Nr. 29 Erstes Blatt 186. Zahrgang Dienstag, 4.8ebruar 1956 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Sonntags* enb'gjiw™ M A. A annohmt oon Unjtigtn «SSÄSte ftÄlAHAMA^'lS<44AlAA<4 K»=X Heimat >m Bild. Die Scholle fl Bfä» H Hy B HM 88 MsW Grundpreise für 1 mm höhe Monats-Bezugspreis: n H WB B B^r RÄ B^F B B fl x B V B B B I fl I K für Anzeigen von 22 mm M" 4 Beilagen RM.1.95 ■■ l| Ef B H BT I / Bll HT B S B Br B Breite 7 Rpf., für Text- Ohne Illustrierte 1.80 ^B^^ H B . B H W B B M B B Ei W U-X B anzeigen von 70 mm Breite Zustellgebühr _.25 EV I B V B V W* V H > B bORpf.,Platzvorschrift nach Auch bei Nichterscheinen ” ^f B gW M M ^F Bft vorh.Vereinbg.25"/<, mehr, in so I /e n ö^er c r^ U(B eroaS vJr <^^F Ermäßigte Grundpreise: MM General-Anzeig« für Sberhchen WZ gtanifutt am Main 1168« Druck und Verlag: vrvhl'sche UniversttStr-vuch- und Steinbruderei R. Lauge in Gietzen. Schristleiiung und Geschäftsstelle: Schuistrahe 7 Men^nabschiu^ÄaMü „Tag der kollektiven Sicherheit" in Paris. Drahtbericht unseres Noe.-Korrespondenien. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten. Paris, 3. Februar 1936. Der Tod, der an die Pforten des englischen Königshauses pochte, hat sich zugleich als e i n e r d e r geschickte st enDiplomatenFrankreichs erwiesen. Er hat die gekrönten und ungekrönten Lenker der außenpolitischen Schicksale jener Länder die Frankreich für sein weitgespanntes politisches Machtspiel benötigt, unversehens nach Paris als die Stadt gebracht, über die nach Wunsch und Willen Frankreichs alle Wege führen. Aber Frankreichs Diplomat aus dem Schattenreich hatte eine Schuld zu sühnen. Als vor anderthalb Jahren die Schüsse oon Marseille das Leben des jugoslawischen Königs und des Außenministers B a r t h o u auslöschten, zerflatterte zur gleichen Stunde die Vorstellung Barthous von der großen Aussöhnung und Kräftezusammenfassung in Mittel- und Osteuropa, gedacht als der zweite Hebel jener Zange, die Deutschland auch nach seiner geistigen, politischen und oolklichen Erneuerung machtpolitisch zur Ohnmacht verurteilen sollte. Laval rettete als Barthous Nachfolger das Schlagwort von der „k o l l e k t i o e n Sicherheit" aus dem politischen Testament seines Vorgängers, der die Methoden der Vor-Weltkriegs- politik noch einmal zu einem blendenden Einsatz gebracht hatte. In den ersten Monaten, die Laval als den Vertreter, wenn auch nicht als den Beherrscher des Quai d'Orsay sahen, hatte es sogar den Anschein, als ob ihm die Verwirklichung der Barthouschen Pläne gelingen sollte. Er stürmte von einem Erfolg zum nächsten. Seine Reisen nach Rom, Moskau und Prag,^jede durch einen Paktabschluß gekrönt, waren Programme, deren politische Auswirkung durch den Namen des Reiseziels bereits genügend gekennzeichnet roat. Der Abstieg ist bekannt. Italiens Vor- stoß nach Afrika erschütterte die Stresa-Front, Frankreichs zwiespältige Völkerbundstreue erschütterte das bisher blinde Vertrauen seiner südöstlichen Trabanten. Den Rest besorgte die französische Kammer. Der neue Wendepunkt, äußerlich gekennzeichnet durch den Trauerfall in London, gibt durch einen seltsamen Zufall Erfolgsaussichten einem Kabinett und einem Außenminister, die nur a l s Zwischenlösung bis zu den Wahlen am Ruder bleiben werden. Was Barthou geplant und was Laval erstrebt haben, scheint F l a n d i n nun als reife Frucht in den Schoß zu fallen. Aber diese Entwicklung zeigt mehr als einen Zufall auf, sie beweist das zähe Eigenleben einer hochgezüchteten und durchorganisierten französischen Dipl o m a t i e , von der im Interesse der europäischen Befriedung nur zu bedauern ist, daß fie in maßloser und selbstgefälliger Überschätzung der Rolle Frankreichs ihr ganzes Bestreben auf den Nachweis richtet, daß alle Grenzen Europas die Grenzen Frankreichs feien. Ehe Flandin noch einen Blick in die wichtigsten Akten des von ihm gewünschten und ihm anvertrauten Ministeriums hat werfen tonnen, bieten sich ihm mit einem Schlage bie Möglichkeiten L°- Jungen oder mindestens Andeutungen zu Losungen der Prüfung vorweg zu nehmen, Flanbm steht zwi- Ichen Laval und feinem eigenen vermutlichen Nach- folger 5) e r r i o t. Gleich fiaoal — perfonH* mit fdjmerroiegenben Bebenten - arbeitet er fachlich an der schicksalsschweren Aufgabe mitS o m ]e (,tu- I a n b endgültig in bas französische Slch-rhe>tsnetz hineinzuknaten. Das neue Dreieck der Kräfte soll P a r i s - M o s k a u - B u k a r e st heißen. So hegt in den Besprechungen zwischen Flanbin, Litwinow und Titulescu bas eigentliche Schwergewicht der vielfachen diplomatischen Unterredungen, die seit Milte voriger Woche in Paris gepflogen werden unb deren Ende zur Stunde ebenso wenig abzuseyen ist, wie ihr Ausgang. Da auch die Franzosen bie Gesetze der Propaganda beherrschen, ist im Vordergründe der Pa- riser diplomatischen Bühne der erfolgbewahrte LL-inwerfer der kollektiven Sicherheit mS?ut morben, der sein Licht in den europäischen Zuschauerraum blenden läßt, um vielleicht bedenk- Nch erscheinen könnende Einzelbilder im Untergründe an der Seine zu überdecken. So ist es Frankreich bisher in der Tat gelungen, einem nicht fettiger Nichtangriffspakte als „f r t D e stör end" hinstellt, weil. sie.nicht ko l eU d IX wäm'oWe 'Anwendukglefunde'n halte, H« SÄ ÄÄg Unterscheidung gemacht, ob der P°rAep ^n oder friedensstörend ist, d. h. m Wtes 2)eut^ übersetzt ob er prosranzoslsch lst ooer nichtz Mit diesem ebenso bequemen wie heuchlerischen Grundsatz läßt sich aber an der Seme aus gezeichnete Politik machen. Allerdings sei nicht verschwiegen daß sich auch in Frankreich bereits — vorerst noch schüchterne Stimmen melden, die die Dinge beim Namen nennen, so, wenn z. B. der „Ami du Peuple" das ganze Phrasengewebe um die Russenpaktkonstruktion herum zerreißt und nüchtern fragt: „Will man also einen Vorbeugungstrieg gegen Deutschland?" Das Blatt wird vergeblich auf eine klare Antwort warten, denn ob die Regierung Sarraut heißt oder Laval, oder ob die Rechte regiert oder die Volksfront, ob Flandin Außenminister fein wird oder Herriot, — das von Barthou aufgestellte Ziel der französischen Außenpolitik steht fest, steht zum mindesten für die französische Diplomatie fest. Nach dieser Auffassung bleibt Deutschland der große Gegenspieler, und ihr ordnen sich zunächst noch alle Erwägungen, alle Wechselfälle des diplomatischen Spiels unter, die der Draht aus Paris Stunde um Stunde weiterleitet. Frankreichs diplomatisches Spiel. Paris, 4. Febr. (DNB.) Die diplomatischen Besprechungen der in Paris anwesenden Staatsoberhäupter und Minister mit den führenden französischen Staatsmännern nahmen Montag ihren Fortgang. König Boris oon Bulgarien empfing nach einer Zusammenkunft mit dem Präsidenten der Republik den französischen Ministerpräsidenten Sarraut und Außenminister Flau- d i n. Vor diesem Besuch hatte Flandin den englischen Botschafter in Paris sowie den albanischen Außenmini st er empfangen. K ö - n i g Carol von Rumänien, der dem französischen Ministerpräsidenten und dem Außenminister am Montagvormittag bie Insignien bes Großkreuzes bes Kronenorbens von Rumänien überreicht hat, empfing am Nachmittag ben Oberbefehlshaber bes französischen Heeres, General Gamelin. Der türkische Außenminister Rüschtü Aras war in Begleitung bes türkischen Botschafters mittags beim britischen Gesanbten zu Gast. Dann begab er sich zum französischen Ministerpräsibenten. Prinzre- gentPaul vonJugoslawien traf am Abenb in Paris ein, er wirb Dienstag eine Zusammenkunft mit Flanbin haben. Am Mittwoch wirb Für st Starhemberg, ber seit Sonntag in Paris ist, bei ben Verhanblungen in Erscheinung treten. Die Pariser Morgenpresse nennt ben Montag ben „T a g ber kollektiven Sicherhei t". Immer mehr tritt bie Rolle, bie Sowjetrußland als „Ordnungsfaktor" in der französischen Weltpolitik spielen soll, in den Vordergrund, auch wenn sie verschieden begründet unb in einzelnen französischen Zeitungen sogar sehr heftig bekämpft wirb. Wie schon bie gestrige Morgenpresse, so betont „Oeuvre" auch heute wieder, daß im Falle einer Beteiligung Svwjetrußlands nicht etwa ein auf Oesterreich zugeschnittenes Abkommen, sondern eine Auslegung und Verbesserung des Artikels 1 6 der Völkerbundssatzung (Zusammenwirken gegen einen Angreifer) gewünscht werde. Das Blatt glaubt, König Boris habe zu verstehen gegeben, daß eine Teilnahme Bulgariens am Balkanpakt auf keinen Fall in Frage komme, so nützlich sonst auch ber Völkerbunb und seine Friedenspolitik seien. Skeptisches Abwarten in London. plant Flandin auch einen Mittelmeerpakt mit Einschluß Italiens? London, 4. Febr. (DNB. Funkspruch.) Die Pariser diplomatischen Besprechungen finden ein starkes Echo in ber englischen Presse. Die Zeitungen veröffentlichen spaltenlange Melbungen, in benen z. T. weitgehenbe Vermutungen über bas Ausmaß ber Erörterungen angestellt werben. Die „Times" warnt jeboch vor übertrie ben e n Erwartungen, wie fie in ber französischen Presse ausgesprochen würben. Zu ben Behauptungen, baß eine Reihe von neuen Pakten zustanbe kommen werbe, burch bie bie „Unabhängig- ke i t" O e st e r r e i ch s gesichert würbe, sei nur zu sagen, baß bie Vertreter Frankreichs wünschten, es wäre so. Tatsächlich sei bas Ziel bieser Besprechungen aber viel bescheibener. Die Kleine Entente hätte neuerbings gefühlt, baß bie französische Außenpolitik keineswegs jenen Geist ber Freunbschaft unb engen Zusammenarbeit aufweise, burch ben sie sich früher ausgezeichnet habe. Eine ber Hauptaufgabe bes neuen französischen Kabinetts sei es baher gewesen, Mißverstänbnisse aufzuklären, Verbächtigungen zu beseitigen unb bie engen Beziehungen mit ber Kleinen Entente mit aller Kraft roieber herzustellen. Unter biesem Gesichtspunkt seien bie Gespräche mit Titusescu unb König Carol an» jdjeinenb e i n voller Erfolg gewesen. Auch von ben Unterrebungen mit Prinz Paul von Sübslawien erwarte man befriebigenbe Ergebnisse. Natürlich wolle sich Frankreich nicht nur mit ber Ausfüllung von Lücken in ber diplomatischen Mauer begnügen, sondern strebe auch nach einer a ll g e - meinen Neuaufstellung der Mächte mit gegenseitigen Unterstützungsmaßnahmen gegen einen Angriff. Einer der schwachen Punkte in der Kette sei Ungarn, besten Revisionspolitik wenig Zeichen an Abkühlung aufweise. Aber vielleicht könne das Zugeständnis Oesterreichs, baß eine Wieberherstellung ber Habsburger Monarchie zur Zeit unzeitgemäß wäre, eine gewisse Wirkung in Budapest auslösen. Inzwischen sei auch der italienisch-abessinische Konflikt nicht völlig von ber Bühne verschwunben. Flanbin habe ben Plan eines Mittelmeerpaktes ber gegenseitigen Rückversicherung gegen einen Angriff erwogen, an dem auch Italien teilnehmen könnte, unb von dem man auch eine Lösung bes Abessinien-Konfliktes erhoffe. Man habe jeboch geringe Hoffnungen auf eine B e - teiligung Englanbs an einem solchen Plan. Der Abschluß eines Nichtangriffspaktes mit einem Angreiferstaat mürbe eine starke Zumutung für die englische Öffentlichkeit und wahrscheinlich auch für die englische Regierung sein. Scharfe Kritik am Veistaadspakt mit Moskau. Paris, 4. Febr. (DNB. Funkspr.) In etwa einer Woche wird die französische Kammer sich mit der Ratifizierung des französisch-sowjetrussischen Beistandspaktes zu beschäftigen haben. Der Pakt wird in der Presse immer mehr um ft ritten. Nicht nur, daß er oon der Rechten aus Gegnerschaft gegen den Kommunismus angegriffen wird, unter ben Kritikern finbet sich auch bie politisch links- stehenbe Zeitung „Quotibien". Jebenfalls bürste ber Boben für eine glatte Ratifizierung bieses Vertrages noch nicht völlig bereitet fein. Der „21 m i b u Peuple" bringt eine politische Karikatur. Man sieht Litwinow mit ber Sowjetmütze unb einem Revolver in ber Hanb unb ebenso angetan ben französischen Kommunisten Cachin, ben französischen Sozialisten Blum unb ben französischen Ra- bikalsozialisten Herriot, wie sie ben vor Angst schwitzenben S a r r a u t, ber am Tische sitzt unb ben Franco-Sowjetpakt vor sich liegen hat, zur Unterzeichnung zwingen; Ueberschnst: „D 1 e Tscheka in Pari s". . Der „I 0 u r" forbert von Sowjetrußlanb — unb von ben übrigen Nachfolgestaaten bes Zaristischen Reiches, einschließlich Polen — eine E n t f d) a b 1 » gung für bie französische n G e I b g e b e r, die dem zaristischen Rußland die Mittel zum Bau ber heute noch wertbestänbigen E 1 s e nb ahne n gegeben haben, aus benen bie jetzigen Machthaber Nutzen ziehen. Das Blatt verwahrt sich energisch bagegen, baß Frankreich ber Sanfier ber Welt sein soll, uni) baß es bagegen nur unsichere Vorteile eintausche. Seitbern bie Sowjets in yranfrtid) burch ihre schlaue Propaganba bie öffentliche Meinung vergiftet hätten, hätten sich zuviele Leute m Frankreich baran gewöhnt, ben Begriff ber kollektiven Sicherheit mit b e m bes Friebens gleichzusetzen. Diese Gleichstellung habe als Vorwanb für bie Sühnemaßnahmen gegen Italien gebient, bie Frankreich 700 Millionen Franken kosteten unb es, wenn man bis zur Blockabe schreite, einem allgemeinen Gemetzel aussetze. Bei ben geplanten Donau-, Balkan- unb Ostpakten sehe man, was Frankreich gebe, aber nicht, was es erhalte. Nun schlage Titulescu gar noch vor, Italien burch Sowjctußlanb zu ersetzen. Das würbe ben Bruch Frankreichs mit Italien bestätigen unb bie vorgesehene Einkreisung Deutschlanbs von Norb- unb Süb- europa her vollenden. Dadurch würde Frankreich dank der „kollektiven Sicherheit" gezwungen sein, seine Truppen nach dem Rhein hin gegen die deutschen Truppen mooil zu machen, wobei Moskau, dem etwas derartiges oorfchwebe, Frankreich das Zeichen dazu geben werde. „Seid ihr einfachen Franzosen", so fragt „Le Jour", „geneigt, wieder gegen Deutschland zu marschieren, 0 h n e e i n anderes Ziel, als Stalin unb seiner Sowjetpropaganba z u bienen? Diese Frage bürfen wir uns noch acht Tage lang stellen, dann wirb es zu spät sein, bann wirb sich bie Kammer mit ber Ratifizierung bes Vertrages mit Sowjetrußlanb beschäftigen, unb zwar unter Leitung einer französischen Regierung, bie bank ber Sowjetunion ans Ruber gekommen ist unb wohl ober übet schleunigst ihre Schulbner ab- finben will, auch wenn diese ihr nicht einmal eine Atempause lassen." Das Erbe Barthous. Von Dr. Hans von Malottki. Mit einem Schlage ist die europäische Diplomatie lebendig geworden, und die Politik dieser Tage bietet ein Bild ebenso betriebsamer wie verwirrender Geschäftigkeit. Die Beisetzungsfeierlichkeiten für König Georg lösten sich auf in einem sehr aktiven Gedankenaustausch der in London versammelten Staasmänner. Er findet zur Zeit seine Fortsetzung in Paris, unb sowohl ber weitgespannte Kreis ber Beteiligten als auch bie Wahl ber Gesprächsthemen lassen keinen Zweifel, baß es sich um mehr hanbelt als um eine improvisierte Veranstaltung ohne bestimmte Richtung unb Tenbenz. Wir werden vielmehr gut tun, jene großangelegte diplomatische Offensive ins Auge zu fassen, die sich schon in dem Vorspiel der französisch-englischen Annäherung ankündigte unb beren Ausbau unb Vervollstänbigung feit Beginn ber abessinischen „Epi- sobe" bie einzige große Sorge ber französischen Politik gewesen ist. Wie sehr man in Paris auch mit ber Glättung ber Wogen zu tun hat, bie burch bas stürmische Vorgehen Italiens entfesselt würben, — eins hat man doch in keinem Augenblick vergessen: mit roarnenbem Finger auf bie „eigentlich e" Gefahr zu zeigen, bie bem europäischen Frieben heute wie gestern angeblich oon Deutschlanb brohe. Der Revisionismus, mit bem Italien augenblicklich bas gute Einvernehmen ber brei Westmächte erschwert, war ja von Frankreich ausdrücklich gebilligt unb ermutigt worden, um ein zufriedengestelltes Italien desto sicherer in ben Kreis ber „konservativen" Mächte ein» zugliebern unb bie Front ber „Friebensgaranten" zu stärken. Das Spiel brohte einen anderen Verlauf zu nehmen, weil dabei englische Weltreichsinteressen gefährdet werden konnten. Die Tatsache indessen, daß auch das englische Kabinett bereit war, jenen Pariser Friedensplan zu schlucken, der im Lichte der Genfer Grundsätze eine Belohnung des Angreifers barstellte, war schon symptomatisch für bas Wirksamwerben ber „beut» scheu Gefahr" im Bewußtsein ber englischen Politik. Seit jenen Dezembertagen hat bie französische Politik gerabezu hemmungslos barauf hingearbeitet, Englanb mit bem Hinweis auf Deutschland unter Druck zu setzen unb jebe Verschärfung ber Genfer Prozedur gegen Italien zu verhindern. Englanb unb Frankreich haben inzwischen ihre Außenminister gewechselt. Eben verkörperte für bie englische Öffentlichkeit bie Garantie ber unbeirrbaren Völkerbunbspolitik. Sie glaubt sich heute gegen einen zweiten „Pariser Friebens- plan" gesichert. Die französische Linke knüpft ähnliche Hoffnungen an Flanbin. Die jüngsten beachtlichen Erfolge ber italienischen Armeen könnten in der Tat England zu einer Verschärfung der Sanktionspolitik zwingen. Sehr wahrscheinlich ist das alles zunächst aber nicht. Denn auch Herr Eden zeigt sich dem französischen Warnruf vor Deutschland genau so zugänglich wie sein Vorgänger, unb er wirb beshalb bie Genfer Maschinerie nur im äußer ft en Fall auf höhere Tourenzahl bringen; in jebem Fall nicht aus grunbscitzlichen Erwägungen rechtlicher Natur, fonbern nur bann, wenn es bie britischen Interessen unbebingt erfordern. Besteht Grund zu ber Annahme, baß ber Duce gegen biefen ihm hinlänglich bekannten Sachverhalt angehen wirb? Die scharfe Sprache ber italienischen Presse bietet bafür keinen Anhaltspunkt. Vielmehr sehen wir bie römische Politik bemüht, auch ihrerseits mit bem beutschen Angstköber ertragreiche Fischzüge zu unternehmen, wie bie „Basler Nachrichten" sehr zutreffenb bemerken. Wie Frankreich Herrn Eben mit ber „beutschen Gefahr" an feine wahren europäischen Pflichten mahnt, so benutzt Italien ben französischen Verfolgungswahn, um Herrn Flanbin zu nötigen, in ben Spuren Lavals zu roanbeln. Schon triumphiert ber „Temps" in einem offensichtlich inspirierten Artikel: „Die Tatsachen sind stärker als bie Menschen. Eben hat mit ber Pafftik Sir Samuel Hoares nicht gebrochen unb nicht brechen können. Auch Flanbin wirb mit ber Politik seines Vorgängers roeber brechen noch brechen können. Die Sorgen, bie bie Ausarbeitung bes Pariser Planes veranlaßt haben, sinb immer noch vorhanben. Sie beziehen sich auf bie Haltung Deutschlanbs unb auf seine rasenbe (!?) Aufrüstung. Es hanbelt sich barum, ben Frieben zu retten unb mit ihm bie Grunblagen, auf benen er seit 1919 errichtet worben ist." Dieser Alarmruf bes offiziösen Pariser Blattes ist nicht nur bezeichnen!) für die absolute Skrupellosigkeit ber französischen Politik; er umreißt auch in klassischer Form Richtung unb Ziel ber biplo- matischen Aktivität, bie in biefen Tagen auf ber Linie Lonbon—Paris zu beobachten ist. Die Versailler Machtstaaten konnten auf ben deutschen Wiederaufstieg in zweifacher Weise reagieren. Sie mußten ihn — wenn es ihnen wirklich um ben Frieden ging — als europäische Notwendigkeit begreifen, als die Beseitigung eines wider- natürlichen atmosphärischen Tiefs im Herzen Europas, das bislang jede Beruhigung unb Stetigkeit der politischen Atmosphäre verhindert hatte. Sie hatten die Möglichkeit und die Pflicht, mit einem in den Besitz seiner natürlichen Position gelangten Deutschland durch ehrliche Zusammenarbeit auf der Basis gleicher Achtung jenes Unrecht wieder gut zu machen, in das fie die Welt 1919 gestürzt hatten. Es ist jetzt genau ein Jahr her, daß sich dieses für die Zukunft Europas entscheidende Problem in akuter Form stellte. Damals war Herr Flandin Ministerpräsident, sein Außenminister war Laval. Die Welt sah sie am 3. Februar in Lonbon jenes Protokoll mit ben englischen S So * geb ' St ’ sti ■ bil dA pf bif'-l H) bä> B V ' B- fry D0<_ • Das New Gnabc banbh • lobt ijanbli öes U Mittei 115 b1 Jas fit v: ;ekomi, Gesuche Wege: lurch ( nal 3C )es 3' veismi 2 hat, - Zusa' || m a klär ’ ' allei sei- recht nügt fern, ohne n gunc nach do- . 12 ?