiebzigjähriger. Der Fuhrmann Ludwig Euler, Bleichstraße 20, kann am kommenden Sonntag, 8. März, bei bester Gesundheit feinen 74. Geburtstag feiern. Der hochbetagte Mann, ein gebürtiger Gießener, stand 33 Jahre lang treu im Dienste der Speditionsfirma Adolf Lyncker. ** D i e Bezahlung der Strom- und Gasgelder betrifft eine Bekanntmachung der Direktion der städtischen Betriebe in unserem heutigen Anzeigenteil. Wer die für Januar fälligen Beträge bis zum 16. März nicht bezahlt hat, hat die Sperrung der Strom- und Gaslieferung zu gewärtigen. Säumige Zahler seien auf die Bekanntmachung besonders hingewiesen. gen, er soll auch nicht ein Ergebnis erbringen, das sich auf der höhe der bisherigen Eintopfsammlungen hält, sondern darüber hinaus soll er, weil er der Letzte dieses Jahres ist, einen bedeutend höheren Sammelertrag aufweisen. Das soll am kommenden Sonntag das heiße Bemühen aller Sammler und aller Spender sein. Erst dann können wir auf das im letzten Halbjahr Geleistete mit innerer Befriedigung und mit stolzem Gefühl, unserem Führer Adolf Hiller eine Freude gemacht zu haben, zurückblicken. Die Kreisführung des WHW. Gießen. Kerl fein, oder aber fein Amt freiwillig zur Verfügung stellen. Und drittens müssen wir bestrebt sein, ganze Nationalsozialisten zu werden. Daß wir es noch nicht sind, das wissen wir alle. Als nationalsozialistische Bürgermeister haben wir das Führertum nicht falsch zu verstehen und Diktatoren zu sein. Wie Walter Flex bei der Formung des Begriffes des Leutnants sagte, daß er Vorleben und vorsterben können muh, und daß das Vorleben schwerer ist, so glaube auch ich, daß das Vorleben das Schwerere ist. Wir alle wollen den nationalsozialistischen Führer Vorleben. Wenn wir das tun, dienen wir Adolf Hitler und dem Volke recht und dann werden wir ihm fein schweres Amt erleichtern. Wir gl-auben, daß er, der uns über schwerere Zeiten hinweggeführt hat, uns auch über die politischen Schwierigkeiten, die sich uns jetzt entgegenstellen, sicher hinüber bringen wird." — Der Sachbearbeiter Friedrich, Eelle sprach dann über „D i e Förderungdes Se i - benraupenbaue s", der für die Rohstoffversorgung des deutschen Volkes sehr wichtig ist. In eingehender Weise schilderte er die Entwicklung und die praktische Ausführung der Seidenraupenzucht, wie wir sie bereits im Gießener Anzeiger Nr. 48 vorn 26. Februar und in der „Scholle" Nr. 9 vorn 3. d. M. ausführlich behandelt haben. Dazu führte er u. a. aus, daß auch irnKreiseGießen Maulbeeranlagen stehen, die nicht mehr benutzt werden, und er nannte als guten Durchschnittspreis für gute Kokons den Betrag von 8 Mark, der heute üblich ist. In erster Linie sollen Invaliden und kinderreiche Familien für den Seidenbau interessiert werden, denen die nötige Unterstützung zuteil wird. Es ist unbedingt notwendig, daß in jeder Gemeinde Seiden« raupenzucht eingeführt wird, und zu diesem Zwecke finden in jeder Gemeinde Beratungen statt, die im Kreise Gießen etwa Ende April und anfangs M a i durchgeführt werden sollen. Bis 1938 muh die Raupenzucht soweit vorgeschritten fein, dah sie bestimmte Erträge an Rohstoffen liefern kann. Vor allem sollen die