Nr. 2 Erster Blatt Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte (Lietzener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr.. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen Postscheckkonto: Zrankfurt am Main 11686 186. Jahrgang Zreitag, 3. Januar 1956 Metzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitüts Buch- und Steindruckerei R. Lange in Gietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8*/,Uhr des Dormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Textanzeigen von 70mm Breite 50 Rpf.,Platzvorschrift nach vorh.Dereinbg.25°/^ mehr. (Ermäßigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel 6 25 Jahre Krieg. Don unserem römischen E.-Korrespondenien. Vatikan und Abessinienkonflikt. Rom, Anfang Januar. Sieht man vom Mächtekrieg in China und vom Burenkrieg ab, den Kämpfen, die unser unruhiges Jahrhundert einleiteten, so hätten wir bei Ausbruch des afrikanischen Krieges den dreißigjährigen Krieg „feiern" können, denn im September 1095 rourb der russisch-japanische Krieg beendet, der Japan das Sprungbrett zu seinem gegenwärtigen kriegerischen Vorgehen verschaffte. Da aber für Rußland auch das große Ringen in Ostasien schließlich nur ein Kolonialkrieg war, sind wir, wenn wir uns auf Europa beschränken wollen, erst bei einer fünfundzwanzigjährigen Kriegsdauer angelangt: 1911 begann der italienisch-türkische Krieg und damit der moderne Kampf ums Mittelmeer, der den Rest unseres Jahrhunderts ausfüllen wird. Krieg, nichts als Krieg. Das eben ist der Fluch dieser bösen Macht, daß sie fortzeugend Böses muß gebären. Der italienisch-türkische oder Tripoliskrieg zeugte den B a l k a n k r i e g, der Balkankrieg den Weltkrieg, der Weltkrieg den türkisch-griechischen Krieg, den russisch-polnischem Krieg usw. Ein böses Undsoweiter. Seit 25 Jahren sind die italienischen Waffen in Afrika nicht mehr zur Ruhe gekommen. Unmittelbar nach der endgültigen Unterwerfung Libyens, die in den letzten Jahren auch südtiroler Blutopfer forderte, begann der Aufmarsch in Abessinien. Als Kriegsgrund wurde der gleiche angegeben wie 1911: Gefährdung der italienischen Kolonien. Damals wie heute verleibte Italien die eroberten Gebiete ohne weiteres dem Königreich ein, ohne den Friedensschluß abzuwarten, und behandelte die trotzdem noch weiterkämpfenden Eingeborenen als Rebellen. Immerhin hat man von dem Galgen, der damals in Europa so böses Blut machte, in Abessinien bisher keinen Gebrauch gemacht. Rom führt den Krieg mit starker Betonung als Befreiungskrieg, als zivilisatorischen Kreuzzug und ist am meisten darüber erbittert, daß der Völkerbund diesen christlichen Charakter nicht anerkennen will. Umgekehrt wirft man Italien Heuchelei vor und Rom erblickt nichts anderes in der englischen Behauptung, der Sanktionskrieg werde nur um des Genfer Rechtes wegen geführt. Praktisch wird in keinem Falle ein X aus dem U, e s herrscht eben Krieg. Das Jahr 1936, das nicht minder als das vergangene ein Anno cruciale oder Anno fatale sein wird, ein Schicksalsjahr blutigen Ranges, beginnt mit einem Doppelkrieg, wenn nicht einem dreifachen: dem abessinischen Feldzug, den Italien als reines Privat- und Kolonialunternehmen betrachtet wissen möchte, dem S a n k t i o n s - krieg des Völkerbunds und dem — je nach dem Standpunkt — schon lange, seit zwei oder 20 Jahrhunderten im Gange befindlichen oder erst in den Geheimkabinetten rumorenden Kampf ums M i t t e l m e e r. Im Grunde genommen natürlich alles einunddasselbe. Ist es als traditionelle Hebung noch begreiflich, wenn die Staatsmänner in Fensterreden feine Unterschiede machen, so versteht man schlecht, daß es immer noch Leute gibt, die daran glauben. Für die armen Teufel, die ihre Spargroschen durch großzügige Währungsmanipulationen verloren haben, kommt es auf das gleiche heraus, ob die Ursache als Inflation, Devalvation deklariert wird. Deklariert — ach, lassen wir es einmal bei dem Fremdwort, es klingt so hübsch geschäftsmäßig. Und was läßt sich nicht alles unter dem Deckmantel „Sanktionen" verstecken, während „Sühne" doch von einer zu brutalen Offenherzigkeit wäre. Immer taktvoll, wir wissen es ja von den „Reparationen" her. Wenn damals die Entente Lösegeld verlangt hätte, man denke! So hübsch verschleiert geht es nun auch im Mittelmeer zu. Frankreich und Italien scheinen am gleichen Strang zu ziehen, die Riesenfestungen Korsika und Sardinien aber richten ihre langen Rohre gegeneinander. Denn was auch an Augensand für harmlose Zeitungsleser auf den Pariser Boulevards erzeugt werden mag, es bleibt dabei, daß Frankreich immer Abessinien sagt und Deutschland meint. Wie übrigens nicht wenige Engländer auch. In allen Gesprächen, die Mussolini mit den Botschaftern der Stresafreunde führen muß, um eine Formel für die Weiterführung der Beendigung des afrikanischen Feldzuges zu finden, beginnt der entscheidende Abschnitt stets mit den Worten „i m Falle, daß —Und dann ist von der unbeteiligten, schweigenden und wachsenden Großmacht die Rede. Der Negus ist nur ein Bauer auf dem F^^^daß"'— zieht aber Frankreich doch, w'nn auch schweren Herzens, die enge Freundschaft mit England dem Herzensbündnis mit der lateinischen Schwester vor. Und der Duce merkt bei jedem Blick auf die Landkarte, daß trotz aller schönen Worte die Welt halt doch in Suez und Gibraltar verrammelt bleibt. Schicksalhaft ist sein Ringen um Freiheit. Der Mann auf der Straße macht sich so seine Gedanken, wenn er vor den riesigen Landkarten stehenbleibt, die zur Erläuterung des Sanktionenkrieges aufgestellt sind: Alles schwarz ringsum, nur nach dem Nordmeer geht, über Oesterreich und Ungarn hinweg die weiße, die freie Bahn. Und umgekehrt beneiben jetzt alle Politiker das aus den Fesseln des Völkerbunds befreite Deutschland: Ihr könnt wählen wie chr wollt, ihr habt Handlungsfreiheit, aus den Verfemten oder Geduldeten von gestern seid ihr die Umworbe- n66o8ege°bebnn!6i8 Gespräche am Drehpunkt der Mittelmeerachse, in Rom. . ,, Hingegen ist das Gespenst eines o f f e n en Mittelmeerkrieges, eines kriegerischen Zusammen- Hoffnung auf gegenseitiges Entgegenkommen.-Sanktionen bedrohen päpstliche Finanzen. Paris, 3. Januar. (DNB. Funkspruch.) Der römische Sonderberichterstatter des „Jour" übermittelt seinem Blatt die überraschende Behauptung, daß man in zuständigen Kreisen des Vatikans mit der Möglichkeit einer Regelung des abessinischen Streitfalles rechne. Bereits während der Weihnachtstage habe man im Vatikan eine ganz neue Hoffnungsfreudigkeit an den Tag gelegt, nachdem man dort seit Monaten pessimistisch gewesen sei. Im Vatikan glaube man, Mussolini habe sich davon überzeugen lassen, daß die Regelung auf jeden Fall über Genf erfolgen müsse. Man glaube dort gleichfalls, daß Eden sich nicht einem neuen Plan widersetzen werde, der „bescheidener" als der vorn 8. Dezember sein werde, und der als Gegenleistung für die Sicherheit der italienischen Grenzen und der italienischen Unternehmungen einen Gebietsaustausch nicht vorsehe. „Oeuvre" schreibt, daß auch der Vatikan stark von den Sühnemaßnahmen betroffen werde. Die Zahl der Pilger und Besucher sei sehr zurückgegangen. Vor allem aber hätten d i e Finanzen des Vatikans einen schweren Schlag erlitten. Obwohl der Vatikan ein souveräner Staat sei, verfüge er nämlich nicht über eigene Banken. Seine Gelder würden von italienischen Staatsbanken verwaltet, die aber kein Geld mehr vom Ausland erhielten. Ein päpstlicher Abgesandter sei deswegen bereits zweimal in Genf vorstellig geworden. Man versichere in Rom, daß Laval versprochen habe, sich für den Fall zu interessieren, um dem Vatikan eine Sander st e l lu n g zu sichern. Trotz eines Dementis des „Observatore Romano" behaupte man in Rom, daß Italien und der Vatikan eine Art Clearing-Abkommen getroffen hätten. Italien werde darin gestattet, den im Ausland fest gefrorenen Peter-Pfennig zu Ankäufen zu verwenden. Der Vatikan erhalte dafür vom italienischen Staat Lire. Das Blatt glaubt sicher zu sein, daß diese Finanzmaßnahme bereits mindestens einmal durchgeführt sei. Sicher sei auf jeden Fall, daß die katastrophale Verminderung der Einnahmen des Vatikans einen Grund mehr bedeutete, die Versöhnungsbemühungen fortzusetzen. * Der Peterspfennig ist* bekanntlich das finanzielle Rückgrat des Vatikans. Er war im Mittelalter eine zuerst in England dem Untertanen auferlegte Abgabe an den Papst. Die Abgabe betrug 300 Mark Silber. Jeder Freie, der Vieh im Werte von 30 Pfund besaß, mußte einen Pfennig (Denar) zahlen, den Denarius oder Census Sankti Petri. In England blieb diese Abgabe bis zur Reformation bestehen, wenn sie oft auch unregelmäßig ober auch nur zum Teil entrichtet wurde. Nach dem Vorbilde Englands wurde eine solche Abgabe seit dem 12. Jahrhundert auch in Dänemark, Polen, Schweden und Norwegen, später vorübergehend auch im Ordenslande Preußen erhoben. Der heutige Peterspfennig war anfangs eine freiwillige Liebesgabe für den bedrängten Papst, als 1860 ein großer Teil des Kirchenstaates an das geeinte Italien verloren ging. In Oesterreich, dann auch in Irland wurde er damals aufgebracht. Er ist dann allgemein geworden und diente feit dem Ende der weltlichen Herrschaft des Papstes und der Ablehnung der im italienischen Garantiegesetz vorgesehenen Rente für den päpstlichen Haushalt und die Kirchenverwaltung. lieber die Höhe der aufgebrachten Summen gehen die Meinungen stark auseinander. Seit dem französischen Kulturkampf sind die Einnahmen stark zurückgegangen und sollen nur noch 2 bis 3 Millionen betragen haben. Nach den Lateranoerträgen zwischen dem faschistischen Italien und der Kurie ist zwar der Vatikanstaat von Italien in jeder Hinsicht unabhängig und bildet ein Staatswesen mit eigener Hoheit. Aber der Staat, der nur etwas mehr als 500 Einwohner zählt, besitzt keine eigene Bankverbindung. Bisher war es die Banca Com- merziaie Italiana in Rom, die sich mit den ausländischen Transaktionen des Vatikans beschäftigte, ein Unternehmen, das unter der Kontrolle des italienischen Staates steht. Im Innern Italiens war die Banca di Santo Spirito (Die Bank des Heiligen Geistes) mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Vatikanstaates betraut. Auch diese Bank liegt jedoch außerhalb der Mauern des Vatikans und gehört völkerrechtlich zu Italien. Die Tatsache nun, daß es den Völkerbundsstaaten untersagt ist, Zahlungen nach Italien zu überweisen, hat automatisch auch die Zuwendungen an den Heiligen Stuhl betroffen, dessen Einnahmen seit dem 15. November geradezu katastrophal zu- sammengeschmolzen sind. Der päpstliche Nuntius in Bern' soll bereits beim Völkerbundsekretariat vorstellig geworden sein, um eine Milderung der bestehenden Bestimmungen durchzusetzen. Jedoch scheint seine Aktion bisher vergeblich gewesen zu sein, obwohl gerade Laval sich für die Interessen des Heiligen Stuhles eingesetzt haben soll. Erhöhte Aufmerksamkeit an der ägyptisch-libyschen Grenze. Britische Verstärkung der Grenzgarnison.— Eine kriegerische Neujahrsfeier. London, 3. Jan. (DNB. Funkspr.) In einer Meldung aus Sollum berichtet Reuter über die m i - litärischen Vorsichtsmaßnahmen aus b ei b e n Seiten der ägyptisch-libyschen Grenze. Danach sollen italienische Wachen Tag und Nacht auf den Dächern der Forts stehen und Ausschau nach irgendwelchen Bewegungen auf der ägyptischen Seite halten. Truppen des ägyptischen Kamelreiterkorps, die auf den Hügeln verteilt seien, beobachten ihrerseits die italienischen Drahtverhaue. Jedesmal wenn in der Nähe von Sollum eine Truppenbewegung vor sich gehe, steige ein italienisches Erkundungsflugzeug auf, das sich jedoch sorgfältig auf der libyschen Seite der Grenze halte. Der Korrespondent meldet weiter, daß am Neujahrsmorgen Hebungen britischer und ägyptischer Truppen mit Panzerwagen und Lastwagen stattgefunden hätten. Den italienischen Grenzposten sei auf eine Anfrage gesagt worden, daß es sich nur um eine Neujahrsfeierlichkeit handle. Das Schicksal von Sollum im Falle eines Angriffs vom Westen fei ungewiß. Bisher fei Sollum nur von einem ägyptischen Infanterie-Bataillon bewacht worden. Man habe angenommen, daß ein italienischer Vormarsch aus der Cyrenaika erst bei Mersa Matruh, also 240 Kilometer von der Grenze entfernt, auf Widerstand stoßen würde. Während der letzten 14 Tage feien jedoch britische Verstärkungen in Sollum eingetroffen. Das Bombardement von Doklo. Staatssekretär Suvich spricht mit dem schwedischen Gesandten.-Die römische presse droht den Abessiniern mit verschärften Vergeltungsmaßnahmen. Rom, 2. Jan. (DNB.) Wie amtlich bekanntgegeben wird, hat Staatssekretär Suvich am Neujahrstag den schwedischen Gesandten zu sich gebeten, um ihm von den italienischen Feststellungen über das in der Gegend von Dolo durchgeführte Luftbombardement, bei dem der Direktor der schwedischen Roten-Kreuz-Abtei- lung verwundet worden sei, Mitteilungen zu machen. „Eine Aktion zur Bombardierung der abessinischen Somalifront", so heißt es in dem amtlichen Bericht, „war als Vergeltungsmaßnahme gegen die von Abessiniern an italienischen Gefallenen und Gefangenen verübten Grausamkeiten angeordnet worden. In der Umgebung von Dolo hatte das Bombardement eine Gruppe bewaffneter Abessinier und einige Zelte zum Ziel, die, wie sich ergeben hatte, dem abessinischen Kommando gehörten. Es scheint, daß eine Bombe in der Nähe des Feldlazaretts eingeschlagen und dessen Direktor Dr. Fritz Jlander verletzt hat." Unter dem Ausdruck des Bedauerns über die Verwundung des Lazarettarztes hat Staatssekretär Suoich die Aufmerksamkeit des schwedischen Gesandten auf die tendenziösen Darstellungen gelenkt, die von dem Vorgang gegeben worden sind, um die öffentliche Meinung Schwedens irre zu führen. * Aus einer weiteren amtlichen Mitteilung geht hervor, daß das Bombardement von Dolo als Vergeltungsmaßnahme dafür gedacht war, daß die Abessinier den in Gefangenschaft geratenen italienischen Fliegerleutnant M i n n i t i geköpft hatten. Deshalb wurde gleichzeitig mit den Bomben ein Flugblatt folgenden Inhalts abgeworfen: „Ihr habt ein en unserer Flie- a e r, der in Gefangenschaft geriet, getötet, indem Ihr ihm den Kopf abgeschlagen habt. Ob der Mißachtung aller menschlichen und internationalen Gesetze, auf Grund deren Gefangene un- ! verletzlich sind und mit Achtung behandelt werden müssen, erhaltet Ihr dafür das, was Ihr verdient." — „Giornale d'Jtalia" schreibt: Da das Leben der Italiener und ihrer Schützlinge in keiner Weise von den Abessiniern geschont werde, könne es für das Leben der Abessinier keine Gnade mehr geben. Die heutige Vergeltungsmaßnahme für die Ermordung eines italienischen Fliegers genüge nicht mehr. — „Lavore Fas- cifta" spricht dann offen von der Anwendung der „modernsten und mörderischsten Kriegsmittel", von denen bisher Italien Abstand genommen habe. Sm Bericht des schwedischen Konsuls. Stockholm, 2. Jan. (DNB.) Vom schwedischen Konsul in Addis Abeba traf Donnerstag mittag im Auswärtigen Amt folgendes Telegramm ein. Die letzten amtlichen Nachrichten besagen, das das schwedische Rote-Kreuz-Lager, das It. der Konvention gekennzeichnet war, am 30. Dezember bombardiert wurde. Die Krankenzelte wurden mit Maschinengewehren beschossen. Dr. Hylander erlitt rechtsseitige Verletzungen, ein anderer Schwede erlitt Kieferver- letzungen. Die übrigen Landsleute sind u n - verletzt. Nach dem jetzt in Addis Ab e b a eingetroffenen Bericht des Ras Desta über die Bombenabwürfe am 30. Dezember, bei denen auch das Lager des schwedischen Roten Kreuzes getroffen wurde, waren an dem Angriff zwölf italienische Flugzeuge beteiligt. Der Verbandplatz wurde in 300 Meter Höhe überflogen. In dem Bericht wird ferner mitgeteilt, daß 28 verwundete Abessinier, die dort gepflegt wurden, getötet worden sind. Die Zahl der verwundeten abessinischen Krieger wird mit etwa 50 angegeben. stoßes mit England, nirgends aufzuspüren. Merkwürdig, daß es im englischen Unterhaus so oft an die Wand gemalt wird, von der Weltpresse ganz zu schweigen. So fehl am Platze im vorigen Jahr der Optimismus war, so unberechtigt scheint heute diese Schwarzseherei. Es müßte erst noch bewiesen werden, daß Mussolini die Verhängung der Oel- sperre als einen feindseligen Akt bezeichnet habe, und wenn es so wäre, warum 'dann das Festbeißen auf die Formeln der Kriegsetikette, die doch durch die Abschaffung des Ultimatums und der Kriegserklärung gänzlich beseitigt wurde? Auch übersehen die Kriegsgläubigen, daß Italien schwerlich einen Krieg in Europa führen könnte, wenn seine Heere schon durch Oelmangel in Afrika lahmgelegt werden. Und gar einen Krieg gegen England und Abessinien? Womöglich noch dazu gegen einige Völkerbundsstaaten? Das heißt denn doch die Wehrkraft Roms über- und die Klugheit Mussolinis unterschätzen. Wenn schon Staatsmänner den Teufel hinmalen, um einen Ruckzug ZU verschleiern ober die Wirkungslosigkeit einer Maßnahme zu beschönigen, so sollte wenigstens der 'äeitunqsleser nüchtern bleiben. Kein Grund »ur Panik vorhanden! An den Krieg als Dauerzustand werden wir uns wohl oder übel gewöhnen müssen, und daß aus den 25 Jahren 30 werden, ist auch möglich, aber mit dem Gedanken einer nahen Wiederholung der europäischen Katastrophe braucht man deswegen noch nicht zu spielen. Militärische Unterstühung nur für den besonderen Fall des Abessinienkonflikts. London, 2. Jan. (DNB.) In London wird i n Abrede gestellt, daß die französische Regierung das britische Kabinett um die Versicherung militärischer Unter st ützung für Fälle ersucht hat, die nichts mit den Möglichkeiten zu tun haben, die sich unter Umständen aus der Erzwingung de r Sühnemaßnahmen im italienisch- abessinischen Konflikt ergeben könnten. Die Besprechungen zwischen den französischen und britischen Behörden bezögen sich einzig und allein auf den erwähnten Konflikt und auf den Fall, daß ein Land, das die Entscheidung des Völkerbundes ausführe, für Vergeltungsmaßnahmen heraus- gesucht werde. „Vernunft gegen Leidenschaft." Eine französische Mahnung an Italien. Paris, 3. Jan. (DNB. Funkspruch.) Der Vor- sitzende des großen linksstehenden französischen Frontkämpfer-Verbandes „Union Föderale", Henry Pichot, richtet in einem Zeitungsaufsatz einen Appell an die italienische Vernunft. Aus Italien kämen Warnungen, wenn nicht gar Drohungen verhüllter oder unverhüllter Natur an die Adresse Frankreichs. Dies sei weder korrekt noch vornehm und könne keinen Erfolg haben. Man müsse sich weniger oft fragen, ob Frankreich seine Freundschaft gegenüber Italien halte, sondern vielmehr, ob Italien zur Freundschaft gegenüber Frankreich stehe. Die Frage, ob es möglich sei, daß Mussolini der Mann sei, der sein Land, Frankreich und weitere Staaten i n einen europäischen Krieg stürze, wobei Italien ein ungewöhnliches Risiko eingehe, könne heute mit „Ja" beantwortet werden. Ein großes Kolonialland, wie z. B. Frankreich, könne nicht glauben, daß die Eroberung Abessiniens für Italien eine Frage auf Leben ober Tod sei. Die Italiener trieben seldst das Drama auf b \ e Spitze. Um aus dieser Lage herauszukom» men, betreibe Italien den nationalen Selbstmord, verbrämt mit einem europäischen Selbstmord. Das aber sei nicht schicksalhaft, nicht notwendig, nicht vernunftgemäß. Als Freund Italiens appelliere er an die Vernunft gegen die Leidenschaft. Heue Klagen Abessiniens. Genf, 3. Jan. (DNB.) Die abessinische Regierung weist in einem Schreiben an den Völkerbund nochmals den Vorwurf zurück, daß die abessinischen Truppen Dum-Dum- Geschosse verwendeten Andererseits behauptet sie, daß die italienischen Truppen bei ihrem Rückzug in Nordabessinien das Kriegsrecht verletzt hätten. Die italienischen Behörden ließen, so heißt es in dem Schreiben, die Kirchen in Brand setzen und die Zivilbevölkerung planmäßig ausrotten. In der Gegend des Takazze seien gegen die abessinischen Truppen Gift - und Stickgase verwendet worden. Falls Schweizer Stimmen. Genf, 3. Ian. (DNB.) Die Moskauer Beschwerde wegen des Abbruchs der diplomatischen Beziehungen durch Uruguay wird erst in einigen Tagen hier vorliegen. Man nimmt an, daß die Angelegenheit bereits auf die Tagesordnung der Januar-Tagung des Rates gesetzt werden wird. In der Schweiz wird der Fall mit besonderem Interesse verfolgt, weil man nun die Folgen eintreten sieht, an die die schweizerische Regierung dachte, als sie seinerzeit gegen die Aufnahme der Sowjetunion in den Völkerbund stimmte. Das „Journal de Geneve" stellt die Frage, ob man behaupten werde, daß der Sowjetdik- t a t o r Stalin nichts zu tun habe mit dem Stalin, der die Komintern leite. Die Behauptung Moskaus, daß kein Zusammenhang zwischen der Komintern und der Sowjetregierung bestehe, sei von der Regierung der Vereinigten Staaten erst kürzlich in einer amtlichen Note zurückgewiesen worden. Glaube man in Genf, daß der Völkerbund diese gleiche Behauptung den lateinamerikanischen Staaten aufzwingen könne? Wolle man auf diese Art Brasilien in seinem Fernbleiben von Genf bestärken? Die Sowjetunion versuche heute, aus der offiziellen Anerkennung durch die anderen Regierungen einen dauernden Vorteil zu ziehen. Ein Bruch mit ihr soll rechtlich unmöglich gemacht werden, dagegen sollen die umstürzlerischen Treibereien, die Propaganda und die Revolution in aller Sicherheit in den Sowjetgesandtschaften betrieben werden dürfen. Moskau will Genf als Feigenblatt be- Genf, 2. Jan. (DNB.) Der Flüchtlingskommissar des Völkerbundes, der Amerikaner James M a c d o n a l d , hat am 31. Dezember vorigen Jahres sein Amt niedergelegt. In einem langen Schreiben an das Dölkerbundsfekretariat legt Herr Macdonald die Gründe dar, die ihn zu diesem Entschluß gebracht haben und für die er d i e deutsche Rasse ngesetzgebung verantwortlich macht. Macdonald regt eine neue Prüfung des gesamten E m i g r a n t e n p r o b l e m s durch den Völkerbund an. Macdonald spricht dabei von der ständigen Loyalität der deutschen Juden während der Kaiserzeit und während des Krieges. Die jüdischen Wirtschaftler und Geschäftsleute hätten in hohem Maße dazu beigetragen, daß Deutschland den Kampf fortsetzen konnte. Der Völkerbundsbeamte versteift sich weiter zu der Behauptung, daß unter der Republik die jüdischen Führer einige der schlimmsten Wirkungen der Niederlage von Deutschland hätten abwenden helfen. Nun sei es Zeit, daß das moralische Ansehen des Völkerbundes und der ihm angehörenden Staaten zum Ausdruck komme in einem Appell an d i e deutsche Regierung, im Namen der Menschheit und der Grundsätze des internationalen Rechts zu handeln. Wo die Wirkung innerpolitischer Maßnahmen Hunderttausende von Menschen zu demoralisieren drohe, da müßten die Erwägungen diplomatischer Maßnahmen verschwinden, um der einfachen Menschlichkeit Platz zu machen. 