‘l 6r{; bei he Ai. bat 3,2: S h ■ Zusa als t > fumr Stell ten J häng Bezu der ( die 2 mehp beteil 1,1 sagen überp b o n ■ hörbe, angeb d 15. G. Eh leit elli ie w. m. I. iinft ine ! ze ’ Jem f firtf i bun nl t Be> J n r 1. buti I bej UT I •tot 8" b f ] Staatsmännern unterzeichnen, in dem sie sich allen geschichtlichen Erfahrungen unb dem Gebot ber politischen Vernunft versagten. Die gleichberechtigte Stellung Deutschlands sollte von neuen Bedingungen abhängig gemacht, der Versailler Vertrag durch die Organisierung der „kollektiven Sicherheit" verewigt werden. Es war das Gedankengut B ortho us, die Idee, alle negativen Kräfte unter Frankreichs Führung der natürlichen Entwicklung entgegenzuftellen, das hier feine Auferstehung feierte. Deutschland sollte wieder Objekt der europäischen Politik werden. Die Ereignisse in Abessinien haben diesen Tatbestand dann in den Hintergrund gedrängt. Ostpakt und Donaupakt scheiterten an ihrer Unnatur, an dem Mißbrauch der wahren Interessen derjeniaen, die das Objekt dieser Vorkehrungen abgeben sollten. Die Welt ist auch sonst nicht stehengeblieben. Und dennoch; fast auf den Tag genau knüpft die französische und die englische Politik nun dort wieder an, wo man vor einem Jahr aufgehört hatte. Was Herr Flandin damals beteuerte: „Frankreich wird in dem Bemühen nicht Nachlassen, um seine Friebensideologie einen Block von Staaten zu scharen, die denselben Bestrebungen dienen wollen wie Frankreich" — dasselbe Ziel leitet ihn auch jetzt bei seinen Gesprächen mit den Staatsmännern der Kleinen Entente, der Balkan-Entente, Sowjetrußlands und Oesterreichs. Wieder kreist die Politik Frankreichs und Englands um das Erbe Barthous, wieder soll das Rad der Entwicklung des Völkerlebens angehalten, die Spannung gefährlich gesteigert, statt ein natürlicher Ausgleich gefördert werden. Der unstiedliche, ja offensive Charakter dieser Politik verbirgt sich hinter der Maske der Kollektivität. Die politische Propaganda Frankreichs versucht den Eindruck zu erwecken, als ob die Kollektivität, das gemeinsame Operieren einer Anzahl von Staaten schon der Ausweis ihrer Friedfertigkeit sei. Welche Spiegelfechterei! Auch die Friedensdiktate waren ein Produkt der Kollektivität, und daß sich Unfrieden und Entrechtung bis auf den heutigen Tag kollektiv organisieren lassen, dafür ist das politische Testament Barthous, jenes jetzt wieder beschworene Paktsystem, der untrüglichste Beweis. Freilich, die gesunden Abwehrkräfte, die sich damals gegen diese Vergewaltigung der Lebensbedürfnisse der europäischen Nationen "regten, werden sich auch jetzt nicht aus der Welt schaffen lassen. Der D o - n a u p a k t wird sich nicht als stärkerer Lebensspender erweisen, weil in ihm nun auch noch Sowjetrußland als maßgebender „Garant" in Erscheinung treten soll. Man kann eben nicht die deutsche Position ausschalten, ohne die Agrarstaaten des Donaubeckens ihres naturgegebenen Absatzmarktes zu berauben, unb die Frage ist wohl nicht überflüssig, ob auch die englische Politik etwa der Ansicht ist, daß zweifelhafte politische Kampfparolen das geeignete Mittel sind, um die Nöte der Donaustaaten aus der Welt zu schaffen. So werden wir in Ruhe und Gelassenheit die Anstrengungen der westlichen Diplomatie verfolgen können. In jedem Falle sind sie aber ein System des Geistes und der Tendenzen, die die heutige Kollektivitätspolitik beherrschen. Sie ist un friedlich und aggressiv, weil sie eindeutig gegen Deutschland gerichtet ist. Sie ist deshalb auch in höchstem Maße unfruchtbar, denn sie vergeht sich an den natürlichen Interessen der Staaten, indem sie sie in eine widernatürliche Frontstellung zwingen will. Damit wird gerade die von Frankreich inspirierte Kollekivitätspolitik zu einem Instrument, das die Völker nicht einander näher bringt, sondern sie im Gegenteil in Fronten und Blöcke aufspaltet. Sie wirkt nicht gemeinschaftsbil- dend, sondern isolierend und trennend, — der Klassenkampf der Nationen, bas müßte das Ergebnis einer Politik fein, die ihren geistigen Standort in der Verteidigung der „Grundlagen des Friedens von 1919" hat. Ungarn in Paris unbeteiligt. Budapest, 3. Febr. (DNB.) Von zuständiger Seite wird mitgeteilt, daß der ungarische Außenminister von K a n y a, der feit Sonntag in Paris weilt, an keinerlei Beratungen teilgenommen habe. Bisher fei noch keinerlei Aufforderung an die ungarische Regierung gerichtet worden, an Beratungen über einen Donaupakt ober einen Pakt zur Sicherung der österreichischen Unabhängigkeit teilzunehmen. Allerdings seien von Frankreich und Rumänien Versuche imgange, Sowjetrußland in die Regelung der Donaufrage unb der österreichischen Frage miteinzubeziehen. Jedoch wird Ungarn daran festhalten, daß eine Regelung der Donaufrage ohne die Beteiligung sämtlicher interessierten europäischen' Großmächte nicht in Frage komme. Um das Rote Kreuz in Abessinien Schwedische Vorstellungen in Rom. Rom, 3. Febr. (DNB.) Der schwedische Gesandte S j ö b o r g ist von Staatssekretär S u v i ch empfangen worden. Der Besuch betraf die in dem italienischen Heeresbericht erwähnte Aushebung von M u n i t i o n s k i st e n bei der schwedischen Rotkreuz st ation in Neghelli. Giornale d'Jtalia bemerkt, von schwedischer Seite werde jede Verantwortung der Aerzte und Krankenpfleger der schwedischen Rotkreuzstation. abgelehnt. Immerhin seien die 27 Munitionskisten g e - f u n b e n unb an Drt unb Stelle photographiert worben. Jrgenbjemand müsse sie also unter ben Schutz bes Rotkreuzzeichens gebracht haben. Damit werbe ber Beweis geliefert, daß auf abessinischem Gebiet das Rote Kreuz selbst auf die hohe Gefahr hin, den guten Glauben fremder Sanitätsmissionen zu täuschen, zum Schutz von Kriegs gerät sich auswirke. Italien habe also das Recht, über den Sinn des Rotkreuzzeichens in den Reihen der abessinischen Krieger Zweifel zu hegen. Oie englische Kirche begrüßt den Aufrüstungsplan. London, 4. Febr. (DNB. Funkspruch.) Die englische Kirchenoersammlung wird sich dieser Tage mit dem neuen englischen Aufrüstungsplan befassen. In unterrichteten Kreisen hält man es für sicher, daß die Kirchenoertreter die amtliche Aufrüstungspolitik unterstützen werden. Der Versammlung wird folgender Antrag zur Annahme oorgelegt werden: „Die Kirchen-Versammlung bedauert das Scheitern der vielen Abrüstungskonferenzen. Sie hält es jedoch für lebenswichtig", daß Großbritannien für alle Zeiten in d e r Lage fein muß, feine eigene Freiheit zu verteidigen und feine Verpflichtungen auf Grund derVölkerbundsfatzung zu erfüllen. Die englische Kirche begrüßt daher das Versprechen des Ministerpräsidenten, die Streitkräfte auf die er- Wie kann die Äsend zvr erzogen werden? Bengt Berg schlägt die Anlage von Tierparken und den Bau eines biologischen „Brehm-Museums" vor. DNB. Der schwedische Forscher Dr. Bengt Berg wurde vorn Führer zu einer Unterredung empfangen. Diese Unterredung gab Bengt Berg neue Anregungen zu der Frage, wie bei ber Jugend die instinktive Naturverbundenheit gestärkt werden kann. Hierüber sprach Bengt Berg im Deutschlandsender. Er führte dabei u. a. aus: Das warme Interesse des Führers unb Reichskanzlers für bie deutsche I u - g e n d ist mir aus der Unterhaltung mit ihm beson- oers stark in Erinnerung geblieben, vor allem das Interesse, mit dem er darüber sprach, daß die deutsche Jugend so weit wie möglich in Berührung mit freier Natur gebracht werden muß. Die Liebe zur Natur wurde bei der Jugend vielfach von einem allzu theoretisierenden unb oft fremdartigem Einfluß beiseitegedrängt. Das Erkennen des natürlichen Dranges zum Tier verleitete vielfach zu einem Mißbrauch der Tiere. Ein solcher war seit jeher, daß man in Europa unb in Amerika wilbe Tiere zur Schau eingesperrt hielt. Man tat dies in zoologischen Gärten. So wurden in Europa Tausende von freiheitliebenden Tieren gefangen gehalten, die, ihrer Heimat entrissen, sich hier in engen Käfigen lebenslang herumquälen. Mir scheint, es müsse jedem offenbar fein, daß hier nicht nur eine bedauerliche Tierquälerei vorliegt, sondern auch eine Behandlung der hochstehenden Tiere, die unserer aus Instinkt naturliebenden Jugend unter keinen Umständen als lobenswert vor Augen geführt werden dürfte. Und es ist meine feste Ueberzeugung, daß ein staatliches Eingreifen, um diesen Uebelstand zu beseitigen, bald als vorbildliches Beispiel von anderen Kulturvölkern befolgt würde. Eine Aenderung zum besseren könnte dadurch geschaffen werden, daß man alle Schausammlungen von eingesperrten wilden Tieren aufs äußerste beschränkt, wenn möglich zunächst auf zwei oder drei zoologische Gärten in den größten Städten des Landes, wo gute Pflege den Tieren foweit wie möglich zugesichert werden kann. Weiter kann eine geeignete Abhilfe auch dadurch geschaffen werden, daß in der Nähe aller großen Städte große Parks angelegt werden, in denen die Volksgenossen ähnlich wie in Großbritannien in freien Stunden genügend Raum finden, um nach ihrer Arbeit Erholung in der Natur zu finden. In diesen Parkanlagen, die zugleich als botanische Volksgärten dienen können, müßten bann weite Gehege angelegt werben, in benen nach bem Muster des vorbildlichen Wisent-Geheges in der Schorfheide bei Berlin solche Tierarten gehalten werden, die in unserem Klima in solcher Gefangenschaft gut gedeihen. Solche Parkanlagen wären besonders für die Jugend der Industriestädte segensreich und würden zur Stärkung der instinktiven Nctturverbunbenheit dieser Juaend in gesunder Weise beitragen. Um dem Drang der Jugend nach Kenntnis von der Natur weiter Rechnung zu tragen, möchte ich ferner den Bau eines großen biologischen Museums in Berlin anregen, in dem in gewaltigen Panoramen lebenswahre Abbilder aus der Natur der verschiedenen Erdteile den Volksgenossen vor Augen geführt werden. Es gibt gegenwärtig kein solches Museum in Europa. Es gibt dafür in Deutschland eine Reihe von Fachmännern, deren Können am Ausbau eines solchen Museums für die ganze Welt Vorbildliches leisten würde. Es gibt ferner in den veralteten Mufeen Schätze an zoologischen Sammlungen, für eine größere Allgemeinheit meistens unsichtbar, die dabei geeignete Verwendung finden könnten. Ich möchte anregen, daß ein solches Museum dann dem Gedächtnis des größten erzieherischen Biologen aller Zeiten, dem Deutschen Alfred Brehm, gewidmet und „Brehm-Museum" genannt wird. Denn Brehm hat in schönstem Sinne die Naturverbundenheit seines Volkes in seinen Werken zum Ausdruck gebracht. forderliche Höhe zu bringen und fordert ihn dringend auf, die notwendigen Gesetzesmaßnahmen sofort einzubringen." Der Antrag ist so gefaßt, daß er den Ansichten der großen Mehrheit der Bevölkerung entspricht. Die erste Aeichssegelflug- Kuhrerschule. Essen, 3. Febr. (DNB.) Mit einem schlichten Weiheakt wurde die erste Reichssegelflugführerschule Borkenberge (Westfalen) durch den Reichsluftsportführer Oberst Mahnte in Anwesenheit von Vertretern bes Deutschen Luftsportverbandes, der Reichsluftwaffe, der Wehrmacht, der Partei unb ihrer Glieberungen sowie der Behörden feierlich ihrer Bestimmung übergeben. Oberst Mahnte legte Zweck und Aufgabe der ersten Reichssegelflugführerschule Borkenberge bar, die alle diejenigen, die in Führerstellen kommen sollen und wollen, schulen und ihnen den letzten Schliff geben solle. Im Vordergrund aller Arbeit jetzt unb in Zukunft stehe die Vorbereitung der flugbegeisterten deutschen Jugend für den Dienst im Flugwesen und in der Luftwaffe .Es gelte, die Jugend einzuführen in die Ideenwelt des Fliegers, ihnen beizubringen, daß das Fliegen nicht in erster Linie eine Frage rein technischen Könnens, einer technischen Beherrschung des Flugzeuges ist, sondern eine Angelegenheit fliegerischer Leidenschaft, die alle Willenskräfte des Menschen zusammenfaßt und die ein nie erlöschendes Feuer gleich Herz und Sinn des Fliegers erfaßt. Dieser Fliegergeist habe seine beste Verkörperung in den Gestalten eines Richthofen, Bölcke, Berthold und vieler anderer Flieger des großen Krieges gefunden. Dann übergab der Reichsluftsportführer die Reichssegelflugführerschule ihrer Bestimmung mit dem Wunsch, daß aus ihr wahre Führer hervorgehen mögen. Laufende Unterstützungen für kinderreiche Familien. Eisenach, 3. Febr. (DNB.) Staatssekretär Re iy Hardt ging auf der staatswissenschaftlichen Reichstagung der Zollbeamten besonders auf die segensreichen Auswirkungen der Ehestandsdarlehen ein. Besondere Maßnahmen der Reichssinanzoerwaltung gelten vor allem der kinderreichen Familie. In dieser Richtung liege auch eine Maßnahme, die vom 1. Juli 1936 in Kraft treten wird. Von diesem Tag ab sollen neben den bisher an Kinderreiche gewährten einmaligen Kinderbeihilfen lausend Unter ft ü^ungsbeiträge in Höhe von 10 Mark im Monat für das fünfte unb jedes weitere Kind an Volksgenossen gezahlt werden, deren Jahreseinkommen die 1800-Mark- Grenze nicht übersteigt. Diese Anordnung sei die erste Maßnahme zur Einleitung eines großen Ausgleichs der Familienlasten. Die Devisenschiebungen beim Orden der „Kanisiussckwestern". Berlin, 3. Febr. (DNB.) Vor dem Berliner Sondergericht begann ein Devisenprozeß gegen zehn katholische Ordensangehörige. Bei den Verfehlungen handelt es sich um Schiebungen zugunsten des Mutterhauses der Kongregation oer Kanisius- schwestern in Freiburg (Schweiz). Der Orden unterhält Filialen in Konstanz, Mainz, München unb Bautzen. Da sich das Schweizer Mutterhaus seit 1928 in finanziellen Schwierigkeiten befand, forderte es m feinen religiösen Schriften zur Her - gäbe verzinslicher Darlehen gegen Frankenschulbfcheine auf. Als die Devisengesetzgebung in Kraft trat, wurde das bei der Städtischen Sparkasse in Konstanz geführte Konto des Schweizer Mutterhauses aus den Namen der Konstanzer Filiale umgeschrieben. 32 000 Mark wurden aber trotzdem weiter zur Tilgung von Schulden des ausländischen Mutterhauses im Jnlande verwendet. Weitere 42 000 Mark sind von der Konstanzer Filiale zu Lasten ihres Warenkontos an Inländer für das Mutterhaus gezahlt worden, das diese Zahlungen mit Sendungen von religiösen Büchern und Schriften des Kanisiuswerks abdeckte. Endlich sind von der Konstanzer Filiale rund 28 000 Mark unmittelbar in die Schweiz geschmuggelt worden. Für diese ungesetzlichen Zahlungen und Kapitalverschiebungen werden, neben der Oberin Maria Breitner, die .Ordensschwestern Franziska S ch u tz b i e r und Christine Rupprecht aus Konstanz verantwortlich gemacht. Von der Mainzer Filiale sind unter Mitwirkung der Ordensschwester Elisabeth G u t insgesamt 52 000 Mark über Konstanz nach dem Schweizer Mutterhaus verschoben worden. Die Oberin Breitner soll auch für die mitangeklagte 61jährige Ida Hugo aus Mainz, die Schwester des verstorbenen Mainzer Bischofs, einen Betrag von 10 000 Mark nach Freiburg (Schweiz) verbracht haben. Die Ordensschwester Schutzbier aus Konstanz gab zu, daß ein Sammelkonto bei der Konstanzer Stadtbank bestanden hat, will aber nicht gewußt haben, daß es ungesetzlichen Zwecken diente. Andererseits erklärt sie jedoch, daß die Abhebungen von diesem Konto recht kompliziert „verschleiert" worden seien. Im übrigen war die Angeklagte geständig, im Jahre 1934 27 000 Mark unter dem Schutze der Ordenskleidung über die Grenze gebracht zu haben. Erfolgreicher Prozeß der Stadt Berlin gegen einen Bolksschädling. B e r l in , 3. Febr. (DNB.) In dem Prozeß der Stadt Berlin gegen den jüdischen Geschäftemacher Isidor Neumann hat das Reichsgericht das Revisionsurteil verkündet, das die Auffassung des Kammergerichts vollauf bestätigt und die Reichshauptstadt dadurch von der aus ber Systemzeit stammenden Vertragsbindung mit diesem Volksschädling befreit hat. Im Jahre 1925 hatte die damalige Berliner Straßenbahnbetriebs- g e f e l l f ch a f t m. b. H. an den Juden Isidor Neumann und seine Frau, die jetzt in der Tschechoslowakei leben, zur Errichtung eines Lichtspieltheaters ein Grundstück in der Schönhauser Allee für jährlich 12 000 Mark bis Ende 1934 vermietet. Die von den Mietern zu errichtenden Baulichkeiten sollten bei Vertragsende u n - entgeltlich an d i e Vermieterin fallen. Neumann verpachtete das Grundstück mit dem inzwischen erbauten Lichtspieltheater Colosseum 1929 an eine Lichtspiel-G. m. b. H. für jährlich 55 000 Mark und eine einmalige Abfindung von 550 000 Mark bis 1944 mit Verlängerungsrecht für weitere fünf Jahre. Diese G. m. b. H. verpachtete 1930 bas Grunbstück wiederum für die gleiche Zeit an die Ufa, die jährlich 87500 Mark zu zahlen hatte. Im August 1934 kündigte bie Stabt, auf bie bie Straßenbahn inzwischen übergegangen war, bem Neumann das Mietverhältnis fristlos und be- grünbete bie Künbigung im Rechtsstreit damit, daß Neumann ein Volksschäbling fei. Sie ist beim Kammergericht unb beim Reichsgericht mit ihrer Räumungsklage durchgedrungen. Wie das Kam- meraericht festgestellt hat, hat Neumann a l s Zahlmeister bei ber Roten Solbaten- wehr große Unterschlagungen und Ur- kunbenfälschungen begangen unb viele anbere Schiebungen zum Schaden bes Reiches unternommen. Nach umfangreichen Steuerhinterziehungen zog er 1933 mit feiner Frau nach Marienbab. Das Reichsgericht führt in feinem Urteil u. a. aus: Der Stadt Berlin fei es nicht zuzumuten, einen Teil ihres Vermögens durch einen langjährigen Vertrag einem solchen Volksschädling zu belassen, der daraus für sich große Gewinne ziehe, nachdem er verbrecherisch auf Kosten bes Reiches so erhebliches Vermögen erworben und sich bis in die letzte Zeit steuerlich so schwer vergangen habe. Kleine politische Nachrichten. Der Sachverstänbigenausschuß ber Sanktionskonferenz, ber bie Durchführbarkeit einer Erböl - sperre gegen Italien prüfen soll, ist unter bem Vorsitz des mexikanischen Gesandten in Paris, Gomez, zusammengetreten. Es wurden zwei Unterausschüsse eingesetzt: Der eine für Transportfragen, ber anbere für bie Erzeugung. Es besteht ber Einbruck, baß von keiner Seite auf eine Beschleunigung ber Beratungen Gewicht gelegt wird. Wie die Wehrmacht wurde. Von Edgar Röhricht, Major des Generalstabes Einen ausgezeichneten Ueberblick über die Aufbauarbeit der neuen Wehrmacht und insbesondere des Heeres gibt uns Major des Generalstabes Edgar Röhricht in dem soeben erschienenen Buche „Das deutsche Wehr* wesen in Vergangenheit und Gegenwart" Konradin-Derlag Stuttgart 13 —Berlin. Männer der Feder und des Schwertes, Männer des alten und des neuen Heeres haben in diesem Buche aus der unendlichen Fülle der Geschehnisse, die ihnen für bas beutsche Wehrwesen ber Vergangenheit unb Gegenwart bestimmend unb bebeu» tungsvoll erscheinenben Züge herausgegriffen. Preußen-Deutschlanb hat sich seine Einheit und Größe auf ben Schlachtfeldern des Kontinents erkämpft. Seine Lage mitten in Europa, mit weiten ungeschützten Grenzen, führte von selbst dazu, daß bas Schwergewicht ber militärischen Leistung bes Staates notroenbig auf bem Verteibigungs- mittel zu Lande, also dem Heer, lag. Erst in später Zeit, mit der zunehmenden Industrialisierung, setzte das Bedürfnis nach Teilnahme am Weltverkehr ein. Das über die Küsten hinausgreifende Interesse des auf den französischen Schlachtfeldern geeinten Deutschen Reiches führte zur Schaffung einer Flotte und damit eines zweiten Wehrmachtteils. Mit dem Aufkommen bes Flugzeuges begann bie nächste Phase der Entwicklung. Die allmähliche Vervollkommnung und die Steigerung seiner Wirkungsmöglichkeiten führte dazu, das neue Kampfmittel aus feiner bisherigen Verwendung als Hilfswaffe bei Heer und Marine zu lösen unb ihm in einem eigenen 23 e r b a n b erweiterte Ziele zu geben, bie seiner nunmehrigen Leistungsfähigkeit entsprachen. So entstand in fast allen modernen Militärstaaten eine besondere Luftwaffe als dritter Wehrmachtteil. Sie trat auch in Deutschland mit der Wiedererringung der Wehrfreihett neben Heer und Kriegsmarine. Die straffe organisatorische Gliederung, bie bas Wehrgesetz festlegte, regit bie Befehlsverhältnisse unb bamit bas Zusammenwirken ber brei Wehrmachtteile unter bem einheitlichen Oberbefehl bes Reichskriegsministers. Um sich bie personellen Anforderungen bei ber Neuaufstellung von Formationen klarzumachen, muß man sich bie große Zahl von Funktionsunteroffizieren unb Spezi allste n vergegenwärtigen, bie heute jebe Truppe braucht, um erst einmal ben normalen Dienstbetrieb burchführen zu können, bevor sie überhaupt an ihre eigentliche Aufgabe, bie Ausbildung, Herangehen kann. Der übergroße Zustrom von Freiwilligen bereits in den letzten Jahren bot hierfür besonders geeignete Auswahlmöglichkeiten. So konnte ber Grunbsatz, baß bie Leistung bes Solbaten seinen Wert unb Weg bestimmt, in weit größerem Maße burchgeführt werden als bisher, weil jetzt nicht mehr nur bas Angebot an geeigneten Bewerbern vorhanben war, sondern auch ein entsprechender Bedarf. Beim Aufbau bes Offizierskorps traten anbere Gesichtspunkte unb Schwierigkeiten hinzu. Wohl läßt sich ihre Zahl in ben fieutnantsbienftgra- ben in verhältnismäßig kurzer Zeit vergrößern. Doch besonbers bie mittleren Dienstgrabe finb nicht in gleicher Weise zu improvisieren. Auf bem Kompaniechef, bem Vater ber Kompanie, ruhte gerabe in bieser schwierigen Uebergangszeit ber Neuaufstellungen eine besonbers schwere Verantwortung. Ihm oblag die Auswahl der Unterführer, ihre Vorbereitung und Ausbildung für die in Aussicht genommene Verwendung, er stellte die Stämme zusammen und damit den Rahmen für die Neuformationen, welche in ihrem Geist immer abhängig sind von der Grundlage, die ihnen der Stammtruppenteil mitgab. Als Kompaniechefs stand außer denen im Reichs- Heer Vorhandenen eine größere Zahl älterer Oberleutnante zur Verfügung, die in ben engen Verhältnissen vorher noch keine Kompanien hatten bekommen können. Sie erhielten einen hochwertigen Zuwachs aus ber Zahl ber zum Offizier beförberten bisherigen Unteroffiziere. Einer Reihe von ihnen konnte nach ergänzenber Schulung sofort bie Verantwortung für eine Kompanie übertragen werben. Zu ihnen kam eine beschränkte Zahl ehemaliger Offiziere, bie einst — bei ber Heeresverminberung — trotz bester Leistungen unb Befähigung hatten ausscheiben müssen unb bie sich nicht nur bie alte Passion für ben Solbatenberuf, fonbern auch noch die nötige körperliche und geistige Spannkraft erhalten hatten. Eine strenge Auswahl stellte sicher, daß dabei nur solche Persönlichkeiten wieder Aufnahme fanden, die innerlich, in Geist unb Haltung, stets auch in bem Zwischenberuf Solbaten geblieben waren unb ihrer Gesinnung nach bie Gewähr boten, vollwertige Mitglieber ber Wehrmacht bes nationalsozialistischen Deutschlanbs zu sein. Ihre Wiebereinführung in ben alten Beruf unb feine neuen Anforderungen würben durch eine Reihe von Lehrgängen sichergestellt. Das Offizierkorps zeiate sich den Schwierigkeiten dieses Aufbaues gewachsen, einmal weil es von dem stolzen Bewußtsein durchdrungen mar, Erfüller einer historischen Aufgabe zu sein, wie sie keiner Generation in ber Geschichte unserer Armee je vorher im gleichen Umfang und gleichen Zeitraum gestellt worden ist. Ferner weil es sich geistia seit mindestens einem Jahrzehnt auf diese Probleme eingestellt hatte. Denn aus der Hoffnuna auf den Tag der Befreiung von unwürdigen Fesseln hatte die Wehrmacht ihre Kraft geschöpft und das große Ziel genommen, dem ihre Schulungs- und Erziehungsarbeit galt. Noch ist die Arbeit nicht abgeschlossen. Sie wird für bie Dauer im gleichen Geist nur bann zu losen sein, wenn ihr Fortwirken für die Zukunft sicherge- stellt ist, nicht nur die Lösung ber unmittelbaren Gegenwartsfragen. Es kommt barauf an, auch hier eine neue Xrabition zu bearünben. Unter biefem Gesichtspunkt gewinnt vor allem bie Auswahl unb bie Schulung bes Offizier* nachwuchefes eine befonbere Bebeutung. Der mit bem Herbst 1935 erreichte Stanb bes Aufbaus umfaßt bie Glieberung in brei Gruppenkommanbos, bavon bas Gruppen- kommanbo I in Berlin, bas Gruppenkommanbo II in Kassel, bas Gruppenkommanbo III in Dresben. Das Armeekorps besteht aus Divisionen, bie sich aus Infanterie, Artillerie, Pionieren, Nachrichten- unb Panzerabwehrtruppen zufammensetzen. Außerbem bestehen befonbere Kavallerie- oerbände unb solche ber Kraftfahrkampf- iie®1 niallS Moos. @arnif' reich fe Das n W u llrlPr£ sein W-! JefW"1 Sn1 jjer«1 -nd-- «w ° r u n 0 37 e u a truPP teure Auch fl.' die Unt der den sstauni terie; zeit besi mäßig panien Kompar Berglen spannte nen, w! terie m nengew Minenr das An Auch di aus. 2 Hebung: braud spräche taktik ei verände rischen Auch di hat bod motorif die Aei Derbän Pionier Bei i dem B stündlich eine wc aussallei der Bor jenen a pen au weiterer steht hü Komma mäßige! gebende mitten Truppe ausb Für bh Platz ' Grunde das in tückschen anstaltui Das l klassen r aufbau f in ihre weittrag beiden ( oölkerun fchaftlich Rolle - Zuwachs die gre: Persönlid Soldater Bande, Standort hält heil schlägt 9 'm besch. bi6 nb bez ben hr. Ze. 13 bez uen un. men beu« sge. unb er. 