Schulen dazu angehalten werden, in Schul- anlagen oder Schulgärten Waulbeerbauman- lagen zu schaffen. Die Erträgnisse dieser Zuchten sollen den Schulklassen für die Anschaffung von Lehrmaterialien, oder für die Reifekassen überlassen werden. Wenn die Futtergrundlage vorhanden ist und die Gemeinden die Anlagen zur Verfügung stellen, werden sich dann die auch geeignete Züchter fmden. Kreisdirektor Dr. Lotz sagte hierzu, wenn die Lehrer zu diesem Vortrag eingeladen worden feien, so sei das nicht geschehen, um einen Zwang auf sie zur Uebernahme solcher Züchtereien auszuüben, sondern weil gerade die Lehrer die geeigneten Personen dafür seien, um für den Seidenraupenbau zu werben und die Bürgermeister bei diesem Vorhaben zu unterstützen. Als die zulässige Maulbeer« Pflanze wurde die „Morus alba" (weiße Maulbeere) genannt. Als Vertreter von Oberregierungsrat Dr. List vom Arbeitsamt Gießen sprach dann Negierungsrat Sälzer über „Das 21 r b e i t s b u ch". Er führte den Gesetzesbeschluß an, durch den die Einführung des Arbeitsbuches für jeden schaffenden Volksgenossen innerhalb eines Jahres angeordnet wurde, und unterstrich, daß bis Ende Mai diese Frist abgelaufen sein wird. Nachdem die erste Serie ihrs Arbeitsbücher bereits besitzt, folgt nun die zweite, und auch die dritte kann sofort ihre Bücher beantragen. Bei der Durchführung dieser Maßnahme hat sich herausgestellt, daß die Arbeitslosigkeit in Stadt und Land verschiedenartig abgenommen hab. So betrug die Abnahme in Hessen 50 bis 60 v. H., in den Großstädten etwa 30 v. H. In den Altersstufen zeigte sich eine Abnahme bei den Jungarbeitern bis zu 25 Jahren um 67,6 v. H., in der Mittelstufe zwischen 25 und 40 Jahren um 44,9 v. H. und in der Altersklasse von 40 bis zu 60 Jahren um 36,1 v. H. Durch das Arbeitsbuch soll den Arbeitsämtern eine Uebersicht über diese Verhältnisse gegeben werden. In Zukunft wird kein Volksgenosse ohne das Arbeitsbuch Arbeit finden, und der Arbeitslose wird ohne Arbeitsbuch keine Unterstützung erhalten können. Ebenso werden Arbeitskräfte aus der Landwirtschaft ohne Genehmigung des Arbeitsamtes ihren Beruf nicht wechseln dürfen. Auch Betriebe der Landwirtschaft, der Industrie und des Baugewerbes dürfen ohne vorherige Genehmigung des Arbeitsamtes keine Arbeitskräfte aufnehmen. In Gießen dürfen Mädchen vom Lande unter 25 Jahren nicht weiterbefchäftigt werden, und die Hausfrauen find aufgefordert, ihren Mädchen zu kündigen und sie heimzuschicken. Mädchen vom Lande dürfen nicht mehr in die Stadt. Ls gibt nur Ausnahmen, wenn ein in der Stadt beschäftigtes Landmädchen kurz vor der Eheschließung steht. Durch die Anordnung über die Verteilung von Arbeitskräften soll die altersmäßige Gliederung durchgeführt werden. Die Folge ist, daß Jugendliche unter 25 Jahren beiderlei Geschlechts ohne Genehmigung nicht eingestellt werden dürfen. Weiterhin wird für die Einstellung älterer Arbeitskräfte ein Staatszuschuß gewährt. Nach der Durchführung der Arbeitsbücher werden Kommissionen die Betriebe prüfen, und jede Arbeitskraft ohne Arbeitsbuch muß entlassen werden. Von der Vorschrift sind nur Beamte und Beamtenanwärter befreit. Bürgermeister, die