17 Jahre nach dem Abschluß des Weltkrieges be- Jn der Nacht zum 30. Dezember 1935 wurde Süddeutschland erneut von einem Erdbeben heimgesucht, das hauptsächlich in Baden, jedoch auch in Württemberg, Bayern und der Schweiz verspürt wurde. Man verzeichnet in Deutschland in jedem Jahr durchschnittlich fünfundzwanzig Erdbeben, von denen die meisten auf tektonische Einflüsse zurückzuführen sind. Einige davon haben allerdings ihre Ursachen in Einstürzen unterirdischer Hohlräume. Man versteht unter einem Erdbeben mehk oder minder große Erschütterungen, die von einem Punkt der Erdkruste, dem Erdbebenherd, ausgehen und sich wellenförmig bis zur Erdoberfläche fortpflanzen. Das Gebiets in dem die Erdbebenwellen die Erdoberfläche zuerst erreichen, bezeichnet man als Epizentrum. Die Erschütterungen sind dort am stärksten und werden um so geringer, je weiter sich der Auslauf der Wellen erstreckt. Erdbebenherde liegen selten tiefer als hundert Kilometer. Tektonische oder Dislokations-Erdbeben haben ihre Ursachen stets in D e r s ch i e b u n- gen der Erdkruste. Wie schon bei den Erdbeben vom 8. Februar 1933 und 26. Juni 1935, handelt es sich auch bei dem letzten Beben in Süd- deutschland um ein Naturereignis tektonischen Ursprungs. Es dürfte'ausgelöst worden sein durch G e st e i n s v e r l a g e r u 'n g e n und unterirdische Verschiebungen der Erdrinde. Das ganze Gebiet ist von einer großen Zahl von Brücken, Verwerfungen und Gräben durchzogen, die den Boden in einzelne Schollen aufgeteilt haben, die noch nicht zur Ruhe gekommen sind. Aus diesem Grunde bestehen zwischen den Schollen noch Spannungen, die infolge gebirgsbildender Kräfte allmählich zunehmen und dann plötzlich zur Aus- dehnung gelangen, wenn die Festigkeitsgrenze über, schritten ist. Die großen Erschütterungen entstehen die italienischen Militärbehörden mit derartigen Verletzungen des Kriegsrechts fortfahren sollten, werde Abessinien zu Gegenmaßnahmen greifen müssen. Es werde zwar unter allen Umständen auf unmenschliche Methoden gegenüber den italienischen Soldaten verzichten, wolle aber gegebenenfalls das Privatvermögen der au abessinischem Gebiet ansässigen italienischen Staatsangehörigen beschlagnahmen. * Das Internationale Rote Kreuz hat am Donnerstag den Schweizer Arzt Doktor I u - neau zu einer Untersuchung des italienischen Fliegerangriffes auf die schwedische Rote-Kreuz- Station mit dem Flugzeug entsandt. Die englischen Lazarette sind mit 16 Automobilen von Dessie an die Nordfront zur Armee des Ras Seyum abgereift. Ein indischer Maharadscha ist in Addis Abeba mit großen Geldmitteln für das Rote Kreuz eingetroffen. nutzen. Aber wird der Völkerbund zulassen, daß man ihn zum Sprungbrett der Revolution macht? Abreise der Gesandten. Montevideo, 3. Jan. (DNB. Funkspruch.) Der bisherige Sowjetgesandte Minkin und das Personal der Gesandtschaft werden heute die Reife nach Europa antreten. Der stellvertretende Geschäftsträger Uruguays, Carlos M a f a n e s , hat am Donnerstag Moskau verlassen. Kommunistischer Gimpelfang. Wahlpropaganda in Frankreich. P a ri s , 3. Jan. (DNB. Funkspruch.) „Arni du Peuple" wendet sich gegen die neuartige Propaganda der kommunistischen Partei in Frankreich, eo seien auf dem Lande überall Plakate angeschlagen, in denen die Kommunisten erklärten, sich sowohl zum vaterländischen Gedanken wie zum Grundsatz des Privateigentums zu bekennen. Den Bauern werde versprochen, daß sie im Falle der Machtergreifung durch den Kommunismus berechtigt fein würden, ein Privateigentum bis zur Höhe von 5 0 0 0 0 0 Franken zu besitzen. Das Blatt schreibt, am Vorabend der Wahlen könne man nicht genug wiederholen, daß der einzige Gegner, mit dem man rechnen müsse, der Kommunismus sei. Die kommunistifchen Drahtzieher gehorchten auf das genaueste den Moskauer Richtlinien. sinnt sich eine maßgebende Stelle im Völkerbunds- fetretariat auf die Pflichten der Menschlichkeit. Die Hunderttausende von Angehörigen der im Weltkrieg unterlegenen Staaten, die nach Kriegsende teilweise unter brutalen Umständen Heimat- los oder existenzlos gemacht worden sind, haben — trotz des Bekenntnisses aller Völker zu den Wilsonschen Grundsätzen — kein Mitleid in der Welt zu erregen vermocht. Weil Deutschland endlich einen inneren Ausgleich gegenüber Mißbrauch und Überfremdung zu schaffen sucht, glaubt man mancherorts in der Welt, deswegen zu einer abfälligen Kritik und entsprechenden Ratschlägen Deutschland gegenüber befugt zu sein, während die gleiche Äelt geschwiegen hat und noch schweigt zu all jenen mit ausdrücklichen internationalen Verpflichtungen nicht zu vereinbarenden Verfolgungen deutscher Menschen von Versailles an bis zu der kürzlichen Ausweisung und Ausbürgerung von Eupen- Malmedyern aus ihrer angestammten Heimat. In Deutschland ist man überdies der Auffassung, daß der Völkerbund zunächst einmal allen Anlaß hätte, sich darum zu kümmern, wie innerhalb der Völkerbunds st aaten selb st die Minderheiten und Konfessionen behandelt werden, bevor er als Aktivlegitimation für sich in Anspruch nehmen kann, sich darum zu kümmern, wie Deutschland aus den materiellen und moralischen Erfahrungen seines Zusammenbruches heraus den inneren Aufbau feines Volkes vollzieht. durch die hierbei erfolgenden Verschiebungen der Schollen. Sie verbreiten sich dann wellenförmig rings um den Erdbebenherd herum. Selbst an der Oberfläche treten diese Schollenoerschiebungen vielfach zutage. Außerdem haben die wellenförmigen Erschütterungen auch Fels- brüche, Erdrutsche, Schlammausbrüche und Faltenbildung im Gefolge. Diese stellen jedoch nur Auswirkungen, niemals die Ursache tektonischer Erdbeben dar. Das letzte besonders große Erdbeben dieser Art war in Deutschland am 16. November 1911 zu verzeichnen. Sein Herd lag in der Gegend der Rauhen Alp zwischen Ballingen, Ebingen und Hassingen, die auch diesmal wieder als ausgesprochenes Erdbebengebiet in Erscheinung trat. Das Naturereignis vom 16. November 1911 war das bisher stärkste Erdbeben Deutschlands in diesem Jahrhundert und hat allein Gebäudeschaden im Betrage von über einer Million Goldmark verursacht. Seitdem hat man sich jedoch in S ü d w e ft - deutschland an die sich immer wiederholenden tektonischen Erdbeben, deren Herde auf der Rauhen Mp, im oberen Rheintalgraben und in der Boden- feegegenb zu suchen sind, so gewöhnt, daß die Bevölkerung jedes derartige Naturereignis mit Fassung hinzunehmen vermag. Deutschland verfügt heute über gegen fünf» Zehn Erdbebenwarten, die mit ihren hochempfindlichen Aufnahmeinstrumenten jede Erschütterung des Erdbodens registrieren. Aus den Vergleichen und Zusammenstellungen dieser Aufzeichnungen ergibt sich dann die wissenschaftliche Begründung und Auswertung eines jeden Erdbebens. Die Registrierung der Erderschütterungen erfolgt m der Hauptsache durch die Seismographen ober Erbbebenschreiber, deren Nadeln bei stärkeren Bodenerschütterungen sogar von ihrem Drehpunkt abspringen können. Dies war z. B. bei dem letzten tektonischen Erdbeben vom 26. Juni 1935 bei der Münchener Erdbebenwarte der Fall. Um auch etwaige Nachbeben noch aufzeichnen zu können, müssen die Registrierungs- bögen der Bebenschreiber der deutschen Beobach- tungsftation vorläufig noch auf ihren Trommeln bleiben. Es können daher erst in einiger Zeit die genauen < wissenschaftlichen Ergebnisse des letzten süddeutschen Erdbebens errechnet und der Oeffent- lichkeit übergeben werden. Gegen ungerechte Waren- verleüung. Eine Verordnung des ReichseMährungs- ministersüberdieAusgabevonLebensmittel Berlin, 2. Ian. (DNB.) In der letzten Zeit sind manche Lebensmittelgeschäfte dazu übergegangen, die Abgabe von Waren, die besonders begehrt sind, aber nicht in jeder beliebigen Wenge zur Verfügung stehen oder deren Preise gebunden sind, davon abhängig zu machen, daß der Käufer gleichzeitig andere Waren abnimmt. Dieses eigennützige Geschäftsgebaren hat den Zweck, auf unlautere Weise den Umsatz zu erhöhen oder verschleierte Preiserhöhungen vorzunehmen. Ls ist deshalb gemeinschäd- l i ch. Das Verhalten dieser Geschäftsleute muß aber vor allem verurteilt werden, weil es die weniger kaufkräftigen Schichten der Bevölkerung zugunsten der wohlhabenderen benachteiligt und zu einer u n - gerechten Verteilung dieser Waren führt. In einem nationalsozialistischen Staat kann dies nicht geduldet werden. Der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft hat daher eine Verordnung erlassen, wonach es verboten ist, die Abgabe von Lebensmitteln im Kleinverkauf davon abhängig zu machen, daß der Käufer gleichzeitig Lebensmittel anderer Art oder andere Waren abnimmt oder abzunehmen verspricht. Ein gleiches Verbot gilt für die Abgabe von Futtermitteln bei Tierhaltern. Bei Zuwiderhandlungen können die Preisüberwachungsstellen Ordnungsstrafen verhängen. Neujahrsglückwünsche für den Führer. Berlin, 2. Januar. (DNB.) Zur Jahreswende haben in der üblichen Weife zahlreiche Staatsoberhäupter mit dem Führer und Reichskanzler Neujahrswünsche ausgetauscht. Ein solcher Telegrammwechfel fand statt mit den Königen von Bulgarien, Dänemark, England, Griechenland, Italien, Norwegen und Schweden, dem Prinzregenten von Jugoslawien, dem Reichsverweser des Königreichs Ungarn, dem österreichischen Bundespräsidenten und dem Präsidenten der tschechoslowakischen Republik. Außerdem sandten Glückwünsche der Kaiser von Abessinien, der König von Afghanistan und der Schah von Iran. Dem Führer und Reichskanzler sind ferner Glückwünsche zugegangen von den Reichsministern, den Reichsstatthaltern, den Oberbefehlshabern der Wehrmachtteile, den Mitgliedern der Landesregierungen, den Staatssekretären und den Leitern der anderen obersten Reichs-, Landes- und Provinzialbehörden, dem Reichsgerichtspräsidenten, dem Oberreichsanwalt und dem Präsidenten des Volksgerichtshofes, dem Präsidenten des Deutschen Roten Kreuzes, Herzog von Sachsen Koburg und Gotha, vom Staatskommissar der Reichshauptstadt und von dem Oberbürgermeister der Hauptstadt der Bewegung, von den Oberbürgermeistern und Bürgermeistern vieler anderer deutscher Städte und Gemeinden, den Organisationen und Gliederungen der NSDAP., von den Kapitänen und Besatzungen deutscher Schiffe auf See, von Vertretern der Künste und Wissenschaften und deren Instituten, von Verbänden und Betrieben des Wirtschaftslebens, von Vereinigungen aller Art sowie von einer großen Anzahl von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, von den deutschen Vereinigungen im Auslande und von ausländischen Vereinen und Privatpersonen in Deutschland. „Fühlbare Verbesserung der Beziehungen." Eine Neujahrsansprache des französischen Botschafters in Berlin. Berlin, 2. Jan. (DNB.) Anläßlich der Neujahrsfeier der französischen Kolonie in Berlin hielt der französische Botschafter Francois Poncet eine längere Ansprache, in der er u. a. ausführte, daß der die französische Politik beherrschende Gedanke das Siegel der Kontinuität trage. Er setze heute die Anstrengungen von gestern fort und bereite die von morgen vor. Er sei ebenso menschlich wie national. Er trenne das Interesse Frankreichs nicht von dem der anderen Völker. Er ziele auch auf nichts anderes als auf die Ordnung und den Frieden hin. „Das verflossene Jahr gestattet", so schloß die An- prache, „eine fühlbare Verbesserung der deutsch - französischen Beziehungen estzustellen. Niemand freut sich mehr und aufrichtiger darüber als wir; niemand wünscht heißer, daß diese Verbesserung sich weiter entwickeln und festigen möge. Das Jahr, das wir zusammen beginnen, soll das Jahr der Olympi- chen Spiele sein. Möge es auch in unserer Er- nnerung als das der Olympischen Spiele bleiben. Möge das Schauspiel dieses auf friedlichem Wege ausgetragenen sportlichen Wettstreites, möge das Symbol der fünf ineinander gefügten Ringe nicht eine Vergangenheit abschließen, sondern die Zukunft ankündigen. Kleine politische Nachrichten. Der Reichsstatthalter in Hessen — Landesregierung — hat bei der Landeskirchenkanzlei der Evangelischen Landeskirche Nassau- Hessen, Verwaltungsstelle Darmstadt, für das hessische Gebiet dieser Landeskirche eine Finanz- abt.eilung gebildet, die aus dem Oberlandeskirchenrat Dr. Fischer in Darmstadt als Vorsitzenden und den Oberkirchenräten Dr. Büchler und Dr. H o r r e als Mitgliedern besteht. * Das spanische Kabinett Portela Valladares hat eine Umbildung erfahren. Minister des Auswärtigen wird der bisher mit dem Posten des Finanzministers betraute Unabhängige Urzaiz Cadaval. Das Finanzministerium übernimmt der bisherige Oberkommiffar von Marokko, Rico A v e ll o. Mr keine Unklarheit. Von ttarl Eckardt, Gauwirischastöberater. Der Nationalfozialiftifche Gaudi e n ft Hessen-Nassau veröffentlicht folgenden Aufsatz des Gauwirtschaftsberaters. NSG. Bewegt unbj’rfüüt von dem tiefen Erlebnis des deutschen Sozialismus, der zum Fest der deutschen Weihenacht in der Opferbereitschaft des ganzen Volkes feinen innersten Ausdruck gefunden hat, wollen wir an dieser Stelle zu Beginn des neuen Jahres ein gerades und offenes Wort sprechen. Wir wollen dabei auf Dinge, die uns nicht gefallen, Hinweisen mit dem Wunsch, daß sich diejenigen betroffen fühlen, die es angeht, und die anderen, die unsere Sprache verstehen, sich daran aufrichten. Nach drei Jahren unermüdlicher Arbeit, nach drei Jahren der Prüfung und Bewährung hat sich der Weizen von der Spreu geschieden, und es kann heute die Rede sein von denen, die unser Wollen bejahen und unseren harten Kampf in vorderster Front unterstützen, und von den anderen, die mit dem überlegenen Achselzucken des Sachverständigen und Berufenen auf uns „Fantasten" herabsehen. Wenn auch der Staat Adolf Hitlers unter Einsatz seiner Autorität und Machtmittel den gefährlichsten Hetzern und Querulanten die Plattform entzogen hat, auf der sie bis jetzt ihre Geistesblitze von sich geben konnten, stellen wir fest, daß sie doch hier und dort ein diskretes Sprachrohr in die neue Zeit hinübergerettet haben, das die Probleme, die für uns Nationalsozialisten Glaube und Vermächtnis find, wie ein Anatom zu sezieren versucht. Sie sollen nicht glauben, daß wir darüber hinwegsehen. Halten wir zu Beginn des Jahres 1936 einen Rückblick auf das vergangene Jahr, so sind wir uns bewußt, daß wir in dem Kampf um die geistige Vernichtung unserer Gegner ein gutes Stück vorwärts gekommen find, und daß sich aus dem Nebel von verschwommenen Wortgebilden dieser vergangenen Welt die von dem Nationalsozialismus geprägten Begriffe immer stärker wie Meilensteine hervorheben. So stellen wir mit Genugtuung fest, daß in diesen Kreisen während der letzten Monate eine Regsamkeit und Nervosität um sich gegriffen hat, was wohl das deutlichste Anzeichen dafür ist, daß ihnen die kostbaren Felle davonschwimmen. Ist es nicht noch in unserer Erinnerung, wie Vertreter der Rechtsparteien ihre Wähler um Stimmen an- bpttelten, indem sie den zitternden Bürgern den „Sozialismus" in einer Sprache verkündeten, daß diese das Gruseln vor der Faust des Arbeiters ergriff? Wie lange ist es her, daß marxistische und kommunistische Phrasenhelden ihre Anhänger zur Stunde der „Ausbeutung der Ausbeuter" aufhetzten? In letzter Stunde schlug Adolf Hitler diesen Schreiern ihr Werkzeug, das den unheilvollen" Gedanken des Klassenhasses geschmiedet hatte, aus der Hand und machte diesen Ideen, die unser Volk vergifteten, den Garaus. Wir lassen es niemals zu, daß die Begriffe „Sozialismus" und „Kapitalismus" für dunkle Ziele verwässert oder falsch angewandt werden! Für uns gibt es keine Kompromisse und günstigen' Angebote, wir haben nur ein Ziel vor Augen: „die Verwirklichung des deutschen. Sozialismus!" Wir haben den Klasfenkampf nicht zerschlagen, um nun unseren Sozialismus auf Eis zu legen. Nein! — Wir werden den Kapitalismus mit Stumpf und Stiel aus rott en, damit jeder deutsche Volksgenosse das Recht erwirbt, in der Arbeitsgemeinschaft seines , Volkes tätig zu sein. Für uns Nationalsozialisten ist die Proklamierung dcs deutschen Sozialismus und die Vernichtung des Kapitalismus kein wirtschaftliches, sondern ein politisches Ziel! Auf dem Reichsparteitag der Freiheit in Nürnberg antwortete Bernhard Köhler den Zweiflern, daß wir unter nationalsozialistischer Wirtschaftspolitik die Gestaltung derjenigen p o - l i t i s ch e n Kräfte zu verstehen haben, die die Wirtschaft bestimmen, und nicht überlieferte Formen des Wirtschaftslebens, die eine Wirtschaftstechnik bilden, und mehr ober weniger nichts mit politischen Zielen zu tun haben. Weil für uns der überlieferte Begriff „Kapitalismus" mit Entrechtung und Ausbeutung der Schaffenden verbunden ist, weil er unsittlich ist und die Arbeitslosigkeit zuläßt, müssen wir ihn vernichten, um auch den letzten arbeitswilligen Erwerbslosen in Arbeit und Brot zu bringen. Weil wir des Glaubens sind, daß niemals ein Rest von Arbeitslosen als „Bodensatz der Krise" zurückbleiben wird, der nicht mehr in den Produktionsprozeß eingeschaltet werden kann, werden wir im neuen Jahr b i e Forberung des Rechtes auf Arbeit" mit unbeugsamem Willen weiter vorwärts treiben! Und diejenigen, die immer noch der Meinung sind, daß wir wohl die politische Konsolidierung durchführen, ohne der Wirtschaft ihr sozialistisches Gepräge zu geben, mögen sich heute nochmals die Worte Bernhard Köhlers ins Gedächtnis zurück- rufen: „Im nationalsozialistischen Staat kann und wird die Wirtschaft nur eine sozialistische sein!" So ist es unsere Aufgabe für 1936, den Weg 3um deutschen Sozialismus und zur sozialistischen Wirtschaft weiter frei zu machen, damit wir dem Führer am Ende der großen Arbeitsschlacht melden können: Der letzte Mann zur Arbeit angetreten! Keine Neufestsetzung von Ortslöhnen. B e r l i n , 30. Dez. (DNB.) Zum 1. Januar 1936 wären an sich die Ortslöhne, die der Berechnung bestimmter nach den Vorschriften der R e i ch s v e r- sicherungsordnung zu gewährender Leistungen zugrunde liegen, und die durchschnittlichen Jahresarbeitsverdienste in der landwirtschaftlichen Unfallversicherung neu festzusetzen gewesen. Die vom Reichsarbeitsminister im ganzen Reich angestellten Ermittlungen haben jedoch ergeben, daß in keinem Bezirk eine wesentliche Änderung der Lohnverhältnisse eingetreten ist. Lediglich im Saarland ist eine Neufestsetzung erforderlich, weil dort die Ortslöhne und die Jahresarbeitsverdienste noch in französischer Währung festgesetzt sind. Der Reichsarbeitsminister hat daher bestimmt, daß eine Neufestsetzung im allgemeinen er ft mit Wirkung vom 1. I a - n u a r 1938 vorzunehmen ist. Drei weitere Todesopfer des Erdrutsches bei Versailles. Der Erdrutsch, der sich, wie gemeldet, dieser Tage auf der Landstraße von Versailles—Le Pecq ereignete, hat, wie sich bei den Aufräumungsarbeiten herausstellte, neben den bereits als Leichen geborgenen Personen noch drei weitere Todesopfer gefordert: ein Ehepaar, das mit feinem einige Monate alten Kinde auf dem Heimwege begriffen war. Völkerbund und Bolschewismus. Soll Genf zum Sprungbrett der Revolution werden? Cm falscher Apostel der Menschlichkeit. ZlüchtlingskommiffarMacdonald fordert neueprüfung desEmigrantenproblsms Das jüngsteErdbeben in Güddeutschland Unterirdische Gesteinöverlagerungen.— Jährlich 25 Erdbeben in Deutschland. Sauliche Aeränderunsen auf der Aümberger Zeppelinwiese M W In diesem Jahre wird in Nürnberg außer zwei Hotelbauten auf der historischen Zeppelinwiese ein 360 m langer Säulengang entstehen. Ferner werden dort 34 Scheinwerfertürme erbaut. — Unser Bild zeigt einen Blick auf die bereits begonnenen Bauten. — (Scherl-Bilderdienst-M.) NSDAP., statt, zu der aus Bezirken oorge- Standpunkt aus könne für eine richtige Gestaltung des kulturellen Lebens nur das Volk selb st Kunst und Wissenschaft. Aufgaben der TIG.-Kutturgemeinde im neuen Hahr. der Wanderbühne für das Kulturleben gehe daraus hervor, daß vierzig Millionen Menschen außerhalb von Städten wohnten, die über ein festes Theater verfügen. In verhältnismäßig kurzer Zeit fei es der NS.-Kulturgemeinde gelungen, für viele Bezirke Wanderbühnen zu sichern. Im kommenden Jahre würden weitere zehn Wanderbühnen neu eingesetzt. In dreijähriger mühevoller Arbeit habe die NS-Kulturgemeinde ein Instrument geschaffen, das die Möglichkeit bietet, eine wirklich planvolle Kulturpolitik im nationalsozialistischen Sinne zu treiben. Im kommenden Jahre sei wieder eine alemannische Kulturtagung in Freiburg beabsichtigt, ferner eine niederrheinische Kulturtagung. Beide sollten zu selbständigen Einrichtungen ausgebaut werden. Die Reichstagung soll im Juni in München stattfinden. Die NS-Kulturgemeinde werde ferner in kurzem von ihrer Film- arbeit Zeugnis ablegen und sich im Sommer mit Nordlandreisen zum ersten Male dem Gebiet des Reisens nach Kulturstätten zuwenden. lieber Sinn und Ziel der Kunstpflege außerhalb der großen Städte sprachen ferner Dr. Schleenk, Gauobmann Schrott (München), Anton Dörf- l e r (Schweinfurt), Hauptschriftleiter Schmollte (Glogau), Intendant S a v a l l i ch (Neuß) und Dr. Kurt (Berlin). In diesen Vorträgen kam zum Ausdruck, wie notwendig es ist, die Lebensbedingungen des ländlichen Menschen aus eigener Erfahrung kennenzulernen und aus dem reichen Schatz der Volkskunde zu schöpfen, um aktive Aufnahme jeder Art von Kun st pflege auf dem Lande zu wecken. Eine unerläßliche Voraussetzung für die Kunstpflege auf dem Lande ist die Förderung der Wohnkultur und des Brauchtums. Es wurden zahlreiche Vorschläge für die Verbrei- Am ersten Werktag des neuen Jahres fand in Berlin eine Arbeitstagunader NS - Kul - turgemeinde, Amt für Kunstpflege in der " " 1 dem ganzen Reich waren. Amtsleiter zahlreiche Vertreter erschienen Dr. W. Stang gab einen Rückblick auf die im vergangenen Jahre geleistete Arbeit und zeichnete den Weg, den die NS.-Kulturgemeinde weiter zu gehen gewillt ist. Gerade vom nationalsozialistischen tehen pflegte. Dann wird das Eierangebot bald auch den durch die Verknappung an den Fett-, Fleisch- und Wurstmärkten erhöhten Bedarf an Eiern ausreichend zu besriediaen vermögen. Außerdem wird durch Tausch- und Kompensationsverträge mit ost- und südosteuropäischen Eiererzeugungsländern (ebenso auch mit Holland) für eine erhöhte Einfuhr ausländischer Eier ohne eine Belastung der deutschen Devisenbilanz gesorgt werden. In der Zwischenzeit aber werden sich die inländischen Eierverbraucher den nun einmal naturgegebenen Erzeu- ;ungs- und Marktverhältnissen a n p a s s e n und redenken müssen, daß in den eierknappen Wintermonaten das Ei keinen geeigneten Ersatz für den Minderoerbrauch von Butter, Fleisch und Wurst zu bieten vermag. Ausgangspunkt und Ziel und somit ein richtiger Wegweiser sein. Heute gebe es im Reiche „ , , . , _ kaum noch eine Ortschaft, die nicht kulturell von der I tung guter Kunst in ländlichen NS-Kulturgemeinde betreut werde. Die Bedeutung 1 bracht. AM Richtlinien für das HanswirtschastlicheMr Aus aller Well. führer sprang rechtzeitig ab. Der Aufnahme schulentlassener Mädchen in Familienhaushalte. Zur Lage auf dem Eiermarkt Große Teile Englands überschwemmt Schrankenwärter Dabei wurde er Die Überschwemmungen im Süden Englands nahmen am Donnerstag beunruhigende Ausmaße an. Die Themse, die schon seit Tagen Hochwasser führt, steigt beständig weiter, und die Wetterberichte vom Atlantischen Ozean kündigen neue Regenfälle an. Im unteren und mitleren Themsetal stehen weite Siedlungsgebiete unter Wasser; der Verkehr wird notdürftig mit Flößen und Kähnen aufrechterhalten. Einige Dörfer sind von der Außenwelt abgeschnitten. In der Umgegend von Oxford ist weit und breit nur Wasser zu sehen. Besonders schwer in Mitleidenschaft gezogen ist die Grafschaft Kent, die Obstkammer Eng- lands, wo viele Gärten überschwemmt sind. — (Deutsche Presse-Photo-Zentrale.) tötet. Ein späkes Todesopfer des Marseiller Attentats. Der bei dem Anschlag auf den jugoslawischen König in Marseille seinerzeit schwer verwundete Polizeibeamte ist jetzt an den Folgen seiner Verwundung in Marseille verstorben. Russischer Frachtdampfer am Nordkap gestrandet. Nach einem Bericht, der dem Norwegischen Telegrammbüro aus Hammerfest (Nordnorwegen) zugeht, ist der sowjetrussische Eisbrecher „Krassin" an der norwegischen Küste bei Maasoe unweit des Nordkaps gestrandet. Der Eisbrecher hat die ihm von der norwegischen Rettungsgesellschaft angebotene Hilfe abgelehnt. Nach einer zusätzlichen Meldung handelt es sich bei dem gestrandeten Sowjetschiff nicht um den Eisbrecher „Krassin", sondern um den sowjetrussischen Frachtdampfer „Leonid Krassin". Der Eisbrecher „Krassin" befindet sich nach einem Bericht von Lloyds Ltd. in London nördlich von Wladiwostok. Die verschollenen französischen Rekordflieger in der Wüste aufgefunden. Die beiden französischen Flieger De Saint- Exupery und Provost, die auf einem Fernflug Paris—Tunis—Saigon (Indo-China) feit vier Tagen in Nordafrika verschollen waren, sind jetzt ohne ihr Flugzeug in Kairo eingetroffen. Nach ihrem Bericht hat ihr Flugzeug in der Nacht zum 30. Dezember bei sehr unsichtigem Wetter und bei völliger Dunkelheit den Boden berührt. Dabei wurden die Wasserbehälter des Flugzeuges zerstört. Die beiden Flieger ließen ihr beschädigtes Flugzeug zurück und machten sich zu Fuß auf den Weg nach Kairo. Nachdem sie drei Tage durch die Wüste gewandert waren, trafen sie völlig erschöpft und fast verdurstet auf Beduinen und auf einen Ingenieur, der sie nach Kairo geleitete. Folgenschwerer Anfall auf französischer Marinewerft. Auf der Marinewerft in Brest ist ein Kran auf das in Ausbesserung befindliche Unterseeboot „Achille" gestürzt. Ein Arbeiter kam bei dem Unfall ums Leben. Zwei Arbeiter erlitten schwere Verletzungen. Verleihung der Deutschen Rotkreuzmedaille an vier Träger der Ranga-Parbat-Expedition. Aus Darjeeling (Indien) wird berichtet: Der deutsche Vizekonzul Richter überreichte den vier indischen Trägern, die an der Nanga Parbat- Expedition im Jahre 1934 teilgenommen haben, in Anerkennung ihrer ausgezeichneten Dienste die Deutsche Rotkreuzmedaille. Bei der kurzen Feier gedachte Vizekonsul Richter der übrigen sechs Träger, die im Laufe der Expedition ihr Leben verloren. Er erwähnte dabei besonders den Träger Gaylay, der es abgelehnt habe, seinen Herrn, den Führer der