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Hervorzuheben ist, daß die entmilitarisierte Zone mit Garnisonen nicht belegt ist und daß in ihrem Bereich keinerlei militärische Behörden vorhanden sind. Das neue Heer führt zwar mittelbar (auf dem yßeg über das Reichsheer der Uebergangszeit) seinen Ursprung auf die alte Armee zuruck. Trotzdem ist sein Ausbau nicht der Dorkriegseinteilung ange- paht, sondern von den Bedürfnissen der Gegenwart bestimmt worden. In der Zwischenzeit hat sich beispielsweise bas BerboUnts her Waffen unterein- ander erheblich verschoben. Zur Erläuterung möge der Hinweis auf die erhebliche Vermehrung der motorisierten Verbände, die Neuaufstellung von Kraftsahrkampftruppen und das anteilmäßige Zurücktre- Le ar e i ner K a vallerieverbände genügen. Auch als Garnisonen konnten nicht Ohne weiteres die Unterkünfte der alten Friedenstruppenteile wieder benutzt werden, wie sich beispielsweise aus dem Raumbedarf eines modernen Infanterie-Regiments ergibt. In der Vorkriegszeit bestand ein solches Regiment aus zwölf gleichmäßig mit Gewehr ausgerüsteten Infanterie-Kompanien und einer schwachen Maschinenaewehr- Kompame, der Pferdebedarf war also sehr gering Vergleicht man damit heute die Fülle pferdebe- spannter Fahrzeuge, die große Zahl der Berittenen, wie sie heute bei der Ausstattung der Infanterie mit leichten Mafchinengewehren, drei Maschinengewehr-Kompanien, mit Nachrichtenzügen, mit Minenwerfern vorhanden sein müssen, so ergibt sich das Anwachsen nicht nur des Kasernenraumbedarfs. Auch die Exerzierplätze von einst reichen nicht mehr aus. Sie sind klein und bieten zu wenig Uebungsmöglichkeit. Die moderne Truppe braucht Raum und Gelände, ihre Ansprüche sind entsprechend der veränderten Gefechtstaktik erheblich gewachsen. Daher pulsiert ein völlig verändertes Leben in den wieder zu neuem militärischen Leben erwachten ehemaligen Garnisonen. Auch die Frage der Motorisierung hat hier ganz neue Probleme in ben Vordergrund gerückt, hat doch heute selbst jedes Infanterie-Regiment eine motorisierte Kompanie, die der Abwehr feindlicher Panzerwagen dient. Weit einschneidender aber ist die Aenderung bei den voll- und teilmotorisierten Verbänden, z. B. Kraftfahrkampftruppen, Artillerie, Pionieren und Nachrichtentruppen. Bei der Auswahl neuer Standorte, insbesondere dem Bau von Kasernenanlagen, spielt selbstverständlich auch die Frage des Luftschutzes eine wesentliche Rolle. Dem alten Soldaten wird auffallen, daß die Reichshaupt st adt, die in der Vorkriegszeit eine der stärksten deutschen Garnisonen war, heute nur noch wenige Truppen aufzuweisen hat. Abgesehen von einzelnen im weiteren Umkreis von Berlin liegenden Verbänden steht hier nur d i e Wachtruppe, die sich aus Kommandierten aller deutschen Gaue in regelmäßigem Wechsel zusammensetzt. Der ausschlaggebende Grund dafür ist die Tatsache, daß ein mitten im Weichbild der großen Stadt liegender Truppenteil so gut wie keine Gefechtsausbildungsmöglichkeiten hätte. Für die kleinste Hebung müßte der Truppenübungsplatz Döberitz aufgesucht werden. Aus diesem Grunde begnügt man sich mit dem Wachregiment, das in der Reichshauptstadt die notroenbigen militärischen Wachen stellt und bei repräsentativen Veranstaltungen in Erscheinung tritt. Das deutsche Volk in allen Kreisen und Altersklassen nimmt einen regen Anteil an dem Wiederaufbau seiner Wehrmacht. Der Einzug einer Truppe in ihre neue Garnison ist überall ein Ereignis weittragender Bedeutung und wird als solches von beiden Seiten gewürdigt. Dabei spielt in der Bevölkerung nicht nur die Hoffnung auf die wirtschaftlichen Auswirkungen die ausschlaggebende Rolle — sie sind selbstverständlich mit einem solchen Zuwachs verbunden —, darüber hinaus vor allem die Freude, den Aufbau der neuen Wehrmacht persönlich miterleben zu können und wieder selcht Soldaten zu haben. Rasch bilden sich die festen Bande, die einen Truppenteil mit seinem neuen Standort und seiner Umgebung verbinden. Er erhält Heimatrecht. Eine neue Tradition entsteht und schlägt Wurzeln, was in der Uebergangszeit nur im beschränkten Maße möglich war. Zwischenfall im Seefeld-prozeß Oer Angeklagte erneut schwer belastet. hatte. Im Laufe einer Unterhaltung habe Seefeld über feine Sorgen geklagte und geäußert, daß es das Beste fei, aus dem Leben zu scheiden. Am glücklichsten wären die Menschen daran, die während ihrer Kindheit stürben. Seefeld hat einer Reihe weiterer Zeugen ebenfalls erzählt, daß er sich ein st a r k e s Gift brauen würde, um sich das Leben zu nehmen, wenn er einmal fein Landstraßendasein nicht mehr führen könne. In allen Aussagen der Zeugen kehrt die Erzählung des Angeklagten von dem geheimnisvollen Gift wieder. Ein Zeuge, den Seefeld vom Jahre 1931 bis kurz vor feiner Verhaftung auf feinen Wanderungen hin und wieder aufgesucht hat, bekundet, daß er häufig das braune Tuch bei dem Angeklagten Seefeld gesehen hätte, dessen Besitz Seefeld so entschieden abgestritten hatte. Seefeld will auch jetzt von dem Tuch nichts wissen. Der Zeuge, der mit dem Angeklagten häufig zusammengekommen ist, bleibt aber bei seiner Bekundung. Als Seefeld eines Tages wieder einmal bei ihm war, habe man abends davon gesprochen, daß in der Zeitung gestanden hätte, ein Uhrmacher sei bei Neuruppin festgenom- m e n worden. Seeseld fyabe darauf ein sehr a u f- aeregtes Wesen gezeigt. Er habe sich besonders für die fragliche Zeitungsnotiz interessiert. Die Mutter des Zeugen machte daraufhin zu Seefeld die Bemerkung: „Sie sind ja so erregt, Sie werden wohl auch gesucht?" Dieser Vorfall spielte sich zwei Tage nach der Ermordung eines Knaben ab. Am anderen Tage sei der Angeklagte weitergewandert. Zuvor habe er die Mutter des Zeugen gefragt, ob sie nicht einen Mantel für ihn habe. Als der Vorsitzende Seefeld darauf hinweist, daß dieser Umstand doch verdächtig sei, und der Angeklagte vielleicht bezweckt haben könnte, sich durch einen anderen Mantel unkenntlicher zu machen, kommt Seefeld wieder mit seiner Redensart: „Das kommt für meine Person gar nicht in Frage". Er versucht, die belastenden Aussagen dieses Zeugen als Schikane hinzustellen. Der Zeuge bleibt aber bei seinen Bekundungen. Mehreren Zeugen gegenüber hat Seefeld auch geäußert, daß er besondere Griffe kenne, mit denen man einen Menschen schnell töten könne. Im Mordprozeß Seefeld vor dem Schweriner Schwurgericht kam es zu einem bezeichnenden Zwischenfall. Im Rucksack des Angeklagten war nach seiner Verhaftung ein braunes Tuch gefunden worden, das eigentümliche Flecken zeigte. Damals erklärte Seefeld, daß er das Tuch zum Einwickeln feiner Werkzeuge oder als Unterlage bei Uhrenreparaturen benutzt hätte. Es fei möglich, daß durch ätzende Flüssigkeiten, die er bei den Reparaturen benutzt hätte, diese Flecken entstanden sein könnten. Unter großer Bewegung im Gerichtssaal teilte seht der chemische Sachverständige Prof. Brüning das Ergebnis feiner inzwischen vorgenommenen Untersuchung des Tuches mit. Danach ist das Tuch, das Seefeld in seinem Rucksack hatte, durch und durch mit Menschenblut getränkt. Vors.: „Nun, Seefeld, was sagen Sie dazu?" Angeklagter Seefeld (erregt): „Das ist's ja gar nicht. Ich habe dieses Tuch nie gesehen und ich habe auch nie eine Unterlage benutzt, wenn ich Uhren reparierte." Der Staatsanwalt schilderte den Vorgang, daß er Seefeld das Tuch aus feinem Rucksack vorgehalten habe. Der Angeklagte habe sofort erklärt, daß er das Tuch als Unterlage bzw. zum Einwickeln von Werkzeug benutzt hätte. Seefeld (dazwischenrufend): „Das stimmt nicht, kommt für meine Person nicht in Frage." Auch als andere Zeugen des damaligen Vorfalls die Erklärungen des Oberstaatsanwalts bestätigten, blieb Seefeld dabei, das Tuch nicht zu kennen. Dorf.: „Ueberlegen Sie sich ganz genau, Seefeld, ob Sie bei Ihrer Behauptung bleiben wollen. Genau fo entschieden wie jetzt haben Sie auch in Abrede gestellt, mit dem Schüler K. zusammengewesen zu sein, der am letzten Freitag hier vernommen worden ist. Ihre Taktik ist jetzt genau so töricht wie damals; denn am anderen Tage haben Sie die Bekanntschaft mit K. zugegeben. Angekl. Seefeld: „Und wenn Sie kommen mit was Sie wollen, ich weiß von dem Tuch nicht s." Dann wurde der Zeuge K. aus Groß-Breefe vernommen, bei dem Seefeld gelegentlich Uhren repariert Kunst und Wissenschaft. Agnes-INiegel-Prels. In ihrer Vaterstadt Königsberg ist der oftpreu» ßischen Dichterin Agnes M i e g e l eine neue Ehrung zutett geworden: die medizinische Fakultät der Universität hat einen „A g n e s - M i e g e l - P r e i s" in Höhe von 1000 Mark gestiftet für die beste Bearbeitung des Themas „DerArztinderDich- tung unferer 3eit". Zu den öffentlichen Ehrungen, mit denen dem Werk und der Persönlichkeit der Dichterin in mancher Form Verehrung und Liebe erwiesen worden ist, hat sich nun diese Preisstiftung gesellt. Dor Jahren schon hat die Universität Königsberg mit der Ernennung zum Ehrendoktor den Dank abzustatten versucht, den im besonderen der deutsche Osten und seine erste und größte Stadt der Dichterin schulden. Elchendorff-Preis für Gustav Leute». Die deutsche Universität in Prag hat aus der Stiftung eines unbekannten Amerikaners den sudetendeutschen Eichendorff-Preis dem Dichter des Jfergebirgs, Gustav L e u t e l t, zugefpro- chen. Der Preis beträgt 5000 Mark. Es handelt sich um die Johann-Wolfgang-Goethe-Stifttma eines unbekannten Amerikaners, aus der jedes Jahr vier Preise zu je 5000 Mark und ein Preis zu 10 000 Mark zur Verteilung kommen. Heber die fünf Preise verfügen stiftungsgemäß die Universitäten Bonn, Freiburg i. Br., Königsberg, München und Prag. Leutelt ist bekannt durch seine Romane „Die Königshäuser" und „Das Glasmacherdorf". Ergebnis des Landjugend-Preisausschreibens der Reichsfchrifttumsstelle. Das Preisausschreiben „Landjugend erzählt" der NS.-Landpost und der Reichs- schrifttumsstelle ist abgeschlossen. Mehr als 1000 Arbeiten sind eingelaufen. Es ist keine Landschaft zu verzeichnen, die nicht ihr Teil zu dem Werk beige tragen hätte. Die ersten neun Preisträger, die nach Berlin eingeladen wurden, heißen: 1. Erich Reblin, Roßnow b. Köslin (Ostpommern), 2. Luise Bleicher, Neustädtlein b. Crailsheim in Württemberg, 3. Georg Wegener, Roßnow b. Köslin (Ostpommem), je 100 Mark; 4. Richard Edelmann, Frankfurt a. M.-Höchst, 5. Alfred Beldner, Stumberg b. Nilbau, Kreis Glogau, 6. Karl-Emmerich Krämer, Erkrach b. Düsseldorf, je 75 Mk.; 7. Otto Petrie, Vollnkirchen, Kreis Wetzlar, 8. Rudolf Schlüter, Klosterbauerschaft, Kreis Herford (Westfalen), 9. Karl Feddersen, Bohmstedt über Bredstedt (Holstein), je 50 Mark. 19 Kunstausstellungen im Gau Hesfen-Tlasiau. Mit dem Weihnachtsmarkt der Frankfurter Künstler 1935" beschloß die Abteilung „Bildende Kunst" der NS.-Kulturgemeinde Gaudienststelle Hessen-Nassau das erste Jahr ihrer Tätigkeit. Die in dieser Zeit durchgeführten Kunstausstellungen sollten ein klares Bild ergeben über den Weg, der gangbar ist, um den Forderungen unserer Zeit zu entsprechen. Darüber hinaus aber stand im Vordergrund die Hauptaufgabe, dem Künstler eine finanzielle Basis zu schaffen, die es ihm ermöglicht, mit seinem Schaffen die deutsche Kunst dem deutschen Volk zu bringen. Insgesamt hat die Abteilung „Bildende Kunst" der Gaudienststelle Hessen-Nassau der NS.- Kulturgemeinde sieben Ausstellungen durchgeführt, die zusammen 23 820 Besucher und eine Gesamtverkaufssumme von 47 025 RM. aufweisen können. Darüber hinaus haben die einzelnen Ortsverbände der NS.-Kulturgemeinde u. a. in Darmstadt, Offenbach, Mainz, Rüdesheim, Hanau und Höchst weitere zwölf Kunstausstellungen veranstaltet, die bei 20 433 Besuchern eine Gesamtverkaufssumme von 10 144,90 Reichsmark erzielten. Mithin hat die NS.-Kultur- aemeinde im Gau Hessen-Nassau insgesamt 19 Ausstellungen durchgeführt, die von 44253 Volksgenossen besuch! wurden, und aus denen für 57 169,90 RM. Kunstwerke verkauft wurden. Im neuen Jahr wird die NS.-Kulturgemeinde auf die» fern Weg weitergehen, um in zäher und unermüdlicher Arbeit ber bildenden Kunst und dem Kunsthandwerk wieder eine Grundlage zu schaffen, auf der sich ein fruchtbares künstlerisches Schaffen entwickeln kann. Wer reist mit „Kraft durch Freude"? N S G. Es gibt immer noch Menschen, die sich über die Urlauberzüge der NS.-Gemeinschaft r a f t durch Freude" ein falsches Bild machen. Sie meinen, daß ein richtiger Arbeiter gar nicht an diesen Fahrten teilnehme, denn er freue sich doch, wenn er in feinem achttägigen Urlaub sich einmal richtig zu Hause ausschlafen könne. Der kleine Mittelstand fei es, der mit „Äraft durch Freude" reife, weil er dabei billig in die Welt komme, da er die Gesellschaftsfahrten der Reisebüros nicht in Anspruch nehmen könne. Eine Statistik, die für das Jahr 1935 aufgestellt wurde, zeigt nach einer sorgfältigen Nachprüfung der Anmeldescheine folgendes Ergebnis: An achttägigen Reisen nahmen teil: 36,3 v. H. Arbeiter, 27,5 „ kaufmännische Angestellte, 23,2 „ gewerbliche Angestellte, 7,1 „ Beamte und Pensionäre, 3,4 „ Freie Berufe, 2,5 „ selbständige Gewerbetreibende. Daß sich natürlich bei vierzehntägigen Reisen das Verhältnis zu Gunsten der kaufmännischen Angestellten verschiebt, ist selbstverständlich, da dem Arbeiter ja meistenteils nur acht Tage Urlaub zustehen. Nach Durchsicht dieser Statistik muß man aber feststellen, oaß über ein Drittel der Urlauber von der Arbeiterschaft gestellt wird. Noch stärker ist die Beteiligung bei Wochenendfahrten. Es ist damit klar bewiesen, daß alle Berufsschichten des schaffenden deutschen Volkes Anteil nehmen an dem großen Freizeitwerk der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude". Die Wohlfahrtspflege im Deutschen Reichskriegerbund. NSG. Der Reichskriegerbund (Kyffhäuser- bund) ist in der Öffentlichkeit als der Bund der alten Soldaten bekannt, der seine Kameraden zur Pflege der Tradition der alten Armee, zur Kameradschaft untereinander und zum neuen Heer im besonderen anhält. Darüber hinaus aber sorgt er für die körperliche Jungerhaltung feiner Kameraden, damit im Ernstfälle das Dritte Reich auch auf die alten kampferprobten Soldaten zurück- greifen kann. Neben den großen nationalen Aufgaben hat es der Bund als eine selbstverständliche Soldatenpflicht erachtet, tatkräftig einzutreten für seine notleidenden Kameraden durch Gewährung von Unterstützungen. Das Unter- stützungswesen des Reichskriegerbundes erfordert insgesamt jährlich einen Betrag von mehreren Millionen Reichsmark! Aber nicht nur für feine Kameraden sorgt der Reichskriegerbund (Kyffhäuferbund) in vorbildlicher, Weise, sondern auch in ganz besonderem Maße für das Wohl und Wehe der Hinterbliebenen und hier vor allem für die Waisenkinder seiner Kameraden. Schon im Jahre 1882 wurde durch eine Sammlung innerhalb des Bundes der Grundstock zu einer segensreichen Wohlfahrtseinrichtung gelegt. Im Jahre 1884, bereits zwei Jahre nach der Gründung der Stiftung, wurde das erste Kyffhäuser- W a i s e n h e i m „Glücksburg" in Römhild in Thüringen gegründet. In diesem Heim haben heute 110 Kinder eine richtige Ausbildungsstätte und vor allen Dingen ein Heim gefunden, in welchem sie zu tüchtigen Menschen erzogen werden. Im Laufe der Zeit wuchs die Zahl der Waisenheime, die nur aus eigenen Mitteln erstanden und heute betreut der Deutsche Reichskriegerbund insgesamt fünf Kyffhäuser-Waisenheime, die alle von Waisenheim-Leitern verwaltet werden, die an den Kindern Vaterstelle und deren Frauen den Pfleglingen Mutterstelle vertreten. Der Unterricht wird von staatlich geprüften Lehrern und Lehrerinnen ausgeübt und erfolgt nach Maßgabe der Bestim- Fur Weinkenner bedeuten 21er Weine etwas Besonderes. Für Tabak-Kenner gilt das Gleiche vom Jahrgang 33. Einen Beweis für die Qualität dieser Ernte liefert ALVA, in deren Mischung jetzt die edlen 33er Macedonen-Tabake verarbeitet werden. bi öd Pf di! bc ' . B V ‘Ix.. B - -’t ' S i! fri" dc 12 der L/A. 9. Die Abteilung steht trauernd an der Bahre dieses jungen Soldaten. Welte, Hauptmann und Abteilungskommandeur. Am 3. Februar 1936, mittags, verstarb der Kanonier Döll Luise Pietsch nebst Kindern Gießen, den 4. Februar 1936. 0507 Statt Karten. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unseres lieben Entschlafenen, für die Kranz- und Blumenspenden sowie allen, die ihm das letzte Geleit gaben, innigen Dank Vermietungen Eine 3-Ziin John, und eine 4-ZimJohn. in bester Lage, zum 1. April zu vermieten evtl, auch als Einfamilienhaus. Schr.Angeb.um. 737D an d. G.A. 3-ZimmJohnung m.Podenzunm., Badezimm. und Gartenanteil, a. Kugelberg, zum 1. 4. 36 zu verm. NurMitgl. woll. sich schriftlich bewerben. 732D Rouooffenfdiofi 1894 e.tö. h m. 9 Gießen. Mietgesuche GoIrtLZiwr in ruhig. 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Oie Pflanzenwelt im Februar. ffrSpnHnr^ntcr j!1 wahrhaftig kein echter Winter, srnnri” durchaus nicht dem, was wir mit dem Wort „Winter verbinden. Zwar fing es Mitte ?nnnmbpitr2emmaI vielversprechend an, und als n?m?htoEnUrd "vr Weihnachten Tauwetter eintrat, glaubten manche hoffnungsstarke Wintersportler, das sei nur ein vorübergehendes Versehen. ?ran?arrcf,at uns den erhofften hohen a5n"Ee Eis unb den kunstreichen Rauh- reif nicht gebracht. Im Gegenteil! Wie oft hatte wan m den letzten Tagen das Gefühl, es sei schon recht ^^lvhrlich draußen, wenn unter blauem Himmel Kohlmeisen m der Hellen Sonne durch das Gezweig mit seinen dicken Knospen turnen und dabei laut und fröhlich jubilieren. Die Kleiber, ein ganz verläßlicher Fruhjahrskünder, pfeift und lockt und wenn gar der kecke Stabstrompeter, der Buch- °on dem höchsten Zweig in der Runde seinen selbstbewußten, frischen Ruf wie eine Fanfare der Sonne entgegen schmetter^--wahrhaftig, da denkt man nicht mehr an Winter, Schneeballicblackt und Skifahrt! Und die Wetterkundler bestätigen es uns dieses Jahr ist es viel zu warm für die Jahreszeit! Aber wie soll das werden? Der Februar ist doch auch noch ein Wintermonat. Wenn der Schnee die Saat und die Samen in der Erde nicht schützt und der Frost die Knospen nicht zurückhält, bis es Zeit für sie ist, kann es ein großes Unheil geben denn ist der Winter noch so mild — Spätfrost eund H a g e l s ch l ä g e sind unvermeidlich. Wie mag es im Sommer werden, wenn der Winter so schneearm und trocken war, der Boden nicht genug Feuchtigkeit aufsauqen konnte? Und was kann das sonst noch alles im Gefolge haben — Wieviel hängt doch vom Wetter ab! Seit Urzeiten beobachtet das der Mensch und versuchte es zu ergründen, um sich danach einrichten zu können. Da gibt es viele uralte Bauernregeln und Wetterweisheiten der Forstleute, Schäfer und Schiffer, sogar hundertjährige Kalender hat man sich geschaffen. Aber wie oft trifft alle Vorhersage nicht zu, wie oft scheint sich die Natur einen Spaß daraus zu machen, die gescheiten Menschen an der Nase zu führen. Da kamen Männer und faßten die Sache mit wissenschaftlichen Mitteln an. Nicht nur das Wetter, den Gang der meteorologischen Erscheinungen durch die Jahre, sondern auch die so ungeheuer wichtigen Beziehungen zwischen dem Klima und der übrigen Natur, vor allem zu Tier- und Pflanzenwelt, auf die wir Menschen doch angewiesen sind, suchte man zu erforschen. So entstand die P h a e n o l o g i e, ein Grenzgebiet der Klimatologie und Biologie. In mühevoller gewissenhafter Kleinarbeit trug man Jahr für Jahr alle wesentlichen Ergebnisse zusammen. Mit unermüdlichem Eifer hatte der längst verstorbene Gießener Professor Hoffmann einen großen Stab von Mitarbeitern in Bewegung gesetzt, über ganz Europa seine Beobachtungsstellen verteilt, und so in jahrzehntelanger Arbeit aus der Fülle von Befunden für die verschiedenen geeigneten Merkmale des Naturablaufes im Jahre zuverlässige Mittelwerte errechnet, etwa: „Haselnuß: stäubt am 11. Februar!" — Nein, so einfach ist das nicht! Die Natur ist keine geeichte Maschine, sondern gewissermaßen ein lebendes Wesen, das zwar durch unabänderliche Gesetze Form und Grenze hat, darinnen aber ist ihm ein weiter Spielaum von Möglichkeiten und Unegelmäßigkeiten gegeben. Wenn wir uns also im Januar vorgenommen hatten, im Ablauf dieses Jahres auf das Leben der Pflanzenwelt zu achten, besonders die Blüten und Blumen zu suchen, kennen zu lernen und uns für jeden Monat eine als Merkmal und Wahrzeichen herauszunehmen, dann muß uns doch klar fein, daß das etwas anderes ist, als im Kursbuch Zuganschlüsse zusammenzustellen, trotz der vielen Tabellen der Vegetationszeiten und der Phaenolo- gischen Karten. Denn erstens ist das Wetter und alle anderen Umstände, die auf die Pflanzen einwirken, in dem Jahr etwas anders geartet. Dann gilt das, was am Rhein zutrifft, noch lange nicht an der Elbe. Die errechneten Mittelwerte brauchen also nicht in jedem Jahr mit dem Befund übereinzustimmen. Ein strenger Winter wird alles hinausschieben, ein feuchtwarmes Frühjahr wird beschleunigen. Weiter hat Hoffmann alle seine Daten auf Gießen bezogen, wer in Mainz sitzt, wird also etwa fünf Tage vor Gießen die Haselkätzchen stäuben sehen, die Mecklenburger und Holsteiner müssen noch etwa acht bis vierzehn Tage länger warten. Und die im Osten wissen, daß ihr binnenländisches Klima bei ihnen alles später erblühen, aber früher reifen läßt, als in dem feuchteren, ausgeglicheneren Westen. Noch etwas ist von Bedeutung. Eine Pflanze, die wind- und wettergeschützt an einem Südhang wächst, blüht und grünt eher, als ihre Artschwester, die mit aller Unbill des Wetters und des Bodens an einem Nordhang kämpft. Auch ist der Frühling nicht überall zu gleicher Zeit, langsam steigt er von Südwesten her bergan, den Rückzugsstellungen des Winters entgegen. — Dies alles muß man bedenken und sich immer wieder vor Augen führen. Es wäre sinnlos, unbelastet von Sach- und Fachkenntnis unsere Blumenstreifjagd zu beginnen, aber wir wollen uns auch nicht nur in die Angaben der phaenologischen Literatur vergraben, sie sollen und müssen uns Wegweiser und Rüstzeug sein. — Jetzt endlich auf und hinaus in die Welt des Februar! Was finden wir anders als im vorigen Monat? Wo ist schon etwas Neues, was hat sich geändert? Nun, die Tage sind länger geworden, es ist auch sonst schon lebendiger draußen, — über die Temperatur wollen wir besser noch nichts voraussagen. — Schon Ende Januar fiel uns in Garten und Park etwas zwischen all dem kahlen, grau-schwarzen Astwerk auf. Die Kätzchen der Haselnuß trieben zu langen Trotteln aus und zauberten mit ihrer grünlich-grellen Schlankheit eine Frühjahrsvorahnung in die Landschaft, die sich gut mit Finken- und Meisenfchlag vereinte. In der zweiten Februarwoche, so um den 11. herum, wird Corylus Avellana, die Hasel, stäuben. Damit fängt für den Phaenologen das Jahr an! — Und für den 18. Februar hat Prof. Hoffmann das erste Lied der Lerche angekündigt. Am 24. werden die Schneegänse auf ihrem Heimweg zum hohen Norden über uns hinwegziehen. Ja, in der zweiten Hälfte des Monats beginnt tatsächlich schon der Vogelschutz, dieses wunderbare Geschehen, das uns von Jahr zu Jahr immer wieder packt und begeistert. — Gewiß ist der Anblick der blühenden, stäubenden Hasel ein freudiges Ereignis, aber sie ist eine windbestäubte Kätzchenpflanze, ein Holzgewächs