noch eine Nebenbeschäftigung, z. B. als Sparkassendirektor haben, müssen gleichfalls ein Arbeitsbuch besitzen. In der Landwirtschaft kommen schon in diesem Jahre von etwa 600 000 Wanderarbeitern nur noch 300 000 ins Reich. Auch die Landhilfe, das find im Bezirk Gießen 400 Arbeitskräfte, kommt in Fortfall. Nachdem sich die Industrie selbst geholfen hat, muß sich nun auch der Bauer selbst helfen können. Durch die starke Beschäftigung in der Industrie und dem infolge des Geburtenrückganges spürbaren Bürgermeistertagung in Gießen. Ansprache des neuen Gießener Kreisdirektors Or. Loh. Oie Tippgräfin. Vornan von Klothilde v Gtegmann. Urheberrechtsschutz: Aufwärts-Derlag, Berlin, SW 68. 5. Fortsetzung. Nachdruck verboten! 5. Kapitel. Ein letzter Versuch. Mariella saß an der Schreibmaschine im Zimmer Erhard von Hagens. Gerade spannte sie einen neuen weißen Bogen in die Schreibmaschine. „Die letzte Seite, Liebster", sagte sie zärtlich. „Dann kann dein Wert der Oeffentlichkeit übergeben werden." „Das kann noch lange dauern, mein Lieb. Inzwischen" — er senkte seine Stimme, trat an Mariella heran —, „die Wirtin hat mir das Zimmer gekündigt, weil ich die Miete schon so lange schuldig bin. Es gibt nur ein Mittel, die Kündigung abzuwenden." „Welches Mittel?" Erhard senkte die Stimme: „Ich wage es dir kaum zu sagen, Liebling. Sie will Gräfin von Hagen werden, die da draußen Ich kann es dir nicht länger verschweigen." Da flog ein Lächeln über die schöngeschnittenen Gesichtszüge Mariellas. Wie sie dasaß in der Pracht ihrer Locken, die großen Augen — das Erbteil ihrer Mutter — voller Liebe zu ihm aufgeschlagen, hätte sie das begehrenswerteste Modell für jeden Maler abgegeben. Aber nun begann sie laut zu lachen. Sie konnte ihre Heiterkeit nicht unterdrücken. „Frau Wodny deine Frau? Gräfin Hagen? Sei nicht döse, Liebster — so traurig es ist, ich muß doch lachen. Natürlich teilt sie den Traum vieler Zimmervermieterinnen, die Frau ihres Mieters zu werden. Und daß sie gerade Gräfin Hagen werden möchte, das kann ich beinah begreifen. Warte ich nicht auch sehnsüchtig darauf, daß ich es werdet Lächelnd schaute sie Erhard an. „Was hat sie denn gesagt, als du ihr von unserer Verlobung erzähltest? Daran muß sie doch erkennen, wie unsinnig ihre Pläne sind, und daß es nur noch einer kurzen Zeit bedarf, bis wir beide vereint find." Erhard stöhnte auf. Dann sank er auf die Knie vor der erschreckten Mariella: „Liebling, ich darf es dir nicht mehr länger verheimlichen. Es steht etwas zwischen uns, was auch die größte Liebe nicht forträumen kann. Mariella, ich war unüberlegt genug, eine hohe Bürgschaft zu übernehmen für meinen Freund Verdingen. Er hat mir das Leben gerettet, und als er nun in Schwierigkeiten kam, sagte ich bedingungslos zu. Ich habe nie geglaubt, daß ich für ihn würde eintreten müssen, hielt ihn immer noch für sehr vermögend. Aber nun hat er alles verloren, uno ich werde jetzt aus doppelten Gründen mit dieser Bürgschaft in Anspruch genommen. Begreifst du nun meine Verzweiflung? Ich habe es dir bis heute nicht zu sagen gewagt. Aber einmal mußte es sein." Das Mädchen fuhr auf, leichenblaß