Expedition, Willi M e r k l. lichen und geistigen Kräften entsprechenden hauswirtschaftlichen und kinderpflegerischen Arbeiten eingeführt werden. Wo eine hauswirtschaftliche Berufsschule besteht, ist sie pflichtgemäß zu besuchen. Am Ende des Jahres erhält das junge Mädchen ein Zeugnis. Die Aufnahme des Mädchens erfolgt schlicht um schlicht. Die Krankenkassenbeiträge werden von der Hausfrau entrichtet. Weitere Beiträge zur Sozialversicherung fallen fort. Die Vorschriften über Steuererleichterungen für Hausgehilfinnen finden Anwendung. Die Betreuung der jungen Mädchen in der Freizeit übernimmt der B D M. An den zwei freien Sonntagen im Monat sowie an mindestens einem freien Abend in der Woche ist dem jungen Mädchen Gelegenheit zu geben, an den Heimabenden und Wanderungen des BDM. teilzunehmen. Ferner ist dem Mädchen nach Möglichkeit Gelegenheit zu geben, einmal im Jahre an einem Freizeitlager des BDM. teilzunehmen. Alle Bewerberinnen haben sich bei den B e - rufsberatungsstellen der Arbeitsämter zu melden. Die Berufsberatung übernimmt in Zusammenarbeit mit dem BDM., den Schulen und den behördlichen Stellen die Gewähr für die Eignung des Mädchens. Sie hat darüber zu wachen,daß Vermittlungen vom Lande und aus der Kleinstadt in die Großstadt nicht erfolgen. Die Vermittlung in das Haus- wirtschaftliche Jahr erfolgt nur durch das Arbeitsamt. Zwischen der Haufrau und dem Mädchen bzw. dessen Eltern oder gesetzlichen Vertretern wird eine Vereinbarung für die Dauer eines Jahres abgeschlossen. Bei auftretenden Schwierigkeiten sollen sich Hausfrauen sowie Mädchen zunächst an die Berufsberatung wenden. Sie wird nach einer friedlichen und gerechten Beilegung des Konfliktes streben und je nach Lage des Falles mit dem Deutschen Frauenwerke oder dem BDM. Fühlung nehmen. Jede unmittelbare Einmischung in den Haushalt, von welcher Stelle sie auch ausgehe, hat zu unterbleiben. Die Berufsberatung muß gegebenenfalls in Verbindung mit der Arbeitsvermittlung dafür sorgen, daß die Mädchen später in hauswirtschaftlichen, landwirtschaftlichen oder anderen weiblichen Berufen ihrer besonderen Eignung entsprechend weiterkommen. Der Reichs-Jugend-Pressedienst veröffentlicht. bie Richtlinien für das „Hauswirtschaftliche Jahr". Dazu ist im voraus zu bemerken, daß Hauswirtschaftliches Jahr und hauswirtschaftliche Lehre etwas grundsätzlich Verschiedenes bedeutet. Das Hauswirtschaftliche Jahr ist ein Uebergang von der Schule zum Beruf und hat außerdem noch den Zweck, die Mädel für den hauswirtschaftlichen Beruf überhaupt zu interessieren, während die hauswirtschaftliche Lehre voraussetzt, daß sich der Lehrling zur Hauswirtschaft als Beruf entschlossen hat. Schulentlassene junge Mädchen sollen im Zusammenleben mit der Familie durch die Hausfrau in den Pflichtenkreis einer deutschen Hausfrau und Mutter eingeführt und in den grundlegenden hauswirtschaftlichen Arbeiten unterwiesen werden, ehe sie in die Welt der gewerblichen Arbeit eintreten. Alle sollen sie das Wissen von Art und Wert ihrer natürlichen Frauenaufgabe im deutschen Volke, den Ansporn zu einem frohen und tätigen Leben aus diesem Jahre mit fortnehmen. Diejenigen aber, die besondere Veranlagung zu einem hauswirtschaftlichen und kinderpflegerischen Berufe in sich entdecken, sollen gewonnen werden, sich ganz mit Ernst und Eifer diesem Berufe zuzuwenden, der immer Mangel an geeigneten und fähigen Kräften hat und zudem die beste Schule für eine spätere Ehe ist. In erster Linie sollen dabei Mädchen berücksichtigt werden, die aus kinderreichen und bedürftigen Familien stammen. Die Mädchen müssen körperlich und seelisch gesund sein und dies gegebenenfalls durch ein ärztliches Zeugnis nachweisen. Geeignet für die Aufnahme eines jungen Mädchens find nur Familienhaushalte, vornehmlich solche mit Kindern,, n denen d i e Hausfrau selbst mitarbeitet, das junge Mädchen in der Familie mitleben läßt und mütterlich anleitet. Die Beschäftigungsmöglichkeit für Hausgehilfinnen darf durch das Hauswirtschaftliche Jahr keinesfalls eingeschränkt werden, wohl aber ist anzustreben, daß mit seiner Hilfe für die Jugendlichen die Heranbildung von Nachwuchs für die hauswirtschaftlichen Berufe gefördert wird. Das junge Mädchen soll in alle seinen korper- versuchte, die Pferde anzuhalten. mit den Pferden vom Zuge überfahren und ge- Es ist eine alte Erfahrung, daß sich Schwierigkeiten in der Versorgung mit einer bestimmten Art von Waren leicht auf benachbarte Warengebiete übertragen. Der Konsum sucht die Spannungen dadurch zu verringern, daß er an Stelle der verknappten eine andere Ware zur Bedarfsdeckung heranzieht, soweit das eben praktisch möglich ist. In der Ernährung kommt ein derartiger Ersatz des Verbrauchs unzureichend verfügbarer Nahrungsmittel durch andere in weitem Umfange in Frage. Es kann daher nicht verwundern, daß die gegenwärtig zu beobachtenden zeitlich begrenzten Spannungen in der Versorgung mit Fetten, Fleisch, Wurst usw. einen Mehrverbrauch auch auf anderen Lebensmittelmärkten verursacht haben. Das macht sich naturgemäß am meisten auf denjenigen Gebieten fühlbar, auf denen die Versorgung der Verbraucher ohnehin nicht allzu reichlich oder gar von der Einfuhr aus dem Auslande abhängig ist. Die Hausfrau z. B., der es an Fleisch und Wurst als Brotbelag fehlt, wird oft versuchen, sich durch vermehrten Verbrauch von Eiern zu helfen. So werden die Eier praktisch zu einem Ersatznahrungsmittel für Fleisch- und Wurstwaren. Dadurch müssen aber notwendig neue Spannungen am Eiermarkt hervorgerufen werden. Denn die Versorgung Deutschlands mit (Siern ist ohnehin nur unter Zuhilfenahme ausländischer Importe möglich. Schon seit mehr als 50 Jahren muß Deutschland Eier aus dem Auslande beziehen, um den Nahrungsbedarf feiner wachsenden Bevölkerung ausreichend zu decken. Man hat natürlich große Anstrengungen gemacht, um durch Erweiterung und Verbesserung der Hühnerhaltung unserer deutschen Landwirtschaft die inländische Eiererzeugung dem steigenden Bedarf anzupaffen Die Steigerung der Eiererzeugung ist heute em wichtiger Teil der landwirtschaftlichen Erzeugungsschlacht, Die auch auf d ' fern Gebiet schon recht wertvolle Erfolge aufzuweisen vermag. Es ist zum Beispiel gelungen die durchschnittliche Legeleistung der deutschen Hannen um etwa 10 bis 12 v. H. zu erhöhen. Man veranschlagt die inländische Eiererzeugung gegenwärtig auf 6 Milliarden Stück im Jahr. Ihr ftebt “ber ei" landverbrauch von 7,5 Milliarden Stuck er so daß noch im Jahre 1934 trotz der Deoisenknapp« beit mehr als 1,3 Milliarden Eier aus dem Auslands eingeführt werden mußten. Der Einfuhrbedarf ist natürlich am größten in den Wintermonaten, in dem die inländische Eiererzeugung aus klimatischen Gründen stark zu sinken pflegt. Man hat die großen jahreszeitlichen Schwankungen der deutschen Eiererzeu- gung, die im deutschen Klima begründet sind, denen sich aber der Konsum nicht in genügendem Maße anpaßt, durch vermehrte Einkühlung von Eiern zu mildern versucht. Die im Sommer eingekühlten Eier werden dann im Winter als Kühlhauseier an den Markt gebracht. Zwar vermag dieses Kühlhausei das Frischei nicht voll zu ersetzen, aber es hat zweifellos zur Verminderung der Eierverknappung und des erhöhten Bedarfs an ausländischen Eiern in den Wintermonaten wesentlich beigetragen. Vor allem hat die Einkühlung der Eier eine gleichmäßigere Entwicklung der Eierpreise, also eine Abschwächung der Schwankungen der Eierpreise in den verschiedenen Jahreszeiten ermöglicht. Die Marktregulierung führte dazu, daß die Eierpreise in den Monaten des Ueberflusses erhöht, in den Wintermonaten aber gesenkt werden konnten. ' Dieses mühsam hergestellte Gleichgewicht am deutschen Eiermarkt wird nun gegenwärtig durch die Verbrauchssteigerung infolge der Verknappungen am Fett- und Fleischmarkt empfindlich gestört. Gerade im vorigen Jahre war es endlich gelungen, den deutschen Verbauchern ein Kühler inländischer Erzeugung zur Verfügung zu stellen, das dank sorgfältiger Kontrolle und Behandlung das Auslandsei in hohem Maße zu ersetzen und entbehrlich zu machen geeignet ist. Aber die Marktverknappungen für einige Fleischarten haben m der letzten Zeit einen so starken Anreiz zum M e h r - verbrauch von Eiern ausgeubt, daß der Eiermarkt diesen Ansprüchen nicht gewachsen sein konnte. Es ist daher damit zu rechnen, daß in Den nächsten Wochen auf den deutschen Eiermarkten noch fühlbare Verknappungen auftreten werden, zumal durch die Marktregelung den Preissteigerungen, Die früher durch solche Verknappungen hervorgerufen zu werden pflegten, ein Riegel vorgeschoben ist. Glücklicherweise ist die Entspannung dieser eigenartigen Marktlage nicht mehr fern. Schon Anfang Februar pflegt die Legetätigkeit der deutschen Hennen wieder erheblich zuzunehmen und im Monat März beginnt bereits Die Zeit, m Der m früheren Jahren Die sogenannte „Eierschwemme zu ent- am Eröffnungstage Der Olympischen Spiele eingesetzt und werde von Berlin die ersten Meldungen und Bilder nach Tokio bringen. Todesopfer Des Reujahrsschiehens. In Der Silvesternacht wollte Die am RanDe Der Stadt Pirmasens wohnende Frau Schneider mit ihren beiden Kindern einer im gleichen Haus wohnenden Familie ihren Neujahrsgruß überbringen. Als sie das Treppenhaus betreten hatte, kam von oben der 23 Jahre alte Friedrich Haag mit einem geladenen Flobertgewehr herunter, Der im Hof das neue Jahr anschießen wollte. Aus bisher unvekannten Gründen löste sich ein Schuß, Der Die 13jährige GertruD Schneider in Den Unterleib traf. Das MäDchen ist im Krankenhaus an Den schweren Verletzungen g e st o r b e n. Der unglückliche Schütze wurde festgenommen unD ins Gefängnis eingeliefert. Vierlinge am Jahresschluß. Der Tischlermeister EwalD Zimmer lein in Kronach (Oberfranken) wurDe am Jahresschluß Vater von vier gesunDen KinDern. Alle vier sinD mobil. Vier Affen ausgebrochen. — Ein kleines Kind angefallen. Im Tiergarten Des Mannheimer WalDparks hatten jugenDliche Besucher das Gitter des Affenkäfigs beschädigt, ohne daß dies gleich bemerkt wurde. Als hie Kinder die Affen neckten, gerieten diese so in Wut, daß unter ihrem Toben das Gitter ganz nachgab und die Einfassung ausriß. Während zwei Affen freiwillig -von ihrem kurzen Ausflug in die Freiheit zurückkehrten, fiel ein Dritter Affe außerhalb des Tiergartens ein in einem Kinderwagen liegendes sechs Monate altrs Kind an und richtete es durch eine Bißwunde an der Stirn so zu, daß es ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Durch den Jagdaufseher wurde der bösartige Affe abgeschossen. Der vierte Affe mußte am nächsten Tag das gleiche Schicksal teilen,- da er nicht freiwillig zurückkehrte. V-Zug überrennt ein Pferdefuhrwerk. Der V-Zug D 83 überfuhr vor Dem Bahnhof Bismark (Provinz Sachsen) infolge nichtgeschlossener Schranke ein Pferdefuhrwerk. Der Gefährt- Zapanisches Presseflugzeug für Die Olympischen Spiele. Die Zeitung „Pomiuri Schimbun" in Tokio kün- Digt an, haß sie gelegentlich Der Olympischen Spiele in Berlin ein eigenes Flugzeug in ihren Nachrichtendienst einsetzen werde und mit Diesem Flugzeug einen neuen Flugrekord Berlin- Tokio aufstellen werde. Das Flugzeug solle in Drei bis vier Tagen die Linie Berlin—Tokio bewältigen. Alle Vorbereitungen zu diesem Unternehmen seien bereits getroffen. Man werde sich einer Messer- schmidt-Maschine her Bayrischen Flugzeugwerke bedienen, hie eine Höchstgeschwindigkeit von 300 Stundenkilometern entwickele. Die Maschine werde in der Stunde der Not zu verlassen. Sein Mut und seine Treue würden nie vergessen werden. Internationale Automobil. und Blotorrad-Ausstellung Berlin 1936. Die diesjährige große Berliner Jnternatio- nale Autoinobil - und Motorrad-Aus- st e l l u n g findet in der Zeit vom 15. Februar bis 1. März 1936 am Kaiserdamm statt. Wie der Neichsverband der Automobilindustrie e. B., Berlin, der Beranstalter der Ausstellung, mitteilt, sind die Anmeldungen der Aussteller so zahlreich eingelaufen, daß der Bau einer weiteren Halle erforderlich wurde. Da am 29. Januar 1886 dem deutschen Erfinder Gottlieb Daimler das erste Patent auf ein Automobil erteilt wurde, kann die diesjährige Ausstellung auch als eine Jubiläumsausstellung angesehen werden. Aus diesem Grunde wird in einer besonderen Ehrenhalle die Entwicklung des Automobils von 18 8 6 bis 1936 an zahlreichen historischen Fahrzeugen, Kraftfahrzeugteilen und Bildern zur Darstellung gebracht werden. Die Ausstellungsleitung hat beschlossen, die Ausstellungszeit von vornherein auf 16 Tage zu bemessen, da sie mit Recht annimmt, daß auf Grund der schon jetzt vorliegenden vielen Anfragen die vorjährige Besucher-Rekordziffer von 88^000 weit überschritten wird. Die Deutsche Reichsbahn gewährt wiederum den auswärtigen Besuchern der Ausstellung weitestgehende Fahrpreisermäßigungen. Auch ist der Einsatz von zahlreichen Sonderzügen von vielen Orten des Deutschen Reiches bereits sichergestellt. 7Mt einem Wasserfahrrad vom Allrhein nach Köln. Die von Alfred Thierbach in Lampertheim gebauten W a s s e r s k i e r haben sich beim Wasserlauf sehr gut bewährt. Er hat sie nunmehr mit einem Fahrradgestell ausgerüstet, das ein Schaufelrad im Wasser bewegt. Bei den Probefahrten auf dem Altrhein erreichte Thierbach eine Stundengeschwindigkeit von nahezu 12 Kilometer. Er will nunmehr eine Rheinfahrt nach Köln unternehmen, das er in 20 Fahrstunden zu erreichen gedenkt. Verheerende Folgen eines Erdrutsches in den französischen Alpen. Ein gewaltiger Erdrutsch in den französischen Alpen hat die Straße zwischen Rosans und Eyguians auf einer Strecke von 500 Meter völlig verschüttet. Die Erdmassen, die durch die unaufhörlichen Regengüsse der letzten Tage in Bewegung gesetzt worden sind, werden auf eine Million Kubikmeter geschätzt. Obwohl die Katastrophe in einer ziemlich öden Gegend erfolgte, sind die Schäden sehr beträchtlich. Durch die Gewalt der Erdmassen wurde eine Mühle völlig zerstört. Eine Brücke wurde von der Erdlawine verschlungen und lias Bett eines Flusses um mehrere 100 Meter verschoben. Mehrer Gebirgsdörfer sind durch den Erdrutsch von der Außenwelt abgeschnitten. Brand auf einem holländischen Dampfer. Der holländische 8000-Tonnen-Dampfer „Tara- kan", der sich auf der Reise von Amsterdam nach Holländisch-Ostindien befindet, geriet im englischen Kanal in B r a n d. In einer Funkmeldung teilt das Schiff mit, daß sich Explosivstoffe an Bord befinden. Die Besatzung bekämpft das Feuer und der Kapitän hofft, das Schiff unter eigenem Dampf nach Plymouth bringen zu können. Deutscher Dampfer rettet drei englische Fischer. Der deutsche Dampfer „Westerland" leistete einem englischen Fischdampfer Hilfe, der im Aermelkanal in einen schweren Sturm geraten war. Die „Westerland" rettete drei Mann der Besatzung des Fischdampfers; der vierte Mann ertrank. Das deutsche Schiff nahm dann den Fischdampfer ins Schlepptau, mußte ihn aber 15 Meilen südwestlich von Portland Bill den Fluten überlassen. wieder ein politischer Mord in Chikago. In Chikago wurde das Mitglied der Gesetzgebenden Versammlung des Staates Illinois, Albert P r i g n a n o, von drei Verbrechern erschossen und beraubt. Man glaubt, daß es sich trotz der Beraubung um einen Mord aus politischen Beweggründen handelt. Dies ist der zweite politische Mord in Chikago innerhalb weniger Wochen. Wie erinnerlich, wurde am 10. Dezember der Zeitungs- Entwurf zur Neugestaltung der Snifl Heinrichs de- Löwen. ■ K -AM Auf Veranlassung des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler wurde die Gruft Heinrichs des Löwen in Braunschweig geöffnet und wird jetzt einer durchgreifenden Neugestaltung unterzogen. — Unser Bild zeigt den neuen Entwurf für die Ausgestaltung der Gruft, der von den Architekten Walter und Johannes Krüger ausgearbeitet worden ist. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Verleger Liggett aus einem Kraftwagen heraus erschossen. Neunzehnjähriges Mädchen als Brandstifterin. Innerhalb vier Wochen wurden in Althornbach bei Zweibrücken drei Anwesen durch Brand- stiftung eingeäschert. Der Aufklärungsarbeit der Gendarmerie gelang es, die 19jährige Wilhelmine Bastian als Althornbach als vermutliche Täterin zu verhaften. Das Mädchen hat bereits zugegeben, den letzten Brand verursacht zu haben. Der Mann auf Stelzen. Warum sollen in Neuyork, der Wolkenkratzer Stadt, nicht auch die Menschen in die Höhe wachsen? Allerdings fällt der eine Mann, dem das bisher gelungen ist, im Stadtbild noch allen anderen Niedrig- geborenen so auf, daß er diese Körpergröße dazu benutzen durfte, um sich ein Vermögen zu verdienen. Dieser Mann ist nämlich der einzige Stelzenläufer in Neuyork. Täglich steigt er auf seine Stelzen und trägt riesige Plakate durch die Stadt spazieren. Die größten Dariete-Bühnen engagieren ihn regelmäßig, aber er macht auch für ein neues Schuhputzmittel oder ein Schönheitswässerchen aufmerksam. Seine einzigartige Peklame- tätigkeit bringt ihm viele Dollars ein, der Stelzenläufer ist schon nach wenigen Jahren ein reicher Mann geworden. Sein „erstelztes" Vermögen wird er aber wohl als „kleiner Mann" nutzen müssen. Kleine politische Nachrichten. Der Führer und Reichskanzler hat der Witwe unseres in Paris verstorbenen Botschafters Roland Köster zum Ableben ihres Gemahls feine aufrichtige Anteilnahme zugleich im Namen der Reichsregierung telegraphisch übermittelt. * Die Adjutantur des Stellvertreters des Führers teilt mit: Der Stellvertreter des Führers Rudolf Heß dankt allen, die zum Jahreswechsel seiner gedachten, und erwidert ihre Wünsche. Die von den i n M e x i k o ansässigen deutschen Volksgenossen veranstaltete Sammlung für das Winterhilfswerk hat zu einem großen Erfolg geführt. Bis zum 30. Dezember gingen Geldspenden im Gesamtbetrag von 34 000 Pesos ein. Im Vorjahre wurden für das Winterhilfswerk 17 000 Pesos aufgebracht. * Der ungarische Graf Palffi wurde von der österreichischen Polizei aus Kitzbühel ausgewiesen. Er soll durch antisemitische Propaganda zu Aegernis Anlaß gegeben haben. Graf Palffi ist ein Führer der ungarischen Pfeilkreuzler und war zum Schneeschuhlaufen nach Kitzbühel gekommen. * Im Alter von fast 76 Jahren starb der frühere Vizekönig von Indien und ehemalige Außenminister Lord Reading. Reading, der vor seiner Nobili- tierung Rufus Daniel Isaacs hieß, hat als Schiffsjunge und Börsenmakler begonnen und erreichte auf dem Wege über das Parlament die höchsten Staatsämter. Von 1921 bis 1926 war er Vizekönig von Indien, britischer Sonderbotschafter in Washington und in der ersten nationalen Regierung Außenminister. * Der Erzbischof von Canterbury teilte mit, er habe die christlichen Kirchen in Europa aufgefordert, gleichzeitig einen Aufruf für Frieden und Freundschaft unter den Nationen zu erlassen und die Bevölkerung „in feierlicher Weise an ihre Verantwortung in diesen Tagen der internationalen Besorgnis zu erinnern." Aus den bereits eingelaufenen Antworten gehe hervor, daß ein solcher Aufruf am ersten Sonntag des neuen Jahres in einem großen Teile Europas veröffentlicht werde. Da auf dem an Sowjetrußland im Gebiet von Blagoweschtschensk angrenzenden Territorium M a n- dschukuo pest verdächtige Erkrankungen mit tödlichem Ausgang vorgekommen sind, hat die Sowjetunion die Grenze zwischen Sowjetrußland und Mandschukuo längs des Amur zwischen den Grenzorten Kumara und Paschkowo (d. h. in hjner Länge von etwa 500 Kilometer) vorübergehend geschlossen. * In dem Prozeß gegen die ukrainischen Terroristen, die wegen Ermordung des polnischen Innenministers Pieracki angeklagt sind, hat der Staatsanwalt Antrag auf Todesstrafe für drei Angeklagte und lebens- längliches Zuchthaus für zwei gestellt. Für die übrigen Angeklagten fordert der Staatsanwalt Zuchthaus über zehn Jahre und für drei unter zehn Jahren. Büchertisch. — Prof. Dr. Konrad Kupfer, Drei Jungen als Entdecker. Eine Ferienfahrt durch die Fränkische Schweiz, mit 30 Illustrationen von Conrad Scherzer. Ganzleinenband 3 Mark. Franz Borgmeyer, Verlag, Hildesheim. — (565) — Rasch werden die Geweckten unter den etwa Vier- zehnrährigen, aber auch reifere Schüler noch und selbst Erwachsene, Freundschaft schließen mit diesem Buch; denn aufgeschlossen für die Natureigenheiten und die kulturelle Umwelt des Fränkischen Jura, den sie durchradeln, sind unsere drei Freunde. Ein humorvolles Kleeblatt ist das, aus dem der eine ob seiner Länge und trockenen Witze, der andere ob feiner poetischen Einfälle und Begeisterung für die deutsche Kunst und der dritte ob seiner körperlichen Gewandtheit und seines naturfjaften Spürsinns heroorragt. Was diese drei entdecken und wie die drei zu solch reicher Ferienausbeute kamen, berichtet dies Fahrtenbuch. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 3. Januar. (Vorbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Vorauftrieb: 38 Rinder (5 Ochsen, 27 Kühe, 6 Färsen), 848 Kälber, 72 Schafe, 303 Schweine. Es kosteten: Kälber 48 bis 76 Mark, Hämmel 44 bis 48, Schweine 51 bis 57 Mark. — Marktverlauf: Kälber, Hümmel und Schafe mittelmäßig; Schweine wurden zugeteilt. Wetterbericht des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. Ein auf das Festland vorstoßendes kräftiges Tiefdruckfallgebiet hat die Zufuhr feucht-warmer Meeresluft erheblich verstärkt. Damit sind gleichzeitig die Temperaturen weiter angestiegen und in großer Ausdehnung sehr ergiebige Regenfälle eingetreten. Da die Südwärtsverlagerung der sich nördlich von uns hinziehenden Tiefdruckrinne weitere Fortschritte macht, werden wir in der nächsten Zeit voraussichtlich mehr und mehr in den Bereich kühlerer Luftmassen kommen, die vor allem in den höheren Gebirgen wieder Frost und Schnee bringen. Aussichten für Samstag: Veränderlich, bewölkt, noch immer unbeständig, doch die Temperaturen wieder nachlassend, leichte Abkühlung, Windrichtung wechselnd. Aussichten für Sonntag: Voraussichtlich weitere Abkühlung, doch immer noch unbeständig. Lufttemperaturen am 2. Januar: mittags 8,3 Grad Celsius, abends 5,7 Grad; am 3. Januar: morgens 5,8 Grad. Maximum 8,4 Grad, Minimum 5,5 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 2. Januar: abends 4,1 Grad; am 3. Januar: morgens 4,1 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 0,6 Stunden. — Niederschläge 1,2 mm. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. 2). 21. XL 35: 11030. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. im Alter von 73 Jahren. In tiefer Trauer.- im 67. Lebensjahre. In tiefer Trauer: Dr. Karl Köhler Leihgestern, den 3. Januar 1936. Gienen (Schiffenberger Weg 19), den 2. Januar 1936. Die Beerdigung findet Samstag, den 4. Januar, nachmittags 2^2 Uhr, vom Sterbehause, Schillerstraße 36, aus statt 31D billig 6181 d 0181 Männerturn verein 1885 Gießen, den 3. Januar 1936. v. Shakespeare. ’ Illi Illi Nachlässe von 3 bis 20 v. H. erhalten Sie bei wiederholten Veröffentlichungen einer Anzeigei |SOLDATEN-BUND| GIESSEN I velzwaren Pelzrevaratrrren Johannes Hess XXIL, Aufseher i.R. Georg Heß und Familie. Spielleitung: Der Intendant. BeiHuiten und Weh Jangs Kräutertee Kränterhans Gießen 34a InderMäusburg Die Trauerfeier unseres lieben Turnbruders und Vorstandsmitgliedes Bauinspektor Georg Bickelhaupt findet am Freitag, dem 3. ds. Monats, nachmittags 2 Uhr auf dem Neuen Friedhof statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet der Vereinsführer. 27 D Am 2. Januar entschlief sanft in dem Herrn ganz plötzlich und unerwartet meine liebe Frau, unsere treusorgende Mutter, Großmutter und Schwiegermutter Frau Katharine Heß, geb. Häuser Scnnstag2V' 2U. Kameradschaltsabend imHessischenHof Beteil, mich mit 30000 BL an gutgehendem Unternehmen. Schriftliche Angebote unt. 025 an den Gießener Anzeiger erbet. Reichsverband deutsch, üiiizisre Die Mitglieder werd, gebet., sich möglichst voll- zcihlich an der Sammlung für d. Winterhilfswerk am 4. u. 5. Jan.z.beteiligen Rudolf Mohr General a.D. 17 0 Die Kameradschaften werden gebeten, der Einladung des Kyff- bäuserbundes z. Besuch d. Films „Im gleichen Schritt u. Tritt" am 5. Jan. 36 in kameradschaftl. Weise zahlreich Folge zu leisten. Kart, sind rechtzeitig in den bekannten Vorverkaufsstellen zu lösen. 