aus der Familie der Betulaceen. — Und wir wollten doch richtige Blumen suchen. Da müssen wir doch noch etwas Geduld haben: es blüht uns heuer noch manches, nicht bloß Eisblumen wie im Januar Ha, Schneeglöckchen, höre ich schon einen denken. Weit gefehlt! Viel früher schon! In geschützten Gärten, im Freien unter schattigem Gebüsch finden wir in der Mitte des Monats eine kleine goldstrahlende Gipfelblüte. Aus einer von drei vielfach geteilten Blättern gebildeten Hülle reckt sie sich über die langgestielten Blätter, deren rundlich-herzförmige Spreite tief geschlitzt und gezipfelt ist, empor. Es ist der Winterling Eranthis hiemalis, ein Hahnenfußgewächs. Dicht fitzen viele dieser bis zu zehn Zentimeter großen Pflänzchen bescheiden zusammen unter Gebüsch in Baumpflanzungen und Hausgärten, unsere erste Blume im Jahr. Aber wenige Tage später erfreut uns in den Wäldern, an feuchten Stellen im Mischwald, an waldigen Ufern oder in Bergwäldern ein viel prächtigeres Bild. Der Seidelbast hat die dicht beieinander stehenden Aeste seines Strauches eng besetzt mit vierzipfeligen rosafarbenen Blütchen. Zu dreien sitzen sie in einer alten Blattachsel. Viele übereinander, zu richtigen Büscheln vereint, leuchten sie farbenfroh in den Tag. Ein überraschender, entzückender Anblick, diese blühende Daphne Mezereum, auch Kellerhals genannt. Aber es kommt ja noch mehr, noch echte Blumen, — — wenn das Jahr und der Ort günstig ist. In der letzen Woche des Februar brechen die Schneeglöckchen durch. Jeder kennt sie, die zarten, weißen Blütenglöckchen an dem elegant geneigten Stengel, umgeben von dem Paar dunkelgrüner, schlanker Laubblätter. Das kleinere Galanthus nivalis und das große, wilde oder Frühlings-Schneeglöckchen Leucoium vernum, bei dem die Blütenglocke größer und geschlossener wirkt, da die inneren Zipfel der Blütenhülle fast so groß sind, wie die äußeren. Mitunter erscheint auch in den letzten Februartagen schon das Leberblümchen. Wieder eine kleine Ranunculacee; mit lang gestielten, meist dreilappigen Blättern verbirgt es seine kleinen blauen, selten auch einmal weißen oder rosa Blütchen im Gebüsch und im Wald. Hepatica nobilis oder triloba ennt es der Botaniker und sieht es eigentlich lieber erst im März ans Licht kommen. Von allen genannten Frühblütern steht es nicht unter Naturschutz, auch die beiden nächsten nicht. Nicht selten stäuben die Kätzchen der Erlen schon jetzt. Sowohl die häufigere Schwarzerle, als auch die hier seltenere Grauerle, die wild mehr in Gebirgswäldern und im Oder-Memel-Ge- biet vorkommt. Beider Hauptblütezeit ist aber eigentlich erst im März. Das wären wohl die Pflanzen, die wir zu dieser Jahreszeit blühend fänden, wenn die Natur es so will. Einige blühen vorwiegend erst im nächsten Monat, ein Teil sind Holzgewächse und damit keine Blumen, wie wir sie suchen. Da fällt uns diesmal die Wahl nicht schwer, d i e Blume des Monats zu finden! War es im Januar mit einem etwas verlegen-spaßhaften Ausweg die Eisblume, so ist es diesmal die e r ft e wirkliche Blume des Jahres, der Winterling, als das Wahrzeichen des Februar. Walter Neurath. Der beste Schütze der deutschen Zägerschast. In Wannfee bei Berlin wurde in mehrtägigem Wettbewerb das Meisterschaftsschießen des Reichsbundes der Deutschen Jägerschaft durchgeführt, das mit dem überragenden Siege der ersten Mannschaft der Provinz Sachsen endete. Der beste Schütze war das Mitglied dieser Mannschaft A p e l, der auf unserem Bild von Oberstjägermeister S ch e r p i n g die Goldene Plakette der Deutschen Jägerschaft erhält. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Neues im Grundstückswesen. Nachdem im Jahre 1934 die große Arbeitsbeschaffungsaktion unter tatkräftiger Teilnahme des ganzen deutschen Hausbesitzes in Angriff genommen und durchgeführt wurde — bei starker Unterstützung durch die Reichs-, Staats- und Gemeindebehörden —, mußte diese Aktion 1935 vorwiegend aus der eigenen Initiative des Hausbesitzers heraus fortgeführt werden. Der Hausbesitz hat neben seinen anderen beträchtlichen Lasten eine volkswirtschaftliche Tat vollbracht, die hoch angeschlagen werden muß. Die Belebung im Handwerk und der Rückgang der Arbeitslosigkeit besonders in denjenigen Teilen der Wirtschaft, die mit dem Bauwesen eng Zusammenhängen, zeugen für den großen Einsatz an Kapitalien, den der Hausbesitz aufgebracht hat. Der Reichsarbeitsminister, zu dessen Bereich das gesamte Wohnungswesen heute gehört, hat sich ausdrücklich durch einen Erlaß im Oktober des Jahres gegen die Wiedereinführung der Wohnungszwangswirtschaft ausgesprochen. Das war eine sehr bemerkenswerte Erklärung, die im Hausbesitz und in der ganzen Wirtschaft sicherlich begrüßt worden ist. Die frühere Wohnungszwangswirtschaft hat natürlich dem Hausbesitz schwere Schäden zugefügt, die Rentabilität hat gelitten, viele Grundstücke sind nahezu verkommen. In Zukunft wird nach dem Willen des Reichsarbeitsministers die Kleinsiedlung neben der sonstigen Neubautätigkeit im Mittelpunkt der deutschen Wohnungspolitik stehen. Uebrigens ist am Ende des vergangenen Jahres ein neue r Reichszuschuß für Wohnungsteilungen und Umbauten in Höhe von etwa 10 Millionen Mark gewährt worden. Man rechnet für das Jahr 1936 mit einem Bauprogramm von etwa 300 000 Einheiten, wie Oberregierungsrat Dr.J.Fischer-Dieskau im„Grunb- eigentum" kürzlich festgestellt hat. Sehr wichtig ist die Regelung des Hypothe- k e n s ch u tz e s , die am Jahresende vorgenommen worden ist. Schon im Vorjahre war eine Verlängerung des Hypothekenmoratoriums ausgesprochen, und zwar auf 1 Jahr bzw. IV4 Jahr. Das jetzt erlassene sogenannte dritte Kapitalsverkehrsgesetz sieht eine Verlängerung des Kündigungsverbots um 3 Jahre bis zum 31. Dezember 1938 und eine Verlängerung der gesetzlichen Stundung bis zum 31. Juli 1939 vor. Durch das vorjährige Gesetz waren diese Fristen sämtlich bereits im Jahre 1936 abgelaufen. Da es sich bet den freiwerdenden Hypotheken um Milliardenbeträge gehandelt hätte, wäre eine Rückzahlung für die übergroße Mehrzahl der Haus- und Grundbesitzer unmöglich gewesen, so daß durch das neue Kapitalverkehrsgesetz mancher von schweren Sorgen befreit worden ist. Im Jahre 1935 ist auch eine neue Reichs- kostenrechnung erlassen worden. Es handelt sich hierbei um die Kosten in Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit und der Zwangsvollstreckung in das unbewegliche Vermögen. Dadurch sind die Gebühren und Auslagen in Register- und Grundbuchsachen, in Nachlaß- und Zwangsverwaltungssachen usw. sowie die Kosten der Notare ge- Das ewige Antlitz. Von Ernst Miecherl Als ich ein Kind war, starb mein Großvater. Meine Mutter weinte, und ich fühlte, daß Schweres geschehen war. Aber ich wußte nichts vom lobe Ich hatte den Tod des Tieres gesehen und grübelnd davor gestanden, aber er war mir nichts mehr als ein Aufhören von Bewegung, Freiheit, Tatigfem, ein abgerissener Faden, Zerschlagensein, Zusammenbruch. Ich bewegte heimlich die toten ©lieber, unb es schien mir schrecklich, daß sie mir gehorchten, baß kein Widerstand war, keine Abwehr, kein Eigemum gleichsam, daß herrenlos geworden war, was ich m Herrlichkeit fliegen, stürzen, leben gesehen hatte. Aber ich wußte nichts vom Tode. Wir fuhren zur Beerdigung, im Wagen, durch Wälder, in denen die Vögel fangen. Aber bann führte man mich vor die Leiche und befahl nur 311 beten. Und dann sah ich den Tod. 34 fab eine Blässe der Stirn, die ich nie zuvor gesehen harre, ich fühlte die Kälte, das Schweigen, das Iernsem, zu dem die Brücke gebrochen war. Ich suhlte Die Spaltung der Welt, die ungespalten gewesen war die Erschütterung des Unerschütterten, den Einsturz eines Hauses, um dessen vertraute, warme Dinge ei eisiger Luftstrom aus einer schrecklichen Fremde lautlos brach. Ich erkannte den Tod und m seinem Antlitz erkannte ich zum ersten Male bas Lebe - Ich stand auf einer Waage, und weine Schale stürzte tief ins Bodenlose, während die Schale des Todes schwindelnd in die Sterne stieg. Aus der Emhett kürzte ich in die Erkenntnis der Zweiheit, in die Erkenntnis der Welt, der Vergänglichkeit, der Ewig- '"g* wurde ohnmächtig bei dieser Beerdigung zum emuaen Mal in meinem Leben. Ich hatte Gott ge- febeV In dem ersten ewigen Antlitz, das sich mir ohne Abwehr bot, hatte ich Gott gesehen und aus- ^E?ist'nun'"°ll°7 d'-7 Einmütigen -nMeidet. der Tod die Liebe die Verzweiflung, die Ekstase. Ich habe meine Kleider abgelegt und wieder ang-z°g-n mein- Tränen geweint und getrockne m-m-Fe SM ihr Lachen wie ihr Leid ist an meinenJffianben ge- Hieben als ein Nachhall nach d°m Schlafen emer Uhr czch habe mich gesträubt und gebäumt wie aue, und Lebinlch unter da- «etz «°tt° °n um in des Gesetzes Kreisen zu voll-nd-m Ich ->-ch. datz die Ferne kommt, in die nur unaufhörlich stürzen di- Fern- eines Kreises, den w.r als Kmder begannen. mit blinden Augen. Wul* bJ“7nerten und an dessen Ausgangspunkt wir vollenden werden, mit dem ewigen Antlitz, in dem die unbestechliche Ernte ruht. Es tut mir gut, vor dem Widerschein dieser kommenden Ferne zu sitzen, vor dem Kaminfeuer eines nächtlichen Hauses, vor einem Wald, den der Herbst entkleidet, vor einem Meer, in das die Sonne sinkt. Aber es ist ein schwacher Abglanz des ewigen Antlitzes, und vor dem Tod zu stehen, ist als ob die Hand dieser Ferne sich leise über die gebrochene Brücke hebe, um unsere Hand zu fassen, hinüber über den großen Kreis, daß die Qual der Rundung erlösche und die Mühe des Ringes zerfalle, damit man das Ewige erkenne „von Angesicht zu Angesicht." Ja, es ist nowendig, daß du Kerzen entzündest über einer toten Stirn. Alles Licht ist unheilig außer ihrem leise suchenden Glanz, weil nur in ihrem Licht sich Tod und Leben sichtbar binden, das Erhaltende, das aus der Verzehrung steigt, das Gereinigte, das über dem Verweslichen schwebt. Und entzünde sie zu beiden Seiten, daß nicht Schatten sich über das Makellose stürzen, daß nicht die Zweiheit teile, was in der Einheit ist. Und dann sitze vor dem ewigen Antlitz, von der Dämmerung des Abends bis an die Dämmerung des Morgens. Schweigen erfüllt das Haus. Es ist nicht das «schweigen der Nacht, des Schlafes, der Sonnenferne. Alle diese Schweigen sind da, wie sie allnächtlich da sind, aber über ihnen, sie durchdringend, abweisend, auslöschend, ist das große Schweigen, das von diesem Antlitz ausstrahlt, auf alle toten Dinge des Raumes, ein beherrschendes, unantastbares, unerbittliches «Schweigen. Du haft dasselbe Antlitz in der Ruhe gesehen, in der Versunkenheit, abgewandter Gedanken, im Frieden, im Schlafe. Du hast geglaubt, sein Schweigen zu kennen. Und nun weißt du, daß dieses Schweigen der Ruhe ober des Schlafes erfüllt war von einem lodernden Leben, wenn du es mit diesem Schweigen vergleichst. Es ist das ewige Schweigen. Es ist herausgehoben aus dem Raum und der Zeit, aus der Vergänglichkeit aller Tage und Nächte, der Freude und des Schmerzes. Die Wände des Raumes stehen um dich, regungslos wie sonst. Die Uhr geht leise, unaufhaltsam durch die Zeit, wie sonst. Aber du fühlst, daß sie nur für dich da sind, in einer Art von Barmherzigkeit, Grenzen gleichsam, damit dein auseinanderfallendes Leben sich nicht verstreue und verspüle in das Grenzenlose. Aber sie sind nicht für das ewige Antlitz da. Dieses Antlitz ist jenseits der Wände und des Uhrenschlages. Es ruht in dem Zufälligen und Armseligen deines Raumes und deiner Zeit mit einer Art von gütigem, nachsichtigem Gewähren, wie die Leiche eines Königs, die man vom Schlachtfeld trug, in den Mauern einer armen Dorfkirche ruht, während das königliche Angesicht schon der Ewigkeit gehört, den Völkern, der Geschichte, Gott. Gießener Gtavttheaier. (Gastspiel des Musik-Clowns Roni. Noni ist Engländer von Geburt, entstammt einer Artistenfamilie, kam im Zirkus seines Vaters zur Welt, begann fein öffentliches Auftreten im Alter von vier Jahren, erhielt feine musikalische Ausbildung in Frankreich, spielt achtzehn verschiedene Instrumente und reift heute mit feiner ganzen Familie von Stadt zu Stadt. Er nennt sich Musik- Clown, und zwar mit Recht, er leistet sowohl als Musiker wie als Clown Beträchtliches. Als das schönste Erlebnis seiner langen Laufbahn bezeichnet er, wie im Programm zu lesen ist, eine ungewöhnliche Auszeichnung durch die Königin von England, die ihm, entzückt von seiner Vorstellung, nachher in ihrer Loge mit eigener Hand eine Rose ins Knopfloch steckte. Was der Königin von England recht war, darf uns billig sein. N 0 nis Nummer, im Mittelpunkt eines ausgedehnten Programms stehend, ist so beschaffen, daß sie sich einer auch nur andeutenden Wiedergabe im Bericht schlechterdings entzieht Man kann eine Varietö-Nummer solcher Art auf dem hier zu Gebote stehenden Raum nicht schildern, und wenn man es könnte, würde man vermutlich ihre unwiderstehliche Wirkung nicht zu erklären ober zu begrünben vermögen Man hat bie Rivels beschrieben, auch Grock aber es blieb ein ziemlich unzulängliches Unterfangen. Man muß Grvck sehen, unb man muß auch Noni sehen ... und hören vor allen Dingen. Wir können uns nur an eine Szene erinnern, die uns in eine ähnlich fassungslose Heiterkeit versetzte: das war vor Jahren bei dem unvergleichlichen Humsti-Bumsti im Berliner Wintergarten. Noni bringt verwandte Wirkungen mit verwandten Mitteln hervor. Es ist nicht der Hokuspokus mit der Geige, der uralte Trick mit dem davonlaufenden Hut, die Begleitung am Klavier oder bie „solo" gespielte „Traviata" — fonbern die natürliche unb überqueüenbe Heiterkeit, bie ben mißlichen unb unvorhergesehenen Zwischenfällen bes Daseins lächelnb unb also am Enbe überlegen gegenübersteht. Er erfindet Situationen, bie an die Abenteuer ber berühmten schwebischen Karikatur Abamson erinnern, aber er reicht immer noch ein Stückchen über bie Situation an sich hinaus unb weiß bie Pointe baraufzusetzen. Wie erstaunlich musikalisch er begabt ist, kann man aus der ganzen Nummer nur ahnen: gewiß ist, daß er nicht nur lächeln, sondern so recht aus vollem Herzen lachen kann, daß das ganze Haus unwiderstehlich davon angesteckt wird. Die musikalische Vielseitigkeit hat Noni feiner Tochter Anita vererbt. Sie bestreitet die umfangreiche Schlußnummer, und es ist in der Tat verblüffend, was dieses Kind, ein schmales, zartes Persönchen von zwölf Jahren, alles beherrscht. Sie arbeitet mit einer überraschenden Sicherheit, zwischen musikalischen und akrobatischen Effekten abwechselnd, sie dirigiert ein kleines Orchester, spielt Xylophon, Harfe, Akkordeon, tanzt Spitze und exerziert zum Schluß die ganze hohe Schule der Parterre-Akrobatik mit der unverbrauchten Geschmeidigkeit ihres kleinen, weichen, kindlichen Körperchens. (Wahrscheinlich hat sie schon im gleichen Alter wie seinerzeit ihr Vater mit dem Training begonnen.) ♦ Das Vrogramm von Noni, Vater unb Tochter, wirb umrahmt unb ergänzt von einigen hübschen unb wirkungsvollen Programmnummern. Als Ansager präsentiert sich Oscar Albrecht, ber nicht nur den üblichen oerbinbenben Tert spricht unb babei vom Hunbertsten ins Tausenbste kommt ber sein Publikum ausgezeichnet unterhält unb in Stimmung bringt, politisch unb unpolitisch im Dialekt unb auf Hochdeutsch, ber ein ganzes Potpourri verschollener Schlager zum Besten gibt, gar nicht zu reben vom aktuellen Schachspiel, vom abessinischen Krieg, von ben „Männerschicksalen" unb ber Muttersprache, von ber möblierten Wohnung mit Plüsch unb Nippes unb (zuletzt) mit ber schönen echt frankfurterischen Geschichte von ber einbeinigen Gans * Sehr lustig waren ferner bie originellen Schattenspiele bes Herrn Chung-Ching, der die alte heitere unb anmutige Fingerfertigkeit aus bem Fernen Ollen zu überraschender Vollkommenheit entwickelt hat — Lebhaften Anklang fanden endlich die sechs frohen Sänger vom Reichssender Köln, die ben heiteren Abenb einleiteten unb mit einigen Proben aus ihrem reichhaltigen Repertoire, im Stile ber Comedian Harmonists, auswarteten: „Unter bem Sternenzelt" klingt beinah wie eine Volksweise, aber sie können auch spanisch („Beim roten Wein") unb sogar platt („Et geiht nir över be Gemütlichkeit"). * Es dauerte, alles in allem, fast eine Stunde länger als vorgesehen, aber das Publikum war in festlicher Laune und spendete reichlich und dankbarerheitert Beifall. hth. fre' 0 t, a e '' 'Zu n < ged Das d k U d. 15. G' ze irif H ' n ufo l 3C s 2/ helk- Ar. de UT| £ D ? 2 e t) f , d f w, i. 1. bei. bei pfr; dis? . NU > ■; da B«.; Vi ;■ " regelt. Nicht aber die Kosten in Zivilprozessen, Strafprozessen, Konkurs- und Vergleichsverfahren. Weiter sind Gerichtskostenmarken des Reiches ein- aeführt. Von Bedeutung für den Haus- und Grundbesitz ist auch die Neuordnung des Schorn- steinfegerwesens für das Reich geworden. Hierdurch find Möglichkeiten geschaffen worden, alle Neuerungen zu berücksichtigen, die im Interesse der Wertehaltung des Hausbesitzes in den letzten Jahren zur Einführung gelang sind. In den meisten Bezirken des Reiches sind infolgedessen auch bereits neue Kehrordnungen und Kehrgebührenordnungen erlassen worden. Wichtig ist auch das Verbot der Errichtung und des Beziehens neuer Dauerwohnlauben. Er hatten sich hier besonders in Berlin Mißstände ergeben, die im Interesse einer Gesundung der gesamten Wohnungswirt- schaft beseitigt werden mußten. Natürlich werden durch die Uebergangsfristen die Kleingärtner vor unbilligen Härten geschützt, während man sich auf der andern Seite bemüht, Ordnung zu schaffen, die gerade auf diesem Gebiet für die Gesundung des Kleingartenwesens und einwandfreie Wohnungsverhältnisse unumgänglich notwendig ist. Neue Dauerwohnlauben dürfen also nickt entstehen, wenn diese Ordnung erreicht werden soll. Es hat infolgedessen eine planmäßige Ueberwachung der Woyn- laubenkolonien eingesetzt und eine Verschärfung der baupolizeilichen Vorschriften für Wohnlauben ist in Aussicht genommen. Beachtlich ist fernerhin eine Vorschrift, die Steuerberatern die Vereinbarung eines Erfolgshonorars verbietet. Im abgelaufenen Jahre 1935 ist auch hie O r - ganifationsfrage im Haus- und Grundbesitz geregelt worden.'Der Zentralverband deutscher Haus- und Grundbesitzervereine e. V. ist als alleinige Vertretung des deutschen Hausbesitzes anerkannt worden. Auf der anderen Seite find auch die Mieterintereffen in einer Organisation zusam- mengefaßt. Der früher eingeführte Einheits - Mietvertrag und die Hausgemeinschaft haben eine weitere Förderung erfahren. Für die Stabilisierung der Verhältnisse hat auch die Deutsche Gemeindeordnung des Jahres 1935 Bedeutung erlangt, da hierdurch die nationalsozialistischen Grundsätze Eingang in diejenigen Instanzen gesunden haben, mit denen der Hausund Grundbesitz in erster Linie zu tun hat. Im Laufe des Jahres 1935 ist ferner die Einheitsbewertung auf Grund des Reichsbewertungsgesetzes vom 16. Oktober 1934 im wesentlichen durchgeführt. Am Anfang des Jahres waren klare Bestimmungen erlassen, auf Grund deren die Bewertung vorgenommen ist. Bei der Hauszinssteuer kommen Senkungsbeträge von 25 v. H. auf Grund des Gesetzes zur Förderung des Wohnungsbaues dem Steuerschuldner, also dem Hausbesitzer, nicht unmittelbar zugute, da sie in den Rechnungsjahren 1935 und 1936 an das Reich als Einzahlung in Form einer Anleihe abgeführt wird. Der Steuerschuldner erhält in Höhe der Senkungsbeträge Anleihestücke, die er auch verkaufen und beleihen kann. Inzwischen hat die Auslieferung der Stücke eingesetzt, so daß auf diesem Gebiete völlige Klarheit eingetreten ist. Jndustriegerste liegt ruhiger. Futtergerste fehlt ebenso wie Hafer, seitdem für letzteren die Anmeldepflicht ergangen ist. In Futtermitteln finden mangels Angebot kaum Umsätze statt. Futter- und Nachmehle werden genügend angeboten, Biertreber und Malzkeime weniger begehrt. Es notierten (Getreide je Tonne, alles übrige je 100 Kilo) in RM.: Weizen W 13 209, W16 212, W 19 216, W 20 218. Roggen R 12 172, R15 175, R18 179, R19 181. Futtergerste nicht notjert. Braugerste 225 bis 230, Hafer nicht notiert. Weizenmehl W 13 28,25, W 16 28,50, W 19 28,50, W 20 28,85; Roggenemhl R 12 22,45, R 15 22,80, R 18 23,30, R19 23,50 plus 0,50 RM. Frachtausgleich. Weizennachmehl 17,00, Weizenfuttermehl 13,25. Weizenkleie W13 10,65, W16 10,80, W19 11,00, W 20 11,10; Roggenkleie R 12 9,95, R15 10,15, R 18 10,40, R 19 10,50. Sojaschrot 16,20, Palmkuchen 16,80, Erdnußkuchen 18,30, Treber nicht notiert, Trockenschnitzel 9,04, Heu 8,25, Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreßt, 3,60 bis 3,80, gebündelt 3,50 bis 3,80. Kartoffeln: Industrie hiesiger Gegend 3,30, gelbfleischige hiesiger Gegend 3,20, weiß-, rot- und blauschalige 2,90 RM. per 50 Kilo bei Waggan- bezug. Tendenz: ruhig. Srantfurter Schlachtvlehmarkt. Frankfurt a.M., 3. Febr. Auftrieb: Rinder 780 (gegen 689 am letzten Montagsmarkt), darunter 160 Ochsen, 68 Bullen, 429 Kühe, 123 Färsen. Zum Schlachthof direkt: 1 Bulle, 1 Kuh. Kälber 385 (409), Schafe 152 (58), Schweine 2928 (2983). Notiert wurde pro 1 Zentner Lebendgewicht in Mark: Ochsen a) 43 (am 27. Januar 43), b) 43 (43), c) 43 (42 bis 43), d) 36 bis 43 (34 bis 41). Bullen a) 43 (43), b) 43 (43), c) 43 (43). Kühe a) 43 (43), b) 39 bis 43 (39 bis 43), c) 32 bis 38 (32 bis 38), d) 23 bis 31 (23 bis 31). Färsen a) 43 (43), b) 43 (43), c) 43 (43), d) 40 bis 43 (40 bi» 42). Kälber andere a) 60 bis 66 (53 bis 60), b) 51 bis 58 (43 bis 52), c) 42 bis 50 (35 bis 42), d) 33 bis 41 (26 bis 34). Lämmer und Hämmel b2) 50 (50), c) 48 bis 49 (48 bis 49), d) 44 bis 47 (—). Schafe f) 38 bis 43 (—). Schweine al) 57 (57), a2) 57 (57), bl) 56 (—), b2) 55 (55), c) 53 (53), d) 51 (51), e) — (51). Sauen gl) 57 (57), g2 50 bis 57 (57). Marktverkauf: Rinder lebhaft, ausverkauft. Kälber, Hämmel und Schafe mittelmäßig, geräumt. Schweine wurden zugeteilt. Ueberftanb: 4 Kühe, 9 Schafe. Großhandelspreise für Fleisch und für Fettwaren. Beschickung: 688 Viertel Rindfleisch, 64 ganze Kälber, 30 ganze Hämmel, 542 halbe Schweine. Notiert wurden pro 50 Kilogramm in Mark: Ochsenfleisch b) 75 bis 77), c) 72 bis 75. Bullenfleisch b) 74 bis 77; Kuhfleisch b) 68 bis 74, c) 58 bis 68. Färsenfleisch b) 75 bis 77, c) 72 bis 75. Kalbfleisch b) 74 bis 80, c) 66 bis 74. Hammelfleisch b) 90 bis 95. Schweinefleisch b) höchster Preis 80. Fettwaren. Roher Speck unter 7 Zenti» Meter höchster Preis 80, Flomen höchster Preis 80. Marktverlauf: mittelmäßig. Anmerkung: Ab heute werden bei den Schweinen folgende Schlachtwertklassen notiert: al), a2), bl), b2), c), d), f). Sauen gl), g2) (bisher al), a2), b), c), d), e), f), gl), g2). Schweinemarkt in Alsfeld. co Alsfeld, 3. Februar. Auf dem heutigen Schweinemarkt waren 320 Ferkel aufgetrieben, darunter 240 Händlerschweine. Für sechs bis acht Wochen alte Tiere wurden 20 bis 25 Mark bezahlt, acht bis zehn Wochen alte kosteten 25 bis 30 Mark pro Stück. Der Handel war flott, es verblieb ein i Ueberftanb von etwa 80 Ferkeln. Wirtschaft. Ovecheffen. Die Zndustne- unb Handelskammer Gießen gibt Auskunft: 89: Holländische Sonderkontingente für die Leipziger Frühjahrsmesse 1936. 