im Gesicht. „Warum hast du es getan, Erhard? Du hast ja elbst nichts mehr außer deiner schmalen Pension. Wie konntest du nur? Wann hast du das getan, Liebster?" Er zuckte die Schultern: „Als es bekannt wurde, Mariella, daß ich Aussicht hatte, der Neffe der reichen Frau von Gellern zu werden, kam Verdingen zu mir. Er klagte mir mein Leid — fünftausend Mark hatte er im Spiel verloren. Er erinnerte mich an jene furchtbare Nacht bei Brest-Litowsk und bat mich, ihm zu helfen. Bankier Kammacher war mit meiner Bürgschaft einverstanden und lieh ihm das Geld. Und jetzt kommt das Schlimmste, Liebling: Verdingen ist gestern nacht einer Lungenentzündung erlegen. Damit ist die Bürgschaft fällig geworden." Mariella hatte in ihrer Verzweiflung von seiner langen Rede nur die beiden Wörtchen „fünftausend Mark" verstanden. Das war das Ende, wenn nicht ein Wunder geschah. „Unb was hat das mit Frau Wodnys Absichten zu tun?" „Sie hörte mich mit Kammacher telephonieren", fleftanb Hagen. „Als das Gespräch beendet war, kam sie zu mir und bat mich um eine Unterredung: „Lassen Sie Ihre kleine Tippgräfin laufen, Herr Graf, und machen Sie mich zu Ihrer Frau. Ich habe zwanzigtausend Mark von meinem verstorbenen Mann auf der Bank liegen — sie sind nicht angerührt. Wenn wir vom Standesamt zurückkommen, kann der Kerl, der Kummermacher, oder wie er sonst heißt, die Fünftausend von mir bekommen! Denn sonst müssen Sie doch wohl wegen Betruges ins Gefängnis wandern. Nicht wahr, Herr Graf?" Nie werde ich die gemeine Art und Weise vergessen, in der die Frau mit mir sprach, Liebling. Da wurde es mir ganz klar — noch tiefer sinken konnte ich nicht. Wenn eine Person wie Frau Wodny in dieser Art und Weise mit mir zu sprechen wagte, dann war es doch mit allem vorbei! Da gibt es nur einen Ausweg, Mariella — und der sieht s o aus ..." Erhard schritt zum Schreibtisch, dessen Mittelschublade er langsam aufschloß. Gleich darauf blitzte ein vernickelter Revolver in seiner Rechten. Mariella schrie auf: „Nicht, nicht — es gibt noch einen anderen, letzten Ausweg." Sie warf sich gegen den Mann, entriß ihm die Waffe. Ihr entsetzter Aufschrei war bis in das Zimmer zu Frau Wodny gedrungen. Die saß bei ihrer unvermeidlichen Tasse Kaffee und legte sich die schmierigen Karten. „Gut, gut!" sagte sie zu selber. „Diese Blätter lügen nicht. Das Glück fliegt mir ins Haus — eben hat er der Tippgräfin sicherlich beigebracht, daß er sie aufgibt und mich zu feiner Gemahlin macht. Meine Mutter hat immer gesagt, ich wäre für was Höheres geboren — bald kann ich mir die Grafenkrone in die Wäsche sticken." 6. Kapitel. „Der Herr Herzog bittet ..." Ein strahlend blauer Himmel lag über Rom, der ewigen Stadt. Doktor Heßling ging unruhig in der großen, marmorgetäfelten Vorhalle eines Palastes auf und ab. Mut, Entschluß, Nachdenken und Unruhe glitten abwechselnd über seine markanten Züge, in denen das Einglas wie festgewachsen zu sein schien. Ab und zu strich er sich mit der Hand über das glatt anliegende, dunkelbraune Haar. Er war ein leidenschaftlicher Kunstsammler und feinsinniger Kenner von Kunstschätzen. Und in einer anderen Gemütsverfassung hätte ihn die antike Einrichtung dieses Palastes ebenso interessiert wie die wertvollen Bilder altitalienischer Maler an den Wänden. Jetzt aber war er mit seinen Gedanken bei ganz anderen Dingen. Er atmete auf, als der livrierte Diener zurückkam und mit tiefer Verbeugung meldete: „II Duca prega di entrare!