24D Soldalenbund Gleiten Arbeitsgemeinschaft Siebener Soldaten- Kameradschaften, Danksagung. Da es uns nicht möglich ist, jedem einzeln zu danken für die vielen Aufmerksamkeiten während der langen Krankheit, sowie lür die> vielen Beweise herzlicher Teilnahme, für die herrlichen Kranz- und Blumenspenden bei dem Heimgang unserer lieben unvergeßlichen Elfriede Hl. Uebler Asterweg 16 Druckschriften In gefalzten Bogen In Heftform und gebunden klar In der Schrift, übersichtlich angeordnet und sorgfältig gedruckt, dienen den Belangen von Handel und Verkehr, Industrie und Gewerbe, Behörden, Landwirtschaft und Vereinigungen. Lieferung schnell,gut und preiswert durch Brühl’sche Druckerei Schulstr. 7, Ruf 2251 besonders dem Herrn Pfarrer für die trostreichen Worte, sagen wir auf diesem Wege unseren innigsten Dank. In tiefer Trauer: Emmy Driesch Wwe. Herta Driesch Karl Kobel Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Hinscheiden unserer lieben Entschlafenen sagen wir hiermit unseren innigen Dank. Im Namen der Hinterbliebenen: Ernst Mahr Gießen, den 3. Januar 1936. SkMWlkl Gienen 7632D Samst., 4. Jan. 20-22 Uhr Vorstell. d.NS.- Kultur gemeinde Ning Deutsche Bühne. Freier Kartenverkauf z. Tagespreisen an der Abendkasse. Zum lebt. Male 1 Komödie der Irrungen Vetter- Qaaiit&s - Möbel und Preise sind Leistungsbeweise. 6416D Ausstellung und Verkauf nur ! Wiesenstrahe 6. Die Beerdigung findet am Montag, dem 6. Januar, nachmittags 2 Uhr auf dem Neuen Friedhof statt. Am Donnerstag, nur 6 Wochen nach dem Tode ihres geliebten Gatten, entschlief sanft nach kurzem, schwerem Krankenlager nun auch meine innigstgeliebte, herzensgute Mutter Frau Milly Köhler, geb. Abe 26 D 21 D Ht 2 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)Aeitag,Z. Januar Mb Düstere Wolken über Mxiko Von unserem K. B.-O.-Berichierstaüer. einfach nur unzufriedener Elemente absieht. Diese „Nacistas" rekrutieren sich aus ehemaligen Mitgliedern aller Parteien. Trotz einiger neuen Gruppen, die eine Art von Panamerikanismus predigen, lehnen alle nicht dem Marxismus anhängenden Gruppen und Parteien das von dem peruanischen Apristenführer Haya de la Torre verlangte Jnboamerikanertum ab, weil sie sich unbedingt und nur zur weißen Rasse zählen. Die Marxisten, Kommunisten und Leninisten, welche in den Großstädten und Minenbezirken stark vertreten sind, haben sich zu diesem Problem noch nicht geäußert. Auch sonst wissen diese Linksparteien trotz aller Phrasen kaum, was sie eigentlich wollen. Die Nation ist am Aufbruch und unaufhaltsam damit beschäftigt, ihre politische und völkische Eigenart zu entwickeln und auszubauen. Weil die wirtschaftlichen und rassischen Gegebenheiten in Chile mit den glücklichsten auf dem südamerikanischen Kontinent gehören, hat die Zukunft dem chilenischen Volke unter seinen Nachbarn eine Rolle vorbehalten, die bedeutsamer ist, als die der letzten Jahrzehnte. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Mexiko-Stadt, im Dezember 1935. Düstere Wolken ballen sich über Mexiko zum Jahreswechsel zusammen. Das Land liegt in Zuckungen: Unzufriedenheit unter der Bevölkerung macht sich breit, drohend erhebt sich das G e - spenst des Kommunismus mit immer größerer Frechheit und Ungeniertheit. Das ist das Ergebnis des Jahres 1935, des ersten der Präsidentschaft des Generals Lazaro Cärdenas, dem noch vor einem Jahre die große Masse der Bevölkerung mit der Hoffnung auf Fortsetzung der Aufwärtsbewegung, die unter seinem Amtsvorgänger Abelardo Rodriguez auf allen Gebieten eingesetzt hatte, gegenüberstand. Eine bittere Enttäuschung für alle! Der gemäßigte Kurs, der unter Rodriguez gesteuert wurde, verschärfte sich unter dem jetzigen Präsidenten. Der Kampf gegen die katholische Kirche wurde mit größtem Nachdruck geführt, überall brachen Streiks in größerem und kleinerem Umfange aus und beunruhigten das Land, bis schließlich Mitte Juni der frühere Präsident Plutarco Elias Calles in nicht mißzuverstehender Weise die immer mehr um sich greifende Streikwelle brandmarkte und sich damit in Gegensatz zum Präsidenten stellte, der erst kurz vorher wiederholt das Streikrecht als Kampfmittel gegen das Kapital anerkannt hatte. Calles ging außer Landes, hatte aber den Erfolg, daß eine Kabinettsumbildung erfolgte, die auf eine gemäßigtere Richtung hindeuten ließ. Gewiß ist eine gewisse Mäßigung eingetreten, gleichzeitig damit aber auch ein Nachlassen der festen Zügelführung besonders im Jn- nern des Landes, wo in vielen Fällen die Staatsgouverneure eine Willkürherrschaft ausüben, gegen die sich die Bevölkerung in zunehmendem Maße zur Wehr setzt. Gleichzeitig erhebt der Kommunismus sein Haupt. Wenn die mexikanischen Regierungen der letzten Jahre auch alle mehr oder weniger sozialistischen Tendenzen huldigten, konnte man ihnen aber doch in keinem Falle den Vorwurf machen, daß sie sich mit dem Kommunismus identifizierten. Der Kommunismus wurde vielmehr scharf abgelehnt. Man erinnert sich noch, daß vor Jahren d i e diplomatischen Bezieh unge n zwischen Mexiko und der Sowjetunion abgebrochen wurden, weil der Sowjetgesandte kommunistische Propaganda zu treiben versuchte. Heute ist das anders. Wenn auch Präsident Cärdenas in keiner Weise als Kommunist angesehen werden kann, so bewegt er sich doch ganz und gar i n marxistischen Gedankengängen, und unter seinen engsten Mitarbeitern gilt mancher als Freund der Sowjets. Unter stillschweigender Duldung der maßgebenden Persönlichkeiten entfaltet der Sowjetstern eine rege Tätigkeit. Die Arbeiterorganisationen stehen schon jetzt fast alle unter dem Zeichen von Hammer und Sichel, und ein bekannter Arbeiterführer, der Intellektuelle, Vicente Lom- bardo Toledano, der erst vor wenigen Wochen von einer Stippvisite aus der Sowjetunion zurückgekehrt ist — wo er, wie böse Zungen behaupten, zwar nichts gesehen, wohl aber Moskowiterbefehle erhalten hat — konnte erst in diesen Tagen erklären, daß am kommenden 1. Mai die gesamte mexikanische Arbeiterschaft unter dem Sowjetbanner zum klassenkämpferischen Maifeiertag antreten werde. Ueher- all merkt man, daß man die „Gefühle der Kommunisten" schont. Die Zügel schleifen am Boden. Präsident Cärdenas ist ein kranker Mann. Offiziell leidet er an Malta-Fieber. Wer das Staatsoberhaupt in allerletzter Zeit aus nächster Nähe gesehen hat, ist entsetzt, wie elend der vor einem Jahre noch blühende Mann heute aussieht. Wenn auch die Aerzte mit seiner baldigen, völligen Genesung rechnen, so tau- chen doch Gedankengänge auf, die von der Möglichkeit eines längeren Erholungsurlaubs des Präsidenten und von der Einsetzung eines Stellvertreters sprechen. Ein düsteres Bild fürwahr, das sich am Horizont abzeichnet. Und doch fehlen ihm keineswegs auch freundlichere Lichter. Es ist dem Präsidenten und seiner Regierung ernst mit der Erziehung des Volkes. Umfassend ist das Programm zur Schaffung staatlicher Schulen, denn noch immer ist die Zahl der Analphabeten erschreckend groß. Aber auch hier sind die Widerstände stark, denn der zu erteilende Unterricht ist marxistisch, ist antikirch- lich und wird deshalb von der Landbevölkerung abgele hnt, die sich in zunehmendem schwarzen Schönen in eine geschmückte Droschke. Sie trägt hochgegürteten langen Rock und einen großen Federhut. Während sie beim Einsteigen den Rock ein wenig hebt, zeigt sie ihre hohen Schnürschuhe mit Stöckelabsätzen. Der schwarze Kutscher grinst mit seinen weißen Zähnen und lüftet stolz seinen Zylinder, während die langen Schöße seines Fracks über den Sitz herunterhängen. Alle drei sind felsenfest überzeugt, daß sie nach der allerneusten Mode gekleidet sind. Wir befinden uns eben in Afrika, wo das Unmoderne modern ist. Dor kurzem war ich bei der Einführung eines neuen Negerhäuptlings im Beschuanenlande zugegen. Es war ein großer Staatsakt, und auf einem Hügel, von dem aus man über die größte Eingeborenenstadt Afrikas blickte, vereinigte der neue Herrscher seine Würdenträger um sich. Da wurde mir klar, wohin die alten Uniformen und die Theaterkostüme gelangen. Da sah man die phantastischsten Uniformen in Himmelblau und Scharlachrot, die wohl schon in den na- poleonischen Kriegen geglänzt hatten und nun ein wenig verblaßt, aber noch immer recht stattlich waren. Die alten roten Uniformröcke der Tommies wurden von den Eingeborenen stolz getragen, die ihren neuen Häuptling begrüßten. Ein alter Würdenträger prunkte mit einem Admiralsrock in Blau und goldenen Spitzen. Die Reithosen in Khaki- Farbe schienen nicht ganz zu diesem fabelhaften Rock zu passen, aber das strahlende Gesicht des Besitzers und die bewundernden Blicke der eingeborenen Damen zeigten mir, daß er die „letzte Neuheit" für Beschuanenland trug. Alte Hochlandskostüme mit gelben Röckchen, hohe Reiterstiefel mit Sporen, napoleonische Hüte, Uniformen, wie man sie bei uns nur noch in der Operette sieht — all das glänzte in vieler Staatsversammlung der Eingeborenen. Besonders die Krieger taten sich hervor, und ich begriff, warum mancher Europäer durch den Verkauf alter Uniformen im schwarzen Erdteil reich geworden ist. Bezeichnend ist das Erlebnis eines Beamten, der eine wundervolle Sammlung von allen möglichen Geräten der Eingeborenen zusammengebracht hatte. Eines Tages lud ihn ein Häuptling ein, seinen Kraal zu besuchen. Er war auch so eine Art Sammler und zeigte dem Beamten voller Stolz, was er von „europäischen Rari- täten" zusammengebracht hatte. Da erblickte der verwunderte Kenner ein paar alte Blecheimer, einige billige bunte Glassachen, verrostete Teile eines alten Motors und ähnliches. Diese Sammlung hatte den Negerhäuptling zu einem der größten Männer in Afrika gemacht, und sie bereitete ihm nicht weniger Genugtuung als dem Weißer^ seine Sammlung von afrikanischen Trommeln, Streitäxten und Tonwaren." Maße gegen solche Erziehung wendet und dabet auch vor Gewalt nicht zurückschreckt. Gewaltige Pläne will die Regierung zur Förderung der Hygiene unter der Bevölkerung in die Tat umsetzen, und Fortschritte sind auf diesem Gebiete stellenweise zu verzeichnen. Die Schaffung von Bahnlinien und Landstraßen, der Ausbau von Verbindungswegen in den vom Verkehr abliegenden Landesteilen ist geplant und teilweise bereits in Angriff genommen. Der Bau von großzügigen Talsperren und Bewässerungsanlagen wird weitergeführt. Zweifellos alles Dinge, die im Interesse des Landes liegen und zur Hebung seines Wohlstandes beitragen könnten. Aber es fehlt die st arte Hand, die mit eisener Energie die Zügel der Regierung führt, die den Unruhe stiftenden Radikalismus in seine Schranken verweist und, gestützt auf das ganze Volk, Mexiko einer neuen, besseren Zukunft entgegenführt. Stetiger Kurs in Argentinien. Von unserem (Or. M. I.j-Äerichierstatter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Buenos Aires, im Dezember 1935. Bei der Beurteilung südamerikanischer Verhältnisse muß man sich, wenn man nicht zu Fehlschlüssen kommen will, stets vor Augen halten, daß alle Länder" Südamerikas erst seit wenig mehr als hundert Jahren ein Eigenleben führen; nicht nur in politischer, sondern auch in wirtschaftlicher und kultureller Beziehung. Argentiniens Eigenleben begann im Jahre 1810, als das Land die Herrschaft der spanischen Krone abschüttelte. Nun läßt sich natürlich in dem kurzen Zeitraum von 125 Jahren trotz größter Anstrengung nicht nachholen, wozu die großen Staaten Europas Jahrhunderte und aber Jahrhunderte gebraucht haben. Darin liegt der Schlüssel zu der Tatsache, daß die politische, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung Argentiniens, verglichen mit gleich großen oder gleich bedeutenden europäischen Ländern noch einen recht unfertigen Eindruck macht. Man muß aber mit Bewunderung anerkennen, mit welchem Aufwande von Kraft und Energie das junge Land an seiner Entwicklung arbeitet. Es ist unverkennbar, daß Argentinien heute weitaus a n der Spitze der südamerikanischen Länder marschiert. In politischer Beziehung herrscht im Gegensatz zu anderen Staaten des Kontinents eine gewisse Sicherheit und Stabilität. In die breiten Volksmassen ist die Erkenntnis gedrungen, daß Revolutionen in Form und Art, wie sie sonst in Südamerika an der Tagesordnung zu sein pflegen, nichts bessern. Wenn auch einzelne politische Hitzköpfe, zumal nach verlorenen Wahlen, mit dem Gedanken spielen mögen, auf gewaltsamem Wege eine Aenderung der Verhältnisse zu erzwingen, so finden sie doch keinen Anklang im Volke. Damit soll keineswegs gesagt sein, daß die wirtschaftliche Lage der breiten Massen so ideal ist, daß es nicht Unzufriedene gäbe. Im Gegenteil, es gibt namentlich in der Bevölkerung der großen Städte viel bittere Not, aber diese wird bei der großen Anspruchslosigkeit des Volkes von den meisten mit Gleichmut hingenommen. Da ist für unruhige Geister kein rechtes Feld zur Betätigung revolutionärer Ideen, zumal Heer, Marine und Luftflotte sich durchaus als Garanten der öffentlichen Ruhe und Ordnung fühlen und bereit sind, sich jederzeit dafür einzusetzen. Diese innere Ruhe gewährleistet eine gewisse Sicherheit und Stetigkeit der Verwaltung. Man mag an den Maßnahmen der Regierung mancherlei auszusetzen hoben, man kann ihr aber nicht abstreiten, daß sie auf einzelnen Gebieten Hervorragendes ge- leistet hat. Das Wirtschaftsleben, das durch die Weltwirtschaftskrise nicht unerheblich in Mitleidenschaft gezogen war, hat sich im Laufe des letzten Jahres spürbar zu heben begonnen. Der Besserungsprozeß geht zwar sehr langsam vor sich, doch ist das nur zu begrüßen, da ein sprunghaftes Emporschnellen schließlich nur eine Scheinblüte zeitigen anderen Fall klingelt er vielleicht die nächste Station des Falckschen Rettungswesens an... Man hat behauptet, der schwedische k-Laut vor weichen Vokalen (gesprochen etwa wie „tch") könne von keinem Mchtschweden gelernt werden. Das ist eine phantastische Uebertreibung, wenn man dem, beispielsweise, die absolut korrekte Bewältigung des dänischen Wortes für „Kuchen" (Kage) gegenüberstellt. Sagt man „Käe", bann heißt es:^ das weiche g müsse durchklingen. Sagt man „Käje", ist's auch nicht in Ordnung, sondern ein Mittelmaß wird gewünscht, und außerdem gefällt der ä-Laut nicht, der weder wie ein ä noch wie ein e klingen darf. Es darf überhaupt nichts klingen. Sobald was klingt, ist es aus mit der Deutlichkeit, und auf die kommt es, wie man nachgerade erkannt haben wird, im Dänischen ganz besonders an. Es ist denkbar, daß nun Leute aufstehen und sagen werden, der Schreiber dieser Abhandlung sei ein Trottel und solle lieber Mathematik treiben als Sprachen. In der Voraussicht solcher Einwände sieht sich der Verfasser genötigt, mit der Bescheidenheit eines gesitteten Mitteleuropäer,s darauf hinzuweisen, daß er in Mathematik ein Ochse ist, aber keine wesentliche Mühe hat, sich in einem halben Dutzend Sprachen ober auch mehr angenehm verständlich zu machen, u. a. auf bänisch. Es ist nicht die Hilflosigkeit eines minberbegabten Einzelnen, bie zu die- sen Ranbbemerkungen ben Anlaß gab; es sind die „halbaufgegessenen 'Worte". Verwundert steht man oft und 'lauscht, wie sich zwei Dänen unterhalten. Ein schwedischer Freund sagte bei solcher Gelegenheit kopfschüttelnd: „Die Dänen haben keine Sprache, und sie verständigen sich doch." Das ist natürlich eine Bosheit, die für den voraufgegangenen Konsum von Aauavit spricht, aber sollte sich die Entwicklung des Dänischen mit der bisher beobachteten Tendenz zur „Verdeutlichung" fortsetzen, dann werden in tausend Jahren bestimmt nur noch die Kommas übrig sein. Do die Mode von geiler« modern ist. Was gestern „letzte Neuheit" war. das ist heute schon „altmodisch" geworden, so rasch vollzieht sich jetzt der Wandel der Moden, und man muß viel Eigenwillen besitzen, um sich ihm zu widersetzen. Aber wohin wandern nun bie „alten Mvbeneu- heiten" von gestern und vorgestern? Der englische Weltreisenbe William I. Makin weiß darüber aus Kapstadt einige lustige Geschichten zu berichten. „Ich blicke aus meinem Fenster", berichtet er, „und sehe ein merkwürdiges Schauspiel: Ein Neger in einer grellbunten Hose, mit Zylinder, gelben Handschuhen und einem gelben Stöckchen hilft einer Augenblick, und nach geraumer Zeit kam er wieder mit einem Entrecote für vier Personen. „Das hat der Herr doch gar nicht bestellt", sagten im Chor die Fruenbe des Polen. „Aber bitte", erwiderte der Kellner, „ich habe es ganz deutlich gehört." Deutlich — diese Vokabel müßte von Rechtswegen aus allen dänischen Wörterbüchern gestrichen werden. Da man eine solche Begriffvereinfachung auf dem Verfügungswege leider nicht durchsetzen kann, muß man in das Geheimnis einzudringen versuchen, was der Däne unter „deutlich" versteht. Und das ist wirklich ein Geheimnis. Bisher war es dem emsig Suchenden nicht möglich, zwei Bewohner der schönen dänischen Fluren zu finden, die ihm dieselbe Erklärung gegeben hätten. Sie sind sich selbst nämlich sehr im Zweifel. Auf dem Kopenhagener Strög, der langen Zeile verschiedennamiger Geschäftsstraßen, die vom Rathausplatz nach Kongens Nytorv führt, sah ein ge- wisser Herr im Schaufenster einen Porzellanhasen, Der gefiel ihm so gut, daß er beschloß, ihn zu kaufen. Er trat also in den Laden, seiner Sache vollkommen sicher. Das dänische Wort für „Hase" heißt „Hare"; es ist nichts weiter dabei. Der Herr sprach' es schön deutlich aus. Die kleine Verkäuferin jedoch machte unendlich erstaunte Augen, als habe ihr jemand eine Sure des Korans vorgebetet. Der Herr bekam das Zittern in den Knien; m seiner Verzweiflung stieß er etwas hervor das einem unwilligen deutschen „Hä!" nicht unähnlich war. Sofort'stürzte bie kleine Verkäuferin auf den Porzellanhasen zu und lächelte: „Verzeihung, ich verstand nicht deutlich." So ist es im Damschen mit der Deutlichkeit bestellt. Wenn einer von uns die dänische Grammatik in die Hand kriegt, ist nichts als Heiterkeit aus feinen Zügen zu lesen. Das lernt man doch in em paar Wochen! Gewiß, ein Sprachbegabter lernt dies rasch, aber sobald er den Mund auftut, sind alle feine Träume verflogen. Selbst die Schweden, die eine nahe verwandte Sprache sprechen, müssen Seil tanzen. Ein Däne versteht einen Schweden mühelos; umgekehrt geht es nicht ohne viel Kopfzerbrechen ab. In einer Kopenhagener Zeitung roar einmal eine lange Auseinandersetzung mit chwedischen Reisenden zu finden, die sich über die „halvspiste Ord der Dänen beklagten. Das sind die „halbaufgegesse- nen Worte", und die Bezeichnung ist ebenso freundlich wie treffend. Gehe niemand zu einem Kopenhagener Schutzmann und frage ihn nach dem „Raab- husplads" (vorschriftsmäßig gesprochen etwa „Rohus- pläs"), wenn er zum Rathausplatz will. Vielmehr: man räuspere sich, hauche einmal und sage „a dann wird der Schutzmann richtig Bescheid geben. Im sich auch das Mischblut, also die Mehrheit, in dumpfer Auflehnung gegen jahrhundertelange Bevormundung, häufig von marxistischen Phrasen verführt und verhetzt. Die Jugend der oberen Schichten beginnt vielfach, die Zusammenhänge der Zeitgeschehnisse zu erfassen und einem gesunden Sozialismus erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken. Die bestehenden Probleme drängen mindestens zur Evolution, zum Wegdrängen vom Alten. Die jüngeren Elemente der mächtigen konservativen Partei sind vielfach unzufrieden mit dem Parteiprogramm, das ihrer Ansicht nach der heutigen Lage nicht Rechnung trägt; sie vermischen neue soziale Anschauungen mit alten nationalen und religiösen Ansichten, wollen und suchen etwas Neues, welches auch die unteren Schichten befriedigt und an sie zieht. Diese Gruppe hat wegen ihres einheimischen, bodenständigen Unterbaues viel Aussicht auf Erfolg. Die zahlenmäßig größte Gründung der letzten Jahre ist die chilenische nationalsozia- l i st i s ch e Partei, die eine Mischung aus nationalsozialistischem und faschistischem Gedankengut auf bie chilenischen Verhältnisse übertragen hat. Sie ist ähnlich organisiert ryie die NSDAP., aber sie stagniert zur Zeit, wenn man von dem Zuzug Awas über bie dänische Sprache. 13 on Waldemar Keller. Einer großen Schwierigkeit ist sich der Schreiber dieser Zeilen bewußt: Viele Leute werben nämlich, wenn sie in ber Überschrift lesen, daß von der dänischen Sprache die Rede sein soll, philologische Angstvisionen kriegen und rasch den Finger netzen, um das Blatt umzuwenden. Zum Glück darf man mit der Gewohnheit seiner Mitmenschen rechnen, wenigstens den Anfang eines Artikels prüfend zu überfliegen, und darum sei eiligst gesagt, daß hier keinerlei Untersuchungen geplant sind, die nach dem Katheder riechen. Eine fremde Sprache bietet, wenn man sich eingehender mit ihr beschäftigen durfte, ungeahnte Möglichkeiten zu amüsanter Betrachtung, und es ist nur darauf zu achten, daß man nicht mißverstanden wird. Die Dänen, ein liebenswürdiges Volk, haben viel Sinn für Humor; sie sind sich auch der Eigentümlichkeit ihres Verstandigungs- mittels voll bewußt, und jemand, der darüber ein paar Worte äußern will, braucht deshalb nicht in Hemmungen zu ersticken. Ein solcher Hinweis genügt eigentlich schon zur Wegbereitung, aber man soll umsichtig sein. Vielleicht könnte dieser ober jener ben Verbacht hegen, daß ein heimlicher Hasser seinen negativen Gefühlen in Späßen Luft machen will. Nichts wäre falscher al5 eine derartige Annahme. Gerade wenn man liebt, ist man leicht versucht, zu scherzen. Diese Erscheinung kann im täglichen Leben allerorten wahrgenommen werden. Liebt Herr Schulze seine Frau oder Herr Müller seine Freundin, dann tändelt er mit ihr. Im gegenteiligen Fall haben weder Herr Schulze noch Herr Müller zum Tändeln nennenswerte Lust. So ist das auch in unserem Verhältnis zu einer Sprache. 2Öer mit dem Dänischen anbindet, braucht nicht sehr über unregelmäßige Zeitwörter und ähnliche Vorbeugungsmittel gegen bie Langeweile zu stöhnen Er hat es im Grunde nur mit einem zu tun: mit'der Zunge. Englisch, Französisch und Spanisch sind Kinderspielchen gegen das gesprochene Dänisch, und selbst Russisch bleibt um einige Pferdelängen zurück. Am besten wird das illustriert durch eine kleine Anekdote: Ein polnischer Herr, der lange in Ostasien geweilt hatte, behauptete. Dänisch kling- rote Chine- sisch. Von seinen Freunden ausgefordert das einmal praktisch zu beweisen, bestellte er beim Kellner ein Mas Wasser und einen Zahnstocher - auf chinesisch. Der Kellner zögerte nicht einen Rationen im Aufbruch. Eine Umschau unserer Auslands-Korrespondenten an der Jahreswende Völttfches Sewußtseill in Chile. Von unserem H. K.-Berichierstaiier. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Santiago de Chile, im Dezember 1935. Als vor rund 400 Jahren Don Pedro de Valdivia die Eroberung Chiles begann, stieß er mit feinen Leuten auf ein sehr tapferes und kriegerisches Volk, die Araukaner. Diese haben dem Vordringen der Weißen jahrhundertelang einen erbitterten Widerstand entgegengesetzt, der erst sein Ende fand, als sie fast völlig vernichtet waren. Weil bas Leben in dem fernen „Reino be Chile" hart unb gefährlich war, wagten sich nur bie besten Männer nach hier, um Ruhm und Reichtum zu gewinnen. Dadurch bestand eine natürliche Auslese in der Einwanderung, und es war wohl das beste Menschenmaterial unter den abenteuernden Conquista- dores, das den Weg nach hier fand. Die Eroberer hatten natürlich nur wenige Frauen mitgebracht. Biele ließen sich von den besiegten Jndianerftämmen junge Mädchen ausliefern und heirateten sie. Auch die Töchter aus diesen Verbindungen wurden später häufig die Frauen ber nachfolgenben, meist abe- ligen Conquistadores und dadurch in einigen Fällen Stammütter alter chilenischer Geschlechter. Im 17. und 18. Jahrhundert kamen verschiedene Einwanderungswellen spanischer Familien ins Land, später kamen Basken. Während die ersten vorwiegend im niederen Volke aufgingen, gelangten die Basken durch ihren Fleiß und ihre Fähigkeiten zu Wohlstand und verbanden sich später mit dem alten Schwert- und Lehnsabel ber Encomenberos. Als nach brei Jahrhunderten spanischer Oberherrschaft die Befreiuungskriege die politische Selbständigkeit herstellten, erhielt die Gestaltung einer nationalen Eigenart einen starken Auftrieb, obwohl sich die sozialen Verhältnisse zunächst nicht bedeutend änderten. Die feudale, landbesitzende Oberschicht ersetzte die Spanier in ber Herrschaft und regierte das Land, meistens allerdings mit einem gewissen patriarchalischen und sozialen Sinn. Ein Mittelstand bildete sich erst ganz allmählich heran. Die in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts stark zunehmende Ausbeutung der reichen Minenschätze und der Salpeterfelder, sowie die um 1900 beginnende Industrialisierung der Wirtschaft und das schnelle Wachstum einiger Städte führten größere Menschenmassen zusammen. Es entstanden die gleichen Probleme, bie auf ber ganzen Welt mit der kapitalistischen Wirtschaftsform Zusammenhängen; besonders seitdem es der Dollardiplomatie gelungen war, große Teile des nationalen Reichtums an Bodenschätzen in ihren Besitz zu bringen und rationellster Bearbeitung zu- zusühren. Wenn auch noch unklar und zuweilen unbewußt, bildet sich heute doch eine gewisse Opposition gegen die geistige und materielle Ueberfrembung durch die europäischen und nordamerikanischen Einflüsse und Interessen heraus. Hiermit dürfte ein Ringen um die völkische Eigenart auf allen Gebieten beginnen. Bis jetzt ist die Nation von oben autoritär geführt worden. Hieran hat auch die Einführung des Parlamentarismus seinerzeit nicht viel geändert. Die herrschenden Kreise waren und sind stolz auf ihre fast rein europäische Abstammung und haben ihr Leben und ihren Staat nach europäischem Muster zu gestalten getrachtet. Der W e l t k r i e g, während dem auch Chile wie viele andere Länder in mancher Hinsicht auf eigene F ü ß e gestellt war, zeigte, daß man sich u. 11. selbständig machen kann. Der Zusammenbruch des Welthandels alter Art und des internationalen Anleihewesens seit 1930 förderte diese Entwicklung durch bie autarki- schen Tendenzen, die er auslöste. Gleichzeitig mel- würde, die wieder eine jähen Absturz noch sich zöge, wie Argentinien es vor einigen Jahren erfahren muhte. In der Außenpolitik ist nach dem großen Erfolge, den der Außenminister Dr. Saavedra Lamas als Hauptvermittler bei der Beilegung des Konfliktes zwischen Bolivien und Paraguay erzielen konnte, nunmehr gegen Jahresende die Sanktionsfrage in den Vordergrund getreten. Da Argentinien Mitglied des Völkerbundes tft, so ist damit eine gewisse Linie gegeben. Daß sie den argentinischen Staatsmännern nicht gerade bequem ist, muß zugegeben werden, denn die Syrn- pathien des Volkes stehen schon aus rasseverwandten Empfindungen heraus auf Seiten Italiens. England dagegen ist in wirtschaftlicher Hinsicht so bedeutend für Argentinien, daß man sich hüten wird, es vor den Kopf zu stoßen. So windet man sich nicht ohne Geschick an den Klippen vorbei und hofft auf eine versöhnende Lösung der Probleme durch den Völkerbund. Immerhin ist es nicht uninteressant, daß sich heute in Argentinien schon Stimmen — und mögen es auch noch so wenige sein — bemerkbar machen, die eine Abkehr vom Völkerbund begrüßen würden. In der I n n e n p o l i t i k haben sich im Laufe des letzten Jahres einige Wandlungen vollzogen dadurch, daß die große Partei der Radikalen, die sich nach dem Sturz des Präsidenten I r i g o y e n durch General Uriburu 1930 gänzlich dem politischen Leben ferngehalten hatte, wieder aktiv zu werden beginnt. Sie hat in einigen Provinzen beachtliche Erfolge erzielt und bereitet sich darauf vor, bei den im kommenden März im ganzen Lande stattfindenden Bundeswahlen einen entscheidenden Schlag zu führen. Die Regierungspartei der Nationaldemokraten ist durch die Tätigkeit und die Erfolge der Radikalen einigermaßen beunruhigt und daher mit allen Kräften bemüht, den wachsenden Einfluß der Gegner zurückzudämmen. Sie hat dabei eine starke und letzten Endes wohl auch ausschlaggebende Stütze an der bewaffneten Macht. Der Plan der Gründung einer große nParte i, der die Aufgabe zufallen soll, eine versöhnliche Lösung der innerpolitischen Probleme zu finden, ist im Grunde darauf zurückzuführen, daß man die Heftigkeit der Kämpfe bei den Wahlen im März und bei den Präsidentenwahlen, die im Jahre 1937 stattfinden werden, und deren Rückschlag auf das Wirtschaftsleben des Landes fürchtet. Der Plan ist nicht von der Hand zu weisen, daß eine Sammlung der versöhnlichen Geister dem politischen Leben in Argentinien nur förderlich sein kann. Der demokratische Gedanke, der einstweilen noch die führenden Köpfe beherrscht, läßt eine andere Lösung kaum zu. Der argentinische Faschismus ist rein zahlenmäßig zu gering und noch zu unbedeutend, als daß er in absehbarer Zeit eine grundlegende Aenderung der Meinungen und der Verhältnisse herbeiführen könnte. Das unerschöpfliche Gespräch vom Wetter Don langweiligen Gesellschaften und „gebräuchlichen Redensarten". Es ist eine Zuflucht für alle jene zweifelhaften Unterhalter, denen beim besten Willen nichts anderes einfällt, daß sie die Rede auf das unerschöpfliche Thema vom Wetter bringen. Es ist zu allen Jahreszeiten angängig, und jeder hat etwas dazu zu sagen; zudem fehlt es nicht an Gelegenheit zu Meinungsverschiedenheiten, denn was der eine lobt, kann der andere tadeln, und wenn es diesem zu kalt ist, so ist es jenem zu warm. Und offenbar ist es auch unabhängig vom Zeitwandel und darum schon seit einigen Jahrtausenden aktuell. Das Gespräch vom Wetter dürfte wohl fast so alt sein wie das Wetter selbst, denn der Mensch ist nun einmal von der Witterung abhängig und war es früher noch viel mehr als heute. Es bedurfte daher einer gewissen Kulturhöhe, um die so natürliche Behandlung der Wetterfrage als etwas Gewöhnliches zu empfinden. Wann man zuerst die Gespräche vom Wetter als geistlos belächelt hat, wird schwer festzustellen sein. Jedenfalls ist man schon vor dreihundert Jahren gegen diese Verlegenheitsphrase ernstlich ins Feld gezogen. Es war damals die Blütezeit der sogen. „Moralischen Wochenschrifte n", in denen man eine neuere anspruchsvollere Form der Geselligkeit anstrebte. Da erschien in Hamburg eine solche Wochenschrift, „Der Patriot", und in der fünften Nummer des ersten Jahrganges, am 3. Februar 1724, wird der Krieg gegen das Wettergespräch eröffnet. Ein aus England zurückgekehrter Herr beklagt sich über die Langweiligkeit der Hamburger Gesellschaften. „Statt eines angenehmen und nützlichen Gespräches", berichtet er von einer solchen Zusammenkunft, „dauerte es länger als eine Viertelstunde, ehe ein Mensch ein Wort hervorbrachte. Eine ansehnliche Matrone fing endlich mit großer Ernsthaftigkeit an: „Et is recht schön Webber." Eine Frauens- und zwei Mannspersonen, welche auf eine so wertvolle Gelegenheit zu sprechen dem Ansehen nach recht gelauert hatten, sagten darauf: „Dat is wahr"; obgleich es in der Tat trübe und recht windig war. Kaum waren diese sinnreichen Wechselreden beendigt, so erhob sich abermals eine große Stille, bis ein junger Mensch in langer Perücke dieselbe auf eine galante Weise unterbrach. Er wandte sich zu der Frau des Hauses, und nachdem er den einen Knoten seiner Perücke auf eine zierliche Art zurückgeworfen hatte, sagte er mit einem freundlichen, halb schamroten Gesicht: „Das sind sehr schöne Spitzen, Madame; „welche Höflichkeit dieselbe mit einer nicht minder höflichen Miene lächelnd beantwortete und damit der zweiten Handlung ein sittsames Ende machte. Bei so gestalteten Sachen hielt ich mich aus guter Absicht verbunden, der sinkenden Konversation aufzuhelfen. Deshalb fing ich an, die Gesellschaft mit verschiedenen Dingen zu unterhalten. Es antwortete mir aber niemand, und da ich an einem solchen Ort nicht allein predigen wollte, war ich gezwungen, die Zahl der Stummen zu vermehren. Ein beständiges Tee- und Kaffeeschlürfen und ein oft wiederholtes Tabakschnupfen an anderer Seite diente inzwischen beiden Parteien anstatt einer Unterredung. Nach einer abermaligen Pause von anderthalb Viertelstunden wagte es eine junge Frau und sagte: „Madam, wo kummt se mit eerer Amme to recht?" Dieses Wort kam zur rechten Zeit und war mächtig genug, die tote Gesellschaft lebendig zu machen. Alle Zungen waren fast auf einmal rege, und nachdem man eine Zeitlang das Gesinde durch die Hechel gezogen, ward endlich die Schmähsucht müde, sich länger so gemein zu machen, und nahm deshalb zu ihrer Beschäftigung einen edleren Vorwurf. Solches waren zuerst die Nachbarn, nachmals die Bekannten und hierauf die ganze Stadt, wobi sich ein solches Geräusch und Gelächter erhob, daß, wenn es auch gedonnert hätte, man es kaum würde gehört haben ..." Trotz der offensichtlichen Uebertreibung fühlten sich doch viele aus diesen Kreisen durch die Schilderung getroffen, und der „Patriot" kann schon in der siebenten Nummer berichten, daß man ihm zum Trotz eine Gesellschaft „V o m schönen Wed- d e r" gegründet habe, die sich die Pflege der von der Zeitschrift verspotteten Redensarten zur Aufgabe machte. Humorvoll heißt es weiter, daß sich die Hamburgerinnen mit den Leipzigerinnen in Verbindung setzen wollten, um die Gespräche in Deutschland mit möglichst vielen solcher Phrasen zu verzieren. So sollte man z. B. Unterhaltungen mit den Worten einleiten: „Was macht Ihr kleines Hündchen? Sind Sie gestern in der Oper gewesen? Der N. ist ein unvergleichlicher Tänzer." Die Leipzigerinnen sollen folgende Redensarten beigesteuert haben: „Ich dachte, mich bisse was. Ei ja, warum denn nicht. Zerreiß er sich nicht die Krause. Ich habe meinem Affen heut Zucker gegeben. Das wäre mir eben recht." In dieser komischen Zuschrift wird darauf hingewiesen, daß die Unterdrückung der gebräuchlichen Redensarten schon großes Unglück gestiftet hätte, „indem eines der Frauenzimmer, die sich ein Gewissen daraus gemacht, die ehrlichen alten großväterlichen und großmütterlichen Komplimente zu gebrauchen, an Zurückhaltung der Sprache beinahe hätte ersticken müssen." Der „Patriot" gibt in seiner nächsten Nummer einige Dutzend nützlicher Bücher an, damit die geliebten Mitbürger und angenehmen Mitbürgerinnen aus diesen Stoff zur Unterhaltung entnehmen könnten. Es ist freilich fraglich, ob die Hamburger vor zweihundert Jahren aus der „gestriegelten Rockenphilosophie", „Helwigs Frauenzimmer- Apothekchen", „Der Frau Segellammerin wohl unterwiesene Köchin", „Matthesons geöffnetes Orchester" und ähnlichem genug gelernt haben, um auf das Gespräch vom Wetter verzichten zu können. Kreisamtsleituna der 71GD im Güteverfahren in Mietanaelegenheiten. Die Justizpressestelle Frankfurt a. M. teilt mit: Nach einer Verfügung des Reichsjustizministers vom 5. Dezember 1935 soll von den Amtsgerichten zur gütlichen Beilegung von Mietstreitigkeiten, deren Ursache oft außerhalb des rechtlichen Gebietes liegt, die Kreisamtsleitung der NSV. in allen geeigneten Fällen Zugezogen werden. Die Möglichkeit, im Güteverfahren einen Ausgleich zu finden, ist den wohlverstandenen Interessen der unmittelbar Beteiligten dienlicher, als die Austragung in einem oft erbitterten und nicht selten auch kostspieligen Streitoerfahren. Es empfiehlt sich daher, bei Räumungsklagen wegen rückständigen Mietzinses und bei Mietaufhebungsklagen außer einer Abschrift für das Wohlfahrtsamt eine weitere Klageabschrift beizufügen, damit die zuständige Kreisamtsleitung der NSV. von dem demnächst stattfindenden Gütetermin in Kenntnis gesetzt werden kann. Wirtschaft. Ankauf gezogener AuSlosungsrechte der Anleiheablüsungsschuld des Deutschen Reiches. Die bei der Auslosung am 2. Dezember 1935 gezogenen Auslosungsrechte der Anleiheablüsungsschuld des Deutschen Reiches sind bestimmungsgemäß am 1. April 1936 einzulösen. Wie in früheren Jahren werden die gezogenen Auslosungsrechte bereits vor dem Fälligkeitstag unter Abzug eines zum jeweiligen Reichsbankdiskontsatz zu berechnenden Diskonts frei von Provision angekauft werden. Der Ankauf der Auslosungsscheine erfolgt durch die Reichsbankanstalten, in Berlin durch die Nostro-Börsenabteilung der Reichs- hauptbank, Jägerstraße 55, 1 Treppe. Die Inhaber der Auslosungsscheine, die vor dem 1. April 1936 in den Besitz des Einlösungsbetrages gelangen wollen, können schon jetzt ihre Stücke der nächstgelegenen Reichsbankanstalt zum Ankauf übergeben. Die Auszahlung des Einlösungsbetrages unter Abzug des Diskonts erfolgt nach Prüfung der Stücke vom 3. Januar 1936 ab. Der Ankauf der ausgelosten Schuldbuchforderungen der Anleiheablösungsschuld des Deutschen Reiches erfolgt zu denselben Bedingungen durch die Reichsschuldenverwaltung. * * Kvnkurse undVergleichsverfahren. Nach Mitteilung des Statistischen Reichsamts wurden im Dezember 1935 durch den „Reichsanzeiger" 261 neue Konkurse — ohne die wegen Massemangels abglehnten Anträge auf Konkurseröffnung — und 61 eröffnete Vergleichsverfahren bekanntgegeben. Die entsprechenden Zahlen für den Vormonat stellen sich auf 267 bzw. 67. * Harpen übernimmt Mont-Cenis. In einer Aufsichtsratssitzung der Harpener Bergbau AG. wurde der Kauf der bisher im Besitz der Eisenwerkgesellschaft Maximilianshütte befindlichen Kuxe der Gewerkschaft Mont-Cenis entsprechend den Vorschlägen des Vorstandes genehmigt. Die Bezahlung erfolgt durch Kokslieferungen von Harpen an die Maxhütte, die sich auf mehrere Jahre erstrecken. * Vergrößerter Umsatz und vergrößertes Auslandsgeschäft bei der AEG. Wie alljährlich hat auch diesmal die AEG. die Forschungs- und Entwicklungstätigkeit des vergangenen Jahres, die erzielten Fortschritte und besonders interessante erstellte Anlage in einem umfangreichen Leitartikel des Januarheftes der AEG.- Mitteilungen zusammengefaßt. Die Elektrizität, so heißt es in dem Bericht, erobert ständig neue Anwendungsgebiete und erweitert die alten; diese Entwicklung sowie das Arbeitsbeschaffungsprogramm der Reichsregierung brachten der AEG. eine bedeutende Auftragssteigerung. Ergänzend erfährt der DHD. dazu, daß der Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr weiter gestiegen ist, er wirb sicherlich 250 Millionen Mark (1933/34: 234 Mill. Mark) übersteigen. Die Gefolgschaft hat von rund 37 000 Köpfen am 1. Oktober 1934 um etwa 5000 auf rund 42 000 Köpfe am 1. Oktober 1935 zugenommen. Dabei ist zu berücksichtigen, daß sich diese Zahlen auf die unmittelbaren AEG.-Betriebe und nicht auf die Konzernwerke beziehen. Zum ersten Mal seit mehreren Jahren konnte auch das Auslandsgeschäft wieder vergrößert werden. Der Auftragseingang war und ist anhaltend gut. Mein-Mainische Börse. rNittagsbörse freundlich. Frankfurt a. M., 2. Jan. Die erste Börse im neuen Jahre wies eine freundliche Haltung auf, das Geschäft erfuhr aber noch keine nennenswerte Belebung. Die Aufträge der Bankenkundschaft betrafen nur einige Spezialwerte, außerdem fehlte es zumeist an Erneuerung der Limite. In Anbetracht der vorliegenden günstigen Wirtschaftsnachrichten erfolgten aber auch seitens der Kulisse kleine Meinungskäufe. Am Aktienmarkt war die Kursentwicklung etwas unregelmäßig, die Veränderungen erreichten nach beiden Seiten kein stärkeres Ausmaß. Fest lagen am Elektromarkt AEG. mit 37,13 (35,40), die übrigen Werte lagen meist 0,25 bis 0,50 v. H. höher, Siemens und Schuckert bröckelten je 0,65 v. H. ab. Von Montanwerten fanden Stahlverein mit 74,75 bis 75,13 (75) Interesse, ebenso waren Hoesch mit unv. 86 stärker beachtet. Chemische Werte lagen sehr ruhig, IG.-Farben lagen mit 149 (149,50) nur knapp gehalten. Maschinen- und Motorenaktien tendierten zumeist unverändert, Daimler gaben später etwas nach auf 90,75 nach 91. Sonst eröffneten u. a. Kunstseide AKU. 0,40, Cement Heidelberg 0,50, Reichsbank 0,50 v. H. fester, dagegen Feldmühle Papier 0,90 v. H. niedriger. Nach den ersten Notierungen unterlagen die Kurse bei freundlicher Grundtendenz leichten Schwankungen Am Rentenmarkt war das (^tchäff über» raschend gering. Von heimischen Papieren gingen Altbesitz auf 110,50 (110,90), Zinsvergütungsscheine auf 91,80 (91,90) und späte Schuldbuchforderungen auf etwa 96,90 (97) zurück, dagegen blieben Kommu» nal-Umschuldung mit 88,25 unverändert. Von fremden Werten setzten 5prozentige äußere Goldmexikaner mit 12,60 (12,30) und öprozentige innere Silbermexikaner mit unverändert 5,13 ein. In der zweiten Börsenstunde war die Haltung weiter uneinheitlich, doch überwogen am Aktienmarkt leichte Abschwächungen. Die Kulisse trat in kleinem Umfange als Abgeber auf. Zumeist ergaben sich Rückgänge non 0,25 bis 0,50 v. H., so u. a. für IG.-Farben, AEG. und Montanwerte. Etwas festes lagen jedoch Schiffahrtsaktien, Hapag 15 bis 15,25, (15), Nordd. Lloyd 17,25 (16,50). Von erst später notierten Werten ermäßigten sich Chade A bis C auf 284,25 (286,50) und Muag auf 71,13 (72.40), wäh- rend Goldschmidt auf 107,75 (106,50) anzogen. Am Rentenmarkt bröckelten Altbesitz weiter ab auf 110, Zinsvergütung waren dagegen erhöht auf 91,90 nach 91,80, sonst traten keine Aenderungen ein. Pfandbriefe lagen still und zumeist unverändert. Tagesgeld etwas leichter mit 3,25 (3,50) v. H. Abendbörse behauptet. An der Abendbörse war das Geschäft sehr klein. Aufträge lagen kaum vor, auch die Kulisse zeigte keine Unternehmungslust. Bei freundlicher Grundstimmung erfuhren die Kurse im Vergleich zum Berliner Schluß nur geringprozentige Abweichungen. IG. Farben bröckelten leicht ab auf 148,25 (148,50), andererseits waren AEG. zu 37 (36,90) gefragt. Elektro-, Montan- und Kunstseideaktien blieben gut behauptet. Auch am Rentenmarkt konnte sich kein nennenswertes Geschäft entfalten. Etwas leichter waren Kommunal-Umfchuldung mit 88,15 (88,25), sonst blieben die z. T. etwas niedrigeren Mittagskurse unverändert. Von Stadtanleihen kamen 4,50 v. H. Darmstadt von 1928 mit 92 (91 am 30. Dezember) zur Notiz. U. a. notierten: Altbesitzanleihe 110, IG. Farden- Bonds 122,75, 4,50 v. H. Darmstadt von 1928 92, 4 v. H. Rumänen 4,90, 5 v. H. innere Mexikaner 5,15, Adca 67, Commerzbank 84, DD.-Bank 84, Pfälzische Hypothekenbank 82,50, Reichsbank 180,50, Harpener 109, Ilse Genuß 125,75, Mannesmann 79,50, Hoesch 85,50, Nheinstahl 103,50, Stahlverein 74,40, AKU. 52,40, AEG. 37, Bemberg 101, Bekula 135,75, IG. Chemie Basel volle 164, Conti Gummi 159, Daimler 90,50, Scheideanstalt E 217, Licht & Kraft 127,50, IG. Farben 148,25, Feinmechanik Setter 79, Felten 112,75, Gesfürel 125, Goloschmidt 107,50, Holzmann 87, Junghans 81,25, Moenus 79, Schuckert 119,25, Siemens 165,50, Süddeutsche Zucker 197, Hapag 15. Scfjroeinemartf in Alsfeld. D Alsfeld, 2. Jan. Bei dem heutigen Schweinemarkt waren 304 Ferkel aufgetrieben, darunter 185 Händlerschweine. Es kosteten 6—8 Wochen alte Tiere 15—20 Mark, 8—10 Wochen alte 20—25 Mark, Läufer 31 Mark. Der Handel war flott. Es verblieb nur geringer Ueberftanb. Diebisches Dienstmädchen 3n der Silvesternacht die neue Herrschaft bestohlen. LPD. Frankfurt a. M., 2. Jan. In der Neujahrsnacht wurde ein Frankfurter Professor von einem neueingestellten Dienstmädchen auf raffinierte Weise b e st o h l e n. Die Täterin hatte am 31. Dezember 1935 ihre Stelle dort angetreten und, während sich ihre Dienstherrschaft bei einer Silvesterfeier befand, den Diebstahl ausgeführt. Sie brach den Schreibtisch auf, entwendete hier außer 90 Mark Bargeld ein goldenes Zehn- und ein Zwanzig- Dollarstück, ein altes goldenes Zehn-Rei.chsmark- Stück und mehrere andere silberne in- und ausländische Münzen. Das mitgebrachte Gepäck — zwei große Koffer — hat sie bei ihrer Flucht mitgenommen. Die Täterin nannte sich Elli Sander und gab an, daß sie aus Mannheim stamme. Ihr Mann, ein Friseur namens Maier, habe sich auf Grund der Nürnberger Gesetze von ihr scheiden lassen, da sie Halbarierin sei; aus diesem Grunde könne sie keine Zeugnisse oder sonstige Ausweispapiere vorlegen. Sie versprach jedoch, sich sofort die polizeiliche Abmeldung aus Mannheim zu beschaffen, um sich aus- weisen zu können. Die Kriminalpolzei vermutet, daß sie es in vorliegendem Falle mit einer g e - werbsmäßigen Diebin zu tun hat, die bestimmt versuchen wird, noch weitere derartige Diebstähle auszuführen und bittet daher, bei Auftreten dieser Person die Kriminalpolizei ober die nächste Polizeistelle zu verständigen bzw. die Festnahme der Diebin zu veranlassen. Die Täterin ist etwa 1,54 bis 1,57 Meter groß, schlank, dunkelblond, hat gekräuseltes Haar und ist Linkshänderin. Bekleidet war sie zuletzt mit einem rotbraunen Wintermantel mit einem großen dunkelbraunen Pelz besetzt. Kurszettel -er Berliner und Krankfurier Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Frantlun a. 2JI. xBerlm Echluß- kurs Schlußk. Abend- Schluß- Schlußk. Mittag- börse börse Datum 31-12 2.1. 31.12. 2.1. 6% Deutsche Retchsanlethe v. 1927 100,5 100,4 100,5 100,5 4% Deutsche Neichsanl. von 1934 97,25 97,25 97,25 97,25 5y2% Doung-Anlethe von 1930 .. 103 103,5 103,5 103,4 Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit Auslos.-Rechten ............. 110,9 110 110,75 110 4‘/i% Deutsche Reichspostschatzan- Weisungen von 1934, 1....... 99,75 99,9 99,9 100 6% ehem.8% Hess. Volksstaat 1929 (rückzahlb. 102%)............ 97 97 97,25 97,25 4’/2% ehem.8% Hessische Landes' bant Darmstadt Gold iR. 12.... 96,4 96,4 96,4 96,25 6%% ehem. 4/,% Hess. Landes Hypothekenbank DarmstadtLigui 100,75 101 471% ehem. 8% Darmst. Komm. Landesb.Goldschuldverlchr. R.6 93 93 Oberhessen Provinz-Anleche mti Auslos.-Rechten ............. Deutsche Komm. Sammelabl. Aw 117,5 119 119,5 — leihe Serie 1 mit AuSlos.-Rechten 113,65 113,4 113,4 113,4 4>/2% ehem.8% Franks. Hyp.-Bank Goldpse. 15 unkündbar bis 1935 96,5 96x5 W/o ehem. 47i% Franks. Hyp.. Bank-Liqu.-Psandbriese....... 100,95 100,9 6y2% ehem. 4%% Rheinische Hyp.-Bank-Ligu.-Goldpfe..... 101 100,9 101 47i% ehem. 8% Pr. LandeSpfand- briefanstalt, Pfandbriefe R. 19 97 97 97 97 4y,% ehem. 7% Pr.Landespsand- brtesanst., Gold Komm. Lbl.VI 97 97 97 108 97 108 Steuergutsch.Verrechnungsk. 34-38 107,4 107,4 4% Oesterreichische Goldrente.... 4,20% Oesterreichische Silbenente 29 1,2 8,9 1,2 29,65 1,25 29,25 1,25 4% Ungarische Goldrente....... 9 9,05 9,05 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 8,8 9 8,9 9 4y2% desgl. von 1913.......... 8,75 8,9 9 5% abgest. Goldmexikaner von 9S 12,3 12,6 12,4 12,4 4% Türkische Bagdadbahn-Anlethe Serie 1.................... 9,5 9,5 — — Frankfurt a.M. | Berlin Schluß- kurS Schlußk. Abendbörse Schluß- kurS Schlußk. Mittag- bürte Datum 31 12 2-1 • 31 12. 2-1. 4% beegl. Serie II ............ 5% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 4'/2%Rumän.vereinh.Rentev.l913 4% Rumänische verctnh. Rente .. 2tz% Anatolier .............. Hamburg-Amerika-Paket O Hamburg-Südam. Dampfschiff . O Norddeutscher Lloyd .........O A.G. für Verkehrswesen Akt. .. O Berliner Handelsgesellschaft ... 6 Commerz, und Privat-Bank ... o Deutsche Bank und DtSconto- Gesellschaft................o Dresdner Bank..............o Reichsbank ................ 12 A.E.G......................u Bekula.................... 10 Elektr. Lieferungsgesellschaft... 6 Licht und Kraft ........... 67t Felten L Guilleaume......... 4 Gesellsch.s.Eleklr.Unternehmung. 6 Rheinische Elektrizität ........ 6 Rhein. Wests. Elektr..........« Schuckert L Co............... 4 Siemens L Halske............7 Lahmeyer L Co..............7 Buderus ................... 4 Deutsche Erdöl ..............4 Harpener...................0 Hoesch Eisen—Köln-Neuessen .. g Ilse Bergbau ...............« Ilse Bergbau Genüsse........6 Klücknerwerke ...............g Mannesmann-Röhren........0 9,5 5,6 8,4 4,9 38,75 15 16,5 86 113,75 84 84 84 179,5 35,4 135 113,5 127 112,5 125,25 133,5 130,25 120,13 166,13 122,5 94 106,5 >09,5 86 153 125,5 81,65 79,5 9,5 5,65 8,5 4,9 38,75 15 17,25 86,25 114 84 84 84 180,5 37 135,75 113,5 127,5 112,75 125 132 130 119,25 165,5 121,5 94,65 106,75 109 85,5 I125,75 81,75 1 79,5 5,6 8,6 4,9 38,9 15 26,5 17,13 86,5 113,75 84 84 84 179,25 35,13 135,5 113,5 126 112,65 124,75 134 129,4 119,5 165,5 122 94,25 106,25 109 85,75 157 125,25 81,5 79 5,55 8,6 4,9 39 15 17 86,9 113,5 84 84 84 180,75 36,9 135,9 113 127,65 113 125,13 132 129 119,4 165,5 121 94,5 106,5 109 85,25 154 125 81,5 79,4 Frankfurt a. M. Berlin Schluß- kurS Schlußk. Abendbörse Schluß- kurS Schlußk. Mittag, börse Datum 31 12. 21. 31 12. 2-1. Marisfelder Bergbau....... .. 5 117,65 117.5 117,5 Kokswerke ...'............ .. 6 — — 115,65 115,13 Rheinische Braunkohlen .... . 12 210 210,25 209.75 211 Rhetnstahl ................ .. 4 103,5 103,5 103,4 104 Bereinigte Stahlwerke...... .. O 75 74,4 74,9 74,4 Otavi Minen ............ .. O 17,65 17,65 17,65 17,5 Kaliwerke Aschersleben...... .. 5 119,75 —- 121 120 Kaliwerke Westeregeln...... .. 5 115,5 115,75 115,25 116 Kaliwerke Salzdetfurth..... 7% 173 174 177,5 9. G. Farben-Jndustrie..... .. 7 149,5 148,25 149,4 148,5 Schetdeanstalt............. .. 9 217,5 217 — — Goldschmidt ........... .. 5 106,5 107,5 106,5 107 Rütgerswerke ............. .. 6 113,25 113 113 113,65 Metallgesellschaft........... .. 4 110,5 110,25 110,9 111,5 Philipp Holz mann......... .. 4 86,75 87 86 87,5 Zementwerk Heidelberg .... Cementwerk Karlstadt....... ::i 119 128 119 128 Schultheis Patzenhofer ..... .. 4 — — 101 102 Aku (Allgemeine Kunstseide) .. O 51,75 52,4 51,65 52,4 Bemberg................. .. 5 101 101 99,9 101,25 Zellstoff Waldhof .......... .. 