90: Abschluß des Warenabkommens mit Dänemark für 1936. 91: Veröffentlichung des finnischen Ermächtigungsgesetzes zum Schutze des Ausfuhrhandels. 92: Bekanntmachung KP 98 der Ueberwachungs- stelle für unedle Metalle betr. Kurspreise. 93: Besondere Kontingentszuweisungen an Handelsagenten in den Niederlanden. 94: Verbot der Einfuhr von in Deutschland umlaufsfähigen Münzen aus Silber oder aus unedlem Metall in den Niederlanden. 95: Die Behandlung von Nebenkosten im Warenverkehr mit Frankreich. 96: Bezahlung der Nebenkosten im Warenverkehr der Schweiz mit Deutschland unbedingt clearingpflichtig. 97: Bekanntmachung KP 99 der Ueberwachungs- stelle für unedle Metalle betr. Kurspreise. 98: Frachtfreie Rückbeförderung von Schaugütern der Leipziger Messe. 99: Die rumänischen Einfuhrbewilligungen für das 1. Vierteljahr. Rhein-Mainische Börse. Uliffagsbörfe freundlich. Frankfurt a. M., 3. Febr. Die Börse hatte bei freundlicher Haltung einen zögernden Beginn, erst allmählich wurde das Geschäft etwas reger. Aufträge aus dem Publikum lagen nur wenig vor, auch der berufsmäßige Börsenhandel betätigte sich nur in kleinem Umfange. Am Aktienmarkt entwickelten sich die Kurse etwas ungleichmäßig, es ergaben sich jedoch nach beiden Seiten nur geringfügige Veränderungen. Nach den ersten Notterungen überwogen bei etwas größeren Umsätzen leichte Befestigungen. IG. Farben eröffneten mit 153 (153,25), später 153,50. Von Elektroaktien wurden AEG. mit 39 bis 39,25 (39) lebhafter gefragt, Felten zogen 1 v. H. an, die übrigen Werte lagen etwa behauptet. Montanaktien waren nach ruhigem und kaum veränderten Beginn später mäßig höher, Hoesch 89,90 bis 90,50 (90), Verein. Stahlwerke 81,25 bis 81,50 (81,50), Klöckner 86,50 (86,25), Rhein. Braunkohlen 220,50 (219,75), Mannersmann uno. 84,65. Von Motorenwerten gewannen Daimler und BMW. je 0,25 v. H. auf 103,25 bzw. 123,75, ferner Muag 80,90 (80,50), Moenus Maschinen uno. 84. Zellstoffaktien lagen uneinheitlich, Aschaffenburger 86,13 bis 86 (85), Feldmühle Papier 119,50 (119), dagegen Waldhof 119 (120). Im einzelnen setzten ein: Bank für Brauindustrie 120,50 (119), Reichsbank uno. 186,25, AG. für Verkehrswesen 107 (106,50), AKU. 53,25 (53), Cement Heidelberg 124,50 (124), Holzmann uno. 97, Metallgesellschaft 118 (117,75), Deutscher Eisenhandel 117,75 (118), Rheinmetall 128 (128,25). Westdeutsche Kaufhof 32,40 (32,90). Der Rentenmarkt lag still. Altbesitz etwa 110,25 (110,40), Kommunal-Umschuldung uno. 87,15, Zinsvergütungsscheine 92,90 (92,90), späte Schuldbuchforderungen unv. 96,65. Von fremden Werten lagen Mexikaner etwas fester, 5prozentige äußere Gold 13,75 (13,50), 4proz. Gold 8,20 (8), 5proz. Tehuantepec 7,10 (7). Im Verlaufe war das Geschäft wieder recht ruhig und die Kurse blieben uneinheitlich. Daimler zunächst bis 104 nach 103,25, dann 103,50, Aschaffenburger Zellstoff wieder 86,13 nach 86, ferner Scheideanstalt 214 212,50), AG. für Verkehr 107,25 nach 107, Hoesch 91 nach 90.50, dagegen Licht & Kraft 132,40 (134). Am Kassamarkt kamen Schriftgießerei Stempel mit 58 (55) zur Notiz, ferner waren Großbankaktien 0,50 bis 1 v. H. höher. Am Rentenmarkt trat für die variablen Werte keine Aenderungen ein, Altbesitz wurden mit 110.30 (110,40) notiert. Goldpfandbriefe kaum verändert, Liquidationspfandbriefe etwas uneinheitlich, Stadtanleihen still und meist unverändert. Von Auslandsrenten waren Mexikaner im Verlaufe lebhafter gefragt bei um 0,13 bis 0,25 v. H. steigenden Kursen. — Tagesgeld weiter erleichtert auf 2,50 (2,75) v. H. Abendbörfe ruhig. An der Abendbörse war das Geschäft sehr klein. Bei freundlicher Grundstimmung brachten die Kurse im Vergleich zum Berliner Schluß nur Abweichungen um Bruchteile eines Prozentes. Siemens waren gegen den Frankfurter Schluß um 1,40 v. H. ermäßigt auf 175 (Berlin 174,75). Deutsche Renten lagen ebenfalls äußerst still und völlig unverändert. Von Auslandsrenten fanden 5proz. Silbermexikaner größeres Interesse bei 6 (5,95). Am Kassamarkt waren Großbankaktien weiter etwas fester, Commerzbank 90,25 (89,75), DD.-Bank 88,25 (88), Dresdner Bank 89,75 (89). U. a. notierten: Altbesitz 110,30, 5Vz v. H. Rhein. Hyp. Bank Liquid. 101,65, 4 v. H. Rumänen 5,35, 5 v. H. Innere Mexikaner 6, 4 v. H. Schweizer Bundesbahn 182, Adca 75,25, Commerzbank 90,25, DD.-Bank 88,25, Dresdner Bank 89.75, Frankfurter Hyp. Bank 94,75, Reichsbank 186,25, Buderus 97, Harpener 112,75, Mannesmann 84,75, Hoesch 90,25, Rheinstahl 112,50, Stahlverein 81,40, AKU. 53, BMW. 124,50, Bekula 139, Bemberg 94,50, IG. Chemie Basel volle 169,75, do. leere 139,25, Conti Gummi 168,75, Daimler 103, Scheideanstalt 214, Deutsche Linoleum 147,65, Licht und Kraft 132,65, IG. Farben 153,25, Gesfürel 130, Goldschmidt 114,75, Holzmann 97, Junghans 88, Metallgesellschaft 118, Moenus Maschinen 84, RWE. 129,50, Schuckert 132,50, Siemens E. 175, Gebr. Stollwerk 94, Südd. Zucker 198, Reichsbahn- Vorzugsaktien 122,40, AG. für Verkehrswesen 107,40. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 3. Febr. Nach Erhalt der Marken haben die Landwirte das Weizenangebot verstärkt. Die Mühlen nehmen aber alle Ware auf, wobei allerdings höhere Handelsspannen nicht mehr bewilligt werden. In Roggen sind die Zufuhren wesentlich kleiner, vor allem die Binnenmühlen bleiben bestrebt, sich einzudecken; dazu mußten vereinzelt Abgaben der RfG. erfolgen. Braugerste wird nur noch in kleinstem Umfange gehandelt, wobei nur für beste Qualitäten die seitherigen Preise erzielt werden. Kreis Alsfeld. } Alsfeld, 31. Jan. Den Bemühungen unserer Stadtverwaltung ist es wiederum gelungen, der hiesigen Stadt ein Gastspie 1 der Deutschen Musikbühne Berlin der NS.-Kulturgemeinde an zwei Abenden zu sichern, und zwar für den 28. und 29. Februar. Es gelangen zur Aufführung „Madame Butterfly", Oper von Puccini, und als Operettenabend „Die schöne Ga- .1 athee von Franz v. Suppe und „Die betrogenen Erben" von Puccini. Erfreulicherweise ist das Interesse für diese Vorstellungen sehr groß, so daß auch diesmal wieder mit einem ausverkauften Haufe zu rechnen ist. /^ Alsfeld, 31. Jan. Die Veteranen- und Kriegerkameradschaft Alsfeld in Verbindung mit der Kleinkaliber-Schützenabteilung hielt im „Deutschen Haus" ihren diesjährigen Kameradschaftsabend ab, der sehr gut besucht war. Die gut gewählte Vortrags- folge brachte nach der Begrüßungsansprache des 1. Kameradschaftsführers, Lehrer Hartmann, die Vorführung eines Films über den Reichskriegertag in Kassel, heitere Darbietungen, Akkor- dion - Soli, gemeinsam gesungene Soldatenlieder, einen Tonfilm über die Ausbildung unserer Reichsmarine auf dem Schulschiff „Gorch Fock", sowie das von Kameradschasismitgliedern flott gespielte Lustspiel „Im weißen Röß'l", mit dem die Darsteller stürmischen Beifall ernteten. Die Darbietungen wurden von entsprechenden Musikvorträgen umrahmt. Den Abschluß des Kameradschaftsabends bildete Tanz. A Nieder-Ohmen, 31. Jan. Das alte Pfarrhaus, in der Nähe des Hauptbahnüberganges gelegen, das vor Jahren nach dem Pfarrhausneubau in der Merlauer Straße durch Kauf in den Besitz des Landwirts Ludwig Alexander L o t h überging, wurde jetzt von dem Postmeister Reinheimer von Friedberg käuflich erworben. Der neue Besitzer will demnächst mit feiner Familie hierher ziehen. Der Sohn Reinheimers, der Kaufmann ist und im benachbarten Weitershain wohnt, will an das alte Pfarrhaus einen Laden anbauen und ein Manufaktur- und Kurzwarengeschäft betreiben. — Durch Abwanderung von sechs Juden- familien sind hier deren 6 Wohnhäuser frei geworden. Drei davon sind bereits durch Kauf in andere Hände übergegangen, zwei sind vermietet, eine Wohnung steht bis jetzt noch leer. — # Ober-Ohmen, 31. Jan. Im Rathaussaal fand die diesjährige Brennholzversteige- rung aus den Gemeindewaldungen statt. Wie anderorts, zeigte auch hier die Preisbildung eine ansteigende Entwicklung gegenüber dem Vorjahre. Buchenscheit, das im Vorjahr mit 14 bis 15 Mark pro Haufen (2 Raummeter) gesteigert wurde, kam diesmal bis auf 19 Mark. Der Haufen Buchen- und Hainbuchenknüppel ging mit Höchstgeboten bis zu 13 und 14 Mark ab, während im Vorjahre der Preis für das gleiche Quantum bei 8 bis 9 Mark lag. Eichenscheit kamen pro Haufen auf 9 bis 10 Mark, je nach Qualität. Eichenknüppel lagen etwas niedriger. Fichtenscheit erbrachten 5 bis 8 Mark, dito Knüppel 3 bis 4 Mark. Buchenreisig bewegten sich von 1 bis 1,50 Mark pro Raummeter. — Die von der Gemeinde vorgesehenen Notstands» arbeiten sind jetzt in Angriff genommen worden. Gegenwärtig wird am Ausbau des Weges nach der Rahnsmühle gearbeitet. Die Ausführung des Projektes erfolgt durch die Firma Ruhl, Angersbach. ♦1* Ruppertenrod, 31. Jan. Unsere Kriegerkameradschaft hielt dieser Tage ihre Generalversammlung ab, zu der auch zahlreiche auswärtige Kameraden erschienen waren. Nach den Be- grüßungsworten des Kameradschaftsführers wurde Kamerad Adolf Reiber, der feit 10 Jahren die Rechnergeschäfte in vorbildlicher Weise führte, auf feinen eigenen Wunsch von diesem Amte entbunden. Sein Nachfolger al^ Rechner wurde Kam. K. Geiß III. Nach Erledigung der geschäftlichen Angelegenheiten hielt Bezirksführer R e u s ch e r (Alsfeld) einen Vortrag über „Soldatentum und Kriegerkameradschaft". Im Anschluß an die mit großem Beifall aufgenommenen Darlegungen des Redners blieb man noch einige Zeit in guter kameradschaftlicher Geselligkeit beisammen. — Die Entwässerungsarbeiten in unserer Gemarkung wurden nach dem Ende der Frostperiode nunmehr wieder aufgenommen. Man erwartet non dieser Maßnahme eine erhebliche Verbesserung unseres Wiesengeländes. — Die Schüler unserer zweiklassigen Volksschule sammelten für das Winter- hi! fswerk zum 30. Januar 58 Pfund Lebensrnittel. £ Groß-Felda, 30. Jan. Der hiesige Pferdeversicherungsverein, dessen Mitglieder aus etwa zehn umliegenden Dörfern kamen, fand sich im Gasthaus „Zur Traube" zu seiner Generalversammlung zusammen. Der Direktor Otto D e • muth erstattete den Jahresbericht. Gegenüber 24 Verlustfällen hatte der Verein im vergangenen Jahre in 17 Fällen zu entschädigen. Tierarzt Dr. Kämpf erläuterte die einzelnen Schadenfälle. Der Abschluß der Rechnung ergab einen Ueberschuß von 1931,18 Mark. Falls die Mitgliedsbeiträge, die in Höhe von etwa 3000 Mark noch ausstehen, nicht eingehen, können diejenigen Mitglieder auf einen Versicherungsschutz nicht rechnen, die ihren Verpflichtungen nicht nachkommen. Im Anschluß daran gab der Ortsbauernführer bekannt, daß Aussichten bestehen, daß nach Groß-Felda eine Hengst« ft a t i o n kommt, die es früher schon besaß. — Am Abend hielt der Obst- und Gartenbauver« e i n seine Jahresversammlung ebenfalls im gut besetzten Saal der „Traube" ab. Im Mittelpunkt der Jahreshauptversammlung stand die Verteilung der Diplome für die Aussteller der im Herbst veranstalteten Obstschau. Die Besucher blieben noch in einem gemütlichen Teil lange beisammen. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt defchlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskvnt 4 v. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Fraunun a. JJI. Äeri ii Schluß« turS Schlupt. Abend« borfe (Schluß« kurS (Schluß!. Mittag- bSrse Odium 1 2- 3.2. 1-2- 3.2. 6% Deutsche Reichsanleihe v. 19271 100,5 100,5 100,5 100,5 4% Deutsche RcichSanl. von 1934 97,75 97,65 97,75 97,65 byt% Doung-Anleihe von 1930 .. 103 102,9 Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit Auslos.-Rechten ............. 110,4 110,3 110,25 110,3 4*/,% Teutjche Reichspostschahan weijungen von 1934, 1....... 99,85 99,85 99,9 99,9 6% et)em.8% Helt. Bolksstaat 1929 (rückzahlb. 102%)............ 97,75 97,75 _ 97,5 4Vi°/o ehern. 8% Hellilche Landes' bani Darmstadt Gold R. 12.... 96,4 96,4 96,4 96,4 5y*% ehern 4^% Hell. Landes- Hypothekenbank DarmstamLiaui 101,05 101,4 _ 4%% ehern. 8% Darmst. Komm. Landcsb.Goldschuldverschr R.K 92,75 92,75 _ Oberheslen Provinz-Anleihe mit Auslos.-Rechten ............ - - Deultche Komm. Sammelabl. Aw leihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten 113,75 114,25 113,9 114 4yt°/o ehem.8% ffrankf. Hyp.-Bant Gvldpfe. 15 unkündbar bis 19:15 96,5 96,5 _ 6yt% ehern. 4'/2% Franks. Hyp. Bank-Liqu.-Pfandbriefe....... 101,7 101,7 _ 6yz% ehern 4%% Rheinische Hyp.-Bank-Ligu.-Goldpse..... 101,5 101,65 101,75 101,65 4%% ehern. 8% Pr. LandeSpsand- briefanstalt, Pfandbriefe R 19 97 97 97 97 4y,% ehern. 7% Pr. Landespfand briefanst., Gold Komm. Cbl.Vl 97 97 97 97 Steuergutsch.BerrechnungSk. 34-38 108,5 108,5 108,5 108,5 4% Lesterreichische Goldrente... — _ _ 4,20% Oesterreichische Silberrente 1,25 1,25 — — 4% Ungarische Goldrente....... — 9 9,1 9 4% Ungarijche Staatsrente v. 1910 — 8,8 9 4yt% desgl. von 1913.......... s 9 9,15 6% abgest. Goldmexkkaner von 99 13,5 14 13,5 14 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe 9,65 Serie l..................... 9,65 — — Frankfurt a.M. Berlin (Schluß- kurS (Schlußt. Abend« börse Schluß« kurS Schluß!. Mittag« böri'e Datum 1.2, 3.2- 1.2. 3.2. 4% desgl. Serie 11 ........... 9,65 9,65 — — 5% Ruinän. vereinß. Rente v. 1903 6,75 6,75 6,75 — 4%%9iumän.Dcreinh.9?enteo.l913 9,2 9,4 9,25 9,4 4% Rumänische vereint). Rente 5,2 5,35 5,3 5,4 2 y4% Anatolier ............. 37,75 38 37,25 37,9 Hamburg-Amerika-Paket ..... 0 15,9 16,13 16 16 Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 — — 27,75 26,5 Norddeutscher Lloyd ......... 0 17,25 17,13 17 17,25 A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 106,5 107,4 106,65 107 Berliner Handelsgesellschaft ... 6 118,5 119,5 119 119 Commerz- und Privat-Bank ... 0 89 90,25 89 89,75 Deutsche Bank und D'sconto- Gesellschaft................ 0 87 88,25 87 88 Dresdner Bank.............. 0 88,5 89,75 88,5 89 Reichsbank ................ 12 186,25 186,25 186 186,5 21.(5.®...................... 0 39 39,25 38,75 39,13 Bekula.............. 139 139 139 139,13 Elektr. Lieferungsgefellichaft... 5 116 115,75 115 115,65 Licht und Kraft ........... 6*4 134 132,65 132,75 132,5 »eiten & Guilleaume......... 4 114 115 114 114,13 Gesell>ch.s.Elektr.Unternehmung. 6 130,5 130 130 130 Ryemyche Elektrizität ........ 6 127,5 128 127,25 «hem. Wests (Stellt.......... 6 129 129,5 129,13 129,5 Schuckert & Co............... 4 132,65 132,5 132,5 132,75 Siemens L Halske............ 7 176,5 175 175,5 174,75 Lahmeyer SCo.............. 7 129,25 128,25 129,25 128,75 Buderus ................... 97 5 97 97 75 Deutsche Erdöl ............. 4 110,5 110,9 110,5 110,65 Harpener.................. C 113 112,75 112,75 112,75 Hoesch Eisen—Köln-Neuessen . 8 90 90,25 90 90,65 Ilse Bergbau .............. € 159,25 160 160,5 161 Ute Bergbau Genüsse....... e 129 127,75 128,25 127,65 Klöcknerwerke .............. 8 Mannesmann-Röhreu....... 0 84'65 84,75 84,65 84,9 Frankfurt a. M. JSertin Schlußkurs Schluß!. Abendbörfe Schluß» kurS Schluß!. Mittag« börse 'Datum 1.2. 3-2. 1.2. 3-2. ManSfelder Bergbau....... .. 6 126,5 — 126,5 126 KokSwerke ................ .. 6 — — 120,75 121,25 Rheinische Braunkohlen .... . 12 219,75 220,5 220 220,25 Rheinstahl ................ .. 4 113 112,5 113 112,5 Bereinigte Stahlwerke...... .. 0 81,5 81,4 81,13 81,4 Ltavi Minen ............. .. 0 18 18 18 17,75 Kaliwerke Aschersleben...... .. 5 — — 130 130,75 Kaliwerke Westeregeln...... .. 5 122 121 122,5 122 Kaliwerke Salzdetfurth..... 1V1 193 190 193 189,75 3- G Farben-Jndustrie..... .. 7 153,25 153,25 153,25 153,13 Scheideanstalt............. .. 9 212,5 214 — — Goldschmidt .............. .. 5 114 114,75 114,13 114,75 Rütgerswerke ............. .. 6 121,5 117,75 121,5 118 121,13 118,25 122 118 Metällgeiellschaft........... .. 4 Philipp Hohmann......... Zementwerk Heidelberg .... .. 4 97 97 97,25 97 .. 7 124 124,5 128 — Cementwerk Karlstadt."..... .. 6 128 - Schultheis Patzenhofer .... .. 4 — 98,75 99,9 Aku (Allgemeine Kunstseide) .. 0 52,75 53 53,4 53 Bemberg................ .. 5 93,4 94,5 94,4 94,13 Zellstoff Waldhof ......... .. 6 120 119 119,5 119 Zellstoff Aschaffenburg .... .. 0 85 86,13 85,4 85,65 Dessauer Gas ............ .. 7 — 127 127,75 Daimler Motoren.......... .. 0 103 103 103,25 103,5 Deutsche Linoleum........ .. 8 147,5 147,65 147 147,5 Crenftcin & Koppel ....... .. 0 — — 80 79,75 Westdeutsche Kaufhof...... .. 0 32,9 32,4 32,9 32,13 Chade................... 7*/( 294,5 299 295 300 Accumulaloren-ffobrik..... 175,5 168,5 174,75 168,5 Conti-Gummk.......... .. 8 168,75 168,5 Gritzner.................. .. 0 26,5 27 27 26,75 Mainkraftwerke Höchst a.M- .. 4 92 92 Süddeutscher Zucker ....... . 10 199 198 198 198,5 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 21L 1 .Februar 3.Februar Amtliche Notierung Amtliche Notierung Gew »rief Geld 1 Brief Buenos Aire 0,678 0,682 0,678 0,682 Brüstet .... 41,90 41,98 41,89 41,97 -Rio de Jan. 0,138 0,140 0,139 0,141 Sofia ...... 3,047 3,053 3,047 3,053 Kopenhagen. 54,79 54,89 54,84 54,94 Danzig .... 46,80 46,90 46,80 46,90 London ..... 12,27 12,30 12,28 12,31 HettingsorS.. 5,405 5,415 5,41 5,42 Paris ..... 16,41 16,45 16,395 16,435 Holland .... 168,58 168,92 168,51 168.85 Italien .... 19,80 19,84 19,80 19,84 Japan ..... 0,716 0,718 0,716 0,718 Jugoslawien 5,654 5,666 5,654 5,666 C3lo..... : 61,61 61,73 61,66 61,78 Wien...... 48,95 49,05 48.95 40,05 Lissabon... 11,13 11,15 11,14 11,16 Stockholm.. 63,27 63,39 63,32 63,44 Schweiz ... 80,84 81,00 80,86 81,02 Spanien... 34,00 34,06 34,02 34,08 10 29 10,21 10.98 10 30 Budapest .. Reuyork ... 2,456 2,460 2,453 2,457 Banknoten. Dcrlm,3.Februar weib Z^rte, Amerikanische Roten...... 2,405 2,425 Belgische Roten.......... ....... 41,76 41,92 Dänische Roten ......... 54,58 54,80 Englische Roten ......... 12,245 12,285 Französische Roten....... ....... 16,345 16,405 Holländische Roten....... 168,09 168,77 Italienische Roten........ — — Norwegische Noten ...... 61,45 61,69 Deutsch Oesterreich, ä 100 Schilling — — Rumänische Noten....... — — Schwedische Noten....... 63,10 63,36 Schweizer Noten......... 80,68 81,00 Spanische Noten......... 33,68 33,82 — Sie C gelchossei East >m ließ mit Bäumen Doch Schuldig ling zur stehen n Ser - *6 Wolken gegen, l Sebirge Kopf!' glas- v P . Clnhr junges Knospen Ausd hier un kleinen - wäre- Ser/ sonst im Wind ch die me> Strauß wie mit schah in? Am 9 fern au noch, a Schneeg dien sch' Undr die Katz fie mied ’ Soll Soll er i auftret« ltebt? W Aus „Es g Schnee Winter i öfter fal warme i Winter. Liegt lienchron heim in Darin h gefroren, Kohl (rr zigste T war so ten blut als wen man um peln blü Ijaben bi wie im Sonnensä welch ein monate l Sehr geli ganze M April bei gend mii 18. April der Klee, Schnee, 1 25. und t Man (i an den 2 bruar an und Schn Sm "Ni K ntatije,, »Is Uni> neuen ® ^.’Wun. 'rit«smin «resleif „"•"Mi ur Unter i Ziesen Freiheit, „Unsere S unseres j, E'nFilm, deutsche l SMr| Beifall ei -Berni Iet= erstanden öliger i Kettete Fumsttej der in z von Lei ?.Uen be sonlich , Weit, Eindruck was das Nr. 28 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Dienstag, 4. Abruar (936 Dienstantritt des neuen Kmsdirektors Dr. Lotz. Der neuernannte Kreisdirektor des Kreises Gießen Pg. Dr. Lotz hat am gestrigen Montag die Dienstgeschäfte übernommen. Aus Anlaß seiner Amtseinführung hatten sich die Beamten und Angestellten des Kreisamts Gießen und der Provinzialdirektion Oberhessen im Sitzungssaal des Regierungsgebäudes versammelt. Oberregierungsrat Pg. Dr. S ch ö n h a l s begrüßte namens der Versammelten den neuernannten Kreisdirektor und brachte zugleich die Glückwünsche der Beamtenschaft dar. In seiner Ansprache führte er u. a. aus: Der Führer und Reichskanzler habe ihn, den Kreisdirektor, in ein hohes und verantwortungsvolles Amt berufen. Auch die Beamtenschaft wisse, daß er als Leiter der Verwaltung diese Verantwortung nur tragen könne, wenn jeder einzelne Beamte und Angestellte den Platz, auf den er gestellt werde, restlos ausfüllen werde. Er versichere dem neuen Kreisdirektor, daß die Beamtenschaft ihre ganze Ehre und ihr ganzes Können einsetzen wolle, um auch unter seiner Leitung genau wie bisher voll und ganz ihre Pflicht zu tun, und er bat den Kreisdirektor, auch der Beamtenschaft' sein Vertrauen entgegenzubringen. Kreisdirektor Pg. Dr. Lotz dankte für die freundlichen Worte der Begrüßung und führte in seiner Ansprache an die Bamten u. a. aus: Das Vertrauen des Reichsstatthalters hat mich auf diesen Posten geführt, und es wird mein Bestreben sein, dieses Vertrauen zu rechtfertigen. Ich weiß, daß Beamter im nationalsozialistischen Dritten Reich zu sein nicht leichter ist als vorher, schon um deswillen, weil das Reich Adolf Hitlers eine Umformung mit sich gebracht hat auf allen Gebieten unseres Lebens, und es ist selbstverständlich, daß auch wir davon nicht verschont bleiben. Einen neuen Staat kann man nur auf Opfer aufbauen, und gerade der Beamte ist in erster Linie dazu berufen, Opfer auf sich zu nehmen und durch persönliche Mehrarbeit beizutragen am Aufbau unseres neuen Vaterlandes. Wenn früher der Staat im Gegensatz stand zum Volk, das zerfallen und zerklüftet war, so haben wir heute einen geeinten Staat, in dem wir stehen, mit dem wir leben und in dem wir als Beamte Vorleben müssen. Wir können das selbstverständlich nicht als Einzelner, sondern wir als Behörde haben das in der Form der Gemeinschaft zu tun. In diesem Sinne wollen wir die nationalsozialistische Gemeinschaft fein, die aufgebaut ist auf dem gegenseitigen Vertrauen und ohne die eine Arbeit nicht ersprießlich sein kann. Getragen von diesem Gedanken werden wir alle jeder für den einzelnen einstehen müssen, um so mitzuarbeiten am Aufbau der Nation, wie es unser Führer und Reichskanzler Adols Hitler will. Nach der Ansprache wurden sodann die einzelnen Beamten und Angestellten dem Kreisdirektor vorgestellt. Im Anschluß hieran sand im Verwaltungsgebäude am Hitler-Wall in gleicher Weise die Vorstellung der Beamten und Angestellten der Provinzialverwaltung Oberhessen statt, wo der neue Kreisdirektor durch den Provinzialrat Vogt begrüßt wurde. Kreisdirektor Dr. Lotz steht im 43. Lebensjahr. Er stammt aus Gießen, wo sein Vater als Verwalter der Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt tätig war. Sein Studium der Jura verbrachte er an der Landesuniversität Gießen. Den Krieg machte er zuerst beirp Infanterie-Regiment Nr. 116 als Kriegsfreiwilliger mit, später focht er als Oftizier im Infanterie-Regiment Nr. 87. Er wurde mehrmals