“ („Der Herzog bittet einzutreten!" Er schritt dem Gast voraus und öffnete gleich darauf die schweren geschnitzten Flügeltüren vor ihm. Ein riesiger, kostbar möblierter Saal öffnete sich den Blicken des Besuchers. An der großen Fensterwand, die eine Seite des Raumes vollkommen einnahm, stand ein riesiger Schreibtisch auf geschnitzten Löwenfüßen. Kostbare Bronzebeschlägs leuchteten an ihnen metallisch auf. Vom Schreibtisch erhob sich ein nicht mehr junger, aber sehr gepflegter und stattlicher Herr. Er hatte ein dunkles Gesicht mit klassischen Zügen, einen echten Römerkopf, wie Heßling sofort feststellte. Ein kleiner Spitzbart umrahmte das intelligente, vornehme Antlitz. „Guten Tag, Herr Doktor Heßling!" sagte er und streckte seinem Besuch freundlich die Hand entgegen. Walter Heßling gewann sofort Vertrauen zu diesem Mann, dem Besitzer des Palastes, Enrico, Herzog der Abruzzen. „Ich danke Euer Durchlaucht ehrerbietigst dafür, daß Sie mich, einen Unbekannten, sofort empfangen haben." Liebenswürdig wies der Herzog auf einen Sessel: „Da Sie mir schrieben, Sie kämen im Interesse der Tochter meines verstorbenen Freundes, des Prinzen di Bonaglia, war das selbstverständlich, Herr Doktor. Also, was haben Sie mir zu sagen?" „Nicht mehr und nicht weniger, als daß ich entschlossen bin, in Afrika nachzuforschen, ob der Prinz Bonaglia, der Vater der Principessa Mariella, wirklich gestorben ist." Erstaunt sah der Herzog auf: „Unb wieso zweifeln Sie daran, Doktor?" „Das ist eine lange Geschichte, Durchlaucht. Ich werde Sie um eine ganze Weile Geduld bitten! müssen." (Fortsetzung folgt t- Mangel an Arbeitskräften werden neue Vermittlungen nur selten stattfinden können. Dem Bauern wird vorerst noch dadurch geholfen, daß er 1800 Mark für die Errichtung von Arbeiterwohnungen erhalten kann. Es sollen vor allem kinderreiche Landarbeiter beschäftigt und ihnen Tariflohn gezahlt werden. Im Kreise Friedberg stehen solche Landarbeiter noch zu Verfügung. 3n Oberhessen sollen Landarbeitersiellen eingerichtet werden, denen eine Wohnung oder ein Siedlungshaus und zehn Morgen Land zur Verfügung gestellt werden. Vor allem wird die Ostsiedlung gefördert, wo der Siedler 40 bis 60 Morgen Land m 60 Jahren auch ohne Bargeld erwerben kann; ferner die Siedlung in Mitteldeutschland. Das Anwerben von Landarbeitern in anderen Bezirken ist verboten. Gleichzeitig wird darauf gesehen, daß die Landarbeit keine Zwangsarbeit wird. Für die Unterstützung bei der Beschaffung von Notstandsarbeiten sagte der Vortragende den Bürgermeistern Dank und Anerkennung. Ob erhes- s e n steht mit der Beschäftigung von N o t st a n d s- arbeitern in Höhe von 5000 an der Svitze im Landesverband. Ab 1. April können neue Anträge nicht mehr berücksichtigt und nur bereits genehmigte Projekte durchgeführt werden. Zur Durchführung gelangen nur noch Meliorationen, sofern