5 115.75 116 115 115,75 Zellstoff Aschaffenburg ..... .. O 79 77 78 77,75 Dessauer Gas ............. .. 7 — —— 120,75 120,75 Daimler Motoren.......... .. O 91 90,5 90,25 90,5 Deutsche Linoleum......... .. 8 142,13 141 141,5 — Orenstetn & Koppel ........ .. O — — 74,5 74,65 Westdeutsche Kaufhof....... .. O 25 25,25 24,9 24,9 Chaoe.................... ?'/, 286,5 284,4 286,5 286,25 Accumulatoren-Fabrik...... . 12 168 168,5 168 169 Contt-Gummt............. .. 8 159 159 158,5 158,5 Grltzner.................. .. O 25 27 I 25,25 26,75 Mainkraftwerke Höchst a.M.. .. 4 88,13 87,25 - Süddeutscher Zucker....... . 10 198,5 197 I 198,5 197 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 2U. Banknoten. 31 .Dezember 2.Januar Amtliche Geld Kotierung Brief Amtliche Notierung Geld Briet Buenos Aire. 0,671 0,675 0,670 0,674 Brüssel..... 41,90 41,98 41,90 41,98 Rio de Jan. 0,137 0,139 0,137 0,139 Sosta ...... 3,047 3,053 3,047 3,053 Kopenhagen. 54,68 54,78 54,64 54,74 Danzig..... 46,80 46,90 46,80 46,90 London ..... 12,245 12,275 12,235 12,265 Heliingsors.. 5,395 5,405 5,395 5,405 Paris ...... 16,42 16,46 16,43 16,47 Holland .... 168,83 169,17 168,73 169,07 Italien..... 19,98 20,02 19,98 20,02 Jcwan ...... 0,715 0,717 0,714 0,716 Jugoslawien 5,654 5,666 5,654 5,666 Oslo..... : 61,49 61,61 61,44 61,56 Wien....... 48,95 49,05 48,95 49,05 Lissabon .... 11,11 11,13 11,10 11,12 Stockholm... 63,14 63,26 63,09 63,21 Schweiz .... 80,84 81,00 80,75 80,91 Spanien.... 34,03 34,09 34,05 34,11 Prag....... Budapest ... 10,31 10,33 10,31 10,33 Neu York ... 2,486 2,490 2,486 2,490 Berlin,2.Zanuor Geld Bciei Amerikanische Noten............ 2,438 2,458 Belgische Noten.................. 41,78 41,92 Dänische Noten ................ 54,43 54,65 Englische Noten ................. 12,20 12,24 Französische Noten............... 16,38 16,44 Holländische Noten............... 168,31 168,99 Italienische Noten................ Norwegische Noten .............. 61,28 61,52 Deutsch Oesterreich, ä 1OO Schilling Rumänische Noten............... — — Schwedische Noten............... 62,92 63,18 Schweizer Noten................. 80,57 80,89 Spanische Noten................. 33,69 33,83 Ungarische Noten................ Nr.2 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhefien) Zreitag, 5. Zanuar 1956 Aus Oer Provinzialhauptstadt. Fernfahrer. Draußen vor der Stadt stehen sie. Auf der Landstraße, wo es jetzt scheußlich kahl und ungemütlich ist. „Ausgerechnet hier", schimpfen sie, „bis zur Stadt hätte er's auch noch schaffen können. Na, mal zu!" Die Winde kreischt und allmählich hebt sich der Wagen an der Seite, wo das Hinterrad streikt. In der Nachbarschaft hocken auf einem windschiefen Baum ein paar Krähen. Sie betrachten das Schauspiel interessiert, schwirren aber krächzend ab, als ein schnittiger Personenwagen vorüberstiebt. Unterdessen geraten der Chauffeur und sein Beifahrer ins Schwitzen. Ihr Atem dampf und ihre spärliche Unterhaltung besteht aus lauter Flüchen. Schließlich ist der Schaden behoben. Surrend pfeift der Anlasser. Zweimal, dreimal! Dann brummt der Motor und rasselnd geht die Fahrt zur Stadt. Noch im Fahren langt der Chauffeur das bunte Taschentuch: „Noch mal Glück gehabt. Nur fünfzehn Minuten. Wird wieder eingeholt." Er schaut auf den Kilometerzähler und gibt Gas. Der Wagen gerät in ein beschleunigtes Tempo. So fahren sie bis zur Stadt, gleiten langsamer über die Straßen der Stadt und lassen den Motor wieder donnern, als die jenseitige Landstraße erreicht ist. Ihr Ziel ist noch weit, und sicher wird es später Abend werden, ehe sie am Bestimmungsort anlangen. Wenn nur nicht wieder eine Panne dazwischen kommt. Denn Pannen sind gewöhnlich sehr zeitraubend. Und auf die Zeit kommt es an. Sie ist neben der Zuverlässigkeit das Wertmaß für den Fernfahrer. Sein Weg ist lang. Meist Hunderte von Kilometer. Kreuz und quer geht es durch Deutschland. Durch große Städte mit Sehenswürdigkeiten, die der Fernfahrer nicht sieht. An Dörfern und Ortschaften vorbei, wo Gänse und Hühner schnatternd und gackernd am Wege stehen. Die Zahl der Fernfahrer ist nicht klein. Tag und Nacht fahren sie. Bei Wind und Wetter, bei Schnee und Kälte. Weithin blitzen in der Nacht die Scheinwerfer ihrer Wagen und lärmend rattern sie durch nachtstille Straßen, in deren Häusern die Menschen im tiefen Schlummer liegen. Nur dann und wann gibt es kurze Pausen. Am Bestimmungsort und unterwegs, wo Naft gemacht wird. Und dann sind sie meist unter Kameraden, die gleich ihnen in der Gastwirtschaft einkehren, die dem kurzen Aufenthalt dient. Es gib eine ganze Anzahl solcher Treffpunkte im Reich und jeder Fernfahrer kennt sie, den der Weg immer erneut wieder durch die deutschen Gaue führt. Und jeder von ihnen freut gestutzt auf den Umstand, daß auch bei der eigentlich letzten Vorstellung des Weihnachtsmärchens „Der kleine Muck" wiederum eine sehr große Zahl von Theaterbesuchern infolge des ausverkauften Hauses umkehren mußte, hat die Intendanz eine nochmalige letzte Wiederholung des Märchens „Der kleine Muck" für Sonntag, 12. Januar, 15 Uhr, angesetzt. Es besteht begründete Veranlassung, unsere Inhaber von Wahl-Abonnements darauf aufmerksam zu machen, daß die Gültigkeit des Wahl-Abonnements erst mit Schluß der Spielzeit am 31. Mai 1936 erlischt. Bis zu diesem Tage kann das Wahl- Abonnement nach Belieben benutzt und auch ein inzwischen abgelaufenes Abonnement beliebig oft erneuert werden. ..Die acht Entfesselten" als Gäste im Stadttheater Gießen. Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: „Die acht Entfesselten" nennt sich ein Kollektiv junger, beliebter und erfolgreicher Künstler des deutschen Kabaretts, die als erste literarisch-parodistische Kleinkunstbühne mit ungewöhnlichem Er- Ostermann hat auch den Kampf gegen die Schlüpfrigkeiten der Zeit vor 1933 in Wort und Lied ausgenommen und er hat sich damit um das Wohl der Jugend sehr verdient gemacht. Willi Ostermann und seine Künstlerschar schenken Frohsinn mit verschwenderischen Händen und frohen Herzen. Frohe Stunden sind dem Menschen aber nötig, wie dem Hungernden das Brot. Willi Ostermann kommt am Samstag, 4. Januar, zu der NS.-Ge- meinschaft „Kraft durch Freude" ins Cafe Leib. Deutsche Arbeitsfront. Abteilung für Arbeitsführung und Berufserziehung. In den ersten Tagen des Monats Januar beginnen die von der Deutschen Arbeitsfront ausgeschriebenen Lehrgänge der Berufserziehung. Anmeldungen können noch abgegeben werden im Hause Schanzenstraße 18, Zimmer 7. * Das neue Jahr findet uns gewappnet. Am 6. Januar 1936 öffnet die Arbeitsschule der DAF wieder ihre Tore, um die vielen Hundert arbeitsfreudigen, vorwärtsftrebenden jungen deutschen Arbeiter auf- Aufruf des Gauleiters zur Sammelaktion der NGKOV. Der Führer hat am Heldengedenktag 1935 dem deutschen Volke die Wehrsreiheit wiedergegeben. Daraus ergibt sich besonders für die Frontsoldaten erneut die Verpflichtung. sich in alter Opferbereitschast einzusehen für den Sozialismus der Tat. Wir haben als Kameraden in den jähren des Weltkrieges das letzte Stück Brot und den letzten Schluck Wasser geteilt. 3n diesem Geiste stellen sich die Frontsoldaten der Nationalsozialistischen Kriegsopferversorgung und die Hinterbliebenen der Gesallenen ihrem Führer und Front- kameraden Adolf Hitler zur Verfügung und sammeln am 4. und 5. Januar 1936 für das Winterhilfswerk. Der Gau Hessen-Nassau hat bei den bisherigen Sammelaktionen stets feine Opferbereitschaft unter Beweis gestellt. Ich hoffe daher, daß auch das Sammelwerk der deutschen Kriegsopfer zu einem vollen Erfolg wird, jeder deutsche Volksgenosse soll sich in diesen Tagen bewußt sein, daß sein Geldopfer nichts bedeutet gegenüber dem Blutopfer, das diese Wanner und Frauen ihrem Vaterlande gebracht haben. Gez.: Sprenger. Sonderlehrgänge der Jugend, erwerbslose Arbetts« kameraden, nehmt an den Tageslehrgängen teil. Der genaue Stundenplan wird noch bekanntgegeben. Winterhilfswerk des deutschenVolkes^93S/36 Ortsgruppe Gießen-Eüd. Kohlenscheinabrechnung. Die Kohlenhändler werden aufgefordert, die in Zahlung genommenen Kohlengutscheine am Samstag, 4. Januar, von 15 bis 16 Uhr in unserer Geschäftsstelle, Crednerstraße 24, einzureichen. Später eingereichte Gutscheine können nicht mehr angenommen werden. pfunbfammlung. Am Montag, 6., Dienstag, 7., und Mittwoch, 8. Januar, findet im Bereich der Ortsgruppe Gießen-Süd durch die NS.-Frauenschaft die Pfundsammlung für den Monat Januar statt. Es wird gebeten, die Lebensmittelpakete zur Abholung bereitzuhalten. Weiter werden alle Spender unserer Ortsgruppe gebeten, vorkommenden Wohnungswechsel bei unserer Geschäftsstelle, Crednerstraße 24, zu melden zwecks Berichtigung bzw. Ueberweisung unserer Kartei. NSV., Ortsgruppe Gießen-Ost. Velr.: Lebensmittel - Opferring der Ortsgruppe Gießen-Ost. Die Pfundsammlung wird am Montag, 6., und Dienstag, 7. yan., von der NS.-Frauenschaft durchgeführt. Die Mitglieder wollen die Pfundpäckchen bereithalten und die Mitgliedskarten zur Eintragung vorlegen, vorlegen. Der Inhalt der Päckchen ist außen sichtbar anzugeben. ♦ Die Kohlenhändler werden ersucht, die Kohlengutscheine bis zum Samstag, 4. Januar, 19 Uhr, auf der NSV.-Gefchäftsstelle, Kaiserallee 52, mit der entsprechenden Rechnung einzureichen. NSV., Ortsgruppe Mitte. Die Kohlenhändler werden ersucht, die für den Monat Dezember 1935 gültigen Kohlengutscheine der Serie C am Samstag, 4. Januar 1936, 20.30 Uhr, bei der NSV.-Geschäfts- stelle, Kaplansgasse 18, mit Firmenstempel versehen nebst den entsprechenden Rechnungen einzureichen. Der Termin ist unter allen Umständen einzuhalten, da eine Ablieferung nach dem 5. Januar 1936 (Sonntag) strengstens untersagt ist und die Scheine ihre Gültigkeit verlieren. sich immer wieder auf das kurze kameradschaftliche Beisammensein bei Mutter Schulzen oder Vater Michel. Es ist ein schwieriger und verantwortungsvoller Beruf, der des Fernfahrers. Ein Beruf, der den Menschen formt und kantige Gesichter prägt. Aber die Gesichter künden von entschlossenem Handeln und sportlicher Gewandheit. Und deshalb zählen sie zu den Gesichtern dieser Zeit, deren Merkmale unverwischbar sind. H. W. Sch. Vornotizen. Tageskalender für Freitag: Stadttheater: 20 bis 22,30 Uhr „Die Tanzgräfin". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Nur ein Komödiant". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Dogelhändler". — Stadttheater Gießen. Heute von 20 bis 22.30 Uhr die Tanz- und Schlageroperette „Die Tanzgräfin" von R. Stoltz. Musikalische Leitung: Ernst Bräuer. Spielleitung: Paul W r e d e. Die Vorstellung gilt zugleich als 12. Vorstellung im Freitag-Abonnement. Infolge Erkrankung von Frau Maria Perry singt Frau Lissy C h i l l a vom Operettentheater Stuttgart auch weiterhin die Partie der Colette in der Operette: „Die Tanzgräfin" von R. Stoltz. Auf Grund der vielfachen Anfragen und Wünsche aus den Kreisen der auswärtigen Besucher und folg eine Gastspielreise durch Deutschlands Gaue machen und von der Intendanz zu einem einmaligen Gastspiel am Sonntag, 5. Januar, nach Gießen verpflichtet wurden. Wir erinnern uns gern der erfolgreichen Gastspiele der „Vier Nachrichter" und freuen uns, in diesen Gästen wieder ein Kollektiv prominenter Vertreter deutscher Kleinkunst kennenzulernen. Das aus acht Personen bestehende Ensemble bringt sein neues, aus Grotesken, Parodien und Tänzen bestehendes Programm zur Aufführung. So werden wir Sonntag von 20 bis 22 Uhr einen Abend fröhlichster Verrücktheiten und goldenen Humors erleben. (Siehe heutige Anzeige.) NS.-Gemeinschast„Krast durch Freude" „Einmal am Rhein". Der das singt und den deutschen Volksgenossen eine ganze Fülle von Frohsinn bringt, daß ist unser Willi Ostermann. „Unser" dürfen wir sagen, weil wir ihn aus dem Rundfunk kennen. Augenblicklich fährt „unser" Willi mit Reinhold Reinhold, Dotz und Dötzchen und einer Reihe lustiger Leutchen durch die deutschen Gaue, damit ihn jeder einmal persönlich kennen lernt. Willi Ostermann ist ein großer Künstler mit einem weiten Herz für notleidende Volksgenossen. Das hat er in Köln beim Rosenmontag bewiesen, als viele notleidende Volksgenossen seine Gäste waren. Willi zunehmen. Alle rufen wir zur Mitarbeit auf, alle müssen mithelfen, jeder muß nach seiner Tagesarbeit in den Freistunden an seiner Weiterbildung arbeiten, alle müssen von dem Wollen bestrebt sein: Berufserziehung ist Sache des ganzen Volkes. Die Deutsche Kurzschrift und das neuzeitliche Maschinenschreiben (10-Finger-Mndschreiben) sind die unentbehrlichen Helfer derjenigen Arbeitskameraden, die Tag für Tag mit dem Schreibgerät zu tun haben. Es ist nicht damit getan, daß man sich mit 80 oder 100 Silben begnügt, oder mit 2 Fingern die Schreibmaschine bedient, das wahre Können, die Leistungen, die immer und immer wieder gefordert werden, sind 200 Silben Kurzschrift und die einwandfreie Beherrschung der Blindschreibemethode auf der Maschine, dann erst kann von einer Leistung die Rede sein. Die Arbeitsschule der DAF. besitzt ein auf systematischer Grundlage aufgebautes Unterrichtsprogramm, welches dem Lernenden die Arbeit zur Freude macht und ihn immer wieder aneifert, es den andern Arbeitskameraden gleichzutun. Darin liegt der Erfolg, der gemeinsame Aufstieg der gesamten Klasse. Arbeitskameraden! Es ist Eure Pflicht, mitzuarbeiten am Aufbauwerk unseres Führers. Alle wollen wir erfassen, jeder muß Facharbeiter seines Berufes fein. Eure Ausbildungsstätte, die euch die Deutsche Arbeitsfront geschaffen hat, ist die Arbeitsschule. Schüler und Schülerinnen, besucht unsere Sammlung für das WHW. Der Leiter der Ortsgruppe Gießen des Reichsverbandes deutscher Offiziere, General a. D. Mohr, richtet in unserem heutigen Anzeigenteil die Bitte an die Mitglieder des Reichsverbandes deutscher Offiziere, sich am 4. und 5. Januar an der Sammlung für das Winterhilfswerk möglichst vollzählig zu beteiligen. Die Sammelbüchsen und die Plaketten werden am Samstag um 14 Uhr bei den örtlichen NSV.« Stellen in Empfang genommen. Hausschlachtungen in Mehgereibetrieben. Das Kreisamt Gießen gibt amtlich folgendes bekannt: Es ist die Frage aufgeworfen worden, ob Hausschlachtungen, die Metzger in ihren Betriebsräumen für andere Personen vornehmen, der amtlichen Fleischbeschau und Trichinenschau unterliegen. Hierzu ist folgendes zu bemerken. Nach § 2 darf bei Schlachttieren, deren Fleisch ausschließlich im eigenen Haushalt des Besitzers verwendet werden soll, unter bestimmten Voraussetzungen die amtliche Untersuchung vor und nach der Schlachtung unterbleiben. Als eigener Haushalt im Sinne des Gesetzes ist aber u. a. der Haushalt der Metzger, Fleischhändler usw. nicht anzusehen. Die Metzger haben daher auch die Schlachttiere, deren Fleisch in ihrem eigenen Haushalt ausschließlich verwendet Tanken unO pumpen. Don Erwin Sedding. „Merkst du etwas?" fragte mich meine Frau vom Nebenfitz herüber. Ich beugte mich vor. „Was denn —?" „Keinen Tropfen im Becher mehr!" begann sie zu singen. „Ist das wahr?! —' Aber die Straße hatte ein sanftes und dauerndes Gefälle, so daß meine Leichtfertigkeit, mich nicht genügend mit Benzin versorgt zu haben, diesmal ungerächt blieb. Wir rollten und rollten — und rollten zum Schluß noch mit einem schönen Bogen bis genau vor die Tankstelle. „Wieviel Liter —?" erkundigte sich höflich der Tankwart. „Zehn." In diesem Augenblick erkannten wir uns, ich und der lange Schmidt von den Gardereitern. „Schmidt, Mensch, Junge! Immer obenauf? Erzählen Sie!" „Danke!" entgegnete er strahlend. Nach dem Kriege hätte er zwar böse Jahre durchzuhalten gehabt, aber jetzt habe er sich eine selbständige Werkstatt eingerichtet, sei verheiratet und Vater eines kräftigen Bengels. Und die drei Mark, fügte er hinzu, habe er keineswegs vergessen! „Welche drei Mark?" „Die Sie mir geliehen haben, Herr Leutnant! „W „Bei Tauroggen, jawohl!" Dunkel Üieg eine Erinnerung m mir auf: Ich sah unser nächtliches Biwak auf dem Vormarsch durch Ostpreußen, sah den langen Schmidt auf dem Trainkarren hacken, sah den gelben Laternenschem in meinem mageren Geldbeutel. Wie war das doch aeroefen? Er hatte nach Memel gemußt, und in Memel — wohnte da nicht seine Liebste? Stimmt, stimmt! Das sollte vielleicht eine Ueberraschung geben! Nur daß er mit leeren Händen kommen ,,(5d^üM, der Fall ist längst verjährt!" „Seit neunzehn Jahren, Herr Leutnant. Ich weiß. Ich habe da allerhand Zinsen auszubringen, bis heute!" Er^wollte nicht nachgeben Meine Frau wurde ungeduldig, sie haßte fruchtlosen Wortwechsel. „Ist das Ihr Häuschen, Herr Schmidt? Ich hatte nicht geglaubt, daß er auf Ablen- kunq einqehen würde, aber er führte uns stolz durch fein9 hübsches Besitztum, wir lernten den Jungen kennen und dessen Mutter, wir plauderten über deutsches Schicksal von ehedem und heute; als wir uns endlich trennten, waren die leidigen drei Mark zum Glück mit keiner Silbe mehr erwähnt worden. Diesmal saß meine Frau am Steuer. „Sag mal," begann sie nach einer Weile, „wieviel Liter Brennstoff hattest Du eigentlich bezahlt?" „Zehn." „Weißt Du das bestimmt?" „Ganz sicher!" „Na," meinte sie und deutete auf das Schaltbrett, dann ist die Benzinuhr jedenfalls kaputt! Sie zeigt ja viel zu viel an!" Wir begriffen es dann natürlich beide: der lange Schmidt hatte mir das gepumpte Geld einfach zurückgepumpt! Bei Waschbären zu Besuch. Auf einer märkischen Farm. Eine gute Bahnstunde von Berlin entfernt liegt das märkische Städtchen Löwenberg. Durch seine nüchternen grauen Straßen läuft man hinaus ins Freie. Aus der Eintönigkeit dieser Umgebung erhebt sich die weithin sichtbare Silhouette eines Schlosses. Ein paar Wegkreuzungen noch und man steht vor einem großen Bretterzäune. Ein Schild verkündet: „Zur Hertefeldfarm! Hier auf den Parkwegen raschelt das Laub unter den Füßen Man ist sehr allein hier in diesem geheimnisvollen Zwielicht und dämpft die wenigen Worte, die gewechselt werden, als ob man nicht gern belauscht werden möchte. Plötzlich zerreißt ein gespenstischer Schrei die Stille. Er ist nur kurz, wird aber durch viele kleine, seltsame, gleichsam abebbende Laute begleitet. Dann wieder kühle Lautlosigkeit. Lächelnd berichtet der freundliche grauhaarige Begleiter, indem er eine Pforte öffnet, daß eben wahrscheinlich ein kurzer aber heftiger Streit in einer der hier wohnenden Waschbarenfamilien aus- gebrochen und wieder beigelegt sei. Nach wenigen Schritten steht man vor den Drahtgitterkäfigen - 30 an der Zahl - m denen vom letzten Sonnenstrahlen beschienen wunderliche Tier- gestalten sich bewegen. Fürst Eulenburg auf Liebenberg hat h er dicht neben seinem Schloß die Waschbarfarm Herte- f-ld angelegt. Er gab Siedlern und Landwirten damit eine kluge Anregung zu einem Nebenerwerb, der bei verhältnismäßig leichter Handhabung einen durchaus annehmbaren Verdienst bringt In den 30 Käfigen in Herlefeld — leder ist ca 4X2,5 Me- ter groß — leben 35 junge und 45 alte Tiere Die Unterhaltungskosten sind erstaunlich Niedrig. Drei bis fünf Pfennig pro Tag und Tier! Dagegen erzielen die Felle gute Preise, da sie ein bekannt schönes und stark gefragtes Pelzwerk liefern. So werden für graue Felle 40 bis 60, für tiefschwarze 60 bis 80 Mark gezahlt. Wie mein Begleiter berichtet, beträgt der Ankaufspreis für ein graues Zuchttier 200 bis 300 Mark, während ein schwarzes Tier ungefähr das Doppelte kostet. Die reizenden, sehr drolligen Tierchen mit den lebhaften Gesichtern haben die Umpflanzung aus ihrer nordamerikanischen Heimat, wo sie in Wäldern, Prärien und Gebirgen umhertollten und den Bewohnern als beliebtes Nahrungsmittel dienten, bei ausgezeichneter Gesundheit überstanden. Der Klimawechsel konnte auch der Schönheit ihres dichten Pelzes nichts anhaben. Die von Natur an Rohkost gewöhnten Tiere nehmen mit gleichem Behagen die ihnen durchaus wohlbekommende gekochte Nahrung zu sich, die ihnen hier appetitlich zubereitet vorgesetzt wird. Ihr Mittagstisch ist abwechslungsreich und reichhaltig. Sie delektieren sich mit gleichem Genuß an Reisbrei und Fleisch, Mohrrüben und Knickeiern. Eine der hervorstechendsten Eigenschaften der Waschbären ist grenzenlose Neugierde. Was in das Blickfeld der Tiere kommt und mit den zierlichen Pfötchen erreichbar ist, wird zur genauen Kontrolle erst mal „unter die Lupe" genommen, beschnuppert, beäugelt und im Bedarfsfälle im Bassin, bevor es in das hübsche Schnäuzchen wandert, säuberlich gewaschen. Daher der Name „Waschbär". Die winzigen Bärenbabies liegen in den Wohnhütten und werden von ihren Müttern mit treuer Liebe und Sorgfalt gepflegt und behütet. Reges Leben herrscht hinter den Drahgittern. Die kleinen Wollkobolde beißen und schlagen sich, wimmern und bellen, turnen und schaukeln unbekümmert in den lag hinein. Infolge ihrer billigen Nahrungskosten haben sich schon manche Tierfreunde diese drolligen und angenehmen Gesellschafter zu ständigen Hausgenossen erzogen. Da die Waschbären die Uebersiedlung von ihrer Heimat nach Europa so gut vertragen haben, hal man vor einigen Jahren — so erzählt der Oberförster dieser Farm — in der Hocheifel Waschbären ausgesetzt und sie unter das Protektorat der Jäger gestellt. Sie haben sich stark vermehrt, und es ist durchaus denkbar, daß in einigen Jahrzehnten vielleicht der Waschbär in unseren schonen Wäldern vertraut ist. Die Sonne ist inzwischen untergegangen, und ein gelblich weißer Mond folgt ihrer Bahn nach. Es ist kühl auf den dunklen Parkwegen und ein wenig feucht. Draußen auf der nebligen Landstraße geht man fröstelnd der nahen Stadt zu. Von weit klingen leise Schreie der warmbepelzten Tiergesellschaft herüber, gleich freundlichen Abschiedsgrüßen ... Da. Oer Zahnschmerz im Aberglauben. Das „Feuer Gottes" nannte man den Zahnschmerz früher, und man glaubte fest daran, ihn mit allerlei geheimnisvollen Sprüchen und Beschwörungen abwenden und bekämpfen zu Können. Dazu kam eine Unmenge von Amuletten, Salben und Pulvern, die gegen die gefürchtete Pein verwendet wurden, oft unter den seltsamsten Vorkehrungen. So hieß es: „Krötenschmalz und Rabenblut Bösen Zähnen Wunder tut". Leuchtkäfer, Eidechsen und Heuschrecken, mit Sauerteig vermischt und zu Pulver gestoßen, wurden, wie W. Sichler in der Leipziger Illustrirten Zeitung ausführt, als ein weiteres Mittel gegen Zahnweh angesehen und in Form eines Pflasters auf das Ohrläppchen gelegt. Man empfahl den Zahnkranken auch, recht viele Käfer, die auf dem Rücken lagen, wieder auf dis Beine zu bringen, hartes Brot zu kauen und den im Munde erzeugten Brei auf einen Ameisenhaufen zu spucken ober beim Abendmahl hinter dem Altar in trockenes Brot zu beißen. Anderenorts wurde geraten, mit einem Mund voll Salz bei Neumond auf den Kirchhof zu gehen, dort das letzte geschaufelte Grab aufzusuchen, ein kleines Loch hineinzugraben, über das zwei gekreuzte Strohhalme gelegt werden sollten, und endlich das Salz in das sorgfältig vorbereitete Loch zu speien. Man mußte bann aUerbings sofort nach Hause gehen, ohne sich einmal umzuwenben. — Nach bem Volksglauben soll man sich Karfreitag unterm Zwölf-Uhr- Schlag bie Fingernägel schneiben, benn bann werben bie Zahnschmerzen immer ausbleiben. Auch ist es ratsam, sich morgens beim Waschen bie Hänbe zuerst abzutrocknen unb zu oermeiben, beim Gewitter zu essen. — Groß ist bie Zahl ber Beschwörungen unb Hanblungen aus bem Glauben an ben Abwehrzauber. So hängte man Kinbern brei ab« gebissene Maulwurfspfoten um ben Hals. Die Kniescheibe eines Bibers wirb ebenfalls für abwehrkräftig gehalten. Wer mit all biefen Dingen nichts zu tun hat, glaubt's kaum, aber man wirb noch allenthalben Spuren finben. Aus Bayern stammt fol- genbes Gebet, bas sich an bie Schutzpatronin der Zahnschmerzkranken und ber Zahnheilkunbe roenbet: Heilige Apollonia! Ein armer Sünder steh ich da. Mich schmerzen meine Zähne, Laß dich boch halb versöhnen Und schenk mir Ruh in mein Gebein, Daß ich vergess' der Zahnweh Pein! Wie bereits gemeldet, hat der Reichs- und Preußische Minister des Innern Landeshauptmann T r a u p e l in Wiesbaden in die Aemter des Landeshauptmanns der Provinz Hessen-Nassau und des Landeshauptmanns des BezirksverbandesHessen mit dem Dienstsitz in Kassel eingewiesen. Die Berufung erfolgte unter Beibehaltung seines Amtes als Landeshauptmann in Nassau. — (DNB-Heimatbilderdienst. Photo: Elnain jun.) Ä MA DNB • i . . werden soll, amtlich untersuchen zu lassen. Das Gesetz hat diese Regelung gewählt, um nach Möglichkeit eine Umgehung der Beschau- und Ueber- wachungsvorschrift auszuschließen. Aus diesem Grundgedanken heraus muß angenommen werden, daß auch Schlachttiere, die dritte Personen in den Metzgereien hausschlachten lassen, der amtlich en Fleischbeschau und Trichinenschau zu unterziehen sind. Höchstpreise für Ochsen- und Rindfleisch Nach einer Bekanntmachung des Kreisamtes Gießen hat der Herr Reichsstatthalter in Hessen — Landesregierung — nunmehr auch Höchstpreise für Ochsen- und Rindfleisch (außer Filet, Lende und Roastbeef) wie folgt festgesetzt: für den Bereich der Stadt Gießen 80 Pf. je Pfund, für den Bereich der Landgemeinden des Kreises Gießen 75 Pf. je Pfund. „3m gleichen Schritt und Tritt." Unter diesem Titel läuft, wie in unserem gestrigen Anzeigenteil bekanntgegeben wurde, am kommenden Sonntagvormittag im Gloria-Palast in Gießen der große Kyffhäuser-Nationalfilm des Deutschen Reichskriegerbundes (Kyffhäuserbund). Die Vorführung erfolgt auf Veranlassung des Die deutsche Nation trägt das Opfer der im Weltkrieg Gefallenen und Verwundeten als ewige Mahnung in ihren Herzen. Unsere Dankbarkeit wird sich bewähren, wenn am 4. und 5. Januar die Frontsoldaten der Nationalsozialistischen Kriegsopferversorgung für das 7VHW. sammeln. Kreisoerbandes Gießen des Kyffhäuserbundes. Das Musikkorps des Jnf.