verwundet. Nach dem Krieg war er u. a. beim Kreisamt Büdingen tätig, von wo er zum Kreisamt Alsfeld versetzt wurde; bei beiden Kreisämtern arbeitete er als Regierungsrat, in Alsfeld eine ganze Reihe von Monaten als Stellvertreter des Kreisdirektors. Von Alsfeld führt ihn fein Lebensweg nunmehr in die jetzige Dienststellung in Gießen. Aus der Provinzialhauptstadl. Srübling im Winter. „;LCr<=Sanuar ist vorüber. Aber der Winter kam JmTjpon ™ ^gen, Sonnenschein und ziehende wechselten ab. Milde Luft schlug uns ent- roifr xQS Haus verließen. Selbst in den Gebirgen schmolz der Schnee. Kopfschüttelnd schaut der Bauer nach dem Wetter- pachte uns der erste Monat m 1936. Was soll das werden? Die Getreidefelder und die Wiesen zeigen schon Ö»ntr"S a" ben Frühling erinnert, die Sno|pen der Baume schwellen Au, den Straßen spielen die Kinder mit dem Ball, Sjter und da gehen sie schon aus Stelzen. Und die kleinen Meisen zirpen, als ob der Winter vergangen Der Haselnußstrauch, der seine lockeren Kätzchen sonst im Februar zemi, hat schon ausgeblüht Der W,nd wehte ganze Wolken des Blutenstaubes auf bte weiblichen roten Blüten. Wir hatten einen Strauß ,m Zimmer stehen, war die Tischdecke nicht wie m,t goldnem Mehl bestreut? Und das alles ge- fchah im Monat Januar 1936. Am Wegrain schauen die Gänseblümchen schüchtern aus dem nassen Grase. Die Veilchen schlafen noch, aber auch sie werden bald kommen Die Schneeglöckchen strecken ihre grünen, schmalen Blättchen schon hervor. Und wir denken an das Bauernsprichwort- Wenn die Katze im Februar in der Sonne liegt, im" März sie wieder hinter den Ofen kriecht." Soll er nun doch kommen, der strenge Winter? Soll er wieder, wie im Jahre 1879, im Monat März auftreten, wenn der Saft schon in den Bäumen steht? Was waren das damals kalte Nächte! Und ein Lärm drang aus dem Garten, als ob mit Kanonen geschossen würde. Das kam von den Bäumen, deren Saft im Innern gefror und die Rinde aufplatzen ließ mit lautem Getöse. Hunderte, Tausende von Bäumen gingen damals zugrunde. Doch hoffen wir, daß der Februar noch seine Schuldigkeit tut, daß er den hereinstürmenden Frühling zurückdämmt und ihn zügelt. Schnee und Eis stehen noch aus. Mögen sie bald kommen! Z. Werden die Winter wärmer? Aus unserem Leserkreise wird uns geschrieben: „Es gibt gar keine kalten Winter mehr, so mit Schnee und Eis wie in unserer Jugendzeit. Die Winter werden immer wärmer." So hört man jetzt öfter sagen. Das stimmt nicht. Es gibt heute warme und kalte und gab früher warme und kalte Winter. Liegt mir ein Zettel aus einer alten Familienchronik eines Urgroßvaters zu Wintersheim in Rheinhessen aus dem Jahre 1806 vor. Darin heißt es: „Bis Weihnachten hat es nicht gefroren, am 24. Dezember stund ein Acker mit Kohl (wohl Winterfamen) wenigstens der zwanzigste Teil in der Blüthe und hatte Schoten. Es war so schön wie im Sommer. In unserem Garten blühten alle Sorten Blumen auf Weihnachten, als wenn es Pfingsten wäre, auch Kornähren hat man um diese Zeit hin und wieder auf den Stoppeln blühend angetroffen. Eben, den 25. Dezember, haben die Bienen eingetragen von den Kohlblumen wie im Sommer, es war nachmittags Heller Sonnenschein, wie mitten im Sommer so warm, welch ein Wunder? Die Witterung war durch beyde monate des Jahres 1807 Jänner und Februar Sehr gelind und fast ohne Eis, hingegen war der ganze Mertz Sehr Schneereich und kalt, auch der April der 2. und 4. zeichnete sich in hiesiger Gegend mit ein Schuh hohem Schnee aus. Den 18. April war die Kälte sehr groß, den 20. erfror der Klee, den 21. und 22. warf es Schuh hohen Schnee, den 24. ward es wieder sehr warm, den 25 und 26. so heiß wie in den Hundstagen." Man sieht, es kann noch kalt werden. Ich denke an den Winter 1887/88. Der fing erst am 1. Februar an und brachte sechs Wochen große Kälte und Schneemassen. Hoffen wir, daß die Kälte noch im Januar und Februar einfetzt, damit nicht das Wachstum draußen zu weit vorschreitet. Wir hätten dies Jahr wieder einmal nach der vorjährigen Mißernte eine gute Obsternte nötig. Alle Obstbäume sitzen voll Blütenknospen. Die Pfirsichknospen fangen schon bedenklich an zu schwellen. Vornotizen. Tageskalender für Dienstag. NSG. „Kraft durch Freude": 20.30 bis 21.45 Uhr fröhliche Gymnastik, nur für Frauen, im Lyzeum; 20 bis 21 Uhr und 21 bis 22 Uhr Schwimmen im Volksbad; 21 bis 22 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs. — Stadttheater: 20 bis 22 Uhr Gastspiel von Ludwig Linkmann „Die große Chance". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Der höhere Befehl". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Klosterjäger". — Oberhessischer Kunstverein (Turmhaus am Brandplatz): 16 bis 17 Uhr Ausstellung von Gemälden von Josef Steib-Berlin. Stadttheater Gießen. Heute von 20—22 Uhr Gastspiel des bekannten früheren Gießener Schauspielers Ludwig Link- mann als Kuhlmann in dem Lustspiel: „Die große Chance" von A. Möller und H. Lorenz. Spielleitung: Hans von Spallart. Die Vor- stellung gilt zugleich als 17. Vorstellung im Dienstag-Abonnement. Frauenbund der Deutschen kolonialgesellfchaft. Bei einem Kolonialabend am nächsten Freitag im Großen Hörsaal der Universität hält Professor Dr. Karl Hummel einen Lichtbildervortrag über feine Reise durch Afrika. (Siehe heutige Anzeige.) Amt für Volkswohlfahrt. Ortsgruppe Gießen-Mitte. Vetr. Pfundsammlung. Arn Mittwoch, 5. Februar, werden die Spenden (Pfundsammlung) durch die NS.-Frauenschaft ein- aesammelt. Die Hausfrauen werden gebeten, den Inhalt der Päckchen auf der Umhüllung kenntlich zu machen und die Mitgliedskarten zur Quittungseinzeichnung bereitzuhalten. Die Pfundsammlung erstreckt sich während der Dauer des WHW. wieder auf alle Volksgenossen. Die Kohlenhändler werden ersucht, die für den Monat Januar gültigen Kohlengutscheine der Serie D am Mittwoch, den 5. Februar, abends 8.30 Uhr, beider NSV. Geschäftsstelle, Kaplansgasse 18, mit Firmenstempel versehen nebst den entsprechenden Rechnungen einzureichen. Der Termin ist unter allen Umständen einzuhalten, da eine Ablieferung nach dem 5. Februar strengstens untersagt ist und die Scheine ihre Gültigkeit verlieren. Amt für Dolkswohlfahrt, Ortsgruppe Gießeu-Güd. Kohlenscheinabrechnung. Die Kohlenhändler werden aufgefordert, die in Zahlung genommenen Kohlengutscheine am Mittwoch, 5. Februar, von 19 bis 20 Uhr, auf unserer Geschäftsstelle, Crednerstraße 24, einzureichen. Später eingereichte Gutscheine können nicht mehr angenommen werden. Pfundsammlung. Arn Montag, 3., Dienstag, 4., und Mittwoch, 5. Februar, findet im Bereiche der Ortsgruppe Gießen-Süd durch die NS.-Frauenschaft die Pfund- sarnrnlung für den Monat Februar 1936 statt. Es wird gebeten, die Lebensmittelpakete zur Abholung bereitzuhalten. Weiter werden alle Spender unserer Ortsgruppe gebeten, vorkommenden Wohnungswechsel bei unserer Geschäftsstelle. Crednerstraße 24, zu melden zwecks Berichtigung bzw. Ueberweisung unserer Kartei. NSV., Ortsgruppe Gießeu-Ost. Cebensmiftd-Opferring der Ortsgruppe Giehen-Ost. Vetr.: Ivinterhilfswerk. Die Sammlung wird Dienstag, 4., und Mittwoch, 5. Februar, von der NS.-Frauenschaft durchgeführt. Die Mitglieder wollen die Pfundpäckchen bereithalten und die Mitgliedskarten zur Eintragung vorlegen. Der Inhalt der Päckchen ist außen sichtbar anzugeben. Vetr.: kohlengulscheinabrechnung. Die Kohlenhändler wollen die Kohlengutscheine der Ortsgruppe Ost bis zum 5. Februar auf der Geschäftsstelle, Kaiserallee 52, täglich von 15 bis 19 Uhr gegen die Wertquittung umtauschen. Später einlaufende Kohlengutscheine können nicht mehr angenommen werden. RÄWK.1936. Wettkampfgruppe: Bau. Antreten Mittwoch 7.50 Uhr im Schulhof, Kirch- straße 16. Dr. Schmidt, Kreisjugendwalter. Achtung Hausgehilfinnen! Mittwoch, 5. Februar, morgens 8 Uhr, treten alle Teilnehmerinnen zum Reichsberufswettkampf an der Mädchenberufsschule an. Mitzubringen ist: Nähnadel, Stecknadel, Zentimeter. Leistungklasse I, II und III: Fingerhut, Schere, Zwirn (schwarz und weiß), Federhalter, Blei. Leistungklasse II und III: Schürze, Kopftuch und Topflappen. y-. Die öeutfche Rrbeitefront % V*/ n. 5.=Gern ei nfdiaft „Kraft durch freute' Das Mo natsprogramm für den Monat Februar, das die gesamten Urlaubsfahrten und Wanderungen für das Jahr 1936 enthält, ist erschienen und zum Preise von 10 Pf. auf der Kreis- dienststelle und bei den Betriebswarten erhältlich. Am Freitag, 7. Februar, findet in der Neuen Aula abends 8 Uhr ein Lichtbildervortrag von Kurt Hielscher „Die nordischen Län - d e r" statt. Der Goethebund hat uns hierzu Karten zum Preise von 0,40 Mark zur Verfügung gestellt. Diese sind auf der Kreisdienststelle „Kraft durch Freude" erhältlich. Gloria-palast. „Unsere Wehrmacht." Unter der künstlerischen Gesamtleitung von Leni R i e f e n st a h l entstand auf dem Parteitag der Freiheit, Nürnberg 1935, der großartige Film „Unjere Wehrmacht", ein erhebendes Bilddokumcnt unseres im letzten Jahre wiedererstandenen Heeres, ein Film, der bereits seinen Siegeszug durch viele deutsche Lichtspieltheater genommen und bei feinem ersten Erscheinen in Gießen ebenfalls vom freudigen Beifall eines zahlreichen Publikums begrüßt wuroe. Beim letzten Parteitag irr Nürnberg ist Die neuerstandene Wehrmacht zum ersten Male in großzügiger und repräsentativer Weise vor der Nation angetreten und zur Schau gestellt worden. Der Filmstreifen, der im Auftrage der NSDAP, unter der in ähnlich großen Aufgaben erprobten Führung von Leni R i e f e n st a h l hergestellt wurde, gibt allen denen, welchen es nicht vergönnt war, persönlich jene erhebenden Tage mitzuerleben, Gelegenheit, in ausgezeichneten, packenden Bildern einen Eindruck von dem mit nach Hause zu nehmen, was das letzte Jahr mit der Wiederherstellung Der deutschen Wehrhoheit der Nation beschert hat. Die markigen und programmatischen Worte des Fuh- rers und Reichskanzlers als des Schöpfers der neuen Wehrmacht geben den Bildern S^uhsam das aufrüttelnde Motto und bezeichnen ihre geschlchtliche Bedeutung. Wir stehen bei den Vorführungen g wissermaßen hinter dem Führer dem Reichs- kriegsminister von B l o m b e r g und dem Chef der Heeresleitung General Frhr. von F ritsch auf dem Kommandoturm und erleben den großrrrtlg.Aufmarsch und Vorbeimarsch der zum Parteitag ange tretenen Waffengattungen. Zwar bildet das, was hier auf naturgemäß begrenztem Raum geboten und gezeigt werden konnte, nur einen kleinen Ausschnitt aber er genügt, um vor Augen zu fuhren, was in erstaunlich kurzer Zeit geschaffen wurde. Unter den Klängen der alten Armeemarsche marschiert die aroße Fahnengruppe vorbei, em stolzes, NfurchtgebLdes Bilds dann folgen dieemze - nen Truppenteile im Parademarsch. Infanterie, Kavallerie^ Artillerie, Marinetruppen, Panzerwagen Maschinengewehr-Abteilungen, Uak- Besonders Die motorisierte schwere Artillerie, d.e F-UM°bwchr unv di- Fliegergeschwader, ihrem obersten B- sehlshaber, General der N'-ger G o r l n g , ausmerk fam verfolgt, bieten außerordentlich einDruasDOue Bilder. Den Abschluß gibt ^ne ho.chmteressante G fechtsübung mit Einsatz der verschiedensten Waffen Gattungen: diese Aufnahmen fuhren punkt Des Bildstreifens, sie geben eine Vorstellung vom hochentwickelten Stande der modernen Kriegstechnik wie von der vorzüglichen Durchbildung und Disziplin in allen Einheiten unserer neuen Wehrmacht. Der Film, zu dem P. K r e u d e r die Musik schrieb, und bei dessen Aufnahme eine Anzahl der tüchtigsten deutschen Kameraleute eingesetzt war, verdient allgemeine Beachtung; kein Volksgenosse sollte versäumen, ihn auf sich wirken zu lassen. — „Der höhere Befehl." Im gleichen Programm bringt der Gloria-Palast einen neuen großen geschichtlichen Film der Ufa, dessen Spielhandlung mit dem ooraufgegangenen Wehrmacht-Film vortrefflich harmoniert. Das Drehbuch schrieben gemeinsam Philipp Lothar M a y - ring, Kurt Kluge, der sich in jüngster Zeit als Romanautor und Novellist einen Namen gemacht hat, und Karl L e r b s, den unsere Leser seit langem als Mitarbeiter am Feuilleton des „Gießener Anzeigers" schätzen. Die Handlung spielt in Preußen im Jahre 1809 und schildert die einsame und beispielgebende Tat des Perlebergers Rittmeisters von Droste, der, ein anderer Schill, auf eigene Faust und eigene Verantwortung, dem „höheren Befehl" der Pflicht und der Vaterlandsliebe gehorchend, wider Napoleon zu handeln wagt und zu seinem Teil an der Wiederaufrichtung der Nation beiträgt. Das war, wie man vielleicht anfänglich mit Staunen gewahr wird, damals auch für einen einzelnen, einen kleinen, namenlosen Schwadronschef in einer winzigen märkischen Garnison, möglich, wenn dieser eine das Herz auf dem rechten Fleck hatte, und wenn der Zufall, wie das hier geschildert wird, ihm günstig ist und Gelegenheit gibt, einen englischen Kuner in geheimer und hochwichtiger Mission den Nachstellungen der französischen Agenten und Spitzel zu entziehen und durch die immer undurchdringlicher sich zusammenziehende Kontinentalsperre Napoleons seinem Ziel zuzuführen. Der einzelne gilt nichts, die Idee ist alles, der höhere, der höchste Befehl rechtfertigt die Tat, die niemand decken will und kann, die von fast allen verurteilt, beargwöhnt und verdächtigt wird. Die ethische Grundhaltung des Drehbuches entwickelt sich in jener farbigen, lebendigen und spannenden Darstellung, die zahlreiche Spielfilme der Ufa, ähnlichen Charakters, zum Erfolg geführt hat. Der Regisseur Gerhard Lamprecht, in mancher Filmschlacht erprobt, findet auch hier die rechte Stimmung und den rechten Ton, und memand anders als Karl Ludwig Diehl hatte die Rolle des Rittmeisters von Droste so spielen können wie er: ernsthaft, aufrecht, ritterlich, verhalten und dennoch brennend vor Leidenschaft, feinen Auftrag zu erfüllen. Zwei trefflich charakterisierte Gegenspieler stehen ihm gegenüber: Lil Dagover als die elegante, radebrechende französische Agentin, die ihr gefährliches Handwerk unter der Maske einer Pariser Schauspielerin zu verbergen trachtet; und Aribert Wäscher, dem in der Rolle des französischen Spitzels eine glänzend ausgeformte Charakterstudie gelingt. In ein paar kleineren Szenen bewährt sich die schöne, männlich reife Darstellungskraft Kayßlers. Heli Finkenzeller, eine zarte und liebliche Mädchengestalt, Schüren- berg, Win ter stein, Gertrud d e L a l s k y , Mierendorf und L e i b e 11 seien vom großen Ensemble noch mit Anerkennung hervorgehoben. —r— Gin Denkmal für den ersten Raucher Es ist eine recht merkwürdige Geschichte, aber es wird versichert, daß sie aus alten Chroniken entnommen ist. Als der erste Raucher der Alten Welt wird in Spanien ein gewisser Rodrigo de Jerez gefeiert, der an der Reise teilnahm, auf der Kolumbus Amerika entdeckte. Das Rauchen hat diesen Seemann in merkwürdige und für ihn recht unangenehme Abenteuer verstrickt. Als er aus Amerika zurückkam, brachte er eine große Menge von Tabakblätter mit, die er anzündete, nachdem er sie zusammengerollt hatte, und in den Mund steckte. Aber seine Ehefrau war mit dieser Gewohnheit keineswegs einverstanden. War es ihr nun unheimlich, daß ihr Mann Rauch aus dem Munde und den Nasenlöchern blies, ober wollte sie einfach die glückliche Gelegenheit ergreifen, um sich auf diese Weise seiner zu entledigen — jedenfalls lief sie zu der heiligen Inquisition und verklagte ihn, weil er teuflische Künste ausübe. Der Pater Thomas de Torque- maba, vor ben ber Fall gebracht würbe, ließ bekanntlich nicht mit sich spaßen, wie seine ganze Tätigkeit als berühmter Ketzerrichter bewiesen hat; er untersuchte ben Fall genauer unb kam zu ber Ueberzeugung, baß Robrigo vom Teufel besessen sein müsse; er ließ ihn also ins Gefängnis werfen unb bas Haus burch eine feierliche Reinigung von ben Dämonen befreien. Als ber unglückliche Gefährte bes Kolumbus aus bem Jnquisitionsgefäng- nis herauskam, wo er zehn Jahre Zeit gehabt hatte, über bie Unannehmlichkeiten eines Vorläufer-Schicksals nachzubenken, ba hatte bie Gewohnheit bes Tabakrauchens bereits angefangen, sich über Europa zu verbreiten. Die Bewohner bes Heimatdorfes bes Robrigo be Jerez, bes Ortes Ajamonte in ber Provinz Huelva, finb aber noch heute stolz auf biefen Märtyrer bes Rauchens, unb sie haben schon früher eine Straße des Dorfes nach ihm benannt Dann entschloß sich die Gemeinde von Ajamonte zu einer neuen Ehrung ihres verdienstvollen Landsmannes. Sie bat die spanische Tabakgesellschaft, die gewiß alle Ursache hat, Rodrigo dankbar zu sein, die Kosten für die Anbringung einer Marmortafel an sein Geburtshaus zu tragen. Die Gesellschaft erklärte sich auch dazu bereit und so wurde eine Erinnerungstafel angebracht, die mit einer schwungvollen Inschrift der Nachwelt die Verdienste und Leiden des ersten Rauchers darstellt. Zur Geschichte des Kalauers. Kalauer nennt man im allgemeinen einen Wortwitz, der sich nicht gerade durch eine Fülle von Geist auszeichnet, der im Gegenteil sogar durch eine gewisse Plattheit wirkt, die Verblüffung, ja Verärgerung hervorruft, eine Art von Witz aber, bei der man sich doch veranlaßt fühlt, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Man hat das Wort Kalauer von dem Ort Calenbourg bei Diedenhofen ableiten wollen, wo einst ein besonders witziger Apotheker gelebt haben soll, der seine Mitmenschen gern zum besten hatte Häufiger ist behauptet worden, hie Heimat dieser Witzform sei der Kahlenberg in der Nähe von Wien. Dafür spricht immerhin eine geschichtliche Wahrscheinlichkeit, denn in dem hübschen Weinort „Kahlenberger Dorf" lebte zu Anfang des 14. Jahrhunderts ein Geistlicher, der wegen feiner Schnurren und Schwänke weithin berühmt war. Die Anekdoten und Scherze, die damals von dem „Pfaffen von Kahlenberg" umgingen, wurden gegen 1400 in einer berühmt gewordenen Sammlung veröffentlicht, die eines der am meisten gelesenen Volksbücher jener Zeit war. Es erfolgte sogar eine Übertragung ins Französische und es ist durchaus möglich, daß dort aus „Kahlenberg" die Bezeichnung,,Calembourg" wurde. Nach Deutschland kehrte das Wort dann später als „Kalauer" zurück. Es bleibt jedoch zweifelhaft, ob hier tatsächlich eine Ableitung aus dem Französischen oorliegt. Es gibt auch eine Erklärung, die den Kalauer mit dem märkischen Orte Calau in Verbindung bringt. Dort wurden besonders derbe und grobe Stiefel angefertigt, und man vermutet, daß die Eigenart dieser Stiefel den Anstoß zur Charakterisierung des Wortwitzes gab, der besonders im alten Berlin heimisch war. Eine deutsche oder französische Erfindung ist aber der Kalauer jedenfalls nicht. Schon bei den alten Römern kannte man solche Witze. Ein Beispiel dafür ist ein Scherz, den Cicero in feinen berühmten Reden gegen Verres machte, er nannte nämlich dessen sehr anfechtbare Rechtspflege ein jus verinum, was ebenso gut „Recht des Verres" wie „Schweinesuppe" heißen kann. Geheimrat Olt 70 Jahre alt. Am heutigen 4. Februar feiert der Geheime Med.- Rat Professor Dr. phil. et med. vet. n. c. Adam Olt seinen 7 0. Geburtstag. In Breitenbrunn im Kreise Erbach geboren, studierte Olt 1885 bis 1887 in Gießen, 1887 bis 1889 in Berlin Veterinärmedizin, in Heidelberg und Erlangen Naturwissenschaften. Nach fünfjähriger praktischer tierärztlicher Tätigkeit in Ober-Ramstadt, Bieberau, am Schlächt- hof in Stettin und als Kreisveterinärarzt in Erbach war Olt zwei Jahre am Pathälogischen Institut der Tierärztlichen Hochschule zu Berlin als Oberassistent tätig, leitete sodann als Polizeitierarzt das Schlachthoflaboratorium in Hamburg und wurde am 1. Mai 1898 als Dozent für pathologische Anatomie an die Tierärztliche Hochschule in Hannover berufen. Am 1. Oktober 1901 erfolgte die Berufung an die hessische Landesuniversität Gießen als ordentlicher Professor für „Pathologische Anatomie, Tierhygiene und Fleischbeschau". Nach 33jähriger erfolgreicher Tätigkeit wurde Olt am 1. April 1934 emeritiert, übernahm jedoch noch nach der Emeritierung die neu geschaffene selbständige Professur für animalische Nahrungsmittelkunde und die Leitung des entsprechenden Institutes, bis er sich im Sommer 1935 nach Wiesbaden in den Ruhestand zurückzog. Olt hat an der Entwickelung der veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Gießen in mannigfacher Weise reichen Anteil und hat die Veterinärmedizin in vieler Hinsicht in Lehre und Forschung gefördert. Durch die systematische pathologisch-anatomische und mikrobiologische Untersuchung der Wild, krankheiten ist er zum Begründer einer tierärztlichen Pathologie der Jagdtiere geworden und hat erfolgreich mit diesen Forschungsergebnissen dem inneren Neuaufbau des deutschen Jagdwesens im Dritten Reich Vorarbeiten können. Vielen ist er auch als schaffender Künstler in der Malerei bekanntgeworden. So gedenken heute viele Freunde, Schüler und Verehrer in Liebe und Dankbarkeit des Jubilars und vereinigen sich in dem aufrichtigen Wunsche, daß es 'ihm vergönnt sein möge, noch viele Jahre als Wissenschaftler und Berater im Dienste an Volk und Staat schaffen zu können. Das Ergebnis der (SA.-Gammlung für das WHW. in der Stadt Gießen. Wie uns von der Kreisführung Gießen des Winterhilfswerkes mitgeteilt wird, beläuft sich das Gesamtergebnis der Winterhilfssammlung der SA. in der Stadt Gießen am vorigen Sonntag auf insgesamt 4119,69 Mark. Verkauft wurden insgesamt 18 000 Plaketten. Das Ergebnis ist als außerordentlich erfreulich anzusehen. Die Bevölkerung unserer Stadt hat ihre Bereitwilligkeit im Spenden erneut eindrucksvoll bewiesen. Oer fünfte Eintopfsonntag. Der Leiter der Wirtschaftsgruppe Gaststätten und Beherbergungsgewerbe teilt seinen Mitgliedern mit, daß für den fünften Eintopfsonntag am 9. Februar folgende drei Eintopfgerichte für die Gaststätten oorgeschrieben sind: 1. Suppentopf mit Einlauf und Rindfleisch. 2. Hammelfleisch mit grünen Bohnen. 