sie über 400 Tagewerke betragen Die Beihilfe wurde für Ledige auf 1,50 Mark, für Verheiratete au 2 Mark gesenkt. Für die Beschäftigung von großstädtischen Arbeitskräften werden 3,50 Mk. bezahlt. Für Notsiandsarbellen können nur noch Leute berücksichtigt werden, die mehr als 2 Kinder haben und nur noch für höchstens 13, in den dringendsten Fällen für 26 Wochen. Die Erfahrungen mit den großstädtischen Arbeitern im Kreise Lauterbach haben sich bewährt. Aber während auf 1000 Menschen in den Kleinstädten nur noch 10 bis 12 Arbeitslose kommen, sind es in Frankfurt 45 und in Wiesbaden 50. Im B e- zirk Gießen sind nur noch Notstandsarbeiter vorhanden, die nicht mehr zur gewohnten Arbeit fähig sind, so daß aus den Bezirken Dillenburg, Wetzlar und Limburg Kräfte herangeholt werden müssen. Oberregierungsrat Or. Gchönhals besprach dann noch einige Dienstfragen, so u. a. die Zusammenarbeit mit den Gemeinderäten, Haushaltsfragen und Etatsgebarung, bei der er allerschärfste Sparsamkeit empfahl. Ausführlich behandelte er die Durchführung der „Polizei-Aufklärungs- Woche", wobei er in Zusammenarbeit mit der Gendarmerie und den Lehrern öffentliche Rundfunkübertragungen empfahl. Bürgermeister, Gendarmen, Beigeordnete und die Feuerwehr sollen am Tage der Polizei, am 20. und 21. März, gemeinsam Haussammlungen durchführen. Verwaltungsinspektor S ch e l d behandelte anschließend die praktische Durchführung der Haushaltsvoranschläge. Regierungsrat Grein brachte weitere Dienstfragen vor, wobei er darauf aufmerksam machte, daß durch die Anerkennung der Freiwilligen Feuerwehren als öffentliche Feuerwehren diese nun die Pflicht haben, am Tag der Polizei mitzuwirken. Mit dem Treugruß an den Führer wurde die arbeitsreiche Tagung geschlossen. der Gewinner der Olympischen Kombination, Odd- björn Hagen, in 1:56,14 Stunden vor Sigurd V e st a d. ♦ Auch am Holmenkollen wird man jetzt darangehen, eine neue Großschanze zu erbauen. Die Vorarbeiten für den. Bau einer solchen Schanze an der klassischen Stätte des Skispringens werden demnächst ausgenommen.^ Zims-Küster wurden für die Pariser „Nacht" Mitte April verpflichtet. Die Kölner haben bekanntlich in diesem Jahre vier Nachtrennen gewonnen und werden diesen Erfolg wohl durch einen Sieg in Paris krönen wollen. Wahrscheinlich werden die Kölner auch am 22. März in Amsterdam fahren. * DasDeutscheSt. Leger wird am 20. September in Hoppegarten gelaufen. Beim ersten Nennungsschluß lagen zu dem über 2800 Meter führenden, mit 21 000 Mark ausgestatteten Rennen 43 Meldungen vor. Aus der Himmelsgrundschanze in Schreiberhau bestritten 21 Springer, die am Län- üerkampf gegen Polen beteiligten Studenten fehlten am Start, das Schlesische Skispringen. Die besten Sprünge erzielte der Olympiateilnehmer Körner, der mit Weiten von 48 und 52 Meter und Note 217,8 Sieger in der Klasse II wurde. * D i e Einladungen aus Amerika an die österreichischen Eiskunstläufer sind jetzt doch von diesen abgelehnt worden. Auch die Reise von Maxie Herber und Ernst Baier nach Japan wird nicht Zustandekommen. Sonnreln, deutscher Torwart gegen llnaorn. Zum zweitenmal tritt der Hanauer Sonn r e t