-Rgts. 36 unter Leitung von Obermusikmeister K r a u ß e wird mit seiner guten Militärmusik die Veranstaltung bereichern. Es ist Vorsorge getroffen, daß bei sehr starkem Andrang der Besucher eine Parallelvorstellung im Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, stattfinden kann. Weitere Einzelheiten, insbesondere über den Kartenverkauf, sind aus der gestrigen Anzeige ersichtlich. Die Feuerwehr im Lustschuh. Seit dem gestrigen Donnerstag ist auf Veranlassung der Bezirksgruppe Oberhessen-Gießen des Reichsluftschutzbundes in der Luftschutzschule Gießen ein mehrtägiger Sonderlehrgang zur Ausbildung der F e u e r w e h r k o m m a n - danten des Kreises Gießen in den Aufgaben des Luftschutzes im Gange. Das Ziel des Lehrgangs ist, die Führer der Feuerwehren für die besonderen Belange des zivilen Luftschutzes auszubilden. An dem ersten Sonderlehrgang nahmen rund 40 Feuerweyrführer teil. Bei der gestrigen Eröffnung im Hause des Studentenwerks hielt der Bezirksgruppenführer, Luftschutz-Oberführer Poppe (Gießen), eine Ansprache, in der er die Vertreter der Partei, der SÄ., des Staates und die Kursusteilnehmer im Namen der Bezirksgruppe Oberhessen des Reichsluftschutzbundes begrüßte und die Anwesenheit der Gäste als Ausdruck ihres starken Interesses für die Arbeit des Reichsluftschutzbundes bezeichnete. Dann sagte er u. a. weiter: Der Reichsminister der Luftfahrt und General der Flieger Göring hat den RLB. beauftragt, den Gedanken des Luftschutzes jedem Deutschen einzuhämmern und die Zivilbevölkerung im Luftschutz- Selbstschutz zu schulen. In seiner letzten Rede im Sportpalast sagte er: „Wenn wir eine noch so große Luftflotte, wenn wir an allen Ecken und Enden zehntausende von Kanonen und Maschinengewehren aufstellen würden, so würde das niemals ausreichen, dem deutschen Volk Schutz vor den Folgen eines Luftkrieges zu gewähren. Dem Luftschutz kommt deshalb eine unendlich wichtige Aufgabe zu! Wir könnten die Luftwaffe gar nicht groß genug haben, und doch könnten wir nicht verhindern, daß schwerste Nachteile dem deutschen Volk erwachsen, wenn wir nicht gleichzeitig auf der Erde für den notwendigen Luftschutz gesorgt haben!" Aus diesen Worten des Generals Göring folgt für uns, daß wir niemals ruhen und rasten dürfen, bis wir das uns gesteckte Ziel erreicht haben. Der Lehrgang hat den Zweck, die Feuerwehrkommandanten der Landgemeinden über ihre Aufgaben im Luftschutz zu unterrichten und über den Wert und den Ernst ihrer Arbeit im Rahmen der Gesamtlan- desverteidigung unseres heißgeliebten Vaterlandes aufzuklären. Hierzu muß ich wörtlich den Ausspruch des Generals der Flieger H. Göring anführen: „Meine Kameraden vom RLB., ihr habt nur eine andere Aufgabe als der Soldat an der Front, aber ihr habt auch zu kämpfen und, wen es notwendig ist, zu sterben. Der Kämpfer im Luftschutz ist dem Soldaten der Wehrmacht und dem Soldaten der Luftwaffe durchaus gleichberechtigt!" Sodann folgte die feierliche Flaggenhissung, bei der des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler mit dreifachem Sieg-Heil gedacht wurde. Nunmehr traten die Kursusteilnehmer in ihre Ausbildungsarbeit ein. Die Reihe der Vorträge wurde von Gewerbelehrer Jng. Schuchmann mit einem aufschlußreichen Vortrag über den Zweck und die Organisation des zivilen Luftschutzes eröffnet. Anschließend sprach Studienassessor von Bült- zingsloewen über chemische Kampfstoffe, wobei er seinen Vortrag durch eine Anzahl Experimente außerordentlich lebendig und lehrreich gestaltete. Im Verlaufe der weiteren Schulungsarbeit werden die Kursusteilnehmer noch eine Reihe von Vorträgen hören. Betriebsappell im Gau Hessen-Nassau. Landesobmann pg. Willi Becker spricht zum Jahreswechsel zu den Arbeitern im Gau Hessen-Nassau. NSG. Ein Jahr arbeitsreichen Wirkens liegt hinter uns. Die erzielten Leistungen find dem Nationalsozialismus immer Ansporn, nicht auf den Lorbeeren auszuruhen, sondern mit ungeminderter dynamischer Kraft und zähem Aufbauwillen an die weitere Verwirklichung der uns vom Führer gestellten Aufgaben heranzugeheu. So rief auch die Deutsche Arbeitsfront am 2. Januar alle Schaffenden im Gau Hessen- Nassau zu einem großen Betriebsappell zusammen, welcher von einem Offenbacher Werk durch den Reichssender Frankfurt in alle Betriebe des Gaues übertragen wurde. Der Betriebsführer des Werkes eröffnete den ersten Arbeitstag des Jahres 1936 mit einem kurzen Rückblick auf die geleistete Arbeit und mit Dankesworten an alle diejenigen, die sich für die Erhaltung des Werkes verdient gemacht haben. In seinen Worten hob er besonders hervor, daß der Bestand und die Zukunft des Werkes in dem vergangenen Jahre gesichert werden konnten und der Dank dafür nur einem Mann zukomme, den uns die Vorsehung geschenkt hat: unserem Führer, Adolf Hitler. Er hol der Arbeit neuen Sinn gegeben und aUe Schaffenden mit neuem Denken erfüllt, das nur Deutsch land heißt, hierdurch ist die Arbeit die Krone des Lebens und wer diese Krone des Lebens trägt, ist geadelt. Die in dem Schlußwort des Betriebsführers gegebene Parole: „Einer für Alle, Alle für Einen" zeigt, daß wir alle eine zusammengeschweißte und miteinander verbundene Schicksalsgemeinschaft sind, und daß es gilt, nicht nur für die Gegenwart zu arbeiten und etwas zu leisten, sondern daß wir die Grundsteine für ein ewiges Deutschland zu legen haben. Nach der Rede des Betriebsführers führten die Werkskapelle, der Werkschor und die Werkschar des Betriebes eine Feierfolge, „Wir Arbeiter bauen am ewigen Reich" auf. Tief in die Herzen der Arbeiter gesprochen zeigte diese Dichtung, von welchem neuen Wollen der schaffende deutsche Mensch getragen wird, und die in einem eindrucksvollen Werk von Sprechchor, Gesang und Orchester zusammengefundene glückliche Lösung hinterließ tiefen Eindruck. Nach dieser Feierfolge ergriff der Landesobmann Pg. Willi Becker das Wort. Fast eine halbe Million Männer und Frauen der Arbeit, die in den Stätten ihres Wirkens angetreten waren, nahmen die Parole für die Arbeit des neuen Jahres entgegen. Er betonte u. a., daß die Gemeinschaft die Voraussetzung zu einer fruchtbaren Arbeit biete, und daß es im neuen Jahr unsere Hauptaufgabe fei, den Gemeinschaftsgeist weiter zu vertiefen. Jeder einzelne Mensch müsse darum diese Wandlung im nationalsozialistischen Sinn an sich selbst vollziehen, und er müsse sich von Grund auf neu den Dingen und Begriffen unserer Zeit erschließen. Arbeit sei etwas Neues geworden. Sie hebe und adle den Menschen; die Arbeit gebe ihm Inhalt und die Krone des Lebens. Arbeiten dürfen und feine Pflicht erfüllen im Dienst der Gemeinschaft heißt vollwertig leben, und der höchste Adel sei der der Arbeit. Aus dem engen Rahmen des Jchs hinausgetragen und hineingepflanzt in diese Gemeinschaft gebe sie dem Schassenden Freude und Erfüllung seines Strebens. Das Große aber wäre, daß keiner mehr nur für sich arbeite, sondern für Deutschland, daß sein Streben nicht allein dem Lohn gelte, sondern besonders seiner Anerkennung um den seelischen Wert. Mit dieser Parole gab der Landesobmann Pg. Willi Becker den Befehl zur Flaggenhissung und zur Arbeit. Unter dem Rattern und Getöse der sich in Gang setzenden Maschinen begannen Tausende den ersten Arbeitstag des Jahres 1936, erfüllt mit neuer unermüdlicher Schaffenskraft und zähem Aufbauwillen. Während früher die zersetzende Idee des Marxismus und Liberalismus die schaffenden Kräfte unseres Volkes zugrunde richtete, treten heute alle schaffenden Deutschen mit einem unermüdlichen Fleiß und aufopferungsvoller Hingabe in das neue Arbeitsjahr, und ihr Ziel heißt nur Deutschland! Nicht müde werden, Annelies? Roman von Bernhard Lanzer. Urheberrechtsschutz: Aufwärts-Verlag, Berlin. 24. Fortsetzung. Nachdruck verboten! Die Dunkelheit war langsam über den Garten herabgesunken. Zwischen den Baumwipfeln funkelten die Sterne. Lore Birkner war allmählich verstummt, eine weiche, träumerische Stimmung hatte von ihr Besitz ergriffen. In ihren Augen war ein sehnsüchtiger Glanz, der dem Funkeln der Sterne nichts nachgab. Costa erhob sich plötzlich und trat langsam und wie unabsichtlich zu ihr heran. Er sah durch die Busche über das Wasser hin. „Ach, sehen Sie nur mal dort...", deutete er mit der Hand hinüber. Sie wandte sich gespannt zur Seite. Da beugte er sich plötzlich zu ihr herab und umschlang ihren Kopf. Sie war überrascht und hielt ganz still. In ihren Augen war ein Licht jäher Erwartung. Er hielt sie fest. Seine Augen waren dicht über den ihrigen. „Den Nachtisch bitte!" sagte er mit leiser, unterdrückter Stimme. Sie gab keine Antwort. Und sie rührte sich nicht. Langsam schlossen sich ihre Augen. 2)a preßte er seine Lippen auf ihren halb geöffneten Mund. Willenlos ließ sie es geschehen Em Schauer schien sie zu durchrinnen. Dann machte sie sich plötzlich frei. „Aber — wenn das jemand sieht.. „Es hat's niemand aesehen. Und wenn schon — es sind ja auch nur Liebesleute, die haben schon Verständnis dafür." Ehe sie es sich versah, hatte er sie ein zweites Mal umfaßt und geküßt. Und diesmal trank sie in durstigen Zügen feinen Kuß in sich hinein. Er ließ sie wieder los und zog seinen Stuhl an ihre Seite. Sie duldete es nur zu gern, daß er seinen Arm um ihre Schulter legte. Plötzlich lachte sie leise in sich hinein. „Wenn das unsere gute Mia wüßte! Wenn sie wüßte, daß ihr getreuer Costa auf Abwegen wandelt! Noch dazu mit mir — ausgerechnet mit mir!" „Meinetwegen kann sie es wissen", lachte er sorglos und unbekümmert. „Aber ich dächte, wir hätten eigentlich Wichtigeres und Angenehmeres zu tun, als an sie zu denken und von ihr zu sprechen." Lore Birkner schien anderer Meinung zu sein. Ein merkwürdiges Licht glomm in ihren Augen auf, eine schillernde Härte, die nicht frei von einer gewissen Grausamkeit mar. So sah sie eine Weile schweigend vor sich hin in das Dunkel des Jasminstrauchs, durch den die jenseitigen Uferlichter herüberschimmerten wie schwankende Leuchtkäfer. Sie behielt ihre leicht geduckte Haltung auch bei, während sie die Zungenspitze über die Lippen gleiten ließ. Wie das Züngeln einer Schlange!, dachte Costa, der sie still beobachtete. Dann antwortete sie endlich: „Vielleicht ist es gerade gut, heute an Mia zu denken und von ihr zu sprechen. Vielleicht werde ich Ihnen sogar sagen, wo sie steckt..." Costa war überrascht. Aber er ließ sich seine Spannung nicht anmerken. „Ich habe wirklich kein Interesse mehr daran", erwiderte er anscheinend gleichgültig. „Außerdem würden Sie ja nur Ihrem Vorsatz, darüber zu schweigen, untreu werden, und das lohnt sich doch wirklich nicht." Sie zog langsam die Abendluft durch die Nase, deren feine Flügel leise zuckten. „Vielleicht doch. Ganz sicher, es lohnt. Und was heißt denn untreu werden? Wenn ich es mir plötzlich anders überlege und es für gut befinde, Ahnen ein bißchen die Augen zu öffnen, so hat das seine guten Gründe. Außerdem kann ich ja tun, toas mir beliebt. Und wenn ich etwa morgen zu Ahnen sagen würde: Mein lieber Costa, Sie sind ein ausgemachtes Lamm — ich habe Sie gestern abend nämlich em bißchen angeschwindelt!, so würde ich auch das tun ohne die geringste Spur von Gewissensbissen. Vielleicht bin ich tatsächlich um einige Grade mehr in Sie verliebt als Sie vorläufig in mich, möglicherweise erscheint es mir im Hinblick auf die Entwicklung wünschenswert, Ihnen gleich von allem Anfang an reinen Wein einzuschenken. Möglich auch, daß ich nur so einem kleinen Rachegefühl damit nachgäbe. Sie können sich davon aussuchen, was Sie wollen, und was Jh.^ii am besten schmeckt." „Dann wähle ich selbstverständlich die um einige Grade stärkere Verliebtheit, sie ist am angenehmsten und bekömmlichsten", lachte er. „Wissen Sie übrigens, daß Sie anfangen, mir ungeheuer interessant zu werden? Sie sind wie ein Kätzchen, das man immer streicheln möchte, vor dem man aber auch immer auf der Hut fein muß, daß es einem nicht die niedlichen Krallen in die Augen schlägt. Das. ist gerade was für mich, darin könnte ich mich rettungslos verlieben." Sie lachte leise auf. „Bei dauernder Beschäftigung damit würde Ihnen vielleicht der Appetit vergehen. Es sei denn, Sie wären wirklich ein Mann, der ab und zu die niedlichen Krallen spüren muß, wenn er sich richtig wohl fühlen soll. Aber ich sehe natürlich ganz deutlich, daß Sie im Stillen darauf brennen, zu hören, was es mit Ihrer Mia auf sich hat. Und das sollte mich eigentlich veranlassen, mich schnell mal wieder anders zu besinnen." Er zuckte gleichmütig die Achseln. „Wie Sie denken. Daß ich ein bißchen neugierig geworden bin, ist doch mal klar, aber es stört mich durchaus nicht, wenn Sie es nun doch wieder vorziehen, Ihre kleinen Geheimnisse für sich zu behalten." „Ganz hübsche kleine Geheimnisse!" lachte sie erneut mit dunklen Blicken. Dann wandte sie sich ihm zu: „Also Sie sollen wissen, was los ist. Ich habe natürlich Ihr Wort, daß Sie mich unter keinen Umständen verraten werden?" „Selbstverständlich. Sie können sich in jedem Falle darauf verlassen." „Gut." Sie legte den linken Arm auf Costas Stuhllehne und stützte den Kopf in die Hand. „Also hören Sie mal zu, mein lieber Costa: Ich bin in jeder Beziehung ein vernünftiges Mädel, und wenn ich mich jetzt mit Ihnen in ein ungewisses Abenteuer einlasse, so beweist das nicht etwa Oberhessen. Landkreis Gießen. * Wieseck, 2. Jan. Die diesjährige Silvester- feier des hiesigen T u m o e r e i n s, zu der sich recht viele Turnfreunde mit ihren Angehörigen eingefunden hatten, wurde in gewohnter Weise bei Gastwirt Braun abgehalten. Eine sehr gut besetzte Musikkapelle sorgte für beste Unterhaltung der vielen Besucher. Mit herzlichen Worten begrüßte zu Beginn der Veranstaltung Vereinsführer Dau- p e r t die Gäste. Er führte u. a. aus, das Jahr 1936 werde uns, sportlich gesehen, vor ein großes Ereignis stellen. Wenngleich Verbände aufhören zu bestehen, so werde doch der turnerische und sportliche Geist in einen großen Bund, den Reichsbund für Leibesübungen, einziehen können. Der Reichsbund solle im neuen Jahre die ganze Welt empfangen und dem Auslande die deutsche Turn- und Sportkunst, wie die geschlossene Einheit vor Augen führen. Diese Einheit, die den Reichsbund mit turnerischem Geist erfülle, fei dereinst Jahns Traum gewesen. Möge das neue Jahr unserem Vaterland und Führer neue Schaffenskraft bringen und in uns den Glauben an die Zusammengehörigkeit immer fester werden lassen. Das ausgebrachte „Gut- Heil" galt unserem geliebten Führer und Vaterland. Anschließend nahm der Vereinsführer die Ehrung langjähriger verdienter Mitglieder vor. Zu Ehrenmitgliedern unter gleichzeitiger Überreichung eines Diploms wurden ernannt: bei 50jähri- ger Mitgliedschaft Ludwig Oßwald, Ludwig Deibel, Jakob Hoffmann, für 25jährige Mitgliedschaft: Wilh. Weller, Heinrich Balser, Jakob Bernhardt, Otto Deibel und Adolf Ihm. Herzliche Dankesworte und Glückwünsche wurden den Jubilaren zuteil. Ein mit großem Fleiß eingeübtes dramatisches Schauspiel wurde mit viel Geschick und Talent zur Aufführung gebracht. Die Darstellenden ernteten wohlverdienten reichen Beifall. Ebenso wurden einige heitere Darbietungen und humoristische Einlagen freudig ausgenommen. Bis in die frühen Morgenstunden waren die Turn- freunbe und Besucher dann bei bester Stimmung versammelt. Am 25. Januar wird der Turn-Verein eine große Veranstaltung zu Gunsten des Winterhilfswerks folgen lassen. # Heuchelheim, 2. Jan. In der hiesigen Turnhalle gab das Gießener Stadttheater am Neujahrstage seine seit Jahren gewohnte Neujahrs-Aufführung. Den Besuchern wurde mit der Oper „Der Waffenschmied" eine sehr große Freude bereitet. Die Aufführung fand den starken Beifall der begeisterten Zuschauer. OO Klein-Linden, 2. Jan. Am Neujahrstag wurde Werkführer i. R. Johann Wilhelm R e u s ch l i n g , der ein Alter von 75 Jahren erreicht hatte, unter großer Beteiligung vieler Leidtragenden zu Grabe getragen. Pfarrer König hielt die Grabrede. Für den Männergesangverein „Arion", dessen Gründer und einstiger, Vorsitzender der Verstorbene war, würdigte Vereinsführer Friedrich M ü l l n die Verdienste des Verblichenen um den Verein und das deutsche Lied und legte einen prachtvollen Kranz nieder. Seine Sangesbrüder fangen ihm letzte Grüße über das Grab. Der Turnverein Klein-Linden 1889, zu dessen Gründern Herr R e u s ch l i n g gehört hatte, widmete durch seinen Vorsitzenden Karl Weiß seinem langjährigen Ehrenmitglied ebenfalls unter ehrendem Nachruf einen Kranz. < Staufenberg, 2. Jan. Der hiesige Verein für Schweineversicherung hielt im Lokale des Gastwirts Ludwig Zecher seine Generalversammlung ab. U. a. wurde beschlossen, der Reichsgruppe für Privatversicherung beizutreten. Der seitherige Vorsitzende Heinrich Vogel IV. wurde einstimmig wiedergewählt. Nach Prüfung der Rechnung, bei der sich ein ansehnlicher lieber- schuß der Kasse ergab, wurde dem Rechner Dietrich, Heibertshausen, Entlastung erteilt. (1) Dau bringen, 2. Jan. Im Rahmen der zweiten Erzeugungsschlacht fand hier eine Versammlung der Ortsbauernschaft unter Leitung des Ortsbauernführers Karl G r ö l z II. statt. Der Ortsbauernführer berichtete zunächst über das Ergebnis der vorjährigen Erzeugungsschlacht und betonte bann u. a., daß im Bezirk Gießen 50 Morgen Flachs angebaut werden sollten, wobei auch die örtliche Bauernschaft mithelfen müsse. Das Saatgut wird unentgeltlich gestellt. Einzeichnungen zu dessen Bezug wurden von zahlreichen Landwirten bereits oorgenommen. Weiter beschäftigte man sich mit der kommenden Reichsnährstands- Ausstellung in Frankfurt und mit Fragen des Urlaubsaustausches für das Landvolk, der Nützlichkeit das Gegenteil. Ich bin mir natürlich darüber klar, daß Sie sich im Augenblick nicht etwa mit der Ab- sich tragen, mich einmal zu heiraten. Wir wollen die Entwicklung ruhig der Zukunft überlassen. Vorläufig bin ich zufrieden, wenn ab und zu ein bißchen Glück für mich abfällt. Es ist sogar möglich, daß ich überhaupt nicht zum Heiraten geschaffen bin. Heute weiß ich weder das eine noch das andere mit Sicherheit. Ich kenne Sie auch zu wenig, um beurteilen zu können, ob Sie endgültig von Ihrer Leidenschaft für Mia geheilt sind, und da sollen Sie für alle Fälle sehen, daß Sie nichts, aber auch nichts mehr von ihr zu erwarten haben." Sie schwieg einen Moment und sah mit zusammengeschobenen Augenbrauen vor sich hin. Costas Spannung war aufs höchste gestiegen. Da fuhr Lore Birkner fort: „Denken Sie mal an das Rennen, das Ihnen „Goldfasans" ersten und überraschenden Sieg bringen sollte. Sie haben auf die Teilnahme an dem Rennen verzichten müssen — nicht wahr?" „Allerdings ..." „Und warum?" „Das wissen Sie ja — weil ich plötzlich krank wurde." „Und Sie haben natürlich keine Ahnung, wie Sie zu dem plötzlichen Unwohlsein gekommen sind?" „N—nein ... Aber was hat diese Frage zu bedeuten?" „Sie sollten nämlich ein bißchen krank werden." „Ich sollte ...? Das ist ja allerhand! Wer hatte denn Interesse daran?" Costas Stirn hatte sich gerötet. Lore Birkner sah ihm mit einem merkwürdig harten Lächeln in die forschenden Augen. „Die gute Mia natürlich. Wer denn sonst!" erwiderte sie fest. „Ja — wie denn? Ich verstehe nicht..." Lore Birkner behielt das Lächeln bet. „Erinnern Sie sich, daß Sie am Abend vor Ihrer beabsichtigten Abreise noch einmal bei uns waren?" „Natürlich." „Und am anderen Morgen waren Sie krank — nicht wahr?" Costa sah sie mit weiten Augen an. (Fortsetzung folgt!) SJtxfport 3m Zeichen der fünf Ringe die Oesterreich kommt mit 140 Mann. Zu den Olympischen Winterspielen vom 6. bis 16. Februar in Garmisch-Partenkirchen erscheint Oesterreich mit einer sehr starken Mannschaft. Die Expedition wird etwa 140 Köpfe stark sein. Außer am 50-Kilometer-Dauerlauf wird sich Oesterreich an sämtlichen Wettbewerben beteiligen. Vorgesehen sind 26 Skiläufer, vier Skiläuferinnen, 14 Eishockeyspieler, acht Eisschnelläufer, sechs Eiskunstläuferinnen, 23 Eisschützen, 16 Bobfahrer und eine Militär-Patrouillenmannschaft. Englands 162 Leichtathletik-Bewerber ausgewähtt. Aufruf des Führerstabes der DT. Der Führerstab der Deutschen Turnerschaft veröffentlicht einen von Carl S t e d i n g , Viktor T o y k a, Kurt Münch, Dr. Wilhelm Becker und Henni Warninghoff unterzeichneten Aufruf, in dem es, nach einem Rückblick auf die letzten Jahre, heißt: „Das Jahr 1936 stellt neue, noch größere und wichtigere Aufgaben, als wir sie bisher zu meistern hatten. Mit dem Jahreswechsel erfolgt die volle Eingliederung der gesamten fachlichen Arbeit der DT. in den Reichsbund. Somit wird die Arbeit, die bisher von unseren Fachwarten in der DT. geleistet wurde, von ihnen in den einzelnen Fachämtern durchgeführt. Wir sind fest überzeugt, daß Ihr Fachwarte aus der inneren Verpflichtung heraus, die Ihr als deutsche Turner in Euch tragt und die Euch immer wieder auf das weiter gesteckte Arbeitsfeld im Rahmen des ganzen Volkes hinlenken, Eure Arbeitskraft und Fachkenntnisse dem größeren i Arbeitsfelde, dem Reichsbunde für Leibesübungen, freudig zur Verfügung stellt. Es harren Euer im Reichsbund neue Arbeitsgebiete, die auf eine fleißige und opferwillige Beackerung durch fachkundige Händewarten. — Euch Fachwarten der DT., der Gaue und der Kreise für die jahrelange treue, gewissenhafte und selbstlose Arbeit in diesen entscheidungsvollen Tagen zu danken, ist uns ein besonderes Herzensbedürfnis. 1936 wird für uns Turner in doppeltem Sinne ein Jahr der Bewährung fein. — Die Olympischen Spiele sollen uns bereitfinden in dem Gedanken, dem Rufe des Führers zu folgen und für das An- des Silobaues und mit Angelegenheiten des Reichs- berufswettkampfes der Jugend. Die Versammlung I wurde sodann in üblicher Weise geschlossen. ! Steinbach, 2. Jan. Die hier bestehenden gemeinnützigen Viehversicherungsvereine, es sind je zwei Schweineversicherungsvereine und Viehversicherungsvereine, hielten ihre Jahresgeneralversammlungen ab. Die Versammlungen waren von den Mitgliedern gut besucht. Die finanzielle Lage der vier Vereine ist günstig, so daß sie auch im neuen Jahre ihre segensreiche Aufgabe gemeinsamer Hilfeleistung erfüllen können. = Steinbach, 2. Jan. Die Kriegerkameradschaft Steinbach hielt gestern ihre I a h - resgeneralversa mm l u n g. Kameradschaftsführer, Landwirt und Gemeinderat Jacob Sehrt! eröffnete die Versammlung mit einem kurzen Heber« blick über das Jahr 1935, das dem deutschen Volke die Wiederherstellung der Wehrfreiheit in der Wehrmacht gebracht hat, sprach den Dank dafür an den Führer aus und schloß mit dreifachem Hurra auf die Wehrmacht und ihren Führer. Dann gedachte er der im Jahre 1935 zur großen Armee heimgerufenen drei Kameraden aus Steinbach, darunter des letzten Altveteranen Balthasar Müller, ferner aller Toten des Weltkrieges, der Bewegung und besonders Hindenburgs: die Versammlung ehrte in üblicher Weise die Toten Darauf wurde in die Tagesordnung eingetreten Der Jahresbericht gab einen Heberblick über das Vereinsleben und seinen Höhepunkt, das 60jährige Jubiläum, verbunden mit Fahnenweihe am 20. 1. 