3. Gemüsegericht vegetarisch oder mit Fleischeinlage. Die Festlegung dieser Eintopfgerichte ist nur für Gaststätten. Oer Schuß in der Wachstube der Wach- und Schließgesellschast. lieber den von uns gestern schon gemeldeten tragischen Vorfall in der Wachstube der hiesigen Wach- und Schließgesellschaft teilt der Polizeibericht der Kriminalpolizeistelle Gießen folgendes mit: Fahrlässige Tötung infolge leichtsinnigen Umgehens mit einer Schußwaffe. Am 3. Februar 1936 etwa um 5.15 Uhr ereignete sich auf der Wachstube der Rheinischen Wachgesellschaft in der Stephanstraße ein tödlicher Unglücksfall. Dem nach Beendigung seines Wachdienstes auf die Wache zurückgekehrten Wachmanns Rudolf M a g e l aus Burkhardsfelden ging angeblich beim Entladen feiner Pistole ein Schuß los. Die Kugel drang feinem Arbeitskameraden, dem 55jahrigen Ferdinand Even aus Stockhausen, der vor einem Tische stand, in den Rücken. Die Verletzung war derart schwer, daß der Tod nach kurzer Zeit eintrat. Nach den gegebenen Umständen liegt mit großer Wahrscheinlichkett fahrlässige Tötung, heroorgerusen durch leichtsinniges Handeln beim Entladen der Waffe, vor. Der Beschuldigte, der nach Verständigung seines Arbeitgebers und Bestellung eines Arztes sich freiwillig auf der Polizei- wache meldete, wurde nach Abschluß der Ermittlungen, da kein Fluchtverdacht und keine Verdunkelungsgefahr vorliegt, auf freien Fuß gesetzt. Die Ermittlungen ergaben aber noch, daß M a g e l die Schußwaffe, die Eigentum eines anderen Wachmannes ist, geführt hat, ahne im Besitze eines Waffenscheines zu sein. Sie wurde ihm von seinem Arbeitgeber für feine Dienstverrichtung übergeben. Magel und die beiden anderen haben dadurch gegen die Bestimmungen des Schußwaffengesetzes verstoßen und sich strafbar gemacht. DerLandschastsbund Volkstum und Heimat besichtigt das Stadttheater. Der Ortsring Gießen des LVH. veranstaltet des öfteren Führungen unter fachkundiger Leitung, um feine Mitglieder mit Instituten und Betrieben be- kannt zu machen, die für das wirtschaftliche oder kulturelle Leben unserer Stadt von Bedeutung sind Besonders starkes Interesse sand am Sonntag die Führung durch das Gießener Stadttheater unter Leitung des Dramaturgen Paul Nieren. Der Ortsringleiter konnte über 150 Teilnehmer begrüßen. Nieren verstand es vorzüglich, die für diese Veranstaltung fast zu zahlreich erschienenen Mitglieder in einer über zwei Stunden dauernden Führung m die Welt „jenseits des Vorhangs" ein- zufuhren. u Von der Fühne aus führte Herr Nieren die Teilnehmer, z. T. m Einzelgruppen aufgeteilt, durch sämtliche Raume des Theaters und vermittelte an Zand eines fesselnden und persönlich gehaltenen Vortrags em umfassenden Bild all der Vorgänge die Voraussetzung sind für das Gelingen einer Aufführung. Mit großem Interesse folgten die Teilnehmer den aufschlußreichen Ausführungen, die ein anschauliches Bild über den Werdegang des Bühnenwerkes vom Manuskript bis zum Augenblick der Aufführung vermittelten, Einblick gewährten in die Arbeit des sogenannten „unbekannten Soldaten" des Theaters und über all die aufgewandte Mühe und Arbeit der „Männer hinter den Scheinwerfern" berichteten. Der Führende wies auch auf die wirtschaftliche Bedeutung des Theaters für unsere Ein alter Brauch in Laubach. Oie Iahrestagung der Blasius- oder Baumkirchener-Gesellschast. Vom historischen Blasiustag in Laubach. Der Vorstand unterhält sich an Hand des jahrhundertealten Karten- und Dokumentenmaterials. — Links sieht man die über 200 Jahre alte Lade. (DNB.-Heimatbilderdienst. Photo: Göllner.) PNB W-'z. . IIIIIHW 0 Laubach, 3. Febr. Arn heutigen Tage sand nach alter Sitte die Tagung der Blasiusoder Baurnkirchener-Gesellschaft statt, d. h. der Eigentümer der sog. Blasius- oder Baum- kirchener-Wiesen. Der Name stammt von dem ehemaligen Orte Baumkirchen, der verschwunden ist. Die Einwohner dieses Ortes zogen nach Laubach. Heute vormittag um 9 Uhr kamen die 10 jüngsten Mitglieder der Gesellschaft zu dem alten Schultheiß Heinrich Jochem, um die Lade mit den Akten zu holen. Dort fand ein Frühstück nach alter Sitte statt, worauf sie um 10 Uhr die Lade in das gegenwärtige Stammlokal der Blasius- Gesellschaft, die Wirtschaft von Hermann Siegfried, trugen. Hier fand dann die Tagung statt. Zuerst wurden die geschäftlichen Angelegenheiten der Gesellschaft geregelt, wobei eine Reihe alter Sitten beobachtet wird. Solange die Lade noch offen ist, darf nicht geraucht werden, auch darf keiner den Hut auffetzen, andernfalls erhält er eine Strafe, d. h. er muß 20 Pf. bezahlen. Zunächst sand die Verlosung bzw. Verpachtung der Weidteile statt. Darauf folgte die Erhebung der Steuern mit der Pacht aus dem letzten Jahre. Sodann wurde das Mittagessen gemeinsam eingenommen, wobei die Anordnung der Sitzplätze genau geregelt ist nach dem Eintritt in die Blasius-Gesellschaft. Auch hierbei ist eine Reihe alter Sitten zu beachten. Ehe das Tischgebet gesprochen wird, darf keiner Messer, Gabel oder Löffel anrühren, auch ist es verboten, den Schultheißen bei seinem Namen zu rufen, sondern er darf nur mit „Herr Schultheiß" angeredet werden. Die Mitglieder sitzen in der Reihenfolge ihres Beitritts. Eine Witwe muß sich ihr Essen holen lassen. Als Mundschenk fungiert der zuletzt Eingetretene. Ist das Mittagessen beendet, so muß der neue Schultheiß die Bezahlung sämtlicher Getränke am Schlüsse der Tagung übernehmen. Nach dem Essen treten die „Siebener" unter dem Vorsitz des Schultheißen zusammen, um Gericht zu halten über alle Vergehen innerhalb der Gesellschaft. Eines Vergehens macht sich z. B. schuldig, wer bei geöffneter Lade die Kappe aufbehält, wer sein Heu einem anderen als einem Baumkirchener verpachtet, wer während des Gebetes spricht, wer mit der Kanne klappt, mit den Armen auf dem Tisch liegt u. a. mehr. Heute abend gegen 9 Uhr zog die Gesellschaft im Fackelzug, bei dem die Schulknaben Lampions trugen, zu dem neuen Schultheiß Wilhelm Frank, wo alle mit Kaffee und Kuchen bewirtet wurden. Am morgigen Dienstag suchen die Frauen der Mitglieder der Blasius-Gesellschaft die „Frau Schultheiß" zu einem gemütlichen Plauderstündchen bei Kaffee und Kuchen auf. ♦ Die Blasius- und Baumkirchener-Gefellschaft ist eine in ganz Deutschland wohl einzigartige Dokumentierung des Gemeinsinns, die sich über mehr als fünf Jahrhunderte hindurch bis zum heutigen Tage erhalten hat. Zwischen den Jahren 1350 und 1400 würden in der Nähe des alten Städtchens Laubach etwa 17 Dörfer verwüstet. Nach der Sage hat ein Abt von Fulda in einer Fehde allein sieben dieser Dörfer verbrannt. Die Einwohner haben sich dann in dem heutigen Laubach angesiedelt, das auf diese Weise gegründet worden sein soll. Unter den verschwundenen Dörfern werden heute noch genannt: Ruthardshausen, Hartmannshausen, Oberseen, Kreutzseen und Baumkirchen. Die Erinnerung an Baumkirchen hat sich am lebendigsten erhalten, sie besteht heute noch fort in der Baumkirchener oder Blasius-Gesellschaft. Es sind dies die Besitzer oder Benutzer des Weidlandes der untergegangenen Gemeinden. Früher versammelten sie sich an der Städte des verschwundenen Dorfes, wo ein Gottesdienst abgehalten, wurde. Heute trifft man sich in Laubach, wo alljährlich am 3. Februar, dem Blasius-Tag, zur Wahrung ihrer Rechte ein Schultheiß bestellt wird in der Reihenfolge der Häuser, die sie in Laubach bewohnen. stellung bis zum Juli zu erwarlen ist. Außer Anlage von 7 Meter breiten Vorgärten müssen die Abstände des Gebäudes vom Nachbargrundstück mindestens 4 Meter betragen, und da auch noch ein großer Teil als Garten verbleibt, so wird hier eine offene Bauweise, die an dieser Straße mit besonderem Interesse begrüßt wird, zur Durchführung kommen. ** Die Süßkirschenanlage der Stadt Gießen unterhalb der Liebigshöhe hat sich in den drei Jahren seit der Pflanzung ungemein gut entwickelt, so daß die Kronen schon einen verhältnismäßig großen Umfang haben und reichlich Blüten- knospenholz zeigen. Um die Stämme in gutem Wuchs zu halten, wurde in diesen Tagen der Untergrund gepflügt. Im vergangenen Herbst wurde die Anlage in der Richtung nach den Eichgärten hin noch vergrößert. Etwa 60 Jungbäume wurden neu gesetzt, so daß die ganze Pflanzung nun rund 150 Stämme aufweist. ** Auch bei Ermittlungssachen nicht mehr „Genosse". Der Reichs- und Preußische Innenminister hat die Polizeibehörden angewiesen, mit Rücksicht auf die Verwendung des Wortes „Genosse" in Bezeichnungen wie „Parteigenosse" und „Volksgenosse" auch Ermittlungssachen, die sich gegen mehrere Personen richten, nicht mehr durch den Zusatz „und Genossen" zu kennzeichnen. Künftig soll allgemein die Bezeichnung „und andere" verwendet werden. ** Kleiner Kellerbrand. Gestern um die Mittagsstunden wurde die Städttsche Feuerwache alarmiert. Im Hause Wilhelmstraße 5 war ein Kellerbrand ausgebrochen, den die Feuerwehr sofort und erfolgreich mit ihrer Kübelspritze bekämpfte. Nach einer Tätigkeit von kaum 10 Minuten konnte die Wehr wieder abrücken. ** D i e Reichsbahn stellt technische Beamtenanwärter ein. Die Deutsche Reichsbahn wird für das Geschäftsjahr 1936 einige junge Dienstanfänger für die Beamtenlaufbahn im gehobenen mittleren technischen Dienst (dreijährige Ausbildung als technischer Praktikant) zum 1. Mai 1936 und zum 1. November 1936 einstellen. Es handelt sich dabei um die bautechnische, maschinentechnische und oermessungstechnische Fachrichtung. Diese umfaßt auch den Hochbau, das technische Sicherungswesen und die Elektrotechnik. Erfordernisse: Reifezeugnis für Obersekunda, zwei Jahre praktische Tätigkeit im Handwerk, Reifezeugnis einer von der Reichsbahn anerkannten fünffemeftri- gen höheren technischen Lehranstalt, Lebensalter nicht über 25 Jahre. Die Bewerber müssen arischer Abstammung sein. Es wird Wert darauf gelegt, daß sie den Gedanken der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft voll in sich ausgenommen und auch bereits in die Tat umgesetzt haben. (Pg., SA., SS., Arbeitsdienst usw.) Bewerbungen sind unmittelbar an die für die Einstellungen zuständigen Reichsbahndirektionen zu richten. Bewerbungen an die Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahngesellschaft sind zwecklos. Militär- und Versorgungsanwärter mit technischer Vorbildung haben ihre Bewerbung an die Zentralmeldestelle für Versor- gungsanwärter bei der Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. zu richten. Gondergericht in Gießen. Der Heinrich Schneider aus Ober-Mörlen and wegen Beleidigung des Reichsnährstandes unter Anklage. Auf Grund der Beweisaufnahme in der gestrigen Hauptverhandlung wurde der Angeklagte freigesprochen. Am Nachmittag befaßte sich das Gericht mit dem Theodor Wolf II. aus Wachenbuchen bei Hanau. Der Angeklagte, bei dem es sich nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme um einen üblen kommunistischen Agitator handelt, beleidigte in der schwersten Weise in einer Wirtschaft den Führer, sowie den heutigen Staat. Das Gericht verurteilte ihn zu 1 Iayr 6 Monaten Gefängnis. Stadt hin und unterstrich die sozialpolitische Notwendigkeit der Aufrechterhaltung des Theaters. Dann wurden die Besucher durch das Labyrinth der verschiedenen Abteilungen geführt, wo die Arbeitsweise aller im Theater tätigen Handwerksabteilungen gezeigt wurde. Die künstlerische und technische. Entwicklung der eigentlichen Vorstellung wurde gezeigt. Und wenn die Führung auch durch die vielge- stalttgen Eindrücke fast beängstigend abwechslungsreich war, so hat kein Teilnehmer das Haus verlassen, ohne nicht Hochachtung empfunden zu haben vor den beachtlichen Leistungen aller Abteilungen unseres Theaters. Herrn Nieren wurde der Dank für diese wertvolle Führung ausgesprochen; möge aber der Dank der zahlreichen Teilnehmer darin bestehen, daß jeder nach Kräften mithilft, unserer Stadt ihr „Denkmal bürgerlichen Gemeinsinns" zu erhalten. Obst- und Gartenbauverein Gießen. Die überaus zahlreich besuchte Hauptversammlung des Vereins am vorigen Sonntag im Kaufmännischen Verein gestaltete sich, wie immer, zu einer ebenso erfreulichen, wie für alle Teilnehmer lehrreichen Kundgebung, der im Verein zusammgefchlos- fenen Gartenfreunde. Nach der Eröffnung gab der seitherige Vorsitzende seiner Freude darüber Ausdruck, daß es gelungen sei, statt seiner eine so hervorragend geeignete Persönlichkeit für das verantwortliche Ehrenamt des Vereinsführers zu gewinnen, wie dies in der Person des Vorstandes der hiesigen Hauptstelle für Pflanzenschutz Dr. Tempel der Fall ist. Gerade auf diese Weise sei ein gedeihliches Zusammenwirken von Wissenschaft und Praxis gewährleistet, das für beide Teile sich zum Besten des Gartenbaues auszuwirken vermag. Hierauf dankte Dr. Tempel für die auf ihn gefallene, von der Behörde bestätigte Wahl, gedachte der Verdienste des Vorgängers, Gartenbauinspektors i. R. R ehn elt, der seines hohen Alters wegen sein Amt bereits mit Schluß des Jahres niedergelegt hatte, und versprach die Wahrung der Vereinsarbeit, um jedem, der ein Stückchen deutschen Boden zu betreuen hat, nach Kräften durch Rat und Tat zu helfen. Bestimmte Sprechstunden in der Hauptstelle sollen dazu dienen, das gegenseitige Verstehen und Kennenlernen zu unterstützen. Der Bericht über das verflossene 23. Lebensjahr ergab einen Bestand von 211 Mitgliedern. Der Kassenbestand beträgt 380 Mark. Ein Gesuch um Herabsetzung der Beiträge zum Kreisverein hatte nicht das gewünschte Ergebnis. Infolgedessen war auch die geplante Senkung der Beiträge für die Mitglieder zur Zeit leider nicht durchführbar. Von besonderen Veranstaltungen verdient die glanzvoll gelungene Herbstblumenschau hervorgehoben zu Zur tdtfräfügen Förderung der Obstzucht an den A^^nden soll eine größere Anzahl junger Weinstocke noch in diesem Frühjahr bezogen und I gesetzt werden. Außerdem ist ein Besuch des ausgedehnten Musterobstgartens des Kreisvereins Wetzlar geplant. Dieser Besuch ist für den Sonntagnachmittag des 23. Februar vorgesehen und soll unter allen Umständen, auch bei ungünstigem Wetter, zur Ausführung kommen. Obstbauinspektor Kilp (Wetzlar) hat die Führung zugesagt. Ein weiterer Beschluß betraf die allgemeine Wühlmausbekämpfung. In dem Vortrag, den Herr Wasewitz von der Hauptstelle für Pflanzenschutz übernommen hatte, zagen noch einmal all die bekannten Krankheiten und Feinde, die dem fleißigen Gartenfreund den Preis für seine Sorgen und Mühen ftreiüg machen, an dem geistigen Auge der Zuhörer vorüber. Schorf, Monilia, Obstmaden, Apfelblattfloh, Schildläuse, Frostspanner, Blutlaus, Kohlhernie, Kohlgallenrüßler und dergleichen, die in natura in einem Nebensaal zu einer kleinen Ausstellung vereinigt worden waren, wie auch durch lebendige Schilderung ihrer Lebensweise und die Angaben, wie diesem Heer von Plagegeistern am besten das Handwerk gelegt werden kann, bildeten den Hauptinhalt des mit Beifall aufgenommenen Vortrags. Zum Schluß kam neben der üblichen Gratisver- lofung, bei der jedes Mitglied ein Andenken mitnehmen konnte, noch eine Aussprache in Fluß, bei der viel Wissenswertes zur allgemeinen Kenntnis gebracht wurde. Gießener Dochenmarkkpreife. * Gießen, 4. Febr. Auf dem heuügen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,55 Mk., Landbutter 1,42, Markenbutter 1,60 Mk., Matte 20 bis 25 Pi., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, ausländische, PA 13, inländische, ungezeichnete 10 bis 11, Wirsing, das Pfund 10 bis 15, Weißkraut 10 bis 12, Rotkraut 15 bis 18, Gelbe Rüben 9 bis 12, Rote Rüben 10 bis 12, Spinat 15 bis 20, Unterkohlrabi 8, Grünkohl 12 bis 15, Rosenkohl 20 bis 30, Feldsalat 80 bis 90, Tomaten 45, Zwiebeln 12 bis 15, Meerrettich 30 bis 65, Schwarzwurzeln 20 bis 30, Kartoffeln, bas Pfund 4 Pf., der Zentner 3.30 bis 3,50 Mk., Aepfel, das Pfund 10 bis 30 Pf., Birnen 25, junge Hähne 90, Suppenhühner 80 bis 85, Blumenkohl, das Stück 25 bis 40, Salat 30 bis 35, Endivien 10 bis 30, Lauch 5 bis 10, Rettich 5 bis 15, Sellerie 10 bis 50 Ps. ** Von der Universität. Von der Pressestelle der Universität Gießen wird uns mitgeteilt: Der außerordentliche Professor Dr. Hermann Reinhold wurde zum ordentlichen Professor in der Philosophischen Fakultät II. Abteilung und zum Direktor des Physikalisch-Chemischen Instituts unserer Universität ernannt. ** Neubau in der Schlageterstraße. 3m vorderen Teile der Schlageterstraße, nächst der Moltkestraße, wurde vor einigen Tagen mit der Erbauung eines Zweifamilienhauses mit zweimal Dierzimmerwohnungen begonnen, dessen Fertig- Oberhessen. Veränderung in der Kreisleitung des Kreises Friedberg. Der Kreisleiter des Kreises Friedberg, Pg. Wilh. Seipel, hat mit dem 30. Januar sein Amt als Kreisleiter für den Kreis Friedberg niedergelegt, da er sich mit seiner ganzen Kraft der Arbeit für die Landesbauernschast Hessen-Nassau widmen will. Mit Wirkung vom gleichen Tage ab wurden die Geschäfte dem Kreisleiter des Kreises Gießen Dr. Hildebrandt mit übertragen, der als Hoheitsträger der Partei nunmehr den beiden Kreisen Gießen und Friedberg vorstehen wird. Gauleiter Sprenger widmete Kreisleiter Seipel ein Schreiben, in dem er der opfervollen Arbeit des scheidenden Kreisleiters Dank und Anerkennung ausspricht. Generalversammlung der Milchabsatzgenoffenschast Grünberg + Grünberg, 3. Febr. Arn Sonntag fand im „Hessischen Hof" die ordentliche Generalversammlung der hiesigen Milchabsatzgenvssen- schäft statt, zu der 50 Mitglieder erschienen waren. Ludwig Bausch als Vorsitzender des Aufsichtsrates leitete die Verhandlungen. Geschäftsbericht und Rechnungsablage wurden von Rechner Karl Werner oorgetragen. Daraus ging hervor, daß im vorigen Jahre 9 Mitglieder neu beitraten, fo daß das Jahr 1935 mit einem Mitgliederstand von 91 abschloß. Der Umsatz betrug 445 061 Liter Milch im Werte von 71 007 Mark. Einem (Erträgnis von 5594 Mark stehen Aufwendungen von 5541 Mark gegenüber, so daß ein Uederschuß von 53 Mark verbleibt. Ein Teil davon soll für noch ausstehendes Wassergeld von 1935 verwandt wer- den, der Rest zur Anschaffung einer feuerfesten Kassette dienen. Die Versammlung ist damit einverstanden. lieber die am 5. November 1935 stattgefundene Revision erstattete ebenfalls der Rechner Bericht. Da in der vorgeschriebenen Dffenlegungs» frist, sowie auch in der Versammlung keine (Ein- Wendungen gegen die Rechnung erhoben wurden, fand die übliche Entlastung von Vorstand und Auf- sichtsrat statt. Die in 1934 gewählten Vorstands- mitglieber Leonhard Großhaus und Konrad Trinkaus konnten infolge eines bei der Wahl vorgekommenen Formfehlers nicht gerichtlich eingetragen werden. Die nochmals vorgenommene Wahl erfolgte durch Zuruf und fiel einstimmig auf die beiden: Ortsbauernführer Leonhard Großhaus als Direktor und Konrad Trinkaus als Stellvertreter. Als Aufsichtsratsmitglieder wurden Ludwig Bausch und Karl S ch o n h a l s ebenfalls durch Zuruf einstimmig gewählt. Eine An rage eines Genossen über die Bezahlung der Milch nach Fettprozenten oder nach Fetteinheiten wurde durch den Rechner näher erläutert. Die Versammlung beschloß, die Bezahlung in der seitherigen Weise nach Fettprozenten beizubehalten. Landkreis Gießen. ieICtfL £ ^ebr. Die Pfundfamm- L“n£.n? der hiesigen Volksschule zugunsten o^Pifinf terrel f5lüerfe5 ^Qt ein sehr gutes Ergebnis Beseitigt. 6s gingen insgesamt 272 Pfund Lebens- aiirfi hn^n' und Teigwaren wurden Do?rttPi^^^8e Lebensmittel, wie Wurst, Fett und ®ebe ei ?nan jua$tlld*en Mengen gespendet. Die unferp Äa ft !? hoher zu bewerten, als U"^re Dorfgemeinde als Notstandsgemeinde gilt. liL Lang-Göns, 3. Febr. In der überfüllten Turnhalle fand am Samstag ein heiterer Abend der NS.- Gemeinschaft ,Kraft durch Freude" statt, der den Zuschauern einige unterhaltsame Stunden bereitete. Der Leiter des Abends, Heinrich Faber, begrüßte alle Besucher und gab dem munteren Ansager Rudi Morgani das Wort. Dieser verstand es, durch treffende und witzige Bemerkungen für die rechte Stimmung zu sorgen. Die Musikkapelle Philipp spielte wie immer ihre flotten Weisen. Von den Vorführungen, die Schlag auf Schlag folgten, feien besonders die der humoristischen Jongleure, der beiden Moowatts, erwähnt, die erstaunlich waren und großen Beifall auslösten. Sehr schön waren auch die Tänze der Geschwister Plank und der kleinen Tänzerin Carlotta. Der zweite Teil des Abends trug schon karnevalistischen Charakter. Tanz schloß die vergnügte Veranstaltung. # ßi cf), 3. Febr. Durch das Ueberhand- nehmen der Wühlmäuse und Maulwürfe und den durch diese verursachten erheblichen Schaden in einigen Teilen der Gemarkung Lich sieht sich die Bürgermeisterei Lich veranlaßt, Bekämpfungsmaßnahmen anzuordnen. Bis auf weiteres wird für jede getötete Wühlmaus ein Fanggeld im Betrage von 50 Pf. und für jeden Maulwurf ein solches von 20 Pf. bezahlt. Der Nachweis der Tötung soll bei Wühlmäusen durch Ablieferung der ganzen Tiere, bei Maulwürfen durch Ablieferung des Schwänzchens erfolgen. + Lich, 3. Febr. Im Rahmen der Reichsmütterschulung im Deutschen Frauenwerk führt die hiesige Ortsgruppe der NS. -Frauenschaft in Verbindung mit den hiesigen evangelischen Frauenhilfen in diesem Monat einen Säuglingspflegekur- s u s durch, der jungen deutschen Frauen und Mädchen bei gemeinsamer praktischer Betätigung die ersten wertvollen Kenntnisse und Grundlagen für die Betreuung der werdenden Mutter und des neugeborenen Kindes vermitteln soll. Der Kursus, der in unserer Stadt am 17. Februar beginnt, wird etwa vierzehn Tage dauern und jeweils an den Werktagabenden mit Ausnahme des Samstags zur Durchführung gelangen. Anmeldungen nehmen die Leiterin der hiesigen Frauenschafts-Ortsgruppe, Frau Lucie Schäfer (Kleinkinderschule) und das evangelische Pfarramt I entgegen. Oer Führer beglückt eine Kranke mit einem Rundfunkgerät. LPD. Marburg, 3. Febr. Eine bereits feit langer Zeit krank darniederliegende Insassin der hiesigen Anstalt „Bethesda" hatte dem Führer und Reichskanzler mitgeteilt, daß sie infolge ihrer Bettlägerigkeit nicht an dem Zeitgeschehen durch Gemeinschaftsempfang teilnehmen könne. Gauleiter W e i n r i ch hat jetzt der Kranken berichtet, daß ihr der Führer und Reichskanzler einen Rundfunkapparat als Geschenk überwiesen habe. Fünf Jahre Zuchthaus für Mordversuch an der Ehefrau. Den Pudding mit Lysol übergossen. LPD. D a r m st a d t, 3. Febr. Im Oktober des vergangenen Jahres wollte die Ehefrau des Josef Peter Schwenk in Mühlheim a. M. Pudding essen. Als sie die Speise berührte, merkte sie sofort, daß etwas nicht in Ordnung war. Sie stellte fest, daß der Pudding mit Lysol übergossen worden war. Der Ehemann stritt alles ab, und die Frau übergab die Sache der Polizei. Diese stellte fest, daß nur der 26jährige Ehemann als Täter in Frage kommen könnte. Der Mann hatte sich heute unter der Anklage des Mordversuchs an seiner Ehefrau vor den Geschworenen der Provinz Starkenburg zu verantworten. Er hatte zunächst alles abgeleugnet, gab aber später zu, daß er seiner Frau einen Schabernack habe spielen wollen. Nach eingehender Beweisaufnahme, in der auch zur Sprache kam, daß sich der Angeklagte bei feiner Schwiegermutter genau erkundigt hatte, wie es um die Erbschaft stehe, wenn seine Frau einmal sterben würde, wurde der Angeklagte entsprechend dem Antrag des Statsanwalts zu fünf Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt. Außerdem wurde die Stellung des Angeklag- ten unter Polizeiaufsicht für zulässig erklärt. Der Angeklagte nahm die Strafe an. 9.Jtxfport Deutsche Gymnastik im Dienste des Winterhilfswerkes. Der Reichsverband Deutscher Turn-, Sport- und Gymnastiklehrer im NSLB. hat in Gemeinschaft mit der NS.