n in der deutschen Nationalmannschaft bei einem Länderspiel in Erscheinung, und zwar bei dem Spiel gegen Ungarn am 15. März in Budapest. — (Schnner-M.) Wehrsporttag in Gersfeld WiMWO-MeiBWl 1414 V die ein. Am 8. Würz, am letzten Eintopfsonntag des Winterhilfswerks 1935/36, teilt der Sozialismus der Tat mit anderen, die bedürftig find. Dein Opfer zeigt deinen Willen zur Einsatzbereitschaft. nervöser Art. Magendruck. Sodbrennen} Schwere Im Magen verhütet Leupln<• Kräuter - Magen - Salz 1.25 und -.75» Drogerie Winterholl, Kreuzplatz 10 Drogerie Dornemann, Bahnhofstr. 17 Löwen-Drogerie W. Kilbinger NchL, Seltersweg 69. Beim Internationalen Abendschwimmfest in Krefeld konnte der Dortmunder Brustschwimmer B al k e aus der Strecke über 100 Meter eine neue deutsche Bestzeit mit 1:12,4 Minuten aufstellen. — (Schirner-M.) Zur Förderung des Geräteturnens führt Fachgruppe I (Turnen) Rundenkämpfe die wie folgt ausgetragen werden: Mehrere Vereine stellen je eine Mannschaft von vier Turnern, die an jedem Gerät je eine Pflicht- und Kürübung sowie eine Freiübung turnen. So treffen am kommenden Sonntag in der Turnhalle zu Lang-Gons die Mannschaften von G r o ß e n - L t n den, Al- lendorf a. d. L., Lich und Lang-Gons zu- Utn die Sicherung der Aahrungsfreiheil Zweiter Tag der preffefahrt durch Heffen-Naffau. Slavvwase« Riemenfederung, Seitenausscklag, vor- und rückwärts fahrbar, Rückenlehne und Fußbrett verstellbar 13.9(3 1235 0 Offenbacher Lederwaren L. Adder, Gießen, Kirchenplatz 9 zum Austrag kommenden Abfahrtslauf genanr haben. Am Sonntagvormittag wird auf der Sm melsberger Schanze der Sprunglauf entschiedet ür den sich 30 Springer eingeschrieben haben. Die Gesamtleitung der Veranstaltung liegt m Händen von Gruppenführer B e ck e r l e (Frankfurt), dem Südwest-Gauführer des Reichsbundes für Leibesübungen. Der Reichssportführer von Tschammer und Osten hat für diese Veranstaltung einen Wander- und einen Ehrenpreis gestiftet. Ferner wurden Ehrenpreise von den Gauleitern Weinrich und Sprenger, dem Regierungspräsidenten von Monbart den Oberbürgermeistern von Frankfurt a. M., Kassel und Fulda, sowie dem Bürgermeister von Gersfeld gegeben. Nachdem die Rhön seit vergangenem Freitag eine geschlossene Schneedecke hat und aus dem Wetterbericht sich schließen läßt, daß die Sonnenbestrahlung dieses weiße Kleid nicht zerreißen wird, ist der Wehrsporttag in Gersfeld auf den 7. und 8. März angesetzt. SA., SS., NSKK., Luftsportverband, Reichsarbeitsdienst und Wehrmacht werden sich an den verschiedenen skisportlichen Wettbewerben beteiligen, die jetzt schon ein ausgezeichnetes Nennungsergebnis aufweisen. Am Vormittag des 7. März wird ein 18- Kilometer-Ski-Patrouillenlauf durchgeführt, bei dem die aus einem Führer und vier Mann bestehenden Patrouillen einige Ballons abzuschießen haben. 29 Mannschaften haben für diesen Wettbewerb ihre Meldungen abgegeben und genau so viel sind es, die für den am Nachmittag Em Schlüssel für Wäsdiesdunutg ? Einweichmittel wirken wie Schlüssel im Türschloß. Es Ist nicht immer gut, wenn ein Schlüssel verschiedene Türen aufschließt. 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