1935. Karl Balser IX. erstattete als Rechnungsführer den Kassenbericht, der unter Anerkennung der Arbeitsleistung des Rechners gebilligt wurde. Anschließend wurde dem Vorstand der Dank der Kameradschaft ausgesprochen. Der Ehrenvorsitzende Keßler berichtete über Versicherungsangelegenheiten. Die Anwesenheitsliste ergab 80 Kameraden, darunter 2 neueingetretene, I aus der Reichswehr ausgeschiedene Reservisten, die besonders begrüßt wurden. Anschließend fand der traditionelle Zug aus dem alten Vereinslokal Joh. D e u ck e r ins neue des Jahres 1936 Hch. G ö r - l a ch statt. Dort wurde die Versammlung fortgesetzt. Es berichtete der Leiter des Schießens Heinrich Steller II. über die geschossenen Ehrennadeln und das Schießen zugunsten des WHW. Es wurde der Besuch des Kyffhäuser-Films am 5.1. d. I. besprochen, Kamerad H. Ludwig Gerhard brachte ein Sieg-Heil auf den Führer aus, anschließend wurde das Deutschland-Lied gesungen. Der folgende gemütliche Teil hielt die Kameraden noch einige Stunden beisammen, es wurde auch noch über die Winterveranstaltung im Januar gesprochen, die als Vortragsabend gestaltet wird. —.— Watzenborn-Steinberg, 3. Jan. Aus dem Standesamtregister unserer Ge-1 meinde ist zu berichten: Im vergangenen Jahre! wurden 24 Ehen geschlossen, geboren wurden 61 Kinder, 5 davon in der Klinik zu Gießen, gestorben sind 20 Personen. oo Eberstadt, 2. Jan. Am vergangenen Montag hatte der hiesige Turnverein zu einem D i e t a b e n d eingeladen. Dietwart H. Reit- s ch m i d t sprach über die Entwicklung der Turngeschichte seit der Machtübernahme durch den Nationalsozialismus bis in die Neuzeit, sowie über die Freimaurerei. Sodann wurde beschlossen, daß der | wegen verschiedener Trauerfälle verschobene Theaterabend voraussichtlich am 26. Januar stattfinden soll. Mit dem Weihnachtsgruß des Reichssportführers und dem Lied „Getreu alle Zeit" fand die gutbesuchte Versammlung ihren Abschluß. T Li ch, 2. Jan. Am Donnerstagnachmittag überflogen laut schreiend große Schwärme von Krähen in der Richtung Ost nach West in geringer Höhe unsere Stadt. Von alten Leuten wird dieser Vogelflug als Vorbote einer kommen- * Krumbach, 3. Jan. Der hiesige Land- und '■ ' 'ler kann am morgigen Eine zweite Trainingsstrecke in Grünau. Um das Training in den letzten Wochen vor den olympischen Ruder- und Kanu-Wettkämpfen in Grünau durch die dort vom 18. fois 20. Juli zum Austrag gelangenden deutschen Meisterschaften nicht zu beeinträchtigen, ist vom Sportausschuß Rudern im Olympia-Organisations-Komitee die Absteckung einer zweiten 2000-Meter-Strecke oberhalb der eigentlichen Regatta-Kampfbahn vorge- sehen worden, auf der unsere ausländischen Gäste sich ungestört auf die olympischen Kämpfe vorbe- reiten können. Zwei Millionen Drachmen für Olympiabeteiligung. Das griechische Olympische Komitee hat die Kosten der Teilnahme an den 11. Olympischen Spielen m Berlin in Höhe von rund zwei Millionen Drachmen (etwa 50 000 Mark) veranschlagt. Die Regie- rung hat von dem Kostenooranschlag bereits Kennt- „Der Reichsberufswettkampf ist die entschlossene Demonstration einer geeinten Jugend für den Adel der Arbeit, gegen den Geist des Profits." (Baldur von Schirach.) Deutschlands schaffende Jugend nimmt geschlossen am 3. Reichsberufswettkampf vom 2. bis 15. Februar keil. Anmeldungen nehmen alle kreis- und Ortswaltungen der DAF. entgegen. nis genommen und hierzu erklärt, daß sie das griechische Olympische Komitee in jeder Beziehung weitestgehend unterstützen wird, da es der Wunsch des ganzen Landes ist, Griechenland so stark und so gut wie nur irgend möglich beim Olympiafest in Berlin zu sehen. München grüßt Olympia. Die Olympia-Ringe aus Neon-Röhren, die die große Ueberraschung des Grußes der Hauptstadt der Bewegung in der ersten Nacht des neuen Jahres waren, werden beim Wittelsbacher Brunnen abmontiert und kommen an das Karlstor, wo sie ständig in den Abend- und Nachtstunden bis zum Morgengrauen leuchten werden. Als Unterschrift erhalten' am Karlstor die fünf Olympia-Ringe die Worte: „München grüßt Olympia". Damit will dis Hauptstadt der Bewegung dem Olympia-Jahr den ihm gebührenden Flammengruß entbieten. Beim Olympia-Ball am 17. Februar werden die Ringe vor dem Deutschen Theater angebracht. Die Schwarzwald - Skimeisterschasten. Mit dem 35 Kilometer-Dauerlauf begannen am Donnerstag in N e u st a d t die bis zum 5. Januar einschließlich dauernden Schwarzwald- Skimeisterschaften. Die Voraussetzungen waren leider nicht gut: auf der Strecke Schauinsland—Feldberg—Schauinsland betrug die teilweise vereiste Schneedecke nur noch 50 Zentimeter. Neun Angehörige der Olympia-Kernmannschaft befanden sich unter den 33 Bewerbern, weiter eine Reihe von Läufern aus Bayern, Schlesien und Württemberg, gelten doch die Schwarzwaldmeisterschaften als erste allgemeine Vorprobe für Olympia. Mit 30 Sekunden Abstand wurden die Teilnehmer auf die Strecke geschickt, als Erster Willi Bogner-Traunstein, der damit für seinen ersten Dauer- lauf-Versuch gleich eine schwierige Aufgabe hatte. Der Bayer hielt sich aber ausgezeichnet: von keinem der Mitbewerber wurde er trotz der Schwierigkeit des „Spurens" eingeholt. Seine Zeit war jedoch nicht die beste des Laufes. Matthias W ö r n d l e war in 3:01:58 Stunden weitaus der schnellste Mann des Rennens. Erft mit genau sechs Minuten Abstand wurde Bogner Zweiter vor Marx, der in 3:09:54 Std. einkam. Steckbacher, ebenfalls Mitglied der Olympia-Kernmannschaft, wurde in 3:09:59 Std. Vierter vor Lense in 3:19:22. Söhmisch-Schle- fien kam in 3:19:45 auf den sechsten Platz, gefolgt von drei weiteren Olympia-Anwärtern. Olympia-Werbeabend in Klein-Linden. Der Reichsbund für Leibesübungen veranstaltet demnächst durch den Hilfsfonds für den Deutschen : Sport im Auftrag der Reichspropagandaleitung des Reichssportführers einen Werbeabend in Klein- Linden. Der Abend wird neben sportlichen und gymnastischen Hebungen einen interessanten Licht- 1 bilderoortrag über das Werden der großen Sport- • ftätten für Olympia bringen. : Fußball im Turnverein Großen-Linden ’ VfR. Lich Jugd. — Großen-Linden 3ugb. 0:13 (0:5). Am Sonntag weilte die Jugend von Großen-Lin- 1 den zum fälligen Verbandsspiel in Lich und gab den ■ Platzbesitzern mit 0:13 Toren eine herbe Lehre. ’ Durch diesen Sieg steht die Jugend ungeschlagen und 1 mit einem Torverhältnis von 32:5 an der Tabellenspitze. Deutsche Rennfahrer in Mailand. Für die Neujahrs-Radrennen im Mailänder Sportpalast waren auch die deutschen Berufsfahrer Ilse und Möller verpflichtet worden, von denen der Westdeutsche Ilse eine recht gute Figur machte. Im Omnium placierte sich Ilse als Vierter hinter Battesini, Bini und Guerra. während der Stunden- Weltrekordmann Olma sowie Piemontesi hinter ihm endeten. Ein Mannschafts-Verfolgungsrennen sah Bini-Di Paco in 4:39,6 Minuten als Sieger vor Guerra-Battesini, Piemontesi-Olmo und Jlse-Binda. In.den Dauerrennen über 10, 20 und 30 Kilometer enttäuschte Erich Möller, zweimal wurde er Letzter, und einmal kam er als Dritter ein. Neue Glanzleistung Adolf Kiefers. In Chikago wartete der junge amerikanische Weltrekordschwimmer Adolf Kiefer mit einer neuen Glanzleistung auf. Die 100 Pards legte er im Rückenstil in 57,6 Sekunden zurück, einer Zeit, die bisher noch von keinem Schwimmer der Welt erreicht wurde. Ein Weltrekord über diese Strecke wird allerdings nicht geführt. Kurze Sportnotizen. Heber 10000 Zuschauer wohnten am Abend des Neujahrstages dem ersten Handball-Turnier in der neuen Berliner Deutschland-Halle bei. Endsieger des nur von Berliner Mannschaften bestrittenen Wettbewerbes wurde die Mannschaft des SV. Deutsche Beamtenversicherung, die im Schlußkampf den Berliner SV. 92 mit 5:3 (3:1) besiegte. A u f der Spießbergbahn bei Friedrichs- roda wurde ein Lenkrodelrennen durchgeführt, das vom deutschen Meister 1934 Marschall-Friedrichs- roda vor Dr. Herborn-Wiesbaden gewonnen wurde. Eine Heberrasch ung gab es beim ersten Automobil-Rennen des Jahres 1936, dem bei Johannesburg ausgefahrenen Großen Preis von Südafrika. Der in Johannesburg beheimatete Italiener Masiacuratti siegte auf einem 3,3-Liter-Bugatti mit für den 29. Juli angefetzt, am 10. August kehrt Mannschaft zurück, um anschließend am 15. August den Länderkampf mit Amerika zu bestreiten. Unter den 162 Olympia-Anwärtern findet man selbstverständlich alle letztjährigen Meister sowie alle Reden Kälteperiode angesehen. I Lich, 2. Jan. Zum 97. Stiftun g s fest der Sängervereinigung „Cäcili a", das , am Neujahrstagabend in der Turnhalle gefeiert ' wurde, hatten sich die Mitglieder mit ihren Sa=l milienangehörigen und die Sangesfreunde recht zahlreich eingefunden. Vereinsführer Karl Lotz! hielt die Begrüßungsansprache und gedachte der Gefallenen des Weltkrieges, der nationalsozialistischen Bewegung und der verstorbenen Vereinskameraden. Während die Musikkapelle das Lied vom guten Kameraden spielte, ehrte man die Toten in üblicher Weise. Im weiteren Verlaufe des Abends! nahm der Vereinsführer die Ehrung einiger Mitglieder für 25jährige bzw. vierzigjährige aktive Sängertätigkeit vor und überreichte ihnen die Sängernadel. Für 25jährige Tättgkeit wurden ausgezeichnet: Karl Will, Karl Rau, Johannes Dietrich, Fritz Kächler, Karl Kambeitz, Robert I e n s ch , Ludwig L i ß m a n n und Fntz Schäfer, für 40jährige Tätigkeit: Heinrich Barz, Heinrich Schmidt VIII., Hermann Schmidt III., Karl Albach, Karl Vogt, Heinrich Lotz und August Weber. Ehrenvorsitzender Heinrich Schmidt VIII., der 31 Jahre dem Ge-1 sangverein als erster Vorsitzender Vorstand, dankte im Namen der Ausaezeichneten für die Ehrung. Die Vortragsfolge brachte hervorragend dargebotene Chöre von Möhring, Heinrichs, Mendelssohn- Bartholdy, Grippekoven u. a., die von ausgezeichneter Schulung des Chors unter Chormeister Ernst Jlge Zeugnis ablegten. Ein gut gespieltes Theaterstück und einige heitere Szenen veranlaßten reichen Beifall. Zum guten Gelingen der schonen Feier trugen namentlich auch die fein dargebotenen Musikstücke der Kapelle Krengel-Sommer bei, besonderen Anklang fand das Trompetensolo „Webers letzte Gedanken" von Hoch. Tanz hielt die Besucher nach den Darbietungen noch einige Stunden in froher Stimmung beisammen. ch Lauter, 2 Jan. Am Silvesternachmittag wurde durch die Freiwillige Sanitätskolonne des Roten Kreuzes zu Gießen das einjährige Töchterchen des Arbeiters N. tn die Klinik zu Gießen eingeliefert. Das Kind 'ft an Scharlach erkrankt — Im abgelaufenen Jahre mürben hier acht Kinder geboren Es fanden fünf Eheschließungen und sechs Beerdigungen statt. Konfirmiert wurden zwölf Kinder, fünf Mädchen und sieben Knaben. Darunter ein Pflegekind. 4- Grünberg, 2. Jan. Wie alljährlich üblich, fanden auch diesmal an den Feiertagen Derems- veranstaltungen in unserer Turnhalle statt. So hielt der Turnverein am zweiten Weihnachtsfeiertag fein Winterfest ab, das sich eines sehr guten Besuches erfreute Außer den turnerischen Darbietungen der einzelnen Abteilungen, die von guter Schuttmg zeugten, kamen nach ein Märchenspiel und em Tur- nersthwank zur Aufführung. — Am Neuiah^stag gab der M u s i k v e r e i n (Feuerwehrkapelle) em Konzert Die Kapelle, verstärkt durch die Musikver- eine Laubach und Stangenrod, spielte unter Leitung ^hres Kapellmeisters Walter Horst. Besonderen Anklang sanden die Märsche, sowie d.e musikalischen Bilder aus dem Soldatenleben, u. a. zwei Fan farenmärfcbe für Heroldstrompeten und Kesselpauken — Ein weiterer Verein, der hiesige Mann e r- chor, wird Mitte Januar ein Konzert in der Turnhalle geben. kordinhaber. Japans Lisfporl-Rlannfchaft. Schon in den nächsten Tagen trifft ein Teil der auf der Reise nach Garmisch-Partenkirchen befindlichen japanischen Olympiakämpfer in Europa ein. Den Vortrupp der Expedition aus Nippon bilden die Eissportler, die vor den Olympischen Winterspielen noch an verschiedenen Plätzen des alten Kontinents an den Start gehen werden. Zahlenmäßig sehr stark ist die Eishockey-Mannschaft, die sich aus 18 Spielern zusammensetzt. Die ersten Hebungsspiele tragen die Japaner am 14. und 15. Januar in Lemberg gegen polnische Auswahlmannschaften aus. — Unter den Teilnehmern am Eiskunstlauf befindet sich die voraussichtlich jüngste Olympiakämpferin. Es ist dies die erst 11 Jahre alte Yetfuko Inada, die ungeachtet ihrer Jugend schon ein hervorragendes Können besitzen soll. Beim Kunstlaufen der Männer ist Japan durch seinen Meister Tsugio Hasegawa und Toshuda Katayama vertreten. Im Einvernehmen mit den Athletik-Verbänden von Schottland und Nord-Irland hat die englische Amateur Athletic Association eine Liste von 162 Leichtathleten aufgestellt, die die Olympia-Kernmannschaft bilden werden. In einem Schreiben ist den 162 Athleten mitgeteilt worden, daß sie sich bemühen müssen, in ihrer Disziplin die Leistungen der Placierten von den Olympischen Spielen 1928 in Amsterdam zu erreichen. Ist dies der Fall, so wird England bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin jeden Leichtathletik-Wettbewerb mit der I Höchstzahl von drei Mann beschicken. Die endgültige Auswahl erfolgt bei den Meisterschaften am 10. und 11. Juli in London. Die Abreise nach Berlin ist ist feit 35 Jahren ununterbrochen Bezieher des Gießener Anzeigers. Kreis Büdingen. LPD. Bad Salzhausen, 2. Jan. Ein Gespann Oldenburger Rassepferde, das vom Bahnhof Salzhausen einen beladenen Wagen holte, scheute plötzlich und ging mit dem Gefährt durch. Bei dem unvermittelten Ruck stürzte der Fuhrmann Hans Pulver vom Wagen und blieb bewußtlos liegen. Die Pferde rasten mit dem Waaen durch einen Fußweg der Kuranlage, bis sie schließlich mit dem Wagen an einer starken Buche hängen Hieben. Die Tiere staken bis zum Bauch in einem Sumpfloch. Der verletzte Fuhrmann mußte in die Chirurgische Klinik gebracht werden. Kreis Friedberg. Friedberg, 2. Jan. (LPD.) In den Betriebsräumen der Hefrag in Wölfersheim geriet am Mittwoch der Apparatenwärter Ludwig U l - r i ch in ein Getriebe und erlitt dabei schwere innere Verletzungen. Der Verunglückte ist bald nach seiner Einlieferung in das hiesige Bürgerhospital g e ft o r b e n. Der Hnfall ist um so tragischer, als bereits zwei Brüder des Hlrich, der verheiratet war, in den letzten Jahren durch Hnfälle ums Leben kamen. Kreis Wehlar ~ £ w-icki-ckvortfübrers von Tschammer und Osten erfolgte am Neujahrstag — In des Relch^p^tl^rers ^röffnung her Großen Sprungschanze in Garmisch, wir berichteten berelts . . t:onQtcn Springen. Trotz des Föhnwetters war dank der vorbildlichen Partenkirchen ml s^nft und Reichsheer eine ausgezeichnete Schneegrundlage geschaffen worden. MÄ“s&ÄtaÄÄl« Ruud, der ^2 »2 und 78 Meier sprang, den unser Der „Hew o 9 Ehrvvd detz Sprunges zeigt, — (Scherl-B llderdiensi-M,) Lumda, 2. Jan. Die hiesige Krieger- k a m e r a d s ch a f t veranstaltete am Sonntag im schön geschmückten Saale von Schultheiß einen Deutsch e n Abend, dessen Ertrag der Winter- hilfe zugeführt wurde. Nach einem gemeinsamen Lied und einem Vorspruch eines Mädels vom BDM. begrüßte der Kameradschaftsführer Fabel die Besucher, insbesondere die Gäste, und betonte, daß die junge Generation sich ein Beispiel an den Leistungen Der Frontkämpfer nehmen müsse, die alles für das Vaterland eingesetzt hätten. Gleichzeitig nahm er entschieden Stellung gegen diejenigen, die den Geist unserer Zeit immer noch nicht erfaßt haben und abseits stehen. Nach Vorträgen und Gedichten, vorgetragen von Mädels des BDM. und ehemaligen Frontkämpfern, erfreute Kamerad Reuter als Dornholzhausen durch ernste und heitere Vorträge. Den musikalischen Teil des schönen Abends bestritt der Musikzug der Motorstandarte 147 unter Leitung des Kapellmeisters Horst. Mit einem Sprechchor der HI., der Schlußansprache des Kameradschaftsführers und begeistert aufgenomme- I nem Hurra auf Führer, Volk und Vaterland, sowie dem Ausmarsch der Fahnengruppe schloß der von schönster Volksgemeinschaft getragene Abend. Kreis Alsfeld. <£ Nieder-Ohmen, 3. Jan. Reichsbahnsekretär i. R. Heinrich Volpert begeht am 4. Januar in körperlicher und geistiger Frische seinen 7 0. G e - sehen des Vaterlandes vor aller Welt einzutreten und die letzten Kräfte einzusetzen. — Im Zeichen der errungenen Einheit auf dem Gebiete der Leibesübungen wollen wir als zuverlässige Gefolgschaft des Reichssportführers uns im alten turnerischen Sinne dafür einsetzen, daß der feste Grund geschaffen werde zu dem nationalsozialistischen turnerischen Reichsbund." Neue Termine der nordhessischen Handball-Gauliga. 5. Januar: Gießen 1900 — Tv. Kirchbauna; Tuspo. Bettenhausen — Tv. 61 Eschwege; Kurhessen Kassel — Spielv. Kassel. 12. Januar: Tv. 61 Eschwege — Kurhessen Kassel; Tv. Kirchbauna — Tuspo. Bettenhausen; Tuspo. 86/09 Kassel — Spielv. Kassel; CT. Kassel — VfB. Kurhessen Marburg. Fußball im Gau Nordheffen. Der Fuldaer Lokalkampf am kommenden Sonntag zwischen Borussia und Germania wird die Entscheidung darüber bringen, ob die Borussen auch weiterhin zu den ernsten Meisterschaftsanwärtern zu rechnen sind. Beide Fuldaer Vereine haben an Spielstärke ziemlich eingebüßt, eine Voraussage daher kaum zu machen. Hessen Hersfeld kann nach der Niederlage bei Bad-Nauheim auch gegen die Kurhessen in Kassel nicht mehr als Favorit betrachtet werden, dagegen kann man diese günstige Meinung von Hanau 93 beim Spiel gegen Kassel 03 in Kassel haben. Die Begegnung zwischen Bad- Nauheim und dem VfB. Friedberg ist offen. b u r t s t a g. Der Jubilar weilte während seiner * A r u m o a cy, d. yan Dienstzeit in Nieder-Ohmen, Großen-Buseck, Geils- Gastwirt Wilhelm Gell hausen und zur Zeit wieder in Nieder-Ohmen. Er >4. Januar feinen 8 0. Geburtstag begehen. sg «r einem Mittel non 140,4 Stundenkilometer vor Wi- mille-Bugatti, der zwar 164,7 Stundenkilometer herausfuhr, jedoch in diesem als Vorgabe-Rennen gestarteten Wettbewerb 12:50 Min. später abgefahren war und diesen Rückstand nicht ganz aufholen konnte. Dritter wurde der Engländer Fearfield auf einem 1100-ccm-Era. Zwei deutsche Rugby-Siege gab cs an Neujahr in Frankreich, da neben der Süddeutschland-Mannschaft auch Odin Hannover einen Erfolg erringen konnte. Odin schlug in Aurillac eine französische Auswahlmannschaft mit 3:0. Schwäbischer Ski m ei st er wurde bei den im Walsertal am Neujahrstag abgewickelten Ab- fahrts- und Torlauf-Titelkämpfen Theo Stark- Tübingen, der beide Wettbewerbe in überlegener Manier für sich entschied. Bei den Frauen fiel der Titel an Vera Stephan- Wildbad. Die indischen Hockey-Studenten konnten auch in ihrem vierten Spiel auf deutschem Boden zu keinem Siege kommen. Sie traten am Donnerstag gegen den ASB. Dresden an und erzielten nur ein 1:1 Unentschieden. Aufträge nur an OAZ.-Mitglieder. Auf Anregung der Kreiswaltung Mainz der Deutschen Arbeitsfront hat das hessische Kreisamt M aing beschlossen, daß in Zukunft alle Aufträge an Handel, Handwerk und Industrie des Kreises Mainz und der jeweils zu betreuenden Gemeinden nur noch an Mitglieder der Deutschen Arbeitsfront zu vergeben find. Die Deutsche Arbeitsfront ist nach dem Willen des Führers die Organisation aller schaffenden Deutschen und deren Mitglieder haben in allererster Linie ein Recht auf Auftragserteilung seitens des Staates und der Verwaltungen. Karnevals-Vorbote in Mainz. LPD. Mainz, 2. Jan. Am Morgen des Neujahrstages zog durch die von Tausenden umsäumten Straßen der Stadt als Auftakt der diesjährigen Karnevalszeit der alljährliche Neujahrszug, der diesmal eine nie gesehene Ausdehnung hatte und für die Fastnacht 1936 allerhand erhoffen läßt. An ihm beteiligten sich außer den prächtigen Spielmannszügen der Garden und anderen Musikkapellen ein Wagen mit der „Kriegskasse", Reiter, Fahnenträger usw. Auch auf den am 12. Januar von den närrischen Geistern in Mainz durchzuführenden Eintopfsonntag wurde sinnvoll durch einen Wagen hingewiesen. Allgemeine Beachtung erregte eine Gruppe, die den Philistern „heimleuchtete", und mit brennenden Fackeln vorüberzog. Auf dem Balkon des Stadttheaters hatte das „närrische Knegsministerium" inmitten der närrischen Fahnen und Wimpel Platz genommen und nahm den Vorbeimarsch der Garden ab. Der Abend vereinigte die Mainzer Narhallesen in der Stadthalle zu dem beliebten Neujahrskonzert, das wieder einen angeregten Verlauf nahm. MeLustschiMalle des WellfluMens Frankfurt. Xi. ' 31 Sä Unser Bild zeigt die neueste Aufnahme vom Bau der großen Luftschiffhalle auf dem Weltflughafen Frankfurt a. M. Man sieht hier die im Gerüst schon fertiggestellte Halle. Auf dem Dach ist bereits mit der Bespannung begonnen worden. (DNB. - Heimatbilderdienst. Photo: Dr. Wolff.) Eine Postbilanz im Rhein-Main-Gebiet. LPD. Frankfurt a. M., 2. Jan. Veränderungen im Wirtschaftsleben spiegeln sich im Postverkehr wider. Im Reichspostdirektionsbezirk Frankfurt, zu dem bekanntlich der frühere Oberpostdirektionsbezirk Darmstadt hinzugetreten ist, kann man den Aufstieg der Wirtschaft deutlich feststellen. Die Zahl der im Reichsposidireklionsbezirk Frankfurt (einschließlich Darmstadt) eingelieferten gewöhnlichen Briefe, Postkarten, Drucksachen, BUfchsendungen, Warenproben und Päckchen ist von 247,6 Millionen auf 252,4 Millionen gestiegen. Beachtlich ist der Rückgang bei den Postaufträgen und im Rachnahme- verkehr. Darin ist ebenfalls ein Anzeichen gesunder wirtschaftlicher Verhältnisse zu erblicken. Außerordentlich günstig liegen die Verhältnisse beim Paketverkehr. Die eingelieferten Pakete haben eine Zunahme von 5,5 v. H., die eingegangenen Pakete um 3,7 v. H. erfahren. Im ersten Halbjahr 1935 wurden 5 578 900 Pakete eingeliefert, das sind 289 300 mehr als im Vorjahr. Bei den eingegangenen Paketen sind die entsprechenden Zahlen 5 457 100 gegen 5 261 700. Noch deutlicher tritt die Besserung im Wirtschaftsleben beim Postscheckverkehr in Erscheinung. Am 30. September betrugen die Guthaben durchschnittlich 32,94 Millionen Mark gegen 32,14 Millionen Mark, das bedeutet ein Mehr von 2,5 v. H. Der Umsatz im Scheckverkehr ist sogar um 7,5 v. H. gestiegen. Bis zum 30. September 1934 waren umgesetzt 34 57,4 Millionen Mark, bis zum gleichen Tage 1935 3716,1 Millionen Mark. Buchungen wurden im ersten Halbjahr 1935 26,3 Millionen und 1934 24,8 Millionen vorgenommen. Auch der Bargeldverkehr hat eine Steigerung von 6 908 400 Mark auf 7 280 800 Mark bei den Einzahlungen, und von 2 444 600 Mark auf 2 557 500 Mark bei den Auszahlungen erfahren. Der Rundfunk wird immer mehr Allgemeingut des deutschen Volkes. Das zeigt die Zunahme der Rundfunkteilnehmer um 18,4 v. H. Es gab am 30. September 1934 im Bezirk Frankfurt einschl. Darmstadt 242 872 und 1935 287 457 Rundfunkteilnehmer. Der Telegrammverkehr, der bereits im Rechnungsjahr 1933/34 um 7,22 v. H. zurückgegangen war, ist auch im ersten Halbjahr 1935 weiter zu Gunsten des Fernsprechverkehrs eingeschränkt worden. Es wurden 329 000 Telegramme aufgeliefert gegenüber 341000 im ersten Halbjahr 1934. Das bedeutet ein Sinken um 3,5 v. H. Die Zahl der eingegangenen Telegramme ist um 5,9 v. H. von 392 700 auf 369 400 im ersten Halbjahr 1935 gefallen. Der Fernsprechverkehr hat eine nicht unbeträchtliche Steigerung erfahren. Die Zahl der Haupt- und Rebenonschlüsse, sowie der öffentlichen Fernsprechslellen betrug am 30. September 1935 (einschließlich Darmstadt) 141 442 gegen 138 028. Das bedeutet eine Zunahme der Sprechslellen um 2,5 v. h. Auch Ortsgespräche wurden im ersten Halbjahr 1935 400 000 mehr als im entsprechenden Zeitraum des Vorjahres geführt. Die Zahl der Ferngespräche im Inland ist ebenfalls gestiegen, und zwar von 5 999 700 auf 6133 700 irrt ersten Halbjahr 1935. Englische Ehrung für einen deutschen Zoologen. Der Direktor des Tiergartens der Stadt Frankfurt a. M., Präsident des Internationalen Verbandes der Direktoren Zoologischer Gärten und der Internationalen Gesellschaft zur Erhaltung des Wisents, Dr. Kurt Priemet, wurde von der größten und bedeutendsten zoologischen Gesellschaft Englands, der Zoological Society of London, zum korrespondierenden Mitglied ernannt. GLORlfl Intendant Hermann Schultze -Griesheim IAb heute Freitag: Rudolf Forster ™ | mal etwas ML Z anderes! 16 D •nur ein 20 D I Mietaesuche I MgesMel 016 a. Brennholzversteigerung [Stellenangebote] I Verkäufe | Km? Schwer massiv. uA anderes, ehrl. flämisches l 023 Mädchen fje II für vormittags - 11 gesucht. Zu erfr. nfi*; im Metz. An, » 015 HC. 25 A Modehaus Tüchtiges jenigen Bietern, die mit Domanialgeld im Rückstand HUliQlttÜnPhOn sind, kann der Zuschlag nicht erteilt werden. Aus- UuUoUluubHuU gesucht. 029 Seltersweg 40. | Kaufgesuche"] Gebrauchter Schreibmaschinen- Tischu.Biiromöbel Gebrauchtes 024 Piano wenig gespielt, wie neu erhalt., nur RM. 400- Mler, töießen Bahnhofstr. 71. 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