-G. „Kraft durch Freude" zu einem unterhaltsamen Abend eingeladen, der dem Ziele diente, der Leibesübung neue Anhänger zu werben und außerdem das Winterhilfswerk zu unterstützen. Musikalische Darbietungen von Willy Krengel und seinen Solisten leiteten die Veranstaltungen ein. Die zahlreichen Teilnehmer des Abends wurden von dem Leiter der Sportkurse der NS.-G. „Kraft durch Freude", Sportlehrer König er, herzlich willkommen geheißen. In einem kurzen Vortrag sprach er über die Bedeutung der Leibesübungen, insbesondere über ihre Pflege im Dritten Reich, er schilderte die Verhältnisse, wie sie sich auf dem Gebiete der Leibesübung vor dem nationalsozialisttschen Umbruch entwickelt hatten, und besonders jene verhängnisvollen Auswüchse, die den Sport und alle die ihm dienten, nahezu in Mißkredit brachten. Er stellte all dem das klare Zielstreben gegenüber, das die verantwortlichen Leiter auf dem Gebiete der Leibesübungen heute erfüllt. Schließlich sprach der Redner von dem wich- tigen Amt, das der Sportlehrer im Dienste der Ertüchtigung des deutschen Volkes ausübt. Der Reichsverband Deutscher Turn-, Sport und Gymnastiklehrer umfaßt heute 5000 Mitglieder, die insgesamt etwa 1 Million Volksgenossen in der Leibesübung betreuen. Der Sport- und Gymnastiklehrer muß, so schloß der Redner, Idealist sein und seinen Idealismus auch auf den Schüler zu übertragen wissen. Der heutige Abend soll dazu beitragen, der Leibesübung, der Gymnastik, viele neue Freunde zu gewinnen. Der weitere Verlauf des Abends brachte ein sehr unterhaltsames Programm. Zunächst sah man ein gymnastisches Ta n zspiel einer Kindergruppe, dem sich eine reizende Studie unter dem Titel „Wilde Reiter" anschloß. Einige Sportler zeigten in reicher Abwechslung der Uebungsformen dann harmonische und kraftvolle Kugelgyrnnastik, die sehr gut gefiel Sehr aufschlußreich war die Vorführung der grundlegenden Uebungen im Trockenskikurfus, die mit den Brettern durchgeführt wurden und sicher deshalb viel Interesse fanden. Einige junge Damen warteten mit schöner Stabgymnastik auf, die sich als von feiner ästhetischer Wirkung erwiesen. Eine Studie mit Bällen machte einen nicht weniger guten Eindruck. Dann sah man noch einige tänzerische Darbietungen, und zwar eine lustige Groteske und eine virtuose Leistung einer Gymnastiklehrerin. Sehr instruktiv gestaltete sich die Vorführung der B o x s ch u l e, die neben dem Schulboxen auch einige Gänge Kampf brachte, die mit großer Aufmerksamkeit verfolgt wurden. Sehr interessant war der Verlauf eines Schwingballkampfes. Den Abschluß des anregenden Programms bildete ein Bodenturnen einiger Schüler, die mit schönen Sprüngen, mit Salto und abwechslungsreichen Bewegungsübungen aufwarteten und, wie auch alle anderen Mitwirkenden, reichen Beifall ernteten. Im Schlußwort zum offiziellen Teil des Abends dankte Herr K ö n i g e r, der sich übrigens auch als Ansager bewährte, allen, die durch ihre Mitwirkung zur Ausgestaltung und zum Erfolg des Abends beitrugen. Gießener Skiläufer erleben Winter-Olympia. Am heutigen Dienstag treten Skiläufer aus unserer engeren und weiteren Heimat, u. a. auch verschiedene Mitglieder des Skiklubs Gießen, die Reise nach Garmisch-Partenkirchen an, um dort in erster Linie den Verlauf der Kämpfe der Winter-Olympia zu erleben, darüber hinaus aber auch die 14 Tage des dort vorgesehenen Aufenthaltes zu einem eifrigen Training zu benützen, das bisher in unserem heimischen Gebiet infolge des andauernden Schneemangels nicht möglich war. Gleichzeitig hoffen die Skiläufer, den großen Könnern der nordischen Länder wie den Könnern aus aller Welt noch einiges abzusehen. Die Skiläufer aus den heimischen Gauen XII/XIII, insgesamt 25 Mann an der Zahl, werden auf der Pfeifferalm in einer Hütte ganz für sich untergebracht fein. Die Hütte, die auf etwa 1100 Meter Höhe am Wank liegt, wird allen die Möglichkeit geben, in raschen Abfahrten nach Garmisch-Partenkirchen zu gelangen und den großen Wintersport- Ereignissen beizuwohnen. Die Führung der Expedition unserer heimischen Läufer hat der Gau- jugendskiwart Karl A l t h a u s (Gießen), der auf Grund feiner reichen Erfahrungen allen ein getreuer Mentor fein wird. Unter den Teilnehmern cm dieser „Olympia-Expedition" befinden sich verschiedene ausgezeichnete Kämpen, die, soweit es möglich ist, die olympischen Abfahrsstrecken — nach der Austragung der Wettbewerbe — hinter sich bringen werden, um dabei ihr Können an gesteigerten Schwierigkeiten zu beweisen. Die Springer unter ihnen werden sich selbstverständlich abch auf den Trainingsschanzen betätigen, da ihnen ja auf den Schanzen unserer Skigebiete nur beschränkte Möglichkeiten hinsichtlich der Weite gegeben sind. Die heimischen Skiläufer werden auch dem Zugspitzplatt einen Besuch abstatten, da ihnen weitgehende Preisermäßigung für die Fahrt mit der Zugspitzbahn gesichert werden konnte. Gisela Arendt schwimmt neuen Rekord. v •i' 4 In Bremen konnte die junge Gisela Arendt (Nixe Charlottenburg) einen neuen deutschen Rekord im lOO-Meter-Kraulschwimmen auf stellen, und zwar gelang es ihr, ihre eigene Bestzeit um 0,4 Sekunden auf 1:08,4 Minuten herabzudrücken. — (Schirner-M.) Die Deutschen Hochschul- Skimeisterschasten. Söhmisch (Breslau) bester Langläufer. Die deutschen und Münchener Hochschul - Skimeisterschaften wurden am Samstagvormittag in Oberammergau mit dem Langlauf fortgesetzt. Der Titelverteidiger Lev Müller hatte Pech. Stock- bruch, dem fünf Kilometer vor dem Ziel noch ein Skibruch folgte, zwangen ihn zur Aufgabe. Nach einem Viertel des 16-Kilorneter-Laufes fetzte sich der Münchener Dehmel an die Spitze des Feldes, wurde aber später von dem Breslauer Altakade- die tfrOSSe Tube NIVEA mild, leicht schäumend, gani wundervoll im Geschmack Z3O Nachdruck verboten! 12. Fortsetzung „3a, sehr merkwürdig", entgegnete Elfriede Stal, fing leise und lächelte gezwungen. Sie hatte Max Bruck in der nahen Fensternische entdeckt, flau) allein. „Sei nett zu ihm!" hatte Teddy sie gebeten. „Es ist von großer Wichtigkeit für mich. Sie war Theodor Stallings Frau — Langsam ging sie aus den einsamen Gast zu. Grete Mervius aber wandte sich zornig und enttäuscht ab. Für nichts hatte die Schwester mehr Anteilnahme, eine ganz große Egoistin war sie m ihrer Ehe geworden. So kurz lehnte sie die Aufforderung des jungen Senfmann zum ^anz a , daß der ganz verdutzt dremschaute, suchte die Mutter auf, die im kleinen grünen Damenzlmmer plaudernd neben Dr. Goebel saß. Grete sprudel e Ihre Neuigkeit heraus. Hier fand sie das ersehnte 3n®errflai|o ist es! Nun glanzten auch Frau Mar. grets Augen. „Das ist wahrhaftig seltsam, der sunge Mann flöhte mir damals schon T-'lnahm- ein er sah so krank und so ernst aus. Als Mutter denkt man unwillkürlich an die eigenen Kinder - Sie müssen uns sagen, wie wir >hm helfen können, Neber Doktor, ihn'bald mal zum Abendbrot mit- hrinnpn in? Da bitte ich Elfe und Teddy dazu, die möUVnn^n lh"m>°he„ Bekanntenkreis °,n bihchen Propaganda für ihn machen. Mutti du bist doch ein Goldkerl." Grete n-igt- sich^on'ihrem Sitz % der S-ss°-l°hn° h°r°b und kühle sie auis Haar. Lachte dann den Doktor an, ber ganz verklärt die beiden betrachtete: „Und Sie sind ->/famoser Mensch, Doktorchen, beinahe wert, bCi@Ur"k3Ä«mUr, wehrte FrauMagret „et. legen, Und errötete plötzlich unerklarilchenmise. So eigen sah der Mann neben ihr sie- an — Elfriede Stalling aber, übermüdet von Den An ftrenflungen des Festes, das sich wiederum bis weit IMMlwkkMteil. Roman von H. von Hellermann. Copyright 1936 by Aufwärts-Verlag G. m. b. H„ Berlin SW 68. in die Morgenstunden ausgedehnt, erregt von dem nervenzermürbenden Abwehrkampf gegen die Wünsche Brucks, die sich unter dem tändelnden Hin und Her immer unverhüllter hervorwagten, und den sie doch nicht schroff abschütteln durste, wie ihr Gefühl verlangte, wälzte sich schlaflos in ihrem Bett und sah mitten im wilden Gaukelspiel ihrer Gedanken immer wieder das ernste Gesicht des Fremden vor sich, der in kalter, kahler Dachkammer ein köstliches Bild von ihr geschossen, der ein Künstler war — und treppauf, treppab Postkarten verkaufen mußte, um nicht zu verhungern. Wie ungerecht, wie selssam war das alles! Im Bett neben ihr schlief ihr Mann, atmete schwer und schnarchend. Die Frau starrte, immer wacher werdend, ins Dunkel. Sah Teddy nicht, daß Brucks Huldigungen ihr lästig waren, wollte er es nicht sehen? Galten ihm geschäftliche Vorteile mehr als ihre Ruhe, war sie ihm nur ein wertvoller Trumpf, den er nach Belieben ausspielte? Ach, schlafen, schlafen — es tat nicht gut, über solche Dinge nachzugrübeln. — 14. Kapitel. „Einen Augenblick, Fräulein Mervius!" Die Leiterin der Schule für Sprachen, eine untersetzte Vierzigerin mit klugen Augen hinter den runden Brillengläsern, rief das junge Mädchen, das sich mit den anderen Schülern der vorgeschrittenen Kurse eben zum Gehen anschickte, zurück. „Sie sprachen einmal davon, sich gern ein paar Mark verdienen zu wollen. Wenn das heute noch der Fall ist, wüßte ich etwas Passendes für Sie." Erwartungsvoll sah Grete Mervius ihre Lehrerin an. Frau Lohwend, Witwe eines Reiseschriftstellers, mit dem sie alle Weltteile durchstreift hatte, die nun mit ihren umfassenden Sprachkenntnissen einen gelahmten Vater und drei Kinder ebenso energisch wie erfolgreich durchs Leben brachte, betrachtete wohlgefällig die aufrechte Gestalt der vor ihr Stehenden, die ihre Lehrerin fast um Kopfeslänge überragte. „Ja", sagte Grete, und wagte kaum zu atmen — „Haben Sie je von dem schwedischen Archäologen und Forschungsreisenden Svante Selldön gehört?" „Der die geologischen Spuren der Sintflut und letzthin in der Mongolei die massenhaften Tierskelette und Eier aus der Urzeit fand", fragte Grete interessiert. „Freilich, Hans besitzt seine Bücher, sie sind fabelhaft spannend, nicht wahr? Wir alle haben sie gelesen." „Gut. Dann sind Sie einigermaßen im Bilde, für wen Sie arbeiten sollen, denn Herr SelldSn ift’s, der eine Sekretärin sucht, die seine in Deutsch zu haltende Vortragsserie nach seinem Diktat aufnimmt und sie sprachlich korrigiert, oder, wenn nötig, auch in andere, fesselndere volkstümliche Form bringt." Frau Lohwend lachte ob des verblüfften Gesichts. „D Gott, ob ich das kann —??" „Natürlich, man kann alles, was man richtig will! Mein guter Selld6n wirft englische, ftan- zösische und deutsche Brocken bunt durcheinander beim Sprechen, die gilt es auszumerzen und gut zu übersetzen. Das dürfte Ihnen bei Ihrem großen Sprachtalent leicht fallen, Sie haben ja alles gründlich gelernt, waren immer mit Lust und Eifer bei der Sache. Also nur Mut gefaßt und zur Vorstellung gegangen, am besten gleich heute nachmittag! Von zwei bis drei ist Herr Selld^n bestimmt anzutreffen — Hotel Bellevue am Schießplatz. Ich gebe Ihnen ein paar Zeilen mit, die schicken Sie mit Ihrer Karte hinein." Es schlug gerade zwei, als Grete beim Portier des Hotels nach Herrn Selldön fragte. Ein kleiner Page flitzte mit Karte und Brief davon. Bald stand er wieder vor ihr, die im Vestibül wartend saß und ihr Herz bis in den Hals hinein klopfen spürte. Herr Selldön würde natürlich gleich auf Probe diktieren — und sie vor lauter Ängst alles vergessen, was sie je gewußt! Sie fuhren im Lift hinauf. Am Ende des langen teppichbelegten Flurs klopfte der kleine Betreßte an, öffnete und verschwand. Vom Schreibtisch am Fenster erhob sich eine baumlange Gestalt. Rotblondes Haar glänzte in der Sonne. „Fröken Mervius?" Grete verneigte sich. Ein Schleier lag vor ihren Augen. Nein, wie war das schrecklich — noch nie im Leben hatte sie ein derartiger Schüchternheitskrampf befallen. Freilich, hier ging es um Verdienst, nicht Vergnügen --- „Frau Lohwend schreibt, daß Sie mir helfen wollen mit meine Vorträge — Sie können Schwedisch? Nicht perfekt? Aber Englisch, Französisch? Gut. Die nordisk Sprachen sind leicht zu lernen, leichter als Ihr Deutsch!" Ein flüchtiges Lächeln überflog das Gesicht des Mannes. Sie wissen, was Sie mir tun sollen, nicht wahr? Es ist nicht so einfach, eine tysk Vortrag zu halten als Schwede" (wie alle Nordländer die letzte Silbe leicht betonend), „aber ich soll es gern versuchen, weil Ihr Land so viel Geist und Verständnis hat für meine Tätigkeit. Ich werde sprechen, wie ich kann, Sie schreiben es nach und machen ein guter Vortrag daraus — wenn Sie es können?" Es klang recht zweifelnd. Das Mädchen, das ihn, die Hände um ihr Täschchen verkrampft, so ängstlich und unsicher anschaute, sah eigentlich ganz anders aus, als er nach Marie Lohwends Empfehlung erwartet hatte, so ziemlich das Gegenteil von intelligent. Grete Mervius schluckte. „O ja, doch — ich glaube", stammelte sie, „das heißt, ich habe noch nie — aber--" „Am besten, wir versuchen gleich einmal", meinte der Forscher, erhob sich und blätterte in einem Manuskript auf seinem Schreibtisch. „Hier sind Bleistift und Papier." Diese junge Dame konnte nichts, das stand fest. Wie kam die gute Marie nur dazu, ihm so etwas zuzuschicken! Aergerlich über die Zeitverschwendung begann er ziemlich schnell zu diktieren. Grete, über das Heft gebeugt, biß die Zähne zusammen. Nun galt es! Die ersten Sätze glitten wie verschwommene Laute an ihrem Ohr vorbei, ihre zitternden Finger machten irgendwelche sinnlose Zeichen. Da — mit einem Schlag war die Nervosität weg, das Zittern schwand, die Sinne schärften sich. Flott folgte der Stift des Mannes Rede, kurz flatterten die Lider fragend hoch, wenn er pausierte. „Doch nicht so dumm", dachte Sellden überrascht, „nur schüchtern!" Gab es das noch bei europäischen Mädchen?! — Noch einige Minuten diktierte er. „Wollen Sie bitte lesen?" Grete sah auf, hatte auf einmal wieder das vergnügte Funkeln in den Äugen. „Die ersten Sätze hab ich vor lauter Angst überhaupt nicht gehört", gestand sie, „erst hier fing ich an —* „Gut, gut", lobte der Lange. Die konnte ja wirklich etwas! „Aber es klingt alles ein bißchen komisch, wie Nicht sehr korrekt —" (Fortsetzung folgt!) a L D S ’ fri: 1 do . 12(1 So. der hei»° Ar. . hat .. ’ 3,2l- „ St.,' Wo. ,/ Soi. geb , 3t bei beS Pf? bi.’ * , n< \ bä; 1 - B. ■ Vi . ■ Bi ; DO n ,| geb ch ( [ 30 s 2 ?3U r G . ! 2 ef)f . (pif; d k. Mi’ , U tei' d.. , si- 3 A' d f-i ft « i miker Söhmisch verdrängt. Sohmisch, Deutscher 50-Kilometer-Meister 1934, lief unbebrängt als Erster burchs Ziel. In ber Klasse 1 fiel der Sieg an ben Münchener Bayerer unb an Schepe (Breslau) im toten Rennen mit je 1:31.58 Stunben. Im weiteren Verlauf ber Deutschen Hochschul- Skimeisterschaften in Oberammergau trafen sich am Samstagnachmittag bie 23 Besten ber Klasse I unb bie sieben Besten ber Klasse II oom Abfahrtslauf zum Torlauf. Die Strecke hatte 150 Meter Höhenunterschieb. Bester Mann war biesmal Th. Stark (Uni Tübingen) vor ben Münchenern Sorge unb Lantschner. Sdjepe deutscher hochschul- Skimelster. Auf Einlabung bes Reichsfportführers wohnte bie deutsche Ski- unb Eissport-Nationalmannschaft ben Schlußkämpfen um bie beutsche Hochschulmeister- schaft 1936 im Skilauf bei. Die Entscheidung brachte ber Sprunglauf auf ber Kolbenschanze bei Oberammergau. Franz Mechler siegte mit Note 215 unb Weiten oon 33 unb 38 Meter oor bem Münchener Denbel 206,5 (38,35). Den britten Platz belegte Gerharb Schepe von ber Universität Breslau mit Note 205,5 (33,34). Schepe hat bamit in ber Kombination ben ersten Platz errungen. Der Breslauer würbe mit Note 445,5 Deutscher Hoch- schulmeister oor May (München) 438,5 unb Denbel (München) 422,5. Den besten Springer stellten bie Altakabemiker in Fritz Dehmel (München), ber für feine Sprünge von 36 unb 38 Meter bie Note 216 erzielte. Die Studentinnen trugen einen Abfahrtslauf aus, ben bie Münchnerin Hüttenhain in 4:45,5 an sich brachte. , MTeutonia^ Watzenbom-Steinberg Watzenborn-Steinberg I — Wehlar-Niedergirmes I 3:1 (1:0). Am Sonntag sah man, wie wohl zu erwarten war, bie Teutonen mit beiben aktiven Mannschaften siegen. Die Gäste aus Wetzlar-Niebergirmes hatte man etwas unterschätzt, aber schon nach 10 Minuten Spielzeit mußten bie Steinberger erkennen, baß es, um Sieg unb Punkte zu erringen, einen sehr schweren Kampf kostete. Vor allem hatten bie Gäste durch ihre körperliche Ueberlegenheit einen erheblichen Vorteil, denn sie brachten mit einer ganz anderen Wucht den Ball auf den unzulänglichen Bodenverhältnissen weiter. Nach etwa 15 Minuten Spieldauer erzielten bie Einheimischen das einzige Tor ber 1. Halbzeit. Nun ging der Kampf unentwegt weiter. Angriffe rollten auf beide Tore, aber Zählbares wurde nicht mehr erzielt. Nach der Halbzeit glichen die Gäste durch ihren Mittelstürmer aus und drängten schließlich auf Sieg. In dieser Zeit wurde ritterlich gekämpft unb es gelang bem Halbrechten Buß, für seine Mannschaft ben Führungstreffer zu erzielen. Die Gäste bekannten sich dadurch noch nicht geschlagen, bis bann enblich ber Halblinke Haas burch schönen Schuß bas Resultat auf 3:1 erhöhte unb bamit auch ben Sieg sicherstellte. Der Schiebsrichter war bem Spiel zu jeber Zeit gewachsen. Watzenborn-Sleinberg II — DfV.-R. II. 7:2 (4:1). Vorher spielte bie zweite Mannschaft gegen bie britte Mannschaft von VfB -Reichsbahn Gießen. Leider traten beibe Mannschaften, Gießen mit 10 unb Watzenborn-Steinberg nur mit 9 Mann an. Das Spielfelb stellte auch bei biesem Spiele schon große Anforderungen an Spieler unb Schiebsrichter. Trotzdem kamen beibe Tore öfters in Gefahr unb es gelang auch ben drei Stürmern von Watzenborn-Steinberg, bis zur Halbzeit 4 Tore zu erzielen. Der erste Treffer für VfB. war ein Selbsttor. In ber zweiten Spielhälfte fah man basfelbe Bilb. Es wurden noch in regelmäßigen Abständen von dem Gastgeber 3 unb von ben Gästen 1 Tor erzielt unb so ben Stanb von 7:2 hergestellt. Hervorzuheben waren bei biesem Spiele bie Leistungen ber Stürmer von Watzenborn-Steinberg, von denen ber Mittelstürmer Benber 5 unb der Änks- außen Schmitt 2 Tore schossen. Beide Mannschaften spielten sehr anständig unb machten auch bem Schiedsrichter Gerhard- Steinbach das Amt nicht schwer. 3uaenh=$u8ball der Gpielvgg. 1900. 1900 I. Jugend — Großen-Linden I. Jugend 2:3. Durch gekürztes Spiel und Pech vor dem gegnerischen Tore war es den Blau-Weißen nicht vergönnt, einen Sieg zu erringen. Zweimal hatte sich ber Sturm gut burchgespielt unb ber Mittelstürmer stand mit dem Ball frei vor dem Tore und jedesmal schoß er den Ball knapp daneben. 1900 I. Schüler — VfB. R. Gießen I. Schüler 3:0. Dieses Resultat entsprach dem Spielverlauf. Die kleinen 1900er waren fast das ganze Spiel hindurch tonangebend. Wenn auch der Gegner eine Zeitlang mit bem Winb spielend, etwas brückte, so gelang es ben Blau-Weißen boch, bas Spiel balb roieber in ber Hanb zu haben. Fußballabteilung des $v.l 846 Gießen. 1846 I - Wißmar I 3:2. Die Gießener Turner hatten ben Tv. Wißmar zum fälligen Verbanbsspiel zu Gast. Beibe Mannschaften traten mit Ersatz an, bei Gießen fehlte ber gute Verteibiger Fuhs, sowie ber Halblinke und der Linksaußen. Trotzbem waren bie 1846 von Anfang an überlegen, unb sie konnten auch balb burch ben Halblinken Zoch zum Führungstor kommen. In ber Folgezeit standen bie Verteibiger ber Gießener über ber Mittellinie, einer ber beiben meint sogar im Sturm mithelfen zu müssen. Durch biefen Leichtsinn kommen bie Gäste bei einem schnellen Durchbruch burch ihren Mittelstürmer zum Ausgleich. Ein von Mohr verwanbelter Elfmeterball brachte ben Halbzeitstand von 2:1 für 1846. Ohne Pause ging es weiter, unb nach einer halben Stunbe kann Wißmar, ebenfalls burch Elfmeter, gleichziehen. In der restlichen Viertelstunde wird sehr erbittert um die Führung gekämpft, und so werden viele Strafstöße verhängt. Erst fünf Minuten vor Schluß kann Tenesch mit kräftigem Schuß doch noch den Sieg für seine Mannschaft sicherstellen. Durch diesen Sieg sind die 1846er auf den zweiten Tabellenplatz vorgerückt. Spielabteiluna Tv. 1889Klein-Linden. Am Sonntag trug die Fußballabteilung des Turn-Vereins Klein-Linden mit ihrer 1. Mannschaft, mit der 1. Jugend und der 1. Schülermannschaft Freundschaftsspiele in Garbenteich aus. lieber den Verlauf der Spiele selbst ist nicht viel zu sagen, da nicht die Mannschaftsleistungen, sondern die denkbar ungünstigsten Platzverhältnisse über Sieg und Niederlage entschieden. Das Spiel der 1. Mannschaft gewann Garbenteich mit 5:2 Toren, das der Schüler gewannen ebenfalls die Gastgeber mit 4:0 Toren. Der Kampf der Jugend endete unentschieden 1:1 Handba1limKreisLahn-Oitt( Nutzholz versteigert: Kiefernstämme, Klasse Deutsche Stenografenschaft JA Ortsgruppe Gießen m stahl PoHon Schlatrim. Kinderbetten. llJÜ Holz- DwllCIl Stahrtcdcr-U Auflcg.'matc BnaUe.Teilxhlg. Kat al. frei. Eisen möbelMrik Snhl/Th. Wasser, sch und Halm Don Karl Otto Bartels. 164 Naturaufnahmen aus dem Leben der niederen Tierwelt mit er- läuternden Bildunterschriften, Namensan. gab. u. ausführlichem Text (62 Seiten). Mit einem Geleitwort von Profess. Dr. Deegener, Universität Berlin. 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Februar 1936, vormittags 10 Uyr, wird im Gemeindewald Grohen Linden M tmtfopHoiintag hoben wir mit std sicht eingesetzt, wcht nur. ÖQp dieser Antopssonnlng ungefähr 30 Millionen Mord eingebrndit hot unö Du gnrnicht ausrechnen kannst, micnielen Menschen mir damit ein warmes Mittagesten geben konnten. UMtniele Millionen wir so erhalten konnten. Dos verstehst Du vielleicht nicht, mein Doläs- S«moste, aber bas können wir sagen, geraüe Vir. üer Du üas nicht verstehst, ist es nützlich, wenn-wir Dich auf üiese weise wenigstens einmal tu Deinem Volke turürkführen, tu Millionen Deiner Dothsgenoflen, Sie glücklich wären, wenn sie nur Öen ganzen Minter über Oos lÜMoHsgeeicht hätten, öns Du vielleicht ton Monat einmal tu Dir nimmst. Dir haben tos mit Michl getan «U werben nie tonen lallen. \llil 1111/ am Sam staff, dem VI V 8.2.36.20.11 Uhr, im v Caf6 Leib raD Mitglieder, deren Anffehöriffe und Angehörige der Wehrmacht erhalten Karten zum Preise von BDI. 1.- im Vorverkauf bei Leder- Haas, Seltersweg 3, und Papierhandlung Jung,Seltersweg. Nichtmitglieder zahlen einen Aufschlag Kohlen Koks ,„D Briketts Eiform Happel&Co. Kl.Mühlgasse 4 u.6 Ruf 3925 „ Reisslängen, rm Fichtennutzscheit 2,0 „ Eichennutzscheit = i,0 „ Zusammenkunft an der Kreisstraße Gießen—Leih- gestern, Schützenschneise, oberhalb der Rindsmühle. Großen-Linden, den 3. Februar 1936. SWIMMMW Für das Haus eines hiesig. Sportvereins wird ein Ehepaar zur Wirtschaftsführung ver 1. März d. I. gesucht. Die Stelle ist nebenberuflich. Freie Wohnung und Umsatzvergütung werden geboten. Handwerker bevorzugt. Ausführl. schriftl. Bewerbungen u. 730 D an d. Gieß. Anz. Wer erteilt Unterricht in linnischd schwedisch? 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